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The Project Gutenberg eBook of Deutschlands
Geschichtsquellen im Mittelalter bis zur Mitte des dreizehnten
Jahrhunderts, Erster Band (von 2)
This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of
the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you will
have to check the laws of the country where you are located before using
this eBook.
Title: Deutschlands Geschichtsquellen im Mittelalter bis zur Mitte des
dreizehnten Jahrhunderts, Erster Band (von 2)
Author: Wilhelm Wattenbach
Release date: June 20, 2017 [eBook #54949]
Most recently updated: October 23, 2024
Language: German
Other information and formats: www.gutenberg.org/ebooks/54949
Credits: E-text prepared by Franz L Kuhlmann, Jan-Fabian Humann, and
the Online Distributed Proofreading Team (http://www.pgdp.net)
*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK
DEUTSCHLANDS GESCHICHTSQUELLEN IM MITTELALTER BIS
ZUR MITTE DES DREIZEHNTEN JAHRHUNDERTS, ERSTER BAND
(VON 2) ***
Geschichtsquellen im Mittelalter bis zur Mitte des dreizehnten
Jahrhunderts, Erster Band (von 2)
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Title: Deutschlands Geschichtsquellen im Mittelalter bis zur Mitte des
dreizehnten Jahrhunderts, Erster Band (von 2)
Author: Wilhelm Wattenbach
Release date: June 20, 2017 [eBook #54949]
Most recently updated: October 23, 2024
Language: German
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Credits: E-text prepared by Franz L Kuhlmann, Jan-Fabian Humann, and
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DEUTSCHLANDS GESCHICHTSQUELLEN IM MITTELALTER BIS
ZUR MITTE DES DREIZEHNTEN JAHRHUNDERTS, ERSTER BAND
(VON 2) ***
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The Project Gutenberg eBook, Deutschlands Geschichtsquellen im
Mittelalter bis zur Mitte des dreizehnten Jahrhunderts, Erster Band (von 2),
by Wilhelm Wattenbach
Mittelalter bis zur Mitte des dreizehnten Jahrhunderts, Erster Band (von 2),
by Wilhelm Wattenbach
Page 5
Anmerkungen zur Transkription
Die Schreibweise im Text (wie z. B. Ae statt Ä) ist beibehalten.
Typografische und Fehler bei der Zeichensetzung sowie einige Seitenangaben
im Inhaltsverzeichnis sind stillschweigend bereinigt.
(Kurios: die Überschrift "IV § 8. Schwaben" im Inhaltsverzeichnis führt auf S.
392 zu "§ 8. Alamannien." - Dies ist so belassen.)
Das Buch enthält über 1200 Fußnoten, die im Original je Seite von 1 bis
höchstens 9 nummeriert sind. In der Transskription sind diese je Unterkapitel bis
maximal 99 aufgeführt.
Einige der zahlreichen Querverweise sind mit einem Pfeil (→) versehen um
anzudeuten, dass der dort angebrachte Pfeil (←) den gezielten Rücksprung
erlaubt. Mit dem Pfeil nach links (←) an der Überschrift eines Abschnitts kann
ins Inhaltsverzeichnis gesprungen werden.
Zum schnelleren Auffinden eines Eintrags in dem umfangreichen Register ist
diesem eine alphabetische Sprungtabelle vorangestellt.
Die Schreibweise im Text (wie z. B. Ae statt Ä) ist beibehalten.
Typografische und Fehler bei der Zeichensetzung sowie einige Seitenangaben
im Inhaltsverzeichnis sind stillschweigend bereinigt.
(Kurios: die Überschrift "IV § 8. Schwaben" im Inhaltsverzeichnis führt auf S.
392 zu "§ 8. Alamannien." - Dies ist so belassen.)
Das Buch enthält über 1200 Fußnoten, die im Original je Seite von 1 bis
höchstens 9 nummeriert sind. In der Transskription sind diese je Unterkapitel bis
maximal 99 aufgeführt.
Einige der zahlreichen Querverweise sind mit einem Pfeil (→) versehen um
anzudeuten, dass der dort angebrachte Pfeil (←) den gezielten Rücksprung
erlaubt. Mit dem Pfeil nach links (←) an der Überschrift eines Abschnitts kann
ins Inhaltsverzeichnis gesprungen werden.
Zum schnelleren Auffinden eines Eintrags in dem umfangreichen Register ist
diesem eine alphabetische Sprungtabelle vorangestellt.
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DEUTSCHLANDS
GESCHICHTSQUELLEN
IM MITTELALTER
BIS ZUR MITTE DES DREIZEHNTEN JAHRHUNDERTS.
VON
W. WATTENBACH.
I N Z W E I B Ä N D E N.
ERSTER BAND.
S E C H S T E U M G E A R B E I T E T E A U F L A G E.
BE RL IN.
GESCHICHTSQUELLEN
IM MITTELALTER
BIS ZUR MITTE DES DREIZEHNTEN JAHRHUNDERTS.
VON
W. WATTENBACH.
I N Z W E I B Ä N D E N.
ERSTER BAND.
S E C H S T E U M G E A R B E I T E T E A U F L A G E.
BE RL IN.
Page 7
V E R L A G V O N W I L H E L M H E RT Z.
(BESSERSCHE BUCHHANDLUNG.)
1893.
(BESSERSCHE BUCHHANDLUNG.)
1893.
Page 8
MEINEM FREUNDE
ERNST DUEMMLER
GEWIDMET.
ERNST DUEMMLER
GEWIDMET.
Page 9
Vorwort.
Im Jahre 1858 erschien die erste Ausgabe dieses Handbuches, veranlaßt
durch eine von der Göttinger Gesellschaft der Wissenschaften gestellte
Preisfrage; sie ist einem dringend empfundenen Bedürfnisse entgegen
gekommen und hat eine sehr günstige Aufnahme gefunden. Die Mängel,
welche bei einem ersten Versuch kaum zu vermeiden waren, wurden mit
freundlicher Nachsicht beurtheilt. In den neuen Ausgaben sind sie, so weit
es mir möglich war, beseitigt worden; manche früher übersehene
Quellenschrift ist nachgetragen. Vorzüglich aber ist die sehr lebhafte
litterarische Thätigkeit der Zwischenzeit auf diesem Gebiete sorgfältig
berücksichtigt. Dagegen ist an dem Plane und Charakter des Buches nichts
geändert; es soll kein gelehrtes Repertorium zum Nachschlagen sein,
sondern durch zusammenhängende Darstellung zum eigenen Studium der
Quellen anleiten, diesen in Beziehung zu den geschichtlichen Vorgängen
der einzelnen Abschnitte ihren Platz anweisen. Bibliographische
Vollständigkeit anzustreben, war um so weniger nöthig, da seitdem
Potthasts Werk erschienen ist, welches diese Aufgabe verfolgt; hier genügte
es, die zunächst brauchbaren Ausgaben anzuführen, und Schriften, in
welchen weitere Nachweise zu finden sind.
Ein großes Verdienst um die neuen Bearbeitungen hat sich, wie schon
um das ursprüngliche Werk, E r n st Dü m m ler erworben, welcher nie
ermüdete, mich mit Berichtigungen und werthvollen Nachweisungen zu
versehen, von denen nur wenige ausdrücklich erwähnt werden konnten.
Im Jahre 1858 erschien die erste Ausgabe dieses Handbuches, veranlaßt
durch eine von der Göttinger Gesellschaft der Wissenschaften gestellte
Preisfrage; sie ist einem dringend empfundenen Bedürfnisse entgegen
gekommen und hat eine sehr günstige Aufnahme gefunden. Die Mängel,
welche bei einem ersten Versuch kaum zu vermeiden waren, wurden mit
freundlicher Nachsicht beurtheilt. In den neuen Ausgaben sind sie, so weit
es mir möglich war, beseitigt worden; manche früher übersehene
Quellenschrift ist nachgetragen. Vorzüglich aber ist die sehr lebhafte
litterarische Thätigkeit der Zwischenzeit auf diesem Gebiete sorgfältig
berücksichtigt. Dagegen ist an dem Plane und Charakter des Buches nichts
geändert; es soll kein gelehrtes Repertorium zum Nachschlagen sein,
sondern durch zusammenhängende Darstellung zum eigenen Studium der
Quellen anleiten, diesen in Beziehung zu den geschichtlichen Vorgängen
der einzelnen Abschnitte ihren Platz anweisen. Bibliographische
Vollständigkeit anzustreben, war um so weniger nöthig, da seitdem
Potthasts Werk erschienen ist, welches diese Aufgabe verfolgt; hier genügte
es, die zunächst brauchbaren Ausgaben anzuführen, und Schriften, in
welchen weitere Nachweise zu finden sind.
Ein großes Verdienst um die neuen Bearbeitungen hat sich, wie schon
um das ursprüngliche Werk, E r n st Dü m m ler erworben, welcher nie
ermüdete, mich mit Berichtigungen und werthvollen Nachweisungen zu
versehen, von denen nur wenige ausdrücklich erwähnt werden konnten.
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Vorzüglich auf seinen Wunsch sind auch mancherlei Umstände und
Nachrichten angeführt und verwerthet, welche mehr culturgeschichtlicher
Art sind und den eigentlichen Geschichtsquellen etwas ferner stehen. Nicht
ganz ohne Besorgniß dadurch der Uebersichtlichkeit zu schaden, habe ich
mich doch von der Ueberlegung leiten lassen, daß die richtige Würdigung
der Persönlichkeiten und ihrer Werke dadurch befördert wird. Eine
gleichmäßige Durchforschung aller Schulen, auch solcher, welche
geschichtlicher Arbeit fern geblieben sind, eine Darstellung der
litterarischen Thätigkeit auf allen Gebieten, ist eine so schwierige Aufgabe,
daß ihre Lösung so bald wohl nicht zu hoffen ist, und ich habe deshalb nach
dieser Seite hin lieber etwas zu viel als zu wenig thun wollen. Die von der
Münchener historischen Commission gekrönte Preisschrift des Dr. S pecht
über die Geschichte des Unterrichtswesens in Deutschland während
desselben Zeitraums berührt sich vielfach mit meinem Buche und ergänzt es
in gewisser Hinsicht.
Auch anderen Freunden habe ich wiederum für ihre rege Theilnahme
an dieser Arbeit zu danken. Ganz besonders förderlich waren mir auch die
zahlreichen Zusendungen von Dissertationen, Programmen und einzelnen
Aufsätzen, welche das hier vorliegende Gebiet berühren; je leichter gerade
solche Schriften der Aufmerksamkeit entgehen, um so dankenswerther ist
die Zusendung derselben, und indem ich für diese sehr wesentliche
Erleichterung meiner Arbeit den lebhaftesten Dank ausspreche, erneuere ich
die Bitte, mich auch fernerhin in gleicher Weise unterstützen zu wollen bei
der Bestrebung, die Fortschritte der Forschung auf diesem Gebiete für eine
spätere neue Bearbeitung zu verwerthen.
B er l i n, den 7. August 1892.
W. Wattenbach.
Nachrichten angeführt und verwerthet, welche mehr culturgeschichtlicher
Art sind und den eigentlichen Geschichtsquellen etwas ferner stehen. Nicht
ganz ohne Besorgniß dadurch der Uebersichtlichkeit zu schaden, habe ich
mich doch von der Ueberlegung leiten lassen, daß die richtige Würdigung
der Persönlichkeiten und ihrer Werke dadurch befördert wird. Eine
gleichmäßige Durchforschung aller Schulen, auch solcher, welche
geschichtlicher Arbeit fern geblieben sind, eine Darstellung der
litterarischen Thätigkeit auf allen Gebieten, ist eine so schwierige Aufgabe,
daß ihre Lösung so bald wohl nicht zu hoffen ist, und ich habe deshalb nach
dieser Seite hin lieber etwas zu viel als zu wenig thun wollen. Die von der
Münchener historischen Commission gekrönte Preisschrift des Dr. S pecht
über die Geschichte des Unterrichtswesens in Deutschland während
desselben Zeitraums berührt sich vielfach mit meinem Buche und ergänzt es
in gewisser Hinsicht.
Auch anderen Freunden habe ich wiederum für ihre rege Theilnahme
an dieser Arbeit zu danken. Ganz besonders förderlich waren mir auch die
zahlreichen Zusendungen von Dissertationen, Programmen und einzelnen
Aufsätzen, welche das hier vorliegende Gebiet berühren; je leichter gerade
solche Schriften der Aufmerksamkeit entgehen, um so dankenswerther ist
die Zusendung derselben, und indem ich für diese sehr wesentliche
Erleichterung meiner Arbeit den lebhaftesten Dank ausspreche, erneuere ich
die Bitte, mich auch fernerhin in gleicher Weise unterstützen zu wollen bei
der Bestrebung, die Fortschritte der Forschung auf diesem Gebiete für eine
spätere neue Bearbeitung zu verwerthen.
B er l i n, den 7. August 1892.
W. Wattenbach.
Page 11
Verzeichniß
einiger Werke, welche häufig abgekürzt angeführt sind.
d ' A c h e r y, Spicilegium veterum aliquot Scriptorum, Paris 1655-1677. 13 T. 4. Gewöhnlich nach
der 2. Ausg. in 3 Fol. 1724 angeführt.
A c t a S S . Acta Sanctorum, Antw. 1643 ff. fol. Vgl. S. 10.
A l l g . D . B i o g r. Allgemeine Deutsche Biographie. 1-34 (bis Smetana). 1875-1892.
A n z . d . G e r m . M u s . Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit, Organ des Germanischen
Museums: 1-30. Nürnb. 1854-1883, 4.
A r c h i v. Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde. Bd. 1-3 von Büchler und
Dümge, Frankf. 1820. 1821. Bd. 4 von Fichard, ib. 1822. Bd. 5-12 von Pertz, Hann. 1824-1872.
A r c h i v d . W. A . Archiv f. Kunde österr. Geschichtsquellen (jetzt für österr. Geschichte),
herausgeg. von der zur Pflege vaterländischer Geschichte aufgestellten Commission der
kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Bd. 1-77. Wien 1848-1891. Dazu als Beilage das
Notizenblatt, 1851-1859.
B a e h r, Die christlichen Dichter und Geschichtschreiber Roms (Carlsr. 1856). Zweite Ausg. 1872 als
4. Band der Gesch. der röm. Literatur.
— — Geschichte der römischen Litteratur im karolingischen Zeitalter. 1840.
B a l z a n i, Early Chroniclers of Europe. Italy. By Ugo Balzani. London, Society for promoting
Christian Knowledge, 1883.
B i b l i o t h e c a s. Jaffé.
einiger Werke, welche häufig abgekürzt angeführt sind.
d ' A c h e r y, Spicilegium veterum aliquot Scriptorum, Paris 1655-1677. 13 T. 4. Gewöhnlich nach
der 2. Ausg. in 3 Fol. 1724 angeführt.
A c t a S S . Acta Sanctorum, Antw. 1643 ff. fol. Vgl. S. 10.
A l l g . D . B i o g r. Allgemeine Deutsche Biographie. 1-34 (bis Smetana). 1875-1892.
A n z . d . G e r m . M u s . Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit, Organ des Germanischen
Museums: 1-30. Nürnb. 1854-1883, 4.
A r c h i v. Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde. Bd. 1-3 von Büchler und
Dümge, Frankf. 1820. 1821. Bd. 4 von Fichard, ib. 1822. Bd. 5-12 von Pertz, Hann. 1824-1872.
A r c h i v d . W. A . Archiv f. Kunde österr. Geschichtsquellen (jetzt für österr. Geschichte),
herausgeg. von der zur Pflege vaterländischer Geschichte aufgestellten Commission der
kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Bd. 1-77. Wien 1848-1891. Dazu als Beilage das
Notizenblatt, 1851-1859.
B a e h r, Die christlichen Dichter und Geschichtschreiber Roms (Carlsr. 1856). Zweite Ausg. 1872 als
4. Band der Gesch. der röm. Literatur.
— — Geschichte der römischen Litteratur im karolingischen Zeitalter. 1840.
B a l z a n i, Early Chroniclers of Europe. Italy. By Ugo Balzani. London, Society for promoting
Christian Knowledge, 1883.
B i b l i o t h e c a s. Jaffé.
Page 12
B i e l o w s k i, Monumenta Poloniae historica, 1-3. Lemberg 1864-1878, 4.
B o e h m e r, Fontes Rerum Germanicarum, 1-4. Stuttg. 1843-1868.
B o u q u e t, Recueil des historiens des Gaules et de la France, von Anderen fortgesetzt, 23 T. Paris
1738-1876, f.
C a n i s . Henr. Canisii Lectiones Antiquae, 6 Tomi, Ingolst. 1601, 4. Neue Ausgabe von Jac. Basnage,
Antw. 1725, f.
D o b n e r, Monumenta historica Boemiae. 6 T. Prag 1764-1786, 4.
D u C h e s n e, Historiae Francorum Scriptores coaetanei. 5 T. Paris 1636 bis 1649, f.
D ü m m l e r O s t f r. Geschichte des ostfränkischen Reichs, von E. Dümmler, 2. Ausg. 2 Bde. in den
Jahrbüchern der deutschen Geschichte. Berlin 1887. 1888.
D u M é r i l, Edélestand, Poésies populaires latines antérieures au douzième siècle, Paris 1843.
Poésies pop. lat. du Moyen âge, 1847. Ohne Beifügung der Jahreszahl ist die erste Sammlung
gemeint.
E b e r t, Allgemeine Geschichte der Litteratur des Mittelalters im Abendlande. 1-3. Leipzig 1874.
1880. 1887. Der 3. Band reicht bis zum Ausgang der Ottonen, ist aber nicht mehr in
Einzelcitaten eingetragen. 2. Ausgabe des ersten Bandes 1889.
E c c a r d, Corpus Historicorum Medii Aevi, Lips. 1723, f. 2 T.
E n d l i c h e r, Rerum Hungaricarum Monumenta Arpadiana. Sangalli 1849.
F a b r. B i b l . Jo. Alb. Fabricii Bibliotheca Lat. Mediae et Infimae Latinitatis, 1-5. Hamb. 1734-
1736. Vol. 6. cur. Christ. Schoettgenio 1746. Ed. II. cur. Jo. Dom. Mansi, Patavii 1754, 4.
F o n t e s s. Böhmer.
F o n t e s R e r u m B o h e m i c a r u m, 1-4. Prag 1871 ff. 4.
F o r s c h u n g e n zur Deutschen Geschichte, 1 bis 26. Göttingen 1862 bis 1886.
F r e h e r, M., Corpus Francicae Historiae, 1613 f. Rerum Germanicarum Scriptores aliquot insignes,
Francf. 1600-1611; ed. III. cur. Struvio 1717. 3 T. fol.
B o e h m e r, Fontes Rerum Germanicarum, 1-4. Stuttg. 1843-1868.
B o u q u e t, Recueil des historiens des Gaules et de la France, von Anderen fortgesetzt, 23 T. Paris
1738-1876, f.
C a n i s . Henr. Canisii Lectiones Antiquae, 6 Tomi, Ingolst. 1601, 4. Neue Ausgabe von Jac. Basnage,
Antw. 1725, f.
D o b n e r, Monumenta historica Boemiae. 6 T. Prag 1764-1786, 4.
D u C h e s n e, Historiae Francorum Scriptores coaetanei. 5 T. Paris 1636 bis 1649, f.
D ü m m l e r O s t f r. Geschichte des ostfränkischen Reichs, von E. Dümmler, 2. Ausg. 2 Bde. in den
Jahrbüchern der deutschen Geschichte. Berlin 1887. 1888.
D u M é r i l, Edélestand, Poésies populaires latines antérieures au douzième siècle, Paris 1843.
Poésies pop. lat. du Moyen âge, 1847. Ohne Beifügung der Jahreszahl ist die erste Sammlung
gemeint.
E b e r t, Allgemeine Geschichte der Litteratur des Mittelalters im Abendlande. 1-3. Leipzig 1874.
1880. 1887. Der 3. Band reicht bis zum Ausgang der Ottonen, ist aber nicht mehr in
Einzelcitaten eingetragen. 2. Ausgabe des ersten Bandes 1889.
E c c a r d, Corpus Historicorum Medii Aevi, Lips. 1723, f. 2 T.
E n d l i c h e r, Rerum Hungaricarum Monumenta Arpadiana. Sangalli 1849.
F a b r. B i b l . Jo. Alb. Fabricii Bibliotheca Lat. Mediae et Infimae Latinitatis, 1-5. Hamb. 1734-
1736. Vol. 6. cur. Christ. Schoettgenio 1746. Ed. II. cur. Jo. Dom. Mansi, Patavii 1754, 4.
F o n t e s s. Böhmer.
F o n t e s R e r u m B o h e m i c a r u m, 1-4. Prag 1871 ff. 4.
F o r s c h u n g e n zur Deutschen Geschichte, 1 bis 26. Göttingen 1862 bis 1886.
F r e h e r, M., Corpus Francicae Historiae, 1613 f. Rerum Germanicarum Scriptores aliquot insignes,
Francf. 1600-1611; ed. III. cur. Struvio 1717. 3 T. fol.
Page 13
G G A . Göttinger Gelehrte Anzeigen, verbunden mit den Nachrichten von der Georg Augustus
Universität und der k. Ges. der Wissenschaften zu Göttingen. Die letzteren werden als Gött.
Nachr. angeführt.
G i e s e b r e c h t, Ludwig, Wendische Gesch. 780-1182. 3 Bde., Berlin 1843.
G i e s e b r e c h t, Wilhelm, Geschichte der deutschen Kaiserzeit, 1. 2. Fünfte Ausgabe 1881. 1885.
Dritter Band 4. Ausg. 1877. Vierter Band 1875, 2. A. 1877. V, 1. 1880.
H a u c k, Alb., Kirchengeschichte Deutschlands. I. 1887. II. 1890.
H i s t o i r e L i t t é r a i r e de la France, ouvrage commencé par des Religieux Bénédictins de la
Congrégation de St. Maur et continué par des Membres de l'Institut. 1733-1763. 1807-1857. 23
Vol. bis ans Ende des 13. Jahrhunderts. Der 24. Band (1862) eröffnet das 14. Jahrhundert.
H i s t o r i s c h e Z e i t s c h r i f t (auch HZ.), herausgegeben von Heinrich von Sybel, München 1852-
1892.
H i s t o r i s c h e s J a h r b u c h der Goerres-Gesellschaft, 1-13. Münster 1880 bis 1892.
J a f f é, Bibliotheca Rerum Germanicarum. I. Monumenta Corbeiensia, 1864. II. Monumenta
Gregoriana, 1865. III. Monumenta Moguntina, 1866. IV. Monumenta Carolina, 1867. V.
Monumenta Bambergensia, 1869. VI. Monumenta Alcuiniana, 1873. Auch als B i b l . angeführt.
L a n g e b e k, Scriptores Rerum Danicarum Medii Aevi, fortges. v. Suhm. 7 Vol. fol. Hafn. 1772-
1792. Vol. 8 v. Engelstoft u. Werlauff, 1834.
L e i b n i z, Accessiones historicae. 2 T. Lips. 1698, 4. Scriptores Rerum Brunsvicensium. 3 T. Hanov.
1707-1711, f. Annales Imperii Occidentis ed. G. H. Pertz, 3 T. 1843-1846.
M a b i l l o n, Acta Sanctorum Ordinis S. Benedicti, aus den Sammlungen von d'Achery, später
unterstützt von Germain und Ruinart, 9 T. Paris 1668-1701, f. Nachdruck Ven. 1733-1740. In
der Regel ist die Pariser Ausgabe citirt. Unter Mab. ohne Zusatz ist immer dieses Werk zu
verstehen.
— — Veterum Analectorum T. 1-4, 1675-1685, 8. Ed. II. 1723 fol. in 1 Bande.
M a n i t i u s, Max, Geschichte der christlich-lat. Poesie bis zur Mitte des 8. Jahrhunderts. Stuttg.
1891.
M a r t e n e et Durand, Thesaurus Novus Anecdotorum. 5 T. Par. 1717 fol.
Universität und der k. Ges. der Wissenschaften zu Göttingen. Die letzteren werden als Gött.
Nachr. angeführt.
G i e s e b r e c h t, Ludwig, Wendische Gesch. 780-1182. 3 Bde., Berlin 1843.
G i e s e b r e c h t, Wilhelm, Geschichte der deutschen Kaiserzeit, 1. 2. Fünfte Ausgabe 1881. 1885.
Dritter Band 4. Ausg. 1877. Vierter Band 1875, 2. A. 1877. V, 1. 1880.
H a u c k, Alb., Kirchengeschichte Deutschlands. I. 1887. II. 1890.
H i s t o i r e L i t t é r a i r e de la France, ouvrage commencé par des Religieux Bénédictins de la
Congrégation de St. Maur et continué par des Membres de l'Institut. 1733-1763. 1807-1857. 23
Vol. bis ans Ende des 13. Jahrhunderts. Der 24. Band (1862) eröffnet das 14. Jahrhundert.
H i s t o r i s c h e Z e i t s c h r i f t (auch HZ.), herausgegeben von Heinrich von Sybel, München 1852-
1892.
H i s t o r i s c h e s J a h r b u c h der Goerres-Gesellschaft, 1-13. Münster 1880 bis 1892.
J a f f é, Bibliotheca Rerum Germanicarum. I. Monumenta Corbeiensia, 1864. II. Monumenta
Gregoriana, 1865. III. Monumenta Moguntina, 1866. IV. Monumenta Carolina, 1867. V.
Monumenta Bambergensia, 1869. VI. Monumenta Alcuiniana, 1873. Auch als B i b l . angeführt.
L a n g e b e k, Scriptores Rerum Danicarum Medii Aevi, fortges. v. Suhm. 7 Vol. fol. Hafn. 1772-
1792. Vol. 8 v. Engelstoft u. Werlauff, 1834.
L e i b n i z, Accessiones historicae. 2 T. Lips. 1698, 4. Scriptores Rerum Brunsvicensium. 3 T. Hanov.
1707-1711, f. Annales Imperii Occidentis ed. G. H. Pertz, 3 T. 1843-1846.
M a b i l l o n, Acta Sanctorum Ordinis S. Benedicti, aus den Sammlungen von d'Achery, später
unterstützt von Germain und Ruinart, 9 T. Paris 1668-1701, f. Nachdruck Ven. 1733-1740. In
der Regel ist die Pariser Ausgabe citirt. Unter Mab. ohne Zusatz ist immer dieses Werk zu
verstehen.
— — Veterum Analectorum T. 1-4, 1675-1685, 8. Ed. II. 1723 fol. in 1 Bande.
M a n i t i u s, Max, Geschichte der christlich-lat. Poesie bis zur Mitte des 8. Jahrhunderts. Stuttg.
1891.
M a r t e n e et Durand, Thesaurus Novus Anecdotorum. 5 T. Par. 1717 fol.
Page 14
— — Veterum Scriptorum Amplissima Collectio. 9 T. Paris 1724-1733 f.
M e n c k e n, Scriptores Rerum Germanicarum praecipue Saxonicarum. 3 T. Lips. 1728. 1730, f.
M i g n e, Patrologiae Cursus completus. Paris 1844 ff. gr. 8. Meistens nur incorrecte Abdrücke alter
Ausgaben, und deshalb nicht immer angeführt. Kurzes Inhaltsverzeichniß bei Potthast S. 73-76.
M i t t h e i l u n g e n d e s I n s t i t u t s für Oesterreichische Geschichtsforschung, red. von E.
Mühlbacher. 1-12. Innsbruck 1880-1891.
M o n e, Quellensammlung für die badische Landesgeschichte, 3 Bände. Carlsruhe 1848-1863, 4.
M o n u m e n t a B o i c a, angef. als MB., 1-42; von 28 an Doppelbände. Mon. 1763 ff. 4. Vgl.
Böhmers Einleitung zu den Wittelbachischen Regesten, Stuttg. 1854, 4.
M o n u m e n t a G e r m a n i a e historica inde ab a. C. 509 usque ad a. 1500, ed. G. H. Pertz. Citirt als
MG. SS., Legg. etc. Ein vortreffliches Hülfsmittel zum Auffinden gewähren die Indices von O.
Holder-Egger u. K. Zeumer, 1890.
M ü l l e n h o f f und Scherer, Denkmäler deutscher Poesie und Prosa aus dem VIII.-XII. Jahrhundert,
Berlin 1864. Zweite Ausgabe 1873. Dritte, von E. Steinmeyer, in 2 Bänden, 1892.
M ü n c h . S B . d. i. Sitzungsberichte der philos., philol. u. hist. Classe der k. B. Akademie d.
Wissenschaften zu München. Nach Jahrg. ohne Bandzahl.
M u r a t o r i, Scriptores Rerum Italicarum. 28 T. Med. 1723-1751, f.
N e u e s A r c h i v der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde, 1 bis 17. Hann. 1876-1892.
Angef. als NA.
O e f e l e, Rerum Boicarum Scriptores. 2 T. Augustae 1763, f.
P e r t z, s. Archiv und Monumenta.
P e z , B ., Thesaurus Anecdotorum Novissimus. 6 T. Aug. 1721-1729, f. Der letzte Band hat auch
den Titel: Codex diplomatico-historico-epistolaris, in 3 Theilen.
P e z , H ., Scriptores Rerum Austriacarum. 3 T. Lips. 1721-1745, f.
P i s t o r i i Rerum Germanicarum Scriptores aliquot insignes, ed. III. cur. Struvio. 3 T. Rat. 1726, f.
M e n c k e n, Scriptores Rerum Germanicarum praecipue Saxonicarum. 3 T. Lips. 1728. 1730, f.
M i g n e, Patrologiae Cursus completus. Paris 1844 ff. gr. 8. Meistens nur incorrecte Abdrücke alter
Ausgaben, und deshalb nicht immer angeführt. Kurzes Inhaltsverzeichniß bei Potthast S. 73-76.
M i t t h e i l u n g e n d e s I n s t i t u t s für Oesterreichische Geschichtsforschung, red. von E.
Mühlbacher. 1-12. Innsbruck 1880-1891.
M o n e, Quellensammlung für die badische Landesgeschichte, 3 Bände. Carlsruhe 1848-1863, 4.
M o n u m e n t a B o i c a, angef. als MB., 1-42; von 28 an Doppelbände. Mon. 1763 ff. 4. Vgl.
Böhmers Einleitung zu den Wittelbachischen Regesten, Stuttg. 1854, 4.
M o n u m e n t a G e r m a n i a e historica inde ab a. C. 509 usque ad a. 1500, ed. G. H. Pertz. Citirt als
MG. SS., Legg. etc. Ein vortreffliches Hülfsmittel zum Auffinden gewähren die Indices von O.
Holder-Egger u. K. Zeumer, 1890.
M ü l l e n h o f f und Scherer, Denkmäler deutscher Poesie und Prosa aus dem VIII.-XII. Jahrhundert,
Berlin 1864. Zweite Ausgabe 1873. Dritte, von E. Steinmeyer, in 2 Bänden, 1892.
M ü n c h . S B . d. i. Sitzungsberichte der philos., philol. u. hist. Classe der k. B. Akademie d.
Wissenschaften zu München. Nach Jahrg. ohne Bandzahl.
M u r a t o r i, Scriptores Rerum Italicarum. 28 T. Med. 1723-1751, f.
N e u e s A r c h i v der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde, 1 bis 17. Hann. 1876-1892.
Angef. als NA.
O e f e l e, Rerum Boicarum Scriptores. 2 T. Augustae 1763, f.
P e r t z, s. Archiv und Monumenta.
P e z , B ., Thesaurus Anecdotorum Novissimus. 6 T. Aug. 1721-1729, f. Der letzte Band hat auch
den Titel: Codex diplomatico-historico-epistolaris, in 3 Theilen.
P e z , H ., Scriptores Rerum Austriacarum. 3 T. Lips. 1721-1745, f.
P i s t o r i i Rerum Germanicarum Scriptores aliquot insignes, ed. III. cur. Struvio. 3 T. Rat. 1726, f.
Page 15
P o t t h a s t, Bibliotheca historica Medii Aevi, Berlin 1862. Supplement 1868.
( P u s c h und Froelich) Diplomataria Sacra Styriae. 2 T. Vienn. 1756, 4.
R e t t b e r g, Kirchengeschichte Deutschlands. 2 Bde. Göttingen 1848.
R e u b e r, Veterum Scriptorum ... tomus unus. 1584. Ed. III. cur. G. Ch. Ioannis. Francf. 1726, f.
R i n a u d o, s. unten S.→12.
R o n c a l l i u s, Vetustiora Latinorum Scriptorum Chronica. 2 T. Paris 1787, 4.
S c h a n n a t, Vindemiae Litterariae. 2 T. Fuld. 1723, f.
S c h m i d t, Zeitschrift für Geschichte, 9 Bände, Berlin 1844-1848.
S c h ö t t g e n et Kreysig, Diplomataria et Scriptores historiae Germ. medii aevi. 3 T. 1753, f.
S t ä l i n, Wirtemberg. Geschichte. 4 Bände. Stuttg. 1841-1873.
S u r i u s, De Probatorum Sanctorum Historiis, 1-6, Col. 1570-1575. Ed. II. 1576-1581. T. VII. von
Mosander mit Register zu beiden Ausgaben, Nachträgen und Martyrol. Adonis. Ed. III. Col.
1618 f. in 12 Bänden. Ed. Taurin. (Marietti) 1884.
Te n g n a g e l, Vetera Monumenta contra Schismaticos, Ingolst. 1611, 4. Wiederholt in Opp. Gretseri
Vol. VI, 429-601. 1737, f.
Te u f f e l, W. S., Geschichte der römischen Litteratur. 1. Aufl. 1871. 4. Aufl. (von L. Schwabe) 1890.
Da die betreffenden Paragraphen leicht zu finden sind, habe ich sie nur an wenigen Orten
angeführt.
Tr a u b e, Ludwig, Karolingische Dichtungen, untersucht (Schriften zur germ. Philologie, her. v. M.
Roediger) Berlin 1888.
— — O Roma nobilis. Philologische Untersuchungen aus dem Mittelalter. (Abhandl. der k. Bayer.
Akad. d. Wiss. I. Cl. XIX. Bd. II. Abth.) München 1891.
U g h e l l i, Italia Sacra. 9 T. Romae 1644-1662, f. Sehr vermehrte Ausgabe von M. Coleti. 10 T. Ven.
1717-1725, f.
Wa t t e r i c h, Pontificum Romanorum Vitae, I. II. Leipzig 1862.
( P u s c h und Froelich) Diplomataria Sacra Styriae. 2 T. Vienn. 1756, 4.
R e t t b e r g, Kirchengeschichte Deutschlands. 2 Bde. Göttingen 1848.
R e u b e r, Veterum Scriptorum ... tomus unus. 1584. Ed. III. cur. G. Ch. Ioannis. Francf. 1726, f.
R i n a u d o, s. unten S.→12.
R o n c a l l i u s, Vetustiora Latinorum Scriptorum Chronica. 2 T. Paris 1787, 4.
S c h a n n a t, Vindemiae Litterariae. 2 T. Fuld. 1723, f.
S c h m i d t, Zeitschrift für Geschichte, 9 Bände, Berlin 1844-1848.
S c h ö t t g e n et Kreysig, Diplomataria et Scriptores historiae Germ. medii aevi. 3 T. 1753, f.
S t ä l i n, Wirtemberg. Geschichte. 4 Bände. Stuttg. 1841-1873.
S u r i u s, De Probatorum Sanctorum Historiis, 1-6, Col. 1570-1575. Ed. II. 1576-1581. T. VII. von
Mosander mit Register zu beiden Ausgaben, Nachträgen und Martyrol. Adonis. Ed. III. Col.
1618 f. in 12 Bänden. Ed. Taurin. (Marietti) 1884.
Te n g n a g e l, Vetera Monumenta contra Schismaticos, Ingolst. 1611, 4. Wiederholt in Opp. Gretseri
Vol. VI, 429-601. 1737, f.
Te u f f e l, W. S., Geschichte der römischen Litteratur. 1. Aufl. 1871. 4. Aufl. (von L. Schwabe) 1890.
Da die betreffenden Paragraphen leicht zu finden sind, habe ich sie nur an wenigen Orten
angeführt.
Tr a u b e, Ludwig, Karolingische Dichtungen, untersucht (Schriften zur germ. Philologie, her. v. M.
Roediger) Berlin 1888.
— — O Roma nobilis. Philologische Untersuchungen aus dem Mittelalter. (Abhandl. der k. Bayer.
Akad. d. Wiss. I. Cl. XIX. Bd. II. Abth.) München 1891.
U g h e l l i, Italia Sacra. 9 T. Romae 1644-1662, f. Sehr vermehrte Ausgabe von M. Coleti. 10 T. Ven.
1717-1725, f.
Wa t t e r i c h, Pontificum Romanorum Vitae, I. II. Leipzig 1862.
Page 16
Wi e n e r S B ., die Sitzungsberichte der Wiener Akademie, Phil.-hist. Classe.
Page 17
INHALT.
Litterarische Einleitung.
Seite
§ 1. Die Ausgaben des 16. Jahrhunderts 1
§ 2. Die katholische Kirche. Die
Heiligenleben 8
§ 3. Sammlungen für Landesgeschichte 11
§ 4. Die Monumenta Germaniae Historica 17
§ 5. Andere Arbeiten des 19. Jahrhunderts 29
I. DIE VORZEIT.
Von den ersten Anfängen bis zur Herrschaft der Karolinger.
§ 1. Die Römerzeit. Legenden 36
§ 2. Das Leben des heiligen Severin 44
§ 3. Die Anfänge und Gattungen der
christlichen Geschichtschreibung 51
§ 4. Die Ostgothen. Cassiodor 65
§ 5. _"____"______ Jordanis 72
§ 6. Die Westgothen. Isidor 79
§ 7. Die Franken. 87
§ 8. _"____"____ Gregor von Tours 93
Litterarische Einleitung.
Seite
§ 1. Die Ausgaben des 16. Jahrhunderts 1
§ 2. Die katholische Kirche. Die
Heiligenleben 8
§ 3. Sammlungen für Landesgeschichte 11
§ 4. Die Monumenta Germaniae Historica 17
§ 5. Andere Arbeiten des 19. Jahrhunderts 29
I. DIE VORZEIT.
Von den ersten Anfängen bis zur Herrschaft der Karolinger.
§ 1. Die Römerzeit. Legenden 36
§ 2. Das Leben des heiligen Severin 44
§ 3. Die Anfänge und Gattungen der
christlichen Geschichtschreibung 51
§ 4. Die Ostgothen. Cassiodor 65
§ 5. _"____"______ Jordanis 72
§ 6. Die Westgothen. Isidor 79
§ 7. Die Franken. 87
§ 8. _"____"____ Gregor von Tours 93
Page 18
§ 9. _"____"____ Fredegar ← 104
§ 10. _"____"____ Die Thaten der
Frankenkönige 107
§ 11. _"____"____ Fränkische Heiligenleben 112
II. DIE KAROLINGER.
Vom Anfang des achten bis zum Anfang des zehnten Jahrhunderts.
§ 1. Neue Anfänge der Geschichtschreibung.
Fredegars Fortsetzer ← 126
§ 2. Die Angelsachsen 130
§ 3. Die Annalen 138
§ 4. Karl der Große. Allgemeines 150
§ 5. Alcuin 159
§ 6. Paulus Diaconus 163
§ 7. Angilbert 171
§ 8. Einhard 178
§ 9. Die Reichsannalen 190
§ 10. Ludwigs des Frommen Zeit ←1 ←2 206
§ 11. Der Streit der Söhne. Nithard 212
§ 12. Frechulfs Weltchronik 217
§ 13. Deutschland unter den Karolingern.
Reichsannalen 220
§ 14. Fulda, Hersfeld, Mainz 230
§ 15. Sachsen. Münster, Bremen, Hamburg ← 243
§ 16. __"_____ Corvey, Gandersheim ← 249
§ 17. Lothringen 257
§ 18. Schwaben 268
§ 19. Baiern und Franken 288
§ 10. _"____"____ Die Thaten der
Frankenkönige 107
§ 11. _"____"____ Fränkische Heiligenleben 112
II. DIE KAROLINGER.
Vom Anfang des achten bis zum Anfang des zehnten Jahrhunderts.
§ 1. Neue Anfänge der Geschichtschreibung.
Fredegars Fortsetzer ← 126
§ 2. Die Angelsachsen 130
§ 3. Die Annalen 138
§ 4. Karl der Große. Allgemeines 150
§ 5. Alcuin 159
§ 6. Paulus Diaconus 163
§ 7. Angilbert 171
§ 8. Einhard 178
§ 9. Die Reichsannalen 190
§ 10. Ludwigs des Frommen Zeit ←1 ←2 206
§ 11. Der Streit der Söhne. Nithard 212
§ 12. Frechulfs Weltchronik 217
§ 13. Deutschland unter den Karolingern.
Reichsannalen 220
§ 14. Fulda, Hersfeld, Mainz 230
§ 15. Sachsen. Münster, Bremen, Hamburg ← 243
§ 16. __"_____ Corvey, Gandersheim ← 249
§ 17. Lothringen 257
§ 18. Schwaben 268
§ 19. Baiern und Franken 288
Page 19
§ 20. Frankreich ←1 ←2 293
§ 21. Italien 303
III. DIE ZEIT DER OTTONEN.
Von Heinrich I. bis zum Tode Heinrich II.
§ 1. Allgemeines 314
§ 2. Sachsen. Corvey 328
§ 3. __"____ Gandersheim, Quedlinburg 334
§ 4. __"____ Hildesheim 345
§ 5. __"____ Magdeburg, Merseburg 350
§ 6. Lothringen. Cöln, Trier, Metz ←1 ←2 360
§ 7. ___"_____ Lüttich 379
§ 8. Schwaben 392
§ 9. Baiern 401
§ 10. Frankreich. Reims ← 406
§ 11. ____"_____ Cluny 421
§ 12. Italien. Liudprand 423
§ 13. __"___ Chroniken 429
§ 14. __"___ Biographieen 434
BEILAGE.
Verzeichniß von Necrologien 437
Register 461
§ 21. Italien 303
III. DIE ZEIT DER OTTONEN.
Von Heinrich I. bis zum Tode Heinrich II.
§ 1. Allgemeines 314
§ 2. Sachsen. Corvey 328
§ 3. __"____ Gandersheim, Quedlinburg 334
§ 4. __"____ Hildesheim 345
§ 5. __"____ Magdeburg, Merseburg 350
§ 6. Lothringen. Cöln, Trier, Metz ←1 ←2 360
§ 7. ___"_____ Lüttich 379
§ 8. Schwaben 392
§ 9. Baiern 401
§ 10. Frankreich. Reims ← 406
§ 11. ____"_____ Cluny 421
§ 12. Italien. Liudprand 423
§ 13. __"___ Chroniken 429
§ 14. __"___ Biographieen 434
BEILAGE.
Verzeichniß von Necrologien 437
Register 461
Page 20
Deutschlands Geschichtsquellen
im Mittelalter
bis zur Mitte des dreizehnten Jahrhunderts.
im Mittelalter
bis zur Mitte des dreizehnten Jahrhunderts.
Page 21
Litterarische Einleitung.
§ 1. Die Ausgaben des 16. Jahrhunderts. [ ← ]
Ungeachtet des großen Unterschiedes zwischen den Denkmälern des
classischen Alterthums und des Mittelalters findet sich doch auch in ihnen
viel übereinstimmendes, haben sie oft ähnliche Schicksale getheilt. Bis
gegen den Anfang des dreizehnten Jahrhunderts las man in den Schulen
noch häufig und fleißig die alten Autoren, und hielt sich für die Geschichte
der näheren Vergangenheit an echte und unverfälschte Quellen. In den
nächsten Jahrhunderten tritt beides zurück. Auch die ausgezeichnetsten
Geister begnügen sich mit phantastischen Vorstellungen von der Vorzeit,
ohne deren Richtigkeit zu prüfen. Die alten Schriftsteller verschwinden aus
dem Unterricht, abgeschmackte Fabeln überwuchern bei den Chronisten die
Geschichte, und die einfachere, wahrheitsliebende Darstellung der
Zeitgenossen findet solchen Entstellungen gegenüber keine Beachtung. Fast
gänzlich scheint der Sinn für Kritik verloren, bis wir im fünfzehnten
Jahrhundert wieder einzelne Spuren davon wahrnehmen, worauf dann bald
die Bestrebungen der Humanisten für die Wiederbelebung der classischen
Studien auch der Kunde des früheren Mittelalters zu Gute kommen.
In Italien freilich ist es das römische Alterthum fast ausschließlich,
welches die Geister beschäftigt; als dazu auch die Griechenwelt noch
hinzutrat, wandte man sich dieser fernen Vergangenheit völlig zu, und die
§ 1. Die Ausgaben des 16. Jahrhunderts. [ ← ]
Ungeachtet des großen Unterschiedes zwischen den Denkmälern des
classischen Alterthums und des Mittelalters findet sich doch auch in ihnen
viel übereinstimmendes, haben sie oft ähnliche Schicksale getheilt. Bis
gegen den Anfang des dreizehnten Jahrhunderts las man in den Schulen
noch häufig und fleißig die alten Autoren, und hielt sich für die Geschichte
der näheren Vergangenheit an echte und unverfälschte Quellen. In den
nächsten Jahrhunderten tritt beides zurück. Auch die ausgezeichnetsten
Geister begnügen sich mit phantastischen Vorstellungen von der Vorzeit,
ohne deren Richtigkeit zu prüfen. Die alten Schriftsteller verschwinden aus
dem Unterricht, abgeschmackte Fabeln überwuchern bei den Chronisten die
Geschichte, und die einfachere, wahrheitsliebende Darstellung der
Zeitgenossen findet solchen Entstellungen gegenüber keine Beachtung. Fast
gänzlich scheint der Sinn für Kritik verloren, bis wir im fünfzehnten
Jahrhundert wieder einzelne Spuren davon wahrnehmen, worauf dann bald
die Bestrebungen der Humanisten für die Wiederbelebung der classischen
Studien auch der Kunde des früheren Mittelalters zu Gute kommen.
In Italien freilich ist es das römische Alterthum fast ausschließlich,
welches die Geister beschäftigt; als dazu auch die Griechenwelt noch
hinzutrat, wandte man sich dieser fernen Vergangenheit völlig zu, und die
Page 22
platonische Akademie hat mit der Gegenwart und den aus dem
Christenthum erwachsenen Zuständen kaum eine Berührung.
Anders in Deutschland. Hier richtet sich die Kritik sogleich auf die
Urkunden der christlichen Religion, und die drückend empfundene
päbstliche Herrschaft veranlaßt zur Prüfung der Ueberlieferung. Da werden
die alten lauteren Quellen der Geschichte wieder ans Licht gezogen, und
gefeierte Humanisten wenden auch diesem Felde ihre Thätigkeit zu. Das
lebhaft erwachende Volksbewußtsein konnte ebenfalls in der römischen
Vorzeit nicht Befriedigung finden, wie es in Italien der Fall war, und wie
mit den reformatorischen Bestrebungen diesseit der Alpen überall ein
kräftiger Aufschwung der Landessprache zusammenfällt, so auch ein
eifriges Erforschen der heimischen Geschichte[1]. Merkwürdigerweise ist es
der italienische Humanist Aeneas S ilvi us aus Siena, den zuerst seine
Forschungen über österreichische Geschichte zur Bekanntschaft mit Otto
von Freising führten, der durch eine Goetweiher Handschrift Jordanis
Gothengeschichte kennen lernte[2]. Wenig später (1457) benutzte P eter
L uder mangelhafte Quellen zu rhetorischer Darstellung deutscher
Vorzeit[3] und Har tm ann S ch ed el sammelte neben altrömischen auch
deutsche Inschriften und Chroniken[4].
Mehrere unserer besten Geschichtsquellen sind uns nur in Abschriften
des fünfzehnten Jahrhunderts erhalten, gerade wie so manche Classiker, und
den Handschriften reihen sich bald die ersten Drucke an. Schon in diesem
Jahrhundert, um 1472, wurde in Nürnberg Honorius De imagine mundi
gedruckt; in Ulm, 1473, erschien die deutsche Uebersetzung der Flores
temporum von dem Ulmer Arzt H. S tei nh öwel; zwischen 1470 und 1474,
vermuthlich zu Augsburg[5], die Historia Friderici I, welche nichts anderes
ist als ein Theil der Ursperger Chronik. In Poitiers wurde 1479 das
Breviarium historiale bis 1428 gedruckt[6]. Denn nicht als Quellen für
gelehrte Forschung betrachtete man damals diese Schriften; noch waren sie
unmittelbar als darstellende Geschichtswerke willkommen, da man in der
Sprache sowohl wie in der ganzen Denkweise jenen Zeiten noch nicht so
Christenthum erwachsenen Zuständen kaum eine Berührung.
Anders in Deutschland. Hier richtet sich die Kritik sogleich auf die
Urkunden der christlichen Religion, und die drückend empfundene
päbstliche Herrschaft veranlaßt zur Prüfung der Ueberlieferung. Da werden
die alten lauteren Quellen der Geschichte wieder ans Licht gezogen, und
gefeierte Humanisten wenden auch diesem Felde ihre Thätigkeit zu. Das
lebhaft erwachende Volksbewußtsein konnte ebenfalls in der römischen
Vorzeit nicht Befriedigung finden, wie es in Italien der Fall war, und wie
mit den reformatorischen Bestrebungen diesseit der Alpen überall ein
kräftiger Aufschwung der Landessprache zusammenfällt, so auch ein
eifriges Erforschen der heimischen Geschichte[1]. Merkwürdigerweise ist es
der italienische Humanist Aeneas S ilvi us aus Siena, den zuerst seine
Forschungen über österreichische Geschichte zur Bekanntschaft mit Otto
von Freising führten, der durch eine Goetweiher Handschrift Jordanis
Gothengeschichte kennen lernte[2]. Wenig später (1457) benutzte P eter
L uder mangelhafte Quellen zu rhetorischer Darstellung deutscher
Vorzeit[3] und Har tm ann S ch ed el sammelte neben altrömischen auch
deutsche Inschriften und Chroniken[4].
Mehrere unserer besten Geschichtsquellen sind uns nur in Abschriften
des fünfzehnten Jahrhunderts erhalten, gerade wie so manche Classiker, und
den Handschriften reihen sich bald die ersten Drucke an. Schon in diesem
Jahrhundert, um 1472, wurde in Nürnberg Honorius De imagine mundi
gedruckt; in Ulm, 1473, erschien die deutsche Uebersetzung der Flores
temporum von dem Ulmer Arzt H. S tei nh öwel; zwischen 1470 und 1474,
vermuthlich zu Augsburg[5], die Historia Friderici I, welche nichts anderes
ist als ein Theil der Ursperger Chronik. In Poitiers wurde 1479 das
Breviarium historiale bis 1428 gedruckt[6]. Denn nicht als Quellen für
gelehrte Forschung betrachtete man damals diese Schriften; noch waren sie
unmittelbar als darstellende Geschichtswerke willkommen, da man in der
Sprache sowohl wie in der ganzen Denkweise jenen Zeiten noch nicht so
Page 23
fern stand, daß es eines eigenen Studiums bedurft hätte, um sich an den
Schriften des Mittelalters zu erfreuen, sie auch nur zu verstehen.
Zu den eifrigsten Sammlern und Forschern gehörte der gelehrte Abt
Johann vo n Tr i tt en hei m[7], der nur leider seine in der That
bewunderungswürdige Thätigkeit und Litteraturkenntniß durch kecke
Fälschungen selbst um den Ruhm gebracht hat, welcher ihr sonst gebühren
würde. In seinem Auftrag durchforschte der Bosauer Mönch P aul L ang
viele Klöster nach Werken über die deutsche Geschichte[8].
Vor allen aber war es Kaiser Maxim ili an, welcher die Erforschung
der deutschen Geschichte auf alle Weise beförderte und sogar selbst daran
Theil nahm. Ueberall ließ er nach alten Urkunden und Chroniken suchen
und belohnte jeden Fund; sein Historiograph S tabi us sollte daraus ein
großes Geschichtswerk zusammensetzen[9]. Die bedeutendsten Gelehrten
der Zeit suchte er an seinem Hofe zu vereinigen, und die Wiener Universität
erreichte unter ihm ihre höchste Blüthe; sie soll damals an 7000 Studenten
gezählt haben, und viele der angesehensten Humanisten fanden dort
begeisterte Schüler[10]. In seinem Auftrag bereiste von 1498 bis 1505
L ad i sl aus S u n th ei m aus Ravensburg das südwestliche Deutschland, um
die Materialien zu einer genealogischen Geschichte des habsburgischen und
anderer deutscher Fürstenhäuser zusammen zu bringen[11]. Seinem
gelehrten Arzt Johann Spießhaymer, der sich Cuspinian nannte[12], gab
Maximilian 1508 den Auftrag, Bücher aus allen Theilen des Reichs zu
sammeln, und einen ähnlichen Auftrag hatte auch Dr. Jacob Mennel aus
Bregenz ( Manl i us) erhalten[13], von welchem der Kaiser sich Nachts,
wenn er an Schlaflosigkeit litt, aus den alten Schriften vorlesen ließ[14].
Auch der talentvolle, aber unstäte Dichter C onr ad Celti s, welchen
Maximilian im Jahre 1497 nach Wien berufen hatte, erhielt im folgenden
Jahre vom Kaiser die Mittel zu seiner letzten großen Reise in den fernen
Norden, deren Frucht die Germania illustrata sein sollte, Celtis lange
versprochenes Hauptwerk, welches er aber bei seinem Tode 1508
unvollendet hinterlassen hat[15]. Doch sind seine eifrigen Forschungen nicht
Schriften des Mittelalters zu erfreuen, sie auch nur zu verstehen.
Zu den eifrigsten Sammlern und Forschern gehörte der gelehrte Abt
Johann vo n Tr i tt en hei m[7], der nur leider seine in der That
bewunderungswürdige Thätigkeit und Litteraturkenntniß durch kecke
Fälschungen selbst um den Ruhm gebracht hat, welcher ihr sonst gebühren
würde. In seinem Auftrag durchforschte der Bosauer Mönch P aul L ang
viele Klöster nach Werken über die deutsche Geschichte[8].
Vor allen aber war es Kaiser Maxim ili an, welcher die Erforschung
der deutschen Geschichte auf alle Weise beförderte und sogar selbst daran
Theil nahm. Ueberall ließ er nach alten Urkunden und Chroniken suchen
und belohnte jeden Fund; sein Historiograph S tabi us sollte daraus ein
großes Geschichtswerk zusammensetzen[9]. Die bedeutendsten Gelehrten
der Zeit suchte er an seinem Hofe zu vereinigen, und die Wiener Universität
erreichte unter ihm ihre höchste Blüthe; sie soll damals an 7000 Studenten
gezählt haben, und viele der angesehensten Humanisten fanden dort
begeisterte Schüler[10]. In seinem Auftrag bereiste von 1498 bis 1505
L ad i sl aus S u n th ei m aus Ravensburg das südwestliche Deutschland, um
die Materialien zu einer genealogischen Geschichte des habsburgischen und
anderer deutscher Fürstenhäuser zusammen zu bringen[11]. Seinem
gelehrten Arzt Johann Spießhaymer, der sich Cuspinian nannte[12], gab
Maximilian 1508 den Auftrag, Bücher aus allen Theilen des Reichs zu
sammeln, und einen ähnlichen Auftrag hatte auch Dr. Jacob Mennel aus
Bregenz ( Manl i us) erhalten[13], von welchem der Kaiser sich Nachts,
wenn er an Schlaflosigkeit litt, aus den alten Schriften vorlesen ließ[14].
Auch der talentvolle, aber unstäte Dichter C onr ad Celti s, welchen
Maximilian im Jahre 1497 nach Wien berufen hatte, erhielt im folgenden
Jahre vom Kaiser die Mittel zu seiner letzten großen Reise in den fernen
Norden, deren Frucht die Germania illustrata sein sollte, Celtis lange
versprochenes Hauptwerk, welches er aber bei seinem Tode 1508
unvollendet hinterlassen hat[15]. Doch sind seine eifrigen Forschungen nicht
Page 24
ohne bedeutende Frucht geblieben. Im Kloster St. Emmeram zu Regensburg
entdeckte er die Werke der Nonne Hrotsuit, welche er 1501 herausgab. Im
fränkischen Kloster Ebrach fand er den Ligurinus, über den er selbst in
Wien, seine Freunde in Freiburg, Tübingen, Leipzig Vorlesungen hielten;
1507 besorgten seine Augsburger Freunde den Druck. Ihm danken wir auch
die Entdeckung der Tabula Peutingeriana, jener merkwürdigen römischen
Straßenkarte des dritten Jahrhunderts, mit späteren Zusätzen erhalten in
einer Copie des dreizehnten Jahrhunderts, welche sich jetzt in der Wiener
Hofbibliothek befindet[16]. Ihren Namen führt sie davon, daß Celtis sie in
seinem Testamente dem gelehrten Augsburger Patricier C o nr ad
P eut i ng er[17] vermachte. Dieser, der ebenfalls von Maximilian zu seinem
Rath erhoben war und fortwährend für künstlerische und gelehrte Zwecke
in Anspruch genommen wurde, war 1506 beim Kaiser in Klosterneuburg,
um die alten Briefe des Hauses Oesterreich zu besichtigen, und erhielt ein
eigen Gemach in der Wiener Burg, wohin „S. Mt. von allen orten Cronica
und historien bringen lassen“. Er selbst besaß die werthvollsten deutschen
Geschichtsquellen und beabsichtigte eine umfassende Sammlung derselben
herauszugeben; leider kam dies Vorhaben nicht in seinem ganzen Umfange
zur Ausführung, doch verdanken wir ihm mehrere vortreffliche Ausgaben,
die aber Peutingers Namen nicht auf dem Titel tragen. Nachdem er 1507 bei
der Herausgabe des Ligurinus geholfen, erschien 1515 aus der in seinem
Besitz befindlichen Abschrift die erste Ausgabe des Chronicon
Urspergense, besorgt von Joh. Mader[18]; gleichzeitig erschienen, von
Peutinger bearbeitet, Jordanis de Rebus Geticis und Pauli Diaconi historia
Langobardorum[19], eine sehr gute Ausgabe, gegen welche die 1514 zu
Paris von G uil laum e P et i t besorgte Ausgabe des Paulus weit
zurücksteht. Doch verdienen auch die Bestrebungen dieses Buchhändlers,
bei welchem 1512 Gregor von Tours, 1513 Sigebert, 1514 außer Paulus
noch Liudprand und Aimoin erschienen, unsere Anerkennung.
Ebenfalls im Jahre 1515 besorgte der schon erwähnte C usp in i an,
zusammen mit dem kaiserlichen Historiographen Stabius, in Straßburg eine
vortreffliche Ausgabe des Otto von Freising mit der Fortsetzung des
entdeckte er die Werke der Nonne Hrotsuit, welche er 1501 herausgab. Im
fränkischen Kloster Ebrach fand er den Ligurinus, über den er selbst in
Wien, seine Freunde in Freiburg, Tübingen, Leipzig Vorlesungen hielten;
1507 besorgten seine Augsburger Freunde den Druck. Ihm danken wir auch
die Entdeckung der Tabula Peutingeriana, jener merkwürdigen römischen
Straßenkarte des dritten Jahrhunderts, mit späteren Zusätzen erhalten in
einer Copie des dreizehnten Jahrhunderts, welche sich jetzt in der Wiener
Hofbibliothek befindet[16]. Ihren Namen führt sie davon, daß Celtis sie in
seinem Testamente dem gelehrten Augsburger Patricier C o nr ad
P eut i ng er[17] vermachte. Dieser, der ebenfalls von Maximilian zu seinem
Rath erhoben war und fortwährend für künstlerische und gelehrte Zwecke
in Anspruch genommen wurde, war 1506 beim Kaiser in Klosterneuburg,
um die alten Briefe des Hauses Oesterreich zu besichtigen, und erhielt ein
eigen Gemach in der Wiener Burg, wohin „S. Mt. von allen orten Cronica
und historien bringen lassen“. Er selbst besaß die werthvollsten deutschen
Geschichtsquellen und beabsichtigte eine umfassende Sammlung derselben
herauszugeben; leider kam dies Vorhaben nicht in seinem ganzen Umfange
zur Ausführung, doch verdanken wir ihm mehrere vortreffliche Ausgaben,
die aber Peutingers Namen nicht auf dem Titel tragen. Nachdem er 1507 bei
der Herausgabe des Ligurinus geholfen, erschien 1515 aus der in seinem
Besitz befindlichen Abschrift die erste Ausgabe des Chronicon
Urspergense, besorgt von Joh. Mader[18]; gleichzeitig erschienen, von
Peutinger bearbeitet, Jordanis de Rebus Geticis und Pauli Diaconi historia
Langobardorum[19], eine sehr gute Ausgabe, gegen welche die 1514 zu
Paris von G uil laum e P et i t besorgte Ausgabe des Paulus weit
zurücksteht. Doch verdienen auch die Bestrebungen dieses Buchhändlers,
bei welchem 1512 Gregor von Tours, 1513 Sigebert, 1514 außer Paulus
noch Liudprand und Aimoin erschienen, unsere Anerkennung.
Ebenfalls im Jahre 1515 besorgte der schon erwähnte C usp in i an,
zusammen mit dem kaiserlichen Historiographen Stabius, in Straßburg eine
vortreffliche Ausgabe des Otto von Freising mit der Fortsetzung des
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Ragewin. Ebenda waren bereits im Jahre 1508 von dem Breisgauer
Ger v asi u s S ou p her die Gesta Heinrici IV herausgegeben, mit einem
Vorwort, welches von stolzem Selbstgefühl den Franzosen gegenüber erfüllt
ist. Von ähnlicher Denkungsart zur Ehrenrettung dieses vielgeschmähten
Kaisers getrieben, gab Av ent in 1518 in Augsburg die schöne prosaische
Lebensbeschreibung desselben heraus; er war ein Schüler von Celtis und
hatte sich nach dessen Vorbild der deutschen Geschichte schon früh eifrig
zugewandt[20]. So traten nach einander die vorzüglichsten
Geschichtschreiber des deutschen Mittelalters ans Licht; 1521 erschienen in
Cöln auch die Werke Einhards, herausgegeben von dem Grafen Her m ann
von Nu en ar[21]; in Mainz die Chronik des Regino von S eb asti an von
R ot enh an[22].
Besonders eifrig aber nahmen die Protestanten diese Bestrebungen auf;
sie fanden bald auch unter diesen Schriften Waffen gegen die päbstlichen
Ansprüche, und die Streitschriften des elften Jahrhunderts erschienen auch
für den veränderten Standpunkt des sechzehnten noch verwendbar. Hatte
man doch schon lange im Einklang mit der wachsenden Erbitterung gegen
den entarteten Clerus die scharfen Satiren des früheren Mittelalters
hervorgezogen, so in Cöln bald nach 1470 und mehrmals wiederholt den
Pseudo-Ovidius de Vetula mit seinen Ausfällen gegen sittenlose Prälaten,
und den Brunellus mit der schonungslosen Verspottung der Mönche. Die
Schrift des Spaniers Alvarus Pelagius De planctu ecclesiae, in welcher er
unter dem Eindruck seiner Erfahrungen an der Curie in Avignon den
verderbten Zustand der Kirche beklagt, 1340 in Portugal zuletzt
überarbeitet, erschien schon 1474 in Ulm bei Johann Zainer von
Reutlingen, und wurde 1517 in Lyon wiederholt. Lupolds von Bebenburg
Schrift Germanorum principum zelus in christianam religionem erschien
1497 in Basel. Die Epistola Luciferi ad malos principes ecclesiasticos, eine
sehr bittere Satire, welche 1351 in Avignon zum Vorschein kam und in
vielen Abschriften verbreitet war, wurde nach einer nicht mehr bekannten
Pariser Ausgabe 1507 in Straßburg gedruckt, um 1530 in einem Einzeldruck
o. J. wiederholt und 1549 in Magdeburg von F lacius I ll yr i cus
Ger v asi u s S ou p her die Gesta Heinrici IV herausgegeben, mit einem
Vorwort, welches von stolzem Selbstgefühl den Franzosen gegenüber erfüllt
ist. Von ähnlicher Denkungsart zur Ehrenrettung dieses vielgeschmähten
Kaisers getrieben, gab Av ent in 1518 in Augsburg die schöne prosaische
Lebensbeschreibung desselben heraus; er war ein Schüler von Celtis und
hatte sich nach dessen Vorbild der deutschen Geschichte schon früh eifrig
zugewandt[20]. So traten nach einander die vorzüglichsten
Geschichtschreiber des deutschen Mittelalters ans Licht; 1521 erschienen in
Cöln auch die Werke Einhards, herausgegeben von dem Grafen Her m ann
von Nu en ar[21]; in Mainz die Chronik des Regino von S eb asti an von
R ot enh an[22].
Besonders eifrig aber nahmen die Protestanten diese Bestrebungen auf;
sie fanden bald auch unter diesen Schriften Waffen gegen die päbstlichen
Ansprüche, und die Streitschriften des elften Jahrhunderts erschienen auch
für den veränderten Standpunkt des sechzehnten noch verwendbar. Hatte
man doch schon lange im Einklang mit der wachsenden Erbitterung gegen
den entarteten Clerus die scharfen Satiren des früheren Mittelalters
hervorgezogen, so in Cöln bald nach 1470 und mehrmals wiederholt den
Pseudo-Ovidius de Vetula mit seinen Ausfällen gegen sittenlose Prälaten,
und den Brunellus mit der schonungslosen Verspottung der Mönche. Die
Schrift des Spaniers Alvarus Pelagius De planctu ecclesiae, in welcher er
unter dem Eindruck seiner Erfahrungen an der Curie in Avignon den
verderbten Zustand der Kirche beklagt, 1340 in Portugal zuletzt
überarbeitet, erschien schon 1474 in Ulm bei Johann Zainer von
Reutlingen, und wurde 1517 in Lyon wiederholt. Lupolds von Bebenburg
Schrift Germanorum principum zelus in christianam religionem erschien
1497 in Basel. Die Epistola Luciferi ad malos principes ecclesiasticos, eine
sehr bittere Satire, welche 1351 in Avignon zum Vorschein kam und in
vielen Abschriften verbreitet war, wurde nach einer nicht mehr bekannten
Pariser Ausgabe 1507 in Straßburg gedruckt, um 1530 in einem Einzeldruck
o. J. wiederholt und 1549 in Magdeburg von F lacius I ll yr i cus
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herausgegeben[23]. Derselbe wiederholte 1550 die deutsche Uebersetzung
des Briefes, welche schon 1521 o. O. erschienen war[24]. Ul r ich v on
Hut t en gab 1520 die Schrift Walrams von Naumburg gegen Gregor VII,
De unitate ecclesiae conservanda, heraus, welcher bald noch mehrere
Schriften verwandten Geistes aus der Zeit des Schisma und der
Reformbewegung des vierzehnten und fünfzehnten Jahrhunderts folgten[25].
So erschien 1521 in Wittenberg der dem Bischof Ulrich von Augsburg
untergeschobene Brief unter dem Titel: Hulderichi Aug. ep. epistola
adversus constitutionem de cleri coelibatu. Der Cölner Humanist Jaco b
S ob i us gab 1521 in Basel die Commentare des Aeneas Silvius nebst
anderen Stücken von verwandtem Inhalt heraus, eine Sammlung, welche
1535 in Cöln mit neuen Zuthaten von Or twin us Gr at ius wiederholt
wurde, dessen Standpunkt in seinem späteren Leben ein von dem früheren
sehr verschiedener wurde[26]. Im Jahre 1529 wurden zu Hagenau die ersten
Briefe Peters de Vinea gedruckt, weil sie auch für die Gegenwart zutreffend
zu sein schienen. Unbefangener ließ Melan chth on es sich angelegen sein,
den Schulunterricht in der Geschichte zu fördern. Sehr nachdrücklich
spricht er sich über den hohen Werth der Geschichte aus in der an
Sigismund von Brandenburg, Erzbischof von Magdeburg, gerichteten
Widmung des von ihm 1558 für die Schulen bearbeiteten Chronicon
Carionis[27]. Schon 1525 gab Caspar C hur r er in Tübingen die Chronik
Lamberts nach einer Abschrift heraus, welche Melanchthon ihm geschickt
hatte, und 1556 begleitete dieser S iegm un d S chor kels Ausgabe des
Helmold mit einem Brief an den Herzog von Stettin.
In Basel, wo schon 1529 S ich ar dus die Chroniken des Hieronymus,
Prosper, Cassiodor, Hermannus Contractus mit einer Widmung an den
Cardinal Albrecht von Brandenburg herausgegeben hatte, besorgten die
Buchhändler Heer wag en, die auch Melanchthons Verleger waren, 1531
eine Sammlung, welche den Prokop, Agathias und Jordanis enthält, mit
einer Vorrede von B eat us Rh enanus aus Schlettstadt. Dieser hatte auch
zum Otto von Freising das Titelblatt entworfen und ist dadurch zu dem
unverdienten Ruhme gekommen, als ob er der erste Herausgeber deutscher
des Briefes, welche schon 1521 o. O. erschienen war[24]. Ul r ich v on
Hut t en gab 1520 die Schrift Walrams von Naumburg gegen Gregor VII,
De unitate ecclesiae conservanda, heraus, welcher bald noch mehrere
Schriften verwandten Geistes aus der Zeit des Schisma und der
Reformbewegung des vierzehnten und fünfzehnten Jahrhunderts folgten[25].
So erschien 1521 in Wittenberg der dem Bischof Ulrich von Augsburg
untergeschobene Brief unter dem Titel: Hulderichi Aug. ep. epistola
adversus constitutionem de cleri coelibatu. Der Cölner Humanist Jaco b
S ob i us gab 1521 in Basel die Commentare des Aeneas Silvius nebst
anderen Stücken von verwandtem Inhalt heraus, eine Sammlung, welche
1535 in Cöln mit neuen Zuthaten von Or twin us Gr at ius wiederholt
wurde, dessen Standpunkt in seinem späteren Leben ein von dem früheren
sehr verschiedener wurde[26]. Im Jahre 1529 wurden zu Hagenau die ersten
Briefe Peters de Vinea gedruckt, weil sie auch für die Gegenwart zutreffend
zu sein schienen. Unbefangener ließ Melan chth on es sich angelegen sein,
den Schulunterricht in der Geschichte zu fördern. Sehr nachdrücklich
spricht er sich über den hohen Werth der Geschichte aus in der an
Sigismund von Brandenburg, Erzbischof von Magdeburg, gerichteten
Widmung des von ihm 1558 für die Schulen bearbeiteten Chronicon
Carionis[27]. Schon 1525 gab Caspar C hur r er in Tübingen die Chronik
Lamberts nach einer Abschrift heraus, welche Melanchthon ihm geschickt
hatte, und 1556 begleitete dieser S iegm un d S chor kels Ausgabe des
Helmold mit einem Brief an den Herzog von Stettin.
In Basel, wo schon 1529 S ich ar dus die Chroniken des Hieronymus,
Prosper, Cassiodor, Hermannus Contractus mit einer Widmung an den
Cardinal Albrecht von Brandenburg herausgegeben hatte, besorgten die
Buchhändler Heer wag en, die auch Melanchthons Verleger waren, 1531
eine Sammlung, welche den Prokop, Agathias und Jordanis enthält, mit
einer Vorrede von B eat us Rh enanus aus Schlettstadt. Dieser hatte auch
zum Otto von Freising das Titelblatt entworfen und ist dadurch zu dem
unverdienten Ruhme gekommen, als ob er der erste Herausgeber deutscher
Page 27
Geschichtsquellen gewesen wäre. Die Handschriften aber zu jener
Sammlung hatte C onr ad P euti nger aus Augsburg geschickt[28].
Im Jahre 1532 erschien in demselben Verlage eine zweite Sammlung,
welche den Widukind, Einhard und Liudprand enthält, herausgegeben von
dem Professor Mar tin F r echt zu Tübingen.
Es würde uns zu weit führen, wenn wir fortfahren wollten, die
Ausgaben des sechzehnten Jahrhunderts aufzuzählen, denn ihre Zahl ist
nicht gering; besonders die Wech elsche Buchhandlung in Frankfurt
verlegte eine ganze Reihe von Sammlungen dieser Art. Unsere Absicht war
nur, zu zeigen, mit welchem Eifer man damals bestrebt war, die echten
Quellen der Geschichte wieder ans Licht zu ziehen; mit richtiger Auswahl
wurden die besten derselben zuerst herausgegeben und mit derselben
Sorgfalt behandelt, welche die ersten Ausgaben der alten Classiker
auszeichnet. Es war ein trefflicher Anfang gemacht, hinter dem der größte
Theil der späteren Leistungen weit zurückblieb, und an die Ausgaben
schloß sich sogleich auch die geschichtliche Verwerthung, getragen von
demselben Geiste wahrheitsuchender Kritik, die sich vorzüglich der
Prüfung der kirchlichen Ueberlieferung zuwandte. Hervorzuheben ist unter
diesen Werken die nach Jahrhunderten eingetheilte Kirchengeschichte der
sogenannten Magdeburger C en tur iator en, Mathi as F laciu s, Wigand
u. a. (Basil. 1559-1574, 13 Voll. fol.), weil sie durch scharfe Kritik und
umfassende Forschung geradezu epochemachend wirkte, und durch
Mittheilungen aus einem reichen handschriftlichen Material noch jetzt
schätzbar ist[29].
Freilich waren nicht alle gleich bereit, die geschichtliche Wahrheit
anzunehmen, und unter die Ausgaben der echten Quellen mischten sich bald
auch falsche. Schon 1498 erschien in Rom der nachgemachte Berosus und
anderes Machwerk des berüchtigten An nius v on Vit er bo. Nicht ganz so
plump erfunden waren die Megenfrid, Benno und andere Schriftsteller, auf
welche Tr it h em i u s sich in seiner Hirschauer Chronik (1514) berief, und
Sammlung hatte C onr ad P euti nger aus Augsburg geschickt[28].
Im Jahre 1532 erschien in demselben Verlage eine zweite Sammlung,
welche den Widukind, Einhard und Liudprand enthält, herausgegeben von
dem Professor Mar tin F r echt zu Tübingen.
Es würde uns zu weit führen, wenn wir fortfahren wollten, die
Ausgaben des sechzehnten Jahrhunderts aufzuzählen, denn ihre Zahl ist
nicht gering; besonders die Wech elsche Buchhandlung in Frankfurt
verlegte eine ganze Reihe von Sammlungen dieser Art. Unsere Absicht war
nur, zu zeigen, mit welchem Eifer man damals bestrebt war, die echten
Quellen der Geschichte wieder ans Licht zu ziehen; mit richtiger Auswahl
wurden die besten derselben zuerst herausgegeben und mit derselben
Sorgfalt behandelt, welche die ersten Ausgaben der alten Classiker
auszeichnet. Es war ein trefflicher Anfang gemacht, hinter dem der größte
Theil der späteren Leistungen weit zurückblieb, und an die Ausgaben
schloß sich sogleich auch die geschichtliche Verwerthung, getragen von
demselben Geiste wahrheitsuchender Kritik, die sich vorzüglich der
Prüfung der kirchlichen Ueberlieferung zuwandte. Hervorzuheben ist unter
diesen Werken die nach Jahrhunderten eingetheilte Kirchengeschichte der
sogenannten Magdeburger C en tur iator en, Mathi as F laciu s, Wigand
u. a. (Basil. 1559-1574, 13 Voll. fol.), weil sie durch scharfe Kritik und
umfassende Forschung geradezu epochemachend wirkte, und durch
Mittheilungen aus einem reichen handschriftlichen Material noch jetzt
schätzbar ist[29].
Freilich waren nicht alle gleich bereit, die geschichtliche Wahrheit
anzunehmen, und unter die Ausgaben der echten Quellen mischten sich bald
auch falsche. Schon 1498 erschien in Rom der nachgemachte Berosus und
anderes Machwerk des berüchtigten An nius v on Vit er bo. Nicht ganz so
plump erfunden waren die Megenfrid, Benno und andere Schriftsteller, auf
welche Tr it h em i u s sich in seiner Hirschauer Chronik (1514) berief, und
Page 28
seine Angaben führen deshalb noch jetzt nicht selten irre; hat doch sogar
sein Hunibald, dessen lächerliche Larve schon der Graf von Nuenar
durchschaute, noch im neunzehnten Jahrhundert Vertheidiger gefunden!
Zum ärgsten Unfug dieser Art aber gehört das 1530 erschienene
Turnierbuch von R üxn er[30], dessen freche Lügen von den ahnensüchtigen
Herren begierig aufgenommen wurden und noch heutiges Tages hin und
wieder gespensterhaft erscheinen.
[1] S. die Darlegung dieser Richtung der humanistischen Studien in Deutschland bei
R. v. Raumer, Gesch. d. Germ. Philologie (1870) am Anfang.
[2] G. Voigt, Enea Silvio II, 312. 314. 320.
[3] Wattenbach in d. Zeitschr. f. Gesch. d. Oberrh. XXIII, 24. Ders. Allg. D. Biogr.
XIX, 376.
[4] Wattenbach, Forsch. XI, 373. Allg. D. Biogr. XXX, 661.
[5] O. Abel, Archiv XI, 81. Giesebrecht, SB. d. Münch. Akad. 1881, I, 211.
[6] L. Delisle, Bibl. de l'École des chartes XLVI, S. 649-668.
[7] Monographie über ihn von Silbernagel, 2. Aufl. 1885.
[8] Horawitz in d. Allg. D. Biogr. XVII, 614.
[9] Ueber ihn Aschbach, Gesch. d. kais. Univ. zu Wien II, 363-373. Von den
Belohnungen spricht Beatus Rhenanus, Rer. Germ. libri. III, p. 113, ed. 1551; p. 202,
203, ed. 1610.
[10] Khautz, Versuch einer Geschichte der Oesterr. Gelehrten (1755), S. 121-125.
Vgl. Kink, Gesch. der kais. Univ. zu Wien I, 226. Aschbach, Gesch. ders. Univ. I, 200
ff. Zweiter Band 1877 u. d. Titel: Die Wiener Universität und ihre Humanisten im
Zeitalter Maximilians I.
[11] Franz Pfeiffer, Das Donauthal von Ladislaus Suntheim, im Jahrbuch für vaterl.
Geschichte (Wien 1861), S. 273-297. Ueber ihn Aschbach II, 377-381. S. 378 die
Instruction von 1505.
[12] Ueber ihn Aschbach II, 284-309; Horawitz, Allg. D. Biogr. IV, 662-664; G.
Schepss im Archiv f. Unterfranken, 1884.
[13] Der Rath von Freiburg im Breisgau meldet 1509 K. Max, der bestellte Dr. Jacob
Mennel könne mit den Chroniken nicht auf den Reichstag nach Worms kommen,
weil er nach Oesterreich verreist sei. Zeitschr. f. Gesch. d. Oberrh. XVII, 254. Am 31.
März 1510 beauftragte M. ihn mit geschichtlichen Forschungen über die Häuser
Oesterreich und Burgund.
[14] M. Freheri SS. ed. Struv. II, 707. Ueber seine eigenen sehr mangelhaften
Leistungen Horawitz, Allg. D. Biogr. XXI, 358-362.
[15] Engelb. Klüpfel de vita et scriptis Conradi Celtis Protucii, Frib. 1827. Erhard,
Geschichte des Wiederaufblühens wissenschaftlicher Bildung (1830) II, 1-146 und in
der Encyklop. von Ersch und Gruber 21, 135. Kink a. a. O. S. 201 f. Aschbach II,
sein Hunibald, dessen lächerliche Larve schon der Graf von Nuenar
durchschaute, noch im neunzehnten Jahrhundert Vertheidiger gefunden!
Zum ärgsten Unfug dieser Art aber gehört das 1530 erschienene
Turnierbuch von R üxn er[30], dessen freche Lügen von den ahnensüchtigen
Herren begierig aufgenommen wurden und noch heutiges Tages hin und
wieder gespensterhaft erscheinen.
[1] S. die Darlegung dieser Richtung der humanistischen Studien in Deutschland bei
R. v. Raumer, Gesch. d. Germ. Philologie (1870) am Anfang.
[2] G. Voigt, Enea Silvio II, 312. 314. 320.
[3] Wattenbach in d. Zeitschr. f. Gesch. d. Oberrh. XXIII, 24. Ders. Allg. D. Biogr.
XIX, 376.
[4] Wattenbach, Forsch. XI, 373. Allg. D. Biogr. XXX, 661.
[5] O. Abel, Archiv XI, 81. Giesebrecht, SB. d. Münch. Akad. 1881, I, 211.
[6] L. Delisle, Bibl. de l'École des chartes XLVI, S. 649-668.
[7] Monographie über ihn von Silbernagel, 2. Aufl. 1885.
[8] Horawitz in d. Allg. D. Biogr. XVII, 614.
[9] Ueber ihn Aschbach, Gesch. d. kais. Univ. zu Wien II, 363-373. Von den
Belohnungen spricht Beatus Rhenanus, Rer. Germ. libri. III, p. 113, ed. 1551; p. 202,
203, ed. 1610.
[10] Khautz, Versuch einer Geschichte der Oesterr. Gelehrten (1755), S. 121-125.
Vgl. Kink, Gesch. der kais. Univ. zu Wien I, 226. Aschbach, Gesch. ders. Univ. I, 200
ff. Zweiter Band 1877 u. d. Titel: Die Wiener Universität und ihre Humanisten im
Zeitalter Maximilians I.
[11] Franz Pfeiffer, Das Donauthal von Ladislaus Suntheim, im Jahrbuch für vaterl.
Geschichte (Wien 1861), S. 273-297. Ueber ihn Aschbach II, 377-381. S. 378 die
Instruction von 1505.
[12] Ueber ihn Aschbach II, 284-309; Horawitz, Allg. D. Biogr. IV, 662-664; G.
Schepss im Archiv f. Unterfranken, 1884.
[13] Der Rath von Freiburg im Breisgau meldet 1509 K. Max, der bestellte Dr. Jacob
Mennel könne mit den Chroniken nicht auf den Reichstag nach Worms kommen,
weil er nach Oesterreich verreist sei. Zeitschr. f. Gesch. d. Oberrh. XVII, 254. Am 31.
März 1510 beauftragte M. ihn mit geschichtlichen Forschungen über die Häuser
Oesterreich und Burgund.
[14] M. Freheri SS. ed. Struv. II, 707. Ueber seine eigenen sehr mangelhaften
Leistungen Horawitz, Allg. D. Biogr. XXI, 358-362.
[15] Engelb. Klüpfel de vita et scriptis Conradi Celtis Protucii, Frib. 1827. Erhard,
Geschichte des Wiederaufblühens wissenschaftlicher Bildung (1830) II, 1-146 und in
der Encyklop. von Ersch und Gruber 21, 135. Kink a. a. O. S. 201 f. Aschbach II,
Page 29
189-270. Joh. Huemer in d. Allg. D. Biogr. IV, 82-88. Ueber die Angriffe auf die
Echtheit der von ihm entdeckten Werke s. unten bei Hrotsuit und Ligurinus.
[16] Die ältere Ansicht, welche sie dem Verfasser der Annalen von Colmar zuschrieb,
bekämpft Jaffé, MG. SS. XVII, 187. Vgl. Frid. Philippi de tab. Peuting. Diss. Bonn
1876. Die neue Pariser Ausgabe von Des Jardins ist unvollendet geblieben. Konr.
Miller, Die Weltkarte des Castorius, gen. die Peut. Tafel. In den Farben d. Orig. u. mit
einleit. Text (mangelhaft). Ravensb. 1888. Rec. v. G. Hirschfeldt, Berl. philol.
Wochenschrift VIII, 20 u. a. besonders auch gegen die Heranziehung des Namens
Castorius.
[17] Ueber ihn s. Th. Herberger, Conrad Peutinger in seinem Verhältnisse zum Kaiser
Maximilian. Augsburg 1851. 4. H. A. Lier, Allg. D. Biogr. XXV, 561-568.
[18] O. Abel im Archiv XI, 79, berichtigt von Giesebrecht in d. SB. d. Münch. Akad.
1881, I, 208-210.
[19] Archiv VII, 314.
[20] Ueber Aventin s. Wegele, Allg. D. Biogr. I, 700-704, u. Bayer. Bibl. X (1890).
Ausgabe seiner Werke von Riezler. Vgl. W. Meyer, Philol. Bemerkungen zu Aventins
Annalen, u. Aventins Lobgedicht auf Albrecht IV. von 1507, Abh. d. Münch. Ak. I.
Cl. XVII. 3. Abth. 1886. Riezlers Entgegnung ebend. III. Cl.
[21] Ueber den Codex Steinveldensis, durch dessen Auffindung Nuenar gegen den
Vorwurf willkürlicher Aenderungen gerechtfertigt ist, s. Archiv VII, 364.
[22] Ueber ihn s. Wegele, Allg. D. Biogr. XXIX, 299.
[23] Anz. d. Germ. Mus. XVI (1869), Sp. 9. Ueber diesen u. andere Teufelsbriefe s.
Wattenbach, SB. d. Berl. Ak. Febr. 1892.
[24] E. Weller, Die ersten deutschen Zeitungen, S. 90.
[25] Strauß, Ulrich von Hutten II, 47. 55. 166. 320. 358.
[26] David Clement, Bibliothèque curieuse (1759) VIII, 241 weist die Autorschaft
des Jacobus Sobius nach, S. 243 die des Ortw. Gratius, welcher sie nie geleugnet hat.
S. auch Ennen, Gesch. d. Stadt Cöln, IV, 87-92; L. Geiger, Allg. D. Biogr. IX, 600-
602. Reichling, Ortwin Gratius, Heiligenstadt 1884.
[27] Zuletzt bei Bretschneider, Corpus Reformatorum XII, 707. Vgl. G. D.
Hoffmann, Abhandlung von Philipp Melanchthons Verdiensten um die teutsche
Reichs-und Staatsgeschichte, Tübingen 1760. Schon 1532 schreibt er: Misit Carion
ad me farraginem quandam negligentius coacervatam, quae a me disposita est.
Ueber Carions Leben und Schriften Strobels Miscell. Lit. Inhalt, 6. Samml. S. 139 ff.
A. Stern in d. Allg. D. Biogr. III, 781. Daß Melanchthon auch die Ausgabe des
Nauclerus 1516 besorgt habe, bestreiten Herm. Müller, Forsch. XXIII, 595, u. M.
Spieß ib. XXVI, 138-140: Winsheim verwechselte in seiner Gedächtnißrede Carion
u. Nauclerus.
[28] Ueber B. Rhenanus s. A. Horawitz in d. Wiener SB. LXX. 189 bis 244. LXXII,
323-376. LXXVIII, 313-340. Horawitz u. Hartfelder, Briefwechsel des B. Rh. Leipz.
1886. Gény u. Knod, Die Stadtbibl. zu Schlettstadt, 1889.
[29] Vgl. Rinck in Pertz Archiv III, 52-56. W. Preger, M. Fl. Ill. u. seine Zeit, 2 Bde.
Erl. 1859-1861: Allg. D. Biogr. VII, 95. W. Schulte, Beitr. z. Entstehungsgesch. d.
Magdeb. Cent. Neisse 1877. Flacius gab auch nach dem Vorgang des Engländers
Bale und von ihm unterstützt die Satiren des 12. und 13. Jahrhunderts gegen Pabst
und Clerus heraus unter dem Titel: Carmina vetusta ante trecentos annos scripta, quae
deplorant inscitiam evangelii etc. Viteb. 1548, vermehrt 1557 als: Varia doctorum
piorumque virorum de corrupto ecclesiae statu poemata.
Echtheit der von ihm entdeckten Werke s. unten bei Hrotsuit und Ligurinus.
[16] Die ältere Ansicht, welche sie dem Verfasser der Annalen von Colmar zuschrieb,
bekämpft Jaffé, MG. SS. XVII, 187. Vgl. Frid. Philippi de tab. Peuting. Diss. Bonn
1876. Die neue Pariser Ausgabe von Des Jardins ist unvollendet geblieben. Konr.
Miller, Die Weltkarte des Castorius, gen. die Peut. Tafel. In den Farben d. Orig. u. mit
einleit. Text (mangelhaft). Ravensb. 1888. Rec. v. G. Hirschfeldt, Berl. philol.
Wochenschrift VIII, 20 u. a. besonders auch gegen die Heranziehung des Namens
Castorius.
[17] Ueber ihn s. Th. Herberger, Conrad Peutinger in seinem Verhältnisse zum Kaiser
Maximilian. Augsburg 1851. 4. H. A. Lier, Allg. D. Biogr. XXV, 561-568.
[18] O. Abel im Archiv XI, 79, berichtigt von Giesebrecht in d. SB. d. Münch. Akad.
1881, I, 208-210.
[19] Archiv VII, 314.
[20] Ueber Aventin s. Wegele, Allg. D. Biogr. I, 700-704, u. Bayer. Bibl. X (1890).
Ausgabe seiner Werke von Riezler. Vgl. W. Meyer, Philol. Bemerkungen zu Aventins
Annalen, u. Aventins Lobgedicht auf Albrecht IV. von 1507, Abh. d. Münch. Ak. I.
Cl. XVII. 3. Abth. 1886. Riezlers Entgegnung ebend. III. Cl.
[21] Ueber den Codex Steinveldensis, durch dessen Auffindung Nuenar gegen den
Vorwurf willkürlicher Aenderungen gerechtfertigt ist, s. Archiv VII, 364.
[22] Ueber ihn s. Wegele, Allg. D. Biogr. XXIX, 299.
[23] Anz. d. Germ. Mus. XVI (1869), Sp. 9. Ueber diesen u. andere Teufelsbriefe s.
Wattenbach, SB. d. Berl. Ak. Febr. 1892.
[24] E. Weller, Die ersten deutschen Zeitungen, S. 90.
[25] Strauß, Ulrich von Hutten II, 47. 55. 166. 320. 358.
[26] David Clement, Bibliothèque curieuse (1759) VIII, 241 weist die Autorschaft
des Jacobus Sobius nach, S. 243 die des Ortw. Gratius, welcher sie nie geleugnet hat.
S. auch Ennen, Gesch. d. Stadt Cöln, IV, 87-92; L. Geiger, Allg. D. Biogr. IX, 600-
602. Reichling, Ortwin Gratius, Heiligenstadt 1884.
[27] Zuletzt bei Bretschneider, Corpus Reformatorum XII, 707. Vgl. G. D.
Hoffmann, Abhandlung von Philipp Melanchthons Verdiensten um die teutsche
Reichs-und Staatsgeschichte, Tübingen 1760. Schon 1532 schreibt er: Misit Carion
ad me farraginem quandam negligentius coacervatam, quae a me disposita est.
Ueber Carions Leben und Schriften Strobels Miscell. Lit. Inhalt, 6. Samml. S. 139 ff.
A. Stern in d. Allg. D. Biogr. III, 781. Daß Melanchthon auch die Ausgabe des
Nauclerus 1516 besorgt habe, bestreiten Herm. Müller, Forsch. XXIII, 595, u. M.
Spieß ib. XXVI, 138-140: Winsheim verwechselte in seiner Gedächtnißrede Carion
u. Nauclerus.
[28] Ueber B. Rhenanus s. A. Horawitz in d. Wiener SB. LXX. 189 bis 244. LXXII,
323-376. LXXVIII, 313-340. Horawitz u. Hartfelder, Briefwechsel des B. Rh. Leipz.
1886. Gény u. Knod, Die Stadtbibl. zu Schlettstadt, 1889.
[29] Vgl. Rinck in Pertz Archiv III, 52-56. W. Preger, M. Fl. Ill. u. seine Zeit, 2 Bde.
Erl. 1859-1861: Allg. D. Biogr. VII, 95. W. Schulte, Beitr. z. Entstehungsgesch. d.
Magdeb. Cent. Neisse 1877. Flacius gab auch nach dem Vorgang des Engländers
Bale und von ihm unterstützt die Satiren des 12. und 13. Jahrhunderts gegen Pabst
und Clerus heraus unter dem Titel: Carmina vetusta ante trecentos annos scripta, quae
deplorant inscitiam evangelii etc. Viteb. 1548, vermehrt 1557 als: Varia doctorum
piorumque virorum de corrupto ecclesiae statu poemata.
Page 30
[30] S. darüber Waitz, Heinrich I, 3. Ausg. S. 265-272. Ein Theil der Fabeln ist
älteren Ursprungs, schon 1518 in Baiern ein Werk der Art entstanden, aber Rüxnern
bleibt doch eine ansehnliche Vermehrung derselben.
älteren Ursprungs, schon 1518 in Baiern ein Werk der Art entstanden, aber Rüxnern
bleibt doch eine ansehnliche Vermehrung derselben.
Page 31
§ 2. Die katholische Kirche. Die Heiligenleben. [ ← ]
Während einerseits die neu erwachende kritische Richtung
willkommene Waffen in der Litteratur des früheren Mittelalters fand, bot
sich andererseits hierin auch der katholischen Kirche ein schöner Schatz
ascetischer Schriften dar, und die Briefe der alten Päbste, wie die alten
Vorkämpfer ihrer Ansprüche, waren noch immer zu brauchen. So finden wir
denn, nachdem die katholische Kirche sich wieder ermannt und auch
wissenschaftlich neue Kraft gewonnen hat, auch von dieser Seite viele
Publicationen; der Cardinal Caesar B ar o ni us setzte den Magdeburger
Centuriatoren seine Annales ecclesiastici entgegen, welchen die aus dem
Vaticanischen Archiv und anderen Quellen mitgetheilten Actenstücke hohen
Werth verleihen[1]. Durch gute Ausgaben wichtiger neu entdeckter Quellen
machten sich besonders Hei nr i ch Canisi us[2], Br o uwer[3], S i r m o nd,
Ten gn agel, G r et ser[4] verdient. Auf einzelnes einzugehen, würde hier zu
weit führen; nur einen besonderen Zweig der Litteratur scheint es
erforderlich hier näher zu betrachten.
Schon unter den ältesten Incunabeln finden sich Legendarien und
einzelne Heiligenleben, zur Erbauung bestimmt. Hin und wieder bieten sie
ein brauchbares Körnchen dar; im ganzen aber erscheinen die Legenden in
solcher Weise überarbeitet, daß das Triviale, allen Gemeinsame, überhand
genommen hat, das Geschichtliche oft ganz verschwunden oder doch
verdunkelt ist. Die zahlreichen Wunder, die vielen Fabeln und Albernheiten
machten diese Litteratur gerade ganz besonders zum Gegenstand lebhafter
Angriffe, und bald empfand man, daß sie allen Werth und Nutzen verlieren
werde, wenn man sich nicht zu einer Sichtung des überkommenen Stoffes
entschließen werde. Nachdem schon der Mailänder B on in us
Mom b r i t iu s auf alte Handschriften zurückgegangen war, die er mühsam
aufsuchte, und durch deren unveränderten Abdruck[5] er sich verdient
gemacht hatte, ohne Nachfolger zu finden, erschien ein Jahrhundert später
Während einerseits die neu erwachende kritische Richtung
willkommene Waffen in der Litteratur des früheren Mittelalters fand, bot
sich andererseits hierin auch der katholischen Kirche ein schöner Schatz
ascetischer Schriften dar, und die Briefe der alten Päbste, wie die alten
Vorkämpfer ihrer Ansprüche, waren noch immer zu brauchen. So finden wir
denn, nachdem die katholische Kirche sich wieder ermannt und auch
wissenschaftlich neue Kraft gewonnen hat, auch von dieser Seite viele
Publicationen; der Cardinal Caesar B ar o ni us setzte den Magdeburger
Centuriatoren seine Annales ecclesiastici entgegen, welchen die aus dem
Vaticanischen Archiv und anderen Quellen mitgetheilten Actenstücke hohen
Werth verleihen[1]. Durch gute Ausgaben wichtiger neu entdeckter Quellen
machten sich besonders Hei nr i ch Canisi us[2], Br o uwer[3], S i r m o nd,
Ten gn agel, G r et ser[4] verdient. Auf einzelnes einzugehen, würde hier zu
weit führen; nur einen besonderen Zweig der Litteratur scheint es
erforderlich hier näher zu betrachten.
Schon unter den ältesten Incunabeln finden sich Legendarien und
einzelne Heiligenleben, zur Erbauung bestimmt. Hin und wieder bieten sie
ein brauchbares Körnchen dar; im ganzen aber erscheinen die Legenden in
solcher Weise überarbeitet, daß das Triviale, allen Gemeinsame, überhand
genommen hat, das Geschichtliche oft ganz verschwunden oder doch
verdunkelt ist. Die zahlreichen Wunder, die vielen Fabeln und Albernheiten
machten diese Litteratur gerade ganz besonders zum Gegenstand lebhafter
Angriffe, und bald empfand man, daß sie allen Werth und Nutzen verlieren
werde, wenn man sich nicht zu einer Sichtung des überkommenen Stoffes
entschließen werde. Nachdem schon der Mailänder B on in us
Mom b r i t iu s auf alte Handschriften zurückgegangen war, die er mühsam
aufsuchte, und durch deren unveränderten Abdruck[5] er sich verdient
gemacht hatte, ohne Nachfolger zu finden, erschien ein Jahrhundert später
Page 32
die Sammlung des Cölner Karthäusers L aur. S ur ius ( † 1578): Vitae
Probatorum Sanctorum, die viel brauchbaren geschichtlichen Stoff zuerst
ans Licht brachte, und wenn auch der lateinische Stil etwas überarbeitet ist,
so berührt das doch kaum den Inhalt. Von Kritik aber ist in diesem Werke
keine Rede, und die herrschende Meinung der Gebildeten verwarf alle diese
Mönchsgeschichten als leere Fabeln.
Diesen Angriffen gegenüber faßte nun der Jesuit Her iber t van
R oswey den Plan, durch strenge Sichtung des ganzen vorhandenen
Materials und Aufopferung des falschen das echte zu retten und zu sichern.
Er selbst gab u. a. das Martyrologium Romanum heraus; besonders aber
veranlaßte er seinen Ordensbruder Johann Bo l land in Antwerpen zu dem
großartigen Unternehmen der Acta Sanctorum, wovon 1643 der erste Band
erschien. Noch 5 Bände gab Bolland selbst heraus; dann hinterließ er die
Fortsetzung Dani el P ap ebr och und Got f r ied Henschen, von
welchen der gediegenste Theil des Werkes gearbeitet ist. Sie gewannen bei
ihrer Arbeit eine solche Sicherheit der historischen Kritik und verfuhren mit
so wenig Schonung, daß sie bald vielfache Angriffe erfuhren und die
spanische Inquisition sogar im J. 1695 die bis dahin erschienenen 14 Bände
verbot. Man versuchte auch den Pabst zu einem Verbote desselben zu
bewegen, aber vergeblich; nur Papebrochs Chronologia Pontificum
Romanorum wurde wirklich verboten[6]. Mit dem unermüdlichsten,
mühsamsten Fleiße setzten auch später die Antwerpener Jesuiten, welche
man gewöhnlich als B oll and isten bezeichnet, das begonnene Werk fort;
ihre Abhandlungen wurden immer weitschichtiger und verloren an innerem
Werthe, während das ganze immer langsamer vorrückte. Doch sind noch
viele sehr tüchtige Arbeiten und unermeßliches historisches Material darin.
Durch die Aufhebung des Ordens wurde das Unternehmen gestört; andere
führten es weiter, dann aber machte ihm die Occupation Belgiens durch die
Franzosen ein Ende. In neuester Zeit hat man es wieder aufgenommen, aber
mit der übertriebensten Weitschweifigkeit. Bis jetzt sind mehr als 60
Folianten erschienen, welche bis in den November reichen, denn das ganze
Werk folgt der Ordnung des Kalenders. Die Auffindung eines bestimmten
Probatorum Sanctorum, die viel brauchbaren geschichtlichen Stoff zuerst
ans Licht brachte, und wenn auch der lateinische Stil etwas überarbeitet ist,
so berührt das doch kaum den Inhalt. Von Kritik aber ist in diesem Werke
keine Rede, und die herrschende Meinung der Gebildeten verwarf alle diese
Mönchsgeschichten als leere Fabeln.
Diesen Angriffen gegenüber faßte nun der Jesuit Her iber t van
R oswey den Plan, durch strenge Sichtung des ganzen vorhandenen
Materials und Aufopferung des falschen das echte zu retten und zu sichern.
Er selbst gab u. a. das Martyrologium Romanum heraus; besonders aber
veranlaßte er seinen Ordensbruder Johann Bo l land in Antwerpen zu dem
großartigen Unternehmen der Acta Sanctorum, wovon 1643 der erste Band
erschien. Noch 5 Bände gab Bolland selbst heraus; dann hinterließ er die
Fortsetzung Dani el P ap ebr och und Got f r ied Henschen, von
welchen der gediegenste Theil des Werkes gearbeitet ist. Sie gewannen bei
ihrer Arbeit eine solche Sicherheit der historischen Kritik und verfuhren mit
so wenig Schonung, daß sie bald vielfache Angriffe erfuhren und die
spanische Inquisition sogar im J. 1695 die bis dahin erschienenen 14 Bände
verbot. Man versuchte auch den Pabst zu einem Verbote desselben zu
bewegen, aber vergeblich; nur Papebrochs Chronologia Pontificum
Romanorum wurde wirklich verboten[6]. Mit dem unermüdlichsten,
mühsamsten Fleiße setzten auch später die Antwerpener Jesuiten, welche
man gewöhnlich als B oll and isten bezeichnet, das begonnene Werk fort;
ihre Abhandlungen wurden immer weitschichtiger und verloren an innerem
Werthe, während das ganze immer langsamer vorrückte. Doch sind noch
viele sehr tüchtige Arbeiten und unermeßliches historisches Material darin.
Durch die Aufhebung des Ordens wurde das Unternehmen gestört; andere
führten es weiter, dann aber machte ihm die Occupation Belgiens durch die
Franzosen ein Ende. In neuester Zeit hat man es wieder aufgenommen, aber
mit der übertriebensten Weitschweifigkeit. Bis jetzt sind mehr als 60
Folianten erschienen, welche bis in den November reichen, denn das ganze
Werk folgt der Ordnung des Kalenders. Die Auffindung eines bestimmten
Page 33
Heiligen war früher nicht leicht; man bedurfte dazu der Kenntniß seines
Tages, wozu das Heiligenlexicon (von S chm auß) Gött. 1719, 8, brauchbar
ist, welches zugleich zur vorläufigen Orientirung dienen kann. Gegenwärtig
aber bietet P o t th asts Bibliotheca historica in dem Artikel Vita S. 575-940
ein nicht allein auf den Umfang des Mittelalters beschränktes Repertorium
sämmtlicher von den Bollandisten besprochener Personen, dem ein Register
der übrigen in jenem Riesenwerke enthaltenen Abhandlungen beigefügt ist.
Außerdem aber enthält jetzt ein Supplementband der Acta Sanctorum zum
October Generalregister über das ganze Werk von Ri go ll ot.
Neben den Jesuiten begannen auch die französischen B enedi ct iner
ein ähnliches Werk, nachdem ihr Orden in der C on gr égat i on d e S ai nt-
Maur einen neuen, außerordentlich kräftigen Aufschwung genommen
hatte. Die Erforschung der Geschichte ihres Ordens wurde bald ein
Hauptgesichtspunkt der Congregation und ihr Bibliothekar Dom L uc
d'A ch er y sammelte dafür viele Jahre mit Unterstützung der ganzen
Genossenschaft unschätzbares Material. Zur Bearbeitung desselben wurde
ihm 1664 Dom Jean Mab ill o n beigegeben, den dann wieder Ger m ain
und Ru in ar t unterstützten. Von ihnen erschienen 1668-1701 die Acta
Sanctorum Ordinis S. Benedicti in 9 Folianten, welche bis zum Jahre 1100
reichen und vom größten Werthe für die Geschichte sind. Abweichend von
der Anordnung der Bollandisten ist diese Sammlung nach der Zeitfolge
geordnet; sie beginnt natürlicher Weise erst mit der Entstehung des Ordens
der Benedictiner, die ersten Jahrhunderte der Kirche aber behandelte
Ruinart selbständig in seinem trefflichen Werke: Acta primorum martyrum
sincera, 1689, 4.
[1] Bis 1198 in 12 Folianten 1588-1607 erschienen. Die Fortsetzung von Raynaldus
in 9 Folianten bis 1565 erschien von 1646-1677. Ausgabe von Mansi mit Pagi's
Kritik, Lucae 1738-1759.
[2] Neffe des berühmteren Petrus, s. v. Schulte in d. Allg. D. Biogr. III, 749.
[3] Kraus in d. Allg. D. Biogr. III, 368.
[4] Werner in d. Allg. D. Biogr. IX, 645.
Tages, wozu das Heiligenlexicon (von S chm auß) Gött. 1719, 8, brauchbar
ist, welches zugleich zur vorläufigen Orientirung dienen kann. Gegenwärtig
aber bietet P o t th asts Bibliotheca historica in dem Artikel Vita S. 575-940
ein nicht allein auf den Umfang des Mittelalters beschränktes Repertorium
sämmtlicher von den Bollandisten besprochener Personen, dem ein Register
der übrigen in jenem Riesenwerke enthaltenen Abhandlungen beigefügt ist.
Außerdem aber enthält jetzt ein Supplementband der Acta Sanctorum zum
October Generalregister über das ganze Werk von Ri go ll ot.
Neben den Jesuiten begannen auch die französischen B enedi ct iner
ein ähnliches Werk, nachdem ihr Orden in der C on gr égat i on d e S ai nt-
Maur einen neuen, außerordentlich kräftigen Aufschwung genommen
hatte. Die Erforschung der Geschichte ihres Ordens wurde bald ein
Hauptgesichtspunkt der Congregation und ihr Bibliothekar Dom L uc
d'A ch er y sammelte dafür viele Jahre mit Unterstützung der ganzen
Genossenschaft unschätzbares Material. Zur Bearbeitung desselben wurde
ihm 1664 Dom Jean Mab ill o n beigegeben, den dann wieder Ger m ain
und Ru in ar t unterstützten. Von ihnen erschienen 1668-1701 die Acta
Sanctorum Ordinis S. Benedicti in 9 Folianten, welche bis zum Jahre 1100
reichen und vom größten Werthe für die Geschichte sind. Abweichend von
der Anordnung der Bollandisten ist diese Sammlung nach der Zeitfolge
geordnet; sie beginnt natürlicher Weise erst mit der Entstehung des Ordens
der Benedictiner, die ersten Jahrhunderte der Kirche aber behandelte
Ruinart selbständig in seinem trefflichen Werke: Acta primorum martyrum
sincera, 1689, 4.
[1] Bis 1198 in 12 Folianten 1588-1607 erschienen. Die Fortsetzung von Raynaldus
in 9 Folianten bis 1565 erschien von 1646-1677. Ausgabe von Mansi mit Pagi's
Kritik, Lucae 1738-1759.
[2] Neffe des berühmteren Petrus, s. v. Schulte in d. Allg. D. Biogr. III, 749.
[3] Kraus in d. Allg. D. Biogr. III, 368.
[4] Werner in d. Allg. D. Biogr. IX, 645.
Page 34
[5] Sanctuarium, in 2 großen Folianten o. J. (um 1475). Vgl. Tiraboschi, Tomo VI, l.
II, c. 32. Von demselben rührt die erste Ausgabe des Prosper her, welche Holder-
Egger im NA. I, 22 erwähnt, nach J. A. Saxii Hist. litter. typogr. Mediol. p. 146. ←
[6] S. Rettberg, Art. Papebroch in der Encyklopädie von Ersch und Gruber. A.
Scheler, Zur Geschichte des Werkes Acta Sanctorum, Serapeum VII, 305 ff. Potthast,
Bibl. historica, p. 23-25. Baehr, Gesch. d. Röm. Litt. IV, 227.
II, c. 32. Von demselben rührt die erste Ausgabe des Prosper her, welche Holder-
Egger im NA. I, 22 erwähnt, nach J. A. Saxii Hist. litter. typogr. Mediol. p. 146. ←
[6] S. Rettberg, Art. Papebroch in der Encyklopädie von Ersch und Gruber. A.
Scheler, Zur Geschichte des Werkes Acta Sanctorum, Serapeum VII, 305 ff. Potthast,
Bibl. historica, p. 23-25. Baehr, Gesch. d. Röm. Litt. IV, 227.
Page 35
§ 3. Sammlungen für Landesgeschichte. [ ← ]
In viele einzelne Staaten zerspalten hatte I t ali en keine umfassende
Sammlung von Geschichtsquellen erhalten; auch ging hier der Patriotismus
gerne gleich über die Zeiten des Mittelalters hinaus in die antike Welt
hinüber. Die r ö m isch e Ki r che aber konnte vom Mittelalter nicht lassen
und noch weniger ihren Gesichtspunkt durch enge Grenzen beschränken
lassen. Ihre Geschichte, vom Cardinal Bar o nius geschrieben, umfaßte die
ganze christliche Welt, und jedes Volk fand hier die wichtigsten Aufschlüsse
über seine Vergangenheit aus den Schätzen des Vaticanischen Archivs. Viele
Geschichtsquellen Italiens zog U ghel li zuerst ans Licht in dem großen
Werk der Italia Sacra, welches später von C ol eti umgearbeitet und sehr
vermehrt wurde[1]. Gleichzeitig mit diesem wirkte L udwi g An ton
Mur ato r i, der mit der umfassendsten Gelehrsamkeit, rastlosem Fleiße und
unermüdlicher Thatkraft die Grundlagen der italienischen Geschichte legte,
auf denen noch heute fortgebaut wird. Seine Scriptores Rerum Italicarum in
21 Folianten, 1723-1751, sind die erste umfassende planmäßig angelegte
Sammlung der Geschichtsquellen eines ganzen Landes, und bis jetzt die
einzige, welche ihre Vollendung erreicht hat; das große Verdienst, durch
eifrige Unterstützung der Sache, auch durch wissenschaftliche Mitwirkung
die Ausführung möglich gemacht zu haben, gebührt den bescheiden im
Hintergrund gebliebenen Socii Palatini[2]. Neuestens hat auch Italien eine
Darstellung seiner Chronistik erhalten durch U go Balzan i[3].
Erstrebt war freilich schon früher ähnliches in F r an kr ei ch durch die
Sammlung von D u chèsn e in 5 Folianten (1636-49); doch genügte diese
nicht, so werthvoll auch ihr Inhalt ist. Colbert faßte bereits 1676 den Plan
einer neuen umfassenderen Sammlung, der jedoch erst später zur
Ausführung kam, als die Congregation der Maur in er auch diese Aufgabe
übernommen hatte. Nachdem diese fleißigen und gelehrten Mönche bereits
für die Geschichte ihres Ordens und der Kirche das außerordentlichste
geleistet, und in verschiedenen Sammlungen unendliches Material
In viele einzelne Staaten zerspalten hatte I t ali en keine umfassende
Sammlung von Geschichtsquellen erhalten; auch ging hier der Patriotismus
gerne gleich über die Zeiten des Mittelalters hinaus in die antike Welt
hinüber. Die r ö m isch e Ki r che aber konnte vom Mittelalter nicht lassen
und noch weniger ihren Gesichtspunkt durch enge Grenzen beschränken
lassen. Ihre Geschichte, vom Cardinal Bar o nius geschrieben, umfaßte die
ganze christliche Welt, und jedes Volk fand hier die wichtigsten Aufschlüsse
über seine Vergangenheit aus den Schätzen des Vaticanischen Archivs. Viele
Geschichtsquellen Italiens zog U ghel li zuerst ans Licht in dem großen
Werk der Italia Sacra, welches später von C ol eti umgearbeitet und sehr
vermehrt wurde[1]. Gleichzeitig mit diesem wirkte L udwi g An ton
Mur ato r i, der mit der umfassendsten Gelehrsamkeit, rastlosem Fleiße und
unermüdlicher Thatkraft die Grundlagen der italienischen Geschichte legte,
auf denen noch heute fortgebaut wird. Seine Scriptores Rerum Italicarum in
21 Folianten, 1723-1751, sind die erste umfassende planmäßig angelegte
Sammlung der Geschichtsquellen eines ganzen Landes, und bis jetzt die
einzige, welche ihre Vollendung erreicht hat; das große Verdienst, durch
eifrige Unterstützung der Sache, auch durch wissenschaftliche Mitwirkung
die Ausführung möglich gemacht zu haben, gebührt den bescheiden im
Hintergrund gebliebenen Socii Palatini[2]. Neuestens hat auch Italien eine
Darstellung seiner Chronistik erhalten durch U go Balzan i[3].
Erstrebt war freilich schon früher ähnliches in F r an kr ei ch durch die
Sammlung von D u chèsn e in 5 Folianten (1636-49); doch genügte diese
nicht, so werthvoll auch ihr Inhalt ist. Colbert faßte bereits 1676 den Plan
einer neuen umfassenderen Sammlung, der jedoch erst später zur
Ausführung kam, als die Congregation der Maur in er auch diese Aufgabe
übernommen hatte. Nachdem diese fleißigen und gelehrten Mönche bereits
für die Geschichte ihres Ordens und der Kirche das außerordentlichste
geleistet, und in verschiedenen Sammlungen unendliches Material
Page 36
zugänglich gemacht hatten, erschien von 1738 an der Recueil des Historiens
des Gaules et de la France von Dom Bo uquet und seinen Nachfolgern,
eine Sammlung, deren Fortführung in neuester Zeit wieder aufgenommen
ist, und die bis jetzt aus 23 Folianten besteht.
In Deu tsch land waren die vielversprechenden Anfänge des
sechzehnten Jahrhunderts durch die inneren Spaltungen gehemmt und
endlich durch den dreißigjährigen Krieg fast gänzlich erstickt worden. Die
folgende Zeit des Reichthums und der fürstlichen Stellung der Geistlichkeit
brachte wohl einige Stiftshistorien, aber nichts, das sich mit dem Wirken
der Mauriner in Frankreich irgend vergleichen ließe. Wohl reizte das
Beispiel zur Nachahmung, aber alle Versuche scheiterten theils an der
Trägheit der in Reichthum und Ueppigkeit versunkenen Stifter, theils an der
Eifersucht der Landesfürsten, welchen es bedenklich erschien, die
Geistlichkeit ihrer Territorien in nähere Verbindung mit den Ordensbrüdern
anderer Gebiete treten zu lassen. Und geradezu unmöglich war es für die
Reichsabteien, selbst wenn sie es gewollt hätten, sich einer gemeinsamen
Leitung und wechselnden Aebten unterzuordnen. Das erfuhren namentlich
die Gebrüder Bernhard und Hieronymus P ez[4] in Melk bei ihren
Bemühungen, neues Leben in den alten Orden der Benedictiner zu bringen,
und die Stiftung einer Congregation, welche es möglich gemacht hätte, die
vorhandenen Kräfte zu vereinigen und, wie in Frankreich, planmäßig für
gemeinsame Zwecke zu verwenden, scheiterte an solchen Hindernissen.
Material war freilich in großen Massen zu Tage gefördert, aber ohne
Auswahl, ohne Kritik; die neuen Publicationen fügten nur immer mehr rohe
Masse hinzu, in noch mangelhafterer Weise, und niemand verstand es, den
Stoff zu bearbeiten. Im siebzehnten Jahrhundert erschienen bei dem
Uebergewicht des Partikularismus fast nur noch Sammlungen für die
Geschichte einzelner Reichslande. Eine neue Epoche beginnt dann mit
L ei b niz, dem Zeitgenossen Muratori's, und in noch viel höherem Grade
würde dies der Fall gewesen sein, wenn nicht seine Forschungen
unvollendet und großentheils unbekannt geblieben wären. Wie Muratori
des Gaules et de la France von Dom Bo uquet und seinen Nachfolgern,
eine Sammlung, deren Fortführung in neuester Zeit wieder aufgenommen
ist, und die bis jetzt aus 23 Folianten besteht.
In Deu tsch land waren die vielversprechenden Anfänge des
sechzehnten Jahrhunderts durch die inneren Spaltungen gehemmt und
endlich durch den dreißigjährigen Krieg fast gänzlich erstickt worden. Die
folgende Zeit des Reichthums und der fürstlichen Stellung der Geistlichkeit
brachte wohl einige Stiftshistorien, aber nichts, das sich mit dem Wirken
der Mauriner in Frankreich irgend vergleichen ließe. Wohl reizte das
Beispiel zur Nachahmung, aber alle Versuche scheiterten theils an der
Trägheit der in Reichthum und Ueppigkeit versunkenen Stifter, theils an der
Eifersucht der Landesfürsten, welchen es bedenklich erschien, die
Geistlichkeit ihrer Territorien in nähere Verbindung mit den Ordensbrüdern
anderer Gebiete treten zu lassen. Und geradezu unmöglich war es für die
Reichsabteien, selbst wenn sie es gewollt hätten, sich einer gemeinsamen
Leitung und wechselnden Aebten unterzuordnen. Das erfuhren namentlich
die Gebrüder Bernhard und Hieronymus P ez[4] in Melk bei ihren
Bemühungen, neues Leben in den alten Orden der Benedictiner zu bringen,
und die Stiftung einer Congregation, welche es möglich gemacht hätte, die
vorhandenen Kräfte zu vereinigen und, wie in Frankreich, planmäßig für
gemeinsame Zwecke zu verwenden, scheiterte an solchen Hindernissen.
Material war freilich in großen Massen zu Tage gefördert, aber ohne
Auswahl, ohne Kritik; die neuen Publicationen fügten nur immer mehr rohe
Masse hinzu, in noch mangelhafterer Weise, und niemand verstand es, den
Stoff zu bearbeiten. Im siebzehnten Jahrhundert erschienen bei dem
Uebergewicht des Partikularismus fast nur noch Sammlungen für die
Geschichte einzelner Reichslande. Eine neue Epoche beginnt dann mit
L ei b niz, dem Zeitgenossen Muratori's, und in noch viel höherem Grade
würde dies der Fall gewesen sein, wenn nicht seine Forschungen
unvollendet und großentheils unbekannt geblieben wären. Wie Muratori
Page 37
von der Geschichte des Hauses Este, so ging Leibniz von den Welfen aus,
und wie Muratori wurde er durch diese Untersuchungen immer weiter
geführt zu den ausgedehntesten Quellenforschungen, welche die ganze
Reichsgeschichte umfaßten, Forschungen, die sich andererseits an seine
philosophischen sowohl wie an seine staatsrechtlichen Studien anschlossen.
Er durchsuchte alle ihm zugänglichen Archive und Bibliotheken, und ergriff
mit dem lebhaftesten Eifer den Plan einer systematischen Sammlung und
Ausgabe aller vorhandenen Quellen für die politische und die Rechts-und
Kirchengeschichte, auf deren Wichtigkeit und die Nothwendigkeit ihrer
gründlichen Erforschung zuerst Con r i ng energisch hingewiesen hatte.
Wohl einsehend, daß die Aufgabe die Kräfte eines Einzelnen
übersteige, versuchte man wiederholt, Gesellschaften zu diesem Zwecke
zusammenzubringen. Schon Jo hann Chr ist ian v on B o inebu rg, der
Rathgeber des Churfürsten Johann Philipp von Mainz, der Freund Conrings,
Leibnizens und Forsters, entwarf den Plan, ein Collegium universale
Eruditorum in Imperio Romano mit vorzüglicher Rücksicht auf Geschichte
zu stiften, und theilte denselben 1670 mehreren Gelehrten mit. Mainz, wo
das Reichsarchiv sich befand, war zum Sitz desselben bestimmt, allein es
blieb bei diesen Anfängen und hatte keinen weiteren Erfolg. Neue
Anregungen zu Versuchen dieser Art gab bald darauf die kräftige
Entwicklung der schon 1651 gestifteten, 1677 vom Kaiser privilegirten
Academia Leopoldina Naturae Curiosorum. P au ll ini in Eisenach faßte die
Idee einer ähnlichen historischen Gesellschaft; er ließ 1687 eine Delineatio
Collegii Imperialis historici gloriose et feliciter fundandi drucken und
vertheilen. Mit vorzüglichem Eifer gingen Hi ob L u dolf und Tentzel auf
diesen Gedanken ein; Ludolf theilte Paullini seine unmaßgeblichen
Bedenken mit und von ihm ging die förmliche Aufforderung zur
Theilnahme aus, welche 1688 versandt wurde. Er war der Präses der neuen
Gesellschaft, welcher mehrere namhafte Gelehrte sich anschlossen. Vor
allem aber bedurfte man materieller Unterstützung, ohne die sich wenig
ausrichten ließ; man wünschte den Kaiser, den Reichstag dafür zu
gewinnen, man suchte nach vornehmen Patronen, aber man fand, wie
und wie Muratori wurde er durch diese Untersuchungen immer weiter
geführt zu den ausgedehntesten Quellenforschungen, welche die ganze
Reichsgeschichte umfaßten, Forschungen, die sich andererseits an seine
philosophischen sowohl wie an seine staatsrechtlichen Studien anschlossen.
Er durchsuchte alle ihm zugänglichen Archive und Bibliotheken, und ergriff
mit dem lebhaftesten Eifer den Plan einer systematischen Sammlung und
Ausgabe aller vorhandenen Quellen für die politische und die Rechts-und
Kirchengeschichte, auf deren Wichtigkeit und die Nothwendigkeit ihrer
gründlichen Erforschung zuerst Con r i ng energisch hingewiesen hatte.
Wohl einsehend, daß die Aufgabe die Kräfte eines Einzelnen
übersteige, versuchte man wiederholt, Gesellschaften zu diesem Zwecke
zusammenzubringen. Schon Jo hann Chr ist ian v on B o inebu rg, der
Rathgeber des Churfürsten Johann Philipp von Mainz, der Freund Conrings,
Leibnizens und Forsters, entwarf den Plan, ein Collegium universale
Eruditorum in Imperio Romano mit vorzüglicher Rücksicht auf Geschichte
zu stiften, und theilte denselben 1670 mehreren Gelehrten mit. Mainz, wo
das Reichsarchiv sich befand, war zum Sitz desselben bestimmt, allein es
blieb bei diesen Anfängen und hatte keinen weiteren Erfolg. Neue
Anregungen zu Versuchen dieser Art gab bald darauf die kräftige
Entwicklung der schon 1651 gestifteten, 1677 vom Kaiser privilegirten
Academia Leopoldina Naturae Curiosorum. P au ll ini in Eisenach faßte die
Idee einer ähnlichen historischen Gesellschaft; er ließ 1687 eine Delineatio
Collegii Imperialis historici gloriose et feliciter fundandi drucken und
vertheilen. Mit vorzüglichem Eifer gingen Hi ob L u dolf und Tentzel auf
diesen Gedanken ein; Ludolf theilte Paullini seine unmaßgeblichen
Bedenken mit und von ihm ging die förmliche Aufforderung zur
Theilnahme aus, welche 1688 versandt wurde. Er war der Präses der neuen
Gesellschaft, welcher mehrere namhafte Gelehrte sich anschlossen. Vor
allem aber bedurfte man materieller Unterstützung, ohne die sich wenig
ausrichten ließ; man wünschte den Kaiser, den Reichstag dafür zu
gewinnen, man suchte nach vornehmen Patronen, aber man fand, wie
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Ludolf 1695 an Leibniz schrieb, keinen einzigen, welcher einen Pfennig
daran wenden wollte[5]. Nur der Herzog von Württemberg gewährte
Pregitzer die Kosten zu einer Reise durch Schwaben, die Schweiz, Burgund
und Frankreich, um die Archive zu durchforschen; seine Reiseberichte
befinden sich auf der Göttinger Bibliothek. Erfolg hatte also auch dieser
Versuch nicht, und er konnte kaum Erfolg haben zu einer Zeit, wo die
höheren Stände ganz der französischen Bildung hingegeben, und die
Gelehrten größtentheils von geistloser Pedanterie erfüllt waren, wo lebhafte
Theilnahme für die Erforschung der vaterländischen Geschichte eben so
selten zu finden war, wie die Fähigkeit zum richtigen Verständniß der
Quellen.
L ei bni z hatte diesen Bestrebungen von Anfang an große Theilnahme
zugewandt; er wies vornehmlich auf den unveränderten Abdruck der reinen
Quellenschriften hin, während Ludolf mehr eine Bearbeitung der
Reichsgeschichte ins Auge faßte. Leibnizen dagegen war um fremde
Darstellungen wenig zu thun; er wußte wohl, daß Urkunden, in denen ein
Anderer nichts finden konnte, ihm die bedeutendsten Aufschlüsse
gewährten, und rieth deshalb ernstlich, daß man sich nicht bemühen solle,
um eine Geschichte stylo florido et eleganti zu schreiben, sondern man solle
die Documenta und Urkunden geben, ut praesens aetas thesaurum
quendam relinquat. Er zuerst erhob sich über den Dilettantismus und die
Vielwisserei und verband die ausgebreitetsten Kenntnisse mit
staatsmännischem Blick und historischer Einsicht. Und so leistete denn
dieser außerordentliche Mann allein einen großen Theil desjenigen, was
jene gutgemeinten Unternehmungen bezweckt hatten, ohne zur Ausführung
kommen zu können.
Schon 1693 gab Leibniz seinen Codex juris gentium heraus, dem 1700
die zwei Folianten der Mantissa Documentorum folgten. Von 1707-1711
erschienen dann die Scriptores Rerum Brunsvicensium, welche theils die
niedersächsische Landesgeschichte, theils die welfische Hausgeschichte
erläutern sollten, und durch die großartige Stellung des welfischen Hauses,
daran wenden wollte[5]. Nur der Herzog von Württemberg gewährte
Pregitzer die Kosten zu einer Reise durch Schwaben, die Schweiz, Burgund
und Frankreich, um die Archive zu durchforschen; seine Reiseberichte
befinden sich auf der Göttinger Bibliothek. Erfolg hatte also auch dieser
Versuch nicht, und er konnte kaum Erfolg haben zu einer Zeit, wo die
höheren Stände ganz der französischen Bildung hingegeben, und die
Gelehrten größtentheils von geistloser Pedanterie erfüllt waren, wo lebhafte
Theilnahme für die Erforschung der vaterländischen Geschichte eben so
selten zu finden war, wie die Fähigkeit zum richtigen Verständniß der
Quellen.
L ei bni z hatte diesen Bestrebungen von Anfang an große Theilnahme
zugewandt; er wies vornehmlich auf den unveränderten Abdruck der reinen
Quellenschriften hin, während Ludolf mehr eine Bearbeitung der
Reichsgeschichte ins Auge faßte. Leibnizen dagegen war um fremde
Darstellungen wenig zu thun; er wußte wohl, daß Urkunden, in denen ein
Anderer nichts finden konnte, ihm die bedeutendsten Aufschlüsse
gewährten, und rieth deshalb ernstlich, daß man sich nicht bemühen solle,
um eine Geschichte stylo florido et eleganti zu schreiben, sondern man solle
die Documenta und Urkunden geben, ut praesens aetas thesaurum
quendam relinquat. Er zuerst erhob sich über den Dilettantismus und die
Vielwisserei und verband die ausgebreitetsten Kenntnisse mit
staatsmännischem Blick und historischer Einsicht. Und so leistete denn
dieser außerordentliche Mann allein einen großen Theil desjenigen, was
jene gutgemeinten Unternehmungen bezweckt hatten, ohne zur Ausführung
kommen zu können.
Schon 1693 gab Leibniz seinen Codex juris gentium heraus, dem 1700
die zwei Folianten der Mantissa Documentorum folgten. Von 1707-1711
erschienen dann die Scriptores Rerum Brunsvicensium, welche theils die
niedersächsische Landesgeschichte, theils die welfische Hausgeschichte
erläutern sollten, und durch die großartige Stellung des welfischen Hauses,
Page 39
durch die Verflechtung desselben in alle wichtigsten Angelegenheiten des
Reiches einen universellen Charakter erhielten, der sie von allen anderen
Sammlungen für specielle Landesgeschichte unterscheidet. Eine Anzahl
anderer wichtiger Schriftsteller war schon 1698 in den Accessiones
historicae zuerst ans Licht gebracht. Aber von den überreichen
Sammlungen Leibnizens war dadurch nur ein kleiner Theil erschöpft;
nachdem er selbst vom Schauplatze abgetreten war, brachten seine
Nachfolger Eckhart, S. Fr. Hahn, Jung, Gruber, Scheidt aus seinem Nachlaß
das großartige Werk der Origines Guelficae zu Stande, welches noch jetzt
einen ehrenvollen Namen behauptet, in Form und Inhalt aber ganz auf den
Vorarbeiten von Leibniz ruht[6].
Aber Leibniz hinterließ auch noch ein anderes Werk, welches allein
ausgereicht hätte, um einen gewöhnlichen Menschen berühmt zu machen,
die Annalen des abendländischen Reiches, zu welchen ihn seine
Forschungen über die Welfen ebenso hinführten, wie Muratori die
Geschichte des Hauses Este zur Verfassung der Annalen Italiens veranlaßte.
Dieses Werk, welches Leibniz viele Jahre lang vorzüglich beschäftigte,
reicht von 768-1005, denn weiter ist er leider nicht damit gekommen. Es ist
durchaus ein Meisterwerk, welches alle früheren Leistungen weit hinter
sich läßt; auch hegten die Zeitgenossen große Erwartungen davon, und
lange war von dem Druck desselben die Rede, der aber dennoch zum
großen Schaden der Wissenschaft unterblieb, bis in neuester Zeit Pertz das
fast schon in Vergessenheit gerathene Werk herausgab[7], nachdem ein
großer Theil der darin enthaltenen Forschungen von neuem gemacht
worden war. Aber noch immer ist das Werk sehr brauchbar, da es mit der
vollständigen Uebersicht und Benutzung des bis dahin bekannt gewordenen
Stoffes gearbeitet ist, während die sichere Methode, der durchdringende
Scharfsinn und die geistvolle Behandlung des großen Verfassers den Leser
durchgehends fesseln und zur Bewunderung fortreißen.
Die Fehler der früheren Sammlungen, von denen auch die Leibnizsche
nicht ganz frei ist, den Mangel an kritischer Sichtung des Stoffes, an
Reiches einen universellen Charakter erhielten, der sie von allen anderen
Sammlungen für specielle Landesgeschichte unterscheidet. Eine Anzahl
anderer wichtiger Schriftsteller war schon 1698 in den Accessiones
historicae zuerst ans Licht gebracht. Aber von den überreichen
Sammlungen Leibnizens war dadurch nur ein kleiner Theil erschöpft;
nachdem er selbst vom Schauplatze abgetreten war, brachten seine
Nachfolger Eckhart, S. Fr. Hahn, Jung, Gruber, Scheidt aus seinem Nachlaß
das großartige Werk der Origines Guelficae zu Stande, welches noch jetzt
einen ehrenvollen Namen behauptet, in Form und Inhalt aber ganz auf den
Vorarbeiten von Leibniz ruht[6].
Aber Leibniz hinterließ auch noch ein anderes Werk, welches allein
ausgereicht hätte, um einen gewöhnlichen Menschen berühmt zu machen,
die Annalen des abendländischen Reiches, zu welchen ihn seine
Forschungen über die Welfen ebenso hinführten, wie Muratori die
Geschichte des Hauses Este zur Verfassung der Annalen Italiens veranlaßte.
Dieses Werk, welches Leibniz viele Jahre lang vorzüglich beschäftigte,
reicht von 768-1005, denn weiter ist er leider nicht damit gekommen. Es ist
durchaus ein Meisterwerk, welches alle früheren Leistungen weit hinter
sich läßt; auch hegten die Zeitgenossen große Erwartungen davon, und
lange war von dem Druck desselben die Rede, der aber dennoch zum
großen Schaden der Wissenschaft unterblieb, bis in neuester Zeit Pertz das
fast schon in Vergessenheit gerathene Werk herausgab[7], nachdem ein
großer Theil der darin enthaltenen Forschungen von neuem gemacht
worden war. Aber noch immer ist das Werk sehr brauchbar, da es mit der
vollständigen Uebersicht und Benutzung des bis dahin bekannt gewordenen
Stoffes gearbeitet ist, während die sichere Methode, der durchdringende
Scharfsinn und die geistvolle Behandlung des großen Verfassers den Leser
durchgehends fesseln und zur Bewunderung fortreißen.
Die Fehler der früheren Sammlungen, von denen auch die Leibnizsche
nicht ganz frei ist, den Mangel an kritischer Sichtung des Stoffes, an
Page 40
systematischer Auswahl und Zusammenstellung, die Unzuverlässigkeit der
Abdrücke, schilderte niemand schärfer und eindringlicher als Joh. G.
E ck har t[8], Leibnizens Gehülfe, dann Convertit und fürstlich
Würzburgischer Rath. Dennoch vermied er in seiner eigenen Sammlung,
dem Corpus historicorum medii aevi (1723) keinen jener Fehler, vermehrte
aber das vorhandene Material durch sehr werthvolle Beiträge.
J. B. Mencke veröffentlichte 1728 und 1730 noch eine sehr
schätzbare Sammlung, B . G. S tr uve gab 1717 und 1726 die älteren
Sammlungen von Pistorius und Freher neu heraus; immer mehr wuchs die
Masse des größtentheils rohen, ungeordneten, ungesichteten Materials;
immer schwieriger wurde es, eine Uebersicht über dasselbe zu gewinnen.
Dieser Uebelstand veranlaßte das Erscheinen von Schriften, die als
Wegweiser dienen sollten: J. P. F i nck e's Index in Collectiones
Scriptorum Rerum Germanicarum, Lips. 1737, 4 und das vielgebrauchte
Directorium von F r eh er, zuletzt 1772 von Ham b erger neu
herausgegeben. Desselben Hambergers Nachrichten von den vornehmsten
Schriftstellern, Bd. 3. 4. 1760, sind von geringer Brauchbarkeit, dagegen
des trefflichen Jo h. Alb . F abr i ci us Bibliotheca Mediae et Infimae
Latinitatis 1734-1746, 8, und ed. Mansi 1754, 4 noch jetzt unentbehrlich
und von großem Nutzen. Eine neue vermehrte Ausgabe derselben mit
Berücksichtigung der seitdem erschienenen Sammlungen und Ausgaben
wäre sehr wünschenswerth und würde einem dringenden Bedürfniß
entgegenkommen. Zurechtfinden aber können wir uns jetzt in der
historischen Litteratur des Mittelalters mit großer Leichtigkeit, seitdem
P ot t hast s Bibliotheca historica medii aevi (Berlin 1862, Supplement
1868) erschienen ist, ein höchst dankenswerthes Werk, das Product des
angestrengtesten und mühsamsten Sammelfleißes, welches, obschon nicht
frei von manchen Schwächen und Mängeln, doch als ein ungemein
nützliches Hülfsmittel allgemeine Verbreitung und Anerkennung gefunden
hat.
Abdrücke, schilderte niemand schärfer und eindringlicher als Joh. G.
E ck har t[8], Leibnizens Gehülfe, dann Convertit und fürstlich
Würzburgischer Rath. Dennoch vermied er in seiner eigenen Sammlung,
dem Corpus historicorum medii aevi (1723) keinen jener Fehler, vermehrte
aber das vorhandene Material durch sehr werthvolle Beiträge.
J. B. Mencke veröffentlichte 1728 und 1730 noch eine sehr
schätzbare Sammlung, B . G. S tr uve gab 1717 und 1726 die älteren
Sammlungen von Pistorius und Freher neu heraus; immer mehr wuchs die
Masse des größtentheils rohen, ungeordneten, ungesichteten Materials;
immer schwieriger wurde es, eine Uebersicht über dasselbe zu gewinnen.
Dieser Uebelstand veranlaßte das Erscheinen von Schriften, die als
Wegweiser dienen sollten: J. P. F i nck e's Index in Collectiones
Scriptorum Rerum Germanicarum, Lips. 1737, 4 und das vielgebrauchte
Directorium von F r eh er, zuletzt 1772 von Ham b erger neu
herausgegeben. Desselben Hambergers Nachrichten von den vornehmsten
Schriftstellern, Bd. 3. 4. 1760, sind von geringer Brauchbarkeit, dagegen
des trefflichen Jo h. Alb . F abr i ci us Bibliotheca Mediae et Infimae
Latinitatis 1734-1746, 8, und ed. Mansi 1754, 4 noch jetzt unentbehrlich
und von großem Nutzen. Eine neue vermehrte Ausgabe derselben mit
Berücksichtigung der seitdem erschienenen Sammlungen und Ausgaben
wäre sehr wünschenswerth und würde einem dringenden Bedürfniß
entgegenkommen. Zurechtfinden aber können wir uns jetzt in der
historischen Litteratur des Mittelalters mit großer Leichtigkeit, seitdem
P ot t hast s Bibliotheca historica medii aevi (Berlin 1862, Supplement
1868) erschienen ist, ein höchst dankenswerthes Werk, das Product des
angestrengtesten und mühsamsten Sammelfleißes, welches, obschon nicht
frei von manchen Schwächen und Mängeln, doch als ein ungemein
nützliches Hülfsmittel allgemeine Verbreitung und Anerkennung gefunden
hat.
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[1] Ughelli, Italia Sacra, 9 Bände f. 1644-1662. Neue Ausg. v. Coleti in 10 Bänden,
1717-1721.
[2] S. über diese L. Vischi im Arch. stor. Lombardo 1880, S. 391-566.
[3] Ein Band der durch die Society for promoting Christian Knowledge veranlaßten
Sammlung: Early chronicles of Europe, 1883; auch ins Ital. übersetzt. Anderer Art,
auch die Byzantiner, die Gesetze und Urkunden umfassend, ist die Schrift von
C o s t a n z o R i n a u d o:← Le Fonti della storia d'Italia dalla caduta dell' imperio
Romano d'Occidente all' invasione dei Longobardi (476-568). Torino 1883.
[4] S. Krones, Allg. D. Biogr. XXV. 569-575.
[5] De Collegio nostro historico quod dicam vix habeo, adeo omnia frigent. Scilicet
nemo de magnatibus nostris est qui urgeat, multo minus qui obolum impendat. Qui
ad nutum alienum laborare debent sine magno autore, sine praemio, sunt difficillimi.
1695, Dec. 9.
[6] Die vorstehenden Angaben sind aus den Mittheilungen meines 1863 verstorbenen
Freundes Rößler entnommen, welcher sie aus dem in Göttingen und Hannover
verwahrten handschriftlichen Material geschöpft hatte, mit Benutzung der
Nachrichten über Paullini's Briefwechsel im Serapeum 1856, S. 65. 367, der
Schriften Guhrauers u. a. Vgl. auch Lucä, der Chronist Friedr. Lucä (Frankfurt 1854),
S. 279-344; Pfleiderer, Leibniz als Patriot etc. S. 632 ff. Mit Benutzung von Paullini's
Nachlaß in Jena ist der Aufsatz von Wegele gearbeitet: Das historische Reichscolleg,
Im neuen Reich 1881, N. 25. Ueber Leibniz' Reise nach Wien 1708 s. Wilh. Guerrier,
Leibniz in seinen Beziehungen zu Rußland (1873) S. 67.
[7] G. W. Leibnitii Annales Imperii Occidentis Brunsvicenses, ed. G. H. Pertz. 3
Tomi. Hannov. 1843-1846. Mit einer sehr lehrreichen Vorrede des Herausgebers. Vgl.
Giesebrecht I, 797. Viele Nachrichten über die Geschichte dieses Werkes, über die
schlechte Behandlung, welche Leibniz zu erfahren hatte, und die Intriguen Eckharts,
welche dieselbe hauptsächlich veranlaßten, enthält: Leibnizens Briefwechsel mit dem
Minister v. Bernstorff etc. von R. Doebner. Hann. 1882, und in d. Zeitschr. d. hist.
Vereins f. Niedersachsen 1881.
[8] Wegele in d. Allg. D. Biogr. V, 627-631; zu ergänzen aus der eben erwähnten
Publication von Doebner.
1717-1721.
[2] S. über diese L. Vischi im Arch. stor. Lombardo 1880, S. 391-566.
[3] Ein Band der durch die Society for promoting Christian Knowledge veranlaßten
Sammlung: Early chronicles of Europe, 1883; auch ins Ital. übersetzt. Anderer Art,
auch die Byzantiner, die Gesetze und Urkunden umfassend, ist die Schrift von
C o s t a n z o R i n a u d o:← Le Fonti della storia d'Italia dalla caduta dell' imperio
Romano d'Occidente all' invasione dei Longobardi (476-568). Torino 1883.
[4] S. Krones, Allg. D. Biogr. XXV. 569-575.
[5] De Collegio nostro historico quod dicam vix habeo, adeo omnia frigent. Scilicet
nemo de magnatibus nostris est qui urgeat, multo minus qui obolum impendat. Qui
ad nutum alienum laborare debent sine magno autore, sine praemio, sunt difficillimi.
1695, Dec. 9.
[6] Die vorstehenden Angaben sind aus den Mittheilungen meines 1863 verstorbenen
Freundes Rößler entnommen, welcher sie aus dem in Göttingen und Hannover
verwahrten handschriftlichen Material geschöpft hatte, mit Benutzung der
Nachrichten über Paullini's Briefwechsel im Serapeum 1856, S. 65. 367, der
Schriften Guhrauers u. a. Vgl. auch Lucä, der Chronist Friedr. Lucä (Frankfurt 1854),
S. 279-344; Pfleiderer, Leibniz als Patriot etc. S. 632 ff. Mit Benutzung von Paullini's
Nachlaß in Jena ist der Aufsatz von Wegele gearbeitet: Das historische Reichscolleg,
Im neuen Reich 1881, N. 25. Ueber Leibniz' Reise nach Wien 1708 s. Wilh. Guerrier,
Leibniz in seinen Beziehungen zu Rußland (1873) S. 67.
[7] G. W. Leibnitii Annales Imperii Occidentis Brunsvicenses, ed. G. H. Pertz. 3
Tomi. Hannov. 1843-1846. Mit einer sehr lehrreichen Vorrede des Herausgebers. Vgl.
Giesebrecht I, 797. Viele Nachrichten über die Geschichte dieses Werkes, über die
schlechte Behandlung, welche Leibniz zu erfahren hatte, und die Intriguen Eckharts,
welche dieselbe hauptsächlich veranlaßten, enthält: Leibnizens Briefwechsel mit dem
Minister v. Bernstorff etc. von R. Doebner. Hann. 1882, und in d. Zeitschr. d. hist.
Vereins f. Niedersachsen 1881.
[8] Wegele in d. Allg. D. Biogr. V, 627-631; zu ergänzen aus der eben erwähnten
Publication von Doebner.
Page 42
§ 4. Die Monumenta Germaniae Historica. [ ← ]
Immer lebhafter empfand man in Deutschland während des 18.
Jahrhunderts das Bedürfniß einer planmäßig geordneten, kritischen
Sammlung der echten und ursprünglichen Geschichtsquellen; das Beispiel
von Muratori in Italien und den Maurinern in Frankreich reizte zur
Nachfolge, aber alle Wünsche und Versuche scheiterten, wie jene eben
erwähnten ersten Anfänge, an der Zerstückelung Deutschlands, an der
Unmöglichkeit, ein Zusammenwirken vieler Gelehrten herbeizuführen, an
dem Mangel ausreichender Geldmittel. Die Nachrichten über diese
Bestrebungen findet man gesammelt im ersten Bande des Archivs der
Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde. Namentlich hatte der
Hallische Theologe S em ler einen solchen Plan, und bezeichnet in seinem
„Versuch den Gebrauch der Quellen in der Staats-und Kirchengeschichte
der mittleren Zeiten zu erleichtern“ (1761) scharf und treffend die Mängel
der vorhandenen Sammlungen, die Nothwendigkeit, Originalquellen von
Ausschreibern zu sondern, mit Sorgfalt und gesunder Kritik eine Reihe der
bedeutendsten Autoren durchnehmend. Durch ihn angeregt gab 1797 sein
College Kr au se den Lambert heraus als Anfang und Specimen einer
solchen Sammlung; aber er starb bald nachher und es blieb bei diesem
ersten Bande. Im folgenden Jahre 1798 gab Rösler in Tübingen eine
kritische Bearbeitung der ältesten Chroniken des Mittelalters, allein die
Aufgabe einer umfassenden Sammlung war für die Kräfte einzelner Männer
viel zu groß, als daß etwas genügendes hätte zu Stande kommen können.
Die lange Fremdherrschaft in Deutschland und die Befreiung davon
durch die vereinten Anstrengungen des ganzen Volkes weckten endlich in
höherem Grade das Bewußtsein eines gemeinschaftlichen Vaterlandes. Mit
neuer Liebe wandte man sich der Erforschung der Vorzeit zu; E . M.
Ar ndt, die Gebrüder Gr im m bestärkten in dieser Richtung durch die
kräftigste Anregung. Eifrig und dringend wies Jo hannes von Müller auf
die Nothwendigkeit des Quellenstudiums hin. Auch der F r eiher r v om
Immer lebhafter empfand man in Deutschland während des 18.
Jahrhunderts das Bedürfniß einer planmäßig geordneten, kritischen
Sammlung der echten und ursprünglichen Geschichtsquellen; das Beispiel
von Muratori in Italien und den Maurinern in Frankreich reizte zur
Nachfolge, aber alle Wünsche und Versuche scheiterten, wie jene eben
erwähnten ersten Anfänge, an der Zerstückelung Deutschlands, an der
Unmöglichkeit, ein Zusammenwirken vieler Gelehrten herbeizuführen, an
dem Mangel ausreichender Geldmittel. Die Nachrichten über diese
Bestrebungen findet man gesammelt im ersten Bande des Archivs der
Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde. Namentlich hatte der
Hallische Theologe S em ler einen solchen Plan, und bezeichnet in seinem
„Versuch den Gebrauch der Quellen in der Staats-und Kirchengeschichte
der mittleren Zeiten zu erleichtern“ (1761) scharf und treffend die Mängel
der vorhandenen Sammlungen, die Nothwendigkeit, Originalquellen von
Ausschreibern zu sondern, mit Sorgfalt und gesunder Kritik eine Reihe der
bedeutendsten Autoren durchnehmend. Durch ihn angeregt gab 1797 sein
College Kr au se den Lambert heraus als Anfang und Specimen einer
solchen Sammlung; aber er starb bald nachher und es blieb bei diesem
ersten Bande. Im folgenden Jahre 1798 gab Rösler in Tübingen eine
kritische Bearbeitung der ältesten Chroniken des Mittelalters, allein die
Aufgabe einer umfassenden Sammlung war für die Kräfte einzelner Männer
viel zu groß, als daß etwas genügendes hätte zu Stande kommen können.
Die lange Fremdherrschaft in Deutschland und die Befreiung davon
durch die vereinten Anstrengungen des ganzen Volkes weckten endlich in
höherem Grade das Bewußtsein eines gemeinschaftlichen Vaterlandes. Mit
neuer Liebe wandte man sich der Erforschung der Vorzeit zu; E . M.
Ar ndt, die Gebrüder Gr im m bestärkten in dieser Richtung durch die
kräftigste Anregung. Eifrig und dringend wies Jo hannes von Müller auf
die Nothwendigkeit des Quellenstudiums hin. Auch der F r eiher r v om
Page 43
S t ei n empfand das lebhafte Bedürfniß, eine genügende Anschauung der
deutschen Geschichte sich zu verschaffen. Die vorhandenen Darstellungen
reichten dazu nicht aus; er suchte die Kenntniß aus den Quellen selbst zu
schöpfen, stieß aber dabei auf unüberwindliche Schwierigkeiten wegen des
verwahrlosten Zustandes derselben. Es war nicht seine Art, wegen solcher
Hindernisse einen Gedanken aufzugeben, und seine Entfernung von den
Staatsgeschäften trug dazu bei, daß er ihn um so entschiedener festhielt und
verfolgte. Der Gedanke an sich selbst, seinen eigenen Vortheil und Genuß,
trat dabei bald völlig zurück; er hatte nur noch sein Volk im Auge, der
Wunsch erfüllte ihn, „den Geschmack an deutscher Geschichte zu beleben,
ihr gründliches Studium zu erleichtern und hierdurch zur Erhaltung der
Liebe zum gemeinsamen Vaterland und dem Gedächtniß unserer großen
Vorfahren beizutragen“. Mit der ganzen Energie seines gewaltigen Geistes
faßte er den Plan, eine umfassende und kritisch bearbeitete Sammlung der
deutschen Geschichtsquellen zu veranstalten, und er ließ nicht ab, bis er
denselben zur Ausführung gebracht hatte[1]. Im Februar 1818 brachte er ihn
zuerst zur Sprache; es gelang ihm, mehrere seiner westfälischen Freunde zu
bedeutenden Geldbeiträgen zu bewegen; er selbst hat nach und nach an
10,000 Fl. darauf verwandt. Mehrere der damaligen Bundestagsgesandten
gingen auf Steins Vorschläge ein, und am 20. Januar 1819 trat zu Frankfurt
die Gesel l sch af t f ür äl t er e deutsche Geschi chtskund e
zusammen. Der badische Legationsrath Büchler wurde zum Secretär, der
Archivrath Düm ge zum Redacteur bestimmt; beide begannen sogleich die
Herausgabe der Zeitschrift, welche vom wesentlichsten Nutzen für das
Unternehmen gewesen ist. Sie heißt das Ar chi v der Gesellschaft und führt
mit Recht diesen Namen, weil darin alle Vorarbeiten für das große
Unternehmen, Nachrichten über Handschriften, Untersuchungen über die
einzelnen Quellenschriften niedergelegt wurden[2].
Der ungeheuere Umfang des Unternehmens, die Nothwendigkeit vieler
und ausgedehnter Reisen, zeigten sich erst während der Arbeit in
zunehmendem Maße; bald sah man, daß Privatmittel, so bedeutend auch die
Beitrage der Gründer waren, doch nicht weit genug reichten. Die
deutschen Geschichte sich zu verschaffen. Die vorhandenen Darstellungen
reichten dazu nicht aus; er suchte die Kenntniß aus den Quellen selbst zu
schöpfen, stieß aber dabei auf unüberwindliche Schwierigkeiten wegen des
verwahrlosten Zustandes derselben. Es war nicht seine Art, wegen solcher
Hindernisse einen Gedanken aufzugeben, und seine Entfernung von den
Staatsgeschäften trug dazu bei, daß er ihn um so entschiedener festhielt und
verfolgte. Der Gedanke an sich selbst, seinen eigenen Vortheil und Genuß,
trat dabei bald völlig zurück; er hatte nur noch sein Volk im Auge, der
Wunsch erfüllte ihn, „den Geschmack an deutscher Geschichte zu beleben,
ihr gründliches Studium zu erleichtern und hierdurch zur Erhaltung der
Liebe zum gemeinsamen Vaterland und dem Gedächtniß unserer großen
Vorfahren beizutragen“. Mit der ganzen Energie seines gewaltigen Geistes
faßte er den Plan, eine umfassende und kritisch bearbeitete Sammlung der
deutschen Geschichtsquellen zu veranstalten, und er ließ nicht ab, bis er
denselben zur Ausführung gebracht hatte[1]. Im Februar 1818 brachte er ihn
zuerst zur Sprache; es gelang ihm, mehrere seiner westfälischen Freunde zu
bedeutenden Geldbeiträgen zu bewegen; er selbst hat nach und nach an
10,000 Fl. darauf verwandt. Mehrere der damaligen Bundestagsgesandten
gingen auf Steins Vorschläge ein, und am 20. Januar 1819 trat zu Frankfurt
die Gesel l sch af t f ür äl t er e deutsche Geschi chtskund e
zusammen. Der badische Legationsrath Büchler wurde zum Secretär, der
Archivrath Düm ge zum Redacteur bestimmt; beide begannen sogleich die
Herausgabe der Zeitschrift, welche vom wesentlichsten Nutzen für das
Unternehmen gewesen ist. Sie heißt das Ar chi v der Gesellschaft und führt
mit Recht diesen Namen, weil darin alle Vorarbeiten für das große
Unternehmen, Nachrichten über Handschriften, Untersuchungen über die
einzelnen Quellenschriften niedergelegt wurden[2].
Der ungeheuere Umfang des Unternehmens, die Nothwendigkeit vieler
und ausgedehnter Reisen, zeigten sich erst während der Arbeit in
zunehmendem Maße; bald sah man, daß Privatmittel, so bedeutend auch die
Beitrage der Gründer waren, doch nicht weit genug reichten. Die
Page 44
Bundesversammlung war gleich anfangs um Unterstützung ersucht worden
und hatte in Ermangelung eigener Geldmittel zu solchem Zwecke das Werk
den einzelnen Regierungen zur Förderung empfohlen, allein fast ohne
Erfolg. Man befürchtete von der einen Seite Mißbrauch des Unternehmens
für revolutionäre Zwecke — denn die Geschichte könne ebensogut zum
Umsturz der Monarchie, wie zu ihrer Erhaltung verwerthet werden — von
anderer witterte man etwas Serviles darin, und der alte Voß sah darin eine
große Verschwörung, die Geschichte für oligarchische und katholische
Zwecke auszubeuten[3]. In Oesterreich galt das Unternehmen als
revolutionär, und nachdem eine anfänglich beabsichtigte besondere
Direction für Oesterreich fallen gelassen war, blieb für die einheimischen
Gelehrten eine förmliche Betheiligung an der Gesellschaft unmöglich[4].
1828 hatte man sogar Bedenken, den fertig gewordenen ersten Band der
Bundesversammlung zu überreichen[5]. Der König von Baiern hatte noch
1829 gar nichts dafür gethan[6], während doch Baden die Dienste des
Archivraths Dümge gleich anfangs auf einige Jahre der Gesellschaft
überließ, und der König von Preußen von 1821 an einigemal einen Beitrag
von 1000 Thalern bewilligte[7]. Mit Bitterkeit gedachte Stein daran, daß er
schon im Herbst 1818 eine vom russischen Kaiser angebotene
Unterstützung abgelehnt hatte[8], und erst nach des Stifters Tode (29. Juni
1831) scheinen die verschiedenen Regierungen sich nach und nach zu den
Beiträgen entschlossen zu haben, welche den Bestand der Sache sicherten;
auf einer Ministerconferenz in Wien 1834 hatte der Fürst Metternich sich
dem Unternehmen günstig erwiesen.
In den gelehrten Kreisen fand das Unternehmen gleich anfangs
lebhafte Theilnahme, aber lange dauerte es, bis ein ausführbarer Plan zu
Stande kam. Ein Vorschlag nach dem andern wurde im Archiv
veröffentlicht; während man sich zu orientiren suchte, fing man erst an, den
Umfang der Arbeit zu übersehen, die Masse des Stoffes, die Schwierigkeit
ihn zu bearbeiten, namentlich wegen der in so vielen Bibliotheken und
Archiven zerstreuten Handschriften und Urkunden, welche sich viel
zahlreicher erwiesen, als man anfänglich geglaubt hatte.
und hatte in Ermangelung eigener Geldmittel zu solchem Zwecke das Werk
den einzelnen Regierungen zur Förderung empfohlen, allein fast ohne
Erfolg. Man befürchtete von der einen Seite Mißbrauch des Unternehmens
für revolutionäre Zwecke — denn die Geschichte könne ebensogut zum
Umsturz der Monarchie, wie zu ihrer Erhaltung verwerthet werden — von
anderer witterte man etwas Serviles darin, und der alte Voß sah darin eine
große Verschwörung, die Geschichte für oligarchische und katholische
Zwecke auszubeuten[3]. In Oesterreich galt das Unternehmen als
revolutionär, und nachdem eine anfänglich beabsichtigte besondere
Direction für Oesterreich fallen gelassen war, blieb für die einheimischen
Gelehrten eine förmliche Betheiligung an der Gesellschaft unmöglich[4].
1828 hatte man sogar Bedenken, den fertig gewordenen ersten Band der
Bundesversammlung zu überreichen[5]. Der König von Baiern hatte noch
1829 gar nichts dafür gethan[6], während doch Baden die Dienste des
Archivraths Dümge gleich anfangs auf einige Jahre der Gesellschaft
überließ, und der König von Preußen von 1821 an einigemal einen Beitrag
von 1000 Thalern bewilligte[7]. Mit Bitterkeit gedachte Stein daran, daß er
schon im Herbst 1818 eine vom russischen Kaiser angebotene
Unterstützung abgelehnt hatte[8], und erst nach des Stifters Tode (29. Juni
1831) scheinen die verschiedenen Regierungen sich nach und nach zu den
Beiträgen entschlossen zu haben, welche den Bestand der Sache sicherten;
auf einer Ministerconferenz in Wien 1834 hatte der Fürst Metternich sich
dem Unternehmen günstig erwiesen.
In den gelehrten Kreisen fand das Unternehmen gleich anfangs
lebhafte Theilnahme, aber lange dauerte es, bis ein ausführbarer Plan zu
Stande kam. Ein Vorschlag nach dem andern wurde im Archiv
veröffentlicht; während man sich zu orientiren suchte, fing man erst an, den
Umfang der Arbeit zu übersehen, die Masse des Stoffes, die Schwierigkeit
ihn zu bearbeiten, namentlich wegen der in so vielen Bibliotheken und
Archiven zerstreuten Handschriften und Urkunden, welche sich viel
zahlreicher erwiesen, als man anfänglich geglaubt hatte.
Page 45
Nach dem ursprünglichen Plan vertheilte man die einzelnen
Schriftsteller an verschiedene Gelehrte zur Bearbeitung, aber es zeigte sich
bald, daß auf diese Weise weder Einheit in Plan und Methode, noch ein
rascher Fortschritt in der Ausführung zu erreichen war. Die ersten Bände
des Archivs sind voll von Versprechungen und Anerbietungen, von denen
aber die meisten ohne Resultat blieben.
Von entscheidender Bedeutung für die ganze Zukunft des
Unternehmens war deshalb der Zutritt des Mannes, unter dessen Leitung es
bald den kräftigsten Aufschwung nehmen sollte. G. H. P er t z aus
Hannover hatte im Jahre 1818 in Göttingen seine Studien vollendet und
1819 die Geschichte der Merowingischen Hausmeier mit einer Vorrede und
lebhaften Empfehlung seines Lehrers Heer en vom 4. September 1818
veröffentlicht. Eine Aufforderung Büchlers zur Theilnahme an den Arbeiten
der Gesellschaft erwiderte er am 5. Juli 1819 mit freudiger Zustimmung
und dem Erbieten zur Bearbeitung der wichtigsten Quellenschriften aus der
karolingischen Periode[9]. Auf Büchlers Mittheilung nahm Stein dieses
Anerbieten bereitwillig an, und forderte am 21. December Pertz nicht nur
zur Uebernahme der Schriftsteller aus der karolingischen Periode, sondern
auch zu einer Reise nach Wien auf, weil die Benutzung der auf der
Hofbibliothek befindlichen Handschriften zunächst nothwendig war[10].
Diese Reise, welche den reichsten Ertrag gewährte, wurde nicht nur auf
andere österreichische Bibliotheken, sondern auch auf Italien ausgedehnt.
Hier war der Freiherr vom Stein bereits selbst gewesen, hatte von den
Schätzen des Vatican vorläufige Kunde verschafft und Mitarbeiter zu
gewinnen gesucht, auf deren Unterstützung damals noch stark gerechnet
wurde. Diese Theilnahme der Italiener erwies sich indessen später als
gänzlich illusorisch, und nicht viel mehr Erfolg hatten die Zusagen, welche
Pertz in Oesterreich gemacht wurden. Seine Reise aber gewährte die erste
feste Grundlage für das Unternehmen; allein aus den päbstlichen Regesten
gewann er 1800 ungedruckte Briefe[11]. Seine Reiseberichte zeigten so
entschieden eine meisterhafte Handhabung der Kritik in scharfem
Gegensatze zu den vielen dilettantischen Beiträgen anderer, daß ihm nach
Schriftsteller an verschiedene Gelehrte zur Bearbeitung, aber es zeigte sich
bald, daß auf diese Weise weder Einheit in Plan und Methode, noch ein
rascher Fortschritt in der Ausführung zu erreichen war. Die ersten Bände
des Archivs sind voll von Versprechungen und Anerbietungen, von denen
aber die meisten ohne Resultat blieben.
Von entscheidender Bedeutung für die ganze Zukunft des
Unternehmens war deshalb der Zutritt des Mannes, unter dessen Leitung es
bald den kräftigsten Aufschwung nehmen sollte. G. H. P er t z aus
Hannover hatte im Jahre 1818 in Göttingen seine Studien vollendet und
1819 die Geschichte der Merowingischen Hausmeier mit einer Vorrede und
lebhaften Empfehlung seines Lehrers Heer en vom 4. September 1818
veröffentlicht. Eine Aufforderung Büchlers zur Theilnahme an den Arbeiten
der Gesellschaft erwiderte er am 5. Juli 1819 mit freudiger Zustimmung
und dem Erbieten zur Bearbeitung der wichtigsten Quellenschriften aus der
karolingischen Periode[9]. Auf Büchlers Mittheilung nahm Stein dieses
Anerbieten bereitwillig an, und forderte am 21. December Pertz nicht nur
zur Uebernahme der Schriftsteller aus der karolingischen Periode, sondern
auch zu einer Reise nach Wien auf, weil die Benutzung der auf der
Hofbibliothek befindlichen Handschriften zunächst nothwendig war[10].
Diese Reise, welche den reichsten Ertrag gewährte, wurde nicht nur auf
andere österreichische Bibliotheken, sondern auch auf Italien ausgedehnt.
Hier war der Freiherr vom Stein bereits selbst gewesen, hatte von den
Schätzen des Vatican vorläufige Kunde verschafft und Mitarbeiter zu
gewinnen gesucht, auf deren Unterstützung damals noch stark gerechnet
wurde. Diese Theilnahme der Italiener erwies sich indessen später als
gänzlich illusorisch, und nicht viel mehr Erfolg hatten die Zusagen, welche
Pertz in Oesterreich gemacht wurden. Seine Reise aber gewährte die erste
feste Grundlage für das Unternehmen; allein aus den päbstlichen Regesten
gewann er 1800 ungedruckte Briefe[11]. Seine Reiseberichte zeigten so
entschieden eine meisterhafte Handhabung der Kritik in scharfem
Gegensatze zu den vielen dilettantischen Beiträgen anderer, daß ihm nach
Page 46
seiner Rückkehr die Redaction sowohl des Hauptwerks als auch der
Zeitschrift übertragen wurde, da Büchler und Dümge beide von ihrem
Großherzog abberufen waren[12].
Im Jahre 1824 wurde der definitive Plan des Werkes veröffentlicht,
und 1826 erschien der erste Band desselben. Aus 5 Abtheilungen soll die
ganze Sammlung bestehen, nämlich I. Schriftsteller, II. Gesetze, III.
Kaiserurkunden, IV. Briefe, V. Antiquitäten. Für alle sind bedeutende
Vorarbeiten gemacht worden, und während Pertz nur die beiden ersten
Abtheilungen wirklich begonnen hatte, sind sie seit der neuen Organisation
jetzt alle in der Ausführung begriffen.
Eigentlich hätten die ältesten Annalen des Mittelalters und die
Geschichtschreiber der Gothen, Merowinger und Langobarden das Werk
eröffnen sollen; die Vorarbeiten dazu waren aber so schwierig, und die
Benutzung so unentbehrlicher Handschriften noch nachzuholen, daß diese
ganze Abtheilung einstweilen übergangen wurde, um nicht zu lange mit
dem wirklichen Beginn der Publicationen zögern zu müssen. Jetzt erst, nach
wiederholten Reisen durch Frankreich, Belgien, England, Spanien, Italien,
Rußland, sind die Vorbereitungen der Vollendung nahe gerückt, und die
Herausgabe dieser sehnlich erwarteten Quellen ist ernstlich in Angriff
genommen, größtentheils schon erfolgt.
Den Anfang machten also aus diesen Gründen die kar ol ing i sch en
Annal en[13], welche mit ihren Anfängen noch in die merowingische Zeit
hinaufreichen und mit den Fortsetzungen zum Theil durch das ganze
Mittelalter sich erstrecken. Nur wer die Verwirrung, den verwahrlosten
Zustand kennt, in welchem sich früher diese Annalen befanden, an
verschiedenen Orten und größtentheils in sehr fehlerhafter Gestalt gedruckt,
ohne Unterscheidung ihres echten, gleichzeitig niedergeschriebenen
Gehaltes und der späteren Zusätze, nur der kann sich eine richtige
Vorstellung machen von dem außerordentlichen Gewinn, welcher der
Geschichtsforschung daraus erwuchs, daß nun alle jene Annalen in einem
Zeitschrift übertragen wurde, da Büchler und Dümge beide von ihrem
Großherzog abberufen waren[12].
Im Jahre 1824 wurde der definitive Plan des Werkes veröffentlicht,
und 1826 erschien der erste Band desselben. Aus 5 Abtheilungen soll die
ganze Sammlung bestehen, nämlich I. Schriftsteller, II. Gesetze, III.
Kaiserurkunden, IV. Briefe, V. Antiquitäten. Für alle sind bedeutende
Vorarbeiten gemacht worden, und während Pertz nur die beiden ersten
Abtheilungen wirklich begonnen hatte, sind sie seit der neuen Organisation
jetzt alle in der Ausführung begriffen.
Eigentlich hätten die ältesten Annalen des Mittelalters und die
Geschichtschreiber der Gothen, Merowinger und Langobarden das Werk
eröffnen sollen; die Vorarbeiten dazu waren aber so schwierig, und die
Benutzung so unentbehrlicher Handschriften noch nachzuholen, daß diese
ganze Abtheilung einstweilen übergangen wurde, um nicht zu lange mit
dem wirklichen Beginn der Publicationen zögern zu müssen. Jetzt erst, nach
wiederholten Reisen durch Frankreich, Belgien, England, Spanien, Italien,
Rußland, sind die Vorbereitungen der Vollendung nahe gerückt, und die
Herausgabe dieser sehnlich erwarteten Quellen ist ernstlich in Angriff
genommen, größtentheils schon erfolgt.
Den Anfang machten also aus diesen Gründen die kar ol ing i sch en
Annal en[13], welche mit ihren Anfängen noch in die merowingische Zeit
hinaufreichen und mit den Fortsetzungen zum Theil durch das ganze
Mittelalter sich erstrecken. Nur wer die Verwirrung, den verwahrlosten
Zustand kennt, in welchem sich früher diese Annalen befanden, an
verschiedenen Orten und größtentheils in sehr fehlerhafter Gestalt gedruckt,
ohne Unterscheidung ihres echten, gleichzeitig niedergeschriebenen
Gehaltes und der späteren Zusätze, nur der kann sich eine richtige
Vorstellung machen von dem außerordentlichen Gewinn, welcher der
Geschichtsforschung daraus erwuchs, daß nun alle jene Annalen in einem
Page 47
Bande vereinigt, kritisch gesichtet und durch neue Entdeckungen
bereichert, zur ungehinderten Benutzung bereitet vorlagen. Daß eben
hierdurch auch die Möglichkeit gegeben wurde, über die ursprüngliche
Arbeit hinauszugehen und die Kritik weiter zu führen, liegt in der Natur der
Dinge.
Nach einer neuen Reise des Herausgebers nach den Niederlanden,
Paris und England erschien 1829 der zweite Band[14], welcher die
Chroniken und Biographieen der karolingischen Periode enthält. Den
Anfang aber bilden die Geschichtsquellen des Klosters S t . Gall en,
bearbeitet von I ld ef ons von Ar x[15], welche mit dem alten Leben des
Stifters beginnen und bis zum Jahre 1233 unzertheilt beisammen gelassen
wurden. Das Leben des heiligen Ansgar bearbeitete für diesen Band
Dahl m ann.
Einen neuen sehr bedeutenden Fortschritt brachten die beiden Bände
L eg es 1835 und 1837. Auch hier wurden einstweilen die alten Volksrechte
noch bei Seite gelassen; erst 1863 erschien der dritte Band, welcher die
Gesetze der Alamannen und Baiern von Jo h. Mer kel, der Burgunden von
B l uhm e, der Friesen von R ichth of en bearbeitet enthält; 1868 im vierten
Band das von F r. B lu hm e und Alf r ed B o r et iu s bearbeitete Recht der
Langobarden; von diesen Volksrechten aber erscheinen jetzt neue
Bearbeitungen in der Quart-Ausgabe. Die jüngeren Rechtsbücher blieben
der Thätigkeit der Rechtshistoriker überlassen, während die Reichstagsacten
seit König Wenzels Wahl von der historischen Commission übernommen
sind. Von jenen beiden Bänden aber umfaßt der erste die Capitularien bis
921, der zweite außer neu aufgefundenen Supplementen Reichsgesetze,
kaiserliche Verordnungen, Rechtsprüche, Verträge und andere wichtige
Urkunden bis 1313; hier ist namentlich aus den Vaticanischen Regesten viel
neues von erheblicher Bedeutung mitgetheilt. Ein Anhang enthält in völlig
principloser Mischung unechte Capitularien, Synodalbeschlüsse, und einige
päbstliche Bullen. Die verfälschte Capitularien-Sammlung des
B en edi ct u s levi t a ist hier von dem leider zu früh der Wissenschaft
bereichert, zur ungehinderten Benutzung bereitet vorlagen. Daß eben
hierdurch auch die Möglichkeit gegeben wurde, über die ursprüngliche
Arbeit hinauszugehen und die Kritik weiter zu führen, liegt in der Natur der
Dinge.
Nach einer neuen Reise des Herausgebers nach den Niederlanden,
Paris und England erschien 1829 der zweite Band[14], welcher die
Chroniken und Biographieen der karolingischen Periode enthält. Den
Anfang aber bilden die Geschichtsquellen des Klosters S t . Gall en,
bearbeitet von I ld ef ons von Ar x[15], welche mit dem alten Leben des
Stifters beginnen und bis zum Jahre 1233 unzertheilt beisammen gelassen
wurden. Das Leben des heiligen Ansgar bearbeitete für diesen Band
Dahl m ann.
Einen neuen sehr bedeutenden Fortschritt brachten die beiden Bände
L eg es 1835 und 1837. Auch hier wurden einstweilen die alten Volksrechte
noch bei Seite gelassen; erst 1863 erschien der dritte Band, welcher die
Gesetze der Alamannen und Baiern von Jo h. Mer kel, der Burgunden von
B l uhm e, der Friesen von R ichth of en bearbeitet enthält; 1868 im vierten
Band das von F r. B lu hm e und Alf r ed B o r et iu s bearbeitete Recht der
Langobarden; von diesen Volksrechten aber erscheinen jetzt neue
Bearbeitungen in der Quart-Ausgabe. Die jüngeren Rechtsbücher blieben
der Thätigkeit der Rechtshistoriker überlassen, während die Reichstagsacten
seit König Wenzels Wahl von der historischen Commission übernommen
sind. Von jenen beiden Bänden aber umfaßt der erste die Capitularien bis
921, der zweite außer neu aufgefundenen Supplementen Reichsgesetze,
kaiserliche Verordnungen, Rechtsprüche, Verträge und andere wichtige
Urkunden bis 1313; hier ist namentlich aus den Vaticanischen Regesten viel
neues von erheblicher Bedeutung mitgetheilt. Ein Anhang enthält in völlig
principloser Mischung unechte Capitularien, Synodalbeschlüsse, und einige
päbstliche Bullen. Die verfälschte Capitularien-Sammlung des
B en edi ct u s levi t a ist hier von dem leider zu früh der Wissenschaft
Page 48
entrissenen Dr. Knust herausgegeben, welcher auf der Heimkehr aus
Spanien in Paris am 9. October 1841 verstarb[16]. Seine Ausgabe wird ihren
kritischen Werth behaupten, aber die in der vorausgeschickten Abhandlung
niedergelegten Untersuchungen sind von P aul Hi nsch i us in seiner
Ausgabe der Decretales Pseudo-Isidorianae (1863) zum Theil widerlegt und
berichtigt. Diese beiden ersten Bände der Leges sind längst vergriffen und
eine neue Ausgabe war um so nothwendiger, da die ursprüngliche Arbeit in
hohem Grade durch Flüchtigkeitsfehler entstellt ist. A lf r ed B or etius,
welcher in seiner Schrift: Die Capitularien im Langobardenreich (Halle
1864) diese Mängel nachgewiesen hatte, hat auch die neue Ausgabe der
Capitularien besorgt; nach seiner schweren Erkrankung trat für ihn Dr.
Kr au se ein. Mit der Bearbeitung der Reichsgesetze ist L . Weil and
beschäftigt. Als eine überaus werthvolle Ergänzung ist die Ausgabe der
Formeln von K . Z eum er hinzugetreten.
In besserer Weise wurde mit Benutzung tüchtiger jüngerer Kräfte die
Reihe der Scriptores fortgeführt; in rascher Folge erschienen 1839 und 1841
der dritte und vierte Band, welche die P er io de der sächsi sch en
Kai ser enthalten. Bei diesen trat G. Wai tz als Mitarbeiter ein, während
L ap pen berg, der die Geschichtsquellen der niederelbischen Lande
übernommen hatte, hier als Erstling den Thietmar von Merseburg
bearbeitete, dem später Adam von Bremen u. a. folgten. Für die Zeit der
Karolinger hatten zwei Bände genügt und ebenso noch für die Zeit der
Ottonen zwei von etwas stärkerem Umfange; die Salier dagegen, mit
Lothar, erforderten acht Bände, die von 1844 bis 1856 erschienen; so sehr
wächst um diese Zeit die Masse des Stoffes. Neben Waitz finden wir hier
auch C . L . B et h m ann thätig, der schon längere Zeit an den Vorarbeiten
Theil genommen und namentlich in den Bibliotheken Frankreichs und
Belgiens gearbeitet hatte; es gelang ihm u. a. die Urschrift der Chronik des
Sigebert zu entdecken, welche mit allen ihren Fortsetzungen im 6. Bande
erschien. Eine längere Reihe jüngerer Mitarbeiter hat sich den schon
genannten angeschlossen, in den letzten Jahren häufiger wechselnd; von der
ersten Generation ist nur G. Wait z fortwährend noch als Herausgeber
Spanien in Paris am 9. October 1841 verstarb[16]. Seine Ausgabe wird ihren
kritischen Werth behaupten, aber die in der vorausgeschickten Abhandlung
niedergelegten Untersuchungen sind von P aul Hi nsch i us in seiner
Ausgabe der Decretales Pseudo-Isidorianae (1863) zum Theil widerlegt und
berichtigt. Diese beiden ersten Bände der Leges sind längst vergriffen und
eine neue Ausgabe war um so nothwendiger, da die ursprüngliche Arbeit in
hohem Grade durch Flüchtigkeitsfehler entstellt ist. A lf r ed B or etius,
welcher in seiner Schrift: Die Capitularien im Langobardenreich (Halle
1864) diese Mängel nachgewiesen hatte, hat auch die neue Ausgabe der
Capitularien besorgt; nach seiner schweren Erkrankung trat für ihn Dr.
Kr au se ein. Mit der Bearbeitung der Reichsgesetze ist L . Weil and
beschäftigt. Als eine überaus werthvolle Ergänzung ist die Ausgabe der
Formeln von K . Z eum er hinzugetreten.
In besserer Weise wurde mit Benutzung tüchtiger jüngerer Kräfte die
Reihe der Scriptores fortgeführt; in rascher Folge erschienen 1839 und 1841
der dritte und vierte Band, welche die P er io de der sächsi sch en
Kai ser enthalten. Bei diesen trat G. Wai tz als Mitarbeiter ein, während
L ap pen berg, der die Geschichtsquellen der niederelbischen Lande
übernommen hatte, hier als Erstling den Thietmar von Merseburg
bearbeitete, dem später Adam von Bremen u. a. folgten. Für die Zeit der
Karolinger hatten zwei Bände genügt und ebenso noch für die Zeit der
Ottonen zwei von etwas stärkerem Umfange; die Salier dagegen, mit
Lothar, erforderten acht Bände, die von 1844 bis 1856 erschienen; so sehr
wächst um diese Zeit die Masse des Stoffes. Neben Waitz finden wir hier
auch C . L . B et h m ann thätig, der schon längere Zeit an den Vorarbeiten
Theil genommen und namentlich in den Bibliotheken Frankreichs und
Belgiens gearbeitet hatte; es gelang ihm u. a. die Urschrift der Chronik des
Sigebert zu entdecken, welche mit allen ihren Fortsetzungen im 6. Bande
erschien. Eine längere Reihe jüngerer Mitarbeiter hat sich den schon
genannten angeschlossen, in den letzten Jahren häufiger wechselnd; von der
ersten Generation ist nur G. Wait z fortwährend noch als Herausgeber
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einzelner Werke betheiligt geblieben. So ersprießlich nun auch für die
rasche Ausführung des Unternehmens sich die thatsächlich durchaus
monarchische Leitung anfänglich erwiesen hatte, so zeigte sich im Verlaufe
desselben immer deutlicher, daß seine große Ausdehnung die Kräfte eines
Mannes überstieg[17], wie denn auch die ursprünglichen Statuten eine ganz
andere Form vorgeschrieben hatten. Nachdem schon am Bundestage nach
dem Referate Roberts von Mohl eine Aenderung der Leitung in Angriff
genommen war, nahm nach den Kriegsjahren der neue Bundesrath sich der
Sache an, und im Januar 1875 ist unter der Vermittelung der Berliner
Akademie der Wissenschaften eine neue Organisation ins Leben gerufen.
Die Leitung des ganzen Unternehmens hat jetzt eine Centraldirection, deren
Vorsitzender bis an seinen Tod G . Wait z war, jetzt E . Düm m l er; die
einzelnen Abtheilungen sind besonderen Leitern selbständig übergeben.
Wai t z selbst übernahm die Scriptores und provisorisch die Leges, T h.
Mom m sen die 'Auctores antiquissimi' der Uebergangszeit als eigene
Abtheilung, S ickel die Diplomata, Wat ten bach die Briefe, Düm m ler
die Antiquitates. Als beschlossen war, auch die Concilien der
Merowingerzeit aufzunehmen, übernahm Maaß en die Vorbereitung der
Ausgabe. Für solche Serien, welche neu begonnen werden, ist ein
bequemeres Quartformat eingeführt. Als Fortsetzung des Ar ch ivs der
Gesellschaft erscheint das Neue Ar chiv, von welchem jährlich ein Band
ausgegeben wird; dasselbe beginnt mit einem Bericht über die
Neugestaltung der Direction und bringt regelmäßig Berichte über die
jährlichen Versammlungen der Centraldirection und den Stand der Arbeiten.
Von dem Deutschen Reich und Oesterreich sind bedeutende Geldmittel
bewilligt, welche eine gesteigerte Betreibung der Arbeiten durch zahlreiche
Gelehrte ermöglichen.
Werfen wir nun einen Blick auf die Art der Ausführung, so treten uns
besonders zwei Hauptprincipien entgegen, welche im Vergleich mit den
älteren Sammlungen einen bedeutenden Fortschritt bezeugen: die genaue
rasche Ausführung des Unternehmens sich die thatsächlich durchaus
monarchische Leitung anfänglich erwiesen hatte, so zeigte sich im Verlaufe
desselben immer deutlicher, daß seine große Ausdehnung die Kräfte eines
Mannes überstieg[17], wie denn auch die ursprünglichen Statuten eine ganz
andere Form vorgeschrieben hatten. Nachdem schon am Bundestage nach
dem Referate Roberts von Mohl eine Aenderung der Leitung in Angriff
genommen war, nahm nach den Kriegsjahren der neue Bundesrath sich der
Sache an, und im Januar 1875 ist unter der Vermittelung der Berliner
Akademie der Wissenschaften eine neue Organisation ins Leben gerufen.
Die Leitung des ganzen Unternehmens hat jetzt eine Centraldirection, deren
Vorsitzender bis an seinen Tod G . Wait z war, jetzt E . Düm m l er; die
einzelnen Abtheilungen sind besonderen Leitern selbständig übergeben.
Wai t z selbst übernahm die Scriptores und provisorisch die Leges, T h.
Mom m sen die 'Auctores antiquissimi' der Uebergangszeit als eigene
Abtheilung, S ickel die Diplomata, Wat ten bach die Briefe, Düm m ler
die Antiquitates. Als beschlossen war, auch die Concilien der
Merowingerzeit aufzunehmen, übernahm Maaß en die Vorbereitung der
Ausgabe. Für solche Serien, welche neu begonnen werden, ist ein
bequemeres Quartformat eingeführt. Als Fortsetzung des Ar ch ivs der
Gesellschaft erscheint das Neue Ar chiv, von welchem jährlich ein Band
ausgegeben wird; dasselbe beginnt mit einem Bericht über die
Neugestaltung der Direction und bringt regelmäßig Berichte über die
jährlichen Versammlungen der Centraldirection und den Stand der Arbeiten.
Von dem Deutschen Reich und Oesterreich sind bedeutende Geldmittel
bewilligt, welche eine gesteigerte Betreibung der Arbeiten durch zahlreiche
Gelehrte ermöglichen.
Werfen wir nun einen Blick auf die Art der Ausführung, so treten uns
besonders zwei Hauptprincipien entgegen, welche im Vergleich mit den
älteren Sammlungen einen bedeutenden Fortschritt bezeugen: die genaue
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Wortkritik und die strenge Sichtung des Inhalts mit Bezug auf die Herkunft
und Glaubwürdigkeit der Nachrichten.
Zum ersten Male sind hier die mittelalterlichen Schriftsteller mit einer
Genauigkeit behandelt, wie sie früher nur classischen Autoren zugewandt
wurde. Von Anfang an wurde der Grundsatz aufgestellt und in der Regel
auch befolgt, für jeden Schriftsteller alle erreichbaren handschriftlichen
Hülfsmittel zusammenzubringen, ohne Rücksicht auf frühere Drucke nur
die beste Handschrift zu Grunde zu legen, und durch Vergleichung der
übrigen die möglichste Reinheit und Sicherheit des Textes zu erstreben.
Wenn auch durch frühere Sorglosigkeit, durch die Verwüstungen der
Bauernkriege und die stürmischen Zeiten am Ende des vorigen Jahrhunderts
viel zu Grunde gegangen ist, so hat sich doch, wie die unternommenen
Reisen nach und nach ergaben, mehr erhalten, als man irgend erwartet hatte.
Und wenn auch jetzt manche Handschrift vermisst wird, welche den
Maurinern noch vorlag, so bietet dagegen unsere Zeit den Vortheil, daß fast
alle Bibliotheken und Archive der wissenschaftlichen Forschung zugänglich
sind, während jene noch häufig über die eifersüchtige Verweigerung des
Eintritts Klage führten. Hat doch selbst Mabillon in Salzburg, so festlich er
auch dort empfangen wurde, keine Handschrift zu sehen bekommen[18].
Von nicht geringerer Wichtigkeit als die Correctheit der Texte ist aber
zweitens die genaue kritische Analyse der Quellen. Nicht nur sind dadurch
mehrere früher allgemein benutzte Schriften als untergeschoben gänzlich
ausgeschieden worden, sondern auch die echten Chronisten werden erst
dadurch dem Geschichtsforscher recht brauchbar, daß ihm auf den ersten
Blick entgegentritt, was jedem eigenthümlich, was von anderen entlehnt ist,
und woher er es entnommen hat. Zuerst in der Ausgabe des Regino, und seit
dem vierten Bande der Scriptores in consequenter Durchführung, wird alles
von anderen unmittelbar entlehnte auch durch Petitdruck kenntlich
gemacht, was die Benutzung ungemein erleichtert. Das wird jeder zu
würdigen wissen, welcher irgend Gelegenheit gehabt hat, andere
und Glaubwürdigkeit der Nachrichten.
Zum ersten Male sind hier die mittelalterlichen Schriftsteller mit einer
Genauigkeit behandelt, wie sie früher nur classischen Autoren zugewandt
wurde. Von Anfang an wurde der Grundsatz aufgestellt und in der Regel
auch befolgt, für jeden Schriftsteller alle erreichbaren handschriftlichen
Hülfsmittel zusammenzubringen, ohne Rücksicht auf frühere Drucke nur
die beste Handschrift zu Grunde zu legen, und durch Vergleichung der
übrigen die möglichste Reinheit und Sicherheit des Textes zu erstreben.
Wenn auch durch frühere Sorglosigkeit, durch die Verwüstungen der
Bauernkriege und die stürmischen Zeiten am Ende des vorigen Jahrhunderts
viel zu Grunde gegangen ist, so hat sich doch, wie die unternommenen
Reisen nach und nach ergaben, mehr erhalten, als man irgend erwartet hatte.
Und wenn auch jetzt manche Handschrift vermisst wird, welche den
Maurinern noch vorlag, so bietet dagegen unsere Zeit den Vortheil, daß fast
alle Bibliotheken und Archive der wissenschaftlichen Forschung zugänglich
sind, während jene noch häufig über die eifersüchtige Verweigerung des
Eintritts Klage führten. Hat doch selbst Mabillon in Salzburg, so festlich er
auch dort empfangen wurde, keine Handschrift zu sehen bekommen[18].
Von nicht geringerer Wichtigkeit als die Correctheit der Texte ist aber
zweitens die genaue kritische Analyse der Quellen. Nicht nur sind dadurch
mehrere früher allgemein benutzte Schriften als untergeschoben gänzlich
ausgeschieden worden, sondern auch die echten Chronisten werden erst
dadurch dem Geschichtsforscher recht brauchbar, daß ihm auf den ersten
Blick entgegentritt, was jedem eigenthümlich, was von anderen entlehnt ist,
und woher er es entnommen hat. Zuerst in der Ausgabe des Regino, und seit
dem vierten Bande der Scriptores in consequenter Durchführung, wird alles
von anderen unmittelbar entlehnte auch durch Petitdruck kenntlich
gemacht, was die Benutzung ungemein erleichtert. Das wird jeder zu
würdigen wissen, welcher irgend Gelegenheit gehabt hat, andere
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Sammlungen und Ausgaben zu benutzen, wo der gewissenhafte Forscher
diese Arbeit stets von neuem vornehmen muß, während freilich viele es sich
leichter machen und ohne Unterscheidung gleichzeitige, spätere und
abgeleitete Nachrichten benutzen.
Die Rei h en f o lge der Quellen ist chr o nolo gisch, und zwar in
zweifacher Weise, zuerst nach den angegebenen größeren Perioden und
dann wieder innerhalb der kleineren Abtheilungen. In einer solchen Periode
werden nämlich zuerst die Annalen gegeben, streng nach Jahren geordnete,
oft gleichzeitige, in der Regel kurze Aufzeichnungen[19]. Darauf folgen die
Chroniken und Geschichten, welche zum Theil noch die annalistische Form
beibehalten, doch nur als äußere Gestalt, denn sie sind meistens nicht
gleichzeitig und unterbrochen, sondern zusammenhängend, im Rückblick
auf einen größeren Zeitraum aufgezeichnet, und versuchen, über die bloße
Aufzeichnung der Thatsachen hinausgehend, deren pragmatische
Verbindung und innere Entwicklung nachzuweisen. Den allgemeineren
Werken dieser Art schließen sich die Localchroniken an, deren wir aus der
älteren Zeit manche von Klöstern und Bisthümern besitzen, während später
die Chroniken der Länder und Städte beginnen, und allmählich ganz das
Uebergewicht gewinnen. Den Schluß bilden die Biographieen und kleineren
Erzählungen verschiedener Art, welche nebst den Localchroniken in das
lebendige Treiben der Zeit einführen, und denen wir größtentheils das
Fleisch und Blut zu dem chronologischen Gerüste der Annalen verdanken.
Es versteht sich von selbst, daß diese Gattungen durch keine scharfe
Grenzen gesondert sind, und manches Stück so sehr in der Mitte steht, daß
es nur nach zufälligen Umständen hier oder dort seine Stelle findet.
Innerhalb dieser Kategorieen ist die Anordnung wiederum
chronologisch, nach dem Endjahr, doch wird dieser Grundsatz nicht
pedantisch durchgeführt, sondern durch mancherlei Rücksichten
beeinträchtigt. Nicht nur wird nachträglich mitgetheilt, was während der
Arbeit neu entdeckt wird, sondern es bleibt auch oft das gleichartige
diese Arbeit stets von neuem vornehmen muß, während freilich viele es sich
leichter machen und ohne Unterscheidung gleichzeitige, spätere und
abgeleitete Nachrichten benutzen.
Die Rei h en f o lge der Quellen ist chr o nolo gisch, und zwar in
zweifacher Weise, zuerst nach den angegebenen größeren Perioden und
dann wieder innerhalb der kleineren Abtheilungen. In einer solchen Periode
werden nämlich zuerst die Annalen gegeben, streng nach Jahren geordnete,
oft gleichzeitige, in der Regel kurze Aufzeichnungen[19]. Darauf folgen die
Chroniken und Geschichten, welche zum Theil noch die annalistische Form
beibehalten, doch nur als äußere Gestalt, denn sie sind meistens nicht
gleichzeitig und unterbrochen, sondern zusammenhängend, im Rückblick
auf einen größeren Zeitraum aufgezeichnet, und versuchen, über die bloße
Aufzeichnung der Thatsachen hinausgehend, deren pragmatische
Verbindung und innere Entwicklung nachzuweisen. Den allgemeineren
Werken dieser Art schließen sich die Localchroniken an, deren wir aus der
älteren Zeit manche von Klöstern und Bisthümern besitzen, während später
die Chroniken der Länder und Städte beginnen, und allmählich ganz das
Uebergewicht gewinnen. Den Schluß bilden die Biographieen und kleineren
Erzählungen verschiedener Art, welche nebst den Localchroniken in das
lebendige Treiben der Zeit einführen, und denen wir größtentheils das
Fleisch und Blut zu dem chronologischen Gerüste der Annalen verdanken.
Es versteht sich von selbst, daß diese Gattungen durch keine scharfe
Grenzen gesondert sind, und manches Stück so sehr in der Mitte steht, daß
es nur nach zufälligen Umständen hier oder dort seine Stelle findet.
Innerhalb dieser Kategorieen ist die Anordnung wiederum
chronologisch, nach dem Endjahr, doch wird dieser Grundsatz nicht
pedantisch durchgeführt, sondern durch mancherlei Rücksichten
beeinträchtigt. Nicht nur wird nachträglich mitgetheilt, was während der
Arbeit neu entdeckt wird, sondern es bleibt auch oft das gleichartige
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zusammen. Namentlich wird die Fortsetzung nicht vom Hauptwerk
getrennt, wenn sie nicht ganz selbständiger Art ist. So sind die Casus S.
Galli bis 1233 beisammen geblieben, und Sigebert mit seinen Fortsetzern,
so auch Cosmas und die österreichischen wie die schwäbischen Annalen.
Dom Bouquet und seine ersten Fortsetzer haben das entgegengesetzte
Princip verfolgt. Sie gaben zu jeder Periode alles darauf bezügliche aus
allen Schriftstellern, wodurch scheinbar ein großer Vortheil für den
Geschichtschreiber erreicht wird, da er seinen ganzen Stoff übersichtlich
vor Augen hat. Dagegen aber wird es ihm außerordentlich schwer, ein
kritisches Urtheil über die Quellen zu gewinnen, weil er sie nirgends
vollständig beisammen hat; und doch kommt bei der geschichtlichen
Forschung gerade darauf so viel an: es ist wenig damit gewonnen, die Worte
einer historischen Nachricht zu haben, wenn man nicht weiß, wie viel
Glauben der Schriftsteller verdient, und wie die ganze Art und Weise seiner
Auffassung und Darstellung beschaffen ist.
Während nun bei Bouquet z. B. der Sigebert in viele Bände vertheilt
ist, bleibt in den Mon. Germ. jeder Schriftsteller so viel wie möglich in
seiner Integrität; man hat auch nicht, wie Stenzel früher vorschlug,
dasjenige weggelassen, was der Verfasser nur aus anderen bekannten
Quellen entlehnt hat; sondern man hat es wenigstens bei den bedeutenderen
Schriftstellern vorgezogen, diese Theile nur durch kleineren Druck
kenntlich zu machen, weil es für uns auch von Wichtigkeit ist zu wissen,
wie die Schriftsteller der Zeit die Vergangenheit behandelten, aus welchen
abgeleiteten Quellen die Folgezeit ihre Kenntniß schöpfte, und wie auf
diese Weise die Kunde der Geschichte allmählich verengt und entstellt
wurde. So hat z. B. die Chronik des Martin von Troppau fast gar keinen
eigenen Werth, aber sein Compendium der Pabst-und Kaisergeschichte ist
nichtsdestoweniger sehr wichtig, weil es Jahrhunderte lang die Hauptquelle
der Geschichtskenntniß blieb.
getrennt, wenn sie nicht ganz selbständiger Art ist. So sind die Casus S.
Galli bis 1233 beisammen geblieben, und Sigebert mit seinen Fortsetzern,
so auch Cosmas und die österreichischen wie die schwäbischen Annalen.
Dom Bouquet und seine ersten Fortsetzer haben das entgegengesetzte
Princip verfolgt. Sie gaben zu jeder Periode alles darauf bezügliche aus
allen Schriftstellern, wodurch scheinbar ein großer Vortheil für den
Geschichtschreiber erreicht wird, da er seinen ganzen Stoff übersichtlich
vor Augen hat. Dagegen aber wird es ihm außerordentlich schwer, ein
kritisches Urtheil über die Quellen zu gewinnen, weil er sie nirgends
vollständig beisammen hat; und doch kommt bei der geschichtlichen
Forschung gerade darauf so viel an: es ist wenig damit gewonnen, die Worte
einer historischen Nachricht zu haben, wenn man nicht weiß, wie viel
Glauben der Schriftsteller verdient, und wie die ganze Art und Weise seiner
Auffassung und Darstellung beschaffen ist.
Während nun bei Bouquet z. B. der Sigebert in viele Bände vertheilt
ist, bleibt in den Mon. Germ. jeder Schriftsteller so viel wie möglich in
seiner Integrität; man hat auch nicht, wie Stenzel früher vorschlug,
dasjenige weggelassen, was der Verfasser nur aus anderen bekannten
Quellen entlehnt hat; sondern man hat es wenigstens bei den bedeutenderen
Schriftstellern vorgezogen, diese Theile nur durch kleineren Druck
kenntlich zu machen, weil es für uns auch von Wichtigkeit ist zu wissen,
wie die Schriftsteller der Zeit die Vergangenheit behandelten, aus welchen
abgeleiteten Quellen die Folgezeit ihre Kenntniß schöpfte, und wie auf
diese Weise die Kunde der Geschichte allmählich verengt und entstellt
wurde. So hat z. B. die Chronik des Martin von Troppau fast gar keinen
eigenen Werth, aber sein Compendium der Pabst-und Kaisergeschichte ist
nichtsdestoweniger sehr wichtig, weil es Jahrhunderte lang die Hauptquelle
der Geschichtskenntniß blieb.
Page 53
In manchen Fällen jedoch war es nicht rathsam oder thunlich, die
ganzen Werke aufzunehmen, und dann hat man sich auf Auszüge
beschränkt; wenn nämlich die Hauptmasse der deutschen Geschichte fern
liegt, fremde Länder oder zu entlegene Zeiten betrifft, wenn zwischen
theologischen und anderen Betrachtungen sich nur vereinzelt geschichtliche
Nachrichten finden, oder wenn eine wüste Compilation vorlag, welche
keinen Anspruch darauf machen kann, als litterarisches Erzeugniß
behandelt zu werden. Deutsche Hauptschriftsteller dagegen, welche durch
ihre ganze Persönlichkeit bedeutend sind, haben ein wohlbegründetes Recht
darauf, in ihrer ganzen Individualität aufgefaßt zu werden, und Männern
wie Otto von Freising darf man ihre Werke nicht verstümmeln[20].
Von auswärtigen Geschichtsquellen sind von Anfang an nicht selten
Auszüge mitgetheilt; in der Periode der Staufer haben diese einen sehr
großen Umfang gewonnen. Es bedarf zu ihrer Bearbeitung einer sehr
großen Arbeit voll Selbstverleugnung, da gewöhnlich zur Gewinnung der
Auszüge das ganze Werk kritisch untersucht werden mußte. Für die
Benutzung aber ist bei der oft schwierigen Zugänglichkeit der Ausgaben
diese Zusammenstellung eine große Wohlthat, und ein gegen dieses ganze
Verfahren gerichteter Angriff hat deshalb von vielen Seiten eine scharfe
Zurückweisung hervorgerufen; es genügt hier, auf die Schrift von O.
Hol der- E g ger zu verweisen: „Die Monumenta Germaniae und ihr
neuester Kritiker“ (Hann. 1888).
Von manchen der bedeutenderen Quellen sind nun neben der großen
Sammlung auch Octavausgab en veranstaltet, ursprünglich ohne den
kritischen Apparat, jetzt aber mit demselben. Auch werden in dieser Form
neue Ausgaben veranstaltet und einzelne ferner liegende Quellen vorläufig
mitgetheilt.
Ueber diesen ganzen reichhaltigen, aber wegen verschiedener
Umstände nicht systematisch geordneten und schwer zu übersehenden
Inhalt gewährt jetzt ein ungemein dankenswerthes R ep er t or i um die
ganzen Werke aufzunehmen, und dann hat man sich auf Auszüge
beschränkt; wenn nämlich die Hauptmasse der deutschen Geschichte fern
liegt, fremde Länder oder zu entlegene Zeiten betrifft, wenn zwischen
theologischen und anderen Betrachtungen sich nur vereinzelt geschichtliche
Nachrichten finden, oder wenn eine wüste Compilation vorlag, welche
keinen Anspruch darauf machen kann, als litterarisches Erzeugniß
behandelt zu werden. Deutsche Hauptschriftsteller dagegen, welche durch
ihre ganze Persönlichkeit bedeutend sind, haben ein wohlbegründetes Recht
darauf, in ihrer ganzen Individualität aufgefaßt zu werden, und Männern
wie Otto von Freising darf man ihre Werke nicht verstümmeln[20].
Von auswärtigen Geschichtsquellen sind von Anfang an nicht selten
Auszüge mitgetheilt; in der Periode der Staufer haben diese einen sehr
großen Umfang gewonnen. Es bedarf zu ihrer Bearbeitung einer sehr
großen Arbeit voll Selbstverleugnung, da gewöhnlich zur Gewinnung der
Auszüge das ganze Werk kritisch untersucht werden mußte. Für die
Benutzung aber ist bei der oft schwierigen Zugänglichkeit der Ausgaben
diese Zusammenstellung eine große Wohlthat, und ein gegen dieses ganze
Verfahren gerichteter Angriff hat deshalb von vielen Seiten eine scharfe
Zurückweisung hervorgerufen; es genügt hier, auf die Schrift von O.
Hol der- E g ger zu verweisen: „Die Monumenta Germaniae und ihr
neuester Kritiker“ (Hann. 1888).
Von manchen der bedeutenderen Quellen sind nun neben der großen
Sammlung auch Octavausgab en veranstaltet, ursprünglich ohne den
kritischen Apparat, jetzt aber mit demselben. Auch werden in dieser Form
neue Ausgaben veranstaltet und einzelne ferner liegende Quellen vorläufig
mitgetheilt.
Ueber diesen ganzen reichhaltigen, aber wegen verschiedener
Umstände nicht systematisch geordneten und schwer zu übersehenden
Inhalt gewährt jetzt ein ungemein dankenswerthes R ep er t or i um die
Page 54
vortrefflichste Uebersicht, gemeinschaftlich verfasst von O. H ol d er-
E gger und K. Z eu m er[21].
Sehr zu rathen ist, die wichtigeren, jetzt so leicht zugänglich
gemachten Quellenschriften auch wirklich zu lesen, weil das bloße
Nachschlagen und Benutzen einzelner Stellen zu so vielen Irrthümern und
Mißverständnissen Anlaß giebt, und nur das Lesen im Zusammenhang die
richtige Anschauung gewährt; nur dadurch gewinnt man ein lebendiges Bild
von den einzelnen Schriftstellern, wie von der ganzen Zeit und der damals
herrschenden Art der Anschauung und Auffassung.
Noch besser wird vielleicht in manchen Fällen dieser Zweck erreicht
durch die schon von S tein gewünschten[22] U eber set zun gen aus denen
uns der Inhalt der Schriften weit reiner entgegentritt, indem der Leser hier
nicht durch die einzelnen Schwierigkeiten beschäftigt wird, die sonst leicht
seine Aufmerksamkeit zerstreuen. Auch wird man durch die
Uebersetzungen nicht selten auf Stellen aufmerksam gemacht, die man
früher übersah, und wenn die Uebersetzung gelungen ist, bietet sie kein
unbedeutendes Hülfsmittel dar zum richtigen Verständniß des Textes,
welches häufig gar nicht so leicht ist, wie der erste Anschein glauben läßt.
Denn das mittelalterliche Latein hat viel eigenthümliches, und nicht nur in
diese Sprache überhaupt, auch in den Sprachgebrauch der einzelnen
Schriftsteller muß man sich erst mit Sorgfalt hineinlesen, um ihn ganz zu
verstehen.
Die Wichtigkeit dieser seit 1849 unter dem Titel der
Geschi cht sch r ei ber d er deu tschen Vor zeit erscheinenden
Sammlung von Uebersetzungen ist deshalb unverkennbar, aber die
Ausführung ließ viel zu wünschen übrig. Die Ungleichartigkeit der
einzelnen Arbeiten ließ den Mangel einer eigentlichen Leitung sehr
empfinden, und manche Uebersetzung war voll von Fehlern. Von den auf
dem Titel genannten berühmten Namen hat nur Pertz sich der Sache
wirklich angenommen, doch begreiflicher Weise nur als Nebensache.
E gger und K. Z eu m er[21].
Sehr zu rathen ist, die wichtigeren, jetzt so leicht zugänglich
gemachten Quellenschriften auch wirklich zu lesen, weil das bloße
Nachschlagen und Benutzen einzelner Stellen zu so vielen Irrthümern und
Mißverständnissen Anlaß giebt, und nur das Lesen im Zusammenhang die
richtige Anschauung gewährt; nur dadurch gewinnt man ein lebendiges Bild
von den einzelnen Schriftstellern, wie von der ganzen Zeit und der damals
herrschenden Art der Anschauung und Auffassung.
Noch besser wird vielleicht in manchen Fällen dieser Zweck erreicht
durch die schon von S tein gewünschten[22] U eber set zun gen aus denen
uns der Inhalt der Schriften weit reiner entgegentritt, indem der Leser hier
nicht durch die einzelnen Schwierigkeiten beschäftigt wird, die sonst leicht
seine Aufmerksamkeit zerstreuen. Auch wird man durch die
Uebersetzungen nicht selten auf Stellen aufmerksam gemacht, die man
früher übersah, und wenn die Uebersetzung gelungen ist, bietet sie kein
unbedeutendes Hülfsmittel dar zum richtigen Verständniß des Textes,
welches häufig gar nicht so leicht ist, wie der erste Anschein glauben läßt.
Denn das mittelalterliche Latein hat viel eigenthümliches, und nicht nur in
diese Sprache überhaupt, auch in den Sprachgebrauch der einzelnen
Schriftsteller muß man sich erst mit Sorgfalt hineinlesen, um ihn ganz zu
verstehen.
Die Wichtigkeit dieser seit 1849 unter dem Titel der
Geschi cht sch r ei ber d er deu tschen Vor zeit erscheinenden
Sammlung von Uebersetzungen ist deshalb unverkennbar, aber die
Ausführung ließ viel zu wünschen übrig. Die Ungleichartigkeit der
einzelnen Arbeiten ließ den Mangel einer eigentlichen Leitung sehr
empfinden, und manche Uebersetzung war voll von Fehlern. Von den auf
dem Titel genannten berühmten Namen hat nur Pertz sich der Sache
wirklich angenommen, doch begreiflicher Weise nur als Nebensache.
Page 55
Jahrelang hat dann dieses Unternehmen gänzlich geruht, ist jedoch, seit
einigen Jahren wieder in Angriff genommen. Die Nützlichkeit desselben
bewährt sich auch dadurch, daß von vielen einzelnen Bänden neue Auflagen
nöthig geworden sind, und gegenwärtig erscheint, von Wat ten bach
geleitet, eine chronologisch fortschreitende neubearbeitete Auflage der
ganzen Sammlung.
[1] Vgl. Archiv I. VI, 294. MG. SS. I, Praefatio. Stein und die Monumenta
Germaniae Antrittsrede von Pertz 6. Aug. (rect. 6. Juli) 1843, gedr. in d. Allg. Preuß.
Zeitung 1843 N. 53 vom 22. August. Steins Leben von Pertz V, 57. 264 ff. u. s. w. an
vielen Stellen. E. Dümmler: Ueber die Entstehung der MG. Im neuen Reich 1876, II,
201 ff. Alfred Stern, Briefe des Freih. vom Stein an N. F. von Mülinen, NA. IX, 257-
268.
[2] Eine sehr nützliche Arbeit ist das Register über alle darin besprochene
Bibliotheken von Dr. H. Kohl im NA. II, 629-634.
[3] A. Stern im NA. IX. 265.
[4] Steins Leben V, 580 ff. Vgl. Anz. d. Germ. Mus. XXII (1875) S. 31.
[5] VI, 499.
[6] VI, 751.
[7] V, 567. 790. VI, 954.
[8] VI, 779.
[9] Steins Leben V, 364. Vgl. über Pertz: W. Arndt, Im neuen Reich 1876, II, 651-
657. G. Waitz im N. Archiv II, 454-473, vorzüglich zur Charakteristik seiner
Thätigkeit als Herausgeber. Necrolog von Giesebrecht, Münch. SB. 1877, S. 65-74.
Wattenbach, Allg. D. Biogr. XXV, 406-410.
[10] Steins Leben V, 412. 416. 478-483.
[11] Archiv V, 352.
[12] Eine außerordentlich warme und lebhafte Darstellung von Pertzens Verdiensten
um das Unternehmen findet sich in einem Briefe Boehmers an Gfroerer bei Janssen,
Boehmers Briefe, 450. Nach dem Necrolog des Raths Schlosser ib. II, 480, war
dieser Mitstifter und bewirkte durch seinen Einfluss vorzüglich, daß Pertz bei der
Ausführung an die Spitze kam.
[13] S. darüber Archiv VI, 251-373. Ausführliche Recension der beiden ersten
Bände, von Waitz, in den Jahrbüchern f. wiss. Kritik 1837, S. 694-731.
[14] S. Archiv VI, 274-294. Der Plan des Unternehmens war in dieser Zeit noch nicht
so ausgedehnt wie später, weshalb hier noch sehr wichtige Stücke, wie die V. Eigilis,
fehlen. Diese sind jetzt in den Ergänzungsbänden nachgetragen.
[15] Vgl. (Gerold Meyer von Knonau) P. Ildefons von Arx, St. Gallen 1874, 4, u.
dess. Art. in d. Allg. D. Biogr. I, 615.
[16] Seine sehr reichhaltigen und anziehenden Reisebriefe sind im Archiv VIII, S.
102-252, gedruckt.
einigen Jahren wieder in Angriff genommen. Die Nützlichkeit desselben
bewährt sich auch dadurch, daß von vielen einzelnen Bänden neue Auflagen
nöthig geworden sind, und gegenwärtig erscheint, von Wat ten bach
geleitet, eine chronologisch fortschreitende neubearbeitete Auflage der
ganzen Sammlung.
[1] Vgl. Archiv I. VI, 294. MG. SS. I, Praefatio. Stein und die Monumenta
Germaniae Antrittsrede von Pertz 6. Aug. (rect. 6. Juli) 1843, gedr. in d. Allg. Preuß.
Zeitung 1843 N. 53 vom 22. August. Steins Leben von Pertz V, 57. 264 ff. u. s. w. an
vielen Stellen. E. Dümmler: Ueber die Entstehung der MG. Im neuen Reich 1876, II,
201 ff. Alfred Stern, Briefe des Freih. vom Stein an N. F. von Mülinen, NA. IX, 257-
268.
[2] Eine sehr nützliche Arbeit ist das Register über alle darin besprochene
Bibliotheken von Dr. H. Kohl im NA. II, 629-634.
[3] A. Stern im NA. IX. 265.
[4] Steins Leben V, 580 ff. Vgl. Anz. d. Germ. Mus. XXII (1875) S. 31.
[5] VI, 499.
[6] VI, 751.
[7] V, 567. 790. VI, 954.
[8] VI, 779.
[9] Steins Leben V, 364. Vgl. über Pertz: W. Arndt, Im neuen Reich 1876, II, 651-
657. G. Waitz im N. Archiv II, 454-473, vorzüglich zur Charakteristik seiner
Thätigkeit als Herausgeber. Necrolog von Giesebrecht, Münch. SB. 1877, S. 65-74.
Wattenbach, Allg. D. Biogr. XXV, 406-410.
[10] Steins Leben V, 412. 416. 478-483.
[11] Archiv V, 352.
[12] Eine außerordentlich warme und lebhafte Darstellung von Pertzens Verdiensten
um das Unternehmen findet sich in einem Briefe Boehmers an Gfroerer bei Janssen,
Boehmers Briefe, 450. Nach dem Necrolog des Raths Schlosser ib. II, 480, war
dieser Mitstifter und bewirkte durch seinen Einfluss vorzüglich, daß Pertz bei der
Ausführung an die Spitze kam.
[13] S. darüber Archiv VI, 251-373. Ausführliche Recension der beiden ersten
Bände, von Waitz, in den Jahrbüchern f. wiss. Kritik 1837, S. 694-731.
[14] S. Archiv VI, 274-294. Der Plan des Unternehmens war in dieser Zeit noch nicht
so ausgedehnt wie später, weshalb hier noch sehr wichtige Stücke, wie die V. Eigilis,
fehlen. Diese sind jetzt in den Ergänzungsbänden nachgetragen.
[15] Vgl. (Gerold Meyer von Knonau) P. Ildefons von Arx, St. Gallen 1874, 4, u.
dess. Art. in d. Allg. D. Biogr. I, 615.
[16] Seine sehr reichhaltigen und anziehenden Reisebriefe sind im Archiv VIII, S.
102-252, gedruckt.
Page 56
[17] Vgl. darüber die Anzeige von SS. XXIII. und Arch. XII. von L. Weiland, GGA.
1877, S. 769-796.
[18] Vgl. darüber B. Pez, Thes. I. Diss. Isagog. p. V.
[19] In den letzten Bänden ist unter der Leitung von Pertz der Begriff der Annalen
immer weiter und, wie mir scheint, übermäßig ausgedehnt, z. B. auf Albert von
Stade, Vincenz von Prag.
[20] Sehr verständig äußert sich darüber am 21. Jan. 1821 Herr von Buchholz in
Wien, der mit lebhafter Theilnahme dem Unternehmen zugewandt war, Archiv III.
327, und schon früher E. M. Arndt in Steins Leben VI, 2, 129; vgl. V, 273. 366.
Ebenso auch Niebuhr, Arch. V, 729.
[21] Indices eorum quae in Monumentorum Germaniae historicorum tomis huiusque
editis continentur. Hannov. et Berol. 1890. 4.
[22] In einem Brief an Büchler vom 23. Juli 1827. Steins Leben VI, 1, 415. Böhmer
legte der Centraldirection den Plan zu einer solchen Sammlung vor, s. Janssen,
Böhmers Leben S. 129.
1877, S. 769-796.
[18] Vgl. darüber B. Pez, Thes. I. Diss. Isagog. p. V.
[19] In den letzten Bänden ist unter der Leitung von Pertz der Begriff der Annalen
immer weiter und, wie mir scheint, übermäßig ausgedehnt, z. B. auf Albert von
Stade, Vincenz von Prag.
[20] Sehr verständig äußert sich darüber am 21. Jan. 1821 Herr von Buchholz in
Wien, der mit lebhafter Theilnahme dem Unternehmen zugewandt war, Archiv III.
327, und schon früher E. M. Arndt in Steins Leben VI, 2, 129; vgl. V, 273. 366.
Ebenso auch Niebuhr, Arch. V, 729.
[21] Indices eorum quae in Monumentorum Germaniae historicorum tomis huiusque
editis continentur. Hannov. et Berol. 1890. 4.
[22] In einem Brief an Büchler vom 23. Juli 1827. Steins Leben VI, 1, 415. Böhmer
legte der Centraldirection den Plan zu einer solchen Sammlung vor, s. Janssen,
Böhmers Leben S. 129.
Page 57
§ 5. Andere Arbeiten des neunzehnten Jahrhunderts.
[←]
In weiten Kreisen hat das Unternehmen der Monumenta Germaniae
anregend gewirkt, es hat als Vorbild gedient in Turin und in England; aber
andererseits wurde es auch befördert durch mancherlei Bestrebungen
verwandter Art, und durch die lebhafte Aufmerksamkeit, welche überhaupt
für das Mittelalter einmal erweckt war und bald zu den gediegensten
Untersuchungen führte. R aum er, Rank e, S tenzel wirkten in
anregendster Weise sowohl mündlich wie schriftlich. Schon 1813 erschien
von Fr. v. Raumer das Handbuch merkwürdiger Stellen aus den lateinischen
Geschichtschreibern des Mittelalters, und die Geschichte der Hohenstaufen
(1824) gab das Beispiel einer lebendigen Benutzung der Quellen, einer auf
Leben, Verfassung, Sitte eingehenden Darstellung, welche nicht für den
Gelehrten allein geschrieben ist. Ranke stellte in seiner Schrift Zur Kritik
neuerer Geschichtschreiber, welche 1824 als Beilage zu seinen
Romanischen und Germanischen Geschichten erschien, das trefflichste
Muster der Quellenkritik auf[1], während seine praktischen Uebungen, aus
denen die Jahrbücher des deutschen Reichs unter den sächsischen Kaisern
hervorgegangen sind, die Mehrzahl der älteren Mitarbeiter an den
Monumenten ausgebildet haben.
Stenzel gab in seiner Geschichte der fränkischen Kaiser 1828 eine rein
nach Originalquellen gearbeitete Darstellung, welche um so
bewundernswerther erscheint, wenn man den damaligen Zustand der
Quellen und den Mangel an guten Hülfsmitteln und Vorarbeiten bedenkt.
Vorzüglich aber enthält der zweite Band treffliche Untersuchungen über
einzelne Geschichtsquellen dieser Zeit, und eine ausgezeichnete
Abhandlung über die bei ihrer Behandlung festzuhaltenden Grundsätze.
Seitdem haben sich diese Bestrebungen in immer weiteren Kreisen
verbreitet; aller Orten sind historische Vereine thätig für die Bearbeitung der
[←]
In weiten Kreisen hat das Unternehmen der Monumenta Germaniae
anregend gewirkt, es hat als Vorbild gedient in Turin und in England; aber
andererseits wurde es auch befördert durch mancherlei Bestrebungen
verwandter Art, und durch die lebhafte Aufmerksamkeit, welche überhaupt
für das Mittelalter einmal erweckt war und bald zu den gediegensten
Untersuchungen führte. R aum er, Rank e, S tenzel wirkten in
anregendster Weise sowohl mündlich wie schriftlich. Schon 1813 erschien
von Fr. v. Raumer das Handbuch merkwürdiger Stellen aus den lateinischen
Geschichtschreibern des Mittelalters, und die Geschichte der Hohenstaufen
(1824) gab das Beispiel einer lebendigen Benutzung der Quellen, einer auf
Leben, Verfassung, Sitte eingehenden Darstellung, welche nicht für den
Gelehrten allein geschrieben ist. Ranke stellte in seiner Schrift Zur Kritik
neuerer Geschichtschreiber, welche 1824 als Beilage zu seinen
Romanischen und Germanischen Geschichten erschien, das trefflichste
Muster der Quellenkritik auf[1], während seine praktischen Uebungen, aus
denen die Jahrbücher des deutschen Reichs unter den sächsischen Kaisern
hervorgegangen sind, die Mehrzahl der älteren Mitarbeiter an den
Monumenten ausgebildet haben.
Stenzel gab in seiner Geschichte der fränkischen Kaiser 1828 eine rein
nach Originalquellen gearbeitete Darstellung, welche um so
bewundernswerther erscheint, wenn man den damaligen Zustand der
Quellen und den Mangel an guten Hülfsmitteln und Vorarbeiten bedenkt.
Vorzüglich aber enthält der zweite Band treffliche Untersuchungen über
einzelne Geschichtsquellen dieser Zeit, und eine ausgezeichnete
Abhandlung über die bei ihrer Behandlung festzuhaltenden Grundsätze.
Seitdem haben sich diese Bestrebungen in immer weiteren Kreisen
verbreitet; aller Orten sind historische Vereine thätig für die Bearbeitung der
Page 58
vorherrschend localen Quellen. Eine Zeit lang war man vielfach geneigt,
alles von den Herausgebern der Monumenta zu erwarten, allein bald
erkannte man doch, daß diese die späteren Zeiten noch lange nicht
erreichen werden, und daß auch, je mehr mit der Zeit der Stoff anwächst
und sich zersplittert, desto weniger alles ohne Ausnahme Aufnahme finden
kann. Sehr zweckmäßig ist es daher, daß man angefangen hat, die Quellen
einzelner Gegenden selbständig herauszugeben, wobei dann auch das
spätere Mittelalter und das sechzehnte Jahrhundert mehr Berücksichtigung
gefunden haben. So erschienen von Mone die badischen
Geschichtsquellen, von Gr aut off die lübischen, von L appenb erg die
bremischen, hamburgischen, holsteinischen, von S ten zel die schlesischen,
von der Gesellschaft der Wissenschaften zu G ör li t z die Lausitzer[2], von
F icker, C or nel iu s, Janssen, Di ek am p die münsterischen, von
E nd li ch er die ungarischen, und vielfach sind einzelne Quellenschriften
abgesondert herausgegeben. In Böhmen, wo schon früher eine rege
Thätigkeit auf diesem Felde entfaltet war, legte P alacky durch seine
Würdigung der böhmischen Geschichtschreiber den Grund zu einer
erneuten kritischen Bearbeitung, und 1853 erschien von M. T öp pen die
Geschichte der preußischen Historiographie, als Vorläufer und Keim der
ausgezeichneten Sammlung der Scriptores Rerum Prussicarum, welche
jetzt in fünf Bänden vollendet vorliegt. Die S tädt ech r on iken, ein ebenso
wichtiges wie schwieriges Gebiet, hat die Münchener historische
Commission unter ihre Aufgaben aufgenommen und unter Kar l H egels
Leitung sind bereits zwanzig Bände erschienen.
Ueber das viele Material, welches in periodischen Schriften, besonders
in den Zeitschriften der historischen Vereine niedergelegt ist, orientirt das
Repertorium von Wal ther 1845 und das neuere und zugleich umfassendere
von K on er (1856). Eine weitere Fortsetzung fehlt leider.
Doch noch eines Mannes haben wir zu gedenken, der allein mehr
gewirkt hat, als die meisten Vereine, und von dem sich der anregendste
lebendigste Einfluß nach allen Seiten verbreitete. J. F. B öhm er,
alles von den Herausgebern der Monumenta zu erwarten, allein bald
erkannte man doch, daß diese die späteren Zeiten noch lange nicht
erreichen werden, und daß auch, je mehr mit der Zeit der Stoff anwächst
und sich zersplittert, desto weniger alles ohne Ausnahme Aufnahme finden
kann. Sehr zweckmäßig ist es daher, daß man angefangen hat, die Quellen
einzelner Gegenden selbständig herauszugeben, wobei dann auch das
spätere Mittelalter und das sechzehnte Jahrhundert mehr Berücksichtigung
gefunden haben. So erschienen von Mone die badischen
Geschichtsquellen, von Gr aut off die lübischen, von L appenb erg die
bremischen, hamburgischen, holsteinischen, von S ten zel die schlesischen,
von der Gesellschaft der Wissenschaften zu G ör li t z die Lausitzer[2], von
F icker, C or nel iu s, Janssen, Di ek am p die münsterischen, von
E nd li ch er die ungarischen, und vielfach sind einzelne Quellenschriften
abgesondert herausgegeben. In Böhmen, wo schon früher eine rege
Thätigkeit auf diesem Felde entfaltet war, legte P alacky durch seine
Würdigung der böhmischen Geschichtschreiber den Grund zu einer
erneuten kritischen Bearbeitung, und 1853 erschien von M. T öp pen die
Geschichte der preußischen Historiographie, als Vorläufer und Keim der
ausgezeichneten Sammlung der Scriptores Rerum Prussicarum, welche
jetzt in fünf Bänden vollendet vorliegt. Die S tädt ech r on iken, ein ebenso
wichtiges wie schwieriges Gebiet, hat die Münchener historische
Commission unter ihre Aufgaben aufgenommen und unter Kar l H egels
Leitung sind bereits zwanzig Bände erschienen.
Ueber das viele Material, welches in periodischen Schriften, besonders
in den Zeitschriften der historischen Vereine niedergelegt ist, orientirt das
Repertorium von Wal ther 1845 und das neuere und zugleich umfassendere
von K on er (1856). Eine weitere Fortsetzung fehlt leider.
Doch noch eines Mannes haben wir zu gedenken, der allein mehr
gewirkt hat, als die meisten Vereine, und von dem sich der anregendste
lebendigste Einfluß nach allen Seiten verbreitete. J. F. B öhm er,
Page 59
Bibliothekar in Frankfurt a. M. und mit Pertz Director der Gesellschaft für
ältere deutsche Geschichtskunde[3], hatte anfangs die Redaction der
Abtheilung der Kaiserurkunden übernommen, diese aber später wieder
aufgegeben, und sich auf die ursprünglich als Vorarbeit dafür begonnenen
Regesten beschränkt. Diese haben in den neueren Bearbeitungen immer
weitere Ausdehnung erhalten; die kurzen Urkundenauszüge sind
vollständiger geworden und durch Auszüge aus den Geschichtschreibern
und Annalen in Verbindung gebracht; das ganze historische Material einer
Periode wird dem Geschichtsforscher geordnet vor Augen gelegt und in den
Einleitungen die Quellen besprochen und gewürdigt. Der zuerst erschienene
Theil, von 919 bis 1197, bedurfte begreiflicher Weise auch zuerst der
Berichtigung und Ergänzung. Diese Aufgabe stellte sich K . F. S t u m p f in
seinem Werke: „Die Reichskanzler vornehmlich des X., XI. u. XII.
Jahrhunderts“, dessen Abschluss J. F icker nach dem frühen Tode des
Verfassers in der Weise besorgte, daß durch Aufnahme von Böhmers
Citaten das Buch selbständig geworden ist und man der alten Regesten
nicht mehr bedarf. Außerdem aber ist eine Neubearbeitung des ganzen
Regestenwerkes in erweiterter Form in Angriff genommen, wovon die
Regesten der Karolinger von E ng elb er t Müh lbacher, und die der
Staufer von 1198 bis 1272, von F icker, ihrer Vollendung entgegen gehen.
Neben dieser, für die historischen Studien unendlich fruchtreichen
Arbeit wurde B öh m er durch die Verwahrlosung der späteren Chroniken
und den Besitz an reichem, aus Handschriften gewonnenem Stoff veranlaßt,
in den drei Bänden seiner Fontes Rerum Germanicarum auch eine eigene
Quellensammlung erscheinen zu lassen, welche für das zwölfte bis
vierzehnte Jahrhundert vom ausgezeichnetsten Werthe ist. Mit
mannigfachen Entwürfen beschäftigt, die nicht mehr zur Ausführung
kamen, ist Böhmer am 22. October 1863 in Frankfurt gestorben; in seinem
letzten Willen hat er für die geeignete Verwerthung seines handschriftlichen
Nachlasses und die Fortführung seiner Arbeiten Fürsorge getroffen. Auch
ist bereits durch Al f ons Hub er der vierte Band der Fontes
herausgegeben, während eine große Fülle von werthvollem, urkundlichem
ältere deutsche Geschichtskunde[3], hatte anfangs die Redaction der
Abtheilung der Kaiserurkunden übernommen, diese aber später wieder
aufgegeben, und sich auf die ursprünglich als Vorarbeit dafür begonnenen
Regesten beschränkt. Diese haben in den neueren Bearbeitungen immer
weitere Ausdehnung erhalten; die kurzen Urkundenauszüge sind
vollständiger geworden und durch Auszüge aus den Geschichtschreibern
und Annalen in Verbindung gebracht; das ganze historische Material einer
Periode wird dem Geschichtsforscher geordnet vor Augen gelegt und in den
Einleitungen die Quellen besprochen und gewürdigt. Der zuerst erschienene
Theil, von 919 bis 1197, bedurfte begreiflicher Weise auch zuerst der
Berichtigung und Ergänzung. Diese Aufgabe stellte sich K . F. S t u m p f in
seinem Werke: „Die Reichskanzler vornehmlich des X., XI. u. XII.
Jahrhunderts“, dessen Abschluss J. F icker nach dem frühen Tode des
Verfassers in der Weise besorgte, daß durch Aufnahme von Böhmers
Citaten das Buch selbständig geworden ist und man der alten Regesten
nicht mehr bedarf. Außerdem aber ist eine Neubearbeitung des ganzen
Regestenwerkes in erweiterter Form in Angriff genommen, wovon die
Regesten der Karolinger von E ng elb er t Müh lbacher, und die der
Staufer von 1198 bis 1272, von F icker, ihrer Vollendung entgegen gehen.
Neben dieser, für die historischen Studien unendlich fruchtreichen
Arbeit wurde B öh m er durch die Verwahrlosung der späteren Chroniken
und den Besitz an reichem, aus Handschriften gewonnenem Stoff veranlaßt,
in den drei Bänden seiner Fontes Rerum Germanicarum auch eine eigene
Quellensammlung erscheinen zu lassen, welche für das zwölfte bis
vierzehnte Jahrhundert vom ausgezeichnetsten Werthe ist. Mit
mannigfachen Entwürfen beschäftigt, die nicht mehr zur Ausführung
kamen, ist Böhmer am 22. October 1863 in Frankfurt gestorben; in seinem
letzten Willen hat er für die geeignete Verwerthung seines handschriftlichen
Nachlasses und die Fortführung seiner Arbeiten Fürsorge getroffen. Auch
ist bereits durch Al f ons Hub er der vierte Band der Fontes
herausgegeben, während eine große Fülle von werthvollem, urkundlichem
Page 60
Material durch Juli us F i cker in den Acta Imperii Selecta verwerthet ist.
Außer der schon erwähnten Neubearbeitung der Kaiser-Regesten aber sind
von A. Hu b er die Regesten Karls IV, von C . Wil l die Regesten der
Mainzer Erzbischöfe als Theile dieses großen Corpus erschienen.
Eine umfassendere Quellensammlung von strengerem
wissenschaftlichen Charakter und mehr methodischer Art verdanken wir
P hi l i pp Jaff é, lange Zeit dem vorzüglichsten Mitarbeiter der
MoMonumenta. Von diesen zurücktretend, begann Jaffé ein selbständiges
Unternehmen unter dem Titel Bibliotheca Rerum Germanicarum.
Hinweisend auf den langsamen Fortgang der Monumenta Germaniae, auf
die nach 40 Jahren noch gänzlich fehlenden drei Abtheilungen der
Urkunden, Briefe und Alterthümer, gab der Herausgeber als seinen Zweck
an, Quellen verschiedener Art, vorzüglich solche, welche in den
Monumenten fehlen, zu einzelnen auch in sich abgerundeten Gruppen zu
vereinigen, so daß ein Ort, eine bedeutende Persönlichkeit oder ein
wichtiger Zeitraum den Mittelpunkt bilde. So sind zuerst 1864 Monumenta
Corbeiensia erschienen, welche mit einer berichtigten Ausgabe der Annalen
und anderer kleinerer Stücke die lange begehrten Briefe Wibalds verbinden,
und schon 1865 folgten Monumenta Gregoriana, die erste kritische
Ausgabe der Briefe Gregors VII nebst Bonitho's v. Sutri liber ad amicum.
Trefflichkeit der Arbeit mit sauberer Ausstattung und handlichem Format
verbindend, hat dieses neue Unternehmen überall freudige Aufnahme
gefunden. In rascher Folge erschienen noch drei Bände, welche als
Hauptstücke die Bonifazische Briefsammlung, den Codex Carolinus nebst
Einhards Briefen und den Codex Udalrici brachten, bis ein plötzlicher Tod
am 3. April 1870 der rastlosen Arbeit des Herausgebers ein Ziel setzte. Wie
gewaltig diese Arbeit gewesen war, das wissen am besten diejenigen zu
schätzen, welche den begonnenen sechsten Band vollendet haben, dessen
Hauptinhalt die Briefe Alcuins bilden.
Nicht unerwähnt darf hier auch Jaffé's älteres Werk bleiben, die
Regesta Pontificum Romanorum bis zum Jahr 1198. Im Jahr 1851
Außer der schon erwähnten Neubearbeitung der Kaiser-Regesten aber sind
von A. Hu b er die Regesten Karls IV, von C . Wil l die Regesten der
Mainzer Erzbischöfe als Theile dieses großen Corpus erschienen.
Eine umfassendere Quellensammlung von strengerem
wissenschaftlichen Charakter und mehr methodischer Art verdanken wir
P hi l i pp Jaff é, lange Zeit dem vorzüglichsten Mitarbeiter der
MoMonumenta. Von diesen zurücktretend, begann Jaffé ein selbständiges
Unternehmen unter dem Titel Bibliotheca Rerum Germanicarum.
Hinweisend auf den langsamen Fortgang der Monumenta Germaniae, auf
die nach 40 Jahren noch gänzlich fehlenden drei Abtheilungen der
Urkunden, Briefe und Alterthümer, gab der Herausgeber als seinen Zweck
an, Quellen verschiedener Art, vorzüglich solche, welche in den
Monumenten fehlen, zu einzelnen auch in sich abgerundeten Gruppen zu
vereinigen, so daß ein Ort, eine bedeutende Persönlichkeit oder ein
wichtiger Zeitraum den Mittelpunkt bilde. So sind zuerst 1864 Monumenta
Corbeiensia erschienen, welche mit einer berichtigten Ausgabe der Annalen
und anderer kleinerer Stücke die lange begehrten Briefe Wibalds verbinden,
und schon 1865 folgten Monumenta Gregoriana, die erste kritische
Ausgabe der Briefe Gregors VII nebst Bonitho's v. Sutri liber ad amicum.
Trefflichkeit der Arbeit mit sauberer Ausstattung und handlichem Format
verbindend, hat dieses neue Unternehmen überall freudige Aufnahme
gefunden. In rascher Folge erschienen noch drei Bände, welche als
Hauptstücke die Bonifazische Briefsammlung, den Codex Carolinus nebst
Einhards Briefen und den Codex Udalrici brachten, bis ein plötzlicher Tod
am 3. April 1870 der rastlosen Arbeit des Herausgebers ein Ziel setzte. Wie
gewaltig diese Arbeit gewesen war, das wissen am besten diejenigen zu
schätzen, welche den begonnenen sechsten Band vollendet haben, dessen
Hauptinhalt die Briefe Alcuins bilden.
Nicht unerwähnt darf hier auch Jaffé's älteres Werk bleiben, die
Regesta Pontificum Romanorum bis zum Jahr 1198. Im Jahr 1851
Page 61
erschienen, ist es seitdem als unentbehrliches Hülfsmittel überall verbreitet
und in seinem hohen Werthe anerkannt. Was bis dahin wohl lebhaft
gewünscht war, aber nur durch gemeinschaftliche Arbeit einer gelehrten
Körperschaft erreichbar schien, gewährt hier der eiserne Fleiß und die
umfassende Gelehrsamkeit des einzelnen Mannes. Für den uns zunächst
vorliegenden Zweck ist dieses Werk insofern von Bedeutung, als es wegen
der Berücksichtigung von Chronisten und Biographieen auch einen
Wegweiser durch die Litteratur der Pabstgeschichte darbietet. Diese ist in
neuester Zeit noch durch eine umfassende Sammlung bereichert worden,
durch Wat t er i chs Ausgabe der Pontificum Romanorum Vitae von 872 bis
1198; der versprochene dritte Band bis auf Gregor X fehlt noch. Nicht eben
einverstanden mit der Zusammenhäufung abgerissener Bruchstücke,
verkennen wir doch nicht die Verdienstlichkeit dieser mühsamen Arbeit,
und werden sie bei den einzelnen Abschnitten noch häufig zu erwähnen
haben. Die weitere Fortführung der Regesten bis 1304 verdanken wir
Au gu st P o t th ast.
Von Jaffé's Regesten aber ist unter Wattenbachs Leitung eine neue sehr
vermehrte Ausgabe erschienen, von welcher der erste Theil bis 590 von F.
Kal t enb r un n er, der zweite bis 882 von P. E wald, der Haupttheil von
882 bis 1198 von S . L ö wenf eld bearbeitet sind.
Es bleibt noch übrig, einige Worte über ältere Arbeiten auf dem uns
vorliegenden Gebiete hinzuzufügen. Das Bedürfniß einer Darstellung der
historiographischen Entwickelung des deutschen Mittelalters machte sich
seit der immer wachsenden Beschäftigung mit diesem Zeitraum stets
dringender geltend. L u dwig Wachl er s kurze Skizze im Eingange seiner
„Geschichte der historischen Forschung und Kunst“ (Gött. 1812) verdient
als erster Versuch Erwähnung, kann aber doch jetzt nur noch dazu dienen,
die seitdem gemachten Fortschritte recht lebhaft empfinden zu lassen,
während das eigentliche Hauptwerk auch jetzt noch brauchbar ist.
Willkommen als Hülfsmittel war D ahlm ann s „Quellenkunde der
und in seinem hohen Werthe anerkannt. Was bis dahin wohl lebhaft
gewünscht war, aber nur durch gemeinschaftliche Arbeit einer gelehrten
Körperschaft erreichbar schien, gewährt hier der eiserne Fleiß und die
umfassende Gelehrsamkeit des einzelnen Mannes. Für den uns zunächst
vorliegenden Zweck ist dieses Werk insofern von Bedeutung, als es wegen
der Berücksichtigung von Chronisten und Biographieen auch einen
Wegweiser durch die Litteratur der Pabstgeschichte darbietet. Diese ist in
neuester Zeit noch durch eine umfassende Sammlung bereichert worden,
durch Wat t er i chs Ausgabe der Pontificum Romanorum Vitae von 872 bis
1198; der versprochene dritte Band bis auf Gregor X fehlt noch. Nicht eben
einverstanden mit der Zusammenhäufung abgerissener Bruchstücke,
verkennen wir doch nicht die Verdienstlichkeit dieser mühsamen Arbeit,
und werden sie bei den einzelnen Abschnitten noch häufig zu erwähnen
haben. Die weitere Fortführung der Regesten bis 1304 verdanken wir
Au gu st P o t th ast.
Von Jaffé's Regesten aber ist unter Wattenbachs Leitung eine neue sehr
vermehrte Ausgabe erschienen, von welcher der erste Theil bis 590 von F.
Kal t enb r un n er, der zweite bis 882 von P. E wald, der Haupttheil von
882 bis 1198 von S . L ö wenf eld bearbeitet sind.
Es bleibt noch übrig, einige Worte über ältere Arbeiten auf dem uns
vorliegenden Gebiete hinzuzufügen. Das Bedürfniß einer Darstellung der
historiographischen Entwickelung des deutschen Mittelalters machte sich
seit der immer wachsenden Beschäftigung mit diesem Zeitraum stets
dringender geltend. L u dwig Wachl er s kurze Skizze im Eingange seiner
„Geschichte der historischen Forschung und Kunst“ (Gött. 1812) verdient
als erster Versuch Erwähnung, kann aber doch jetzt nur noch dazu dienen,
die seitdem gemachten Fortschritte recht lebhaft empfinden zu lassen,
während das eigentliche Hauptwerk auch jetzt noch brauchbar ist.
Willkommen als Hülfsmittel war D ahlm ann s „Quellenkunde der
Page 62
deutschen Geschichte nach Folge der Begebenheiten“, zuerst 1830, dann
1838 in zweiter Ausgabe erschienen; 1869 in dritter, 1875 in vierter, 1883 in
fünfter Ausgabe durch G. Waitz neu bearbeitet und bedeutend vermehrt, ist
diese Quellenkunde als eine überaus dankenswerthe und werthvolle Gabe
zu betrachten, aber Darstellung liegt dem Plane des Buches fern.
Ungemein verdienstlich war es, daß F. Baehr seine Geschichte der
römischen Litteratur über die gewöhnliche Grenze fortführend, 1836 die
christlichen Dichter und Geschichtschreiber Roms, 1837 die theologische
Litteratur hinzufügte, 1840 die Geschichte der römischen Litteratur im
karolingischen Zeitalter folgen ließ, mit derselben umfassenden
Gelehrsamkeit, derselben Sorgfalt und Genauigkeit gearbeitet, welche das
ganze Werk auszeichnet. Die neue Ausgabe wurde leider durch den Tod des
Verfassers unterbrochen und nur die erste Abtheilung des vierten Bandes
(Die christlichen Dichter und Geschichtschreiber bis auf Paulus Diaconus)
ist 1872 in zweiter Ausgabe erschienen. Nicht minder umfassend ist die
jetzt schon in fünfter Auflage (1890) vorliegende Geschichte der römischen
Litteratur von W. S . Teuff el (besorgt von L . S chwabe). 1837
erschienen „Die Geschichtschreiber der sächsischen Kaiserzeit“ von
C ont zen, der sich durch die falschen Corveyer Quellen irre führen ließ;
was sonst etwa für jene Zeit brauchbares in der Schrift enthalten war, ist
durch die inzwischen erschienenen neuen Ausgaben der betreffenden
Schriftsteller vollkommen veraltet. Auf einen anderen Abweg war L .
Haeusser gerathen, indem er durch die von Schlosser ihm mitgetheilten
Briefe des Herrn G al iff e in Genf[4] sich verleiten ließ, auf dessen
wunderliche Ideen von systematischer Fälschung der Quellen in großem
Umfange einzugehen. Freilich bewahrte ihn sein richtiger kritischer Sinn
vor völliger Zustimmung; vielmehr widerspricht er häufig den
Behauptungen Galiffe's, doch ist er noch immer geneigt, ihnen zu große
Bedeutung beizulegen. Uebrigens enthält diese Schrift „Ueber die
Teutschen Geschichtschreiber vom Anfang des Frankenreichs bis auf die
Hohenstaufen“ (Heid. 1839) manche treffende Bemerkung, beruht aber
noch auf zu ungenügenden Studien, um das vorgesteckte Ziel erreichen zu
1838 in zweiter Ausgabe erschienen; 1869 in dritter, 1875 in vierter, 1883 in
fünfter Ausgabe durch G. Waitz neu bearbeitet und bedeutend vermehrt, ist
diese Quellenkunde als eine überaus dankenswerthe und werthvolle Gabe
zu betrachten, aber Darstellung liegt dem Plane des Buches fern.
Ungemein verdienstlich war es, daß F. Baehr seine Geschichte der
römischen Litteratur über die gewöhnliche Grenze fortführend, 1836 die
christlichen Dichter und Geschichtschreiber Roms, 1837 die theologische
Litteratur hinzufügte, 1840 die Geschichte der römischen Litteratur im
karolingischen Zeitalter folgen ließ, mit derselben umfassenden
Gelehrsamkeit, derselben Sorgfalt und Genauigkeit gearbeitet, welche das
ganze Werk auszeichnet. Die neue Ausgabe wurde leider durch den Tod des
Verfassers unterbrochen und nur die erste Abtheilung des vierten Bandes
(Die christlichen Dichter und Geschichtschreiber bis auf Paulus Diaconus)
ist 1872 in zweiter Ausgabe erschienen. Nicht minder umfassend ist die
jetzt schon in fünfter Auflage (1890) vorliegende Geschichte der römischen
Litteratur von W. S . Teuff el (besorgt von L . S chwabe). 1837
erschienen „Die Geschichtschreiber der sächsischen Kaiserzeit“ von
C ont zen, der sich durch die falschen Corveyer Quellen irre führen ließ;
was sonst etwa für jene Zeit brauchbares in der Schrift enthalten war, ist
durch die inzwischen erschienenen neuen Ausgaben der betreffenden
Schriftsteller vollkommen veraltet. Auf einen anderen Abweg war L .
Haeusser gerathen, indem er durch die von Schlosser ihm mitgetheilten
Briefe des Herrn G al iff e in Genf[4] sich verleiten ließ, auf dessen
wunderliche Ideen von systematischer Fälschung der Quellen in großem
Umfange einzugehen. Freilich bewahrte ihn sein richtiger kritischer Sinn
vor völliger Zustimmung; vielmehr widerspricht er häufig den
Behauptungen Galiffe's, doch ist er noch immer geneigt, ihnen zu große
Bedeutung beizulegen. Uebrigens enthält diese Schrift „Ueber die
Teutschen Geschichtschreiber vom Anfang des Frankenreichs bis auf die
Hohenstaufen“ (Heid. 1839) manche treffende Bemerkung, beruht aber
noch auf zu ungenügenden Studien, um das vorgesteckte Ziel erreichen zu
Page 63
können. Haeusser war damals noch Lehrer in Wertheim; er hat sich später
anderen Gebieten zugewandt und diesen Gegenstand nicht wieder berührt.
Noch war auch die Lage der Dinge so, daß fast nur in dem Kreise der
Mitarbeiter an den Monumenta Germaniae die hinlängliche Vertrautheit mit
dem ganzen Quellengebiet erreichbar war, welche die Lösung der
vorliegenden Aufgabe möglich machte. Von hier aus trat nun G. Wai t z mit
einer Arbeit auf, welche zuerst einen bleibenden Werth in Anspruch nehmen
kann. In Kiel gehaltene Vorträge weiter ausführend, gab er 1844 und 1845
in W. A. Schmidts Zeitschrift für Geschichtswissenschaft II, 39-58, 97-114,
IV, 97-112 „Ueber die Entwickelung der deutschen Historiographie im
Mittelalter“ eine Darstellung, welche als grundlegend auf diesem Gebiet
betrachtet werden muß, und lange Zeit für diese Studien das vorzüglichste
Hülfsmittel blieb. Die Absicht, den Gegenstand in einem größeren Werke
eingehender zu behandeln, brachte Waitz jedoch nicht zur Ausführung und
suchte dagegen durch eine von der Göttinger Gesellschaft der
Wissenschaften gestellte Preisfrage eine Bearbeitung von anderer Hand
hervorzurufen. Schon früher mit dem Plane eines solchen Werkes
beschäftigt, nahm ich hiervon Veranlassung zu der 1858 erschienenen ersten
Auflage des hier vorliegenden Buches, welchem 1866 die zweite, 1873 die
dritte, 1877 die vierte, 1885 die fünfte folgten. Eine sehr nützliche und
willkommene Ergänzung desselben gewähren die von W. v.
Gi esebr ech t in seiner „Geschichte der deutschen Kaiserzeit“ mit den
einzelnen Abschnitten verbundenen Uebersichten der Quellen und
Hülfsmittel, welche von anderem Gesichtspunkt ausgehen und über manche
Quellenschriften sehr lehrreiche Bemerkungen enthalten. Untersuchungen
über einzelne Geschichtsquellen sind in reicher Fülle erschienen; sie
werden in dieser neuen Ausgabe berücksichtigt werden, soweit sie in den
betreffenden Zeitraum gehören. Ueber diese hinauszugehen, war meine
Absicht nie gewesen, weil dazu ein Studium der Quellen allein kaum
ausreicht; es ist fast unerläßlich, daß, wer eine solche Aufgabe lösen will,
selbständig innerhalb dieses Zeitraums gearbeitet habe. Um so erfreulicher
war es, dass Ot t ok ar L or enz, der Verfasser der freilich leider
unvollendeten „Deutschen Geschichte im 13. und 14. Jahrhundert“, sich
anderen Gebieten zugewandt und diesen Gegenstand nicht wieder berührt.
Noch war auch die Lage der Dinge so, daß fast nur in dem Kreise der
Mitarbeiter an den Monumenta Germaniae die hinlängliche Vertrautheit mit
dem ganzen Quellengebiet erreichbar war, welche die Lösung der
vorliegenden Aufgabe möglich machte. Von hier aus trat nun G. Wai t z mit
einer Arbeit auf, welche zuerst einen bleibenden Werth in Anspruch nehmen
kann. In Kiel gehaltene Vorträge weiter ausführend, gab er 1844 und 1845
in W. A. Schmidts Zeitschrift für Geschichtswissenschaft II, 39-58, 97-114,
IV, 97-112 „Ueber die Entwickelung der deutschen Historiographie im
Mittelalter“ eine Darstellung, welche als grundlegend auf diesem Gebiet
betrachtet werden muß, und lange Zeit für diese Studien das vorzüglichste
Hülfsmittel blieb. Die Absicht, den Gegenstand in einem größeren Werke
eingehender zu behandeln, brachte Waitz jedoch nicht zur Ausführung und
suchte dagegen durch eine von der Göttinger Gesellschaft der
Wissenschaften gestellte Preisfrage eine Bearbeitung von anderer Hand
hervorzurufen. Schon früher mit dem Plane eines solchen Werkes
beschäftigt, nahm ich hiervon Veranlassung zu der 1858 erschienenen ersten
Auflage des hier vorliegenden Buches, welchem 1866 die zweite, 1873 die
dritte, 1877 die vierte, 1885 die fünfte folgten. Eine sehr nützliche und
willkommene Ergänzung desselben gewähren die von W. v.
Gi esebr ech t in seiner „Geschichte der deutschen Kaiserzeit“ mit den
einzelnen Abschnitten verbundenen Uebersichten der Quellen und
Hülfsmittel, welche von anderem Gesichtspunkt ausgehen und über manche
Quellenschriften sehr lehrreiche Bemerkungen enthalten. Untersuchungen
über einzelne Geschichtsquellen sind in reicher Fülle erschienen; sie
werden in dieser neuen Ausgabe berücksichtigt werden, soweit sie in den
betreffenden Zeitraum gehören. Ueber diese hinauszugehen, war meine
Absicht nie gewesen, weil dazu ein Studium der Quellen allein kaum
ausreicht; es ist fast unerläßlich, daß, wer eine solche Aufgabe lösen will,
selbständig innerhalb dieses Zeitraums gearbeitet habe. Um so erfreulicher
war es, dass Ot t ok ar L or enz, der Verfasser der freilich leider
unvollendeten „Deutschen Geschichte im 13. und 14. Jahrhundert“, sich
Page 64
entschloß, diese gerade ihm so nahe liegende Arbeit zu unternehmen. Zuerst
1870 im Anschluß an mein Werk erschienen, ist auch dieses Werk 1876 in
zweiter Auflage erschienen, in welcher es durchgängig vermehrt,
verbessert, und auch bis zum Ausgang des Mittelalters fortgeführt ist. 1886
erschien die dritte Auflage in Verbindung mit Dr. Ar thur Gol dm ann.
1870 im Anschluß an mein Werk erschienen, ist auch dieses Werk 1876 in
zweiter Auflage erschienen, in welcher es durchgängig vermehrt,
verbessert, und auch bis zum Ausgang des Mittelalters fortgeführt ist. 1886
erschien die dritte Auflage in Verbindung mit Dr. Ar thur Gol dm ann.
Page 65
[1] Neue Ausgabe 1874: Ges. Werke XXXIV. Vgl. G. Waitz in den Nachrichten von
der G. A. Universität 1855, N. 14.
[2] Da gegenwärtig die Schreibart solcher Formen mit kleinem Anfangsbuchstaben
durchaus herrschend ist, so scheint es nicht überflüssig, auf J. Grimms Kl. Schriften
V, 380 zu verweisen: „Ein grobes versehn, dessen sich heutzutage fast alle ...
schuldig machen, ist es in den redensarten Pariser vertrag, Berliner
belagerungszustand und zahllosen andern den vorausgesetzten, freilich ungefühlten
gen. pl. für ein adjectiv zu halten.... Wenn doch einmal grosze Buchstaben gelten
sollen, dürfen am allerwenigsten sie solchen appellativen fehlen.“
[3] Ueber seinen Antheil s. Janssen, Böhmers Leben I, 122 ff. Allg. D. Biogr. III, 76-
78, von Wattenbach.
[4] Diese Briefe sind nur autographirt vorhanden; vgl. die Lobpreisung: Notice sur la
vie et les travaux de J. A. Galiffe (Genève 1856) S. 56.
der G. A. Universität 1855, N. 14.
[2] Da gegenwärtig die Schreibart solcher Formen mit kleinem Anfangsbuchstaben
durchaus herrschend ist, so scheint es nicht überflüssig, auf J. Grimms Kl. Schriften
V, 380 zu verweisen: „Ein grobes versehn, dessen sich heutzutage fast alle ...
schuldig machen, ist es in den redensarten Pariser vertrag, Berliner
belagerungszustand und zahllosen andern den vorausgesetzten, freilich ungefühlten
gen. pl. für ein adjectiv zu halten.... Wenn doch einmal grosze Buchstaben gelten
sollen, dürfen am allerwenigsten sie solchen appellativen fehlen.“
[3] Ueber seinen Antheil s. Janssen, Böhmers Leben I, 122 ff. Allg. D. Biogr. III, 76-
78, von Wattenbach.
[4] Diese Briefe sind nur autographirt vorhanden; vgl. die Lobpreisung: Notice sur la
vie et les travaux de J. A. Galiffe (Genève 1856) S. 56.
Page 66
I. Die Vorzeit.
Von den ersten Anfängen bis zur Herrschaft der Karolinger.
§ 1. Die Römerzeit. Legenden. [ ← ]
Tacitus berichtet uns, daß noch zu seiner Zeit die Germanen in ihren
L i ed er n die Thaten des Arminius feierten[1]. Nicht unmöglich ist, daß
noch in den Dichtungen der deutschen Heldensage, welche Karl der Große
sammeln und aufschreiben ließ[2], dieser uralten Kämpfe gedacht wurde:
was u ns von einheimischer Sage erhalten ist, reicht nicht weit über die
Zeiten Attila's hinauf, dessen gewaltige Hand mit so übermächtiger Kraft
alles zerschmetterte, was ihm entgegentrat, daß auch das Gedächtniß der
früheren Zeit erlosch. Von den Völkerschaften, deren Tacitus gedenkt, weiß
die Sage nichts; auch die gothischen und langobardischen Heldenlieder,
deren Inhalt uns zum Theil erhalten ist, sind früh verklungen. Etzel aber und
Dietrich von Bern und die Könige der Burgunden lebten fort in der
Erinnerung des Volks; wir haben die Lieder, welche von ihnen reden, aber
wie unbestimmt und nebelhaft sind ihre Gestalten geworden: kaum erkennt
man noch, ob es Menschen sind oder Götter. Das ist die Natur der
mündlichen Ueberlieferung, in der es nichts festes und stätiges giebt, und
schlimm würde es um unsere Kenntniß der Geschichte stehen, wenn wir auf
jene allein angewiesen wären.
Von den ersten Anfängen bis zur Herrschaft der Karolinger.
§ 1. Die Römerzeit. Legenden. [ ← ]
Tacitus berichtet uns, daß noch zu seiner Zeit die Germanen in ihren
L i ed er n die Thaten des Arminius feierten[1]. Nicht unmöglich ist, daß
noch in den Dichtungen der deutschen Heldensage, welche Karl der Große
sammeln und aufschreiben ließ[2], dieser uralten Kämpfe gedacht wurde:
was u ns von einheimischer Sage erhalten ist, reicht nicht weit über die
Zeiten Attila's hinauf, dessen gewaltige Hand mit so übermächtiger Kraft
alles zerschmetterte, was ihm entgegentrat, daß auch das Gedächtniß der
früheren Zeit erlosch. Von den Völkerschaften, deren Tacitus gedenkt, weiß
die Sage nichts; auch die gothischen und langobardischen Heldenlieder,
deren Inhalt uns zum Theil erhalten ist, sind früh verklungen. Etzel aber und
Dietrich von Bern und die Könige der Burgunden lebten fort in der
Erinnerung des Volks; wir haben die Lieder, welche von ihnen reden, aber
wie unbestimmt und nebelhaft sind ihre Gestalten geworden: kaum erkennt
man noch, ob es Menschen sind oder Götter. Das ist die Natur der
mündlichen Ueberlieferung, in der es nichts festes und stätiges giebt, und
schlimm würde es um unsere Kenntniß der Geschichte stehen, wenn wir auf
jene allein angewiesen wären.
Page 67
Kaiser Ludwig hatte keine Freude an den Liedern der Heimath, welche
er in seiner Kindheit erlernt hatte[3]; mit heidnischen Vorstellungen und
Anschauungen durchwebt, widerstrebten sie seinem kirchlichen Sinne, und
wie dieser Kaiser, so verhielt sich auch die ganze Kirche feindlich gegen
diese Sagendichtung, so große Freude auch einzelne ihrer Diener daran
haben mochten. Die Kir ch e aber führte damals, und bald für lange Zeit
ausschließlich und allein, den Griffel und die Feder, welche sie nicht
entweihen wollte durch die Aufzeichnungen halb heidnischer Gesänge; sie
strebte vielmehr dahin, auch auf dem Felde der Dichtkunst das
Christenthum zum Siege zu führen. Wir gedenken jetzt mit vergeblicher
Sehnsucht der verlorenen Sammlung Karls des Großen; allein die Kirche, in
welcher sich Jahrhunderte lang fast das ganze geistige Leben des Volkes
uns darstellt, hat für diesen Verlust auch reichen Ersatz geboten, indem sie
die wirkliche Geschichte der Zeit in fester, zuverlässiger Aufzeichnung
überlieferte, freilich oft in dürrer und reizloser Form, aber um so treuer und
wahrhaftiger.
Vor der Bekehrung zum Christenthum kann daher von einheimischen
Geschichtsquellen nicht die Rede sein; von dem Deutschland, welches
Arminius' Heldenkampf dem römischen Einflüsse entzogen hat, bringen uns
nur die Werke der Römer und Griechen spärliche Kunde, und diese zu
berühren, liegt außerhalb der Grenzen der vorliegenden Aufgabe. Aber auch
westlich vom Rheine, südlich von der Donau und der Teufelsmauer liegt
gegenwärtig viel deutsches Land, wohnte auch unter der Römerherrschaft
manch deutscher Stamm, und nicht ganz ist der Faden zerrissen, welcher in
diese Zeiten hinüberführt. Der Boden selber redet zu uns in vernehmlicher
Weise. Noch stehen in Trier die gewaltigen Bauten der Römer; ihre Thürme
und Wälle, ihre Landstraßen und Gräber, die zahlreichen Inschriften,
welche die verschiedensten Verhältnisse des Lebens berühren, entrollen vor
unsern Augen ein Bild jener Zeit, da das weltbeherrschende Volk sich auch
hier häuslich niedergelassen hatte und manche blühende Stadt ein kleines
Abbild der ewigen Roma darbot. Wir erkennen noch ihre Capitole, ihre
Tempel, Theater und Gerichtshallen, ihre Bäder und Villen, ihre Fabriken,
er in seiner Kindheit erlernt hatte[3]; mit heidnischen Vorstellungen und
Anschauungen durchwebt, widerstrebten sie seinem kirchlichen Sinne, und
wie dieser Kaiser, so verhielt sich auch die ganze Kirche feindlich gegen
diese Sagendichtung, so große Freude auch einzelne ihrer Diener daran
haben mochten. Die Kir ch e aber führte damals, und bald für lange Zeit
ausschließlich und allein, den Griffel und die Feder, welche sie nicht
entweihen wollte durch die Aufzeichnungen halb heidnischer Gesänge; sie
strebte vielmehr dahin, auch auf dem Felde der Dichtkunst das
Christenthum zum Siege zu führen. Wir gedenken jetzt mit vergeblicher
Sehnsucht der verlorenen Sammlung Karls des Großen; allein die Kirche, in
welcher sich Jahrhunderte lang fast das ganze geistige Leben des Volkes
uns darstellt, hat für diesen Verlust auch reichen Ersatz geboten, indem sie
die wirkliche Geschichte der Zeit in fester, zuverlässiger Aufzeichnung
überlieferte, freilich oft in dürrer und reizloser Form, aber um so treuer und
wahrhaftiger.
Vor der Bekehrung zum Christenthum kann daher von einheimischen
Geschichtsquellen nicht die Rede sein; von dem Deutschland, welches
Arminius' Heldenkampf dem römischen Einflüsse entzogen hat, bringen uns
nur die Werke der Römer und Griechen spärliche Kunde, und diese zu
berühren, liegt außerhalb der Grenzen der vorliegenden Aufgabe. Aber auch
westlich vom Rheine, südlich von der Donau und der Teufelsmauer liegt
gegenwärtig viel deutsches Land, wohnte auch unter der Römerherrschaft
manch deutscher Stamm, und nicht ganz ist der Faden zerrissen, welcher in
diese Zeiten hinüberführt. Der Boden selber redet zu uns in vernehmlicher
Weise. Noch stehen in Trier die gewaltigen Bauten der Römer; ihre Thürme
und Wälle, ihre Landstraßen und Gräber, die zahlreichen Inschriften,
welche die verschiedensten Verhältnisse des Lebens berühren, entrollen vor
unsern Augen ein Bild jener Zeit, da das weltbeherrschende Volk sich auch
hier häuslich niedergelassen hatte und manche blühende Stadt ein kleines
Abbild der ewigen Roma darbot. Wir erkennen noch ihre Capitole, ihre
Tempel, Theater und Gerichtshallen, ihre Bäder und Villen, ihre Fabriken,
Page 68
deren Stempel auf den Trümmern der Geräthe deutlich zu lesen sind. Allein
das alles liegt wie eine fremde Welt hinter uns, eine gewaltige Kluft trennt
uns von jener Zeit, erfüllt von allem Greuel der Verwüstung und
vernichtenden Kriegszügen. Der bebaute Acker birgt Reste von Gebäuden,
die mit der sinnvollsten Technik dem Klima gemäß zu behaglicher
Bewohnung eingerichtet und mit reichem Schmuck der Kunst ausgestattet
waren; aber was blieb außer diesen schwachen Spuren übrig von dem einst
so volkreichen und betriebsamen Virunum? In Salzburg fand Sanct Rupert
nur waldbewachsene Ruinen des alten Juvavum, wilde Thiere hausten in
den Räumen der Prachtgebäude. Andere Städte, wie Regensburg und
Augsburg, wie Trier, Cöln und Mainz, sind bewohnt geblieben, ja man hat
geglaubt, daß ganze römische Stadtgemeinden mit ihrer Verfassung und
ihren Obrigkeiten sich hier erhalten hätten. Eitler Traum! Zu gründlich
haben unsere Vorfahren hier aufgeräumt; wer durch Reichthum und
ansehnliche Stellung hervorragte, fiel als Opfer oder entwich bei Zeiten der
Gefahr: einzelne fanden bei den germanischen Fürsten als Tischgenossen
des Königs Aufnahme, aber nur indem sie den alten Verhältnissen gänzlich
entsagten und sich dem Gefolge des neuen Herrschers anschlossen. Und so
wurden auch die übrigen Romanen, so viele ihrer am Leben und im Lande
blieben, als Hörige, einzelne hin und wieder auch als Volksgenossen, in die
Gemeinschaft der Einwanderer aufgenommen.
In den Grenzlanden, welche schon durch den langen Kampf verödet
waren, welche dann die ganze Wucht der hereinbrechenden beutelustigen
Heerschaaren traf, mag kaum ein römisch redender Bauer übrig geblieben
sein; die Eroberer stürmten mit ihren Gefangenen weiter und ließen das
Land verödet hinter sich. Auch war hier schon lange die Bevölkerung
großentheils germanisch. Aber in den Gebirgen des Südrandes[4] finden wir
noch nach Jahrhunderten wälsche Bauern erwähnt; wo der überfluthende
Strom seine Dämme fand, blieb unter der Herrschaft des deutschen Kriegers
auch die gewonnene Beute der unterworfenen Bevölkerung. Sie mußte dem
neuen Herrn das Feld bauen und ihm dienen mit der sehr willkommenen
und geschätzten Arbeit ihrer kunstfertigen Hände[5].
das alles liegt wie eine fremde Welt hinter uns, eine gewaltige Kluft trennt
uns von jener Zeit, erfüllt von allem Greuel der Verwüstung und
vernichtenden Kriegszügen. Der bebaute Acker birgt Reste von Gebäuden,
die mit der sinnvollsten Technik dem Klima gemäß zu behaglicher
Bewohnung eingerichtet und mit reichem Schmuck der Kunst ausgestattet
waren; aber was blieb außer diesen schwachen Spuren übrig von dem einst
so volkreichen und betriebsamen Virunum? In Salzburg fand Sanct Rupert
nur waldbewachsene Ruinen des alten Juvavum, wilde Thiere hausten in
den Räumen der Prachtgebäude. Andere Städte, wie Regensburg und
Augsburg, wie Trier, Cöln und Mainz, sind bewohnt geblieben, ja man hat
geglaubt, daß ganze römische Stadtgemeinden mit ihrer Verfassung und
ihren Obrigkeiten sich hier erhalten hätten. Eitler Traum! Zu gründlich
haben unsere Vorfahren hier aufgeräumt; wer durch Reichthum und
ansehnliche Stellung hervorragte, fiel als Opfer oder entwich bei Zeiten der
Gefahr: einzelne fanden bei den germanischen Fürsten als Tischgenossen
des Königs Aufnahme, aber nur indem sie den alten Verhältnissen gänzlich
entsagten und sich dem Gefolge des neuen Herrschers anschlossen. Und so
wurden auch die übrigen Romanen, so viele ihrer am Leben und im Lande
blieben, als Hörige, einzelne hin und wieder auch als Volksgenossen, in die
Gemeinschaft der Einwanderer aufgenommen.
In den Grenzlanden, welche schon durch den langen Kampf verödet
waren, welche dann die ganze Wucht der hereinbrechenden beutelustigen
Heerschaaren traf, mag kaum ein römisch redender Bauer übrig geblieben
sein; die Eroberer stürmten mit ihren Gefangenen weiter und ließen das
Land verödet hinter sich. Auch war hier schon lange die Bevölkerung
großentheils germanisch. Aber in den Gebirgen des Südrandes[4] finden wir
noch nach Jahrhunderten wälsche Bauern erwähnt; wo der überfluthende
Strom seine Dämme fand, blieb unter der Herrschaft des deutschen Kriegers
auch die gewonnene Beute der unterworfenen Bevölkerung. Sie mußte dem
neuen Herrn das Feld bauen und ihm dienen mit der sehr willkommenen
und geschätzten Arbeit ihrer kunstfertigen Hände[5].
Page 69
Aber wo der Knecht den Herrn an geistiger Bildung übertrifft, da
bleibt auch die Rückwirkung nicht aus, daß dieser von seinem Diener lernt
und manches von ihm annimmt. In Hauswirthschaft und Ackerbau wie im
Handwerk haben sicher die Deutschen viel von den Wälschen gelernt;
vorzüglich aber zeigt sich die Einwirkung der besiegten Bevölkerung in der
raschen Annahme des C hr i st en thum s durch die Eroberer. In den Städten
des Niederrheins und Lothringens scheint die Reihe der Bischöfe kaum
unterbrochen zu sein, obgleich sich von der Fortdauer römischer
Bevölkerung, so weit noch jetzt die Sprachgrenze reicht, keine Spur
nachweisen läßt. In Noricum und Pannonien sind die alten Bischofsitze fast
gänzlich von der Erde verschwunden; dagegen hat sich aber die Verehrung
eines Märtyrers, des heiligen Florian, wie es scheint durch bloße Tradition,
unmittelbar an der alten Grenze erhalten.
Denn mit den römischen Legionen und Handelsleuten war auch in
diese Gegenden schon frühzeitig das Christenthum eingedrungen, und als
das alte Reich endlich den stets wiederholten Angriffen erlag, hatte die
christliche Kirche bereits in allen Provinzen die unbestrittene Herrschaft
errungen. Ueber diese frühesten Zeiten der Kirche in Deutschland, über ihre
Glaubensboten und Blutzeugen, wußte das Mittelalter gar vieles zu
erzählen; unmittelbar von den Aposteln und ihren ersten Schülern sollte die
Predigt und die Stiftung der Bisthümer ausgegangen sein[6]. Es ist darüber
eine so reiche Litteratur vorhanden, und diese Erzählungen nehmen in den
Chroniken des Mittelalters eine so bedeutende Stelle ein, daß wir sie hier
nicht ganz übergehen dürfen, wenngleich diese kirchliche Sage in noch weit
höherem Grade als die weltliche, jedes festen Bodens entbehrt. Die
Phantasie der Geistlichkeit, der Heldensage abgewandt, ergriff mit um so
größerem Eifer die kirchliche, und aus den unscheinbarsten Anfängen
erwuchsen da die wunderbarsten Gebilde: weit verzweigte, mit allen
Einzelheiten ausgeführte Geschichten, welche sich immer üppiger
entwickelten und auf die ganze Denkweise der Menschen den größten
Einfluß gewannen. Den reichsten Baum der Dichtung trieb die Legende von
der thebäischen Legion, von deren Führern Gereon in Cöln mit der heiligen
bleibt auch die Rückwirkung nicht aus, daß dieser von seinem Diener lernt
und manches von ihm annimmt. In Hauswirthschaft und Ackerbau wie im
Handwerk haben sicher die Deutschen viel von den Wälschen gelernt;
vorzüglich aber zeigt sich die Einwirkung der besiegten Bevölkerung in der
raschen Annahme des C hr i st en thum s durch die Eroberer. In den Städten
des Niederrheins und Lothringens scheint die Reihe der Bischöfe kaum
unterbrochen zu sein, obgleich sich von der Fortdauer römischer
Bevölkerung, so weit noch jetzt die Sprachgrenze reicht, keine Spur
nachweisen läßt. In Noricum und Pannonien sind die alten Bischofsitze fast
gänzlich von der Erde verschwunden; dagegen hat sich aber die Verehrung
eines Märtyrers, des heiligen Florian, wie es scheint durch bloße Tradition,
unmittelbar an der alten Grenze erhalten.
Denn mit den römischen Legionen und Handelsleuten war auch in
diese Gegenden schon frühzeitig das Christenthum eingedrungen, und als
das alte Reich endlich den stets wiederholten Angriffen erlag, hatte die
christliche Kirche bereits in allen Provinzen die unbestrittene Herrschaft
errungen. Ueber diese frühesten Zeiten der Kirche in Deutschland, über ihre
Glaubensboten und Blutzeugen, wußte das Mittelalter gar vieles zu
erzählen; unmittelbar von den Aposteln und ihren ersten Schülern sollte die
Predigt und die Stiftung der Bisthümer ausgegangen sein[6]. Es ist darüber
eine so reiche Litteratur vorhanden, und diese Erzählungen nehmen in den
Chroniken des Mittelalters eine so bedeutende Stelle ein, daß wir sie hier
nicht ganz übergehen dürfen, wenngleich diese kirchliche Sage in noch weit
höherem Grade als die weltliche, jedes festen Bodens entbehrt. Die
Phantasie der Geistlichkeit, der Heldensage abgewandt, ergriff mit um so
größerem Eifer die kirchliche, und aus den unscheinbarsten Anfängen
erwuchsen da die wunderbarsten Gebilde: weit verzweigte, mit allen
Einzelheiten ausgeführte Geschichten, welche sich immer üppiger
entwickelten und auf die ganze Denkweise der Menschen den größten
Einfluß gewannen. Den reichsten Baum der Dichtung trieb die Legende von
der thebäischen Legion, von deren Führern Gereon in Cöln mit der heiligen
Page 70
Ursula und ihren 11,000 Jungfrauen zusammentrifft. Cöln wird nun
vorzugsweise die heilige Stadt durch die Menge der Heiligenleiber, welche
sie bewahrt, aber fast jeder Ort im Rheinthale hat seinen Antheil an dieser
Geschichte und erhält dadurch eine geheimnißvolle Weihe. In anderen
Gegenden sind mehr vereinzelte Legenden dieser Art, doch fehlen sie auf
dem einst römischen Boden nirgends.
Der leider zu früh verstorbene F. W. R ettberg hat das große
Verdienst, zum ersten Male alle diese Erzählungen einer
zusammenhängenden, systematischen, strengen Kritik unterzogen zu
haben[7]. Den einzig richtigen Weg einschlagend, hat er das ganze
ungeheuere Material kritisch untersucht, der Herkunft und Entstehung jeder
einzelnen Nachricht nachgeforscht. Wohl hatte man schon früher einzelnes
als unhaltbar aufgegeben, aber immer suchte man doch wieder historisches
Material aus dem Wuste der Fabeln zu gewinnen; man konnte sich nicht
entschließen auf dasjenige, dessen späte betrügliche Entstehung einmal
nachgewiesen war, nun auch gänzlich zu verzichten, und auch jetzt noch ist
für viele dieser Entschluß zu schwer: man will doch nicht alle scheinbare
Ausbeute aufgeben für Zeiten und Gegenstände, von denen man sonst gar
nichts weiß. So ist es nur zu gewöhnlich, daß man das gänzlich unhaltbare
fortwirft, aber dasjenige, was nicht in sich unmöglich ist, behält — ein
durchaus unhistorisches Verfahren[8].
Wenn es z. B. feststeht, daß man von S. Dysibod im zwölften
Jahrhundert noch nichts als den Namen wußte, daß dann die Nonne
Hildegard nach angeblichen Visionen seine Geschichte schrieb, die von
chronologischen Widersprüchen strotzt, so sollte man doch denken, daß
niemand dieses Märchen ferner als Geschichtsquelle benutzen werde. Und
dennoch machte Remling in seiner Geschichte der Bischöfe von Speier
davon Gebrauch, obgleich ihm Rettbergs Werk nicht unbekannt war. Jedem
besonnenen und gewissenhaften Forscher aber gewährt die
„Kirchengeschichte Deutschlands“ eine feste Grundlage für die
Beurtheilung dieser Zeiten. Das Verfahren Rettbergs besteht darin, daß er
vorzugsweise die heilige Stadt durch die Menge der Heiligenleiber, welche
sie bewahrt, aber fast jeder Ort im Rheinthale hat seinen Antheil an dieser
Geschichte und erhält dadurch eine geheimnißvolle Weihe. In anderen
Gegenden sind mehr vereinzelte Legenden dieser Art, doch fehlen sie auf
dem einst römischen Boden nirgends.
Der leider zu früh verstorbene F. W. R ettberg hat das große
Verdienst, zum ersten Male alle diese Erzählungen einer
zusammenhängenden, systematischen, strengen Kritik unterzogen zu
haben[7]. Den einzig richtigen Weg einschlagend, hat er das ganze
ungeheuere Material kritisch untersucht, der Herkunft und Entstehung jeder
einzelnen Nachricht nachgeforscht. Wohl hatte man schon früher einzelnes
als unhaltbar aufgegeben, aber immer suchte man doch wieder historisches
Material aus dem Wuste der Fabeln zu gewinnen; man konnte sich nicht
entschließen auf dasjenige, dessen späte betrügliche Entstehung einmal
nachgewiesen war, nun auch gänzlich zu verzichten, und auch jetzt noch ist
für viele dieser Entschluß zu schwer: man will doch nicht alle scheinbare
Ausbeute aufgeben für Zeiten und Gegenstände, von denen man sonst gar
nichts weiß. So ist es nur zu gewöhnlich, daß man das gänzlich unhaltbare
fortwirft, aber dasjenige, was nicht in sich unmöglich ist, behält — ein
durchaus unhistorisches Verfahren[8].
Wenn es z. B. feststeht, daß man von S. Dysibod im zwölften
Jahrhundert noch nichts als den Namen wußte, daß dann die Nonne
Hildegard nach angeblichen Visionen seine Geschichte schrieb, die von
chronologischen Widersprüchen strotzt, so sollte man doch denken, daß
niemand dieses Märchen ferner als Geschichtsquelle benutzen werde. Und
dennoch machte Remling in seiner Geschichte der Bischöfe von Speier
davon Gebrauch, obgleich ihm Rettbergs Werk nicht unbekannt war. Jedem
besonnenen und gewissenhaften Forscher aber gewährt die
„Kirchengeschichte Deutschlands“ eine feste Grundlage für die
Beurtheilung dieser Zeiten. Das Verfahren Rettbergs besteht darin, daß er
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die Entstehung der Legenden genau untersucht und nachweist, wie sie
allmählich gewachsen sind, wie anfangs nur die Namen der Heiligen
vorkommen, von denen einige wenige auf wirklich alter localer Verehrung
beruhen; wie dann zuerst einzelne Umstände, dann allmählich mehr
hinzugesetzt wird, bis die ganze Geschichte fertig ist. Die Legenden selbst
sind großentheils ohne Zeitangaben über ihre Abfassung; einen ganz
bestimmten Anhalt aber gewähren die Martyrologien[9], deren Verfasser
bekannt sind, und die uns daher das allmähliche Anwachsen der Legenden
auf das deutlichste und bestimmteste erkennen lassen. Daß aber solche
spätere Zusätze nicht etwa auf wirklicher, durch mündliche Ueberlieferung
bewahrter Kenntniß beruhen, das zeigt uns, außer den inneren
Widersprüchen, besonders die Vergleichung mit den späteren echten
Legenden, mit den Lebensbeschreibungen der Heiligen aus geschichtlich
bekannter Zeit, welche in den Legendarien ebenfalls fortwährend sich
verändern und mit allerlei fabelhaften Zuthaten vermehrt werden.
Man hat freilich Rettbergs Verfahren als zu negativ angegriffen und es
wird zuzugeben sein, daß er in einzelnen Fällen zu weit gegangen ist. Auch
ist hin und wieder etwas aufgefunden, wodurch auf einzelne Fragen neues
Licht fällt. Es war deshalb ganz gerechtfertigt und angemessen, daß Prof. J.
F r i edr ich den Versuch machte, jenem Werke eine „Kirchengeschichte
Deutschlands“ (I. Die Römerzeit 1867, II. Die Merovinger 1869) von mehr
conservativer Richtung entgegen zu setzen. Allein es fehlt darin leider an
jener strengen wissenschaftlichen Methode, durch welche Rettberg sich so
sehr auszeichnet, und in Folge der übermäßigen Weitschweifigkeit ist von
der Zeit der Merovinger nur der Anfang berührt. Eine weitere Fortsetzung
ist nicht erschienen.
Das Ergebniß von Rettbergs Kritik aller jener Legenden über die Zeit
der ersten Einführung des Christenthums in das römische Deutschland ist,
daß sie alle späteren Ursprungs sind, daß für die wirkliche Geschichte jener
Zeit nichts daraus zu lernen ist. Auch was Friedrich nachträglich zu retten
versucht, ist nur sehr wenig, und es trägt für diesen Gegenstand wenig aus,
allmählich gewachsen sind, wie anfangs nur die Namen der Heiligen
vorkommen, von denen einige wenige auf wirklich alter localer Verehrung
beruhen; wie dann zuerst einzelne Umstände, dann allmählich mehr
hinzugesetzt wird, bis die ganze Geschichte fertig ist. Die Legenden selbst
sind großentheils ohne Zeitangaben über ihre Abfassung; einen ganz
bestimmten Anhalt aber gewähren die Martyrologien[9], deren Verfasser
bekannt sind, und die uns daher das allmähliche Anwachsen der Legenden
auf das deutlichste und bestimmteste erkennen lassen. Daß aber solche
spätere Zusätze nicht etwa auf wirklicher, durch mündliche Ueberlieferung
bewahrter Kenntniß beruhen, das zeigt uns, außer den inneren
Widersprüchen, besonders die Vergleichung mit den späteren echten
Legenden, mit den Lebensbeschreibungen der Heiligen aus geschichtlich
bekannter Zeit, welche in den Legendarien ebenfalls fortwährend sich
verändern und mit allerlei fabelhaften Zuthaten vermehrt werden.
Man hat freilich Rettbergs Verfahren als zu negativ angegriffen und es
wird zuzugeben sein, daß er in einzelnen Fällen zu weit gegangen ist. Auch
ist hin und wieder etwas aufgefunden, wodurch auf einzelne Fragen neues
Licht fällt. Es war deshalb ganz gerechtfertigt und angemessen, daß Prof. J.
F r i edr ich den Versuch machte, jenem Werke eine „Kirchengeschichte
Deutschlands“ (I. Die Römerzeit 1867, II. Die Merovinger 1869) von mehr
conservativer Richtung entgegen zu setzen. Allein es fehlt darin leider an
jener strengen wissenschaftlichen Methode, durch welche Rettberg sich so
sehr auszeichnet, und in Folge der übermäßigen Weitschweifigkeit ist von
der Zeit der Merovinger nur der Anfang berührt. Eine weitere Fortsetzung
ist nicht erschienen.
Das Ergebniß von Rettbergs Kritik aller jener Legenden über die Zeit
der ersten Einführung des Christenthums in das römische Deutschland ist,
daß sie alle späteren Ursprungs sind, daß für die wirkliche Geschichte jener
Zeit nichts daraus zu lernen ist. Auch was Friedrich nachträglich zu retten
versucht, ist nur sehr wenig, und es trägt für diesen Gegenstand wenig aus,
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ob in der Geschichte von dem Märtyrertode der Thebäer in Agaunum ein
historischer Kern sich nachweisen läßt[10], ob das Martyrium einiger
christlicher Jungfrauen zu Cöln glaubhaft bezeugt ist[11]. Etwas erheblicher
ist die wohl nicht unbegründete Vertheidigung der Legende von dem
Martyrium der h. Af r a zu Augsburg[12]. Rettberg fällt ein günstigeres
Urtheil nur über die Leidensgeschichte des heiligen F lo r i an[13]. Dieser, ein
entlassener Veteran, soll in Folge der Verfolgungsedicte von Diocletian und
Maximian (304) auf Befehl des Aquilinus, Präses von Ufernoricum, zu
Lorch in die Ens gestürzt sein. Ungeachtet eines schweren Steins, der an
seinen Hals gebunden ist, trägt ihn der Fluß auf einen hervorragenden Fels,
von wo eine fromme christliche Frau ihn in Folge einer Vision zur
Bestattung abholt. Diese Erzählung aber ist eine so deutliche Nachahmung
dessen, was Hieronymus in seiner Chronik vom Bischof Quirin von Sissek
erzählt, daß sich die absichtliche Erdichtung darin kaum verkennen läßt.
Denn es ist eben eine Eigenthümlichkeit dieser späteren
Legendenfabrikation, daß sich in benachbarten Gegenden immer dieselben
Todesarten und Wunder wiederholen; die Phantasie des Mittelalters
erscheint darin arm und dürftig. Auch finden sich diese Angaben über Sanct
Florians Ende erst in Martyrologien des neunten Jahrhunderts, die
Handschriften der Legende reichen nicht höher hinauf[14], und nichts weist
darauf hin, daß sie etwa, wie das Leben Severins, in Italien aufbewahrt, und
von dort zurückgebracht wäre.
Um so wahrscheinlicher ist es, daß wirklich eine ununterbrochene
örtliche Ueberlieferung das Andenken dieses Märtyrers bewahrt habe. Denn
wo sich jetzt mächtig und gebietend das schöne Chorherrnstift St. Florian
erhebt, da galt schon vor mehr als tausend Jahren der Boden für heilig, weil
hier „der kostbare Märtyrer Sanct Florianus“ ruhe, lange bevor die
Verfasser der Martyrologien den Ort seines Leidens kannten. Also selbst im
Flachlande, vielleicht in den Resten der einst bischöflichen Stadt Lorch,
haben Christen durch alle Stürme der Völkerwanderung das Andenken
Sanct Florians bewahrt, und vielleicht die Kunde von seinem Stande und
der Zeit seines Todes, während weiter oben im Gebirge von Maxi m ilian
historischer Kern sich nachweisen läßt[10], ob das Martyrium einiger
christlicher Jungfrauen zu Cöln glaubhaft bezeugt ist[11]. Etwas erheblicher
ist die wohl nicht unbegründete Vertheidigung der Legende von dem
Martyrium der h. Af r a zu Augsburg[12]. Rettberg fällt ein günstigeres
Urtheil nur über die Leidensgeschichte des heiligen F lo r i an[13]. Dieser, ein
entlassener Veteran, soll in Folge der Verfolgungsedicte von Diocletian und
Maximian (304) auf Befehl des Aquilinus, Präses von Ufernoricum, zu
Lorch in die Ens gestürzt sein. Ungeachtet eines schweren Steins, der an
seinen Hals gebunden ist, trägt ihn der Fluß auf einen hervorragenden Fels,
von wo eine fromme christliche Frau ihn in Folge einer Vision zur
Bestattung abholt. Diese Erzählung aber ist eine so deutliche Nachahmung
dessen, was Hieronymus in seiner Chronik vom Bischof Quirin von Sissek
erzählt, daß sich die absichtliche Erdichtung darin kaum verkennen läßt.
Denn es ist eben eine Eigenthümlichkeit dieser späteren
Legendenfabrikation, daß sich in benachbarten Gegenden immer dieselben
Todesarten und Wunder wiederholen; die Phantasie des Mittelalters
erscheint darin arm und dürftig. Auch finden sich diese Angaben über Sanct
Florians Ende erst in Martyrologien des neunten Jahrhunderts, die
Handschriften der Legende reichen nicht höher hinauf[14], und nichts weist
darauf hin, daß sie etwa, wie das Leben Severins, in Italien aufbewahrt, und
von dort zurückgebracht wäre.
Um so wahrscheinlicher ist es, daß wirklich eine ununterbrochene
örtliche Ueberlieferung das Andenken dieses Märtyrers bewahrt habe. Denn
wo sich jetzt mächtig und gebietend das schöne Chorherrnstift St. Florian
erhebt, da galt schon vor mehr als tausend Jahren der Boden für heilig, weil
hier „der kostbare Märtyrer Sanct Florianus“ ruhe, lange bevor die
Verfasser der Martyrologien den Ort seines Leidens kannten. Also selbst im
Flachlande, vielleicht in den Resten der einst bischöflichen Stadt Lorch,
haben Christen durch alle Stürme der Völkerwanderung das Andenken
Sanct Florians bewahrt, und vielleicht die Kunde von seinem Stande und
der Zeit seines Todes, während weiter oben im Gebirge von Maxi m ilian
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nur der Name und der Ort seines Begräbnisses im Gedächtniß blieb,
S ev er i n aber gänzlich vergessen zu sein scheint, bis aus Italien
Handschriften seiner Lebensbeschreibung nach Deutschland kamen und
sein Andenken erneuten. Denn am festesten haftete immer die Erinnerung
am Grabe der Heiligen.
Diesem Umstande verdanken wir auch die Erhaltung einer anderen
Legende, der L ei den sgeschi cht e der h eilig en Vier Gekr önten,
welche Rettberg unbekannt geblieben ist[15]. Sie berichtet uns von vier
christlichen Arbeitern in den Steinbrüchen Pannoniens, welche noch einen
ihrer Genossen bekehren; ihn tauft der in Ketten dorthin verbannte Bischof
Cyrill von Antiochien. Das ist ein merkwürdiger Fingerzeig für die
Ausbreitung des Christenthums. Rettberg, der nicht nur das spätere
Fabelwerk mit schonungsloser Kritik zerstört, sondern auch den wirklichen
Verlauf der Bekehrung dieser Lande mit größter Sorgfalt aus den einzelnen
Anhaltpunkten nachgewiesen hat, ist zu dem Resultat gekommen, daß für
dieselbe nicht sowohl eigentliche Missionare thätig waren, als vielmehr die
christlichen Soldaten[16], Handelsleute und Arbeiter, welche hierher kamen,
während die späteren Legenden durchgehends die Gründung der Kirchen
durch die Apostel und ihre ersten Schüler behaupten. Die Verbannung
gefangener Christen in die Steinbrüche Pannoniens, und wohl auch anderer
Lande, wird das ihrige dazu beigetragen haben. Es erklärt sich aber aus
dieser unmerklichen und unscheinbaren Verbreitung auch zur Genüge,
warum keine Schriftsteller das Andenken derselben aufbewahrt haben. Jene
Arbeiter nun fielen dem Neide ihrer Gesellen durch Diocletians Spruch zum
Opfer, so gerne dieser auch anfangs seine geschicktesten Arbeiter sich
erhalten wollte (307?). Die Reliquien der fünf Arbeiter finden sich später zu
Rom in der Kirche der heiligen Vier Gekrönten[17], mit denen sie nur
hierdurch in zufällige Verbindung gebracht sind, und dies hat auch eine
Verschmelzung ihrer Legenden zur Folge gehabt. Vielleicht erst hierdurch
sind auch chronologische Widersprüche hineingekommen, aber alt ist die
Legende sicher; sie muß geschrieben sein, bevor Pannonien von den
Barbaren überschwemmt war, und das Treiben in den Steinbrüchen ist mit
S ev er i n aber gänzlich vergessen zu sein scheint, bis aus Italien
Handschriften seiner Lebensbeschreibung nach Deutschland kamen und
sein Andenken erneuten. Denn am festesten haftete immer die Erinnerung
am Grabe der Heiligen.
Diesem Umstande verdanken wir auch die Erhaltung einer anderen
Legende, der L ei den sgeschi cht e der h eilig en Vier Gekr önten,
welche Rettberg unbekannt geblieben ist[15]. Sie berichtet uns von vier
christlichen Arbeitern in den Steinbrüchen Pannoniens, welche noch einen
ihrer Genossen bekehren; ihn tauft der in Ketten dorthin verbannte Bischof
Cyrill von Antiochien. Das ist ein merkwürdiger Fingerzeig für die
Ausbreitung des Christenthums. Rettberg, der nicht nur das spätere
Fabelwerk mit schonungsloser Kritik zerstört, sondern auch den wirklichen
Verlauf der Bekehrung dieser Lande mit größter Sorgfalt aus den einzelnen
Anhaltpunkten nachgewiesen hat, ist zu dem Resultat gekommen, daß für
dieselbe nicht sowohl eigentliche Missionare thätig waren, als vielmehr die
christlichen Soldaten[16], Handelsleute und Arbeiter, welche hierher kamen,
während die späteren Legenden durchgehends die Gründung der Kirchen
durch die Apostel und ihre ersten Schüler behaupten. Die Verbannung
gefangener Christen in die Steinbrüche Pannoniens, und wohl auch anderer
Lande, wird das ihrige dazu beigetragen haben. Es erklärt sich aber aus
dieser unmerklichen und unscheinbaren Verbreitung auch zur Genüge,
warum keine Schriftsteller das Andenken derselben aufbewahrt haben. Jene
Arbeiter nun fielen dem Neide ihrer Gesellen durch Diocletians Spruch zum
Opfer, so gerne dieser auch anfangs seine geschicktesten Arbeiter sich
erhalten wollte (307?). Die Reliquien der fünf Arbeiter finden sich später zu
Rom in der Kirche der heiligen Vier Gekrönten[17], mit denen sie nur
hierdurch in zufällige Verbindung gebracht sind, und dies hat auch eine
Verschmelzung ihrer Legenden zur Folge gehabt. Vielleicht erst hierdurch
sind auch chronologische Widersprüche hineingekommen, aber alt ist die
Legende sicher; sie muß geschrieben sein, bevor Pannonien von den
Barbaren überschwemmt war, und das Treiben in den Steinbrüchen ist mit
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solcher Anschaulichkeit und auch mit so durchgängiger Beibehaltung der
technischen Ausdrücke geschildert, daß der Verfasser selbst noch
persönliche Kunde davon gehabt zu haben scheint. Als solchen nennt die
alte Pariser Handschrift den Schatzungsbeamten P or phy r iu s, welchen De
Rossi auch aus anderen Erwähnungen nachgewiesen hat[18]. Aber nur die
ursprüngliche pannonische Legende können wir ihm zuschreiben.
Während nun also diese Legende noch die ungestörte Römerherrschaft
in diesen Gegenden voraussetzt, führt uns eine andere so recht mitten hinein
in die Stürme der Völkerwanderung, und wir können es uns daher nicht
versagen, bei dieser etwas länger zu verweilen.
[1] Ann. II, 88. Vgl. Wackernagel, Geschichte der deutschen Litteratur, S. 8 ff.
[2] Einh. V. Karoli c. 29.
[3] Thegani V. Lud. c. 19.
[4] Auch in der Ortenau, s. Aloys Schulte, Zts. f. Gesch. d. Oberrh. N. F. IV, 300-314.
[5] Vgl. Julius Jung, Römer und Romanen in den Donauländern, Innsbr. 1877, und
die Ergebnisse der durch Virchow veranlaßten Ermittelungen über Farbe der Haut
und der Augen.
[6] Die Kritik der gleichen Nachrichten in Frankreich und Nachweis des
allmählichen Auswachsens der Legenden, in: Origines de l'Église de Tours, par M.
l'abbé C. Chevalier (T. XXI des Mémoires de la Société archéologique de Touraine)
Tours 1871. Vgl. die Anzeige von Monod, Revue crit. 1872. Tome II, p. 84-88.
Ferner die Kritik von Aubé über das Buch von Dom Chamard: Les églises du monde
Romain. Revue hist. VII, 152-164, u. jetzt vorzüglich: Mémoire sur l'origine des
diocèses épiscopaux dans l'ancienne Gaule, par M. l'abbé Duchesne, Paris 1890.
(Mém. de la Soc. nat. des Antiquaires de France, Tome L).
[7] Kirchengeschichte Deutschlands, 2 Bde. 8. 1848, bis zum Tode Karls des Großen.
Vgl. jetzt auch Hauck, Kirchengesch. Deutschlands bis Bonifaz. Leipz. 1887.
[8] Vgl. die Worte von Waitz in den Gött. G. A. 1855, S. 274: Es ist hier geschehen,
was manchmal geschieht und die Leute beruhigt: man hat zeitig die besonders groben
und anstößigen Behauptungen entfernt, und dann gemeint, daß das, was allenfalls
wahr sein könnte, nun auch Anspruch habe, wirklich dafür zu gelten, während die
wahre Kritik anerkennt, daß ein solches Abhandeln bei Sage und Erdichtung meist
gerade am allerwenigsten zur historischen Gewißheit führt.
[9] S. über diese § 3.
[10] S. darüber Franz Stolle, Das Martyrium der thebaischen Legion, Breslau 1891;
vgl. NA. XVII, 223. ←
[11] Ist der Einfall O. Schade's (Die Sage von der heiligen Ursula, 1854), für die
Ursulalegende eine mythologische Begründung nachzuweisen, ohne Zweifel verfehlt,
technischen Ausdrücke geschildert, daß der Verfasser selbst noch
persönliche Kunde davon gehabt zu haben scheint. Als solchen nennt die
alte Pariser Handschrift den Schatzungsbeamten P or phy r iu s, welchen De
Rossi auch aus anderen Erwähnungen nachgewiesen hat[18]. Aber nur die
ursprüngliche pannonische Legende können wir ihm zuschreiben.
Während nun also diese Legende noch die ungestörte Römerherrschaft
in diesen Gegenden voraussetzt, führt uns eine andere so recht mitten hinein
in die Stürme der Völkerwanderung, und wir können es uns daher nicht
versagen, bei dieser etwas länger zu verweilen.
[1] Ann. II, 88. Vgl. Wackernagel, Geschichte der deutschen Litteratur, S. 8 ff.
[2] Einh. V. Karoli c. 29.
[3] Thegani V. Lud. c. 19.
[4] Auch in der Ortenau, s. Aloys Schulte, Zts. f. Gesch. d. Oberrh. N. F. IV, 300-314.
[5] Vgl. Julius Jung, Römer und Romanen in den Donauländern, Innsbr. 1877, und
die Ergebnisse der durch Virchow veranlaßten Ermittelungen über Farbe der Haut
und der Augen.
[6] Die Kritik der gleichen Nachrichten in Frankreich und Nachweis des
allmählichen Auswachsens der Legenden, in: Origines de l'Église de Tours, par M.
l'abbé C. Chevalier (T. XXI des Mémoires de la Société archéologique de Touraine)
Tours 1871. Vgl. die Anzeige von Monod, Revue crit. 1872. Tome II, p. 84-88.
Ferner die Kritik von Aubé über das Buch von Dom Chamard: Les églises du monde
Romain. Revue hist. VII, 152-164, u. jetzt vorzüglich: Mémoire sur l'origine des
diocèses épiscopaux dans l'ancienne Gaule, par M. l'abbé Duchesne, Paris 1890.
(Mém. de la Soc. nat. des Antiquaires de France, Tome L).
[7] Kirchengeschichte Deutschlands, 2 Bde. 8. 1848, bis zum Tode Karls des Großen.
Vgl. jetzt auch Hauck, Kirchengesch. Deutschlands bis Bonifaz. Leipz. 1887.
[8] Vgl. die Worte von Waitz in den Gött. G. A. 1855, S. 274: Es ist hier geschehen,
was manchmal geschieht und die Leute beruhigt: man hat zeitig die besonders groben
und anstößigen Behauptungen entfernt, und dann gemeint, daß das, was allenfalls
wahr sein könnte, nun auch Anspruch habe, wirklich dafür zu gelten, während die
wahre Kritik anerkennt, daß ein solches Abhandeln bei Sage und Erdichtung meist
gerade am allerwenigsten zur historischen Gewißheit führt.
[9] S. über diese § 3.
[10] S. darüber Franz Stolle, Das Martyrium der thebaischen Legion, Breslau 1891;
vgl. NA. XVII, 223. ←
[11] Ist der Einfall O. Schade's (Die Sage von der heiligen Ursula, 1854), für die
Ursulalegende eine mythologische Begründung nachzuweisen, ohne Zweifel verfehlt,
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so ist dagegen der Versuch Joh. Hubert Kessels (S. Ursula und ihre Gesellschaft,
Cöln 1863), durch rationalistische Deutung, mit Verwerfung der abgeschmackten
Visionen, die ältere Legende zu retten, nicht minder abzuweisen. Sein Verfahren
widerspricht jeder gesunden historischen Kritik, er benutzt allerlei späte Legenden in
unzulässiger Weise als Quelle für die Hunnenzeit; seine Hauptstütze aber ist die
Predigt In natali, welche er ins achte Jahrhundert setzt. Diese ist v. Klinkenberg aus
einer Hs. saec. XII. herausg. u. in Karol. Zeit gesetzt (Kl. u. Düntzer in d. Jahrbb. d.
V. v. Alt. im Rheinland, Heft 88. 89). Friedrich giebt die Legende auf. Vgl. auch
Annalen des Niederrheins 1874, Heft 26 u. 27, S. 116 bis 176, G. Stein: Ursula, S.
177 bis 196, Floß: Die Clematianische Inschrift. Facs. ders. bei F. X. Kraus: Die
christl. Inss. d. Rheinlande (1890) S. 143. In den Anal. Bolland. III, 1-20, ist die
Legende Fuit tempore pervetusto herausgegeben mit einer früher unbekannten
Widmung an Erzb. Gero, wie es scheint die älteste Form, die hiernach durch einen
Grafen Hoolf vom Erzb. Dunstan v. Canterbury stammte. An die Thatsache des
Martyriums einiger Christinnen und deren Cult hat phantastische Sage sich
angeschlossen, welche schon Wandalbert von Prüm bekannt war, in jener alten
Legende noch in einfacherer Form erscheint, später auch absichtlich erweitert ist.
[12] Passio S. Afrae, wieder abgedruckt von Friedrich I, 427-430.
[13] I, 157. Passio S. Floriani, aus einer St. Emmerammer Handschrift saec. X, bei
Pez SS. I, 36. Vgl. dazu Glück, die Bisthümer Noricums, besonders das Lorchische,
zur Zeit der römischen Herrschaft, Wiener SB. XVII, 60. Ueber den Grabstein der
Valeria, die ihn begrub, Kenner im Archiv d. W. A. XXXVIII, 174. In das CIL. ist er
nicht aufgenommen, Th. Mommsen glaubt nicht, ihn als römischer Zeit entstammend
anerkennen zu können.
[14] Eine Handschrift in Lambach (nicht Linz) wird ins 9. Jahrh. gesetzt, aber der
Wiener Cod. 650, in welchem sich die zweite Bearbeitung findet, ist nicht, wie Tabb.
I, 112 gesagt ist, saec. IX, sondern saec. XII. Der St. Florianer Chorherr E.
Mühlbacher, welchem ich diese Nachricht verdanke, ist geneigt, jene erste
Bearbeitung schon dem 7. Jahrh. zuzuschreiben, das bereits Schenkungen zum Grabe
des Märtyrers aufweist, und bezieht sich auf einen Aufsatz in der Linzer theol. prakt.
Quartalschrift 1868 S. 437 ff.
[15] Passio Sanctorum Quatuor Coronatorum, herausgegeben von Wattenbach, mit
einem Nachwort von Karajan, in den Wiener SB. X, 115-137. Sie findet sich auch
schon in dem Sanctuarium des Mombritius I, fol. 160. Neue Ausgabe in Büdingers
Untersuchungen zur Röm. Kaisergesch. III, 321-338. Vgl. dazu S. 1-11 Untersuchung
von O. Hunziker, S. 339 bis 356 Archäologische Bemerkungen von O. Benndorf, S.
357-379 Chronolog. Bem. von M. Büdinger. Vgl. den Bericht von A. Ilg in d.
Mittheilungen der Centralcommission XVII p. XLVII-LI. A. Duncker im Rhein. Mus.
f. Philol. XXXI, 440-445. Edm. Meyer, Forsch. XVIII (1878) 577 bis 603. Giov.
Batt. de Rossi: I santi Quattro Coronati e la loro chiesa sul Celio, im Bull. di Archeol.
crist. 1879, mit Benutzung der ältesten Hs. in Paris, vgl. NA. V, 227. Petschenig, SB.
d. Wiener Akad. XCVII, 761 bis 779, vgl. NA. VII, 226. C. Erbes in d. Zeitschr. f.
Kirchengesch. V, 466-487. Ed. Meyer im Progr. d. Kgl. Louisengymn. in Berlin
1886, vgl. NA. XII, 426. 602. — J. Jung a. a. O. hat die Legende benutzt, und
verweist auch S. 132. 159 auf die Geschichte der N o n s b e r g e r M ä r t y r e r
Sisinnius, Martyrius und Alexander († 397) Acta SS. Mai. VII, 38-44. Gar wenig
Inhalt hat die chronologisch ganz unbestimmte Vi t a S . F l o r i n i, aus dem
Vintschgau, Anal. Boll. III, App. p. 122-127.
[16] Vgl. die Verschleppung des Dolichenoscult durch römische Soldaten; G. Seidl in
den Wiener Sitzungsberichten XII, 4-90. XIII, 233-260.
Cöln 1863), durch rationalistische Deutung, mit Verwerfung der abgeschmackten
Visionen, die ältere Legende zu retten, nicht minder abzuweisen. Sein Verfahren
widerspricht jeder gesunden historischen Kritik, er benutzt allerlei späte Legenden in
unzulässiger Weise als Quelle für die Hunnenzeit; seine Hauptstütze aber ist die
Predigt In natali, welche er ins achte Jahrhundert setzt. Diese ist v. Klinkenberg aus
einer Hs. saec. XII. herausg. u. in Karol. Zeit gesetzt (Kl. u. Düntzer in d. Jahrbb. d.
V. v. Alt. im Rheinland, Heft 88. 89). Friedrich giebt die Legende auf. Vgl. auch
Annalen des Niederrheins 1874, Heft 26 u. 27, S. 116 bis 176, G. Stein: Ursula, S.
177 bis 196, Floß: Die Clematianische Inschrift. Facs. ders. bei F. X. Kraus: Die
christl. Inss. d. Rheinlande (1890) S. 143. In den Anal. Bolland. III, 1-20, ist die
Legende Fuit tempore pervetusto herausgegeben mit einer früher unbekannten
Widmung an Erzb. Gero, wie es scheint die älteste Form, die hiernach durch einen
Grafen Hoolf vom Erzb. Dunstan v. Canterbury stammte. An die Thatsache des
Martyriums einiger Christinnen und deren Cult hat phantastische Sage sich
angeschlossen, welche schon Wandalbert von Prüm bekannt war, in jener alten
Legende noch in einfacherer Form erscheint, später auch absichtlich erweitert ist.
[12] Passio S. Afrae, wieder abgedruckt von Friedrich I, 427-430.
[13] I, 157. Passio S. Floriani, aus einer St. Emmerammer Handschrift saec. X, bei
Pez SS. I, 36. Vgl. dazu Glück, die Bisthümer Noricums, besonders das Lorchische,
zur Zeit der römischen Herrschaft, Wiener SB. XVII, 60. Ueber den Grabstein der
Valeria, die ihn begrub, Kenner im Archiv d. W. A. XXXVIII, 174. In das CIL. ist er
nicht aufgenommen, Th. Mommsen glaubt nicht, ihn als römischer Zeit entstammend
anerkennen zu können.
[14] Eine Handschrift in Lambach (nicht Linz) wird ins 9. Jahrh. gesetzt, aber der
Wiener Cod. 650, in welchem sich die zweite Bearbeitung findet, ist nicht, wie Tabb.
I, 112 gesagt ist, saec. IX, sondern saec. XII. Der St. Florianer Chorherr E.
Mühlbacher, welchem ich diese Nachricht verdanke, ist geneigt, jene erste
Bearbeitung schon dem 7. Jahrh. zuzuschreiben, das bereits Schenkungen zum Grabe
des Märtyrers aufweist, und bezieht sich auf einen Aufsatz in der Linzer theol. prakt.
Quartalschrift 1868 S. 437 ff.
[15] Passio Sanctorum Quatuor Coronatorum, herausgegeben von Wattenbach, mit
einem Nachwort von Karajan, in den Wiener SB. X, 115-137. Sie findet sich auch
schon in dem Sanctuarium des Mombritius I, fol. 160. Neue Ausgabe in Büdingers
Untersuchungen zur Röm. Kaisergesch. III, 321-338. Vgl. dazu S. 1-11 Untersuchung
von O. Hunziker, S. 339 bis 356 Archäologische Bemerkungen von O. Benndorf, S.
357-379 Chronolog. Bem. von M. Büdinger. Vgl. den Bericht von A. Ilg in d.
Mittheilungen der Centralcommission XVII p. XLVII-LI. A. Duncker im Rhein. Mus.
f. Philol. XXXI, 440-445. Edm. Meyer, Forsch. XVIII (1878) 577 bis 603. Giov.
Batt. de Rossi: I santi Quattro Coronati e la loro chiesa sul Celio, im Bull. di Archeol.
crist. 1879, mit Benutzung der ältesten Hs. in Paris, vgl. NA. V, 227. Petschenig, SB.
d. Wiener Akad. XCVII, 761 bis 779, vgl. NA. VII, 226. C. Erbes in d. Zeitschr. f.
Kirchengesch. V, 466-487. Ed. Meyer im Progr. d. Kgl. Louisengymn. in Berlin
1886, vgl. NA. XII, 426. 602. — J. Jung a. a. O. hat die Legende benutzt, und
verweist auch S. 132. 159 auf die Geschichte der N o n s b e r g e r M ä r t y r e r
Sisinnius, Martyrius und Alexander († 397) Acta SS. Mai. VII, 38-44. Gar wenig
Inhalt hat die chronologisch ganz unbestimmte Vi t a S . F l o r i n i, aus dem
Vintschgau, Anal. Boll. III, App. p. 122-127.
[16] Vgl. die Verschleppung des Dolichenoscult durch römische Soldaten; G. Seidl in
den Wiener Sitzungsberichten XII, 4-90. XIII, 233-260.
Page 76
[17] O. Hirschfeld (Archäolog. u. epigr. Mitth. aus Oesterr. IX, 21) erinnert anläßlich
einer Inschrift, worin von capitella columnarum die Rede ist, welche bei Sirmium für
die Thermae Licinianae verfertigt worden, an unsere Passio, u. weist dabei den
Gebrauch des Ausdrucks coronati für höhere Beamte nächst dem Cornicularius nach.
[18] Censualis a gleba actuarius nomine Porfyreus hanc gestam scripsit.
einer Inschrift, worin von capitella columnarum die Rede ist, welche bei Sirmium für
die Thermae Licinianae verfertigt worden, an unsere Passio, u. weist dabei den
Gebrauch des Ausdrucks coronati für höhere Beamte nächst dem Cornicularius nach.
[18] Censualis a gleba actuarius nomine Porfyreus hanc gestam scripsit.
Page 77
§ 2. Das Leben des heiligen Severin. [ ← ]
Ausgabe von Welser in Augsburg 1595, 4. (Opera p. 635) aus einer HS. des zehnten Jahrh. in St.
Emmeram, der ältesten in Deutschland. Den hier fehlenden Brief Eugipps an Paschasius gab
Canisius, Antiquae Lect. VI, 53, I, 411. Danach vollständig in der zweiten Ausgabe des Surius
und Acta SS. Jan. I, 484 mit Commentar von Bolland. Nach den minder guten, wie es scheint
überarbeiteten, östr. Handschriften in H. Pez SS. I, 64, und daraus bei Muchar, Das römische
Noricum, II, 152-239, mit Commentar. Ausgabe von Ant. Kerschbaumer, Scaphus. 1862 nach
dem angeblich ältesten und besten Lateran. Codex, unkritisch und wegen vieler Druckfehler
unzuverlässig; Rec. von Sauppe, Gött. Gel. Anz. 1862 S. 1544-1552. Nach Münchener
Handschriften bei Friedrich, I, 431-489. Ausg. von Sauppe, MG. Auctt. antt. I, 2. 1877; vgl. NA.
IV, 407, Waitz, GGA. 1879, S. 581. Gegen Sauppe's krit. Grundlage u. für d. Cod. Taurin. P.
Knöll, Wiener SB. XCV, 445-498. Ausg. von Knöll im Wiener Corpus SS. eccl. VIII, 2. Uebers.
v. C. Ritter, Linz 1853, v. K. Rodenberg, Berlin 1878 (Urzeit Bd. 4), v. S. Brunner, Wien 1879.
— Eugippii opera, Migne 62. — Rinaudo p. 14-19. Vgl. Rettberg I, 226. Büdinger, Oesterr.
Gesch. I, 47 ff. Pallmann II, 393-401. J. Jung, Römer und Romanen S. 132 und an vielen Orten.
Hauck I, 328-332.
Die Lebensbeschreibung des heiligen Severin, von seinem Schüler
Eugippius verfaßt, ist für uns von ganz unschätzbarem Werthe, indem sie
einen hellen Lichtstrahl wirft in Zeiten und Zustände, von denen wir sonst
gar nichts wissen würden, wie denn auch vorher und nachher tiefe
Finsterniß diese Donauländer bedeckt. Keine andere Quelle giebt uns in so
reichhaltiger Weise ein Bild des christlich gewordenen und bereits mit
vollständiger kirchlicher Einrichtung versehenen Römerlandes im Süden
der Donau; unmittelbar vor der Vernichtung zeigt ein günstiges Geschick
uns das Bild dieser Gegenden und ihrer Bevölkerung in scharfen und
lebensvollen Umrissen.
Attila war gestorben, und die frei gewordenen Völker wenden nun ihre
Waffen gegen einander und gegen die kläglichen Ueberbleibsel des
römischen Reiches. Alamannen und Thüringer hatten den Grenzwall
durchbrochen und drangen in Rätien immer weiter gegen Süden und Osten
vor. In Noricum hielt sich noch die römische Bevölkerung, aber in welchem
Zustand! Von allen Seiten wurde sie schwer bedrängt durch die
vorrückenden Barbaren — denn so nannten damals und noch lange nachher
Ausgabe von Welser in Augsburg 1595, 4. (Opera p. 635) aus einer HS. des zehnten Jahrh. in St.
Emmeram, der ältesten in Deutschland. Den hier fehlenden Brief Eugipps an Paschasius gab
Canisius, Antiquae Lect. VI, 53, I, 411. Danach vollständig in der zweiten Ausgabe des Surius
und Acta SS. Jan. I, 484 mit Commentar von Bolland. Nach den minder guten, wie es scheint
überarbeiteten, östr. Handschriften in H. Pez SS. I, 64, und daraus bei Muchar, Das römische
Noricum, II, 152-239, mit Commentar. Ausgabe von Ant. Kerschbaumer, Scaphus. 1862 nach
dem angeblich ältesten und besten Lateran. Codex, unkritisch und wegen vieler Druckfehler
unzuverlässig; Rec. von Sauppe, Gött. Gel. Anz. 1862 S. 1544-1552. Nach Münchener
Handschriften bei Friedrich, I, 431-489. Ausg. von Sauppe, MG. Auctt. antt. I, 2. 1877; vgl. NA.
IV, 407, Waitz, GGA. 1879, S. 581. Gegen Sauppe's krit. Grundlage u. für d. Cod. Taurin. P.
Knöll, Wiener SB. XCV, 445-498. Ausg. von Knöll im Wiener Corpus SS. eccl. VIII, 2. Uebers.
v. C. Ritter, Linz 1853, v. K. Rodenberg, Berlin 1878 (Urzeit Bd. 4), v. S. Brunner, Wien 1879.
— Eugippii opera, Migne 62. — Rinaudo p. 14-19. Vgl. Rettberg I, 226. Büdinger, Oesterr.
Gesch. I, 47 ff. Pallmann II, 393-401. J. Jung, Römer und Romanen S. 132 und an vielen Orten.
Hauck I, 328-332.
Die Lebensbeschreibung des heiligen Severin, von seinem Schüler
Eugippius verfaßt, ist für uns von ganz unschätzbarem Werthe, indem sie
einen hellen Lichtstrahl wirft in Zeiten und Zustände, von denen wir sonst
gar nichts wissen würden, wie denn auch vorher und nachher tiefe
Finsterniß diese Donauländer bedeckt. Keine andere Quelle giebt uns in so
reichhaltiger Weise ein Bild des christlich gewordenen und bereits mit
vollständiger kirchlicher Einrichtung versehenen Römerlandes im Süden
der Donau; unmittelbar vor der Vernichtung zeigt ein günstiges Geschick
uns das Bild dieser Gegenden und ihrer Bevölkerung in scharfen und
lebensvollen Umrissen.
Attila war gestorben, und die frei gewordenen Völker wenden nun ihre
Waffen gegen einander und gegen die kläglichen Ueberbleibsel des
römischen Reiches. Alamannen und Thüringer hatten den Grenzwall
durchbrochen und drangen in Rätien immer weiter gegen Süden und Osten
vor. In Noricum hielt sich noch die römische Bevölkerung, aber in welchem
Zustand! Von allen Seiten wurde sie schwer bedrängt durch die
vorrückenden Barbaren — denn so nannten damals und noch lange nachher
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nicht nur die Römer, sondern auch die Deutschen selbst alle Nichtrömer.
Jenseits der Donau schalteten die Rugier, durch häufige Streifzüge das Land
bedrängend und bald auch diesseits festen Fuß fassend. Sie sowohl wie die
Gothen in Pannonien waren Arianer, den katholischen Romanen fast noch
verhaßter als die Heiden. In Commagena, einer bald darauf völlig
verschwundenen Römerstadt unweit Tuln, hatten bereits Barbaren sich
festgesetzt; unfähig sie zu vertreiben, schlossen die Römer ein Bündniß mit
ihnen, und die Einwohner lebten nun wie Gefangene in ihrer eigenen Stadt.
Da tritt plötzlich, ungehindert durch die Wachen, Severinus unter sie: eben
war, wie er vorher verkündigt hatte, die benachbarte Stadt Astura gänzlich
zerstört worden, und gläubig horchte man nun auf seine Worte, da er
Rettung verhieß, fastete und betete, bis plötzlich in der Nacht ein Erdbeben
die Barbaren in Schrecken setzt; voll Angst eilen sie aus den Thoren und
morden sich gegenseitig in der Finsterniß und Verwirrung. So war die Stadt
von ihren Drängern befreit, allein was war damit gewonnen!
Nur von den Städten aus wurde noch das Feld gebaut, und nur zu
häufig fielen Ernte und Schnitter in die Hände der Barbaren; Hunger
verwüstete das reiche und fruchtbare Land, wenn die Zufuhr auf dem Inn
ausblieb. Die Grenzsoldaten erhielten aus Italien keinen Sold mehr, und in
Folge davon lösten ihre Schaaren sich auf; nur die batavische Cohorte in
Passau hielt noch zusammen, und einige von ihnen machen sich auf, um
den Sold über die Alpen zu holen, werden aber unterwegs erschlagen. Vor
der Donaustadt Faviana, zwischen Passau und Wien, erscheinen plötzlich
Räuber und führen alles hinweg, was sie außerhalb der Mauern finden,
Menschen und Vieh. Der Tribun Mamertinus hat so wenig Mannschaft, daß
er keinen Ausfall wagen will, bis Severin ihm den göttlichen Beistand
verheißt; da zieht er muthig hinaus und gewinnt den Sieg.
Eine der wunderbarsten Erscheinungen ist dieser Severin. Nie hat er
sagen wollen, wer er sei, woher er stamme; nur daß er aus dem fernen
Osten komme, nahm man aus seinen Reden ab, doch erkannte man an der
Sprache den geborenen Lateiner. Von vornehmer Abkunft, so schien es,
Jenseits der Donau schalteten die Rugier, durch häufige Streifzüge das Land
bedrängend und bald auch diesseits festen Fuß fassend. Sie sowohl wie die
Gothen in Pannonien waren Arianer, den katholischen Romanen fast noch
verhaßter als die Heiden. In Commagena, einer bald darauf völlig
verschwundenen Römerstadt unweit Tuln, hatten bereits Barbaren sich
festgesetzt; unfähig sie zu vertreiben, schlossen die Römer ein Bündniß mit
ihnen, und die Einwohner lebten nun wie Gefangene in ihrer eigenen Stadt.
Da tritt plötzlich, ungehindert durch die Wachen, Severinus unter sie: eben
war, wie er vorher verkündigt hatte, die benachbarte Stadt Astura gänzlich
zerstört worden, und gläubig horchte man nun auf seine Worte, da er
Rettung verhieß, fastete und betete, bis plötzlich in der Nacht ein Erdbeben
die Barbaren in Schrecken setzt; voll Angst eilen sie aus den Thoren und
morden sich gegenseitig in der Finsterniß und Verwirrung. So war die Stadt
von ihren Drängern befreit, allein was war damit gewonnen!
Nur von den Städten aus wurde noch das Feld gebaut, und nur zu
häufig fielen Ernte und Schnitter in die Hände der Barbaren; Hunger
verwüstete das reiche und fruchtbare Land, wenn die Zufuhr auf dem Inn
ausblieb. Die Grenzsoldaten erhielten aus Italien keinen Sold mehr, und in
Folge davon lösten ihre Schaaren sich auf; nur die batavische Cohorte in
Passau hielt noch zusammen, und einige von ihnen machen sich auf, um
den Sold über die Alpen zu holen, werden aber unterwegs erschlagen. Vor
der Donaustadt Faviana, zwischen Passau und Wien, erscheinen plötzlich
Räuber und führen alles hinweg, was sie außerhalb der Mauern finden,
Menschen und Vieh. Der Tribun Mamertinus hat so wenig Mannschaft, daß
er keinen Ausfall wagen will, bis Severin ihm den göttlichen Beistand
verheißt; da zieht er muthig hinaus und gewinnt den Sieg.
Eine der wunderbarsten Erscheinungen ist dieser Severin. Nie hat er
sagen wollen, wer er sei, woher er stamme; nur daß er aus dem fernen
Osten komme, nahm man aus seinen Reden ab, doch erkannte man an der
Sprache den geborenen Lateiner. Von vornehmer Abkunft, so schien es,
Page 79
hatte er sich in die Einsamkeit zu den heiligen Vätern, vermuthlich in die
thebaische Wüste, zurückgezogen; dann aber trieb ihn, wie er selber
andeutete, eine göttliche Stimme, den bedrängten Bewohnern des
Ufernoricum Trost und Hülfe zu bringen. Seine Enthaltsamkeit erschien
übermenschlich; bei der heftigsten Kälte ging er barfuß, und an die
strengsten Fasten gewöhnt, schien er Hunger und Entbehrung nur in der
Seele der Nothleidenden zu empfinden. So durchzog er das ganze Land,
ermahnend, Buße predigend, tröstend, vor allem aber Hülfe bringend, so
viel er vermochte. Förmliche Zehnten forderte er ein, um Gefangene
loszukaufen, Arme zu unterstützen. Sein Ansehen war bald groß im Lande;
unbedingte Herrschaft über die Natur maß man ihm bei, und Gottes Zorn
traf jeden, der auf sein Wort nicht achtete.
Den merkwürdigsten Gegensatz bildet dieses Land, welches in seiner
Bedrängniß sich willig der Leitung eines frommen gottbegeisterten
Mönches hingiebt, zu den sittenlosen Grenzstädten Galliens, über deren
Verderbtheit und Leichtsinn Salvian vergeblich eiferte, zu Trier, wo „selbst
noch bei dem Sturme der fränkischen Sieger auf die Stadt Jung und Alt der
zügellosesten Schlemmerei und Ausschweifung sich ergiebt, mit wahrer
Raserei alles dem unausweichbaren Untergang trunken und prassend
entgegenstürzt“[2].
Severins Ansehen beugten sich auch die Fürsten der Barbaren, selbst
jene böse Königin Giso, welche rechtgläubige Katholiken umtaufen wollte;
halb aus Wohlwollen, halb aus Furcht erfüllten sie seine Bitten, achteten sie
auf seine Ermahnungen; seinen Rathschlägen dankte der Rugierkönig
Flaccitheus seine friedliche Regierung. Schützte Severin die Römer
manchmal durch Ermuthigung zu kräftigem Widerstand und durch
Vorhersagen feindlicher Angriffe, so wandte er doch häufiger durch seine
Fürbitten Gefahren ab und erlangte die Freigebung der Gefangenen. An
vielen Orten hatte er Klöster errichtet, die nach der Weise des
Morgenlandes aus einer Vereinigung einzelner Hütten bestanden, das
größte, in welchem er sich am häufigsten aufhielt, bei Faviana, einem jetzt
thebaische Wüste, zurückgezogen; dann aber trieb ihn, wie er selber
andeutete, eine göttliche Stimme, den bedrängten Bewohnern des
Ufernoricum Trost und Hülfe zu bringen. Seine Enthaltsamkeit erschien
übermenschlich; bei der heftigsten Kälte ging er barfuß, und an die
strengsten Fasten gewöhnt, schien er Hunger und Entbehrung nur in der
Seele der Nothleidenden zu empfinden. So durchzog er das ganze Land,
ermahnend, Buße predigend, tröstend, vor allem aber Hülfe bringend, so
viel er vermochte. Förmliche Zehnten forderte er ein, um Gefangene
loszukaufen, Arme zu unterstützen. Sein Ansehen war bald groß im Lande;
unbedingte Herrschaft über die Natur maß man ihm bei, und Gottes Zorn
traf jeden, der auf sein Wort nicht achtete.
Den merkwürdigsten Gegensatz bildet dieses Land, welches in seiner
Bedrängniß sich willig der Leitung eines frommen gottbegeisterten
Mönches hingiebt, zu den sittenlosen Grenzstädten Galliens, über deren
Verderbtheit und Leichtsinn Salvian vergeblich eiferte, zu Trier, wo „selbst
noch bei dem Sturme der fränkischen Sieger auf die Stadt Jung und Alt der
zügellosesten Schlemmerei und Ausschweifung sich ergiebt, mit wahrer
Raserei alles dem unausweichbaren Untergang trunken und prassend
entgegenstürzt“[2].
Severins Ansehen beugten sich auch die Fürsten der Barbaren, selbst
jene böse Königin Giso, welche rechtgläubige Katholiken umtaufen wollte;
halb aus Wohlwollen, halb aus Furcht erfüllten sie seine Bitten, achteten sie
auf seine Ermahnungen; seinen Rathschlägen dankte der Rugierkönig
Flaccitheus seine friedliche Regierung. Schützte Severin die Römer
manchmal durch Ermuthigung zu kräftigem Widerstand und durch
Vorhersagen feindlicher Angriffe, so wandte er doch häufiger durch seine
Fürbitten Gefahren ab und erlangte die Freigebung der Gefangenen. An
vielen Orten hatte er Klöster errichtet, die nach der Weise des
Morgenlandes aus einer Vereinigung einzelner Hütten bestanden, das
größte, in welchem er sich am häufigsten aufhielt, bei Faviana, einem jetzt
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spurlos verschwundenen Orte. Hier traten einst einige Barbaren zu ihm, die
nach Italien zogen und ihn um seinen Segen baten; unter ihnen Odovacar,
damals noch ein gemeiner Krieger und mit schlechten Thierfellen
nothdürftig bekleidet, aber so hoch gewachsen, daß er sich bücken mußte,
um nicht die Decke der Zelle zu berühren. Geh, sagte Severin zu ihm, geh
nach Italien; jetzt deckt dich noch ein geringes Gewand, aber bald wirst du
vielem Volke große Gaben auszutheilen haben. Als König gedachte
Odovacar dieser Weissagung, und forderte Severin auf, sich eine Gnade
auszubitten, worauf dieser für einen Verbannten Verzeihung erlangte.
Severin konnte es doch nicht hindern, daß Stadt auf Stadt in die Hände
der Feinde fiel. Die Rugier bemächtigten sich der Stadt Faviana und der
benachbarten Orte; ihre Herrschaft gewährte wenigstens Schutz gegen die
wilderen Feinde, welche alle weiter aufwärts gelegenen Burgen und Städte
zerstörten. Die geflüchteten Einwohner führte König Feva aus Lorch, wo
sie sich gesammelt hatten, in die ihm unterthänigen Städte. Joviacum
dagegen wurde von den Herulern gänzlich verheert, während Tiburnia in
Oberkärnten, an dessen Namen noch Debern im Lurnfeld erinnert, eine
Belagerung der Gothen glücklich überstand. Noch im sechsten Jahrhundert
waren hier christliche Bischöfe; dann aber unterlag auch diese uralte
Stiftung, sowie die alte Bischofstadt Pettau, den Slaven und Avaren.
Am 8. Januar 482 starb Severin. Feva's Bruder Friedrich plünderte
gleich darauf sein Kloster; innere Kriege unter den Rugiern und Odovacars
Feldzug gegen sie mehrten die Bedrängniß der Römer, bis endlich sechs
Jahre nach Severins Tod Odovacar die ganze römische Bevölkerung aus
Noricum abrief und ihr in Italien Land anwies. Dadurch erklärt es sich, daß
gerade hier von den alten und einst so bedeutenden Römerstädten fast jede
Spur verschwand, und nur schwache Reste einer unterwürfigen
romanischen Bevölkerung in den Gebirgen zurückblieben. Damals scheint
auch der heilige Anto nius Noricum verlassen zu haben; er war aus
Pannonien zu Severin noch kurz vor dessen Tode gekommen, wie Ennodius
in der Lebensbeschreibung des Antonius berichtet[1].
nach Italien zogen und ihn um seinen Segen baten; unter ihnen Odovacar,
damals noch ein gemeiner Krieger und mit schlechten Thierfellen
nothdürftig bekleidet, aber so hoch gewachsen, daß er sich bücken mußte,
um nicht die Decke der Zelle zu berühren. Geh, sagte Severin zu ihm, geh
nach Italien; jetzt deckt dich noch ein geringes Gewand, aber bald wirst du
vielem Volke große Gaben auszutheilen haben. Als König gedachte
Odovacar dieser Weissagung, und forderte Severin auf, sich eine Gnade
auszubitten, worauf dieser für einen Verbannten Verzeihung erlangte.
Severin konnte es doch nicht hindern, daß Stadt auf Stadt in die Hände
der Feinde fiel. Die Rugier bemächtigten sich der Stadt Faviana und der
benachbarten Orte; ihre Herrschaft gewährte wenigstens Schutz gegen die
wilderen Feinde, welche alle weiter aufwärts gelegenen Burgen und Städte
zerstörten. Die geflüchteten Einwohner führte König Feva aus Lorch, wo
sie sich gesammelt hatten, in die ihm unterthänigen Städte. Joviacum
dagegen wurde von den Herulern gänzlich verheert, während Tiburnia in
Oberkärnten, an dessen Namen noch Debern im Lurnfeld erinnert, eine
Belagerung der Gothen glücklich überstand. Noch im sechsten Jahrhundert
waren hier christliche Bischöfe; dann aber unterlag auch diese uralte
Stiftung, sowie die alte Bischofstadt Pettau, den Slaven und Avaren.
Am 8. Januar 482 starb Severin. Feva's Bruder Friedrich plünderte
gleich darauf sein Kloster; innere Kriege unter den Rugiern und Odovacars
Feldzug gegen sie mehrten die Bedrängniß der Römer, bis endlich sechs
Jahre nach Severins Tod Odovacar die ganze römische Bevölkerung aus
Noricum abrief und ihr in Italien Land anwies. Dadurch erklärt es sich, daß
gerade hier von den alten und einst so bedeutenden Römerstädten fast jede
Spur verschwand, und nur schwache Reste einer unterwürfigen
romanischen Bevölkerung in den Gebirgen zurückblieben. Damals scheint
auch der heilige Anto nius Noricum verlassen zu haben; er war aus
Pannonien zu Severin noch kurz vor dessen Tode gekommen, wie Ennodius
in der Lebensbeschreibung des Antonius berichtet[1].
Page 81
Severins Mönche folgten mit Freuden dem Rufe, welcher sie aus der
Knechtschaft erlöste; der Anordnung ihres Meisters gemäß führten sie
dessen Leiche mit sich bis nach Neapel, wo sie endlich Ruhe fanden. Hier
richtete ihnen eine vornehme Frau, Namens Barbaria, ein Kloster ein im
Castellum Lucullanum, dessen Name noch das Andenken der üppigen
Gärten Luculls bewahrte; ebenda war kurz zuvor auch dem letzten
römischen Kaiser sein Aufenthalt angewiesen worden[3].
In diesem Kloster nun war E ug ippiu s[4] Abt, ein Schüler Severins,
der nach Cassiodors Zeugniß von weltlicher Gelehrsamkeit nicht gar viel
wußte, aber in den heiligen Schriften wohl belesen war[5], der Verfasser
eines Auszuges aus den Schriften des heiligen Augustin[6]. Mit bedeutenden
Kirchenschriftstellern der Zeit stand er im Briefwechsel. Diesen Eugippius
nun forderte ein ungenannter Laie auf, ihm Materialien zu einer
Lebensbeschreibung Severins zu geben; er zeichnete darauf auch wirklich
seine Erinnerungen auf, sandte dieselben aber (511) nicht an jenen Laien,
denn das erschien ihm unpassend, sondern an den gelehrten Diaconus
P aschasi us, mit der Bitte, sie zu einer förmlichen Lebensbeschreibung zu
verarbeiten. Zugleich sandte er ihm in dem Boten einen Mann, der als
Augenzeuge über die Wunder berichten sollte, welche auf dem Zuge durch
Italien an Severins Sarg geschehen waren. Paschasius aber lehnte jede
Aenderung an Eugipps Aufzeichnungen ab, und in der That ist es auch sehr
zweifelhaft, ob jene Bitte ernsthaft gemeint war, da uns ähnliche
Aufforderungen, die nichts als Phrase sind, so häufig begegnen. Eugipps
Aufzeichnungen sind durchaus nicht unfertig, nicht nachlässig und formlos,
und gerade aus jenen italischen Wundern hebt er einige als die wichtigsten
und statt aller genügend, sorgsam hervor. Auch giebt er als den
wesentlichsten Grund, weshalb er den Wunsch jenes Laien, von dem eine
andere Biographie ihm bekannt war, nicht erfüllt, die Besorgniß an, er
möchte durch die Anwendung der rhetorischen Kunst den Gegenstand
verhüllen und für den einfachen und ungebildeten Gläubigen geradezu
unverständlich machen. Er war also kein Freund von den kunstgerechten
Büchern jener Zeit, welche wie z. B. die Schriften des Ennodius und
Knechtschaft erlöste; der Anordnung ihres Meisters gemäß führten sie
dessen Leiche mit sich bis nach Neapel, wo sie endlich Ruhe fanden. Hier
richtete ihnen eine vornehme Frau, Namens Barbaria, ein Kloster ein im
Castellum Lucullanum, dessen Name noch das Andenken der üppigen
Gärten Luculls bewahrte; ebenda war kurz zuvor auch dem letzten
römischen Kaiser sein Aufenthalt angewiesen worden[3].
In diesem Kloster nun war E ug ippiu s[4] Abt, ein Schüler Severins,
der nach Cassiodors Zeugniß von weltlicher Gelehrsamkeit nicht gar viel
wußte, aber in den heiligen Schriften wohl belesen war[5], der Verfasser
eines Auszuges aus den Schriften des heiligen Augustin[6]. Mit bedeutenden
Kirchenschriftstellern der Zeit stand er im Briefwechsel. Diesen Eugippius
nun forderte ein ungenannter Laie auf, ihm Materialien zu einer
Lebensbeschreibung Severins zu geben; er zeichnete darauf auch wirklich
seine Erinnerungen auf, sandte dieselben aber (511) nicht an jenen Laien,
denn das erschien ihm unpassend, sondern an den gelehrten Diaconus
P aschasi us, mit der Bitte, sie zu einer förmlichen Lebensbeschreibung zu
verarbeiten. Zugleich sandte er ihm in dem Boten einen Mann, der als
Augenzeuge über die Wunder berichten sollte, welche auf dem Zuge durch
Italien an Severins Sarg geschehen waren. Paschasius aber lehnte jede
Aenderung an Eugipps Aufzeichnungen ab, und in der That ist es auch sehr
zweifelhaft, ob jene Bitte ernsthaft gemeint war, da uns ähnliche
Aufforderungen, die nichts als Phrase sind, so häufig begegnen. Eugipps
Aufzeichnungen sind durchaus nicht unfertig, nicht nachlässig und formlos,
und gerade aus jenen italischen Wundern hebt er einige als die wichtigsten
und statt aller genügend, sorgsam hervor. Auch giebt er als den
wesentlichsten Grund, weshalb er den Wunsch jenes Laien, von dem eine
andere Biographie ihm bekannt war, nicht erfüllt, die Besorgniß an, er
möchte durch die Anwendung der rhetorischen Kunst den Gegenstand
verhüllen und für den einfachen und ungebildeten Gläubigen geradezu
unverständlich machen. Er war also kein Freund von den kunstgerechten
Büchern jener Zeit, welche wie z. B. die Schriften des Ennodius und
Page 82
manche von Cassiodor, durch eine Ueberfülle gesuchter Antithesen und
wortreichen Phrasenschwall so unerträglich schwülstig und geziert sind,
daß man oft nur mit Mühe den Sinn der Worte enträthselt. Das galt in den
Rhetorenschulen als schöner Stil.
Eugipps Aufzeichnungen dagegen sind ganz einfach und schmucklos,
ohne strenge Reihenfolge und Ordnung, aber um so mehr der treue
Ausdruck dessen, was ihm in seiner Erinnerung als das bemerkenswertheste
erschienen war. Gerade darin liegt der Hauptvorzug dieser
Lebensbeschreibung vor den zahlreichen Legenden, aus deren
salbungsvollem Wortreichthum die wenigen geschichtlichen Nachrichten
mühsam hervorgesucht werden müssen. Er selbst hatte Severin und den
Schauplatz seiner Wirksamkeit gekannt; in den letzten Abschnitten
bezeichnet er sich ausdrücklich als Augenzeugen, aber auch nur in diesen,
während er sich übrigens auf die häufig gehörten Erzählungen, zuweilen auf
bestimmte Gewährsmänner beruft.
Das Leben Severins finden wir schon bald nach seiner Entstehung bei
dem sogenannten Anonymus Valesianus[7], im Anfange des siebenten
Jahrhunderts von Isidor erwähnt, im achten von Paulus Diaconus benutzt;
um dieselbe Zeit verfaßte man zu Neapel einen Hymnus, dem dasselbe zu
Grunde liegt[8]. Bald wurde es dann auch an dem Schauplatz seiner
Wirksamkeit bekannt, denn schon im Jahre 903 erwarb die Passauer Kirche
eine Handschrift desselben von dem Landbischof Madalwin[9].
Eigenthümlich sind die Wirkungen, welche hier von diesem Werk
ausgingen. Man las darin von der großen alten Stadt Faviana, die man
nirgends fand, und da man nun bei Wien alte Römersteine aufgrub, so
zweifelte man nicht daran, daß hier einst Faviana gelegen habe; Otto von
Freising und Herzog Heinrich von Oesterreich nahmen diese Meinung an,
und sie hat sich bis auf die neusten Zeiten behauptet, bis endlich
Blumberger sie siegreich widerlegte[10].
wortreichen Phrasenschwall so unerträglich schwülstig und geziert sind,
daß man oft nur mit Mühe den Sinn der Worte enträthselt. Das galt in den
Rhetorenschulen als schöner Stil.
Eugipps Aufzeichnungen dagegen sind ganz einfach und schmucklos,
ohne strenge Reihenfolge und Ordnung, aber um so mehr der treue
Ausdruck dessen, was ihm in seiner Erinnerung als das bemerkenswertheste
erschienen war. Gerade darin liegt der Hauptvorzug dieser
Lebensbeschreibung vor den zahlreichen Legenden, aus deren
salbungsvollem Wortreichthum die wenigen geschichtlichen Nachrichten
mühsam hervorgesucht werden müssen. Er selbst hatte Severin und den
Schauplatz seiner Wirksamkeit gekannt; in den letzten Abschnitten
bezeichnet er sich ausdrücklich als Augenzeugen, aber auch nur in diesen,
während er sich übrigens auf die häufig gehörten Erzählungen, zuweilen auf
bestimmte Gewährsmänner beruft.
Das Leben Severins finden wir schon bald nach seiner Entstehung bei
dem sogenannten Anonymus Valesianus[7], im Anfange des siebenten
Jahrhunderts von Isidor erwähnt, im achten von Paulus Diaconus benutzt;
um dieselbe Zeit verfaßte man zu Neapel einen Hymnus, dem dasselbe zu
Grunde liegt[8]. Bald wurde es dann auch an dem Schauplatz seiner
Wirksamkeit bekannt, denn schon im Jahre 903 erwarb die Passauer Kirche
eine Handschrift desselben von dem Landbischof Madalwin[9].
Eigenthümlich sind die Wirkungen, welche hier von diesem Werk
ausgingen. Man las darin von der großen alten Stadt Faviana, die man
nirgends fand, und da man nun bei Wien alte Römersteine aufgrub, so
zweifelte man nicht daran, daß hier einst Faviana gelegen habe; Otto von
Freising und Herzog Heinrich von Oesterreich nahmen diese Meinung an,
und sie hat sich bis auf die neusten Zeiten behauptet, bis endlich
Blumberger sie siegreich widerlegte[10].
Page 83
Viel schlimmere Folgen hatte es, daß man in Passau nun erfuhr, Lorch
habe einst Bischöfe gehabt, lange bevor Salzburg den Krummstab führte. Es
lag nahe, sich als Erben der benachbarten Stadt zu betrachten, welche jetzt
zum Passauer Sprengel gehörte; aber der einmal angefachte Ehrgeiz strebte
immer weiter; um dem Vorrang des jüngeren Salzburg nachdrücklicher
entgegentreten zu können, wurde ein Erzbisthum Lorch erdacht und bald zu
fabelhafter Größe ausgedehnt; neu angefertigte Legenden von St. Quirin
und Maximilian mußten die Beweise dazu hergeben, untergeschobene
Urkunden das Vorgeben unterstützen, und mit Hülfe dieser Waffen setzte
Passau wirklich bei dem in geschichtlicher Kritik wenig erfahrenen Stuhle
Petri seine Ansprüche durch, und wußte sich seit dem Ende des siebzehnten
Jahrhunderts der rechtmäßigen Salzburger Metropolitangewalt zu
entziehen. Viel größer aber, oder doch für uns bedeutender, ist das Unheil,
welches diese Fälschungen in der Geschichtsforschung angerichtet haben;
noch Rettbergs Werk trägt bedeutende Spuren davon, und es wird noch eine
gute Weile dauern, bis es gelingt, diesen häßlichen Spuk gänzlich aus der
Geschichte zu verbannen. Aufgedeckt aber ist die ganze Sache jetzt, und
mit ebenso unermüdlichem Fleiße wie besonnenem Scharfsinn
nachgewiesen in E. Dümmlers Werk über Piligrim von Passau und das
Erzbisthum Lorch[11]. Nachdem dann die Fälschung wohl zugegeben, aber
verschiedene Versuche gemacht waren, Piligrim von dem auf ihm lastenden
Verdachte zu befreien, hat neuerdings Karl Uhlirz alle betreffenden
Urkunden einer genauen Kritik unterzogen und ist zu dem Ergebniß
gelangt, daß als Fälscher sich ein Beamter aus der Kanzlei Ottos II
nachweisen läßt, welcher von Piligrim gewonnen sein muß.
Severins Leben ist der letzte Sonnenblick vor einer Zeit der äußersten
Finsterniß, wie der Abendstrahl durch die Grotte des Posilipp. Erst viel
später, und von der andern Seite, von Gallien aus werden wir Deutschland
wieder erreichen können. Von dort wurde ihm aufs neue die litterarische
Cultur gebracht, vermittelt durch diejenigen Stämme des deutschen Volkes,
welche auf römischem Boden sich niedergelassen hatten, und hier die
Schüler ihrer Feinde geworden waren. Die Geschichtschreibung, welche
habe einst Bischöfe gehabt, lange bevor Salzburg den Krummstab führte. Es
lag nahe, sich als Erben der benachbarten Stadt zu betrachten, welche jetzt
zum Passauer Sprengel gehörte; aber der einmal angefachte Ehrgeiz strebte
immer weiter; um dem Vorrang des jüngeren Salzburg nachdrücklicher
entgegentreten zu können, wurde ein Erzbisthum Lorch erdacht und bald zu
fabelhafter Größe ausgedehnt; neu angefertigte Legenden von St. Quirin
und Maximilian mußten die Beweise dazu hergeben, untergeschobene
Urkunden das Vorgeben unterstützen, und mit Hülfe dieser Waffen setzte
Passau wirklich bei dem in geschichtlicher Kritik wenig erfahrenen Stuhle
Petri seine Ansprüche durch, und wußte sich seit dem Ende des siebzehnten
Jahrhunderts der rechtmäßigen Salzburger Metropolitangewalt zu
entziehen. Viel größer aber, oder doch für uns bedeutender, ist das Unheil,
welches diese Fälschungen in der Geschichtsforschung angerichtet haben;
noch Rettbergs Werk trägt bedeutende Spuren davon, und es wird noch eine
gute Weile dauern, bis es gelingt, diesen häßlichen Spuk gänzlich aus der
Geschichte zu verbannen. Aufgedeckt aber ist die ganze Sache jetzt, und
mit ebenso unermüdlichem Fleiße wie besonnenem Scharfsinn
nachgewiesen in E. Dümmlers Werk über Piligrim von Passau und das
Erzbisthum Lorch[11]. Nachdem dann die Fälschung wohl zugegeben, aber
verschiedene Versuche gemacht waren, Piligrim von dem auf ihm lastenden
Verdachte zu befreien, hat neuerdings Karl Uhlirz alle betreffenden
Urkunden einer genauen Kritik unterzogen und ist zu dem Ergebniß
gelangt, daß als Fälscher sich ein Beamter aus der Kanzlei Ottos II
nachweisen läßt, welcher von Piligrim gewonnen sein muß.
Severins Leben ist der letzte Sonnenblick vor einer Zeit der äußersten
Finsterniß, wie der Abendstrahl durch die Grotte des Posilipp. Erst viel
später, und von der andern Seite, von Gallien aus werden wir Deutschland
wieder erreichen können. Von dort wurde ihm aufs neue die litterarische
Cultur gebracht, vermittelt durch diejenigen Stämme des deutschen Volkes,
welche auf römischem Boden sich niedergelassen hatten, und hier die
Schüler ihrer Feinde geworden waren. Die Geschichtschreibung, welche
Page 84
sich im römischen Reiche während der letzten Jahrhunderte entwickelte,
bildet die Grundlage der mittelalterlichen, welche mit ihr im unmittelbaren
Zusammenhange steht, und es ist deshalb nothwendig, daß wir sie auch hier
etwas ausführlicher ins Auge fassen, da sonst die Entwickelung der
deutschen Historiographie nicht verständlich sein würde.
[1] Rettberg I, 25. Vgl. W. Zschimmer, Salvian und seine Schriften, Halle 1875. Ebert
I, 452-454. Opera ed. C. Halm, MG. Auctt. antt. I, 1. 1877; ed. Fr. Pauly im Wiener
Corpus VIII. 1883. Uebers. v. Pet. Caffer, Aachen 1858. — G. Monod meint freilich
(Revue crit. 1879, N. 24) daß wir, wenn aus den Donauländern Bußpredigten erhalten
wären, darin ähnliche Anklagen finden würden. Aber Eugippius würde doch auch
dergleichen nicht unterlassen haben, wenn er Anlaß dazu gefunden hätte.
[2] Vita S. Antonii Lirinensis, in den verschiedenen Ausgaben der Werke des
Ennodius, v. Fr. Vogel Auctt. ant. VII, 185-190.
[3] Nach Caravita, I codici e le arti a Monte Cassino I, 14 auf dem Pizzofalcone bei,
jetzt in Neapel.
[4] Andere Formen, mit guter handschriftl. Beglaubigung sind Eugipius und
Eugepius.
[5] Divin. Lectionum c. 23: quem nos quoque vidimus, virum quidem non usque
adeo saecularibus literis eruditum, sed scripturarum divinarum lectione plenissimum.
Ein dogmatisches Sendschreiben an ihn von Ferrandus aus d. J. 533 bei A. Mai, Nova
Coll. III, 2, 168-184; ein anderes mit Uebersendung einer Glocke für das Kloster, bei
Reifferscheid in Ind. lectt. Vrat. 1871-72 S. 6. Vgl. Büdinger, Eugipius, Wiener SB.
XCI, 793-814.
[6] Sehr gerühmt von Notker, bei Dümmler, Formelbuch Salomons III, S. 65. Ausg.
v. Knöll im Wiener Corpus VIII, 1.
[7] Nachgewiesen von Glück, Die Bisthümer Noricums, Wiener SB. XVII, 77.
[8] Neapolis gaude redimita festis, Plaude caelestem retinens patronum etc. Ozanam,
Documents inédits, p. 241.
[9] Mon. Boica XXVIII, 2, 201.
[10] Archiv der W. A. III, 355 (1849, vor der Ausgabe von Böckings Commentar).
Vgl. Böcking, Notitia Dign. Occ. p. 747-750. Glück, die Bisthümer Noricums S. 76.
Aschbach: Ueber die römischen Militärstationen im Ufer-Noricum zwischen
Lauriacum und Vindobona, nebst einer Untersuchung über die Lage der norischen
Stadt Faviana, SB. XXXV, 3-32 für Traismauer, Tauschinski SB. XXXVIII, 31-46
wieder für die Identität mit Wien, ohne erhebliche Gründe. Kenner in d. Blättern d.
Vereins f. Landesk. v. N. Oesterr. N. F. XVI (1882) S. 3-53, für Mautern. In Severins
Zeit brauchte man den Abl. Favianis, in der Notitia Dign. Occ. p. 100 (ed. Seeck p.
198) steht Fafianae (Genetiv). S. Corpus ISS. Latt. III, 2, 687 und passim zur
Erklärung der Ortsnamen.
[11] Leipzig 1854. Ueber die weitere Litteratur K. Uhlirz: Die Urkundenfälschung zu
Passau im 10. Jahrh. Mitth. d. Wiener Inst. III, 177-228.
bildet die Grundlage der mittelalterlichen, welche mit ihr im unmittelbaren
Zusammenhange steht, und es ist deshalb nothwendig, daß wir sie auch hier
etwas ausführlicher ins Auge fassen, da sonst die Entwickelung der
deutschen Historiographie nicht verständlich sein würde.
[1] Rettberg I, 25. Vgl. W. Zschimmer, Salvian und seine Schriften, Halle 1875. Ebert
I, 452-454. Opera ed. C. Halm, MG. Auctt. antt. I, 1. 1877; ed. Fr. Pauly im Wiener
Corpus VIII. 1883. Uebers. v. Pet. Caffer, Aachen 1858. — G. Monod meint freilich
(Revue crit. 1879, N. 24) daß wir, wenn aus den Donauländern Bußpredigten erhalten
wären, darin ähnliche Anklagen finden würden. Aber Eugippius würde doch auch
dergleichen nicht unterlassen haben, wenn er Anlaß dazu gefunden hätte.
[2] Vita S. Antonii Lirinensis, in den verschiedenen Ausgaben der Werke des
Ennodius, v. Fr. Vogel Auctt. ant. VII, 185-190.
[3] Nach Caravita, I codici e le arti a Monte Cassino I, 14 auf dem Pizzofalcone bei,
jetzt in Neapel.
[4] Andere Formen, mit guter handschriftl. Beglaubigung sind Eugipius und
Eugepius.
[5] Divin. Lectionum c. 23: quem nos quoque vidimus, virum quidem non usque
adeo saecularibus literis eruditum, sed scripturarum divinarum lectione plenissimum.
Ein dogmatisches Sendschreiben an ihn von Ferrandus aus d. J. 533 bei A. Mai, Nova
Coll. III, 2, 168-184; ein anderes mit Uebersendung einer Glocke für das Kloster, bei
Reifferscheid in Ind. lectt. Vrat. 1871-72 S. 6. Vgl. Büdinger, Eugipius, Wiener SB.
XCI, 793-814.
[6] Sehr gerühmt von Notker, bei Dümmler, Formelbuch Salomons III, S. 65. Ausg.
v. Knöll im Wiener Corpus VIII, 1.
[7] Nachgewiesen von Glück, Die Bisthümer Noricums, Wiener SB. XVII, 77.
[8] Neapolis gaude redimita festis, Plaude caelestem retinens patronum etc. Ozanam,
Documents inédits, p. 241.
[9] Mon. Boica XXVIII, 2, 201.
[10] Archiv der W. A. III, 355 (1849, vor der Ausgabe von Böckings Commentar).
Vgl. Böcking, Notitia Dign. Occ. p. 747-750. Glück, die Bisthümer Noricums S. 76.
Aschbach: Ueber die römischen Militärstationen im Ufer-Noricum zwischen
Lauriacum und Vindobona, nebst einer Untersuchung über die Lage der norischen
Stadt Faviana, SB. XXXV, 3-32 für Traismauer, Tauschinski SB. XXXVIII, 31-46
wieder für die Identität mit Wien, ohne erhebliche Gründe. Kenner in d. Blättern d.
Vereins f. Landesk. v. N. Oesterr. N. F. XVI (1882) S. 3-53, für Mautern. In Severins
Zeit brauchte man den Abl. Favianis, in der Notitia Dign. Occ. p. 100 (ed. Seeck p.
198) steht Fafianae (Genetiv). S. Corpus ISS. Latt. III, 2, 687 und passim zur
Erklärung der Ortsnamen.
[11] Leipzig 1854. Ueber die weitere Litteratur K. Uhlirz: Die Urkundenfälschung zu
Passau im 10. Jahrh. Mitth. d. Wiener Inst. III, 177-228.
Page 85
§ 3. Die Anfänge und Gattungen der christlichen
Geschichtschreibung. [ ← ]
Baehr, Geschichte der römischen Litteratur. Supplementband. Die christlich-römische Litteratur. I.
Abtheilung. Die christlichen Dichter und Geschichtschreiber. 1836. In der zweiten Ausgabe
1872 als vierter Band bezeichnet. Teuffel, Gesch. d. röm Litt. 5. Aufl. 1890. Adolf Ebert, Allg.
Gesch. d. Litt. des M. A. im Abendlande. I. Gesch. d. christl. lat. Litt. von ihren Anfängen bis
zum Zeitalter Karls d. Großen. 2. A. 1890.
Das Mittelalter ist durch keine bestimmte Grenzlinie vom Alterthum
geschieden; lange Zeit laufen beide gewissermaßen parallel nebeneinander
her. Das unterscheidende Element ist das Christenthum, welches das antike
Wesen zersetzt, und theils vernichtet, theils umformt; dann das Eintreten
ganz neuer Völker in die Geschichte, welche nach und nach den
Schwerpunkt ihrer Entwickelung zu sich hinüberziehen. Die classisch-
heidnische Litteratur gehört einem anderen Gebiete an, und liegt unserer
Aufgabe fern; allmählich erstarb in ihr das Leben, und auch die
Geschichtschreibung beschränkte sich immer mehr auf Auszüge aus den
älteren Werken. Hieran konnte sich natürlich keine weitere Entwickelung
anknüpfen. Den vorhandenen Stoff, wie ihn besonders Eutropius zubereitet
hatte, faßte zuletzt noch einmal P aulu s Di aco nus in seiner römischen
Geschichte zusammen, und machte ihn durch Verschmelzung mit der
Kirchengeschichte für seine Zeit brauchbarer. So ging er in das Mittelalter
hinüber, und bildete hier die Grundlage aller Kenntniß der römischen Welt.
Aber ungeachtet der christlichen Zusätze und Fortsetzungen blieb doch
dieses Werk nur eine todte Masse; die lebendige neue Entwickelung schloß
sich an die christliche Geschichtschreibung, welche sich für die veränderte
Auffassung und andere Bedürfnisse auch neue Formen erschuf.
Die römische Weltgeschichte konnte den Christen unmöglich genügen,
die eigene Geschichte der römischen Republik sie nur wenig anziehen.
Ihnen war das Wesentliche in der Weltgeschichte die Geschichte des
Reiches Gottes, der Mittelpunkt lag ihnen in der jüdischen Geschichte, und
Geschichtschreibung. [ ← ]
Baehr, Geschichte der römischen Litteratur. Supplementband. Die christlich-römische Litteratur. I.
Abtheilung. Die christlichen Dichter und Geschichtschreiber. 1836. In der zweiten Ausgabe
1872 als vierter Band bezeichnet. Teuffel, Gesch. d. röm Litt. 5. Aufl. 1890. Adolf Ebert, Allg.
Gesch. d. Litt. des M. A. im Abendlande. I. Gesch. d. christl. lat. Litt. von ihren Anfängen bis
zum Zeitalter Karls d. Großen. 2. A. 1890.
Das Mittelalter ist durch keine bestimmte Grenzlinie vom Alterthum
geschieden; lange Zeit laufen beide gewissermaßen parallel nebeneinander
her. Das unterscheidende Element ist das Christenthum, welches das antike
Wesen zersetzt, und theils vernichtet, theils umformt; dann das Eintreten
ganz neuer Völker in die Geschichte, welche nach und nach den
Schwerpunkt ihrer Entwickelung zu sich hinüberziehen. Die classisch-
heidnische Litteratur gehört einem anderen Gebiete an, und liegt unserer
Aufgabe fern; allmählich erstarb in ihr das Leben, und auch die
Geschichtschreibung beschränkte sich immer mehr auf Auszüge aus den
älteren Werken. Hieran konnte sich natürlich keine weitere Entwickelung
anknüpfen. Den vorhandenen Stoff, wie ihn besonders Eutropius zubereitet
hatte, faßte zuletzt noch einmal P aulu s Di aco nus in seiner römischen
Geschichte zusammen, und machte ihn durch Verschmelzung mit der
Kirchengeschichte für seine Zeit brauchbarer. So ging er in das Mittelalter
hinüber, und bildete hier die Grundlage aller Kenntniß der römischen Welt.
Aber ungeachtet der christlichen Zusätze und Fortsetzungen blieb doch
dieses Werk nur eine todte Masse; die lebendige neue Entwickelung schloß
sich an die christliche Geschichtschreibung, welche sich für die veränderte
Auffassung und andere Bedürfnisse auch neue Formen erschuf.
Die römische Weltgeschichte konnte den Christen unmöglich genügen,
die eigene Geschichte der römischen Republik sie nur wenig anziehen.
Ihnen war das Wesentliche in der Weltgeschichte die Geschichte des
Reiches Gottes, der Mittelpunkt lag ihnen in der jüdischen Geschichte, und
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davon meldeten die Werke der Römer nichts. Daher fand auch des Königs
Desiderius Tochter Adelperga den Eutrop, welchen Paulus Diaconus ihr zu
lesen gegeben, so ungenügend, und einige Zusätze konnten hier nichts
helfen; es mußte eine ganz neue Weltgeschichte aufgestellt werden, die mit
dem veränderten Standpunkte im Einklang war, die namentlich auch das
hohe Alter der jüdischen Cultur, die spätere Entstehung der heidnischen
Staaten nachwies. Um dieses möglich zu machen, kam es vor allem darauf
an, das chronologische Verhältniß der heiligen und profanen Geschichte zu
bestimmen, um dann eine Verschmelzung der beiderseitigen Nachrichten
vornehmen zu können. Diese Aufgabe löste, nach dem Vorgange des Sextus
Julius Africanus, welcher zuerst den Versuch machte, chronologisch das
gesammte Alterthum mit der Bibel zu vereinigen[1], E usebi us (264-340);
seine zwei Bücher Allgemeiner Geschichte enthielten zuerst in darstellender
Form die Chronographie, dann tabellarisch den synchronistischen Kanon
bis 325. Auf diesem großen Werke beruhen alle späteren Weltchroniken, der
Byzantiner sowohl wie des Abendlandes, während zugleich aus seiner
Kirchengeschichte das Mittelalter alle seine Kenntniß von den Anfängen
der christlichen Kirche schöpfte. Dieses letztere Werk hatte für die Lateiner
R uf i nus bearbeitet und fortgesetzt, die Chronik aber Hi er ony m us,
welcher sie zugleich bis 378 fortsetzte[2].
Diese Chronik des Hieronymus finden wir vollständig oder im Auszug
an der Spitze aller umfassenden Chroniken des Mittelalters; sie war ihre
Grundlage und ihr Vorbild, und dadurch war die knappe Form der
annalistischen Aufzeichnung gegeben. Darstellende Werke aller Art hatten
daneben freien Raum, aber um eine übersichtliche Anschauung von dem
chronologischen Zusammenhange der Weltbegebenheiten zu erhalten, war
diese Form unstreitig die angemessenste, wie man ja auch heut zu Tage der
Tabellen zu diesem Zwecke nicht entbehren kann. Sehr dürftig und
ungenügend freilich erscheint uns diese Form, wo sie fast allein und
ausschließlich zur Ueberlieferung der geschichtlichen Ereignisse verwandt
wird, oder doch anderes uns nicht erhalten ist, wie dies in den nächsten
Jahrhunderten nach Hieronymus der Fall war. Diese ersten mageren
Desiderius Tochter Adelperga den Eutrop, welchen Paulus Diaconus ihr zu
lesen gegeben, so ungenügend, und einige Zusätze konnten hier nichts
helfen; es mußte eine ganz neue Weltgeschichte aufgestellt werden, die mit
dem veränderten Standpunkte im Einklang war, die namentlich auch das
hohe Alter der jüdischen Cultur, die spätere Entstehung der heidnischen
Staaten nachwies. Um dieses möglich zu machen, kam es vor allem darauf
an, das chronologische Verhältniß der heiligen und profanen Geschichte zu
bestimmen, um dann eine Verschmelzung der beiderseitigen Nachrichten
vornehmen zu können. Diese Aufgabe löste, nach dem Vorgange des Sextus
Julius Africanus, welcher zuerst den Versuch machte, chronologisch das
gesammte Alterthum mit der Bibel zu vereinigen[1], E usebi us (264-340);
seine zwei Bücher Allgemeiner Geschichte enthielten zuerst in darstellender
Form die Chronographie, dann tabellarisch den synchronistischen Kanon
bis 325. Auf diesem großen Werke beruhen alle späteren Weltchroniken, der
Byzantiner sowohl wie des Abendlandes, während zugleich aus seiner
Kirchengeschichte das Mittelalter alle seine Kenntniß von den Anfängen
der christlichen Kirche schöpfte. Dieses letztere Werk hatte für die Lateiner
R uf i nus bearbeitet und fortgesetzt, die Chronik aber Hi er ony m us,
welcher sie zugleich bis 378 fortsetzte[2].
Diese Chronik des Hieronymus finden wir vollständig oder im Auszug
an der Spitze aller umfassenden Chroniken des Mittelalters; sie war ihre
Grundlage und ihr Vorbild, und dadurch war die knappe Form der
annalistischen Aufzeichnung gegeben. Darstellende Werke aller Art hatten
daneben freien Raum, aber um eine übersichtliche Anschauung von dem
chronologischen Zusammenhange der Weltbegebenheiten zu erhalten, war
diese Form unstreitig die angemessenste, wie man ja auch heut zu Tage der
Tabellen zu diesem Zwecke nicht entbehren kann. Sehr dürftig und
ungenügend freilich erscheint uns diese Form, wo sie fast allein und
ausschließlich zur Ueberlieferung der geschichtlichen Ereignisse verwandt
wird, oder doch anderes uns nicht erhalten ist, wie dies in den nächsten
Jahrhunderten nach Hieronymus der Fall war. Diese ersten mageren
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Fortsetzungen seiner Chronik sind für uns ihres Inhalts wegen wichtig; der
Geschichtschreiber der auf römischem Boden angesiedelten deutschen
Stämme ist großentheils auf diese dürftigen Quellen angewiesen, für die
Entwickelung der Historiographie in Deutschland aber haben sie nur
insofern Bedeutung, als durch ihre Vermittelung die unmittelbare
Anknüpfung der späteren Chronisten an den Hieronymus möglich wurde[3].
Bemerkenswerth ist aber bei diesen Chronisten der allen gemeinsame
römische Standpunkt, das ängstliche Festhalten am römischen Reich. Uns
erscheint gegenwärtig der Gedanke, daß in den neuen Bildungen, den
romanischen Staaten, der fruchtbare Keim einer neuen Zukunft enthalten
war, als natürlich und naheliegend; damals aber fiel weit mehr die
Zerstörung des alten Reiches ins Auge; man sah und beklagte überall nur
den Verfall, und wer die Weltgeschichte zu betrachten versuchte, sah
fortwährend nur in dem römischen Weltreich den Träger derselben. Boten
doch die Jahre seiner Kaiser und seine Consulate die einzige vorhandene
Zeitrechnung, denn weder die von Eusebius eingeführte Rechnung nach
Jahren Abrahams noch auch die Jahre von Erbauung der Stadt Rom
erscheinen im Westreich je im praktischen Gebrauch, und Justinians Siege
stellten noch einmal die Fortdauer aller der neu entstandenen Reiche in
Frage. Mochte aber auch das abendländische Römerreich in Trümmer
fallen, das morgenländische keinen Schatten von Macht über den Westen
besitzen, für die Chronisten ist und bleibt es das Weltreich, der Faden, der
sie leitet. Die in das Reich eindringenden deutschen Stämme sind und
bleiben Barbaren, wenn auch der Schreibende, welcher jedoch immer der
Kirche angehört, selber ihr Landsmann ist. Diese Auffassung beschränkt
sich nicht auf diese Zeit, sie bleibt herrschend durch das ganze Mittelalter,
denn sie war bedingt durch die seit Hieronymus allgemein angenommene
Erklärung von dem Traume des Nebukadnezar, bei dem Propheten Daniel,
nach welchem das römische Reich, das eiserne, welches die früheren
zermalmt, bleiben soll bis zum Eintritt des himmlischen Reiches[4]. Die
Fortdauer desselben war daher außer aller Frage. Demgemäß behandeln
auch die späteren Weltchroniken die deutsche Geschichte niemals als etwas
Geschichtschreiber der auf römischem Boden angesiedelten deutschen
Stämme ist großentheils auf diese dürftigen Quellen angewiesen, für die
Entwickelung der Historiographie in Deutschland aber haben sie nur
insofern Bedeutung, als durch ihre Vermittelung die unmittelbare
Anknüpfung der späteren Chronisten an den Hieronymus möglich wurde[3].
Bemerkenswerth ist aber bei diesen Chronisten der allen gemeinsame
römische Standpunkt, das ängstliche Festhalten am römischen Reich. Uns
erscheint gegenwärtig der Gedanke, daß in den neuen Bildungen, den
romanischen Staaten, der fruchtbare Keim einer neuen Zukunft enthalten
war, als natürlich und naheliegend; damals aber fiel weit mehr die
Zerstörung des alten Reiches ins Auge; man sah und beklagte überall nur
den Verfall, und wer die Weltgeschichte zu betrachten versuchte, sah
fortwährend nur in dem römischen Weltreich den Träger derselben. Boten
doch die Jahre seiner Kaiser und seine Consulate die einzige vorhandene
Zeitrechnung, denn weder die von Eusebius eingeführte Rechnung nach
Jahren Abrahams noch auch die Jahre von Erbauung der Stadt Rom
erscheinen im Westreich je im praktischen Gebrauch, und Justinians Siege
stellten noch einmal die Fortdauer aller der neu entstandenen Reiche in
Frage. Mochte aber auch das abendländische Römerreich in Trümmer
fallen, das morgenländische keinen Schatten von Macht über den Westen
besitzen, für die Chronisten ist und bleibt es das Weltreich, der Faden, der
sie leitet. Die in das Reich eindringenden deutschen Stämme sind und
bleiben Barbaren, wenn auch der Schreibende, welcher jedoch immer der
Kirche angehört, selber ihr Landsmann ist. Diese Auffassung beschränkt
sich nicht auf diese Zeit, sie bleibt herrschend durch das ganze Mittelalter,
denn sie war bedingt durch die seit Hieronymus allgemein angenommene
Erklärung von dem Traume des Nebukadnezar, bei dem Propheten Daniel,
nach welchem das römische Reich, das eiserne, welches die früheren
zermalmt, bleiben soll bis zum Eintritt des himmlischen Reiches[4]. Die
Fortdauer desselben war daher außer aller Frage. Demgemäß behandeln
auch die späteren Weltchroniken die deutsche Geschichte niemals als etwas
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neues, selbständiges, sondern nur als eine Fortführung des römischen
Reiches: sie führen nach dem Untergange des westlichen Reiches die
byzantinischen Kaiser fort bis auf Karl den Großen und bewahren so seine
scheinbare Continuität, wenn sie auch dazwischen die Volksgeschichten
episodisch in ihr großes Fachwerk einschalten, wie Ekkehard.
Neben der großen Chronik des Hieronymus gab es nun aber auch noch
eine andere, sehr dürftige und compendiarische, welche nur einige
Anhaltpunkte zur chronologischen Orientirung gewährte. Sie läßt sich
zurückführen auf ein älteres griechisches Werk des Hippolyt von Porto, das
bis 235 reichte, ein Werk, welches auch dem Liber Generationis des
sogenannten Fredegar zu Grunde liegt. Ueberarbeitet und bis 334
fortgesetzt, bildet es einen Theil jenes merkwürdigen r öm ischen
S t aat sk al ender s, den Th. Mom m sen in seiner Abhandlung über den
Chronographus von 354 ausführlich behandelt hat[5]. Er hat nachgewiesen,
daß dieser Kalender mit den nöthigen Veränderungen von Zeit zu Zeit neu
herausgegeben wurde; doch war er viel zu kostbar, als daß sich, wer ihn
einmal besaß, immer ein neues Exemplar davon angeschafft hätte, und da
die ganze Einrichtung des Werkes zur Eintragung geschichtlicher Ereignisse
eine sehr passende Gelegenheit darbot, so ist seine Form nicht ohne Einfluß
auf die Gestaltung der verschiedenen Gattungen geschichtlicher
Aufzeichnungen geblieben. Sein Inhalt bestand nämlich aus folgenden
Stücken, welche die noch erhaltene Abschrift eines Exemplars vom Jahre
354 uns kennen lehrt:
1. Der eigentliche Kalender mit Bildern, die noch völlig in heidnisch-
antiker Weise gezeichnet sind. Der Kalender selbst ist nicht mehr
heidnisch, aber doch auch noch nicht christlich. Die öffentlichen
Spiele, die Senatstage u. a. sind darin verzeichnet und die Geburtstage
der Cäsaren auch noch abgesondert auf einem verzierten Blatt
vorangestellt[6].
2. C onsul ar f asten bis zum Jahre 354.
3. Ost er t af el n auf 100 Jahre von 312 an.
4. Ein Verzeichniß der S t adt pr äf ecten von 258 bis 354.
Reiches: sie führen nach dem Untergange des westlichen Reiches die
byzantinischen Kaiser fort bis auf Karl den Großen und bewahren so seine
scheinbare Continuität, wenn sie auch dazwischen die Volksgeschichten
episodisch in ihr großes Fachwerk einschalten, wie Ekkehard.
Neben der großen Chronik des Hieronymus gab es nun aber auch noch
eine andere, sehr dürftige und compendiarische, welche nur einige
Anhaltpunkte zur chronologischen Orientirung gewährte. Sie läßt sich
zurückführen auf ein älteres griechisches Werk des Hippolyt von Porto, das
bis 235 reichte, ein Werk, welches auch dem Liber Generationis des
sogenannten Fredegar zu Grunde liegt. Ueberarbeitet und bis 334
fortgesetzt, bildet es einen Theil jenes merkwürdigen r öm ischen
S t aat sk al ender s, den Th. Mom m sen in seiner Abhandlung über den
Chronographus von 354 ausführlich behandelt hat[5]. Er hat nachgewiesen,
daß dieser Kalender mit den nöthigen Veränderungen von Zeit zu Zeit neu
herausgegeben wurde; doch war er viel zu kostbar, als daß sich, wer ihn
einmal besaß, immer ein neues Exemplar davon angeschafft hätte, und da
die ganze Einrichtung des Werkes zur Eintragung geschichtlicher Ereignisse
eine sehr passende Gelegenheit darbot, so ist seine Form nicht ohne Einfluß
auf die Gestaltung der verschiedenen Gattungen geschichtlicher
Aufzeichnungen geblieben. Sein Inhalt bestand nämlich aus folgenden
Stücken, welche die noch erhaltene Abschrift eines Exemplars vom Jahre
354 uns kennen lehrt:
1. Der eigentliche Kalender mit Bildern, die noch völlig in heidnisch-
antiker Weise gezeichnet sind. Der Kalender selbst ist nicht mehr
heidnisch, aber doch auch noch nicht christlich. Die öffentlichen
Spiele, die Senatstage u. a. sind darin verzeichnet und die Geburtstage
der Cäsaren auch noch abgesondert auf einem verzierten Blatt
vorangestellt[6].
2. C onsul ar f asten bis zum Jahre 354.
3. Ost er t af el n auf 100 Jahre von 312 an.
4. Ein Verzeichniß der S t adt pr äf ecten von 258 bis 354.
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5. Die Todestage (Depositiones) der r öm ischen B ischöf e un d
der Mär ty r er[7].
6. Ein P ab st katalog bis auf Liberius.
7. Die oben erwähnte Wel tchr oni k bis 334, verbunden mit einer
S t ad t chr on i k von Rom und der Regio nenb eschr ei bung[8].
In diesen Stücken läßt sich mehr als ein Keim erkennen, der später zu
weiterer Entwickelung gelangt ist. Während aus dem letzten Theile jene so
zahlreichen, immer neu aufgelegten Beschreibungen von Rom entstanden,
hauptsächlich zum Wegweiser für die Pilger bestimmt, forderten die
C onsular f asten, sowie die Ostertafeln von selbst dazu auf, bedeutende
Begebenheiten bei den betreffenden Namen und Zahlen einzutragen, wie es
z. B. Cassiodor gethan hat, und in vollständigerer Weise Prosper. Ein
solches Werk ist auch den späteren Exemplaren jenes Kalenders eingefügt;
Fasten, die anfangs nur sehr vereinzelte Bemerkungen enthalten, für das
fünfte Jahrhundert aber reichhaltiger, und wegen der genauen
chronologischen Bezeichnung wichtig werden, ohne Zweifel, abgesehen
von dem früheren Theil, in R aven na geschrieben[9]. Und zwar haben sie
einen durchaus officiellen Charakter; es sind bedeutende Vorfälle in Betreff
der kaiserlichen Familie, mit denen sie sich beschäftigen, dazu wichtige
staatliche Begebenheiten und Naturerscheinungen, mit ausschließlicher
Beschränkung auf Italien. Mit den Consullisten wurden sie von Zeit zu Zeit
neu ausgegeben. Durch sehr sorgfältige und eingehende Untersuchungen
von Pallmann, Waitz, G. Kaufmann, Holder-Egger ist die Benutzung dieser
Annalen bei immer zahlreicheren Schriftstellern nachgewiesen, so daß
Ho l der- E gg er sogar den Versuch machen konnte, dieselben von 379 bis
572 wieder herzustellen. Seine Untersuchung ist so erschöpfend, daß ich
mich darauf beschränken kann, auf dieselbe zu verweisen[10]. Nach dem
Ergebniß derselben (S. 344) sind diese Fasti consulares für uns für volle
zwei Jahrhunderte in chronologischer Beziehung eine Quelle vom höchsten
Werthe. „Sie haben ganz außerordentliche Verbreitung gefunden: fast alle
weströmischen und ein oströmischer[11] Chronist des fünften und sechsten
Jahrhunderts haben sie benutzt, sie theilweise zur chronologischen
der Mär ty r er[7].
6. Ein P ab st katalog bis auf Liberius.
7. Die oben erwähnte Wel tchr oni k bis 334, verbunden mit einer
S t ad t chr on i k von Rom und der Regio nenb eschr ei bung[8].
In diesen Stücken läßt sich mehr als ein Keim erkennen, der später zu
weiterer Entwickelung gelangt ist. Während aus dem letzten Theile jene so
zahlreichen, immer neu aufgelegten Beschreibungen von Rom entstanden,
hauptsächlich zum Wegweiser für die Pilger bestimmt, forderten die
C onsular f asten, sowie die Ostertafeln von selbst dazu auf, bedeutende
Begebenheiten bei den betreffenden Namen und Zahlen einzutragen, wie es
z. B. Cassiodor gethan hat, und in vollständigerer Weise Prosper. Ein
solches Werk ist auch den späteren Exemplaren jenes Kalenders eingefügt;
Fasten, die anfangs nur sehr vereinzelte Bemerkungen enthalten, für das
fünfte Jahrhundert aber reichhaltiger, und wegen der genauen
chronologischen Bezeichnung wichtig werden, ohne Zweifel, abgesehen
von dem früheren Theil, in R aven na geschrieben[9]. Und zwar haben sie
einen durchaus officiellen Charakter; es sind bedeutende Vorfälle in Betreff
der kaiserlichen Familie, mit denen sie sich beschäftigen, dazu wichtige
staatliche Begebenheiten und Naturerscheinungen, mit ausschließlicher
Beschränkung auf Italien. Mit den Consullisten wurden sie von Zeit zu Zeit
neu ausgegeben. Durch sehr sorgfältige und eingehende Untersuchungen
von Pallmann, Waitz, G. Kaufmann, Holder-Egger ist die Benutzung dieser
Annalen bei immer zahlreicheren Schriftstellern nachgewiesen, so daß
Ho l der- E gg er sogar den Versuch machen konnte, dieselben von 379 bis
572 wieder herzustellen. Seine Untersuchung ist so erschöpfend, daß ich
mich darauf beschränken kann, auf dieselbe zu verweisen[10]. Nach dem
Ergebniß derselben (S. 344) sind diese Fasti consulares für uns für volle
zwei Jahrhunderte in chronologischer Beziehung eine Quelle vom höchsten
Werthe. „Sie haben ganz außerordentliche Verbreitung gefunden: fast alle
weströmischen und ein oströmischer[11] Chronist des fünften und sechsten
Jahrhunderts haben sie benutzt, sie theilweise zur chronologischen
Page 90
Grundlage ihrer Werke gemacht. Zuletzt sind sie noch im neunten
Jahrhundert von Theophanes, Agnellus und einem Mönch von St. Gallen
benutzt. Sie müssen mehrmals redigiert und jedes Mal mit neuer
Fortsetzung herausgegeben sein. Die erste Redaction fällt vor das Jahr 445,
in welchem Prosper sie bereits für die erste Ausgabe seiner Chronik benutzt
hat; dieselbe Redaction wird auch dem Chronicon imperiale vorgelegen
haben. Eine zweite schloß, wie wir mit ziemlicher Sicherheit sagen können,
mit dem Jahre 493; sie ist von Cassiodor und Marcellin benutzt. Die
meisten Chronisten schöpften aus einer Vorlage, welche über dieses Jahr
noch hinausreichte, so der Anonymus Valesianus[12], Marius, der
langobardische Chronist (Cont. Prosperi Havniensis), wahrscheinlich auch
der Verfasser der Continuatio und des Auctarium Prosperi[13] in der
vaticanischen Handschrift ... Wie weit deren Exemplare reichten, läßt sich
nicht bestimmen; doch ist einiger Grund zu der Annahme vorhanden, daß
im Jahre 526 eine neue Redaction abgeschlossen ist. Wahrscheinlich ist
dann noch eine neue Fortsetzung etwa bis zum Jahre 572 in Ravenna
hinzugefügt; diese letztere hätte dann Agnellus, möglicher Weise auch der
Mönch von St. Gallen[14] benutzt.“
Leicht möglich ist es, daß Holder-Egger in seinen Folgerungen zu weit
gegangen ist. G. Kaufmann hat dieselben angegriffen[15]; er bestreitet die
Ableitung mancher Nachrichten aus dieser Quelle, beschränkt die
Ravennater Fasten auf die Zeit von 455 bis 493, und bestreitet ihren
amtlichen Charakter. Das Gewicht seiner Gründe ist nicht zu verkennen;
ohne Zweifel hat es damals noch vielerlei Aufzeichnungen gegeben, welche
sich meistens an Consullisten angeschlossen haben werden. Doch von allen
unterscheiden sich die0 Ravennater durch ihre knappe Auswahl und
Fassung, und durch die genauen Tagesdaten[16].
Auch von einer zweiten Consulliste mit stadtrömischen Nachrichten
lassen sich Spuren nachweisen. Ein Exemplar der ravennatischen aber bis
etwa 456 ist nach Holder-Eggers Vermuthung nach Ar les gekommen, dort
überarbeitet, mit gallischen Nachrichten verbunden und fortgesetzt worden.
Jahrhundert von Theophanes, Agnellus und einem Mönch von St. Gallen
benutzt. Sie müssen mehrmals redigiert und jedes Mal mit neuer
Fortsetzung herausgegeben sein. Die erste Redaction fällt vor das Jahr 445,
in welchem Prosper sie bereits für die erste Ausgabe seiner Chronik benutzt
hat; dieselbe Redaction wird auch dem Chronicon imperiale vorgelegen
haben. Eine zweite schloß, wie wir mit ziemlicher Sicherheit sagen können,
mit dem Jahre 493; sie ist von Cassiodor und Marcellin benutzt. Die
meisten Chronisten schöpften aus einer Vorlage, welche über dieses Jahr
noch hinausreichte, so der Anonymus Valesianus[12], Marius, der
langobardische Chronist (Cont. Prosperi Havniensis), wahrscheinlich auch
der Verfasser der Continuatio und des Auctarium Prosperi[13] in der
vaticanischen Handschrift ... Wie weit deren Exemplare reichten, läßt sich
nicht bestimmen; doch ist einiger Grund zu der Annahme vorhanden, daß
im Jahre 526 eine neue Redaction abgeschlossen ist. Wahrscheinlich ist
dann noch eine neue Fortsetzung etwa bis zum Jahre 572 in Ravenna
hinzugefügt; diese letztere hätte dann Agnellus, möglicher Weise auch der
Mönch von St. Gallen[14] benutzt.“
Leicht möglich ist es, daß Holder-Egger in seinen Folgerungen zu weit
gegangen ist. G. Kaufmann hat dieselben angegriffen[15]; er bestreitet die
Ableitung mancher Nachrichten aus dieser Quelle, beschränkt die
Ravennater Fasten auf die Zeit von 455 bis 493, und bestreitet ihren
amtlichen Charakter. Das Gewicht seiner Gründe ist nicht zu verkennen;
ohne Zweifel hat es damals noch vielerlei Aufzeichnungen gegeben, welche
sich meistens an Consullisten angeschlossen haben werden. Doch von allen
unterscheiden sich die0 Ravennater durch ihre knappe Auswahl und
Fassung, und durch die genauen Tagesdaten[16].
Auch von einer zweiten Consulliste mit stadtrömischen Nachrichten
lassen sich Spuren nachweisen. Ein Exemplar der ravennatischen aber bis
etwa 456 ist nach Holder-Eggers Vermuthung nach Ar les gekommen, dort
überarbeitet, mit gallischen Nachrichten verbunden und fortgesetzt worden.
Page 91
Diese so neu entstandenen Annalen sind von Gregor von Tours und dem
sogenannten Severus Sulpitius[17] benutzt.
Die ursprünglich in Italien zusammengestellten und fortgesetzten
Fasten kamen unter Constantin auch nach Constantinopel und wurden hier
fortgeführt; ein Exemplar, welches bis zum Tode Theodosius I. reichte, kam
nach Spanien und ist uns, jedoch nur im Auszuge, von H yd at ius mit
seiner Fortsetzung und in engster Verbindung mit seiner Chronik bis 468
erhalten. Reichlichere Auszüge aus dem ursprünglichen und in
Constantinopel fortgeführten Werk sind im Chronicon paschale bis 630
enthalten. Aus beiden hat Mommsen die Consularia Constantinopolitana
(bis 468) zusammengestellt[18].
In gleicher Weise, wie diese Consultafeln zu einem chronologischen
Anhalt für geschichtliche Notizen dienten, benutzte man auch die Folge der
Kaiser, indem man entweder nur mit jedem Namen kurze Bemerkungen
verband, oder auch die Regierungsjahre der Kaiser einzeln unterschied[19].
Weit zweckmäßiger für kurze annalistische Aufzeichnungen waren aber
nach dem Aufhören der Consularfasten die Oster t af el n, welche sich
ebenfalls in jenem Kalender fanden und auch ohne denselben bald in jeder
bedeutenderen Kirche vorhanden waren. Im Abendlande fand nach
manchen Versuchen, unter denen die Ostertafel des Aquitaniers Victurius
eine gewisse Rolle spielt, besonders der von Dionysius Exiguus
angenommene Kanon des Alexandrinischen Bischofs Cyrillus eine große
Verbreitung, welche noch zunahm, als Beda die Tafeln desselben über die
Cyklen von 1-532 und von da bis 1063 in sein Werk De ratione temporum
aufnahm[20].
Doch hat es längere Zeit gedauert, bis man von der einmal
herkömmlichen Rechnung nach Consulaten und Jahren der Kaiser abging;
in England zuerst, wo man außerhalb des römischen Herkommens stand,
sind Ostertafeln zu diesem Zweck benutzt, und von dort durch die
sogenannten Severus Sulpitius[17] benutzt.
Die ursprünglich in Italien zusammengestellten und fortgesetzten
Fasten kamen unter Constantin auch nach Constantinopel und wurden hier
fortgeführt; ein Exemplar, welches bis zum Tode Theodosius I. reichte, kam
nach Spanien und ist uns, jedoch nur im Auszuge, von H yd at ius mit
seiner Fortsetzung und in engster Verbindung mit seiner Chronik bis 468
erhalten. Reichlichere Auszüge aus dem ursprünglichen und in
Constantinopel fortgeführten Werk sind im Chronicon paschale bis 630
enthalten. Aus beiden hat Mommsen die Consularia Constantinopolitana
(bis 468) zusammengestellt[18].
In gleicher Weise, wie diese Consultafeln zu einem chronologischen
Anhalt für geschichtliche Notizen dienten, benutzte man auch die Folge der
Kaiser, indem man entweder nur mit jedem Namen kurze Bemerkungen
verband, oder auch die Regierungsjahre der Kaiser einzeln unterschied[19].
Weit zweckmäßiger für kurze annalistische Aufzeichnungen waren aber
nach dem Aufhören der Consularfasten die Oster t af el n, welche sich
ebenfalls in jenem Kalender fanden und auch ohne denselben bald in jeder
bedeutenderen Kirche vorhanden waren. Im Abendlande fand nach
manchen Versuchen, unter denen die Ostertafel des Aquitaniers Victurius
eine gewisse Rolle spielt, besonders der von Dionysius Exiguus
angenommene Kanon des Alexandrinischen Bischofs Cyrillus eine große
Verbreitung, welche noch zunahm, als Beda die Tafeln desselben über die
Cyklen von 1-532 und von da bis 1063 in sein Werk De ratione temporum
aufnahm[20].
Doch hat es längere Zeit gedauert, bis man von der einmal
herkömmlichen Rechnung nach Consulaten und Jahren der Kaiser abging;
in England zuerst, wo man außerhalb des römischen Herkommens stand,
sind Ostertafeln zu diesem Zweck benutzt, und von dort durch die
Page 92
Vermittelung der irischen und englischen Missionare nach Gallien und
Deutschland gekommen[21].
Schon 354 hatte auch der römische Staatskalender ein Ver zei chniß
der r ö m i sch en P äbst e aufgenommen, welches seiner Anlage nach um
230 entstanden ist. Dieses wurde in der Folge nicht allein immer weiter
fortgesetzt, sondern auch durch allerlei Zusätze vermehrt. Man fügte die
Amtsdauer der Päbste hinzu, ihre Bauten und andere Verdienste um die
kirchliche Verwaltung, die von ihnen vorgenommenen Weihen, endlich
auch geschichtliche Vorfälle, und so entstand das Pontificale Romanum,
welches gewöhnlich nach dem päbstlichen Bibliothekar Anastasius benannt
wird. Doch zeigen weit ältere Handschriften, daß schon im siebenten
Jahrhundert der Anfang des Werkes vorhanden war[22], und auch Beda und
Paulus Diaconus haben diese Aufzeichnungen bereits benutzen können.
Eine übersichtliche Darstellung der Entstehung dieses Werkes und seiner
Fortsetzungen hat Giesebrecht gegeben in der Allgemeinen Monatsschrift
für 1852, April. Wie in Rom, so entstanden ähnliche Aufzeichnungen auch
an anderen Bischofsitzen und in manchen Klöstern, und daraus erwuchsen
später die ausführlichen Geschichten der Bisthümer und Klöster, welche in
der geschichtlichen Litteratur des Mittelalters eine so bedeutende Stelle
einnehmen.
Endlich aber enthält auch der Abschnitt des Kalenders, in welchem die
Todestage der Märtyrer und Päbste verzeichnet sind, den Anfang eines ganz
eigenthümlichen Zweiges der Litteratur, nämlich der Mar t yr ol o gi en, in
welchen die dort verzeichneten Namen sich immer als die ersten
wiederfinden, und gewissermaßen den Kern der immer mehr anwachsenden
Verzeichnisse bilden, welche zu dem bloßen Namen bald auch Nachrichten
über Leiden und Leben der Märtyrer und Bekenner hinzufügen. Wir sahen
schon, wie lehrreich diese Martyrologien in Rettbergs Händen für die
Entstehungsgeschichte der kirchlichen Sage geworden sind; denn da die
Zeit der Verfasser bekannt ist, so läßt sich darin die allmähliche
Erweiterung der Legenden urkundlich nachweisen[23]. Die ältesten tragen
Deutschland gekommen[21].
Schon 354 hatte auch der römische Staatskalender ein Ver zei chniß
der r ö m i sch en P äbst e aufgenommen, welches seiner Anlage nach um
230 entstanden ist. Dieses wurde in der Folge nicht allein immer weiter
fortgesetzt, sondern auch durch allerlei Zusätze vermehrt. Man fügte die
Amtsdauer der Päbste hinzu, ihre Bauten und andere Verdienste um die
kirchliche Verwaltung, die von ihnen vorgenommenen Weihen, endlich
auch geschichtliche Vorfälle, und so entstand das Pontificale Romanum,
welches gewöhnlich nach dem päbstlichen Bibliothekar Anastasius benannt
wird. Doch zeigen weit ältere Handschriften, daß schon im siebenten
Jahrhundert der Anfang des Werkes vorhanden war[22], und auch Beda und
Paulus Diaconus haben diese Aufzeichnungen bereits benutzen können.
Eine übersichtliche Darstellung der Entstehung dieses Werkes und seiner
Fortsetzungen hat Giesebrecht gegeben in der Allgemeinen Monatsschrift
für 1852, April. Wie in Rom, so entstanden ähnliche Aufzeichnungen auch
an anderen Bischofsitzen und in manchen Klöstern, und daraus erwuchsen
später die ausführlichen Geschichten der Bisthümer und Klöster, welche in
der geschichtlichen Litteratur des Mittelalters eine so bedeutende Stelle
einnehmen.
Endlich aber enthält auch der Abschnitt des Kalenders, in welchem die
Todestage der Märtyrer und Päbste verzeichnet sind, den Anfang eines ganz
eigenthümlichen Zweiges der Litteratur, nämlich der Mar t yr ol o gi en, in
welchen die dort verzeichneten Namen sich immer als die ersten
wiederfinden, und gewissermaßen den Kern der immer mehr anwachsenden
Verzeichnisse bilden, welche zu dem bloßen Namen bald auch Nachrichten
über Leiden und Leben der Märtyrer und Bekenner hinzufügen. Wir sahen
schon, wie lehrreich diese Martyrologien in Rettbergs Händen für die
Entstehungsgeschichte der kirchlichen Sage geworden sind; denn da die
Zeit der Verfasser bekannt ist, so läßt sich darin die allmähliche
Erweiterung der Legenden urkundlich nachweisen[23]. Die ältesten tragen
Page 93
den Namen des Hieronymus[24], obwohl mit Unrecht; besonders geschätzt
ist das Martyrologium Gellonense[25]. Die größte Verbreitung fand, wie alle
Schriften B ed a' s, auch dessen Martyrologium, das wir jedoch nicht in
seiner ursprünglichen Gestalt besitzen, sondern nur mit den Zusätzen des
F lo r u s, eines Subdiaconus zu Lyon im neunten Jahrhundert[26]. So kam
also auch dieser Zweig der Litteratur über England nach Gallien; hier wurde
er im neunten Jahrhundert mit besonderer Vorliebe behandelt, und aus der
mündlich sich fortbildenden Tradition kamen bei jeder neuen Ausgabe stets
auch neue Zusätze hinzu. Ein Reichenauer, welches zwischen 837 und 842
entstanden ist, gab A. Holder kürzlich heraus[27]. Eine metrische
Bearbeitung verfaßte um 850 Wandal ber t, Mönch zu Prüm[28], andere in
Prosa Hr ab an[29] zwischen 842 und 854, Ado von Vienne[30] (859-874)
und auf Befehl Karls des Kahlen Huswar d[31] (Usuardus) im Jahre 875;
am Ende des Jahrhunderts schrieben Notker der Stammler (896) auf der
Basis des von Ado 870 den Mönchen von St. Gallen geschenkten
Exemplars seines Martyrologium[32], und in Versen E r chem per t, der
Mönch von Montecassino[33]; noch im elften Jahrhundert verfaßte
Her m ann v o n R ei ch en au ein Martyrologium[34]. Damit war nun aber
auch dem Verlangen nach Martyrologien völlig genügt; man fragte nicht
mehr so viel nach diesen immer noch kurzen und dürftigen
Aufzeichnungen, da man bereits eine sehr große Zahl ausführlicher
Legenden besaß, theils aus der Zeit der Merowinger, theils aber auch über
eben jene alten Märtyrer, von denen die Martyrologien so wenig zu sagen
wußten. Der Wunsch danach war zu dringend, besonders in den Klöstern,
welche Reliquien von ihnen besaßen, als daß nicht eine reiche Auswahl
nachgemachter Legenden hätte entstehen sollen, welche leicht genug
Glauben fanden, oder doch in Ermangelung anderer benutzt wurden, wie z.
B. die Legende vom Apostel Thomas, deren Unglaubwürdigkeit wohl
bekannt war[35]. Bald hatte man Legenden für jeden Tag im Jahr, und eine
Sammlung derselben veranstaltete schon im Anfange des zehnten
Jahrhunderts Wolf har d, Mönch zu Herrieden[36]. Kleinere, unvollständige
Legendarien hatte man schon früher, und sie finden sich in großer Zahl in
ist das Martyrologium Gellonense[25]. Die größte Verbreitung fand, wie alle
Schriften B ed a' s, auch dessen Martyrologium, das wir jedoch nicht in
seiner ursprünglichen Gestalt besitzen, sondern nur mit den Zusätzen des
F lo r u s, eines Subdiaconus zu Lyon im neunten Jahrhundert[26]. So kam
also auch dieser Zweig der Litteratur über England nach Gallien; hier wurde
er im neunten Jahrhundert mit besonderer Vorliebe behandelt, und aus der
mündlich sich fortbildenden Tradition kamen bei jeder neuen Ausgabe stets
auch neue Zusätze hinzu. Ein Reichenauer, welches zwischen 837 und 842
entstanden ist, gab A. Holder kürzlich heraus[27]. Eine metrische
Bearbeitung verfaßte um 850 Wandal ber t, Mönch zu Prüm[28], andere in
Prosa Hr ab an[29] zwischen 842 und 854, Ado von Vienne[30] (859-874)
und auf Befehl Karls des Kahlen Huswar d[31] (Usuardus) im Jahre 875;
am Ende des Jahrhunderts schrieben Notker der Stammler (896) auf der
Basis des von Ado 870 den Mönchen von St. Gallen geschenkten
Exemplars seines Martyrologium[32], und in Versen E r chem per t, der
Mönch von Montecassino[33]; noch im elften Jahrhundert verfaßte
Her m ann v o n R ei ch en au ein Martyrologium[34]. Damit war nun aber
auch dem Verlangen nach Martyrologien völlig genügt; man fragte nicht
mehr so viel nach diesen immer noch kurzen und dürftigen
Aufzeichnungen, da man bereits eine sehr große Zahl ausführlicher
Legenden besaß, theils aus der Zeit der Merowinger, theils aber auch über
eben jene alten Märtyrer, von denen die Martyrologien so wenig zu sagen
wußten. Der Wunsch danach war zu dringend, besonders in den Klöstern,
welche Reliquien von ihnen besaßen, als daß nicht eine reiche Auswahl
nachgemachter Legenden hätte entstehen sollen, welche leicht genug
Glauben fanden, oder doch in Ermangelung anderer benutzt wurden, wie z.
B. die Legende vom Apostel Thomas, deren Unglaubwürdigkeit wohl
bekannt war[35]. Bald hatte man Legenden für jeden Tag im Jahr, und eine
Sammlung derselben veranstaltete schon im Anfange des zehnten
Jahrhunderts Wolf har d, Mönch zu Herrieden[36]. Kleinere, unvollständige
Legendarien hatte man schon früher, und sie finden sich in großer Zahl in
Page 94
den folgenden Jahrhunderten, bis sie endlich wiederum verdrängt wurden
durch die in zahllosen Abschriften verbreitete G olden e L egend e des
Jaco b v on Genua[37], welche dem Gebrauch für das Leben und für die
praktische Anwendung auf der Kanzel am meisten entsprach und in
gedrängter Kürze den ganzen Kreis der Heiligengeschichte auf den Umfang
eines Bandes beschränkte.
Geschichtlich ist Jacobs compendiarische Behandlung der Legenden
unbrauchbar; die ausführlichen Lebensbeschreibungen der Heiligen aber
enthalten für manche Zeiträume die werthvollsten Nachrichten. Auch diese
Aufzeichnungen finden ihre Vorbilder schon in den früheren Jahrhunderten
der römischen Kaiserzeit. Die christlichen Gemeinden theilten sich unter
einander die Todestage der Märtyrer mit nebst den Umständen ihres
Leidens, und solche Mittheilungen wurden bei ihren Zusammenkünften
verlesen. Bald fing man auch an, das Leben anderer frommer Männer, der
Bekenner, aufzuzeichnen. Cassians vielgelesenes Werk über die Einsiedler
der Thebais, das Leben des Cyprian, Ambrosius, Augustin und ganz
besonders das um 400 von Sulpicius Severus verfaßte und durch ganz
Gallien verbreitete Leben des heiligen Martin von Tours[38] regten zu
ähnlicher Thätigkeit an[39]. Benedict von Nursia, der eigentliche Begründer
des abendländischen Mönchthums, fand einen Biographen in dem Pabste
Gregor dem Großen, und dieses Werk fehlte natürlich in keinem Kloster
seines Ordens; nebst den übrigen Büchern der Dialoge bot es der
Wundersucht des Mittelalters reiche Nahrung und reizte zur Nachahmung.
Daran also schließt sich nun eine überaus reiche Litteratur, und wenn auch
vielfach der erbauliche Ton so sehr überwiegt, daß der geschichtliche Werth
nur gering ist, so ist doch keine der wirklich echten gleichzeitigen
Biographien ganz ohne Frucht, und für die Zeiten, wo die Heiligen zugleich
Staatsmänner waren, gehören ihre Lebensbeschreibungen zu den
wichtigsten Quellen der Geschichte. Mit dem dreizehnten Jahrhundert aber
verlieren sie fast alle Bedeutung.
durch die in zahllosen Abschriften verbreitete G olden e L egend e des
Jaco b v on Genua[37], welche dem Gebrauch für das Leben und für die
praktische Anwendung auf der Kanzel am meisten entsprach und in
gedrängter Kürze den ganzen Kreis der Heiligengeschichte auf den Umfang
eines Bandes beschränkte.
Geschichtlich ist Jacobs compendiarische Behandlung der Legenden
unbrauchbar; die ausführlichen Lebensbeschreibungen der Heiligen aber
enthalten für manche Zeiträume die werthvollsten Nachrichten. Auch diese
Aufzeichnungen finden ihre Vorbilder schon in den früheren Jahrhunderten
der römischen Kaiserzeit. Die christlichen Gemeinden theilten sich unter
einander die Todestage der Märtyrer mit nebst den Umständen ihres
Leidens, und solche Mittheilungen wurden bei ihren Zusammenkünften
verlesen. Bald fing man auch an, das Leben anderer frommer Männer, der
Bekenner, aufzuzeichnen. Cassians vielgelesenes Werk über die Einsiedler
der Thebais, das Leben des Cyprian, Ambrosius, Augustin und ganz
besonders das um 400 von Sulpicius Severus verfaßte und durch ganz
Gallien verbreitete Leben des heiligen Martin von Tours[38] regten zu
ähnlicher Thätigkeit an[39]. Benedict von Nursia, der eigentliche Begründer
des abendländischen Mönchthums, fand einen Biographen in dem Pabste
Gregor dem Großen, und dieses Werk fehlte natürlich in keinem Kloster
seines Ordens; nebst den übrigen Büchern der Dialoge bot es der
Wundersucht des Mittelalters reiche Nahrung und reizte zur Nachahmung.
Daran also schließt sich nun eine überaus reiche Litteratur, und wenn auch
vielfach der erbauliche Ton so sehr überwiegt, daß der geschichtliche Werth
nur gering ist, so ist doch keine der wirklich echten gleichzeitigen
Biographien ganz ohne Frucht, und für die Zeiten, wo die Heiligen zugleich
Staatsmänner waren, gehören ihre Lebensbeschreibungen zu den
wichtigsten Quellen der Geschichte. Mit dem dreizehnten Jahrhundert aber
verlieren sie fast alle Bedeutung.
Page 95
Ganz vereinzelt erscheint daneben die weltliche Biographie; nur einige
Kaiser haben Lebensbeschreiber gefunden, und wenn Einhard den Sueton
zum Vorbilde nahm, so ist das nur eine Frucht der durch Karl den Großen
erneuten Einwirkung auch der heidnischen Classiker; eine lebendige
Fortentwickelung knüpfte sich nur an die kirchliche Litteratur.
Zu erwähnen bleibt endlich noch eine Art der Aufzeichnung, welche
den Martyrologien sehr nahe steht und häufig damit verbunden ist, die
Necr o l ogi en nämlich, in welchen die Todestage aller derjenigen
verzeichnet wurden, deren Gedächtniß in der Kirche oder dem Kloster, dem
diese Aufzeichnungen angehörten, gefeiert werden sollte. Da jeder
angesehene Mann sich um seiner Seligkeit willen eine solche
Gedächtnißfeier zu sichern pflegte, erfahren wir hierdurch ihre Todestage,
deren Kenntniß für manche Fragen wichtig werden kann; auch für die
verwandtschaftlichen Verhältnisse ist manches daraus zu entnehmen, und
zuweilen sind auch einzelne geschichtliche Begebenheiten anderer Art darin
verzeichnet. Zur geschichtlichen Litteratur kann man diese
Namensverzeichnisse nicht rechnen, und ich beschränke mich daher auf
diese Erwähnung und auf ein Verzeichniß der mir bekannt gewordenen,
gedruckten Necrologien, welches im Anhange zu finden ist.
Eine Zeitbestimmung ist nicht hinzugefügt, weil auch in jüngere
Necrologien einzelne ältere Angaben herübergenommen sind, und ältere
durch die fortgesetzten Eintragungen werthvoller zu werden pflegen. Doch
ist es nicht unwichtig, die Zeit der ersten Anlage zu erkennen; bei dem
lobenswerthen Versuche, dahin zu gelangen, begegnet aber stets wiederholt
ein Fehler, vor dem ich deshalb ausdrücklich warnen möchte. Die
Herausgeber glauben nämlich, zu dieser Bestimmung die Ansetzung des
Osterfestes benutzen zu können und lassen sich dabei auch durch den
auffallenden Umstand nicht stören, daß dieser überall derselbe ist, nämlich
der 27. März; auch nicht dadurch, daß es ja gar keinen Sinn haben würde,
das zufällige Datum eines einzelnen Jahres einzutragen. Es ist aber dieser
Kaiser haben Lebensbeschreiber gefunden, und wenn Einhard den Sueton
zum Vorbilde nahm, so ist das nur eine Frucht der durch Karl den Großen
erneuten Einwirkung auch der heidnischen Classiker; eine lebendige
Fortentwickelung knüpfte sich nur an die kirchliche Litteratur.
Zu erwähnen bleibt endlich noch eine Art der Aufzeichnung, welche
den Martyrologien sehr nahe steht und häufig damit verbunden ist, die
Necr o l ogi en nämlich, in welchen die Todestage aller derjenigen
verzeichnet wurden, deren Gedächtniß in der Kirche oder dem Kloster, dem
diese Aufzeichnungen angehörten, gefeiert werden sollte. Da jeder
angesehene Mann sich um seiner Seligkeit willen eine solche
Gedächtnißfeier zu sichern pflegte, erfahren wir hierdurch ihre Todestage,
deren Kenntniß für manche Fragen wichtig werden kann; auch für die
verwandtschaftlichen Verhältnisse ist manches daraus zu entnehmen, und
zuweilen sind auch einzelne geschichtliche Begebenheiten anderer Art darin
verzeichnet. Zur geschichtlichen Litteratur kann man diese
Namensverzeichnisse nicht rechnen, und ich beschränke mich daher auf
diese Erwähnung und auf ein Verzeichniß der mir bekannt gewordenen,
gedruckten Necrologien, welches im Anhange zu finden ist.
Eine Zeitbestimmung ist nicht hinzugefügt, weil auch in jüngere
Necrologien einzelne ältere Angaben herübergenommen sind, und ältere
durch die fortgesetzten Eintragungen werthvoller zu werden pflegen. Doch
ist es nicht unwichtig, die Zeit der ersten Anlage zu erkennen; bei dem
lobenswerthen Versuche, dahin zu gelangen, begegnet aber stets wiederholt
ein Fehler, vor dem ich deshalb ausdrücklich warnen möchte. Die
Herausgeber glauben nämlich, zu dieser Bestimmung die Ansetzung des
Osterfestes benutzen zu können und lassen sich dabei auch durch den
auffallenden Umstand nicht stören, daß dieser überall derselbe ist, nämlich
der 27. März; auch nicht dadurch, daß es ja gar keinen Sinn haben würde,
das zufällige Datum eines einzelnen Jahres einzutragen. Es ist aber dieser
Page 96
27. März ein festes Datum, welches man für dasjenige der wirklichen
Auferstehung hielt.
Den vollen Nutzen für geschichtliche Forschung werden diese
Necrologien erst gewähren, wenn sie systematisch gesammelt,
durchgearbeitet und zusammengestellt sind. Das ist jetzt geleistet von
Baumann für die Sprengel von Augsburg, Constanz und Chur[40], von
Herzberg-Fränkel für Salzburg[41].
Geschichtlich noch wichtiger sind die Tod ten- Ann al en, in welchen
Jahr für Jahr die Todesfälle eingetragen sind. Solche sind aus F ul d a von
779 bis 1065 erhalten[42], und an diese sich anschließend, aber weit weniger
reichhaltig, aus P r üm, von 1039 bis 1104[43], aus S t. Bl asi en von vor
1036 bis 1474[44].
Verschieden davon sind die Ver br üder ung sbü cher, in welche
Lebende eingetragen wurden; bei weitem das wichtigste darunter ist das
von Karajan, jetzt aber mit wesentlichen Verbesserungen von Herzberg-
Fränkel herausgegebene von S an ct P eter in S al zb urg[45]; von einer
systematischen Bearbeitung sind die von S anct Gal len, Reichenau und
P f äver s erschienen[46]. Sie geben über die Verbindungen der Klöster
untereinander Nachricht und sind durch die Fülle alter Eigennamen für die
Sprachforschung von Bedeutung. Auch von den Ro teln späterer Zeit,
durch welche man von den Todesfällen verbundenen Klöstern Nachricht
gab, und welche theils nur mit Empfangsbescheinigung, theils sogar mit
längeren Gedichten versehen wurden, hat sich namentlich in Frankreich
eine große Anzahl, wenn auch meistens nur fragmentarisch, erhalten,
welche von L. Delisle gesammelt und herausgegeben ist[47].
Eine besondere Erwähnung verdienen endlich noch die alten
Di p tych a, in welche Namen ohne Daten eingetragen wurden, um sie der
Fürbitte theilhaftig werden zu lassen, wobei auf die Ordnung nichts ankam;
aus Fulda, Trier, Novara haben sich dergleichen erhalten. In Ermangelung
Auferstehung hielt.
Den vollen Nutzen für geschichtliche Forschung werden diese
Necrologien erst gewähren, wenn sie systematisch gesammelt,
durchgearbeitet und zusammengestellt sind. Das ist jetzt geleistet von
Baumann für die Sprengel von Augsburg, Constanz und Chur[40], von
Herzberg-Fränkel für Salzburg[41].
Geschichtlich noch wichtiger sind die Tod ten- Ann al en, in welchen
Jahr für Jahr die Todesfälle eingetragen sind. Solche sind aus F ul d a von
779 bis 1065 erhalten[42], und an diese sich anschließend, aber weit weniger
reichhaltig, aus P r üm, von 1039 bis 1104[43], aus S t. Bl asi en von vor
1036 bis 1474[44].
Verschieden davon sind die Ver br üder ung sbü cher, in welche
Lebende eingetragen wurden; bei weitem das wichtigste darunter ist das
von Karajan, jetzt aber mit wesentlichen Verbesserungen von Herzberg-
Fränkel herausgegebene von S an ct P eter in S al zb urg[45]; von einer
systematischen Bearbeitung sind die von S anct Gal len, Reichenau und
P f äver s erschienen[46]. Sie geben über die Verbindungen der Klöster
untereinander Nachricht und sind durch die Fülle alter Eigennamen für die
Sprachforschung von Bedeutung. Auch von den Ro teln späterer Zeit,
durch welche man von den Todesfällen verbundenen Klöstern Nachricht
gab, und welche theils nur mit Empfangsbescheinigung, theils sogar mit
längeren Gedichten versehen wurden, hat sich namentlich in Frankreich
eine große Anzahl, wenn auch meistens nur fragmentarisch, erhalten,
welche von L. Delisle gesammelt und herausgegeben ist[47].
Eine besondere Erwähnung verdienen endlich noch die alten
Di p tych a, in welche Namen ohne Daten eingetragen wurden, um sie der
Fürbitte theilhaftig werden zu lassen, wobei auf die Ordnung nichts ankam;
aus Fulda, Trier, Novara haben sich dergleichen erhalten. In Ermangelung
Page 97
anderer Denkmäler hat man daraus Bischofslisten entnommen, deren
Lückenhaftigkeit und Umstellungen sich aus solchem Ursprung erklären.
Ein Liber vitae ecclesiae Dunelmensis (jetzt Cott. Domit. A. VII) aus der
Mitte des neunten Jahrhunderts und bis in späte Zeit fortgeführt, lag im
Prachtband auf dem Altar[48], herausgegeben von Stevenson 1841.
Eine besondere Art von Namensverzeichnissen entstand durch die
Sitte, in E vang el ienb ücher Namen einzutragen, wovon man sich gute
Folgen für das Seelenheil versprach. So schrieb nach einer Mittheilung von
K. Lamprecht in d. Westd. Ztschr. IV, 156 in einem Evangeliar des
Castorstifts in Coblenz der Schreiber selbst hinzu: „Waniggus peccator
nomen habeo. in vitae libro mei memoriam condo“. Darauf folgen andere
Namen. Beispiele davon kommen auch sonst vor[49]; geschichtlich wichtig
sind die Eintragungen im Evangeliar von Aquileja für die Anfänge des
Christenthums unter den Bulgaren, während Theodelinde und andere
Namen später betrügerisch zugesetzt sind, was Bethmann entdeckt und
nachgewiesen hat[50].
[1] Dr. Conr. Trieber, Die Chronologie des Julius Africanus, 1879; vgl. Gött. Nachr.
1880, Nr. 1. H. Gelzer, S. Jul. Afr. u. die Byzant. Chronologie, Leipz. 1880.
[2] Opera S. Hier. ed. Vallars, Tom. VIII. Baehr S. 189-197. Vgl. Bernays, Scaliger S.
92, 217. Neue kritische Ausgabe von Alfred Schoene in: Eusebi chronicorum
canonum quae supersunt. Vol. II. Berl. 1866. Nachträge in Vol. I. (1875) Eusebi
chronicorum libri duo. Vgl. Mommsen, Die älteste Hs. der Chronik des Hieronymus,
Hermes XXIV. Facs. ders. Palaeogr. Soc. II, 129. 130.
[3] Die neue Ausgabe dieser ältesten Annalisten für die MG. ist jetzt von Th.
Mommsen, Auctt. antt. IX. zu erwarten.
[4] Dan. c. 2. Vgl. Otto Fris. II, 13. Büdinger in der Hist. Zeitschrift VII, 113.
[5] Abhandlungen der Kgl. Sächs. Ges. der Wissenschaften in Leipzig. I. 1850. S.
547-668. Neue Ausg. des Textes Auctt. antt. IX, 13-196. Ein mit jener Arbeit
verwandter, von Pallmann zuerst herausgegebener, ganz kurzer Abriß der
Weltgeschichte bis 452 Auctt. antt. IX, 149-153. Vgl. auch C. Frick im Rh. Mus. f.
Philol. XLVI, 106 ff.
[6] Ausg. v. Mommsen, CIL. I, 332-360.
[7] Nach De Rossi, La Roma sotterranea I, 116 eigentlich ein Festkalender, feriale,
und deshalb nicht vollständig.
Lückenhaftigkeit und Umstellungen sich aus solchem Ursprung erklären.
Ein Liber vitae ecclesiae Dunelmensis (jetzt Cott. Domit. A. VII) aus der
Mitte des neunten Jahrhunderts und bis in späte Zeit fortgeführt, lag im
Prachtband auf dem Altar[48], herausgegeben von Stevenson 1841.
Eine besondere Art von Namensverzeichnissen entstand durch die
Sitte, in E vang el ienb ücher Namen einzutragen, wovon man sich gute
Folgen für das Seelenheil versprach. So schrieb nach einer Mittheilung von
K. Lamprecht in d. Westd. Ztschr. IV, 156 in einem Evangeliar des
Castorstifts in Coblenz der Schreiber selbst hinzu: „Waniggus peccator
nomen habeo. in vitae libro mei memoriam condo“. Darauf folgen andere
Namen. Beispiele davon kommen auch sonst vor[49]; geschichtlich wichtig
sind die Eintragungen im Evangeliar von Aquileja für die Anfänge des
Christenthums unter den Bulgaren, während Theodelinde und andere
Namen später betrügerisch zugesetzt sind, was Bethmann entdeckt und
nachgewiesen hat[50].
[1] Dr. Conr. Trieber, Die Chronologie des Julius Africanus, 1879; vgl. Gött. Nachr.
1880, Nr. 1. H. Gelzer, S. Jul. Afr. u. die Byzant. Chronologie, Leipz. 1880.
[2] Opera S. Hier. ed. Vallars, Tom. VIII. Baehr S. 189-197. Vgl. Bernays, Scaliger S.
92, 217. Neue kritische Ausgabe von Alfred Schoene in: Eusebi chronicorum
canonum quae supersunt. Vol. II. Berl. 1866. Nachträge in Vol. I. (1875) Eusebi
chronicorum libri duo. Vgl. Mommsen, Die älteste Hs. der Chronik des Hieronymus,
Hermes XXIV. Facs. ders. Palaeogr. Soc. II, 129. 130.
[3] Die neue Ausgabe dieser ältesten Annalisten für die MG. ist jetzt von Th.
Mommsen, Auctt. antt. IX. zu erwarten.
[4] Dan. c. 2. Vgl. Otto Fris. II, 13. Büdinger in der Hist. Zeitschrift VII, 113.
[5] Abhandlungen der Kgl. Sächs. Ges. der Wissenschaften in Leipzig. I. 1850. S.
547-668. Neue Ausg. des Textes Auctt. antt. IX, 13-196. Ein mit jener Arbeit
verwandter, von Pallmann zuerst herausgegebener, ganz kurzer Abriß der
Weltgeschichte bis 452 Auctt. antt. IX, 149-153. Vgl. auch C. Frick im Rh. Mus. f.
Philol. XLVI, 106 ff.
[6] Ausg. v. Mommsen, CIL. I, 332-360.
[7] Nach De Rossi, La Roma sotterranea I, 116 eigentlich ein Festkalender, feriale,
und deshalb nicht vollständig.
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[8] S. darüber und über die im 12. Jahrh. daraus erwachsenen Mirabilia Romae, H.
Jordan, Topographie der Stadt Rom im Alterthum II, 1871. Dess. Forma urbis Romae
regionum XIII. 1875.
[9] Früher als Anonymus oder Chronicon Cuspiniani bekannt, zuletzt gedr. bei
Mommsen a. a. O. S. 656-668, Auctt. antt. IX, 263 ff. als Fasti Vindobonenses, mit d.
Anon. Vales. u. a. herausgegeben als Consularia Italica.
[10] Die Ravennater Annalen, NA. I, 215-368. Eine Berichtigung von Usener in dem
Anecdoton Holderi, 1878. Benutzung bei Beda nach L. Schmidt, NA. IX, 197,
verworfen v. Mommsen a. a. O. S. 253.
[11] M a r c e l l i n u s C o m e s, s. über diesen Holder-Egger, NA. II, 49 bis 109. Sein
Werk reicht im Anschluß an Hieronymus von 379 bis 518 und ist von ihm selbst bis
534, weiter bis 548 fortgesetzt. Die weitere Forts. 549-566 in den Ausgaben ist aus
Herm. Contr. entlehnt, wie Waitz, Gött. Nachr. 1857 S. 38 nachgewiesen hat.
Jordanis hat nach Mommsen, Praef. Jord. p. XXIX. XXXIX, das Werk in
ausführlicherer Fassung oder (auch schon Cassiodor) die darin excerpirte Grundlage
benutzt. ←
[12] A n o n y m u s Va l e s i a n u s, zuerst von H. Valois mit Ammianus Marcellinus
herausgegebene Hauptquelle für Odovacar und Theodorich. Neue Ausgabe mit
Benutzung der wiedergefundenen Hs. hinter Amm. Marc. ed. V. Gardthausen, Lips.
1875; Mommsen a. a. O. S. 314 ff. Uebers. v. D. Coste bei Procops Gothenkrieg. Vgl.
C. Frick über d. cod. Pal. 927 in d. Comm. Wölfflin. (N. A. XVI, 642). Nach Holder-
Egger im NA. I, 316-324 schrieb er in Ravenna und benutzte die verlorene Chronik
des Bischofs Maximian (546-556); SS. Langob. p. 273 stimmt H. E. der Ansicht bei,
der Anon. sei ein Fragment der Chronik Maximians.
[13] Nach Br. Krusch in NA. IX, 103 nur eine Copie des Ostercyclus des Victurius
mit einigen hist. Zusätzen; die doppelten Osterdaten hat Holder-Egger irrthümlich f.
hist. Daten gehalten.
[14] Excerptum ex Chronica Horosii, mit gleichzeitiger Notiz über das Erdbeben
vom April 849, gedr. e. cod. S. Galli 878 von De Rossi, Bullettino di Archeologia
crist. 1867 S. 17-23. Wiederholt von G. Kaufmann, Die Ravenn. Fasten, S. 484.
Auctt. antt. IX, 264.
[15] Die Fasten von Constantinopel u. Ravenna, Philologus XLII, 471 bis 510.
[16] Mommsen, Praef. Jord. p. XXXIX sagt von den 'Consularia Ravennatia': 'tota
imbuta spiritu regni Theodericiani, sive ea publico consilio edita sunt, sive, quod
prudentiores praeferent, a laudatore aliquo status praesentis'. Auch in der neuen Ausg.
verhält er sich dagegen ablehnend.
[17] Holder-Egger: Ueber die Weltchronik des sog. S e v e r u s S u l p i t i u s und
südgallische Annalen des 5. Jahrhunderts. Gött. 1875. Neue Ausg. v. Mommsen,
Auctt. antt. IX, p. 98 ss. als „Chronica ad annum 511“.
[18] MG. Auctt. antt. XIX, 197-247.
[19] S. hierüber Bethmann im Archiv X, 387 und über die Ostertafeln S. 279; vgl. V,
102 und Piper, Karls des Großen Kalendarium und Ostertafeln, Berlin 1858, S. 100
ff. — Die Echtheit der Briefe von Victurius und Pabst Hilarus vor dem Canon
paschalis hat Br. Krusch erwiesen, NA. IV. 169-172.
[20] S. darüber Br. Krusch: Die Einführung des griech. Paschalritus im Abendlande,
NA. IX, 169-172, vgl. 658. — Consulliste des Victurius mit Forts. ib. S. 269-281.
[21] Es kann ja auch einmal in Italien geschehen sein, vgl. NA. I, 283, aber die hier
früher nach Bethmann im Arch. X, 820 angeführte Handschrift aus Sant Andrea della
Jordan, Topographie der Stadt Rom im Alterthum II, 1871. Dess. Forma urbis Romae
regionum XIII. 1875.
[9] Früher als Anonymus oder Chronicon Cuspiniani bekannt, zuletzt gedr. bei
Mommsen a. a. O. S. 656-668, Auctt. antt. IX, 263 ff. als Fasti Vindobonenses, mit d.
Anon. Vales. u. a. herausgegeben als Consularia Italica.
[10] Die Ravennater Annalen, NA. I, 215-368. Eine Berichtigung von Usener in dem
Anecdoton Holderi, 1878. Benutzung bei Beda nach L. Schmidt, NA. IX, 197,
verworfen v. Mommsen a. a. O. S. 253.
[11] M a r c e l l i n u s C o m e s, s. über diesen Holder-Egger, NA. II, 49 bis 109. Sein
Werk reicht im Anschluß an Hieronymus von 379 bis 518 und ist von ihm selbst bis
534, weiter bis 548 fortgesetzt. Die weitere Forts. 549-566 in den Ausgaben ist aus
Herm. Contr. entlehnt, wie Waitz, Gött. Nachr. 1857 S. 38 nachgewiesen hat.
Jordanis hat nach Mommsen, Praef. Jord. p. XXIX. XXXIX, das Werk in
ausführlicherer Fassung oder (auch schon Cassiodor) die darin excerpirte Grundlage
benutzt. ←
[12] A n o n y m u s Va l e s i a n u s, zuerst von H. Valois mit Ammianus Marcellinus
herausgegebene Hauptquelle für Odovacar und Theodorich. Neue Ausgabe mit
Benutzung der wiedergefundenen Hs. hinter Amm. Marc. ed. V. Gardthausen, Lips.
1875; Mommsen a. a. O. S. 314 ff. Uebers. v. D. Coste bei Procops Gothenkrieg. Vgl.
C. Frick über d. cod. Pal. 927 in d. Comm. Wölfflin. (N. A. XVI, 642). Nach Holder-
Egger im NA. I, 316-324 schrieb er in Ravenna und benutzte die verlorene Chronik
des Bischofs Maximian (546-556); SS. Langob. p. 273 stimmt H. E. der Ansicht bei,
der Anon. sei ein Fragment der Chronik Maximians.
[13] Nach Br. Krusch in NA. IX, 103 nur eine Copie des Ostercyclus des Victurius
mit einigen hist. Zusätzen; die doppelten Osterdaten hat Holder-Egger irrthümlich f.
hist. Daten gehalten.
[14] Excerptum ex Chronica Horosii, mit gleichzeitiger Notiz über das Erdbeben
vom April 849, gedr. e. cod. S. Galli 878 von De Rossi, Bullettino di Archeologia
crist. 1867 S. 17-23. Wiederholt von G. Kaufmann, Die Ravenn. Fasten, S. 484.
Auctt. antt. IX, 264.
[15] Die Fasten von Constantinopel u. Ravenna, Philologus XLII, 471 bis 510.
[16] Mommsen, Praef. Jord. p. XXXIX sagt von den 'Consularia Ravennatia': 'tota
imbuta spiritu regni Theodericiani, sive ea publico consilio edita sunt, sive, quod
prudentiores praeferent, a laudatore aliquo status praesentis'. Auch in der neuen Ausg.
verhält er sich dagegen ablehnend.
[17] Holder-Egger: Ueber die Weltchronik des sog. S e v e r u s S u l p i t i u s und
südgallische Annalen des 5. Jahrhunderts. Gött. 1875. Neue Ausg. v. Mommsen,
Auctt. antt. IX, p. 98 ss. als „Chronica ad annum 511“.
[18] MG. Auctt. antt. XIX, 197-247.
[19] S. hierüber Bethmann im Archiv X, 387 und über die Ostertafeln S. 279; vgl. V,
102 und Piper, Karls des Großen Kalendarium und Ostertafeln, Berlin 1858, S. 100
ff. — Die Echtheit der Briefe von Victurius und Pabst Hilarus vor dem Canon
paschalis hat Br. Krusch erwiesen, NA. IV. 169-172.
[20] S. darüber Br. Krusch: Die Einführung des griech. Paschalritus im Abendlande,
NA. IX, 169-172, vgl. 658. — Consulliste des Victurius mit Forts. ib. S. 269-281.
[21] Es kann ja auch einmal in Italien geschehen sein, vgl. NA. I, 283, aber die hier
früher nach Bethmann im Arch. X, 820 angeführte Handschrift aus Sant Andrea della
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Valle enthält keine Annalen. Es ist Christ. 2077, gedr. Roncall. I, 721; vgl. Mommsen
im Hermes I, 130 u. das Facs. bei Zangemeister u. Wattenbach, Exempla codicum
Latinorum Tab. IV. NA. I, 29.
[22] S. Pertz im Archiv V, 70-74; De Rossi, La Roma sott. I, 122. Ueber den ältesten
Theil des Werkes Janus S. 139 ff. mit Beziehung auf die sorgfältige Analyse des
ganzen Werkes bei Piper, Einl. in die monumentale Theologie (Gotha 1867) S. 315-
349, der auch bereits die Benutzung durch Beda nachgewiesen und die Wichtigkeit
dieses Verhältnisses für die Kritik hervorgehoben hat, vgl. S. 198. 202 Anm. 12. —
Ganz neue Ansichten über diesen ältesten Theil, seine Entstehung und das Verhältniß
der Handschriften entwickelt der Abbé L. Duchesne: Étude sur le Liber pontificalis,
Paris 1877 (Bibl. des écoles Franç. d'Athènes et de Rome, I). Ihm entgegnete Waitz,
NA. IV, 215-237: Ueber die verschiedenen Texte des Liber pontificalis. Ders. V, 229
über Lipsius: Neue Studien zur Pabstchronologie; VIII, 405 über eine neue Schrift
von Duchesne; IX. 457-472 über den sog. Catal. Cononianus: X, 453-465 über die
ital. Hss.: über den Catal. Felicianus XI, 217-229. Vgl. auch Krusch, XII, 236. Jetzt
ist von der Ausgabe von Duchesne Bd. I. 1886 erschienen, während Waitz dazu nicht
mehr gekommen ist. Rec. v. Grisar, Zts. f. Kath. Theol. 1887 S. 417-446. — Ein
merkw. Elogium Liberii papae († 366) hat De Rossi herausgegeben, Bullettino di
Archeologia crist. 1883. Prof. Funk im Hist. Jahrb. V, 424-436, XII, 757 ff., bezieht
es jedoch auf Martin I († 655), Friederich, Münch. SB. 1891 S. 87-127 auf Joh. I, De
Rossi wieder f. Liberius im Bull. 1891.
[23] Ausführlicheres darüber mit dem Nachweis der Ausgaben bei Rettberg I, 76.
Vgl. Potthast S. 436. Das Hauptwerk ist die Abhandlung von J. B. Sollerius vor der
Ausg. des Martyrol. Usuardi, Acta SS. Jun. VI. Vgl. auch die oben → S. 41 angef.
Schrift v. Fr. Stolle.
[24] Mart. Hieron. ed. Fiorentini, Lucae 1668. Als vorzüglichste Handschrift rühmt
De Rossi die Berner, Roma sotterranea II. p. XII ss. Nach dieser ist es jetzt
herausgegeben, Acta SS. Oct. XIII. ←
[25] D'Achery Spicil. ed. II. II, 27. Geschrieben ist es um 804. Sickel in d. Wiener
SB. XXXVIII, 161 macht auf das noch nicht benutzte Martyrologium aus derselben
Zeit im Wiener Cod. 387 aus Salzburg aufmerksam.
[26] In den Werken des Beda und Acta SS. Mart. II. Ueber ein ihm zugeschriebenes
kurzes Mart. in Hexametern (ed. Giles I, 50-53) vgl. Dümmler, NA. IV, 516.
[27] Röm. Quartalschrift III, 204-251.
[28] Erste krit. Ausgabe von Dümmler, Poetae Lat. aevi Carolini II, 569-603.
[29] Canis. II, 2, 313. Vgl. E. Dümmler, das Martyrol. Notkers u. seine Verwandten
(Forsch. XXV) S. 197-200, mit Ergänzung des Textes.
[30] Herausgeg. von Surius im Anhang der Vitae probb. SS., dann von Heribert van
Roswey mit dem Martyrologium Romanum. Ueber das vorhergehende, von Ado in
Ravenna abgeschriebene, Romano piccolo s. De Rossi, La Roma sott. I, 125. Vgl.
Dümmler a. a. O. S. 200.
[31] Ed. Sollerius, Acta SS. Jun. VI und VII. A. Longnon, Notice sur le plus ancien
obituaire de l'abbaye de St. Germain-des-Prés (Not. et Doc. publ. p. l. Soc. de l'hist.
de France p. 19) hält diese Hs. für sein Autograph.
[32] Canis. II, 3, 89. Vgl. Dümmler, St. Gall. Denkmale, S. 252. Scherrer S. 149 über
den cod. 454. Dümmler, Forsch. XXV, 202 ff. Es ist unvollständig erhalten.
[33] NA. IV, 544. VI, 285. Noch ungedruckt. Die nach der Vorr. zur Bezeichnung
seiner Zusätze gesetzten obeli finden sich in der Hs. nicht. — Ein metr.
im Hermes I, 130 u. das Facs. bei Zangemeister u. Wattenbach, Exempla codicum
Latinorum Tab. IV. NA. I, 29.
[22] S. Pertz im Archiv V, 70-74; De Rossi, La Roma sott. I, 122. Ueber den ältesten
Theil des Werkes Janus S. 139 ff. mit Beziehung auf die sorgfältige Analyse des
ganzen Werkes bei Piper, Einl. in die monumentale Theologie (Gotha 1867) S. 315-
349, der auch bereits die Benutzung durch Beda nachgewiesen und die Wichtigkeit
dieses Verhältnisses für die Kritik hervorgehoben hat, vgl. S. 198. 202 Anm. 12. —
Ganz neue Ansichten über diesen ältesten Theil, seine Entstehung und das Verhältniß
der Handschriften entwickelt der Abbé L. Duchesne: Étude sur le Liber pontificalis,
Paris 1877 (Bibl. des écoles Franç. d'Athènes et de Rome, I). Ihm entgegnete Waitz,
NA. IV, 215-237: Ueber die verschiedenen Texte des Liber pontificalis. Ders. V, 229
über Lipsius: Neue Studien zur Pabstchronologie; VIII, 405 über eine neue Schrift
von Duchesne; IX. 457-472 über den sog. Catal. Cononianus: X, 453-465 über die
ital. Hss.: über den Catal. Felicianus XI, 217-229. Vgl. auch Krusch, XII, 236. Jetzt
ist von der Ausgabe von Duchesne Bd. I. 1886 erschienen, während Waitz dazu nicht
mehr gekommen ist. Rec. v. Grisar, Zts. f. Kath. Theol. 1887 S. 417-446. — Ein
merkw. Elogium Liberii papae († 366) hat De Rossi herausgegeben, Bullettino di
Archeologia crist. 1883. Prof. Funk im Hist. Jahrb. V, 424-436, XII, 757 ff., bezieht
es jedoch auf Martin I († 655), Friederich, Münch. SB. 1891 S. 87-127 auf Joh. I, De
Rossi wieder f. Liberius im Bull. 1891.
[23] Ausführlicheres darüber mit dem Nachweis der Ausgaben bei Rettberg I, 76.
Vgl. Potthast S. 436. Das Hauptwerk ist die Abhandlung von J. B. Sollerius vor der
Ausg. des Martyrol. Usuardi, Acta SS. Jun. VI. Vgl. auch die oben → S. 41 angef.
Schrift v. Fr. Stolle.
[24] Mart. Hieron. ed. Fiorentini, Lucae 1668. Als vorzüglichste Handschrift rühmt
De Rossi die Berner, Roma sotterranea II. p. XII ss. Nach dieser ist es jetzt
herausgegeben, Acta SS. Oct. XIII. ←
[25] D'Achery Spicil. ed. II. II, 27. Geschrieben ist es um 804. Sickel in d. Wiener
SB. XXXVIII, 161 macht auf das noch nicht benutzte Martyrologium aus derselben
Zeit im Wiener Cod. 387 aus Salzburg aufmerksam.
[26] In den Werken des Beda und Acta SS. Mart. II. Ueber ein ihm zugeschriebenes
kurzes Mart. in Hexametern (ed. Giles I, 50-53) vgl. Dümmler, NA. IV, 516.
[27] Röm. Quartalschrift III, 204-251.
[28] Erste krit. Ausgabe von Dümmler, Poetae Lat. aevi Carolini II, 569-603.
[29] Canis. II, 2, 313. Vgl. E. Dümmler, das Martyrol. Notkers u. seine Verwandten
(Forsch. XXV) S. 197-200, mit Ergänzung des Textes.
[30] Herausgeg. von Surius im Anhang der Vitae probb. SS., dann von Heribert van
Roswey mit dem Martyrologium Romanum. Ueber das vorhergehende, von Ado in
Ravenna abgeschriebene, Romano piccolo s. De Rossi, La Roma sott. I, 125. Vgl.
Dümmler a. a. O. S. 200.
[31] Ed. Sollerius, Acta SS. Jun. VI und VII. A. Longnon, Notice sur le plus ancien
obituaire de l'abbaye de St. Germain-des-Prés (Not. et Doc. publ. p. l. Soc. de l'hist.
de France p. 19) hält diese Hs. für sein Autograph.
[32] Canis. II, 3, 89. Vgl. Dümmler, St. Gall. Denkmale, S. 252. Scherrer S. 149 über
den cod. 454. Dümmler, Forsch. XXV, 202 ff. Es ist unvollständig erhalten.
[33] NA. IV, 544. VI, 285. Noch ungedruckt. Die nach der Vorr. zur Bezeichnung
seiner Zusätze gesetzten obeli finden sich in der Hs. nicht. — Ein metr.
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Martyrologium (Anf. Jure kalendarum) ist aus dem angels. Theil der Hs. Galba A 18,
die K. Aethelstans Psalter gewesen sein soll, herausg. v. Hampson, Medii Aevi
Kalendarium (1841) S. 397-420. Die Hs. ist beschrieben in Thompons Catal. of anc.
mss. Latin (1884) S. 12, Fasc. pl. 28.
[34] Darüber, nebst Zusätzen einer späteren Bearbeitung, Dümmler ib. S. 208-214.
[35] Ch. Schmidt, Histoire du Chapitre de Saint-Thomas de Strasbourg, p. 121. Auch
in Handschriften des Thomasklosters zu Vorau fand ich die Klage über den Mangel
an authentischen Nachrichten bei den Legenden des Heiligen, die man aus Noth
benutzte.
[36] Anon. Haser. MG. SS. VII, 256. Vgl. Archiv V, 565. X, 645.
[37] Jacobi a Voragine Legenda aurea, vulgo Historia Lombardica dicta, rec. Th.
Grässe. Ed. II. Lips. 1850. 8.
[38] Vgl. Reinkens, Martin v. Tours (1866) S. 258-274. Fast unbeachtet dagegen und
ohne Nachwirkung blieb desselben Sulpicius Chronik bis 403, welche, die jüdische
Geschichte mit der profanen verarbeitend, im Stil sich den Werken des Sallust,
Vellejus, Tacitus anschloß und dem Geschmack des Mittelalters nicht zusagte; s. die
geistreiche Würdigung dieses Werkes von Jakob Bernays: Ueber die Chronik des
Sulpicius Severus, Berlin 1861, 4. u. in d. Sammlung seiner Kl. Schriften. Benutzung
in der V. Heinr. IV sucht Gundlach nachzuweisen, NA. XI, 299-304. Neue Ausg. von
C. Halm: Sulpicii Severi libri qui supersunt, Vindob. 1866. Ebert S. 327-336.
[39] Wie sehr es bis ins 13. Jahrh. als Vorbild diente und ausgenutzt wurde, zeigt
Manitius, NA. XIV, 165-170. XV, 194-196.
[40] MG. Necrologia Germaniae I. 1888; vgl. NA. VII, 19-41. VIII, 425-447. XIII,
409-429.
[41] Vol. II, 1. 1890; vgl. NA. XIII, 269-304.
[42] Erste vollständige Ausgabe aus den verschiedenen Hss. von G. Waitz: Annales
necrologici Fuldenses, MG. SS. XIII, 161-215.
[43] Ann. necrol. Prum. ib. p. 219-223.
[44] Necrol. I, 329-333. Die Weltenburger 1045-1109 (MB. XIII, 473-493) werden
auch wohl bei den Necrol. gedruckt.
[45] Necrol. II, 3-60; vgl. NA. XII, 53-107.
[46] MG. Libri Confraternitatum S. Galli, Augiensis, Fabariensis, ed. P. Piper 1884.
Das Verbrüderungsbuch von St. Gallen ist, nebst dem Buch der Gelübde, auch von E.
Arbenz herausgegeben und erläutert, Mitth. z. vaterl. Gesch. XIX, St. Gallen 1884.
Vgl. auch C. Will, Monum. Blidenstatensia, p. XX-XXII. A. Ebner, Die klösterlichen
Gebetsverbrüderungen. Regensb. 1890.
[47] Des monuments paléographiques concernant l'usage de prier pour les morts,
Bibl. de l'École des chartes, II, 3, 361-411, und die Ausgabe: Rouleaux des morts du
IX. au XV. siècle, 1866. Vgl. Wattenbach, Schriftwesen (2. Ausg.) S. 137.
[48] Genaue Beschreibung der Hs. von Thompson im Catalogue of ancient Latin
Mss. p. 81-84.
[49] L. Delisle, Bibl. de l'École des ch. 1876, S. 484.
[50] NA. II, 112-128.
die K. Aethelstans Psalter gewesen sein soll, herausg. v. Hampson, Medii Aevi
Kalendarium (1841) S. 397-420. Die Hs. ist beschrieben in Thompons Catal. of anc.
mss. Latin (1884) S. 12, Fasc. pl. 28.
[34] Darüber, nebst Zusätzen einer späteren Bearbeitung, Dümmler ib. S. 208-214.
[35] Ch. Schmidt, Histoire du Chapitre de Saint-Thomas de Strasbourg, p. 121. Auch
in Handschriften des Thomasklosters zu Vorau fand ich die Klage über den Mangel
an authentischen Nachrichten bei den Legenden des Heiligen, die man aus Noth
benutzte.
[36] Anon. Haser. MG. SS. VII, 256. Vgl. Archiv V, 565. X, 645.
[37] Jacobi a Voragine Legenda aurea, vulgo Historia Lombardica dicta, rec. Th.
Grässe. Ed. II. Lips. 1850. 8.
[38] Vgl. Reinkens, Martin v. Tours (1866) S. 258-274. Fast unbeachtet dagegen und
ohne Nachwirkung blieb desselben Sulpicius Chronik bis 403, welche, die jüdische
Geschichte mit der profanen verarbeitend, im Stil sich den Werken des Sallust,
Vellejus, Tacitus anschloß und dem Geschmack des Mittelalters nicht zusagte; s. die
geistreiche Würdigung dieses Werkes von Jakob Bernays: Ueber die Chronik des
Sulpicius Severus, Berlin 1861, 4. u. in d. Sammlung seiner Kl. Schriften. Benutzung
in der V. Heinr. IV sucht Gundlach nachzuweisen, NA. XI, 299-304. Neue Ausg. von
C. Halm: Sulpicii Severi libri qui supersunt, Vindob. 1866. Ebert S. 327-336.
[39] Wie sehr es bis ins 13. Jahrh. als Vorbild diente und ausgenutzt wurde, zeigt
Manitius, NA. XIV, 165-170. XV, 194-196.
[40] MG. Necrologia Germaniae I. 1888; vgl. NA. VII, 19-41. VIII, 425-447. XIII,
409-429.
[41] Vol. II, 1. 1890; vgl. NA. XIII, 269-304.
[42] Erste vollständige Ausgabe aus den verschiedenen Hss. von G. Waitz: Annales
necrologici Fuldenses, MG. SS. XIII, 161-215.
[43] Ann. necrol. Prum. ib. p. 219-223.
[44] Necrol. I, 329-333. Die Weltenburger 1045-1109 (MB. XIII, 473-493) werden
auch wohl bei den Necrol. gedruckt.
[45] Necrol. II, 3-60; vgl. NA. XII, 53-107.
[46] MG. Libri Confraternitatum S. Galli, Augiensis, Fabariensis, ed. P. Piper 1884.
Das Verbrüderungsbuch von St. Gallen ist, nebst dem Buch der Gelübde, auch von E.
Arbenz herausgegeben und erläutert, Mitth. z. vaterl. Gesch. XIX, St. Gallen 1884.
Vgl. auch C. Will, Monum. Blidenstatensia, p. XX-XXII. A. Ebner, Die klösterlichen
Gebetsverbrüderungen. Regensb. 1890.
[47] Des monuments paléographiques concernant l'usage de prier pour les morts,
Bibl. de l'École des chartes, II, 3, 361-411, und die Ausgabe: Rouleaux des morts du
IX. au XV. siècle, 1866. Vgl. Wattenbach, Schriftwesen (2. Ausg.) S. 137.
[48] Genaue Beschreibung der Hs. von Thompson im Catalogue of ancient Latin
Mss. p. 81-84.
[49] L. Delisle, Bibl. de l'École des ch. 1876, S. 484.
[50] NA. II, 112-128.
Page 101
§ 4. Die Ostgothen. Cassiodor. [ ← ]
Manso, Geschichte des ostgothischen Reiches in Italien, Breslau 1824. Aschbach, Geschichte der
Westgothen, Frankf. 1827. Waitz, Ueber das Leben und die Lehre des Ulfila, Hannov. 1840, 4.
Bessell, Ueber das Leben des Ulfilas und die Bekehrung der Gothen zum Christenthum, Gött.
1860. Max Müller, Lectures on the Science of Language, 2. ed. 1862, p. 179 ff. Bessell, Art.
Gothen in der Encyklopädie von Ersch und Gruber I, 75. S. 98-242 (1862). Raszmann, Goth.
Sprache und Litteratur, ib. 294-348. Wietersheim, Geschichte der Völkerwanderung, bes. II, 137
ff. Pallmann, Die Geschichte der Völkerwanderung, I, Gotha 1863. II, Weimar 1864. F. Dahn,
Die Könige der Germanen, Abth. II. 1861. Wackernagel, Geschichte der deutschen Litteratur. S.
15-22. Bernhardy, Grundriß der römischen Litteratur, § 60. A. Thorbecke, C. Senator, Progr. d.
Heidelb. Lyceums 1867. Ad. Franz, C. Senator, ein Beitr. z. Gesch. d. theol. Litt. Bresl. 1872.
Teuffel § 475. Ebert S. 498 bis 542. Balzani p. 1-19. Rinaudo p. 25-31. — Ueber Cassiodor und
Jordanis: Papencordt, Geschichte der vandal. Herrschaft in Afrika (1837), S. 383-388.
Freudensprung, De Jornande sive Jordane et libellorum eius natalibus, Monaci 1837. H. v.
Sybel, De fontibus libri Jordanis de origine actuque Getarum, Berol. 1838; Entstehung d. D.
Königthums, 2. Ausg. (1881) S. 134-208. Waitz, GGA. 1839, S. 769-781. Joh. Jordan, Jordanes
Leben und Schriften. Progr. des Gymnasiums zu Ansbach. 1843. J. Grimm, Ueber Jornandes.
Abh. der Berliner Akademie, 1846 (Kleinere Schriften III, 171-235). Cassel, Magyarische
Alterthümer, 1848, S. 293 bis 310. Stahlberg. Jornandes, Programm der höheren Bürgerschule
zu Mühlheim a. R. 1854. C. Schirren, De ratione, quae inter Jordanem et Cassiodorium
intercedat commentatio, Dorp. 1858; vgl. die Rec. von A. v. Gutschmid. Jahrbücher für
classische Philologie, 1862, S. 124-151. R. Köpke, Deutsche Forschungen, Berl. 1859. Bessell,
Art. Gothen, S. 101-116, recapitulirt die ganze Frage. Waitz, Gött. Nachrichten 1865 N. 4, über
das Verhältniß zum Anon. Cuspiniani. Baehr S. 247-262. Mommsen, Praef. Jord. p. XL-XLIV.
— Cassiodori Opera ed. Garet, Rothomagi 1679. fol. Frammenti di orazioni panegiriche,
raccolti ed illustrati di Carolo Baudi de Vesme, Memorie della Real Acad. delle Scienzie, Serie
II, Vol. VIII; vgl. Reifferscheid, SB. 68, 483, Fragm. d. Lobrede auf K. Theodahat, viell. von
Cassiodor nach Arbois de Jubainville, Bibl. de l'École des chartes, V. 3, 139, vgl. M. Haupt in
Hermes VII, 377. H. Usener, Festschrift zur Philol. Vers. in Wiesbaden 1877 (Anecdoton
Holderi, Excerpt aus der früher unbekannten Schrift C.'s über die Schriftsteller in seiner
Familie); vgl. aber Schepss, im NA. XI. 125-128. F. Rühl. Ein Anecdoton zur Goth. Urgesch. im
Jahrb. f. class. Philol. 1880, S. 549-576 (Barbarischer Auszug aus Cass. über Skythen und
Amazonen).
Das ostgothische Reich, so kurz es dauerte, bildete doch ein sehr
wichtiges Mittelglied zwischen der antiken Welt und dem Mittelalter,
welche sich in ihm auf merkwürdige Weise berühren.
Manso, Geschichte des ostgothischen Reiches in Italien, Breslau 1824. Aschbach, Geschichte der
Westgothen, Frankf. 1827. Waitz, Ueber das Leben und die Lehre des Ulfila, Hannov. 1840, 4.
Bessell, Ueber das Leben des Ulfilas und die Bekehrung der Gothen zum Christenthum, Gött.
1860. Max Müller, Lectures on the Science of Language, 2. ed. 1862, p. 179 ff. Bessell, Art.
Gothen in der Encyklopädie von Ersch und Gruber I, 75. S. 98-242 (1862). Raszmann, Goth.
Sprache und Litteratur, ib. 294-348. Wietersheim, Geschichte der Völkerwanderung, bes. II, 137
ff. Pallmann, Die Geschichte der Völkerwanderung, I, Gotha 1863. II, Weimar 1864. F. Dahn,
Die Könige der Germanen, Abth. II. 1861. Wackernagel, Geschichte der deutschen Litteratur. S.
15-22. Bernhardy, Grundriß der römischen Litteratur, § 60. A. Thorbecke, C. Senator, Progr. d.
Heidelb. Lyceums 1867. Ad. Franz, C. Senator, ein Beitr. z. Gesch. d. theol. Litt. Bresl. 1872.
Teuffel § 475. Ebert S. 498 bis 542. Balzani p. 1-19. Rinaudo p. 25-31. — Ueber Cassiodor und
Jordanis: Papencordt, Geschichte der vandal. Herrschaft in Afrika (1837), S. 383-388.
Freudensprung, De Jornande sive Jordane et libellorum eius natalibus, Monaci 1837. H. v.
Sybel, De fontibus libri Jordanis de origine actuque Getarum, Berol. 1838; Entstehung d. D.
Königthums, 2. Ausg. (1881) S. 134-208. Waitz, GGA. 1839, S. 769-781. Joh. Jordan, Jordanes
Leben und Schriften. Progr. des Gymnasiums zu Ansbach. 1843. J. Grimm, Ueber Jornandes.
Abh. der Berliner Akademie, 1846 (Kleinere Schriften III, 171-235). Cassel, Magyarische
Alterthümer, 1848, S. 293 bis 310. Stahlberg. Jornandes, Programm der höheren Bürgerschule
zu Mühlheim a. R. 1854. C. Schirren, De ratione, quae inter Jordanem et Cassiodorium
intercedat commentatio, Dorp. 1858; vgl. die Rec. von A. v. Gutschmid. Jahrbücher für
classische Philologie, 1862, S. 124-151. R. Köpke, Deutsche Forschungen, Berl. 1859. Bessell,
Art. Gothen, S. 101-116, recapitulirt die ganze Frage. Waitz, Gött. Nachrichten 1865 N. 4, über
das Verhältniß zum Anon. Cuspiniani. Baehr S. 247-262. Mommsen, Praef. Jord. p. XL-XLIV.
— Cassiodori Opera ed. Garet, Rothomagi 1679. fol. Frammenti di orazioni panegiriche,
raccolti ed illustrati di Carolo Baudi de Vesme, Memorie della Real Acad. delle Scienzie, Serie
II, Vol. VIII; vgl. Reifferscheid, SB. 68, 483, Fragm. d. Lobrede auf K. Theodahat, viell. von
Cassiodor nach Arbois de Jubainville, Bibl. de l'École des chartes, V. 3, 139, vgl. M. Haupt in
Hermes VII, 377. H. Usener, Festschrift zur Philol. Vers. in Wiesbaden 1877 (Anecdoton
Holderi, Excerpt aus der früher unbekannten Schrift C.'s über die Schriftsteller in seiner
Familie); vgl. aber Schepss, im NA. XI. 125-128. F. Rühl. Ein Anecdoton zur Goth. Urgesch. im
Jahrb. f. class. Philol. 1880, S. 549-576 (Barbarischer Auszug aus Cass. über Skythen und
Amazonen).
Das ostgothische Reich, so kurz es dauerte, bildete doch ein sehr
wichtiges Mittelglied zwischen der antiken Welt und dem Mittelalter,
welche sich in ihm auf merkwürdige Weise berühren.
Page 102
Der gothische Stamm war einer der begabtesten, bildungsfähigsten
deutschen Stämme. Er allein, nebst den Angelsachsen, hat von Anfang an
auch die Muttersprache ausgebildet, nicht nur in Lied und Gesang, sondern
auch zu wissenschaftlichem Gebrauch; außer Vulfila's Bibelübersetzung
haben sich auch Fragmente einer Evangelienharmonie erhalten. Getrennt
von der herrschenden Kirche, feierten sie den Gottesdienst in ihrer eigenen
Sprache[1], und deren Gebrauch war dadurch bei ihnen, wie später bei den
Slaven, besser gesichert als in der römischen Kirche. Dennoch hätten auch
die Ostgothen, wäre ihrem Reiche längere Dauer beschieden gewesen, sich
der Uebermacht römischer Cultur wohl sicher ebenso wenig zu erwehren
vermocht, wie die Westgothen in Spanien und später die Angelsachsen.
Denn mit der größten Empfänglichkeit wandten die Gothen sich auch
der antiken Bildung zu; Theoderichs Reich ist merkwürdig als ein Versuch,
die neuen Elemente mit den alten zu vereinen und die Herrschaft in den
alten Formen fortzuführen; an seinem Hofe hörte man noch die alten
gothischen Heldenlieder, aber es sammelten sich dort auch die noch übrigen
Träger der alten Bildung; hier entstanden mehrere der Werke, welche die
Elemente der alten Cultur dem Mittelalter überlieferten, aus denen es seine
Kenntniß des Alterthums schöpfte und zugleich den gezierten dunklen Stil
lernte, der damals in den Schulen der Rhetoren und Grammatiker für schön
galt.
Den Schriftstellern des vierten Jahrhunderts, Donat, Macrobius,
Marcianus Capella, reiht sich Priscianus an, Theoderichs Zeitgenosse und
mit Cassiodor bekannt; doch lebte er in Constantinopel. Einer der
Hauptlehrer des Mittelalters aber, dem es zunächst die Kenntniß der
Aristotelischen Philosophie verdankte, war Bo et hius[2], der mit seinem
gelehrten Schwiegervater S ym m achus am Hofe zu Ravenna lebte. Die
Familie der Symmacher, die domni Symmachi, werden uns ganz besonders
genannt unter den Männern, welche in genauer Verbindung mit den Schulen
der Grammatiker und Rhetoren noch einmal das sinkende Heidenthum neu
zu beleben suchten, durch Auffrischung der Mysterien, der Philosophie, und
deutschen Stämme. Er allein, nebst den Angelsachsen, hat von Anfang an
auch die Muttersprache ausgebildet, nicht nur in Lied und Gesang, sondern
auch zu wissenschaftlichem Gebrauch; außer Vulfila's Bibelübersetzung
haben sich auch Fragmente einer Evangelienharmonie erhalten. Getrennt
von der herrschenden Kirche, feierten sie den Gottesdienst in ihrer eigenen
Sprache[1], und deren Gebrauch war dadurch bei ihnen, wie später bei den
Slaven, besser gesichert als in der römischen Kirche. Dennoch hätten auch
die Ostgothen, wäre ihrem Reiche längere Dauer beschieden gewesen, sich
der Uebermacht römischer Cultur wohl sicher ebenso wenig zu erwehren
vermocht, wie die Westgothen in Spanien und später die Angelsachsen.
Denn mit der größten Empfänglichkeit wandten die Gothen sich auch
der antiken Bildung zu; Theoderichs Reich ist merkwürdig als ein Versuch,
die neuen Elemente mit den alten zu vereinen und die Herrschaft in den
alten Formen fortzuführen; an seinem Hofe hörte man noch die alten
gothischen Heldenlieder, aber es sammelten sich dort auch die noch übrigen
Träger der alten Bildung; hier entstanden mehrere der Werke, welche die
Elemente der alten Cultur dem Mittelalter überlieferten, aus denen es seine
Kenntniß des Alterthums schöpfte und zugleich den gezierten dunklen Stil
lernte, der damals in den Schulen der Rhetoren und Grammatiker für schön
galt.
Den Schriftstellern des vierten Jahrhunderts, Donat, Macrobius,
Marcianus Capella, reiht sich Priscianus an, Theoderichs Zeitgenosse und
mit Cassiodor bekannt; doch lebte er in Constantinopel. Einer der
Hauptlehrer des Mittelalters aber, dem es zunächst die Kenntniß der
Aristotelischen Philosophie verdankte, war Bo et hius[2], der mit seinem
gelehrten Schwiegervater S ym m achus am Hofe zu Ravenna lebte. Die
Familie der Symmacher, die domni Symmachi, werden uns ganz besonders
genannt unter den Männern, welche in genauer Verbindung mit den Schulen
der Grammatiker und Rhetoren noch einmal das sinkende Heidenthum neu
zu beleben suchten, durch Auffrischung der Mysterien, der Philosophie, und
Page 103
namentlich auch durch angelegentliche Beschäftigung mit der alten
Litteratur, deren Werke sie durch sorgfältige Verbesserung der
verwahrlosten Handschriften in diejenige Gestalt brachten, in welcher sie
uns jetzt vorliegen[3]. Das Christenthum war nun freilich bereits zum
unbestrittenen Siege durchgedrungen, dennoch aber stehen diese Männer
noch ganz auf dem Boden der alten heidnischen Bildung. Auch C assiodor
gehört dazu; erst in seinem Alter gab er sich immer mehr einer kirchlich
frommen Richtung hin.
Dieselbe Mischung römischer und deutscher, heidnischer und
christlicher Elemente, wie an Theoderichs Hofe, finden wir nun auch in der
geschichtlichen Litteratur, die uns leider nur theilweise erhalten ist. Was es
für eine Bewandtniß mit den gothischen Philosophen habe, mit Athanarit,
Hildebald und Markomir, auf die sich der Ravennatische Geograph beruft,
ob sie existirt haben oder nicht, ist bis jetzt noch dunkel[4]. Auch der von
Jordanis[5] benutzte und gelobte Ab lavi us, der „treffliche
Geschichtschreiber des gothischen Volks“, bleibt in zweifelhaftem Dunkel;
Mommsen vermuthet, daß er an Theoderichs Hofe nicht lange vor
Cassiodor geschrieben und, der gothischen Sprache kundig, ihre
Ueberlieferungen und Lieder mit den Nachrichten des Priscus u. a.
verbunden habe. Er ist geneigt, einen sehr wesentlichen Theil des
Cassiodorischen Werkes ihm zuzuschreiben, aber Schirren hat sich mit
guten Gründen von neuem sehr nachdrücklich dagegen erklärt. Der Name
ist in jener Zeit häufig und lautet correct A blab i us, doch folge ich lieber
der damals üblichen, durch Jordanis bezeugten Aussprache.
Der rechte Repräsentant dieses Uebergangsreiches ist Magnus Aurelius
C assi od or iu s [ 6 ] S enator, ein vornehmer Römer von angesehener
Familie, aus Bruttien, vielleicht aus Squillace gebürtig. Dem Beispiele
seines Vaters folgend, stellte er sich der Herrschaft der Barbaren nicht
feindselig oder schmollend gegenüber, sondern war als Staatsmann und als
Gelehrter aufrichtig und unablässig bemüht, die widerstrebenden Elemente
friedlich zu verbinden und auszugleichen; als Minister Theoderichs und
Litteratur, deren Werke sie durch sorgfältige Verbesserung der
verwahrlosten Handschriften in diejenige Gestalt brachten, in welcher sie
uns jetzt vorliegen[3]. Das Christenthum war nun freilich bereits zum
unbestrittenen Siege durchgedrungen, dennoch aber stehen diese Männer
noch ganz auf dem Boden der alten heidnischen Bildung. Auch C assiodor
gehört dazu; erst in seinem Alter gab er sich immer mehr einer kirchlich
frommen Richtung hin.
Dieselbe Mischung römischer und deutscher, heidnischer und
christlicher Elemente, wie an Theoderichs Hofe, finden wir nun auch in der
geschichtlichen Litteratur, die uns leider nur theilweise erhalten ist. Was es
für eine Bewandtniß mit den gothischen Philosophen habe, mit Athanarit,
Hildebald und Markomir, auf die sich der Ravennatische Geograph beruft,
ob sie existirt haben oder nicht, ist bis jetzt noch dunkel[4]. Auch der von
Jordanis[5] benutzte und gelobte Ab lavi us, der „treffliche
Geschichtschreiber des gothischen Volks“, bleibt in zweifelhaftem Dunkel;
Mommsen vermuthet, daß er an Theoderichs Hofe nicht lange vor
Cassiodor geschrieben und, der gothischen Sprache kundig, ihre
Ueberlieferungen und Lieder mit den Nachrichten des Priscus u. a.
verbunden habe. Er ist geneigt, einen sehr wesentlichen Theil des
Cassiodorischen Werkes ihm zuzuschreiben, aber Schirren hat sich mit
guten Gründen von neuem sehr nachdrücklich dagegen erklärt. Der Name
ist in jener Zeit häufig und lautet correct A blab i us, doch folge ich lieber
der damals üblichen, durch Jordanis bezeugten Aussprache.
Der rechte Repräsentant dieses Uebergangsreiches ist Magnus Aurelius
C assi od or iu s [ 6 ] S enator, ein vornehmer Römer von angesehener
Familie, aus Bruttien, vielleicht aus Squillace gebürtig. Dem Beispiele
seines Vaters folgend, stellte er sich der Herrschaft der Barbaren nicht
feindselig oder schmollend gegenüber, sondern war als Staatsmann und als
Gelehrter aufrichtig und unablässig bemüht, die widerstrebenden Elemente
friedlich zu verbinden und auszugleichen; als Minister Theoderichs und
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seiner Nachfolger suchte er die Regierung in den alten Formen
fortzuführen, und als Geschichtschreiber verkündete er den erstaunten
Römern, daß das Volk der Gothen und das Königsgeschlecht der Amaler
ihnen an Alter und Adel, ja sogar an uralter Cultur mindestens ebenbürtig
sei.
Schon die C hr oni k Cassiodors[7] dient der Verherrlichung
Theoderichs und seines Eidams Eutharich, dem sie in seinem
Consulatsjahre überreicht wurde; der Schwall der Lobrede belebt 496 bis
519 das dürftig und ungeschickt zusammengestoppelte chronologische
Gerippe, dessen Mangelhaftigkeit und willkürlich leichtsinniges Machwerk
Th. Mommsen schonungslos aufgedeckt hat. Auch die wenigen früheren
historischen Notizen zur Consulartafel, die er aus Hieronymus, Prosper,
Eutrop, von 456-493 aus den Ravennater Fasten schöpfte[8], hat er in
gothischem Interesse verändert[9]. Von weit größerem Werth, fleißiger
gearbeitet und der schulmäßigen Gelehrsamkeit jener Zeit entsprechend
waren Cassiodors zwölf Bücher Go thisch er Geschi chten, ein früh
verlorenes Werk, über welches jedoch der Auszug des Jordanis ein Urtheil
gestattet, denn nach den Untersuchungen von Schirren und Koepke kann
man es jetzt wohl als festgestellte Thatsache betrachten, wie es denn auch
von Mommsen angenommen ist, daß der ganze wesentliche Inhalt dieses
Werkes mit Einschluß des gelehrten Apparats von Cassiodor herrührt[10].
Außerdem finden sich in der Sammlung seiner Briefe mehrere
Aeußerungen, welche sich auf sein Geschichtswerk beziehen; so legt er
gleich in der Vorrede einem Freunde die Worte in den Mund[11]: „Du hast in
zwölf Büchern die Geschichte der Gothen in einer Blüthenlese ihrer
glücklichen Thaten niedergelegt“. Varr. XII, 20 wird eine Stelle über die
Einnahme Roms durch Alarich daraus angeführt, welche beweist, daß auch
die Geschichte der Westgothen darin behandelt war.
Wichtiger aber und lehrreicher sind die Worte des Königs Athalarich in
dem Schreiben (Varr. IX, 25), durch welches er dem römischen Senat
Cassiodors Erhebung zum Praefectus praetorio für das Jahr 534 anzeigt.
fortzuführen, und als Geschichtschreiber verkündete er den erstaunten
Römern, daß das Volk der Gothen und das Königsgeschlecht der Amaler
ihnen an Alter und Adel, ja sogar an uralter Cultur mindestens ebenbürtig
sei.
Schon die C hr oni k Cassiodors[7] dient der Verherrlichung
Theoderichs und seines Eidams Eutharich, dem sie in seinem
Consulatsjahre überreicht wurde; der Schwall der Lobrede belebt 496 bis
519 das dürftig und ungeschickt zusammengestoppelte chronologische
Gerippe, dessen Mangelhaftigkeit und willkürlich leichtsinniges Machwerk
Th. Mommsen schonungslos aufgedeckt hat. Auch die wenigen früheren
historischen Notizen zur Consulartafel, die er aus Hieronymus, Prosper,
Eutrop, von 456-493 aus den Ravennater Fasten schöpfte[8], hat er in
gothischem Interesse verändert[9]. Von weit größerem Werth, fleißiger
gearbeitet und der schulmäßigen Gelehrsamkeit jener Zeit entsprechend
waren Cassiodors zwölf Bücher Go thisch er Geschi chten, ein früh
verlorenes Werk, über welches jedoch der Auszug des Jordanis ein Urtheil
gestattet, denn nach den Untersuchungen von Schirren und Koepke kann
man es jetzt wohl als festgestellte Thatsache betrachten, wie es denn auch
von Mommsen angenommen ist, daß der ganze wesentliche Inhalt dieses
Werkes mit Einschluß des gelehrten Apparats von Cassiodor herrührt[10].
Außerdem finden sich in der Sammlung seiner Briefe mehrere
Aeußerungen, welche sich auf sein Geschichtswerk beziehen; so legt er
gleich in der Vorrede einem Freunde die Worte in den Mund[11]: „Du hast in
zwölf Büchern die Geschichte der Gothen in einer Blüthenlese ihrer
glücklichen Thaten niedergelegt“. Varr. XII, 20 wird eine Stelle über die
Einnahme Roms durch Alarich daraus angeführt, welche beweist, daß auch
die Geschichte der Westgothen darin behandelt war.
Wichtiger aber und lehrreicher sind die Worte des Königs Athalarich in
dem Schreiben (Varr. IX, 25), durch welches er dem römischen Senat
Cassiodors Erhebung zum Praefectus praetorio für das Jahr 534 anzeigt.
Page 105
Nicht damit habe er sich begnügt, heißt es da, die lebenden Herren zu
loben: „auch in das Alterthum Unseres Geschlechtes ist er hinaufgestiegen
und hat durch Lesen erkundet, was kaum noch in dem Gedächtniß unserer
Altvorderen haftete. Er hat die Könige der Gothen, welche lange
Vergessenheit barg, aus den Schlupfwinkeln der Urzeit hervorgezogen. Er
hat die Amaler mit dem vollen Ruhm ihrer Herkunft wieder ans Licht
gestellt, indem er klärlich nachwies, daß Wir bis in die siebenzehnte
Generation von königlichem Stamme sind. Er hat die Herkunft der Gothen
zu einer römischen Geschichte gemacht, und die Blüthenkeime, welche bis
dahin auf den Gefilden der Bücher hier und dort zerstreut waren, in einen
einzigen Kranz gesammelt[12]. Bedenkt, welche Liebe zu euch er durch
Unser Lob bewiesen hat, da er nachwies, daß eueres Herrschers Stamm von
Uranfang her wunderbar gewesen ist, so daß, wie ihr von eueren Vorfahren
her immer für edeler Art gegolten habt, so nun auch ein altes Königshaus
über euch die Herrschaft führt[13].“ Und weiterhin wird Cassiodor gerühmt,
weil er gleich den Anfang von Athalarichs Herrschaft gleichmäßig mit den
Waffen und mit gelehrter Thätigkeit (litteris) gefördert habe; von der tiefen
Ruhe litterarischer Beschäftigung aufgescheucht[14], habe er ohne Zaudern
zu den Waffen gegriffen.
Cassiodor selbst ist es, der diesen Brief verfaßt hat, und klar genug hat
er darin Zweck und Absicht seines Werkes ausgesprochen. Der übergroße
Abstand zwischen dem kräftigen, aber noch den Römern als barbarisch
geltenden Gothenvolke und den auf ihre Geschichte und Bildung stolzen
Römern sollte ausgeglichen werden, das war der leitende Gedanke in
Cassiodors ganzer Thätigkeit. Dazu mußte ihm nun auch seine
Gelehrsamkeit dienen; daß Gothen und Geten dasselbe Volk wären, war
eine längst geläufige Annahme[15], aber noch hatte niemand es versucht,
den Zusammenhang nachzuweisen. Cassiodor that es und zwar, wie jetzt
durch das von Holder entdeckte Fragment bekannt geworden ist, im Auftrag
des Königs Theoderich, doch erst nach dem Tode desselben gelang ihm die
Vollendung[16]. Er verflocht zu diesem Zwecke, was er über die Gothen
wußte und bei Ablavius las, mit dem, was er bei Römern und Griechen über
loben: „auch in das Alterthum Unseres Geschlechtes ist er hinaufgestiegen
und hat durch Lesen erkundet, was kaum noch in dem Gedächtniß unserer
Altvorderen haftete. Er hat die Könige der Gothen, welche lange
Vergessenheit barg, aus den Schlupfwinkeln der Urzeit hervorgezogen. Er
hat die Amaler mit dem vollen Ruhm ihrer Herkunft wieder ans Licht
gestellt, indem er klärlich nachwies, daß Wir bis in die siebenzehnte
Generation von königlichem Stamme sind. Er hat die Herkunft der Gothen
zu einer römischen Geschichte gemacht, und die Blüthenkeime, welche bis
dahin auf den Gefilden der Bücher hier und dort zerstreut waren, in einen
einzigen Kranz gesammelt[12]. Bedenkt, welche Liebe zu euch er durch
Unser Lob bewiesen hat, da er nachwies, daß eueres Herrschers Stamm von
Uranfang her wunderbar gewesen ist, so daß, wie ihr von eueren Vorfahren
her immer für edeler Art gegolten habt, so nun auch ein altes Königshaus
über euch die Herrschaft führt[13].“ Und weiterhin wird Cassiodor gerühmt,
weil er gleich den Anfang von Athalarichs Herrschaft gleichmäßig mit den
Waffen und mit gelehrter Thätigkeit (litteris) gefördert habe; von der tiefen
Ruhe litterarischer Beschäftigung aufgescheucht[14], habe er ohne Zaudern
zu den Waffen gegriffen.
Cassiodor selbst ist es, der diesen Brief verfaßt hat, und klar genug hat
er darin Zweck und Absicht seines Werkes ausgesprochen. Der übergroße
Abstand zwischen dem kräftigen, aber noch den Römern als barbarisch
geltenden Gothenvolke und den auf ihre Geschichte und Bildung stolzen
Römern sollte ausgeglichen werden, das war der leitende Gedanke in
Cassiodors ganzer Thätigkeit. Dazu mußte ihm nun auch seine
Gelehrsamkeit dienen; daß Gothen und Geten dasselbe Volk wären, war
eine längst geläufige Annahme[15], aber noch hatte niemand es versucht,
den Zusammenhang nachzuweisen. Cassiodor that es und zwar, wie jetzt
durch das von Holder entdeckte Fragment bekannt geworden ist, im Auftrag
des Königs Theoderich, doch erst nach dem Tode desselben gelang ihm die
Vollendung[16]. Er verflocht zu diesem Zwecke, was er über die Gothen
wußte und bei Ablavius las, mit dem, was er bei Römern und Griechen über
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die Geten vorfand, und da diese wie jene von den Griechen häufig Skythen
genannt wurden, zog er auch die ganze Urgeschichte der Skythen heran,
und machte sogar die Amazonen ohne Bedenken zu gothischen Weibern. So
erschienen die Amaler, deren Glanz die gothische Sage verkündete, nun als
unmittelbare Nachfolger des Zamolxis und Sitalkes, und die Römer konnten
darin einen Trost finden für die Bitterkeit der fremden Herrschaft[17]. Es
war das ein Gedanke, der wohl Anerkennung verdient, wenn auch der
Zweck unerreicht blieb, die Grundlage irrig war, wenn auch zur
Verherrlichung der Amaler er ihren Stammbaum selbst mit freier Dichtung
über alle Gebühr verherrlicht haben mag[18].
Als Cassiodor oder Senator, denn das war sein eigentlicher Name, alle
seine Bestrebungen vereitelt sah, als das Gothenreich dem Angriff der
Mächte, mit welchen er es hatte aussöhnen wollen, unterlag, da zog er sich,
vermuthlich nach Vitigis Sturz (um 540) von der Welt zurück und gründete
ein Kloster (monasterium Vivariense) in Bruttien, wo er das Ende seines
Lebens in stiller Beschaulichkeit und schriftstellerischer Thätigkeit als
hochbetagter Greis erwartete. Hier ließ er unter seiner Aufsicht die im
Mittelalter vielgelesene Kirchengeschichte[19] zusammenstellen und
übersetzen; hier schrieb er in seinem 93. Jahre eine Abhandlung über die
Orthographie, zum Frommen seiner Mönche, denen er die Vervielfältigung
der Bücher durch Abschriften ganz besonders zur Pflicht machte. Er zuerst
hat die wissenschaftliche Arbeit grundsätzlich in die Klöster eingeführt und
dadurch einen weitreichenden segensreichen Anstoß gegeben[20]. Ist er, wie
Thorbecke annimmt, erst um 570 gestorben, so erlebte er noch die neue
Verwüstung Italiens durch die Langobarden, sah er, wie die blutigen
Lorbern Justinians fruchtlos hinwelkten.
Von vorzüglichem Werthe für uns sind unter seinen erhaltenen
Werken[21] die 538 verfaßten zwölf Bücher seiner Br i ef e (Variae), in
welchen er die Kanzleiformen der Zeit und viele auch durch ihren Inhalt
wichtige Briefe aus der königlichen Kanzlei der Gothen aufbewahrt hat.
Das Zureden seiner Freunde, sagt er in der Vorrede, habe ihn zu dieser
genannt wurden, zog er auch die ganze Urgeschichte der Skythen heran,
und machte sogar die Amazonen ohne Bedenken zu gothischen Weibern. So
erschienen die Amaler, deren Glanz die gothische Sage verkündete, nun als
unmittelbare Nachfolger des Zamolxis und Sitalkes, und die Römer konnten
darin einen Trost finden für die Bitterkeit der fremden Herrschaft[17]. Es
war das ein Gedanke, der wohl Anerkennung verdient, wenn auch der
Zweck unerreicht blieb, die Grundlage irrig war, wenn auch zur
Verherrlichung der Amaler er ihren Stammbaum selbst mit freier Dichtung
über alle Gebühr verherrlicht haben mag[18].
Als Cassiodor oder Senator, denn das war sein eigentlicher Name, alle
seine Bestrebungen vereitelt sah, als das Gothenreich dem Angriff der
Mächte, mit welchen er es hatte aussöhnen wollen, unterlag, da zog er sich,
vermuthlich nach Vitigis Sturz (um 540) von der Welt zurück und gründete
ein Kloster (monasterium Vivariense) in Bruttien, wo er das Ende seines
Lebens in stiller Beschaulichkeit und schriftstellerischer Thätigkeit als
hochbetagter Greis erwartete. Hier ließ er unter seiner Aufsicht die im
Mittelalter vielgelesene Kirchengeschichte[19] zusammenstellen und
übersetzen; hier schrieb er in seinem 93. Jahre eine Abhandlung über die
Orthographie, zum Frommen seiner Mönche, denen er die Vervielfältigung
der Bücher durch Abschriften ganz besonders zur Pflicht machte. Er zuerst
hat die wissenschaftliche Arbeit grundsätzlich in die Klöster eingeführt und
dadurch einen weitreichenden segensreichen Anstoß gegeben[20]. Ist er, wie
Thorbecke annimmt, erst um 570 gestorben, so erlebte er noch die neue
Verwüstung Italiens durch die Langobarden, sah er, wie die blutigen
Lorbern Justinians fruchtlos hinwelkten.
Von vorzüglichem Werthe für uns sind unter seinen erhaltenen
Werken[21] die 538 verfaßten zwölf Bücher seiner Br i ef e (Variae), in
welchen er die Kanzleiformen der Zeit und viele auch durch ihren Inhalt
wichtige Briefe aus der königlichen Kanzlei der Gothen aufbewahrt hat.
Das Zureden seiner Freunde, sagt er in der Vorrede, habe ihn zu dieser
Page 107
Sammlung veranlaßt, welche einen Vorrath fertiger Formeln darbieten und
zugleich zur Bildung junger Staatsmänner dienen sollte, während sie auch
das Andenken der von ihm gelobten trefflichen Männer der Nachwelt
erhalte. Alles habe er hier vereinigt, was er aus der Zeit seiner Quästur,
seines Magisteriums und seiner Präfectur in den öffentlichen Actenstücken
von ihm herrührend habe finden können. Doch nicht selten sei es ihm
begegnet, daß er wegen übergroßer Eile bei der Ertheilung von Würden und
Ehren hastige und schmucklose Schreiben erlassen habe: davor wolle er
nun andere bewahren, und deshalb habe er die, im sechsten und siebenten
Buche enthaltenen Formulare für die Verleihung aller Würden nun mit
Sorgfalt überarbeitet[22]. Denn reden können wir alle ohne Unterschied; nur
der Schmuck ist es welcher den Gelehrten vom Ungelehrten
unterscheidet[23].
Das war der Grundsatz und die Richtschnur der damaligen Schulen,
und demgemäß hat denn auch Cassiodor den oft geringfügigen Inhalt seiner
Briefe unter einem solchen Wortschwall und so vielem Zierrath der
gesuchtesten Phrasen verborgen, daß es häufig nicht leicht ist, ihn
herauszufinden.
Im höchsten Grade trifft dieser Vorwurf auch die Schriften des
E nn odi us, Bischofs von P avi a[24], unter denen besonders sein
Panegyricus auf Theoderich geschichtlich wichtig ist[25].
[1] Papencordt, Geschichte der vandalischen Herrschaft in Afrika, S. 295.
[2] So nach der Etymologie, während die handschriftliche Autorität mehr für
B o e t i u s spricht.
[3] O. Jahn: Ueber die Subscriptionen in den Handschriften römischer Classiker.
Berichte über die Verhandlungen der königl. Sächs. Ges. der W. Phil. hist. Classe, III,
327. 1851.
[4] Th. Mommsen, Ueber die Ravennatische Kosmographie, SB. der k. Sächs. Ges.
der W. Phil. hist. Classe, III, 80-117, 1851. Bock, Lettre à Mr. Bethmann, Annuaire
de la Bibl. Royale de Belgique, Vol. XII. 1851. Rec. von Waitz, GGA. 1851, N. 121.
Ravennatis Anonymi Cosmographia et Guidonis Geographia. Ex libris manuscriptis
edd. M. Pinder et G. Parthey, Berol. 1860. — G u i d o P i s a n u s excerpirte das ältere
zugleich zur Bildung junger Staatsmänner dienen sollte, während sie auch
das Andenken der von ihm gelobten trefflichen Männer der Nachwelt
erhalte. Alles habe er hier vereinigt, was er aus der Zeit seiner Quästur,
seines Magisteriums und seiner Präfectur in den öffentlichen Actenstücken
von ihm herrührend habe finden können. Doch nicht selten sei es ihm
begegnet, daß er wegen übergroßer Eile bei der Ertheilung von Würden und
Ehren hastige und schmucklose Schreiben erlassen habe: davor wolle er
nun andere bewahren, und deshalb habe er die, im sechsten und siebenten
Buche enthaltenen Formulare für die Verleihung aller Würden nun mit
Sorgfalt überarbeitet[22]. Denn reden können wir alle ohne Unterschied; nur
der Schmuck ist es welcher den Gelehrten vom Ungelehrten
unterscheidet[23].
Das war der Grundsatz und die Richtschnur der damaligen Schulen,
und demgemäß hat denn auch Cassiodor den oft geringfügigen Inhalt seiner
Briefe unter einem solchen Wortschwall und so vielem Zierrath der
gesuchtesten Phrasen verborgen, daß es häufig nicht leicht ist, ihn
herauszufinden.
Im höchsten Grade trifft dieser Vorwurf auch die Schriften des
E nn odi us, Bischofs von P avi a[24], unter denen besonders sein
Panegyricus auf Theoderich geschichtlich wichtig ist[25].
[1] Papencordt, Geschichte der vandalischen Herrschaft in Afrika, S. 295.
[2] So nach der Etymologie, während die handschriftliche Autorität mehr für
B o e t i u s spricht.
[3] O. Jahn: Ueber die Subscriptionen in den Handschriften römischer Classiker.
Berichte über die Verhandlungen der königl. Sächs. Ges. der W. Phil. hist. Classe, III,
327. 1851.
[4] Th. Mommsen, Ueber die Ravennatische Kosmographie, SB. der k. Sächs. Ges.
der W. Phil. hist. Classe, III, 80-117, 1851. Bock, Lettre à Mr. Bethmann, Annuaire
de la Bibl. Royale de Belgique, Vol. XII. 1851. Rec. von Waitz, GGA. 1851, N. 121.
Ravennatis Anonymi Cosmographia et Guidonis Geographia. Ex libris manuscriptis
edd. M. Pinder et G. Parthey, Berol. 1860. — G u i d o P i s a n u s excerpirte das ältere
Page 108
Werk des siebenten Jahrhunderts um 1119. Während Mommsen und de Rossi
(Giornale Arcadico CXXIV p. 259-281, 1851) sammt vielen anderen seiner
Autoritäten auch die gothischen Philosophen für erfunden halten, sehen Bock und
Pallmann I, 9-12. II, 139, in ihnen Zeitgenossen Theoderichs.
[5] De orig. Gett. c. 4. 14. 23. Vgl. Sybel, De fontibus Jord. p. 34-37. Schirren S. 36-
44. Koepke S. 80. Gutschmid S. 129, 130. Sybel, Königthum, S. 193. Mommsen,
Praef. Jord. p. XXXVII. — Daß um 1200 jemand Blavius de gestis Gothorum aus der
Bibliothek des Klosters Tegernsee verlangte (Pez, Thes. VI, 2, 53), erklärt sich wohl
einfach aus der Lectüre des Jordanis. Die Meinung von P. Buchholz, daß Flavius
Blondus den A. gekannt habe, widerlegt Mommsen.
[6] Diese Form wird man nach dem Veroneser Cod. saec. VII. der Complexiones
vorziehen müssen, mit Maffei und Reifferscheid, SB. XLIX, 49. Auch Mommsen
braucht sie (doch jetzt nicht mehr), während F. Rühl, Jahrb. f. Philol. 1880, S. 564,
sich dagegen erklärt.
[7] Die Chronik des Cassiodorus Senator vom Jahre 519. Nach den Handschriften
herausgegeben von Th. Mommsen. Abhandl. der königl. Sächs. Ges. der Wiss. VIII.
1861. — Zugesetzt sind die Consuln 520-559. Benutzt ist die Chronik nur von
Hermanus Contractus aus der Reichenauer, von Marian und den Ann. S. Dysibodi aus
der Mainzer Handschrift.
[8] Holder-Egger, NA. I, 247-250.
[9] Vgl. Thorbecke S. 43. Ueber ein ähnliches Verfahren in der Gothengeschichte s.
G. Kaufmann, Forschungen VI, 464.
[10] Auch H. v. Sybel, der in seiner Abhandlung die entgegengesetzte Ansicht
durchgeführt hatte, gab 1858 in der Hist. Zeitschr. II, 515 die Wahrscheinlichkeit der
Beweisführung von Schirren und Koepke zu. Ihm folgt darin auch Bessell. Nur die
Benutzung des Orosius hält Mommsen für Eigenthum des Jordanis, während er auf
die von H. v. Sybel (Königth. S. 193) aufgestellte Behauptung, daß J. selbst die Reihe
der Gothenkönige aus Ammian ergänzt habe, nicht Rücksicht nimmt. — Nach F.
Rühl kannte auch Aethicus das Werk Cassiodors.
[11] „XII libris Gothorum historiam defloratis prosperitatibus condidisti.“ Bessells
Deutung (Forschungen I, 639-643) „mit auserlesenem Glück geschrieben“, scheint
mir unhaltbar, trotz Thorbecke's Zustimmung.
[12] Gutschmid S. 140 bemerkt, daß Cassiodor in diesen Worten Justins Vorrede
nachgeahmt zu haben scheine.
[13] Tetendit se etiam in antiquam prosapiam nostram, lectione discens quod vix
majorum notitia cana retinebat. Iste reges Gothorum longa oblivione celatos latibulo
vetustatis eduxit. Iste Amalos cum generis sui claritate restituit, evidenter ostendens
in decimam septimam progeniem stirpem nos habere regalem. Originem Gothicam
historiam fecit esse Romanam, colligens quasi in unam coronam germen floridum,
quod per librorum campos passim fuerat ante dispersum. Perpendite quantum vos in
nostra laude dilexerit, qui vestri Principis nationem docuit ab antiquitate mirabilem,
ut sicut fuistis a majoribus vestris semper nobiles aestimati, ita vobis regum (so statt
rerum zu schreiben, scheint mir mit Gutschmid selbstverständlich) antiqua progenies
imperaret.
[14] A litterarum penetralibus ejectus. Bessell S. 115 bemerkt richtig, daß damit seine
Thätigkeit in der k. Kanzlei nicht wohl bezeichnet sein kann.
[15] S. Schirren S. 54. Koepke S. 209. Die von J. Grimm vertheidigte Identität kann
als antiquirt betrachtet werden; ich begnüge mich, auf die Anm. v. Waitz zu
verweisen, Verfassungsgesch. II, S. XIII, 2. u. 3. Ausg. I, S. 5.
(Giornale Arcadico CXXIV p. 259-281, 1851) sammt vielen anderen seiner
Autoritäten auch die gothischen Philosophen für erfunden halten, sehen Bock und
Pallmann I, 9-12. II, 139, in ihnen Zeitgenossen Theoderichs.
[5] De orig. Gett. c. 4. 14. 23. Vgl. Sybel, De fontibus Jord. p. 34-37. Schirren S. 36-
44. Koepke S. 80. Gutschmid S. 129, 130. Sybel, Königthum, S. 193. Mommsen,
Praef. Jord. p. XXXVII. — Daß um 1200 jemand Blavius de gestis Gothorum aus der
Bibliothek des Klosters Tegernsee verlangte (Pez, Thes. VI, 2, 53), erklärt sich wohl
einfach aus der Lectüre des Jordanis. Die Meinung von P. Buchholz, daß Flavius
Blondus den A. gekannt habe, widerlegt Mommsen.
[6] Diese Form wird man nach dem Veroneser Cod. saec. VII. der Complexiones
vorziehen müssen, mit Maffei und Reifferscheid, SB. XLIX, 49. Auch Mommsen
braucht sie (doch jetzt nicht mehr), während F. Rühl, Jahrb. f. Philol. 1880, S. 564,
sich dagegen erklärt.
[7] Die Chronik des Cassiodorus Senator vom Jahre 519. Nach den Handschriften
herausgegeben von Th. Mommsen. Abhandl. der königl. Sächs. Ges. der Wiss. VIII.
1861. — Zugesetzt sind die Consuln 520-559. Benutzt ist die Chronik nur von
Hermanus Contractus aus der Reichenauer, von Marian und den Ann. S. Dysibodi aus
der Mainzer Handschrift.
[8] Holder-Egger, NA. I, 247-250.
[9] Vgl. Thorbecke S. 43. Ueber ein ähnliches Verfahren in der Gothengeschichte s.
G. Kaufmann, Forschungen VI, 464.
[10] Auch H. v. Sybel, der in seiner Abhandlung die entgegengesetzte Ansicht
durchgeführt hatte, gab 1858 in der Hist. Zeitschr. II, 515 die Wahrscheinlichkeit der
Beweisführung von Schirren und Koepke zu. Ihm folgt darin auch Bessell. Nur die
Benutzung des Orosius hält Mommsen für Eigenthum des Jordanis, während er auf
die von H. v. Sybel (Königth. S. 193) aufgestellte Behauptung, daß J. selbst die Reihe
der Gothenkönige aus Ammian ergänzt habe, nicht Rücksicht nimmt. — Nach F.
Rühl kannte auch Aethicus das Werk Cassiodors.
[11] „XII libris Gothorum historiam defloratis prosperitatibus condidisti.“ Bessells
Deutung (Forschungen I, 639-643) „mit auserlesenem Glück geschrieben“, scheint
mir unhaltbar, trotz Thorbecke's Zustimmung.
[12] Gutschmid S. 140 bemerkt, daß Cassiodor in diesen Worten Justins Vorrede
nachgeahmt zu haben scheine.
[13] Tetendit se etiam in antiquam prosapiam nostram, lectione discens quod vix
majorum notitia cana retinebat. Iste reges Gothorum longa oblivione celatos latibulo
vetustatis eduxit. Iste Amalos cum generis sui claritate restituit, evidenter ostendens
in decimam septimam progeniem stirpem nos habere regalem. Originem Gothicam
historiam fecit esse Romanam, colligens quasi in unam coronam germen floridum,
quod per librorum campos passim fuerat ante dispersum. Perpendite quantum vos in
nostra laude dilexerit, qui vestri Principis nationem docuit ab antiquitate mirabilem,
ut sicut fuistis a majoribus vestris semper nobiles aestimati, ita vobis regum (so statt
rerum zu schreiben, scheint mir mit Gutschmid selbstverständlich) antiqua progenies
imperaret.
[14] A litterarum penetralibus ejectus. Bessell S. 115 bemerkt richtig, daß damit seine
Thätigkeit in der k. Kanzlei nicht wohl bezeichnet sein kann.
[15] S. Schirren S. 54. Koepke S. 209. Die von J. Grimm vertheidigte Identität kann
als antiquirt betrachtet werden; ich begnüge mich, auf die Anm. v. Waitz zu
verweisen, Verfassungsgesch. II, S. XIII, 2. u. 3. Ausg. I, S. 5.
Page 109
[16] Mommsen, Praef. Jord. p. XLI.
[17] Diesen Gedanken hat R. Koepke lichtvoll entwickelt, Forsch. S. 89 ff. Die Art
der Verknüpfung, das chronologische System von Cassiodors Gothengeschichte weist
Gutschmid S. 141 ff. nach, nachdem er S. 133-140 den Stammbaum der Amaler
behandelt hat. Er hält mit Schirren den Eutharich für keinen wirklichen Amaler und
sieht in dessen Stammbaum einen Hauptzweck des Werkes; aber weshalb wurde dann
Eutharich aus Spanien geholt, wenn nicht, weil er ein Amaler war? Dafür auch
Thorb. S. 18-20. — Waitz, Nachrichten 1865 S. 101 vermuthet, daß Cassiodors
Geschichte sich auf Theoderichs Regierung nicht erstreckte. Ihm stimmt Thorb. S. 45
bei.
[18] Das hat vorzüglich H. v. Sybel nachgewiesen und eben deshalb angenommen,
daß die nicht als Amaler bezeichneten Gothenkönige erst von Jordanis eingeschoben
sind.
[19] Die Historia tripartita, durch Epiphanius. Ueber dieses sehr mangelhafte Werk
s. Ad. Franz S. 104-120.
[20] Thorb. S. 29-31. Sehr ausführlich Franz S. 35 ff.
[21] Sehr lehrreich sind auch seine Institutiones divinarum et saecularium litterarum.
Ueber die verschiedenen Texte des zweiten Buches s. Laubmann in d. Münch. SB.
1878, II, S. 71-96.
[22] Diese bestimmte Angabe macht es bedenklich, Schirrens Vermuthung zu folgen,
der auch in den übrigen Büchern eine bedeutende Ueberarbeitung, zum Theil neue
Abfassung annimmt. Er hätte ja das nicht nöthig gehabt zu verschweigen.
[23] „Dictio semper agrestis est, quae aut sensibus electis per moram non comitur aut
verborum minime proprietatibus explicatur. Loqui nobis communiter datum est: solus
ornatus est qui discernit indoctos.“ Die Erlasse in seinem eigenen Namen, als Präfect,
aus den Jahren 534, 535, 537, 538 finden sich im elften und zwölften Buche; in den
früheren schreibt er im Namen des Königs. Vgl. über die Variae Thorb. S. 50-60.
Horst Kohl, Zehn Jahre ostgoth. Gesch. (526-536), Leipzig 1877. Hasenstab, Studien
zur Variensammlung des C. S. Progr. d. Max. Gymn. zu München 1883. Tanzi,
Cronologia dei libri Var., Triest 1887. Ueber eine Abh. v. Gaudenzi s. Mommsen,
NA. XIV, 437.
[24] Ennodii Opera ed. Sirmond, Paris 1611. Hartel im Wiener Corpus VI, 1882. Rec.
v. Krusch, HZ. LI, 100-102. MG. Auctt. antt. VII von Fr. Vogel 1885. Fertig, Magnus
Felix Ennodius und seine Zeit. 1. Abth. Passau 1855, 4. Pallmann II, 190-192. Ebert
432-440. Rinaudo p. 19-24. Zur Chronologie Hasenstab, Progr. d. Münch.
Luitpoldgymn. 1889/90. Tanzi, s. NA. XV, 425. Auf die Bedeutung seiner Vita
Epiphanii ed. Ticin. weist Binding hin: Das Burgundisch-roman. Kgr. I, 97. Seine
Briefe sind culturgeschichtlich wichtig. — Ueber die schon früh sagenhaft entstellte
Geschichte Theoderichs, aus welcher geschichtliche Thatsachen nicht zu entnehmen
sind, findet sich eine sorgfältige, auf Untersuchung der Handschriften begründete
Abhandlung bei A. Thorbecke: Ueber Gesta Theoderici, Herbstprogr. des Heidelb.
Gymn. 1875. Ausg. v. Krusch, SS. Meroving. II, 200-214.
[25] Dafür H. v. Schubert: Die Unterwerfung der Alamannen (Strassb. 1874) S. 67-
89. Er wurde nach Cipolla dem König schriftlich zugesandt; s. darüber NA. IX, 244.
XII, 205.
[17] Diesen Gedanken hat R. Koepke lichtvoll entwickelt, Forsch. S. 89 ff. Die Art
der Verknüpfung, das chronologische System von Cassiodors Gothengeschichte weist
Gutschmid S. 141 ff. nach, nachdem er S. 133-140 den Stammbaum der Amaler
behandelt hat. Er hält mit Schirren den Eutharich für keinen wirklichen Amaler und
sieht in dessen Stammbaum einen Hauptzweck des Werkes; aber weshalb wurde dann
Eutharich aus Spanien geholt, wenn nicht, weil er ein Amaler war? Dafür auch
Thorb. S. 18-20. — Waitz, Nachrichten 1865 S. 101 vermuthet, daß Cassiodors
Geschichte sich auf Theoderichs Regierung nicht erstreckte. Ihm stimmt Thorb. S. 45
bei.
[18] Das hat vorzüglich H. v. Sybel nachgewiesen und eben deshalb angenommen,
daß die nicht als Amaler bezeichneten Gothenkönige erst von Jordanis eingeschoben
sind.
[19] Die Historia tripartita, durch Epiphanius. Ueber dieses sehr mangelhafte Werk
s. Ad. Franz S. 104-120.
[20] Thorb. S. 29-31. Sehr ausführlich Franz S. 35 ff.
[21] Sehr lehrreich sind auch seine Institutiones divinarum et saecularium litterarum.
Ueber die verschiedenen Texte des zweiten Buches s. Laubmann in d. Münch. SB.
1878, II, S. 71-96.
[22] Diese bestimmte Angabe macht es bedenklich, Schirrens Vermuthung zu folgen,
der auch in den übrigen Büchern eine bedeutende Ueberarbeitung, zum Theil neue
Abfassung annimmt. Er hätte ja das nicht nöthig gehabt zu verschweigen.
[23] „Dictio semper agrestis est, quae aut sensibus electis per moram non comitur aut
verborum minime proprietatibus explicatur. Loqui nobis communiter datum est: solus
ornatus est qui discernit indoctos.“ Die Erlasse in seinem eigenen Namen, als Präfect,
aus den Jahren 534, 535, 537, 538 finden sich im elften und zwölften Buche; in den
früheren schreibt er im Namen des Königs. Vgl. über die Variae Thorb. S. 50-60.
Horst Kohl, Zehn Jahre ostgoth. Gesch. (526-536), Leipzig 1877. Hasenstab, Studien
zur Variensammlung des C. S. Progr. d. Max. Gymn. zu München 1883. Tanzi,
Cronologia dei libri Var., Triest 1887. Ueber eine Abh. v. Gaudenzi s. Mommsen,
NA. XIV, 437.
[24] Ennodii Opera ed. Sirmond, Paris 1611. Hartel im Wiener Corpus VI, 1882. Rec.
v. Krusch, HZ. LI, 100-102. MG. Auctt. antt. VII von Fr. Vogel 1885. Fertig, Magnus
Felix Ennodius und seine Zeit. 1. Abth. Passau 1855, 4. Pallmann II, 190-192. Ebert
432-440. Rinaudo p. 19-24. Zur Chronologie Hasenstab, Progr. d. Münch.
Luitpoldgymn. 1889/90. Tanzi, s. NA. XV, 425. Auf die Bedeutung seiner Vita
Epiphanii ed. Ticin. weist Binding hin: Das Burgundisch-roman. Kgr. I, 97. Seine
Briefe sind culturgeschichtlich wichtig. — Ueber die schon früh sagenhaft entstellte
Geschichte Theoderichs, aus welcher geschichtliche Thatsachen nicht zu entnehmen
sind, findet sich eine sorgfältige, auf Untersuchung der Handschriften begründete
Abhandlung bei A. Thorbecke: Ueber Gesta Theoderici, Herbstprogr. des Heidelb.
Gymn. 1875. Ausg. v. Krusch, SS. Meroving. II, 200-214.
[25] Dafür H. v. Schubert: Die Unterwerfung der Alamannen (Strassb. 1874) S. 67-
89. Er wurde nach Cipolla dem König schriftlich zugesandt; s. darüber NA. IX, 244.
XII, 205.
Page 110
§ 5. Jordanis. [ ← ]
Page 111
Baehr S. 249-260. Teuffel § 477. Ebert S. 556-562. Dahn, A. D. B. XIV, 522-526. Rinaudo p. 31-36.
Balzani p. 19-21. S. d. neuere Litt. zu § 4. Anstatt der älteren Ausgaben genügt es jetzt, die
Ausgabe der MG. von Mommsen zu nennen, Berl. 1882, 4. (Auctorum antiquiss. V, 1.) Rec. von
Schirren, Deutsche LZ. 1882, S. 1420-1424, von L. Erhardt, GGA. 1886, S. 669-708.
Bemerkungen v. Manitius, NA. XIII, 212. 213. — Ausg. der Getica v. Holder 1882 mit
selbständ. Benutzung d. Heidelb. Hs. 1882. 3. Ausg. v. Closs 1889. Emendationen v. Fröhner,
Philologus, Suppl. V, 55 (1884). Uebers. v. W. Martens, 1884, Geschichtschr. 5 (VI, 1).
An jene Vertreter der antiken Bildung, welche Theoderich an seinem
Hofe versammelte, reiht sich nun der erste und einzige gothische
Schriftsteller, dessen Werke wir besitzen, Jor dan is; denn so wird sein
Name in den besten Handschriften geschrieben, mit so überwiegender
Autorität, daß die durch Peutingers Ausgabe von 1515 gebräuchlich
gewordene Form Jor nan des sich dagegen nicht behaupten kann. Jakob
Grimm freilich hat sie sehr nachdrücklich in Schutz genommen, und
unmöglich ist es nicht, daß in der entscheidenden Stelle (Cap. 50)
ursprünglich gestanden hat: Jordanis sive Jornandes. Dann wäre nach
Grimms Vermuthung der kriegerischer lautende gothische Name Jornandes
d. i. Eberkühn, beim Eintritt in den geistlichen Stand mit dem griechisch-
römischen Namen Jordanis vertauscht worden[1]. Wie dem nun auch sein
möge, sicher gestellt ist allein der letztere, durch das ganze Mittelalter
gebräuchliche Name, den wir deshalb auch hier vorgezogen haben.
Jordanis rechnet sich selbst zum gothischen Volke[2]. Er stammte aus
einem sehr angesehenen Geschlechte, das mit den Amalern verschwägert
war; sein Großvater war Notar oder Kanzler des Alanenkönigs Candac in
Mösien, er selbst ebenfalls Notar: leider wissen wir nicht wo und unter
welchen Verhältnissen[3]; später ist er in den geistlichen Stand eingetreten.
Seiner, wie es scheint, alanischen Abkunft entsprechend, zeigt er für dieses
Volk eine deutliche Vorliebe[4], während er die Vandalen nicht leiden
kann[5].
Die eigentliche grammatische Bildung der Schule war ihm fremd, wie
er selbst sagt, doch konnte es ihm nicht schwer fallen, griechische und
Balzani p. 19-21. S. d. neuere Litt. zu § 4. Anstatt der älteren Ausgaben genügt es jetzt, die
Ausgabe der MG. von Mommsen zu nennen, Berl. 1882, 4. (Auctorum antiquiss. V, 1.) Rec. von
Schirren, Deutsche LZ. 1882, S. 1420-1424, von L. Erhardt, GGA. 1886, S. 669-708.
Bemerkungen v. Manitius, NA. XIII, 212. 213. — Ausg. der Getica v. Holder 1882 mit
selbständ. Benutzung d. Heidelb. Hs. 1882. 3. Ausg. v. Closs 1889. Emendationen v. Fröhner,
Philologus, Suppl. V, 55 (1884). Uebers. v. W. Martens, 1884, Geschichtschr. 5 (VI, 1).
An jene Vertreter der antiken Bildung, welche Theoderich an seinem
Hofe versammelte, reiht sich nun der erste und einzige gothische
Schriftsteller, dessen Werke wir besitzen, Jor dan is; denn so wird sein
Name in den besten Handschriften geschrieben, mit so überwiegender
Autorität, daß die durch Peutingers Ausgabe von 1515 gebräuchlich
gewordene Form Jor nan des sich dagegen nicht behaupten kann. Jakob
Grimm freilich hat sie sehr nachdrücklich in Schutz genommen, und
unmöglich ist es nicht, daß in der entscheidenden Stelle (Cap. 50)
ursprünglich gestanden hat: Jordanis sive Jornandes. Dann wäre nach
Grimms Vermuthung der kriegerischer lautende gothische Name Jornandes
d. i. Eberkühn, beim Eintritt in den geistlichen Stand mit dem griechisch-
römischen Namen Jordanis vertauscht worden[1]. Wie dem nun auch sein
möge, sicher gestellt ist allein der letztere, durch das ganze Mittelalter
gebräuchliche Name, den wir deshalb auch hier vorgezogen haben.
Jordanis rechnet sich selbst zum gothischen Volke[2]. Er stammte aus
einem sehr angesehenen Geschlechte, das mit den Amalern verschwägert
war; sein Großvater war Notar oder Kanzler des Alanenkönigs Candac in
Mösien, er selbst ebenfalls Notar: leider wissen wir nicht wo und unter
welchen Verhältnissen[3]; später ist er in den geistlichen Stand eingetreten.
Seiner, wie es scheint, alanischen Abkunft entsprechend, zeigt er für dieses
Volk eine deutliche Vorliebe[4], während er die Vandalen nicht leiden
kann[5].
Die eigentliche grammatische Bildung der Schule war ihm fremd, wie
er selbst sagt, doch konnte es ihm nicht schwer fallen, griechische und
Page 112
lateinische Schriftsteller zu lesen, und damit hat er sich denn auch, wohl
besonders in der späteren Zeit seines Lebens, eifrig beschäftigt, wenn gleich
die umfassende Belesenheit, welche seine Gothengeschichte zu zeigen
scheint, nur als erborgtes Gut gelten kann.
Seine Schreibweise ist entstellt durch den gesuchten, sententiösen
Charakter der Zeit, doch nur da, wo er seiner cassiodorischen Vorlage folgt;
er selbst drückt sich ungeschickt und unbehülflich aus und klammert sich
ängstlich an seine Quellen; die volle Barbarei der damals gewöhnlichen
Schreibweise einer Bevölkerung, welche fast alles Gefühl für grammatische
Formen verloren hatte, bis dahin nur aus den im Original uns erhaltenen
Urkunden bekannt, ist nun auch bei ihm nach den ältesten und besten
Handschriften hergestellt[6].
Die Vorrede seiner Getica hat Jordanis mit geringen Aenderungen
wörtlich von Rufin entlehnt[7]. Natürlich eignete er sich auch die römisch
christliche Weltanschauung an; dahin führte ihn sein Stand, dahin auch die
ganze Richtung seines Volkes. Vollkommen theilt er die Verehrung des
Kaiserthums, und wenn er es unternahm, die Folge der Weltreiche in
gedrängter Uebersicht darzustellen, so konnte ihm doch der Gedanke
niemals nahen, daß etwa auch das römische Reich sein Ende erreicht habe
und andere an seine Stelle treten würden. Eben war er, wie er uns berichtet,
mit der Abfassung eines solchen Handbuches beschäftigt, als sein Freund
Castalius oder Castulus ihn aufforderte, Cassiodors G eschich t e d er
Got hen in einen Auszug zu bringen[8]. Diese Aufgabe, sagt er, sei für ihn
um so schwieriger gewesen, da ihm das Werk nicht einmal vorliege,
sondern er es nur einmal in früherer Zeit auf drei Tage zum Lesen erhalten
habe. Doch glaube er sich des wesentlichen Inhalts noch vollständig zu
erinnern[9]. Damit habe er nun verschiedenes aus griechischen und
lateinischen Geschichten verbunden, den Anfang und das Ende aber, wie
auch mehreres in der Mitte von seinem Eigenen dazu gethan. Später, im
Verlauf der Geschichte, nennt er den Cassiodor nie, ebenso wenig aber auch
den gegen das Ende benutzten Marcellinus. Es unterliegt nun wohl kaum
besonders in der späteren Zeit seines Lebens, eifrig beschäftigt, wenn gleich
die umfassende Belesenheit, welche seine Gothengeschichte zu zeigen
scheint, nur als erborgtes Gut gelten kann.
Seine Schreibweise ist entstellt durch den gesuchten, sententiösen
Charakter der Zeit, doch nur da, wo er seiner cassiodorischen Vorlage folgt;
er selbst drückt sich ungeschickt und unbehülflich aus und klammert sich
ängstlich an seine Quellen; die volle Barbarei der damals gewöhnlichen
Schreibweise einer Bevölkerung, welche fast alles Gefühl für grammatische
Formen verloren hatte, bis dahin nur aus den im Original uns erhaltenen
Urkunden bekannt, ist nun auch bei ihm nach den ältesten und besten
Handschriften hergestellt[6].
Die Vorrede seiner Getica hat Jordanis mit geringen Aenderungen
wörtlich von Rufin entlehnt[7]. Natürlich eignete er sich auch die römisch
christliche Weltanschauung an; dahin führte ihn sein Stand, dahin auch die
ganze Richtung seines Volkes. Vollkommen theilt er die Verehrung des
Kaiserthums, und wenn er es unternahm, die Folge der Weltreiche in
gedrängter Uebersicht darzustellen, so konnte ihm doch der Gedanke
niemals nahen, daß etwa auch das römische Reich sein Ende erreicht habe
und andere an seine Stelle treten würden. Eben war er, wie er uns berichtet,
mit der Abfassung eines solchen Handbuches beschäftigt, als sein Freund
Castalius oder Castulus ihn aufforderte, Cassiodors G eschich t e d er
Got hen in einen Auszug zu bringen[8]. Diese Aufgabe, sagt er, sei für ihn
um so schwieriger gewesen, da ihm das Werk nicht einmal vorliege,
sondern er es nur einmal in früherer Zeit auf drei Tage zum Lesen erhalten
habe. Doch glaube er sich des wesentlichen Inhalts noch vollständig zu
erinnern[9]. Damit habe er nun verschiedenes aus griechischen und
lateinischen Geschichten verbunden, den Anfang und das Ende aber, wie
auch mehreres in der Mitte von seinem Eigenen dazu gethan. Später, im
Verlauf der Geschichte, nennt er den Cassiodor nie, ebenso wenig aber auch
den gegen das Ende benutzten Marcellinus. Es unterliegt nun wohl kaum
Page 113
noch einem Zweifel, daß er, wie schon Cassel angenommen hatte, bis auf
wenige unbedeutende Zusätze eben nur den Cassiodor ausgezogen hat, was
ihm ja auch aufgetragen war, und die Ungenauigkeit der gelehrten Citate
bestätigt, daß auch sie mit herüber genommen sind[10]. Man muß also
annehmen, daß er sich schon früher schriftliche Auszüge gemacht hatte, die
er jetzt, ohne das Werk selbst wieder einsehen zu können, verarbeitete, eine
in der That schwierige Aufgabe, welche wohl von einer zu harten
Beurtheilung des ungeschulten Gothen abhalten sollte. Doch läßt sich
freilich nicht leugnen, daß seine Benutzung der Annalen des gleichzeitigen
Marcellinus Comes[11] nicht befriedigender ausgefallen ist. Denn nach
diesem Führer erzählt er mit auffallender Kürze von den Siegen Belisars,
und die Vergleichung mit den knappen aber genauen und zuverlässigen
Angaben dieses Schriftstellers fällt nicht günstig für unseren Autor aus, der
sich offenbar mit größerer Vorliebe den alten Ueberlieferungen zuwendet,
und wie das bei den Anfängen einer gelehrten Geschichtschreibung so
häufig ist, gerne eine unverdaute Gelehrsamkeit auskramt, von der
sorgsamen Gewissenhaftigkeit aber, welche die Nachwelt am höchsten
schätzt, kaum einen Begriff hat. Indem er nun hierin gegen gleichzeitige
und spätere Annalen zurücksteht, zeichnet er sich dagegen vor den
einfachen Chronisten aus durch das Festhalten eines leitenden Gedankens,
welcher die Darstellung beherrscht. Man hat Jordanis eine gänzliche
Entfremdung von seinem Volke zum Vorwurf gemacht. Nicht zum Ruhme
der Gothen, sagt er schließlich, habe er dieses geschrieben, sondern um den
Ruhm des Siegers zu erhöhen. Allein darauf darf man nicht zu viel Gewicht
legen. Die Liebe zu seinem Volke, der Stolz auf die Tapferkeit der Gothen,
auf die Herrlichkeit der Amaler, treten vielmehr mit großer Lebhaftigkeit
überall hervor, und eben deshalb hielt Jordanis es für nöthig, durch eine
solche Wendung in der damaligen Zeit des Krieges dem Argwohn der
Herrscher zu begegnen. Denn als er dieses schrieb, war der Krieg noch
keineswegs beendigt, sondern vielmehr mit neuer Wuth entbrannt. Jordanis
aber hatte allerdings für diesen letzten Todeskampf der Gothen keine
Theilnahme; dem stand in ihm theils seine politische Ansicht, theils das
Blut der Amaler entgegen, welches mächtiger war als das Volksbewußtsein.
wenige unbedeutende Zusätze eben nur den Cassiodor ausgezogen hat, was
ihm ja auch aufgetragen war, und die Ungenauigkeit der gelehrten Citate
bestätigt, daß auch sie mit herüber genommen sind[10]. Man muß also
annehmen, daß er sich schon früher schriftliche Auszüge gemacht hatte, die
er jetzt, ohne das Werk selbst wieder einsehen zu können, verarbeitete, eine
in der That schwierige Aufgabe, welche wohl von einer zu harten
Beurtheilung des ungeschulten Gothen abhalten sollte. Doch läßt sich
freilich nicht leugnen, daß seine Benutzung der Annalen des gleichzeitigen
Marcellinus Comes[11] nicht befriedigender ausgefallen ist. Denn nach
diesem Führer erzählt er mit auffallender Kürze von den Siegen Belisars,
und die Vergleichung mit den knappen aber genauen und zuverlässigen
Angaben dieses Schriftstellers fällt nicht günstig für unseren Autor aus, der
sich offenbar mit größerer Vorliebe den alten Ueberlieferungen zuwendet,
und wie das bei den Anfängen einer gelehrten Geschichtschreibung so
häufig ist, gerne eine unverdaute Gelehrsamkeit auskramt, von der
sorgsamen Gewissenhaftigkeit aber, welche die Nachwelt am höchsten
schätzt, kaum einen Begriff hat. Indem er nun hierin gegen gleichzeitige
und spätere Annalen zurücksteht, zeichnet er sich dagegen vor den
einfachen Chronisten aus durch das Festhalten eines leitenden Gedankens,
welcher die Darstellung beherrscht. Man hat Jordanis eine gänzliche
Entfremdung von seinem Volke zum Vorwurf gemacht. Nicht zum Ruhme
der Gothen, sagt er schließlich, habe er dieses geschrieben, sondern um den
Ruhm des Siegers zu erhöhen. Allein darauf darf man nicht zu viel Gewicht
legen. Die Liebe zu seinem Volke, der Stolz auf die Tapferkeit der Gothen,
auf die Herrlichkeit der Amaler, treten vielmehr mit großer Lebhaftigkeit
überall hervor, und eben deshalb hielt Jordanis es für nöthig, durch eine
solche Wendung in der damaligen Zeit des Krieges dem Argwohn der
Herrscher zu begegnen. Denn als er dieses schrieb, war der Krieg noch
keineswegs beendigt, sondern vielmehr mit neuer Wuth entbrannt. Jordanis
aber hatte allerdings für diesen letzten Todeskampf der Gothen keine
Theilnahme; dem stand in ihm theils seine politische Ansicht, theils das
Blut der Amaler entgegen, welches mächtiger war als das Volksbewußtsein.
Page 114
Er setzte seine Hoffnungen auf Germanus, den Gemahl der Matasuinth,
dem ja auch von seinen Landsleuten so viele sich zuwandten, und nach
dessen frühem Tode auf den letzten Sprossen der Amaler, auf das Kind
Germanus: der sollte sein Volk wieder sammeln und beherrschen, im
engsten Anschluss an das Römerreich, so wie einst Theoderich. An drei
Stellen gedenkt er dieses Kindes, und an der letzten spricht er ausdrücklich
die Hoffnungen aus, welche er an diesen Erben der vereinigten Anicier und
Amaler knüpft.
Denn das ist eben, wie Sybel nachgewiesen, und Stahlberg weiter
ausgeführt hat, der leitende Gedanke des Jordanis, daß er, was ja auch
richtig war, nur in der friedlichen Einfügung des Gothenvolkes in das
römische Reich die Möglichkeit und Hoffnung einer gedeihlichen Zukunft
für dasselbe erkennt. Ihm konnte es nur als ein hoffnungsloses und
frevelhaftes Unternehmen erscheinen, wenn die letzten Gothenfürsten, die
dem Stamm der Amaler fremd waren, sich dem letzten Weltreich gegenüber
feindlich behaupten wollten, um so mehr, da er katholisch war, und dadurch
im Gegensatze zu seinen arianischen Volksgenossen mit der Einheit der
Kirche auch die Einheit des weltlichen Reiches erstreben mußte. Daher legt
er überall besonderes Gewicht auf die friedlichen Beziehungen der Gothen
zum Ostreiche, und seine Theilnahme und Hoffnung konnten sich nur dem
Germanus zuwenden. Dieser Auffassung konnte sich damals niemand
entziehen, der in den Bildungskreis der römischen Kirche eingetreten war,
und sie blieb herrschend, bis die Franken stark genug waren, um sich selbst
als die wahren Träger des erneuten römischen Reiches betrachten zu
können. Vollkommen zutreffend bezeichnet daher L. v. Ranke[12] sein Werk
als eine „zwar auf historische Vorstudien basierte, aber zugleich auf den
Moment angelegte politisch-historische Arbeit über die Geschichte der
Gothen“. Auch ist es richtig, daß er ganz im Sinne Cassiodors geschrieben
hat, aber wenn dann die Vermuthung hinzugefügt wird, dass Cassiodor
selbst als der intellectuelle Urheber des Werkes zu betrachten sei, so läßt
sich das weder mit den Verhältnissen vereinigen, noch ist zu erklären,
weshalb Jordanis das so sorgfältig hätte verbergen sollen.
dem ja auch von seinen Landsleuten so viele sich zuwandten, und nach
dessen frühem Tode auf den letzten Sprossen der Amaler, auf das Kind
Germanus: der sollte sein Volk wieder sammeln und beherrschen, im
engsten Anschluss an das Römerreich, so wie einst Theoderich. An drei
Stellen gedenkt er dieses Kindes, und an der letzten spricht er ausdrücklich
die Hoffnungen aus, welche er an diesen Erben der vereinigten Anicier und
Amaler knüpft.
Denn das ist eben, wie Sybel nachgewiesen, und Stahlberg weiter
ausgeführt hat, der leitende Gedanke des Jordanis, daß er, was ja auch
richtig war, nur in der friedlichen Einfügung des Gothenvolkes in das
römische Reich die Möglichkeit und Hoffnung einer gedeihlichen Zukunft
für dasselbe erkennt. Ihm konnte es nur als ein hoffnungsloses und
frevelhaftes Unternehmen erscheinen, wenn die letzten Gothenfürsten, die
dem Stamm der Amaler fremd waren, sich dem letzten Weltreich gegenüber
feindlich behaupten wollten, um so mehr, da er katholisch war, und dadurch
im Gegensatze zu seinen arianischen Volksgenossen mit der Einheit der
Kirche auch die Einheit des weltlichen Reiches erstreben mußte. Daher legt
er überall besonderes Gewicht auf die friedlichen Beziehungen der Gothen
zum Ostreiche, und seine Theilnahme und Hoffnung konnten sich nur dem
Germanus zuwenden. Dieser Auffassung konnte sich damals niemand
entziehen, der in den Bildungskreis der römischen Kirche eingetreten war,
und sie blieb herrschend, bis die Franken stark genug waren, um sich selbst
als die wahren Träger des erneuten römischen Reiches betrachten zu
können. Vollkommen zutreffend bezeichnet daher L. v. Ranke[12] sein Werk
als eine „zwar auf historische Vorstudien basierte, aber zugleich auf den
Moment angelegte politisch-historische Arbeit über die Geschichte der
Gothen“. Auch ist es richtig, daß er ganz im Sinne Cassiodors geschrieben
hat, aber wenn dann die Vermuthung hinzugefügt wird, dass Cassiodor
selbst als der intellectuelle Urheber des Werkes zu betrachten sei, so läßt
sich das weder mit den Verhältnissen vereinigen, noch ist zu erklären,
weshalb Jordanis das so sorgfältig hätte verbergen sollen.
Page 115
Von großer Wichtigkeit aber ist es, festzustellen, wo und unter welchen
Verhältnissen Jordanis sein Werk geschrieben hat. Da finden wir nun bei
Mommsen die Behauptung, dass er als Mönch in einem mösischen oder
thracischen Kloster gelebt und geschrieben habe. Er beruft sich auf seine
besonders genaue Kenntniß des unteren Donaulaufes und der benachbarten
Gegenden, und daß er bei dem Auszug aus Cassiodor gerade, was sich auf
Mösien und Thracien bezog, bevorzugt habe, was sich indessen durch die
Angaben über seine Herkunft leicht erklären läßt. Weit wichtiger ist die
Frage, ob aus den Worten „ante conversionem meam“ mit Nothwendigkeit
zu schließen ist, daß er Mönch geworden sei. Das wird behauptet, aber ich
finde keinen Beweis dafür, daß nicht auch der Eintritt in den geistlichen
Stand so bezeichnet werden könne. Wir haben ja aus späterer Zeit Mönche
genug, welche geschichtliche Werke geschrieben haben, aber aus diesen
Jahrhunderten ist mir keiner bekannt. Ihre Stellung zur Welt hat sich im
Laufe der Zeit und vorzüglich durch die eigenthümliche Entwickelung der
Kirche im Abendland völlig verändert. Wer damals in ein Kloster eintrat,
zog sich in vollem Ernst aus der Welt zurück und erfuhr, wie noch jetzt
orientalische Mönche, sehr wenig von ihr. Cassiodor zuerst scheint seine
Mönche überhaupt auf litterarische Beschäftigung hingewiesen zu haben.
Ich halte es für vollkommen undenkbar, daß ein Mönch in einem Kloster in
Mösien ein solches Werk hätte zu Stande bringen, daß er das neueste
Annalenwerk hätte erhalten und über die politischen Angelegenheiten der
Gegenwart hätte schreiben können.
Deshalb halte ich fest an der Entdeckung Jakob Grimms, der in dem
Vigilius, welchem Jordanis sein zweites Werk gewidmet hat, den damaligen
römischen Pabst erkannt und mit überzeugenden Gründen nachgewiesen
hat[13]. Schon früher hatte Cassel auf einen Jordanis, Bischof von Kroton,
aufmerksam gemacht, welcher in einem Schreiben des Pabstes Vigilius
erwähnt wird; seine Vermuthung, daß er mit unserm Autor identisch sei,
fand Zustimmung. Es erklärt sich nun dadurch leicht, daß er von dem
Verwalter der unfern gelegenen Güter Cassiodors dessen Werk auf kurze
Zeit erhielt, auch daß er sich nicht selbst im Gothenreiche befand, als er
Verhältnissen Jordanis sein Werk geschrieben hat. Da finden wir nun bei
Mommsen die Behauptung, dass er als Mönch in einem mösischen oder
thracischen Kloster gelebt und geschrieben habe. Er beruft sich auf seine
besonders genaue Kenntniß des unteren Donaulaufes und der benachbarten
Gegenden, und daß er bei dem Auszug aus Cassiodor gerade, was sich auf
Mösien und Thracien bezog, bevorzugt habe, was sich indessen durch die
Angaben über seine Herkunft leicht erklären läßt. Weit wichtiger ist die
Frage, ob aus den Worten „ante conversionem meam“ mit Nothwendigkeit
zu schließen ist, daß er Mönch geworden sei. Das wird behauptet, aber ich
finde keinen Beweis dafür, daß nicht auch der Eintritt in den geistlichen
Stand so bezeichnet werden könne. Wir haben ja aus späterer Zeit Mönche
genug, welche geschichtliche Werke geschrieben haben, aber aus diesen
Jahrhunderten ist mir keiner bekannt. Ihre Stellung zur Welt hat sich im
Laufe der Zeit und vorzüglich durch die eigenthümliche Entwickelung der
Kirche im Abendland völlig verändert. Wer damals in ein Kloster eintrat,
zog sich in vollem Ernst aus der Welt zurück und erfuhr, wie noch jetzt
orientalische Mönche, sehr wenig von ihr. Cassiodor zuerst scheint seine
Mönche überhaupt auf litterarische Beschäftigung hingewiesen zu haben.
Ich halte es für vollkommen undenkbar, daß ein Mönch in einem Kloster in
Mösien ein solches Werk hätte zu Stande bringen, daß er das neueste
Annalenwerk hätte erhalten und über die politischen Angelegenheiten der
Gegenwart hätte schreiben können.
Deshalb halte ich fest an der Entdeckung Jakob Grimms, der in dem
Vigilius, welchem Jordanis sein zweites Werk gewidmet hat, den damaligen
römischen Pabst erkannt und mit überzeugenden Gründen nachgewiesen
hat[13]. Schon früher hatte Cassel auf einen Jordanis, Bischof von Kroton,
aufmerksam gemacht, welcher in einem Schreiben des Pabstes Vigilius
erwähnt wird; seine Vermuthung, daß er mit unserm Autor identisch sei,
fand Zustimmung. Es erklärt sich nun dadurch leicht, daß er von dem
Verwalter der unfern gelegenen Güter Cassiodors dessen Werk auf kurze
Zeit erhielt, auch daß er sich nicht selbst im Gothenreiche befand, als er
Page 116
schrieb. Schirren freilich hat einen anderen Jordanis vorgezogen, den Pabst
Pelagius in einem Schreiben vom Jahre 556 als Defensor der römischen
Kirche erwähnt; allein mit Recht hat Bessell hervorgehoben, daß doch nur
ein Bischof den römischen Pabst frater anreden könne, und daß auch der
ganze Inhalt des Trostschreibens nur für einen Amtsbruder angemessen sei.
Auch bezeichnen ihn als solchen nicht geringe Handschriften[14]. Noch
erheblicher aber ist der Umstand, daß nach jenem Schreiben des Vigilius
Jordanis von Kroton sich im Jahre 551 mit ihm in Constantinopel befand,
daß er also zu denjenigen gehörte, welche ihn in seinem Exil (547 bis 554)
begleiteten. Dasselbe nimmt auch Schirren von dem Defensor Jordanis an,
und hat deshalb die Vermuthung, welche auch Stahlberg wahrscheinlich
fand, ausführlich begründet, daß nämlich Jordanis seine Gothengeschichte
551 in Constantinopel verfaßt habe[15]; darin stimmen Bessell und
Gutschmid mit ihm überein, und in der That ist die Wahrscheinlichkeit
dafür so groß, daß sie fast zur Gewißheit wird. Nun erklärt es sich sehr
einfach, weshalb Jordanis sich Cassiodors Buch nicht wieder verschaffen
konnte, während Marcellins Annalen ihm zugänglich waren; man begreift,
daß Vigilius und seine Anhänger eines Buches bedurften, welches ihnen die
gothische Geschichte kurz und übersichtlich vorführte, die ältere
vorzüglich, weil die Ereignisse der letzten Jahrzehnte noch in frischem
Gedächtniß waren. Die Worte Jordanis, in welchen er seinen Freund
Castalius als Nachbar der Gothen (vicinus genti) im Gegensatz zu seiner
eigenen Lage bezeichnet, sind nun nicht mehr auffallend, und der politische
Standpunkt, die ängstliche Behutsamkeit des Verfassers, seine geringe
Kenntniß der Kämpfe in Italien, der Mangel an Theilnahme für die neue
Erhebung unter Totila, die lebhafte Hoffnung, welche er an den Sprößling
der Anicier und Amaler knüpft, so wie die Vertrautheit mit den in Byzanz
getroffenen Maßregeln und erst begonnenen Unternehmungen, alles das tritt
in ein helleres Licht, so daß an der Richtigkeit dieser Annahme kaum zu
zweifeln ist.
Bald nach der Vollendung der Gothengeschichte konnte Jordanis auch
dem Vigilius seine Chronik überreichen, die, wie er selbst sagt, im 24. Jahre
Pelagius in einem Schreiben vom Jahre 556 als Defensor der römischen
Kirche erwähnt; allein mit Recht hat Bessell hervorgehoben, daß doch nur
ein Bischof den römischen Pabst frater anreden könne, und daß auch der
ganze Inhalt des Trostschreibens nur für einen Amtsbruder angemessen sei.
Auch bezeichnen ihn als solchen nicht geringe Handschriften[14]. Noch
erheblicher aber ist der Umstand, daß nach jenem Schreiben des Vigilius
Jordanis von Kroton sich im Jahre 551 mit ihm in Constantinopel befand,
daß er also zu denjenigen gehörte, welche ihn in seinem Exil (547 bis 554)
begleiteten. Dasselbe nimmt auch Schirren von dem Defensor Jordanis an,
und hat deshalb die Vermuthung, welche auch Stahlberg wahrscheinlich
fand, ausführlich begründet, daß nämlich Jordanis seine Gothengeschichte
551 in Constantinopel verfaßt habe[15]; darin stimmen Bessell und
Gutschmid mit ihm überein, und in der That ist die Wahrscheinlichkeit
dafür so groß, daß sie fast zur Gewißheit wird. Nun erklärt es sich sehr
einfach, weshalb Jordanis sich Cassiodors Buch nicht wieder verschaffen
konnte, während Marcellins Annalen ihm zugänglich waren; man begreift,
daß Vigilius und seine Anhänger eines Buches bedurften, welches ihnen die
gothische Geschichte kurz und übersichtlich vorführte, die ältere
vorzüglich, weil die Ereignisse der letzten Jahrzehnte noch in frischem
Gedächtniß waren. Die Worte Jordanis, in welchen er seinen Freund
Castalius als Nachbar der Gothen (vicinus genti) im Gegensatz zu seiner
eigenen Lage bezeichnet, sind nun nicht mehr auffallend, und der politische
Standpunkt, die ängstliche Behutsamkeit des Verfassers, seine geringe
Kenntniß der Kämpfe in Italien, der Mangel an Theilnahme für die neue
Erhebung unter Totila, die lebhafte Hoffnung, welche er an den Sprößling
der Anicier und Amaler knüpft, so wie die Vertrautheit mit den in Byzanz
getroffenen Maßregeln und erst begonnenen Unternehmungen, alles das tritt
in ein helleres Licht, so daß an der Richtigkeit dieser Annahme kaum zu
zweifeln ist.
Bald nach der Vollendung der Gothengeschichte konnte Jordanis auch
dem Vigilius seine Chronik überreichen, die, wie er selbst sagt, im 24. Jahre
Page 117
Justinians (welches am 1. April 551 begann)[16], beendigt war. Die erneuten
Kämpfe der Gothen sind hier mit sichtlicher Abneigung gegen Totila
berührt, die letzte Katastrophe aber war noch nicht zur Kenntnis des
Verfassers gekommen. Uebrigens ist dieses Werk, welches gewöhnlich De
regnorum successione genannt wird, richtiger (nach Mommsen) De summa
temporum vel origine actibusque gentis Romanorum betitelt wird, eine
unbedeutende und ungeschickte Compilation; es ist großentheils aus Florus
entlehnt, so wörtlich, daß die neuesten Herausgeber desselben, Jahn und
Halm, aus Jordanis den Text des Florus bedeutend berichtigen konnten;
später benutzt er den Eutrop, Orosius und andere, welche in der Ausgabe
von Mommsen nachgewiesen sind. Wichtig ist diese Schrift fast nur als
höchst charakteristisch für den Standpunkt des Verfassers, denn die
Weltgeschichte ist ihm eben nur die römische, angeknüpft an die aus der
Chronik des Hieronymus entlehnten Generationen des alten Testaments und
die Regentenreihen der früheren Weltreiche; er beruft sich ausdrücklich auf
die Prophezeiung des Daniel, daß diesem Reich die Herrschaft bis ans Ende
der Welt beschieden sei.
[1] Für Jornandes kämpft Dietrich, Ueber die Aussprache des Gothischen, Marburg
1862. Mommsen schreibt Jordanes; ich folge auch hier der überlieferten Form,
welche sich der Aussprache anschließt.
[2] De rebus Get. am Schluß: „Nec me quis in favorem gentis praedictae quasi ex
ipsa trahentem originem aliqua addidisse credat“.
[3] Ib. c. 50: „Scyri vero et Sadagarii et certi Alanorum cum duce suo nomine Candac
Scythiam minorem inferioremque Moesiam acceperunt. Cujus Candacis
Alanovijamuthis patris mei genitor Paria, id est meus avus, notarius quousque
Candac ipse viveret fuit, ejusque germanae filio Gunthicis (l. Gunthigis, p. 150) qui
et Baza dicebatur mag. mil. filio Andages fili Andele, de prosapia Amalorum
descendente, ego item quamvis agramatus Jordanis ante conversionem meam
notarius fui.“ Die nach den Hss. hergestellte Form dieser Stelle macht ihre Bedeutung
noch unsicherer. Ueber die Namen Grienberger, Germania XXXIV, 406 (NA. XV,
615).
[4] Mommsen, Praef. p. X.
[5] ib. p. VII.
[6] Immerhin giebt es zu denken, daß auch bei Orosius, wenn der cod. Laurent. nicht
erhalten wäre, aus der Donaueschinger Hs. dieselbe Barbarei herzustellen sein würde.
Kämpfe der Gothen sind hier mit sichtlicher Abneigung gegen Totila
berührt, die letzte Katastrophe aber war noch nicht zur Kenntnis des
Verfassers gekommen. Uebrigens ist dieses Werk, welches gewöhnlich De
regnorum successione genannt wird, richtiger (nach Mommsen) De summa
temporum vel origine actibusque gentis Romanorum betitelt wird, eine
unbedeutende und ungeschickte Compilation; es ist großentheils aus Florus
entlehnt, so wörtlich, daß die neuesten Herausgeber desselben, Jahn und
Halm, aus Jordanis den Text des Florus bedeutend berichtigen konnten;
später benutzt er den Eutrop, Orosius und andere, welche in der Ausgabe
von Mommsen nachgewiesen sind. Wichtig ist diese Schrift fast nur als
höchst charakteristisch für den Standpunkt des Verfassers, denn die
Weltgeschichte ist ihm eben nur die römische, angeknüpft an die aus der
Chronik des Hieronymus entlehnten Generationen des alten Testaments und
die Regentenreihen der früheren Weltreiche; er beruft sich ausdrücklich auf
die Prophezeiung des Daniel, daß diesem Reich die Herrschaft bis ans Ende
der Welt beschieden sei.
[1] Für Jornandes kämpft Dietrich, Ueber die Aussprache des Gothischen, Marburg
1862. Mommsen schreibt Jordanes; ich folge auch hier der überlieferten Form,
welche sich der Aussprache anschließt.
[2] De rebus Get. am Schluß: „Nec me quis in favorem gentis praedictae quasi ex
ipsa trahentem originem aliqua addidisse credat“.
[3] Ib. c. 50: „Scyri vero et Sadagarii et certi Alanorum cum duce suo nomine Candac
Scythiam minorem inferioremque Moesiam acceperunt. Cujus Candacis
Alanovijamuthis patris mei genitor Paria, id est meus avus, notarius quousque
Candac ipse viveret fuit, ejusque germanae filio Gunthicis (l. Gunthigis, p. 150) qui
et Baza dicebatur mag. mil. filio Andages fili Andele, de prosapia Amalorum
descendente, ego item quamvis agramatus Jordanis ante conversionem meam
notarius fui.“ Die nach den Hss. hergestellte Form dieser Stelle macht ihre Bedeutung
noch unsicherer. Ueber die Namen Grienberger, Germania XXXIV, 406 (NA. XV,
615).
[4] Mommsen, Praef. p. X.
[5] ib. p. VII.
[6] Immerhin giebt es zu denken, daß auch bei Orosius, wenn der cod. Laurent. nicht
erhalten wäre, aus der Donaueschinger Hs. dieselbe Barbarei herzustellen sein würde.
Page 118
[7] Aus Rufini presb. praefatio in explanationem Origenis super ep. Pauli ad
Romanos, wie H. v. Sybel nachgewiesen, in Schmidts Zeitschrift für Gesch. VII, 288.
Ueber den am Eingang seiner Rom. angeführten Jamblichus s. Mommsen, NA. VIII,
352.
[8] Der Titel beider Werke scheint gelautet zu haben: De origine actibusque
Getarum.
[9] „Ad triduanam lectionem dispensatoris eius beneficio libros ipsos antehac relegi,
quorum quamvis verba non recolo, sensus tamen et res actas credo me integre
retinere.“ — Zu den drei Tagen bemerkt Mommsen „si credis“.
[10] G. Kaufmann, Krit. Unters. der Quellen z. Gesch. Ulfilas, handelt von d. Gothi
minores (c. 51) im Gegensatz zu Bessell, u. bemerkt S. 243, daß, wenn auch Jordanis
den Orosius selbständig benutzt habe, doch im Cap. 25 u. 26 die Vermischung seiner
Angaben mit Amm. Marc. 31, 3 ihm von Cassiodor herzurühren scheine.
[11] Oder dessen Vorlage, s. oben S. 56, Anm.→2.
[12] Weltgeschichte IV, 2. Abth. S. 313-327.
[13] Ueber Jornandes S. 12. Ebert S. 535 bekämpft die Annahme, weil die Sprache
des Schreibers nicht hinlänglich respectvoll sei. Mir scheint das bei der damaligen
Sachlage und der durchaus nicht imposanten Persönlichkeit des Pabstes unerheblich.
Noch weniger kann ich in den Worten: „quatinus diversarum gentium calamitate
comperta ab omni aerumna liberum te fieri cupias et ad Deum convertas, qui est vera
libertas“ eine Aufforderung sehen, Mönch zu werden, wie sich dagegen auch
Schirren erklärt. — In der 2. Ausg. S. 561, Anm. 3, ist Ebert dabei geblieben.
[14] „episcopum eum dicit librorum ordo primus in titulo Romanorum“. Mommsen
p. XIII.
[15] Oder in Chalcedon, wohin Vigilius um Weihnachten 550 flüchtete, und wo er bis
zum Frühjahr 553 blieb.
[16] Mommsen p. XIV.
Romanos, wie H. v. Sybel nachgewiesen, in Schmidts Zeitschrift für Gesch. VII, 288.
Ueber den am Eingang seiner Rom. angeführten Jamblichus s. Mommsen, NA. VIII,
352.
[8] Der Titel beider Werke scheint gelautet zu haben: De origine actibusque
Getarum.
[9] „Ad triduanam lectionem dispensatoris eius beneficio libros ipsos antehac relegi,
quorum quamvis verba non recolo, sensus tamen et res actas credo me integre
retinere.“ — Zu den drei Tagen bemerkt Mommsen „si credis“.
[10] G. Kaufmann, Krit. Unters. der Quellen z. Gesch. Ulfilas, handelt von d. Gothi
minores (c. 51) im Gegensatz zu Bessell, u. bemerkt S. 243, daß, wenn auch Jordanis
den Orosius selbständig benutzt habe, doch im Cap. 25 u. 26 die Vermischung seiner
Angaben mit Amm. Marc. 31, 3 ihm von Cassiodor herzurühren scheine.
[11] Oder dessen Vorlage, s. oben S. 56, Anm.→2.
[12] Weltgeschichte IV, 2. Abth. S. 313-327.
[13] Ueber Jornandes S. 12. Ebert S. 535 bekämpft die Annahme, weil die Sprache
des Schreibers nicht hinlänglich respectvoll sei. Mir scheint das bei der damaligen
Sachlage und der durchaus nicht imposanten Persönlichkeit des Pabstes unerheblich.
Noch weniger kann ich in den Worten: „quatinus diversarum gentium calamitate
comperta ab omni aerumna liberum te fieri cupias et ad Deum convertas, qui est vera
libertas“ eine Aufforderung sehen, Mönch zu werden, wie sich dagegen auch
Schirren erklärt. — In der 2. Ausg. S. 561, Anm. 3, ist Ebert dabei geblieben.
[14] „episcopum eum dicit librorum ordo primus in titulo Romanorum“. Mommsen
p. XIII.
[15] Oder in Chalcedon, wohin Vigilius um Weihnachten 550 flüchtete, und wo er bis
zum Frühjahr 553 blieb.
[16] Mommsen p. XIV.
Page 119
§ 6. Die Westgothen. Isidor. [ ← ]
Aschbach, Geschichte der Westgothen, Frankf. 1827. Lembke, Geschichte von Spanien, Hamb. 1831.
F. Dahn, die Könige der Germanen, Abth. V. 1870. Teuffel § 487.
Spanien gehörte, wie Gallien, in den letzten Zeiten des römischen
Reiches zu den blühendsten Provinzen und war von der römischen Bildung
der damaligen Zeit vollkommen durchdrungen. Unendlich viel ging hier zu
Grunde in den verheerenden Kriegen des fünften Jahrhunderts, wo Spanien
unausgesetzt der Kampfplatz verschiedener deutscher Völkerschaften war;
die Westgothen aber, welche allmählich ihr Reich dort befestigten, zeigten
sich der römischen Bildung ebenso wenig abgeneigt wie die Ostgothen, und
während sie die unterworfenen Romanen mit großer Milde behandelten,
erhielt sich auch unter ihnen noch ein Nachklang des wissenschaftlichen
Lebens der besseren Zeit; sie selbst jedoch haben nicht in namhafter Weise
an dieser Thätigkeit Theil genommen.
Den Anfang der barbarischen Heimsuchung Spaniens erlebte noch
Or osius, der Augustins Geschichte des Reiches Gottes auf dessen Wunsch
die Schilderung des Elendes dieser Welt zur Seite stellte. Er wollte darin
nachweisen, daß nicht das Christenthum, wie die Heiden behaupteten, das
Elend über die Welt gebracht habe, sondern daß es zu allen Zeiten viel
Trübsal und Leiden gegeben: eine Auffassung, welche in den Zeiten des
Unglücks und der Verwirrung überall Anklang fand und großen Einfluß auf
die Ansichten der mittelalterlichen Geschichtschreiber geübt hat, ganz
besonders auf Otto von Freising, dessen Chronik sich unmittelbar an
Augustin und Orosius anschließt. Für uns mindert die unhistorische
Auffassung des Orosius, die dadurch bedingte einseitige Benutzung und
Entstellung seiner Quellen, und sein ziemlich leichtfertiges Verfahren, den
Werth, welchen sein Werk sonst durch die Benutzung jetzt verlorener
Schriften, namentlich des Livius, haben würde. Im Anfang legt auch er den
Eusebius in der Bearbeitung des Hieronymus und des Rufin zu Grunde,
Aschbach, Geschichte der Westgothen, Frankf. 1827. Lembke, Geschichte von Spanien, Hamb. 1831.
F. Dahn, die Könige der Germanen, Abth. V. 1870. Teuffel § 487.
Spanien gehörte, wie Gallien, in den letzten Zeiten des römischen
Reiches zu den blühendsten Provinzen und war von der römischen Bildung
der damaligen Zeit vollkommen durchdrungen. Unendlich viel ging hier zu
Grunde in den verheerenden Kriegen des fünften Jahrhunderts, wo Spanien
unausgesetzt der Kampfplatz verschiedener deutscher Völkerschaften war;
die Westgothen aber, welche allmählich ihr Reich dort befestigten, zeigten
sich der römischen Bildung ebenso wenig abgeneigt wie die Ostgothen, und
während sie die unterworfenen Romanen mit großer Milde behandelten,
erhielt sich auch unter ihnen noch ein Nachklang des wissenschaftlichen
Lebens der besseren Zeit; sie selbst jedoch haben nicht in namhafter Weise
an dieser Thätigkeit Theil genommen.
Den Anfang der barbarischen Heimsuchung Spaniens erlebte noch
Or osius, der Augustins Geschichte des Reiches Gottes auf dessen Wunsch
die Schilderung des Elendes dieser Welt zur Seite stellte. Er wollte darin
nachweisen, daß nicht das Christenthum, wie die Heiden behaupteten, das
Elend über die Welt gebracht habe, sondern daß es zu allen Zeiten viel
Trübsal und Leiden gegeben: eine Auffassung, welche in den Zeiten des
Unglücks und der Verwirrung überall Anklang fand und großen Einfluß auf
die Ansichten der mittelalterlichen Geschichtschreiber geübt hat, ganz
besonders auf Otto von Freising, dessen Chronik sich unmittelbar an
Augustin und Orosius anschließt. Für uns mindert die unhistorische
Auffassung des Orosius, die dadurch bedingte einseitige Benutzung und
Entstellung seiner Quellen, und sein ziemlich leichtfertiges Verfahren, den
Werth, welchen sein Werk sonst durch die Benutzung jetzt verlorener
Schriften, namentlich des Livius, haben würde. Im Anfang legt auch er den
Eusebius in der Bearbeitung des Hieronymus und des Rufin zu Grunde,
Page 120
schreibt dann vorzüglich den Justin aus und geht endlich zu einer ganz
überwiegenden Darstellung der römischen Geschichte über. Das römische
Reich ist ihm nach der erst kurz zuvor, wenn auch nicht zuerst, von
Hieronymus aufgestellten Deutung die vierte Weltmonarchie; als die
vorhergehenden aber sieht er, abweichend von den späteren Chronisten, das
babylonische, macedonische und karthagische Reich an. Am Schlusse
seines Werkes giebt Orosius die Geschichte seiner Zeit bis 417, in welchem
Jahre er seine Geschichte schrieb, und dieser Abschnitt hat, obschon dürftig
und ganz erfüllt von dem engherzigen Geiste der pfäffischen Hofpartei,
welcher so eben der Sturz des großen Stilico gelungen war, doch
selbständigen Werth, und enthält namentlich gute Nachrichten über Spanien
und die Geschichte der Westgothen[1].
Unter der westgothischen Herrschaft entstanden ferner mehrere jener
wortkargen annalistischen Aufzeichnungen, welche sich an die Chronik des
Hieronymus anschlossen, und in den späteren Weltchroniken regelmäßig
den Uebergang vom Hieronymus zum Beda bilden, weshalb eine Zeit lang
westgothische, später angelsächsische Namen vorherrschen. Die wichtigste
dieser Chroniken, für viele Begebenheiten unsere einzige Quelle, ist das
Werk des Aquitaniers Ti r o P r osper, wie er an einigen Stellen genannt
wird, oder kurzweg P r o sper, wie er gewöhnlich heißt[2]. Um 400 geboren,
hat Prosper sich eine für jene Zeit hervorragende Bildung erworben, und
zwar haben ihn, obgleich er Laie war und blieb[3], ganz vorzüglich
theologische Studien beschäftigt. Als eifriger Verehrer und Bewunderer
Augustins kämpfte er wacker gegen Pelagianer und andere Ketzer, und
erwarb sich als Schriftsteller einen angesehenen Namen. Im Jahre 440
scheint er den Pabst Leo nach Rom begleitet zu haben; er wird als Verfasser
von Briefen genannt, welche Leo's Namen tragen, und blieb fortan,
vermuthlich als Notar, am römischen Hofe, wo er die Angst vor Attila und
den Schrecken der vandalischen Eroberung erlebte. Hier, wie es scheint, hat
er sein Chronicon geschrieben, oder doch vollendet, welches in erster
Redaction bis 445 reicht[4], in zweiter bis 455 fortgeführt ist[5]. Er beginnt
mit der Erschaffung der Welt, beschränkt sich aber im ersten Theile ganz
überwiegenden Darstellung der römischen Geschichte über. Das römische
Reich ist ihm nach der erst kurz zuvor, wenn auch nicht zuerst, von
Hieronymus aufgestellten Deutung die vierte Weltmonarchie; als die
vorhergehenden aber sieht er, abweichend von den späteren Chronisten, das
babylonische, macedonische und karthagische Reich an. Am Schlusse
seines Werkes giebt Orosius die Geschichte seiner Zeit bis 417, in welchem
Jahre er seine Geschichte schrieb, und dieser Abschnitt hat, obschon dürftig
und ganz erfüllt von dem engherzigen Geiste der pfäffischen Hofpartei,
welcher so eben der Sturz des großen Stilico gelungen war, doch
selbständigen Werth, und enthält namentlich gute Nachrichten über Spanien
und die Geschichte der Westgothen[1].
Unter der westgothischen Herrschaft entstanden ferner mehrere jener
wortkargen annalistischen Aufzeichnungen, welche sich an die Chronik des
Hieronymus anschlossen, und in den späteren Weltchroniken regelmäßig
den Uebergang vom Hieronymus zum Beda bilden, weshalb eine Zeit lang
westgothische, später angelsächsische Namen vorherrschen. Die wichtigste
dieser Chroniken, für viele Begebenheiten unsere einzige Quelle, ist das
Werk des Aquitaniers Ti r o P r osper, wie er an einigen Stellen genannt
wird, oder kurzweg P r o sper, wie er gewöhnlich heißt[2]. Um 400 geboren,
hat Prosper sich eine für jene Zeit hervorragende Bildung erworben, und
zwar haben ihn, obgleich er Laie war und blieb[3], ganz vorzüglich
theologische Studien beschäftigt. Als eifriger Verehrer und Bewunderer
Augustins kämpfte er wacker gegen Pelagianer und andere Ketzer, und
erwarb sich als Schriftsteller einen angesehenen Namen. Im Jahre 440
scheint er den Pabst Leo nach Rom begleitet zu haben; er wird als Verfasser
von Briefen genannt, welche Leo's Namen tragen, und blieb fortan,
vermuthlich als Notar, am römischen Hofe, wo er die Angst vor Attila und
den Schrecken der vandalischen Eroberung erlebte. Hier, wie es scheint, hat
er sein Chronicon geschrieben, oder doch vollendet, welches in erster
Redaction bis 445 reicht[4], in zweiter bis 455 fortgeführt ist[5]. Er beginnt
mit der Erschaffung der Welt, beschränkt sich aber im ersten Theile ganz
Page 121
auf einen grundschlechten Auszug aus Hieronymus, welcher dessen
eigenthümlichen Vorzug, die chronologische Bestimmtheit und
Uebersichtlichkeit, ganz zerstört. Von Christi Tod an beginnt bei ihm das
Verzeichniß der Consuln, welches er einem Exemplare der Ravennatischen
Fasten entlehnte. Auch finden sich Zusätze, welche sich vorzüglich auf die
verschiedenen Ketzereien beziehen und aus Augustins Schriften entlehnt
sind. Weiterhin sind auch andere Quellen benutzt, darunter die Geschichte
des ihm geistesverwandten Orosius. Spätestens von 425 an berichtet er als
Zeitgenosse, und zwar über einen Zeitraum, aus welchem andere Quellen
fast ganz mangeln. Flüchtig und nachlässig, in dürftiger Kürze berichtet er
auch hier, aber werthvoll ist in hohem Grade, was er mittheilt. Dem
Interesse des römischen Stuhles zeigt er sich überall eifrig ergeben, und
verändert sogar Nachrichten des Hieronymus in solcher Tendenz.
Verständiger Weise hat man schon früh den ersten Theil bis 378 als
werthlos fortgelassen, und nur den zweiten als Fortsetzung mit der Chronik
des Hieronymus verbunden. In dieser Gestalt wurde die Chronik als
bequemstes Handbuch der Weltgeschichte schon sehr früh allgemein
benutzt, und noch im 16. Jahrhundert häufig gedruckt, jedoch mit Zusätzen,
welche den ursprünglichen Text verdunkeln. Man verband damit die
Fortsetzung des Matthaeus Palmerius bis 1449, die weitere des Matthias
Palmerius bis 1482, und fügte noch eine Fortführung bis zum Druckjahre
hinzu, weil man den praktischen Gebrauch im Auge hatte.
Eine Ueberarbeitung der Chronik des Prosper bis 445, mit einer
römischen Fortsetzung bis 451, die noch Verwandtschaft mit dem Text des
Prosper zeigt, ist in Afrika, wahrscheinlich in Karthago, verfaßt und bis 457
fortgeführt, mit Benutzung der Consularfasten. Hinzugefügt ist eine
Uebersicht der Geschichte des vandalischen Reiches von der Einnahme von
Karthago bis zum Untergang des Reichs 533[6].
Irrthümlich Prosper zugeschrieben ist das Chronicon imperiale oder
Pithoeanum (379-455), welches am Anfang und am Ende mit Prosper
eigenthümlichen Vorzug, die chronologische Bestimmtheit und
Uebersichtlichkeit, ganz zerstört. Von Christi Tod an beginnt bei ihm das
Verzeichniß der Consuln, welches er einem Exemplare der Ravennatischen
Fasten entlehnte. Auch finden sich Zusätze, welche sich vorzüglich auf die
verschiedenen Ketzereien beziehen und aus Augustins Schriften entlehnt
sind. Weiterhin sind auch andere Quellen benutzt, darunter die Geschichte
des ihm geistesverwandten Orosius. Spätestens von 425 an berichtet er als
Zeitgenosse, und zwar über einen Zeitraum, aus welchem andere Quellen
fast ganz mangeln. Flüchtig und nachlässig, in dürftiger Kürze berichtet er
auch hier, aber werthvoll ist in hohem Grade, was er mittheilt. Dem
Interesse des römischen Stuhles zeigt er sich überall eifrig ergeben, und
verändert sogar Nachrichten des Hieronymus in solcher Tendenz.
Verständiger Weise hat man schon früh den ersten Theil bis 378 als
werthlos fortgelassen, und nur den zweiten als Fortsetzung mit der Chronik
des Hieronymus verbunden. In dieser Gestalt wurde die Chronik als
bequemstes Handbuch der Weltgeschichte schon sehr früh allgemein
benutzt, und noch im 16. Jahrhundert häufig gedruckt, jedoch mit Zusätzen,
welche den ursprünglichen Text verdunkeln. Man verband damit die
Fortsetzung des Matthaeus Palmerius bis 1449, die weitere des Matthias
Palmerius bis 1482, und fügte noch eine Fortführung bis zum Druckjahre
hinzu, weil man den praktischen Gebrauch im Auge hatte.
Eine Ueberarbeitung der Chronik des Prosper bis 445, mit einer
römischen Fortsetzung bis 451, die noch Verwandtschaft mit dem Text des
Prosper zeigt, ist in Afrika, wahrscheinlich in Karthago, verfaßt und bis 457
fortgeführt, mit Benutzung der Consularfasten. Hinzugefügt ist eine
Uebersicht der Geschichte des vandalischen Reiches von der Einnahme von
Karthago bis zum Untergang des Reichs 533[6].
Irrthümlich Prosper zugeschrieben ist das Chronicon imperiale oder
Pithoeanum (379-455), welches am Anfang und am Ende mit Prosper
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übereinstimmt, übrigens aber in Form und Inhalt ganz verschieden ist. Als
Zeitrechnung dienen hier die Regierungsjahre der Kaiser. Verfaßt ist es,
wahrscheinlich vom Autor selbst, als Fortsetzung des Hieronymus;
wenigstens findet es sich nur mit diesem verbunden. Geschrieben ist es auf
Grundlage der Consularfasten mit Benutzung des Rufinus und anderer
unbekannter Quellen im südlichen Gallien, vielleicht in Marseille, mit
besonderer Verehrung des Klosters Lerins. In scharfem Gegensatz zu
Prosper erscheint der Verfasser zwar auch von lebhaftem kirchlichen
Interesse erfüllt, aber Augustin abgeneigt und semipelagianistisch gesinnt.
Holder-Egger vermuthet, daß die Chronik vielleicht unvollendet blieb und
von anderer Hand aus Prosper ergänzt wurde, um den Uebergang zum
Marius zu bilden. Benutzt ist es nur von dem sog. Severus Sulpicius und
später von Sigebert, durch den es allgemein bekannt und verbreitet wurde.
Es ist voll von chronologischen Irrthümern, aber enthält wichtige
Nachrichten über die Geschicke der germanischen Völker in Gallien[7].
Von erheblichem Werthe und namentlich durch gute Nachrichten über
die Sueven und Westgothen sehr schätzbar ist die Chronik des galizischen
Bischofs I d at i us oder Hy dat ius (gebürtig aus Lamego, daher
L em i cen si s), welcher den Hieronymus fortsetzte, und nach seiner
eigenen Angabe bis 427, in welchem Jahre er Bischof wurde, aus Büchern
und den Berichten der Zeitgenossen schöpfte, von da an bis 467 aus eigener
Erfahrung von den Begebenheiten berichtete, in welchen er als angesehener
Bischof eine nicht unbedeutende Rolle spielte[8].
Eine grundschlechte, doch durch ihren Inhalt wichtige Chronik schrieb
Victo r, Bischof der unbekannten Stadt Tunn una in der afrikanischen
Proconsularprovinz. Er scheint von der Schöpfung begonnen zu haben, aber
erhalten ist sein Werk nur als Fortsetzung des Prosper (444-566)[9]. An
dasselbe schließt sich die Fortsetzung eines Gothen, Joh an nes v on
B icl ar o, der aber in Constantinopel seine Bildung erhalten hatte, bis zum
Jahre 590. Er stiftete 586 das Kloster Biclaro am Fuße der Pyrenäen, wo er
Zeitrechnung dienen hier die Regierungsjahre der Kaiser. Verfaßt ist es,
wahrscheinlich vom Autor selbst, als Fortsetzung des Hieronymus;
wenigstens findet es sich nur mit diesem verbunden. Geschrieben ist es auf
Grundlage der Consularfasten mit Benutzung des Rufinus und anderer
unbekannter Quellen im südlichen Gallien, vielleicht in Marseille, mit
besonderer Verehrung des Klosters Lerins. In scharfem Gegensatz zu
Prosper erscheint der Verfasser zwar auch von lebhaftem kirchlichen
Interesse erfüllt, aber Augustin abgeneigt und semipelagianistisch gesinnt.
Holder-Egger vermuthet, daß die Chronik vielleicht unvollendet blieb und
von anderer Hand aus Prosper ergänzt wurde, um den Uebergang zum
Marius zu bilden. Benutzt ist es nur von dem sog. Severus Sulpicius und
später von Sigebert, durch den es allgemein bekannt und verbreitet wurde.
Es ist voll von chronologischen Irrthümern, aber enthält wichtige
Nachrichten über die Geschicke der germanischen Völker in Gallien[7].
Von erheblichem Werthe und namentlich durch gute Nachrichten über
die Sueven und Westgothen sehr schätzbar ist die Chronik des galizischen
Bischofs I d at i us oder Hy dat ius (gebürtig aus Lamego, daher
L em i cen si s), welcher den Hieronymus fortsetzte, und nach seiner
eigenen Angabe bis 427, in welchem Jahre er Bischof wurde, aus Büchern
und den Berichten der Zeitgenossen schöpfte, von da an bis 467 aus eigener
Erfahrung von den Begebenheiten berichtete, in welchen er als angesehener
Bischof eine nicht unbedeutende Rolle spielte[8].
Eine grundschlechte, doch durch ihren Inhalt wichtige Chronik schrieb
Victo r, Bischof der unbekannten Stadt Tunn una in der afrikanischen
Proconsularprovinz. Er scheint von der Schöpfung begonnen zu haben, aber
erhalten ist sein Werk nur als Fortsetzung des Prosper (444-566)[9]. An
dasselbe schließt sich die Fortsetzung eines Gothen, Joh an nes v on
B icl ar o, der aber in Constantinopel seine Bildung erhalten hatte, bis zum
Jahre 590. Er stiftete 586 das Kloster Biclaro am Fuße der Pyrenäen, wo er
Page 123
auch seine Chronik geschrieben hat; 591 ist er Bischof von Gerona
geworden[10].
Eine Fortsetzung des Prosper bis 581 schrieb in Burgund der Bischof
Mar i us vo n Avench es, auf welchen wir noch zurückkommen. Eine
eigenthümliche Umgestaltung des Textes mit werthvollen Zusätzen und
Fortsetzung bis 641 bietet uns der Co nt inuato r P r osper i Havni ensis,
so genannt, weil die Handschrift 1836 von G. Waitz in Kopenhagen
entdeckt wurde. Lange nur durch spärliche Mittheilungen bekannt, wurde
sie endlich von G. Hille abgeschrieben und 1866 in einer Berliner
Dissertation herausgegeben. Der Verfasser schrieb im Langobardenreich,
vielleicht in Mailand, gehörte aber der romanischen Bevölkerung an. Er
versah schon Hieronymus und Prosper mit Zusätzen aus Isidor, einem
Pabstkatalog und den Consularfasten; auch hat er gallische Annalen
benutzt. Der Fortsetzung fehlen die Jahre 458-474. Beim Jahre 523 hört die
Rechnung nach Consuln auf, und die Regierungen der Kaiser treten an die
Stelle, wie bei Isidor, welcher von nun an dem Verfasser als Leitfaden
dient[11].
Näher auf diese Werke einzugehen, deren Werth nur in ihrem
materiellen Inhalt besteht, würde hier nicht am Orte sein; sie durften nicht
ganz übergangen werden, weil sie den Uebergang zu den späteren
Chronisten bildeten, denen vorzüglich Prosper und Idatius ganz allgemein
als Grundlage für diese Zeiten dienten: die weiteren Quellen der
westgothischen Geschichte aber dürfen wir hier wohl unbedenklich bei
Seite lassen[12]. Dagegen haben wir noch eines Mannes zu gedenken, der,
wie jene Vertreter der alten grammatischen Bildung am Hofe von Ravenna,
alles was von der überlieferten Schulbildung noch übrig war, in sich
aufgenommen hatte, und durch seine Schriften einer der einflußreichsten
Lehrer des Mittelalters geworden ist, nämlich I sido r von S evi ll a[13].
Isidor war der Sohn des Severian, eines Provinzialen aus dem District
von Karthagena. Er folgte seinem Bruder Leander auf dem bischöflichen
geworden[10].
Eine Fortsetzung des Prosper bis 581 schrieb in Burgund der Bischof
Mar i us vo n Avench es, auf welchen wir noch zurückkommen. Eine
eigenthümliche Umgestaltung des Textes mit werthvollen Zusätzen und
Fortsetzung bis 641 bietet uns der Co nt inuato r P r osper i Havni ensis,
so genannt, weil die Handschrift 1836 von G. Waitz in Kopenhagen
entdeckt wurde. Lange nur durch spärliche Mittheilungen bekannt, wurde
sie endlich von G. Hille abgeschrieben und 1866 in einer Berliner
Dissertation herausgegeben. Der Verfasser schrieb im Langobardenreich,
vielleicht in Mailand, gehörte aber der romanischen Bevölkerung an. Er
versah schon Hieronymus und Prosper mit Zusätzen aus Isidor, einem
Pabstkatalog und den Consularfasten; auch hat er gallische Annalen
benutzt. Der Fortsetzung fehlen die Jahre 458-474. Beim Jahre 523 hört die
Rechnung nach Consuln auf, und die Regierungen der Kaiser treten an die
Stelle, wie bei Isidor, welcher von nun an dem Verfasser als Leitfaden
dient[11].
Näher auf diese Werke einzugehen, deren Werth nur in ihrem
materiellen Inhalt besteht, würde hier nicht am Orte sein; sie durften nicht
ganz übergangen werden, weil sie den Uebergang zu den späteren
Chronisten bildeten, denen vorzüglich Prosper und Idatius ganz allgemein
als Grundlage für diese Zeiten dienten: die weiteren Quellen der
westgothischen Geschichte aber dürfen wir hier wohl unbedenklich bei
Seite lassen[12]. Dagegen haben wir noch eines Mannes zu gedenken, der,
wie jene Vertreter der alten grammatischen Bildung am Hofe von Ravenna,
alles was von der überlieferten Schulbildung noch übrig war, in sich
aufgenommen hatte, und durch seine Schriften einer der einflußreichsten
Lehrer des Mittelalters geworden ist, nämlich I sido r von S evi ll a[13].
Isidor war der Sohn des Severian, eines Provinzialen aus dem District
von Karthagena. Er folgte seinem Bruder Leander auf dem bischöflichen
Page 124
Stuhle von Sevilla, und starb 636. Außer vielen anderen Werken, brachte er
die Summe aller Kenntnisse, welche er sich vermittelst der damals noch
vorhandenen Hülfsmittel erworben hatte, in ein Compendium, die 20
Bücher Originum sive Etymologiarum, welche eine außerordentliche
Verbreitung erlangten und allgemein gelesen und benutzt wurden[14]. Heut
zu Tage ist man geneigt diese Bestrebungen gering zu schätzen, ja ihnen zu
zürnen, weil dadurch die älteren und besseren Werke verdrängt wurden.
Allein es war damals schwer sich eine Bibliothek zu sammeln; nur wenige
von denen, welche sich mit Wissenschaften überhaupt beschäftigten,
konnten sich die umfangreichen Handschriften der alten Classiker
verschaffen, und deshalb gewannen die leicht zugänglichen Auszüge eine so
rasche Verbreitung. Es ist sehr fraglich, ob sich die reineren Quellen besser
erhalten haben würden, wenn auch niemand Auszüge daraus verfaßt hätte;
diese dagegen setzten auch unbemittelte Schüler in den Stand, wenigstens
etwas zu lernen.
In jenem umfassenden Werke, welches freilich auch die mäßigsten
Ansprüche unbefriedigt läßt, ist nun auch eine kurze Chronik oder
chronologische Uebersicht, liber de discretione temporum, enthalten, ein
Auszug aus der zwölf Jahre früher verfaßten Chr onik, welche in
gedrängtester Kürze eine Uebersicht der Begebenheiten von der
Erschaffung der Welt bis zum fünften Jahre des Heraklius, dem vierten des
Sisebut (615) giebt[15]. Eigenthümlich ist Isidor die Eintheilung nach den
sechs Wel t al ter n, entsprechend den sechs Schöpfungstagen; das letzte
beginnt mit Christi Geburt und Augusti Kaiserthum. Es ist das ein bei
Augustin wiederholt vorkommender Gedanke[16], welcher hier zuerst
chronistisch verwerthet wurde und später durch Beda allgemeine
Verbreitung fand.
So sehr nun auch Isidor von der kirchlichen Auffassung der Geschichte
erfüllt war, so hatte er doch auch ein lebhaftes Gefühl für sein Land und für
das Volk der Westgothen, von deren Milde und Menschenfreundlichkeit er
ein schönes Zeugniß ablegt. Denn nachdem er die Einnahme Roms durch
die Summe aller Kenntnisse, welche er sich vermittelst der damals noch
vorhandenen Hülfsmittel erworben hatte, in ein Compendium, die 20
Bücher Originum sive Etymologiarum, welche eine außerordentliche
Verbreitung erlangten und allgemein gelesen und benutzt wurden[14]. Heut
zu Tage ist man geneigt diese Bestrebungen gering zu schätzen, ja ihnen zu
zürnen, weil dadurch die älteren und besseren Werke verdrängt wurden.
Allein es war damals schwer sich eine Bibliothek zu sammeln; nur wenige
von denen, welche sich mit Wissenschaften überhaupt beschäftigten,
konnten sich die umfangreichen Handschriften der alten Classiker
verschaffen, und deshalb gewannen die leicht zugänglichen Auszüge eine so
rasche Verbreitung. Es ist sehr fraglich, ob sich die reineren Quellen besser
erhalten haben würden, wenn auch niemand Auszüge daraus verfaßt hätte;
diese dagegen setzten auch unbemittelte Schüler in den Stand, wenigstens
etwas zu lernen.
In jenem umfassenden Werke, welches freilich auch die mäßigsten
Ansprüche unbefriedigt läßt, ist nun auch eine kurze Chronik oder
chronologische Uebersicht, liber de discretione temporum, enthalten, ein
Auszug aus der zwölf Jahre früher verfaßten Chr onik, welche in
gedrängtester Kürze eine Uebersicht der Begebenheiten von der
Erschaffung der Welt bis zum fünften Jahre des Heraklius, dem vierten des
Sisebut (615) giebt[15]. Eigenthümlich ist Isidor die Eintheilung nach den
sechs Wel t al ter n, entsprechend den sechs Schöpfungstagen; das letzte
beginnt mit Christi Geburt und Augusti Kaiserthum. Es ist das ein bei
Augustin wiederholt vorkommender Gedanke[16], welcher hier zuerst
chronistisch verwerthet wurde und später durch Beda allgemeine
Verbreitung fand.
So sehr nun auch Isidor von der kirchlichen Auffassung der Geschichte
erfüllt war, so hatte er doch auch ein lebhaftes Gefühl für sein Land und für
das Volk der Westgothen, von deren Milde und Menschenfreundlichkeit er
ein schönes Zeugniß ablegt. Denn nachdem er die Einnahme Roms durch
Page 125
Alarich und die dabei geübte Schonung beschrieben hat, fügt er hinzu:
„Deshalb lieben auch bis auf den heutigen Tag die Römer, welche im
Reiche der Gothen leben, die Herrschaft derselben so sehr, daß sie es für
besser halten, mit den Gothen in Armuth zu leben, als unter den Römern
mächtig zu sein und die schwere Last der Abgaben zu tragen.“ Das steht in
der Volksgeschichte der Westgothen, welche er verfaßt hat, kurz zwar und
dürftig für uns, die wir nach eingehenderer Darstellung verlangen, aber
doch nicht ohne Geschick zusammengefaßt und mit Wärme erzählt. Kurze
Geschichten der Vandalen und der Sueven schließen sich daran.
Vorangeschickt aber ist ein überschwengliches Lob Spaniens, das jetzt von
dem blühenden Volke der Gothen in Reichthum und glücklicher Sicherheit
beherrscht werde. Dieses Stück fehlt jedoch in den meisten Handschriften
und ist nicht von Isidor[17].
Außerdem aber haben wir endlich noch ein Werk des Isidor zu
erwähnen, welches ebenfalls große Verbreitung gefunden und manchen zur
Nachahmung gereizt hat. Das ist sein litterarhistorisches Buch De
scriptoribus ecclesiasticis. Er selbst folgte darin dem Vorgange des
Hieronymus und des Gennadius, eines Marseiller Priesters im fünften
Jahrhundert. Ihm schloß sich dann zunächst I l def ons v on Tol edo an
und darauf nach langem Zwischenraume im zwölften Jahrhundert
S ig eber t, H ono r i us, P et r u s Diaco nus und der ungenannte Mönch,
welcher nach dem Fundort der Handschrift von Melk (Anonymus
Mellicensis) genannt wird[18], aber dem Inhalt nach vielmehr nach
R eg ensb u rg gehört, alle dürftig und mager, aber schätzbar durch einige
nur von ihnen aufbewahrte Nachrichten. Im dreizehnten Jahrhundert folgte
ihnen H ei n r i ch von Gen t[19] und endlich am Schlusse des Mittelalters
der vielbelesene, aber unzuverlässige Johann von Tr i t t enh ei m[20].
Denselben Gegenstand behandelte im 12. Jahrhundert C o nr ad v on
Hi r schau in seinem Dialogus super auctores[21], und im Jahre 1380
Hu go v on Tr i m b erg, Lehrer zu St. Gangolf in Bamberg, in Versen, in
seinem Registrum multorum auctorum, dessen nicht eben reicher Ertrag von
„Deshalb lieben auch bis auf den heutigen Tag die Römer, welche im
Reiche der Gothen leben, die Herrschaft derselben so sehr, daß sie es für
besser halten, mit den Gothen in Armuth zu leben, als unter den Römern
mächtig zu sein und die schwere Last der Abgaben zu tragen.“ Das steht in
der Volksgeschichte der Westgothen, welche er verfaßt hat, kurz zwar und
dürftig für uns, die wir nach eingehenderer Darstellung verlangen, aber
doch nicht ohne Geschick zusammengefaßt und mit Wärme erzählt. Kurze
Geschichten der Vandalen und der Sueven schließen sich daran.
Vorangeschickt aber ist ein überschwengliches Lob Spaniens, das jetzt von
dem blühenden Volke der Gothen in Reichthum und glücklicher Sicherheit
beherrscht werde. Dieses Stück fehlt jedoch in den meisten Handschriften
und ist nicht von Isidor[17].
Außerdem aber haben wir endlich noch ein Werk des Isidor zu
erwähnen, welches ebenfalls große Verbreitung gefunden und manchen zur
Nachahmung gereizt hat. Das ist sein litterarhistorisches Buch De
scriptoribus ecclesiasticis. Er selbst folgte darin dem Vorgange des
Hieronymus und des Gennadius, eines Marseiller Priesters im fünften
Jahrhundert. Ihm schloß sich dann zunächst I l def ons v on Tol edo an
und darauf nach langem Zwischenraume im zwölften Jahrhundert
S ig eber t, H ono r i us, P et r u s Diaco nus und der ungenannte Mönch,
welcher nach dem Fundort der Handschrift von Melk (Anonymus
Mellicensis) genannt wird[18], aber dem Inhalt nach vielmehr nach
R eg ensb u rg gehört, alle dürftig und mager, aber schätzbar durch einige
nur von ihnen aufbewahrte Nachrichten. Im dreizehnten Jahrhundert folgte
ihnen H ei n r i ch von Gen t[19] und endlich am Schlusse des Mittelalters
der vielbelesene, aber unzuverlässige Johann von Tr i t t enh ei m[20].
Denselben Gegenstand behandelte im 12. Jahrhundert C o nr ad v on
Hi r schau in seinem Dialogus super auctores[21], und im Jahre 1380
Hu go v on Tr i m b erg, Lehrer zu St. Gangolf in Bamberg, in Versen, in
seinem Registrum multorum auctorum, dessen nicht eben reicher Ertrag von
Page 126
M. Haupt geprüft ist, in den Sitzungsberichten der Berliner Akademie 1854,
S. 142 ff.; vollständig herausgegeben von Joh. Huemer[22].
[1] Th. de Mörner, De Orosii vita eiusque Historiarum libris VII adversus paganos.
Berol. 1844. 8. Vgl. Papencordt, Geschichte der Vand. 337-340. 365. Büdinger in
Sybels Zeitschrift VII, 113. Pallmann II, 236-245. (Gegen dessen Vermuthung einer
Fortsetzung unter dem Titel De Placidia et moribus ejus, Waitz, Gött. Nachr. 1865, S.
113. Zangemeister in der kl. Ausg. v. 1890 Praef. p. XXI.) Ebert S. 337-344. Ausgabe
von Zangemeister im Wiener Corpus V, 1882. Rec. von Krusch, HZ. L, 472-476,
darin S. 475 über das Jahr 417, nach Orosius Rechnung 419.
[2] S. über ihn die Abhandlung von Holder-Egger im NA. I, 13-90, welche ich hier
zu Grunde lege.
[3] Holder-Egger S. 55, bes. auf Gennadius gestützt. Mommsen freilich nimmt
geistlichen Stand an, weil er in dem Schreiben an Augustin einen Diaconus seinen
frater nennt. Das ist jedoch schon von den alten geistlichen Herausgebern als
irrelevant zurückgewiesen.
[4] Chronicon vulgatum genannt, weil es zuerst, als Fortsetzung des Hieronymus,
bekannt wurde, in allen Drucken mit Interpolationen. Ueber die älteste Ausgabe s.
oben S. 9 Anm.→5. Erste und beste kritische von Pontacus: Chronica trium
illustrium auctorum. Burdigalae 1604. Mommsen nimmt wegen der abschliessenden
Berechnung eine erste Ausgabe bis 433 an, eine zweite bis 443, an welche Victor
Tonnenensis (so schreibt M.) sich anschloss.
[5] Chronicum integrum ed. Labbe, Bibl. nova Manuscriptorum, Paris 1657, I, 16-55.
Jetzt allein brauchbar die Ausgabe von Mommsen u. d. T. Epitoma chronicon. Auctt.
antt. I, 341-485, woran sich verschiedene Additamente schliessen. (So weit konnte
ich diesen Band benutzen.)
[6] Das sog. Chronicon Canisianum, auch Ulricianum und Augustanum nach dem
Fundort der HS. in St. Ulrich u. Afra. Diese und die zweite Pariser HS. stammen aus
der Sammlung des Reichenauer Reginbert. Ausg. Canis. I, 148 u. 306 ed. II. Bibl.
Max. Patr. Col. V pars III. Lugd. VIII. Ronc. I, 677-704. S. Holder-Egger im NA. I,
24. 37-47. 278 u. S. 280 bis 291 über den vat. Auszug mit Forts. bis 466 u. Auctarium
Prosperi e cod. Vat. Christ. 2077.
[7] Holder-Egger im NA. I, 91-120. Ausg. von Pithou 1588 etc. Roncall. I, 739-760.
[8] Ronc. II, 1-54. Sirmondi opera varia II. Ausg. von De Ram, Brux. 1845. Migne
LI. Vgl. Baehr S. 208-212. Papencordt, Gesch. d. Vandalen S. 352-355. Ebert S. 443.
Krusch, NA. VII, 475-478. Ueber sein Verhältniß zu den Consularfasten. Mommsen,
Auctt. antt. IX, 201 (oben S. 58).
[9] Ronc. II, 337. Migne LXVIII. Vgl. Baehr S. 217. Papencordt S. 359-365. Ebert S.
586. Holder-Egger im NA. I, 298-300. Scaliger benutzte dieselbe Abschrift Schotts,
s. darüber C. Frick, Rhein. Mus. f. Philol. N. F. XLIV, 369-373.
[10] Ausg. von Canisius mit Victor Tunnunensis 1600 etc. Baehr S. 218. Ebert S.
587. Zu warnen ist vor den von Papencordt benutzten und durch ihn weiter
gelangten, gefälschten Fragmenten des angeblichen Vi c t o r C a r t e n e n s i s.
S. 142 ff.; vollständig herausgegeben von Joh. Huemer[22].
[1] Th. de Mörner, De Orosii vita eiusque Historiarum libris VII adversus paganos.
Berol. 1844. 8. Vgl. Papencordt, Geschichte der Vand. 337-340. 365. Büdinger in
Sybels Zeitschrift VII, 113. Pallmann II, 236-245. (Gegen dessen Vermuthung einer
Fortsetzung unter dem Titel De Placidia et moribus ejus, Waitz, Gött. Nachr. 1865, S.
113. Zangemeister in der kl. Ausg. v. 1890 Praef. p. XXI.) Ebert S. 337-344. Ausgabe
von Zangemeister im Wiener Corpus V, 1882. Rec. von Krusch, HZ. L, 472-476,
darin S. 475 über das Jahr 417, nach Orosius Rechnung 419.
[2] S. über ihn die Abhandlung von Holder-Egger im NA. I, 13-90, welche ich hier
zu Grunde lege.
[3] Holder-Egger S. 55, bes. auf Gennadius gestützt. Mommsen freilich nimmt
geistlichen Stand an, weil er in dem Schreiben an Augustin einen Diaconus seinen
frater nennt. Das ist jedoch schon von den alten geistlichen Herausgebern als
irrelevant zurückgewiesen.
[4] Chronicon vulgatum genannt, weil es zuerst, als Fortsetzung des Hieronymus,
bekannt wurde, in allen Drucken mit Interpolationen. Ueber die älteste Ausgabe s.
oben S. 9 Anm.→5. Erste und beste kritische von Pontacus: Chronica trium
illustrium auctorum. Burdigalae 1604. Mommsen nimmt wegen der abschliessenden
Berechnung eine erste Ausgabe bis 433 an, eine zweite bis 443, an welche Victor
Tonnenensis (so schreibt M.) sich anschloss.
[5] Chronicum integrum ed. Labbe, Bibl. nova Manuscriptorum, Paris 1657, I, 16-55.
Jetzt allein brauchbar die Ausgabe von Mommsen u. d. T. Epitoma chronicon. Auctt.
antt. I, 341-485, woran sich verschiedene Additamente schliessen. (So weit konnte
ich diesen Band benutzen.)
[6] Das sog. Chronicon Canisianum, auch Ulricianum und Augustanum nach dem
Fundort der HS. in St. Ulrich u. Afra. Diese und die zweite Pariser HS. stammen aus
der Sammlung des Reichenauer Reginbert. Ausg. Canis. I, 148 u. 306 ed. II. Bibl.
Max. Patr. Col. V pars III. Lugd. VIII. Ronc. I, 677-704. S. Holder-Egger im NA. I,
24. 37-47. 278 u. S. 280 bis 291 über den vat. Auszug mit Forts. bis 466 u. Auctarium
Prosperi e cod. Vat. Christ. 2077.
[7] Holder-Egger im NA. I, 91-120. Ausg. von Pithou 1588 etc. Roncall. I, 739-760.
[8] Ronc. II, 1-54. Sirmondi opera varia II. Ausg. von De Ram, Brux. 1845. Migne
LI. Vgl. Baehr S. 208-212. Papencordt, Gesch. d. Vandalen S. 352-355. Ebert S. 443.
Krusch, NA. VII, 475-478. Ueber sein Verhältniß zu den Consularfasten. Mommsen,
Auctt. antt. IX, 201 (oben S. 58).
[9] Ronc. II, 337. Migne LXVIII. Vgl. Baehr S. 217. Papencordt S. 359-365. Ebert S.
586. Holder-Egger im NA. I, 298-300. Scaliger benutzte dieselbe Abschrift Schotts,
s. darüber C. Frick, Rhein. Mus. f. Philol. N. F. XLIV, 369-373.
[10] Ausg. von Canisius mit Victor Tunnunensis 1600 etc. Baehr S. 218. Ebert S.
587. Zu warnen ist vor den von Papencordt benutzten und durch ihn weiter
gelangten, gefälschten Fragmenten des angeblichen Vi c t o r C a r t e n e n s i s.
Page 127
[11] Bethmann im Arch. X. 380. Waitz, Nachr. 1865 N. 4. Holder-Egger im NA. I,
259-268. Theilweise Auctt. antt. IX in den Consularia Ital. herausgegeben.
[12] Hervorzuheben ist noch des B . J u l i a n v o n To l e d o Historia Wambae regis
über den Aufstand des Herzogs Paulus von Narbonne und den Sieg des Königs 674.
Duchesne I, 821 etc. Migne XCVI. Ebert S. 604. Ein gefeierter Schriftsteller, Apostel
der Sueven in Gallicien, war der Pannonier M a r t i n, gest. 580 als Bischof von
B r a c a r a (Braga). Seine culturhistorisch wichtige Schrift De correctione rusticorum
hat 1883 Caspari mit gründlicher Einleitung über sein Leben herausgegeben. Vgl.
Krusch, HZ. LII, 128-130. Ueber die neue Ausg. und die Hss. der Chronik des
I s i d o r u s P a c e n s i s aus dem 8. Jahrh. s. P. Ewald, NA. X, 604.
[13] Isidori Hispalensis Opera ed. Arevalo, 1790-1803. 7 Bände in quarto. Vol. VII
enthält die historischen Schriften. Migne LXXXI bis LXXXIV. Baehr, S. 221. Ebert
S. 588-602.
[14] Ausg. von Arevalo, Vol. III. IV, von Otto in Lindemanns Corpus Grammatt. Vol.
III. 1833. Migne LXXXII. Ueber die Quellen eine Gött. Diss. von Dressel, 1875. Die
Benutzung der Prata Suetons (Suetonii Reliquiae ed. Reifferscheid 1860) ist stark
überschätzt. Vgl. L. Traube, Commentationes Wölfflin. p. 198 ff.
[15] Bis era 654. Den Ursprung dieser spanischen, 38 a. C. beginnenden
Zeitrechnung findet Joh. Heller in dem Anfangsjahr der Ostercyclen, Hist. Zeitschr.
XXXI, 13-32. — Kurze Fortsetzung bis 877 MG. SS. XIII, 725.
[16] Gegen Büdinger, welcher Isidor für den Urheber derselben hielt, nachgewiesen
von Ebert S. 233 u. 599, u. von H. Hertzberg in seiner Abh. über die Chroniken des
Isidor, Forsch. XV, 289-360, wo auch die Quellen derselben nachgewiesen sind.
[17] Auch nicht die Recapitulatio, nach Hugo Hertzberg: Die Historien des Is. (Gött.
Diss. 1874) mit genauer Analyse der Quellen, zu welchen vorzüglich auch die
verlorene Geschichte des Bisch. M a x i m u s v o n Z a r a g o z a bis c. 620 gehört, aus
welcher auch die Randglossen zum Victor Tunnunensis stammen (S. 65-72). Vgl.
NA. IX, 244. Uebers. d. Volksgeschichten von D. Coste 1887, Geschichtschr. 10
(VII, I).
[18] Ueber die viel bessere gleichzeitige Handschrift in Admunt s. NA. II, 421.
[19] Der Name beruht nur auf der Ausgabe von Suffridus Petri 1580. Sicher ist er
verschieden von dem bekannten Philosophen des Namens, s. Hauréau, Mém. de
l'Acad. des Inscriptions XXX, II, 349-357.
[20] Alle zusammen gedruckt in J. A. Fabricius Bibliotheca ecclesiastica. Vgl. Baehr
S. 228-245. Die gänzlich unzuverlässigen, zum Theil geradezu erfundenen Angaben
des Trithemius sind lange Zeit ohne Prüfung angenommen und werden noch jetzt
häufig unvorsichtig nachgeschrieben. Adolf Helmsdörffer in seinen Forschungen zur
Geschichte Wilhelms v. Hirschau (Gött. 1874) S. 35 ff. weist sehr gut nach, wie
Trithemius in seinen eigenen Schriften sich nicht gleich bleibt, die erfundenen
Schriftsteller seiner Annales Hirsaug. in den älteren Verzeichnissen selbst nicht
kennt. (Vgl. auch Silbernagel, Trith. 1885, über die Zusätze der Würzb. Hs. zu
seinem Catalogus illustrium virorum.) Er verweist auf ein ungedrucktes Werk des
Abts A n d r e a s v o n M i c h e l s b e r g Opus canonisatum de Ordine S. Benedicti,
welches in Verbindung mit ihm steht (s. Arch. XI, 421-424). N i c o l a u s d e
S i e g e n in Erfurt in seinem Chronicon ecclesiasticum (ed. Wegele, Thür.
Geschichtsquellen II, 1855) scheint ihn schon benutzt zu haben. Ein Congestus
virorum illustrium Ordinis S. Benedicti von P e t r u s G a l l u s Wa g n e r 1487 in St.
Ulrich und Afra verfaßt, ist noch ungedruckt und scheint unabhängig zu sein. Das
259-268. Theilweise Auctt. antt. IX in den Consularia Ital. herausgegeben.
[12] Hervorzuheben ist noch des B . J u l i a n v o n To l e d o Historia Wambae regis
über den Aufstand des Herzogs Paulus von Narbonne und den Sieg des Königs 674.
Duchesne I, 821 etc. Migne XCVI. Ebert S. 604. Ein gefeierter Schriftsteller, Apostel
der Sueven in Gallicien, war der Pannonier M a r t i n, gest. 580 als Bischof von
B r a c a r a (Braga). Seine culturhistorisch wichtige Schrift De correctione rusticorum
hat 1883 Caspari mit gründlicher Einleitung über sein Leben herausgegeben. Vgl.
Krusch, HZ. LII, 128-130. Ueber die neue Ausg. und die Hss. der Chronik des
I s i d o r u s P a c e n s i s aus dem 8. Jahrh. s. P. Ewald, NA. X, 604.
[13] Isidori Hispalensis Opera ed. Arevalo, 1790-1803. 7 Bände in quarto. Vol. VII
enthält die historischen Schriften. Migne LXXXI bis LXXXIV. Baehr, S. 221. Ebert
S. 588-602.
[14] Ausg. von Arevalo, Vol. III. IV, von Otto in Lindemanns Corpus Grammatt. Vol.
III. 1833. Migne LXXXII. Ueber die Quellen eine Gött. Diss. von Dressel, 1875. Die
Benutzung der Prata Suetons (Suetonii Reliquiae ed. Reifferscheid 1860) ist stark
überschätzt. Vgl. L. Traube, Commentationes Wölfflin. p. 198 ff.
[15] Bis era 654. Den Ursprung dieser spanischen, 38 a. C. beginnenden
Zeitrechnung findet Joh. Heller in dem Anfangsjahr der Ostercyclen, Hist. Zeitschr.
XXXI, 13-32. — Kurze Fortsetzung bis 877 MG. SS. XIII, 725.
[16] Gegen Büdinger, welcher Isidor für den Urheber derselben hielt, nachgewiesen
von Ebert S. 233 u. 599, u. von H. Hertzberg in seiner Abh. über die Chroniken des
Isidor, Forsch. XV, 289-360, wo auch die Quellen derselben nachgewiesen sind.
[17] Auch nicht die Recapitulatio, nach Hugo Hertzberg: Die Historien des Is. (Gött.
Diss. 1874) mit genauer Analyse der Quellen, zu welchen vorzüglich auch die
verlorene Geschichte des Bisch. M a x i m u s v o n Z a r a g o z a bis c. 620 gehört, aus
welcher auch die Randglossen zum Victor Tunnunensis stammen (S. 65-72). Vgl.
NA. IX, 244. Uebers. d. Volksgeschichten von D. Coste 1887, Geschichtschr. 10
(VII, I).
[18] Ueber die viel bessere gleichzeitige Handschrift in Admunt s. NA. II, 421.
[19] Der Name beruht nur auf der Ausgabe von Suffridus Petri 1580. Sicher ist er
verschieden von dem bekannten Philosophen des Namens, s. Hauréau, Mém. de
l'Acad. des Inscriptions XXX, II, 349-357.
[20] Alle zusammen gedruckt in J. A. Fabricius Bibliotheca ecclesiastica. Vgl. Baehr
S. 228-245. Die gänzlich unzuverlässigen, zum Theil geradezu erfundenen Angaben
des Trithemius sind lange Zeit ohne Prüfung angenommen und werden noch jetzt
häufig unvorsichtig nachgeschrieben. Adolf Helmsdörffer in seinen Forschungen zur
Geschichte Wilhelms v. Hirschau (Gött. 1874) S. 35 ff. weist sehr gut nach, wie
Trithemius in seinen eigenen Schriften sich nicht gleich bleibt, die erfundenen
Schriftsteller seiner Annales Hirsaug. in den älteren Verzeichnissen selbst nicht
kennt. (Vgl. auch Silbernagel, Trith. 1885, über die Zusätze der Würzb. Hs. zu
seinem Catalogus illustrium virorum.) Er verweist auf ein ungedrucktes Werk des
Abts A n d r e a s v o n M i c h e l s b e r g Opus canonisatum de Ordine S. Benedicti,
welches in Verbindung mit ihm steht (s. Arch. XI, 421-424). N i c o l a u s d e
S i e g e n in Erfurt in seinem Chronicon ecclesiasticum (ed. Wegele, Thür.
Geschichtsquellen II, 1855) scheint ihn schon benutzt zu haben. Ein Congestus
virorum illustrium Ordinis S. Benedicti von P e t r u s G a l l u s Wa g n e r 1487 in St.
Ulrich und Afra verfaßt, ist noch ungedruckt und scheint unabhängig zu sein. Das
Page 128
(werthlose) von R a d u l f u s d e D i c e t o seiner Chronik vorausgeschickte
Verzeichniß seiner Gewährsmänner s. in der Ausg. von W. Stubbs, Lond. 1876, NA.
III, 208.
[21] Entdeckt und herausgegeben von G. Schepss im Progr. des alten Gymn. in
Würzburg 1889.
[22] Wiener SB. CXVI, 145-190. Ueber eine zweite von A. Ebner gefundene Hs. NA.
XVI, 203.
Verzeichniß seiner Gewährsmänner s. in der Ausg. von W. Stubbs, Lond. 1876, NA.
III, 208.
[21] Entdeckt und herausgegeben von G. Schepss im Progr. des alten Gymn. in
Würzburg 1889.
[22] Wiener SB. CXVI, 145-190. Ueber eine zweite von A. Ebner gefundene Hs. NA.
XVI, 203.
Page 129
§ 7. Die Franken. [ ← ]
Histoire Littéraire de la France, 1733 ff. Guizot, Histoire de la Civilisation en France depuis la chute
de l'Empire Romain, zuerst 1830 erschienen. Ampère, Histoire Littéraire de la France avant le
douzième siècle. 3 Vol. 1839, 1840. Aug. Thierry, Récits des temps Mérovingiens, 1840. Löbell,
Gregor von Tours und seine Zeit, 1839. Zweite Ausg. 1869. Ozanam, Études Germaniques,
1845-1849; 3. Ausg. 1861. Junghans, Die Gesch. d. Fränk. Könige Childerich u. Chlodevech,
1857. Diss. traduite par M. Gabriel Monod, augmentée d'une introduction et de notes nouvelles,
1879. G. Monod, Bibliographie de l'histoire de France, 1888.
Die Gothen waren ohne Zweifel ein wohlbegabter, bildungsfähiger
Stamm und ihre Anfänge vielversprechend; aber die Westgothen zeigen
nach Isidor keine fortschreitende Entwickelung in der Litteratur, und der
Ostgothen Reich war in vollster Auflösung begriffen, als es den Feldherren
Justinians erlag. Keines der deutschen Reiche, welche auf römischem
Boden errichtet wurden, vermochte die innere Festigkeit und Ordnung zu
gewinnen, welche allein die Grundlage einer dauernden und
fortschreitenden Geistesbildung und litterarischen Entwickelung darbieten
kann. Einen ganz ähnlichen Verlauf der Dinge sehen wir auch bei den
Franken: auch sie finden einige Reste der alten Bildung vor, welche sich
eine Zeit lang kümmerlich erhalten; in der Kirche regt sich dann einige
litterarische Thätigkeit, aber zuletzt droht doch alles in der allgemeinen
Auflösung und Verwirrung rettungslos unterzugehen, und es bedarf einer
Neubelebung der fast ganz erstorbenen Keime, um ein besseres Zeitalter
herbeizuführen auf der Grundlage festerer staatlicher Bildungen.
Hochberühmt waren in den letzten Jahrhunderten der Kaiserherrschaft
die Schulen der Grammatiker und Rhetoren in Gallien, die französischen
Schriftsteller gefallen sich darin, das Bild dieser Zeiten auszumalen, und es
tritt uns in den Werken von Guizot und Ampère lebendig entgegen. Diese
Studien, welche noch in den letzten Jahrzehnten des Reiches so eifrig
betrieben wurden, waren aber, wie sich das bei dem Charakter dieser Zeiten
nicht anders erwarten läßt, dem wirklichen Leben gänzlich entfremdet, und
bewegten sich nur auf dem Boden der Schule. Die Prosa war bis auf einen
Histoire Littéraire de la France, 1733 ff. Guizot, Histoire de la Civilisation en France depuis la chute
de l'Empire Romain, zuerst 1830 erschienen. Ampère, Histoire Littéraire de la France avant le
douzième siècle. 3 Vol. 1839, 1840. Aug. Thierry, Récits des temps Mérovingiens, 1840. Löbell,
Gregor von Tours und seine Zeit, 1839. Zweite Ausg. 1869. Ozanam, Études Germaniques,
1845-1849; 3. Ausg. 1861. Junghans, Die Gesch. d. Fränk. Könige Childerich u. Chlodevech,
1857. Diss. traduite par M. Gabriel Monod, augmentée d'une introduction et de notes nouvelles,
1879. G. Monod, Bibliographie de l'histoire de France, 1888.
Die Gothen waren ohne Zweifel ein wohlbegabter, bildungsfähiger
Stamm und ihre Anfänge vielversprechend; aber die Westgothen zeigen
nach Isidor keine fortschreitende Entwickelung in der Litteratur, und der
Ostgothen Reich war in vollster Auflösung begriffen, als es den Feldherren
Justinians erlag. Keines der deutschen Reiche, welche auf römischem
Boden errichtet wurden, vermochte die innere Festigkeit und Ordnung zu
gewinnen, welche allein die Grundlage einer dauernden und
fortschreitenden Geistesbildung und litterarischen Entwickelung darbieten
kann. Einen ganz ähnlichen Verlauf der Dinge sehen wir auch bei den
Franken: auch sie finden einige Reste der alten Bildung vor, welche sich
eine Zeit lang kümmerlich erhalten; in der Kirche regt sich dann einige
litterarische Thätigkeit, aber zuletzt droht doch alles in der allgemeinen
Auflösung und Verwirrung rettungslos unterzugehen, und es bedarf einer
Neubelebung der fast ganz erstorbenen Keime, um ein besseres Zeitalter
herbeizuführen auf der Grundlage festerer staatlicher Bildungen.
Hochberühmt waren in den letzten Jahrhunderten der Kaiserherrschaft
die Schulen der Grammatiker und Rhetoren in Gallien, die französischen
Schriftsteller gefallen sich darin, das Bild dieser Zeiten auszumalen, und es
tritt uns in den Werken von Guizot und Ampère lebendig entgegen. Diese
Studien, welche noch in den letzten Jahrzehnten des Reiches so eifrig
betrieben wurden, waren aber, wie sich das bei dem Charakter dieser Zeiten
nicht anders erwarten läßt, dem wirklichen Leben gänzlich entfremdet, und
bewegten sich nur auf dem Boden der Schule. Die Prosa war bis auf einen
Page 130
unerträglichen Grad verkünstelt; die gesuchte, kaum verständliche
Schreibart, deren wir schon bei Ennodius und Cassiodor gedachten, ist hier
auf die Spitze getrieben. Die Poesie war vorherrschend epigrammatisch und
diente fast nur dem Zeitvertreib der vornehmen Welt; durch
Gelegenheitsgedichte suchten die Poeten die Gunst hoher Gönner, oder
diese griffen auch selbst zur Feder, und bewiesen ihre feine Bildung durch
allerhand poetisches Spielwerk, wie A usonius aus Bordeaux, der nach der
Verwaltung bedeutender Staatsämter in Muße der Litteratur lebte und bald
nach 392 gestorben ist[1]. Weniger glücklich als dieser, sah sich
Ap ol l i n ar is S i d oni us schon verdammt, unter den Barbaren zu leben,
und deshalb sind seine Gedichte und Briefe von um so größerem Werthe für
uns: sie zeigen uns nicht nur den damaligen Zustand der Schulen und des
Lebens in Gallien, sondern gewähren auch manche Kunde von den
Burgunden und Westgothen, denen er mit seiner Kunst dienen mußte.
Innigst verabscheut er diese Barbaren, und bei mancher Gelegenheit spricht
er das unverhohlen aus, aber bewundern und feiern ließ er sich doch recht
gerne von ihnen. Auch das große Hochzeitsfest der Franken, bei welchem
diese von Aëtius überfallen wurden, hat Sidonius zum Preise des Siegers
geschildert. Zuletzt wandte er sich der Kirche zu, welche allein noch einen
sicheren Hafen darbot, wurde 471 Bischof von Clermont in der Auvergne
und starb bald nach 484[2].
Einst hatte Constantin die fränkischen Gefangenen den wilden Thieren
vorwerfen lassen, weil sie ihm zu wild und treulos erschienen, um sich wie
andere Barbaren zum Anbau des Landes, zum Kriegsdienst oder als Sclaven
verwenden zu lassen: nur der Schrecken, meinte er, vermöge sie zu
bändigen. Aber die vielfache, wenn auch feindliche Berührung mit den
Römern milderte allmählich ihre Wildheit; bald finden wir Franken in
ansehnlichen Aemtern bei den Römern, und schon am Ende des vierten
Jahrhunderts war der Franke Arbogast Befehlshaber der Heeresmacht im
westlichen Reiche. In der Mitte des fünften Jahrhunderts sind die salischen
Franken von den Römern abhängig, sie führen ihre Kriege und schlagen
ihre Schlachten. Mit den Römern verbündet, durchzieht der König
Schreibart, deren wir schon bei Ennodius und Cassiodor gedachten, ist hier
auf die Spitze getrieben. Die Poesie war vorherrschend epigrammatisch und
diente fast nur dem Zeitvertreib der vornehmen Welt; durch
Gelegenheitsgedichte suchten die Poeten die Gunst hoher Gönner, oder
diese griffen auch selbst zur Feder, und bewiesen ihre feine Bildung durch
allerhand poetisches Spielwerk, wie A usonius aus Bordeaux, der nach der
Verwaltung bedeutender Staatsämter in Muße der Litteratur lebte und bald
nach 392 gestorben ist[1]. Weniger glücklich als dieser, sah sich
Ap ol l i n ar is S i d oni us schon verdammt, unter den Barbaren zu leben,
und deshalb sind seine Gedichte und Briefe von um so größerem Werthe für
uns: sie zeigen uns nicht nur den damaligen Zustand der Schulen und des
Lebens in Gallien, sondern gewähren auch manche Kunde von den
Burgunden und Westgothen, denen er mit seiner Kunst dienen mußte.
Innigst verabscheut er diese Barbaren, und bei mancher Gelegenheit spricht
er das unverhohlen aus, aber bewundern und feiern ließ er sich doch recht
gerne von ihnen. Auch das große Hochzeitsfest der Franken, bei welchem
diese von Aëtius überfallen wurden, hat Sidonius zum Preise des Siegers
geschildert. Zuletzt wandte er sich der Kirche zu, welche allein noch einen
sicheren Hafen darbot, wurde 471 Bischof von Clermont in der Auvergne
und starb bald nach 484[2].
Einst hatte Constantin die fränkischen Gefangenen den wilden Thieren
vorwerfen lassen, weil sie ihm zu wild und treulos erschienen, um sich wie
andere Barbaren zum Anbau des Landes, zum Kriegsdienst oder als Sclaven
verwenden zu lassen: nur der Schrecken, meinte er, vermöge sie zu
bändigen. Aber die vielfache, wenn auch feindliche Berührung mit den
Römern milderte allmählich ihre Wildheit; bald finden wir Franken in
ansehnlichen Aemtern bei den Römern, und schon am Ende des vierten
Jahrhunderts war der Franke Arbogast Befehlshaber der Heeresmacht im
westlichen Reiche. In der Mitte des fünften Jahrhunderts sind die salischen
Franken von den Römern abhängig, sie führen ihre Kriege und schlagen
ihre Schlachten. Mit den Römern verbündet, durchzieht der König
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Childerich ganz Gallien nach allen Seiten; er besiegt mit ihnen die
ketzerischen Westgothen, die britischen und sächsischen Seeräuber, die
plündernden Alamannen. Obgleich noch Heide, ist Childerich mit seinen
Franken doch bereits dem ganzen Lande wohlbekannt, aber nicht mehr als
der wildeste aller Feinde, sondern als Retter und Beschützer. Man freute
sich des alten Hünen, wo man ihn sah, hoch zu Roß, in reicher und
prächtiger Rüstung: der Königsmantel, in welchem seine Getreuen ihn zu
Tournay bestattet haben, bestand aus purpurner golddurchwirkter Seide,
wahrscheinlich besetzt mit den goldenen Bienen, die man in so großer Zahl
in seinem Grabe fand und die Napoleon von ihm entlehnt hat. Natürlich war
das alles von römischer Arbeit, auch sein Siegelring führte die lateinische
Inschrift: CHILDIRICI REGIS[3].
Da ist es denn nicht zu verwundern, daß auch daheim im Salierlande
schon Römer wohnen konnten, als Gäste und Hausgenossen des Königs, ja
daß auch die Salier selbst ihr eigenes Volksrecht in lateinischer Sprache
aufzeichneten — denn noch wagte oder verstand man es nicht, die
fränkische zur Schriftsprache zu machen, und erst an eben dieses
Rechtsbuch lehnten die ersten noch unbeholfenen Versuche sich an[4] —
und andererseits erklärt es sich auch, wie bald darauf die Vermischung der
Franken mit den schon halb barbarisch gewordenen Provinzialen so leicht
und rasch von Statten gehen konnte; war man doch beiderseitig schon
längst daran gewöhnt, mit einander zu leben und zu verkehren.
In lateinischer Sprache ist auch das älteste uns erhaltene Denkmal
einheimischer Poesie der Franken verfaßt, der P r ol og zum Vol ksr echt
der S al ier, wo das Volk der Franken hoch gepriesen wird, das schöne,
kluge, tapfere und treue, das jetzt auch den katholischen Glauben
empfangen habe und von jeder Ketzerei rein sei. Die frühere Abhängigkeit
von den Römern erschien ihnen in der Erinnerung als die härteste
Knechtschaft, deren Joch sie mit ihrer gewaltigen Kraft abgeworfen hätten,
und voll Stolzes rühmen sie sich der reichen Gaben an die Kirchen der
ketzerischen Westgothen, die britischen und sächsischen Seeräuber, die
plündernden Alamannen. Obgleich noch Heide, ist Childerich mit seinen
Franken doch bereits dem ganzen Lande wohlbekannt, aber nicht mehr als
der wildeste aller Feinde, sondern als Retter und Beschützer. Man freute
sich des alten Hünen, wo man ihn sah, hoch zu Roß, in reicher und
prächtiger Rüstung: der Königsmantel, in welchem seine Getreuen ihn zu
Tournay bestattet haben, bestand aus purpurner golddurchwirkter Seide,
wahrscheinlich besetzt mit den goldenen Bienen, die man in so großer Zahl
in seinem Grabe fand und die Napoleon von ihm entlehnt hat. Natürlich war
das alles von römischer Arbeit, auch sein Siegelring führte die lateinische
Inschrift: CHILDIRICI REGIS[3].
Da ist es denn nicht zu verwundern, daß auch daheim im Salierlande
schon Römer wohnen konnten, als Gäste und Hausgenossen des Königs, ja
daß auch die Salier selbst ihr eigenes Volksrecht in lateinischer Sprache
aufzeichneten — denn noch wagte oder verstand man es nicht, die
fränkische zur Schriftsprache zu machen, und erst an eben dieses
Rechtsbuch lehnten die ersten noch unbeholfenen Versuche sich an[4] —
und andererseits erklärt es sich auch, wie bald darauf die Vermischung der
Franken mit den schon halb barbarisch gewordenen Provinzialen so leicht
und rasch von Statten gehen konnte; war man doch beiderseitig schon
längst daran gewöhnt, mit einander zu leben und zu verkehren.
In lateinischer Sprache ist auch das älteste uns erhaltene Denkmal
einheimischer Poesie der Franken verfaßt, der P r ol og zum Vol ksr echt
der S al ier, wo das Volk der Franken hoch gepriesen wird, das schöne,
kluge, tapfere und treue, das jetzt auch den katholischen Glauben
empfangen habe und von jeder Ketzerei rein sei. Die frühere Abhängigkeit
von den Römern erschien ihnen in der Erinnerung als die härteste
Knechtschaft, deren Joch sie mit ihrer gewaltigen Kraft abgeworfen hätten,
und voll Stolzes rühmen sie sich der reichen Gaben an die Kirchen der
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heiligen Märtyrer, gegen welche die Römer einst mit Feuer und Schwert
gewüthet hätten.
Dieser letzte Satz, welcher erst lange nach der Bekehrung geschrieben
sein kann, hat aber nicht mehr die rhythmische Form, welche für den
Anfang dieses Prologs zuerst von Bethmann-Hollweg nachgewiesen hat[5],
und dieser erste Theil, in welchem die neulich geschehene Bekehrung des
Volkes erwähnt wird, scheint älterer Zeit anzugehören. Doch ist das sehr
unsicher und die genauere Zeitbestimmung des Prologs viel umstritten.
So wie die Franken das Christenthum sogleich mit dem orthodoxen
Eifer ergriffen, welcher sich in jenen Worten ausspricht, so waren sie auch
der übrigen römischen Bildung durchaus nicht feind; ja Chlodovechs Enkel
Chilperich, der auch für byzantinischen Hofstaat und römische
Staatseinrichtung große Vorliebe zeigte, versuchte sogar das lateinische
Alphabet durch Erfindung neuer Buchstaben zu verbessern, und machte
selbst lateinische Verse nach dem Vorbilde des Sedulius, aber wie Gregor
von Tours berichtet, wollte es ihm mit der Metrik nicht recht gelingen[6].
Höchst charakteristisch für diese erste Zeit der Vermischung des Alten
und Neuen ist die Persönlichkeit des Venanti us F or t unat us[7]. Noch in
den alten Rhetorenschulen gebildet, ist er einer der letzten Repräsentanten
jener verkünstelten Schulgelehrsamkeit. Er stammte aus Italien und kam um
das Jahr 565 nach Gallien, an König Sigiberts Hof, wo man viel Gefallen an
dieser Poesie fand. Ueberall bei den fränkischen wie bei den römischen
vornehmen Herren und Bischöfen war er ein gern gesehener Gast und auf
ein Lobgedicht von ihm legte man den größten Werth. Aber mehr als alles
dieses fesselte ihn die Freundschaft der heiligen Radegunde, die ihn zuletzt
bewog, in den geistlichen Stand einzutreten und sich ganz nach Poitiers
zurückzuziehen. Hierhin hatte Radegunde, aller Herrlichkeit der Welt
entsagend, sich begeben, um ihr Leben in dem von ihr gestifteten Kloster
bei den Werken der Frömmigkeit und Demuth zu beschließen, sie, einst die
Gemahlin Chlothars, den sie aber nach der Ermordung ihres Bruders, des
gewüthet hätten.
Dieser letzte Satz, welcher erst lange nach der Bekehrung geschrieben
sein kann, hat aber nicht mehr die rhythmische Form, welche für den
Anfang dieses Prologs zuerst von Bethmann-Hollweg nachgewiesen hat[5],
und dieser erste Theil, in welchem die neulich geschehene Bekehrung des
Volkes erwähnt wird, scheint älterer Zeit anzugehören. Doch ist das sehr
unsicher und die genauere Zeitbestimmung des Prologs viel umstritten.
So wie die Franken das Christenthum sogleich mit dem orthodoxen
Eifer ergriffen, welcher sich in jenen Worten ausspricht, so waren sie auch
der übrigen römischen Bildung durchaus nicht feind; ja Chlodovechs Enkel
Chilperich, der auch für byzantinischen Hofstaat und römische
Staatseinrichtung große Vorliebe zeigte, versuchte sogar das lateinische
Alphabet durch Erfindung neuer Buchstaben zu verbessern, und machte
selbst lateinische Verse nach dem Vorbilde des Sedulius, aber wie Gregor
von Tours berichtet, wollte es ihm mit der Metrik nicht recht gelingen[6].
Höchst charakteristisch für diese erste Zeit der Vermischung des Alten
und Neuen ist die Persönlichkeit des Venanti us F or t unat us[7]. Noch in
den alten Rhetorenschulen gebildet, ist er einer der letzten Repräsentanten
jener verkünstelten Schulgelehrsamkeit. Er stammte aus Italien und kam um
das Jahr 565 nach Gallien, an König Sigiberts Hof, wo man viel Gefallen an
dieser Poesie fand. Ueberall bei den fränkischen wie bei den römischen
vornehmen Herren und Bischöfen war er ein gern gesehener Gast und auf
ein Lobgedicht von ihm legte man den größten Werth. Aber mehr als alles
dieses fesselte ihn die Freundschaft der heiligen Radegunde, die ihn zuletzt
bewog, in den geistlichen Stand einzutreten und sich ganz nach Poitiers
zurückzuziehen. Hierhin hatte Radegunde, aller Herrlichkeit der Welt
entsagend, sich begeben, um ihr Leben in dem von ihr gestifteten Kloster
bei den Werken der Frömmigkeit und Demuth zu beschließen, sie, einst die
Gemahlin Chlothars, den sie aber nach der Ermordung ihres Bruders, des
Page 133
letzten Sprossen der thüringischen Königsfamilie, verlassen hatte. Nur ein
Vetter von ihr war noch übrig, der in Constantinopel lebte, und an diesen
schrieb nun Fortunat in ihrem Namen eine wahrhaft schöne poetische
Epistel, in welcher er den Untergang des thüringischen Reiches in
ergreifender Weise schildert. Ebenso schön ist ein zweites langes Gedicht
über das traurige Geschick der Galswintha, Tochter des Westgothenkönigs
Athanagild, der Schwester der Königin Brunhilde, die mit König Chilperich
vermählt, aber bald nach der Hochzeit auf Anstiften der Fredegunde
ermordet wurde[8].
Wo Fortunat in solcher Weise einen bedeutenden Gegenstand aus dem
wirklichen Leben zu behandeln unternimmt, zeigt er wahres Gefühl und
ungewöhnliches Talent. Aber bei weitem die Mehrzahl seiner Gedichte
bewegt sich ganz in der spielenden Weise seiner Zeit; er bedichtet jede gute
Mahlzeit, die Radegunde ihm zukommen läßt, und widmet jedem kleinen
Vorfall ein Epigramm. Vollends unerträglich ist seine Prosa, schwülstig,
geziert, kaum verständlich; nur in den von ihm verfaßten Heiligenleben
redet er einfach und natürlich. Das findet sich überhaupt fast durchgehends,
nur wenige derselben sind in dem gesuchten Stil der Schule geschrieben,
und zwar aus dem einfachen Grunde, weil sie zur Erbauung, zum Vorlesen
bestimmt waren, und deshalb allgemein verständlich sein mußten.
In den Heiligenleben, die Fortunat verfaßte, herrscht übrigens der
moralisch-theologische Zweck und Standpunkt zu sehr vor, als daß sie
einen bedeutenden historischen Werth haben könnten; am anziehendsten
und am lehrreichsten ist das L eben der R adegund e ( † 13. Aug. 587),
worin das Klosterleben der damaligen Zeit anschaulich geschildert wird,
doch waren auch hier so bedeutende und für das Kloster wichtige
geschichtliche Vorgänge ganz übergangen, daß schon von der damaligen
Aebtissin Dedimia der Nonne B au doniv ia die Abfassung einer zweiten
Biographie aufgetragen wurde, was sie gewissenhaft, wenn auch in
ungeschickter Weise, bald nach 600 ausgeführt hat[9].
Vetter von ihr war noch übrig, der in Constantinopel lebte, und an diesen
schrieb nun Fortunat in ihrem Namen eine wahrhaft schöne poetische
Epistel, in welcher er den Untergang des thüringischen Reiches in
ergreifender Weise schildert. Ebenso schön ist ein zweites langes Gedicht
über das traurige Geschick der Galswintha, Tochter des Westgothenkönigs
Athanagild, der Schwester der Königin Brunhilde, die mit König Chilperich
vermählt, aber bald nach der Hochzeit auf Anstiften der Fredegunde
ermordet wurde[8].
Wo Fortunat in solcher Weise einen bedeutenden Gegenstand aus dem
wirklichen Leben zu behandeln unternimmt, zeigt er wahres Gefühl und
ungewöhnliches Talent. Aber bei weitem die Mehrzahl seiner Gedichte
bewegt sich ganz in der spielenden Weise seiner Zeit; er bedichtet jede gute
Mahlzeit, die Radegunde ihm zukommen läßt, und widmet jedem kleinen
Vorfall ein Epigramm. Vollends unerträglich ist seine Prosa, schwülstig,
geziert, kaum verständlich; nur in den von ihm verfaßten Heiligenleben
redet er einfach und natürlich. Das findet sich überhaupt fast durchgehends,
nur wenige derselben sind in dem gesuchten Stil der Schule geschrieben,
und zwar aus dem einfachen Grunde, weil sie zur Erbauung, zum Vorlesen
bestimmt waren, und deshalb allgemein verständlich sein mußten.
In den Heiligenleben, die Fortunat verfaßte, herrscht übrigens der
moralisch-theologische Zweck und Standpunkt zu sehr vor, als daß sie
einen bedeutenden historischen Werth haben könnten; am anziehendsten
und am lehrreichsten ist das L eben der R adegund e ( † 13. Aug. 587),
worin das Klosterleben der damaligen Zeit anschaulich geschildert wird,
doch waren auch hier so bedeutende und für das Kloster wichtige
geschichtliche Vorgänge ganz übergangen, daß schon von der damaligen
Aebtissin Dedimia der Nonne B au doniv ia die Abfassung einer zweiten
Biographie aufgetragen wurde, was sie gewissenhaft, wenn auch in
ungeschickter Weise, bald nach 600 ausgeführt hat[9].
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Wie nun die Legenden sich schon durch ihre einfache Sprache als dem
Leben näherstehend bewähren, so zeigt es sich überhaupt bald, daß die
kirchliche Litteratur die einzige wahrhaft lebensfähige war. In die Kirche
flüchteten sich alle, welche noch Sinn und Neigung für litterarische Bildung
hatten, die in dem wilden Getümmel des weltlichen Lebens keine Stätte
mehr fand. Das sahen wir an Ennodius, der auch im südlichen Gallien
geboren und in den dortigen Rhetorenschulen gebildet war, an Cassiodor,
Jordanis, Apollinaris Sidonius, und auch Fortunat wurde in seinem hohen
Alter noch Bischof von Poitiers, wo er zu Anfang des siebenten
Jahrhunderts gestorben ist.
Jene innerlich leblose gekünstelte Litteratur der Grammatiker starb mit
ihren letzten, von den Franken noch vorgefundenen Repräsentanten ab, und
nur die Kirche bewahrte von nun an die Keime des geistigen Lebens,
welche sie naturgemäß für ihren Dienst verwandte. Freilich konnte auch sie
dem Druck dieser Zeiten nicht unversehrt widerstehen; die früher in Gallien
sehr bedeutende speculativ-theologische Thätigkeit hörte gänzlich auf, da
man zu gewaltsam vom Drange des praktischen Lebens ergriffen wurde;
aber in diesem bewahrte die Kirche eine bedeutende Stellung. Politisch war
die Macht der Bischöfe im fränkischen Reiche bald größer, als sie je
gewesen war, und wenn sie auch von der immer mehr überhand nehmenden
Verwilderung stark ergriffen wurden, so ging der tiefere sittliche Gehalt in
der Kirche doch niemals völlig verloren, und mitten in dem allgemeinen
Verderben erschienen immer aufs neue einzelne Männer, welche durch
Reinheit der Gesinnung und durch rückhaltlose Hingabe ihrer eigenen
Person für die Gebote des Evangeliums die Verehrung ihrer Zeitgenossen
und die Bewunderung der Nachwelt erzwangen. Zu keiner Zeit nach den
ersten Jahrhunderten der christlichen Kirche finden wir eine größere Zahl
von Heiligen als gerade damals, Männer und Frauen, großentheils von
hervorragender äußerer Stellung, die durch Entsagungen aller Art, durch
aufopfernde Wohlthätigkeit, durch unerschrockenes Auftreten gegen die
Verbrechen der Großen und Mächtigen, sich die dankbare Verehrung des
Volkes erwarben. Das äußere Leben nahm gebieterisch alle ihre Kräfte in
Leben näherstehend bewähren, so zeigt es sich überhaupt bald, daß die
kirchliche Litteratur die einzige wahrhaft lebensfähige war. In die Kirche
flüchteten sich alle, welche noch Sinn und Neigung für litterarische Bildung
hatten, die in dem wilden Getümmel des weltlichen Lebens keine Stätte
mehr fand. Das sahen wir an Ennodius, der auch im südlichen Gallien
geboren und in den dortigen Rhetorenschulen gebildet war, an Cassiodor,
Jordanis, Apollinaris Sidonius, und auch Fortunat wurde in seinem hohen
Alter noch Bischof von Poitiers, wo er zu Anfang des siebenten
Jahrhunderts gestorben ist.
Jene innerlich leblose gekünstelte Litteratur der Grammatiker starb mit
ihren letzten, von den Franken noch vorgefundenen Repräsentanten ab, und
nur die Kirche bewahrte von nun an die Keime des geistigen Lebens,
welche sie naturgemäß für ihren Dienst verwandte. Freilich konnte auch sie
dem Druck dieser Zeiten nicht unversehrt widerstehen; die früher in Gallien
sehr bedeutende speculativ-theologische Thätigkeit hörte gänzlich auf, da
man zu gewaltsam vom Drange des praktischen Lebens ergriffen wurde;
aber in diesem bewahrte die Kirche eine bedeutende Stellung. Politisch war
die Macht der Bischöfe im fränkischen Reiche bald größer, als sie je
gewesen war, und wenn sie auch von der immer mehr überhand nehmenden
Verwilderung stark ergriffen wurden, so ging der tiefere sittliche Gehalt in
der Kirche doch niemals völlig verloren, und mitten in dem allgemeinen
Verderben erschienen immer aufs neue einzelne Männer, welche durch
Reinheit der Gesinnung und durch rückhaltlose Hingabe ihrer eigenen
Person für die Gebote des Evangeliums die Verehrung ihrer Zeitgenossen
und die Bewunderung der Nachwelt erzwangen. Zu keiner Zeit nach den
ersten Jahrhunderten der christlichen Kirche finden wir eine größere Zahl
von Heiligen als gerade damals, Männer und Frauen, großentheils von
hervorragender äußerer Stellung, die durch Entsagungen aller Art, durch
aufopfernde Wohlthätigkeit, durch unerschrockenes Auftreten gegen die
Verbrechen der Großen und Mächtigen, sich die dankbare Verehrung des
Volkes erwarben. Das äußere Leben nahm gebieterisch alle ihre Kräfte in
Page 135
Anspruch; für wissenschaftliche Bestrebungen war kein Raum in dieser
Zeit, und die geringe litterarische Thätigkeit, welche noch Statt findet,
beschränkt sich auf Predigten, moralische Schriften und Legenden, die
ebenfalls als Vorbilder zum Zweck der unmittelbaren Einwirkung auf die
Zeitgenossen verfaßt wurden.
Auf diesem Felde schloß sich an Sulpicius Severus eine reiche
Litteratur an, und auch der Mann, mit dem wir uns zunächst zu beschäftigen
haben, der bedeutendste Schriftsteller der merowingischen Zeit, Gregor von
Tours, wandte der Legende seine Thätigkeit hauptsächlich zu.
[1] Neue Ausg. v. C. Schenkl, MG. Auctt. antiquiss. V, 2. 1883; von Peiper 1886,
Leipz. Teubner. Mosella mit frz. Uebers. und Anm. von H. de la Ville de Mirmont,
Bordeaux 1889. Manitius, Gesch. d. christl. lat. Poesie (1891), S. 105-111.
[2] Teuffel § 460. Fertig, Apollinaris Sidonius und seine Zeit, in 3 Würzburger und
Passauer Programmen 1845. 46. 48. Georg Kaufmann, Die Werke des C. Sollius
Apollinaris Sidonius, Gött. Diss. 1864. Derselbe, Ueber Leben und Charakter des
Sidonius, im Neuen Schweizer Museum, 1865. Von demselben: Rhetorenschulen und
Klosterschulen oder heidnische und christliche Cultur in Gallien während des 5. und
6. Jahrhunderts, in Raumers hist. Taschenbuch IV, 10 (1869) S. 1-94. St. Sidoine
Apollinaire et son siècle par l'abbé Chaix, 1867; besser als das Buch ist die
Recension von G. Kaufmann, GGA. 1868, S. 1001-1021. Ebert I, 419 ff. Manitius a.
a. O. S. 218-224. Mommsen, S. A. am westgoth. Hof, Berl. SB. 1885, S. 215-223.
Büdinger, A. S. als Politiker, Wiener SB. XCVII, 915-954. Aufsatz von Sandret über
ihn als Historiker in d. Revue des questions hist. LXIII, 210 (Juli 1882). Ausg. von
Grégoire und Collombet in 3 Bänden, Lyon 1836: v. Baret, Paris 1879: v. Luetjohann
MG. Auctt. antt. VIII. Migne LVIII. E. Chatelain über den cod. Vat. 3421, Mélanges
Graux, S. 321-327.
[3] J. J. Chifflet, Anastasis Childerici I illustrata, Antv. 1655, 4. L'abbé Cochet, Le
Tombeau de Childéric I. Paris 1859.
[4] Ungeachtet anderer entgegengesetzter Ansichten scheint mir diese Auffassung
dem ganzen Bildungsgang der Franken nicht nur, sondern auch anderer Völker in
gleicher Lage besser zu entsprechen.
[5] Schmidts Zeitschrift für Geschichte IX, 49. Vgl. Waitz, Das alte Recht der
salischen Franken, S. 36 ff. und jetzt ausführlicher in d. 3. Aufl. d. Verfassungsgesch.
II, 1, 122 ff. Der Schluss des Prol. aus d. Pariser Hs. Lat. 2294 bei L. Delisle,
Sacramentaires p. 187.
[6] S. darüber Gregor von Tours V, 45, und die Uebersetzung Giesebrechts I, 287.
Das ihm zugeschriebene Epitaphium S. Germani bei Aimoin III, 16 scheint nicht
wirklich von ihm zu sein.
[7] Baehr S. 145-161. Teuffel § 483. Ebert I, 518 ff. Manitius S. 438-470. Vgl. über
ihn besonders die Werke von Guizot und Ampère. Opera poetica ed. Fr. Leo, MG.
Zeit, und die geringe litterarische Thätigkeit, welche noch Statt findet,
beschränkt sich auf Predigten, moralische Schriften und Legenden, die
ebenfalls als Vorbilder zum Zweck der unmittelbaren Einwirkung auf die
Zeitgenossen verfaßt wurden.
Auf diesem Felde schloß sich an Sulpicius Severus eine reiche
Litteratur an, und auch der Mann, mit dem wir uns zunächst zu beschäftigen
haben, der bedeutendste Schriftsteller der merowingischen Zeit, Gregor von
Tours, wandte der Legende seine Thätigkeit hauptsächlich zu.
[1] Neue Ausg. v. C. Schenkl, MG. Auctt. antiquiss. V, 2. 1883; von Peiper 1886,
Leipz. Teubner. Mosella mit frz. Uebers. und Anm. von H. de la Ville de Mirmont,
Bordeaux 1889. Manitius, Gesch. d. christl. lat. Poesie (1891), S. 105-111.
[2] Teuffel § 460. Fertig, Apollinaris Sidonius und seine Zeit, in 3 Würzburger und
Passauer Programmen 1845. 46. 48. Georg Kaufmann, Die Werke des C. Sollius
Apollinaris Sidonius, Gött. Diss. 1864. Derselbe, Ueber Leben und Charakter des
Sidonius, im Neuen Schweizer Museum, 1865. Von demselben: Rhetorenschulen und
Klosterschulen oder heidnische und christliche Cultur in Gallien während des 5. und
6. Jahrhunderts, in Raumers hist. Taschenbuch IV, 10 (1869) S. 1-94. St. Sidoine
Apollinaire et son siècle par l'abbé Chaix, 1867; besser als das Buch ist die
Recension von G. Kaufmann, GGA. 1868, S. 1001-1021. Ebert I, 419 ff. Manitius a.
a. O. S. 218-224. Mommsen, S. A. am westgoth. Hof, Berl. SB. 1885, S. 215-223.
Büdinger, A. S. als Politiker, Wiener SB. XCVII, 915-954. Aufsatz von Sandret über
ihn als Historiker in d. Revue des questions hist. LXIII, 210 (Juli 1882). Ausg. von
Grégoire und Collombet in 3 Bänden, Lyon 1836: v. Baret, Paris 1879: v. Luetjohann
MG. Auctt. antt. VIII. Migne LVIII. E. Chatelain über den cod. Vat. 3421, Mélanges
Graux, S. 321-327.
[3] J. J. Chifflet, Anastasis Childerici I illustrata, Antv. 1655, 4. L'abbé Cochet, Le
Tombeau de Childéric I. Paris 1859.
[4] Ungeachtet anderer entgegengesetzter Ansichten scheint mir diese Auffassung
dem ganzen Bildungsgang der Franken nicht nur, sondern auch anderer Völker in
gleicher Lage besser zu entsprechen.
[5] Schmidts Zeitschrift für Geschichte IX, 49. Vgl. Waitz, Das alte Recht der
salischen Franken, S. 36 ff. und jetzt ausführlicher in d. 3. Aufl. d. Verfassungsgesch.
II, 1, 122 ff. Der Schluss des Prol. aus d. Pariser Hs. Lat. 2294 bei L. Delisle,
Sacramentaires p. 187.
[6] S. darüber Gregor von Tours V, 45, und die Uebersetzung Giesebrechts I, 287.
Das ihm zugeschriebene Epitaphium S. Germani bei Aimoin III, 16 scheint nicht
wirklich von ihm zu sein.
[7] Baehr S. 145-161. Teuffel § 483. Ebert I, 518 ff. Manitius S. 438-470. Vgl. über
ihn besonders die Werke von Guizot und Ampère. Opera poetica ed. Fr. Leo, MG.
Page 136
Auctt. antiquiss. IV, 1. 1881; Op. pedestria ed. Krusch ib. 2. 1886. Vgl. auch
Böcking: Moselgedichte des Ausonius u. Ven. Fortunatus, Bonn 1845 (Jahrbuch der
Alterthumsfreunde im Rheinland, Band VII). Fr. Leo, V. F. der letzte röm. Dichter,
Deutsche Rundschau XXXII, 414-426. Sehr häufige Benutzung im MA. hat Manitius
nachgewiesen.
[8] Beide Gedichte schreibt Ch. Nisard der Radegunde, Ven. nur Retouche zu, hat
aber nur Widerspruch gefunden, s. NA. XIV 437. W. Lippert, Zts. f. Thür. Gesch. N.
F. VII, 16-38.
[9] De vita S. Radegundis libri II, ed. Krusch, SS. Meroving. II, 358-395. Vgl.
Dümmler: Radegunde von Thüringen (Im neuen Reich 1871, S. 641 bis 656). Die
Kehrseite zeigen die höchst ärgerlichen und anstößigen Zustände im Kloster gleich
nach Radegundens Tod, Greg. Tur. IX, 39-43. X, 15-17.
Böcking: Moselgedichte des Ausonius u. Ven. Fortunatus, Bonn 1845 (Jahrbuch der
Alterthumsfreunde im Rheinland, Band VII). Fr. Leo, V. F. der letzte röm. Dichter,
Deutsche Rundschau XXXII, 414-426. Sehr häufige Benutzung im MA. hat Manitius
nachgewiesen.
[8] Beide Gedichte schreibt Ch. Nisard der Radegunde, Ven. nur Retouche zu, hat
aber nur Widerspruch gefunden, s. NA. XIV 437. W. Lippert, Zts. f. Thür. Gesch. N.
F. VII, 16-38.
[9] De vita S. Radegundis libri II, ed. Krusch, SS. Meroving. II, 358-395. Vgl.
Dümmler: Radegunde von Thüringen (Im neuen Reich 1871, S. 641 bis 656). Die
Kehrseite zeigen die höchst ärgerlichen und anstößigen Zustände im Kloster gleich
nach Radegundens Tod, Greg. Tur. IX, 39-43. X, 15-17.
Page 137
§ 8. Gregor von Tours. [ ← ]
Opera ed. Ruinart, Paris 1699, fol. Migne LXXI. SS. Meroving. I. 1885 (Hist. Fr. ed. W. Arndt, de
miraculis S. Andreae ed. M. Bonnet, die übr. Schriften v. Br. Krusch). Rec. v. Bonnet, Revue
crit. 1885 N. 9 (vgl. NA. X, 603), 1886 N. 8 (vgl. NA. XI, 632). Differenzen zw. Krusch u.
Bonnet NA. XII, 309-314. XVI, 432. XVII, 199-203. Krusch: Chlod. Sieg über die Alamannen,
gegen Vogel, NA. XII, 289-302; zu Greg. de cursu stell. NA. XII, 303-314.
In Not. et Doc. publ. p. la Soc. de l'hist. de France (1884) giebt H. Omont S. 1-18 Nachricht von
einem durch L. Delisle in Kopenhagen entdeckten Fragment e. Hs. d. Hist. in Uncialen u. einer
zweiten saec. IX. Auch sind die Leid. u. Vat. Fragmente (A2 bei Arndt) abgedruckt. — L. I-VI e
cod. Corb. mit den Zusätzen d. 2. Ausg. v. H. Omont 1886. Album pal. pl. 12 codd. Belvac.
Corb. pl. 13 Camerac. mit von Bethmann übersehenen Correcturen.
Uebersetzung der Gesch. mit vortrefflicher Einleitung von W. Giesebrecht. Berlin 1851, 2. Aufl.
1878 (Geschichtschr. 8. 9. VI, 4. 5). Kries, De Greg. Tur. vita et scriptis, Vratisl. 1838. Löbell,
Gregor von Tours und seine Zeit, Leipzig 1839, 1869. Haeusser S. 8-17. R. Koepke in der Allg.
Monatsschrift, 1852 Sept. S. 775-800. Kl. Schr. S. 289 ff. Waitz in den Gött. Gel. Anz. 1839, S.
781-793, in Schmidts Zeitschrift für Geschichte II, 44. Dazu jetzt die vortreffl. Monographie
von G. Monod: Études critiques sur les sources de l'hist. Mérovingienne (Bibl. de l'Écol. des
hautes études, 8 Fasc. 1872) p. 21-146 (vgl. seine oben S. 39 angeführte Recension), rec. v.
Dümmler, Lit. Centr. 1872, 819; v. Waitz, GGA. 1872, 903-909; v. W. Arndt, Hist. Zeitschr. 23,
415-422. Ebert S. 566-579. Alfred Jacobs, Géographie de Grégoire de Tours et de Frédégaire,
Paris 1861, u. bei der Ausg. von Guizots Uebersetzung. Longnon, Géographie de la Gaule à
l'époque de Gr. de T. 1878. Le Mire, Études archéolog. sur Gr. de T. Lons-le Saulnier 1879.
Bonnet, Le Latin de G. de T. Paris 1890.
Gregor von Tours stammte aus einer sehr vornehmen römischen
Familie, der fast alle Bischöfe von Tours und viele Heilige angehörten. Um
das Jahr 540 in Clermont-Ferrand (Arverni) geboren, erhielt er nach seinem
Vater und seinem Großvater die Namen Georgius Florentius; Gregor hat er
sich erst später genannt, nach seinem mütterlichen Ahnherrn, dem heiligen
Gregorius, Bischof von Langres. Seinen Vater scheint er früh verloren zu
haben; erzogen wurde er an seinem Geburtsort von seinem Oheim, dem
heiligen Bischof Gallus, und nach dessen Tode von dem Priester Avitus, der
im Jahre 571 ebenfalls Bischof von Clermont wurde. Er selbst nennt nur
diesen, der ihn nicht in weltlicher, sondern in kirchlicher Wissenschaft
unterwiesen habe. Doch hat er natürlich in der Schule einige Kenntniß des
Opera ed. Ruinart, Paris 1699, fol. Migne LXXI. SS. Meroving. I. 1885 (Hist. Fr. ed. W. Arndt, de
miraculis S. Andreae ed. M. Bonnet, die übr. Schriften v. Br. Krusch). Rec. v. Bonnet, Revue
crit. 1885 N. 9 (vgl. NA. X, 603), 1886 N. 8 (vgl. NA. XI, 632). Differenzen zw. Krusch u.
Bonnet NA. XII, 309-314. XVI, 432. XVII, 199-203. Krusch: Chlod. Sieg über die Alamannen,
gegen Vogel, NA. XII, 289-302; zu Greg. de cursu stell. NA. XII, 303-314.
In Not. et Doc. publ. p. la Soc. de l'hist. de France (1884) giebt H. Omont S. 1-18 Nachricht von
einem durch L. Delisle in Kopenhagen entdeckten Fragment e. Hs. d. Hist. in Uncialen u. einer
zweiten saec. IX. Auch sind die Leid. u. Vat. Fragmente (A2 bei Arndt) abgedruckt. — L. I-VI e
cod. Corb. mit den Zusätzen d. 2. Ausg. v. H. Omont 1886. Album pal. pl. 12 codd. Belvac.
Corb. pl. 13 Camerac. mit von Bethmann übersehenen Correcturen.
Uebersetzung der Gesch. mit vortrefflicher Einleitung von W. Giesebrecht. Berlin 1851, 2. Aufl.
1878 (Geschichtschr. 8. 9. VI, 4. 5). Kries, De Greg. Tur. vita et scriptis, Vratisl. 1838. Löbell,
Gregor von Tours und seine Zeit, Leipzig 1839, 1869. Haeusser S. 8-17. R. Koepke in der Allg.
Monatsschrift, 1852 Sept. S. 775-800. Kl. Schr. S. 289 ff. Waitz in den Gött. Gel. Anz. 1839, S.
781-793, in Schmidts Zeitschrift für Geschichte II, 44. Dazu jetzt die vortreffl. Monographie
von G. Monod: Études critiques sur les sources de l'hist. Mérovingienne (Bibl. de l'Écol. des
hautes études, 8 Fasc. 1872) p. 21-146 (vgl. seine oben S. 39 angeführte Recension), rec. v.
Dümmler, Lit. Centr. 1872, 819; v. Waitz, GGA. 1872, 903-909; v. W. Arndt, Hist. Zeitschr. 23,
415-422. Ebert S. 566-579. Alfred Jacobs, Géographie de Grégoire de Tours et de Frédégaire,
Paris 1861, u. bei der Ausg. von Guizots Uebersetzung. Longnon, Géographie de la Gaule à
l'époque de Gr. de T. 1878. Le Mire, Études archéolog. sur Gr. de T. Lons-le Saulnier 1879.
Bonnet, Le Latin de G. de T. Paris 1890.
Gregor von Tours stammte aus einer sehr vornehmen römischen
Familie, der fast alle Bischöfe von Tours und viele Heilige angehörten. Um
das Jahr 540 in Clermont-Ferrand (Arverni) geboren, erhielt er nach seinem
Vater und seinem Großvater die Namen Georgius Florentius; Gregor hat er
sich erst später genannt, nach seinem mütterlichen Ahnherrn, dem heiligen
Gregorius, Bischof von Langres. Seinen Vater scheint er früh verloren zu
haben; erzogen wurde er an seinem Geburtsort von seinem Oheim, dem
heiligen Bischof Gallus, und nach dessen Tode von dem Priester Avitus, der
im Jahre 571 ebenfalls Bischof von Clermont wurde. Er selbst nennt nur
diesen, der ihn nicht in weltlicher, sondern in kirchlicher Wissenschaft
unterwiesen habe. Doch hat er natürlich in der Schule einige Kenntniß des
Page 138
Vergil und Sallust bekommen, weiß auch von Marcianus Capella, aber seine
Citate beschränken sich auf das erste Buch der Aeneide und den Prolog des
Catilina, wie G. Kurth nachgewiesen hat, welcher daraus den Schluß zieht,
daß eine Chrestomathie dieser Art damals im Schulgebrauch gewesen sei[1].
Im Jahr 573 erhielt Gregor von König Sigebert das Bisthum Tours, und
Fortunat versäumte nicht, sein Gedicht dazu zu machen; Gregor, der ihm
nahe befreundet war, hat ihn später sogar mit einem Landgütchen
beschenkt.
Der Bischof von Tours, der Nachfolger des heiligen Martin, war eine
der ansehnlichsten Personen im fränkischen Reiche, ein Kirchenfürst von
bedeutender Macht, und mehr noch wegen der ungemeinen Verehrung des
heiligen Martin ein Mann, auf den die Blicke vieler Menschen gerichtet
waren und dessen Stimme bei allen Staatshändeln von Gewicht war. Bei
den inneren Kriegen unter den Merowingern konnte es daher nicht fehlen,
daß Gregor sehr bald in schwierige Verwickelungen hineingezogen wurde,
und gleich anfangs sah er sich in sehr gefährdeter Lage, als Chilperich die
Stadt Tours seiner Herrschaft unterwarf. Er benahm sich aber stets mit
Klugheit und Festigkeit, und wußte sich selbst gegen erbitterte und
mächtige Feinde zu behaupten. Nach Chilperichs Tode (584) stieg sein
Ansehen, und von nun an war er einer der einflußreichsten Männer im
Reiche. Allgemein geachtet starb er am 17. Nov. 594, und hinterließ ein
dankbares Andenken in seinem Sprengel, für den er in jeder Beziehung mit
unermüdlichem Eifer thätig gewesen war; man verehrte ihn sogar als einen
Heiligen. Seine im zehnten Jahrhundert in Tours verfaßte Biographie hebt
nur diese Seite hervor, und gewährt fast keine neue Belehrung über ihn[2].
Vieles hatte Gregor erlebt und gesehen, von seiner Kindheit an, wo die
Auvergne der Schauplatz des Kampfes zwischen Chlothar und Childebert
war, bis zu dem blutigen Streite der Königinnen Brunhilde und Fredegunde;
seitdem er zu den Bischöfen des Reichs gehörte, konnte kein bedeutendes
Ereigniß eintreten, ohne ihn unmittelbar zu berühren; von allem erfuhr er,
Citate beschränken sich auf das erste Buch der Aeneide und den Prolog des
Catilina, wie G. Kurth nachgewiesen hat, welcher daraus den Schluß zieht,
daß eine Chrestomathie dieser Art damals im Schulgebrauch gewesen sei[1].
Im Jahr 573 erhielt Gregor von König Sigebert das Bisthum Tours, und
Fortunat versäumte nicht, sein Gedicht dazu zu machen; Gregor, der ihm
nahe befreundet war, hat ihn später sogar mit einem Landgütchen
beschenkt.
Der Bischof von Tours, der Nachfolger des heiligen Martin, war eine
der ansehnlichsten Personen im fränkischen Reiche, ein Kirchenfürst von
bedeutender Macht, und mehr noch wegen der ungemeinen Verehrung des
heiligen Martin ein Mann, auf den die Blicke vieler Menschen gerichtet
waren und dessen Stimme bei allen Staatshändeln von Gewicht war. Bei
den inneren Kriegen unter den Merowingern konnte es daher nicht fehlen,
daß Gregor sehr bald in schwierige Verwickelungen hineingezogen wurde,
und gleich anfangs sah er sich in sehr gefährdeter Lage, als Chilperich die
Stadt Tours seiner Herrschaft unterwarf. Er benahm sich aber stets mit
Klugheit und Festigkeit, und wußte sich selbst gegen erbitterte und
mächtige Feinde zu behaupten. Nach Chilperichs Tode (584) stieg sein
Ansehen, und von nun an war er einer der einflußreichsten Männer im
Reiche. Allgemein geachtet starb er am 17. Nov. 594, und hinterließ ein
dankbares Andenken in seinem Sprengel, für den er in jeder Beziehung mit
unermüdlichem Eifer thätig gewesen war; man verehrte ihn sogar als einen
Heiligen. Seine im zehnten Jahrhundert in Tours verfaßte Biographie hebt
nur diese Seite hervor, und gewährt fast keine neue Belehrung über ihn[2].
Vieles hatte Gregor erlebt und gesehen, von seiner Kindheit an, wo die
Auvergne der Schauplatz des Kampfes zwischen Chlothar und Childebert
war, bis zu dem blutigen Streite der Königinnen Brunhilde und Fredegunde;
seitdem er zu den Bischöfen des Reichs gehörte, konnte kein bedeutendes
Ereigniß eintreten, ohne ihn unmittelbar zu berühren; von allem erfuhr er,
Page 139
und an vielen wichtigen Staatsgeschäften nahm er persönlich Theil; einen
großen Theil des Reiches kannte er aus persönlicher Anschauung. Da
erwachte in ihm der Wunsch, die Kunde dieser Dinge auch der Nachwelt zu
überliefern, und während er das Leben der Heiligen beschrieb und reiche
Sammlungen von Wundergeschichten verzeichnete, arbeitete er zugleich
unablässig an dem Geschichtswerke, welchem wir fast allein unsere
Kenntniß von dem Reiche der Merowinger verdanken. Noch trägt es die
Spuren seiner allmählichen Entstehung, man erkennt spätere Nachträge,
und es fehlt ihm die letzte Vollendung. Um so größer ist deshalb die
Glaubwürdigkeit der letzten Bücher, in welche er den Ereignissen
gleichzeitig die Zeitgeschichte eintrug.
Häufig nennt man dieses Werk die Kirchengeschichte der Franken, und
in manchen Handschriften trägt es nach dem Vorbild des Beda diesen Titel
(Historia ecclesiastica Francorum). Allein so sehr auch dem Charakter der
Zeit entsprechend das kirchliche Element vorwiegt, der Inhalt zeigt doch,
daß jene Ueberschrift den Grundgedanken des Werkes nicht ausdrückt und
also nicht von Gregor herrühren kann. Richtiger nennt man es: Zehn Bücher
fränkischer Geschichten.
Gregor hatte bereits Vorgänger gehabt; er selbst, und nur er allein, hat
uns (II, 8. 9) Namen und Bruchstücke von zwei verlorenen Historikern
aufbewahrt, von Renat us P r of utur us F r ig er idus[3], dessen zwölftes
Buch der Geschichten er anführt, und S ulpicius A lexand er. Aber diese
scheinen beide noch den Zeiten der letzten Kaiser angehört zu haben, und
niemand versuchte mehr das Andenken dieser trüben Zeiten aufzuzeichnen.
Mit der Klage darüber beginnt Gregor sein Werk. Jetzt, da die Pflege der
schönen Wissenschaften in den Städten Galliens vernachlässigt, ja sogar
gänzlich in Verfall gerathen sei[4], so lauten die inhaltsschweren Worte, jetzt
finde sich kein Gelehrter, dem die Kunst der Rede zu Gebote stände[5], der
in Prosa oder Versen die Begebenheiten der Gegenwart der Nachwelt
aufbewahre. Laut klage das Volk: Wehe über unsere Tage, daß die Pflege
der Wissenschaften bei uns untergegangen ist und niemand sich findet, der,
großen Theil des Reiches kannte er aus persönlicher Anschauung. Da
erwachte in ihm der Wunsch, die Kunde dieser Dinge auch der Nachwelt zu
überliefern, und während er das Leben der Heiligen beschrieb und reiche
Sammlungen von Wundergeschichten verzeichnete, arbeitete er zugleich
unablässig an dem Geschichtswerke, welchem wir fast allein unsere
Kenntniß von dem Reiche der Merowinger verdanken. Noch trägt es die
Spuren seiner allmählichen Entstehung, man erkennt spätere Nachträge,
und es fehlt ihm die letzte Vollendung. Um so größer ist deshalb die
Glaubwürdigkeit der letzten Bücher, in welche er den Ereignissen
gleichzeitig die Zeitgeschichte eintrug.
Häufig nennt man dieses Werk die Kirchengeschichte der Franken, und
in manchen Handschriften trägt es nach dem Vorbild des Beda diesen Titel
(Historia ecclesiastica Francorum). Allein so sehr auch dem Charakter der
Zeit entsprechend das kirchliche Element vorwiegt, der Inhalt zeigt doch,
daß jene Ueberschrift den Grundgedanken des Werkes nicht ausdrückt und
also nicht von Gregor herrühren kann. Richtiger nennt man es: Zehn Bücher
fränkischer Geschichten.
Gregor hatte bereits Vorgänger gehabt; er selbst, und nur er allein, hat
uns (II, 8. 9) Namen und Bruchstücke von zwei verlorenen Historikern
aufbewahrt, von Renat us P r of utur us F r ig er idus[3], dessen zwölftes
Buch der Geschichten er anführt, und S ulpicius A lexand er. Aber diese
scheinen beide noch den Zeiten der letzten Kaiser angehört zu haben, und
niemand versuchte mehr das Andenken dieser trüben Zeiten aufzuzeichnen.
Mit der Klage darüber beginnt Gregor sein Werk. Jetzt, da die Pflege der
schönen Wissenschaften in den Städten Galliens vernachlässigt, ja sogar
gänzlich in Verfall gerathen sei[4], so lauten die inhaltsschweren Worte, jetzt
finde sich kein Gelehrter, dem die Kunst der Rede zu Gebote stände[5], der
in Prosa oder Versen die Begebenheiten der Gegenwart der Nachwelt
aufbewahre. Laut klage das Volk: Wehe über unsere Tage, daß die Pflege
der Wissenschaften bei uns untergegangen ist und niemand sich findet, der,
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was zu unsern Zeiten geschehen, berichten könnte! Deshalb also, weil kein
anderer auftrete, habe er es auf sich genommen, das Gedächtniß dieser Tage
den Nachkommen zu überliefern.
Die Geschichte seiner Zeit also ist sein Gegenstand; aber um dafür
eine chronologische Grundlage zu gewinnen, schickt er im ersten Buche
eine Uebersicht der Weltgeschichte, hauptsächlich der biblischen, seit der
Schöpfung voran[6]; die Erzählung von der Stiftung der gallischen Kirchen,
zuletzt von seinem Schutzheiligen Sanct Martin, giebt dann den Uebergang
zur fränkischen Geschichte. Allein er führt doch auch noch einen anderen
Grund an für die Berechnungen, mit denen er sein Werk beschließt, nämlich
damit diejenigen, welche wegen des herannahenden Endes der Welt in
Sorgen sind, genau wissen möchten, wie viele Jahre seit der Erschaffung
der Welt verflossen wären. Denn diese Vorstellung beherrschte auch ihn, so
wie alle, die auf das untergehende römische Reich, das letzte Weltreich, ihre
Blicke gerichtet hatten. Und in der That bot diese Zeit kaum etwas anderes
dar, als Zeichen des Verfalles und des Unterganges; Keime neuen Lebens
mußten dem Frankenreiche in Gallien erst von außen wieder zugetragen
werden, für die Neugestaltung des Staates von Austrasien, für die Kirche
von den britischen Inseln.
Vor allem findet nun Gregor es durchaus nothwendig, sein
Glaubensbekenntniß an die Spitze des Buches zu stellen, damit kein Leser
an seiner Rechtgläubigkeit zweifeln könne; denn ein Hauptgegenstand
seines Werkes würden die Kämpfe der Kirche mit den Ketzern sein. Höchst
charakteristisch ist dies für eine Zeit, die seit Jahrhunderten von dem
Gegensatze der Katholiken und Arianer erfüllt war, wo der Name des
Orthodoxen der höchste Ehrentitel der Fürsten war, und die Franken ihren
größten Stolz darin fanden, von jeder Ketzerei frei zu sein. Das gesteht
ihnen auch der Mönch Jonas im Leben des Columban zu; den katholischen
Glauben finde man bei ihnen, nur leider von den Werken auch gar keine
Spur.
anderer auftrete, habe er es auf sich genommen, das Gedächtniß dieser Tage
den Nachkommen zu überliefern.
Die Geschichte seiner Zeit also ist sein Gegenstand; aber um dafür
eine chronologische Grundlage zu gewinnen, schickt er im ersten Buche
eine Uebersicht der Weltgeschichte, hauptsächlich der biblischen, seit der
Schöpfung voran[6]; die Erzählung von der Stiftung der gallischen Kirchen,
zuletzt von seinem Schutzheiligen Sanct Martin, giebt dann den Uebergang
zur fränkischen Geschichte. Allein er führt doch auch noch einen anderen
Grund an für die Berechnungen, mit denen er sein Werk beschließt, nämlich
damit diejenigen, welche wegen des herannahenden Endes der Welt in
Sorgen sind, genau wissen möchten, wie viele Jahre seit der Erschaffung
der Welt verflossen wären. Denn diese Vorstellung beherrschte auch ihn, so
wie alle, die auf das untergehende römische Reich, das letzte Weltreich, ihre
Blicke gerichtet hatten. Und in der That bot diese Zeit kaum etwas anderes
dar, als Zeichen des Verfalles und des Unterganges; Keime neuen Lebens
mußten dem Frankenreiche in Gallien erst von außen wieder zugetragen
werden, für die Neugestaltung des Staates von Austrasien, für die Kirche
von den britischen Inseln.
Vor allem findet nun Gregor es durchaus nothwendig, sein
Glaubensbekenntniß an die Spitze des Buches zu stellen, damit kein Leser
an seiner Rechtgläubigkeit zweifeln könne; denn ein Hauptgegenstand
seines Werkes würden die Kämpfe der Kirche mit den Ketzern sein. Höchst
charakteristisch ist dies für eine Zeit, die seit Jahrhunderten von dem
Gegensatze der Katholiken und Arianer erfüllt war, wo der Name des
Orthodoxen der höchste Ehrentitel der Fürsten war, und die Franken ihren
größten Stolz darin fanden, von jeder Ketzerei frei zu sein. Das gesteht
ihnen auch der Mönch Jonas im Leben des Columban zu; den katholischen
Glauben finde man bei ihnen, nur leider von den Werken auch gar keine
Spur.
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Es ist aber dieser Standpunkt für die Beurtheilung von Gregors Werk
sehr wichtig; seine ganze Auffassung Chlodovechs beruht darauf. Nicht
nach schriftlichen Aufzeichnungen schildert ihn Gregor; für die ersten
Zeiten hat er wohl die schon erwähnten Autoren und den Orosius benutzt,
auch einzelne annalistische Notizen und Heiligenleben, vorzüglich das
Leben des Remigius, nebst Briefen und Aktenstücken[7]; aber seine
Hauptquelle für die Urgeschichte der Franken, und bald seine einzige, ist
doch die lebendige Ueberlieferung, und die Darstellung Chlodovechs sowie
seiner nächsten Nachfolger ist darum schon durchaus sagenhaft; in diesem
Abschnitt hat man sich sehr zu hüten, Gregors Autorität nicht zu
überschätzen[8].
Chlodovech ist ihm der Streiter der Kirche, ihr Vorkämpfer gegen die
Arianer; als solchen faßt er ihn vorzugsweise auf, und deshalb kann er auch
(II, 40) von ihm sagen: „Gott aber warf Tag für Tag seine Feinde vor ihm zu
Boden und vermehrte sein Reich, darum, daß er rechten Herzens vor ihm
wandelte, und that was seinen Augen wohlgefällig war“.
Unmittelbar vorher hat Gregor erzählt, wie sich Chlodovech durch
Mord und Verrath des ripuarischen Reiches bemächtigte, und man hat ihm
daher jenen Ausspruch sehr zum Vorwurf gemacht. Diese Worte fassen aber
den Inhalt nicht des einen Capitels allein, sondern auch der vorhergehenden
zusammen, in welchen die Bekämpfung der arianischen Westgothen erzählt
ist, der Kreuzzug, welchen die Kirche als Chlodovechs größtes Verdienst
betrachtete. Ein feines Gefühl für Recht und Unrecht darf man freilich bei
den Schriftstellern dieser Zeit nicht suchen; wie bei den Italienern des
fünfzehnten Jahrhunderts war durch die täglich sich wiederholenden
Greuelthaten das Gefühl dafür abgestumpft worden. Mord und Hinterlist
waren so gewöhnliche Werkzeuge geworden, daß wer sie nicht selber
anwandte, ihnen zum Opfer fiel; es kam daher für die Beurtheilung nur
noch darauf an, ob sich ein lobenswerther Zweck damit verband, oder ob
sie bloß der Selbstsucht und anderen schlechten Leidenschaften dienten. So
erzählt denn auch Gregor zahlreiche Geschichten derart mit einer Kälte, die
sehr wichtig; seine ganze Auffassung Chlodovechs beruht darauf. Nicht
nach schriftlichen Aufzeichnungen schildert ihn Gregor; für die ersten
Zeiten hat er wohl die schon erwähnten Autoren und den Orosius benutzt,
auch einzelne annalistische Notizen und Heiligenleben, vorzüglich das
Leben des Remigius, nebst Briefen und Aktenstücken[7]; aber seine
Hauptquelle für die Urgeschichte der Franken, und bald seine einzige, ist
doch die lebendige Ueberlieferung, und die Darstellung Chlodovechs sowie
seiner nächsten Nachfolger ist darum schon durchaus sagenhaft; in diesem
Abschnitt hat man sich sehr zu hüten, Gregors Autorität nicht zu
überschätzen[8].
Chlodovech ist ihm der Streiter der Kirche, ihr Vorkämpfer gegen die
Arianer; als solchen faßt er ihn vorzugsweise auf, und deshalb kann er auch
(II, 40) von ihm sagen: „Gott aber warf Tag für Tag seine Feinde vor ihm zu
Boden und vermehrte sein Reich, darum, daß er rechten Herzens vor ihm
wandelte, und that was seinen Augen wohlgefällig war“.
Unmittelbar vorher hat Gregor erzählt, wie sich Chlodovech durch
Mord und Verrath des ripuarischen Reiches bemächtigte, und man hat ihm
daher jenen Ausspruch sehr zum Vorwurf gemacht. Diese Worte fassen aber
den Inhalt nicht des einen Capitels allein, sondern auch der vorhergehenden
zusammen, in welchen die Bekämpfung der arianischen Westgothen erzählt
ist, der Kreuzzug, welchen die Kirche als Chlodovechs größtes Verdienst
betrachtete. Ein feines Gefühl für Recht und Unrecht darf man freilich bei
den Schriftstellern dieser Zeit nicht suchen; wie bei den Italienern des
fünfzehnten Jahrhunderts war durch die täglich sich wiederholenden
Greuelthaten das Gefühl dafür abgestumpft worden. Mord und Hinterlist
waren so gewöhnliche Werkzeuge geworden, daß wer sie nicht selber
anwandte, ihnen zum Opfer fiel; es kam daher für die Beurtheilung nur
noch darauf an, ob sich ein lobenswerther Zweck damit verband, oder ob
sie bloß der Selbstsucht und anderen schlechten Leidenschaften dienten. So
erzählt denn auch Gregor zahlreiche Geschichten derart mit einer Kälte, die
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uns unheimlich berührt, ohne irgend etwas von dem Abscheu zu äußern,
welcher den heutigen Leser dabei ergreift. Eben dadurch aber gewinnt er
um so mehr an Glaubwürdigkeit; ganz in seiner Zeit stehend, gewährt er
uns das treueste Bild derselben, und indem er nur einfach berichtet, was
geschehen war, verdient er ohne Zweifel vollen Glauben, so weit seine
eigene Kenntniß der Begebenheiten reicht, und so weit nicht etwa
leidenschaftliche Erregung, so weit nicht seine eifrig kirchliche
Denkungsart, sein Haß gegen die Ketzer, sein Urtheil trüben, oder seine
übergroße Leichtgläubigkeit ihn irre führt. Sehr mit Unrecht hat man ihm
absichtliche Entstellung Schuld geben wollen; von Flüchtigkeit und
Ungenauigkeit dagegen ist er im ersten Theile seines Werkes nicht frei, und
daran wird es auch wohl in den späteren Abschnitten, wo es unsere einzige
Quelle ist, nicht fehlen.
Die Darstellung Gregors ist einfach und kunstlos; er selbst bittet um
Entschuldigung deshalb: „Ich bitte die Leser vorher um Verzeihung,“ sagt
er, „wenn ich im großen oder geringen gegen die Grammatik fehlen sollte,
denn ich bin nicht recht bewandert in dieser Wissenschaft.“ Die
Schulgelehrsamkeit der Zeit mangelte ihm, und das ist ein Glück für uns,
ebenso wie bei Eugippius. Gregor selbst sagt darüber nicht ohne Ironie, daß
er sich zu dieser Arbeit entschlossen habe, weil kein Gelehrter sie auf sich
nehme, und weil er häufig verwundert habe vernehmen müssen, daß einen
Schriftsteller von gelehrter Bildung nur wenige verständen, des schlichten
Mannes Rede aber viele[9]. Einige Stellen seines Werkes, wo er sich in
dieser Schreibart versucht hat, zeigen uns die Gefahr, vor welcher sein
Mangel an Schulbildung uns bewahrt hat. In der Regel aber ist seine
Schreibart diejenige, welche sich damals für die Legende ausgebildet hatte,
und nach und nach allgemein herrschend wurde; schlicht und einfach, weil
sie allgemein verständlich sein mußte, und erfüllt von biblischen
Ausdrücken und Anspielungen, dem Standpunkt der Verfasser und dem
Zweck ihrer Werke angemessen, da sie ja sämmtlich Geistliche sind und
auch in der Darstellung der Geschichte die kirchliche Bedeutung derselben
fast überall vorherrscht; dabei dem verfallenen Zustand der damaligen
welcher den heutigen Leser dabei ergreift. Eben dadurch aber gewinnt er
um so mehr an Glaubwürdigkeit; ganz in seiner Zeit stehend, gewährt er
uns das treueste Bild derselben, und indem er nur einfach berichtet, was
geschehen war, verdient er ohne Zweifel vollen Glauben, so weit seine
eigene Kenntniß der Begebenheiten reicht, und so weit nicht etwa
leidenschaftliche Erregung, so weit nicht seine eifrig kirchliche
Denkungsart, sein Haß gegen die Ketzer, sein Urtheil trüben, oder seine
übergroße Leichtgläubigkeit ihn irre führt. Sehr mit Unrecht hat man ihm
absichtliche Entstellung Schuld geben wollen; von Flüchtigkeit und
Ungenauigkeit dagegen ist er im ersten Theile seines Werkes nicht frei, und
daran wird es auch wohl in den späteren Abschnitten, wo es unsere einzige
Quelle ist, nicht fehlen.
Die Darstellung Gregors ist einfach und kunstlos; er selbst bittet um
Entschuldigung deshalb: „Ich bitte die Leser vorher um Verzeihung,“ sagt
er, „wenn ich im großen oder geringen gegen die Grammatik fehlen sollte,
denn ich bin nicht recht bewandert in dieser Wissenschaft.“ Die
Schulgelehrsamkeit der Zeit mangelte ihm, und das ist ein Glück für uns,
ebenso wie bei Eugippius. Gregor selbst sagt darüber nicht ohne Ironie, daß
er sich zu dieser Arbeit entschlossen habe, weil kein Gelehrter sie auf sich
nehme, und weil er häufig verwundert habe vernehmen müssen, daß einen
Schriftsteller von gelehrter Bildung nur wenige verständen, des schlichten
Mannes Rede aber viele[9]. Einige Stellen seines Werkes, wo er sich in
dieser Schreibart versucht hat, zeigen uns die Gefahr, vor welcher sein
Mangel an Schulbildung uns bewahrt hat. In der Regel aber ist seine
Schreibart diejenige, welche sich damals für die Legende ausgebildet hatte,
und nach und nach allgemein herrschend wurde; schlicht und einfach, weil
sie allgemein verständlich sein mußte, und erfüllt von biblischen
Ausdrücken und Anspielungen, dem Standpunkt der Verfasser und dem
Zweck ihrer Werke angemessen, da sie ja sämmtlich Geistliche sind und
auch in der Darstellung der Geschichte die kirchliche Bedeutung derselben
fast überall vorherrscht; dabei dem verfallenen Zustand der damaligen
Page 143
Umgangsprache entsprechend, erfüllt von den ärgsten grammatischen
Verstößen; das Gefühl für die Bedeutung der Flexionsendungen hatte sich
fast ganz verloren[10].
Die kunstlose, einfache Sprache Gregors, seine behagliche,
memoirenartige Erzählung, welche Geschichten aller Art, die größten
Staatsbegebenheiten und unbedeutende Vorfälle des gewöhnlichen Lebens
bunt durch einander mischt, das ist es eben, was seinem Werke einen so
großen Reiz verleiht, und es zu einem so treuen Spiegel seiner Zeit macht,
daß ihm in dieser Hinsicht kein zweites zu vergleichen ist.
Vorzüglich zeigt uns Gregors Werk auch, wie besonders Loebell
schlagend nachgewiesen hat, die völlige Verschmelzung der fränkischen
und der romanischen Bevölkerung; von einem feindlichen Gegensatze
beider Elemente ist nichts darin wahrzunehmen, und die römische Abkunft
des Verfassers hat durchaus keinen Einfluß auf seine Darstellung ausgeübt.
Was er hörte, was er sah, das erzählte er, ohne weiteren Zweck, als das
Andenken der Dinge zu erhalten; er dachte keineswegs gering von dieser
Aufgabe und dem Werthe derselben, denn ausdrücklich beschwört er am
Ende des letzten Buches seine Nachfolger auf dem Stuhle des heiligen
Martin, sie unverkürzt und unversehrt der Nachwelt aufzubewahren, und
nichts daran zu ändern. Und wenn auch nicht durch ihr Verdienst, so ist uns
doch wirklich Gregors Werk in seiner ursprünglichen Gestalt überliefert
worden, und seit Jahrhunderten hat man diese ungeschminkte Darstellung
einer fernen Zeit hoch geschätzt und in Ehren gehalten. Wir können ihm
keine hohe Stelle unter den Geschichtschreibern einräumen, denn ihm
fehlen die wesentlichsten Eigenschaften, welche dazu gehören, die
Beherrschung des Stoffes, das tiefere Eindringen in den Zusammenhang der
Dinge; aber um so mehr ist es auch dankbar anzuerkennen, daß er nicht
versucht hat, was ihm nicht gelingen konnte, sondern sich in
Bescheidenheit begnügte, eine reiche Fülle des mannigfaltigen Stoffes in
seinen Werken zusammenzufassen. Von vorzüglichstem Werthe ist darunter
Verstößen; das Gefühl für die Bedeutung der Flexionsendungen hatte sich
fast ganz verloren[10].
Die kunstlose, einfache Sprache Gregors, seine behagliche,
memoirenartige Erzählung, welche Geschichten aller Art, die größten
Staatsbegebenheiten und unbedeutende Vorfälle des gewöhnlichen Lebens
bunt durch einander mischt, das ist es eben, was seinem Werke einen so
großen Reiz verleiht, und es zu einem so treuen Spiegel seiner Zeit macht,
daß ihm in dieser Hinsicht kein zweites zu vergleichen ist.
Vorzüglich zeigt uns Gregors Werk auch, wie besonders Loebell
schlagend nachgewiesen hat, die völlige Verschmelzung der fränkischen
und der romanischen Bevölkerung; von einem feindlichen Gegensatze
beider Elemente ist nichts darin wahrzunehmen, und die römische Abkunft
des Verfassers hat durchaus keinen Einfluß auf seine Darstellung ausgeübt.
Was er hörte, was er sah, das erzählte er, ohne weiteren Zweck, als das
Andenken der Dinge zu erhalten; er dachte keineswegs gering von dieser
Aufgabe und dem Werthe derselben, denn ausdrücklich beschwört er am
Ende des letzten Buches seine Nachfolger auf dem Stuhle des heiligen
Martin, sie unverkürzt und unversehrt der Nachwelt aufzubewahren, und
nichts daran zu ändern. Und wenn auch nicht durch ihr Verdienst, so ist uns
doch wirklich Gregors Werk in seiner ursprünglichen Gestalt überliefert
worden, und seit Jahrhunderten hat man diese ungeschminkte Darstellung
einer fernen Zeit hoch geschätzt und in Ehren gehalten. Wir können ihm
keine hohe Stelle unter den Geschichtschreibern einräumen, denn ihm
fehlen die wesentlichsten Eigenschaften, welche dazu gehören, die
Beherrschung des Stoffes, das tiefere Eindringen in den Zusammenhang der
Dinge; aber um so mehr ist es auch dankbar anzuerkennen, daß er nicht
versucht hat, was ihm nicht gelingen konnte, sondern sich in
Bescheidenheit begnügte, eine reiche Fülle des mannigfaltigen Stoffes in
seinen Werken zusammenzufassen. Von vorzüglichstem Werthe ist darunter
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für uns seine Geschichte der Franken, doch enthalten auch seine
Wundergeschichten und Heiligenleben viele für die Charakteristik der Zeit
wichtige Züge.
In seinen letzten Jahren, als die blutigen Stürme, die das Frankenreich
zerrissen hatten, eine Weile ruhten, als Childebert und König Gunthram den
Frieden aufrecht hielten, hat Gregor seine Erzählung fortgeführt bis zum
Jahre 591; am Ende fügte er noch eine kurze Geschichte der Bischöfe von
Tours[11], und zuletzt einen Abriß seines eigenen Lebens hinzu: ein
Schlußwort, welches Monod als Epilog zu allen seinen Werken, nicht zur
Geschichte allein betrachtet. Dann begann er, wie es scheint, sein Werk
noch einmal zu überarbeiten; die sechs ersten Bücher enthalten
Einschiebungen, welche um diese Zeit geschrieben sind, und diese sechs
Bücher sind denn auch, so scheint es, zuerst allein bekannt geworden; nur
sie finden sich in der ältesten Handschrift, und sie allein wurden später in
einen Auszug gebracht.
Bei weitem nicht mehr in dem Grade wie Isidor, hatte Gregor in sich
aufgenommen, was von der alten Bildung noch übrig war; doch war sie
auch auf ihn nicht ohne Einfluß geblieben; hoch überragt er die nun
folgende Zeit der tiefsten Barbarei, wo kaum noch einzelne Funken
litterarischen Lebens zu finden sind, wo die aus der alten Welt
herübergenommene Bildung fast vollständig abstarb, während zugleich
politisch die ärgste Verwilderung und Auflösung eintrat: im siebenten
Jahrhundert, sagt O. Abel, nach Brunhilde und Fredegunde verliert im
merowingischen Königshause auch das Laster seine Größe, in wachsender
Jämmerlichkeit schleppt sich das entartete Geschlecht noch anderthalb
Jahrhunderte durch die Geschichte.
Erwähnt habe ich vorher (S. 97), daß Gregor auch annalistische
Notizen benutzt habe, welche im Anfang seiner Geschichte sehr deutlich zu
erkennen sind. Mit diesen hat man sich neuerdings sehr eingehend
beschäftigt[12]. Schon oben S. 57 ist der A nnalen von Ar l es gedacht
Wundergeschichten und Heiligenleben viele für die Charakteristik der Zeit
wichtige Züge.
In seinen letzten Jahren, als die blutigen Stürme, die das Frankenreich
zerrissen hatten, eine Weile ruhten, als Childebert und König Gunthram den
Frieden aufrecht hielten, hat Gregor seine Erzählung fortgeführt bis zum
Jahre 591; am Ende fügte er noch eine kurze Geschichte der Bischöfe von
Tours[11], und zuletzt einen Abriß seines eigenen Lebens hinzu: ein
Schlußwort, welches Monod als Epilog zu allen seinen Werken, nicht zur
Geschichte allein betrachtet. Dann begann er, wie es scheint, sein Werk
noch einmal zu überarbeiten; die sechs ersten Bücher enthalten
Einschiebungen, welche um diese Zeit geschrieben sind, und diese sechs
Bücher sind denn auch, so scheint es, zuerst allein bekannt geworden; nur
sie finden sich in der ältesten Handschrift, und sie allein wurden später in
einen Auszug gebracht.
Bei weitem nicht mehr in dem Grade wie Isidor, hatte Gregor in sich
aufgenommen, was von der alten Bildung noch übrig war; doch war sie
auch auf ihn nicht ohne Einfluß geblieben; hoch überragt er die nun
folgende Zeit der tiefsten Barbarei, wo kaum noch einzelne Funken
litterarischen Lebens zu finden sind, wo die aus der alten Welt
herübergenommene Bildung fast vollständig abstarb, während zugleich
politisch die ärgste Verwilderung und Auflösung eintrat: im siebenten
Jahrhundert, sagt O. Abel, nach Brunhilde und Fredegunde verliert im
merowingischen Königshause auch das Laster seine Größe, in wachsender
Jämmerlichkeit schleppt sich das entartete Geschlecht noch anderthalb
Jahrhunderte durch die Geschichte.
Erwähnt habe ich vorher (S. 97), daß Gregor auch annalistische
Notizen benutzt habe, welche im Anfang seiner Geschichte sehr deutlich zu
erkennen sind. Mit diesen hat man sich neuerdings sehr eingehend
beschäftigt[12]. Schon oben S. 57 ist der A nnalen von Ar l es gedacht
Page 145
worden, welche mit Consularfasten verbunden sind. Holder-Egger hat ihre
Benutzung nachgewiesen in einer Weltchronik, welche fälschlich den
Namen des S ever u s S ul pi cius trägt[13], und bis 511 reicht, nach seiner
Ansicht aber wahrscheinlich erst 733 in Südgallien verfaßt ist; nicht
unwichtig für die westgothische Geschichte von 450 bis 500. Er findet
außerdem ihre Spuren bei Isidor, Marius, Jordanis, und in Verbindung mit
den Ravennater Fasten bei Gregor[14] und in der Fortsetzung des Prosper bis
641. Gregor hat außerdem noch Annalen benutzt, welche wahrscheinlich
aus Ang er s stammen, und burgund ische, welche auch Marius hatte, und
deren Verwerthung bei beiden ihre Uebereinstimmung erklärt, wie W. Arndt
nachgewiesen, und Monod, welcher früher Benutzung des Marius bei
Gregor angenommen hatte, ihm zugegeben hat.
Der Bischof Mar i us v on Aven ches, ein Zeitgenosse Gregors, ist zu
erwähnen, als Verfasser einer Fortsetzung des Prosper, oder vielmehr des
Chronicon imperiale (oben S. 82) bis 581. Marius scheint ein vortrefflicher
Mann und exemplarischer Bischof gewesen zu sein, dazu ein geschickter
Goldschmidt, welcher kunstreiche Geräthe für seine Kirche selbst
verfertigte. Im Jahre 530 oder 531 aus edlem Geschlecht im Sprengel von
Autun geboren, wurde er 574 Bischof der alten Römerstadt Avenches,
welche sich von der Zerstörung durch die Alamannen niemals recht erholt
hatte, und deshalb verlegte er den Sitz des Bischofs nach L ausanne, wo er
am 31. December 594 gestorben ist[15].
In seiner Schulbildung stand er nicht höher als Gregor. Es verdient
Anerkennung, daß er in dieser Zeit den Versuch machte, die Weltchronik
fortzusetzen, aber dürftig genug ist der Versuch ausgefallen. Er besaß ein
Exemplar der Ravennater Fasten, mit annalistischen Notizen aus Arles
vermehrt, und benutzt, ihnen folgend, die Consulreihe, zu welcher er die
Indictionen hinzufügt, später die Jahre p. c. Basilii und die Regierungsjahre
Justins II und Tiberius II, als einzige brauchbare Chronologie; inmitten der
vorübergehenden und durch innere Kriege erschütterten neuen Reiche ist
ihm die „res publica“ das einzig bleibende, und ganz außerhalb ihres
Benutzung nachgewiesen in einer Weltchronik, welche fälschlich den
Namen des S ever u s S ul pi cius trägt[13], und bis 511 reicht, nach seiner
Ansicht aber wahrscheinlich erst 733 in Südgallien verfaßt ist; nicht
unwichtig für die westgothische Geschichte von 450 bis 500. Er findet
außerdem ihre Spuren bei Isidor, Marius, Jordanis, und in Verbindung mit
den Ravennater Fasten bei Gregor[14] und in der Fortsetzung des Prosper bis
641. Gregor hat außerdem noch Annalen benutzt, welche wahrscheinlich
aus Ang er s stammen, und burgund ische, welche auch Marius hatte, und
deren Verwerthung bei beiden ihre Uebereinstimmung erklärt, wie W. Arndt
nachgewiesen, und Monod, welcher früher Benutzung des Marius bei
Gregor angenommen hatte, ihm zugegeben hat.
Der Bischof Mar i us v on Aven ches, ein Zeitgenosse Gregors, ist zu
erwähnen, als Verfasser einer Fortsetzung des Prosper, oder vielmehr des
Chronicon imperiale (oben S. 82) bis 581. Marius scheint ein vortrefflicher
Mann und exemplarischer Bischof gewesen zu sein, dazu ein geschickter
Goldschmidt, welcher kunstreiche Geräthe für seine Kirche selbst
verfertigte. Im Jahre 530 oder 531 aus edlem Geschlecht im Sprengel von
Autun geboren, wurde er 574 Bischof der alten Römerstadt Avenches,
welche sich von der Zerstörung durch die Alamannen niemals recht erholt
hatte, und deshalb verlegte er den Sitz des Bischofs nach L ausanne, wo er
am 31. December 594 gestorben ist[15].
In seiner Schulbildung stand er nicht höher als Gregor. Es verdient
Anerkennung, daß er in dieser Zeit den Versuch machte, die Weltchronik
fortzusetzen, aber dürftig genug ist der Versuch ausgefallen. Er besaß ein
Exemplar der Ravennater Fasten, mit annalistischen Notizen aus Arles
vermehrt, und benutzt, ihnen folgend, die Consulreihe, zu welcher er die
Indictionen hinzufügt, später die Jahre p. c. Basilii und die Regierungsjahre
Justins II und Tiberius II, als einzige brauchbare Chronologie; inmitten der
vorübergehenden und durch innere Kriege erschütterten neuen Reiche ist
ihm die „res publica“ das einzig bleibende, und ganz außerhalb ihres
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Bereiches, scheint er doch die Kaiser als die wahren Herren der
Christenheit zu betrachten. Uebrigens berichtet er doch vorzüglich die ihn
näher berührenden Vorgänge des burgundischen und des fränkischen
Reiches, und was er mittheilt, hat für uns großen Werth. Bis 467 lassen sich
bei ihm (nach W. Arndt) die Annalen von Arles, bis 526 die Ravennater
verfolgen. Vom Jahre 500 an schöpft er aus burgundisch-fränkischen
Annalen, vielleicht bis 570 oder 571. Endlich nimmt Arndt noch
„byzantinische, wohl in Mailand verfaßte Annalen“ an, welche bis 568
nachweisbar wären, und auch von Marcellin benutzt.
Verbunden mit diesen Annalen ist ein Anhang von 581 bis 624,
welcher mit Unrecht von Brosien verdächtigt[16], von G. Monod in Schutz
genommen ist[17], in Uebereinstimmung mit G. Kaufmann[18] und H.
Hertzberg[19]. Nach letzterem ist der erste Theil desselben aus Isidor
entnommen; der zweite ist original, erzählt in fließender Darstellung, und
geht bald völlig in die fränkische Geschichte über. Dieser Anhang wäre
benutzt in der Fortsetzung des Isidor bis 636 im Cod. Urbinas, und diese
wieder in der Fortsetzung des Prosper bis 641. Vollständig aufgenommen ist
er in der Fortsetzung des Isidor von 1017 (MG. SS. XIII, 261).
Im burgundischen Reiche ist ebenfalls schon in der ersten Hälfte des
sechsten Jahrhunderts die Vit a sanctor u m ab bat um Ag aunen si um
(von St. Maurice im Wallis) geschrieben, welche W. Arndt nach einer
Abschrift des Jesuiten P. Fr. Chifflet herausgegeben hat[20]. Ist hier nun
auch der Text vielleicht etwas geglättet, so zeigt doch der ganze
Periodenbau noch eine anspruchsvolle Schulbildung, und sowohl die halb
in Prosa aufgelöste Grabschrift des Tranquillus c. 10, wie die Distichen auf
Ambrosius c. 12 zeigen metrisches Verständniß[21], während die Verse auf
Probus S. 3 geradezu jeder Metrik hohnsprechen. Demselben Jahrhundert
gehört das Leben eines Einsiedlers an, des Ho sti anu s, welcher ein
Verwandter des Königs Sigismund war; geschichtliche Thatsachen sind aber
nicht daraus zu entnehmen[22].
Christenheit zu betrachten. Uebrigens berichtet er doch vorzüglich die ihn
näher berührenden Vorgänge des burgundischen und des fränkischen
Reiches, und was er mittheilt, hat für uns großen Werth. Bis 467 lassen sich
bei ihm (nach W. Arndt) die Annalen von Arles, bis 526 die Ravennater
verfolgen. Vom Jahre 500 an schöpft er aus burgundisch-fränkischen
Annalen, vielleicht bis 570 oder 571. Endlich nimmt Arndt noch
„byzantinische, wohl in Mailand verfaßte Annalen“ an, welche bis 568
nachweisbar wären, und auch von Marcellin benutzt.
Verbunden mit diesen Annalen ist ein Anhang von 581 bis 624,
welcher mit Unrecht von Brosien verdächtigt[16], von G. Monod in Schutz
genommen ist[17], in Uebereinstimmung mit G. Kaufmann[18] und H.
Hertzberg[19]. Nach letzterem ist der erste Theil desselben aus Isidor
entnommen; der zweite ist original, erzählt in fließender Darstellung, und
geht bald völlig in die fränkische Geschichte über. Dieser Anhang wäre
benutzt in der Fortsetzung des Isidor bis 636 im Cod. Urbinas, und diese
wieder in der Fortsetzung des Prosper bis 641. Vollständig aufgenommen ist
er in der Fortsetzung des Isidor von 1017 (MG. SS. XIII, 261).
Im burgundischen Reiche ist ebenfalls schon in der ersten Hälfte des
sechsten Jahrhunderts die Vit a sanctor u m ab bat um Ag aunen si um
(von St. Maurice im Wallis) geschrieben, welche W. Arndt nach einer
Abschrift des Jesuiten P. Fr. Chifflet herausgegeben hat[20]. Ist hier nun
auch der Text vielleicht etwas geglättet, so zeigt doch der ganze
Periodenbau noch eine anspruchsvolle Schulbildung, und sowohl die halb
in Prosa aufgelöste Grabschrift des Tranquillus c. 10, wie die Distichen auf
Ambrosius c. 12 zeigen metrisches Verständniß[21], während die Verse auf
Probus S. 3 geradezu jeder Metrik hohnsprechen. Demselben Jahrhundert
gehört das Leben eines Einsiedlers an, des Ho sti anu s, welcher ein
Verwandter des Königs Sigismund war; geschichtliche Thatsachen sind aber
nicht daraus zu entnehmen[22].
Page 147
Nach Gregor versiecht im Frankenreich die geschichtliche
Aufzeichnung der Begebenheit fast völlig, und nur in Burgund entstehen
noch Schriften, welche uns über die folgenden Zeiten dürftige Kunde
gewähren[23].
[1] Godefroy Kurth: Saint Grégoire de Tours et les études classiques au VI. siècle.
Revue des questions historiques, Oct. 1878.
[2] Die darin von ihm erzählte Reise nach Rom ist erfunden, s. Monod p. 37. Als
Verfasser ist von Ruinart ohne Grund der Abt Odo von Cluny genannt, ib. p. 25.
[3] J. Grimm, Ueber Jornandes S. 17, erklärt den letzten Namen für gothisch. Beide
Namen kommen bei Ammian XXXI, 7 vor. Schirren, De Jord. p. 7, vermuthet in dem
Profuturus ep. Braccarensis, an welchen Pabst Vigilius 538 schreibt, den Autor.
[4] Decedente atque immo potius pereunte ab urbibus Gallicanis liberalium cultura
litterarum.
[5] Peritus dialectica in arte grammaticus.
[6] Libuit etiam animo, ut pro supputatione annorum ab ipso mundi principio libri
primi poneretur initium.
[7] s. Monod S. 81 ff. und über die Vita Aniani G. Kaufmann, Forsch. VIII, 130 ff.
Dazu jetzt die Vorrede von Arndt. G. Kurth, Revue des Questions hist. XXIII, S. 385
ff. untersucht seine Quellen für die Gesch. Chlodwigs, nimmt Ann. Turonenses an
und eine verlorene Vita Remigii. Letzteres bekämpft Hans v. Schubart: Die
Unterwerfung der Alamannen unter die Franken (Strassb. 1884) und macht dagegen
aus einer freilich fehlervollen Hs. in Montpellier eine bald nach Vedasts Tod (um
540) geschriebene Vita Vedasti bekannt, welche in Betreff der Bekehrung Chlodwigs
Gregor benutzt hat, wenn er nicht aus derselben Quelle mit ihr schöpfte. — Die von
Gr. benutzte, später von Hincmar interpolierte, Ven. Fort. mit Unrecht
zugeschriebene, sehr magere Vita Remedii (= Remigii) Auctt. antt. VI, 2, 64-67.
[8] Neuerdings sind seine Nachrichten in diesem Sinne geprüft von Junghans, Die
Geschichte der fränkischen Könige Childerich und Chlodovech kritisch untersucht,
Gött. 1857, u. in der Bearbeitung von Monod; und von Ad. Gloël, Zur Geschichte der
alten Thüringer, Forsch. IV, 195-240; dagegen L. Hoffmann, Zur Geschichte des
alten Thüringerreiches, im Jahresber. d. höh. Bürgerschule zu Rathenow 1872, 4. —
Die Vita Basini regis. ed. Guil. Cuper, Acta SS. Jul. III, 701, des Gründers von
Trunchinium oder Dronghen bei Gent (vgl. Herm. Müller, Lex Salica, S. 128.
Holtzmann, Ueber das Verhältniss der Malb. Glosse, S. 22) ist geschichtlich ganz
unbrauchbar; erst sehr spät ist von ihm, u. als König noch später die Rede. s. H. W.
Lippert, Beiträge zur ältesten Gesch. d. Thüringer, Zeitschr. d. Vereins f. thür. Gesch.
XI, S. 292-302. XII, S. 91-96.
[9] „Quia philosophantem rhetorem intelligunt pauci. loquentem rusticum multi.“
Auch bei den Griechen war eine rhetorische Kunstsprache üblich; im Anfang des
siebenten Jahrh. drang die vulgärgriechische Umgangsprache durch kirchlichen
Einfluss in die Litteratur ein. Gelzer, HZ. LXI, 9.
Aufzeichnung der Begebenheit fast völlig, und nur in Burgund entstehen
noch Schriften, welche uns über die folgenden Zeiten dürftige Kunde
gewähren[23].
[1] Godefroy Kurth: Saint Grégoire de Tours et les études classiques au VI. siècle.
Revue des questions historiques, Oct. 1878.
[2] Die darin von ihm erzählte Reise nach Rom ist erfunden, s. Monod p. 37. Als
Verfasser ist von Ruinart ohne Grund der Abt Odo von Cluny genannt, ib. p. 25.
[3] J. Grimm, Ueber Jornandes S. 17, erklärt den letzten Namen für gothisch. Beide
Namen kommen bei Ammian XXXI, 7 vor. Schirren, De Jord. p. 7, vermuthet in dem
Profuturus ep. Braccarensis, an welchen Pabst Vigilius 538 schreibt, den Autor.
[4] Decedente atque immo potius pereunte ab urbibus Gallicanis liberalium cultura
litterarum.
[5] Peritus dialectica in arte grammaticus.
[6] Libuit etiam animo, ut pro supputatione annorum ab ipso mundi principio libri
primi poneretur initium.
[7] s. Monod S. 81 ff. und über die Vita Aniani G. Kaufmann, Forsch. VIII, 130 ff.
Dazu jetzt die Vorrede von Arndt. G. Kurth, Revue des Questions hist. XXIII, S. 385
ff. untersucht seine Quellen für die Gesch. Chlodwigs, nimmt Ann. Turonenses an
und eine verlorene Vita Remigii. Letzteres bekämpft Hans v. Schubart: Die
Unterwerfung der Alamannen unter die Franken (Strassb. 1884) und macht dagegen
aus einer freilich fehlervollen Hs. in Montpellier eine bald nach Vedasts Tod (um
540) geschriebene Vita Vedasti bekannt, welche in Betreff der Bekehrung Chlodwigs
Gregor benutzt hat, wenn er nicht aus derselben Quelle mit ihr schöpfte. — Die von
Gr. benutzte, später von Hincmar interpolierte, Ven. Fort. mit Unrecht
zugeschriebene, sehr magere Vita Remedii (= Remigii) Auctt. antt. VI, 2, 64-67.
[8] Neuerdings sind seine Nachrichten in diesem Sinne geprüft von Junghans, Die
Geschichte der fränkischen Könige Childerich und Chlodovech kritisch untersucht,
Gött. 1857, u. in der Bearbeitung von Monod; und von Ad. Gloël, Zur Geschichte der
alten Thüringer, Forsch. IV, 195-240; dagegen L. Hoffmann, Zur Geschichte des
alten Thüringerreiches, im Jahresber. d. höh. Bürgerschule zu Rathenow 1872, 4. —
Die Vita Basini regis. ed. Guil. Cuper, Acta SS. Jul. III, 701, des Gründers von
Trunchinium oder Dronghen bei Gent (vgl. Herm. Müller, Lex Salica, S. 128.
Holtzmann, Ueber das Verhältniss der Malb. Glosse, S. 22) ist geschichtlich ganz
unbrauchbar; erst sehr spät ist von ihm, u. als König noch später die Rede. s. H. W.
Lippert, Beiträge zur ältesten Gesch. d. Thüringer, Zeitschr. d. Vereins f. thür. Gesch.
XI, S. 292-302. XII, S. 91-96.
[9] „Quia philosophantem rhetorem intelligunt pauci. loquentem rusticum multi.“
Auch bei den Griechen war eine rhetorische Kunstsprache üblich; im Anfang des
siebenten Jahrh. drang die vulgärgriechische Umgangsprache durch kirchlichen
Einfluss in die Litteratur ein. Gelzer, HZ. LXI, 9.
Page 148
[10] Ueber seine Bildung und Sprache vgl. Monod S. 110 ff. u. Bonnet. Die neue
Ausgabe von W. Arndt läßt mit größerer Sicherheit seine Sprache erkennen, obgleich
leider die ältesten Hs. nicht vollständig sind. Diese zeigen einen hohen Grad von
Barbarei, welche sowohl alte Abschreiber als neuere Herausgeber bei Gregor und in
den Heiligenleben fortwährend abgeglättet haben. Es mag noch in Betracht kommen,
daß der Frankengeschichte die letzte Hand fehlt: doch bleibt es andererseits auch
immer noch zweifelhaft, was gerade die ältesten Abschreiber schon angerichtet haben
mögen.
[11] Die Grabschrift eines sonst unbekannten „Ebracharius heros“, der zur Zeit des
etwas späteren Bischofs Chrodobertus 4 Klöster stiftete, bei De Rossi, Inscriptt. urbis
Romae christ. II, 1, 69.
[12] W. Arndt HZ. XXVIII. O. Holder-Egger in der S. 57 angeführten Schrift. Rec.
von J. J. M. im Lit. Centralbl. 1875 Sp. 1380, von W. Arndt, Jen. LZ. 1875 N. 48.
Arndts Vorr. S. 22, wo auch noch annalistische Notizen aus der Auvergne und aus
Poitiers vermuthet werden. Ueber Annalen von Tours s. oben S. 97.
[13] Florez, Esp. sagr. IV, 430-456; vom J. 379 an wieder abgedruckt bei Holder-
Egger.
[14] Vgl. Holder-Egger im NA. I, 276-278.
[15] W. Arndt, Bischof Marius von Aventicum. Sein Leben und seine Chronik. Nebst
einem Anhang über die Consulreihe der Chronik. Leipz. Habilitationsschrift 1875.
Die falsche Jahreszahl 593 auf S. 13 hat der Verfasser selbst berichtigt. — Hierin ist
die jetzt allein brauchbare Textausgabe nach der einzigen HS. enthalten, welche einst
in St. Trond war, jetzt Brit. Mus. 16,974. Facs. in Arndts Schrifttafeln 16.
[16] Krit. Untersuchung der Quellen zur Geschichte Dagoberts I (Gött. 1868) S. 5.
[17] Revue Critique 1873 N. 42.
[18] Forsch. XIII, 418-424.
[19] Forsch. XV, 317-324. Vgl. das Facs. bei Arndt, Schriftt. 16.
[20] Kleine Denkmäler aus der Merovingerzeit, Hann. 1874. Acta SS. Nov. I mit
neuen Hülfsmitteln verbesserte Ausgabe von De Smedt, auch mit der vorher noch
fehlenden Chronologica Series, vgl. Krusch, HZ. LXIII, 102. A. Jahn, Gesch. der
Burgundionen (1874) II, 504-512 giebt den ältesten Text der ebenfalls in Agaunum
im Anf. d. 8. Jahrh. geschriebenen Passio Sigismundi regis und erweist S. 513-518
den Unwerth der von Lütolf, Glaubensboten der Schweiz S. 172 mitgetheilten Passio
SS. Victoris et Ursi nebst der Translatio. Die Passio Sigism., welche einige Umstände
aus der Tradition und die Translationsgesch. bietet, ed. Krusch, SS. Meroving. II,
329-340.
[21] Das c. 13 über Probus besteht aus rhythmischen Versen.
[22] Analecta Bolland. II, 355-358; vgl. NA. IX, 444.
[23] Völlig unbekannt sind die „regnorum libri diversarum gentium, quos
pretiosissimo dictamine et in luculento sermone insignis historiographus edidit
R o t e r i u s“, angeführt in der Vita Severi (Agath. Acta SS. Aug. 25). Er soll zu
Zeiten K. Reccareds, also gegen 600, geschrieben und über die Verheerung gallischer
Städte, spec. Agde, durch Attila berichtet haben.
Ausgabe von W. Arndt läßt mit größerer Sicherheit seine Sprache erkennen, obgleich
leider die ältesten Hs. nicht vollständig sind. Diese zeigen einen hohen Grad von
Barbarei, welche sowohl alte Abschreiber als neuere Herausgeber bei Gregor und in
den Heiligenleben fortwährend abgeglättet haben. Es mag noch in Betracht kommen,
daß der Frankengeschichte die letzte Hand fehlt: doch bleibt es andererseits auch
immer noch zweifelhaft, was gerade die ältesten Abschreiber schon angerichtet haben
mögen.
[11] Die Grabschrift eines sonst unbekannten „Ebracharius heros“, der zur Zeit des
etwas späteren Bischofs Chrodobertus 4 Klöster stiftete, bei De Rossi, Inscriptt. urbis
Romae christ. II, 1, 69.
[12] W. Arndt HZ. XXVIII. O. Holder-Egger in der S. 57 angeführten Schrift. Rec.
von J. J. M. im Lit. Centralbl. 1875 Sp. 1380, von W. Arndt, Jen. LZ. 1875 N. 48.
Arndts Vorr. S. 22, wo auch noch annalistische Notizen aus der Auvergne und aus
Poitiers vermuthet werden. Ueber Annalen von Tours s. oben S. 97.
[13] Florez, Esp. sagr. IV, 430-456; vom J. 379 an wieder abgedruckt bei Holder-
Egger.
[14] Vgl. Holder-Egger im NA. I, 276-278.
[15] W. Arndt, Bischof Marius von Aventicum. Sein Leben und seine Chronik. Nebst
einem Anhang über die Consulreihe der Chronik. Leipz. Habilitationsschrift 1875.
Die falsche Jahreszahl 593 auf S. 13 hat der Verfasser selbst berichtigt. — Hierin ist
die jetzt allein brauchbare Textausgabe nach der einzigen HS. enthalten, welche einst
in St. Trond war, jetzt Brit. Mus. 16,974. Facs. in Arndts Schrifttafeln 16.
[16] Krit. Untersuchung der Quellen zur Geschichte Dagoberts I (Gött. 1868) S. 5.
[17] Revue Critique 1873 N. 42.
[18] Forsch. XIII, 418-424.
[19] Forsch. XV, 317-324. Vgl. das Facs. bei Arndt, Schriftt. 16.
[20] Kleine Denkmäler aus der Merovingerzeit, Hann. 1874. Acta SS. Nov. I mit
neuen Hülfsmitteln verbesserte Ausgabe von De Smedt, auch mit der vorher noch
fehlenden Chronologica Series, vgl. Krusch, HZ. LXIII, 102. A. Jahn, Gesch. der
Burgundionen (1874) II, 504-512 giebt den ältesten Text der ebenfalls in Agaunum
im Anf. d. 8. Jahrh. geschriebenen Passio Sigismundi regis und erweist S. 513-518
den Unwerth der von Lütolf, Glaubensboten der Schweiz S. 172 mitgetheilten Passio
SS. Victoris et Ursi nebst der Translatio. Die Passio Sigism., welche einige Umstände
aus der Tradition und die Translationsgesch. bietet, ed. Krusch, SS. Meroving. II,
329-340.
[21] Das c. 13 über Probus besteht aus rhythmischen Versen.
[22] Analecta Bolland. II, 355-358; vgl. NA. IX, 444.
[23] Völlig unbekannt sind die „regnorum libri diversarum gentium, quos
pretiosissimo dictamine et in luculento sermone insignis historiographus edidit
R o t e r i u s“, angeführt in der Vita Severi (Agath. Acta SS. Aug. 25). Er soll zu
Zeiten K. Reccareds, also gegen 600, geschrieben und über die Verheerung gallischer
Städte, spec. Agde, durch Attila berichtet haben.
Page 149
§ 9. Fredegar. [ ← ]
Ausgabe v. Br. Krusch, MG. SS. Rer. Merov. II. 1888, vgl. Br. Krusch, Die Chronicae des sog.
Fredegar, NA. VII, 247-351. 421-516. Auszug des fünften Buches in Giesebrechts Uebersetzung
des Gregor. II, 265-281. Die Chronik-Fredegars (Buch 6) und der Frankenkönige übersetzt von
Otto Abel, Berl. 1849. 1876. 1888 mit d. Forts. (Geschichtschr. 11. VII, 2). Ebert S. 606.
Palacky, Ueber den Chronisten Fredegar und seine Nachrichten von Samo. Jahrb. des Böhm.
Museums I, 387-413. Herm. Brosien, Kritische Untersuchung der Quellen zur Gesch. Dagoberts
I, Gött. 1868. Alfr. Jacobs, Géographie de Frédégaire, de ses Continuateurs et des Gesta
Francorum, Paris 1859. G. Monod, Revue Crit. 1873 N. 42. Ders. Du lieu d'origine de la
chronique dite de Frédégaire, im 3. Bd. d. Jahrb. f. Schweiz. Gesch. 1878. Ders. Sur un texte de
la compilation dite de Fr. relatif à l'établissement des Burgundions dans l'empire Romain, in:
Mélanges publiés par l'École des hautes études, 1878 (NA. IV, 418), Abdr. des cod. 10910, von
Monod besorgt, Bibl. de l'École des hautes études. fasc. 63. Paris 1885. Facs. v. Harl. 5251 im
Catal. of anc. Mss. pl. 52; des cod. Clarom. im Album pal. pl. 13, wo H. Omont 678 berechnet.
Das einzige Geschichtswerk, welches uns aus dem siebenten
Jahrhundert aufbewahrt ist, trägt den Namen des S ch ol ast icus
F r edeg ar; aber dieser Name findet sich nur bei J. Scaliger im Jahre 1598
und in den Antiquités Gauloises et Françoises von Claude Fauchet 1599, in
den uns erhaltenen Handschriften dagegen nirgends[1]. Doch ist es
zweckmäßig ihn beizubehalten, wie ja auch allgemein üblich ist. Allein
durch die scharfsinnigsten Untersuchungen hat Bruno Krusch, gestützt auf
die früher noch nicht bekannt gewordenen Kapitel des Liber generationum,
der ganzen Untersuchung über den räthselhaften Schulmeister eine neue
Wendung gegeben, und unter seinem kritischen Messer hat das scheinbar
einheitliche Werk sich in ganz verschiedene Bestandtheile aufgelöst.
Zunächst treten uns Annalen entgegen, die in B urgu nd, im „pagus
Ultrajoranus“, vielleicht in Avenches, von wo Marius nach Lausanne
fortgezogen war, bis in den Anfang des 7. Jahrh. fortgeführt wurden, und
deutlich zu erkennen sind in der Compilation eines Aventicensers, welcher
im J. 613 dieselben bis auf seine Zeit fortsetzte[2], und um den
Zusammenhang der Weltgeschichte zu gewinnen, den im J. 235 von
Hippolyt verfaßten Liber generationis[3] und einen Auszug aus Hieronymus
Ausgabe v. Br. Krusch, MG. SS. Rer. Merov. II. 1888, vgl. Br. Krusch, Die Chronicae des sog.
Fredegar, NA. VII, 247-351. 421-516. Auszug des fünften Buches in Giesebrechts Uebersetzung
des Gregor. II, 265-281. Die Chronik-Fredegars (Buch 6) und der Frankenkönige übersetzt von
Otto Abel, Berl. 1849. 1876. 1888 mit d. Forts. (Geschichtschr. 11. VII, 2). Ebert S. 606.
Palacky, Ueber den Chronisten Fredegar und seine Nachrichten von Samo. Jahrb. des Böhm.
Museums I, 387-413. Herm. Brosien, Kritische Untersuchung der Quellen zur Gesch. Dagoberts
I, Gött. 1868. Alfr. Jacobs, Géographie de Frédégaire, de ses Continuateurs et des Gesta
Francorum, Paris 1859. G. Monod, Revue Crit. 1873 N. 42. Ders. Du lieu d'origine de la
chronique dite de Frédégaire, im 3. Bd. d. Jahrb. f. Schweiz. Gesch. 1878. Ders. Sur un texte de
la compilation dite de Fr. relatif à l'établissement des Burgundions dans l'empire Romain, in:
Mélanges publiés par l'École des hautes études, 1878 (NA. IV, 418), Abdr. des cod. 10910, von
Monod besorgt, Bibl. de l'École des hautes études. fasc. 63. Paris 1885. Facs. v. Harl. 5251 im
Catal. of anc. Mss. pl. 52; des cod. Clarom. im Album pal. pl. 13, wo H. Omont 678 berechnet.
Das einzige Geschichtswerk, welches uns aus dem siebenten
Jahrhundert aufbewahrt ist, trägt den Namen des S ch ol ast icus
F r edeg ar; aber dieser Name findet sich nur bei J. Scaliger im Jahre 1598
und in den Antiquités Gauloises et Françoises von Claude Fauchet 1599, in
den uns erhaltenen Handschriften dagegen nirgends[1]. Doch ist es
zweckmäßig ihn beizubehalten, wie ja auch allgemein üblich ist. Allein
durch die scharfsinnigsten Untersuchungen hat Bruno Krusch, gestützt auf
die früher noch nicht bekannt gewordenen Kapitel des Liber generationum,
der ganzen Untersuchung über den räthselhaften Schulmeister eine neue
Wendung gegeben, und unter seinem kritischen Messer hat das scheinbar
einheitliche Werk sich in ganz verschiedene Bestandtheile aufgelöst.
Zunächst treten uns Annalen entgegen, die in B urgu nd, im „pagus
Ultrajoranus“, vielleicht in Avenches, von wo Marius nach Lausanne
fortgezogen war, bis in den Anfang des 7. Jahrh. fortgeführt wurden, und
deutlich zu erkennen sind in der Compilation eines Aventicensers, welcher
im J. 613 dieselben bis auf seine Zeit fortsetzte[2], und um den
Zusammenhang der Weltgeschichte zu gewinnen, den im J. 235 von
Hippolyt verfaßten Liber generationis[3] und einen Auszug aus Hieronymus
Page 150
und Idacius voranstellte[4]. Seine Arbeit reicht bis zum 39. Cap. des sog.
Fredegar, und dieser Anfang gewinnt also durch diese Entdeckung
bedeutend an Gewicht. Der eigentliche Fredegar aber, von welchem man
bisher allgemein annahm, daß er vor dem J. 660 nicht geschrieben haben
könne, nahm, wie Krusch jetzt das ganz überzeugend nachgewiesen hat, im
J. 642, bis wohin er seine Arbeit geführt hat, das ältere Werk vor; auch er
war in derselben Gegend heimisch. Er versah die beiden ersten Bücher mit
Anhängen, und fügte einen Auszug aus den, ihm allein bekannt
gewordenen, sechs ersten Büchern des Gregor von Tours hinzu[5], nicht
ohne Einmischung von allerlei Fabeln, namentlich im dritten Buche nach
dem wirklichen Idatius jene über die Vorzeit der Franken, von welchen
Gregor noch frei ist, die uns aber von nun an aller Orten begegnen, und bald
weiter ausgesponnen wurden: Erzeugnisse einer kindischen Gelehrsamkeit
und kecker Erfindung, echter Sage völlig fremd, die aber nach und nach bei
Halbgelehrten und Ungelehrten Eingang fanden[6].
Für die Fortführung der Geschichte benutzte Fredegar eine Relation
über das inhaltreiche Jahr 613, wie man wegen des genauen Berichtes Cap.
40-44 annehmen muß, und erzählte treu, wenn auch mit geringem
Geschick, was er erlebt hatte.
Dasselbe nun, was Fredegar, für seine Zeit und Bildung gut genug,
geleistet hatte, versuchte um 658 ein dritter Bearbeiter, ein Austrasier, den
Krusch vermuthungsweise nach Metz setzt; er ergänzte das Werk durch
einen Auszug der Vita Columbani, und fügte verschiedene Supplemente
über austrasische, westgothische, oströmische Geschichte, auch über Samo
hinzu; von ihm muß auch der Absatz vom Schluss des Cap. 84-88 mit
entschieden austrasischem Charakter herrühren. Seine Zuthaten sind es,
welche früher zu der Annahme führten, das ganze Werk könne nicht vor 660
geschrieben sein. Eine weitere Fortsetzung aber hat er nicht zu Stande
gebracht.
Fredegar, und dieser Anfang gewinnt also durch diese Entdeckung
bedeutend an Gewicht. Der eigentliche Fredegar aber, von welchem man
bisher allgemein annahm, daß er vor dem J. 660 nicht geschrieben haben
könne, nahm, wie Krusch jetzt das ganz überzeugend nachgewiesen hat, im
J. 642, bis wohin er seine Arbeit geführt hat, das ältere Werk vor; auch er
war in derselben Gegend heimisch. Er versah die beiden ersten Bücher mit
Anhängen, und fügte einen Auszug aus den, ihm allein bekannt
gewordenen, sechs ersten Büchern des Gregor von Tours hinzu[5], nicht
ohne Einmischung von allerlei Fabeln, namentlich im dritten Buche nach
dem wirklichen Idatius jene über die Vorzeit der Franken, von welchen
Gregor noch frei ist, die uns aber von nun an aller Orten begegnen, und bald
weiter ausgesponnen wurden: Erzeugnisse einer kindischen Gelehrsamkeit
und kecker Erfindung, echter Sage völlig fremd, die aber nach und nach bei
Halbgelehrten und Ungelehrten Eingang fanden[6].
Für die Fortführung der Geschichte benutzte Fredegar eine Relation
über das inhaltreiche Jahr 613, wie man wegen des genauen Berichtes Cap.
40-44 annehmen muß, und erzählte treu, wenn auch mit geringem
Geschick, was er erlebt hatte.
Dasselbe nun, was Fredegar, für seine Zeit und Bildung gut genug,
geleistet hatte, versuchte um 658 ein dritter Bearbeiter, ein Austrasier, den
Krusch vermuthungsweise nach Metz setzt; er ergänzte das Werk durch
einen Auszug der Vita Columbani, und fügte verschiedene Supplemente
über austrasische, westgothische, oströmische Geschichte, auch über Samo
hinzu; von ihm muß auch der Absatz vom Schluss des Cap. 84-88 mit
entschieden austrasischem Charakter herrühren. Seine Zuthaten sind es,
welche früher zu der Annahme führten, das ganze Werk könne nicht vor 660
geschrieben sein. Eine weitere Fortsetzung aber hat er nicht zu Stande
gebracht.
Page 151
Wie nun später diese Sammlung fortgesetzt, vermehrt und umgestaltet
ist, werden wir noch zu betrachten haben. Unbehülflich und dürftig war
diese Schriftstellerei, aber es kommt auch Fredegar gar nicht in den Sinn,
große Ansprüche zu machen; er empfindet lebhaft den traurigen Zustand
der Zeit, und sieht nach der damals herrschenden Vorstellung das Ende der
Welt als nahe bevorstehend an. „Wir stehen jetzt im Greisenalter der Welt,
sagt er; darum hat die Schärfe des Geistes nachgelassen, und niemand
vermag es in dieser Zeit den früheren Schriftstellern gleichzukommen.“
Sich selbst legte er nur einen bäurischen und ganz beschränkten Sinn bei[7],
und diese rührende Bescheidenheit sollte wohl den Spott über den ehrlichen
Mann entwaffnen, welcher mit aller Anstrengung geleistet hat, was er
vermochte, und der sich dadurch um die Nachwelt ein unsterbliches
Verdienst erworben hat.
Merkwürdig wäre es allerdings, wenn Fredegar wirklich einer Schule
vorgestanden hätte; denn seine und seiner Genossen Kenntniß des
Lateinischen war unglaublich gering, seine Sprache ist über die Maßen
barbarisch, aber freilich nicht verschieden von derjenigen, welche wir auch
in den Urkunden der Zeit, und in Italien bis ins elfte Jahrhundert finden.
Entschieden falsch ist es, wenn man diese Sprache als die des romanischen
Volkes bezeichnet, sie kann nie gesprochen worden sein. Alle
Flexionsendungen sind nämlich darin vorhanden, sie werden aber nur noch
aus Convenienz gebraucht, da das Gefühl für ihre Bedeutung sich fast ganz
verloren hat[8]. Das Volk wirft in solchem Falle die Endungen ab, und bildet
sich neue; nur wer gelehrt scheinen will, braucht sie noch, ohne aber ihre
Bedeutung recht zu kennen. Treffend vergleicht einmal Kausler diese
Schreibart mit schriftlichen Aufsätzen, die einer aus der niederen Klasse in
der Sprache der Gebildeten, welcher er nicht recht mächtig ist,
niedergeschrieben hat. Wir finden sie deshalb nur da, wo die Volksprache
der lateinischen noch nahe genug stand, daß man lateinisch schreiben
konnte, ohne es schulgemäß erlernt zu haben, besonders in Italien, wo sich
ein solches Kauderwelsch bei den Notaren am längsten erhielt. Dort zeigt es
sich auch deutlich, daß die Schreiber weit davon entfernt waren, in der
ist, werden wir noch zu betrachten haben. Unbehülflich und dürftig war
diese Schriftstellerei, aber es kommt auch Fredegar gar nicht in den Sinn,
große Ansprüche zu machen; er empfindet lebhaft den traurigen Zustand
der Zeit, und sieht nach der damals herrschenden Vorstellung das Ende der
Welt als nahe bevorstehend an. „Wir stehen jetzt im Greisenalter der Welt,
sagt er; darum hat die Schärfe des Geistes nachgelassen, und niemand
vermag es in dieser Zeit den früheren Schriftstellern gleichzukommen.“
Sich selbst legte er nur einen bäurischen und ganz beschränkten Sinn bei[7],
und diese rührende Bescheidenheit sollte wohl den Spott über den ehrlichen
Mann entwaffnen, welcher mit aller Anstrengung geleistet hat, was er
vermochte, und der sich dadurch um die Nachwelt ein unsterbliches
Verdienst erworben hat.
Merkwürdig wäre es allerdings, wenn Fredegar wirklich einer Schule
vorgestanden hätte; denn seine und seiner Genossen Kenntniß des
Lateinischen war unglaublich gering, seine Sprache ist über die Maßen
barbarisch, aber freilich nicht verschieden von derjenigen, welche wir auch
in den Urkunden der Zeit, und in Italien bis ins elfte Jahrhundert finden.
Entschieden falsch ist es, wenn man diese Sprache als die des romanischen
Volkes bezeichnet, sie kann nie gesprochen worden sein. Alle
Flexionsendungen sind nämlich darin vorhanden, sie werden aber nur noch
aus Convenienz gebraucht, da das Gefühl für ihre Bedeutung sich fast ganz
verloren hat[8]. Das Volk wirft in solchem Falle die Endungen ab, und bildet
sich neue; nur wer gelehrt scheinen will, braucht sie noch, ohne aber ihre
Bedeutung recht zu kennen. Treffend vergleicht einmal Kausler diese
Schreibart mit schriftlichen Aufsätzen, die einer aus der niederen Klasse in
der Sprache der Gebildeten, welcher er nicht recht mächtig ist,
niedergeschrieben hat. Wir finden sie deshalb nur da, wo die Volksprache
der lateinischen noch nahe genug stand, daß man lateinisch schreiben
konnte, ohne es schulgemäß erlernt zu haben, besonders in Italien, wo sich
ein solches Kauderwelsch bei den Notaren am längsten erhielt. Dort zeigt es
sich auch deutlich, daß die Schreiber weit davon entfernt waren, in der
Page 152
Volksprache schreiben zu wollen, denn mitten in solchen Urkunden
kommen Zeugenaussagen in ausgebildetem Italienisch vor.
Fredegar stand übrigens mit seinem Latein durchaus nicht allein unter
der fränkischen Geistlichkeit des siebenten Jahrhunderts; das zeigt uns das
Leben des um 665 verstorbenen Wandr eg isi l, des Stifters von Fontenelle,
welches W. Arndt genau nach der schönen Uncialhandschrift hat abdrucken
lassen, die der Abfassung sehr nahe stehen muß und gewiß mit aller
Sorgfalt geschrieben ist[9]. Hat doch jetzt G. Waitz nachgewiesen, daß auch
noch Paulus Diaconus nicht viel anders schrieb, und Jordanis und Gregor
von Tours scheinen ebenfalls schon auf diesen Weg geführt zu haben.
Wiederum verging nach Fredegar mehr als ein halbes Jahrhundert, in
dem, außer einigen Heiligenleben, unter denen jedoch mehrere nicht gering
anzuschlagen sind, das ganze Frankenreich keine Spur von
Geschichtschreibung darbietet. Erst in den letzten Zeiten der Merovinger,
als in Austrasien schon die ganze litterarische Thätigkeit dem aufstrebenden
Geschlecht der Hausmeier sich zugewandt hatte, wurde in Neustrien ein
Werk verfaßt, welches sich Gregor und Fredegar anschließt, und in seiner
Armseligkeit dem Zustande des absterbenden Reiches vollkommen
entspricht. Es ist daher auch kaum möglich anzunehmen, daß bei den darin
Cap. 44 angeführten scriptores, wie Krusch S. 217 annimmt, an wirkliche
Geschichtschreiber zu denken ist; mit Recht hebt Kurth hervor, daß mit dem
ganz unbedeutenden Chlodwig II sich nicht mehrere Geschichtschreiber
beschäftigt haben werden, dagegen in Saint-Denis, wo er ihrem Heiligen
einen Arm genommen hatte, verschiedentlich über ihn geschrieben sein
mag.
[1] Vgl. über den Namen G. Monod, Études crit. p. 256.
[2] Dieser ist nach Krusch der im Prolog als quidam sapiens bezeichnete.
[3] Darüber s. Krusch, NA. VII, 456; vgl. oben S. 54.
[4] G. Kurth, welcher in der Revue des Questions hist. 1890, S. 60 ff. die Geschichte
Chlodwigs nach Fredegar behandelt, weist den Theil der Chronik von Chilperichs
kommen Zeugenaussagen in ausgebildetem Italienisch vor.
Fredegar stand übrigens mit seinem Latein durchaus nicht allein unter
der fränkischen Geistlichkeit des siebenten Jahrhunderts; das zeigt uns das
Leben des um 665 verstorbenen Wandr eg isi l, des Stifters von Fontenelle,
welches W. Arndt genau nach der schönen Uncialhandschrift hat abdrucken
lassen, die der Abfassung sehr nahe stehen muß und gewiß mit aller
Sorgfalt geschrieben ist[9]. Hat doch jetzt G. Waitz nachgewiesen, daß auch
noch Paulus Diaconus nicht viel anders schrieb, und Jordanis und Gregor
von Tours scheinen ebenfalls schon auf diesen Weg geführt zu haben.
Wiederum verging nach Fredegar mehr als ein halbes Jahrhundert, in
dem, außer einigen Heiligenleben, unter denen jedoch mehrere nicht gering
anzuschlagen sind, das ganze Frankenreich keine Spur von
Geschichtschreibung darbietet. Erst in den letzten Zeiten der Merovinger,
als in Austrasien schon die ganze litterarische Thätigkeit dem aufstrebenden
Geschlecht der Hausmeier sich zugewandt hatte, wurde in Neustrien ein
Werk verfaßt, welches sich Gregor und Fredegar anschließt, und in seiner
Armseligkeit dem Zustande des absterbenden Reiches vollkommen
entspricht. Es ist daher auch kaum möglich anzunehmen, daß bei den darin
Cap. 44 angeführten scriptores, wie Krusch S. 217 annimmt, an wirkliche
Geschichtschreiber zu denken ist; mit Recht hebt Kurth hervor, daß mit dem
ganz unbedeutenden Chlodwig II sich nicht mehrere Geschichtschreiber
beschäftigt haben werden, dagegen in Saint-Denis, wo er ihrem Heiligen
einen Arm genommen hatte, verschiedentlich über ihn geschrieben sein
mag.
[1] Vgl. über den Namen G. Monod, Études crit. p. 256.
[2] Dieser ist nach Krusch der im Prolog als quidam sapiens bezeichnete.
[3] Darüber s. Krusch, NA. VII, 456; vgl. oben S. 54.
[4] G. Kurth, welcher in der Revue des Questions hist. 1890, S. 60 ff. die Geschichte
Chlodwigs nach Fredegar behandelt, weist den Theil der Chronik von Chilperichs
Page 153
Tod bis 613 dem zweiten Compilator zu, indem er bestreitet, dass der erste überhaupt
etwas originales geschrieben habe (NA. XV, 615).
[5] Die auch abgesondert vorkommende sog. Historia epitomata in 93 Kapiteln.
Gegen L. v. Ranke's Ansicht (Weltgesch. IV, 2, 328-368), daß sie nicht als Auszug
aus Gregor zu betrachten sei, hat sich Waitz sehr entschieden erklärt, Praef. Greg.
Tur. p. VIII. NA. IX, 650.
[6] Vgl. hierüber Zarncke, Ueber die Trojanersage der Franken, in den Berichten der
k. Sächs. Ges. d. Wiss. 1866 S. 257-285, nebst dessen Anzeige der Schrift von
Wormstall: Die Herkunft der Franken von Troja, Münster 1869, im Lit. Centr. 1869,
381, und G. Waitz zu Jord. Osnabrug. S. 13. A. Dederich, Der Frankenbund, Hann.
1873. A. Thorbecke: Ueber Gesta Theoderici (1875) S. 9-13. Lüthgen: Die Quellen u.
der hist. Werth der fränk. Trojasage, Diss. Bonn. 1875. Die Entstehung der Fabelei ist
jetzt lichtvoll nachgewiesen von Krusch, NA. VII, 473. Die in den mit Fortsetzungen
versehenen Hss. eingeschobene Historia Daretis Frigii de origine Francorum ist
nach Fred. S. 194-200 von Krusch herausgegeben.
[7] Rusticitas et extremitas sensus mei.
[8] Krusch hat die Eigenthümlichkeiten dieser Sprache sorgfältig zusammengestellt,
S. 486-494. Ganz ungrammatisch sind auch die Reliquienzeugnisse: 'Authentiques de
Reliques de l'Époque Mérov. découvertes à Vergy. Par L. Delisle' (École de Rome
1884). Welches entsetzliche Latein man noch 754 schrieb, zeigt die Unterschrift des
Gundobin, Bibl. de l'École des chartes VI, 4, 217. Vgl. auch Sickel, Urkk. der
Karolinger I, 137 ff., dem ich aber darin nicht beistimmen kann, wenn er dieses
Kauderwelsch als sermo plebejus bezeichnet. Eine ähnliche Erscheinung bietet das
ausgehende 15. Jahrh. in dem Diarium Nepesinum, Arch. della Soc. Rom. di Storia
patria, Vol. VII.
[9] Kleine Denkmäler aus der Merovingerzeit, Hann. 1874.
etwas originales geschrieben habe (NA. XV, 615).
[5] Die auch abgesondert vorkommende sog. Historia epitomata in 93 Kapiteln.
Gegen L. v. Ranke's Ansicht (Weltgesch. IV, 2, 328-368), daß sie nicht als Auszug
aus Gregor zu betrachten sei, hat sich Waitz sehr entschieden erklärt, Praef. Greg.
Tur. p. VIII. NA. IX, 650.
[6] Vgl. hierüber Zarncke, Ueber die Trojanersage der Franken, in den Berichten der
k. Sächs. Ges. d. Wiss. 1866 S. 257-285, nebst dessen Anzeige der Schrift von
Wormstall: Die Herkunft der Franken von Troja, Münster 1869, im Lit. Centr. 1869,
381, und G. Waitz zu Jord. Osnabrug. S. 13. A. Dederich, Der Frankenbund, Hann.
1873. A. Thorbecke: Ueber Gesta Theoderici (1875) S. 9-13. Lüthgen: Die Quellen u.
der hist. Werth der fränk. Trojasage, Diss. Bonn. 1875. Die Entstehung der Fabelei ist
jetzt lichtvoll nachgewiesen von Krusch, NA. VII, 473. Die in den mit Fortsetzungen
versehenen Hss. eingeschobene Historia Daretis Frigii de origine Francorum ist
nach Fred. S. 194-200 von Krusch herausgegeben.
[7] Rusticitas et extremitas sensus mei.
[8] Krusch hat die Eigenthümlichkeiten dieser Sprache sorgfältig zusammengestellt,
S. 486-494. Ganz ungrammatisch sind auch die Reliquienzeugnisse: 'Authentiques de
Reliques de l'Époque Mérov. découvertes à Vergy. Par L. Delisle' (École de Rome
1884). Welches entsetzliche Latein man noch 754 schrieb, zeigt die Unterschrift des
Gundobin, Bibl. de l'École des chartes VI, 4, 217. Vgl. auch Sickel, Urkk. der
Karolinger I, 137 ff., dem ich aber darin nicht beistimmen kann, wenn er dieses
Kauderwelsch als sermo plebejus bezeichnet. Eine ähnliche Erscheinung bietet das
ausgehende 15. Jahrh. in dem Diarium Nepesinum, Arch. della Soc. Rom. di Storia
patria, Vol. VII.
[9] Kleine Denkmäler aus der Merovingerzeit, Hann. 1874.
Page 154
§ 10. Die Thaten der Frankenkönige. [ ← ]
Gesta Francorum, Bouquet II, 580. Migne XCVI, 1421 aus Duchesne. Neue Ausg. unter dem Titel
Liber historiae Francorum von Br. Krusch, SS. Merov. II, 215-328. Vgl. Cauer, De Karolo
Martello, Berol. 1841, p. 11-28. Brosien p. 41-44. Breysig, Karl Martell S. 112. G. Monod, Les
Origines de l'historiographie à Paris (Mémoires de la Société de l'histoire de Paris et de l'Ile de
France, Tome III, p. 219-240). G. Kurth, Etude crit. sur le Gesta Rerum Francorum, Bull. de
l'Acad. r. de Belg. 3 sér. t. XVIII (1889) p. 261-291. Auszugsweise Uebersetzung des ersten
Theils von W. Giesebrecht, hinter Gregor von Tours II, 282-302. Vollständig von 639 an, von
Abel, hinter Fredegar, s. oben → S. 104.
Die Anfänge, die Herkunft und die Thaten des Frankenvolkes und
seiner Könige will ich erzählen — so beginnt nicht ohne Kühnheit der
Verfasser sein Werk, aber genannt hat er sich nicht, und obgleich er für
seine Zeit außerordentliches leistete und im ganzen Mittelalter sein Buch
viel gelesen wurde, so hat doch niemand seinen Namen uns überliefert.
Ohne Zweifel war er ein Neustrier. E. Cauer glaubte, wegen der besonderen
Verehrung, mit welcher er des heiligen Bischofs Audoenus gedenkt, daß er
der Kirche zu Rouen angehört habe[1], und dieser Ansicht hat auch Krusch
sich angeschlossen, und einige Stellen für seinen Aufenthalt in dieser
Gegend geltend gemacht. Die von G. Monod aufgestellte Vermuthung, daß
der Verfasser ein aus Spanien geflüchteter westgothischer Mönch in Paris
gewesen sei, kann wohl als ausreichend widerlegt betrachtet werden, aber
seine Beziehungen zu Paris sind auch von Kurth wieder schärfer betont; er
hält ihn für einen Mönch von Saint-Denis. Seine Heimath vermuthet er in
der Gegend von Laon und Soissons, von wo er allerlei zu berichten und
Oertlichkeiten zu nennen weiß.
Neustrien ist das Land, von dem der Verfasser des liber historiae
berichtet; Austrasien erwähnt er nur gelegentlich, er liebt es nicht, und von
dem Neuen, was sich dort bildet, ist er unberührt; während man in
Austrasien wenig mehr von den Merovingern weiß, sie in den Annalen
kaum noch nennt, stehen sie bei ihm überall im Vordergrunde. Er gehört
ganz der alten Zeit an, und bezeichnet durch seine den Fredegar weit
Gesta Francorum, Bouquet II, 580. Migne XCVI, 1421 aus Duchesne. Neue Ausg. unter dem Titel
Liber historiae Francorum von Br. Krusch, SS. Merov. II, 215-328. Vgl. Cauer, De Karolo
Martello, Berol. 1841, p. 11-28. Brosien p. 41-44. Breysig, Karl Martell S. 112. G. Monod, Les
Origines de l'historiographie à Paris (Mémoires de la Société de l'histoire de Paris et de l'Ile de
France, Tome III, p. 219-240). G. Kurth, Etude crit. sur le Gesta Rerum Francorum, Bull. de
l'Acad. r. de Belg. 3 sér. t. XVIII (1889) p. 261-291. Auszugsweise Uebersetzung des ersten
Theils von W. Giesebrecht, hinter Gregor von Tours II, 282-302. Vollständig von 639 an, von
Abel, hinter Fredegar, s. oben → S. 104.
Die Anfänge, die Herkunft und die Thaten des Frankenvolkes und
seiner Könige will ich erzählen — so beginnt nicht ohne Kühnheit der
Verfasser sein Werk, aber genannt hat er sich nicht, und obgleich er für
seine Zeit außerordentliches leistete und im ganzen Mittelalter sein Buch
viel gelesen wurde, so hat doch niemand seinen Namen uns überliefert.
Ohne Zweifel war er ein Neustrier. E. Cauer glaubte, wegen der besonderen
Verehrung, mit welcher er des heiligen Bischofs Audoenus gedenkt, daß er
der Kirche zu Rouen angehört habe[1], und dieser Ansicht hat auch Krusch
sich angeschlossen, und einige Stellen für seinen Aufenthalt in dieser
Gegend geltend gemacht. Die von G. Monod aufgestellte Vermuthung, daß
der Verfasser ein aus Spanien geflüchteter westgothischer Mönch in Paris
gewesen sei, kann wohl als ausreichend widerlegt betrachtet werden, aber
seine Beziehungen zu Paris sind auch von Kurth wieder schärfer betont; er
hält ihn für einen Mönch von Saint-Denis. Seine Heimath vermuthet er in
der Gegend von Laon und Soissons, von wo er allerlei zu berichten und
Oertlichkeiten zu nennen weiß.
Neustrien ist das Land, von dem der Verfasser des liber historiae
berichtet; Austrasien erwähnt er nur gelegentlich, er liebt es nicht, und von
dem Neuen, was sich dort bildet, ist er unberührt; während man in
Austrasien wenig mehr von den Merovingern weiß, sie in den Annalen
kaum noch nennt, stehen sie bei ihm überall im Vordergrunde. Er gehört
ganz der alten Zeit an, und bezeichnet durch seine den Fredegar weit
Page 155
übertreffende Dürftigkeit und Armuth den fortgehenden Verfall, wenn auch
sein Latein weniger barbarisch ist. Dafür aber fehlt ihm auch die gelehrte
Belesenheit Fredegars. Er hat für die alte Zeit, außer dem Prologus legis
Salicae[2], nur eine Quelle, die ersten sechs Bücher Gregors, und hierauf
gestützt unternahm er es im sechsten Jahre Theuderichs IV d. i. im Jahre
727[3], die Geschichte seines Volkes zu schreiben. Mit mageren Auszügen
aus Gregor verbindet er wie Fredegar die halb volksthümlichen, halb
gelehrten Sagen über die Anfänge der Franken; dann fährt er selbständig
fort, nicht Jahr für Jahr berichtend, sondern in kurzen Umrissen, wie sie
sich allenfalls durch mündliche Ueberlieferung erhalten konnten. Fredegars
Chronik war ihm nicht bekannt, und soweit diese reicht, ist sein Werk kaum
zu benutzen; dann aber ist es für lange Zeit die einzige zusammenhängende
Erzählung, welche wir besitzen, und wie er seiner eigenen Zeit näher
kommt, wird seine Darstellung, wenn sie gleich immer dürftig bleibt, doch
zuverlässig. Die besseren Heiligenleben, aus denen einzelne Abschnitte sich
ergänzen lassen, bestätigen seine Angaben.
Wenige Jahre nachher, noch bei Lebzeiten Theuderichs IV, der 737
gestorben ist, hat ein Austrasier eine neue Bearbeitung dieses Buches (B)
unternommen, welches er für ein Werk Gregors von Tours hielt und dem er
daher den Titel gab „Liber sancti Gregorii Toronis episcopi gesta regum
Francorum“. Daher der gewöhnliche Titel, an welchem man als an einem
gewohnten und allgemein verständlichen wohl auch ferner festhalten wird.
Der Verfasser ergänzte einiges aus Gregors Geschichte, auch aus Isidor;
schon 736 wurde dazu eine Fortsetzung geschrieben, welche wir nur in
überarbeiteter Gestalt als erste Fortsetzung des Fredegar kennen.
Damit ist nun die Zahl der merovingischen Historiker erschöpft, denn
die T h at en Dago ber t s[4] sind eine unzuverlässige Compilation aus dem
neunten Jahrhundert, von einem Mönch zu Saint-Denis verfaßt, um das
Kloster und seinen Stifter zu verherrlichen, mit Benutzung sowohl
mündlicher Tradition als auch der vorhandenen Urkunden, unter welchen
schon falsche sich befanden. Hat man früher sie in das Ende des neunten
sein Latein weniger barbarisch ist. Dafür aber fehlt ihm auch die gelehrte
Belesenheit Fredegars. Er hat für die alte Zeit, außer dem Prologus legis
Salicae[2], nur eine Quelle, die ersten sechs Bücher Gregors, und hierauf
gestützt unternahm er es im sechsten Jahre Theuderichs IV d. i. im Jahre
727[3], die Geschichte seines Volkes zu schreiben. Mit mageren Auszügen
aus Gregor verbindet er wie Fredegar die halb volksthümlichen, halb
gelehrten Sagen über die Anfänge der Franken; dann fährt er selbständig
fort, nicht Jahr für Jahr berichtend, sondern in kurzen Umrissen, wie sie
sich allenfalls durch mündliche Ueberlieferung erhalten konnten. Fredegars
Chronik war ihm nicht bekannt, und soweit diese reicht, ist sein Werk kaum
zu benutzen; dann aber ist es für lange Zeit die einzige zusammenhängende
Erzählung, welche wir besitzen, und wie er seiner eigenen Zeit näher
kommt, wird seine Darstellung, wenn sie gleich immer dürftig bleibt, doch
zuverlässig. Die besseren Heiligenleben, aus denen einzelne Abschnitte sich
ergänzen lassen, bestätigen seine Angaben.
Wenige Jahre nachher, noch bei Lebzeiten Theuderichs IV, der 737
gestorben ist, hat ein Austrasier eine neue Bearbeitung dieses Buches (B)
unternommen, welches er für ein Werk Gregors von Tours hielt und dem er
daher den Titel gab „Liber sancti Gregorii Toronis episcopi gesta regum
Francorum“. Daher der gewöhnliche Titel, an welchem man als an einem
gewohnten und allgemein verständlichen wohl auch ferner festhalten wird.
Der Verfasser ergänzte einiges aus Gregors Geschichte, auch aus Isidor;
schon 736 wurde dazu eine Fortsetzung geschrieben, welche wir nur in
überarbeiteter Gestalt als erste Fortsetzung des Fredegar kennen.
Damit ist nun die Zahl der merovingischen Historiker erschöpft, denn
die T h at en Dago ber t s[4] sind eine unzuverlässige Compilation aus dem
neunten Jahrhundert, von einem Mönch zu Saint-Denis verfaßt, um das
Kloster und seinen Stifter zu verherrlichen, mit Benutzung sowohl
mündlicher Tradition als auch der vorhandenen Urkunden, unter welchen
schon falsche sich befanden. Hat man früher sie in das Ende des neunten
Page 156
Jahrhunderts gesetzt[5], so weist dagegen Krusch (S. 396) nach, dass sie 835
schon vorhanden war. Entschiedener hat Julien Havet ihre Glaubwürdigkeit
in Schutz genommen, natürlich abgesehen von den nur wiedererzählten
Fabeln, vorzüglich in Bezug auf die Thatsache, daß wirklich Dagobert I,
wenn auch bei Lebzeiten seines Vaters, das Kloster gestiftet hat, während
Mabillon eine viel frühere Stiftung annahm[6].
Der so viel benutzte und oft angeführte Aim o in aber ist gar erst aus
dem Anfange des elften Jahrhunderts und ohne allen Werth. Es war die
Roheit der Form, welche zur neuen Bearbeitung trieb, wie Aimoin
ausdrücklich sagt, und aus demselben Grunde zog man später diese
Bearbeitungen vor. Für geschichtliche Untersuchungen aber darf man sich
auf Aimoin so wenig wie auf den noch späteren Ro r ico berufen[7].
Actenstücke, Gesetzbücher und Formeln[8] liegen unserer Aufgabe
fern, aber gedenken müssen wir doch der Br ief e, welche theils einzeln und
ihrer besonderen Wichtigkeit wegen, theils, und vorzüglich, in
Sammlungen, die als Muster gebraucht wurden, sich erhalten haben. Für
diesen Zeitraum schließen sie sich an die berühmten Namen der Bischöfe
Avitus von Vienne, Remigius von Reims, Desiderius von Cahors[9]. Von
besonderer Wichtigkeit ist die Sammlung der Epistolae Austrasicae,
welche, mit einigen Schreiben des Remigius beginnend, in großer Zahl
amtliche Correspondenzen der Könige Sigebert und Childebert II (bis 585)
enthält, und zwar nach Concepten, so daß die Entstehung nothwendig in der
königlichen Kanzlei zu suchen ist. Hier hatte der von Fortunat besungene
Go go gewirkt, gefeiert als ein neuer Cicero wegen seiner Beredsamkeit,
Vorsteher der Hofschule und aus weiter Ferne aufgesuchter Lehrer; zweimal
wird er als Concipient genannt. In der kritisch gereinigten Ausgabe von
Gundlach, der ersten seit Freher, werden diese Briefe erst recht benutzbar
sein[10].
Sehr eigenthümlicher Art ist die Correspondenz zwischen einem
Bischof Frodebert, vermuthlich von Tours, und Importunus von Paris (um
schon vorhanden war. Entschiedener hat Julien Havet ihre Glaubwürdigkeit
in Schutz genommen, natürlich abgesehen von den nur wiedererzählten
Fabeln, vorzüglich in Bezug auf die Thatsache, daß wirklich Dagobert I,
wenn auch bei Lebzeiten seines Vaters, das Kloster gestiftet hat, während
Mabillon eine viel frühere Stiftung annahm[6].
Der so viel benutzte und oft angeführte Aim o in aber ist gar erst aus
dem Anfange des elften Jahrhunderts und ohne allen Werth. Es war die
Roheit der Form, welche zur neuen Bearbeitung trieb, wie Aimoin
ausdrücklich sagt, und aus demselben Grunde zog man später diese
Bearbeitungen vor. Für geschichtliche Untersuchungen aber darf man sich
auf Aimoin so wenig wie auf den noch späteren Ro r ico berufen[7].
Actenstücke, Gesetzbücher und Formeln[8] liegen unserer Aufgabe
fern, aber gedenken müssen wir doch der Br ief e, welche theils einzeln und
ihrer besonderen Wichtigkeit wegen, theils, und vorzüglich, in
Sammlungen, die als Muster gebraucht wurden, sich erhalten haben. Für
diesen Zeitraum schließen sie sich an die berühmten Namen der Bischöfe
Avitus von Vienne, Remigius von Reims, Desiderius von Cahors[9]. Von
besonderer Wichtigkeit ist die Sammlung der Epistolae Austrasicae,
welche, mit einigen Schreiben des Remigius beginnend, in großer Zahl
amtliche Correspondenzen der Könige Sigebert und Childebert II (bis 585)
enthält, und zwar nach Concepten, so daß die Entstehung nothwendig in der
königlichen Kanzlei zu suchen ist. Hier hatte der von Fortunat besungene
Go go gewirkt, gefeiert als ein neuer Cicero wegen seiner Beredsamkeit,
Vorsteher der Hofschule und aus weiter Ferne aufgesuchter Lehrer; zweimal
wird er als Concipient genannt. In der kritisch gereinigten Ausgabe von
Gundlach, der ersten seit Freher, werden diese Briefe erst recht benutzbar
sein[10].
Sehr eigenthümlicher Art ist die Correspondenz zwischen einem
Bischof Frodebert, vermuthlich von Tours, und Importunus von Paris (um
Page 157
666), welcher jenem u. a. vorwirft, daß er des Hausmeiers Grimoald Frau
entführt habe. In höchst barbarischem Latein verfaßt, aber durchgehends
gereimt, können diese Schmähschriften unmöglich als wirkliche Briefe
betrachtet werden, sind aber um so merkwürdiger als ein boshaftes Pasquill
des 7. Jahrhunderts[11].
Von jenen halb verklungenen, halb durch Zuthaten der
Schulgelehrsamkeit entstellten Stammsagen der Franken finden sich Spuren
auch in dem schon früher (S. 90) erwähnten Prolog des Salischen Gesetzes,
und an diesen erinnert ein seltsames Werk des siebenten Jahrhunderts, die
poet i sch e Wel t b eschr ei bung eines ungenannten Verfassers, der in
ganz ähnlicher Sprache und Weise einige Capitel des Isidor in Verse
brachte, und nur über die Franken einige selbständige Zusätze anbrachte, in
denen sich das stolze Selbstgefühl jenes Prologs wieder erkennen läßt[12].
Es sind dreizeilige Strophen mit sehr ungenauen Endreimen, rhythmische
Langzeilen von 15 Silben mit einer Caesur nach der achten Silbe, eine in
jener Zeit häufige Form. Für den Verfasser dieses Kunstwerkes hält
Dümmler denselben T heo dof r i dus, welcher ein anderes, nicht minder
rohes Gedicht über die 6 Weltalter verfaßt hat; beide sind von demselben
Winitharius abgeschrieben; auch einen dritten, chronologischen Rhythmus
vom J. 718 fügt er hinzu. In Theodofrid aber erkennt er den ersten, bald
nach 657 aus Luxeuil gekommenen Abt von Corbie, welcher um 681
Bischof wurde, wahrscheinlich von Amiens[13].
Höchst eigenthümlich ist eine andere Dichtung, die vielleicht ebenfalls
noch dem siebenten Jahrhundert angehört, nämlich ein L ied, welches sich
auf C hl o th ar s I I S i eg ü ber die S achsen i. J. 622 (?) bezog, wovon
uns aber leider nur ein kleines Bruchstück erhalten ist. Es bestand ebenfalls
aus je drei gereimten Zeilen, die aber iambischen Rhythmus haben und je
vier Hebungen enthalten. Der eigentliche Held des Liedes ist der heilige
F ar o, Bischof von Meaux, welcher die Gesandten der Sachsen gegen die
beabsichtigte Ermordung von Seiten des Königs beschützt hatte, und ihm zu
entführt habe. In höchst barbarischem Latein verfaßt, aber durchgehends
gereimt, können diese Schmähschriften unmöglich als wirkliche Briefe
betrachtet werden, sind aber um so merkwürdiger als ein boshaftes Pasquill
des 7. Jahrhunderts[11].
Von jenen halb verklungenen, halb durch Zuthaten der
Schulgelehrsamkeit entstellten Stammsagen der Franken finden sich Spuren
auch in dem schon früher (S. 90) erwähnten Prolog des Salischen Gesetzes,
und an diesen erinnert ein seltsames Werk des siebenten Jahrhunderts, die
poet i sch e Wel t b eschr ei bung eines ungenannten Verfassers, der in
ganz ähnlicher Sprache und Weise einige Capitel des Isidor in Verse
brachte, und nur über die Franken einige selbständige Zusätze anbrachte, in
denen sich das stolze Selbstgefühl jenes Prologs wieder erkennen läßt[12].
Es sind dreizeilige Strophen mit sehr ungenauen Endreimen, rhythmische
Langzeilen von 15 Silben mit einer Caesur nach der achten Silbe, eine in
jener Zeit häufige Form. Für den Verfasser dieses Kunstwerkes hält
Dümmler denselben T heo dof r i dus, welcher ein anderes, nicht minder
rohes Gedicht über die 6 Weltalter verfaßt hat; beide sind von demselben
Winitharius abgeschrieben; auch einen dritten, chronologischen Rhythmus
vom J. 718 fügt er hinzu. In Theodofrid aber erkennt er den ersten, bald
nach 657 aus Luxeuil gekommenen Abt von Corbie, welcher um 681
Bischof wurde, wahrscheinlich von Amiens[13].
Höchst eigenthümlich ist eine andere Dichtung, die vielleicht ebenfalls
noch dem siebenten Jahrhundert angehört, nämlich ein L ied, welches sich
auf C hl o th ar s I I S i eg ü ber die S achsen i. J. 622 (?) bezog, wovon
uns aber leider nur ein kleines Bruchstück erhalten ist. Es bestand ebenfalls
aus je drei gereimten Zeilen, die aber iambischen Rhythmus haben und je
vier Hebungen enthalten. Der eigentliche Held des Liedes ist der heilige
F ar o, Bischof von Meaux, welcher die Gesandten der Sachsen gegen die
beabsichtigte Ermordung von Seiten des Königs beschützt hatte, und ihm zu
Page 158
Ehren wurde nach dem Zeugniß des Biographen des h. Faro, Bischof
Hildegars, der zu Karls des Kahlen Zeit schrieb, dieses Lied allgemein von
Männern und Frauen zum Tanze gesungen[14].
Ein anderes, noch weit merkwürdigeres Lied glaubte Lenormant
entdeckt zu haben[15], ein hi stor i sches Vol k slied des sechsten
Jahrhunderts zur Feier von C hildeb er t s I F el dzu g gegen S ar ago ssa
i. J. 542. Dieses sollte nämlich paraphrasiert sein in dem Leben des h.
Dr oct o veu s, ersten Abtes von St. Germain-des-Prés, einer Stiftung jenes
Childebert, und sich daraus zum Theil wieder herstellen lassen. In der That
erinnern Ausdrücke darin, wie torrens pulchritudinis[16], an jene alte
fränkische Poesie, und es ist nicht unmöglich, daß wirklich die Spur eines
alten Liedes darin zu erkennen ist; im übrigen aber ist die Erzählung von
der angeblichen Erwerbung der Stola des h. Vincenz auf jenem Feldzuge
ganz den „Thaten der Franken“ entnommen, und deshalb die Herstellung
jenes Liedes aus den Worten der Lebensbeschreibung ein verfehltes
Unternehmen.
[1] l. c. p. 14.
[2] Was Kurth, der vielmehr den Prolog für jünger hält, m. E. ohne Grund bekämpft.
Ausserdem hat Monod in c. 38 u. 40 eine Verwandtschaft mit dem Anhang zu Marius
Avent. nachgewiesen.
[3] Nicht 725, wie man früher annahm, s. Br. Krusch, NA. X, 94, wo die Chronologie
der letzten Merovinger berichtigt ist.
[4] Gesta Dagoberti, Ausg. Bouquet II, 580. Migne XCVI, 1395 aus Duchesne.
Krusch, SS. Merov. II, 396-425, vgl. Forsch. XXVI, 161-191.
[5] So Monod, Rev. crit. 1873, II, S. 258, welcher die Vermuthung ausspricht, daß die
Flucht der Mönche vor den Normannen nach Reims, die wahrscheinlich mit dem
Verlust von Urkunden verbunden war, nach ihrer Rückkehr 888 zu dieser
trügerischen Arbeit den Anlaß gegeben habe.
[6] Questions Mérov. V. Les origines de Saint-Denis (Bibl. de l'École des chartes LI
(1890) p. 5-62.) Derselben Zeit schreibt Havet S. 38 die Passio SS. Dionysii, Rustici
et Eleutherii zu, die aber nach seiner Ansicht in Aquitanien geschrieben ist. Sie ist
gedr. Auctt. antt. IV, 2, 101-105, als fälschlich Venantius Fortunatus zugeschrieben.
[7] Aimoin, von dem noch unter III § 10 die Rede sein wird, war Mönch von Fleury
und widmete sein Werk dem Abt Abbo († 1004). Er wollte die Geschichte bis auf
Karls des Großen Vater Pippin beschreiben, sein Werk reicht aber nur bis 653. Rorico
Hildegars, der zu Karls des Kahlen Zeit schrieb, dieses Lied allgemein von
Männern und Frauen zum Tanze gesungen[14].
Ein anderes, noch weit merkwürdigeres Lied glaubte Lenormant
entdeckt zu haben[15], ein hi stor i sches Vol k slied des sechsten
Jahrhunderts zur Feier von C hildeb er t s I F el dzu g gegen S ar ago ssa
i. J. 542. Dieses sollte nämlich paraphrasiert sein in dem Leben des h.
Dr oct o veu s, ersten Abtes von St. Germain-des-Prés, einer Stiftung jenes
Childebert, und sich daraus zum Theil wieder herstellen lassen. In der That
erinnern Ausdrücke darin, wie torrens pulchritudinis[16], an jene alte
fränkische Poesie, und es ist nicht unmöglich, daß wirklich die Spur eines
alten Liedes darin zu erkennen ist; im übrigen aber ist die Erzählung von
der angeblichen Erwerbung der Stola des h. Vincenz auf jenem Feldzuge
ganz den „Thaten der Franken“ entnommen, und deshalb die Herstellung
jenes Liedes aus den Worten der Lebensbeschreibung ein verfehltes
Unternehmen.
[1] l. c. p. 14.
[2] Was Kurth, der vielmehr den Prolog für jünger hält, m. E. ohne Grund bekämpft.
Ausserdem hat Monod in c. 38 u. 40 eine Verwandtschaft mit dem Anhang zu Marius
Avent. nachgewiesen.
[3] Nicht 725, wie man früher annahm, s. Br. Krusch, NA. X, 94, wo die Chronologie
der letzten Merovinger berichtigt ist.
[4] Gesta Dagoberti, Ausg. Bouquet II, 580. Migne XCVI, 1395 aus Duchesne.
Krusch, SS. Merov. II, 396-425, vgl. Forsch. XXVI, 161-191.
[5] So Monod, Rev. crit. 1873, II, S. 258, welcher die Vermuthung ausspricht, daß die
Flucht der Mönche vor den Normannen nach Reims, die wahrscheinlich mit dem
Verlust von Urkunden verbunden war, nach ihrer Rückkehr 888 zu dieser
trügerischen Arbeit den Anlaß gegeben habe.
[6] Questions Mérov. V. Les origines de Saint-Denis (Bibl. de l'École des chartes LI
(1890) p. 5-62.) Derselben Zeit schreibt Havet S. 38 die Passio SS. Dionysii, Rustici
et Eleutherii zu, die aber nach seiner Ansicht in Aquitanien geschrieben ist. Sie ist
gedr. Auctt. antt. IV, 2, 101-105, als fälschlich Venantius Fortunatus zugeschrieben.
[7] Aimoin, von dem noch unter III § 10 die Rede sein wird, war Mönch von Fleury
und widmete sein Werk dem Abt Abbo († 1004). Er wollte die Geschichte bis auf
Karls des Großen Vater Pippin beschreiben, sein Werk reicht aber nur bis 653. Rorico
Page 159
schrieb in sehr geziertem Stil und reicht bis 511. Ueber seine Person ist nichts
bekannt, nur weisen einige Umstände nach Amiens; mit Unrecht hat man aus der
idyllischen Einkleidung geschlossen, daß er die Schafe gehütet habe. Vgl. A.
Thorbecke über Gesta Theodorici (Heidelb. Progr. 1875) S. 13-18. In der
Chronikensammlung von St. Denis, welche man der Veranlassung Sugers zuschreibt,
wurde Aimoin mit den Gesta Dagoberti, Gesta Francorum, den Fortsetzern des
Fredegar etc. verbunden, später die Chronik amtlich fortgeführt und im dreizehnten
Jahrhundert alles ins Französische übersetzt. Ausgabe bei Bouquet III. Die darin
benutzte Forts. aus Saint-Germain-des-prés 1125-1167 (= Hist. Lud. VII) theilweise
MG. SS. XXVI, 151. — Den Anfang einer eigenthümlichen Ueberarbeitung der
Gesta Francorum, welchen Ekkehard benutzt hat, theilt Waitz aus einer Bamberger
Handschrift mit, Forschungen III, 145-147; vgl. 607.
[8] Ueber diese genügt es, auf die Abh. v. Zeumer. NA. VI, 9-115 u. die Ausg. MG.
Legum Sectio V zu verweisen. Den Bischof Landerich, welcher Marculfs Sammlung
veranlaßte, hält Z. für den Bischof von Meaux. c. 700.
[9] Gesammelt bei Duchesne I, Bouq. IV. u. jetzt MG. Epp. Tom. III.
[10] Gundlach, NA. XIII, 365-387.
[11] S. Zeumer im NA. VI, 75 u. die Ausg. Formulae p. 220-226.
[12] Versus de rota mundi, ed. Pertz: Ueber eine fränkische Kosmographie des
siebenten Jahrhunderts, Abh. der Berl. Ak. 1845, S. 253. Wright, Anecd. p. 101-104;
aus Clm. 903. Dazu kommen noch die Handschriften Cod. S. Galli 213 u. Vat. Pal.
1357, Arch. XII, 354. Vgl. Huemer, Untersuchungen über die ältesten lat. christ.
Rhythmen (Wien 1879) S. 63-65. Manitius, Gesch. d. christl. lat. Poesie S. 474. —
Ueber eine alte f r ä n k . V ö l k e r t a f e l, die er um 520 ansetzt, Müllenhoff, Abh. d.
Berl. Akad. 1863. S. 520. Für erheblich jüngeren Ursprung Ad. Bachmann, Wiener
SB. XCI, 864. In welche Zeit und Verbindung die fabelhafte Kosmographie des
A e t h i c u s gehört, welche bei der Trojanersage eine Rolle spielt, ist noch dunkel;
Krusch bemerkt, „dass darin die Fassung der Gesta Francorum von 736 benutzt und
er also erheblich jünger ist, als man ihn gewöhnlich ansetzt. Auf die erste Hälfte des
9. Jahrh. weist auch seine Verwandtschaft mit der Hist. Daretis, welche der erste
Fortsetzer des Fredegar in den Hieronymus einschob: beide haben die Fabel von
Francus u. Vassus, beide gleichen sich im Stil (z. B. gignarus für gnarus).“ Das
Gegentheil behauptet freilich K. Plath, Die Königspfalzen (Berl. Diss. 1892) These 2.
[13] Zeitschr. f. D. Alterth. XXII, 423. XXIII, 280. Manitius S. 476.
[14] Mab. Acta SS. O. S. B. II, 617. Hildegar war aus dem Kloster St. Denis. Brosien
S. 53 schlägt die Glaubwürdigkeit dieser Vita sehr gering an. Manitius, S. 474 hält
das Lied für Uebersetzung eines fränkischen.
[15] Bibliothèque de l'École des chartes I, 1, 321.
[16] Vgl. V. Eligii auct. Audoeno I, 14: rex Dagobertus torrens pulcher et inclytus.
bekannt, nur weisen einige Umstände nach Amiens; mit Unrecht hat man aus der
idyllischen Einkleidung geschlossen, daß er die Schafe gehütet habe. Vgl. A.
Thorbecke über Gesta Theodorici (Heidelb. Progr. 1875) S. 13-18. In der
Chronikensammlung von St. Denis, welche man der Veranlassung Sugers zuschreibt,
wurde Aimoin mit den Gesta Dagoberti, Gesta Francorum, den Fortsetzern des
Fredegar etc. verbunden, später die Chronik amtlich fortgeführt und im dreizehnten
Jahrhundert alles ins Französische übersetzt. Ausgabe bei Bouquet III. Die darin
benutzte Forts. aus Saint-Germain-des-prés 1125-1167 (= Hist. Lud. VII) theilweise
MG. SS. XXVI, 151. — Den Anfang einer eigenthümlichen Ueberarbeitung der
Gesta Francorum, welchen Ekkehard benutzt hat, theilt Waitz aus einer Bamberger
Handschrift mit, Forschungen III, 145-147; vgl. 607.
[8] Ueber diese genügt es, auf die Abh. v. Zeumer. NA. VI, 9-115 u. die Ausg. MG.
Legum Sectio V zu verweisen. Den Bischof Landerich, welcher Marculfs Sammlung
veranlaßte, hält Z. für den Bischof von Meaux. c. 700.
[9] Gesammelt bei Duchesne I, Bouq. IV. u. jetzt MG. Epp. Tom. III.
[10] Gundlach, NA. XIII, 365-387.
[11] S. Zeumer im NA. VI, 75 u. die Ausg. Formulae p. 220-226.
[12] Versus de rota mundi, ed. Pertz: Ueber eine fränkische Kosmographie des
siebenten Jahrhunderts, Abh. der Berl. Ak. 1845, S. 253. Wright, Anecd. p. 101-104;
aus Clm. 903. Dazu kommen noch die Handschriften Cod. S. Galli 213 u. Vat. Pal.
1357, Arch. XII, 354. Vgl. Huemer, Untersuchungen über die ältesten lat. christ.
Rhythmen (Wien 1879) S. 63-65. Manitius, Gesch. d. christl. lat. Poesie S. 474. —
Ueber eine alte f r ä n k . V ö l k e r t a f e l, die er um 520 ansetzt, Müllenhoff, Abh. d.
Berl. Akad. 1863. S. 520. Für erheblich jüngeren Ursprung Ad. Bachmann, Wiener
SB. XCI, 864. In welche Zeit und Verbindung die fabelhafte Kosmographie des
A e t h i c u s gehört, welche bei der Trojanersage eine Rolle spielt, ist noch dunkel;
Krusch bemerkt, „dass darin die Fassung der Gesta Francorum von 736 benutzt und
er also erheblich jünger ist, als man ihn gewöhnlich ansetzt. Auf die erste Hälfte des
9. Jahrh. weist auch seine Verwandtschaft mit der Hist. Daretis, welche der erste
Fortsetzer des Fredegar in den Hieronymus einschob: beide haben die Fabel von
Francus u. Vassus, beide gleichen sich im Stil (z. B. gignarus für gnarus).“ Das
Gegentheil behauptet freilich K. Plath, Die Königspfalzen (Berl. Diss. 1892) These 2.
[13] Zeitschr. f. D. Alterth. XXII, 423. XXIII, 280. Manitius S. 476.
[14] Mab. Acta SS. O. S. B. II, 617. Hildegar war aus dem Kloster St. Denis. Brosien
S. 53 schlägt die Glaubwürdigkeit dieser Vita sehr gering an. Manitius, S. 474 hält
das Lied für Uebersetzung eines fränkischen.
[15] Bibliothèque de l'École des chartes I, 1, 321.
[16] Vgl. V. Eligii auct. Audoeno I, 14: rex Dagobertus torrens pulcher et inclytus.
Page 160
§ 11. Fränkische Heiligenleben. [ ← ]
Außer den bis jetzt erwähnten Geschichtswerken ist uns aus der Zeit
der Merowinger noch eine bedeutende Menge von geschichtlichem
Material erhalten in den Legenden der Heiligen, deren Zahl in diesen Zeiten
außerordentlich groß ist. Die meisten von ihnen sind kirchliche
Würdenträger und dadurch auch in die weltlichen Händel verflochten; ihre
Lebensbeschreibungen würden unschätzbar sein, wenn sie nicht erstlich zu
ausschließlich bloße Lobreden wären, und namentlich die weltlichen
Beziehungen der Heiligen nur ganz oberflächlich berührten, zweitens auch
zum größten Theile in späterer Zeit verfaßt wären[1]. Auch wo eine wirklich
gleichzeitige Aufzeichnung vorhanden war, besitzen wir doch häufig nur
eine spätere Ueberarbeitung; noch weit häufiger aber hat man das Leben
des Heiligen erst später nach unsicherer Ueberlieferung beschrieben und
wenige bekannte Züge zu einer ausführlichen Geschichte ausgemalt.
Natürlich wurden dann die Vorstellungen der späteren Zeit auf diese schon
weit entlegene Vergangenheit übertragen, und die unkritische Benutzung
solcher Quellen trägt einen großen Theil der Schuld an den falschen
Ansichten, welche bis auf die jüngste Zeit über die Zeit der Merowinger
herrschend waren.
Der 5. Ausgabe dieses Buches war ein alphabetisches Verzeichniß aller
dieser Legenden mit möglichst vollständigem Nachweis der Litteratur, von
Br. Krusch, beigegeben; schon ein Blick darauf genügt, um zu zeigen, wie
fern die große Mehrzahl unserm Zwecke liegt, während allerdings für
vollständige Durchforschung der Merowingerzeit alle wenigstens geprüft
werden müssen. Auch für die MG. kann nur eine Auswahl in Betracht
kommen, und jede Berührung zeigt, wie viel hier noch für die Kritik zu
thun ist. Br. Krusch hat die von Venantius F or t un atus herrührenden
Legenden herausgegeben und die ihm fälschlich zugeschriebenen damit
verbunden; SS. Meroving. II blieb noch Raum für die Heiligen, welche der
königlichen Familie angehören. Derselbe ist gegenwärtig mit
Außer den bis jetzt erwähnten Geschichtswerken ist uns aus der Zeit
der Merowinger noch eine bedeutende Menge von geschichtlichem
Material erhalten in den Legenden der Heiligen, deren Zahl in diesen Zeiten
außerordentlich groß ist. Die meisten von ihnen sind kirchliche
Würdenträger und dadurch auch in die weltlichen Händel verflochten; ihre
Lebensbeschreibungen würden unschätzbar sein, wenn sie nicht erstlich zu
ausschließlich bloße Lobreden wären, und namentlich die weltlichen
Beziehungen der Heiligen nur ganz oberflächlich berührten, zweitens auch
zum größten Theile in späterer Zeit verfaßt wären[1]. Auch wo eine wirklich
gleichzeitige Aufzeichnung vorhanden war, besitzen wir doch häufig nur
eine spätere Ueberarbeitung; noch weit häufiger aber hat man das Leben
des Heiligen erst später nach unsicherer Ueberlieferung beschrieben und
wenige bekannte Züge zu einer ausführlichen Geschichte ausgemalt.
Natürlich wurden dann die Vorstellungen der späteren Zeit auf diese schon
weit entlegene Vergangenheit übertragen, und die unkritische Benutzung
solcher Quellen trägt einen großen Theil der Schuld an den falschen
Ansichten, welche bis auf die jüngste Zeit über die Zeit der Merowinger
herrschend waren.
Der 5. Ausgabe dieses Buches war ein alphabetisches Verzeichniß aller
dieser Legenden mit möglichst vollständigem Nachweis der Litteratur, von
Br. Krusch, beigegeben; schon ein Blick darauf genügt, um zu zeigen, wie
fern die große Mehrzahl unserm Zwecke liegt, während allerdings für
vollständige Durchforschung der Merowingerzeit alle wenigstens geprüft
werden müssen. Auch für die MG. kann nur eine Auswahl in Betracht
kommen, und jede Berührung zeigt, wie viel hier noch für die Kritik zu
thun ist. Br. Krusch hat die von Venantius F or t un atus herrührenden
Legenden herausgegeben und die ihm fälschlich zugeschriebenen damit
verbunden; SS. Meroving. II blieb noch Raum für die Heiligen, welche der
königlichen Familie angehören. Derselbe ist gegenwärtig mit
Page 161
systematischer Durchforschung des übrigen Vorraths beschäftigt, und bevor
die Ergebnisse dieser außerordentlich großen und mühsamen Arbeit bekannt
werden, ist es besser, sich auf die Hervorhebung einiger der wichtigsten
Heiligenleben zu beschränken.
Eine der geschichtlich wichtigsten, die Vita Vedasti († 540) ist schon
oben S. 97 erwähnt; das Leben von Chlodwigs Gemahlin C hr ot h il dis[2]
( † 548) ist aus den Gestis Francorum geschöpft, kaum vor dem zehnten
Jahrhundert geschrieben und geschichtlich unbrauchbar. Von C hlodo v ald
(Saint Cloud, † c. 550), einem Sohne Chlodomirs, den seine Großmutter vor
dem Schicksal seiner gemordeten Brüder bewahrte und der dann ein
frommer Priester wurde, giebt es eine ganz aus Gregor geschöpfte
Lebensbeschreibung; eine zweite, im zehnten Jahrhundert in St. Cloud
verfaßte[3] ist werthlos. Nicht so inhaltlos, wenn auch hauptsächlich
Wundergeschichten berichtend, ist das von F or tunat beschriebene Leben
des Bischofs Ger m anus von Paris[4] ( † 576). Des Lebens der h.
R ad egu nde († 587) wurde schon oben S. 92 gedacht. Von der Passio des
Bischofs Desi d er ius vo n Vien ne ( † 608) ist erst kürzlich die älteste
Fassung aus dem siebenten Jahrhundert bekannt geworden[5]. Durch
ziemlich gleichzeitige Entstehung und noch unverfälschte Ueberlieferung
ausgezeichnet ist die erst kürzlich wieder aufgefundene älteste
Lebensbeschreibung des Bischofs Gau ger ich von Cambrai († zw. 623 u.
629), welche manche culturgeschichtlich wichtige Züge und auch
geschichtlich brauchbare Nachrichten bietet[6]. A r n ulf und Ger tr ud
werden weiter unten noch zu erwähnen sein. Zu den geschichtlich
wichtigsten gehört wegen der Gleichzeitigkeit und der hervorragenden
Bedeutung des Mannes das Leben des Bischofs D esi der i us von Cahors (†
654)[7].
Von ausgezeichnetem Werth sind die Lebensbeschreibungen von drei
Männern, welche in der zweiten Hälfte des siebenten Jahrhunderts auch
politisch bedeutend hervortreten, E lig i us (St. Eloy, † zw. 659 und 665),
zuletzt Bischof von No yon, besonders hervorragend als kunstreicher
die Ergebnisse dieser außerordentlich großen und mühsamen Arbeit bekannt
werden, ist es besser, sich auf die Hervorhebung einiger der wichtigsten
Heiligenleben zu beschränken.
Eine der geschichtlich wichtigsten, die Vita Vedasti († 540) ist schon
oben S. 97 erwähnt; das Leben von Chlodwigs Gemahlin C hr ot h il dis[2]
( † 548) ist aus den Gestis Francorum geschöpft, kaum vor dem zehnten
Jahrhundert geschrieben und geschichtlich unbrauchbar. Von C hlodo v ald
(Saint Cloud, † c. 550), einem Sohne Chlodomirs, den seine Großmutter vor
dem Schicksal seiner gemordeten Brüder bewahrte und der dann ein
frommer Priester wurde, giebt es eine ganz aus Gregor geschöpfte
Lebensbeschreibung; eine zweite, im zehnten Jahrhundert in St. Cloud
verfaßte[3] ist werthlos. Nicht so inhaltlos, wenn auch hauptsächlich
Wundergeschichten berichtend, ist das von F or tunat beschriebene Leben
des Bischofs Ger m anus von Paris[4] ( † 576). Des Lebens der h.
R ad egu nde († 587) wurde schon oben S. 92 gedacht. Von der Passio des
Bischofs Desi d er ius vo n Vien ne ( † 608) ist erst kürzlich die älteste
Fassung aus dem siebenten Jahrhundert bekannt geworden[5]. Durch
ziemlich gleichzeitige Entstehung und noch unverfälschte Ueberlieferung
ausgezeichnet ist die erst kürzlich wieder aufgefundene älteste
Lebensbeschreibung des Bischofs Gau ger ich von Cambrai († zw. 623 u.
629), welche manche culturgeschichtlich wichtige Züge und auch
geschichtlich brauchbare Nachrichten bietet[6]. A r n ulf und Ger tr ud
werden weiter unten noch zu erwähnen sein. Zu den geschichtlich
wichtigsten gehört wegen der Gleichzeitigkeit und der hervorragenden
Bedeutung des Mannes das Leben des Bischofs D esi der i us von Cahors (†
654)[7].
Von ausgezeichnetem Werth sind die Lebensbeschreibungen von drei
Männern, welche in der zweiten Hälfte des siebenten Jahrhunderts auch
politisch bedeutend hervortreten, E lig i us (St. Eloy, † zw. 659 und 665),
zuletzt Bischof von No yon, besonders hervorragend als kunstreicher
Page 162
Goldschmidt, und deshalb auch Schutzpatron dieser Künstler[8],
Au do en us (St. Ouen, † 683), Bischof von R ouen, sein Freund und
Biograph[9], L eod egar (St. Léger, † 678), Bischof von Autun[10], nur ist
der kritische Zustand dieser Werke bis jetzt noch ein wenig befriedigender.
Zu diesen nicht gering zu schätzenden Leistungen des siebenten
Jahrhunderts gehört auch noch das Leben der B althi ld is, der Gemahlin
Chlodwigs II[11] († c. 680), der Stifterin von Corbie an der Somme und von
Chelles, wo wahrscheinlich diese Schrift zur Feier ihres Andenkens verfaßt
ist. Wie elend dagegen das in viel späterer Zeit im Kloster Sathonay
geschriebene Leben Dagob er t s III[12] († 716), den aber der Verfasser für
den Zweiten hält, ausgefallen ist, das möge man in dem Vorwort von
Krusch nachlesen. Es hat nur dadurch eine relative Bedeutung, dass es von
Theofrid von Echternach und von Alberich als Quelle benutzt worden ist. In
Betreff des Lebens der h. Od ili a († c. 720) ist nur zu warnen vor den als
Fragmente eines angeblich ältesten Lebens veröffentlichten Fragmenten,
welche eine Fälschung Vigniers sind, während die echte Vita doch auch
nicht älter als das zehnte Jahrhundert ist und geringen Werth hat[13]. Von
den Lütticher Heiligen Hubert und Lambert wird weiter unten die Rede
sein.
Zunächst aber wollen wir uns hier noch einer Betrachtung derjenigen
Legenden zuwenden, welche eine nähere Beziehung auf Deutschland haben
und die erneute Pflanzung des Christenthums auf deutschem Boden
berühren.
Die Franken haben sich damit nicht viel befaßt; es kümmerte sie
wenig, daß so viele ihrer Landsleute noch Heiden waren; im alten
Frankenlande an der Schelde fand noch im siebenten Jahrhundert
Am and u s viel Heidenthum auszurotten[14]. War doch bei den christlichen
Franken selbst nicht viel mehr als die äußere Form der Rechtgläubigkeit
übrig geblieben; fromme Männer fanden zu Hause Spielraum genug für ihre
Thätigkeit. Die Mission finden wir daher in diesen Jahrhunderten fast
ausschließlich in den Händen S cho tt ischer, d. h. nach dem
Au do en us (St. Ouen, † 683), Bischof von R ouen, sein Freund und
Biograph[9], L eod egar (St. Léger, † 678), Bischof von Autun[10], nur ist
der kritische Zustand dieser Werke bis jetzt noch ein wenig befriedigender.
Zu diesen nicht gering zu schätzenden Leistungen des siebenten
Jahrhunderts gehört auch noch das Leben der B althi ld is, der Gemahlin
Chlodwigs II[11] († c. 680), der Stifterin von Corbie an der Somme und von
Chelles, wo wahrscheinlich diese Schrift zur Feier ihres Andenkens verfaßt
ist. Wie elend dagegen das in viel späterer Zeit im Kloster Sathonay
geschriebene Leben Dagob er t s III[12] († 716), den aber der Verfasser für
den Zweiten hält, ausgefallen ist, das möge man in dem Vorwort von
Krusch nachlesen. Es hat nur dadurch eine relative Bedeutung, dass es von
Theofrid von Echternach und von Alberich als Quelle benutzt worden ist. In
Betreff des Lebens der h. Od ili a († c. 720) ist nur zu warnen vor den als
Fragmente eines angeblich ältesten Lebens veröffentlichten Fragmenten,
welche eine Fälschung Vigniers sind, während die echte Vita doch auch
nicht älter als das zehnte Jahrhundert ist und geringen Werth hat[13]. Von
den Lütticher Heiligen Hubert und Lambert wird weiter unten die Rede
sein.
Zunächst aber wollen wir uns hier noch einer Betrachtung derjenigen
Legenden zuwenden, welche eine nähere Beziehung auf Deutschland haben
und die erneute Pflanzung des Christenthums auf deutschem Boden
berühren.
Die Franken haben sich damit nicht viel befaßt; es kümmerte sie
wenig, daß so viele ihrer Landsleute noch Heiden waren; im alten
Frankenlande an der Schelde fand noch im siebenten Jahrhundert
Am and u s viel Heidenthum auszurotten[14]. War doch bei den christlichen
Franken selbst nicht viel mehr als die äußere Form der Rechtgläubigkeit
übrig geblieben; fromme Männer fanden zu Hause Spielraum genug für ihre
Thätigkeit. Die Mission finden wir daher in diesen Jahrhunderten fast
ausschließlich in den Händen S cho tt ischer, d. h. nach dem
Page 163
Sprachgebrauch des früheren Mittelalters I r l ändi scher Mönche, welche
damals alle Länder durchzogen. In dieser Insel, welche allein ihre keltische
Bevölkerung ungemischt bewahrt hatte, die allen fremden Welthändeln
ferne lag, war das Christenthum mit dem hingebendsten Eifer
aufgenommen worden, und hier war bald nicht nur die strengste,
mönchische Frömmigkeit, sondern auch eine ernstliche wissenschaftliche
Thätigkeit zu Hause; während im ganzen Abendland die gelehrte Bildung
unterzugehen und zu verschwinden drohte, fand sie hier sorgsame Pflege[15]
freilich nur im Dienste der Kirche. Man schrieb die heiligen Schriften ab,
man lernte, um sie zu verstehen, lateinisch und griechisch, man beobachtete
die Sterne, um die kirchlichen Feste berechnen zu können, man übte die
Musik für den Gottesdienst, baute Kirchen und Glockenthürme, man
schmückte die Bücher der Kirchen mit kunstreicher Malerei und ihre Altäre
mit köstlichen Gefäßen. Doch auch die profanen Schriftsteller erschienen
hier nicht, wie in Italien, gefährlich; freilich sind die Columban
zugeschriebenen Gedichte, worin die alten Dichter viel benutzt und
angeführt werden, von zweifelhafter Echtheit. Vorzugsweise aber äußerte
sich die Frömmigkeit dieser Mönche in weiten Pilgerfahrten, in dem
Verlassen der Heimath, um in entlegener Fremde als Einsiedler zu leben
oder Klöster zu gründen, um unter Christen und Heiden das Evangelium zu
predigen[16]. Das Frankenreich war erfüllt von ihnen: was gäben wir darum,
wenn sie aufgeschrieben hätten, was sie sahen; wenn sie uns über ihre
Thätigkeit und ihre Schicksale zuverlässige Berichte hinterlassen hätten!
Allein das lag ihnen ferne; sie, die Meister im Schreiben, hatten für
geschichtliche Aufzeichnungen keinen Sinn, und nur wo sie so bedeutend
wirkten, daß dauernde Gründungen ihr Gedächtniß bewahrten, hat ihr
Andenken sich erhalten. Aber in völlig nebelhaften Umrissen würde ihr
Bild uns verschwimmen, wenn nicht glücklicher Weise einer von ihnen, und
wohl von allen der hervorragendste, in Italien einen Biographen gefunden
hätte. Das ist S . Co lu m b an, der Stifter von Bobio[17].
Nach der Gewohnheit dieser Schottenmönche zog Columban, gebürtig
aus Leinster, gegen das Ende des sechsten Jahrhunderts[18] mit zwölf
damals alle Länder durchzogen. In dieser Insel, welche allein ihre keltische
Bevölkerung ungemischt bewahrt hatte, die allen fremden Welthändeln
ferne lag, war das Christenthum mit dem hingebendsten Eifer
aufgenommen worden, und hier war bald nicht nur die strengste,
mönchische Frömmigkeit, sondern auch eine ernstliche wissenschaftliche
Thätigkeit zu Hause; während im ganzen Abendland die gelehrte Bildung
unterzugehen und zu verschwinden drohte, fand sie hier sorgsame Pflege[15]
freilich nur im Dienste der Kirche. Man schrieb die heiligen Schriften ab,
man lernte, um sie zu verstehen, lateinisch und griechisch, man beobachtete
die Sterne, um die kirchlichen Feste berechnen zu können, man übte die
Musik für den Gottesdienst, baute Kirchen und Glockenthürme, man
schmückte die Bücher der Kirchen mit kunstreicher Malerei und ihre Altäre
mit köstlichen Gefäßen. Doch auch die profanen Schriftsteller erschienen
hier nicht, wie in Italien, gefährlich; freilich sind die Columban
zugeschriebenen Gedichte, worin die alten Dichter viel benutzt und
angeführt werden, von zweifelhafter Echtheit. Vorzugsweise aber äußerte
sich die Frömmigkeit dieser Mönche in weiten Pilgerfahrten, in dem
Verlassen der Heimath, um in entlegener Fremde als Einsiedler zu leben
oder Klöster zu gründen, um unter Christen und Heiden das Evangelium zu
predigen[16]. Das Frankenreich war erfüllt von ihnen: was gäben wir darum,
wenn sie aufgeschrieben hätten, was sie sahen; wenn sie uns über ihre
Thätigkeit und ihre Schicksale zuverlässige Berichte hinterlassen hätten!
Allein das lag ihnen ferne; sie, die Meister im Schreiben, hatten für
geschichtliche Aufzeichnungen keinen Sinn, und nur wo sie so bedeutend
wirkten, daß dauernde Gründungen ihr Gedächtniß bewahrten, hat ihr
Andenken sich erhalten. Aber in völlig nebelhaften Umrissen würde ihr
Bild uns verschwimmen, wenn nicht glücklicher Weise einer von ihnen, und
wohl von allen der hervorragendste, in Italien einen Biographen gefunden
hätte. Das ist S . Co lu m b an, der Stifter von Bobio[17].
Nach der Gewohnheit dieser Schottenmönche zog Columban, gebürtig
aus Leinster, gegen das Ende des sechsten Jahrhunderts[18] mit zwölf
Page 164
Gefährten aus von dem Kloster Benchuir oder Bangor; staunend und tief
ergriffen lauschte das Volk im Frankenreiche ihrer feurigen Beredsamkeit,
die entartete Geistlichkeit aber scheute die strengen Bußprediger und
fürchtete ihren Einfluß auf die Menge. Die Könige dagegen nahmen sie
willig auf, ihr Eifern gegen die ganz verfallene Kirchenzucht war ihnen
willkommen und auf Childeberts Wunsch ließ Columban sich mit seinen
Begleitern in den Vogesen nieder; zahlreiche Schüler strömten ihnen zu,
und bald erhoben sich Klöster in der Wildniß, vor allem L uxeu il. Es
waren dies nicht großartige Gebäude, wie in der späteren Zeit, sondern wie
einst S. Severins Ansiedelungen Haufen unscheinbarer Hütten, in deren
Mitte eine kleine Kirche sich erhob; neben ihr der runde Thurm, der die
Glocken trug, und im unteren Geschoß, von der Erde nur auf Leitern
zugänglich, eine Zuflucht in Zeiten der Gefahr darbot.
Aber Columbans Feuereifer schonte auch der Könige nicht; keine
menschliche Rücksicht konnte ihn bestimmen, zu dem sittenlosen Treiben
des burgundischen Hofes zu schweigen, und furchtlos trat er den
Ausschweifungen Theuderichs entgegen. Den Bischöfen war er längst
zuwider; schon die bloße Anwesenheit dieser Mönche im Lande veranlaßte
zu Vergleichungen ihres ascetisch strengen Lebens mit dem lockeren
Wandel der merowingischen Prälaten. Die Abweichung der irischen
Kirchengewohnheiten von den gallischen und die Unabhängigkeit der
Klöster von bischöflicher Aufsicht, welche nach irischer Weise in Anspruch
genommen wurde, boten eine Waffe dar; man erklärte sie für ketzerisch,
und so vertrieb denn endlich um 610 Brunhilde, deren Zorn er verachtet
hatte, den Columban sammt seinen Genossen. Ueber Nantes sollten sie
nach Irland geschafft werden, aber ein Sturm warf sie wieder an die Küste;
Chlotar II und Theudebert nahmen sie ehrfurchtsvoll auf; hier wählte er zu
seinem Aufenthalt Bregenz in Alamannien, wo ungeachtet der
Frankenherrschaft und der Bestimmungen des Volksrechts doch das
Heidenthum noch stark war. Drei Jahre lang blieb Columban zur
Bekämpfung desselben in Bregenz. Dann aber verließ er das Frankenreich
gänzlich und wanderte in das Langobardenreich, wo Theudelinde, die
ergriffen lauschte das Volk im Frankenreiche ihrer feurigen Beredsamkeit,
die entartete Geistlichkeit aber scheute die strengen Bußprediger und
fürchtete ihren Einfluß auf die Menge. Die Könige dagegen nahmen sie
willig auf, ihr Eifern gegen die ganz verfallene Kirchenzucht war ihnen
willkommen und auf Childeberts Wunsch ließ Columban sich mit seinen
Begleitern in den Vogesen nieder; zahlreiche Schüler strömten ihnen zu,
und bald erhoben sich Klöster in der Wildniß, vor allem L uxeu il. Es
waren dies nicht großartige Gebäude, wie in der späteren Zeit, sondern wie
einst S. Severins Ansiedelungen Haufen unscheinbarer Hütten, in deren
Mitte eine kleine Kirche sich erhob; neben ihr der runde Thurm, der die
Glocken trug, und im unteren Geschoß, von der Erde nur auf Leitern
zugänglich, eine Zuflucht in Zeiten der Gefahr darbot.
Aber Columbans Feuereifer schonte auch der Könige nicht; keine
menschliche Rücksicht konnte ihn bestimmen, zu dem sittenlosen Treiben
des burgundischen Hofes zu schweigen, und furchtlos trat er den
Ausschweifungen Theuderichs entgegen. Den Bischöfen war er längst
zuwider; schon die bloße Anwesenheit dieser Mönche im Lande veranlaßte
zu Vergleichungen ihres ascetisch strengen Lebens mit dem lockeren
Wandel der merowingischen Prälaten. Die Abweichung der irischen
Kirchengewohnheiten von den gallischen und die Unabhängigkeit der
Klöster von bischöflicher Aufsicht, welche nach irischer Weise in Anspruch
genommen wurde, boten eine Waffe dar; man erklärte sie für ketzerisch,
und so vertrieb denn endlich um 610 Brunhilde, deren Zorn er verachtet
hatte, den Columban sammt seinen Genossen. Ueber Nantes sollten sie
nach Irland geschafft werden, aber ein Sturm warf sie wieder an die Küste;
Chlotar II und Theudebert nahmen sie ehrfurchtsvoll auf; hier wählte er zu
seinem Aufenthalt Bregenz in Alamannien, wo ungeachtet der
Frankenherrschaft und der Bestimmungen des Volksrechts doch das
Heidenthum noch stark war. Drei Jahre lang blieb Columban zur
Bekämpfung desselben in Bregenz. Dann aber verließ er das Frankenreich
gänzlich und wanderte in das Langobardenreich, wo Theudelinde, die
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Freundin Gregors des Großen, ihn mit Freuden aufnahm. Hier stiftete er
nun das Kloster Bobio zur Vertilgung der Reste arianischer Ketzerei, und
noch jetzt zeigen die zerstreuten Handschriften dieses Klosters die alten
irischen Schriftzüge und Erinnerungen an die Heimath wie die Versiculi
familiae Benchuir[19]. Mit vollem Eifer überließen sie sich hier ihrer
Lieblingsneigung zum Schreiben, die unverständlich gewordenen
Ueberbleibsel der gothischen Litteratur und Fragmente von alten
Prachthandschriften der Klassiker benutzten sie, um auf das
reingewaschene Pergament die Werke der rechtgläubigen Kirchenväter zu
schreiben[20]. Sie retteten jene Pergamentblätter dadurch vom Untergang,
und es war auch nicht etwa ein fanatischer Haß gegen die heidnischen
Schriftsteller, welcher sie zur Vertilgung derselben antrieb. An
Handschriften derselben war damals noch kein Mangel, und sie selber
benutzten dergleichen zur Erlernung der Sprache; finden wir doch unter den
Schulbüchern zu Bobio auch den Ovid.
Am 21. November, wahrscheinlich im J. 615, ist Columban gestorben.
Drei Jahre nach seinem Tode kam Jo nas aus Susa in das Kloster Bobio.
Dieser beschrieb zuerst, noch auf Veranlassung des Abtes Bertulf, das
Leben des Columban, welchem er das Leben seiner Schüler E ustasius
und At t ala, die ebenfalls als Missionare von Luxeuil ausgingen, folgen
ließ; dann des B er t u lf, Abtes von Bobio, und der B urgu ndof ar a, welche
Columban zur Nonne geweiht hatte. Jonas verräth seine italische Herkunft
und den Unterricht der Grammatiker durch seine unerträglich schwülstige
Schreibart, aber er hat uns außerordentlich schätzbare Nachrichten
aufbewahrt. Auf den Wunsch der Königin Balthilde ist er, der inzwischen
irgendwo Abt geworden war, auch nach Chalon-sur-Saone gekommen, und
hat im Nov. 659 im Reomaenser Kloster auf Verlangen des Abts das Leben
des 540 gestorbenen Gründers des Klosters Jo hannes beschrieben[21].
Einer von jenen ursprünglichen zwölf Gefährten, die mit Columban
von Bangor auszogen, war Gall us, in älterer Form Callo, Gallunus, der in
Alamannien zurückblieb, als sein Meister über die Alpen zog, und zuerst
nun das Kloster Bobio zur Vertilgung der Reste arianischer Ketzerei, und
noch jetzt zeigen die zerstreuten Handschriften dieses Klosters die alten
irischen Schriftzüge und Erinnerungen an die Heimath wie die Versiculi
familiae Benchuir[19]. Mit vollem Eifer überließen sie sich hier ihrer
Lieblingsneigung zum Schreiben, die unverständlich gewordenen
Ueberbleibsel der gothischen Litteratur und Fragmente von alten
Prachthandschriften der Klassiker benutzten sie, um auf das
reingewaschene Pergament die Werke der rechtgläubigen Kirchenväter zu
schreiben[20]. Sie retteten jene Pergamentblätter dadurch vom Untergang,
und es war auch nicht etwa ein fanatischer Haß gegen die heidnischen
Schriftsteller, welcher sie zur Vertilgung derselben antrieb. An
Handschriften derselben war damals noch kein Mangel, und sie selber
benutzten dergleichen zur Erlernung der Sprache; finden wir doch unter den
Schulbüchern zu Bobio auch den Ovid.
Am 21. November, wahrscheinlich im J. 615, ist Columban gestorben.
Drei Jahre nach seinem Tode kam Jo nas aus Susa in das Kloster Bobio.
Dieser beschrieb zuerst, noch auf Veranlassung des Abtes Bertulf, das
Leben des Columban, welchem er das Leben seiner Schüler E ustasius
und At t ala, die ebenfalls als Missionare von Luxeuil ausgingen, folgen
ließ; dann des B er t u lf, Abtes von Bobio, und der B urgu ndof ar a, welche
Columban zur Nonne geweiht hatte. Jonas verräth seine italische Herkunft
und den Unterricht der Grammatiker durch seine unerträglich schwülstige
Schreibart, aber er hat uns außerordentlich schätzbare Nachrichten
aufbewahrt. Auf den Wunsch der Königin Balthilde ist er, der inzwischen
irgendwo Abt geworden war, auch nach Chalon-sur-Saone gekommen, und
hat im Nov. 659 im Reomaenser Kloster auf Verlangen des Abts das Leben
des 540 gestorbenen Gründers des Klosters Jo hannes beschrieben[21].
Einer von jenen ursprünglichen zwölf Gefährten, die mit Columban
von Bangor auszogen, war Gall us, in älterer Form Callo, Gallunus, der in
Alamannien zurückblieb, als sein Meister über die Alpen zog, und zuerst
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die Bekämpfung des Heidenthums am Bodensee fortsetzte, später aber als
Einsiedler in das wildeste Gebirge sich zurückzog, wo er um die Mitte des
siebenten Jahrhunderts gestorben ist. Als dann nach seinem Tode das Grab
des Heiligen immer häufiger von irischen Pilgern aufgesucht wurde und
immer mehrere von ihnen, sowie auch von den Alamannen, sich hier
niederließen, erwuchs aus dem unscheinbarsten Anfang das Kloster St.
Gallen, und so wie die kleine Zelle des Gottesmannes der Kern und Anfang
dieser reichen Stiftung ist, so schloß sich in gleicher Weise an die
Lebensbeschreibung des Stifters[22] die später so bedeutende Litteratur von
St. Gallen. In ihrer ursprünglichen Form ist uns diese aber nicht erhalten;
sie war nach einer alten Aufzeichnung a Scotis semilatinis corruptius
scripta, und enthielt nach Walahfrids Zeugniß häufig die Form Altimannia,
welche in der uns erhaltenen ältesten nicht vorkommt[23]. Der Verfasser
dieser Biographie war ein Alamanne, welcher die alte barbarisch
geschriebene überarbeitet hat; sein Name ist uns aber erst jetzt bekannt
geworden[24], indem Fr. Bücheler in dem unglaublich barbarischen
metrischen Prolog das Acrostichon erkannte: Cozberto patri Wettinus verba
salutis. Wet t i also ist es, der 824 nach seiner bekannten Vision gestorben
ist, und dem Abt Gozbert (816-837) sein Werk widmete. Es ist daher noch
bedeutend jünger als man früher annahm, wenn man auch schon erkannt
hatte, daß es erst nach 771 geschrieben war. Mancher merkwürdige,
namentlich culturgeschichtlich bedeutende Zug ist darin aufbewahrt, aber
erst fast zwei Jahrhunderte nach dem Tode ihres Helden geschrieben, darf
diese Biographie, wenn auch eine alte Grundlage vorhanden war, doch nur
mit Vorsicht benutzt werden. Vorzüglich auf die Wunder, überhaupt aber auf
Verherrlichung des Stifters ist das Bestreben des Verfassers gerichtet; im
Anfang benutzt er das Leben Columbans, später nur die Tradition nicht
ohne erhebliche chronologische Verstöße. Seine Sprache zeigt gegen die
frühere Zeit einen erheblichen Fortschritt, doch ist sie für karolingische Zeit
recht roh und fehlerhaft; hin und wieder fällt rhythmischer Klang mit
Reimen auf.
Einsiedler in das wildeste Gebirge sich zurückzog, wo er um die Mitte des
siebenten Jahrhunderts gestorben ist. Als dann nach seinem Tode das Grab
des Heiligen immer häufiger von irischen Pilgern aufgesucht wurde und
immer mehrere von ihnen, sowie auch von den Alamannen, sich hier
niederließen, erwuchs aus dem unscheinbarsten Anfang das Kloster St.
Gallen, und so wie die kleine Zelle des Gottesmannes der Kern und Anfang
dieser reichen Stiftung ist, so schloß sich in gleicher Weise an die
Lebensbeschreibung des Stifters[22] die später so bedeutende Litteratur von
St. Gallen. In ihrer ursprünglichen Form ist uns diese aber nicht erhalten;
sie war nach einer alten Aufzeichnung a Scotis semilatinis corruptius
scripta, und enthielt nach Walahfrids Zeugniß häufig die Form Altimannia,
welche in der uns erhaltenen ältesten nicht vorkommt[23]. Der Verfasser
dieser Biographie war ein Alamanne, welcher die alte barbarisch
geschriebene überarbeitet hat; sein Name ist uns aber erst jetzt bekannt
geworden[24], indem Fr. Bücheler in dem unglaublich barbarischen
metrischen Prolog das Acrostichon erkannte: Cozberto patri Wettinus verba
salutis. Wet t i also ist es, der 824 nach seiner bekannten Vision gestorben
ist, und dem Abt Gozbert (816-837) sein Werk widmete. Es ist daher noch
bedeutend jünger als man früher annahm, wenn man auch schon erkannt
hatte, daß es erst nach 771 geschrieben war. Mancher merkwürdige,
namentlich culturgeschichtlich bedeutende Zug ist darin aufbewahrt, aber
erst fast zwei Jahrhunderte nach dem Tode ihres Helden geschrieben, darf
diese Biographie, wenn auch eine alte Grundlage vorhanden war, doch nur
mit Vorsicht benutzt werden. Vorzüglich auf die Wunder, überhaupt aber auf
Verherrlichung des Stifters ist das Bestreben des Verfassers gerichtet; im
Anfang benutzt er das Leben Columbans, später nur die Tradition nicht
ohne erhebliche chronologische Verstöße. Seine Sprache zeigt gegen die
frühere Zeit einen erheblichen Fortschritt, doch ist sie für karolingische Zeit
recht roh und fehlerhaft; hin und wieder fällt rhythmischer Klang mit
Reimen auf.
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Von Columbans Stiftung Luxeuil ging auch das Kloster Gr anval im
Baseler Sprengel aus, und das Leben des ersten Abtes G er m an us[25], der
um die Mitte des siebenten Jahrhunderts erschlagen ist, wurde bald nachher
von B ob o len beschrieben.
Noch andere Klöster Alamanniens und des Elsasses führten ihren
Ursprung auf irische Mönche zurück und haben es auch nicht an
Lebensbeschreibungen ihrer Stifter fehlen lassen, die aber erst später
entstanden und völlig unbrauchbar sind. Merkwürdig ist, daß man in
späterer Zeit in diesen Gegenden so gewohnt war, die Begründer der
Klöster aus der merowingischen Zeit als Schotten zu betrachten, daß man
sie in den Legenden unbedenklich dafür ausgab, wenn auch gar kein Grund
dazu vorhanden war; auch Franken, wie Ar bog ast[26], Tr udper t und
L an del i n[27], erscheinen da als Schotten, und sogar S. Ru per t, der
Apostel der Baiern, wird ihnen zugezählt.
Freilich sind in B ai er n ebenfalls Schotten thätig gewesen, obwohl
hier die namhaftesten Missionare Franken waren. Die Kirchengründungen
aber entstanden nach irischer Weise in der Form von Klöstern, deren Aebte
auch zugleich das bischöfliche Amt verwalteten. So war es in Salzburg,
Regensburg und Freising, und die Rivalität zwischen den Bischöfen und
den Klöstern von St. Emmeram und St. Peter zieht sich fort bis in die
neueste Zeit.
Es ist kaum glaublich, daß nicht im Laufe des siebenten Jahrhunderts
einzelne Missionare, Franken und Iren, in Baiern sollten thätig gewesen
sein; das Christenthum war äußerlich durch die Frankenkönige eingeführt,
aber wenig ins Volk eingedrungen und nach der Lockerung des staatlichen
Bandes völlig verfallen, die Herzogsfamilie selbst, heißt es, ungetauft[28].
Da berief der Herzog Theodo i. J. 696 den Bischof Rup er t von Worms zu
sich, um das kirchliche Wesen einzurichten[29]. Er wurde der Begründer des
nun fest und bleibend gepflanzten Christenthums in Baiern, der Stifter von
St. Peter in Salzburg, von wo sein Nachfolger Virgi l (743 als Abt, als
Baseler Sprengel aus, und das Leben des ersten Abtes G er m an us[25], der
um die Mitte des siebenten Jahrhunderts erschlagen ist, wurde bald nachher
von B ob o len beschrieben.
Noch andere Klöster Alamanniens und des Elsasses führten ihren
Ursprung auf irische Mönche zurück und haben es auch nicht an
Lebensbeschreibungen ihrer Stifter fehlen lassen, die aber erst später
entstanden und völlig unbrauchbar sind. Merkwürdig ist, daß man in
späterer Zeit in diesen Gegenden so gewohnt war, die Begründer der
Klöster aus der merowingischen Zeit als Schotten zu betrachten, daß man
sie in den Legenden unbedenklich dafür ausgab, wenn auch gar kein Grund
dazu vorhanden war; auch Franken, wie Ar bog ast[26], Tr udper t und
L an del i n[27], erscheinen da als Schotten, und sogar S. Ru per t, der
Apostel der Baiern, wird ihnen zugezählt.
Freilich sind in B ai er n ebenfalls Schotten thätig gewesen, obwohl
hier die namhaftesten Missionare Franken waren. Die Kirchengründungen
aber entstanden nach irischer Weise in der Form von Klöstern, deren Aebte
auch zugleich das bischöfliche Amt verwalteten. So war es in Salzburg,
Regensburg und Freising, und die Rivalität zwischen den Bischöfen und
den Klöstern von St. Emmeram und St. Peter zieht sich fort bis in die
neueste Zeit.
Es ist kaum glaublich, daß nicht im Laufe des siebenten Jahrhunderts
einzelne Missionare, Franken und Iren, in Baiern sollten thätig gewesen
sein; das Christenthum war äußerlich durch die Frankenkönige eingeführt,
aber wenig ins Volk eingedrungen und nach der Lockerung des staatlichen
Bandes völlig verfallen, die Herzogsfamilie selbst, heißt es, ungetauft[28].
Da berief der Herzog Theodo i. J. 696 den Bischof Rup er t von Worms zu
sich, um das kirchliche Wesen einzurichten[29]. Er wurde der Begründer des
nun fest und bleibend gepflanzten Christenthums in Baiern, der Stifter von
St. Peter in Salzburg, von wo sein Nachfolger Virgi l (743 als Abt, als
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Bischof 767 bis 784), ein Irländer, das Evangelium auch zu den
karantanischen Slaven trug[30].
Auch ein fränkischer Bischof, E m m er am von Poitiers, verließ,
vermuthlich im Anfang des achten Jahrhunderts, seine Heimath, um auf
diesem Felde zu wirken, und sein Grab wurde der Grundstein der
Regensburger Kirche; C or bi nian, ebenfalls ein Franke, legte den Grund
zu der Freisinger Kirche.
Unsere Nachrichten über diese Begebenheiten sind aber leider sehr
unzulänglich; für den zuverlässigsten galt der kurze Bericht über S. Rupert,
welcher den Eingang der Schrift über die Bekehrung der Baiern bildet, ihm
schienen alte Aufzeichnungen zu Grunde zu liegen[31]. Und diese, nämlich
die ursprüngliche Form der Vita, glaubte Franz Martin Mayer in einer
Grazer Hs. gefunden zu haben, worin freilich von Sprache und Stil des 8.
Jahrh. nichts zu spüren ist[32]. Hiergegen aber hat sich J. Friedrich
erhoben[33], und aus alten Salzburger liturgischen Büchern nachgewiesen,
daß man noch lange im 9. Jahrh. kein Leben Ruperts besaß und daß man
den 24. Sept. als seinen Todestag feierte[34]. Nur durch ein Mißverständniß
hielt man später den Sonntag, an welchem er gestorben, für den
Auferstehungstag. Die Grazer Vita erklärt Friedrich für die aus der
Conversio entnommenen Lectionen, beiden aber spricht er allen
historischen Werth ab, worin er denn doch wohl etwas zu weit gehen
möchte. Denn so frei man auch in der Ausschmückung, ja Erfindung von
Legenden verfuhr, man machte doch nicht leicht seinen Heiligen zum
Bischof von Worms und setzte seine Ankunft in ein bestimmtes Jahr eines
ganz verschollenen Königs, wenn dafür nicht Notizen vorlagen.
Die Legenden von Emmeram[35] und Corbinian[36] sind zuerst vom
Bischof Ar ibo vo n F r ei sin g[37] (764-783), letztere auf Ansuchen des
Bischofs Virgil von Salzburg, nach der mündlichen Ueberlieferung verfaßt
und von sehr geringem Werthe. Ein anstößiger Umstand darin ist die Reise
der beiden Missionare nach Rom; denn erst die Angelsachsen hielten es für
karantanischen Slaven trug[30].
Auch ein fränkischer Bischof, E m m er am von Poitiers, verließ,
vermuthlich im Anfang des achten Jahrhunderts, seine Heimath, um auf
diesem Felde zu wirken, und sein Grab wurde der Grundstein der
Regensburger Kirche; C or bi nian, ebenfalls ein Franke, legte den Grund
zu der Freisinger Kirche.
Unsere Nachrichten über diese Begebenheiten sind aber leider sehr
unzulänglich; für den zuverlässigsten galt der kurze Bericht über S. Rupert,
welcher den Eingang der Schrift über die Bekehrung der Baiern bildet, ihm
schienen alte Aufzeichnungen zu Grunde zu liegen[31]. Und diese, nämlich
die ursprüngliche Form der Vita, glaubte Franz Martin Mayer in einer
Grazer Hs. gefunden zu haben, worin freilich von Sprache und Stil des 8.
Jahrh. nichts zu spüren ist[32]. Hiergegen aber hat sich J. Friedrich
erhoben[33], und aus alten Salzburger liturgischen Büchern nachgewiesen,
daß man noch lange im 9. Jahrh. kein Leben Ruperts besaß und daß man
den 24. Sept. als seinen Todestag feierte[34]. Nur durch ein Mißverständniß
hielt man später den Sonntag, an welchem er gestorben, für den
Auferstehungstag. Die Grazer Vita erklärt Friedrich für die aus der
Conversio entnommenen Lectionen, beiden aber spricht er allen
historischen Werth ab, worin er denn doch wohl etwas zu weit gehen
möchte. Denn so frei man auch in der Ausschmückung, ja Erfindung von
Legenden verfuhr, man machte doch nicht leicht seinen Heiligen zum
Bischof von Worms und setzte seine Ankunft in ein bestimmtes Jahr eines
ganz verschollenen Königs, wenn dafür nicht Notizen vorlagen.
Die Legenden von Emmeram[35] und Corbinian[36] sind zuerst vom
Bischof Ar ibo vo n F r ei sin g[37] (764-783), letztere auf Ansuchen des
Bischofs Virgil von Salzburg, nach der mündlichen Ueberlieferung verfaßt
und von sehr geringem Werthe. Ein anstößiger Umstand darin ist die Reise
der beiden Missionare nach Rom; denn erst die Angelsachsen hielten es für
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nothwendig, sich von dort die Vollmacht zur Missionsthätigkeit zu holen,
während vorher den Franken wie den Iren ein solcher Gedanke ganz fern
lag, ja selbst Bonifaz noch zu seiner ersten Mission unter den Friesen eine
solche Vollmacht nicht eingeholt hat. Später aber galt diese Erlaubniß für so
unerläßlich, daß die Legendenschreiber sie auch für die ältere Zeit ganz
unbedenklich als selbstverständlich annahmen. Sie erzählen daher eine
solche Reise als Thatsache, und nennen den Pabst, der nach ihrer
Berechnung der Zeitverhältnisse damals regiert hatte. Die neueren
Gelehrten haben dann wieder umgekehrt nach dem Namen des Pabstes die
Zeit des Heiligen bestimmt und dadurch die Verwirrung vollständig
gemacht; ein Fehler, von dem auch Rettberg nicht frei ist. Daß die Sache
sich aber wirklich so verhielt, zeigt sich deutlich an den Legenden, die in
ihrer älteren noch erhaltenen Form nichts von einer solchen Reise nach
Rom wissen, während sie in den späteren Bearbeitungen eingeschoben ist.
Das ist der Fall bei dem heiligen Patricius, bei S. Rupert; auch Gregor von
Tours läßt sein späterer Biograph nach Rom reisen.
Denselben Umstand finden wir auch im Leben des heiligen
Ki l i an[38], des ersten bekannten Missionars unter den Ostfranken. Auch er
war gegen das Ende des siebenten Jahrhunderts mit mehreren Begleitern
aus Irland gekommen, und seine Wirksamkeit ist bezeugt durch die hohe
Verehrung seines Namens; wie an S. Gallus Grabe, so scheinen sich auch in
Würzburg seine Landsleute zahlreich eingefunden zu haben, und noch jetzt
finden wir ihre Spuren in den irischen Schriftzügen der dortigen
Handschriften. Die Lebensbeschreibung aber ist erst im zehnten
Jahrhundert verfaßt und fast ganz werthlos.
Diese irischen und fränkischen Missionare bereiteten den Boden vor
für die Angelsachsen, mit deren Auftreten ihr Stern erlischt. Ihre
Pflanzungen waren zu vereinzelt, um sich erhalten zu können, es fehlte
ihnen die feste Organisation, durch welche jene so stark waren, und die
vereinzelten Mönche konnten sich von Entartung und Verwilderung nicht
freihalten. Ihre Eigenthümlichkeiten in Lehre und Gebräuchen brachten sie
während vorher den Franken wie den Iren ein solcher Gedanke ganz fern
lag, ja selbst Bonifaz noch zu seiner ersten Mission unter den Friesen eine
solche Vollmacht nicht eingeholt hat. Später aber galt diese Erlaubniß für so
unerläßlich, daß die Legendenschreiber sie auch für die ältere Zeit ganz
unbedenklich als selbstverständlich annahmen. Sie erzählen daher eine
solche Reise als Thatsache, und nennen den Pabst, der nach ihrer
Berechnung der Zeitverhältnisse damals regiert hatte. Die neueren
Gelehrten haben dann wieder umgekehrt nach dem Namen des Pabstes die
Zeit des Heiligen bestimmt und dadurch die Verwirrung vollständig
gemacht; ein Fehler, von dem auch Rettberg nicht frei ist. Daß die Sache
sich aber wirklich so verhielt, zeigt sich deutlich an den Legenden, die in
ihrer älteren noch erhaltenen Form nichts von einer solchen Reise nach
Rom wissen, während sie in den späteren Bearbeitungen eingeschoben ist.
Das ist der Fall bei dem heiligen Patricius, bei S. Rupert; auch Gregor von
Tours läßt sein späterer Biograph nach Rom reisen.
Denselben Umstand finden wir auch im Leben des heiligen
Ki l i an[38], des ersten bekannten Missionars unter den Ostfranken. Auch er
war gegen das Ende des siebenten Jahrhunderts mit mehreren Begleitern
aus Irland gekommen, und seine Wirksamkeit ist bezeugt durch die hohe
Verehrung seines Namens; wie an S. Gallus Grabe, so scheinen sich auch in
Würzburg seine Landsleute zahlreich eingefunden zu haben, und noch jetzt
finden wir ihre Spuren in den irischen Schriftzügen der dortigen
Handschriften. Die Lebensbeschreibung aber ist erst im zehnten
Jahrhundert verfaßt und fast ganz werthlos.
Diese irischen und fränkischen Missionare bereiteten den Boden vor
für die Angelsachsen, mit deren Auftreten ihr Stern erlischt. Ihre
Pflanzungen waren zu vereinzelt, um sich erhalten zu können, es fehlte
ihnen die feste Organisation, durch welche jene so stark waren, und die
vereinzelten Mönche konnten sich von Entartung und Verwilderung nicht
freihalten. Ihre Eigenthümlichkeiten in Lehre und Gebräuchen brachten sie
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bald in Streit mit den Angelsachsen, und es ist ferner nicht mehr die Rede
von ihnen. Nur als Pilger erscheinen sie noch, geschätzt wegen ihrer
strengen Entsagung, wegen ihrer Fertigkeit im Schreiben, und häufig auch
noch wegen ihrer Gelehrsamkeit; aber als Missionare finden wir sie nur zur
Zeit der Merowinger genannt.
Geschichtliche Nachrichten aus dieser Zeit haben sie selbst uns
durchaus nicht überliefert; man sollte meinen, daß ihnen der Sinn für
historische Aufzeichnung der Begebenheiten gänzlich fehlte. In der
Heimath aber verfaßten sie doch Jahrbücher, deren Anfänge sehr alten
Zeiten zugeschrieben werden, und sie mögen wohl nicht ganz ohne Einfluss
auf die Entstehung der jetzt im Frankenreiche aufkommenden
Klosterannalen gewesen sein, da wir an der Spitze derselben hin und wieder
irische Namen finden, doch ist eine irgend erhebliche Betheiligung von
Schottenmönchen an den weiteren Aufzeichnungen nicht nachweisbar.
Andere Annalen gehen auf Lindisfarne zurück, eine britische Stiftung in
England; aber diese sind nicht unmittelbar, sondern über Canterbury ins
Frankenreich gekommen, wie denn überhaupt diese Annalen von den
Angelsachsen, nicht von den Irländern ihren Anfang nehmen.
Die Schotten stehen in der genauesten Beziehung zu der alten
fränkischen Kirche, und gehören mit dieser wesentlich der merowingischen
Periode an; sie haben manche Keime gelegt und anregend gewirkt, aber
eine neue frische Entwickelung war im merowingischen Reiche und auf
dem alten Boden nicht mehr möglich; schon in den letzten Zeiten der
Merowinger knüpft sich alles wirklich lebensfähige an das neue Geschlecht
der Arnulfinger, und wir beginnen deshalb mit seinem Auftreten einen
neuen Zeitraum.
von ihnen. Nur als Pilger erscheinen sie noch, geschätzt wegen ihrer
strengen Entsagung, wegen ihrer Fertigkeit im Schreiben, und häufig auch
noch wegen ihrer Gelehrsamkeit; aber als Missionare finden wir sie nur zur
Zeit der Merowinger genannt.
Geschichtliche Nachrichten aus dieser Zeit haben sie selbst uns
durchaus nicht überliefert; man sollte meinen, daß ihnen der Sinn für
historische Aufzeichnung der Begebenheiten gänzlich fehlte. In der
Heimath aber verfaßten sie doch Jahrbücher, deren Anfänge sehr alten
Zeiten zugeschrieben werden, und sie mögen wohl nicht ganz ohne Einfluss
auf die Entstehung der jetzt im Frankenreiche aufkommenden
Klosterannalen gewesen sein, da wir an der Spitze derselben hin und wieder
irische Namen finden, doch ist eine irgend erhebliche Betheiligung von
Schottenmönchen an den weiteren Aufzeichnungen nicht nachweisbar.
Andere Annalen gehen auf Lindisfarne zurück, eine britische Stiftung in
England; aber diese sind nicht unmittelbar, sondern über Canterbury ins
Frankenreich gekommen, wie denn überhaupt diese Annalen von den
Angelsachsen, nicht von den Irländern ihren Anfang nehmen.
Die Schotten stehen in der genauesten Beziehung zu der alten
fränkischen Kirche, und gehören mit dieser wesentlich der merowingischen
Periode an; sie haben manche Keime gelegt und anregend gewirkt, aber
eine neue frische Entwickelung war im merowingischen Reiche und auf
dem alten Boden nicht mehr möglich; schon in den letzten Zeiten der
Merowinger knüpft sich alles wirklich lebensfähige an das neue Geschlecht
der Arnulfinger, und wir beginnen deshalb mit seinem Auftreten einen
neuen Zeitraum.
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[1] Vgl. Brosien, Quellen Dagoberts S. 47 ff.
[2] SS. Meroving. II, 341-348.
[3] ib. 349-357.
[4] Auctt. antt. IV, 2, 11-27.
[5] Anal. Bolland. IX. fasc. 3.
[6] Analecta Bolland. VII, 387, vgl. Krusch, NA. XVI, 225-234.
[7] Labbe, Bibl. nova I, 699 u. App. vgl. Krusch, Forsch. XXII, 466.
[8] D'Achery Spicil. V, 156. Hall. Diss. v. O. Reich, 1872. Uebers. im Auszug
Geschichtschr. XI (VII, 2) S. 160-173.
[9] Acta SS. Aug. IV, 805, vgl. NA. XII, 603. Verse zu einem Lobe von seinem
Nachfolger Ansibert NA. XIV, 171.
[10] Ueber das Bruchstück einer gleichzeitigen Vita, die Fälschungen des Ursinus,
die Compilation des Anonymus aus beiden, Krusch, NA. XVI, 563-596. Die Vita
metrica (nicht von Walahfrid) Poet. Lat. III, 1-37. Uebers. des Anon. Geschichtschr.
XI (VII, 2) S. 141-156.
[11] SS. Meroving. II, 475-508. Auszug Geschichtschr. XI (VII, 2) S. 157-159.
[12] ib. S. 509-524.
[13] Vgl. NA. XVII, 223.
[14] Ueber ihn und seine Biographen Baudemund und Milo s. Rettberg I, 554.
Brosien S. 49.
[15] Eine seltsam sagenhafte Aufzeichnung in einem Leidener Cod. s. XII läßt die
röm. Lehrer vor den Hunnen und andern Barbaren nach Irland flüchten, mitgeth. v.
Luc. Müller, Neue Jahrbb. f. Philol. XCIII, 389.
[16] Vgl. F. Keller, Bilder und Schriftzüge in den irischen Manuscripten der
schweizerischen Bibliotheken (Mittheilungen der Antiquarischen Gesellsch. in
Zürich VII, 3) 1851. Wattenbach, die Congregation der Schottenklöster in
Deutschland, in der Archäologischen Zeitschrift von Otte und von Quast, Heft 1 und
2. Hauréau. Écoles d'Irlande, Singularités hist. (1861) p. 1 bis 36. Arbois de
Jubainville, Introduction à l'étude de la litt. Celtique. Die seltsamen Ansichten
Ebrards über die Culdeer in der Zeitschr. f. hist. Theol. XXXII u. XXXIII (Die
Irische Missionskirche 1873. Bonifatius, der Zerstörer des Columbanischen
Kirchenthums auf dem Festlande, 1882) kann ich nur erwähnen, um davor zu
warnen. Hier ist Friedrichs Polemik durchaus zutreffend. Auch O. Reich bekämpft
sie. Jetzt kann verwiesen werden auf Loofs, Antiquae Britonum Scotorumque
ecclesiae quales fuerint mores etc. Lips. 1882. Keledei, verheirathete Anachoreten,
kommen erst im 8. Jahrh. auf, nach R. Pauli's Anz. von Skene, Celtic Scotland II,
GGA. 1878. S. 1015 ff.
[17] Vgl. Rettberg II, 35. G. Hertel, Ueber des h. Columba (so schrieb er selbst
seinen Namen) Leben u. Schriften, bes. über seine Klosterregel. Zeitschr. f. hist.
Theol. 1875. III, 396-454. Hauck I, 240-276. Vita S. Columbani auct. Jona abb.
Bobiensi, Mab. Actt. II, 5. Im Ausz. übers. von Abel, hinter Fredegar. Daran schließt
sich als zweites Buch die V. Attalae abb. Bob. (Mab. II, 123) und Eustasii (S. 116);
die Vita Burgundofarae oder Gesta in coenobio Ebroicensi (S. 439) und V. Bertulti
abb. Bob. (S. 160). Ueber die aus der Vita Eustasii schöpfenden Biographen des
[2] SS. Meroving. II, 341-348.
[3] ib. 349-357.
[4] Auctt. antt. IV, 2, 11-27.
[5] Anal. Bolland. IX. fasc. 3.
[6] Analecta Bolland. VII, 387, vgl. Krusch, NA. XVI, 225-234.
[7] Labbe, Bibl. nova I, 699 u. App. vgl. Krusch, Forsch. XXII, 466.
[8] D'Achery Spicil. V, 156. Hall. Diss. v. O. Reich, 1872. Uebers. im Auszug
Geschichtschr. XI (VII, 2) S. 160-173.
[9] Acta SS. Aug. IV, 805, vgl. NA. XII, 603. Verse zu einem Lobe von seinem
Nachfolger Ansibert NA. XIV, 171.
[10] Ueber das Bruchstück einer gleichzeitigen Vita, die Fälschungen des Ursinus,
die Compilation des Anonymus aus beiden, Krusch, NA. XVI, 563-596. Die Vita
metrica (nicht von Walahfrid) Poet. Lat. III, 1-37. Uebers. des Anon. Geschichtschr.
XI (VII, 2) S. 141-156.
[11] SS. Meroving. II, 475-508. Auszug Geschichtschr. XI (VII, 2) S. 157-159.
[12] ib. S. 509-524.
[13] Vgl. NA. XVII, 223.
[14] Ueber ihn und seine Biographen Baudemund und Milo s. Rettberg I, 554.
Brosien S. 49.
[15] Eine seltsam sagenhafte Aufzeichnung in einem Leidener Cod. s. XII läßt die
röm. Lehrer vor den Hunnen und andern Barbaren nach Irland flüchten, mitgeth. v.
Luc. Müller, Neue Jahrbb. f. Philol. XCIII, 389.
[16] Vgl. F. Keller, Bilder und Schriftzüge in den irischen Manuscripten der
schweizerischen Bibliotheken (Mittheilungen der Antiquarischen Gesellsch. in
Zürich VII, 3) 1851. Wattenbach, die Congregation der Schottenklöster in
Deutschland, in der Archäologischen Zeitschrift von Otte und von Quast, Heft 1 und
2. Hauréau. Écoles d'Irlande, Singularités hist. (1861) p. 1 bis 36. Arbois de
Jubainville, Introduction à l'étude de la litt. Celtique. Die seltsamen Ansichten
Ebrards über die Culdeer in der Zeitschr. f. hist. Theol. XXXII u. XXXIII (Die
Irische Missionskirche 1873. Bonifatius, der Zerstörer des Columbanischen
Kirchenthums auf dem Festlande, 1882) kann ich nur erwähnen, um davor zu
warnen. Hier ist Friedrichs Polemik durchaus zutreffend. Auch O. Reich bekämpft
sie. Jetzt kann verwiesen werden auf Loofs, Antiquae Britonum Scotorumque
ecclesiae quales fuerint mores etc. Lips. 1882. Keledei, verheirathete Anachoreten,
kommen erst im 8. Jahrh. auf, nach R. Pauli's Anz. von Skene, Celtic Scotland II,
GGA. 1878. S. 1015 ff.
[17] Vgl. Rettberg II, 35. G. Hertel, Ueber des h. Columba (so schrieb er selbst
seinen Namen) Leben u. Schriften, bes. über seine Klosterregel. Zeitschr. f. hist.
Theol. 1875. III, 396-454. Hauck I, 240-276. Vita S. Columbani auct. Jona abb.
Bobiensi, Mab. Actt. II, 5. Im Ausz. übers. von Abel, hinter Fredegar. Daran schließt
sich als zweites Buch die V. Attalae abb. Bob. (Mab. II, 123) und Eustasii (S. 116);
die Vita Burgundofarae oder Gesta in coenobio Ebroicensi (S. 439) und V. Bertulti
abb. Bob. (S. 160). Ueber die aus der Vita Eustasii schöpfenden Biographen des
Page 172
Agilus und der Salaberga s. Büdinger, SB. der Wiener Akad. XXIII, 372-383.
Brosien S. 51. Columbans Schüler, der Ire Deicolus, stiftete Lutra (Lure oder Saint-
Diey), welches nach gänzlichem Verfall mit Otto's I Hülfe hergestellt wurde durch
Baltram, dem sein Neffe Werdolf folgte (Dümmler Otto I S. 309). Dieser veranlaßte
die Aufzeichnung der Vita S. Deicoli, Acta SS. Jan. II, 199 bis 210. Mab. II, 102-116.
Weil Lutra an Waldrada gekommen war, finden sich darin sagenhafte Nachrichten
über Lothar II. — Versus de Bobuleno abbate, einen alphabetischen Rhythmus auf
Bertulfs Nachfolger in Bobio, nicht gleichzeitig u. ohne viel Inhalt, hat Dümmler
herausgegeben, NA. X, 334.
[18] Im J. 590 nach G. Hertel, Anm. z. Gesch. Columba's, Zeitschr. f. Kirchengesch.
III, 145-150. — Ueber C. Briefe s. Krusch, NA. X, 84-88; Gundlach ib. XV, 497-
526; Seebass ib. XVII, 243-259 u. Entgegnung v. Gundlach S. 425-429. — E.
Dümmler, NA. X, 190, wo er das Ruderlied En silvis caesa herausgiebt, vermuthet
einen jüngeren irischen Dichter Columban, spätestens aus der ersten karoling. Zeit,
der mit Horaz und Vergil vertraut war. Manitius, Gesch. d. christl. lat. Poesie, S. 390
für unsern Columban.
[19] In dem Antiphonarium monasterii Benchorensis, ed. Muratori, Anecdota Bibl.
Ambros. IV, 121-159 (Verbesserungen von A. Peyron, Ciceronis Orationum
Fragmenta, 1824, Anhang S. 224-226). Vgl. Manitius S. 482. Bei demselben Antt.
III, 817 der wichtige Catalog der Bob. Bibliothek saec. X. Sacramentarium
Gallicanum aus Bobio in Halbuncialschrift saec. VII, ed. Mabillon, Mus. Ital. I, 2,
273-397. Von Luxeuil aus ist c. 657 C o r b i e durch die Königin B a l t h i l d e
gestiftet, daher Notizen von dort im Calend. Corbeiense, gedr. NA. X, 91.
[20] Möglich, daß Columban selbst noch die arianischen Schriften sammelte, um sie
zu widerlegen, wie Krafft, De fontibus Ulfilae Arianismi p. 18-20 annimmt, weil alle
gothischen Reste von da stammen. Ob man sie aber damals noch verstand? Nicht
lange nachher begann man sicher zu rescribiren. Ebrard in der Zeitschr. f. hist. Theol.
XXXII, 403 giebt die merkwürdige Inschrift des Cod. Erlang. von Hieron. de viris ill.
(mit dem üblichen Lesefehler quum st. quoniam), wonach es scheint, als sei unser
Text durch Columban aus einer beschädigten Handschrift auszugsweise hergestellt.
[21] Vita S. Johannis Reomensis. Nach Fr. Stöber, Wiener SB. CIX, 319-398 ist es
die unvollständig erhaltene des cod. Fossatensis, die anderen Versionen jüngere
Bearbeitungen. Das. S. 330 (gegen A. Jahn) der Nachweis, dass die V. Romani abb.
Jur. keine Fälschung, sondern echt und alt ist.
[22] MG. SS. II, 1-21 von Ild. v. Arx nach der von ihm wieder aufgefundenen
Handschrift zuerst herausgegeben. Daraus Acta SS. Oct. VII, 860. Vgl. Stälins Wirt.
Gesch. II, 167, Rettberg II, 40. Uebersetzung von Potthast, Geschichtschr. 12 (VIII,
1) 1888. Neue Ausg. von G. Meyer v. Knonau, in den Mitth. z. vaterl. Gesch. (S.
Gallen 1870) XII, 1-61. Nach einem älteren Irrthum von Arx ist S. 16 die Feldflasche
ascopa mit der Reliquiencapsel verwechselt. Der metr. Prolog bei Dümmler, Poet.
Carol. II, 476, cf. 701.
[23] S. Weidmann, Gesch. d. Stiftsbibl. S. 485. Gust. Scherer, Verzeichniß der
Handschriften S. 172-175.
[24] Schon Jodocus Metzler vermuthete ihn, doch ohne einen Beweis dafür zu geben;
vgl. auch Mab. Anal. IV, 640.
[25] Mabillon, Acta SS. II, 511 aus Acta SS. Feb. III, 263.
[26] Mit Arbogast, Theodat und Hildulf soll F l o r e n t i u s zu Dagoberts Zeit aus
Irland gekommen und Bischof von Straßburg geworden sein, das Kloster Haslach
gegründet haben. Die Namen sind nichts weniger als irisch, die Legende, deren
Brosien S. 51. Columbans Schüler, der Ire Deicolus, stiftete Lutra (Lure oder Saint-
Diey), welches nach gänzlichem Verfall mit Otto's I Hülfe hergestellt wurde durch
Baltram, dem sein Neffe Werdolf folgte (Dümmler Otto I S. 309). Dieser veranlaßte
die Aufzeichnung der Vita S. Deicoli, Acta SS. Jan. II, 199 bis 210. Mab. II, 102-116.
Weil Lutra an Waldrada gekommen war, finden sich darin sagenhafte Nachrichten
über Lothar II. — Versus de Bobuleno abbate, einen alphabetischen Rhythmus auf
Bertulfs Nachfolger in Bobio, nicht gleichzeitig u. ohne viel Inhalt, hat Dümmler
herausgegeben, NA. X, 334.
[18] Im J. 590 nach G. Hertel, Anm. z. Gesch. Columba's, Zeitschr. f. Kirchengesch.
III, 145-150. — Ueber C. Briefe s. Krusch, NA. X, 84-88; Gundlach ib. XV, 497-
526; Seebass ib. XVII, 243-259 u. Entgegnung v. Gundlach S. 425-429. — E.
Dümmler, NA. X, 190, wo er das Ruderlied En silvis caesa herausgiebt, vermuthet
einen jüngeren irischen Dichter Columban, spätestens aus der ersten karoling. Zeit,
der mit Horaz und Vergil vertraut war. Manitius, Gesch. d. christl. lat. Poesie, S. 390
für unsern Columban.
[19] In dem Antiphonarium monasterii Benchorensis, ed. Muratori, Anecdota Bibl.
Ambros. IV, 121-159 (Verbesserungen von A. Peyron, Ciceronis Orationum
Fragmenta, 1824, Anhang S. 224-226). Vgl. Manitius S. 482. Bei demselben Antt.
III, 817 der wichtige Catalog der Bob. Bibliothek saec. X. Sacramentarium
Gallicanum aus Bobio in Halbuncialschrift saec. VII, ed. Mabillon, Mus. Ital. I, 2,
273-397. Von Luxeuil aus ist c. 657 C o r b i e durch die Königin B a l t h i l d e
gestiftet, daher Notizen von dort im Calend. Corbeiense, gedr. NA. X, 91.
[20] Möglich, daß Columban selbst noch die arianischen Schriften sammelte, um sie
zu widerlegen, wie Krafft, De fontibus Ulfilae Arianismi p. 18-20 annimmt, weil alle
gothischen Reste von da stammen. Ob man sie aber damals noch verstand? Nicht
lange nachher begann man sicher zu rescribiren. Ebrard in der Zeitschr. f. hist. Theol.
XXXII, 403 giebt die merkwürdige Inschrift des Cod. Erlang. von Hieron. de viris ill.
(mit dem üblichen Lesefehler quum st. quoniam), wonach es scheint, als sei unser
Text durch Columban aus einer beschädigten Handschrift auszugsweise hergestellt.
[21] Vita S. Johannis Reomensis. Nach Fr. Stöber, Wiener SB. CIX, 319-398 ist es
die unvollständig erhaltene des cod. Fossatensis, die anderen Versionen jüngere
Bearbeitungen. Das. S. 330 (gegen A. Jahn) der Nachweis, dass die V. Romani abb.
Jur. keine Fälschung, sondern echt und alt ist.
[22] MG. SS. II, 1-21 von Ild. v. Arx nach der von ihm wieder aufgefundenen
Handschrift zuerst herausgegeben. Daraus Acta SS. Oct. VII, 860. Vgl. Stälins Wirt.
Gesch. II, 167, Rettberg II, 40. Uebersetzung von Potthast, Geschichtschr. 12 (VIII,
1) 1888. Neue Ausg. von G. Meyer v. Knonau, in den Mitth. z. vaterl. Gesch. (S.
Gallen 1870) XII, 1-61. Nach einem älteren Irrthum von Arx ist S. 16 die Feldflasche
ascopa mit der Reliquiencapsel verwechselt. Der metr. Prolog bei Dümmler, Poet.
Carol. II, 476, cf. 701.
[23] S. Weidmann, Gesch. d. Stiftsbibl. S. 485. Gust. Scherer, Verzeichniß der
Handschriften S. 172-175.
[24] Schon Jodocus Metzler vermuthete ihn, doch ohne einen Beweis dafür zu geben;
vgl. auch Mab. Anal. IV, 640.
[25] Mabillon, Acta SS. II, 511 aus Acta SS. Feb. III, 263.
[26] Mit Arbogast, Theodat und Hildulf soll F l o r e n t i u s zu Dagoberts Zeit aus
Irland gekommen und Bischof von Straßburg geworden sein, das Kloster Haslach
gegründet haben. Die Namen sind nichts weniger als irisch, die Legende, deren
Page 173
Wunder von anderen bekannten copirt sind, sehr jung und völlig unbrauchbar. Neue
Ausgabe der Vita Florentii bei Ch. Schmidt, Histoire du Chapitre de Saint-Thomas de
Strasbourg (1860), p. 283. Vgl. Rettberg II, 65. — Ueber das ganz unbrauchbare
Leben Trudperts s. Anm.→2 auf S. 122.
[27] Ich rechnete hierhin früher auch F r i d o l i n, glaube aber jetzt, daß dies ein
fränkisch umgemodelter Schottenname ist, da es von Columban Verse an einen
F e d o l i u s giebt, und auch Petrus Damiani Opp. II, 9 den F r e d e l i n u s in Poitiers
als Schotten bezeichnet. Die Legende (Mone, Quellens. I, 1-16, alte Uebers. 99-111)
aber gewinnt dadurch wenig, sie soll von B a l t h e r, einem Seckinger Mönch in
einem unfindbaren Kloster Helera ad Musellam, auch einer Stiftung Fridolins zu
Ehren des h. Hilarius, entdeckt und wegen Mangels an Pergament und Dinte
auswendig gelernt, dann in Seckingen aufgeschrieben und mit einem zweiten Theil
aus localer Tradition versehen sein. Ich kann darin nur eine Erfindung sehen, wie sie
ähnlich auch sonst zur Einführung erdichteter Legenden vorkommen, und halte auch
Balthers Namen und die Widmung an einen Notker für Fiction. Vgl. Rettberg II, 29.
Stälin I, 166. — Von den Versuchen, die Legende ganz oder theilweise zu retten,
erwähne ich Lütolf: Die Glaubensboten der Schweiz vor Gallus (Luc. 1871), S. 267
ff. Die Erwähnung einer Vi t a F r e d e l i n i in Poitiers bei Petrus Dam. Opp. II, 9,
worauf hier Gewicht gelegt wird, ist merkwürdig; aber was von diesem gesagt wird,
stimmt wenig zu unserer Legende. Seine Existenz und Herkunft sind allerdings jetzt
besser festgestellt. Gegen G. Heer, der einen hist. Kern retten will (NA. XIV, 627), G.
Meyer v. Knonau im Anz. f. Schw. Gesch. 1889, S. 377.
[28] Vgl. S. Riezler: Ueber die Entstehungszeit der Lex Bajuwariorum, Forsch. XVI,
409-446.
[29] Vgl. die Abhandlung von Blumberger: Ueber die Frage vom Zeitalter des
heiligen Rupert, im Archiv der W. Ak. X, 329-368. Gegen die immer wiederholten
Bemühungen, Rupert dem 6. Jahrh. zuzuweisen, habe ich mich in den Heidelb.
Jahrbb. 1870 S. 24 ausgesprochen; mir zustimmend Riezler a. a. O. S. 418; auch
Zillner, Streifzüge, in den Mitth. d. Ges. f. Salzb. Landeskunde 1878. Vgl. auch
Hauck I, 337-342.
[30] Die Nachricht aus irl. Annalen von einem Fergil oder Feirgil, genannt der
Geometer, der Abt von Aghaboe gewesen war, und im 30. Jahre seiner
Bischofswürde in Deutschland 789 gestorben, ist ungenau. Zimmer, NA. XVII, 211.
[31] MG. SS. XI, 4. 5. Doch konnte ich dem von Büdinger Oest. Gesch. I, 101
geltend gemachten Grunde für die Abfassung des ersten Theils unter Virgil nicht
beistimmen. Auch hat Blumberger: Ueber die Frage, ob der heilige Rupert das
Apostelamt in Baiern bis an sein Lebensende geführt habe, im Archiv der Wiener
Akademie XVI, 225-238, mich nicht von Ruperts Rückkehr nach Worms überzeugt,
da es mir unglaublich ist, daß die Translation der Gebeine vergessen oder unerwähnt
geblieben sein könnte. Andere Gründe dagegen bei Al. Huber: Das Grab des h.
Rupert, Arch. d. W. A. XL, 275-321. — Unbrauchbar ist das nach der Elevation von
816 geschriebene L e b e n Tr u d p e r t s, den man wohl nur wegen der Aehnlichkeit
des Namens zu einem Bruder Ruperts machte, bei Mone, Quellens. I, 19. Vgl. Stälin
I, 167. Rettberg II, 48. Potthast S. 913. Facs. aus den Actis bei Herrgott, Geneal. I, p.
XVIII.
[32] Die Vita S. Hrodberti in älterer Gestalt. Arch. d. W. Ak. LXIII, 595 bis 608.
Hauck II, 380 für Veranlassung dieser Vita durch Virgil. ←
[33] Münch. SB. 1883. S. 509-547.
Ausgabe der Vita Florentii bei Ch. Schmidt, Histoire du Chapitre de Saint-Thomas de
Strasbourg (1860), p. 283. Vgl. Rettberg II, 65. — Ueber das ganz unbrauchbare
Leben Trudperts s. Anm.→2 auf S. 122.
[27] Ich rechnete hierhin früher auch F r i d o l i n, glaube aber jetzt, daß dies ein
fränkisch umgemodelter Schottenname ist, da es von Columban Verse an einen
F e d o l i u s giebt, und auch Petrus Damiani Opp. II, 9 den F r e d e l i n u s in Poitiers
als Schotten bezeichnet. Die Legende (Mone, Quellens. I, 1-16, alte Uebers. 99-111)
aber gewinnt dadurch wenig, sie soll von B a l t h e r, einem Seckinger Mönch in
einem unfindbaren Kloster Helera ad Musellam, auch einer Stiftung Fridolins zu
Ehren des h. Hilarius, entdeckt und wegen Mangels an Pergament und Dinte
auswendig gelernt, dann in Seckingen aufgeschrieben und mit einem zweiten Theil
aus localer Tradition versehen sein. Ich kann darin nur eine Erfindung sehen, wie sie
ähnlich auch sonst zur Einführung erdichteter Legenden vorkommen, und halte auch
Balthers Namen und die Widmung an einen Notker für Fiction. Vgl. Rettberg II, 29.
Stälin I, 166. — Von den Versuchen, die Legende ganz oder theilweise zu retten,
erwähne ich Lütolf: Die Glaubensboten der Schweiz vor Gallus (Luc. 1871), S. 267
ff. Die Erwähnung einer Vi t a F r e d e l i n i in Poitiers bei Petrus Dam. Opp. II, 9,
worauf hier Gewicht gelegt wird, ist merkwürdig; aber was von diesem gesagt wird,
stimmt wenig zu unserer Legende. Seine Existenz und Herkunft sind allerdings jetzt
besser festgestellt. Gegen G. Heer, der einen hist. Kern retten will (NA. XIV, 627), G.
Meyer v. Knonau im Anz. f. Schw. Gesch. 1889, S. 377.
[28] Vgl. S. Riezler: Ueber die Entstehungszeit der Lex Bajuwariorum, Forsch. XVI,
409-446.
[29] Vgl. die Abhandlung von Blumberger: Ueber die Frage vom Zeitalter des
heiligen Rupert, im Archiv der W. Ak. X, 329-368. Gegen die immer wiederholten
Bemühungen, Rupert dem 6. Jahrh. zuzuweisen, habe ich mich in den Heidelb.
Jahrbb. 1870 S. 24 ausgesprochen; mir zustimmend Riezler a. a. O. S. 418; auch
Zillner, Streifzüge, in den Mitth. d. Ges. f. Salzb. Landeskunde 1878. Vgl. auch
Hauck I, 337-342.
[30] Die Nachricht aus irl. Annalen von einem Fergil oder Feirgil, genannt der
Geometer, der Abt von Aghaboe gewesen war, und im 30. Jahre seiner
Bischofswürde in Deutschland 789 gestorben, ist ungenau. Zimmer, NA. XVII, 211.
[31] MG. SS. XI, 4. 5. Doch konnte ich dem von Büdinger Oest. Gesch. I, 101
geltend gemachten Grunde für die Abfassung des ersten Theils unter Virgil nicht
beistimmen. Auch hat Blumberger: Ueber die Frage, ob der heilige Rupert das
Apostelamt in Baiern bis an sein Lebensende geführt habe, im Archiv der Wiener
Akademie XVI, 225-238, mich nicht von Ruperts Rückkehr nach Worms überzeugt,
da es mir unglaublich ist, daß die Translation der Gebeine vergessen oder unerwähnt
geblieben sein könnte. Andere Gründe dagegen bei Al. Huber: Das Grab des h.
Rupert, Arch. d. W. A. XL, 275-321. — Unbrauchbar ist das nach der Elevation von
816 geschriebene L e b e n Tr u d p e r t s, den man wohl nur wegen der Aehnlichkeit
des Namens zu einem Bruder Ruperts machte, bei Mone, Quellens. I, 19. Vgl. Stälin
I, 167. Rettberg II, 48. Potthast S. 913. Facs. aus den Actis bei Herrgott, Geneal. I, p.
XVIII.
[32] Die Vita S. Hrodberti in älterer Gestalt. Arch. d. W. Ak. LXIII, 595 bis 608.
Hauck II, 380 für Veranlassung dieser Vita durch Virgil. ←
[33] Münch. SB. 1883. S. 509-547.
Page 174
[34] So auch in dem aus Regensburg stammenden Veroneser Sacramentar
(Saltisburgo). Delisle, Sacram. p. 194.
[35] Acta SS. Sept. VI, 474. Vgl. Rettberg II, 189. Hauck I, 342. Nach Hugo Graf
Walderdorff, Regensburg (3. Aufl.) S. 137, ist die ursprüngliche Form Heimraban, in
einem Kalend. saec. VIII. Emhram. Vgl. Riezler, Forsch. XVIII, 528, über den Ort
seines Todes. Neue Ausg. v. B. Sepp, Anal. Bolland. VIII, 211-240 u. Sep. Ausg.
1890. Nach Riezler muss es eine Ueberarbeitung sein.
[36] Meichelbeck Hist. Fris. I, 2 p. 3. Acta SS. Sept. III, 281. Vgl. Rettberg II, 213,
Hauck I, 345, und über beide M. Büdinger, Zur Kritik altbaier. Geschichte, Wiener
SB. XXIII. Darin wird auch die früher herrschende Ansicht von der Anwesenheit des
Eustasius und Agilus in Baiern bekämpft, welche jetzt G. Waitz, Gött. Nachr. 1869 S.
136, Friedrich, Münch. SB. 1874, I, 358, Riezler, Forsch. XVI, 417, wieder in Schutz
nehmen. Büd. Oest. Gesch. I, 85, 94, und über Aribo S. 141. Aelteste Form der V.
Corbiniani im Cod. Mus. Brit. 11880, her. von Riezler, Abh. d. Münch. Akad. III. Cl.
XVIII, 1 (1888). Die Bearbeitung ist nach ihm wahrscheinlich von H r o t r o h c,
einem Mönch von Tegernsee, dem eine V. Corb. zugeschrieben wird, saec. IX. X.
Vgl. auch Dr. David Schönherr: Ueber die Lage der angeblich verschütteten
Römerstadt Maja, Innsbr. 1873. Corpus Inscr. Lat. III, 707. V, 543.
[37] Er nennt sich auch C y r i n u s nach der Deutung des Namen Cyrus als haeres bei
Hieronymus de nominibus Hebraeorum.
[38] Canis III, 1, 180. Mab. II, 991. Acta SS. Jul. II, 612. Vgl. Stälin I, 167. Rettberg
II, 303. Das älteste Zeugniß für Kilians Martyrium ist im Necrolog. Wirzib. s. IX. bei
Eckhardt, Comm. de or. Francia I, 831. Dümmler, Forsch. VI, 116. 118. Piper, Karls
d. Gr. Kalend. S. 26. Ueber die in Kilians Grab gefundene Bibel in Uncialschrift
Eckhardt Franc. Or. I, 451, Schepss, Die ältesten Evangelienhss. der Univ.-Bibl.
(1887) S. 6. Facsim. bei Zangemeister u. Wattenbach, Exempla tab. LVIII. Irische
Handschriften in Würzburg: Archiv VII, 106; Catalogue of Manuscripts in the British
Museum, New Series I. 1843 fol. Tab. 1, 3; Zeuß, Grammatica Celtica, p. XX.
(Saltisburgo). Delisle, Sacram. p. 194.
[35] Acta SS. Sept. VI, 474. Vgl. Rettberg II, 189. Hauck I, 342. Nach Hugo Graf
Walderdorff, Regensburg (3. Aufl.) S. 137, ist die ursprüngliche Form Heimraban, in
einem Kalend. saec. VIII. Emhram. Vgl. Riezler, Forsch. XVIII, 528, über den Ort
seines Todes. Neue Ausg. v. B. Sepp, Anal. Bolland. VIII, 211-240 u. Sep. Ausg.
1890. Nach Riezler muss es eine Ueberarbeitung sein.
[36] Meichelbeck Hist. Fris. I, 2 p. 3. Acta SS. Sept. III, 281. Vgl. Rettberg II, 213,
Hauck I, 345, und über beide M. Büdinger, Zur Kritik altbaier. Geschichte, Wiener
SB. XXIII. Darin wird auch die früher herrschende Ansicht von der Anwesenheit des
Eustasius und Agilus in Baiern bekämpft, welche jetzt G. Waitz, Gött. Nachr. 1869 S.
136, Friedrich, Münch. SB. 1874, I, 358, Riezler, Forsch. XVI, 417, wieder in Schutz
nehmen. Büd. Oest. Gesch. I, 85, 94, und über Aribo S. 141. Aelteste Form der V.
Corbiniani im Cod. Mus. Brit. 11880, her. von Riezler, Abh. d. Münch. Akad. III. Cl.
XVIII, 1 (1888). Die Bearbeitung ist nach ihm wahrscheinlich von H r o t r o h c,
einem Mönch von Tegernsee, dem eine V. Corb. zugeschrieben wird, saec. IX. X.
Vgl. auch Dr. David Schönherr: Ueber die Lage der angeblich verschütteten
Römerstadt Maja, Innsbr. 1873. Corpus Inscr. Lat. III, 707. V, 543.
[37] Er nennt sich auch C y r i n u s nach der Deutung des Namen Cyrus als haeres bei
Hieronymus de nominibus Hebraeorum.
[38] Canis III, 1, 180. Mab. II, 991. Acta SS. Jul. II, 612. Vgl. Stälin I, 167. Rettberg
II, 303. Das älteste Zeugniß für Kilians Martyrium ist im Necrolog. Wirzib. s. IX. bei
Eckhardt, Comm. de or. Francia I, 831. Dümmler, Forsch. VI, 116. 118. Piper, Karls
d. Gr. Kalend. S. 26. Ueber die in Kilians Grab gefundene Bibel in Uncialschrift
Eckhardt Franc. Or. I, 451, Schepss, Die ältesten Evangelienhss. der Univ.-Bibl.
(1887) S. 6. Facsim. bei Zangemeister u. Wattenbach, Exempla tab. LVIII. Irische
Handschriften in Würzburg: Archiv VII, 106; Catalogue of Manuscripts in the British
Museum, New Series I. 1843 fol. Tab. 1, 3; Zeuß, Grammatica Celtica, p. XX.
Page 175
II. Die Karolinger.
Vom Anfang des achten bis zum Anfang des zehnten Jahrhunderts.
§ 1. Neue Anfänge der Geschichtschreibung.
Fredegars Fortsetzer. [ ← ]
Ausgaben mit Fredegars Chronik. Uebersetzung von O. Abel ebend. und von 735 an bei Einhards
Annalen; vereinigt u. nach der neuen Ausg. v. Krusch berichtigt 1888. — Cauer, De Carolo
Martello, Berl. 1846. Breysig, De continuato Fredegarii scholastici chronico, Berl. 1849.
Oelsner, De Pippino rege, Vratisl. 1853. p. 24-34 De Chronico Fredegarii continuato. Breysig,
Karl Martell S. 112. Hahn, Einige Bemerkungen über Fredegar, Arch. XI, 805-840. G. Monod,
Revue crit. 1873, I, 153. Br. Krusch, NA. VIII, 495-515.
Das Haus der Karolinger bewies von Anfang an seine Berechtigung zur
Herrschaft dadurch, daß es allein im Stande war, das Reich herzustellen,
dem weit vorgeschrittenen Verfall Einhalt zu thun und auf neuen
Grundlagen ein neues Zeitalter zu begründen. Auch das Wiedererwachen
der Geschichtschreibung knüpft sich an sein Auftreten: mit dem Jahre 687,
mit dem entscheidenden Siege Pippins, beginnen die Annalen von St.
Amand.
Fredegars Chronik war in Burgund, das Buch von den Thaten der
Franken in Neustrien geschrieben, in Austrasien fanden beide ihre letzte
Bearbeitung und Fortsetzung. Viel ist über die Beschaffenheit dieser, über
die Arbeit der verschiedenen dabei thätigen Personen geschrieben worden;
ich halte mich jetzt an die Resultate von Br. Krusch, welcher genauer, als
Vom Anfang des achten bis zum Anfang des zehnten Jahrhunderts.
§ 1. Neue Anfänge der Geschichtschreibung.
Fredegars Fortsetzer. [ ← ]
Ausgaben mit Fredegars Chronik. Uebersetzung von O. Abel ebend. und von 735 an bei Einhards
Annalen; vereinigt u. nach der neuen Ausg. v. Krusch berichtigt 1888. — Cauer, De Carolo
Martello, Berl. 1846. Breysig, De continuato Fredegarii scholastici chronico, Berl. 1849.
Oelsner, De Pippino rege, Vratisl. 1853. p. 24-34 De Chronico Fredegarii continuato. Breysig,
Karl Martell S. 112. Hahn, Einige Bemerkungen über Fredegar, Arch. XI, 805-840. G. Monod,
Revue crit. 1873, I, 153. Br. Krusch, NA. VIII, 495-515.
Das Haus der Karolinger bewies von Anfang an seine Berechtigung zur
Herrschaft dadurch, daß es allein im Stande war, das Reich herzustellen,
dem weit vorgeschrittenen Verfall Einhalt zu thun und auf neuen
Grundlagen ein neues Zeitalter zu begründen. Auch das Wiedererwachen
der Geschichtschreibung knüpft sich an sein Auftreten: mit dem Jahre 687,
mit dem entscheidenden Siege Pippins, beginnen die Annalen von St.
Amand.
Fredegars Chronik war in Burgund, das Buch von den Thaten der
Franken in Neustrien geschrieben, in Austrasien fanden beide ihre letzte
Bearbeitung und Fortsetzung. Viel ist über die Beschaffenheit dieser, über
die Arbeit der verschiedenen dabei thätigen Personen geschrieben worden;
ich halte mich jetzt an die Resultate von Br. Krusch, welcher genauer, als
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zuvor geschehen war, namentlich auch in Bezug auf die Sprache, die
Prüfung durchgeführt hat.
Als unter Pippin das Frankenreich in seiner neuen Gestaltung glänzend
befestigt war, unternahm es sein Oheim C hi ld ebr an d, auch für das
dauernde Andenken dieser merkwürdigen Begebenheiten zu sorgen. Er ließ
ein Exemplar der alten Chronik des Fredegar sorgfältig abschreiben, aber er
oder der von ihm Beauftragte begnügte sich nicht mit einfacher Abschrift:
er ließ den Liber generationis weg, und setzte an dessen Stelle den
Hilarianus de cursu temporum ein, welchen er in seiner Vorlage an anderm
Orte fand, und erweiterte die Stammsage im Hieronymus durch ein Excerpt
aus Dares Phrygius. An den Fredegar knüpfte er einen Auszug von cap. 43
bis 52 der Gesta Francorum nebst ihrer 736 geschriebenen Fortsetzung;
recht mangelhaft gearbeitet und voll chronologischer Verwirrung, aber
bereichert mit Zusätzen, welche das Haus der Arnulfinger hervorheben,
während er manches wegließ, was das Haus der Merowinger betraf, das ihn
nicht mehr kümmerte; anfangs dürftig, dann von erheblichem Werthe. Das
ist die sog. erste Fortsetzung (cap. 1-17) bis zur Mitte von cap. 109, an
welche bis cap. 117 incl. die zweite (cap. 18-33) sich reiht, innerhalb
welcher stilistische Gründe einen Wechsel des Schreibers (nach cap. 109)
annehmen lassen. So weit, bis 752, war unter Childebrands Leitung das
Werk geführt, da übernahm dessen Sohn Nibelung[1] die weitere
Fortsetzung (cap. 34-54), welche uns in noch schlechterem Latein einen
schon ausführlicheren, nach Jahren genau geordneten und wohl theilweise
gleichzeitig aufgezeichneten Bericht über die königliche Herrschaft Pippins
darbietet.
Als vereinzelte sehr schätzbare Notiz reiht sich an diese Fortsetzer des
Fredegar eine Aufzeichnung aus Saint-Denis über die Königsweihe Pippins
und seiner Söhne (754) durch Pabst Stephan II[2], welche sich am Schluß
einer Handschrift von Werken Gregors von Tours befindet, von anderer
Hand mit blasserer Dinte geschrieben und offenbar aus einer älteren
Handschrift herübergenommen, und Clausula de Pippino genannt wird[3].
Prüfung durchgeführt hat.
Als unter Pippin das Frankenreich in seiner neuen Gestaltung glänzend
befestigt war, unternahm es sein Oheim C hi ld ebr an d, auch für das
dauernde Andenken dieser merkwürdigen Begebenheiten zu sorgen. Er ließ
ein Exemplar der alten Chronik des Fredegar sorgfältig abschreiben, aber er
oder der von ihm Beauftragte begnügte sich nicht mit einfacher Abschrift:
er ließ den Liber generationis weg, und setzte an dessen Stelle den
Hilarianus de cursu temporum ein, welchen er in seiner Vorlage an anderm
Orte fand, und erweiterte die Stammsage im Hieronymus durch ein Excerpt
aus Dares Phrygius. An den Fredegar knüpfte er einen Auszug von cap. 43
bis 52 der Gesta Francorum nebst ihrer 736 geschriebenen Fortsetzung;
recht mangelhaft gearbeitet und voll chronologischer Verwirrung, aber
bereichert mit Zusätzen, welche das Haus der Arnulfinger hervorheben,
während er manches wegließ, was das Haus der Merowinger betraf, das ihn
nicht mehr kümmerte; anfangs dürftig, dann von erheblichem Werthe. Das
ist die sog. erste Fortsetzung (cap. 1-17) bis zur Mitte von cap. 109, an
welche bis cap. 117 incl. die zweite (cap. 18-33) sich reiht, innerhalb
welcher stilistische Gründe einen Wechsel des Schreibers (nach cap. 109)
annehmen lassen. So weit, bis 752, war unter Childebrands Leitung das
Werk geführt, da übernahm dessen Sohn Nibelung[1] die weitere
Fortsetzung (cap. 34-54), welche uns in noch schlechterem Latein einen
schon ausführlicheren, nach Jahren genau geordneten und wohl theilweise
gleichzeitig aufgezeichneten Bericht über die königliche Herrschaft Pippins
darbietet.
Als vereinzelte sehr schätzbare Notiz reiht sich an diese Fortsetzer des
Fredegar eine Aufzeichnung aus Saint-Denis über die Königsweihe Pippins
und seiner Söhne (754) durch Pabst Stephan II[2], welche sich am Schluß
einer Handschrift von Werken Gregors von Tours befindet, von anderer
Hand mit blasserer Dinte geschrieben und offenbar aus einer älteren
Handschrift herübergenommen, und Clausula de Pippino genannt wird[3].
Page 177
So wie das ganze Reich von den Merowingern an die Karolinger
überging, so wurde auch die einzige Chronik der Franken zu einer
Familienchronik des karolingischen Hauses. Sie gewinnt dadurch
gewissermaßen einen officiellen Charakter und damit eine gewisse
Glaubwürdigkeit; andererseits leidet sie aber auch an den Mängeln solcher
amtlicher Aufzeichnungen. Je näher die Verfasser den Karolingern standen,
je besser sie unterrichtet waren, um so mehr hüteten sie sich auch etwas
aufzunehmen, was den Machthabern unangenehm war. Es genügt in dieser
Beziehung den einen Umstand hervorzuheben, daß die bedeutenden und
gefährlichen Unruhen, welche Grifo, Karl Martels Sohn von der Swanhilde,
nach des Vaters Tod erregte, und welche dem Verfasser doch unmöglich
unbekannt geblieben sein konnten, hier mit gänzlichem Stillschweigen
übergangen werden. Ebensowenig ist andererseits von der ganzen
Wirksamkeit des Bonifatius und überhaupt von den kirchlichen
Angelegenheiten die Rede. Eine vollständige und unparteiische Uebersicht
der Begebenheiten darf man daher bei diesen Fortsetzern des Fredegar nicht
suchen[4].
Ebenso wenig unparteiisch, zur Verherrlichung der Arnulfinger
geschrieben und namentlich in den ältesten Theilen irreführend, übrigens
aber aus guten Quellen geschöpft, reichhaltig auch über Grifo, ist die
Geschichte von 687 bis 692, welche den Anfang der Annales Mettenses
bildet[5], wo bis 768 eine Compilation aus Fredegar u. a. Annalen sich
anschließt. Früher gering geschätzt, ist sie von L. Ranke nachdrücklich in
Schutz genommen und ihr Werth ins Licht gestellt[6]. Es kommt hinzu, daß
das Fragmentum de Pippino duce[7], welches Bonnell für ein schlechtes
Excerpt aus den Mettenser Annalen erklärt hatte, in dem Cod. Arundel. 375
saec. XI. des Brit. Museum aufgefunden ist[8] und, da es nun als Quelle
anerkannt ist, ein höheres Alter dieser Darstellung verbürgt.
Natürlich ist es, daß man bei fortschreitender litterarischer Bildung
bald sowohl an der rohen Form des Fredegar und seiner Fortsetzer, als auch
an dem dürftigen Inhalt dieser Aufzeichnungen Anstoß nahm. Zu Karls d.
überging, so wurde auch die einzige Chronik der Franken zu einer
Familienchronik des karolingischen Hauses. Sie gewinnt dadurch
gewissermaßen einen officiellen Charakter und damit eine gewisse
Glaubwürdigkeit; andererseits leidet sie aber auch an den Mängeln solcher
amtlicher Aufzeichnungen. Je näher die Verfasser den Karolingern standen,
je besser sie unterrichtet waren, um so mehr hüteten sie sich auch etwas
aufzunehmen, was den Machthabern unangenehm war. Es genügt in dieser
Beziehung den einen Umstand hervorzuheben, daß die bedeutenden und
gefährlichen Unruhen, welche Grifo, Karl Martels Sohn von der Swanhilde,
nach des Vaters Tod erregte, und welche dem Verfasser doch unmöglich
unbekannt geblieben sein konnten, hier mit gänzlichem Stillschweigen
übergangen werden. Ebensowenig ist andererseits von der ganzen
Wirksamkeit des Bonifatius und überhaupt von den kirchlichen
Angelegenheiten die Rede. Eine vollständige und unparteiische Uebersicht
der Begebenheiten darf man daher bei diesen Fortsetzern des Fredegar nicht
suchen[4].
Ebenso wenig unparteiisch, zur Verherrlichung der Arnulfinger
geschrieben und namentlich in den ältesten Theilen irreführend, übrigens
aber aus guten Quellen geschöpft, reichhaltig auch über Grifo, ist die
Geschichte von 687 bis 692, welche den Anfang der Annales Mettenses
bildet[5], wo bis 768 eine Compilation aus Fredegar u. a. Annalen sich
anschließt. Früher gering geschätzt, ist sie von L. Ranke nachdrücklich in
Schutz genommen und ihr Werth ins Licht gestellt[6]. Es kommt hinzu, daß
das Fragmentum de Pippino duce[7], welches Bonnell für ein schlechtes
Excerpt aus den Mettenser Annalen erklärt hatte, in dem Cod. Arundel. 375
saec. XI. des Brit. Museum aufgefunden ist[8] und, da es nun als Quelle
anerkannt ist, ein höheres Alter dieser Darstellung verbürgt.
Natürlich ist es, daß man bei fortschreitender litterarischer Bildung
bald sowohl an der rohen Form des Fredegar und seiner Fortsetzer, als auch
an dem dürftigen Inhalt dieser Aufzeichnungen Anstoß nahm. Zu Karls d.
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Gr. Zeit entstand eine Compilation, in welcher die Chronik des Beda
verbunden ist mit Zusätzen aus Hieronymus, Orosius, Fredegar und seinen
Fortsetzern, den Gestis Francorum und Jahrbüchern, die mit den Lorscher
große Aehnlichkeit haben, bis 741. Wir werden auf dieses sowie auf andere
ähnliche Arbeiten später zurückzukommen haben.
Mit dem kriegerischen Ruhme vereinigte das karolingische Haus, wie
es zu einer hervorragenden Stellung damals fast unerläßlich war, auch den
kirchlichen. Klosterstiftungen und klösterlich frommer Lebenswandel
schmücken ihren Stammbaum mit Heiligen, wie Gertrud und Begga, und
auch dem Ahnherrn, Bischof Ar nulf v on Met z, wurde mit gutem Recht
die dankbare Verehrung der Nachkommen zu Theil. Sein Leben ist auch
von einem Zeitgenossen beschrieben worden, und was hier über ihn
berichtet wird, ist werthvoll, aber dem Verfasser[9], einem der Mönche,
welche den h. Romarich nach Metz begleiteten, als er den weltmüden
Bischof 629 nach seiner Einsiedelei in Remiremont abholte, hatte
begreiflicher Weise wesentlich den Zweck und Gesichtspunkt, seine
kirchlichen Tugenden zu preisen[10].
Als Werk eines Zeitgenossen und Augenzeugen schätzbar ist auch das
Leben der h. Ger tr ud, Pippins I Tochter, der Stifterin des Klosters
Nivelle, wo sie am 17. März 659 starb. Ganz ohne Grund von Bonnell
verdächtigt, ist ihre Lebensbeschreibung von Friedrich in ihrem Werth
erkannt, und von Krusch nach einer Handschrift des achten Jahrhunderts
herausgegeben[11].
Einige gute Nachrichten enthält auch das noch zu König Pippins
Lebzeiten geschriebene Leben des Stifters des Klosters Laubach oder
Lobbes, E r m in o († 737) vom Abt A nso[12]. Die schon für diese Zeit nicht
unwichtige Lütticher Litteratur werden wir später noch zu berühren Anlaß
haben.
verbunden ist mit Zusätzen aus Hieronymus, Orosius, Fredegar und seinen
Fortsetzern, den Gestis Francorum und Jahrbüchern, die mit den Lorscher
große Aehnlichkeit haben, bis 741. Wir werden auf dieses sowie auf andere
ähnliche Arbeiten später zurückzukommen haben.
Mit dem kriegerischen Ruhme vereinigte das karolingische Haus, wie
es zu einer hervorragenden Stellung damals fast unerläßlich war, auch den
kirchlichen. Klosterstiftungen und klösterlich frommer Lebenswandel
schmücken ihren Stammbaum mit Heiligen, wie Gertrud und Begga, und
auch dem Ahnherrn, Bischof Ar nulf v on Met z, wurde mit gutem Recht
die dankbare Verehrung der Nachkommen zu Theil. Sein Leben ist auch
von einem Zeitgenossen beschrieben worden, und was hier über ihn
berichtet wird, ist werthvoll, aber dem Verfasser[9], einem der Mönche,
welche den h. Romarich nach Metz begleiteten, als er den weltmüden
Bischof 629 nach seiner Einsiedelei in Remiremont abholte, hatte
begreiflicher Weise wesentlich den Zweck und Gesichtspunkt, seine
kirchlichen Tugenden zu preisen[10].
Als Werk eines Zeitgenossen und Augenzeugen schätzbar ist auch das
Leben der h. Ger tr ud, Pippins I Tochter, der Stifterin des Klosters
Nivelle, wo sie am 17. März 659 starb. Ganz ohne Grund von Bonnell
verdächtigt, ist ihre Lebensbeschreibung von Friedrich in ihrem Werth
erkannt, und von Krusch nach einer Handschrift des achten Jahrhunderts
herausgegeben[11].
Einige gute Nachrichten enthält auch das noch zu König Pippins
Lebzeiten geschriebene Leben des Stifters des Klosters Laubach oder
Lobbes, E r m in o († 737) vom Abt A nso[12]. Die schon für diese Zeit nicht
unwichtige Lütticher Litteratur werden wir später noch zu berühren Anlaß
haben.
Page 179
Ganz unverändert werden uns ausser diesen sehr wenige Legenden
erhalten sein; dafür ist ihre Form zu glatt, zu abweichend von den
authentischen Denkmälern. Zum Vorlesen bestimmt und gebraucht, mußten
sie der zunehmenden Bildung angepaßt werden, und leicht verbanden sich
damit Zusätze und Aenderungen, welche auch den Inhalt berührten.
[1] Cap. 117 (34): „Usque nunc inluster vir Childebrandus comes, avunculus
praedicto rege Pippino, hanc historiam vel gesta Francorum diligentissime scribere
procuravit. Abhinc ab inlustre viro Nibelungo, filium ipsius Childebrando itemque
comite, succedat auctoritas.“
[2] Auf dessen Reise „Roma salvanda“ starb m. Dec. ind. VII (753) der primicerius
notariorum Ambrosius in Saint-Maurice; er wurde nach 6 Jahren in St. Peter bestattet
mit einem rühmenden rhythmischen Epitaph. Rossi, L'inscription du tombeau d'Hadr.
I (Mél. d'Archéol. et d'hist. VIII) p. 20.
[3] Mab. Dipl. p. 384. SS. Meroving. I, 465 mit Schriftprobe. MG. SS. XV, 1 (vgl. p.
574a) als De unctione Pippini regis nota. Diese Nachricht wurde später mit der
fabelhaften Revelatio facta S. Stephano papae verbunden, mit welcher sie von
Regino abgeschrieben, und bei Sur. V. p. 658 (740 ed. II) zuerst gedruckt ist.
Hierdurch habe ich mich früher verleiten lassen, die Clausula als unglaubwürdig zu
bezeichnen. Vgl. Oelsner, K. Pippin S. 155. Das Schreiben Stephans II, welches B.
Simson, Forsch. XIX, 180, als die Quelle betrachtet, ist in der neuen Ausg. von
Jaffé's Reg. Pont. n. 2316 von P. Ewald mit Recht als unecht bezeichnet. Ebenso in
der Ausgabe jenes, von Hilduin seinen Acta Dionysii angehängten Stückes von
Waitz, SS. XV, 2. — Benutzt ist die Clausula in einem (unechten?) Breve Clemens II
für Romainmôtier, NA. XI, 590.
[4] Zu vergleichen ist für diese Zeit noch der Libellus de Majoribus domus, Bouq. II,
699 aus Du Chesne SS. II, 1, der nicht vor dem neunten Jahrhundert geschrieben ist,
wie B. Simson bemerkt, nahe verwandt dem Chron. Adonis, vielleicht ein Auszug.
Ferner das von Wilthem excerpirte Fragmentum historicum ex libro aureo
Epternacensi über die Jahre 714 u. 715, aus unbekannter Quelle, herausgegeben von
Reiffenberg im Bulletin de l'Académie de Bruxelles (1843) X, 2. 264, und
Monuments de Namur etc. VII, 209; jetzt MG. SS. XXIII, 59. Rätselhaft ist der
Dionysius, welchen Gobelinus Persona als Chronisten von Prosper bis Einhard (455-
741) anführt, vgl. Hagemann: Ueber die Quellen des G. P. (Diss. Hal. 1874) S. 32. Er
ist aber nicht zusammenzubringen mit der Erwähnung der Cyclen des Dionysius
Exiguus bei Regino z. J. 741, wo er nur von der Incongruenz der verschiedenen
Berechnungen spricht; allerdings scheint er in seinem Exemplar eine annalistische
Bemerkung zu 741 gehabt zu haben.
[5] MG. SS. I, 316-321.
[6] Weltgesch. V, 2, S. 294 ff.
[7] Freher, Corpus SS. Franc. p. 168-170; am Schluss unvollständig.
[8] Arch. VIII, 759.
erhalten sein; dafür ist ihre Form zu glatt, zu abweichend von den
authentischen Denkmälern. Zum Vorlesen bestimmt und gebraucht, mußten
sie der zunehmenden Bildung angepaßt werden, und leicht verbanden sich
damit Zusätze und Aenderungen, welche auch den Inhalt berührten.
[1] Cap. 117 (34): „Usque nunc inluster vir Childebrandus comes, avunculus
praedicto rege Pippino, hanc historiam vel gesta Francorum diligentissime scribere
procuravit. Abhinc ab inlustre viro Nibelungo, filium ipsius Childebrando itemque
comite, succedat auctoritas.“
[2] Auf dessen Reise „Roma salvanda“ starb m. Dec. ind. VII (753) der primicerius
notariorum Ambrosius in Saint-Maurice; er wurde nach 6 Jahren in St. Peter bestattet
mit einem rühmenden rhythmischen Epitaph. Rossi, L'inscription du tombeau d'Hadr.
I (Mél. d'Archéol. et d'hist. VIII) p. 20.
[3] Mab. Dipl. p. 384. SS. Meroving. I, 465 mit Schriftprobe. MG. SS. XV, 1 (vgl. p.
574a) als De unctione Pippini regis nota. Diese Nachricht wurde später mit der
fabelhaften Revelatio facta S. Stephano papae verbunden, mit welcher sie von
Regino abgeschrieben, und bei Sur. V. p. 658 (740 ed. II) zuerst gedruckt ist.
Hierdurch habe ich mich früher verleiten lassen, die Clausula als unglaubwürdig zu
bezeichnen. Vgl. Oelsner, K. Pippin S. 155. Das Schreiben Stephans II, welches B.
Simson, Forsch. XIX, 180, als die Quelle betrachtet, ist in der neuen Ausg. von
Jaffé's Reg. Pont. n. 2316 von P. Ewald mit Recht als unecht bezeichnet. Ebenso in
der Ausgabe jenes, von Hilduin seinen Acta Dionysii angehängten Stückes von
Waitz, SS. XV, 2. — Benutzt ist die Clausula in einem (unechten?) Breve Clemens II
für Romainmôtier, NA. XI, 590.
[4] Zu vergleichen ist für diese Zeit noch der Libellus de Majoribus domus, Bouq. II,
699 aus Du Chesne SS. II, 1, der nicht vor dem neunten Jahrhundert geschrieben ist,
wie B. Simson bemerkt, nahe verwandt dem Chron. Adonis, vielleicht ein Auszug.
Ferner das von Wilthem excerpirte Fragmentum historicum ex libro aureo
Epternacensi über die Jahre 714 u. 715, aus unbekannter Quelle, herausgegeben von
Reiffenberg im Bulletin de l'Académie de Bruxelles (1843) X, 2. 264, und
Monuments de Namur etc. VII, 209; jetzt MG. SS. XXIII, 59. Rätselhaft ist der
Dionysius, welchen Gobelinus Persona als Chronisten von Prosper bis Einhard (455-
741) anführt, vgl. Hagemann: Ueber die Quellen des G. P. (Diss. Hal. 1874) S. 32. Er
ist aber nicht zusammenzubringen mit der Erwähnung der Cyclen des Dionysius
Exiguus bei Regino z. J. 741, wo er nur von der Incongruenz der verschiedenen
Berechnungen spricht; allerdings scheint er in seinem Exemplar eine annalistische
Bemerkung zu 741 gehabt zu haben.
[5] MG. SS. I, 316-321.
[6] Weltgesch. V, 2, S. 294 ff.
[7] Freher, Corpus SS. Franc. p. 168-170; am Schluss unvollständig.
[8] Arch. VIII, 759.
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[9] Ueber die 4 von ihm verfaßten Vitae s. die Diss. von Dony in den von G. Kurth
1888 herausg. Dissertations académiques.
[10] Neue Ausg. v. Krusch, SS. Merov. II, 426-446. Die Hs. schrieb Karl Martels
neunjähr. Sohn Hieronymus ab. Uebers. Geschichtschr. XI (VII, 2) S. 131-140, nach
Fredegar. Der angebl. Name des Vfs. der werthlosen 2. Vita U m n o ist ein
Lesefehler: „Exhortatione plurimorum commonitus Umno Dei gratia praeventus“
statt i m m o.
[11] Vita S. Geretrudis, SS. Meroving. II, 447-74 mit den noch im 8. Jh.
hinzugefügten Wundern.
[12] Mab. III, 1, 564.
1888 herausg. Dissertations académiques.
[10] Neue Ausg. v. Krusch, SS. Merov. II, 426-446. Die Hs. schrieb Karl Martels
neunjähr. Sohn Hieronymus ab. Uebers. Geschichtschr. XI (VII, 2) S. 131-140, nach
Fredegar. Der angebl. Name des Vfs. der werthlosen 2. Vita U m n o ist ein
Lesefehler: „Exhortatione plurimorum commonitus Umno Dei gratia praeventus“
statt i m m o.
[11] Vita S. Geretrudis, SS. Meroving. II, 447-74 mit den noch im 8. Jh.
hinzugefügten Wundern.
[12] Mab. III, 1, 564.
Page 181
§ 2. Die Angelsachsen. [ ← ]
Die zahlreichen Missionen der irischen Mönche vermochten doch
nichts dauerndes zu schaffen, und auch in der Heimath konnte diese alte
vereinzelte Kirche sich der römisch-englischen Uebermacht nicht erwehren.
Sie unterlag überall, aber nicht etwa der äußern Uebermacht allein; in jeder
Weise wurden die Angelsachsen ihrer alten Lehrer Meister. In den großen
Weltchroniken des Mittelalters finden wir kaum eine Erwähnung von
Irland; die Reiche der Angelsachsen aber treten auffallend in den
Vordergrund für lange Zeit. Das ist der Einfluß des B eda († 735), dessen
Schriften diese Angaben entnommen wurden. Einen Mann wie diesen Beda
hat die gesammte irische Kirche nicht hervorgebracht; er war der Lehrer des
ganzen Mittelalters. Durch mathematische Kenntnisse haben gerade die
Schottenmönche sich ausgezeichnet, auf ihren Unterricht mag ein
bedeutender Theil der Gelehrsamkeit Beda's sich, wenn auch nur mittelbar,
zurückführen lassen, ihm aber war es vorbehalten, durch die Gediegenheit
und Faßlichkeit seiner Lehrbücher für Jahrhunderte in jedem Kloster die
Anleitung zu den nöthigen astronomischen Kenntnissen zu geben; wo man
es verschmähte, tiefer einzudringen, benutzte man wenigstens seine
Ostertafeln als unentbehrliches Hülfsmittel der kirchlichen Zeitrechnung, in
welcher durch ihn die für leicht übersichtliche Chronologie so förderliche
dionysische Era üblich wurde. Sein Martyrologium ist die Grundlage aller
späteren Umarbeitungen; seine kleine Chronik von den sechs Weltaltern
(bis 726) war überall bekannt, und die Kirchengeschichte Englands (bis
731) wurde um so eifriger gelesen, weil man hierin den Ursprung der
eigenen Kirche erkannte, sowie sie andererseits das Bewußtsein dieser
Verbindung wach erhielt[1]. Hatten die irischen Missionare nicht durch
Frömmigkeit allein, sondern auch durch mancherlei Kenntnisse und
Gelehrsamkeit die Bewunderung der Franken erregt, so überragten doch
nun die Angelsachsen noch in weit höherem Maße alles, was man bis dahin
gekannt hatte.
Die zahlreichen Missionen der irischen Mönche vermochten doch
nichts dauerndes zu schaffen, und auch in der Heimath konnte diese alte
vereinzelte Kirche sich der römisch-englischen Uebermacht nicht erwehren.
Sie unterlag überall, aber nicht etwa der äußern Uebermacht allein; in jeder
Weise wurden die Angelsachsen ihrer alten Lehrer Meister. In den großen
Weltchroniken des Mittelalters finden wir kaum eine Erwähnung von
Irland; die Reiche der Angelsachsen aber treten auffallend in den
Vordergrund für lange Zeit. Das ist der Einfluß des B eda († 735), dessen
Schriften diese Angaben entnommen wurden. Einen Mann wie diesen Beda
hat die gesammte irische Kirche nicht hervorgebracht; er war der Lehrer des
ganzen Mittelalters. Durch mathematische Kenntnisse haben gerade die
Schottenmönche sich ausgezeichnet, auf ihren Unterricht mag ein
bedeutender Theil der Gelehrsamkeit Beda's sich, wenn auch nur mittelbar,
zurückführen lassen, ihm aber war es vorbehalten, durch die Gediegenheit
und Faßlichkeit seiner Lehrbücher für Jahrhunderte in jedem Kloster die
Anleitung zu den nöthigen astronomischen Kenntnissen zu geben; wo man
es verschmähte, tiefer einzudringen, benutzte man wenigstens seine
Ostertafeln als unentbehrliches Hülfsmittel der kirchlichen Zeitrechnung, in
welcher durch ihn die für leicht übersichtliche Chronologie so förderliche
dionysische Era üblich wurde. Sein Martyrologium ist die Grundlage aller
späteren Umarbeitungen; seine kleine Chronik von den sechs Weltaltern
(bis 726) war überall bekannt, und die Kirchengeschichte Englands (bis
731) wurde um so eifriger gelesen, weil man hierin den Ursprung der
eigenen Kirche erkannte, sowie sie andererseits das Bewußtsein dieser
Verbindung wach erhielt[1]. Hatten die irischen Missionare nicht durch
Frömmigkeit allein, sondern auch durch mancherlei Kenntnisse und
Gelehrsamkeit die Bewunderung der Franken erregt, so überragten doch
nun die Angelsachsen noch in weit höherem Maße alles, was man bis dahin
gekannt hatte.
Page 182
Ein älterer Zeitgenosse des Beda, ein Northumbrier aus dem Kloster
Streoneshalch (Whitby), an Bildung und Wissen ihm weit nachstehend, hat
seiner Verehrung für den Begründer des Christenthums in England, Pabst
Gr eg or den Gr oßen, ein merkwürdiges Denkmal gestiftet, indem er, so
gut er es vermochte, eine Lebensbeschreibung desselben verfaßte, mit nicht
unwichtigen Nachrichten über die Bekehrung seiner Heimath
Wundergeschichten und den Preis der Werke Gregors verbindend. Dieses
merkwürdige Werkchen ist erst durch P. Ewald in einer alten Sanctgaller
Handschrift entdeckt, der wesentliche Inhalt mitgetheilt, und mit grossem
Scharfsinn nachgewiesen, dass dieses die von Beda, Paulus Diaconus und
Johannes Diaconus benutzte angelsächsische Legende ist[2].
Schon vor Beda hatte auch die angelsächsische Mission begonnen,
welche sich hauptsächlich den stammverwandten Sachsen und Friesen
zuwandte. Ein charakteristischer Unterschied dieser Mission von der
irischen liegt in ihrem Verhältniß zum römischen Stuhl: seitdem S.
Augustin, von Gregor dem Großen gesendet, die englische Kirche
begründet hatte, war diese in der engsten Verbindung mit Rom geblieben,
und von da aus geleitet, wurde die Kirchenverfassung fest und sicher
organisirt. Dadurch gewann diese Mission einen ganz anderen Boden, und
war nicht der Vereinzelung und der daraus folgenden Verwilderung
ausgesetzt, welche den Erfolg der Schottenpredigt auf einzelne
Klosterstiftungen beschränkte.
An zuverlässigen Lebensbeschreibungen der älteren unter diesen
Glaubensboten fehlt es freilich auch, und ihre Wirksamkeit würde uns in
nicht minder zweifelhaftem Dämmerlichte erscheinen, als die der
Schottenmönche, wenn nicht die englische Kirche, von der sie ausgingen, in
helleren Umrissen vor uns stände, und vor allem Beda uns so manche
sichere Nachricht aufbewahrt hätte.
Augustin, der erste Erzbischof von Canterbury, starb um das Jahr 604.
Schon sein Schüler L i vi n soll in Friesland gepredigt haben, seine
Streoneshalch (Whitby), an Bildung und Wissen ihm weit nachstehend, hat
seiner Verehrung für den Begründer des Christenthums in England, Pabst
Gr eg or den Gr oßen, ein merkwürdiges Denkmal gestiftet, indem er, so
gut er es vermochte, eine Lebensbeschreibung desselben verfaßte, mit nicht
unwichtigen Nachrichten über die Bekehrung seiner Heimath
Wundergeschichten und den Preis der Werke Gregors verbindend. Dieses
merkwürdige Werkchen ist erst durch P. Ewald in einer alten Sanctgaller
Handschrift entdeckt, der wesentliche Inhalt mitgetheilt, und mit grossem
Scharfsinn nachgewiesen, dass dieses die von Beda, Paulus Diaconus und
Johannes Diaconus benutzte angelsächsische Legende ist[2].
Schon vor Beda hatte auch die angelsächsische Mission begonnen,
welche sich hauptsächlich den stammverwandten Sachsen und Friesen
zuwandte. Ein charakteristischer Unterschied dieser Mission von der
irischen liegt in ihrem Verhältniß zum römischen Stuhl: seitdem S.
Augustin, von Gregor dem Großen gesendet, die englische Kirche
begründet hatte, war diese in der engsten Verbindung mit Rom geblieben,
und von da aus geleitet, wurde die Kirchenverfassung fest und sicher
organisirt. Dadurch gewann diese Mission einen ganz anderen Boden, und
war nicht der Vereinzelung und der daraus folgenden Verwilderung
ausgesetzt, welche den Erfolg der Schottenpredigt auf einzelne
Klosterstiftungen beschränkte.
An zuverlässigen Lebensbeschreibungen der älteren unter diesen
Glaubensboten fehlt es freilich auch, und ihre Wirksamkeit würde uns in
nicht minder zweifelhaftem Dämmerlichte erscheinen, als die der
Schottenmönche, wenn nicht die englische Kirche, von der sie ausgingen, in
helleren Umrissen vor uns stände, und vor allem Beda uns so manche
sichere Nachricht aufbewahrt hätte.
Augustin, der erste Erzbischof von Canterbury, starb um das Jahr 604.
Schon sein Schüler L i vi n soll in Friesland gepredigt haben, seine
Page 183
Lebensbeschreibung aber ist ein späteres betrügliches Machwerk. Da sie
fälschlich dem Bonifatius zugeschrieben wird, findet sie sich in der
Sammlung seiner Schriften[3].
Auch Wi lf r id, Erzbischof von York, der im J. 709 gestorben ist, hat
unter den Friesen gepredigt, als er auf einer Reise nach Rom 678 an ihrer
Küste landete, um den Nachstellungen des Hausmeiers Ebroin zu
entgehen[4]. Besonderes Verdienst um die Mission erwarb sich aber
E gb er t, der Abt des Klosters Hy, in welchem er die bis dahin dort
herrschende irische Weise durch die siegreiche römisch-englische
verdrängte. Er entsandte zum Friesenfürsten Radbod den Wi gber t[5], und
nach dessen Heimkehr im Jahre 690 Wi lli b r or d mit elf Gefährten. Dieser,
695 in Rom zum Bischof geweiht, begründete 698 das Kloster Echternach,
aber nicht allein als Stätte eines stillen beschaulichen Lebens, sondern als
Ausgangspunkt für seine Thätigkeit, und mit Karl Martels Hülfe gelang ihm
sodann auch die Stiftung des Bisthums U tr echt, wo er im Jahre 738 als
erster Bischof verstorben ist. Sein Leben ist erst lange nach seinem Tode
von A lcu i n aus fast ausschließlich erbaulichem Gesichtspunkt beschrieben
worden[6]; die ältere Lebensbeschreibung, welcher er gewiss wesentlich
folgte, von einem Schottenmönch rustico stilo verfaßt, wie die älteste Vita
des h. Gallus, ist leider, wie diese verloren, aber sie wurde noch benutzt von
T hi of r i d, Abt von Echternach (1083-1110), dessen Werk deshalb nicht
ohne Werth ist[7].
Gleichzeitig mit ihm predigte auch S u itber t, der Stifter von
Kaiserswerth, von dem jedoch nur wenig bekannt ist. Als das
merkwürdigste Andenken, welches er uns hinterlassen hat, sehr
bezeichnend für die höhere und feinere Bildung, welche diese Angelsachsen
in der Heimath pflegten und von da ins Frankenreich verpflanzten, galt
bisher die schöne Handschrift des Livius, welche er mitgebracht haben
sollte, und die jetzt zu den kostbarsten Schätzen der Wiener Hofbibliothek
gehört. Doch wird die Inschrift jetzt richtiger anders gelesen, die Bedeutung
der Handschrift aber ist nicht geringer, wenn sie aus der Utrechter Schule
fälschlich dem Bonifatius zugeschrieben wird, findet sie sich in der
Sammlung seiner Schriften[3].
Auch Wi lf r id, Erzbischof von York, der im J. 709 gestorben ist, hat
unter den Friesen gepredigt, als er auf einer Reise nach Rom 678 an ihrer
Küste landete, um den Nachstellungen des Hausmeiers Ebroin zu
entgehen[4]. Besonderes Verdienst um die Mission erwarb sich aber
E gb er t, der Abt des Klosters Hy, in welchem er die bis dahin dort
herrschende irische Weise durch die siegreiche römisch-englische
verdrängte. Er entsandte zum Friesenfürsten Radbod den Wi gber t[5], und
nach dessen Heimkehr im Jahre 690 Wi lli b r or d mit elf Gefährten. Dieser,
695 in Rom zum Bischof geweiht, begründete 698 das Kloster Echternach,
aber nicht allein als Stätte eines stillen beschaulichen Lebens, sondern als
Ausgangspunkt für seine Thätigkeit, und mit Karl Martels Hülfe gelang ihm
sodann auch die Stiftung des Bisthums U tr echt, wo er im Jahre 738 als
erster Bischof verstorben ist. Sein Leben ist erst lange nach seinem Tode
von A lcu i n aus fast ausschließlich erbaulichem Gesichtspunkt beschrieben
worden[6]; die ältere Lebensbeschreibung, welcher er gewiss wesentlich
folgte, von einem Schottenmönch rustico stilo verfaßt, wie die älteste Vita
des h. Gallus, ist leider, wie diese verloren, aber sie wurde noch benutzt von
T hi of r i d, Abt von Echternach (1083-1110), dessen Werk deshalb nicht
ohne Werth ist[7].
Gleichzeitig mit ihm predigte auch S u itber t, der Stifter von
Kaiserswerth, von dem jedoch nur wenig bekannt ist. Als das
merkwürdigste Andenken, welches er uns hinterlassen hat, sehr
bezeichnend für die höhere und feinere Bildung, welche diese Angelsachsen
in der Heimath pflegten und von da ins Frankenreich verpflanzten, galt
bisher die schöne Handschrift des Livius, welche er mitgebracht haben
sollte, und die jetzt zu den kostbarsten Schätzen der Wiener Hofbibliothek
gehört. Doch wird die Inschrift jetzt richtiger anders gelesen, die Bedeutung
der Handschrift aber ist nicht geringer, wenn sie aus der Utrechter Schule
Page 184
stammt[8]. Suitberts Biographie dagegen, angeblich von Liudgers Genossen
Marchelm oder Marcellinus verfaßt, ist ein grober Betrug späterer Zeit[9].
Unter den Sachsen predigten der weiße und der schwarze E w ald,
deren Lebensbeschreibung aus Beda entnommen, aber völlig sagenhaft
ist[10]. Später folgte ihnen L iaf wi n, jedoch erst um 770, nachdem
vielleicht schon mancher Glaubensbote vergeblich, und ohne das Andenken
seines Namens zu hinterlassen, versucht hatte, das starre Heidenthum der
alten Sachsen zu überwinden. Das Leben Liafwins, von Hu cbald von St.
Amand, ist nicht ohne Werth, aber doch erst in viel späterer Zeit, im
zehnten Jahrhundert verfaßt[11].
In Franken finden wir B u r char d, den Bonifaz zum ersten Bischof
von Würzburg weihte, wo S. Kilian mit seinen Genossen den Boden
bereitet hatte. Auch seine Lebensbeschreibung aber ist erst im 9. Jahrh. von
einem Würzburger Cleriker verfaßt und völlig werthlos; die wenigen
Thatsachen, welche darin berichtet werden, sind theils entstellt, theils mit
oder ohne Absicht erfunden[12].
Die erste wirklich gleichzeitige Lebensbeschreibung besitzen wir von
Wi nf r id, dem Stifter der neuen fränkischen Kirche, der alle die einzelnen
Pflanzungen seiner Vorgänger zusammenfaßte in eine mächtige
Organisation, und ihnen dadurch die Kraft zum dauernden Bestehen gab,
der zugleich die alte verfallene fränkische Landeskirche emporrichtete, und
so im Verein mit den karolingischen Herrschern das gewaltige Gebäude
aufführte, in dem die neu hervorsprießende geistige Bildung für viele
Jahrhunderte eine gesicherte Stätte finden sollte, mitten unter allen Stürmen
und Drangsalen der kampferfüllten Zeiten. Allein die Schilderung seines
Lebens und seiner Wirksamkeit liegt unserer Aufgabe fern; wir müssen uns
hier begnügen, auf die ausführliche Darstellung Rettbergs I, 331 ff. zu
verweisen, wo auch genauere Nachweisungen über seine Biographen zu
finden sind[13].
Marchelm oder Marcellinus verfaßt, ist ein grober Betrug späterer Zeit[9].
Unter den Sachsen predigten der weiße und der schwarze E w ald,
deren Lebensbeschreibung aus Beda entnommen, aber völlig sagenhaft
ist[10]. Später folgte ihnen L iaf wi n, jedoch erst um 770, nachdem
vielleicht schon mancher Glaubensbote vergeblich, und ohne das Andenken
seines Namens zu hinterlassen, versucht hatte, das starre Heidenthum der
alten Sachsen zu überwinden. Das Leben Liafwins, von Hu cbald von St.
Amand, ist nicht ohne Werth, aber doch erst in viel späterer Zeit, im
zehnten Jahrhundert verfaßt[11].
In Franken finden wir B u r char d, den Bonifaz zum ersten Bischof
von Würzburg weihte, wo S. Kilian mit seinen Genossen den Boden
bereitet hatte. Auch seine Lebensbeschreibung aber ist erst im 9. Jahrh. von
einem Würzburger Cleriker verfaßt und völlig werthlos; die wenigen
Thatsachen, welche darin berichtet werden, sind theils entstellt, theils mit
oder ohne Absicht erfunden[12].
Die erste wirklich gleichzeitige Lebensbeschreibung besitzen wir von
Wi nf r id, dem Stifter der neuen fränkischen Kirche, der alle die einzelnen
Pflanzungen seiner Vorgänger zusammenfaßte in eine mächtige
Organisation, und ihnen dadurch die Kraft zum dauernden Bestehen gab,
der zugleich die alte verfallene fränkische Landeskirche emporrichtete, und
so im Verein mit den karolingischen Herrschern das gewaltige Gebäude
aufführte, in dem die neu hervorsprießende geistige Bildung für viele
Jahrhunderte eine gesicherte Stätte finden sollte, mitten unter allen Stürmen
und Drangsalen der kampferfüllten Zeiten. Allein die Schilderung seines
Lebens und seiner Wirksamkeit liegt unserer Aufgabe fern; wir müssen uns
hier begnügen, auf die ausführliche Darstellung Rettbergs I, 331 ff. zu
verweisen, wo auch genauere Nachweisungen über seine Biographen zu
finden sind[13].
Page 185
Sein kirchlicher Name war B oni f ati us, ohne Zweifel von bonum
fatum abzuleiten, aber nach einer richtigen Bemerkung von Loofs scheinen
die Zeitgenossen den Namen vielmehr von bonum fari hergeleitet zu
haben[14]. Er besaß eine für jene Zeit hervorragende Bildung, und wir
besitzen noch von ihm eine Grammatik und Metrik[15], und nicht ohne
Geschick und Gewandtheit verfaßte Gedichte mit der Vorliebe für
Akrostichen und andere Spielereien, welche der Zeit und besonders seinen
Landsleuten eigen ist[16].
Von weit größerem Werthe für uns ist die Sammlung von Bonifazens
eigenen Briefen und den päbstlichen Schreiben an ihn[17]; aber auch die
bald nach seinem Tode, vielleicht noch zu Pippins Lebzeiten[18], sicher vor
786 verfaßte Biographie enthält schätzbare Nachrichten, und erhebt sich
weit über die früheren Leistungen der Art. Der Verfasser war ein Priester
Namens Wil li bal d, wohl ein Landsmann, der bei der Kirche St. Victor bei
Mainz lebte, und auf Veranlassung der Bischöfe Lullus von Mainz und
Megingoz von Würzburg seine Arbeit unternahm. Lullus besonders versah
ihn mit Nachrichten, so wie auch andere Schüler Winfrids, den Willibald
selbst nicht gekannt hatte. Dieser ist freilich hinter einer genügenden
Behandlung seiner großen Aufgabe zurückgeblieben; anfangs sorgfältig und
genau, scheint er bei der großartigen Entfaltung der Wirksamkeit seines
Helden, bei den verwickelteren politischen Verhältnissen unter Pippins
Regierung zu ermatten, er wird verwirrt und ungenau, übergeht gänzlich die
wichtigsten Vorfälle und eilt weiter zu dem Märtyrertode des Bonifaz[19],
bei welchem er in frommem Phrasenschwall verweilt. Aehnliche
Erscheinungen sind auch in Biographien der späteren Zeit häufig; wo ein
Bischof aus dem engen Kreise der Ascetik und bescheidener
Pastoraltugenden heraustritt, wo er als Staatsmann zu schildern war,
entzieht er sich dem Gesichtskreis seines Biographen. Hier aber ist der
Abstand der §§ 30-32 von Anfang und Ende so auffallend, namentlich auch
der Mangel aller bestimmten Angaben über Bonifatius Erhebung auf den
Mainzer Stuhl, die plötzlich als fertige Thatsache erwähnt wird, sowie über
die Stiftung des Klosters zu Fulda so unerklärlich, daß der Verdacht, Lullus
fatum abzuleiten, aber nach einer richtigen Bemerkung von Loofs scheinen
die Zeitgenossen den Namen vielmehr von bonum fari hergeleitet zu
haben[14]. Er besaß eine für jene Zeit hervorragende Bildung, und wir
besitzen noch von ihm eine Grammatik und Metrik[15], und nicht ohne
Geschick und Gewandtheit verfaßte Gedichte mit der Vorliebe für
Akrostichen und andere Spielereien, welche der Zeit und besonders seinen
Landsleuten eigen ist[16].
Von weit größerem Werthe für uns ist die Sammlung von Bonifazens
eigenen Briefen und den päbstlichen Schreiben an ihn[17]; aber auch die
bald nach seinem Tode, vielleicht noch zu Pippins Lebzeiten[18], sicher vor
786 verfaßte Biographie enthält schätzbare Nachrichten, und erhebt sich
weit über die früheren Leistungen der Art. Der Verfasser war ein Priester
Namens Wil li bal d, wohl ein Landsmann, der bei der Kirche St. Victor bei
Mainz lebte, und auf Veranlassung der Bischöfe Lullus von Mainz und
Megingoz von Würzburg seine Arbeit unternahm. Lullus besonders versah
ihn mit Nachrichten, so wie auch andere Schüler Winfrids, den Willibald
selbst nicht gekannt hatte. Dieser ist freilich hinter einer genügenden
Behandlung seiner großen Aufgabe zurückgeblieben; anfangs sorgfältig und
genau, scheint er bei der großartigen Entfaltung der Wirksamkeit seines
Helden, bei den verwickelteren politischen Verhältnissen unter Pippins
Regierung zu ermatten, er wird verwirrt und ungenau, übergeht gänzlich die
wichtigsten Vorfälle und eilt weiter zu dem Märtyrertode des Bonifaz[19],
bei welchem er in frommem Phrasenschwall verweilt. Aehnliche
Erscheinungen sind auch in Biographien der späteren Zeit häufig; wo ein
Bischof aus dem engen Kreise der Ascetik und bescheidener
Pastoraltugenden heraustritt, wo er als Staatsmann zu schildern war,
entzieht er sich dem Gesichtskreis seines Biographen. Hier aber ist der
Abstand der §§ 30-32 von Anfang und Ende so auffallend, namentlich auch
der Mangel aller bestimmten Angaben über Bonifatius Erhebung auf den
Mainzer Stuhl, die plötzlich als fertige Thatsache erwähnt wird, sowie über
die Stiftung des Klosters zu Fulda so unerklärlich, daß der Verdacht, Lullus
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Censurstriche möchten hier verwirrend und verstümmelnd eingewirkt
haben, kaum abzuweisen ist[20]. Auch der Streit über die Beerdigung des
Märtyrers in Mainz oder in Fulda ist mit keinem Wort berührt. Willibalds
Sprache ist noch weit entfernt von der Reinheit der karolingischen Latinität,
aber er bezeichnet doch schon den Anfang einer besseren Zeit; er hat in der
Schule seine Classiker gelesen, und sein Hauptfehler besteht darin, daß er
es zu gut machen will, daß er im Streben nach einem gewählten Stil in
Verkünstelung verfällt, während er doch in den Grundregeln der Grammatik
noch keineswegs sicher ist[21].
Von L ul l u s, Bonifatius Schüler und Nachfolger, besitzen wir
ebenfalls eine Biographie, in welcher kürzlich Holder-Egger ein Werk
Lamberts erkannt hat, und welche deshalb als solche später zu erwähnen
sein wird. Ihr geschichtlicher Werth ist unbedeutend[22].
Dagegen ist als ein merkwürdiges Denkmal dieser Zeit noch das Leben
der beiden Brüder Wil li bal d und Wynnebald zu nennen[23], verfaßt von
einer Nonne des Klosters Heidenheim, welches Wynnebald um 751 gestiftet
hatte und bis zu seinem Tode (19. Dec. 761) leitete, während Willibald 741
von Bonifaz zum ersten Bischof von Eichstedt geweiht war. Wie diese
Brüder, so stammte auch die Verfasserin, welche mit ihnen verwandt war,
aus England, von wo sie erst nach Wynnebalds Tod nach Heidenheim kam.
Ihr Werk zeigt uns, was auch aus Bonifatius Briefsammlung hervorgeht,
wie sehr lebhaft dort auch die Nonnen an den gelehrten Studien Antheil
nahmen. Freilich wurde auch sie, wie es leider so häufig vorkam, durch ihre
Gelehrsamkeit zu einer sehr gezierten und schwülstigen Schreibart verleitet
und vor fehlerhaftem Ausdruck nicht bewahrt; ja der Ausdruck ist, wie er in
der neuen Ausgabe nach der ältesten Handschrift hergestellt ist, sogar in
unglaublichem Maaße barbarisch, aber gelehrt barbarisch, d. h. mit
griechischen und anderen seltsamen Worten beladen. Den Hauptinhalt und
den werthvollsten Theil bildet in dem Leben Willibalds der Bericht über
seine Pilgerfahrt nach dem gelobten Lande, welcher darin besonders
hervortritt und den größten Raum einnimmt. Er ist offenbar nach den
haben, kaum abzuweisen ist[20]. Auch der Streit über die Beerdigung des
Märtyrers in Mainz oder in Fulda ist mit keinem Wort berührt. Willibalds
Sprache ist noch weit entfernt von der Reinheit der karolingischen Latinität,
aber er bezeichnet doch schon den Anfang einer besseren Zeit; er hat in der
Schule seine Classiker gelesen, und sein Hauptfehler besteht darin, daß er
es zu gut machen will, daß er im Streben nach einem gewählten Stil in
Verkünstelung verfällt, während er doch in den Grundregeln der Grammatik
noch keineswegs sicher ist[21].
Von L ul l u s, Bonifatius Schüler und Nachfolger, besitzen wir
ebenfalls eine Biographie, in welcher kürzlich Holder-Egger ein Werk
Lamberts erkannt hat, und welche deshalb als solche später zu erwähnen
sein wird. Ihr geschichtlicher Werth ist unbedeutend[22].
Dagegen ist als ein merkwürdiges Denkmal dieser Zeit noch das Leben
der beiden Brüder Wil li bal d und Wynnebald zu nennen[23], verfaßt von
einer Nonne des Klosters Heidenheim, welches Wynnebald um 751 gestiftet
hatte und bis zu seinem Tode (19. Dec. 761) leitete, während Willibald 741
von Bonifaz zum ersten Bischof von Eichstedt geweiht war. Wie diese
Brüder, so stammte auch die Verfasserin, welche mit ihnen verwandt war,
aus England, von wo sie erst nach Wynnebalds Tod nach Heidenheim kam.
Ihr Werk zeigt uns, was auch aus Bonifatius Briefsammlung hervorgeht,
wie sehr lebhaft dort auch die Nonnen an den gelehrten Studien Antheil
nahmen. Freilich wurde auch sie, wie es leider so häufig vorkam, durch ihre
Gelehrsamkeit zu einer sehr gezierten und schwülstigen Schreibart verleitet
und vor fehlerhaftem Ausdruck nicht bewahrt; ja der Ausdruck ist, wie er in
der neuen Ausgabe nach der ältesten Handschrift hergestellt ist, sogar in
unglaublichem Maaße barbarisch, aber gelehrt barbarisch, d. h. mit
griechischen und anderen seltsamen Worten beladen. Den Hauptinhalt und
den werthvollsten Theil bildet in dem Leben Willibalds der Bericht über
seine Pilgerfahrt nach dem gelobten Lande, welcher darin besonders
hervortritt und den größten Raum einnimmt. Er ist offenbar nach den
Page 187
Mittheilungen Willibalds am 23. Juni 778 über seine Pilgerfahrten und die
daran sich schließenden Umstände aufgezeichnet.
Nach Wynnebalds Tod übernahm seine Schwester Wal db urg a die
Leitung des Klosters zu Heidenheim, von welcher nur im neunten
Jahrhundert Wolfhard von Herrieden in dem Werk über ihre Wunder etwas
berichtet[24].
Zu diesem Kreise gehören ferner noch Wi gber t, den Bonifaz in
Fritzlar als Abt einsetzte, S ual o oder S olu s, und L eobg yth oder L i o ba,
die Aebtissin von Bischofsheim[25], deren Biographen Lupus von Ferrières
und Rudolf von Fulda später zu erwähnen sein werden.
[1] Ueber die Schreibart Baeda (die eben damals veraltende) s. H. Zimmer, NA. XVI,
599-601. Vgl. über ihn Ebert S. 634-650. Karl Werner, Beda der Ehrwürdige und
seine Zeit, Wien 1875. Cantor, Gesch. d. Mathematik I, 707-712. Schöll in Herzogs
Real-Encyclopädie. — Opera ed. Giles, Lond. 1843 ff. 12 Bände. Bd. 1-4 die
historischen Schriften. Chron. VI, 270 als c. 66. 67. von De temporum ratione. Opera
historica ed. Stevenson, 1841, 2 Bände; cura R. Hussey, Ox. 1846. Mon. hist. Brit.
(1848) p. 83-102 (Sexta aetas), p. 103-289 (Hist. eccl.). Migne XC-XCV. Hist. eccl.
ed. Holder 1882. Auszüge, Geschichtschr. VII, 1 bei Isidor, von Coste. G. Wetzel,
Die Chroniken des Beda (über seine Quellen und die Art ihrer Benutzung), Diss. Hal.
1878. Ueber die Continuatio Bedae von 731 bis 766, H. Hahn, Forsch. XX, 553-569.
Die Annales chronographi vetussi. SS. XIII, 716, schreibt Krusch ihm zu. NA. XI,
633.
[2] P. Ewald, Die älteste Biographie Gregors I. Hist. Aufsätze dem Andenken an G.
Waitz gewidmet (1886), S. 17-54.
[3] Vgl. Rettberg II, 509. Die Unechtheit der ihm zugeschriebenen Verse an den
Genter Abt Florbertus mit dem Epitaphium S. Bavonis←, mit Anklängen an
Boethius, hat Holder-Egger nachgewiesen, Waitz-Aufsätze S. 623-665. NA. XVI,
623.
[4] Rettberg II, 511. Daß jedoch Wilfrid nicht wider Willen an diese Küste
verschlagen wurde, bezeugt sein Schüler und Biograph A e d d e, genannt
S t e p h a n u s, bei Mab. IV, 1, 671. Wenn aber Alberdingk Thijm. H. Willibrordus S.
84 (deutsch S. 57) auch in der Missionspredigt unter den Friesen einen tief
angelegten Plan sieht, so findet das in den Quellen keine Bestätigung. Dagegen auch
Moll, Kerkgeschiedenis van Nederland, I, 87.
[5] Rettberg II, 513.
[6] Alcuini Vita S. Willibrordi ed. Wattenbach, nach Jaffé's Vorarbeit den älteren,
früher nicht benutzten Handschriften folgend, Bibl. VI, 32-79. Das metr. 2. Buch
daran sich schließenden Umstände aufgezeichnet.
Nach Wynnebalds Tod übernahm seine Schwester Wal db urg a die
Leitung des Klosters zu Heidenheim, von welcher nur im neunten
Jahrhundert Wolfhard von Herrieden in dem Werk über ihre Wunder etwas
berichtet[24].
Zu diesem Kreise gehören ferner noch Wi gber t, den Bonifaz in
Fritzlar als Abt einsetzte, S ual o oder S olu s, und L eobg yth oder L i o ba,
die Aebtissin von Bischofsheim[25], deren Biographen Lupus von Ferrières
und Rudolf von Fulda später zu erwähnen sein werden.
[1] Ueber die Schreibart Baeda (die eben damals veraltende) s. H. Zimmer, NA. XVI,
599-601. Vgl. über ihn Ebert S. 634-650. Karl Werner, Beda der Ehrwürdige und
seine Zeit, Wien 1875. Cantor, Gesch. d. Mathematik I, 707-712. Schöll in Herzogs
Real-Encyclopädie. — Opera ed. Giles, Lond. 1843 ff. 12 Bände. Bd. 1-4 die
historischen Schriften. Chron. VI, 270 als c. 66. 67. von De temporum ratione. Opera
historica ed. Stevenson, 1841, 2 Bände; cura R. Hussey, Ox. 1846. Mon. hist. Brit.
(1848) p. 83-102 (Sexta aetas), p. 103-289 (Hist. eccl.). Migne XC-XCV. Hist. eccl.
ed. Holder 1882. Auszüge, Geschichtschr. VII, 1 bei Isidor, von Coste. G. Wetzel,
Die Chroniken des Beda (über seine Quellen und die Art ihrer Benutzung), Diss. Hal.
1878. Ueber die Continuatio Bedae von 731 bis 766, H. Hahn, Forsch. XX, 553-569.
Die Annales chronographi vetussi. SS. XIII, 716, schreibt Krusch ihm zu. NA. XI,
633.
[2] P. Ewald, Die älteste Biographie Gregors I. Hist. Aufsätze dem Andenken an G.
Waitz gewidmet (1886), S. 17-54.
[3] Vgl. Rettberg II, 509. Die Unechtheit der ihm zugeschriebenen Verse an den
Genter Abt Florbertus mit dem Epitaphium S. Bavonis←, mit Anklängen an
Boethius, hat Holder-Egger nachgewiesen, Waitz-Aufsätze S. 623-665. NA. XVI,
623.
[4] Rettberg II, 511. Daß jedoch Wilfrid nicht wider Willen an diese Küste
verschlagen wurde, bezeugt sein Schüler und Biograph A e d d e, genannt
S t e p h a n u s, bei Mab. IV, 1, 671. Wenn aber Alberdingk Thijm. H. Willibrordus S.
84 (deutsch S. 57) auch in der Missionspredigt unter den Friesen einen tief
angelegten Plan sieht, so findet das in den Quellen keine Bestätigung. Dagegen auch
Moll, Kerkgeschiedenis van Nederland, I, 87.
[5] Rettberg II, 513.
[6] Alcuini Vita S. Willibrordi ed. Wattenbach, nach Jaffé's Vorarbeit den älteren,
früher nicht benutzten Handschriften folgend, Bibl. VI, 32-79. Das metr. 2. Buch
Page 188
auch bei Dümmler, Poet. Carol. I, 197-220. Ebert II, 25 bemerkt, daß das hexametr.
Gedicht über Willibrord nach XXXIII, 3 u. XXXIV, 32 schon früher verfaßt war. Die
eigenhändige Aufzeichnung Willibrords vom J. 728 über seine Weihe (ib. p. 46) ist
im Pariser cod. Lat. 10837 (Suppl. 1680). NA. II, 293. Facs. einer Schriftseite des
Martyrol. Acta SS. Apr. II, Propyl. Tab. II. Auch das Evangeliar Suppl. lat. 693 soll
von ihm mitgebracht sein, Waagen, Kunstwerke in Paris S. 241, Facs. Hist. de
l'Imprimerie (Livre d'or des métiers) p. 12. Alberdingk Thijm, H. Willibrordus,
Apostel der Nederlanden, Amsterd. und Brüssel 1861 (Deutsch mit Zusätzen von Dr.
Troß in Hamm, Münster 1863) sucht einen Gegensatz zwischen Willibrord als
Vorkämpfer der auf Errichtung einer unabhängigen deutschen Kirche gerichteten
Politik der Päbste, und den egoistischen fränkischen Missionsbestrebungen
nachzuweisen im Anschluß an Gfrörer, wofür ich in den Quellen keine Begründung
finden kann. Vgl. Moll I, 95-118. Hauck I, 396-409.
[7] MG. SS. XXIII, 30-38, Auszüge aus dem prächtigen, dem Erzb. Bruno von Trier
(1102-1124) gewidmeten Codex, jetzt in Gotha (diese Stelle S. 11). Die metr.
Bearbeitung ist von R. Decker im Progr. d. k. Gymn. zu Trier 1880/1, und mit
Benutzung d. Goth. Hs. von K. Roßberg, L. 83 herausgegeben.
[8] Mommsen et Studemund, Analecta Liviana (1873) p. 7 et tab. IV. Gitlbauer de
cod. Liv. Vindobonensi, Vind. 1876.
[9] S. Rettberg II, 396. Bouterwek, Swidbert der Apostel des Bergischen Landes,
Elberf. 1859.
[10] Rettberg II, 397. Ueber den Ort des Todes Dr. Troß bei Alberdingk Thijm, S.
217-223. Lohoff, Krit. Untersuchungen der Geschichte der beiden Ewalde unter bes.
Berücksichtigung der Aplenbecker Tradition (Beiträge z. Gesch. Dortmunds, I,
1875).
[11] Rettberg II, 405; vgl. unten → § 15. III, → § 10.
[12] Rettberg II, 314. Ausg. Mab. III, 1, 700. Acta SS. Oct. VI, 573. MG. SS. XV, 43-
50 mit Auszügen aus der jüngeren Vita, von Holder-Egger.
[13] Dazu kommen nun u. a. die Jahrbücher des fränk. Reichs unter Pippin v. Hahn u.
Oelsner. Vgl. C. Will, Regesten d. Mainzer Erzbb. I. Ebert S. 650-659. Hauck I, 410-
546. Die schöne Charakteristik bei Moll I, 141 berührt wohlthuend, gegenüber den
zur Mode gewordenen unwürdigen und unhistorischen Angriffen auf ihn. — Opera
ed. Giles, Lond. 1844, 2 Bde. Külb, Sämmtl. Schriften übers. u. erl. 1859. 2 Bde.
Nürnberger, Zur handschr. Ueberlieferung d. Werke, NA. VIII, 299-325. Aus der litt.
Hinterlassenschaft des h. Bon. u. des h. Burchard. 24. Bericht d. Philomathie in
Neisse, 1888. Beitr. zu d. Schriften des h. Bon. Röm. Quartalschrift V, 28 ff.
Vielleicht von Bonif. Hand sind die Glossen zur Ep. Jacobi im Cod. Fuld. ed. E.
Ranke 1868, cf. dess. Specimen Cod. Fuld. zum Berl. Jubil. 1860. (Facs. der
Glossen). Gegen die Echtheit der Sermones Scherer, Denkmäler (1864) S. 144. H.
Hahn. Forsch. XXIV, 583-625; für dieselbe Nürnberger, NA. XIV, 109-134.
Steinmeyer, 3. Ausg. II, 328, f. d. Unechtheit.
[14] C. Will, Hist. pol. Bl. LXXVIII, Heft 4. Regesten S. V. W. Schmitz, Beitr. z. Lat.
Sprach-u. Litt.-Kunde (1877) S. 141. Loofs, Zeitschr. f. Kirchengesch. V, Heft 4.
[15] Ars gramm. bei A. Mai, Auctt. class. VII, 475-548; vgl. Bursian in d. Münch.
SB. 1873 S. 457-460.
[16] Hierüber s. Dümmler, NA. IV, 98-101, und die Ausg. Poet. Carol. I, 1-19, vgl. II,
687.
[17] Diese überaus wichtige, auch über B.'s Zeit hinausreichende Sammlung liegt
jetzt in der ersten kritischen Ausgabe von Jaffé vor, Bibl. III, 8-315; eine neue von
Gedicht über Willibrord nach XXXIII, 3 u. XXXIV, 32 schon früher verfaßt war. Die
eigenhändige Aufzeichnung Willibrords vom J. 728 über seine Weihe (ib. p. 46) ist
im Pariser cod. Lat. 10837 (Suppl. 1680). NA. II, 293. Facs. einer Schriftseite des
Martyrol. Acta SS. Apr. II, Propyl. Tab. II. Auch das Evangeliar Suppl. lat. 693 soll
von ihm mitgebracht sein, Waagen, Kunstwerke in Paris S. 241, Facs. Hist. de
l'Imprimerie (Livre d'or des métiers) p. 12. Alberdingk Thijm, H. Willibrordus,
Apostel der Nederlanden, Amsterd. und Brüssel 1861 (Deutsch mit Zusätzen von Dr.
Troß in Hamm, Münster 1863) sucht einen Gegensatz zwischen Willibrord als
Vorkämpfer der auf Errichtung einer unabhängigen deutschen Kirche gerichteten
Politik der Päbste, und den egoistischen fränkischen Missionsbestrebungen
nachzuweisen im Anschluß an Gfrörer, wofür ich in den Quellen keine Begründung
finden kann. Vgl. Moll I, 95-118. Hauck I, 396-409.
[7] MG. SS. XXIII, 30-38, Auszüge aus dem prächtigen, dem Erzb. Bruno von Trier
(1102-1124) gewidmeten Codex, jetzt in Gotha (diese Stelle S. 11). Die metr.
Bearbeitung ist von R. Decker im Progr. d. k. Gymn. zu Trier 1880/1, und mit
Benutzung d. Goth. Hs. von K. Roßberg, L. 83 herausgegeben.
[8] Mommsen et Studemund, Analecta Liviana (1873) p. 7 et tab. IV. Gitlbauer de
cod. Liv. Vindobonensi, Vind. 1876.
[9] S. Rettberg II, 396. Bouterwek, Swidbert der Apostel des Bergischen Landes,
Elberf. 1859.
[10] Rettberg II, 397. Ueber den Ort des Todes Dr. Troß bei Alberdingk Thijm, S.
217-223. Lohoff, Krit. Untersuchungen der Geschichte der beiden Ewalde unter bes.
Berücksichtigung der Aplenbecker Tradition (Beiträge z. Gesch. Dortmunds, I,
1875).
[11] Rettberg II, 405; vgl. unten → § 15. III, → § 10.
[12] Rettberg II, 314. Ausg. Mab. III, 1, 700. Acta SS. Oct. VI, 573. MG. SS. XV, 43-
50 mit Auszügen aus der jüngeren Vita, von Holder-Egger.
[13] Dazu kommen nun u. a. die Jahrbücher des fränk. Reichs unter Pippin v. Hahn u.
Oelsner. Vgl. C. Will, Regesten d. Mainzer Erzbb. I. Ebert S. 650-659. Hauck I, 410-
546. Die schöne Charakteristik bei Moll I, 141 berührt wohlthuend, gegenüber den
zur Mode gewordenen unwürdigen und unhistorischen Angriffen auf ihn. — Opera
ed. Giles, Lond. 1844, 2 Bde. Külb, Sämmtl. Schriften übers. u. erl. 1859. 2 Bde.
Nürnberger, Zur handschr. Ueberlieferung d. Werke, NA. VIII, 299-325. Aus der litt.
Hinterlassenschaft des h. Bon. u. des h. Burchard. 24. Bericht d. Philomathie in
Neisse, 1888. Beitr. zu d. Schriften des h. Bon. Röm. Quartalschrift V, 28 ff.
Vielleicht von Bonif. Hand sind die Glossen zur Ep. Jacobi im Cod. Fuld. ed. E.
Ranke 1868, cf. dess. Specimen Cod. Fuld. zum Berl. Jubil. 1860. (Facs. der
Glossen). Gegen die Echtheit der Sermones Scherer, Denkmäler (1864) S. 144. H.
Hahn. Forsch. XXIV, 583-625; für dieselbe Nürnberger, NA. XIV, 109-134.
Steinmeyer, 3. Ausg. II, 328, f. d. Unechtheit.
[14] C. Will, Hist. pol. Bl. LXXVIII, Heft 4. Regesten S. V. W. Schmitz, Beitr. z. Lat.
Sprach-u. Litt.-Kunde (1877) S. 141. Loofs, Zeitschr. f. Kirchengesch. V, Heft 4.
[15] Ars gramm. bei A. Mai, Auctt. class. VII, 475-548; vgl. Bursian in d. Münch.
SB. 1873 S. 457-460.
[16] Hierüber s. Dümmler, NA. IV, 98-101, und die Ausg. Poet. Carol. I, 1-19, vgl. II,
687.
[17] Diese überaus wichtige, auch über B.'s Zeit hinausreichende Sammlung liegt
jetzt in der ersten kritischen Ausgabe von Jaffé vor, Bibl. III, 8-315; eine neue von
Page 189
Dümmler ist bald zu erwarten. Vgl. Forsch. X, 397-426 gegen die chronolog.
Behauptungen Dünzelmanns in seiner Gött. Diss. von 1869. Dieser hält jedoch einen
Theil derselben, und vorzüglich die grundsätzliche Annahme willkürlicher Zufügung
der Daten, aufrecht, und erklärt einige der Briefe für Stilübungen, Forsch. XIII, 1-32.
H. Hahn, Noch einmal die Briefe und Synoden des Bonifaz, Forsch. XV, 43-124. Ein
übersehener Brief des P. Zacharias, NA. I, 580-583, berichtigt von Loewenfeld, ib.
IV, 173-175. Hahn, Ueber einige Briefe d. Bonif. Sammlung mit unbest. Adr. Forsch.
XXI, 383-400. Hahn, Bonifaz u. Lul. Ihre angels. Correspondenten, 1883. Loofs, Zur
Chronol. der auf d. fränk. Synoden bezügl. Briefe, Leipz. Diss. 1881, vgl. NA. VII.
418. P. Ewald üb. die Fragmente in d. Brit. u. a. Canonensammlungen, NA. V, 284-
295. Nürnberger, Verlorene Hss. der Briefe, NA. VII, 353-381. Die Bonif. Litt. der
Magdeb. Centuriatoren ib. XI, 9-41. P. Ewald, Susanna u. Brannlinde, Deutung der
chiffrirten Namen, NA. VII, 196-198. Dagegen Diekamp in d. Beschr. d. Wiener Hs.
ib. IX, 9-28. Hahn, Die Namen der Briefe im Liber eccl. Dunelm. NA. XII, 109-127.
[18] Dagegen L. Oelsner, Jahrb. S. 490.
[19] Nach der seit Rettberg herkömmlichen Annahme am 5. Juni 755. Sickels und
Oelsners Meinung, daß 754 das richtige Jahr sei, wird mit sehr erheblichen Gründen
bekämpft von C. Will in d. Tüb. theol. Quartalschrift 1873 S. 510-533, worauf er
auch in den Regesten der Mainzer Erzbischöfe S. 30 verweist.
[20] Vgl. die Einleitung B. Simsons zur Uebersetzung. Die Feindschaft zwischen den
Fuldern und Lull, dem Gründer von Hersfeld, ist bekannt; bei Arndt, zur
Uebersetzung der V. Bonif. S. 130, ist das Privilegium des Pabstes Zacharias für
Fulda aus der Bonifazischen Briefsammlung mitgetheilt und wahrscheinlich
gemacht, daß aus dem Mainzer Exemplar dasselbe ausgeschnitten ist. Ohne Kenntniß
hiervon erweist Th. Sickel die Echtheit jener Bulle in den Beiträgen zur Diplomatik
IV, 47-73. Vgl. Bibl. III, 228. Oelsner, Jahrbb. S. 487. Hahn, Forsch. XV, 87. Ewald,
Regesta Pontiff. 2293. — Im Prolog hat Willibald die Epistola Victurii benutzt nach
Br. Krusch, NA. IV, 171.
[21] Ausgabe von Pertz, MG. SS. II, 331-353. Uebersetzungen von H. E. Bonnell,
Berl. 1856. 8. Külb, Sämmtliche Schriften des heiligen Bonifacius übersetzt,
Regensb. 1859; von B. Simson und von W. Arndt, 1863 (diese Geschichtschr. 13.
VIII, 2. in neuer Ausgabe), beide mit berichtigter Abtheilung der Capitel, jene mit
sorgfältigem Commentar, Arndt mit Benutzung der ältesten Münchener (Freisinger)
Handschrift. Nach dieser, grammatisch fehlerhaftesten, und der einsichtig corrigirten
Reichenauer von Reginbert, hat Jaffé seine neue Ausgabe gemacht, Bibl. III, 422-
471. Es folgen hier noch die Mainzer Passio und Auszüge aus Othloh und dem Presb.
Ultraiectinus. Eine verkürzte Ueberarbeitung, irrig für älter gehalten, ist in den
Analecta Bollandiana abgedruckt, s. Waitz, NA. VIII, 169-171. Eine interpolierte
Legende, deren Angabe über die Stiftung der Kirche zu Hameln mit neuen
Erweiterungen in die Hämelsche Chronik des Johann von Pohle übergegangen ist, hat
O. Meinardus in der Zeitschr. d. hist. V. f. Niedersachsen 1882 herausgegeben.
Nürnberger, Disquisitt. crit. im Progr. d. Bresl. Matthias-Gymn. 1892.
[22] S. über ihn vorzüglich das oben angeführte Werk von Hahn, Bonif. u. Lull,
1883. Ueber ein vielleicht von ihm selbst verfaßtes Epitaphium Forsch. XXII, 423;
NA. VIII, 225. Ein nach der in Marburg wiedergefundenen Hs. wesentlich
verbesserter Text Forsch. XXV, 177.
[23] So die authentische Form. Die älteren Ausgaben sind unbrauchbar neben der
neuen von Holder-Egger, SS. XV. 80-117.
[24] Excerpta ed. Holder-Egger, SS. XV, 535-555.
Behauptungen Dünzelmanns in seiner Gött. Diss. von 1869. Dieser hält jedoch einen
Theil derselben, und vorzüglich die grundsätzliche Annahme willkürlicher Zufügung
der Daten, aufrecht, und erklärt einige der Briefe für Stilübungen, Forsch. XIII, 1-32.
H. Hahn, Noch einmal die Briefe und Synoden des Bonifaz, Forsch. XV, 43-124. Ein
übersehener Brief des P. Zacharias, NA. I, 580-583, berichtigt von Loewenfeld, ib.
IV, 173-175. Hahn, Ueber einige Briefe d. Bonif. Sammlung mit unbest. Adr. Forsch.
XXI, 383-400. Hahn, Bonifaz u. Lul. Ihre angels. Correspondenten, 1883. Loofs, Zur
Chronol. der auf d. fränk. Synoden bezügl. Briefe, Leipz. Diss. 1881, vgl. NA. VII.
418. P. Ewald üb. die Fragmente in d. Brit. u. a. Canonensammlungen, NA. V, 284-
295. Nürnberger, Verlorene Hss. der Briefe, NA. VII, 353-381. Die Bonif. Litt. der
Magdeb. Centuriatoren ib. XI, 9-41. P. Ewald, Susanna u. Brannlinde, Deutung der
chiffrirten Namen, NA. VII, 196-198. Dagegen Diekamp in d. Beschr. d. Wiener Hs.
ib. IX, 9-28. Hahn, Die Namen der Briefe im Liber eccl. Dunelm. NA. XII, 109-127.
[18] Dagegen L. Oelsner, Jahrb. S. 490.
[19] Nach der seit Rettberg herkömmlichen Annahme am 5. Juni 755. Sickels und
Oelsners Meinung, daß 754 das richtige Jahr sei, wird mit sehr erheblichen Gründen
bekämpft von C. Will in d. Tüb. theol. Quartalschrift 1873 S. 510-533, worauf er
auch in den Regesten der Mainzer Erzbischöfe S. 30 verweist.
[20] Vgl. die Einleitung B. Simsons zur Uebersetzung. Die Feindschaft zwischen den
Fuldern und Lull, dem Gründer von Hersfeld, ist bekannt; bei Arndt, zur
Uebersetzung der V. Bonif. S. 130, ist das Privilegium des Pabstes Zacharias für
Fulda aus der Bonifazischen Briefsammlung mitgetheilt und wahrscheinlich
gemacht, daß aus dem Mainzer Exemplar dasselbe ausgeschnitten ist. Ohne Kenntniß
hiervon erweist Th. Sickel die Echtheit jener Bulle in den Beiträgen zur Diplomatik
IV, 47-73. Vgl. Bibl. III, 228. Oelsner, Jahrbb. S. 487. Hahn, Forsch. XV, 87. Ewald,
Regesta Pontiff. 2293. — Im Prolog hat Willibald die Epistola Victurii benutzt nach
Br. Krusch, NA. IV, 171.
[21] Ausgabe von Pertz, MG. SS. II, 331-353. Uebersetzungen von H. E. Bonnell,
Berl. 1856. 8. Külb, Sämmtliche Schriften des heiligen Bonifacius übersetzt,
Regensb. 1859; von B. Simson und von W. Arndt, 1863 (diese Geschichtschr. 13.
VIII, 2. in neuer Ausgabe), beide mit berichtigter Abtheilung der Capitel, jene mit
sorgfältigem Commentar, Arndt mit Benutzung der ältesten Münchener (Freisinger)
Handschrift. Nach dieser, grammatisch fehlerhaftesten, und der einsichtig corrigirten
Reichenauer von Reginbert, hat Jaffé seine neue Ausgabe gemacht, Bibl. III, 422-
471. Es folgen hier noch die Mainzer Passio und Auszüge aus Othloh und dem Presb.
Ultraiectinus. Eine verkürzte Ueberarbeitung, irrig für älter gehalten, ist in den
Analecta Bollandiana abgedruckt, s. Waitz, NA. VIII, 169-171. Eine interpolierte
Legende, deren Angabe über die Stiftung der Kirche zu Hameln mit neuen
Erweiterungen in die Hämelsche Chronik des Johann von Pohle übergegangen ist, hat
O. Meinardus in der Zeitschr. d. hist. V. f. Niedersachsen 1882 herausgegeben.
Nürnberger, Disquisitt. crit. im Progr. d. Bresl. Matthias-Gymn. 1892.
[22] S. über ihn vorzüglich das oben angeführte Werk von Hahn, Bonif. u. Lull,
1883. Ueber ein vielleicht von ihm selbst verfaßtes Epitaphium Forsch. XXII, 423;
NA. VIII, 225. Ein nach der in Marburg wiedergefundenen Hs. wesentlich
verbesserter Text Forsch. XXV, 177.
[23] So die authentische Form. Die älteren Ausgaben sind unbrauchbar neben der
neuen von Holder-Egger, SS. XV. 80-117.
[24] Excerpta ed. Holder-Egger, SS. XV, 535-555.
Page 190
[25] Nach Link im Klosterbuch der Diöcese Würzburg (1876) II, 538 bis 545
unzweifelhaft Tauberbischofsheim.
unzweifelhaft Tauberbischofsheim.
Page 191
§ 3. Die Annalen. [ ← ]
In dem Abschnitte, bei welchem wir jetzt verweilen, in den Anfängen
der karolingischen Periode, beginnt zuerst ein Zweig der
Geschichtschreibung ans Licht zu treten, welcher sich aus den
unscheinbarsten Anfängen zu einer wahren Kunstform entwickelte, und
dem wir großentheils die festen Grundlagen der älteren Geschichte des
Mittelalters verdanken, nämlich die Jahrzeitbücher oder Annalen.
Augenscheinlich durch die Mission veranlaßt, kommen sie jetzt an
verschiedenen Orten zum Vorschein. Es bedurfte eben keiner neuen
Erfindung, um Jahr für Jahr die wichtigsten Ereignisse gleichzeitig mit
wenigen Worten aufzuzeichnen; wir haben ähnliches schon aus der
römischen Zeit zu erwähnen gehabt, und es mag auch hin und wieder im
merowingischen Reiche geschehen sein, aber erhalten haben sich keine
Beispiele davon. Einst hatten die Verzeichnisse der Consuln den
passendsten Raum dazu dargeboten, jetzt waren es die überall verbreiteten
Ostertafeln, deren Rand schon von selbst dazu aufforderte, neben der
Jahreszahl kurze Nachrichten einzutragen. Wir finden diese
Aufzeichnungen zuerst in England, und die Missionare, denen Beda's
Ostertafeln wohl selten fehlten, behielten die heimische Sitte bei. Mit den
Ostertafeln selbst wurden nun auch die Randbemerkungen abgeschrieben,
und gingen so von einem Kloster ins andere über; bald fing man an darauf
Werth zu legen, schrieb die noch ganz kurzen und mageren, völlig
formlosen Annalen auch abgesondert ab, setzte sie fort, verband sie mit
anderen, und machte sich endlich auch an die Arbeit, die dürftige Kunde
über die frühere Vorzeit durch Benutzung anderer Quellen, aus
Schriftstellern aller Art, aus der Sage und gelehrter Berechnung zu
ergänzen.
Daraus ergiebt sich nun, wie verschiedenartig, von wie ungleichem
Werthe der Stoff ist, welchen diese Jahrbücher uns darbieten. Vielfache
Fehler konnten schon beim Abschreiben nicht ausbleiben. Der Rand der
In dem Abschnitte, bei welchem wir jetzt verweilen, in den Anfängen
der karolingischen Periode, beginnt zuerst ein Zweig der
Geschichtschreibung ans Licht zu treten, welcher sich aus den
unscheinbarsten Anfängen zu einer wahren Kunstform entwickelte, und
dem wir großentheils die festen Grundlagen der älteren Geschichte des
Mittelalters verdanken, nämlich die Jahrzeitbücher oder Annalen.
Augenscheinlich durch die Mission veranlaßt, kommen sie jetzt an
verschiedenen Orten zum Vorschein. Es bedurfte eben keiner neuen
Erfindung, um Jahr für Jahr die wichtigsten Ereignisse gleichzeitig mit
wenigen Worten aufzuzeichnen; wir haben ähnliches schon aus der
römischen Zeit zu erwähnen gehabt, und es mag auch hin und wieder im
merowingischen Reiche geschehen sein, aber erhalten haben sich keine
Beispiele davon. Einst hatten die Verzeichnisse der Consuln den
passendsten Raum dazu dargeboten, jetzt waren es die überall verbreiteten
Ostertafeln, deren Rand schon von selbst dazu aufforderte, neben der
Jahreszahl kurze Nachrichten einzutragen. Wir finden diese
Aufzeichnungen zuerst in England, und die Missionare, denen Beda's
Ostertafeln wohl selten fehlten, behielten die heimische Sitte bei. Mit den
Ostertafeln selbst wurden nun auch die Randbemerkungen abgeschrieben,
und gingen so von einem Kloster ins andere über; bald fing man an darauf
Werth zu legen, schrieb die noch ganz kurzen und mageren, völlig
formlosen Annalen auch abgesondert ab, setzte sie fort, verband sie mit
anderen, und machte sich endlich auch an die Arbeit, die dürftige Kunde
über die frühere Vorzeit durch Benutzung anderer Quellen, aus
Schriftstellern aller Art, aus der Sage und gelehrter Berechnung zu
ergänzen.
Daraus ergiebt sich nun, wie verschiedenartig, von wie ungleichem
Werthe der Stoff ist, welchen diese Jahrbücher uns darbieten. Vielfache
Fehler konnten schon beim Abschreiben nicht ausbleiben. Der Rand der
Page 192
Ostertafeln hatte häufig nicht ausgereicht; dann waren Bemerkungen unten,
oben, an verschiedenen Stellen nachgetragen[1], durch Zeichen auf das
betreffende Jahr bezogen, und oft ist es selbst, wenn das Original noch
erhalten ist, schwer sich darin zurecht zu finden. Gedankenlose Abschreiber
haben dann nicht selten die allergrößte Verwirrung angerichtet, zuweilen
gar die Jahreszahlen ganz fortgelassen[2].
Um diese Annalen also mit Sicherheit benutzen zu können, um an
ihnen wirklich eine zuverlässige Grundlage für die Zeitrechnung zu
gewinnen, kommt natürlich alles darauf an, ihre Herstammung und Abkunft
zu erforschen, spätere Zusätze auszuscheiden, ihrem Ursprung so nahe wie
möglich zu kommen, wenn man nicht das Original selbst noch aufzufinden
vermag.
Das ist es, was für die gesammte Masse der Annalen aus
karolingischer Zeit zum ersten Male von Pertz im ersten Bande der
Monumenta geleistet worden ist, und zwar in so ausgezeichneter Weise und
mit so umfassender Benutzung des bis dahin bekannt gewordenen
handschriftlichen und gedruckten Materials, daß hier für alle weiteren
Forschungen die sicherste Grundlage gegeben ist[3].
Es ist jedoch gleich hier auf eine Unterscheidung hinzuweisen, welche
erst durch die fortgesetzte Beschäftigung mit dieser eigenthümlichen Form
der Geschichtschreibung sich immer deutlicher herausgestellt hat. Zu
allgemein hat man anfangs, von späteren Zuständen rückschließend, die
Klöster für die Ursprungstätte dieser Aufzeichnungen angesehen; man
suchte in allen Annalen nach localen Andeutungen, welche in irgend ein
Kloster führen. Auch giebt es wirklich viele Annalen, welche sich dazu
eignen; sie verbinden in buntem Gemisch die Hausgeschichte mit Vorfällen
von allgemeinerer Bedeutung, die aber in diesem Falle keine
zusammenhängende Folge darstellen. Findet sich dagegen eine
Reichsgeschichte, welche, wenn auch noch so dürftig, doch das Bestreben
nach vollständiger Mittheilung dessen zeigt, was vom Mittelpunkt aus
oben, an verschiedenen Stellen nachgetragen[1], durch Zeichen auf das
betreffende Jahr bezogen, und oft ist es selbst, wenn das Original noch
erhalten ist, schwer sich darin zurecht zu finden. Gedankenlose Abschreiber
haben dann nicht selten die allergrößte Verwirrung angerichtet, zuweilen
gar die Jahreszahlen ganz fortgelassen[2].
Um diese Annalen also mit Sicherheit benutzen zu können, um an
ihnen wirklich eine zuverlässige Grundlage für die Zeitrechnung zu
gewinnen, kommt natürlich alles darauf an, ihre Herstammung und Abkunft
zu erforschen, spätere Zusätze auszuscheiden, ihrem Ursprung so nahe wie
möglich zu kommen, wenn man nicht das Original selbst noch aufzufinden
vermag.
Das ist es, was für die gesammte Masse der Annalen aus
karolingischer Zeit zum ersten Male von Pertz im ersten Bande der
Monumenta geleistet worden ist, und zwar in so ausgezeichneter Weise und
mit so umfassender Benutzung des bis dahin bekannt gewordenen
handschriftlichen und gedruckten Materials, daß hier für alle weiteren
Forschungen die sicherste Grundlage gegeben ist[3].
Es ist jedoch gleich hier auf eine Unterscheidung hinzuweisen, welche
erst durch die fortgesetzte Beschäftigung mit dieser eigenthümlichen Form
der Geschichtschreibung sich immer deutlicher herausgestellt hat. Zu
allgemein hat man anfangs, von späteren Zuständen rückschließend, die
Klöster für die Ursprungstätte dieser Aufzeichnungen angesehen; man
suchte in allen Annalen nach localen Andeutungen, welche in irgend ein
Kloster führen. Auch giebt es wirklich viele Annalen, welche sich dazu
eignen; sie verbinden in buntem Gemisch die Hausgeschichte mit Vorfällen
von allgemeinerer Bedeutung, die aber in diesem Falle keine
zusammenhängende Folge darstellen. Findet sich dagegen eine
Reichsgeschichte, welche, wenn auch noch so dürftig, doch das Bestreben
nach vollständiger Mittheilung dessen zeigt, was vom Mittelpunkt aus
Page 193
gesehen das ganze Reich betrifft, so wird man den Ursprung schwerlich in
einem Kloster zu suchen haben, und wenn hin und wieder eine locale Notiz
sich findet, ist sie wahrscheinlich, oft nachweisbar, einer Abschrift
zugesetzt. Den Klöstern lag ein solcher Gesichtspunkt ursprünglich ganz
fern, während der Hof damals noch wirklich den lebendigen Mittelpunkt
des Reiches bildete, an dessen Bewegungen und Heerfahrten auch die
Bischöfe mit ihren Caplänen fortwährend sich betheiligen mußten. Die
Aebte aber, welche in denselben Strudel hineingezogen wurden, waren
entweder geradezu Laienäbte, oder sie entfremdeten sich doch durch solch
unklösterliches Leben der Genossenschaft der Mönche. Es hat freilich
neuerdings H. v. Sybel für die klösterliche Herkunft von neuem das Wort
ergriffen[4], und namentlich behauptet, daß man, was in den sog.
Königsannalen steht, im Kloster Lorsch recht gut in Erfahrung bringen
konnte. Ich gebe das gerne zu, kann mir aber nicht vorstellen, daß schon im
achten Jahrhundert der Sinn der Mönche in so hohem Grade den weltlichen
Dingen zugewandt war, was doch auch später nur ausnahmsweise der Fall
gewesen ist. Nur für wenige Klöster hatten die jährlichen Feldzüge ein
unmittelbares Interesse.
Es hatte nun wohl den Anschein, als ob man die allmähliche
Entstehung der geschichtlichen Ueberlieferung aus den unscheinbarsten
Anfängen, die Verbindung verschiedener Aufzeichnungen und ihre nun
schon besser gelungene Fortführung deutlich vor Augen habe; man glaubte
eben jene ersten Anfänge in ursprünglicher Gestalt zu besitzen, und
bezweifelte, daß es in jener Zeit des wenig federfertigen achten
Jahrhunderts viel mehr und bessere Aufzeichnungen gegeben habe, als uns
noch jetzt vorliegen. Allein die fortgesetzte Beschäftigung mit diesen
Annalen zeigt in so hohem Grade Uebereinstimmung derselben in vielen
Notizen, während doch andere Sätze sich nur in dem einen Exemplar,
zugleich jedoch in anderen ganz entlegenen Annalen finden, auch Spuren
alter guter Ueberlieferung, die plötzlich in jüngeren Compilationen
auftauchen, daß hier, wie in manchen Fällen aus späterer Zeit, kein anderer
Ausweg möglich zu bleiben scheint, als die Annahme verlorener
einem Kloster zu suchen haben, und wenn hin und wieder eine locale Notiz
sich findet, ist sie wahrscheinlich, oft nachweisbar, einer Abschrift
zugesetzt. Den Klöstern lag ein solcher Gesichtspunkt ursprünglich ganz
fern, während der Hof damals noch wirklich den lebendigen Mittelpunkt
des Reiches bildete, an dessen Bewegungen und Heerfahrten auch die
Bischöfe mit ihren Caplänen fortwährend sich betheiligen mußten. Die
Aebte aber, welche in denselben Strudel hineingezogen wurden, waren
entweder geradezu Laienäbte, oder sie entfremdeten sich doch durch solch
unklösterliches Leben der Genossenschaft der Mönche. Es hat freilich
neuerdings H. v. Sybel für die klösterliche Herkunft von neuem das Wort
ergriffen[4], und namentlich behauptet, daß man, was in den sog.
Königsannalen steht, im Kloster Lorsch recht gut in Erfahrung bringen
konnte. Ich gebe das gerne zu, kann mir aber nicht vorstellen, daß schon im
achten Jahrhundert der Sinn der Mönche in so hohem Grade den weltlichen
Dingen zugewandt war, was doch auch später nur ausnahmsweise der Fall
gewesen ist. Nur für wenige Klöster hatten die jährlichen Feldzüge ein
unmittelbares Interesse.
Es hatte nun wohl den Anschein, als ob man die allmähliche
Entstehung der geschichtlichen Ueberlieferung aus den unscheinbarsten
Anfängen, die Verbindung verschiedener Aufzeichnungen und ihre nun
schon besser gelungene Fortführung deutlich vor Augen habe; man glaubte
eben jene ersten Anfänge in ursprünglicher Gestalt zu besitzen, und
bezweifelte, daß es in jener Zeit des wenig federfertigen achten
Jahrhunderts viel mehr und bessere Aufzeichnungen gegeben habe, als uns
noch jetzt vorliegen. Allein die fortgesetzte Beschäftigung mit diesen
Annalen zeigt in so hohem Grade Uebereinstimmung derselben in vielen
Notizen, während doch andere Sätze sich nur in dem einen Exemplar,
zugleich jedoch in anderen ganz entlegenen Annalen finden, auch Spuren
alter guter Ueberlieferung, die plötzlich in jüngeren Compilationen
auftauchen, daß hier, wie in manchen Fällen aus späterer Zeit, kein anderer
Ausweg möglich zu bleiben scheint, als die Annahme verlorener
Page 194
Aufzeichnungen, aus welchen nur Excerpte uns vorliegen; wir besitzen nur
Bruchstücke einer einst vorhanden gewesenen reicheren Litteratur, die wir
uns aber doch hüten müssen, uns zu bedeutend vorzustellen. Große Vorsicht
ist hier nothwendig, und eben diese Vorsicht vermisse ich bei Is. Bernays[5],
dessen Zusammenstellungen häufig gerade den entgegengesetzten Eindruck
machen, indem nur die notorischen Thatsachen übereinstimmen, im
Ausdruck aber die größtmögliche Verschiedenheit geradezu aufgesucht sein
müßte. Weit vorsichtiger dagegen ist R. Arnold[6] verfahren, und doch
scheint auch dessen Annahme von Hofannalen von 771 oder 772 an eine
unbegründete zu sein, indem ihr von Waitz[7] die erheblichsten Gründe
entgegengestellt sind. Ein solches Werk müßte deutlichere Spuren
hinterlassen haben, und als Regel werden wir doch festzuhalten haben, daß
man mühsam die dürftigen Aufzeichnungen zusammen arbeitete, und mit
einer uns oft unbegreiflichen Sorglosigkeit häufig einzelne Sätze aus einer
zugänglich gewordenen Quelle herübernahm, andere bedeutendere
Nachrichten aber unberührt ließ.
Als erste Quellen dieser Art können wir zwar nicht mehr die Ann. S.
Amandi und Ann. Mosellani, wie sie uns vorliegen, betrachten, aber doch
die etwas reichere Quelle der Ann. S. Amandi bis 769 und die
Aufzeichnungen, welche den wesentlichen Inhalt der Mosellani ausmachen,
bis 764 (oder 760?) annehmen. Nach Arnolds Ansicht wären diese in oder
bei Metz (Gorze?) compiliert und im siebenten Jahrzehnt des achten
Jahrhunderts mit eigenen, ziemlich reichhaltigen Zusätzen vermehrt, die bis
c. 771 reichten. Dieses nicht mehr vorhandene Werk betrachtet Arnold als
die gemeinsame Quelle der Annales Petaviani, die nebenbei bis 737 noch
ein Exemplar der Ann. S. Amandi oder ihrer Quelle benutzten, und seit 760
einen officiellen Charakter tragen, der Annales Maximiniani, die nebenher
noch andere Quellen benutzten, und wieder eines verlorenen Werkes, das
im ersten Theile durch Notizen über Angelsachsen vermehrt war, und fast
ganz rein vorliegt in den Ann. Mosellani und den Ann. Laureshamenses.
Doch hat in Betreff der Annales Maximiani G. Waitz dieser Annahme sehr
Bruchstücke einer einst vorhanden gewesenen reicheren Litteratur, die wir
uns aber doch hüten müssen, uns zu bedeutend vorzustellen. Große Vorsicht
ist hier nothwendig, und eben diese Vorsicht vermisse ich bei Is. Bernays[5],
dessen Zusammenstellungen häufig gerade den entgegengesetzten Eindruck
machen, indem nur die notorischen Thatsachen übereinstimmen, im
Ausdruck aber die größtmögliche Verschiedenheit geradezu aufgesucht sein
müßte. Weit vorsichtiger dagegen ist R. Arnold[6] verfahren, und doch
scheint auch dessen Annahme von Hofannalen von 771 oder 772 an eine
unbegründete zu sein, indem ihr von Waitz[7] die erheblichsten Gründe
entgegengestellt sind. Ein solches Werk müßte deutlichere Spuren
hinterlassen haben, und als Regel werden wir doch festzuhalten haben, daß
man mühsam die dürftigen Aufzeichnungen zusammen arbeitete, und mit
einer uns oft unbegreiflichen Sorglosigkeit häufig einzelne Sätze aus einer
zugänglich gewordenen Quelle herübernahm, andere bedeutendere
Nachrichten aber unberührt ließ.
Als erste Quellen dieser Art können wir zwar nicht mehr die Ann. S.
Amandi und Ann. Mosellani, wie sie uns vorliegen, betrachten, aber doch
die etwas reichere Quelle der Ann. S. Amandi bis 769 und die
Aufzeichnungen, welche den wesentlichen Inhalt der Mosellani ausmachen,
bis 764 (oder 760?) annehmen. Nach Arnolds Ansicht wären diese in oder
bei Metz (Gorze?) compiliert und im siebenten Jahrzehnt des achten
Jahrhunderts mit eigenen, ziemlich reichhaltigen Zusätzen vermehrt, die bis
c. 771 reichten. Dieses nicht mehr vorhandene Werk betrachtet Arnold als
die gemeinsame Quelle der Annales Petaviani, die nebenbei bis 737 noch
ein Exemplar der Ann. S. Amandi oder ihrer Quelle benutzten, und seit 760
einen officiellen Charakter tragen, der Annales Maximiniani, die nebenher
noch andere Quellen benutzten, und wieder eines verlorenen Werkes, das
im ersten Theile durch Notizen über Angelsachsen vermehrt war, und fast
ganz rein vorliegt in den Ann. Mosellani und den Ann. Laureshamenses.
Doch hat in Betreff der Annales Maximiani G. Waitz dieser Annahme sehr
Page 195
entschieden widersprochen und dadurch das ganze künstliche Gebäude
erschüttert.
Die A n nal es S . Am andi[8] haben diese Benennung von Pertz
erhalten, weil 782 und 809 Beziehungen auf das Kloster Saint-Amand
vorkommen; dem früheren Theile fehlen sie und der Inhalt ist durchaus
reichsgeschichtlich. Die Ursprünglichkeit ihrer jetzt vorliegenden Form ist
angegriffen, eine verlorene Quelle oder etwas reichere Form angenommen,
aber als ein ziemlich treues Abbild dieser eben beginnenden Annalistik
werden wir sie doch betrachten dürfen.
Vom ersten Anfang an sind diese Annalen karolingisch. Sie beginnen
mit der dauernden Festsetzung dieses Hauses im Besitz der Macht, mit der
Begründung einer neuen Ordnung der Dinge, der Morgendämmerung einer
besseren Zeit, welche wieder Hoffnungen erweckte und die Seelen nicht
mehr mit dem trostlosen Gedanken von dem nahe bevorstehenden
Untergange der Welt erfüllte.
Die am Eingang stehende Nachricht von der Schlacht bei Tertri 687 ist
nachträglich zugesetzt; die regelmäßig fortgesetzten Aufzeichnungen
beginnen erst 708, und auch von da an möchte ich noch nicht behaupten,
daß gleich von Anfang an alles gleichzeitig eingetragen wäre; die Form der
kurzen und noch sehr dürftigen Bemerkungen, wenn man z. B. zu dem Jahr
708, wo Ostern auf den 15. April fiel, an den Rand schrieb: (Das war
damals) als Drogo im Frühjahr starb[9] — deutet eher auf ein späteres
Besinnen und Ueberdenken der Vergangenheit. Auch ist das ganz natürlich;
so lange der Eindruck noch frisch ist, fühlt man kein Bedürfniß ihn
künstlich festzuhalten, und erst später macht sich das Verlangen geltend, die
verschiedenen Erinnerungen aus einander zu halten und zu ordnen. Wenn
aber nun eine Reihe solcher Aufzeichnungen beisammen ist, dann ändert
sich der Gesichtspunkt, man legt Werth auf diese Zusammenstellung und
setzt sie um ihrer selbst willen fort, trägt Jahr für Jahr die wichtigsten
Begebenheiten ein, um für spätere Zeiten ein Denkmal zu hinterlassen. Jene
erschüttert.
Die A n nal es S . Am andi[8] haben diese Benennung von Pertz
erhalten, weil 782 und 809 Beziehungen auf das Kloster Saint-Amand
vorkommen; dem früheren Theile fehlen sie und der Inhalt ist durchaus
reichsgeschichtlich. Die Ursprünglichkeit ihrer jetzt vorliegenden Form ist
angegriffen, eine verlorene Quelle oder etwas reichere Form angenommen,
aber als ein ziemlich treues Abbild dieser eben beginnenden Annalistik
werden wir sie doch betrachten dürfen.
Vom ersten Anfang an sind diese Annalen karolingisch. Sie beginnen
mit der dauernden Festsetzung dieses Hauses im Besitz der Macht, mit der
Begründung einer neuen Ordnung der Dinge, der Morgendämmerung einer
besseren Zeit, welche wieder Hoffnungen erweckte und die Seelen nicht
mehr mit dem trostlosen Gedanken von dem nahe bevorstehenden
Untergange der Welt erfüllte.
Die am Eingang stehende Nachricht von der Schlacht bei Tertri 687 ist
nachträglich zugesetzt; die regelmäßig fortgesetzten Aufzeichnungen
beginnen erst 708, und auch von da an möchte ich noch nicht behaupten,
daß gleich von Anfang an alles gleichzeitig eingetragen wäre; die Form der
kurzen und noch sehr dürftigen Bemerkungen, wenn man z. B. zu dem Jahr
708, wo Ostern auf den 15. April fiel, an den Rand schrieb: (Das war
damals) als Drogo im Frühjahr starb[9] — deutet eher auf ein späteres
Besinnen und Ueberdenken der Vergangenheit. Auch ist das ganz natürlich;
so lange der Eindruck noch frisch ist, fühlt man kein Bedürfniß ihn
künstlich festzuhalten, und erst später macht sich das Verlangen geltend, die
verschiedenen Erinnerungen aus einander zu halten und zu ordnen. Wenn
aber nun eine Reihe solcher Aufzeichnungen beisammen ist, dann ändert
sich der Gesichtspunkt, man legt Werth auf diese Zusammenstellung und
setzt sie um ihrer selbst willen fort, trägt Jahr für Jahr die wichtigsten
Begebenheiten ein, um für spätere Zeiten ein Denkmal zu hinterlassen. Jene
Page 196
Annalen nun, welche in ihrer Fortsetzung bis 810 deutliche Beziehungen zu
S ai nt - Am an d enthalten, entbehren in ihrem früheren Theile bis 771 und
noch darüber hinaus jeder Hinweisung auf dieses Kloster oder dessen
Umgegend; sie verzeichnen nur die großen Reichsbegebenheiten, die
Feldzüge jedes Jahres und zuweilen einen Todesfall oder einen anderen
merkwürdigen Vorfall, so kurz, daß die eigentliche Kenntniß von den
Dingen vorausgesetzt wird; an Erzählung ist kein Gedanke, nur an
chronologische Ordnung der Erinnerungen. Giesebrecht hält die
Aufzeichnung dieser Notizen im Cölnischen für sehr wahrscheinlich und
möchte den Schottenmönchen zu St. Martin, Pippins von Heristal Stiftung
in Cöln, dieses Verdienst zuschreiben. Allein daß 713 Suitberts Tod, 716
Radbots Vordringen bis nach Cöln erwähnt wird, daß 753 gerade wie in den
Annales Mosellani der Tod des Bischofs Hildegar von Cöln, auf dem
Feldzug gegen die Sachsen angemerkt wird, das berechtigt uns noch nicht
zu einer bestimmteren Annahme über die Herkunft dieser Jahrbücher.
Vorzüglich in den Klöstern Belgiens weit verbreitet, sind sie durch Zusätze
und Fortsetzungen immer mehr angewachsen, bis sie endlich Sigebert von
Gembloux zur Grundlage seiner gewaltigen Chronik dienten, aber in ihren
Anfängen weist nichts nach einer bestimmten Gegend. Nichts tritt dagegen
so sehr in den Vordergrund, wie die Familie der Hausmeier, und man kann
sie daher wohl mit besserem Rechte, als irgend einem Kloster, einem
Mitglied der Hofgeistlichkeit zuschreiben.
Ganz denselben Charakter tragen auch die gleichzeitigen Annales
Mosell an i[10], deren Entdeckung in Petersburg durch Lappenberg ein
unerwartetes Licht auf das Verhältniß der ältesten Annalen zu einander
geworfen hat, vorzüglich nachdem Giesebrecht in seiner scharfsinnigen
Abhandlung über die fränkischen Königsannalen[11] die Folgerungen,
welche dem ersten Herausgeber noch entgangen waren, daraus gezogen hat.
Weiter ist dann, wie schon oben erwähnt, durch R. Arnold das gegenseitige
Verhältniß der Annalen eingehend untersucht.
S ai nt - Am an d enthalten, entbehren in ihrem früheren Theile bis 771 und
noch darüber hinaus jeder Hinweisung auf dieses Kloster oder dessen
Umgegend; sie verzeichnen nur die großen Reichsbegebenheiten, die
Feldzüge jedes Jahres und zuweilen einen Todesfall oder einen anderen
merkwürdigen Vorfall, so kurz, daß die eigentliche Kenntniß von den
Dingen vorausgesetzt wird; an Erzählung ist kein Gedanke, nur an
chronologische Ordnung der Erinnerungen. Giesebrecht hält die
Aufzeichnung dieser Notizen im Cölnischen für sehr wahrscheinlich und
möchte den Schottenmönchen zu St. Martin, Pippins von Heristal Stiftung
in Cöln, dieses Verdienst zuschreiben. Allein daß 713 Suitberts Tod, 716
Radbots Vordringen bis nach Cöln erwähnt wird, daß 753 gerade wie in den
Annales Mosellani der Tod des Bischofs Hildegar von Cöln, auf dem
Feldzug gegen die Sachsen angemerkt wird, das berechtigt uns noch nicht
zu einer bestimmteren Annahme über die Herkunft dieser Jahrbücher.
Vorzüglich in den Klöstern Belgiens weit verbreitet, sind sie durch Zusätze
und Fortsetzungen immer mehr angewachsen, bis sie endlich Sigebert von
Gembloux zur Grundlage seiner gewaltigen Chronik dienten, aber in ihren
Anfängen weist nichts nach einer bestimmten Gegend. Nichts tritt dagegen
so sehr in den Vordergrund, wie die Familie der Hausmeier, und man kann
sie daher wohl mit besserem Rechte, als irgend einem Kloster, einem
Mitglied der Hofgeistlichkeit zuschreiben.
Ganz denselben Charakter tragen auch die gleichzeitigen Annales
Mosell an i[10], deren Entdeckung in Petersburg durch Lappenberg ein
unerwartetes Licht auf das Verhältniß der ältesten Annalen zu einander
geworfen hat, vorzüglich nachdem Giesebrecht in seiner scharfsinnigen
Abhandlung über die fränkischen Königsannalen[11] die Folgerungen,
welche dem ersten Herausgeber noch entgangen waren, daraus gezogen hat.
Weiter ist dann, wie schon oben erwähnt, durch R. Arnold das gegenseitige
Verhältniß der Annalen eingehend untersucht.
Page 197
An der Spitze der Annales Mosellani (welche nach Arnold, wie sie uns
vorliegen, schon aus einer Vermischung mit denen von St. Amand
hervorgegangen sind) stehen von 704 bis 707 irische Namen. Diese bilden
den Uebergang von Bedas kleiner Chronik in der Schrift de temporibus, an
welche sie sich anschlossen, zu der Nachricht von Drogo's Tod 708, die
auch hier die fränkischen Eintragungen eröffnet. 713 ist der Tod einer
englischen Prinzessin, eines Königs von Ostangeln bemerkt, 726 und 729
unbekannte irische Namen. Erwähnt wird ferner 726 der Tod Martins,
welcher nach den Ann. Petav. ein Mönch von Corbie und Karls Beichtvater
war, 736 Audoins des Bischofs von Constanz, dessen Name so wenig etwas
für die Herkunft der Annalen beweisen kann, wie 728 die Erwähnung
Haldulfs von Cambrai, der zugleich Abt von St. Vaast war. Dagegen finden
sich von 761 an Beziehungen zu Chrodegang von Metz, dessen
hervorragende Stellung im Reiche ganz geeignet war, die Abschrift solcher,
vielleicht in Metz ursprünglich entstandener Aufzeichnungen und ihre
Fortführung zu veranlassen, war er doch am Hofe Karl Martels
aufgewachsen und hatte 742 von Pippin das Bisthum erhalten[12]. Pückert
hat darauf hingewiesen, daß sein Bruder Gundeland Abt von Lorsch war,
was auf das in Lorsch so früh hervortretende Interesse für Geschichte
eingewirkt haben mag.
Kaum waren diese ersten Versuche geschichtlicher Thätigkeit gewagt,
so begann man auch schon ihren Werth sowohl wie ihre Unvollkommenheit
zu empfinden; man copirte sie und bereicherte sie zugleich durch
Verbindung der verschiedenen Exemplare, ohne sich jedoch noch eine
redigirende Thätigkeit zu erlauben, welche das nothdürftigste Maß
überschritten hätte. Diese Gewissenhaftigkeit sowohl wie die ersten
Regungen einer combinierenden wissenschaftlichen Thätigkeit liegen uns,
wenn wir Arnold glauben dürfen, nicht mehr in dem ursprünglichen Product
vor, wohl aber in verschiedenen Ableitungen, vorzüglich in den Annales
P etavian i, welche von dem früheren Besitzer der Handschrift ihren
Namen haben[13]. Sie verbinden nämlich bis 771 die beiden bisher
betrachteten Annalen, an welche sich von da an eine schon wirklich
vorliegen, schon aus einer Vermischung mit denen von St. Amand
hervorgegangen sind) stehen von 704 bis 707 irische Namen. Diese bilden
den Uebergang von Bedas kleiner Chronik in der Schrift de temporibus, an
welche sie sich anschlossen, zu der Nachricht von Drogo's Tod 708, die
auch hier die fränkischen Eintragungen eröffnet. 713 ist der Tod einer
englischen Prinzessin, eines Königs von Ostangeln bemerkt, 726 und 729
unbekannte irische Namen. Erwähnt wird ferner 726 der Tod Martins,
welcher nach den Ann. Petav. ein Mönch von Corbie und Karls Beichtvater
war, 736 Audoins des Bischofs von Constanz, dessen Name so wenig etwas
für die Herkunft der Annalen beweisen kann, wie 728 die Erwähnung
Haldulfs von Cambrai, der zugleich Abt von St. Vaast war. Dagegen finden
sich von 761 an Beziehungen zu Chrodegang von Metz, dessen
hervorragende Stellung im Reiche ganz geeignet war, die Abschrift solcher,
vielleicht in Metz ursprünglich entstandener Aufzeichnungen und ihre
Fortführung zu veranlassen, war er doch am Hofe Karl Martels
aufgewachsen und hatte 742 von Pippin das Bisthum erhalten[12]. Pückert
hat darauf hingewiesen, daß sein Bruder Gundeland Abt von Lorsch war,
was auf das in Lorsch so früh hervortretende Interesse für Geschichte
eingewirkt haben mag.
Kaum waren diese ersten Versuche geschichtlicher Thätigkeit gewagt,
so begann man auch schon ihren Werth sowohl wie ihre Unvollkommenheit
zu empfinden; man copirte sie und bereicherte sie zugleich durch
Verbindung der verschiedenen Exemplare, ohne sich jedoch noch eine
redigirende Thätigkeit zu erlauben, welche das nothdürftigste Maß
überschritten hätte. Diese Gewissenhaftigkeit sowohl wie die ersten
Regungen einer combinierenden wissenschaftlichen Thätigkeit liegen uns,
wenn wir Arnold glauben dürfen, nicht mehr in dem ursprünglichen Product
vor, wohl aber in verschiedenen Ableitungen, vorzüglich in den Annales
P etavian i, welche von dem früheren Besitzer der Handschrift ihren
Namen haben[13]. Sie verbinden nämlich bis 771 die beiden bisher
betrachteten Annalen, an welche sich von da an eine schon wirklich
Page 198
erzählende, völlig gleichzeitige und zuverlässige[14] Fortsetzung bis 799
anschließt, die bei dem Mangel aller localen Färbung wiederum nur für den
Königshof, den Mittelpunkt aller Unternehmungen, in Anspruch genommen
werden kann. Eine Abschrift, welche nur bis 796 reicht (Cod.
Masciacensis), gewährt Zusätze, welche aus dem Martinskloster zu Tours
zu stammen scheinen, während die beiden anderen specielle Angaben über
die karolingische Familie hinzufügen[15]. Arnold freilich (S. 28) bestreitet
die Richtigkeit jener Bezeichnung als gleichzeitig und zuverlässig, weil der
Verfasser schlechtes Latein schrieb, worin ich einen Gegengrund nicht zu
erkennen vermag. Erheblicher sind einige Ungenauigkeiten, welche er
nachweist, und mehr noch die Uebereinstimmung in manchen Angaben und
Ausdrücken mit den Ann. Laureshamenses. Aehnliche Spuren in anderen
Annalen führen ihn zu der Annahme von verlorenen Hof ann alen (S. 52),
welche 771 oder 772 nach dem Beginn der Alleinherrschaft Karls
angefangen, etwa bis 803 (Ende der Lauresham.) oder 801 (Ende der
Guelferbyt.) fortgeführt wurden, ziemlich umfangreich waren, und deshalb
in sehr verschiedener Weise ausgenutzt wurden, ihre Spuren aber in vielen
Annalen hinterlassen haben. Vielleicht durch die überwiegende Autorität
und Verbreitung der sog. Königsannalen (Laurissenses) wäre das ältere
Werk in den Hintergrund gedrängt und endlich verloren. Einen geradezu
officiellen Charakter und Ursprung will Arnold nicht annehmen, wohl aber
Entstehung am Hofe, welche auch mir unzweifelhaft ist. Als Auszug aus
diesen Annalen hätten wir also auch den letzten Theil der Petaviani zu
betrachten, welcher durch ceremonielle Ausdrucksweise deutlich höfischen
Ursprung zeigt. Beginnt diese schon 760, so kann sie auf diese Strecke
durch Ueberarbeitung übertragen sein. Doch wird, wie schon erwähnt, von
Waitz die Existenz solcher Hofannalen bestritten, und wir werden
wenigstens nur mit großer Vorsicht von einem solchen Werke reden dürfen.
Neben dieser Fortführung der Annales Petaviani wurden nun auch jene
An n. Mo sel lan i in gleicher Weise fortgesetzt, ebenfalls schon von dem
ersten Hauch der karolingischen Zeit berührt und von räthselhaften Notizen
zur Erzählung übergehend; doch lassen auch hier auffallende
anschließt, die bei dem Mangel aller localen Färbung wiederum nur für den
Königshof, den Mittelpunkt aller Unternehmungen, in Anspruch genommen
werden kann. Eine Abschrift, welche nur bis 796 reicht (Cod.
Masciacensis), gewährt Zusätze, welche aus dem Martinskloster zu Tours
zu stammen scheinen, während die beiden anderen specielle Angaben über
die karolingische Familie hinzufügen[15]. Arnold freilich (S. 28) bestreitet
die Richtigkeit jener Bezeichnung als gleichzeitig und zuverlässig, weil der
Verfasser schlechtes Latein schrieb, worin ich einen Gegengrund nicht zu
erkennen vermag. Erheblicher sind einige Ungenauigkeiten, welche er
nachweist, und mehr noch die Uebereinstimmung in manchen Angaben und
Ausdrücken mit den Ann. Laureshamenses. Aehnliche Spuren in anderen
Annalen führen ihn zu der Annahme von verlorenen Hof ann alen (S. 52),
welche 771 oder 772 nach dem Beginn der Alleinherrschaft Karls
angefangen, etwa bis 803 (Ende der Lauresham.) oder 801 (Ende der
Guelferbyt.) fortgeführt wurden, ziemlich umfangreich waren, und deshalb
in sehr verschiedener Weise ausgenutzt wurden, ihre Spuren aber in vielen
Annalen hinterlassen haben. Vielleicht durch die überwiegende Autorität
und Verbreitung der sog. Königsannalen (Laurissenses) wäre das ältere
Werk in den Hintergrund gedrängt und endlich verloren. Einen geradezu
officiellen Charakter und Ursprung will Arnold nicht annehmen, wohl aber
Entstehung am Hofe, welche auch mir unzweifelhaft ist. Als Auszug aus
diesen Annalen hätten wir also auch den letzten Theil der Petaviani zu
betrachten, welcher durch ceremonielle Ausdrucksweise deutlich höfischen
Ursprung zeigt. Beginnt diese schon 760, so kann sie auf diese Strecke
durch Ueberarbeitung übertragen sein. Doch wird, wie schon erwähnt, von
Waitz die Existenz solcher Hofannalen bestritten, und wir werden
wenigstens nur mit großer Vorsicht von einem solchen Werke reden dürfen.
Neben dieser Fortführung der Annales Petaviani wurden nun auch jene
An n. Mo sel lan i in gleicher Weise fortgesetzt, ebenfalls schon von dem
ersten Hauch der karolingischen Zeit berührt und von räthselhaften Notizen
zur Erzählung übergehend; doch lassen auch hier auffallende
Page 199
Uebereinstimmungen anstatt ganz selbständiger gleichzeitiger
Aufzeichnung vielmehr Benutzung einer gemeinsamen Quelle
voraussetzen. Wenn nun in diesem Theile zweimal der Tod eines Abtes von
Lorsch erwähnt wird, so darf das nicht auffallen bei einem Kleriker, der
etwa im Gefolge des Bischofs von Metz dem Hoflager folgte; ein Mönch
aber hätte wohl schwerlich so ausschließlich seinen Blick auf den König
und die allgemeinen Reichsbegebenheiten richten können. Nach dem Jahre
785 sind diese Annalen wiederum durch Abschriften verbreitet; diejenigen,
welche Pertz wegen einiger localer Zusätze Ann ales L aur esham en ses
genannt hat[16], eine aus gemeinsamer Quelle stammende Nebenform der
Mosellani, erhielten von da ab zwei verschiedene ausführliche
Fortsetzungen bis 803 und 806; in den Annales Mosellani aber fehlen die
Jahre 786 und 787, und die weitere Fortsetzung bis 798 ist um ein Jahr
verschoben, also da sie doch offenbar gleichzeitig verfaßt ist, erst
nachträglich hier eingetragen.
Eine andere Fortsetzung von 786 bis 796 hat G. Waitz nachgewiesen in
den Annalen von 741 bis 811, welche nach dem Fundort der Handschrift
von dem ersten Herausgeber, Baron von Reiffenberg, Max i m iniani
genannt sind[17].
Auch diese hat Arnold als Auszug aus den von ihm angenommenen
Hofannalen in Anspruch genommen und gerade auf sie großes Gewicht
gelegt; er glaubte nicht, daß dieser Annalist so viele verschiedene Annalen,
wie Waitz annahm, benutzt und doch wieder so viele wichtige Dinge, die
auch darin standen, übergangen haben könne. Allein hier ist ihm Waitz
scharf entgegengetreten, indem er nachwies, daß die Ableitung aus
verschiedenen Elementen sich durch das Verhältniß zu anderen
Quellengruppen mit voller Sicherheit darthun läßt. Aufgeklärt wurde die
ganze Sachlage freilich erst durch die neue von Waitz gegebene Ausgabe
und die Sonderung der Annalen von der Chronik bis 741, an welche sie sich
anschließen und zu deren Fortsetzung sie bestimmt zu sein scheinen. Diese,
schon oben S. 129 kurz erwähnt, wird später zu besprechen sein. Die
Aufzeichnung vielmehr Benutzung einer gemeinsamen Quelle
voraussetzen. Wenn nun in diesem Theile zweimal der Tod eines Abtes von
Lorsch erwähnt wird, so darf das nicht auffallen bei einem Kleriker, der
etwa im Gefolge des Bischofs von Metz dem Hoflager folgte; ein Mönch
aber hätte wohl schwerlich so ausschließlich seinen Blick auf den König
und die allgemeinen Reichsbegebenheiten richten können. Nach dem Jahre
785 sind diese Annalen wiederum durch Abschriften verbreitet; diejenigen,
welche Pertz wegen einiger localer Zusätze Ann ales L aur esham en ses
genannt hat[16], eine aus gemeinsamer Quelle stammende Nebenform der
Mosellani, erhielten von da ab zwei verschiedene ausführliche
Fortsetzungen bis 803 und 806; in den Annales Mosellani aber fehlen die
Jahre 786 und 787, und die weitere Fortsetzung bis 798 ist um ein Jahr
verschoben, also da sie doch offenbar gleichzeitig verfaßt ist, erst
nachträglich hier eingetragen.
Eine andere Fortsetzung von 786 bis 796 hat G. Waitz nachgewiesen in
den Annalen von 741 bis 811, welche nach dem Fundort der Handschrift
von dem ersten Herausgeber, Baron von Reiffenberg, Max i m iniani
genannt sind[17].
Auch diese hat Arnold als Auszug aus den von ihm angenommenen
Hofannalen in Anspruch genommen und gerade auf sie großes Gewicht
gelegt; er glaubte nicht, daß dieser Annalist so viele verschiedene Annalen,
wie Waitz annahm, benutzt und doch wieder so viele wichtige Dinge, die
auch darin standen, übergangen haben könne. Allein hier ist ihm Waitz
scharf entgegengetreten, indem er nachwies, daß die Ableitung aus
verschiedenen Elementen sich durch das Verhältniß zu anderen
Quellengruppen mit voller Sicherheit darthun läßt. Aufgeklärt wurde die
ganze Sachlage freilich erst durch die neue von Waitz gegebene Ausgabe
und die Sonderung der Annalen von der Chronik bis 741, an welche sie sich
anschließen und zu deren Fortsetzung sie bestimmt zu sein scheinen. Diese,
schon oben S. 129 kurz erwähnt, wird später zu besprechen sein. Die
Page 200
Annalen sind eine um oder bald nach 811 verfaßte Compilation, zu welcher
die Gesta Pontificum Romanorum (doch noch nicht die Vita Leonis III) mit
verschiedenen Annalen in ziemlich freier Weise, mit einigen willkürlichen
Zusätzen, verbunden sind. Als solche hier benutzte Annalen sind
nachgewiesen die Mosellano-Laureshamenses, d. h. die gemeinsame Quelle
beider, und die Petaviani noch 778, vielleicht 779, dann die Laurissenses
mit Zusätzen aus einer unbekannten Quelle, bis 811, wo ein Abschnitt
derselben, das Ende einer Bearbeitung, wahrscheinlich ist. Eigenthümlich
aber ist von 786 bis 796 die Benutzung von Annalen, welche wegen
besonders hervortretender Berücksichtigung von Baiern dort geschrieben zu
sein scheinen, und welche wie B. Simson zuerst bemerkt, ebenfalls und
ebensoweit in den Annales Xantenses benutzt sind. Ebensoweit reicht auch
die von Arnold nachgewiesene Verwandtschaft mit den Juvavenses minores,
welchen die Mos. Laur. fremd sind; sie tritt aber auch schon früher, schon
743, und überall da hervor, wo nicht die Mos. Laur. Quelle sind, so daß also
die Existenz einer anderen, den Laurissenses majores verwandten Redaction
fränkischer Annalen anzunehmen ist, an welche die Fortsetzung von 786 bis
796 sich anschloß. Berührung ist auch mit den Ann. Juvav. maj. und S.
Emmerammi maj. vorhanden, welche nach Waitz von den Maximiniani
direct oder mittelbar abhängig sind[18]. Wir werden auf dieses Werk noch
zurückkommen.
Andere gleichzeitige Aufzeichnungen, welche nach dem Fundort der
Handschrift Guel f er byt ani genannt werden, beginnen erst mit Pippins
Regierung 741. Sie weisen durch die Folge der Aebte deutlich auf das 727
gegründete Kloster Mu r b ach in den Vogesen, und verfolgen die
Reichsbegebenheiten nicht so gleichmäßig wie jene anderen Annalen,
welche wir mit ihnen gemischt bis 768 in den A nnal es Al am anni ci und
Nazar iani wiederfinden, deren Anfang von 708 an ebenfalls den Annales
Mosellani entnommen ist. Von 771 bis 790 folgt hier eine weitere
Fortsetzung, von ganz allgemeinem Charakter, welche in den Annales
Nazariani am vollständigsten erhalten, im Wolfenbüttler Codex allein noch
bis 805 weitergeführt ist[19], während die Annales Alamannici eine
die Gesta Pontificum Romanorum (doch noch nicht die Vita Leonis III) mit
verschiedenen Annalen in ziemlich freier Weise, mit einigen willkürlichen
Zusätzen, verbunden sind. Als solche hier benutzte Annalen sind
nachgewiesen die Mosellano-Laureshamenses, d. h. die gemeinsame Quelle
beider, und die Petaviani noch 778, vielleicht 779, dann die Laurissenses
mit Zusätzen aus einer unbekannten Quelle, bis 811, wo ein Abschnitt
derselben, das Ende einer Bearbeitung, wahrscheinlich ist. Eigenthümlich
aber ist von 786 bis 796 die Benutzung von Annalen, welche wegen
besonders hervortretender Berücksichtigung von Baiern dort geschrieben zu
sein scheinen, und welche wie B. Simson zuerst bemerkt, ebenfalls und
ebensoweit in den Annales Xantenses benutzt sind. Ebensoweit reicht auch
die von Arnold nachgewiesene Verwandtschaft mit den Juvavenses minores,
welchen die Mos. Laur. fremd sind; sie tritt aber auch schon früher, schon
743, und überall da hervor, wo nicht die Mos. Laur. Quelle sind, so daß also
die Existenz einer anderen, den Laurissenses majores verwandten Redaction
fränkischer Annalen anzunehmen ist, an welche die Fortsetzung von 786 bis
796 sich anschloß. Berührung ist auch mit den Ann. Juvav. maj. und S.
Emmerammi maj. vorhanden, welche nach Waitz von den Maximiniani
direct oder mittelbar abhängig sind[18]. Wir werden auf dieses Werk noch
zurückkommen.
Andere gleichzeitige Aufzeichnungen, welche nach dem Fundort der
Handschrift Guel f er byt ani genannt werden, beginnen erst mit Pippins
Regierung 741. Sie weisen durch die Folge der Aebte deutlich auf das 727
gegründete Kloster Mu r b ach in den Vogesen, und verfolgen die
Reichsbegebenheiten nicht so gleichmäßig wie jene anderen Annalen,
welche wir mit ihnen gemischt bis 768 in den A nnal es Al am anni ci und
Nazar iani wiederfinden, deren Anfang von 708 an ebenfalls den Annales
Mosellani entnommen ist. Von 771 bis 790 folgt hier eine weitere
Fortsetzung, von ganz allgemeinem Charakter, welche in den Annales
Nazariani am vollständigsten erhalten, im Wolfenbüttler Codex allein noch
bis 805 weitergeführt ist[19], während die Annales Alamannici eine
Page 201
selbständige Fortsetzung 790 bis 799 erhielten[20]. Diese Annalen
verbreiteten sich weithin durch die Klöster Schwabens und gelangten auch
nach Hersfeld, wo an diesen Anfang Lamberts Geschichtswerk sich
anlehnte, während auf den aus gleicher Quelle stammenden Reichenauer
Annalen Hermann der Lahme seine Chronik erbaute.
Besonders merkwürdig sind die von Pertz in einer Handschrift des
Klosters St. Ger m ai n- des- P r és entdeckten Annalen[21], welche im
Anfang des neunten Jahrhunderts aus einer älteren Handschrift
abgeschrieben sind, und wie gewöhnlich zur Eintragung der dortigen
Annalen benutzt wurden. An der Spitze stehen hier ganz kurze Annalen von
L i ndi sf ar n e (643-664), einem Bisthum auf einer der kleinen Inseln an der
Ostküste von Northumberland, jetzt Holyisland bei Berwick, welches von
Hy aus begründet war. Darauf folgen von 673 bis 690 Notizen aus
Canterbury. Nach Pertz' Vermuthung war es Alcui n, welcher diese
Handschrift mit sich an Karls Hof brachte, wo er von 782 bis 787 (792) die
Namen der Orte eintrug, an welchen Karl in diesen Jahren das Osterfest
feierte. Daran haben nun die Mönche von St. Germain ihre eigenen Annalen
gefügt[22], als deren Grundlage jetzt Annalen von S aint - D eni s bis 887,
mit einer Fortsetzung 919-997 erkannt sind[23]. Jene Notizen über die
Osterfeier von 782 bis 787 aber finden wir auch in einer anderen
Handschrift wieder, jedoch ohne die Bemerkungen aus Canterbury. Dieses
Exemplar nämlich hat Arn, der Freund Alcuins, nach S al zb urg
mitgenommen; die Orte der Osterfeier sind hier bis 797 genannt, und dann
schließen sich Salzburger Nachrichten daran[24]. In Salzburg selbst hatte
man damals aber bereits einheimische ältere Annalen, deren Spuren sich in
den späteren Jahrbüchern vorfinden[25]. Scheinbar bieten sich uns in diesen
viel reichere und vollständigere Aufzeichnungen dar, allein es läßt sich mit
Bestimmtheit nachweisen, daß diese erst im zwölften Jahrhundert nach
Vermuthungen und gelehrter Berechnung zusammengestellt wurden, um die
Dürftigkeit der alten Annalen zu ergänzen. Wie bedeutende alte Quellen
aber verloren, und so lange sie noch vorhanden waren, unbeachtet
geblieben sind, zeigen uns die von Riezler nachgewiesenen, sehr wichtigen
verbreiteten sich weithin durch die Klöster Schwabens und gelangten auch
nach Hersfeld, wo an diesen Anfang Lamberts Geschichtswerk sich
anlehnte, während auf den aus gleicher Quelle stammenden Reichenauer
Annalen Hermann der Lahme seine Chronik erbaute.
Besonders merkwürdig sind die von Pertz in einer Handschrift des
Klosters St. Ger m ai n- des- P r és entdeckten Annalen[21], welche im
Anfang des neunten Jahrhunderts aus einer älteren Handschrift
abgeschrieben sind, und wie gewöhnlich zur Eintragung der dortigen
Annalen benutzt wurden. An der Spitze stehen hier ganz kurze Annalen von
L i ndi sf ar n e (643-664), einem Bisthum auf einer der kleinen Inseln an der
Ostküste von Northumberland, jetzt Holyisland bei Berwick, welches von
Hy aus begründet war. Darauf folgen von 673 bis 690 Notizen aus
Canterbury. Nach Pertz' Vermuthung war es Alcui n, welcher diese
Handschrift mit sich an Karls Hof brachte, wo er von 782 bis 787 (792) die
Namen der Orte eintrug, an welchen Karl in diesen Jahren das Osterfest
feierte. Daran haben nun die Mönche von St. Germain ihre eigenen Annalen
gefügt[22], als deren Grundlage jetzt Annalen von S aint - D eni s bis 887,
mit einer Fortsetzung 919-997 erkannt sind[23]. Jene Notizen über die
Osterfeier von 782 bis 787 aber finden wir auch in einer anderen
Handschrift wieder, jedoch ohne die Bemerkungen aus Canterbury. Dieses
Exemplar nämlich hat Arn, der Freund Alcuins, nach S al zb urg
mitgenommen; die Orte der Osterfeier sind hier bis 797 genannt, und dann
schließen sich Salzburger Nachrichten daran[24]. In Salzburg selbst hatte
man damals aber bereits einheimische ältere Annalen, deren Spuren sich in
den späteren Jahrbüchern vorfinden[25]. Scheinbar bieten sich uns in diesen
viel reichere und vollständigere Aufzeichnungen dar, allein es läßt sich mit
Bestimmtheit nachweisen, daß diese erst im zwölften Jahrhundert nach
Vermuthungen und gelehrter Berechnung zusammengestellt wurden, um die
Dürftigkeit der alten Annalen zu ergänzen. Wie bedeutende alte Quellen
aber verloren, und so lange sie noch vorhanden waren, unbeachtet
geblieben sind, zeigen uns die von Riezler nachgewiesenen, sehr wichtigen
Page 202
Fragmente, welche Aventin aus einem Buch von „Herzog Thessels Kanzler
mit Namen C r ant z“ gerettet hat[26].
Namen aus Lindisfarne finden wir auch an der Spitze der Jahrbücher
von F ul d a und von C or vey; letztere stammen aus der angelsächsischen
Stiftung Werden oder aus Münster, aber die 809 beginnenden Notizen
reihen sich den alten Namen des siebenten Jahrhunderts nur ganz äußerlich
an[27]. Anders in Fulda, wo diese irischen und angelsächsischen Namen nur
in zwei Abschriften an die Spitze gestellt sind, im Original aber schon um
760 der Rand der Ostertafel mit den leider fast ganz erloschenen Notizen
von angelsächsischer Hand versehen wurde, welche seit 790 von anderen
Händen fortgeführt von 742-822 reichen. In einer anderen, jetzt Casseler
Handschrift, finden sich diese Annalen bis 814 angereiht an einen
Kaiserkatalog, dem auch jene altenglischen Annalen eingefügt sind; diese,
ohne die Kaiser, und eine Fortführung bis 833 hat auch die dritte, jetzt
Münchener Handschrift aus St. Emmeram[28]. Hier also, wie in so vielen
ähnlichen Fällen, sehen wir recht deutlich, wie auch die mangelhaftesten
Aufzeichnungen sich verbreiteten und als werthvoll betrachtet wurden,
bessere also, auch nachdem sie schon in größerer Anzahl vorhanden waren,
doch wenig Verbreitung gefunden haben müssen.
Die weitere Entwickelung dieser Annalen gehört einem späteren
Abschnitte an; hier waren, wenn auch manchmal schon vorgegriffen wurde,
vorzüglich nur die ersten Anfänge zu betrachten, welche noch im höchsten
Grade dürftig und armselig sind, wie sie denn auch in ihrer ursprünglichen
Gestalt als Randbemerkungen zu Ostertafeln durchaus nicht den Anspruch
machen für litterarische Erzeugnisse zu gelten. Erst der lichteren Zeit des
großen Karl gehört der Gedanke an, diese Notizen mit anderen Nachrichten
zu einem Ganzen zu verbinden, und sie dann mit Absicht und Bewußtsein
als gleichzeitige Aufzeichnung der Geschichte weiter zu führen.
mit Namen C r ant z“ gerettet hat[26].
Namen aus Lindisfarne finden wir auch an der Spitze der Jahrbücher
von F ul d a und von C or vey; letztere stammen aus der angelsächsischen
Stiftung Werden oder aus Münster, aber die 809 beginnenden Notizen
reihen sich den alten Namen des siebenten Jahrhunderts nur ganz äußerlich
an[27]. Anders in Fulda, wo diese irischen und angelsächsischen Namen nur
in zwei Abschriften an die Spitze gestellt sind, im Original aber schon um
760 der Rand der Ostertafel mit den leider fast ganz erloschenen Notizen
von angelsächsischer Hand versehen wurde, welche seit 790 von anderen
Händen fortgeführt von 742-822 reichen. In einer anderen, jetzt Casseler
Handschrift, finden sich diese Annalen bis 814 angereiht an einen
Kaiserkatalog, dem auch jene altenglischen Annalen eingefügt sind; diese,
ohne die Kaiser, und eine Fortführung bis 833 hat auch die dritte, jetzt
Münchener Handschrift aus St. Emmeram[28]. Hier also, wie in so vielen
ähnlichen Fällen, sehen wir recht deutlich, wie auch die mangelhaftesten
Aufzeichnungen sich verbreiteten und als werthvoll betrachtet wurden,
bessere also, auch nachdem sie schon in größerer Anzahl vorhanden waren,
doch wenig Verbreitung gefunden haben müssen.
Die weitere Entwickelung dieser Annalen gehört einem späteren
Abschnitte an; hier waren, wenn auch manchmal schon vorgegriffen wurde,
vorzüglich nur die ersten Anfänge zu betrachten, welche noch im höchsten
Grade dürftig und armselig sind, wie sie denn auch in ihrer ursprünglichen
Gestalt als Randbemerkungen zu Ostertafeln durchaus nicht den Anspruch
machen für litterarische Erzeugnisse zu gelten. Erst der lichteren Zeit des
großen Karl gehört der Gedanke an, diese Notizen mit anderen Nachrichten
zu einem Ganzen zu verbinden, und sie dann mit Absicht und Bewußtsein
als gleichzeitige Aufzeichnung der Geschichte weiter zu führen.
Page 203
[1] Vgl. die Schriftprobe der Annales Corbejenses, MG. SS. III. Tab. 1. Sickel in den
Forschungen IV, 451 und ib. 454-461 über die älteste im Original erhaltene Fulder
Ostertafel mit Annalen.
[2] So bei den Ann. Ottenb. MG. SS. V, 1.
[3] S. den Bericht von Pertz im Archiv VI, 258 ff.
[4] Hist. Zeitschr. XLII, 265. Kleine hist. Schriften III, 1 ff.
[5] Zur Kritik Karolingischer Annalen, Straßb. 1883. In einem dadurch veranlaßten
Aufsatz HZ. LIV (1885) S. 55-70 bestreitet G. Kaufmann überhaupt den Nutzen
solcher Untersuchungen und die Möglichkeit gesicherter Erfolge.
[6] Beiträge zur Kritik Karolingischer Annalen, Diss. Lips. 1878. Für Hofannalen
von 785-803 ist E. Seraphim eingetreten. Quellenkritische Untersuchungen der
kleineren Karol. Annalen. Progr. d. livländ. Landesgymn. Fellin 1887.
[7] Neues Archiv V, 497 ff.
[8] Annales Sancti Amandi a. 687-810, MG. I. 6-11. Die nach dem Besitzer der
Handschrift genannten Ann. Tiliani (ib. p. 6-8) sind von 708 bis 737 nach Arnold, S.
53-55, aus der Quelle der Ann. S. Amandi geflossen, in ihrem zweiten Theil 741 bis
807 (S. 219-224) aus den Ann. Lauriss. entnommen. Zu erkennen sind die Notizen
bis 771 auch in den dürftigen Ann. Sangallenses Baluzii p. 63, e cod. 124. ← welche
nach Arnold, S. 42-47, aus der von ihm angenommenen Compilation stammen,
weiterhin aus den Hofannalen. Ausg. v. Henking, Sanctgaller Mitth. XIX, 224-265;
nach S. 340 stammen sie bis 764 aus gleicher Quelle mit d. Ann. S. Amandi u. sind
auch weiterhin ein Auszug, nicht Original. Die Ann. Laubac. SS. I, p. 7-12. 15. 52,
und ihre Gruppe behandelt Arnold, S. 55-61. Er erkennt in den Laubac. bis 814 eine
mit einigen Zusätzen versehene Umarbeitung der Ann. S. Amandi, welche kürzer in
den Ann. Auscienses, Augienses brevissimi, S. Germani minores, vielleicht ebenso in
den Ann. S. Amandi breves (SS. II, 184, von 742-855) und Ann. Bawarici breves
benutzt, auch im Chron. Lausonense nicht zu verkennen sei. Verwandt, aber ganz
unbedeutend, sind die Ann. S. Amandi brevissimi, 760 bis 796, SS. XIII, 38. und Ann.
Regum Sangallenses, 687-855, SS. XIII, 717 u. NA. V, 428. Vgl. über die Laubac.
auch B. Simson, Forsch. XXV, 375-377. Seraphim S. 8-12, der sie von ursprünglich
reicheren Ann. S. Amandi ableitet. — Ann. 759-805 im Cod. Vat. Christ. 213, Arch.
XII, 270, vgl. Waitz, HZ. XXVIII, 200, sind das Fragm. Chesnianum der Ann.
Laureshamenses, NA. II, 329.
[9] Quando Droco mortuus fuit in vernale tempore.
[10] Von 703 bis 797, SS. XVI, 491-499. Den Namen wählte Lappenberg wegen der
Beziehungen zu Klöstern an der oberen Mosel, welche sich darin finden.
[11] Münch. Hist. Jahrb. (1865) S. 185-238; vgl. hier vorzüglich S. 224 bis 226.
[12] Seine Regula Canonicorum hat W. Schmitz herausgegeben mit Facs. der zum
Theil in tironischen Noten geschriebenen Handschrift, Hann. 1889.
[13] Ann. Petav. (697) 708-799, MG. SS. I, 7-18; cf. III, 170. Arch. VII, 271. Ohne
Zusätze, ex codice Vat. Christ. 520, olim Corbejensi, deinde Petri Danielis, in A.
Mai's Spicil. Rom. VI, 181-190. Auch die Angabe über Karls Geburt 747 (= Laubac.)
fehlt hier.
[14] Diese Ausdrücke sind natürlich nur relativ gemeint. Seraphim, S. 26-31, sieht in
diesen Ann. nur ein „schlechtes Excerpt der Hofannalen“.
Forschungen IV, 451 und ib. 454-461 über die älteste im Original erhaltene Fulder
Ostertafel mit Annalen.
[2] So bei den Ann. Ottenb. MG. SS. V, 1.
[3] S. den Bericht von Pertz im Archiv VI, 258 ff.
[4] Hist. Zeitschr. XLII, 265. Kleine hist. Schriften III, 1 ff.
[5] Zur Kritik Karolingischer Annalen, Straßb. 1883. In einem dadurch veranlaßten
Aufsatz HZ. LIV (1885) S. 55-70 bestreitet G. Kaufmann überhaupt den Nutzen
solcher Untersuchungen und die Möglichkeit gesicherter Erfolge.
[6] Beiträge zur Kritik Karolingischer Annalen, Diss. Lips. 1878. Für Hofannalen
von 785-803 ist E. Seraphim eingetreten. Quellenkritische Untersuchungen der
kleineren Karol. Annalen. Progr. d. livländ. Landesgymn. Fellin 1887.
[7] Neues Archiv V, 497 ff.
[8] Annales Sancti Amandi a. 687-810, MG. I. 6-11. Die nach dem Besitzer der
Handschrift genannten Ann. Tiliani (ib. p. 6-8) sind von 708 bis 737 nach Arnold, S.
53-55, aus der Quelle der Ann. S. Amandi geflossen, in ihrem zweiten Theil 741 bis
807 (S. 219-224) aus den Ann. Lauriss. entnommen. Zu erkennen sind die Notizen
bis 771 auch in den dürftigen Ann. Sangallenses Baluzii p. 63, e cod. 124. ← welche
nach Arnold, S. 42-47, aus der von ihm angenommenen Compilation stammen,
weiterhin aus den Hofannalen. Ausg. v. Henking, Sanctgaller Mitth. XIX, 224-265;
nach S. 340 stammen sie bis 764 aus gleicher Quelle mit d. Ann. S. Amandi u. sind
auch weiterhin ein Auszug, nicht Original. Die Ann. Laubac. SS. I, p. 7-12. 15. 52,
und ihre Gruppe behandelt Arnold, S. 55-61. Er erkennt in den Laubac. bis 814 eine
mit einigen Zusätzen versehene Umarbeitung der Ann. S. Amandi, welche kürzer in
den Ann. Auscienses, Augienses brevissimi, S. Germani minores, vielleicht ebenso in
den Ann. S. Amandi breves (SS. II, 184, von 742-855) und Ann. Bawarici breves
benutzt, auch im Chron. Lausonense nicht zu verkennen sei. Verwandt, aber ganz
unbedeutend, sind die Ann. S. Amandi brevissimi, 760 bis 796, SS. XIII, 38. und Ann.
Regum Sangallenses, 687-855, SS. XIII, 717 u. NA. V, 428. Vgl. über die Laubac.
auch B. Simson, Forsch. XXV, 375-377. Seraphim S. 8-12, der sie von ursprünglich
reicheren Ann. S. Amandi ableitet. — Ann. 759-805 im Cod. Vat. Christ. 213, Arch.
XII, 270, vgl. Waitz, HZ. XXVIII, 200, sind das Fragm. Chesnianum der Ann.
Laureshamenses, NA. II, 329.
[9] Quando Droco mortuus fuit in vernale tempore.
[10] Von 703 bis 797, SS. XVI, 491-499. Den Namen wählte Lappenberg wegen der
Beziehungen zu Klöstern an der oberen Mosel, welche sich darin finden.
[11] Münch. Hist. Jahrb. (1865) S. 185-238; vgl. hier vorzüglich S. 224 bis 226.
[12] Seine Regula Canonicorum hat W. Schmitz herausgegeben mit Facs. der zum
Theil in tironischen Noten geschriebenen Handschrift, Hann. 1889.
[13] Ann. Petav. (697) 708-799, MG. SS. I, 7-18; cf. III, 170. Arch. VII, 271. Ohne
Zusätze, ex codice Vat. Christ. 520, olim Corbejensi, deinde Petri Danielis, in A.
Mai's Spicil. Rom. VI, 181-190. Auch die Angabe über Karls Geburt 747 (= Laubac.)
fehlt hier.
[14] Diese Ausdrücke sind natürlich nur relativ gemeint. Seraphim, S. 26-31, sieht in
diesen Ann. nur ein „schlechtes Excerpt der Hofannalen“.
Page 204
[15] S. Hahn. Sur le lieu de naissance de Charlemagne p. 76. Da Remedius Pippins
Halbbruder war, ist kein Grund, mit Giesebrecht wegen der Notiz über ihn an eine
Aufzeichnung in Rouen zu denken.
[16] Annales Laureshamenses MG. I, 22-39, bis 768 neben den Ann. Alam.
Guelferbyt. und Nazar. gedruckt. Die damals in St. Paul vergeblich gesuchte Hs. ist
von Dr. Holder gefunden, und von Katz im Jahresbericht des Stifts 1889
herausgegeben, vgl. NA. XV, 425. Ueber das Fragmentum Chesnianum, eine
abweichende Form dieser Annalen s. Dünzelmann, NA. II, 511, u. Katz. Die zweite
Fortsetzung ist 791-806 identisch mit den Laurissenses. Ueber eine weitere
Fortsetzung 803-818 s. unten § 10 →1 zum Chron. Moissiacense. Gerade bis 785
(731-753 mit Verschiebung der Jahreszahlen) finden sich die Ann. Mosell. auch
excerpirt in den Annales Flaciniacenses, einer chronologischen Compilation von 816
(doch vgl. Waitz im NA. V, 484) und von da an gleichzeitig fortgesetzt bis 879. Dazu
geschrieben sind die Annales Lausonenses, Lausanner Notizen bis 968. 985. MG. SS.
III, 150; neue berichtigte Ausg. von Jaffé in Mommsens Cassiodor p. 684-689; vgl.
dazu Waitz, NA. V, 484. Vollständiger finden sich die Ann. Laus. in dem sog.
Chronicon Laus. Chartularii (ed. Gingins, Mém. et Doc. de la Suisse Romande
(1851) VI, 5-10; Cibrario e Promis, Documenti p. 326-331; Waitz, SS. XXIV, 774-
810), in dem sich vorher die Ann. Weißenburgenses benutzt finden, nebst Spuren
gleichzeitiger Annalen saec. IX. Einzelne ältere Notizen 592. 688 ff. sind vorgesetzt,
eine Fortsetzung bis 1056 enthält fast nur die Folge der Bischöfe.
[17] Compte-rendu des séances de la Commission roy. d'histoire, VIII (1844) 307-
322; vgl. Gött. Nachrichten 1871, S. 307-322. Ausg. von Waitz SS. XIII, 19-25, und
Abhandlung darüber im NA. V, 475-501.
[18] Diese Ansicht bekämpft wieder Seraphim, S. 66, indem er S. 61 bis 73
ausführlich von den kleinen bair. Ann. handelt.
[19] Für die Jahre 802-805 nach Heigel Auszug einer ausführlicheren Version der
Königsannalen, welche in den Ann. Mett. erhalten ist. S. Heigel: Ueber die aus den
alten Murbacher Annalen abgeleiteten Quellen. Forsch. V, 397-403; zustimmend,
gegen Arnold, Waitz, Forsch. XX, 391. Seraphim S. 32-61. — Der von Pertz im
Arch. VII, 1018 angeführte Murbacher Bibliothekskatalog saec. IX vel X ist gedruckt
bei Senebier. Cat. de la bibl. de Genève S. 77; vollständig von H. Hagen, Neue
Jahrbb. f. Philol. CXVI (1877), 865-871. Doch bemerkt schon Pertz, Arch. VIII, 257,
daß er nach Reichenau zu gehören scheine. Geschichtlich ist darin nur Greg. Turon.
und Vita et gesta Caroli.
[20] Ann. Guelferbyt. 741-790, MG. I, 22-31; 40-44 neben den Alam. und Nazariani;
dann folgen die weiteren Fortsetzungen der Guelf. und Alamannici. Neue Ausg. der
Alam. nach dem in Zürich wiedergefundenen Original von Henking, Mitth. z. vaterl.
Gesch. XIX, S. 224-265. Arnold, S. 37-42, leitet die Forts. 771-790 und 790-799 von
den Hofannalen ab; desgl. Seraphim S. 32-39. Nach Dünzelmann wären die Alam.
erst um 800 compilirt u. schöpften aus den Lauresh. u. Guelferbytanis, NA. II, 511.
Untersuchung von Henking a. a. O. S. 347 ff. Danach ist bis 799 noch eine
gemeinsame Quelle kenntlich, Fortsetzung der vorhergehenden, welche theils in
Gorze, theils in Murbach überarbeitet wurde. Vgl. über die weitere Verbreitung dieser
Annalen Waitz in Schmidts Zeitschrift II, 51.
[21] MG. SS. IV, 2, Ann. Alcuini. Ein ähnliches Exemplar bis 792, mit
Verbesserungen, aus Saint-Benôit-sur-Loire, bei Delisle, Catal. du Fonds Libri, p. 70.
[22] Ann. S. Germani minores 642-919, im Anfang des zehnten Jahrhunderts
geschrieben, den Murbacher und besonders den Ann. Aug. brevissimi (SS. III, 136)
Halbbruder war, ist kein Grund, mit Giesebrecht wegen der Notiz über ihn an eine
Aufzeichnung in Rouen zu denken.
[16] Annales Laureshamenses MG. I, 22-39, bis 768 neben den Ann. Alam.
Guelferbyt. und Nazar. gedruckt. Die damals in St. Paul vergeblich gesuchte Hs. ist
von Dr. Holder gefunden, und von Katz im Jahresbericht des Stifts 1889
herausgegeben, vgl. NA. XV, 425. Ueber das Fragmentum Chesnianum, eine
abweichende Form dieser Annalen s. Dünzelmann, NA. II, 511, u. Katz. Die zweite
Fortsetzung ist 791-806 identisch mit den Laurissenses. Ueber eine weitere
Fortsetzung 803-818 s. unten § 10 →1 zum Chron. Moissiacense. Gerade bis 785
(731-753 mit Verschiebung der Jahreszahlen) finden sich die Ann. Mosell. auch
excerpirt in den Annales Flaciniacenses, einer chronologischen Compilation von 816
(doch vgl. Waitz im NA. V, 484) und von da an gleichzeitig fortgesetzt bis 879. Dazu
geschrieben sind die Annales Lausonenses, Lausanner Notizen bis 968. 985. MG. SS.
III, 150; neue berichtigte Ausg. von Jaffé in Mommsens Cassiodor p. 684-689; vgl.
dazu Waitz, NA. V, 484. Vollständiger finden sich die Ann. Laus. in dem sog.
Chronicon Laus. Chartularii (ed. Gingins, Mém. et Doc. de la Suisse Romande
(1851) VI, 5-10; Cibrario e Promis, Documenti p. 326-331; Waitz, SS. XXIV, 774-
810), in dem sich vorher die Ann. Weißenburgenses benutzt finden, nebst Spuren
gleichzeitiger Annalen saec. IX. Einzelne ältere Notizen 592. 688 ff. sind vorgesetzt,
eine Fortsetzung bis 1056 enthält fast nur die Folge der Bischöfe.
[17] Compte-rendu des séances de la Commission roy. d'histoire, VIII (1844) 307-
322; vgl. Gött. Nachrichten 1871, S. 307-322. Ausg. von Waitz SS. XIII, 19-25, und
Abhandlung darüber im NA. V, 475-501.
[18] Diese Ansicht bekämpft wieder Seraphim, S. 66, indem er S. 61 bis 73
ausführlich von den kleinen bair. Ann. handelt.
[19] Für die Jahre 802-805 nach Heigel Auszug einer ausführlicheren Version der
Königsannalen, welche in den Ann. Mett. erhalten ist. S. Heigel: Ueber die aus den
alten Murbacher Annalen abgeleiteten Quellen. Forsch. V, 397-403; zustimmend,
gegen Arnold, Waitz, Forsch. XX, 391. Seraphim S. 32-61. — Der von Pertz im
Arch. VII, 1018 angeführte Murbacher Bibliothekskatalog saec. IX vel X ist gedruckt
bei Senebier. Cat. de la bibl. de Genève S. 77; vollständig von H. Hagen, Neue
Jahrbb. f. Philol. CXVI (1877), 865-871. Doch bemerkt schon Pertz, Arch. VIII, 257,
daß er nach Reichenau zu gehören scheine. Geschichtlich ist darin nur Greg. Turon.
und Vita et gesta Caroli.
[20] Ann. Guelferbyt. 741-790, MG. I, 22-31; 40-44 neben den Alam. und Nazariani;
dann folgen die weiteren Fortsetzungen der Guelf. und Alamannici. Neue Ausg. der
Alam. nach dem in Zürich wiedergefundenen Original von Henking, Mitth. z. vaterl.
Gesch. XIX, S. 224-265. Arnold, S. 37-42, leitet die Forts. 771-790 und 790-799 von
den Hofannalen ab; desgl. Seraphim S. 32-39. Nach Dünzelmann wären die Alam.
erst um 800 compilirt u. schöpften aus den Lauresh. u. Guelferbytanis, NA. II, 511.
Untersuchung von Henking a. a. O. S. 347 ff. Danach ist bis 799 noch eine
gemeinsame Quelle kenntlich, Fortsetzung der vorhergehenden, welche theils in
Gorze, theils in Murbach überarbeitet wurde. Vgl. über die weitere Verbreitung dieser
Annalen Waitz in Schmidts Zeitschrift II, 51.
[21] MG. SS. IV, 2, Ann. Alcuini. Ein ähnliches Exemplar bis 792, mit
Verbesserungen, aus Saint-Benôit-sur-Loire, bei Delisle, Catal. du Fonds Libri, p. 70.
[22] Ann. S. Germani minores 642-919, im Anfang des zehnten Jahrhunderts
geschrieben, den Murbacher und besonders den Ann. Aug. brevissimi (SS. III, 136)
Page 205
verwandt (vgl. Seraphim S. 73-75), von geringer Bedeutung; die Fortsetzung 923-
1146 sehr dürftig. Die Annales S. Germani Parisiensis 466-1061, III, 166-168, sind
im elften Jahrhundert geschrieben und meist localen Inhalts, a. 987 ist, wie Dümmler
bemerkt, captum irrig in Capetus verändert. Die Translatio S. Germani (755) bei
Mab. III, 2, 104-118, Acta SS. Mai. VI, 788-796, beschreibt die Translation, bei
welcher Pippin geholfen und Palaiseau geschenkt haben soll. Daß die Erzählung Karl
dem Gr. in den Mund gelegt wird, hielt ich für Fiction, sie wird in Schutz genommen
von Oelsner, Pippin S. 501, und jetzt auch von Waitz, Ex translationibus et miraculis
S. Germani Excerpta, SS. XV, 5-9. B. Simson, Jahrb. Karls I, 9, verhält sich
skeptisch, um so mehr, da Aimoin die Schrift nicht kennt.
[23] Annales S. Dionysii, ed. E. Berger, Bibl. de l'École des chartes XL (1879), 261-
295; SS. XIII, 718-721 von Waitz die Annalen mit der in die Ann. S. Germ. min.
übergegangenen Fortsetzung; aus den weiteren Fortsetzungen nur Auszüge.
[24] Ann. Juvavenses majores 550-855, 976, leider mit einer großen Lücke in der
wichtigsten Zeit, MG. I, 87 nach Eckhardt. Benutzung der Ann. S. Amandi, wie
Giesebrecht a. a. O. S. 228 meint, scheint mir zweifelhaft. Ann. Juvavenses minores
742-814 (I, 88) sind 816 geschrieben; über eine darin benutzte Quelle s. oben S. 147.
Nach Auffindung der Handschrift in Würzburg sind diese beiden Annalen leider nicht
neu abgedruckt, ←1 sondern SS. III, 122 mit keineswegs erschöpfenden
Berichtigungen und Supplementen versehen. — Ann. Salisb. 499-1049 (I, 89) von
784 an gleichzeitig, der Anfang saec. XII ergänzt, vorherrschend local. — Annales S.
Emmerammi majores 748-823. minores 732-1062, MG. I, 92 bis 94. ←2 Wiederholt
bei Karl Roth, Verzeichniß der Freisinger Urkk. von Corb. bis Egilbert (München
1855) S. 89-92 nach der Handschrift; minores jetzt auch SS. XIII, 47. Ann. Bawarici
breves 684-811, MG. SS. XX, 8, ohne Grund in zwei Stücke getheilt, zu derselben
Gruppe gehörig; vgl. Arnold S. 50.
[25] Den Ann. S. Rudberti, MG. SS. IX, 758.
[26] Ein verlorenes baierisches Geschichtswerk des 8. Jahrhunderts, Münch. SB.
1881, I, 247-291, vgl. S. 389. Einige Verbesserungen von W. Meyer: Philol.
Bemerkungen zu Aventins Annalen (Abh. d. Münch. Ak. I. Cl. XVII, III) S. 762.
Ders. weist S. 752 den Titel nach: „Vita Thessaloni III scripta a Creontio, qui
Thessalono fuit ab epistolis, inc. ab a. Chr. 771 usque ad a. 796“ unter den von
Aventin benutzten Quellen. — Spuren davon in den Annales Salisb. cod. Monac. SS.
XIII, 237. Die Möglichkeit eines in der Form von „Crantz“ wenig verschiedenen
Namens zeigt v. Oefele, HZ. LI, 154. Zustimmend Riezler im Nachwort zur Ausgabe
von Aventins Werken III, 577.
[27] S. die Ausgabe von Jaffé, Bibl. I, 32.
[28] Annales Fuldenses antiqui, ed. Pertz, MG. SS. III, 116, in Verbindung mit
Sickels Untersuchung der Wiener Handschrift, Forschungen IV, 454-461. Neue
Ausgabe von Fr. Kurze, Ann. Fuld. p. 136-138.
1146 sehr dürftig. Die Annales S. Germani Parisiensis 466-1061, III, 166-168, sind
im elften Jahrhundert geschrieben und meist localen Inhalts, a. 987 ist, wie Dümmler
bemerkt, captum irrig in Capetus verändert. Die Translatio S. Germani (755) bei
Mab. III, 2, 104-118, Acta SS. Mai. VI, 788-796, beschreibt die Translation, bei
welcher Pippin geholfen und Palaiseau geschenkt haben soll. Daß die Erzählung Karl
dem Gr. in den Mund gelegt wird, hielt ich für Fiction, sie wird in Schutz genommen
von Oelsner, Pippin S. 501, und jetzt auch von Waitz, Ex translationibus et miraculis
S. Germani Excerpta, SS. XV, 5-9. B. Simson, Jahrb. Karls I, 9, verhält sich
skeptisch, um so mehr, da Aimoin die Schrift nicht kennt.
[23] Annales S. Dionysii, ed. E. Berger, Bibl. de l'École des chartes XL (1879), 261-
295; SS. XIII, 718-721 von Waitz die Annalen mit der in die Ann. S. Germ. min.
übergegangenen Fortsetzung; aus den weiteren Fortsetzungen nur Auszüge.
[24] Ann. Juvavenses majores 550-855, 976, leider mit einer großen Lücke in der
wichtigsten Zeit, MG. I, 87 nach Eckhardt. Benutzung der Ann. S. Amandi, wie
Giesebrecht a. a. O. S. 228 meint, scheint mir zweifelhaft. Ann. Juvavenses minores
742-814 (I, 88) sind 816 geschrieben; über eine darin benutzte Quelle s. oben S. 147.
Nach Auffindung der Handschrift in Würzburg sind diese beiden Annalen leider nicht
neu abgedruckt, ←1 sondern SS. III, 122 mit keineswegs erschöpfenden
Berichtigungen und Supplementen versehen. — Ann. Salisb. 499-1049 (I, 89) von
784 an gleichzeitig, der Anfang saec. XII ergänzt, vorherrschend local. — Annales S.
Emmerammi majores 748-823. minores 732-1062, MG. I, 92 bis 94. ←2 Wiederholt
bei Karl Roth, Verzeichniß der Freisinger Urkk. von Corb. bis Egilbert (München
1855) S. 89-92 nach der Handschrift; minores jetzt auch SS. XIII, 47. Ann. Bawarici
breves 684-811, MG. SS. XX, 8, ohne Grund in zwei Stücke getheilt, zu derselben
Gruppe gehörig; vgl. Arnold S. 50.
[25] Den Ann. S. Rudberti, MG. SS. IX, 758.
[26] Ein verlorenes baierisches Geschichtswerk des 8. Jahrhunderts, Münch. SB.
1881, I, 247-291, vgl. S. 389. Einige Verbesserungen von W. Meyer: Philol.
Bemerkungen zu Aventins Annalen (Abh. d. Münch. Ak. I. Cl. XVII, III) S. 762.
Ders. weist S. 752 den Titel nach: „Vita Thessaloni III scripta a Creontio, qui
Thessalono fuit ab epistolis, inc. ab a. Chr. 771 usque ad a. 796“ unter den von
Aventin benutzten Quellen. — Spuren davon in den Annales Salisb. cod. Monac. SS.
XIII, 237. Die Möglichkeit eines in der Form von „Crantz“ wenig verschiedenen
Namens zeigt v. Oefele, HZ. LI, 154. Zustimmend Riezler im Nachwort zur Ausgabe
von Aventins Werken III, 577.
[27] S. die Ausgabe von Jaffé, Bibl. I, 32.
[28] Annales Fuldenses antiqui, ed. Pertz, MG. SS. III, 116, in Verbindung mit
Sickels Untersuchung der Wiener Handschrift, Forschungen IV, 454-461. Neue
Ausgabe von Fr. Kurze, Ann. Fuld. p. 136-138.
Page 206
§ 4. Karl der Große. Allgemeines. [ ← ]
Bethmann, Paulus Diaconus Leben und Schriften, Arch. X, 247-334. C. F. Baehr, De litterarum
studiis a Carolo Magno revocatis ac schola palatina instaurata, Heidelb. 1855, 4. Desselben
Geschichte der römischen Litteratur im Karol. Zeitalter, Carlsr. 1840. Phillips, Karl der Grosse
im Kreise der Gelehrten, im Almanach der Kais. Akad. d. Wiss. 1856. S. 173-221. (Vermischte
Schriften III, 93 ff. 415 ff.) F. Dahn, Urgeschichte der germ. u. rom. Völker IV (1889). Litteratur
unter Karl d. Großen. Dümmler, Gedichte aus dem Hofkreise Karls des Großen in Haupts
Zeitschrift XII, 446 bis 460. S. auch Waitz in Schmidts Zeitschrift für Geschichte II, 48 ff.
Bernhardy, Grundriß der römischen Litteratur § 61. Wilh. Scherer, Ueber den Ursprung der
deutschen Litteratur, Berl. 1864, vgl. Centralblatt Sp. 572. M. Büdinger, Von den Anfängen des
Schulzwanges, Zür. 1865. Ger. Meyer von Knonau, Ueber die Bedeutung Karls d. Gr. f. d.
Entwicklung der Geschichtschreibung im 9. Jahrh. Züricher Probevorlesung 1867. —
Jahrbücher des Fränk. Reichs unter Karl d. Gr. I. v. S. Abel 1866 (2. Ausg. v. Simson 1888). II.
von B. Simson 1883. Dümmler, Poetae Latini aevi Carolini, I. 1881, II. 1884.
Eine lange Zeit der Finsterniß liegt hinter uns. Nur geringe und
dürftige Spuren haben uns Zeugniß gegeben, daß auch in diesen traurigen
Jahrhunderten das Bedürfniß historischer Aufzeichnungen nicht ganz
erstorben war; wir haben gesehen, daß mit der beginnenden besseren
Ordnung der Dinge, der Herstellung des Reiches durch die karolingischen
Hausmeier, auch einiges Leben auf diesem Felde sich regte, daß
lebensfähige Keime zum Vorschein kamen. Aber noch ist fast alles
namenlos; seit Venantius Fortunatus und Gregor von Tours ist uns nirgends
eine bedeutende Persönlichkeit entgegengetreten. Das Frankenreich stand
noch immer an Bildung weit zurück hinter seinen Nachbarn, als Kar l der
Gr oße zum Throne gelangte, und die erste Hälfte seiner Regierung war
auch noch viel zu sehr vom Kriegeslärm erfüllt, als daß er seine
Aufmerksamkeit viel nach dieser Seite hin hätte wenden können. Doch hat
er in Italien schon im Jahre 776 den Grammatiker P au li nus[1] mit einem
Landgut beschenkt, und wir finden diesen an seinem Hofe in Gemeinschaft
mit Petrus von Pisa, befreundet mit Alcuin, der Angilbert als ihren
gemeinsamen Zögling bezeichnet. Wahrscheinlich 787 wurde er zum
Patriarchen von Aquileja erhoben. Verschiedene Gedichte kirchlichen
Inhalts haben sich von ihm erhalten und ein Buch der Ermahnung, das er an
Bethmann, Paulus Diaconus Leben und Schriften, Arch. X, 247-334. C. F. Baehr, De litterarum
studiis a Carolo Magno revocatis ac schola palatina instaurata, Heidelb. 1855, 4. Desselben
Geschichte der römischen Litteratur im Karol. Zeitalter, Carlsr. 1840. Phillips, Karl der Grosse
im Kreise der Gelehrten, im Almanach der Kais. Akad. d. Wiss. 1856. S. 173-221. (Vermischte
Schriften III, 93 ff. 415 ff.) F. Dahn, Urgeschichte der germ. u. rom. Völker IV (1889). Litteratur
unter Karl d. Großen. Dümmler, Gedichte aus dem Hofkreise Karls des Großen in Haupts
Zeitschrift XII, 446 bis 460. S. auch Waitz in Schmidts Zeitschrift für Geschichte II, 48 ff.
Bernhardy, Grundriß der römischen Litteratur § 61. Wilh. Scherer, Ueber den Ursprung der
deutschen Litteratur, Berl. 1864, vgl. Centralblatt Sp. 572. M. Büdinger, Von den Anfängen des
Schulzwanges, Zür. 1865. Ger. Meyer von Knonau, Ueber die Bedeutung Karls d. Gr. f. d.
Entwicklung der Geschichtschreibung im 9. Jahrh. Züricher Probevorlesung 1867. —
Jahrbücher des Fränk. Reichs unter Karl d. Gr. I. v. S. Abel 1866 (2. Ausg. v. Simson 1888). II.
von B. Simson 1883. Dümmler, Poetae Latini aevi Carolini, I. 1881, II. 1884.
Eine lange Zeit der Finsterniß liegt hinter uns. Nur geringe und
dürftige Spuren haben uns Zeugniß gegeben, daß auch in diesen traurigen
Jahrhunderten das Bedürfniß historischer Aufzeichnungen nicht ganz
erstorben war; wir haben gesehen, daß mit der beginnenden besseren
Ordnung der Dinge, der Herstellung des Reiches durch die karolingischen
Hausmeier, auch einiges Leben auf diesem Felde sich regte, daß
lebensfähige Keime zum Vorschein kamen. Aber noch ist fast alles
namenlos; seit Venantius Fortunatus und Gregor von Tours ist uns nirgends
eine bedeutende Persönlichkeit entgegengetreten. Das Frankenreich stand
noch immer an Bildung weit zurück hinter seinen Nachbarn, als Kar l der
Gr oße zum Throne gelangte, und die erste Hälfte seiner Regierung war
auch noch viel zu sehr vom Kriegeslärm erfüllt, als daß er seine
Aufmerksamkeit viel nach dieser Seite hin hätte wenden können. Doch hat
er in Italien schon im Jahre 776 den Grammatiker P au li nus[1] mit einem
Landgut beschenkt, und wir finden diesen an seinem Hofe in Gemeinschaft
mit Petrus von Pisa, befreundet mit Alcuin, der Angilbert als ihren
gemeinsamen Zögling bezeichnet. Wahrscheinlich 787 wurde er zum
Patriarchen von Aquileja erhoben. Verschiedene Gedichte kirchlichen
Inhalts haben sich von ihm erhalten und ein Buch der Ermahnung, das er an
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den trefflichen Herzog Herich von Friaul richtete, welcher mit ihm in treuer
Freundschaft verbunden war und dessen Tod 799 er eine tiefgefühlte
Todtenklage widmete. Am 11. Januar 802 ist er selbst gestorben.
Ohne Zweifel hat der Aufenthalt in Italien die Veranlassung gegeben,
daß Karl aufmerksam wurde auf die unverkennbare Ueberlegenheit, welche
den Italienern ihre höhere geistige Bildung verlieh; er faßte den Entschluß
seine Franken von dem Joche der Unwissenheit zu befreien, und von da ab
finden wir ihn unablässig bemüht, mit allen Mitteln nach diesem Ziele zu
streben[2]. Der feste Grund geordneter äußerlicher Verhältnisse und einer
neu gekräftigten, von sittlichem Eifer erfüllten Kirche war bereits
vorhanden, und auf diesem Boden gediehen die Pflanzungen Karls mit dem
überraschendsten Erfolge.
Schon regte sichs auch im Frankenreich. Ad am, Haynhards Sohn aus
dem weinreichen Elsaß, Abt von Masmünster, copirte 780 zu Worms des
alten Grammatikers Diomedes Werk de oratione et partibus orationis, und
widmete es dem Könige in Versen, die metrisch freilich mangelhaft,
übrigens aber leidlich sind[3]. Im folgenden Jahre 781, als Karl das Osterfest
in Rom feierte, und Pabst Hadrian seinen Sohn Pippin aus der Taufe hob,
begann Go d esscalc jenes Wunderwerk der Kalligraphie, das auf
Purpurpergament mit Uncialschrift ganz in Gold und Silber geschriebene
Evangeliarium, welches Karl und Hildegard zum dauernden Andenken
dieser Feier anfertigen ließen. Providus ac sapiens, studiosus in arte
librorum heißt Karl in den Versen, durch welche Godesscalc seinen Namen
verewigt hat[4].
In diesem denkwürdigen Jahre traf auch Karl in Parma mit Al cu in
zusammen, den er schon früher als Boten des Yorker Erzbischofs kennen
gelernt hatte, und veranlaßte ihn an seinen Hof zu kommen; von demselben
Heereszuge brachte er P au lus Diaco nus und den Grammatiker P eter
von P i sa mit nach Frankreich[5]; er lehrte am Hofe Grammatik, unter
welcher Bezeichnung die ganze Beschäftigung mit der lateinischen
Freundschaft verbunden war und dessen Tod 799 er eine tiefgefühlte
Todtenklage widmete. Am 11. Januar 802 ist er selbst gestorben.
Ohne Zweifel hat der Aufenthalt in Italien die Veranlassung gegeben,
daß Karl aufmerksam wurde auf die unverkennbare Ueberlegenheit, welche
den Italienern ihre höhere geistige Bildung verlieh; er faßte den Entschluß
seine Franken von dem Joche der Unwissenheit zu befreien, und von da ab
finden wir ihn unablässig bemüht, mit allen Mitteln nach diesem Ziele zu
streben[2]. Der feste Grund geordneter äußerlicher Verhältnisse und einer
neu gekräftigten, von sittlichem Eifer erfüllten Kirche war bereits
vorhanden, und auf diesem Boden gediehen die Pflanzungen Karls mit dem
überraschendsten Erfolge.
Schon regte sichs auch im Frankenreich. Ad am, Haynhards Sohn aus
dem weinreichen Elsaß, Abt von Masmünster, copirte 780 zu Worms des
alten Grammatikers Diomedes Werk de oratione et partibus orationis, und
widmete es dem Könige in Versen, die metrisch freilich mangelhaft,
übrigens aber leidlich sind[3]. Im folgenden Jahre 781, als Karl das Osterfest
in Rom feierte, und Pabst Hadrian seinen Sohn Pippin aus der Taufe hob,
begann Go d esscalc jenes Wunderwerk der Kalligraphie, das auf
Purpurpergament mit Uncialschrift ganz in Gold und Silber geschriebene
Evangeliarium, welches Karl und Hildegard zum dauernden Andenken
dieser Feier anfertigen ließen. Providus ac sapiens, studiosus in arte
librorum heißt Karl in den Versen, durch welche Godesscalc seinen Namen
verewigt hat[4].
In diesem denkwürdigen Jahre traf auch Karl in Parma mit Al cu in
zusammen, den er schon früher als Boten des Yorker Erzbischofs kennen
gelernt hatte, und veranlaßte ihn an seinen Hof zu kommen; von demselben
Heereszuge brachte er P au lus Diaco nus und den Grammatiker P eter
von P i sa mit nach Frankreich[5]; er lehrte am Hofe Grammatik, unter
welcher Bezeichnung die ganze Beschäftigung mit der lateinischen
Page 208
Litteratur verstanden wurde. In Freundschaft mit Paulus wechselte er
scherzhafte Verse mit ihm, und Karl selbst genoß seinen Unterricht und
bediente sich seiner, wenn er an diesem poetischen Verkehr theilnahm. Aus
Spanien flüchtig, wie es scheint, kam T heod ulf zu Karl, dessen
geistreiche und formgewandte Dichtungen das lebhafteste Bild von Karls
Hof gewähren, während er als Staatsmann und Bischof von Orléans eine
bedeutende Wirksamkeit entfaltete. Sein Gedicht an Karl nach dem Sieg
über die Avaren 796 gewährt uns die eingehendste Schilderung des
Hofes[6], während das lange und ausführliche Gedicht an die Richter[7] für
die Zustände der Zeit ungemein lehrreich ist, und sein Capitulare[8] die
Ermahnungen und Vorschriften für die Geistlichkeit seines Sprengels
enthält, welche uns die reformatorischen Bestrebungen dieser Zeit zeigen.
Unter Ludwig in Ungnade gefallen und der Theilnahme an Bernhards
Aufstand beschuldigt, verlor er sein Bisthum und ist um 821 gestorben.
Eine etwas sagenhafte Nachricht über Computisten und Grammatiker,
welche Karl aus Rom in sein Reich berief, giebt Ademar von Chabanne
(SS. IV, 118). S cho tt en aus Irland hat er, wenn wir dem Mönch von St.
Gallen glauben dürfen, schon früher an sich gezogen[9]; hervorragend unter
ihnen ist Dun g al, der unter Waldo's Obhut zu Saint-Denis lebte, und 810
an den Kaiser über die Sonnenfinsterniß dieses Jahres schrieb, vielleicht
derselbe, welcher 825 in Pavia lehrte und 827 gegen Claudius schrieb[10];
einer von ihnen lebte am Hofe in heftiger Feindschaft mit Theodulf und
Angilbert. Jo seph, schon in England Alcuins Schüler und mit Liudger
befreundet, richtete an Karl als König einige sehr gekünstelte Verse mit
Akrostichen[11]. Er ist vor Alcuin, also vor 804, gestorben.
Vielleicht gehört zu ihnen auch D icui l, in dessen 825 verfaßter
Schrift de mensura orbis terrae[12] der von Harun an Karl geschenkte
Elephant erwähnt wird. Er verfertigte auch Verse grammatischen Inhalts
und ein poetisches Handbuch der Astronomie in 4 Büchern, welches er in
den Jahren 814 bis 816 vollendete und Kaiser Ludwig überreichte. Dieses
ist bis jetzt noch ungedruckt geblieben.
scherzhafte Verse mit ihm, und Karl selbst genoß seinen Unterricht und
bediente sich seiner, wenn er an diesem poetischen Verkehr theilnahm. Aus
Spanien flüchtig, wie es scheint, kam T heod ulf zu Karl, dessen
geistreiche und formgewandte Dichtungen das lebhafteste Bild von Karls
Hof gewähren, während er als Staatsmann und Bischof von Orléans eine
bedeutende Wirksamkeit entfaltete. Sein Gedicht an Karl nach dem Sieg
über die Avaren 796 gewährt uns die eingehendste Schilderung des
Hofes[6], während das lange und ausführliche Gedicht an die Richter[7] für
die Zustände der Zeit ungemein lehrreich ist, und sein Capitulare[8] die
Ermahnungen und Vorschriften für die Geistlichkeit seines Sprengels
enthält, welche uns die reformatorischen Bestrebungen dieser Zeit zeigen.
Unter Ludwig in Ungnade gefallen und der Theilnahme an Bernhards
Aufstand beschuldigt, verlor er sein Bisthum und ist um 821 gestorben.
Eine etwas sagenhafte Nachricht über Computisten und Grammatiker,
welche Karl aus Rom in sein Reich berief, giebt Ademar von Chabanne
(SS. IV, 118). S cho tt en aus Irland hat er, wenn wir dem Mönch von St.
Gallen glauben dürfen, schon früher an sich gezogen[9]; hervorragend unter
ihnen ist Dun g al, der unter Waldo's Obhut zu Saint-Denis lebte, und 810
an den Kaiser über die Sonnenfinsterniß dieses Jahres schrieb, vielleicht
derselbe, welcher 825 in Pavia lehrte und 827 gegen Claudius schrieb[10];
einer von ihnen lebte am Hofe in heftiger Feindschaft mit Theodulf und
Angilbert. Jo seph, schon in England Alcuins Schüler und mit Liudger
befreundet, richtete an Karl als König einige sehr gekünstelte Verse mit
Akrostichen[11]. Er ist vor Alcuin, also vor 804, gestorben.
Vielleicht gehört zu ihnen auch D icui l, in dessen 825 verfaßter
Schrift de mensura orbis terrae[12] der von Harun an Karl geschenkte
Elephant erwähnt wird. Er verfertigte auch Verse grammatischen Inhalts
und ein poetisches Handbuch der Astronomie in 4 Büchern, welches er in
den Jahren 814 bis 816 vollendete und Kaiser Ludwig überreichte. Dieses
ist bis jetzt noch ungedruckt geblieben.
Page 209
Auch B ai er n hatte unter den Agilolfingern, in enger Verbindung mit
Italien, bereits einen höheren Grad der Bildung erreicht. Herzog Odilo hatte
Cassinenser Mönche nach Mon dsee berufen, und Reichenauer nach
Ni eder- Al t ai ch; von hier entnahm Tassilo den ersten Vorsteher seiner
herrlichen Stiftung Kr em sm ün ster. Vor allem aber glänzte F r eisin g
unter seinem Bischof Ar beo oder Ar ibo (764 bis 783) durch die Pflege
der Wissenschaft[13]. Aribo selbst verfaßte in ungelenker und schwülstiger,
aber von angestrengtem Studium zeugender Schreibart die
Lebensbeschreibungen der alten Glaubensboten Emmeram und Corbinian,
deren wir oben (S. 123) schon gedachten; als Diaconen aber finden wir an
seiner Kirche Ar n und L ei dr ad, und auch diese folgten einem Rufe des
großen Frankenkönigs. Arn erscheint in den Freisinger Urkunden zuletzt
778; 782 erhielt er die Abtei von St. Amand. Leidrad schrieb noch 782 eine
Urkunde für Tassilo[14], dann finden wir auch ihn im Frankenreiche wieder,
wo er neben Theodulf das Amt eines königlichen Sendboten verwaltete, und
von 799 bis 813 dem Bisthum zu Lyon vorstand, welches er dann seinem
Schüler Agobard überließ, um sich in das Kloster des h. Medardus
zurückzuziehen, wo er am 28. Dec. 816 gestorben ist. In Lyon war
C l audi us bei ihm und begann seinen Commentar zur Genesis, den er an
des jungen Ludwigs Hof in Aquitanien vollendete, in Casanolio palatio bei
Poitiers, wo 811 Faustinus das Buch abschrieb[15].
So zog also Karl um das Jahr 782 von allen Seiten die Träger
wissenschaftlicher Bildung an sich und arbeitete von nun an unablässig und
unverwandt hin auf eine Wiederherstellung der antiken Cultur, deren
Herrlichkeit seinen Geist erfüllte[16]. Wie er die alten Kunstwerke nach
Aachen führte und seine Bauten nach den Regeln des Vitruv und den
Mustern der Kirchen zu Ravenna und Rom ausführen ließ, so ließ er auch
die alten Schriftsteller nach den alten Handschriften mit der sorgsamsten
Genauigkeit abschreiben. Staunend bewundern wir die Prachtwerke seiner
Kalligraphen, und nichts ist vielleicht so charakteristisch für das was man
damals erstrebte, wie diese Handschriften[17] mit ihrer Uncialschrift, ihren
vollkommen nach antiken Mustern nachgeahmten Verzierungen und
Italien, bereits einen höheren Grad der Bildung erreicht. Herzog Odilo hatte
Cassinenser Mönche nach Mon dsee berufen, und Reichenauer nach
Ni eder- Al t ai ch; von hier entnahm Tassilo den ersten Vorsteher seiner
herrlichen Stiftung Kr em sm ün ster. Vor allem aber glänzte F r eisin g
unter seinem Bischof Ar beo oder Ar ibo (764 bis 783) durch die Pflege
der Wissenschaft[13]. Aribo selbst verfaßte in ungelenker und schwülstiger,
aber von angestrengtem Studium zeugender Schreibart die
Lebensbeschreibungen der alten Glaubensboten Emmeram und Corbinian,
deren wir oben (S. 123) schon gedachten; als Diaconen aber finden wir an
seiner Kirche Ar n und L ei dr ad, und auch diese folgten einem Rufe des
großen Frankenkönigs. Arn erscheint in den Freisinger Urkunden zuletzt
778; 782 erhielt er die Abtei von St. Amand. Leidrad schrieb noch 782 eine
Urkunde für Tassilo[14], dann finden wir auch ihn im Frankenreiche wieder,
wo er neben Theodulf das Amt eines königlichen Sendboten verwaltete, und
von 799 bis 813 dem Bisthum zu Lyon vorstand, welches er dann seinem
Schüler Agobard überließ, um sich in das Kloster des h. Medardus
zurückzuziehen, wo er am 28. Dec. 816 gestorben ist. In Lyon war
C l audi us bei ihm und begann seinen Commentar zur Genesis, den er an
des jungen Ludwigs Hof in Aquitanien vollendete, in Casanolio palatio bei
Poitiers, wo 811 Faustinus das Buch abschrieb[15].
So zog also Karl um das Jahr 782 von allen Seiten die Träger
wissenschaftlicher Bildung an sich und arbeitete von nun an unablässig und
unverwandt hin auf eine Wiederherstellung der antiken Cultur, deren
Herrlichkeit seinen Geist erfüllte[16]. Wie er die alten Kunstwerke nach
Aachen führte und seine Bauten nach den Regeln des Vitruv und den
Mustern der Kirchen zu Ravenna und Rom ausführen ließ, so ließ er auch
die alten Schriftsteller nach den alten Handschriften mit der sorgsamsten
Genauigkeit abschreiben. Staunend bewundern wir die Prachtwerke seiner
Kalligraphen, und nichts ist vielleicht so charakteristisch für das was man
damals erstrebte, wie diese Handschriften[17] mit ihrer Uncialschrift, ihren
vollkommen nach antiken Mustern nachgeahmten Verzierungen und
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Bildern. Ja so wie Eigil von Fulda Modelle der antiken Säulen sich
verschafft hatte, welche Einhard benutzte, so wurden auch Sammlungen
alter Inschriften mit größter Sorgfalt zusammengestellt und die Siglen der
Juristen gesammelt und erklärt[18].
Am Hofe hatte sich aus alter Zeit immer eine Hof schu le erhalten[19].
Diese wurde durch Karl neu belebt; er selbst, seine Kinder, seine Hofleute,
nahmen an dem Unterrichte und den Uebungen Theil. Es erwuchs daraus
neben der eigentlichen Schule eine förmliche Akademie, welche Karl und
seine vertrauteren wissenschaftlichen Freunde zu regelmäßigen Sitzungen
vereinigte[20]. In ähnlicher Weise wie an den arabischen Höfen dieser Zeit,
wurden hier poetische Episteln gewechselt, wissenschaftliche Aufgaben
gestellt und beantwortet, Räthsel aufgegeben und gelöst. Alle führten hier
Namen aus der Vorzeit, in denen heidnische und christliche Erinnerungen in
seltsamer Mischung erscheinen. So hieß Karl selbst David, Alcuin Flaccus,
Einhard Beselecl nach dem kunstreichen Erbauer der Stiftshütte, Riculf
Damoetas, Beornrad von Sens Samuel, Angilbert Homer; Audulf der
Seneschalk und der Kämmerer Meginfrid führten die idyllischen Namen
Menalcas und Thyrsis. Naso nannte sich selbst ein Dichter Modoin oder
Muadwin, der von 815 bis nach 840 Bischof von Autun gewesen ist. In sehr
ungelenken Idyllen feierte er David, den Kaiser, als Friedensfürsten und
bewarb sich um dessen Gunst[21]. Die Standesverschiedenheiten der
Gegenwart wurden durch solche Verhüllung auf diesem Gebiete in den
Hintergrund gestellt. Nicht zu bezweifeln ist, daß Karl selbst eine für jene
Zeit nicht unbedeutende Bildung sich angeeignet hatte, aber Einhards
ausdrückliches Zeugniß, daß es ihm nicht mehr gelingen wollte, schreiben
zu lernen, dürfen wir doch auch nicht unterschätzen. Seine gelehrten Briefe
an Alcuin schrieben, gewiß nach seiner Anweisung, die palatini pueri[22].
Man wird durch dieses Treiben erinnert an die platonische Akademie
zu Florenz, allein es ist zwischen beiden doch ein großer Unterschied. Karl
lag der Gedanke fern, die Litteratur nur wie einen Gegenstand des Luxus zu
seinem Vergnügen zu pflegen; sein Briefwechsel mit Alcuin zeigt uns, daß
verschafft hatte, welche Einhard benutzte, so wurden auch Sammlungen
alter Inschriften mit größter Sorgfalt zusammengestellt und die Siglen der
Juristen gesammelt und erklärt[18].
Am Hofe hatte sich aus alter Zeit immer eine Hof schu le erhalten[19].
Diese wurde durch Karl neu belebt; er selbst, seine Kinder, seine Hofleute,
nahmen an dem Unterrichte und den Uebungen Theil. Es erwuchs daraus
neben der eigentlichen Schule eine förmliche Akademie, welche Karl und
seine vertrauteren wissenschaftlichen Freunde zu regelmäßigen Sitzungen
vereinigte[20]. In ähnlicher Weise wie an den arabischen Höfen dieser Zeit,
wurden hier poetische Episteln gewechselt, wissenschaftliche Aufgaben
gestellt und beantwortet, Räthsel aufgegeben und gelöst. Alle führten hier
Namen aus der Vorzeit, in denen heidnische und christliche Erinnerungen in
seltsamer Mischung erscheinen. So hieß Karl selbst David, Alcuin Flaccus,
Einhard Beselecl nach dem kunstreichen Erbauer der Stiftshütte, Riculf
Damoetas, Beornrad von Sens Samuel, Angilbert Homer; Audulf der
Seneschalk und der Kämmerer Meginfrid führten die idyllischen Namen
Menalcas und Thyrsis. Naso nannte sich selbst ein Dichter Modoin oder
Muadwin, der von 815 bis nach 840 Bischof von Autun gewesen ist. In sehr
ungelenken Idyllen feierte er David, den Kaiser, als Friedensfürsten und
bewarb sich um dessen Gunst[21]. Die Standesverschiedenheiten der
Gegenwart wurden durch solche Verhüllung auf diesem Gebiete in den
Hintergrund gestellt. Nicht zu bezweifeln ist, daß Karl selbst eine für jene
Zeit nicht unbedeutende Bildung sich angeeignet hatte, aber Einhards
ausdrückliches Zeugniß, daß es ihm nicht mehr gelingen wollte, schreiben
zu lernen, dürfen wir doch auch nicht unterschätzen. Seine gelehrten Briefe
an Alcuin schrieben, gewiß nach seiner Anweisung, die palatini pueri[22].
Man wird durch dieses Treiben erinnert an die platonische Akademie
zu Florenz, allein es ist zwischen beiden doch ein großer Unterschied. Karl
lag der Gedanke fern, die Litteratur nur wie einen Gegenstand des Luxus zu
seinem Vergnügen zu pflegen; sein Briefwechsel mit Alcuin zeigt uns, daß
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seine Akademie auch praktisch wichtige Fragen behandelte, und oft einem
Ministerium der geistlichen Angelegenheiten ähnlich wird. Der Herstellung
des alten Glanzes und der Reinheit der Kirche mußten alle seine gelehrten
Freunde mit ernstlicher Arbeit dienen[23]. Allein das war doch auch wieder
nur eine Seite der Bestrebungen des Königs; ihm war es voller Ernst, sein
ganzes Volk auf eine höhere Stufe der Bildung zu heben, und deshalb legte
er überall Schulen an, und sorgte unermüdlich für die Pflege und Hebung
derselben[24]. Sogar von Alcuin trennte er sich aus diesem Grunde, und
verlieh ihm 796 die Abtei des heiligen Martin zu Tours, wo er von nun an
als Leiter einer blühenden Schule wirkte. Fast alle bedeutenderen
Bisthümer und Abteien des Frankenreiches erhielten von hier aus ihre
Vorsteher, und wo in der nächsten Folgezeit von litterarischer Thätigkeit
etwas zu melden ist, da können wir mit Sicherheit darauf rechnen, einen
Schüler Alcuins zu finden. Weit genug erstreckte sich der Wirkungskreis
dieser Schule; doch errichtete Karl für die entfernteren Theile seines
Reiches auch eigene Mittelpunkte, welche von seinem Scharfblick Kunde
geben, wie alles was er gethan. In Italien besaß P avi a schon von Alters her
gefeierte Lehrer, und diese Schule erhielt jetzt neuen Glanz durch den
Schotten D u ngal[25]; ihr Fortleben und bleibendes Gedeihen bezeugt der
erst später durch Bologna verdunkelte Ruhm der Rechtschule von Pavia.
Ein echt karlischer Gedanke war die Stiftung des Erzbisthums
Hamburg an der Nordgrenze seines Reiches, die jedoch erst unter seinem
Nachfolger zu Stande kam; aber gerade in den fernsten Osten ließ er
Alcuins ebenbürtigen Freund, Arn, den Abt von St. Amand, ziehen, dem
Tassilo 785 das Bisthum S al zb urg verlieh[26]. 798 errichtete er hier dann
ein Erzbisthum, welches bestimmt war, ein fester und segensreicher
Mittelpunkt in politischer, kirchlicher und litterarischer Beziehung zu
werden. Ar n erfüllte seine Mission in vollem Maße; aus den Urkunden wie
aus den Briefen Alcuins an ihn[27] tritt uns das Bild des bedeutenden, nach
allen Richtungen thätigen Staatsmannes und Kirchenfürsten klar entgegen,
und wenn ihm auch zu schriftstellerischer Thätigkeit kaum Zeit blieb, so
zeugen doch seine Bemühungen für die Sammlung eines Bücherschatzes
Ministerium der geistlichen Angelegenheiten ähnlich wird. Der Herstellung
des alten Glanzes und der Reinheit der Kirche mußten alle seine gelehrten
Freunde mit ernstlicher Arbeit dienen[23]. Allein das war doch auch wieder
nur eine Seite der Bestrebungen des Königs; ihm war es voller Ernst, sein
ganzes Volk auf eine höhere Stufe der Bildung zu heben, und deshalb legte
er überall Schulen an, und sorgte unermüdlich für die Pflege und Hebung
derselben[24]. Sogar von Alcuin trennte er sich aus diesem Grunde, und
verlieh ihm 796 die Abtei des heiligen Martin zu Tours, wo er von nun an
als Leiter einer blühenden Schule wirkte. Fast alle bedeutenderen
Bisthümer und Abteien des Frankenreiches erhielten von hier aus ihre
Vorsteher, und wo in der nächsten Folgezeit von litterarischer Thätigkeit
etwas zu melden ist, da können wir mit Sicherheit darauf rechnen, einen
Schüler Alcuins zu finden. Weit genug erstreckte sich der Wirkungskreis
dieser Schule; doch errichtete Karl für die entfernteren Theile seines
Reiches auch eigene Mittelpunkte, welche von seinem Scharfblick Kunde
geben, wie alles was er gethan. In Italien besaß P avi a schon von Alters her
gefeierte Lehrer, und diese Schule erhielt jetzt neuen Glanz durch den
Schotten D u ngal[25]; ihr Fortleben und bleibendes Gedeihen bezeugt der
erst später durch Bologna verdunkelte Ruhm der Rechtschule von Pavia.
Ein echt karlischer Gedanke war die Stiftung des Erzbisthums
Hamburg an der Nordgrenze seines Reiches, die jedoch erst unter seinem
Nachfolger zu Stande kam; aber gerade in den fernsten Osten ließ er
Alcuins ebenbürtigen Freund, Arn, den Abt von St. Amand, ziehen, dem
Tassilo 785 das Bisthum S al zb urg verlieh[26]. 798 errichtete er hier dann
ein Erzbisthum, welches bestimmt war, ein fester und segensreicher
Mittelpunkt in politischer, kirchlicher und litterarischer Beziehung zu
werden. Ar n erfüllte seine Mission in vollem Maße; aus den Urkunden wie
aus den Briefen Alcuins an ihn[27] tritt uns das Bild des bedeutenden, nach
allen Richtungen thätigen Staatsmannes und Kirchenfürsten klar entgegen,
und wenn ihm auch zu schriftstellerischer Thätigkeit kaum Zeit blieb, so
zeugen doch seine Bemühungen für die Sammlung eines Bücherschatzes
Page 212
durch Abschriften von seiner Sorge für Schule und Lehre[28], wobei ihm
von 797 bis 801 Alcuins Schüler Wizo hülfreich zur Seite stand. Die
feindliche Erhebung des mährischen, dann des ungrischen Reiches, die
Errichtung selbständiger Metropolen im Osten, haben Salzburg nicht zu
seiner vollen Entwickelung gelangen lassen, doch auch in dieser
Beschränkung ist die Stiftung des bairischen Erzbisthums von den
bedeutendsten Folgen gewesen.
Ein wunderbarer Erfolg krönte diese Bemühungen Karls, und er hatte
das Glück, die Früchte seiner Mühen noch selbst zu erleben. Wie ein
Phänomen in dunkelster Nacht erscheint plötzlich die Litteratur des neunten
Jahrhunderts; nicht nur Geistliche, auch Laien schrieben Bücher, was seit
Jahrhunderten nicht vorgekommen war, und Jahrhunderte lang nicht wieder
vorkommt[29].
Denn von Dauer war dieser Glanz nicht; er verschwand fast eben so
plötzlich wie er gekommen war, aufs neue bedeckte Finsterniß das Land,
aber gerade in dieser Finsterniß bewährte sich die feste Begründung von
Karls Schöpfungen. So viel auch wieder verloren ging, es blieb noch immer
genug übrig, um als Grundlage für alle Folgezeit zu dienen. Wir haben
schon oben bemerkt, daß Karl sein Werk nicht erst begann, daß er den
Boden vorbereitet fand durch die Befestigung und Ordnung des Staates,
durch die Herstellung der Kirchenzucht, und daß er nur dadurch im Stande
war, so fest zu bauen. Es regten sich auch bereits einige Keime litterarischer
Thätigkeit, als er auftrat, aber ihre rasche und glänzende Entfaltung ist doch
ganz sein Werk, und nicht mit Unrecht sagte man im Mittelalter von ihm,
daß er den Sitz der Studien von Rom nach Paris verpflanzt habe[30]. Zu
einer Zeit, wo die Pariser Universität als der Mittelpunkt der Wissenschaft
betrachtet wurde, galt er für den Stifter derselben. In dieser Form sprach
sich der richtige Gedanke aus, daß Karl der Stifter einer neuen
Culturperiode gewesen war.
von 797 bis 801 Alcuins Schüler Wizo hülfreich zur Seite stand. Die
feindliche Erhebung des mährischen, dann des ungrischen Reiches, die
Errichtung selbständiger Metropolen im Osten, haben Salzburg nicht zu
seiner vollen Entwickelung gelangen lassen, doch auch in dieser
Beschränkung ist die Stiftung des bairischen Erzbisthums von den
bedeutendsten Folgen gewesen.
Ein wunderbarer Erfolg krönte diese Bemühungen Karls, und er hatte
das Glück, die Früchte seiner Mühen noch selbst zu erleben. Wie ein
Phänomen in dunkelster Nacht erscheint plötzlich die Litteratur des neunten
Jahrhunderts; nicht nur Geistliche, auch Laien schrieben Bücher, was seit
Jahrhunderten nicht vorgekommen war, und Jahrhunderte lang nicht wieder
vorkommt[29].
Denn von Dauer war dieser Glanz nicht; er verschwand fast eben so
plötzlich wie er gekommen war, aufs neue bedeckte Finsterniß das Land,
aber gerade in dieser Finsterniß bewährte sich die feste Begründung von
Karls Schöpfungen. So viel auch wieder verloren ging, es blieb noch immer
genug übrig, um als Grundlage für alle Folgezeit zu dienen. Wir haben
schon oben bemerkt, daß Karl sein Werk nicht erst begann, daß er den
Boden vorbereitet fand durch die Befestigung und Ordnung des Staates,
durch die Herstellung der Kirchenzucht, und daß er nur dadurch im Stande
war, so fest zu bauen. Es regten sich auch bereits einige Keime litterarischer
Thätigkeit, als er auftrat, aber ihre rasche und glänzende Entfaltung ist doch
ganz sein Werk, und nicht mit Unrecht sagte man im Mittelalter von ihm,
daß er den Sitz der Studien von Rom nach Paris verpflanzt habe[30]. Zu
einer Zeit, wo die Pariser Universität als der Mittelpunkt der Wissenschaft
betrachtet wurde, galt er für den Stifter derselben. In dieser Form sprach
sich der richtige Gedanke aus, daß Karl der Stifter einer neuen
Culturperiode gewesen war.
Page 213
[1] „Venerabilis artis grammaticae magister.“ Er schrieb später gegen Felix, nahm an
den verschiedenen Synoden dieser Zeit Theil, und starb am 11. Jan. 802. Opera ed.
Madrisi 1737. Migne XCIX. Vgl. Ebert II, 87-91. Dümmler, NA. IV, 113-118; Poetae
I, 123-148, darunter der Rhythmus de Herico duce Forojul. S. 131, und die wohl
nicht von ihm herrührende Klage um Aquileja S. 142.
[2] Einen vermehrten Eifer, neue umfassende Maßregeln weist Scherer nach dem
folgenden italienischen Feldzug 787 nach. Ueber die Zusendungen von Werken
Gregors I durch Hadrian zu kirchlichem Zweck, aber doch auch litterarisch anregend,
s. P. Ewald im NA. III, 440.
[3] Keil, Grammatici Latini I, p. XXIX; Delisle, Cabinet des Manuscrits I, 3.
Dümmler, NA. IV, 147; Poetae I, 93. Erst 30 Jahre alt, hatte er durch Karls Güte die
Abtei Masmünster (Masunuilare) erhalten, doch wohl zur Belohnung und Förderung
seiner Studien.
[4] Früher in Saint-Sernin de Toulouse, jetzt Bibl. Nat. s. Bibl. de l'École des chartes
XXXV, 85. Die Gemälde sind nach antiken Mustern, die Randverzierungen jedes
Blattes theils ebenfalls römischen, theils irisch-englischen Ursprungs. Vgl. Piper,
Karls des Großen Kalendarium S. 36. Bastard, pl. 81-86. Dümmler, Poet. I, 94.
Benutzung der Schreiberverse der Mensuratio orbis nachgewiesen von Traube,
Münch. SB. 1891, S. 406.
[5] Diesen Petrus hörte Alcuin schon vor Karls Zeit in Pavia mit einem Juden
disputiren: „Idem Petrus fuit qui in palatio vestro grammaticam docens claruit.“ Alc.
ep. ap. Jaffé, Bibl. VI, 548; cf. Einh. V, Caroli c. 25. Damals (799) war er schon todt.
Gedichte von Angilbert u. Karl an ihn nach seiner Heimkehr nach Italien hat
Dümmler herausgegeben, Zeitschr. f. D. Alt. XVII, 141. 146; Poet. I, 75. 76. Wohl
von ihm ist die lat. Grammatik eines Petrus Grammaticus bei H. Hagen, Anecdota
Helvetica (Suppl. ad Keilii Gramm. lat.) S. 159-171. vgl. XCVI-XCVIII; Dümmler,
Poet. I, 73. Seine Gedichte sind bei Dümmler S. 48-56 mit denen des Paulus Diac.
verbunden, vgl. S. 29.
[6] Dümmler, Poet. I, 483; II, 694-697. Ich begnüge mich jetzt, auf diese so lange
schmerzlich vermißte neue Ausgabe seiner Gedichte, mit dem Vorwort, zu verweisen,
S. 437-581; ein Nachtrag NA. VII, 401. Vgl. Ebert II, 70-84, Traube, Karol.
Dichtungen (1888) S. 66. 67. De Rossi bemerkt, daß I, 557 das Epit. Damasi papae,
von ihm selbst verfaßt, irrthümlich unter Th's Gedichte gerathen ist. (NA. XI, 213).
Anklänge an ältere Dichter bei ihm, Manitius, NA. XI, 561. Ein franz. Werk von
Cuissard über ihn war mir nicht zugänglich.
[7] Poet. I, 493. Neue Ausg. v. H. Hagen in einem Berner Univ.-Progr. v. 1882, vgl.
NA. VIII, 422.
[8] Theodulfi Opera ed. Sirmond, p. 1-28.
[9] Cap. 1. Ueber D o n a t, 816 Bischof von Fiesole, nachdem er vorher als Lehrer
gewirkt hatte, s. Ozanam, Documents inédits p. 48-57. Seine Vita vollständig Acta
SS. Oct. IX, 655-662.
[10] Ueber ihn und den Hibernicus exul, welcher ein leider sehr fragmentarisch
erhaltenes Gedicht auf Tassilo's Abfall an Karl richtete, s. Dümmler, NA. IV, 142.
254-256; Poet. I, 393-413. II. 664. Traube, „O Roma nobilis“ (Abb. d. Münch. Ak. I
Cl. XIX, 2, S. 332-337). ←
[11] Zuerst in H. Hagen's Carmina Medii Aevi (Bernae 1877) p. 116 bis 124; jetzt bei
Dümmler, Poet. I, 149-159. Einige Anklänge nachgewiesen von Manitius, NA. XI,
den verschiedenen Synoden dieser Zeit Theil, und starb am 11. Jan. 802. Opera ed.
Madrisi 1737. Migne XCIX. Vgl. Ebert II, 87-91. Dümmler, NA. IV, 113-118; Poetae
I, 123-148, darunter der Rhythmus de Herico duce Forojul. S. 131, und die wohl
nicht von ihm herrührende Klage um Aquileja S. 142.
[2] Einen vermehrten Eifer, neue umfassende Maßregeln weist Scherer nach dem
folgenden italienischen Feldzug 787 nach. Ueber die Zusendungen von Werken
Gregors I durch Hadrian zu kirchlichem Zweck, aber doch auch litterarisch anregend,
s. P. Ewald im NA. III, 440.
[3] Keil, Grammatici Latini I, p. XXIX; Delisle, Cabinet des Manuscrits I, 3.
Dümmler, NA. IV, 147; Poetae I, 93. Erst 30 Jahre alt, hatte er durch Karls Güte die
Abtei Masmünster (Masunuilare) erhalten, doch wohl zur Belohnung und Förderung
seiner Studien.
[4] Früher in Saint-Sernin de Toulouse, jetzt Bibl. Nat. s. Bibl. de l'École des chartes
XXXV, 85. Die Gemälde sind nach antiken Mustern, die Randverzierungen jedes
Blattes theils ebenfalls römischen, theils irisch-englischen Ursprungs. Vgl. Piper,
Karls des Großen Kalendarium S. 36. Bastard, pl. 81-86. Dümmler, Poet. I, 94.
Benutzung der Schreiberverse der Mensuratio orbis nachgewiesen von Traube,
Münch. SB. 1891, S. 406.
[5] Diesen Petrus hörte Alcuin schon vor Karls Zeit in Pavia mit einem Juden
disputiren: „Idem Petrus fuit qui in palatio vestro grammaticam docens claruit.“ Alc.
ep. ap. Jaffé, Bibl. VI, 548; cf. Einh. V, Caroli c. 25. Damals (799) war er schon todt.
Gedichte von Angilbert u. Karl an ihn nach seiner Heimkehr nach Italien hat
Dümmler herausgegeben, Zeitschr. f. D. Alt. XVII, 141. 146; Poet. I, 75. 76. Wohl
von ihm ist die lat. Grammatik eines Petrus Grammaticus bei H. Hagen, Anecdota
Helvetica (Suppl. ad Keilii Gramm. lat.) S. 159-171. vgl. XCVI-XCVIII; Dümmler,
Poet. I, 73. Seine Gedichte sind bei Dümmler S. 48-56 mit denen des Paulus Diac.
verbunden, vgl. S. 29.
[6] Dümmler, Poet. I, 483; II, 694-697. Ich begnüge mich jetzt, auf diese so lange
schmerzlich vermißte neue Ausgabe seiner Gedichte, mit dem Vorwort, zu verweisen,
S. 437-581; ein Nachtrag NA. VII, 401. Vgl. Ebert II, 70-84, Traube, Karol.
Dichtungen (1888) S. 66. 67. De Rossi bemerkt, daß I, 557 das Epit. Damasi papae,
von ihm selbst verfaßt, irrthümlich unter Th's Gedichte gerathen ist. (NA. XI, 213).
Anklänge an ältere Dichter bei ihm, Manitius, NA. XI, 561. Ein franz. Werk von
Cuissard über ihn war mir nicht zugänglich.
[7] Poet. I, 493. Neue Ausg. v. H. Hagen in einem Berner Univ.-Progr. v. 1882, vgl.
NA. VIII, 422.
[8] Theodulfi Opera ed. Sirmond, p. 1-28.
[9] Cap. 1. Ueber D o n a t, 816 Bischof von Fiesole, nachdem er vorher als Lehrer
gewirkt hatte, s. Ozanam, Documents inédits p. 48-57. Seine Vita vollständig Acta
SS. Oct. IX, 655-662.
[10] Ueber ihn und den Hibernicus exul, welcher ein leider sehr fragmentarisch
erhaltenes Gedicht auf Tassilo's Abfall an Karl richtete, s. Dümmler, NA. IV, 142.
254-256; Poet. I, 393-413. II. 664. Traube, „O Roma nobilis“ (Abb. d. Münch. Ak. I
Cl. XIX, 2, S. 332-337). ←
[11] Zuerst in H. Hagen's Carmina Medii Aevi (Bernae 1877) p. 116 bis 124; jetzt bei
Dümmler, Poet. I, 149-159. Einige Anklänge nachgewiesen von Manitius, NA. XI,
Page 214
558.
[12] Ausg. von G. Parthey, Berl. 1870. Benutzung der Mensuratio orbis, Traube,
Münch. SB. 1891 S. 407. Vgl. Dümmler, NA. IV, 256 u. Poet. I, 666; auch Zimmer:
Ueber die frühesten Berührungen der Iren mit den Nordgermanen, Berl. SB. 1891 S.
279 ff.
[13] Er erscheint von 754-760 als Schreiber in der bischöflichen Kanzlei; als Freund
der Franken fiel er gegen das Ende der Regierung Tassilo's bei ihm und Liutbirg in
Ungnade, s. Graf Hundt, Ueber die Bayr. Urkunden aus der Zeit der Agilolfinger,
Abh. d. Ak. III. Cl. XII, 182. 186, und was aus seinem Nachlaß im 44. u. 45.
Jahresbericht des hist. Vereins von Oberbayern (1883) S. VII-XVII aus einer
unvollendeten Abhandlung über Arbeo mitgetheilt ist. — Fabelhaft und von
dürftigem Inhalt ist die Vita Gamulberti, eines Gutsherren und Pfarrers aus Pippins
Zeit in Michelsbuch, unweit des Einflusses der Isar in die Donau, Acta SS. Jan. II,
591-595, doch dürfte vielleicht aus den alten Hss. in München und Admunt eine
bessere Form zu gewinnen sein.
[14] Ueber beide s. Meichelbecks Historia Frisingensis; über Leidrad Baehr S. 361,
Graf Hundt a. a. O. S. 181; seine Schriften gesammelt bei Migne XCIX, 853-886.
Giesebrecht erinnert dabei auch an jenen alten Agilolfinger Wi c t e r b, Bischof und
Abt von St. Martin zu Tours, der 754 jam senex, puto nonagenarius aut supra,
dolentibus membris et caliginantibus oculis ein geistliches Werk für einen Regenten,
doch wohl Tassilo, abschrieb und unermüdet weiter schrieb, bis er 756 starb. Rettberg
II. 269. Daß er Abt zu Tours war, darf nach der Notiz im Cod. Masciac. der Ann.
Petav. (MG. SS. III, 170) nicht bezweifelt werden; auch hatte damals dieses Kloster
seinen eigenen Bischof (Gallia christ. XIV, 153), so daß er unter die Regensburger
Bischöfe wohl nur durch Mißverständniß gerathen ist, und durch ein ähnliches
Mißverständniß auch an die Spitze des erst spät zusammengestellten Verzeichnisses
der Aebte von Groß Sanct Martin in Coeln. — Ein merkwürdiges Schreiben eines
(Irländers?) C l e m e n s an Tassilo, den bair. Episcopat u. Adel in Bezug auf die
Eroberung und Bekehrung der Carantanen hat Zierngibl in d. Neuen hist. Abh. d.
baier. Akad. I, 246 herausgegeben, und Riezler, Gesch. Baierns I, 155, zuerst benutzt.
[15] Epistola ad Dructeramnum abb. (von St. Chaffre) als Vorrede. Delisle, Cab. des
Manuscrits I, 4, Anm. 11.
[16] „Quippe qui omnium regum avidissimus erat sapientes diligenter inquirere, et ut
cum omni delectatione philosopharentur excolere. Ideo regni a Deo sibi commissi
nebulosam, et ut ita dicam paene caecam latitudinem, tocius scientiae nova
irradiatione et huic barbariei ante partim incognita luminosam reddidit Deo
illustrante.“ Walafridi Praef. ad Einhardi Vitam Karoli, Jaffé Bibl. IV, 507.
[17] Ohne Zweifel auch profane, die sich aber aus Karls Zeit nicht erhalten haben.
[18] Notae juris aus Probus und einer jüngeren Sammlung sind im Cod. Einsidlensis.
Schon Karl dem Großen selbst aber überreichte M a g n o, Erzbischof von Sens (801-
818), eine Zusammenstellung der bei den Alten in juristischen Schriften
gebräuchlichen Abkürzungen, zusammengestellt aus zwei anderen, die ihm in die
Hände gekommen waren. Mommsen, Laterculus notarum in Gramm. Latt. ed. Keil
IV, 285, 315. Ueber eine durch ihn veranlaßte Formelsammlung Zeumer, NA. VI, 79.
Karls Sorgfalt für die Berichtigung verderbter Abschriften preist der Schreiber
Wi n i d h a r i u s im Wiener Codex 743:
Qui sternit per bella truces fortissimus heros,
[12] Ausg. von G. Parthey, Berl. 1870. Benutzung der Mensuratio orbis, Traube,
Münch. SB. 1891 S. 407. Vgl. Dümmler, NA. IV, 256 u. Poet. I, 666; auch Zimmer:
Ueber die frühesten Berührungen der Iren mit den Nordgermanen, Berl. SB. 1891 S.
279 ff.
[13] Er erscheint von 754-760 als Schreiber in der bischöflichen Kanzlei; als Freund
der Franken fiel er gegen das Ende der Regierung Tassilo's bei ihm und Liutbirg in
Ungnade, s. Graf Hundt, Ueber die Bayr. Urkunden aus der Zeit der Agilolfinger,
Abh. d. Ak. III. Cl. XII, 182. 186, und was aus seinem Nachlaß im 44. u. 45.
Jahresbericht des hist. Vereins von Oberbayern (1883) S. VII-XVII aus einer
unvollendeten Abhandlung über Arbeo mitgetheilt ist. — Fabelhaft und von
dürftigem Inhalt ist die Vita Gamulberti, eines Gutsherren und Pfarrers aus Pippins
Zeit in Michelsbuch, unweit des Einflusses der Isar in die Donau, Acta SS. Jan. II,
591-595, doch dürfte vielleicht aus den alten Hss. in München und Admunt eine
bessere Form zu gewinnen sein.
[14] Ueber beide s. Meichelbecks Historia Frisingensis; über Leidrad Baehr S. 361,
Graf Hundt a. a. O. S. 181; seine Schriften gesammelt bei Migne XCIX, 853-886.
Giesebrecht erinnert dabei auch an jenen alten Agilolfinger Wi c t e r b, Bischof und
Abt von St. Martin zu Tours, der 754 jam senex, puto nonagenarius aut supra,
dolentibus membris et caliginantibus oculis ein geistliches Werk für einen Regenten,
doch wohl Tassilo, abschrieb und unermüdet weiter schrieb, bis er 756 starb. Rettberg
II. 269. Daß er Abt zu Tours war, darf nach der Notiz im Cod. Masciac. der Ann.
Petav. (MG. SS. III, 170) nicht bezweifelt werden; auch hatte damals dieses Kloster
seinen eigenen Bischof (Gallia christ. XIV, 153), so daß er unter die Regensburger
Bischöfe wohl nur durch Mißverständniß gerathen ist, und durch ein ähnliches
Mißverständniß auch an die Spitze des erst spät zusammengestellten Verzeichnisses
der Aebte von Groß Sanct Martin in Coeln. — Ein merkwürdiges Schreiben eines
(Irländers?) C l e m e n s an Tassilo, den bair. Episcopat u. Adel in Bezug auf die
Eroberung und Bekehrung der Carantanen hat Zierngibl in d. Neuen hist. Abh. d.
baier. Akad. I, 246 herausgegeben, und Riezler, Gesch. Baierns I, 155, zuerst benutzt.
[15] Epistola ad Dructeramnum abb. (von St. Chaffre) als Vorrede. Delisle, Cab. des
Manuscrits I, 4, Anm. 11.
[16] „Quippe qui omnium regum avidissimus erat sapientes diligenter inquirere, et ut
cum omni delectatione philosopharentur excolere. Ideo regni a Deo sibi commissi
nebulosam, et ut ita dicam paene caecam latitudinem, tocius scientiae nova
irradiatione et huic barbariei ante partim incognita luminosam reddidit Deo
illustrante.“ Walafridi Praef. ad Einhardi Vitam Karoli, Jaffé Bibl. IV, 507.
[17] Ohne Zweifel auch profane, die sich aber aus Karls Zeit nicht erhalten haben.
[18] Notae juris aus Probus und einer jüngeren Sammlung sind im Cod. Einsidlensis.
Schon Karl dem Großen selbst aber überreichte M a g n o, Erzbischof von Sens (801-
818), eine Zusammenstellung der bei den Alten in juristischen Schriften
gebräuchlichen Abkürzungen, zusammengestellt aus zwei anderen, die ihm in die
Hände gekommen waren. Mommsen, Laterculus notarum in Gramm. Latt. ed. Keil
IV, 285, 315. Ueber eine durch ihn veranlaßte Formelsammlung Zeumer, NA. VI, 79.
Karls Sorgfalt für die Berichtigung verderbter Abschriften preist der Schreiber
Wi n i d h a r i u s im Wiener Codex 743:
Qui sternit per bella truces fortissimus heros,
Page 215
Rex Carolus nulli cordis fulgore secundus,
Non passus sentes mendarum serpere libris,
Et bene correxit studio sublimis in omni.
(Dümmler, Poet. I, 89.)
[19] Für Pippins Zeit nachgewiesen von Léon Maitre, Les écoles episcopales (Paris
1866) S. 34-37. Vgl. Rud. Sohm: Die fränkische Reichs- u. Gerichtsverfassung S.
342 über das commendare ad regem. Simson II, 570 ff.
[20] Oebeke, De Academia Caroli Magni. Aachener Gymn.-Progr. 1847.
[21] Diese früher ganz unbekannten Dichtungen sind durch E. Dümmler zuerst
bekannt geworden, Poet. I, 382-392, und nach Entdeckung der Darmst. Hs. wieder
NA. XI, 75-91 herausgegeben; vgl. Ebert II, 64-68. Trotz der sehr fehlerhaften Form
sind die Gedichte nicht unbeachtet geblieben, und wurden von Ermanrich stark
ausgebeutet.
[22] Ep. Alcuini, Jaffé Bibl. VI, 459.
[23] Ueber die Libri Carolini, welche uns ferner liegen, bemerke ich nur, daß ihre
Echtheit durch Auffindung des Cod. Vat. festgestellt ist, s. Reifferscheid im Ind. lectt.
Vrat. hib. a. 1873. Vgl. Leibn. Ann. Imp. Occ. ad. a. 794. H. Reuter, Gesch. d. relig.
Aufklärung im Mittelalter I (1875) S. 10 bis 13. Abdr. Migne XCVIII. ←
[24] Ebert II, 8 über Karls Verordnungen. Simson II, 567 über das Sendschreiben an
Baugulf. Diekamp im Hist. Jahrb. V, 259 gegen die unbegründete Verdächtigung
desselben durch Harttung, Dipl. hist. Studien, S. 319. 338 ff.
[25] S. oben S. 153 Anm.→5.
[26] Karls Zustimmung war ohne Zweifel erforderlich, um so mehr, da Arn die Abtei
Saint-Amand behielt. Zu A. Huber: Ueber das Vorleben Arno's im Arch. d. W. Akad.
XLVII, 197-217, ist zu bemerken, daß in der Urk. v. 779 (Meich. n. 57) dd David und
nicht archidiaconus bedeutet, der Diakon Arn ein anderer ist, und daß in d. Urk. v.
776 (Meich. n. 48) nobis auf den Aussteller Bisch. Aribo geht, und also für die
Verwandtschaft Arns nichts austrägt. Vgl. auch Graf Hundt a. a. O. S. 187.
[27] Leider sind uns keine Briefe von Arn an Alcuin erhalten, Bibl. VI, 870 ein
hübscher Brief von ihm an Cuculus, wie ein leichtfertiger Schüler Alcuins,
wahrscheinlich Dodo, genannt wurde. Wichtige urkundliche Quellen aus seiner Zeit
sind Indiculus Arnonis und Breves notitiae Salzburgenses, nach den bekannten und
bisher unbenutzten Handschriften herausgegeben und mit Erläuterungen versehen
von Friedrich Keinz, München 1869; vgl. meine Anzeige in d. Heidelb. Jahrbb. 1870
S. 20-25.
[28] Mehr als 150 Bücher ließ er nach Angabe des Necrologs schreiben, MG. SS. IX,
770; vgl. Alcuins Brief Frob. 76. Bibl. VI, 525. Darunter ein Formelbuch,
herausgegeben von Rockinger, Quellen zur bayerschen Geschichte, Bd. VII, von De
Rozière, Revue hist. de droit français et étranger, 1859, nach der Münchener und
Kopenhagener Handschrift. Ueber Arn Büdingers Oesterreichische Geschichte I, 147
ff., über Wizo 149; Allg. D. Biogr. I, 573. Zeißberg, Alcuin und Arno, Zeitschrift für
österreichische Gymnasien, 1862, S. 85-98. Derselbe, Arno, erster Erzbischof von
Salzburg, Wiener SB. (1863) XLIII, 305-381. W. Giesebrecht, Königsannalen S. 199-
202; vgl. unten § 9.
Non passus sentes mendarum serpere libris,
Et bene correxit studio sublimis in omni.
(Dümmler, Poet. I, 89.)
[19] Für Pippins Zeit nachgewiesen von Léon Maitre, Les écoles episcopales (Paris
1866) S. 34-37. Vgl. Rud. Sohm: Die fränkische Reichs- u. Gerichtsverfassung S.
342 über das commendare ad regem. Simson II, 570 ff.
[20] Oebeke, De Academia Caroli Magni. Aachener Gymn.-Progr. 1847.
[21] Diese früher ganz unbekannten Dichtungen sind durch E. Dümmler zuerst
bekannt geworden, Poet. I, 382-392, und nach Entdeckung der Darmst. Hs. wieder
NA. XI, 75-91 herausgegeben; vgl. Ebert II, 64-68. Trotz der sehr fehlerhaften Form
sind die Gedichte nicht unbeachtet geblieben, und wurden von Ermanrich stark
ausgebeutet.
[22] Ep. Alcuini, Jaffé Bibl. VI, 459.
[23] Ueber die Libri Carolini, welche uns ferner liegen, bemerke ich nur, daß ihre
Echtheit durch Auffindung des Cod. Vat. festgestellt ist, s. Reifferscheid im Ind. lectt.
Vrat. hib. a. 1873. Vgl. Leibn. Ann. Imp. Occ. ad. a. 794. H. Reuter, Gesch. d. relig.
Aufklärung im Mittelalter I (1875) S. 10 bis 13. Abdr. Migne XCVIII. ←
[24] Ebert II, 8 über Karls Verordnungen. Simson II, 567 über das Sendschreiben an
Baugulf. Diekamp im Hist. Jahrb. V, 259 gegen die unbegründete Verdächtigung
desselben durch Harttung, Dipl. hist. Studien, S. 319. 338 ff.
[25] S. oben S. 153 Anm.→5.
[26] Karls Zustimmung war ohne Zweifel erforderlich, um so mehr, da Arn die Abtei
Saint-Amand behielt. Zu A. Huber: Ueber das Vorleben Arno's im Arch. d. W. Akad.
XLVII, 197-217, ist zu bemerken, daß in der Urk. v. 779 (Meich. n. 57) dd David und
nicht archidiaconus bedeutet, der Diakon Arn ein anderer ist, und daß in d. Urk. v.
776 (Meich. n. 48) nobis auf den Aussteller Bisch. Aribo geht, und also für die
Verwandtschaft Arns nichts austrägt. Vgl. auch Graf Hundt a. a. O. S. 187.
[27] Leider sind uns keine Briefe von Arn an Alcuin erhalten, Bibl. VI, 870 ein
hübscher Brief von ihm an Cuculus, wie ein leichtfertiger Schüler Alcuins,
wahrscheinlich Dodo, genannt wurde. Wichtige urkundliche Quellen aus seiner Zeit
sind Indiculus Arnonis und Breves notitiae Salzburgenses, nach den bekannten und
bisher unbenutzten Handschriften herausgegeben und mit Erläuterungen versehen
von Friedrich Keinz, München 1869; vgl. meine Anzeige in d. Heidelb. Jahrbb. 1870
S. 20-25.
[28] Mehr als 150 Bücher ließ er nach Angabe des Necrologs schreiben, MG. SS. IX,
770; vgl. Alcuins Brief Frob. 76. Bibl. VI, 525. Darunter ein Formelbuch,
herausgegeben von Rockinger, Quellen zur bayerschen Geschichte, Bd. VII, von De
Rozière, Revue hist. de droit français et étranger, 1859, nach der Münchener und
Kopenhagener Handschrift. Ueber Arn Büdingers Oesterreichische Geschichte I, 147
ff., über Wizo 149; Allg. D. Biogr. I, 573. Zeißberg, Alcuin und Arno, Zeitschrift für
österreichische Gymnasien, 1862, S. 85-98. Derselbe, Arno, erster Erzbischof von
Salzburg, Wiener SB. (1863) XLIII, 305-381. W. Giesebrecht, Königsannalen S. 199-
202; vgl. unten § 9.
Page 216
[29] Zu warnen ist vor dem immer wieder (noch von Prantl und L. Maitre)
angeführten unechten Diplom über die Errichtung griechischer und lateinischer
Schulen in Osnabrück, dessen Unechtheit zuletzt wieder von R. Wilmans,
Kaiserurkunden d. Provinz Westfalen, s. besonders S. 368, und Sickel, Acta Carol. II,
428 nachgewiesen ist. Auch Bass Mullinger wiederholte S. 70 unbekümmert die alte
Fabel, hat sich aber in der Revue hist. X, 183 selbst berichtigt.
[30] Zuerst bei Jordanus de praerogativa Romani imperii, ed. Waitz p. 70. In
Vincentii Bellovac. Speculo hist. XXIII, 173 und daraus bei Mart. Oppav. wird
Alcuin die Verlegung des Studiums von Rom nach Paris beigelegt. Vgl. auch G.
Paris, Hist. poétique de Charlemagne p. 66.
angeführten unechten Diplom über die Errichtung griechischer und lateinischer
Schulen in Osnabrück, dessen Unechtheit zuletzt wieder von R. Wilmans,
Kaiserurkunden d. Provinz Westfalen, s. besonders S. 368, und Sickel, Acta Carol. II,
428 nachgewiesen ist. Auch Bass Mullinger wiederholte S. 70 unbekümmert die alte
Fabel, hat sich aber in der Revue hist. X, 183 selbst berichtigt.
[30] Zuerst bei Jordanus de praerogativa Romani imperii, ed. Waitz p. 70. In
Vincentii Bellovac. Speculo hist. XXIII, 173 und daraus bei Mart. Oppav. wird
Alcuin die Verlegung des Studiums von Rom nach Paris beigelegt. Vgl. auch G.
Paris, Hist. poétique de Charlemagne p. 66.
Page 217
§ 5. Alcuin. [ ← ]
Page 218
Alcuini Opera ed. Frobenius (Froben Forster, Fürst-Abt zu St. Emmeram), 4 Bände, fol. Ratisb.
1777. Danach bei Migne, C. CI. Neue Ausgabe der Briefe u. hist. Schriften nach Jaffé's
Vorarbeit von Dümmler und Wattenbach, Bibl. VI. 1873. Alcuins Leben von F. Lorentz, Halle
1829. Monnier, Alcuin et Charlemagne, Paris 1853. 1863. J, Bass Mullinger, The schools of
Charles the Great and the restoration of education in the ninth century, London 1877. A. F.
Théry, l'École et l'Académie Palatines. Alcuin, Amiens 1878. Dümmler, Art. Alcuin, Allg. D.
Biogr. I, 343-348. K. Werner, Alcuin u. sein Jahrh. 2. Ausg. 1881. Ganz fabelhafter Brief über
die Herkunft der Beneventaner unter Alcuins Namen NA. I, 169-172. — Vgl. Ebert II, 12-36.
Cantor, Gesch. f. Mathematik I, 712-721. Hauck II, 119-145.
Alchuine, wie die ursprüngliche Form lautete, oder Alcuin, nannte sich
gern in mehr lateinisch klingender Form Albinus. Verwandt mit Willibrord,
dessen Leben er auch beschrieben hat, wurde er um das Jahr 735 in York
geboren. Seine Bildung verdankte er der ausgezeichneten Domschule in
seiner Vaterstadt unter der Leitung Egberts, der seit 732 Erzbischof war,
und Aelberts, der Alcuin mit sich nach Rom nahm, als er nach der Sitte
dieser Angelsachsen dahin reiste, um Handschriften auf dem dortigen
Markte zu erwerben, der noch immer bedeutend und damals wohl der
einzige im Abendland war. Im Jahre 766 wurde Aelbert zum Erzbischof
erhoben, und Alcuin folgte ihm in der Leitung der Domschule. Der Auftrag,
für Eanbald das erzbischöfliche Pallium vom päbstlichen Hofe zu holen,
führte ihn 781 wieder nach Rom, und auf dieser Reise war es, wo er zu
Parma mit Karl zusammentraf, an den er schon früher einmal eine Botschaft
gebracht hatte[1], und von ihm die Einladung erhielt, welche ihn vermochte,
im folgenden Jahre mit seinen Schülern Wizo[2], Fridugis[3] und Sigulf[4] an
Karls Hof zu kommen; die Einkünfte der Abteien zu Ferrières und des
heiligen Lupus zu Troyes sicherten ihm hier eine ansehnliche Stellung,
während er in der Hofschule vor alten und jungen Zuhörern seine Vorträge
hielt. Auch hier war es durchaus nicht allein auf dilettantische Belehrung
der Hofleute abgesehen, sondern die vielen Söhne vornehmer Franken,
welche nach alter Sitte zur Erziehung an den Hof gebracht wurden,
erhielten hier allen Ernstes ihre Ausbildung zu Staatsmännern und
Bischöfen. Nach Alcuins eigener Angabe war sein vorzüglichster
Beweggrund nicht etwa wissenschaftlicher Eifer, sondern die Sorge für
1777. Danach bei Migne, C. CI. Neue Ausgabe der Briefe u. hist. Schriften nach Jaffé's
Vorarbeit von Dümmler und Wattenbach, Bibl. VI. 1873. Alcuins Leben von F. Lorentz, Halle
1829. Monnier, Alcuin et Charlemagne, Paris 1853. 1863. J, Bass Mullinger, The schools of
Charles the Great and the restoration of education in the ninth century, London 1877. A. F.
Théry, l'École et l'Académie Palatines. Alcuin, Amiens 1878. Dümmler, Art. Alcuin, Allg. D.
Biogr. I, 343-348. K. Werner, Alcuin u. sein Jahrh. 2. Ausg. 1881. Ganz fabelhafter Brief über
die Herkunft der Beneventaner unter Alcuins Namen NA. I, 169-172. — Vgl. Ebert II, 12-36.
Cantor, Gesch. f. Mathematik I, 712-721. Hauck II, 119-145.
Alchuine, wie die ursprüngliche Form lautete, oder Alcuin, nannte sich
gern in mehr lateinisch klingender Form Albinus. Verwandt mit Willibrord,
dessen Leben er auch beschrieben hat, wurde er um das Jahr 735 in York
geboren. Seine Bildung verdankte er der ausgezeichneten Domschule in
seiner Vaterstadt unter der Leitung Egberts, der seit 732 Erzbischof war,
und Aelberts, der Alcuin mit sich nach Rom nahm, als er nach der Sitte
dieser Angelsachsen dahin reiste, um Handschriften auf dem dortigen
Markte zu erwerben, der noch immer bedeutend und damals wohl der
einzige im Abendland war. Im Jahre 766 wurde Aelbert zum Erzbischof
erhoben, und Alcuin folgte ihm in der Leitung der Domschule. Der Auftrag,
für Eanbald das erzbischöfliche Pallium vom päbstlichen Hofe zu holen,
führte ihn 781 wieder nach Rom, und auf dieser Reise war es, wo er zu
Parma mit Karl zusammentraf, an den er schon früher einmal eine Botschaft
gebracht hatte[1], und von ihm die Einladung erhielt, welche ihn vermochte,
im folgenden Jahre mit seinen Schülern Wizo[2], Fridugis[3] und Sigulf[4] an
Karls Hof zu kommen; die Einkünfte der Abteien zu Ferrières und des
heiligen Lupus zu Troyes sicherten ihm hier eine ansehnliche Stellung,
während er in der Hofschule vor alten und jungen Zuhörern seine Vorträge
hielt. Auch hier war es durchaus nicht allein auf dilettantische Belehrung
der Hofleute abgesehen, sondern die vielen Söhne vornehmer Franken,
welche nach alter Sitte zur Erziehung an den Hof gebracht wurden,
erhielten hier allen Ernstes ihre Ausbildung zu Staatsmännern und
Bischöfen. Nach Alcuins eigener Angabe war sein vorzüglichster
Beweggrund nicht etwa wissenschaftlicher Eifer, sondern die Sorge für
Page 219
Aufrechterhaltung der kirchlichen Orthodoxie im Frankenreiche[5], wie
denn überhaupt der kirchliche Standpunkt bei ihm durchaus maßgebend ist.
Im Jahre 789 kehrte Alcuin nach England zurück; aber die heftigen
Streitigkeiten über Adoptianismus und Bilderverehrung veranlaßten Karl,
ihn von neuem dringend einzuladen, und die inneren Unruhen, welche
England zerrissen und Alcuin sogleich wieder in die ihm verhaßten
politischen Händel verflochten hatten, machten diesen geneigt, seine
Heimath zu verlassen. Er erschien 794 auf dem zu Frankfurt gegen Felix
und Elipand versammelten Concil als Abgesandter der englischen Kirche
und bewährte sich durch mehrere Schriften als tapferer Streiter gegen die
Irrlehren[6]; noch zog es ihn zurück in sein Vaterland, aber die Ermordung
Ethelreds 796 verleidete ihm die Heimkehr, und von nun an widmete er sich
ganz dem Frankenreiche. Nach Iterius Tod erhielt er 796 die Abtei des
heiligen Martin zu Tours, der er bis zu seinem Tode, am 19. Mai 804,
vorstand. Dem unruhigen Getreibe des Hofes fern, entfaltete er hier die
segensreichste Thätigkeit und bildete eine außerordentliche Zahl von
Zöglingen, welche im ganzen weiten Reiche Karls neue Stätten
wissenschaftlicher Thätigkeit begründeten. Seinen Schüler Wizo schickte er
nach England, um Bücher zu holen, die er zu Tours durch zahlreiche und
sorgfältige Abschriften vervielfältigen ließ. Zugleich aber blieb er in
fortwährender Verbindung mit Karl, der ihm das größte Vertrauen schenkte.
Als unschätzbares Denkmal ist uns seine B r ief sam m l u ng erhalten,
welche zu den wichtigsten Quellen für die Geschichte dieser Zeit gehört,
wenn gleich der stoffliche Inhalt geringer ist, als wir wünschen möchten.
Die größte Masse ist aus den letzten Jahren, in welchen Alcuins
Frömmigkeit immer mehr überhand nahm, und fromme Ermahnungen sind
in hohem Grade vorherrschend. Eben diese gaben in jenen Zeiten Anlaß, sie
als Vorbilder zu sammeln und abzuschreiben; es zeugt aber von der hohen
Bedeutung des Mannes, daß nicht wie bei anderen Briefsammlungen, die
Hauptmasse einem Conceptbuch des Verfassers entstammt, sondern wie
Sickel nachgewiesen hat, seine Schüler und Verehrer, ein Arno, Adalhard,
Angilbert, dazu Angelsachsen es gewesen sind, welche die ihnen
denn überhaupt der kirchliche Standpunkt bei ihm durchaus maßgebend ist.
Im Jahre 789 kehrte Alcuin nach England zurück; aber die heftigen
Streitigkeiten über Adoptianismus und Bilderverehrung veranlaßten Karl,
ihn von neuem dringend einzuladen, und die inneren Unruhen, welche
England zerrissen und Alcuin sogleich wieder in die ihm verhaßten
politischen Händel verflochten hatten, machten diesen geneigt, seine
Heimath zu verlassen. Er erschien 794 auf dem zu Frankfurt gegen Felix
und Elipand versammelten Concil als Abgesandter der englischen Kirche
und bewährte sich durch mehrere Schriften als tapferer Streiter gegen die
Irrlehren[6]; noch zog es ihn zurück in sein Vaterland, aber die Ermordung
Ethelreds 796 verleidete ihm die Heimkehr, und von nun an widmete er sich
ganz dem Frankenreiche. Nach Iterius Tod erhielt er 796 die Abtei des
heiligen Martin zu Tours, der er bis zu seinem Tode, am 19. Mai 804,
vorstand. Dem unruhigen Getreibe des Hofes fern, entfaltete er hier die
segensreichste Thätigkeit und bildete eine außerordentliche Zahl von
Zöglingen, welche im ganzen weiten Reiche Karls neue Stätten
wissenschaftlicher Thätigkeit begründeten. Seinen Schüler Wizo schickte er
nach England, um Bücher zu holen, die er zu Tours durch zahlreiche und
sorgfältige Abschriften vervielfältigen ließ. Zugleich aber blieb er in
fortwährender Verbindung mit Karl, der ihm das größte Vertrauen schenkte.
Als unschätzbares Denkmal ist uns seine B r ief sam m l u ng erhalten,
welche zu den wichtigsten Quellen für die Geschichte dieser Zeit gehört,
wenn gleich der stoffliche Inhalt geringer ist, als wir wünschen möchten.
Die größte Masse ist aus den letzten Jahren, in welchen Alcuins
Frömmigkeit immer mehr überhand nahm, und fromme Ermahnungen sind
in hohem Grade vorherrschend. Eben diese gaben in jenen Zeiten Anlaß, sie
als Vorbilder zu sammeln und abzuschreiben; es zeugt aber von der hohen
Bedeutung des Mannes, daß nicht wie bei anderen Briefsammlungen, die
Hauptmasse einem Conceptbuch des Verfassers entstammt, sondern wie
Sickel nachgewiesen hat, seine Schüler und Verehrer, ein Arno, Adalhard,
Angilbert, dazu Angelsachsen es gewesen sind, welche die ihnen
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zugänglichen Briefe sammelten und dadurch vor dem Untergang
bewahrten[7].
Viel und gern versuchte Alcuin sich auch in Gedichten, welche freilich
sehr incorrect, aber doch nicht ohne Leichtigkeit im Ausdruck und gefällige
Anmuth sind[8]. Sie bieten uns manchen Einblick in die Zustände der Zeit,
und das umfangreichste darunter, über die Bischöfe der Kirche zu York,
reich an schönen Stellen und belebt durch die warme Liebe zur Heimath,
gewährt mannigfache Belehrung über die Stiftschule zu York und Alcuins
Leben vor seiner Berufung nach Frankreich[9]. Seine übrige
schriftstellerische Thätigkeit dagegen war mehr auf Theologie,
Philosophie[10] und Grammatik[11] gerichtet als auf Geschichte. Sein
lateinischer Stil, der noch sehr fehlerhaft ist und von seinen eigenen
Schülern bald übertroffen wurde, fand bei seinen Zeitgenossen hohe
Bewunderung; und auf Bitten Angilberts bearbeitete er das Leben des h.
Richarius, auf den Wunsch des Abtes Rado[12] das Leben des h. Vedastus.
Bei beiden beschränkte er sich auf Glättung und Ausschmückung der
überlieferten Darstellungen, und der erbauliche Zweck ist die Hauptsache,
wie nicht minder auch in dem schon oben (S. 132) erwähnten Leben des h.
Willibrord. Daß man ihm auch ein Leben Kaiser Karls zugeschrieben hat,
beruht auf einer Verwechselung mit Einhard.
In seinen alten Tagen versank Alcuin mehr und mehr in Frömmelei,
und das Studium Vergils, den er selbst einst eifrig nachzuahmen gestrebt
hatte, verwarf er später als höchst gefährlich, wenigstens für Mönche[13].
Fast zwanzig Jahre waren schon seit Alcuins Tod vergangen, als auf
den Wunsch eines Abtes, wahrscheinlich des Abtes Alderich von Ferrières,
der unter Alcuin dort Mönch geworden war, und 829 das Erzbisthum Sens
erhielt, nach Benedicts von Aniane Tod (11. Feb. 821), ein Schüler Sigulfs,
dem nach Alcuins Tod die Abtei zugefallen war, es unternahm, das L eb en
Al cu ins zu beschreiben. Gesehen hatte er selbst ihn nicht mehr, aber
Sigulf hatte ihm viel erzählt, und das ist, außer dem Briefwechsel über den
bewahrten[7].
Viel und gern versuchte Alcuin sich auch in Gedichten, welche freilich
sehr incorrect, aber doch nicht ohne Leichtigkeit im Ausdruck und gefällige
Anmuth sind[8]. Sie bieten uns manchen Einblick in die Zustände der Zeit,
und das umfangreichste darunter, über die Bischöfe der Kirche zu York,
reich an schönen Stellen und belebt durch die warme Liebe zur Heimath,
gewährt mannigfache Belehrung über die Stiftschule zu York und Alcuins
Leben vor seiner Berufung nach Frankreich[9]. Seine übrige
schriftstellerische Thätigkeit dagegen war mehr auf Theologie,
Philosophie[10] und Grammatik[11] gerichtet als auf Geschichte. Sein
lateinischer Stil, der noch sehr fehlerhaft ist und von seinen eigenen
Schülern bald übertroffen wurde, fand bei seinen Zeitgenossen hohe
Bewunderung; und auf Bitten Angilberts bearbeitete er das Leben des h.
Richarius, auf den Wunsch des Abtes Rado[12] das Leben des h. Vedastus.
Bei beiden beschränkte er sich auf Glättung und Ausschmückung der
überlieferten Darstellungen, und der erbauliche Zweck ist die Hauptsache,
wie nicht minder auch in dem schon oben (S. 132) erwähnten Leben des h.
Willibrord. Daß man ihm auch ein Leben Kaiser Karls zugeschrieben hat,
beruht auf einer Verwechselung mit Einhard.
In seinen alten Tagen versank Alcuin mehr und mehr in Frömmelei,
und das Studium Vergils, den er selbst einst eifrig nachzuahmen gestrebt
hatte, verwarf er später als höchst gefährlich, wenigstens für Mönche[13].
Fast zwanzig Jahre waren schon seit Alcuins Tod vergangen, als auf
den Wunsch eines Abtes, wahrscheinlich des Abtes Alderich von Ferrières,
der unter Alcuin dort Mönch geworden war, und 829 das Erzbisthum Sens
erhielt, nach Benedicts von Aniane Tod (11. Feb. 821), ein Schüler Sigulfs,
dem nach Alcuins Tod die Abtei zugefallen war, es unternahm, das L eb en
Al cu ins zu beschreiben. Gesehen hatte er selbst ihn nicht mehr, aber
Sigulf hatte ihm viel erzählt, und das ist, außer dem Briefwechsel über den
Page 221
Adoptianismus, seine einzige Quelle. Daher ist es nicht zu verwundern, daß
wir hier viel von Alcuins Frömmigkeit, von Askese und von Wundern
finden, keineswegs aber ein Bild seiner fruchtreichen Thätigkeit in den
Jahren seiner Kraft. Erbauung für Mönche ist der Zweck des Büchleins, und
dem entspricht es leider nur zu sehr. Doch finden sich darin auch manche
nicht unwichtige Nachrichten vorzüglich über seine Jugendzeit, welche wir
dankbar annehmen müssen. Die Sprache ist im damaligen Schulgeschmack
gesucht und mit frommem Schmuck überladen[14].
[1] Vita c. 6. Dass der 773 von Karl an den Pabst geschickte Albinus Alcuin gewesen
wäre, wie Jaffé p. 144 n. 1 annimmt, scheint mir unmöglich. Leibniz Ann. Imp. I, 40
hält ihn nach Albericus für den Bischof von Angers.
[2] Genannt Candidus, von 797-801 bei Arn in Salzburg.
[3] Genannt Nathanael, von 819-832 Kanzler; wahrscheinlich führte er das bessere
Latein in die Kanzlei ein und veranlaßte vielleicht die Sammlung der
Carpentierschen Formeln in tiron. Noten, jetzt MG. Formulae p. 285 als Formulae
imperiales e curia Lud. Pii: vgl. Sickel Acta Kar. I, 89-95 u. 160, B. Simson, Ludw. d.
Fr. II, 235-238. Max Ahner, Fredegis von Tours, Leipz. 1878. Ueber seine Schrift de
nihilo et de tenebris Prantl, Gesch. d. Logik im Abendland II, 17-19; Reuter, Gesch.
d. relig. Aufklärung im Mittelalter I, 274; Ebert II, 221. Er war Alcuins Nachfolger
als Abt von St. Martin, wo Canoniker an die Stelle der Mönche traten und die Schule
verfiel; wenigstens ist in schroffem Gegensatz gegen Alcuins Zeit kein Schüler
bekannt. Bei Herolds Taufe in Mainz erscheint er mit seinen Schülern. Bücher
schrieb unter ihm und für ihn A d a l b a l d u s presb., der sich artifex nannte, Delisle,
Notice des Mss. de Tours, p. 81-83; L'école calligr. de Tours p. 20. Desnoyers u.
Delisle in Comptes rendus des Séances de l'Acad. des Inscr. 1886 mit Monogramm.
Album pal. pl. 21. Ein sehr schlechtes Andenken hinterließ er in St. Bertin, wo er
gleichfalls Abt war, s. Folcwini Gesta abb. S. Bert. MG. SS. XIII, 614, und daraus in
Folcards V. S. Bertini und bei Bovo, De elevatione S. Bertini. Nach seinem Tode 834
folgte in St. Martin Adelard, unter dem durch Amalrich, der 849 Erzb. v. Tours
wurde, die Schule wieder aufblühte (vgl. unten § 20 →1). Dann folgt 845 Graf
Vivian als erster Laienabt.
[4] Genannt Vetulus, später als Alcuins Nachfolger Abt von Ferrières und Stifter der
dortigen Schule. Er räumte seinen Platz Adalbert, der die Bened. Regel einführte, und
wurde selbst unter ihm Mönch: dann folgt Alderich bis 829, Odo, der abgesetzt wird,
an dessen Stelle 22. Nov. 842 Lupus tritt.
[5] Ep. 35 u. 140 bei Jaffé, Bibl. VI, 255 u. 541, u. daraus Vita c. 5, p. 16.
[6] Ueber seine Bekämpfung des Adoptianismus s. Größler, Die Ausrottung des
Adopt. im Reiche Karls d. Großen, Progr. d. Gymn. zu Eisleben 1879. Ob die libri
Carolini (oben → S. 157) von ihm verfaßt sind, ist zweifelhaft; vgl. die Anm. von
Dümmler, Bibl. VI, 222. Ueber den ganzen Gegenstand Hauck II, 283-299.
wir hier viel von Alcuins Frömmigkeit, von Askese und von Wundern
finden, keineswegs aber ein Bild seiner fruchtreichen Thätigkeit in den
Jahren seiner Kraft. Erbauung für Mönche ist der Zweck des Büchleins, und
dem entspricht es leider nur zu sehr. Doch finden sich darin auch manche
nicht unwichtige Nachrichten vorzüglich über seine Jugendzeit, welche wir
dankbar annehmen müssen. Die Sprache ist im damaligen Schulgeschmack
gesucht und mit frommem Schmuck überladen[14].
[1] Vita c. 6. Dass der 773 von Karl an den Pabst geschickte Albinus Alcuin gewesen
wäre, wie Jaffé p. 144 n. 1 annimmt, scheint mir unmöglich. Leibniz Ann. Imp. I, 40
hält ihn nach Albericus für den Bischof von Angers.
[2] Genannt Candidus, von 797-801 bei Arn in Salzburg.
[3] Genannt Nathanael, von 819-832 Kanzler; wahrscheinlich führte er das bessere
Latein in die Kanzlei ein und veranlaßte vielleicht die Sammlung der
Carpentierschen Formeln in tiron. Noten, jetzt MG. Formulae p. 285 als Formulae
imperiales e curia Lud. Pii: vgl. Sickel Acta Kar. I, 89-95 u. 160, B. Simson, Ludw. d.
Fr. II, 235-238. Max Ahner, Fredegis von Tours, Leipz. 1878. Ueber seine Schrift de
nihilo et de tenebris Prantl, Gesch. d. Logik im Abendland II, 17-19; Reuter, Gesch.
d. relig. Aufklärung im Mittelalter I, 274; Ebert II, 221. Er war Alcuins Nachfolger
als Abt von St. Martin, wo Canoniker an die Stelle der Mönche traten und die Schule
verfiel; wenigstens ist in schroffem Gegensatz gegen Alcuins Zeit kein Schüler
bekannt. Bei Herolds Taufe in Mainz erscheint er mit seinen Schülern. Bücher
schrieb unter ihm und für ihn A d a l b a l d u s presb., der sich artifex nannte, Delisle,
Notice des Mss. de Tours, p. 81-83; L'école calligr. de Tours p. 20. Desnoyers u.
Delisle in Comptes rendus des Séances de l'Acad. des Inscr. 1886 mit Monogramm.
Album pal. pl. 21. Ein sehr schlechtes Andenken hinterließ er in St. Bertin, wo er
gleichfalls Abt war, s. Folcwini Gesta abb. S. Bert. MG. SS. XIII, 614, und daraus in
Folcards V. S. Bertini und bei Bovo, De elevatione S. Bertini. Nach seinem Tode 834
folgte in St. Martin Adelard, unter dem durch Amalrich, der 849 Erzb. v. Tours
wurde, die Schule wieder aufblühte (vgl. unten § 20 →1). Dann folgt 845 Graf
Vivian als erster Laienabt.
[4] Genannt Vetulus, später als Alcuins Nachfolger Abt von Ferrières und Stifter der
dortigen Schule. Er räumte seinen Platz Adalbert, der die Bened. Regel einführte, und
wurde selbst unter ihm Mönch: dann folgt Alderich bis 829, Odo, der abgesetzt wird,
an dessen Stelle 22. Nov. 842 Lupus tritt.
[5] Ep. 35 u. 140 bei Jaffé, Bibl. VI, 255 u. 541, u. daraus Vita c. 5, p. 16.
[6] Ueber seine Bekämpfung des Adoptianismus s. Größler, Die Ausrottung des
Adopt. im Reiche Karls d. Großen, Progr. d. Gymn. zu Eisleben 1879. Ob die libri
Carolini (oben → S. 157) von ihm verfaßt sind, ist zweifelhaft; vgl. die Anm. von
Dümmler, Bibl. VI, 222. Ueber den ganzen Gegenstand Hauck II, 283-299.
Page 222
[7] Neue Ausgabe Bibl. VI, 132 ff. Vgl. Sickel, Hist. Zeitschr. XXXII, 355-365, u.
Alcuinstudien I, Wiener SB. LXXIX, 461 ff. Ein Facs. aus Harl. 208 in Thompson's
Catal. of ancient Lat. mss. (1884) pl. 51, Beschr. S. 86; S. 87 von Reg. 8. E. XV.
Einen Brief über Felix, vermuthlich an Theodulf gerichtet, hat Loewenfeld gefunden
und Bibl. de l'École des chartes XLII herausgegeben (s. NA. VII, 242). — Dümmler,
Alchvinstudien, Berl. SB. 1891, S. 495-523 als Vorbereitung der neuen Ausgabe.
[8] Ausg. von Dümmler, Poet. Lat. I, 160-351, cf. II, 690-693. Die S. 692
nachgetragenen sind aber von Prosper, s. Manitius. NA. XI, 553; von dems. ib. S.
558 Anklänge in Alcuins Gedichten. Vgl. Traube, Karol. Dichtungen, S. 47-51, 61-
110. A. Largeault, Inscriptions métr. composées par et pour les monastères de St.
Hilaire de Poitiers et de Nouaillé (Poitiers, Guillois 1885); darüber u. dazu Traube,
NA. XIX, 447. J. B. de Rossi: L'inscription du tombeau, d'Hadrien I (von Alcuin)
Extr. des Mél. d'archéol. et d'hist. publ. par l'École franç. de Rome, 1888, mit
Berichtigungen zu A.'s Gedichten. Vgl. NA. XIV, 447.
[9] Bibl. VI, 80-131; Poet. Lat. I, 169-206.
[10] Vgl. Prantl, Gesch. d. Logik II, 14-17.
[11] Jos. Zechmeister: Scholia Vindobonensia ad Horatii Artem, Vind. 1877, glaubt
diese Alcuin oder seiner Schule zuschreiben zu können, aber der Stil erscheint mir
sehr verschieden. S. 15, 23 l. colantes culices, nicht volantes.
[12] Für diesen, Karls Kanzler (Sickel I, 80), ist auch die jetzt in Wien verwahrte
Biblia Radonis geschrieben.
[13] Diese Ansicht bekämpft Ebert II, 345, allein mir erscheinen die Angaben der
Vita c. 10 zu bestimmt und zuverlässig überliefert, als daß wir sie verwerfen dürften.
[14] Neue Ausg. Bibl. VI, 1-34. MG. SS. XV, I, 182-197, von Arndt.
Alcuinstudien I, Wiener SB. LXXIX, 461 ff. Ein Facs. aus Harl. 208 in Thompson's
Catal. of ancient Lat. mss. (1884) pl. 51, Beschr. S. 86; S. 87 von Reg. 8. E. XV.
Einen Brief über Felix, vermuthlich an Theodulf gerichtet, hat Loewenfeld gefunden
und Bibl. de l'École des chartes XLII herausgegeben (s. NA. VII, 242). — Dümmler,
Alchvinstudien, Berl. SB. 1891, S. 495-523 als Vorbereitung der neuen Ausgabe.
[8] Ausg. von Dümmler, Poet. Lat. I, 160-351, cf. II, 690-693. Die S. 692
nachgetragenen sind aber von Prosper, s. Manitius. NA. XI, 553; von dems. ib. S.
558 Anklänge in Alcuins Gedichten. Vgl. Traube, Karol. Dichtungen, S. 47-51, 61-
110. A. Largeault, Inscriptions métr. composées par et pour les monastères de St.
Hilaire de Poitiers et de Nouaillé (Poitiers, Guillois 1885); darüber u. dazu Traube,
NA. XIX, 447. J. B. de Rossi: L'inscription du tombeau, d'Hadrien I (von Alcuin)
Extr. des Mél. d'archéol. et d'hist. publ. par l'École franç. de Rome, 1888, mit
Berichtigungen zu A.'s Gedichten. Vgl. NA. XIV, 447.
[9] Bibl. VI, 80-131; Poet. Lat. I, 169-206.
[10] Vgl. Prantl, Gesch. d. Logik II, 14-17.
[11] Jos. Zechmeister: Scholia Vindobonensia ad Horatii Artem, Vind. 1877, glaubt
diese Alcuin oder seiner Schule zuschreiben zu können, aber der Stil erscheint mir
sehr verschieden. S. 15, 23 l. colantes culices, nicht volantes.
[12] Für diesen, Karls Kanzler (Sickel I, 80), ist auch die jetzt in Wien verwahrte
Biblia Radonis geschrieben.
[13] Diese Ansicht bekämpft Ebert II, 345, allein mir erscheinen die Angaben der
Vita c. 10 zu bestimmt und zuverlässig überliefert, als daß wir sie verwerfen dürften.
[14] Neue Ausg. Bibl. VI, 1-34. MG. SS. XV, I, 182-197, von Arndt.
Page 223
§ 6. Paulus Diaconus. [ ← ]
Sein Leben ist erst genauer bekannt geworden durch die von Lebeuf entdeckten und in der
Dissertation sur l'histoire de Paris 1739 herausgegebenen Gedichte. Bethmann, Paulus Diaconus
Leben und Schriften, Archiv X, 247-334. Bethmann, Die Geschichtschreibung der Langobarden,
ib. 335-414. Langob. Regesten, nach Bethmanns Nachlaß bearb. v. Holder-Egger, NA. III, 225-
318. L. Ranke, P. D. Ges. Werke LI, 77-92. F. Dahn, Des Paulus D. Leben u. Schriften, 1876
(die Gedichte in sehr schlechten Texten). Vgl. die Anz. von G. Waitz, GGA. 1876 S. 1513-1523.
Ebert II, 36-56. Bursian, Gesch. d. Philol. I, 19. Balzani S. 66-90. Pasq. Del. Giudice 1880,
wiederholt in: Studi di storia e diritto (1890) S. 1-43. — Die Gedichte Poet. Lat. I, 27-86, vgl.
NA. IV, 102-112. 573. X, 165. XVII, 397-401. Traube, Karol. Dicht. S. 62. 63. NA. XV, 199
(Die Verse „Multa legit“ zu streichen). Ein grammat. Gedicht Poet. lat. I, 625-628, vgl. II, 698.
Der Lobgesang auf den h. Mercur kann nach Dümmler nicht von P. D. herrühren, vgl. Dahn S.
17.
Wie die Gothen, so bewahrten auch die Langobarden ihres Volkes
Urgeschichte, die alten Sagen, die Großthaten der Väter, besonders aber,
worauf sie den größten Werth legten, die Folge und Verwandtschaft der
Geschlechter, in ihren Liedern, die sich mündlich vom Vater auf den Sohn
vererbten. Sie aufzuzeichnen, keine leichte Arbeit, mochte überflüssig
erscheinen, so lange sie noch im Volke lebten; doch gegen das Ende des
siebenten Jahrhunderts, um 670 hat ein Langobarde aus ihnen die
Geschichte seines Volkes entnommen, und der L ango bar den Her kun f t,
wie man davon sagte und sang, in kurzen und schlichten Worten berichtet;
in Umrissen nur, nicht in ausführlicher Erzählung, aber was er uns giebt, ist
unberührt von der fremden Gelehrsamkeit, welche die gothischen und
fränkischen Sagen entstellt hat[1]. Man hatte darin doch etwas mehr als in
dem kahlen Königsverzeichniß, welches König Rothar 643 seinem
Gesetzbuch vorangestellt hatte; des Volkes Aelteste, welche das Recht
sprachen und das Andenken der Vergangenheit festhielten, trugen darum
auch dieses Schriftchen in ihr Rechtsbuch ein, wie wir das so häufig
wiederfinden in den Handschriften des Mittelalters, bei den Gesetzen der
Westgothen und Franken so gut wie beim Sachsenspiegel.
Sein Leben ist erst genauer bekannt geworden durch die von Lebeuf entdeckten und in der
Dissertation sur l'histoire de Paris 1739 herausgegebenen Gedichte. Bethmann, Paulus Diaconus
Leben und Schriften, Archiv X, 247-334. Bethmann, Die Geschichtschreibung der Langobarden,
ib. 335-414. Langob. Regesten, nach Bethmanns Nachlaß bearb. v. Holder-Egger, NA. III, 225-
318. L. Ranke, P. D. Ges. Werke LI, 77-92. F. Dahn, Des Paulus D. Leben u. Schriften, 1876
(die Gedichte in sehr schlechten Texten). Vgl. die Anz. von G. Waitz, GGA. 1876 S. 1513-1523.
Ebert II, 36-56. Bursian, Gesch. d. Philol. I, 19. Balzani S. 66-90. Pasq. Del. Giudice 1880,
wiederholt in: Studi di storia e diritto (1890) S. 1-43. — Die Gedichte Poet. Lat. I, 27-86, vgl.
NA. IV, 102-112. 573. X, 165. XVII, 397-401. Traube, Karol. Dicht. S. 62. 63. NA. XV, 199
(Die Verse „Multa legit“ zu streichen). Ein grammat. Gedicht Poet. lat. I, 625-628, vgl. II, 698.
Der Lobgesang auf den h. Mercur kann nach Dümmler nicht von P. D. herrühren, vgl. Dahn S.
17.
Wie die Gothen, so bewahrten auch die Langobarden ihres Volkes
Urgeschichte, die alten Sagen, die Großthaten der Väter, besonders aber,
worauf sie den größten Werth legten, die Folge und Verwandtschaft der
Geschlechter, in ihren Liedern, die sich mündlich vom Vater auf den Sohn
vererbten. Sie aufzuzeichnen, keine leichte Arbeit, mochte überflüssig
erscheinen, so lange sie noch im Volke lebten; doch gegen das Ende des
siebenten Jahrhunderts, um 670 hat ein Langobarde aus ihnen die
Geschichte seines Volkes entnommen, und der L ango bar den Her kun f t,
wie man davon sagte und sang, in kurzen und schlichten Worten berichtet;
in Umrissen nur, nicht in ausführlicher Erzählung, aber was er uns giebt, ist
unberührt von der fremden Gelehrsamkeit, welche die gothischen und
fränkischen Sagen entstellt hat[1]. Man hatte darin doch etwas mehr als in
dem kahlen Königsverzeichniß, welches König Rothar 643 seinem
Gesetzbuch vorangestellt hatte; des Volkes Aelteste, welche das Recht
sprachen und das Andenken der Vergangenheit festhielten, trugen darum
auch dieses Schriftchen in ihr Rechtsbuch ein, wie wir das so häufig
wiederfinden in den Handschriften des Mittelalters, bei den Gesetzen der
Westgothen und Franken so gut wie beim Sachsenspiegel.
Page 224
Es gab freilich damals bereits auch eine andere Geschichte der
Langobarden, verfaßt von dem Knechte Gottes S ecu ndus, Abt in Trient (†
612), aller Wahrscheinlichkeit nach, wie R. Jacobi bemerkt, demselben,
welcher in Pabst Gregors I Briefe vorkommt[2]; wir kennen sie aber nur,
weil Paulus ihrer gedenkt, und sie scheint wenig Verbreitung gefunden zu
haben. Ein so frommer Mann römischer Abkunft erzählte schwerlich von
Wodan und Freia, und mit der römischen Bildung haben die Langobarden
sich nur sehr langsam befreundet. Ein Römer scheint es auch gewesen zu
sein, der im Jahre 641 die oben S. 84 erwähnte Fortsetzung des Prosper
verfaßte. Von litterarischer Thätigkeit im langobardischen Reiche finden
sich weiter keine Spuren, man müßte denn etwa des Abtes Jonas von Susa
Schriften, deren wir schon oben (S. 118) gedachten, dazu rechnen, der aber
auch ein Romane war. Sonst liegt noch ein um 698 verfaßtes rhythmisches
Gedicht in rohester Form vor, in welchem ein Magister S teff an den König
Kunincpert feiert, der das Schisma von Aquilegia beendigt hatte; auch
seiner Vorfahren, die Arianer und Juden verfolgten, wird rühmend
gedacht[3]. Nicht minder roh in der Form ist eine bald nach 738 verfaßte
rhythmische Beschreibung von Mailand, worin König Liutprand und
Bischof Theodor gepriesen werden[4].
Die Grammatiker jedoch, welche trotz aller Ungunst der Zeiten ihre
Thätigkeit in Italien immer fortgesetzt hatten, fanden allmählich auch unter
den Langobarden Schüler, und als deren Herrschaft sich ihrem Ende nahte,
da hatten sie dem fremden Volke bereits seinen Geschichtschreiber erzogen,
der, wie Jordanis, nach dem Sturze des Reiches wenigstens das Andenken
desselben für die Nachwelt bewahrte.
P au l u s, des Warnefrid Sohn, aus einem edlen
Langobardengeschlechte, das im Friaul begütert war, um 720 geboren,
wurde wahrscheinlich nach alter deutscher Sitte am Hofe des Ratchis (744-
749) zu Pavia erzogen; als seinen Lehrer nennt er den Grammatiker
Flavianus, dessen er noch in seinem hohen Alter mit Liebe gedenkt[5]. Auch
dem König Desiderius soll Paulus lieb und werth gewesen sein, und wenn
Langobarden, verfaßt von dem Knechte Gottes S ecu ndus, Abt in Trient (†
612), aller Wahrscheinlichkeit nach, wie R. Jacobi bemerkt, demselben,
welcher in Pabst Gregors I Briefe vorkommt[2]; wir kennen sie aber nur,
weil Paulus ihrer gedenkt, und sie scheint wenig Verbreitung gefunden zu
haben. Ein so frommer Mann römischer Abkunft erzählte schwerlich von
Wodan und Freia, und mit der römischen Bildung haben die Langobarden
sich nur sehr langsam befreundet. Ein Römer scheint es auch gewesen zu
sein, der im Jahre 641 die oben S. 84 erwähnte Fortsetzung des Prosper
verfaßte. Von litterarischer Thätigkeit im langobardischen Reiche finden
sich weiter keine Spuren, man müßte denn etwa des Abtes Jonas von Susa
Schriften, deren wir schon oben (S. 118) gedachten, dazu rechnen, der aber
auch ein Romane war. Sonst liegt noch ein um 698 verfaßtes rhythmisches
Gedicht in rohester Form vor, in welchem ein Magister S teff an den König
Kunincpert feiert, der das Schisma von Aquilegia beendigt hatte; auch
seiner Vorfahren, die Arianer und Juden verfolgten, wird rühmend
gedacht[3]. Nicht minder roh in der Form ist eine bald nach 738 verfaßte
rhythmische Beschreibung von Mailand, worin König Liutprand und
Bischof Theodor gepriesen werden[4].
Die Grammatiker jedoch, welche trotz aller Ungunst der Zeiten ihre
Thätigkeit in Italien immer fortgesetzt hatten, fanden allmählich auch unter
den Langobarden Schüler, und als deren Herrschaft sich ihrem Ende nahte,
da hatten sie dem fremden Volke bereits seinen Geschichtschreiber erzogen,
der, wie Jordanis, nach dem Sturze des Reiches wenigstens das Andenken
desselben für die Nachwelt bewahrte.
P au l u s, des Warnefrid Sohn, aus einem edlen
Langobardengeschlechte, das im Friaul begütert war, um 720 geboren,
wurde wahrscheinlich nach alter deutscher Sitte am Hofe des Ratchis (744-
749) zu Pavia erzogen; als seinen Lehrer nennt er den Grammatiker
Flavianus, dessen er noch in seinem hohen Alter mit Liebe gedenkt[5]. Auch
dem König Desiderius soll Paulus lieb und werth gewesen sein, und wenn
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auch die Zeugnisse dafür unzuverlässig sind, so ist es doch an sich sehr
wahrscheinlich, daß er in der königlichen Kanzlei Beschäftigung fand und
eben dadurch in ein so nahes Verhältniß zu der Herrscherfamilie trat. Im J.
763 verfaßte er rhythmische Verse über die sechs Weltalter, welche
akrostichisch die Worte Adelperga pia enthalten[6], den Namen der Tochter
des Desiderius, welche seine Schülerin war; dieser und ihrem Gemahl
Arichis war er mit der wärmsten Anhänglichkeit und Freundschaft ergeben,
und an ihrem Hofe zu Benevent fand er eine Zuflucht nach dem Falle des
Reiches von Pavia, wenn er nicht schon früher die Königstochter dahin
begleitet hatte. Für sie verfaßte er hier seine R öm ische G eschi ch t e bis
auf Justinian, deren wir schon oben (S. 52) gedachten[7]. Er hatte der
wißbegierigen Königstochter den Eutrop zu lesen gegeben, in welchem sie
aber jede Erwähnung der jüdischen und christlichen Geschichte vermißte.
Deshalb versah er das Werk mit Zusätzen und mit einer Fortsetzung aus
verschiedenen Quellen, und das Geschick nebst der umfassenden
Litteraturkenntniß, womit er diese Arbeit ausführte, hat lebhafte
Anerkennung bei Th. Mommsen gefunden, auf dessen Anordnung die
Ausgabe von H. Droysen die Gestalt von Zusätzen zum Eutrop erhalten
hat[8]. Den zusammenhängenden Text des Paulus dagegen finden wir in der
Octavausgabe.
Um diese Zeit dichtete Paulus auch für Arichis die Inschriften, womit
dieser seine glänzenden Bauten zu Salerno schmückte, und die Grabschrift
auf die Königin Ansa[9], welche 774 nach Frankreich abgeführt war, und
deren Todesjahr unbekannt ist. Noch feiert er darin Adelchis als die
Hoffnung der Langobarden.
Wann Paulus in den geistlichen Stand eingetreten ist, dem er seinen
Beinamen Diaconus verdankt, wissen wir nicht; ebenso wenig, wann er in
dem großen Mutterkloster des Abendlandes zu Montecassino das
Mönchsgelübde abgelegt hat; vielleicht führte ihn dorthin die
Anhänglichkeit an König Ratchis, der hier als Mönch seinen Weinberg
baute, vielleicht die Noth nach der Confiscation der Güter seiner Familie.
wahrscheinlich, daß er in der königlichen Kanzlei Beschäftigung fand und
eben dadurch in ein so nahes Verhältniß zu der Herrscherfamilie trat. Im J.
763 verfaßte er rhythmische Verse über die sechs Weltalter, welche
akrostichisch die Worte Adelperga pia enthalten[6], den Namen der Tochter
des Desiderius, welche seine Schülerin war; dieser und ihrem Gemahl
Arichis war er mit der wärmsten Anhänglichkeit und Freundschaft ergeben,
und an ihrem Hofe zu Benevent fand er eine Zuflucht nach dem Falle des
Reiches von Pavia, wenn er nicht schon früher die Königstochter dahin
begleitet hatte. Für sie verfaßte er hier seine R öm ische G eschi ch t e bis
auf Justinian, deren wir schon oben (S. 52) gedachten[7]. Er hatte der
wißbegierigen Königstochter den Eutrop zu lesen gegeben, in welchem sie
aber jede Erwähnung der jüdischen und christlichen Geschichte vermißte.
Deshalb versah er das Werk mit Zusätzen und mit einer Fortsetzung aus
verschiedenen Quellen, und das Geschick nebst der umfassenden
Litteraturkenntniß, womit er diese Arbeit ausführte, hat lebhafte
Anerkennung bei Th. Mommsen gefunden, auf dessen Anordnung die
Ausgabe von H. Droysen die Gestalt von Zusätzen zum Eutrop erhalten
hat[8]. Den zusammenhängenden Text des Paulus dagegen finden wir in der
Octavausgabe.
Um diese Zeit dichtete Paulus auch für Arichis die Inschriften, womit
dieser seine glänzenden Bauten zu Salerno schmückte, und die Grabschrift
auf die Königin Ansa[9], welche 774 nach Frankreich abgeführt war, und
deren Todesjahr unbekannt ist. Noch feiert er darin Adelchis als die
Hoffnung der Langobarden.
Wann Paulus in den geistlichen Stand eingetreten ist, dem er seinen
Beinamen Diaconus verdankt, wissen wir nicht; ebenso wenig, wann er in
dem großen Mutterkloster des Abendlandes zu Montecassino das
Mönchsgelübde abgelegt hat; vielleicht führte ihn dorthin die
Anhänglichkeit an König Ratchis, der hier als Mönch seinen Weinberg
baute, vielleicht die Noth nach der Confiscation der Güter seiner Familie.
Page 226
Das stille Klosterleben aber gewann bald einen solchen Reiz für Paulus
nach den traurigen Zeiten, die er durchlebt hatte, daß er die heilige Stätte
wohl nicht wieder verlassen haben würde, wenn nicht die politischen
Ereignisse ihm auch hier keine Ruhe gelassen hätten.
Im Jahre 776 nämlich war im Friaul ein Aufstand gegen die Franken
ausgebrochen, dem vielleicht Paulus selbst nicht fremd war, und wohl ohne
Zweifel war dies die Veranlassung, weshalb sein Bruder Arichis gefangen
fortgeführt wurde und sein Vermögen verlor. Lange scheint sich Paulus
jeder Annäherung an die Franken enthalten zu haben; als aber Karl 781
nach Rom gekommen war, und in der Ordnung der italischen Verhältnisse
seine Mäßigung und Milde bewährt hatte[10], da richtete Paulus, sechs Jahre
nach jenem Ereigniß, eine Elegie an den König, worin er ihn um Gnade für
seinen Bruder bat[11]. Damit begab er selbst sich zum Könige, und schrieb
am 10. Januar 783 von den Ufern der Mosel einen Brief an seinen Abt
Theudemar[12], worin er noch den festen Entschluß ausspricht, in sein
Kloster, nach welchem lebhafte Sehnsucht ihn erfüllte, heimzukehren,
sobald er den Zweck seiner Fürbitte erreicht habe. Er rühmt aber sehr die
gute Aufnahme, welche er gefunden habe. Es war gerade die Zeit, in
welcher Karl die Gelehrten aller Länder an seinem Hofe versammelte, und
Paulus ließ sich doch bestimmen, einige Jahre an dieser ersten frischen
Entfaltung litterarischer Thätigkeit sich zu betheiligen. Noch haben sich
Verse erhalten, welche in Karls Namen Peter von Pisa an ihn richtete[13], wo
in scherzhafter Uebertreibung seine Gaben und Kenntnisse gefeiert werden.
Eben wolle er seine Tochter nach Griechenland verheirathen, sagt Karl, und
Paulus solle ihre Begleiter in dieser Sprache unterweisen. Bescheiden und
aufrichtig lehnt Paulus die Lobsprüche und den Auftrag ab, und ebenso
wenig wird er, was ihm in ähnlicher Weise zugemuthet wurde, die
Bekehrung des Dänenkönigs Siegfried versucht haben. Einige Kenntniß der
griechischen Sprache, welche man bei der Nachbarschaft nicht gut
entbehren konnte, hatte er, wie er selbst sagt, in der Schule erworben, aber
weit wird dieselbe nicht gereicht haben. Er dichtete aber Grabschriften für
die Königin Hildegard ( † 783) und für deren so wie für Pippins Töchter,
nach den traurigen Zeiten, die er durchlebt hatte, daß er die heilige Stätte
wohl nicht wieder verlassen haben würde, wenn nicht die politischen
Ereignisse ihm auch hier keine Ruhe gelassen hätten.
Im Jahre 776 nämlich war im Friaul ein Aufstand gegen die Franken
ausgebrochen, dem vielleicht Paulus selbst nicht fremd war, und wohl ohne
Zweifel war dies die Veranlassung, weshalb sein Bruder Arichis gefangen
fortgeführt wurde und sein Vermögen verlor. Lange scheint sich Paulus
jeder Annäherung an die Franken enthalten zu haben; als aber Karl 781
nach Rom gekommen war, und in der Ordnung der italischen Verhältnisse
seine Mäßigung und Milde bewährt hatte[10], da richtete Paulus, sechs Jahre
nach jenem Ereigniß, eine Elegie an den König, worin er ihn um Gnade für
seinen Bruder bat[11]. Damit begab er selbst sich zum Könige, und schrieb
am 10. Januar 783 von den Ufern der Mosel einen Brief an seinen Abt
Theudemar[12], worin er noch den festen Entschluß ausspricht, in sein
Kloster, nach welchem lebhafte Sehnsucht ihn erfüllte, heimzukehren,
sobald er den Zweck seiner Fürbitte erreicht habe. Er rühmt aber sehr die
gute Aufnahme, welche er gefunden habe. Es war gerade die Zeit, in
welcher Karl die Gelehrten aller Länder an seinem Hofe versammelte, und
Paulus ließ sich doch bestimmen, einige Jahre an dieser ersten frischen
Entfaltung litterarischer Thätigkeit sich zu betheiligen. Noch haben sich
Verse erhalten, welche in Karls Namen Peter von Pisa an ihn richtete[13], wo
in scherzhafter Uebertreibung seine Gaben und Kenntnisse gefeiert werden.
Eben wolle er seine Tochter nach Griechenland verheirathen, sagt Karl, und
Paulus solle ihre Begleiter in dieser Sprache unterweisen. Bescheiden und
aufrichtig lehnt Paulus die Lobsprüche und den Auftrag ab, und ebenso
wenig wird er, was ihm in ähnlicher Weise zugemuthet wurde, die
Bekehrung des Dänenkönigs Siegfried versucht haben. Einige Kenntniß der
griechischen Sprache, welche man bei der Nachbarschaft nicht gut
entbehren konnte, hatte er, wie er selbst sagt, in der Schule erworben, aber
weit wird dieselbe nicht gereicht haben. Er dichtete aber Grabschriften für
die Königin Hildegard ( † 783) und für deren so wie für Pippins Töchter,
Page 227
und verfaßte auf Karls Befehl die Homiliensammlung, welche der
Unwissenheit der Geistlichen in wirksamer Weise zu Hülfe kam[14]. Diese
wird er jedoch, wie Dahn nachgewiesen hat, erst in Montecassino
ausgearbeitet haben.
In eben dieser Zeit schrieb Paulus auch auf Bitten des Bischofs
Angilram von Metz die Geschichte von dessen Vorfahren auf dem Stuhl des
heiligen Clemens[15]. „Mit besonderer Ausführlichkeit behandelte er darin
die Familie und die Ahnen Karls des Großen, vielleicht,“ wie Bethmann
sagt, „auf dessen eigenen Wunsch oder wenigstens ihm zu Gefallen, und
nicht undeutlich blickt die Absicht durch, die Thronbesteigung der
Karolinger zu rechtfertigen und sie als ein durch Heilige gleichsam
legitimes Herrscherhaus darzustellen.“ Doch hat gegen diese Auffassung
Bonnell[16] nicht unerhebliche Gründe geltend gemacht, und nur die
Verherrlichung des Ahnherrn Arnulf im Anschluß an dessen ältere
Lebensbeschreibung bestehen lassen.
Paulus gab in diesem Werke das erste Beispiel und Vorbild der
Bisthumsgeschichten. Auch eine Biographie Gregors des Großen hat Paulus
nach seiner eigenen Angabe geschrieben[17]; daß er aber auch derjenige
Paulus gewesen wäre, welcher eine kritisch verbesserte Auswahl aus
Gregors Briefen an Adalhard schickte, ist mindestens sehr unsicher[18].
Dagegen bemerkt Dümmler, daß er wohl der in einem Schreiben Hadrians I
(Bibl. IV, 274) erwähnte Paulus grammaticus sein könne, welcher Gregors I
Sacramentar für Karl von ihm erbeten hatte.
So wahrhaft und innig auch die Liebe gewesen zu sein scheint, welche
den langobardischen Mönch mit dem Besieger seines Volkes verband, auf
immer ließ er sich doch nicht am Hofe fesseln. Die immer zunehmende,
endlich bis zum Kriege gesteigerte Feindschaft zwischen Arichis und Karl
mag ihm wohl zuletzt den Aufenthalt daselbst vollends verleidet haben,
obwohl sein persönliches Verhältniß zum Könige auch durch diese Vorfälle
nicht gestört wurde. Doch finden wir ihn 787 wieder in Montecassino, wo
Unwissenheit der Geistlichen in wirksamer Weise zu Hülfe kam[14]. Diese
wird er jedoch, wie Dahn nachgewiesen hat, erst in Montecassino
ausgearbeitet haben.
In eben dieser Zeit schrieb Paulus auch auf Bitten des Bischofs
Angilram von Metz die Geschichte von dessen Vorfahren auf dem Stuhl des
heiligen Clemens[15]. „Mit besonderer Ausführlichkeit behandelte er darin
die Familie und die Ahnen Karls des Großen, vielleicht,“ wie Bethmann
sagt, „auf dessen eigenen Wunsch oder wenigstens ihm zu Gefallen, und
nicht undeutlich blickt die Absicht durch, die Thronbesteigung der
Karolinger zu rechtfertigen und sie als ein durch Heilige gleichsam
legitimes Herrscherhaus darzustellen.“ Doch hat gegen diese Auffassung
Bonnell[16] nicht unerhebliche Gründe geltend gemacht, und nur die
Verherrlichung des Ahnherrn Arnulf im Anschluß an dessen ältere
Lebensbeschreibung bestehen lassen.
Paulus gab in diesem Werke das erste Beispiel und Vorbild der
Bisthumsgeschichten. Auch eine Biographie Gregors des Großen hat Paulus
nach seiner eigenen Angabe geschrieben[17]; daß er aber auch derjenige
Paulus gewesen wäre, welcher eine kritisch verbesserte Auswahl aus
Gregors Briefen an Adalhard schickte, ist mindestens sehr unsicher[18].
Dagegen bemerkt Dümmler, daß er wohl der in einem Schreiben Hadrians I
(Bibl. IV, 274) erwähnte Paulus grammaticus sein könne, welcher Gregors I
Sacramentar für Karl von ihm erbeten hatte.
So wahrhaft und innig auch die Liebe gewesen zu sein scheint, welche
den langobardischen Mönch mit dem Besieger seines Volkes verband, auf
immer ließ er sich doch nicht am Hofe fesseln. Die immer zunehmende,
endlich bis zum Kriege gesteigerte Feindschaft zwischen Arichis und Karl
mag ihm wohl zuletzt den Aufenthalt daselbst vollends verleidet haben,
obwohl sein persönliches Verhältniß zum Könige auch durch diese Vorfälle
nicht gestört wurde. Doch finden wir ihn 787 wieder in Montecassino, wo
Page 228
er die schöne Grabschrift für den am 25. August verstorbenen Fürsten
Arichis verfaßte[19]. Den Abend seines Lebens widmete er von nun an in
ungestörter Ruhe frommen Betrachtungen und der Geschichte seines
Volkes. Er schrieb eine ausführliche Erläuterung der Klosterregel[20] und
verfaßte die sechs Bücher seiner G eschich t e der L ang obar den[21], die
er leider unvollendet hinterlassen hat. Er erfüllte damit das schon in der
Widmung der Römischen Geschichte der Adelperga gegebene Versprechen,
sie bis auf seine Zeit fortzusetzen.
Als einen bedeutenden Historiker können wir Paulus freilich nicht
betrachten. Die Sprache weiß er in seinen Gedichten mit Leichtigkeit und
Anmuth, wenn auch nicht fehlerfrei, zu behandeln[22] und in der Erzählung
zieht uns ihre schmucklose Einfachheit an. Von der gesuchten
Gelehrsamkeit und Ueberkünstelung so wie von der barbarischen Rohheit
des siebenten Jahrhunderts ist er frei, und für sein Zeitalter ist seine gelehrte
und sprachliche Bildung außerordentlich hoch anzuschlagen[23]. Allein
historische Kunst oder tiefere Auffassung dürfen wir bei ihm nicht suchen.
In der Geschichte der Bischöfe von Metz berichtet er anfangs die fabelhafte
Localtradition, ohne ein Urtheil darüber auszusprechen, als Sage, dann
schöpfte er seine Nachrichten aus Gregor, Fredegar und dem Leben Arnulfs;
was er aus der neueren Zeit hinzufügt, ist wenig bedeutend, wie denn auch
dieses ganze Werk über einen ihm fernliegenden Gegenstand, auf den
Wunsch seines Gönners verfaßt, zu keinen höheren Ansprüchen berechtigt.
Anders verhält es sich mit der Geschichte der Langobarden. Leider
reicht sie nur bis zum Tode Liutprands (744), und es fehlt uns also die
Darstellung der Zeit, welche der Verfasser selbst durchlebt hat. So weit er
aber mit seiner Arbeit gekommen ist, finden wir auch hier nur einfache
Erzählung, zusammengesetzt aus der mündlichen Ueberlieferung und
schriftlichen Quellen, wie der Origo, Gregor von Tours, Beda, den Leben
der Päbste u. a. m.[24]. Aus diesen nimmt er ganze Stücke auf, ohne sie
eigentlich zu einem Ganzen zu verarbeiten; in der Kritik, sogar in der
Sorgfalt und Genauigkeit bei Benutzung seiner Gewährsmänner erscheint er
Arichis verfaßte[19]. Den Abend seines Lebens widmete er von nun an in
ungestörter Ruhe frommen Betrachtungen und der Geschichte seines
Volkes. Er schrieb eine ausführliche Erläuterung der Klosterregel[20] und
verfaßte die sechs Bücher seiner G eschich t e der L ang obar den[21], die
er leider unvollendet hinterlassen hat. Er erfüllte damit das schon in der
Widmung der Römischen Geschichte der Adelperga gegebene Versprechen,
sie bis auf seine Zeit fortzusetzen.
Als einen bedeutenden Historiker können wir Paulus freilich nicht
betrachten. Die Sprache weiß er in seinen Gedichten mit Leichtigkeit und
Anmuth, wenn auch nicht fehlerfrei, zu behandeln[22] und in der Erzählung
zieht uns ihre schmucklose Einfachheit an. Von der gesuchten
Gelehrsamkeit und Ueberkünstelung so wie von der barbarischen Rohheit
des siebenten Jahrhunderts ist er frei, und für sein Zeitalter ist seine gelehrte
und sprachliche Bildung außerordentlich hoch anzuschlagen[23]. Allein
historische Kunst oder tiefere Auffassung dürfen wir bei ihm nicht suchen.
In der Geschichte der Bischöfe von Metz berichtet er anfangs die fabelhafte
Localtradition, ohne ein Urtheil darüber auszusprechen, als Sage, dann
schöpfte er seine Nachrichten aus Gregor, Fredegar und dem Leben Arnulfs;
was er aus der neueren Zeit hinzufügt, ist wenig bedeutend, wie denn auch
dieses ganze Werk über einen ihm fernliegenden Gegenstand, auf den
Wunsch seines Gönners verfaßt, zu keinen höheren Ansprüchen berechtigt.
Anders verhält es sich mit der Geschichte der Langobarden. Leider
reicht sie nur bis zum Tode Liutprands (744), und es fehlt uns also die
Darstellung der Zeit, welche der Verfasser selbst durchlebt hat. So weit er
aber mit seiner Arbeit gekommen ist, finden wir auch hier nur einfache
Erzählung, zusammengesetzt aus der mündlichen Ueberlieferung und
schriftlichen Quellen, wie der Origo, Gregor von Tours, Beda, den Leben
der Päbste u. a. m.[24]. Aus diesen nimmt er ganze Stücke auf, ohne sie
eigentlich zu einem Ganzen zu verarbeiten; in der Kritik, sogar in der
Sorgfalt und Genauigkeit bei Benutzung seiner Gewährsmänner erscheint er
Page 229
schwach, höchst verwirrt in der Chronologie, und obwohl seine eigentliche
Aufgabe die Volksgeschichte der Langobarden ist, nimmt er ohne rechtes
Maß doch auch fernerliegendes auf. Läßt er aber demnach als gelehrter
Geschichtschreiber viel zu wünschen übrig, so entschädigen uns doch dafür
andere sehr wesentliche Vorzüge, die einfache Klarheit seiner Darstellung,
die lautere Wahrheitsliebe, die ihn von allem in ungeschminkter Geradheit
berichten läßt, die Wärme des Gefühls für sein Volk, welche sich auch ohne
ruhmredige Verherrlichung besonders in der Aufzeichnung der alten Sagen
kundgiebt. Sehen wir nun aber vollends auf den materiellen Werth seiner
Geschichte, so ist derselbe unbedenklich als ganz unschätzbar
anzuerkennen, wir verdanken ihm eben die Bewahrung jenes reichen, durch
keine spätere Gelehrsamkeit verfälschten Sagenschatzes, und über die
Geschichte der Langobarden, was er aus dem Secundus von Trident und
anderen verlorenen Quellen schöpfte sowohl wie die Aufzeichnung
mündlicher Ueberlieferung: rettungslos würde alles dieses nach dem Sturze
des Reiches dem Untergang verfallen sein, wenn nicht des alten Mönches
Hand es mit treuer Liebe aufgezeichnet hätte.
[1] Origo Gentis Langobardorum, zuerst in: Edicta regum Langobardorum ed. opera
et studio Caroli Baudi di Vesme, Aug. Taur. 1855, vgl. p. LXXI bis LXXXII. Ausg. v.
F. Bluhme mit Chron. Goth. 1868 in MG. Legg. IV, 641-647. Ausg. v. Waitz, SS.
Lang 1-6 (verwirft die früher mit Baudi de Vesme angenommene erste Abfassung
unter Rothari). — Uebersetzung von Abel bei P. D. S. 1-8; vgl. Bethmann S. 351-365
und über die Sagen im Allgemeinen S. 335-349. Hieraus geschöpft, aber erweitert
auch mit Benutzung des Isidor, und mit einer Lobrede auf Karl und Pippin versehen
ist das c. 810 geschriebene sog. Chron. Gothanum, d. h. aus der einst Fulder, jetzt
Gothaer Handschr. der Volksrechte, in sehr barbarischer Form und Sprache; als
Historia Langobardorum codicis Gothani bei Waitz S. 7-11. Fragm. aus einer and.
Hs. bei Calligaris, s. unten. Platner, Forsch. XX, 172, vermuthet erste Abfassung der
Origo im 6. Jahr Agilulfs (597), weil nur so weit im Chron. Goth. benutzt.
Mommsen, NA. X, 74 ff. sieht in der Origo einen Auszug aus dem Werke des
Secundus mit einer Fortsetzung, aus diesem habe auch Paulus geschöpft; aber mir
erscheinen die Gegengründe von Waitz ib. S. 421 überwiegend. Für Mommsen L.
Schmidt, Zur Gesch. d. Langobarden (Diss. Lips. 1885), NA. XIII, 236. 391-394.
[2] R. Jacobi, Quellen der Langobardengeschichte, S. 63-84, stellt zusammen, was er
von Paulus Werk für Secundus in Anspruch nehmen zu können glaubt, und bekämpft
Bethmanns Meinung, daß der Contin. Prosperi Havn. ihn gekannt habe. L. Schmidt
hält sein Werk für eine annalistische Fortsetzung des Prosper.
Aufgabe die Volksgeschichte der Langobarden ist, nimmt er ohne rechtes
Maß doch auch fernerliegendes auf. Läßt er aber demnach als gelehrter
Geschichtschreiber viel zu wünschen übrig, so entschädigen uns doch dafür
andere sehr wesentliche Vorzüge, die einfache Klarheit seiner Darstellung,
die lautere Wahrheitsliebe, die ihn von allem in ungeschminkter Geradheit
berichten läßt, die Wärme des Gefühls für sein Volk, welche sich auch ohne
ruhmredige Verherrlichung besonders in der Aufzeichnung der alten Sagen
kundgiebt. Sehen wir nun aber vollends auf den materiellen Werth seiner
Geschichte, so ist derselbe unbedenklich als ganz unschätzbar
anzuerkennen, wir verdanken ihm eben die Bewahrung jenes reichen, durch
keine spätere Gelehrsamkeit verfälschten Sagenschatzes, und über die
Geschichte der Langobarden, was er aus dem Secundus von Trident und
anderen verlorenen Quellen schöpfte sowohl wie die Aufzeichnung
mündlicher Ueberlieferung: rettungslos würde alles dieses nach dem Sturze
des Reiches dem Untergang verfallen sein, wenn nicht des alten Mönches
Hand es mit treuer Liebe aufgezeichnet hätte.
[1] Origo Gentis Langobardorum, zuerst in: Edicta regum Langobardorum ed. opera
et studio Caroli Baudi di Vesme, Aug. Taur. 1855, vgl. p. LXXI bis LXXXII. Ausg. v.
F. Bluhme mit Chron. Goth. 1868 in MG. Legg. IV, 641-647. Ausg. v. Waitz, SS.
Lang 1-6 (verwirft die früher mit Baudi de Vesme angenommene erste Abfassung
unter Rothari). — Uebersetzung von Abel bei P. D. S. 1-8; vgl. Bethmann S. 351-365
und über die Sagen im Allgemeinen S. 335-349. Hieraus geschöpft, aber erweitert
auch mit Benutzung des Isidor, und mit einer Lobrede auf Karl und Pippin versehen
ist das c. 810 geschriebene sog. Chron. Gothanum, d. h. aus der einst Fulder, jetzt
Gothaer Handschr. der Volksrechte, in sehr barbarischer Form und Sprache; als
Historia Langobardorum codicis Gothani bei Waitz S. 7-11. Fragm. aus einer and.
Hs. bei Calligaris, s. unten. Platner, Forsch. XX, 172, vermuthet erste Abfassung der
Origo im 6. Jahr Agilulfs (597), weil nur so weit im Chron. Goth. benutzt.
Mommsen, NA. X, 74 ff. sieht in der Origo einen Auszug aus dem Werke des
Secundus mit einer Fortsetzung, aus diesem habe auch Paulus geschöpft; aber mir
erscheinen die Gegengründe von Waitz ib. S. 421 überwiegend. Für Mommsen L.
Schmidt, Zur Gesch. d. Langobarden (Diss. Lips. 1885), NA. XIII, 236. 391-394.
[2] R. Jacobi, Quellen der Langobardengeschichte, S. 63-84, stellt zusammen, was er
von Paulus Werk für Secundus in Anspruch nehmen zu können glaubt, und bekämpft
Bethmanns Meinung, daß der Contin. Prosperi Havn. ihn gekannt habe. L. Schmidt
hält sein Werk für eine annalistische Fortsetzung des Prosper.
Page 230
[3] Aus 2 Hss. aus Bobio bei Oltrocchi, Eccl. Medol. hist. Ligustica (1795) II, 536.
579. 624 mit ausführlichem Commentar. Waitz, SS. Lang. p. 189-191. Paulus D. hat
es nicht gekannt. Manitius S. 397.
[4] Neu herausgeg. v. L. Traube, Karol. Dicht. S. 119-122. Manitius S. 398.
[5] Diesen vermuthet Luc. Müller in einem oft angeführten Grammatiker, Neue
Jahrbb. f. Philol. XCIII (1866), 561. Dem aber widerspricht sehr entschieden H.
Hagen, Anecdota Helv. p. CLXIII.
[6] Waitz l. l. p. 13. Poet. Lat. I, 35.
[7] Wie Del Giudice S. 25 f. nachzuweisen sucht, war er schon Mönch und das
Langobardenreich gefallen.
[8] Von geringem Werth ist die Bearbeitung und Fortführung bis 813 von einem
unbekannten L a n d u l f u s S a g a x um das Jahr 1000, für die spätere Zeit fast
ausschließlich aus der Kirchengeschichte des Anastasius geschöpft, bekannt als
Historia miscella. (Ausg. v. Fr. Eyssenhardt, Berl. 1869). Seine Originalhs. hat
Heinrich II dem Kl. Corvey geschenkt (Cod. Vat. pal. 909). — Eutropi Breviarium ab
U. C. cum versionibus Graecis et Pauli Landolfique additamentis, rec. H. Droysen,
MG. Auctt. antiq. II. 1878, 4. Pauli Historia Romana in usum schol. recusa, Berl.
1879, 8. Vgl. Waitz, GGA. 1879, S. 583-602. H. Droysen, Zusammensetzung der H.
R., Forsch. XV, 167-180. Mommsen, NA. V, 53.
[9] Neue Ausgabe von Waitz, SS. Lang. S. 191; Dümmler, Poet. Lat. I, 45.
[10] „Quod raro fieri adsolet, clementi moderatione victoriam temperavit.“ Pauli
Gesta epp. Mett. p. 268.
[11] Versus ad regem precando, wiederholt bei Waitz, S. 15; Poet. Lat. I, 47.
[12] Wiederholt bei Waitz, S. 16.
[13] Bei Waitz S. 17; Poet. Lat. I, 48.
[14] Bethmann, Arch. X, 296 u. 301; Poet. Lat. I, 68, und die schönen
Widmungsverse eines Exemplars von Ebrard an den h. Germanus, Poet. Lat. I, 432.
G. Loeck: Die Homiliensammlung des P. D. als unmittelbare Vorlage des
Otfridischen Evangelienbuches, Kieler Diss. 1890.
[15] Gesta episcoporum Mettensium ed. Pertz, MG. SS. II, 260-270. Im Auszuge
übersetzt bei O. Abel, Einhards Jahrbücher S. 1-8. Ueber die von Freher benutzte Hs.
(jetzt in Bremen) Dümmler, NA. III, 187. Andere nachgewiesen im Catal. des Mss.
des Départ. V, p. LXII. Die nach Bethmanns Vermuthung im Arch. X, 294 von ihm
herrührenden Versus de episcopis Mettensibus bis auf Angilram, Poet. Lat. I, 60. SS.
XIII, 303-305. — Durch weitere Ausführung mißverstandener Worte des Paulus
entstand aus den Gesten mit Benutzung des Fredegar und seiner Fortsetzer unter
Ludwig dem Frommen die Domus Carolingicae genealogia, MG. SS. II, 308, XIII,
243 von Waitz als Genealogia regum Francorum, welche nach Bonnell, Die Anfänge
S. 6 ff. mit Ludwigs aquitanischem Königreich in Verbindung steht, indem sie ihm
romanische Ahnen giebt und an südfranzösische Heilige anknüpft. Ueber die Leipz.
Hs. Rethfeld, NA. XIII, 243. Die Genealogia S. Arnulfi ib. ist eine Fälschung von
Vignier, NA. XI, 631. Waitz hat ausser dieser andere ähnliche Stücke hinzugefügt,
welche in Geneal. d. franz. Könige u. Grafen von Flandern übergehen. S. 726-729
Historiae Francorum Steinveldenses. SS. XXV, 381-384 Genealogia Carolorum
Mettensis von 1164 ed. Heller; daran anschliessend Geneal. ducum Brabantiae, p.
385-413. Durch dieselbe Genealogie ist als später entstanden kenntlich der Libellus
de Maioribus domus. Mit der Gen. sind in der Ausgabe von Pertz verbunden die
579. 624 mit ausführlichem Commentar. Waitz, SS. Lang. p. 189-191. Paulus D. hat
es nicht gekannt. Manitius S. 397.
[4] Neu herausgeg. v. L. Traube, Karol. Dicht. S. 119-122. Manitius S. 398.
[5] Diesen vermuthet Luc. Müller in einem oft angeführten Grammatiker, Neue
Jahrbb. f. Philol. XCIII (1866), 561. Dem aber widerspricht sehr entschieden H.
Hagen, Anecdota Helv. p. CLXIII.
[6] Waitz l. l. p. 13. Poet. Lat. I, 35.
[7] Wie Del Giudice S. 25 f. nachzuweisen sucht, war er schon Mönch und das
Langobardenreich gefallen.
[8] Von geringem Werth ist die Bearbeitung und Fortführung bis 813 von einem
unbekannten L a n d u l f u s S a g a x um das Jahr 1000, für die spätere Zeit fast
ausschließlich aus der Kirchengeschichte des Anastasius geschöpft, bekannt als
Historia miscella. (Ausg. v. Fr. Eyssenhardt, Berl. 1869). Seine Originalhs. hat
Heinrich II dem Kl. Corvey geschenkt (Cod. Vat. pal. 909). — Eutropi Breviarium ab
U. C. cum versionibus Graecis et Pauli Landolfique additamentis, rec. H. Droysen,
MG. Auctt. antiq. II. 1878, 4. Pauli Historia Romana in usum schol. recusa, Berl.
1879, 8. Vgl. Waitz, GGA. 1879, S. 583-602. H. Droysen, Zusammensetzung der H.
R., Forsch. XV, 167-180. Mommsen, NA. V, 53.
[9] Neue Ausgabe von Waitz, SS. Lang. S. 191; Dümmler, Poet. Lat. I, 45.
[10] „Quod raro fieri adsolet, clementi moderatione victoriam temperavit.“ Pauli
Gesta epp. Mett. p. 268.
[11] Versus ad regem precando, wiederholt bei Waitz, S. 15; Poet. Lat. I, 47.
[12] Wiederholt bei Waitz, S. 16.
[13] Bei Waitz S. 17; Poet. Lat. I, 48.
[14] Bethmann, Arch. X, 296 u. 301; Poet. Lat. I, 68, und die schönen
Widmungsverse eines Exemplars von Ebrard an den h. Germanus, Poet. Lat. I, 432.
G. Loeck: Die Homiliensammlung des P. D. als unmittelbare Vorlage des
Otfridischen Evangelienbuches, Kieler Diss. 1890.
[15] Gesta episcoporum Mettensium ed. Pertz, MG. SS. II, 260-270. Im Auszuge
übersetzt bei O. Abel, Einhards Jahrbücher S. 1-8. Ueber die von Freher benutzte Hs.
(jetzt in Bremen) Dümmler, NA. III, 187. Andere nachgewiesen im Catal. des Mss.
des Départ. V, p. LXII. Die nach Bethmanns Vermuthung im Arch. X, 294 von ihm
herrührenden Versus de episcopis Mettensibus bis auf Angilram, Poet. Lat. I, 60. SS.
XIII, 303-305. — Durch weitere Ausführung mißverstandener Worte des Paulus
entstand aus den Gesten mit Benutzung des Fredegar und seiner Fortsetzer unter
Ludwig dem Frommen die Domus Carolingicae genealogia, MG. SS. II, 308, XIII,
243 von Waitz als Genealogia regum Francorum, welche nach Bonnell, Die Anfänge
S. 6 ff. mit Ludwigs aquitanischem Königreich in Verbindung steht, indem sie ihm
romanische Ahnen giebt und an südfranzösische Heilige anknüpft. Ueber die Leipz.
Hs. Rethfeld, NA. XIII, 243. Die Genealogia S. Arnulfi ib. ist eine Fälschung von
Vignier, NA. XI, 631. Waitz hat ausser dieser andere ähnliche Stücke hinzugefügt,
welche in Geneal. d. franz. Könige u. Grafen von Flandern übergehen. S. 726-729
Historiae Francorum Steinveldenses. SS. XXV, 381-384 Genealogia Carolorum
Mettensis von 1164 ed. Heller; daran anschliessend Geneal. ducum Brabantiae, p.
385-413. Durch dieselbe Genealogie ist als später entstanden kenntlich der Libellus
de Maioribus domus. Mit der Gen. sind in der Ausgabe von Pertz verbunden die
Page 231
Versificirung derselben zu Ehren Karls des Kahlen: Origo et exordium gentis
Francorum (wiederholt Poet. Lat. II, 141) und Regum Merowingorum genealogia et
catalogus, p. 307; cfr. III, 19. 214. X, 138, und dazu die Bemerkung von Ermisch,
Die Chronik des Regino S. 22; weitere Catalogi regum et imperatorum SS. XIII, 264-
271. 742.
[16] Die Anfänge des Karolingischen Hauses, S. 45.
[17] S. darüber Bethmann im Arch. X, 303; NA. XII, 603 über die neue Ausgabe von
Grisar, Zts. f. kath. Theol. XI, 162-172, worin mit den Interpolationen auch alle
Andeutungen auf den Aufenthalt des Vfs. in Rom fortgefallen sind. Die Autorschaft
des P. D. ist ganz ungewiss.
[18] S. Ewald, NA. III, 472 ff. 484. 624. u. NA. VI, 246 über die in Petersburg
wiedergefundene Handschrift.
[19] Poet. Lat. I, 66.
[20] Gedr. Bibl. Casin. IV. Floril. p. 1-173. Der Brief an Karl im Namen des Abts
Theudemar ist facs. bei der Beschreibung des cod. 179 p. 39-41. Ueber diesen
Commentar u. die Epit. Festi s. K. Neff: De Paulo D. Festi epitomatore. Diss. Erl.
1891.
[21] Die lange erwartete neue Ausgabe ist von Waitz vollendet: SS. Rer. Langob. et
Ital. saec. VI-IX. ed. G. Waitz 1877. 4; S. 193-197 Epitomae, S. 198-220
Continuationes, von geringer Bedeutung. Anz. v. Bishop im Dublin Review, Apr.
1879, von Monod, Revue crit. 1879, I, 272-276. Uebersehene Hs. der Classe D.
Christ. 597, NA. X, 165. 231. Cod. 96 = 105 ist jetzt in Paris Nouv. acquis. lat. 1602.
Ueber die umgearbeitete Bamberger Hs., welche Spruners Uebersetzung zu Grunde
liegt, s. Waitz im Arch. IX, 673-703, über eine verwandte in Oxford R. Pauli im NA.
II, 161-168. G. Calligaris über eine Hs. in Turin im Bull. dell'Istituto stor. Ital. n. 10,
S. 31 ff. u. Studien zur Kritik des Paulus in Mem. della R. Deputazione di storia
patria per la Venezia 1890 (NA. XVII, 224). — Uebers. v. O. Abel 1849, 2. A. v.
Reinh. Jacobi 1878, Geschichtschr. 15 (VIII, 4). — Ueber den Weg, auf welchem die
Lang. gekommen, Virchow in Verh. d. Berl. Anthropol. Ges. v. 17. Nov. 1888, S.
508-532 (NA. XV, 211). Chroust, Ortsbestimmung, nach Pogatschnigg, NA. XV,
585.
[22] Die von Dümmler NA. X, 165 nachgetragenen Verse sind in scherzhafter
Absicht, im Anschluß an vorhergehende ähnlicher Art, mit Vernachlässigung aller
metrischen Regeln gemacht.
[23] Waitz: Ueber die handschriftliche Ueberlieferung und die Sprache der H.
Langobardorum, NA. I, 533-566. Die Ausgabe bietet doch nicht die barbarische
Sprache, welche die ältesten Handschriften enthalten. Es kommen allerdings grobe
grammatische Fehler vor, und zwar in den letzten Büchern zunehmend. Da ist in
Anschlag zu bringen, daß das Werk unvollendet blieb.
[24] Bethmann, Archiv X, 314. R. Jacobi: Die Quellen der Langobardengeschichte
des P. Diaconus, Halle 1877. Controverse über den von ihm benutzten Catalogus
provinciarum und verlorene annalistische Quellen, auch im Cont. Havniensis,
zwischen Mommsen u. Waitz, NA. V, 51-103 u. 417-424. XI, 633. K. Neff, NA.
XVII, 204-208 gegen Waitz. Mommsen Auctt. antt. IX, 527. — Die auch von P.
benutzten hist. Stellen aus Gregors Dial. SS. Lang. p. 524-540. — Benutzung des
Fredegar, von Waitz geleugnet, behauptet Monod, Revue crit. 1879, I, 276. Ueber die
Quelle von HL. I, 25 über Justinians Gesetzgebung s. Th. Mommsen u. Fitting, NA.
III, 185. 399-402. Zu III, 9. 31. Malfatti im Arch. stor. per Trieste, l'Istria e il Trentino
Francorum (wiederholt Poet. Lat. II, 141) und Regum Merowingorum genealogia et
catalogus, p. 307; cfr. III, 19. 214. X, 138, und dazu die Bemerkung von Ermisch,
Die Chronik des Regino S. 22; weitere Catalogi regum et imperatorum SS. XIII, 264-
271. 742.
[16] Die Anfänge des Karolingischen Hauses, S. 45.
[17] S. darüber Bethmann im Arch. X, 303; NA. XII, 603 über die neue Ausgabe von
Grisar, Zts. f. kath. Theol. XI, 162-172, worin mit den Interpolationen auch alle
Andeutungen auf den Aufenthalt des Vfs. in Rom fortgefallen sind. Die Autorschaft
des P. D. ist ganz ungewiss.
[18] S. Ewald, NA. III, 472 ff. 484. 624. u. NA. VI, 246 über die in Petersburg
wiedergefundene Handschrift.
[19] Poet. Lat. I, 66.
[20] Gedr. Bibl. Casin. IV. Floril. p. 1-173. Der Brief an Karl im Namen des Abts
Theudemar ist facs. bei der Beschreibung des cod. 179 p. 39-41. Ueber diesen
Commentar u. die Epit. Festi s. K. Neff: De Paulo D. Festi epitomatore. Diss. Erl.
1891.
[21] Die lange erwartete neue Ausgabe ist von Waitz vollendet: SS. Rer. Langob. et
Ital. saec. VI-IX. ed. G. Waitz 1877. 4; S. 193-197 Epitomae, S. 198-220
Continuationes, von geringer Bedeutung. Anz. v. Bishop im Dublin Review, Apr.
1879, von Monod, Revue crit. 1879, I, 272-276. Uebersehene Hs. der Classe D.
Christ. 597, NA. X, 165. 231. Cod. 96 = 105 ist jetzt in Paris Nouv. acquis. lat. 1602.
Ueber die umgearbeitete Bamberger Hs., welche Spruners Uebersetzung zu Grunde
liegt, s. Waitz im Arch. IX, 673-703, über eine verwandte in Oxford R. Pauli im NA.
II, 161-168. G. Calligaris über eine Hs. in Turin im Bull. dell'Istituto stor. Ital. n. 10,
S. 31 ff. u. Studien zur Kritik des Paulus in Mem. della R. Deputazione di storia
patria per la Venezia 1890 (NA. XVII, 224). — Uebers. v. O. Abel 1849, 2. A. v.
Reinh. Jacobi 1878, Geschichtschr. 15 (VIII, 4). — Ueber den Weg, auf welchem die
Lang. gekommen, Virchow in Verh. d. Berl. Anthropol. Ges. v. 17. Nov. 1888, S.
508-532 (NA. XV, 211). Chroust, Ortsbestimmung, nach Pogatschnigg, NA. XV,
585.
[22] Die von Dümmler NA. X, 165 nachgetragenen Verse sind in scherzhafter
Absicht, im Anschluß an vorhergehende ähnlicher Art, mit Vernachlässigung aller
metrischen Regeln gemacht.
[23] Waitz: Ueber die handschriftliche Ueberlieferung und die Sprache der H.
Langobardorum, NA. I, 533-566. Die Ausgabe bietet doch nicht die barbarische
Sprache, welche die ältesten Handschriften enthalten. Es kommen allerdings grobe
grammatische Fehler vor, und zwar in den letzten Büchern zunehmend. Da ist in
Anschlag zu bringen, daß das Werk unvollendet blieb.
[24] Bethmann, Archiv X, 314. R. Jacobi: Die Quellen der Langobardengeschichte
des P. Diaconus, Halle 1877. Controverse über den von ihm benutzten Catalogus
provinciarum und verlorene annalistische Quellen, auch im Cont. Havniensis,
zwischen Mommsen u. Waitz, NA. V, 51-103 u. 417-424. XI, 633. K. Neff, NA.
XVII, 204-208 gegen Waitz. Mommsen Auctt. antt. IX, 527. — Die auch von P.
benutzten hist. Stellen aus Gregors Dial. SS. Lang. p. 524-540. — Benutzung des
Fredegar, von Waitz geleugnet, behauptet Monod, Revue crit. 1879, I, 276. Ueber die
Quelle von HL. I, 25 über Justinians Gesetzgebung s. Th. Mommsen u. Fitting, NA.
III, 185. 399-402. Zu III, 9. 31. Malfatti im Arch. stor. per Trieste, l'Istria e il Trentino
Page 232
II, fasc. 4, 1883. Zu VI, 54 W. Martens Polit. Gesch. d. Langobardenreichs unter K.
Liutprand, Heidelb. Diss. 1880, Excurs S. 66-71.
Liutprand, Heidelb. Diss. 1880, Excurs S. 66-71.
Page 233
§ 7. Angilbert. [ ← ]
Angilberti Carmina ed. Dümmler, Poet. Lat. I, 355-381; vgl. NA. IV, 140-142. Die älteren Drucke,
gesammelt bei Migne XCIX, 849-854, dadurch veraltet. Herm. Althof: Angilberts Leben und
Dichtungen (übersetzt). Wiss. Beilage z. Progr. des Realprogymn. u. Progymn. zu Münden. Bes.
Abdr. Hann. Münden 1888. Traube, O Roma nobilis (Abh. d. Münch. Akad. I. CI. XIX, 2) S.
326-331. Verz. seiner Gedichte. Ein Abt Angilbert von Corbie zugeschriebenes Gedicht ihm
zugesprochen. Ders., Karol. Dicht. I, 51-60 gewinnt Gedichte Angilberts aus denen des
Bernowin (Poet. Lat. I, 413-425), der sich als Plagiator A.'s Gedichte angeeignet hat.
Wie Paulus am langobardischen, so war Angilbert, der ebenfalls aus
vornehmem Geschlechte stammte, am fränkischen Hofe aufgewachsen[1].
Wohl wenig jünger als Karl selbst, war er mit diesem durch innige
Freundschaft verbunden und stand zu der ganzen königlichen Familie im
vertraulichsten Verhältniß. Er scheint sich schon früh mit
wissenschaftlichen Studien beschäftigt und eine ansehnliche Stellung in
Karls Kapelle erlangt zu haben. Als Alcuin an den Hof kam, ergriff er mit
demselben Eifer, wie sein königlicher Freund, die Gelegenheit zu höherer
Ausbildung; er wurde ein Schüler Alcuins, des Paulinus und Peters von
Pisa, und nahm an der Akademie den lebhaftesten Antheil; hier erhielt er
wegen seiner poetischen Begabung den Namen Hom er. Aus dieser frühen
Zeit der achtziger Jahre haben sich einige, in der Form zum Theil noch sehr
unvollkommene Gedichte erhalten, welche Dümmler kürzlich aus einer
gleichzeitigen Handschrift herausgegeben hat[2]. In dem einen, welches aus
versus serpentini besteht, grüßt Angilbert mit seinen Genossen Angelram
und Riculf den nach Italien heimgekehrten Lehrer Peter von Pisa, und
sendet zugleich ein von ihm erbetenes Gedicht Karls des Großen an ihn. In
dem Gedicht eines räthselhaften F idu cia an Angelram werden Angilbert
und Theodulf als divini poetae erwähnt. Diese Verse scheinen früher
angesetzt werden zu müssen, als Angilberts Sendung nach Italien, wo ihm,
gewiß ein Zeichen hohen Vertrauens, eine bedeutende Stellung am Hofe des
Kindes Pippin in dem neugewonnenen italienischen Königreiche anvertraut
wurde. Auch war er mit Alcuin schon vorher befreundet[3].
Angilberti Carmina ed. Dümmler, Poet. Lat. I, 355-381; vgl. NA. IV, 140-142. Die älteren Drucke,
gesammelt bei Migne XCIX, 849-854, dadurch veraltet. Herm. Althof: Angilberts Leben und
Dichtungen (übersetzt). Wiss. Beilage z. Progr. des Realprogymn. u. Progymn. zu Münden. Bes.
Abdr. Hann. Münden 1888. Traube, O Roma nobilis (Abh. d. Münch. Akad. I. CI. XIX, 2) S.
326-331. Verz. seiner Gedichte. Ein Abt Angilbert von Corbie zugeschriebenes Gedicht ihm
zugesprochen. Ders., Karol. Dicht. I, 51-60 gewinnt Gedichte Angilberts aus denen des
Bernowin (Poet. Lat. I, 413-425), der sich als Plagiator A.'s Gedichte angeeignet hat.
Wie Paulus am langobardischen, so war Angilbert, der ebenfalls aus
vornehmem Geschlechte stammte, am fränkischen Hofe aufgewachsen[1].
Wohl wenig jünger als Karl selbst, war er mit diesem durch innige
Freundschaft verbunden und stand zu der ganzen königlichen Familie im
vertraulichsten Verhältniß. Er scheint sich schon früh mit
wissenschaftlichen Studien beschäftigt und eine ansehnliche Stellung in
Karls Kapelle erlangt zu haben. Als Alcuin an den Hof kam, ergriff er mit
demselben Eifer, wie sein königlicher Freund, die Gelegenheit zu höherer
Ausbildung; er wurde ein Schüler Alcuins, des Paulinus und Peters von
Pisa, und nahm an der Akademie den lebhaftesten Antheil; hier erhielt er
wegen seiner poetischen Begabung den Namen Hom er. Aus dieser frühen
Zeit der achtziger Jahre haben sich einige, in der Form zum Theil noch sehr
unvollkommene Gedichte erhalten, welche Dümmler kürzlich aus einer
gleichzeitigen Handschrift herausgegeben hat[2]. In dem einen, welches aus
versus serpentini besteht, grüßt Angilbert mit seinen Genossen Angelram
und Riculf den nach Italien heimgekehrten Lehrer Peter von Pisa, und
sendet zugleich ein von ihm erbetenes Gedicht Karls des Großen an ihn. In
dem Gedicht eines räthselhaften F idu cia an Angelram werden Angilbert
und Theodulf als divini poetae erwähnt. Diese Verse scheinen früher
angesetzt werden zu müssen, als Angilberts Sendung nach Italien, wo ihm,
gewiß ein Zeichen hohen Vertrauens, eine bedeutende Stellung am Hofe des
Kindes Pippin in dem neugewonnenen italienischen Königreiche anvertraut
wurde. Auch war er mit Alcuin schon vorher befreundet[3].
Page 234
Zurückgekehrt trat Angilbert wieder in den Kreis seiner alten Freunde
ein, und genoß in hohem Grade Karls Vertrauen, der ihn 796 in einem
Briefe an Leo III manualem nostrae familiaritatis auricularium, in dem an
ihn selbst gerichteten Brief seinen auricularius nennt[4]. Er gehörte zur
königlichen Kapelle, und auch seine Würde am italienischen Hofe war
vielleicht schon eine geistliche[5]. Wie bedeutend und einflußreich seine
Stellung gewesen ist, zeigen die wichtigen Gesandtschaften an den
römischen Pabst, welche ihn noch dreimal (792, 794, 796) nach Italien
führten; auch soll er im Jahre 800 den König nach Rom geleitet haben, und
im Jahre 811 unterzeichnete er Karls Verfügung über seinen Schatz zu
Gunsten der Kirchen seines Reiches.
Noch hatte sich am fränkischen Hofe aus Karl Martels Zeit die Sitte
erhalten, daß die Einkünfte reicher Abteien zum Unterhalt der Hofleute
verwandt wurden, und auch Angilbert war 790 Abt von Centula oder Saint-
Riquier in der Picardie geworden[6]. Er betrachtete aber diese Würde nicht
als eine bloße Pfründe, sondern stellte es sich vielmehr zur Aufgabe, dieses
Kloster so herrlich wie möglich auszustatten. Unterstützt durch Karls
fürstliche Freigiebigkeit, mit Hülfe königlicher Baumeister und Künstler,
baute er es von Grund aus neu, und auch hierher kamen antike Säulen und
Marmorstücke aus Italien. Angilbert selbst hat darüber einen Bericht
geschrieben, der fast vollständig in Hariulfs Chronik aufgenommen ist[7].
Die vollendete Kirche schmückte er in glänzendster Weise mit jedem
Zubehör des prachtvollen Kirchendienstes; namentlich ließ er sich, wie Arn,
die Pflege der Bibliothek angelegen sein und bereicherte diese mit 200
Büchern. Vielleicht das köstlichste unter diesen für die Mönche von Centula
war das Leben ihres Stifters, des h. R ich ar ius, welches auf Angilberts
Bitten sein Freund Alcuin nach den gesteigerten Anforderungen der Zeit
neu bearbeitete[8]. Im Jahre 800 hatte Angilbert die Freude, seinen
königlichen Freund in den Mauern seines Klosters als Gast zu empfangen,
der bei ihm am 19. April das Osterfest feierte, und wie er diesem Zeit seines
Lebens in treuester Freundschaft zugethan war, so folgte er ihm auch am
18. Februar 814 im Tode nach.
ein, und genoß in hohem Grade Karls Vertrauen, der ihn 796 in einem
Briefe an Leo III manualem nostrae familiaritatis auricularium, in dem an
ihn selbst gerichteten Brief seinen auricularius nennt[4]. Er gehörte zur
königlichen Kapelle, und auch seine Würde am italienischen Hofe war
vielleicht schon eine geistliche[5]. Wie bedeutend und einflußreich seine
Stellung gewesen ist, zeigen die wichtigen Gesandtschaften an den
römischen Pabst, welche ihn noch dreimal (792, 794, 796) nach Italien
führten; auch soll er im Jahre 800 den König nach Rom geleitet haben, und
im Jahre 811 unterzeichnete er Karls Verfügung über seinen Schatz zu
Gunsten der Kirchen seines Reiches.
Noch hatte sich am fränkischen Hofe aus Karl Martels Zeit die Sitte
erhalten, daß die Einkünfte reicher Abteien zum Unterhalt der Hofleute
verwandt wurden, und auch Angilbert war 790 Abt von Centula oder Saint-
Riquier in der Picardie geworden[6]. Er betrachtete aber diese Würde nicht
als eine bloße Pfründe, sondern stellte es sich vielmehr zur Aufgabe, dieses
Kloster so herrlich wie möglich auszustatten. Unterstützt durch Karls
fürstliche Freigiebigkeit, mit Hülfe königlicher Baumeister und Künstler,
baute er es von Grund aus neu, und auch hierher kamen antike Säulen und
Marmorstücke aus Italien. Angilbert selbst hat darüber einen Bericht
geschrieben, der fast vollständig in Hariulfs Chronik aufgenommen ist[7].
Die vollendete Kirche schmückte er in glänzendster Weise mit jedem
Zubehör des prachtvollen Kirchendienstes; namentlich ließ er sich, wie Arn,
die Pflege der Bibliothek angelegen sein und bereicherte diese mit 200
Büchern. Vielleicht das köstlichste unter diesen für die Mönche von Centula
war das Leben ihres Stifters, des h. R ich ar ius, welches auf Angilberts
Bitten sein Freund Alcuin nach den gesteigerten Anforderungen der Zeit
neu bearbeitete[8]. Im Jahre 800 hatte Angilbert die Freude, seinen
königlichen Freund in den Mauern seines Klosters als Gast zu empfangen,
der bei ihm am 19. April das Osterfest feierte, und wie er diesem Zeit seines
Lebens in treuester Freundschaft zugethan war, so folgte er ihm auch am
18. Februar 814 im Tode nach.
Page 235
Daß Angilbert nach solchen Verdiensten um das Kloster später daselbst
als Heiliger verehrt ward, versteht sich von selbst[9]; An sch er, sein
Biograph im zwölften Jahrhundert, weiß auch viel von seinem strengen und
erbaulichen Wandel zu erzählen, allein das war gleichfalls so
unvermeidlich, wenn man nach Jahrhunderten über das Leben des Stifters
berichtete, daß darauf durchaus kein Gewicht zu legen ist. Einem
Staatsmanne Karls des Großen stand mönchische Askese übel an, und
Angilberts Thätigkeit scheint mehr auf eine tüchtige praktische
Wirksamkeit gerichtet gewesen zu sein; unmöglich ist es aber nicht, daß er
in seinen alten Tagen sich getrieben fühlte, für ein früher allzu freies Leben
Buße zu thun. Hatte er sich doch schon von Alcuin einreden lassen, daß die
Schauspiele, an denen er so viele Freude hatte, sündlich wären, und wenn
auch Alcuin seinen Wandel im übrigen würdig und angemessen nennt[10], so
wissen wir doch von einem Verhältniß, welches den mönchischen
Sittenpredigern nicht gefallen konnte, so wenig es auch an Karls Hofe
auffallen und Anstoß erregen mochte. Denn Angilbert war der glückliche
Geliebte von Karls schöner Tochter Bertha, die ihm zwei Söhne, Nithard
und Harnid, geboren hat: ein Verhältniß, welches vielleicht durch eine
naheliegende Verwechselung Anlaß gegeben hat zu der bekannten Sage von
Eginhard und Emma[11]. Die Thatsache ist unzweifelhaft; Nithard, der
eigene Sohn, erzählt sie, und wir haben Einhards ausdrückliches Zeugniß
dafür, daß Karl sich nicht entschließen konnte, eine von seinen Töchtern zu
verheirathen. Daß er ihnen dafür um so größere Freiheit gestattete und daß
manches anstößige Verhältniß an seinem Hofe geduldet wurde, ist ebenfalls
bekannt genug. Wie Hariulf, der 1088 seine lehrreiche Chronik von Centula
vollendete, diesen Umstand behandelt hat, wissen wir nicht, da gerade hier
zwei Blätter aus der Handschrift ausgeschnitten sind; der Interpolator sagt
kurz, daß Angilbert die Bertha zur Ehe erhalten habe und mit ihr den Ducat
des Küstenlandes[12]. Wahrscheinlich aber war die Darstellung hier ähnlich
wie in der zweiten Biographie, welche nebst drei Büchern Mirakel von dem
Abt Ansch er verfaßt ist, um die Canonisation Angilberts zu erwirken. Im
Jahr 1110 hatten die Wunder an dem vergessenen Grabe Angilberts neu
als Heiliger verehrt ward, versteht sich von selbst[9]; An sch er, sein
Biograph im zwölften Jahrhundert, weiß auch viel von seinem strengen und
erbaulichen Wandel zu erzählen, allein das war gleichfalls so
unvermeidlich, wenn man nach Jahrhunderten über das Leben des Stifters
berichtete, daß darauf durchaus kein Gewicht zu legen ist. Einem
Staatsmanne Karls des Großen stand mönchische Askese übel an, und
Angilberts Thätigkeit scheint mehr auf eine tüchtige praktische
Wirksamkeit gerichtet gewesen zu sein; unmöglich ist es aber nicht, daß er
in seinen alten Tagen sich getrieben fühlte, für ein früher allzu freies Leben
Buße zu thun. Hatte er sich doch schon von Alcuin einreden lassen, daß die
Schauspiele, an denen er so viele Freude hatte, sündlich wären, und wenn
auch Alcuin seinen Wandel im übrigen würdig und angemessen nennt[10], so
wissen wir doch von einem Verhältniß, welches den mönchischen
Sittenpredigern nicht gefallen konnte, so wenig es auch an Karls Hofe
auffallen und Anstoß erregen mochte. Denn Angilbert war der glückliche
Geliebte von Karls schöner Tochter Bertha, die ihm zwei Söhne, Nithard
und Harnid, geboren hat: ein Verhältniß, welches vielleicht durch eine
naheliegende Verwechselung Anlaß gegeben hat zu der bekannten Sage von
Eginhard und Emma[11]. Die Thatsache ist unzweifelhaft; Nithard, der
eigene Sohn, erzählt sie, und wir haben Einhards ausdrückliches Zeugniß
dafür, daß Karl sich nicht entschließen konnte, eine von seinen Töchtern zu
verheirathen. Daß er ihnen dafür um so größere Freiheit gestattete und daß
manches anstößige Verhältniß an seinem Hofe geduldet wurde, ist ebenfalls
bekannt genug. Wie Hariulf, der 1088 seine lehrreiche Chronik von Centula
vollendete, diesen Umstand behandelt hat, wissen wir nicht, da gerade hier
zwei Blätter aus der Handschrift ausgeschnitten sind; der Interpolator sagt
kurz, daß Angilbert die Bertha zur Ehe erhalten habe und mit ihr den Ducat
des Küstenlandes[12]. Wahrscheinlich aber war die Darstellung hier ähnlich
wie in der zweiten Biographie, welche nebst drei Büchern Mirakel von dem
Abt Ansch er verfaßt ist, um die Canonisation Angilberts zu erwirken. Im
Jahr 1110 hatten die Wunder an dem vergessenen Grabe Angilberts neu
Page 236
begonnen, und Anscher überreichte das Werk dem Erzbischof Radulf von
Reims, vielleicht auch dem Pabste, um die Heiligsprechung zu erreichen.
Ungeachtet dieses Zweckes aber erzählt er unbefangen, gewiß alter
Ueberlieferung folgend, daß Bertha in heißer Liebe zu Angilbert, der schon
zum Priester geweiht war und ein Bisthum erhalten sollte, entbrannte;
ungern habe Karl nachgegeben. Angilbert aber, ausgestattet mit dem Ducat,
den Anscher schon nach den Begriffen seiner Zeit als ein Herzogthum
auffaßt, schlägt die Dänen[13] mit S. Richarius Hülfe, wird dann Mönch und
führt zur Buße das strengste Mönchsleben, während Bertha ebenfalls zu
Saint-Riquier den Schleier nimmt. Das ist nicht richtig, noch bei der
Zusammenkunft Karls mit Pabst Leo zu Paderborn 799 erscheint Bertha in
voller weltlicher Herrlichkeit, und hat nach Einhards Zeugniß bis zu des
Kaisers Tod den Vater nicht verlassen; auch 826 bei der Ankunft des h.
Sebastian finden wir sie bei ihrem Bruder in Soissons. Da sie ferner erst um
780 geboren ist[14], war Angilbert schon Abt, als sie sich in ihn verliebte,
und daß er auch noch viel später, noch im J. 800 nach Karls Osterfeier in St.
Riquier, sein Familienleben am Hofe nicht aufgegeben hatte, zeigt uns das
anmuthige Gedicht, welches zuerst von Docen an dem Dichternamen
Homer als ein Werk Angilberts erkannt ist[15], ein Gruß an Karl und den
engeren Kreis der Seinen aus der Ferne. Hier gedenkt er nach der
Schilderung der königlichen Pfalz und ihrer Bewohner, zuletzt auch seines
nahe gelegenen Hauses mit dem Garten, in welchem seine Knaben spielen;
die zärtlichste Liebe und Sorge spricht sich darin aus, aber von der Mutter
ist keine Rede. Dagegen begrüßt er unter Karls Töchtern Bertha mit
besonderer Verehrung[16], und die Weise, wie er den König als seinen süßen
David, dessen Kinder als seine Lieben grüßt, deutet auf ein sehr
vertrauliches Verhältniß.
Aehnlicher Art wie dieses ist ein anderes Gedicht Angilberts, verfaßt
als er 796 nach Italien eilend, dem siegreichen jungen Könige Pippin in
Langres begegnete; er schildert die Freude des Wiedersehens, die
ungeduldige Erwartung am Hofe, und voraus schauend die zärtliche
Begrüßung des jungen Helden im Kreise der Seinen[17].
Reims, vielleicht auch dem Pabste, um die Heiligsprechung zu erreichen.
Ungeachtet dieses Zweckes aber erzählt er unbefangen, gewiß alter
Ueberlieferung folgend, daß Bertha in heißer Liebe zu Angilbert, der schon
zum Priester geweiht war und ein Bisthum erhalten sollte, entbrannte;
ungern habe Karl nachgegeben. Angilbert aber, ausgestattet mit dem Ducat,
den Anscher schon nach den Begriffen seiner Zeit als ein Herzogthum
auffaßt, schlägt die Dänen[13] mit S. Richarius Hülfe, wird dann Mönch und
führt zur Buße das strengste Mönchsleben, während Bertha ebenfalls zu
Saint-Riquier den Schleier nimmt. Das ist nicht richtig, noch bei der
Zusammenkunft Karls mit Pabst Leo zu Paderborn 799 erscheint Bertha in
voller weltlicher Herrlichkeit, und hat nach Einhards Zeugniß bis zu des
Kaisers Tod den Vater nicht verlassen; auch 826 bei der Ankunft des h.
Sebastian finden wir sie bei ihrem Bruder in Soissons. Da sie ferner erst um
780 geboren ist[14], war Angilbert schon Abt, als sie sich in ihn verliebte,
und daß er auch noch viel später, noch im J. 800 nach Karls Osterfeier in St.
Riquier, sein Familienleben am Hofe nicht aufgegeben hatte, zeigt uns das
anmuthige Gedicht, welches zuerst von Docen an dem Dichternamen
Homer als ein Werk Angilberts erkannt ist[15], ein Gruß an Karl und den
engeren Kreis der Seinen aus der Ferne. Hier gedenkt er nach der
Schilderung der königlichen Pfalz und ihrer Bewohner, zuletzt auch seines
nahe gelegenen Hauses mit dem Garten, in welchem seine Knaben spielen;
die zärtlichste Liebe und Sorge spricht sich darin aus, aber von der Mutter
ist keine Rede. Dagegen begrüßt er unter Karls Töchtern Bertha mit
besonderer Verehrung[16], und die Weise, wie er den König als seinen süßen
David, dessen Kinder als seine Lieben grüßt, deutet auf ein sehr
vertrauliches Verhältniß.
Aehnlicher Art wie dieses ist ein anderes Gedicht Angilberts, verfaßt
als er 796 nach Italien eilend, dem siegreichen jungen Könige Pippin in
Langres begegnete; er schildert die Freude des Wiedersehens, die
ungeduldige Erwartung am Hofe, und voraus schauend die zärtliche
Begrüßung des jungen Helden im Kreise der Seinen[17].
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Geglaubt hat man, daß uns auch noch aus einem größeren Werke
Angilberts ein Bruchstück erhalten sei. Sein Dichtername Homer, den ihm
Karl selbst 796 beilegt, in dem Briefe, welcher die wichtigsten Aufträge für
seine römische Gesandtschaft enthält[18], deutet auf große Erwartungen, die
sich an ihn knüpften, die Erwartung, daß er Karls Thaten in einem Epos
feiern werde. Wenn wir daher einem solchen Epos wirklich begegnen, so ist
wohl die Vermuthung gerechtfertigt, daß kein anderer als Angilbert der
Verfasser sein könne. Hegewisch hat deshalb bereits diese Vermuthung
ausgesprochen, und Pertz das Gedicht unter Angilberts Namen
herausgegeben[19]. Allein der Abstand von Angilberts Werken in der
Beherrschung der Sprache und der Behandlung des Verses zu Gunsten
dieser Dichtung ist doch zu groß, um beide demselben Verfasser
zuschreiben zu können. Auffallend ist es, da wir doch im Ganzen über diese
Zeit so genau unterrichtet sind, von einem so bedeutenden Werke gar keine
Erwähnung zu finden. Vermuthlich ist es unvollendet geblieben, und
deshalb weder vollständig erhalten, noch hinlänglich beachtet, um von
anderen genannt zu werden. Doch würde Angilberts Dichtername Homer
wenigstens eine Hindeutung enthalten, die für andere, wie Theodulf, den
Dümmler vermuthungsweise genannt hat, gänzlich fehlt. Ein Citat freilich
ist uns jetzt bekannt geworden: in der oben S. 156 angeführten Ecloge des
Naso wird ein Dichtergreis eingeführt, den er Mico n nennt, und dieser
verwendet einen Vers aus jenem Epos zum Preise des Kaisers (p. 389, v.
74). Doch kann er ihn sich ebenso wie so manchen Vergilvers angeeignet
haben. Vorher spricht Naso von dem Dichterruhm des Alcuin, Theodulf,
Einhard, und setzt hinzu: "Nam meus ecce solet magno facundus Homerus
Carminibus Carolo studiosis saepe placere." Daß aber nun dieser Homer
eben der Micon sei, darauf deutet nichts, und wir dürfen es kaum
annehmen. Wir ersehen hieraus nur, daß schon wenige Jahre nach der
Kaiserkrönung das Gedicht vorhanden war. Sicher war der Verfasser ein
Mann von ungewöhnlichem Geiste und großer dichterischer Begabung, der
sich den Unterricht der Hofschule mit bestem Erfolge zu Nutze gemacht
hat. Dafür zeugt die fleißige, man muß wohl sagen übermäßige, Benutzung
des Vergil, Ovid, Lucan, und wie B. Simson nachgewiesen hat[20],
Angilberts ein Bruchstück erhalten sei. Sein Dichtername Homer, den ihm
Karl selbst 796 beilegt, in dem Briefe, welcher die wichtigsten Aufträge für
seine römische Gesandtschaft enthält[18], deutet auf große Erwartungen, die
sich an ihn knüpften, die Erwartung, daß er Karls Thaten in einem Epos
feiern werde. Wenn wir daher einem solchen Epos wirklich begegnen, so ist
wohl die Vermuthung gerechtfertigt, daß kein anderer als Angilbert der
Verfasser sein könne. Hegewisch hat deshalb bereits diese Vermuthung
ausgesprochen, und Pertz das Gedicht unter Angilberts Namen
herausgegeben[19]. Allein der Abstand von Angilberts Werken in der
Beherrschung der Sprache und der Behandlung des Verses zu Gunsten
dieser Dichtung ist doch zu groß, um beide demselben Verfasser
zuschreiben zu können. Auffallend ist es, da wir doch im Ganzen über diese
Zeit so genau unterrichtet sind, von einem so bedeutenden Werke gar keine
Erwähnung zu finden. Vermuthlich ist es unvollendet geblieben, und
deshalb weder vollständig erhalten, noch hinlänglich beachtet, um von
anderen genannt zu werden. Doch würde Angilberts Dichtername Homer
wenigstens eine Hindeutung enthalten, die für andere, wie Theodulf, den
Dümmler vermuthungsweise genannt hat, gänzlich fehlt. Ein Citat freilich
ist uns jetzt bekannt geworden: in der oben S. 156 angeführten Ecloge des
Naso wird ein Dichtergreis eingeführt, den er Mico n nennt, und dieser
verwendet einen Vers aus jenem Epos zum Preise des Kaisers (p. 389, v.
74). Doch kann er ihn sich ebenso wie so manchen Vergilvers angeeignet
haben. Vorher spricht Naso von dem Dichterruhm des Alcuin, Theodulf,
Einhard, und setzt hinzu: "Nam meus ecce solet magno facundus Homerus
Carminibus Carolo studiosis saepe placere." Daß aber nun dieser Homer
eben der Micon sei, darauf deutet nichts, und wir dürfen es kaum
annehmen. Wir ersehen hieraus nur, daß schon wenige Jahre nach der
Kaiserkrönung das Gedicht vorhanden war. Sicher war der Verfasser ein
Mann von ungewöhnlichem Geiste und großer dichterischer Begabung, der
sich den Unterricht der Hofschule mit bestem Erfolge zu Nutze gemacht
hat. Dafür zeugt die fleißige, man muß wohl sagen übermäßige, Benutzung
des Vergil, Ovid, Lucan, und wie B. Simson nachgewiesen hat[20],
Page 238
Venantius Fortunatus, zu denen Manitius noch mehrere hinzugefügt hat,
welche ihm an sich so wenig zum Vorwurf gemacht werden kann, wie
Einhard die Nachahmung des Sueton, und bei seinen Zeitgenossen gewiß
eher Bewunderung als Tadel erregte, wenn er auch in übergroßem Eifer
nach dem Vorbild von Karthago sogar von Hafenbauten bei Aachen
dichtete. Auch zu Karls Akademie muß der Dichter gehört haben, da er ihn
immer David nennt, was ein anderer sich gewiß nicht hätte erlauben dürfen,
und die lebendige Schilderung verräth sowohl den Augenzeugen als auch
einen Mann, der Karls Hofe nicht fern stand, was freilich bei einem so
ausgezeichneten Dichter ohnehin mit voller Sicherheit anzunehmen ist.
Erhalten ist uns der Anfang des dritten Buches oder vielleicht das
ganze, 536 Verse, vermuthlich ein Stück, welches seiner besonderen
Schönheit wegen einzeln in eine Blumenlese aufgenommen war, denn es
steht mitten zwischen anderen Bruchstücken. Die Geschichte der
Gegenwart episch zu behandeln, ist stets ein Mißgriff, und immer werden es
die einzelnen Schilderungen sein, welche einem solchen Werke seinen Reiz
verleihen. Aber auch die Anlage ist hier doch sehr geschickt entworfen. In
voller Pracht wird Karls Hofhaltung uns vor Augen geführt; eine Lobrede
auf den großen König eröffnet das Buch, dann werden die Bauten zu
Aachen und eine große Jagd mit reichen Farben und lebendiger
Anschaulichkeit geschildert: mit besonderer Vorliebe verweilt der Dichter
bei den Töchtern Karls, zu denen wohl kein anderer Dichter der Zeit in so
nahem Verhältniß stand wie Angilbert. In der Nacht läßt dann der Dichter
den König im Traume die Mißhandlung erblicken, welche der Pabst Leo
799 in Rom erfuhr; er weicht darin von der Wirklichkeit ab, aber wenn man
einmal die Geschichte episch behandeln will, so ist eine solche Wendung
geschickt genug, um ohne lange Vorbereitungen die Hauptereignisse
einander nahe zu rücken[21]. Ohne von den umständlichen Gesandtschaften,
welche in der Wirklichkeit dazwischen lagen, berichten zu müssen, gelangt
so der Dichter sogleich zu der Zusammenkunft Karls mit dem Pabste im
Lager bei Paderborn, welche den eigentlichen Gegenstand seiner
Darstellung bildet.
welche ihm an sich so wenig zum Vorwurf gemacht werden kann, wie
Einhard die Nachahmung des Sueton, und bei seinen Zeitgenossen gewiß
eher Bewunderung als Tadel erregte, wenn er auch in übergroßem Eifer
nach dem Vorbild von Karthago sogar von Hafenbauten bei Aachen
dichtete. Auch zu Karls Akademie muß der Dichter gehört haben, da er ihn
immer David nennt, was ein anderer sich gewiß nicht hätte erlauben dürfen,
und die lebendige Schilderung verräth sowohl den Augenzeugen als auch
einen Mann, der Karls Hofe nicht fern stand, was freilich bei einem so
ausgezeichneten Dichter ohnehin mit voller Sicherheit anzunehmen ist.
Erhalten ist uns der Anfang des dritten Buches oder vielleicht das
ganze, 536 Verse, vermuthlich ein Stück, welches seiner besonderen
Schönheit wegen einzeln in eine Blumenlese aufgenommen war, denn es
steht mitten zwischen anderen Bruchstücken. Die Geschichte der
Gegenwart episch zu behandeln, ist stets ein Mißgriff, und immer werden es
die einzelnen Schilderungen sein, welche einem solchen Werke seinen Reiz
verleihen. Aber auch die Anlage ist hier doch sehr geschickt entworfen. In
voller Pracht wird Karls Hofhaltung uns vor Augen geführt; eine Lobrede
auf den großen König eröffnet das Buch, dann werden die Bauten zu
Aachen und eine große Jagd mit reichen Farben und lebendiger
Anschaulichkeit geschildert: mit besonderer Vorliebe verweilt der Dichter
bei den Töchtern Karls, zu denen wohl kein anderer Dichter der Zeit in so
nahem Verhältniß stand wie Angilbert. In der Nacht läßt dann der Dichter
den König im Traume die Mißhandlung erblicken, welche der Pabst Leo
799 in Rom erfuhr; er weicht darin von der Wirklichkeit ab, aber wenn man
einmal die Geschichte episch behandeln will, so ist eine solche Wendung
geschickt genug, um ohne lange Vorbereitungen die Hauptereignisse
einander nahe zu rücken[21]. Ohne von den umständlichen Gesandtschaften,
welche in der Wirklichkeit dazwischen lagen, berichten zu müssen, gelangt
so der Dichter sogleich zu der Zusammenkunft Karls mit dem Pabste im
Lager bei Paderborn, welche den eigentlichen Gegenstand seiner
Darstellung bildet.
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Niemand wird dieses Fragment aus der Hand legen, ohne zu bedauern,
daß uns von diesem Werke nicht mehr erhalten ist; es weht uns darin
gleichsam die frische Luft jenes kraftvollen Lebens an, und wir fühlen uns
auf einen Augenblick entrückt aus der einförmigen Atmosphäre der
geistlichen Chronisten, ja selbst der seelenlosen Schulpoesie. Ueber den
Verfasser aber werden wir uns bescheiden müssen, unsere Unwissenheit zu
bekennen.
[1] Qui paene ab ipsis infantiae rudimentis in palatio vestro enutritus est, schreibt
Pabst Hadrian 794 an Karl (Bibl. VI, 245). Er muß aber als primicerius palatii bei
dem unmündigen Pippin schon in reifem Alter gewesen sein. Doch nennt Alcuin ihn
wiederholt filius und in dem Briefe n. 82 bei Jaffé, Bibl. VI, 358 vom J. 797 genauer:
filius eruditionis meae; Karl noch 796: Homeriane puer. Bibl. IV, 354.
[2] Zeitschrift f. Deutsches Alterthum XVII, 141-146. Poet. Lat. I, 75.
[3] Alcuini ep. 22 Frob. 5 Jaffé, Bibl. VI, 149, von Jaffé 783-785 angesetzt. In der
Anrede heißt er venerabilis u. primicerius; in der Aufschrift in 2 Handschriften
primicerius palatii Pipini regis. B. Simson, Karl d. Gr. II, 435, Anm. 6, verwirft diese
Angabe gänzlich; ich sehe den Grund nicht recht ein, wenn auch die Unsicherheit
zuzugeben ist.
[4] Bibl. IV, 353 u. 355.
[5] Ministrum capellae nennt ihn Hadrian 794. Docen macht darauf aufmerksam, daß
in seinem Gedichte an Karl primicerius aulae der Erzkaplan ist. Vgl. auch Leibniz,
Ann. Imp. I, 168.
[6] Jaffé Bibl. VI, 173.
[7] Angilberti abbatis de ecclesia Centulensi libellus, MG. SS. XV, 173-179. In ders.
Hs. ist von ihm eine Institutio de diversitate officiorum.
[8] Gedruckt Mabillon II, 189; die ältere ist verloren. Daran schließen sich Miracula
von 814-865 (Auszug SS. XV, 2, 915-919), Historia relationis S. Richarii a. 981 ib.
p. 696-698, viell. aus Hariulf, die Vita metr. vom Abt A n g e l r a m oder Ingelram,
einem Schüler Fulberts von Chartres († 1045), weitere Mirakel von H a r i u l f, dem
Verfasser der Chronik (Auszug ib. 919. 920). Ein Rhythmus mit den Namen der
Aebte, von Angelram, SS. XV, 181. Dieser hatte das Leben und die Wunder metrisch
in 4 Büchern bearbeitet.
[9] So in seiner Stiftung Cysoing bei Tournai Markgraf E b e r h a r d von Friaul,
Gemahl von Ludw. d. Fr. Tochter Gisla, einer der litterarisch gebildeten Laien dieser
Zeit, s. Dümmler im Jahrbuch für vaterländische Geschichte (Wien 1861) S. 171-179,
Gesta Berengarii p. 17 und die in der Translatio S. Callisti Cisonium a. 854 durch
Eberhard, Acta SS. Oct. VI, 444, ausgelassenen Stellen NA. III, 405-407. Vollst.
Ausgabe dieser von Holder-Egger SS. XV, 1, 418-422. Zu solcher Verehrung genügte
die bloße Existenz des Grabes eines vornehmen oder bekannten Mannes aus alter
Zeit, wie recht deutlich die Verehrung Z w e n t i b o l d s in Süstern zeigt, und die des
daß uns von diesem Werke nicht mehr erhalten ist; es weht uns darin
gleichsam die frische Luft jenes kraftvollen Lebens an, und wir fühlen uns
auf einen Augenblick entrückt aus der einförmigen Atmosphäre der
geistlichen Chronisten, ja selbst der seelenlosen Schulpoesie. Ueber den
Verfasser aber werden wir uns bescheiden müssen, unsere Unwissenheit zu
bekennen.
[1] Qui paene ab ipsis infantiae rudimentis in palatio vestro enutritus est, schreibt
Pabst Hadrian 794 an Karl (Bibl. VI, 245). Er muß aber als primicerius palatii bei
dem unmündigen Pippin schon in reifem Alter gewesen sein. Doch nennt Alcuin ihn
wiederholt filius und in dem Briefe n. 82 bei Jaffé, Bibl. VI, 358 vom J. 797 genauer:
filius eruditionis meae; Karl noch 796: Homeriane puer. Bibl. IV, 354.
[2] Zeitschrift f. Deutsches Alterthum XVII, 141-146. Poet. Lat. I, 75.
[3] Alcuini ep. 22 Frob. 5 Jaffé, Bibl. VI, 149, von Jaffé 783-785 angesetzt. In der
Anrede heißt er venerabilis u. primicerius; in der Aufschrift in 2 Handschriften
primicerius palatii Pipini regis. B. Simson, Karl d. Gr. II, 435, Anm. 6, verwirft diese
Angabe gänzlich; ich sehe den Grund nicht recht ein, wenn auch die Unsicherheit
zuzugeben ist.
[4] Bibl. IV, 353 u. 355.
[5] Ministrum capellae nennt ihn Hadrian 794. Docen macht darauf aufmerksam, daß
in seinem Gedichte an Karl primicerius aulae der Erzkaplan ist. Vgl. auch Leibniz,
Ann. Imp. I, 168.
[6] Jaffé Bibl. VI, 173.
[7] Angilberti abbatis de ecclesia Centulensi libellus, MG. SS. XV, 173-179. In ders.
Hs. ist von ihm eine Institutio de diversitate officiorum.
[8] Gedruckt Mabillon II, 189; die ältere ist verloren. Daran schließen sich Miracula
von 814-865 (Auszug SS. XV, 2, 915-919), Historia relationis S. Richarii a. 981 ib.
p. 696-698, viell. aus Hariulf, die Vita metr. vom Abt A n g e l r a m oder Ingelram,
einem Schüler Fulberts von Chartres († 1045), weitere Mirakel von H a r i u l f, dem
Verfasser der Chronik (Auszug ib. 919. 920). Ein Rhythmus mit den Namen der
Aebte, von Angelram, SS. XV, 181. Dieser hatte das Leben und die Wunder metrisch
in 4 Büchern bearbeitet.
[9] So in seiner Stiftung Cysoing bei Tournai Markgraf E b e r h a r d von Friaul,
Gemahl von Ludw. d. Fr. Tochter Gisla, einer der litterarisch gebildeten Laien dieser
Zeit, s. Dümmler im Jahrbuch für vaterländische Geschichte (Wien 1861) S. 171-179,
Gesta Berengarii p. 17 und die in der Translatio S. Callisti Cisonium a. 854 durch
Eberhard, Acta SS. Oct. VI, 444, ausgelassenen Stellen NA. III, 405-407. Vollst.
Ausgabe dieser von Holder-Egger SS. XV, 1, 418-422. Zu solcher Verehrung genügte
die bloße Existenz des Grabes eines vornehmen oder bekannten Mannes aus alter
Zeit, wie recht deutlich die Verehrung Z w e n t i b o l d s in Süstern zeigt, und die des
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M e i n g o l d in Huy; über dessen ganz fabelhafte und historisch unbrauchbare Vita
←1 ←2 (Acta SS. Feb. II, 191-196, MG. SS. XV, 556-563) s. Dümmler, De Arnulfo
p. 201-204. Von den Helden der Sage wurden Wa l t h a r i u s in Novalese, O t g e r in
St. Faron-les-Meaux, Tegernsee und Groß St. Martin zu Cöln verehrt und ihre
Geschichte mönchisch gestaltet. Gar wunderbar ist die Geschichte von dem
Haimonskinde R e i n o l d (Vita S. Reinoldi, Acta SS. Jan. I, 385-387 und in
lateinischen Versen im Annuaire de la Bibliothèque Royale de Bruxelles XII, 239-
281), der in Cöln, für seine Sünden büssend, als Steinträger bei einem Kirchenbau
arbeitete u. von seinen mißgünstigen Genossen erschlagen wurde; seine angeblich
von dort geholten Knochen thaten in Dortmund Wunder. Abh. darüber nebst Abdr. v.
Floss, Niederrhein. Ann. XXX (1876) S. 174-203. Gleicher Art ist die von
Giesebrecht zur Passio Adalberti beschriebene V. Hugonis aus Jumièges, über die
auch schon Ravaisson, Rapports p. 125, Mittheilung gemacht hat; vgl. Gesch. d.
Kaiserzeit II, 601.
[10] Alcuini epp. 144 et 213 Froben, 116 u. 177 Jaffé.
[11] S. O. Abel, Kaiser Karls Leben von Einhard, S. 56-62; vgl. Lorentz, Alcuins
Leben, S. 183, A. 32.
[12] „Cui etiam ad augmentum palatini honoris totius maritimae terrae ducatus
commissus est.“ Hariulfi Chron. Centul. in d'Achery's Spicil. ed. II. II, 291 sq. Vgl.
das daraus mit Benutzung der Handschrift gegebene Leben Angilberts bei Mab. IV, 1,
108-122, worauf Anschers Werk folgt. Hier fehlt der Eingang, weshalb es zweifelhaft
ist, ob Anscher auch diese Vita verfaßte. Ein Fragment ders. SS. XV. 180.
[13] Auch das ist wohl Anticipation späterer Zustände. Nach Hariulf III, 9 wurde
Rudolf, der Bruder der Kaiserin Judith, unter Karl dem Kahlen zugleich Laienabt und
comes maritimae provinciae.
[14] S. Leibniz, Ann. Imp. I, 107.
[15] Neuer litterarischer Anzeiger 1807 N. 6. Daß dieses Gedicht schon unter Alcuins
Namen bei Froben II, 614 gedruckt ist, fand Docen selbst später. Aretins Beiträge
VII, 523. Poet. Lat. I, 360.
[16] „Virginis egregiae Bertae nunc dicite laudes, Pierides, mecum, placeant cui
carmina nostra. Carminibus (cunctis) Musarum digna puella est.“ Da hier nicht, wie
in dem sonst sehr ähnlichen Gedichte Theodulfs, die Königin Liudgard erwähnt wird,
so ist dieses wohl erst nach deren Tod, 4. Juni 800, geschrieben. Althof a. a. O. S. 14
bemerkt, dass hier noch Thyrsis (der Kämmerer Meginfrid) als lebend erwähnt wird,
der damals auf einem Zug Pippins gegen Benevent starb.
[17] Poet. Lat. I, 358. Ueber die chronologischen Schwierigkeiten Simson, Karl d.
Gr. II, 126.
[18] Bibl. IV, 353.
[19] MG. II, 391-403. Orelli, Helperici sive ut alii arbitrantur Angilberti Carolus
magnus et Leo III, 1832, nach der von ihm wiederaufgefundenen Handschrift.
Dagegen Pertz im Archiv VII, 363. — Poet. Lat. 1, 366-381. M. Manitius, NA. VIII,
9-45 für Angilbert als Autor. Dagegen Ausfeld, Forsch. XXIII, 609-615. Die
Unsicherheit anerkennend Manitius, NA. IX, 614-617; XI, 555. 556 über Benutzung
älterer Dichter bei ihm. Traube verwirft seine Autorschaft.
[20] Forsch. XII, 567-590, vgl. XIV, 623-626, sehr ungünstig über den Vf. urtheilend,
den dagegen Ebert, Deutsche Rundschau III, 9, 407 (vgl. Lit. des MA. II, 58-63)
lebhaft anerkennt. Aehnlich auch Althof.
←1 ←2 (Acta SS. Feb. II, 191-196, MG. SS. XV, 556-563) s. Dümmler, De Arnulfo
p. 201-204. Von den Helden der Sage wurden Wa l t h a r i u s in Novalese, O t g e r in
St. Faron-les-Meaux, Tegernsee und Groß St. Martin zu Cöln verehrt und ihre
Geschichte mönchisch gestaltet. Gar wunderbar ist die Geschichte von dem
Haimonskinde R e i n o l d (Vita S. Reinoldi, Acta SS. Jan. I, 385-387 und in
lateinischen Versen im Annuaire de la Bibliothèque Royale de Bruxelles XII, 239-
281), der in Cöln, für seine Sünden büssend, als Steinträger bei einem Kirchenbau
arbeitete u. von seinen mißgünstigen Genossen erschlagen wurde; seine angeblich
von dort geholten Knochen thaten in Dortmund Wunder. Abh. darüber nebst Abdr. v.
Floss, Niederrhein. Ann. XXX (1876) S. 174-203. Gleicher Art ist die von
Giesebrecht zur Passio Adalberti beschriebene V. Hugonis aus Jumièges, über die
auch schon Ravaisson, Rapports p. 125, Mittheilung gemacht hat; vgl. Gesch. d.
Kaiserzeit II, 601.
[10] Alcuini epp. 144 et 213 Froben, 116 u. 177 Jaffé.
[11] S. O. Abel, Kaiser Karls Leben von Einhard, S. 56-62; vgl. Lorentz, Alcuins
Leben, S. 183, A. 32.
[12] „Cui etiam ad augmentum palatini honoris totius maritimae terrae ducatus
commissus est.“ Hariulfi Chron. Centul. in d'Achery's Spicil. ed. II. II, 291 sq. Vgl.
das daraus mit Benutzung der Handschrift gegebene Leben Angilberts bei Mab. IV, 1,
108-122, worauf Anschers Werk folgt. Hier fehlt der Eingang, weshalb es zweifelhaft
ist, ob Anscher auch diese Vita verfaßte. Ein Fragment ders. SS. XV. 180.
[13] Auch das ist wohl Anticipation späterer Zustände. Nach Hariulf III, 9 wurde
Rudolf, der Bruder der Kaiserin Judith, unter Karl dem Kahlen zugleich Laienabt und
comes maritimae provinciae.
[14] S. Leibniz, Ann. Imp. I, 107.
[15] Neuer litterarischer Anzeiger 1807 N. 6. Daß dieses Gedicht schon unter Alcuins
Namen bei Froben II, 614 gedruckt ist, fand Docen selbst später. Aretins Beiträge
VII, 523. Poet. Lat. I, 360.
[16] „Virginis egregiae Bertae nunc dicite laudes, Pierides, mecum, placeant cui
carmina nostra. Carminibus (cunctis) Musarum digna puella est.“ Da hier nicht, wie
in dem sonst sehr ähnlichen Gedichte Theodulfs, die Königin Liudgard erwähnt wird,
so ist dieses wohl erst nach deren Tod, 4. Juni 800, geschrieben. Althof a. a. O. S. 14
bemerkt, dass hier noch Thyrsis (der Kämmerer Meginfrid) als lebend erwähnt wird,
der damals auf einem Zug Pippins gegen Benevent starb.
[17] Poet. Lat. I, 358. Ueber die chronologischen Schwierigkeiten Simson, Karl d.
Gr. II, 126.
[18] Bibl. IV, 353.
[19] MG. II, 391-403. Orelli, Helperici sive ut alii arbitrantur Angilberti Carolus
magnus et Leo III, 1832, nach der von ihm wiederaufgefundenen Handschrift.
Dagegen Pertz im Archiv VII, 363. — Poet. Lat. 1, 366-381. M. Manitius, NA. VIII,
9-45 für Angilbert als Autor. Dagegen Ausfeld, Forsch. XXIII, 609-615. Die
Unsicherheit anerkennend Manitius, NA. IX, 614-617; XI, 555. 556 über Benutzung
älterer Dichter bei ihm. Traube verwirft seine Autorschaft.
[20] Forsch. XII, 567-590, vgl. XIV, 623-626, sehr ungünstig über den Vf. urtheilend,
den dagegen Ebert, Deutsche Rundschau III, 9, 407 (vgl. Lit. des MA. II, 58-63)
lebhaft anerkennt. Aehnlich auch Althof.
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[21] Dieser dem Vergil entlehnte Kunstgriff ist freilich nicht selten, sonst würde es
für Angilberts Autorschaft sprechen, daß auch in seinem Gedichte auf Pippins
Ankunft ein Traum auf ähnliche Weise angewandt wird.
für Angilberts Autorschaft sprechen, daß auch in seinem Gedichte auf Pippins
Ankunft ein Traum auf ähnliche Weise angewandt wird.
Page 242
§ 8. Einhard. [ ← ]
Pertz, MG. SS. II, 426-430. Baehr S. 200-216. O. Abel, Kaiser Karls Leben von Einhard, S. 1-18.
Eug. Bacha bei Kurth: Dissertations acad. Liège 1888. Opera ed. Teulet, Par. 1840, 1843, 8. 2
Bände. Jaffé, Bibl. IV, 487-506; vgl. die zweite Ausgabe der Vita Caroli M. cur. W. Wattenbach,
1876. Vita Caroli ed. Waitz, 1880. Ebert II, 92-104. Bursian, Gesch. d. Philol. S. 21. M.
Manitius, Einharts Werke und ihr Stil, NA. VII, 517-568. Nachtrag VIII, 193. XI, 64-73.
Dem Kaiser Karl wurde das Glück zu Theil, so lange die Herrschaft zu
führen, daß er noch selbst den Erfolg seiner Bestrebungen und
Einrichtungen erlebte. Haben wir bisher mit den Männern uns beschäftigt,
welche er als Gehülfen seiner Thätigkeit an sich zog, seinen gleichaltrigen
Zeitgenossen, so haben wir dagegen jetzt in Einhard den ersten der jüngeren
Generation zu betrachten, der schon ganz unter dem Einfluß von Karls
Zeitalter erwachsen war, und selbst den schönsten Beweis gab für den
gesegneten Erfolg dieses Strebens. Kein mittelalterlicher Schriftsteller ist
den classischen Vorbildern, welchen sie nacheiferten, so nahe gekommen;
er erfreut sich deshalb eines guten Namens und findet selbst vor
philologischen Augen Gnade.
Und doch zeigt sich auch gerade darin wieder eine Gefahr der
damaligen Richtung; so viel anziehendes Einhard auch hat, es fehlt ihm die
frische Natürlichkeit anderer, er schreibt fast wie Sueton, aber es war nicht
das richtige Ziel des Mittelalters, zu schreiben wie Sueton, so wenig wie am
Beginn der neueren Zeit diejenigen das Höchste erreicht haben, welche fast
wie Cicero schrieben.
Man hätte in die Gefahr kommen können, nichts als ein mattes Abbild
der römischen Kaiserzeit darzustellen, wenn nicht doch dagegen das
widerstrebende Element der Kirche immer geschützt hätte, welches sich in
dieser Form nicht fesseln lassen konnte, und das unvertilgbare frische
Leben der Völker, welches nicht ruhte, bis es sich seine eigenen neuen
Formen geschaffen hatte.
Pertz, MG. SS. II, 426-430. Baehr S. 200-216. O. Abel, Kaiser Karls Leben von Einhard, S. 1-18.
Eug. Bacha bei Kurth: Dissertations acad. Liège 1888. Opera ed. Teulet, Par. 1840, 1843, 8. 2
Bände. Jaffé, Bibl. IV, 487-506; vgl. die zweite Ausgabe der Vita Caroli M. cur. W. Wattenbach,
1876. Vita Caroli ed. Waitz, 1880. Ebert II, 92-104. Bursian, Gesch. d. Philol. S. 21. M.
Manitius, Einharts Werke und ihr Stil, NA. VII, 517-568. Nachtrag VIII, 193. XI, 64-73.
Dem Kaiser Karl wurde das Glück zu Theil, so lange die Herrschaft zu
führen, daß er noch selbst den Erfolg seiner Bestrebungen und
Einrichtungen erlebte. Haben wir bisher mit den Männern uns beschäftigt,
welche er als Gehülfen seiner Thätigkeit an sich zog, seinen gleichaltrigen
Zeitgenossen, so haben wir dagegen jetzt in Einhard den ersten der jüngeren
Generation zu betrachten, der schon ganz unter dem Einfluß von Karls
Zeitalter erwachsen war, und selbst den schönsten Beweis gab für den
gesegneten Erfolg dieses Strebens. Kein mittelalterlicher Schriftsteller ist
den classischen Vorbildern, welchen sie nacheiferten, so nahe gekommen;
er erfreut sich deshalb eines guten Namens und findet selbst vor
philologischen Augen Gnade.
Und doch zeigt sich auch gerade darin wieder eine Gefahr der
damaligen Richtung; so viel anziehendes Einhard auch hat, es fehlt ihm die
frische Natürlichkeit anderer, er schreibt fast wie Sueton, aber es war nicht
das richtige Ziel des Mittelalters, zu schreiben wie Sueton, so wenig wie am
Beginn der neueren Zeit diejenigen das Höchste erreicht haben, welche fast
wie Cicero schrieben.
Man hätte in die Gefahr kommen können, nichts als ein mattes Abbild
der römischen Kaiserzeit darzustellen, wenn nicht doch dagegen das
widerstrebende Element der Kirche immer geschützt hätte, welches sich in
dieser Form nicht fesseln lassen konnte, und das unvertilgbare frische
Leben der Völker, welches nicht ruhte, bis es sich seine eigenen neuen
Formen geschaffen hatte.
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Für das Leben Einhards haben wir die werthvollste Bereicherung
unserer Kenntniß dem Prologe Wal ah f r ids zu Kaiser Karls Leben zu
danken, dessen früher bezweifelte Echtheit durch die Auffindung der
Kopenhagener, einst Kirschgarter Handschrift gesichert ist; daraus ist er
fehlervoll Arch. VII, 372, correcter von Jaffé herausgegeben[1], und mit
Benutzung desselben hat Jaffé in sorgfältigster Weise Einhards Leben neu
bearbeitet. Eine zweite Handschrift in Freiburg i. Br. hat B. Simson
entdeckt und die Varianten mitgetheilt[2].
Einhard — denn so, nicht Eginhard, wird der Name von seinen
Zeitgenossen urkundlich geschrieben[3] — ist um das Jahr 770 in
Ostfranken im Maingau von edlen Eltern[4] geboren, und erhielt seine
früheste Erziehung im Kloster Fulda[5], zu dem er auch immer in
freundschaftlicher Beziehung blieb: noch bewahren sechs von ihm unter
Abt Baugulf (779-802) geschriebene Urkunden, wenn gleich nicht im
Original erhalten, das Andenken an jene Zeit. Darunter ist eine Schenkung
der Ehegatten Einhart und Engilfrit, höchst wahrscheinlich seiner Eltern;
zwei vom 19. April 788 und vom 12. September 791 dienen zur
Zeitbestimmung[6]. So sehr zeichnete er sich durch seine Fähigkeiten und
Fortschritte aus, dass Abt Baugulf ihn an den Hof des Königs schickte, denn
dieser, das wußte Baugulf, trachtete eifrigst danach, die fähigsten und
gelehrtesten Männer aus dem ganzen Reiche um sich zu versammeln. In der
Hofschule also vollendete er seine Ausbildung, und erwarb sich bald die
Anerkennung, welcher beim ersten Anblick seine kleine Gestalt hinderlich
war. Homuncio nennt ihn deshalb Walahfrid, nam statura despicabilis
videbatur. Und Theodulf sagt 796 in dem oben erwähnten Gedicht an Karl
v. 155 ff. von ihm:
Nardulus huc illuc discurrat perpete gressu:
Ut formica tuus pes redit itque frequens,
Cujus parva domus habitatur hospite magno,
Res magna et parvi pectoris antra colit.
unserer Kenntniß dem Prologe Wal ah f r ids zu Kaiser Karls Leben zu
danken, dessen früher bezweifelte Echtheit durch die Auffindung der
Kopenhagener, einst Kirschgarter Handschrift gesichert ist; daraus ist er
fehlervoll Arch. VII, 372, correcter von Jaffé herausgegeben[1], und mit
Benutzung desselben hat Jaffé in sorgfältigster Weise Einhards Leben neu
bearbeitet. Eine zweite Handschrift in Freiburg i. Br. hat B. Simson
entdeckt und die Varianten mitgetheilt[2].
Einhard — denn so, nicht Eginhard, wird der Name von seinen
Zeitgenossen urkundlich geschrieben[3] — ist um das Jahr 770 in
Ostfranken im Maingau von edlen Eltern[4] geboren, und erhielt seine
früheste Erziehung im Kloster Fulda[5], zu dem er auch immer in
freundschaftlicher Beziehung blieb: noch bewahren sechs von ihm unter
Abt Baugulf (779-802) geschriebene Urkunden, wenn gleich nicht im
Original erhalten, das Andenken an jene Zeit. Darunter ist eine Schenkung
der Ehegatten Einhart und Engilfrit, höchst wahrscheinlich seiner Eltern;
zwei vom 19. April 788 und vom 12. September 791 dienen zur
Zeitbestimmung[6]. So sehr zeichnete er sich durch seine Fähigkeiten und
Fortschritte aus, dass Abt Baugulf ihn an den Hof des Königs schickte, denn
dieser, das wußte Baugulf, trachtete eifrigst danach, die fähigsten und
gelehrtesten Männer aus dem ganzen Reiche um sich zu versammeln. In der
Hofschule also vollendete er seine Ausbildung, und erwarb sich bald die
Anerkennung, welcher beim ersten Anblick seine kleine Gestalt hinderlich
war. Homuncio nennt ihn deshalb Walahfrid, nam statura despicabilis
videbatur. Und Theodulf sagt 796 in dem oben erwähnten Gedicht an Karl
v. 155 ff. von ihm:
Nardulus huc illuc discurrat perpete gressu:
Ut formica tuus pes redit itque frequens,
Cujus parva domus habitatur hospite magno,
Res magna et parvi pectoris antra colit.
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Et nunc ille libros operosus[7], nunc ferat et res,
Spiculaque ad Scotti nunc paret apta necem.
Denn von der Bissigkeit dieses Schottenmönchs (vgl. oben S. 153)
hatte er nicht minder als Alcuin und Theodulf selbst zu leiden. Alcuin aber
verfaßte folgende scherzhafte Verse als Inschrift auf Einhards Haus:
Parva quidem res est oculorum cerne pupilla,
Sed regit imperio vivacis corporis actus.
Sic regit ipse domum totam sibi Nardulus istam:
Nardule, dic lector pergens, tu parvule salve!
Und für seine Hausthür:
Janua parva quidem et parvus habitator in aede est.
Seine volle Anerkennung für Einhard aber spricht er in diesem hübschen
Epigramm aus:
Non spernas Nardum, lector, in corpore parvum,
Nam[8] redolet nardus spicato gramine multum:
Mel apis egregrium portat tibi corpore parvo.
Als schon in späteren Jahren 829 Walahfrid Kaiser Ludwigs Hof
schilderte, schrieb er von Einhard (mit dem Lemma de Einharto magno)[9]:
Nec minor est magni reverentia patris habenda
Beseleel, fabre[10] primum qui percipit omne
Artificum praecautus opus: sic denique summus
Ipse legens infirma deus, sic fortia temnit. (I. Cor. 1, 27.)
Magnorum quis enim majora receperat umquam,
Spiculaque ad Scotti nunc paret apta necem.
Denn von der Bissigkeit dieses Schottenmönchs (vgl. oben S. 153)
hatte er nicht minder als Alcuin und Theodulf selbst zu leiden. Alcuin aber
verfaßte folgende scherzhafte Verse als Inschrift auf Einhards Haus:
Parva quidem res est oculorum cerne pupilla,
Sed regit imperio vivacis corporis actus.
Sic regit ipse domum totam sibi Nardulus istam:
Nardule, dic lector pergens, tu parvule salve!
Und für seine Hausthür:
Janua parva quidem et parvus habitator in aede est.
Seine volle Anerkennung für Einhard aber spricht er in diesem hübschen
Epigramm aus:
Non spernas Nardum, lector, in corpore parvum,
Nam[8] redolet nardus spicato gramine multum:
Mel apis egregrium portat tibi corpore parvo.
Als schon in späteren Jahren 829 Walahfrid Kaiser Ludwigs Hof
schilderte, schrieb er von Einhard (mit dem Lemma de Einharto magno)[9]:
Nec minor est magni reverentia patris habenda
Beseleel, fabre[10] primum qui percipit omne
Artificum praecautus opus: sic denique summus
Ipse legens infirma deus, sic fortia temnit. (I. Cor. 1, 27.)
Magnorum quis enim majora receperat umquam,
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Quam radiare brevi nimium miramur homullo?
Daß aber auch Einhard zu den Dichtern des Hofes gehörte, erfahren
wir erst aus jenem Gedicht des Naso, wo es zugleich mit hoher
Anerkennung seiner hervorragenden Stellung von ihm heißt:
Aonias avide solitus recitare Camenas
Nardus ovans summo praesenti pollet honore.
Durch seine Klugheit und Gelehrsamkeit, sowie durch seine
Rechtlichkeit und Treue erwarb sich Einhard das vollste Vertrauen Karls,
der fast keinem seiner Räthe so rücksichtslos seine geheimsten Gedanken
mittheilte; den jüngeren Mann liebte er wie einen Sohn, und Einhard
erwiderte diese Zuneigung mit der hingebendsten Verehrung[11]. Ganz
besonders zeichnete sich Einhard auch durch seine Kunstfertigkeit aus,
durch seine Kunde der Baukunst, welche er durch eifriges Studium des
Vitruv und der alten Denkmäler auszubilden suchte, und durch
Geschicklichkeit in mancherlei Arbeit. Er erhielt deshalb unter den
Hofgelehrten den Beinamen B esel eel, nach dem kunstreichen
Werkmeister der Stiftshütte, und wurde vom Kaiser zum Aufseher seiner
großartigen Bauten ernannt[12]. Auch in anderen wichtigen Angelegenheiten
bewies ihm der Kaiser sein Vertrauen; er sandte ihn im Jahre 806 an den
Pabst, um dessen Zustimmung zu seiner Anordnung über die
Reichstheilung zu erlangen, und 813 war es Einhard, dessen Rath und Bitte
Karl bestimmt haben soll, seinen Sohn Ludwig zum Kaiser zu ernennen. Da
ist es denn nicht zu verwundern, daß er auch bei diesem sehr in Gunst
stand; die großen Bauten hörten auf, aber nun wurde dem kunstreichen und
gelehrten Manne eine ganze Reihe der ansehnlichsten Abteien übertragen.
Allein mehr als diese zog ihn der abgelegene und einsame Fleck Landes zu
Michelstadt im Odenwald an, den er 815 für sich und seine Gemahlin Imma
vom Kaiser zum Geschenk erbat. Mehr und mehr zog er sich hierin zurück,
und nachdem er sich im Jahre 827 den nach den Begriffen der Zeit
Daß aber auch Einhard zu den Dichtern des Hofes gehörte, erfahren
wir erst aus jenem Gedicht des Naso, wo es zugleich mit hoher
Anerkennung seiner hervorragenden Stellung von ihm heißt:
Aonias avide solitus recitare Camenas
Nardus ovans summo praesenti pollet honore.
Durch seine Klugheit und Gelehrsamkeit, sowie durch seine
Rechtlichkeit und Treue erwarb sich Einhard das vollste Vertrauen Karls,
der fast keinem seiner Räthe so rücksichtslos seine geheimsten Gedanken
mittheilte; den jüngeren Mann liebte er wie einen Sohn, und Einhard
erwiderte diese Zuneigung mit der hingebendsten Verehrung[11]. Ganz
besonders zeichnete sich Einhard auch durch seine Kunstfertigkeit aus,
durch seine Kunde der Baukunst, welche er durch eifriges Studium des
Vitruv und der alten Denkmäler auszubilden suchte, und durch
Geschicklichkeit in mancherlei Arbeit. Er erhielt deshalb unter den
Hofgelehrten den Beinamen B esel eel, nach dem kunstreichen
Werkmeister der Stiftshütte, und wurde vom Kaiser zum Aufseher seiner
großartigen Bauten ernannt[12]. Auch in anderen wichtigen Angelegenheiten
bewies ihm der Kaiser sein Vertrauen; er sandte ihn im Jahre 806 an den
Pabst, um dessen Zustimmung zu seiner Anordnung über die
Reichstheilung zu erlangen, und 813 war es Einhard, dessen Rath und Bitte
Karl bestimmt haben soll, seinen Sohn Ludwig zum Kaiser zu ernennen. Da
ist es denn nicht zu verwundern, daß er auch bei diesem sehr in Gunst
stand; die großen Bauten hörten auf, aber nun wurde dem kunstreichen und
gelehrten Manne eine ganze Reihe der ansehnlichsten Abteien übertragen.
Allein mehr als diese zog ihn der abgelegene und einsame Fleck Landes zu
Michelstadt im Odenwald an, den er 815 für sich und seine Gemahlin Imma
vom Kaiser zum Geschenk erbat. Mehr und mehr zog er sich hierin zurück,
und nachdem er sich im Jahre 827 den nach den Begriffen der Zeit
Page 246
unschätzbaren Besitz der Gebeine der heiligen Märtyrer Marcellinus und
Petrus verschafft hatte, gedachte er hier ein Kloster zu gründen; doch
veranlaßte eine Vision ihn, die Reliquien nach Mühlheim am Main zu
führen, wo er ihnen eine stattliche Kirche erbaute, und die Abtei stiftete,
welche den Namen des Ortes allmählich in Seligenstadt verwandelte.
Noch konnte Einhard sich nicht ganz den Staatsgeschäften entziehen,
deren unruhiges und kriegerisches Getreibe allen denen, welche sich zu
litterarischer Beschäftigung hingezogen fühlten, unerträglich war[13]. Im
Jahr 817 gab ihn Ludwig dem jungen Kaiser Lothar als Rathgeber, und 830
finden wir ihn eifrig bemüht, den Ausbruch der Empörung zu verhindern,
die Aussöhnung zwischen Vater und Sohn zu bewirken; Walahfrid rühmt
ganz vorzüglich die Klugheit, mit welcher Einhard weder vorzeitig den
alten Kaiser verlassen, noch auch sich ohne Nutzen ins Verderben gestürzt
habe. Als aber die inneren Zustände des Reichs immer unheilbarer wurden,
auch niemand mehr auf seinen weisen Rath achtete, da zog er sich ganz in
seine Waldeinsamkeit zurück. Noch war ein harter Schlag des Schicksals
ihm vorbehalten, der Tod seiner innig geliebten Gemahlin Imma, die nach
Jaffé's scharfsinniger Vermuthung eine Schwester des Bischofs Bernhar von
Worms war[14]. Sie starb im Jahre 836; der alte Kaiser hat ihn damals in
seiner Zurückgezogenheit aufgesucht, um ihm seine Theilnahme zu
bezeugen, und Lupus, der sich gerade seiner Studien wegen in Fulda
aufhielt, wo er eben mit lebhafter Bewunderung die Vita Caroli gelesen
hatte, schrieb ihm in herzlichem Mitgefühl einen Trostbrief[15]. Nicht lange
darnach, am 14. März 840, starb er selbst[16]; eine schöne Grabschrift von
Hrabans Hand zierte seine Ruhestätte[17]. In der Abtswürde folgte ihm sein
Schüler R at leik, einst sein Schreiber, jetzt Ludwigs des Deutschen
Kanzler[18].
Eine reiche Quelle für die Geschichte des letzten Jahrzehnts von
Ludwigs des Frommen Regierung, leider nicht für die frühere Zeit, bieten
uns die Br i ef e Einhards und anderer an ihn, oder die auf irgend eine Weise
in seinen Besitz gekommen waren[19], welche in seinem Genter Kloster als
Petrus verschafft hatte, gedachte er hier ein Kloster zu gründen; doch
veranlaßte eine Vision ihn, die Reliquien nach Mühlheim am Main zu
führen, wo er ihnen eine stattliche Kirche erbaute, und die Abtei stiftete,
welche den Namen des Ortes allmählich in Seligenstadt verwandelte.
Noch konnte Einhard sich nicht ganz den Staatsgeschäften entziehen,
deren unruhiges und kriegerisches Getreibe allen denen, welche sich zu
litterarischer Beschäftigung hingezogen fühlten, unerträglich war[13]. Im
Jahr 817 gab ihn Ludwig dem jungen Kaiser Lothar als Rathgeber, und 830
finden wir ihn eifrig bemüht, den Ausbruch der Empörung zu verhindern,
die Aussöhnung zwischen Vater und Sohn zu bewirken; Walahfrid rühmt
ganz vorzüglich die Klugheit, mit welcher Einhard weder vorzeitig den
alten Kaiser verlassen, noch auch sich ohne Nutzen ins Verderben gestürzt
habe. Als aber die inneren Zustände des Reichs immer unheilbarer wurden,
auch niemand mehr auf seinen weisen Rath achtete, da zog er sich ganz in
seine Waldeinsamkeit zurück. Noch war ein harter Schlag des Schicksals
ihm vorbehalten, der Tod seiner innig geliebten Gemahlin Imma, die nach
Jaffé's scharfsinniger Vermuthung eine Schwester des Bischofs Bernhar von
Worms war[14]. Sie starb im Jahre 836; der alte Kaiser hat ihn damals in
seiner Zurückgezogenheit aufgesucht, um ihm seine Theilnahme zu
bezeugen, und Lupus, der sich gerade seiner Studien wegen in Fulda
aufhielt, wo er eben mit lebhafter Bewunderung die Vita Caroli gelesen
hatte, schrieb ihm in herzlichem Mitgefühl einen Trostbrief[15]. Nicht lange
darnach, am 14. März 840, starb er selbst[16]; eine schöne Grabschrift von
Hrabans Hand zierte seine Ruhestätte[17]. In der Abtswürde folgte ihm sein
Schüler R at leik, einst sein Schreiber, jetzt Ludwigs des Deutschen
Kanzler[18].
Eine reiche Quelle für die Geschichte des letzten Jahrzehnts von
Ludwigs des Frommen Regierung, leider nicht für die frühere Zeit, bieten
uns die Br i ef e Einhards und anderer an ihn, oder die auf irgend eine Weise
in seinen Besitz gekommen waren[19], welche in seinem Genter Kloster als
Page 247
Muster gesammelt wurden; die Eigennamen wurden als überflüssig
meistens beseitigt. Die Handschrift kam mit den vor den Normannen
flüchtenden Mönchen nach Laon, wo sie in stark beschädigtem Zustande
geblieben ist, bis Pertz sie 1827 dort entdeckte, worauf sie wenig später
nach Paris gebracht wurde. Nachdem zuerst Teulet die Handschrift wieder
benutzt hatte, liegt nun von Jaffé eine zu bequemem Gebrauche kritisch
bearbeitete Ausgabe vor[20].
Einhards berühmtestes und vollendetstes Werk ist:
Da s L eb en K arls.
Ausgabe von Pertz MG. SS. II, 426-463. Besonderer Abdruck, 3. Ausgabe 1863, mit einem Anhang
von Gedichten. Ueber später gefundene Handschriften NA. VI, 195. Cod. Monac. 17134 aus
Scheftlarn mit Interpolationen aus den Annalen über Tassilo, s. Graf Hundt in d. S. 154 angef.
Abh. S. 191. Cod. Paris 4937 ist mit dem Fonds Barrois wieder erworben. Eine Hds. im Catalog
von 1412 des Kl. Amelungsborn, Dürre im Progr. d. Gymn. zu Holzminden 1876 S. 22. Ideler:
Leben und Wandel Karls des Großen von Einhard (Text mit Commentar und Beilagen), 2 Bde.
1839. Ausg. von Jaffé, Bibl. IV, 487-581, und bes. Abdruck, 1867; 1876 cur. W. Wattenbach. Ed.
Waitz. 1880; A. Holder 1881. Uebers. v. O. Abel, Geschichtschr. 16 (IX, 1) 1850, 1880.
Verbesserungen von Fröhner, Krit. Analecten, Philologus, Suppl. Bd. V, S. 93. Fr. Schmidt De
Einhardo Suet. imitatore, Progr. 1880. Manitius, Anklänge an Vergil, NA. IX, 617, an Sulpicius
Severus, Vellejus u. Curtius ib. XII, 205. 206; an Justin XIII, 213. E. Bernheim, Waitz-Aufsätze
S. 73-96, über das Verhältniß zu Sueton und zu den Ann. Einhardi, die er benutzt habe, vgl. NA.
XII, 427.
„Einhard“, sagt Ranke zur Kritik fränkisch-deutscher Reichsannalisten
S. 416[22], „hatte das unschätzbare Glück, in seinem großen Zeitgenossen
den würdigsten Gegenstand historischer Arbeit zu finden; indem er ihm,
und zwar aus persönlicher Dankbarkeit für die geistige Pflege, die er in
seiner Jugend von ihm genossen, ein Denkmal stiftete, machte er sich selbst
für alle Jahrhunderte unvergeßlich.“
„Vielleicht in keinem neueren Werke tritt nun aber die Nachahmung
der Antike stärker hervor, als in Einhards Lebensbeschreibung Karls des
Großen. Sie ist nicht allein in einzelnen Ausdrücken und der Phraseologie,
sondern in der Anordnung des Stoffes, der Reihenfolge der Capitel, eine
meistens beseitigt. Die Handschrift kam mit den vor den Normannen
flüchtenden Mönchen nach Laon, wo sie in stark beschädigtem Zustande
geblieben ist, bis Pertz sie 1827 dort entdeckte, worauf sie wenig später
nach Paris gebracht wurde. Nachdem zuerst Teulet die Handschrift wieder
benutzt hatte, liegt nun von Jaffé eine zu bequemem Gebrauche kritisch
bearbeitete Ausgabe vor[20].
Einhards berühmtestes und vollendetstes Werk ist:
Da s L eb en K arls.
Ausgabe von Pertz MG. SS. II, 426-463. Besonderer Abdruck, 3. Ausgabe 1863, mit einem Anhang
von Gedichten. Ueber später gefundene Handschriften NA. VI, 195. Cod. Monac. 17134 aus
Scheftlarn mit Interpolationen aus den Annalen über Tassilo, s. Graf Hundt in d. S. 154 angef.
Abh. S. 191. Cod. Paris 4937 ist mit dem Fonds Barrois wieder erworben. Eine Hds. im Catalog
von 1412 des Kl. Amelungsborn, Dürre im Progr. d. Gymn. zu Holzminden 1876 S. 22. Ideler:
Leben und Wandel Karls des Großen von Einhard (Text mit Commentar und Beilagen), 2 Bde.
1839. Ausg. von Jaffé, Bibl. IV, 487-581, und bes. Abdruck, 1867; 1876 cur. W. Wattenbach. Ed.
Waitz. 1880; A. Holder 1881. Uebers. v. O. Abel, Geschichtschr. 16 (IX, 1) 1850, 1880.
Verbesserungen von Fröhner, Krit. Analecten, Philologus, Suppl. Bd. V, S. 93. Fr. Schmidt De
Einhardo Suet. imitatore, Progr. 1880. Manitius, Anklänge an Vergil, NA. IX, 617, an Sulpicius
Severus, Vellejus u. Curtius ib. XII, 205. 206; an Justin XIII, 213. E. Bernheim, Waitz-Aufsätze
S. 73-96, über das Verhältniß zu Sueton und zu den Ann. Einhardi, die er benutzt habe, vgl. NA.
XII, 427.
„Einhard“, sagt Ranke zur Kritik fränkisch-deutscher Reichsannalisten
S. 416[22], „hatte das unschätzbare Glück, in seinem großen Zeitgenossen
den würdigsten Gegenstand historischer Arbeit zu finden; indem er ihm,
und zwar aus persönlicher Dankbarkeit für die geistige Pflege, die er in
seiner Jugend von ihm genossen, ein Denkmal stiftete, machte er sich selbst
für alle Jahrhunderte unvergeßlich.“
„Vielleicht in keinem neueren Werke tritt nun aber die Nachahmung
der Antike stärker hervor, als in Einhards Lebensbeschreibung Karls des
Großen. Sie ist nicht allein in einzelnen Ausdrücken und der Phraseologie,
sondern in der Anordnung des Stoffes, der Reihenfolge der Capitel, eine
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Nachahmung Suetons. Wie auffallend, daß ein Schriftsteller, der eine der
größten und seltensten Gestalten aller Jahrhunderte darzustellen hat, sich
dennoch nach Worten umsieht, wie sie schon einmal von einem oder dem
anderen Imperator gebraucht worden sind. Einhard gefällt sich darin, die
individuellsten Eigenheiten der Persönlichkeit seines Helden mit den
Redensarten zu schildern, die Sueton von Augustus, oder Vespasian, oder
Titus, oder auch hie und da von Tiberius gebrauchte. Er hat gleichsam die
Maße und Verhältnisse nach dem Muster der Antike eingerichtet, wie in
seinen Bauwerken: aber damit noch nicht zufrieden, wendet er wie in
diesen, auch sogar antike Werkstücke an. Wenn wir auch überzeugt sind,
daß hiebei die Wahrheit nicht verletzt wurde, so konnte doch die ganze
Originalität der Erscheinung auf diese Art nicht wiedergegeben werden.
Ueberhaupt suchen wir in der Geschichte nicht allein Schönheit und Form,
sondern die exacte Wahrheit, deren Ausdruck die freieste Bewegung fordert
und dadurch eher erschwert wird, daß man sich ein bestimmtes Muster vor
Augen stellt.“
„Ohne Zweifel war die Absicht Einhards mehr auf eine angenehm
zusammenfassende Darstellung, als auf strenge Genauigkeit in den
Thatsachen gerichtet. Das kleine Buch ist voll von historischen Fehlern.“
„Nicht selten sind die Regierungsjahre falsch angegeben, z. B. bei
Karlmann, der nur zwei Jahre regiert haben soll, während er doch über drei
Jahre als König neben Karl dem Großen lebte; über die Theilung des
Reiches zwischen den beiden Brüdern wird eben das Gegentheil von dem
behauptet, was wirklich stattgefunden hat: Schlachten, die ohne besondere
Wirkung vorübergingen wie die an der Berre, werden als entscheidend
bezeichnet; Namen der Päbste werden verwechselt, die Gemahlinnen
sowohl, wie die Kinder Karls des Großen nicht richtig aufgeführt; es sind so
viele Verstöße zu bemerken, daß man oft an der Aechtheit des Buches
gezweifelt hat, obwohl sie über allen Zweifel erhaben ist.“
größten und seltensten Gestalten aller Jahrhunderte darzustellen hat, sich
dennoch nach Worten umsieht, wie sie schon einmal von einem oder dem
anderen Imperator gebraucht worden sind. Einhard gefällt sich darin, die
individuellsten Eigenheiten der Persönlichkeit seines Helden mit den
Redensarten zu schildern, die Sueton von Augustus, oder Vespasian, oder
Titus, oder auch hie und da von Tiberius gebrauchte. Er hat gleichsam die
Maße und Verhältnisse nach dem Muster der Antike eingerichtet, wie in
seinen Bauwerken: aber damit noch nicht zufrieden, wendet er wie in
diesen, auch sogar antike Werkstücke an. Wenn wir auch überzeugt sind,
daß hiebei die Wahrheit nicht verletzt wurde, so konnte doch die ganze
Originalität der Erscheinung auf diese Art nicht wiedergegeben werden.
Ueberhaupt suchen wir in der Geschichte nicht allein Schönheit und Form,
sondern die exacte Wahrheit, deren Ausdruck die freieste Bewegung fordert
und dadurch eher erschwert wird, daß man sich ein bestimmtes Muster vor
Augen stellt.“
„Ohne Zweifel war die Absicht Einhards mehr auf eine angenehm
zusammenfassende Darstellung, als auf strenge Genauigkeit in den
Thatsachen gerichtet. Das kleine Buch ist voll von historischen Fehlern.“
„Nicht selten sind die Regierungsjahre falsch angegeben, z. B. bei
Karlmann, der nur zwei Jahre regiert haben soll, während er doch über drei
Jahre als König neben Karl dem Großen lebte; über die Theilung des
Reiches zwischen den beiden Brüdern wird eben das Gegentheil von dem
behauptet, was wirklich stattgefunden hat: Schlachten, die ohne besondere
Wirkung vorübergingen wie die an der Berre, werden als entscheidend
bezeichnet; Namen der Päbste werden verwechselt, die Gemahlinnen
sowohl, wie die Kinder Karls des Großen nicht richtig aufgeführt; es sind so
viele Verstöße zu bemerken, daß man oft an der Aechtheit des Buches
gezweifelt hat, obwohl sie über allen Zweifel erhaben ist.“
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So weit Ranke, zu dessen scharfer Charakteristik ich nur wenig
hinzuzufügen habe. Gerade in diesem Werke tritt die Eigenthümlichkeit der
karolingischen Bildung am deutlichsten hervor; unmöglich kann der
fränkische Volkskönig in diesen suetonischen Ausdrücken zur vollen
Erscheinung kommen. Nur darf man auch nicht vergessen, dass Einhard
eben den Volkskönig kaum noch kannte, sondern hauptsächlich nur den
alternden Kaiser, der selber nach der Wiederbelebung des antiken Wesens
trachtete, dessen Streben in vieler Hinsicht auf die Herstellung des alten
Imperatorenreiches gerichtet war, und der, wenn ihm auch die Einführung
der staatlichen Formen jener Zeit fern lag, doch durch seine große
persönliche Ueberlegenheit so ehrfurchtgebietend dastand, und so sehr die
Seele der ganzen Herrschaft war, daß es nicht so ganz unpassend war, ihn
dem Augustus zu vergleichen und die Farben des Bildes von dem
Biographen der Imperatoren zu borgen. Auch dankt er, und wir mit ihm,
dem Sueton mehr als nur die Ausdrücke. Keine Biographie des Mittelalters
stellt uns ihren Helden so vollständig und plastisch nach allen Seiten seines
Wesens dar. Das ist die Frucht der Kategorien, welche Einhard bei seinem
Vorbilde fand. Indem er diesen gewissenhaft folgte, wurde er, wie Jaffé (S.
501) richtig bemerkt, veranlaßt viele Umstände zu erwähnen, welche er
sonst wahrscheinlich übersehen haben würde.
Daß Einhard sich bei diesem Werke nicht eine eigentliche
geschichtliche Darstellung zur Aufgabe gewählt hatte, bemerkt auch Ranke;
er wollte ein Lebensbild entwerfen, eben nach der Weise des Sueton, und
diesen Zweck hat er vollständig erreicht. Er verfaßte dieses Werk
unmittelbar nach des Kaisers Tod; schon 821 finden wir es im Reichenauer
Bibliothekskatalog genannt[23], um 830 von einem Zeitgenossen erwähnt
und benutzt. Noch stand das Bild seines väterlichen Freundes in voller
Frische vor seinem Geiste, und die etwas kalte Eleganz der Form wird
durchwärmt von der kindlichen Verehrung und Anhänglichkeit, von welcher
der Verfasser ganz erfüllt ist, und die sich überall ausspricht, ohne daß doch
das Lebensbild in eine Lobrede ausartete. Vielmehr tritt die ruhige
Mäßigung, welche Einhards Charakter eigen ist, auch hierin deutlich
hinzuzufügen habe. Gerade in diesem Werke tritt die Eigenthümlichkeit der
karolingischen Bildung am deutlichsten hervor; unmöglich kann der
fränkische Volkskönig in diesen suetonischen Ausdrücken zur vollen
Erscheinung kommen. Nur darf man auch nicht vergessen, dass Einhard
eben den Volkskönig kaum noch kannte, sondern hauptsächlich nur den
alternden Kaiser, der selber nach der Wiederbelebung des antiken Wesens
trachtete, dessen Streben in vieler Hinsicht auf die Herstellung des alten
Imperatorenreiches gerichtet war, und der, wenn ihm auch die Einführung
der staatlichen Formen jener Zeit fern lag, doch durch seine große
persönliche Ueberlegenheit so ehrfurchtgebietend dastand, und so sehr die
Seele der ganzen Herrschaft war, daß es nicht so ganz unpassend war, ihn
dem Augustus zu vergleichen und die Farben des Bildes von dem
Biographen der Imperatoren zu borgen. Auch dankt er, und wir mit ihm,
dem Sueton mehr als nur die Ausdrücke. Keine Biographie des Mittelalters
stellt uns ihren Helden so vollständig und plastisch nach allen Seiten seines
Wesens dar. Das ist die Frucht der Kategorien, welche Einhard bei seinem
Vorbilde fand. Indem er diesen gewissenhaft folgte, wurde er, wie Jaffé (S.
501) richtig bemerkt, veranlaßt viele Umstände zu erwähnen, welche er
sonst wahrscheinlich übersehen haben würde.
Daß Einhard sich bei diesem Werke nicht eine eigentliche
geschichtliche Darstellung zur Aufgabe gewählt hatte, bemerkt auch Ranke;
er wollte ein Lebensbild entwerfen, eben nach der Weise des Sueton, und
diesen Zweck hat er vollständig erreicht. Er verfaßte dieses Werk
unmittelbar nach des Kaisers Tod; schon 821 finden wir es im Reichenauer
Bibliothekskatalog genannt[23], um 830 von einem Zeitgenossen erwähnt
und benutzt. Noch stand das Bild seines väterlichen Freundes in voller
Frische vor seinem Geiste, und die etwas kalte Eleganz der Form wird
durchwärmt von der kindlichen Verehrung und Anhänglichkeit, von welcher
der Verfasser ganz erfüllt ist, und die sich überall ausspricht, ohne daß doch
das Lebensbild in eine Lobrede ausartete. Vielmehr tritt die ruhige
Mäßigung, welche Einhards Charakter eigen ist, auch hierin deutlich
Page 250
hervor, und seine reine Wahrheitsliebe ist unverkennbar, wenn er auch die
Schwächen seines Helden mit leichter Hand berührt.
Ein Werk, welches diesem an Vollendung der Form, wie an
ansprechendem Inhalte zu vergleichen wäre, hatten die germanischen
Nationen noch nicht hervorgebracht, und so ist es denn auch nicht zu
verwundern, daß es rasch die größte Verbreitung fand und Jahrhunderte
lang zu den beliebtesten und gelesensten Büchern gehörte; bald nach seiner
Vollendung wird es von dem jungen Lupus, der es in Fulda gelesen hatte,
mit warmer Begeisterung gepriesen (oben S. 183); Walahfrid theilte es in
Capitel und schrieb dazu jenen so werthvollen Prolog, dem wir die
wichtigsten Lebensnachrichten über Einhard verdanken. Noch jetzt sind
mehr als 80 Handschriften davon uns bekannt, und seit den Biographen
Ludwigs des Frommen sind die Chronisten nicht müde geworden, es
auszuschreiben.
Nachdem die Vita Caroli schon 1521 (oben S. 5) und dann sehr häufig
gedruckt war, hat Pertz 1829 mit übergroßer Fülle von Varianten eine
Ausgabe gegeben, deren Text nicht überall den Vorzug vor den älteren
Ausgaben verdient[24]. Jaffé hat in seiner neuen Ausgabe 1867 eine früher
übersehene Pariser Handschrift zu Grunde gelegt, und endlich Walahfrids
Prolog damit verbunden, welchen Pertz mit der ihm eigenen Starrheit auch
noch in der neuesten Ausgabe unberücksichtigt gelassen hatte[25]. Doch hat
auch diese Grundlage sich nicht zu bewähren vermocht. Waitz hat die
Ueberschätzung der nicht mustergültigen Pariser Hs. nachgewiesen, und
endlich mit Benutzung neuer Hülfsmittel, und Unterscheidung
verschiedener Recensionen, die vielleicht an Einhard selbst hinanreichen,
einen neuen besser gesicherten Text hergestellt.
Häufig finden sich in Handschriften das Leben Karls und die
Reichsannalen als erstes und zweites Buch mit einander verbunden; als
drittes tritt dann die Schrift des Mönch es v on S t. Gall en[26] hinzu, in
Schwächen seines Helden mit leichter Hand berührt.
Ein Werk, welches diesem an Vollendung der Form, wie an
ansprechendem Inhalte zu vergleichen wäre, hatten die germanischen
Nationen noch nicht hervorgebracht, und so ist es denn auch nicht zu
verwundern, daß es rasch die größte Verbreitung fand und Jahrhunderte
lang zu den beliebtesten und gelesensten Büchern gehörte; bald nach seiner
Vollendung wird es von dem jungen Lupus, der es in Fulda gelesen hatte,
mit warmer Begeisterung gepriesen (oben S. 183); Walahfrid theilte es in
Capitel und schrieb dazu jenen so werthvollen Prolog, dem wir die
wichtigsten Lebensnachrichten über Einhard verdanken. Noch jetzt sind
mehr als 80 Handschriften davon uns bekannt, und seit den Biographen
Ludwigs des Frommen sind die Chronisten nicht müde geworden, es
auszuschreiben.
Nachdem die Vita Caroli schon 1521 (oben S. 5) und dann sehr häufig
gedruckt war, hat Pertz 1829 mit übergroßer Fülle von Varianten eine
Ausgabe gegeben, deren Text nicht überall den Vorzug vor den älteren
Ausgaben verdient[24]. Jaffé hat in seiner neuen Ausgabe 1867 eine früher
übersehene Pariser Handschrift zu Grunde gelegt, und endlich Walahfrids
Prolog damit verbunden, welchen Pertz mit der ihm eigenen Starrheit auch
noch in der neuesten Ausgabe unberücksichtigt gelassen hatte[25]. Doch hat
auch diese Grundlage sich nicht zu bewähren vermocht. Waitz hat die
Ueberschätzung der nicht mustergültigen Pariser Hs. nachgewiesen, und
endlich mit Benutzung neuer Hülfsmittel, und Unterscheidung
verschiedener Recensionen, die vielleicht an Einhard selbst hinanreichen,
einen neuen besser gesicherten Text hergestellt.
Häufig finden sich in Handschriften das Leben Karls und die
Reichsannalen als erstes und zweites Buch mit einander verbunden; als
drittes tritt dann die Schrift des Mönch es v on S t. Gall en[26] hinzu, in
Page 251
welchem man jetzt Not ker den Stammeler erkannt hat[27], der im Jahre
883, veranlaßt durch Kaiser Karl III, den reichen Schatz von Erzählungen
und Sagen aufzeichnete, welche sich im Munde des Volkes an Karl, an
seinen Sohn und den Enkel, Ludwig den Deutschen, knüpften. Da ist nun
nichts mehr von Einhards klassischer Form zu finden, die Sprache ist roh
und unbehülflich und der Inhalt keine Geschichte; nur selten und mit großer
Vorsicht ist ein Vorfall, der hier erzählt wird, als wirkliche Thatsache
hinzunehmen.
Aber um keinen Preis möchten wir doch diese Sammlung entbehren.
Sie zeigt uns das Bild des großen Kaisers, wie es im Volke lebte und bis
dahin sich gestaltet hatte, und mancher höchst charakteristische Zug hat
sich nur hier erhalten. Der gute alte Mönch, der uns so lebendig mitten
unter das Volk und seine Erzählungen führt, hat deshalb den größten
Anspruch auf unsere Dankbarkeit, und wir müssen sehr bedauern, daß er
sein Werk, wie es scheint, nicht vollendet hat.
Der Uebersetzer dieser Schrift hat sich bemüht, die Anfänge
karolingischer Sage weiter zu verfolgen, und die Spuren davon zu sammeln;
ihm war dabei in der ersten Ausgabe eine merkwürdige Stelle entgangen,
die Angabe in dem Leben der Königin Mahthild, daß der Krieg zwischen
Karl und Widukind durch einen Zweikampf beider entschieden sei: nach
langem Widerstand besiegt, habe Widukind sich taufen lassen[28].
Mit den Kreuzzügen artete die Karlssage aus und verlor allen
geschichtlichen Inhalt; besonders die Aachener Reliquien brachten die
Erzählung von Karls Kreuzfahrt zu allgemeiner Geltung, und fortan treten
die Lügen des falschen Turpin an die Stelle von Einhards treuer
Schilderung. Wie daneben im Munde der fahrenden Sänger das Andenken
Karls sich erhielt und umwandelte, darüber genügt es, auf das schöne Werk
von Gaston Paris Histoire poétique de Charlemagne (Paris 1865) zu
verweisen.
883, veranlaßt durch Kaiser Karl III, den reichen Schatz von Erzählungen
und Sagen aufzeichnete, welche sich im Munde des Volkes an Karl, an
seinen Sohn und den Enkel, Ludwig den Deutschen, knüpften. Da ist nun
nichts mehr von Einhards klassischer Form zu finden, die Sprache ist roh
und unbehülflich und der Inhalt keine Geschichte; nur selten und mit großer
Vorsicht ist ein Vorfall, der hier erzählt wird, als wirkliche Thatsache
hinzunehmen.
Aber um keinen Preis möchten wir doch diese Sammlung entbehren.
Sie zeigt uns das Bild des großen Kaisers, wie es im Volke lebte und bis
dahin sich gestaltet hatte, und mancher höchst charakteristische Zug hat
sich nur hier erhalten. Der gute alte Mönch, der uns so lebendig mitten
unter das Volk und seine Erzählungen führt, hat deshalb den größten
Anspruch auf unsere Dankbarkeit, und wir müssen sehr bedauern, daß er
sein Werk, wie es scheint, nicht vollendet hat.
Der Uebersetzer dieser Schrift hat sich bemüht, die Anfänge
karolingischer Sage weiter zu verfolgen, und die Spuren davon zu sammeln;
ihm war dabei in der ersten Ausgabe eine merkwürdige Stelle entgangen,
die Angabe in dem Leben der Königin Mahthild, daß der Krieg zwischen
Karl und Widukind durch einen Zweikampf beider entschieden sei: nach
langem Widerstand besiegt, habe Widukind sich taufen lassen[28].
Mit den Kreuzzügen artete die Karlssage aus und verlor allen
geschichtlichen Inhalt; besonders die Aachener Reliquien brachten die
Erzählung von Karls Kreuzfahrt zu allgemeiner Geltung, und fortan treten
die Lügen des falschen Turpin an die Stelle von Einhards treuer
Schilderung. Wie daneben im Munde der fahrenden Sänger das Andenken
Karls sich erhielt und umwandelte, darüber genügt es, auf das schöne Werk
von Gaston Paris Histoire poétique de Charlemagne (Paris 1865) zu
verweisen.
Page 252
Eine Schrift Einhards bleibt uns noch zu erwähnen, sein Bericht
nämlich von der Uebertragung der Gebeine der heiligen Märtyrer
Marcellinus und Petrus von Rom nach Seligenstadt[29]. Im Jahr 827 geschah
die Ueberbringung, und 830 verfaßte Einhard die sehr anziehend
geschriebene Darstellung derselben. Wir sehen darin, wie er sich mehr und
mehr von dem weltlichen Leben abwandte und der kirchlichen Richtung
hingab, wundergläubig in hohem Grade und ganz mit der Pflege seiner
Pflanzung im Odenwald beschäftigt; ganz vorzüglich betrübte ihn, daß bei
der Krankheit seiner geliebten Imma die Zuversicht auf die Wunderkraft der
Reliquien ihn so völlig getäuscht hatte. Diese hohe Verehrung der Reliquien
theilte er mit allen seinen Zeitgenossen, und eben wegen dieser Verehrung
haben die zahlreichen Uebertragungen solcher Gebeine für uns auch
geschichtlichen Werth. Auf ihnen beruhte großentheils der Einfluß der
Kirchen; besonders verehrte Reliquien verschafften ihnen unermeßlichen
Zulauf: der Ruf von geschehenen Wundern verbreitete sich weithin, und
ohne Zweifel wurde dadurch die Ausbreitung des Christenthums, z. B. in
Sachsen, sehr wesentlich befördert. Aus den genauen Beschreibungen der
Reise, wie aus den Erzählungen von den Wundern, ist zugleich vieles für
die Sittengeschichte wie für die Topographie nicht unwichtige zu
entnehmen, wie das namentlich in Bezug auf die damalige Art zu reisen,
aus Einhards Werk kürzlich von W. Matthaei nachgewiesen ist[30].
Merkwürdig ist auch die Unverschämtheit, womit man im 11. Jahrh. im
Medarduskloster versucht hat, mit entsprechender Verfälschung von
Einhards Schrift sich die Leiber der hh. Tiburtius, Marcellinus und Petrus
anzueignen[31].
Ob nun auch die in rhythmischer Form bearbeitete Passio der Märtyrer
Einhard zuzuschreiben sei, wie Teulet meint, und wie eine aus Fleury
stammende Handschrift angiebt, ist zweifelhaft, da seine ganze Richtung
der antiken Form zugewandt war. Es wäre jedoch nicht gerade unmöglich,
und Dümmler hält es für wahrscheinlich, daß er für diesen Gegenstand die
mehr populäre Form vorgezogen hätte[32].
nämlich von der Uebertragung der Gebeine der heiligen Märtyrer
Marcellinus und Petrus von Rom nach Seligenstadt[29]. Im Jahr 827 geschah
die Ueberbringung, und 830 verfaßte Einhard die sehr anziehend
geschriebene Darstellung derselben. Wir sehen darin, wie er sich mehr und
mehr von dem weltlichen Leben abwandte und der kirchlichen Richtung
hingab, wundergläubig in hohem Grade und ganz mit der Pflege seiner
Pflanzung im Odenwald beschäftigt; ganz vorzüglich betrübte ihn, daß bei
der Krankheit seiner geliebten Imma die Zuversicht auf die Wunderkraft der
Reliquien ihn so völlig getäuscht hatte. Diese hohe Verehrung der Reliquien
theilte er mit allen seinen Zeitgenossen, und eben wegen dieser Verehrung
haben die zahlreichen Uebertragungen solcher Gebeine für uns auch
geschichtlichen Werth. Auf ihnen beruhte großentheils der Einfluß der
Kirchen; besonders verehrte Reliquien verschafften ihnen unermeßlichen
Zulauf: der Ruf von geschehenen Wundern verbreitete sich weithin, und
ohne Zweifel wurde dadurch die Ausbreitung des Christenthums, z. B. in
Sachsen, sehr wesentlich befördert. Aus den genauen Beschreibungen der
Reise, wie aus den Erzählungen von den Wundern, ist zugleich vieles für
die Sittengeschichte wie für die Topographie nicht unwichtige zu
entnehmen, wie das namentlich in Bezug auf die damalige Art zu reisen,
aus Einhards Werk kürzlich von W. Matthaei nachgewiesen ist[30].
Merkwürdig ist auch die Unverschämtheit, womit man im 11. Jahrh. im
Medarduskloster versucht hat, mit entsprechender Verfälschung von
Einhards Schrift sich die Leiber der hh. Tiburtius, Marcellinus und Petrus
anzueignen[31].
Ob nun auch die in rhythmischer Form bearbeitete Passio der Märtyrer
Einhard zuzuschreiben sei, wie Teulet meint, und wie eine aus Fleury
stammende Handschrift angiebt, ist zweifelhaft, da seine ganze Richtung
der antiken Form zugewandt war. Es wäre jedoch nicht gerade unmöglich,
und Dümmler hält es für wahrscheinlich, daß er für diesen Gegenstand die
mehr populäre Form vorgezogen hätte[32].
Page 253
Es bleibt uns nun noch die Besprechung der Annalen übrig, wobei zu
bemerken ist, daß F. Kurze, während er die Autorschaft der großen
Reichsannalen Einhard entschieden abspricht, dagegen der Meinung ist, er
habe für sein Genter Kloster die sog. Annales Sithienses, für Fulda die
Fuldenses verfaßt.
[1] Bibl. IV, 507-508, doch ist S. 508 n. b. wohl mit Unrecht debere in prebere
geändert. In der 4. Ausg. von Waitz p. XX.
[2] Zts. f. Gesch. d. Oberrh. N. F. VII, 314-319.
[3] Er selbst schrieb Einhart, Zeitgenossen wechseln, und neben Bernhard erscheint
Einhard für uns als die natürlichere Schreibart.
[4] Wegen der falschen Lesart minus statt munus nahm man früher das Gegentheil an.
[5] Irrthümlich sah O. Abel in den Worten Walahfrids sub pedagogio sancti Bonifacii
martiris einen Anachronismus; nicht der lebende Bonifaz, sondern der Schutzpatron
ist gemeint.
[6] S. Jaffé S. 488, der diese Urkunden aus Dronke's C. D. Fuld. zuerst verwerthet
hat.
[7] Jaffé's Conjectur operosas mit vorhergehendem Komma kann ich nicht billigen.
[8] Nam statt Jam, und im folg. Vers Mel apis statt Me lapis sind Verbesserungen von
Jaffé. Diese Verse sind als n. 242 bei Frob. II, 231 unpassend mit den
vorhergehenden verbunden. Poet. Lat. I, 248.
[9] Poet. Lat. II, 377.
[10] Diesen Ausdruck (ich vermuthete fabri) rechtfertigt Dümmler a. a. O. durch
Hinweis auf Exod. 31, 4. 35, 33. 36, 1.
[11] Dass er auch als Geheimschreiber thätig gewesen sei, was nicht
unwahrscheinlich ist, sucht E. Bacha nachzuweisen.
[12] Nach einer von Pertz in d. 3. Sep. Ausg. d. V. Caroli, von Jaffé, Bibl. IV, 536
mitgetheilten Notiz war Meister Odo der Architekt des Aachener Münsters; Einhard
scheint die oberste Leitung aller Bauten gehabt zu haben. Wenigstens heißt es in der
Chronik von St. Wandrille vom Abt Ansegis: „exactor operum regalium in
Aquisgrani palatio regio sub Heinhardo abbate, viro undecunque doctissimo, a
domno rege constitutus est.“ Und Hraban sagt in der Grabschrift:
Quem Carolus princeps propria nutrivit in aula,
Per quem et confecit multa satis opera.
Waitz fügt dazu die Stelle des Odilo in der Transl. S. Tiburtii, wo E. „palatii regalis
domesticus“ genannt wird. Verfassungsgesch. III (2. Aufl.) S. 528 Anm. 1.
[13] In einer, wie es scheint, an Ludw. d. Fr. gerichteten theol. Abhandlung heißt es:
„Einharde, si haec legas, non mireris, si forte invenias errantem.“ Forsch. VI, 122.
[14] Das bezweifelt B. Simson, Ludw. d. Fr. II, 160 Anm. 2, und es ist zuzugeben,
daß die Vermuthung unsicher ist.
bemerken ist, daß F. Kurze, während er die Autorschaft der großen
Reichsannalen Einhard entschieden abspricht, dagegen der Meinung ist, er
habe für sein Genter Kloster die sog. Annales Sithienses, für Fulda die
Fuldenses verfaßt.
[1] Bibl. IV, 507-508, doch ist S. 508 n. b. wohl mit Unrecht debere in prebere
geändert. In der 4. Ausg. von Waitz p. XX.
[2] Zts. f. Gesch. d. Oberrh. N. F. VII, 314-319.
[3] Er selbst schrieb Einhart, Zeitgenossen wechseln, und neben Bernhard erscheint
Einhard für uns als die natürlichere Schreibart.
[4] Wegen der falschen Lesart minus statt munus nahm man früher das Gegentheil an.
[5] Irrthümlich sah O. Abel in den Worten Walahfrids sub pedagogio sancti Bonifacii
martiris einen Anachronismus; nicht der lebende Bonifaz, sondern der Schutzpatron
ist gemeint.
[6] S. Jaffé S. 488, der diese Urkunden aus Dronke's C. D. Fuld. zuerst verwerthet
hat.
[7] Jaffé's Conjectur operosas mit vorhergehendem Komma kann ich nicht billigen.
[8] Nam statt Jam, und im folg. Vers Mel apis statt Me lapis sind Verbesserungen von
Jaffé. Diese Verse sind als n. 242 bei Frob. II, 231 unpassend mit den
vorhergehenden verbunden. Poet. Lat. I, 248.
[9] Poet. Lat. II, 377.
[10] Diesen Ausdruck (ich vermuthete fabri) rechtfertigt Dümmler a. a. O. durch
Hinweis auf Exod. 31, 4. 35, 33. 36, 1.
[11] Dass er auch als Geheimschreiber thätig gewesen sei, was nicht
unwahrscheinlich ist, sucht E. Bacha nachzuweisen.
[12] Nach einer von Pertz in d. 3. Sep. Ausg. d. V. Caroli, von Jaffé, Bibl. IV, 536
mitgetheilten Notiz war Meister Odo der Architekt des Aachener Münsters; Einhard
scheint die oberste Leitung aller Bauten gehabt zu haben. Wenigstens heißt es in der
Chronik von St. Wandrille vom Abt Ansegis: „exactor operum regalium in
Aquisgrani palatio regio sub Heinhardo abbate, viro undecunque doctissimo, a
domno rege constitutus est.“ Und Hraban sagt in der Grabschrift:
Quem Carolus princeps propria nutrivit in aula,
Per quem et confecit multa satis opera.
Waitz fügt dazu die Stelle des Odilo in der Transl. S. Tiburtii, wo E. „palatii regalis
domesticus“ genannt wird. Verfassungsgesch. III (2. Aufl.) S. 528 Anm. 1.
[13] In einer, wie es scheint, an Ludw. d. Fr. gerichteten theol. Abhandlung heißt es:
„Einharde, si haec legas, non mireris, si forte invenias errantem.“ Forsch. VI, 122.
[14] Das bezweifelt B. Simson, Ludw. d. Fr. II, 160 Anm. 2, und es ist zuzugeben,
daß die Vermuthung unsicher ist.
Page 254
[15] Lupi epp. 1 u. 4 ed. Baluze. Diese Briefe sind wiederholt bei Ideler, Leben Karls
d. Gr. II, 138 ff. Einhard widmete ihm eine Schrift de adoranda cruce, welche E.
Dümmler, NA. XI, 231-238 herausgegeben hat.
[16] Das Jahr 840 hat Jaffé den Fulder Todtenannalen (Dronke Traditt. p. 168, jetzt
SS. XIII, 174) entnommen, und da er darin billig vorkommen muß, dürfen wir den
ohne jede nähere Bezeichnung gesetzten Namen wohl auf ihn beziehen. Die Ann. S.
Bavonis (MG. II, 187), welche 844 (Chron. S. Bavonis bei De Smet, Corp. I, 483
auch d. 25. Juli) geben, sind eine ganz unzuverlässige späte Compilation. Den 14.
März geben die Necrologien von Lorsch u. Fulda (Leibn. SS. III, 762; bei Schannat
u. Boehmer fehlt Einhards Name) u. eine Aufzeichnung saec. IX im Cod. Vat. Pal.
1448 bei Dümmler, Zeitschr. f. D. Alt. XXI, 76; den 21. März das Würzburger bei
Eckhardt, Comm. II, 320, u. Dümmler, Forsch. VI, 116.
[17] Poet. Lat. II, 237. Einige Bücher aus seinem Besitz, wie es scheint, Vergil,
Persius, Arator, Boethius, befanden sich im 11. Jahrh. in St. Evre zu Toul, Becker,
Catal. S. 152, worauf mich Manitius aufmerksam machte.
[18] S. über ihn Dümmler Ostfr. II, 432.
[19] Der Brief an den Kaiser über den Kometen von 837 (Bibl. IV, 459) ist einzeln
vollständiger erhalten, NA. I, 585, vgl. II, 450.
[20] Bibl. IV, 437-486; vgl. Dümmler im Lit. Centralbl. 1867 Sp. 1268. Es fehlen ein
Brief der Gemeinde von Sens an E. s. Simson I, 302 Anm. 2, und ein nicht
unwichtiger, doch nicht von E. kommender Brief an Lothars Gemahlin Hermengard,
Teulet II, 146 (Du Chesne II, 710. Mab. Ann. I. 28 n. 48).
[21] Ges. Werke LI. LII, S. 96. S. 121-124 sind hier weitere Bemerkungen
hinzugefügt über die Ungenauigkeit im ersten Theil, während für die zweite Hälfte
werthvolle Nachrichten gegeben werden.
[22] Neugart, Ep. Constant. I, 1, 540.
[23] S. Jaffé in der Bibl. IV, 504.
[24] Beigegeben ist dagegen hier eine schlecht gezeichnete Abbildung des
Commoduskopfes, mit welchem Karl siegelte, die Pertz irrig für Karls Porträt hielt.
[25] Monachus Sangallensis ed. Pertz, MG. SS. II, 726-763. Neue Ausg. von Jaffé,
Bibl. IV, 619-700 mit Benutzung der abweichenden Zwiefalter (Stuttg.) und
Wiblinger (St. Flor.) Handschriften, welche jedoch, wie Gerold Meyer von Knonau
zu Ratperti Casus S. Galli S. 255 nachgewiesen hat, durch spätere Ueberarbeitung
und Interpolation verändert sind, weshalb der Text nicht nach ihnen hätte gestaltet
werden sollen. Auch Zeumers entgegengesetzter Ansicht kann ich mich nicht
anschließen. Eine aus Tegernsee stammende unvollst. Hs. ist für die Pariser Bibl.
erworben, Nouv. acq. lat. 310. Uebersetzung von W. Wattenbach, Berlin 1850, 1877,
1890 (Geschichtschr. 26. IX, 11). Zu dem Spielmannsreim auf Udalrich I, 13, vgl.
Steinmeyer, Zeitschr. f. D. Alt XX. Anz. S. 147. Ueber benutzte Schriften Simson,
Karl d. Gr. II, S. 612-615.
[26] Zeumer in den Waitz-Aufsätzen, S. 97-118. Zu demselben Resultat kam Graf
Zeppelin: Wer ist d. Mon. Sangallensis? Schriften d. Vereins f. Gesch. d. Bodensees
XIX, S. 33 ff.
[27] MG. SS. X, 576. Zu erwähnen ist noch die nach der Mitte des neunten
Jahrhunderts in Mainz aufgezeichnete Visio domni Caroli, ← gegen die Ausbeutung
der Kirchengüter durch seine Nachfolger gerichtet, bei Graff, Althochdeutscher
Sprachschatz III, 855, übersetzt bei Abel, Kaiser Karls Leben S. 63; jetzt auch Bibl.
IV, 701; Gengler, Germ. Rechtsdenkmäler (1875) S. 237. Vgl. Falk, NA. XI, 617.
d. Gr. II, 138 ff. Einhard widmete ihm eine Schrift de adoranda cruce, welche E.
Dümmler, NA. XI, 231-238 herausgegeben hat.
[16] Das Jahr 840 hat Jaffé den Fulder Todtenannalen (Dronke Traditt. p. 168, jetzt
SS. XIII, 174) entnommen, und da er darin billig vorkommen muß, dürfen wir den
ohne jede nähere Bezeichnung gesetzten Namen wohl auf ihn beziehen. Die Ann. S.
Bavonis (MG. II, 187), welche 844 (Chron. S. Bavonis bei De Smet, Corp. I, 483
auch d. 25. Juli) geben, sind eine ganz unzuverlässige späte Compilation. Den 14.
März geben die Necrologien von Lorsch u. Fulda (Leibn. SS. III, 762; bei Schannat
u. Boehmer fehlt Einhards Name) u. eine Aufzeichnung saec. IX im Cod. Vat. Pal.
1448 bei Dümmler, Zeitschr. f. D. Alt. XXI, 76; den 21. März das Würzburger bei
Eckhardt, Comm. II, 320, u. Dümmler, Forsch. VI, 116.
[17] Poet. Lat. II, 237. Einige Bücher aus seinem Besitz, wie es scheint, Vergil,
Persius, Arator, Boethius, befanden sich im 11. Jahrh. in St. Evre zu Toul, Becker,
Catal. S. 152, worauf mich Manitius aufmerksam machte.
[18] S. über ihn Dümmler Ostfr. II, 432.
[19] Der Brief an den Kaiser über den Kometen von 837 (Bibl. IV, 459) ist einzeln
vollständiger erhalten, NA. I, 585, vgl. II, 450.
[20] Bibl. IV, 437-486; vgl. Dümmler im Lit. Centralbl. 1867 Sp. 1268. Es fehlen ein
Brief der Gemeinde von Sens an E. s. Simson I, 302 Anm. 2, und ein nicht
unwichtiger, doch nicht von E. kommender Brief an Lothars Gemahlin Hermengard,
Teulet II, 146 (Du Chesne II, 710. Mab. Ann. I. 28 n. 48).
[21] Ges. Werke LI. LII, S. 96. S. 121-124 sind hier weitere Bemerkungen
hinzugefügt über die Ungenauigkeit im ersten Theil, während für die zweite Hälfte
werthvolle Nachrichten gegeben werden.
[22] Neugart, Ep. Constant. I, 1, 540.
[23] S. Jaffé in der Bibl. IV, 504.
[24] Beigegeben ist dagegen hier eine schlecht gezeichnete Abbildung des
Commoduskopfes, mit welchem Karl siegelte, die Pertz irrig für Karls Porträt hielt.
[25] Monachus Sangallensis ed. Pertz, MG. SS. II, 726-763. Neue Ausg. von Jaffé,
Bibl. IV, 619-700 mit Benutzung der abweichenden Zwiefalter (Stuttg.) und
Wiblinger (St. Flor.) Handschriften, welche jedoch, wie Gerold Meyer von Knonau
zu Ratperti Casus S. Galli S. 255 nachgewiesen hat, durch spätere Ueberarbeitung
und Interpolation verändert sind, weshalb der Text nicht nach ihnen hätte gestaltet
werden sollen. Auch Zeumers entgegengesetzter Ansicht kann ich mich nicht
anschließen. Eine aus Tegernsee stammende unvollst. Hs. ist für die Pariser Bibl.
erworben, Nouv. acq. lat. 310. Uebersetzung von W. Wattenbach, Berlin 1850, 1877,
1890 (Geschichtschr. 26. IX, 11). Zu dem Spielmannsreim auf Udalrich I, 13, vgl.
Steinmeyer, Zeitschr. f. D. Alt XX. Anz. S. 147. Ueber benutzte Schriften Simson,
Karl d. Gr. II, S. 612-615.
[26] Zeumer in den Waitz-Aufsätzen, S. 97-118. Zu demselben Resultat kam Graf
Zeppelin: Wer ist d. Mon. Sangallensis? Schriften d. Vereins f. Gesch. d. Bodensees
XIX, S. 33 ff.
[27] MG. SS. X, 576. Zu erwähnen ist noch die nach der Mitte des neunten
Jahrhunderts in Mainz aufgezeichnete Visio domni Caroli, ← gegen die Ausbeutung
der Kirchengüter durch seine Nachfolger gerichtet, bei Graff, Althochdeutscher
Sprachschatz III, 855, übersetzt bei Abel, Kaiser Karls Leben S. 63; jetzt auch Bibl.
IV, 701; Gengler, Germ. Rechtsdenkmäler (1875) S. 237. Vgl. Falk, NA. XI, 617.
Page 255
Eine ganz andere aus einer Londoner Hs. erwähnt NA. IV, 379. Ferner das von Pertz
SS. III, 708 mitgetheilte Haager Fragment über Karls Expeditio Hispanica
(wiederholt bei G. Paris, Hist. poét. de Charlemagne, S. 465, vgl. 50 und 89, und
größtentheils in Hexameter zurückgeführt in den Münch. SB. 1871 S. 328 bis 342
von Hofmann, der es dem Sagenkreise von Wilh. von Orense zuweist) und die Sagen
des Chron. Novaliciense. Auch die Vita S. Arnoldi, Acta SS. Jul. IV, 449-452, ist
geschichtlich unbrauchbar, enthält aber eine sagenhafte Geschichte von einem
Leierspieler, der sich von Kaiser Karl den Wald bei Arnsweiler im Jülichschen für die
umliegenden Dörfer erbittet; vgl. Rettberg I, 548. Die aus Petrus Damiani zum Mon.
Sangall. S. 101 mitgetheilte Geschichte findet sich, auf den Maurenkönig übertragen,
bei Turpin wieder. Ein wirkliches Denkmal der Schlacht bei Roncevaux, deren Tag
(15. Aug. 778) allein dadurch bekannt wird, ist das Epitaphium Aggiardi (Karls
Truchseß Eggihard), von Dümmler mitgetheilt in Haupts Zeitschr. XVI, 279; vgl. S.
436, u. Gaston Paris in der Zeitschrift Romania II, 146-148, der im Anschluß daran
im Turpin ein vielleicht echtes Epitaphium Rutlandi nachweist. Beide jetzt Poet. Lat.
I, 109; doch bemerkt Dümmler S. 110, Anm. 2, dass letzteres aus Venantius
Fortunatas zusammengestoppelt und schwerlich alt ist.
[28] Translatio et Miracula SS. Marcellini et Petri ed. G. Waitz, SS. XV, 238-264. Ib.
p. 265-273 Ex Miraculis S. Quintini ed. O. Holder-Egger, nebst einer
Translationsgesch. s. XI, worin verlorene Annalen von Saint-Quentin benutzt sind.
[29] Translatio SS. M. et. P. in kulturgeschichtlicher Beziehung. Programm.
[30] Translatio SS. Tiburtii. Marcellini et Petri ad S. Medardum ed. Holder-Egger
SS. XV, 391-395.
[31] Neue Ausg. mit Eintheilung in dreizeilige Strophen, von Dümmler, Poet. Lat. II,
125-135.
SS. III, 708 mitgetheilte Haager Fragment über Karls Expeditio Hispanica
(wiederholt bei G. Paris, Hist. poét. de Charlemagne, S. 465, vgl. 50 und 89, und
größtentheils in Hexameter zurückgeführt in den Münch. SB. 1871 S. 328 bis 342
von Hofmann, der es dem Sagenkreise von Wilh. von Orense zuweist) und die Sagen
des Chron. Novaliciense. Auch die Vita S. Arnoldi, Acta SS. Jul. IV, 449-452, ist
geschichtlich unbrauchbar, enthält aber eine sagenhafte Geschichte von einem
Leierspieler, der sich von Kaiser Karl den Wald bei Arnsweiler im Jülichschen für die
umliegenden Dörfer erbittet; vgl. Rettberg I, 548. Die aus Petrus Damiani zum Mon.
Sangall. S. 101 mitgetheilte Geschichte findet sich, auf den Maurenkönig übertragen,
bei Turpin wieder. Ein wirkliches Denkmal der Schlacht bei Roncevaux, deren Tag
(15. Aug. 778) allein dadurch bekannt wird, ist das Epitaphium Aggiardi (Karls
Truchseß Eggihard), von Dümmler mitgetheilt in Haupts Zeitschr. XVI, 279; vgl. S.
436, u. Gaston Paris in der Zeitschrift Romania II, 146-148, der im Anschluß daran
im Turpin ein vielleicht echtes Epitaphium Rutlandi nachweist. Beide jetzt Poet. Lat.
I, 109; doch bemerkt Dümmler S. 110, Anm. 2, dass letzteres aus Venantius
Fortunatas zusammengestoppelt und schwerlich alt ist.
[28] Translatio et Miracula SS. Marcellini et Petri ed. G. Waitz, SS. XV, 238-264. Ib.
p. 265-273 Ex Miraculis S. Quintini ed. O. Holder-Egger, nebst einer
Translationsgesch. s. XI, worin verlorene Annalen von Saint-Quentin benutzt sind.
[29] Translatio SS. M. et. P. in kulturgeschichtlicher Beziehung. Programm.
[30] Translatio SS. Tiburtii. Marcellini et Petri ad S. Medardum ed. Holder-Egger
SS. XV, 391-395.
[31] Neue Ausg. mit Eintheilung in dreizeilige Strophen, von Dümmler, Poet. Lat. II,
125-135.
Page 256
§ 9. Die Reichsannalen. [ ← ]
MG. SS. I, 124-218; besonderer Abdruck 1845. Cod. Steinveld. (9) ist jetzt Brit. Mus. Add. 21109.
Frese, De Einhardi Vita et Scriptis Specimen, Diss. Berol. 1845 (gegen die Autorschaft
Einhards). O. Abel, Einhards Jahrbücher, Berl. 1850. 1880 (Geschichtschr. 17, IX, 2). L. Ranke,
Zur Kritik fränkisch-deutscher Reichsannalisten, Abh. der Berliner Akademie 1854 S. 415-435;
vermehrt Ges. Werke LI-LII. G. Waitz, Zu den Lorscher und Einhards Annalen, Goett.
Nachrichten 1857 S. 46-52. B. Simson, De statu questionis: sintne Einhardi necne sint quos ei
ascribunt, Annales Imperii, Diss. Regiom. 1860. W. Giesebrecht, Die fränkischen
Königsannalen und ihr Ursprung, im Münchener Hist. Jahrb. (1864) S. 186-238. G. Monod,
Revue Crit. 1873 N. 42. Fr. Ebrard, Reichsannalen 741-829 u. ihre Umarbeitung, Forsch. XIII,
425-472. E. Dünzelmann, Beiträge zur Kritik der Karol. Annalen, NA. II, 475-537. H. v. Sybel,
HZ. XLII, 260-288 (Kl. Schr. III, 1 ff). Entgegnung Simsons, Forsch. XX, 205-214. Replik von
Sybel, HZ. XLIII, 410. Duplik v. Simson, Karl d. Gr. II, S. 604-611. Harnack, Das Karol. u. das
byz. Reich (1880), Excurs. Manitius, Die Ann. Sithienses, Lauriss. min. u. Enharti Fuld. (Diss.
Lips. 1881). Manitius, Einhards Werke u. ihr Stil, NA. VII, 517-568. Is. Bernays, Zur Kritik
Karol. Annalen. Straßb. 1883. Dorr, NA. X, 241-305. Nachwort v. Sybel S. 305 bis 307. Dorr,
(Ann. Laur. 796-829 doch von E.) XI, 475-488. Sybel dagegen S. 489. Horst Kohl (Ueberblick)
in G. Richters Ann. d. Deutschen Gesch. II. Abth. S. 697-714 (1887). B. Simson, Karl d. Gr. I
(1888) S. 1-5, 657-664. Progr. v. Seraphim, Fellin 1887 s. NA. XIII, 654. Bemerkungen von
Manitius, Mitth. d. Inst. X, 417 ff. (NA. XV, 211); ib. XIII, 225-238. Facs. d. Wiener Hs. v. Ann.
Einh. in E. Berners Gesch. d. pr. Staats, I. 1890.
Die Bestrebungen der gelehrten Männer an Karls Hofe richteten sich
vorzugsweise theils auf das Studium der älteren Litteratur und die formelle
Ausbildung, theils auf theologische und philosophische Probleme; mit
geschichtlichen Forschungen beschäftigten sie sich wenig. Dem Kaiser
jedoch entging die Wichtigkeit derselben nicht, er sorgte wenigstens dafür,
das Andenken seiner eigenen Zeit zu erhalten. Er verordnete, daß die
Gesetze und die Beschlüsse der Reichstage seiner Zeit in mehreren
Exemplaren an verschiedenen Orten sorgfältig aufbewahrt werden sollten;
die Schreiben der Päbste und der griechischen Kaiser an ihn, seinen Vater
und Großvater ließ er, im vollen Bewußtsein der überwiegenden
Wichtigkeit dieser Verhältnisse, in einem eigenen Buche zusammenfassen,
dem Codex Carolinus, dessen erster Theil uns noch erhalten, und eine der
wichtigsten Geschichtsquellen ist[1]. Außerdem aber vergaß er auch nicht
die Fürsorge, welche, wie wir oben (→ S. 126) sahen, das karolingische Haus
MG. SS. I, 124-218; besonderer Abdruck 1845. Cod. Steinveld. (9) ist jetzt Brit. Mus. Add. 21109.
Frese, De Einhardi Vita et Scriptis Specimen, Diss. Berol. 1845 (gegen die Autorschaft
Einhards). O. Abel, Einhards Jahrbücher, Berl. 1850. 1880 (Geschichtschr. 17, IX, 2). L. Ranke,
Zur Kritik fränkisch-deutscher Reichsannalisten, Abh. der Berliner Akademie 1854 S. 415-435;
vermehrt Ges. Werke LI-LII. G. Waitz, Zu den Lorscher und Einhards Annalen, Goett.
Nachrichten 1857 S. 46-52. B. Simson, De statu questionis: sintne Einhardi necne sint quos ei
ascribunt, Annales Imperii, Diss. Regiom. 1860. W. Giesebrecht, Die fränkischen
Königsannalen und ihr Ursprung, im Münchener Hist. Jahrb. (1864) S. 186-238. G. Monod,
Revue Crit. 1873 N. 42. Fr. Ebrard, Reichsannalen 741-829 u. ihre Umarbeitung, Forsch. XIII,
425-472. E. Dünzelmann, Beiträge zur Kritik der Karol. Annalen, NA. II, 475-537. H. v. Sybel,
HZ. XLII, 260-288 (Kl. Schr. III, 1 ff). Entgegnung Simsons, Forsch. XX, 205-214. Replik von
Sybel, HZ. XLIII, 410. Duplik v. Simson, Karl d. Gr. II, S. 604-611. Harnack, Das Karol. u. das
byz. Reich (1880), Excurs. Manitius, Die Ann. Sithienses, Lauriss. min. u. Enharti Fuld. (Diss.
Lips. 1881). Manitius, Einhards Werke u. ihr Stil, NA. VII, 517-568. Is. Bernays, Zur Kritik
Karol. Annalen. Straßb. 1883. Dorr, NA. X, 241-305. Nachwort v. Sybel S. 305 bis 307. Dorr,
(Ann. Laur. 796-829 doch von E.) XI, 475-488. Sybel dagegen S. 489. Horst Kohl (Ueberblick)
in G. Richters Ann. d. Deutschen Gesch. II. Abth. S. 697-714 (1887). B. Simson, Karl d. Gr. I
(1888) S. 1-5, 657-664. Progr. v. Seraphim, Fellin 1887 s. NA. XIII, 654. Bemerkungen von
Manitius, Mitth. d. Inst. X, 417 ff. (NA. XV, 211); ib. XIII, 225-238. Facs. d. Wiener Hs. v. Ann.
Einh. in E. Berners Gesch. d. pr. Staats, I. 1890.
Die Bestrebungen der gelehrten Männer an Karls Hofe richteten sich
vorzugsweise theils auf das Studium der älteren Litteratur und die formelle
Ausbildung, theils auf theologische und philosophische Probleme; mit
geschichtlichen Forschungen beschäftigten sie sich wenig. Dem Kaiser
jedoch entging die Wichtigkeit derselben nicht, er sorgte wenigstens dafür,
das Andenken seiner eigenen Zeit zu erhalten. Er verordnete, daß die
Gesetze und die Beschlüsse der Reichstage seiner Zeit in mehreren
Exemplaren an verschiedenen Orten sorgfältig aufbewahrt werden sollten;
die Schreiben der Päbste und der griechischen Kaiser an ihn, seinen Vater
und Großvater ließ er, im vollen Bewußtsein der überwiegenden
Wichtigkeit dieser Verhältnisse, in einem eigenen Buche zusammenfassen,
dem Codex Carolinus, dessen erster Theil uns noch erhalten, und eine der
wichtigsten Geschichtsquellen ist[1]. Außerdem aber vergaß er auch nicht
die Fürsorge, welche, wie wir oben (→ S. 126) sahen, das karolingische Haus
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schon in früherer Zeit der Aufzeichnung seiner Haus- und Landesgeschichte
gewidmet hatte. Wie Paulus Diaconus in seiner Geschichte der Bischöfe
von Metz den Ahnherrn der Arnulfinger verherrlichte, ist schon erwähnt.
Dagegen finden wir keine Spur davon, daß etwa die Fredegarische Chronik
weitere Fortsetzungen erhalten hätte, sie scheint vielmehr damals fast
vergessen zu sein. Es hatte aber inzwischen die anfangs so gar dürftige
annalistische Aufzeichnung schon begonnen, sich zu einer Art von
Reichsgeschichte auszubilden; es waren nach der § 3 entwickelten Ansicht
hauptsächlich die Bischöfe, vielleicht auch weltliche Große, welche bei der
Pflicht regelmässiger Theilnahme an den Reichstagen und Heereszügen das
Bedürfniß empfanden, die Reihenfolge der Begebenheiten übersehen zu
können, und deshalb ihre Kleriker zu Aufzeichnungen veranlaßten, die nach
und nach zusammenhängende Gestalt gewannen und aus anderen Annalen
auch in ihrem älteren Theile ergänzt wurden. Vorzüglich Chrodegang von
Metz (742 bis 766) scheint zu solcher Thätigkeit angeregt zu haben. Unter
den Annalen dieser Art zeichnen sich aber in ganz besonderer Weise die
sogenannten Annales L au r i ssenses m ajor es[2] aus, welche in
gedrängter Kürze freilich, aber doch mit vollständiger Uebersicht aller
Begebenheiten die ganze Regierung Karls begleiten; schrieb man früher
ihren Ursprung dem Kloster Lorsch zu, wo die älteste Handschrift gefunden
ist, so können sie doch unmöglich dort oder überhaupt in der stillen
Zurückgezogenheit eines Klosters entstanden sein. L . Ranke ist es,
welcher zuerst mit sicherem Scharfblick dieses Verhältniß erkannte, und
jene Annalen zum Gegenstand einer eindringenden Untersuchung machte,
deren Resultate seitdem nicht nur fast allgemeine Zustimmung gefunden,
sondern auch in hohem Grade anregend auf die weitere Forschung gewirkt
haben. Aus der Abhandlung, welche einen wichtigen Fortschritt für unsere
Kenntniß der mittelalterlichen Geschichtschreibung bezeichnet, erlaube ich
mir die betreffende Stelle wörtlich auszuheben[3]. Ranke sagt nämlich in
Bezug auf diese Jahrbücher: „Bei dem alten Annalisten fällt nun zweierlei
auf, einmal, was wir eben berührten, daß er große Unglücksfälle
verschweigt; auch von den inneren Stürmen, den dann und wann
auftauchenden Verschwörungen giebt er keine oder nur ungenügende
gewidmet hatte. Wie Paulus Diaconus in seiner Geschichte der Bischöfe
von Metz den Ahnherrn der Arnulfinger verherrlichte, ist schon erwähnt.
Dagegen finden wir keine Spur davon, daß etwa die Fredegarische Chronik
weitere Fortsetzungen erhalten hätte, sie scheint vielmehr damals fast
vergessen zu sein. Es hatte aber inzwischen die anfangs so gar dürftige
annalistische Aufzeichnung schon begonnen, sich zu einer Art von
Reichsgeschichte auszubilden; es waren nach der § 3 entwickelten Ansicht
hauptsächlich die Bischöfe, vielleicht auch weltliche Große, welche bei der
Pflicht regelmässiger Theilnahme an den Reichstagen und Heereszügen das
Bedürfniß empfanden, die Reihenfolge der Begebenheiten übersehen zu
können, und deshalb ihre Kleriker zu Aufzeichnungen veranlaßten, die nach
und nach zusammenhängende Gestalt gewannen und aus anderen Annalen
auch in ihrem älteren Theile ergänzt wurden. Vorzüglich Chrodegang von
Metz (742 bis 766) scheint zu solcher Thätigkeit angeregt zu haben. Unter
den Annalen dieser Art zeichnen sich aber in ganz besonderer Weise die
sogenannten Annales L au r i ssenses m ajor es[2] aus, welche in
gedrängter Kürze freilich, aber doch mit vollständiger Uebersicht aller
Begebenheiten die ganze Regierung Karls begleiten; schrieb man früher
ihren Ursprung dem Kloster Lorsch zu, wo die älteste Handschrift gefunden
ist, so können sie doch unmöglich dort oder überhaupt in der stillen
Zurückgezogenheit eines Klosters entstanden sein. L . Ranke ist es,
welcher zuerst mit sicherem Scharfblick dieses Verhältniß erkannte, und
jene Annalen zum Gegenstand einer eindringenden Untersuchung machte,
deren Resultate seitdem nicht nur fast allgemeine Zustimmung gefunden,
sondern auch in hohem Grade anregend auf die weitere Forschung gewirkt
haben. Aus der Abhandlung, welche einen wichtigen Fortschritt für unsere
Kenntniß der mittelalterlichen Geschichtschreibung bezeichnet, erlaube ich
mir die betreffende Stelle wörtlich auszuheben[3]. Ranke sagt nämlich in
Bezug auf diese Jahrbücher: „Bei dem alten Annalisten fällt nun zweierlei
auf, einmal, was wir eben berührten, daß er große Unglücksfälle
verschweigt; auch von den inneren Stürmen, den dann und wann
auftauchenden Verschwörungen giebt er keine oder nur ungenügende
Page 258
Nachricht, — sodann aber, daß er über das, was er berührt, ausnehmend gut
unterrichtet ist. Ein Mönch in seinem Kloster konnte unmöglich die Dinge
so genau erkunden, wie sie hier beschrieben sind; wir haben Kloster-
Annalen dieses Landes, aus derselben Zeit, allein wie sehr sind sie
verschieden! Sie berichten nur das ganz Allgemeine der auffallendsten
Thatsachen. Hier aber haben wir einen Autor vor uns, der die Züge der
Heere, ihre Zusammensetzung und Führung, die einzelnen Waffenthaten
kurz aber sicher angiebt, und der auch von den Unterhandlungen bis auf
einen gewissen Grad zuverlässige Kenntniß hat. Niemand konnte über die
Unternehmungen gegen Benevent und Baiern so gute Nachrichten
mittheilen, der nicht dem Rath des Kaisers nahestand. Diese beiden
Eigenschaften zusammen, gute Kunde und große Zurückhaltung, scheinen
fast auf eine officielle Abfassung zu deuten, die aber freilich von einem
Geistlichen herrühren müsste: jede Phrase bezeichnet einen solchen. Es
würde ein in den Weltgeschäften erfahrener, und mit dieser Thätigkeit
vielleicht speciell beauftragter Geistlicher gewesen sein, der diese Notizen
am Hofe selbst aufgesetzt hätte; in rohem Stil, wie ihn die Zeit, welche der
Einrichtung der Hofschule voranging, wohl erlaubte; ein Mann der alten Art
und Weise, die sich hier durch die Nachwirkung der Ereignisse allein höher
erhob als je zuvor.“
Ranke hat in diesen Worten eine Ansicht, die er mündlich bereits
weiter ausgeführt hatte, nur leicht angedeutet; die Ansicht, daß nicht nur
diese, sondern auch ein Theil der späteren Reichsannalen amtlicher Natur
waren, daß auf Veranlassung des Hofes die Zeitgeschichte officiell
verzeichnet wurde, und daraus die ungemein rasche und bedeutende
Entwickelung der Annalistik sich erklärt, welche später auch anderen zum
Vorbild diente, die nur aus eigenem Antrieb die Ereignisse, welche sie
erlebten, darzustellen versuchten.
Diese Thatsache selbst in ihrer Allgemeinheit, die Thatsache, daß nach
dem Vorgange Childebrands und Nibelungs auch Karl für eine zuverlässige
Aufzeichnung der Begebenheiten Sorge trug, daß daraus die Jahrbücher
unterrichtet ist. Ein Mönch in seinem Kloster konnte unmöglich die Dinge
so genau erkunden, wie sie hier beschrieben sind; wir haben Kloster-
Annalen dieses Landes, aus derselben Zeit, allein wie sehr sind sie
verschieden! Sie berichten nur das ganz Allgemeine der auffallendsten
Thatsachen. Hier aber haben wir einen Autor vor uns, der die Züge der
Heere, ihre Zusammensetzung und Führung, die einzelnen Waffenthaten
kurz aber sicher angiebt, und der auch von den Unterhandlungen bis auf
einen gewissen Grad zuverlässige Kenntniß hat. Niemand konnte über die
Unternehmungen gegen Benevent und Baiern so gute Nachrichten
mittheilen, der nicht dem Rath des Kaisers nahestand. Diese beiden
Eigenschaften zusammen, gute Kunde und große Zurückhaltung, scheinen
fast auf eine officielle Abfassung zu deuten, die aber freilich von einem
Geistlichen herrühren müsste: jede Phrase bezeichnet einen solchen. Es
würde ein in den Weltgeschäften erfahrener, und mit dieser Thätigkeit
vielleicht speciell beauftragter Geistlicher gewesen sein, der diese Notizen
am Hofe selbst aufgesetzt hätte; in rohem Stil, wie ihn die Zeit, welche der
Einrichtung der Hofschule voranging, wohl erlaubte; ein Mann der alten Art
und Weise, die sich hier durch die Nachwirkung der Ereignisse allein höher
erhob als je zuvor.“
Ranke hat in diesen Worten eine Ansicht, die er mündlich bereits
weiter ausgeführt hatte, nur leicht angedeutet; die Ansicht, daß nicht nur
diese, sondern auch ein Theil der späteren Reichsannalen amtlicher Natur
waren, daß auf Veranlassung des Hofes die Zeitgeschichte officiell
verzeichnet wurde, und daraus die ungemein rasche und bedeutende
Entwickelung der Annalistik sich erklärt, welche später auch anderen zum
Vorbild diente, die nur aus eigenem Antrieb die Ereignisse, welche sie
erlebten, darzustellen versuchten.
Diese Thatsache selbst in ihrer Allgemeinheit, die Thatsache, daß nach
dem Vorgange Childebrands und Nibelungs auch Karl für eine zuverlässige
Aufzeichnung der Begebenheiten Sorge trug, daß daraus die Jahrbücher
Page 259
entstanden, welche wie die Vorzüge, so auch die Fehler und Schwächen
aller officiellen Geschichtschreibung aufweisen, habe ich früher geglaubt
als erwiesen und anerkannt betrachten zu dürfen, allein diese Auffassung
hat seitdem in H. v. Sybel einen gefährlichen Gegner gefunden. Er leugnet
die Bedeutung der Reticenzen, die man auch ebenso gut nur einem allzu
lebhaften und loyalen Patriotismus zuschreiben könne, und findet, daß der
Verfasser doch nur sehr oberflächlich unterrichtet gewesen ist. Er findet
eben nichts darin, was nicht ein Mönch des Klosters Lorsch mit
Leichtigkeit habe in Erfahrung bringen können. Das möchte auch ich nicht
gerade leugnen, nur habe ich von dem Klosterleben der damaligen Zeit eine
andere Vorstellung und kann nicht glauben, daß ein Mönch so anhaltend
und in so gleichmäßiger Weise durch viele Jahre hindurch der Erforschung
und Darstellung der weltlichen Vorgänge seine Aufmerksamkeit zugewandt
haben sollte. Und mit Recht bemerkt Bernays, daß er ja für diese Annalen
eine gleichzeitige Aufzeichnung vor 788 nicht annehme, und daß für die
vergangenen Jahrzehnte besagter Mönch doch schwer die Kunde der
Begebenheiten sich habe verschaffen können[4]. Am Hofe, das möchte ich
auch jetzt zuversichtlich behaupten, müssen die Annalen geschrieben sein;
was aber den amtlichen Charakter betrifft, so muß vor allen Dingen betont
werden, daß wir durchaus den unwillkürlich stets sich einschleichenden
Gedanken an Zustände und Verhältnisse unserer Zeit zu verbannen haben,
wo jedes officielle Wort sorgsam geprüft und gesichert wird. In solcher
Weise amtlich sind die Lorscher Annalen gewiß nicht gewesen, und in
dieser Beziehung kann ich H. v. Sybel u. Bernays[5] vollkommen
zustimmen. Wenn wir aber doch wissen, daß Pippins nächste Angehörige
dergleichen Aufzeichnungen veranlaßten, und daß eine Annalistik dieser Art
im Westfrankenreiche unzweifelhaft bestand, wenn wir lesen, daß Smaragd,
der 843 gestorben ist, von der uralten und bis auf seine Zeit bestehenden
Sitte der Könige redet, die Begebenheiten ihrer Zeit aufzeichnen zu
lassen[6], so kann ich mir nicht vorstellen, daß Karl nicht ebenfalls dafür
Sorge getragen habe. Darunter verstehe ich aber nur, daß er einen solchen
Auftrag ertheilte, und daß man nun ein Buch hatte, welches in der Kanzlei
verwahrt und gelegentlich vom Könige selbst angesehen wurde, wie wir
aller officiellen Geschichtschreibung aufweisen, habe ich früher geglaubt
als erwiesen und anerkannt betrachten zu dürfen, allein diese Auffassung
hat seitdem in H. v. Sybel einen gefährlichen Gegner gefunden. Er leugnet
die Bedeutung der Reticenzen, die man auch ebenso gut nur einem allzu
lebhaften und loyalen Patriotismus zuschreiben könne, und findet, daß der
Verfasser doch nur sehr oberflächlich unterrichtet gewesen ist. Er findet
eben nichts darin, was nicht ein Mönch des Klosters Lorsch mit
Leichtigkeit habe in Erfahrung bringen können. Das möchte auch ich nicht
gerade leugnen, nur habe ich von dem Klosterleben der damaligen Zeit eine
andere Vorstellung und kann nicht glauben, daß ein Mönch so anhaltend
und in so gleichmäßiger Weise durch viele Jahre hindurch der Erforschung
und Darstellung der weltlichen Vorgänge seine Aufmerksamkeit zugewandt
haben sollte. Und mit Recht bemerkt Bernays, daß er ja für diese Annalen
eine gleichzeitige Aufzeichnung vor 788 nicht annehme, und daß für die
vergangenen Jahrzehnte besagter Mönch doch schwer die Kunde der
Begebenheiten sich habe verschaffen können[4]. Am Hofe, das möchte ich
auch jetzt zuversichtlich behaupten, müssen die Annalen geschrieben sein;
was aber den amtlichen Charakter betrifft, so muß vor allen Dingen betont
werden, daß wir durchaus den unwillkürlich stets sich einschleichenden
Gedanken an Zustände und Verhältnisse unserer Zeit zu verbannen haben,
wo jedes officielle Wort sorgsam geprüft und gesichert wird. In solcher
Weise amtlich sind die Lorscher Annalen gewiß nicht gewesen, und in
dieser Beziehung kann ich H. v. Sybel u. Bernays[5] vollkommen
zustimmen. Wenn wir aber doch wissen, daß Pippins nächste Angehörige
dergleichen Aufzeichnungen veranlaßten, und daß eine Annalistik dieser Art
im Westfrankenreiche unzweifelhaft bestand, wenn wir lesen, daß Smaragd,
der 843 gestorben ist, von der uralten und bis auf seine Zeit bestehenden
Sitte der Könige redet, die Begebenheiten ihrer Zeit aufzeichnen zu
lassen[6], so kann ich mir nicht vorstellen, daß Karl nicht ebenfalls dafür
Sorge getragen habe. Darunter verstehe ich aber nur, daß er einen solchen
Auftrag ertheilte, und daß man nun ein Buch hatte, welches in der Kanzlei
verwahrt und gelegentlich vom Könige selbst angesehen wurde, wie wir
Page 260
durch einen Brief Hinkmars wissen, daß Karl der Kahle die Annalen des
Prudentius bei sich hatte, wie später auch Friedrich I die ihm übersandte
Chronik des Otto von Freising benutzte. Es ist dabei durchaus nicht
ausgeschlossen, daß nicht einmal Jahre lang die Arbeit liegen blieb und der
betreffende Autor auch manchmal nachlässig und flüchtig arbeitete. Eine
amtliche Nachprüfung seiner Arbeit wird nicht stattgefunden haben.
Hinkmar sagt ausdrücklich, daß die Jahrbücher des Prudentius schon in
vieler Menschen Hände gekommen seien, und da eine Einwirkung auf die
öffentliche Meinung beabsichtigt war, wird an Geheimhaltung nicht zu
denken sein.
Sicher ist es nicht dieses Buch gewesen, welches der Verfasser der Vita
Rigoberti meinte, als er über Karl Martell schrieb: „De hoc etenim, non
rege sed tyranno, ita legitur ad locum in Annalibus diversorum regum: Iste
Karlus omnibus audacior episcopatus regni Francorum laicis hominibus et
comitibus primum dedit, ita ut episcopis nihil potestatis in rebus
ecclesiarum permitteret[7]“. Diese Stelle ist bisher nur nach dem Auszug in
Flodoards Hist. Rem. II, 12 angeführt und deshalb gänzlich mißverstanden
worden. Der Verfasser stand der Zeit, über welche er schrieb, schon sehr
fern, und kann nicht sehr viel älter sein, als Flodoard selbst; er wird
vermuthlich eine jüngere Compilation benutzt haben.
Anders verhält es sich mit der von Simson (S. 33) aus Hincmar de villa
Novilliaco angeführten Stelle über den Beginn der Regierung Karls und
Karlmanns „sicut in annali regum scriptum habemus“. Sie findet sich
wörtlich in den Ann. Lauriss. mit Ausnahme eines Satzes, der aus der Cont.
Fred. mit Leichtigkeit zu entnehmen war. Hincmar kann also eine der
Bearbeitungen der Lauriss. vor sich gehabt haben, und ob er hier eine
amtliche Quelle hat bezeichnen wollen, ist ganz zweifelhaft. Abgesehen
also von der Frage, ob und wie weit den Ann. Lauriss. ein amtlicher
Charakter beizulegen ist, bleibt die Frage, ob es noch außerdem, wie
Bernays behauptet, Hofannalen, ein Werk von viel größerer Bedeutung und
Zuverlässigkeit, gegeben habe, eine ungelöste und vermuthlich unlösbare;
Prudentius bei sich hatte, wie später auch Friedrich I die ihm übersandte
Chronik des Otto von Freising benutzte. Es ist dabei durchaus nicht
ausgeschlossen, daß nicht einmal Jahre lang die Arbeit liegen blieb und der
betreffende Autor auch manchmal nachlässig und flüchtig arbeitete. Eine
amtliche Nachprüfung seiner Arbeit wird nicht stattgefunden haben.
Hinkmar sagt ausdrücklich, daß die Jahrbücher des Prudentius schon in
vieler Menschen Hände gekommen seien, und da eine Einwirkung auf die
öffentliche Meinung beabsichtigt war, wird an Geheimhaltung nicht zu
denken sein.
Sicher ist es nicht dieses Buch gewesen, welches der Verfasser der Vita
Rigoberti meinte, als er über Karl Martell schrieb: „De hoc etenim, non
rege sed tyranno, ita legitur ad locum in Annalibus diversorum regum: Iste
Karlus omnibus audacior episcopatus regni Francorum laicis hominibus et
comitibus primum dedit, ita ut episcopis nihil potestatis in rebus
ecclesiarum permitteret[7]“. Diese Stelle ist bisher nur nach dem Auszug in
Flodoards Hist. Rem. II, 12 angeführt und deshalb gänzlich mißverstanden
worden. Der Verfasser stand der Zeit, über welche er schrieb, schon sehr
fern, und kann nicht sehr viel älter sein, als Flodoard selbst; er wird
vermuthlich eine jüngere Compilation benutzt haben.
Anders verhält es sich mit der von Simson (S. 33) aus Hincmar de villa
Novilliaco angeführten Stelle über den Beginn der Regierung Karls und
Karlmanns „sicut in annali regum scriptum habemus“. Sie findet sich
wörtlich in den Ann. Lauriss. mit Ausnahme eines Satzes, der aus der Cont.
Fred. mit Leichtigkeit zu entnehmen war. Hincmar kann also eine der
Bearbeitungen der Lauriss. vor sich gehabt haben, und ob er hier eine
amtliche Quelle hat bezeichnen wollen, ist ganz zweifelhaft. Abgesehen
also von der Frage, ob und wie weit den Ann. Lauriss. ein amtlicher
Charakter beizulegen ist, bleibt die Frage, ob es noch außerdem, wie
Bernays behauptet, Hofannalen, ein Werk von viel größerer Bedeutung und
Zuverlässigkeit, gegeben habe, eine ungelöste und vermuthlich unlösbare;
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mir wenigstens scheint der Beweis der Existenz nicht geführt, wenn ich
auch nicht mit H. v. Sybel den bekannten Worten Einhards am Eingang
seiner Biographie über den Mangel einer Aufzeichnung der Thaten Karls
ein solches Gewicht beilegen möchte, daß er nicht einmal die Ann. Lauriss.
gekannt haben dürfte. Dem Versuch aber, die in ihnen nicht enthaltenen
Nachrichten, welche hier oder da einmal auftauchen, für dergleichen
Hofannalen in Anspruch zu nehmen, vermag ich eine ernsthafte Bedeutung
nicht beizumessen; meiner Meinung nach hätte ein solches Werk, wenn es
wirklich vorhanden war, deutlichere Spuren hinterlassen müssen.
Indem ich nun also an einer gewissen Beziehung der Lauriss. oder
Königsannalen zum Hofe festhalte, habe ich jetzt der Frage über ihre
Abfassung näher zu treten. Schon L. Giesebrecht[8], dann B. Simson haben
den Beweis geführt, daß die Annales Laurissenses, wie sie uns jetzt
vorliegen, nicht gleichzeitig Jahr für Jahr entstanden sind, was Pertz nur für
den ersten Theil bis 768 zugab, und W. Giesebrecht hat in der angeführten
Abhandlung diesen Punkt als sichergestellt angenommen, die Abfassung
des ganzen zusammenhängenden ersten Theils um das Jahr 788 behauptet
und dafür allgemeine Zustimmung gefunden[9]. Er knüpft daran die Frage
nach der Veranlassung zu einem solchen Werke, und findet dieselbe in dem
eben damals eingetretenen, für Karls Reich hochwichtigen Ereigniß, der
Entsetzung des Baiernherzogs Tassilo, dessen Verhalten gegen die Franken
durchweg mit auffallender Ausführlichkeit behandelt ist; er glaubt deshalb
auch die Entstehung des Werkes in Baiern suchen zu müssen und erkennt
den Urheber in dem Bischof Arn von Salzburg, dem am meisten daran
gelegen sein mußte, diese Vorfälle aufzuklären und sein früheres Verhalten,
sowie seinen Anschluß an die Franken zu rechtfertigen, während kaum ein
anderer so vollständig in diese Verhältnisse eingeweiht war. Auch die noch
rohe und fehlerhafte Sprache kann bei ihm oder bei einem Geistlichen
seiner Umgebung nicht auffallen, während sie am Hofe auch damals schon
befremdlich wäre.
auch nicht mit H. v. Sybel den bekannten Worten Einhards am Eingang
seiner Biographie über den Mangel einer Aufzeichnung der Thaten Karls
ein solches Gewicht beilegen möchte, daß er nicht einmal die Ann. Lauriss.
gekannt haben dürfte. Dem Versuch aber, die in ihnen nicht enthaltenen
Nachrichten, welche hier oder da einmal auftauchen, für dergleichen
Hofannalen in Anspruch zu nehmen, vermag ich eine ernsthafte Bedeutung
nicht beizumessen; meiner Meinung nach hätte ein solches Werk, wenn es
wirklich vorhanden war, deutlichere Spuren hinterlassen müssen.
Indem ich nun also an einer gewissen Beziehung der Lauriss. oder
Königsannalen zum Hofe festhalte, habe ich jetzt der Frage über ihre
Abfassung näher zu treten. Schon L. Giesebrecht[8], dann B. Simson haben
den Beweis geführt, daß die Annales Laurissenses, wie sie uns jetzt
vorliegen, nicht gleichzeitig Jahr für Jahr entstanden sind, was Pertz nur für
den ersten Theil bis 768 zugab, und W. Giesebrecht hat in der angeführten
Abhandlung diesen Punkt als sichergestellt angenommen, die Abfassung
des ganzen zusammenhängenden ersten Theils um das Jahr 788 behauptet
und dafür allgemeine Zustimmung gefunden[9]. Er knüpft daran die Frage
nach der Veranlassung zu einem solchen Werke, und findet dieselbe in dem
eben damals eingetretenen, für Karls Reich hochwichtigen Ereigniß, der
Entsetzung des Baiernherzogs Tassilo, dessen Verhalten gegen die Franken
durchweg mit auffallender Ausführlichkeit behandelt ist; er glaubt deshalb
auch die Entstehung des Werkes in Baiern suchen zu müssen und erkennt
den Urheber in dem Bischof Arn von Salzburg, dem am meisten daran
gelegen sein mußte, diese Vorfälle aufzuklären und sein früheres Verhalten,
sowie seinen Anschluß an die Franken zu rechtfertigen, während kaum ein
anderer so vollständig in diese Verhältnisse eingeweiht war. Auch die noch
rohe und fehlerhafte Sprache kann bei ihm oder bei einem Geistlichen
seiner Umgebung nicht auffallen, während sie am Hofe auch damals schon
befremdlich wäre.
Page 262
Diese Beweisführung Giesebrechts ist allerdings sehr gewinnend, und
daß der Sturz des bairischen Herzogs zu dieser officiösen Darstellung der
Reichsgeschichte den Anstoß, einem guten Theil derselben die Färbung
gegeben, scheint einzuleuchten; auch ist die dienstbeflissene Gesinnung des
Schreibers, seine durchgängige Verherrlichung des Königs augenscheinlich.
Allein die Autorschaft Arns vermag ich weder mit dem Bericht über seine
Sendung nach Rom 787 zu vereinigen, noch kann ich glauben, daß jemand,
der auch über lange vergangene Dinge so gut unterrichtet war, nicht zu den
älteren Räthen des Königs gehört haben sollte. An solchen Materialien, wie
Giesebrecht sie für Arn nachzuweisen sucht, den Ann. S. Amandi und
Petaviani nebst dem Verzeichniß der Orte, wo Karl Ostern gefeiert, hätte
Arn wenig Anhalt gefunden; ein alter Hofbeamter aber, dessen Gedächtniß
noch in Pippins Zeit reichte, konnte dergleichen zum chronologischen
Leitfaden benutzen, und daneben verwerthen, was von allerhand
Aufzeichnungen in der Kanzlei doch vorhanden gewesen sein muß; denn
das Gedächtniß allein wird kaum ausgereicht haben. Mit Recht hebt M.
Manitius[10] die Vertrautheit des Autors mit der Rechts-und
Urkundensprache, die vielen romanischen Wörter, die Benutzung von
Actenstücken hervor, wodurch sich auch irrige Angaben über angesagte,
später aber verlegte Festfeiern erklären. Denken könnte man z. B. an
Angilram von Metz (769-791), welcher Paulus Diaconus zur
Bischofsgeschichte von Metz, den Diacon Donatus zur Abfassung der
Lebensbeschreibung des h. Trudo veranlaßte und jetzt Erzkaplan des
Königs war[11]. Ihn könnte man sich in ähnlicher Stellung zu dem gewiß
nicht leichten Unternehmen vorstellen, wie einst Childebrand und
Nibelung. Daß ihm dabei die Fortsetzungen Fredegars fehlten, ist
auffallend, wäre es aber für Arn, wenn ihm doch sonst so gute Quellen zu
Gebote standen, nicht minder. Auch fällt das Hauptgewicht bei diesen
Annalen offenbar auf Karls eigene Regierung. Ihm also glaube ich die
Anregung zu diesem Werke, welchem wir die eingehende Kunde von seiner
Thätigkeit wesentlich verdanken, nach Ranke's Vorgang vindiciren zu
müssen; als Privatarbeit in Salzburg kann es nicht entstanden sein. Das
ältere Material aber, was hier verarbeitet ist, wird eben durch diese bequeme
daß der Sturz des bairischen Herzogs zu dieser officiösen Darstellung der
Reichsgeschichte den Anstoß, einem guten Theil derselben die Färbung
gegeben, scheint einzuleuchten; auch ist die dienstbeflissene Gesinnung des
Schreibers, seine durchgängige Verherrlichung des Königs augenscheinlich.
Allein die Autorschaft Arns vermag ich weder mit dem Bericht über seine
Sendung nach Rom 787 zu vereinigen, noch kann ich glauben, daß jemand,
der auch über lange vergangene Dinge so gut unterrichtet war, nicht zu den
älteren Räthen des Königs gehört haben sollte. An solchen Materialien, wie
Giesebrecht sie für Arn nachzuweisen sucht, den Ann. S. Amandi und
Petaviani nebst dem Verzeichniß der Orte, wo Karl Ostern gefeiert, hätte
Arn wenig Anhalt gefunden; ein alter Hofbeamter aber, dessen Gedächtniß
noch in Pippins Zeit reichte, konnte dergleichen zum chronologischen
Leitfaden benutzen, und daneben verwerthen, was von allerhand
Aufzeichnungen in der Kanzlei doch vorhanden gewesen sein muß; denn
das Gedächtniß allein wird kaum ausgereicht haben. Mit Recht hebt M.
Manitius[10] die Vertrautheit des Autors mit der Rechts-und
Urkundensprache, die vielen romanischen Wörter, die Benutzung von
Actenstücken hervor, wodurch sich auch irrige Angaben über angesagte,
später aber verlegte Festfeiern erklären. Denken könnte man z. B. an
Angilram von Metz (769-791), welcher Paulus Diaconus zur
Bischofsgeschichte von Metz, den Diacon Donatus zur Abfassung der
Lebensbeschreibung des h. Trudo veranlaßte und jetzt Erzkaplan des
Königs war[11]. Ihn könnte man sich in ähnlicher Stellung zu dem gewiß
nicht leichten Unternehmen vorstellen, wie einst Childebrand und
Nibelung. Daß ihm dabei die Fortsetzungen Fredegars fehlten, ist
auffallend, wäre es aber für Arn, wenn ihm doch sonst so gute Quellen zu
Gebote standen, nicht minder. Auch fällt das Hauptgewicht bei diesen
Annalen offenbar auf Karls eigene Regierung. Ihm also glaube ich die
Anregung zu diesem Werke, welchem wir die eingehende Kunde von seiner
Thätigkeit wesentlich verdanken, nach Ranke's Vorgang vindiciren zu
müssen; als Privatarbeit in Salzburg kann es nicht entstanden sein. Das
ältere Material aber, was hier verarbeitet ist, wird eben durch diese bequeme
Page 263
Zusammenfassung, die späterhin auch sprachlich und stilistisch noch
zeitgemäß überarbeitet wurde, bald verdrängt und in Vergessenheit gebracht
sein, besonders wenn es nur in der königlichen Kanzlei vorhanden war,
während sich hin und wieder in Domstiftern und Klöstern zufällig auch viel
unbedeutendere Sachen erhielten.
Abweichend hiervon hat Dünzelmann versucht nachzuweisen, dass um
das Jahr 780 eine Compilation entstanden sei, welche auf einer
Combination Fredegars mit eigenartigen Nachrichten beruhe, und für die
Zeit Pippins von nicht unbedeutendem Werthe sei; diese verlorene Quelle
sei uns in den Annales Mettenses zum großen Theil erhalten, und in den
Ann. Lauriss. majores und minores benutzt[12]. Indem er vorzugweise nach
sprachlichen Gesichtspunkten die Annalen untersucht, findet er, daß der
erste Abschnitt derselben von 741-791 reiche, der zweite von 792-796, wo
in fast allgemeiner Uebereinstimmung ein Abschnitt angesetzt wird. Doch
behauptet wieder Bernays, daß nur bei 789 und 801 ein Wechsel der
Verfasser anzunehmen sei.
In der leider verlorenen Lorscher Handschrift schloß sich nun eine
Fortsetzung bis 793 an, die nur ein Bruchstück aus den Ann.
Laureshamenses ist. In den übrigen Handschriften sind die nächsten Jahre
zum Theil auffallend kurz, übrigens aber in wenig veränderter Weise und
vermuthlich von demselben Autor behandelt[13], die Verschwörung Pippins
792 ist in derselben höfischen Weise, die wir aus dem ersten Theile kennen,
ganz verschwiegen. Manitius findet hier noch dieselbe Ausdrucksweise, wie
im früheren Theile, und auch noch Spuren derselben compilatorischen
Thätigkeit, welche er für den Anfang nachweist. Dann tritt mit dem Jahre
796 ein völlig veränderter Stil, eine neue Art der Auffassung ein, und diese
Fortsetzung fließt nach der Ansicht von Pertz allmählich so vollständig
zusammen mit E i n har ds Werk, daß seine Hand auch im Anfang nicht zu
verkennen sei. „Nachher, sagt auch Ranke, mußte die Historiographie in
litterarisch geschicktere Hände kommen, wie die Einhards waren, der die
alten Annalen überarbeitete und neue abfaßte, wie es scheint im Palast zu
zeitgemäß überarbeitet wurde, bald verdrängt und in Vergessenheit gebracht
sein, besonders wenn es nur in der königlichen Kanzlei vorhanden war,
während sich hin und wieder in Domstiftern und Klöstern zufällig auch viel
unbedeutendere Sachen erhielten.
Abweichend hiervon hat Dünzelmann versucht nachzuweisen, dass um
das Jahr 780 eine Compilation entstanden sei, welche auf einer
Combination Fredegars mit eigenartigen Nachrichten beruhe, und für die
Zeit Pippins von nicht unbedeutendem Werthe sei; diese verlorene Quelle
sei uns in den Annales Mettenses zum großen Theil erhalten, und in den
Ann. Lauriss. majores und minores benutzt[12]. Indem er vorzugweise nach
sprachlichen Gesichtspunkten die Annalen untersucht, findet er, daß der
erste Abschnitt derselben von 741-791 reiche, der zweite von 792-796, wo
in fast allgemeiner Uebereinstimmung ein Abschnitt angesetzt wird. Doch
behauptet wieder Bernays, daß nur bei 789 und 801 ein Wechsel der
Verfasser anzunehmen sei.
In der leider verlorenen Lorscher Handschrift schloß sich nun eine
Fortsetzung bis 793 an, die nur ein Bruchstück aus den Ann.
Laureshamenses ist. In den übrigen Handschriften sind die nächsten Jahre
zum Theil auffallend kurz, übrigens aber in wenig veränderter Weise und
vermuthlich von demselben Autor behandelt[13], die Verschwörung Pippins
792 ist in derselben höfischen Weise, die wir aus dem ersten Theile kennen,
ganz verschwiegen. Manitius findet hier noch dieselbe Ausdrucksweise, wie
im früheren Theile, und auch noch Spuren derselben compilatorischen
Thätigkeit, welche er für den Anfang nachweist. Dann tritt mit dem Jahre
796 ein völlig veränderter Stil, eine neue Art der Auffassung ein, und diese
Fortsetzung fließt nach der Ansicht von Pertz allmählich so vollständig
zusammen mit E i n har ds Werk, daß seine Hand auch im Anfang nicht zu
verkennen sei. „Nachher, sagt auch Ranke, mußte die Historiographie in
litterarisch geschicktere Hände kommen, wie die Einhards waren, der die
alten Annalen überarbeitete und neue abfaßte, wie es scheint im Palast zu
Page 264
Aachen in eben den Jahren, von denen er handelte.“ Während der Arbeit
selbst schritt er an Bildung und namentlich an Gewandtheit in der Sprache
und Darstellung weiter vor, und fand zuletzt die alten rohen Jahrbücher und
seine eigene Arbeit so ungenügend, daß er sie noch einmal überarbeitete.
Ueber die Art wie dies geschah, genügt es, auf Ranke's Untersuchung zu
verweisen. Nicht die tief eindringende Kenntniß der früheren Geschichte
war es, die ihn auszeichnete, oder die ihn zu dieser Arbeit veranlaßte; seine
Arbeit war vorzugsweise stilistisch, und nicht selten hat er dadurch auch
beachtenswerte Züge des älteren Annalisten verwischt: ja er hat an einigen
Stellen eine unrichtige Auffassung der Ereignisse hineingetragen, weil er
die ihn erfüllende Vorstellung von der alles andere überragenden Hoheit des
Kaisers unwillkürlich auch schon auf die früheren Zeiten übertrug. Wichtig
aber ist uns dennoch auch seine Ueberarbeitung nicht nur wegen einzelner
Zusätze, und weil es für uns Werth hat, auch seine Auffassung kennen zu
lernen, sondern auch deshalb, weil er so wenig zu ändern fand; die alten
Lorscher Annalen, sagt Ranke, erhalten dadurch eine nicht geringe
Beglaubigung, daß Einhard, was die Sache anbelangt, nur eine und die
andere Einschaltung über ein Paar einzelne merkwürdige Begebenheiten
beizubringen hatte.
Einhards eigene selbständige Arbeit reicht nach Ranke bis zum Jahre
829, bis zu der Zeit, wo er sich vom Hofe zurückzog, voll Trauer über die
zunehmende Verwirrung und Auflösung des Reiches. Für solche Zeiten war
weder er selbst noch seine Feder geeignet. Mit ruhiger Würde hatte er, so
lange das Reich nach den kriegerischen Zeiten des achten Jahrhunderts für
immer befestigt schien, und durch den gewaltigen Kaiser auch noch von
seinem Grabe aus zusammengehalten wurde, Jahr für Jahr die Ereignisse
registrirt: den helleren feiner gebildeten Zeiten verlieh sein reines
fehlerfreies Latein den angemessenen Ausdruck, und kurz und gedrängt
zwar, aber doch vollständig in allem wesentlichen liegt die
Reichsgeschichte in seinen Jahrbüchern vor uns, in edler Einfachheit, frei
von aller Leidenschaft und Parteilichkeit. Als es unmöglich wurde, inmitten
selbst schritt er an Bildung und namentlich an Gewandtheit in der Sprache
und Darstellung weiter vor, und fand zuletzt die alten rohen Jahrbücher und
seine eigene Arbeit so ungenügend, daß er sie noch einmal überarbeitete.
Ueber die Art wie dies geschah, genügt es, auf Ranke's Untersuchung zu
verweisen. Nicht die tief eindringende Kenntniß der früheren Geschichte
war es, die ihn auszeichnete, oder die ihn zu dieser Arbeit veranlaßte; seine
Arbeit war vorzugsweise stilistisch, und nicht selten hat er dadurch auch
beachtenswerte Züge des älteren Annalisten verwischt: ja er hat an einigen
Stellen eine unrichtige Auffassung der Ereignisse hineingetragen, weil er
die ihn erfüllende Vorstellung von der alles andere überragenden Hoheit des
Kaisers unwillkürlich auch schon auf die früheren Zeiten übertrug. Wichtig
aber ist uns dennoch auch seine Ueberarbeitung nicht nur wegen einzelner
Zusätze, und weil es für uns Werth hat, auch seine Auffassung kennen zu
lernen, sondern auch deshalb, weil er so wenig zu ändern fand; die alten
Lorscher Annalen, sagt Ranke, erhalten dadurch eine nicht geringe
Beglaubigung, daß Einhard, was die Sache anbelangt, nur eine und die
andere Einschaltung über ein Paar einzelne merkwürdige Begebenheiten
beizubringen hatte.
Einhards eigene selbständige Arbeit reicht nach Ranke bis zum Jahre
829, bis zu der Zeit, wo er sich vom Hofe zurückzog, voll Trauer über die
zunehmende Verwirrung und Auflösung des Reiches. Für solche Zeiten war
weder er selbst noch seine Feder geeignet. Mit ruhiger Würde hatte er, so
lange das Reich nach den kriegerischen Zeiten des achten Jahrhunderts für
immer befestigt schien, und durch den gewaltigen Kaiser auch noch von
seinem Grabe aus zusammengehalten wurde, Jahr für Jahr die Ereignisse
registrirt: den helleren feiner gebildeten Zeiten verlieh sein reines
fehlerfreies Latein den angemessenen Ausdruck, und kurz und gedrängt
zwar, aber doch vollständig in allem wesentlichen liegt die
Reichsgeschichte in seinen Jahrbüchern vor uns, in edler Einfachheit, frei
von aller Leidenschaft und Parteilichkeit. Als es unmöglich wurde, inmitten
Page 265
der heftig erbitterten Feinde in solcher Weise fortzufahren, da überließ er
anderen die Fortsetzung seines Werkes.
Ich habe diese Stelle aus der ersten Ausgabe unverändert gelassen,
weil sie die durch Pertz herrschend gewordene Ansicht ausdrückt, und weil
die Autorschaft Einhards, wenn auch nicht gesichert und durch wiederholte
Angriffe zweifelhaft gemacht, doch nicht mit Sicherheit widerlegt ist, wie
denn auch Ebrard es nicht unwahrscheinlich findet, daß Einhard die
Fortsetzung verfaßt habe. Neuestens haben Monod und Dünzelmann, H. v.
Sybel und Bernays in entschiedenster Weise die Möglichkeit von Einhards
Autorschaft geleugnet, während Manitius und Dorr auf sprachliche
Untersuchung gestützt sich dafür aussprechen. Dabei fällt vorzüglich die
Frage ins Gewicht, ob der nach dem Muster der Alten gebildete Stil und der
im Verhältniß zum achten Jahrhundert so sehr viel reichere Wortschatz
ausschließlich für Einhard Zeugniß ablegen und als sein besonderes Werk
zu betrachten sind, und ich kann mich der Ueberzeugung nicht
verschließen, daß durch die Untersuchungen von Dorr und Manitius fast bis
zu voller Evidenz nachgewiesen ist, nur in diesen Annalen und im Leben
Karls finde sich dieser, aus einer großen Anzahl alter Autoren mit
unvergleichlicher Sorgfalt gesammelte Wortschatz, diese Mannigfaltigkeit
der Satzbildung. Es ist aber auch bei dieser Untersuchung niemals außer
Acht zu lassen, daß Einhard nicht eigentlich Historiker, seine
Aufmerksamkeit in weit höherem Grade der Formvollendung, als der
geschichtlichen Bedeutung der Thatsachen zugewendet war, wie wir es
ähnlich auch bei Lambert beobachten können.
Daß Einhard der Verfasser dieser Annalen sei, hatte zuerst Du Chesne
behauptet, gestützt auf eine Stelle in der Translatio S. Sebastiani, wo
Einhard ausdrücklich als Verfasser eines Annalenwerks unter dem Titel:
Gesta Caesarum Caroli Magni et filii ipsius Hludowici genannt und eine
Stelle daraus angeführt wird, welche sich in unseren Annalen beim Jahre
826 wiederfindet[14]. Dieses Zeugniß aus dem zehnten Jahrhundert schien
bedeutend genug, um die dagegen geltend gemachten kleinen Widersprüche
anderen die Fortsetzung seines Werkes.
Ich habe diese Stelle aus der ersten Ausgabe unverändert gelassen,
weil sie die durch Pertz herrschend gewordene Ansicht ausdrückt, und weil
die Autorschaft Einhards, wenn auch nicht gesichert und durch wiederholte
Angriffe zweifelhaft gemacht, doch nicht mit Sicherheit widerlegt ist, wie
denn auch Ebrard es nicht unwahrscheinlich findet, daß Einhard die
Fortsetzung verfaßt habe. Neuestens haben Monod und Dünzelmann, H. v.
Sybel und Bernays in entschiedenster Weise die Möglichkeit von Einhards
Autorschaft geleugnet, während Manitius und Dorr auf sprachliche
Untersuchung gestützt sich dafür aussprechen. Dabei fällt vorzüglich die
Frage ins Gewicht, ob der nach dem Muster der Alten gebildete Stil und der
im Verhältniß zum achten Jahrhundert so sehr viel reichere Wortschatz
ausschließlich für Einhard Zeugniß ablegen und als sein besonderes Werk
zu betrachten sind, und ich kann mich der Ueberzeugung nicht
verschließen, daß durch die Untersuchungen von Dorr und Manitius fast bis
zu voller Evidenz nachgewiesen ist, nur in diesen Annalen und im Leben
Karls finde sich dieser, aus einer großen Anzahl alter Autoren mit
unvergleichlicher Sorgfalt gesammelte Wortschatz, diese Mannigfaltigkeit
der Satzbildung. Es ist aber auch bei dieser Untersuchung niemals außer
Acht zu lassen, daß Einhard nicht eigentlich Historiker, seine
Aufmerksamkeit in weit höherem Grade der Formvollendung, als der
geschichtlichen Bedeutung der Thatsachen zugewendet war, wie wir es
ähnlich auch bei Lambert beobachten können.
Daß Einhard der Verfasser dieser Annalen sei, hatte zuerst Du Chesne
behauptet, gestützt auf eine Stelle in der Translatio S. Sebastiani, wo
Einhard ausdrücklich als Verfasser eines Annalenwerks unter dem Titel:
Gesta Caesarum Caroli Magni et filii ipsius Hludowici genannt und eine
Stelle daraus angeführt wird, welche sich in unseren Annalen beim Jahre
826 wiederfindet[14]. Dieses Zeugniß aus dem zehnten Jahrhundert schien
bedeutend genug, um die dagegen geltend gemachten kleinen Widersprüche
Page 266
zwischen den Annalen und Einhards Vita Caroli übersehen zu können: man
darf von jener Zeit nicht die Genauigkeit der Arbeit und des Ausdrucks
verlangen und findet sie auch nicht, welche heutiges Tages gefordert wird.
Auch wurde für keinen anderen Namen auf dieses bedeutende, seit alter
Zeit bekannte und viel benutzte Werk Anspruch gemacht; Stil und
Auffassung schienen für Einhard wohl zu passen. Auch in der neuesten
Untersuchung von W. Giesebrecht ist dieses zugegeben; die ruhige völlig
objectiv gehaltene Darstellung, in welcher die bis dahin stets wiederholten
preisenden Beiwörter Karls verschwinden, die an Einhards Werke
erinnernde Reinheit der Sprache, scheinen auch ihm die Autorschaft
desselben wahrscheinlich zu machen, allein bei dem Tode des Kaisers ist
nach seiner Ansicht eine Unterbrechung eingetreten, die weitere
Fortsetzung von der vorhergehenden zu scheiden. Fragen wir nach der
Begründung dieser Behauptung, so beschränkt sich dieselbe wesentlich
darauf, daß die fragmentarische Handschrift Christ. 617 mitten in der
Erzählung des Jahres 813 abbricht[15] und in dieser unfertigen Gestalt
einmal abgeschrieben worden ist, während ein anderer Schreiber sich auf
das Leben Karls des Großen beschränkte, gerade so wie Pithou das zweite
Buch von Ademars Chronik abgesondert vorfand und als Leben Karls vom
Monachus Engolismensis herausgab. Allerdings soll auch im Ausdruck eine
Verschiedenheit bemerklich sein, die aber wenig bedeutend ist; es fällt
ferner auf, daß die Wunder des h. Sebastianus im Medarduskloster zu
Soissons sehr gepriesen, die von Einhard so hoch geschätzten Reliquien
seiner Heiligen kaum genannt werden. Die chronologischen
Schwierigkeiten jedoch, welche sich an diese Uebertragung der hh.
Marcellinus und Petrus anknüpfen, hat Giesebrecht selbst zu beseitigen
versucht, und der Bescheidenheit Einhards, vielleicht auch seiner so
gerühmten Klugheit gegenüber dem mächtigen Hilduin, mochte jene kurze
und doch immer rühmende Erwähnung um so eher genügen, da er gerade
mit einer besonderen Schrift über diesen Gegenstand beschäftigt war.
Auch jetzt kann ich, wie gesagt, nicht umhin, die Gründe für Einhards
Autorschaft als überwiegend anzusehen; die Verschiedenheit einzelner
darf von jener Zeit nicht die Genauigkeit der Arbeit und des Ausdrucks
verlangen und findet sie auch nicht, welche heutiges Tages gefordert wird.
Auch wurde für keinen anderen Namen auf dieses bedeutende, seit alter
Zeit bekannte und viel benutzte Werk Anspruch gemacht; Stil und
Auffassung schienen für Einhard wohl zu passen. Auch in der neuesten
Untersuchung von W. Giesebrecht ist dieses zugegeben; die ruhige völlig
objectiv gehaltene Darstellung, in welcher die bis dahin stets wiederholten
preisenden Beiwörter Karls verschwinden, die an Einhards Werke
erinnernde Reinheit der Sprache, scheinen auch ihm die Autorschaft
desselben wahrscheinlich zu machen, allein bei dem Tode des Kaisers ist
nach seiner Ansicht eine Unterbrechung eingetreten, die weitere
Fortsetzung von der vorhergehenden zu scheiden. Fragen wir nach der
Begründung dieser Behauptung, so beschränkt sich dieselbe wesentlich
darauf, daß die fragmentarische Handschrift Christ. 617 mitten in der
Erzählung des Jahres 813 abbricht[15] und in dieser unfertigen Gestalt
einmal abgeschrieben worden ist, während ein anderer Schreiber sich auf
das Leben Karls des Großen beschränkte, gerade so wie Pithou das zweite
Buch von Ademars Chronik abgesondert vorfand und als Leben Karls vom
Monachus Engolismensis herausgab. Allerdings soll auch im Ausdruck eine
Verschiedenheit bemerklich sein, die aber wenig bedeutend ist; es fällt
ferner auf, daß die Wunder des h. Sebastianus im Medarduskloster zu
Soissons sehr gepriesen, die von Einhard so hoch geschätzten Reliquien
seiner Heiligen kaum genannt werden. Die chronologischen
Schwierigkeiten jedoch, welche sich an diese Uebertragung der hh.
Marcellinus und Petrus anknüpfen, hat Giesebrecht selbst zu beseitigen
versucht, und der Bescheidenheit Einhards, vielleicht auch seiner so
gerühmten Klugheit gegenüber dem mächtigen Hilduin, mochte jene kurze
und doch immer rühmende Erwähnung um so eher genügen, da er gerade
mit einer besonderen Schrift über diesen Gegenstand beschäftigt war.
Auch jetzt kann ich, wie gesagt, nicht umhin, die Gründe für Einhards
Autorschaft als überwiegend anzusehen; die Verschiedenheit einzelner
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Theile kann durch eingetretene Unterbrechung und flüchtigere Arbeit
Erklärung finden. Dünzelmann meint, daß die vortreffliche Darstellung von
797 bis zur Mitte des Jahres 801 von Einhard herrühren, die Ueberarbeitung
der Annalen bis dahin in den ersten Jahren des neunten Jahrhunderts von
ihm verfaßt sein müsse, weil nur er so habe schreiben können und wir von
ihm kein anderes Werk vor der Vita Caroli kennen, die nicht sein
Erstlingswerk sein könne.
In der Mitte des Jahres 801 aber setzt er, und hierin hat er allgemeine
Zustimmung gefunden, einen Abschnitt an[16]; nur so weit waren die
Annalen dem Poeta Saxo bekannt, und nur so weit reicht auch die
Ueberarbeitung. Die folgende dritte, erheblich schlechtere Fortsetzung
reicht nach Dünzelmann bis 806, eine vierte bis 815, die fünfte bis 820,
worauf der Schluß bis 829 wieder von anderer Hand sei; Bernays dagegen
will zwischen 801 und 829 keinen Wechsel zugeben. Müßten wir in der
That auf die Kenntniß der Persönlichkeit verzichten und andererseits doch
den höfischen Ursprung festhalten, so scheint mir mit dieser
Unterscheidung sehr wenig gewonnen zu sein.
Von der Ueberarbeitung, den sogenannten Annales Einhardi, war
schon oben S. 197 die Rede; es konnte nicht anders sein, als daß der Anfang
der alten Annalen dem feiner entwickelten Sprachsinn geradezu
unerträglich erschien. Es hat aber Dünzelmann wohl richtig bemerkt, daß
diese Bearbeitung nur bis 801 reicht und auch damals ausgeführt sein wird;
die Uebereinstimmung mit einzelnen Stellen in Einhards Vita Caroli wird
dann einfach durch Benutzung der Annalen in dieser zu erklären sein[17].
Bei dieser Bearbeitung haben sich einige Mißverständnisse eingeschlichen,
es sind aber auch nicht unbedeutende neue Thatsachen hinzugekommen und
es ist wahrscheinlich, daß hierfür auch schriftliches Material benutzt ist[18],
wozu Pückert (S. 157 ff.) das gleich zu erwähnende verlorene Werk bis 805,
Kurze die bis 796 reichende Quelle desselben rechnet. Pückert (S. 167 ff.)
hebt die seltsame Eigenheit des Verfassers hervor, die Ereignisse in ganz
unzulässiger Weise als übermäßig beschleunigt darzustellen, und ferner, daß
Erklärung finden. Dünzelmann meint, daß die vortreffliche Darstellung von
797 bis zur Mitte des Jahres 801 von Einhard herrühren, die Ueberarbeitung
der Annalen bis dahin in den ersten Jahren des neunten Jahrhunderts von
ihm verfaßt sein müsse, weil nur er so habe schreiben können und wir von
ihm kein anderes Werk vor der Vita Caroli kennen, die nicht sein
Erstlingswerk sein könne.
In der Mitte des Jahres 801 aber setzt er, und hierin hat er allgemeine
Zustimmung gefunden, einen Abschnitt an[16]; nur so weit waren die
Annalen dem Poeta Saxo bekannt, und nur so weit reicht auch die
Ueberarbeitung. Die folgende dritte, erheblich schlechtere Fortsetzung
reicht nach Dünzelmann bis 806, eine vierte bis 815, die fünfte bis 820,
worauf der Schluß bis 829 wieder von anderer Hand sei; Bernays dagegen
will zwischen 801 und 829 keinen Wechsel zugeben. Müßten wir in der
That auf die Kenntniß der Persönlichkeit verzichten und andererseits doch
den höfischen Ursprung festhalten, so scheint mir mit dieser
Unterscheidung sehr wenig gewonnen zu sein.
Von der Ueberarbeitung, den sogenannten Annales Einhardi, war
schon oben S. 197 die Rede; es konnte nicht anders sein, als daß der Anfang
der alten Annalen dem feiner entwickelten Sprachsinn geradezu
unerträglich erschien. Es hat aber Dünzelmann wohl richtig bemerkt, daß
diese Bearbeitung nur bis 801 reicht und auch damals ausgeführt sein wird;
die Uebereinstimmung mit einzelnen Stellen in Einhards Vita Caroli wird
dann einfach durch Benutzung der Annalen in dieser zu erklären sein[17].
Bei dieser Bearbeitung haben sich einige Mißverständnisse eingeschlichen,
es sind aber auch nicht unbedeutende neue Thatsachen hinzugekommen und
es ist wahrscheinlich, daß hierfür auch schriftliches Material benutzt ist[18],
wozu Pückert (S. 157 ff.) das gleich zu erwähnende verlorene Werk bis 805,
Kurze die bis 796 reichende Quelle desselben rechnet. Pückert (S. 167 ff.)
hebt die seltsame Eigenheit des Verfassers hervor, die Ereignisse in ganz
unzulässiger Weise als übermäßig beschleunigt darzustellen, und ferner, daß
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in höherem Maaße, als es den Thatsachen entspricht, Karl als der stets allein
wissende und handelnde hervortritt.
Wir sehen also hier, wie man schon von der einfachen und
schmucklosen, nur auf den sachlichen Inhalt gerichteten Aufzeichnung der
Zeitbegebenheiten fortschritt zu litterarischer Bearbeitung. Natürlich mußte,
da die Reichsannalen erst mit 741 begannen, der Wunsch lebendig werden,
auch für die vorhergehende Zeit, über welche nur ein sehr ungenügendes
und schwer genießbares Material vorlag, ein Handbuch zu gewinnen,
welches den Zusammenhang mit der Weltgeschichte herstellte. Gerade auch
um das Jahr 801 ist ein solches verfaßt[19], und da es nur bis 741 reicht,
liegt die von Waitz ausgesprochene Vermuthung nahe, daß es zur
Ergänzung der Reichsannalen bestimmt war. Doch finden wir es
handschriftlich nicht mit ihnen verbunden; es scheint keine große
Verbreitung gefunden zu haben, da das schwierige Unternehmen doch nur
sehr unvollkommen gelang und die Sprache des Verfassers durch ihre
Unbehülflichkeit und Fehlerhaftigkeit verräth, daß er der früheren Barbarei
wohl entwachsen, aber doch von der höheren Bildung eines Einhard noch
weit entfernt war. Doch verdient er ohne Zweifel Beachtung und
Anerkennung: es ist, wie Waitz bemerkt, die erste Weltchronik, die seit
Fredegar im fränkischen Reich geschrieben wurde. Dieses Werk, dessen wir
oben (S. 129) schon kurz gedachten, ist in zwei Handschriften erhalten,
welche stark von einander abweichen, und es scheint, daß der Verfasser
selbst sein Werk überarbeitet und mit weiteren Zusätzen aus seinen Quellen
vermehrt hat. Er legte die kurze Chronik des Beda zu Grunde, in welche er
Auszüge aus Hieronymus, Orosius, Fredegar mit den Fortsetzungen und
den Gesta Francorum einschob, weiterhin benutzte er auch Isidor, den Liber
pontificalis, und die Annales Mosellani et Laureshamenses. Die wenigen
ihm eigenthümlichen Stellen zeigen Verwandtschaft mit den Annales
Flaviniacenses, welche sich in derselben Hs. befinden, und da hierzu auch
die Nachricht von der Zerstörung der Stadt Autun durch die Sarracenen 725
gehört, so ist die Vermuthung gerechtfertigt, daß der Verfasser im Sprengel
von Autun, vielleicht eben in Flavigny, lebte.
wissende und handelnde hervortritt.
Wir sehen also hier, wie man schon von der einfachen und
schmucklosen, nur auf den sachlichen Inhalt gerichteten Aufzeichnung der
Zeitbegebenheiten fortschritt zu litterarischer Bearbeitung. Natürlich mußte,
da die Reichsannalen erst mit 741 begannen, der Wunsch lebendig werden,
auch für die vorhergehende Zeit, über welche nur ein sehr ungenügendes
und schwer genießbares Material vorlag, ein Handbuch zu gewinnen,
welches den Zusammenhang mit der Weltgeschichte herstellte. Gerade auch
um das Jahr 801 ist ein solches verfaßt[19], und da es nur bis 741 reicht,
liegt die von Waitz ausgesprochene Vermuthung nahe, daß es zur
Ergänzung der Reichsannalen bestimmt war. Doch finden wir es
handschriftlich nicht mit ihnen verbunden; es scheint keine große
Verbreitung gefunden zu haben, da das schwierige Unternehmen doch nur
sehr unvollkommen gelang und die Sprache des Verfassers durch ihre
Unbehülflichkeit und Fehlerhaftigkeit verräth, daß er der früheren Barbarei
wohl entwachsen, aber doch von der höheren Bildung eines Einhard noch
weit entfernt war. Doch verdient er ohne Zweifel Beachtung und
Anerkennung: es ist, wie Waitz bemerkt, die erste Weltchronik, die seit
Fredegar im fränkischen Reich geschrieben wurde. Dieses Werk, dessen wir
oben (S. 129) schon kurz gedachten, ist in zwei Handschriften erhalten,
welche stark von einander abweichen, und es scheint, daß der Verfasser
selbst sein Werk überarbeitet und mit weiteren Zusätzen aus seinen Quellen
vermehrt hat. Er legte die kurze Chronik des Beda zu Grunde, in welche er
Auszüge aus Hieronymus, Orosius, Fredegar mit den Fortsetzungen und
den Gesta Francorum einschob, weiterhin benutzte er auch Isidor, den Liber
pontificalis, und die Annales Mosellani et Laureshamenses. Die wenigen
ihm eigenthümlichen Stellen zeigen Verwandtschaft mit den Annales
Flaviniacenses, welche sich in derselben Hs. befinden, und da hierzu auch
die Nachricht von der Zerstörung der Stadt Autun durch die Sarracenen 725
gehört, so ist die Vermuthung gerechtfertigt, daß der Verfasser im Sprengel
von Autun, vielleicht eben in Flavigny, lebte.
Page 269
Diese Chronik bildet in einer Hs. den Anfang der schon oben S. 146
erwähnten Annales Maximiani, welche jedoch keine innerliche Verbindung
mit ihr haben, und ist in ihrer älteren Form großentheils aufgenommen in
das Chronicon Moissiacense.
Eine andere, im J. 805 oder vielleicht 806 abgeschlossene Compilation
ist uns nicht im Original erhalten, aber aus verschiedenen Ableitungen nach
und nach mit wachsender Sicherheit kenntlich geworden. In Beziehung
dazu stehen verschiedene, erst in neuerer Zeit zum Vorschein gekommene
Bruchstücke von Bearbeitungen der Reichsannalen. Dazu gehören die
Wiener Blätter von 784 und 785[20], welche nebst einem aus Werden
stammenden Fragment in Düsseldorf von 759 bis 762, von Pertz, der sie
irrig für ursprüngliche Aufzeichnungen hielt, SS. XX, 1-15 als Fragmenta
Werthinensia gedruckt sind. Hiermit verwandt ist ein anderes in Bern von
Gerold Meyer von Knonau gefundenes Fragment von 783 bis 785[21].
Diesen beiden Versionen muß schon eine ältere zu Grunde gelegen haben,
und diese glaubt Giesebrecht (Forsch. XIII, 627 bis 633) gefunden zu haben
in einem Bruchstück von 769 bis 772, welches J. Bächtold im Anzeiger für
Schweizerische Geschichte 1872 S. 245-246 veröffentlicht hat. Es enthält
die Capitelzahlen 56 bis 59, woraus Giesebrecht auf ein größeres Werk
schloß, welches bis 714 rückgreifend, mit Benutzung des Fredegar im J.
802 ausgearbeitet, auch in den Annales Mettenses benutzt wurde, und mit
einer in diesen erhaltenen eigenthümlichen Fortsetzung von 803 bis 805
versehen war. Wegen einiger Beziehungen auf Reichenau vermuthete
Giesebrecht in Haito den Verfasser dieses Werkes, aber diese Stellen
gehören nur den Annales Mettenses an und sind aus Regino entlehnt.
Dagegen ist durch weitere Untersuchung festgestellt, daß dieses Werk, in
seinen älteren Theilen auf den Fortsetzungen des Fredegar beruhend,
weiterhin aus den Reichsannalen geschöpft ist, aber durch einige Zusätze
und namentlich durch die Fortsetzung sehr werthvoll. Pückert[22], welcher
sich sehr eingehend damit beschäftigt hat, hebt namentlich (S. 165) die
Nachrichten über Grifo hervor, welche seiner Ansicht nach von hier in die
Annales Einhardi übergegangen sind. Er sucht den Ursprung in Saint-Denis
erwähnten Annales Maximiani, welche jedoch keine innerliche Verbindung
mit ihr haben, und ist in ihrer älteren Form großentheils aufgenommen in
das Chronicon Moissiacense.
Eine andere, im J. 805 oder vielleicht 806 abgeschlossene Compilation
ist uns nicht im Original erhalten, aber aus verschiedenen Ableitungen nach
und nach mit wachsender Sicherheit kenntlich geworden. In Beziehung
dazu stehen verschiedene, erst in neuerer Zeit zum Vorschein gekommene
Bruchstücke von Bearbeitungen der Reichsannalen. Dazu gehören die
Wiener Blätter von 784 und 785[20], welche nebst einem aus Werden
stammenden Fragment in Düsseldorf von 759 bis 762, von Pertz, der sie
irrig für ursprüngliche Aufzeichnungen hielt, SS. XX, 1-15 als Fragmenta
Werthinensia gedruckt sind. Hiermit verwandt ist ein anderes in Bern von
Gerold Meyer von Knonau gefundenes Fragment von 783 bis 785[21].
Diesen beiden Versionen muß schon eine ältere zu Grunde gelegen haben,
und diese glaubt Giesebrecht (Forsch. XIII, 627 bis 633) gefunden zu haben
in einem Bruchstück von 769 bis 772, welches J. Bächtold im Anzeiger für
Schweizerische Geschichte 1872 S. 245-246 veröffentlicht hat. Es enthält
die Capitelzahlen 56 bis 59, woraus Giesebrecht auf ein größeres Werk
schloß, welches bis 714 rückgreifend, mit Benutzung des Fredegar im J.
802 ausgearbeitet, auch in den Annales Mettenses benutzt wurde, und mit
einer in diesen erhaltenen eigenthümlichen Fortsetzung von 803 bis 805
versehen war. Wegen einiger Beziehungen auf Reichenau vermuthete
Giesebrecht in Haito den Verfasser dieses Werkes, aber diese Stellen
gehören nur den Annales Mettenses an und sind aus Regino entlehnt.
Dagegen ist durch weitere Untersuchung festgestellt, daß dieses Werk, in
seinen älteren Theilen auf den Fortsetzungen des Fredegar beruhend,
weiterhin aus den Reichsannalen geschöpft ist, aber durch einige Zusätze
und namentlich durch die Fortsetzung sehr werthvoll. Pückert[22], welcher
sich sehr eingehend damit beschäftigt hat, hebt namentlich (S. 165) die
Nachrichten über Grifo hervor, welche seiner Ansicht nach von hier in die
Annales Einhardi übergegangen sind. Er sucht den Ursprung in Saint-Denis
Page 270
nachzuweisen, und nimmt eine Ueberarbeitung in Metz um 900 mit
Zuziehung der Vita Caroli an, welche den Ann. Mett. und auch dem Poeta
Saxo zu Grunde liege. Benutzung dieses Werkes ist außer in den Mettenses
nachgewiesen in den Ann. Lauriss. minores, Lobienses, Guelferbytani, im
Chron. Vedastinum und Moissiacense, Fontanellense, und Waitz hat SS.
XIII, 26-33, die erwähnten Fragmente nebst dem betreffenden Abschnitt der
Annales Mettenses herausgegeben[23].
Neuestens hat nun Fr. Kurze[24], an diese Ergebnisse anschließend,
hervorgehoben, daß aus den uns bekannten Bruchstücken dieser
Compilation sich doch nicht alle Nachrichten in den Ableitungen belegen
lassen, namentlich nicht in den Fulder Annalen, weshalb man genöthigt
war, eine unwahrscheinliche Heranziehung verschiedener Quellen
anzunehmen. Er kommt dadurch zu der Schlußfolgerung, daß schon um 796
aus den Fortsetzungen des Fredegar, den Reichsannalen und anderen
Quellen, der Vita Bonifatii, dem Pabstbuch, ein ausführlicheres werthvolles
Werk zusammengestellt sei, welches in der Compilation von Saint-Denis
nur auszugsweise enthalten sei. Es ist nach Kurze kein anderes, als das
schon S. 146 erwähnte, in den Ann. Maximiani kenntliche, welches auch
den Ann. Sithienses zu Grunde liegt. Als ein Stück dieses verlorenen
Werkes betrachtet er auch das Fragmentum Chesnii, als eine Ableitung die
Continuatio Romana der Langobardengeschichte des Paulus Diaconus.
Indem wir nun den Scharfsinn des Verfassers dieser Untersuchungen
vollkommen anerkennen, können wir ihm doch durchaus nicht folgen, wenn
er (S. 128) in diesem, seiner Ansicht nach sehr bedeutenden
Geschichtswerk das oben (S. 149) erwähnte verlorene Werk des Crantz
erkennen will, da Aventins Angabe über den Inhalt desselben durchaus nicht
dazu paßt.
Vermissen wir nun hier irgend eine gesicherte locale Anknüpfung, so
werden wir dagegen bestimmt nach Lorsch gewiesen durch die Annales
L aur issen ses m i nor es, welche jedoch Waitz jetzt als die kleine
Lorscher Frankenchronik bezeichnet hat[25], ein mageres, nach
Zuziehung der Vita Caroli an, welche den Ann. Mett. und auch dem Poeta
Saxo zu Grunde liege. Benutzung dieses Werkes ist außer in den Mettenses
nachgewiesen in den Ann. Lauriss. minores, Lobienses, Guelferbytani, im
Chron. Vedastinum und Moissiacense, Fontanellense, und Waitz hat SS.
XIII, 26-33, die erwähnten Fragmente nebst dem betreffenden Abschnitt der
Annales Mettenses herausgegeben[23].
Neuestens hat nun Fr. Kurze[24], an diese Ergebnisse anschließend,
hervorgehoben, daß aus den uns bekannten Bruchstücken dieser
Compilation sich doch nicht alle Nachrichten in den Ableitungen belegen
lassen, namentlich nicht in den Fulder Annalen, weshalb man genöthigt
war, eine unwahrscheinliche Heranziehung verschiedener Quellen
anzunehmen. Er kommt dadurch zu der Schlußfolgerung, daß schon um 796
aus den Fortsetzungen des Fredegar, den Reichsannalen und anderen
Quellen, der Vita Bonifatii, dem Pabstbuch, ein ausführlicheres werthvolles
Werk zusammengestellt sei, welches in der Compilation von Saint-Denis
nur auszugsweise enthalten sei. Es ist nach Kurze kein anderes, als das
schon S. 146 erwähnte, in den Ann. Maximiani kenntliche, welches auch
den Ann. Sithienses zu Grunde liegt. Als ein Stück dieses verlorenen
Werkes betrachtet er auch das Fragmentum Chesnii, als eine Ableitung die
Continuatio Romana der Langobardengeschichte des Paulus Diaconus.
Indem wir nun den Scharfsinn des Verfassers dieser Untersuchungen
vollkommen anerkennen, können wir ihm doch durchaus nicht folgen, wenn
er (S. 128) in diesem, seiner Ansicht nach sehr bedeutenden
Geschichtswerk das oben (S. 149) erwähnte verlorene Werk des Crantz
erkennen will, da Aventins Angabe über den Inhalt desselben durchaus nicht
dazu paßt.
Vermissen wir nun hier irgend eine gesicherte locale Anknüpfung, so
werden wir dagegen bestimmt nach Lorsch gewiesen durch die Annales
L aur issen ses m i nor es, welche jedoch Waitz jetzt als die kleine
Lorscher Frankenchronik bezeichnet hat[25], ein mageres, nach
Page 271
Regentenjahren geordnetes Compendium der Geschichte des
Frankenreiches, an Beda sich anlehnend und ganz aus der oben erwähnten
Compilation bis 805 geschöpft, mit Ergänzungen aus den Ann.
Laureshamenses und einigen Erweiterungen und Zusätzen; nach Kurze bis
789 aus der von ihm angenommenen Quelle. Nur das Jahr 806 gehört nach
Waitz dem Verfasser, wenn er nicht doch vielleicht auch dieses schon in der
Compilation fand. Die als Regierungsjahre betrachteten, überaus ungenauen
Zahlen hält Pückert für Abschnitte, die vielleicht schon in der Vorlage
gewesen, wodurch der Vorwurf großer chronologischer Verwirrung beseitigt
würde[26]. Er hebt ferner die ausserordentlich starke, gegen die Vorlage
noch sehr verstärkte kirchliche Färbung, die Betonung der geistlichen
Autorität und Leitung hervor, was der Strömung der Zeit entspricht. — Von
807 an beginnt eine sehr magere Fortsetzung bis 817, während ein anderes
nach Fulda gekommenes Exemplar dort eine andere mit deutlich localer
Färbung, ebenfalls bis 817, erhielt[27].
Die lebhaft erwachende Thätigkeit in dieser Richtung bezeugen ferner
die Chronik der sechs Weltalter, welche bis 810 reicht, von einem
ungenannten Verfasser[28], ein mageres chronologisches Gerippe, ohne
selbständigen Werth, die oben S. 146 erwähnten Ann. Maximiani von 710
bis 811, die Fulder bis 814 (S. 150) und die Flaviniacenses von 816
(S. 146).
Bis 818 reicht das C hr on icon Moi ssi acen se[29], eine große
unverarbeitete Compilation, welche aus der vorher erwähnten Chronik bis
741, der Compilation bis 805, den Reichsannalen und anderen bekannten
Werken geschöpft ist, deren Bekanntschaft, wie Pückert bemerkt, Abt
Benedict von Aniane vermittelt haben kann, aber doch hin und wieder auch
eigenthümliches aus jetzt verlorenen Quellen hat; darunter hat Dorr[30]
Aquitanische Annalen und ein Chronicon Aquitanicum ohne genaue
Chronologie auszuscheiden und zu sammeln versucht. Der Verfasser ist so
unselbständig und schreibt so gewissenhaft seine Vorlagen wörtlich ab, daß
ihm auch der werthvolle letzte Theil der Chronik von 813 bis 818 nicht
Frankenreiches, an Beda sich anlehnend und ganz aus der oben erwähnten
Compilation bis 805 geschöpft, mit Ergänzungen aus den Ann.
Laureshamenses und einigen Erweiterungen und Zusätzen; nach Kurze bis
789 aus der von ihm angenommenen Quelle. Nur das Jahr 806 gehört nach
Waitz dem Verfasser, wenn er nicht doch vielleicht auch dieses schon in der
Compilation fand. Die als Regierungsjahre betrachteten, überaus ungenauen
Zahlen hält Pückert für Abschnitte, die vielleicht schon in der Vorlage
gewesen, wodurch der Vorwurf großer chronologischer Verwirrung beseitigt
würde[26]. Er hebt ferner die ausserordentlich starke, gegen die Vorlage
noch sehr verstärkte kirchliche Färbung, die Betonung der geistlichen
Autorität und Leitung hervor, was der Strömung der Zeit entspricht. — Von
807 an beginnt eine sehr magere Fortsetzung bis 817, während ein anderes
nach Fulda gekommenes Exemplar dort eine andere mit deutlich localer
Färbung, ebenfalls bis 817, erhielt[27].
Die lebhaft erwachende Thätigkeit in dieser Richtung bezeugen ferner
die Chronik der sechs Weltalter, welche bis 810 reicht, von einem
ungenannten Verfasser[28], ein mageres chronologisches Gerippe, ohne
selbständigen Werth, die oben S. 146 erwähnten Ann. Maximiani von 710
bis 811, die Fulder bis 814 (S. 150) und die Flaviniacenses von 816
(S. 146).
Bis 818 reicht das C hr on icon Moi ssi acen se[29], eine große
unverarbeitete Compilation, welche aus der vorher erwähnten Chronik bis
741, der Compilation bis 805, den Reichsannalen und anderen bekannten
Werken geschöpft ist, deren Bekanntschaft, wie Pückert bemerkt, Abt
Benedict von Aniane vermittelt haben kann, aber doch hin und wieder auch
eigenthümliches aus jetzt verlorenen Quellen hat; darunter hat Dorr[30]
Aquitanische Annalen und ein Chronicon Aquitanicum ohne genaue
Chronologie auszuscheiden und zu sammeln versucht. Der Verfasser ist so
unselbständig und schreibt so gewissenhaft seine Vorlagen wörtlich ab, daß
ihm auch der werthvolle letzte Theil der Chronik von 813 bis 818 nicht
Page 272
zuzutrauen ist. Dieser schließt sich vielmehr in der ganzen Weise der
Erzählung so genau den bis dahin benutzten Ann. Laureshamenses (s. oben
S. 145) an, daß wir mit L. Giesebrecht annehmen müssen, es habe dem
Schreiber der Handschrift ein vollständigeres Exemplar vorgelegen, dessen
Schluß uns nur hier erhalten ist. Die Herkunft der Chronik ist
südfranzösisch, es sind aber, wie G. Monod[31] bemerkt, von ihr zwei ganz
verschiedene Bearbeitungen vorhanden, von denen die eine aus Moissac
stammt, ihr fehlen die Jahre 716-777. Die andere stammt aus Aniane und
hat Zusätze, in denen die Geschichte ganz willkürlich behandelt wird, z. B.
779 und 780 spanische Namen an die Stelle der sächsischen gesetzt sind. Zu
einer mit diesen verwandten Chronik gehört nach der wichtigen Entdeckung
von Pückert[32] die sog. Notitia de servitio monasteriorum, welche überall
arglos benutzt ist, hier aber als eine spätere Fälschung, vermuthlich aus
Aniane, nachgewiesen wird.
So stellt sich uns also eine lebhafte litterarische Thätigkeit dar, bei
welcher zunächst die Sorge für die bis dahin in so hohem Grade
vernachlässigte Form der Darstellung in den Vordergrund tritt, mit welcher
sich aber nicht minder auch das Streben nach Ergänzung der
geschichtlichen Thatsachen verbindet. Am Ende des Jahrhunderts werden
die Annalen bis 801 von dem sog. P oeta S axo sogar in Verse gebracht.
Die Fortführung der Annalen bis 829 ist vom höchsten Werthe und
gewährte ein noch lange befolgtes klassisches Vorbild der gleichmäßigen
Darstellung der Zeitgeschichte. Hatte schon Einhard den früheren Theil der
Annalen für sein Leben Karls zu Rathe gezogen, so finden wir den
folgenden Abschnitt von 814 an zu einer Biographie Ludwigs verwandt,
nicht unbedeutend verändert, aber nicht verbessert, mit Einhards Werk gar
nicht zu vergleichen[33].
Erzählung so genau den bis dahin benutzten Ann. Laureshamenses (s. oben
S. 145) an, daß wir mit L. Giesebrecht annehmen müssen, es habe dem
Schreiber der Handschrift ein vollständigeres Exemplar vorgelegen, dessen
Schluß uns nur hier erhalten ist. Die Herkunft der Chronik ist
südfranzösisch, es sind aber, wie G. Monod[31] bemerkt, von ihr zwei ganz
verschiedene Bearbeitungen vorhanden, von denen die eine aus Moissac
stammt, ihr fehlen die Jahre 716-777. Die andere stammt aus Aniane und
hat Zusätze, in denen die Geschichte ganz willkürlich behandelt wird, z. B.
779 und 780 spanische Namen an die Stelle der sächsischen gesetzt sind. Zu
einer mit diesen verwandten Chronik gehört nach der wichtigen Entdeckung
von Pückert[32] die sog. Notitia de servitio monasteriorum, welche überall
arglos benutzt ist, hier aber als eine spätere Fälschung, vermuthlich aus
Aniane, nachgewiesen wird.
So stellt sich uns also eine lebhafte litterarische Thätigkeit dar, bei
welcher zunächst die Sorge für die bis dahin in so hohem Grade
vernachlässigte Form der Darstellung in den Vordergrund tritt, mit welcher
sich aber nicht minder auch das Streben nach Ergänzung der
geschichtlichen Thatsachen verbindet. Am Ende des Jahrhunderts werden
die Annalen bis 801 von dem sog. P oeta S axo sogar in Verse gebracht.
Die Fortführung der Annalen bis 829 ist vom höchsten Werthe und
gewährte ein noch lange befolgtes klassisches Vorbild der gleichmäßigen
Darstellung der Zeitgeschichte. Hatte schon Einhard den früheren Theil der
Annalen für sein Leben Karls zu Rathe gezogen, so finden wir den
folgenden Abschnitt von 814 an zu einer Biographie Ludwigs verwandt,
nicht unbedeutend verändert, aber nicht verbessert, mit Einhards Werk gar
nicht zu vergleichen[33].
Page 273
[1] Sehr verdienstliche Ausgabe von Jaffé, Bibl. IV, 1-306, mit den Briefen Leo's III
S. 307-334. Es folgt noch eine Sammlung Karolinischer Briefe S. 335-436.
Phototypie einer Seite des Cod. bei O. v. Heinemann, Wolfenb. Hss. I, S. 214. Neue
Ausg. von Gundlach MG. Epp. III, 469 bis 657, vgl. NA. XVII, 526-566.
[2] Früher auch p l e b e i und L o i s e l i a n i genannt, 741-829, ed. Pertz SS. I, 134-
218. Hs. 7, von Pertz nicht benutzt, ist Paris. 5941 A (NA. IV, 244); Hs. 8, früher dem
Baron de Crassier gehörig, ist jetzt Paris. 10911; nahe verwandt damit eine
Petersburger, Lat. F. Otd. IV, 4. NA. VII, 228.
[3] Abhandlungen der Berliner Akademie aus dem Jahre 1854, S. 434.
[4] Zur Kritik karol. Annalen S. 171. Waitz machte gegen den Lorscher Ursprung
auch geltend, dass der dort schreibende Vf. der Laur. min. sie nicht gekannt habe,
aber das bestreitet wieder Pückert.
[5] S. 169 ff.
[6] Smaragdi Praef. V. S. Bened. Anian. angeführt von Dümmler, Ostfr. I, 877:
„Perantiquam siquidem fore consuetudinem hactenus regibus usitatam, quaequae
geruntur acciduntve annalibus tradi posteris cognoscenda, nemo ut reor ambigit
doctus.“ Ueber Eckharts verfehlte Vermuthung, daß die Annalen von den Kanzlern
verfaßt wären, während er den officiösen Ursprung richtig erkannte, s. Sickel Acta
Karol. p. 83.
[7] Acta SS. Jan. I, 177.
[8] Wendische Geschichten III, 283.
[9] Doch behauptet Manitius, Mitth. d. Inst. XIII, 225-232, die Abfassung im J. 795.
[10] Mitth. d. Inst. X, 417 ff., vgl. Bresslau, NA. XV, 211. Auch Mitth. XIII, 225-
232.
[11] Ueber ihn vgl. L. Oelsner in der Deutschen Allg. Biogr. I, 460. Nimmt man die
Abfassung erst 795 an, so ist natürlich diese Vermuthung hinfällig.
[12] Diese Annahme ist von Waitz gebilligt, aber mit der wichtigen Modification, daß
es bis 805 reichte und aus den Lauriss. maj. geschöpft war, s. unten.
[13] So Waitz und W. Giesebrecht, während Pertz schon 788 die Fortsetzung
Einhards beginnen läßt, Dünzelmann eine zweite Fortsetzung 792 bis 796 annimmt.
Gegen Giesebrecht bemerke ich, daß 792 nicht von einer Brücke über die Donau,
sondern von beweglichen Pontons für den Feldzug die Rede ist.
[14] „Agenardus cognomento Sapiens, ea qui tempestate habebatur insignis, huius
reverentissimi coelicolae mentionem in Gestis Caesarum Caroli Magni et filii ipsius
Hludowici faciens, inter alia quae annotino cursu dictabat, non inoperosum duxit
mortalia acta immortali astipulatione roborare ita dicens“ etc. — Diese bestimmte
Angabe gerade aus dem Medarduskloster darf man doch nicht zu gering anschlagen,
sie kann recht wohl auf wirklicher Tradition beruhen. Der Verfasser O d i l o widmet
sein Werk (Mab. Actt. IV, 1, 383-410), welches freilich schwülstig und nicht allzu
zuverlässig, aber doch für die Zeit Ludwigs des Frommen nicht unwichtig ist und auf
der älteren Schrift des Probstes Rodoin beruht, dem Decan I n g r a m n u s, der nach
Flod. 932 Bischof von Laon wurde. Ein Brief von ihm an Hucbald, worin er der Mir.
S. Seb. gedenkt, bei Mart. Coll. I, 266. Auch die Autorschaft des Prudentius und
Hincmar für die späteren Annalen beruht auf je einem Zeugniß, womit ich nicht, wie
man mich mißverstanden hat, sagen will, daß sie zweifelhaft sei, sondern daß auch
S. 307-334. Es folgt noch eine Sammlung Karolinischer Briefe S. 335-436.
Phototypie einer Seite des Cod. bei O. v. Heinemann, Wolfenb. Hss. I, S. 214. Neue
Ausg. von Gundlach MG. Epp. III, 469 bis 657, vgl. NA. XVII, 526-566.
[2] Früher auch p l e b e i und L o i s e l i a n i genannt, 741-829, ed. Pertz SS. I, 134-
218. Hs. 7, von Pertz nicht benutzt, ist Paris. 5941 A (NA. IV, 244); Hs. 8, früher dem
Baron de Crassier gehörig, ist jetzt Paris. 10911; nahe verwandt damit eine
Petersburger, Lat. F. Otd. IV, 4. NA. VII, 228.
[3] Abhandlungen der Berliner Akademie aus dem Jahre 1854, S. 434.
[4] Zur Kritik karol. Annalen S. 171. Waitz machte gegen den Lorscher Ursprung
auch geltend, dass der dort schreibende Vf. der Laur. min. sie nicht gekannt habe,
aber das bestreitet wieder Pückert.
[5] S. 169 ff.
[6] Smaragdi Praef. V. S. Bened. Anian. angeführt von Dümmler, Ostfr. I, 877:
„Perantiquam siquidem fore consuetudinem hactenus regibus usitatam, quaequae
geruntur acciduntve annalibus tradi posteris cognoscenda, nemo ut reor ambigit
doctus.“ Ueber Eckharts verfehlte Vermuthung, daß die Annalen von den Kanzlern
verfaßt wären, während er den officiösen Ursprung richtig erkannte, s. Sickel Acta
Karol. p. 83.
[7] Acta SS. Jan. I, 177.
[8] Wendische Geschichten III, 283.
[9] Doch behauptet Manitius, Mitth. d. Inst. XIII, 225-232, die Abfassung im J. 795.
[10] Mitth. d. Inst. X, 417 ff., vgl. Bresslau, NA. XV, 211. Auch Mitth. XIII, 225-
232.
[11] Ueber ihn vgl. L. Oelsner in der Deutschen Allg. Biogr. I, 460. Nimmt man die
Abfassung erst 795 an, so ist natürlich diese Vermuthung hinfällig.
[12] Diese Annahme ist von Waitz gebilligt, aber mit der wichtigen Modification, daß
es bis 805 reichte und aus den Lauriss. maj. geschöpft war, s. unten.
[13] So Waitz und W. Giesebrecht, während Pertz schon 788 die Fortsetzung
Einhards beginnen läßt, Dünzelmann eine zweite Fortsetzung 792 bis 796 annimmt.
Gegen Giesebrecht bemerke ich, daß 792 nicht von einer Brücke über die Donau,
sondern von beweglichen Pontons für den Feldzug die Rede ist.
[14] „Agenardus cognomento Sapiens, ea qui tempestate habebatur insignis, huius
reverentissimi coelicolae mentionem in Gestis Caesarum Caroli Magni et filii ipsius
Hludowici faciens, inter alia quae annotino cursu dictabat, non inoperosum duxit
mortalia acta immortali astipulatione roborare ita dicens“ etc. — Diese bestimmte
Angabe gerade aus dem Medarduskloster darf man doch nicht zu gering anschlagen,
sie kann recht wohl auf wirklicher Tradition beruhen. Der Verfasser O d i l o widmet
sein Werk (Mab. Actt. IV, 1, 383-410), welches freilich schwülstig und nicht allzu
zuverlässig, aber doch für die Zeit Ludwigs des Frommen nicht unwichtig ist und auf
der älteren Schrift des Probstes Rodoin beruht, dem Decan I n g r a m n u s, der nach
Flod. 932 Bischof von Laon wurde. Ein Brief von ihm an Hucbald, worin er der Mir.
S. Seb. gedenkt, bei Mart. Coll. I, 266. Auch die Autorschaft des Prudentius und
Hincmar für die späteren Annalen beruht auf je einem Zeugniß, womit ich nicht, wie
man mich mißverstanden hat, sagen will, daß sie zweifelhaft sei, sondern daß auch
Page 274
hier nur ein ausdrückliches Zeugniß sich erhalten hat. Auszüge aus der Translatio S.
Sebastiani von Odilo giebt Holder-Egger, SS. XV, 377-391; dann S. 391-395 aus der
früher irrig ebenfalls dem Odilo zugeschriebenen Translatio SS. Tiburtii, Marcellini
et Petri, die er als betrügliches Machwerk des 11. Jh. nachweist. — Annales S.
Medardi a. 497-987 und Auszüge aus der Fortsetzung bis 1249 ed. Waitz, SS. XXVI,
518-522.
[15] Nach der Beschreibung MG. I, 129 scheint es, daß die Handschrift am Schluß
wie am Anfang unvollständig ist und einst weiter reichte.
[16] Monod läßt hier überhaupt erst einen neuen Autor eintreten und ist nicht
abgeneigt, Angilbert darin, etwa bis 813, zu erkennen, da dessen Name wiederholt
genannt werde.
[17] S. die Zusammenstellung bei B. Simson, De statu etc. p. 44-52. Derselbe weist
Forsch. XIV, 136 Benutzung des Livius nach. Fr. Kurze, NA. XVII, 125, nimmt
Bearbeitung erst um 820 u. also Benutzung der Vita in den Annalen an.
[18] W. Giesebrecht a. a. O. S. 216. Die Benutzung des fortgesetzten Fredegar 759,
760 vermag ich aber nicht zu erkennen. Vgl. auch Bernays S. 151. — Manitius,
Mitth. XIII, 232-238, unterwirft einige Stellen einer für Einhard ungünstigen Kritik.
[19] Chronicon universale bis 741, ed. Waitz, MG. SS. XIII, 1-19. Vgl. B. Simson:
Die überarbeitete und bis 741 fortgesetzte Chronik des Beda, Forsch. XIX, 97-135.
Waitz, Weltchronik bis 741, NA. V, 475-491.
[20] Cod. 334, zuerst in der zweiten Ausgabe dieses Buches S. 540 gedruckt.
[21] Forsch. VIII, 631-633. Dagegen sind die 6 Blätter des Cod. Vat. Christ. 263
(Arch. XII, 272) irrthümlich hierher gezogen, sie gehören zu Ademar, s. NA. II, 330.
[22] Ueber die kleine Lorscher Frankenchronik, ihre verlorene Grundlage u. d. Ann.
Einh. (Ber. d. Sächs. Ges. d. Wiss. 1884).
[23] Annalium veterum fragmenta, partim ex Mettensibus desumpta, 769 bis 805.
Früher waren von Pertz nur Stücke der Mett. als Zusätze zum Text der Laur. maj.
abgedruckt, irreführend, weil dort auch schon Regino benutzt ist. Vgl. Heigel: Ueber
die aus den alten Murbacher Ann. abgeleiteten Quellen, Forsch. V, 397-403. Waitz:
Ueber das Verhältniß der Ann. Mett. zu anderen Annalen, Forsch. XX, 385-394.
Simson: Ueber die verlorene Quelle der Ann. Mettenses, ib. S. 395-400, nebst der
gleich anzuführenden Abhandlung von Waitz. Bernays, S. 69 ff., der auch den Poeta
Saxo und natürlich die Hofannalen heranzieht, und weitere Fortsetzung vermuthet.
Waitz nahm SS. XIII, 26, Anm. 6, Benutzung der Lauriss. nur bis 788 an, erstreckt
sie aber in der Abh. über die Lauriss. min. S. 408, mindestens auf 789. Ranke,
Weltgesch. V, 2, 292-306, hebt sehr nachdrücklich den Werth der in den Ann. Mett.
enthaltenen Nachrichten über die Arnulfinger hervor, wenn sie auch für die älteste
Zeit sagenhaft gefärbt sind.
[24] Ueber die Ann. Fuldenses, NA. XVII, 117 ff.
[25] Ueber die kleine Lorscher Frankenchronik, SB. d. Berl. Akad. 1882, S. 399-415,
mit Ausgabe des Textes bis 806. Bernays, der auch Benutzung der Lauriss. und
Hofannalen nachzuweisen sucht, berichtigt S. 74, daß die Berner Hs. für St.
Remigius (in Hautvillers nach Pückert) geschrieben ist, aber aus einer Vedaster Hs.
(mit der Abtsreihe) entnommen. Eine ganz magere Regentenfolge bis auf Karl u.
Karlmann, und fortgeführt bis auf Ludwig d. Fr. hat aus Sanetgaller u. a. Hss. Waitz
als Chronicon breve Alamannicum herausgegeben, SS. XIII, 260 u. 724.
[26] Sie fehlen ganz im Pal. 243 aus Lorsch, s. NA. X, 232.
Sebastiani von Odilo giebt Holder-Egger, SS. XV, 377-391; dann S. 391-395 aus der
früher irrig ebenfalls dem Odilo zugeschriebenen Translatio SS. Tiburtii, Marcellini
et Petri, die er als betrügliches Machwerk des 11. Jh. nachweist. — Annales S.
Medardi a. 497-987 und Auszüge aus der Fortsetzung bis 1249 ed. Waitz, SS. XXVI,
518-522.
[15] Nach der Beschreibung MG. I, 129 scheint es, daß die Handschrift am Schluß
wie am Anfang unvollständig ist und einst weiter reichte.
[16] Monod läßt hier überhaupt erst einen neuen Autor eintreten und ist nicht
abgeneigt, Angilbert darin, etwa bis 813, zu erkennen, da dessen Name wiederholt
genannt werde.
[17] S. die Zusammenstellung bei B. Simson, De statu etc. p. 44-52. Derselbe weist
Forsch. XIV, 136 Benutzung des Livius nach. Fr. Kurze, NA. XVII, 125, nimmt
Bearbeitung erst um 820 u. also Benutzung der Vita in den Annalen an.
[18] W. Giesebrecht a. a. O. S. 216. Die Benutzung des fortgesetzten Fredegar 759,
760 vermag ich aber nicht zu erkennen. Vgl. auch Bernays S. 151. — Manitius,
Mitth. XIII, 232-238, unterwirft einige Stellen einer für Einhard ungünstigen Kritik.
[19] Chronicon universale bis 741, ed. Waitz, MG. SS. XIII, 1-19. Vgl. B. Simson:
Die überarbeitete und bis 741 fortgesetzte Chronik des Beda, Forsch. XIX, 97-135.
Waitz, Weltchronik bis 741, NA. V, 475-491.
[20] Cod. 334, zuerst in der zweiten Ausgabe dieses Buches S. 540 gedruckt.
[21] Forsch. VIII, 631-633. Dagegen sind die 6 Blätter des Cod. Vat. Christ. 263
(Arch. XII, 272) irrthümlich hierher gezogen, sie gehören zu Ademar, s. NA. II, 330.
[22] Ueber die kleine Lorscher Frankenchronik, ihre verlorene Grundlage u. d. Ann.
Einh. (Ber. d. Sächs. Ges. d. Wiss. 1884).
[23] Annalium veterum fragmenta, partim ex Mettensibus desumpta, 769 bis 805.
Früher waren von Pertz nur Stücke der Mett. als Zusätze zum Text der Laur. maj.
abgedruckt, irreführend, weil dort auch schon Regino benutzt ist. Vgl. Heigel: Ueber
die aus den alten Murbacher Ann. abgeleiteten Quellen, Forsch. V, 397-403. Waitz:
Ueber das Verhältniß der Ann. Mett. zu anderen Annalen, Forsch. XX, 385-394.
Simson: Ueber die verlorene Quelle der Ann. Mettenses, ib. S. 395-400, nebst der
gleich anzuführenden Abhandlung von Waitz. Bernays, S. 69 ff., der auch den Poeta
Saxo und natürlich die Hofannalen heranzieht, und weitere Fortsetzung vermuthet.
Waitz nahm SS. XIII, 26, Anm. 6, Benutzung der Lauriss. nur bis 788 an, erstreckt
sie aber in der Abh. über die Lauriss. min. S. 408, mindestens auf 789. Ranke,
Weltgesch. V, 2, 292-306, hebt sehr nachdrücklich den Werth der in den Ann. Mett.
enthaltenen Nachrichten über die Arnulfinger hervor, wenn sie auch für die älteste
Zeit sagenhaft gefärbt sind.
[24] Ueber die Ann. Fuldenses, NA. XVII, 117 ff.
[25] Ueber die kleine Lorscher Frankenchronik, SB. d. Berl. Akad. 1882, S. 399-415,
mit Ausgabe des Textes bis 806. Bernays, der auch Benutzung der Lauriss. und
Hofannalen nachzuweisen sucht, berichtigt S. 74, daß die Berner Hs. für St.
Remigius (in Hautvillers nach Pückert) geschrieben ist, aber aus einer Vedaster Hs.
(mit der Abtsreihe) entnommen. Eine ganz magere Regentenfolge bis auf Karl u.
Karlmann, und fortgeführt bis auf Ludwig d. Fr. hat aus Sanetgaller u. a. Hss. Waitz
als Chronicon breve Alamannicum herausgegeben, SS. XIII, 260 u. 724.
[26] Sie fehlen ganz im Pal. 243 aus Lorsch, s. NA. X, 232.
Page 275
[27] MG. I, 121-123. Vgl. SS. III, 18 über die Münchener Handschrift, NA. X, 232
über die Vaticanische Hs. Pal. 243 aus Lorsch.
[28] Chronica de sex aetatibus mundi, bei Kollar, Anal. Vindob. p. 602. Das Ende
allein MG. SS. II, 256, vgl. Arch. VII, 272. Die unter Ludwig d. Fr. verfaßte, unter
dem falschen Namen des Claudius Taurin. bei Labbe, Bibl. nova I, 309-315
gedruckte Chronik ist vollends nur ein chronologischer Versuch.
[29] Bis auf Honorius ungedruckt: von da an MG. I. 280-313; vgl. II, 257, wo die
Jahre 804 bis 813 nach einer neugefundenen Hs. verbessert sind. Pückerts oben
erwähnte Abh. enthält viele beachtungswerthe Bemerkungen darüber.
[30] De bellis Francorum cum Arabibus gestis (Diss. Regiom. 1861) p. 39-48. Die
von ihm hier zuerst nachgewiesene Compilation von 805 ist seitdem genauer
bestimmt, s. oben S. 202. Herstellung des Chron. Aquit. von Witiza bis 812, S. 43-48.
Vgl. Waitz, NA. V, 483, über die Zusammensetzung des Berichts von 725 aus 2
Quellen; 711, 737, 752 sind jener Compil. zu überweisen, Forsch. XX, 393. Nach B.
Simson, Forsch. XIV, 134, sind verwandte Nachrichten in Labbe's Chron. S. Victoris,
jetzt als Ann. S. Victoris Massil. gedr. SS. XXIII, 1-7. Er vermuthet Benutzung des
Chron. Moissiac. in diesen. Ein späteres kurzes Chron. Aquitanicum (eigentlich
Annales) 830-886. 930. 1025, MG. II, 252.
[31] Revue critique 1873, II, 262.
[32] Bericht der K. Sächs. Ges. d. Wiss. 1890, S. 45-74.
[33] Der Einsiedler Codex einer Compilation über Karls Leben ist nach B. Simson,
Forsch. XIV, 135 auf eine Benutzung des Regino zurückzuführen.
über die Vaticanische Hs. Pal. 243 aus Lorsch.
[28] Chronica de sex aetatibus mundi, bei Kollar, Anal. Vindob. p. 602. Das Ende
allein MG. SS. II, 256, vgl. Arch. VII, 272. Die unter Ludwig d. Fr. verfaßte, unter
dem falschen Namen des Claudius Taurin. bei Labbe, Bibl. nova I, 309-315
gedruckte Chronik ist vollends nur ein chronologischer Versuch.
[29] Bis auf Honorius ungedruckt: von da an MG. I. 280-313; vgl. II, 257, wo die
Jahre 804 bis 813 nach einer neugefundenen Hs. verbessert sind. Pückerts oben
erwähnte Abh. enthält viele beachtungswerthe Bemerkungen darüber.
[30] De bellis Francorum cum Arabibus gestis (Diss. Regiom. 1861) p. 39-48. Die
von ihm hier zuerst nachgewiesene Compilation von 805 ist seitdem genauer
bestimmt, s. oben S. 202. Herstellung des Chron. Aquit. von Witiza bis 812, S. 43-48.
Vgl. Waitz, NA. V, 483, über die Zusammensetzung des Berichts von 725 aus 2
Quellen; 711, 737, 752 sind jener Compil. zu überweisen, Forsch. XX, 393. Nach B.
Simson, Forsch. XIV, 134, sind verwandte Nachrichten in Labbe's Chron. S. Victoris,
jetzt als Ann. S. Victoris Massil. gedr. SS. XXIII, 1-7. Er vermuthet Benutzung des
Chron. Moissiac. in diesen. Ein späteres kurzes Chron. Aquitanicum (eigentlich
Annales) 830-886. 930. 1025, MG. II, 252.
[31] Revue critique 1873, II, 262.
[32] Bericht der K. Sächs. Ges. d. Wiss. 1890, S. 45-74.
[33] Der Einsiedler Codex einer Compilation über Karls Leben ist nach B. Simson,
Forsch. XIV, 135 auf eine Benutzung des Regino zurückzuführen.
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§ 10. Ludwig des Frommen Zeit. [ ← ]
Funck, Ludwig der Fromme, Frankfurt a. M. 1832. B. Simson, Jahrbücher des Fränkischen Reichs
unter Ludwig dem Frommen. 2 Bde. Leipz. 1874. 1876.
Ein Jahrhundert lang hatte das karolingische Haus daran arbeiten
müssen, das zerfallende merowingische Reich wieder zur Ordnung und
Festigkeit zu bringen, bevor Karl daran denken konnte, auch den
Wissenschaften hier eine neue Heimath anzuweisen. Als dann Ludwigs
ungeschickte Hände den stolzen Bau im Laufe weniger Jahre in seinen
Grundfesten erschütterten, als von neuem Raub und Gewaltsamkeit aller
Art ungehindert geübt wurden, da wurde auch diese zarte Blüthe geknickt.
Es half nichts, daß Ludwig persönlich litterarischen Bestrebungen geneigt
war[1], daß er die Klosterzucht herstellen half, was auch den Schulen zu
Gute kam; wir wollen ihm nicht den Ruhm schmälern, das schöne
altsächsische Gedicht des Heliand veranlaßt zu haben, aber unter dem
Waffenlärm konnte die Wissenschaft nicht gedeihen, und über ihre
Mißachtung wird schon bald nach Karls Tod geklagt[2]. Schon 829 baten die
zu Worms versammelten Bischöfe dringend um die Errichtung von
mindestens drei öffentlichen Schulen, um dem Verfall Einhalt zu thun: die
Ausführung wird bei der wachsenden Zerrüttung des Reiches unterblieben
sein[3].
Die Hofschule blieb jedoch bestehen, der Ire Clemens und andere
Lehrer wirkten daran, und unter Karl dem Kahlen gewann sie noch einmal
einen glänzenden Aufschwung. Auch die R eichsannalen wurden nicht
unterbrochen, sondern in gleichmäßiger Weise weiter fortgeführt. Es sind
die nach ihrem Fundort genannten Ber t i niani schen Annalen, deren
Schreibart den amtlichen Charakter nicht verkennen läßt; wir werden auf
dieselben noch später zurückzukommen haben. Alle die traurigen Vorfälle
der Zeit werden hier mit möglichster Schonung berührt; der Herr Kaiser
erscheint stets in seinem Rechte, aber auch gegen die Gegner, welche ja
Funck, Ludwig der Fromme, Frankfurt a. M. 1832. B. Simson, Jahrbücher des Fränkischen Reichs
unter Ludwig dem Frommen. 2 Bde. Leipz. 1874. 1876.
Ein Jahrhundert lang hatte das karolingische Haus daran arbeiten
müssen, das zerfallende merowingische Reich wieder zur Ordnung und
Festigkeit zu bringen, bevor Karl daran denken konnte, auch den
Wissenschaften hier eine neue Heimath anzuweisen. Als dann Ludwigs
ungeschickte Hände den stolzen Bau im Laufe weniger Jahre in seinen
Grundfesten erschütterten, als von neuem Raub und Gewaltsamkeit aller
Art ungehindert geübt wurden, da wurde auch diese zarte Blüthe geknickt.
Es half nichts, daß Ludwig persönlich litterarischen Bestrebungen geneigt
war[1], daß er die Klosterzucht herstellen half, was auch den Schulen zu
Gute kam; wir wollen ihm nicht den Ruhm schmälern, das schöne
altsächsische Gedicht des Heliand veranlaßt zu haben, aber unter dem
Waffenlärm konnte die Wissenschaft nicht gedeihen, und über ihre
Mißachtung wird schon bald nach Karls Tod geklagt[2]. Schon 829 baten die
zu Worms versammelten Bischöfe dringend um die Errichtung von
mindestens drei öffentlichen Schulen, um dem Verfall Einhalt zu thun: die
Ausführung wird bei der wachsenden Zerrüttung des Reiches unterblieben
sein[3].
Die Hofschule blieb jedoch bestehen, der Ire Clemens und andere
Lehrer wirkten daran, und unter Karl dem Kahlen gewann sie noch einmal
einen glänzenden Aufschwung. Auch die R eichsannalen wurden nicht
unterbrochen, sondern in gleichmäßiger Weise weiter fortgeführt. Es sind
die nach ihrem Fundort genannten Ber t i niani schen Annalen, deren
Schreibart den amtlichen Charakter nicht verkennen läßt; wir werden auf
dieselben noch später zurückzukommen haben. Alle die traurigen Vorfälle
der Zeit werden hier mit möglichster Schonung berührt; der Herr Kaiser
erscheint stets in seinem Rechte, aber auch gegen die Gegner, welche ja
Page 277
ebenfalls seinem Hause angehörten, wird anständige Mäßigung beobachtet.
Im Jahre 835 übernahm der Bischof P r u den tiu s von Tr oyes die
Fortsetzung, und führte sie bis zum Jahre 861, wo der Erzbischof
Hi n km ar die Arbeit aufnahm; schon war nicht mehr der königliche,
sondern der erzbischöfliche Hof zu R eim s der wahre Mittelpunkt des
Reiches. Der genaue Zusammenhang der karolingischen Reiche aber tritt in
diesen Jahrbüchern noch deutlich hervor, indem auch die italienischen und
die deutschen Begebenheiten sorgfältig berücksichtigt werden.
Der vornehmen Kürze der Reichsannalen treten für die frühere Zeit
Ludwigs die Gedichte des E r m oldu s Nig ellus[4] zur Seite;
schmeichlerische Lobgedichte, die zwar als solche kaum zu den
eigentlichen Geschichtsquellen gerechnet werden können, aber doch von
mancher Einzelheit uns Kunde geben, und durch ihre Schilderungen
vielerlei Aufschluß gewähren über Zustände und Personen der Zeit.
Aquitane von Geburt, war Ermold ein Günstling des Königs Pippin; er
geleitete ihn, obwohl Mönch, auf der Heerfahrt des Jahres 824 gegen die
Bretonen mit Schild und Speer: doch scherzt er darüber selbst, und sein
Herr lachte ihn aus. Der Kaiser aber gab ihm Schuld, daß er Pippin
verführe, und verbannte ihn deshalb nach Straßburg, wo Bischof Bernald
ihn unter seine Aufsicht nahm. Hier nun schrieb er seine vier Bücher, in
Distichen, über die Thaten des Kaisers, mit Ludwigs aquitanischem
Königthum beginnend bis auf Heriolds Taufe 826, und es liegt in der Natur
der Dinge, daß er ihm sowohl wie der Kaiserin Judith um so ärger
schmeichelte, je mehr er sich seiner Verbindung mit ihren Gegnern bewußt
sein mochte; er erreichte jedoch seinen Zweck nicht, und sandte deshalb
noch zwei Elegien an König Pippin, deutlich Ovid nachahmend, hinter dem
er doch in Sprache und Versbau unendlich weit zurückbleibt[5]. Seine
Befreiung aber mag er wohl dem Siege der Verschworenen im Jahre 830
verdankt haben[6].
Kaum minder lobrednerisch für Ludwig, als die Verse Ermolds, sind
die beiden Lebensbeschreibungen, welche wir von ihm besitzen. Die eine,
Im Jahre 835 übernahm der Bischof P r u den tiu s von Tr oyes die
Fortsetzung, und führte sie bis zum Jahre 861, wo der Erzbischof
Hi n km ar die Arbeit aufnahm; schon war nicht mehr der königliche,
sondern der erzbischöfliche Hof zu R eim s der wahre Mittelpunkt des
Reiches. Der genaue Zusammenhang der karolingischen Reiche aber tritt in
diesen Jahrbüchern noch deutlich hervor, indem auch die italienischen und
die deutschen Begebenheiten sorgfältig berücksichtigt werden.
Der vornehmen Kürze der Reichsannalen treten für die frühere Zeit
Ludwigs die Gedichte des E r m oldu s Nig ellus[4] zur Seite;
schmeichlerische Lobgedichte, die zwar als solche kaum zu den
eigentlichen Geschichtsquellen gerechnet werden können, aber doch von
mancher Einzelheit uns Kunde geben, und durch ihre Schilderungen
vielerlei Aufschluß gewähren über Zustände und Personen der Zeit.
Aquitane von Geburt, war Ermold ein Günstling des Königs Pippin; er
geleitete ihn, obwohl Mönch, auf der Heerfahrt des Jahres 824 gegen die
Bretonen mit Schild und Speer: doch scherzt er darüber selbst, und sein
Herr lachte ihn aus. Der Kaiser aber gab ihm Schuld, daß er Pippin
verführe, und verbannte ihn deshalb nach Straßburg, wo Bischof Bernald
ihn unter seine Aufsicht nahm. Hier nun schrieb er seine vier Bücher, in
Distichen, über die Thaten des Kaisers, mit Ludwigs aquitanischem
Königthum beginnend bis auf Heriolds Taufe 826, und es liegt in der Natur
der Dinge, daß er ihm sowohl wie der Kaiserin Judith um so ärger
schmeichelte, je mehr er sich seiner Verbindung mit ihren Gegnern bewußt
sein mochte; er erreichte jedoch seinen Zweck nicht, und sandte deshalb
noch zwei Elegien an König Pippin, deutlich Ovid nachahmend, hinter dem
er doch in Sprache und Versbau unendlich weit zurückbleibt[5]. Seine
Befreiung aber mag er wohl dem Siege der Verschworenen im Jahre 830
verdankt haben[6].
Kaum minder lobrednerisch für Ludwig, als die Verse Ermolds, sind
die beiden Lebensbeschreibungen, welche wir von ihm besitzen. Die eine,
Page 278
welche nur bis 835 reicht, ist schon zu seinen Lebzeiten verfaßt, von
T hegan oder Degan, einem vornehmen Franken und Landbischof der
Trierer Kirche, auch Probst des Cassiusstifts in Bonn, von welchem sonst
nichts bekannt ist, als sein freundschaftlicher Verkehr mit Walahfrid und
einigen anderen, den ein Paar noch erhaltener Briefe und Verse bezeugen.
Er ist von ganz besonderem Eifer gegen die aus unfreiem Stande erhobenen
und dann übermüthig gewordenen Bischöfe erfüllt, von denen er jedoch nur
Ebo von Reims nennt; man vermuthet deshalb, daß er vielleicht in dessen
Sprengel ansäßig war und persönlich von ihm zu leiden gehabt hat.
Walahfrid rühmt (um 825) seine stattliche Erscheinung, seine gigantische
Statur, und seine Gelehrsamkeit. Jene Schrift nun ist vielleicht durch
Einhards Werk über Karl angeregt, verfolgt aber, wie es B. Simson
wahrscheinlich macht, einen bestimmten politischen Zweck, indem wohl
nicht ohne Absicht neben scharfem Tadel Lothars und seiner Anhänger die
Verdienste Ludwigs des Deutschen sehr hervorgehoben werden. In der
Form sehr unvollkommen, und größtentheils in magerer annalistischer
Weise verfaßt, gewährt sie uns doch einige gute Nachrichten; der Aufgabe
einer wirklichen Biographie aber konnte der Verfasser schon deshalb nicht
genügen, weil er von Leidenschaftlichkeit gegen Ludwigs Gegner,
vorzüglich gegen Ebo von Reims, erfüllt war, und die wahren Ursachen der
Unruhen und inneren Kriege verschweigt[7]. Walahfrid freilich, ein ebenso
eifriger Anhänger Ludwigs, lobt, indem er die Mängel des Ausdrucks mit
der seelsorgerischen Thätigkeit des Mannes entschuldigt, gerade die
Wahrhaftigkeit desselben; er theilte das Büchlein in Capitel und versah
diese mit Ueberschriften, um sich und andere an den Thaten des Kaisers
Ludwig, heiligen Andenkens, um so besser und häufiger erbauen zu
können.
Mit geringerer Heftigkeit, doch mit nicht minderer Parteilichkeit für
Ludwig, ist die zweite größere Lebensbeschreibung desselben[8]
geschrieben, welche ein unbekannter Geistlicher vom Hofe bald nach dem
Tode des Kaisers verfaßt hat; man pflegt ihn den Astr on om en zu nennen,
wegen einiger Bemerkungen, welche sich auf diese Wissenschaft beziehen.
T hegan oder Degan, einem vornehmen Franken und Landbischof der
Trierer Kirche, auch Probst des Cassiusstifts in Bonn, von welchem sonst
nichts bekannt ist, als sein freundschaftlicher Verkehr mit Walahfrid und
einigen anderen, den ein Paar noch erhaltener Briefe und Verse bezeugen.
Er ist von ganz besonderem Eifer gegen die aus unfreiem Stande erhobenen
und dann übermüthig gewordenen Bischöfe erfüllt, von denen er jedoch nur
Ebo von Reims nennt; man vermuthet deshalb, daß er vielleicht in dessen
Sprengel ansäßig war und persönlich von ihm zu leiden gehabt hat.
Walahfrid rühmt (um 825) seine stattliche Erscheinung, seine gigantische
Statur, und seine Gelehrsamkeit. Jene Schrift nun ist vielleicht durch
Einhards Werk über Karl angeregt, verfolgt aber, wie es B. Simson
wahrscheinlich macht, einen bestimmten politischen Zweck, indem wohl
nicht ohne Absicht neben scharfem Tadel Lothars und seiner Anhänger die
Verdienste Ludwigs des Deutschen sehr hervorgehoben werden. In der
Form sehr unvollkommen, und größtentheils in magerer annalistischer
Weise verfaßt, gewährt sie uns doch einige gute Nachrichten; der Aufgabe
einer wirklichen Biographie aber konnte der Verfasser schon deshalb nicht
genügen, weil er von Leidenschaftlichkeit gegen Ludwigs Gegner,
vorzüglich gegen Ebo von Reims, erfüllt war, und die wahren Ursachen der
Unruhen und inneren Kriege verschweigt[7]. Walahfrid freilich, ein ebenso
eifriger Anhänger Ludwigs, lobt, indem er die Mängel des Ausdrucks mit
der seelsorgerischen Thätigkeit des Mannes entschuldigt, gerade die
Wahrhaftigkeit desselben; er theilte das Büchlein in Capitel und versah
diese mit Ueberschriften, um sich und andere an den Thaten des Kaisers
Ludwig, heiligen Andenkens, um so besser und häufiger erbauen zu
können.
Mit geringerer Heftigkeit, doch mit nicht minderer Parteilichkeit für
Ludwig, ist die zweite größere Lebensbeschreibung desselben[8]
geschrieben, welche ein unbekannter Geistlicher vom Hofe bald nach dem
Tode des Kaisers verfaßt hat; man pflegt ihn den Astr on om en zu nennen,
wegen einiger Bemerkungen, welche sich auf diese Wissenschaft beziehen.
Page 279
Tiefere geschichtliche Einsicht dürfen wir bei einem Anhänger Ludwigs
überhaupt nicht suchen, und auch der Stil dieses Biographen ist entstellt
durch übertriebenes Streben nach phrasenhaftem Schmuck. So hat er in dem
mittleren Theile seines Werkes von 814 bis 829 fast nur die Reichsannalen
ausgemalt und durch seine Schönrednerei entstellt[9]. Schätzbarer ist der
erste Abschnitt, wo Ludwigs Jugendzeit nach den Erzählungen oder, wie
Ebert vermuthet, nach einer schriftlichen Aufzeichnung des Mönches
Adhemar geschildert ist, der mit dem Kaiser auferzogen war. Im letzten
Theile endlich giebt der Verfasser aus eigener Kenntniß Nachricht von dem
was er erlebt, und wenn auch seine Darstellung wenig zu loben, die
Chronologie sehr verwirrt ist, so ist doch der Inhalt von großem Werthe für
uns.
Diesen Schriften reihen wir noch das Leben des Abtes B en edict an,
des Stifters des Klosters Ani ane († 821), der das Vertrauen des Kaisers in
so hohem Grade besaß; zuletzt Abt des für ihn erbauten Klosters Inden oder
Cornelimünster, wurde er zugleich Obervorsteher aller Klöster im
Frankenreich, und entfaltete eine große Wirksamkeit für die Reform des
Mönchswesens und Herstellung der Schulen. Sein Leben wurde ein Jahr
nach seinem Tode (821) von Ar do, genannt S m ar ag dus, seinem
Nachfolger als Abt von Aniane, in anschaulicher Weise liebevoll
geschildert, mit besonders genauer Kenntniß der früheren Zeit, wie er,
damals Witiza genannt, ein edler Gothe, Sohn des Grafen von Maguelonne,
ein tapferer Kriegsmann, Mönch wurde und sich zuerst einer ganz
übertriebenen Askese hingab, bis das Leben ihn erzog, und nun seine
reformatorische Thätigkeit weithin wirksam wurde. Auch die Bekehrung
des Grafen Wilhelm von Toulouse wird darin berichtet, dessen Leben später
fabelhaft ausgeschmückt ist[10].
Ein merkwürdiges Denkmal aus dieser Zeit ist der liber manualis
Dodanae, die von Dhuoda, der Witwe des Grafen Bernhard von
Septimanien, im J. 841 für ihren Sohn Wilhelm verfaßten Rathschläge und
Unterweisungen, woraus einst Mabillon und Baluze Auszüge gegeben
überhaupt nicht suchen, und auch der Stil dieses Biographen ist entstellt
durch übertriebenes Streben nach phrasenhaftem Schmuck. So hat er in dem
mittleren Theile seines Werkes von 814 bis 829 fast nur die Reichsannalen
ausgemalt und durch seine Schönrednerei entstellt[9]. Schätzbarer ist der
erste Abschnitt, wo Ludwigs Jugendzeit nach den Erzählungen oder, wie
Ebert vermuthet, nach einer schriftlichen Aufzeichnung des Mönches
Adhemar geschildert ist, der mit dem Kaiser auferzogen war. Im letzten
Theile endlich giebt der Verfasser aus eigener Kenntniß Nachricht von dem
was er erlebt, und wenn auch seine Darstellung wenig zu loben, die
Chronologie sehr verwirrt ist, so ist doch der Inhalt von großem Werthe für
uns.
Diesen Schriften reihen wir noch das Leben des Abtes B en edict an,
des Stifters des Klosters Ani ane († 821), der das Vertrauen des Kaisers in
so hohem Grade besaß; zuletzt Abt des für ihn erbauten Klosters Inden oder
Cornelimünster, wurde er zugleich Obervorsteher aller Klöster im
Frankenreich, und entfaltete eine große Wirksamkeit für die Reform des
Mönchswesens und Herstellung der Schulen. Sein Leben wurde ein Jahr
nach seinem Tode (821) von Ar do, genannt S m ar ag dus, seinem
Nachfolger als Abt von Aniane, in anschaulicher Weise liebevoll
geschildert, mit besonders genauer Kenntniß der früheren Zeit, wie er,
damals Witiza genannt, ein edler Gothe, Sohn des Grafen von Maguelonne,
ein tapferer Kriegsmann, Mönch wurde und sich zuerst einer ganz
übertriebenen Askese hingab, bis das Leben ihn erzog, und nun seine
reformatorische Thätigkeit weithin wirksam wurde. Auch die Bekehrung
des Grafen Wilhelm von Toulouse wird darin berichtet, dessen Leben später
fabelhaft ausgeschmückt ist[10].
Ein merkwürdiges Denkmal aus dieser Zeit ist der liber manualis
Dodanae, die von Dhuoda, der Witwe des Grafen Bernhard von
Septimanien, im J. 841 für ihren Sohn Wilhelm verfaßten Rathschläge und
Unterweisungen, woraus einst Mabillon und Baluze Auszüge gegeben
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haben, welche jetzt mit Benutzung einiger neugefundenen Fragmente von
E. Bondurand neu herausgegeben sind[11].
In einer Zeit der erbittertsten Parteiungen konnte die
Geschichtschreibung nicht den Charakter ruhiger, unparteilicher
Schilderung bewahren, den wir in den Reichsannalen wahrnehmen; jede
Erzählung nimmt eine bestimmte Farbe an nach dem Standpunkt des
Verfassers, und es treten nun auch die politischen Streitschriften hinzu, in
welchen die Gegner ihr Verfahren zu rechtfertigen, die Widersacher
anzuschuldigen sich bemühen. Dahin gehört aus dieser Zeit namentlich das
beredte Manifest des Erzbischofs A gobar d von Lyon, welches das
Auftreten der Söhne gegen ihren Vater rechtfertigen sollte[12], und von der
anderen Seite die Klage des Her r n Kaiser L u dwig, angeblich von
ihm selbst verfaßt, in Wahrheit aber doch wohl nur eine Stilübung aus dem
Kloster des h. Medardus[13].
Den Tod des Kaisers und die darauf folgende Zwietracht beklagte in
einer Elegie F l o r u s, der bekannte Diakonus von Lyon[14].
[1] Aus den Kanzleiformeln der Urkunden verschwanden unter ihm die
herkömmlichen Barbarismen, oben S. 160.
[2] Walahfridi Praef. ad Einh. V. Caroli: „Nunc relabentibus in contraria studiis,
lumen sapientiae quod minus diligitur, rarescit in plurimis.“ Lupus an Einhard:
„Nunc oneri sunt, qui aliquid discere affectant.“ Ep. 1 ed. Baluze. Auch bei Ideler,
Leben Karls d. Gr. II, 138. Die ganze Stelle ist lesenswerth. Aehnliche Stellen von
Claudius Taurinensis (über ihn s. Ebert II, 222-224; Laville, Claude de Turin. Essai
sur le protestantisme du IX. siècle (Thèse). Toulouse, Chauvin.) giebt Reuter, Gesch.
d. Aufkl. I, 267. Dümmler, Ostfr. III, 649-652, wo die Hofschule ausführlich
behandelt ist. Ueber diese auch B. Simson II, 255-260.
[3] „Similiter etiam obnixe et suppliciter vestrae celsitudini suggerimus, ut morem
paternum sequentes, saltim in tribus congruentissimis imperii vestri locis scholae
publicae ex vestra auctoritate fiant, ut labor patris vestri et vester per incuriam quod
absit labefactando non depereat.“ MG, Legg. I, 339. Der Vorschlag kam von der
Pariser Synode.
[4] Ausgabe von Pertz, MG. SS. II, 464-523. Migne CV, 551-640 nach Bouquet.
Dümmler, Poet. Lat. II, 1-92. Verbesserungen von Traube, Karol. Dicht. S. 65.
Uebersetzung von Pfund, Berl. 1856. 1889 (Geschichtschr. 18. IX, 3). Henkel: Ueber
den hist. Werth der Gedichte des Ermoldus Nigellus, Progr. der höheren Bürgerschule
E. Bondurand neu herausgegeben sind[11].
In einer Zeit der erbittertsten Parteiungen konnte die
Geschichtschreibung nicht den Charakter ruhiger, unparteilicher
Schilderung bewahren, den wir in den Reichsannalen wahrnehmen; jede
Erzählung nimmt eine bestimmte Farbe an nach dem Standpunkt des
Verfassers, und es treten nun auch die politischen Streitschriften hinzu, in
welchen die Gegner ihr Verfahren zu rechtfertigen, die Widersacher
anzuschuldigen sich bemühen. Dahin gehört aus dieser Zeit namentlich das
beredte Manifest des Erzbischofs A gobar d von Lyon, welches das
Auftreten der Söhne gegen ihren Vater rechtfertigen sollte[12], und von der
anderen Seite die Klage des Her r n Kaiser L u dwig, angeblich von
ihm selbst verfaßt, in Wahrheit aber doch wohl nur eine Stilübung aus dem
Kloster des h. Medardus[13].
Den Tod des Kaisers und die darauf folgende Zwietracht beklagte in
einer Elegie F l o r u s, der bekannte Diakonus von Lyon[14].
[1] Aus den Kanzleiformeln der Urkunden verschwanden unter ihm die
herkömmlichen Barbarismen, oben S. 160.
[2] Walahfridi Praef. ad Einh. V. Caroli: „Nunc relabentibus in contraria studiis,
lumen sapientiae quod minus diligitur, rarescit in plurimis.“ Lupus an Einhard:
„Nunc oneri sunt, qui aliquid discere affectant.“ Ep. 1 ed. Baluze. Auch bei Ideler,
Leben Karls d. Gr. II, 138. Die ganze Stelle ist lesenswerth. Aehnliche Stellen von
Claudius Taurinensis (über ihn s. Ebert II, 222-224; Laville, Claude de Turin. Essai
sur le protestantisme du IX. siècle (Thèse). Toulouse, Chauvin.) giebt Reuter, Gesch.
d. Aufkl. I, 267. Dümmler, Ostfr. III, 649-652, wo die Hofschule ausführlich
behandelt ist. Ueber diese auch B. Simson II, 255-260.
[3] „Similiter etiam obnixe et suppliciter vestrae celsitudini suggerimus, ut morem
paternum sequentes, saltim in tribus congruentissimis imperii vestri locis scholae
publicae ex vestra auctoritate fiant, ut labor patris vestri et vester per incuriam quod
absit labefactando non depereat.“ MG, Legg. I, 339. Der Vorschlag kam von der
Pariser Synode.
[4] Ausgabe von Pertz, MG. SS. II, 464-523. Migne CV, 551-640 nach Bouquet.
Dümmler, Poet. Lat. II, 1-92. Verbesserungen von Traube, Karol. Dicht. S. 65.
Uebersetzung von Pfund, Berl. 1856. 1889 (Geschichtschr. 18. IX, 3). Henkel: Ueber
den hist. Werth der Gedichte des Ermoldus Nigellus, Progr. der höheren Bürgerschule
Page 281
zu Eilenburg 1876. Ebert II, 170-178. Simson, Karl d. Gr. II, 258 ff. Theilw. übers. v.
Th. Reinhart im Jahrb. f. Gesch., Sprache u. Litt. Elsass-Lothr. II. 1886.
[5] Anklänge an Vergil, das allgemeine Schulbuch, fehlen natürlich auch nicht, zuerst
gesammelt von Dorr, De bellis Francorum cum Arabibus gestis, Diss. Regim. 1861,
p. 53-55, dann vollständiger bei Dümmler, nebst anderen, besonders auch an
Theodulf u. Naso, vgl. NA. XI, 80. 554.
[6] Die früher vermuthete Identität mit einem Abt Hermold 834 u. dem Abt Ermenald
von Aniane kann als beseitigt gelten; vielleicht aber war er der Hermold, der 838 als
Pippins Kanzler erscheint.
[7] Am Schluß folgen noch Nachrichten über die Jahre 836 u. 837, in welchen die
Uebertragung des h. Castor nach Coblenz (daraus entnommen, doch mit richtigem
Datum, Anal. Boll. I, 119, vgl. NA. XII, 603) auffallend hervortritt. Ausgabe von
Pertz, MG. SS. II, 585-604. Uebersetzung von Jasmund, 1850. 1889 (Geschichtschr.
19. IX, 4). Ebert II, 359-361. Eine Erwähnung unter dem Namen T h e g a n b e r t in
der Transl. Chrysanti et Dariae a. 844; Urkk. v. 842 u. 847 NA. XIII, 154, 157, wo er
Theigenbert heisst. Obitus Thegani ep. im Necrol. S. Maximini zum 20. März. Ueber
Walahfrids Vorrede in derselben Kopenhagener Handschrift, welche auch dessen
Vorrede zu Einhards Vita erhalten hat, s. Archiv VII, 373; im St. Galler Catal. s. IX.
erscheint das Buch als ‚De bonitate Hludouuici imp. in quaternulis‘. Weidm. S. 400.
Vgl. B. Simson: Ueber Thegan, Forsch. X, 325-352. Benutzt ist die Vita in der
Domus Carolingicae Genealogia (SS. II, 309, vgl. Forsch. X, 338), den Ann.
Lobienses und Flodoardi Hist. Remensis.
[8] Mg. SS. II, 604-648. Uebers. mit Thegan. Ebert II, 361-364. Ueber die Steinfelder
Handschrift, jetzt Mus. Brit. 21 109, Archiv VII, 365; über die Petersburger NA. V,
221. Ueber stilistische Anklänge Manitius, NA. XI, 70-73.
[9] Zuletzt hat G. Meyer von Knonau in d. Abh. über Nithard ausführlich
nachgewiesen, S. 132-135, wie der Astr. c. 23-43 die Ann. Lauriss. 814-829
benutzend sie entstellt; S. 129-132. 135, wie er c. 59-62 Nithard c. 6-8 in ähnlicher
Weise behandelt hat, dessen Benutzung mir jedoch zweifelhaft ist; S. 129-132 ist die
Verwirrung der Chronologie c. 54-61 beleuchtet. Für den hohen Werth des ersten
Theils ist daher das Hauptverdienst Adhemar zuzuschreiben. Diesen hält Dorr, De
bellis Francorum cum Arabibus gestis (Diss. Regim. 1861) p. 51, nach einer
Vermuthung Giesebrechts für den wiederholt genannten Heerführer Hadhemar, der
im Alter Mönch geworden sei. Allein die verschiedene Schreibart in demselben
Buch, der Mangel jeder Hindeutung darauf und die Häufigkeit des Namens in
Aquitanien sprechen dagegen. B. Simson, Lud. d. Fr. II, 294-301 behandelt das Werk
ausführlich und vermuthet, daß es unvollständig überliefert sei. Benutzte Verse von
Vergil weist Manitius nach, NA. IX, 618, andere Anklänge XI, 70-73.
[10] Mab. IV, 1, 191. S. XV, 198-220 von Waitz. mit Exc. der Vita Willelmi monachi
Gellonensis. Ebert II, 346-348. Hauck II, 528-545. Ueber das Leben des Adalhard
und Wala s. unten → § 16.
[11] L'Éducation caroline. Le manuel de Dhuoda. Paris 1887.
[12] Apologeticus pro filiis Ludovici Pii imp. adv. patrem, Bouq. VI, 248 u. a. m.
Eigentlich zwei verschiedene Schriften, s. B. Simson I, 398. II, 67, u. als solche SS.
XV, 274-279 ed. Waitz als: Libri duo pro filiis et contra Judith uxorem Lud. Pii. Er
war einer der bedeutendsten theologisch-politischen Schriftsteller, und seine
Schriften (ed. Baluze 1666, Migne CIV) berühren vielfach die Zeitverhältnisse. S.
über ihn Baehr S. 98. 383-388. C. v. Noorden, Hinkmar S. 39. B. Simson I, 397-399.
Reuter, Gesch. d. Aufklärung I, 24-41. Ebert II, 209-222. Dümmler, NA. IV, 263, und
Th. Reinhart im Jahrb. f. Gesch., Sprache u. Litt. Elsass-Lothr. II. 1886.
[5] Anklänge an Vergil, das allgemeine Schulbuch, fehlen natürlich auch nicht, zuerst
gesammelt von Dorr, De bellis Francorum cum Arabibus gestis, Diss. Regim. 1861,
p. 53-55, dann vollständiger bei Dümmler, nebst anderen, besonders auch an
Theodulf u. Naso, vgl. NA. XI, 80. 554.
[6] Die früher vermuthete Identität mit einem Abt Hermold 834 u. dem Abt Ermenald
von Aniane kann als beseitigt gelten; vielleicht aber war er der Hermold, der 838 als
Pippins Kanzler erscheint.
[7] Am Schluß folgen noch Nachrichten über die Jahre 836 u. 837, in welchen die
Uebertragung des h. Castor nach Coblenz (daraus entnommen, doch mit richtigem
Datum, Anal. Boll. I, 119, vgl. NA. XII, 603) auffallend hervortritt. Ausgabe von
Pertz, MG. SS. II, 585-604. Uebersetzung von Jasmund, 1850. 1889 (Geschichtschr.
19. IX, 4). Ebert II, 359-361. Eine Erwähnung unter dem Namen T h e g a n b e r t in
der Transl. Chrysanti et Dariae a. 844; Urkk. v. 842 u. 847 NA. XIII, 154, 157, wo er
Theigenbert heisst. Obitus Thegani ep. im Necrol. S. Maximini zum 20. März. Ueber
Walahfrids Vorrede in derselben Kopenhagener Handschrift, welche auch dessen
Vorrede zu Einhards Vita erhalten hat, s. Archiv VII, 373; im St. Galler Catal. s. IX.
erscheint das Buch als ‚De bonitate Hludouuici imp. in quaternulis‘. Weidm. S. 400.
Vgl. B. Simson: Ueber Thegan, Forsch. X, 325-352. Benutzt ist die Vita in der
Domus Carolingicae Genealogia (SS. II, 309, vgl. Forsch. X, 338), den Ann.
Lobienses und Flodoardi Hist. Remensis.
[8] Mg. SS. II, 604-648. Uebers. mit Thegan. Ebert II, 361-364. Ueber die Steinfelder
Handschrift, jetzt Mus. Brit. 21 109, Archiv VII, 365; über die Petersburger NA. V,
221. Ueber stilistische Anklänge Manitius, NA. XI, 70-73.
[9] Zuletzt hat G. Meyer von Knonau in d. Abh. über Nithard ausführlich
nachgewiesen, S. 132-135, wie der Astr. c. 23-43 die Ann. Lauriss. 814-829
benutzend sie entstellt; S. 129-132. 135, wie er c. 59-62 Nithard c. 6-8 in ähnlicher
Weise behandelt hat, dessen Benutzung mir jedoch zweifelhaft ist; S. 129-132 ist die
Verwirrung der Chronologie c. 54-61 beleuchtet. Für den hohen Werth des ersten
Theils ist daher das Hauptverdienst Adhemar zuzuschreiben. Diesen hält Dorr, De
bellis Francorum cum Arabibus gestis (Diss. Regim. 1861) p. 51, nach einer
Vermuthung Giesebrechts für den wiederholt genannten Heerführer Hadhemar, der
im Alter Mönch geworden sei. Allein die verschiedene Schreibart in demselben
Buch, der Mangel jeder Hindeutung darauf und die Häufigkeit des Namens in
Aquitanien sprechen dagegen. B. Simson, Lud. d. Fr. II, 294-301 behandelt das Werk
ausführlich und vermuthet, daß es unvollständig überliefert sei. Benutzte Verse von
Vergil weist Manitius nach, NA. IX, 618, andere Anklänge XI, 70-73.
[10] Mab. IV, 1, 191. S. XV, 198-220 von Waitz. mit Exc. der Vita Willelmi monachi
Gellonensis. Ebert II, 346-348. Hauck II, 528-545. Ueber das Leben des Adalhard
und Wala s. unten → § 16.
[11] L'Éducation caroline. Le manuel de Dhuoda. Paris 1887.
[12] Apologeticus pro filiis Ludovici Pii imp. adv. patrem, Bouq. VI, 248 u. a. m.
Eigentlich zwei verschiedene Schriften, s. B. Simson I, 398. II, 67, u. als solche SS.
XV, 274-279 ed. Waitz als: Libri duo pro filiis et contra Judith uxorem Lud. Pii. Er
war einer der bedeutendsten theologisch-politischen Schriftsteller, und seine
Schriften (ed. Baluze 1666, Migne CIV) berühren vielfach die Zeitverhältnisse. S.
über ihn Baehr S. 98. 383-388. C. v. Noorden, Hinkmar S. 39. B. Simson I, 397-399.
Reuter, Gesch. d. Aufklärung I, 24-41. Ebert II, 209-222. Dümmler, NA. IV, 263, und
Page 282
die Gedichte an ihn, Poet. Lat. II, 118. 356. J. F. Marcks, Die politisch-kirchliche
Wirksamkeit A. Progr. d. Realprogym. zu Viersen 1888. Enge, De Agobardi cum
Judaeis contentione, Lips. 1888. Er starb 840 Juni 6, Ann. Lugdun. MG. I, 110.
[13] Sie findet sich in der Translatio S. Sebastiani (S. 199), ist aber auch unter dem
Titel Conquestio domni Chludovici imperatoris et augusti piissimi de crudelitate et
defectione et fidei ruptione militum suorum et horrendo scelere filiorum suorum in
sui dejectione et depositione patrato abgesondert überliefert. Ausg. v. Holder-Egger
SS. XV, 388. — Dahin gehört auch die gegen Ebo gerichtete, von Flodoard
aufgenommene Visio Raduini, ← NA. XI, 262.
[14] Querela de divisione imperii post mortem Ludovici Pii, bei Mab. Anal. I, 388,
ed. II p. 413. Bouq. VII, 301. Poet. Lat. II, 559-564. Vgl. über ihn Ebert II, 268-272.
Dümmler, NA. IV, 296-301. 581. 630. Poet. Lat. II, 507-566. Ueber seine
Canonensammlung M. Conrat, Gesch. d. Quellen u. Litt. d. Röm. Rechts (1889) I,
253; vgl. auch NA. XI, 436.
Wirksamkeit A. Progr. d. Realprogym. zu Viersen 1888. Enge, De Agobardi cum
Judaeis contentione, Lips. 1888. Er starb 840 Juni 6, Ann. Lugdun. MG. I, 110.
[13] Sie findet sich in der Translatio S. Sebastiani (S. 199), ist aber auch unter dem
Titel Conquestio domni Chludovici imperatoris et augusti piissimi de crudelitate et
defectione et fidei ruptione militum suorum et horrendo scelere filiorum suorum in
sui dejectione et depositione patrato abgesondert überliefert. Ausg. v. Holder-Egger
SS. XV, 388. — Dahin gehört auch die gegen Ebo gerichtete, von Flodoard
aufgenommene Visio Raduini, ← NA. XI, 262.
[14] Querela de divisione imperii post mortem Ludovici Pii, bei Mab. Anal. I, 388,
ed. II p. 413. Bouq. VII, 301. Poet. Lat. II, 559-564. Vgl. über ihn Ebert II, 268-272.
Dümmler, NA. IV, 296-301. 581. 630. Poet. Lat. II, 507-566. Ueber seine
Canonensammlung M. Conrat, Gesch. d. Quellen u. Litt. d. Röm. Rechts (1889) I,
253; vgl. auch NA. XI, 436.
Page 283
§ 11. Der Streit der Söhne. Nithard. [ ← ]
Nithardi Historiarum libri IV. ed. Pertz, MG. SS. II, 649-672. Besonderer Abdruck Hann. 1839; 2.
Ausg. mit neuer Benutzung der Pariser Handschrift, sonst ohne Zusatz, 1870; von Holder mit
wiederholter Benutzung derselben 1880. Uebersetzung von Jasmund, Berl. 1851. 1889
(Geschichtschr. 20. IX, 5; S. 67 l. fünften statt 15). — Die Eidesformeln jetzt auch bei
Müllenhoff und Scherer S. 197 (3. Ausg. I, 231), vgl. S. 479 (II, 365). Brakelmann in Hoepfners
und Zachers Zeitschr. f. d. Philol. III, 85-95. Arbois de Jubainville: Le Text Franc etc. Bibl. de
l'École de chartes XXXII, 321-340. Facs. bei G. Paris: Les plus anciens Monuments de la langue
Française (1875) pl. 1. Chr. Pätz, De vita et fide Nithardi, Diss. Hal. 1865. Gerold Meyer von
Knonau, Ueber Nithards 4 Bücher Geschichten, Leipz. 1866, 4. O. Kuntzemüller, Nithard u.
sein Geschichtswerk, Diss. Jen. 1873. Ebert II, 370-374. Die Handschrift stammt aus Saint-
Magloire in Paris, Hist. Zeitschr. XXXI, 220. Delisle, Note sur le Catalogue général p. 37.
Manitius, Parallelstellen, NA. IX, 618. XI, 69-73.
Wir haben schon früher gesehen, wie am Anfang des Mittelalters
diejenigen Männer, welche sich durch litterarische Bildung auszeichneten,
wenn sie auch ihre Bildung noch nicht der Kirche verdankten, doch zuletzt
dieser sich zuwandten, und dasselbe wiederholt sich auch in Karls Zeit. Die
fränkischen Ritter verschmähten jede gelehrte Bildung, und die
Bemühungen Karls in dieser Beziehung blieben ohne dauernde Wirkung.
Die Kirche war gar bald wieder alleinige Hüterin des Griffels und der
Feder. Auch Einhard hatte sich klösterlichem Leben zugewandt, wenn er
auch nicht in den geistlichen Stand getreten war, und kriegerische Waffen
hatte er nie geführt. Auch Angilbert, wenn er jemals, wie man später
erzählte, ein Kriegsheld gewesen war, zog doch die Kutte an; sein Sohn
Nithard aber bietet uns das einzige Beispiel eines vornehmen und tapferen
Streiters, der wirklich das Schwert aus der Hand legte, um auch mit der
Feder die Sache seines Herrn zu vertheidigen. Freilich hat seine Rede nicht
mehr den Wohlklang von Angilberts Muse; man fühlt ihr die Zeit an, wo
schon über den Verfall der Schulen geklagt wird, sie ist rauh und hart, aber
dafür entschädigt der tüchtige Sinn des Mannes, seine Einsicht und
Kenntniß der Dinge. Daß auch seine Schrift durchaus parteiisch ist, versteht
sich von einem Manne, der mitten in den heftigsten Kämpfen stand, von
selbst; es konnte nicht anders sein[1].
Nithardi Historiarum libri IV. ed. Pertz, MG. SS. II, 649-672. Besonderer Abdruck Hann. 1839; 2.
Ausg. mit neuer Benutzung der Pariser Handschrift, sonst ohne Zusatz, 1870; von Holder mit
wiederholter Benutzung derselben 1880. Uebersetzung von Jasmund, Berl. 1851. 1889
(Geschichtschr. 20. IX, 5; S. 67 l. fünften statt 15). — Die Eidesformeln jetzt auch bei
Müllenhoff und Scherer S. 197 (3. Ausg. I, 231), vgl. S. 479 (II, 365). Brakelmann in Hoepfners
und Zachers Zeitschr. f. d. Philol. III, 85-95. Arbois de Jubainville: Le Text Franc etc. Bibl. de
l'École de chartes XXXII, 321-340. Facs. bei G. Paris: Les plus anciens Monuments de la langue
Française (1875) pl. 1. Chr. Pätz, De vita et fide Nithardi, Diss. Hal. 1865. Gerold Meyer von
Knonau, Ueber Nithards 4 Bücher Geschichten, Leipz. 1866, 4. O. Kuntzemüller, Nithard u.
sein Geschichtswerk, Diss. Jen. 1873. Ebert II, 370-374. Die Handschrift stammt aus Saint-
Magloire in Paris, Hist. Zeitschr. XXXI, 220. Delisle, Note sur le Catalogue général p. 37.
Manitius, Parallelstellen, NA. IX, 618. XI, 69-73.
Wir haben schon früher gesehen, wie am Anfang des Mittelalters
diejenigen Männer, welche sich durch litterarische Bildung auszeichneten,
wenn sie auch ihre Bildung noch nicht der Kirche verdankten, doch zuletzt
dieser sich zuwandten, und dasselbe wiederholt sich auch in Karls Zeit. Die
fränkischen Ritter verschmähten jede gelehrte Bildung, und die
Bemühungen Karls in dieser Beziehung blieben ohne dauernde Wirkung.
Die Kirche war gar bald wieder alleinige Hüterin des Griffels und der
Feder. Auch Einhard hatte sich klösterlichem Leben zugewandt, wenn er
auch nicht in den geistlichen Stand getreten war, und kriegerische Waffen
hatte er nie geführt. Auch Angilbert, wenn er jemals, wie man später
erzählte, ein Kriegsheld gewesen war, zog doch die Kutte an; sein Sohn
Nithard aber bietet uns das einzige Beispiel eines vornehmen und tapferen
Streiters, der wirklich das Schwert aus der Hand legte, um auch mit der
Feder die Sache seines Herrn zu vertheidigen. Freilich hat seine Rede nicht
mehr den Wohlklang von Angilberts Muse; man fühlt ihr die Zeit an, wo
schon über den Verfall der Schulen geklagt wird, sie ist rauh und hart, aber
dafür entschädigt der tüchtige Sinn des Mannes, seine Einsicht und
Kenntniß der Dinge. Daß auch seine Schrift durchaus parteiisch ist, versteht
sich von einem Manne, der mitten in den heftigsten Kämpfen stand, von
selbst; es konnte nicht anders sein[1].
Page 284
Nithard war ein eifriger Anhänger Karls des Kahlen, und theilte mit
ihm alle Wechselfälle des Kriegs. Im Jahre 840 übernahm er eine
Gesandtschaft an Lothar, und als diese vergeblich blieb, zog er mit Karl
dem Heere Lothars entgegen; da, als sie eben im Begriff waren, in Châlons-
sur-Marne einzureiten, gab Karl ihm den Auftrag, die Geschichte seiner Zeit
zu schreiben, um sein Recht aller Welt darzulegen. Doch war ihm zunächst
noch Nithards Schwert wichtiger, als seine Feder; am 25. Juni 841 wurde
die Entscheidungsschlacht bei Fontenoy geschlagen, wo auch Nithard, wie
er selbst erzählt, tapfer kämpfte. Dann griff er wieder zur Feder; im ersten
Buch stellte er einleitend die Ereignisse dar, welche zu diesen Kämpfen
geführt hatten, die Reichstheilungen, und die Verwirrung, welche daraus
entstanden war, zweckmäßig und übersichtlich erzählt[2]. Mit Ludwigs Tode
hebt im zweiten Buch die ausführliche Darstellung an; das Unrecht Lothars
und die Verwerflichkeit seines Benehmens gegen die Brüder sind der
vorzügliche, auch in dem an Karl gerichteten Vorwort ausdrücklich
bezeichnete Gegenstand. Die Schilderung des entscheidenden Kampfes, mit
dem das Buch schließt, unterbricht Nithard durch die Bemerkung, daß eben
jetzt, während er schreibe[3], am 18. October desselben Jahres, die Sonne
sich verfinstere. Das dritte beginnt er voll Unmuth: er habe gar nicht weiter
schreiben wollen, weil es ihn schmerze und ihm zuwider sei, von seinem
Volke schmähliches zu berichten; doch damit nicht etwa jemand sich
erkühne, die Sachen anders zu berichten als sie sich ereignet hätten, habe er
sich entschlossen, noch ein drittes Buch hinzuzufügen über dasjenige,
woran er selber Theil genommen, die Verhandlungen nämlich, die ihn
fortwährend in Anspruch nahmen. Mit ähnlichen Worten beginnt er auch
das vierte Buch, das letzte, welches leider nur bis zum Anfange des Jahres
843 reicht; dann scheint er in sein Kloster zurückgekehrt zu sein,
vermuthlich eben deshalb, weil es ihm als Laienabt verliehen war. Ich hatte
früher ganz bezweifelt, daß er Abt gewesen sei, allein da die Grabschrift
wirklich von dem Zeitgenossen Mico zu sein scheint, so müssen wir ihm
glauben, daß Nithard kurze Zeit (paucissimis diebus sagt Hariulf) Abt
gewesen und als solcher im Kampf gefallen sei. Da schon im Sept. 844
Ludwig Abt ist, so muß er vor diesem eingeschoben werden, und es mag die
ihm alle Wechselfälle des Kriegs. Im Jahre 840 übernahm er eine
Gesandtschaft an Lothar, und als diese vergeblich blieb, zog er mit Karl
dem Heere Lothars entgegen; da, als sie eben im Begriff waren, in Châlons-
sur-Marne einzureiten, gab Karl ihm den Auftrag, die Geschichte seiner Zeit
zu schreiben, um sein Recht aller Welt darzulegen. Doch war ihm zunächst
noch Nithards Schwert wichtiger, als seine Feder; am 25. Juni 841 wurde
die Entscheidungsschlacht bei Fontenoy geschlagen, wo auch Nithard, wie
er selbst erzählt, tapfer kämpfte. Dann griff er wieder zur Feder; im ersten
Buch stellte er einleitend die Ereignisse dar, welche zu diesen Kämpfen
geführt hatten, die Reichstheilungen, und die Verwirrung, welche daraus
entstanden war, zweckmäßig und übersichtlich erzählt[2]. Mit Ludwigs Tode
hebt im zweiten Buch die ausführliche Darstellung an; das Unrecht Lothars
und die Verwerflichkeit seines Benehmens gegen die Brüder sind der
vorzügliche, auch in dem an Karl gerichteten Vorwort ausdrücklich
bezeichnete Gegenstand. Die Schilderung des entscheidenden Kampfes, mit
dem das Buch schließt, unterbricht Nithard durch die Bemerkung, daß eben
jetzt, während er schreibe[3], am 18. October desselben Jahres, die Sonne
sich verfinstere. Das dritte beginnt er voll Unmuth: er habe gar nicht weiter
schreiben wollen, weil es ihn schmerze und ihm zuwider sei, von seinem
Volke schmähliches zu berichten; doch damit nicht etwa jemand sich
erkühne, die Sachen anders zu berichten als sie sich ereignet hätten, habe er
sich entschlossen, noch ein drittes Buch hinzuzufügen über dasjenige,
woran er selber Theil genommen, die Verhandlungen nämlich, die ihn
fortwährend in Anspruch nahmen. Mit ähnlichen Worten beginnt er auch
das vierte Buch, das letzte, welches leider nur bis zum Anfange des Jahres
843 reicht; dann scheint er in sein Kloster zurückgekehrt zu sein,
vermuthlich eben deshalb, weil es ihm als Laienabt verliehen war. Ich hatte
früher ganz bezweifelt, daß er Abt gewesen sei, allein da die Grabschrift
wirklich von dem Zeitgenossen Mico zu sein scheint, so müssen wir ihm
glauben, daß Nithard kurze Zeit (paucissimis diebus sagt Hariulf) Abt
gewesen und als solcher im Kampf gefallen sei. Da schon im Sept. 844
Ludwig Abt ist, so muß er vor diesem eingeschoben werden, und es mag die
Page 285
Vermuthung von Traube richtig sein, daß Richbod, nachdem er noch 842[4]
die feierliche Erhebung Angilberts besorgt hatte, ihm den Platz hat räumen
müssen, was in diesem Kloster mehrmals vorkam. Wir hören nichts weiter
von ihm, als daß im elften Jahrhundert, als Angilberts Grab in St. Riquier
eröffnet wurde, man darin die Leiche Nithards fand, in Salz gelegt, in dem
hölzernen, mit Leder bedeckten Sarge, worin er einst vom Schlachtfelde
heimgetragen war, an seinem Haupt die Wunde, welche ihm den Tod
gegeben. Damals hat man ihn als Abt gemalt, und der Klosterdichter Mico
verfaßte dazu ein Epitaph[5]. Als Todestag wird XVIII. Kal. Jun. angegeben,
was richtiger durch Id. Mai bezeichnet wäre. Dümmler schlägt deshalb vor,
Jul. zu setzen, und so kämen wir auf den 14. Juni. Merkwürdiger Weise aber
ist nach Prudentius der Abt Richbodo von St. Riquier am 14. Juni 844 am
Agout gefallen, und ist auch dieser ein Enkel Karls des Großen gewesen.
Leider fehlt es uns an jeder zuverlässigen Nachricht zur Aufklärung dieser
Verhältnisse; wenn Nithard mit ihm zugleich gefallen wäre, so muß man
doch annehmen, daß er sicherlich auch hätte erwähnt werden müssen. Wir
beschränken uns also darauf, das Epitaph hier mitzutheilen. Es lautet:
EPYTAFIUM.
Hic rutilat species Nithardi picta sagacis,
Nomen rectoris qui modico tenuit,
Eheu! quod subito in bello rapuit gemebundo
Mors inimica satis seu furibunda nimis:
Invidia siquidem multatus hostis iniqui,
Qui primus nocuus perstitit innocuis.
Astu nam belli viguit quasi fortis Asilas[6],
Nec non ex sophia floruit ipse sacra.
Extitit elatos rigidus mites humilisque
Contra commissum pacificusque gregem.
die feierliche Erhebung Angilberts besorgt hatte, ihm den Platz hat räumen
müssen, was in diesem Kloster mehrmals vorkam. Wir hören nichts weiter
von ihm, als daß im elften Jahrhundert, als Angilberts Grab in St. Riquier
eröffnet wurde, man darin die Leiche Nithards fand, in Salz gelegt, in dem
hölzernen, mit Leder bedeckten Sarge, worin er einst vom Schlachtfelde
heimgetragen war, an seinem Haupt die Wunde, welche ihm den Tod
gegeben. Damals hat man ihn als Abt gemalt, und der Klosterdichter Mico
verfaßte dazu ein Epitaph[5]. Als Todestag wird XVIII. Kal. Jun. angegeben,
was richtiger durch Id. Mai bezeichnet wäre. Dümmler schlägt deshalb vor,
Jul. zu setzen, und so kämen wir auf den 14. Juni. Merkwürdiger Weise aber
ist nach Prudentius der Abt Richbodo von St. Riquier am 14. Juni 844 am
Agout gefallen, und ist auch dieser ein Enkel Karls des Großen gewesen.
Leider fehlt es uns an jeder zuverlässigen Nachricht zur Aufklärung dieser
Verhältnisse; wenn Nithard mit ihm zugleich gefallen wäre, so muß man
doch annehmen, daß er sicherlich auch hätte erwähnt werden müssen. Wir
beschränken uns also darauf, das Epitaph hier mitzutheilen. Es lautet:
EPYTAFIUM.
Hic rutilat species Nithardi picta sagacis,
Nomen rectoris qui modico tenuit,
Eheu! quod subito in bello rapuit gemebundo
Mors inimica satis seu furibunda nimis:
Invidia siquidem multatus hostis iniqui,
Qui primus nocuus perstitit innocuis.
Astu nam belli viguit quasi fortis Asilas[6],
Nec non ex sophia floruit ipse sacra.
Extitit elatos rigidus mites humilisque
Contra commissum pacificusque gregem.
Page 286
Cujus de Caroli genio[7] processit origo
Nobilis ac celsa caesaris egregii.
Occubuit Junii octavo decimoque Kalendas
Hostili gladio: hac requiescit humo.
Hos quicumque legis versus, miserere suique
Dic: Animae ipsius det veniam Dominus,
Jam quia sublatus terris regione locatus
Sit, precibus, sancta, hocque frequens rogita.
Donec e tumulo salient cineres quoque vivi,
Corpore suscepto quo reparatus eat
Ad loca sanctorum, fultus hinc inde maniplis
Angelicis sanctis cum patribus reliquis.
Ungern trennen wir uns von diesem Büchlein, dem Werke eines
wackern Kriegshelden und einsichtigen Staatsmannes, welcher so recht aus
der Mitte der Begebenheiten mit Ernst und Wahrheitsliebe berichtet, was er
selbst durchlebt, woran er selbst den bedeutendsten Antheil genommen hat.
Unwillkürlich knüpft sich daran der Gedanke, wie ganz anders die
Geschichtschreibung sich hätte entwickeln können, wenn die Laien der
folgenden Jahrhunderte es nicht verschmäht hätten zu schreiben, wenn nicht
die Feder ausschließlich der Geistlichkeit überlassen wäre, der wir zwar viel
schöne und treffliche Werke zu danken haben, die aber mit Nothwendigkeit
ihre kirchliche Auffassung in alle Verhältnisse übertrug. Wir möchten ihre
Werke nicht missen, aber gar gerne hätten wir daneben auch die Stimmen
einsichtiger Laien.
Doch ist Nithard nicht der einzige von den Kämpfern in der Schlacht
bei Fontenoy, dessen Worte uns vorliegen; auch von Lothars Seite ist uns
eine Schilderung der Schlacht erhalten in dem Klagelied jenes Angi l ber t,
Nobilis ac celsa caesaris egregii.
Occubuit Junii octavo decimoque Kalendas
Hostili gladio: hac requiescit humo.
Hos quicumque legis versus, miserere suique
Dic: Animae ipsius det veniam Dominus,
Jam quia sublatus terris regione locatus
Sit, precibus, sancta, hocque frequens rogita.
Donec e tumulo salient cineres quoque vivi,
Corpore suscepto quo reparatus eat
Ad loca sanctorum, fultus hinc inde maniplis
Angelicis sanctis cum patribus reliquis.
Ungern trennen wir uns von diesem Büchlein, dem Werke eines
wackern Kriegshelden und einsichtigen Staatsmannes, welcher so recht aus
der Mitte der Begebenheiten mit Ernst und Wahrheitsliebe berichtet, was er
selbst durchlebt, woran er selbst den bedeutendsten Antheil genommen hat.
Unwillkürlich knüpft sich daran der Gedanke, wie ganz anders die
Geschichtschreibung sich hätte entwickeln können, wenn die Laien der
folgenden Jahrhunderte es nicht verschmäht hätten zu schreiben, wenn nicht
die Feder ausschließlich der Geistlichkeit überlassen wäre, der wir zwar viel
schöne und treffliche Werke zu danken haben, die aber mit Nothwendigkeit
ihre kirchliche Auffassung in alle Verhältnisse übertrug. Wir möchten ihre
Werke nicht missen, aber gar gerne hätten wir daneben auch die Stimmen
einsichtiger Laien.
Doch ist Nithard nicht der einzige von den Kämpfern in der Schlacht
bei Fontenoy, dessen Worte uns vorliegen; auch von Lothars Seite ist uns
eine Schilderung der Schlacht erhalten in dem Klagelied jenes Angi l ber t,
Page 287
der, im ersten Treffen kämpfend, von Vielen allein übrig geblieben war. Voll
tiefen Grames sind seine Worte, nirgends tritt uns so lebendig der bittere
Schmerz entgegen über diese allzu harte Nacht, in welcher die Tapfersten
gefallen sind, die Kundigsten des Krieges[8]. Die Form dieser Verse ist
rhythmisch, die Sprache diejenige, welche uns schon aus der
merowingischen Zeit bekannt ist, lateinisch wie es ein Romane sprechen
und schreiben konnte, ohne es schulmäßig erlernt zu haben. Daher haben
wir auch dergleichen Dichtungen nur aus Frankreich[9] und Italien[10], aus
Deutschland nur Kunstpoesie gelehrter Geistlicher[11]. Daneben sang das
Volk seine deutschen Lieder, die wohl gelegentlich erwähnt werden, die
aber niemand aufschrieb. Nur der L udwi gsl eich, gedichtet auf die
Normannenschlacht bei Saucourt (881), bildet davon eine Ausnahme[12].
Ein höchst eigenthümliches Product jener traurigen Zeiten, wo durch
die Zwietracht der Brüder alle Ordnung gestört war und besonders die
Kirchen fortwährender Beraubung und Mißhandlung ausgesetzt waren, wo
dann auch Karl der Kahle die anfangs noch an ihn geknüpften Hoffnungen
in zunehmender Weise täuschte, sind die Schriften und vorzüglich die
Revelationen des Aud r adus Mo dicus aus dem Martinskloster zu Tours,
der 847 vom Erzbischof Wanilo zum Landbischof von Sens eingesetzt
wurde, im Nov. 849 aber mit seinen meisten Collegen diese Stelle wieder
verlor. Im März 849 überreichte er seine gesammelten Schriften in Rom
dem Pabst Leo IV, welcher sie im Archiv von St. Peter niederlegte; die
angeblichen Visionen aber setzte er noch bis 853 fort. Diese nur
fragmentarisch erhaltenen Schriften sind kürzlich durch neugefundene
Fragmente verständlicher geworden und von L. Traube in scharfsinniger
Weise erläutert; sie enthalten nicht unbedeutende Beiträge zur Geschichte
der Zeit[13].
[1] Kuntzemüller bekämpft diese Auffassung, allein es war gar nicht anders möglich
und ist, da seine Wahrheitsliebe allgemein anerkannt ist, auch kein Vorwurf.
tiefen Grames sind seine Worte, nirgends tritt uns so lebendig der bittere
Schmerz entgegen über diese allzu harte Nacht, in welcher die Tapfersten
gefallen sind, die Kundigsten des Krieges[8]. Die Form dieser Verse ist
rhythmisch, die Sprache diejenige, welche uns schon aus der
merowingischen Zeit bekannt ist, lateinisch wie es ein Romane sprechen
und schreiben konnte, ohne es schulmäßig erlernt zu haben. Daher haben
wir auch dergleichen Dichtungen nur aus Frankreich[9] und Italien[10], aus
Deutschland nur Kunstpoesie gelehrter Geistlicher[11]. Daneben sang das
Volk seine deutschen Lieder, die wohl gelegentlich erwähnt werden, die
aber niemand aufschrieb. Nur der L udwi gsl eich, gedichtet auf die
Normannenschlacht bei Saucourt (881), bildet davon eine Ausnahme[12].
Ein höchst eigenthümliches Product jener traurigen Zeiten, wo durch
die Zwietracht der Brüder alle Ordnung gestört war und besonders die
Kirchen fortwährender Beraubung und Mißhandlung ausgesetzt waren, wo
dann auch Karl der Kahle die anfangs noch an ihn geknüpften Hoffnungen
in zunehmender Weise täuschte, sind die Schriften und vorzüglich die
Revelationen des Aud r adus Mo dicus aus dem Martinskloster zu Tours,
der 847 vom Erzbischof Wanilo zum Landbischof von Sens eingesetzt
wurde, im Nov. 849 aber mit seinen meisten Collegen diese Stelle wieder
verlor. Im März 849 überreichte er seine gesammelten Schriften in Rom
dem Pabst Leo IV, welcher sie im Archiv von St. Peter niederlegte; die
angeblichen Visionen aber setzte er noch bis 853 fort. Diese nur
fragmentarisch erhaltenen Schriften sind kürzlich durch neugefundene
Fragmente verständlicher geworden und von L. Traube in scharfsinniger
Weise erläutert; sie enthalten nicht unbedeutende Beiträge zur Geschichte
der Zeit[13].
[1] Kuntzemüller bekämpft diese Auffassung, allein es war gar nicht anders möglich
und ist, da seine Wahrheitsliebe allgemein anerkannt ist, auch kein Vorwurf.
Page 288
[2] Gegen Pertz haben Pätz und G. Meyer v. Knonau Benutzung des Nithard beim
Astronomus nachzuweisen gesucht, die mir doch noch zweifelhaft ist.
[3] Wahrscheinlich im Lager Karls zu St. Cloud, s. Funck S. 274, Dümmler, Ostfr. I,
169.
[4] Am 24. Oct. nach Meyer v. Knonau, Anm. 292, dem Traube (für den 5. Nov.)
ohne Angabe von Gründen widerspricht.
[5] Jetzt auch Poet. Lat. III, 310 von Traube herausgegeben.
[6] Der in Verg. Aen. IX, 571 u. X, 175 gefeierte Held und Weissager.
[7] Diese Correctur von Dümmler statt gemino hat Traube angenommen mit Hinweis
auf den ähnlichen Ausdruck im Carm. CL, 2.
[8] „Ubi fortes ceciderunt, proelio doctissimi.“ Anf. Aurora cum. Gedruckt in der
Octavausgabe des Nithard S. 55 f. und sonst häufig. Coussemaker, Hist. de
l'harmonie (1852) 86 u. Facs. pl. I, 3. Erste vollständige Ausg. (2 neue Strophen) bei
Dümmler in den philol. Abh. zu Ehren Th. Mommsens, 1877. Poet. Lat. II, 138. Die
Verse fangen nach der Reihe mit den Buchstaben des Alphabets an, reichen aber nur
bis P. Eine Uebersetzung mit Erläuterungen bei Meyer von Knonau S. 139, und nebst
anderen im Anhang zu dessen Schrift: Die schweizerischen hist. Volkslieder des 15.
Jahrh. (Zürich 1870) S. 66. Ebert II, 313.
[9] Bei Duméril, Poésies populaires Latines antérieures au douzième siècle finden
sich S. 251 ein Klagelied um den Tod des Abtes Hugo 844 Hug dulce nomen (auch
bei Coussemaker 92 mit Facs. pl. II, 2, Poet. Lat. II, 139; s. über ihn Sickel, Acta
Karol. I, 96), S. 253 eine Klage Gotschalks in seiner Verbannung (846 oder 847 O
quid jubes, Couss. 49 u. pl. II, 3; vgl. Dümmler, NA. IV, 320. Ebert II, 166), S. 255
Verse auf die Zerstörung des Klosters Montglonne oder Saint-Florent-le-Vieil durch
die Bretonen 853, Dulces modos (neue Ausgabe nach dem MS. von Midlehill von
Dom Pitra, Archives des Missions scientifiques IV, 182 a. 1856; Poet. Lat. II, 147), S.
266 Sigloards Klagelied um Fulko von Reims O Fulco (900). Anderer Art sind
Theodulfs Oden auf Ludwig des Frommen Ankunft in Orléans und in Tours, Poet.
Lat. I, 529. 578.
[10] Rhythmische Beschreibung von Verona aus Pippins Zeit, von Rather
mitgebracht und nebst einem Stadtplan von Verona in eine (verschollene) Handschrift
des Klosters Lobbes eingetragen, Magna et praeclara, Poet. Lat. I, 119. Traube,
Karol. Dicht. S. 122-129. Verse auf K. Pippins Sieg über die Avaren 796 (Omnes
gentes) in Pertz' Octav-Ausgabe von Einhards V. Caroli p. 35, Poet. Lat. I, 116.
Paulinus Klage über Herzog Erichs Tod (799 Mecum Timavi) ib. p. 37, Duméril S.
241, Coussemaker, S. 87 u. Facs. pl. I, 4. Sinner, Catal. Bern. I, 148-157 mit
Erläuterungen, Poet. Lat. I, 131. P l a n c t u s C a r o l i (814, A solis ortu) vermuthlich
aus Bobio, bei Einhard S. 41, Duméril S. 245, Coussemaker S. 91 mit Facs. pl. II, 1,
Poet. Lat. I, 435; darauf bezieht sich, wie Dümmler bemerkt, Thietm. VIII, 15, indem
er den darin als Patron des Klosters angeredeten Columban für den lebenden Abt zu
halten scheint. Ganz verschieden davon ist das viel jüngere oft gedr. Kirchenlied
Urbs Aquensis, welches auch auf Zürich und Frankfurt angewandt ist. — Klage um
Aquileja, Ad flendos, Paulinus zugeschrieben, Poet. Lat. I, 142. Spottverse auf
dasselbe, Aquilegia gloriosa, ib. II, 150. Ueber Ludwigs II Gefangenschaft (871,
Audite omnes) Duméril S. 264. Poet. Lat. III, 404; ib. p. 405 sein Epitaph Hic cubat.
Das Wächterlied aus Modena während der Belagerung durch die Ungarn 904 O tu
qui bei Duméril S. 268; vgl. Dümmler, NA. IV, 559; Joh. Merkel NA. I, 572 hält es
für älter. — Das von Baronius auf Lothar (855) bezogene Epitaphium Caesar tantus
Astronomus nachzuweisen gesucht, die mir doch noch zweifelhaft ist.
[3] Wahrscheinlich im Lager Karls zu St. Cloud, s. Funck S. 274, Dümmler, Ostfr. I,
169.
[4] Am 24. Oct. nach Meyer v. Knonau, Anm. 292, dem Traube (für den 5. Nov.)
ohne Angabe von Gründen widerspricht.
[5] Jetzt auch Poet. Lat. III, 310 von Traube herausgegeben.
[6] Der in Verg. Aen. IX, 571 u. X, 175 gefeierte Held und Weissager.
[7] Diese Correctur von Dümmler statt gemino hat Traube angenommen mit Hinweis
auf den ähnlichen Ausdruck im Carm. CL, 2.
[8] „Ubi fortes ceciderunt, proelio doctissimi.“ Anf. Aurora cum. Gedruckt in der
Octavausgabe des Nithard S. 55 f. und sonst häufig. Coussemaker, Hist. de
l'harmonie (1852) 86 u. Facs. pl. I, 3. Erste vollständige Ausg. (2 neue Strophen) bei
Dümmler in den philol. Abh. zu Ehren Th. Mommsens, 1877. Poet. Lat. II, 138. Die
Verse fangen nach der Reihe mit den Buchstaben des Alphabets an, reichen aber nur
bis P. Eine Uebersetzung mit Erläuterungen bei Meyer von Knonau S. 139, und nebst
anderen im Anhang zu dessen Schrift: Die schweizerischen hist. Volkslieder des 15.
Jahrh. (Zürich 1870) S. 66. Ebert II, 313.
[9] Bei Duméril, Poésies populaires Latines antérieures au douzième siècle finden
sich S. 251 ein Klagelied um den Tod des Abtes Hugo 844 Hug dulce nomen (auch
bei Coussemaker 92 mit Facs. pl. II, 2, Poet. Lat. II, 139; s. über ihn Sickel, Acta
Karol. I, 96), S. 253 eine Klage Gotschalks in seiner Verbannung (846 oder 847 O
quid jubes, Couss. 49 u. pl. II, 3; vgl. Dümmler, NA. IV, 320. Ebert II, 166), S. 255
Verse auf die Zerstörung des Klosters Montglonne oder Saint-Florent-le-Vieil durch
die Bretonen 853, Dulces modos (neue Ausgabe nach dem MS. von Midlehill von
Dom Pitra, Archives des Missions scientifiques IV, 182 a. 1856; Poet. Lat. II, 147), S.
266 Sigloards Klagelied um Fulko von Reims O Fulco (900). Anderer Art sind
Theodulfs Oden auf Ludwig des Frommen Ankunft in Orléans und in Tours, Poet.
Lat. I, 529. 578.
[10] Rhythmische Beschreibung von Verona aus Pippins Zeit, von Rather
mitgebracht und nebst einem Stadtplan von Verona in eine (verschollene) Handschrift
des Klosters Lobbes eingetragen, Magna et praeclara, Poet. Lat. I, 119. Traube,
Karol. Dicht. S. 122-129. Verse auf K. Pippins Sieg über die Avaren 796 (Omnes
gentes) in Pertz' Octav-Ausgabe von Einhards V. Caroli p. 35, Poet. Lat. I, 116.
Paulinus Klage über Herzog Erichs Tod (799 Mecum Timavi) ib. p. 37, Duméril S.
241, Coussemaker, S. 87 u. Facs. pl. I, 4. Sinner, Catal. Bern. I, 148-157 mit
Erläuterungen, Poet. Lat. I, 131. P l a n c t u s C a r o l i (814, A solis ortu) vermuthlich
aus Bobio, bei Einhard S. 41, Duméril S. 245, Coussemaker S. 91 mit Facs. pl. II, 1,
Poet. Lat. I, 435; darauf bezieht sich, wie Dümmler bemerkt, Thietm. VIII, 15, indem
er den darin als Patron des Klosters angeredeten Columban für den lebenden Abt zu
halten scheint. Ganz verschieden davon ist das viel jüngere oft gedr. Kirchenlied
Urbs Aquensis, welches auch auf Zürich und Frankfurt angewandt ist. — Klage um
Aquileja, Ad flendos, Paulinus zugeschrieben, Poet. Lat. I, 142. Spottverse auf
dasselbe, Aquilegia gloriosa, ib. II, 150. Ueber Ludwigs II Gefangenschaft (871,
Audite omnes) Duméril S. 264. Poet. Lat. III, 404; ib. p. 405 sein Epitaph Hic cubat.
Das Wächterlied aus Modena während der Belagerung durch die Ungarn 904 O tu
qui bei Duméril S. 268; vgl. Dümmler, NA. IV, 559; Joh. Merkel NA. I, 572 hält es
für älter. — Das von Baronius auf Lothar (855) bezogene Epitaphium Caesar tantus
Page 289
eras ist von Dümmler NA. I, 179 auf Heinrich III bezogen, auf Lothar wieder von De
Rossi, Inscriptt. christ. II, 1, 302, u. von Traube, der den Vf. für einen Nachahmer des
Sedulius hält, mit Beziehung auf Poet. Lat. III, 158 u. 234.
[11] Ueber diese rhythmische Poesie überhaupt s. Ebert II, 311-328.
[12] Müllenhoff und Scherer I, 24, vgl. II, 71 ed. III, übersetzt bei Dümmler, Ostfr.
III, 155. Denselben Ludwig feierte nach Mabillon in lateinischen Versen Abt
Angilbert von Corbie bei Uebersendung einer Abschrift von Augustin de doctrina
christiana, aber Traube hat dieselben für Angilbert von St. Riquier u. Ludwig d. Fr. in
Anspruch genommen, O Roma nobilis, S. 322 ff.
[13] Audradi Modici Carmina ed. Traube, Poet. Lat. III, 67-122. Ders. O Roma
nobilis, p. 374-391, wo die Revel. gesammelt u. erläutert sind. Bedeutende
Fragmente hat Albricus gerettet. S. 377, 1 l. judicat statt indicat.
Rossi, Inscriptt. christ. II, 1, 302, u. von Traube, der den Vf. für einen Nachahmer des
Sedulius hält, mit Beziehung auf Poet. Lat. III, 158 u. 234.
[11] Ueber diese rhythmische Poesie überhaupt s. Ebert II, 311-328.
[12] Müllenhoff und Scherer I, 24, vgl. II, 71 ed. III, übersetzt bei Dümmler, Ostfr.
III, 155. Denselben Ludwig feierte nach Mabillon in lateinischen Versen Abt
Angilbert von Corbie bei Uebersendung einer Abschrift von Augustin de doctrina
christiana, aber Traube hat dieselben für Angilbert von St. Riquier u. Ludwig d. Fr. in
Anspruch genommen, O Roma nobilis, S. 322 ff.
[13] Audradi Modici Carmina ed. Traube, Poet. Lat. III, 67-122. Ders. O Roma
nobilis, p. 374-391, wo die Revel. gesammelt u. erläutert sind. Bedeutende
Fragmente hat Albricus gerettet. S. 377, 1 l. judicat statt indicat.
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§ 12. Frechulfs Weltchronik. [ ← ]
Wir haben oben § 10 →2 die ersten, noch recht unvollkommenen
Versuche betrachtet, die fast verlorene Verbindung mit der Vergangenheit
herzustellen. Die Ereignisse der Gegenwart nahmen zunächst die
Aufmerksamkeit in Anspruch und mit ihrer Aufzeichnung begann man;
doch regte sich auch bald das Bedürfniß in den größeren Zusammenhang
einzutreten und einen Ueberblick über die Weltgeschichte zu gewinnen. Bei
der raschen Ausbildung formaler Gewandtheit konnten die in der Form
noch halb barbarischen und innerlich unverarbeiteten Compilationen sehr
bald nicht mehr genügen, und es ist begreiflich, daß man sich dieser großen
und schwierigen Aufgabe von neuem und mit besserem Erfolge zuwandte.
Ganz anderer Art nun, als jene Compilationen, und das Werk eines
wirklich bedeutenden Mannes ist die Weltchronik des Bischofs F r echulf
von L isieux. Unbekannter Herkunft nennt er Helisachar, den
vielvermögenden Kanzler Kaiser Ludwigs[1], seinen Lehrer, und die
Freundschaft, welche ihn mit Hraban verband, wird wohl schon damals
geschlossen sein, als dieser zu Alcuins Füßen saß[2]. Vermuthlich aus dem
Kreise der Hofgeistlichkeit wurde Frechulf auf den Bischofstuhl erhoben; in
Lisieux fand er eine in tiefe Unwissenheit versunkene Herde zu weiden,
und einen solchen Büchermangel, daß nicht einmal die Bibel vorhanden
war. Er wandte sich deshalb an seinen Freund Hraban, seit 822 Abt von
Fulda, mit der Bitte um einen Commentar zum Pentateuch, der die
Erklärungen der alten Kirchenlehrer mit Beifügung ihrer Namen enthalten
sollte, und Hraban erfüllte seine Bitte. Wohl bald nachher sandte der Kaiser
ihn 824 an den Pabst Eugen II wegen des damals lebhaft geführten Streites
über den Bilderdienst; bis 852 wird noch seine Theilnahme an
verschiedenen Synoden erwähnt[3], 853 aber erscheint sein Nachfolger
Eirard.
Wir haben oben § 10 →2 die ersten, noch recht unvollkommenen
Versuche betrachtet, die fast verlorene Verbindung mit der Vergangenheit
herzustellen. Die Ereignisse der Gegenwart nahmen zunächst die
Aufmerksamkeit in Anspruch und mit ihrer Aufzeichnung begann man;
doch regte sich auch bald das Bedürfniß in den größeren Zusammenhang
einzutreten und einen Ueberblick über die Weltgeschichte zu gewinnen. Bei
der raschen Ausbildung formaler Gewandtheit konnten die in der Form
noch halb barbarischen und innerlich unverarbeiteten Compilationen sehr
bald nicht mehr genügen, und es ist begreiflich, daß man sich dieser großen
und schwierigen Aufgabe von neuem und mit besserem Erfolge zuwandte.
Ganz anderer Art nun, als jene Compilationen, und das Werk eines
wirklich bedeutenden Mannes ist die Weltchronik des Bischofs F r echulf
von L isieux. Unbekannter Herkunft nennt er Helisachar, den
vielvermögenden Kanzler Kaiser Ludwigs[1], seinen Lehrer, und die
Freundschaft, welche ihn mit Hraban verband, wird wohl schon damals
geschlossen sein, als dieser zu Alcuins Füßen saß[2]. Vermuthlich aus dem
Kreise der Hofgeistlichkeit wurde Frechulf auf den Bischofstuhl erhoben; in
Lisieux fand er eine in tiefe Unwissenheit versunkene Herde zu weiden,
und einen solchen Büchermangel, daß nicht einmal die Bibel vorhanden
war. Er wandte sich deshalb an seinen Freund Hraban, seit 822 Abt von
Fulda, mit der Bitte um einen Commentar zum Pentateuch, der die
Erklärungen der alten Kirchenlehrer mit Beifügung ihrer Namen enthalten
sollte, und Hraban erfüllte seine Bitte. Wohl bald nachher sandte der Kaiser
ihn 824 an den Pabst Eugen II wegen des damals lebhaft geführten Streites
über den Bilderdienst; bis 852 wird noch seine Theilnahme an
verschiedenen Synoden erwähnt[3], 853 aber erscheint sein Nachfolger
Eirard.
Page 291
Ohne Zweifel hat Frechulf seine Verbindungen und wohl auch die
Reise nach Rom benutzt, um dem Büchermangel abzuhelfen, so daß er bald
im Stande war, auf Helisachars Wunsch und Antrieb mit einer für die
damalige Zeit nicht unbedeutenden Gelehrsamkeit und Kunst ein Werk über
die alte Geschichte zu Stande zu bringen, in welchem die ausgehobenen
Stellen der benutzten Autoren zu einer ausführlichen Darstellung nicht
ungeschickt verbunden sind. Zu diesem ersten Theile fügte er bald noch
einen zweiten, welcher die Geschichte des römischen Reiches von Christi
Geburt bis zur Vertreibung der römischen und gothischen Obrigkeiten aus
Gallien und Italien und der Aufrichtung völlig selbständiger Reiche durch
die Franken und Langobarden fortführt; die Geschichte der christlichen
Kirche fand ihren Abschluß durch Gregors des Großen Pontificat. Diese
zweite Abtheilung seines Werkes überreichte er 830 oder etwas früher der
Kaiserin Judith, deren Gelehrsamkeit auch von Hraban und Walahfrid
gepriesen wird[4], um davon für den Unterricht des noch zarten Knaben
Karl Gebrauch zu machen. Ueberaus merkwürdig ist es, daß Frechulf
hierdurch die sonst so ängstlich festgehaltene Continuität des römischen
Reiches gänzlich aufgab, daß er es wagte, die neuen Reiche auf römischem
Boden als etwas wirklich neues, ihre Stiftung als den Beginn einer neuen
Zeit zu betrachten[5]. Nachfolger hat diese Abweichung von dem
herrschenden Systeme nicht gefunden; nur Notker, der Mönch von St.
Gallen (I, 1) ist kühn genug, die Bildsäule als zertrümmert, das römische
Reich als vergangen zu betrachten, und Kaiser Karl als den Herrscher eines
neuen Weltreichs hinzustellen.
In dem herkömmlichen Geleise blieb auch Ad o, Erzbischof von
Vienne ( † 874), der Verfasser des Martyrologiums, welcher sich auch an
einer Weltchronik versuchte[6]. Er verband zu diesem Zwecke mit der
Chronik des Beda Auszüge der gewöhnlichen Quellen, die er jedoch
stilistisch zu einer zusammenhängenden Erzählung überarbeitete. Den
Faden für die Verbindung des Ganzen gab ihm die Folge der Kaiser; an
Constantin und Irene knüpft sich unmittelbar Karl der Große, dann Ludwig,
Lothar, Ludwig II: so wird der Gedanke der Einheit des römischen Reiches
Reise nach Rom benutzt, um dem Büchermangel abzuhelfen, so daß er bald
im Stande war, auf Helisachars Wunsch und Antrieb mit einer für die
damalige Zeit nicht unbedeutenden Gelehrsamkeit und Kunst ein Werk über
die alte Geschichte zu Stande zu bringen, in welchem die ausgehobenen
Stellen der benutzten Autoren zu einer ausführlichen Darstellung nicht
ungeschickt verbunden sind. Zu diesem ersten Theile fügte er bald noch
einen zweiten, welcher die Geschichte des römischen Reiches von Christi
Geburt bis zur Vertreibung der römischen und gothischen Obrigkeiten aus
Gallien und Italien und der Aufrichtung völlig selbständiger Reiche durch
die Franken und Langobarden fortführt; die Geschichte der christlichen
Kirche fand ihren Abschluß durch Gregors des Großen Pontificat. Diese
zweite Abtheilung seines Werkes überreichte er 830 oder etwas früher der
Kaiserin Judith, deren Gelehrsamkeit auch von Hraban und Walahfrid
gepriesen wird[4], um davon für den Unterricht des noch zarten Knaben
Karl Gebrauch zu machen. Ueberaus merkwürdig ist es, daß Frechulf
hierdurch die sonst so ängstlich festgehaltene Continuität des römischen
Reiches gänzlich aufgab, daß er es wagte, die neuen Reiche auf römischem
Boden als etwas wirklich neues, ihre Stiftung als den Beginn einer neuen
Zeit zu betrachten[5]. Nachfolger hat diese Abweichung von dem
herrschenden Systeme nicht gefunden; nur Notker, der Mönch von St.
Gallen (I, 1) ist kühn genug, die Bildsäule als zertrümmert, das römische
Reich als vergangen zu betrachten, und Kaiser Karl als den Herrscher eines
neuen Weltreichs hinzustellen.
In dem herkömmlichen Geleise blieb auch Ad o, Erzbischof von
Vienne ( † 874), der Verfasser des Martyrologiums, welcher sich auch an
einer Weltchronik versuchte[6]. Er verband zu diesem Zwecke mit der
Chronik des Beda Auszüge der gewöhnlichen Quellen, die er jedoch
stilistisch zu einer zusammenhängenden Erzählung überarbeitete. Den
Faden für die Verbindung des Ganzen gab ihm die Folge der Kaiser; an
Constantin und Irene knüpft sich unmittelbar Karl der Große, dann Ludwig,
Lothar, Ludwig II: so wird der Gedanke der Einheit des römischen Reiches
Page 292
durchaus festgehalten. Die Erhebungen der Söhne gegen Ludwig den
Frommen erscheinen nur als unberechtigte Revolutionen; dann wird Karl
der Kahle als trefflicher und weiser Regent gepriesen, alle aber überstrahlt
die Hoheit des Pabstes Nikolaus. Es ist die Geschichte vom Standpunkte
der Autorität und der vorgefaßten Meinungen, der sie so lange beherrscht
hat und eine unbefangene Auffassung der Ereignisse unmöglich machte.
Auch eine Volksgeschichte der Franken liegt uns vor, wahrscheinlich
aus dem Jahre 816, die einem übrigens unbekannten E r ch anber t, doch
ohne genügende Sicherheit, zugeschrieben wird[7]. Doch ist kein großer
schriftstellerischer Ruhm daran zu verlieren oder zu gewinnen; sie beruht
ganz und gar auf den Gesta Francorum, und der angehängte Schluß ist über
alle Maßen dürftig; nur die sagenhafte Erzählung über die Beseitigung des
letzten Merowingers zieht unsere Aufmerksamkeit auf sich, weil sie uns
zeigt, wie früh sich eine, der Wirklichkeit nicht entsprechende, stark
kirchlich gefärbte Auffassung ausbildete.
Die L ocal g eschi cht en, welche später zu so bedeutender
Entwickelung gelangten, zeigen sich in dieser Zeit noch kaum in ihren
ersten Anfängen. Wir erwähnten schon des Paulus Diakonus Geschichte der
Bischöfe von Metz; außerdem ist nur noch die Geschichte der Aebte von
S t. Wan d r i ll e zu nennen[8], bis zum Jahre 833, mit einer Fortsetzung bis
zum Jahre 850. Sie enthält mancherlei merkwürdiges, z. B. über Einhards
Stellung als Aufseher der königlichen Bauten, und ist besonders ausführlich
über die Thätigkeit des Abtes Ansegis, jenes bedeutenden Mannes, dessen
Capitulariensammlung so großes Ansehen gewann.
[1] Ueber diesen s. Sickel, Acta Karol. I, 86-88. Simson II, 234. Ein Brief von ihm
über Verbesserung des Antiphonars NA. XI, 564-568.
[2] Daß Frechulf ein Sachse und Mönch in Fulda gewesen sei, beruht allein auf dem
Trithemischen Meginfrid von Fulda, und ist, da dieser erdichtet ist, wohl nur ein
Schluß aus dem Freundschaftsbund mit Hraban. Die Briefe beider enthalten aber
nicht die geringste Hindeutung darauf.
[3] 852 erwähnt bei Quantin, Cartulaire de l'Yonne I, 64.
Frommen erscheinen nur als unberechtigte Revolutionen; dann wird Karl
der Kahle als trefflicher und weiser Regent gepriesen, alle aber überstrahlt
die Hoheit des Pabstes Nikolaus. Es ist die Geschichte vom Standpunkte
der Autorität und der vorgefaßten Meinungen, der sie so lange beherrscht
hat und eine unbefangene Auffassung der Ereignisse unmöglich machte.
Auch eine Volksgeschichte der Franken liegt uns vor, wahrscheinlich
aus dem Jahre 816, die einem übrigens unbekannten E r ch anber t, doch
ohne genügende Sicherheit, zugeschrieben wird[7]. Doch ist kein großer
schriftstellerischer Ruhm daran zu verlieren oder zu gewinnen; sie beruht
ganz und gar auf den Gesta Francorum, und der angehängte Schluß ist über
alle Maßen dürftig; nur die sagenhafte Erzählung über die Beseitigung des
letzten Merowingers zieht unsere Aufmerksamkeit auf sich, weil sie uns
zeigt, wie früh sich eine, der Wirklichkeit nicht entsprechende, stark
kirchlich gefärbte Auffassung ausbildete.
Die L ocal g eschi cht en, welche später zu so bedeutender
Entwickelung gelangten, zeigen sich in dieser Zeit noch kaum in ihren
ersten Anfängen. Wir erwähnten schon des Paulus Diakonus Geschichte der
Bischöfe von Metz; außerdem ist nur noch die Geschichte der Aebte von
S t. Wan d r i ll e zu nennen[8], bis zum Jahre 833, mit einer Fortsetzung bis
zum Jahre 850. Sie enthält mancherlei merkwürdiges, z. B. über Einhards
Stellung als Aufseher der königlichen Bauten, und ist besonders ausführlich
über die Thätigkeit des Abtes Ansegis, jenes bedeutenden Mannes, dessen
Capitulariensammlung so großes Ansehen gewann.
[1] Ueber diesen s. Sickel, Acta Karol. I, 86-88. Simson II, 234. Ein Brief von ihm
über Verbesserung des Antiphonars NA. XI, 564-568.
[2] Daß Frechulf ein Sachse und Mönch in Fulda gewesen sei, beruht allein auf dem
Trithemischen Meginfrid von Fulda, und ist, da dieser erdichtet ist, wohl nur ein
Schluß aus dem Freundschaftsbund mit Hraban. Die Briefe beider enthalten aber
nicht die geringste Hindeutung darauf.
[3] 852 erwähnt bei Quantin, Cartulaire de l'Yonne I, 64.
Page 293
[4] Dümmler, Ostfr. I, 41. Acrostichische Verse ihr zu Ehren bei H. Hagen, Carmina
Medii Aevi p. 126-128, Poet. Lat. II, 165, von Hraban.
[5] Vgl. Büdinger, Hist. Zeitschrift VII, 115. Ebert II, 381-381. Die gründlichste
Untersuchung über Frechulfs Werk mit genauer Analyse desselben nach den von ihm
benutzten Quellen hat Emil Grunauer aus Winterthur gegeben in seiner Diss. de
fontibus historiae Frechulphi ep. Lixoviensis, 1864. Frechulph und Frechulf ist die
Schreibart der ältesten und besten (St. Galler) Handschrift, aus welcher hier nebst
Facs. die in den Ausgaben fehlenden Capitel mitgetheilt sind. Sein Todestag (October
8. Frehholfi. ep.) im Würzb. Necrol. ed. Dümmler, Forsch. VI, 117. Eine
unvollständige und dem Julius Florus zugeschriebene Hs. in Avranches 2428, s.
Ravaisson, Rapport sur les bibl. de l'Ouest (1841) p. 20; die Widmung an Judith S.
361. Vgl. unten §. 20 →2 über die Translatio Ragnoberti. — Die von Fr. Haase im
Breslauer Ind. lectt. hiem. 1860 gedruckte Widmung einer Abschrift des Vegetius an
einen König (wiederholt Veget. ed. Lang p. XXIII) kann doch wohl nur von Frechulf
sein, nach den Worten: post libros ab inicio mundi usque ad regna Francorum in
Gallia a parvitate mea congestos ex hagiographorum sive gentilium historiis, und
das wird, wie Dümmler bemerkt, durch übereinstimmende Ausdrücke bestätigt. Der
König ist dann Karl der Kahle. Vgl. auch Dümmler, Ostfr. I, 404, und in Haupts
Zeitschr. XV, 451, wo 443 bis 450 ein von Hraban für Lothar, wahrscheinlich II, im J.
855 verfaßter Auszug aus Vegetius, mit einigen Notizen über fränkische Sitten,
mitgetheilt ist. Den lebhaften praktischen Gebrauch des Vegetius bezeugt auch
Salimbene S. 197. ←
[6] Auszüge, und von 814 an vollständig MG. SS. II, 315-323; die beiden
unbedeutenden Fortsetzungen S. 324. 325. Eine weitere, ebenfalls unbedeutende
Fortsetzung aus dem elften Jahrhundert S. 326. Die erste Fortsetzung ist großentheils
entnommen aus der kurzen Francorum Regum historia 840-869, fortgesetzt bis 885
(gedr. MG. II, 324. 325) u. aus den Ann. Floriacenses; benutzt von Folcuin im
Chartul. Sith. nach B. Simson, Ludw. d. Fr. I, 192 Anm. 8. Series episcoporum Vienn.
ed. Waitz, SS. XXIV, 811, wo auch die früher ausgelassenen Stellen aus Ado über die
ältesten Vienner Bischöfe nachgetragen sind. — Ebert II, 384.
[7] Erchanberti Breviarium Regum Francorum ed. Pertz, MG. SS. II, 327; nur der
letzte Theil ist abgedruckt nach Ussermann. Uebers. bei dem Mönch von St. Gallen.
Die Handschrift (MG. Legg. I, 267. III, 9) ist jetzt in Stuttgart Cod. Jur. qu. 134, s.
Haenel in den Berichten der K. Sächs. Ges. d. Wiss. 1865.
[8] Gesta abbatum Fontanellensium, ed. Pertz (nach Dachery) MG. SS. II, 270-301,
nebst einem Fragmentum Chronici Font. 841-859 S. 301 bis 304. Ebert II, 377. Nach
der lange vermißten Hs. im Hâvre neue Ausg. von S. Loewenfeld, Hann. 1886; vgl.
dens. Forsch. XXVI, 193-215, u. über die Mängel der Ausg. Holder-Egger, NA. XVI,
602-606. Ueber das Verhalten zu Fredegars Fortsetzern Breysig, Karl Martell, S. 114
u. oben S. 203. Im Münchener historischen Jahrbuch 1865 von P. Roth benutzt, um
seine Ansicht über die Säcularisation unter den Karolingern zu unterstützen. Auch die
der Vita S. Wandregisili (oben S. 107) angehängten Miracula (Mab. II. 547. Acta SS.
Jul. V, 281) von verschiedenen Verfassern bis nach 895 fortgeführt, sind nicht
unwichtig; Ausz. SS. XV, 1, 406-409.
Medii Aevi p. 126-128, Poet. Lat. II, 165, von Hraban.
[5] Vgl. Büdinger, Hist. Zeitschrift VII, 115. Ebert II, 381-381. Die gründlichste
Untersuchung über Frechulfs Werk mit genauer Analyse desselben nach den von ihm
benutzten Quellen hat Emil Grunauer aus Winterthur gegeben in seiner Diss. de
fontibus historiae Frechulphi ep. Lixoviensis, 1864. Frechulph und Frechulf ist die
Schreibart der ältesten und besten (St. Galler) Handschrift, aus welcher hier nebst
Facs. die in den Ausgaben fehlenden Capitel mitgetheilt sind. Sein Todestag (October
8. Frehholfi. ep.) im Würzb. Necrol. ed. Dümmler, Forsch. VI, 117. Eine
unvollständige und dem Julius Florus zugeschriebene Hs. in Avranches 2428, s.
Ravaisson, Rapport sur les bibl. de l'Ouest (1841) p. 20; die Widmung an Judith S.
361. Vgl. unten §. 20 →2 über die Translatio Ragnoberti. — Die von Fr. Haase im
Breslauer Ind. lectt. hiem. 1860 gedruckte Widmung einer Abschrift des Vegetius an
einen König (wiederholt Veget. ed. Lang p. XXIII) kann doch wohl nur von Frechulf
sein, nach den Worten: post libros ab inicio mundi usque ad regna Francorum in
Gallia a parvitate mea congestos ex hagiographorum sive gentilium historiis, und
das wird, wie Dümmler bemerkt, durch übereinstimmende Ausdrücke bestätigt. Der
König ist dann Karl der Kahle. Vgl. auch Dümmler, Ostfr. I, 404, und in Haupts
Zeitschr. XV, 451, wo 443 bis 450 ein von Hraban für Lothar, wahrscheinlich II, im J.
855 verfaßter Auszug aus Vegetius, mit einigen Notizen über fränkische Sitten,
mitgetheilt ist. Den lebhaften praktischen Gebrauch des Vegetius bezeugt auch
Salimbene S. 197. ←
[6] Auszüge, und von 814 an vollständig MG. SS. II, 315-323; die beiden
unbedeutenden Fortsetzungen S. 324. 325. Eine weitere, ebenfalls unbedeutende
Fortsetzung aus dem elften Jahrhundert S. 326. Die erste Fortsetzung ist großentheils
entnommen aus der kurzen Francorum Regum historia 840-869, fortgesetzt bis 885
(gedr. MG. II, 324. 325) u. aus den Ann. Floriacenses; benutzt von Folcuin im
Chartul. Sith. nach B. Simson, Ludw. d. Fr. I, 192 Anm. 8. Series episcoporum Vienn.
ed. Waitz, SS. XXIV, 811, wo auch die früher ausgelassenen Stellen aus Ado über die
ältesten Vienner Bischöfe nachgetragen sind. — Ebert II, 384.
[7] Erchanberti Breviarium Regum Francorum ed. Pertz, MG. SS. II, 327; nur der
letzte Theil ist abgedruckt nach Ussermann. Uebers. bei dem Mönch von St. Gallen.
Die Handschrift (MG. Legg. I, 267. III, 9) ist jetzt in Stuttgart Cod. Jur. qu. 134, s.
Haenel in den Berichten der K. Sächs. Ges. d. Wiss. 1865.
[8] Gesta abbatum Fontanellensium, ed. Pertz (nach Dachery) MG. SS. II, 270-301,
nebst einem Fragmentum Chronici Font. 841-859 S. 301 bis 304. Ebert II, 377. Nach
der lange vermißten Hs. im Hâvre neue Ausg. von S. Loewenfeld, Hann. 1886; vgl.
dens. Forsch. XXVI, 193-215, u. über die Mängel der Ausg. Holder-Egger, NA. XVI,
602-606. Ueber das Verhalten zu Fredegars Fortsetzern Breysig, Karl Martell, S. 114
u. oben S. 203. Im Münchener historischen Jahrbuch 1865 von P. Roth benutzt, um
seine Ansicht über die Säcularisation unter den Karolingern zu unterstützen. Auch die
der Vita S. Wandregisili (oben S. 107) angehängten Miracula (Mab. II. 547. Acta SS.
Jul. V, 281) von verschiedenen Verfassern bis nach 895 fortgeführt, sind nicht
unwichtig; Ausz. SS. XV, 1, 406-409.
Page 294
§ 13. Deutschland unter den Karolingern.
Reichsannalen. [ ← ]
Mit dem äußersten Widerstreben hatten die deutschen Stämme sich der
Herrschaft der Franken unterworfen, welche von ihrer niederrheinischen
Heimath aus sowohl am Oberrhein wie am Main festen Fuß faßten und in
größeren Massen sich ansiedelten, während einzelne Herren dieses
herrschenden Stammes überall im ganzen Lande zu finden waren. Mit ihnen
kam die fremde, römische Kirche, und die rein deutsche, ureigne
Entwickelung wurde durch das Uebergewicht der fremden Bildung
erdrückt. Doch ist es fraglich, ob wir überhaupt berechtigt sind, hier von
einer Entwickelung zu sprechen; so lange wir von den Deutschen Nachricht
haben, ist eine solche, wo sie unberührt blieben, kaum wahrzunehmen, und
gerade das am spätesten unterworfene sächsische Heidenthum ist völlig
starr und jeder Veränderung widerstrebend; das waren Zustände, die
ungestört viele Jahrhunderte ohne merkliche Entwickelung fortbestehen
konnten.
Gewaltsam wurden die Schwaben, Baiern, Sachsen dem Frankenreiche
einverleibt; aber nachdem bei ihnen die Kirche durch Bonifatius sicher
gegründet und durch Karls feste Hand auch über Sachsen ausgebreitet war,
nahmen sie nun auch an dem Leben innerhalb derselben, an der
Entwickelung aller der durch Karl gelegten und gepflegten Keime, den
lebhaftesten selbstthätigsten Antheil. Als das große Reich zerfiel, hatte diese
Pflanzung bereits so tiefe Wurzeln bei ihnen geschlagen, daß die Trennung
keinen nachtheiligen Einfluß darauf äußerte; auch blieb ja die Einheit der
Kirche, welche die einzelnen Glieder schützte gegen das Schicksal jener
alten, in ihrer Vereinzelung verkommenden Gemeinden der irischen
Glaubensboten.
Ludwig dem Deutschen fehlte es nicht an Bildung[1]; er fand Freude
und Geschmack daran und scheint namentlich auch, wie sein Vater, den
Reichsannalen. [ ← ]
Mit dem äußersten Widerstreben hatten die deutschen Stämme sich der
Herrschaft der Franken unterworfen, welche von ihrer niederrheinischen
Heimath aus sowohl am Oberrhein wie am Main festen Fuß faßten und in
größeren Massen sich ansiedelten, während einzelne Herren dieses
herrschenden Stammes überall im ganzen Lande zu finden waren. Mit ihnen
kam die fremde, römische Kirche, und die rein deutsche, ureigne
Entwickelung wurde durch das Uebergewicht der fremden Bildung
erdrückt. Doch ist es fraglich, ob wir überhaupt berechtigt sind, hier von
einer Entwickelung zu sprechen; so lange wir von den Deutschen Nachricht
haben, ist eine solche, wo sie unberührt blieben, kaum wahrzunehmen, und
gerade das am spätesten unterworfene sächsische Heidenthum ist völlig
starr und jeder Veränderung widerstrebend; das waren Zustände, die
ungestört viele Jahrhunderte ohne merkliche Entwickelung fortbestehen
konnten.
Gewaltsam wurden die Schwaben, Baiern, Sachsen dem Frankenreiche
einverleibt; aber nachdem bei ihnen die Kirche durch Bonifatius sicher
gegründet und durch Karls feste Hand auch über Sachsen ausgebreitet war,
nahmen sie nun auch an dem Leben innerhalb derselben, an der
Entwickelung aller der durch Karl gelegten und gepflegten Keime, den
lebhaftesten selbstthätigsten Antheil. Als das große Reich zerfiel, hatte diese
Pflanzung bereits so tiefe Wurzeln bei ihnen geschlagen, daß die Trennung
keinen nachtheiligen Einfluß darauf äußerte; auch blieb ja die Einheit der
Kirche, welche die einzelnen Glieder schützte gegen das Schicksal jener
alten, in ihrer Vereinzelung verkommenden Gemeinden der irischen
Glaubensboten.
Ludwig dem Deutschen fehlte es nicht an Bildung[1]; er fand Freude
und Geschmack daran und scheint namentlich auch, wie sein Vater, den
Page 295
Wunsch gehabt zu haben, den Deutschen das Christenthum durch Werke in
der Volkssprache näher zu bringen. Ihm selber glaubt man die
Aufzeichnung des deutschen Gedichtes vom Jüngsten Tage in einer ihm
gewidmeten Handschrift zuschreiben zu dürfen[2]; ihm übersandte auch
Otfrid um 865 sein Evangelienbuch. Nicht minder nahm aber auch Ludwig,
wie sein Vater und seine Brüder, lebhaften Antheil an den Fragen und
Untersuchungen, welche die gelehrten Theologen seiner Zeit beschäftigten,
in so eingehender Weise, wie es nur bei der gründlichen Schulbildung der
Karolinger möglich war. Der Erzbischof Adalram von Salzburg (821-836)
übersandte ihm die Abschrift einer Predigt des heiligen Augustin, dieselbe,
welcher die eben erwähnten deutschen Verse beigefügt sind; ein Priester
Regimar mehrere Schriften des h. Ambrosius[3]. Besonders aber stand er in
lebhaftem Verkehr mit Hraban, der ihm mehrere seiner Werke theils aus
eigenem Antriebe, theils auf ausdrückliche Aufforderung des Königs
überreicht hat; im Prolog zum Daniel erwähnt er peritissimos lectores an
seinem Hofe[4]. Auch zu der Unterredung mit seinem Bruder Karl im Jahre
865 führte Ludwig den Bischof Altfrid von Hildesheim mit sich und
benutzte die Anwesenheit des gelehrten Hinkmar, um diesen beiden
Männern einige schwierige Stellen der heiligen Schrift zur Erklärung
vorzulegen. Dadurch veranlaßt, verfaßte Hinkmar seine Auslegung des 17.
Verses des 103. Psalmes, welche er dem Könige übersandte[5]. Auch fehlte
es am ostfränkischen Hofe wohl nicht ganz an einer Hofschule für die
vornehmen Jünglinge, welche nach alter Sitte dort sich auszubilden suchten.
Erzkanzler war von 829-833 der gelehrte Abt Gozbald von Nieder-Altaich,
welcher später (841-855) das Bisthum Würzburg erhielt. Ihn nennt
Ermanrich von Ellwangen seinen Lehrer, vorzüglich aber kann er nicht
Worte genug finden zum Preise des weisesten der Lehrer, des Erzkaplans
Grimald, der noch an Karls Hofe gebildet war, man sagte sogar, daß er noch
Alcuins Unterricht genossen habe, dann in der Reichenau höhere
Ausbildung suchte, und von 833 bis 870, wenngleich nicht ohne
Unterbrechung, der Kanzlei, bald auch der Kapelle Ludwigs vorstand. Mit
drei Abteien, Weissenburg, St. Gallen und Ellwangen[6] bedacht, hielt er
der Volkssprache näher zu bringen. Ihm selber glaubt man die
Aufzeichnung des deutschen Gedichtes vom Jüngsten Tage in einer ihm
gewidmeten Handschrift zuschreiben zu dürfen[2]; ihm übersandte auch
Otfrid um 865 sein Evangelienbuch. Nicht minder nahm aber auch Ludwig,
wie sein Vater und seine Brüder, lebhaften Antheil an den Fragen und
Untersuchungen, welche die gelehrten Theologen seiner Zeit beschäftigten,
in so eingehender Weise, wie es nur bei der gründlichen Schulbildung der
Karolinger möglich war. Der Erzbischof Adalram von Salzburg (821-836)
übersandte ihm die Abschrift einer Predigt des heiligen Augustin, dieselbe,
welcher die eben erwähnten deutschen Verse beigefügt sind; ein Priester
Regimar mehrere Schriften des h. Ambrosius[3]. Besonders aber stand er in
lebhaftem Verkehr mit Hraban, der ihm mehrere seiner Werke theils aus
eigenem Antriebe, theils auf ausdrückliche Aufforderung des Königs
überreicht hat; im Prolog zum Daniel erwähnt er peritissimos lectores an
seinem Hofe[4]. Auch zu der Unterredung mit seinem Bruder Karl im Jahre
865 führte Ludwig den Bischof Altfrid von Hildesheim mit sich und
benutzte die Anwesenheit des gelehrten Hinkmar, um diesen beiden
Männern einige schwierige Stellen der heiligen Schrift zur Erklärung
vorzulegen. Dadurch veranlaßt, verfaßte Hinkmar seine Auslegung des 17.
Verses des 103. Psalmes, welche er dem Könige übersandte[5]. Auch fehlte
es am ostfränkischen Hofe wohl nicht ganz an einer Hofschule für die
vornehmen Jünglinge, welche nach alter Sitte dort sich auszubilden suchten.
Erzkanzler war von 829-833 der gelehrte Abt Gozbald von Nieder-Altaich,
welcher später (841-855) das Bisthum Würzburg erhielt. Ihn nennt
Ermanrich von Ellwangen seinen Lehrer, vorzüglich aber kann er nicht
Worte genug finden zum Preise des weisesten der Lehrer, des Erzkaplans
Grimald, der noch an Karls Hofe gebildet war, man sagte sogar, daß er noch
Alcuins Unterricht genossen habe, dann in der Reichenau höhere
Ausbildung suchte, und von 833 bis 870, wenngleich nicht ohne
Unterbrechung, der Kanzlei, bald auch der Kapelle Ludwigs vorstand. Mit
drei Abteien, Weissenburg, St. Gallen und Ellwangen[6] bedacht, hielt er
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sich doch noch immer vorzüglich am Hofe auf, wo die wichtigsten
Geschäfte ihm anvertraut wurden. Er war ein Neffe des Erzbischofs Hetti
von Trier, und der Bruder von dessen Nachfolger Thietgaud[7]. Zu den
bedeutendsten Gelehrten der Zeit stand er in freundschaftlichen
Beziehungen; so übersandte Hraban ihm sein Martyrologium mit einer
poetischen Widmung[8], und nie versäumte Grimald über den
Staatsgeschäften die Pflege der Wissenschaft. Veranlaßt war Hraban zu
jenem Werke durch Ratleik, einst Einhards Schreiber, dann dessen
Nachfolger als Abt von Seligenstadt und von 839 bis 853 Kanzler an
Grimalds Stelle[9]. Auch Witgar, Abt von Ottobeuern, der von 858-860
Kanzler war, dann Bischof von Augsburg wurde, zeichnete sich durch Liebe
zu gelehrten Studien aus; nicht minder auch Grimalds Nachfolger Liutbert,
der Erzbischof von Mainz[10].
Allein der Königshof war doch nicht mehr wie in Karls Zeit der
Mittelpunkt aller litterarischen Bestrebungen, welche sich nun vielmehr an
die Orte anschlossen, wo die bedeutendsten Lehrer der Zeit wirkten, und
namentlich bei dem bald nachher eintretenden Verfall des Reiches kann
man es nur als eine glückliche Entwickelung betrachten, dass diese Studien
in voller Unabhängigkeit an den verschiedensten Orten feste Wurzeln
getrieben hatten. Naturgemäß verbreiteten sie sich im ganzen Reiche,
erblühten bald hier bald da zu reicher Entfaltung, und folgten so derselben
Richtung der Vereinzelung und Absonderung, welche im deutschen Reiche
sich überall und immer von neuem geltend macht. Daher ergiebt sich denn
auch die Betrachtung nach landschaftlichen Gruppen als die einzige für die
deutsche historische Litteratur anwendbare.
Aber wie überhaupt die Zeit der deutschen Karolinger sich aufs
genaueste den Zuständen des Frankenreichs anschließt, so finden wir auch
unter Ludwig und seinen Söhnen noch eine Fortsetzung der alten
Reichsannalen. Denn wenn auch die A nnalen v on F ul da[11] aus einem
Kloster hervorgegangen sind und diesen localen Ursprung nicht verleugnen,
so umfaßt doch auch ihr Gesichtskreis das ganze Reich, und die
Geschäfte ihm anvertraut wurden. Er war ein Neffe des Erzbischofs Hetti
von Trier, und der Bruder von dessen Nachfolger Thietgaud[7]. Zu den
bedeutendsten Gelehrten der Zeit stand er in freundschaftlichen
Beziehungen; so übersandte Hraban ihm sein Martyrologium mit einer
poetischen Widmung[8], und nie versäumte Grimald über den
Staatsgeschäften die Pflege der Wissenschaft. Veranlaßt war Hraban zu
jenem Werke durch Ratleik, einst Einhards Schreiber, dann dessen
Nachfolger als Abt von Seligenstadt und von 839 bis 853 Kanzler an
Grimalds Stelle[9]. Auch Witgar, Abt von Ottobeuern, der von 858-860
Kanzler war, dann Bischof von Augsburg wurde, zeichnete sich durch Liebe
zu gelehrten Studien aus; nicht minder auch Grimalds Nachfolger Liutbert,
der Erzbischof von Mainz[10].
Allein der Königshof war doch nicht mehr wie in Karls Zeit der
Mittelpunkt aller litterarischen Bestrebungen, welche sich nun vielmehr an
die Orte anschlossen, wo die bedeutendsten Lehrer der Zeit wirkten, und
namentlich bei dem bald nachher eintretenden Verfall des Reiches kann
man es nur als eine glückliche Entwickelung betrachten, dass diese Studien
in voller Unabhängigkeit an den verschiedensten Orten feste Wurzeln
getrieben hatten. Naturgemäß verbreiteten sie sich im ganzen Reiche,
erblühten bald hier bald da zu reicher Entfaltung, und folgten so derselben
Richtung der Vereinzelung und Absonderung, welche im deutschen Reiche
sich überall und immer von neuem geltend macht. Daher ergiebt sich denn
auch die Betrachtung nach landschaftlichen Gruppen als die einzige für die
deutsche historische Litteratur anwendbare.
Aber wie überhaupt die Zeit der deutschen Karolinger sich aufs
genaueste den Zuständen des Frankenreichs anschließt, so finden wir auch
unter Ludwig und seinen Söhnen noch eine Fortsetzung der alten
Reichsannalen. Denn wenn auch die A nnalen v on F ul da[11] aus einem
Kloster hervorgegangen sind und diesen localen Ursprung nicht verleugnen,
so umfaßt doch auch ihr Gesichtskreis das ganze Reich, und die
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Klostergeschichte erscheint ganz als Nebensache. Die Verfasser müssen in
naher Verbindung mit dem Hofe gestanden, unter dem Einfluß desselben
geschrieben haben, wenn sich auch kein Zeugniß dafür beibringen läßt; sie
zeigen sich außerordentlich gut unterrichtet und beobachten auch als
officielle Reichshistoriographen dieselben Rücksichten, welche schon in
den Fortsetzungen des Fredegar und in den Lorscher Annalen
wahrzunehmen sind. Uebrigens haben sie vortrefflich geschrieben in jener
schon an Karls Hofe festgestellten Weise; dieselbe, in ruhiger Würde völlig
objectiv gehaltene Darstellung, von Jahr zu Jahr fortschreitend, mit der
deutlichen Absicht, der Nachwelt Kunde von den Ereignissen zu
hinterlassen und zugleich ihr Urtheil zu bestimmen. Nicht jedes Jahr ist
daran geschrieben, aber doch immer ziemlich bald nach den Ereignissen,
und deshalb haben wir an ihnen eine unschätzbare Quelle ersten Ranges,
bei der wir nur die Absichtlichkeit der Darstellung nicht außer Acht lassen
dürfen. Die Form ist anspruchslos, und doch muß man bei näherer
Betrachtung die Kunst anerkennen, welche dazu gehörte, in diesen wirren
Zeiten alles im Auge zu behalten, sich durch Nebensachen nicht abwenden
zu lassen, und mit knapper Beschränkung das Wichtigste übersichtlich
zusammen zu stellen.
Ein allem Anschein nach fuldischer Mönch war es, der zuerst die
Aufgabe übernahm, die 829 abgebrochenen Königsannalen für Ludwigs
Reich weiter zu führen. Er besaß jedoch dieselben, wie es scheint, nicht
vollständig, sondern wie in der Wiener Handschrift 612 (hist. prof. 989,
cod. 6 bei Pertz) nur von 771 an; dazu die Laurissenses minores von 714 an
und die Sithienses 741 bis 823. Gewiß war es wünschenswerth, hieraus ein
übersichtliches Handbuch zusammen zu stellen, und zu diesem Zwecke
empfahlen sich ihm vorzüglich die Sithienses durch ihre knappe und nicht
incorrecte Form: die für ihn nothwendige Aufgabe, die alten Lorscher
Annalen zugleich zusammen zu ziehen und ihrer rohen Gestalt zu
entkleiden, war hier bereits erfüllt; nur für den Anfang hatte er es noch
nachzuholen. Der übergroßen Kürze und Dürftigkeit wurde durch Zusätze
aus der kleinen Lorscher Frankenchronik, von 771 an überwiegend und bald
naher Verbindung mit dem Hofe gestanden, unter dem Einfluß desselben
geschrieben haben, wenn sich auch kein Zeugniß dafür beibringen läßt; sie
zeigen sich außerordentlich gut unterrichtet und beobachten auch als
officielle Reichshistoriographen dieselben Rücksichten, welche schon in
den Fortsetzungen des Fredegar und in den Lorscher Annalen
wahrzunehmen sind. Uebrigens haben sie vortrefflich geschrieben in jener
schon an Karls Hofe festgestellten Weise; dieselbe, in ruhiger Würde völlig
objectiv gehaltene Darstellung, von Jahr zu Jahr fortschreitend, mit der
deutlichen Absicht, der Nachwelt Kunde von den Ereignissen zu
hinterlassen und zugleich ihr Urtheil zu bestimmen. Nicht jedes Jahr ist
daran geschrieben, aber doch immer ziemlich bald nach den Ereignissen,
und deshalb haben wir an ihnen eine unschätzbare Quelle ersten Ranges,
bei der wir nur die Absichtlichkeit der Darstellung nicht außer Acht lassen
dürfen. Die Form ist anspruchslos, und doch muß man bei näherer
Betrachtung die Kunst anerkennen, welche dazu gehörte, in diesen wirren
Zeiten alles im Auge zu behalten, sich durch Nebensachen nicht abwenden
zu lassen, und mit knapper Beschränkung das Wichtigste übersichtlich
zusammen zu stellen.
Ein allem Anschein nach fuldischer Mönch war es, der zuerst die
Aufgabe übernahm, die 829 abgebrochenen Königsannalen für Ludwigs
Reich weiter zu führen. Er besaß jedoch dieselben, wie es scheint, nicht
vollständig, sondern wie in der Wiener Handschrift 612 (hist. prof. 989,
cod. 6 bei Pertz) nur von 771 an; dazu die Laurissenses minores von 714 an
und die Sithienses 741 bis 823. Gewiß war es wünschenswerth, hieraus ein
übersichtliches Handbuch zusammen zu stellen, und zu diesem Zwecke
empfahlen sich ihm vorzüglich die Sithienses durch ihre knappe und nicht
incorrecte Form: die für ihn nothwendige Aufgabe, die alten Lorscher
Annalen zugleich zusammen zu ziehen und ihrer rohen Gestalt zu
entkleiden, war hier bereits erfüllt; nur für den Anfang hatte er es noch
nachzuholen. Der übergroßen Kürze und Dürftigkeit wurde durch Zusätze
aus der kleinen Lorscher Frankenchronik, von 771 an überwiegend und bald
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ausschließlich aus den Reichsannalen abgeholfen; diesen vertraut er sich
nun ganz an, ohne doch bis 823 die Führung der Sithienses völlig zu
verlassen. Als weitere Quellen weist Kurze sowohl die von ihm construirte
Chronik bis 796, wie die nach Saint-Denis benannte Compilation bis 805
nach, der vielleicht schon eine Fortsetzung sich anschloß; auch die Annales
Bertiniani zieht er heran. Aus der Translatio SS. Marcellini et Petri (826 und
828) ist einiges zugesetzt[12]; vorzüglich aber verfehlte er nicht, die
Hausgeschichte seines Klosters mit Hülfe der alten Annalen in die
Reichsgeschichte zu verflechten. Die wenig reichhaltige Fortsetzung bis
838 berührt jedoch nur die allgemeinen Angelegenheiten, aber von einer
Einwirkung des Hofes ist noch nichts zu spüren, ein eigenes Urtheil nur
leise angedeutet. Der Verfasser hatte wohl nur die Belehrung seiner
Klosterbrüder im Auge, und nachdem einmal die völlig ausgebildeten
Annalen vorlagen, mußte auch ohne einen äußeren Antrieb überall, wo man
eine Abschrift besaß, der Wunsch sich geltend machen, diese werthvolle
Quelle wichtiger Belehrung weiter zu führen. Für diese Zeit und in einem
Kloster von hervorragender Bedeutung war eine solche Arbeit auch für
Mönche nicht mehr zu schwierig.
Das Verhältniß zu den Annales Sithienses, wie es hier angenommen ist,
beruht auf dem von B. Simson gegebenen Nachweis, daß den Annales
Sithienses gerade alles dasjenige fehlt, was die Annales Fuldenses wörtlich
den Laurissenses minores entnommen haben, da doch unmöglich
angenommen werden kann, daß gerade alle diese Zusätze bei einem
Auszuge weggelassen wären; zugleich weist der Zusatz zu der Notiz über
die Rinderpest 810 auf einen Zeitgenossen im letzten Theile[10].
Ich sehe mich hier leider wieder genöthigt, wie schon in den früheren
Ausgaben, von dem sonst immer so schwerwiegenden Urtheil von Waitz
abzuweichen, obgleich sich derselbe Forsch. XVIII, 354 ff. speciell an mich
gewandt hat, um mich von der entgegengesetzten Sachlage zu überzeugen.
Es war auch bei mir nicht etwa eine aus Simsons Paralleldruck
hervorgegangene „Täuschung des Auges“; ich hatte mir vielmehr selbst den
nun ganz an, ohne doch bis 823 die Führung der Sithienses völlig zu
verlassen. Als weitere Quellen weist Kurze sowohl die von ihm construirte
Chronik bis 796, wie die nach Saint-Denis benannte Compilation bis 805
nach, der vielleicht schon eine Fortsetzung sich anschloß; auch die Annales
Bertiniani zieht er heran. Aus der Translatio SS. Marcellini et Petri (826 und
828) ist einiges zugesetzt[12]; vorzüglich aber verfehlte er nicht, die
Hausgeschichte seines Klosters mit Hülfe der alten Annalen in die
Reichsgeschichte zu verflechten. Die wenig reichhaltige Fortsetzung bis
838 berührt jedoch nur die allgemeinen Angelegenheiten, aber von einer
Einwirkung des Hofes ist noch nichts zu spüren, ein eigenes Urtheil nur
leise angedeutet. Der Verfasser hatte wohl nur die Belehrung seiner
Klosterbrüder im Auge, und nachdem einmal die völlig ausgebildeten
Annalen vorlagen, mußte auch ohne einen äußeren Antrieb überall, wo man
eine Abschrift besaß, der Wunsch sich geltend machen, diese werthvolle
Quelle wichtiger Belehrung weiter zu führen. Für diese Zeit und in einem
Kloster von hervorragender Bedeutung war eine solche Arbeit auch für
Mönche nicht mehr zu schwierig.
Das Verhältniß zu den Annales Sithienses, wie es hier angenommen ist,
beruht auf dem von B. Simson gegebenen Nachweis, daß den Annales
Sithienses gerade alles dasjenige fehlt, was die Annales Fuldenses wörtlich
den Laurissenses minores entnommen haben, da doch unmöglich
angenommen werden kann, daß gerade alle diese Zusätze bei einem
Auszuge weggelassen wären; zugleich weist der Zusatz zu der Notiz über
die Rinderpest 810 auf einen Zeitgenossen im letzten Theile[10].
Ich sehe mich hier leider wieder genöthigt, wie schon in den früheren
Ausgaben, von dem sonst immer so schwerwiegenden Urtheil von Waitz
abzuweichen, obgleich sich derselbe Forsch. XVIII, 354 ff. speciell an mich
gewandt hat, um mich von der entgegengesetzten Sachlage zu überzeugen.
Es war auch bei mir nicht etwa eine aus Simsons Paralleldruck
hervorgegangene „Täuschung des Auges“; ich hatte mir vielmehr selbst den
Page 299
Text der Fulder Annalen für diesen ganzen Abschnitt in seine Elemente
zerlegt, und war dadurch zu demselben Resultate gekommen, welches
Simson gewonnen hat, und welches durch Is. Bernays von neuem mit
großer Schärfe begründet ist. Die Ueberspringung so vieler sicher aus den
Lauriss. min. entnommener Stellen in den Sithienses scheint mir unleugbar,
und mit der Annahme, daß diese aus den Fuldenses excerpirt wären,
unvereinbar. Die vorhandenen Schwierigkeiten müssen deshalb auf andere
Weise erklärt werden, wie es in mehreren Fällen Bernays mit Erfolg
versucht hat. Fr. Kurze, welcher sich diesem Standpunkt durchaus
angeschlossen hat, vermuthet die Benutzung einer besseren und vielleicht
etwas reichhaltigeren Handschrift, welche auch weiter fortgesetzt sein
konnte. Uebrigens ist die ganze Frage sachlich ohne Bedeutung.
Die Ann al es S ith ienses haben diesen Namen nur deshalb erhalten,
weil sie von Mone in einer Handschrift des Klosters Sithiu oder Saint-
Bertin entdeckt und daraus veröffentlicht sind[11]. Locale Beziehungen aber
fehlen durchaus. Sie beginnen mit Königsnamen von 548 bis 726; von 741
bis 823 liegen fortlaufende Reichsannalen vor, von welchen schon Mone
richtig bemerkte, daß sie anfangs zum Theil auf den Ann. Petav. beruhen,
übrigens aber durchgehende Verwandtschaft mit den Ann. Lauriss. und
Einhardi zeigen. Der Text schwankt zwischen beiden Texten. Das aber, und
der Anklang an verschiedene andere Quellen wird von Kurze zurückgeführt
auf die Benutzung der oft erwähnten Compilation bis 796. Der Auszug ist
nicht ohne Geschick gemacht, aber sehr dürftig, so daß der Fulder Annalist,
wie bereits erwähnt, aus anderen Quellen sich reicheren Stoff verschaffte.
Ueber die kühnen Hypothesen Dünzelmanns glaube ich jetzt
weggehen zu dürfen, da seine Ansicht von einer Theilung der Annales
Fuldenses in einen schon um 793 verfaßten und einen späteren Theil
widerlegt wird durch die zweifellose Benutzung der Lauriss. min. und den
von Waitz geführten Beweis, daß diese erst um 806 verfaßt sind.
zerlegt, und war dadurch zu demselben Resultate gekommen, welches
Simson gewonnen hat, und welches durch Is. Bernays von neuem mit
großer Schärfe begründet ist. Die Ueberspringung so vieler sicher aus den
Lauriss. min. entnommener Stellen in den Sithienses scheint mir unleugbar,
und mit der Annahme, daß diese aus den Fuldenses excerpirt wären,
unvereinbar. Die vorhandenen Schwierigkeiten müssen deshalb auf andere
Weise erklärt werden, wie es in mehreren Fällen Bernays mit Erfolg
versucht hat. Fr. Kurze, welcher sich diesem Standpunkt durchaus
angeschlossen hat, vermuthet die Benutzung einer besseren und vielleicht
etwas reichhaltigeren Handschrift, welche auch weiter fortgesetzt sein
konnte. Uebrigens ist die ganze Frage sachlich ohne Bedeutung.
Die Ann al es S ith ienses haben diesen Namen nur deshalb erhalten,
weil sie von Mone in einer Handschrift des Klosters Sithiu oder Saint-
Bertin entdeckt und daraus veröffentlicht sind[11]. Locale Beziehungen aber
fehlen durchaus. Sie beginnen mit Königsnamen von 548 bis 726; von 741
bis 823 liegen fortlaufende Reichsannalen vor, von welchen schon Mone
richtig bemerkte, daß sie anfangs zum Theil auf den Ann. Petav. beruhen,
übrigens aber durchgehende Verwandtschaft mit den Ann. Lauriss. und
Einhardi zeigen. Der Text schwankt zwischen beiden Texten. Das aber, und
der Anklang an verschiedene andere Quellen wird von Kurze zurückgeführt
auf die Benutzung der oft erwähnten Compilation bis 796. Der Auszug ist
nicht ohne Geschick gemacht, aber sehr dürftig, so daß der Fulder Annalist,
wie bereits erwähnt, aus anderen Quellen sich reicheren Stoff verschaffte.
Ueber die kühnen Hypothesen Dünzelmanns glaube ich jetzt
weggehen zu dürfen, da seine Ansicht von einer Theilung der Annales
Fuldenses in einen schon um 793 verfaßten und einen späteren Theil
widerlegt wird durch die zweifellose Benutzung der Lauriss. min. und den
von Waitz geführten Beweis, daß diese erst um 806 verfaßt sind.
Page 300
Ueber den Verfasser dieser Annalen nun werden wir belehrt durch eine
Randnote in dem um 900 geschriebenen Schlettstadter Codex zum Jahre
838: hucusque Enhardus. Daß hiermit kein anderer gemeint ist, als der
berühmte E inhar d, können wir als sichergestellt betrachten; ein Mönch
Enhard ist weder in den Fulder Todtenannalen noch im Reichenauer
Nekrolog zu finden. Für seine Autorschaft hat sich nun in bestimmtester
Weise Kurze erklärt[12], indem er sich besonders darauf stützt, daß zum
Jahre 836 in das Itinerar des Kaisers die Angabe eingeschoben ist, derselbe
sei „ad sanctos Marcellinum et Petrum“ gekommen. Darum müßten die
Annalen in Seligenstadt geschrieben sein. Allein ich denke, der Ruf dieser
Heiligen und ihrer Wunderthaten müßte damals weit verbreitet und auch in
Fulda wohlbekannt gewesen, der Besuch des Kaisers auch da als sehr
denkwürdig erschienen sein. Deshalb erscheinen mir Pückerts (S. 158)
Gegengründe gegen die Fulder Ueberlieferung doch überwiegend, die
Abfassung nur in Fulda selbst anzunehmen. Und daß derselbe Mann nun
auch noch die Ann. Sithienses für seine Genter Mönche verfaßt haben
sollte, damit scheint mir ihm wirklich zu viel zugemuthet zu werden. Sieht
man in ihm den Verfasser der großen Reichsannalen, so kann man vollends
diese annalistische Vielgeschäftigkeit nicht glaubhaft finden.
Von der Fortsetzung der Annalen war schon längst erkannt worden,
daß sie nicht aus dem Kloster Fulda herstammen können, obgleich der
Verfasser der ersten Fortsetzung (838-863) Rud ol f uns als Mönch des
Klosters bekannt ist; wir werden noch auf ihn zurückkommen. Er ist aber so
sehr in die Denkweise, die Gesichtspunkte und Absichten des Hofes
eingeweiht, so gleichmäßig unterrichtet über die wichtigeren Begebenheiten
in allen Theilen des Reiches, daß ein näheres Verhältniß zum König nicht
zu verkennen ist; er stellt denselben stets in das günstigste Licht, und zählt
z. J. 858 sich selbst zu den „consiliorum regis conscii“. Aber andererseits
findet sich doch keine Spur eines Aufenthaltes am Hofe, etwa der
Zugehörigkeit zur Kanzlei, und wir finden ihn auch später wieder im
Kloster. Hatte nun schon Duchesne bemerkt, daß Einige den Mainzer
Ursprung dieser Annalen behaupten, und in der That tritt die Beziehung zu
Randnote in dem um 900 geschriebenen Schlettstadter Codex zum Jahre
838: hucusque Enhardus. Daß hiermit kein anderer gemeint ist, als der
berühmte E inhar d, können wir als sichergestellt betrachten; ein Mönch
Enhard ist weder in den Fulder Todtenannalen noch im Reichenauer
Nekrolog zu finden. Für seine Autorschaft hat sich nun in bestimmtester
Weise Kurze erklärt[12], indem er sich besonders darauf stützt, daß zum
Jahre 836 in das Itinerar des Kaisers die Angabe eingeschoben ist, derselbe
sei „ad sanctos Marcellinum et Petrum“ gekommen. Darum müßten die
Annalen in Seligenstadt geschrieben sein. Allein ich denke, der Ruf dieser
Heiligen und ihrer Wunderthaten müßte damals weit verbreitet und auch in
Fulda wohlbekannt gewesen, der Besuch des Kaisers auch da als sehr
denkwürdig erschienen sein. Deshalb erscheinen mir Pückerts (S. 158)
Gegengründe gegen die Fulder Ueberlieferung doch überwiegend, die
Abfassung nur in Fulda selbst anzunehmen. Und daß derselbe Mann nun
auch noch die Ann. Sithienses für seine Genter Mönche verfaßt haben
sollte, damit scheint mir ihm wirklich zu viel zugemuthet zu werden. Sieht
man in ihm den Verfasser der großen Reichsannalen, so kann man vollends
diese annalistische Vielgeschäftigkeit nicht glaubhaft finden.
Von der Fortsetzung der Annalen war schon längst erkannt worden,
daß sie nicht aus dem Kloster Fulda herstammen können, obgleich der
Verfasser der ersten Fortsetzung (838-863) Rud ol f uns als Mönch des
Klosters bekannt ist; wir werden noch auf ihn zurückkommen. Er ist aber so
sehr in die Denkweise, die Gesichtspunkte und Absichten des Hofes
eingeweiht, so gleichmäßig unterrichtet über die wichtigeren Begebenheiten
in allen Theilen des Reiches, daß ein näheres Verhältniß zum König nicht
zu verkennen ist; er stellt denselben stets in das günstigste Licht, und zählt
z. J. 858 sich selbst zu den „consiliorum regis conscii“. Aber andererseits
findet sich doch keine Spur eines Aufenthaltes am Hofe, etwa der
Zugehörigkeit zur Kanzlei, und wir finden ihn auch später wieder im
Kloster. Hatte nun schon Duchesne bemerkt, daß Einige den Mainzer
Ursprung dieser Annalen behaupten, und in der That tritt die Beziehung zu
Page 301
Mainz oft sehr stark hervor, so hat doch erst A. Rethfeld in seiner
scharfsinnigen Abhandlung[13] die richtige Lösung gefunden. Nachdem eine
Urkunde vom 27. Jan. 849 (Mühlb. 1350), worin Rudolf vom König als
sein Beichtvater, zugleich aber auch als Vorsteher der Schule zu Fulda
bezeichnet ist, schon längst als unecht beseitigt war, zeigen uns die
Urkunden des Klosters, daß Rudolf in denselben zwar häufig vorkommt,
aber nur bis 841. Unzweifelhaft, dürfen wir wohl sagen, hat er in der
Folgezeit sich lange auswärts aufgehalten, und es ist höchst wahrscheinlich,
daß Hraban 847 bei seiner Erhebung zum Erzbischof ihn nach Mainz mit
sich nahm. Aber für die Zwischenzeit fehlt jeder Anhalt. Kurze hat jedoch
auf den Bericht der Annalen von dem Aufenthalt K. Ludwigs 838 in
Frankfurt hingewiesen, welcher schon auf eine vertrauliche Beziehung
hindeutet: es scheint, daß Rudolf selbst anwesend war, und schon damals
nach der löblichen Sitte der älteren Könige den Auftrag erhielt,
Reichsannalen zu schreiben. Durch seine gelehrte Bildung, einen
lateinischen Stil, der sich mit Einhard wohl vergleichen läßt, und eine
besonnene und billige Denkweise war er dazu besonders geeignet; möchten
wir allerdings gern sehr viel mehr von ihm erfahren, so darf man nicht
vergessen, daß seine Aufgabe eine knappe und übersichtliche Darstellung,
verbunden mit vorsichtiger Discretion erforderte. Setzte nun sein Aufenthalt
am erzbischöflichen und öftere Berührung mit dem königlichen Hofe ihn in
den Stand, vielerlei Nachrichten zu erfahren, so mag ihm doch oft auch die
Ruhe zur Ausarbeitung gefehlt haben, denn man brauchte seine Feder auch
für andere Aufgaben; nicht jedes Jahr schrieb er seine Fortsetzung, und
Kurze hat wahrscheinlich gemacht, daß er gerade, wenn er sich einmal
wieder in Fulda aufhielt, seine Notizen sorgfältig ausgearbeitet hat, so 853,
wo er die seit 849 gelassene Lücke ausfüllte. Zuletzt 860 zog er sich, wohl
durch seine Kränklichkeit veranlaßt, ganz nach Fulda zurück.
Vermuthlich von dem Fortsetzer rühren die Randnoten her, welche
Enhard und Rudolf als Verfasser der früheren Theile nennen; ihn selbst
kennen wir nicht, aber es ist höchst wahrscheinlich, daß es Megi nh ar d
war, der auch Rudolfs anderes unvollendetes Werk vollendete und mit einer
scharfsinnigen Abhandlung[13] die richtige Lösung gefunden. Nachdem eine
Urkunde vom 27. Jan. 849 (Mühlb. 1350), worin Rudolf vom König als
sein Beichtvater, zugleich aber auch als Vorsteher der Schule zu Fulda
bezeichnet ist, schon längst als unecht beseitigt war, zeigen uns die
Urkunden des Klosters, daß Rudolf in denselben zwar häufig vorkommt,
aber nur bis 841. Unzweifelhaft, dürfen wir wohl sagen, hat er in der
Folgezeit sich lange auswärts aufgehalten, und es ist höchst wahrscheinlich,
daß Hraban 847 bei seiner Erhebung zum Erzbischof ihn nach Mainz mit
sich nahm. Aber für die Zwischenzeit fehlt jeder Anhalt. Kurze hat jedoch
auf den Bericht der Annalen von dem Aufenthalt K. Ludwigs 838 in
Frankfurt hingewiesen, welcher schon auf eine vertrauliche Beziehung
hindeutet: es scheint, daß Rudolf selbst anwesend war, und schon damals
nach der löblichen Sitte der älteren Könige den Auftrag erhielt,
Reichsannalen zu schreiben. Durch seine gelehrte Bildung, einen
lateinischen Stil, der sich mit Einhard wohl vergleichen läßt, und eine
besonnene und billige Denkweise war er dazu besonders geeignet; möchten
wir allerdings gern sehr viel mehr von ihm erfahren, so darf man nicht
vergessen, daß seine Aufgabe eine knappe und übersichtliche Darstellung,
verbunden mit vorsichtiger Discretion erforderte. Setzte nun sein Aufenthalt
am erzbischöflichen und öftere Berührung mit dem königlichen Hofe ihn in
den Stand, vielerlei Nachrichten zu erfahren, so mag ihm doch oft auch die
Ruhe zur Ausarbeitung gefehlt haben, denn man brauchte seine Feder auch
für andere Aufgaben; nicht jedes Jahr schrieb er seine Fortsetzung, und
Kurze hat wahrscheinlich gemacht, daß er gerade, wenn er sich einmal
wieder in Fulda aufhielt, seine Notizen sorgfältig ausgearbeitet hat, so 853,
wo er die seit 849 gelassene Lücke ausfüllte. Zuletzt 860 zog er sich, wohl
durch seine Kränklichkeit veranlaßt, ganz nach Fulda zurück.
Vermuthlich von dem Fortsetzer rühren die Randnoten her, welche
Enhard und Rudolf als Verfasser der früheren Theile nennen; ihn selbst
kennen wir nicht, aber es ist höchst wahrscheinlich, daß es Megi nh ar d
war, der auch Rudolfs anderes unvollendetes Werk vollendete und mit einer
Page 302
gleichlautenden Randbemerkung versah. Die Gegengründe von Pertz sind
durch Rethfeld und Kurze widerlegt. Er schrieb ganz in derselben Weise
und in demselben Geiste, wie sein Vorgänger, wenn auch mit geringerer
Kunst des Ausdrucks, gleichmäßig die Reichsgeschichte nach allen
Richtungen verfolgend, auch nicht minder beflissen, die Könige in
günstigem Lichte erscheinen zu lassen. Einen merkwürdigen Gegensatz
bildet daher eine, wie es scheint, besondere Aufzeichnung, nicht das
Fragment eines größeren Werkes, über Ludwigs des Jüngeren Krieg gegen
die Söhne Ludwigs des Stammlers, welches Boehmer auf dem letzten Blatt
einer aus Augsburg stammenden Handschrift saec. IX. in München fand[14].
Daß Meginhard in Mainz seine Annalen geschrieben hat, ist vollkommen
klar; 869 erscheint er zuletzt in den Urkunden von Fulda; 870 wurde der
Erzbischof Liutbert Erzkaplan, und damals wird er Meginhard den Auftrag
gegeben haben, die Annalen, welche seit Rudolfs Tod liegen geblieben
waren, fortzusetzen. Er besorgte zu dem Zweck eine Abschrift von Rudolfs
Werk, worin drei Stellen geändert, die nach Rudolfs Tod 864 und 865 in
Fulda gemachten Zusätze freier überarbeitet sind, und verfaßte nun den
Bericht, über die Zwischenzeit, welcher dürftig und lückenhaft, auch nicht
fehlerfrei ausgefallen ist; dann aber schrieb er von Jahr zu Jahr und zeigt
sich vollkommen gut unterrichtet. Liutberts Persönlichkeit steht durchaus
im Vordergrunde, allein als 882 Ludwig der Jüngere starb, behielt Karl III
seinen früheren Erzkaplan Liutward, und Liutbert mußte zurücktreten; das
Original der noch immer als königlich betrachteten Reichsannalen wird
abgegeben sein. Nun besorgte sich Meginhard, von dem wir wohl als
erwiesen ansehen können, daß auch die weitere Fortsetzung von ihm ist,
eine Abschrift, in welcher fünf größere Stellen geändert sind (Red. II. bei
Kurze), und schrieb weiter, jetzt aber ohne alle höfische Rücksicht, mit
scharfem Tadel des Königs und seiner Räthe, vorzüglich Liutwards. Im
Jahre 887 wurde dieser gestürzt, aber auch Arnulf hatte schon seinen
Erzkaplan, den Erzbischof Theotmar von Salzburg, und Liutbert wurde
wieder in den Hintergrund gedrängt. Da ist die Mainzer Annalistik erlahmt;
Meginhard selbst starb 888 und im folgenden Jahr auch Liutbert.
durch Rethfeld und Kurze widerlegt. Er schrieb ganz in derselben Weise
und in demselben Geiste, wie sein Vorgänger, wenn auch mit geringerer
Kunst des Ausdrucks, gleichmäßig die Reichsgeschichte nach allen
Richtungen verfolgend, auch nicht minder beflissen, die Könige in
günstigem Lichte erscheinen zu lassen. Einen merkwürdigen Gegensatz
bildet daher eine, wie es scheint, besondere Aufzeichnung, nicht das
Fragment eines größeren Werkes, über Ludwigs des Jüngeren Krieg gegen
die Söhne Ludwigs des Stammlers, welches Boehmer auf dem letzten Blatt
einer aus Augsburg stammenden Handschrift saec. IX. in München fand[14].
Daß Meginhard in Mainz seine Annalen geschrieben hat, ist vollkommen
klar; 869 erscheint er zuletzt in den Urkunden von Fulda; 870 wurde der
Erzbischof Liutbert Erzkaplan, und damals wird er Meginhard den Auftrag
gegeben haben, die Annalen, welche seit Rudolfs Tod liegen geblieben
waren, fortzusetzen. Er besorgte zu dem Zweck eine Abschrift von Rudolfs
Werk, worin drei Stellen geändert, die nach Rudolfs Tod 864 und 865 in
Fulda gemachten Zusätze freier überarbeitet sind, und verfaßte nun den
Bericht, über die Zwischenzeit, welcher dürftig und lückenhaft, auch nicht
fehlerfrei ausgefallen ist; dann aber schrieb er von Jahr zu Jahr und zeigt
sich vollkommen gut unterrichtet. Liutberts Persönlichkeit steht durchaus
im Vordergrunde, allein als 882 Ludwig der Jüngere starb, behielt Karl III
seinen früheren Erzkaplan Liutward, und Liutbert mußte zurücktreten; das
Original der noch immer als königlich betrachteten Reichsannalen wird
abgegeben sein. Nun besorgte sich Meginhard, von dem wir wohl als
erwiesen ansehen können, daß auch die weitere Fortsetzung von ihm ist,
eine Abschrift, in welcher fünf größere Stellen geändert sind (Red. II. bei
Kurze), und schrieb weiter, jetzt aber ohne alle höfische Rücksicht, mit
scharfem Tadel des Königs und seiner Räthe, vorzüglich Liutwards. Im
Jahre 887 wurde dieser gestürzt, aber auch Arnulf hatte schon seinen
Erzkaplan, den Erzbischof Theotmar von Salzburg, und Liutbert wurde
wieder in den Hintergrund gedrängt. Da ist die Mainzer Annalistik erlahmt;
Meginhard selbst starb 888 und im folgenden Jahr auch Liutbert.
Page 303
Aber auch Karl blieb bei dem alten Herkommen, und auch er fand
einen Historiographen, der sich kein tadelndes Wort über den Kaiser
entschlüpfen läßt, und ihm schließlich seine Belohnung im Himmel
anweist. Auch die Absetzung des Kaisers wird von ihm noch mit loyalem
Unwillen berichtet, Arnulf jedoch mit großem Geschick geschont, und von
dem Augenblicke seiner Erhebung an tritt dieser in die gebührende Stellung
des rechtmäßigen Königs ein. Der Verfasser, dem bei dem raschen Verfall
der Schulen bereits alles Gefühl für grammatische Correctheit abhanden
gekommen ist, muß dem Hofe nahe gestanden haben, seine Heimath aber
scheint Bai er n zu sein. Ueber dieses Land sind seine Nachrichten
ausführlich und genau, die Mährer trifft sein leidenschaftlichster Haß.
Ungeachtet der rohen Sprache, der Mangelhaftigkeit der Darstellung, wird
doch von ihm, und den 897 eintretenden Fortsetzern, so lange Arnulf lebt,
die Würde der Reichshistoriographie ungemindert aufrecht gehalten. Man
versuchte sogar auch unter dem Kinde Ludwig in alter Weise fortzufahren,
allein bei der rasch überhand nehmenden Zerrüttung verschwand auch diese
Erbschaft aus dem Reiche des großen Karl, und mit dem Jahre 901 erlischt
die Fackel, welche bis dahin unserem Wege so treulich leuchtete. Adam von
Bremen hatte eine bis 911 reichende Handschrift, führt jedoch aus dem
letzten Theile nichts mehr an.
Dieser letzte Theil ist uns nur in einer aus dem Kloster Niederaltaich
stammenden Handschrift erhalten, welche von 897 ab Autograph zu sein
scheint. Hier hat merkwürdigerweise der ältere Theil eine ganz besondere
Beschaffenheit (Red. III), indem die ursprüngliche Aufzeichnung Rudolfs,
welche vielleicht nach Kurze's Vermuthung bei einem Besuch des Klosters
Fulda im August 897 dem Hofe bekannt geworden war, mit der 2.
Redaction verbunden ist, so daß wir an einigen Stellen nur hieraus den alten
Text erkennen können. Da diese Handschrift Pertz noch unbekannt war,
konnte mit Hülfe derselben Fr. Kurze seine Ausgabe auf einer besser
gesicherten Grundlage ausarbeiten.
einen Historiographen, der sich kein tadelndes Wort über den Kaiser
entschlüpfen läßt, und ihm schließlich seine Belohnung im Himmel
anweist. Auch die Absetzung des Kaisers wird von ihm noch mit loyalem
Unwillen berichtet, Arnulf jedoch mit großem Geschick geschont, und von
dem Augenblicke seiner Erhebung an tritt dieser in die gebührende Stellung
des rechtmäßigen Königs ein. Der Verfasser, dem bei dem raschen Verfall
der Schulen bereits alles Gefühl für grammatische Correctheit abhanden
gekommen ist, muß dem Hofe nahe gestanden haben, seine Heimath aber
scheint Bai er n zu sein. Ueber dieses Land sind seine Nachrichten
ausführlich und genau, die Mährer trifft sein leidenschaftlichster Haß.
Ungeachtet der rohen Sprache, der Mangelhaftigkeit der Darstellung, wird
doch von ihm, und den 897 eintretenden Fortsetzern, so lange Arnulf lebt,
die Würde der Reichshistoriographie ungemindert aufrecht gehalten. Man
versuchte sogar auch unter dem Kinde Ludwig in alter Weise fortzufahren,
allein bei der rasch überhand nehmenden Zerrüttung verschwand auch diese
Erbschaft aus dem Reiche des großen Karl, und mit dem Jahre 901 erlischt
die Fackel, welche bis dahin unserem Wege so treulich leuchtete. Adam von
Bremen hatte eine bis 911 reichende Handschrift, führt jedoch aus dem
letzten Theile nichts mehr an.
Dieser letzte Theil ist uns nur in einer aus dem Kloster Niederaltaich
stammenden Handschrift erhalten, welche von 897 ab Autograph zu sein
scheint. Hier hat merkwürdigerweise der ältere Theil eine ganz besondere
Beschaffenheit (Red. III), indem die ursprüngliche Aufzeichnung Rudolfs,
welche vielleicht nach Kurze's Vermuthung bei einem Besuch des Klosters
Fulda im August 897 dem Hofe bekannt geworden war, mit der 2.
Redaction verbunden ist, so daß wir an einigen Stellen nur hieraus den alten
Text erkennen können. Da diese Handschrift Pertz noch unbekannt war,
konnte mit Hülfe derselben Fr. Kurze seine Ausgabe auf einer besser
gesicherten Grundlage ausarbeiten.
Page 304
[1] S. Dümmler, Ostfr. II, 417 ff.
[2] Schmeller, Muspilli, München 1832. Wackernagel, Litteraturgesch. S. 56. Vgl.
über die vermuthlich auch ihm gewidmete Wiener Handschrift 552 von Karajan in
den Sitzungsberichten der Wiener Akademie XXVIII, 311. Ein wahrscheinlich 850
an ihn gerichtetes theol. Gutachten NA. XI, 457.
[3] Cod. S. Galli 98. S. Dümmler, Ostfr. II, 418. Poet. Lat. II, 480.
[4] Kunstmann, Hrabanus Maurus, S. 212.
[5] Dümmler II, 418. Wenn dieser S. 434 die Existenz einer Hofschule für Laien
schon unter Ludwig bestreitet, so ist zuzugeben, dass kein Zeugniss davon vorhanden
ist; doch möchte ich glauben, dass für die dem König commendierten Jünglinge
einiger Unterricht nicht gefehlt haben wird.
[6] Fast zweifellos nach Bossert, Württemb. Vierteljahrshefte 1889, S. 142-144.
[7] In der Grabschrift seiner Tante Warentrudis, Aebtissin von Pfalzel. Schwester
Hetti's, heißt es von Thietgaud: „Cujus germanus vir clarus in omnibus extat, Nomine
Grimaldus, ore et honore potens.“ Poet. Lat. II, 661.
[8] Dümmler, Poet. Lat. II, 169; St. Gall. Denkmale (Mitth. der Antiqu. Ges. XII, 6)
S. 215; S. 248-250 über Gozbald und Grimald oder Grimold ←, und über diesen
Ostfr. I, 92. II, 434-438. Die Bedenken von L. Delisle, Sacram. p. 258, gegen die ihm
beigemessene Fortführung des Sacram. scheinen mir nicht begründet.
[9] An ihn ist eine zweite Widmung gerichtet, verbess. Abdr. Forsch. XXV, 198, vgl.
Dümmler, Ostfr. II, 432. Auch Lupus von Ferrières war mit ihm in litterarischem
Verkehr, ep. 60 ed. Bal. und sein Epitaph von Hraban (ib. p. 398; Poet. Lat. II, 240)
erwähnt, daß er die Schreiber unterwieß und daß er jung starb.
[10] Dümmler. Ostfr. II, 438. Rethfeld, Urspr. d. Fuld. Ann. S. 36.
[11] Annales Fuldenses ed. Pertz MG. SS. I, 337-415. Neue Ausg. von Fr. Kurze.
Hann. 1891, vgl. dessen Abh. NA. XVII, 83-158. Uebersetzt von Rehdantz, Berl.
1852; 1889 (Geschichtschr. 23. IX, 8). Spuren von Benutzung der Ann. Fuld. 769 bis
814 im Cod. E der angelsächs. Chronik nachgewiesen von R. Pauli, GGA. 1866, S.
1416. Zum Sprachgebrauch M. Manitius, NA. XI, 68. 73. Die Fulder Fortsetzung der
Laur. min. bis 817 ist oben S. 205 erwähnt, die Ann. Fuldenses antiqui S. 150. Eine
schon um 830 in Fulda entstandene Compilation, welche im Anschluss an eine
Vermuthung von Waitz H. Lorenz wegen der Uebereinstimmung der Ann. Hersfeld,
mit Marianus Sc. annimmt, ist, wie G. Buchholtz, HZ. LXV, 141, bemerkt,
unwahrscheinlich, weil sich in d. Ann. Fuld. keine Spur davon findet, und deshalb
eher mit Kurze eine Arbeit des 10. Jh. anzunehmen.
[12] B. Simson bemerkt Ludw. d. Fr. II, 300 mit Recht, daß die vorhandenen
Anklänge an den sog. Astronomus nicht auf Benutzung desselben beruhen können,
weil er jünger ist.
[13] Vgl. Waitz in Pertz Archiv VI, 739. Simson, Ueber die Ann. Enhardi Fuld. und
Ann. Sithienses, Jenaer Habilitationsschrift 1863. Waitz, Gött. Nachr. 1864, N. 3.
Simson, Forschungen IV, 575. Waitz, Forsch. VI, 653. Nachr. 1873, S. 587-599.
Simson, Ludw. d. Fr. I, 400-404. Waitz, Forsch. XVIII, 354-361. Simson ib. S. 607-
611. Bernays, Zur Kritik karol. Ann. S. 109 ff. Simson, Karl d. Gr. I, 655. Holder-
Egger NA. XIV, 206. Eine Anzahl abgerissener Sätze ist wörtlich wiederholt in den
Ann. Blandinienses.
[14] Anzeiger für Kunde der teutschen Vorzeit (1836) V, 5-11. Neue Ausg. von Waitz
SS. XIII, 34-38.
[2] Schmeller, Muspilli, München 1832. Wackernagel, Litteraturgesch. S. 56. Vgl.
über die vermuthlich auch ihm gewidmete Wiener Handschrift 552 von Karajan in
den Sitzungsberichten der Wiener Akademie XXVIII, 311. Ein wahrscheinlich 850
an ihn gerichtetes theol. Gutachten NA. XI, 457.
[3] Cod. S. Galli 98. S. Dümmler, Ostfr. II, 418. Poet. Lat. II, 480.
[4] Kunstmann, Hrabanus Maurus, S. 212.
[5] Dümmler II, 418. Wenn dieser S. 434 die Existenz einer Hofschule für Laien
schon unter Ludwig bestreitet, so ist zuzugeben, dass kein Zeugniss davon vorhanden
ist; doch möchte ich glauben, dass für die dem König commendierten Jünglinge
einiger Unterricht nicht gefehlt haben wird.
[6] Fast zweifellos nach Bossert, Württemb. Vierteljahrshefte 1889, S. 142-144.
[7] In der Grabschrift seiner Tante Warentrudis, Aebtissin von Pfalzel. Schwester
Hetti's, heißt es von Thietgaud: „Cujus germanus vir clarus in omnibus extat, Nomine
Grimaldus, ore et honore potens.“ Poet. Lat. II, 661.
[8] Dümmler, Poet. Lat. II, 169; St. Gall. Denkmale (Mitth. der Antiqu. Ges. XII, 6)
S. 215; S. 248-250 über Gozbald und Grimald oder Grimold ←, und über diesen
Ostfr. I, 92. II, 434-438. Die Bedenken von L. Delisle, Sacram. p. 258, gegen die ihm
beigemessene Fortführung des Sacram. scheinen mir nicht begründet.
[9] An ihn ist eine zweite Widmung gerichtet, verbess. Abdr. Forsch. XXV, 198, vgl.
Dümmler, Ostfr. II, 432. Auch Lupus von Ferrières war mit ihm in litterarischem
Verkehr, ep. 60 ed. Bal. und sein Epitaph von Hraban (ib. p. 398; Poet. Lat. II, 240)
erwähnt, daß er die Schreiber unterwieß und daß er jung starb.
[10] Dümmler. Ostfr. II, 438. Rethfeld, Urspr. d. Fuld. Ann. S. 36.
[11] Annales Fuldenses ed. Pertz MG. SS. I, 337-415. Neue Ausg. von Fr. Kurze.
Hann. 1891, vgl. dessen Abh. NA. XVII, 83-158. Uebersetzt von Rehdantz, Berl.
1852; 1889 (Geschichtschr. 23. IX, 8). Spuren von Benutzung der Ann. Fuld. 769 bis
814 im Cod. E der angelsächs. Chronik nachgewiesen von R. Pauli, GGA. 1866, S.
1416. Zum Sprachgebrauch M. Manitius, NA. XI, 68. 73. Die Fulder Fortsetzung der
Laur. min. bis 817 ist oben S. 205 erwähnt, die Ann. Fuldenses antiqui S. 150. Eine
schon um 830 in Fulda entstandene Compilation, welche im Anschluss an eine
Vermuthung von Waitz H. Lorenz wegen der Uebereinstimmung der Ann. Hersfeld,
mit Marianus Sc. annimmt, ist, wie G. Buchholtz, HZ. LXV, 141, bemerkt,
unwahrscheinlich, weil sich in d. Ann. Fuld. keine Spur davon findet, und deshalb
eher mit Kurze eine Arbeit des 10. Jh. anzunehmen.
[12] B. Simson bemerkt Ludw. d. Fr. II, 300 mit Recht, daß die vorhandenen
Anklänge an den sog. Astronomus nicht auf Benutzung desselben beruhen können,
weil er jünger ist.
[13] Vgl. Waitz in Pertz Archiv VI, 739. Simson, Ueber die Ann. Enhardi Fuld. und
Ann. Sithienses, Jenaer Habilitationsschrift 1863. Waitz, Gött. Nachr. 1864, N. 3.
Simson, Forschungen IV, 575. Waitz, Forsch. VI, 653. Nachr. 1873, S. 587-599.
Simson, Ludw. d. Fr. I, 400-404. Waitz, Forsch. XVIII, 354-361. Simson ib. S. 607-
611. Bernays, Zur Kritik karol. Ann. S. 109 ff. Simson, Karl d. Gr. I, 655. Holder-
Egger NA. XIV, 206. Eine Anzahl abgerissener Sätze ist wörtlich wiederholt in den
Ann. Blandinienses.
[14] Anzeiger für Kunde der teutschen Vorzeit (1836) V, 5-11. Neue Ausg. von Waitz
SS. XIII, 34-38.
Page 305
[15] NA. XVII, 133-138.
[16] Ueber den Ursprung des 2., 3. u. 4. Theiles der sog. fuldischen Annalen v. 838-
887, Hall. Diss. 1886. Vgl. dazu Fr. Kurze, NA. XVII, 138-146.
[17] Cod. lat. Monac. 3851. Gedr. MG. SS. III, 159.
[16] Ueber den Ursprung des 2., 3. u. 4. Theiles der sog. fuldischen Annalen v. 838-
887, Hall. Diss. 1886. Vgl. dazu Fr. Kurze, NA. XVII, 138-146.
[17] Cod. lat. Monac. 3851. Gedr. MG. SS. III, 159.
Page 306
§ 14. Fulda, Hersfeld, Mainz. [ ← ]
Kunstmann, Hrabanus Magnentius Maurus, Mainz 1841. Rettberg I, 370-374. 605-633.
Die litterarische Thätigkeit der Mönche zu Fulda beschränkte sich
nicht auf die Reichsannalen; sie ist umfangreich genug, um einen eigenen
Abschnitt in Anspruch zu nehmen, und die Bedeutung des Klosters für die
Anfänge gelehrter Bildung auf deutschem Boden ist so groß, daß wir auch
seiner Geschichte eine etwas umständlichere Betrachtung widmen müssen.
Die Gründung Fuldas wurde veranlaßt durch Bonifaz, welcher sich
seine Ruhestätte dort erwählte, und wohl auch noch bei Lebzeiten sich
dahin zurückgezogen hätte, wenn nicht schon früher die Märtyrerkrone ihm
zu Theil geworden wäre. In schmuckloser, aber ausführlicher Erzählung
wird uns mit anmuthiger Schlichtheit die Geschichte der ersten Gründung
berichtet in dem Leben des ersten Abtes S tu r m i, der, von Geburt ein Baier,
schon als Jüngling Bonifaz übergeben, in Fritzlar von Wigbert unterwiesen
war, und nach dreijähriger Wirksamkeit als Pfarrer, von der Sehnsucht nach
dem klösterlichen Leben in der Einsamkeit ergriffen wurde. Bereitwillig
förderte Bonifaz sein Streben, und sandte ihn, nachdem in Fulda die neue
Stiftung begründet war, nach Italien, um an der Quelle die rechte
Einrichtung des Klosterlebens kennen zu lernen; er hielt sich deshalb
längere Zeit in Montecassino auf[1], welches als des Abendlandes
Mutterkloster von fränkischen Pilgern häufig aufgesucht wurde. Unter
königlichen und päbstlichen Schutz gestellt und bald auch durch den Leib
des hochverehrten Apostels der Deutschen geheiligt, gewann das Kloster
Fulda rasch eine kräftige Entwickelung und nahm zu an Glanz und
Reichthum. Sturm vertheidigte, nach manchen Wechselfällen doch zuletzt
mit glücklichem Erfolge, die Freiheit und Unabhängigkeit des Stiftes gegen
den Erzbischof Lull; sein Nachfolger B augulf (779-802) schmückte es mit
Bauwerken, und erst jetzt begann auch das wissenschaftliche Leben in
seinen Mauern sich zu entwickeln, obwohl es an einer Schule von Anfang
Kunstmann, Hrabanus Magnentius Maurus, Mainz 1841. Rettberg I, 370-374. 605-633.
Die litterarische Thätigkeit der Mönche zu Fulda beschränkte sich
nicht auf die Reichsannalen; sie ist umfangreich genug, um einen eigenen
Abschnitt in Anspruch zu nehmen, und die Bedeutung des Klosters für die
Anfänge gelehrter Bildung auf deutschem Boden ist so groß, daß wir auch
seiner Geschichte eine etwas umständlichere Betrachtung widmen müssen.
Die Gründung Fuldas wurde veranlaßt durch Bonifaz, welcher sich
seine Ruhestätte dort erwählte, und wohl auch noch bei Lebzeiten sich
dahin zurückgezogen hätte, wenn nicht schon früher die Märtyrerkrone ihm
zu Theil geworden wäre. In schmuckloser, aber ausführlicher Erzählung
wird uns mit anmuthiger Schlichtheit die Geschichte der ersten Gründung
berichtet in dem Leben des ersten Abtes S tu r m i, der, von Geburt ein Baier,
schon als Jüngling Bonifaz übergeben, in Fritzlar von Wigbert unterwiesen
war, und nach dreijähriger Wirksamkeit als Pfarrer, von der Sehnsucht nach
dem klösterlichen Leben in der Einsamkeit ergriffen wurde. Bereitwillig
förderte Bonifaz sein Streben, und sandte ihn, nachdem in Fulda die neue
Stiftung begründet war, nach Italien, um an der Quelle die rechte
Einrichtung des Klosterlebens kennen zu lernen; er hielt sich deshalb
längere Zeit in Montecassino auf[1], welches als des Abendlandes
Mutterkloster von fränkischen Pilgern häufig aufgesucht wurde. Unter
königlichen und päbstlichen Schutz gestellt und bald auch durch den Leib
des hochverehrten Apostels der Deutschen geheiligt, gewann das Kloster
Fulda rasch eine kräftige Entwickelung und nahm zu an Glanz und
Reichthum. Sturm vertheidigte, nach manchen Wechselfällen doch zuletzt
mit glücklichem Erfolge, die Freiheit und Unabhängigkeit des Stiftes gegen
den Erzbischof Lull; sein Nachfolger B augulf (779-802) schmückte es mit
Bauwerken, und erst jetzt begann auch das wissenschaftliche Leben in
seinen Mauern sich zu entwickeln, obwohl es an einer Schule von Anfang
Page 307
an nicht gefehlt hatte. Alcuin hat damals Fulda besucht, und Karls
berühmtes Rundschreiben über die Nothwendigkeit gelehrter Bildung für
die Geistlichen ist uns gerade in der an Baugulf gerichteten Ausfertigung
erhalten; er ist es auch, der Einhards glückliche Anlagen früh erkannte, und
ihn deshalb an des Königs Hof sandte. Die ältesten Fulder Annalen (oben
S. 150) beginnen mit angelsächsischen Namen und in ihren Handschriften
begegnen uns die Schriftzüge der Angelsachsen; es kann nicht ohne
günstigen Einfluß geblieben sein, daß diese höher gebildeten Mönche gerne
bei den Reliquien ihres gefeiertsten Landsmanns weilten, und auch gelehrte
Schotten fanden sich schon bald, des alten Gegensatzes ihrer Kirche
vergessend, an Winfrids Grabe ein, wie Probus, der Freund des Lupus und
Walahfrids. Baugulfs Nachfolger Ratg ar (802-817) sandte die fähigsten
Mönche seines Stiftes zu den berühmtesten Lehrern der Zeit, Hraban und
Hatto nach Tours zu Alcuin, Brun zu Einhard, Modestus nebst mehreren
anderen zu dem Schotten Clemens[2]. Vielleicht schon dieser Zeit gehört der
Johann es F ul den sis di dascu lus an, welcher in ungeschickten Versen
als grämlicher Alter gegen den Heiden Vergil eiferte und dagegen des
Arator christliches Gedicht pries[3].
Es zeigt sich uns hier der Gegensatz, in welche die der Geistlichkeit zu
ausschließlicher Pflege überwiesene Gelehrsamkeit zu dem ursprünglichen
Zweck des Klosterlebens trat, und nicht minder litt die stille
Beschaulichkeit desselben durch den fürstlichen Hofhalt, den
Fremdenverkehr, die Unruhe und den Lärm der Bauten. Ratgar warf man
ungemessene Baulust, Härte und Hoffart vor; heftige innere Zerwürfnisse
waren die Folge[4], und der Frieden kehrte erst wieder, als 817 Ratgar
abgesetzt wurde. Es war das Jahr, in welchem der Kaiser sich ernstlich der
Reform der Klöster annahm und auf der Aachener Versammlung die Kapitel
verordnete, welche lange Zeit fast gleiches Ansehen mit der Regel selber
genossen. Zwei westfränkische Mönche, Aaron und Adalfrid, führten diese
Reform auch in Fulda ein; als sie sich hinlänglich befestigt hatte, erlaubte
der Kaiser eine neue Wahl, und E i gil übernahm die Leitung des Stiftes.
Dieser, den wir aus Einhards Briefen als dessen Freund kennen lernen, war
berühmtes Rundschreiben über die Nothwendigkeit gelehrter Bildung für
die Geistlichen ist uns gerade in der an Baugulf gerichteten Ausfertigung
erhalten; er ist es auch, der Einhards glückliche Anlagen früh erkannte, und
ihn deshalb an des Königs Hof sandte. Die ältesten Fulder Annalen (oben
S. 150) beginnen mit angelsächsischen Namen und in ihren Handschriften
begegnen uns die Schriftzüge der Angelsachsen; es kann nicht ohne
günstigen Einfluß geblieben sein, daß diese höher gebildeten Mönche gerne
bei den Reliquien ihres gefeiertsten Landsmanns weilten, und auch gelehrte
Schotten fanden sich schon bald, des alten Gegensatzes ihrer Kirche
vergessend, an Winfrids Grabe ein, wie Probus, der Freund des Lupus und
Walahfrids. Baugulfs Nachfolger Ratg ar (802-817) sandte die fähigsten
Mönche seines Stiftes zu den berühmtesten Lehrern der Zeit, Hraban und
Hatto nach Tours zu Alcuin, Brun zu Einhard, Modestus nebst mehreren
anderen zu dem Schotten Clemens[2]. Vielleicht schon dieser Zeit gehört der
Johann es F ul den sis di dascu lus an, welcher in ungeschickten Versen
als grämlicher Alter gegen den Heiden Vergil eiferte und dagegen des
Arator christliches Gedicht pries[3].
Es zeigt sich uns hier der Gegensatz, in welche die der Geistlichkeit zu
ausschließlicher Pflege überwiesene Gelehrsamkeit zu dem ursprünglichen
Zweck des Klosterlebens trat, und nicht minder litt die stille
Beschaulichkeit desselben durch den fürstlichen Hofhalt, den
Fremdenverkehr, die Unruhe und den Lärm der Bauten. Ratgar warf man
ungemessene Baulust, Härte und Hoffart vor; heftige innere Zerwürfnisse
waren die Folge[4], und der Frieden kehrte erst wieder, als 817 Ratgar
abgesetzt wurde. Es war das Jahr, in welchem der Kaiser sich ernstlich der
Reform der Klöster annahm und auf der Aachener Versammlung die Kapitel
verordnete, welche lange Zeit fast gleiches Ansehen mit der Regel selber
genossen. Zwei westfränkische Mönche, Aaron und Adalfrid, führten diese
Reform auch in Fulda ein; als sie sich hinlänglich befestigt hatte, erlaubte
der Kaiser eine neue Wahl, und E i gil übernahm die Leitung des Stiftes.
Dieser, den wir aus Einhards Briefen als dessen Freund kennen lernen, war
Page 308
noch ein Schüler Sturms; ein Baier, wie er, und sein Verwandter, war er
schon als Kind nach Fulda gebracht und der Klosterschule übergeben: über
20 Jahre hatte er unter Sturms Zucht gelebt, und in dankbarer Erinnerung
schrieb er das Leben seines Meisters[5], auf Bitten der Angildruth, vielleicht
einer Nonne von Bischofsheim, dem ebenfalls von Bonifaz gestifteten
großen Nonnenkloster. Die Sprache Eigils ist nicht frei von Germanismen,
sie trägt noch den Stempel der älteren, vor Alcuins Wirksamkeit liegenden
Zeit. Doch verletzt sie nicht mehr durch die groben Fehler der
merowingischen Zeit, und reichlich entschädigt für die Mängel des Stils der
einfach fromme Sinn des Mannes, seine ansprechende und ungesuchte
Erzählung dieser Begebenheiten, welche er theils noch selbst erlebt, theils
aus dem Munde der älteren Brüder und seines Meisters erfahren hatte. Nach
seiner Anordnung wurde diese Legende jährlich an Sturms Gedenktage (17.
Dec.) während der Mahlzeit den Mönchen vorgelesen.
Das Leben des zweiten Abtes B augulf schrieb, durch Eigil veranlaßt,
B r uun, mit dem Beinamen C andid us, wohl derselbe, den Ratgar zu
Einhard gesandt hatte, noch in seiner ersten, guten Zeit, als er erst kürzlich
in wunderbarer Einigkeit von den Brüdern zum Abt erwählt war, wie Bruun
berichtet. Leider ist dieses Leben Baugulfs verloren[6]; erhalten aber ist uns
das L eben E i gil s[7], von demselben Verfasser auf Hrabans Veranlassung
geschrieben, als dieser noch Abt war, also vor 842. Der Verfasser war schon
hochbetagt, 845 ist er gestorben. Er befand sich auf einer einsamen Pfarre,
und Hraban hatte ihn ermahnt, sich im Lesen zu üben und etwas Nützliches
zu schreiben. Die Lebensbeschreibung ist nicht ohne Geschick verfaßt, und
wenn auch nicht fehlerfrei, lässt sie doch in der anspruchsvolleren Form
den Schüler Einhards wohl erkennen. Besonders gelungen ist die sehr
lebensvolle Schilderung der Bewegung, welche die Abtswahl im Kloster
hervorruft; die Ansichten und Aeußerungen der verschiedenen Wortführer
werden in der gewöhnlichen Umgangsprache wiedergegeben, und ein
Kampf der Meinungen und Wünsche, wie er sich ohne große
Veränderungen noch heutiges Tages bei solcher Gelegenheit beobachten
läßt, stellt sich uns mit großer Lebendigkeit dar. Darauf versucht sich der
schon als Kind nach Fulda gebracht und der Klosterschule übergeben: über
20 Jahre hatte er unter Sturms Zucht gelebt, und in dankbarer Erinnerung
schrieb er das Leben seines Meisters[5], auf Bitten der Angildruth, vielleicht
einer Nonne von Bischofsheim, dem ebenfalls von Bonifaz gestifteten
großen Nonnenkloster. Die Sprache Eigils ist nicht frei von Germanismen,
sie trägt noch den Stempel der älteren, vor Alcuins Wirksamkeit liegenden
Zeit. Doch verletzt sie nicht mehr durch die groben Fehler der
merowingischen Zeit, und reichlich entschädigt für die Mängel des Stils der
einfach fromme Sinn des Mannes, seine ansprechende und ungesuchte
Erzählung dieser Begebenheiten, welche er theils noch selbst erlebt, theils
aus dem Munde der älteren Brüder und seines Meisters erfahren hatte. Nach
seiner Anordnung wurde diese Legende jährlich an Sturms Gedenktage (17.
Dec.) während der Mahlzeit den Mönchen vorgelesen.
Das Leben des zweiten Abtes B augulf schrieb, durch Eigil veranlaßt,
B r uun, mit dem Beinamen C andid us, wohl derselbe, den Ratgar zu
Einhard gesandt hatte, noch in seiner ersten, guten Zeit, als er erst kürzlich
in wunderbarer Einigkeit von den Brüdern zum Abt erwählt war, wie Bruun
berichtet. Leider ist dieses Leben Baugulfs verloren[6]; erhalten aber ist uns
das L eben E i gil s[7], von demselben Verfasser auf Hrabans Veranlassung
geschrieben, als dieser noch Abt war, also vor 842. Der Verfasser war schon
hochbetagt, 845 ist er gestorben. Er befand sich auf einer einsamen Pfarre,
und Hraban hatte ihn ermahnt, sich im Lesen zu üben und etwas Nützliches
zu schreiben. Die Lebensbeschreibung ist nicht ohne Geschick verfaßt, und
wenn auch nicht fehlerfrei, lässt sie doch in der anspruchsvolleren Form
den Schüler Einhards wohl erkennen. Besonders gelungen ist die sehr
lebensvolle Schilderung der Bewegung, welche die Abtswahl im Kloster
hervorruft; die Ansichten und Aeußerungen der verschiedenen Wortführer
werden in der gewöhnlichen Umgangsprache wiedergegeben, und ein
Kampf der Meinungen und Wünsche, wie er sich ohne große
Veränderungen noch heutiges Tages bei solcher Gelegenheit beobachten
läßt, stellt sich uns mit großer Lebendigkeit dar. Darauf versucht sich der
Page 309
Verfasser in langen Reden, die man nun einmal nach dem Vorbilde des
Alterthums als nothwendig betrachtete, wenn man schön schreiben wollte,
Reden des Kaisers und des Erzbischofs von Mainz, in denen Bruun die
Betrachtungen niedergelegt hat, zu welchen ihn Ratgars Amtsführung und
die dadurch hervorgerufenen Wirren veranlaßten. Zu Grunde gelegt sind
hier nach Eberts Ansicht wirkliche Ansprachen des Kaisers. Der Verfasser
sagt es im Vorwort, und auch, daß er sie so, wie sie gehalten wurden, doch
nicht wiederzugeben vermöge. Vollkommen zutreffend hat aber dagegen
Waitz bemerkt, daß eine solche Rede voll gelehrter Citate der Kaiser nicht
halten konnte, daß ferner Bruun nicht zugegen und Jahrzehnte seitdem
vergangen waren. Den Hauptinhalt dessen, was er dann von Eigils eigener
Thätigkeit berichtet, bilden wiederum dessen Bauten, namentlich die noch
jetzt stehende achteckige Rotunde, die uns wieder an die Freundschaft mit
Einhard erinnert; Bruun, Einhards Schüler, nahm selbst an diesen Arbeiten
Theil: die Apsis über dem Grabe des h. Bonifaz hatte seine Hand mit
Gemälden geschmückt.
Der prosaischen Biographie schließt sich eine zweite in Hexametern
an, welche früher geschrieben zu sein scheint[8]; der Inhalt ist fast ganz
derselbe, und die Form giebt ein neues Zeugniß von der im früheren
Mittelalter so sehr verbreiteten Fertigkeit in dieser Kunst, deren wir schon
bei Karls Zeitgenossen häufig zu gedenken hatten. In jeder Schule bildete
die Hebung im Versemachen einen stehenden Theil des Unterrichts, und
dadurch entstand die Vorliebe für die poetische Einkleidung, die so oft dem
inneren Gehalte nachtheilig geworden ist.
Zugeeignet hat Candidus oder Bruun sein Werk dem Modestus, oder
mit deutschem Namen Reccheo, der die Unthaten des Ratgar, des Einhorns,
welches in die fromme Herde eingebrochen war, durch beigefügte
Zeichnungen noch anschaulicher machte; leider ist die Handschrift verloren
und wir kennen nur die Abbildungen in Brauers sehr dankenswerthem
Buch[9].
Alterthums als nothwendig betrachtete, wenn man schön schreiben wollte,
Reden des Kaisers und des Erzbischofs von Mainz, in denen Bruun die
Betrachtungen niedergelegt hat, zu welchen ihn Ratgars Amtsführung und
die dadurch hervorgerufenen Wirren veranlaßten. Zu Grunde gelegt sind
hier nach Eberts Ansicht wirkliche Ansprachen des Kaisers. Der Verfasser
sagt es im Vorwort, und auch, daß er sie so, wie sie gehalten wurden, doch
nicht wiederzugeben vermöge. Vollkommen zutreffend hat aber dagegen
Waitz bemerkt, daß eine solche Rede voll gelehrter Citate der Kaiser nicht
halten konnte, daß ferner Bruun nicht zugegen und Jahrzehnte seitdem
vergangen waren. Den Hauptinhalt dessen, was er dann von Eigils eigener
Thätigkeit berichtet, bilden wiederum dessen Bauten, namentlich die noch
jetzt stehende achteckige Rotunde, die uns wieder an die Freundschaft mit
Einhard erinnert; Bruun, Einhards Schüler, nahm selbst an diesen Arbeiten
Theil: die Apsis über dem Grabe des h. Bonifaz hatte seine Hand mit
Gemälden geschmückt.
Der prosaischen Biographie schließt sich eine zweite in Hexametern
an, welche früher geschrieben zu sein scheint[8]; der Inhalt ist fast ganz
derselbe, und die Form giebt ein neues Zeugniß von der im früheren
Mittelalter so sehr verbreiteten Fertigkeit in dieser Kunst, deren wir schon
bei Karls Zeitgenossen häufig zu gedenken hatten. In jeder Schule bildete
die Hebung im Versemachen einen stehenden Theil des Unterrichts, und
dadurch entstand die Vorliebe für die poetische Einkleidung, die so oft dem
inneren Gehalte nachtheilig geworden ist.
Zugeeignet hat Candidus oder Bruun sein Werk dem Modestus, oder
mit deutschem Namen Reccheo, der die Unthaten des Ratgar, des Einhorns,
welches in die fromme Herde eingebrochen war, durch beigefügte
Zeichnungen noch anschaulicher machte; leider ist die Handschrift verloren
und wir kennen nur die Abbildungen in Brauers sehr dankenswerthem
Buch[9].
Page 310
Am 15. Juni 822 starb Eigil; ihm folgte sein Freund Hr aban, der bis
dahin der Klosterschule vorgestanden hatte, einer der größten Gelehrten
seiner Zeit[10], dessen Ruhm sich schon durch das ganze Frankenreich
verbreitet hatte. Man bewunderte namentlich auch seine Verse, obgleich sie
gegen diejenigen mancher Zeitgenossen sehr zurückstehen, arm an Inhalt
sind, und voll von grammatischen und metrischen Fehlern, wie man sie bei
ihm nicht erwarten sollte, voll auch von Plagiaten, die er u. a. auch an
seinem Lehrer Alcuin verübt hat. Er war ein Schüler Alcuins; Ratgar hatte
ihn, wie oben erwähnt, nach Tours gesandt, nachdem er im Jahre 801 zum
Diaconus geweiht war[11]; und kurze Zeit genügte, um ein warmes
Freundschaftsband zwischen ihm und dem allverehrten Lehrer zu knüpfen.
Alcuin nannte ihn Maurus nach dem Lieblingsjünger des heiligen Benedict,
und nach seiner Heimkehr schrieb er ihm einen Brief, in welchem er
erwähnt, dass er einst (olim) eine Schrift unter seinem und seines
Mitschülers Samuel Namen verfaßt habe[12]: sehr bald darauf (19. Mai 804)
muß Alcuin gestorben sein. Mit Hatto, seinem Nachfolger als Abt, damals
seinem Mitschüler in Tours, noch erfüllt von Verehrung gegen Alcuin, der
auf dem Widmungsbild für den h. Martin segnend neben ihm steht, verfaßte
Hraban in seinem dreißigsten Jahr sein Werk zum Preise des h. Kreuzes,
dessen versbildliche Spielereien im Mittelalter viel bewundert wurden. In
Prachthandschriften schickte er es dem Pabste, Erzbischof Otgar u. a. und
es haben sich deren mehrere erhalten[13]. Als Alcuin ihm zuletzt schrieb,
stand Hraban bereits der Klosterschule in Fulda vor, welche nun eine
Pflanzstätte gelehrter Bildung für ganz Deutschland wurde, denn ungestört
durch die Bedenklichkeiten seines alternden Lehrers erklärt Hraban in
seiner Schrift de institutione clericorum auch das Studium der heidnischen
Autoren für unentbehrlich zum Verständniß der heiligen Schrift; bei Lupus
und in den Annalen von Fulda findet sich nach Vogel zuerst wieder nach
langer Zeit Bekanntschaft mit den Schriften Sallusts, welche jetzt einen
rasch wachsenden Einfluß auf den Stil gewannen[14]. Auch durch die
Ungunst der Zeiten unter Ratgar wurde die Schule nur theilweise in ihrer
segensreichen Wirksamkeit gehemmt. Fuldische Mönche finden wir bald in
dahin der Klosterschule vorgestanden hatte, einer der größten Gelehrten
seiner Zeit[10], dessen Ruhm sich schon durch das ganze Frankenreich
verbreitet hatte. Man bewunderte namentlich auch seine Verse, obgleich sie
gegen diejenigen mancher Zeitgenossen sehr zurückstehen, arm an Inhalt
sind, und voll von grammatischen und metrischen Fehlern, wie man sie bei
ihm nicht erwarten sollte, voll auch von Plagiaten, die er u. a. auch an
seinem Lehrer Alcuin verübt hat. Er war ein Schüler Alcuins; Ratgar hatte
ihn, wie oben erwähnt, nach Tours gesandt, nachdem er im Jahre 801 zum
Diaconus geweiht war[11]; und kurze Zeit genügte, um ein warmes
Freundschaftsband zwischen ihm und dem allverehrten Lehrer zu knüpfen.
Alcuin nannte ihn Maurus nach dem Lieblingsjünger des heiligen Benedict,
und nach seiner Heimkehr schrieb er ihm einen Brief, in welchem er
erwähnt, dass er einst (olim) eine Schrift unter seinem und seines
Mitschülers Samuel Namen verfaßt habe[12]: sehr bald darauf (19. Mai 804)
muß Alcuin gestorben sein. Mit Hatto, seinem Nachfolger als Abt, damals
seinem Mitschüler in Tours, noch erfüllt von Verehrung gegen Alcuin, der
auf dem Widmungsbild für den h. Martin segnend neben ihm steht, verfaßte
Hraban in seinem dreißigsten Jahr sein Werk zum Preise des h. Kreuzes,
dessen versbildliche Spielereien im Mittelalter viel bewundert wurden. In
Prachthandschriften schickte er es dem Pabste, Erzbischof Otgar u. a. und
es haben sich deren mehrere erhalten[13]. Als Alcuin ihm zuletzt schrieb,
stand Hraban bereits der Klosterschule in Fulda vor, welche nun eine
Pflanzstätte gelehrter Bildung für ganz Deutschland wurde, denn ungestört
durch die Bedenklichkeiten seines alternden Lehrers erklärt Hraban in
seiner Schrift de institutione clericorum auch das Studium der heidnischen
Autoren für unentbehrlich zum Verständniß der heiligen Schrift; bei Lupus
und in den Annalen von Fulda findet sich nach Vogel zuerst wieder nach
langer Zeit Bekanntschaft mit den Schriften Sallusts, welche jetzt einen
rasch wachsenden Einfluß auf den Stil gewannen[14]. Auch durch die
Ungunst der Zeiten unter Ratgar wurde die Schule nur theilweise in ihrer
segensreichen Wirksamkeit gehemmt. Fuldische Mönche finden wir bald in
Page 311
den angesehensten Stellungen; so wurde Baturich (817-848) Bischof von
Regensburg und Erzcaplan, Haimo (840-853) Bischof von Halberstadt;
Hrabans Schüler war Otfrid, der Mönch von Weißenburg, mit seinen
Gefährten Werinbert und Hartmut aus St. Gallen[15]. Einhard sandte ihm
den Vussinus, den er seinen Sohn nennt, doch vielleicht nur in kirchlichem
Sinn; Alderich, Abt von Ferrières, später (829-841) Erzbischof von Sens[16],
den L up u s, der später als Abt von Ferrières im Sprengel von Sens einen
großen Namen gewann, und von dem eine Briefsammlung[17] voll reicher
Belehrung sich erhalten hat; auf seine Bitte schrieb Hraban ein
Collectarium in epistolas Pauli. Auch Frechulf von Lisieux war mit Hraban
befreundet, doch vermuthlich schon seit seiner Lehrzeit in Tours (oben
S. 217). Ermanrich von Ellwangen übersandte seinem Lehrer Rudolf, der
Hraban zur Seite stand, das von ihm verfaßte Leben des heiligen Solus. Vor
allem aber glänzt unter Hrabans Schülern Walahfrid, der Abt von
Reichenau, der bald selbst das Haupt einer neuen Schule wurde. Auch
Bernhard, der unglückliche König von Italien, war ihm zur Erziehung
übersandt worden. Nicht zu den unbedeutendsten Schülern des Hraban
gehört endlich auch der Mann, der ihm und der ganzen Reichsgeistlichkeit
in der Folge so viel zu schaffen machte, der Mönch Godschalk, der
ungeachtet seines Standes den Muth hatte, eine unabhängige Ueberzeugung
auszusprechen und zu verfechten[18].
Wie glückliche Erfolge für das eigene Kloster Hrabans Wirksamkeit
hatte, haben wir schon an den Verfassern der Annalen gesehen. Unter seinen
eigenen Werken sind keine geschichtliche, wenn man nicht etwa das schon
früher erwähnte Martyrologium so bezeichnen will; wohl aber enthalten
seine Vorreden, Widmungen[19] und Gedichte viele schätzbare Nachrichten
über sein Kloster und über seine mitstrebenden Zeitgenossen, und mehrere
seiner Schriften stehen in Verbindung mit den Zerwürfnissen der
kaiserlichen Familie. Nach Eigil wurde er Abt des Stifts; da er aber dem
Kaiser Ludwig treu ergeben, Lothar befreundet war[20], verließ er 842 sein
Kloster, wo statt seiner Hatto, genannt Bonosus, einst sein Mitschüler in
Tours, erwählt wurde, und widmete sich nun ungestört seinen
Regensburg und Erzcaplan, Haimo (840-853) Bischof von Halberstadt;
Hrabans Schüler war Otfrid, der Mönch von Weißenburg, mit seinen
Gefährten Werinbert und Hartmut aus St. Gallen[15]. Einhard sandte ihm
den Vussinus, den er seinen Sohn nennt, doch vielleicht nur in kirchlichem
Sinn; Alderich, Abt von Ferrières, später (829-841) Erzbischof von Sens[16],
den L up u s, der später als Abt von Ferrières im Sprengel von Sens einen
großen Namen gewann, und von dem eine Briefsammlung[17] voll reicher
Belehrung sich erhalten hat; auf seine Bitte schrieb Hraban ein
Collectarium in epistolas Pauli. Auch Frechulf von Lisieux war mit Hraban
befreundet, doch vermuthlich schon seit seiner Lehrzeit in Tours (oben
S. 217). Ermanrich von Ellwangen übersandte seinem Lehrer Rudolf, der
Hraban zur Seite stand, das von ihm verfaßte Leben des heiligen Solus. Vor
allem aber glänzt unter Hrabans Schülern Walahfrid, der Abt von
Reichenau, der bald selbst das Haupt einer neuen Schule wurde. Auch
Bernhard, der unglückliche König von Italien, war ihm zur Erziehung
übersandt worden. Nicht zu den unbedeutendsten Schülern des Hraban
gehört endlich auch der Mann, der ihm und der ganzen Reichsgeistlichkeit
in der Folge so viel zu schaffen machte, der Mönch Godschalk, der
ungeachtet seines Standes den Muth hatte, eine unabhängige Ueberzeugung
auszusprechen und zu verfechten[18].
Wie glückliche Erfolge für das eigene Kloster Hrabans Wirksamkeit
hatte, haben wir schon an den Verfassern der Annalen gesehen. Unter seinen
eigenen Werken sind keine geschichtliche, wenn man nicht etwa das schon
früher erwähnte Martyrologium so bezeichnen will; wohl aber enthalten
seine Vorreden, Widmungen[19] und Gedichte viele schätzbare Nachrichten
über sein Kloster und über seine mitstrebenden Zeitgenossen, und mehrere
seiner Schriften stehen in Verbindung mit den Zerwürfnissen der
kaiserlichen Familie. Nach Eigil wurde er Abt des Stifts; da er aber dem
Kaiser Ludwig treu ergeben, Lothar befreundet war[20], verließ er 842 sein
Kloster, wo statt seiner Hatto, genannt Bonosus, einst sein Mitschüler in
Tours, erwählt wurde, und widmete sich nun ungestört seinen
Page 312
wissenschaftlichen Arbeiten, die ihm ohnehin mehr zusagten. Mit den
Fuldern blieb er in freundschaftlichem Verkehr, und söhnte sich bald auch
mit König Ludwig aus, der ihn gegen seine Neigung nach Otgars Tod zum
Erzbischof von Mainz (847-856) erhob. Wie diese Beförderung den
Reichsannalen zugute gekommen ist, haben wir oben schon gesehen.
In hohem Grade theilte Hraban das eifrige Streben der deutschen
Geistlichkeit, den an solchen Schätzen noch armen Boden dieses Landes
mit Gebeinen der Heiligen zu bereichern; die italienischen Reliquienkrämer
hatten an ihm ihren besten Kunden. Seit alter Zeit bewahrte Fulda den Leib
der heiligen L i oba oder L eo bgyt h; diesen ließ Hraban nach dem
Petersberge bringen, und veranlaßte schon vorher R udo l f, ihr Leben zu
beschreiben[21]. Ihm standen dazu die Aufzeichnungen des fünf Jahre
vorher (831) verstorbenen Priesters Mago zu Gebote, welche die
Erzählungen von Schülerinnen der Heiligen enthielten. Anderes hatte sich
noch in mündlicher Tradition erhalten. Leobgyth war eine Verwandte des
Bonifaz, und von ihm aus England berufen, um in dem Kloster
Bischofsheim (oben S. 137) einen Mittelpunkt geistlicher Belehrung für
Nonnen zu errichten; auch ihnen waren die lateinische Sprache und
mancherlei andere Kenntnisse unentbehrlich zum Verständniß der heiligen
Schriften und des Gottesdienstes. Rudolfs Nachrichten geben daher eine
erwünschte Ergänzung für die Kenntniß von der Wirksamkeit des Bonifaz;
später war Leobgyth auch mit der Königin Hildegard befreundet. Diese
Nachrichten sind nun verbunden mit einer Fülle von Wundergeschichten; so
wenig in Rudolfs Annalen der kirchliche Standpunkt hervortritt, so sehr
zeigt er sich hier von der die Zeit beherrschenden Richtung erfüllt. In noch
höherem Grade tritt das hervor in seiner Schrift über die Wunder der unter
Hraban nach Fulda gebrachten Reliquien[22], welche auch einige
geschichtliche Nachrichten enthält, übrigens aber eine Fülle jener sich
immer und überall in ermüdendster Eintönigkeit wiederholenden
Wundergeschichten, welche nur durch die Namen der Personen und
Ortschaften und gelegentliche Angaben über Sitten und Gebräuche der Zeit
einigen Werth erhalten. Die Zeit der berichteten Geschichten fällt in die
Fuldern blieb er in freundschaftlichem Verkehr, und söhnte sich bald auch
mit König Ludwig aus, der ihn gegen seine Neigung nach Otgars Tod zum
Erzbischof von Mainz (847-856) erhob. Wie diese Beförderung den
Reichsannalen zugute gekommen ist, haben wir oben schon gesehen.
In hohem Grade theilte Hraban das eifrige Streben der deutschen
Geistlichkeit, den an solchen Schätzen noch armen Boden dieses Landes
mit Gebeinen der Heiligen zu bereichern; die italienischen Reliquienkrämer
hatten an ihm ihren besten Kunden. Seit alter Zeit bewahrte Fulda den Leib
der heiligen L i oba oder L eo bgyt h; diesen ließ Hraban nach dem
Petersberge bringen, und veranlaßte schon vorher R udo l f, ihr Leben zu
beschreiben[21]. Ihm standen dazu die Aufzeichnungen des fünf Jahre
vorher (831) verstorbenen Priesters Mago zu Gebote, welche die
Erzählungen von Schülerinnen der Heiligen enthielten. Anderes hatte sich
noch in mündlicher Tradition erhalten. Leobgyth war eine Verwandte des
Bonifaz, und von ihm aus England berufen, um in dem Kloster
Bischofsheim (oben S. 137) einen Mittelpunkt geistlicher Belehrung für
Nonnen zu errichten; auch ihnen waren die lateinische Sprache und
mancherlei andere Kenntnisse unentbehrlich zum Verständniß der heiligen
Schriften und des Gottesdienstes. Rudolfs Nachrichten geben daher eine
erwünschte Ergänzung für die Kenntniß von der Wirksamkeit des Bonifaz;
später war Leobgyth auch mit der Königin Hildegard befreundet. Diese
Nachrichten sind nun verbunden mit einer Fülle von Wundergeschichten; so
wenig in Rudolfs Annalen der kirchliche Standpunkt hervortritt, so sehr
zeigt er sich hier von der die Zeit beherrschenden Richtung erfüllt. In noch
höherem Grade tritt das hervor in seiner Schrift über die Wunder der unter
Hraban nach Fulda gebrachten Reliquien[22], welche auch einige
geschichtliche Nachrichten enthält, übrigens aber eine Fülle jener sich
immer und überall in ermüdendster Eintönigkeit wiederholenden
Wundergeschichten, welche nur durch die Namen der Personen und
Ortschaften und gelegentliche Angaben über Sitten und Gebräuche der Zeit
einigen Werth erhalten. Die Zeit der berichteten Geschichten fällt in die
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Jahre 835 bis 838; geschrieben ist das Buch zwischen 842 und 847, als
Hraban in seiner Zelle auf dem Petersberge lebte; vielleicht jedoch etwas
später, da die Schilderung von Hrabans litterarischer Thätigkeit daselbst im
letzten Capitel im Praeteritum gehalten ist, und der letzte Schluß fehlt.
Dieses Werk Rudolfs war es wohl, welches Waltbraht, den Enkel
Widukinds, der im Jahre 851 den Leib des h. Alex an der von Rom nach
Wildeshausen brachte, zu dem Wunsche und der Bitte veranlaßte, daß
Rudolf auch diesen Gebeinen eine ähnliche Schrift widmen möchte[23].
Aber erst, als er im Alter sich wieder in sein Kloster zurückzog, kam er zur
Ausführung. Die Art, wie er diese Aufgabe erfaßte, zeigt seinen
geschichtlichen Sinn; erfüllt davon, daß hauptsächlich diese
Uebertragungen von Reliquien das Christenthum unter den Sachsen
ausbreiteten und befestigten, ging er zurück auf die alte Heidenzeit, um zu
zeigen, von welchen Irrthümern das Volk durch die Einführung des
Christenthums befreit sei. Er begann mit einem kurzen Abriß der
Stammsage, die Widukind von Corvey ausführlicher erhalten hat; dann aber
entlehnt er die näheren Angaben über Glauben und Sitten der Sachsen aus
der Germania des Tacitus[24]. Das ist ein guter Beweis für die gelehrten
Studien der Fuldischen Klosterschule; zugleich aber ist es auch
charakteristisch für Rudolf nicht allein, sondern für die mittelalterlichen
Gelehrten überhaupt, daß er in Fulda, wo doch noch kürzlich das
Hildebrandslied aufgeschrieben war, über das sächsische Heidenthum
nichts aus eigener Kunde und Beobachtung mittheilt, sondern sich genau an
die Worte des Tacitus hält.
Rudolf fügte noch eine kurze Uebersicht der Bezwingung der Sachsen
durch Karl den Großen nach Einhard hinzu; dann rief ihn der Tod am 8.
März 865 ab von dem wohlangelegten Werke. In den Annalen ist ihm ein
kurzer Nachruf gewidmet, wo er als Historiker und Dichter gefeiert wird,
und man vermuthet, daß auch der Maler Rudolf, dessen Werk Hraban in
einem Epigramm rühmt, kein anderer gewesen ist. Die Fortsetzung des
begonnenen Werkes übernahm sein Schüler Meg inhar d. Die Taufe
Hraban in seiner Zelle auf dem Petersberge lebte; vielleicht jedoch etwas
später, da die Schilderung von Hrabans litterarischer Thätigkeit daselbst im
letzten Capitel im Praeteritum gehalten ist, und der letzte Schluß fehlt.
Dieses Werk Rudolfs war es wohl, welches Waltbraht, den Enkel
Widukinds, der im Jahre 851 den Leib des h. Alex an der von Rom nach
Wildeshausen brachte, zu dem Wunsche und der Bitte veranlaßte, daß
Rudolf auch diesen Gebeinen eine ähnliche Schrift widmen möchte[23].
Aber erst, als er im Alter sich wieder in sein Kloster zurückzog, kam er zur
Ausführung. Die Art, wie er diese Aufgabe erfaßte, zeigt seinen
geschichtlichen Sinn; erfüllt davon, daß hauptsächlich diese
Uebertragungen von Reliquien das Christenthum unter den Sachsen
ausbreiteten und befestigten, ging er zurück auf die alte Heidenzeit, um zu
zeigen, von welchen Irrthümern das Volk durch die Einführung des
Christenthums befreit sei. Er begann mit einem kurzen Abriß der
Stammsage, die Widukind von Corvey ausführlicher erhalten hat; dann aber
entlehnt er die näheren Angaben über Glauben und Sitten der Sachsen aus
der Germania des Tacitus[24]. Das ist ein guter Beweis für die gelehrten
Studien der Fuldischen Klosterschule; zugleich aber ist es auch
charakteristisch für Rudolf nicht allein, sondern für die mittelalterlichen
Gelehrten überhaupt, daß er in Fulda, wo doch noch kürzlich das
Hildebrandslied aufgeschrieben war, über das sächsische Heidenthum
nichts aus eigener Kunde und Beobachtung mittheilt, sondern sich genau an
die Worte des Tacitus hält.
Rudolf fügte noch eine kurze Uebersicht der Bezwingung der Sachsen
durch Karl den Großen nach Einhard hinzu; dann rief ihn der Tod am 8.
März 865 ab von dem wohlangelegten Werke. In den Annalen ist ihm ein
kurzer Nachruf gewidmet, wo er als Historiker und Dichter gefeiert wird,
und man vermuthet, daß auch der Maler Rudolf, dessen Werk Hraban in
einem Epigramm rühmt, kein anderer gewesen ist. Die Fortsetzung des
begonnenen Werkes übernahm sein Schüler Meg inhar d. Die Taufe
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Widukinds, mit der Rudolfs Erzählung abbricht, gab diesem den Uebergang
auf dessen Enkel Waltbraht, der, an Lothars Hofe erzogen, sich mit vollem
Eifer dem Christenthume zuwandte, und um das Christenthum in Sachsen
besser zu befestigen, auszog, um aus Rom Reliquien zu holen. Die
Empfehlungsbriefe, welche ihm Kaiser Lothar mitgab, hat Meginhard
vollständig aufgenommen, hält sich dann aber bei den Vorfällen der Reise
nicht lange auf, sondern geht bald zu seinem eigentlichen Gegenstande, den
Wundern, über. Eine zweite Schrift ähnlicher Art, über den heiligen
F er r ut iu s und dessen Uebertragung von Castel nach Bleidenstadt,
nördlich von Wiesbaden, durch den Erzbischof Lull[25], ist eine Predigt und
hat deshalb einen ganz überwiegend erbaulichen Charakter; eine große
Fülle von Phrasen verdeckt den Mangel an geschichtlichem Inhalt, der nur
aus den Inschriften von Bleidenstadt stammt.
Meginhard, der sich in der Widmung einer theologischen Abhandlung
an den Erzbischof Gunther von Coeln als Schulmeister bezeichnet[26], ist,
wie wir schon oben sahen, ohne Zweifel auch der Fortsetzer der
Reichsannalen gewesen. Nur aus diesen sehen wir, daß die litterarische
Thätigkeit in diesem Kloster noch nicht ganz erstarb. Nur aus dem Anfange
des folgenden Jahrhunderts haben wir noch eine kurze Geschi cht e der
Aeb t e vo n F u l da[27], einen sehr kurzen und gedrängten, aber recht
hübsch geschriebenen Bericht, der jedoch nur mit Vorsicht zu benutzen ist,
da er durchaus panegyrischer Natur und keineswegs geschichtlich
wahrhaftig ist. Der Abt Huoggi (891-915) erlangte von Kaiser Arnulf die
berühmte, noch jetzt erhaltene Evangelienhandschrift, deren Randglossen
Bonifatius zugeschrieben werden[28]. Sonst aber ist von litterarischer
Thätigkeit in diesem Kloster nichts auf uns gekommen. Es hat jedoch schon
Waitz[29] erkannt, daß den Hersfelder Annalen bis in die Mitte des neunten
Jahrhunderts eine in Fulda verfaßte Compilation zu Grunde liegt, welche
aus den ältesten Lorscher Annalen, der kleinen Frankenchronik (Lauriss.
min.) und einheimischen Aufzeichnungen zusammengesetzt war, und auch
von Marianus Scotus benutzt wurde. H. Lorenz hat das weiter ausgeführt
und glaubte das Endjahr zwischen 830 und 840 ansetzen zu können[30],
auf dessen Enkel Waltbraht, der, an Lothars Hofe erzogen, sich mit vollem
Eifer dem Christenthume zuwandte, und um das Christenthum in Sachsen
besser zu befestigen, auszog, um aus Rom Reliquien zu holen. Die
Empfehlungsbriefe, welche ihm Kaiser Lothar mitgab, hat Meginhard
vollständig aufgenommen, hält sich dann aber bei den Vorfällen der Reise
nicht lange auf, sondern geht bald zu seinem eigentlichen Gegenstande, den
Wundern, über. Eine zweite Schrift ähnlicher Art, über den heiligen
F er r ut iu s und dessen Uebertragung von Castel nach Bleidenstadt,
nördlich von Wiesbaden, durch den Erzbischof Lull[25], ist eine Predigt und
hat deshalb einen ganz überwiegend erbaulichen Charakter; eine große
Fülle von Phrasen verdeckt den Mangel an geschichtlichem Inhalt, der nur
aus den Inschriften von Bleidenstadt stammt.
Meginhard, der sich in der Widmung einer theologischen Abhandlung
an den Erzbischof Gunther von Coeln als Schulmeister bezeichnet[26], ist,
wie wir schon oben sahen, ohne Zweifel auch der Fortsetzer der
Reichsannalen gewesen. Nur aus diesen sehen wir, daß die litterarische
Thätigkeit in diesem Kloster noch nicht ganz erstarb. Nur aus dem Anfange
des folgenden Jahrhunderts haben wir noch eine kurze Geschi cht e der
Aeb t e vo n F u l da[27], einen sehr kurzen und gedrängten, aber recht
hübsch geschriebenen Bericht, der jedoch nur mit Vorsicht zu benutzen ist,
da er durchaus panegyrischer Natur und keineswegs geschichtlich
wahrhaftig ist. Der Abt Huoggi (891-915) erlangte von Kaiser Arnulf die
berühmte, noch jetzt erhaltene Evangelienhandschrift, deren Randglossen
Bonifatius zugeschrieben werden[28]. Sonst aber ist von litterarischer
Thätigkeit in diesem Kloster nichts auf uns gekommen. Es hat jedoch schon
Waitz[29] erkannt, daß den Hersfelder Annalen bis in die Mitte des neunten
Jahrhunderts eine in Fulda verfaßte Compilation zu Grunde liegt, welche
aus den ältesten Lorscher Annalen, der kleinen Frankenchronik (Lauriss.
min.) und einheimischen Aufzeichnungen zusammengesetzt war, und auch
von Marianus Scotus benutzt wurde. H. Lorenz hat das weiter ausgeführt
und glaubte das Endjahr zwischen 830 und 840 ansetzen zu können[30],
Page 315
wogegen G. Buchholz[31] geltend machte, daß dann der Mangel einer
Verwandtschaft mit dem älteren Theil der sog. Ann. Fuld. nicht zu erklären
sei. Fr. Kurze bemerkte, daß die Uebereinstimmung mit Marianus sich noch
weiter erstrecke, und andererseits, daß für die erste Hälfte des zehnten
Jahrhunderts dem Fortsetzer des Regino eine Fulder Quelle vorgelegen
habe; beide schienen zusammen zu gehören[32]. So kommen wir auf eine
Fulder Compilation des ausgehenden neunten oder des zehnten
Jahrhunderts mit annalistischer Fortsetzung, Klosterannalen, in denen, wie
es bei diesen Jahrbüchern der Fall zu sein pflegt, einzelne geschichtliche
Nachrichten mit Begebenheiten aus der Hausgeschichte verbunden waren.
Dafür wird der erste Theil der Annales S. Bonifacii von 716 bis 830 in
Anspruch genommen[33]. Eine ausführlichere Geschichte des Klosters, die
spurlos verschwunden ist, erwähnt und lobt Lambert in der Vorrede zu
seiner Hersfelder Geschichte, SS. V, 137.
Litterarische Thätigkeit finden wir auch in dem nahe gelegenen,
ebenfalls hessischen Kloster H er sf eld, welches um 770 von Lullus
begründet wurde, als Fulda mit Erfolg seine Selbständigkeit gegen ihn
behauptete, und bald zu kräftiger Entwickelung gelangte[34]. Auch von
seiner Schule, seinen gelehrten Mönchen würde wohl manches zu berichten
sein, wenn nicht die Ueberlieferungen dieses Klosters ein besonders
ungünstiges Geschick betroffen hätte; die Hersfelder Annalen, Lamberts
Geschichte von Hersfeld, sind verloren, und auch von Lamberts
Jahrbüchern ist keine alte Handschrift vorhanden; da mag noch anderes
spurlos für uns verschwunden sein. Der Abt Balthard ( † 796) kann
vielleicht derselbe sein, an welchen zwei Briefe seiner Schwester Berthgyth
in der Bonifazischen Sammlung sich erhalten haben[35]. Abt Bun bewog
836 den gelehrten Lupus, ein Leben Wigberts zu schreiben[36], den Bonifaz
als Abt von Fritzlar eingesetzt hatte; seine Gebeine waren nach Hersfeld
übertragen, und in den Wundergeschichten finden sich einige geschichtliche
Nachrichten. Eine Handschrift, welche leider verschollen ist, enthielt auch
eine poetische Bearbeitung dieser Vita in sehr barbarischer Sprache, von
einem Hersfelder Mönch, welcher sie Buns Nachfolger Brunwart (843-875)
Verwandtschaft mit dem älteren Theil der sog. Ann. Fuld. nicht zu erklären
sei. Fr. Kurze bemerkte, daß die Uebereinstimmung mit Marianus sich noch
weiter erstrecke, und andererseits, daß für die erste Hälfte des zehnten
Jahrhunderts dem Fortsetzer des Regino eine Fulder Quelle vorgelegen
habe; beide schienen zusammen zu gehören[32]. So kommen wir auf eine
Fulder Compilation des ausgehenden neunten oder des zehnten
Jahrhunderts mit annalistischer Fortsetzung, Klosterannalen, in denen, wie
es bei diesen Jahrbüchern der Fall zu sein pflegt, einzelne geschichtliche
Nachrichten mit Begebenheiten aus der Hausgeschichte verbunden waren.
Dafür wird der erste Theil der Annales S. Bonifacii von 716 bis 830 in
Anspruch genommen[33]. Eine ausführlichere Geschichte des Klosters, die
spurlos verschwunden ist, erwähnt und lobt Lambert in der Vorrede zu
seiner Hersfelder Geschichte, SS. V, 137.
Litterarische Thätigkeit finden wir auch in dem nahe gelegenen,
ebenfalls hessischen Kloster H er sf eld, welches um 770 von Lullus
begründet wurde, als Fulda mit Erfolg seine Selbständigkeit gegen ihn
behauptete, und bald zu kräftiger Entwickelung gelangte[34]. Auch von
seiner Schule, seinen gelehrten Mönchen würde wohl manches zu berichten
sein, wenn nicht die Ueberlieferungen dieses Klosters ein besonders
ungünstiges Geschick betroffen hätte; die Hersfelder Annalen, Lamberts
Geschichte von Hersfeld, sind verloren, und auch von Lamberts
Jahrbüchern ist keine alte Handschrift vorhanden; da mag noch anderes
spurlos für uns verschwunden sein. Der Abt Balthard ( † 796) kann
vielleicht derselbe sein, an welchen zwei Briefe seiner Schwester Berthgyth
in der Bonifazischen Sammlung sich erhalten haben[35]. Abt Bun bewog
836 den gelehrten Lupus, ein Leben Wigberts zu schreiben[36], den Bonifaz
als Abt von Fritzlar eingesetzt hatte; seine Gebeine waren nach Hersfeld
übertragen, und in den Wundergeschichten finden sich einige geschichtliche
Nachrichten. Eine Handschrift, welche leider verschollen ist, enthielt auch
eine poetische Bearbeitung dieser Vita in sehr barbarischer Sprache, von
einem Hersfelder Mönch, welcher sie Buns Nachfolger Brunwart (843-875)
Page 316
gewidmet hatte[37]. Dieser Brunwart war befreundet mit Hraban, welcher an
ihn, als er noch Chorepiscopus war, Verse richtete[38]. Die Annalen, welche
von besonderer Wichtigkeit für uns sind, gehören erst der folgenden Periode
an.
Beide Klöster, Fulda und Hersfeld, blieben in engster Verbindung mit
dem Erzbisthum Mai nz; ihr Theil war die Pflege der Wissenschaft,
während die Metropole zu sehr in die politischen Händel verwickelt wurde,
um in litterarischer Beziehung eine hervorragende Stelle einzunehmen,
wenn wir von den Reichsannalen absehen. Auf Lulls Nachfolger Riculf
(786 bis 813), den der Mönch von St. Gallen als dumm und hochmüthig
schildert, wohl übertreibend, da er unter dem Namen Damoetas zu Karls
Hofgelehrten gehörte[39], folgte zuerst Lulls Schüler Haistulf (813-825),
dann bis 847 Otg ar, ein Verwandter Riculfs und eifriger Parteimann. Er ist
es, welcher den Diaconus Benedict zur Ergänzung der
Capitulariensammlung des Ansegis veranlaßt haben soll, und man hat ihn
deshalb für den Mitschuldigen der hierin enthaltenen Fälschungen gehalten,
eine Ansicht, welche jetzt von P. Hinschius als unbegründet widerlegt ist, da
Benedicts Werk erst nach Otgars Tod vollendet worden ist, und die ganze
Notiz ist vielleicht nur betrüglich erfunden. Zu verdanken haben wir ihm
wahrscheinlich den Abschluß der Mainzer Briefsammlung, in welcher der
Correspondenz des Bonifatius Briefe von Lull und Otgar sich
anschließen[40]. Für seine Metropole brachte Otgar von seiner
Gesandtschaft an Lothar nach Pavia 836 die Reliquien des h . S ever us,
Bischofs von Ravenna, nebst Frau und Tochter heim; ein französischer
Speculant, der solch kostbare Waare durch Lug und Trug sich diebischer
Weise zu verschaffen und dann theuer zu verkaufen pflegte, fand an Otgar
einen Kunden, denn um so heiligen Besitz zu gewinnen, galt auch den
frömmsten Männern Meineid und Diebstahl für zulässig[41]. Groß war die
Freude in Mainz und in Erfurt, wohin zur Beförderung des Christenthums
in Thüringen S. Severus abgelassen wurde, allein man hatte noch keine
Kunde von dem Leben des Heiligen, bis der Priester L i udul f eine
Pilgerfahrt nach Rom mit einem Besuche in Ravenna verband, und die dort
ihn, als er noch Chorepiscopus war, Verse richtete[38]. Die Annalen, welche
von besonderer Wichtigkeit für uns sind, gehören erst der folgenden Periode
an.
Beide Klöster, Fulda und Hersfeld, blieben in engster Verbindung mit
dem Erzbisthum Mai nz; ihr Theil war die Pflege der Wissenschaft,
während die Metropole zu sehr in die politischen Händel verwickelt wurde,
um in litterarischer Beziehung eine hervorragende Stelle einzunehmen,
wenn wir von den Reichsannalen absehen. Auf Lulls Nachfolger Riculf
(786 bis 813), den der Mönch von St. Gallen als dumm und hochmüthig
schildert, wohl übertreibend, da er unter dem Namen Damoetas zu Karls
Hofgelehrten gehörte[39], folgte zuerst Lulls Schüler Haistulf (813-825),
dann bis 847 Otg ar, ein Verwandter Riculfs und eifriger Parteimann. Er ist
es, welcher den Diaconus Benedict zur Ergänzung der
Capitulariensammlung des Ansegis veranlaßt haben soll, und man hat ihn
deshalb für den Mitschuldigen der hierin enthaltenen Fälschungen gehalten,
eine Ansicht, welche jetzt von P. Hinschius als unbegründet widerlegt ist, da
Benedicts Werk erst nach Otgars Tod vollendet worden ist, und die ganze
Notiz ist vielleicht nur betrüglich erfunden. Zu verdanken haben wir ihm
wahrscheinlich den Abschluß der Mainzer Briefsammlung, in welcher der
Correspondenz des Bonifatius Briefe von Lull und Otgar sich
anschließen[40]. Für seine Metropole brachte Otgar von seiner
Gesandtschaft an Lothar nach Pavia 836 die Reliquien des h . S ever us,
Bischofs von Ravenna, nebst Frau und Tochter heim; ein französischer
Speculant, der solch kostbare Waare durch Lug und Trug sich diebischer
Weise zu verschaffen und dann theuer zu verkaufen pflegte, fand an Otgar
einen Kunden, denn um so heiligen Besitz zu gewinnen, galt auch den
frömmsten Männern Meineid und Diebstahl für zulässig[41]. Groß war die
Freude in Mainz und in Erfurt, wohin zur Beförderung des Christenthums
in Thüringen S. Severus abgelassen wurde, allein man hatte noch keine
Kunde von dem Leben des Heiligen, bis der Priester L i udul f eine
Pilgerfahrt nach Rom mit einem Besuche in Ravenna verband, und die dort
Page 317
gewonnene Auskunft mittheilte; hinzugefügt ist von ihm die geschichtlich
nicht ganz unwichtige Erzählung von der Erwerbung der Reliquien durch
Otgar[42]. Er schrieb unter Hrabans Nachfolger Karl (856-863), dem
aquitanischen Prinzen, von dessen gelehrten Studien nichts bekannt ist. Die
Bedrängniß der Kirchen durch die Vertheilung ihrer Güter an Kriegsleute
veranlaßte einen Mainzer Geistlichen zur Aufzeichnung der Visio Caroli (S.
188), welche er noch mündlich von Hraban erfahren haben wollte. Nach
Karl verwaltete Liutbert 26 Jahre lang das Erzbisthum, ein wohlgesinnter
und nicht ungelehrter Herr, der sich auch der Reichsannalen wieder
annahm, aber die wirren Zeiten, die immer schrecklicheren Einfälle der
Normannen, drängten alle wissenschaftliche Beschäftigung in den
Hintergrund: im Kampfe gegen diese Unholde verlor 891 Liutberts
Nachfolger Sunderold oder Sunzo nach kurzer Amtsdauer das Leben, ein
Fulder Mönch, dem einst, da er noch einfacher Priester war, Meginhard die
Erzählung von der Uebertragung des h. Alexander gewidmet hatte. An
seiner Statt erhob Kaiser Arnulf Hatto, den Abt von Reichenau, berühmt
durch seine Klugheit und Thatkraft, auch wegen seiner kirchlichen
Gelehrsamkeit hoch gefeiert, aber die äusseren Sorgen für Kirchenzucht
und Reichsregierung nahmen ihn vollständig in Anspruch; diesen Zwecken
diente auch das Werk de synodalibus causis, welches Regino ihm gewidmet
hatte[43].
[1] Ruodolfi V. Liobae c. 10. Libellus supplex § 10.
[2] Catalogus abbatum in Böhmers Fontes III, 162; MG. SS. XIII, 272. Clemens wird
als Lehrer an Ludwigs des Frommen Hofe erwähnt, er widmete in recht guten Versen
dem jungen Lothar ein grammatisches Werk, Grammatici Lat. ed. Keil I p. XXI; cf.
Dümmler, Ostfr. II, 649, Hauréau, Singularités p. 23. Keil, de grammaticis
quibusdam latinis inf. aet. (Erlanger Univ.-Progr. 1868), p. 9-17. Dümmler, NA. IV,
258; Poet. Lat. II, 670.
[3] MG. Poet. Lat. I, 392. Trithemius nennt als Schüler Hrabans (Vita I, cap. 3):
„Joannes monachus Fuldensis, patria Francus orientalis, poeta et musicus insignis;
qui et plura scripsit et cantum ecclesiasticum primus apud Germanos varia
modulatione composuit.“ Angef. v. Gerbert, De cantu et musica sacra I, 282. Leider
eine ganz unzuverlässige Quelle. — Caspar Barth, Advers. l. XXXII, c. 12, col. 1486,
führt die Verse an: „Felicitatis regula Hac fine semper constitit“ von einem Fulder
nicht ganz unwichtige Erzählung von der Erwerbung der Reliquien durch
Otgar[42]. Er schrieb unter Hrabans Nachfolger Karl (856-863), dem
aquitanischen Prinzen, von dessen gelehrten Studien nichts bekannt ist. Die
Bedrängniß der Kirchen durch die Vertheilung ihrer Güter an Kriegsleute
veranlaßte einen Mainzer Geistlichen zur Aufzeichnung der Visio Caroli (S.
188), welche er noch mündlich von Hraban erfahren haben wollte. Nach
Karl verwaltete Liutbert 26 Jahre lang das Erzbisthum, ein wohlgesinnter
und nicht ungelehrter Herr, der sich auch der Reichsannalen wieder
annahm, aber die wirren Zeiten, die immer schrecklicheren Einfälle der
Normannen, drängten alle wissenschaftliche Beschäftigung in den
Hintergrund: im Kampfe gegen diese Unholde verlor 891 Liutberts
Nachfolger Sunderold oder Sunzo nach kurzer Amtsdauer das Leben, ein
Fulder Mönch, dem einst, da er noch einfacher Priester war, Meginhard die
Erzählung von der Uebertragung des h. Alexander gewidmet hatte. An
seiner Statt erhob Kaiser Arnulf Hatto, den Abt von Reichenau, berühmt
durch seine Klugheit und Thatkraft, auch wegen seiner kirchlichen
Gelehrsamkeit hoch gefeiert, aber die äusseren Sorgen für Kirchenzucht
und Reichsregierung nahmen ihn vollständig in Anspruch; diesen Zwecken
diente auch das Werk de synodalibus causis, welches Regino ihm gewidmet
hatte[43].
[1] Ruodolfi V. Liobae c. 10. Libellus supplex § 10.
[2] Catalogus abbatum in Böhmers Fontes III, 162; MG. SS. XIII, 272. Clemens wird
als Lehrer an Ludwigs des Frommen Hofe erwähnt, er widmete in recht guten Versen
dem jungen Lothar ein grammatisches Werk, Grammatici Lat. ed. Keil I p. XXI; cf.
Dümmler, Ostfr. II, 649, Hauréau, Singularités p. 23. Keil, de grammaticis
quibusdam latinis inf. aet. (Erlanger Univ.-Progr. 1868), p. 9-17. Dümmler, NA. IV,
258; Poet. Lat. II, 670.
[3] MG. Poet. Lat. I, 392. Trithemius nennt als Schüler Hrabans (Vita I, cap. 3):
„Joannes monachus Fuldensis, patria Francus orientalis, poeta et musicus insignis;
qui et plura scripsit et cantum ecclesiasticum primus apud Germanos varia
modulatione composuit.“ Angef. v. Gerbert, De cantu et musica sacra I, 282. Leider
eine ganz unzuverlässige Quelle. — Caspar Barth, Advers. l. XXXII, c. 12, col. 1486,
führt die Verse an: „Felicitatis regula Hac fine semper constitit“ von einem Fulder
Page 318
Mönch E r i n f r i d „a. 806 ut vita ejus testatur“. Die Hs. „e bibl. Martispurg.“ enthielt
„alia talia“ u. Briefe. Leider habe ich keine weitere Spur davon finden können.
[4] Libellus supplex Monachorum Fuldensium, Carolo Magno Imperatori porrectus.
Broweri Antt. Fuld. p. 212. Schannat, Cod. Probb. p. 84. Mab. IV, I, 260-262. Vgl.
über diese Vorgänge B. Simson, Lud. d. Fr. I, 371 bis 374. Die S. 373 Anm. 9 angef.
Stelle des Libellus kann ich aber nur darauf beziehen, daß keine Acte weltlicher
Gerichtsbarkeit und kein Marktverkehr auf dem Klosterplatz stattfinden sollen. Die
Worte des Cod. Fuld. Ann. Lauriss. min. a. 807: ‚Aufugiunt pueri puerorum et
pessime custos Consiliis pravis‘ sind, wie Simson bemerkt, vielleicht aus einem
verlorenen Gedicht.
[5] Vita S. Sturmi ed. Pertz MG. SS. II, 365-377. Bei Migne CV, 421-444 nach
Mabillon. Uebersetzt von W. Arndt mit dem Leben des heiligen Bonifatius; von K.
Schwartz mit beachtenswerthen Erläuterungen in 2 Fulder Programmen, 1856 und
1858. Ebert II, 104-106. Die vermißte Bamberger Hs. ist in Würzburg, Arch. VII,
109.
[6] Waitz bezweifelt, ob es überhaupt vollendet war. Vgl. O. Cl. Th. Richter: Wizo u.
Bruun, 2 Gelehrte im Zeitalter Karls d. Gr. und die ihren gemeinsamen Namen
Candidus tragenden Schriften, Progr. d. Leipz. städt. Realgymn. 1890.
[7] Vita Eigilis, Broweri Sidera Germaniae, Schannat, Cod. Probb. 88 bis 114. Daraus
Mab. IV, 1, 217-246; Migne CV, 381-422. Waitz (nur die Prosa) SS. XV, 221-233,
aber auch ohne handschriftliche Hülfsmittel. Uebers. v. Grandaur 1888,
Geschichtschr. 25 (IX, 10). Ebert II, 330. In der Würzb. Bibliothek ist eine von Bruun
geschriebene Regula S. Benedicti, Forsch. VI, 119.
[8] Auch bei Dümmler, Poet. Lat. II, 94-117.
[9] Daraus wiederholt bei Jul. v. Schlosser: Eine Fulder Miniat. Hs. d. Hofbibl. Jahrb.
d. kunsthist. Sammlungen d. A. H. Kaiserh. XIII. mit Studien über die Fulder
Kunstschule.
[10] Kunstmann I. l. Wackernagels Litteraturgeschichte S. 52. Bach, Hrabanus
Maurus der Schöpfer deutschen Schulwesens, Zimmermanns Zeitschrift für Alt. II,
636. Ebert II, 120-146. Hauck II, 562 ff. Will, Regesten d. Mainzer Erzbb. I, p. XIX-
XXIV. Opera ed. Colvener. 1627. Migne CVII-CXII. Seine Gedichte, unter denen
manche von geschichtlicher Bedeutung, gab Chr. Brower 1617 als Anhang zum
Venantius Fortunatus; daraus schöpften die Späteren; jetzt Poet. Lat. II, 154-258. Vgl.
NA. IV, 286-294. 581. Dümmler, Ostfr. I, 315-320. 404-410. Allg. D. Biogr. XXVII,
66-74. Derselbe über eine verschollene F u l d . B r i e f s a m m l u n g des neunten
Jahrhunderts, Forsch. V, 369-395 (Nachtr. XXIV, 421-425), eine Sammlung der von
den Magd. Centuriatoren erhaltenen Fragmente einer wichtigen Fuldischen
Briefsammlung von c. 818 bis 870. S. auch oben → S. 219 über Vegetius. — Ueber
die von Koeberlin bekannt gemachte Würzb. Hs. seines Comm. zum Matthaeus s. L.
Traube, NA. XVII, 458. Ueber seine Briefe an Hinkmar Schepss, NA. XI, 130.
[11] Dieses Datum der Ann. Laur. min. in der Fulder Handschrift stimmt gut zu
seiner Absendung durch Ratgar, denn daß dieser schon 802 Abt wurde, müssen wir
doch wohl den Ann. Fuld. und ant. Fuld. glauben, und also in den Urkunden bei
Dronke S. 100. 101 vom 1. und 5. Mai 803, welche noch Baugulf nennen, einen
Fehler annehmen; sie sind aus dem Elsaß, wo man vielleicht den Wechsel noch nicht
erfahren hatte. Ebert glaubt annehmen zu müssen, daß er schon vorher lange Zeit bei
Alcuin gewesen sei.
[12] Daß dieser Brief an Hraban gerichtet sei, beruht freilich auf Vermuthung, s. Bibl.
VI, 876. Sicher an ihn ist gerichtet der Brief Frob. 111, Bibl. VI, 801, mit Jaffé's
„alia talia“ u. Briefe. Leider habe ich keine weitere Spur davon finden können.
[4] Libellus supplex Monachorum Fuldensium, Carolo Magno Imperatori porrectus.
Broweri Antt. Fuld. p. 212. Schannat, Cod. Probb. p. 84. Mab. IV, I, 260-262. Vgl.
über diese Vorgänge B. Simson, Lud. d. Fr. I, 371 bis 374. Die S. 373 Anm. 9 angef.
Stelle des Libellus kann ich aber nur darauf beziehen, daß keine Acte weltlicher
Gerichtsbarkeit und kein Marktverkehr auf dem Klosterplatz stattfinden sollen. Die
Worte des Cod. Fuld. Ann. Lauriss. min. a. 807: ‚Aufugiunt pueri puerorum et
pessime custos Consiliis pravis‘ sind, wie Simson bemerkt, vielleicht aus einem
verlorenen Gedicht.
[5] Vita S. Sturmi ed. Pertz MG. SS. II, 365-377. Bei Migne CV, 421-444 nach
Mabillon. Uebersetzt von W. Arndt mit dem Leben des heiligen Bonifatius; von K.
Schwartz mit beachtenswerthen Erläuterungen in 2 Fulder Programmen, 1856 und
1858. Ebert II, 104-106. Die vermißte Bamberger Hs. ist in Würzburg, Arch. VII,
109.
[6] Waitz bezweifelt, ob es überhaupt vollendet war. Vgl. O. Cl. Th. Richter: Wizo u.
Bruun, 2 Gelehrte im Zeitalter Karls d. Gr. und die ihren gemeinsamen Namen
Candidus tragenden Schriften, Progr. d. Leipz. städt. Realgymn. 1890.
[7] Vita Eigilis, Broweri Sidera Germaniae, Schannat, Cod. Probb. 88 bis 114. Daraus
Mab. IV, 1, 217-246; Migne CV, 381-422. Waitz (nur die Prosa) SS. XV, 221-233,
aber auch ohne handschriftliche Hülfsmittel. Uebers. v. Grandaur 1888,
Geschichtschr. 25 (IX, 10). Ebert II, 330. In der Würzb. Bibliothek ist eine von Bruun
geschriebene Regula S. Benedicti, Forsch. VI, 119.
[8] Auch bei Dümmler, Poet. Lat. II, 94-117.
[9] Daraus wiederholt bei Jul. v. Schlosser: Eine Fulder Miniat. Hs. d. Hofbibl. Jahrb.
d. kunsthist. Sammlungen d. A. H. Kaiserh. XIII. mit Studien über die Fulder
Kunstschule.
[10] Kunstmann I. l. Wackernagels Litteraturgeschichte S. 52. Bach, Hrabanus
Maurus der Schöpfer deutschen Schulwesens, Zimmermanns Zeitschrift für Alt. II,
636. Ebert II, 120-146. Hauck II, 562 ff. Will, Regesten d. Mainzer Erzbb. I, p. XIX-
XXIV. Opera ed. Colvener. 1627. Migne CVII-CXII. Seine Gedichte, unter denen
manche von geschichtlicher Bedeutung, gab Chr. Brower 1617 als Anhang zum
Venantius Fortunatus; daraus schöpften die Späteren; jetzt Poet. Lat. II, 154-258. Vgl.
NA. IV, 286-294. 581. Dümmler, Ostfr. I, 315-320. 404-410. Allg. D. Biogr. XXVII,
66-74. Derselbe über eine verschollene F u l d . B r i e f s a m m l u n g des neunten
Jahrhunderts, Forsch. V, 369-395 (Nachtr. XXIV, 421-425), eine Sammlung der von
den Magd. Centuriatoren erhaltenen Fragmente einer wichtigen Fuldischen
Briefsammlung von c. 818 bis 870. S. auch oben → S. 219 über Vegetius. — Ueber
die von Koeberlin bekannt gemachte Würzb. Hs. seines Comm. zum Matthaeus s. L.
Traube, NA. XVII, 458. Ueber seine Briefe an Hinkmar Schepss, NA. XI, 130.
[11] Dieses Datum der Ann. Laur. min. in der Fulder Handschrift stimmt gut zu
seiner Absendung durch Ratgar, denn daß dieser schon 802 Abt wurde, müssen wir
doch wohl den Ann. Fuld. und ant. Fuld. glauben, und also in den Urkunden bei
Dronke S. 100. 101 vom 1. und 5. Mai 803, welche noch Baugulf nennen, einen
Fehler annehmen; sie sind aus dem Elsaß, wo man vielleicht den Wechsel noch nicht
erfahren hatte. Ebert glaubt annehmen zu müssen, daß er schon vorher lange Zeit bei
Alcuin gewesen sei.
[12] Daß dieser Brief an Hraban gerichtet sei, beruht freilich auf Vermuthung, s. Bibl.
VI, 876. Sicher an ihn ist gerichtet der Brief Frob. 111, Bibl. VI, 801, mit Jaffé's
Page 319
Anmerkung. Samuel wird, was Dümmler jetzt selbst vorzieht, der unter diesem
Namen vorkommende Erzbischof Beornrad von Sens ein. Hraban richtet (Poet. Lat.
II, 188) mehrere Gedichte an den Presb. Samuel, seinen sodalis. Das mag der Abt
von Lorsch, 841 Bischof von Worms sein, der, wie Pf. Falk bemerkt, im Chron.
Lauresh. „a puero ibidem educatus“ heißt, und ohne Grund für Fulda in Anspruch
genommen ist. Er starb nicht 859, wie Schannat nach den Urkunden Reg. Kar. 773,
774, 777 annahm, aber die Urkk. sind unecht, s. Sickel, Wiener SB. XXXVI, 396.
Das Chron. Lauresh. hat 855, Ann. Fuld. steht die Notiz am Rande bei 856 am Ende
des Jahres, Ann. necrol. cod. 2 (SS. XIII, 177) 856. Als Todestag wird der 6. u. 7.
Feb. bezeichnet.
[13] S. die oben angef. Abh. von J. v. Schlosser, mit schönen Abbildungen. Er hält
Hatto für den ausschmückenden Künstler.
[14] Fr. Vogel, Acta sem. Erlang. II, 416. Manitius, NA. VII, 197, sucht auch bei
Einhard die Bekanntschaft nachzuweisen.
[15] Von den beiden letzteren ist es freilich zweifelhaft, ob sie auch in Fulda waren.
Otfrid bezeichnet als seinen Lehrer, vielleicht in Fulda, auch Salomon I von
Constanz, s. Dümmler, Formelbuch Salomons III, S. 138. Vgl. auch Meyer v.
Knonau, Die Beziehungen O.'s zu St. Gallen, Forsch. XIX, 187-191.
[16] Er war Lehrer der Hofschule unter Ludwig dem Frommen nach seiner Vita,
Mab. IV, 1, 568-575. Acta SS. Jun. I, 753-758. Vgl. oben S. 154 und Sickel, Acta
Kar. I, 84.
[17] Servati Lupi Opera ed. Baluzius, Par. 1664, Antv. 1710. Lettres de Servat Loup.
Texte, notes et introd. par Desdevises du Dezert, Paris 1888 (Bibl. de l'École des
hautes ét. T. 77). Er verfaßte 836 auf den Wunsch des Abts Bun von Hersfeld die Vita
Wigberti (s. unten). Ferner 839 auf Bitten des Abts Waldo (wahrsch. von Schwarzach
im Straßb. Sprengel, der 861 entsetzt wurde, 869 als Abt von St. Maximin
vorkommt) die Vita S. Maximini. Er war Jugendfreund des Abts Hilduin von Saint-
Denis, ep. 97 (über dessen V. Dionysii s. Ebert II, 348). Nach der Rückkehr aus
Deutschland wurde er 837 Sept. 22 durch die Kaiserin Judith dem Kaiser vorgestellt,
842 erhielt er nach Odo's Absetzung die Abtei Ferrières und ist nach 861 gestorben.
Nach ep. 93 hat er K. Karl Imperatorum gesta brevissime comprehensa überreicht,
wobei er vorzüglich auf Trajan und Theodosius hinweist. Vgl. Dümmler, NA. IV,
314. Ebert II, 203-209. Sprotte, Biographie des S. L. Regensb. 1880. Ueber die
Vermuthung Langens, der ihm den Ps. Isidor zuschreibt, s. NA. VIII, 412. Ueber
seine philologischen Studien L. Traube, Münch. SB. 1891, S. 389 ff. Sein und
Haimons Schüler war Herich von Auxerre.
[18] S. über ihn Dümmler, Ostfr. I, 327-336. 405-409. NA. IV, 320. Ebert II, 166-
169.
[19] Ein Bericht von ihm über die am 1. Nov. 819 vollzogene Einweihung der Fulder
Kirche steht in Broweri Antiq. Fuld. p. 110-112; vgl. NA. IV, 260, 290.
[20] Ihm widmete er sein Werk über Jeremias; ein auf Anordnung des Abts Majolus
von Cluni geschriebenes Exemplar ist im Brit. Mus. Add. 22,820, nach Zangemeister,
Wiener SB. LXXXIV, 530. Catal. p. 739. Facs. in Libri's Mon. inédits pl. XVI. Verse
an die Kaiserin Irmingard vor dem Commentar zu Judith u. Esther u. Begleitbrief des
letzteren e cod. Darmst. 749, Poet. Lat. II, 167. Lothar II widmete er ein Gegenstück
gegen die 'Coena Cypriani' zur Uebung für Schulzwecke, wo alle Anspielungen auf
den Kreis der h. Schrift beschränkt sind, ed. H. Hagen 1884 in Hilgenfelds Zts. f.
wiss. Theol. XXVII, 164-187; vgl. NA. IX, 657. Auch der Verf. der Visio Caroli
(oben → S. 188) beruft sich auf eine Mittheilung Hrabans.
Namen vorkommende Erzbischof Beornrad von Sens ein. Hraban richtet (Poet. Lat.
II, 188) mehrere Gedichte an den Presb. Samuel, seinen sodalis. Das mag der Abt
von Lorsch, 841 Bischof von Worms sein, der, wie Pf. Falk bemerkt, im Chron.
Lauresh. „a puero ibidem educatus“ heißt, und ohne Grund für Fulda in Anspruch
genommen ist. Er starb nicht 859, wie Schannat nach den Urkunden Reg. Kar. 773,
774, 777 annahm, aber die Urkk. sind unecht, s. Sickel, Wiener SB. XXXVI, 396.
Das Chron. Lauresh. hat 855, Ann. Fuld. steht die Notiz am Rande bei 856 am Ende
des Jahres, Ann. necrol. cod. 2 (SS. XIII, 177) 856. Als Todestag wird der 6. u. 7.
Feb. bezeichnet.
[13] S. die oben angef. Abh. von J. v. Schlosser, mit schönen Abbildungen. Er hält
Hatto für den ausschmückenden Künstler.
[14] Fr. Vogel, Acta sem. Erlang. II, 416. Manitius, NA. VII, 197, sucht auch bei
Einhard die Bekanntschaft nachzuweisen.
[15] Von den beiden letzteren ist es freilich zweifelhaft, ob sie auch in Fulda waren.
Otfrid bezeichnet als seinen Lehrer, vielleicht in Fulda, auch Salomon I von
Constanz, s. Dümmler, Formelbuch Salomons III, S. 138. Vgl. auch Meyer v.
Knonau, Die Beziehungen O.'s zu St. Gallen, Forsch. XIX, 187-191.
[16] Er war Lehrer der Hofschule unter Ludwig dem Frommen nach seiner Vita,
Mab. IV, 1, 568-575. Acta SS. Jun. I, 753-758. Vgl. oben S. 154 und Sickel, Acta
Kar. I, 84.
[17] Servati Lupi Opera ed. Baluzius, Par. 1664, Antv. 1710. Lettres de Servat Loup.
Texte, notes et introd. par Desdevises du Dezert, Paris 1888 (Bibl. de l'École des
hautes ét. T. 77). Er verfaßte 836 auf den Wunsch des Abts Bun von Hersfeld die Vita
Wigberti (s. unten). Ferner 839 auf Bitten des Abts Waldo (wahrsch. von Schwarzach
im Straßb. Sprengel, der 861 entsetzt wurde, 869 als Abt von St. Maximin
vorkommt) die Vita S. Maximini. Er war Jugendfreund des Abts Hilduin von Saint-
Denis, ep. 97 (über dessen V. Dionysii s. Ebert II, 348). Nach der Rückkehr aus
Deutschland wurde er 837 Sept. 22 durch die Kaiserin Judith dem Kaiser vorgestellt,
842 erhielt er nach Odo's Absetzung die Abtei Ferrières und ist nach 861 gestorben.
Nach ep. 93 hat er K. Karl Imperatorum gesta brevissime comprehensa überreicht,
wobei er vorzüglich auf Trajan und Theodosius hinweist. Vgl. Dümmler, NA. IV,
314. Ebert II, 203-209. Sprotte, Biographie des S. L. Regensb. 1880. Ueber die
Vermuthung Langens, der ihm den Ps. Isidor zuschreibt, s. NA. VIII, 412. Ueber
seine philologischen Studien L. Traube, Münch. SB. 1891, S. 389 ff. Sein und
Haimons Schüler war Herich von Auxerre.
[18] S. über ihn Dümmler, Ostfr. I, 327-336. 405-409. NA. IV, 320. Ebert II, 166-
169.
[19] Ein Bericht von ihm über die am 1. Nov. 819 vollzogene Einweihung der Fulder
Kirche steht in Broweri Antiq. Fuld. p. 110-112; vgl. NA. IV, 260, 290.
[20] Ihm widmete er sein Werk über Jeremias; ein auf Anordnung des Abts Majolus
von Cluni geschriebenes Exemplar ist im Brit. Mus. Add. 22,820, nach Zangemeister,
Wiener SB. LXXXIV, 530. Catal. p. 739. Facs. in Libri's Mon. inédits pl. XVI. Verse
an die Kaiserin Irmingard vor dem Commentar zu Judith u. Esther u. Begleitbrief des
letzteren e cod. Darmst. 749, Poet. Lat. II, 167. Lothar II widmete er ein Gegenstück
gegen die 'Coena Cypriani' zur Uebung für Schulzwecke, wo alle Anspielungen auf
den Kreis der h. Schrift beschränkt sind, ed. H. Hagen 1884 in Hilgenfelds Zts. f.
wiss. Theol. XXVII, 164-187; vgl. NA. IX, 657. Auch der Verf. der Visio Caroli
(oben → S. 188) beruft sich auf eine Mittheilung Hrabans.
Page 320
[21] Rudolfi Vita S. Leobae, ed. Waitz, SS. XV, 118-131. Sie starb nach dem Necrol.
Fuld. (SS. XIII, 167) am 23. Sept. 780, nach d. Vita am 28. Sept. u. wird urkundlich
noch 782 als lebend erwähnt. Im Auszug übersetzt von W. Arndt hinter der V.
Bonifatii. Zell, Lioba u. die frommen angels. Frauen, Freib. 1860. Hahn, Bonifaz u.
Lull, S. 131 ff.
[22] Schannat, Cod. Probb. p. 117-132 aus Browers Antiquitates Fuldenses, der
einzigen Originalausgabe, da die Handschrift verloren ist. Unter dem falschen Titel V.
Rabani auch bei Mab. IV, 2, 1. Acta SS. Feb. I, 500. SS. XV, 328-341, von Waitz, als
Miracula Sanctorum in Fuldenses ecclesias translatorum.
[23] Translatio S. Alexandri ed. Pertz, SS. II, 673-681. Uebers. von Richter, 1856, 2.
Ausg. 1889 (Geschichtschr. 21. IX, 6). Vgl. dazu R. Wilmans, Kaiserurkunden der
Prov. Westf. I, 388 ff. Ohne Grund verdächtigt von Wetzel: Die Tr. Al. Kiel 1881,
aber mit einem wichtigen Nachtrag zum Text; vgl. NA. VII, 228 u. Waitz, GGA.
1831, Juni. — Ein Brevier saec. XV. viell. aus Wildeshausen, NA. XV, 208.
[24] Die einzige nachweisbare Benutzung derselben im Mittelalter, nach Waitz,
Forsch. X, 602.
[25] Sermo de S. Ferrutio, bei Surius zum 28. October, Acta SS. Oct. XII. 538-542.
Exc. ed. Holder-Egger, MG. SS. XV, 148-150. Vgl. C. Will, Mon. Blidenstat. Innsbr.
1874, 4. Dümmler, Poet. Lat. I, 431. II, 225.
[26] in Caspari's Kirchenhist. Anecd. (1883), S. 251.
[27] Acta vetusta Abbatum Fuldensium a. 744-916. Schannat, Cod. Probb. 1-3.
Böhmers Fontes III, XXVIII und 161-164 aus Dronke, Traditt. Fuld. p. 162-164. MG.
SS. XIII, 272 als Catalogus abb. Fuldensium. Das kurze Verzeichniß SS. III, 117 n.
ist berichtigt XIII, 340. — Acta abb. bis ins 15. Jahrh. und auch annal.
Aufzeichnungen bei Brouwer sind nachgewiesen von Pflugk-Harttung, Forsch. XIX,
397-442.
[28] Schannat, Vind. lit. I, 226. Codex Fuld. ed. E. Ranke, Marb. et Lips. 1868.
[29] Archiv VI, 681.
[30] Die Annalen von Hersfeld, S. 70.
[31] HZ. 65, 141.
[32] Die Hersfelder u. die größeren Hildesh. Jahrbücher bis 984, S. 8.
[33] MG. SS. III, 117; der zweite Theil 910-1024 ist fast ganz identisch mit den Ann.
Lobienses. Berichtigungen e cod. Lugd. Bat. von Dümmler, Forsch. XVI, 169. —
Ann. S. Bon. brevissimi 936-1011 ib. S. 118. Notae dedicationum Fuldenses 812-
1168, SS. XV, 2, 1287.
[34] Rettberg I, 602-605. Hafner, Die Reichsabtei Hersfeld, 1889.
[35] Bibl. III, 312.
[36] Vita Wigberti, ed. Holder-Egger, MG. SS. XV, 36-43.
[37] So berichtet der Jesuit Busaeus, erster Herausgeber der V. Wigberti, s. Hincmari
epp. ed. Busaeus, Mog. 1602. NA. IV, 314.
[38] Poet. Lat. II, 184; vgl. p. 111.
[39] Vgl. Dümmler NA. IV, 150. Poet. Lat. I, 431. 432 u. II, 694.
[40] H. Hahn, Forsch. XV, 113.
[41] Diese Aeußerung ist wiederholt gerügt worden, zuletzt Katholik 1875 S. 443,
aber sie ist wahr; ich habe einige Beispiele in d. SB. d. Berl. Akad. vom 4. Dec. 1884
zusammengestellt.
Fuld. (SS. XIII, 167) am 23. Sept. 780, nach d. Vita am 28. Sept. u. wird urkundlich
noch 782 als lebend erwähnt. Im Auszug übersetzt von W. Arndt hinter der V.
Bonifatii. Zell, Lioba u. die frommen angels. Frauen, Freib. 1860. Hahn, Bonifaz u.
Lull, S. 131 ff.
[22] Schannat, Cod. Probb. p. 117-132 aus Browers Antiquitates Fuldenses, der
einzigen Originalausgabe, da die Handschrift verloren ist. Unter dem falschen Titel V.
Rabani auch bei Mab. IV, 2, 1. Acta SS. Feb. I, 500. SS. XV, 328-341, von Waitz, als
Miracula Sanctorum in Fuldenses ecclesias translatorum.
[23] Translatio S. Alexandri ed. Pertz, SS. II, 673-681. Uebers. von Richter, 1856, 2.
Ausg. 1889 (Geschichtschr. 21. IX, 6). Vgl. dazu R. Wilmans, Kaiserurkunden der
Prov. Westf. I, 388 ff. Ohne Grund verdächtigt von Wetzel: Die Tr. Al. Kiel 1881,
aber mit einem wichtigen Nachtrag zum Text; vgl. NA. VII, 228 u. Waitz, GGA.
1831, Juni. — Ein Brevier saec. XV. viell. aus Wildeshausen, NA. XV, 208.
[24] Die einzige nachweisbare Benutzung derselben im Mittelalter, nach Waitz,
Forsch. X, 602.
[25] Sermo de S. Ferrutio, bei Surius zum 28. October, Acta SS. Oct. XII. 538-542.
Exc. ed. Holder-Egger, MG. SS. XV, 148-150. Vgl. C. Will, Mon. Blidenstat. Innsbr.
1874, 4. Dümmler, Poet. Lat. I, 431. II, 225.
[26] in Caspari's Kirchenhist. Anecd. (1883), S. 251.
[27] Acta vetusta Abbatum Fuldensium a. 744-916. Schannat, Cod. Probb. 1-3.
Böhmers Fontes III, XXVIII und 161-164 aus Dronke, Traditt. Fuld. p. 162-164. MG.
SS. XIII, 272 als Catalogus abb. Fuldensium. Das kurze Verzeichniß SS. III, 117 n.
ist berichtigt XIII, 340. — Acta abb. bis ins 15. Jahrh. und auch annal.
Aufzeichnungen bei Brouwer sind nachgewiesen von Pflugk-Harttung, Forsch. XIX,
397-442.
[28] Schannat, Vind. lit. I, 226. Codex Fuld. ed. E. Ranke, Marb. et Lips. 1868.
[29] Archiv VI, 681.
[30] Die Annalen von Hersfeld, S. 70.
[31] HZ. 65, 141.
[32] Die Hersfelder u. die größeren Hildesh. Jahrbücher bis 984, S. 8.
[33] MG. SS. III, 117; der zweite Theil 910-1024 ist fast ganz identisch mit den Ann.
Lobienses. Berichtigungen e cod. Lugd. Bat. von Dümmler, Forsch. XVI, 169. —
Ann. S. Bon. brevissimi 936-1011 ib. S. 118. Notae dedicationum Fuldenses 812-
1168, SS. XV, 2, 1287.
[34] Rettberg I, 602-605. Hafner, Die Reichsabtei Hersfeld, 1889.
[35] Bibl. III, 312.
[36] Vita Wigberti, ed. Holder-Egger, MG. SS. XV, 36-43.
[37] So berichtet der Jesuit Busaeus, erster Herausgeber der V. Wigberti, s. Hincmari
epp. ed. Busaeus, Mog. 1602. NA. IV, 314.
[38] Poet. Lat. II, 184; vgl. p. 111.
[39] Vgl. Dümmler NA. IV, 150. Poet. Lat. I, 431. 432 u. II, 694.
[40] H. Hahn, Forsch. XV, 113.
[41] Diese Aeußerung ist wiederholt gerügt worden, zuletzt Katholik 1875 S. 443,
aber sie ist wahr; ich habe einige Beispiele in d. SB. d. Berl. Akad. vom 4. Dec. 1884
zusammengestellt.
Page 321
[42] Vita et Translatio S. Severi auct. Liudulfo presbytero, Acta SS. Feb. I, 88-91.
Jaffé, Bibl. III, 507-517. MG. SS. XV, 289-293, ed. L. v. Heinemann.
[43] S. über Liutbert und Sunzo Dümmler, Ostfr. III, 328-331; über Hatto S. 352.
497. Vgl. auch desselben S. 234 angeführte Abhandlung über die Fulder
Briefsammlung, und die betr. Abschnitte in Will's Regesten.
Jaffé, Bibl. III, 507-517. MG. SS. XV, 289-293, ed. L. v. Heinemann.
[43] S. über Liutbert und Sunzo Dümmler, Ostfr. III, 328-331; über Hatto S. 352.
497. Vgl. auch desselben S. 234 angeführte Abhandlung über die Fulder
Briefsammlung, und die betr. Abschnitte in Will's Regesten.
Page 322
§ 15. Sachsen. Münster, Bremen, Hamburg. [ ← ]
Als Sturm zuerst in Hersfeld sein neues Kloster gründen wollte,
verwarf Bonifaz diesen Vorschlag wegen der Nähe der heidnischen
Sachsen. Karl aber zog auch dieses Volk in den Kreis der christlichen
Bildung, und so gewaltsam auch die neue Pflanzung begründet wurde, sie
schlug doch bald kräftige Wurzeln, und die Söhne der Bekehrten gaben sich
bereits mit regem Eifer der neuen Lebensrichtung hin. Lange schon hatten
die Angelsachsen sich danach gesehnt, hin und wieder auch versucht, ihren
alten Stammesbrüdern das Evangelium zu bringen; jetzt drangen sie unter
dem Schutze Karls vor, und pflanzten den Baum der neuen Lehre, der in
dem frischen Erdreich bald kräftig und segensvoll gedieh.
Einer der hervorragendsten unter ihnen war L iu dger, von Geburt
zwar ein Friese, aber ein Schüler der angelsächsischen Glaubensboten. Er
selbst hat uns in dem Leben seines Lehrers, Gr egor von Ut r ech t[1], die
Werkstatt geschildert, wo ein großer Theil der Lehrer für das Sachsenvolk
ausgebildet wurde; ergänzt werden seine Nachrichten durch seine eigene
Lebensbeschreibung von Altfrid.
Liudgers Großvater Wursing, ein reicher und vornehmer Friese, hatte
sich, von Radbod vertrieben, zu den Franken geflüchtet und die Taufe
angenommen; als dann Karl Martell nach der Besiegung des Landes das
Bisthum Utrecht begründete, siedelte er auch Wursing mit den Seinen dort
an, und an ihnen fand Willibrord die kräftigste Stütze. Nach Willibrords
Tode nahm Bonifaz sich des verwaisten Bisthums an; dann ward es der
Pflege Gregors übergeben, der lange Zeit ein treuer Begleiter und Gehülfe
seines Lehrers Bonifaz gewesen war und nun als Abt dem Martinstifte
vorstand. Die bischöflichen Geschäfte versah neben ihm der Angelsachse
Aluberht. Dieser war wie so viele seiner Landsleute zur Mission
gekommen, und kehrte auf Gregors Wunsch mit Utrechter Geistlichen heim
nach York, wo er 767 vom Erzbischof Aethelberht ad Ealdsexos zum
Als Sturm zuerst in Hersfeld sein neues Kloster gründen wollte,
verwarf Bonifaz diesen Vorschlag wegen der Nähe der heidnischen
Sachsen. Karl aber zog auch dieses Volk in den Kreis der christlichen
Bildung, und so gewaltsam auch die neue Pflanzung begründet wurde, sie
schlug doch bald kräftige Wurzeln, und die Söhne der Bekehrten gaben sich
bereits mit regem Eifer der neuen Lebensrichtung hin. Lange schon hatten
die Angelsachsen sich danach gesehnt, hin und wieder auch versucht, ihren
alten Stammesbrüdern das Evangelium zu bringen; jetzt drangen sie unter
dem Schutze Karls vor, und pflanzten den Baum der neuen Lehre, der in
dem frischen Erdreich bald kräftig und segensvoll gedieh.
Einer der hervorragendsten unter ihnen war L iu dger, von Geburt
zwar ein Friese, aber ein Schüler der angelsächsischen Glaubensboten. Er
selbst hat uns in dem Leben seines Lehrers, Gr egor von Ut r ech t[1], die
Werkstatt geschildert, wo ein großer Theil der Lehrer für das Sachsenvolk
ausgebildet wurde; ergänzt werden seine Nachrichten durch seine eigene
Lebensbeschreibung von Altfrid.
Liudgers Großvater Wursing, ein reicher und vornehmer Friese, hatte
sich, von Radbod vertrieben, zu den Franken geflüchtet und die Taufe
angenommen; als dann Karl Martell nach der Besiegung des Landes das
Bisthum Utrecht begründete, siedelte er auch Wursing mit den Seinen dort
an, und an ihnen fand Willibrord die kräftigste Stütze. Nach Willibrords
Tode nahm Bonifaz sich des verwaisten Bisthums an; dann ward es der
Pflege Gregors übergeben, der lange Zeit ein treuer Begleiter und Gehülfe
seines Lehrers Bonifaz gewesen war und nun als Abt dem Martinstifte
vorstand. Die bischöflichen Geschäfte versah neben ihm der Angelsachse
Aluberht. Dieser war wie so viele seiner Landsleute zur Mission
gekommen, und kehrte auf Gregors Wunsch mit Utrechter Geistlichen heim
nach York, wo er 767 vom Erzbischof Aethelberht ad Ealdsexos zum
Page 323
Bischof geweiht wurde, mit ihm Liudger zum Diaconus. Durch diese
Verbindung sind, wie R. Pauli nachgewiesen hat, Nachrichten über Karls
des Großen Sachsenkriege, dann auch durch Alcuin andere nicht unwichtige
Angaben, in die nordenglischen Annalen gekommen[2].
Liudger hatte sich, wie mehrere von Wursings Nachkommen, der
Kirche gewidmet, er genoß schon damals Alcuins Unterweisung, und kehrte
später dieses Unterrichtes wegen noch einmal nach York zurück, bis ihn
nach drei Jahren und sechs Monaten ein Streit zwischen den Friesen und
Angeln nöthigte, nach Utrecht heimzukehren, wo Gregor zahlreiche Schüler
aus allen deutschen Stämmen, nach Liudgers Angabe auch Sachsen, um
sich versammelte. Unter Gregors Neffen und Nachfolger Alberich war die
Leitung dieser Schule in solcher Weise vertheilt, daß abwechselnd Alberich
selbst, Liudger, Adalgar und Thiatbrat[3], jeder ein Vierteljahr, derselben
vorstanden. Die übrige Zeit verwandten sie auf die Seelsorge und die
weitere Ausbildung des Volkes. Der Aufstand der Sachsen unter Widukind
782 brachte auch in Friesland das Heidenthum wieder zum Siege, und
Liudger begab sich damals nach Montecassino, dessen klösterliche
Einrichtung er später auf seine Stiftung Werden übertrug. Karl der Große
aber vertraute ihm die geistliche Leitung von fünf friesischen Gauen an und
verband damit im Anfange des neunten Jahrhunderts das neu errichtete
Bisthum Mimigardeford in Westfalen, für welches seit dem 11. Jahrh. der
Name Münster üblich wurde. Am 30. März 804 geweiht[4], wirkte er hier
für die Befestigung der neuen Lehre bis zu seinem Tode am 26. März 809.
Die von ihm verfaßte Biographie Gregors ist in dem gewöhnlichen
Legendenstil geschrieben, aber die stereotypen Phrasen sind hier von
wirklicher Wärme erfüllt, von inniger Liebe zu seinem Lehrer und einer
kindlichen Demuth, wo er seines eigenen Wirkens gedenkt. Es finden sich
darin einige schätzbare Nachrichten über Bonifaz sowie über das Bisthum
Utrecht; geschichtlicher Sinn zeigt sich jedoch wenig, es kommen arge
Fehler vor, und auch die Sprache ist schwerfällig und gesucht. Als
Geschichtsquelle ist Liudgers eigenes Leben von Altf r i d[5] weit
Verbindung sind, wie R. Pauli nachgewiesen hat, Nachrichten über Karls
des Großen Sachsenkriege, dann auch durch Alcuin andere nicht unwichtige
Angaben, in die nordenglischen Annalen gekommen[2].
Liudger hatte sich, wie mehrere von Wursings Nachkommen, der
Kirche gewidmet, er genoß schon damals Alcuins Unterweisung, und kehrte
später dieses Unterrichtes wegen noch einmal nach York zurück, bis ihn
nach drei Jahren und sechs Monaten ein Streit zwischen den Friesen und
Angeln nöthigte, nach Utrecht heimzukehren, wo Gregor zahlreiche Schüler
aus allen deutschen Stämmen, nach Liudgers Angabe auch Sachsen, um
sich versammelte. Unter Gregors Neffen und Nachfolger Alberich war die
Leitung dieser Schule in solcher Weise vertheilt, daß abwechselnd Alberich
selbst, Liudger, Adalgar und Thiatbrat[3], jeder ein Vierteljahr, derselben
vorstanden. Die übrige Zeit verwandten sie auf die Seelsorge und die
weitere Ausbildung des Volkes. Der Aufstand der Sachsen unter Widukind
782 brachte auch in Friesland das Heidenthum wieder zum Siege, und
Liudger begab sich damals nach Montecassino, dessen klösterliche
Einrichtung er später auf seine Stiftung Werden übertrug. Karl der Große
aber vertraute ihm die geistliche Leitung von fünf friesischen Gauen an und
verband damit im Anfange des neunten Jahrhunderts das neu errichtete
Bisthum Mimigardeford in Westfalen, für welches seit dem 11. Jahrh. der
Name Münster üblich wurde. Am 30. März 804 geweiht[4], wirkte er hier
für die Befestigung der neuen Lehre bis zu seinem Tode am 26. März 809.
Die von ihm verfaßte Biographie Gregors ist in dem gewöhnlichen
Legendenstil geschrieben, aber die stereotypen Phrasen sind hier von
wirklicher Wärme erfüllt, von inniger Liebe zu seinem Lehrer und einer
kindlichen Demuth, wo er seines eigenen Wirkens gedenkt. Es finden sich
darin einige schätzbare Nachrichten über Bonifaz sowie über das Bisthum
Utrecht; geschichtlicher Sinn zeigt sich jedoch wenig, es kommen arge
Fehler vor, und auch die Sprache ist schwerfällig und gesucht. Als
Geschichtsquelle ist Liudgers eigenes Leben von Altf r i d[5] weit
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vorzuziehen, obgleich auch dieses von dem Verfasser, Liudgers
Verwandtem und zweitem Nachfolger (839-849), auf Bitten der Mönche
von Werden zunächst zum Zweck der Erbauung geschrieben wurde. Die
Darstellung ist einfach und ansprechend, und die ganze Missionsthätigkeit
tritt hier mit besonderer Anschaulichkeit uns entgegen. Noch in demselben
Jahrhundert wurden in Werden zwei neue Bearbeitungen derselben verfaßt.
Auch von Altfrids Vorgänger Ger f r id hat man eine Biographie gehabt, von
welcher aber eine Erwähnung in der Bisthumschronik die einzige Spur
ist[6]. Altfrids Nachfolger L i utb er t, ein geborner Lothringer († 871), war
vielleicht der Bischof Leutbert, welchem S edu li us eine sapphische Ode
gewidmet hat[7].
Dem Kreise dieser Männer gehört auch L i af wi n oder L eb uin an, ein
Angelsachse, der zu Gregor nach Utrecht kam und sich, nachdem er eine
Zeit lang an der Yssel gewirkt hatte, nach Sachsen begab, wo er auf dem
Landtage zu Marklo unerschrocken das Christenthum verkündete. Seine
Legende, welche besonders durch die Nachricht über diese Landtage und
die Verfassung der Sachsen merkwürdig ist, wurde jedoch erst am Anfange
des zehnten Jahrhunderts von Hucb al d von St. Amand verfaßt, nicht in
Münster, dessen wir nach diesen so viel versprechenden Anfängen nicht
wieder zu gedenken haben werden[8].
Ueber die Stiftung des Klosters Wer den an der Ruhr ist eine
eigenthümliche Aufzeichnung vorhanden, welche trügerisch zwei
Begleitern Liudgers in den Mund gelegt, in den wesentlichen Thatsachen
aber richtig, und in ihrem ältesten Theil vielleicht schon um die Mitte des 9.
Jahrhunderts geschrieben ist, als nach Altfrids Tod die Familie des Stifters
vom Bisthum abkam und die Unabhängigkeit des Klosters bedroht war[9].
Ein anderer Angelsachse war Wi llehad aus Northumberland, der
ebenfalls seine Missionsthätigkeit in Friesland begann und 780 von Karl
dem Großen über den Gau Wihmodia gesetzt wurde. Auch ihn vertrieb der
Aufstand Widukinds 782, dem ein großer Theil seiner Schüler und
Verwandtem und zweitem Nachfolger (839-849), auf Bitten der Mönche
von Werden zunächst zum Zweck der Erbauung geschrieben wurde. Die
Darstellung ist einfach und ansprechend, und die ganze Missionsthätigkeit
tritt hier mit besonderer Anschaulichkeit uns entgegen. Noch in demselben
Jahrhundert wurden in Werden zwei neue Bearbeitungen derselben verfaßt.
Auch von Altfrids Vorgänger Ger f r id hat man eine Biographie gehabt, von
welcher aber eine Erwähnung in der Bisthumschronik die einzige Spur
ist[6]. Altfrids Nachfolger L i utb er t, ein geborner Lothringer († 871), war
vielleicht der Bischof Leutbert, welchem S edu li us eine sapphische Ode
gewidmet hat[7].
Dem Kreise dieser Männer gehört auch L i af wi n oder L eb uin an, ein
Angelsachse, der zu Gregor nach Utrecht kam und sich, nachdem er eine
Zeit lang an der Yssel gewirkt hatte, nach Sachsen begab, wo er auf dem
Landtage zu Marklo unerschrocken das Christenthum verkündete. Seine
Legende, welche besonders durch die Nachricht über diese Landtage und
die Verfassung der Sachsen merkwürdig ist, wurde jedoch erst am Anfange
des zehnten Jahrhunderts von Hucb al d von St. Amand verfaßt, nicht in
Münster, dessen wir nach diesen so viel versprechenden Anfängen nicht
wieder zu gedenken haben werden[8].
Ueber die Stiftung des Klosters Wer den an der Ruhr ist eine
eigenthümliche Aufzeichnung vorhanden, welche trügerisch zwei
Begleitern Liudgers in den Mund gelegt, in den wesentlichen Thatsachen
aber richtig, und in ihrem ältesten Theil vielleicht schon um die Mitte des 9.
Jahrhunderts geschrieben ist, als nach Altfrids Tod die Familie des Stifters
vom Bisthum abkam und die Unabhängigkeit des Klosters bedroht war[9].
Ein anderer Angelsachse war Wi llehad aus Northumberland, der
ebenfalls seine Missionsthätigkeit in Friesland begann und 780 von Karl
dem Großen über den Gau Wihmodia gesetzt wurde. Auch ihn vertrieb der
Aufstand Widukinds 782, dem ein großer Theil seiner Schüler und
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Gehülfen zum Opfer fiel. Er selbst flüchtete nach Friesland und pilgerte
nach Rom; dann lebte er eine Zeit lang in stiller Zurückgezogenheit in
Echternach; Karl aber rief ihn nach der Besiegung der Sachsen zu seiner
früheren Thätigkeit zurück, und erhob ihn 787 zum Bischof von Bremen,
wo er am 8. November 789 gestorben ist. Sein Leben[10] ist in einer kurzen
und einfachen Darstellung beschrieben, welche von seinem berühmteren
Nachfolger An sk ar ius, dem Apostel des Nordens, verfaßt sein soll, wie
Adam von Bremen berichtet. Doch hat G. Dehio[11] darauf aufmerksam
gemacht, daß die beiden Bücher (Vita und Miracula) nicht von einem
Verfasser sein können, und nur das zweite von Anskar sein wird. Er hat
ferner nachgewiesen, daß die einzigen chronologisch bestimmten
Nachrichten 787 und 789 wörtlich ebenso im Chron. Moissiacense stehen,
einige Worte über Widukind aber nicht nur da, sondern auch in den Ann.
Laureshamenses. So ergiebt sich auch hieraus, daß dem Chron. Moissiac.
ein vollständigerer Text der Ann. Lauresham. vorgelegen hat; die Herkunft
der speciellen sächsischen Nachrichten aber vermuthet Dehio in einer
Aufzeichnung, welche auch in den von Adam angeführten l ib er
donatio n um B r em ensis eccl esiae aufgenommen sein möchte, ein
Buch, welches nach V. Ansk. c. 41 von Anskar angelegt sein dürfte. Doch
vermuthet Simson, Forsch. XIX, 134, einfach die Lauresham. in
vollständigerer Form als Quelle.
Wir gedachten schon oben der großartigen Idee Kaiser Karls, an den
äußersten Grenzen seines Reiches Metropolen zu errichten, welche das
Christenthum weit über die Marken hinaus tragen und den geistlichen
Einfluß des Kaiserthums dahin erstrecken sollten, wo man seine Waffen
nicht mehr fürchtete. Das Heidenthum war der christlichen Kirche
unversöhnlicher Feind, es hing genau zusammen mit der alten freien
Gemeindeverfassung, und aus beiden entsprangen die unablässigen
Raubzüge, von denen die germanischen Nationen jetzt abgelassen hatten,
vor denen sie nun aber in ihren gefährdeten Grenzen keine Ruhe fanden, bis
die Ausbreitung des Christenthums dem alten Unwesen ein Ende machte.
nach Rom; dann lebte er eine Zeit lang in stiller Zurückgezogenheit in
Echternach; Karl aber rief ihn nach der Besiegung der Sachsen zu seiner
früheren Thätigkeit zurück, und erhob ihn 787 zum Bischof von Bremen,
wo er am 8. November 789 gestorben ist. Sein Leben[10] ist in einer kurzen
und einfachen Darstellung beschrieben, welche von seinem berühmteren
Nachfolger An sk ar ius, dem Apostel des Nordens, verfaßt sein soll, wie
Adam von Bremen berichtet. Doch hat G. Dehio[11] darauf aufmerksam
gemacht, daß die beiden Bücher (Vita und Miracula) nicht von einem
Verfasser sein können, und nur das zweite von Anskar sein wird. Er hat
ferner nachgewiesen, daß die einzigen chronologisch bestimmten
Nachrichten 787 und 789 wörtlich ebenso im Chron. Moissiacense stehen,
einige Worte über Widukind aber nicht nur da, sondern auch in den Ann.
Laureshamenses. So ergiebt sich auch hieraus, daß dem Chron. Moissiac.
ein vollständigerer Text der Ann. Lauresham. vorgelegen hat; die Herkunft
der speciellen sächsischen Nachrichten aber vermuthet Dehio in einer
Aufzeichnung, welche auch in den von Adam angeführten l ib er
donatio n um B r em ensis eccl esiae aufgenommen sein möchte, ein
Buch, welches nach V. Ansk. c. 41 von Anskar angelegt sein dürfte. Doch
vermuthet Simson, Forsch. XIX, 134, einfach die Lauresham. in
vollständigerer Form als Quelle.
Wir gedachten schon oben der großartigen Idee Kaiser Karls, an den
äußersten Grenzen seines Reiches Metropolen zu errichten, welche das
Christenthum weit über die Marken hinaus tragen und den geistlichen
Einfluß des Kaiserthums dahin erstrecken sollten, wo man seine Waffen
nicht mehr fürchtete. Das Heidenthum war der christlichen Kirche
unversöhnlicher Feind, es hing genau zusammen mit der alten freien
Gemeindeverfassung, und aus beiden entsprangen die unablässigen
Raubzüge, von denen die germanischen Nationen jetzt abgelassen hatten,
vor denen sie nun aber in ihren gefährdeten Grenzen keine Ruhe fanden, bis
die Ausbreitung des Christenthums dem alten Unwesen ein Ende machte.
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Ham b urg war dazu bestimmt, der kirchliche Mittelpunkt des
Nordens zu werden[12]. Ludwig achtete nicht auf den unausgeführt
gebliebenen Gedanken seines Vaters; als aber der flüchtige Dänenkönig
Harald die Taufe verlangte und A nsk ar ius oder An sg ar ius, der ihn als
Lehrer der Seinen begleitete, bald auch auf Schweden seine Wirksamkeit
ausdehnte, da wurde der alte Plan wieder aufgenommen und Anskar 831
zum Erzbischof von Hamburg geweiht. Doch fehlte Karls starke Hand zum
Schutze der neuen Schöpfung, welche dem in Dänemark und Schweden neu
erstarkten Heidenthume gegenüber keine erhebliche Wirksamkeit gewinnen
konnte. Die Reichstheilung entzog Anskar die Einkünfte der ihm
angewiesenen Zelle Turholt in Flandern, und 845 wurde Hamburg selbst
von den Dänen verwüstet. Da vereinigte Ludwig der Deutsche 847 das
erledigte Bisthum Bremen mit dem Erzbisthum und sicherte dadurch dessen
Bestand. Anskarius konnte nun mit ausreichenden Mitteln seine
Wirksamkeit fortsetzen und starb nach einem Leben voll rastloser
Thätigkeit am 3. Febr. 865. Einst hatte er in seiner Zelle Turholt in Flandern
einen Knaben bemerkt, der ihm besonders hoffnungsreich erschien: es war
R i m b er t, den er zum Geistlichen erziehen ließ, und der dann bald als sein
treuester und liebster Jünger sein unzertrennlicher Gefährte, zuletzt sein
Nachfolger wurde. Dieser ist es, der mit einem andern Schüler Anskars
zusammen[13] in Hamburg das Leben des Meisters bald nach dem Tode
desselben geschrieben hat[14], voll warmer und inniger Liebe, zugleich aber
reicher an Inhalt als die Mehrzahl der übrigen Biographieen ähnlicher Art.
Anskars Leben gehört ohne Frage zu den bedeutendsten Quellenschriften
des Mittelalters; die ganze reiche Wirksamkeit des glaubensstarken
Erzbischofs, das volle Bild seiner großartigen, kindlich demüthigen und
doch so verständigen Persönlichkeit tritt uns lebensvoll darin entgegen, und
über die Zustände des Nordens verbreiten die einfachen und zuverlässigen
Aufzeichnungen Rimberts das erste Licht. Daß auch Träume, Visionen,
Wunder einen großen Raum darin einnehmen, liegt in der Natur der
Verhältnisse; geschrieben wurde das Buch für die Mönche des Klosters
Corbie, aus dem Anskar hervorgegangen war, dessen Mönche ihn begleitet
hatten, und diesen lag mehr daran, ihren großen Klosterbruder als einen
Nordens zu werden[12]. Ludwig achtete nicht auf den unausgeführt
gebliebenen Gedanken seines Vaters; als aber der flüchtige Dänenkönig
Harald die Taufe verlangte und A nsk ar ius oder An sg ar ius, der ihn als
Lehrer der Seinen begleitete, bald auch auf Schweden seine Wirksamkeit
ausdehnte, da wurde der alte Plan wieder aufgenommen und Anskar 831
zum Erzbischof von Hamburg geweiht. Doch fehlte Karls starke Hand zum
Schutze der neuen Schöpfung, welche dem in Dänemark und Schweden neu
erstarkten Heidenthume gegenüber keine erhebliche Wirksamkeit gewinnen
konnte. Die Reichstheilung entzog Anskar die Einkünfte der ihm
angewiesenen Zelle Turholt in Flandern, und 845 wurde Hamburg selbst
von den Dänen verwüstet. Da vereinigte Ludwig der Deutsche 847 das
erledigte Bisthum Bremen mit dem Erzbisthum und sicherte dadurch dessen
Bestand. Anskarius konnte nun mit ausreichenden Mitteln seine
Wirksamkeit fortsetzen und starb nach einem Leben voll rastloser
Thätigkeit am 3. Febr. 865. Einst hatte er in seiner Zelle Turholt in Flandern
einen Knaben bemerkt, der ihm besonders hoffnungsreich erschien: es war
R i m b er t, den er zum Geistlichen erziehen ließ, und der dann bald als sein
treuester und liebster Jünger sein unzertrennlicher Gefährte, zuletzt sein
Nachfolger wurde. Dieser ist es, der mit einem andern Schüler Anskars
zusammen[13] in Hamburg das Leben des Meisters bald nach dem Tode
desselben geschrieben hat[14], voll warmer und inniger Liebe, zugleich aber
reicher an Inhalt als die Mehrzahl der übrigen Biographieen ähnlicher Art.
Anskars Leben gehört ohne Frage zu den bedeutendsten Quellenschriften
des Mittelalters; die ganze reiche Wirksamkeit des glaubensstarken
Erzbischofs, das volle Bild seiner großartigen, kindlich demüthigen und
doch so verständigen Persönlichkeit tritt uns lebensvoll darin entgegen, und
über die Zustände des Nordens verbreiten die einfachen und zuverlässigen
Aufzeichnungen Rimberts das erste Licht. Daß auch Träume, Visionen,
Wunder einen großen Raum darin einnehmen, liegt in der Natur der
Verhältnisse; geschrieben wurde das Buch für die Mönche des Klosters
Corbie, aus dem Anskar hervorgegangen war, dessen Mönche ihn begleitet
hatten, und diesen lag mehr daran, ihren großen Klosterbruder als einen
Page 327
Heiligen geschildert zu sehen, als von den nordischen Heiden genaue
Nachrichten zu erhalten. Man darf es bei der Beurtheilung dieser Litteratur
nie vergessen, daß, was wir am meisten darin zu finden wünschen,
gewöhnlich von den Verfassern wie von den Lesern als Nebensache
betrachtet wurde.
Hier aber brachte es die ganze Art der Thätigkeit Anskars mit sich, daß
auch die äußeren Verhältnisse, in denen er sich bewegte, geschildert werden
mußten, und uns zum Glück hat Rimbert vieles von dem, was er berichtet,
selbst mit durchlebt und gesehen. Darum reiht sich dieses Leben dem
früheren Severins, dem späteren des Otto von Bamberg an. Unbedeutend
dagegen ist des wackeren Rimbert eigene Lebensbeschreibung[15], von
unbekanntem Verfasser. Geschrieben ist sie zu Lebzeiten seines
Nachfolgers Adalgar, der von 888 bis 909 Erzbischof war.
Nachrichten zu erhalten. Man darf es bei der Beurtheilung dieser Litteratur
nie vergessen, daß, was wir am meisten darin zu finden wünschen,
gewöhnlich von den Verfassern wie von den Lesern als Nebensache
betrachtet wurde.
Hier aber brachte es die ganze Art der Thätigkeit Anskars mit sich, daß
auch die äußeren Verhältnisse, in denen er sich bewegte, geschildert werden
mußten, und uns zum Glück hat Rimbert vieles von dem, was er berichtet,
selbst mit durchlebt und gesehen. Darum reiht sich dieses Leben dem
früheren Severins, dem späteren des Otto von Bamberg an. Unbedeutend
dagegen ist des wackeren Rimbert eigene Lebensbeschreibung[15], von
unbekanntem Verfasser. Geschrieben ist sie zu Lebzeiten seines
Nachfolgers Adalgar, der von 888 bis 909 Erzbischof war.
Page 328
[1] Erste kritische Ausgabe von Holder-Egger, SS. XV, 63-79. Uebers. v. Grandaur,
Geschichtschr. 14, nach V. Willibrordi. — Vgl. Ebert II, 106 bis 108. Hauck II, 313-
315. — Die Liudger bei Rettberg I, 333, zugeschriebene V. Bonifacii ist
Mißverständniß der Stelle V. Liudg. II, 6 über die in der V. Gregorii enthaltenen
Nachrichten von Bonifaz.
[2] S. R. Pauli: Karl d. Große in northumbrischen Annalen, Forsch. XII, 137-166.
441. Vgl. L. Theopold, Krit. Untersuchungen über die Quellen zur angels. Gesch. d.
8. Jahrh. (Lemgo 1872) S. 102. R. Pauli hat in d. Gött. Nachr. 1878, S. 1-15, neben
den nordengl. Nachrichten andere aus Winchester nachgewiesen; nach der Eroberung
sind auch die Sanct-gallisch-Cölner Annalen über die Normandie nach England
gekommen. — Gegen Hahns Hypothesen, Forsch. XX, 553-569, W. Diekamp, ib.
XXII, 425-432.
[3] Dieser scheint der Besitzer des später nach Lorsch gekommenen Wiener Livius
gewesen zu sein, nach der Inschrift: „Iste codex est Theatberti episcopi de Dorostat“.
Nach Gitlbauer wäre er Vorsteher der Kirche zu D. gewesen und nach dem damals
noch schwankenden Gebrauch Bischof genannt, weil er bischöfliche Rechte übte.
Denselben hält G. für den Nachfolger Alberichs, der Theodard genannt wird.
Gitlbauer de cod. Liv. (Vind. 1876) p. 2-21.
[4] Diekamp im Hist. Jahrbuch V, 257. Ueber Liudger vgl. Hauck II, 317 ff.
[5] V. Liudgeri auct. Altfrido ed. Pertz, MG. II, 403-425 mit Zusätzen und Mirakeln
aus den späteren Biographieen. Vitae S. Liudgeri ed. Diekamp, 4 Bd. der
Geschichtsquellen d. Bisth. Münster, 1881, mit Benutzung des von Pertz nicht
verglichenen Cod. Vossianus. Uebersetzung in: Hüsing, Der h. Liudger, Münster
1878, S. 174-200, und Pingsmann, Der h. Ludgerus, Freiburg 1879, S. 199-228; von
Grandaur bei V. Willibrordi. Vgl. Ebert II, 338. — Catal. abb. SS. XIII, 288.
[6] Diekamp. Vitae Liudgeri, p. XXI. Anm. 1. Zu unterscheiden ist ein älterer
Gerfrid, welcher eine Bibel schreiben ließ, deren Widmungsverse sich erhalten
haben, Poet. Lat. I, 285.
[7] Dümmler, Sedulii Scotti Carmina XL p. 28. Poet. Lat. III, 219.
[8] Zu diesem Kreise gehört auch die Legende über die Stiftung des Klosters
F r e c k e n h o r s t oder Vita S. Thiadildis, ed. Jo. Gamans, Acta SS. Jan. II, 1156-1160
(Kindlinger, Münst. Beitr. II, 9; deutsch in Dorows Denkm.), welche aber erst im 15.
Jahrh. aufgezeichnet und von geringem Werth ist. Vgl. Wilmans, Kaiserurkunden der
Provinz Westfalen I, 416. W. Diekamp, Forsch. XXIV, 629-653.
[9] Fundatio monasterii Werthinensis bei Ficker, Die Münsterischen Chroniken
(1851) S. 352-355. Diekamp, Vitae Liudgeri, p. 286-294, mit neuen Hülfsmitteln;
vgl. Al. Schulte, Mittheil. II, 637. Diekamp in d. Zts. f. Westf. Gesch. u. Alt. XLI,
148-164, u. Erläuterung einer Urk. K. Arnulfs. Mitth. d. Inst. V. 622. Ausg. v. Waitz
MG. SS. XV, 164-168. — Eine von Liudgers Neffen Hildegrimus diaconus, 853-888
Bischof von Halberstadt, geschriebene Hs. NA. X, 336.
[10] V. Willehadi auct. Anskario ed. Pertz, MG. SS. II, 378-390. Uebersetzt von
Laurent, 1856. 1888. Geschichtschr. 14 (VIII, 3). Hs. in einem alten Sanctgaller
Catalog, NA. X, 169. Ebert II, 340. Hauck II, 318 bis 320.
[11] G. Dehio, Gesch. des Erzb. Hamburg-Bremen bis zum Ausgang der Mission
(Berl. 1877) Ib S. 51-53. Alcuin läßt 789 „dilectissimum meum Uilhaed episcopum“
grüßen, ep. 13 Jaffé.
Geschichtschr. 14, nach V. Willibrordi. — Vgl. Ebert II, 106 bis 108. Hauck II, 313-
315. — Die Liudger bei Rettberg I, 333, zugeschriebene V. Bonifacii ist
Mißverständniß der Stelle V. Liudg. II, 6 über die in der V. Gregorii enthaltenen
Nachrichten von Bonifaz.
[2] S. R. Pauli: Karl d. Große in northumbrischen Annalen, Forsch. XII, 137-166.
441. Vgl. L. Theopold, Krit. Untersuchungen über die Quellen zur angels. Gesch. d.
8. Jahrh. (Lemgo 1872) S. 102. R. Pauli hat in d. Gött. Nachr. 1878, S. 1-15, neben
den nordengl. Nachrichten andere aus Winchester nachgewiesen; nach der Eroberung
sind auch die Sanct-gallisch-Cölner Annalen über die Normandie nach England
gekommen. — Gegen Hahns Hypothesen, Forsch. XX, 553-569, W. Diekamp, ib.
XXII, 425-432.
[3] Dieser scheint der Besitzer des später nach Lorsch gekommenen Wiener Livius
gewesen zu sein, nach der Inschrift: „Iste codex est Theatberti episcopi de Dorostat“.
Nach Gitlbauer wäre er Vorsteher der Kirche zu D. gewesen und nach dem damals
noch schwankenden Gebrauch Bischof genannt, weil er bischöfliche Rechte übte.
Denselben hält G. für den Nachfolger Alberichs, der Theodard genannt wird.
Gitlbauer de cod. Liv. (Vind. 1876) p. 2-21.
[4] Diekamp im Hist. Jahrbuch V, 257. Ueber Liudger vgl. Hauck II, 317 ff.
[5] V. Liudgeri auct. Altfrido ed. Pertz, MG. II, 403-425 mit Zusätzen und Mirakeln
aus den späteren Biographieen. Vitae S. Liudgeri ed. Diekamp, 4 Bd. der
Geschichtsquellen d. Bisth. Münster, 1881, mit Benutzung des von Pertz nicht
verglichenen Cod. Vossianus. Uebersetzung in: Hüsing, Der h. Liudger, Münster
1878, S. 174-200, und Pingsmann, Der h. Ludgerus, Freiburg 1879, S. 199-228; von
Grandaur bei V. Willibrordi. Vgl. Ebert II, 338. — Catal. abb. SS. XIII, 288.
[6] Diekamp. Vitae Liudgeri, p. XXI. Anm. 1. Zu unterscheiden ist ein älterer
Gerfrid, welcher eine Bibel schreiben ließ, deren Widmungsverse sich erhalten
haben, Poet. Lat. I, 285.
[7] Dümmler, Sedulii Scotti Carmina XL p. 28. Poet. Lat. III, 219.
[8] Zu diesem Kreise gehört auch die Legende über die Stiftung des Klosters
F r e c k e n h o r s t oder Vita S. Thiadildis, ed. Jo. Gamans, Acta SS. Jan. II, 1156-1160
(Kindlinger, Münst. Beitr. II, 9; deutsch in Dorows Denkm.), welche aber erst im 15.
Jahrh. aufgezeichnet und von geringem Werth ist. Vgl. Wilmans, Kaiserurkunden der
Provinz Westfalen I, 416. W. Diekamp, Forsch. XXIV, 629-653.
[9] Fundatio monasterii Werthinensis bei Ficker, Die Münsterischen Chroniken
(1851) S. 352-355. Diekamp, Vitae Liudgeri, p. 286-294, mit neuen Hülfsmitteln;
vgl. Al. Schulte, Mittheil. II, 637. Diekamp in d. Zts. f. Westf. Gesch. u. Alt. XLI,
148-164, u. Erläuterung einer Urk. K. Arnulfs. Mitth. d. Inst. V. 622. Ausg. v. Waitz
MG. SS. XV, 164-168. — Eine von Liudgers Neffen Hildegrimus diaconus, 853-888
Bischof von Halberstadt, geschriebene Hs. NA. X, 336.
[10] V. Willehadi auct. Anskario ed. Pertz, MG. SS. II, 378-390. Uebersetzt von
Laurent, 1856. 1888. Geschichtschr. 14 (VIII, 3). Hs. in einem alten Sanctgaller
Catalog, NA. X, 169. Ebert II, 340. Hauck II, 318 bis 320.
[11] G. Dehio, Gesch. des Erzb. Hamburg-Bremen bis zum Ausgang der Mission
(Berl. 1877) Ib S. 51-53. Alcuin läßt 789 „dilectissimum meum Uilhaed episcopum“
grüßen, ep. 13 Jaffé.
Page 329
[12] Rimberts bestimmte Angaben über Karls Absicht zu bezweifeln, sehe ich keinen
Grund, wenn auch zuzugeben ist, daß sie keine völlig genügende Sicherheit
gewähren.
[13] Diese Angabe der V. Rimb. c. 9 bekämpft Koppmann: Die mittelalterlichen
Geschichtsquellen in Bezug auf Hamburg (1868) S. 25. 36-38. Doch scheint mir der
Verfasser jener Vita noch eine bestimmte Ueberlieferung gehabt zu haben, und eine
Ungleichheit im Stil braucht deshalb nicht hervorzutreten.
[14] V. Rimb. c. 9. Adam Br. I, 36. V. Anskarii, MG. II, 683-725, herausgegeben von
Dahlmann, der in den Anmerkungen leider noch das unechte Chron. Corbejense
benutzt hat. Octavausgabe v. Waitz 1884; vgl. die Bemerkungen von Kunik, Forsch.
XXIV, 191-197. Uebersetzt von Laurent, 1856. 1889. Geschichtschr. 22 (IX, 7).
Ueber die neueren Bearbeitungen s. H. A. Schumacher im Brem. Jahrbuch II, 444-
468, und jetzt ausführlich über diese und über A. überhaupt G. Dehio a. a. O. Ebert
II, 341-343. Anskars Pigmenta (Gebete zu den Psalmen) hat Lappenberg
herausgegeben, Ztschr. f. Hamb. Gesch. II, 1 ff. Vgl. Koppmann, Allg. D. Biogr. I,
480-483. Hauck II, 617 ff.
[15] V. Rimberti ed. Pertz, MG. II, 764-775. Ausg. von Waitz mit der V. Anskarii.
Uebersetzt von Laurent 1856. 1889 mit Anskars Leben. Brief von Ratramnus an
Rimbert über die Hundsköpfe in Hilgenfelds Zts. f. wiss. Theol. 1881. Ein zweiter
bei Wilmans Kaiserurkk. I, 566.
Grund, wenn auch zuzugeben ist, daß sie keine völlig genügende Sicherheit
gewähren.
[13] Diese Angabe der V. Rimb. c. 9 bekämpft Koppmann: Die mittelalterlichen
Geschichtsquellen in Bezug auf Hamburg (1868) S. 25. 36-38. Doch scheint mir der
Verfasser jener Vita noch eine bestimmte Ueberlieferung gehabt zu haben, und eine
Ungleichheit im Stil braucht deshalb nicht hervorzutreten.
[14] V. Rimb. c. 9. Adam Br. I, 36. V. Anskarii, MG. II, 683-725, herausgegeben von
Dahlmann, der in den Anmerkungen leider noch das unechte Chron. Corbejense
benutzt hat. Octavausgabe v. Waitz 1884; vgl. die Bemerkungen von Kunik, Forsch.
XXIV, 191-197. Uebersetzt von Laurent, 1856. 1889. Geschichtschr. 22 (IX, 7).
Ueber die neueren Bearbeitungen s. H. A. Schumacher im Brem. Jahrbuch II, 444-
468, und jetzt ausführlich über diese und über A. überhaupt G. Dehio a. a. O. Ebert
II, 341-343. Anskars Pigmenta (Gebete zu den Psalmen) hat Lappenberg
herausgegeben, Ztschr. f. Hamb. Gesch. II, 1 ff. Vgl. Koppmann, Allg. D. Biogr. I,
480-483. Hauck II, 617 ff.
[15] V. Rimberti ed. Pertz, MG. II, 764-775. Ausg. von Waitz mit der V. Anskarii.
Uebersetzt von Laurent 1856. 1889 mit Anskars Leben. Brief von Ratramnus an
Rimbert über die Hundsköpfe in Hilgenfelds Zts. f. wiss. Theol. 1881. Ein zweiter
bei Wilmans Kaiserurkk. I, 566.
Page 330
§ 16. Fortsetzung. Corvey. Gandersheim. [ ← ]
In Fulda, wie in Friesland, in Münster und Bremen, waren es
Angelsachsen, welchen die Grundlagen der neuen Entwickelung verdankt
wurden; bei Anskar aber war ein solcher Einfluß nicht nachzuweisen. Von
Kindheit an im Kloster Corbie an der Somme erzogen, übernahm er dort
schon früh die Leitung der Klosterschule und wurde dann der erste
Vorsteher der Schule in dem neu gegründeten Tochterkloster C o r v ey in
Sachsen.
Diese Stiftung war eine Frucht der nicht bloß äußerlich durch Zwang
und Eroberung, sondern auch innerlich vollzogenen Einigung des
fränkischen und des sächsischen Stammes. Schon König Pippins Bruder
Bernhard hatte eine sächsische Gemahlin und Bernhards Söhne, Ad al h ar d
und Wal a, nahmen sich eifrigst der Bekehrung und Belehrung ihres Volkes
an.
Ad alh ar d hatte Karls Hof verlassen, als dieser die Tochter des
Königs Desiderius verstieß, war in Corbie Mönch geworden, und weil hier
die Besuche seiner vornehmen Verwandten die klösterliche Ruhe störten,
nach Montecassino entwichen. Aber Karl rief ihn von da zurück; er wurde
Abt von Corbie und mußte von neuem an den Reichsgeschäften Theil
nehmen. Namentlich hat er längere Zeit hindurch eine sehr bedeutende
Stellung in Italien eingenommen. Wala aber war, als Karl starb, über
Sachsen gesetzt.
Karl wünschte aus den Sachsen selbst Lehrer des Christenthums zu
erziehen, und deshalb hatte er gefangene und als Geiseln übergebene
Sachsenknaben in verschiedene Klöster vertheilt; viele derselben waren
Adalhards Obhut in Corbie übergeben, und dieser gedachte in Sachsen
selbst ein Kloster zu gründen, aber seine Sendung nach Italien verhinderte
die Ausführung. Als Ludwig zur Regierung kam und mit dem kleinlichsten
In Fulda, wie in Friesland, in Münster und Bremen, waren es
Angelsachsen, welchen die Grundlagen der neuen Entwickelung verdankt
wurden; bei Anskar aber war ein solcher Einfluß nicht nachzuweisen. Von
Kindheit an im Kloster Corbie an der Somme erzogen, übernahm er dort
schon früh die Leitung der Klosterschule und wurde dann der erste
Vorsteher der Schule in dem neu gegründeten Tochterkloster C o r v ey in
Sachsen.
Diese Stiftung war eine Frucht der nicht bloß äußerlich durch Zwang
und Eroberung, sondern auch innerlich vollzogenen Einigung des
fränkischen und des sächsischen Stammes. Schon König Pippins Bruder
Bernhard hatte eine sächsische Gemahlin und Bernhards Söhne, Ad al h ar d
und Wal a, nahmen sich eifrigst der Bekehrung und Belehrung ihres Volkes
an.
Ad alh ar d hatte Karls Hof verlassen, als dieser die Tochter des
Königs Desiderius verstieß, war in Corbie Mönch geworden, und weil hier
die Besuche seiner vornehmen Verwandten die klösterliche Ruhe störten,
nach Montecassino entwichen. Aber Karl rief ihn von da zurück; er wurde
Abt von Corbie und mußte von neuem an den Reichsgeschäften Theil
nehmen. Namentlich hat er längere Zeit hindurch eine sehr bedeutende
Stellung in Italien eingenommen. Wala aber war, als Karl starb, über
Sachsen gesetzt.
Karl wünschte aus den Sachsen selbst Lehrer des Christenthums zu
erziehen, und deshalb hatte er gefangene und als Geiseln übergebene
Sachsenknaben in verschiedene Klöster vertheilt; viele derselben waren
Adalhards Obhut in Corbie übergeben, und dieser gedachte in Sachsen
selbst ein Kloster zu gründen, aber seine Sendung nach Italien verhinderte
die Ausführung. Als Ludwig zur Regierung kam und mit dem kleinlichsten
Page 331
Hasse die Staatsmänner seines Vaters verfolgte, wurde Adalhard nach
Noirmoutiers verbannt[1], Wala aber Mönch in Corbie. Dieser betrieb nun
mit dem größten Eifer die Stiftung eines Klosters unter dem Volke, dem er
durch seine Mutter angehörte; schon 815 wurde zu Hethis im Solling[2] eine
Celle erbaut, aber der Ort war ungünstig und das neue Kloster fing erst an
zu gedeihen, als Adalhard wieder Einfluß gewonnen hatte und Kaiser
Ludwig 822 die Stiftung und den Neubau auf dem Königshofe Höxter
gestattete[3]. Hier erblühte nun die neue Corbeja, wohin auch Ansgar damals
als Lehrer ging, rasch und kräftig; nach Adalhards Tod (2. Januar 826)
wurde Warin[4] zum Abt erwählt. Auch er hatte bereits das Schwert geführt
und erst im späteren Alter mit der Mönchskutte vertauscht. Im Jahre 830
empfing er in seinem Kloster einen vornehmen Gast, Hilduin, den Abt von
St. Denis, der nach Corvey verbannt war. Die liebevolle Aufnahme, welche
dieser bei Warin fand, dankte er ihm später nach seiner Rückkehr durch ein
kostbares Geschenk, den Leib des heiligen Veit, der 836 nach Corvey
gebracht und hinfort als der Hort und Schutz des sächsischen Volkes
betrachtet wurde.
Ueber diese Ereignisse berichtet uns ein ungenannter Mönch von
Corvey in der Erzählung von der U eber tr agun g d es heil i gen Veit[5],
der er selbst beigewohnt hatte. Es kann wohl, obgleich Jaffé es nicht gelten
lassen wollte, nicht zweifelhaft sein, daß dem Bericht von der Uebertragung
und den Wundern die Erzählung der Stiftung des Klosters erst nachträglich
vorangestellt ist, doch vermuthlich von demselben Verfasser oder
mindestens einem Zeitgenossen. In Corbie dagegen schrieb R adber t, mit
dem Beinamen P aschasi us, einer der bedeutendsten unter den gelehrten
Theologen dieser Zeit[6], das Leben der Brüder Adalhard und Wala, jedoch
so überladen mit rednerischem Schmuck, daß die Thatsachen nur mühsam
herauszufinden sind. Adalh ar ds L eb en[7] ist bald nach seinem Tode,
noch bei Lebzeiten des Wala geschrieben; es ist eigentlich nur eine
Todtenklage, nach Traube's Vermuthung mit dem Rotulus an die
verbrüderten Klöster versandt, und nachträglich, als Wala nicht, wie er
Noirmoutiers verbannt[1], Wala aber Mönch in Corbie. Dieser betrieb nun
mit dem größten Eifer die Stiftung eines Klosters unter dem Volke, dem er
durch seine Mutter angehörte; schon 815 wurde zu Hethis im Solling[2] eine
Celle erbaut, aber der Ort war ungünstig und das neue Kloster fing erst an
zu gedeihen, als Adalhard wieder Einfluß gewonnen hatte und Kaiser
Ludwig 822 die Stiftung und den Neubau auf dem Königshofe Höxter
gestattete[3]. Hier erblühte nun die neue Corbeja, wohin auch Ansgar damals
als Lehrer ging, rasch und kräftig; nach Adalhards Tod (2. Januar 826)
wurde Warin[4] zum Abt erwählt. Auch er hatte bereits das Schwert geführt
und erst im späteren Alter mit der Mönchskutte vertauscht. Im Jahre 830
empfing er in seinem Kloster einen vornehmen Gast, Hilduin, den Abt von
St. Denis, der nach Corvey verbannt war. Die liebevolle Aufnahme, welche
dieser bei Warin fand, dankte er ihm später nach seiner Rückkehr durch ein
kostbares Geschenk, den Leib des heiligen Veit, der 836 nach Corvey
gebracht und hinfort als der Hort und Schutz des sächsischen Volkes
betrachtet wurde.
Ueber diese Ereignisse berichtet uns ein ungenannter Mönch von
Corvey in der Erzählung von der U eber tr agun g d es heil i gen Veit[5],
der er selbst beigewohnt hatte. Es kann wohl, obgleich Jaffé es nicht gelten
lassen wollte, nicht zweifelhaft sein, daß dem Bericht von der Uebertragung
und den Wundern die Erzählung der Stiftung des Klosters erst nachträglich
vorangestellt ist, doch vermuthlich von demselben Verfasser oder
mindestens einem Zeitgenossen. In Corbie dagegen schrieb R adber t, mit
dem Beinamen P aschasi us, einer der bedeutendsten unter den gelehrten
Theologen dieser Zeit[6], das Leben der Brüder Adalhard und Wala, jedoch
so überladen mit rednerischem Schmuck, daß die Thatsachen nur mühsam
herauszufinden sind. Adalh ar ds L eb en[7] ist bald nach seinem Tode,
noch bei Lebzeiten des Wala geschrieben; es ist eigentlich nur eine
Todtenklage, nach Traube's Vermuthung mit dem Rotulus an die
verbrüderten Klöster versandt, und nachträglich, als Wala nicht, wie er
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gewünscht, Abt von Corvey geworden war, mit Zusätzen versehen. Die
hinzugefügte Egloga, ein Wechselgesang der alten und der neuen Corbeja,
ist ohne die Vita unverständlich und gehört nothwendig dazu. Schwülstiger
und schwer verständlich ist das L eben des Wal a[8] ( † 836), welches in
Nachahmung des Cicero[9] in Gesprächsform verfaßt und aus Furcht vor
dem Kaiser und Karl dem Kahlen in absichtliche Dunkelheit gehüllt ist;
außerdem war der Verfasser nichts weniger als unbefangen und folgte zur
Verherrlichung seines Helden und zur Erbauung seiner Leser, wie billig,
kirchlichen Gesichtspunkten, politische lagen ihm fern.
Natürlich begannen schon unter Adalhard Schenkungen dem neuen
Kloster zuzuströmen; diejenigen Tr adi tion en, über welche eigene
Urkunden nicht ausgestellt waren, was damals noch selten geschah, wurden
bis 1037 auf eine Rolle geschrieben und von dieser durch den Bruder
Johannes abgeschrieben. Es begegnete ihm aber dabei das Unglück, daß er
mit der Rückseite anfing, weshalb die ältesten Traditionen unter Adalhard
erst § 225 beginnen[10].
Verloren sind uns leider Adalhards Briefe, und nur in einem Auszuge
Hinkmars erhalten seine Schrift über die Ho f or dnu ng Kar l s d es
Gr oßen[11], welche auch so noch zu den lehrreichsten Denkmälern dieser
Zeit gehört, deren Zuverlässigkeit aber durch die Ueberarbeitung ungewiß
geworden ist. Hinkmar war nämlich damals aus seiner einflußreichen
Stellung verdrängt und sehr unzufrieden; er kämpfte vergeblich für die
Unabhängigkeit der Bischofswahlen und klagte über den ungeordneten
Einfluß von Günstlingen. Deshalb stellte er hier Karlmann, dem Sohne
Ludwigs des Stammlers, 882 ein ideales Bild der guten alten Zeit vor
Augen. Mit der Wahrheit nimmt Hinkmar es auch sonst nicht eben genau,
und Vorsicht ist daher dringend geboten. Im allgemeinen aber entspricht die
Darstellung den wirklichen Verhältnissen, wie sie uns, freilich
unvollkommen genug, aus Karls Zeit bekannt sind.
hinzugefügte Egloga, ein Wechselgesang der alten und der neuen Corbeja,
ist ohne die Vita unverständlich und gehört nothwendig dazu. Schwülstiger
und schwer verständlich ist das L eben des Wal a[8] ( † 836), welches in
Nachahmung des Cicero[9] in Gesprächsform verfaßt und aus Furcht vor
dem Kaiser und Karl dem Kahlen in absichtliche Dunkelheit gehüllt ist;
außerdem war der Verfasser nichts weniger als unbefangen und folgte zur
Verherrlichung seines Helden und zur Erbauung seiner Leser, wie billig,
kirchlichen Gesichtspunkten, politische lagen ihm fern.
Natürlich begannen schon unter Adalhard Schenkungen dem neuen
Kloster zuzuströmen; diejenigen Tr adi tion en, über welche eigene
Urkunden nicht ausgestellt waren, was damals noch selten geschah, wurden
bis 1037 auf eine Rolle geschrieben und von dieser durch den Bruder
Johannes abgeschrieben. Es begegnete ihm aber dabei das Unglück, daß er
mit der Rückseite anfing, weshalb die ältesten Traditionen unter Adalhard
erst § 225 beginnen[10].
Verloren sind uns leider Adalhards Briefe, und nur in einem Auszuge
Hinkmars erhalten seine Schrift über die Ho f or dnu ng Kar l s d es
Gr oßen[11], welche auch so noch zu den lehrreichsten Denkmälern dieser
Zeit gehört, deren Zuverlässigkeit aber durch die Ueberarbeitung ungewiß
geworden ist. Hinkmar war nämlich damals aus seiner einflußreichen
Stellung verdrängt und sehr unzufrieden; er kämpfte vergeblich für die
Unabhängigkeit der Bischofswahlen und klagte über den ungeordneten
Einfluß von Günstlingen. Deshalb stellte er hier Karlmann, dem Sohne
Ludwigs des Stammlers, 882 ein ideales Bild der guten alten Zeit vor
Augen. Mit der Wahrheit nimmt Hinkmar es auch sonst nicht eben genau,
und Vorsicht ist daher dringend geboten. Im allgemeinen aber entspricht die
Darstellung den wirklichen Verhältnissen, wie sie uns, freilich
unvollkommen genug, aus Karls Zeit bekannt sind.
Page 333
Das Andenken Wala's hat sich, wie R. Wilmans sehr scharfsinnig
nachgewiesen hat, in dem Nonnenkloster Her f o r d, einer von derselben
Familie ausgegangenen Stiftung, erhalten. Man nannte ihn Wal der oder
Wal t ger, und Wi g and, ein Landpfarrer, vielleicht von Kirchdornberg,
schrieb im 13. Jahrh. seine Legende, in welcher freilich von der wirklichen
Geschichte nur noch schwache Spuren geblieben sind[12].
Das L eben der I da, der Mutter Warins (welche Verwandtschaft aber
sehr zweifelhaft ist), ist erst auf Anlaß ihrer Erhebung 980 durch den
Bischof Dodo von Münster unter Abt Liudolf von U ff i n g, einem Werdener
Mönche, geschrieben und erscheint wenig glaubwürdig[13].
Einige Nachrichten über diese ersten geistlichen Stiftungen im
Sachsenlande sind uns ferner noch erhalten in den Berichten über die
Erwerbung und Uebertragung der Reliquien, welche zu ihrem Gedeihen
nun einmal unerläßlich waren; so erhielt H er f or d 860 die heilige
P usi nn a[14], P ad er bor n schon 836 aus Le Mans den h. L ibor ius[15]; die
Erzählungen davon sind aber erst gegen das Ende des neunten Jahrh.
verfaßt, die letztere durch den Bischof B i so, einen Zeitgenossen des
Kaisers Arnulf veranlaßt, während die Uebertragung ein Werk des Bischofs
Badurad war. Ein gleiches Verhältniß beider Bischöfe begegnet uns darin,
daß zu Badurads Zeit Mai nul f, ein vornehmer Sachse, Canonicus in
Paderborn geworden war und das Nonnenkloster B oeddek en gestiftet
hatte, Biso aber dessen Leib feierlich erheben ließ, vermuthlich auch eine
Lebensbeschreibung veranlaßte. Diese ist jedoch verloren; wir besitzen nur
eine Ueberarbeitung, welche von dem Verfasser S i gewar d einem nicht
näher bezeichneten Alb inu s zugeeignet ist. Der Herausgeber C. Byeus
vermuthet in jenem den Abt von Fulda (1039 bis 1043) vor seiner Erhebung
zur Prälatur, wofür, wie Holder-Egger bemerkt, keinerlei Gründe vorhanden
sind, in Albin den berühmten Lehrer Albwin von Hersfeld, welcher 1043
Abt von Nienburg wurde. Die Sprache ist jener Zeit angemessen,
Reimprosa mit übertriebenem Streben nach Schönrednerei, mit Brocken aus
Horaz und Vergil geschmückt; es war nicht des Verfassers Schuld, daß ihm
nachgewiesen hat, in dem Nonnenkloster Her f o r d, einer von derselben
Familie ausgegangenen Stiftung, erhalten. Man nannte ihn Wal der oder
Wal t ger, und Wi g and, ein Landpfarrer, vielleicht von Kirchdornberg,
schrieb im 13. Jahrh. seine Legende, in welcher freilich von der wirklichen
Geschichte nur noch schwache Spuren geblieben sind[12].
Das L eben der I da, der Mutter Warins (welche Verwandtschaft aber
sehr zweifelhaft ist), ist erst auf Anlaß ihrer Erhebung 980 durch den
Bischof Dodo von Münster unter Abt Liudolf von U ff i n g, einem Werdener
Mönche, geschrieben und erscheint wenig glaubwürdig[13].
Einige Nachrichten über diese ersten geistlichen Stiftungen im
Sachsenlande sind uns ferner noch erhalten in den Berichten über die
Erwerbung und Uebertragung der Reliquien, welche zu ihrem Gedeihen
nun einmal unerläßlich waren; so erhielt H er f or d 860 die heilige
P usi nn a[14], P ad er bor n schon 836 aus Le Mans den h. L ibor ius[15]; die
Erzählungen davon sind aber erst gegen das Ende des neunten Jahrh.
verfaßt, die letztere durch den Bischof B i so, einen Zeitgenossen des
Kaisers Arnulf veranlaßt, während die Uebertragung ein Werk des Bischofs
Badurad war. Ein gleiches Verhältniß beider Bischöfe begegnet uns darin,
daß zu Badurads Zeit Mai nul f, ein vornehmer Sachse, Canonicus in
Paderborn geworden war und das Nonnenkloster B oeddek en gestiftet
hatte, Biso aber dessen Leib feierlich erheben ließ, vermuthlich auch eine
Lebensbeschreibung veranlaßte. Diese ist jedoch verloren; wir besitzen nur
eine Ueberarbeitung, welche von dem Verfasser S i gewar d einem nicht
näher bezeichneten Alb inu s zugeeignet ist. Der Herausgeber C. Byeus
vermuthet in jenem den Abt von Fulda (1039 bis 1043) vor seiner Erhebung
zur Prälatur, wofür, wie Holder-Egger bemerkt, keinerlei Gründe vorhanden
sind, in Albin den berühmten Lehrer Albwin von Hersfeld, welcher 1043
Abt von Nienburg wurde. Die Sprache ist jener Zeit angemessen,
Reimprosa mit übertriebenem Streben nach Schönrednerei, mit Brocken aus
Horaz und Vergil geschmückt; es war nicht des Verfassers Schuld, daß ihm
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geschichtliche Thatsachen fast gar nicht vorlagen, und die
Wundergeschichten, welche er zu berichten hatte, noch alberner waren als
gewöhnlich[16]. Auch das Leben der heiligen L iut bi rg[17], einer
Klausnerin bei Halberstadt, die bis zu den Zeiten König Ludwig des
Jüngeren (876-882) lebte, giebt Kunde von dem Eifer, mit welchem die
Neubekehrten sich der Kirche zuwandten, und ist merkwürdig durch die
darin enthaltenen Angaben über die Nachkommen jenes Hessi, des Fürsten
der Ostfalen, welcher sich 775 Karl dem Großen unterworfen hatte.
Aus C or vey aber sind uns noch Ostertafeln erhalten, im achten
Jahrhundert von angelsächsischer Hand geschrieben und mit wenigen
Bemerkungen versehen, zu welchen die Mönche des Klosters im Laufe der
Zeiten andere hinzugefügt haben; als Geschichtswerk kann man diese
kurzen Notizen nicht betrachten, und auch der materielle Inhalt ist für die
vorliegende Periode fast ohne Bedeutung[18]. Dagegen hat der Abt B o vo
(879-890), ein Neffe Warins, oder nach Wilmans' Vermuthung vielmehr
Bovo II (900-916) ein Werk geschrieben, aus welchem Adam von Bremen
(I, 41) ein werthvolles Bruchstück über die Normannenschlacht von 884
erhalten hat[19]. Er führt es ein mit den Worten: „de sui temporis actis
scribens non reticuit dicens“, und danach möchte man an ein Werk über die
Geschichte seiner Zeit denken, doch fällt es auf, daß nirgend sonst sich eine
Spur davon findet, auch Adam nur diese eine Anführung hat. Die
Hauptsache ist das Verdienst des Erzbischofs Rimbert, von welchem ein
Brief über denselben Vorfall in die Fulder Annalen aufgenommen war, aber
leider in unserer Handschrift ausgelassen ist. Adam bezeichnet den Vorgang
als ein Wunder, und vielleicht waren Wundergeschichten der Inhalt des
Werkes. Derselbe Bovo II zeichnete sich durch seine Kenntniß des
Griechischen aus, und erregte allgemeines Erstaunen, als er dem König
Konrad ein griechisches Schreiben auszulegen vermochte, vermuthlich 913,
als der König das Kloster besuchte[20]. Wir besitzen aber noch ein Werk von
ihm, welches durch Gelehrsamkeit und vortreffliche Latinität der besten
karolingischen Schule vollkommen würdig ist, und auch griechisch
geschriebene Wörter enthält, welche Kenntniß der Sprache zeigen, nämlich
Wundergeschichten, welche er zu berichten hatte, noch alberner waren als
gewöhnlich[16]. Auch das Leben der heiligen L iut bi rg[17], einer
Klausnerin bei Halberstadt, die bis zu den Zeiten König Ludwig des
Jüngeren (876-882) lebte, giebt Kunde von dem Eifer, mit welchem die
Neubekehrten sich der Kirche zuwandten, und ist merkwürdig durch die
darin enthaltenen Angaben über die Nachkommen jenes Hessi, des Fürsten
der Ostfalen, welcher sich 775 Karl dem Großen unterworfen hatte.
Aus C or vey aber sind uns noch Ostertafeln erhalten, im achten
Jahrhundert von angelsächsischer Hand geschrieben und mit wenigen
Bemerkungen versehen, zu welchen die Mönche des Klosters im Laufe der
Zeiten andere hinzugefügt haben; als Geschichtswerk kann man diese
kurzen Notizen nicht betrachten, und auch der materielle Inhalt ist für die
vorliegende Periode fast ohne Bedeutung[18]. Dagegen hat der Abt B o vo
(879-890), ein Neffe Warins, oder nach Wilmans' Vermuthung vielmehr
Bovo II (900-916) ein Werk geschrieben, aus welchem Adam von Bremen
(I, 41) ein werthvolles Bruchstück über die Normannenschlacht von 884
erhalten hat[19]. Er führt es ein mit den Worten: „de sui temporis actis
scribens non reticuit dicens“, und danach möchte man an ein Werk über die
Geschichte seiner Zeit denken, doch fällt es auf, daß nirgend sonst sich eine
Spur davon findet, auch Adam nur diese eine Anführung hat. Die
Hauptsache ist das Verdienst des Erzbischofs Rimbert, von welchem ein
Brief über denselben Vorfall in die Fulder Annalen aufgenommen war, aber
leider in unserer Handschrift ausgelassen ist. Adam bezeichnet den Vorgang
als ein Wunder, und vielleicht waren Wundergeschichten der Inhalt des
Werkes. Derselbe Bovo II zeichnete sich durch seine Kenntniß des
Griechischen aus, und erregte allgemeines Erstaunen, als er dem König
Konrad ein griechisches Schreiben auszulegen vermochte, vermuthlich 913,
als der König das Kloster besuchte[20]. Wir besitzen aber noch ein Werk von
ihm, welches durch Gelehrsamkeit und vortreffliche Latinität der besten
karolingischen Schule vollkommen würdig ist, und auch griechisch
geschriebene Wörter enthält, welche Kenntniß der Sprache zeigen, nämlich
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einen Commentar zu Boeth. de consol. phil. III metr. IX. Diesen schrieb er
auf den Wunsch des Bischofs Bovo, seines viel jüngeren Blutsverwandten,
der unter ihm in Corvey Mönch geworden[21], und jetzt durch weite
Länderstrecken (longinqua nimis terrarum intercapedine) von ihm getrennt
war; er schrieb ihm trotz schwerer Sorgen, „inter miserias et aerumnas, quas
inter civilia bella et paganorum, ut prophetice loquar, velociores aquilis
incursiones sine cessatione patimur“[22].
Begreiflich ist es, daß bei noch wachsender Bedrängniß auch hier die
Feder ruhen mußte, daß von Bovo's Ruhm und seinen Werken nur eine
dunkle Erinnerung blieb, und daß eine neue Zeit erst anbrach, als die Thaten
der Ottonen neuen Anstoß zu schriftstellerischer Thätigkeit gaben.
Dasselbe war der Fall in einem andern Kloster, welches den
Ludolfingern noch näher stand als Corvey, in G ander shei m, wo Graf
Ludolf selbst um 850 eine ältere Stiftung erneuert hatte und Prinzessinnen
seines Hauses als Aebtissinnen walteten. Die erste, bis zum Jahre 874, war
Ludolfs Tochter Hathu m o d, deren Leben von ihrem Bruder Agius
beschrieben wurde, der nach einer Vermuthung von Pertz wahrscheinlich
Mönch in dem nahe gelegenen Kloster Lammspring war, aber, wie
Dümmler bemerkt, ebenso gut Corvey angehört haben kann. In der Form
ahmte er, wie Traube bemerkt[23], das Vorbild des Paschasius Radbertus
nach, indem er zu der in Prosa geschriebenen Biographie Elegieen
hinzufügte, die eine tiefgefühlte rührende Todtenklage enthalten[24]. Sowohl
die reine und fehlerfreie Sprache, die gewandte Ausdrucksweise, der
fließende, wenn auch nicht ganz correcte Versbau, wie das zarte und sinnige
Gemüth des Verfassers, den die innigste Liebesgemeinschaft mit seiner
Schwester verbunden hatte, verleihen diesen Schriften einen ganz
besonderen Reiz; die mancherlei Nachrichten über die verschiedenen
Mitglieder dieser zahlreichen und ausgezeichneten Fürstenfamilie geben
ihnen außerdem noch einen größeren Werth für den Geschichtsforscher.
auf den Wunsch des Bischofs Bovo, seines viel jüngeren Blutsverwandten,
der unter ihm in Corvey Mönch geworden[21], und jetzt durch weite
Länderstrecken (longinqua nimis terrarum intercapedine) von ihm getrennt
war; er schrieb ihm trotz schwerer Sorgen, „inter miserias et aerumnas, quas
inter civilia bella et paganorum, ut prophetice loquar, velociores aquilis
incursiones sine cessatione patimur“[22].
Begreiflich ist es, daß bei noch wachsender Bedrängniß auch hier die
Feder ruhen mußte, daß von Bovo's Ruhm und seinen Werken nur eine
dunkle Erinnerung blieb, und daß eine neue Zeit erst anbrach, als die Thaten
der Ottonen neuen Anstoß zu schriftstellerischer Thätigkeit gaben.
Dasselbe war der Fall in einem andern Kloster, welches den
Ludolfingern noch näher stand als Corvey, in G ander shei m, wo Graf
Ludolf selbst um 850 eine ältere Stiftung erneuert hatte und Prinzessinnen
seines Hauses als Aebtissinnen walteten. Die erste, bis zum Jahre 874, war
Ludolfs Tochter Hathu m o d, deren Leben von ihrem Bruder Agius
beschrieben wurde, der nach einer Vermuthung von Pertz wahrscheinlich
Mönch in dem nahe gelegenen Kloster Lammspring war, aber, wie
Dümmler bemerkt, ebenso gut Corvey angehört haben kann. In der Form
ahmte er, wie Traube bemerkt[23], das Vorbild des Paschasius Radbertus
nach, indem er zu der in Prosa geschriebenen Biographie Elegieen
hinzufügte, die eine tiefgefühlte rührende Todtenklage enthalten[24]. Sowohl
die reine und fehlerfreie Sprache, die gewandte Ausdrucksweise, der
fließende, wenn auch nicht ganz correcte Versbau, wie das zarte und sinnige
Gemüth des Verfassers, den die innigste Liebesgemeinschaft mit seiner
Schwester verbunden hatte, verleihen diesen Schriften einen ganz
besonderen Reiz; die mancherlei Nachrichten über die verschiedenen
Mitglieder dieser zahlreichen und ausgezeichneten Fürstenfamilie geben
ihnen außerdem noch einen größeren Werth für den Geschichtsforscher.
Page 336
Pertz hat die Vermuthung ausgesprochen, daß wohl derselbe Agius
jener sächsische Dichter sein möge, welcher Einhards Jahrbücher metrisch
bearbeitete. Dieselben Vorzüge des Ausdruckes finden sich darin wieder,
und die einzige vorhandene Handschrift stammt aus dem Kloster
Lammspring[25]. Doch ist sie kein Original, und jene Annahme nicht ohne
Bedenken. Deutlich aber bezeichnet der ungenannte Dichter sich als einen
Sachsen, den in den ersten Jahren der Regierung Königs Arnulfs die
Dankbarkeit gegen den großen Sachsenbekehrer, welchem er nicht allein
den Glauben, sondern auch die litterarische Bildung allein verdankte, zu
dem Unternehmen getrieben habe, Karls Leben und Thaten in Versen zu
verherrlichen. Er hält sich dabei ganz genau an die Einhardischen Annalen
und an das ausdrücklich citirte Leben Karls von Einhard, welchem das
letzte, in Distichen verfaßte Buch entnommen ist; nur wenige
Schilderungen aus eigener Kenntniß beleben die reizlose Paraphrase. Von
801 an haben ihm jedoch, wie Bernhard Simson nachgewiesen hat, jene
Annalen nicht mehr vorgelegen, sondern dürftigere, den Hersfelder
verwandte, vermuthlich Halberstädter Annalen, aus welchen die falsche
Angabe über den 803 zu Salz mit den Sachsen abgeschlossenen Frieden
sich erklärt[26]. Pückert (S. 172 bis 180) nimmt Benutzung des verlorenen
Werkes (oben S. 226) in einer Metzer Bearbeitung und Angehörigkeit des
Verfassers zu St. Arnulf in Metz an.
[1] Dort ließ er die Historia tripartita abschreiben: „Hic codex Hero insula scriptus
fuit jubente sancto patre Adalhardo dum exularet ibi“. Mab. de re dipl. tab. V. Jetzt ist
die Hs. in Petersburg, NA, V, 248; eine andere S. 252. — Ein prächtiges, auf Befehl
Rodrads von Corbie 853 für B. Hilmerad von Amiens geschriebenes Sacramentar
beschreibt Delisle, Sacram. p. 123.
[2] Dahin gehört das in Pfeiffers Germania e cod. Vat. gedr. Mönchsverzeichniß s.
IX, nach Enck in der Zts. f. vat. Gesch. Bd. 37, Münster 1879.
[3] So Simson, Ludw. d. Fr. II, 266. Wilmans Kaiserurkunden I, 463 ff., scheint der
V. Adalhardi zu viel Glauben geschenkt zu haben, und überschätzte Alter und
Autorität der Fundatio Corbejensis, gedr. ib. I, 507. Vgl. Rodenberg, Die Vita Walae,
S. 97-104. Gegen beide verwirft Holder-Egger in der neuen Ausg. SS. XV, 2, 1013-
1045, die Annahme einer älteren Gründungsgeschichte, er sieht in der 2. Form nur
eine Erweiterung der ersten. Diese, kurz vor 1158 geschrieben, wurde zu den
Zusätzen zu Thietmar benutzt, welche der Annalista Saxo aufnahm.
jener sächsische Dichter sein möge, welcher Einhards Jahrbücher metrisch
bearbeitete. Dieselben Vorzüge des Ausdruckes finden sich darin wieder,
und die einzige vorhandene Handschrift stammt aus dem Kloster
Lammspring[25]. Doch ist sie kein Original, und jene Annahme nicht ohne
Bedenken. Deutlich aber bezeichnet der ungenannte Dichter sich als einen
Sachsen, den in den ersten Jahren der Regierung Königs Arnulfs die
Dankbarkeit gegen den großen Sachsenbekehrer, welchem er nicht allein
den Glauben, sondern auch die litterarische Bildung allein verdankte, zu
dem Unternehmen getrieben habe, Karls Leben und Thaten in Versen zu
verherrlichen. Er hält sich dabei ganz genau an die Einhardischen Annalen
und an das ausdrücklich citirte Leben Karls von Einhard, welchem das
letzte, in Distichen verfaßte Buch entnommen ist; nur wenige
Schilderungen aus eigener Kenntniß beleben die reizlose Paraphrase. Von
801 an haben ihm jedoch, wie Bernhard Simson nachgewiesen hat, jene
Annalen nicht mehr vorgelegen, sondern dürftigere, den Hersfelder
verwandte, vermuthlich Halberstädter Annalen, aus welchen die falsche
Angabe über den 803 zu Salz mit den Sachsen abgeschlossenen Frieden
sich erklärt[26]. Pückert (S. 172 bis 180) nimmt Benutzung des verlorenen
Werkes (oben S. 226) in einer Metzer Bearbeitung und Angehörigkeit des
Verfassers zu St. Arnulf in Metz an.
[1] Dort ließ er die Historia tripartita abschreiben: „Hic codex Hero insula scriptus
fuit jubente sancto patre Adalhardo dum exularet ibi“. Mab. de re dipl. tab. V. Jetzt ist
die Hs. in Petersburg, NA, V, 248; eine andere S. 252. — Ein prächtiges, auf Befehl
Rodrads von Corbie 853 für B. Hilmerad von Amiens geschriebenes Sacramentar
beschreibt Delisle, Sacram. p. 123.
[2] Dahin gehört das in Pfeiffers Germania e cod. Vat. gedr. Mönchsverzeichniß s.
IX, nach Enck in der Zts. f. vat. Gesch. Bd. 37, Münster 1879.
[3] So Simson, Ludw. d. Fr. II, 266. Wilmans Kaiserurkunden I, 463 ff., scheint der
V. Adalhardi zu viel Glauben geschenkt zu haben, und überschätzte Alter und
Autorität der Fundatio Corbejensis, gedr. ib. I, 507. Vgl. Rodenberg, Die Vita Walae,
S. 97-104. Gegen beide verwirft Holder-Egger in der neuen Ausg. SS. XV, 2, 1013-
1045, die Annahme einer älteren Gründungsgeschichte, er sieht in der 2. Form nur
eine Erweiterung der ersten. Diese, kurz vor 1158 geschrieben, wurde zu den
Zusätzen zu Thietmar benutzt, welche der Annalista Saxo aufnahm.
Page 337
[4] Ihm widmete Paschasius Radbertus zwei seiner Schriften, Ebert II, 232. 235. NA,
IV, 304.
[5] Historia Translationis S. Viti ed. Papebroch, Acta SS. Jun. II, 1029 bis 1037. Pertz
MG. II, 576-585 wiederholte die ältere Ausgabe Mabillons, welcher der Prolog fehlt;
Handschriften fehlen. Neue kritische Ausgabe von Jaffé, Bibl. I, 1-26. Uebers. v.
Grandaur 1888 nach V. Eigilis. Vgl. Enck: De S. Adalhardo abb. (Diss. Monast.
1873) S. 60: Translatio S. Viti quo tempore scripta quaeque ei fides tribuenda esse
videatur. Ebert II, 336-338. Der Verfasser hat die V. Adalhardi schon benutzt. Späten
Ursprungs und kaum brauchbar ist S. Justini translatio Roma Corbejam 891, wozu
949 sein Kopf von Magdeburg kam, ed. Meibom SS. I, 769; cfr. Acta SS. Aug. I, 33.
[6] Ueber ein Citat aus Senecas ludus de morte Claudii s. F. Jonas im Hermes VI,
126. Dümmler, NA. IV, 301-305. Ebert II, 230-244; ib. 244-247 über Ratram, Mönch
von Corbie. Epitaph des Abts Ratold (986) NA. V, 622. — V. Pascasii Radberti aus d.
12. od. 13. Jahrh. ed. Holder-Egger, SS. XV, 452-454.
[7] Acta SS. Jun. I, 96-111. Mab. IV, 1, 308-344. Excerpte MG. II, 524-532. Die
Egloga mit anderen Versen Radberts ed. Traube, Poet. Lat. III, 38-53; vgl. dens. O.
Roma nob. S. 310-312.
[8] Mab. IV, 1, 455-522. Excerpte MG. II, 533-569. Vgl. Himly, Wala et Louis le
Débonnaire, Paris 1849. C. Rodenberg: Die Vita Walae als hist. Quelle, Gött. 1877.
Dass I, 9 unter „Virgilius ille tuus“ Ausonius zu verstehen sei, hat B. Simson
nachgewiesen, s. NA. XII, 428. — Gedichte des Engelmod von Corbie ed. Traube,
Poet. Lat. III, 54-66.
[9] Nach Traube, Poet. Lat. III, 42.
[10] Nachgewiesen von H. Dürre: Ueber die angebliche Ordnungslosigkeit und
Lückenhaftigkeit der Traditiones Corbejenses, im Progr. d. Gymn. in Holzminden,
1877, und Zts. f. Westf. Gesch. Bd. 36. Ausgabe von Wigand 1843.
[11] Hincmari epistola de ordine palatii, gedr. u. a. in Walters Corp. Jur. Germ. III,
761-772. Gengler, Germ. Rechtsdenkmäler, S. 692. Migne CXXV. Ausg. v. Prou,
Bibl. de l'École des hautes études 58. 1884. Vgl. Pernice, De Comitibus palatinis
(1863) p. 47-50. C. v. Noorden, Hinkmar S. 385. Waitz, Verfassungsgesch. III, 412.
[12] Vita Waltgeri, im Auszug bei Heinrich von Herford. Neue, erste krit. Ausg. bei
R. Wilmans Kaiserurkk. 488-501; dazu S. 275-318 wichtige Untersuchungen über die
merkwürdige Familie und ihre Stiftungen.
[13] Erste zuverlässige Ausgabe von R. Wilmans a. a. O. 409-488. Vgl. Hüsing,
Genealogie der h. Ida, Zts. f. vaterl. Gesch. 38, Münster 1880.
[14] Translatio S. Pusinnae, in berichtigtem Abdruck bei Wilmans a. a. O. 541-546.
Auszug SS. II, 681. Bei Henr. de Hervordia ed. Potthast p. 59 sind noch mehr
Wunder.
[15] Translatio S. Liborii, MG. SS. IV, 149-157. Uebers. von Grandaur bei V. Eigilis.
Vgl. Conr. Mertens: Der h. Liborius. Sein Leben, seine Verehrung u. seine Reliquien.
Paderborn 1873.
[16] Vita S. Mainulfi ed. Corn. Byeus, Acta SS. Oct. III, 209-216. Dann folgt die neue
Bearbeitung, welche von Gobelinus Persona verfaßt ist, wie Holder-Egger durch die
Trierer Hs. sichert. Ausg. d. älteren Vita SS. XV, 411-417.
[17] Bei A. Lang, De Sanctis O. S. Benedicti. B. Pez Thes. II, 3, 146. MG. SS. IV,
158-164 im Auszuge.
IV, 304.
[5] Historia Translationis S. Viti ed. Papebroch, Acta SS. Jun. II, 1029 bis 1037. Pertz
MG. II, 576-585 wiederholte die ältere Ausgabe Mabillons, welcher der Prolog fehlt;
Handschriften fehlen. Neue kritische Ausgabe von Jaffé, Bibl. I, 1-26. Uebers. v.
Grandaur 1888 nach V. Eigilis. Vgl. Enck: De S. Adalhardo abb. (Diss. Monast.
1873) S. 60: Translatio S. Viti quo tempore scripta quaeque ei fides tribuenda esse
videatur. Ebert II, 336-338. Der Verfasser hat die V. Adalhardi schon benutzt. Späten
Ursprungs und kaum brauchbar ist S. Justini translatio Roma Corbejam 891, wozu
949 sein Kopf von Magdeburg kam, ed. Meibom SS. I, 769; cfr. Acta SS. Aug. I, 33.
[6] Ueber ein Citat aus Senecas ludus de morte Claudii s. F. Jonas im Hermes VI,
126. Dümmler, NA. IV, 301-305. Ebert II, 230-244; ib. 244-247 über Ratram, Mönch
von Corbie. Epitaph des Abts Ratold (986) NA. V, 622. — V. Pascasii Radberti aus d.
12. od. 13. Jahrh. ed. Holder-Egger, SS. XV, 452-454.
[7] Acta SS. Jun. I, 96-111. Mab. IV, 1, 308-344. Excerpte MG. II, 524-532. Die
Egloga mit anderen Versen Radberts ed. Traube, Poet. Lat. III, 38-53; vgl. dens. O.
Roma nob. S. 310-312.
[8] Mab. IV, 1, 455-522. Excerpte MG. II, 533-569. Vgl. Himly, Wala et Louis le
Débonnaire, Paris 1849. C. Rodenberg: Die Vita Walae als hist. Quelle, Gött. 1877.
Dass I, 9 unter „Virgilius ille tuus“ Ausonius zu verstehen sei, hat B. Simson
nachgewiesen, s. NA. XII, 428. — Gedichte des Engelmod von Corbie ed. Traube,
Poet. Lat. III, 54-66.
[9] Nach Traube, Poet. Lat. III, 42.
[10] Nachgewiesen von H. Dürre: Ueber die angebliche Ordnungslosigkeit und
Lückenhaftigkeit der Traditiones Corbejenses, im Progr. d. Gymn. in Holzminden,
1877, und Zts. f. Westf. Gesch. Bd. 36. Ausgabe von Wigand 1843.
[11] Hincmari epistola de ordine palatii, gedr. u. a. in Walters Corp. Jur. Germ. III,
761-772. Gengler, Germ. Rechtsdenkmäler, S. 692. Migne CXXV. Ausg. v. Prou,
Bibl. de l'École des hautes études 58. 1884. Vgl. Pernice, De Comitibus palatinis
(1863) p. 47-50. C. v. Noorden, Hinkmar S. 385. Waitz, Verfassungsgesch. III, 412.
[12] Vita Waltgeri, im Auszug bei Heinrich von Herford. Neue, erste krit. Ausg. bei
R. Wilmans Kaiserurkk. 488-501; dazu S. 275-318 wichtige Untersuchungen über die
merkwürdige Familie und ihre Stiftungen.
[13] Erste zuverlässige Ausgabe von R. Wilmans a. a. O. 409-488. Vgl. Hüsing,
Genealogie der h. Ida, Zts. f. vaterl. Gesch. 38, Münster 1880.
[14] Translatio S. Pusinnae, in berichtigtem Abdruck bei Wilmans a. a. O. 541-546.
Auszug SS. II, 681. Bei Henr. de Hervordia ed. Potthast p. 59 sind noch mehr
Wunder.
[15] Translatio S. Liborii, MG. SS. IV, 149-157. Uebers. von Grandaur bei V. Eigilis.
Vgl. Conr. Mertens: Der h. Liborius. Sein Leben, seine Verehrung u. seine Reliquien.
Paderborn 1873.
[16] Vita S. Mainulfi ed. Corn. Byeus, Acta SS. Oct. III, 209-216. Dann folgt die neue
Bearbeitung, welche von Gobelinus Persona verfaßt ist, wie Holder-Egger durch die
Trierer Hs. sichert. Ausg. d. älteren Vita SS. XV, 411-417.
[17] Bei A. Lang, De Sanctis O. S. Benedicti. B. Pez Thes. II, 3, 146. MG. SS. IV,
158-164 im Auszuge.
Page 338
[18] Annales Corbejenses, MG. SS. III, 1-18; berichtigte Ausgabe von Jaffé, Bibl. I,
28-65, wo 7 Notizen 809-840 als Ann. aut Monasterienses aut Werthinenses
ausgeschieden sind. Von anderer Hand sind Ann. Corb. 822-879 eingetragen, dann
gleichzeitige Fortsetzungen 880-1117. Vgl. oben S. 150. Zu warnen ist vor der
Verwechselung mit dem unechten Chron. Corbejense. Ueber die werthvolle
ausführlichere Eintragung zu 1046 s. Steindorff, Heinrich III, I, 480. Größeres Facs.
mit den Veränderungen der Schrift vom 7. bis 12. Jahrh. in Wigands Arch. f. Gesch.
Westf. V.
[19] Abgesondert als Bovonis de sui temporis actis fragmentum, herausgegeben von
Jaffé, Bibl. I, 27, vgl. Wilmans a. a. O. S. 304.
[20] „Qui Graecas litteras coram Cuonrado rege legendo factus est clarus.“ Cod.
Steinveld. ad Widuk. III, 2.
[21] Nach dem sehr werthvollen, vom Beginn des Klosters bis 1146 fortgeführten
Verzeichniß der Aebte und der unter jedem aufgenommenen Mönche, neu
herausgegeben bei Jaffé, Bibl. I, 66-72, MG. SS. XIII, 274. Bovo war wahrscheinlich
Bischof von Châlons-sur-Marne, † 947, Bruder der Königin Frideruna, Oheim des B.
Berengar von Cambrai, s. MG. SS. VII, 431, im Necr. Merseb. zu Dec. 20, Neue
Mitth. XI, 250.
[22] Herausgegeben von A. Mai, Class. Auct. III, 332-342. Der Abt ist nur durch B.
bezeichnet, kann aber kaum ein anderer sein.
[23] O Roma nobilis, S. 310.
[24] Agii Vita Hathumodae ed. Pertz, MG. SS. IV, 165-189. Uebersetzung von
Rückert, Stuttg. 1845, von Grandaur bei Vita Eigilis. Benutzung des Fortunat, NA.
IV, 527; in der Prosa der V. Martini ib. XIV, 166. — Ausg. des Dial. von Traube,
Poet. Lat. III, 2, 369-388.
[25] Die nachträglich gefundene Brüsseler Handschrift (Archiv III, 379) scheint der
Lammspringer zu entstammen, wenigstens hat sie dieselben Lücken. Zur Zeit des
Probstes Gerhard u. der Aebt. Judith (1178-1191) schrieb hier die Nonne Ermengarde
einige Schriften des h. Augustin ab, Cod. Helmst. 204, s. O. v. Heinemanns Wolfenb.
Catalog I, S. 185.
[26] Poetae Saxonis Annales de Gestis Caroli magni imperatoris, ed. Pertz, MG. I,
225-379. Wieder abgedruckt bei Migne XCIX, 683-736. Jaffé, Bibl. IV. 542-627.
Ebert III, 125-129. Simson, Der Poeta Saxo und der Friede zu Salz, Forschungen I,
301-326. Pannenborg vermuthet, daß der Verfasser der Gesta Heinrici IV dieses Werk
gekannt und nachgeahmt habe. Brieden, Geschichtl. Werth des Poeta Saxo. ← Progr.
d. Laurentianums zu Arnsberg, 1878.
28-65, wo 7 Notizen 809-840 als Ann. aut Monasterienses aut Werthinenses
ausgeschieden sind. Von anderer Hand sind Ann. Corb. 822-879 eingetragen, dann
gleichzeitige Fortsetzungen 880-1117. Vgl. oben S. 150. Zu warnen ist vor der
Verwechselung mit dem unechten Chron. Corbejense. Ueber die werthvolle
ausführlichere Eintragung zu 1046 s. Steindorff, Heinrich III, I, 480. Größeres Facs.
mit den Veränderungen der Schrift vom 7. bis 12. Jahrh. in Wigands Arch. f. Gesch.
Westf. V.
[19] Abgesondert als Bovonis de sui temporis actis fragmentum, herausgegeben von
Jaffé, Bibl. I, 27, vgl. Wilmans a. a. O. S. 304.
[20] „Qui Graecas litteras coram Cuonrado rege legendo factus est clarus.“ Cod.
Steinveld. ad Widuk. III, 2.
[21] Nach dem sehr werthvollen, vom Beginn des Klosters bis 1146 fortgeführten
Verzeichniß der Aebte und der unter jedem aufgenommenen Mönche, neu
herausgegeben bei Jaffé, Bibl. I, 66-72, MG. SS. XIII, 274. Bovo war wahrscheinlich
Bischof von Châlons-sur-Marne, † 947, Bruder der Königin Frideruna, Oheim des B.
Berengar von Cambrai, s. MG. SS. VII, 431, im Necr. Merseb. zu Dec. 20, Neue
Mitth. XI, 250.
[22] Herausgegeben von A. Mai, Class. Auct. III, 332-342. Der Abt ist nur durch B.
bezeichnet, kann aber kaum ein anderer sein.
[23] O Roma nobilis, S. 310.
[24] Agii Vita Hathumodae ed. Pertz, MG. SS. IV, 165-189. Uebersetzung von
Rückert, Stuttg. 1845, von Grandaur bei Vita Eigilis. Benutzung des Fortunat, NA.
IV, 527; in der Prosa der V. Martini ib. XIV, 166. — Ausg. des Dial. von Traube,
Poet. Lat. III, 2, 369-388.
[25] Die nachträglich gefundene Brüsseler Handschrift (Archiv III, 379) scheint der
Lammspringer zu entstammen, wenigstens hat sie dieselben Lücken. Zur Zeit des
Probstes Gerhard u. der Aebt. Judith (1178-1191) schrieb hier die Nonne Ermengarde
einige Schriften des h. Augustin ab, Cod. Helmst. 204, s. O. v. Heinemanns Wolfenb.
Catalog I, S. 185.
[26] Poetae Saxonis Annales de Gestis Caroli magni imperatoris, ed. Pertz, MG. I,
225-379. Wieder abgedruckt bei Migne XCIX, 683-736. Jaffé, Bibl. IV. 542-627.
Ebert III, 125-129. Simson, Der Poeta Saxo und der Friede zu Salz, Forschungen I,
301-326. Pannenborg vermuthet, daß der Verfasser der Gesta Heinrici IV dieses Werk
gekannt und nachgeahmt habe. Brieden, Geschichtl. Werth des Poeta Saxo. ← Progr.
d. Laurentianums zu Arnsberg, 1878.
Page 339
§ 17. Lothringen. [ ← ]
Richbod von Tr ier (795-804) ist als Schüler Alcuins bekannt, und
wird als ein Mann von gründlicher Gelehrsamkeit und Bildung gerühmt;
Alcuin warf ihm vor, daß er die Aeneide besser kenne, als die Evangelien.
Ohne Zweifel wird er sich um die Schulen in seinem Sprengel verdient
gemacht haben. Auch Amalarius (809 bis 814) machte sich als Schriftsteller
bekannt[1]; an seinen Nachfolger Hetti (814-847) schickte Einhard mit
einem freundschaftlichen Briefe (ep. 10, bei Jaffé 23) einen Theil seiner
kostbaren Reliquien, vermuthlich für die von ihm gestiftete und 836
eingeweihte Castorkirche zu Koblenz. Von ihm hat sich eine Anleitung zum
kirchlichen Unterricht in Gesprächform erhalten[2]; ihm zur Seite stand als
Landbischof Thegan, der schon erwähnte Biograph Ludwigs des Frommen.
Sein Neffe und Nachfolger war Thietgaud (847-863), Grimalds Bruder, aber
sehr unvortheilhaft bekannt durch seine Mitschuld an Lothars II
Scheidungsgeschichte. Am Ende des Jahrhunderts, nach der entsetzlichen
Verheerung durch die Normannen 882, war R atbod Erzbischof (883-915),
welcher den vertriebenen Abt von Prüm, Regin o[3], zu gelehrten Arbeiten
veranlaßte.
Dieser Regino war von Jugend auf im Kloster Prüm erzogen, wo schon
unter dem Abte Mar kwar d (829-853) litterarische Thätigkeit bemerkbar
wird. Verwandt mit Lupus, war nämlich auch Markward in Ferrières Mönch
geworden, wo damals Alderich, später Erzbischof von Sens, Abt war, und
nach Markwards Erhebung zum Abt von Prüm folgte sein Klosterbruder
Ado, der als Erzbischof von Vienne seine Neigung zur Geschichtschreibung
bewährt hat, der Einladung, eine Zeit lang in Prüm zu wirken. Markward
selbst war Hüter und Lehrer Karls des Kahlen gewesen, als dieser 833 nach
dem Siege Lothars nach Prüm verwiesen war[4]; Lupus (ep. 85) sendet ihm
Grüße von demselben und schickte ihm Knaben zur Ausbildung. Schon
bevor er Abt wurde, hatte Lupus 839 das Leben des h. Maximin verfaßt und
Richbod von Tr ier (795-804) ist als Schüler Alcuins bekannt, und
wird als ein Mann von gründlicher Gelehrsamkeit und Bildung gerühmt;
Alcuin warf ihm vor, daß er die Aeneide besser kenne, als die Evangelien.
Ohne Zweifel wird er sich um die Schulen in seinem Sprengel verdient
gemacht haben. Auch Amalarius (809 bis 814) machte sich als Schriftsteller
bekannt[1]; an seinen Nachfolger Hetti (814-847) schickte Einhard mit
einem freundschaftlichen Briefe (ep. 10, bei Jaffé 23) einen Theil seiner
kostbaren Reliquien, vermuthlich für die von ihm gestiftete und 836
eingeweihte Castorkirche zu Koblenz. Von ihm hat sich eine Anleitung zum
kirchlichen Unterricht in Gesprächform erhalten[2]; ihm zur Seite stand als
Landbischof Thegan, der schon erwähnte Biograph Ludwigs des Frommen.
Sein Neffe und Nachfolger war Thietgaud (847-863), Grimalds Bruder, aber
sehr unvortheilhaft bekannt durch seine Mitschuld an Lothars II
Scheidungsgeschichte. Am Ende des Jahrhunderts, nach der entsetzlichen
Verheerung durch die Normannen 882, war R atbod Erzbischof (883-915),
welcher den vertriebenen Abt von Prüm, Regin o[3], zu gelehrten Arbeiten
veranlaßte.
Dieser Regino war von Jugend auf im Kloster Prüm erzogen, wo schon
unter dem Abte Mar kwar d (829-853) litterarische Thätigkeit bemerkbar
wird. Verwandt mit Lupus, war nämlich auch Markward in Ferrières Mönch
geworden, wo damals Alderich, später Erzbischof von Sens, Abt war, und
nach Markwards Erhebung zum Abt von Prüm folgte sein Klosterbruder
Ado, der als Erzbischof von Vienne seine Neigung zur Geschichtschreibung
bewährt hat, der Einladung, eine Zeit lang in Prüm zu wirken. Markward
selbst war Hüter und Lehrer Karls des Kahlen gewesen, als dieser 833 nach
dem Siege Lothars nach Prüm verwiesen war[4]; Lupus (ep. 85) sendet ihm
Grüße von demselben und schickte ihm Knaben zur Ausbildung. Schon
bevor er Abt wurde, hatte Lupus 839 das Leben des h. Maximin verfaßt und
Page 340
seinem Freunde Waldo gewidmet, vielleicht demselben, welcher später Abt
von St. Maximin wurde (oben S. 236).
In Prüm verfaßte auf Markwards Veranlassung Wandalb er t (geb.
813) 839 die geschichtlich nicht ganz unwichtigen Wunder des heiligen
Goar, welche er zu der Ueberarbeitung der alten Legende hinzufügte; den
Schluß bildet ein ausführlicher Bericht über die Erwerbung der Cella S.
Goaris durch Verleihung Pippins und Bestätigung Karls des Großen[5].
Auch besitzen wir von Wandalbert das schon oben (S. 60) erwähnte
metrisch bearbeitete Martyrologium, welches er auf Antrieb eines sonst
nicht bekannten Otricus begann, als er sich in Cöln aufhielt, und nachdem
es vollendet war, mit einer Commendation an Lothar versah, 5 lustra
nachdem dieser Kaiser geworden, also 848. Die künstlichen Versmaße der
dazu gehörigen Gedichte zeugen von seiner Gelehrsamkeit, und während
die Hauptmasse ihrer Natur nach fast reine Prosa ist, bieten uns namentlich
die Beschreibungen der Monate anziehende Schilderungen ländlicher
Beschäftigung in leicht fließenden Versen[6]. Markward aber übertrug im
Jahre 844 die Gebeine der heiligen Chrysanthus und Daria nach
Münstereifel, welches damals zu Prüm gehörte; Theganbert oder Thegan
war es, der sie hier am 25. October feierlich beisetzte, und der Abt
versäumte nicht, für die Aufzeichnung dieser Begebenheit zu sorgen oder,
wie Holder-Egger vermuthet, sie selbst aufzuzeichnen[7]. Unter Abt Eigil
(853-860) brachte der Tod des Kaisers Lothar in der Kutte eines Prümer
Mönches dem Kloster hohen Ruhm und reiches Gut; Eigil selbst, ein
gelehrter Mann, an den Hraban eine Abhandlung gerichtet hat, entsagte 860
seiner Würde, vielleicht, wie Mabillon vermuthete, weil er die
Entscheidung gegen Thietberga unterzeichnet hatte. Er folgte dann einer
Einladung Karls des Kahlen und erhielt die Abtei Flavigny, wohin er 864
von Alise-Sainte-Reine die h. Regina übertrug; die Geschichte der
Uebertragung sammt den Wundern ließ er aufzeichnen, nachdem er 865
Erzbischof von Sens geworden war[8].
von St. Maximin wurde (oben S. 236).
In Prüm verfaßte auf Markwards Veranlassung Wandalb er t (geb.
813) 839 die geschichtlich nicht ganz unwichtigen Wunder des heiligen
Goar, welche er zu der Ueberarbeitung der alten Legende hinzufügte; den
Schluß bildet ein ausführlicher Bericht über die Erwerbung der Cella S.
Goaris durch Verleihung Pippins und Bestätigung Karls des Großen[5].
Auch besitzen wir von Wandalbert das schon oben (S. 60) erwähnte
metrisch bearbeitete Martyrologium, welches er auf Antrieb eines sonst
nicht bekannten Otricus begann, als er sich in Cöln aufhielt, und nachdem
es vollendet war, mit einer Commendation an Lothar versah, 5 lustra
nachdem dieser Kaiser geworden, also 848. Die künstlichen Versmaße der
dazu gehörigen Gedichte zeugen von seiner Gelehrsamkeit, und während
die Hauptmasse ihrer Natur nach fast reine Prosa ist, bieten uns namentlich
die Beschreibungen der Monate anziehende Schilderungen ländlicher
Beschäftigung in leicht fließenden Versen[6]. Markward aber übertrug im
Jahre 844 die Gebeine der heiligen Chrysanthus und Daria nach
Münstereifel, welches damals zu Prüm gehörte; Theganbert oder Thegan
war es, der sie hier am 25. October feierlich beisetzte, und der Abt
versäumte nicht, für die Aufzeichnung dieser Begebenheit zu sorgen oder,
wie Holder-Egger vermuthet, sie selbst aufzuzeichnen[7]. Unter Abt Eigil
(853-860) brachte der Tod des Kaisers Lothar in der Kutte eines Prümer
Mönches dem Kloster hohen Ruhm und reiches Gut; Eigil selbst, ein
gelehrter Mann, an den Hraban eine Abhandlung gerichtet hat, entsagte 860
seiner Würde, vielleicht, wie Mabillon vermuthete, weil er die
Entscheidung gegen Thietberga unterzeichnet hatte. Er folgte dann einer
Einladung Karls des Kahlen und erhielt die Abtei Flavigny, wohin er 864
von Alise-Sainte-Reine die h. Regina übertrug; die Geschichte der
Uebertragung sammt den Wundern ließ er aufzeichnen, nachdem er 865
Erzbischof von Sens geworden war[8].
Page 341
Auch Annalen sind um diese Zeit in Prüm geschrieben; anfangs aus
älteren Annalen ausgezogen, bringen sie locale Nachrichten bis 860, bis zu
welchem Jahre sie in Stablo ausgeschrieben sind, und wurden dann in Prüm
bis 922 fortgeführt; damals hat sie, wie es scheint, der zum Bischof von
Lüttich erhobene Abt Richarius nach Lüttich mitgenommen, wo sie weiter
fortgesetzt wurden. Aus der Chronik des Regino sehen wir, daß es ein
ausführlicheres Exemplar dieser Annalen gegeben haben muß, welches
Regino benutzte[9].
Allein im Jahre 882 und noch einmal 892 erlag auch dieses herrliche
Kloster den räuberischen Dänen; der Abt Farabert legte nach der Zerstörung
desselben sein Amt nieder, und zu seinem Nachfolger wurde R eg ino
gewählt. Aber die Parteikämpfe, welche damals Lothringen zerrissen, ließen
auch ihm keine Ruhe; er mußte 899 seinen Gegnern weichen, und fand eine
Zuflucht in Trier, wo er im Kloster St. Maximin 915 bestattet ist[10]. Der
Erzbischof übergab ihm das ebenfalls von den Normannen verwüstete
Martinskloster, welches unter seiner Leitung hergestellt sein soll[11];
vorzüglich aber scheint er sich seiner Gelehrsamkeit bei der Verwaltung
seines kirchlichen Amtes bedient zu haben. Oft, sagt Regino, habe er
gesehen, wie der Erzbischof sich erzürnt habe über den unmelodischen und
fehlerhaften Gesang in den Chören seiner Sprengel, zu welchen er ihn also
vermuthlich auf Visitationsreisen begleitet hat. Und wie er diesem Mangel
durch seine Schrift de harmonica institutione[12] abzuhelfen suchte, so
verfaßte er auf Ratbods Wunsch sein umfassendes und lehrreiches Werk
über die Kirchenzucht zu dem praktischen Zwecke, bei Visitationen, welche
wegen der argen Verwilderung der Geistlichkeit wie der Laien dringend
nothwendig waren, alle erforderlichen Vorschriften des canonischen
Rechtes in mäßigem Umfang darzubieten[13]. Diese um 906 unternommene
Schrift widmete er Hatto von Mainz, dem damaligen Regenten des Reichs;
an den Erzieher des jungen Königs, den gelehrten Bischof Adalbero von
Augsburg, sandte er 908 seine Chronik von Christi Geburt bis zum Jahre
906. Dieses Werk verdient unsere Beachtung als einer der frühesten
Versuche die Weltgeschichte in einer ziemlich ausführlichen Erzählung
älteren Annalen ausgezogen, bringen sie locale Nachrichten bis 860, bis zu
welchem Jahre sie in Stablo ausgeschrieben sind, und wurden dann in Prüm
bis 922 fortgeführt; damals hat sie, wie es scheint, der zum Bischof von
Lüttich erhobene Abt Richarius nach Lüttich mitgenommen, wo sie weiter
fortgesetzt wurden. Aus der Chronik des Regino sehen wir, daß es ein
ausführlicheres Exemplar dieser Annalen gegeben haben muß, welches
Regino benutzte[9].
Allein im Jahre 882 und noch einmal 892 erlag auch dieses herrliche
Kloster den räuberischen Dänen; der Abt Farabert legte nach der Zerstörung
desselben sein Amt nieder, und zu seinem Nachfolger wurde R eg ino
gewählt. Aber die Parteikämpfe, welche damals Lothringen zerrissen, ließen
auch ihm keine Ruhe; er mußte 899 seinen Gegnern weichen, und fand eine
Zuflucht in Trier, wo er im Kloster St. Maximin 915 bestattet ist[10]. Der
Erzbischof übergab ihm das ebenfalls von den Normannen verwüstete
Martinskloster, welches unter seiner Leitung hergestellt sein soll[11];
vorzüglich aber scheint er sich seiner Gelehrsamkeit bei der Verwaltung
seines kirchlichen Amtes bedient zu haben. Oft, sagt Regino, habe er
gesehen, wie der Erzbischof sich erzürnt habe über den unmelodischen und
fehlerhaften Gesang in den Chören seiner Sprengel, zu welchen er ihn also
vermuthlich auf Visitationsreisen begleitet hat. Und wie er diesem Mangel
durch seine Schrift de harmonica institutione[12] abzuhelfen suchte, so
verfaßte er auf Ratbods Wunsch sein umfassendes und lehrreiches Werk
über die Kirchenzucht zu dem praktischen Zwecke, bei Visitationen, welche
wegen der argen Verwilderung der Geistlichkeit wie der Laien dringend
nothwendig waren, alle erforderlichen Vorschriften des canonischen
Rechtes in mäßigem Umfang darzubieten[13]. Diese um 906 unternommene
Schrift widmete er Hatto von Mainz, dem damaligen Regenten des Reichs;
an den Erzieher des jungen Königs, den gelehrten Bischof Adalbero von
Augsburg, sandte er 908 seine Chronik von Christi Geburt bis zum Jahre
906. Dieses Werk verdient unsere Beachtung als einer der frühesten
Versuche die Weltgeschichte in einer ziemlich ausführlichen Erzählung
Page 342
zusammenzufassen, eine Aufgabe, an welche sich damals nicht leicht
jemand wagte und deren Schwierigkeiten außerordentlich groß waren. Die
Ausführung ist freilich auch sehr mangelhaft geblieben und namentlich die
Chronologie in der höchsten Verwirrung; auch versucht er gar nicht wie
Frechulf eine Verarbeitung seiner Quellen, sondern begnügt sich mit
wörtlichem Ausschreiben, was von nun an immer mehr üblich wurde. Beda,
die Thaten der Frankenkönige, und andere bekannte Quellen bilden die
Grundlage seines Werkes, welches anfangs nach den Regierungen der
Kaiser angeordnet ist; weiterhin geht er, der Natur seiner Quellen folgend,
in die annalistische Form über und fährt auch selbst in dieser Weise fort.
Darin ist seine Chronik den auch von ihm benutzten Reichsannalen ähnlich,
aber sie unterscheidet sich sehr wesentlich dadurch, daß er nicht
gleichzeitig mit den Begebenheiten schrieb und deshalb auch gerade in der
chronologischen Anordnung derselben wenig zuverlässig ist[14].
In dieser Beziehung hat bei ihm wie bei manchem anderen das Vorbild
der Annalen nachtheilig gewirkt; denn für die Aufzeichnung unbestimmt
gewordener Ueberlieferungen ist die annalistische Form nicht nur
hinderlich, sondern die scheinbare Bestimmtheit verleitet auch dazu, den
Angaben mehr Gewicht beizulegen, als ihnen zukommt. Bis zum Jahre 814
hat Regino die Lorscher Annalen benutzt; von da an aber fehlten ihm außer
den oben erwähnten kurzen Annalen seines Klosters schriftliche
Hülfsmittel, was wohl nur durch die Verheerungen der Normannen zu
erklären ist, und er mußte sich zur Ausfüllung der großen Lücke von Karls
des Großen Tode bis auf seine Zeit allein auf die so unsichere mündliche
Tradition verlassen; nur über die Händel, welche Lothars II ärgerliche
eheliche Verhältnisse veranlaßten, standen ihn Urkunden zu Gebote[15].
Auffallend und für die Stellung Lothringens charakteristisch ist es
dabei, wie wenig Regino von dem Ostfrankenreiche zu sagen weiß,
während er von den Westfranken viel und eingehend erzählt, und
namentlich die Bretagne besonders berücksichtigt, ein Umstand, den
Dümmler durch die dort gelegenen Besitzungen der Mönche von Prüm
jemand wagte und deren Schwierigkeiten außerordentlich groß waren. Die
Ausführung ist freilich auch sehr mangelhaft geblieben und namentlich die
Chronologie in der höchsten Verwirrung; auch versucht er gar nicht wie
Frechulf eine Verarbeitung seiner Quellen, sondern begnügt sich mit
wörtlichem Ausschreiben, was von nun an immer mehr üblich wurde. Beda,
die Thaten der Frankenkönige, und andere bekannte Quellen bilden die
Grundlage seines Werkes, welches anfangs nach den Regierungen der
Kaiser angeordnet ist; weiterhin geht er, der Natur seiner Quellen folgend,
in die annalistische Form über und fährt auch selbst in dieser Weise fort.
Darin ist seine Chronik den auch von ihm benutzten Reichsannalen ähnlich,
aber sie unterscheidet sich sehr wesentlich dadurch, daß er nicht
gleichzeitig mit den Begebenheiten schrieb und deshalb auch gerade in der
chronologischen Anordnung derselben wenig zuverlässig ist[14].
In dieser Beziehung hat bei ihm wie bei manchem anderen das Vorbild
der Annalen nachtheilig gewirkt; denn für die Aufzeichnung unbestimmt
gewordener Ueberlieferungen ist die annalistische Form nicht nur
hinderlich, sondern die scheinbare Bestimmtheit verleitet auch dazu, den
Angaben mehr Gewicht beizulegen, als ihnen zukommt. Bis zum Jahre 814
hat Regino die Lorscher Annalen benutzt; von da an aber fehlten ihm außer
den oben erwähnten kurzen Annalen seines Klosters schriftliche
Hülfsmittel, was wohl nur durch die Verheerungen der Normannen zu
erklären ist, und er mußte sich zur Ausfüllung der großen Lücke von Karls
des Großen Tode bis auf seine Zeit allein auf die so unsichere mündliche
Tradition verlassen; nur über die Händel, welche Lothars II ärgerliche
eheliche Verhältnisse veranlaßten, standen ihn Urkunden zu Gebote[15].
Auffallend und für die Stellung Lothringens charakteristisch ist es
dabei, wie wenig Regino von dem Ostfrankenreiche zu sagen weiß,
während er von den Westfranken viel und eingehend erzählt, und
namentlich die Bretagne besonders berücksichtigt, ein Umstand, den
Dümmler durch die dort gelegenen Besitzungen der Mönche von Prüm
Page 343
erklärt. Ueber das, was er selbst mit erlebt hat, giebt Regino sodann
ausführliche und schätzbare Nachrichten. Daß er von den entfernteren
Ereignissen nur unsichere Kunde erhalten hat, wird man ihm nicht zum
Vorwurfe machen; über Lothringen aber war er genau und zuverlässig
unterrichtet, und würde gewiß noch tiefer in die dortigen Verhältnisse
blicken lassen, wenn ihn nicht die Besorgniß vor dem Zorne der
Machthaber verhindert hätte, die ganze Wahrheit zu sagen. Als diesen
Machthaber, welchen er fürchtet, hat Harttung mit Wahrscheinlichkeit Karl
den Einfältigen nachgewiesen, der nach einer Angabe des Trithemius seine
Absetzung veranlaßte, weil er ein Anhänger von K. Odo's Bruder Robert
war. Sein Rival war Richar, der Bruder von Gerhard und Matfrid, später
Bischof von Lüttich; durch verleumderische Angaben über schlechte
Verwaltung soll er ihn verdrängt haben, nach Inhalt eines Briefes von
Regino, der den Magdeburger Centuriatoren noch bekannt und
wahrscheinlich in einem Exemplar der Chronik abgeschrieben war. Zur Zeit
aber, als Regino seine Chronik schrieb, gehörte Lothringen zu Karls
Reich[16]. Seine Zurückhaltung hat Regino jedoch nicht davor schützen
können, daß aus seinem Werke z. J. 892 ein bedeutendes Stück, in welchem
er von seinen eigenen Schicksalen erzählte, ausgeschnitten und vernichtet
wurde.
Seine Schreibart ist einfach und dem Gegenstande angemessen, und
wenn es ihm auch keineswegs gelungen ist, die Weltgeschichte in wirklich
historischer Weise zu bearbeiten, so zeigt er doch für die ihm näher
liegenden Zeiten und Verhältnisse einen freien Blick und gesundes Urtheil;
die eigenen Erfahrungen und die freundschaftliche Beziehung zu einem
hochstehenden Kirchenfürsten erhoben ihn über die gewöhnlichen
Annalisten, und sein Werk steht am Ende der karolingischen Zeit als eine
bedeutende Erscheinung da, der sich wohl weitere Fortschritte
angeschlossen haben würden, wenn nicht gerade jetzt die äußere Noth für
lange Zeit alle wissenschaftlichen Bestrebungen erdrückt hätte.
ausführliche und schätzbare Nachrichten. Daß er von den entfernteren
Ereignissen nur unsichere Kunde erhalten hat, wird man ihm nicht zum
Vorwurfe machen; über Lothringen aber war er genau und zuverlässig
unterrichtet, und würde gewiß noch tiefer in die dortigen Verhältnisse
blicken lassen, wenn ihn nicht die Besorgniß vor dem Zorne der
Machthaber verhindert hätte, die ganze Wahrheit zu sagen. Als diesen
Machthaber, welchen er fürchtet, hat Harttung mit Wahrscheinlichkeit Karl
den Einfältigen nachgewiesen, der nach einer Angabe des Trithemius seine
Absetzung veranlaßte, weil er ein Anhänger von K. Odo's Bruder Robert
war. Sein Rival war Richar, der Bruder von Gerhard und Matfrid, später
Bischof von Lüttich; durch verleumderische Angaben über schlechte
Verwaltung soll er ihn verdrängt haben, nach Inhalt eines Briefes von
Regino, der den Magdeburger Centuriatoren noch bekannt und
wahrscheinlich in einem Exemplar der Chronik abgeschrieben war. Zur Zeit
aber, als Regino seine Chronik schrieb, gehörte Lothringen zu Karls
Reich[16]. Seine Zurückhaltung hat Regino jedoch nicht davor schützen
können, daß aus seinem Werke z. J. 892 ein bedeutendes Stück, in welchem
er von seinen eigenen Schicksalen erzählte, ausgeschnitten und vernichtet
wurde.
Seine Schreibart ist einfach und dem Gegenstande angemessen, und
wenn es ihm auch keineswegs gelungen ist, die Weltgeschichte in wirklich
historischer Weise zu bearbeiten, so zeigt er doch für die ihm näher
liegenden Zeiten und Verhältnisse einen freien Blick und gesundes Urtheil;
die eigenen Erfahrungen und die freundschaftliche Beziehung zu einem
hochstehenden Kirchenfürsten erhoben ihn über die gewöhnlichen
Annalisten, und sein Werk steht am Ende der karolingischen Zeit als eine
bedeutende Erscheinung da, der sich wohl weitere Fortschritte
angeschlossen haben würden, wenn nicht gerade jetzt die äußere Noth für
lange Zeit alle wissenschaftlichen Bestrebungen erdrückt hätte.
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Als die bei allen ihren Mängeln doch bei weitem beste umfassende
Behandlung der Weltgeschichte ist Regino's Chronik bis ins zwölfte
Jahrhundert viel benutzt worden und hat große Verbreitung gefunden, wobei
denn auch seine großen chronologischen Irrthümer manchen irre geleitet
haben.
Man kann wohl nicht bezweifeln, daß Lothringen mit seinen
bedeutenden Kirchen und Klöstern noch manches andere Geschichtswerk
hervorgebracht hat, welches in den furchtbaren Verheerungen des Landes
durch Normannen und Ungarn zu Grunde gegangen ist; die blühendsten
Klöster verödeten und kamen in Laienhände, so daß eine Periode tiefer
Dunkelheit eintrat, welche später der kecken Erdichtung freien Spielraum
darbot. Merkwürdig sind auch in dieser Beziehung die A nn al en v on
Xan t en[17], weil sie nirgends erwähnt oder benutzt sind, und völlig spurlos
verschollen sein würden, wenn nicht Pertz sie 1827 in einer angebrannten
Handschrift der Cottonschen Bibliothek entdeckt hätte. So war auch dieser
vereinzelte Rest der höheren Ausbildung jener Periode dem gänzlichen
Untergange schon ganz nahe gewesen. Nach Xanten sind diese Annalen
benannt, weil die Zerstörung des Stiftes durch die Normannen 863
ausführlich erzählt ist, aber sonst ist gar nicht von Xanten die Rede, und
auch hier findet sich die falsche Jahreszahl 864, wie überhaupt eine
Verschiebung der Jahreszahlen, welche annehmen läßt, daß nur eine
Compilation uns vorliegt. Einem Auszug aus den Reichsannalen schließt
sich hier eine selbständige Fortsetzung von 831 bis 873 an, von
verschiedenen Verfassern gleichzeitig aufgezeichnet, hin und wieder
ziemlich ausführlich. Reichsgeschichte zu geben war die Absicht, aber es
fehlte die Verbindung mit dem Hofe; Zusammenkünfte der Könige werden
erwähnt, aber die Beschlüsse bleiben dem Schreiber unbekannt; zu
gleichmäßiger Berichterstattung fehlen ihm die Hülfsmittel. Viel ist von
Himmelserscheinungen, Ueberschwemmungen, Heuschrecken die Rede,
vom Elend der Zeiten sind die Verfasser sehr erfüllt. Der Cölner Sprengel
wird vorzüglich berücksichtigt, daneben der benachbarte von Münster.
Behandlung der Weltgeschichte ist Regino's Chronik bis ins zwölfte
Jahrhundert viel benutzt worden und hat große Verbreitung gefunden, wobei
denn auch seine großen chronologischen Irrthümer manchen irre geleitet
haben.
Man kann wohl nicht bezweifeln, daß Lothringen mit seinen
bedeutenden Kirchen und Klöstern noch manches andere Geschichtswerk
hervorgebracht hat, welches in den furchtbaren Verheerungen des Landes
durch Normannen und Ungarn zu Grunde gegangen ist; die blühendsten
Klöster verödeten und kamen in Laienhände, so daß eine Periode tiefer
Dunkelheit eintrat, welche später der kecken Erdichtung freien Spielraum
darbot. Merkwürdig sind auch in dieser Beziehung die A nn al en v on
Xan t en[17], weil sie nirgends erwähnt oder benutzt sind, und völlig spurlos
verschollen sein würden, wenn nicht Pertz sie 1827 in einer angebrannten
Handschrift der Cottonschen Bibliothek entdeckt hätte. So war auch dieser
vereinzelte Rest der höheren Ausbildung jener Periode dem gänzlichen
Untergange schon ganz nahe gewesen. Nach Xanten sind diese Annalen
benannt, weil die Zerstörung des Stiftes durch die Normannen 863
ausführlich erzählt ist, aber sonst ist gar nicht von Xanten die Rede, und
auch hier findet sich die falsche Jahreszahl 864, wie überhaupt eine
Verschiebung der Jahreszahlen, welche annehmen läßt, daß nur eine
Compilation uns vorliegt. Einem Auszug aus den Reichsannalen schließt
sich hier eine selbständige Fortsetzung von 831 bis 873 an, von
verschiedenen Verfassern gleichzeitig aufgezeichnet, hin und wieder
ziemlich ausführlich. Reichsgeschichte zu geben war die Absicht, aber es
fehlte die Verbindung mit dem Hofe; Zusammenkünfte der Könige werden
erwähnt, aber die Beschlüsse bleiben dem Schreiber unbekannt; zu
gleichmäßiger Berichterstattung fehlen ihm die Hülfsmittel. Viel ist von
Himmelserscheinungen, Ueberschwemmungen, Heuschrecken die Rede,
vom Elend der Zeiten sind die Verfasser sehr erfüllt. Der Cölner Sprengel
wird vorzüglich berücksichtigt, daneben der benachbarte von Münster.
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Vielleicht hat einer der vertriebenen Xantener Chorherren, die nach Cöln
flüchteten, dort Aufzeichnungen vorgefunden und fortgesetzt.
In Cö ln hat Karls des Großen Erzkaplan Hildebald[18], der von
Theodulf unter dem Namen Aaron gefeiert wird, wissenschaftliche Studien
begründet. Er ließ die vom Pabst an Karl geschickten Manuscripte für seine
Kirche abschreiben; viele davon sind noch vorhanden und jetzt dem Cölner
Domcapitel zurückgegeben[19]. Es sind auch kurze Annalen daraus
gewonnen[20]. Die Erzbischöfe Hilduin (842-849) und Gunthar (863
entsetzt) werden von Sedulius gepriesen, Gunthar machte selbst Verse und
bei ihm erhielt sein Neffe Radbod, später Bischof von Utrecht, den ersten
Unterricht[21]. Willibert (870-889) ließ für sich den Codex Carolinus
abschreiben[22], und sorgte auch für die Aufbewahrung der Correspondenz,
welche durch Gunthars Entsetzung und die folgenden Ereignisse veranlaßt
war[23]. Aber von litterarischen Erzeugnissen, wozu jene kleinen Annalen
kaum zu rechnen sind, ist nichts auf uns gekommen, wenn nicht vielleicht
die Xantener Annalen hierher gehören.
Etwas mehr hat sich aus L ü tt ich erhalten, dessen später so berühmte
Schule in ihren ersten schwachen Anfängen schon jetzt hervortritt. Noch
war es ein unbedeutender Ort, als ihm der Leib des um 672 erschlagenen
Bischofs Theodard von Mastricht, welchen sein Nachfolger L andeb er t
oder L am b er t dort bestatten ließ, ein höheres Ansehen gab. An seinem
Grabe wurde Lambert selbst 708 (?) erschlagen: er hatte Pippin und seiner
Concubine Alpais Vorwürfe gemacht, Pippin war erschüttert und dachte
daran, seine rechtmäßige Gemahlin Plectrudis wieder zu sich zu nehmen, da
vollbrachte Dodo, der Bruder der Alpais, die Blutthat. Nachdem eine Kirche
dort erbaut und die Gebeine des Märtyrers feierlich erhoben waren, mußte
eine Legende geschrieben werden, aber noch fehlte es an geeigneten
Kräften. Der Autor, welcher die Ausführung nach dem Maße seiner
schwachen Kräfte in barbarischem Latein unternahm, griff zur Vita Eligii
und brachte mit starker wörtlicher Ausnutzung derselben sein Werk zu
Stande[24]. Der erbauliche Zweck ist durchaus vorherrschend. Aber noch
flüchteten, dort Aufzeichnungen vorgefunden und fortgesetzt.
In Cö ln hat Karls des Großen Erzkaplan Hildebald[18], der von
Theodulf unter dem Namen Aaron gefeiert wird, wissenschaftliche Studien
begründet. Er ließ die vom Pabst an Karl geschickten Manuscripte für seine
Kirche abschreiben; viele davon sind noch vorhanden und jetzt dem Cölner
Domcapitel zurückgegeben[19]. Es sind auch kurze Annalen daraus
gewonnen[20]. Die Erzbischöfe Hilduin (842-849) und Gunthar (863
entsetzt) werden von Sedulius gepriesen, Gunthar machte selbst Verse und
bei ihm erhielt sein Neffe Radbod, später Bischof von Utrecht, den ersten
Unterricht[21]. Willibert (870-889) ließ für sich den Codex Carolinus
abschreiben[22], und sorgte auch für die Aufbewahrung der Correspondenz,
welche durch Gunthars Entsetzung und die folgenden Ereignisse veranlaßt
war[23]. Aber von litterarischen Erzeugnissen, wozu jene kleinen Annalen
kaum zu rechnen sind, ist nichts auf uns gekommen, wenn nicht vielleicht
die Xantener Annalen hierher gehören.
Etwas mehr hat sich aus L ü tt ich erhalten, dessen später so berühmte
Schule in ihren ersten schwachen Anfängen schon jetzt hervortritt. Noch
war es ein unbedeutender Ort, als ihm der Leib des um 672 erschlagenen
Bischofs Theodard von Mastricht, welchen sein Nachfolger L andeb er t
oder L am b er t dort bestatten ließ, ein höheres Ansehen gab. An seinem
Grabe wurde Lambert selbst 708 (?) erschlagen: er hatte Pippin und seiner
Concubine Alpais Vorwürfe gemacht, Pippin war erschüttert und dachte
daran, seine rechtmäßige Gemahlin Plectrudis wieder zu sich zu nehmen, da
vollbrachte Dodo, der Bruder der Alpais, die Blutthat. Nachdem eine Kirche
dort erbaut und die Gebeine des Märtyrers feierlich erhoben waren, mußte
eine Legende geschrieben werden, aber noch fehlte es an geeigneten
Kräften. Der Autor, welcher die Ausführung nach dem Maße seiner
schwachen Kräfte in barbarischem Latein unternahm, griff zur Vita Eligii
und brachte mit starker wörtlicher Ausnutzung derselben sein Werk zu
Stande[24]. Der erbauliche Zweck ist durchaus vorherrschend. Aber noch
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regierte Karl Martell, der Sohn der Alpais, und aus Furchtsamkeit
verschwieg er den wahren Anlaß des Todes. Auch G odesscal c, ein
Lütticher Domherr, welcher auf Befehl des Bischofs Agilfrid sein Werk um
770 überarbeitete, folgt einfach seiner Vorlage und beschränkt sich auf
stilistische Verbesserung. Aber im Volke erhielt sich die Erinnerung der
That, und Ado in seinem Martyrologium hat sie kurz berichtet, vielleicht
kannte er schon eine Aufzeichnung, deren später Anselm von Lüttich
gedenkt, und deren Inhalt durch ihn überliefert, nun auch in die späteren
Bearbeitungen überging; auch schon der Verfasser einer poetischen Version
im Anfang des 10. Jahrh. deutet darauf hin. Lange Zeit ist der Hergang in
entgegengesetzter Weise aufgefaßt; man glaubte hier ein recht deutliches
Beispiel davon zu haben, wie die Legenden mit der Zeit wachsen und
tendenziös entstellt werden, bis God. Kurth in, wie mir scheint, durchaus
schlagender Weise, gestützt auf den aus einer neugefundenen Handschrift
ergänzten Text des Anselm[25], den richtigen Sachverhalt nachgewiesen
hat[26]. Dieselbe Reticenz finden wir auch in der Vit a T heo dar di,
obgleich sie erst um die Mitte des 8. Jahrhunderts geschrieben wurde[27].
Lambert aber wurde nun der Schutzheilige von Lüttich, wohin von
Mastricht der Sitz des Bisthums verlegt wurde. Auch das Leben seines
Nachfolgers, des 727 verstorbenen Bischofs H ugber t oder Huber t, ist
von einem Zeitgenossen beschrieben und noch in seiner ursprünglichen,
sehr barbarischen Form vorhanden[28], nebst dem Bericht über seine erste
Translation 743. Wie darin die Vita Arnulfi und Vita Lamberti
ausgeplündert sind, haben Demarteau und Krusch gezeigt.
Bischof Wal tcaud (810-831) übertrug 825 den h. Hubert nach dem
neugestifteten Kloster Andagium, später S aint - Hu ber t in den Ardennen,
und nun bedurfte man einer Biographie, welche den gesteigerten
Anforderungen der karolingischen Zeit genügte. Dazu gelang es ihm, den
Bischof Jo n as von Or léans zu bewegen, der zugleich auch diese neue
Translation beschrieb[29]. In der Widmung sagt Jonas zu ihm: cum assit
vobis palatina scolasticorum facundia. Doch ist das vielleicht nur Phrase,
verschwieg er den wahren Anlaß des Todes. Auch G odesscal c, ein
Lütticher Domherr, welcher auf Befehl des Bischofs Agilfrid sein Werk um
770 überarbeitete, folgt einfach seiner Vorlage und beschränkt sich auf
stilistische Verbesserung. Aber im Volke erhielt sich die Erinnerung der
That, und Ado in seinem Martyrologium hat sie kurz berichtet, vielleicht
kannte er schon eine Aufzeichnung, deren später Anselm von Lüttich
gedenkt, und deren Inhalt durch ihn überliefert, nun auch in die späteren
Bearbeitungen überging; auch schon der Verfasser einer poetischen Version
im Anfang des 10. Jahrh. deutet darauf hin. Lange Zeit ist der Hergang in
entgegengesetzter Weise aufgefaßt; man glaubte hier ein recht deutliches
Beispiel davon zu haben, wie die Legenden mit der Zeit wachsen und
tendenziös entstellt werden, bis God. Kurth in, wie mir scheint, durchaus
schlagender Weise, gestützt auf den aus einer neugefundenen Handschrift
ergänzten Text des Anselm[25], den richtigen Sachverhalt nachgewiesen
hat[26]. Dieselbe Reticenz finden wir auch in der Vit a T heo dar di,
obgleich sie erst um die Mitte des 8. Jahrhunderts geschrieben wurde[27].
Lambert aber wurde nun der Schutzheilige von Lüttich, wohin von
Mastricht der Sitz des Bisthums verlegt wurde. Auch das Leben seines
Nachfolgers, des 727 verstorbenen Bischofs H ugber t oder Huber t, ist
von einem Zeitgenossen beschrieben und noch in seiner ursprünglichen,
sehr barbarischen Form vorhanden[28], nebst dem Bericht über seine erste
Translation 743. Wie darin die Vita Arnulfi und Vita Lamberti
ausgeplündert sind, haben Demarteau und Krusch gezeigt.
Bischof Wal tcaud (810-831) übertrug 825 den h. Hubert nach dem
neugestifteten Kloster Andagium, später S aint - Hu ber t in den Ardennen,
und nun bedurfte man einer Biographie, welche den gesteigerten
Anforderungen der karolingischen Zeit genügte. Dazu gelang es ihm, den
Bischof Jo n as von Or léans zu bewegen, der zugleich auch diese neue
Translation beschrieb[29]. In der Widmung sagt Jonas zu ihm: cum assit
vobis palatina scolasticorum facundia. Doch ist das vielleicht nur Phrase,
Page 347
oder bezieht sich, wie Dümmler, Ostfr. III, 650 annimmt, auf die Hofschule.
Lüttich war eine Station für die nach Rom pilgernden Irländer, und es haben
sich noch Bittschreiben solcher Wanderer erhalten[30]. Wenn aber in dem
einen der Bittsteller, auf die Empfehlung des Kaisers, vermuthlich Karls des
Kahlen, sich berufend, mit bitterer Klage über die allzu schmale Kost, den
Brüdern der Kirche gleichgestellt zu werden wünscht, so ist auf einen
dauernden Aufenthalt und Verwendung der gelehrten Fremdlinge für den
Unterricht zu schließen.
Schon Bischof Har t gar (840-854), der Erbauer eines neuen, mit
Gemälden schön geschmückten Bischofshofes, nahm in Lüttich den Iren
S ed ul i u s und mehrere seiner Landsleute auf; wir werden sie oder ihre
Genossen in Mailand wiederfinden, und vielleicht machten sie unterwegs
Station in Salzburg. Sedulius, der Verfasser verschiedener theologischer
Werke und eines Fürstenspiegels[31], war nicht ohne mancherlei
Gelehrsamkeit und metrische Gewandtheit, des Griechischen kundig, aber
doch incorrect, oft schwülstig und dunkel, ein Freund willkürlich
neugebildeter Worte. Seine adulatorische Hofpoesie, der es zuweilen nicht
an ergötzlichem Humor fehlt, feiert Hartgar und seinen Nachfolger F r an co
(854-901), Gunther von Cöln, bei dem er sich auch einige Zeit aufgehalten
hat, Adventius von Metz, den gelehrten Markgrafen Eberhard von Friaul
und andere Zeitgenossen; auch Kaiser Lothar und dessen Familie. Ohne
Zweifel gebührt ihm und seinen Genossen ein Antheil an der späteren
Blüthe der Lütticher Schule, aber auch an der gesuchten und verkünstelten
Schreibart, welche dort lange herrschend blieb[32].
Bischof Franco erhob in E i ka (Alteneyk bei Maaseyk) die ersten
Aebtissinnen H ar l i ndis und Reini l a, welche angeblich von Willibrord
und Bonifatius geweiht waren, deren Leben bald darauf, noch vor der
Verwüstung durch die Normannen, beschrieben ist, und für den Mangel an
geschichtlichem Inhalt durch culturhistorische Züge entschädigt[33].
Lüttich war eine Station für die nach Rom pilgernden Irländer, und es haben
sich noch Bittschreiben solcher Wanderer erhalten[30]. Wenn aber in dem
einen der Bittsteller, auf die Empfehlung des Kaisers, vermuthlich Karls des
Kahlen, sich berufend, mit bitterer Klage über die allzu schmale Kost, den
Brüdern der Kirche gleichgestellt zu werden wünscht, so ist auf einen
dauernden Aufenthalt und Verwendung der gelehrten Fremdlinge für den
Unterricht zu schließen.
Schon Bischof Har t gar (840-854), der Erbauer eines neuen, mit
Gemälden schön geschmückten Bischofshofes, nahm in Lüttich den Iren
S ed ul i u s und mehrere seiner Landsleute auf; wir werden sie oder ihre
Genossen in Mailand wiederfinden, und vielleicht machten sie unterwegs
Station in Salzburg. Sedulius, der Verfasser verschiedener theologischer
Werke und eines Fürstenspiegels[31], war nicht ohne mancherlei
Gelehrsamkeit und metrische Gewandtheit, des Griechischen kundig, aber
doch incorrect, oft schwülstig und dunkel, ein Freund willkürlich
neugebildeter Worte. Seine adulatorische Hofpoesie, der es zuweilen nicht
an ergötzlichem Humor fehlt, feiert Hartgar und seinen Nachfolger F r an co
(854-901), Gunther von Cöln, bei dem er sich auch einige Zeit aufgehalten
hat, Adventius von Metz, den gelehrten Markgrafen Eberhard von Friaul
und andere Zeitgenossen; auch Kaiser Lothar und dessen Familie. Ohne
Zweifel gebührt ihm und seinen Genossen ein Antheil an der späteren
Blüthe der Lütticher Schule, aber auch an der gesuchten und verkünstelten
Schreibart, welche dort lange herrschend blieb[32].
Bischof Franco erhob in E i ka (Alteneyk bei Maaseyk) die ersten
Aebtissinnen H ar l i ndis und Reini l a, welche angeblich von Willibrord
und Bonifatius geweiht waren, deren Leben bald darauf, noch vor der
Verwüstung durch die Normannen, beschrieben ist, und für den Mangel an
geschichtlichem Inhalt durch culturhistorische Züge entschädigt[33].
Page 348
Einen merkwürdigen Mann finden wir in der zweiten Hälfte des
neunten Jahrhunderts in der Brüderschaft der Klöster Stablo und Malmédy,
C hr i stian, nach Sigebert aus Aquitanien stammend, einen würdigen
Vertreter karolingischer Bildung. Mit umfassender Gelehrsamkeit, auch der
griechischen Sprache nicht unkundig, hat er mit merkwürdig freier
Denkweise und nüchterner Verständigkeit einen Commentar zum Matthaeus
geschrieben, aus welchem Dümmler allerlei für die Zeitgeschichte
lehrreiche Aeußerungen zusammengestellt hat[34]. Ausserdem besitzen wir
eine bald nach 850 geschriebene Beschreibung der Wunderthaten des h.
Remaclus, zu welcher, nachdem das Kloster von der Zerstörung durch die
Normannen 881 sich erholt hatte, weitere Zusätze gemacht sind[35].
Außer der kurzen, vom Probst L iu thar d verfaßten Erzählung von der
Ueber t r agun g d es h. Justus bald nach 900 nach Mal m édy[36] ist
schließlich nur noch die B isth um sgeschi ch te v on Ver dun[37] zu
erwähnen, von Ber t har, der erste Versuch einer Localgeschichte, an denen
später Lothringen so reich war, nach der traurigen Zeit der feindlichen
Verwüstungen, denn der Verfasser schrieb erst nach dem Brande der
Domkirche im Jahre 916 oder 917; sein Werk reicht aber nur bis in die Zeit
des Kaisers Arnulf und ist wegen des fast gänzlichen Mangels an älteren
Quellen sehr dürftig[38]. Veranlaßt war er zu seinem Unternehmen durch
den Bischof Dad o (880-923), den Freund Salomons III von Constanz, von
dessen eigenen Aufzeichnungen über seine und seiner Vorgänger
Geschichte ein Fragment sich erhalten hat. Aus Metz besitzen wir Briefe
und ein Epitaphium des Bischofs A dven tius (858-875), den auch Sedulius
gepriesen hat[39]; aus Toul sind uns einige Briefe des Bischofs F r ot h ar
(813-848) erhalten[40].
[1] Außer verschiedenen Schriften kirchlichen Inhalts (s. NA. XIII, 305-323, XVII,
456) schrieb er nach der Gesandtschaftsreise, die er 813 mit Abt Peter von Nonantula
nach Constantinopel unternahm, die dunkeln und in der Ueberlieferung verderbten
Versus marini, gedruckt in Alcuins Werken, ed. Froben II, 525; Jaffé, Bibl. IV, 426;
Dümmler, Poet. Lat. I, 426.
neunten Jahrhunderts in der Brüderschaft der Klöster Stablo und Malmédy,
C hr i stian, nach Sigebert aus Aquitanien stammend, einen würdigen
Vertreter karolingischer Bildung. Mit umfassender Gelehrsamkeit, auch der
griechischen Sprache nicht unkundig, hat er mit merkwürdig freier
Denkweise und nüchterner Verständigkeit einen Commentar zum Matthaeus
geschrieben, aus welchem Dümmler allerlei für die Zeitgeschichte
lehrreiche Aeußerungen zusammengestellt hat[34]. Ausserdem besitzen wir
eine bald nach 850 geschriebene Beschreibung der Wunderthaten des h.
Remaclus, zu welcher, nachdem das Kloster von der Zerstörung durch die
Normannen 881 sich erholt hatte, weitere Zusätze gemacht sind[35].
Außer der kurzen, vom Probst L iu thar d verfaßten Erzählung von der
Ueber t r agun g d es h. Justus bald nach 900 nach Mal m édy[36] ist
schließlich nur noch die B isth um sgeschi ch te v on Ver dun[37] zu
erwähnen, von Ber t har, der erste Versuch einer Localgeschichte, an denen
später Lothringen so reich war, nach der traurigen Zeit der feindlichen
Verwüstungen, denn der Verfasser schrieb erst nach dem Brande der
Domkirche im Jahre 916 oder 917; sein Werk reicht aber nur bis in die Zeit
des Kaisers Arnulf und ist wegen des fast gänzlichen Mangels an älteren
Quellen sehr dürftig[38]. Veranlaßt war er zu seinem Unternehmen durch
den Bischof Dad o (880-923), den Freund Salomons III von Constanz, von
dessen eigenen Aufzeichnungen über seine und seiner Vorgänger
Geschichte ein Fragment sich erhalten hat. Aus Metz besitzen wir Briefe
und ein Epitaphium des Bischofs A dven tius (858-875), den auch Sedulius
gepriesen hat[39]; aus Toul sind uns einige Briefe des Bischofs F r ot h ar
(813-848) erhalten[40].
[1] Außer verschiedenen Schriften kirchlichen Inhalts (s. NA. XIII, 305-323, XVII,
456) schrieb er nach der Gesandtschaftsreise, die er 813 mit Abt Peter von Nonantula
nach Constantinopel unternahm, die dunkeln und in der Ueberlieferung verderbten
Versus marini, gedruckt in Alcuins Werken, ed. Froben II, 525; Jaffé, Bibl. IV, 426;
Dümmler, Poet. Lat. I, 426.
Page 349
[2] Herausgegeben von Dr. Nolte im Jahresbericht d. Ges. f. nützl. Forsch. in Trier f.
1872/73 (1874) S. 50-58.
[3] Baehr S. 184-186. 535-538. Dümmler in der Vorrede zur Uebersetzung der
Chronik. H. Ermisch, Die Chronik des Regino bis 813, Gött. 1872. Vergl. unten → S.
260.
[4] Vgl. darüber B. Simson, Ludwig d. Fr. II, 63 Anm. 2.
[5] Die werthlose alte Vita S. Goaris bei Mab. II, 276-280; dann folgt die von
Wandalbert mit den Wundern. Miracula S. Goaris, ed. Holder-Egger, SS. XV, 361-
373, mit der Vorrede der Vita.
[6] S. über ihn Dümmler, NA. IV, 305-312; Ebert II, 185-191; das Martyrol. Poet. II,
567-622. Die von Rettberg bezweifelten Verse über die Cölner Märtyrerinnen sind
sicher echt. Uebersetzung der Verse über die Monate von Paul Herzsohn in d. Westd.
Zts. 1, 277-290.
[7] Historia translationis Chrisanthi et Dariae, Mab. IV, 1, 611-618. Acta SS. Oct.
XI, 490-495 ed. B. Bossue, Annalen f. d. Gesch. d. Niederrheins XX, 96-217, Ausg.
u. Abhdlg. von Floß. Auszug MG. SS. XV, 373. 374.
[8] Translatio S. Reginae bei Mab. IV, 2, 238, Acta SS. Sept. III, 40, nebst einer Urk.
Eigils über eine daran sich schließende Stiftung zu Corbiniacum. Auszug v. Holder-
Egger SS. XV, 1, 449-451.
[9] Annales Prumienses a. 122-1044 ed. O. Holder-Egger, SS. XV, 2, 1289-1292. Es
folgen noch Ann. Prum. brevissimi a. 906-919. 1226 bis 1238. Vgl. F. Kurze, NA.
XV, 318.
[10] Weil sein Grabstein da gefunden ist, hat man geglaubt, daß er in diesem Kloster
Aufnahme gefunden habe, aber es lag damals nach der Verwüstung durch die
Normannen in Trümmern.
[11] Vita S. Magnerici, MG. SS. VIII, 208; vgl. Archiv III, 291. Regino soll nach
späteren Aufzeichnungen aus Altrip am Rhein gebürtig sein.
[12] Gedruckt, doch ohne den tonarius, bei Gerbert, SS. eccl. de musica sacra I, 230-
247. Neue Ausg. mit Facs. des tonarius bei Coussemaker, Scriptores de Musica Medii
Aevi Paris (1867) II, 1-73. Hs. s. X. in Brüssel 2751, nach Dümmler. Die Schrift war
für den Erzbischof, als gelehrten Musiker, und für tüchtige Sänger bestimmt, nicht
für Walcaud: frustra enim lyra asino canitur. — Walcaud presb. im Cal. S. Maximini
zum 10. August, Archiv XI, 290. Vgl. W. Brambach: Die Musiklitteratur des
Mittelalters bis zur Blüthe der Reichenauer Sängerschule (500-1050) 1883.
[13] Reginonis libri duo de synodalibus causis et disciplinis ecclesiasticis, ed.
Wasserschleben, Lips. 1840.
[14] Reginonis Chronicon, ed. Pertz, MG. I, 536-612. Ausg. von Fr. Kurze 1890, 8.
Vgl. von dems. Ueberlieferung u. Quellen der Chronik Regino's u. seines Fortsetzers,
NA. XV, 293-330. Uebersetzung von Dümmler, 1857. 1890. Geschichtschr. IX, 12,
Bd. 27. Ueber Benutzung des Justin s. Rühl, Verbreitung des Justin im Mittelalter, S.
12-14. ← Von der Fortsetzung s. unten → III, 6.
[15] Die Actenstücke hierüber und besonders über die nach Gunthars Absetzung am
7. Jan. 870 vollzogene Wahl Williberts von Cöln sind vermehrt durch die von Floß,
Die Pabstwahl unter den Ottonen, Urkunden S. 24-102 herausgegebenen Schreiben.
— Dümmler, Ostfr. III, S. 170, giebt aus einer Londoner Handschrift der Chronik des
Regino die von Lappenberg entdeckte Grabschrift des Grafen Heinrich († 886); jetzt
auch in d. Ausgabe v. Kurze. S. 126. ←
1872/73 (1874) S. 50-58.
[3] Baehr S. 184-186. 535-538. Dümmler in der Vorrede zur Uebersetzung der
Chronik. H. Ermisch, Die Chronik des Regino bis 813, Gött. 1872. Vergl. unten → S.
260.
[4] Vgl. darüber B. Simson, Ludwig d. Fr. II, 63 Anm. 2.
[5] Die werthlose alte Vita S. Goaris bei Mab. II, 276-280; dann folgt die von
Wandalbert mit den Wundern. Miracula S. Goaris, ed. Holder-Egger, SS. XV, 361-
373, mit der Vorrede der Vita.
[6] S. über ihn Dümmler, NA. IV, 305-312; Ebert II, 185-191; das Martyrol. Poet. II,
567-622. Die von Rettberg bezweifelten Verse über die Cölner Märtyrerinnen sind
sicher echt. Uebersetzung der Verse über die Monate von Paul Herzsohn in d. Westd.
Zts. 1, 277-290.
[7] Historia translationis Chrisanthi et Dariae, Mab. IV, 1, 611-618. Acta SS. Oct.
XI, 490-495 ed. B. Bossue, Annalen f. d. Gesch. d. Niederrheins XX, 96-217, Ausg.
u. Abhdlg. von Floß. Auszug MG. SS. XV, 373. 374.
[8] Translatio S. Reginae bei Mab. IV, 2, 238, Acta SS. Sept. III, 40, nebst einer Urk.
Eigils über eine daran sich schließende Stiftung zu Corbiniacum. Auszug v. Holder-
Egger SS. XV, 1, 449-451.
[9] Annales Prumienses a. 122-1044 ed. O. Holder-Egger, SS. XV, 2, 1289-1292. Es
folgen noch Ann. Prum. brevissimi a. 906-919. 1226 bis 1238. Vgl. F. Kurze, NA.
XV, 318.
[10] Weil sein Grabstein da gefunden ist, hat man geglaubt, daß er in diesem Kloster
Aufnahme gefunden habe, aber es lag damals nach der Verwüstung durch die
Normannen in Trümmern.
[11] Vita S. Magnerici, MG. SS. VIII, 208; vgl. Archiv III, 291. Regino soll nach
späteren Aufzeichnungen aus Altrip am Rhein gebürtig sein.
[12] Gedruckt, doch ohne den tonarius, bei Gerbert, SS. eccl. de musica sacra I, 230-
247. Neue Ausg. mit Facs. des tonarius bei Coussemaker, Scriptores de Musica Medii
Aevi Paris (1867) II, 1-73. Hs. s. X. in Brüssel 2751, nach Dümmler. Die Schrift war
für den Erzbischof, als gelehrten Musiker, und für tüchtige Sänger bestimmt, nicht
für Walcaud: frustra enim lyra asino canitur. — Walcaud presb. im Cal. S. Maximini
zum 10. August, Archiv XI, 290. Vgl. W. Brambach: Die Musiklitteratur des
Mittelalters bis zur Blüthe der Reichenauer Sängerschule (500-1050) 1883.
[13] Reginonis libri duo de synodalibus causis et disciplinis ecclesiasticis, ed.
Wasserschleben, Lips. 1840.
[14] Reginonis Chronicon, ed. Pertz, MG. I, 536-612. Ausg. von Fr. Kurze 1890, 8.
Vgl. von dems. Ueberlieferung u. Quellen der Chronik Regino's u. seines Fortsetzers,
NA. XV, 293-330. Uebersetzung von Dümmler, 1857. 1890. Geschichtschr. IX, 12,
Bd. 27. Ueber Benutzung des Justin s. Rühl, Verbreitung des Justin im Mittelalter, S.
12-14. ← Von der Fortsetzung s. unten → III, 6.
[15] Die Actenstücke hierüber und besonders über die nach Gunthars Absetzung am
7. Jan. 870 vollzogene Wahl Williberts von Cöln sind vermehrt durch die von Floß,
Die Pabstwahl unter den Ottonen, Urkunden S. 24-102 herausgegebenen Schreiben.
— Dümmler, Ostfr. III, S. 170, giebt aus einer Londoner Handschrift der Chronik des
Regino die von Lappenberg entdeckte Grabschrift des Grafen Heinrich († 886); jetzt
auch in d. Ausgabe v. Kurze. S. 126. ←
Page 350
[16] Harttung, Forsch. XVIII, 362-368.
[17] Annales Xantenses ed. Pertz, MG. II, 217-235. Uebers. bei den Fulder Annalen.
Hans Steffen: Beiträge zur Kritik d. X. Annalen, NA. XIV, 87-109. Der Anfang 640
bis 789 ist jüngeren Ursprungs, von einem Mönch des Klosters Egmond, von wo die
Hs. stammt, und nach Bonnell, Anfänge S. 149, aus Sigebert genommen, mit
Einschaltungen aus Regino und Legenden. Bestätigend Oelsner, Pippin S. 518. Doch
vgl. B. Simson, NA. II, 628; Waitz ib. V, 493. Ueber die Ortsbezeichnung
Gronneorum s. Meyer von Knonau über Nithard S. 143. — Kirchweihnotizen aus
Xanten 1081-1411 als Notae S. Victoris Xant. MG. SS. XIII, 43-45.
[18] Die Angaben über sein Sterbejahr schwanken zwischen 818 u. 819, Sept. 3. B.
Simson, Ludw. d. Fr. S. 232 für 818.
[19] Hartzheim, Catal. bibl. Colon. (Col. 1752); cf. Archiv VIII, 617 ff. Rettberg I,
540. Jaffé et Wattenbach, Ecclesiae Colon. Codices manuscripti, Berol. 1874; vgl.
das Verz. der „libri praestiti de armario S. Petri“ saec. XI, ed. Dümmler e cod. Ampl.
64, Zeitschr. f. D. Alt. XIX, 466.
[20] Davon gehören hierher Ann. S. Petri Coloniensis 798. 810-818, nur einzelne
Notizen e cod. 83 II, MG. SS. XVI, 730, Codd. p. 29. 30, und bei Krusch, Studien
zur christlich-mittelalterlichen Chronologie (Leipz. 1880) S. 197. Ann. Col.
brevissimi 814-870, I, 97 aus Eckh. Comm. de rebus Franciae orientalis.
[21] Dümmler, Ostfr. II, 10. Höchst wahrscheinlich ist er der Gunthar, dem
Meginhard ein Werk widmete, s. oben S. 240. Ein gleichzeitiges Gedicht in roher
Form zum Preise Gunthars e cod. S. Galli 904 ed. Dümmler im Anz. d. Germ. Mus.
XVIII, 10; vgl. NA. IV, 319; wiederholt von Traube, Poet. Lat. III, 239.
[22] Jaffé, Bibl. IV, 2. Auch im Wiener Cod. der Bonifaz. Briefe ist eine auf
Williberts Weihe bezügliche Notiz, Bibl. III, 11.
[23] S. oben S. 261 Anm.→1. Zu der bei Floß, Urkk. S. 124, erwähnten Verwüstung
durch die Normannen 881 ist zu bemerken, daß nomina die Reliquien sind.
[24] Nachgewiesen von Kurth in der gleich zu erwähnenden Schrift, ←1 S. 102-112;
es ergibt sich daraus auch, daß die Translation und Mirakel von dems. Vf. sind. Als
diese älteste Vita Lamberti ←2 betrachtet Kurth die bei Mabillon, Act. III, 1, 69-76,
gedruckte, welche bisher Godesscalc zugeschrieben wurde. Vgl. Fr. Scheibelberger:
Die älteste Vita S. Lantperti, Oest. Vierteljahrsschrift f. Kath. Theol. (1871) X, 222-
224, über den älteren einfacheren Text eines Linzer Codex. NA. II, 256 über den
Brüsseler Cod. 9368. — Ein Plagiat der V. Lamberti ist die älteste V. Remaeli, wie
Kurth nachgewiesen hat im Bulletin de la Commission roy. d'histoire, 4. Série, tome
III, n. 3.
[25] In Anselms c. 8, MG. SS. VII, 195, muß es am Schluß der aus Regino (der aus
Ado schöpfte) entlehnten Stelle: „ab iniquissimo Dodone et aliis viris de palatio
missis improvise conclusus intra domum ecclesiae in Leodio vico occiditur“ heissen:
Qua vero de causa regiam domum increpaverit, sic habet adhuc alterius scripturae
relatio nobis a prioribus relicta u. s. w. Notice sur un manuscrit d'Hariger et
d'Anselme conservé à l'abbaye d'Averbode. Bull. de la Comm. roy. 4. Série, II, n. 7.
Kurth vermuthet eine Aufzeichnung in Stablo, wo Lambert früher, als er aus
Mastricht vertrieben war, eine Zuflucht gefunden hatte; keine Vita Lamberti.
[26] Étude critique sur S. Lambert et son premier biographe. Mém. couronné. Anvers
1876.
[27] Kurth, Étude, p. 67 ff.
[17] Annales Xantenses ed. Pertz, MG. II, 217-235. Uebers. bei den Fulder Annalen.
Hans Steffen: Beiträge zur Kritik d. X. Annalen, NA. XIV, 87-109. Der Anfang 640
bis 789 ist jüngeren Ursprungs, von einem Mönch des Klosters Egmond, von wo die
Hs. stammt, und nach Bonnell, Anfänge S. 149, aus Sigebert genommen, mit
Einschaltungen aus Regino und Legenden. Bestätigend Oelsner, Pippin S. 518. Doch
vgl. B. Simson, NA. II, 628; Waitz ib. V, 493. Ueber die Ortsbezeichnung
Gronneorum s. Meyer von Knonau über Nithard S. 143. — Kirchweihnotizen aus
Xanten 1081-1411 als Notae S. Victoris Xant. MG. SS. XIII, 43-45.
[18] Die Angaben über sein Sterbejahr schwanken zwischen 818 u. 819, Sept. 3. B.
Simson, Ludw. d. Fr. S. 232 für 818.
[19] Hartzheim, Catal. bibl. Colon. (Col. 1752); cf. Archiv VIII, 617 ff. Rettberg I,
540. Jaffé et Wattenbach, Ecclesiae Colon. Codices manuscripti, Berol. 1874; vgl.
das Verz. der „libri praestiti de armario S. Petri“ saec. XI, ed. Dümmler e cod. Ampl.
64, Zeitschr. f. D. Alt. XIX, 466.
[20] Davon gehören hierher Ann. S. Petri Coloniensis 798. 810-818, nur einzelne
Notizen e cod. 83 II, MG. SS. XVI, 730, Codd. p. 29. 30, und bei Krusch, Studien
zur christlich-mittelalterlichen Chronologie (Leipz. 1880) S. 197. Ann. Col.
brevissimi 814-870, I, 97 aus Eckh. Comm. de rebus Franciae orientalis.
[21] Dümmler, Ostfr. II, 10. Höchst wahrscheinlich ist er der Gunthar, dem
Meginhard ein Werk widmete, s. oben S. 240. Ein gleichzeitiges Gedicht in roher
Form zum Preise Gunthars e cod. S. Galli 904 ed. Dümmler im Anz. d. Germ. Mus.
XVIII, 10; vgl. NA. IV, 319; wiederholt von Traube, Poet. Lat. III, 239.
[22] Jaffé, Bibl. IV, 2. Auch im Wiener Cod. der Bonifaz. Briefe ist eine auf
Williberts Weihe bezügliche Notiz, Bibl. III, 11.
[23] S. oben S. 261 Anm.→1. Zu der bei Floß, Urkk. S. 124, erwähnten Verwüstung
durch die Normannen 881 ist zu bemerken, daß nomina die Reliquien sind.
[24] Nachgewiesen von Kurth in der gleich zu erwähnenden Schrift, ←1 S. 102-112;
es ergibt sich daraus auch, daß die Translation und Mirakel von dems. Vf. sind. Als
diese älteste Vita Lamberti ←2 betrachtet Kurth die bei Mabillon, Act. III, 1, 69-76,
gedruckte, welche bisher Godesscalc zugeschrieben wurde. Vgl. Fr. Scheibelberger:
Die älteste Vita S. Lantperti, Oest. Vierteljahrsschrift f. Kath. Theol. (1871) X, 222-
224, über den älteren einfacheren Text eines Linzer Codex. NA. II, 256 über den
Brüsseler Cod. 9368. — Ein Plagiat der V. Lamberti ist die älteste V. Remaeli, wie
Kurth nachgewiesen hat im Bulletin de la Commission roy. d'histoire, 4. Série, tome
III, n. 3.
[25] In Anselms c. 8, MG. SS. VII, 195, muß es am Schluß der aus Regino (der aus
Ado schöpfte) entlehnten Stelle: „ab iniquissimo Dodone et aliis viris de palatio
missis improvise conclusus intra domum ecclesiae in Leodio vico occiditur“ heissen:
Qua vero de causa regiam domum increpaverit, sic habet adhuc alterius scripturae
relatio nobis a prioribus relicta u. s. w. Notice sur un manuscrit d'Hariger et
d'Anselme conservé à l'abbaye d'Averbode. Bull. de la Comm. roy. 4. Série, II, n. 7.
Kurth vermuthet eine Aufzeichnung in Stablo, wo Lambert früher, als er aus
Mastricht vertrieben war, eine Zuflucht gefunden hatte; keine Vita Lamberti.
[26] Étude critique sur S. Lambert et son premier biographe. Mém. couronné. Anvers
1876.
[27] Kurth, Étude, p. 67 ff.
Page 351
[28] W. Arndt, Kleine Denkmäler aus der Merowingerzeit (1874) S. 52 bis 70. Ausg.
von De Smedt, Acta SS. Nov. I; vgl. Krusch, HZ. LXV, 103-105.
[29] Translatio S. Huberti, Mab. IV, 1, 295 (278 ed. Ven.). Vorrede zu dem ganzen
Werk Forsch. VI, 126, und bei Arndt a. a. O. nebst Inhaltsverzeichniß u. Translatio, S.
70-82; Transl. MG. SS. XV, 234-237, von L. v. Heinemann. Ueber Jonas s. Ebert II,
225-230. Seine Schriften de institutione laicali und de institutione regia (834 für K.
Pippin verfaßt) sind sehr lehrreich für die Kenntniß der damaligen Zustände; vgl.
darüber B. Simson, Ludwig d. Fr. I, 381; K. Amelung, Leben u. Schriften des Bisch.
Jonas v. Orléans, Progr. d. Vitzthumschen Gymn. zu Dresden 1888 (NA. XIV, 219).
[30] Dümmler, NA. XIII, 360-369, aus d. Zeit d. Bischofs Franco.
[31] Sedulii liber de rectoribus christianis, ed. A. Mai, Spicil. Rom. VIII, 1-69. Nach
Dümmlers Vermuthung vielleicht für Lothar II bestimmt; ältere Hss., welche die
Entstehung nach Ludwigs d. Fr. Tod bestätigen, NA. III, 188. Entlehnungen aus der
Hist. Aug. stammen nach Mommsen im Hermes XIII, 298-301, aus der Sammlung
von Excerpten, welche sich in einer Cusaner Hs. erhalten hat. — Vgl. Ebert II, 191-
202; Dümmler, NA. IV, 315-320.
[32] Nachdem die Gedichte des Sedulius von Dümmler, Grosse, Pirenne einzeln
herausgegeben waren, sind sie jetzt vereinigt von Traube, Poet. Lat. III, 151-237, und
über die sehr merkwürdige Persönlichkeit des Sedulius handelt ders. in O. Roma
nobilis, S. 338 ff.
[33] Acta SS. Mart. III, 386-392, und daraus Mab. III, 1, 654-663. Ueber die
Bestätigung der Nachrichten durch Denkmäler Friedrich, Kirchengeschichte II, 346.
[34] Ueber Chr. von Stavelot u. seine Auslegung zum Matthaeus, Berl. SB. 1890, S.
935-952.
[35] Ex Miraculis S. Remacli Stabulensibus, ed. O. Holder-Egger, SS. XV, 1, 431-
443.
[36] Martene. Coll. VI, 833; MG. SS. XV, 1, 566. Spät geschrieben und fabelhaft ist
die Translatio S. Quirini Malmundarium, angeblich 808, mit einem fingirten Briefe
Hildebalds von Cöln an Karl den Großen. Mart. Thes. III, 1685-1690.
[37] Bertharii Gesta episcoporum Virdunensium, ed. Waitz, MG. SS. IV, 36.
Benutzung von Fortunats Gedichten NA. XII, 591. Nomina epp. Virdun. SS. XIII,
307.
[38] Ueber die fabelhafte Vita S. Mengoldi s. oben 1→S. 174.
[39] Poet. Lat. III, 225. Ueber Adventius s. Baehr S. 110; aus einer Briefsammlung,
die sich auf Lothars II Ehehandel bezieht, sind bei Baronius noch mehr Briefe, alle
von Dümmler sorgfältig benutzt und angeführt. — NA. IV, 526.
[40] Du Chesne II, 712-723. Bouquet VI, 386-397. Vgl. Ch. Pfister in Annales de
l'Est 1890, S. 261 ff.
von De Smedt, Acta SS. Nov. I; vgl. Krusch, HZ. LXV, 103-105.
[29] Translatio S. Huberti, Mab. IV, 1, 295 (278 ed. Ven.). Vorrede zu dem ganzen
Werk Forsch. VI, 126, und bei Arndt a. a. O. nebst Inhaltsverzeichniß u. Translatio, S.
70-82; Transl. MG. SS. XV, 234-237, von L. v. Heinemann. Ueber Jonas s. Ebert II,
225-230. Seine Schriften de institutione laicali und de institutione regia (834 für K.
Pippin verfaßt) sind sehr lehrreich für die Kenntniß der damaligen Zustände; vgl.
darüber B. Simson, Ludwig d. Fr. I, 381; K. Amelung, Leben u. Schriften des Bisch.
Jonas v. Orléans, Progr. d. Vitzthumschen Gymn. zu Dresden 1888 (NA. XIV, 219).
[30] Dümmler, NA. XIII, 360-369, aus d. Zeit d. Bischofs Franco.
[31] Sedulii liber de rectoribus christianis, ed. A. Mai, Spicil. Rom. VIII, 1-69. Nach
Dümmlers Vermuthung vielleicht für Lothar II bestimmt; ältere Hss., welche die
Entstehung nach Ludwigs d. Fr. Tod bestätigen, NA. III, 188. Entlehnungen aus der
Hist. Aug. stammen nach Mommsen im Hermes XIII, 298-301, aus der Sammlung
von Excerpten, welche sich in einer Cusaner Hs. erhalten hat. — Vgl. Ebert II, 191-
202; Dümmler, NA. IV, 315-320.
[32] Nachdem die Gedichte des Sedulius von Dümmler, Grosse, Pirenne einzeln
herausgegeben waren, sind sie jetzt vereinigt von Traube, Poet. Lat. III, 151-237, und
über die sehr merkwürdige Persönlichkeit des Sedulius handelt ders. in O. Roma
nobilis, S. 338 ff.
[33] Acta SS. Mart. III, 386-392, und daraus Mab. III, 1, 654-663. Ueber die
Bestätigung der Nachrichten durch Denkmäler Friedrich, Kirchengeschichte II, 346.
[34] Ueber Chr. von Stavelot u. seine Auslegung zum Matthaeus, Berl. SB. 1890, S.
935-952.
[35] Ex Miraculis S. Remacli Stabulensibus, ed. O. Holder-Egger, SS. XV, 1, 431-
443.
[36] Martene. Coll. VI, 833; MG. SS. XV, 1, 566. Spät geschrieben und fabelhaft ist
die Translatio S. Quirini Malmundarium, angeblich 808, mit einem fingirten Briefe
Hildebalds von Cöln an Karl den Großen. Mart. Thes. III, 1685-1690.
[37] Bertharii Gesta episcoporum Virdunensium, ed. Waitz, MG. SS. IV, 36.
Benutzung von Fortunats Gedichten NA. XII, 591. Nomina epp. Virdun. SS. XIII,
307.
[38] Ueber die fabelhafte Vita S. Mengoldi s. oben 1→S. 174.
[39] Poet. Lat. III, 225. Ueber Adventius s. Baehr S. 110; aus einer Briefsammlung,
die sich auf Lothars II Ehehandel bezieht, sind bei Baronius noch mehr Briefe, alle
von Dümmler sorgfältig benutzt und angeführt. — NA. IV, 526.
[40] Du Chesne II, 712-723. Bouquet VI, 386-397. Vgl. Ch. Pfister in Annales de
l'Est 1890, S. 261 ff.
Page 352
§ 18. Schwaben. [ ← ]
Stälin I, 235-240. Baehr S. 118-122. Ild. v. Arx, Geschichte von St. Gallen. Weidmann, Geschichte
der Bibliothek von St. Gallen, 1841. G. Scherrer, Verz. der Handschriften d. Stiftsbibl. Halle
1875. F. Keller, Bilder und Schriftzüge in den irischen Manuscripten der Schweizer
Bibliotheken, in den Mittheilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich VII, 3. 1851.
Dümmler, Das Formelbuch des Bischofs Salomo III von Constanz, 1857. Derselbe, St. Gallische
Denkmale aus der Karolinger Zeit, Mittheilungen der Antiquarischen Gesellschaft XII, 6. 1859.
G. Meier, Gesch. d. Schule von St. G. im Mittelalter, im Jahrb. f. Schweizer Gesch. X. St.
Gallische Geschichtsquellen, neu herausgeg. v. G. Meyer von Knonau. 1870-1877. Rec. von
Dümmler, HZ. XXXVIII, 327-343. Uebers. von Ekk. Casus nebst Proben aus den übrigen
Theilen, von M. v. Knonau, 1878, Geschichtschr. 38 (X, 11). Ueber Sanct-gall.
Formelsammlungen Zeumer, NA. VIII, 505-553.
Wenden wir unsern Blick nach dem Süden Deutschlands, so zieht vor
allem S t . G all en unsere Aufmerksamkeit auf sich, nebst dem nahe
gelegenen R ei ch enau. Hatten wir früher schon in dem alten Leben des
heiligen Gall wenigstens einen ersten Versuch litterarischer Thätigkeit zu
erwähnen, so finden wir nun auch hier einen Schüler Alcuins, Grimald, als
Abt (841-872); Sanctgaller Mönche, wie Werinbert und Hartmut, Otfrids
Mitschüler, besuchen, wie es scheint, die berühmte Schule des Klosters
Fulda, und Hrabans Schüler Walahfrid wird Abt von Reichenau (842-849).
Hierzu kommt noch der Unterricht gelehrter Iren, welche auch die Kenntniß
des Griechischen hier heimisch machen, während der lebhafte Verkehr mit
Italien nicht minder anregend wirkt. Die Sanctgaller Schule war vielleicht
von allen die bedeutendste, und glücklicher Weise besitzen wir zugleich von
ihr das lebendigste Bild in der reichhaltigen Klosterchronik[1], welche von
verschiedenen Verfassern bis 1330 fortgeführt wurde. Die Schule war hier
lange Zeit der Mittelpunkt des Klosterlebens, der Stolz und die Freude der
Sanctgaller Mönche, und die Lebensnachrichten von den bedeutenderen
Lehrern nebst mannigfachen Schulgeschichten verschiedener Art nehmen
einen sehr hervorragenden Raum in der Chronik ein. Doch die
Aufzeichnung dieses Theiles derselben gehört einer späteren Zeit an; von
Ekkehard (IV) im elften Jahrhundert nach mündlicher Ueberlieferung
Stälin I, 235-240. Baehr S. 118-122. Ild. v. Arx, Geschichte von St. Gallen. Weidmann, Geschichte
der Bibliothek von St. Gallen, 1841. G. Scherrer, Verz. der Handschriften d. Stiftsbibl. Halle
1875. F. Keller, Bilder und Schriftzüge in den irischen Manuscripten der Schweizer
Bibliotheken, in den Mittheilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich VII, 3. 1851.
Dümmler, Das Formelbuch des Bischofs Salomo III von Constanz, 1857. Derselbe, St. Gallische
Denkmale aus der Karolinger Zeit, Mittheilungen der Antiquarischen Gesellschaft XII, 6. 1859.
G. Meier, Gesch. d. Schule von St. G. im Mittelalter, im Jahrb. f. Schweizer Gesch. X. St.
Gallische Geschichtsquellen, neu herausgeg. v. G. Meyer von Knonau. 1870-1877. Rec. von
Dümmler, HZ. XXXVIII, 327-343. Uebers. von Ekk. Casus nebst Proben aus den übrigen
Theilen, von M. v. Knonau, 1878, Geschichtschr. 38 (X, 11). Ueber Sanct-gall.
Formelsammlungen Zeumer, NA. VIII, 505-553.
Wenden wir unsern Blick nach dem Süden Deutschlands, so zieht vor
allem S t . G all en unsere Aufmerksamkeit auf sich, nebst dem nahe
gelegenen R ei ch enau. Hatten wir früher schon in dem alten Leben des
heiligen Gall wenigstens einen ersten Versuch litterarischer Thätigkeit zu
erwähnen, so finden wir nun auch hier einen Schüler Alcuins, Grimald, als
Abt (841-872); Sanctgaller Mönche, wie Werinbert und Hartmut, Otfrids
Mitschüler, besuchen, wie es scheint, die berühmte Schule des Klosters
Fulda, und Hrabans Schüler Walahfrid wird Abt von Reichenau (842-849).
Hierzu kommt noch der Unterricht gelehrter Iren, welche auch die Kenntniß
des Griechischen hier heimisch machen, während der lebhafte Verkehr mit
Italien nicht minder anregend wirkt. Die Sanctgaller Schule war vielleicht
von allen die bedeutendste, und glücklicher Weise besitzen wir zugleich von
ihr das lebendigste Bild in der reichhaltigen Klosterchronik[1], welche von
verschiedenen Verfassern bis 1330 fortgeführt wurde. Die Schule war hier
lange Zeit der Mittelpunkt des Klosterlebens, der Stolz und die Freude der
Sanctgaller Mönche, und die Lebensnachrichten von den bedeutenderen
Lehrern nebst mannigfachen Schulgeschichten verschiedener Art nehmen
einen sehr hervorragenden Raum in der Chronik ein. Doch die
Aufzeichnung dieses Theiles derselben gehört einer späteren Zeit an; von
Ekkehard (IV) im elften Jahrhundert nach mündlicher Ueberlieferung
Page 353
aufgezeichnet, ist er in allen Einzelheiten unzuverlässig, giebt aber doch ein
culturhistorisch unschätzbares, im Gesammteindruck auch sicher
zutreffendes Bild. Der erste Theil dagegen bis zum Jahre 883, von Ratpert
verfaßt, ist erfüllt von den äußeren Schicksalen des Klosters, den langen
Kämpfen um seine Unabhängigkeit und Selbständigkeit, welche den
Bischöfen von Constanz nur mit Mühe abgerungen war, und gegen
verschiedene Anfechtungen vertheidigt wurde. Das Verhältniß zu den
Bischöfen, welche formell völlig im Rechte waren, hat Ratpert, der schon
ganz entstellten Klostertradition folgend, durchaus umgekehrt dargestellt,
wie kürzlich Sickel auf die Urkunden gestützt nachgewiesen hat[2]; seine
Aufmerksamkeit aber war diesem Gegenstand so vorwiegend zugewandt,
daß er auch aus der späteren Zeit der Blüthe wenig über das innere Leben
des Klosters berichtet.
Die ersten Zeiten des angestrengten und oft unglücklichen Kampfes
waren der litterarischen Entwickelung nicht günstig. Eine Zierde des
Klosters war jedoch schon damals Waldo, der zum Abt erhoben, nach
Ratperts Darstellung wegen der Bedrängung durch den Bischof nach 1-1/2
Jahren (784) die Abtei Reichenau erhielt, welcher er 22 Jahre vorstand,
endlich aber als Abt von Saint-Denis bis an seinen Tod 813 an dem
litterarischen Treiben des Hofes Theil nahm[3].
Die neugewonnene Freiheit unter dem selbständigen Abte Gozb er t
(816-837) erwies sich für das Gedeihen des Klosters sehr förderlich; 830
begann Gozbert den Bau der neuen Kirche, zu welcher er den noch
vorhandenen Grundriß[4] entwerfen ließ; der Urheber desselben, welcher
den Musterplan eines großen Benedictinerklosters darstellt, ist unbekannt,
eine Widmung, gerichtet, wie es scheint, an den jüngeren Gozber t, des
Abtes gleichnamigen Neffen. Dieser beschrieb um diese Zeit das Leben des
ersten Sanct Galler Abtes Othmar, welcher am 16. November 759 in der
Verbannung gestorben war, und fügte auch zum Leben des heiligen Gallus,
welches der Reichenauer Wetti für Gozbert bearbeitet hatte (oben S. 120),
ein Buch über die Wunder desselben hinzu. Doch genügten ihm selber diese
culturhistorisch unschätzbares, im Gesammteindruck auch sicher
zutreffendes Bild. Der erste Theil dagegen bis zum Jahre 883, von Ratpert
verfaßt, ist erfüllt von den äußeren Schicksalen des Klosters, den langen
Kämpfen um seine Unabhängigkeit und Selbständigkeit, welche den
Bischöfen von Constanz nur mit Mühe abgerungen war, und gegen
verschiedene Anfechtungen vertheidigt wurde. Das Verhältniß zu den
Bischöfen, welche formell völlig im Rechte waren, hat Ratpert, der schon
ganz entstellten Klostertradition folgend, durchaus umgekehrt dargestellt,
wie kürzlich Sickel auf die Urkunden gestützt nachgewiesen hat[2]; seine
Aufmerksamkeit aber war diesem Gegenstand so vorwiegend zugewandt,
daß er auch aus der späteren Zeit der Blüthe wenig über das innere Leben
des Klosters berichtet.
Die ersten Zeiten des angestrengten und oft unglücklichen Kampfes
waren der litterarischen Entwickelung nicht günstig. Eine Zierde des
Klosters war jedoch schon damals Waldo, der zum Abt erhoben, nach
Ratperts Darstellung wegen der Bedrängung durch den Bischof nach 1-1/2
Jahren (784) die Abtei Reichenau erhielt, welcher er 22 Jahre vorstand,
endlich aber als Abt von Saint-Denis bis an seinen Tod 813 an dem
litterarischen Treiben des Hofes Theil nahm[3].
Die neugewonnene Freiheit unter dem selbständigen Abte Gozb er t
(816-837) erwies sich für das Gedeihen des Klosters sehr förderlich; 830
begann Gozbert den Bau der neuen Kirche, zu welcher er den noch
vorhandenen Grundriß[4] entwerfen ließ; der Urheber desselben, welcher
den Musterplan eines großen Benedictinerklosters darstellt, ist unbekannt,
eine Widmung, gerichtet, wie es scheint, an den jüngeren Gozber t, des
Abtes gleichnamigen Neffen. Dieser beschrieb um diese Zeit das Leben des
ersten Sanct Galler Abtes Othmar, welcher am 16. November 759 in der
Verbannung gestorben war, und fügte auch zum Leben des heiligen Gallus,
welches der Reichenauer Wetti für Gozbert bearbeitet hatte (oben S. 120),
ein Buch über die Wunder desselben hinzu. Doch genügten ihm selber diese
Page 354
Arbeiten nicht, und er bat den berühmten Abt von Reichenau, Walahfrid,
beide zu überarbeiten[5]. Uns liegt daher das Leben Othmars nur in
Walahfrids reiner Sprache vor; es enthält einige schätzbare Nachrichten
über die damaligen Verhältnisse von Alamannien, doch tilgte leider
Walahfrid die Namen der Gewährsmänner als zu barbarisch. Begreiflich ist
es, daß man daneben auch des heiligen Gallus Leben in seiner schlichten
unsauberen Gestalt nicht mehr ertragen konnte: wenn es bei der Mahlzeit
oder am Gedächtnißtage des heiligen Mannes verlesen wurde, störten die
Germanismen und Sprachfehler die Andacht der Zuhörer. Walahfrid mußte
deshalb auch dieses Buch nebst den dazu gefügten Wundergeschichten in
eine zeitgemäße Form bringen[6]; doch hat sich auch Wettins Arbeit
erhalten. Auch in Versen wollte Walahfrid denselben Gegenstand
behandeln, ist aber nicht mehr dazu gekommen. Dagegen hat es auf das
ungestüme Andrängen des jüngeren Gozbert, des Kahlkopfs, ein
ungenannter Mönch unternommen und in der That Walahfrids Werk im
Jahre 850 in Hexameter umgesetzt, doch stand sein Können bei weitem
tiefer und entsprach nicht seinem guten Willen[7].
Nach dem Bürgerkriege verlieh Ludwig der Deutsche die Abtei seinem
Erzkaplan G r i m al d (841-872), der sich das Wohl derselben sehr angelegen
sein ließ, so daß jetzt die rechte Blüthezeit des Klosters und namentlich der
Schule beginnt[8]. Da er selbst nicht Mönch war und in der Regel am Hofe
lebte, vertraute er Hrabans Schüler Hartmut die unmittelbare Verwaltung
des Klosters an, und nach Grimalds Tod stand dieser demselben bis 883 als
Abt vor. Beide sorgten eifrig für die Bereicherung der Bibliothek, und als
der erste bedeutende Lehrer wird unter ihnen I so genannt[9]; ihm zur Seite
der Schotte Moen gal, auch Mar cellus genannt[10], welcher in der
inneren Schule die für das Mönchskleid bestimmten Knaben unterwies,
während jener in der äußeren Schule die Söhne des Adels für ihren Beruf
als Domherrn und Bischöfe vorbereitete.
Im Jahre 864 wurde Othmars Leib erhoben und in der neuen Kirche
des heiligen Gallus feierlich beigesetzt, bis 867 die ihm bestimmte eigene
beide zu überarbeiten[5]. Uns liegt daher das Leben Othmars nur in
Walahfrids reiner Sprache vor; es enthält einige schätzbare Nachrichten
über die damaligen Verhältnisse von Alamannien, doch tilgte leider
Walahfrid die Namen der Gewährsmänner als zu barbarisch. Begreiflich ist
es, daß man daneben auch des heiligen Gallus Leben in seiner schlichten
unsauberen Gestalt nicht mehr ertragen konnte: wenn es bei der Mahlzeit
oder am Gedächtnißtage des heiligen Mannes verlesen wurde, störten die
Germanismen und Sprachfehler die Andacht der Zuhörer. Walahfrid mußte
deshalb auch dieses Buch nebst den dazu gefügten Wundergeschichten in
eine zeitgemäße Form bringen[6]; doch hat sich auch Wettins Arbeit
erhalten. Auch in Versen wollte Walahfrid denselben Gegenstand
behandeln, ist aber nicht mehr dazu gekommen. Dagegen hat es auf das
ungestüme Andrängen des jüngeren Gozbert, des Kahlkopfs, ein
ungenannter Mönch unternommen und in der That Walahfrids Werk im
Jahre 850 in Hexameter umgesetzt, doch stand sein Können bei weitem
tiefer und entsprach nicht seinem guten Willen[7].
Nach dem Bürgerkriege verlieh Ludwig der Deutsche die Abtei seinem
Erzkaplan G r i m al d (841-872), der sich das Wohl derselben sehr angelegen
sein ließ, so daß jetzt die rechte Blüthezeit des Klosters und namentlich der
Schule beginnt[8]. Da er selbst nicht Mönch war und in der Regel am Hofe
lebte, vertraute er Hrabans Schüler Hartmut die unmittelbare Verwaltung
des Klosters an, und nach Grimalds Tod stand dieser demselben bis 883 als
Abt vor. Beide sorgten eifrig für die Bereicherung der Bibliothek, und als
der erste bedeutende Lehrer wird unter ihnen I so genannt[9]; ihm zur Seite
der Schotte Moen gal, auch Mar cellus genannt[10], welcher in der
inneren Schule die für das Mönchskleid bestimmten Knaben unterwies,
während jener in der äußeren Schule die Söhne des Adels für ihren Beruf
als Domherrn und Bischöfe vorbereitete.
Im Jahre 864 wurde Othmars Leib erhoben und in der neuen Kirche
des heiligen Gallus feierlich beigesetzt, bis 867 die ihm bestimmte eigene
Page 355
Kirche vollendet war, welche auch Grimalds Ruhestätte wurde, der 870
zuletzt als Kanzler erscheint, und den Rest seiner Tage in St. Gallen
zubrachte. Von jener Erhebung Othmars mit den Wundern, die dabei
natürlich nicht fehlten, berichtet uns eine bald nachher verfaßte Schrift
Iso's[11]. Später soll dieser jedoch das Kloster verlassen, und als Lehrer im
Kloster Grandval eine große Wirksamkeit und außerordentlichen Ruf
erlangt haben, bis er am 14. Mai 871 starb.
Die volle geistliche Bildung der inneren Schule erhielten zwei Schüler
des Iso, welche Marcellus von ihm übernahm, und nicht minder als in der
Wissenschaft, auch in der Musik und anderen Künsten unterwies, deren er
als Irländer Meister war. Diese waren der berühmte Erfinder der Sequenzen,
Notker der Stammler[12], später Marcellus' Gehülfe, Verfasser des oben
erwähnten Martyrologiums und anderer Werke, die wir gleich zu erwähnen
haben werden, und der kunstreiche Tutilo[13]. Als dritten nennt Ekkehard
auch R at p er t, einen Züricher, der aber vielmehr sein Zeitgenosse war, und
bis an das Ende des neunten Jahrhunderts der Klosterschule vorstand.
Dieser hat, wie schon erwähnt, den ersten Theil der Klosterchronik verfaßt.
Die Einweihung der von der Aebtissin Bertha, Ludwig des Deutschen
Tochter, neu erbauten Fraumünsterkirche in Zürich verlockte ihn zu einer
Wallfahrt, die er in Versen ausführlich beschrieb[14]; übrigens aber war er so
eifrig in seinem Amte, daß er jede Entfernung vom Kloster dem Tode gleich
achtete, und nicht mehr als zwei Schuhe im Jahre verbrauchte; selbst die
Messen und Gebete versäumte er darüber, denn sagte er, wir hören die
besten Messen, wenn wir andere lehren sie zu feiern. Unnachsichtig
handhabte er den Stock, der überhaupt in diesen Jahrhunderten eine große
Rolle in der Erziehung spielte, und doch wußte er sich durch seine
Berufstreue und wahres Wohlwollen auch die Liebe seiner Schüler zu
gewinnen. Als er auf seinem Todbette lag, hatte gerade das Fest des heiligen
Gallus (Oct. 16) die Geistlichkeit Alamanniens im Kloster versammelt, und
40 seiner Schüler umgaben das Sterbelager ihres Lehrers[15].
zuletzt als Kanzler erscheint, und den Rest seiner Tage in St. Gallen
zubrachte. Von jener Erhebung Othmars mit den Wundern, die dabei
natürlich nicht fehlten, berichtet uns eine bald nachher verfaßte Schrift
Iso's[11]. Später soll dieser jedoch das Kloster verlassen, und als Lehrer im
Kloster Grandval eine große Wirksamkeit und außerordentlichen Ruf
erlangt haben, bis er am 14. Mai 871 starb.
Die volle geistliche Bildung der inneren Schule erhielten zwei Schüler
des Iso, welche Marcellus von ihm übernahm, und nicht minder als in der
Wissenschaft, auch in der Musik und anderen Künsten unterwies, deren er
als Irländer Meister war. Diese waren der berühmte Erfinder der Sequenzen,
Notker der Stammler[12], später Marcellus' Gehülfe, Verfasser des oben
erwähnten Martyrologiums und anderer Werke, die wir gleich zu erwähnen
haben werden, und der kunstreiche Tutilo[13]. Als dritten nennt Ekkehard
auch R at p er t, einen Züricher, der aber vielmehr sein Zeitgenosse war, und
bis an das Ende des neunten Jahrhunderts der Klosterschule vorstand.
Dieser hat, wie schon erwähnt, den ersten Theil der Klosterchronik verfaßt.
Die Einweihung der von der Aebtissin Bertha, Ludwig des Deutschen
Tochter, neu erbauten Fraumünsterkirche in Zürich verlockte ihn zu einer
Wallfahrt, die er in Versen ausführlich beschrieb[14]; übrigens aber war er so
eifrig in seinem Amte, daß er jede Entfernung vom Kloster dem Tode gleich
achtete, und nicht mehr als zwei Schuhe im Jahre verbrauchte; selbst die
Messen und Gebete versäumte er darüber, denn sagte er, wir hören die
besten Messen, wenn wir andere lehren sie zu feiern. Unnachsichtig
handhabte er den Stock, der überhaupt in diesen Jahrhunderten eine große
Rolle in der Erziehung spielte, und doch wußte er sich durch seine
Berufstreue und wahres Wohlwollen auch die Liebe seiner Schüler zu
gewinnen. Als er auf seinem Todbette lag, hatte gerade das Fest des heiligen
Gallus (Oct. 16) die Geistlichkeit Alamanniens im Kloster versammelt, und
40 seiner Schüler umgaben das Sterbelager ihres Lehrers[15].
Page 356
Als Karl III 883 das Kloster besuchte[16], fand er in St. Gallen einen
alten Mönch, dessen Gedächtniß noch in die Zeit des großen Karl reichte
und der die Geschichten zu erzählen wußte, welche er einst von des
tapferen Gerolds Waffengefährten, von Adalbert und dessen Sohne, dem
Priester Werinbert, gehört hatte. Karl III, von dem sonst wenig löbliches zu
berichten ist, hatte an diesen Geschichten solche Freude, daß er den guten
Alten veranlaßte, sie aufzuschreiben; emsig ging er an die Arbeit, scheint
sie aber nicht vollendet zu haben. In diesem Mönche hat man schon früh
No t ker den Stammler erkannt, aber Pertz widersprach dieser Annahme,
weil der Stil gar zu roh und grammatisch fehlerhaft ist, und weil Notker
damals noch nicht alt genug war, um durch Zahnlosigkeit zum Stammler
geworden zu sein. Es scheint jedoch, daß er durch einen Naturfehler
gestammelt hat, und die Vergleichung der Ausdrucksweise hat den
vollkommen überzeugenden Nachweis gestattet, daß wirklich Notker der
Verfasser dieses anmuthigen Buches gewesen ist, an welchem man schon
früh und vielfach Gefallen gefunden und es trotz seiner mangelhaften Form
mit Einhards Meisterwerk verbunden hat.
Ferner aber ist es wegen der auffallendsten Uebereinstimmungen in
Ausdruck und Auffassung als vollkommen sichergestellt anzusehen, daß
Notker auch der Fortsetzer der oben S. 219 erwähnten Chronik Erchanberts
gewesen ist[17]. Er fügte nämlich eine kurze Uebersicht über die Theilungen
und die Regentenfolge im karolingischen Reich hinzu, bald nach der
Kaiserkrönung Karls III (881), von dem er mit lebhafter Verehrung spricht,
wie denn auch damals noch kein Grund war, an seinen guten Erfolgen zu
zweifeln.
Des Kaisers Besuch erschien als ein Höhepunkt der Blüthe des
Klosters, und nicht ohne Wahrscheinlichkeit vermuthet Meyer von Knonau,
daß eben hierdurch Ratpert zur Abfassung der Gesta veranlaßt sei, welche
mit diesem Besuche abschließen. Auch mit des Kaisers Günstling, Bischof
Liutward von Vercelli, einem geborenen Schwaben, standen die Mönche in
gutem Vernehmen und Notker widmete ihm seine Sequenzen[18].
alten Mönch, dessen Gedächtniß noch in die Zeit des großen Karl reichte
und der die Geschichten zu erzählen wußte, welche er einst von des
tapferen Gerolds Waffengefährten, von Adalbert und dessen Sohne, dem
Priester Werinbert, gehört hatte. Karl III, von dem sonst wenig löbliches zu
berichten ist, hatte an diesen Geschichten solche Freude, daß er den guten
Alten veranlaßte, sie aufzuschreiben; emsig ging er an die Arbeit, scheint
sie aber nicht vollendet zu haben. In diesem Mönche hat man schon früh
No t ker den Stammler erkannt, aber Pertz widersprach dieser Annahme,
weil der Stil gar zu roh und grammatisch fehlerhaft ist, und weil Notker
damals noch nicht alt genug war, um durch Zahnlosigkeit zum Stammler
geworden zu sein. Es scheint jedoch, daß er durch einen Naturfehler
gestammelt hat, und die Vergleichung der Ausdrucksweise hat den
vollkommen überzeugenden Nachweis gestattet, daß wirklich Notker der
Verfasser dieses anmuthigen Buches gewesen ist, an welchem man schon
früh und vielfach Gefallen gefunden und es trotz seiner mangelhaften Form
mit Einhards Meisterwerk verbunden hat.
Ferner aber ist es wegen der auffallendsten Uebereinstimmungen in
Ausdruck und Auffassung als vollkommen sichergestellt anzusehen, daß
Notker auch der Fortsetzer der oben S. 219 erwähnten Chronik Erchanberts
gewesen ist[17]. Er fügte nämlich eine kurze Uebersicht über die Theilungen
und die Regentenfolge im karolingischen Reich hinzu, bald nach der
Kaiserkrönung Karls III (881), von dem er mit lebhafter Verehrung spricht,
wie denn auch damals noch kein Grund war, an seinen guten Erfolgen zu
zweifeln.
Des Kaisers Besuch erschien als ein Höhepunkt der Blüthe des
Klosters, und nicht ohne Wahrscheinlichkeit vermuthet Meyer von Knonau,
daß eben hierdurch Ratpert zur Abfassung der Gesta veranlaßt sei, welche
mit diesem Besuche abschließen. Auch mit des Kaisers Günstling, Bischof
Liutward von Vercelli, einem geborenen Schwaben, standen die Mönche in
gutem Vernehmen und Notker widmete ihm seine Sequenzen[18].
Page 357
Am Schlusse dieser Periode steht Notkers berühmtester Schüler[19]
S al om o III, von 890-920 Bischof von Constanz und zugleich Abt von St.
Gallen, ein Mann von den glänzendsten Geistesgaben, der kluge und
gelehrte Freund Hatto's von Mainz, der das schöne und blühende Kloster
wie seinen Augapfel liebte und hegte. Mehrere uns erhaltene Briefe und
Gedichte zeugen von Notkers Liebe zu ihm und zugleich von der Sorge des
treuen Lehrers um das Seelenheil seines Schülers in den Gefahren der Welt,
denen er am Königshofe ausgesetzt war. Eine Mustersammlung von
Urkundenformeln und Briefen[20], in welcher uns einige auch für die
Geschichte der Zeit wichtige Briefe aufbewahrt sind, während die
Urkunden über mannigfache Verhältnisse reichen Aufschluß gewähren,
schrieb Dümmler Salomo um das Jahr 896 zu, während nach Zeumers
Ansicht Waldo mit seinem Bruder Salomo sie 877 und 878 während ihres
Aufenthalts bei Salomo II von Constanz und Liutbert von Mainz
zusammengebracht haben, Notker nachträglich noch einige Briefe
hinzugefügt hat. Schon war man in Reichenau[21] und an andern Orten mit
ähnlichen Sammlungen vorangegangen, aber die Sanctgaller Sammlung
läßt sie durch ihren Inhalt wie durch ihre Form weit hinter sich. Aus der
späteren Zeit besitzen wir von Salomon zwei schöne poetische Episteln an
den Bischof Dado von Verdun, deren ansprechender, von wahrem Gefühl
getragener Inhalt die ziemlich incorrecte Form übersehen läßt; die
Ueberschrift „Versus Waldrammi ad Dadonem episcopum a Salomone
episcopo missi“ läßt jedoch vermuthen, daß sie nur im Auftrag und nach
Anweisung Salomons in dessen Namen von Wal dr am verfaßt sind. In der
einen[22] beklagt der Bischof in elegischer Form voll tiefer Trauer den Tod
seines letzten Bruders, des Bischofs Waldo von Freising (906), an den nach
Zeumer mehrere der Briefe in der Formelsammlung gerichtet sind; in der
anderen[23], schon früher geschriebenen, schildert er mit den lebhaftesten
Farben das Unglück des Vaterlandes, dessen König ein Kind ist, dessen
Gaue erfüllt sind von allgemeiner Zwietracht, von innerem Kampfe in allen
Ständen des Volkes, während die Ungern ungehindert das Land verheerend
durchziehen. Auch St. Gallen wurde von ihnen 926 verheert.
S al om o III, von 890-920 Bischof von Constanz und zugleich Abt von St.
Gallen, ein Mann von den glänzendsten Geistesgaben, der kluge und
gelehrte Freund Hatto's von Mainz, der das schöne und blühende Kloster
wie seinen Augapfel liebte und hegte. Mehrere uns erhaltene Briefe und
Gedichte zeugen von Notkers Liebe zu ihm und zugleich von der Sorge des
treuen Lehrers um das Seelenheil seines Schülers in den Gefahren der Welt,
denen er am Königshofe ausgesetzt war. Eine Mustersammlung von
Urkundenformeln und Briefen[20], in welcher uns einige auch für die
Geschichte der Zeit wichtige Briefe aufbewahrt sind, während die
Urkunden über mannigfache Verhältnisse reichen Aufschluß gewähren,
schrieb Dümmler Salomo um das Jahr 896 zu, während nach Zeumers
Ansicht Waldo mit seinem Bruder Salomo sie 877 und 878 während ihres
Aufenthalts bei Salomo II von Constanz und Liutbert von Mainz
zusammengebracht haben, Notker nachträglich noch einige Briefe
hinzugefügt hat. Schon war man in Reichenau[21] und an andern Orten mit
ähnlichen Sammlungen vorangegangen, aber die Sanctgaller Sammlung
läßt sie durch ihren Inhalt wie durch ihre Form weit hinter sich. Aus der
späteren Zeit besitzen wir von Salomon zwei schöne poetische Episteln an
den Bischof Dado von Verdun, deren ansprechender, von wahrem Gefühl
getragener Inhalt die ziemlich incorrecte Form übersehen läßt; die
Ueberschrift „Versus Waldrammi ad Dadonem episcopum a Salomone
episcopo missi“ läßt jedoch vermuthen, daß sie nur im Auftrag und nach
Anweisung Salomons in dessen Namen von Wal dr am verfaßt sind. In der
einen[22] beklagt der Bischof in elegischer Form voll tiefer Trauer den Tod
seines letzten Bruders, des Bischofs Waldo von Freising (906), an den nach
Zeumer mehrere der Briefe in der Formelsammlung gerichtet sind; in der
anderen[23], schon früher geschriebenen, schildert er mit den lebhaftesten
Farben das Unglück des Vaterlandes, dessen König ein Kind ist, dessen
Gaue erfüllt sind von allgemeiner Zwietracht, von innerem Kampfe in allen
Ständen des Volkes, während die Ungern ungehindert das Land verheerend
durchziehen. Auch St. Gallen wurde von ihnen 926 verheert.
Page 358
Ekkehards lebendige Schilderung hat die Sanctgaller Schule
unsterblich gemacht; ohne ihn würden wir nicht so gar viel davon wissen,
und ohne Zweifel herrschte in manchem andern Kloster ein ganz ähnliches
Treiben, von dem nur niemand uns Nachrichten aufbewahrt hat. So vor
allem in Reichen au, welches schon in hoher Blüthe stand, als St. Gallen
noch schwach und unbedeutend war[24]. Abt Wal d o (784-806), ein
vornehmer Herr, mit Grimald nahe verwandt und vorher Abt von St. Gallen
(oben S. 269), hatte schon den Mönch Wadilcoz nach dem Martinskloster
zu Tours geschickt, der von dort Bücher für die Bibliothek übersandte,
welche Waldo mit großem Eifer zu bereichern bestrebt war[25]; unter ihm
begann der fleißige R egi nber t seine musterhafte Thätigkeit für dieselbe,
welche er bis an seinen Tod 846 rastlos fortsetzte, theils durch eigene
Arbeit, theils durch Geschenke die Sammlung zu sehr ansehnlichem
Umfang vermehrend[26]. Ihm übersandten seine Schüler Grimald und Tatto
die Klosterregel nebst den Beschlüssen des Reichstages von 817, der wohl
ihre Aussendung veranlaßt hatte[27]. Auf seinen Antrieb schrieb Walahfrid
das bedeutende Werk de rebus ecclesiasticis, wie dieser es in den Worten
ausspricht: Dura Reginberti jussio adegit eum. Als Lehrer war neben ihm
Hei t o thätig, ein Bruder jenes Wadilcoz, Waldo's Nachfolger als Abt und
Bischof von Basel, welches Bisthum Waldo ebenfalls verwaltet hatte. Karl
der Große sandte ihn 811 nach Constantinopel, und über diese Sendung
verfaßte er eine Reisebeschreibung[28], die leider verloren ist; 823 entsagte
er seinem Bisthum und zog sich in sein altes Kloster zurück, wo er 836
gestorben ist. Die Abtei übergab er E r lebo ld (823-838), der bei einem
leider ungenannten Schotten große Gelehrsamkeit erworben, und Heito auf
seiner Reise begleitet hatte. Der Schule standen jetzt Tat to († 847) vor, den
Walahfrid seinen Lehrer nennt, in dessen Namen er Verse an Ebo von
Reims und an Thegan richtete[29], und Wet t i, ein naher Verwandter
Grimalds und Waldo's. Wie mangelhaft jedoch noch seine grammatische
und metrische Bildung gewesen ist, haben wir jetzt erst mit Verwunderung
erfahren, da durch das von Bücheler entdeckte Akrostichon (oben S. 120)
festgestellt ist, daß er der Verfasser der Vita S. Galli und ihrer Widmung in
unsterblich gemacht; ohne ihn würden wir nicht so gar viel davon wissen,
und ohne Zweifel herrschte in manchem andern Kloster ein ganz ähnliches
Treiben, von dem nur niemand uns Nachrichten aufbewahrt hat. So vor
allem in Reichen au, welches schon in hoher Blüthe stand, als St. Gallen
noch schwach und unbedeutend war[24]. Abt Wal d o (784-806), ein
vornehmer Herr, mit Grimald nahe verwandt und vorher Abt von St. Gallen
(oben S. 269), hatte schon den Mönch Wadilcoz nach dem Martinskloster
zu Tours geschickt, der von dort Bücher für die Bibliothek übersandte,
welche Waldo mit großem Eifer zu bereichern bestrebt war[25]; unter ihm
begann der fleißige R egi nber t seine musterhafte Thätigkeit für dieselbe,
welche er bis an seinen Tod 846 rastlos fortsetzte, theils durch eigene
Arbeit, theils durch Geschenke die Sammlung zu sehr ansehnlichem
Umfang vermehrend[26]. Ihm übersandten seine Schüler Grimald und Tatto
die Klosterregel nebst den Beschlüssen des Reichstages von 817, der wohl
ihre Aussendung veranlaßt hatte[27]. Auf seinen Antrieb schrieb Walahfrid
das bedeutende Werk de rebus ecclesiasticis, wie dieser es in den Worten
ausspricht: Dura Reginberti jussio adegit eum. Als Lehrer war neben ihm
Hei t o thätig, ein Bruder jenes Wadilcoz, Waldo's Nachfolger als Abt und
Bischof von Basel, welches Bisthum Waldo ebenfalls verwaltet hatte. Karl
der Große sandte ihn 811 nach Constantinopel, und über diese Sendung
verfaßte er eine Reisebeschreibung[28], die leider verloren ist; 823 entsagte
er seinem Bisthum und zog sich in sein altes Kloster zurück, wo er 836
gestorben ist. Die Abtei übergab er E r lebo ld (823-838), der bei einem
leider ungenannten Schotten große Gelehrsamkeit erworben, und Heito auf
seiner Reise begleitet hatte. Der Schule standen jetzt Tat to († 847) vor, den
Walahfrid seinen Lehrer nennt, in dessen Namen er Verse an Ebo von
Reims und an Thegan richtete[29], und Wet t i, ein naher Verwandter
Grimalds und Waldo's. Wie mangelhaft jedoch noch seine grammatische
und metrische Bildung gewesen ist, haben wir jetzt erst mit Verwunderung
erfahren, da durch das von Bücheler entdeckte Akrostichon (oben S. 120)
festgestellt ist, daß er der Verfasser der Vita S. Galli und ihrer Widmung in
Page 359
ganz barbarischen Hexametern ist, welche man für viel älter gehalten hatte.
Wetti hatte kurz vor seinem Tode am 3. November 824 eine Vision, indem
er, wie so viele andere vor und nach ihm, Himmel und Hölle zu
durchwandern glaubte, und was er in diesen Regionen gesehen zu haben
vermeinte, den gläubigen Brüdern berichtete. Heito hatte diese Vision in
Prosa[30], Walahfrid in Versen bearbeitet[31], und der Eindruck derselben auf
die Zeitgenossen war außerordentlich groß; hatte er doch sogar den großen
Kaiser Karl im Fegefeuer Schlimmes leiden gesehen, auch Waldo. Beide
werden, nebst einigen anderen, von Walahfrid nur durch Anacrosticha
bezeichnet. Unter den Märtyrern dagegen erscheint darin Ger ol d, der
Königin Hildegard Bruder, welcher im Kampfe gegen die Avaren gefallen
war, ein geborner Alamanne, und des Klosters Hort und Beschirmer. Eine
vielleicht von Walahfrid verfaßte Grabschrift auf ihn[32] findet sich in einer
Handschrift neben dem Epitaph des Ber nal d, an den die Reichenauer
ebenfalls mit Stolz zurückdachten. Dieser Bernald war nämlich ein
geborner Sachse, aber in Reichenau erzogen; er kam dann in die kaiserliche
Capelle, und erhielt um das Jahr 821 das Bisthum Straßburg. Zu den treuen
Anhängern des alten Kaisers gehörend, wurde er 825 als Gewaltbote nach
Rätien, 832 nach Rom gesandt, und starb am 17. April 840. Man rühmte ihn
als einen klugen und gelehrten Mann, der auch die deutsche Sprache zur
Unterweisung des Volkes verwandte[33].
Den größten Glanz aber verbreitete über Reichenau der Abt
Wal ahf r i d, mit dem Beinamen Strabo oder Strabus, einer der besten
Lateiner seiner Zeit, ein viel bewunderter Gelehrter und gewandter
Dichter[34]. Ueber sein Leben haben wir leider nur wenig sichere
Nachrichten, und so befreundet er auch mit den Sanctgaller Gelehrten war,
wird er doch in der Klosterchronik gar nicht genannt; doch ist nach und
nach durch neugefundene Verse mehr Licht über ihn gewonnen. Er war ein
Schwabe von armer und geringer Herkunft, um 807 geboren; früh ins
Kloster gekommen, dichtete er schon mit 15 Jahren eine Epistel an Ebo von
Reims im Namen seines Lehrers Tatto[35], aber dieser war hart und strenge,
und auch der Abt Erlebold war ihm nicht gewogen. In Wetti verlor
Wetti hatte kurz vor seinem Tode am 3. November 824 eine Vision, indem
er, wie so viele andere vor und nach ihm, Himmel und Hölle zu
durchwandern glaubte, und was er in diesen Regionen gesehen zu haben
vermeinte, den gläubigen Brüdern berichtete. Heito hatte diese Vision in
Prosa[30], Walahfrid in Versen bearbeitet[31], und der Eindruck derselben auf
die Zeitgenossen war außerordentlich groß; hatte er doch sogar den großen
Kaiser Karl im Fegefeuer Schlimmes leiden gesehen, auch Waldo. Beide
werden, nebst einigen anderen, von Walahfrid nur durch Anacrosticha
bezeichnet. Unter den Märtyrern dagegen erscheint darin Ger ol d, der
Königin Hildegard Bruder, welcher im Kampfe gegen die Avaren gefallen
war, ein geborner Alamanne, und des Klosters Hort und Beschirmer. Eine
vielleicht von Walahfrid verfaßte Grabschrift auf ihn[32] findet sich in einer
Handschrift neben dem Epitaph des Ber nal d, an den die Reichenauer
ebenfalls mit Stolz zurückdachten. Dieser Bernald war nämlich ein
geborner Sachse, aber in Reichenau erzogen; er kam dann in die kaiserliche
Capelle, und erhielt um das Jahr 821 das Bisthum Straßburg. Zu den treuen
Anhängern des alten Kaisers gehörend, wurde er 825 als Gewaltbote nach
Rätien, 832 nach Rom gesandt, und starb am 17. April 840. Man rühmte ihn
als einen klugen und gelehrten Mann, der auch die deutsche Sprache zur
Unterweisung des Volkes verwandte[33].
Den größten Glanz aber verbreitete über Reichenau der Abt
Wal ahf r i d, mit dem Beinamen Strabo oder Strabus, einer der besten
Lateiner seiner Zeit, ein viel bewunderter Gelehrter und gewandter
Dichter[34]. Ueber sein Leben haben wir leider nur wenig sichere
Nachrichten, und so befreundet er auch mit den Sanctgaller Gelehrten war,
wird er doch in der Klosterchronik gar nicht genannt; doch ist nach und
nach durch neugefundene Verse mehr Licht über ihn gewonnen. Er war ein
Schwabe von armer und geringer Herkunft, um 807 geboren; früh ins
Kloster gekommen, dichtete er schon mit 15 Jahren eine Epistel an Ebo von
Reims im Namen seines Lehrers Tatto[35], aber dieser war hart und strenge,
und auch der Abt Erlebold war ihm nicht gewogen. In Wetti verlor
Page 360
Walahfrid seinen väterlichen Freund und Wohlthäter; nach dessen Tod (824)
litt er sogar an Nahrung und Kleidung Mangel, und hatte häufig Schläge zu
erdulden. Er klagte seine Noth an Grimald, dessen Wohlwollen er schon
früher gewonnen hatte, und dieser forderte ihn auf, die Vision Wettins,
welche wahrscheinlich er selbst auf Wachstafeln aufgezeichnet hatte,
dichterisch zu bearbeiten. Dieselbe Aufforderung kam auch von dem
Priester Adalgis, wie wir wissen, seitdem K. Plath das Akrostichon der
seiner Antwort[36] zugefügten Verse: Adalgiso danda erkannt und die ganze
Sachlage scharfsinnig entwickelt hat[37]. Walahfrid bat ihn um bessere
Kleidung und um Pergament, da er das Werk heimlich ausführen müsse; er
bat ihn, selbst zu kommen, und Adalgis kam. Unter hartem Drängen
vollendete er sein Werk[38], in welchem er reichliche Lobsprüche auf Haito,
Erlebold und Tatto anbrachte, und übersandte es Grimald. Nach solcher
Leistung und mit solchen Fürsprechern wird er nun auch im Kloster, und
bei dem Abt, obgleich dieser kein Freund von Visionen war, mehr
Anerkennung gefunden haben. Grimald hat er auch das anmuthige Gedicht
de cultura hortorum gewidmet, und in dem Gedicht de imagine Tetrici (v.
228) feiert er ihn unter dem Namen Homer. Später hat er in Fulda Hrabans
Unterricht genossen. Im Sommer 829 finden wir ihn am Hofe zu Aachen;
von Kaiser Ludwig, sagt er einmal, sei er „paupere de fovea protractus“[39],
mag sich das nun auf diese Zeit seines Hoflebens oder auf die Verleihung
der Abtei Reichenau 839 beziehen. In Aachen beschrieb er damals in einem
merkwürdigen Gedichte die aus Ravenna hingeführte Reiterstatue
Theodorichs[40], der hier als Tyrann aufgefaßt wird im Gegensatz zu
Ludwig, feiert Hilduin, Grimald, Einhard, widmet aber vor allem dem
Kaiser, der Kaiserin Judith und dem kleinen Karl überschwengliches Lob;
er wird als Caplan der Kaiserin und als Lehrer des kleinen Karl bezeichnet.
Den Rodbern, welcher 834 dem Kaiser zuerst Nachricht von der in Tortona
gefangenen Judith unter großen Gefahren brachte, feierte er in einem
längeren Gedicht[41]. Mit Thegan, dem Diacon Florus und anderen der
classisch und kirchlich gebildeten Männer jener Zeit war er befreundet,
Prudentius rühmt er als seinen Lehrer, bittet ihn aus der Ferne um Bücher
litt er sogar an Nahrung und Kleidung Mangel, und hatte häufig Schläge zu
erdulden. Er klagte seine Noth an Grimald, dessen Wohlwollen er schon
früher gewonnen hatte, und dieser forderte ihn auf, die Vision Wettins,
welche wahrscheinlich er selbst auf Wachstafeln aufgezeichnet hatte,
dichterisch zu bearbeiten. Dieselbe Aufforderung kam auch von dem
Priester Adalgis, wie wir wissen, seitdem K. Plath das Akrostichon der
seiner Antwort[36] zugefügten Verse: Adalgiso danda erkannt und die ganze
Sachlage scharfsinnig entwickelt hat[37]. Walahfrid bat ihn um bessere
Kleidung und um Pergament, da er das Werk heimlich ausführen müsse; er
bat ihn, selbst zu kommen, und Adalgis kam. Unter hartem Drängen
vollendete er sein Werk[38], in welchem er reichliche Lobsprüche auf Haito,
Erlebold und Tatto anbrachte, und übersandte es Grimald. Nach solcher
Leistung und mit solchen Fürsprechern wird er nun auch im Kloster, und
bei dem Abt, obgleich dieser kein Freund von Visionen war, mehr
Anerkennung gefunden haben. Grimald hat er auch das anmuthige Gedicht
de cultura hortorum gewidmet, und in dem Gedicht de imagine Tetrici (v.
228) feiert er ihn unter dem Namen Homer. Später hat er in Fulda Hrabans
Unterricht genossen. Im Sommer 829 finden wir ihn am Hofe zu Aachen;
von Kaiser Ludwig, sagt er einmal, sei er „paupere de fovea protractus“[39],
mag sich das nun auf diese Zeit seines Hoflebens oder auf die Verleihung
der Abtei Reichenau 839 beziehen. In Aachen beschrieb er damals in einem
merkwürdigen Gedichte die aus Ravenna hingeführte Reiterstatue
Theodorichs[40], der hier als Tyrann aufgefaßt wird im Gegensatz zu
Ludwig, feiert Hilduin, Grimald, Einhard, widmet aber vor allem dem
Kaiser, der Kaiserin Judith und dem kleinen Karl überschwengliches Lob;
er wird als Caplan der Kaiserin und als Lehrer des kleinen Karl bezeichnet.
Den Rodbern, welcher 834 dem Kaiser zuerst Nachricht von der in Tortona
gefangenen Judith unter großen Gefahren brachte, feierte er in einem
längeren Gedicht[41]. Mit Thegan, dem Diacon Florus und anderen der
classisch und kirchlich gebildeten Männer jener Zeit war er befreundet,
Prudentius rühmt er als seinen Lehrer, bittet ihn aus der Ferne um Bücher
Page 361
und eigene Gedichte; zugleich übersendet er ihm Gedichte „Modoini
magni“, den er auch in andern an ihn selbst gerichteten Versen feiert[42].
Kaum hatte er die Abtei Reichenau erhalten — bei seiner geringen Herkunft
eine ganz ungewöhnliche Auszeichnung —, so wurde er auch in die
politischen Wirren hineingezogen; als eifriger Anhänger Lothars und der
Reichseinheit, deren Herstellung er noch von ihm hoffte, flüchtete er nach
Ludwigs Tod und der Ueberwältigung Alamanniens durch Ludwig den
Deutschen nach Speier, wo er ein Gedicht voll Lobpreisung an Lothar
richtete, in welchem er seinen Klagen und seinen Hoffnungen Ausdruck
gab[43]. Lothar hatte in früheren Zeiten einmal persönlich den
vermeintlichen Leib des h. Januarius nach Reichenau gebracht, was
merkwürdiger Weise im Kloster ganz vergessen wurde und nur durch eine
sehr schöne Sapphische Ode Walahfrids bekannt ist[44].
Sehr bald hat sich Walahfrid doch auch mit Ludwig dem Deutschen
ausgesöhnt, und vielleicht durch Grimalds Einfluß erhielt er 842 die Abtei
Reichenau von neuem; im Jahre 849 wurde ihm eine Botschaft des Königs
an dessen Bruder Karl anvertraut. Auf dieser Reise starb er, kaum
vierzigjährig, am 18. August durch einen Unfall beim Ueberschreiten der
Loire[45].
Die von Walahfrid überarbeiteten Lebensbeschreibungen des Gallus
und Othmar, sein Vorwort zu Einhards und zu Thegans Werken erwähnten
wir schon; selbständige geschichtliche Werke hat er so wenig wie Hraban
verfaßt, aber sein Buch über Ursprung und Entwickelung der kirchlichen
Einrichtungen enthält viel beachtenswerthes über die Verfassung der Kirche
in jenen Zeiten, ähnlich dem Werke Hrabans, aber noch lehrreicher, weil er
durchgängig die kirchlichen Einrichtungen mit den weltlichen
vergleicht[46].
Eines der merkwürdigsten Zeugnisse für den ernstlichen Eifer, mit
welchem man in diesen Klöstern damals das Studium des classischen
Alterthums betrieb, bietet uns die durch Mabillon bekannt gewordene
magni“, den er auch in andern an ihn selbst gerichteten Versen feiert[42].
Kaum hatte er die Abtei Reichenau erhalten — bei seiner geringen Herkunft
eine ganz ungewöhnliche Auszeichnung —, so wurde er auch in die
politischen Wirren hineingezogen; als eifriger Anhänger Lothars und der
Reichseinheit, deren Herstellung er noch von ihm hoffte, flüchtete er nach
Ludwigs Tod und der Ueberwältigung Alamanniens durch Ludwig den
Deutschen nach Speier, wo er ein Gedicht voll Lobpreisung an Lothar
richtete, in welchem er seinen Klagen und seinen Hoffnungen Ausdruck
gab[43]. Lothar hatte in früheren Zeiten einmal persönlich den
vermeintlichen Leib des h. Januarius nach Reichenau gebracht, was
merkwürdiger Weise im Kloster ganz vergessen wurde und nur durch eine
sehr schöne Sapphische Ode Walahfrids bekannt ist[44].
Sehr bald hat sich Walahfrid doch auch mit Ludwig dem Deutschen
ausgesöhnt, und vielleicht durch Grimalds Einfluß erhielt er 842 die Abtei
Reichenau von neuem; im Jahre 849 wurde ihm eine Botschaft des Königs
an dessen Bruder Karl anvertraut. Auf dieser Reise starb er, kaum
vierzigjährig, am 18. August durch einen Unfall beim Ueberschreiten der
Loire[45].
Die von Walahfrid überarbeiteten Lebensbeschreibungen des Gallus
und Othmar, sein Vorwort zu Einhards und zu Thegans Werken erwähnten
wir schon; selbständige geschichtliche Werke hat er so wenig wie Hraban
verfaßt, aber sein Buch über Ursprung und Entwickelung der kirchlichen
Einrichtungen enthält viel beachtenswerthes über die Verfassung der Kirche
in jenen Zeiten, ähnlich dem Werke Hrabans, aber noch lehrreicher, weil er
durchgängig die kirchlichen Einrichtungen mit den weltlichen
vergleicht[46].
Eines der merkwürdigsten Zeugnisse für den ernstlichen Eifer, mit
welchem man in diesen Klöstern damals das Studium des classischen
Alterthums betrieb, bietet uns die durch Mabillon bekannt gewordene
Page 362
Handsch r i f t vo n E i nsi edeln, deren Urschrift aus Reichenau zu
stammen scheint. Wohl ein Schüler Walahfrids, im vollen Besitz der
damaligen Schulbildung und auch des Griechischen kundig, hat mit einer
Beschreibung des damaligen Rom und des Ceremoniels der kirchlichen
Feste auch antike Inschriften aus Pavia und Rom mit größter Genauigkeit
und Sorgfalt nach älteren Vorlagen hier zusammengestellt[47].
Durch besondere Lernbegierde zeichnete sich auch E r m en r i ch aus,
ein Ellwanger Mönch, dessen Leben uns recht anschaulich die
Beweglichkeit der jungen mönchischen Studenten in jener Zeit vor Augen
führt[48]. Wie Walahfrid, ging auch er nach Fulda, wo er Hrabans und
Rudolfs Schüler wurde. Besondere Freundschaft verband ihn mit Hrabans
Neffen, dem Diacon und königlichen Caplan Gundram, welcher der
fuldischen Zelle Solenhofen an der Altmühl im Eichstädter Sprengel
vorstand, und diesem, der den Stifter seiner Kirche, S ual o, feierlich
erhoben hatte, zu Liebe, schrieb er das Leben desselben und übersandte es
Hraban zur Durchsicht[49]; Rudolf, den er als seinen Lehrer preist, sollte die
Fehler verbessern. Sualo, den Ermenrich willkürlich S ol us nannte, gest. 3.
Dec. 794, gehörte zu den Begleitern des h. Bo ni f az; Ermenrich standen
aber nur mündliche Erzählungen über ihn zu Gebote, und der geschichtliche
Werth seiner Nachrichten ist daher unbedeutend. Wo er, damals noch
Diaconus, dieses Werk geschrieben hat, wissen wir nicht; es ist sehr
wahrscheinlich, daß er auch zu den Hofcaplänen gehört hat, und von dieser
Zeit her den Erzkanzler Gozbald (829-833) als seinen Lehrer bezeichnet,
sowie er auch Grimald als seinen Herrn und Meister verehrt[50].
An Gozbald, jetzt (841-855) Bischof von Würzburg, sandte er, schon
als Priester, eine kleine Schrift, in Form eines Dialoges der Consolatio des
Boethius nachgebildet, dem Inhalt nach völlig sagenhaft, über die
Gründung seines Klosters E l lwan gen, das Leben des Stifters Har io lf,
König Pippins Zeitgenossen, Bruders und später Nachfolgers des Bischofs
Erlolf von Langres, und die Wunder, welche man ihm zuschrieb[51]. Er
gehörte nämlich zu Gozbalds Familie.
stammen scheint. Wohl ein Schüler Walahfrids, im vollen Besitz der
damaligen Schulbildung und auch des Griechischen kundig, hat mit einer
Beschreibung des damaligen Rom und des Ceremoniels der kirchlichen
Feste auch antike Inschriften aus Pavia und Rom mit größter Genauigkeit
und Sorgfalt nach älteren Vorlagen hier zusammengestellt[47].
Durch besondere Lernbegierde zeichnete sich auch E r m en r i ch aus,
ein Ellwanger Mönch, dessen Leben uns recht anschaulich die
Beweglichkeit der jungen mönchischen Studenten in jener Zeit vor Augen
führt[48]. Wie Walahfrid, ging auch er nach Fulda, wo er Hrabans und
Rudolfs Schüler wurde. Besondere Freundschaft verband ihn mit Hrabans
Neffen, dem Diacon und königlichen Caplan Gundram, welcher der
fuldischen Zelle Solenhofen an der Altmühl im Eichstädter Sprengel
vorstand, und diesem, der den Stifter seiner Kirche, S ual o, feierlich
erhoben hatte, zu Liebe, schrieb er das Leben desselben und übersandte es
Hraban zur Durchsicht[49]; Rudolf, den er als seinen Lehrer preist, sollte die
Fehler verbessern. Sualo, den Ermenrich willkürlich S ol us nannte, gest. 3.
Dec. 794, gehörte zu den Begleitern des h. Bo ni f az; Ermenrich standen
aber nur mündliche Erzählungen über ihn zu Gebote, und der geschichtliche
Werth seiner Nachrichten ist daher unbedeutend. Wo er, damals noch
Diaconus, dieses Werk geschrieben hat, wissen wir nicht; es ist sehr
wahrscheinlich, daß er auch zu den Hofcaplänen gehört hat, und von dieser
Zeit her den Erzkanzler Gozbald (829-833) als seinen Lehrer bezeichnet,
sowie er auch Grimald als seinen Herrn und Meister verehrt[50].
An Gozbald, jetzt (841-855) Bischof von Würzburg, sandte er, schon
als Priester, eine kleine Schrift, in Form eines Dialoges der Consolatio des
Boethius nachgebildet, dem Inhalt nach völlig sagenhaft, über die
Gründung seines Klosters E l lwan gen, das Leben des Stifters Har io lf,
König Pippins Zeitgenossen, Bruders und später Nachfolgers des Bischofs
Erlolf von Langres, und die Wunder, welche man ihm zuschrieb[51]. Er
gehörte nämlich zu Gozbalds Familie.
Page 363
Im Jahre 849 finden wir Ermenrich wieder im Kloster Reichenau als
Schüler Walahfrids; als dieser seine unglückliche Reise nach Frankreich
antrat, schickte ihn Grimald nach St. Gallen, um dort seine Studien
fortzusetzen. Hier verfaßte er zum Dank für die gute Aufnahme, die er in
beiden Klöstern gefunden und zum Preise Grimalds ein Sendschreiben an
denselben, geschrieben zwischen 850 und 855, in welchem er seine ganze
Gelehrsamkeit, die nicht unbedeutend, aber schlecht verarbeitet war, zur
Schau trägt, von Philosophie, Grammatik und vielen anderen Dingen
handelt, in der schwülstigen, gezierten Weise vieler Gelehrten der
damaligen Zeit; eine Schreibart, die auch das Leben des h. Solus entstellt
und am wenigsten in dem Leben Hariolfs hervortritt[52]. Er prahlt mit
Griechisch, das er aber offenbar nicht versteht, und eignet sich aus Alcuin,
Priscian und Ausonius falsche Gelehrsamkeit an, kennt aber Pindarus
Thebanus und Lucretius nebst vielen anderen Schriften. Verse von Theodulf
und Naso verwendete er ohne Scheu. Es enthält aber dieser Brief auch
einige wichtige geschichtliche Daten und eine Lobpreisung Grimalds und
der gelehrten und kunstreichen Sanctgaller Mönche, welche zur Ergänzung
der dortigen Klosterchronik dient. Am Schluß geht er in Verse über, und
feiert den h. Gallus, wozu auch ihn Gozbert, der Kahlkopf, gedrängt hatte.
Doch ist dieser Theil mehr entworfen und begonnen als wirklich
ausgeführt[53].
In der Aufschrift dieses Briefes hat eine etwas spätere Hand zu dem
Namen Ermenrich das Wort Bischof gesetzt, und man hat deshalb nicht
ohne Wahrscheinlichkeit geschlossen, daß der Verfasser identisch ist mit
dem gleichnamigen Bischof von Passau, den Ludwig der Deutsche 867 zu
den Bulgaren sandte, und dessen Tod am 26. Dec. 874 sich in
alamannischen Jahrbüchern und im Todtenbuche von Reichenau
verzeichnet findet[54].
Ermenrichs Name ist auch gemißbraucht in einer häßlichen Betrügerei,
dem angeblichen L eben des h. Magnu s, eines der Genossen von
Columban und Gallus, von Theodorus, das bei der Uebertragung der
Schüler Walahfrids; als dieser seine unglückliche Reise nach Frankreich
antrat, schickte ihn Grimald nach St. Gallen, um dort seine Studien
fortzusetzen. Hier verfaßte er zum Dank für die gute Aufnahme, die er in
beiden Klöstern gefunden und zum Preise Grimalds ein Sendschreiben an
denselben, geschrieben zwischen 850 und 855, in welchem er seine ganze
Gelehrsamkeit, die nicht unbedeutend, aber schlecht verarbeitet war, zur
Schau trägt, von Philosophie, Grammatik und vielen anderen Dingen
handelt, in der schwülstigen, gezierten Weise vieler Gelehrten der
damaligen Zeit; eine Schreibart, die auch das Leben des h. Solus entstellt
und am wenigsten in dem Leben Hariolfs hervortritt[52]. Er prahlt mit
Griechisch, das er aber offenbar nicht versteht, und eignet sich aus Alcuin,
Priscian und Ausonius falsche Gelehrsamkeit an, kennt aber Pindarus
Thebanus und Lucretius nebst vielen anderen Schriften. Verse von Theodulf
und Naso verwendete er ohne Scheu. Es enthält aber dieser Brief auch
einige wichtige geschichtliche Daten und eine Lobpreisung Grimalds und
der gelehrten und kunstreichen Sanctgaller Mönche, welche zur Ergänzung
der dortigen Klosterchronik dient. Am Schluß geht er in Verse über, und
feiert den h. Gallus, wozu auch ihn Gozbert, der Kahlkopf, gedrängt hatte.
Doch ist dieser Theil mehr entworfen und begonnen als wirklich
ausgeführt[53].
In der Aufschrift dieses Briefes hat eine etwas spätere Hand zu dem
Namen Ermenrich das Wort Bischof gesetzt, und man hat deshalb nicht
ohne Wahrscheinlichkeit geschlossen, daß der Verfasser identisch ist mit
dem gleichnamigen Bischof von Passau, den Ludwig der Deutsche 867 zu
den Bulgaren sandte, und dessen Tod am 26. Dec. 874 sich in
alamannischen Jahrbüchern und im Todtenbuche von Reichenau
verzeichnet findet[54].
Ermenrichs Name ist auch gemißbraucht in einer häßlichen Betrügerei,
dem angeblichen L eben des h. Magnu s, eines der Genossen von
Columban und Gallus, von Theodorus, das bei der Uebertragung der
Page 364
Gebeine in der Mitte des neunten Jahrhunderts in St. Magnus Grab soll
gefunden sein. Der Bischof Lanto von Augsburg soll dann den Ellwanger
Mönch Ermenrich veranlaßt haben, das kaum noch lesbare Denkmal zu
erneuern. So wird dort erzählt; die Art, wie Ermenrichs Name erwähnt wird,
macht es aber nicht wahrscheinlich, daß wirklich er selbst zu dieser
Fälschung seine Hand geboten habe. Dümmler vermuthet, Forsch. XIII,
475, daß doch etwas daran sei und Ermenrich an der formalen Bearbeitung
Theil habe, doch bemerkt er selbst, daß die Legende nichts von dem ihm
eigenthümlichen Gepräge zeige. Ich halte die angebliche ältere Legende
überhaupt für leeres Vorgeben des Fälschers, welcher ein von den gröbsten
chronologischen Fehlern erfülltes Plagiat aus den Vitae Columbani und
Galli für das Werk eines Zeitgenossen ausgab[55].
Auch Reichenau bezog wie Fulda seine Reliquien aus Italien, doch
scheint man damit wenig Glück gehabt zu haben. Die älteste dieser
Geschichten ( Mi r acu la S . G enesi i) ist von Dr. A. Holder in Carlsruhe
in einem von Reginbert herrührenden Codex entdeckt, und von mir in der
Zeitschrift für Geschichte des Oberrheins XXIV, 1-21 herausgegeben[56].
Sie berichtet von der Uebertragung der heiligen Genesius und Eugenius aus
Jerusalem durch den Grafen Gebahard von Treviso, der 798 seine Boten
aussandte, aber vor deren Rückkunft starb. Der heimkehrende Diacon fand
in Porto seinen Bruder, der den Grafen Scrot von Florenz[57] nach Rom
begleitet hatte; mit Einwilligung des Pabstes Leo erhält Graf Scrot den
rechten Schenkel des Genesius, während der Rest nach dem bei Treviso
dafür schon bereiteten Kloster gebracht wird. Graf Scrot aber bringt seinen
Theil in seine Heimath am Bodensee, und stiftet hier das Kloster
S ch ien en, welches durch Ludwig das Kind an Reichenau gekommen ist.
Da Wunder nicht ausblieben, veranlaßte Abt Erlebold (822-838) einen
ungenannten Mönch zur Aufzeichnung dieser denkwürdigen
Begebenheiten. Während nun aber von diesen Reliquien weiterhin nicht
mehr die Rede ist, behauptete man später in Reichenau, daß die ganzen
Leiber der hh. Senesius und Theopompus, welche in unklarer Weise an die
Stelle von Genesius und Eugenius getreten sind, 830 durch Bischof Ratolf
gefunden sein. Der Bischof Lanto von Augsburg soll dann den Ellwanger
Mönch Ermenrich veranlaßt haben, das kaum noch lesbare Denkmal zu
erneuern. So wird dort erzählt; die Art, wie Ermenrichs Name erwähnt wird,
macht es aber nicht wahrscheinlich, daß wirklich er selbst zu dieser
Fälschung seine Hand geboten habe. Dümmler vermuthet, Forsch. XIII,
475, daß doch etwas daran sei und Ermenrich an der formalen Bearbeitung
Theil habe, doch bemerkt er selbst, daß die Legende nichts von dem ihm
eigenthümlichen Gepräge zeige. Ich halte die angebliche ältere Legende
überhaupt für leeres Vorgeben des Fälschers, welcher ein von den gröbsten
chronologischen Fehlern erfülltes Plagiat aus den Vitae Columbani und
Galli für das Werk eines Zeitgenossen ausgab[55].
Auch Reichenau bezog wie Fulda seine Reliquien aus Italien, doch
scheint man damit wenig Glück gehabt zu haben. Die älteste dieser
Geschichten ( Mi r acu la S . G enesi i) ist von Dr. A. Holder in Carlsruhe
in einem von Reginbert herrührenden Codex entdeckt, und von mir in der
Zeitschrift für Geschichte des Oberrheins XXIV, 1-21 herausgegeben[56].
Sie berichtet von der Uebertragung der heiligen Genesius und Eugenius aus
Jerusalem durch den Grafen Gebahard von Treviso, der 798 seine Boten
aussandte, aber vor deren Rückkunft starb. Der heimkehrende Diacon fand
in Porto seinen Bruder, der den Grafen Scrot von Florenz[57] nach Rom
begleitet hatte; mit Einwilligung des Pabstes Leo erhält Graf Scrot den
rechten Schenkel des Genesius, während der Rest nach dem bei Treviso
dafür schon bereiteten Kloster gebracht wird. Graf Scrot aber bringt seinen
Theil in seine Heimath am Bodensee, und stiftet hier das Kloster
S ch ien en, welches durch Ludwig das Kind an Reichenau gekommen ist.
Da Wunder nicht ausblieben, veranlaßte Abt Erlebold (822-838) einen
ungenannten Mönch zur Aufzeichnung dieser denkwürdigen
Begebenheiten. Während nun aber von diesen Reliquien weiterhin nicht
mehr die Rede ist, behauptete man später in Reichenau, daß die ganzen
Leiber der hh. Senesius und Theopompus, welche in unklarer Weise an die
Stelle von Genesius und Eugenius getreten sind, 830 durch Bischof Ratolf
Page 365
von Verona nach Radolfzell übertragen seien, da doch ganz unbekümmert
darum dieselben 911 von Treviso aus dem inzwischen durch die Ungern
zerstörten Kloster nach Nonantula übertragen wurden. Ebenso wenig wollte
man ihnen glauben, daß der heilige Valentin, von dem ihre alten Annalen
noch allein reden, der heilige Mar cus selber sei, welcher, wie sie
behaupteten, in demselben Jahr 830 aus Venedig zu ihnen gebracht sein
sollte; und ihre eigene Erzählung läßt den Betrug deutlich genug
erkennen[58]. Den h. Janu ar ius sollte, wie wir oben S. 281 sahen, Kaiser
Lothar selbst gebracht haben; davon verlautet weiter nichts, dagegen aber
ein Bericht, nach welchem ihn und seine Genossen im Jahre 871 ein
wackerer Reitersmann aus Schwaben auf einer Heerfahrt unter Kaiser
Ludwig II aus einer verödeten Kirche geraubt und nach der Reichenau
gebracht haben sollte. Man traute ihm aber dort vermuthlich selbst nicht, da
in jüngeren Handschriften anstatt ihrer die h. F or tunata mit ihren Brüdern
in derselben Erzählung erscheint. Aber auch diese waren bereits 780 nach
Neapel in das Nonnenkloster des h. Gaudiosus übertragen, wo sie
fortfuhren die schönsten Wunder zu thun[59]. Unbestritten blieb den
Reichenauern nur ein Krug von der Hochzeit zu Cana, den ein griechischer
Mönch ihnen aufgeschwatzt hatte[60].
Sehr deutlich tritt uns in diesen Geschichten die lebhafte Verbindung
mit Italien entgegen, welche in hohem Grade anregend wirken mußte[61];
Reichenau lag gerade an einer der besuchtesten Pilgerstraßen nach Rom,
und auch Schottenmönche werden nicht gefehlt haben, wenn sie auch in
Reichenau selbst kein Andenken hinterlassen haben. Dagegen wurde in
R heinau gegen das Ende dieses Jahrhunderts das Leben eines
Schottenmönches, des h. F in dan, aufgezeichnet († 878), welches für das
Treiben dieser fremden Pilger charakteristisch und durch einige Stellen in
irischer Sprache merkwürdig, übrigens aber sehr fabelhaft und geschichtlich
wenig bedeutend ist[62]. Größerer Ruhm ist dem h. Megi nr at zu Theil
geworden, dessen Leben, wie aus dem Alter der Handschriften hervorgeht,
schon im zehnten Jahrhundert ein Reichenauer Mönch beschrieben hat[63].
Er wurde nach dessen Bericht in Reichenau von Erlebold unterrichtet, und
darum dieselben 911 von Treviso aus dem inzwischen durch die Ungern
zerstörten Kloster nach Nonantula übertragen wurden. Ebenso wenig wollte
man ihnen glauben, daß der heilige Valentin, von dem ihre alten Annalen
noch allein reden, der heilige Mar cus selber sei, welcher, wie sie
behaupteten, in demselben Jahr 830 aus Venedig zu ihnen gebracht sein
sollte; und ihre eigene Erzählung läßt den Betrug deutlich genug
erkennen[58]. Den h. Janu ar ius sollte, wie wir oben S. 281 sahen, Kaiser
Lothar selbst gebracht haben; davon verlautet weiter nichts, dagegen aber
ein Bericht, nach welchem ihn und seine Genossen im Jahre 871 ein
wackerer Reitersmann aus Schwaben auf einer Heerfahrt unter Kaiser
Ludwig II aus einer verödeten Kirche geraubt und nach der Reichenau
gebracht haben sollte. Man traute ihm aber dort vermuthlich selbst nicht, da
in jüngeren Handschriften anstatt ihrer die h. F or tunata mit ihren Brüdern
in derselben Erzählung erscheint. Aber auch diese waren bereits 780 nach
Neapel in das Nonnenkloster des h. Gaudiosus übertragen, wo sie
fortfuhren die schönsten Wunder zu thun[59]. Unbestritten blieb den
Reichenauern nur ein Krug von der Hochzeit zu Cana, den ein griechischer
Mönch ihnen aufgeschwatzt hatte[60].
Sehr deutlich tritt uns in diesen Geschichten die lebhafte Verbindung
mit Italien entgegen, welche in hohem Grade anregend wirken mußte[61];
Reichenau lag gerade an einer der besuchtesten Pilgerstraßen nach Rom,
und auch Schottenmönche werden nicht gefehlt haben, wenn sie auch in
Reichenau selbst kein Andenken hinterlassen haben. Dagegen wurde in
R heinau gegen das Ende dieses Jahrhunderts das Leben eines
Schottenmönches, des h. F in dan, aufgezeichnet († 878), welches für das
Treiben dieser fremden Pilger charakteristisch und durch einige Stellen in
irischer Sprache merkwürdig, übrigens aber sehr fabelhaft und geschichtlich
wenig bedeutend ist[62]. Größerer Ruhm ist dem h. Megi nr at zu Theil
geworden, dessen Leben, wie aus dem Alter der Handschriften hervorgeht,
schon im zehnten Jahrhundert ein Reichenauer Mönch beschrieben hat[63].
Er wurde nach dessen Bericht in Reichenau von Erlebold unterrichtet, und
Page 366
als dieser als Abt auf Heito folgte, als Mönch eingekleidet. Der Abt schickte
ihn nach einer Reichenauer Zelle am Züricher See, nach der Tradition
Bollingen, um da Schule zu halten. Er aber ging statt dessen als Eremit ins
Gebirge, wo Räuber ihn 861 erschlugen. Das noch jetzt blühende Kloster
Meinradszell oder Einsiedeln bewahrt sein Andenken.
Fast überall finden wir theils die ascetische, theils die formale
Richtung vorherrschend in der Litteratur dieser Zeit, den historischen Sinn
aber noch wenig entwickelt.
Doch fehlte es auch in St. Gallen und Reichenau nicht ganz an
Annalen. Die in ihrem älteren Theil aus Murbach stammenden Annales
Al am ann ici (oben S. 147) enthalten 802-858 dürftige Reichenauer
Notizen; 860-926 werden sie mit zunehmender Reichhaltigkeit in St. Gallen
fortgesetzt. Die aus denselben Annalen entnommenen Annales
S angal l enses b r ev es 708-815[64] gewährten den Anfang (bis 791) der
An nal es A u gi enses, welche bis 939 in Reichenau fortgesetzt wurden.
Sie waren auf den Rand der Ostertafeln geschrieben, welche R egi nb er t in
seine oben S. 276 erwähnte historisch-mathematische Sammlung
aufgenommen hatte, die er von 820 bis gegen sein Todesjahr 846
zusammengebracht hat. Diese jetzt verlorene Handschrift benutzte
Hermannus Contractus. Für Friedrich von Mainz abgeschrieben, wurde sie
zu 937 mit einer Notiz über Friedrichs Weihe, 953, 954 mit Aufzeichnungen
des Erzbischofs Wilhelm vermehrt; benutzt wurde diese Handschrift vom
Fortsetzer des Regino, von Marianus Scottus, und nebst den eingehefteten
Annales S. Albani vom Verfasser der Disibodenberger Annalen[65]. Wir
finden ferner die Annales Augienses bis 939 benutzt in den Annales
Colonienses, jedoch so, daß einzelne Eintragungen vielmehr auf die Ann.
Alamannici, Sangallenses und Hermann deuten, wodurch die Vermuthung
entsteht, daß eine reichhaltigere Aufzeichnung allen zu Grunde liegt[66].
Auch in der Bischofstadt A ugsb urg war ein gelehrter und
ausgezeichneter Bischof, Adal ber o (887-910), der Erzieher Ludwigs des
ihn nach einer Reichenauer Zelle am Züricher See, nach der Tradition
Bollingen, um da Schule zu halten. Er aber ging statt dessen als Eremit ins
Gebirge, wo Räuber ihn 861 erschlugen. Das noch jetzt blühende Kloster
Meinradszell oder Einsiedeln bewahrt sein Andenken.
Fast überall finden wir theils die ascetische, theils die formale
Richtung vorherrschend in der Litteratur dieser Zeit, den historischen Sinn
aber noch wenig entwickelt.
Doch fehlte es auch in St. Gallen und Reichenau nicht ganz an
Annalen. Die in ihrem älteren Theil aus Murbach stammenden Annales
Al am ann ici (oben S. 147) enthalten 802-858 dürftige Reichenauer
Notizen; 860-926 werden sie mit zunehmender Reichhaltigkeit in St. Gallen
fortgesetzt. Die aus denselben Annalen entnommenen Annales
S angal l enses b r ev es 708-815[64] gewährten den Anfang (bis 791) der
An nal es A u gi enses, welche bis 939 in Reichenau fortgesetzt wurden.
Sie waren auf den Rand der Ostertafeln geschrieben, welche R egi nb er t in
seine oben S. 276 erwähnte historisch-mathematische Sammlung
aufgenommen hatte, die er von 820 bis gegen sein Todesjahr 846
zusammengebracht hat. Diese jetzt verlorene Handschrift benutzte
Hermannus Contractus. Für Friedrich von Mainz abgeschrieben, wurde sie
zu 937 mit einer Notiz über Friedrichs Weihe, 953, 954 mit Aufzeichnungen
des Erzbischofs Wilhelm vermehrt; benutzt wurde diese Handschrift vom
Fortsetzer des Regino, von Marianus Scottus, und nebst den eingehefteten
Annales S. Albani vom Verfasser der Disibodenberger Annalen[65]. Wir
finden ferner die Annales Augienses bis 939 benutzt in den Annales
Colonienses, jedoch so, daß einzelne Eintragungen vielmehr auf die Ann.
Alamannici, Sangallenses und Hermann deuten, wodurch die Vermuthung
entsteht, daß eine reichhaltigere Aufzeichnung allen zu Grunde liegt[66].
Auch in der Bischofstadt A ugsb urg war ein gelehrter und
ausgezeichneter Bischof, Adal ber o (887-910), der Erzieher Ludwigs des
Page 367
Kindes, ein vertrauter Freund der Sanctgaller Lehrer, und ohne Zweifel
derselbe, welchem Regino, der seiner mit großem Lobe gedenkt, seine
Chronik widmete; wir haben eine Biographie von ihm, sie ist aber erst im
zwölften Jahrhundert von Udalschalk geschrieben und gewährt uns keine
Belehrung[67].
Im E lsass beschrieb ein ungenannter Mönch von Neu weil er bei
Zabern die Uebertragung des Bischofs Adel ph us von Metz, den ihnen
Erzbischof Drogo abgelassen hatte, mit Wundern, worin viele Ortsnamen
vorkommen[68].
[1] Casus S. Galli ed. Ild. v. Arx, MG. SS. II, 59-183 (bis zum Jahre 1233). Zwischen
833 und 890 ist ein Stück verloren, auf welches sich Ekkehard in seiner Fortsetzung
MG. II, 83 mit den Worten bezieht: Kerhaldo (corr. Bernhardo) itaque abbate, ut
alias in alio libro relatum est, deposito (890). In d. neuen Ausg. c. 11 S. 37 fehlen die
Worte in alio libro. Nach G. Scherrer, Verz. S. 9 u. 166, hat Jod. Metzler († 1639)
noch eine verlorene Quelle gehabt. — Ratperti Casus S. Galli nach obiger Ausgabe
bei Migne CXXVI, 1055-1080. Neue Ausg. von G. Meyer von Knonau in den St.
Galler Mittheilungen zur vaterl. Gesch. XIII. mit ausführl. Commentar u. Excursen.
Desgleichen Ekkeharti (IV) Casus S. Galli ebenda XV. XVI. 1877. Mit den Vitis et
miraculis Galli et Otmari auch besonders ausgegeben als St. Gall. Geschichtsquellen.
— Catal. abb. S. Galli, Augiensium, epp. Constantt. MG. II, 34-39; ersterer neu
herausgegeben u. bearbeitet von G. Meyer von Knonau, Mittheil. XI, 125-138; v.
Holder-Egger SS. XIII, 326-330; Aug. ib. p. 331; Const. p. 324. — Mitth. XI, 1-124
St. Galler Todtenbuch und Verbrüderungen, von E. Dümmler und H. Wartmann; S. 6
über das um 817 angelegte Verbrüderungsbuch. Dieses ist jetzt von P. Piper
herausgegeben, MG. Libri Confraternitatum, 1884, 4. Verz. d. Constanzer
Domgeistlichkeit s. XI. NA. XI, 408.
[2] Th. Sickel, St. Gallen unter den ersten Karolingern, in den Mittheilungen zur
vaterl. Gesch. IV. 1865. Daß die Bischöfe doch auch über ihre formelle Berechtigung
hinaus sich, wie es fast immer geschah, Uebergriffe erlaubt haben mögen, hebt
Monod zu Ratperts Gunsten hervor, Revue crit. 1873, II, 409-413.
[3] Verse von König Ludwig und von dem Schotten Dungal an Baldo hat Dümmler
herausgegeben im Arch. d. W. Ak. XXII, 289, vgl. S. 283, u. (mit Froben) auf ihn
bezogen, folgt jedoch Poet. Lat. I, 412 Foltz, Gesch. d. Salzb. Bibl. S. 13, welcher
den Salzburger Lehrer Baldo unterscheidet; s. unten → S. 292.
[4] F. Keller, Bauriß des Klosters St. Gallen vom Jahr 820. Zürich 1844. Von dem
etwas späteren Bau Grimalds heißt es im cod. 397: Aula palatinis perfecta est ista
magistris, Insula pictores transmiserat Augia clara.
[5] Sie sind nur in dieser Form vorhanden, V. S. Othmari MG. II, 41 bis 47, und von
G. Meyer von Knonau Mitth. XII, 94-113. Uebers. v. Potthast mit Vita S. Galli.
derselbe, welchem Regino, der seiner mit großem Lobe gedenkt, seine
Chronik widmete; wir haben eine Biographie von ihm, sie ist aber erst im
zwölften Jahrhundert von Udalschalk geschrieben und gewährt uns keine
Belehrung[67].
Im E lsass beschrieb ein ungenannter Mönch von Neu weil er bei
Zabern die Uebertragung des Bischofs Adel ph us von Metz, den ihnen
Erzbischof Drogo abgelassen hatte, mit Wundern, worin viele Ortsnamen
vorkommen[68].
[1] Casus S. Galli ed. Ild. v. Arx, MG. SS. II, 59-183 (bis zum Jahre 1233). Zwischen
833 und 890 ist ein Stück verloren, auf welches sich Ekkehard in seiner Fortsetzung
MG. II, 83 mit den Worten bezieht: Kerhaldo (corr. Bernhardo) itaque abbate, ut
alias in alio libro relatum est, deposito (890). In d. neuen Ausg. c. 11 S. 37 fehlen die
Worte in alio libro. Nach G. Scherrer, Verz. S. 9 u. 166, hat Jod. Metzler († 1639)
noch eine verlorene Quelle gehabt. — Ratperti Casus S. Galli nach obiger Ausgabe
bei Migne CXXVI, 1055-1080. Neue Ausg. von G. Meyer von Knonau in den St.
Galler Mittheilungen zur vaterl. Gesch. XIII. mit ausführl. Commentar u. Excursen.
Desgleichen Ekkeharti (IV) Casus S. Galli ebenda XV. XVI. 1877. Mit den Vitis et
miraculis Galli et Otmari auch besonders ausgegeben als St. Gall. Geschichtsquellen.
— Catal. abb. S. Galli, Augiensium, epp. Constantt. MG. II, 34-39; ersterer neu
herausgegeben u. bearbeitet von G. Meyer von Knonau, Mittheil. XI, 125-138; v.
Holder-Egger SS. XIII, 326-330; Aug. ib. p. 331; Const. p. 324. — Mitth. XI, 1-124
St. Galler Todtenbuch und Verbrüderungen, von E. Dümmler und H. Wartmann; S. 6
über das um 817 angelegte Verbrüderungsbuch. Dieses ist jetzt von P. Piper
herausgegeben, MG. Libri Confraternitatum, 1884, 4. Verz. d. Constanzer
Domgeistlichkeit s. XI. NA. XI, 408.
[2] Th. Sickel, St. Gallen unter den ersten Karolingern, in den Mittheilungen zur
vaterl. Gesch. IV. 1865. Daß die Bischöfe doch auch über ihre formelle Berechtigung
hinaus sich, wie es fast immer geschah, Uebergriffe erlaubt haben mögen, hebt
Monod zu Ratperts Gunsten hervor, Revue crit. 1873, II, 409-413.
[3] Verse von König Ludwig und von dem Schotten Dungal an Baldo hat Dümmler
herausgegeben im Arch. d. W. Ak. XXII, 289, vgl. S. 283, u. (mit Froben) auf ihn
bezogen, folgt jedoch Poet. Lat. I, 412 Foltz, Gesch. d. Salzb. Bibl. S. 13, welcher
den Salzburger Lehrer Baldo unterscheidet; s. unten → S. 292.
[4] F. Keller, Bauriß des Klosters St. Gallen vom Jahr 820. Zürich 1844. Von dem
etwas späteren Bau Grimalds heißt es im cod. 397: Aula palatinis perfecta est ista
magistris, Insula pictores transmiserat Augia clara.
[5] Sie sind nur in dieser Form vorhanden, V. S. Othmari MG. II, 41 bis 47, und von
G. Meyer von Knonau Mitth. XII, 94-113. Uebers. v. Potthast mit Vita S. Galli.
Page 368
Miracula S. Galli ib. 21-31 u. 62-93.
[6] Gedruckt bei Mabillon Act. II, 227-250. Neue Ausg. von R. Thuli, St. Gall. Mitth.
XXIV (1890) S. 1-76. Daran knüpft sich eine Kritik in dem wunderlichen Dialog←,
welcher Notker u. Hartmann in den Mund gelegt, aber viel jünger ist, höchst confus
u. voll chronolog. Widersprüche, bei Weidmann, Gesch. d. Stiftsbibl. S. 483-493 (S.
486 l. stropha statt scropha).
[7] Nur der Anfang MG. II, 31. Vollständig zuerst herausgegeben von Dümmler,
Poet. Lat. II, 428-473, vgl. p. 266.
[8] Vgl. oben → S. 222. Gegen Scherers einseitige Hervorhebung des Einflusses der
Fulder Schule, s. Dümmler Ostfr. III, 655. Ein für Grimald scotice geschriebener
Priscian bei F. Keller l. c. tab. XI, 2. Libri quos Gr. de suo dedicavit, bei Weidmann
S. 396-400. Ein Recept de libro Grim. Zeitschr. f. D. Alt. XX, 214.
[9] Urkundlich in St. Gallen erwähnt von 852-868.
[10] Von 848-865 urkundlich erwähnt. Er war vorher Abt von Bangor in Ulster u.
starb 871. NA. XVII, 211. — Sehr barbarische Verse von D u b d u i n zum Preise
seiner Landsleute NA. X. 341.
[11] Ysonis de miraculis S. Othmari libri II, MG. SS. II, 47-54. Mitth. XII, 114-139
im Auszug. Ekkehards Erzählung von Iso's Wirksamkeit in Burgund bezweifelt
Dümmler Denk. S. 260, weil er 868 noch in St. Gallen war. M. v. Knonau jedoch, der
zum Ekkeh. S. 116-126 über Iso handelt, hält seine Thätigkeit in Moutier-Grandval
für gesichert durch die Tradition, nur kann nicht Rudolf von Burgund ihn eingeladen
haben, sondern der Bischof von Basel.
[12] S. über ihn Dümmler Denkm. S. 244 ff. 258 ff. NA. IV, 546. Meyer v. Kn. zu
Ekk. S. 126 ff. und Der h. Notker v. St. Gallen, Neujahrsbl. 1877. Er starb 912.
Autograph von ihm bei W. Arndt, Schrift. 15b.
[13] Dessen berühmtes Diptychon abgebildet in: Das Kloster St. Gallen I.
Herausgegeben vom historischen Verein in St. Gallen, 1863, und bei Alwin Schultz:
Tuotilo von St. Gallen in: R. Dohme, Kunst und Künstler des Mittelalters und der
Neuzeit, I, 1877; doch vgl. dazu Rahn: Nachlese zur Gesch. der bildenden Künste in
der Schweiz, S. 787-790. u. M. v. Knonau zu Ekkeh. S. 93 u. 129. Jul. v. Schlosser,
Wiener SB. CXXIII, S. 180 bis 185.
[14] Erhalten ist nur ein Bruchstück, die Beschreibung der neuen Kirche und der
Uebertragung von Reliquien der hh. Felix et Regula vom Großmünster nach
Fraumünster, herausgegeben v. G. von Wyß, Geschichte der Abtei Zürich (Mittheil.
VIII), Beilagen S. 11; vgl. Dümmler Denkm. S. 255. Ostfr. II, 427. G. Meyer von
Knonau in d. Vorrede der Casus. Sein Lobgesang auf den heiligen Gallus in
Ekkehards lat. Uebersetzung bei Müllenhoff und Scherer I, 217. II, 78. Vgl.
Dümmler, NA. IV, 541. G. R. Zimmermann, Ratpert der erste Zürchergelehrte (Basel
1878) ohne wissensch. Werth nach Dümmler im Centralbl. Sp. 1314.
[15] Das Jahr des Todes ist wegen der vielen gleichnamigen Mönche ganz ungewiß.
[16] Hierhin gehören wohl die Verse von Ratpert, Hartmann, Notker Balbulus u. a.,
die sich vielleicht alle auf diese Gelegenheit beziehen, neu herausgegeben von
Dümmler, Denkm. S. 218-221, vgl. 255 ff. und ein späteres vielleicht von 887 S. 221,
vgl. 257. Das von Waldram verfaßte Rex benedicte S. 220, ist aber Weihn. 911 an
Konrad gerichtet, nach Heidemann S. 454, vgl. M. v. Knonau, Jahrbuch 1867 S. 129.
Litanei aus König Konrads Zeit bei Dümmler, Denkm. S. 222, vgl. 258. NA. IV, 510.
551.
[6] Gedruckt bei Mabillon Act. II, 227-250. Neue Ausg. von R. Thuli, St. Gall. Mitth.
XXIV (1890) S. 1-76. Daran knüpft sich eine Kritik in dem wunderlichen Dialog←,
welcher Notker u. Hartmann in den Mund gelegt, aber viel jünger ist, höchst confus
u. voll chronolog. Widersprüche, bei Weidmann, Gesch. d. Stiftsbibl. S. 483-493 (S.
486 l. stropha statt scropha).
[7] Nur der Anfang MG. II, 31. Vollständig zuerst herausgegeben von Dümmler,
Poet. Lat. II, 428-473, vgl. p. 266.
[8] Vgl. oben → S. 222. Gegen Scherers einseitige Hervorhebung des Einflusses der
Fulder Schule, s. Dümmler Ostfr. III, 655. Ein für Grimald scotice geschriebener
Priscian bei F. Keller l. c. tab. XI, 2. Libri quos Gr. de suo dedicavit, bei Weidmann
S. 396-400. Ein Recept de libro Grim. Zeitschr. f. D. Alt. XX, 214.
[9] Urkundlich in St. Gallen erwähnt von 852-868.
[10] Von 848-865 urkundlich erwähnt. Er war vorher Abt von Bangor in Ulster u.
starb 871. NA. XVII, 211. — Sehr barbarische Verse von D u b d u i n zum Preise
seiner Landsleute NA. X. 341.
[11] Ysonis de miraculis S. Othmari libri II, MG. SS. II, 47-54. Mitth. XII, 114-139
im Auszug. Ekkehards Erzählung von Iso's Wirksamkeit in Burgund bezweifelt
Dümmler Denk. S. 260, weil er 868 noch in St. Gallen war. M. v. Knonau jedoch, der
zum Ekkeh. S. 116-126 über Iso handelt, hält seine Thätigkeit in Moutier-Grandval
für gesichert durch die Tradition, nur kann nicht Rudolf von Burgund ihn eingeladen
haben, sondern der Bischof von Basel.
[12] S. über ihn Dümmler Denkm. S. 244 ff. 258 ff. NA. IV, 546. Meyer v. Kn. zu
Ekk. S. 126 ff. und Der h. Notker v. St. Gallen, Neujahrsbl. 1877. Er starb 912.
Autograph von ihm bei W. Arndt, Schrift. 15b.
[13] Dessen berühmtes Diptychon abgebildet in: Das Kloster St. Gallen I.
Herausgegeben vom historischen Verein in St. Gallen, 1863, und bei Alwin Schultz:
Tuotilo von St. Gallen in: R. Dohme, Kunst und Künstler des Mittelalters und der
Neuzeit, I, 1877; doch vgl. dazu Rahn: Nachlese zur Gesch. der bildenden Künste in
der Schweiz, S. 787-790. u. M. v. Knonau zu Ekkeh. S. 93 u. 129. Jul. v. Schlosser,
Wiener SB. CXXIII, S. 180 bis 185.
[14] Erhalten ist nur ein Bruchstück, die Beschreibung der neuen Kirche und der
Uebertragung von Reliquien der hh. Felix et Regula vom Großmünster nach
Fraumünster, herausgegeben v. G. von Wyß, Geschichte der Abtei Zürich (Mittheil.
VIII), Beilagen S. 11; vgl. Dümmler Denkm. S. 255. Ostfr. II, 427. G. Meyer von
Knonau in d. Vorrede der Casus. Sein Lobgesang auf den heiligen Gallus in
Ekkehards lat. Uebersetzung bei Müllenhoff und Scherer I, 217. II, 78. Vgl.
Dümmler, NA. IV, 541. G. R. Zimmermann, Ratpert der erste Zürchergelehrte (Basel
1878) ohne wissensch. Werth nach Dümmler im Centralbl. Sp. 1314.
[15] Das Jahr des Todes ist wegen der vielen gleichnamigen Mönche ganz ungewiß.
[16] Hierhin gehören wohl die Verse von Ratpert, Hartmann, Notker Balbulus u. a.,
die sich vielleicht alle auf diese Gelegenheit beziehen, neu herausgegeben von
Dümmler, Denkm. S. 218-221, vgl. 255 ff. und ein späteres vielleicht von 887 S. 221,
vgl. 257. Das von Waldram verfaßte Rex benedicte S. 220, ist aber Weihn. 911 an
Konrad gerichtet, nach Heidemann S. 454, vgl. M. v. Knonau, Jahrbuch 1867 S. 129.
Litanei aus König Konrads Zeit bei Dümmler, Denkm. S. 222, vgl. 258. NA. IV, 510.
551.
Page 369
[17] MG. SS. II, 329. Uebers. bei dem Mönch von St. Gallen. Notkers Autorschaft
nachgewiesen von B. Simson u. Zeumer, s. Waitz-Aufsätze S. 113; NA. XII, 428.
[18] Vgl. Meyer v. Knonau, Mitth. XIII, 60. XV, 161.
[19] Diese Ansicht Dümmlers bekämpft Dammert, Forsch. VIII, 327 bis 366 u. will
vielmehr Roudker, den Ekkehard als Mentor Salomons bezeichnet, auch die Briefe
zuschreiben. Meyer v. Knonau hat diese Ansicht S. 21 als chronologisch unmöglich
widerlegt. Ebenso bekämpft er S. 4 auch Notker, aber hier ist die Chronologie ganz
unsicher, und mir erscheinen die Gründe für Notker auch jetzt noch überwiegend, u.
so auch Zeumer, NA. VIII, 513-517. — Ueber Salomons Familie s. Graf Zeppelin,
Thurgauische Beitr. XXX, 42.
[20] Früher Formulae Alsaticae genannt. Zum ersten Mal kritisch und vollständig
herausgegeben von Dümmler: Das Formelbuch des Bischofs Salomo III, Leipzig
1857. Verbesserungen St. Gallische Denkm. S. 261. Verse von Notker (?) an Salomo
S. 225. Ueber Salomo Formelbuch 103 ff. Denkm. 262 ff. Eine populäre Schilderung
in: Das Kloster St. Gallen, vom historischen Verein, II, 1864, mit schöner Abbildung
seines grossen C in Sintrams Evangelium longum. Das Formelbuch nach der
Münchener Handschrift ed. Rockinger, Quellen zur bayerischen und deutschen
Geschichte VII, und in De Rozière's Sammlung. Vgl. auch Heidemann, Salomon III
von Constanz vor Antritt des Bisthums, Forsch. VII, 425-462. Dammert ib. VIII, 327-
366. Vorzüglich aber jetzt Zeumer, Formulae Salomonis, NA. VIII, 506-540, u. seine
Ausgabe MG. Form. p. 390-437. Ein merkwürdiges Denkmal der St. Galler
Gelehrsamkeit und Schreibkunst ist das Psalterium, welches Salomo 909 schreiben
ließ, mit 3 lateinischen Versionen und dem griechischen Text in lateinischen
Buchstaben, mit einem einleitenden Gedicht; dieses neu herausgegeben von
Dümmler, Ostfr. (1. Ausg.) II, 681, von Hamann: Canticum Moysi ex psalterio
quadruplici Salomonis III (Lips. 1874), p. 18. Frühzeitig ist eine um 6 Verse am
Anfang verstümmelte Abschrift der Verse verbreitet, s. Bianchini, Vindiciae p. CCLI,
Codd. Colon. p. 3. 4.
[21] Zeumer, Reichenauer Formeln, NA. VIII, 481-505. Daselbst S. 547 ff.
Nachweis, daß Iso nur irrthümlich Formeln zugeschrieben sind.
[22] Nach Canis. (II, 3, 245) berichtigt nach der Handschrift von Dümmler, Denkm.
S. 239, mit dem größtentheils aus Reminiscenzen von Venantius bestehenden
Trostgedicht von Waldram, und anderen Gedichten desselben. Vgl. Scherrers Verz.
73 über den Cod. 197. NA. IV, 550-554.
[23] Bei Dümmler, Denkm. S. 230-239 (v. 9. l. iterare, v. 42: si domui conjuncta
domus primordia sumpsit.); vgl. W. Giesebrecht, Geschichte der Kaiserzeit I, 174,
Dümmler, Ostfr. III, 527. Ueber die Salomo zugeschriebene Encyclopädie (Glossae
Salomonis) s. Stälin I, 404, Scherrers Verz. S. 321 bis 323. Sie ist von älterem
Ursprung und die Benennung ungerechtfertigt, doch könnte S. vielleicht diese
Sammlung veranlaßt haben. Als Ableitung eines älteren Glossars nachgewiesen von
G. Götz: Der liber glossarum, Leipz. 1891 (Abh. d. philol.-hist. Cl. der K. Sächs. G.
d. W. XIII).
[24] Die älteste Lebensbeschreibung des Stifters, S . P i r m i n, mit der
Gründungsgeschichte von Reichenau (um 724) zuerst gedr. von Mone, Quellens. I,
30-36, ist nach Mone im neunten Jahrhundert in Reichenau verfaßt; in den
Nachträgen S. 528 verlegt jedoch derselbe den Ursprung nach Hornbach und trifft
darin zusammen mit Rettberg (II, 51), welcher ihre geschichtliche Werthlosigkeit
nachweist, Dümmler verweist auch auf Wal. Visio Wett. v. 30 für den Ursprung in
Hornbach. Dafür auch Holder-Egger in der Ausg. Vita Pirminii I. et II. cum miraculis
nachgewiesen von B. Simson u. Zeumer, s. Waitz-Aufsätze S. 113; NA. XII, 428.
[18] Vgl. Meyer v. Knonau, Mitth. XIII, 60. XV, 161.
[19] Diese Ansicht Dümmlers bekämpft Dammert, Forsch. VIII, 327 bis 366 u. will
vielmehr Roudker, den Ekkehard als Mentor Salomons bezeichnet, auch die Briefe
zuschreiben. Meyer v. Knonau hat diese Ansicht S. 21 als chronologisch unmöglich
widerlegt. Ebenso bekämpft er S. 4 auch Notker, aber hier ist die Chronologie ganz
unsicher, und mir erscheinen die Gründe für Notker auch jetzt noch überwiegend, u.
so auch Zeumer, NA. VIII, 513-517. — Ueber Salomons Familie s. Graf Zeppelin,
Thurgauische Beitr. XXX, 42.
[20] Früher Formulae Alsaticae genannt. Zum ersten Mal kritisch und vollständig
herausgegeben von Dümmler: Das Formelbuch des Bischofs Salomo III, Leipzig
1857. Verbesserungen St. Gallische Denkm. S. 261. Verse von Notker (?) an Salomo
S. 225. Ueber Salomo Formelbuch 103 ff. Denkm. 262 ff. Eine populäre Schilderung
in: Das Kloster St. Gallen, vom historischen Verein, II, 1864, mit schöner Abbildung
seines grossen C in Sintrams Evangelium longum. Das Formelbuch nach der
Münchener Handschrift ed. Rockinger, Quellen zur bayerischen und deutschen
Geschichte VII, und in De Rozière's Sammlung. Vgl. auch Heidemann, Salomon III
von Constanz vor Antritt des Bisthums, Forsch. VII, 425-462. Dammert ib. VIII, 327-
366. Vorzüglich aber jetzt Zeumer, Formulae Salomonis, NA. VIII, 506-540, u. seine
Ausgabe MG. Form. p. 390-437. Ein merkwürdiges Denkmal der St. Galler
Gelehrsamkeit und Schreibkunst ist das Psalterium, welches Salomo 909 schreiben
ließ, mit 3 lateinischen Versionen und dem griechischen Text in lateinischen
Buchstaben, mit einem einleitenden Gedicht; dieses neu herausgegeben von
Dümmler, Ostfr. (1. Ausg.) II, 681, von Hamann: Canticum Moysi ex psalterio
quadruplici Salomonis III (Lips. 1874), p. 18. Frühzeitig ist eine um 6 Verse am
Anfang verstümmelte Abschrift der Verse verbreitet, s. Bianchini, Vindiciae p. CCLI,
Codd. Colon. p. 3. 4.
[21] Zeumer, Reichenauer Formeln, NA. VIII, 481-505. Daselbst S. 547 ff.
Nachweis, daß Iso nur irrthümlich Formeln zugeschrieben sind.
[22] Nach Canis. (II, 3, 245) berichtigt nach der Handschrift von Dümmler, Denkm.
S. 239, mit dem größtentheils aus Reminiscenzen von Venantius bestehenden
Trostgedicht von Waldram, und anderen Gedichten desselben. Vgl. Scherrers Verz.
73 über den Cod. 197. NA. IV, 550-554.
[23] Bei Dümmler, Denkm. S. 230-239 (v. 9. l. iterare, v. 42: si domui conjuncta
domus primordia sumpsit.); vgl. W. Giesebrecht, Geschichte der Kaiserzeit I, 174,
Dümmler, Ostfr. III, 527. Ueber die Salomo zugeschriebene Encyclopädie (Glossae
Salomonis) s. Stälin I, 404, Scherrers Verz. S. 321 bis 323. Sie ist von älterem
Ursprung und die Benennung ungerechtfertigt, doch könnte S. vielleicht diese
Sammlung veranlaßt haben. Als Ableitung eines älteren Glossars nachgewiesen von
G. Götz: Der liber glossarum, Leipz. 1891 (Abh. d. philol.-hist. Cl. der K. Sächs. G.
d. W. XIII).
[24] Die älteste Lebensbeschreibung des Stifters, S . P i r m i n, mit der
Gründungsgeschichte von Reichenau (um 724) zuerst gedr. von Mone, Quellens. I,
30-36, ist nach Mone im neunten Jahrhundert in Reichenau verfaßt; in den
Nachträgen S. 528 verlegt jedoch derselbe den Ursprung nach Hornbach und trifft
darin zusammen mit Rettberg (II, 51), welcher ihre geschichtliche Werthlosigkeit
nachweist, Dümmler verweist auch auf Wal. Visio Wett. v. 30 für den Ursprung in
Hornbach. Dafür auch Holder-Egger in der Ausg. Vita Pirminii I. et II. cum miraculis
Page 370
MG. SS. XV, 17-35; vgl. p. 574a. Vgl. O. Breitenbach im NA. II, 170-174 über die
von Gallus Oehem benutzte Bearbeitung. Sehr merkw. Predigt von ihm bei Caspari,
Kirchenhist. Anecdota (1883) S. 151-159 (Dicta Priminii).
[25] Neugart Ep. Const. I, 142 aus Oheims Chronik, und jetzt Gallus Oheims
Chronik von Reichenau ed. Barack (1866) S. 43. Oheim muß über die Bereicherung
der Bibliothek und eingetretene Mönche in dieser Zeit, von Waldo bis Rudhelm, eine
jetzt verlorene Quelle gehabt haben, die bis c. 840 reichte und vielleicht von
Reginbert herrührte, s. O. Breitenbach, NA. II, 201. Waldo hat danach eine Zeit lang
auch das Bisthum Pavia verwaltet. In der Visio Wettini büßt er für die Sünde des
Geizes. Das Diptychon aus Erlebalds Zeit NA. IV, 72, ist das von Piper
herausgegebene Verbrüderungsbuch.
[26] S. den 821 begonnenen Catalog bei Neugart I, 536-552, vgl. S. 152 und
Mommsen, Die Chronik des Cass. Senator S. 573-585 über die von ihm angelegte
hist. mathematische Sammlung. Auch die Carlsruher Vita Bonif. stammt daher, s. d.
Inschrift MG. II, 332, Jaffé Bibl. III, 425. Fragment des Liber sextus in Libri's
Auctionscatalog (1859) S. 246 mit Facsimile. Die Verse, welche er in die Bücher
eintrug, Poet. Lat. II, 424, vgl. NA. XIII, 665.
[27] Baluzii Capit. II, 1382. Reginbert wird von ihnen flos juvenum forma speciosus
amoena genannt. Das Buch nebst einem zweiten von denselben geschenkten im
Catalog S. 550. Das Martyrologium ed. A. Holder, Röm. Quartalschrift III, S. 204-
261. Oben → S. 60.
[28] Herm. Contr. a. 811, vgl. über ihn Neugart I, 142-148, Rettberg II, 93-96, und
die Reichenauer Inschriften bei Mone, Quellens. III, 133. Dümmler, NA. IV, 284.
Poet. Lat. II, 425. O. Seebass vermuthet in ihm den Vf. der Statuta Murbacensia, Zts.
f. Kirchengesch. XII, 322 (NA. XVI, 645). — Gleichzeitige Aufzeichnung darüber,
daß am 21. Dez. 823 das Bisthum Basel Odalrich commendirt wurde, in Mone's
Zeitschr. f. Gesch. d. Oberrheins II, 384; MG. SS. XIII, 374 cum catal. epp. Basil.
[29] Poet. Lat. II, 350. Ein Brief von Tatto Bibl. III, 323.
[30] Heitonis Visio Wettini, abgedr. mit dem früher hier mitgetheilten Prolog bei
Dümmler, Poet. Lat. II, 267-275. Walahfrids Bearbeitung ist durch seine Zuthaten
besonders wichtig für die Geschichte des Klosters. Vgl. über die Anspielungen auf
Bedränger desselben, und über die Nachahmung des Prudentius, Bock im Jahrb. d.
Alterthumsfr. im Rheinland L, (1871) S. 7. — Meistens mit dieser Vision verbunden,
findet sich im Cod. S. Galli 573, Lambac. qu. 77, Monac. Lat. 536 u. 18 546, Brux.
10 687, Run. 51, folgende:
VISIO CUIUSDAM PAUPERCULAE MULIERIS.
Fuit namque in Laudonico pago quaedam mulier paupercula, quae in extasi rapta
rediens multa ac miranda narravit. Ducebat autem illam, ut ipsa referebat, quidam
homo in monachico habitu constitutus, ubi requiem sanctorum et poenam iniquorum
cernebat, talem qualem Paulus apostolus in epistola sua scribit: quod oculus non
vidit nec auris audivit nec in cor hominis ascendit. Ibi etiam videbat quendam
principem Italiae (Karl d. Gr. ganz ähnlich wie in der Visio Wettini) in tormentis,
multosque alios notos, quosdam in poena, quosdam in gloria. Interrogavit illa
eundem ductorem illius, si ille ad aeternam ultra vitam redire debuisset. At ille:
Utique debet. Nam si Hlodouuicus, inquit, imperator, natus ejus, septem agapes pro
illo pleniter dispensat, resolutus est. Pichonem (al. Picconem) vero hujus regis qui
quondam fuit amicus, supinum jacere in tormentis, taetrosque spiritus duos aurum
von Gallus Oehem benutzte Bearbeitung. Sehr merkw. Predigt von ihm bei Caspari,
Kirchenhist. Anecdota (1883) S. 151-159 (Dicta Priminii).
[25] Neugart Ep. Const. I, 142 aus Oheims Chronik, und jetzt Gallus Oheims
Chronik von Reichenau ed. Barack (1866) S. 43. Oheim muß über die Bereicherung
der Bibliothek und eingetretene Mönche in dieser Zeit, von Waldo bis Rudhelm, eine
jetzt verlorene Quelle gehabt haben, die bis c. 840 reichte und vielleicht von
Reginbert herrührte, s. O. Breitenbach, NA. II, 201. Waldo hat danach eine Zeit lang
auch das Bisthum Pavia verwaltet. In der Visio Wettini büßt er für die Sünde des
Geizes. Das Diptychon aus Erlebalds Zeit NA. IV, 72, ist das von Piper
herausgegebene Verbrüderungsbuch.
[26] S. den 821 begonnenen Catalog bei Neugart I, 536-552, vgl. S. 152 und
Mommsen, Die Chronik des Cass. Senator S. 573-585 über die von ihm angelegte
hist. mathematische Sammlung. Auch die Carlsruher Vita Bonif. stammt daher, s. d.
Inschrift MG. II, 332, Jaffé Bibl. III, 425. Fragment des Liber sextus in Libri's
Auctionscatalog (1859) S. 246 mit Facsimile. Die Verse, welche er in die Bücher
eintrug, Poet. Lat. II, 424, vgl. NA. XIII, 665.
[27] Baluzii Capit. II, 1382. Reginbert wird von ihnen flos juvenum forma speciosus
amoena genannt. Das Buch nebst einem zweiten von denselben geschenkten im
Catalog S. 550. Das Martyrologium ed. A. Holder, Röm. Quartalschrift III, S. 204-
261. Oben → S. 60.
[28] Herm. Contr. a. 811, vgl. über ihn Neugart I, 142-148, Rettberg II, 93-96, und
die Reichenauer Inschriften bei Mone, Quellens. III, 133. Dümmler, NA. IV, 284.
Poet. Lat. II, 425. O. Seebass vermuthet in ihm den Vf. der Statuta Murbacensia, Zts.
f. Kirchengesch. XII, 322 (NA. XVI, 645). — Gleichzeitige Aufzeichnung darüber,
daß am 21. Dez. 823 das Bisthum Basel Odalrich commendirt wurde, in Mone's
Zeitschr. f. Gesch. d. Oberrheins II, 384; MG. SS. XIII, 374 cum catal. epp. Basil.
[29] Poet. Lat. II, 350. Ein Brief von Tatto Bibl. III, 323.
[30] Heitonis Visio Wettini, abgedr. mit dem früher hier mitgetheilten Prolog bei
Dümmler, Poet. Lat. II, 267-275. Walahfrids Bearbeitung ist durch seine Zuthaten
besonders wichtig für die Geschichte des Klosters. Vgl. über die Anspielungen auf
Bedränger desselben, und über die Nachahmung des Prudentius, Bock im Jahrb. d.
Alterthumsfr. im Rheinland L, (1871) S. 7. — Meistens mit dieser Vision verbunden,
findet sich im Cod. S. Galli 573, Lambac. qu. 77, Monac. Lat. 536 u. 18 546, Brux.
10 687, Run. 51, folgende:
VISIO CUIUSDAM PAUPERCULAE MULIERIS.
Fuit namque in Laudonico pago quaedam mulier paupercula, quae in extasi rapta
rediens multa ac miranda narravit. Ducebat autem illam, ut ipsa referebat, quidam
homo in monachico habitu constitutus, ubi requiem sanctorum et poenam iniquorum
cernebat, talem qualem Paulus apostolus in epistola sua scribit: quod oculus non
vidit nec auris audivit nec in cor hominis ascendit. Ibi etiam videbat quendam
principem Italiae (Karl d. Gr. ganz ähnlich wie in der Visio Wettini) in tormentis,
multosque alios notos, quosdam in poena, quosdam in gloria. Interrogavit illa
eundem ductorem illius, si ille ad aeternam ultra vitam redire debuisset. At ille:
Utique debet. Nam si Hlodouuicus, inquit, imperator, natus ejus, septem agapes pro
illo pleniter dispensat, resolutus est. Pichonem (al. Picconem) vero hujus regis qui
quondam fuit amicus, supinum jacere in tormentis, taetrosque spiritus duos aurum
Page 371
liquefacere et in os ejus infundere dicentes: Hinc sitisti in saeculo nec saturari
potuisti; modo bibe ad saturitatem! Irmingartam namque reginam aeque in
tormentis, quae super se habebat cautes tres quasi molares, unum super caput,
alterum super pectus, tertium super dorsum, qui semper eam in profundum
mergebant. Mira namque dicturus sum. Clamavit namque ad istam dicendo: Vade et
dominum meum roga imperatorem, ut me misellam adjuvare dignetur. Et da ei
signum ut sciat a me missam te fore, istud quod meae depositionis (desponsationis?)
tempestate sola cum ipso loquebar in uno pomerio, et hoc statim bene cognoscet,
quia adhuc hodie cunctos latet eadem locutio nisi nos tantum. Cumque inde
pergerent, ostendit ei ductor illius murum cujus cacumen coelum usque tendebat, et
post eum alterum qui totus scriptus erat aureis caracteribus. Interrogavitque illa quid
hoc esset. Terrestris, inquit, paradisus est, ubi nullus intrabit nisi qui hic scriptus
reperitur. Imperavitque illi ut legeret. At illa ait: Non didici litteras. Scio inquit, sed
tamen lege. Legit namque illa, et invenit nomen Bernharti quondam regis tam
luculentis litteris exaratum sicut nullius ibidem fuit. Postea Hlodouuici regis tam
obscurum et oblitteratum, ut vix agnosci potuisset. At illa: Quid est, inquit, quod
istud nomen tam oblitteratum est? Antequam, ait, in Bernhartum homicidium
perpetrasset, nullius ibi nomen clarius erat. Illius interfectio istius oblitteratio fuit.
Vade et cave diligenter, ne horum quid regem celaveris. Illa vero non ausa conticuit.
Non post multum rursum ammonuit eam, que ut prius conticuit. Tertia vero vice venit
et dixit: Quid est quod non gestis obsecundare verbo Domini? Quae respondit:
Domine, vilis sum persona, et ista non audeo in medum proferre. Ex hoc ait illi:
Luminum tuorum non gaudebis, donec ea coram rege exponis. Cujus ilico pupilla
caligine obducta est. Post dies multos venit in praesentiam regis, cuncta tradidit,
lumenque recepit.
Diese Visio ist wieder abgedruckt bei Malfatti: Bernardo rè d'Italia, Firenze 1876
(Nuova Antologia). Irmgard st. den 3. October 818; ihr schreibt auch Andreas Berg.
c. 8. Bernhards Tod zu, der in den Ann. Aug. 817 und im Necrol. zum 17. Apr.
verzeichnet ist. Daß Irmgard sich zur Zeit ihres Todes mit Ludwig gerade in einem
Baumgarten unterhalten habe, scheint mir kaum wahrscheinlich. Ueber Picho oder
Bego s. B. Simson, Ludwig d. Fr. I, 11 Anm. 8. Nach freundl. Mittheilung des H.
Prof. Sievers in Jena steht die Visio auch im cod. Aug. 111 (Carlsr. 185) saec. X mit
dem Schluß: Hinc quedam que mihi narravit minus commoda supersedenda sunt, ut
ea introducantur, unde tota oratio sumpsit exordium. Danach scheint es ein
Bruchstück aus einem unbekannten Werk zu sein. Es folgt auch hier die Visio
Wettini, im cod. Sangall. die Visio Baronti von 680 (Acta SS. Martii III, 570). Mit
dieser ist in einer Petersb. Hs. verbunden die Visio Rotcharii, viell. aus Fleury, worin
Karl unter den Seligen erscheint, s. Anz. d. Germ. Mus. XXII, 73; Auszug bei
Mabillon, Act. IV, 1, 667. Aehnlicher Art ist die Visio Bernoldi von Hincmar, s. Ebert
II, 256, der, wie Dümmler bemerkt, bei der Aufzählung der Visionen Alcuin de
Sanctis Euboric. eccl. v. 875-1006 übersehen hat. — Inhaltsangaben bei C. Fritzsche,
Die lat. Visionen des Mittelalters, in Vollmöllers Roman. Forsch. II.
[31] Poet, Lat. II, 301-334.
potuisti; modo bibe ad saturitatem! Irmingartam namque reginam aeque in
tormentis, quae super se habebat cautes tres quasi molares, unum super caput,
alterum super pectus, tertium super dorsum, qui semper eam in profundum
mergebant. Mira namque dicturus sum. Clamavit namque ad istam dicendo: Vade et
dominum meum roga imperatorem, ut me misellam adjuvare dignetur. Et da ei
signum ut sciat a me missam te fore, istud quod meae depositionis (desponsationis?)
tempestate sola cum ipso loquebar in uno pomerio, et hoc statim bene cognoscet,
quia adhuc hodie cunctos latet eadem locutio nisi nos tantum. Cumque inde
pergerent, ostendit ei ductor illius murum cujus cacumen coelum usque tendebat, et
post eum alterum qui totus scriptus erat aureis caracteribus. Interrogavitque illa quid
hoc esset. Terrestris, inquit, paradisus est, ubi nullus intrabit nisi qui hic scriptus
reperitur. Imperavitque illi ut legeret. At illa ait: Non didici litteras. Scio inquit, sed
tamen lege. Legit namque illa, et invenit nomen Bernharti quondam regis tam
luculentis litteris exaratum sicut nullius ibidem fuit. Postea Hlodouuici regis tam
obscurum et oblitteratum, ut vix agnosci potuisset. At illa: Quid est, inquit, quod
istud nomen tam oblitteratum est? Antequam, ait, in Bernhartum homicidium
perpetrasset, nullius ibi nomen clarius erat. Illius interfectio istius oblitteratio fuit.
Vade et cave diligenter, ne horum quid regem celaveris. Illa vero non ausa conticuit.
Non post multum rursum ammonuit eam, que ut prius conticuit. Tertia vero vice venit
et dixit: Quid est quod non gestis obsecundare verbo Domini? Quae respondit:
Domine, vilis sum persona, et ista non audeo in medum proferre. Ex hoc ait illi:
Luminum tuorum non gaudebis, donec ea coram rege exponis. Cujus ilico pupilla
caligine obducta est. Post dies multos venit in praesentiam regis, cuncta tradidit,
lumenque recepit.
Diese Visio ist wieder abgedruckt bei Malfatti: Bernardo rè d'Italia, Firenze 1876
(Nuova Antologia). Irmgard st. den 3. October 818; ihr schreibt auch Andreas Berg.
c. 8. Bernhards Tod zu, der in den Ann. Aug. 817 und im Necrol. zum 17. Apr.
verzeichnet ist. Daß Irmgard sich zur Zeit ihres Todes mit Ludwig gerade in einem
Baumgarten unterhalten habe, scheint mir kaum wahrscheinlich. Ueber Picho oder
Bego s. B. Simson, Ludwig d. Fr. I, 11 Anm. 8. Nach freundl. Mittheilung des H.
Prof. Sievers in Jena steht die Visio auch im cod. Aug. 111 (Carlsr. 185) saec. X mit
dem Schluß: Hinc quedam que mihi narravit minus commoda supersedenda sunt, ut
ea introducantur, unde tota oratio sumpsit exordium. Danach scheint es ein
Bruchstück aus einem unbekannten Werk zu sein. Es folgt auch hier die Visio
Wettini, im cod. Sangall. die Visio Baronti von 680 (Acta SS. Martii III, 570). Mit
dieser ist in einer Petersb. Hs. verbunden die Visio Rotcharii, viell. aus Fleury, worin
Karl unter den Seligen erscheint, s. Anz. d. Germ. Mus. XXII, 73; Auszug bei
Mabillon, Act. IV, 1, 667. Aehnlicher Art ist die Visio Bernoldi von Hincmar, s. Ebert
II, 256, der, wie Dümmler bemerkt, bei der Aufzählung der Visionen Alcuin de
Sanctis Euboric. eccl. v. 875-1006 übersehen hat. — Inhaltsangaben bei C. Fritzsche,
Die lat. Visionen des Mittelalters, in Vollmöllers Roman. Forsch. II.
[31] Poet, Lat. II, 301-334.
Page 372
[32] Herausgegeben von Mommsen im Rhein. Museum 1854, IX, 299. Poet. Lat. I,
114.
[33] Vgl. Dümmler, Ostfr. I, 322. Poet. Lat. II, 420.
[34] S. über ihn Dümmler, NA. IV, 270-286. 580 und die gesammelten Gedichte
Poet. Lat. II, 259-423. Ebert II, 145-166. Hauck II, 600 ff. Opera Migne CXIII.
CXIV. Eine Anleitung zur Metrik mit Beispielen, v. Huemer, NA. X, 166-169. Der
von ihm besungene Blaithmaic st. 827; es kamen flüchtige Mönche von Hy nach
Reichenau. NA. XVII, 210. — Dümmler, NA. VII, 402, Zeumer ib. VIII, 496-507,
über die Reichenauer Briefformeln, aus Erlebolds u. Walahfrids Zeit mit
geschichtlich nicht unwichtigen Briefen. — Im Jahresbericht über die
Erziehungsanstalt des Benedictinerstifts Maria-Einsiedeln 1856/7 ist ein Versuch
gemacht, die Jugendgeschichte Walahfrids von ihm selbst schildern zu lassen,
welcher zuweilen irregeführt hat, als ob ein Original von ihm zu Grunde liege. Eine
angebl. Urk. von W. von 843 ist Fälschung d. 12. Jhs. Brandi, Die Reichenauer
Urkundenfälschungen, Heidelb. 1890.
[35] Poet. Lat. II, 350; eine andere, auch in Tatto's Namen, an den Landbischof
Degan, S. 351.
[36] Formulae ed. Zeumer p. 376 n. 25.
[37] NA. XVII, 261-279.
[38] Poet. Lat. II, 301-333.
[39] Ad. Loth. v. 31. Zeitschr. f. D. Alt. XIX, 463. Poet. II, 414, und S. 259 weitere
Belege für seine geringe Herkunft.
[40] Versus de imagine Tetrici, Poet. Lat. II, 370-378. Früher von C. P. Bock in den
Jahrbüchern des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinland V (1844), von
Dümmler in d. Zeitschr. f. D. Alt, XII, 461-470, vgl. XIX, 466. Sehr gewagte
Hypothesen von H. Grimm: Das Reiterstandbild des Th. zu Aachen und das Gedicht
des W. darauf, Berlin 1869. Dagegen die lehrreiche Abh. von Bock im angef.
Jahrbuch L (1871) S. 1-52. Wieder abweichend Jul. v. Schlosser, Wiener SB. CXXIII
(1891) S. 164-175.
[41] Bouq. VI, 269; vgl. B. Simson, Lud. d. Fr. II, 99. Dümmler, Hist. Zeitschr.
XXXVII, 134; Poet. II, 388. Judith, hier Ioda genannt, schmückte für Ludwig ein
Prachtgewand, welches Karl der Kahle der Röm. Paulskirche schenkte, seine
Gemahlin Irmintrud vollendete mit gepriesener Kunstfertigkeit dieses und andere
Gewänder, ähnlich Lothars Gemahlin Ermengarde, s. die von Dümmler mitgetheilten
Verse, Zeitschr. f. D. Alt. XLX, 146-148.
[42] Dümmler in d. Zeitschr. f. D. Alt. XXI, 82-86. Poet. II, 403. 355.
[43] Dümmler in d. Zeitschr. f. D. Alt. XXI, 462-466. Poet. II, 413.
[44] Dümmler im Anz. d. Germ. Mus. XXIII (1876) 177-188. Poet. II, 415.
[45] Epitaphium ed. Dümmler, Zeitschr. f. D. Alt. XIX, 113. Poet. II, 423.
[46] Das sprachlich interessante Cap. 7 theilt Dümmler in d. Zts. f. D. Alt. XXV, 99,
berichtigt mit. Neue Ausg. v. Al. Knoepfler, München 1890, vgl. Dümmler, NA.
XVII, 224. Eine andere wird für MG. Capitularia II vorbereitet.
[47] Mab. Anal. p. 358. Hänel in Jahn und Seebode's Archiv, 5. Supplementband, S.
115. Mommsen in den Berichten über die Verhandlungen d. K. Sächs. G. d. W. Phil.
Cl. 1850, IV, 287. Rhein. Museum 1854, IX, 296. Urlichs, Codex urbis Romae
topographicus, Wirceb. 1871, S. 59-78. H. Jordan, Topogr. d. Stadt Rom II behandelt
den topographischen Theil. De Rossi, Inscriptt. christt. II, 1. 1888.
114.
[33] Vgl. Dümmler, Ostfr. I, 322. Poet. Lat. II, 420.
[34] S. über ihn Dümmler, NA. IV, 270-286. 580 und die gesammelten Gedichte
Poet. Lat. II, 259-423. Ebert II, 145-166. Hauck II, 600 ff. Opera Migne CXIII.
CXIV. Eine Anleitung zur Metrik mit Beispielen, v. Huemer, NA. X, 166-169. Der
von ihm besungene Blaithmaic st. 827; es kamen flüchtige Mönche von Hy nach
Reichenau. NA. XVII, 210. — Dümmler, NA. VII, 402, Zeumer ib. VIII, 496-507,
über die Reichenauer Briefformeln, aus Erlebolds u. Walahfrids Zeit mit
geschichtlich nicht unwichtigen Briefen. — Im Jahresbericht über die
Erziehungsanstalt des Benedictinerstifts Maria-Einsiedeln 1856/7 ist ein Versuch
gemacht, die Jugendgeschichte Walahfrids von ihm selbst schildern zu lassen,
welcher zuweilen irregeführt hat, als ob ein Original von ihm zu Grunde liege. Eine
angebl. Urk. von W. von 843 ist Fälschung d. 12. Jhs. Brandi, Die Reichenauer
Urkundenfälschungen, Heidelb. 1890.
[35] Poet. Lat. II, 350; eine andere, auch in Tatto's Namen, an den Landbischof
Degan, S. 351.
[36] Formulae ed. Zeumer p. 376 n. 25.
[37] NA. XVII, 261-279.
[38] Poet. Lat. II, 301-333.
[39] Ad. Loth. v. 31. Zeitschr. f. D. Alt. XIX, 463. Poet. II, 414, und S. 259 weitere
Belege für seine geringe Herkunft.
[40] Versus de imagine Tetrici, Poet. Lat. II, 370-378. Früher von C. P. Bock in den
Jahrbüchern des Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinland V (1844), von
Dümmler in d. Zeitschr. f. D. Alt, XII, 461-470, vgl. XIX, 466. Sehr gewagte
Hypothesen von H. Grimm: Das Reiterstandbild des Th. zu Aachen und das Gedicht
des W. darauf, Berlin 1869. Dagegen die lehrreiche Abh. von Bock im angef.
Jahrbuch L (1871) S. 1-52. Wieder abweichend Jul. v. Schlosser, Wiener SB. CXXIII
(1891) S. 164-175.
[41] Bouq. VI, 269; vgl. B. Simson, Lud. d. Fr. II, 99. Dümmler, Hist. Zeitschr.
XXXVII, 134; Poet. II, 388. Judith, hier Ioda genannt, schmückte für Ludwig ein
Prachtgewand, welches Karl der Kahle der Röm. Paulskirche schenkte, seine
Gemahlin Irmintrud vollendete mit gepriesener Kunstfertigkeit dieses und andere
Gewänder, ähnlich Lothars Gemahlin Ermengarde, s. die von Dümmler mitgetheilten
Verse, Zeitschr. f. D. Alt. XLX, 146-148.
[42] Dümmler in d. Zeitschr. f. D. Alt. XXI, 82-86. Poet. II, 403. 355.
[43] Dümmler in d. Zeitschr. f. D. Alt. XXI, 462-466. Poet. II, 413.
[44] Dümmler im Anz. d. Germ. Mus. XXIII (1876) 177-188. Poet. II, 415.
[45] Epitaphium ed. Dümmler, Zeitschr. f. D. Alt. XIX, 113. Poet. II, 423.
[46] Das sprachlich interessante Cap. 7 theilt Dümmler in d. Zts. f. D. Alt. XXV, 99,
berichtigt mit. Neue Ausg. v. Al. Knoepfler, München 1890, vgl. Dümmler, NA.
XVII, 224. Eine andere wird für MG. Capitularia II vorbereitet.
[47] Mab. Anal. p. 358. Hänel in Jahn und Seebode's Archiv, 5. Supplementband, S.
115. Mommsen in den Berichten über die Verhandlungen d. K. Sächs. G. d. W. Phil.
Cl. 1850, IV, 287. Rhein. Museum 1854, IX, 296. Urlichs, Codex urbis Romae
topographicus, Wirceb. 1871, S. 59-78. H. Jordan, Topogr. d. Stadt Rom II behandelt
den topographischen Theil. De Rossi, Inscriptt. christt. II, 1. 1888.
Page 373
[48] Vgl. über ihn E. Dümmler: Ueber Ermenrich von Ellwangen u. seine Schriften,
Forsch. XIII, 473-485. XIV, 403. 404. NA. IV, 321. Er schrieb den Stiftungsbrief
Salomons für Wiesensteig nach Bossert, Württ. Vierteljahrshefte 1889, S. 142.
[49] Als Hraban noch Abt war, also vor 842. Erm. Sermo de Vita S. Sualonis, ed.
Holder-Egger SS. XV, 151-163. Im Anfang ist Sedulii Carmen paschale benutzt, nach
Manitius, Wiener SB. CXXI, 6.
[50] Dümmler, St. Gall. Denkm. S. 248. Gundram nennt er eximii ministerii
conlevita.
[51] Vita Hariolfi ed. Pertz, MG. SS. X, 11-15. Ermanrich u. Mahtolf, die Träger des
Dialogs, sind beide im St. G. Verbrüderungsbuch ed. Piper, p. 44, col. 111. — Ausg.
v. Giefel, Württ. Geschichtsqu. II. 1888.
[52] Dieses erwähnt Ermenrich in dem Briefe mit folgenden Worten: „Adjunxi autem
et huic operi breve opusculum, quod de inceptione nostri coenobii et fratrum ibidem
Deo famulantium vita conscripsi ipsaque dicta viro per omnia doctissimo Gozbaldo
episcopo vel approbanda seu refutanda commendavi.“ Diese Worte lassen kaum
daran zweifeln, daß die Vita Hariolfi gemeint ist, obgleich von den Ellwanger
Mönchen nur wenig darin vorkommt; es spricht auch, wie Dümmler bemerkt, dafür
die Stelle der Vita l. c. p. 11: „quis primus hujus loci cum Deo inceptor fuerit,
quantique viri Deo amabiles sub eo exstiterint“. Daß ein anderer Ermenrich aus
Reichenau zu derselben Zeit eine Geschichte dieses Klosters verfaßt und ebenfalls an
Gozbald gesandt haben sollte, ist unglaublich.
[53] Das Sendschreiben ist vollständig zuerst herausgegeben von Dümmler im Haller
Preisvertheilungsprogramm von 1873, und bes. Abdruck. Es ist voll von
grammatischen Fehlern, die zum Theil vom Abschreiber herrühren mögen. Vgl. M.
Haupt im Hermes I, 403 und Dümmler in d. Forsch. a. a. O.
[54] Dümmler, Piligrim von Passau S. 144.
[55] Mabillons treffliche Kritik ist bestätigt und ergänzt durch Rettberg II, 147-151,
wo Plac. Brauns Versuch, den zweiten Theil zu retten, widerlegt ist. Für denselben
sind neuerdings eingetreten Fr. Pfeiffer, Freie Forschung S. 295 aus Germania I, und
Friedrich KG. II, 351-366. Das letzte Stück mit der Translationsgeschichte MG. SS.
IV, 382. 425-427. Ueber eine jüngere Bearbeitung Archiv XI, 270. Nach einer
Mittheilung von Baumann ist dessen Ansicht, daß man bei der Erhebung der
Magnusreliquien um 851 im Kloster Füssen durch einen Ellwanger Mönch die
Volksüberlieferung, wie sie bis dahin sich entwickelt hatte, niederschreiben ließ; in
St. Gallen wollte man, als die Magnuskirche um 890 gebaut wurde, auch eine
Legende haben, verwechselte ihn mit dem Maginold der Vita S. Galli und brachte so
den Wechselbalg zu Stande.
[56] Im Sanctgaller Catalog saec. IX bei Weidmann S. 385 erwähnt als
Commemoratio de miraculis S. Genesii. Als Ex Miraculis S. Genesii ed. Waitz, SS.
XV, 169-172.
[57] Dieser wird, wie Dümmler bemerkt, bei Herrgott, Geneal. III, 832, als
Wohlthäter von Reichenau erwähnt. Er erscheint im Verbrüderungsbuch S. 294, col.
466.
[58] Miracula S. Marci bei Mone, Quellens. I, 62-67: im Auszug MG. SS. IV, 449-
452. Vgl. auch Quellens. III, 135.
[59] Mone, Quellens. I, 232 cf. Acta SS. Sept. VI, 787. Auf Fortunata und das Jahr
874 angewandt auch in der ersten Ausgabe dieses Buches S. 150 aus 2 Münchener
Forsch. XIII, 473-485. XIV, 403. 404. NA. IV, 321. Er schrieb den Stiftungsbrief
Salomons für Wiesensteig nach Bossert, Württ. Vierteljahrshefte 1889, S. 142.
[49] Als Hraban noch Abt war, also vor 842. Erm. Sermo de Vita S. Sualonis, ed.
Holder-Egger SS. XV, 151-163. Im Anfang ist Sedulii Carmen paschale benutzt, nach
Manitius, Wiener SB. CXXI, 6.
[50] Dümmler, St. Gall. Denkm. S. 248. Gundram nennt er eximii ministerii
conlevita.
[51] Vita Hariolfi ed. Pertz, MG. SS. X, 11-15. Ermanrich u. Mahtolf, die Träger des
Dialogs, sind beide im St. G. Verbrüderungsbuch ed. Piper, p. 44, col. 111. — Ausg.
v. Giefel, Württ. Geschichtsqu. II. 1888.
[52] Dieses erwähnt Ermenrich in dem Briefe mit folgenden Worten: „Adjunxi autem
et huic operi breve opusculum, quod de inceptione nostri coenobii et fratrum ibidem
Deo famulantium vita conscripsi ipsaque dicta viro per omnia doctissimo Gozbaldo
episcopo vel approbanda seu refutanda commendavi.“ Diese Worte lassen kaum
daran zweifeln, daß die Vita Hariolfi gemeint ist, obgleich von den Ellwanger
Mönchen nur wenig darin vorkommt; es spricht auch, wie Dümmler bemerkt, dafür
die Stelle der Vita l. c. p. 11: „quis primus hujus loci cum Deo inceptor fuerit,
quantique viri Deo amabiles sub eo exstiterint“. Daß ein anderer Ermenrich aus
Reichenau zu derselben Zeit eine Geschichte dieses Klosters verfaßt und ebenfalls an
Gozbald gesandt haben sollte, ist unglaublich.
[53] Das Sendschreiben ist vollständig zuerst herausgegeben von Dümmler im Haller
Preisvertheilungsprogramm von 1873, und bes. Abdruck. Es ist voll von
grammatischen Fehlern, die zum Theil vom Abschreiber herrühren mögen. Vgl. M.
Haupt im Hermes I, 403 und Dümmler in d. Forsch. a. a. O.
[54] Dümmler, Piligrim von Passau S. 144.
[55] Mabillons treffliche Kritik ist bestätigt und ergänzt durch Rettberg II, 147-151,
wo Plac. Brauns Versuch, den zweiten Theil zu retten, widerlegt ist. Für denselben
sind neuerdings eingetreten Fr. Pfeiffer, Freie Forschung S. 295 aus Germania I, und
Friedrich KG. II, 351-366. Das letzte Stück mit der Translationsgeschichte MG. SS.
IV, 382. 425-427. Ueber eine jüngere Bearbeitung Archiv XI, 270. Nach einer
Mittheilung von Baumann ist dessen Ansicht, daß man bei der Erhebung der
Magnusreliquien um 851 im Kloster Füssen durch einen Ellwanger Mönch die
Volksüberlieferung, wie sie bis dahin sich entwickelt hatte, niederschreiben ließ; in
St. Gallen wollte man, als die Magnuskirche um 890 gebaut wurde, auch eine
Legende haben, verwechselte ihn mit dem Maginold der Vita S. Galli und brachte so
den Wechselbalg zu Stande.
[56] Im Sanctgaller Catalog saec. IX bei Weidmann S. 385 erwähnt als
Commemoratio de miraculis S. Genesii. Als Ex Miraculis S. Genesii ed. Waitz, SS.
XV, 169-172.
[57] Dieser wird, wie Dümmler bemerkt, bei Herrgott, Geneal. III, 832, als
Wohlthäter von Reichenau erwähnt. Er erscheint im Verbrüderungsbuch S. 294, col.
466.
[58] Miracula S. Marci bei Mone, Quellens. I, 62-67: im Auszug MG. SS. IV, 449-
452. Vgl. auch Quellens. III, 135.
[59] Mone, Quellens. I, 232 cf. Acta SS. Sept. VI, 787. Auf Fortunata und das Jahr
874 angewandt auch in der ersten Ausgabe dieses Buches S. 150 aus 2 Münchener
Page 374
Handschriften, da ich sie für ungedruckt hielt; vgl. Acta SS. Oct. VI, 456. Beide MG.
SS. XV, 473, v. Holder-Egger.
[60] Auszüge aus der gänzlich fabelhaften Vita Simeonis Achivi ed. Waitz MG. SS.
IV, 459. Annales Aug. breviss. 541-817 ib. III, 136 sind ohne Werth.
[61] Vgl. darüber das schöne Werk des Prof. F. Adler: Baugeschichtliche
Forschungen in Deutschland. I. Die Kloster-und Stiftskirchen auf der Insel
Reichenau, Berlin 1870 folio. Marmor: Kurze Geschichte der kirchlichen Bauten und
deren Kunstschätze auf der Insel Reichenau, Konstanz 1873. Der Text ist selbst für
einen praktischen Arzt zu schlecht.
[62] Vita Findani ed. Holder-Egger, SS. XV, 502-506. Vgl. Zeuss, Gramm. Celt. ed.
II, p. 1003.
[63] Vita S. Meginrati ed. Holder-Egger, SS. XV, 444-448.
[64] Edd. Ild. v. Arx et G. H. Pertz, MG. I. 63-66; ed. Henking, St. Gall. Mitth. XIX,
220-223. Local, aber sehr dürftig sind (MG. I, 69. 70), die Annales brevissimi
Sangallenses 768-889 (ed. Henking, ib. p. 206 bis 209; Vf. nach S. 208 A l b r i c h)
und 814-961 (ib. S. 210-212), während die Fortsetzung der Ann. S. G. Baluzii (oben
→ S. 141) 768-814 allgemeiner Art ist. Kurze Aufzeichnungen an Ostertafeln 690-
856 ed. Dümmler, NA. V, 428.
[65] S. die berichtigte Ausgabe von Jaffé, Bibl. III, 700-706.
[66] Ecclesiae Colon. Codd. p. 127. Mit dieser beschäftigt sich W. Erben, NA. XVI,
613 ff.
[67] S. unten IV § 8. Ueber Adalbero's Besuch in St. Gallen 908 und seine reichen
Schenkungen s. das Verbrüderungsbuch S. 15. Jul. Hans, Beiträge zur Geschichte des
Augsburger Schulwesens in der Zeitschrift des hist. Vereins f. Schwaben u. Neuburg
II, 1 (1875) stellt die dürftigen Nachrichten darüber zusammen.
[68] Translatio et Miracula S. Adelphi ed. L. v. Heinemann, SS. XV, 293-296, mit
einem Wunder von 1198 aus der Fehde zwischen Heinrichs VI Bruder Otto u. B.
Conrad v. Straßburg.
SS. XV, 473, v. Holder-Egger.
[60] Auszüge aus der gänzlich fabelhaften Vita Simeonis Achivi ed. Waitz MG. SS.
IV, 459. Annales Aug. breviss. 541-817 ib. III, 136 sind ohne Werth.
[61] Vgl. darüber das schöne Werk des Prof. F. Adler: Baugeschichtliche
Forschungen in Deutschland. I. Die Kloster-und Stiftskirchen auf der Insel
Reichenau, Berlin 1870 folio. Marmor: Kurze Geschichte der kirchlichen Bauten und
deren Kunstschätze auf der Insel Reichenau, Konstanz 1873. Der Text ist selbst für
einen praktischen Arzt zu schlecht.
[62] Vita Findani ed. Holder-Egger, SS. XV, 502-506. Vgl. Zeuss, Gramm. Celt. ed.
II, p. 1003.
[63] Vita S. Meginrati ed. Holder-Egger, SS. XV, 444-448.
[64] Edd. Ild. v. Arx et G. H. Pertz, MG. I. 63-66; ed. Henking, St. Gall. Mitth. XIX,
220-223. Local, aber sehr dürftig sind (MG. I, 69. 70), die Annales brevissimi
Sangallenses 768-889 (ed. Henking, ib. p. 206 bis 209; Vf. nach S. 208 A l b r i c h)
und 814-961 (ib. S. 210-212), während die Fortsetzung der Ann. S. G. Baluzii (oben
→ S. 141) 768-814 allgemeiner Art ist. Kurze Aufzeichnungen an Ostertafeln 690-
856 ed. Dümmler, NA. V, 428.
[65] S. die berichtigte Ausgabe von Jaffé, Bibl. III, 700-706.
[66] Ecclesiae Colon. Codd. p. 127. Mit dieser beschäftigt sich W. Erben, NA. XVI,
613 ff.
[67] S. unten IV § 8. Ueber Adalbero's Besuch in St. Gallen 908 und seine reichen
Schenkungen s. das Verbrüderungsbuch S. 15. Jul. Hans, Beiträge zur Geschichte des
Augsburger Schulwesens in der Zeitschrift des hist. Vereins f. Schwaben u. Neuburg
II, 1 (1875) stellt die dürftigen Nachrichten darüber zusammen.
[68] Translatio et Miracula S. Adelphi ed. L. v. Heinemann, SS. XV, 293-296, mit
einem Wunder von 1198 aus der Fehde zwischen Heinrichs VI Bruder Otto u. B.
Conrad v. Straßburg.
Page 375
§ 19. Baiern und Franken. [ ← ]
Baiern, wo schon unter den Agilolfingern eine rege litterarische
Thätigkeit begonnen hatte, zeigt auch in diesem Abschnitte Spuren
derselben, und es wird an geschichtlichen Aufzeichnungen in den
zahlreichen und blühenden Klöstern des Landes nicht gefehlt haben,
obgleich im ganzen die Bedürfnisse des praktischen Lebens, der
Geschäftsthätigkeit und des Schulunterrichts die Kräfte überwiegend in
Anspruch nahmen. Doch ist in den Verheerungen des Landes durch die
Ungern ohne Zweifel vieles zu Grunde gegangen.
In F r ei si ng zeugen die zahlreichen grammatischen Handschriften aus
dem neunten und zehnten Jahrhundert[1] von eifrigen Studien. Nach Aribo,
dessen wir schon früher gedachten, machte sich hier der Bischof Hi tto
(810-835) sehr verdient; er veranlaßte seinen Notar C ozr oh, das höchst
schätzbare Traditionsbuch der Kirche anzulegen, welches von demselben
unter seinem Nachfolger Erchanbert (bis 853) fortgesetzt wurde[2]. An
seinem Bischofsitz gründete Hitto das Kloster Weihensteph an, dem er
aus Rom 834 den h. Alexander zuführte; die von einem Genossen dieser
Uebertragung in recht gutem Latein und nicht ohne Kenntniß profaner
Autoren verfaßte Geschichte derselben habe ich, von Dümmler darauf
aufmerksam gemacht, herausgegeben[3]. Wenig später hielt dort der
Pfalzgraf Tim o Gericht, wobei sein Hund den Frevel beging, aus dem
heiligen Quell zu trinken. Rascher Tod war die Strafe, und dieses Wunder
feiert ein Gedicht, welches merkwürdig ist durch Beschreibung des
Gerichtsverfahrens, der strengen Justiz, die dort geübt ward, und durch sehr
entschiedene Bekämpfung der Ordalien[4]. Als man es im 11. Jahrhundert
von der Rolle, auf welche es geschrieben war, in ein Buch übertrug, war
leider der Anfang derselben schon beschädigt und verloren. Auch Bischof
Anno (854 bis 875) ließ ein Werk für die Bibliothek abschreiben[5]; Waldo
(884 bis 906), ein Bruder Salomons III von Constanz, zeichnete sich durch
Baiern, wo schon unter den Agilolfingern eine rege litterarische
Thätigkeit begonnen hatte, zeigt auch in diesem Abschnitte Spuren
derselben, und es wird an geschichtlichen Aufzeichnungen in den
zahlreichen und blühenden Klöstern des Landes nicht gefehlt haben,
obgleich im ganzen die Bedürfnisse des praktischen Lebens, der
Geschäftsthätigkeit und des Schulunterrichts die Kräfte überwiegend in
Anspruch nahmen. Doch ist in den Verheerungen des Landes durch die
Ungern ohne Zweifel vieles zu Grunde gegangen.
In F r ei si ng zeugen die zahlreichen grammatischen Handschriften aus
dem neunten und zehnten Jahrhundert[1] von eifrigen Studien. Nach Aribo,
dessen wir schon früher gedachten, machte sich hier der Bischof Hi tto
(810-835) sehr verdient; er veranlaßte seinen Notar C ozr oh, das höchst
schätzbare Traditionsbuch der Kirche anzulegen, welches von demselben
unter seinem Nachfolger Erchanbert (bis 853) fortgesetzt wurde[2]. An
seinem Bischofsitz gründete Hitto das Kloster Weihensteph an, dem er
aus Rom 834 den h. Alexander zuführte; die von einem Genossen dieser
Uebertragung in recht gutem Latein und nicht ohne Kenntniß profaner
Autoren verfaßte Geschichte derselben habe ich, von Dümmler darauf
aufmerksam gemacht, herausgegeben[3]. Wenig später hielt dort der
Pfalzgraf Tim o Gericht, wobei sein Hund den Frevel beging, aus dem
heiligen Quell zu trinken. Rascher Tod war die Strafe, und dieses Wunder
feiert ein Gedicht, welches merkwürdig ist durch Beschreibung des
Gerichtsverfahrens, der strengen Justiz, die dort geübt ward, und durch sehr
entschiedene Bekämpfung der Ordalien[4]. Als man es im 11. Jahrhundert
von der Rolle, auf welche es geschrieben war, in ein Buch übertrug, war
leider der Anfang derselben schon beschädigt und verloren. Auch Bischof
Anno (854 bis 875) ließ ein Werk für die Bibliothek abschreiben[5]; Waldo
(884 bis 906), ein Bruder Salomons III von Constanz, zeichnete sich durch
Page 376
seine wissenschaftliche Bildung aus, und scheint auch als Bischof in dieser
Richtung thätig gewesen zu sein[6].
In R eg ensburg war B at ur i ch (817-848) Bischof und Abt zu St.
Emmeram, zugleich Erzcaplan des Königs, ein geborener Baier, der in
Fulda Hrabans Unterricht genossen hatte, und durch die Besorgung von
Abschriften kirchlicher Werke seinen wissenschaftlichen Eifer bewies[7].
Schon unter Ambricho (864-899) begann hier A nam od die Urkunden über
Schenkungen an das Kloster St. Emmeram zu sammeln, und eignete das
vollendete Werk dessen Nachfolger Aspert (891-893) zu, welcher Kaiser
Arnulfs Kanzler gewesen war[8]. Hier verwahrte man auch jene
merkwürdige Aufzeichnung über die Gaue der Slaven, bekannt als
Geogr ap hus B awar us, welche aus einer Handschrift von St. Emmeram
durch Hormayr zuerst bekannt gemacht ist[9].
In N i ed er- Alt aich und Wür zb urg wird Go zbal d (841 bis 855),
einst Erzkanzler Ludwigs des Deutschen und immer in hoher Gunst bei
ihm, ein gelehrter Mann, den Ermanrich von Ellwangen seinen Lehrer
nennt, ohne Zweifel die Studien befördert haben, wenn uns auch nichts
darüber bekannt geworden ist. Einer Handschrift von Nieder-Altaich
verdanken wir jene geschichtlich wichtige, wenn auch in der Form
verwilderte Fortsetzung der Fulder Annalen von 882-901, welche in Baiern,
aber schwerlich in einem Kloster, geschrieben ist[10]. Für seine Kirche in
Isarhofen bei Nieder-Altaich erbat Gozbald von Gregor IV die Gebeine der
Märtyrer Agapitus und Felicissimus, und vielleicht ist es ihre Translation,
wovon sich ein Fragment erhalten hat, merkwürdig durch die Erwähnung
der Aufschriften des P. Damasus „rotundis litteris“ und der von Karl dem
Großen gestifteten Schola Francorum in Rom[11].
Zum Würzburger Sprengel gehört Laufen am Neckar, wo man S.
R eg insw i nd verehrte, Tochter des Markgrafen Ernst, welche als
siebenjähriges Mädchen 837 von ihrer Wärterin aus Rache im Neckar
Richtung thätig gewesen zu sein[6].
In R eg ensburg war B at ur i ch (817-848) Bischof und Abt zu St.
Emmeram, zugleich Erzcaplan des Königs, ein geborener Baier, der in
Fulda Hrabans Unterricht genossen hatte, und durch die Besorgung von
Abschriften kirchlicher Werke seinen wissenschaftlichen Eifer bewies[7].
Schon unter Ambricho (864-899) begann hier A nam od die Urkunden über
Schenkungen an das Kloster St. Emmeram zu sammeln, und eignete das
vollendete Werk dessen Nachfolger Aspert (891-893) zu, welcher Kaiser
Arnulfs Kanzler gewesen war[8]. Hier verwahrte man auch jene
merkwürdige Aufzeichnung über die Gaue der Slaven, bekannt als
Geogr ap hus B awar us, welche aus einer Handschrift von St. Emmeram
durch Hormayr zuerst bekannt gemacht ist[9].
In N i ed er- Alt aich und Wür zb urg wird Go zbal d (841 bis 855),
einst Erzkanzler Ludwigs des Deutschen und immer in hoher Gunst bei
ihm, ein gelehrter Mann, den Ermanrich von Ellwangen seinen Lehrer
nennt, ohne Zweifel die Studien befördert haben, wenn uns auch nichts
darüber bekannt geworden ist. Einer Handschrift von Nieder-Altaich
verdanken wir jene geschichtlich wichtige, wenn auch in der Form
verwilderte Fortsetzung der Fulder Annalen von 882-901, welche in Baiern,
aber schwerlich in einem Kloster, geschrieben ist[10]. Für seine Kirche in
Isarhofen bei Nieder-Altaich erbat Gozbald von Gregor IV die Gebeine der
Märtyrer Agapitus und Felicissimus, und vielleicht ist es ihre Translation,
wovon sich ein Fragment erhalten hat, merkwürdig durch die Erwähnung
der Aufschriften des P. Damasus „rotundis litteris“ und der von Karl dem
Großen gestifteten Schola Francorum in Rom[11].
Zum Würzburger Sprengel gehört Laufen am Neckar, wo man S.
R eg insw i nd verehrte, Tochter des Markgrafen Ernst, welche als
siebenjähriges Mädchen 837 von ihrer Wärterin aus Rache im Neckar
Page 377
ertränkt sein soll; ihre sagenhafte Geschichte ist aber erst im zwölften
Jahrhundert aufgezeichnet[12].
In E i chsted t ließ B. E r chanb ald (882-912) nicht nur viele Bücher
abschreiben, sondern er veranlaßte auch den Priester Wolf h ar d, das Leben
der h. Wal burga[13] zu schreiben, deren Reliquien er 893 nach Monheim
übertragen hatte, der Schwester Willibalds — eine der zahlreichen
Aufzeichnungen solcher Art, welche diese Zeit mit ihrer immer wachsenden
Heiligenverehrung hervorbrachte, weniger durch geschichtlichen Sinn als
durch das Bedürfniß einer Legende veranlaßt und mit Wundergeschichten
ausgestattet. In ausgedehntestem Maße sorgte aber Wolfhard für die
Befriedigung dieses Bedürfnisses durch das ebenfalls auf Veranlassung des
Bischofs Erchanbald von ihm gesammelte, schon früher (S. 61) erwähnte
große Legendarium.
Die P assau er Kirche erwarb 904 durch Tausch die ansehnliche
Bibliothek des Landbischofs Madalwin[14]; vielleicht auf E r m enr ich
zurückzuführen ist das vorzüglich aus Hrabans Schriften geschöpfte
Lehrbuch, welches sich in einer Tegernseer Handschrift erhalten hat[15].
Einem Abt E n gil m ar, den er als „venerabilis doctor et grammaticae
rethor“ bezeichnet, widmete ein ungenannter Verfasser in ziemlich
mangelhaften Versen eine Versification der Vita S. Herasmi; vielleicht
könnte dieser später Bischof von Passau geworden sein, wo wir von 874-
899 einen Engelmar finden[16].
Aus S alzburg endlich ist uns, außer urkundlichen Aufzeichnungen
und der Erzählung von der Ueb er tr ag ung des h. H er m es[17] aus Rom
vom Jahre 851, ein überaus werthvolles Denkmal erhalten, eine
Denkschrift, welche durch die Errichtung eines selbständigen mährischen
Erzbisthums veranlaßt, vermuthlich 870 verfaßt wurde[18], in demselben
Jahr, in welchem die Verfolgung gegen Methodius begann. Die Verdienste
und Berechtigungen der Salzburger Kirche sollten darin dargestellt werden,
und wie billig steht an der Spitze das Leben des h. Ru per t (oben S. 122).
Jahrhundert aufgezeichnet[12].
In E i chsted t ließ B. E r chanb ald (882-912) nicht nur viele Bücher
abschreiben, sondern er veranlaßte auch den Priester Wolf h ar d, das Leben
der h. Wal burga[13] zu schreiben, deren Reliquien er 893 nach Monheim
übertragen hatte, der Schwester Willibalds — eine der zahlreichen
Aufzeichnungen solcher Art, welche diese Zeit mit ihrer immer wachsenden
Heiligenverehrung hervorbrachte, weniger durch geschichtlichen Sinn als
durch das Bedürfniß einer Legende veranlaßt und mit Wundergeschichten
ausgestattet. In ausgedehntestem Maße sorgte aber Wolfhard für die
Befriedigung dieses Bedürfnisses durch das ebenfalls auf Veranlassung des
Bischofs Erchanbald von ihm gesammelte, schon früher (S. 61) erwähnte
große Legendarium.
Die P assau er Kirche erwarb 904 durch Tausch die ansehnliche
Bibliothek des Landbischofs Madalwin[14]; vielleicht auf E r m enr ich
zurückzuführen ist das vorzüglich aus Hrabans Schriften geschöpfte
Lehrbuch, welches sich in einer Tegernseer Handschrift erhalten hat[15].
Einem Abt E n gil m ar, den er als „venerabilis doctor et grammaticae
rethor“ bezeichnet, widmete ein ungenannter Verfasser in ziemlich
mangelhaften Versen eine Versification der Vita S. Herasmi; vielleicht
könnte dieser später Bischof von Passau geworden sein, wo wir von 874-
899 einen Engelmar finden[16].
Aus S alzburg endlich ist uns, außer urkundlichen Aufzeichnungen
und der Erzählung von der Ueb er tr ag ung des h. H er m es[17] aus Rom
vom Jahre 851, ein überaus werthvolles Denkmal erhalten, eine
Denkschrift, welche durch die Errichtung eines selbständigen mährischen
Erzbisthums veranlaßt, vermuthlich 870 verfaßt wurde[18], in demselben
Jahr, in welchem die Verfolgung gegen Methodius begann. Die Verdienste
und Berechtigungen der Salzburger Kirche sollten darin dargestellt werden,
und wie billig steht an der Spitze das Leben des h. Ru per t (oben S. 122).
Page 378
Die weitere Erzählung stützt sich durchweg auf Urkunden und andere
Aufzeichnungen der Kirche, es ist mehr eine rechtliche Deduction, als ein
eigentliches Geschichtswerk, und weil der Verfasser sich streng auf das
beschränkt, was für seinen Zweck von Wichtigkeit war, anderes, wie
namentlich die ganze Wirksamkeit des Bonifaz, völlig mit Stillschweigen
übergeht, genügt die Schrift unseren Wünschen nicht, aber was sie giebt, ist
unschätzbar, und bei dem fast gänzlichen Mangel anderer Quellen über die
Verhältnisse dieser südöstlichen Lande, bei dem Verlust der Annalen, von
denen nur geringe Reste übrig geblieben sind, ist jedes Wort des Verfassers
von hohem Werth für uns[19].
Unter den Nachfolgern des ersten Erzbischofs Arn wird Ad al r am
(821-836) sehr gepriesen, und L i uphr am (836-859) folgte Arns Vorgang,
indem er durch Abschriften die Bibliothek zu bereichern bemüht war[20].
Aus seiner Zeit stammt auch eine Sammlung, in welcher formelartig
zugerichtete Briefe Alcuins, die meistens an Arn gerichtet waren, mit
allerlei Versen verbunden sind, nach Dümmlers Ansicht für den Zweck des
Unterrichts bestimmt[21]. Am Anfang stehen Verse von Dungal an einen
„clarus magister“ Baldo, von welchem man in Salzburg auch eine
Handschrift hatte mit der Inschrift: „Hunc humilis librum fecit perscribere
Baldo, Reddat in aeternum mitis cui praemia Christus“. Aehnliche Verse
finden wir in den Unterschriften der von Liuphram besorgten Bücher. Mit
Dümmler hatte ich diesen Baldo für den Abt Waldo von Saint-Denis
gehalten, aber später hat Dümmler sich mit Foltz[22] für eine
Unterscheidung beider Personen ausgesprochen, wofür sich auch Traube
erklärt[23], und es wird, wenn Baldo damals in Salzburg thätig war, vielmehr
anzunehmen sein, daß wir unter Dungal nicht den alten berühmten Lehrer
(oben S. 153) verstehen dürfen. Auch König Ludwig dankte ihm in Versen
für übersandte Schriften, wünschte aber über die zuletzt erhaltenen, die er
nicht verstehen könne, Aufschluß. Andere Stücke jener Sammlung
verherrlichen den alten Bischof Virgilius, Arn, Adalram, Liuphram; eine
besondere Classe stellt sich uns dar als Inschriften für einen Bischofshof,
der vermuthlich damals (zwischen 855 u. 859) in Salzburg gebaut wurde,
Aufzeichnungen der Kirche, es ist mehr eine rechtliche Deduction, als ein
eigentliches Geschichtswerk, und weil der Verfasser sich streng auf das
beschränkt, was für seinen Zweck von Wichtigkeit war, anderes, wie
namentlich die ganze Wirksamkeit des Bonifaz, völlig mit Stillschweigen
übergeht, genügt die Schrift unseren Wünschen nicht, aber was sie giebt, ist
unschätzbar, und bei dem fast gänzlichen Mangel anderer Quellen über die
Verhältnisse dieser südöstlichen Lande, bei dem Verlust der Annalen, von
denen nur geringe Reste übrig geblieben sind, ist jedes Wort des Verfassers
von hohem Werth für uns[19].
Unter den Nachfolgern des ersten Erzbischofs Arn wird Ad al r am
(821-836) sehr gepriesen, und L i uphr am (836-859) folgte Arns Vorgang,
indem er durch Abschriften die Bibliothek zu bereichern bemüht war[20].
Aus seiner Zeit stammt auch eine Sammlung, in welcher formelartig
zugerichtete Briefe Alcuins, die meistens an Arn gerichtet waren, mit
allerlei Versen verbunden sind, nach Dümmlers Ansicht für den Zweck des
Unterrichts bestimmt[21]. Am Anfang stehen Verse von Dungal an einen
„clarus magister“ Baldo, von welchem man in Salzburg auch eine
Handschrift hatte mit der Inschrift: „Hunc humilis librum fecit perscribere
Baldo, Reddat in aeternum mitis cui praemia Christus“. Aehnliche Verse
finden wir in den Unterschriften der von Liuphram besorgten Bücher. Mit
Dümmler hatte ich diesen Baldo für den Abt Waldo von Saint-Denis
gehalten, aber später hat Dümmler sich mit Foltz[22] für eine
Unterscheidung beider Personen ausgesprochen, wofür sich auch Traube
erklärt[23], und es wird, wenn Baldo damals in Salzburg thätig war, vielmehr
anzunehmen sein, daß wir unter Dungal nicht den alten berühmten Lehrer
(oben S. 153) verstehen dürfen. Auch König Ludwig dankte ihm in Versen
für übersandte Schriften, wünschte aber über die zuletzt erhaltenen, die er
nicht verstehen könne, Aufschluß. Andere Stücke jener Sammlung
verherrlichen den alten Bischof Virgilius, Arn, Adalram, Liuphram; eine
besondere Classe stellt sich uns dar als Inschriften für einen Bischofshof,
der vermuthlich damals (zwischen 855 u. 859) in Salzburg gebaut wurde,
Page 379
und erinnert dadurch an die oben S. 266 erwähnten Lütticher Gedichte, wie
denn auch hier (III, 11) der Dichter sich als einen armen Fremdling
bezeichnet; es liegt die Vermuthung nahe, daß Genossen jener Lütticher
Schottencolonie auf ihrer Reise nach Mailand in Salzburg einige Zeit sich
aufgehalten haben. Die einzelnen Suffragane gaben, wie es scheint,
verschiedenen Hallen ihren Namen, deren Wände mit Darstellungen ihrer
Bischofsitze geschmückt sein mochten, und hier waren auch Verse über die
Folge dieser Bischöfe angebracht, welche aber bei Passau und Saeben nicht
vollständig ausgeführt sind[24].
denn auch hier (III, 11) der Dichter sich als einen armen Fremdling
bezeichnet; es liegt die Vermuthung nahe, daß Genossen jener Lütticher
Schottencolonie auf ihrer Reise nach Mailand in Salzburg einige Zeit sich
aufgehalten haben. Die einzelnen Suffragane gaben, wie es scheint,
verschiedenen Hallen ihren Namen, deren Wände mit Darstellungen ihrer
Bischofsitze geschmückt sein mochten, und hier waren auch Verse über die
Folge dieser Bischöfe angebracht, welche aber bei Passau und Saeben nicht
vollständig ausgeführt sind[24].
Page 380
[1] B. Pez. Thes. I, Praef. p. XXVII.
[2] Meichelb. Hist. Fris. I, 1, 115. 116. Jos. Zahn im Archiv d. W. Ak. XXVII., 200 f.,
wo auch K. Roths Arbeiten über Cozroh aufgezählt sind. MG. SS. XXIV, 314 seine
Vorrede, p. 316 Notae de privilegiis. Ausserdem ließ Hitto viele theologische
Schriften für die Bibliothek abschreiben.
[3] SB. d. Berl. Akad. 1884, Dec. 4. MG. SS. XV, 286-288. Andere schlechtere Hs.
NA. XIII, 584.
[4] Neue Ausgabe von Dümmler, Poet. Lat. II, 120-124.
[5] Cod. lat. Mon. 6262, s. Catal. I, 3, 81.
[6] S. Dümmler, Formelbuch Salomons III, S. 154. Müllenhoff und Scherer S. 297.
451 (3. Ausg. II, 90. 335) und oben S. 275. Der Priester Sigihard schrieb für ihn den
Otfrid ab.
[7] Dümmler, Ostfr. II, 433. Müllenhoff und Scherer S. 448. 460. (II, 331. 344.) Facs.
des Cod. lat. Monac. 14,468 a. 821. Palaeograph. Soc. 122; von 14,437 a. 823 ib.
123; 14,288 schenkte ihm Hiring. Eine Benedictio Dei betitelte Schrift über den
Gebrauch der Psalmen, mit einer Vorrede an Baturich, Bibl. Patr. Lugd. XXVII.
Suppl. Migne CXXIV, 1399. K. Ludwig ertauschte später für seine Kapelle von der
Regensburger Kirche den Cleriker Gundpert wegen seiner litterarischen Bildung, B.
Pez Thes. I, 3, 199. Die unbedeutenden Annalen s. oben 1→S. 149.
[8] Ueber ihn S. Dümmler, Ostfr. III, 482. Der Codex Traditionum gedr. bei B. Pez
Thes. I, 3, 191-286; Migne CXXIX, 900. Vgl. Bretholz, Die Traditionsbücher von St.
Emmeram, Mitth. d. Inst. XII, 1 ff. (NA. XVI, 648). S. auch Karl Roth,
Tauschverträge der Abtei Sanctemmeram (Beitr. IV. 1865), wo S. 42-46 Cat. abb., S.
47-50 Cat. epp. Ratisponensium; alii SS. XIII, 359. Ein Distichon mit Lob des
Bischofs Tuto (894-930) NA. I, 185.
[9] Archiv für österreichische Geschichte 1827, S. 282. Boczek Cod. Dipl. Moraviae
I, 67. Zeuß, die Deutschen und die Nachbarstämme S. 600. Bielowski's Monumenta
Poloniae I, 10. Die Hs. ist Cod. lat. Monac. 560 saec. XI. Facs. bei Schiemann,
Rußland etc. (Berl. 1886) zu S. 29.
[10] S. oben S. 229. 230. Ueber Gozbald Dümmler, Ostfr. II, 428. Forsch. VI, 122.
Handschriften, die er für seine Kirche schreiben ließ, sind jetzt in Oxford, s.
Zangemeister, Wiener SB. LXXXIV, 59. 61; Facs. von Aug. de civ. Dei Pal. Soc. II,
67. 68. Eine andere in Würzb. s. Schepss in Briegers Zts. f. Kirchengesch. 1886, S.
458, Anm. Seinem Vorgänger Humbert von Würzburg (832-841) widmete Hraban
den Commentar zu den Büchern der Richter und Ruth; auch er ließ eine Hs.
abschreiben. Der Nachfolger Arn wird Gozbalds Schüler genannt; s. über ihn
Dümmler Ostfr. II, 430, und denselben Forsch. VI, 123 über die gelehrten, aber nicht
der Geschichte zugewandten Studien in Würzburg.
[11] NA. XIII, 295.
[12] V. Reginswindis Acta SS. Jul. IV, 90-96. MG. SS. XV, 359.
[13] Acta SS. Feb. III, 523. Mab. III, 2. 787. Vgl. den Anon. Haser. c. 3. 10, MG. SS.
VII, 255. 256. Rettberg II, 359. Die 893 beginnenden Mirakel sind geschichtlich
nicht unwichtig. Ausg. v. Holder-Egger, MG. SS. XV, 535-555.
[14] Mon. B. XXVIII, 2, 200-203.
[2] Meichelb. Hist. Fris. I, 1, 115. 116. Jos. Zahn im Archiv d. W. Ak. XXVII., 200 f.,
wo auch K. Roths Arbeiten über Cozroh aufgezählt sind. MG. SS. XXIV, 314 seine
Vorrede, p. 316 Notae de privilegiis. Ausserdem ließ Hitto viele theologische
Schriften für die Bibliothek abschreiben.
[3] SB. d. Berl. Akad. 1884, Dec. 4. MG. SS. XV, 286-288. Andere schlechtere Hs.
NA. XIII, 584.
[4] Neue Ausgabe von Dümmler, Poet. Lat. II, 120-124.
[5] Cod. lat. Mon. 6262, s. Catal. I, 3, 81.
[6] S. Dümmler, Formelbuch Salomons III, S. 154. Müllenhoff und Scherer S. 297.
451 (3. Ausg. II, 90. 335) und oben S. 275. Der Priester Sigihard schrieb für ihn den
Otfrid ab.
[7] Dümmler, Ostfr. II, 433. Müllenhoff und Scherer S. 448. 460. (II, 331. 344.) Facs.
des Cod. lat. Monac. 14,468 a. 821. Palaeograph. Soc. 122; von 14,437 a. 823 ib.
123; 14,288 schenkte ihm Hiring. Eine Benedictio Dei betitelte Schrift über den
Gebrauch der Psalmen, mit einer Vorrede an Baturich, Bibl. Patr. Lugd. XXVII.
Suppl. Migne CXXIV, 1399. K. Ludwig ertauschte später für seine Kapelle von der
Regensburger Kirche den Cleriker Gundpert wegen seiner litterarischen Bildung, B.
Pez Thes. I, 3, 199. Die unbedeutenden Annalen s. oben 1→S. 149.
[8] Ueber ihn S. Dümmler, Ostfr. III, 482. Der Codex Traditionum gedr. bei B. Pez
Thes. I, 3, 191-286; Migne CXXIX, 900. Vgl. Bretholz, Die Traditionsbücher von St.
Emmeram, Mitth. d. Inst. XII, 1 ff. (NA. XVI, 648). S. auch Karl Roth,
Tauschverträge der Abtei Sanctemmeram (Beitr. IV. 1865), wo S. 42-46 Cat. abb., S.
47-50 Cat. epp. Ratisponensium; alii SS. XIII, 359. Ein Distichon mit Lob des
Bischofs Tuto (894-930) NA. I, 185.
[9] Archiv für österreichische Geschichte 1827, S. 282. Boczek Cod. Dipl. Moraviae
I, 67. Zeuß, die Deutschen und die Nachbarstämme S. 600. Bielowski's Monumenta
Poloniae I, 10. Die Hs. ist Cod. lat. Monac. 560 saec. XI. Facs. bei Schiemann,
Rußland etc. (Berl. 1886) zu S. 29.
[10] S. oben S. 229. 230. Ueber Gozbald Dümmler, Ostfr. II, 428. Forsch. VI, 122.
Handschriften, die er für seine Kirche schreiben ließ, sind jetzt in Oxford, s.
Zangemeister, Wiener SB. LXXXIV, 59. 61; Facs. von Aug. de civ. Dei Pal. Soc. II,
67. 68. Eine andere in Würzb. s. Schepss in Briegers Zts. f. Kirchengesch. 1886, S.
458, Anm. Seinem Vorgänger Humbert von Würzburg (832-841) widmete Hraban
den Commentar zu den Büchern der Richter und Ruth; auch er ließ eine Hs.
abschreiben. Der Nachfolger Arn wird Gozbalds Schüler genannt; s. über ihn
Dümmler Ostfr. II, 430, und denselben Forsch. VI, 123 über die gelehrten, aber nicht
der Geschichte zugewandten Studien in Würzburg.
[11] NA. XIII, 295.
[12] V. Reginswindis Acta SS. Jul. IV, 90-96. MG. SS. XV, 359.
[13] Acta SS. Feb. III, 523. Mab. III, 2. 787. Vgl. den Anon. Haser. c. 3. 10, MG. SS.
VII, 255. 256. Rettberg II, 359. Die 893 beginnenden Mirakel sind geschichtlich
nicht unwichtig. Ausg. v. Holder-Egger, MG. SS. XV, 535-555.
[14] Mon. B. XXVIII, 2, 200-203.
Page 381
[15] Einige Formeln mit der Ueberschrift Epistolae Alati ed. Rockinger, Quellen zur
baierischen Geschichte VII, 169-185, cf. 21-29, und E. de Rozière, Revue hist. de
droit français et étranger, IV; Zeumer, Form. S. 456 ff. Nach Passau weist die
bischöfliche Kirche des heiligen Stephan. Vgl. Müll. u. Scherer, 3. Ausg. II, 355.
[16] Dümmler, NA. V, 429.
[17] Translatio S. Hermetis, ed. Holder-Egger, MG. SS. XV, 410. Auch in Bamberg
glaubte man den h. Hermes zu besitzen, V. Ott. II, 14 bei Jaffé, Bibl. V, 639.
[18] Ich lasse dahingestellt, ob sie, wie ich annahm, für den König bestimmt war,
oder für den Pabst, wie Dümmler, Ostfr. II, 379, aufrecht hält, ungeachtet der
gänzlichen Verschweigung aller päbstlichen Anordnungen. Sicher ist sie ihrer Form
nach nicht an den Pabst gerichtet.
[19] Ausgabe von Wattenbach, MG. SS. XI, 1-17, mit den Computationes saec. XII.
de tempore S. Rudberti, auf welchen die fehlerhafte sogenannte Tradition beruht.
Ueber das Fehlen einer älteren Tradition s. auch Meiller, Salzb. Regesten, S. 439.
Wie Dümmler bemerkt, ist der erste, von mir übersehene Herausgeber Flacius
Illyricus, Catalogi testium veritatis (1597) II, 121-129 aus der Wiener Handschrift
hist. eccl. 73. Wegen der weiteren Litteratur begnüge ich mich, auf die 2. Aufl. von
Dümmlers Ostfr. zu verweisen. Nach Jar. Goll, Mitth. d. Inst. XI, 443 bis 446, hätte
er seine Angaben über Samo nur aus Fredegar geschöpft, ohne locale Tradition.
[20] S. darüber Karl Foltz, Geschichte der Salzburger Bibliotheken, Wien 1877.
[21] Beiträge zur Geschichte des Erzb. Salzburg, Archiv der Wiener Ak. XXII, 279-
304. Die Verse bei Traube, Poet. Lat. III, 238. ←
[22] a. a. O. S. 13: vgl. Dümmler, Poet. Lat. I, 412.
[23] O Roma nobilis, S. 336.
[24] Versus de ordine comprovincialium episcoporum bei Dümmler a. a. O. S. 283-
285. MG. SS. XIII, 341-343. Poet. Lat. II, 637-648 mit anderen Versen der
Sammlung. Vielleicht rühren jene aus Karls d. Gr. Zeit her, und wurden nur
fortgesetzt; dann hätten wir Erneuerung älterer Darstellungen anzunehmen.
baierischen Geschichte VII, 169-185, cf. 21-29, und E. de Rozière, Revue hist. de
droit français et étranger, IV; Zeumer, Form. S. 456 ff. Nach Passau weist die
bischöfliche Kirche des heiligen Stephan. Vgl. Müll. u. Scherer, 3. Ausg. II, 355.
[16] Dümmler, NA. V, 429.
[17] Translatio S. Hermetis, ed. Holder-Egger, MG. SS. XV, 410. Auch in Bamberg
glaubte man den h. Hermes zu besitzen, V. Ott. II, 14 bei Jaffé, Bibl. V, 639.
[18] Ich lasse dahingestellt, ob sie, wie ich annahm, für den König bestimmt war,
oder für den Pabst, wie Dümmler, Ostfr. II, 379, aufrecht hält, ungeachtet der
gänzlichen Verschweigung aller päbstlichen Anordnungen. Sicher ist sie ihrer Form
nach nicht an den Pabst gerichtet.
[19] Ausgabe von Wattenbach, MG. SS. XI, 1-17, mit den Computationes saec. XII.
de tempore S. Rudberti, auf welchen die fehlerhafte sogenannte Tradition beruht.
Ueber das Fehlen einer älteren Tradition s. auch Meiller, Salzb. Regesten, S. 439.
Wie Dümmler bemerkt, ist der erste, von mir übersehene Herausgeber Flacius
Illyricus, Catalogi testium veritatis (1597) II, 121-129 aus der Wiener Handschrift
hist. eccl. 73. Wegen der weiteren Litteratur begnüge ich mich, auf die 2. Aufl. von
Dümmlers Ostfr. zu verweisen. Nach Jar. Goll, Mitth. d. Inst. XI, 443 bis 446, hätte
er seine Angaben über Samo nur aus Fredegar geschöpft, ohne locale Tradition.
[20] S. darüber Karl Foltz, Geschichte der Salzburger Bibliotheken, Wien 1877.
[21] Beiträge zur Geschichte des Erzb. Salzburg, Archiv der Wiener Ak. XXII, 279-
304. Die Verse bei Traube, Poet. Lat. III, 238. ←
[22] a. a. O. S. 13: vgl. Dümmler, Poet. Lat. I, 412.
[23] O Roma nobilis, S. 336.
[24] Versus de ordine comprovincialium episcoporum bei Dümmler a. a. O. S. 283-
285. MG. SS. XIII, 341-343. Poet. Lat. II, 637-648 mit anderen Versen der
Sammlung. Vielleicht rühren jene aus Karls d. Gr. Zeit her, und wurden nur
fortgesetzt; dann hätten wir Erneuerung älterer Darstellungen anzunehmen.
Page 382
§ 20. Frankreich. [ ← ]
Der Vertrag von Verdun besiegelte die politische Theilung des
karolingischen Reiches, aber er zerstörte nicht die Gemeinsamkeit der
litterarischen Entwickelung. Diese beruhte, besonders in Deutschland und
Frankreich, Jahrhunderte lang ausschließlich auf der Geistlichkeit, die von
dem Gefühl erfüllt war, eine große Corporation zu bilden, deren Mitglieder
in den verschiedenen Ländern sich, wie noch heute, einander näher
verbunden fühlten als mit den Laien ihres Volkes. Dieses Gefühl der
Gemeinschaft tritt auch in späterer Zeit häufig außerordentlich stark hervor;
ganz besonders lebhaft aber war es, so lange die Karolinger herrschten, und
die Erinnerung an die Einheit des Kaiserreiches noch die Gemüther erfüllte.
In der Litteratur sind es jedoch die kirchlichen Fragen, in denen die
Gemeinsamkeit der Bildung wie der Interessen sich vornehmlich zeigt; die
überaus reiche und bedeutende theologische Litteratur des neunten
Jahrhunderts läßt sich gar nicht getrennt behandeln. In der historischen
dagegen verhält es sich anders; diese wird naturgemäß von der politischen
Trennung weit stärker berührt und sondert sich rascher in verschiedene
Zweige. Alles was die Localgeschichte betrifft, gewinnt nur noch in
einzelnen Fällen Bedeutung für das Nachbarland; die bedeutenderen Werke
allgemeiner Art aber dürfen nicht außer Acht gelassen werden, und bei der
engen Verbindung der karolingischen Theilreiche finden wir in diesen
immer auch die Nachbarländer, wenn nicht gleichmäßig, so doch mit wenig
geringerer Sorgfalt berücksichtigt, als das eigene. Vor allem gilt das von der
Reichshistoriographie der An nalen. Wie die Fulder Annalen auch für
Frankreich von Wichtigkeit sind, so die B er ti ni ani sch en[1] für
Deutschland.
Die alten Reichs-Annalen bilden für beide Reiche gleichmäßig den
Ausgangspunkt; während man aber am ostfränkischen Hofe diese Aufgabe
erst nach einiger Zeit wieder aufnahm, trat im westlichen Franken keine
Unterbrechung ein, und wir finden schon in den Jahren 830-835 eine
Der Vertrag von Verdun besiegelte die politische Theilung des
karolingischen Reiches, aber er zerstörte nicht die Gemeinsamkeit der
litterarischen Entwickelung. Diese beruhte, besonders in Deutschland und
Frankreich, Jahrhunderte lang ausschließlich auf der Geistlichkeit, die von
dem Gefühl erfüllt war, eine große Corporation zu bilden, deren Mitglieder
in den verschiedenen Ländern sich, wie noch heute, einander näher
verbunden fühlten als mit den Laien ihres Volkes. Dieses Gefühl der
Gemeinschaft tritt auch in späterer Zeit häufig außerordentlich stark hervor;
ganz besonders lebhaft aber war es, so lange die Karolinger herrschten, und
die Erinnerung an die Einheit des Kaiserreiches noch die Gemüther erfüllte.
In der Litteratur sind es jedoch die kirchlichen Fragen, in denen die
Gemeinsamkeit der Bildung wie der Interessen sich vornehmlich zeigt; die
überaus reiche und bedeutende theologische Litteratur des neunten
Jahrhunderts läßt sich gar nicht getrennt behandeln. In der historischen
dagegen verhält es sich anders; diese wird naturgemäß von der politischen
Trennung weit stärker berührt und sondert sich rascher in verschiedene
Zweige. Alles was die Localgeschichte betrifft, gewinnt nur noch in
einzelnen Fällen Bedeutung für das Nachbarland; die bedeutenderen Werke
allgemeiner Art aber dürfen nicht außer Acht gelassen werden, und bei der
engen Verbindung der karolingischen Theilreiche finden wir in diesen
immer auch die Nachbarländer, wenn nicht gleichmäßig, so doch mit wenig
geringerer Sorgfalt berücksichtigt, als das eigene. Vor allem gilt das von der
Reichshistoriographie der An nalen. Wie die Fulder Annalen auch für
Frankreich von Wichtigkeit sind, so die B er ti ni ani sch en[1] für
Deutschland.
Die alten Reichs-Annalen bilden für beide Reiche gleichmäßig den
Ausgangspunkt; während man aber am ostfränkischen Hofe diese Aufgabe
erst nach einiger Zeit wieder aufnahm, trat im westlichen Franken keine
Unterbrechung ein, und wir finden schon in den Jahren 830-835 eine
Page 383
gleichzeitige Fortsetzung. Das Kloster St. Bertin hat nur deshalb den
Namen dazu hergegeben, weil diese Annalen zuerst aus einer Handschrift
desselben bekannt wurden; sie tragen einen durchaus universellen
Charakter und haften an keinem bestimmten Orte.
Die Hofschule bestand unter Ludwig dem Frommen, wie unter seinem
Vater. Der Irländer Clemens setzte seine Wirksamkeit fort, und von
Alderich und einem sonst unbekannten Thomas, den Walahfrid preist, ist es,
wenn auch nicht sicher, doch wahrscheinlich, daß sie eine ähnliche Stellung
hatten[2]. Walahfrids Berufung an den Hof bezeugt ebenfalls die Beachtung
litterarischer Talente. Die Verdienste der Kaiserin Judith in dieser
Beziehung waren schon wiederholt zu erwähnen. An Karls des Kahlen Hof
glänzte Johannes Scotus[3]. Ihm widmete auch ein unbekannter Autor ein
geographisches Werk, welches ganz aus Stellen alter Schriftsteller
zusammengesetzt, und ein Zeugniß für die eifrig betriebenen Studien in
jener Zeit ist[4]. Seine Sorge für wissenschaftliche Bildung wird gerühmt,
und zu seiner Zeit wird Manno als Vorsteher der Hofschule genannt,
welcher als Probst von Saint-Oyan (später Saint-Claude) im Jura am 16.
Aug. 880 gestorben ist, nachdem er diesem Stifte mehrere noch jetzt
erhaltene Handschriften dargebracht hatte[5].
In dieser Schule ist auch der Spanier Galindo ausgebildet, welcher den
Namen P r u den ti u s annahm[6]; ein vornehmer Jüngling, welcher frühzeitig
ins Frankenreich gebracht war. Aus dieser Zeit, noch vor 817, haben sich an
ihn gerichtete Verse eines unbekannten Dichters erhalten, leider nur
theilweise verständlich[7]. Theodulf, Clemens und Thomas werden darin
erwähnt. Als die Kaiserin Judith sich einst in Gefahr befand, hat er für sie
auf ihren Wunsch Flores psalmorum zusammengestellt[8]. Die Verse
Walahfrids ad Prudentium magistrum (oben S. 280) werden doch wohl
sicher an denselben Galindo gerichtet sein, welcher zwischen 843 und 846
Bischof von Troyes geworden, am 6. April 861 gestorben ist. Von ihm
selbst haben wir Verse aus einem von ihm seiner Kirche gewidmeten
Evangelienbuch, und kirchliche Schriften.
Namen dazu hergegeben, weil diese Annalen zuerst aus einer Handschrift
desselben bekannt wurden; sie tragen einen durchaus universellen
Charakter und haften an keinem bestimmten Orte.
Die Hofschule bestand unter Ludwig dem Frommen, wie unter seinem
Vater. Der Irländer Clemens setzte seine Wirksamkeit fort, und von
Alderich und einem sonst unbekannten Thomas, den Walahfrid preist, ist es,
wenn auch nicht sicher, doch wahrscheinlich, daß sie eine ähnliche Stellung
hatten[2]. Walahfrids Berufung an den Hof bezeugt ebenfalls die Beachtung
litterarischer Talente. Die Verdienste der Kaiserin Judith in dieser
Beziehung waren schon wiederholt zu erwähnen. An Karls des Kahlen Hof
glänzte Johannes Scotus[3]. Ihm widmete auch ein unbekannter Autor ein
geographisches Werk, welches ganz aus Stellen alter Schriftsteller
zusammengesetzt, und ein Zeugniß für die eifrig betriebenen Studien in
jener Zeit ist[4]. Seine Sorge für wissenschaftliche Bildung wird gerühmt,
und zu seiner Zeit wird Manno als Vorsteher der Hofschule genannt,
welcher als Probst von Saint-Oyan (später Saint-Claude) im Jura am 16.
Aug. 880 gestorben ist, nachdem er diesem Stifte mehrere noch jetzt
erhaltene Handschriften dargebracht hatte[5].
In dieser Schule ist auch der Spanier Galindo ausgebildet, welcher den
Namen P r u den ti u s annahm[6]; ein vornehmer Jüngling, welcher frühzeitig
ins Frankenreich gebracht war. Aus dieser Zeit, noch vor 817, haben sich an
ihn gerichtete Verse eines unbekannten Dichters erhalten, leider nur
theilweise verständlich[7]. Theodulf, Clemens und Thomas werden darin
erwähnt. Als die Kaiserin Judith sich einst in Gefahr befand, hat er für sie
auf ihren Wunsch Flores psalmorum zusammengestellt[8]. Die Verse
Walahfrids ad Prudentium magistrum (oben S. 280) werden doch wohl
sicher an denselben Galindo gerichtet sein, welcher zwischen 843 und 846
Bischof von Troyes geworden, am 6. April 861 gestorben ist. Von ihm
selbst haben wir Verse aus einem von ihm seiner Kirche gewidmeten
Evangelienbuch, und kirchliche Schriften.
Page 384
Dieser Prudentius wird von Hincmar als der Fortsetzer der Annalen
genannt, auch 861 von ihm der Tod desselben mit scharfem Tadel seiner in
den letzten Jahren ketzerischen Haltung angemerkt. J. Girgensohn[9] hat
sich bemüht zu erweisen, daß der Inhalt der Annalen genau zu dem stimmt,
was wir von Prudentius wissen, indem er 835-840 dem alten Kaiser treu
ergeben ist, bis 853 Karls des Kahlen Handlungen bestmöglichst zu
beschönigen sucht, nach der Synode von Quierzy aber, wo er die seiner
früheren Lehre widerstreitenden Artikel unterschreiben mußte, auch
rücksichtslosen Tadel nicht scheut. Der Brief Hincmars, welcher allein uns
die Kunde von Prudentius Autorschaft erhalten hat, zeigt zugleich, daß die
Urschrift des Werkes, welches schon Vielen bekannt geworden war, sich in
des Königs Händen befand, und bestätigt dadurch den officiellen Charakter
desselben. Nur darf man nicht vergessen, wie selbständig die Bischöfe
Frankreichs ihrem Könige gegenüber standen, und es ist deshalb nicht zu
verwundern, daß Prudentius seine eigene Meinung mit einer
Entschiedenheit ausspricht, welche Rudolf von Fulda ganz fern liegt. Noch
weit unabhängiger erscheint die Fortsetzung, welche der Erzbischof
Hi n cm ar von Reims bis zum Jahre 882, dem Jahre seines Todes,
fortgeführt hat. Sie bietet uns die Reichsgeschichte aus dem Standpunkte
des Verfassers, des bedeutendsten Staatsmannes im Reiche Karls des
Kahlen, der unablässig bis an seinen Tod für das Wohl des Reiches und die
Selbständigkeit der westfränkischen Kirche auch gegen König und Pabst
gearbeitet und gekämpft hat, nicht immer mit redlichen Mitteln allein,
obgleich freilich Schrörs (S. 307, 507-512) ihn von dem Verdachte zu
befreien sucht, daß er zur Erreichung seiner Zwecke auch Fälschungen und
Erdichtungen nicht verschmäht habe; ein sicheres Beispiel kecker
Fälschung hat Krusch in der Vita Remigii nachgewiesen[10]. Sicher aber
sind seine Annalen von solchen Flecken rein, wenngleich an manchen
Stellen nicht frei von Parteilichkeit, und als die hervorragendste
Geschichtsquelle dieser Zeit zu betrachten[11].
Von dem einflußreichsten, nur vorübergehend bei Seite gedrängten
Staatsmanne herrührend, unterscheiden Hincmars Annalen sich noch
genannt, auch 861 von ihm der Tod desselben mit scharfem Tadel seiner in
den letzten Jahren ketzerischen Haltung angemerkt. J. Girgensohn[9] hat
sich bemüht zu erweisen, daß der Inhalt der Annalen genau zu dem stimmt,
was wir von Prudentius wissen, indem er 835-840 dem alten Kaiser treu
ergeben ist, bis 853 Karls des Kahlen Handlungen bestmöglichst zu
beschönigen sucht, nach der Synode von Quierzy aber, wo er die seiner
früheren Lehre widerstreitenden Artikel unterschreiben mußte, auch
rücksichtslosen Tadel nicht scheut. Der Brief Hincmars, welcher allein uns
die Kunde von Prudentius Autorschaft erhalten hat, zeigt zugleich, daß die
Urschrift des Werkes, welches schon Vielen bekannt geworden war, sich in
des Königs Händen befand, und bestätigt dadurch den officiellen Charakter
desselben. Nur darf man nicht vergessen, wie selbständig die Bischöfe
Frankreichs ihrem Könige gegenüber standen, und es ist deshalb nicht zu
verwundern, daß Prudentius seine eigene Meinung mit einer
Entschiedenheit ausspricht, welche Rudolf von Fulda ganz fern liegt. Noch
weit unabhängiger erscheint die Fortsetzung, welche der Erzbischof
Hi n cm ar von Reims bis zum Jahre 882, dem Jahre seines Todes,
fortgeführt hat. Sie bietet uns die Reichsgeschichte aus dem Standpunkte
des Verfassers, des bedeutendsten Staatsmannes im Reiche Karls des
Kahlen, der unablässig bis an seinen Tod für das Wohl des Reiches und die
Selbständigkeit der westfränkischen Kirche auch gegen König und Pabst
gearbeitet und gekämpft hat, nicht immer mit redlichen Mitteln allein,
obgleich freilich Schrörs (S. 307, 507-512) ihn von dem Verdachte zu
befreien sucht, daß er zur Erreichung seiner Zwecke auch Fälschungen und
Erdichtungen nicht verschmäht habe; ein sicheres Beispiel kecker
Fälschung hat Krusch in der Vita Remigii nachgewiesen[10]. Sicher aber
sind seine Annalen von solchen Flecken rein, wenngleich an manchen
Stellen nicht frei von Parteilichkeit, und als die hervorragendste
Geschichtsquelle dieser Zeit zu betrachten[11].
Von dem einflußreichsten, nur vorübergehend bei Seite gedrängten
Staatsmanne herrührend, unterscheiden Hincmars Annalen sich noch
Page 385
wesentlich von einfachen Privatarbeiten; mit seinem Tode versiegte in
Frankreich noch früher als in Deutschland diese Art der
Geschichtschreibung, wie denn auch der Verfall des Reiches hier noch
rascher und unaufhaltsamer eintrat.
Allein in ganz ähnlicher Weise, wie wir in Deutschland neben den
Reichsannalen die Jahrbücher von Xanten finden, wie auch nach dem
Uebergange der amtlichen Geschichtschreibung an die Baiern die
Jahrbücher von Fulda unabhängig aus freiem Antriebe weiter fortgesetzt
wurden, so stehen auch in Frankreich den Annalen Hincmars die Jahrbücher
von St. Vaast[12] bei Arras zur Seite. Sie reichen von 874-900; vielleicht ist
aber was uns vorliegt nur ein Bruchstück. Auf das Kloster des heiligen
Vedast weisen mehrere Stellen hin, aber die Absicht des Verfassers war, die
Geschichte des westfränkischen Reiches zu schreiben; die Darstellung ist
ausführlich und umfassend, und dabei frei von den Rücksichten, welche in
den Bertinianischen Annalen unverkennbar sind. Die Zwietracht im Reiche
und die Heimsuchungen durch die Normannen werden mit lebhaften Farben
geschildert. Wie in Deutschland die Xantener Annalen, so blieben auch hier
die Vedastiner fast unbekannt; in Reims wußte man nichts von ihnen, als
Richer seine Geschichte schrieb, und wir haben ihre Erhaltung als einen
besonderen Glücksfall zu betrachten. Außerdem beschäftigte man sich hier
angelegentlichst mit dem Schutzheiligen, dessen Wunder um 850 der
Küster und Schulvorsteher H aim in beschrieb, ein gefeierter Gelehrter,
welchem sein Schüler Milo das metrische Leben des h. Amandus widmete.
Bei der wachsenden Kriegsgefahr wurde der h. Vedast 852 feierlich erhoben
und wieder wurde ein Buch über seine Wunder geschrieben. Die
Normannen jedoch fürchteten sich nicht vor ihm, 880 wurde er nach
Beauvais geflüchtet, 893 heimgeführt, und auch darüber von Ul m ar eine
Schrift verfaßt; allerlei für die Zeitgeschichte nicht unerhebliche
Nachrichten hat daraus Holder-Egger ausgehoben[13].
Die Annalen kannte man im eigenen Kloster wohl, und muß auch eine
große Fülle von historischem Material gehabt haben, denn gegen das Ende
Frankreich noch früher als in Deutschland diese Art der
Geschichtschreibung, wie denn auch der Verfall des Reiches hier noch
rascher und unaufhaltsamer eintrat.
Allein in ganz ähnlicher Weise, wie wir in Deutschland neben den
Reichsannalen die Jahrbücher von Xanten finden, wie auch nach dem
Uebergange der amtlichen Geschichtschreibung an die Baiern die
Jahrbücher von Fulda unabhängig aus freiem Antriebe weiter fortgesetzt
wurden, so stehen auch in Frankreich den Annalen Hincmars die Jahrbücher
von St. Vaast[12] bei Arras zur Seite. Sie reichen von 874-900; vielleicht ist
aber was uns vorliegt nur ein Bruchstück. Auf das Kloster des heiligen
Vedast weisen mehrere Stellen hin, aber die Absicht des Verfassers war, die
Geschichte des westfränkischen Reiches zu schreiben; die Darstellung ist
ausführlich und umfassend, und dabei frei von den Rücksichten, welche in
den Bertinianischen Annalen unverkennbar sind. Die Zwietracht im Reiche
und die Heimsuchungen durch die Normannen werden mit lebhaften Farben
geschildert. Wie in Deutschland die Xantener Annalen, so blieben auch hier
die Vedastiner fast unbekannt; in Reims wußte man nichts von ihnen, als
Richer seine Geschichte schrieb, und wir haben ihre Erhaltung als einen
besonderen Glücksfall zu betrachten. Außerdem beschäftigte man sich hier
angelegentlichst mit dem Schutzheiligen, dessen Wunder um 850 der
Küster und Schulvorsteher H aim in beschrieb, ein gefeierter Gelehrter,
welchem sein Schüler Milo das metrische Leben des h. Amandus widmete.
Bei der wachsenden Kriegsgefahr wurde der h. Vedast 852 feierlich erhoben
und wieder wurde ein Buch über seine Wunder geschrieben. Die
Normannen jedoch fürchteten sich nicht vor ihm, 880 wurde er nach
Beauvais geflüchtet, 893 heimgeführt, und auch darüber von Ul m ar eine
Schrift verfaßt; allerlei für die Zeitgeschichte nicht unerhebliche
Nachrichten hat daraus Holder-Egger ausgehoben[13].
Die Annalen kannte man im eigenen Kloster wohl, und muß auch eine
große Fülle von historischem Material gehabt haben, denn gegen das Ende
Page 386
des 11. Jahrhunderts ist hier eine große weltgeschichtliche Compilation bis
899 aus vielerlei Quellen ohne viel Geschick zusammengearbeitet, welche
sich in einer jetzt in Douai befindlichen Handschrift erhalten hat, aus der sie
erst kürzlich bekannt geworden ist; jetzt hat den wesentlichen Inhalt mit
Fortlassung des Anfangs und der wörtlich entlehnten Stellen Waitz (SS.
XIII, 674-709) als Chronicon Vedastinum herausgegeben[14]. Außer
Hieronymus, Orosius, Beda, Isidor, Nennius, Jordanis, Gregor von Tours ist
Fredegar mit seinen Fortsetzungen benutzt, und die Reichsannalen mit den
Bertin. und Vedast., welche fast ganz aufgenommen sind, so daß die
Handschrift zur Verbesserung des Textes benutzt werden kann. Von
besonderer Wichtigkeit ist die Benutzung der oben S. 202 erwähnten
Compilation bis 805, von der Waitz vermuthet, daß sie noch höher
hinaufgereicht habe, da schon im 7. und 8. Jahrhundert gleiche Quelle mit
den Ann. Mett. wahrzunehmen ist; doch muß für die Zeit Karl Martells die
Vorlage eine Lücke gehabt haben. Einige Stellen stimmen mit der
Bisthumsgeschichte von Cambrai überein, was für die Zeit der Abfassung
entscheidend sein würde; doch nennt er diese Quelle Gesta Remensium,
und ganz sicher ist die Benutzung nicht. Er giebt aber manchmal seinen
Quellen falsche Benennungen, weicht auch im Wortlaut ab, und hat allerlei
Nachrichten, deren Herkunft nicht festzustellen und deren Werth
zweifelhaft ist. Guiman von St. Vaast um 1170, Hermann von Tournai und
Andreas von Marchiennes haben das Werk benutzt; früher als ins 11.
Jahrhundert kann es nach der Beschaffenheit der allem Anschein nach
erhaltenen Originalhandschrift unmöglich gesetzt werden.
Gehört nun diese Bearbeitung schon späterer Zeit an, so stammen
dagegen die oben S. 109 erwähnten Gesta Dagoberti aus dem Ende des
neunten Jahrhunderts, und um 900 war nach B. Krusch auch schon die
Bearbeitung vollendet, welche aus Gregor von Tours mit der unter
Fredegars Namen bekannten Sammlung und deren Fortsetzern eine
einigermaßen lesbare Frankengeschichte herstellte (S. 203).
899 aus vielerlei Quellen ohne viel Geschick zusammengearbeitet, welche
sich in einer jetzt in Douai befindlichen Handschrift erhalten hat, aus der sie
erst kürzlich bekannt geworden ist; jetzt hat den wesentlichen Inhalt mit
Fortlassung des Anfangs und der wörtlich entlehnten Stellen Waitz (SS.
XIII, 674-709) als Chronicon Vedastinum herausgegeben[14]. Außer
Hieronymus, Orosius, Beda, Isidor, Nennius, Jordanis, Gregor von Tours ist
Fredegar mit seinen Fortsetzungen benutzt, und die Reichsannalen mit den
Bertin. und Vedast., welche fast ganz aufgenommen sind, so daß die
Handschrift zur Verbesserung des Textes benutzt werden kann. Von
besonderer Wichtigkeit ist die Benutzung der oben S. 202 erwähnten
Compilation bis 805, von der Waitz vermuthet, daß sie noch höher
hinaufgereicht habe, da schon im 7. und 8. Jahrhundert gleiche Quelle mit
den Ann. Mett. wahrzunehmen ist; doch muß für die Zeit Karl Martells die
Vorlage eine Lücke gehabt haben. Einige Stellen stimmen mit der
Bisthumsgeschichte von Cambrai überein, was für die Zeit der Abfassung
entscheidend sein würde; doch nennt er diese Quelle Gesta Remensium,
und ganz sicher ist die Benutzung nicht. Er giebt aber manchmal seinen
Quellen falsche Benennungen, weicht auch im Wortlaut ab, und hat allerlei
Nachrichten, deren Herkunft nicht festzustellen und deren Werth
zweifelhaft ist. Guiman von St. Vaast um 1170, Hermann von Tournai und
Andreas von Marchiennes haben das Werk benutzt; früher als ins 11.
Jahrhundert kann es nach der Beschaffenheit der allem Anschein nach
erhaltenen Originalhandschrift unmöglich gesetzt werden.
Gehört nun diese Bearbeitung schon späterer Zeit an, so stammen
dagegen die oben S. 109 erwähnten Gesta Dagoberti aus dem Ende des
neunten Jahrhunderts, und um 900 war nach B. Krusch auch schon die
Bearbeitung vollendet, welche aus Gregor von Tours mit der unter
Fredegars Namen bekannten Sammlung und deren Fortsetzern eine
einigermaßen lesbare Frankengeschichte herstellte (S. 203).
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Wir finden also auch in Frankreich eine nicht unbedeutende
Beschäftigung mit der Geschichte, und namentlich die annalistische Form
der gleichzeitigen Geschichtschreibung reich entwickelt, bis sie durch den
Verfall des Reiches erstickt wird[15]. Von Aufzeichnungen anderer Art ist
nur noch die poetische Behandlung der Belagerung der Stadt Paris durch
die Normannen vom November 885 bis 886 und der weiteren Kämpfe bis
896 zu erwähnen, verfaßt von Ab bo[16], einem Mönche von St. Germain-
des-Prés, zur Verherrlichung seines Heiligen; schätzbar durch ihren Inhalt,
da der Dichter diese Ereignisse selbst mit durchlebt hatte, aber kaum als
Geschichtswerk zu rechnen, in sehr gezierter und gesuchter, oft kaum
verständlicher Sprache. Im allgemeinen überwog in Frankreich noch mehr
als in Deutschland die Richtung auf theologische und philosophische
Gelehrsamkeit; die kirchlichen Fragen beschäftigten die Geister im
höchsten Grade und die wissenschaftliche Thätigkeit, welche Karl der
Kahle bei aller Schwäche seiner Regierung lebhaft begünstigte[17], kam der
Geschichte wenig zu Gute. Denn die Ueberarbeitung oder auch neue
Aufzeichnung älterer Heiligenleben, welche auch hier vielfach vorkommt,
hatte mehr einen liturgischen oder doch erbaulichen Zweck; die Form ist
die Hauptsache dabei und von ernstlicher geschichtlicher Forschung nicht
die Rede.
In C hell es ließ die Aebtissin Hegilwich, die Mutter der Kaiserin
Judith, 833 den Leib der Königin B al tech ildi s erheben, worüber bald
nach 856 berichtet wurde[18]. Etwas später finden sich hin und wieder
Nachrichten über die Unthaten der Normannen in den Sammlungen von
Wundergeschichten und den Berichten über die Irrfahrten der vor den
gottlosen Feinden geflüchteten Reliquien. So in des Abts Odo von
Gl anf eui l Geschichte der Uebertragung des h. Maur us von Saint-Maur-
sur-Loire nach Saint-Maur-des-Fossés bei Paris[19] 868, welche wohl etwas,
doch nicht viel mehr Glauben verdienen mag, als desselben Odo angeblich
nach einem gleichzeitigen Werk des Faustus erneuertes Leben des h.
Beschäftigung mit der Geschichte, und namentlich die annalistische Form
der gleichzeitigen Geschichtschreibung reich entwickelt, bis sie durch den
Verfall des Reiches erstickt wird[15]. Von Aufzeichnungen anderer Art ist
nur noch die poetische Behandlung der Belagerung der Stadt Paris durch
die Normannen vom November 885 bis 886 und der weiteren Kämpfe bis
896 zu erwähnen, verfaßt von Ab bo[16], einem Mönche von St. Germain-
des-Prés, zur Verherrlichung seines Heiligen; schätzbar durch ihren Inhalt,
da der Dichter diese Ereignisse selbst mit durchlebt hatte, aber kaum als
Geschichtswerk zu rechnen, in sehr gezierter und gesuchter, oft kaum
verständlicher Sprache. Im allgemeinen überwog in Frankreich noch mehr
als in Deutschland die Richtung auf theologische und philosophische
Gelehrsamkeit; die kirchlichen Fragen beschäftigten die Geister im
höchsten Grade und die wissenschaftliche Thätigkeit, welche Karl der
Kahle bei aller Schwäche seiner Regierung lebhaft begünstigte[17], kam der
Geschichte wenig zu Gute. Denn die Ueberarbeitung oder auch neue
Aufzeichnung älterer Heiligenleben, welche auch hier vielfach vorkommt,
hatte mehr einen liturgischen oder doch erbaulichen Zweck; die Form ist
die Hauptsache dabei und von ernstlicher geschichtlicher Forschung nicht
die Rede.
In C hell es ließ die Aebtissin Hegilwich, die Mutter der Kaiserin
Judith, 833 den Leib der Königin B al tech ildi s erheben, worüber bald
nach 856 berichtet wurde[18]. Etwas später finden sich hin und wieder
Nachrichten über die Unthaten der Normannen in den Sammlungen von
Wundergeschichten und den Berichten über die Irrfahrten der vor den
gottlosen Feinden geflüchteten Reliquien. So in des Abts Odo von
Gl anf eui l Geschichte der Uebertragung des h. Maur us von Saint-Maur-
sur-Loire nach Saint-Maur-des-Fossés bei Paris[19] 868, welche wohl etwas,
doch nicht viel mehr Glauben verdienen mag, als desselben Odo angeblich
nach einem gleichzeitigen Werk des Faustus erneuertes Leben des h.
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Maurus[20], und mit besonderer Lebhaftigkeit und Anschaulichkeit in den
Wundergeschichten vom heil. Ber t inu s[21].
Hierher gehören auch die schon oben S. 164 erwähnten
Aufzeichnungen aus dem Kloster S ai nt- Ri q uier oder Centulum. Aus
diesem aber hat sich auch noch eine nicht unwichtige Sammlung von
Gedichten erhalten, mit welchen ja die Mönche des neunten Jahrhunderts
sich überaus gerne beschäftigten; sie beziehen sich großentheils auf Aebte
des Klosters, welche, ohne Ausnahme Laienäbte, der kaiserlichen Familie
angehörten, und dienen zur Berichtigung der chronologischen Angaben
Hariulfs. Die Hauptmasse rührt von dem Diaconus Mico her und umfaßt
die Jahre 825-853; er wirkte als Lehrer und hat auch eine
Zusammenstellung von Versen älterer Dichter zu prosodischen Zwecken auf
überlieferter Grundlage verfaßt. Verbunden sind damit Gedichte des
Spittlers F r ed i gar dus aus den Jahren 861-871 und vermuthlich auch
seines Zeitgenossen, des Custos Odul f us, welchem Traube einen von
Hariulf in seine Chronik (III, 11, 12, 14) aufgenommenen Bericht über die
von ihm gesammelten Reliquien zuschreibt. Nachdem einzelne dieser
Gedichte an verschiedenen Orten veröffentlicht waren, die ganze
Sammlung vor 50 Jahren von Bethmann abgeschrieben, ist sie jetzt von L.
Traube vollständig herausgegeben und scharfsinnig erläutert[22].
Zu den berühmtesten Gelehrten dieser Zeit gehörte H eir i ch aus
Auxerre, 841 geboren und seit 850 zum Diener des heiligen Germanus
geschoren; 859 wurde er zum Subdiaconus geweiht, und hat dann, nach der
Sitte der lernbegierigen jungen Mönche jener Zeit, verschiedene Lehrer
aufgesucht, namentlich auch Schottenmönche, nach Traubes
wahrscheinlicher Vermuthung in Laon. Eine alte Aufzeichnung nennt ihn
einen Schüler des Schotten Elias, Bischofs von Angoulême († 860) und als
seine Schüler wieder Remigius, der die Reimser Schule herstellte[23], und
Hucbald den Kahlkopf von St. Amand[24]. Er selbst nennt Lupus, den Abt
von Ferrières, und Haimo, vermuthlich in Auxerre, seine Lehrer, in den
Versen, mit welchen er dem Bischof Hildebold von Soissons die
Wundergeschichten vom heil. Ber t inu s[21].
Hierher gehören auch die schon oben S. 164 erwähnten
Aufzeichnungen aus dem Kloster S ai nt- Ri q uier oder Centulum. Aus
diesem aber hat sich auch noch eine nicht unwichtige Sammlung von
Gedichten erhalten, mit welchen ja die Mönche des neunten Jahrhunderts
sich überaus gerne beschäftigten; sie beziehen sich großentheils auf Aebte
des Klosters, welche, ohne Ausnahme Laienäbte, der kaiserlichen Familie
angehörten, und dienen zur Berichtigung der chronologischen Angaben
Hariulfs. Die Hauptmasse rührt von dem Diaconus Mico her und umfaßt
die Jahre 825-853; er wirkte als Lehrer und hat auch eine
Zusammenstellung von Versen älterer Dichter zu prosodischen Zwecken auf
überlieferter Grundlage verfaßt. Verbunden sind damit Gedichte des
Spittlers F r ed i gar dus aus den Jahren 861-871 und vermuthlich auch
seines Zeitgenossen, des Custos Odul f us, welchem Traube einen von
Hariulf in seine Chronik (III, 11, 12, 14) aufgenommenen Bericht über die
von ihm gesammelten Reliquien zuschreibt. Nachdem einzelne dieser
Gedichte an verschiedenen Orten veröffentlicht waren, die ganze
Sammlung vor 50 Jahren von Bethmann abgeschrieben, ist sie jetzt von L.
Traube vollständig herausgegeben und scharfsinnig erläutert[22].
Zu den berühmtesten Gelehrten dieser Zeit gehörte H eir i ch aus
Auxerre, 841 geboren und seit 850 zum Diener des heiligen Germanus
geschoren; 859 wurde er zum Subdiaconus geweiht, und hat dann, nach der
Sitte der lernbegierigen jungen Mönche jener Zeit, verschiedene Lehrer
aufgesucht, namentlich auch Schottenmönche, nach Traubes
wahrscheinlicher Vermuthung in Laon. Eine alte Aufzeichnung nennt ihn
einen Schüler des Schotten Elias, Bischofs von Angoulême († 860) und als
seine Schüler wieder Remigius, der die Reimser Schule herstellte[23], und
Hucbald den Kahlkopf von St. Amand[24]. Er selbst nennt Lupus, den Abt
von Ferrières, und Haimo, vermuthlich in Auxerre, seine Lehrer, in den
Versen, mit welchen er dem Bischof Hildebold von Soissons die
Page 389
Collectaneen überreichte, die er jenen verdankte, Auszüge aus Valerius
Maximus und anderen Schriftstellern[25]. Sogar den unsauberen Petronius
hat er studiert, und Verse von ihm zum Preise des heiligen Germanus
benutzt[26]. Denn dessen Legende in Verse zu bringen, das war die große
Aufgabe, welche ihm der jugendliche und früh (865) verstorbene Abt
Lothar, Karls des Kahlen Sohn, gestellt hatte, als er eben der Schule
entwachsen war. In langer Arbeit hat er das Werk vollführt, und dem Kaiser
Karl (also zwischen 875 und 877) mit vielen Lobsprüchen überreicht;
hinzugefügt sind zwei Bücher in Prosa über die Wunder des heiligen
Germanus, welche auch geschichtlich brauchbare Angaben enthalten[27].
Später war er selbst ein gefeierter Lehrer, und hat nach einer Vermuthung
von Traube, der ihn für den Verfasser des bisher dem Helpericus
zugeschriebenen Computus hält, eine Zeit lang mit schlechtem Erfolg in
Granfelden gelehrt. Seine ungewöhnliche Gelehrsamkeit hat Heirich auch
durch seine in tironischen Noten geschriebenen Bemerkungen zu
astronomisch-chronologischen Schriften von Beda und anderen bewiesen,
während die kurzen Annalen von 826-875 in derselben Handschrift wenig
Sinn für geschichtliche Aufzeichnungen verrathen[28]. Doch hat Heirich
sich auch an der Geschichte der Bischöfe von Auxerre betheiligt, die er in
Gemeinschaft mit den Domherren Rainogala und Alagus verfaßte, ein
Werk, das als einer der frühesten Versuche der Art Beachtung verdient,
übrigens aber für die ältere Zeit unzuverlässig, für die näher liegende
dürftig ist[29].
Eine zweite Bisthumsgeschichte haben wir aus L e Mans, wo 832-856
Aldrich Bischof war, von vornehmer Herkunft aus Sachsen, wodurch es
sich erklärt, daß er seinen Vorgänger, den h. Liborius, nach Paderborn
abließ. In der Hofschule und im Metzer Clerus hatte er seine gelehrte
Bildung erhalten, und sein Wirken in Le Mans, zu dessen Bischof Ludwig
der Fromme ihn erhoben hatte, wird sehr gerühmt, sowohl in Prosa, wie in
Versen, die ein eifriger Verehrer mit fleißiger Benutzung älterer Dichter
leidlich correct, wenn auch nicht fehlerfrei, ihm zu Ehren verfaßte[30].
Beide schrieben bei seinen Lebzeiten und überschreiten nicht das Jahr 841.
Maximus und anderen Schriftstellern[25]. Sogar den unsauberen Petronius
hat er studiert, und Verse von ihm zum Preise des heiligen Germanus
benutzt[26]. Denn dessen Legende in Verse zu bringen, das war die große
Aufgabe, welche ihm der jugendliche und früh (865) verstorbene Abt
Lothar, Karls des Kahlen Sohn, gestellt hatte, als er eben der Schule
entwachsen war. In langer Arbeit hat er das Werk vollführt, und dem Kaiser
Karl (also zwischen 875 und 877) mit vielen Lobsprüchen überreicht;
hinzugefügt sind zwei Bücher in Prosa über die Wunder des heiligen
Germanus, welche auch geschichtlich brauchbare Angaben enthalten[27].
Später war er selbst ein gefeierter Lehrer, und hat nach einer Vermuthung
von Traube, der ihn für den Verfasser des bisher dem Helpericus
zugeschriebenen Computus hält, eine Zeit lang mit schlechtem Erfolg in
Granfelden gelehrt. Seine ungewöhnliche Gelehrsamkeit hat Heirich auch
durch seine in tironischen Noten geschriebenen Bemerkungen zu
astronomisch-chronologischen Schriften von Beda und anderen bewiesen,
während die kurzen Annalen von 826-875 in derselben Handschrift wenig
Sinn für geschichtliche Aufzeichnungen verrathen[28]. Doch hat Heirich
sich auch an der Geschichte der Bischöfe von Auxerre betheiligt, die er in
Gemeinschaft mit den Domherren Rainogala und Alagus verfaßte, ein
Werk, das als einer der frühesten Versuche der Art Beachtung verdient,
übrigens aber für die ältere Zeit unzuverlässig, für die näher liegende
dürftig ist[29].
Eine zweite Bisthumsgeschichte haben wir aus L e Mans, wo 832-856
Aldrich Bischof war, von vornehmer Herkunft aus Sachsen, wodurch es
sich erklärt, daß er seinen Vorgänger, den h. Liborius, nach Paderborn
abließ. In der Hofschule und im Metzer Clerus hatte er seine gelehrte
Bildung erhalten, und sein Wirken in Le Mans, zu dessen Bischof Ludwig
der Fromme ihn erhoben hatte, wird sehr gerühmt, sowohl in Prosa, wie in
Versen, die ein eifriger Verehrer mit fleißiger Benutzung älterer Dichter
leidlich correct, wenn auch nicht fehlerfrei, ihm zu Ehren verfaßte[30].
Beide schrieben bei seinen Lebzeiten und überschreiten nicht das Jahr 841.
Page 390
Verbunden ist mit der Biographie die Geschichte seiner Vorgänger; leider
steht dieses Werk einzig in seiner Art da durch die erstaunliche Fülle
gefälschter Urkunden, welche es enthält. Vorzüglich gilt es dem Besitz der
Abtei Anisola oder Saint-Calais, welcher mit diesen Mitteln erstrebt wurde;
dann aber auch der Sicherung Aldrichs, welcher eine Zeit lang entsetzt war,
gegen weitere Anfechtung. Aus diesen Verhältnissen ist nach einer
besonders von B. Simson verfochtenen Ansicht die pseudo-isidorische
Fälschung hervorgegangen, und Aldrich der Betheiligung an dieser
horrenden Fälscherei mehr als verdächtig[31].
[1] Annales Bertiniani ed. Pertz, MG. SS. I, 419-515. Neue Ausg. v. G. Waitz, Hann.
1883, 8; vgl. dens.: Ueber die Ueberlieferung der Ann. Bertiniani, Berl. SB. 1883, S.
113-121. Benutzt sind außer den Hss. das Chron. Vedastinum, Cont. Aimoini, der
einige Zusätze von zweifelhaftem Ursprung hat, Ann. Mettenses, über deren jetzt in
Berlin befindl. Hs. ich NA. XVI, 607 berichtet habe. Wenig Hülfe bietet das fast ganz
aus Ann. Bertin. u. Vedastini geschöpfte Chronicon de gestis Normannorum in
Francia, MG. I, 532-536, in ganz unbestimmter Zeit in St. Omer verfaßt. Uebers. der
Ann. Bertin. v. Jasmund 1857. 1890. Geschichtschr. Bd. 24 (IX, 9).
[2] Simson, Ludwig d. F. 256-261; vgl. Dümmler, Hist. Z. XXXVII, 134. Ostfr. III,
651. 652.
[3] Reuter, Gesch. d. Aufklärung I, S. 51-64.
[4] Anonymi de situ orbis libri duo, ed. M. Manitius, Stuttg. 1884. Der Prolog NA.
IV, 176.
[5] „Voto bonae memoriae Mannonis liber ad sepulcrum sancti Augendi oblatus.“ S.
Dümmler, Ostfr. III, 652. Probst war er schon 870. Ueber seinen Collegen Joseph s.
unten → S. 300. Merkwürdige Verse und Briefe aus Karls d. K. Zeit, worin auch
Manno erwähnt wird, NA. XIII, 343 bis 357, von Dümmler.
[6] Ebert II, 267, u. S. 365-368 über die Annalen. Dümmler, NA. IV, 314.
[7] Poet. Lat. I, 579. Daß der Verf. Prudens geheißen, widerlegt L. Traube, Karol.
Dicht. S. 65, u. gibt Verbesserungen zum Text.
[8] Poet. Lat. II, 701. Der Prolog gedruckt bei A. Mai, Nova Coll. IX, 369.
[9] Prudentius und die Bert. Annalen, Riga 1875. Vgl. die Rec. von F. Dahn in Lit.
Centralblatt 1876 S. 848. Baehr S. 453-456. C. v. Noorden, Hincmar S. 152. Sein
Latein ist mangelhafter, als man von Pr. erwarten sollte. Aber auch Hincmar hat auf
die Form wenig Sorgfalt verwandt.
[10] Auctt. antt. IV, 2, p. XXII, anerkannt v. Dümmler, Ostfr. III, 683.
[11] Als Verfasser der Annalen nennt ihn Richer im Prolog seiner Geschichte. Ueber
deren Glaubwürdigkeit v. Noorden S. 153. E. Büchting, Glaubwürdigkeit Hincmars
v. R. im 3. Theil der Ann. Bert. Hall. Diss. 1887. — Hincmari Opuscula et epp. ed.
Cordesius, Par. 1615, 4. Opera ed. Sirmond 1645, f. Neuer Abdruck bei Migne Vol.
steht dieses Werk einzig in seiner Art da durch die erstaunliche Fülle
gefälschter Urkunden, welche es enthält. Vorzüglich gilt es dem Besitz der
Abtei Anisola oder Saint-Calais, welcher mit diesen Mitteln erstrebt wurde;
dann aber auch der Sicherung Aldrichs, welcher eine Zeit lang entsetzt war,
gegen weitere Anfechtung. Aus diesen Verhältnissen ist nach einer
besonders von B. Simson verfochtenen Ansicht die pseudo-isidorische
Fälschung hervorgegangen, und Aldrich der Betheiligung an dieser
horrenden Fälscherei mehr als verdächtig[31].
[1] Annales Bertiniani ed. Pertz, MG. SS. I, 419-515. Neue Ausg. v. G. Waitz, Hann.
1883, 8; vgl. dens.: Ueber die Ueberlieferung der Ann. Bertiniani, Berl. SB. 1883, S.
113-121. Benutzt sind außer den Hss. das Chron. Vedastinum, Cont. Aimoini, der
einige Zusätze von zweifelhaftem Ursprung hat, Ann. Mettenses, über deren jetzt in
Berlin befindl. Hs. ich NA. XVI, 607 berichtet habe. Wenig Hülfe bietet das fast ganz
aus Ann. Bertin. u. Vedastini geschöpfte Chronicon de gestis Normannorum in
Francia, MG. I, 532-536, in ganz unbestimmter Zeit in St. Omer verfaßt. Uebers. der
Ann. Bertin. v. Jasmund 1857. 1890. Geschichtschr. Bd. 24 (IX, 9).
[2] Simson, Ludwig d. F. 256-261; vgl. Dümmler, Hist. Z. XXXVII, 134. Ostfr. III,
651. 652.
[3] Reuter, Gesch. d. Aufklärung I, S. 51-64.
[4] Anonymi de situ orbis libri duo, ed. M. Manitius, Stuttg. 1884. Der Prolog NA.
IV, 176.
[5] „Voto bonae memoriae Mannonis liber ad sepulcrum sancti Augendi oblatus.“ S.
Dümmler, Ostfr. III, 652. Probst war er schon 870. Ueber seinen Collegen Joseph s.
unten → S. 300. Merkwürdige Verse und Briefe aus Karls d. K. Zeit, worin auch
Manno erwähnt wird, NA. XIII, 343 bis 357, von Dümmler.
[6] Ebert II, 267, u. S. 365-368 über die Annalen. Dümmler, NA. IV, 314.
[7] Poet. Lat. I, 579. Daß der Verf. Prudens geheißen, widerlegt L. Traube, Karol.
Dicht. S. 65, u. gibt Verbesserungen zum Text.
[8] Poet. Lat. II, 701. Der Prolog gedruckt bei A. Mai, Nova Coll. IX, 369.
[9] Prudentius und die Bert. Annalen, Riga 1875. Vgl. die Rec. von F. Dahn in Lit.
Centralblatt 1876 S. 848. Baehr S. 453-456. C. v. Noorden, Hincmar S. 152. Sein
Latein ist mangelhafter, als man von Pr. erwarten sollte. Aber auch Hincmar hat auf
die Form wenig Sorgfalt verwandt.
[10] Auctt. antt. IV, 2, p. XXII, anerkannt v. Dümmler, Ostfr. III, 683.
[11] Als Verfasser der Annalen nennt ihn Richer im Prolog seiner Geschichte. Ueber
deren Glaubwürdigkeit v. Noorden S. 153. E. Büchting, Glaubwürdigkeit Hincmars
v. R. im 3. Theil der Ann. Bert. Hall. Diss. 1887. — Hincmari Opuscula et epp. ed.
Cordesius, Par. 1615, 4. Opera ed. Sirmond 1645, f. Neuer Abdruck bei Migne Vol.
Page 391
CXXV. CXXVI. Seine Gedichte Poet. Lat. III, 406-420. Verz. bei Schrörs, S. 512-
588. Zwei neue entdeckte hat Gundlach herausgegeben, Zts. f. Kirchengesch. X, S.
92-145. 258-310, das Gutachten gegen Rothad, Schrörs n. 134, und die erste Schrift
gegen Gotschalk (849 od. 850) an die „filii simplices“ seiner Gemeinde. Vgl. C. v.
Noorden, Hincmar Erzb. v. Rheims 1863, rec. von Wenck, Hist. Zts. XI, 222, von
Dümmler im Litt. Centralbl. 1864 Sp. 1197. Dümmler, Ostfr. III, 210-213; auch NA.
IV, 536-538. Heller, Allg. D. Biogr. XII, 438-456. Schrörs, H. v. R. Sein Leben u.
seine Schriften, Freib. 1884, rec. v. Dümmler im Centralbl. 1884, Sp. 1197. In diesen
Werken sind auch die übrigen geschichtlich wichtigen Schriften Hincmars
besprochen und ausgebeutet. Seine für Karlmann geschriebene Darstellung der
Regierungsweise Karls des Großen ist oben S. 252 erwähnt. Vgl. Dirksen,
Hinterlassene Schriften II, 130-841: H. als Kenner der Quellen des römischen
Rechts. Hincmar befahl seinem Clerus 852 § 8, den compotus d. h. die
Osterberechnung zu lernen (Marlot, Hist. Rem. I, 418). Damit verbindet Bock bei
Weiß, K. Alfred S. 31, die Inschrift bei Varin, Archives admin. de Reims I, 334,
wonach der Probst Sicfarius von Saint-Remi, der kurz vor Hincmar dem Kloster
vorstand und Gregors Moralien abschreiben ließ, eine Schule baute: „Huic claustro
pollent studio loca compotis apta“ etc. Compotis als Gen. nach Traube, O Roma p.
373. 847 war Sigloardus presb. caput scholae S. Remensis ecclesiae, Marlot I, 390.
Polyptyque de l'abb. de St. Remi ed. Guérard p. 57. — Geschichtlich wichtig sind
auch die Parteischriften: Narratio clericorum Remensium, qualiter Ebbo Rem.
archiep. depositus, mox restitutus ac iterum dejectus est, bei Duchesne II, 340.
Bouquet VII, 277, und Apologeticon Ebbonis, Bouquet VII, 281. — Die Translatio S.
Remigii, der 882 wegen der Normannen nach Epernai, von da nach Orbais, 883 von
Fulco zurückgebracht wurde (Acta SS. Oct. I, 170) enthält fast nichts, was nicht auch
bei Flodoard steht. Die griech. Verse im cod. Laudun. 444 sind an Hincmar von Laon
gerichtet nach L. Traube, O Roma nob. p. 363.
[12] Annales Vedastini ed. Pertz, MG. SS. I, 516-531, und nach Auffindung der
Brüsseler Handschrift in verbessertem Abdruck II, 196-209; Facs. in Arndts Schriftt.
18. Vgl. Dümmler, de Arnulfo rege p. 176. Uebersetzt von Jasmund bei den Ann.
Bert.
[13] Monumenta Vedastina minora, SS. XV, 396-405: I. Ex Miraculorum l. I. auct.
Haimino. II. Ex libro II auct. Ulmaro aliisque (vgl. aber S. 1315). III. Sermo de
relatione S. Vedasti. IV. Ex Apparitione S. Vedasti auctore Huberto presbytero,
Haimin gewidmet.
[14] S. 682, 32 l. campi suda; der angeführte Vers ist, wie ich von Dümmler erfahren,
Prudentii Psychom. 637. Die Ausgabe von Dehaisnes, Les Annales de Saint-Bertin et
de Saint-Vaast, suivis de fragments d'une chronique inédite, 1871, war verfehlt, s.
Monod, Revue crit. 1872, I, S. 242 bis 254; G. Waitz, GGA. 1873, S. 1-9; W. Arndt,
HZ. XXXI, 167-171. Eine ältere Compilation bis zum 6. Jahr des Heraclius, welche
hierin benutzt scheint, beschreibt Mommsen NA. XVI, 430. — MG. SS. XIII, 710:
Ex Guimanni libro de possessionibus S. Vedasti; p. 750: Catal. epp. Atrebatensium; p.
382: Series abbatum S. Vedasti, e cod. sacc. IX. abweichend von der sonst
überlieferten Folge.
[15] Von den unbedeutenderen kleinen Annalen, welche doch häufig einzelne
schätzbare Nachrichten enthalten, erwähne ich Ann. S. Quintini Veromandenses ed.
Bethmann SS. XVI, 507, von 793-994 meist gleichzeitig, aber dürftig;
Engolismenses ed. Pertz SS. XVI, 485, von 815-870 und noch dürftiger fortgesetzt
886-930. 940-991 (daraus mit einigen Zusätzen Chron. Aquitanicum SS. II, 252, und
Ann. Engolismenses SS. IV, 5); Lugdunenses I, 110 von 769-841 (Catal. archiepp.
588. Zwei neue entdeckte hat Gundlach herausgegeben, Zts. f. Kirchengesch. X, S.
92-145. 258-310, das Gutachten gegen Rothad, Schrörs n. 134, und die erste Schrift
gegen Gotschalk (849 od. 850) an die „filii simplices“ seiner Gemeinde. Vgl. C. v.
Noorden, Hincmar Erzb. v. Rheims 1863, rec. von Wenck, Hist. Zts. XI, 222, von
Dümmler im Litt. Centralbl. 1864 Sp. 1197. Dümmler, Ostfr. III, 210-213; auch NA.
IV, 536-538. Heller, Allg. D. Biogr. XII, 438-456. Schrörs, H. v. R. Sein Leben u.
seine Schriften, Freib. 1884, rec. v. Dümmler im Centralbl. 1884, Sp. 1197. In diesen
Werken sind auch die übrigen geschichtlich wichtigen Schriften Hincmars
besprochen und ausgebeutet. Seine für Karlmann geschriebene Darstellung der
Regierungsweise Karls des Großen ist oben S. 252 erwähnt. Vgl. Dirksen,
Hinterlassene Schriften II, 130-841: H. als Kenner der Quellen des römischen
Rechts. Hincmar befahl seinem Clerus 852 § 8, den compotus d. h. die
Osterberechnung zu lernen (Marlot, Hist. Rem. I, 418). Damit verbindet Bock bei
Weiß, K. Alfred S. 31, die Inschrift bei Varin, Archives admin. de Reims I, 334,
wonach der Probst Sicfarius von Saint-Remi, der kurz vor Hincmar dem Kloster
vorstand und Gregors Moralien abschreiben ließ, eine Schule baute: „Huic claustro
pollent studio loca compotis apta“ etc. Compotis als Gen. nach Traube, O Roma p.
373. 847 war Sigloardus presb. caput scholae S. Remensis ecclesiae, Marlot I, 390.
Polyptyque de l'abb. de St. Remi ed. Guérard p. 57. — Geschichtlich wichtig sind
auch die Parteischriften: Narratio clericorum Remensium, qualiter Ebbo Rem.
archiep. depositus, mox restitutus ac iterum dejectus est, bei Duchesne II, 340.
Bouquet VII, 277, und Apologeticon Ebbonis, Bouquet VII, 281. — Die Translatio S.
Remigii, der 882 wegen der Normannen nach Epernai, von da nach Orbais, 883 von
Fulco zurückgebracht wurde (Acta SS. Oct. I, 170) enthält fast nichts, was nicht auch
bei Flodoard steht. Die griech. Verse im cod. Laudun. 444 sind an Hincmar von Laon
gerichtet nach L. Traube, O Roma nob. p. 363.
[12] Annales Vedastini ed. Pertz, MG. SS. I, 516-531, und nach Auffindung der
Brüsseler Handschrift in verbessertem Abdruck II, 196-209; Facs. in Arndts Schriftt.
18. Vgl. Dümmler, de Arnulfo rege p. 176. Uebersetzt von Jasmund bei den Ann.
Bert.
[13] Monumenta Vedastina minora, SS. XV, 396-405: I. Ex Miraculorum l. I. auct.
Haimino. II. Ex libro II auct. Ulmaro aliisque (vgl. aber S. 1315). III. Sermo de
relatione S. Vedasti. IV. Ex Apparitione S. Vedasti auctore Huberto presbytero,
Haimin gewidmet.
[14] S. 682, 32 l. campi suda; der angeführte Vers ist, wie ich von Dümmler erfahren,
Prudentii Psychom. 637. Die Ausgabe von Dehaisnes, Les Annales de Saint-Bertin et
de Saint-Vaast, suivis de fragments d'une chronique inédite, 1871, war verfehlt, s.
Monod, Revue crit. 1872, I, S. 242 bis 254; G. Waitz, GGA. 1873, S. 1-9; W. Arndt,
HZ. XXXI, 167-171. Eine ältere Compilation bis zum 6. Jahr des Heraclius, welche
hierin benutzt scheint, beschreibt Mommsen NA. XVI, 430. — MG. SS. XIII, 710:
Ex Guimanni libro de possessionibus S. Vedasti; p. 750: Catal. epp. Atrebatensium; p.
382: Series abbatum S. Vedasti, e cod. sacc. IX. abweichend von der sonst
überlieferten Folge.
[15] Von den unbedeutenderen kleinen Annalen, welche doch häufig einzelne
schätzbare Nachrichten enthalten, erwähne ich Ann. S. Quintini Veromandenses ed.
Bethmann SS. XVI, 507, von 793-994 meist gleichzeitig, aber dürftig;
Engolismenses ed. Pertz SS. XVI, 485, von 815-870 und noch dürftiger fortgesetzt
886-930. 940-991 (daraus mit einigen Zusätzen Chron. Aquitanicum SS. II, 252, und
Ann. Engolismenses SS. IV, 5); Lugdunenses I, 110 von 769-841 (Catal. archiepp.
Page 392
Lugd. s. IX. s. NA. VIII, 624); Masciacenses SS. III, 169 von 732-821 und
fortgesetzt 832-1013, von Massai im Berry; Verse auf dieses Kloster unter dem Abt
Odo (935 bis 967) verfaßt, bei Senebier, Catal. des Manuscrits de Genève p. 130; H.
Hagen, Carm. med. aevi, p. 112; Ann. Floriacenses II, 254 von 864 bis 1060;
Nivernenses a. 509-1188, SS. XIII, 88-91; S. Victoris Massilienses (darin
Barcinonenses) 538-1542, SS. XXIII, 1-7; vgl. Arnold S. 61; Kritik d. Ausgabe, u.
Ausgabe v. Albanès, Mélanges d'Arch. et d'hist. VI. de l'École franç. de Rome. Dazu
Todtenklage um den 1017 gest. Grafen Raimond von Barcelona, NA. III, 407.
Zwischen 1330 und 1338, angeblich nach einer verlorenen Chronik über und aus
Karls des Kahlen Zeit verfaßt, in der That aber ganz fabelhaft, begründet auf ein zur
Bewirkung der Canonisation spät verfaßtes Leben ist: Le roman en vers de très
excellant, puissant et noble homme Girard de Rossillon, jadis duc de Bourgogne,
publié par Mignard, à Paris 1858; vgl. Revue hist. VIII, 216; Paul Meyer: La
Légende de Girart de R. in d. Zts. Romania, 1879. Uebers. mit Einl. von dems. 1884.
A. Stimming: Ueber d. provenz. G. de R. 1888.
[16] Abbonis de bellis Parisiacae urbis libri III ed. Pertz, MG. SS. II, 776 bis 805.
Sep. Abdr. 1871. Vgl. E. A. Freemann's Essay: The early sieges of Paris. Dümmler,
NA. IV, 556. Das dritte Buch, hinzugefügt, um der heiligen Dreizahl zu genügen, ist
nur allegorisch gramm. Inhalts und besteht fast ganz aus seltenen, schwer
verständlichen Worten. Doch ist es mit Glossen für den Unterricht versehen u. auch
abgesondert abgeschrieben, gedr. in Mangearts Catal. de Valenc. S. 656-659. Abbo's
Klosterbruder A i m o i n giebt in seinen zwei Büchern de S. Germani miraculis
ebenfalls Nachrichten über frühere Verheerungen der Normannen; s. über seine
Schriften Baehr S. 243; Ebert II, 352, NA. IV, 543. Vgl. NA. XII. 447, über eine K.
Odo gewidmete poet. Bearbeitung. Die von Aimoin aufgenommene Translatio S.
Germani a. 845 Anal. Boll. II, 69-98, MG. SS. XV, 10-16. Translatio S. Mederici
(Mab. III, 1, 14. Acta SS. Aug. II, 524) in Paris 884 durch Bischof Gauslin, Abt von
St. Germain und St. Denis, enthält sonst keine Nachrichten. Translatio S. Bertae
(Mab. III, 1, 454. Acta SS, Jul. II. 54) von Blangi bei Amiens 895 nach Erstein im
Elsaß, um sie vor den Normannen zu retten, gedenkt einer Synode zu Tribur, wo die
Aebtissin Rotrudis von Erstein anwesend war. Auszug Ex Miraculis et transl. S. B.
ed. L. de Heinemann, SS. XV, 564.
[17] Graf Vi v i a n Laienabt von St. Martin und Marmoutiers, widmete ihm die
herrliche Metzer Bibel Lat. 1. mit den Versen bei Traube, Poet. Lat. III, 243. Versus
Johannis Sapientissimi (A. Mai, Auctores Class. V, 426-450, wiederholt hinter Joh.
Scotus de divisione naturae ed. Schlüter, Monast. 1838 S. 593-610 und Migne
CXXXII ed. Floß p. 1221-1240 ex. cod. Vat. Chr. 1587) voll Verherrlichung Karls
und der Irmintrud von einem Iren, wahrscheinlich dem bekannten Philosophen; vgl.
NA. IV, 531, Ebert II, 257-267. (Bei Floß S. 1194 die Spottverse auf Rom: Nobilibus
quondam etc. auch Murat. Antt. II, 147. Bedae Opp. ed. Col. I, 449. Jaffé Bibl. V, 457
im Cod. Udalrici, cit. schon in der Invectiva, Dümml. Gesta Bereng. p. 138).
J o s e p h, in Tours unter Erzbischof Amalrich (von vor 849-855), der früher Vorstand
der Schule gewesen war, gebildet mit Paul, 849-855 Erzbischof von Rouen, war 847
und 848 Kanzler Pippins II von Aquitanien, dann „inclyti regis Ludowici (des
Stammlers) liberalium litterarum praeceptor atque ejusdem sacri palatii
cancellariorum ministerio functus“. Er schrieb auf Bitten jenes Paul Translatio S.
Ragnoberti, der 847 von Bayeux mit Frechulfs Rath nach St. Victor d. Lexov. und
dann in die neugebaute Kirche in Suiacum, vermuthlich Notre-Dame-d'Épines,
gebracht wurde, wo Frechulf den Hauptaltar weihte; gedr. bei d'Achery Spicil. XII,
600-621. II, 127 bis 133 ed. II. Acta SS. Mai III, 620-624. Er erwähnt den Tod beider
fortgesetzt 832-1013, von Massai im Berry; Verse auf dieses Kloster unter dem Abt
Odo (935 bis 967) verfaßt, bei Senebier, Catal. des Manuscrits de Genève p. 130; H.
Hagen, Carm. med. aevi, p. 112; Ann. Floriacenses II, 254 von 864 bis 1060;
Nivernenses a. 509-1188, SS. XIII, 88-91; S. Victoris Massilienses (darin
Barcinonenses) 538-1542, SS. XXIII, 1-7; vgl. Arnold S. 61; Kritik d. Ausgabe, u.
Ausgabe v. Albanès, Mélanges d'Arch. et d'hist. VI. de l'École franç. de Rome. Dazu
Todtenklage um den 1017 gest. Grafen Raimond von Barcelona, NA. III, 407.
Zwischen 1330 und 1338, angeblich nach einer verlorenen Chronik über und aus
Karls des Kahlen Zeit verfaßt, in der That aber ganz fabelhaft, begründet auf ein zur
Bewirkung der Canonisation spät verfaßtes Leben ist: Le roman en vers de très
excellant, puissant et noble homme Girard de Rossillon, jadis duc de Bourgogne,
publié par Mignard, à Paris 1858; vgl. Revue hist. VIII, 216; Paul Meyer: La
Légende de Girart de R. in d. Zts. Romania, 1879. Uebers. mit Einl. von dems. 1884.
A. Stimming: Ueber d. provenz. G. de R. 1888.
[16] Abbonis de bellis Parisiacae urbis libri III ed. Pertz, MG. SS. II, 776 bis 805.
Sep. Abdr. 1871. Vgl. E. A. Freemann's Essay: The early sieges of Paris. Dümmler,
NA. IV, 556. Das dritte Buch, hinzugefügt, um der heiligen Dreizahl zu genügen, ist
nur allegorisch gramm. Inhalts und besteht fast ganz aus seltenen, schwer
verständlichen Worten. Doch ist es mit Glossen für den Unterricht versehen u. auch
abgesondert abgeschrieben, gedr. in Mangearts Catal. de Valenc. S. 656-659. Abbo's
Klosterbruder A i m o i n giebt in seinen zwei Büchern de S. Germani miraculis
ebenfalls Nachrichten über frühere Verheerungen der Normannen; s. über seine
Schriften Baehr S. 243; Ebert II, 352, NA. IV, 543. Vgl. NA. XII. 447, über eine K.
Odo gewidmete poet. Bearbeitung. Die von Aimoin aufgenommene Translatio S.
Germani a. 845 Anal. Boll. II, 69-98, MG. SS. XV, 10-16. Translatio S. Mederici
(Mab. III, 1, 14. Acta SS. Aug. II, 524) in Paris 884 durch Bischof Gauslin, Abt von
St. Germain und St. Denis, enthält sonst keine Nachrichten. Translatio S. Bertae
(Mab. III, 1, 454. Acta SS, Jul. II. 54) von Blangi bei Amiens 895 nach Erstein im
Elsaß, um sie vor den Normannen zu retten, gedenkt einer Synode zu Tribur, wo die
Aebtissin Rotrudis von Erstein anwesend war. Auszug Ex Miraculis et transl. S. B.
ed. L. de Heinemann, SS. XV, 564.
[17] Graf Vi v i a n Laienabt von St. Martin und Marmoutiers, widmete ihm die
herrliche Metzer Bibel Lat. 1. mit den Versen bei Traube, Poet. Lat. III, 243. Versus
Johannis Sapientissimi (A. Mai, Auctores Class. V, 426-450, wiederholt hinter Joh.
Scotus de divisione naturae ed. Schlüter, Monast. 1838 S. 593-610 und Migne
CXXXII ed. Floß p. 1221-1240 ex. cod. Vat. Chr. 1587) voll Verherrlichung Karls
und der Irmintrud von einem Iren, wahrscheinlich dem bekannten Philosophen; vgl.
NA. IV, 531, Ebert II, 257-267. (Bei Floß S. 1194 die Spottverse auf Rom: Nobilibus
quondam etc. auch Murat. Antt. II, 147. Bedae Opp. ed. Col. I, 449. Jaffé Bibl. V, 457
im Cod. Udalrici, cit. schon in der Invectiva, Dümml. Gesta Bereng. p. 138).
J o s e p h, in Tours unter Erzbischof Amalrich (von vor 849-855), der früher Vorstand
der Schule gewesen war, gebildet mit Paul, 849-855 Erzbischof von Rouen, war 847
und 848 Kanzler Pippins II von Aquitanien, dann „inclyti regis Ludowici (des
Stammlers) liberalium litterarum praeceptor atque ejusdem sacri palatii
cancellariorum ministerio functus“. Er schrieb auf Bitten jenes Paul Translatio S.
Ragnoberti, der 847 von Bayeux mit Frechulfs Rath nach St. Victor d. Lexov. und
dann in die neugebaute Kirche in Suiacum, vermuthlich Notre-Dame-d'Épines,
gebracht wurde, wo Frechulf den Hauptaltar weihte; gedr. bei d'Achery Spicil. XII,
600-621. II, 127 bis 133 ed. II. Acta SS. Mai III, 620-624. Er erwähnt den Tod beider
Page 393
Erzbischöfe gleich nach Beginn seiner Arbeit. Vermuthlich schrieb er auch die
betrüglich dem L u p u s untergeschobene Vita S. Ragnoberti, ein Plagiat der Vita S.
Reverentii; ed. Jules Lair, Bibl. de l'École des chartes V, 3, 89-124. ←
[18] Ex translatione S. Baltechildis, ed. Holder-Egger, SS. XV, 284.
[19] Translatio S. Mauri. Mab. IV, 2, 165-183. Ex Odonis miraculis S. Mauri sive
restauratione mon. Glannafoliensis, SS. XV, 461-472. Vgl. Ebert II, 351.
[20] Schon von Papebroch aufgegeben, doch noch häufig benutzt; s. P. Roth, Gesch.
des Beneficialwesens, S. 438; Bonnell, Die Anfänge, S. 200. Zeumer, NA. XI, 316.
[21] Miracula S. Bertini bis 891, mit späteren Fortsetzungen, MG. SS. XV, 507-534,
von Holder-Egger. Daselbst auch Ex miraculis S. Martialis, S. 280-283.
[22] Carmina Centulensia, Poet. Lat. III, 265-368.
[23] Ueber ihn s. Huemer, Wiener SB. XCVI, 505-551.
[24] Bethmann, Archiv X, 333; ohne Kenntniß dieses Abdrucks wiederholt von
Lucian Müller im Rhein. Mus. NF. XXII, 635. Quelle des Ademarus Caban. III, 5.
Der Codex stammt von einem Mönch S. Martialis Lemovicensis, wo Ademar studiert
hat, Arch. VIII, 575. Waitz, SS. IV, 110, n. 44, unterscheidet den hier genannten
Ademar: Dümmler, Litt. Centralbl. 1878. Sp. 940, hält beide für identisch.
[25] Mab. Anal. p. 422. Commentar zu Mart. Capella, Bandini II, 538, soll von
Remigius sein. Vgl. über Heirichs Gelehrsamkeit auch Prantl, Gesch. d. Logik II, 41-
44, vorzüglich aber L. Traube in der Einleitung zur Ausgabe seiner Gedichte, Poet.
Lat. III, p. 421 ff.
[26] Petronius ed. Buecheler, p. XI.
[27] Labbe, Bibl. I, 531-569. Acta SS. Jul. VII, 221, die Wunder S. 255-283. Daraus
Duru, Bibl. hist. de l'Yonne II (1863) S. 1-248. Ex Heirici Miraculis S. Germani,
MG. SS. XIII, 401. Vgl. Dümmler, NA. IV, 529.
[28] Sickel, Lettre sur un Manuscrit de Melk, Bibl. de l'École des chartes, 5 Série,
Tome III, p. 35. MG. SS. XIII, 80.
[29] Gesta episcoporum Autisiodorensium fortgesetzt bis 1593, bei Labbe, Bibl. I,
411-526, neue Ausgabe von Duru, Bibl. hist. de l'Yonne, I, Auxerre 1850. Excerpte
MG. SS. XIII, 393; Forts. XXVI, 584. Vgl. P. Roth, Beneficialwesen S. 444-450. Für
ihren Werth als gleichzeitige Quelle im 10. Jahrh. Wold. Lippert, König Rudolf v.
Frankr. (Leipzig 1886) S. 123.
[30] Zuerst von D. Piolin in d. Gesch. des Bisthums, II, 535-546, herausgegeben,
dann von Dümmler, Poet. Lat. II. 623-636.
[31] Acta episcoporum Cenomanensium; s. darüber P. Roth, Gesch. des
Beneficialwesens, S. 451-461; Sickel, Acta Karol. II, 286-290. Ausg. der Gesta
Aldrici, auszugsweise von Waitz. SS. XV, 304-327: vollst. von Charles und Froger,
Mamers 1890. B. Simsons letzte Aeusserung HZ. LXVIII, 193-210.
betrüglich dem L u p u s untergeschobene Vita S. Ragnoberti, ein Plagiat der Vita S.
Reverentii; ed. Jules Lair, Bibl. de l'École des chartes V, 3, 89-124. ←
[18] Ex translatione S. Baltechildis, ed. Holder-Egger, SS. XV, 284.
[19] Translatio S. Mauri. Mab. IV, 2, 165-183. Ex Odonis miraculis S. Mauri sive
restauratione mon. Glannafoliensis, SS. XV, 461-472. Vgl. Ebert II, 351.
[20] Schon von Papebroch aufgegeben, doch noch häufig benutzt; s. P. Roth, Gesch.
des Beneficialwesens, S. 438; Bonnell, Die Anfänge, S. 200. Zeumer, NA. XI, 316.
[21] Miracula S. Bertini bis 891, mit späteren Fortsetzungen, MG. SS. XV, 507-534,
von Holder-Egger. Daselbst auch Ex miraculis S. Martialis, S. 280-283.
[22] Carmina Centulensia, Poet. Lat. III, 265-368.
[23] Ueber ihn s. Huemer, Wiener SB. XCVI, 505-551.
[24] Bethmann, Archiv X, 333; ohne Kenntniß dieses Abdrucks wiederholt von
Lucian Müller im Rhein. Mus. NF. XXII, 635. Quelle des Ademarus Caban. III, 5.
Der Codex stammt von einem Mönch S. Martialis Lemovicensis, wo Ademar studiert
hat, Arch. VIII, 575. Waitz, SS. IV, 110, n. 44, unterscheidet den hier genannten
Ademar: Dümmler, Litt. Centralbl. 1878. Sp. 940, hält beide für identisch.
[25] Mab. Anal. p. 422. Commentar zu Mart. Capella, Bandini II, 538, soll von
Remigius sein. Vgl. über Heirichs Gelehrsamkeit auch Prantl, Gesch. d. Logik II, 41-
44, vorzüglich aber L. Traube in der Einleitung zur Ausgabe seiner Gedichte, Poet.
Lat. III, p. 421 ff.
[26] Petronius ed. Buecheler, p. XI.
[27] Labbe, Bibl. I, 531-569. Acta SS. Jul. VII, 221, die Wunder S. 255-283. Daraus
Duru, Bibl. hist. de l'Yonne II (1863) S. 1-248. Ex Heirici Miraculis S. Germani,
MG. SS. XIII, 401. Vgl. Dümmler, NA. IV, 529.
[28] Sickel, Lettre sur un Manuscrit de Melk, Bibl. de l'École des chartes, 5 Série,
Tome III, p. 35. MG. SS. XIII, 80.
[29] Gesta episcoporum Autisiodorensium fortgesetzt bis 1593, bei Labbe, Bibl. I,
411-526, neue Ausgabe von Duru, Bibl. hist. de l'Yonne, I, Auxerre 1850. Excerpte
MG. SS. XIII, 393; Forts. XXVI, 584. Vgl. P. Roth, Beneficialwesen S. 444-450. Für
ihren Werth als gleichzeitige Quelle im 10. Jahrh. Wold. Lippert, König Rudolf v.
Frankr. (Leipzig 1886) S. 123.
[30] Zuerst von D. Piolin in d. Gesch. des Bisthums, II, 535-546, herausgegeben,
dann von Dümmler, Poet. Lat. II. 623-636.
[31] Acta episcoporum Cenomanensium; s. darüber P. Roth, Gesch. des
Beneficialwesens, S. 451-461; Sickel, Acta Karol. II, 286-290. Ausg. der Gesta
Aldrici, auszugsweise von Waitz. SS. XV, 304-327: vollst. von Charles und Froger,
Mamers 1890. B. Simsons letzte Aeusserung HZ. LXVIII, 193-210.
Page 394
§ 21. Italien. [ ← ]
W. Giesebrecht, De litterarum studiis apud Italos, 1845, 4. Kaisergesch. I, 343-361. 817. Ozanam,
Des écoles en Italie aux temps barbares, Oeuvres compl. II, 353. Balzani, S. 190-221.
In auffallendem Gegensatze gegen die beiden fränkischen Reiche steht
Italien. Hier war die Geistlichkeit unberührt von der Bonifazischen Reform;
ihr fehlte der wissenschaftliche Sinn, welcher vornehmlich von den
Angelsachsen ausgehend, die fränkische Kirche durchdrungen hatte, und an
den theologischen Fragen, die dort im neunten Jahrhundert so eifrig erörtert
wurden, nimmt sie keinen Antheil. Eben so wenig übt der königliche Hof
hier eine bedeutende Einwirkung, und niemand machte auch nur den
Versuch, die Reichsgeschichte in zusammenhängender Darstellung für die
Nachwelt aufzuzeichnen. Weit bedeutender tritt der römische Hof hervor,
wo die amtlichen Aufzeichnungen über die Thätigkeit der einzelnen Päbste,
deren wir schon früher gedachten, immer fortgesetzt[1], und gerade in
diesem Jahrhundert ausführlicher und reicher wurden, so daß sie sich mit
den Reichsannalen vergleichen lassen. In Bezug auf die Darstellung und
historische Kunst stehen sie aber weit dagegen zurück; es scheint den
Verfassern ein solches Bestreben ganz fern gelegen zu haben. Doch finden
wir auch hier in der zweiten Hälfte des neunten Jahrhunderts eine nicht
unbedeutende wissenschaftliche Thätigkeit, einen Kreis von gelehrten
Geistlichen, wie er uns lange nicht wieder begegnet. Der Bibliothekar
An astasi us[2], dem man früher die ganze Sammlung der Pabstleben
zuschrieb, ein gelehrter Mann, der verschiedene Werke aus dem
Griechischen übersetzt hat, ist vielleicht der Verfasser des Lebens Nikolaus
I, jenes gewaltigen Pabstes, der den schwachen Karolingern gegenüber die
Weltherrschaft des römischen Stuhles schon dem Ziele nahe führte. Auf den
Wunsch eines D i acon us Johann es, der eine Kirchengeschichte
schreiben wollte, stellte er nach dem Vorgang des Cassiodor, den er jedoch
nicht nennt, aus griechischen Quellen eine neue Historia tripartita
zusammen[3]. Dieser Johannes ist vermuthlich derselbe, welcher auf Befehl
W. Giesebrecht, De litterarum studiis apud Italos, 1845, 4. Kaisergesch. I, 343-361. 817. Ozanam,
Des écoles en Italie aux temps barbares, Oeuvres compl. II, 353. Balzani, S. 190-221.
In auffallendem Gegensatze gegen die beiden fränkischen Reiche steht
Italien. Hier war die Geistlichkeit unberührt von der Bonifazischen Reform;
ihr fehlte der wissenschaftliche Sinn, welcher vornehmlich von den
Angelsachsen ausgehend, die fränkische Kirche durchdrungen hatte, und an
den theologischen Fragen, die dort im neunten Jahrhundert so eifrig erörtert
wurden, nimmt sie keinen Antheil. Eben so wenig übt der königliche Hof
hier eine bedeutende Einwirkung, und niemand machte auch nur den
Versuch, die Reichsgeschichte in zusammenhängender Darstellung für die
Nachwelt aufzuzeichnen. Weit bedeutender tritt der römische Hof hervor,
wo die amtlichen Aufzeichnungen über die Thätigkeit der einzelnen Päbste,
deren wir schon früher gedachten, immer fortgesetzt[1], und gerade in
diesem Jahrhundert ausführlicher und reicher wurden, so daß sie sich mit
den Reichsannalen vergleichen lassen. In Bezug auf die Darstellung und
historische Kunst stehen sie aber weit dagegen zurück; es scheint den
Verfassern ein solches Bestreben ganz fern gelegen zu haben. Doch finden
wir auch hier in der zweiten Hälfte des neunten Jahrhunderts eine nicht
unbedeutende wissenschaftliche Thätigkeit, einen Kreis von gelehrten
Geistlichen, wie er uns lange nicht wieder begegnet. Der Bibliothekar
An astasi us[2], dem man früher die ganze Sammlung der Pabstleben
zuschrieb, ein gelehrter Mann, der verschiedene Werke aus dem
Griechischen übersetzt hat, ist vielleicht der Verfasser des Lebens Nikolaus
I, jenes gewaltigen Pabstes, der den schwachen Karolingern gegenüber die
Weltherrschaft des römischen Stuhles schon dem Ziele nahe führte. Auf den
Wunsch eines D i acon us Johann es, der eine Kirchengeschichte
schreiben wollte, stellte er nach dem Vorgang des Cassiodor, den er jedoch
nicht nennt, aus griechischen Quellen eine neue Historia tripartita
zusammen[3]. Dieser Johannes ist vermuthlich derselbe, welcher auf Befehl
Page 395
Johannes VIII mit Benutzung der schon früher gemachten Auszüge aus dem
Registrum die Vita Gregorii Magni verfaßte. Die von ihm begonnenen
Gesta S. Clementis vollendete Bischof G auder i ch von Vel let r i[4].
Vorzüglich besaß man am römischen Hofe, wo man sich nie durch
ideale Bestrebungen von den praktischen Zwecken ablenken ließ, eine
außerordentliche Sicherheit in der Behandlung der kirchlich-politischen
Angelegenheiten, und der Geschäftsstil der Curie gewann eine ungemeine
Ausbildung und Festigkeit. Die Briefe der Päbste geben davon Zeugniß,
und die erhaltenen größeren Sammlungen aus den Zeiten Nikolaus I und
Johannes VIII sind in ihrer Art wahrhaft bewunderungswürdig. Davon
erhielt sich auch später bei zunehmender Barbarei die Tradition, obgleich
mit dem Ende des neunten Jahrhunderts die Einwirkung des päbstlichen
Hofes auf die Kirche diesseit der Alpen fast ganz verschwand, und wie hier
die Annalen, so verstummten auch in Rom die Pabstleben mit dem Jahre
891.
In der nächstfolgenden Zeit veranlaßten noch die Streitigkeiten über
die Besetzung des päbstlichen Stuhles und die Geschicke des Pabstes
Formosus, vornehmlich über die Gültigkeit der von ihm ertheilten Weihen,
die höchst merkwürdigen Streitschriften des Auxilius und Vulgarius. Sie
berühren eine der dunkelsten Seiten der Pabstgeschichte, die unheilbarsten
Widersprüche infallibler Kirchenfürsten[5]. Aux ili us war ein von
Formosus geweihter fränkischer Priester, der in Neapel lebte, vielleicht als
Mönch in Montecassino gestorben ist. Freimüthig und mit tüchtiger
gelehrter Bildung ausgerüstet, vertheidigte er ca. 908-912 Formosus und die
von ihm geweihten Priester in verschiedenen Schriften. E u genius
Vul gar i u s hat in demselben Sinn geschrieben, später aber Sergius III, der
Theodora u. a. kriechend geschmeichelt, endlich in der Invectiva in Romam
(wenn sie von ihm ist) unter Johann X (914-928) noch einmal für Formosus
geeifert. Er war ein italienischer Grammatiker, der wahrscheinlich auch in
Neapel lebte; sein Latein und vorzüglich seine Verse sind unerträglich
gesucht und verkünstelt.
Registrum die Vita Gregorii Magni verfaßte. Die von ihm begonnenen
Gesta S. Clementis vollendete Bischof G auder i ch von Vel let r i[4].
Vorzüglich besaß man am römischen Hofe, wo man sich nie durch
ideale Bestrebungen von den praktischen Zwecken ablenken ließ, eine
außerordentliche Sicherheit in der Behandlung der kirchlich-politischen
Angelegenheiten, und der Geschäftsstil der Curie gewann eine ungemeine
Ausbildung und Festigkeit. Die Briefe der Päbste geben davon Zeugniß,
und die erhaltenen größeren Sammlungen aus den Zeiten Nikolaus I und
Johannes VIII sind in ihrer Art wahrhaft bewunderungswürdig. Davon
erhielt sich auch später bei zunehmender Barbarei die Tradition, obgleich
mit dem Ende des neunten Jahrhunderts die Einwirkung des päbstlichen
Hofes auf die Kirche diesseit der Alpen fast ganz verschwand, und wie hier
die Annalen, so verstummten auch in Rom die Pabstleben mit dem Jahre
891.
In der nächstfolgenden Zeit veranlaßten noch die Streitigkeiten über
die Besetzung des päbstlichen Stuhles und die Geschicke des Pabstes
Formosus, vornehmlich über die Gültigkeit der von ihm ertheilten Weihen,
die höchst merkwürdigen Streitschriften des Auxilius und Vulgarius. Sie
berühren eine der dunkelsten Seiten der Pabstgeschichte, die unheilbarsten
Widersprüche infallibler Kirchenfürsten[5]. Aux ili us war ein von
Formosus geweihter fränkischer Priester, der in Neapel lebte, vielleicht als
Mönch in Montecassino gestorben ist. Freimüthig und mit tüchtiger
gelehrter Bildung ausgerüstet, vertheidigte er ca. 908-912 Formosus und die
von ihm geweihten Priester in verschiedenen Schriften. E u genius
Vul gar i u s hat in demselben Sinn geschrieben, später aber Sergius III, der
Theodora u. a. kriechend geschmeichelt, endlich in der Invectiva in Romam
(wenn sie von ihm ist) unter Johann X (914-928) noch einmal für Formosus
geeifert. Er war ein italienischer Grammatiker, der wahrscheinlich auch in
Neapel lebte; sein Latein und vorzüglich seine Verse sind unerträglich
gesucht und verkünstelt.
Page 396
Nach diesen letzten Regungen versinkt nun hier, während die
Factionen der römischen Großen über den Stuhl Petri streiten, alles in
Schweigen, und für lange Zeit geht keine Erscheinung der Litteratur von
Rom aus[6].
Nicht auf den Vorrang in wissenschaftlicher Ausbildung begründete
man in Rom den Anspruch auf Beherrschung der Kirche; die
grammatischen Studien betrachtete man hier wegen ihrer heidnischen
Antecedentien und der Beschäftigung mit den heidnischen Schriftstellern
stets mit Abneigung, und völlig bewußt verachtete man die feinere
litterarische Bildung. Es giebt nichts charakteristischeres dafür, als die
Worte des päbstlichen Legaten Leo, mit denen er bald nach 991 der
gallischen Kirche entgegentrat. Diese hatte durch Gerbert ausgesprochen, es
sei in Rom niemand, der eine litterarische Bildung empfangen habe, und
folglich auch niemand, der nach den kanonischen Vorschriften auch nur die
Weihe zum Thürhüter erhalten dürfe. Leo erklärt das kurzweg für Ketzerei;
auch Petrus habe sich um das Vieh von Philosophen nicht bekümmert und
sei doch Pförtner des Himmels geworden[7].
Die blühendsten Klöster Italiens erlagen alle gegen das Ende des
neunten Jahrhunderts den Sarazenen oder verkamen durch die inneren
Kriege und die allgemeine Unsicherheit und Verwilderung; bis dahin finden
wir auch in ihnen einige Pflege der Wissenschaft, welche sich jedoch mit
der litterarischen Bedeutung der transalpinischen Klöster nicht vergleichen
läßt. Von einem angeblich im Mutterkloster Montecassino zur Zeit des
Fürsten Sico (ca. 830-833) verfaßten Bericht über die Translation der hh.
Benedict und Scholastica nach Frankreich[8] hat O. Holder-Egger
nachgewiesen, daß er eine Fälschung des Ps. Anastasius ist[9].
In der Folgezeit wurden hier Nachrichten über die Geschichte des
Klosters und der Fürsten von Benevent aufgezeichnet[10], welche bis 872
und in den Regententafeln auch weiter reichen, gesammelt vom Abt
Johann es (914-934) und deshalb auch von Leo nach ihm benannt. Die
Factionen der römischen Großen über den Stuhl Petri streiten, alles in
Schweigen, und für lange Zeit geht keine Erscheinung der Litteratur von
Rom aus[6].
Nicht auf den Vorrang in wissenschaftlicher Ausbildung begründete
man in Rom den Anspruch auf Beherrschung der Kirche; die
grammatischen Studien betrachtete man hier wegen ihrer heidnischen
Antecedentien und der Beschäftigung mit den heidnischen Schriftstellern
stets mit Abneigung, und völlig bewußt verachtete man die feinere
litterarische Bildung. Es giebt nichts charakteristischeres dafür, als die
Worte des päbstlichen Legaten Leo, mit denen er bald nach 991 der
gallischen Kirche entgegentrat. Diese hatte durch Gerbert ausgesprochen, es
sei in Rom niemand, der eine litterarische Bildung empfangen habe, und
folglich auch niemand, der nach den kanonischen Vorschriften auch nur die
Weihe zum Thürhüter erhalten dürfe. Leo erklärt das kurzweg für Ketzerei;
auch Petrus habe sich um das Vieh von Philosophen nicht bekümmert und
sei doch Pförtner des Himmels geworden[7].
Die blühendsten Klöster Italiens erlagen alle gegen das Ende des
neunten Jahrhunderts den Sarazenen oder verkamen durch die inneren
Kriege und die allgemeine Unsicherheit und Verwilderung; bis dahin finden
wir auch in ihnen einige Pflege der Wissenschaft, welche sich jedoch mit
der litterarischen Bedeutung der transalpinischen Klöster nicht vergleichen
läßt. Von einem angeblich im Mutterkloster Montecassino zur Zeit des
Fürsten Sico (ca. 830-833) verfaßten Bericht über die Translation der hh.
Benedict und Scholastica nach Frankreich[8] hat O. Holder-Egger
nachgewiesen, daß er eine Fälschung des Ps. Anastasius ist[9].
In der Folgezeit wurden hier Nachrichten über die Geschichte des
Klosters und der Fürsten von Benevent aufgezeichnet[10], welche bis 872
und in den Regententafeln auch weiter reichen, gesammelt vom Abt
Johann es (914-934) und deshalb auch von Leo nach ihm benannt. Die
Page 397
Nachrichten sind materiell für uns sehr wichtig, aber die Form ist in hohem
Grade roh und mangelhaft[11]. Im Jahre 883 wurde, wie schon früher St.
Vincenz am Volturno, so auch Montecassino von den Sarazenen verwüstet,
und die Cassinesen flüchteten nach Capua; hier schrieb E r chem per t eine
Geschichte der langobardischen Fürsten von Benevent seit Arichis[12], an
das Werk des Paulus Diaconus und dessen Cassineser Fortsetzung[13]
anknüpfend, bis zum Jahre 889. Die weitere Fortsetzung ist verloren. In
schlichter und zuverlässiger Erzählung berichtet er von den Schicksalen
dieser Lande, von den Kriegen, durch welche sie verheert wurden, und den
Verwüstungen der Sarazenen; sein eigenes Urtheil über die Anstifter des
Uebels hält er nicht zurück, sondern spricht es häufig mit biblischen Worten
aus. Die feinere karolingische Bildung ist ihm fremd, aber seine Sprache ist
doch reiner, als wir sie sonst bei den Italienern dieser Zeit zu finden
gewohnt sind, und sein Werk zeichnet sich daher sehr vortheilhaft aus. Der
Salernitaner Chronist, Johann von St. Vincenz, und Leo von Ostia haben ihn
gekannt und benutzt.
In N eap el versuchten sich verschiedene Verfasser an einer
Bisthumsgeschichte. Von einem wohlbelesenen Geistlichen, der noch dem
achten Jahrhundert zugerechnet werden kann — sein Werk ist noch in
Uncialschrift abgeschrieben —, wurden die dürftigen Notizen des alten
Cataloges durch Auszüge aus den römischen Pabstleben, Paulus Diaconus
u. a. angeschwellt; bis 754 ist die Arbeit erhalten, dann fehlt ein Blatt, und
es schließt sich von 762 beginnend die Fortsetzung des Joh ann es
Di acon us bis 872 an, welcher aus Tradition und eigener Kenntniß
schöpfte; seine Darstellung ist lebhaft und wahrhaftig, nicht ohne Freimuth.
Von der weiteren Fortsetzung des Subdiaconus P etr us ist nur ein kleines
Fragment erhalten, die einzige Handschrift auch vorher lückenhaft[14]. Von
dem letzten Bischof Athanasius (850-872) ist auch eine ausführlichere
Biographie[15] vorhanden, mit welcher die in unbestimmter Zeit geschehene
Translation verbunden ist, etwa im X. Jahrhundert geschrieben; was in den
Gesten und bei Erchempert zu lesen ist, wird hier rhetorisch
ausgeschmückt, zugleich aber doch einige neue Umstände mitgetheilt. Jener
Grade roh und mangelhaft[11]. Im Jahre 883 wurde, wie schon früher St.
Vincenz am Volturno, so auch Montecassino von den Sarazenen verwüstet,
und die Cassinesen flüchteten nach Capua; hier schrieb E r chem per t eine
Geschichte der langobardischen Fürsten von Benevent seit Arichis[12], an
das Werk des Paulus Diaconus und dessen Cassineser Fortsetzung[13]
anknüpfend, bis zum Jahre 889. Die weitere Fortsetzung ist verloren. In
schlichter und zuverlässiger Erzählung berichtet er von den Schicksalen
dieser Lande, von den Kriegen, durch welche sie verheert wurden, und den
Verwüstungen der Sarazenen; sein eigenes Urtheil über die Anstifter des
Uebels hält er nicht zurück, sondern spricht es häufig mit biblischen Worten
aus. Die feinere karolingische Bildung ist ihm fremd, aber seine Sprache ist
doch reiner, als wir sie sonst bei den Italienern dieser Zeit zu finden
gewohnt sind, und sein Werk zeichnet sich daher sehr vortheilhaft aus. Der
Salernitaner Chronist, Johann von St. Vincenz, und Leo von Ostia haben ihn
gekannt und benutzt.
In N eap el versuchten sich verschiedene Verfasser an einer
Bisthumsgeschichte. Von einem wohlbelesenen Geistlichen, der noch dem
achten Jahrhundert zugerechnet werden kann — sein Werk ist noch in
Uncialschrift abgeschrieben —, wurden die dürftigen Notizen des alten
Cataloges durch Auszüge aus den römischen Pabstleben, Paulus Diaconus
u. a. angeschwellt; bis 754 ist die Arbeit erhalten, dann fehlt ein Blatt, und
es schließt sich von 762 beginnend die Fortsetzung des Joh ann es
Di acon us bis 872 an, welcher aus Tradition und eigener Kenntniß
schöpfte; seine Darstellung ist lebhaft und wahrhaftig, nicht ohne Freimuth.
Von der weiteren Fortsetzung des Subdiaconus P etr us ist nur ein kleines
Fragment erhalten, die einzige Handschrift auch vorher lückenhaft[14]. Von
dem letzten Bischof Athanasius (850-872) ist auch eine ausführlichere
Biographie[15] vorhanden, mit welcher die in unbestimmter Zeit geschehene
Translation verbunden ist, etwa im X. Jahrhundert geschrieben; was in den
Gesten und bei Erchempert zu lesen ist, wird hier rhetorisch
ausgeschmückt, zugleich aber doch einige neue Umstände mitgetheilt. Jener
Page 398
Johann es Di aconu s aber verfaßte auch eine Geschichte der
Uebertragung des h. Severin im Jahre 902 von dem Castrum Lucullanum,
welches aus Furcht vor den Sarazenen zerstört war, nach dem neuen Kloster
in Neapel[16], eine Schrift, welche werthvoll ist durch ausführliche
Nachrichten über den furchtbaren Angriff des Emir Ibrahim, welcher
Taormina zerstörte, wobei der Bischof Procop den Märtyrertod erlitt; durch
Ibrahims plötzlichen Tod wurde von Neapel die drohende Gefahr
abgewandt. Nach demselben Kloster wurde auch aus dem von den
Sarazenen zerstörten Misenum im Jahre 910 der h. Sossius gebracht, wobei
Johannes zugegen war, und er berichtet darüber in seiner Schrift über das
Leben des h. Januarius[17].
Der P et r us su bdi aconu s, von welchem nur der Anfang einer
Fortsetzung der Gesta noch vorhanden ist, war bei der Uebertragung des
Sossius 910 zugegen, und erwähnt in den Wundern des h. Agrippinus den
Angriff der Sarazenen auf Neapel vom Jahre 960[18]. Auch verfaßte er noch
andere Wundergeschichten. Sehr merkwürdig ist der wissenschaftliche Eifer
des Herzogs Johannes (928 ff.), von dem der Archipresbyter L eo im
Vorwort zu seiner Vita Alexandri Magni berichtet[19].
Auch in Rav en na verfaßte gegen die Mitte des neunten Jahrhunderts
Ag nel l u s eine Bisthumsgeschichte[20], in welcher schwülstiger Bombast
mit treuherzig einfältiger Erzählung abwechselt; die Sprache ist voll von
Soloecismen. Der Inhalt liegt der deutschen Geschichte fern, doch sind über
Kaiser Karl und seine Nachfolger, besonders über die Schlacht bei
Fontenoy, einige merkwürdige und wichtige Stellen darin. Den römischen
Päbsten gegenüber äußert Agnellus sich sehr freimüthig, was vielleicht
Anlaß gegeben hat, die Chronik schon frühzeitig zu verstümmeln. Agnellus
war um 805 aus vornehmer und reicher Familie geboren, und erhielt schon
mit 11 Jahren eine Abtei; für die frühere Zeit benutzte er, außer vielen
Inschriften, Gefäßen und anderen Denkmälern, die er sorgfältig beschreibt,
der Langobardengeschichte des Paulus Diaconus und den Consularfasten
auch die oben S. 57 erwähnte Chronik des Maximian, welcher 498 geboren,
Uebertragung des h. Severin im Jahre 902 von dem Castrum Lucullanum,
welches aus Furcht vor den Sarazenen zerstört war, nach dem neuen Kloster
in Neapel[16], eine Schrift, welche werthvoll ist durch ausführliche
Nachrichten über den furchtbaren Angriff des Emir Ibrahim, welcher
Taormina zerstörte, wobei der Bischof Procop den Märtyrertod erlitt; durch
Ibrahims plötzlichen Tod wurde von Neapel die drohende Gefahr
abgewandt. Nach demselben Kloster wurde auch aus dem von den
Sarazenen zerstörten Misenum im Jahre 910 der h. Sossius gebracht, wobei
Johannes zugegen war, und er berichtet darüber in seiner Schrift über das
Leben des h. Januarius[17].
Der P et r us su bdi aconu s, von welchem nur der Anfang einer
Fortsetzung der Gesta noch vorhanden ist, war bei der Uebertragung des
Sossius 910 zugegen, und erwähnt in den Wundern des h. Agrippinus den
Angriff der Sarazenen auf Neapel vom Jahre 960[18]. Auch verfaßte er noch
andere Wundergeschichten. Sehr merkwürdig ist der wissenschaftliche Eifer
des Herzogs Johannes (928 ff.), von dem der Archipresbyter L eo im
Vorwort zu seiner Vita Alexandri Magni berichtet[19].
Auch in Rav en na verfaßte gegen die Mitte des neunten Jahrhunderts
Ag nel l u s eine Bisthumsgeschichte[20], in welcher schwülstiger Bombast
mit treuherzig einfältiger Erzählung abwechselt; die Sprache ist voll von
Soloecismen. Der Inhalt liegt der deutschen Geschichte fern, doch sind über
Kaiser Karl und seine Nachfolger, besonders über die Schlacht bei
Fontenoy, einige merkwürdige und wichtige Stellen darin. Den römischen
Päbsten gegenüber äußert Agnellus sich sehr freimüthig, was vielleicht
Anlaß gegeben hat, die Chronik schon frühzeitig zu verstümmeln. Agnellus
war um 805 aus vornehmer und reicher Familie geboren, und erhielt schon
mit 11 Jahren eine Abtei; für die frühere Zeit benutzte er, außer vielen
Inschriften, Gefäßen und anderen Denkmälern, die er sorgfältig beschreibt,
der Langobardengeschichte des Paulus Diaconus und den Consularfasten
auch die oben S. 57 erwähnte Chronik des Maximian, welcher 498 geboren,
Page 399
durch Justinian 546 Bischof von Ravenna geworden war, und eine Chronik
bis auf seine Zeit schrieb.
Im mittleren Italien war im Anfange des neunten Jahrhunderts das
Kloster F ar f a in blühendem Zustande, bis auch hier die Sarazenen alles
wüste legten. Von Franken gestiftet, hatte es auch immer fränkische Aebte.
Die Geschichte der Gründung des Stiftes und seiner Aebte bis zum Jahre
857 glaubte Bethmann gefunden zu haben[21], doch ist neuerdings von I.
Giorgi nachgewiesen, daß diese einem Lectionarium entnommenen Stücke
wohl aus derselben herstammen, unmöglich aber das ursprüngliche Werk
selbst sein können, über dessen sprachliche Beschaffenheit wir deshalb
nicht unterrichtet sind.
Ganz außerordentlich barbarisch dagegen und an die Werke des achten
Jahrhunderts erinnernd ist die Langobardengeschichte des Priesters
An dr eas v o n Bergam o, welcher 877 einen Auszug aus der Geschichte
des Paulus Diaconus machte und ihn bis auf seine Zeit fortsetzte[22]. Nach
der Mitte des neunten Jahrhunderts sind seine Nachrichten durch
Genauigkeit werthvoll; das Ende ist leider unvollständig erhalten. Und
dieses ist fast das einzige litterarische Erzeugniß der Lombardei im neunten
Jahrhundert, da Claudius von Turin und Dungal als Ausländer nicht zu
rechnen sind[23]. S ch ott enm ö nche, mit jenen, die in Lüttich hausten,
gleicher Art, und mit des Sedulius Gedichten vertraut, fanden auch in
Mai l an d Aufnahme und feierten ihre Herren und Wohlthäter in
sapphischen Oden und in Distichen von ungewöhnlicher Correctheit.
Vorzüglich der Erzbischof Tad o (860-868) wird von ihnen verherrlicht und
ihm werden ihre Bitten und Wünsche vorgetragen, dazu der Kaiser Lothar
und Herzog Leodfrid, ein Schwager Lothars. Diese einzige Spur ihrer
Existenz ist erst kürzlich aufgetaucht, weiteres nicht bekannt[24]. Sehr
gerühmt wird in einem Epitaphium der Abt Petrus II vom
Ambrosiuskloster[25] (858-899), und dieser wird es wohl sein, zu dessen
Zeiten ein mit lateinischen Buchstaben geschriebener griechischer Psalter
bis auf seine Zeit schrieb.
Im mittleren Italien war im Anfange des neunten Jahrhunderts das
Kloster F ar f a in blühendem Zustande, bis auch hier die Sarazenen alles
wüste legten. Von Franken gestiftet, hatte es auch immer fränkische Aebte.
Die Geschichte der Gründung des Stiftes und seiner Aebte bis zum Jahre
857 glaubte Bethmann gefunden zu haben[21], doch ist neuerdings von I.
Giorgi nachgewiesen, daß diese einem Lectionarium entnommenen Stücke
wohl aus derselben herstammen, unmöglich aber das ursprüngliche Werk
selbst sein können, über dessen sprachliche Beschaffenheit wir deshalb
nicht unterrichtet sind.
Ganz außerordentlich barbarisch dagegen und an die Werke des achten
Jahrhunderts erinnernd ist die Langobardengeschichte des Priesters
An dr eas v o n Bergam o, welcher 877 einen Auszug aus der Geschichte
des Paulus Diaconus machte und ihn bis auf seine Zeit fortsetzte[22]. Nach
der Mitte des neunten Jahrhunderts sind seine Nachrichten durch
Genauigkeit werthvoll; das Ende ist leider unvollständig erhalten. Und
dieses ist fast das einzige litterarische Erzeugniß der Lombardei im neunten
Jahrhundert, da Claudius von Turin und Dungal als Ausländer nicht zu
rechnen sind[23]. S ch ott enm ö nche, mit jenen, die in Lüttich hausten,
gleicher Art, und mit des Sedulius Gedichten vertraut, fanden auch in
Mai l an d Aufnahme und feierten ihre Herren und Wohlthäter in
sapphischen Oden und in Distichen von ungewöhnlicher Correctheit.
Vorzüglich der Erzbischof Tad o (860-868) wird von ihnen verherrlicht und
ihm werden ihre Bitten und Wünsche vorgetragen, dazu der Kaiser Lothar
und Herzog Leodfrid, ein Schwager Lothars. Diese einzige Spur ihrer
Existenz ist erst kürzlich aufgetaucht, weiteres nicht bekannt[24]. Sehr
gerühmt wird in einem Epitaphium der Abt Petrus II vom
Ambrosiuskloster[25] (858-899), und dieser wird es wohl sein, zu dessen
Zeiten ein mit lateinischen Buchstaben geschriebener griechischer Psalter
Page 400
zu Stande gebracht wurde, als dessen Besitzer (oder Urheber?) sich in
höchst barbarischem Griechisch ein Mönch Symeon nennt[26].
Einige Verse, die zum Preise des Bischofs A zo von I v r ea um 876
verfaßt und im folgenden Jahrhundert einer Copie in Goldschrift würdig
erachtet wurden, sind fast nur wegen der äußerst barbarischen Form
bemerkenswerth[27].
Es würde jedoch ein großer Irrthum sein, wenn man nach diesen
Proben arger Barbarei den allgemeinen Standpunkt der Bildung in Italien
beurtheilen wollte. Gelehrte Studien wurden namentlich in Ver ona
gepflegt, wo ein Archidiaconus P aci f icus († 844), dessen Gelehrsamkeit
gepriesen wird, 218 Handschriften zusammengebracht hatte[28]. Von dort
besitzen wir ein langes Gedicht zum Preise des Bischofs Adal har d in
sapphischem Versmaße, aus dem Ende des neunten Jahrhunderts, dessen
Correctheit für diese Zeit in Erstaunen setzt, wenn auch einzelne Fehler
vorkommen[29]. Und im überraschendsten Gegensatze zu der Barbarei eines
Andreas von Bergamo tritt uns aus dem Anfange des zehnten Jahrhunderts
(zwischen 916 und 922) ein Werk entgegen, welches in Rücksicht der Form
den meisten Dichtungen karolingischer Zeit ebenbürtig zur Seite steht,
nämlich das L o bged icht au f d en Kaiser B er engar[30], dessen
ungenannter Verfasser die Sprache nicht ohne Gewandtheit behandelt und
regelrechte Hexameter ohne Anstoß zu fertigen verstand. Andere freilich
finden sich darunter, welche holprig genug sind[31], und gesuchte
Ausdrücke, verkünstelte Constructionen verdunkeln nicht selten den Sinn.
Der Unterschied ist nicht schwer zu bemerken, wenn plötzlich der
melodische Wohllaut Vergils oder die kunstvollen Verse des Statius sich
vernehmen lassen. Das sind fremde Federn, mit denen der Autor sich
geschmückt hat; Bilder und einzelne Schlachtenscenen machte er sich auf
solche Weise zu eigen.
Die Thaten und Schicksale Berengars, seine Kämpfe um die Krone
Italiens sind es, welche er schildert, und allem Anschein nach schrieb er
höchst barbarischem Griechisch ein Mönch Symeon nennt[26].
Einige Verse, die zum Preise des Bischofs A zo von I v r ea um 876
verfaßt und im folgenden Jahrhundert einer Copie in Goldschrift würdig
erachtet wurden, sind fast nur wegen der äußerst barbarischen Form
bemerkenswerth[27].
Es würde jedoch ein großer Irrthum sein, wenn man nach diesen
Proben arger Barbarei den allgemeinen Standpunkt der Bildung in Italien
beurtheilen wollte. Gelehrte Studien wurden namentlich in Ver ona
gepflegt, wo ein Archidiaconus P aci f icus († 844), dessen Gelehrsamkeit
gepriesen wird, 218 Handschriften zusammengebracht hatte[28]. Von dort
besitzen wir ein langes Gedicht zum Preise des Bischofs Adal har d in
sapphischem Versmaße, aus dem Ende des neunten Jahrhunderts, dessen
Correctheit für diese Zeit in Erstaunen setzt, wenn auch einzelne Fehler
vorkommen[29]. Und im überraschendsten Gegensatze zu der Barbarei eines
Andreas von Bergamo tritt uns aus dem Anfange des zehnten Jahrhunderts
(zwischen 916 und 922) ein Werk entgegen, welches in Rücksicht der Form
den meisten Dichtungen karolingischer Zeit ebenbürtig zur Seite steht,
nämlich das L o bged icht au f d en Kaiser B er engar[30], dessen
ungenannter Verfasser die Sprache nicht ohne Gewandtheit behandelt und
regelrechte Hexameter ohne Anstoß zu fertigen verstand. Andere freilich
finden sich darunter, welche holprig genug sind[31], und gesuchte
Ausdrücke, verkünstelte Constructionen verdunkeln nicht selten den Sinn.
Der Unterschied ist nicht schwer zu bemerken, wenn plötzlich der
melodische Wohllaut Vergils oder die kunstvollen Verse des Statius sich
vernehmen lassen. Das sind fremde Federn, mit denen der Autor sich
geschmückt hat; Bilder und einzelne Schlachtenscenen machte er sich auf
solche Weise zu eigen.
Die Thaten und Schicksale Berengars, seine Kämpfe um die Krone
Italiens sind es, welche er schildert, und allem Anschein nach schrieb er
Page 401
bald nach der Kaiserkrönung seines Helden im Nov. oder December 915. Er
war also ein Zeitgenosse, und sein Werk ist in manchen Einzelheiten nicht
ohne geschichtlichen Werth. Doch ist er zu sehr Lobredner und zu ungenau,
um als eigentliche Geschichtsquelle gelten zu können. Die Verhältnisse sind
nicht ohne Geschick, aber mit arger Entstellung, so gewandt, daß Berengar
als der allein berechtigte und legitime Herrscher erscheint. Es ist
merkwürdig, daß, während thatsächlich die Gewalt allein den Ausschlag
gab, doch nachträglich man ängstlich bemüht war, vor der Welt den
Anschein einer formellen Berechtigung zu gewinnen. Wir haben ähnliches
schon in Bezug auf die Karolinger gesehen und werden es in noch
auffallenderer Weise bei den Magyaren wiederfinden.
In der Form der Darstellung schließt sich der Panegyrist durchaus den
alten heidnischen Mustern an, so gut er es vermochte. Er zeigt die
genaueste Bekanntschaft mit Vergil, Statius und Juvenal, und hat
unverkennbar eine gute grammatische Schule durchgemacht. Auch stand er
mit diesen Kenntnissen und dieser Kunst keineswegs vereinzelt da:
Niemand, sagt er, sich selbst anredend, kümmert sich jetzt um deine Verse;
dergleichen wissen die Leute auf dem Lande wie in der Stadt zu machen.
Ob der Verfasser ein Geistlicher oder ein Laie war, geht aus seinem
Werke nicht mit Sicherheit hervor; wahrscheinlich ist er Schulmeister in
Ver ona gewesen. Für die Schule ist auch dieses Werk bestimmt, und ist
deshalb, wie das des Abbo mit einer erläuternden Glosse versehen, welche
derselben Zeit angehört[32]. Darin tritt eine ausgebreitete Gelehrsamkeit,
und auch Kenntniß der griechischen Sprache, deutlicher als im Gedicht
selbst hervor. Einige geschichtliche Erklärungen werden gegeben,
vorzüglich aber grammatische, bei denen Servius stark benutzt ist. Bei der
Erläuterung der Mythen, welche in allen Commentaren des früheren
Mittelalters eine Hauptrolle spielt, übergeht der Glossator vieles, weil das ja
allgemein bekannt sei.
war also ein Zeitgenosse, und sein Werk ist in manchen Einzelheiten nicht
ohne geschichtlichen Werth. Doch ist er zu sehr Lobredner und zu ungenau,
um als eigentliche Geschichtsquelle gelten zu können. Die Verhältnisse sind
nicht ohne Geschick, aber mit arger Entstellung, so gewandt, daß Berengar
als der allein berechtigte und legitime Herrscher erscheint. Es ist
merkwürdig, daß, während thatsächlich die Gewalt allein den Ausschlag
gab, doch nachträglich man ängstlich bemüht war, vor der Welt den
Anschein einer formellen Berechtigung zu gewinnen. Wir haben ähnliches
schon in Bezug auf die Karolinger gesehen und werden es in noch
auffallenderer Weise bei den Magyaren wiederfinden.
In der Form der Darstellung schließt sich der Panegyrist durchaus den
alten heidnischen Mustern an, so gut er es vermochte. Er zeigt die
genaueste Bekanntschaft mit Vergil, Statius und Juvenal, und hat
unverkennbar eine gute grammatische Schule durchgemacht. Auch stand er
mit diesen Kenntnissen und dieser Kunst keineswegs vereinzelt da:
Niemand, sagt er, sich selbst anredend, kümmert sich jetzt um deine Verse;
dergleichen wissen die Leute auf dem Lande wie in der Stadt zu machen.
Ob der Verfasser ein Geistlicher oder ein Laie war, geht aus seinem
Werke nicht mit Sicherheit hervor; wahrscheinlich ist er Schulmeister in
Ver ona gewesen. Für die Schule ist auch dieses Werk bestimmt, und ist
deshalb, wie das des Abbo mit einer erläuternden Glosse versehen, welche
derselben Zeit angehört[32]. Darin tritt eine ausgebreitete Gelehrsamkeit,
und auch Kenntniß der griechischen Sprache, deutlicher als im Gedicht
selbst hervor. Einige geschichtliche Erklärungen werden gegeben,
vorzüglich aber grammatische, bei denen Servius stark benutzt ist. Bei der
Erläuterung der Mythen, welche in allen Commentaren des früheren
Mittelalters eine Hauptrolle spielt, übergeht der Glossator vieles, weil das ja
allgemein bekannt sei.
Page 402
Wir begegnen hier einer Bildung, die durchaus nicht von der Kirche
herrührt, sondern fortgepflanzt wird durch jene einzeln stehenden
Grammatiker, deren Wirksamkeit in Italien niemals aufgehört hat. Es ist W.
v. Giesebrechts Verdienst, zum ersten Male nachgewiesen zu haben, daß
diese Schulen in Italien immer fortbestanden haben und unter den Laien
einen Grad der Bildung verbreiteten, den man diesseit der Alpen nicht
kannte. In Italien, sagt Wipo im elften Jahrhundert, geht die ganze Jugend
ordentlich zur Schule und nur in Deutschland hält man es für überflüssig
oder unanständig, einen Knaben unterrichten zu lassen, wenn er nicht zum
geistlichen Stande bestimmt ist. Der italienische Laie las seinen Vergil und
Horaz, aber er schrieb keine Bücher, während die Geistlichkeit theils in
Rohheit versank, theils zu sehr in den politischen Händeln befangen war,
um an den wissenschaftlichen Bestrebungen der Zeit Theil zu nehmen.
Daraus erklärt sich der Mangel litterarischer Productivität und die
Dürftigkeit der vorhandenen Litteratur, während andererseits bei jenem
Panegyristen und etwas später bei Liudprand plötzlich eine überraschende
Fülle klassischer Gelehrsamkeit und große Gewandtheit im Ausdruck
hervortraten, namentlich im Versemachen, welches ein Hauptgegenstand
der Schulbildung war. Denn einzelne vom geistlichen Stande naschten auch
von jener verbotenen Frucht; im allgemeinen aber stand der Clerus im
Gegensatz zu diesem Treiben, in dem er nicht mit Unrecht ein heidnisches
Element erkannte. Die Wissenschaft war hier nicht in den Dienst der Kirche
genommen; sie behauptete einen unabhängigen Standpunkt, war aber fast
ausschließlich formaler Natur und darum wesentlich unproductiv.
[1] Oben S. 59. Liber pontificalis oder Gesta pontificum Romanorum bis auf Hadrian
II (867-872), nebst einer unvollständigen Vita Stephani V. (885-891) ed. Bianchini,
Romae 1718, 4 Voll. fol. Vignolius, Romae 1724, 3 Voll. 4. unvollendet. Murat, SS.
III nach Bianchini: vgl. Baehr S. 261-271. Nach Schürer, Hist. Jahrb. XI, 425 ff. ist
die V. Stephani II von dem Primicerius Christophorus verfaßt, welcher den Pabst als
Notarius regionarius auf seiner Reise in Frankreich begleitet hat. Nach Kr. in der
Rec. von Mock de donatione Caroli Magni (Centralbl. 1862 Sp. 76) ist die V.
Hadriani I (772-795) erst 20-30 Jahre nach dessen Tod abgefaßt und scheint von
demselben Vf. wie die V. Leonis III (795-816); nach F. O. Krosta de donationibus a
Pippino et Carolo Magno sedi apostolicae factis, Königb. Diss. 1862 S. 46 erst nach
herrührt, sondern fortgepflanzt wird durch jene einzeln stehenden
Grammatiker, deren Wirksamkeit in Italien niemals aufgehört hat. Es ist W.
v. Giesebrechts Verdienst, zum ersten Male nachgewiesen zu haben, daß
diese Schulen in Italien immer fortbestanden haben und unter den Laien
einen Grad der Bildung verbreiteten, den man diesseit der Alpen nicht
kannte. In Italien, sagt Wipo im elften Jahrhundert, geht die ganze Jugend
ordentlich zur Schule und nur in Deutschland hält man es für überflüssig
oder unanständig, einen Knaben unterrichten zu lassen, wenn er nicht zum
geistlichen Stande bestimmt ist. Der italienische Laie las seinen Vergil und
Horaz, aber er schrieb keine Bücher, während die Geistlichkeit theils in
Rohheit versank, theils zu sehr in den politischen Händeln befangen war,
um an den wissenschaftlichen Bestrebungen der Zeit Theil zu nehmen.
Daraus erklärt sich der Mangel litterarischer Productivität und die
Dürftigkeit der vorhandenen Litteratur, während andererseits bei jenem
Panegyristen und etwas später bei Liudprand plötzlich eine überraschende
Fülle klassischer Gelehrsamkeit und große Gewandtheit im Ausdruck
hervortraten, namentlich im Versemachen, welches ein Hauptgegenstand
der Schulbildung war. Denn einzelne vom geistlichen Stande naschten auch
von jener verbotenen Frucht; im allgemeinen aber stand der Clerus im
Gegensatz zu diesem Treiben, in dem er nicht mit Unrecht ein heidnisches
Element erkannte. Die Wissenschaft war hier nicht in den Dienst der Kirche
genommen; sie behauptete einen unabhängigen Standpunkt, war aber fast
ausschließlich formaler Natur und darum wesentlich unproductiv.
[1] Oben S. 59. Liber pontificalis oder Gesta pontificum Romanorum bis auf Hadrian
II (867-872), nebst einer unvollständigen Vita Stephani V. (885-891) ed. Bianchini,
Romae 1718, 4 Voll. fol. Vignolius, Romae 1724, 3 Voll. 4. unvollendet. Murat, SS.
III nach Bianchini: vgl. Baehr S. 261-271. Nach Schürer, Hist. Jahrb. XI, 425 ff. ist
die V. Stephani II von dem Primicerius Christophorus verfaßt, welcher den Pabst als
Notarius regionarius auf seiner Reise in Frankreich begleitet hat. Nach Kr. in der
Rec. von Mock de donatione Caroli Magni (Centralbl. 1862 Sp. 76) ist die V.
Hadriani I (772-795) erst 20-30 Jahre nach dessen Tod abgefaßt und scheint von
demselben Vf. wie die V. Leonis III (795-816); nach F. O. Krosta de donationibus a
Pippino et Carolo Magno sedi apostolicae factis, Königb. Diss. 1862 S. 46 erst nach
Page 403
829. Vermuthungen über Interpolation der V. Hadr. (c. 41-43) s. NA. VII, 228. X,
201. XIII, 236. Scheffer-Boichhorst hält die Vita für gleichzeitig, aber die
Grenzbestimmung „id est a Lunis-Beneventanum“ für Interpolation; zustimmend
Diekamp, Hist. Jahrb. VI, 637. Stücke der verlorenen V. Eugenii II (824-827)
vielleicht in Pauli D. Cont. Romana ed. Waitz 200-203, vgl. B. Simson, Ludwig d. Fr.
I, 230, Waitz S. 200 über die in d. Cont. benutzten, aus Lauresh. u. Lauriss.
gemischten Annalen, ähnlich denen im cod. Christ. 213. Die von Wido von
Osnabrück im Cod. Udalr. (Bibl. V, 340) erwähnte Scriptura de querimonia
Romanorum über Ludwigs II Gewaltthaten 864 scheint verloren zu sein.
[2] Ueber ihn vgl. Hergenröther, Photius II, 230-240.
[3] Ueber sein Verhältniß zu Theophanes Car. De Boor, Theophanis Chronologia II,
400.
[4] Mab. Mus. Ital. I, 2, 78. Acta SS. Mart. II. p. *15. Vorrede und Varianten im
Floril. Bibl. Casin. IV, p. 373-390, e cod. Casin. 234.
[5] Volles Licht ist über diese schmählichen Vorgänge und die betreffende Litteratur
verbreitet durch die ausgezeichnete Schrift: Auxilius und Vulgarius. Quellen und
Forschungen zur Geschichte des Pabstthums im Anfange des 10. Jahrhunderts, von
E. Dümmler, Leipz. 1866, wo auch aus der Bamberger Handschrift ungedruckte
Schriften von beiden mitgetheilt sind. Die Invectiva in Romam giebt Dümmler zu den
Gesta Berengarii S. 137-154, vgl. 66-72, in neuer Ausgabe nach der Veroneser
Handschrift. Ausbeutung der Tragödien des Seneca weist dem Vulg. R. Peiper nach,
Rhein. Mus. f. Philol. N. F. XXXII, 536.
[6] Die Fortdauer einer Rechtsschule in Rom behauptet Fitting: Zur Geschichte der
Rechtswissenschaft am Anfang des Mittelalters, Halle 1875; Juristische Schriften des
früheren Mittelalters, Halle 1876.
[7] „Et quia vicarii Petri et ejus discipuli nolunt habere magistrum Platonem neque
Virgilium neque Terentium neque ceteros pecudes philosophorum, qui volando
superbe ut avis aerem et emergentes in profundum ut pisces mare, et ut pecora
gradientes terram descripserunt: dicitis eos nec hostiarios debere esse, quia tali
carmine imbuti non sunt. Pro qua re sciatis eos esse mentitos, qui talia dixerunt. Nam
Petrus non novit talia, et hostiarius coeli effectus est.“ MG. SS. III, 687. Vgl.
Baxmann, Politik der Päbste II, 144. Aehnlich schreibt Alexanders VIII Secr.
Sergardi 1690 an Mabillon: „Pauci sunt, qui in hac aula operam dent inutilibus, ut
ajunt, studiis. Nostrorum ingeniorum occupatio forum est clientumque defensio,
quique ab infelici pupillo plus auri corrodit, litteratior habetur.“ Valery,
Correspondance inédite de Mabillon et de Montfaucon avec l'Italie (Paris 1847) II,
240.
[8] Translatio S. Benedicti, Anal. Bolland. I, 75-84.
[9] NA. XII, 129-141.
[10] Nach Traube, O. Roma nob. S. 360 im J. 867 verfaßt.
[11] Nach früheren mangelhaften und zerstückten Ausgaben SS. III. u. sonst, als
Chronica Sancti Benedicti Casinensis bei Waitz, SS. Rer. Langob. et Ital. p. 467-488.
Beschreibung der Hs. 353, jetzt 175, Bibl. Casin. IV, 17-31, u. v. Bethmann, Arch. X,
389 ff., wo auch von den übrigen Geschichtsquellen des langobardischen Italiens aus
dieser Zeit Nachricht gegeben ist, die sich jetzt bei Waitz gesammelt finden.
[12] Hystoriola Langobardorum Beneventum degentium ed. Pertz, MG. SS. III, 240-
264. Vgl. Bethmann S. 374. Als Erchemperti historia Langobardorum
Beneventanorum bei Waitz, S. 231-264, wo die Sprache nach der ursprünglichen
201. XIII, 236. Scheffer-Boichhorst hält die Vita für gleichzeitig, aber die
Grenzbestimmung „id est a Lunis-Beneventanum“ für Interpolation; zustimmend
Diekamp, Hist. Jahrb. VI, 637. Stücke der verlorenen V. Eugenii II (824-827)
vielleicht in Pauli D. Cont. Romana ed. Waitz 200-203, vgl. B. Simson, Ludwig d. Fr.
I, 230, Waitz S. 200 über die in d. Cont. benutzten, aus Lauresh. u. Lauriss.
gemischten Annalen, ähnlich denen im cod. Christ. 213. Die von Wido von
Osnabrück im Cod. Udalr. (Bibl. V, 340) erwähnte Scriptura de querimonia
Romanorum über Ludwigs II Gewaltthaten 864 scheint verloren zu sein.
[2] Ueber ihn vgl. Hergenröther, Photius II, 230-240.
[3] Ueber sein Verhältniß zu Theophanes Car. De Boor, Theophanis Chronologia II,
400.
[4] Mab. Mus. Ital. I, 2, 78. Acta SS. Mart. II. p. *15. Vorrede und Varianten im
Floril. Bibl. Casin. IV, p. 373-390, e cod. Casin. 234.
[5] Volles Licht ist über diese schmählichen Vorgänge und die betreffende Litteratur
verbreitet durch die ausgezeichnete Schrift: Auxilius und Vulgarius. Quellen und
Forschungen zur Geschichte des Pabstthums im Anfange des 10. Jahrhunderts, von
E. Dümmler, Leipz. 1866, wo auch aus der Bamberger Handschrift ungedruckte
Schriften von beiden mitgetheilt sind. Die Invectiva in Romam giebt Dümmler zu den
Gesta Berengarii S. 137-154, vgl. 66-72, in neuer Ausgabe nach der Veroneser
Handschrift. Ausbeutung der Tragödien des Seneca weist dem Vulg. R. Peiper nach,
Rhein. Mus. f. Philol. N. F. XXXII, 536.
[6] Die Fortdauer einer Rechtsschule in Rom behauptet Fitting: Zur Geschichte der
Rechtswissenschaft am Anfang des Mittelalters, Halle 1875; Juristische Schriften des
früheren Mittelalters, Halle 1876.
[7] „Et quia vicarii Petri et ejus discipuli nolunt habere magistrum Platonem neque
Virgilium neque Terentium neque ceteros pecudes philosophorum, qui volando
superbe ut avis aerem et emergentes in profundum ut pisces mare, et ut pecora
gradientes terram descripserunt: dicitis eos nec hostiarios debere esse, quia tali
carmine imbuti non sunt. Pro qua re sciatis eos esse mentitos, qui talia dixerunt. Nam
Petrus non novit talia, et hostiarius coeli effectus est.“ MG. SS. III, 687. Vgl.
Baxmann, Politik der Päbste II, 144. Aehnlich schreibt Alexanders VIII Secr.
Sergardi 1690 an Mabillon: „Pauci sunt, qui in hac aula operam dent inutilibus, ut
ajunt, studiis. Nostrorum ingeniorum occupatio forum est clientumque defensio,
quique ab infelici pupillo plus auri corrodit, litteratior habetur.“ Valery,
Correspondance inédite de Mabillon et de Montfaucon avec l'Italie (Paris 1847) II,
240.
[8] Translatio S. Benedicti, Anal. Bolland. I, 75-84.
[9] NA. XII, 129-141.
[10] Nach Traube, O. Roma nob. S. 360 im J. 867 verfaßt.
[11] Nach früheren mangelhaften und zerstückten Ausgaben SS. III. u. sonst, als
Chronica Sancti Benedicti Casinensis bei Waitz, SS. Rer. Langob. et Ital. p. 467-488.
Beschreibung der Hs. 353, jetzt 175, Bibl. Casin. IV, 17-31, u. v. Bethmann, Arch. X,
389 ff., wo auch von den übrigen Geschichtsquellen des langobardischen Italiens aus
dieser Zeit Nachricht gegeben ist, die sich jetzt bei Waitz gesammelt finden.
[12] Hystoriola Langobardorum Beneventum degentium ed. Pertz, MG. SS. III, 240-
264. Vgl. Bethmann S. 374. Als Erchemperti historia Langobardorum
Beneventanorum bei Waitz, S. 231-264, wo die Sprache nach der ursprünglichen
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Lesart der überarbeiteten Handschrift fehlerhafter erscheint. Er war vermuthlich der
Vf. des S. 61 erwähnten Martyrol. u. eines computus von 904 (Arch. VIII, 768).
[13] SS. Langob. p. 198; sie ist meist den Gestis Pontificum entnommen und von Leo
Ost. und im Chron. Vulturn. benutzt.
[14] Gesta epp. Neap. Waitz, SS. Langob. p. 398-439. Capasso, Monumenta ad
Neapolitani ducatus historiam pertinentia, 1881.
[15] Vita et Translatio Athanasii ep. Neap. Waitz, SS. Langob. p. 439 bis 452. Ed.
Gu. Cuper, Acta SS. Jul. IV, 77-89.
[16] Translatio S. Severini, ib. p. 452-459.
[17] Nur diese Translatio S. Sosii abgedr. bei Waitz, p. 459-463. Im Text heisst er
Sossius.
[18] Ex Miraculis S. Agrippini, Waitz p. 463. Eine Anzahl anderer dort und bei
Capasso gesammelter kleinerer Stücke zur Geschichte von Unteritalien übergehe ich
hier, ohne sie einzeln aufzuführen. — Zu unterscheiden ist ein anderer Petrus
subdiac. Neap., welcher für den Bischof Petrus von Neapel (1094) u. dessen Nachf.
Gregor (1116) Legenden aus dem Griechischen übersetzte und bearbeitete, s. De
Rossi zur Passio SS. IV Coronatorum.
[19] Arch. IX, 692. Die Vita selbst hat Landgraf herausgegeben, Erlangen 1885. Vgl.
O. Hartwig: Die Uebersetzungslitteratur Unteritaliens (1886) S. 6.
[20] Neue Ausg. von Holder-Egger, SS. Langob. 265-301. Ueber die besondere
Bedeutung von monasterium bei ihm s. F. Wickhoff, Mitth. des Inst. IX, 34-45. Aus
Ravenna stammen auch die aus dem Rotulus gewonnenen 8 Briefe aus K. Berengars
Zeit, NA. IX, 513-539, vgl. XI, 599-603.
[21] Constructio Farfensis, ed. Bethmann, MG. SS. XI, 520-530. Vgl. Giorgi im
Archivio della Società Romana di storia patria, II, 409-473. Von dem Registrum
Farfense ist in Rom eine Ausgabe von I. Giorgi und U. Balzani erschienen.
[22] Andreae presb. Bergomatis Chronicon, ed. Pertz, MG. SS. III, 231. Bethmann S.
367 ergänzt den Anfang. Neue Ausg. v. Waitz, SS. Langob. 220 bis 230.
[23] Ebenso wenig kann man das sogenannte Chronicon Brixiense, oder wenigstens
was uns davon erhalten ist, zu den Geschichtswerken rechnen, MG. SS. III, 238; SS.
Langob. 501-503 als Catalogus Brixiensis. — Die Translatio S. Habundii Mart. von
Foligno nach Berceto (Mab. III, 1, 487 ed. Ven.) gedenkt einer Synode zu Pavia unter
Lothar.
[24] Carmina Medii Aevi ed. H. Hagen (Bern 1877) S. 1-10. Neue Ausgabe von
Traube, Poet. Lat. III, 231-237. S. 7 (236 Tr.) Inschrift eines von Tado's Vorgänger
Angelbert erneuten Kelches. — Ueber Marginalien mit Spuren der gelehrten
Thätigkeit dieser Mönche in dem Cod. Bern. 363 s. Gottlieb, Wiener Studien IX, S.
151-159. Traube, O Roma nob. S. 348-353.
[25] Giulini, Mem. di Milano, II, 76.
[26] NA. VIII, 340.
[27] Dümmler, Gesta Berengarii, S. 75 und 159.
[28] Epitaphium Pacifici, Poet. Lat. II, 655, vgl. Traube, O Roma nob. S. 309.
Derselbe setzte die antikisierenden Gedichte O Roma und O admirabile Veneris nach
Verona ins 10. Jahrhundert.
[29] Bei Baronius ed. Luc. XV, 480; correcter bei Biancolini dei vescovi S. 35-37,
und jetzt bei Dümmler, Gesta Berengarii S. 134-136, vgl. 61-65, NA. IV, 558. Traube
Vf. des S. 61 erwähnten Martyrol. u. eines computus von 904 (Arch. VIII, 768).
[13] SS. Langob. p. 198; sie ist meist den Gestis Pontificum entnommen und von Leo
Ost. und im Chron. Vulturn. benutzt.
[14] Gesta epp. Neap. Waitz, SS. Langob. p. 398-439. Capasso, Monumenta ad
Neapolitani ducatus historiam pertinentia, 1881.
[15] Vita et Translatio Athanasii ep. Neap. Waitz, SS. Langob. p. 439 bis 452. Ed.
Gu. Cuper, Acta SS. Jul. IV, 77-89.
[16] Translatio S. Severini, ib. p. 452-459.
[17] Nur diese Translatio S. Sosii abgedr. bei Waitz, p. 459-463. Im Text heisst er
Sossius.
[18] Ex Miraculis S. Agrippini, Waitz p. 463. Eine Anzahl anderer dort und bei
Capasso gesammelter kleinerer Stücke zur Geschichte von Unteritalien übergehe ich
hier, ohne sie einzeln aufzuführen. — Zu unterscheiden ist ein anderer Petrus
subdiac. Neap., welcher für den Bischof Petrus von Neapel (1094) u. dessen Nachf.
Gregor (1116) Legenden aus dem Griechischen übersetzte und bearbeitete, s. De
Rossi zur Passio SS. IV Coronatorum.
[19] Arch. IX, 692. Die Vita selbst hat Landgraf herausgegeben, Erlangen 1885. Vgl.
O. Hartwig: Die Uebersetzungslitteratur Unteritaliens (1886) S. 6.
[20] Neue Ausg. von Holder-Egger, SS. Langob. 265-301. Ueber die besondere
Bedeutung von monasterium bei ihm s. F. Wickhoff, Mitth. des Inst. IX, 34-45. Aus
Ravenna stammen auch die aus dem Rotulus gewonnenen 8 Briefe aus K. Berengars
Zeit, NA. IX, 513-539, vgl. XI, 599-603.
[21] Constructio Farfensis, ed. Bethmann, MG. SS. XI, 520-530. Vgl. Giorgi im
Archivio della Società Romana di storia patria, II, 409-473. Von dem Registrum
Farfense ist in Rom eine Ausgabe von I. Giorgi und U. Balzani erschienen.
[22] Andreae presb. Bergomatis Chronicon, ed. Pertz, MG. SS. III, 231. Bethmann S.
367 ergänzt den Anfang. Neue Ausg. v. Waitz, SS. Langob. 220 bis 230.
[23] Ebenso wenig kann man das sogenannte Chronicon Brixiense, oder wenigstens
was uns davon erhalten ist, zu den Geschichtswerken rechnen, MG. SS. III, 238; SS.
Langob. 501-503 als Catalogus Brixiensis. — Die Translatio S. Habundii Mart. von
Foligno nach Berceto (Mab. III, 1, 487 ed. Ven.) gedenkt einer Synode zu Pavia unter
Lothar.
[24] Carmina Medii Aevi ed. H. Hagen (Bern 1877) S. 1-10. Neue Ausgabe von
Traube, Poet. Lat. III, 231-237. S. 7 (236 Tr.) Inschrift eines von Tado's Vorgänger
Angelbert erneuten Kelches. — Ueber Marginalien mit Spuren der gelehrten
Thätigkeit dieser Mönche in dem Cod. Bern. 363 s. Gottlieb, Wiener Studien IX, S.
151-159. Traube, O Roma nob. S. 348-353.
[25] Giulini, Mem. di Milano, II, 76.
[26] NA. VIII, 340.
[27] Dümmler, Gesta Berengarii, S. 75 und 159.
[28] Epitaphium Pacifici, Poet. Lat. II, 655, vgl. Traube, O Roma nob. S. 309.
Derselbe setzte die antikisierenden Gedichte O Roma und O admirabile Veneris nach
Verona ins 10. Jahrhundert.
[29] Bei Baronius ed. Luc. XV, 480; correcter bei Biancolini dei vescovi S. 35-37,
und jetzt bei Dümmler, Gesta Berengarii S. 134-136, vgl. 61-65, NA. IV, 558. Traube
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findet auch hier irischen Einfluss.
[30] Carmen panegyricum Berengarii, ed. Valesius, cum Adalberonis ep. Laudun.
carmine ad Rotbertum regem, Paris 1663. MG. SS. IV, 189 bis 210. Jetzt zuerst mit
erschöpfender Benutzung der Handschrift in Venedig mit der vollständigen Glosse,
und allseitig erläutert in: Gesta Berengarii Imperatoris. Beiträge zur Geschichte
Italiens im Anf. des 10. Jahrh. von E. Dümmler, Halle 1871; vgl. NA. IV, 558.
Benutzung des sog. Pindarus Thebanus, welcher von Doering dem Silius Italicus
zugeschrieben wird (Progr. d. Lyceums in Straßburg 1884), weist Dümmler nach,
Forsch. XIII, 415 bis 417.
[31] Oft sind sie auch schon gereimt; vgl. über seine Metrik E. Bernheim, Forsch.
XIV, 142.
[32] Doch kann sie nicht vom Vf. selbst herrühren, s. die Recension von Pannenborg,
GGA. 1871, S. 1767-1783, und Dümmlers Nachtr. zu Anselmus Peripatet. S. 107. E.
Bernheim hat Forsch. XIV, 138-154 die Glosse genau untersucht, und besonders auf
die alten Glossarien als Quellen einer unfruchtbaren Gelehrsamkeit hingewiesen.
[30] Carmen panegyricum Berengarii, ed. Valesius, cum Adalberonis ep. Laudun.
carmine ad Rotbertum regem, Paris 1663. MG. SS. IV, 189 bis 210. Jetzt zuerst mit
erschöpfender Benutzung der Handschrift in Venedig mit der vollständigen Glosse,
und allseitig erläutert in: Gesta Berengarii Imperatoris. Beiträge zur Geschichte
Italiens im Anf. des 10. Jahrh. von E. Dümmler, Halle 1871; vgl. NA. IV, 558.
Benutzung des sog. Pindarus Thebanus, welcher von Doering dem Silius Italicus
zugeschrieben wird (Progr. d. Lyceums in Straßburg 1884), weist Dümmler nach,
Forsch. XIII, 415 bis 417.
[31] Oft sind sie auch schon gereimt; vgl. über seine Metrik E. Bernheim, Forsch.
XIV, 142.
[32] Doch kann sie nicht vom Vf. selbst herrühren, s. die Recension von Pannenborg,
GGA. 1871, S. 1767-1783, und Dümmlers Nachtr. zu Anselmus Peripatet. S. 107. E.
Bernheim hat Forsch. XIV, 138-154 die Glosse genau untersucht, und besonders auf
die alten Glossarien als Quellen einer unfruchtbaren Gelehrsamkeit hingewiesen.
Page 406
III. Die Zeit der Ottonen.
Von Heinrich I bis zum Tode Heinrich II, 919-1024.
§ 1. Allgemeines. [ ← ]
C o n t z e n, Die Geschichtschreiber der sächs. Kaiserzeit. Regensburg 1837. Entstellt durch
Benutzung der falschen Corveyer Chronik, und durch die neuen Ausgaben der Quellen
unbrauchbar gemacht. — Stälin Wirt, Gesch. I, 419-426. L. Giesebrecht, Wendische
Geschichten III, 294-307. Waitz, Ueber die Entwickelung der deutschen Historiographie im
Mittelalter, in Schmidts Zeitschrift für Geschichte II, 97-103. — W. Giesebrecht, Geschichte der
deutschen Kaiserzeit, I, 777-790. II, 557-560. — Guil. Maurenbrecher de historicis decimi
saeculi scriptoribus, qui res ab Ottone Magno gestas memoriae tradiderunt, Bonnae 1861; vgl.
Lit. Centralblatt 1862, Sp. 837.
Mit dem Jahre 906 endigt Regino's Chronik, ein Jahr, bevor Herzog
Liutpold mit der Blüthe des bairischen Volkstammes von den Ungern
erschlagen wurde. Ein schwaches Kind saß auf dem Throne und vermochte
nicht das Reich zu schirmen. Es hatte den Anschein, als ob die ganze von
Karl dem Großen neu gepflanzte Kultur bereits dahin sinken sollte. Ein Stift
nach dem anderen wurde den Normannen zur Beute, und was übrig blieb,
rissen die räuberischen Großen an sich, die in ihren gegenseitigen Fehden
verheerten, was dem äußeren Feinde noch entgangen war. Die Sitze der
Bildung und Gelehrsamkeit verstummten; auch wenn sie der gänzlichen
Verödung entgingen, ließ doch die nagende Sorge um die stets gefährdete
Existenz keine wissenschaftliche Thätigkeit aufkommen.
Von Heinrich I bis zum Tode Heinrich II, 919-1024.
§ 1. Allgemeines. [ ← ]
C o n t z e n, Die Geschichtschreiber der sächs. Kaiserzeit. Regensburg 1837. Entstellt durch
Benutzung der falschen Corveyer Chronik, und durch die neuen Ausgaben der Quellen
unbrauchbar gemacht. — Stälin Wirt, Gesch. I, 419-426. L. Giesebrecht, Wendische
Geschichten III, 294-307. Waitz, Ueber die Entwickelung der deutschen Historiographie im
Mittelalter, in Schmidts Zeitschrift für Geschichte II, 97-103. — W. Giesebrecht, Geschichte der
deutschen Kaiserzeit, I, 777-790. II, 557-560. — Guil. Maurenbrecher de historicis decimi
saeculi scriptoribus, qui res ab Ottone Magno gestas memoriae tradiderunt, Bonnae 1861; vgl.
Lit. Centralblatt 1862, Sp. 837.
Mit dem Jahre 906 endigt Regino's Chronik, ein Jahr, bevor Herzog
Liutpold mit der Blüthe des bairischen Volkstammes von den Ungern
erschlagen wurde. Ein schwaches Kind saß auf dem Throne und vermochte
nicht das Reich zu schirmen. Es hatte den Anschein, als ob die ganze von
Karl dem Großen neu gepflanzte Kultur bereits dahin sinken sollte. Ein Stift
nach dem anderen wurde den Normannen zur Beute, und was übrig blieb,
rissen die räuberischen Großen an sich, die in ihren gegenseitigen Fehden
verheerten, was dem äußeren Feinde noch entgangen war. Die Sitze der
Bildung und Gelehrsamkeit verstummten; auch wenn sie der gänzlichen
Verödung entgingen, ließ doch die nagende Sorge um die stets gefährdete
Existenz keine wissenschaftliche Thätigkeit aufkommen.
Page 407
Schlimmer noch als in Deutschland, sah es in den Nachbarländern aus;
die Normannen, aus Sachsen zurückgeschlagen, hausten in Frankreich und
Lothringen, ohne Widerstand zu finden, während der Süden von
sarazenischen Seeräubern verheert wurde. Die Bretonen und Waskonen
schüttelten das fränkische Joch ab, und die Ungern streiften auf ihren
schnellen Rossen bis an den Ocean. In Italien begegneten spanische und
afrikanische Sarazenen den Ungern, und die innere Zwietracht war in
beiden Ländern noch ärger als in Deutschland.
Allein die Keime, welche einst Karl der Große gelegt hatte, waren
bereits so stark und kräftig geworden und hatten so tiefe Wurzeln
geschlagen, daß sie auch diese Feuerprobe überdauerten.
Wie einst von Austrasien, so ging jetzt von Sachsen die Rettung aus.
Hier hatte man zuerst sich ermannt und unter den Ludolfingern in festem
Zusammenhalten die Kraft gefunden, der Feinde Herr zu werden.
Reginbern, aus Widukinds Stamm, der Bruder der Königin Mahthild,
schlug die Dänen so, daß sie nicht wiederkamen. Die Wenden, welche die
Ostgrenze bedrängten, wurden zurückgeworfen. H einr i ch I stellte, wie
einst Karl Martell und Pippin, das Reich her und wies die Ungern zurück;
was er begonnen, vollendete sein Nachfolger, bis er die inneren und äußeren
Feinde bezwungen hatte. In dieser eisernen Zeit war noch für die Feder kein
Raum, aber nach dem Siege konnte O tto an die Herstellung der geistigen
Bildung denken. Da sehen wir überall die verödeten Klöster aus der Asche
erstehen, sie werden den Händen der Laienäbte entrissen und ihrer
Bestimmung wiedergegeben. Bald regt sich in ihnen, zunächst in denen,
welche von den Stürmen dieser Zeit weniger gelitten hatten, von neuem
wissenschaftliche Thätigkeit.
Wie Karl, schätzte auch Otto die Wissenschaften, ohne selbst eine
gelehrte Bildung erhalten zu haben; seine Erziehung war kriegerisch
gewesen, und erst spät, nach dem Tode der Königin Edid (26. Januar 946),
lernte er lateinische Bücher lesen und verstehen[1]; reden konnte er die
die Normannen, aus Sachsen zurückgeschlagen, hausten in Frankreich und
Lothringen, ohne Widerstand zu finden, während der Süden von
sarazenischen Seeräubern verheert wurde. Die Bretonen und Waskonen
schüttelten das fränkische Joch ab, und die Ungern streiften auf ihren
schnellen Rossen bis an den Ocean. In Italien begegneten spanische und
afrikanische Sarazenen den Ungern, und die innere Zwietracht war in
beiden Ländern noch ärger als in Deutschland.
Allein die Keime, welche einst Karl der Große gelegt hatte, waren
bereits so stark und kräftig geworden und hatten so tiefe Wurzeln
geschlagen, daß sie auch diese Feuerprobe überdauerten.
Wie einst von Austrasien, so ging jetzt von Sachsen die Rettung aus.
Hier hatte man zuerst sich ermannt und unter den Ludolfingern in festem
Zusammenhalten die Kraft gefunden, der Feinde Herr zu werden.
Reginbern, aus Widukinds Stamm, der Bruder der Königin Mahthild,
schlug die Dänen so, daß sie nicht wiederkamen. Die Wenden, welche die
Ostgrenze bedrängten, wurden zurückgeworfen. H einr i ch I stellte, wie
einst Karl Martell und Pippin, das Reich her und wies die Ungern zurück;
was er begonnen, vollendete sein Nachfolger, bis er die inneren und äußeren
Feinde bezwungen hatte. In dieser eisernen Zeit war noch für die Feder kein
Raum, aber nach dem Siege konnte O tto an die Herstellung der geistigen
Bildung denken. Da sehen wir überall die verödeten Klöster aus der Asche
erstehen, sie werden den Händen der Laienäbte entrissen und ihrer
Bestimmung wiedergegeben. Bald regt sich in ihnen, zunächst in denen,
welche von den Stürmen dieser Zeit weniger gelitten hatten, von neuem
wissenschaftliche Thätigkeit.
Wie Karl, schätzte auch Otto die Wissenschaften, ohne selbst eine
gelehrte Bildung erhalten zu haben; seine Erziehung war kriegerisch
gewesen, und erst spät, nach dem Tode der Königin Edid (26. Januar 946),
lernte er lateinische Bücher lesen und verstehen[1]; reden konnte er die
Page 408
Sprache der Gelehrten nicht[2]. Auf der Synode zu Ingelheim 948 wurden
der Könige wegen die päbstlichen Schreiben in deutscher Sprache
verlesen[3], und auch in seinem Alter ließ er sich einen lateinisch
geschriebenen Brief von seinem Sohne Otto II übersetzen[4].
Wie Karl, suchte auch Otto gelehrte Ausländer ins Land zu ziehen. So
bemühte er sich lange vergeblich, den Gu nzo von N ovar a, einen jener
italienischen Grammatiker, nach Deutschland zu bekommen. Dieser Gunzo
war Diaconus in seiner Vaterstadt, und schrieb hier, aufgefordert vom
Bischof Atto von Vercelli († c. 960) eine Schrift über Ehehindernisse[5]. Bei
seiner persönlichen Anwesenheit in Italien gelang es Otto endlich, ihn zu
gewinnen[6]. An hundert Bücher behauptet Gunzo mitgebracht zu haben,
darunter Schriften von Plato und Aristoteles; doch vermuthlich in
lateinischer Uebersetzung. Trotz seiner Gelehrsamkeit geschah es ihm
zuweilen, durch das Italienische verleitet, daß er die Casus verwechselte[7]
und deshalb wurde er in St. Gallen mit einem Spottliede verhöhnt, denn er
hatte statt eines Ablativs einen Accusativ gesetzt. Dagegen rechtfertigte sich
nun Gunzo in einem sehr langen und sehr pedantischen Briefe an die
Mönche von Reichenau, in welchem er seine ganze gelehrte Schulweisheit
zur Schau stellt.
Einen Landsmann von ihm Namens S tep han, der in Pavia gebildet
war, in Novara und Pavia gelehrt hatte, beriefen König Otto und Bischof
Poppo von Würzburg (941-961) aus Italien, und der Ruf seiner Vorträge
über Marcianus Capella zog den jungen Wolfgang aus Reichenau nach
Würzburg[8]. Seine Bücher, welche aber nicht zahlreich waren, vermachte
er dem h. Kilian[9]. Einige Auskunft über sein Leben und Wirken gewährt
die Grabschrift, welche er für sich selbst verfaßt hat[10]. Sie steht in einer
Handschrift des Domcapitels zu Novara, einer von Stephan geschriebenen
Canonensammlung; denn er hat sich nach 970 wieder in seine Heimath
begeben, wo er 985 eine Schenkung des Bischofs Aupald unterzeichnete.
Die Grabschrift lautet:
der Könige wegen die päbstlichen Schreiben in deutscher Sprache
verlesen[3], und auch in seinem Alter ließ er sich einen lateinisch
geschriebenen Brief von seinem Sohne Otto II übersetzen[4].
Wie Karl, suchte auch Otto gelehrte Ausländer ins Land zu ziehen. So
bemühte er sich lange vergeblich, den Gu nzo von N ovar a, einen jener
italienischen Grammatiker, nach Deutschland zu bekommen. Dieser Gunzo
war Diaconus in seiner Vaterstadt, und schrieb hier, aufgefordert vom
Bischof Atto von Vercelli († c. 960) eine Schrift über Ehehindernisse[5]. Bei
seiner persönlichen Anwesenheit in Italien gelang es Otto endlich, ihn zu
gewinnen[6]. An hundert Bücher behauptet Gunzo mitgebracht zu haben,
darunter Schriften von Plato und Aristoteles; doch vermuthlich in
lateinischer Uebersetzung. Trotz seiner Gelehrsamkeit geschah es ihm
zuweilen, durch das Italienische verleitet, daß er die Casus verwechselte[7]
und deshalb wurde er in St. Gallen mit einem Spottliede verhöhnt, denn er
hatte statt eines Ablativs einen Accusativ gesetzt. Dagegen rechtfertigte sich
nun Gunzo in einem sehr langen und sehr pedantischen Briefe an die
Mönche von Reichenau, in welchem er seine ganze gelehrte Schulweisheit
zur Schau stellt.
Einen Landsmann von ihm Namens S tep han, der in Pavia gebildet
war, in Novara und Pavia gelehrt hatte, beriefen König Otto und Bischof
Poppo von Würzburg (941-961) aus Italien, und der Ruf seiner Vorträge
über Marcianus Capella zog den jungen Wolfgang aus Reichenau nach
Würzburg[8]. Seine Bücher, welche aber nicht zahlreich waren, vermachte
er dem h. Kilian[9]. Einige Auskunft über sein Leben und Wirken gewährt
die Grabschrift, welche er für sich selbst verfaßt hat[10]. Sie steht in einer
Handschrift des Domcapitels zu Novara, einer von Stephan geschriebenen
Canonensammlung; denn er hat sich nach 970 wieder in seine Heimath
begeben, wo er 985 eine Schenkung des Bischofs Aupald unterzeichnete.
Die Grabschrift lautet:
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Novariae natus, Papiae moenibus altus,
Urbe velut potui, doctor utraque fui.
Me rex Otto potens Francorum duxit in urbem,
Qua legi multos mente vigente libros.
Hinc me digressum, proprium suscepit alumnum
Virgo salus mundi, mater et alma dei.
Protinus amissam studui reparare sophiam,
Erudiens pueros instituensque viros.
His igitur cunctis Christo tribuente peractis,
Sum pulvis modicus, jussit ut ipse deus.
Quisquis hac graderis, Stephani memor esto jacentis,
Ac sibi posce poli regna beata dari.
Insuper adde diem quae contulit ultima finem.
Hanc si scruteris, hinc mage cautus eris.
Die politischen Verwickelungen führten auch den gelehrten Bischof
R at her von Verona und vor Berengar flüchtend L iudp r an d an Otto's Hof,
wo sie gute Aufnahme fanden, und auch Ger ber t wurde von Pabst Johann
XIII im Jahre 971 zum Kaiser gesandt, verweilte aber damals nur kurze Zeit
am Hofe, weil er vorher noch in Reims seine philosophische Ausbildung zu
vollenden wünschte[11].
Gern gesehen an Otto's Hofe war E kk ehar d (II) von St. Gallen, den
man deshalb im Kloster den Höfling (palatinus) nannte; er war einer der
Lehrer Ot t o' s II[12]. Dieser hatte unter der Leitung Volcolds, und nach
dessen Beförderung zum Bischof von Meißen des Willigis[13], einen
vollständigen wissenschaftlichen Unterricht erhalten; er liebte und
beförderte die Wissenschaften und nahm lebhaften Antheil an den gelehrten
Urbe velut potui, doctor utraque fui.
Me rex Otto potens Francorum duxit in urbem,
Qua legi multos mente vigente libros.
Hinc me digressum, proprium suscepit alumnum
Virgo salus mundi, mater et alma dei.
Protinus amissam studui reparare sophiam,
Erudiens pueros instituensque viros.
His igitur cunctis Christo tribuente peractis,
Sum pulvis modicus, jussit ut ipse deus.
Quisquis hac graderis, Stephani memor esto jacentis,
Ac sibi posce poli regna beata dari.
Insuper adde diem quae contulit ultima finem.
Hanc si scruteris, hinc mage cautus eris.
Die politischen Verwickelungen führten auch den gelehrten Bischof
R at her von Verona und vor Berengar flüchtend L iudp r an d an Otto's Hof,
wo sie gute Aufnahme fanden, und auch Ger ber t wurde von Pabst Johann
XIII im Jahre 971 zum Kaiser gesandt, verweilte aber damals nur kurze Zeit
am Hofe, weil er vorher noch in Reims seine philosophische Ausbildung zu
vollenden wünschte[11].
Gern gesehen an Otto's Hofe war E kk ehar d (II) von St. Gallen, den
man deshalb im Kloster den Höfling (palatinus) nannte; er war einer der
Lehrer Ot t o' s II[12]. Dieser hatte unter der Leitung Volcolds, und nach
dessen Beförderung zum Bischof von Meißen des Willigis[13], einen
vollständigen wissenschaftlichen Unterricht erhalten; er liebte und
beförderte die Wissenschaften und nahm lebhaften Antheil an den gelehrten
Page 410
Problemen, welche damals die Menschen beschäftigten[14]. Hrotsuit feiert
ihn als einen zweiten Salomo. Er zog G er ber t wieder an sich, und noch ist
uns ein Fragment der Disputation erhalten, welche dieser 980 vor dem
Kaiser zu Ravenna hielt gegen den berühmten Magdeburger Lehrer
Ot r i ch, den Otto ebenfalls an seinen Hof berufen hatte[15]. Auch der Abt
Ad so von Montier-en-Der, einer der berühmtesten Gelehrten Frankreichs,
war dabei zugegen, nebst einer großen Menge von Scholastern oder
Grammatikern[16]. Auch von S. Wolfgang wird uns berichtet, daß er vor
diesem Kaiser gegen einen Ketzer disputierte. Den Bischof Gumpold von
Mantua veranlaßte er, das Leben des heiligen Wenzeslaus zu beschreiben.
Kurz vor dem Tode des alten Kaisers, im Jahre 972, besuchten Vater
und Sohn das Kloster St. Gallen. Der Vater fragte nach dem alten Notker,
dem gelehrten Maler und Arzte, mit dem Beinamen Pfefferkorn; schwach
und erblindet saß er auf einem Sessel. Auf das Geheiß des Vaters führte der
junge Kaiser ihn herbei, und der Alte leitete ihn nach zärtlicher Umarmung
sorgsam ins Kloster und setzte ihn an seine Seite. Otto II aber ließ sich nun
hier die Bibliothek öffnen und nahm, von den reichen Schätzen derselben
gelockt, eine Anzahl der besten Bücher mit sich fort; einige gab er auf
Ekkehards Bitte später zurück[17].
Ot t o I I I endlich wurde von seiner Mutter Theophano, von dem
Calabresen Johannes und Bernward von Hildesheim auf das sorgfältigste
erzogen[18], und sein wissenschaftlicher Verkehr mit Gerbert ist
weltbekannt; wie es nur zu leicht geschah, wendeten ihn diese ganz auf
fremdländischen Grundlagen beruhenden Studien vom vaterländischen
Wesen ab, und störten die harmonische Entwickelung seines Geistes[19].
Hei nr i ch II war in seiner Kindheit zum geistlichen Stande bestimmt,
und erhielt in Hildesheim, später unter Bischof Wolfgangs Leitung in
Regensburg eine gelehrte Erziehung[20]; wissenschaftliche Thätigkeit
förderte er nicht unmittelbar[21], aber seine Bestrebungen für die Reform
verwilderter Klöster kamen auch den Schulen zu Gute, wovon namentlich
ihn als einen zweiten Salomo. Er zog G er ber t wieder an sich, und noch ist
uns ein Fragment der Disputation erhalten, welche dieser 980 vor dem
Kaiser zu Ravenna hielt gegen den berühmten Magdeburger Lehrer
Ot r i ch, den Otto ebenfalls an seinen Hof berufen hatte[15]. Auch der Abt
Ad so von Montier-en-Der, einer der berühmtesten Gelehrten Frankreichs,
war dabei zugegen, nebst einer großen Menge von Scholastern oder
Grammatikern[16]. Auch von S. Wolfgang wird uns berichtet, daß er vor
diesem Kaiser gegen einen Ketzer disputierte. Den Bischof Gumpold von
Mantua veranlaßte er, das Leben des heiligen Wenzeslaus zu beschreiben.
Kurz vor dem Tode des alten Kaisers, im Jahre 972, besuchten Vater
und Sohn das Kloster St. Gallen. Der Vater fragte nach dem alten Notker,
dem gelehrten Maler und Arzte, mit dem Beinamen Pfefferkorn; schwach
und erblindet saß er auf einem Sessel. Auf das Geheiß des Vaters führte der
junge Kaiser ihn herbei, und der Alte leitete ihn nach zärtlicher Umarmung
sorgsam ins Kloster und setzte ihn an seine Seite. Otto II aber ließ sich nun
hier die Bibliothek öffnen und nahm, von den reichen Schätzen derselben
gelockt, eine Anzahl der besten Bücher mit sich fort; einige gab er auf
Ekkehards Bitte später zurück[17].
Ot t o I I I endlich wurde von seiner Mutter Theophano, von dem
Calabresen Johannes und Bernward von Hildesheim auf das sorgfältigste
erzogen[18], und sein wissenschaftlicher Verkehr mit Gerbert ist
weltbekannt; wie es nur zu leicht geschah, wendeten ihn diese ganz auf
fremdländischen Grundlagen beruhenden Studien vom vaterländischen
Wesen ab, und störten die harmonische Entwickelung seines Geistes[19].
Hei nr i ch II war in seiner Kindheit zum geistlichen Stande bestimmt,
und erhielt in Hildesheim, später unter Bischof Wolfgangs Leitung in
Regensburg eine gelehrte Erziehung[20]; wissenschaftliche Thätigkeit
förderte er nicht unmittelbar[21], aber seine Bestrebungen für die Reform
verwilderter Klöster kamen auch den Schulen zu Gute, wovon namentlich
Page 411
die Geschichte des Bischofs Godehard von Hildesheim ein Beispiel giebt,
und die Stiftung des neuen Bisthums zu Bamberg, welchem er es auch an
Büchern nicht fehlen ließ, eröffnete den gelehrten Studien eine neue
Stätte[22]. In 54 schwerfälligen und schwülstigen Hexametern pries Abt
Ger h ar d von S eon zwischen 1012 und 1014 die neue Stiftung[23], und mit
nicht minder gesuchten und pedantischen Anreden in Prosa und in Versen
begleitete der Bamberger Diaconus B eb o Abschriften von Büchern, welche
der Kaiser hatte machen lassen; er rühmt darin Heinrichs Bemühungen, den
Landfrieden herzustellen, und seine Schilderung von Benedicts VIII Besuch
in Bamberg 1020 ist von Adalbert in seiner Biographie Heinrichs II benutzt
worden[24].
Auch in der Todtenklage um C onst anti us den Scholasticus von
L ux eui l schildert Gudi nus den Kummer des Kaisers, daß seines gleichen
nicht mehr zu finden sei[25]. Dem Kloster Corvey schenkte ein Kaiser
Heinrich, der aber auch ein späterer sein kann, eine Handschrift aus
Unteritalien, welche das Autograph von Landolfs Historia miscella (oben
S. 166) und Vegetius enthielt[26].
Bei den F r auen fand man im früheren Mittelalter weit eher als bei
den Männern aus dem Laienstande die Anfänge einer gelehrten Bildung, die
schwierige Kunst des Lesens und Schreibens, nebst einer Kenntniß der
allgemeinen Schriftsprache, welche zum Verständniß des Psalters
ausreichte[27]. Leicht knüpfte sich mehr daran, und auch der Einfluß,
welchen Geistliche über weibliche Gemüther so leicht erlangen, begünstigte
ihre Beschäftigung mit dem besonderen Erbtheile dieses Standes, den
Büchern. Die Frömmigkeit der Königinnen Mahthi ld[28] und E di d ist
bekannt; Heinrichs I Tochter Ger berga veranlaßte den Abt Adso zur
Abfassung seiner Schrift über den Antichrist; Ad elheid aber, die
Burgunderin, und T h eop han o, die Griechin, zeichneten sich durch eine in
Deutschland seltene litterarische Bildung aus, die sich auch in der
sorgsamen Erziehung ihrer Kinder erkennen läßt. Ganz besonders wird uns
die hohe Bildung der schönen Herzogin H edwi g von Schwaben gerühmt,
und die Stiftung des neuen Bisthums zu Bamberg, welchem er es auch an
Büchern nicht fehlen ließ, eröffnete den gelehrten Studien eine neue
Stätte[22]. In 54 schwerfälligen und schwülstigen Hexametern pries Abt
Ger h ar d von S eon zwischen 1012 und 1014 die neue Stiftung[23], und mit
nicht minder gesuchten und pedantischen Anreden in Prosa und in Versen
begleitete der Bamberger Diaconus B eb o Abschriften von Büchern, welche
der Kaiser hatte machen lassen; er rühmt darin Heinrichs Bemühungen, den
Landfrieden herzustellen, und seine Schilderung von Benedicts VIII Besuch
in Bamberg 1020 ist von Adalbert in seiner Biographie Heinrichs II benutzt
worden[24].
Auch in der Todtenklage um C onst anti us den Scholasticus von
L ux eui l schildert Gudi nus den Kummer des Kaisers, daß seines gleichen
nicht mehr zu finden sei[25]. Dem Kloster Corvey schenkte ein Kaiser
Heinrich, der aber auch ein späterer sein kann, eine Handschrift aus
Unteritalien, welche das Autograph von Landolfs Historia miscella (oben
S. 166) und Vegetius enthielt[26].
Bei den F r auen fand man im früheren Mittelalter weit eher als bei
den Männern aus dem Laienstande die Anfänge einer gelehrten Bildung, die
schwierige Kunst des Lesens und Schreibens, nebst einer Kenntniß der
allgemeinen Schriftsprache, welche zum Verständniß des Psalters
ausreichte[27]. Leicht knüpfte sich mehr daran, und auch der Einfluß,
welchen Geistliche über weibliche Gemüther so leicht erlangen, begünstigte
ihre Beschäftigung mit dem besonderen Erbtheile dieses Standes, den
Büchern. Die Frömmigkeit der Königinnen Mahthi ld[28] und E di d ist
bekannt; Heinrichs I Tochter Ger berga veranlaßte den Abt Adso zur
Abfassung seiner Schrift über den Antichrist; Ad elheid aber, die
Burgunderin, und T h eop han o, die Griechin, zeichneten sich durch eine in
Deutschland seltene litterarische Bildung aus, die sich auch in der
sorgsamen Erziehung ihrer Kinder erkennen läßt. Ganz besonders wird uns
die hohe Bildung der schönen Herzogin H edwi g von Schwaben gerühmt,
Page 412
der Tochter von Otto's des Großen Bruder Heinrich von Baiern. Wie man
sich in St. Gallen erzählte, war sie als Kind zur Braut eines griechischen
Kaisers bestimmt, und wurde durch Kämmerlinge, welche dieser eigens
deshalb gesandt hatte, im Griechischen unterrichtet, zerriß aber diese
Verbindung, welche ihr mißfiel. Diese Geschichte freilich ist so, wie sie
erzählt wird, nicht möglich. Später mit Herzog Burchard vermählt und früh
(973) verwittwet, waltete sie auf ihrer Feste Hohentwiel mit männlicher
Festigkeit, ja mit Härte, und ihre wechselnden Launen waren sehr
gefürchtet. Ihre liebste Beschäftigung aber bestand darin, mit dem
Sanctgaller Mönche Ekkehard, den sie sich dazu vom Abte ausgebeten
hatte, die alten lateinischen Dichter zu lesen. Den jungen Burchard, der
später Abt wurde, lehrte sie selbst griechisch und beschenkte ihn zum
Abschied mit einem Horaz[29].
Ihre Schwester Ger bi rg, die Aebtissin von Gandersheim, war, so sagt
Hrotsuit, wie es der Nichte des Kaisers gebührte, von höherer
wissenschaftlicher Bildung und unterwies mich in den Autoren, welche
zuvor die gelehrtesten Meister mit ihr gelesen hatten[30].
Auch Heinrichs II Gemahlin K unig unde zeichnete sich durch
Kenntniß und Verständniß der kirchlichen nicht nur, sondern auch der
weltlichen Schriftsteller aus, und in der späteren Zeit betrachtete man die
feine Bildung der vornehmen Frauen als einen besonderen Vorzug dieses
Zeitalters[31]. Aber auch über seine Standesgenossen klagte Graf Udalrich
von Ebersberg ( † 1029) in seinen alten Tagen: in seiner Jugend, sagte er,
habe jeder Edelmann sich schämen müssen, wenn er die Rechtsbücher nicht
zu lesen und anzuwenden gelernt hätte[32].
Finden wir also das Ottonische Kaiserhaus wissenschaftlicher Bildung
geneigt und günstig, so überstrahlt doch alle, sowohl durch seine eigene
gründliche Gelehrsamkeit, wie durch seine fruchtreiche Thätigkeit für
Kirche und Schule, der große Erzbischof Br u n, Otto's des Großen jüngster
Bruder[33].
sich in St. Gallen erzählte, war sie als Kind zur Braut eines griechischen
Kaisers bestimmt, und wurde durch Kämmerlinge, welche dieser eigens
deshalb gesandt hatte, im Griechischen unterrichtet, zerriß aber diese
Verbindung, welche ihr mißfiel. Diese Geschichte freilich ist so, wie sie
erzählt wird, nicht möglich. Später mit Herzog Burchard vermählt und früh
(973) verwittwet, waltete sie auf ihrer Feste Hohentwiel mit männlicher
Festigkeit, ja mit Härte, und ihre wechselnden Launen waren sehr
gefürchtet. Ihre liebste Beschäftigung aber bestand darin, mit dem
Sanctgaller Mönche Ekkehard, den sie sich dazu vom Abte ausgebeten
hatte, die alten lateinischen Dichter zu lesen. Den jungen Burchard, der
später Abt wurde, lehrte sie selbst griechisch und beschenkte ihn zum
Abschied mit einem Horaz[29].
Ihre Schwester Ger bi rg, die Aebtissin von Gandersheim, war, so sagt
Hrotsuit, wie es der Nichte des Kaisers gebührte, von höherer
wissenschaftlicher Bildung und unterwies mich in den Autoren, welche
zuvor die gelehrtesten Meister mit ihr gelesen hatten[30].
Auch Heinrichs II Gemahlin K unig unde zeichnete sich durch
Kenntniß und Verständniß der kirchlichen nicht nur, sondern auch der
weltlichen Schriftsteller aus, und in der späteren Zeit betrachtete man die
feine Bildung der vornehmen Frauen als einen besonderen Vorzug dieses
Zeitalters[31]. Aber auch über seine Standesgenossen klagte Graf Udalrich
von Ebersberg ( † 1029) in seinen alten Tagen: in seiner Jugend, sagte er,
habe jeder Edelmann sich schämen müssen, wenn er die Rechtsbücher nicht
zu lesen und anzuwenden gelernt hätte[32].
Finden wir also das Ottonische Kaiserhaus wissenschaftlicher Bildung
geneigt und günstig, so überstrahlt doch alle, sowohl durch seine eigene
gründliche Gelehrsamkeit, wie durch seine fruchtreiche Thätigkeit für
Kirche und Schule, der große Erzbischof Br u n, Otto's des Großen jüngster
Bruder[33].
Page 413
Nachdem er in Utrecht unter der Aufsicht des Bischofs Balderich
erwachsen war und hier die erste grammatische Bildung erhalten hatte,
wurde er noch in früher Jugend (940) zum Kanzler und 953, als er
Erzbischof wurde, auch zum Erzcaplan erhoben; bald lag in seinen Händen
fast die ganze Verwaltung des Reiches, deren Fäden in der königlichen
Kanzlei zusammenliefen, vor allem aber die Leitung der kirchlichen
Angelegenheiten. Mit Geschäften aller Art überhäuft, hat er in den
Aeußerlichkeiten der Urkunden, den Daten namentlich, eine arge
Unordnung einreißen lassen[34]; dagegen fand er doch noch Zeit für seine
geliebten Bücher, die ihn überall hin begleiteten, für den wissenschaftlichen
Verkehr mit den Meistern der Wissenschaft, die, wie Ruotger sagt, von allen
Enden der Welt sich hier zusammenfanden. Ratherius, Liudprand, der
Spanier Recemund, Bischof von Elvira, wurden durch politische Ereignisse
diesem Kreise zugeführt, nahmen aber während ihres Aufenthaltes daselbst
ebenfalls an den wissenschaftlichen Bestrebungen Theil. Die Anwesenheit
gelehrter Griechen benutzte Brun, um von ihnen, deren Sprache ihm schon
vertraut war, zu lernen; besonders aber verehrte er als seinen Lehrer einen
irländischen Bischof Namens Israel, vielleicht denselben, welcher, aus
seiner Heimath vertrieben, in St. Maximin Mönch wurde[35].
Ungeachtet seiner hohen Stellung verschmähte Brun es nicht, auch
selbst als Lehrer zu wirken; wieder gab es, wie zu Karls Zeiten, eine
Hofschule[36], wenn auch in anderer Weise, weil für die Grundlage des
Lernens jetzt an vielen Orten besser gesorgt war. Aber die Söhne vornehmer
Familien, welche nach alter Weise an den Hof gebracht wurden, werden
schwerlich ganz ohne Unterricht gelassen sein, und die königliche Kanzlei
wurde zu einer Pflanzschule trefflicher Bischöfe, deren Wichtigkeit für das
Reich nicht hoch genug anzuschlagen ist, denn mit diesen Bischöfen
regierten die Kaiser von nun an bis zu den Zeiten Heinrichs IV ihr Reich,
und fast allein in ihnen bildete sich ein Element der Stätigkeit in der
Reichsregierung aus, welches von dem Wechsel der Personen unabhängig
war.
erwachsen war und hier die erste grammatische Bildung erhalten hatte,
wurde er noch in früher Jugend (940) zum Kanzler und 953, als er
Erzbischof wurde, auch zum Erzcaplan erhoben; bald lag in seinen Händen
fast die ganze Verwaltung des Reiches, deren Fäden in der königlichen
Kanzlei zusammenliefen, vor allem aber die Leitung der kirchlichen
Angelegenheiten. Mit Geschäften aller Art überhäuft, hat er in den
Aeußerlichkeiten der Urkunden, den Daten namentlich, eine arge
Unordnung einreißen lassen[34]; dagegen fand er doch noch Zeit für seine
geliebten Bücher, die ihn überall hin begleiteten, für den wissenschaftlichen
Verkehr mit den Meistern der Wissenschaft, die, wie Ruotger sagt, von allen
Enden der Welt sich hier zusammenfanden. Ratherius, Liudprand, der
Spanier Recemund, Bischof von Elvira, wurden durch politische Ereignisse
diesem Kreise zugeführt, nahmen aber während ihres Aufenthaltes daselbst
ebenfalls an den wissenschaftlichen Bestrebungen Theil. Die Anwesenheit
gelehrter Griechen benutzte Brun, um von ihnen, deren Sprache ihm schon
vertraut war, zu lernen; besonders aber verehrte er als seinen Lehrer einen
irländischen Bischof Namens Israel, vielleicht denselben, welcher, aus
seiner Heimath vertrieben, in St. Maximin Mönch wurde[35].
Ungeachtet seiner hohen Stellung verschmähte Brun es nicht, auch
selbst als Lehrer zu wirken; wieder gab es, wie zu Karls Zeiten, eine
Hofschule[36], wenn auch in anderer Weise, weil für die Grundlage des
Lernens jetzt an vielen Orten besser gesorgt war. Aber die Söhne vornehmer
Familien, welche nach alter Weise an den Hof gebracht wurden, werden
schwerlich ganz ohne Unterricht gelassen sein, und die königliche Kanzlei
wurde zu einer Pflanzschule trefflicher Bischöfe, deren Wichtigkeit für das
Reich nicht hoch genug anzuschlagen ist, denn mit diesen Bischöfen
regierten die Kaiser von nun an bis zu den Zeiten Heinrichs IV ihr Reich,
und fast allein in ihnen bildete sich ein Element der Stätigkeit in der
Reichsregierung aus, welches von dem Wechsel der Personen unabhängig
war.
Page 414
Brun selbst wurde im Jahre 953 Erzbischof von Cöln, wo er noch 12
Jahre wirkte, ohne doch darum der kaiserlichen Kanzlei fremd zu werden,
bis er am 11. Oct. 965 kaum 40 Jahre alt starb. Die schwierigsten Aufgaben
ruhten auf ihm, denn das unruhige, unzuverlässige Lothringen war seiner
Leitung anvertraut, und seine Schwester, die Königin von Frankreich, baute
fast allein auf seine Hülfe. Aber während man nie in ihm die Thatkraft
seines großen Bruders vermißte, vergaß er doch über den weltlichen Sorgen
nie seines bischöflichen Amtes. Die ganz zerrütteten Kirchen Lothringens
richtete er aus ihrer Versunkenheit auf; kirchliche und klösterliche Zucht
wurden erneut, die Schulen mit größter Sorgfalt gepflegt, und bald
entfaltete sich hier das rege litterarische Treiben, welches von nun an
Lothringen besonders auszeichnet.
Nicht minder erblühten nun auch in den übrigen Reichslanden unter so
guter Pflege alle die Keime, welche die vorhergegangenen Stürme noch
überdauert hatten; frisches Leben erfüllte die alten Klöster, welche wie
Corvey, Gandersheim, St. Gallen weniger gelitten hatten, und neben ihnen
erhoben sich zahlreiche neue Stätten litterarischer Bildung[37].
So verpflanzte nach S pei er, wo schon Bischof Godefrid (950 bis 961)
seiner Kirche ein Werk des Beda geschenkt hatte[38], Bischof B al der ich
(970-987), gebürtig aus Säckingen, die Studien der Sanctgaller Schule, aus
welcher er stammte. Sein Wohlgefallen und seine Aufmerksamkeit erregte
der Knabe Wal t her, den er zu aller heidnischen und christlichen
Wissenschaft anleitete. „Cum primum regno successit tertius Otto“, also
983, übergab er ihm, der nun Subdiaconus war, eine Schrift zu Ehren des h.
Christoph, welche die Nonne Hazecha, Schatzmeisterin von Quedlinburg,
ihm zur Correctur überreicht hatte; aber entweder wurde sie wirklich
verloren, wie Walther an Hazecha schrieb, oder er fand sie zu schlecht:
genug, Walther verfaßte ein eigenes Werk über den h. Christoph in Prosa
und in Versen, ganz in dem gespreizten, mit Gelehrsamkeit überladenen Stil
der Zeit; in zwei Monaten behauptet er beides vollendet zu haben. Voran
schickte er ein Buch mit dem Titel Scholasticus, worin er seinen
Jahre wirkte, ohne doch darum der kaiserlichen Kanzlei fremd zu werden,
bis er am 11. Oct. 965 kaum 40 Jahre alt starb. Die schwierigsten Aufgaben
ruhten auf ihm, denn das unruhige, unzuverlässige Lothringen war seiner
Leitung anvertraut, und seine Schwester, die Königin von Frankreich, baute
fast allein auf seine Hülfe. Aber während man nie in ihm die Thatkraft
seines großen Bruders vermißte, vergaß er doch über den weltlichen Sorgen
nie seines bischöflichen Amtes. Die ganz zerrütteten Kirchen Lothringens
richtete er aus ihrer Versunkenheit auf; kirchliche und klösterliche Zucht
wurden erneut, die Schulen mit größter Sorgfalt gepflegt, und bald
entfaltete sich hier das rege litterarische Treiben, welches von nun an
Lothringen besonders auszeichnet.
Nicht minder erblühten nun auch in den übrigen Reichslanden unter so
guter Pflege alle die Keime, welche die vorhergegangenen Stürme noch
überdauert hatten; frisches Leben erfüllte die alten Klöster, welche wie
Corvey, Gandersheim, St. Gallen weniger gelitten hatten, und neben ihnen
erhoben sich zahlreiche neue Stätten litterarischer Bildung[37].
So verpflanzte nach S pei er, wo schon Bischof Godefrid (950 bis 961)
seiner Kirche ein Werk des Beda geschenkt hatte[38], Bischof B al der ich
(970-987), gebürtig aus Säckingen, die Studien der Sanctgaller Schule, aus
welcher er stammte. Sein Wohlgefallen und seine Aufmerksamkeit erregte
der Knabe Wal t her, den er zu aller heidnischen und christlichen
Wissenschaft anleitete. „Cum primum regno successit tertius Otto“, also
983, übergab er ihm, der nun Subdiaconus war, eine Schrift zu Ehren des h.
Christoph, welche die Nonne Hazecha, Schatzmeisterin von Quedlinburg,
ihm zur Correctur überreicht hatte; aber entweder wurde sie wirklich
verloren, wie Walther an Hazecha schrieb, oder er fand sie zu schlecht:
genug, Walther verfaßte ein eigenes Werk über den h. Christoph in Prosa
und in Versen, ganz in dem gespreizten, mit Gelehrsamkeit überladenen Stil
der Zeit; in zwei Monaten behauptet er beides vollendet zu haben. Voran
schickte er ein Buch mit dem Titel Scholasticus, worin er seinen
Page 415
Bildungsgang schildert, dunkel und oft schwer verständlich, aber doch
werthvoll für die Kenntniß der damaligen Schulstudien, in welchen eine
ansehnliche Zahl classischer Autoren im Vordergrunde steht. Walther
schickte später nach des Bischofs Tod sein Werk auch ad collegas urbis
Salinarum, d. h. doch wohl nach Salzburg, an Liutfred, Benzo und
Friedrich[39]. Damals scheint er demnach die Speierer Schule geleitet zu
haben; 1004 ist er selbst wahrscheinlich Bischof von Speier geworden.
In besonderer Ausführlichkeit tritt uns hier eine Richtung der Studien
entgegen, welche wir noch an vielen Orten, wie z. B. in Lüttich, zu
berühren haben werden.
Sehr bald aber ließen sich auch schon Stimmen vernehmen, welche die
heidnische Gelehrsamkeit als sündlich verwarfen und gegen die classischen
Studien eiferten. Hatte schon Hieronymus im Traume für die Vorliebe
büßen müssen, womit er Plautus und Cicero gelesen[40], ein Geschichtchen,
welches immer wieder benutzt wird und noch bei der Bekämpfung der
Humanisten eine Rolle spielt, so finden wir in karolingischer Zeit den alt
gewordenen Alcuin in gleichem Sinne eifernd; so auch jenen alten
Schulmeister Johannes zu Fulda (oben S. 231). Ermenrich sah, wenn er den
Vergil unter sein Kopfkissen gelegt hatte, im Traume den Dichter als Teufel,
in der Hand ein Buch, hinterm Ohr die Feder, der ihn triumphirend
verhöhnte; doch meinte er, daß man, wie für den Ackerbau den Dünger, so
auch den Koth der heidnischen Poesie mit Nutzen verwerthen könne[41].
Notker dagegen empfahl dem jungen Salomo den Prudentius: non sunt tibi
necessariae gentilium fabulae[42]. Abt Odo von Cluni wurde durch einen
Traum von der Beschäftigung mit Vergil abgeschreckt[43], und ebenso
verwarf, der Tendenz dieser Congregation entsprechend, Majolus die einst
auch ihm lieb gewesenen Studien[44], und ähnliches wird vom Abt Hugo
berichtet[45].
Auch Hrotsuit schrieb ihre Dramen über Gegenstände aus der heiligen
Geschichte, um den Terenz aus den Händen der Christen zu verdrängen[46].
werthvoll für die Kenntniß der damaligen Schulstudien, in welchen eine
ansehnliche Zahl classischer Autoren im Vordergrunde steht. Walther
schickte später nach des Bischofs Tod sein Werk auch ad collegas urbis
Salinarum, d. h. doch wohl nach Salzburg, an Liutfred, Benzo und
Friedrich[39]. Damals scheint er demnach die Speierer Schule geleitet zu
haben; 1004 ist er selbst wahrscheinlich Bischof von Speier geworden.
In besonderer Ausführlichkeit tritt uns hier eine Richtung der Studien
entgegen, welche wir noch an vielen Orten, wie z. B. in Lüttich, zu
berühren haben werden.
Sehr bald aber ließen sich auch schon Stimmen vernehmen, welche die
heidnische Gelehrsamkeit als sündlich verwarfen und gegen die classischen
Studien eiferten. Hatte schon Hieronymus im Traume für die Vorliebe
büßen müssen, womit er Plautus und Cicero gelesen[40], ein Geschichtchen,
welches immer wieder benutzt wird und noch bei der Bekämpfung der
Humanisten eine Rolle spielt, so finden wir in karolingischer Zeit den alt
gewordenen Alcuin in gleichem Sinne eifernd; so auch jenen alten
Schulmeister Johannes zu Fulda (oben S. 231). Ermenrich sah, wenn er den
Vergil unter sein Kopfkissen gelegt hatte, im Traume den Dichter als Teufel,
in der Hand ein Buch, hinterm Ohr die Feder, der ihn triumphirend
verhöhnte; doch meinte er, daß man, wie für den Ackerbau den Dünger, so
auch den Koth der heidnischen Poesie mit Nutzen verwerthen könne[41].
Notker dagegen empfahl dem jungen Salomo den Prudentius: non sunt tibi
necessariae gentilium fabulae[42]. Abt Odo von Cluni wurde durch einen
Traum von der Beschäftigung mit Vergil abgeschreckt[43], und ebenso
verwarf, der Tendenz dieser Congregation entsprechend, Majolus die einst
auch ihm lieb gewesenen Studien[44], und ähnliches wird vom Abt Hugo
berichtet[45].
Auch Hrotsuit schrieb ihre Dramen über Gegenstände aus der heiligen
Geschichte, um den Terenz aus den Händen der Christen zu verdrängen[46].
Page 416
Etwas später wurde der sterbende Schüler Gozo von Dämonen in der
Gestalt des Turnus und Aeneas beunruhigt[47], und als ein Mönch des
Lütticher Lorenzklosters mit seinen Schülern den Terentius las, bemühte
sich S. Laurentius selber, um ihn zu züchtigen[48].
Wer könnte auch in Abrede stellen, daß in den römischen Dichtern
vieles zu lesen ist, was sich namentlich für Klosterschulen nicht eignet.
Besonders beliebt war Ovid, und nach einigen Citaten könnte man sich
versucht fühlen anzunehmen, daß seine Ars amandi das gelesenste Buch in
den Klöstern war, wobei jedoch in Anschlag zu bringen ist, daß viele
einzelne Sentenzen gelehrt und gelernt wurden, ohne daß man wußte,
woher sie stammten. Doch war auch die ganz übermäßige Beschäftigung
mit der unübersehlichen Fülle von Mythen, um jede Anspielung erklären zu
können, für Mönche wenig förderlich, und selbst Boethius und Cicero
stimmten nicht immer mit den Kirchenlehrern überein. Sogar den
Erzbischof Bruno sah der Hofcaplan Poppo in einer Vision wegen seiner
eifrigen Beschäftigung mit der Philosophie verklagt, aber S. Paulus trat für
ihn ein[49].
Der Abt Smaragdus, der 819 das Kloster Castellio nach Saint-Mihiel-
sur-Meuse verlegte, bekämpfte den Widerstand gegen die grammatischen
Studien; in seiner Grammatik aber nahm er die Beispiele aus kirchlichen
Schriftstellern[50]. Doch fühlte man allgemein, daß man die heidnische
Litteratur nicht entbehren könne, ohne in Barbarei zu verfallen; Hraban trat
sehr entschieden dafür ein, und selbst Anselm von Canterbury (ep. I, 55) hat
einem Mönche gerathen, den Vergil zu lesen. War der geistliche Stand
einmal der allein lehrende, so mußte er auch diesen Gefahren sich
aussetzen. Nur an einzelnen Orten und bei einzelnen Männern drang jene
ascetische Richtung durch; in den Schulen behaupteten sich bis ins
dreizehnte Jahrhundert Vergil und Horaz, Terenz, Ovid, Sallust, und
verlockten immer von neuem die jugendlichen Gemüther durch den Zauber
ihrer Anmuth von den trockneren Vätern der Kirche.
Gestalt des Turnus und Aeneas beunruhigt[47], und als ein Mönch des
Lütticher Lorenzklosters mit seinen Schülern den Terentius las, bemühte
sich S. Laurentius selber, um ihn zu züchtigen[48].
Wer könnte auch in Abrede stellen, daß in den römischen Dichtern
vieles zu lesen ist, was sich namentlich für Klosterschulen nicht eignet.
Besonders beliebt war Ovid, und nach einigen Citaten könnte man sich
versucht fühlen anzunehmen, daß seine Ars amandi das gelesenste Buch in
den Klöstern war, wobei jedoch in Anschlag zu bringen ist, daß viele
einzelne Sentenzen gelehrt und gelernt wurden, ohne daß man wußte,
woher sie stammten. Doch war auch die ganz übermäßige Beschäftigung
mit der unübersehlichen Fülle von Mythen, um jede Anspielung erklären zu
können, für Mönche wenig förderlich, und selbst Boethius und Cicero
stimmten nicht immer mit den Kirchenlehrern überein. Sogar den
Erzbischof Bruno sah der Hofcaplan Poppo in einer Vision wegen seiner
eifrigen Beschäftigung mit der Philosophie verklagt, aber S. Paulus trat für
ihn ein[49].
Der Abt Smaragdus, der 819 das Kloster Castellio nach Saint-Mihiel-
sur-Meuse verlegte, bekämpfte den Widerstand gegen die grammatischen
Studien; in seiner Grammatik aber nahm er die Beispiele aus kirchlichen
Schriftstellern[50]. Doch fühlte man allgemein, daß man die heidnische
Litteratur nicht entbehren könne, ohne in Barbarei zu verfallen; Hraban trat
sehr entschieden dafür ein, und selbst Anselm von Canterbury (ep. I, 55) hat
einem Mönche gerathen, den Vergil zu lesen. War der geistliche Stand
einmal der allein lehrende, so mußte er auch diesen Gefahren sich
aussetzen. Nur an einzelnen Orten und bei einzelnen Männern drang jene
ascetische Richtung durch; in den Schulen behaupteten sich bis ins
dreizehnte Jahrhundert Vergil und Horaz, Terenz, Ovid, Sallust, und
verlockten immer von neuem die jugendlichen Gemüther durch den Zauber
ihrer Anmuth von den trockneren Vätern der Kirche.
Page 417
Die Gewandtheit im Ausdruck, der leichte Fluß der lateinischen Rede,
im karolingischen Jahrhundert so allgemein verbreitet, waren jedoch in der
fünfzigjährigen Unterbrechung schriftstellerischer Thätigkeit verloren
gegangen; mit großer Anstrengung mußte man wieder von neuem beginnen.
Die mühsam erworbene gelehrte Bildung ist fast überall kenntlich; man war
stolz auf die neue Kunst und trug sie gern zur Schau. Die schwerfälligen
Phrasen sind erfüllt von ungeschickt eingefügten Ausdrücken der alten
Schriftsteller, man prunkt gern mit Citaten und bringt die gelehrten
Reminiscenzen auch da an, wo sie am wenigsten passend sind, wie z. B.
Liudprand die Ungern in ihrem Kriegsrath mit pedantischer Affectation
griechische Worte einmischen läßt. Schulmäßig gekünstelte Reden sind
besonders beliebt, und nur zu häufig erschwert der gesuchte Ausdruck das
Verständniß des Inhaltes. Aber die frische Lebenskraft, welche jetzt
wiederum die von jugendlichem Aufschwung erfüllte Generation
durchdrang, ist auch in dieser Vermummung nicht zu verkennen[51].
Leicht genug scheinen der Nonne Hrotsuit ihre Hexameter entströmt
zu sein, aber die reiche Fülle lateinischer Gelegenheitsdichtung, welche in
der karolingischen Zeit überall uns begegnet, fehlt der ottonischen. Wohl
finden wir den Streit der Brüder Otto I und Heinrich in einem halb
lateinischen, halb deutschen Gedicht behandelt[52], und auch die Schlacht
auf dem Lechfeld verherrlicht[53], beide aber (in Bezug auf das erste freilich
jetzt bezweifelt) den Ereignissen schon so fern stehend, daß wir hinter
ihnen uns eine Fülle deutscher Lieder zu denken haben, von jenen Mimi
gesungen, deren Widukind gedenkt[54].
Wie nun unter den ersten Karolingern die kräftige Neugestaltung des
Reiches naturgemäß dahin geführt hatte, die Begebenheiten der Gegenwart
aufzuzeichnen, weil man wieder Lust und Bedürfniß empfand, sie
festzuhalten, so geschah es auch nach langer Pause unter den Ottonen. Auch
jetzt suchte man zunächst die Zeitgeschichte festzuhalten; die
Weltgeschichte zu umfassen, versuchte man noch kaum. Aber überall
begann man um die Mitte des Jahrhunderts, die Zeitereignisse
im karolingischen Jahrhundert so allgemein verbreitet, waren jedoch in der
fünfzigjährigen Unterbrechung schriftstellerischer Thätigkeit verloren
gegangen; mit großer Anstrengung mußte man wieder von neuem beginnen.
Die mühsam erworbene gelehrte Bildung ist fast überall kenntlich; man war
stolz auf die neue Kunst und trug sie gern zur Schau. Die schwerfälligen
Phrasen sind erfüllt von ungeschickt eingefügten Ausdrücken der alten
Schriftsteller, man prunkt gern mit Citaten und bringt die gelehrten
Reminiscenzen auch da an, wo sie am wenigsten passend sind, wie z. B.
Liudprand die Ungern in ihrem Kriegsrath mit pedantischer Affectation
griechische Worte einmischen läßt. Schulmäßig gekünstelte Reden sind
besonders beliebt, und nur zu häufig erschwert der gesuchte Ausdruck das
Verständniß des Inhaltes. Aber die frische Lebenskraft, welche jetzt
wiederum die von jugendlichem Aufschwung erfüllte Generation
durchdrang, ist auch in dieser Vermummung nicht zu verkennen[51].
Leicht genug scheinen der Nonne Hrotsuit ihre Hexameter entströmt
zu sein, aber die reiche Fülle lateinischer Gelegenheitsdichtung, welche in
der karolingischen Zeit überall uns begegnet, fehlt der ottonischen. Wohl
finden wir den Streit der Brüder Otto I und Heinrich in einem halb
lateinischen, halb deutschen Gedicht behandelt[52], und auch die Schlacht
auf dem Lechfeld verherrlicht[53], beide aber (in Bezug auf das erste freilich
jetzt bezweifelt) den Ereignissen schon so fern stehend, daß wir hinter
ihnen uns eine Fülle deutscher Lieder zu denken haben, von jenen Mimi
gesungen, deren Widukind gedenkt[54].
Wie nun unter den ersten Karolingern die kräftige Neugestaltung des
Reiches naturgemäß dahin geführt hatte, die Begebenheiten der Gegenwart
aufzuzeichnen, weil man wieder Lust und Bedürfniß empfand, sie
festzuhalten, so geschah es auch nach langer Pause unter den Ottonen. Auch
jetzt suchte man zunächst die Zeitgeschichte festzuhalten; die
Weltgeschichte zu umfassen, versuchte man noch kaum. Aber überall
begann man um die Mitte des Jahrhunderts, die Zeitereignisse
Page 418
aufzuschreiben. Beziehungen zum kaiserlichen Hofe wirkten auch hier
anregend, aber nirgends erhob man sich doch zu einem so klaren
Ueberblicke der Verhältnisse, wie ihn die karolingischen Reichsannalen
zeigen; nur der Fortsetzer des Regino reiht sich denselben an. Der
Königshof übte wieder einen kräftigen Einfluß, die Reichsgeschichte ist
überall im Vordergrunde, aber weit mehr als in karolingischer Zeit
herrschen doch locale Gesichtspunkte vor, und es entwickeln sich
selbständige Mittelpunkte gelehrter Thätigkeit. Deshalb betrachten wir nach
einander die einzelnen Reichslande und beginnen mit demjenigen, von
welchem die Herrschaft der Ottonen ausging, mit Sachsen.
[1] Widuk. II, 36. Vgl. Dümmler, Otto I S. 515. Ich glaube nicht, daß man bei litteras
discere und libros legere et intelligere an andere als lateinische Bücher denken darf.
[2] Liudpr. Hist. Ott. 11.
[3] Flodoard h. a. MG. SS. III, 396.
[4] Casus S. Galli MG. SS. II, 139. Einen anderen übersetzt die Kaiserin Adelheid,
nam litteratissima erat; ib. p. 146.
[5] D'Achery, Spicil. I, 437.
[6] So erzählt Gunzo selbst in seiner Epistola ad Augienses fratres bei Martène, Coll.
I, 294. Der Codex aus St. Amand ist jetzt in Valenciennes, Mangeart p. 302. Eine
zweite Hs. in Maihingen, NA. IX, 286. Man hatte ihn auch in Stablo, Gottlieb,
Mittelalt. Bibliotheken S. 440. Obgleich er Otto nur König nennt, zieht doch M. v.
Knonau zu Ekk. S. 328 das J. 965 vor. Vgl. Gatterers Commentatio de Gunzone Italo,
Norimb. 1756; Bursian, Gesch. d. Philol. S. 43. Daß er der Ebersberger Probst
Guntheri oder Gunzo gewesen sei „Graecis ac Latinis litteris doctus, qui fuit
conscolasticus Gerberti pape“ (Chron. Ebersp. MG. SS. XX, 18) scheint der Zeit
nach kaum möglich, da dieser nach Gr. Hundt von 1002 bis 1013 Probst war.
[7] „Falso putavit S. Galli monachus me remotum a scientia grammaticae artis, licet
aliquando retarder usu nostrae vulgaris linguae quae latinitati vicina est.“ M. v.
Knonau vermuthet, daß Ekkehard II (palatinus) sein Gegner war.
[8] V. Wolfkangi c. 5.
[9] Nach den Versen bei Schannat, Vind. litt. I, 229 u. Oegg, Versuch einer
Korographie der Stadt Würzburg I, 542, die eine Art von Testament enthalten:
Novaria genitus..... prae moenibus alta,
Utraque ut patuit, doctor in urbe fui.
Ast Popo antistes hanc me perduxit in urbem,
anregend, aber nirgends erhob man sich doch zu einem so klaren
Ueberblicke der Verhältnisse, wie ihn die karolingischen Reichsannalen
zeigen; nur der Fortsetzer des Regino reiht sich denselben an. Der
Königshof übte wieder einen kräftigen Einfluß, die Reichsgeschichte ist
überall im Vordergrunde, aber weit mehr als in karolingischer Zeit
herrschen doch locale Gesichtspunkte vor, und es entwickeln sich
selbständige Mittelpunkte gelehrter Thätigkeit. Deshalb betrachten wir nach
einander die einzelnen Reichslande und beginnen mit demjenigen, von
welchem die Herrschaft der Ottonen ausging, mit Sachsen.
[1] Widuk. II, 36. Vgl. Dümmler, Otto I S. 515. Ich glaube nicht, daß man bei litteras
discere und libros legere et intelligere an andere als lateinische Bücher denken darf.
[2] Liudpr. Hist. Ott. 11.
[3] Flodoard h. a. MG. SS. III, 396.
[4] Casus S. Galli MG. SS. II, 139. Einen anderen übersetzt die Kaiserin Adelheid,
nam litteratissima erat; ib. p. 146.
[5] D'Achery, Spicil. I, 437.
[6] So erzählt Gunzo selbst in seiner Epistola ad Augienses fratres bei Martène, Coll.
I, 294. Der Codex aus St. Amand ist jetzt in Valenciennes, Mangeart p. 302. Eine
zweite Hs. in Maihingen, NA. IX, 286. Man hatte ihn auch in Stablo, Gottlieb,
Mittelalt. Bibliotheken S. 440. Obgleich er Otto nur König nennt, zieht doch M. v.
Knonau zu Ekk. S. 328 das J. 965 vor. Vgl. Gatterers Commentatio de Gunzone Italo,
Norimb. 1756; Bursian, Gesch. d. Philol. S. 43. Daß er der Ebersberger Probst
Guntheri oder Gunzo gewesen sei „Graecis ac Latinis litteris doctus, qui fuit
conscolasticus Gerberti pape“ (Chron. Ebersp. MG. SS. XX, 18) scheint der Zeit
nach kaum möglich, da dieser nach Gr. Hundt von 1002 bis 1013 Probst war.
[7] „Falso putavit S. Galli monachus me remotum a scientia grammaticae artis, licet
aliquando retarder usu nostrae vulgaris linguae quae latinitati vicina est.“ M. v.
Knonau vermuthet, daß Ekkehard II (palatinus) sein Gegner war.
[8] V. Wolfkangi c. 5.
[9] Nach den Versen bei Schannat, Vind. litt. I, 229 u. Oegg, Versuch einer
Korographie der Stadt Würzburg I, 542, die eine Art von Testament enthalten:
Novaria genitus..... prae moenibus alta,
Utraque ut patuit, doctor in urbe fui.
Ast Popo antistes hanc me perduxit in urbem,
Page 419
Qua sophiae studiis dogmata crebra dedi.
Quos habui paucos decrevi tradere libros,
Martyr sancte Dei, en Kiliane tibi.
Caetera quae restat mihimet sat parva supellex,
Cedat fraternis usibus apta nimis.
Quisquis ades nostri, rogito, possessor ovilis,
Adde diem mortis, quem deus ipse sapit.
Actum anno dom. inc. 970. 17 Kal. Aug.
Das fehlerhafte erste Distichon ist nach dem Epit. zu verbessern.
[10] Nebst einem Epitaph auf seinen Vater Leo, bei Giov. Andres, Lettera al Sig.
Abbate Morelli, Parma 1802, u. bei Reifferscheid, Wiener SB. LXVIII, 623 mit
Auslassung des ersten Hexameters: „Prodolor hoc parvo claudit sua membra locello“.
Dagegen ist der Schluß von Stephans Epitaph fälschlich dazu gezogen.
[11] Richer III, 44. 45. Vgl. Büdinger über Gerbert S. 44.
[12] Casus S. Galli p. 126. Bei der Unzuverlässigkeit derselben u. den chronol.
Widersprüchen ist es unsicher, ob Ekk. nicht erst nach 973 an den Hof kam; s. G.
Meyer v. Knonau zu seiner Ausg. p. LXXI.
[13] Tietm. IV, 5.
[14] Richer III, 67.
[15] Richer III, 55 ff. Vgl. Büdinger S. 52 ff.
[16] In Frankreich soll um diese Zeit Fulco bonus von Anjou (938 bis 958) vom
König verlacht sein, als er in choro S. Martini mit den Canonikern sang. Er schrieb
darauf dem König: „Noveritis domine, quia rex illiteratus est asinus coronatus“.
Gesta consulum Andegavensium c. 5; vgl. Doctrina Abaelardi bei Wright und
Halliwell, Reliquiae antt. I, 16, und das Schachbuch, Zeitschr. f. D. Alt. XVII, 204.
[17] Casus S. Galli, MG. SS. II, 147.
[18] Giesebrecht Kaiserzeit I, 670. 846. Lüntzel, Bernward S. 14. Vgl. H. Düker, Der
liber mathematicalis des h. Bernward im Domschatze zu Hildesheim ←, Hild. Progr.
1875. Dieses Buch, welches B. für den Unterricht gebraucht haben soll, ist die
Arithmetik von Boethius mit Glossen. Vgl. die Verse bei Giesebr. I, 889, und über die
von Joh. Calaber an Otto III gekommenen Bücher Val. Rose im Hermes VIII, 46;
Giesebr. I, 850.
[19] Ueber ein von Liuthar ihm dargebrachtes Evangeliar, und über die Bilder von
Otto III und Theophano auf dem kostbaren Einband des goldgeschriebenen
Evangeliar in Echternach, jetzt in Gotha, s. Lamprecht, Der Bilderschmuck des Cod.
Egberti u. des Cod. Eptern. im Jahrbuch d. Vereins v. Alterthumsfreunden im
Rheinland, LX (1881) S. 56-112.
[20] Hirsch, Heinrich II, I, 90-92. Giesebr. Kaiserzeit II, 78, 604.
[21] Giesebr. II, 605.
Quos habui paucos decrevi tradere libros,
Martyr sancte Dei, en Kiliane tibi.
Caetera quae restat mihimet sat parva supellex,
Cedat fraternis usibus apta nimis.
Quisquis ades nostri, rogito, possessor ovilis,
Adde diem mortis, quem deus ipse sapit.
Actum anno dom. inc. 970. 17 Kal. Aug.
Das fehlerhafte erste Distichon ist nach dem Epit. zu verbessern.
[10] Nebst einem Epitaph auf seinen Vater Leo, bei Giov. Andres, Lettera al Sig.
Abbate Morelli, Parma 1802, u. bei Reifferscheid, Wiener SB. LXVIII, 623 mit
Auslassung des ersten Hexameters: „Prodolor hoc parvo claudit sua membra locello“.
Dagegen ist der Schluß von Stephans Epitaph fälschlich dazu gezogen.
[11] Richer III, 44. 45. Vgl. Büdinger über Gerbert S. 44.
[12] Casus S. Galli p. 126. Bei der Unzuverlässigkeit derselben u. den chronol.
Widersprüchen ist es unsicher, ob Ekk. nicht erst nach 973 an den Hof kam; s. G.
Meyer v. Knonau zu seiner Ausg. p. LXXI.
[13] Tietm. IV, 5.
[14] Richer III, 67.
[15] Richer III, 55 ff. Vgl. Büdinger S. 52 ff.
[16] In Frankreich soll um diese Zeit Fulco bonus von Anjou (938 bis 958) vom
König verlacht sein, als er in choro S. Martini mit den Canonikern sang. Er schrieb
darauf dem König: „Noveritis domine, quia rex illiteratus est asinus coronatus“.
Gesta consulum Andegavensium c. 5; vgl. Doctrina Abaelardi bei Wright und
Halliwell, Reliquiae antt. I, 16, und das Schachbuch, Zeitschr. f. D. Alt. XVII, 204.
[17] Casus S. Galli, MG. SS. II, 147.
[18] Giesebrecht Kaiserzeit I, 670. 846. Lüntzel, Bernward S. 14. Vgl. H. Düker, Der
liber mathematicalis des h. Bernward im Domschatze zu Hildesheim ←, Hild. Progr.
1875. Dieses Buch, welches B. für den Unterricht gebraucht haben soll, ist die
Arithmetik von Boethius mit Glossen. Vgl. die Verse bei Giesebr. I, 889, und über die
von Joh. Calaber an Otto III gekommenen Bücher Val. Rose im Hermes VIII, 46;
Giesebr. I, 850.
[19] Ueber ein von Liuthar ihm dargebrachtes Evangeliar, und über die Bilder von
Otto III und Theophano auf dem kostbaren Einband des goldgeschriebenen
Evangeliar in Echternach, jetzt in Gotha, s. Lamprecht, Der Bilderschmuck des Cod.
Egberti u. des Cod. Eptern. im Jahrbuch d. Vereins v. Alterthumsfreunden im
Rheinland, LX (1881) S. 56-112.
[20] Hirsch, Heinrich II, I, 90-92. Giesebr. Kaiserzeit II, 78, 604.
[21] Giesebr. II, 605.
Page 420
[22] Ausführlich handelt darüber Giesebrecht, II, 52-65, vgl. 600, und Hirsch,
Heinrich II, Band II. Ein dazu gehöriger Catalog NA. V, 624.
[23] Hirsch, Heinrich II, I, 554. Jaffé, Bibl. V, 482.
[24] Gedr. v. Gutenäcker im 25. Bericht d. hist. Vereins zu Bamberg S. 138. Hirsch a.
a. O. S. 545-554. Jaffé, Bibl. V, 484-497. Ergänzt Giesebr. II, 581.
[25] „Heinricus in Romano residens palatio et arcana sapientum comprobans ingenio,
dolet nusquam inveniri similem Constantio.“ Mab. Anal. p. 217. Duméril (1843) S.
280; vgl. über Constantius die Unterschrift des Cod. Bern. 87: „Ego Constantius
peccator et indignus sacerdos S. Petri Luxov. coenobii scripsi ad serviendum ei hos
libros Boetii de geometria diebus tantum XI infra Idus Jun. et VI. Kal. Jul. a. M. IIII.
ab inc. Domini, conversionis autem nostrae II. praecepto pii patris Milonis. Sit ergo
utenti gratia, scriptori venia, fraudatori anathema.“ Cantor, Mathem. Beiträge (1863)
S. 404, und correcter bei Grandidier, Oeuvres hist. (1865) II, 236, Hagen, Catal.
Bern. p. 107. Die Handschrift hatte Bischof Werinhar der Straßburger Kirche
geschenkt.
[26] Cod. Pal. 909, Arch. XII, 344. Nach Bethmann wäre die Inschrift aus dem elften
Jahrhundert, nach H. Droysen im Hermes XII, 387 (Auctt. antiquiss. II, p. LXII) aus
dem Anf. des 12. und hätte dieselbe Hand den Text mit Randglossen, wie cave
princeps, attende princeps, himitare princeps versehen, welche auf den Unterricht
eines Fürsten deuten. Danach wäre ein späterer Heinrich anzunehmen.
[27] Vgl. Giesebr. II, 546. Weinhold, Die deutschen Frauen S. 91. V. Bardonis maj. c.
1. Der Regensburger Marianus Scottus schrieb „multa manualia psalteria viduis
indigentibus ac clericis pauperibus ejusdem civitatis“. Frau Ute in Lorsch „las an ir
salter alle ir tagezît“, Diu Klage v. 1840. „Saltere und alle buche, di zu gotis dinste
horen, die vrowen phlegen zu lesene“, gehören nach dem Sachsenspiegel I, 24, 3 zur
Gerade. Verständniß der Sprache war jedoch mit dem Lesen nicht nothwendig
verbunden, so verstand Hildegard vor ihrer Erleuchtung den Inhalt nicht: „solum
psalterium legere didicerat more nobilium puellarum a quadam inclusa in monte
Dysibodi“. Alberici Chron. ad a. 1141. Im 13. Jahrh. wird einem Scholaren der Rath
gegeben: „Si vero grammaticam nequis scire plene, Defectu ingenii, defectu
crumene, Horas et psalterium discas valde bene, Scolas si necesse est puellarum
tene.“ Peiper in der Zeitschrift f. Deutsche Philologie V, 183.
[28] „Domesticos omnes famulos et ancillas variis artibus, litteris quoque instituit;
nam et ipsa litteras novit, quas post mortem regis lucide satis didicit.“ Widuk. III, 74.
Anskar schickte der Liutbirg (oben S. 254) junge Mädchen zur Unterweisung im
Psalmsingen und Handarbeit.
[29] Casus S. Galli MG. SS. II, 122-126. Vgl. die Anmerkungen von Meyer von
Knonau S. 319 ff. u. Allg. Deutsche Biogr. X, 308.
[30] „Gerberga, cujus nunc subdor dominio abbatiae, aetate minor sed ut imperialem
decebat neptem, scientia provectior, aliquot auctores quos ipsa prior a sapientissimis
didicit, me admodum erudivit.“ Praef. ad vitam b. Mariae.
[31] Im Chron. Gozec. I, 2 (MG. SS. X, 142) heißt es von der Agnes von Weimar,
Gemahlin des 1036 verstorbenen Pfalzgrafen Friedrich von Sachsen: more
antiquorum tam litteris quam diversarum artium disciplinis apud Quidelingeburg
pulchre fuit instructa. Ueber Kunigunde s. unten V § 15. Die Quedlinburger
Schatzmeisterin Hazecha verfaßte eine Schrift zu Ehren des h. Christoph, welche sie
Bischof Balderich von Speier (970 bis 987) übergab. S. unten → S. 324.
[32] Chron. Ebersp. MG. SS. XX, 14. Aehnlich heißt es in der Vita S. Pauli Virodun.
(aus dem 7. Jahrh.), in welcher Berthar angeführt wird, Hugo Flavin. aber noch nicht:
Heinrich II, Band II. Ein dazu gehöriger Catalog NA. V, 624.
[23] Hirsch, Heinrich II, I, 554. Jaffé, Bibl. V, 482.
[24] Gedr. v. Gutenäcker im 25. Bericht d. hist. Vereins zu Bamberg S. 138. Hirsch a.
a. O. S. 545-554. Jaffé, Bibl. V, 484-497. Ergänzt Giesebr. II, 581.
[25] „Heinricus in Romano residens palatio et arcana sapientum comprobans ingenio,
dolet nusquam inveniri similem Constantio.“ Mab. Anal. p. 217. Duméril (1843) S.
280; vgl. über Constantius die Unterschrift des Cod. Bern. 87: „Ego Constantius
peccator et indignus sacerdos S. Petri Luxov. coenobii scripsi ad serviendum ei hos
libros Boetii de geometria diebus tantum XI infra Idus Jun. et VI. Kal. Jul. a. M. IIII.
ab inc. Domini, conversionis autem nostrae II. praecepto pii patris Milonis. Sit ergo
utenti gratia, scriptori venia, fraudatori anathema.“ Cantor, Mathem. Beiträge (1863)
S. 404, und correcter bei Grandidier, Oeuvres hist. (1865) II, 236, Hagen, Catal.
Bern. p. 107. Die Handschrift hatte Bischof Werinhar der Straßburger Kirche
geschenkt.
[26] Cod. Pal. 909, Arch. XII, 344. Nach Bethmann wäre die Inschrift aus dem elften
Jahrhundert, nach H. Droysen im Hermes XII, 387 (Auctt. antiquiss. II, p. LXII) aus
dem Anf. des 12. und hätte dieselbe Hand den Text mit Randglossen, wie cave
princeps, attende princeps, himitare princeps versehen, welche auf den Unterricht
eines Fürsten deuten. Danach wäre ein späterer Heinrich anzunehmen.
[27] Vgl. Giesebr. II, 546. Weinhold, Die deutschen Frauen S. 91. V. Bardonis maj. c.
1. Der Regensburger Marianus Scottus schrieb „multa manualia psalteria viduis
indigentibus ac clericis pauperibus ejusdem civitatis“. Frau Ute in Lorsch „las an ir
salter alle ir tagezît“, Diu Klage v. 1840. „Saltere und alle buche, di zu gotis dinste
horen, die vrowen phlegen zu lesene“, gehören nach dem Sachsenspiegel I, 24, 3 zur
Gerade. Verständniß der Sprache war jedoch mit dem Lesen nicht nothwendig
verbunden, so verstand Hildegard vor ihrer Erleuchtung den Inhalt nicht: „solum
psalterium legere didicerat more nobilium puellarum a quadam inclusa in monte
Dysibodi“. Alberici Chron. ad a. 1141. Im 13. Jahrh. wird einem Scholaren der Rath
gegeben: „Si vero grammaticam nequis scire plene, Defectu ingenii, defectu
crumene, Horas et psalterium discas valde bene, Scolas si necesse est puellarum
tene.“ Peiper in der Zeitschrift f. Deutsche Philologie V, 183.
[28] „Domesticos omnes famulos et ancillas variis artibus, litteris quoque instituit;
nam et ipsa litteras novit, quas post mortem regis lucide satis didicit.“ Widuk. III, 74.
Anskar schickte der Liutbirg (oben S. 254) junge Mädchen zur Unterweisung im
Psalmsingen und Handarbeit.
[29] Casus S. Galli MG. SS. II, 122-126. Vgl. die Anmerkungen von Meyer von
Knonau S. 319 ff. u. Allg. Deutsche Biogr. X, 308.
[30] „Gerberga, cujus nunc subdor dominio abbatiae, aetate minor sed ut imperialem
decebat neptem, scientia provectior, aliquot auctores quos ipsa prior a sapientissimis
didicit, me admodum erudivit.“ Praef. ad vitam b. Mariae.
[31] Im Chron. Gozec. I, 2 (MG. SS. X, 142) heißt es von der Agnes von Weimar,
Gemahlin des 1036 verstorbenen Pfalzgrafen Friedrich von Sachsen: more
antiquorum tam litteris quam diversarum artium disciplinis apud Quidelingeburg
pulchre fuit instructa. Ueber Kunigunde s. unten V § 15. Die Quedlinburger
Schatzmeisterin Hazecha verfaßte eine Schrift zu Ehren des h. Christoph, welche sie
Bischof Balderich von Speier (970 bis 987) übergab. S. unten → S. 324.
[32] Chron. Ebersp. MG. SS. XX, 14. Aehnlich heißt es in der Vita S. Pauli Virodun.
(aus dem 7. Jahrh.), in welcher Berthar angeführt wird, Hugo Flavin. aber noch nicht:
Page 421
„liberalium studiis litterarum, sicut olim moris erat nobilibus, traditur imbuendus“.
Mab. Act. II, 268. Auch der Vater Odo's von Cluny war nach der Vita auct. Joh. mon.
I, 5 ein angesehener Rechtskundiger am Hofe des Grafen Wilhelm von Poitiers.
[33] S. über ihn und seine Wirksamkeit W. Giesebrecht, Geschichte der Kaiserzeit I,
321-331, vgl. 817; 401-403. 431-436, vgl. 826. 829. Vogel, Ratherius I, 156 ff.
Jasmunds Vorwort zur Uebersetzung des Ruotger. Ern. Meyer de Brunone I, Diss.
Berol. 1867. Dümmler, Otto I, S. 396 bis 399. Bursian, Gesch. d. Philol. S. 44. K.
Martin, Beiträge zur Gesch. Bruns, Diss. Jen. 1878.
[34] Sickel, Wiener SB. XCIII, 732.
[35] Hontheim, Prodr. hist. Trev. II, 975. Dümmler in d. Neuen Mitth. XI, 252.
[36] Mir scheint das aus Ruotgeri V. Brun c. 5-7 hervorzugehen. Freilich darf man
kaum an eine dauernde geregelte Organisation denken, aber E. Meyer geht zu weit,
wenn er sie ganz leugnet. Ihm stimmt freilich jetzt auch Dümmler bei, Otto I, S. 545,
aber wenn Ruotger sagt: „Latialem eloquentiam non in se solum, ubi excelluit, set et
in multis aliis politam reddidit et inlustrem“, so muß doch Brun lat. Unterricht
gegeben haben. Die eigentliche Schule hatten die Hofcapläne schon hinter sich, aber
wenn wir Ruotger irgend glauben dürfen, war doch am Hofe noch viel für sie zu
lernen.
[37] Wohl konnte deshalb Brun zum König sagen:
Deciderat Studium veterum
Et vigilancia paene patrum,
Caecaque saecula barbaries
Saeva premebat et error iners.
At tua dextra ubi sceptra tenet,
Publica res sibi tuta placet,
Exacuit calamos studium
Fertque quod apparat ad solium.
Verse hinter einer Abschrift des Frontin, bei Haase, Ind. lectt. Vratisl. hiem. 1860, p.
20. Leider bleibt es ungewiß, ob der Bruno tuus dieser Bruno ist; der Caesar ist nicht
genannt. Diese Anrede setzt übrigens nicht nothwendig die Kaiserkrönung voraus.
[38] Brit. Mus. Addit. 23,931, wo nach dem Catalog von 3 Widmungsversen der erste
lautet: „Me Godefrid sanctae praesul dedit ecce Mariae“.
[39] Waltherus Spirensis de passione S. Christophori, bei B. Pez, Thes. II, 3, 29-122.
Prantl, Gesch. d. Logik II. 52 hat auf dieses Werk aufmerksam gemacht; Remling in
seiner Geschichte der Bischöfe von Speier erwähnt es I, 252 unter Bischof Walther,
Mabillon sah die Hs. in St. Emmeram, jetzt Cod. lat. Monac. 14,798. Vgl. W. Harster:
Walther v. Speier, ein Dichter des 10. Jahrhunderts. Speier 1877. Beigabe zum
Jahresbericht der K. Studienanstalt. Da ist nachgewiesen, daß aus einer vielfach
Mab. Act. II, 268. Auch der Vater Odo's von Cluny war nach der Vita auct. Joh. mon.
I, 5 ein angesehener Rechtskundiger am Hofe des Grafen Wilhelm von Poitiers.
[33] S. über ihn und seine Wirksamkeit W. Giesebrecht, Geschichte der Kaiserzeit I,
321-331, vgl. 817; 401-403. 431-436, vgl. 826. 829. Vogel, Ratherius I, 156 ff.
Jasmunds Vorwort zur Uebersetzung des Ruotger. Ern. Meyer de Brunone I, Diss.
Berol. 1867. Dümmler, Otto I, S. 396 bis 399. Bursian, Gesch. d. Philol. S. 44. K.
Martin, Beiträge zur Gesch. Bruns, Diss. Jen. 1878.
[34] Sickel, Wiener SB. XCIII, 732.
[35] Hontheim, Prodr. hist. Trev. II, 975. Dümmler in d. Neuen Mitth. XI, 252.
[36] Mir scheint das aus Ruotgeri V. Brun c. 5-7 hervorzugehen. Freilich darf man
kaum an eine dauernde geregelte Organisation denken, aber E. Meyer geht zu weit,
wenn er sie ganz leugnet. Ihm stimmt freilich jetzt auch Dümmler bei, Otto I, S. 545,
aber wenn Ruotger sagt: „Latialem eloquentiam non in se solum, ubi excelluit, set et
in multis aliis politam reddidit et inlustrem“, so muß doch Brun lat. Unterricht
gegeben haben. Die eigentliche Schule hatten die Hofcapläne schon hinter sich, aber
wenn wir Ruotger irgend glauben dürfen, war doch am Hofe noch viel für sie zu
lernen.
[37] Wohl konnte deshalb Brun zum König sagen:
Deciderat Studium veterum
Et vigilancia paene patrum,
Caecaque saecula barbaries
Saeva premebat et error iners.
At tua dextra ubi sceptra tenet,
Publica res sibi tuta placet,
Exacuit calamos studium
Fertque quod apparat ad solium.
Verse hinter einer Abschrift des Frontin, bei Haase, Ind. lectt. Vratisl. hiem. 1860, p.
20. Leider bleibt es ungewiß, ob der Bruno tuus dieser Bruno ist; der Caesar ist nicht
genannt. Diese Anrede setzt übrigens nicht nothwendig die Kaiserkrönung voraus.
[38] Brit. Mus. Addit. 23,931, wo nach dem Catalog von 3 Widmungsversen der erste
lautet: „Me Godefrid sanctae praesul dedit ecce Mariae“.
[39] Waltherus Spirensis de passione S. Christophori, bei B. Pez, Thes. II, 3, 29-122.
Prantl, Gesch. d. Logik II. 52 hat auf dieses Werk aufmerksam gemacht; Remling in
seiner Geschichte der Bischöfe von Speier erwähnt es I, 252 unter Bischof Walther,
Mabillon sah die Hs. in St. Emmeram, jetzt Cod. lat. Monac. 14,798. Vgl. W. Harster:
Walther v. Speier, ein Dichter des 10. Jahrhunderts. Speier 1877. Beigabe zum
Jahresbericht der K. Studienanstalt. Da ist nachgewiesen, daß aus einer vielfach
Page 422
mißverständlichen Bearbeitung des griech. Textes sich die spätere Form der Legende
entwickelt hat; doch hat Schönbach, Zeitschr. f. D. Alt. XXIV, Anz. S. 155-172,
Einwendungen dagegen erhoben. Ausgabe von Harster als Beigabe zum
Jahresbericht 1878. Anz. v. Pannenborg, GGA. 1879, No. 20; von Nolte, Zeitschr. f.
öst. Gymn. 1879, XXX, 617-629. Acta Graeca, Anal. Boll. I, 121. ←
[40] Hieron. ad Eustochium, Opp. ed. Vall. I, 113. Vgl. im allg. Comparetti, Virgilio
nel Medio Evo I, cap. 6.
[41] Dümmler, St. Gall. Denkm. S. 207. Ermenrici ep. p. 29. 31.
[42] Dümmler, Formelbuch S. 73.
[43] Vita auct. Joh. mon. I § 12.
[44] „Legerat isdem vir Domini libros olim antiquorum philosophorum Virgiliique
mendacia, que nolebat nec ipse jam audire nec alios legere: Sufficiunt, inquiens,
divini poetae vobis, nec egetis luxuriosa Virgilii vos pollui facundia“, Vita S. Majoli
I, c. 14.
[45] R. Lehmann über die Vitae Hugonis S. 48.
[46] Die fleißige Beschäftigung mit Terenz wird auch bezeugt durch das wunderliche
Gedicht, welches Riese in der Zeitschr. f. österr. Gymnasien 1867, S. 442-446, e cod.
saec. X. herausgegeben hat, und schon 1840 Magnin in d. Bibl. de l'École des
chartes, I, 524-531.
[47] Vita Popponis c. 32. MG. SS. XI, 314.
[48] Reineri Palmarium Virginale bei B. Pez, Thes. IV, 3, 85.
[49] Thietmari Chron. II, 10.
[50] S. über ihn Hauréau, Smaragdus (Singularités p. 100-128); NA. IV, 250-253;
Ebert II, 108-112. Seine Gedichte sind gedruckt Poet. Lat. I, 605-619; sie sind
ausgeschrieben von Angelomus, ib. II, 675-677. Die Vorrede des Smaragdus zu
seiner Via regia ist, wie Dümmler bemerkt, gedruckt bei Denis, Codd. bibl. pal. I,
1050.
[51] Vgl. über den Charakter der Litteratur dieser Zeit W. Giesebrecht, Kaiserzeit I,
309.
[52] Leich von den beiden Heinrichen, ed. Lachmann bei Koepke, Jahrbb. Otto's I S.
97. W. Wackernagel, Lesebuch 4. Aufl. I, 110. Müllenhoff u. Scherer 3. Ausg. I, 39,
vgl. II, 99-106. Seelmann im Niederd. Jahrb. XII, 75-89, bezieht es auf den Augsb.
Reichstag von 952; Bedenken dagegen von Steinmeyer a. a. O. S. 105.
[53] M o d u s O t t i n c, Magnus caesar, auch Otto II u. III feiernd, Lachm. im Rhein.
Mus. III, 432. Coussemaker, Hist. de l'harm. 106 u. pl. VIII, 1. Müll. u. Scherer 3.
Ausg. S. 46.
[54] Ueber die lat. Hof-u. Klosterpoesie vgl. Wackernagels LG. S. 70 bis 74, über
Volkslieder S. 75. Ueber die modi des Cod. Cantabr. Bartsch, Die lat. Sequenzen des
MA. S. 145-165. Auf Heriger von Mainz (913 bis 926) Heriger urbis, nicht
historisch, Jaffé in d. Zeitschr. f. D. Alt. XIV, 455. Müll. u. Scherer, 3. Aufl. S. 53. —
Kirchliche Lieder auf Heinrich II, Lamentemur u. Judex summe, bei Jaffé a. a. O.
458-461; Summe Caesar NA. IV, 399. Anspielungen auf Heinrichs II
Zusammenkunft mit K. Robert von Frankreich im R u o d l i e b, bei Grimm u.
Schmeller, Lat. Gedichte des 10. u. 11. Jahrh., vgl. Giesebr. II, 624. Jahrbb. Heinrichs
II, II, 225. III, 261. Ausgabe von F. Seiler, Halle 1882. Ueber Ecbasis captivi s. unten
entwickelt hat; doch hat Schönbach, Zeitschr. f. D. Alt. XXIV, Anz. S. 155-172,
Einwendungen dagegen erhoben. Ausgabe von Harster als Beigabe zum
Jahresbericht 1878. Anz. v. Pannenborg, GGA. 1879, No. 20; von Nolte, Zeitschr. f.
öst. Gymn. 1879, XXX, 617-629. Acta Graeca, Anal. Boll. I, 121. ←
[40] Hieron. ad Eustochium, Opp. ed. Vall. I, 113. Vgl. im allg. Comparetti, Virgilio
nel Medio Evo I, cap. 6.
[41] Dümmler, St. Gall. Denkm. S. 207. Ermenrici ep. p. 29. 31.
[42] Dümmler, Formelbuch S. 73.
[43] Vita auct. Joh. mon. I § 12.
[44] „Legerat isdem vir Domini libros olim antiquorum philosophorum Virgiliique
mendacia, que nolebat nec ipse jam audire nec alios legere: Sufficiunt, inquiens,
divini poetae vobis, nec egetis luxuriosa Virgilii vos pollui facundia“, Vita S. Majoli
I, c. 14.
[45] R. Lehmann über die Vitae Hugonis S. 48.
[46] Die fleißige Beschäftigung mit Terenz wird auch bezeugt durch das wunderliche
Gedicht, welches Riese in der Zeitschr. f. österr. Gymnasien 1867, S. 442-446, e cod.
saec. X. herausgegeben hat, und schon 1840 Magnin in d. Bibl. de l'École des
chartes, I, 524-531.
[47] Vita Popponis c. 32. MG. SS. XI, 314.
[48] Reineri Palmarium Virginale bei B. Pez, Thes. IV, 3, 85.
[49] Thietmari Chron. II, 10.
[50] S. über ihn Hauréau, Smaragdus (Singularités p. 100-128); NA. IV, 250-253;
Ebert II, 108-112. Seine Gedichte sind gedruckt Poet. Lat. I, 605-619; sie sind
ausgeschrieben von Angelomus, ib. II, 675-677. Die Vorrede des Smaragdus zu
seiner Via regia ist, wie Dümmler bemerkt, gedruckt bei Denis, Codd. bibl. pal. I,
1050.
[51] Vgl. über den Charakter der Litteratur dieser Zeit W. Giesebrecht, Kaiserzeit I,
309.
[52] Leich von den beiden Heinrichen, ed. Lachmann bei Koepke, Jahrbb. Otto's I S.
97. W. Wackernagel, Lesebuch 4. Aufl. I, 110. Müllenhoff u. Scherer 3. Ausg. I, 39,
vgl. II, 99-106. Seelmann im Niederd. Jahrb. XII, 75-89, bezieht es auf den Augsb.
Reichstag von 952; Bedenken dagegen von Steinmeyer a. a. O. S. 105.
[53] M o d u s O t t i n c, Magnus caesar, auch Otto II u. III feiernd, Lachm. im Rhein.
Mus. III, 432. Coussemaker, Hist. de l'harm. 106 u. pl. VIII, 1. Müll. u. Scherer 3.
Ausg. S. 46.
[54] Ueber die lat. Hof-u. Klosterpoesie vgl. Wackernagels LG. S. 70 bis 74, über
Volkslieder S. 75. Ueber die modi des Cod. Cantabr. Bartsch, Die lat. Sequenzen des
MA. S. 145-165. Auf Heriger von Mainz (913 bis 926) Heriger urbis, nicht
historisch, Jaffé in d. Zeitschr. f. D. Alt. XIV, 455. Müll. u. Scherer, 3. Aufl. S. 53. —
Kirchliche Lieder auf Heinrich II, Lamentemur u. Judex summe, bei Jaffé a. a. O.
458-461; Summe Caesar NA. IV, 399. Anspielungen auf Heinrichs II
Zusammenkunft mit K. Robert von Frankreich im R u o d l i e b, bei Grimm u.
Schmeller, Lat. Gedichte des 10. u. 11. Jahrh., vgl. Giesebr. II, 624. Jahrbb. Heinrichs
II, II, 225. III, 261. Ausgabe von F. Seiler, Halle 1882. Ueber Ecbasis captivi s. unten
Page 423
→ § 6. Verse auf Heribert von Cöln zur kirchlichen Feier, doch noch saec. XI, Qui
principium bei Jaffé S. 456.
principium bei Jaffé S. 456.
Page 424
§ 2. Sachsen. Corvey. [ ← ]
Das Kloster Corvey, von Anfang an in enger Verbindung mit dem
Hause der Ludolfinger und ihrer Gunst und ihres Schutzes sich erfreuend,
hatte von der Ungunst der Zeiten weniger gelitten als andere Stifter. Doch
verschwand auch hier nach Bovo II, mit Ausnahme der dürftigen
Annalen[1], jede Spur litterarischer Thätigkeit, bis der Glanz von Otto's des
Großen Thaten ein Geschichtswerk aus diesem Kloster hervorrief, wie noch
keines in Sachsen ans Licht getreten war, dessen Form aber zugleich einen
bedeutenden Verfall der grammatischen Schulbildung bekundet.
Wi d u k i n d .
Das Kloster Corvey, von Anfang an in enger Verbindung mit dem
Hause der Ludolfinger und ihrer Gunst und ihres Schutzes sich erfreuend,
hatte von der Ungunst der Zeiten weniger gelitten als andere Stifter. Doch
verschwand auch hier nach Bovo II, mit Ausnahme der dürftigen
Annalen[1], jede Spur litterarischer Thätigkeit, bis der Glanz von Otto's des
Großen Thaten ein Geschichtswerk aus diesem Kloster hervorrief, wie noch
keines in Sachsen ans Licht getreten war, dessen Form aber zugleich einen
bedeutenden Verfall der grammatischen Schulbildung bekundet.
Wi d u k i n d .
Page 425
Widukindi Res gestae Saxonicae ed. Waitz, MG. SS. III, 408-467. Bes. Abdruck, neue Ausg. 1882.
Uebersetzung von Schottin, mit Einleitung von Wattenbach 1852, 1882, mit Nachtr. 1891.
Geschichtschr. 33 (X. 6). Facs. d. Dresd. Hs. in E. Berners Gesch. d. Pr. Staats I, 1890. Waitz in
Schmidts Zeitschrift II, 100. L. Giesebrecht, Wend. Geschichten III, 295. W. Giesebrecht,
Geschichte der Kaiserzeit I, 779. Maurenbrecher S. 32-43. W. v. Korvei (Ottonische Studien I)
von R. Koepke, 1867. Vgl. Waitz, GGA. 1867 S. 1429-1438. Waitz: Ueber das Verhältniß von
Hrotsuits Gesta Oddonis zu Widukind, Forsch. IX, 335-342. Alfred Kirchhoff: Ueber den Ort
der Ungarnschlacht. Forsch. XII, 573-592; Wyneken, ib. XXI, 239-250; Grandaur zur V.
Uldalrici. Vgl. auch Jul. Voigt, Die Pöhlder Chronik und die in ihr enthaltenen Kaisersagen,
Diss. Hal. 1879 (NA. V. 468). Zu I, 12 (Hirmin) Krause, NA. XVI, 611; zu I, 16 O. v.
Heinemann: Die Niederlage der Sachsen durch die Normannen 880, Mitth. d. Vereins f. Hamb.
Gesch. 1880, S. 58-65 (NA. VI, 203). Zu I, 36 (Lunkini) Virchow, Verhandl. d. Berl. Anthropol.
Ges. 1886, S. 422 ff. Zu I, 40 (Chnuba) R. v. Liliencron, Der Runenstein von Gottorp, Kiel 1888
(NA. XIII, 654). Zu II, 1 (Krönung Ottos) Beissel über den Aachener Königstuhl, Ann. d. Aach.
Geschichtsvereins, 1888, S. 14 ff. Zu II, 10 (Schöppenkampf) B. Simson, Forsch. XXV, 369-
373. Planck, Münch. SB. 1886, S. 155-180.
Im Jahre 967, als Kaiser Otto auf der Höhe seiner Macht stand,
unternahm es Widukind, Mönch im Kloster Corvey, die Geschichte seines
Volkes zu schreiben, nachdem er vorher sich mit der Bearbeitung von
Heiligenleben beschäftigt hatte[2]. Dadurch, so sagt er selbst, habe er
seinem Berufe genug gethan; jetzt erfülle er die Pflicht gegen seinen Stamm
und sein Volk, indem er die Thaten ihrer Fürsten niederschreibe. In der
Widmung an die Aebtissin von Quedlinburg, des Kaisers Tochter Mahthild,
bezeichnet er genauer als seinen Gegenstand die Thaten Heinrichs und
Otto's; die Ueberschrift aber bezeichnet sein Werk als die Geschichte der
Sachsen. Denn Volk und Herrscher waren auf das innigste verbunden, und
in dem Ruhme des Kaisers fühlte das ganze Volk sich gehoben, wie es denn
auch seinen reichen Theil daran hatte. Gänzlich fern lag es Widukind, nach
der Weise der Chronisten an das römische Reich anzuknüpfen, sondern
völlig dem Verlaufe der geschichtlichen Entwickelung entsprechend, nimmt
er zum Ausgangspunkte seiner Erzählung die Urgeschichte der Sachsen.
Ihre alten Sagen zeichnet er auf, und obgleich er es nicht lassen kann, sie
durch übel angewandte Schulgelehrsamkeit zu entstellen, so erkennt man
doch in jedem Worte die Freude des Mönches an seinen alten heidnischen
Vorfahren, an diesem kraftvollen Geschlechte, vor dem schon damals die
Uebersetzung von Schottin, mit Einleitung von Wattenbach 1852, 1882, mit Nachtr. 1891.
Geschichtschr. 33 (X. 6). Facs. d. Dresd. Hs. in E. Berners Gesch. d. Pr. Staats I, 1890. Waitz in
Schmidts Zeitschrift II, 100. L. Giesebrecht, Wend. Geschichten III, 295. W. Giesebrecht,
Geschichte der Kaiserzeit I, 779. Maurenbrecher S. 32-43. W. v. Korvei (Ottonische Studien I)
von R. Koepke, 1867. Vgl. Waitz, GGA. 1867 S. 1429-1438. Waitz: Ueber das Verhältniß von
Hrotsuits Gesta Oddonis zu Widukind, Forsch. IX, 335-342. Alfred Kirchhoff: Ueber den Ort
der Ungarnschlacht. Forsch. XII, 573-592; Wyneken, ib. XXI, 239-250; Grandaur zur V.
Uldalrici. Vgl. auch Jul. Voigt, Die Pöhlder Chronik und die in ihr enthaltenen Kaisersagen,
Diss. Hal. 1879 (NA. V. 468). Zu I, 12 (Hirmin) Krause, NA. XVI, 611; zu I, 16 O. v.
Heinemann: Die Niederlage der Sachsen durch die Normannen 880, Mitth. d. Vereins f. Hamb.
Gesch. 1880, S. 58-65 (NA. VI, 203). Zu I, 36 (Lunkini) Virchow, Verhandl. d. Berl. Anthropol.
Ges. 1886, S. 422 ff. Zu I, 40 (Chnuba) R. v. Liliencron, Der Runenstein von Gottorp, Kiel 1888
(NA. XIII, 654). Zu II, 1 (Krönung Ottos) Beissel über den Aachener Königstuhl, Ann. d. Aach.
Geschichtsvereins, 1888, S. 14 ff. Zu II, 10 (Schöppenkampf) B. Simson, Forsch. XXV, 369-
373. Planck, Münch. SB. 1886, S. 155-180.
Im Jahre 967, als Kaiser Otto auf der Höhe seiner Macht stand,
unternahm es Widukind, Mönch im Kloster Corvey, die Geschichte seines
Volkes zu schreiben, nachdem er vorher sich mit der Bearbeitung von
Heiligenleben beschäftigt hatte[2]. Dadurch, so sagt er selbst, habe er
seinem Berufe genug gethan; jetzt erfülle er die Pflicht gegen seinen Stamm
und sein Volk, indem er die Thaten ihrer Fürsten niederschreibe. In der
Widmung an die Aebtissin von Quedlinburg, des Kaisers Tochter Mahthild,
bezeichnet er genauer als seinen Gegenstand die Thaten Heinrichs und
Otto's; die Ueberschrift aber bezeichnet sein Werk als die Geschichte der
Sachsen. Denn Volk und Herrscher waren auf das innigste verbunden, und
in dem Ruhme des Kaisers fühlte das ganze Volk sich gehoben, wie es denn
auch seinen reichen Theil daran hatte. Gänzlich fern lag es Widukind, nach
der Weise der Chronisten an das römische Reich anzuknüpfen, sondern
völlig dem Verlaufe der geschichtlichen Entwickelung entsprechend, nimmt
er zum Ausgangspunkte seiner Erzählung die Urgeschichte der Sachsen.
Ihre alten Sagen zeichnet er auf, und obgleich er es nicht lassen kann, sie
durch übel angewandte Schulgelehrsamkeit zu entstellen, so erkennt man
doch in jedem Worte die Freude des Mönches an seinen alten heidnischen
Vorfahren, an diesem kraftvollen Geschlechte, vor dem schon damals die
Page 426
Franken sich fürchteten. Heiden freilich durften sie nicht bleiben, und
darum mußten sie nach tapferer Gegenwehr den Franken unterliegen, um
durch die Taufe nun mit ihnen ein Volk zu werden. Aber das Gefühl der
Unterdrückung lastet dennoch auf ihnen, bis nun S. Veit zu ihnen kommt,
und mit ihm das Glück, welches die Westfranken jetzt verläßt. Unter seinem
Schutze gedeihen und erstarken die Sachsen und werden unter ihrem
großen König Heinrich aller übrigen Völker und selbst der Franken Herr;
kein fremder Gebieter beschränkt hinfort ihre Freiheit.
Gegen Otto erheben sich noch einmal alle Stämme, schon schwindet
die Hoffnung, daß das Reich ferner bei den Sachsen bleibe, aber mit Gottes
Hülfe überwindet Otto alle seine Widersacher, er bändigt die Slaven, die
Ungern, die Westfranken, bringt auch Italien wieder ans Reich, und
beherrscht nun, von Gott und S. Veit beschützt, mit seinen Sachsen die
Christenheit.
Durch diese durchgehende Einheit der Auffassung und durch die
naturfrische Lebendigkeit der Darstellung hat das ganze Werk eine epische
Färbung; was in der Ferne vorgeht, berührt Widukind nur kurz, und ist
darüber auch wenig genau unterrichtet, so wie er für die älteren Zeiten
freilich auf Beda und die Geschichte der Franken und Langobarden
hinweist, auch Jordanis über den Ursprung der Hunnen ausschreibt,
Einhards Leben Karls benutzt, aber von ernstlicher kritischer Forschung
doch kaum eine Vorstellung hat. Für näher liegende Zeiten wird es ihm
nicht ganz an annalistischen Aufzeichnungen gefehlt haben, an welche die
noch erhaltenen Corveyer Annalen anklingen. Die Translatio S. Viti kannte
er, und doch wohl auch Bovo's Werk. Aber die mühsam und geistlos
compilirende Arbeit anderer Chronisten liegt seiner Weise ganz fern. Dem
Epos steht er auch darin nahe, daß er vorzüglich bei der Schilderung der
Schlachten und anderer Begebenheiten verweilt, über ihre geschichtliche
Verknüpfung aber rasch hinwegeilt. Die Composition des Werkes ist von R.
Koepke genau untersucht und dargelegt: recht deutlich stellt sich daraus die
ganz einheitliche ursprüngliche Aufzeichnung dar, welche durch das
darum mußten sie nach tapferer Gegenwehr den Franken unterliegen, um
durch die Taufe nun mit ihnen ein Volk zu werden. Aber das Gefühl der
Unterdrückung lastet dennoch auf ihnen, bis nun S. Veit zu ihnen kommt,
und mit ihm das Glück, welches die Westfranken jetzt verläßt. Unter seinem
Schutze gedeihen und erstarken die Sachsen und werden unter ihrem
großen König Heinrich aller übrigen Völker und selbst der Franken Herr;
kein fremder Gebieter beschränkt hinfort ihre Freiheit.
Gegen Otto erheben sich noch einmal alle Stämme, schon schwindet
die Hoffnung, daß das Reich ferner bei den Sachsen bleibe, aber mit Gottes
Hülfe überwindet Otto alle seine Widersacher, er bändigt die Slaven, die
Ungern, die Westfranken, bringt auch Italien wieder ans Reich, und
beherrscht nun, von Gott und S. Veit beschützt, mit seinen Sachsen die
Christenheit.
Durch diese durchgehende Einheit der Auffassung und durch die
naturfrische Lebendigkeit der Darstellung hat das ganze Werk eine epische
Färbung; was in der Ferne vorgeht, berührt Widukind nur kurz, und ist
darüber auch wenig genau unterrichtet, so wie er für die älteren Zeiten
freilich auf Beda und die Geschichte der Franken und Langobarden
hinweist, auch Jordanis über den Ursprung der Hunnen ausschreibt,
Einhards Leben Karls benutzt, aber von ernstlicher kritischer Forschung
doch kaum eine Vorstellung hat. Für näher liegende Zeiten wird es ihm
nicht ganz an annalistischen Aufzeichnungen gefehlt haben, an welche die
noch erhaltenen Corveyer Annalen anklingen. Die Translatio S. Viti kannte
er, und doch wohl auch Bovo's Werk. Aber die mühsam und geistlos
compilirende Arbeit anderer Chronisten liegt seiner Weise ganz fern. Dem
Epos steht er auch darin nahe, daß er vorzüglich bei der Schilderung der
Schlachten und anderer Begebenheiten verweilt, über ihre geschichtliche
Verknüpfung aber rasch hinwegeilt. Die Composition des Werkes ist von R.
Koepke genau untersucht und dargelegt: recht deutlich stellt sich daraus die
ganz einheitliche ursprüngliche Aufzeichnung dar, welche durch das
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gewissenhafte Bestreben, auch anderen Thatsachen ihre Stelle anzuweisen,
zerstückt und oft unklar geworden ist. Am auffallendsten ist in solcher
Weise die Schilderung der Schlacht auf dem Lechfelde zerrissen. In dem
Autograph des Leo von Ostia sehen wir ein solches Verfahren noch deutlich
vor uns, doch ist ohne Zweifel Koepke in seinen Folgerungen und
Behauptungen vielfach zu weit gegangen: an einen fertig geschriebenen
Entwurf des ganzen Werkes in dieser Weise ist gewiß nicht zu denken.
Eingehend kritisirt und zurückgewiesen ist Koepke's Hypothese von J.
Raase[3].
Einen seltsamen Gegensatz zu dem ganz volksthümlichen Inhalt bildet
der gesuchte sallustische Ausdruck[4], gemischt mit den Worten und
Wendungen der lateinischen Bibel. Mühsam zieht er dem widerstrebenden
Gedanken ein altrömisches Kleid an, das oft nur schwer und unvollkommen
erkennen läßt, was er eigentlich sagen will. Die Nachahmung der antiken
Redeweise beherrscht ihn so sehr, daß er sogar Heinrich wie Otto nach dem
Siege über die Ungern vom Heere als Imperator begrüßen läßt, und Otto
auch von da an so nennt, die Kaiserkrönung in Rom aber ganz übergeht,
wie denn überhaupt der Pabst in der eigentlichen Geschichtserzählung gar
nicht genannt wird[5].
Betrachten wir Widukinds Buch als eigentliches Geschichtswerk, so
können wir nicht umhin, es für sehr mangelhaft zu erklären; seine
Auffassung der Dinge und namentlich seines großen Kaisers ist keineswegs
richtig; so wie der Kaiser selbst den Standpunkt eines Sachsenfürsten
verließ, wurde er dadurch dem Gesichtskreise Widukinds entrückt.
Obgleich Mönch, übersieht dieser fast ganz die so überaus wichtige
kirchliche Wirksamkeit Otto's, und besonders auffallend ist sein Schweigen
über die Stiftung des neuen Erzbisthums in Magdeburg. Er stand dem
kaiserlichen Hause nicht ganz ferne, wie seine Widmung an Mahthild zeigt
— ein zwölfjähriges Mädchen, dem er fast ärger schmeichelt, als die
Devotion gegen das Haus der Ottonen entschuldigen kann — und es kamen
ihm gute Nachrichten zu, aber er blieb doch als Mönch in seinem Kloster,
zerstückt und oft unklar geworden ist. Am auffallendsten ist in solcher
Weise die Schilderung der Schlacht auf dem Lechfelde zerrissen. In dem
Autograph des Leo von Ostia sehen wir ein solches Verfahren noch deutlich
vor uns, doch ist ohne Zweifel Koepke in seinen Folgerungen und
Behauptungen vielfach zu weit gegangen: an einen fertig geschriebenen
Entwurf des ganzen Werkes in dieser Weise ist gewiß nicht zu denken.
Eingehend kritisirt und zurückgewiesen ist Koepke's Hypothese von J.
Raase[3].
Einen seltsamen Gegensatz zu dem ganz volksthümlichen Inhalt bildet
der gesuchte sallustische Ausdruck[4], gemischt mit den Worten und
Wendungen der lateinischen Bibel. Mühsam zieht er dem widerstrebenden
Gedanken ein altrömisches Kleid an, das oft nur schwer und unvollkommen
erkennen läßt, was er eigentlich sagen will. Die Nachahmung der antiken
Redeweise beherrscht ihn so sehr, daß er sogar Heinrich wie Otto nach dem
Siege über die Ungern vom Heere als Imperator begrüßen läßt, und Otto
auch von da an so nennt, die Kaiserkrönung in Rom aber ganz übergeht,
wie denn überhaupt der Pabst in der eigentlichen Geschichtserzählung gar
nicht genannt wird[5].
Betrachten wir Widukinds Buch als eigentliches Geschichtswerk, so
können wir nicht umhin, es für sehr mangelhaft zu erklären; seine
Auffassung der Dinge und namentlich seines großen Kaisers ist keineswegs
richtig; so wie der Kaiser selbst den Standpunkt eines Sachsenfürsten
verließ, wurde er dadurch dem Gesichtskreise Widukinds entrückt.
Obgleich Mönch, übersieht dieser fast ganz die so überaus wichtige
kirchliche Wirksamkeit Otto's, und besonders auffallend ist sein Schweigen
über die Stiftung des neuen Erzbisthums in Magdeburg. Er stand dem
kaiserlichen Hause nicht ganz ferne, wie seine Widmung an Mahthild zeigt
— ein zwölfjähriges Mädchen, dem er fast ärger schmeichelt, als die
Devotion gegen das Haus der Ottonen entschuldigen kann — und es kamen
ihm gute Nachrichten zu, aber er blieb doch als Mönch in seinem Kloster,
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und war daher nicht im Stande, sich diejenige Uebersicht der Verhältnisse
zu verschaffen, welche damals wohl nur am kaiserlichen Hofe zu erlangen
war. Deshalb kann ich auch nicht der Auffassung Koepke's zustimmen,
welcher einen längeren Aufenthalt am Hofe annimmt, und Erzbischof
Wilhelm einen bestimmenden Einfluß auf das Werk beimißt: wir müßten
dann ganz andere Gesichtspunkte hervortreten sehen. Wohl hat er den
Kaiser und seinen Hof gesehen, wenn sie das heimathliche Sachsen
aufsuchten, aber von dem, was jenseit der sächsischen Grenze liegt, scheint
ihm aus eigener Anschauung kaum etwas bekannt zu sein. Selbst in
Magdeburg muß er ganz fremd gewesen sein, da er sonst doch wohl
nothwendig für die so wichtige Stiftung der wendischen Bisthümer und die
viel bestrittene Errichtung des Erzbisthums einige Theilnahme gewonnen
hätte.
Daß Widukind Hrotsuits Gedicht gekannt, daß er dazu eine Art von
Ergänzung hätte geben wollen, ist ein Phantasiegebilde von Koepke,
welches G. Waitz hinlänglich widerlegt hat.
Bleibt nun auch Widukind in seiner Darstellung hinter dem seinem
Gesichtskreis entrückten Reich zurück, so verleiht ihm dagegen gerade
seine Einseitigkeit und die lebendige Wärme des Volksbewußtseins einen
Reiz, der den objectiver gehaltenen Annalen fehlt, und stofflich betrachtet
sind seine Mittheilungen für uns von dem unschätzbarsten Werthe. In allem,
was ihm nahe lag, zeigt er sich durchaus zuverlässig, unbefangen und
wahrheitsliebend in der Schilderung der handelnden Personen, und so sehr
er auch für das Ottonische Haus begeistert ist, liegt eine absichtliche
Entstellung der Thatsachen zu ihren Gunsten ihm jedoch gänzlich fern.
Sogar für jene kühnen Recken, die im unbändigen Trotze lieber alles
erdulden, als der Herrschaft ihres Vetters sich fügen wollten, bezeugt er eine
offenbare Theilnahme, ja Vorliebe, wie auch beim Volke solche Naturen
immer Anklang finden; zuletzt, wo er schon zum Schluß eilt und selbst das
Näherliegende oberflächlich behandelt, zieht ihn doch noch Wichmanns
Trotz und Untergang übermächtig an. Widukind ist eben mit seinen
zu verschaffen, welche damals wohl nur am kaiserlichen Hofe zu erlangen
war. Deshalb kann ich auch nicht der Auffassung Koepke's zustimmen,
welcher einen längeren Aufenthalt am Hofe annimmt, und Erzbischof
Wilhelm einen bestimmenden Einfluß auf das Werk beimißt: wir müßten
dann ganz andere Gesichtspunkte hervortreten sehen. Wohl hat er den
Kaiser und seinen Hof gesehen, wenn sie das heimathliche Sachsen
aufsuchten, aber von dem, was jenseit der sächsischen Grenze liegt, scheint
ihm aus eigener Anschauung kaum etwas bekannt zu sein. Selbst in
Magdeburg muß er ganz fremd gewesen sein, da er sonst doch wohl
nothwendig für die so wichtige Stiftung der wendischen Bisthümer und die
viel bestrittene Errichtung des Erzbisthums einige Theilnahme gewonnen
hätte.
Daß Widukind Hrotsuits Gedicht gekannt, daß er dazu eine Art von
Ergänzung hätte geben wollen, ist ein Phantasiegebilde von Koepke,
welches G. Waitz hinlänglich widerlegt hat.
Bleibt nun auch Widukind in seiner Darstellung hinter dem seinem
Gesichtskreis entrückten Reich zurück, so verleiht ihm dagegen gerade
seine Einseitigkeit und die lebendige Wärme des Volksbewußtseins einen
Reiz, der den objectiver gehaltenen Annalen fehlt, und stofflich betrachtet
sind seine Mittheilungen für uns von dem unschätzbarsten Werthe. In allem,
was ihm nahe lag, zeigt er sich durchaus zuverlässig, unbefangen und
wahrheitsliebend in der Schilderung der handelnden Personen, und so sehr
er auch für das Ottonische Haus begeistert ist, liegt eine absichtliche
Entstellung der Thatsachen zu ihren Gunsten ihm jedoch gänzlich fern.
Sogar für jene kühnen Recken, die im unbändigen Trotze lieber alles
erdulden, als der Herrschaft ihres Vetters sich fügen wollten, bezeugt er eine
offenbare Theilnahme, ja Vorliebe, wie auch beim Volke solche Naturen
immer Anklang finden; zuletzt, wo er schon zum Schluß eilt und selbst das
Näherliegende oberflächlich behandelt, zieht ihn doch noch Wichmanns
Trotz und Untergang übermächtig an. Widukind ist eben mit seinen
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Vorzügen, wie mit seinen Mängeln ein ganzer Sachse des zehnten
Jahrhunderts, und in ihm spiegelt sich die Natur seines Stammes treu und
wahr. Es konnte daher auch nicht fehlen, daß sein Werk gern und viel
gelesen wurde; es findet sich bei den späteren Schriftstellern überall
benutzt, jedoch seit dem zwölften Jahrhundert nicht mehr unmittelbar,
sondern nur durch die Vermittelung Ekkehards, der es fast ganz in seine
große Weltchronik aufgenommen hatte[6]. Daraus erklärt es sich wohl, daß
uns nur drei Handschriften davon erhalten sind. Wie es scheint, enthält von
ihnen die eine, jetzt Dresdener (A), das Werk in seiner ursprünglichen
Gestalt[7]; später hat Widukind am Schlusse noch einiges in loserer
Verknüpfung hinzugefügt, den so sehr merkwürdigen Brief des Kaisers aus
Capua und die schöne Schilderung vom Tode der Königin Mahthild und
von des Kaisers Heimkehr und Tod. Zugleich veränderte er einige
Ausdrücke; vielleicht auch die Stelle über des Erzbischofs Hatto
Nachstellungen gegen Heinrich (I, 22), in welcher die Dresdener
Handschrift von der Schuld des Erzbischofs schweigt. Doch ist auch
möglich, daß vielmehr in der an Fremde hinausgegebenen Abschrift jene
bedenkliche Stelle geändert war, denn sie macht den Eindruck einer
Abkürzung, und es sind Worte darin, welche nur durch die Vergleichung mit
Cod. 1 ihre Erklärung finden[8]. Die in Corvey gebliebene Handschrift
wurde abgeschrieben (Cod. 1 in Montecassino) und vielleicht etwas später
in Corvey interpolirt, um eine Notiz über den Abt Bovo und eine
ausführliche Erzählung der beliebten Volkssage von dem Untergange des
Grafen Adalbert von Babenberg durch Hatto's Verrath anzubringen[9]. Doch
schreibt jetzt Waitz auch diese Stücke Widukind zu. In dieser Gestalt findet
sich das Werk in der Steinfelder Handschrift (Cod. 2, jetzt im Brit. Museum
Add. 21109) und in der Frechtschen Ausgabe, und so lag es schon Ekkehard
und dem Annalista Saxo vor. Man möchte glauben, daß Widukind selbst
mancherlei geändert und auf die Ränder geschrieben hat, und daß die
Abschreiber bald die ursprüngliche Schrift und bald die Aenderungen und
Zusätze aufnahmen.
Jahrhunderts, und in ihm spiegelt sich die Natur seines Stammes treu und
wahr. Es konnte daher auch nicht fehlen, daß sein Werk gern und viel
gelesen wurde; es findet sich bei den späteren Schriftstellern überall
benutzt, jedoch seit dem zwölften Jahrhundert nicht mehr unmittelbar,
sondern nur durch die Vermittelung Ekkehards, der es fast ganz in seine
große Weltchronik aufgenommen hatte[6]. Daraus erklärt es sich wohl, daß
uns nur drei Handschriften davon erhalten sind. Wie es scheint, enthält von
ihnen die eine, jetzt Dresdener (A), das Werk in seiner ursprünglichen
Gestalt[7]; später hat Widukind am Schlusse noch einiges in loserer
Verknüpfung hinzugefügt, den so sehr merkwürdigen Brief des Kaisers aus
Capua und die schöne Schilderung vom Tode der Königin Mahthild und
von des Kaisers Heimkehr und Tod. Zugleich veränderte er einige
Ausdrücke; vielleicht auch die Stelle über des Erzbischofs Hatto
Nachstellungen gegen Heinrich (I, 22), in welcher die Dresdener
Handschrift von der Schuld des Erzbischofs schweigt. Doch ist auch
möglich, daß vielmehr in der an Fremde hinausgegebenen Abschrift jene
bedenkliche Stelle geändert war, denn sie macht den Eindruck einer
Abkürzung, und es sind Worte darin, welche nur durch die Vergleichung mit
Cod. 1 ihre Erklärung finden[8]. Die in Corvey gebliebene Handschrift
wurde abgeschrieben (Cod. 1 in Montecassino) und vielleicht etwas später
in Corvey interpolirt, um eine Notiz über den Abt Bovo und eine
ausführliche Erzählung der beliebten Volkssage von dem Untergange des
Grafen Adalbert von Babenberg durch Hatto's Verrath anzubringen[9]. Doch
schreibt jetzt Waitz auch diese Stücke Widukind zu. In dieser Gestalt findet
sich das Werk in der Steinfelder Handschrift (Cod. 2, jetzt im Brit. Museum
Add. 21109) und in der Frechtschen Ausgabe, und so lag es schon Ekkehard
und dem Annalista Saxo vor. Man möchte glauben, daß Widukind selbst
mancherlei geändert und auf die Ränder geschrieben hat, und daß die
Abschreiber bald die ursprüngliche Schrift und bald die Aenderungen und
Zusätze aufnahmen.
Page 430
Die sagenhafte Erzählung Widukinds von der Theilnahme der Sachsen
an dem Kampfe der Franken und Thüringer ist, auch hier durch Ekkehard
vermittelt, im zwölften Jahrhundert benutzt worden für die seltsame
Geschichte vo n d er Her k unf t d er S ch wab en, in welcher an die Stelle
der Sachsen die Schwaben gesetzt sind, die wegen Hungersnoth aus
Schweden auswanderten. Diese von Goldast 1604 als Anonymus de
Suevorum origine zuerst veröffentlichte Fabel, welche aber Spuren
wirklicher alter Sage enthält, ist von Müllenhoff nach einer ziemlich
gleichzeitigen Handschrift neu herausgegeben[10], der zugleich
nachgewiesen hat, daß sie nur im sächsischen Schwabengau an der Bode
entstanden sein kann, aber in Schwaben aufgezeichnet ist.
Unerwarteter Weise sind unsere Nachrichten über diese Zeiten, ganz
vorzüglich aber über die Zustände der Wendenländer, durch einen sehr
werthvollen Fund vermehrt worden, nämlich den in einem arabischen
Sammelwerke enthaltenen Bericht des Juden I br ahîm - ibn- Jak ûb, d. i.
auf deutsch Abr ah am Jak obsen, über die Slaven. Er hat, wie er selbst
erwähnt, Kaiser Otto gesprochen und Gesandte der Bulgaren in Merseburg
getroffen. Man hat das auf das Jahr 973 bezogen, allein von Herrn Kunik
habe ich jetzt erfahren, daß seiner Ueberzeugung nach Ibrahîm seinen
Bericht vor 970 abgefaßt hat, was allerdings besser zu der Thatsache
stimmt, daß schon 971 das Königthum der Bulgaren sein Ende fand. Eine
Untersuchung über diesen Bericht, in vielen Stücken von früheren
Deutungen abweichend, hat Fr. Westberg verfaßt; dieselbe ist aber noch
nicht gedruckt, und ich verdanke dem Verf. die Mittheilung seiner Resultate
in der neuen Ausgabe der Uebersetzung des Widukind[11].
[1] Oben S. 254 Durch ihren Inhalt sind sie bei dem Mangel anderer Nachrichten
wichtig.
[2] Es sind alte Legenden, die er nur stilistisch umformen konnte. Er muss sich also
darin mehr zugetraut haben, als wir ihm zugestehen können. Leider sind sie nicht
bekannt und wir wissen also nicht, ob sein Stil darin nicht ein ganz anderer war.
[3] Widukind von Korvei, Rost. Diss. 1880.
an dem Kampfe der Franken und Thüringer ist, auch hier durch Ekkehard
vermittelt, im zwölften Jahrhundert benutzt worden für die seltsame
Geschichte vo n d er Her k unf t d er S ch wab en, in welcher an die Stelle
der Sachsen die Schwaben gesetzt sind, die wegen Hungersnoth aus
Schweden auswanderten. Diese von Goldast 1604 als Anonymus de
Suevorum origine zuerst veröffentlichte Fabel, welche aber Spuren
wirklicher alter Sage enthält, ist von Müllenhoff nach einer ziemlich
gleichzeitigen Handschrift neu herausgegeben[10], der zugleich
nachgewiesen hat, daß sie nur im sächsischen Schwabengau an der Bode
entstanden sein kann, aber in Schwaben aufgezeichnet ist.
Unerwarteter Weise sind unsere Nachrichten über diese Zeiten, ganz
vorzüglich aber über die Zustände der Wendenländer, durch einen sehr
werthvollen Fund vermehrt worden, nämlich den in einem arabischen
Sammelwerke enthaltenen Bericht des Juden I br ahîm - ibn- Jak ûb, d. i.
auf deutsch Abr ah am Jak obsen, über die Slaven. Er hat, wie er selbst
erwähnt, Kaiser Otto gesprochen und Gesandte der Bulgaren in Merseburg
getroffen. Man hat das auf das Jahr 973 bezogen, allein von Herrn Kunik
habe ich jetzt erfahren, daß seiner Ueberzeugung nach Ibrahîm seinen
Bericht vor 970 abgefaßt hat, was allerdings besser zu der Thatsache
stimmt, daß schon 971 das Königthum der Bulgaren sein Ende fand. Eine
Untersuchung über diesen Bericht, in vielen Stücken von früheren
Deutungen abweichend, hat Fr. Westberg verfaßt; dieselbe ist aber noch
nicht gedruckt, und ich verdanke dem Verf. die Mittheilung seiner Resultate
in der neuen Ausgabe der Uebersetzung des Widukind[11].
[1] Oben S. 254 Durch ihren Inhalt sind sie bei dem Mangel anderer Nachrichten
wichtig.
[2] Es sind alte Legenden, die er nur stilistisch umformen konnte. Er muss sich also
darin mehr zugetraut haben, als wir ihm zugestehen können. Leider sind sie nicht
bekannt und wir wissen also nicht, ob sein Stil darin nicht ein ganz anderer war.
[3] Widukind von Korvei, Rost. Diss. 1880.
Page 431
[4] Daß er auch Livius gekannt habe, weist Koepke S. 175 nach. Benutzung des
Tacitus u. a. sucht Manitius nachzuweisen, NA. XI, 45-90.
[5] Maurenbrecher S. 40 bemerkt, daß Widukind einem im Mittelalter häufigen
Sprachgebrauch folgend unter Imperator den Herrscher über mehrere Völker
versteht, weshalb er auch Theuderich so nennt, vgl. Ann. Fuld. a. 869: Mon. Sangall.
II, 11 und die Titel des angelsächsischen Königs Eadgar, die Krönung Alfons von
Spanien 1135. Doch betrachtet er Theuderich ganz nach der Analogie des karol. und
sächs. Kaiserthums, und das gänzliche Schweigen von der Kaiserkrönung ist darum
nicht minder auffallend. In Bezug auf sein Verhalten zum Wunderglauben seiner Zeit
ist zu bemerken, daß probare bei ihm nicht b i l l i g e n, sondern e r p r o b e n bedeutet,
und er deshalb über S. Wenzels Wunder keine Mißbilligung, sondern nur einen
kritischen Zweifel ausspricht.
[6] Benutzung durch Dietrich von Niem zeigt Lindner, Forschungen XXI, 90.
[7] Vgl. über diese Handschrift NA. II, 450, und die neue Ausgabe von Waitz.
[8] Namentlich: „Hatho videns suis artibus finem impositum“. Daß die Darstellung
der Dresdener Handschrift nicht in Widukinds Stil geschrieben wäre, und man
deshalb mit Waitz die Hand eines Fremden erkennen müßte, möchte ich nicht mehr
behaupten. Auch Waitz ist davon zurückgekommen. Für die Halsbandgeschichte
findet sich ein merkwürdiges Seitenstück in Walkenried, welches Leibniz, Ann. Imp.
II, 263 erzählt, und in Konrad Stolle's Erfurter Chronik, herausgegeben von Hesse, S.
177. Zu I, 12 vgl. noch Mich. Lindener ed. Lichtenstein, S. 130: „vermeinet auch,
unser Herrgott hieß Herman“.
[9] B. Simson bemerkt hiergegen, daß 2 an mehreren Stellen A näher steht, was
richtig ist. Dem Schreiber derselben kann das überarbeitete Original selbst
vorgelegen haben. Auch Waitz bemerkt, daß der Text in 2 besser sei als in 1. In der
Oratio S. Viti I. 34 steht 2 dem Original am nächsten, 3 aber stimmt mit A und 1. B.
Simson, NA. XII, 597. Vgl. dens. NA. XV, 565-575. Wenn Giesebrecht I, 810
Glossen im Text erkennen will, so ist dagegen doch zu bemerken, daß diese Stellen
sich schon in A finden, also älter sind als die Vollendung des Werkes, und deshalb nur
von Widukind selbst herrühren könnten.
[10] Zeitschrift f. D. Alt. XVII, 57-71 mit Nachtrag XIX, 130. Uebers. bei der 2.
Ausg. des Widukind, S. 131-137.
[11] Da dieser Bericht der deutschen Historiographie fern liegt, begnüge ich mich,
auf meine Bearbeitung nach De Goeje zu verweisen, hinter der Uebersetzung des
Wid. (2. Ausg.) S. 138-147. Merkwürdig ist auch: Ein arabischer Berichterstatter aus
dem 10. oder 11. Jahrhundert über Fulda, Schleswig, Soest, Paderborn u. a. deutsche
Städte. Zum ersten Mal aus dem Arab. übertragen, komm. u. mit einer Einleitung
versehen von Georg Jacob. Berlin, Mayer u. Müller 1890.
Tacitus u. a. sucht Manitius nachzuweisen, NA. XI, 45-90.
[5] Maurenbrecher S. 40 bemerkt, daß Widukind einem im Mittelalter häufigen
Sprachgebrauch folgend unter Imperator den Herrscher über mehrere Völker
versteht, weshalb er auch Theuderich so nennt, vgl. Ann. Fuld. a. 869: Mon. Sangall.
II, 11 und die Titel des angelsächsischen Königs Eadgar, die Krönung Alfons von
Spanien 1135. Doch betrachtet er Theuderich ganz nach der Analogie des karol. und
sächs. Kaiserthums, und das gänzliche Schweigen von der Kaiserkrönung ist darum
nicht minder auffallend. In Bezug auf sein Verhalten zum Wunderglauben seiner Zeit
ist zu bemerken, daß probare bei ihm nicht b i l l i g e n, sondern e r p r o b e n bedeutet,
und er deshalb über S. Wenzels Wunder keine Mißbilligung, sondern nur einen
kritischen Zweifel ausspricht.
[6] Benutzung durch Dietrich von Niem zeigt Lindner, Forschungen XXI, 90.
[7] Vgl. über diese Handschrift NA. II, 450, und die neue Ausgabe von Waitz.
[8] Namentlich: „Hatho videns suis artibus finem impositum“. Daß die Darstellung
der Dresdener Handschrift nicht in Widukinds Stil geschrieben wäre, und man
deshalb mit Waitz die Hand eines Fremden erkennen müßte, möchte ich nicht mehr
behaupten. Auch Waitz ist davon zurückgekommen. Für die Halsbandgeschichte
findet sich ein merkwürdiges Seitenstück in Walkenried, welches Leibniz, Ann. Imp.
II, 263 erzählt, und in Konrad Stolle's Erfurter Chronik, herausgegeben von Hesse, S.
177. Zu I, 12 vgl. noch Mich. Lindener ed. Lichtenstein, S. 130: „vermeinet auch,
unser Herrgott hieß Herman“.
[9] B. Simson bemerkt hiergegen, daß 2 an mehreren Stellen A näher steht, was
richtig ist. Dem Schreiber derselben kann das überarbeitete Original selbst
vorgelegen haben. Auch Waitz bemerkt, daß der Text in 2 besser sei als in 1. In der
Oratio S. Viti I. 34 steht 2 dem Original am nächsten, 3 aber stimmt mit A und 1. B.
Simson, NA. XII, 597. Vgl. dens. NA. XV, 565-575. Wenn Giesebrecht I, 810
Glossen im Text erkennen will, so ist dagegen doch zu bemerken, daß diese Stellen
sich schon in A finden, also älter sind als die Vollendung des Werkes, und deshalb nur
von Widukind selbst herrühren könnten.
[10] Zeitschrift f. D. Alt. XVII, 57-71 mit Nachtrag XIX, 130. Uebers. bei der 2.
Ausg. des Widukind, S. 131-137.
[11] Da dieser Bericht der deutschen Historiographie fern liegt, begnüge ich mich,
auf meine Bearbeitung nach De Goeje zu verweisen, hinter der Uebersetzung des
Wid. (2. Ausg.) S. 138-147. Merkwürdig ist auch: Ein arabischer Berichterstatter aus
dem 10. oder 11. Jahrhundert über Fulda, Schleswig, Soest, Paderborn u. a. deutsche
Städte. Zum ersten Mal aus dem Arab. übertragen, komm. u. mit einer Einleitung
versehen von Georg Jacob. Berlin, Mayer u. Müller 1890.
Page 432
§ 3. Fortsetzung. Gandersheim. Quedlinburg. [ ← ]
Während die schwerfällige, von Fehlern keineswegs freie Sprache
Widukinds von den gelehrten Studien in Corvey eben kein günstiges
Zeugniß ablegt, überrascht im Kloster Gandersheim die Nonne Hr ot suit,
wie sie selbst übersetzt: clamor validus Gandeshemensis, durch ihre
klassische Bildung und ihre große Herrschaft über die Form des
Ausdruckes; ihr bedeutendes Talent war durch eine sorgfältige
Schulbildung unter der Leitung der Rikkardis entwickelt, und sie hatte dann
diese Studien unter der Leitung der Nichte des Kaisers, Gerberga,
fortgesetzt. Sie bearbeitete verschiedene Gegenstände aus der älteren
Kirchengeschichte in metrischer Form und verfaßte darauf auch sechs
Komödien über verwandte Stoffe, weil es ihr anstößig war, daß der
leichtfertige Terenz überall mit so großem Vergnügen gelesen wurde. Doch
diese Seite ihrer dichterischen Thätigkeit, in anderer Beziehung weitaus die
wichtigste, liegt unserer Aufgabe fern.
In ähnlicher Weise wie Widukind wurde aber auch Hrotsuit durch die
glänzenden Thaten Otto's des Großen der Geschichte der Gegenwart
zugeführt; ihre Aebtissin Gerberga (959-1001), Herzog Heinrichs von
Baiern Tochter, forderte sie auf, ein Heldengedicht zum Preise ihres Oheims
zu verfassen[1], welches dem Erzbischof Wilhelm von Mainz, dem Sohne
des Kaisers, überreicht werden sollte. Im Jahre 968 war es vollendet, und
die Dichterin übersandte es mit einer poetischen Widmung nicht nur dem
jüngeren Kaiser, welcher ein Exemplar davon verlangt hatte, sondern auch
dem alten Kaiser selbst. In keinem Buch, so sagt sie, sei bisher derselbe
Gegenstand behandelt, keinem sei sie gefolgt; es sind die Mitglieder der
kaiserlichen Familie, welche ihr den Stoff gegeben haben, und so ist es
denn nicht zu verwundern, daß verschiedene Rücksichten auf die
Darstellung eingewirkt haben. Ueber die Vergangenheit Heinrichs von
Baiern konnte hier nur mit der äußersten Vorsicht gesprochen werden. Es
war nur zu viel in der kaiserlichen Familie vorgefallen, dessen man ungern
Während die schwerfällige, von Fehlern keineswegs freie Sprache
Widukinds von den gelehrten Studien in Corvey eben kein günstiges
Zeugniß ablegt, überrascht im Kloster Gandersheim die Nonne Hr ot suit,
wie sie selbst übersetzt: clamor validus Gandeshemensis, durch ihre
klassische Bildung und ihre große Herrschaft über die Form des
Ausdruckes; ihr bedeutendes Talent war durch eine sorgfältige
Schulbildung unter der Leitung der Rikkardis entwickelt, und sie hatte dann
diese Studien unter der Leitung der Nichte des Kaisers, Gerberga,
fortgesetzt. Sie bearbeitete verschiedene Gegenstände aus der älteren
Kirchengeschichte in metrischer Form und verfaßte darauf auch sechs
Komödien über verwandte Stoffe, weil es ihr anstößig war, daß der
leichtfertige Terenz überall mit so großem Vergnügen gelesen wurde. Doch
diese Seite ihrer dichterischen Thätigkeit, in anderer Beziehung weitaus die
wichtigste, liegt unserer Aufgabe fern.
In ähnlicher Weise wie Widukind wurde aber auch Hrotsuit durch die
glänzenden Thaten Otto's des Großen der Geschichte der Gegenwart
zugeführt; ihre Aebtissin Gerberga (959-1001), Herzog Heinrichs von
Baiern Tochter, forderte sie auf, ein Heldengedicht zum Preise ihres Oheims
zu verfassen[1], welches dem Erzbischof Wilhelm von Mainz, dem Sohne
des Kaisers, überreicht werden sollte. Im Jahre 968 war es vollendet, und
die Dichterin übersandte es mit einer poetischen Widmung nicht nur dem
jüngeren Kaiser, welcher ein Exemplar davon verlangt hatte, sondern auch
dem alten Kaiser selbst. In keinem Buch, so sagt sie, sei bisher derselbe
Gegenstand behandelt, keinem sei sie gefolgt; es sind die Mitglieder der
kaiserlichen Familie, welche ihr den Stoff gegeben haben, und so ist es
denn nicht zu verwundern, daß verschiedene Rücksichten auf die
Darstellung eingewirkt haben. Ueber die Vergangenheit Heinrichs von
Baiern konnte hier nur mit der äußersten Vorsicht gesprochen werden. Es
war nur zu viel in der kaiserlichen Familie vorgefallen, dessen man ungern
Page 433
gedachte. Widukind hatte ohne Scheu davon gesprochen, und es ist sehr
wahrscheinlich, dass einige ihrer Aeußerungen direct gegen sein
Geschichtswerk gerichtet sind. Mit der Wahrheit hat sie es hier eben nicht
genau genommen: sie oder ihre Berichterstatter, deren abweichenden
Angaben über schon fernliegende Dinge sie in gutem Glauben trauen
mochte. Daneben aber gab es doch auch sonst des Stoffes noch reichlich
genug, und hier hat Hrotsuit nicht nur manches, wie namentlich die Flucht
der Kaiserin Adelheid, in hübscher und ansprechender Weise behandelt,
sondern sie hat auch geschichtlich wichtige Thatsachen und Umstände
aufbewahrt. Gerade die von Widukind vernachlässigten Vorgänge in Italien
und die uns leider nicht erhaltene Kaiserkrönung hat sie ausführlich
behandelt. Die Familiengeschichte ist ihr die Hauptsache, Schlachten zu
schildern weist sie ausdrücklich als ihr nicht zukommend ab. Ausdrücklich
hebt sie hervor, daß sie nur wiedergebe, was man ihr berichtet habe, und
wie in ihren übrigen Werken, so hält sie sich auch hier ganz genau an den
ihr überlieferten Gegenstand, und erlaubt sich nie, ihn der poetischen
Darstellung zu Liebe umzugestalten. Die metrische Form bleibt bei ihr nur
ein äußerliches Gewand, und wir können daher ihre Erzählung geradezu als
Geschichtswerk benutzen. Um so mehr ist es zu bedauern, daß etwa die
Hälfte ihres Werkes verloren ist, und zwar gerade die so inhaltreichen Jahre
953-962; nur ein kleines Bruchstück daraus ist vorhanden, und keiner der
uns bekannten mittelalterlichen Schriftsteller hat ihr Werk benutzt.
Lange Zeit hat Hrotsuit an der Dichtung, die ihr offenbar große Mühe
machte, gearbeitet, denn im Anfang erwähnt sie den 965 gestorbenen
Erzbischof Brun noch als lebend. Bruno Zint[2] hat die Ansicht aufgestellt,
daß sie, als sie die "Widmungen an Gerberga und an Otto I schrieb, auch die
Absicht hatte, ihr Werk in gleich ausführlicher Weise bis zum Schluß zu
führen, worauf der Wortlaut allerdings führt; später habe sie, als Otto II ein
Exemplar verlangte, die Darstellung der Kaiserzeit aufgegeben und den
summarischen Schluß hinzugefügt. In der Zwischenzeit könnte ihr
Widukind bekannt geworden sein, der bei der eigentlichen Arbeit ihr nicht
vorlag. Dagegen tritt Zint sehr bestimmt für die schon früher aufgestellte
wahrscheinlich, dass einige ihrer Aeußerungen direct gegen sein
Geschichtswerk gerichtet sind. Mit der Wahrheit hat sie es hier eben nicht
genau genommen: sie oder ihre Berichterstatter, deren abweichenden
Angaben über schon fernliegende Dinge sie in gutem Glauben trauen
mochte. Daneben aber gab es doch auch sonst des Stoffes noch reichlich
genug, und hier hat Hrotsuit nicht nur manches, wie namentlich die Flucht
der Kaiserin Adelheid, in hübscher und ansprechender Weise behandelt,
sondern sie hat auch geschichtlich wichtige Thatsachen und Umstände
aufbewahrt. Gerade die von Widukind vernachlässigten Vorgänge in Italien
und die uns leider nicht erhaltene Kaiserkrönung hat sie ausführlich
behandelt. Die Familiengeschichte ist ihr die Hauptsache, Schlachten zu
schildern weist sie ausdrücklich als ihr nicht zukommend ab. Ausdrücklich
hebt sie hervor, daß sie nur wiedergebe, was man ihr berichtet habe, und
wie in ihren übrigen Werken, so hält sie sich auch hier ganz genau an den
ihr überlieferten Gegenstand, und erlaubt sich nie, ihn der poetischen
Darstellung zu Liebe umzugestalten. Die metrische Form bleibt bei ihr nur
ein äußerliches Gewand, und wir können daher ihre Erzählung geradezu als
Geschichtswerk benutzen. Um so mehr ist es zu bedauern, daß etwa die
Hälfte ihres Werkes verloren ist, und zwar gerade die so inhaltreichen Jahre
953-962; nur ein kleines Bruchstück daraus ist vorhanden, und keiner der
uns bekannten mittelalterlichen Schriftsteller hat ihr Werk benutzt.
Lange Zeit hat Hrotsuit an der Dichtung, die ihr offenbar große Mühe
machte, gearbeitet, denn im Anfang erwähnt sie den 965 gestorbenen
Erzbischof Brun noch als lebend. Bruno Zint[2] hat die Ansicht aufgestellt,
daß sie, als sie die "Widmungen an Gerberga und an Otto I schrieb, auch die
Absicht hatte, ihr Werk in gleich ausführlicher Weise bis zum Schluß zu
führen, worauf der Wortlaut allerdings führt; später habe sie, als Otto II ein
Exemplar verlangte, die Darstellung der Kaiserzeit aufgegeben und den
summarischen Schluß hinzugefügt. In der Zwischenzeit könnte ihr
Widukind bekannt geworden sein, der bei der eigentlichen Arbeit ihr nicht
vorlag. Dagegen tritt Zint sehr bestimmt für die schon früher aufgestellte
Page 434
Behauptung ein, daß Liudprands Antapodosis ihr bekannt gewesen und von
ihr benutzt sei, und bringt dafür sehr erhebliche Gründe bei. Mit den von ihr
in der Widmung gebrauchten Ausdrücken läßt sich das wohl vereinigen, da
Liudprands Werk doch ganz anderer Art war.
Später behandelte Hrotsuit in ähnlicher Weise auch die Anfänge ihres
Klosters und dessen Geschichte bis zum Jahre 919, bis zum Tode der
Christina, der letzten von den drei Töchtern Ludolfs, welche nach einander
dem Stifte vorstanden[3]. Da diese Dichtungen sich von der Prosa fast nur
durch die äußere Form unterscheiden, so lassen sie sich den später so
beliebten Reimchroniken vergleichen; sie schließen sich nicht dem Epos
Angilberts, sondern den versificirten Annalen des sächsischen Dichters an.
Die Gandersheimer Nonnen sind dem gewöhnlichen Geschick reicher
und vornehmer Stifter verfallen; von ihren Studien ist nach diesen
vielversprechenden Anfängen ferner nicht die Rede. Ueber den
Kirchenstreit, welcher so viel Unruhe erregte, haben wir der Hildesheimer
Darstellung eine Gandersheimer nicht gegenüber zu stellen. Von der
Aebtissin Sophie (1002-1039), Otto's II Tochter, heißt es zwar noch:
Danken, word unde werk wande se all to gode,
Under der ebtissen or nichteln hode
Lernde se clostertucht unde ok landrecht darto;
De scrift to lernde was se vlitich spade unde vro.
Dat bok secht, dat se so vele wisheit konde,
Dat se ok wolgelarden meistern wedderstunde.
Aber gerade unter ihr scheint die Hoffart dort eingezogen zu sein. Das
Buch war wohl sicher von keiner Nonne verfaßt. Es behandelte die Stiftung
des Klosters und dessen Geschichte bis zu der Kirchweih von 1007 und der
Schenkung von Derneburg, nebst der aufs engste damit verflochtenen, ja an
die Pflege des Klosters geknüpften Erhebung des Hauses des Ludolfinger.
ihr benutzt sei, und bringt dafür sehr erhebliche Gründe bei. Mit den von ihr
in der Widmung gebrauchten Ausdrücken läßt sich das wohl vereinigen, da
Liudprands Werk doch ganz anderer Art war.
Später behandelte Hrotsuit in ähnlicher Weise auch die Anfänge ihres
Klosters und dessen Geschichte bis zum Jahre 919, bis zum Tode der
Christina, der letzten von den drei Töchtern Ludolfs, welche nach einander
dem Stifte vorstanden[3]. Da diese Dichtungen sich von der Prosa fast nur
durch die äußere Form unterscheiden, so lassen sie sich den später so
beliebten Reimchroniken vergleichen; sie schließen sich nicht dem Epos
Angilberts, sondern den versificirten Annalen des sächsischen Dichters an.
Die Gandersheimer Nonnen sind dem gewöhnlichen Geschick reicher
und vornehmer Stifter verfallen; von ihren Studien ist nach diesen
vielversprechenden Anfängen ferner nicht die Rede. Ueber den
Kirchenstreit, welcher so viel Unruhe erregte, haben wir der Hildesheimer
Darstellung eine Gandersheimer nicht gegenüber zu stellen. Von der
Aebtissin Sophie (1002-1039), Otto's II Tochter, heißt es zwar noch:
Danken, word unde werk wande se all to gode,
Under der ebtissen or nichteln hode
Lernde se clostertucht unde ok landrecht darto;
De scrift to lernde was se vlitich spade unde vro.
Dat bok secht, dat se so vele wisheit konde,
Dat se ok wolgelarden meistern wedderstunde.
Aber gerade unter ihr scheint die Hoffart dort eingezogen zu sein. Das
Buch war wohl sicher von keiner Nonne verfaßt. Es behandelte die Stiftung
des Klosters und dessen Geschichte bis zu der Kirchweih von 1007 und der
Schenkung von Derneburg, nebst der aufs engste damit verflochtenen, ja an
die Pflege des Klosters geknüpften Erhebung des Hauses des Ludolfinger.
Page 435
Im Jahre 993 war das Kloster abgebrannt; nach Beilegung des langen
Streites mit dem Erzbischof Willegis wurde der Neubau 1007 durch den
Bischof Bernward von Hildesheim eingeweiht, und ohne Zweifel durch
diese Vorgänge wurde die Schrift veranlaßt. Von Hrotsuit scheint der
Verfasser nichts mehr gewußt zu haben. Dagegen benutzte er Widukind,
vorzüglich für die Geschichte des Königs Heinrich, und verband damit eine
schon sagenhaft entstellte Ueberlieferung vom Ungernkrieg. Die
Aebtissinnen Gerbirg und Sophie werden sehr verherrlicht, aber was von
ihnen und ihrem Verhältniß zum Kaiserhaus berichtet wird, trägt schon ein
so sagenhaftes Gepräge, daß eine geraume Zeit dazwischen liegen muß.
Erhalten ist uns dieses Buch nicht, wohl aber die deutsche Bearbeitung des
„papen E b er har t“ von 1216 in wortreicher Reimerei[4].
Merkwürdig ist vorzüglich, daß uns hier, wie es nach der sorgfältigen
Untersuchung von Paul Hasse scheint, der erste Anfang jener sagenhaften
Ausschmückung der Geschichte entgegentritt, deren wir noch mehrfach zu
gedenken haben werden; noch andere Spuren leiten dabei gerade nach
Gandersheim, und die Darstellung des Sieges über die Ungern in der von
Heinrich von Herford benutzten Sachsenchronik ist mit dem Bericht bei
Eberhart verwandt[5].
In der Zeit der Ottonen scheinen auch andere Frauenklöster Sachsens
hinter Gandersheim an gelehrter Bildung nicht zurückgeblieben zu sein,
wenn auch gerade keine Hrotsuit ihnen einen so hohen Ruhm vor der Welt
verlieh, wie Gandersheim. Der Hazecha von Quedlinburg gedachten wir
schon oben (S. 321). Nicht leicht traten die Nonnen als Schriftstellerinnen
auf, aber auch die Bildung der Priester, welche wie Agius dem Stifte nahe
standen oder auch dem Kloster selbst angehörten, erlaubt einen
vortheilhaften Schluß auf den Zustand der Klosterschule.
Her f or d hatten wir schon früher (S. 253) zu erwähnen wegen der
Uebertragung der heiligen Pusinna. Hier ward Hathumod erzogen, und es
wird von Agius gerühmt. Hier wurde auch die Königin Mah thi ld unter der
Streites mit dem Erzbischof Willegis wurde der Neubau 1007 durch den
Bischof Bernward von Hildesheim eingeweiht, und ohne Zweifel durch
diese Vorgänge wurde die Schrift veranlaßt. Von Hrotsuit scheint der
Verfasser nichts mehr gewußt zu haben. Dagegen benutzte er Widukind,
vorzüglich für die Geschichte des Königs Heinrich, und verband damit eine
schon sagenhaft entstellte Ueberlieferung vom Ungernkrieg. Die
Aebtissinnen Gerbirg und Sophie werden sehr verherrlicht, aber was von
ihnen und ihrem Verhältniß zum Kaiserhaus berichtet wird, trägt schon ein
so sagenhaftes Gepräge, daß eine geraume Zeit dazwischen liegen muß.
Erhalten ist uns dieses Buch nicht, wohl aber die deutsche Bearbeitung des
„papen E b er har t“ von 1216 in wortreicher Reimerei[4].
Merkwürdig ist vorzüglich, daß uns hier, wie es nach der sorgfältigen
Untersuchung von Paul Hasse scheint, der erste Anfang jener sagenhaften
Ausschmückung der Geschichte entgegentritt, deren wir noch mehrfach zu
gedenken haben werden; noch andere Spuren leiten dabei gerade nach
Gandersheim, und die Darstellung des Sieges über die Ungern in der von
Heinrich von Herford benutzten Sachsenchronik ist mit dem Bericht bei
Eberhart verwandt[5].
In der Zeit der Ottonen scheinen auch andere Frauenklöster Sachsens
hinter Gandersheim an gelehrter Bildung nicht zurückgeblieben zu sein,
wenn auch gerade keine Hrotsuit ihnen einen so hohen Ruhm vor der Welt
verlieh, wie Gandersheim. Der Hazecha von Quedlinburg gedachten wir
schon oben (S. 321). Nicht leicht traten die Nonnen als Schriftstellerinnen
auf, aber auch die Bildung der Priester, welche wie Agius dem Stifte nahe
standen oder auch dem Kloster selbst angehörten, erlaubt einen
vortheilhaften Schluß auf den Zustand der Klosterschule.
Her f or d hatten wir schon früher (S. 253) zu erwähnen wegen der
Uebertragung der heiligen Pusinna. Hier ward Hathumod erzogen, und es
wird von Agius gerühmt. Hier wurde auch die Königin Mah thi ld unter der
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Aufsicht ihrer gleichnamigen Großmutter, der Aebtissin des Klosters,
erzogen und unterrichtet. Als Witwe stiftete die Königin das Kloster
No r d hau sen, und hier wurde im nächsten Jahrzehnt nach ihrem Tode (28.
Febr. 968) ihr Leben beschrieben, entweder von einer Nonne des Stiftes
oder von einem Priester, der ihr nahe gestanden hatte und von der Aebtissin
Ricburg die übrigen Nachrichten erfuhr. An den Kaiser Otto II ist es
gerichtet und natürlich ganz panegyrischer Art. Auch die Form ist
ungeschickt, aber in dieser Zeit war es noch ein nicht häufiges Verdienst,
überhaupt schreiben zu können. Der Inhalt genügt freilich unseren
Wünschen bei weitem nicht; die gewöhnlichen Schilderungen klösterlicher
Frömmigkeit nehmen den größten Raum ein, und wie Einhard die Worte
Suetons benutzt hat, um den Kaiser Karl zu schildern, so finden wir hier
ganze Stellen aus Sulpicius Severus und aus dem Leben der Radegunde
angewandt. Herzog Heinrich ist von Jaffé entlarvt als der Pamphilus aus
Terenz Andria[6]. Das Formelhafte dieser Lobpreisungen tritt dadurch hier
noch mehr als sonst hervor, und an einer Stelle ist sogar die Geschichte
selbst dadurch sehr wesentlich berührt worden, indem Otto I eine
gewaltsame Thronbesteigung zum Vorwurf gemacht wird. Diese
Behauptung, welche früher einigen Anstoß erregt hatte, wird nun niemand
mehr irren, seitdem Jaffé, der jene fremden Federn überhaupt zuerst
entdeckte, hier eine Stelle des Sulpicius Severus nachgewiesen hat, welche
den Kaiser Maximus angeht. Seitdem hat nun H. Heerwagen auch noch die
Plünderung der Vita S. Gertrudis ans Licht gebracht, und dadurch Koepke's
Ansicht von einer Benutzung des Widukind in dieser Biographie die letzte
Stütze entzogen. Er hat zugleich auf die zahlreichen Fragmente von
Hexametern hingewiesen, welche bedeutende Vertrautheit mit alten
Dichtern zeigen, während dagegen der von Loeher angeregte Gedanke an
eine ursprünglich metrische Bearbeitung durch die musivische
Zusammensetzung mit jenen Plagiaten unmöglich wird[7].
Dennoch gewährt uns diese Schrift einige schätzbare Nachrichten, und
es ist deshalb sehr erfreulich, daß R. Koepke sie in einer Göttinger
Handschrift entdeckte[8]. Früher kannte man nur eine spätere
erzogen und unterrichtet. Als Witwe stiftete die Königin das Kloster
No r d hau sen, und hier wurde im nächsten Jahrzehnt nach ihrem Tode (28.
Febr. 968) ihr Leben beschrieben, entweder von einer Nonne des Stiftes
oder von einem Priester, der ihr nahe gestanden hatte und von der Aebtissin
Ricburg die übrigen Nachrichten erfuhr. An den Kaiser Otto II ist es
gerichtet und natürlich ganz panegyrischer Art. Auch die Form ist
ungeschickt, aber in dieser Zeit war es noch ein nicht häufiges Verdienst,
überhaupt schreiben zu können. Der Inhalt genügt freilich unseren
Wünschen bei weitem nicht; die gewöhnlichen Schilderungen klösterlicher
Frömmigkeit nehmen den größten Raum ein, und wie Einhard die Worte
Suetons benutzt hat, um den Kaiser Karl zu schildern, so finden wir hier
ganze Stellen aus Sulpicius Severus und aus dem Leben der Radegunde
angewandt. Herzog Heinrich ist von Jaffé entlarvt als der Pamphilus aus
Terenz Andria[6]. Das Formelhafte dieser Lobpreisungen tritt dadurch hier
noch mehr als sonst hervor, und an einer Stelle ist sogar die Geschichte
selbst dadurch sehr wesentlich berührt worden, indem Otto I eine
gewaltsame Thronbesteigung zum Vorwurf gemacht wird. Diese
Behauptung, welche früher einigen Anstoß erregt hatte, wird nun niemand
mehr irren, seitdem Jaffé, der jene fremden Federn überhaupt zuerst
entdeckte, hier eine Stelle des Sulpicius Severus nachgewiesen hat, welche
den Kaiser Maximus angeht. Seitdem hat nun H. Heerwagen auch noch die
Plünderung der Vita S. Gertrudis ans Licht gebracht, und dadurch Koepke's
Ansicht von einer Benutzung des Widukind in dieser Biographie die letzte
Stütze entzogen. Er hat zugleich auf die zahlreichen Fragmente von
Hexametern hingewiesen, welche bedeutende Vertrautheit mit alten
Dichtern zeigen, während dagegen der von Loeher angeregte Gedanke an
eine ursprünglich metrische Bearbeitung durch die musivische
Zusammensetzung mit jenen Plagiaten unmöglich wird[7].
Dennoch gewährt uns diese Schrift einige schätzbare Nachrichten, und
es ist deshalb sehr erfreulich, daß R. Koepke sie in einer Göttinger
Handschrift entdeckte[8]. Früher kannte man nur eine spätere
Page 437
Ueberarbeitung derselben, deren Verfasser, ebenfalls dem Kloster
Nordhausen nahestehend, das Werk stilistisch umformte und manches
veränderte, namentlich Heinrich von Baiern, Mahthilds Lieblingssohn,
ungebührlich hervorhob, dem Enkel desselben, Heinrich II, zu Liebe,
welcher ihm diese Arbeit aufgetragen hatte[9]. Daß hierzu Gumpolds
Wenzellegende benutzt war, hat zuerst Loeher bemerkt, der jedoch eine
gemeinsame Quelle annahm; R. Koepke hat das richtige Verhältniß
festgestellt. Die genaueste und sehr lehrreiche Analyse der ganzen Vita hat
aber Heerwagen angestellt. Die Bildung ist inzwischen schon bedeutend
mehr clerical geworden; nicht mehr vergilische Anklänge herrschen hier,
sondern die kirchliche Reimprosa des Chorgesangs. Der Ausdruck ist
geglättet, und die wörtlichen Entlehnungen sind mehr verwaschen, dafür
aber andere dazugekommen, und wieder ist es derselbe gelehrte Apparat,
vermehrt jedoch durch Sedulius (ep. ad Macedonium), mit welchem auch
der Ueberarbeiter wirthschaftet. Recht lebhaft tritt uns hier entgegen, wie
frei für kirchliche Zwecke und zur verzierenden Ausschmückung die
Ueberlieferung behandelt und wie bereitwillig der Schmeichelei für das
regierende Haus die Wahrheit geopfert wird. Den Anspruch auf
geschichtliche Glaubwürdigkeit hat diese jüngere Vita vollständig
eingebüßt.
Bedeutender als Herford und Nordhausen tritt Qu edli nb urg hervor,
ebenfalls eine Stiftung der Königin Mahthild; die erste Aebtissin (966-999)
war ihre Enkelin gleiches Namens, die Tochter Otto's des Großen, welcher
Widukind seine Geschichte widmete. Hier wurde die Pfalzgräfin Agnes
erzogen, und auch der Bischof Thietmar von Merseburg hat hier seine
ersten Jugendjahre verlebt, wie denn häufig in damaliger Zeit zum
geistlichen Stande bestimmte Knaben die Anfänge des Unterrichts von den
Frauen ihrer Familie erhielten[10]. Wir haben schon oben (S. 321) der
gelehrten Nonne Hazecha gedacht, von welcher es fast den Anschein hat,
als ob sie der Studien wegen sich in Speier aufgehalten habe.
Nordhausen nahestehend, das Werk stilistisch umformte und manches
veränderte, namentlich Heinrich von Baiern, Mahthilds Lieblingssohn,
ungebührlich hervorhob, dem Enkel desselben, Heinrich II, zu Liebe,
welcher ihm diese Arbeit aufgetragen hatte[9]. Daß hierzu Gumpolds
Wenzellegende benutzt war, hat zuerst Loeher bemerkt, der jedoch eine
gemeinsame Quelle annahm; R. Koepke hat das richtige Verhältniß
festgestellt. Die genaueste und sehr lehrreiche Analyse der ganzen Vita hat
aber Heerwagen angestellt. Die Bildung ist inzwischen schon bedeutend
mehr clerical geworden; nicht mehr vergilische Anklänge herrschen hier,
sondern die kirchliche Reimprosa des Chorgesangs. Der Ausdruck ist
geglättet, und die wörtlichen Entlehnungen sind mehr verwaschen, dafür
aber andere dazugekommen, und wieder ist es derselbe gelehrte Apparat,
vermehrt jedoch durch Sedulius (ep. ad Macedonium), mit welchem auch
der Ueberarbeiter wirthschaftet. Recht lebhaft tritt uns hier entgegen, wie
frei für kirchliche Zwecke und zur verzierenden Ausschmückung die
Ueberlieferung behandelt und wie bereitwillig der Schmeichelei für das
regierende Haus die Wahrheit geopfert wird. Den Anspruch auf
geschichtliche Glaubwürdigkeit hat diese jüngere Vita vollständig
eingebüßt.
Bedeutender als Herford und Nordhausen tritt Qu edli nb urg hervor,
ebenfalls eine Stiftung der Königin Mahthild; die erste Aebtissin (966-999)
war ihre Enkelin gleiches Namens, die Tochter Otto's des Großen, welcher
Widukind seine Geschichte widmete. Hier wurde die Pfalzgräfin Agnes
erzogen, und auch der Bischof Thietmar von Merseburg hat hier seine
ersten Jugendjahre verlebt, wie denn häufig in damaliger Zeit zum
geistlichen Stande bestimmte Knaben die Anfänge des Unterrichts von den
Frauen ihrer Familie erhielten[10]. Wir haben schon oben (S. 321) der
gelehrten Nonne Hazecha gedacht, von welcher es fast den Anschein hat,
als ob sie der Studien wegen sich in Speier aufgehalten habe.
Page 438
Die bedeutende Stellung, welche die Aebtissin von Quedlinburg im
Reiche einnahm, besonders als Otto III ihr während seines Römerzuges die
Verwaltung der Geschäfte übertrug, konnte nicht fehlen, hier das Bedürfniß
nach geschichtlichen Aufzeichnungen hervorzurufen, so wie an Nachrichten
hier kein Mangel sein konnte.
Verschiedene Jahrbücher hatte man zu diesem Zwecke zur Verfügung;
als bequemste Grundlage aber erwählte man die H er sf eld er Annal en.
Diese sind uns in ihrer ursprünglichen Gestalt nicht erhalten, aber, während
locale Nachrichten die Herkunft feststellen, durch wörtliche
Uebereinstimmung als gemeinsame Quelle zu erkennen bei dem Hersfelder
Mönch Lambert, in den Annalen von Hildesheim, Quedlinburg und
Weißenburg, welche deshalb von Pertz bis 984 neben einander abgedruckt
sind[11]. Als fünftes Exemplar kommen die sog. Annalen von Ottobeuern
hinzu, welche hessischer Herkunft sind; als sechstes die Altaicher. In den
Annalen von Fulda (S. Bonifacii), Lobbes, Ellwangen, Münster im
Gregorienthal, bei Marianus Scotus, beschränkt sich die Uebereinstimmung
auf den fast werthlosen älteren Theil und wird nur auf Benutzung derselben
Fulder Grundlage beruhen, deren wir oben (S. 241) gedachten.
Wie man nun auf Grundlage dieser Compilation, nebst einigen Notizen
aus älterer Zeit, die am Rande der Ostertafel vorhanden sein mochten, sie
fortsetzend das so weit verbreitete Annalenwerk aufgebaut hat, das ist eine
schwierige Frage, welche den Scharfsinn mehrerer Forscher beschäftigt hat,
unter denen ich nur Ehrenfeuchter in seiner Dissertation über die Annalen
von Nieder-Altaich (1870) nenne. Genaueren Nachweis findet man in den
gründlichen und sorgfältigen Untersuchungen von Hermann Lorenz[12] und
Friedrich Kurze[13]. Begonnen sind sie nach diesem kaum vor 955 und im
Anfang aus den Annalen von Corvey, Regino und dessen Fortsetzung
geschöpft, sehr dürftig, doch finden sich hin und wieder, und besonders um
die Mitte des zehnten Jahrhunderts, neben localen Notizen auch nicht
unwichtige Nachrichten; von 960 bis 973 ist die Erzählung gleichzeitig und
ausführlicher als vorher.
Reiche einnahm, besonders als Otto III ihr während seines Römerzuges die
Verwaltung der Geschäfte übertrug, konnte nicht fehlen, hier das Bedürfniß
nach geschichtlichen Aufzeichnungen hervorzurufen, so wie an Nachrichten
hier kein Mangel sein konnte.
Verschiedene Jahrbücher hatte man zu diesem Zwecke zur Verfügung;
als bequemste Grundlage aber erwählte man die H er sf eld er Annal en.
Diese sind uns in ihrer ursprünglichen Gestalt nicht erhalten, aber, während
locale Nachrichten die Herkunft feststellen, durch wörtliche
Uebereinstimmung als gemeinsame Quelle zu erkennen bei dem Hersfelder
Mönch Lambert, in den Annalen von Hildesheim, Quedlinburg und
Weißenburg, welche deshalb von Pertz bis 984 neben einander abgedruckt
sind[11]. Als fünftes Exemplar kommen die sog. Annalen von Ottobeuern
hinzu, welche hessischer Herkunft sind; als sechstes die Altaicher. In den
Annalen von Fulda (S. Bonifacii), Lobbes, Ellwangen, Münster im
Gregorienthal, bei Marianus Scotus, beschränkt sich die Uebereinstimmung
auf den fast werthlosen älteren Theil und wird nur auf Benutzung derselben
Fulder Grundlage beruhen, deren wir oben (S. 241) gedachten.
Wie man nun auf Grundlage dieser Compilation, nebst einigen Notizen
aus älterer Zeit, die am Rande der Ostertafel vorhanden sein mochten, sie
fortsetzend das so weit verbreitete Annalenwerk aufgebaut hat, das ist eine
schwierige Frage, welche den Scharfsinn mehrerer Forscher beschäftigt hat,
unter denen ich nur Ehrenfeuchter in seiner Dissertation über die Annalen
von Nieder-Altaich (1870) nenne. Genaueren Nachweis findet man in den
gründlichen und sorgfältigen Untersuchungen von Hermann Lorenz[12] und
Friedrich Kurze[13]. Begonnen sind sie nach diesem kaum vor 955 und im
Anfang aus den Annalen von Corvey, Regino und dessen Fortsetzung
geschöpft, sehr dürftig, doch finden sich hin und wieder, und besonders um
die Mitte des zehnten Jahrhunderts, neben localen Notizen auch nicht
unwichtige Nachrichten; von 960 bis 973 ist die Erzählung gleichzeitig und
ausführlicher als vorher.
Page 439
So weit stimmen alle Ableitungen überein, doch ist unverkennbar, daß
den Hildesheimer und Quedlinburger Jahrbüchern die vollständige Urform,
den übrigen Ableitungen eine abgekürzte Form zu Grunde liegt.
Von hier an nahm man bisher zwei ganz verschiedene Fortsetzungen
an, eine in Hersfeld geschriebene bis 984, und eine davon verschiedene
Hildesheimer, allein F. Kurze hält beide für identisch und hat (S. 13-25) den
Versuch gemacht, den gemeinsamen Ursprung der Nachrichten
nachzuweisen, welche in diesem Theile besonders ausführlich und
werthvoll, auch in den Altaicher Annalen am besten, wenn auch stilistisch
aufgeputzt, uns erhalten sind. Hier endeten die originalen Hersfelder
Aufzeichnungen, vielleicht, wie Kurze vermuthet, in Folge von des Abtes
Gozbert (970-984) Rücktritt. Von ihm rühmt Lambert in seiner Geschichte
von Hersfeld, daß er das Stift mit vielen Büchern bereichert habe, und
schildert dann die Verwilderung unter seinem Nachfolger. Dagegen
beginnen jetzt die Hildesheimer Eintragungen, welche um 1040 von einem
Hersfelder Epitomator in einen Auszug gebracht, den originalen Annalen
angehängt, und mit ihnen von Lambert und den Urhebern der Altaicher und
Ottobeuerer Annalen benutzt sind.
Außer diesen Annalen sind in Hersfeld auch im Anfang der Regierung
Otto's I Wunder des h. Wi gb er t aufgezeichnet worden, welche für
Heinrichs I Zeit einige Bedeutung haben[14].
Jene Annalen nun wurden in Quedlinburg als Grundlage einer
Compilation benutzt, welche durch andere Materialien aus den
Einhardschen Annalen, den Corveyer und Reichenauer, Notizen aus
Gandersheim und von 781 an aus einer verlorenen Halberstädter Chronik
vermehrt und bereichert wurden[15]; den Eingang bildete hier, wie bei
Lambert, ein mageres Excerpt der Weltgeschichte, welche am Anfang der
Hersfelder Annalen stand: von 708 an beginnt erst die annalistische Form.
So wurde, als Heinrich II schon König war und Otto's III Schwester
den Hildesheimer und Quedlinburger Jahrbüchern die vollständige Urform,
den übrigen Ableitungen eine abgekürzte Form zu Grunde liegt.
Von hier an nahm man bisher zwei ganz verschiedene Fortsetzungen
an, eine in Hersfeld geschriebene bis 984, und eine davon verschiedene
Hildesheimer, allein F. Kurze hält beide für identisch und hat (S. 13-25) den
Versuch gemacht, den gemeinsamen Ursprung der Nachrichten
nachzuweisen, welche in diesem Theile besonders ausführlich und
werthvoll, auch in den Altaicher Annalen am besten, wenn auch stilistisch
aufgeputzt, uns erhalten sind. Hier endeten die originalen Hersfelder
Aufzeichnungen, vielleicht, wie Kurze vermuthet, in Folge von des Abtes
Gozbert (970-984) Rücktritt. Von ihm rühmt Lambert in seiner Geschichte
von Hersfeld, daß er das Stift mit vielen Büchern bereichert habe, und
schildert dann die Verwilderung unter seinem Nachfolger. Dagegen
beginnen jetzt die Hildesheimer Eintragungen, welche um 1040 von einem
Hersfelder Epitomator in einen Auszug gebracht, den originalen Annalen
angehängt, und mit ihnen von Lambert und den Urhebern der Altaicher und
Ottobeuerer Annalen benutzt sind.
Außer diesen Annalen sind in Hersfeld auch im Anfang der Regierung
Otto's I Wunder des h. Wi gb er t aufgezeichnet worden, welche für
Heinrichs I Zeit einige Bedeutung haben[14].
Jene Annalen nun wurden in Quedlinburg als Grundlage einer
Compilation benutzt, welche durch andere Materialien aus den
Einhardschen Annalen, den Corveyer und Reichenauer, Notizen aus
Gandersheim und von 781 an aus einer verlorenen Halberstädter Chronik
vermehrt und bereichert wurden[15]; den Eingang bildete hier, wie bei
Lambert, ein mageres Excerpt der Weltgeschichte, welche am Anfang der
Hersfelder Annalen stand: von 708 an beginnt erst die annalistische Form.
So wurde, als Heinrich II schon König war und Otto's III Schwester
Page 440
Adalheid dem Stifte vorstand, eine Compilation verfertigt, welche unter
dem Namen Q u ed li nbu rger An nalen noch zum Theil erhalten ist[16].
Der Verfasser wird einer der zahlreichen Geistlichen gewesen sein,
welche den Gottesdienst versahen oder als Kapläne der Aebtissin zur Seite
standen. Ihm lagen, als er seine Arbeit unternahm, die Thaten der
Frankenkönige und Einhards Leben Karls vor; auch Widukinds Werk kann
ihm nicht unbekannt gewesen sein. Allein er machte keinen Versuch, nach
der Weise dieser Vorgänger die Geschichte der Vorzeit darzustellen, sondern
schloß sich einfach der bequemen Form der Hersfelder Annalen an, von
welchen er ein Exemplar mit der Fortsetzung bis 990 besaß. Diese
excerpirte er in sehr roher Weise, und vermehrte sie wiederum mit
zahlreichen Zusätzen, aber es kam ihm doch nicht in den Sinn, auch eine
innerliche Verknüpfung zu erstreben.
Auch hier finden wir Stücke aus der alten Heldensage, die zum Theil
mit Widukinds Erzählung übereinstimmen, aber sie sind hier nur ganz
äußerlich eingeschoben. Es fällt darunter vorzüglich (S. 31) eine
Bemerkung über Dietrich von Bern auf, de quo cantabant rustici olim, was
zum elften Jahrhundert schlecht paßt, und eine lange Erzählung vom
Thüringerkriege, welche ganz aus dem Charakter des übrigen Werkes
heraustritt. Hiervon hat nun L. Hoffmann[17] nachgewiesen, daß weder
Ekkehard noch der Sächsische Annalist und Chronograph sie in ihrem
Exemplar gelesen haben, daß dagegen der Verfasser des Chronicon ducum
Brunsvicensium sie gekannt hat. Wenn nun, wie man vermuthet, dieser sie
aus den Nienburger Annalen entnommen hat, so muß sie im 12. Jahrhundert
vorhanden gewesen sein. Aber zum ursprünglichen Werke gehört sie nicht,
und die Bemerkung über Thiderik von Berne ist ein noch viel späterer
Zusatz[18].
Gewiß fehlte es in Quedlinburg nicht an Hülfsmitteln, um besseres zu
leisten, aber vielleicht eben deshalb und weil der Verfasser gar nicht daran
dachte, die ausführlicheren Werke über die Vorzeit durch das seinige
dem Namen Q u ed li nbu rger An nalen noch zum Theil erhalten ist[16].
Der Verfasser wird einer der zahlreichen Geistlichen gewesen sein,
welche den Gottesdienst versahen oder als Kapläne der Aebtissin zur Seite
standen. Ihm lagen, als er seine Arbeit unternahm, die Thaten der
Frankenkönige und Einhards Leben Karls vor; auch Widukinds Werk kann
ihm nicht unbekannt gewesen sein. Allein er machte keinen Versuch, nach
der Weise dieser Vorgänger die Geschichte der Vorzeit darzustellen, sondern
schloß sich einfach der bequemen Form der Hersfelder Annalen an, von
welchen er ein Exemplar mit der Fortsetzung bis 990 besaß. Diese
excerpirte er in sehr roher Weise, und vermehrte sie wiederum mit
zahlreichen Zusätzen, aber es kam ihm doch nicht in den Sinn, auch eine
innerliche Verknüpfung zu erstreben.
Auch hier finden wir Stücke aus der alten Heldensage, die zum Theil
mit Widukinds Erzählung übereinstimmen, aber sie sind hier nur ganz
äußerlich eingeschoben. Es fällt darunter vorzüglich (S. 31) eine
Bemerkung über Dietrich von Bern auf, de quo cantabant rustici olim, was
zum elften Jahrhundert schlecht paßt, und eine lange Erzählung vom
Thüringerkriege, welche ganz aus dem Charakter des übrigen Werkes
heraustritt. Hiervon hat nun L. Hoffmann[17] nachgewiesen, daß weder
Ekkehard noch der Sächsische Annalist und Chronograph sie in ihrem
Exemplar gelesen haben, daß dagegen der Verfasser des Chronicon ducum
Brunsvicensium sie gekannt hat. Wenn nun, wie man vermuthet, dieser sie
aus den Nienburger Annalen entnommen hat, so muß sie im 12. Jahrhundert
vorhanden gewesen sein. Aber zum ursprünglichen Werke gehört sie nicht,
und die Bemerkung über Thiderik von Berne ist ein noch viel späterer
Zusatz[18].
Gewiß fehlte es in Quedlinburg nicht an Hülfsmitteln, um besseres zu
leisten, aber vielleicht eben deshalb und weil der Verfasser gar nicht daran
dachte, die ausführlicheren Werke über die Vorzeit durch das seinige
Page 441
ersetzen zu wollen, begnügte er sich mit dem dürftigsten annalistischen
Gerippe, welches ihm diente, um nach Bedürfniß hier und da Bemerkungen
und Zusätze einzutragen. Mit Heinrichs I Zeit werden die selbständigen
Eintragungen häufiger[19], durchweg panegyrisch für die Ludolfinger; nach
einer Lücke von 961-983, die sich aus dem späteren sächsischen
Chronographen zum Theil ergänzen läßt, finden wir den Verfasser schon
993 als Augenzeugen redend, und von da an beginnt nun eine sehr
ausführliche Geschichtserzählung, die von Jahr zu Jahr fortschreitet, und
wenn nicht immer gleichzeitig, so doch nicht sehr fern von den Ereignissen
aufgezeichnet ist. Von 1004 an tritt eine lebhafte Abneigung gegen Heinrich
II hervor, welche sich vorzüglich an seine rücksichtslose Klosterreform
anknüpft; noch bis in den Anfang von 1016 scheint dieselbe völlig
gleichzeitige Hand kenntlich zu sein. Der weitere Fortsetzer aber ist ein
eifriger Bewunderer des Kaisers; die nächsten Jahre sind weit kürzer und
nicht fehlerfrei, wohl nachträglich ergänzt von demselben, welcher 1020
mit breitem pomphaften Redefluß fortfährt[20].
Vieles erinnert in diesen Jahrbüchern an die alten Reichsannalen, allein
es fehlt doch die gleichmäßige Einheit, es fehlt auch der umfassende
Ueberblick über das ganze Reich. Wenn man auch die Beziehung der
fürstlichen Aebtissin zum Kaiserhofe wahrnimmt an der zuverlässigen
Kunde von entfernten Ereignissen, so überwiegt doch das Interesse für die
nähere Umgebung, namentlich die Kämpfe mit den Slaven, und die
unbedeutendsten localen Vorfälle treten ohne Unterscheidung zwischen die
großen geschichtlichen Begebenheiten. Zugleich artet die Sprache häufig in
unerträgliche Schwülstigkeit aus, wodurch vollends alles Ebenmaß verloren
geht. Doch müssen wir diese Jahrbücher zu den bedeutenderen
Erscheinungen der Historiographie zählen, und sachlich sind sie vom
höchsten Werthe, ihr plötzliches Abbrechen mit dem Jahre 1025 läßt eine
sehr empfindliche Lücke zurück. Ob sie viel weiter gereicht haben, ist sehr
zweifelhaft[21]; uns ist nur eine Abschrift aus später Zeit erhalten, und der
gänzliche Verlust, der hier so leicht erfolgen konnte, legt den Gedanken
nahe, wie manche andere Aufzeichnung der Art spurlos verschwunden sein
Gerippe, welches ihm diente, um nach Bedürfniß hier und da Bemerkungen
und Zusätze einzutragen. Mit Heinrichs I Zeit werden die selbständigen
Eintragungen häufiger[19], durchweg panegyrisch für die Ludolfinger; nach
einer Lücke von 961-983, die sich aus dem späteren sächsischen
Chronographen zum Theil ergänzen läßt, finden wir den Verfasser schon
993 als Augenzeugen redend, und von da an beginnt nun eine sehr
ausführliche Geschichtserzählung, die von Jahr zu Jahr fortschreitet, und
wenn nicht immer gleichzeitig, so doch nicht sehr fern von den Ereignissen
aufgezeichnet ist. Von 1004 an tritt eine lebhafte Abneigung gegen Heinrich
II hervor, welche sich vorzüglich an seine rücksichtslose Klosterreform
anknüpft; noch bis in den Anfang von 1016 scheint dieselbe völlig
gleichzeitige Hand kenntlich zu sein. Der weitere Fortsetzer aber ist ein
eifriger Bewunderer des Kaisers; die nächsten Jahre sind weit kürzer und
nicht fehlerfrei, wohl nachträglich ergänzt von demselben, welcher 1020
mit breitem pomphaften Redefluß fortfährt[20].
Vieles erinnert in diesen Jahrbüchern an die alten Reichsannalen, allein
es fehlt doch die gleichmäßige Einheit, es fehlt auch der umfassende
Ueberblick über das ganze Reich. Wenn man auch die Beziehung der
fürstlichen Aebtissin zum Kaiserhofe wahrnimmt an der zuverlässigen
Kunde von entfernten Ereignissen, so überwiegt doch das Interesse für die
nähere Umgebung, namentlich die Kämpfe mit den Slaven, und die
unbedeutendsten localen Vorfälle treten ohne Unterscheidung zwischen die
großen geschichtlichen Begebenheiten. Zugleich artet die Sprache häufig in
unerträgliche Schwülstigkeit aus, wodurch vollends alles Ebenmaß verloren
geht. Doch müssen wir diese Jahrbücher zu den bedeutenderen
Erscheinungen der Historiographie zählen, und sachlich sind sie vom
höchsten Werthe, ihr plötzliches Abbrechen mit dem Jahre 1025 läßt eine
sehr empfindliche Lücke zurück. Ob sie viel weiter gereicht haben, ist sehr
zweifelhaft[21]; uns ist nur eine Abschrift aus später Zeit erhalten, und der
gänzliche Verlust, der hier so leicht erfolgen konnte, legt den Gedanken
nahe, wie manche andere Aufzeichnung der Art spurlos verschwunden sein
Page 442
mag. Namentlich läßt sich das mit Sicherheit von Halber stad t annehmen,
wo gewiß auch geschichtliches geschrieben wurde. Hier war 840 bis 853
Hai m o Bischof, ein Schüler Alcuins, Hrabans Freund, ein sehr gelehrter
und fruchtbarer theologischer Schriftsteller, der unter anderm aus Rufins
Kirchengeschichte einen Auszug in zehn Büchern verfaßte; doch ist es
zweifelhaft, ob diese Schriften ihm mit Recht zugeschrieben werden[22].
Von ihm gab es eine Biographie, aber leider ist nur ein kleines Fragment
davon erhalten[23]. Der Verfasser, R ochus, war jedoch Mönch im Kloster
Ilsenburg, welches erst 998 gegründet ist, und schrieb also mindestens
anderthalb Jahrhunderte nach dem Tode des Bischofs. Auf den wegen seiner
Frömmigkeit sehr verehrten Bischof Bernhard (924 bis 968) folgte (968 bis
996) H i l d ewar d, welcher in St. Gallen höhere wissenschaftliche
Ausbildung erhalten hatte. Wir besitzen von ihm einen Brief an den Bischof
Adalbero II von Metz (984 bis 1005)[24], worin er, eingedenk der mit
seinem Vorfahr Dietrich geschlossenen Verbrüderung, ihm ein Buch, um
welches er gebeten hatte, überläßt, zugleich aber bittet um ein Theilchen
von dem Blute des h. Stephan, und um Reliquien der h. Glodesinde
„quatenus pietas divina, quae aliis in Gallia Hunorum devastatione
pereuntibus vestram horum interventu civitatem protexit, nos etiam
eorundem precibus a prevalidis Sclavorum, quibus undique premimur,
infestationibus omnibusque periculis liberare dignetur“. Beide Kirchen
verehrten den h. Stephan als ihren Schutzpatron.
Unter diesem Bischof nun ist nach Weilands Forschungen eine
B i st hu m sch r o n i k geschrieben, welche schon Thietmar benutzt hat, da er
vielfach nach Jahren der Halberstädter Bischöfe rechnet; auch in den
Quedlinburger Annalen soll sie schon benutzt sein. Diese Chronik wurde
bis 1140 fortgesetzt, bis 1113 vom Annalista Saxo benutzt. Andere
Fortsetzungen folgten; erweitert durch Benutzung von Thietmar, Ekkehard
u. a. wurde sie 1209 in den Auszug gebracht, welcher allein uns erhalten
ist[25].
wo gewiß auch geschichtliches geschrieben wurde. Hier war 840 bis 853
Hai m o Bischof, ein Schüler Alcuins, Hrabans Freund, ein sehr gelehrter
und fruchtbarer theologischer Schriftsteller, der unter anderm aus Rufins
Kirchengeschichte einen Auszug in zehn Büchern verfaßte; doch ist es
zweifelhaft, ob diese Schriften ihm mit Recht zugeschrieben werden[22].
Von ihm gab es eine Biographie, aber leider ist nur ein kleines Fragment
davon erhalten[23]. Der Verfasser, R ochus, war jedoch Mönch im Kloster
Ilsenburg, welches erst 998 gegründet ist, und schrieb also mindestens
anderthalb Jahrhunderte nach dem Tode des Bischofs. Auf den wegen seiner
Frömmigkeit sehr verehrten Bischof Bernhard (924 bis 968) folgte (968 bis
996) H i l d ewar d, welcher in St. Gallen höhere wissenschaftliche
Ausbildung erhalten hatte. Wir besitzen von ihm einen Brief an den Bischof
Adalbero II von Metz (984 bis 1005)[24], worin er, eingedenk der mit
seinem Vorfahr Dietrich geschlossenen Verbrüderung, ihm ein Buch, um
welches er gebeten hatte, überläßt, zugleich aber bittet um ein Theilchen
von dem Blute des h. Stephan, und um Reliquien der h. Glodesinde
„quatenus pietas divina, quae aliis in Gallia Hunorum devastatione
pereuntibus vestram horum interventu civitatem protexit, nos etiam
eorundem precibus a prevalidis Sclavorum, quibus undique premimur,
infestationibus omnibusque periculis liberare dignetur“. Beide Kirchen
verehrten den h. Stephan als ihren Schutzpatron.
Unter diesem Bischof nun ist nach Weilands Forschungen eine
B i st hu m sch r o n i k geschrieben, welche schon Thietmar benutzt hat, da er
vielfach nach Jahren der Halberstädter Bischöfe rechnet; auch in den
Quedlinburger Annalen soll sie schon benutzt sein. Diese Chronik wurde
bis 1140 fortgesetzt, bis 1113 vom Annalista Saxo benutzt. Andere
Fortsetzungen folgten; erweitert durch Benutzung von Thietmar, Ekkehard
u. a. wurde sie 1209 in den Auszug gebracht, welcher allein uns erhalten
ist[25].
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Hildewards Nachfolger Ar nol d oder A r n ulf (996 bis 1023) weihte
die angeblich von Heinrich II aus Liebe zu dem Einsiedler Wanlef erbaute
Stephanskirche zu Wanlefsrode, welche später als Probstei an das nahe
Ilsenburg kam[26]. Von ihm besitzen wir einen ausführlichen, vortrefflich
geschriebenen Brief, durch welchen er im J. 1007 den Bischof Heinrich von
Würzburg zu bestimmen suchte, sich die Stiftung von Bamberg gefallen zu
lassen[27].
Zu nennen ist von anderen sächsischen Klöstern nur noch Wer den an
der Ruhr, wo U ff in g außer einigen Versen zum Preise des h. Liudger und
seines Klosters auch das schon oben (S. 253) erwähnte Leben der h. Ida
zwischen den Jahren 980 und 983 verfaßte.
[1] Hrotsuithae Carmen de gestis Oddonis I imperatoris ed. Pertz, MG. SS. IV, 317-
335. Die Werke der Hrotsvitha, herausgegeben von Dr. K. A. Barack (mit
Verbesserungen aus der Pommersfelder Handschrift), Nürnb. 1858. Uebersetzung der
beiden historischen Gedichte von Pfund, 1860; Geschichtschr. 2. Ausg. 1888, Bd. 32
(X, 5). Vgl. W. Giesebrecht, Gesch. d. Kaiserzeit I, 780; Maurenbrecher S. 57-62; R.
Koepke, Hrotsuit von Gandersheim, (Ott. Studien II) 1869 mit Facs. der Handschrift.
Auf der Rückseite des letzten Blattes ist nach C. Hoefler altglagolitische Schrift, was
in St. Emmeram nicht auffallen kann; Pfeiffers Germania XV, 194. Vgl. über das
Verhältniß zu Widukind die oben S. 328 angeführten Aufsätze von Waitz. Aschbachs
Angriffe gegen die Echtheit der Werke bedürfen kaum der Erwähnung; Koepke hat
endgültig damit aufgeräumt, wenn auch A. selbst in seinem neuesten Werke es nicht
zugeben wollte. Hugo Graf von Walderdorff hat in den Verhandlungen d. hist. V. v.
Oberpfalz u. Regensb. XXIX, 16 die Inhaltsangabe der Handschrift aus dem Catalog
der Bibl. v. St. Emm. von 1500 mitgetheilt, die wohl schon vor der Verleihung an
Celtis geschrieben war. — M. Haupt im Hermes VII, 189 zeigt, daß Hrotsuit den
Plautus nicht gekannt hat. Nach Günther, Gesch. d. math. Unterrichts (1887) S. 83 ff.
kannte sie Boethius de arithmetica.
[2] Bruno Zint: Ueber Roswitha's Carmen de gestis Oddonis, Königsb. Diss. 1875.
[3] De primordiis coenobii Gandersheimensis. MG. SS. IV, 306-317. Die nach einer
von Waitz, Arch. VIII, 266, angef. Notiz in Koburg befindliche Copie habe ich dort
vergeblich gesucht, dagegen ein altes Verzeichniß des Gandersheimer
Kirchenschatzes gefunden und im Anz. d. Germ. Mus. XX, 345-347 mitgetheilt.
[4] Eberhards Reimchronik von Gandersheim, neue Ausg. von L. Weiland, MG.
Deutsche Chroniken II, 385-429. Vgl. P. Hasse: Die Reimchronik des Eberhard von
Gandersheim, Diss. Gott. 1872.
[5] Nicht daraus abzuleiten, s. Waitz, Jahrbb. unter Heinrich I, 3. Ausg. S. 259.
[6] Forschungen IX, 343-345.
die angeblich von Heinrich II aus Liebe zu dem Einsiedler Wanlef erbaute
Stephanskirche zu Wanlefsrode, welche später als Probstei an das nahe
Ilsenburg kam[26]. Von ihm besitzen wir einen ausführlichen, vortrefflich
geschriebenen Brief, durch welchen er im J. 1007 den Bischof Heinrich von
Würzburg zu bestimmen suchte, sich die Stiftung von Bamberg gefallen zu
lassen[27].
Zu nennen ist von anderen sächsischen Klöstern nur noch Wer den an
der Ruhr, wo U ff in g außer einigen Versen zum Preise des h. Liudger und
seines Klosters auch das schon oben (S. 253) erwähnte Leben der h. Ida
zwischen den Jahren 980 und 983 verfaßte.
[1] Hrotsuithae Carmen de gestis Oddonis I imperatoris ed. Pertz, MG. SS. IV, 317-
335. Die Werke der Hrotsvitha, herausgegeben von Dr. K. A. Barack (mit
Verbesserungen aus der Pommersfelder Handschrift), Nürnb. 1858. Uebersetzung der
beiden historischen Gedichte von Pfund, 1860; Geschichtschr. 2. Ausg. 1888, Bd. 32
(X, 5). Vgl. W. Giesebrecht, Gesch. d. Kaiserzeit I, 780; Maurenbrecher S. 57-62; R.
Koepke, Hrotsuit von Gandersheim, (Ott. Studien II) 1869 mit Facs. der Handschrift.
Auf der Rückseite des letzten Blattes ist nach C. Hoefler altglagolitische Schrift, was
in St. Emmeram nicht auffallen kann; Pfeiffers Germania XV, 194. Vgl. über das
Verhältniß zu Widukind die oben S. 328 angeführten Aufsätze von Waitz. Aschbachs
Angriffe gegen die Echtheit der Werke bedürfen kaum der Erwähnung; Koepke hat
endgültig damit aufgeräumt, wenn auch A. selbst in seinem neuesten Werke es nicht
zugeben wollte. Hugo Graf von Walderdorff hat in den Verhandlungen d. hist. V. v.
Oberpfalz u. Regensb. XXIX, 16 die Inhaltsangabe der Handschrift aus dem Catalog
der Bibl. v. St. Emm. von 1500 mitgetheilt, die wohl schon vor der Verleihung an
Celtis geschrieben war. — M. Haupt im Hermes VII, 189 zeigt, daß Hrotsuit den
Plautus nicht gekannt hat. Nach Günther, Gesch. d. math. Unterrichts (1887) S. 83 ff.
kannte sie Boethius de arithmetica.
[2] Bruno Zint: Ueber Roswitha's Carmen de gestis Oddonis, Königsb. Diss. 1875.
[3] De primordiis coenobii Gandersheimensis. MG. SS. IV, 306-317. Die nach einer
von Waitz, Arch. VIII, 266, angef. Notiz in Koburg befindliche Copie habe ich dort
vergeblich gesucht, dagegen ein altes Verzeichniß des Gandersheimer
Kirchenschatzes gefunden und im Anz. d. Germ. Mus. XX, 345-347 mitgetheilt.
[4] Eberhards Reimchronik von Gandersheim, neue Ausg. von L. Weiland, MG.
Deutsche Chroniken II, 385-429. Vgl. P. Hasse: Die Reimchronik des Eberhard von
Gandersheim, Diss. Gott. 1872.
[5] Nicht daraus abzuleiten, s. Waitz, Jahrbb. unter Heinrich I, 3. Ausg. S. 259.
[6] Forschungen IX, 343-345.
Page 444
[7] Heerwagen: Einige Bemerkungen zu den beiden Lebensbeschreibungen der
Königin Mathilde, Forschungen VIII, 367-384. Sehr beachtenswerth für die
schablonenmäßige Natur der Legenden überhaupt, und zur Warnung, daß man auf die
stereotypen Wendungen derselben kein Gewicht zu legen hat.
[8] Vita Mahthildis antiquior ed. Koepke, MG. SS. X, 575-582: vgl. G. Waitz in den
Goett. Nachrichten 1852, N. 13. Giesebrecht, Geschichte der Kaiserzeit, I, 782-784.
835. Uebersetzung von Jaffé 1858, wo die fremden Federn des Verfassers zuerst
bemerkt und nachgewiesen sind; 2. A. 1891, Geschichtschr. Bd. 31 (X, 4). R.
Koepke, Forsch. VI, 147 bis 171 verficht seine Ansicht, daß der Verf. unter Otto III
schrieb. Verbesserungen des Textes von Heerwagen, Forsch. VIII, 382; aus der
Handschrift von Jaffé, Forsch. IX, 344. Vgl. auch Wilmans, Kaiserurkk. S. 439 ff.
über das Stift Enger.
[9] Vita Mahthildis reginae ed. Pertz, MG. SS. IV, 283-302. Daraus Migne CXXXV.
Varianten der älteren und besseren Düsseldorfer Handschrift giebt B. Simson im
Archiv f. Gesch. d. Niederrheins VII, 159-163. R. Koepke, Forsch. VI, 170, setzt die
Abfassung in das erste Jahr Heinrichs II. Ranke, Weltgesch. VIII, S. 628-634, legt
den Angaben der jüngeren Vita über Heinrichs Anspruch auf die Krone grössere
Bedeutung bei, als ihnen m. E. Widukind gegenüber zukommt.
[10] Auch der Pole Sbignew wurde um 1090 (adultus iam aetate) von der Herzogin
Judith, seiner Stiefmutter, nach Sachsen geschickt, um in einem Nonnenkloster
seinen Unterricht zu erhalten. Chron. Pol. II, 4, SS. IX, 446.
[11] MG. SS. III, 22-66. Vgl. Waitz im Archiv VI, 663-688. In Weißenburg schließt
sich eine selbständige locale Fortsetzung 985-1075. 1087. 1147. an, S. 70-72. Andere
kurze Ann. Weissenburgenses← 763-846, MG. I, 111 aus dem Cod. Weissenb. 81 in
Wolfenbüttel, aber ohne Beziehung auf das Kloster, dagegen mit Hervorhebung des
B. Drogo von Metz. Berichtigungen von Mone nebst kalendarischen Weißenburger
Nachrichten aus derselben Handschrift in der Zeitschrift für Geschichte des Oberrh.
XIII, 492. Catal. abb. SS. XIII, 319. Bücherverzeichniß unter Abt Folkmar († 1043)
e cod. Weiß. 30 bei Knittel, Ulphilae Fragmenta p. 243-245; der ausgeliehenen p. 246
e cod. 35; dieses berichtigt bei Kelle, Otfrid, II, p. XVI. Becker, Catalogi S. 37 u.
133. Recht unbeholfene Schulverse aus Weißenburg saec. X. hat Dümmler
herausgegeben, Zeitschr. f. D. Alt. XIX, 115-118.
[12] Die Annalen v. Hersfeld, Leipz. Diss. 1885. S. 83-103 Herstellung der Annalen
von 708-973; S. 104-105 von 974-984.
[13] Die Hersfelder und die größeren Hildesheimer Jahrbücher. Progr. d. Gymn. zu
Stralsund 1892.
[14] Excerpta ed. G. Waitz, MG. SS. IV, 224-228. Berichtigung in Bezug auf den Abt
Megingoz, der schon 935 sein Amt niedergelegt hat, bei H. Lorenz S. 55.
[15] S. Lorenz S. 26-32.
[16] MG. SS. III, 22-90. Es gibt nur eine Hs. aus dem 16. Jahrh. mit Lücken von 875-
909 u. von 962-983. Uebersetzt (von 984 an) von Ed. Winkelmann, 1862; 2. Aufl.
1891, Geschichtschr. Bd. 36 (X, 9). Vgl. Lappenberg im Archiv VI, 635-653. Waitz
S. 686-688. W. v. Giesebrecht, Geschichte der Kaiserzeit I, 784. II, 557. Sprachliche
Anklänge NA. XII, 592.
[17] Jahresbericht über die höhere Bürgerschule zu Rathenow (1872): Zur Geschichte
des alten Thüringerreiches. Von Dr. L. Hoffmann. Uebers. dieses Stücks in der 2.
Ausg. des Widukind, S. 127-130.
[18] Gegen den Widerspruch von H. Lorenz, Germania XIX (1886) S. 137-150, s.
NA. XII, 428.
Königin Mathilde, Forschungen VIII, 367-384. Sehr beachtenswerth für die
schablonenmäßige Natur der Legenden überhaupt, und zur Warnung, daß man auf die
stereotypen Wendungen derselben kein Gewicht zu legen hat.
[8] Vita Mahthildis antiquior ed. Koepke, MG. SS. X, 575-582: vgl. G. Waitz in den
Goett. Nachrichten 1852, N. 13. Giesebrecht, Geschichte der Kaiserzeit, I, 782-784.
835. Uebersetzung von Jaffé 1858, wo die fremden Federn des Verfassers zuerst
bemerkt und nachgewiesen sind; 2. A. 1891, Geschichtschr. Bd. 31 (X, 4). R.
Koepke, Forsch. VI, 147 bis 171 verficht seine Ansicht, daß der Verf. unter Otto III
schrieb. Verbesserungen des Textes von Heerwagen, Forsch. VIII, 382; aus der
Handschrift von Jaffé, Forsch. IX, 344. Vgl. auch Wilmans, Kaiserurkk. S. 439 ff.
über das Stift Enger.
[9] Vita Mahthildis reginae ed. Pertz, MG. SS. IV, 283-302. Daraus Migne CXXXV.
Varianten der älteren und besseren Düsseldorfer Handschrift giebt B. Simson im
Archiv f. Gesch. d. Niederrheins VII, 159-163. R. Koepke, Forsch. VI, 170, setzt die
Abfassung in das erste Jahr Heinrichs II. Ranke, Weltgesch. VIII, S. 628-634, legt
den Angaben der jüngeren Vita über Heinrichs Anspruch auf die Krone grössere
Bedeutung bei, als ihnen m. E. Widukind gegenüber zukommt.
[10] Auch der Pole Sbignew wurde um 1090 (adultus iam aetate) von der Herzogin
Judith, seiner Stiefmutter, nach Sachsen geschickt, um in einem Nonnenkloster
seinen Unterricht zu erhalten. Chron. Pol. II, 4, SS. IX, 446.
[11] MG. SS. III, 22-66. Vgl. Waitz im Archiv VI, 663-688. In Weißenburg schließt
sich eine selbständige locale Fortsetzung 985-1075. 1087. 1147. an, S. 70-72. Andere
kurze Ann. Weissenburgenses← 763-846, MG. I, 111 aus dem Cod. Weissenb. 81 in
Wolfenbüttel, aber ohne Beziehung auf das Kloster, dagegen mit Hervorhebung des
B. Drogo von Metz. Berichtigungen von Mone nebst kalendarischen Weißenburger
Nachrichten aus derselben Handschrift in der Zeitschrift für Geschichte des Oberrh.
XIII, 492. Catal. abb. SS. XIII, 319. Bücherverzeichniß unter Abt Folkmar († 1043)
e cod. Weiß. 30 bei Knittel, Ulphilae Fragmenta p. 243-245; der ausgeliehenen p. 246
e cod. 35; dieses berichtigt bei Kelle, Otfrid, II, p. XVI. Becker, Catalogi S. 37 u.
133. Recht unbeholfene Schulverse aus Weißenburg saec. X. hat Dümmler
herausgegeben, Zeitschr. f. D. Alt. XIX, 115-118.
[12] Die Annalen v. Hersfeld, Leipz. Diss. 1885. S. 83-103 Herstellung der Annalen
von 708-973; S. 104-105 von 974-984.
[13] Die Hersfelder und die größeren Hildesheimer Jahrbücher. Progr. d. Gymn. zu
Stralsund 1892.
[14] Excerpta ed. G. Waitz, MG. SS. IV, 224-228. Berichtigung in Bezug auf den Abt
Megingoz, der schon 935 sein Amt niedergelegt hat, bei H. Lorenz S. 55.
[15] S. Lorenz S. 26-32.
[16] MG. SS. III, 22-90. Es gibt nur eine Hs. aus dem 16. Jahrh. mit Lücken von 875-
909 u. von 962-983. Uebersetzt (von 984 an) von Ed. Winkelmann, 1862; 2. Aufl.
1891, Geschichtschr. Bd. 36 (X, 9). Vgl. Lappenberg im Archiv VI, 635-653. Waitz
S. 686-688. W. v. Giesebrecht, Geschichte der Kaiserzeit I, 784. II, 557. Sprachliche
Anklänge NA. XII, 592.
[17] Jahresbericht über die höhere Bürgerschule zu Rathenow (1872): Zur Geschichte
des alten Thüringerreiches. Von Dr. L. Hoffmann. Uebers. dieses Stücks in der 2.
Ausg. des Widukind, S. 127-130.
[18] Gegen den Widerspruch von H. Lorenz, Germania XIX (1886) S. 137-150, s.
NA. XII, 428.
Page 445
[19] Nach H. Detmer, Otto II bis zum Tode seines Vaters. Leipz. Diss. 1878, Excurs,
beginnen aus Quedlinburg selbst stammende Notizen nicht vor 913, und können nicht
vor 967 (Kaiserkrönung Otto's II) geschrieben sein. Jahresbericht f.
Geschichtswissenschaft I, 138.
[20] Ich folge hier jetzt der gegen H. Pabst zu Hirsch's Heinrich II, II, 443-449
gerichteten Ausführung von Usinger, Forsch. IX, 346-360. Der Text von 1014 und
1015 ist S. 351 in Ordnung gebracht mit Hülfe des Chronogr. Saxo, und mit Hinweis
auf Zeißberg: Die Kriege Heinrichs II mit Bol. von Polen, SB. LVII, 397.
[21] H. Pabst de Ariberto p. 10 suchte in Uebereinstimmung mit Waitz und Koepke
aus Annalista und Chronographus Saxo Forts. bis 1030 nachzuweisen, aber diese
Nachrichten werden jetzt für die Ann. Hild. majores in Anspruch genommen. Daß
1034 nicht dazu gehört, zeigt Steindorff, Forsch. VI, 493.
[22] Hauck II, 597, Anm. 3. Traube, Poet. Lat, III, 422, Anm. 4. Der Lehrer Heirichs
von Auxerre kann er nicht gewesen sein.
[23] Archiv XI, 285. Schon Leibniz hatte es Papebroch mitgetheilt, s. Lucä, Der
Chronist Fr. Lucae, S. 294.
[24] Labbe, Nova Bibl. MSS. I, 682.
[25] Gesta episcoporum Halberstadensium ed. Weiland MG. SS. XXIII, 73 bis 123,
vgl. p. VII u. GGA. 1877 S. 786. Scheffer-Boichorst, Forsch. XI, 498-506 wies auf
diese alten Halb. Nachrichten hin, die er für Annalen hielt. Vgl. oben → S. 256 über
vermuthete Spuren Halb. Annalen beim Poeta Saxo.
[26] S. die merkwürdige Urk. des Erneuerers der Kirche, B. Reinhard von
Halberstadt, vom 9. Mai 1110 bei Delius. Untersuchungen über die Gesch. d.
Harzburg (1826), Urkk. S. 1-5, vgl. Text S. 280-287. Dieselbe jetzt bei Jacobs,
Urkundenbuch v. Ilsenburg (Geschichtsquellen der Provinz Sachsen VI) S. 11.
[27] Ussermann, Ep. Bamb. Ib, S. 8. Jaffé, Bibl. V, 472-479; vgl. Giesebrecht II, 59.
beginnen aus Quedlinburg selbst stammende Notizen nicht vor 913, und können nicht
vor 967 (Kaiserkrönung Otto's II) geschrieben sein. Jahresbericht f.
Geschichtswissenschaft I, 138.
[20] Ich folge hier jetzt der gegen H. Pabst zu Hirsch's Heinrich II, II, 443-449
gerichteten Ausführung von Usinger, Forsch. IX, 346-360. Der Text von 1014 und
1015 ist S. 351 in Ordnung gebracht mit Hülfe des Chronogr. Saxo, und mit Hinweis
auf Zeißberg: Die Kriege Heinrichs II mit Bol. von Polen, SB. LVII, 397.
[21] H. Pabst de Ariberto p. 10 suchte in Uebereinstimmung mit Waitz und Koepke
aus Annalista und Chronographus Saxo Forts. bis 1030 nachzuweisen, aber diese
Nachrichten werden jetzt für die Ann. Hild. majores in Anspruch genommen. Daß
1034 nicht dazu gehört, zeigt Steindorff, Forsch. VI, 493.
[22] Hauck II, 597, Anm. 3. Traube, Poet. Lat, III, 422, Anm. 4. Der Lehrer Heirichs
von Auxerre kann er nicht gewesen sein.
[23] Archiv XI, 285. Schon Leibniz hatte es Papebroch mitgetheilt, s. Lucä, Der
Chronist Fr. Lucae, S. 294.
[24] Labbe, Nova Bibl. MSS. I, 682.
[25] Gesta episcoporum Halberstadensium ed. Weiland MG. SS. XXIII, 73 bis 123,
vgl. p. VII u. GGA. 1877 S. 786. Scheffer-Boichorst, Forsch. XI, 498-506 wies auf
diese alten Halb. Nachrichten hin, die er für Annalen hielt. Vgl. oben → S. 256 über
vermuthete Spuren Halb. Annalen beim Poeta Saxo.
[26] S. die merkwürdige Urk. des Erneuerers der Kirche, B. Reinhard von
Halberstadt, vom 9. Mai 1110 bei Delius. Untersuchungen über die Gesch. d.
Harzburg (1826), Urkk. S. 1-5, vgl. Text S. 280-287. Dieselbe jetzt bei Jacobs,
Urkundenbuch v. Ilsenburg (Geschichtsquellen der Provinz Sachsen VI) S. 11.
[27] Ussermann, Ep. Bamb. Ib, S. 8. Jaffé, Bibl. V, 472-479; vgl. Giesebrecht II, 59.
Page 446
§ 4. Hildesheim. [ ← ]
Hildesheim, in der karolingischen Periode noch nicht durch
litterarische Leistungen bekannt[1], gewann in der zweiten Hälfte des
zehnten Jahrhunderts einen glänzenden Namen unter den Pflanzstätten
höherer Bildung, den es dann lange behauptete. Als erstes Denkmal ist uns
die Geschichte der Ueb er tr agun g des h. E piph anius erhalten[2]. Der
Eifer für die Erwerbung von Reliquien, der schon im neunten Jahrhundert
so manche kleinere geschichtliche Aufzeichnung veranlaßt hatte, gewann in
der folgenden Periode einen neuen Anstoß durch die Römerzüge der
Ottonen, und der an solchen Schätzen reiche italische Boden wurde mit
allen Mitteln ausgebeutet.
Ot w in, einst Mönch in Reichenau, der zweite Abt des
Mauriciusstiftes zu Magdeburg, der 954 den Hildesheimer Bischofstuhl
bestiegen hatte, begleitete den Kaiser auf seiner zweiten Heerfahrt nach
Italien und benutzte 962 seinen Aufenthalt zu Pavia, um sich durch
Einbruch und Kirchenraub den Leib des h . E p iphan ius zu verschaffen,
den er als herrlichste Beute nach Sachsen brachte.
Allein nicht nur an Reliquien, sondern auch an Büchern war Italien
noch immer das reichste Land, und auch diesem Schatze stellte Otwin eifrig
nach; auch davon brachte er einen großen Vorrath mit nach dem bis dahin
bücherarmen Hildesheim, und dadurch legte er den Grund zu der kräftigen
Entwicklung der dortigen Schulen[3]. Die erste Frucht dieser neuen
Thätigkeit, welche uns bekannt geworden ist, verherrlicht eben jene
Uebertragung; es ist eine im schlichten kirchlichen Stil der Zeit
geschriebene Erzählung, die jedoch erst nach Otwins Tode (1. Dec. 984)
verfasst ist, vielleicht, wie Beelte vermuthet, von T han gm ar.
Dieser stand damals der Schule vor; später wurde er Domdechant und
nahm zugleich als Bibliothekar und Notar eine bedeutende Stellung ein; ein
Hildesheim, in der karolingischen Periode noch nicht durch
litterarische Leistungen bekannt[1], gewann in der zweiten Hälfte des
zehnten Jahrhunderts einen glänzenden Namen unter den Pflanzstätten
höherer Bildung, den es dann lange behauptete. Als erstes Denkmal ist uns
die Geschichte der Ueb er tr agun g des h. E piph anius erhalten[2]. Der
Eifer für die Erwerbung von Reliquien, der schon im neunten Jahrhundert
so manche kleinere geschichtliche Aufzeichnung veranlaßt hatte, gewann in
der folgenden Periode einen neuen Anstoß durch die Römerzüge der
Ottonen, und der an solchen Schätzen reiche italische Boden wurde mit
allen Mitteln ausgebeutet.
Ot w in, einst Mönch in Reichenau, der zweite Abt des
Mauriciusstiftes zu Magdeburg, der 954 den Hildesheimer Bischofstuhl
bestiegen hatte, begleitete den Kaiser auf seiner zweiten Heerfahrt nach
Italien und benutzte 962 seinen Aufenthalt zu Pavia, um sich durch
Einbruch und Kirchenraub den Leib des h . E p iphan ius zu verschaffen,
den er als herrlichste Beute nach Sachsen brachte.
Allein nicht nur an Reliquien, sondern auch an Büchern war Italien
noch immer das reichste Land, und auch diesem Schatze stellte Otwin eifrig
nach; auch davon brachte er einen großen Vorrath mit nach dem bis dahin
bücherarmen Hildesheim, und dadurch legte er den Grund zu der kräftigen
Entwicklung der dortigen Schulen[3]. Die erste Frucht dieser neuen
Thätigkeit, welche uns bekannt geworden ist, verherrlicht eben jene
Uebertragung; es ist eine im schlichten kirchlichen Stil der Zeit
geschriebene Erzählung, die jedoch erst nach Otwins Tode (1. Dec. 984)
verfasst ist, vielleicht, wie Beelte vermuthet, von T han gm ar.
Dieser stand damals der Schule vor; später wurde er Domdechant und
nahm zugleich als Bibliothekar und Notar eine bedeutende Stellung ein; ein
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großer Theil der bischöflichen Geschäfte ging durch seine Hand, und
namentlich in den Jahren von 1000 bis 1002 führten ihn wichtige Aufträge
wiederholt an den päbstlichen und kaiserlichen Hof. Seiner besonderen
Leitung wurde der junge B er nw ar d anvertraut, ein sächsischer Knabe von
vornehmster Herkunft, der schon in früher Kindheit der Hildesheimer
Kirche übergeben war. Nicht allein in den Wissenschaften, sondern auch in
den Künsten, der Schreibkunst, Malerei, Bildhauerei und Baukunst wurde
der junge Bernward unterrichtet, und auch hierin zeichnete er sich bald in
hohem Grade aus. Denn wie wir das besonders auch in St. Gallen sahen, die
Geistlichkeit pflegte und bewahrte in Deutschland damals in ihrer Mitte
alles, was überhaupt von höherer Ausbildung irgend vorhanden war; noch
mußte sie fast alles, dessen sie bedurfte um den hohen Anforderungen ihrer
Stellung zu genügen, selber leisten.
Später hielt Bernward sich einige Zeit bei dem Erzbischof Willigis auf,
bei seinem Großvater dem Pfalzgrafen von Sachsen, und bei seinem Oheim,
dem Bischof Folkmar von Utrecht; dann begab er sich 987 an den
kaiserlichen Hof, und hier vertraute ihm Theophano die Erziehung des
königlichen Kindes Otto III.
Am 7. Dec. 992 starb in Como der Bischof Gerdag von Hildesheim,
und Bernward wurde zu seinem Nachfolger erwählt. Dreißig Jahre lang hat
er dieses Amt verwaltet, und nicht leicht hat ein Bischof ein besseres
Andenken hinterlassen. Unter den trefflichen Bischöfen, an welchen diese
Zeit so reich ist, war er einer der hervorragendsten. In ihrer Hand waren
zum großen Theil die Reichsgeschäfte; Bernward hatte schon als Hofcaplan
an der Regierung Antheil gehabt, und als Bischof nahmen ihn die
wichtigsten Angelegenheiten vielfach in Anspruch. Dabei aber sorgte er für
seinen Sprengel mit unermüdlicher Sorgfalt. Noch war Sachsen nicht
gesichert gegen die Einfälle der Wenden und der Normannen, welche grade
damals mit verstärkter Wuth sich erneuten, und erst Bernward verschaffte
seinem Gebiete durch Befestigungen und zweckmäßige Einrichtungen
ausreichenden Schutz, sowie er auch durch vielfache kaiserliche
namentlich in den Jahren von 1000 bis 1002 führten ihn wichtige Aufträge
wiederholt an den päbstlichen und kaiserlichen Hof. Seiner besonderen
Leitung wurde der junge B er nw ar d anvertraut, ein sächsischer Knabe von
vornehmster Herkunft, der schon in früher Kindheit der Hildesheimer
Kirche übergeben war. Nicht allein in den Wissenschaften, sondern auch in
den Künsten, der Schreibkunst, Malerei, Bildhauerei und Baukunst wurde
der junge Bernward unterrichtet, und auch hierin zeichnete er sich bald in
hohem Grade aus. Denn wie wir das besonders auch in St. Gallen sahen, die
Geistlichkeit pflegte und bewahrte in Deutschland damals in ihrer Mitte
alles, was überhaupt von höherer Ausbildung irgend vorhanden war; noch
mußte sie fast alles, dessen sie bedurfte um den hohen Anforderungen ihrer
Stellung zu genügen, selber leisten.
Später hielt Bernward sich einige Zeit bei dem Erzbischof Willigis auf,
bei seinem Großvater dem Pfalzgrafen von Sachsen, und bei seinem Oheim,
dem Bischof Folkmar von Utrecht; dann begab er sich 987 an den
kaiserlichen Hof, und hier vertraute ihm Theophano die Erziehung des
königlichen Kindes Otto III.
Am 7. Dec. 992 starb in Como der Bischof Gerdag von Hildesheim,
und Bernward wurde zu seinem Nachfolger erwählt. Dreißig Jahre lang hat
er dieses Amt verwaltet, und nicht leicht hat ein Bischof ein besseres
Andenken hinterlassen. Unter den trefflichen Bischöfen, an welchen diese
Zeit so reich ist, war er einer der hervorragendsten. In ihrer Hand waren
zum großen Theil die Reichsgeschäfte; Bernward hatte schon als Hofcaplan
an der Regierung Antheil gehabt, und als Bischof nahmen ihn die
wichtigsten Angelegenheiten vielfach in Anspruch. Dabei aber sorgte er für
seinen Sprengel mit unermüdlicher Sorgfalt. Noch war Sachsen nicht
gesichert gegen die Einfälle der Wenden und der Normannen, welche grade
damals mit verstärkter Wuth sich erneuten, und erst Bernward verschaffte
seinem Gebiete durch Befestigungen und zweckmäßige Einrichtungen
ausreichenden Schutz, sowie er auch durch vielfache kaiserliche
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Begnadigungen die Ausbildung des Stiftes zu einem wirklichen
Fürstenthume begründete. Ueberhaupt ließ er keine Eigenschaft eines
tüchtigen weltlichen Regenten an sich vermissen und war zugleich ernstlich
bemüht, Hildesheim immer mehr zu einer Stätte geistiger Bildung zu
machen. Er bereicherte die Bibliothek des Stiftes mit zahlreichen
Handschriften; leider wurde aber durch einen Brand 1013 der größte Theil
der Bibliothek vernichtet[5]. Talentvolle Knaben ließ er in Wissenschaft und
Kunst unterweisen; die begabtesten führte er mit sich an den königlichen
Hof, um sie von der vielfachen hier gebotenen Gelegenheit zu höherer
Ausbildung Nutzen ziehen zu lassen. Mit herrlichen Kunstwerken hat er
seine Bischofstadt geziert[6] und ein bleibendes Denkmal errichtete er sich
durch die Stiftung des Michaelisklosters, dessen erster Abt Goderamnus,
Probst von St. Pantaleon in Coeln, ein Mann von wissenschaftlicher
Bildung war[7].
Tief betrauert starb Bernward am 20. November 1022, und seinem
alten Lehrer Thangmar, der ihn um einige Jahre überlebte, fiel noch die
Aufgabe zu, ein Bild seines Lebens zu entwerfen. Die Absicht hatte er
schon früher gehabt, und nachdem er mit Mühe Bernwards Einwilligung
dazu erlangt, die Materialien dafür gesammelt, wie Beelte nachweist, auch
die ersten 10 Capitel schon zwischen 1008 und 1013 geschrieben. Damit
verband er nun den Schluß (Cap. 44-56) und schob in die Mitte eine
Zusammenstellung seiner gleichzeitig gemachten Aufzeichnungen über den
Gandersheimer Streit, weniger deshalb, weil sie für die Biographie nöthig
waren, als zum Rüstzeug für den Nachfolger. Einen großen Theil dessen,
was er berichtet, hatte er selbst mit durchlebt und an allen Geschäften
thätigen Antheil genommen; Bernward aber war, wie Thangmar selbst sagt,
von solchem Vertrauen zu ihm erfüllt, wie ein Kind zu seinem Vater, und
aus seinem ganzen Leben konnte auch nicht der geringste Umstand ihm
verborgen bleiben.
So entstand denn das L eben Ber nwar d s[8], eines der schönsten
biographischen Denkmale des Mittelalters, welche wir besitzen, und eine
Fürstenthume begründete. Ueberhaupt ließ er keine Eigenschaft eines
tüchtigen weltlichen Regenten an sich vermissen und war zugleich ernstlich
bemüht, Hildesheim immer mehr zu einer Stätte geistiger Bildung zu
machen. Er bereicherte die Bibliothek des Stiftes mit zahlreichen
Handschriften; leider wurde aber durch einen Brand 1013 der größte Theil
der Bibliothek vernichtet[5]. Talentvolle Knaben ließ er in Wissenschaft und
Kunst unterweisen; die begabtesten führte er mit sich an den königlichen
Hof, um sie von der vielfachen hier gebotenen Gelegenheit zu höherer
Ausbildung Nutzen ziehen zu lassen. Mit herrlichen Kunstwerken hat er
seine Bischofstadt geziert[6] und ein bleibendes Denkmal errichtete er sich
durch die Stiftung des Michaelisklosters, dessen erster Abt Goderamnus,
Probst von St. Pantaleon in Coeln, ein Mann von wissenschaftlicher
Bildung war[7].
Tief betrauert starb Bernward am 20. November 1022, und seinem
alten Lehrer Thangmar, der ihn um einige Jahre überlebte, fiel noch die
Aufgabe zu, ein Bild seines Lebens zu entwerfen. Die Absicht hatte er
schon früher gehabt, und nachdem er mit Mühe Bernwards Einwilligung
dazu erlangt, die Materialien dafür gesammelt, wie Beelte nachweist, auch
die ersten 10 Capitel schon zwischen 1008 und 1013 geschrieben. Damit
verband er nun den Schluß (Cap. 44-56) und schob in die Mitte eine
Zusammenstellung seiner gleichzeitig gemachten Aufzeichnungen über den
Gandersheimer Streit, weniger deshalb, weil sie für die Biographie nöthig
waren, als zum Rüstzeug für den Nachfolger. Einen großen Theil dessen,
was er berichtet, hatte er selbst mit durchlebt und an allen Geschäften
thätigen Antheil genommen; Bernward aber war, wie Thangmar selbst sagt,
von solchem Vertrauen zu ihm erfüllt, wie ein Kind zu seinem Vater, und
aus seinem ganzen Leben konnte auch nicht der geringste Umstand ihm
verborgen bleiben.
So entstand denn das L eben Ber nwar d s[8], eines der schönsten
biographischen Denkmale des Mittelalters, welche wir besitzen, und eine
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der wichtigsten Quellen für einen bedeutenden Zeitraum. Die reichste Fülle
des Stoffes tritt hier an die Stelle jener immer wiederkehrenden Phrasen,
welche sonst so häufig die Armuth des Schreibenden verdecken; die
Sprache ist schlicht und einfach, und während die wärmste Liebe zu dem
Verstorbenen das ganze Werk erfüllt, trägt es doch den Stempel der
Wahrhaftigkeit. Bernward bedurfte zu seinem Lobe keiner
Uebertreibungen. Nur in Bezug auf Heinrichs II Wahl, der Bernward
entgegen war, ist Thangmar nicht aufrichtig, und sein Ansehen bei Otto III
ist, wie es Biographen zu gehen pflegt, überschätzt. Einen großen Raum
nimmt hier, wie im Leben Godehards, der Streit der Hildesheimer mit den
Mainzer Erzbischöfen wegen des Diöcesanrechtes über Gandersheim in
Anspruch. Leider fehlt es uns darüber ganz an einer Darstellung von der
anderen Seite, aber eine gewisse Einseitigkeit und nicht gar zu offenherzige
Wahrhaftigkeit werden wir dem Hildesheimer zu gute halten müssen.
Vieles was im Leben Bernwards steht, findet sich übereinstimmend,
aber kürzer, auch in den Hi ldesh eim er Ann al en[9], einer sehr
schätzbaren Geschichtsquelle, welche wir vermuthlich der Anregung
Bernwards verdanken. Wenigstens sind sie in der noch erhaltenen Urschrift
bis zum Jahre 994, wo sie mit einem unvollendeten Satze schließt, von
einer Hand geschrieben und also wohl bald, nachdem Bernward Bischof
geworden war, zuerst verfaßt. Die Beschaffenheit dieses ersten Theiles ist
ganz dieselbe, welche wir schon bei den Quedlinburger Annalen sahen und
überall wiederfinden; der Verfasser hielt eine bis auf Adam zurückreichende
annalistische Grundlage für nothwendig, ohne jedoch darauf irgend welche
Sorgfalt zu verwenden; er ließ nur auf Rufi Festi breviarium einen Auszug
aus der Chronik des Isidor[10] folgen, schon hier mit Benutzung der
Hersfelder Annalen; sodann einen Pabstcatalog. Darauf schrieb er die
kleinen Lorscher Annalen ab und excerpirte von da an, wo diese aufhören,
die Hersfelder Annalen, nicht ohne eigene Zusätze. Daran schließt sich
dann die Fortsetzung, welche den Werken dieser Art allein einen Werth
verleiht, abgesehen von den einzelnen Notizen, welche durch den Mangel
besserer Quellen zufällig Bedeutung erlangen. Die Nachrichten sind gut
des Stoffes tritt hier an die Stelle jener immer wiederkehrenden Phrasen,
welche sonst so häufig die Armuth des Schreibenden verdecken; die
Sprache ist schlicht und einfach, und während die wärmste Liebe zu dem
Verstorbenen das ganze Werk erfüllt, trägt es doch den Stempel der
Wahrhaftigkeit. Bernward bedurfte zu seinem Lobe keiner
Uebertreibungen. Nur in Bezug auf Heinrichs II Wahl, der Bernward
entgegen war, ist Thangmar nicht aufrichtig, und sein Ansehen bei Otto III
ist, wie es Biographen zu gehen pflegt, überschätzt. Einen großen Raum
nimmt hier, wie im Leben Godehards, der Streit der Hildesheimer mit den
Mainzer Erzbischöfen wegen des Diöcesanrechtes über Gandersheim in
Anspruch. Leider fehlt es uns darüber ganz an einer Darstellung von der
anderen Seite, aber eine gewisse Einseitigkeit und nicht gar zu offenherzige
Wahrhaftigkeit werden wir dem Hildesheimer zu gute halten müssen.
Vieles was im Leben Bernwards steht, findet sich übereinstimmend,
aber kürzer, auch in den Hi ldesh eim er Ann al en[9], einer sehr
schätzbaren Geschichtsquelle, welche wir vermuthlich der Anregung
Bernwards verdanken. Wenigstens sind sie in der noch erhaltenen Urschrift
bis zum Jahre 994, wo sie mit einem unvollendeten Satze schließt, von
einer Hand geschrieben und also wohl bald, nachdem Bernward Bischof
geworden war, zuerst verfaßt. Die Beschaffenheit dieses ersten Theiles ist
ganz dieselbe, welche wir schon bei den Quedlinburger Annalen sahen und
überall wiederfinden; der Verfasser hielt eine bis auf Adam zurückreichende
annalistische Grundlage für nothwendig, ohne jedoch darauf irgend welche
Sorgfalt zu verwenden; er ließ nur auf Rufi Festi breviarium einen Auszug
aus der Chronik des Isidor[10] folgen, schon hier mit Benutzung der
Hersfelder Annalen; sodann einen Pabstcatalog. Darauf schrieb er die
kleinen Lorscher Annalen ab und excerpirte von da an, wo diese aufhören,
die Hersfelder Annalen, nicht ohne eigene Zusätze. Daran schließt sich
dann die Fortsetzung, welche den Werken dieser Art allein einen Werth
verleiht, abgesehen von den einzelnen Notizen, welche durch den Mangel
besserer Quellen zufällig Bedeutung erlangen. Die Nachrichten sind gut
Page 450
und zuverlässig, bei weitem nicht so ausführlich wie die Quedlinburger,
aber übrigens ähnlicher Art. Die Verfasser haben die großen Begebenheiten
der Zeit im Auge und berichten darüber, was sie erfahren; dazu setzen sie
alles, was ihnen merkwürdig vorkommt, großes und kleines; von einer
eigentlichen Verarbeitung, einer gleichmäßig fortgeführten geschichtlichen
Erzählung ist nicht die Rede.
Nur bis zum Jahre 1040 stammen diese Annalen aus Hildesheim und
zwar aus dem von Bernward gestifteten Michaeliskloster; der Rest bis 1137
ist den Sanct Albaner und Paderborner Annalen entnommen. Von jenem
Theile aber von 995 bis 1040 nahm Pertz an, daß er in dieser Handschrift
(Paris 6114) von verschiedenen Händen den Ereignissen gleichzeitig
eingetragen sei. Nachdem jedoch mehrere Bedenken diese Annahme als
unwahrscheinlich erscheinen ließen, hat nun eine erneute Prüfung der
Handschrift ergeben, daß Pertz sich geirrt hat, und daß vielmehr das Stück
von 1000 bis 1040 von einem Copisten eingetragen ist[11]. Deshalb steht
nun kein Bedenken mehr der Thatsache entgegen, auf welche mit
zunehmender Sicherheit die scharfsinnigen Untersuchungen von H.
Pabst[12], E. Steindorff[12], W. v. Giesebrecht und H. Breßlau führten, daß es
nämlich größere vollständigere Hildesheimer Jahrbücher gegeben hat, von
welchen uns nur ein Auszug erhalten ist. Wir werden darauf später
zurückkommen; rückwärts hat sie Breßlau bis 1023 verfolgt, H. Lorenz
aber und besonders Fr. Kurze, gestützt vorzüglich auf die Annales
Altahenses, auch schon für die frühere Zeit. Es sind danach also die
Hersfelder Annalen bis 984 in Hildesheim mit Zusätzen[13] und einer
Fortsetzung bis 994 versehen, und dieses Werk ist in einen Auszug
gebracht, zu welchem später ein weiterer Auszug aus denselben, inzwischen
fortgesetzten größeren Jahrbüchern hinzugefügt ist. Zweifelhaften
Ursprunges bleiben nur die Jahre 995 bis 997, welche nach Waitz von einer
zweiten Hand geschrieben sind, während eine dritte zu 998 eine kurze
Eintragung machte, Notizen zu 996 und 999 etwas später geschrieben sind.
aber übrigens ähnlicher Art. Die Verfasser haben die großen Begebenheiten
der Zeit im Auge und berichten darüber, was sie erfahren; dazu setzen sie
alles, was ihnen merkwürdig vorkommt, großes und kleines; von einer
eigentlichen Verarbeitung, einer gleichmäßig fortgeführten geschichtlichen
Erzählung ist nicht die Rede.
Nur bis zum Jahre 1040 stammen diese Annalen aus Hildesheim und
zwar aus dem von Bernward gestifteten Michaeliskloster; der Rest bis 1137
ist den Sanct Albaner und Paderborner Annalen entnommen. Von jenem
Theile aber von 995 bis 1040 nahm Pertz an, daß er in dieser Handschrift
(Paris 6114) von verschiedenen Händen den Ereignissen gleichzeitig
eingetragen sei. Nachdem jedoch mehrere Bedenken diese Annahme als
unwahrscheinlich erscheinen ließen, hat nun eine erneute Prüfung der
Handschrift ergeben, daß Pertz sich geirrt hat, und daß vielmehr das Stück
von 1000 bis 1040 von einem Copisten eingetragen ist[11]. Deshalb steht
nun kein Bedenken mehr der Thatsache entgegen, auf welche mit
zunehmender Sicherheit die scharfsinnigen Untersuchungen von H.
Pabst[12], E. Steindorff[12], W. v. Giesebrecht und H. Breßlau führten, daß es
nämlich größere vollständigere Hildesheimer Jahrbücher gegeben hat, von
welchen uns nur ein Auszug erhalten ist. Wir werden darauf später
zurückkommen; rückwärts hat sie Breßlau bis 1023 verfolgt, H. Lorenz
aber und besonders Fr. Kurze, gestützt vorzüglich auf die Annales
Altahenses, auch schon für die frühere Zeit. Es sind danach also die
Hersfelder Annalen bis 984 in Hildesheim mit Zusätzen[13] und einer
Fortsetzung bis 994 versehen, und dieses Werk ist in einen Auszug
gebracht, zu welchem später ein weiterer Auszug aus denselben, inzwischen
fortgesetzten größeren Jahrbüchern hinzugefügt ist. Zweifelhaften
Ursprunges bleiben nur die Jahre 995 bis 997, welche nach Waitz von einer
zweiten Hand geschrieben sind, während eine dritte zu 998 eine kurze
Eintragung machte, Notizen zu 996 und 999 etwas später geschrieben sind.
Page 451
Hildesheim wurde das Glück zu Theil, daß auf Bernward der nicht
minder ausgezeichnete Bischof Godehard folgte, und es behauptete auch in
der folgenden Periode eine hervorragende Stellung.
[1] Für Bischof Reginbert (834-835 (?) Feb. 12) wurde eine canonistische Hs.
geschrieben, welche später Bischof Biso von Paderborn an B. Sigismund von
Halberstadt schenkte. W. Arndt, Schrifttafeln, t. 41. 42.
[2] Translatio S. Epiphanii ed. Pertz, MG. SS. IV, 248-251; vgl. Dümmler, Otto I, S.
343, wo er sich mit Leibniz und Brower gegen Pertz, der 964 vorzog, für 962 erklärt.
[3] „Librorum nihilominus tam divinae lectionis quam philosophicae fictionis tantam
convexit copiam, ut qui illorum penuria inerti ante torpebant otio, frequenti nunc
studii caleant negotio.“ Transl. c. 2.
[4] Vgl. darüber Forsch. XVI, 184.
[5] Im Anschluß an Berthier „La Porte de Sainte-Sabine de Rome“ (Frib. Helv. Ind.
lectt. 1892) sucht A. Bertram nachzuweisen, daß der Aufenthalt in Rom 1001 bei
dem Kaiser auf dem Aventin ihn zu der Schöpfung der Bronzethüren des Hild. Doms
angeregt habe. Die Thüren von St. Sabina in Rom das Vorbild der Bernward-Thüren.
Hild. 1892.
[6] Ihm gehörte die alte Vitruvhandschrift, jetzt im Brit. Mus. Harl. 2767, s. Catal. of
ancient Manuscripts (1884) S. 72 und das Facs. pl. 55. Auch Thangmar hinterließ
dem Michaelskloster 55 Bücher.
[7] Thangmari Vita Bernwardi ed. Pertz, MG. SS. IV, 754-782: Miracula p. 782-786.
Acta SS. Oct, XI, 996-1024 von Jos. van Hecke, ohne neue Hülfsmittel, mit
ausführlichem Commentarius praevius. Uebersetzt von Hüffer 1858. Einhards V.
Caroli benutzt nach Manitius, NA. XIII, 208. Vgl. W. Giesebrecht, Geschichte der
Kaiserzeit I, 786. Der heilige Bernward, von H. A. Lüntzel, Hild. 1856. Ch. Beelte,
Thangmar, sein Leben und Beurtheilung seiner Vita Bernwardi. Progr. d. Gymn.
Joseph. in Hild. 1881. Ueber die Handschriften im Domschatz Krâtz, Der Dom zu
Hildesheim, 1810; vgl. oben → S. 318. Ueber eine in V. Bernw. u. Godeh. benutzte
Urk. Heinrichs II Bayer, Forsch. XVI, 178-193. Ueber B.'s kunsthistor. Bedeutung
Alwin Schultz in dem Werk von R. Dohme: Kunst u. Künstler des Mittelalters, I,
1877. St. Beissel, Die Kunstthätigkeit des h. B. (Stimmen aus Maria-Laach XXVIII,
1885) S. 131 ff. Ders. Die Bilder der Hs. des K. Otto in Aachen (1886) S. 35-39, über
das von B. für St. Michael gestiftete Evangeliar Janitschek, Gesch. d. D. Kunst S. 83,
84.
[8] Annales Hildesheimenses ed. Pertz, MG. SS. III, 22-116. Uebersetzt von Ed.
Winkelmann 1862. Vgl. Waitz im Archiv VI, 663 ff. L. Giesebrecht, Wendische
Geschichten. III, 299. 307. W. Giesebrecht, Geschichte der Kaiserzeit, I, 784. II, 557.
566. Neue Ausgabe von G. Waitz, 1878.
[9] Ueber die hier benutzte, von anderen abweichende Form s. Waitz NA. IV, 163.
[10] S. H. Breßlau im NA. II, 563-566, und die neue Ausgabe von Waitz.
[11] De Ariberto (1864) p. 10-16.
[12] Jahrbücher unter Heinrich III, I, 421 ff.
minder ausgezeichnete Bischof Godehard folgte, und es behauptete auch in
der folgenden Periode eine hervorragende Stellung.
[1] Für Bischof Reginbert (834-835 (?) Feb. 12) wurde eine canonistische Hs.
geschrieben, welche später Bischof Biso von Paderborn an B. Sigismund von
Halberstadt schenkte. W. Arndt, Schrifttafeln, t. 41. 42.
[2] Translatio S. Epiphanii ed. Pertz, MG. SS. IV, 248-251; vgl. Dümmler, Otto I, S.
343, wo er sich mit Leibniz und Brower gegen Pertz, der 964 vorzog, für 962 erklärt.
[3] „Librorum nihilominus tam divinae lectionis quam philosophicae fictionis tantam
convexit copiam, ut qui illorum penuria inerti ante torpebant otio, frequenti nunc
studii caleant negotio.“ Transl. c. 2.
[4] Vgl. darüber Forsch. XVI, 184.
[5] Im Anschluß an Berthier „La Porte de Sainte-Sabine de Rome“ (Frib. Helv. Ind.
lectt. 1892) sucht A. Bertram nachzuweisen, daß der Aufenthalt in Rom 1001 bei
dem Kaiser auf dem Aventin ihn zu der Schöpfung der Bronzethüren des Hild. Doms
angeregt habe. Die Thüren von St. Sabina in Rom das Vorbild der Bernward-Thüren.
Hild. 1892.
[6] Ihm gehörte die alte Vitruvhandschrift, jetzt im Brit. Mus. Harl. 2767, s. Catal. of
ancient Manuscripts (1884) S. 72 und das Facs. pl. 55. Auch Thangmar hinterließ
dem Michaelskloster 55 Bücher.
[7] Thangmari Vita Bernwardi ed. Pertz, MG. SS. IV, 754-782: Miracula p. 782-786.
Acta SS. Oct, XI, 996-1024 von Jos. van Hecke, ohne neue Hülfsmittel, mit
ausführlichem Commentarius praevius. Uebersetzt von Hüffer 1858. Einhards V.
Caroli benutzt nach Manitius, NA. XIII, 208. Vgl. W. Giesebrecht, Geschichte der
Kaiserzeit I, 786. Der heilige Bernward, von H. A. Lüntzel, Hild. 1856. Ch. Beelte,
Thangmar, sein Leben und Beurtheilung seiner Vita Bernwardi. Progr. d. Gymn.
Joseph. in Hild. 1881. Ueber die Handschriften im Domschatz Krâtz, Der Dom zu
Hildesheim, 1810; vgl. oben → S. 318. Ueber eine in V. Bernw. u. Godeh. benutzte
Urk. Heinrichs II Bayer, Forsch. XVI, 178-193. Ueber B.'s kunsthistor. Bedeutung
Alwin Schultz in dem Werk von R. Dohme: Kunst u. Künstler des Mittelalters, I,
1877. St. Beissel, Die Kunstthätigkeit des h. B. (Stimmen aus Maria-Laach XXVIII,
1885) S. 131 ff. Ders. Die Bilder der Hs. des K. Otto in Aachen (1886) S. 35-39, über
das von B. für St. Michael gestiftete Evangeliar Janitschek, Gesch. d. D. Kunst S. 83,
84.
[8] Annales Hildesheimenses ed. Pertz, MG. SS. III, 22-116. Uebersetzt von Ed.
Winkelmann 1862. Vgl. Waitz im Archiv VI, 663 ff. L. Giesebrecht, Wendische
Geschichten. III, 299. 307. W. Giesebrecht, Geschichte der Kaiserzeit, I, 784. II, 557.
566. Neue Ausgabe von G. Waitz, 1878.
[9] Ueber die hier benutzte, von anderen abweichende Form s. Waitz NA. IV, 163.
[10] S. H. Breßlau im NA. II, 563-566, und die neue Ausgabe von Waitz.
[11] De Ariberto (1864) p. 10-16.
[12] Jahrbücher unter Heinrich III, I, 421 ff.
Page 452
[13] Merkwürdig ist besonders die Stelle über Bennopolls NA. XIII, 623 (Arch. VIII,
606), verglichen mit dem kurzen Auszug der Ann. Hild. (minores) ad a. Tiberii 6. Ich
hatte schon früher auf die offenbar aus solchen Ann. Hild. maj. stammende Nachricht
der Ann. Quedl. 992 hingewiesen.
606), verglichen mit dem kurzen Auszug der Ann. Hild. (minores) ad a. Tiberii 6. Ich
hatte schon früher auf die offenbar aus solchen Ann. Hild. maj. stammende Nachricht
der Ann. Quedl. 992 hingewiesen.
Page 453
§ 5. Magdeburg. Merseburg. [ ← ]
An der Ostgrenze Sachsens hatte Otto, auch hierin Karls Beispiel
folgend, Magdeburg ausersehen zum geistigen Mittelpunkte für die
wendischen Länder. In das Moritzkloster, welches die Grundlage dazu
bildete, berief er 937 Mönche aus St. Maximin bei Trier, einem Kloster, das
freilich auch verweltlicht und verwildert, aber schon 934 zur klösterlichen
Ordnung zurückgeführt war. Auch der erste Erzbischof Ad al ber t (968-
981) war ein Mönch von St. Maximin und Abt von Weißenburg; in beiden
Klöstern zeigt sich Sinn für Geschichtschreibung, und von Adalbert, unter
dem die Magdeburger Schule einen hohen Aufschwung nahm, vielleicht
selbst Verfasser eines ausgezeichneten Geschichtswerkes, möchte man
annehmen, er werde auch dafür gesorgt haben, daß die merkwürdigen
Ereignisse, deren Mittelpunkt Magdeburg war, nicht in Vergessenheit
geriethen, doch ist davon keine Spur vorhanden. Oht r i ch oder Otrich, der
Vorsteher der Domschule[1], galt bei seinen Verehrern für den größten
Gelehrten seiner Zeit; er wetteiferte mit Gerbert und disputirte mit ihm
(980) vor dem Kaiser Otto II. Denn in Magdeburg hatte er sich mit dem
Erzbischof nicht vertragen können; sein Ehrgeiz, wie es scheint, trieb ihn an
des Kaisers Hof, wo außer dem Ruhme der Gelehrsamkeit auch Bisthümer
zu erhaschen waren: nach Adalberts Tod traf ihn auch wirklich die Wahl,
aber Gisiler von Merseburg wußte ihn zu verdrängen, und kurz darauf starb
er in Benevent am 7. October 981. In Magdeburg hatten bei seinem Abgang
die vielen durch ihn dahin gezogenen Fremden die Stadt verlassen, doch
scheint die Schule unter Ekkehard dem Rothen[2] und Geddo immer eine
achtungswerthe Wirksamkeit geübt zu haben.
Nicht ohne Wahrscheinlichkeit ist vermuthet worden, daß bald nach
dem Tode Gisilers (1004), dessen Ehrgeiz die kirchlichen Schöpfungen
Otto's in betrübender Weise zerrüttet hatte[3], in Magdeburg ein
Geschichtswerk entstanden sei, welches nach Urkunden und eigener
Kenntniß gearbeitet, über die Stiftung und die nächstfolgenden Schicksale
An der Ostgrenze Sachsens hatte Otto, auch hierin Karls Beispiel
folgend, Magdeburg ausersehen zum geistigen Mittelpunkte für die
wendischen Länder. In das Moritzkloster, welches die Grundlage dazu
bildete, berief er 937 Mönche aus St. Maximin bei Trier, einem Kloster, das
freilich auch verweltlicht und verwildert, aber schon 934 zur klösterlichen
Ordnung zurückgeführt war. Auch der erste Erzbischof Ad al ber t (968-
981) war ein Mönch von St. Maximin und Abt von Weißenburg; in beiden
Klöstern zeigt sich Sinn für Geschichtschreibung, und von Adalbert, unter
dem die Magdeburger Schule einen hohen Aufschwung nahm, vielleicht
selbst Verfasser eines ausgezeichneten Geschichtswerkes, möchte man
annehmen, er werde auch dafür gesorgt haben, daß die merkwürdigen
Ereignisse, deren Mittelpunkt Magdeburg war, nicht in Vergessenheit
geriethen, doch ist davon keine Spur vorhanden. Oht r i ch oder Otrich, der
Vorsteher der Domschule[1], galt bei seinen Verehrern für den größten
Gelehrten seiner Zeit; er wetteiferte mit Gerbert und disputirte mit ihm
(980) vor dem Kaiser Otto II. Denn in Magdeburg hatte er sich mit dem
Erzbischof nicht vertragen können; sein Ehrgeiz, wie es scheint, trieb ihn an
des Kaisers Hof, wo außer dem Ruhme der Gelehrsamkeit auch Bisthümer
zu erhaschen waren: nach Adalberts Tod traf ihn auch wirklich die Wahl,
aber Gisiler von Merseburg wußte ihn zu verdrängen, und kurz darauf starb
er in Benevent am 7. October 981. In Magdeburg hatten bei seinem Abgang
die vielen durch ihn dahin gezogenen Fremden die Stadt verlassen, doch
scheint die Schule unter Ekkehard dem Rothen[2] und Geddo immer eine
achtungswerthe Wirksamkeit geübt zu haben.
Nicht ohne Wahrscheinlichkeit ist vermuthet worden, daß bald nach
dem Tode Gisilers (1004), dessen Ehrgeiz die kirchlichen Schöpfungen
Otto's in betrübender Weise zerrüttet hatte[3], in Magdeburg ein
Geschichtswerk entstanden sei, welches nach Urkunden und eigener
Kenntniß gearbeitet, über die Stiftung und die nächstfolgenden Schicksale
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des Stiftes Auskunft gab; daß dieses schon Thietmar vorgelegen habe, und
im Chronographus und Annalista Saxo so wie im Magdeburger Chronicon
theilweise zu erkennen sei[4]. Darauf hat jedoch F. van Hout behauptet und
sehr wahrscheinlich gemacht, daß der erste, bis zu Gero's Tod 1023
reichende Theil des Chronicon Magdeburgense unter dessen Nachfolger
Hunfrid im Zusammenhang und mit Benutzung der Chronik Thietmars
verfaßt sei, wie wir denn auch diesen Theil allein beim Chronographus
Saxo wiederfinden[5]. Wird nun dadurch die Voraussetzung einer älteren
Gründungsgeschichte nicht berührt, und bleibt es zweifelhaft, wie weit der
Text der Chronik unverändert geblieben sei, so verlieren doch andererseits
auch W. Giesebrechts Beweise dadurch theilweise ihre Kraft. Wir werden
zu der vorsichtigen Aeußerung Lappenbergs zurückgeführt, daß über die
Thietmar vorliegenden Magdeburger Aufzeichnungen ein sicheres Urtheil
sich nicht gewinnen lasse, weil in den uns vorliegenden Quellen überall
schon Thietmars Chronik wieder benutzt sei. Auf die Existenz einer
metrischen Fundatio möchte ich jedoch nicht mit C. Günther, der auch
selbst diese Vermuthung wieder aufgegeben hat, aus den eingemischten
Hexametern schließen, da dergleichen im elften Jahrhundert so sehr häufig
ist. Sie reichen nur bis zu Gisilers Tod, und lassen sich daher als Argument
für frühere Abfassung verwerthen[6].
Mit großer Bestimmtheit hat nun Fr. Kurze[7] wiederum die Abfassung
der ältesten Bisthumschronik bis 1004 behauptet, und zwar von dem
Erzbischof Tagi n o selbst, gestützt auf die Worte bei Thietmar V, 44 (26),
daß dieser vom Pabst persönlich hätte geweiht werden sollen „ut scriptura
ejus testatur“. Es ist schwer zu glauben, daß Thietmar, wenn ihm wirklich
eine von Tagino verfaßte Geschichte als wichtige und vielbenutzte Quelle
vorlag, das nicht irgendwo erwähnt haben sollte, und jene „scriptura“
möchte man lieber auf ein Privileg oder auch auf einen Brief deuten, da
eben nur bei diesem einzigen Umstand eine solche Berufung vorkommt.
Was aber die andere Stelle des Chronogr. Saxo zu 981 betrifft, daß er sich
scheue, bei ausführlicherem Eingehen auf Gisilers Handlungen den
Unwillen derer zu erregen, welche wegen durch ihn erhaltener Lehen[8] ihm
im Chronographus und Annalista Saxo so wie im Magdeburger Chronicon
theilweise zu erkennen sei[4]. Darauf hat jedoch F. van Hout behauptet und
sehr wahrscheinlich gemacht, daß der erste, bis zu Gero's Tod 1023
reichende Theil des Chronicon Magdeburgense unter dessen Nachfolger
Hunfrid im Zusammenhang und mit Benutzung der Chronik Thietmars
verfaßt sei, wie wir denn auch diesen Theil allein beim Chronographus
Saxo wiederfinden[5]. Wird nun dadurch die Voraussetzung einer älteren
Gründungsgeschichte nicht berührt, und bleibt es zweifelhaft, wie weit der
Text der Chronik unverändert geblieben sei, so verlieren doch andererseits
auch W. Giesebrechts Beweise dadurch theilweise ihre Kraft. Wir werden
zu der vorsichtigen Aeußerung Lappenbergs zurückgeführt, daß über die
Thietmar vorliegenden Magdeburger Aufzeichnungen ein sicheres Urtheil
sich nicht gewinnen lasse, weil in den uns vorliegenden Quellen überall
schon Thietmars Chronik wieder benutzt sei. Auf die Existenz einer
metrischen Fundatio möchte ich jedoch nicht mit C. Günther, der auch
selbst diese Vermuthung wieder aufgegeben hat, aus den eingemischten
Hexametern schließen, da dergleichen im elften Jahrhundert so sehr häufig
ist. Sie reichen nur bis zu Gisilers Tod, und lassen sich daher als Argument
für frühere Abfassung verwerthen[6].
Mit großer Bestimmtheit hat nun Fr. Kurze[7] wiederum die Abfassung
der ältesten Bisthumschronik bis 1004 behauptet, und zwar von dem
Erzbischof Tagi n o selbst, gestützt auf die Worte bei Thietmar V, 44 (26),
daß dieser vom Pabst persönlich hätte geweiht werden sollen „ut scriptura
ejus testatur“. Es ist schwer zu glauben, daß Thietmar, wenn ihm wirklich
eine von Tagino verfaßte Geschichte als wichtige und vielbenutzte Quelle
vorlag, das nicht irgendwo erwähnt haben sollte, und jene „scriptura“
möchte man lieber auf ein Privileg oder auch auf einen Brief deuten, da
eben nur bei diesem einzigen Umstand eine solche Berufung vorkommt.
Was aber die andere Stelle des Chronogr. Saxo zu 981 betrifft, daß er sich
scheue, bei ausführlicherem Eingehen auf Gisilers Handlungen den
Unwillen derer zu erregen, welche wegen durch ihn erhaltener Lehen[8] ihm
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günstig gesinnt wären, so paßt das allerdings nicht zu der Zeit des
Compilators, wäre aber immerhin nach zwanzig bis dreißig Jahren noch
denkbar, und vielleicht damals die Gefahr größer als unmittelbar nach der
Einsetzung des vom König beschützten neuen Erzbischofs. Die
Ueberarbeitung und Fortsetzung bis 1023 in blüthenreicher, oft gereimter
Schreibweise und mit eingemischten Versen lag dem Nienburger Annalisten
vor, und Kurze vermuthet deshalb als Verfasser oder doch Veranlasser
B r un, den jüngsten Bruder des Geschichtschreibers Thietmar, Abt der
Klöster in Magdeburg und Nienburg von 1025 bis 1034. Den Beschluß der
Abhandlung macht ein Versuch der Wiederherstellung dieser Geschichte
und der darin enthaltenen ursprünglichen, dem Tagino zugeschriebenen.
Einer von Otrichs Schülern war A dalb er t, der schwärmerisch
fromme Freund Otto's III, der vergeblich als Bischof von Prag seine
Landsleute, die Böhmen, zu lenken versuchte und zuletzt 997 in Preußen
den ersehnten Tod als Märtyrer fand. Sein Leib wurde durch Herzog
Boleslaw nach Gnesen gebracht, wo man nicht säumte das wunderbare
Ereigniß aufzuzeichnen; ganz kurz wird hier der frühere Lebenslauf des
Märtyrers berichtet, dann etwas ausführlicher die Umstände seines Todes
und die Erwerbung der Reliquien mit den beginnenden Wundern. Kein Wort
von des Kaisers Pilgerfahrt nach Gnesen, der Stiftung des Erzbisthums, so
daß die Abfassung dieser Legende wohl noch vor das Jahr 1000 zu setzen
ist. Schmucklos geschrieben und ungenügend für die Verehrer des Heiligen,
welche mehr von seiner Person erfahren wollten, verfiel sie bald der
Vergessenheit, nachdem in Italien die ausführliche Biographie geschrieben
war, deren wir später noch zu gedenken haben werden. Den Verfasser hält
Giesebrecht für einen slavischen Mönch des Klosters Meseritz, ich möchte
Gnesen vorziehen; Zeißberg ist geneigt mit W. v. Kentrzynski und
Lohmeyer anzunehmen, daß nur der Auszug eines deutschen Geistlichen
aus der größeren Arbeit eines Polen vorliege, welche auch der sog. Martinus
Gallus benutzt haben könnte. Die Handschrift, welche nach Giesebrechts
Vermuthung 1005 durch Heinrich II aus Meseritz nach Tegernsee
gekommen sein könnte, ist in München zuerst 1857 von Bielowski, dann
Compilators, wäre aber immerhin nach zwanzig bis dreißig Jahren noch
denkbar, und vielleicht damals die Gefahr größer als unmittelbar nach der
Einsetzung des vom König beschützten neuen Erzbischofs. Die
Ueberarbeitung und Fortsetzung bis 1023 in blüthenreicher, oft gereimter
Schreibweise und mit eingemischten Versen lag dem Nienburger Annalisten
vor, und Kurze vermuthet deshalb als Verfasser oder doch Veranlasser
B r un, den jüngsten Bruder des Geschichtschreibers Thietmar, Abt der
Klöster in Magdeburg und Nienburg von 1025 bis 1034. Den Beschluß der
Abhandlung macht ein Versuch der Wiederherstellung dieser Geschichte
und der darin enthaltenen ursprünglichen, dem Tagino zugeschriebenen.
Einer von Otrichs Schülern war A dalb er t, der schwärmerisch
fromme Freund Otto's III, der vergeblich als Bischof von Prag seine
Landsleute, die Böhmen, zu lenken versuchte und zuletzt 997 in Preußen
den ersehnten Tod als Märtyrer fand. Sein Leib wurde durch Herzog
Boleslaw nach Gnesen gebracht, wo man nicht säumte das wunderbare
Ereigniß aufzuzeichnen; ganz kurz wird hier der frühere Lebenslauf des
Märtyrers berichtet, dann etwas ausführlicher die Umstände seines Todes
und die Erwerbung der Reliquien mit den beginnenden Wundern. Kein Wort
von des Kaisers Pilgerfahrt nach Gnesen, der Stiftung des Erzbisthums, so
daß die Abfassung dieser Legende wohl noch vor das Jahr 1000 zu setzen
ist. Schmucklos geschrieben und ungenügend für die Verehrer des Heiligen,
welche mehr von seiner Person erfahren wollten, verfiel sie bald der
Vergessenheit, nachdem in Italien die ausführliche Biographie geschrieben
war, deren wir später noch zu gedenken haben werden. Den Verfasser hält
Giesebrecht für einen slavischen Mönch des Klosters Meseritz, ich möchte
Gnesen vorziehen; Zeißberg ist geneigt mit W. v. Kentrzynski und
Lohmeyer anzunehmen, daß nur der Auszug eines deutschen Geistlichen
aus der größeren Arbeit eines Polen vorliege, welche auch der sog. Martinus
Gallus benutzt haben könnte. Die Handschrift, welche nach Giesebrechts
Vermuthung 1005 durch Heinrich II aus Meseritz nach Tegernsee
gekommen sein könnte, ist in München zuerst 1857 von Bielowski, dann
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unabhängig davon von G. Voigt entdeckt, von W. v. Giesebrecht in ihrem
Werth erkannt und herausgegeben worden[9]. Durch jenes in Rom verfaßte
Leben Adalberts wurde aber auch einer seiner ehemaligen Genossen auf der
Schule zu Magdeburg angeregt, aus eigener Erinnerung und nach den
Mittheilungen von Adalberts Freunden und Gefährten Radla und
Gaudentius die ihm vorliegenden Lebensnachrichten zu ergänzen, und so
eine neue Bearbeitung zu Stande zu bringen, in welcher das Ende des
Märtyrers schon von der einfachen Wahrheit sich weiter zu entfernen
scheint. Der Verfasser derselben war Br u n, aus dem Hause der Edelen von
Querfurt, welcher von derselben weltverachtenden Frömmigkeit und
derselben Sehnsucht nach dem Märtyrertode beseelt war. Er benutzte eine
Aufzeichnung des Prager Domprobstes Willico, welche auch Johannes
Canaparius (unten § 19) vorgelegen hat.
Dieses Leben Adalberts[10] ist in einer widerlich blumenreichen und
salbungsvollen Sprache verfaßt, aber charakteristisch für diese aufs äußerste
getriebene Ascetik und in seinem Inhalte lehrreich; Brun verfaßte es in
Ungern um das Jahr 1004, als er im Begriffe war, dem Beispiele seines
Freundes zu folgen. Zum Erzbischof der Heiden geweiht, ging er zuerst
gegen Ende des Jahres 1007 von Ungern aus durch Rußland zu den
Petschenegen, und nachdem er diese seiner Meinung nach bekehrt hatte, zu
Boleslaw von Polen, von dessen Hofe aus er einen sehr merkwürdigen und
lehrreichen Brief an Kaiser Heinrich II schrieb[11]. Auch verfaßte er im
Jahre 1008 eine ausführliche Schrift über die fünf Einsiedler, welche am 11.
Nov. 1003 in Polen, vermuthlich bei Meseritz, von Räubern erschlagen
waren. Die inhaltreiche Schrift, welche für die Geschichte Otto's III und
seiner schwärmerischen Freunde mancherlei enthält, ist von R. Kade
entdeckt und herausgegeben[12].
Von hier aus begab sich Brun zu den Preußen und drang bis zu deren
östlichen Grenzen vor, wo er den Tod fand, den er suchte, am 14. Februar
1009. Ein kurzer aber lügenhafter Bericht über seine Predigt, seine Wunder
und sein Ende, der nichts als ein Bettelbrief ist, wie dergleichen auch sonst
Werth erkannt und herausgegeben worden[9]. Durch jenes in Rom verfaßte
Leben Adalberts wurde aber auch einer seiner ehemaligen Genossen auf der
Schule zu Magdeburg angeregt, aus eigener Erinnerung und nach den
Mittheilungen von Adalberts Freunden und Gefährten Radla und
Gaudentius die ihm vorliegenden Lebensnachrichten zu ergänzen, und so
eine neue Bearbeitung zu Stande zu bringen, in welcher das Ende des
Märtyrers schon von der einfachen Wahrheit sich weiter zu entfernen
scheint. Der Verfasser derselben war Br u n, aus dem Hause der Edelen von
Querfurt, welcher von derselben weltverachtenden Frömmigkeit und
derselben Sehnsucht nach dem Märtyrertode beseelt war. Er benutzte eine
Aufzeichnung des Prager Domprobstes Willico, welche auch Johannes
Canaparius (unten § 19) vorgelegen hat.
Dieses Leben Adalberts[10] ist in einer widerlich blumenreichen und
salbungsvollen Sprache verfaßt, aber charakteristisch für diese aufs äußerste
getriebene Ascetik und in seinem Inhalte lehrreich; Brun verfaßte es in
Ungern um das Jahr 1004, als er im Begriffe war, dem Beispiele seines
Freundes zu folgen. Zum Erzbischof der Heiden geweiht, ging er zuerst
gegen Ende des Jahres 1007 von Ungern aus durch Rußland zu den
Petschenegen, und nachdem er diese seiner Meinung nach bekehrt hatte, zu
Boleslaw von Polen, von dessen Hofe aus er einen sehr merkwürdigen und
lehrreichen Brief an Kaiser Heinrich II schrieb[11]. Auch verfaßte er im
Jahre 1008 eine ausführliche Schrift über die fünf Einsiedler, welche am 11.
Nov. 1003 in Polen, vermuthlich bei Meseritz, von Räubern erschlagen
waren. Die inhaltreiche Schrift, welche für die Geschichte Otto's III und
seiner schwärmerischen Freunde mancherlei enthält, ist von R. Kade
entdeckt und herausgegeben[12].
Von hier aus begab sich Brun zu den Preußen und drang bis zu deren
östlichen Grenzen vor, wo er den Tod fand, den er suchte, am 14. Februar
1009. Ein kurzer aber lügenhafter Bericht über seine Predigt, seine Wunder
und sein Ende, der nichts als ein Bettelbrief ist, wie dergleichen auch sonst
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vorkommen, angeblich von seinem Begleiter Wipert, hat sich erhalten[13];
eine andere Schrift über ihn, die als wahrhaft gerühmt wird, kennen wir nur
aus der späteren Magdeburger Chronik, wo sie benutzt ist. Vielleicht hat
auch schon Thietmar von Merseburg sie vor sich gehabt[14], der letzte
Schriftsteller Sachsens, den wir in dieser Periode zu betrachten haben, und
der erste, bei dem eine Art gelehrter Forschung vorkommt. Denn bei allen
den Schriftstellern, die uns bis jetzt beschäftigt haben, ist die Aufzeichnung
der Zeitgeschichte die Hauptsache, sie schrieben, was sie erlebt oder gehört
hatten. Die Zusammenstoppelung der älteren Theile der Annalen,
Widukinds Berufung auf Bücher am Anfang seiner Geschichte, lassen sich
als gelehrte Arbeit kaum in Anschlag bringen. Diesen ganz
unvollkommenen Anfängen gegenüber zeigt uns die Chronik Thietmars
schon einen bedeutenden Fortschritt.
T h i et mar v on Merseb u rg.
Ausgabe seiner Chronik von Wagener, 1807, 4. mit guten Anmerkungen. Die einzige kritisch
zuverlässige von Lappenberg MG. SS. III, 723-871 u. mit weit genauerer Benutzung der Hs.
von Fr. Kurze, Hann. 1889, 8. Die Eintheilung in Bücher und Capitel ist hier verändert. —
Uebersetzung von Ursinus, Dresden 1790, mit nützlichen Anmerkungen u. Benutzung des Cod.
Dresdensis; von Laurent, mit Vorwort von Lappenberg, 1848; 2. Ausgabe von Strebitzki 1879;
Berichtigungen 1892, Geschichtschr. XI, 1, Bd. 39. Nachträgliche Bemerkungen über Thietmars
Leben, Archiv IX, 438. Ueber ein Meßbuch und Kalender mit Eintragungen von Thietmars
Hand, Hesse ib. IV, 276, und Ausgabe von Hesse in Höfers Zeitschrift für Archivkunde I, 111;
Dümmler, N. Mitth. XI, 223-264. Ueber sein Epitaph NA. IX, 246. L. Giesebrecht, Wendische
Geschichten III, 305. W. Giesebrecht, Geschichte der Kaiserzeit I, 785. II, 558. Erklärung von
Thietm. Chron. VII, 20 von Waitz, Forsch. XIII, 492-494. Strebitzki: Thietmarus quibus
fontibus usus sit, Königsb. Diss. 1870. Zur Kritik Thietmars, Forsch. XIV, 349-366. Ueber VII,
5-8, Zeißberg in d. Mitth. d. Wiener Inst. III, 109-115. — F. Kurze, Abfassungszeit u.
Entstehungsweise der Chronik Thietmars, NA. XIV, 59-86. Nachlese XVI, 459-472.
Thietmar, ein Sohn des Grafen Sigefrid von Walbeck, am 25. Juli 975
geboren, getauft vom Bischof Hilliward von Halberstadt, stammte aus
einem der vornehmsten Geschlechter Sachsens; er war mit den
bedeutendsten Fürstenhäusern, selbst mit den Ottonen verwandt, und die
wichtigsten Ereignisse im Reiche hatten deshalb eine persönliche
eine andere Schrift über ihn, die als wahrhaft gerühmt wird, kennen wir nur
aus der späteren Magdeburger Chronik, wo sie benutzt ist. Vielleicht hat
auch schon Thietmar von Merseburg sie vor sich gehabt[14], der letzte
Schriftsteller Sachsens, den wir in dieser Periode zu betrachten haben, und
der erste, bei dem eine Art gelehrter Forschung vorkommt. Denn bei allen
den Schriftstellern, die uns bis jetzt beschäftigt haben, ist die Aufzeichnung
der Zeitgeschichte die Hauptsache, sie schrieben, was sie erlebt oder gehört
hatten. Die Zusammenstoppelung der älteren Theile der Annalen,
Widukinds Berufung auf Bücher am Anfang seiner Geschichte, lassen sich
als gelehrte Arbeit kaum in Anschlag bringen. Diesen ganz
unvollkommenen Anfängen gegenüber zeigt uns die Chronik Thietmars
schon einen bedeutenden Fortschritt.
T h i et mar v on Merseb u rg.
Ausgabe seiner Chronik von Wagener, 1807, 4. mit guten Anmerkungen. Die einzige kritisch
zuverlässige von Lappenberg MG. SS. III, 723-871 u. mit weit genauerer Benutzung der Hs.
von Fr. Kurze, Hann. 1889, 8. Die Eintheilung in Bücher und Capitel ist hier verändert. —
Uebersetzung von Ursinus, Dresden 1790, mit nützlichen Anmerkungen u. Benutzung des Cod.
Dresdensis; von Laurent, mit Vorwort von Lappenberg, 1848; 2. Ausgabe von Strebitzki 1879;
Berichtigungen 1892, Geschichtschr. XI, 1, Bd. 39. Nachträgliche Bemerkungen über Thietmars
Leben, Archiv IX, 438. Ueber ein Meßbuch und Kalender mit Eintragungen von Thietmars
Hand, Hesse ib. IV, 276, und Ausgabe von Hesse in Höfers Zeitschrift für Archivkunde I, 111;
Dümmler, N. Mitth. XI, 223-264. Ueber sein Epitaph NA. IX, 246. L. Giesebrecht, Wendische
Geschichten III, 305. W. Giesebrecht, Geschichte der Kaiserzeit I, 785. II, 558. Erklärung von
Thietm. Chron. VII, 20 von Waitz, Forsch. XIII, 492-494. Strebitzki: Thietmarus quibus
fontibus usus sit, Königsb. Diss. 1870. Zur Kritik Thietmars, Forsch. XIV, 349-366. Ueber VII,
5-8, Zeißberg in d. Mitth. d. Wiener Inst. III, 109-115. — F. Kurze, Abfassungszeit u.
Entstehungsweise der Chronik Thietmars, NA. XIV, 59-86. Nachlese XVI, 459-472.
Thietmar, ein Sohn des Grafen Sigefrid von Walbeck, am 25. Juli 975
geboren, getauft vom Bischof Hilliward von Halberstadt, stammte aus
einem der vornehmsten Geschlechter Sachsens; er war mit den
bedeutendsten Fürstenhäusern, selbst mit den Ottonen verwandt, und die
wichtigsten Ereignisse im Reiche hatten deshalb eine persönliche
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Beziehung zu ihm, so daß er frühzeitig von allen Kunde erhielt und mit den
Verhältnissen des Reiches vertraut wurde. Von Emnilde, einer Nichte der
Königin Mahthild, erhielt er als Knabe den ersten Unterricht in dem
kaiserlichen Stifte Quedlinburg; vom zwölften Jahre an vollendete er seine
Schulbildung im Kloster Bergen und in Magdeburg selbst. An Belesenheit
in kirchlichen und profanen Schriftstellern fehlte es ihm nicht, einen guten
lateinischen Stil zu schreiben hat er aber nicht gelernt. Im Jahre 1002 wurde
er Probst des Klosters Walbeck an der Aller[15], einer Stiftung seines
Großvaters, und endlich 1009 Bischof von Merseburg; ein Amt, welches er
löblich, aber nur zehn Jahre lang verwaltete, denn er starb schon am ersten
December 1018 in seinem dreiundvierzigsten Lebensjahre. Vom König
Heinrich II war er schon 1004 in Allstedt bei seiner Priesterweihe
beschenkt, von da an verkehrte er viel am Hofe und empfing auch als
Bischof den König bei sich in Merseburg.
Das Bisthum Merseburg hatte, obschon erst von Otto I gegründet, doch
schon mannichfaltige und merkwürdige Schicksale erlebt; zum Gedächtniß
der Ungernschlacht auf dem Lechfelde dem h. Laurentius zu Ehren
gestiftet[16], wurde es schon durch den zweiten Bischof Gisiler völlig
zerstört, um diesem den Weg zum Erzbisthum Magdeburg zu bahnen, und
ungeachtet vielfacher Anstrengungen konnte die Herstellung doch erst nach
Gisilers Tode (1004) erlangt werden.
Diese Ereignisse, so lange sie noch in frischer Erinnerung hafteten, für
die Nachkommen durch schriftliche Ueberlieferung festzuhalten, war eine
dringende Pflicht, die Thietmar zu erfüllen übernahm. Die Geschichte des
Ottonischen Hauses, die verschiedenen Wechselfälle des stets fortgesetzten
Kampfes mit den Wenden gehörten mit Nothwendigkeit zu einer Geschichte
Merseburgs. Thietmar aber beschränkte sich auch darauf nicht, sondern wie
das im Mittelalter so häufig war, und sich, da so wenig geschrieben wurde
und ein Buch schon ein Schatz war, leicht erklärt: da er überhaupt einmal
ein Buch schrieb, so legte er in diesem auch alles nieder, was ihm
denkwürdig schien, alle seine Erlebnisse, die kleinsten wie die größten, und
Verhältnissen des Reiches vertraut wurde. Von Emnilde, einer Nichte der
Königin Mahthild, erhielt er als Knabe den ersten Unterricht in dem
kaiserlichen Stifte Quedlinburg; vom zwölften Jahre an vollendete er seine
Schulbildung im Kloster Bergen und in Magdeburg selbst. An Belesenheit
in kirchlichen und profanen Schriftstellern fehlte es ihm nicht, einen guten
lateinischen Stil zu schreiben hat er aber nicht gelernt. Im Jahre 1002 wurde
er Probst des Klosters Walbeck an der Aller[15], einer Stiftung seines
Großvaters, und endlich 1009 Bischof von Merseburg; ein Amt, welches er
löblich, aber nur zehn Jahre lang verwaltete, denn er starb schon am ersten
December 1018 in seinem dreiundvierzigsten Lebensjahre. Vom König
Heinrich II war er schon 1004 in Allstedt bei seiner Priesterweihe
beschenkt, von da an verkehrte er viel am Hofe und empfing auch als
Bischof den König bei sich in Merseburg.
Das Bisthum Merseburg hatte, obschon erst von Otto I gegründet, doch
schon mannichfaltige und merkwürdige Schicksale erlebt; zum Gedächtniß
der Ungernschlacht auf dem Lechfelde dem h. Laurentius zu Ehren
gestiftet[16], wurde es schon durch den zweiten Bischof Gisiler völlig
zerstört, um diesem den Weg zum Erzbisthum Magdeburg zu bahnen, und
ungeachtet vielfacher Anstrengungen konnte die Herstellung doch erst nach
Gisilers Tode (1004) erlangt werden.
Diese Ereignisse, so lange sie noch in frischer Erinnerung hafteten, für
die Nachkommen durch schriftliche Ueberlieferung festzuhalten, war eine
dringende Pflicht, die Thietmar zu erfüllen übernahm. Die Geschichte des
Ottonischen Hauses, die verschiedenen Wechselfälle des stets fortgesetzten
Kampfes mit den Wenden gehörten mit Nothwendigkeit zu einer Geschichte
Merseburgs. Thietmar aber beschränkte sich auch darauf nicht, sondern wie
das im Mittelalter so häufig war, und sich, da so wenig geschrieben wurde
und ein Buch schon ein Schatz war, leicht erklärt: da er überhaupt einmal
ein Buch schrieb, so legte er in diesem auch alles nieder, was ihm
denkwürdig schien, alle seine Erlebnisse, die kleinsten wie die größten, und
Page 459
was er zu Hause und am Hofe sah und hörte, oder was er in anderen
Büchern fand. Noch hat sich seine eigene Handschrift, wenn auch nicht
unversehrt, erhalten, und sie zeigt uns am deutlichsten, wie er arbeitete, wie
er immer neue Zusätze und Nachträge machte. Bald trug er am Rande nach,
was ihm später bekannt wurde, bald erzählt er rückblickend, was eigentlich
an eine frühere Stelle gehört. Manchmal ist dadurch der Zusammenhang
gestört, es sind Widersprüche entstanden, und die Form ist überall
mangelhaft: die letzte Hand fehlt, und auch durch wiederholte
Ueberarbeitung hätte der Verfasser aus diesem lose an einander gereihten
Stoffe kein einheitliches Geschichtswerk machen können. Aber die ihm
vorliegenden Nachrichten des Widukind, der Quedlinburger Annalen,
allerlei Notizen aus Necrologien, wahrscheinlich auch eine Magdeburger
Gründungsgeschichte[17] und eine Halberstädter Chronik[18], sind doch
immer mit verständiger Auswahl in einander gearbeitet, und mit seiner aus
mündlicher Ueberlieferung, aus Urkunden und späterhin aus eigener
Erinnerung geschöpften Kenntniß verbunden. Wenn man die rohen
Excerpte der Annalisten von Hildesheim und Quedlinburg dagegen hält, so
kann man einen bedeutenden Fortschritt nicht verkennen, und es hat noch
lange gedauert, bis man im Stande war etwas besseres zu leisten.
Als Geschichtsquelle betrachtet hat aber Thietmars Werk gerade einen
besonderen Werth dadurch, daß das Gefüge seiner Bestandtheile so leicht zu
erkennen ist, wodurch die Kritik wesentlich erleichtert wird; man bedarf der
Vorsicht bei ihm, da er nicht selten aus Flüchtigkeit Versehen begangen hat.
Andererseits kommt es uns nicht minder zu gut, daß er auch geringfügige
Umstände nicht verschmähte und deshalb ein lebendigeres Bild der
damaligen Zustände gewährt, in dem wir dergleichen kleinere Züge nur
ungern vermissen würden.
Wie er nun eigentlich gearbeitet hat, das ist erst durch Fr. Kurze mit
großem Scharfsinn festgestellt worden durch die genaueste Untersuchung
der theils von ihm selbst, theils von acht verschiedenen Schreibern
geschriebenen und überall von ihm überarbeiteten und vermehrten
Büchern fand. Noch hat sich seine eigene Handschrift, wenn auch nicht
unversehrt, erhalten, und sie zeigt uns am deutlichsten, wie er arbeitete, wie
er immer neue Zusätze und Nachträge machte. Bald trug er am Rande nach,
was ihm später bekannt wurde, bald erzählt er rückblickend, was eigentlich
an eine frühere Stelle gehört. Manchmal ist dadurch der Zusammenhang
gestört, es sind Widersprüche entstanden, und die Form ist überall
mangelhaft: die letzte Hand fehlt, und auch durch wiederholte
Ueberarbeitung hätte der Verfasser aus diesem lose an einander gereihten
Stoffe kein einheitliches Geschichtswerk machen können. Aber die ihm
vorliegenden Nachrichten des Widukind, der Quedlinburger Annalen,
allerlei Notizen aus Necrologien, wahrscheinlich auch eine Magdeburger
Gründungsgeschichte[17] und eine Halberstädter Chronik[18], sind doch
immer mit verständiger Auswahl in einander gearbeitet, und mit seiner aus
mündlicher Ueberlieferung, aus Urkunden und späterhin aus eigener
Erinnerung geschöpften Kenntniß verbunden. Wenn man die rohen
Excerpte der Annalisten von Hildesheim und Quedlinburg dagegen hält, so
kann man einen bedeutenden Fortschritt nicht verkennen, und es hat noch
lange gedauert, bis man im Stande war etwas besseres zu leisten.
Als Geschichtsquelle betrachtet hat aber Thietmars Werk gerade einen
besonderen Werth dadurch, daß das Gefüge seiner Bestandtheile so leicht zu
erkennen ist, wodurch die Kritik wesentlich erleichtert wird; man bedarf der
Vorsicht bei ihm, da er nicht selten aus Flüchtigkeit Versehen begangen hat.
Andererseits kommt es uns nicht minder zu gut, daß er auch geringfügige
Umstände nicht verschmähte und deshalb ein lebendigeres Bild der
damaligen Zustände gewährt, in dem wir dergleichen kleinere Züge nur
ungern vermissen würden.
Wie er nun eigentlich gearbeitet hat, das ist erst durch Fr. Kurze mit
großem Scharfsinn festgestellt worden durch die genaueste Untersuchung
der theils von ihm selbst, theils von acht verschiedenen Schreibern
geschriebenen und überall von ihm überarbeiteten und vermehrten
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Handschrift, und dadurch zugleich für die Entwirrung seiner Chronologie
und die Aufklärung mancher Schwierigkeiten Licht gewonnen. Hatte schon
Bethmann ausgefunden, daß er nicht vor 1012 sein Werk begonnen habe, so
hat doch jetzt alles eine ganz andere Gestalt gewonnen durch den
Nachweis, daß Thietmar mit VI, 41-46 (VII, 1-15 K.) begann, in demselben
Jahr 1012 vielleicht auch schon I, 1-10 (18 K.) schrieb. Im Jahre 1013
schrieb er das zweite und dritte Buch, 1014 IV, 1-8 (9), 10, 11 (15-17), 16
(23-25), 22-24 (31-37), 26-34 (39-54), das fünfte Buch und vom siebenten
1-4 (VIII, 1-3), im J. 1015 das sechste Buch und VII, 5-13 (VIII, 4-20). Er
schrieb gleichzeitig was er erlebte, ließ aber Raum für Nachträge und
Zusätze, mit welchen im vierten Buch eine ganze Lage ausgefüllt ist; diese
entfernen sich häufig ganz von der chronologischen Folge und haben
dadurch namentlich im vierten Buch die Ordnung sehr gestört.
Zu solchen Nachträgen gab ihm vorzüglich die Bekanntschaft mit den
Quedlinburger Annalen Anlaß, welche er vor 1016 nicht gekannt hat,
weshalb auch VII, 1-13 (VIII, 1-20) keine Spur davon zu finden ist. Mit
Benutzung derselben schrieb er 1016 die Zusätze zum zweiten und dritten
Buch, ferner VI, 46-61 (VII, 16-41) und VII, 13-25 (VIII, 20-35); im Jahr
1017 den Rest des vierten Buches bis auf die erst 1018 geschriebenen
Capitel 47-51 (70-75) und VII, 25-50 (VIII, 36-69), auch I, 15-17 (26-28);
im Jahre 1018 endlich, was von der Fortsetzung noch übrig war, wobei
natürlich die Annalen nicht mehr zu gebrauchen waren.
Möglich, daß nicht alle Einzelheiten richtig sind, aber im wesentlichen
ist wohl an der Richtigkeit dieser Ergebnisse nicht zu zweifeln und es lösen
sich dadurch viele Schwierigkeiten, um so mehr, da auch alle die
zahlreichen Nachträge und Aenderungen zweiter Hand genau verzeichnet
sind. Etwas räthselhaft sind Zusätze einer Hand, welche Lappenberg
Thietmar selbst zuschrieb, während Kurze sie erst in die Zeit Heinrichs V
setzt. Ueberall wo diese Zusätze sich finden, ist zugleich am Rande etwas
ausgekratzt und dem Inhalt nach scheinen sie gleichzeitig zu sein.
und die Aufklärung mancher Schwierigkeiten Licht gewonnen. Hatte schon
Bethmann ausgefunden, daß er nicht vor 1012 sein Werk begonnen habe, so
hat doch jetzt alles eine ganz andere Gestalt gewonnen durch den
Nachweis, daß Thietmar mit VI, 41-46 (VII, 1-15 K.) begann, in demselben
Jahr 1012 vielleicht auch schon I, 1-10 (18 K.) schrieb. Im Jahre 1013
schrieb er das zweite und dritte Buch, 1014 IV, 1-8 (9), 10, 11 (15-17), 16
(23-25), 22-24 (31-37), 26-34 (39-54), das fünfte Buch und vom siebenten
1-4 (VIII, 1-3), im J. 1015 das sechste Buch und VII, 5-13 (VIII, 4-20). Er
schrieb gleichzeitig was er erlebte, ließ aber Raum für Nachträge und
Zusätze, mit welchen im vierten Buch eine ganze Lage ausgefüllt ist; diese
entfernen sich häufig ganz von der chronologischen Folge und haben
dadurch namentlich im vierten Buch die Ordnung sehr gestört.
Zu solchen Nachträgen gab ihm vorzüglich die Bekanntschaft mit den
Quedlinburger Annalen Anlaß, welche er vor 1016 nicht gekannt hat,
weshalb auch VII, 1-13 (VIII, 1-20) keine Spur davon zu finden ist. Mit
Benutzung derselben schrieb er 1016 die Zusätze zum zweiten und dritten
Buch, ferner VI, 46-61 (VII, 16-41) und VII, 13-25 (VIII, 20-35); im Jahr
1017 den Rest des vierten Buches bis auf die erst 1018 geschriebenen
Capitel 47-51 (70-75) und VII, 25-50 (VIII, 36-69), auch I, 15-17 (26-28);
im Jahre 1018 endlich, was von der Fortsetzung noch übrig war, wobei
natürlich die Annalen nicht mehr zu gebrauchen waren.
Möglich, daß nicht alle Einzelheiten richtig sind, aber im wesentlichen
ist wohl an der Richtigkeit dieser Ergebnisse nicht zu zweifeln und es lösen
sich dadurch viele Schwierigkeiten, um so mehr, da auch alle die
zahlreichen Nachträge und Aenderungen zweiter Hand genau verzeichnet
sind. Etwas räthselhaft sind Zusätze einer Hand, welche Lappenberg
Thietmar selbst zuschrieb, während Kurze sie erst in die Zeit Heinrichs V
setzt. Ueberall wo diese Zusätze sich finden, ist zugleich am Rande etwas
ausgekratzt und dem Inhalt nach scheinen sie gleichzeitig zu sein.
Page 461
Für die ersten drei Bücher standen Thietmar wenig Quellen zu Gebote,
die wir nicht auch noch besäßen; aber von dem Anfange der Regierung
Otto's III an werden seine eigenen Mittheilungen immer reichhaltiger. Er
schrieb die Geschichte dieser letzten Jahre gleichzeitig mit den Ereignissen
selbst; sein Werk nimmt da fast den Charakter eines Tagebuches an und
verbindet deshalb die Zuverlässigkeit der besseren Annalen mit größerer
Fülle und Reichhaltigkeit.
Daß es ihm, dem Bischof, der viel am Hofe verkehrte und zum Rathe
des Kaisers gehörte, dem nahen Verwandten der bedeutendsten Fürsten
nicht an Mitteln fehlte, sich über die wichtigsten Vorfälle und den ganzen
Gang der Begebenheiten genau zu unterrichten, erwähnten wir schon; auch
entfernte Begebenheiten bei anderen Völkern und an den fremden Höfen
verfolgt er mit bemerkenswerter Aufmerksamkeit und Kenntniß.
Ebensowenig ist aber auch ein Grund vorhanden, seine Wahrheitsliebe zu
bezweifeln. Sich selbst schont er durchaus nicht; mit der rührendsten
Bescheidenheit deckt er seine eigenen Fehler und Schwächen auf, und
durchgehends bewährt er sich als einen redlichen Mann von biederer
Gesinnung und bestem Willen. Dafür können wir ihm denn wohl die
Unbehülflichkeit der Darstellung, die große Leichtgläubigkeit, den oft
gesuchten Ausdruck und das gelegentliche Prunken mit seiner mühsam
erworbenen Gelehrsamkeit verzeihen.
Wegen seines vorherrschend provinziellen Charakters ist Thietmars
Werk zwar von sächsischen Schriftstellern viel benutzt worden, hat aber
eine weitere Verbreitung nicht gefunden. Vorzüglich fleißig wurde es vom
Annalista Saxo ausgebeutet, mit Zusätzen über das Kloster Corvey, die sich
in der Brüsseler Handschrift befinden. Daraus ergiebt sich, daß die Urschrift
derselben schon im zwölften Jahrhundert in Corvey verfertigt sein muß,
doch, wie R. Wilmans nachgewiesen hat[19], erst gegen das Jahr 1160.
Wie viel des für uns werthvollsten Materials aber alle diese Chronisten
unbeachtet bei Seite gelassen haben, davon giebt uns das von Jaffé
die wir nicht auch noch besäßen; aber von dem Anfange der Regierung
Otto's III an werden seine eigenen Mittheilungen immer reichhaltiger. Er
schrieb die Geschichte dieser letzten Jahre gleichzeitig mit den Ereignissen
selbst; sein Werk nimmt da fast den Charakter eines Tagebuches an und
verbindet deshalb die Zuverlässigkeit der besseren Annalen mit größerer
Fülle und Reichhaltigkeit.
Daß es ihm, dem Bischof, der viel am Hofe verkehrte und zum Rathe
des Kaisers gehörte, dem nahen Verwandten der bedeutendsten Fürsten
nicht an Mitteln fehlte, sich über die wichtigsten Vorfälle und den ganzen
Gang der Begebenheiten genau zu unterrichten, erwähnten wir schon; auch
entfernte Begebenheiten bei anderen Völkern und an den fremden Höfen
verfolgt er mit bemerkenswerter Aufmerksamkeit und Kenntniß.
Ebensowenig ist aber auch ein Grund vorhanden, seine Wahrheitsliebe zu
bezweifeln. Sich selbst schont er durchaus nicht; mit der rührendsten
Bescheidenheit deckt er seine eigenen Fehler und Schwächen auf, und
durchgehends bewährt er sich als einen redlichen Mann von biederer
Gesinnung und bestem Willen. Dafür können wir ihm denn wohl die
Unbehülflichkeit der Darstellung, die große Leichtgläubigkeit, den oft
gesuchten Ausdruck und das gelegentliche Prunken mit seiner mühsam
erworbenen Gelehrsamkeit verzeihen.
Wegen seines vorherrschend provinziellen Charakters ist Thietmars
Werk zwar von sächsischen Schriftstellern viel benutzt worden, hat aber
eine weitere Verbreitung nicht gefunden. Vorzüglich fleißig wurde es vom
Annalista Saxo ausgebeutet, mit Zusätzen über das Kloster Corvey, die sich
in der Brüsseler Handschrift befinden. Daraus ergiebt sich, daß die Urschrift
derselben schon im zwölften Jahrhundert in Corvey verfertigt sein muß,
doch, wie R. Wilmans nachgewiesen hat[19], erst gegen das Jahr 1160.
Wie viel des für uns werthvollsten Materials aber alle diese Chronisten
unbeachtet bei Seite gelassen haben, davon giebt uns das von Jaffé
Page 462
entdeckte Aufgebot von 981 zur Heerfahrt nach Italien eine Probe[20].
[1] Ueber ihn s. Büdinger, Ueber Gerbert S. 51-60. Oesterreich, Geschichte I, 319.
Grosfeld, Disquisitiones historicae de statu rerum ecclesiasticarum in marcis Winedis
imp. Ottone II, im Programm des Gymnasiums zu Recklinghausen 1856-1857, S. 10,
macht es wahrscheinlich, daß Otrich 979 an den Hof kam. Für 978 Uhlirz, Gesch. d.
Erzbisth. Magd. unter den Kaisern aus dem Sächs. Hause (1887) S. 83.
[2] Vgl. Holstein, Gesch. d. Domgymn. in Magdeburg (Magd. 1875) S. 73. Uhlirz a.
a. O. S. 80 ff. vermuthet in Ekkehard einen Concipienten kais. Privilegien für
Magdeburg.
[3] Vgl. Fraustadt: Die Auflösung des Bisthums Merseburg u. dessen
Wiederherstellung 1004, Weber's Archiv f. Sächs. Gesch. N. F. IV (1878), S. 133-
168.
[4] W. Giesebrecht in den Rankeschen Jahrbüchern II, 1, 157-162, vgl. Kaisergesch.
I, 785. L. Giesebrecht, Wendische Geschichten III, 304.
[5] Ferd. van Hout: De Chronico Magdeburgensi, Diss. Bonn. 1867. In einigen
Punkten, besonders über das Verhältniß zum Chronogr. Saxo abweichend, C.
Günther: Die Chronik der Magdeburger Erzbischöfe, erster Theil bis 1142. Diss.
Gott. 1871. Zweiter Theil 1142-1371, Progr. der Albinus-Schule in Lauenburg a. d.
Elbe 1877 (S. 5). Schum, Vorr. zu den Gesta archiepp. Magd. SS. XIV, 363. Das
angebliche Epitaphium Ottonis I ist entnommen aus der V. Mahometi von Embricho,
nach O. Hertel, Magd. Gesch. Bl. 1889 S. 369 ff.
[6] Dem widerspricht F. Kurze, weil er in diesen Versen die sprachliche
Eigenthümlichkeit des jüngeren Bearbeiters erkennt.
[7] Die älteste Magdeburger Bisthumschronik, Mitth. d. Inst. Ergänzungsband III, S.
397-450. Vgl. NA. XVII, 631.
[8] Das ist doch wohl unter „beneficia temporalia“ zu verstehen.
[9] Eine bisher unbekannte Lebensbeschreibung des heiligen Adalbert (Passio S.
Adalberti). Separatabdruck aus den Neuen Preußischen Provinzialblättern, 3. Folge,
V. Band 1. Heft, Königsb. 1860. Wiederholt im SS. Rer. Pruss. I, 235-237; vgl. II,
412. Aus demselben Cod. lat. Mon. 18897 in den Mon. Poloniae hist. ed. Bielowski I,
151-156 mit Facsimile. Fontes Rerum Boh. (Pragae 1873) I, 231-234. Ed. Waitz, SS.
XV, 2, 705 bis 708. Uebers. von Wattenbach, Geschichtschr. X, 7 (Bd. 34) 1891. Vgl.
Zeißberg, Poln. Geschichtschreibung S. 19-22. Giesebr. I, 789. Das erste Wunder der
Passio wird, wie Bielowski nachgewiesen hat, in der Chronik von Moyenmoutier SS.
IV, 92, doch nicht ganz übereinstimmend, erwähnt.
[10] Vita S. Adalberti auct. Brunone ed. Pertz, MG. SS. IV, 577. 596 bis 612.
Bielowski I, 184-222 mit Benutzung einer Handschrift aus Ochsenhausen in
Koenigswart. Fontes Rer. Boh. I, 266-304. Vgl. Giesebr. I, 789. — Miracula S.
Adalberti aus dem dreizehnten Jahrhundert, SS. IV, 613-616 und nach einer Danziger
Handschrift verbessert von Toppen SS. Rer. Pruss. II, 412-420, wo c. 4 perterriti statt
pertriti zu lesen ist und perstiterant statt des unsinnigen prescierant. Fontes Boh. I,
305-312 mit dens. Fehlern; Versus de Adalberto Quattuor immensi p. 313-334.
Hymnus Laudem dignam NA. X, 180-185.
[1] Ueber ihn s. Büdinger, Ueber Gerbert S. 51-60. Oesterreich, Geschichte I, 319.
Grosfeld, Disquisitiones historicae de statu rerum ecclesiasticarum in marcis Winedis
imp. Ottone II, im Programm des Gymnasiums zu Recklinghausen 1856-1857, S. 10,
macht es wahrscheinlich, daß Otrich 979 an den Hof kam. Für 978 Uhlirz, Gesch. d.
Erzbisth. Magd. unter den Kaisern aus dem Sächs. Hause (1887) S. 83.
[2] Vgl. Holstein, Gesch. d. Domgymn. in Magdeburg (Magd. 1875) S. 73. Uhlirz a.
a. O. S. 80 ff. vermuthet in Ekkehard einen Concipienten kais. Privilegien für
Magdeburg.
[3] Vgl. Fraustadt: Die Auflösung des Bisthums Merseburg u. dessen
Wiederherstellung 1004, Weber's Archiv f. Sächs. Gesch. N. F. IV (1878), S. 133-
168.
[4] W. Giesebrecht in den Rankeschen Jahrbüchern II, 1, 157-162, vgl. Kaisergesch.
I, 785. L. Giesebrecht, Wendische Geschichten III, 304.
[5] Ferd. van Hout: De Chronico Magdeburgensi, Diss. Bonn. 1867. In einigen
Punkten, besonders über das Verhältniß zum Chronogr. Saxo abweichend, C.
Günther: Die Chronik der Magdeburger Erzbischöfe, erster Theil bis 1142. Diss.
Gott. 1871. Zweiter Theil 1142-1371, Progr. der Albinus-Schule in Lauenburg a. d.
Elbe 1877 (S. 5). Schum, Vorr. zu den Gesta archiepp. Magd. SS. XIV, 363. Das
angebliche Epitaphium Ottonis I ist entnommen aus der V. Mahometi von Embricho,
nach O. Hertel, Magd. Gesch. Bl. 1889 S. 369 ff.
[6] Dem widerspricht F. Kurze, weil er in diesen Versen die sprachliche
Eigenthümlichkeit des jüngeren Bearbeiters erkennt.
[7] Die älteste Magdeburger Bisthumschronik, Mitth. d. Inst. Ergänzungsband III, S.
397-450. Vgl. NA. XVII, 631.
[8] Das ist doch wohl unter „beneficia temporalia“ zu verstehen.
[9] Eine bisher unbekannte Lebensbeschreibung des heiligen Adalbert (Passio S.
Adalberti). Separatabdruck aus den Neuen Preußischen Provinzialblättern, 3. Folge,
V. Band 1. Heft, Königsb. 1860. Wiederholt im SS. Rer. Pruss. I, 235-237; vgl. II,
412. Aus demselben Cod. lat. Mon. 18897 in den Mon. Poloniae hist. ed. Bielowski I,
151-156 mit Facsimile. Fontes Rerum Boh. (Pragae 1873) I, 231-234. Ed. Waitz, SS.
XV, 2, 705 bis 708. Uebers. von Wattenbach, Geschichtschr. X, 7 (Bd. 34) 1891. Vgl.
Zeißberg, Poln. Geschichtschreibung S. 19-22. Giesebr. I, 789. Das erste Wunder der
Passio wird, wie Bielowski nachgewiesen hat, in der Chronik von Moyenmoutier SS.
IV, 92, doch nicht ganz übereinstimmend, erwähnt.
[10] Vita S. Adalberti auct. Brunone ed. Pertz, MG. SS. IV, 577. 596 bis 612.
Bielowski I, 184-222 mit Benutzung einer Handschrift aus Ochsenhausen in
Koenigswart. Fontes Rer. Boh. I, 266-304. Vgl. Giesebr. I, 789. — Miracula S.
Adalberti aus dem dreizehnten Jahrhundert, SS. IV, 613-616 und nach einer Danziger
Handschrift verbessert von Toppen SS. Rer. Pruss. II, 412-420, wo c. 4 perterriti statt
pertriti zu lesen ist und perstiterant statt des unsinnigen prescierant. Fontes Boh. I,
305-312 mit dens. Fehlern; Versus de Adalberto Quattuor immensi p. 313-334.
Hymnus Laudem dignam NA. X, 180-185.
Page 463
[11] Zuerst von Hilferding in einer russischen Zeitschrift herausgegeben, dann mit
Emendationen von Jaffé bei Miklosich und Fiedler, Slav. Bibl. II, 307, und endlich
von demselben nach der Handschrift berichtigt in W. Giesebrechts dritter Ausgabe II,
667-670, in d. vierten 689-692, vgl. S. 104-109. Bielowski I, 223-238 mit Facsimile.
Erzbischof Brun-Bonifacius, der erste deutsche Missionar in Preußen. Ein Vortrag
von W. Giesebrecht, Deutsche Reden S. 29-54. Ausführlich über Brun, Zeißberg: Die
Kriege Heinrichs II mit Boleslaw, SB. LVII, 346 ff., vgl. dens. in d. Zeitschr. f. oest.
Gymn. 1867 S. 331 ff. über die von Bruno erwähnte heilige Lanze, u. 1868 S. 89 ff.,
wo S. 96-98 bemerkt wird, daß der Bericht über Miseco's Verheerungen Ann. Magd.
1030 eine direkte Antwort auf den Brief Bruns enthält.
[12] Vorläufige Nachricht in R. Kade's Leipz. Diss. De Brunonis Querfurt. Vita
quinque fratrum Poloniae nuper reperta, 1883. Ausg. MG. SS. XV, 2 *709-738.
[13] MG. SS. IV, 579. Bielowski 229. E. Kunik macht mich darauf aufmerksam, daß
der angebliche Name des Preußenkönigs Nethimer vielmehr slavisch ist.
[14] L. Giesebrecht, Wendische Geschichten III, 303.
[15] Ein prachtvolles, aber in den Bildern unvollendetes Evangeliar aus Walbeck
saec. XI mit eingeschriebenen Statuten und Urkunden, in Libri's Auctionscatalog
(1859) n. 358, Facs. pl. 35. Ein schönes Evangeliar saec. X, das zur Beeidigung
diente, in Magdeburg in d. Bibl. d. Domgymn. 275, s. d. Progr. 1880, S. 99-101.
[16] Nach Uhlirz, Gesch. d. Erzb. Magd. S. 164 DD. Ott. II 90, hat Thietmar diese
Urkunde gefälscht, um dem Bisthum einen strittigen Wald zu erhalten, was nach
damaliger Auffassung auch als löblich gelten mochte.
[17] Vgl. oben S. 329. Die sog. Erectio Magdeburgensis (Stumpf 454. Leibn. Ann.
Imp. III, 238), eine in die scheinbare Form der Synodalverhandlungen von Ravenna
968 gebrachte Erzählung, ist von F. van Hout, De chron. Magd. p. 28-33, als in dieser
Gestalt unecht nachgewiesen; Dümmler, Otto I S. 445, legt die Entstehung nach
Halberstadt, Lindeck, Die Stellung des B. Halberstadt zur Gründung d. Erzb.
Magdeb. (Progr. d. Domgymn. zu Halb. 1879) nach Magdeburg. — Ruotgers Leben
des Erzb. Brun und S. Ulrichs Leben kannte er, ohne sie eigentlich zu benutzen.
[18] Diese, schon von Weiland vermuthet, nimmt auch Kurze jetzt anstatt der früher
von ihm angenommenen Hild. Ann. maj. von 975 an; Progr. S. 5, und stellt eine
Untersuchung darüber in Aussicht.
[19] Kaiserurkunden der Provinz Westfalen I, 109-112, zu MG. SS. III, 840 und 860.
[20] Bibl. V, 471; vgl. Max Lehmann, Forsch. IX, 435-444. Giesebr. I, 842. G.
Matthaei, Klosterpolitik Heinrichs II (Diss. Gott. 1877) S. 91-95.
Emendationen von Jaffé bei Miklosich und Fiedler, Slav. Bibl. II, 307, und endlich
von demselben nach der Handschrift berichtigt in W. Giesebrechts dritter Ausgabe II,
667-670, in d. vierten 689-692, vgl. S. 104-109. Bielowski I, 223-238 mit Facsimile.
Erzbischof Brun-Bonifacius, der erste deutsche Missionar in Preußen. Ein Vortrag
von W. Giesebrecht, Deutsche Reden S. 29-54. Ausführlich über Brun, Zeißberg: Die
Kriege Heinrichs II mit Boleslaw, SB. LVII, 346 ff., vgl. dens. in d. Zeitschr. f. oest.
Gymn. 1867 S. 331 ff. über die von Bruno erwähnte heilige Lanze, u. 1868 S. 89 ff.,
wo S. 96-98 bemerkt wird, daß der Bericht über Miseco's Verheerungen Ann. Magd.
1030 eine direkte Antwort auf den Brief Bruns enthält.
[12] Vorläufige Nachricht in R. Kade's Leipz. Diss. De Brunonis Querfurt. Vita
quinque fratrum Poloniae nuper reperta, 1883. Ausg. MG. SS. XV, 2 *709-738.
[13] MG. SS. IV, 579. Bielowski 229. E. Kunik macht mich darauf aufmerksam, daß
der angebliche Name des Preußenkönigs Nethimer vielmehr slavisch ist.
[14] L. Giesebrecht, Wendische Geschichten III, 303.
[15] Ein prachtvolles, aber in den Bildern unvollendetes Evangeliar aus Walbeck
saec. XI mit eingeschriebenen Statuten und Urkunden, in Libri's Auctionscatalog
(1859) n. 358, Facs. pl. 35. Ein schönes Evangeliar saec. X, das zur Beeidigung
diente, in Magdeburg in d. Bibl. d. Domgymn. 275, s. d. Progr. 1880, S. 99-101.
[16] Nach Uhlirz, Gesch. d. Erzb. Magd. S. 164 DD. Ott. II 90, hat Thietmar diese
Urkunde gefälscht, um dem Bisthum einen strittigen Wald zu erhalten, was nach
damaliger Auffassung auch als löblich gelten mochte.
[17] Vgl. oben S. 329. Die sog. Erectio Magdeburgensis (Stumpf 454. Leibn. Ann.
Imp. III, 238), eine in die scheinbare Form der Synodalverhandlungen von Ravenna
968 gebrachte Erzählung, ist von F. van Hout, De chron. Magd. p. 28-33, als in dieser
Gestalt unecht nachgewiesen; Dümmler, Otto I S. 445, legt die Entstehung nach
Halberstadt, Lindeck, Die Stellung des B. Halberstadt zur Gründung d. Erzb.
Magdeb. (Progr. d. Domgymn. zu Halb. 1879) nach Magdeburg. — Ruotgers Leben
des Erzb. Brun und S. Ulrichs Leben kannte er, ohne sie eigentlich zu benutzen.
[18] Diese, schon von Weiland vermuthet, nimmt auch Kurze jetzt anstatt der früher
von ihm angenommenen Hild. Ann. maj. von 975 an; Progr. S. 5, und stellt eine
Untersuchung darüber in Aussicht.
[19] Kaiserurkunden der Provinz Westfalen I, 109-112, zu MG. SS. III, 840 und 860.
[20] Bibl. V, 471; vgl. Max Lehmann, Forsch. IX, 435-444. Giesebr. I, 842. G.
Matthaei, Klosterpolitik Heinrichs II (Diss. Gott. 1877) S. 91-95.
Page 464
§ 6. Lothringen. Cöln. Trier. Metz. [ ← ]
Wir haben in Sachsen die neue Entwickelung litterarischer Thätigkeit
unter der unmittelbaren Einwirkung des Ottonischen Hauses betrachtet, und
auch in Lothringen ist es ein Ludolfinger, der Kirche und Schule zu neuem
Leben weckt, unter dessen Pflege überall frische Keime hervorspringen, die
bald zu reicher Fülle sich entfalten.
Noch mehr als Sachsen war Lothringen durch innere Zwietracht
zerrüttet und durch äußere Feinde verwüstet. Die alten Stätten der Cultur,
die reichen Bischofsitze und Klöster lagen großentheils in Asche, und von
den Einkünften der Stiftsgüter zehrten die Vasallen, denen sie als Preis ihrer
Treue oder Untreue zugefallen waren; kaum bewahrten ein Paar
verwilderter und unwissender Geistlicher den kirchlichen Charakter von
Klöstern, die man früher weithin mit Ehrfurcht und Bewunderung genannt
hatte.
Durch Heinrich und Otto wurde das fast verlorene Land den
Westfranken wieder entrissen und mit dem Ostreiche neu vereinigt; aber
den innern Frieden herzustellen, Ordnung zu schaffen und die beginnende
Reform der verwahrlosten kirchlichen Zustände zu pflegen und zu
befestigen, das war die schwere Aufgabe, welche dem Bruder Otto's des
Großen, dem Erzbischof B r u no von C öl n (953-965), zufiel und von
diesem auf das glänzendste gelöst wurde.
Wir haben schon oben S. 321-323 der Wirksamkeit dieses
ausgezeichneten Mannes gedacht, und können um so weniger auf eine
ausführliche Schilderung derselben eingehen, da er selbst nicht als
Schriftsteller aufgetreten ist[1]. Sein Leben hat uns einer seiner Schüler
beschrieben, R u ot ger, der Bruno sehr nahe gestanden hatte und die ihm
von dessen Nachfolger Folkmar (965-969) übertragene Aufgabe nicht ohne
Geschick gelöst hat[2]. Sein Werk gehört zu den besseren Biographien des
Wir haben in Sachsen die neue Entwickelung litterarischer Thätigkeit
unter der unmittelbaren Einwirkung des Ottonischen Hauses betrachtet, und
auch in Lothringen ist es ein Ludolfinger, der Kirche und Schule zu neuem
Leben weckt, unter dessen Pflege überall frische Keime hervorspringen, die
bald zu reicher Fülle sich entfalten.
Noch mehr als Sachsen war Lothringen durch innere Zwietracht
zerrüttet und durch äußere Feinde verwüstet. Die alten Stätten der Cultur,
die reichen Bischofsitze und Klöster lagen großentheils in Asche, und von
den Einkünften der Stiftsgüter zehrten die Vasallen, denen sie als Preis ihrer
Treue oder Untreue zugefallen waren; kaum bewahrten ein Paar
verwilderter und unwissender Geistlicher den kirchlichen Charakter von
Klöstern, die man früher weithin mit Ehrfurcht und Bewunderung genannt
hatte.
Durch Heinrich und Otto wurde das fast verlorene Land den
Westfranken wieder entrissen und mit dem Ostreiche neu vereinigt; aber
den innern Frieden herzustellen, Ordnung zu schaffen und die beginnende
Reform der verwahrlosten kirchlichen Zustände zu pflegen und zu
befestigen, das war die schwere Aufgabe, welche dem Bruder Otto's des
Großen, dem Erzbischof B r u no von C öl n (953-965), zufiel und von
diesem auf das glänzendste gelöst wurde.
Wir haben schon oben S. 321-323 der Wirksamkeit dieses
ausgezeichneten Mannes gedacht, und können um so weniger auf eine
ausführliche Schilderung derselben eingehen, da er selbst nicht als
Schriftsteller aufgetreten ist[1]. Sein Leben hat uns einer seiner Schüler
beschrieben, R u ot ger, der Bruno sehr nahe gestanden hatte und die ihm
von dessen Nachfolger Folkmar (965-969) übertragene Aufgabe nicht ohne
Geschick gelöst hat[2]. Sein Werk gehört zu den besseren Biographien des
Page 465
Mittelalters, ist reich an Inhalt, wenn auch für unsere Wünsche viel zu kurz
und gedrängt, und faßt das wesentlichste von Bruns Leben und Wirken mit
richtiger Auffassung und wahrheitsgetreu zusammen. Die Sprache ist nicht
eben gewandt, schwülstig und von den üblichen Ausdrücken der kirchlichen
Redeweise erfüllt, aber frei von Fehlern; man erkennt die gute Schule darin,
von welcher auch die noch zahlreich erhaltenen Handschriften der Cölner
Dombibliothek aus dieser und der nächstfolgenden Zeit Zeugniß geben.
Dem Prudentius entlehnte er einen Vers zur Charakteristik Otto's I, und
auch Citate aus Vergil und Terenz, aus Persius, Juvenal, Cicero und Sallust
fehlen nicht[3].
Für diese eifrigen Studien zeugen auch die libri prestiti de armamario
S. Petri (oben S. 263); unter den Entleihern sind B. Adelbold (von Utrecht
1010-1026) und Abt Elias (von Groß-Sanct-Martin 1010-1026); sehr viele
aber, darunter 2 Bibeln, 3 Vergile, 2 Lucane, 3 Prisciane, hat ein
Unbekannter, gewiß ein Scholasticus, dessen Name ausgekratzt ist. Eine
sehr schöne, reich geschmückte Evangelienhandschrift, auch mit Versen
über die Evangelisten und poetischen Widmungen versehen, schenkte der
Domkirche ein Diaconus Gerhous, höchst wahrscheinlich identisch mit dem
Erzbischof Ger o (969-976), dem Bruder des Markgrafen Thietmar[4]. Ihm
als Erzbischof ist die oben S. 42 erwähnte Ursulalegende gewidmet.
Zu Bruns Gehülfen bei seinen reformatorischen Bestrebungen gehörte
C hr i stian, der erste Abt des von ihm gestifteten Pantaleonsklosters[5], der
ihn bis 1001 überlebte. Der erste eilfertig errichtete Bau stürzte zusammen,
man grub zu Erzbischof Folkmars Zeit (965-969)[6] ein tieferes Fundament
und fand dabei Gebeine, die einem heiligen Maurinus zugeschrieben
wurden. Niemand wußte etwas von ihm, auch S tep han nicht, der auf Abt
Christians Gebot, als Erzbischof Gero schon todt war, sein Leben beschrieb;
die Geschichte der Auffindung aber mit den unvermeidlichen Wundern
enthält einige geschichtliche Umstände[7]. Ferner erhielt das Kloster aus
Rom durch die Kaiserin Theophano einen h. Albin, von dem man gar nichts
wusste, auf ihn aber die fabelhafte Legende des h. Albanus übertrug; diese
und gedrängt, und faßt das wesentlichste von Bruns Leben und Wirken mit
richtiger Auffassung und wahrheitsgetreu zusammen. Die Sprache ist nicht
eben gewandt, schwülstig und von den üblichen Ausdrücken der kirchlichen
Redeweise erfüllt, aber frei von Fehlern; man erkennt die gute Schule darin,
von welcher auch die noch zahlreich erhaltenen Handschriften der Cölner
Dombibliothek aus dieser und der nächstfolgenden Zeit Zeugniß geben.
Dem Prudentius entlehnte er einen Vers zur Charakteristik Otto's I, und
auch Citate aus Vergil und Terenz, aus Persius, Juvenal, Cicero und Sallust
fehlen nicht[3].
Für diese eifrigen Studien zeugen auch die libri prestiti de armamario
S. Petri (oben S. 263); unter den Entleihern sind B. Adelbold (von Utrecht
1010-1026) und Abt Elias (von Groß-Sanct-Martin 1010-1026); sehr viele
aber, darunter 2 Bibeln, 3 Vergile, 2 Lucane, 3 Prisciane, hat ein
Unbekannter, gewiß ein Scholasticus, dessen Name ausgekratzt ist. Eine
sehr schöne, reich geschmückte Evangelienhandschrift, auch mit Versen
über die Evangelisten und poetischen Widmungen versehen, schenkte der
Domkirche ein Diaconus Gerhous, höchst wahrscheinlich identisch mit dem
Erzbischof Ger o (969-976), dem Bruder des Markgrafen Thietmar[4]. Ihm
als Erzbischof ist die oben S. 42 erwähnte Ursulalegende gewidmet.
Zu Bruns Gehülfen bei seinen reformatorischen Bestrebungen gehörte
C hr i stian, der erste Abt des von ihm gestifteten Pantaleonsklosters[5], der
ihn bis 1001 überlebte. Der erste eilfertig errichtete Bau stürzte zusammen,
man grub zu Erzbischof Folkmars Zeit (965-969)[6] ein tieferes Fundament
und fand dabei Gebeine, die einem heiligen Maurinus zugeschrieben
wurden. Niemand wußte etwas von ihm, auch S tep han nicht, der auf Abt
Christians Gebot, als Erzbischof Gero schon todt war, sein Leben beschrieb;
die Geschichte der Auffindung aber mit den unvermeidlichen Wundern
enthält einige geschichtliche Umstände[7]. Ferner erhielt das Kloster aus
Rom durch die Kaiserin Theophano einen h. Albin, von dem man gar nichts
wusste, auf ihn aber die fabelhafte Legende des h. Albanus übertrug; diese
Page 466
Schrift ist aber erst aus dem elften Jahrhundert[8]. Erzbischof Everger (985-
999) widmete der Domkirche einen mit besonderer Pracht geschriebenen
Lectionar[9]. Als er am 10. Juni 999 gestorben war, wurden Boten nach
Italien an Otto III geschickt, um sich den Kanzler Heribert auszubitten; von
diesen starb der Diaconus Rudolf in Rom und es wurde ihm zu Ehren ein
Epitaph gedichtet (NA. II, 601).
Uebrigens aber haben Bruns Bemühungen in Cöln selbst am wenigsten
Frucht gebracht; ausser den unbedeutenden kleinen Cö l ner An nal en[10]
ist keine litterarische Erscheinung weiter anzuführen, denn auch die kleine
Chronik des Schottenklosters Gr oß- S anct - Mar t i n, so wie die
Gründungsgeschichte von Glad bach und das L eben Her iber ts[11], die
ihrem Inhalte nach hierher gehören, sind doch erst in der folgenden Periode
verfaßt worden.
Jene Annalen aber, die bis 939 auf gemeinsamer Grundlage mit den
alamannischen, Reichenauer und St. Galler Annalen beruhen, von da an
heimischen Ursprungs sind, haben merkwürdiger Weise einen
weitreichenden Einfluß gehabt, indem der erste, von einer Hand aus einer
älteren Handschrift überschriebene Theil von 776 bis 957 in die Annalen
von Dijon, mit diesen dann in die von Rouen, Caen, und anderen Orten der
Normandie, und weiter in die angelsächsische Chronik und in die Annalen
von Lund übergegangen ist[12].
In Cöln war wenig Boden für wissenschaftliche, wenigstens für
geschichtliche Thätigkeit. Dagegen regte sich in Tr ier, nachdem wieder
bessere Zeiten gekommen waren, der alte Geist aufs neue. Sogar mitten
unter den Stürmen, welche das unglückliche Land verheerten, hatte man im
Kloster S t. Maxi m in, wie in Corvey, es nicht ganz unterlassen, einige
geschichtliche Nachrichten aufzuzeichnen[13].
Im Jahre 882 verwüsteten die Normannen das Stift, und auch hier
blieben nur einige Weltgeistliche ohne klösterliche Zucht; im Jahre 933
999) widmete der Domkirche einen mit besonderer Pracht geschriebenen
Lectionar[9]. Als er am 10. Juni 999 gestorben war, wurden Boten nach
Italien an Otto III geschickt, um sich den Kanzler Heribert auszubitten; von
diesen starb der Diaconus Rudolf in Rom und es wurde ihm zu Ehren ein
Epitaph gedichtet (NA. II, 601).
Uebrigens aber haben Bruns Bemühungen in Cöln selbst am wenigsten
Frucht gebracht; ausser den unbedeutenden kleinen Cö l ner An nal en[10]
ist keine litterarische Erscheinung weiter anzuführen, denn auch die kleine
Chronik des Schottenklosters Gr oß- S anct - Mar t i n, so wie die
Gründungsgeschichte von Glad bach und das L eben Her iber ts[11], die
ihrem Inhalte nach hierher gehören, sind doch erst in der folgenden Periode
verfaßt worden.
Jene Annalen aber, die bis 939 auf gemeinsamer Grundlage mit den
alamannischen, Reichenauer und St. Galler Annalen beruhen, von da an
heimischen Ursprungs sind, haben merkwürdiger Weise einen
weitreichenden Einfluß gehabt, indem der erste, von einer Hand aus einer
älteren Handschrift überschriebene Theil von 776 bis 957 in die Annalen
von Dijon, mit diesen dann in die von Rouen, Caen, und anderen Orten der
Normandie, und weiter in die angelsächsische Chronik und in die Annalen
von Lund übergegangen ist[12].
In Cöln war wenig Boden für wissenschaftliche, wenigstens für
geschichtliche Thätigkeit. Dagegen regte sich in Tr ier, nachdem wieder
bessere Zeiten gekommen waren, der alte Geist aufs neue. Sogar mitten
unter den Stürmen, welche das unglückliche Land verheerten, hatte man im
Kloster S t. Maxi m in, wie in Corvey, es nicht ganz unterlassen, einige
geschichtliche Nachrichten aufzuzeichnen[13].
Im Jahre 882 verwüsteten die Normannen das Stift, und auch hier
blieben nur einige Weltgeistliche ohne klösterliche Zucht; im Jahre 933
Page 467
stürzte die Kirche ein. Aber schon 934 wurde die Klosterzucht hergestellt,
und unter dem Abte Hugo oder Ogo[14] gedieh das klösterliche Leben so
gut, dass schon 937 König Otto die Mönche für seine neue Stiftung in
Magdeburg von hier entnahm. Anno, der erste Abt von St. Moritz, wurde
(950-978) zum Bischof von Worms befördert, der zweite Otwin 954 zum
Bischof von Hildesheim, während Abt Hugo selbst 945 Bischof von Lüttich
wurde. Etwas später (972) wurde Sandrad, der erste Abt von Gladbach, aus
St. Maximin entnommen, 975 Ramwold, 978 Hartwich, die Hersteller
klösterlicher Zucht in St. Emmeram und Tegernsee[15]. Unter dem Abte
Wiker (957-966) verfaßte S ig ehar d, ein Mönch von St. Maximin, eine
Schrift über die Wunder ihres Heiligen, welche über den Verfall und die
Herstellung der lothringischen Klöster nicht unwichtige Nachrichten
enthält[16]. Um 965 wurde daselbst eine Sammlung für kanonisches Recht
zusammengestellt[17]. Damit ist die litterarische Thätigkeit von St. Maximin
erschöpft, wenn man nicht die kecke Urkundenfälschung in Heinrichs V
Zeit dazu rechnen will.
Auch P r üm erholte sich wieder, doch scheint es in Regino (oben
S. 259) seinen einzigen Historiker hervorgebracht zu haben; auch lag es gar
fern von der Straße. In den letzten Jahrzehnten dieses Jahrhunderts, unter
den Aebten Hilderich († 993) und Stephan († 1001), wurde hier auf Kosten
und Bitten des Mönches Wicking vom Mönche Nother ein sehr schönes
Antiphonar geschrieben[18]. Auf Befehl des Abts Wolfram schrieb 1084 der
Schüler Arnold die Chronik des Regino, Einhards Annalen und Leben Karls
nebst Thegan in einem Bande[19]. Ein Verzeichniß der Aebte ist unter Hizo
(1068-1077) geschrieben und weiter fortgesetzt[20], in dem werthvollen
Chartular, welches als liber aureus bekannt ist. In demselben sind die
Todesdaten der Könige, Kaiser u. a. von 768 bis 1106 zusammengestellt[21]
und am Schlusse finden sich sehr schätzbare necrologische Annalen von
1039 bis 1102, wo sich noch einige Notizen anschließen. Der Anfang
scheint durch Ausschneiden eines Blattes verloren zu sein. Damit ist auch
die historische Litteratur von Prüm erschöpft.
und unter dem Abte Hugo oder Ogo[14] gedieh das klösterliche Leben so
gut, dass schon 937 König Otto die Mönche für seine neue Stiftung in
Magdeburg von hier entnahm. Anno, der erste Abt von St. Moritz, wurde
(950-978) zum Bischof von Worms befördert, der zweite Otwin 954 zum
Bischof von Hildesheim, während Abt Hugo selbst 945 Bischof von Lüttich
wurde. Etwas später (972) wurde Sandrad, der erste Abt von Gladbach, aus
St. Maximin entnommen, 975 Ramwold, 978 Hartwich, die Hersteller
klösterlicher Zucht in St. Emmeram und Tegernsee[15]. Unter dem Abte
Wiker (957-966) verfaßte S ig ehar d, ein Mönch von St. Maximin, eine
Schrift über die Wunder ihres Heiligen, welche über den Verfall und die
Herstellung der lothringischen Klöster nicht unwichtige Nachrichten
enthält[16]. Um 965 wurde daselbst eine Sammlung für kanonisches Recht
zusammengestellt[17]. Damit ist die litterarische Thätigkeit von St. Maximin
erschöpft, wenn man nicht die kecke Urkundenfälschung in Heinrichs V
Zeit dazu rechnen will.
Auch P r üm erholte sich wieder, doch scheint es in Regino (oben
S. 259) seinen einzigen Historiker hervorgebracht zu haben; auch lag es gar
fern von der Straße. In den letzten Jahrzehnten dieses Jahrhunderts, unter
den Aebten Hilderich († 993) und Stephan († 1001), wurde hier auf Kosten
und Bitten des Mönches Wicking vom Mönche Nother ein sehr schönes
Antiphonar geschrieben[18]. Auf Befehl des Abts Wolfram schrieb 1084 der
Schüler Arnold die Chronik des Regino, Einhards Annalen und Leben Karls
nebst Thegan in einem Bande[19]. Ein Verzeichniß der Aebte ist unter Hizo
(1068-1077) geschrieben und weiter fortgesetzt[20], in dem werthvollen
Chartular, welches als liber aureus bekannt ist. In demselben sind die
Todesdaten der Könige, Kaiser u. a. von 768 bis 1106 zusammengestellt[21]
und am Schlusse finden sich sehr schätzbare necrologische Annalen von
1039 bis 1102, wo sich noch einige Notizen anschließen. Der Anfang
scheint durch Ausschneiden eines Blattes verloren zu sein. Damit ist auch
die historische Litteratur von Prüm erschöpft.
Page 468
Von Erzbischof R ot ger von Tr ier (917-930) ist eine Sammlung
kanonischer Vorschriften für die Priester seines Sprengels
zusammengestellt, wovon sich leider nur der Anfang erhalten hat[22]. Irrig
ist ihm auch eine etwas spätere Materialiensammlung ähnlicher Art aus
Trier zugeschrieben worden[23].
Der Erzbischof R odb er t (930 bis 956), ein Bruder der Königin
Mahthild[24], war ein gelehrter Mann, der die Wissenschaft liebte; ein Brief
Rathers an ihn zeigt uns, daß er diesem einige Probleme vorgelegt hatte[25],
und Flodoard widmete ihm sein großes Gedicht über die römischen
Päbste[26]. Unter seinen Nachfolgern[27] hat sich vorzüglich E kb er t oder
E gb er t (977-993), ein Sohn des Grafen Dietrich von Holland, ein
dauerndes Andenken geschaffen und nachhaltig gewirkt. Sehr merkwürdige
von ihm gestiftete Weihgeschenke in Trierer Emailarbeit verwahren die
Domschätze in Trier und Limburg[28]. In der Trierer Stadtbibliothek ist ein
Fragment einer reichverzierten Abschrift von Gregors I Registrum, die er
hat machen lassen, mit Versen zu Otto's II Preise verziert (NA. II, 437). Ihm
ist der berühmte Psalter von Cividale gewidmet[29]. Reichenau brachte ihm
das prachtvolle Evangelistarium dar, welches sich jetzt in der Trierer
Stadtbibliothek befindet[30]. Ekberts Bedeutung zeigt sich auch darin, daß
die ältesten Bischofskataloge bis auf ihn reichen[31]. Nach langer Zeit des
schweren Drucks und angestrengter Kämpfe regte sich wieder
selbstbewußte strebsame Thätigkeit. Mit Gerbert war Ekbert in Verbindung,
und überlegte, ob er zu dem Kreise hervorragender Männer, welchen Otto II
in Italien um sich sammelte, auch aus Trier Scholastiker schicken sollte[32].
Sehr begreiflich ist es nun, daß man gerade hier vorzüglich dem Alterthum
sich zuwandte. Die alte Größe Triers, welche aus den gewaltigen
Bauwerken der Römerzeit vernehmlich redete, und die vielfachen
Ueberlieferungen aus der früheren Zeit eines blühenden kirchlichen Lebens,
forderten zur Erforschung der Vergangenheit auf, für welche es aber,
nachdem in der normannischen Verwüstung vieles zu Grunde gegangen
war, an zuverlässigen Hülfsmitteln mangelte. Man bemühte sich,
kanonischer Vorschriften für die Priester seines Sprengels
zusammengestellt, wovon sich leider nur der Anfang erhalten hat[22]. Irrig
ist ihm auch eine etwas spätere Materialiensammlung ähnlicher Art aus
Trier zugeschrieben worden[23].
Der Erzbischof R odb er t (930 bis 956), ein Bruder der Königin
Mahthild[24], war ein gelehrter Mann, der die Wissenschaft liebte; ein Brief
Rathers an ihn zeigt uns, daß er diesem einige Probleme vorgelegt hatte[25],
und Flodoard widmete ihm sein großes Gedicht über die römischen
Päbste[26]. Unter seinen Nachfolgern[27] hat sich vorzüglich E kb er t oder
E gb er t (977-993), ein Sohn des Grafen Dietrich von Holland, ein
dauerndes Andenken geschaffen und nachhaltig gewirkt. Sehr merkwürdige
von ihm gestiftete Weihgeschenke in Trierer Emailarbeit verwahren die
Domschätze in Trier und Limburg[28]. In der Trierer Stadtbibliothek ist ein
Fragment einer reichverzierten Abschrift von Gregors I Registrum, die er
hat machen lassen, mit Versen zu Otto's II Preise verziert (NA. II, 437). Ihm
ist der berühmte Psalter von Cividale gewidmet[29]. Reichenau brachte ihm
das prachtvolle Evangelistarium dar, welches sich jetzt in der Trierer
Stadtbibliothek befindet[30]. Ekberts Bedeutung zeigt sich auch darin, daß
die ältesten Bischofskataloge bis auf ihn reichen[31]. Nach langer Zeit des
schweren Drucks und angestrengter Kämpfe regte sich wieder
selbstbewußte strebsame Thätigkeit. Mit Gerbert war Ekbert in Verbindung,
und überlegte, ob er zu dem Kreise hervorragender Männer, welchen Otto II
in Italien um sich sammelte, auch aus Trier Scholastiker schicken sollte[32].
Sehr begreiflich ist es nun, daß man gerade hier vorzüglich dem Alterthum
sich zuwandte. Die alte Größe Triers, welche aus den gewaltigen
Bauwerken der Römerzeit vernehmlich redete, und die vielfachen
Ueberlieferungen aus der früheren Zeit eines blühenden kirchlichen Lebens,
forderten zur Erforschung der Vergangenheit auf, für welche es aber,
nachdem in der normannischen Verwüstung vieles zu Grunde gegangen
war, an zuverlässigen Hülfsmitteln mangelte. Man bemühte sich,
Page 469
Biographieen der alten Trierer Heiligen zu schreiben und überließ sich aus
Mangel an echten Nachrichten einer regellosen Phantasie, die zu immer
unsinnigeren Fabeleien führte. So entstand in dieser Zeit jene märchenhafte
Urgeschichte Triers, welche besonders aus der späteren Bisthumsgeschichte
bekannt ist[33]. Nicht viel besser begründet ist auch das Leben des
Di acon us Ad al b er t, eines Gefährten des heiligen Willibrord, dem das
Kloster E g m u nd gewidmet ist; Erzbischof Ekbert, der Sohn des
Stifters[34], ließ um 985 durch den Mönch Ruopert von Mettlach an der Saar
diese Arbeit ausführen[35]; von Adalbert wußte er sehr wenig, dieser war
aber, wie Holder-Egger nachgewiesen hat, der erste Abt von Echternach.
Die in den Wundergeschichten gegebenen Nachrichten über die
Klosterstiftung hat gleichfalls Holder-Egger erläutert und als zuverlässig
befunden.
Daneben aber wurde von einem Mönche des Klosters St. Maxi m in
auch eine Geschichte der Gegenwart verfaßt, in der Form ausführlicher
Jahrbücher, welche wir wohl unbedenklich als die beste Reichsgeschichte
dieser Zeit bezeichnen können, ohne damit den eigenthümlichen Vorzügen
Widukinds zu nahe zu treten. Es ist die F or tsetzung der Chr o ni k des
R egi no, verfaßt um das Jahr 964, und bis 967 fortgeführt von einem
unbekannten Mönche von St. Maximin, der sich nicht allein durch seine
Schreibart als einen der besten Schriftsteller seiner Zeit zu erkennen giebt,
sondern der auch außerdem eine ungewöhnliche Stellung haben mußte, um
einen so klaren Einblick in den Gang der Dinge zu erhalten und so
zuverlässige Nachrichten sammeln zu können. Dem Erzbischof Wilhelm
von Mainz muß der Verfasser nahe gestanden haben, besonders aber
Ad al ber t, dem Mönch von St. Maximin, der 961 als Bischof nach
Rußland geschickt wurde, 966 die Abtei Weißenburg im Elsaß erhielt, und
endlich 968 auf den neuen erzbischöflichen Stuhl von Magdeburg erhoben
wurde, einem Manne also, der kein gewöhnliches Mönchsleben führte[36].
Da nun gerade mit diesem Jahre die Fortsetzung abbricht, so hat W. v.
Giesebrecht[37] richtig bemerkt, daß Adalbert ein nahes Verhältniß zu dem
Verfasser gehabt haben müsse, eine Ansicht, welche nicht nur allgemeine
Mangel an echten Nachrichten einer regellosen Phantasie, die zu immer
unsinnigeren Fabeleien führte. So entstand in dieser Zeit jene märchenhafte
Urgeschichte Triers, welche besonders aus der späteren Bisthumsgeschichte
bekannt ist[33]. Nicht viel besser begründet ist auch das Leben des
Di acon us Ad al b er t, eines Gefährten des heiligen Willibrord, dem das
Kloster E g m u nd gewidmet ist; Erzbischof Ekbert, der Sohn des
Stifters[34], ließ um 985 durch den Mönch Ruopert von Mettlach an der Saar
diese Arbeit ausführen[35]; von Adalbert wußte er sehr wenig, dieser war
aber, wie Holder-Egger nachgewiesen hat, der erste Abt von Echternach.
Die in den Wundergeschichten gegebenen Nachrichten über die
Klosterstiftung hat gleichfalls Holder-Egger erläutert und als zuverlässig
befunden.
Daneben aber wurde von einem Mönche des Klosters St. Maxi m in
auch eine Geschichte der Gegenwart verfaßt, in der Form ausführlicher
Jahrbücher, welche wir wohl unbedenklich als die beste Reichsgeschichte
dieser Zeit bezeichnen können, ohne damit den eigenthümlichen Vorzügen
Widukinds zu nahe zu treten. Es ist die F or tsetzung der Chr o ni k des
R egi no, verfaßt um das Jahr 964, und bis 967 fortgeführt von einem
unbekannten Mönche von St. Maximin, der sich nicht allein durch seine
Schreibart als einen der besten Schriftsteller seiner Zeit zu erkennen giebt,
sondern der auch außerdem eine ungewöhnliche Stellung haben mußte, um
einen so klaren Einblick in den Gang der Dinge zu erhalten und so
zuverlässige Nachrichten sammeln zu können. Dem Erzbischof Wilhelm
von Mainz muß der Verfasser nahe gestanden haben, besonders aber
Ad al ber t, dem Mönch von St. Maximin, der 961 als Bischof nach
Rußland geschickt wurde, 966 die Abtei Weißenburg im Elsaß erhielt, und
endlich 968 auf den neuen erzbischöflichen Stuhl von Magdeburg erhoben
wurde, einem Manne also, der kein gewöhnliches Mönchsleben führte[36].
Da nun gerade mit diesem Jahre die Fortsetzung abbricht, so hat W. v.
Giesebrecht[37] richtig bemerkt, daß Adalbert ein nahes Verhältniß zu dem
Verfasser gehabt haben müsse, eine Ansicht, welche nicht nur allgemeine
Page 470
Zustimmung gefunden hat, sondern auch dahin erweitert ist, daß Adalbert
selbst als der Verfasser angenommen ist, besonders wegen des Berichts über
sein Geschick in den Jahren 961 und 962, welchen kaum ein anderer so
abfassen konnte. Die Ereignisse in Italien sind ihm ebenso gegenwärtig, wie
die lothringischen; er theilt wie die Verfasser der alten Reichsannalen, die
Gesichtspunkte des Hofes und ist durchaus nicht in provinzieller
Einseitigkeit befangen, was bei einem Mönche wie Widukind, der in seiner
Zelle blieb, kaum anders möglich war.
Adalbert also kam 962 von seiner gefahrvollen und gänzlich
erfolglosen Sendung nach Rußland zurück; er fand jetzt beim Erzbischof
Wilhelm eine sehr liebevolle Aufnahme „wie ein Bruder vom Bruder“, und
ich habe daran die Vermuthung geknüpft[38], daß er wohl wirklich Wilhelms
Bruder oder Halbbruder gewesen sein möge, ein Sohn jener vornehmen
Wendin, welche Wilhelms Mutter war. Denn Männer geringer Herkunft
erhielten damals nicht leicht ein Bisthum, weil die stolzen Vasallen sich
ihnen nicht unterordneten, und wir wissen sonst gar nichts über Adalberts
Abkunft. Der Erzbischof befahl ihm, die Ankunft des Kaisers im Palast
abzuwarten, und er wird sich dort wohl, trotz seiner Erhebung zum Abt von
Weißenburg, viel aufgehalten haben, zuletzt begleitete er, wie Uhlirz
wahrscheinlich gemacht hat[39], im Spätherbst 967 den jungen Kaiser Otto
II nach Italien, wo er zum ersten Erzbischof von Magdeburg erhoben
wurde. Dadurch wird die weitere Fortführung des Werkes verhindert sein.
Es liegt nun ferner die Vermuthung nahe, daß der Erzbischof Wilhelm
es war, welcher, dem Beispiel seiner Vorgänger folgend, den Anlaß zu
diesen Aufzeichnungen gab. Vor der Heimkehr aus Rußland können wir den
Anfang nicht ansetzen, weil nirgends vorher die Aufzeichnung als
gleichzeitig erscheint, vielmehr die Kenntniß späterer Vorgänge
vorausgesetzt wird; ja, wie Werra[40] bemerkt, setzt sogar noch, was zu 964
über den Grafen Udo geschrieben ist, dessen Unternehmen im Jahre 966
voraus. Es bedurfte also zur Anknüpfung an die Chronik des Regino
schriftlicher Hülfsmittel und als solches diente vorzüglich ein uns nicht
selbst als der Verfasser angenommen ist, besonders wegen des Berichts über
sein Geschick in den Jahren 961 und 962, welchen kaum ein anderer so
abfassen konnte. Die Ereignisse in Italien sind ihm ebenso gegenwärtig, wie
die lothringischen; er theilt wie die Verfasser der alten Reichsannalen, die
Gesichtspunkte des Hofes und ist durchaus nicht in provinzieller
Einseitigkeit befangen, was bei einem Mönche wie Widukind, der in seiner
Zelle blieb, kaum anders möglich war.
Adalbert also kam 962 von seiner gefahrvollen und gänzlich
erfolglosen Sendung nach Rußland zurück; er fand jetzt beim Erzbischof
Wilhelm eine sehr liebevolle Aufnahme „wie ein Bruder vom Bruder“, und
ich habe daran die Vermuthung geknüpft[38], daß er wohl wirklich Wilhelms
Bruder oder Halbbruder gewesen sein möge, ein Sohn jener vornehmen
Wendin, welche Wilhelms Mutter war. Denn Männer geringer Herkunft
erhielten damals nicht leicht ein Bisthum, weil die stolzen Vasallen sich
ihnen nicht unterordneten, und wir wissen sonst gar nichts über Adalberts
Abkunft. Der Erzbischof befahl ihm, die Ankunft des Kaisers im Palast
abzuwarten, und er wird sich dort wohl, trotz seiner Erhebung zum Abt von
Weißenburg, viel aufgehalten haben, zuletzt begleitete er, wie Uhlirz
wahrscheinlich gemacht hat[39], im Spätherbst 967 den jungen Kaiser Otto
II nach Italien, wo er zum ersten Erzbischof von Magdeburg erhoben
wurde. Dadurch wird die weitere Fortführung des Werkes verhindert sein.
Es liegt nun ferner die Vermuthung nahe, daß der Erzbischof Wilhelm
es war, welcher, dem Beispiel seiner Vorgänger folgend, den Anlaß zu
diesen Aufzeichnungen gab. Vor der Heimkehr aus Rußland können wir den
Anfang nicht ansetzen, weil nirgends vorher die Aufzeichnung als
gleichzeitig erscheint, vielmehr die Kenntniß späterer Vorgänge
vorausgesetzt wird; ja, wie Werra[40] bemerkt, setzt sogar noch, was zu 964
über den Grafen Udo geschrieben ist, dessen Unternehmen im Jahre 966
voraus. Es bedurfte also zur Anknüpfung an die Chronik des Regino
schriftlicher Hülfsmittel und als solches diente vorzüglich ein uns nicht
Page 471
mehr erhaltenes Exemplar der Reichenauer Annalen, reichhaltiger als das
uns bekannte, und kenntlich durch die Benutzung desselben Exemplars in
Hermanns Chronik[41]. Sonst ist außer St. Maximiner Klosternachrichten u.
a. von Fr. Kurze die Benutzung jener oben S. 241 erwähnten Fulder
Annalen nachgewiesen, die bis 939 gereicht zu haben scheinen. Die
Erzählung wird nun immer ausführlicher und gestaltet sich zu einer
wirklichen, wenn auch sehr knapp gehaltenen Reichsgeschichte, ganz in der
Weise der alten Reichsannalen. Der Verfasser konnte aus eigener Erfahrung
schöpfen, vielleicht auch frühere Aufzeichnungen benutzen. Mittheilungen
kundiger Zeitgenossen und Berichte, besonders über die Vorgänge in Italien
an den Erzbischof, werden ihm nicht gefehlt haben. Für den Zeitraum von
960 bis 967 ist keine andere Quelle damit zu vergleichen[42].
Unter den Suffraganen von Trier ist besonders Metz ausgezeichnet
durch wissenschaftliche Thätigkeit unter einer Reihe trefflicher Bischöfe,
welche den Glanz von Chrodegangs Zeiten erneuten. Schon 883 April 22
weihte Erzbischof Radbod, ein Alamanne, zum Bischof von Metz seinen
Landsmann Ruotpert, einen Freund Notkers, also vermuthlich aus der
Schule von St. Gallen[43], wie denn auch Radbod 885 das Fest des
Schutzheiligen in St. Gallen feierte, und in die Verbrüderung aufgenommen
wurde[44]. Ruotpert starb am 2. Januar 917. Nachdem der von König
Heinrich 927 eingesetzte Schwabe Benno im folgenden Jahre von seinen
Feinden geblendet war, gelang es A dalber o (929-962), eine gesicherte
Wirksamkeit zu gewinnen. Von hier besonders ging durch eigenen inneren
Antrieb die neue Klosterreform aus, hier zuerst faßte sie festen Boden und
verbreitete sich dann auch weiter zu entfernteren Klöstern: diese
Erneuerung von unten auf und von innen heraus, welche allein für die
Wirksamkeit des Erzbischofs Brun eine dauernde Grundlage gewähren
konnte. Die Bischöfe Adalbero und Dietrich beförderten diese Richtung und
die Thätigkeit der Männer, welche sie hauptsächlich vertraten, auf alle
Weise, und bald sehen wir die lothringischen Klöster aus tiefem Verfall sich
zu einer neuen und dauernden Blüthe erheben.
uns bekannte, und kenntlich durch die Benutzung desselben Exemplars in
Hermanns Chronik[41]. Sonst ist außer St. Maximiner Klosternachrichten u.
a. von Fr. Kurze die Benutzung jener oben S. 241 erwähnten Fulder
Annalen nachgewiesen, die bis 939 gereicht zu haben scheinen. Die
Erzählung wird nun immer ausführlicher und gestaltet sich zu einer
wirklichen, wenn auch sehr knapp gehaltenen Reichsgeschichte, ganz in der
Weise der alten Reichsannalen. Der Verfasser konnte aus eigener Erfahrung
schöpfen, vielleicht auch frühere Aufzeichnungen benutzen. Mittheilungen
kundiger Zeitgenossen und Berichte, besonders über die Vorgänge in Italien
an den Erzbischof, werden ihm nicht gefehlt haben. Für den Zeitraum von
960 bis 967 ist keine andere Quelle damit zu vergleichen[42].
Unter den Suffraganen von Trier ist besonders Metz ausgezeichnet
durch wissenschaftliche Thätigkeit unter einer Reihe trefflicher Bischöfe,
welche den Glanz von Chrodegangs Zeiten erneuten. Schon 883 April 22
weihte Erzbischof Radbod, ein Alamanne, zum Bischof von Metz seinen
Landsmann Ruotpert, einen Freund Notkers, also vermuthlich aus der
Schule von St. Gallen[43], wie denn auch Radbod 885 das Fest des
Schutzheiligen in St. Gallen feierte, und in die Verbrüderung aufgenommen
wurde[44]. Ruotpert starb am 2. Januar 917. Nachdem der von König
Heinrich 927 eingesetzte Schwabe Benno im folgenden Jahre von seinen
Feinden geblendet war, gelang es A dalber o (929-962), eine gesicherte
Wirksamkeit zu gewinnen. Von hier besonders ging durch eigenen inneren
Antrieb die neue Klosterreform aus, hier zuerst faßte sie festen Boden und
verbreitete sich dann auch weiter zu entfernteren Klöstern: diese
Erneuerung von unten auf und von innen heraus, welche allein für die
Wirksamkeit des Erzbischofs Brun eine dauernde Grundlage gewähren
konnte. Die Bischöfe Adalbero und Dietrich beförderten diese Richtung und
die Thätigkeit der Männer, welche sie hauptsächlich vertraten, auf alle
Weise, und bald sehen wir die lothringischen Klöster aus tiefem Verfall sich
zu einer neuen und dauernden Blüthe erheben.
Page 472
Der Mittelpunkt dieser Bestrebungen war lange Zeit das Kloster
Go r ze in der Nähe von Metz, wo der Abt Eginold (933-959) mit großer
Anstrengung und Aufopferung die Zucht hergestellt hatte, und nach ihm
sein Freund und Genosse Johan nes als Abt (960 bis 974)[45] eine sehr
einflußreiche Stellung einnahm, und die neue strenge Zucht nach allen
Seiten verbreitete. Schon 941 hatte Bischof Adalbero mit König Otto's
Hülfe aus dem Ar n ulf skl ost er zu Metz die zuchtlosen Canoniker
vertrieben, und unter dem neuen Abt Arbert, einem Mönche von Gorze, die
Benedictiner-Regel eingeführt. Dann war es der Abt Johannes von St.
Arnulf, welcher lange Zeit der Freund des Abtes Johannes von Gorze und
der Genosse seiner Wirksamkeit war, und dieser unternahm es nach dem
Tode desselben, sein Leben zu beschreiben, und begann die Ausführung
dieser Aufgabe mit besonderer Liebe und gutem Erfolge. Die Regeneration
des Klosterwesens in Lothringen liegt uns darin in sehr ausführlicher
Schilderung vor; weiterhin gewinnt dieses Werk noch eine ganz
eigenthümliche geschichtliche Wichtigkeit dadurch, daß Johannes es war,
welcher im Jahre 953 sich bereit finden ließ, für den König Otto als
Gesandter zum Kalifen Abderrahman III nach Córdova sich zu begeben.
Auch diese Reise ist hier sehr ausführlich beschrieben, leider aber bricht
unser Text mitten in dieser ebenso merkwürdigen wie anziehenden
Darstellung ab; das Uebrige ist verloren, vielleicht auch die zu ausführlich
angelegte Arbeit nie ganz vollendet worden. Schon einmal, im Jahre 978,
als ein bedeutender Theil derselben vollendet war, hatte der Verfasser sie
unterbrochen, und es bedurfte des Zuspruches der Bischöfe Dietrich von
Metz und Folkmar von Utrecht, um ihn zur Fortsetzung zu bewegen; ob er
sie aber wirklich zu Ende geführt hat, ist zweifelhaft und kaum
wahrscheinlich, zumal da er vor 984 gestorben ist[46].
Pertz hat dem Abt Johannes von Gorze verschiedene Werke
zugeschrieben, die Miracula S. Gorgonii, Vita et Miracula S. Glodesindis,
vielleicht auch Vita Chrodegangi, allein die genaue Untersuchung von
Walther Schultze[47] hat ein ganz anderes Verhältniß wahrscheinlich
gemacht. Zunächst ist nachgewiesen, daß es schon eine ältere Aufzeichnung
Go r ze in der Nähe von Metz, wo der Abt Eginold (933-959) mit großer
Anstrengung und Aufopferung die Zucht hergestellt hatte, und nach ihm
sein Freund und Genosse Johan nes als Abt (960 bis 974)[45] eine sehr
einflußreiche Stellung einnahm, und die neue strenge Zucht nach allen
Seiten verbreitete. Schon 941 hatte Bischof Adalbero mit König Otto's
Hülfe aus dem Ar n ulf skl ost er zu Metz die zuchtlosen Canoniker
vertrieben, und unter dem neuen Abt Arbert, einem Mönche von Gorze, die
Benedictiner-Regel eingeführt. Dann war es der Abt Johannes von St.
Arnulf, welcher lange Zeit der Freund des Abtes Johannes von Gorze und
der Genosse seiner Wirksamkeit war, und dieser unternahm es nach dem
Tode desselben, sein Leben zu beschreiben, und begann die Ausführung
dieser Aufgabe mit besonderer Liebe und gutem Erfolge. Die Regeneration
des Klosterwesens in Lothringen liegt uns darin in sehr ausführlicher
Schilderung vor; weiterhin gewinnt dieses Werk noch eine ganz
eigenthümliche geschichtliche Wichtigkeit dadurch, daß Johannes es war,
welcher im Jahre 953 sich bereit finden ließ, für den König Otto als
Gesandter zum Kalifen Abderrahman III nach Córdova sich zu begeben.
Auch diese Reise ist hier sehr ausführlich beschrieben, leider aber bricht
unser Text mitten in dieser ebenso merkwürdigen wie anziehenden
Darstellung ab; das Uebrige ist verloren, vielleicht auch die zu ausführlich
angelegte Arbeit nie ganz vollendet worden. Schon einmal, im Jahre 978,
als ein bedeutender Theil derselben vollendet war, hatte der Verfasser sie
unterbrochen, und es bedurfte des Zuspruches der Bischöfe Dietrich von
Metz und Folkmar von Utrecht, um ihn zur Fortsetzung zu bewegen; ob er
sie aber wirklich zu Ende geführt hat, ist zweifelhaft und kaum
wahrscheinlich, zumal da er vor 984 gestorben ist[46].
Pertz hat dem Abt Johannes von Gorze verschiedene Werke
zugeschrieben, die Miracula S. Gorgonii, Vita et Miracula S. Glodesindis,
vielleicht auch Vita Chrodegangi, allein die genaue Untersuchung von
Walther Schultze[47] hat ein ganz anderes Verhältniß wahrscheinlich
gemacht. Zunächst ist nachgewiesen, daß es schon eine ältere Aufzeichnung
Page 473
gegeben hat, welche in den Miracula S. Gorgonii benutzt und daran
kenntlich ist, daß einzelne Erzählungen derselben mit der Vita Johannis
Gorziensis, andere mit der Vita Chrodegangi so weit übereinstimmen, daß
eine gemeinsame Quelle anzunehmen ist; vermuthlich waren es ältere
Miracula S. Gorgonii. Die uns erhaltenen Mir acu la S . Go rgo ni i[48], die
Wunderthaten des Schutzheiligen, der schon von Chrodegang im J. 765
nach Gorze gebracht war, sind um das J. 965 von einem Gorzer Mönch
verfaßt, der als Augenzeuge von dem Aufstand des Herzogs Konrad
berichtet, zu einer Zeit, da der Abt Johannes in Spanien war. Dagegen sind
die Vi t a et Mi r acu la S . G lodesind is[49] von einem Abt Johannes
verfaßt, der in der Hist. S. Arnulfi als der von St. Arnulf bezeichnet ist, und
es ist kein Grund daran zu zweifeln. In der Vita Joh. Gorz. hat er diese seine
frühere Schrift benutzt und die Erzählung etwas erweitert; ebenso die
älteren Miracula S. Gorgonii. In beiden finden sich mancherlei historische
Nachrichten, namentlich über die Klosterreform im Sprengel von Metz.
Was endlich die Vi ta C hr odeg an gi[50] betrifft, welche uns nur
unvollständig erhalten ist, so könnte dieselbe allenfalls von Johannes von
Gorze herrühren; sie ist aber mit einem großen Phrasenschwall ausgestattet
und nach allen Regeln der Rhetorik gearbeitet, was nicht zu dem paßt, was
uns von der mangelhaften Schulbildung des Abtes Johannes mitgetheilt
wird. Sie ist übrigens nur aus denselben Quellen geschöpft, die auch uns zu
Gebote stehen, und reiht sich daher den zahlreichen Paraphrasen alter
Heiligenleben an, welche durch die höheren Anforderungen der
gebildeteren Nachfolger hervorgerufen wurden.
Eine kräftige Stütze hatte das Kloster Gorze an seinem Schirmvoigt
S en deb al d, Grafen von Toul, dem nach seinem Tode eine ausführliche
dankerfüllte Grabschrift in ungewöhnlich guten Hexametern gewidmet
wurde[51].
Zu dem Kreise dieser Reformatoren gehört auch der Schottenabt
Kaddr o e, der zuerst in Waussor unweit Dinant einem Landsmann als Abt
kenntlich ist, daß einzelne Erzählungen derselben mit der Vita Johannis
Gorziensis, andere mit der Vita Chrodegangi so weit übereinstimmen, daß
eine gemeinsame Quelle anzunehmen ist; vermuthlich waren es ältere
Miracula S. Gorgonii. Die uns erhaltenen Mir acu la S . Go rgo ni i[48], die
Wunderthaten des Schutzheiligen, der schon von Chrodegang im J. 765
nach Gorze gebracht war, sind um das J. 965 von einem Gorzer Mönch
verfaßt, der als Augenzeuge von dem Aufstand des Herzogs Konrad
berichtet, zu einer Zeit, da der Abt Johannes in Spanien war. Dagegen sind
die Vi t a et Mi r acu la S . G lodesind is[49] von einem Abt Johannes
verfaßt, der in der Hist. S. Arnulfi als der von St. Arnulf bezeichnet ist, und
es ist kein Grund daran zu zweifeln. In der Vita Joh. Gorz. hat er diese seine
frühere Schrift benutzt und die Erzählung etwas erweitert; ebenso die
älteren Miracula S. Gorgonii. In beiden finden sich mancherlei historische
Nachrichten, namentlich über die Klosterreform im Sprengel von Metz.
Was endlich die Vi ta C hr odeg an gi[50] betrifft, welche uns nur
unvollständig erhalten ist, so könnte dieselbe allenfalls von Johannes von
Gorze herrühren; sie ist aber mit einem großen Phrasenschwall ausgestattet
und nach allen Regeln der Rhetorik gearbeitet, was nicht zu dem paßt, was
uns von der mangelhaften Schulbildung des Abtes Johannes mitgetheilt
wird. Sie ist übrigens nur aus denselben Quellen geschöpft, die auch uns zu
Gebote stehen, und reiht sich daher den zahlreichen Paraphrasen alter
Heiligenleben an, welche durch die höheren Anforderungen der
gebildeteren Nachfolger hervorgerufen wurden.
Eine kräftige Stütze hatte das Kloster Gorze an seinem Schirmvoigt
S en deb al d, Grafen von Toul, dem nach seinem Tode eine ausführliche
dankerfüllte Grabschrift in ungewöhnlich guten Hexametern gewidmet
wurde[51].
Zu dem Kreise dieser Reformatoren gehört auch der Schottenabt
Kaddr o e, der zuerst in Waussor unweit Dinant einem Landsmann als Abt
Page 474
folgte, von da aber durch Adalbero an das Kloster der heiligen Felix und
Clemens nach Metz berufen wurde. Sein Leben ist auf Veranlassung des
Abtes Immo, vermuthlich von Waussor, bald nach seinem Tode beschrieben
worden[52]. Ihn und seinen Nachfolger Fingen († 1003) und die Bischöfe,
welche die Klöster und die Klosterzucht herstellten, Adalbero I und
Adalbero II, preist ein Gedicht in noch recht roher und mangelhafter Form,
welches vorzüglich dem Ruhme des h. Clemens gewidmet ist[53].
Wir erwähnten schon, daß der Bischof Di et r ich von Met z (965-
984), ein Schwestersohn der Königin Mahthild, der aus der Schule des
Erzbischofs Brun stammte[54], nicht minder als Adalbero bemüht war,
seinen Sprengel in jeder Beziehung zu verherrlichen; er beförderte eifrigst
die Klosterreform, und seinen Aufenthalt mit dem Kaiser in Italien 970
benutzte er, um mit unersättlicher Gier und in den Mitteln nicht wählerisch
zahlreiche Heiligenleiber für Lothringen zu erwerben. Zugleich nahm er
auch in der politischen Geschichte der Zeit eine sehr bedeutende Stellung
ein; sein Ruf war auswärts nicht der beste, Habsucht wurde ihm
vorgeworfen, und seine Untreue gegen Theophano, sein Abfall von Otto III,
befleckten seine letzten Jahre und gaben Gerbert, wenn er der Verfasser ist,
Anlaß, sein Verhältniß zu Carl von Lothringen in einem für beide Theile
gleich anzüglichen Briefwechsel zu behandeln[55].
Seinen Aufenthalt in Italien scheint Bischof Dietrich aber auch zu
einer anderen Erwerbung benutzt zu haben, nämlich der hinterlassenen
Werke des Bischofs Liudprand von Cremona. Dieser soll, was freilich
unsicher ist, an der Gesandtschaft theilgenommen haben, welche 971 die
Kaiserbraut Theophano in Empfang nahm, und auf dieser Reise gestorben
sein. Dietrich, der griechischen Sprache nicht unkundig, war zum Empfang
der Prinzessin 972 entsandt. Nun enthält, wie Fr. Koehler nachgewiesen
hat[56], eine Handschrift saec. X. aus St. Arnulf Excerpte griechischer
Stellen aus Liudprands Schriften mit der Uebersetzung, und es ist
wahrscheinlich, daß in Metz auch die Abschrift angefertigt ist, welche
Clemens nach Metz berufen wurde. Sein Leben ist auf Veranlassung des
Abtes Immo, vermuthlich von Waussor, bald nach seinem Tode beschrieben
worden[52]. Ihn und seinen Nachfolger Fingen († 1003) und die Bischöfe,
welche die Klöster und die Klosterzucht herstellten, Adalbero I und
Adalbero II, preist ein Gedicht in noch recht roher und mangelhafter Form,
welches vorzüglich dem Ruhme des h. Clemens gewidmet ist[53].
Wir erwähnten schon, daß der Bischof Di et r ich von Met z (965-
984), ein Schwestersohn der Königin Mahthild, der aus der Schule des
Erzbischofs Brun stammte[54], nicht minder als Adalbero bemüht war,
seinen Sprengel in jeder Beziehung zu verherrlichen; er beförderte eifrigst
die Klosterreform, und seinen Aufenthalt mit dem Kaiser in Italien 970
benutzte er, um mit unersättlicher Gier und in den Mitteln nicht wählerisch
zahlreiche Heiligenleiber für Lothringen zu erwerben. Zugleich nahm er
auch in der politischen Geschichte der Zeit eine sehr bedeutende Stellung
ein; sein Ruf war auswärts nicht der beste, Habsucht wurde ihm
vorgeworfen, und seine Untreue gegen Theophano, sein Abfall von Otto III,
befleckten seine letzten Jahre und gaben Gerbert, wenn er der Verfasser ist,
Anlaß, sein Verhältniß zu Carl von Lothringen in einem für beide Theile
gleich anzüglichen Briefwechsel zu behandeln[55].
Seinen Aufenthalt in Italien scheint Bischof Dietrich aber auch zu
einer anderen Erwerbung benutzt zu haben, nämlich der hinterlassenen
Werke des Bischofs Liudprand von Cremona. Dieser soll, was freilich
unsicher ist, an der Gesandtschaft theilgenommen haben, welche 971 die
Kaiserbraut Theophano in Empfang nahm, und auf dieser Reise gestorben
sein. Dietrich, der griechischen Sprache nicht unkundig, war zum Empfang
der Prinzessin 972 entsandt. Nun enthält, wie Fr. Koehler nachgewiesen
hat[56], eine Handschrift saec. X. aus St. Arnulf Excerpte griechischer
Stellen aus Liudprands Schriften mit der Uebersetzung, und es ist
wahrscheinlich, daß in Metz auch die Abschrift angefertigt ist, welche
Page 475
bisher als Autograph betrachtet wurde, und in die darin leer gelassenen
Stellen hat vielleicht Dietrich selbst die griechischen Worte eingetragen.
Die Stiftung des Vincenzklosters trug Dietrich auch eine Biographie
ein[57], welche aber nicht von einem Zeitgenossen, sondern erst ein
Jahrhundert später von Sigebert von Gembloux verfaßt ist. Aufgenommen
ist darin ein gleichzeitiger Bericht über die von ihm erworbenen Reliquien,
welcher sich auch abgesondert erhalten hat.
Glücklicher war sein nicht minder ausgezeichneter Nachfolger
Ad al ber o II (984-1005), der Dietrichs Wirksamkeit in entsprechender
Weise fortsetzte, indem er einen ganz vortrefflichen Biographen fand an
C onst an t in, dem Abte des von ihm wiederhergestellten Schottenklosters
St. Symphorian zu Metz[58]. Ein poetisches Epitaphium, worin der Bischof
gar sehr gepriesen wird, verfaßte C onr ad im Kloster S ain t - Av old
(Sancti Naboris) und überreichte es mit anderen Versen seinem Abt Ratram;
beides steht in einem Codex des Prudentius, den er schön eingebunden und
mit Randglossen versehen hatte, wofür er dieses Buch in zierlichen Versen
sich bedanken läßt: so schön sei nicht einmal der Lucan geziert, den
Constantin binden ließ. Diesen Conrad, von dem es nicht sicher ist, daß er
Mönch war, hält L. Delisle für den Metzer Archidiaconus des Namens,
welcher auf dem Wege nach Italien die eifrigen Studien der Klosterfrauen in
Zürich kennen gelernt hatte und zugleich ihren Kummer, daß der erste Band
von Gregors Moralien ihnen fehle; heimgekehrt übersandte er ihn mit
einem artigen Briefe[59]. Doch ist das sehr zweifelhaft und nicht
wahrscheinlich, da jener Conrad allem Anschein nach identisch ist mit
Cuono, Klosterlehrer in St. Avold, von dem sich auch andere Verse erhalten
haben[60]. Solche Schullehrer wurden aber nicht Archidiaconen.
Um dieselbe Zeit schrieb auch ein Mönch im Kloster H or n bach im
Sprengel von Metz ein Buch über das Leben des heiligen P ir m i n[61], der
im achten Jahrhundert das Kloster gestiftet hatte, und widmete sein Werk
dem Erzbischof Ludolf von Trier (994 bis 1008). Es ist nur eine stilistische
Stellen hat vielleicht Dietrich selbst die griechischen Worte eingetragen.
Die Stiftung des Vincenzklosters trug Dietrich auch eine Biographie
ein[57], welche aber nicht von einem Zeitgenossen, sondern erst ein
Jahrhundert später von Sigebert von Gembloux verfaßt ist. Aufgenommen
ist darin ein gleichzeitiger Bericht über die von ihm erworbenen Reliquien,
welcher sich auch abgesondert erhalten hat.
Glücklicher war sein nicht minder ausgezeichneter Nachfolger
Ad al ber o II (984-1005), der Dietrichs Wirksamkeit in entsprechender
Weise fortsetzte, indem er einen ganz vortrefflichen Biographen fand an
C onst an t in, dem Abte des von ihm wiederhergestellten Schottenklosters
St. Symphorian zu Metz[58]. Ein poetisches Epitaphium, worin der Bischof
gar sehr gepriesen wird, verfaßte C onr ad im Kloster S ain t - Av old
(Sancti Naboris) und überreichte es mit anderen Versen seinem Abt Ratram;
beides steht in einem Codex des Prudentius, den er schön eingebunden und
mit Randglossen versehen hatte, wofür er dieses Buch in zierlichen Versen
sich bedanken läßt: so schön sei nicht einmal der Lucan geziert, den
Constantin binden ließ. Diesen Conrad, von dem es nicht sicher ist, daß er
Mönch war, hält L. Delisle für den Metzer Archidiaconus des Namens,
welcher auf dem Wege nach Italien die eifrigen Studien der Klosterfrauen in
Zürich kennen gelernt hatte und zugleich ihren Kummer, daß der erste Band
von Gregors Moralien ihnen fehle; heimgekehrt übersandte er ihn mit
einem artigen Briefe[59]. Doch ist das sehr zweifelhaft und nicht
wahrscheinlich, da jener Conrad allem Anschein nach identisch ist mit
Cuono, Klosterlehrer in St. Avold, von dem sich auch andere Verse erhalten
haben[60]. Solche Schullehrer wurden aber nicht Archidiaconen.
Um dieselbe Zeit schrieb auch ein Mönch im Kloster H or n bach im
Sprengel von Metz ein Buch über das Leben des heiligen P ir m i n[61], der
im achten Jahrhundert das Kloster gestiftet hatte, und widmete sein Werk
dem Erzbischof Ludolf von Trier (994 bis 1008). Es ist nur eine stilistische
Page 476
Bearbeitung der älteren, schon oben S. 275 erwähnten Vita ohne
geschichtlichen Werth, vielleicht, wie schon Mone vermuthete, von dem
Abt G ar em ann von Hornbach ( † 1008) verfaßt. Dagegen enthalten die
von Mone zuerst bekannt gemachten Wunder[62] (bis 1012) einige
geschichtliche Nachrichten, namentlich über Heinrichs II Zug nach
Lothringen im J. 1009; sie sind von einem Hornbacher Mönch hinzugefügt.
Hier wurde auch zur Zeit Otto II vom Schreiber Eburnant ein prächtiges
Sacramentar für den Abt Adalbert geschrieben, mit guten
Dedicationsversen[63].
So entwickelte sich in Metz jener den Lothringern besonders eigene
Sinn für Localgeschichte, der sich in Biographieen, Klosterchroniken und
Schriften zur Verherrlichung der Ortsheiligen in großer Fülle kundgegeben
hat, aber erst im folgenden Zeitalter zu voller Entfaltung kommt.
Schließlich ist noch ein Mönch jenes schon erwähnten Klosters des
heiligen S y m p ho r ian zu nennen, der nur zum Theil dem Metzer Sprengel
angehört, A l per t nämlich, der an das Werk des Paulus Diaconus
anknüpfend, ei ne G eschichte d er B ischöf e von Metz[64] verfaßte,
von welcher jedoch nur ein Bruchstück erhalten ist. Er widmete sie dem
Abte Constantin. Später aber kam er in den Utrechter Sprengel, und zwar
nach Molls Vermuthung[65] in das um diese Zeit von Bischof Ansfrid (995-
1010) gegründete Kloster bei Amersfoort. Es giebt nämlich eine aus Alperts
Werk geschöpfte Vita Ansfridi[66], welche einem monachus Ultrajectinus S.
Pauli zugeschrieben wird; dahin aber war jenes Kloster verlegt. Sehr
möglich ist es, daß die Aussendung einer Mönchscolonie den sonst
ungewöhnlichen Ortswechsel veranlaßte. Hier also schrieb er um 1022 sein
Buch über den Wechsel der Z ei t en[67], worin er in bunter
Mannigfaltigkeit von allerlei Vorfällen aus diesen Gegenden erzählt: ein
Vorrath geschichtlichen Stoffes ohne bestimmte Ordnung, der um so
willkommener ist, da wir sonst nur wenig Kunde von diesem entlegeneren
Theile des Reiches besitzen. Er übersandte es dem Bischof Burchard von
Worms, bei dem sein Bruder Immo Diaconus war. An denselben Immo
geschichtlichen Werth, vielleicht, wie schon Mone vermuthete, von dem
Abt G ar em ann von Hornbach ( † 1008) verfaßt. Dagegen enthalten die
von Mone zuerst bekannt gemachten Wunder[62] (bis 1012) einige
geschichtliche Nachrichten, namentlich über Heinrichs II Zug nach
Lothringen im J. 1009; sie sind von einem Hornbacher Mönch hinzugefügt.
Hier wurde auch zur Zeit Otto II vom Schreiber Eburnant ein prächtiges
Sacramentar für den Abt Adalbert geschrieben, mit guten
Dedicationsversen[63].
So entwickelte sich in Metz jener den Lothringern besonders eigene
Sinn für Localgeschichte, der sich in Biographieen, Klosterchroniken und
Schriften zur Verherrlichung der Ortsheiligen in großer Fülle kundgegeben
hat, aber erst im folgenden Zeitalter zu voller Entfaltung kommt.
Schließlich ist noch ein Mönch jenes schon erwähnten Klosters des
heiligen S y m p ho r ian zu nennen, der nur zum Theil dem Metzer Sprengel
angehört, A l per t nämlich, der an das Werk des Paulus Diaconus
anknüpfend, ei ne G eschichte d er B ischöf e von Metz[64] verfaßte,
von welcher jedoch nur ein Bruchstück erhalten ist. Er widmete sie dem
Abte Constantin. Später aber kam er in den Utrechter Sprengel, und zwar
nach Molls Vermuthung[65] in das um diese Zeit von Bischof Ansfrid (995-
1010) gegründete Kloster bei Amersfoort. Es giebt nämlich eine aus Alperts
Werk geschöpfte Vita Ansfridi[66], welche einem monachus Ultrajectinus S.
Pauli zugeschrieben wird; dahin aber war jenes Kloster verlegt. Sehr
möglich ist es, daß die Aussendung einer Mönchscolonie den sonst
ungewöhnlichen Ortswechsel veranlaßte. Hier also schrieb er um 1022 sein
Buch über den Wechsel der Z ei t en[67], worin er in bunter
Mannigfaltigkeit von allerlei Vorfällen aus diesen Gegenden erzählt: ein
Vorrath geschichtlichen Stoffes ohne bestimmte Ordnung, der um so
willkommener ist, da wir sonst nur wenig Kunde von diesem entlegeneren
Theile des Reiches besitzen. Er übersandte es dem Bischof Burchard von
Worms, bei dem sein Bruder Immo Diaconus war. An denselben Immo
Page 477
schickte auch der bald zu erwähnende Custos Tielensis sein Werk; er
scheint dann an den Kaiserhof gekommen zu sein und wurde um 1036
Bischof von Arezzo; in der Lorscher Briefsammlung sind Briefe von ihm
und an ihn erhalten[68].
Das Bisthum Utr echt war von den Normannen gar arg heimgesucht
und zeitweise ganz zerstört. R adbod, von mütterlicher Seite ein Abkomme
des alten Friesenfürsten Radbod, folgte 899 dem Bischof Odilbald, mußte
aber vor den Dänen nach Deventer entweichen. Ein Neffe des Erzbischofs
Gunthar von Cöln, war er bis zu dessen Entsetzung 863 bei ihm, dann in der
Hofschule Karls des Kahlen und seines Sohnes Ludwig gebildet, ein
Schüler des Manno, und hat einige Homilieen und Verse zum Preise von
Heiligen verfaßt[69], auch über den heiligen Suidbert; doch hatte er von
diesem nur aus Beda Kunde. Trithemius schreibt ihm auch Laudes S.
Bonifacii zu, und eine Gothaer Handschrift (fol. 64) nennt ihn als Verfasser
der Legende des sogenannten Presbyter Ultrajectensis[70], was entschieden
falsch ist[71]. Erhalten hat sich eine Aufzeichnung von ihm über die
Schrecknisse des Jahres 900[72], und eine andere über die Belagerung der
Stadt Tours durch die Normannen 903, und ihre Errettung durch ein Wunder
des h. Martin, des gemeinsamen Schutzheiligen[73]. Zur Feier desselben
Ereignisses verfaßte er auch einen cantus nocturnalis, der sich im
Antiphonar der Marienkirche erhalten hat[74]. Sein eigenes Leben ist zur
Zeit seines Nachfolgers beschrieben worden, und wenn auch nicht eben
reichhaltig, doch nicht unwichtig[75]. Er starb 917; sein Nachfolger
B al der i ch ist der Hersteller des Bisthums Utrecht[76]; ihm wurde der
Königsohn Brun zur Erziehung anvertraut. Er erneute die verwüsteten
Kirchen und erhob viele Leiber der Heiligen, holte auch 964 aus Veuves an
der Loire Reliquien[77]; seine Grabschrift in der Martiuskirche rühmte von
ihm:
scheint dann an den Kaiserhof gekommen zu sein und wurde um 1036
Bischof von Arezzo; in der Lorscher Briefsammlung sind Briefe von ihm
und an ihn erhalten[68].
Das Bisthum Utr echt war von den Normannen gar arg heimgesucht
und zeitweise ganz zerstört. R adbod, von mütterlicher Seite ein Abkomme
des alten Friesenfürsten Radbod, folgte 899 dem Bischof Odilbald, mußte
aber vor den Dänen nach Deventer entweichen. Ein Neffe des Erzbischofs
Gunthar von Cöln, war er bis zu dessen Entsetzung 863 bei ihm, dann in der
Hofschule Karls des Kahlen und seines Sohnes Ludwig gebildet, ein
Schüler des Manno, und hat einige Homilieen und Verse zum Preise von
Heiligen verfaßt[69], auch über den heiligen Suidbert; doch hatte er von
diesem nur aus Beda Kunde. Trithemius schreibt ihm auch Laudes S.
Bonifacii zu, und eine Gothaer Handschrift (fol. 64) nennt ihn als Verfasser
der Legende des sogenannten Presbyter Ultrajectensis[70], was entschieden
falsch ist[71]. Erhalten hat sich eine Aufzeichnung von ihm über die
Schrecknisse des Jahres 900[72], und eine andere über die Belagerung der
Stadt Tours durch die Normannen 903, und ihre Errettung durch ein Wunder
des h. Martin, des gemeinsamen Schutzheiligen[73]. Zur Feier desselben
Ereignisses verfaßte er auch einen cantus nocturnalis, der sich im
Antiphonar der Marienkirche erhalten hat[74]. Sein eigenes Leben ist zur
Zeit seines Nachfolgers beschrieben worden, und wenn auch nicht eben
reichhaltig, doch nicht unwichtig[75]. Er starb 917; sein Nachfolger
B al der i ch ist der Hersteller des Bisthums Utrecht[76]; ihm wurde der
Königsohn Brun zur Erziehung anvertraut. Er erneute die verwüsteten
Kirchen und erhob viele Leiber der Heiligen, holte auch 964 aus Veuves an
der Loire Reliquien[77]; seine Grabschrift in der Martiuskirche rühmte von
ihm:
Page 478
Trajectina feris urbs Denis versa latebat,
Baldricus priscum reddidit ipse decus,
Auspicio cujus jam Pontius, Agna, Benignus
Conservant urbem, fulget et ecclesia[78].
Es läßt sich erwarten, daß er in seiner langen Amtsführung (bis 976)
wissenschaftliche Thätigkeit begünstigt haben werde, wie ihm auch
Hucbald sein Leben S. Lebuins widmete; Wolbodo stand der Schule vor, bis
er 1018 Bischof von Lüttich wurde, aber Erzeugnisse von Utrechter
Gelehrten aus dieser Zeit haben sich nicht erhalten. Von Bischof Adalbold
werden wir bald zu reden haben.
Auch aus Ver d un verlautet aus dieser Periode nichts, mit Ausnahme
der Bisthumsgeschichte von Ber thar, deren wir schon oben (S. 267)
gedachten, weil sie nur bis auf die Zeit des Kaisers Arnulf reicht. Der
Bischof Wikfrid (962-984), ein geborener Baier, war zu Cöln in Bruns
Schule gebildet, Heimo (991-1024) unter Notker von Lüttich. In dem
Kloster St. Mihiel an der Maas lehrte am Anfange dieser Periode der
Grammatiker Hildebold, ein Schüler des hochgefeierten Lehrers Remigius.
Johannes von Gorze wurde seiner Zucht anvertraut, äußerte sich aber
ziemlich ungünstig über die Verdienste seines Lehrers (Vita c. 10).
Auch Toul besaß an Ger h ar d (963-994), einem Schüler Bruns, einen
jener ausgezeichneten Bischöfe, welche die Zeit der Ottonen zieren; er
wurde später als Heiliger verehrt, und der Abt Wi der ich von St. Evre
beschrieb sein Leben, jedoch erst lange nach seinem Tode unter der
Regierung Heinrichs III. Mit der Klosterreform hatte schon sein Vorgänger
Gauzlin (922-963) begonnen; angeregt durch die vom Abt Odo von Cluny
zu Stande gebrachte Reform des Klosters Fleury hatte er 936 das Kloster
S t. E v r e (S. Apri) hergestellt und eine Schule darin errichtet, zu deren
Leitung er den noch jugendlichen Mönch Adso berief, welcher in Luxeuil
Baldricus priscum reddidit ipse decus,
Auspicio cujus jam Pontius, Agna, Benignus
Conservant urbem, fulget et ecclesia[78].
Es läßt sich erwarten, daß er in seiner langen Amtsführung (bis 976)
wissenschaftliche Thätigkeit begünstigt haben werde, wie ihm auch
Hucbald sein Leben S. Lebuins widmete; Wolbodo stand der Schule vor, bis
er 1018 Bischof von Lüttich wurde, aber Erzeugnisse von Utrechter
Gelehrten aus dieser Zeit haben sich nicht erhalten. Von Bischof Adalbold
werden wir bald zu reden haben.
Auch aus Ver d un verlautet aus dieser Periode nichts, mit Ausnahme
der Bisthumsgeschichte von Ber thar, deren wir schon oben (S. 267)
gedachten, weil sie nur bis auf die Zeit des Kaisers Arnulf reicht. Der
Bischof Wikfrid (962-984), ein geborener Baier, war zu Cöln in Bruns
Schule gebildet, Heimo (991-1024) unter Notker von Lüttich. In dem
Kloster St. Mihiel an der Maas lehrte am Anfange dieser Periode der
Grammatiker Hildebold, ein Schüler des hochgefeierten Lehrers Remigius.
Johannes von Gorze wurde seiner Zucht anvertraut, äußerte sich aber
ziemlich ungünstig über die Verdienste seines Lehrers (Vita c. 10).
Auch Toul besaß an Ger h ar d (963-994), einem Schüler Bruns, einen
jener ausgezeichneten Bischöfe, welche die Zeit der Ottonen zieren; er
wurde später als Heiliger verehrt, und der Abt Wi der ich von St. Evre
beschrieb sein Leben, jedoch erst lange nach seinem Tode unter der
Regierung Heinrichs III. Mit der Klosterreform hatte schon sein Vorgänger
Gauzlin (922-963) begonnen; angeregt durch die vom Abt Odo von Cluny
zu Stande gebrachte Reform des Klosters Fleury hatte er 936 das Kloster
S t. E v r e (S. Apri) hergestellt und eine Schule darin errichtet, zu deren
Leitung er den noch jugendlichen Mönch Adso berief, welcher in Luxeuil
Page 479
seine Bildung erhalten, und sich bereits durch seine Gelehrsamkeit einen
Namen gemacht hatte. Nicht ohne heftige Kämpfe konnte eine solche
Reform durchgeführt werden, und in St. Evre wurden dieselben in einem
höchst eigenthümlichen Gedichte dargestellt, der Ecbasis captivi in einer
der Thierfabel entlehnten Einkleidung[79]. Bald aber konnten die Mönche
von St. Evre schon dem heruntergekommenen Kloster Monti er- en- Der
(Dervense) im benachbarten Sprengel von Châlons-sur-Marne aufhelfen.
Dieses war schon einmal nach gänzlichem Verfall unter Ludwig dem
Frommen 827 durch den Abt Hauto von Stablo hergestellt, aber nach
wiederholter Verwüstung durch Ungern und Normannen wieder völlig
verwildert. Jetzt sandte Gauzlin Mönche von St. Evre unter dem Abt
Alberich hin, und dieser nahm auch Adso mit sich, welcher ihm spätestens
968 als Abt folgte. Befreundet und im regen Verkehr mit Adalbero von
Reims und Gerbert, mit Abbo von Fleury und anderen hervorragenden
Männern der Zeit, war er für Herstellung kirchlicher Zucht mit Erfolg
thätig, bis er endlich 992 auf einer Pilgerfahrt nach Jerusalem seinen Tod
fand. Schon früh (vor 954) hat er auf den Wunsch der Königin Gerberga
eine Schrift über den Antichrist verfaßt[80]; auf Bischof Gerhards Wunsch
beschrieb er das Leben des heiligen Mansuetus, dessen Kloster Gerhard
hergestellt hatte. Werth haben nur die hinzugefügten Wunder durch einige
geschichtliche Nachrichten. Dasselbe gilt von dem Leben und den Wundern
des heiligen Basolus, welche Gerbert und Adso, Abt von St. Basle, von ihm
erbeten hatten, und von einem ähnlichen Werk über den heiligen Aper,
dessen Autorschaft Waitz ihm abspricht, das aber um dieselbe Zeit, nach der
Translation von 978 geschrieben ist. Ein Buch über die Wunder des heiligen
Waldebert, Eustasius Nachfolger, bezeugte seine Anhänglichkeit an
Luxeuil. Zuletzt nahm er noch den heiligen Bercharius vor, den Stifter
seines Klosters, doch hinterließ er diese Aufgabe unvollendet; die
Beschreibung der Wunder wurde auf Veranlassung des vom Pabst Leo IX
geweihten Abtes Bruno von einem ungenannten Mönche hinzugefügt und
mit einigen schätzbaren Nachrichten über Adso versehen[81]. Für die
Namen gemacht hatte. Nicht ohne heftige Kämpfe konnte eine solche
Reform durchgeführt werden, und in St. Evre wurden dieselben in einem
höchst eigenthümlichen Gedichte dargestellt, der Ecbasis captivi in einer
der Thierfabel entlehnten Einkleidung[79]. Bald aber konnten die Mönche
von St. Evre schon dem heruntergekommenen Kloster Monti er- en- Der
(Dervense) im benachbarten Sprengel von Châlons-sur-Marne aufhelfen.
Dieses war schon einmal nach gänzlichem Verfall unter Ludwig dem
Frommen 827 durch den Abt Hauto von Stablo hergestellt, aber nach
wiederholter Verwüstung durch Ungern und Normannen wieder völlig
verwildert. Jetzt sandte Gauzlin Mönche von St. Evre unter dem Abt
Alberich hin, und dieser nahm auch Adso mit sich, welcher ihm spätestens
968 als Abt folgte. Befreundet und im regen Verkehr mit Adalbero von
Reims und Gerbert, mit Abbo von Fleury und anderen hervorragenden
Männern der Zeit, war er für Herstellung kirchlicher Zucht mit Erfolg
thätig, bis er endlich 992 auf einer Pilgerfahrt nach Jerusalem seinen Tod
fand. Schon früh (vor 954) hat er auf den Wunsch der Königin Gerberga
eine Schrift über den Antichrist verfaßt[80]; auf Bischof Gerhards Wunsch
beschrieb er das Leben des heiligen Mansuetus, dessen Kloster Gerhard
hergestellt hatte. Werth haben nur die hinzugefügten Wunder durch einige
geschichtliche Nachrichten. Dasselbe gilt von dem Leben und den Wundern
des heiligen Basolus, welche Gerbert und Adso, Abt von St. Basle, von ihm
erbeten hatten, und von einem ähnlichen Werk über den heiligen Aper,
dessen Autorschaft Waitz ihm abspricht, das aber um dieselbe Zeit, nach der
Translation von 978 geschrieben ist. Ein Buch über die Wunder des heiligen
Waldebert, Eustasius Nachfolger, bezeugte seine Anhänglichkeit an
Luxeuil. Zuletzt nahm er noch den heiligen Bercharius vor, den Stifter
seines Klosters, doch hinterließ er diese Aufgabe unvollendet; die
Beschreibung der Wunder wurde auf Veranlassung des vom Pabst Leo IX
geweihten Abtes Bruno von einem ungenannten Mönche hinzugefügt und
mit einigen schätzbaren Nachrichten über Adso versehen[81]. Für die
Page 480
Klosterschule von St. Evre verfaßte 969 Aynard ein „glosarium ordine
elementorum agregatum“[82].
Im Anfang des elften Jahrhunderts wird die Schule des Bisthums als
blühend und ausgezeichnet gerühmt; Brun, des elsassischen Grafen Hugo
Sohn, später als Pabst Leo IX genannt, und Adalbero III, Bischof von Metz,
erhielten hier ihre Erziehung. Wir erkennen darin wieder die Einwirkung
der beginnenden Blüthezeit Lüttichs, wo Bischof Hermann oder Hezelo
(1018-1026) unter Notker gebildet war.
[1] Die von Peiffer aufgewärmte Nachricht von Commentaren zum Pentateuch und
zu den Evangelien, die er verfaßt haben soll, ist unglaublich. Man kann Ruotger und
der Cölner Kirche den Schimpf nicht anthun, anzunehmen, daß sie das gänzlich
vergessen haben sollten. Dagegen auch Cardauns, Städtechroniken XII p. LV.
[2] Ruotgeri Vita Brunonis ed. Pertz, MG. SS. IV, 252-275 und auch besonders
abgedruckt. Varianten bei B. Simson im Archiv f. Gesch. d. Niederrh. VII, 167-172.
Uebersetzung von Jasmund, 1851. 1890. Geschichtschr. Bd. 30 (X, 3). Ueber alte
Abschriften des Testaments Bruno's NA. VIII, 191. — Vgl. Giesebr. I, 781; Textkritik
S. 826 (vgl. Dümmler Otto I S. 220). 830. Dümmler S. 372. Janssen in den Annalen
des Niederrhein. hist. Vereins I, 85. Joh. Ph. Peiffer. Hist. krit. Beitr. z. Gesch. Bruns
I, Aachen 1870. Strebitzki, Quellenkrit. Untersuchungen zur Gesch. Erzb. Br. im
Progr. d. kath. Gymn. v. Neustadt in Westpreussen, 1875. Dierauer in Büdingers
Untersuchungen z. mittl. Gesch. II, 1-50. Maurenbrecher S. 24-27, dessen Tadel die
ganze Gattung der kirchlichen Biographie trifft, zu welcher diese nun einmal gehört.
Seiner künstlichen Deutung der Stellen über die Motive der Empörer kann ich nicht
beistimmen; vgl. Rommels Aufsatz in den Forsch. IV, 121-158 und Maurenbrechers
Entgegnung ib. 587-598; Dümmler Otto I S. 212. — Ueber die viel spätere zweite
Vita (ib. 275-279) s. Vogel, Ratherius II, 14-18. Peiffer S. 13. Varianten bei Simson S.
163-165. Wie Cardauns, Städtechron. XII, p. LVI bemerkt, muß sie doch schon im
12. Jahrh. entstanden sein, da sie in den Ann. Col. max. benutzt ist. — Ein
Epitaphium Brunonis bei Dümmler, Otto I S. 594. Damit verbunden andere, mit
griechischen Worten prunkende Epitaphien aus Bruns Schule, viell. von Ruotger,
NA. X, 346: eines wahrscheinlich auf die Aebtissin Hathuwig von Essen († 18. Juli
947), eines auf den Cölner Bürger Wolfrad.
[3] Dümmler, Forsch. XII, 445. Simson S. 172. Manitius, NA. XII, 369. 370.
[4] K. Lamprecht im NA. IX, 620-623, vgl. S. 669.
[5] Ruotgeri Vita Brun. c. 28. „Compertum quantum praestitistis saeculo, cari
invicem et noti, et in verbis prudentiae saepe admirati“, Translatio S. Maurini.
[6] Peiffer hat darauf hingewiesen, daß Poppo-Folkmar in den Fulder Todtenannalen
zu 969 eingetragen ist, wie schon Leibniz erkannte. Auch der alte Catalog giebt ihm
4 Jahre. Das Jahr 967 der Cölner Annalen wird also wohl falsch sein. So auch
Dümmler, Otto I S. 466.
elementorum agregatum“[82].
Im Anfang des elften Jahrhunderts wird die Schule des Bisthums als
blühend und ausgezeichnet gerühmt; Brun, des elsassischen Grafen Hugo
Sohn, später als Pabst Leo IX genannt, und Adalbero III, Bischof von Metz,
erhielten hier ihre Erziehung. Wir erkennen darin wieder die Einwirkung
der beginnenden Blüthezeit Lüttichs, wo Bischof Hermann oder Hezelo
(1018-1026) unter Notker gebildet war.
[1] Die von Peiffer aufgewärmte Nachricht von Commentaren zum Pentateuch und
zu den Evangelien, die er verfaßt haben soll, ist unglaublich. Man kann Ruotger und
der Cölner Kirche den Schimpf nicht anthun, anzunehmen, daß sie das gänzlich
vergessen haben sollten. Dagegen auch Cardauns, Städtechroniken XII p. LV.
[2] Ruotgeri Vita Brunonis ed. Pertz, MG. SS. IV, 252-275 und auch besonders
abgedruckt. Varianten bei B. Simson im Archiv f. Gesch. d. Niederrh. VII, 167-172.
Uebersetzung von Jasmund, 1851. 1890. Geschichtschr. Bd. 30 (X, 3). Ueber alte
Abschriften des Testaments Bruno's NA. VIII, 191. — Vgl. Giesebr. I, 781; Textkritik
S. 826 (vgl. Dümmler Otto I S. 220). 830. Dümmler S. 372. Janssen in den Annalen
des Niederrhein. hist. Vereins I, 85. Joh. Ph. Peiffer. Hist. krit. Beitr. z. Gesch. Bruns
I, Aachen 1870. Strebitzki, Quellenkrit. Untersuchungen zur Gesch. Erzb. Br. im
Progr. d. kath. Gymn. v. Neustadt in Westpreussen, 1875. Dierauer in Büdingers
Untersuchungen z. mittl. Gesch. II, 1-50. Maurenbrecher S. 24-27, dessen Tadel die
ganze Gattung der kirchlichen Biographie trifft, zu welcher diese nun einmal gehört.
Seiner künstlichen Deutung der Stellen über die Motive der Empörer kann ich nicht
beistimmen; vgl. Rommels Aufsatz in den Forsch. IV, 121-158 und Maurenbrechers
Entgegnung ib. 587-598; Dümmler Otto I S. 212. — Ueber die viel spätere zweite
Vita (ib. 275-279) s. Vogel, Ratherius II, 14-18. Peiffer S. 13. Varianten bei Simson S.
163-165. Wie Cardauns, Städtechron. XII, p. LVI bemerkt, muß sie doch schon im
12. Jahrh. entstanden sein, da sie in den Ann. Col. max. benutzt ist. — Ein
Epitaphium Brunonis bei Dümmler, Otto I S. 594. Damit verbunden andere, mit
griechischen Worten prunkende Epitaphien aus Bruns Schule, viell. von Ruotger,
NA. X, 346: eines wahrscheinlich auf die Aebtissin Hathuwig von Essen († 18. Juli
947), eines auf den Cölner Bürger Wolfrad.
[3] Dümmler, Forsch. XII, 445. Simson S. 172. Manitius, NA. XII, 369. 370.
[4] K. Lamprecht im NA. IX, 620-623, vgl. S. 669.
[5] Ruotgeri Vita Brun. c. 28. „Compertum quantum praestitistis saeculo, cari
invicem et noti, et in verbis prudentiae saepe admirati“, Translatio S. Maurini.
[6] Peiffer hat darauf hingewiesen, daß Poppo-Folkmar in den Fulder Todtenannalen
zu 969 eingetragen ist, wie schon Leibniz erkannte. Auch der alte Catalog giebt ihm
4 Jahre. Das Jahr 967 der Cölner Annalen wird also wohl falsch sein. So auch
Dümmler, Otto I S. 466.
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[7] Inventio et Translatio S. Maurini, Mab. V, 336-341. Acta SS. Jun. II, 279-283.
Ausz. MG. SS. XV, 2, 683-686. Noch unbedeutender und später geschrieben sind die
Transl. S. Evergisli von Tongern nach der Caecilienkirche und Patrocli von Troyes
nach Soest, MG. SS. IV, 279-281; Varianten zu beiden bei Simson l. c. p. 173. In
diesen Kreis gehört auch die oben 2→S. 174 erwähnte ganz fabelhafte Vita Reinoldi.
— Die Miracula S. Pantaleonis, Jul. IV, 421-426 sind späten Ursprungs und
unbedeutend.
[8] Translatio S. Albini ed. L. v. Heinemann, SS. XV, 2, 686-688.
[9] Eccl. Colon. Codd. p. 60.
[10] Ann. Colonienses 776-1028 e cod. CII, MG. I, 97-99 mit unzulänglichen
Berichtigungen SS. XVI, 731. Neue Ausg. im Verz. d. Cölner Handschriften S. 127-
131. Ann. Colon. breves 814. 898-964 e cod. Vat. Urb. 290 aus Brauweiler, MG. SS.
XVI, 730.
[11] Ihm widmete ein 'Albuinus heremita' einen Sammelband, worin sich u. a. Adso
de antichristo befand, s. Catal. Monac. I, 3, 199; W. Meyer, Der ludus de antichristo,
S. 4; Schum, Catal. bibl. Amplon. p. 558. — Verse an Heribert, gekünstelt und ohne
Inhalt, NA. XVI, 178.
[12] Theopold, Kritische Untersuchungen über die Quellen der angelsächsischen
Geschichte (1872) S. 83-87. Die betreffenden Stücke aus Annalen der Normandie
nebst Auszügen aus den Fortsetzungen bis ins 14. Jahrh. giebt Holder-Egger: Ex
Annalibus Normannicis, MG. SS. XXVI, 488-517.
[13] Annales S. Maximini ←, von 708-987, MG. SS. IV, 6. 7. Sie sind bis 840 von
einer Hand, und bis dahin, wie B. Simson bemerkt, aus den Ann. S. Columbae Senon.
abgeschrieben.
[14] Die Namen der 70 Mönche unter Ogo „qui monasterium reparavit“, MG. SS.
XIII, 301. Vgl. Dümmler, Otto I, S. 65. In d. Bibl. de l'École des chartes XLV (1884),
S. 578-580 ist Nachricht gegeben von einem Evang. mit Nachrichten über
Kirchweihen in St. Maximin, deren erstes Blatt fehlt. Weihe der Krypte 952 unter
Willer, einer Capelle am 2. März 1018 unter Winrich. Ausg. von Sauerland SS. XV,
2, 1269: aus der einst von Wilthem benutzten Hs. v. Nick, Stud. u. Mitth. aus d.
Bened. Orden X, 82 (NA. XV, 212).
[15] Notizen darüber in einem schönen alten Evangeliar aus Tegernsee, NA. VIII,
377.
[16] Miracula S. Maximini, Acta SS. Mai. VII, 25-33. Excerpta ed. Waitz, MG. SS.
IV, 228-234; in Verse gebracht von einem ungenannten Scholasticus, ed. Kraus im
Rheinländ. Jahrb. L, 205-210. Vgl. auch Mabillon, De restitutione disciplinae in
Trevirensibus Monasteriis, Act. V, 341 bis 344. Zwischen 963 und 965 wurde in St.
Maximin das Diptychon mit Namen der Ott. Familie geschrieben, facs. in Papebr.
Propyl. Antiq. Acta SS. Apr. II; Ausg. mit Facs. von Fr. X. Kraus, Westdeutsche Zts.
IV, 138-156.
[17] M. Sdralek, Wolfenb. Fragmente, Münster 1891. — Ueber eine
Urkundenfälschung aus dieser Zeit Bresslau, Westd. Zts. V, 35; u. daselbst S. 20-65
über ihre ganzen Urkunden-Ueberlieferung u. Fälschung.
[18] Paris Suppl. Lat. 641 jetzt Lat. 9448, ausgelegt Arm. XIX n. 198. Zwei
Miniaturen bei Jules Labarte, Hist. des Arts Industriels, Album II, pl. XC nebst der
Inschrift. Waagen III, 276.
[19] MG. I, 539. Ermisch, Die Chronik des Regino S. 26. Kurze den Hersfelder
entnommene Annalen 906-919 daraus, Arch. XI, 300.
Ausz. MG. SS. XV, 2, 683-686. Noch unbedeutender und später geschrieben sind die
Transl. S. Evergisli von Tongern nach der Caecilienkirche und Patrocli von Troyes
nach Soest, MG. SS. IV, 279-281; Varianten zu beiden bei Simson l. c. p. 173. In
diesen Kreis gehört auch die oben 2→S. 174 erwähnte ganz fabelhafte Vita Reinoldi.
— Die Miracula S. Pantaleonis, Jul. IV, 421-426 sind späten Ursprungs und
unbedeutend.
[8] Translatio S. Albini ed. L. v. Heinemann, SS. XV, 2, 686-688.
[9] Eccl. Colon. Codd. p. 60.
[10] Ann. Colonienses 776-1028 e cod. CII, MG. I, 97-99 mit unzulänglichen
Berichtigungen SS. XVI, 731. Neue Ausg. im Verz. d. Cölner Handschriften S. 127-
131. Ann. Colon. breves 814. 898-964 e cod. Vat. Urb. 290 aus Brauweiler, MG. SS.
XVI, 730.
[11] Ihm widmete ein 'Albuinus heremita' einen Sammelband, worin sich u. a. Adso
de antichristo befand, s. Catal. Monac. I, 3, 199; W. Meyer, Der ludus de antichristo,
S. 4; Schum, Catal. bibl. Amplon. p. 558. — Verse an Heribert, gekünstelt und ohne
Inhalt, NA. XVI, 178.
[12] Theopold, Kritische Untersuchungen über die Quellen der angelsächsischen
Geschichte (1872) S. 83-87. Die betreffenden Stücke aus Annalen der Normandie
nebst Auszügen aus den Fortsetzungen bis ins 14. Jahrh. giebt Holder-Egger: Ex
Annalibus Normannicis, MG. SS. XXVI, 488-517.
[13] Annales S. Maximini ←, von 708-987, MG. SS. IV, 6. 7. Sie sind bis 840 von
einer Hand, und bis dahin, wie B. Simson bemerkt, aus den Ann. S. Columbae Senon.
abgeschrieben.
[14] Die Namen der 70 Mönche unter Ogo „qui monasterium reparavit“, MG. SS.
XIII, 301. Vgl. Dümmler, Otto I, S. 65. In d. Bibl. de l'École des chartes XLV (1884),
S. 578-580 ist Nachricht gegeben von einem Evang. mit Nachrichten über
Kirchweihen in St. Maximin, deren erstes Blatt fehlt. Weihe der Krypte 952 unter
Willer, einer Capelle am 2. März 1018 unter Winrich. Ausg. von Sauerland SS. XV,
2, 1269: aus der einst von Wilthem benutzten Hs. v. Nick, Stud. u. Mitth. aus d.
Bened. Orden X, 82 (NA. XV, 212).
[15] Notizen darüber in einem schönen alten Evangeliar aus Tegernsee, NA. VIII,
377.
[16] Miracula S. Maximini, Acta SS. Mai. VII, 25-33. Excerpta ed. Waitz, MG. SS.
IV, 228-234; in Verse gebracht von einem ungenannten Scholasticus, ed. Kraus im
Rheinländ. Jahrb. L, 205-210. Vgl. auch Mabillon, De restitutione disciplinae in
Trevirensibus Monasteriis, Act. V, 341 bis 344. Zwischen 963 und 965 wurde in St.
Maximin das Diptychon mit Namen der Ott. Familie geschrieben, facs. in Papebr.
Propyl. Antiq. Acta SS. Apr. II; Ausg. mit Facs. von Fr. X. Kraus, Westdeutsche Zts.
IV, 138-156.
[17] M. Sdralek, Wolfenb. Fragmente, Münster 1891. — Ueber eine
Urkundenfälschung aus dieser Zeit Bresslau, Westd. Zts. V, 35; u. daselbst S. 20-65
über ihre ganzen Urkunden-Ueberlieferung u. Fälschung.
[18] Paris Suppl. Lat. 641 jetzt Lat. 9448, ausgelegt Arm. XIX n. 198. Zwei
Miniaturen bei Jules Labarte, Hist. des Arts Industriels, Album II, pl. XC nebst der
Inschrift. Waagen III, 276.
[19] MG. I, 539. Ermisch, Die Chronik des Regino S. 26. Kurze den Hersfelder
entnommene Annalen 906-919 daraus, Arch. XI, 300.
Page 482
[20] Fontes IV, 460, MG. SS. XIII, 302. Ein Verz. Prümer Mönche zw. 948 u. 971 ex
libro aureo, bei Lamprecht, Deutsches Wirthschaftsleben III, 319-321.
[21] Annales necrologici Prumienses, MG. SS. XIII, 219-223.
[22] Arch. VIII, 813.
[23] O. v. Heinemann, Cat. d. Wolfenb. Hss. I, 356 nach Wasserschleben; berichtigt
von L. Weiland, Zts. f. Kirchenrecht XX.
[24] S. Waitz, Heinrich I (3. Ausg.) S. 108 und 138.
[25] Vogel, Rather I, 98.
[26] Handschriftlich ist der Erzb. Ruotger ←1 ←2 genannt († 930), wofür wegen des
chronolog. Widerspruchs in Hist. litt. de la France VI, 318 Rodbert gesetzt ist. Vgl.
Dümmler, Otto I S. 543.
[27] Erst Sigebert V. Deod. c. 2 nennt Heinrich (956-964) u. Ekbert Schüler des Erzb.
Brun, was nach Dümmler, Otto I S. 399, grundlos ist.
[28] Aus'm Weerth, Kunstdenkm. im Rheinland III. Ders. Siegeskreuz Constantin
VII. Weih-Inschriften bei Brower et Masen, Ann. Trev. I, 483. St. Beissel, Egbert v.
Trier u. die byzant. Frage. Stimmen aus Maria-Laach 1884, II. S. 260 ff. Janitschek,
Gesch. d. deutschen Kunst S. 65 ff.
[29] Piper, Kal. u. Martyrol. d. Angelsachsen S. 20. Eitelberger. Jahrb. der
Centralcommission II, 254, und daraus F. X. Kraus im Rheinl. Jahrb. XLIV, 166.
Archiv XII, 679.
[30] Oberflächl. Nachricht bei Kugler, Kl. Schr. II, 474. Die Inschriften in Mone's
Zeitschr. III, 11-13. K. Lamprecht, Der Bilderschmuck des Cod. Egberti u. des Cod.
Epternac. im Rheinl. Jahrb. LX (1881) S. 56-112, mit 9 Tafeln. F. X. Kraus, Die
Miniaturen des Cod. Egberti in d. Stadtbibl. zu Trier, in unveränderl. Lichtdruck,
Freiburg 1884, 4. St. Beissel, Bilder der Hs. des K. Otto in Aachen (1886) S. 9-18; S.
17 gegen Lamprechts Datierung.
[31] Kraus im Jahrb. d. Alterthumsfr. im Rheinland XXXVIII, 27 ff. XLIV, 163-167.
Vgl. Boehm. Fontt. IV p. LIII. MG. SS. XIII, 296.
[32] Hontheim, Hist. Trev. I, 323 aus Gerberts Briefen; scholasticos deutet er als
Schüler, was mir zweifelhaft ist.
[33] S. die Vorrede zu den Gesta Trevirorum von Waitz.
[34] Ueber die von Kleyn mitgetheilten Bücherverzeichnisse, worin auch die von
Ekbert geschenkten, s. NA. XV, 210.
[35] Acta SS. Jun. V, 97-109. Mab. III, 1, 631-646 mit Weglassung der Vita. Nach der
Weihe der neuen Kirche 1143 wurden viele Wunder hinzugefügt. Auszug von
Holder-Egger, MG. SS. XV, 2, 699-704, vgl. S. 1319 u. NA. XIII, 29-32.
[36] Sickel im 1. Ergänzungsband der Mitth. d. Inst. S. 361 hält ihn für den Notar
Liutolf A, der 953-958 in der k. Kanzlei gearbeitet hat, und diesen wieder der Schrift
nach für identisch mit einem Adalbertus, der 950 in Köln eine Urk. des Erzb. Wiefrid
recognoscirt (Facs. Kaiserurkunden in Abbildungen, 7. Lief. N. 30). Er müßte sich
dann aus der Kanzlei ins Kloster zurückgezogen haben.
[37] Geschichte der Kaiserzeit I, 778.
[38] Einleitung zur Uebersetzung (1890) S. VII.
[39] Gesch. d. Erzbisthums Magdeburg S. 56.
[40] Jos. Werra, Ueber den Continuator Reginonis. Diss. Lips. 1883.
libro aureo, bei Lamprecht, Deutsches Wirthschaftsleben III, 319-321.
[21] Annales necrologici Prumienses, MG. SS. XIII, 219-223.
[22] Arch. VIII, 813.
[23] O. v. Heinemann, Cat. d. Wolfenb. Hss. I, 356 nach Wasserschleben; berichtigt
von L. Weiland, Zts. f. Kirchenrecht XX.
[24] S. Waitz, Heinrich I (3. Ausg.) S. 108 und 138.
[25] Vogel, Rather I, 98.
[26] Handschriftlich ist der Erzb. Ruotger ←1 ←2 genannt († 930), wofür wegen des
chronolog. Widerspruchs in Hist. litt. de la France VI, 318 Rodbert gesetzt ist. Vgl.
Dümmler, Otto I S. 543.
[27] Erst Sigebert V. Deod. c. 2 nennt Heinrich (956-964) u. Ekbert Schüler des Erzb.
Brun, was nach Dümmler, Otto I S. 399, grundlos ist.
[28] Aus'm Weerth, Kunstdenkm. im Rheinland III. Ders. Siegeskreuz Constantin
VII. Weih-Inschriften bei Brower et Masen, Ann. Trev. I, 483. St. Beissel, Egbert v.
Trier u. die byzant. Frage. Stimmen aus Maria-Laach 1884, II. S. 260 ff. Janitschek,
Gesch. d. deutschen Kunst S. 65 ff.
[29] Piper, Kal. u. Martyrol. d. Angelsachsen S. 20. Eitelberger. Jahrb. der
Centralcommission II, 254, und daraus F. X. Kraus im Rheinl. Jahrb. XLIV, 166.
Archiv XII, 679.
[30] Oberflächl. Nachricht bei Kugler, Kl. Schr. II, 474. Die Inschriften in Mone's
Zeitschr. III, 11-13. K. Lamprecht, Der Bilderschmuck des Cod. Egberti u. des Cod.
Epternac. im Rheinl. Jahrb. LX (1881) S. 56-112, mit 9 Tafeln. F. X. Kraus, Die
Miniaturen des Cod. Egberti in d. Stadtbibl. zu Trier, in unveränderl. Lichtdruck,
Freiburg 1884, 4. St. Beissel, Bilder der Hs. des K. Otto in Aachen (1886) S. 9-18; S.
17 gegen Lamprechts Datierung.
[31] Kraus im Jahrb. d. Alterthumsfr. im Rheinland XXXVIII, 27 ff. XLIV, 163-167.
Vgl. Boehm. Fontt. IV p. LIII. MG. SS. XIII, 296.
[32] Hontheim, Hist. Trev. I, 323 aus Gerberts Briefen; scholasticos deutet er als
Schüler, was mir zweifelhaft ist.
[33] S. die Vorrede zu den Gesta Trevirorum von Waitz.
[34] Ueber die von Kleyn mitgetheilten Bücherverzeichnisse, worin auch die von
Ekbert geschenkten, s. NA. XV, 210.
[35] Acta SS. Jun. V, 97-109. Mab. III, 1, 631-646 mit Weglassung der Vita. Nach der
Weihe der neuen Kirche 1143 wurden viele Wunder hinzugefügt. Auszug von
Holder-Egger, MG. SS. XV, 2, 699-704, vgl. S. 1319 u. NA. XIII, 29-32.
[36] Sickel im 1. Ergänzungsband der Mitth. d. Inst. S. 361 hält ihn für den Notar
Liutolf A, der 953-958 in der k. Kanzlei gearbeitet hat, und diesen wieder der Schrift
nach für identisch mit einem Adalbertus, der 950 in Köln eine Urk. des Erzb. Wiefrid
recognoscirt (Facs. Kaiserurkunden in Abbildungen, 7. Lief. N. 30). Er müßte sich
dann aus der Kanzlei ins Kloster zurückgezogen haben.
[37] Geschichte der Kaiserzeit I, 778.
[38] Einleitung zur Uebersetzung (1890) S. VII.
[39] Gesch. d. Erzbisthums Magdeburg S. 56.
[40] Jos. Werra, Ueber den Continuator Reginonis. Diss. Lips. 1883.
Page 483
[41] So nach W. Erben, NA. XVI, 613-622, der wohl mit Recht die Benutzung der
Ann. Laubac. u. Sangall. abweist. Besonders beachtenswerth ist die Bemerkung zum
J. 938, wo nach Hermann „Arnulf“ statt „Eberhard“ gesetzt wird, und Eberhard v.
Baiern ganz aus der Geschichte gestrichen.
[42] Continuator Reginonis ed. Pertz, MG. SS. I, 614-629 und eine Ergänzung zum
Jahre 967 SS. VI, 620. Neue Ausg. von Fr. Kurze 1890; vgl. NA. XV, 324-330.
Uebersetzung von Büdinger 1857; 2. Ausg. 1890. Geschichtschr. 28 (X, 1). Zu Hugo
Isenbart: Ueber den Verfasser und die Glaubwürdigkeit des Cont. Reg. (Diss. Kil.
1889) s. Kurze, NA. XVI, 209. — In Bern ist ein cod. s. XI. von Augustin de civ. dei
aus St. Maximin „quem Hato bibliotecharius fecit“. Catal. codd. von H. Hagen S. 9.
[43] Dümmler, St. Gall. Denkm. S. 261.
[44] St. Galler Mitth. XI, 13. In dem oben → S. 270 angef. Dialog heißt es S. 489:
„Nobilissimo atque scholasticissimo Ruodperto nuper in Metensis ecclesiae sede
pontificatus honore sublimato.“
[45] Nach Dümmler, Otto I, S. 280, starb er am 7. März 974.
[46] V. Johannis Gorziensis ed. Pertz, MG. SS. IV, 337-377. Vgl. W. Giesebrecht,
Geschichte der Kaiserzeit, I, 506 ff. 784. 837; Dümmler, Otto I, S. 302-306, über die
Klosterreform. Mathieu, De Joh. Gorz. vita, Nancy (82 S. 8). Daß die Vita
unvollendet blieb, sagt der Vf. der Hist. S. Arnulfi aus dem 13. Jahrh., für dessen
Glaubwürdigkeit Walther Schultze eintritt, Forschungen zur Gesch. d. Klosterreform
(Diss. Hal. 1883) S. 40, NA. IX, 507.
[47] War Joh. von Gorze hist. Schriftsteller? NA. IX, 495-512.
[48] MG. SS. IV, 235. 238-247. Gegen diese Datierung sind jedoch Zweifel erhoben
von H. Finke, weil B. Milo v. Minden bei Uebersendung der Passio S. Gorgonii an
Abt Immo v. Gorze, zw. 987 u. 996, keine Miracula kennt; s. NA. XVI, 209 §26.
[49] Miracula bei Mab. IV, 1, 436. Auszug MG. SS. IV, 236-238. Eine Stelle über
Lothar II u. Waldrada nachgetragen SS. XXIV, 506, Anmerkung.
[50] V. Chrodegangi ed. Pertz, MG. SS. X, 552-572. Pertz, Ueber die Vita
Chrodegangi in den Abhandlungen der Berliner Akademie 1852, S. 507 ff.
Epitaphium Chrod. Poet. Lat. I, 108.
[51] Herausgegeben v. Dümmler, Zeitschr. f. D. Alt. XVIII, 306. Nach Mittheilung
desselben ist v. 23 statt Ostendit zu lesen Offendit. Die Hs. aus dem Vincenzstift
(Clarom. 659) enthält folgende Eintragung zum Preise des Bischofs Dietrich:
„Sanctae matris aecclesiae tripudians auriga necnon summae religionis in omni
mundanae adversitatis turbine triumphans gubernaculum, domnus praesul
Deodericus, dum divino adprime cultui deditus quaeque ad honestatem, augmentum
seu defensionem sibi pastorali jure commissae sedis indefesso nisu enuclearet atque
procul posita offensione cuncta votis ejus responderent, inter multa insignia, quae
consilio, auctoritate, sententia ad gloriam et laudem summae et individuae trinitatis
praesenti in coenobio cum decreto imperatorum et principum necnon totius populi
senatu applaudente gloriose gessit, etiam hunc librum Gesta sancti Martini
continentem, quo apud futuram posteritatem sempiternae memoriae immortalitatem
pro mortali conditione nancisceretur, archivis aegregii martyris et laevitae Vincentii
in spem patrocinii sibi electi sub anathematis vinculo votiva manu addidit.“
[52] Vita S. Cadroae, ed. G. Henschen, Acta SS. Mart. I, 474. Mab. V, 489. Auszüge
MG. SS. IV, 483 u. XV, 2, 689. Sein Todesjahr ist unsicher, 978 nach Scheffer-
Boichorst, Zts. f. Gesch. d. Oberrh. N. F. IV, 286, Anm. 5. Vgl. über ihn Sackur, Die
Cluniacenser, S. 182 ff.
Ann. Laubac. u. Sangall. abweist. Besonders beachtenswerth ist die Bemerkung zum
J. 938, wo nach Hermann „Arnulf“ statt „Eberhard“ gesetzt wird, und Eberhard v.
Baiern ganz aus der Geschichte gestrichen.
[42] Continuator Reginonis ed. Pertz, MG. SS. I, 614-629 und eine Ergänzung zum
Jahre 967 SS. VI, 620. Neue Ausg. von Fr. Kurze 1890; vgl. NA. XV, 324-330.
Uebersetzung von Büdinger 1857; 2. Ausg. 1890. Geschichtschr. 28 (X, 1). Zu Hugo
Isenbart: Ueber den Verfasser und die Glaubwürdigkeit des Cont. Reg. (Diss. Kil.
1889) s. Kurze, NA. XVI, 209. — In Bern ist ein cod. s. XI. von Augustin de civ. dei
aus St. Maximin „quem Hato bibliotecharius fecit“. Catal. codd. von H. Hagen S. 9.
[43] Dümmler, St. Gall. Denkm. S. 261.
[44] St. Galler Mitth. XI, 13. In dem oben → S. 270 angef. Dialog heißt es S. 489:
„Nobilissimo atque scholasticissimo Ruodperto nuper in Metensis ecclesiae sede
pontificatus honore sublimato.“
[45] Nach Dümmler, Otto I, S. 280, starb er am 7. März 974.
[46] V. Johannis Gorziensis ed. Pertz, MG. SS. IV, 337-377. Vgl. W. Giesebrecht,
Geschichte der Kaiserzeit, I, 506 ff. 784. 837; Dümmler, Otto I, S. 302-306, über die
Klosterreform. Mathieu, De Joh. Gorz. vita, Nancy (82 S. 8). Daß die Vita
unvollendet blieb, sagt der Vf. der Hist. S. Arnulfi aus dem 13. Jahrh., für dessen
Glaubwürdigkeit Walther Schultze eintritt, Forschungen zur Gesch. d. Klosterreform
(Diss. Hal. 1883) S. 40, NA. IX, 507.
[47] War Joh. von Gorze hist. Schriftsteller? NA. IX, 495-512.
[48] MG. SS. IV, 235. 238-247. Gegen diese Datierung sind jedoch Zweifel erhoben
von H. Finke, weil B. Milo v. Minden bei Uebersendung der Passio S. Gorgonii an
Abt Immo v. Gorze, zw. 987 u. 996, keine Miracula kennt; s. NA. XVI, 209 §26.
[49] Miracula bei Mab. IV, 1, 436. Auszug MG. SS. IV, 236-238. Eine Stelle über
Lothar II u. Waldrada nachgetragen SS. XXIV, 506, Anmerkung.
[50] V. Chrodegangi ed. Pertz, MG. SS. X, 552-572. Pertz, Ueber die Vita
Chrodegangi in den Abhandlungen der Berliner Akademie 1852, S. 507 ff.
Epitaphium Chrod. Poet. Lat. I, 108.
[51] Herausgegeben v. Dümmler, Zeitschr. f. D. Alt. XVIII, 306. Nach Mittheilung
desselben ist v. 23 statt Ostendit zu lesen Offendit. Die Hs. aus dem Vincenzstift
(Clarom. 659) enthält folgende Eintragung zum Preise des Bischofs Dietrich:
„Sanctae matris aecclesiae tripudians auriga necnon summae religionis in omni
mundanae adversitatis turbine triumphans gubernaculum, domnus praesul
Deodericus, dum divino adprime cultui deditus quaeque ad honestatem, augmentum
seu defensionem sibi pastorali jure commissae sedis indefesso nisu enuclearet atque
procul posita offensione cuncta votis ejus responderent, inter multa insignia, quae
consilio, auctoritate, sententia ad gloriam et laudem summae et individuae trinitatis
praesenti in coenobio cum decreto imperatorum et principum necnon totius populi
senatu applaudente gloriose gessit, etiam hunc librum Gesta sancti Martini
continentem, quo apud futuram posteritatem sempiternae memoriae immortalitatem
pro mortali conditione nancisceretur, archivis aegregii martyris et laevitae Vincentii
in spem patrocinii sibi electi sub anathematis vinculo votiva manu addidit.“
[52] Vita S. Cadroae, ed. G. Henschen, Acta SS. Mart. I, 474. Mab. V, 489. Auszüge
MG. SS. IV, 483 u. XV, 2, 689. Sein Todesjahr ist unsicher, 978 nach Scheffer-
Boichorst, Zts. f. Gesch. d. Oberrh. N. F. IV, 286, Anm. 5. Vgl. über ihn Sackur, Die
Cluniacenser, S. 182 ff.
Page 484
[53] Bis jetzt ist nur das Ende gedruckt, von Dümmler, NA. V, 433 bis 437.
[54] Vgl. über ihn Dümmler, Otto I S. 374.
[55] Olleris, Oeuvres de Gerbert, p. 19 ff. u. S. 25-32 d. Ausg. von Hawet, welcher
aber nicht an die Autorschaft Gerberts glaubt. Sie finden sich auch im Cod. ep.
Lauresham. s. NA. III, 328. 340.
[56] Neues Archiv VIII, 78.
[57] Vita Deoderici Mettensis ed. Pertz, MG. SS. IV, 461. Vgl. dazu Dümmler a. a. O.
S. 466. 483. 491. Außer der oben angef. Inschrift 9 Hexameter zu seinem Preis im
Cod. Mett. 215; Schluß: Me referente sciet Francorum regia cortis, Catal. des Bibl.
des Dép. V, 95. Im Catal. Clarom. p. 173 (cod. 506) 3 Distichen zu seinem Preis,
gefeiert als Verwandter des Kaisers Otto „cujus consiliis jura dedit populis“.
[58] Vita Adalberonis II Mettensis episcopi ed. Pertz, MG. SS. IV, 658 bis 672;
geschrieben um das Jahr 1015. Ueber ein Sacramentar von dort Delisle, Sacram. p.
222.
[59] Die Verse bei Pertz a. a. O. S. 672; die letzten auch bei Delisle, Cabinet des
Manuscrits II, 401. Der Brief bei G. v. Wyß, Gesch. der Abtei Zürich.
[60] S. NA. XIII, 666 über Studemund in den Breslauer Philolog. Abhandl. II, 3.
[61] Gedruckt bei Mab. III, 2, 140-153. Vgl. Mone, Quellens. I, 36-38. Stälin I, 168,
Rettberg II, 52. Nur der Prolog MG. SS. XV, 21. Ueber die geschichtl. Verhältnisse s.
K. Brandi: Die Reichenauer Urkundenfälschungen (1890) S. 102 ff.
[62] Quellensammlung I, 45-50. MG. SS. XV, 21-31, von Holder-Egger; S. 31-35
Miracula Hornbacensia.
[63] Herausgeg. v. Dümmler, NA. X, 344. Delisle, Sacram. p. 190.
[64] Alperti de episcopis Mettensibus libellus ed. Pertz, MG. SS. IV, 697.
Bischofsverzeichnisse SS. XIII, 303. Ueber Benutzung von Caesars Bell. Gall. in
seinen Werken Manitius, NA. XIII, 203.
[65] Kerkgeschiedenis II, 2, 343.
[66] Acta SS. Maj. I, 428.
[67] Alperti de diversitate temporum libri II ed. Pertz, MG. SS. IV, 700. Mit
Uebersetzung und Comment. herausgeg. v. Dederich, Münster 1859. Giesebrecht II,
557. Hieraus mit wenigen kleinen Aenderungen, ist nach Mitth. v. Dümmler das von
diesem in Briegers Zts. f. Kirchengesch. I, 446-450 (1877) abgedr. Stück: Jüdische
Proselyten im Mittelalter (I, c. 7, II, c. 22-24).
[68] S. P. Ewald, NA. III, 324. Als Bischof von Arezzo wird er erwähnt in der
merkwürdigen Capitelschronik, NA. V, 449. Vgl. Bresslau, Konrad II, II, 531-536.
[69] S. Moll, Kerkgeschiedenis I, 370, Dümmler, NA. IV, 549. Migne CXXXII, 547-
560. Recht schön sind seine Versus de hirundine im Pal. 1564, ed. Dümmler,
Zeitschr. f. D. Alt. XIX, 388. Nach der Hds. ist, wie ders. mir mittheilt, v. 4 zu
schreiben Formula.... arta, u. v. 40 steht wirklich Ne.
[70] Jacobs u. Ukert, Beiträge III, 262.
[71] Da dieser Biograph noch eine alte Frau, die bei Bonifazens Tod zugegen
gewesen war, gesprochen haben will, muß er viel älter sein, s. Rettberg I, 332. Ausg.
Acta SS. Junii I, 477-481. Ein Stückchen bei Jaffé, Bibl. III, 506.
[72] MG. II, 218 mit einigen Versen von ihm, Heda, Hist. Ultraj. p. 71. Er veranlaßte
914 zur Confirmation der Privilegien durch K. Konrad die älteste Copie der k.
Privilegien, s. S. Muller, Het oudste Cartularium van het Sticht Utrecht, 1892.
[54] Vgl. über ihn Dümmler, Otto I S. 374.
[55] Olleris, Oeuvres de Gerbert, p. 19 ff. u. S. 25-32 d. Ausg. von Hawet, welcher
aber nicht an die Autorschaft Gerberts glaubt. Sie finden sich auch im Cod. ep.
Lauresham. s. NA. III, 328. 340.
[56] Neues Archiv VIII, 78.
[57] Vita Deoderici Mettensis ed. Pertz, MG. SS. IV, 461. Vgl. dazu Dümmler a. a. O.
S. 466. 483. 491. Außer der oben angef. Inschrift 9 Hexameter zu seinem Preis im
Cod. Mett. 215; Schluß: Me referente sciet Francorum regia cortis, Catal. des Bibl.
des Dép. V, 95. Im Catal. Clarom. p. 173 (cod. 506) 3 Distichen zu seinem Preis,
gefeiert als Verwandter des Kaisers Otto „cujus consiliis jura dedit populis“.
[58] Vita Adalberonis II Mettensis episcopi ed. Pertz, MG. SS. IV, 658 bis 672;
geschrieben um das Jahr 1015. Ueber ein Sacramentar von dort Delisle, Sacram. p.
222.
[59] Die Verse bei Pertz a. a. O. S. 672; die letzten auch bei Delisle, Cabinet des
Manuscrits II, 401. Der Brief bei G. v. Wyß, Gesch. der Abtei Zürich.
[60] S. NA. XIII, 666 über Studemund in den Breslauer Philolog. Abhandl. II, 3.
[61] Gedruckt bei Mab. III, 2, 140-153. Vgl. Mone, Quellens. I, 36-38. Stälin I, 168,
Rettberg II, 52. Nur der Prolog MG. SS. XV, 21. Ueber die geschichtl. Verhältnisse s.
K. Brandi: Die Reichenauer Urkundenfälschungen (1890) S. 102 ff.
[62] Quellensammlung I, 45-50. MG. SS. XV, 21-31, von Holder-Egger; S. 31-35
Miracula Hornbacensia.
[63] Herausgeg. v. Dümmler, NA. X, 344. Delisle, Sacram. p. 190.
[64] Alperti de episcopis Mettensibus libellus ed. Pertz, MG. SS. IV, 697.
Bischofsverzeichnisse SS. XIII, 303. Ueber Benutzung von Caesars Bell. Gall. in
seinen Werken Manitius, NA. XIII, 203.
[65] Kerkgeschiedenis II, 2, 343.
[66] Acta SS. Maj. I, 428.
[67] Alperti de diversitate temporum libri II ed. Pertz, MG. SS. IV, 700. Mit
Uebersetzung und Comment. herausgeg. v. Dederich, Münster 1859. Giesebrecht II,
557. Hieraus mit wenigen kleinen Aenderungen, ist nach Mitth. v. Dümmler das von
diesem in Briegers Zts. f. Kirchengesch. I, 446-450 (1877) abgedr. Stück: Jüdische
Proselyten im Mittelalter (I, c. 7, II, c. 22-24).
[68] S. P. Ewald, NA. III, 324. Als Bischof von Arezzo wird er erwähnt in der
merkwürdigen Capitelschronik, NA. V, 449. Vgl. Bresslau, Konrad II, II, 531-536.
[69] S. Moll, Kerkgeschiedenis I, 370, Dümmler, NA. IV, 549. Migne CXXXII, 547-
560. Recht schön sind seine Versus de hirundine im Pal. 1564, ed. Dümmler,
Zeitschr. f. D. Alt. XIX, 388. Nach der Hds. ist, wie ders. mir mittheilt, v. 4 zu
schreiben Formula.... arta, u. v. 40 steht wirklich Ne.
[70] Jacobs u. Ukert, Beiträge III, 262.
[71] Da dieser Biograph noch eine alte Frau, die bei Bonifazens Tod zugegen
gewesen war, gesprochen haben will, muß er viel älter sein, s. Rettberg I, 332. Ausg.
Acta SS. Junii I, 477-481. Ein Stückchen bei Jaffé, Bibl. III, 506.
[72] MG. II, 218 mit einigen Versen von ihm, Heda, Hist. Ultraj. p. 71. Er veranlaßte
914 zur Confirmation der Privilegien durch K. Konrad die älteste Copie der k.
Privilegien, s. S. Muller, Het oudste Cartularium van het Sticht Utrecht, 1892.
Page 485
[73] Libellus cujusdam ep. Traject. Radbodi nomine de quodam S. Martini miraculo,
bei André Salmon, Supplément aux Chroniques de Touraine p. 1-13. MG. SS. XV, 2,
1239-1244. Vgl. Em. Mabille, Les invasions Normandes dans la Loire et les
pérégrinations du Corps de S. Martin, Bibl. de l'École des chartes VI, 5, 149-194.
[74] Entdeckt und herausgegeben von W. Moll, im Kerkhist. Archief v. Kist und
Moll, III, 213-221. Ein Sermo de S. Servatio von ihm Anal. Boll. I, 104-111.
[75] Vita S. Radbodi, Mab. V, 25-31 aus Sur. Nov. 29. Ausg. v. Holder-Egger (mit der
Translatio) SS. XV, 1, 568-571. Aus ders. Hs. Analecta Boll. VI. Benutzt von Adam
Brem. I, 40. Vgl. Dümmler, Ostfr. II, 333.
[76] Seinen Brief von 934 an den Erzb. v. Cöln bei Heda S. 75 nimmt Moll I, 271
gegen Zweifel in Schutz. Bei dems. S. 530 u. MG. SS. XV, 571a die Grabschrift
seiner Eltern. Unechte Urk. von ihm mit Aufzählung seiner Verdienste um die
Herstellung des Stifts bei S. Muller a. a. O. S. 222, vgl. S. LI f. Von Waitz, Heinrich I
(3. Ausg.) S. 94 zu günstig beurtheilt.
[77] Translatio Benigni et Agnetis, Acta SS. Jan. II. 357-360. Auszug MG. SS. XV, 1,
571e.
[78] Kraus im Jahrbuch d. Alterthumsfr. im Rheinland L, 201, wo v. 2 illa steht, was
nicht angeht. Auch ist irrig Agna in Agnes geändert. Es folgt noch: „Obiit a. 977 cum
vixisset (leg. rexisset) 59.“ Aehnlich aus dem alten Catal. in Bijdragen en
Mededeelingen XI, 490, wo auch S. 489 das eben erwähnte Epitaph seines Vaters
Ricfrid.
[79] S. die neue Ausgabe von E. Voigt, Straßburg 1875. Ueber Benutzung Fortunats
darin Manitius, NA. XII, 592-595.
[80] Ueber die Fortwirkung dieser Schrift, die noch zu erkennen ist in der Sage von
der Wiederkunft Friedrichs II, s. Riezler, Hist. Zeitschr. XXXII, 67 ff. Berichtigter
Abdruck der Prophezeiung über den Frankenkönig bei Hauréau, Notices et Extraits
de quelques manuscrits latins I. 371.
[81] Miracula S. Bercharii, Mab. II, 844-861, ein Stück daraus MG. SS. IV, 487. Vgl.
über Adso Hist. litt. de la France VI, 471-492. (Den Catalog seiner Bibliothek vom J.
992 hat Omont in d. Bibl. de l'École des ch. 42 (1881) herausgegeben.) Miracula S.
Mansueti bei Calmet. Hist. de Lorraine I. Pr. p. 86-106. Acta SS. Sept. I, 637. Exc.
MG. SS. IV, 509 bis 514. Miracula S. Basoli, Mab. IV, 2, 137-142. Vgl. MG. SS. IV,
517. Miracula S. Apri bei Calmet I. c. p. 107-126. Sept. V, 70. Exc. MG. SS. IV, 515-
520. Miracula S. Waldeberti, Mab. III, 2, 452-460. Acta SS. Mai I, 277-282. MG. SS.
XV, 2, 1170-1176.
[82] Archiv VII, 1014. Catal. des Départ. V, 157.
bei André Salmon, Supplément aux Chroniques de Touraine p. 1-13. MG. SS. XV, 2,
1239-1244. Vgl. Em. Mabille, Les invasions Normandes dans la Loire et les
pérégrinations du Corps de S. Martin, Bibl. de l'École des chartes VI, 5, 149-194.
[74] Entdeckt und herausgegeben von W. Moll, im Kerkhist. Archief v. Kist und
Moll, III, 213-221. Ein Sermo de S. Servatio von ihm Anal. Boll. I, 104-111.
[75] Vita S. Radbodi, Mab. V, 25-31 aus Sur. Nov. 29. Ausg. v. Holder-Egger (mit der
Translatio) SS. XV, 1, 568-571. Aus ders. Hs. Analecta Boll. VI. Benutzt von Adam
Brem. I, 40. Vgl. Dümmler, Ostfr. II, 333.
[76] Seinen Brief von 934 an den Erzb. v. Cöln bei Heda S. 75 nimmt Moll I, 271
gegen Zweifel in Schutz. Bei dems. S. 530 u. MG. SS. XV, 571a die Grabschrift
seiner Eltern. Unechte Urk. von ihm mit Aufzählung seiner Verdienste um die
Herstellung des Stifts bei S. Muller a. a. O. S. 222, vgl. S. LI f. Von Waitz, Heinrich I
(3. Ausg.) S. 94 zu günstig beurtheilt.
[77] Translatio Benigni et Agnetis, Acta SS. Jan. II. 357-360. Auszug MG. SS. XV, 1,
571e.
[78] Kraus im Jahrbuch d. Alterthumsfr. im Rheinland L, 201, wo v. 2 illa steht, was
nicht angeht. Auch ist irrig Agna in Agnes geändert. Es folgt noch: „Obiit a. 977 cum
vixisset (leg. rexisset) 59.“ Aehnlich aus dem alten Catal. in Bijdragen en
Mededeelingen XI, 490, wo auch S. 489 das eben erwähnte Epitaph seines Vaters
Ricfrid.
[79] S. die neue Ausgabe von E. Voigt, Straßburg 1875. Ueber Benutzung Fortunats
darin Manitius, NA. XII, 592-595.
[80] Ueber die Fortwirkung dieser Schrift, die noch zu erkennen ist in der Sage von
der Wiederkunft Friedrichs II, s. Riezler, Hist. Zeitschr. XXXII, 67 ff. Berichtigter
Abdruck der Prophezeiung über den Frankenkönig bei Hauréau, Notices et Extraits
de quelques manuscrits latins I. 371.
[81] Miracula S. Bercharii, Mab. II, 844-861, ein Stück daraus MG. SS. IV, 487. Vgl.
über Adso Hist. litt. de la France VI, 471-492. (Den Catalog seiner Bibliothek vom J.
992 hat Omont in d. Bibl. de l'École des ch. 42 (1881) herausgegeben.) Miracula S.
Mansueti bei Calmet. Hist. de Lorraine I. Pr. p. 86-106. Acta SS. Sept. I, 637. Exc.
MG. SS. IV, 509 bis 514. Miracula S. Basoli, Mab. IV, 2, 137-142. Vgl. MG. SS. IV,
517. Miracula S. Apri bei Calmet I. c. p. 107-126. Sept. V, 70. Exc. MG. SS. IV, 515-
520. Miracula S. Waldeberti, Mab. III, 2, 452-460. Acta SS. Mai I, 277-282. MG. SS.
XV, 2, 1170-1176.
[82] Archiv VII, 1014. Catal. des Départ. V, 157.
Page 486
§ 7. Lüttich. [ ← ]
In Lüttich hatte, wie wir sahen (S. 266) die gelehrte Thätigkeit sich
lange erhalten; die Verwüstung durch die Normannen 881 wird aber auch
hier die Musen zum Schweigen gebracht haben. Am Anfange dieser Periode
finden wir dort einen Bischof, der sich als Schriftsteller versucht hat und
durch gelehrte Bildung ausgezeichnet war, Stephan (901-920), der in der
französischen Hofschule unter Probst Manno ein Mitschüler Radbods, dann
Domherr zu Metz gewesen war. Er selbst hat das alte Leben des heiligen
Lambert (oben S. 264) neu bearbeitet und eine metrische Bearbeitung
desselben veranlaßt[1]; Responsorien verfaßte er und schrieb darüber an
Erzbischof Herimann von Coeln, und einen vollständigen Band, mit
Lectionen und was zum Kirchendienst gehört, übersandte er Bischof
Ruotbert von Metz[2]. Hucbald, der gelehrte Mönch von St. Amand,
übersandte ihm 907 zur Prüfung das Leben der heiligen Rictrudis. Nach
Vogels Vermuthung war Stephan der Lehrer des Ratherius, jenes unstäten
Mönches des Klosters Lobbes, der eben so sehr durch seine wechselnden
Schicksale, wie durch seine umfassende Gelehrsamkeit, aber auch durch
seine seltsam gesuchte und absichtlich dunkle und verworrene Schreibart
merkwürdig ist. Sein Ehrgeiz, sein unverträglicher Charakter, sein
beißender Witz, mit dem er unbarmherzig die Fehler seiner Zeitgenossen
geißelte, während er in seinen Bekenntnissen eben so schonungslos seine
eigenen Sünden beichtete, ließen ihm nirgends Ruhe, und machten es ihm
unmöglich, als Bischof von Verona und von Lüttich den Widerstand seiner
vornehmeren und mächtigeren Gegner auszuhalten. Seine Schriften, so
lehrreich sie sind, können doch nicht als Geschichtswerke betrachtet
werden, und auch das Leben des heiligen Ursmar ist nur eine stilistische
Ueberarbeitung der älteren Legende[3]. Die Beschäftigung mit
grammatischen, philosophischen und theologischen Studien war lange in
Lüttich vorherrschend, und erst spät begann man auch hier sich ernstlich
In Lüttich hatte, wie wir sahen (S. 266) die gelehrte Thätigkeit sich
lange erhalten; die Verwüstung durch die Normannen 881 wird aber auch
hier die Musen zum Schweigen gebracht haben. Am Anfange dieser Periode
finden wir dort einen Bischof, der sich als Schriftsteller versucht hat und
durch gelehrte Bildung ausgezeichnet war, Stephan (901-920), der in der
französischen Hofschule unter Probst Manno ein Mitschüler Radbods, dann
Domherr zu Metz gewesen war. Er selbst hat das alte Leben des heiligen
Lambert (oben S. 264) neu bearbeitet und eine metrische Bearbeitung
desselben veranlaßt[1]; Responsorien verfaßte er und schrieb darüber an
Erzbischof Herimann von Coeln, und einen vollständigen Band, mit
Lectionen und was zum Kirchendienst gehört, übersandte er Bischof
Ruotbert von Metz[2]. Hucbald, der gelehrte Mönch von St. Amand,
übersandte ihm 907 zur Prüfung das Leben der heiligen Rictrudis. Nach
Vogels Vermuthung war Stephan der Lehrer des Ratherius, jenes unstäten
Mönches des Klosters Lobbes, der eben so sehr durch seine wechselnden
Schicksale, wie durch seine umfassende Gelehrsamkeit, aber auch durch
seine seltsam gesuchte und absichtlich dunkle und verworrene Schreibart
merkwürdig ist. Sein Ehrgeiz, sein unverträglicher Charakter, sein
beißender Witz, mit dem er unbarmherzig die Fehler seiner Zeitgenossen
geißelte, während er in seinen Bekenntnissen eben so schonungslos seine
eigenen Sünden beichtete, ließen ihm nirgends Ruhe, und machten es ihm
unmöglich, als Bischof von Verona und von Lüttich den Widerstand seiner
vornehmeren und mächtigeren Gegner auszuhalten. Seine Schriften, so
lehrreich sie sind, können doch nicht als Geschichtswerke betrachtet
werden, und auch das Leben des heiligen Ursmar ist nur eine stilistische
Ueberarbeitung der älteren Legende[3]. Die Beschäftigung mit
grammatischen, philosophischen und theologischen Studien war lange in
Lüttich vorherrschend, und erst spät begann man auch hier sich ernstlich
Page 487
mit der Geschichte zu beschäftigen, wenn man es auch nicht ganz unterließ,
kurze Notizen am Rande von Ostercyklen einzutragen.
So wie Rather immer von neuem in die politischen Wirren
hineingezogen wurde, so ließen auch in Lüttich die lothringischen
Parteikämpfe lange keine ruhige Entwickelung friedlicher Studien
aufkommen. Von 945-947 war ein gelehrter Abt von St. Maximin, Hugo,
Bischof, 953-955 Rather, aber dieser konnte nicht zu irgend einer
Wirksamkeit gelangen, und unter Balderich, der ihn verdrängte[4], fand die
Wissenschaft keine Stätte. Dann aber bestieg auch hier ein Schüler und
begeisterter Verehrer Bruns, E b r achar (959-971), den Bischofstuhl, ein
vornehmer Sachse, bis dahin Decan zu Bonn; ihn nennt als seinen Lehrer
ein sächsischer Priester, von dessen Namen wir nur den Anfangsbuchstaben
B. kennen, der sich nach Ebrachars Tod nach Canterbury zum Erzbischof
Dunstan begab, nach dessen Tod (988) er der erste Biograph dieses
hervorragenden Mannes wurde[5]. Nicht ihm allein, sagt er, sondern einer
großen Anzahl habe er zur Wissenschaft verholfen, und in der Vita Balderici
wird Ebrachar geradezu als der Begründer der Lütticher Schule gepriesen[6].
Auf Ebrachar folgte 972-1008 Not ker, bis dahin Probst im Kloster St.
Gallen, ein Mann, der in jeder Beziehung höchst ausgezeichnet war[7], und
in Lüttich jenen hohen Glanz der Schulen begründete, dessen Ruf sich bald
durch die ganze Christenheit verbreitete. Bald strömten lernbegierige
Jünglinge von allen Seiten her an der Maas zusammen, während ebenso
bedeutende Lehrer von hier ausgingen und den Wirkungskreis der Lütticher
Schule immer weiter ausbreiteten; sogar in Paris bei St. Genovefa lehrte der
Lütticher Hubald mit außerordentlichem Beifall. Außer diesem, den
Notkers Nachfolger Balderich II auch auf einige Zeit nach Prag sandte,
nennt Anselm[8] als Notkers Schüler Günther von Salzburg (1024-1025),
Ruthard und Erluin von Cambrai (979-995 bis 1012), Heimo von Verdun
(991-1024), Hezelo von Toul (1018 bis 1026), Adalbold von Utrecht (1010-
1026). Eine Vita Notkeri aus der Mitte des 12. Jahrhunderts, von welcher
Gilles d'Orval ansehnliche Stücke erhalten hat, in welchen mehrfach auch
kurze Notizen am Rande von Ostercyklen einzutragen.
So wie Rather immer von neuem in die politischen Wirren
hineingezogen wurde, so ließen auch in Lüttich die lothringischen
Parteikämpfe lange keine ruhige Entwickelung friedlicher Studien
aufkommen. Von 945-947 war ein gelehrter Abt von St. Maximin, Hugo,
Bischof, 953-955 Rather, aber dieser konnte nicht zu irgend einer
Wirksamkeit gelangen, und unter Balderich, der ihn verdrängte[4], fand die
Wissenschaft keine Stätte. Dann aber bestieg auch hier ein Schüler und
begeisterter Verehrer Bruns, E b r achar (959-971), den Bischofstuhl, ein
vornehmer Sachse, bis dahin Decan zu Bonn; ihn nennt als seinen Lehrer
ein sächsischer Priester, von dessen Namen wir nur den Anfangsbuchstaben
B. kennen, der sich nach Ebrachars Tod nach Canterbury zum Erzbischof
Dunstan begab, nach dessen Tod (988) er der erste Biograph dieses
hervorragenden Mannes wurde[5]. Nicht ihm allein, sagt er, sondern einer
großen Anzahl habe er zur Wissenschaft verholfen, und in der Vita Balderici
wird Ebrachar geradezu als der Begründer der Lütticher Schule gepriesen[6].
Auf Ebrachar folgte 972-1008 Not ker, bis dahin Probst im Kloster St.
Gallen, ein Mann, der in jeder Beziehung höchst ausgezeichnet war[7], und
in Lüttich jenen hohen Glanz der Schulen begründete, dessen Ruf sich bald
durch die ganze Christenheit verbreitete. Bald strömten lernbegierige
Jünglinge von allen Seiten her an der Maas zusammen, während ebenso
bedeutende Lehrer von hier ausgingen und den Wirkungskreis der Lütticher
Schule immer weiter ausbreiteten; sogar in Paris bei St. Genovefa lehrte der
Lütticher Hubald mit außerordentlichem Beifall. Außer diesem, den
Notkers Nachfolger Balderich II auch auf einige Zeit nach Prag sandte,
nennt Anselm[8] als Notkers Schüler Günther von Salzburg (1024-1025),
Ruthard und Erluin von Cambrai (979-995 bis 1012), Heimo von Verdun
(991-1024), Hezelo von Toul (1018 bis 1026), Adalbold von Utrecht (1010-
1026). Eine Vita Notkeri aus der Mitte des 12. Jahrhunderts, von welcher
Gilles d'Orval ansehnliche Stücke erhalten hat, in welchen mehrfach auch
Page 488
Hexameter, Reste eines gleichzeitigen Lobgedichts[9], erscheinen, ist leider
verloren[10].
Im Jahre 960 war im Kloster L au bach oder L ob bes, das bis dahin
dem Bischof von Lüttich untergeben war und das durch die Kämpfe der
Parteien und die rechtlosen Zustände viel gelitten hatte, das regelmäßige
Klosterleben unter einem eigenen Abte wieder hergestellt worden, und bald
darauf begann man auch hier, wie an so vielen anderen Orten, Ann alen
zusammen zu stellen, vielleicht aber auch nur eine in Lüttich entstandene
und fortgesetzte Compilation mit einheimischen Notizen zu vermehren[11].
An Beda und andere alte Chronisten reihen sich Auszüge aus der S. 202
erwähnten Chronik bis 805, verbunden mit Stellen aus den Lauriss. maj.
und Laureshamenses; dann ist Thegan benutzt und von 840 an selbständig
fortgearbeitet, doch von 874 bis 900 sind die Ann. Vedastini vollständig
aufgenommen. Diese ziemlich dürftigen Annalen wurden nicht über das
Jahr 982 fortgesetzt; sie dienten aber in Verbindung mit anderen
Aufzeichnungen in L üt ti ch im Jahr 1000 zur Abfassung von Annalen, die
von nun an fortgesetzt wurden. Sie sind verloren, aber wie Waitz
nachgewiesen hat[12], bis 1086 in den Amiales S. Jacobi und Fossenses, bis
1056 auch in den Annales Laubienses kenntlich. Auf diese werden wir
später zurückkommen.
Bedeutender als jene Annalen von L ob bes ist die Klostergeschichte
des Abtes F o lcwi n[13], die bis zum Jahre 980 reicht. Ebrachar hatte ihn
965 zum Abte erhoben, und 25 Jahre lang verwaltete er sein Amt in großem
Ansehen bei den trefflichen Männern, welche um diese Zeit die
verschiedenen Bischofsitze zierten. Daß er nicht, wie Mabillon und Guérard
meinten, von dem Folcwin von St. Bertin zu unterscheiden sei, hat Holder-
Egger vollkommen überzeugend nachgewiesen (NA. VI, 415-438), und wir
wissen daher, daß er aus Lothringen gebürtig, vornehmer Abkunft, selbst
den Karolingern verwandt war, stolz auf den Bischof Folcwin von
Thérouanne (817-855), dessen feierliche Erhebung sein Vater und Oheim
bewerkstelligt haben, und dessen Leben er beschrieben[14] und dem Abt
verloren[10].
Im Jahre 960 war im Kloster L au bach oder L ob bes, das bis dahin
dem Bischof von Lüttich untergeben war und das durch die Kämpfe der
Parteien und die rechtlosen Zustände viel gelitten hatte, das regelmäßige
Klosterleben unter einem eigenen Abte wieder hergestellt worden, und bald
darauf begann man auch hier, wie an so vielen anderen Orten, Ann alen
zusammen zu stellen, vielleicht aber auch nur eine in Lüttich entstandene
und fortgesetzte Compilation mit einheimischen Notizen zu vermehren[11].
An Beda und andere alte Chronisten reihen sich Auszüge aus der S. 202
erwähnten Chronik bis 805, verbunden mit Stellen aus den Lauriss. maj.
und Laureshamenses; dann ist Thegan benutzt und von 840 an selbständig
fortgearbeitet, doch von 874 bis 900 sind die Ann. Vedastini vollständig
aufgenommen. Diese ziemlich dürftigen Annalen wurden nicht über das
Jahr 982 fortgesetzt; sie dienten aber in Verbindung mit anderen
Aufzeichnungen in L üt ti ch im Jahr 1000 zur Abfassung von Annalen, die
von nun an fortgesetzt wurden. Sie sind verloren, aber wie Waitz
nachgewiesen hat[12], bis 1086 in den Amiales S. Jacobi und Fossenses, bis
1056 auch in den Annales Laubienses kenntlich. Auf diese werden wir
später zurückkommen.
Bedeutender als jene Annalen von L ob bes ist die Klostergeschichte
des Abtes F o lcwi n[13], die bis zum Jahre 980 reicht. Ebrachar hatte ihn
965 zum Abte erhoben, und 25 Jahre lang verwaltete er sein Amt in großem
Ansehen bei den trefflichen Männern, welche um diese Zeit die
verschiedenen Bischofsitze zierten. Daß er nicht, wie Mabillon und Guérard
meinten, von dem Folcwin von St. Bertin zu unterscheiden sei, hat Holder-
Egger vollkommen überzeugend nachgewiesen (NA. VI, 415-438), und wir
wissen daher, daß er aus Lothringen gebürtig, vornehmer Abkunft, selbst
den Karolingern verwandt war, stolz auf den Bischof Folcwin von
Thérouanne (817-855), dessen feierliche Erhebung sein Vater und Oheim
bewerkstelligt haben, und dessen Leben er beschrieben[14] und dem Abt
Page 489
Walter von St. Bertin (c. 970-984) gewidmet hat, als er schon Abt von
Lobbes war; damals, als er die darin stark benutzte Vita Brunonis schon
kannte, hat er den Entwurf ausgearbeitet, welchen er schon viel früher
gemacht hatte, in St. Bertin, wo er 948 als Knabe eingekleidet wurde. Hier
hat er auch bereits im Jahre 961 die Urkunden des Stiftes gesammelt und
mit Lebensnachrichten der Aebte versehen, auch nicht unwichtige,
geschichtliche Nachrichten allgemeinerer Art eingeflochten[15], sehr
mangelhaft in der Form und sogar mit groben grammatischen Fehlern. Die
Quellen, welche darin benutzt sind, hat Holder-Egger genau untersucht; am
wichtigsten darunter sind die Spuren verlorener Annalen von St. Bertin,
welche auch in den Ann. Blandin. zu erkennen sind. In ähnlicher Weise,
aber grammatisch jetzt besser ausgebildet, machte er sich als Abt auch an
die Geschichte von Lobbes, und legte ihr die Urkunden seines Klosters
nebst den ihm zugänglichen Werken Einhards, Flodoards, Ruotgers und
anderer zu Grunde. Ist ihm nun auch die Verarbeitung dieses Stoffes wenig
gelungen, so ist doch schon das Streben nach einer urkundlichen
Geschichtschreibung bemerkenswerth, und für die spätere Zeit, wo er die
eigenen Erlebnisse zu schildern hat, empfiehlt er sich durch Wahrheitsliebe
und Einfachheit, wenn auch die Kürze der Erzählung unbefriedigt läßt.
Folcwins Nachfolger in Lobbes war Her i ger (990-1007), ein
vertrauter Freund des Bischofs N otker, den er im Jahre 989 nach Italien
begleitete und für den er mit seiner Feder thätig war, während Notkers
Name den Schriften größere Autorität verlieh. So namentlich 980 dem von
dem Bavokloster zu Gent erbetenen Werk über den h. Landoald, auf
welches wir zurückkommen, und ähnlich auch der wohl schon früher
verfaßten älteren Geschichte des Lütticher Bisthums[16]. Er gelangte damit
aber nicht weiter als bis zum Jahre 667, so daß das Buch als
Geschichtsquelle kaum in Betracht kommt, und litterarisch kann man es
leider nur als ein ganz verfehltes Werk betrachten wegen der
unverständigen Anwendung der Gelehrsamkeit, welche dem Verfasser
allerdings in reichem Maße zu Gebote stand. Aber kaum kann man einen
übleren Gebrauch davon machen, als wenn man lange Reden aus Stellen
Lobbes war; damals, als er die darin stark benutzte Vita Brunonis schon
kannte, hat er den Entwurf ausgearbeitet, welchen er schon viel früher
gemacht hatte, in St. Bertin, wo er 948 als Knabe eingekleidet wurde. Hier
hat er auch bereits im Jahre 961 die Urkunden des Stiftes gesammelt und
mit Lebensnachrichten der Aebte versehen, auch nicht unwichtige,
geschichtliche Nachrichten allgemeinerer Art eingeflochten[15], sehr
mangelhaft in der Form und sogar mit groben grammatischen Fehlern. Die
Quellen, welche darin benutzt sind, hat Holder-Egger genau untersucht; am
wichtigsten darunter sind die Spuren verlorener Annalen von St. Bertin,
welche auch in den Ann. Blandin. zu erkennen sind. In ähnlicher Weise,
aber grammatisch jetzt besser ausgebildet, machte er sich als Abt auch an
die Geschichte von Lobbes, und legte ihr die Urkunden seines Klosters
nebst den ihm zugänglichen Werken Einhards, Flodoards, Ruotgers und
anderer zu Grunde. Ist ihm nun auch die Verarbeitung dieses Stoffes wenig
gelungen, so ist doch schon das Streben nach einer urkundlichen
Geschichtschreibung bemerkenswerth, und für die spätere Zeit, wo er die
eigenen Erlebnisse zu schildern hat, empfiehlt er sich durch Wahrheitsliebe
und Einfachheit, wenn auch die Kürze der Erzählung unbefriedigt läßt.
Folcwins Nachfolger in Lobbes war Her i ger (990-1007), ein
vertrauter Freund des Bischofs N otker, den er im Jahre 989 nach Italien
begleitete und für den er mit seiner Feder thätig war, während Notkers
Name den Schriften größere Autorität verlieh. So namentlich 980 dem von
dem Bavokloster zu Gent erbetenen Werk über den h. Landoald, auf
welches wir zurückkommen, und ähnlich auch der wohl schon früher
verfaßten älteren Geschichte des Lütticher Bisthums[16]. Er gelangte damit
aber nicht weiter als bis zum Jahre 667, so daß das Buch als
Geschichtsquelle kaum in Betracht kommt, und litterarisch kann man es
leider nur als ein ganz verfehltes Werk betrachten wegen der
unverständigen Anwendung der Gelehrsamkeit, welche dem Verfasser
allerdings in reichem Maße zu Gebote stand. Aber kaum kann man einen
übleren Gebrauch davon machen, als wenn man lange Reden aus Stellen
Page 490
der Classiker zusammensetzt und diese dann alten Heiligen der
merowingischen Zeit in den Mund legt.
Mancherlei geschichtlicher Stoff findet sich noch in den Legenden und
Wundergeschichten dieser Gegenden; vorzüglich lernen wir daraus die
Grafen von Flandern als eifrige Heiligenverehrer kennen. So wurde der
Leib des heiligen Winno ch vor den Normannen von Wormhout nach St.
Bertin geflüchtet und 900 durch Balduin den Kahlen (879-918) nach dem
von ihm gestifteten Kloster Bergh - S t.- Vi no c oder Wi nnoxb ergen
gebracht, wo ein älteres Leben des Heiligen gegen die Mitte des elften
Jahrhunderts überarbeitet und die Stiftungsgeschichte hinzugefügt
wurde[17].
Höchst eigenthümlich haben sich die Nachrichten aus den beiden
Gent er Klöstern S ai nt - B avon und Bl an dign y, auf einem Hügel
außerhalb der Stadt, dadurch gestaltet, daß jedes von ihnen höheres Alter in
Anspruch nahm, und ein durch Jahrhunderte hindurch mit immer
wachsender Erbitterung geführter Krieg sich daraus entspann. Ihre Waffen
waren echte und falsche Reliquien und Legenden, Urkundenfälschungen
und Verfälschung der handschriftlichen Ueberlieferung, wie das O. Holder-
Egger in ebenso ergötzlicher wie belehrender Weise dargestellt hat[18].
Beide Klöster waren vom Grafen Arnulf I im J. 941 nach tiefem Verfall
hergestellt und durch den Abt Gerhard von Brogne mit Mönchen neu
besetzt. Das veranlaßte in Blandigny schon bald nachher eine Schrift über
die ältere Geschichte des Klosters bis auf den berühmten Abt Einhard[19],
worin schon gefälschte Urkunden benutzt sind und die Gründung durch den
h. Amandus 610, mit keckem Plagiat aus der Vita Wandregisili. Im J. 944
brachte Graf Arnulf hierher auch aus Boulogne, wohin sie aus St. Wandrille
geflüchtet waren, die hh. Wandregisil, Ansbert und Wulfram, dessen Besitz
aber die Mönche von St. Wandrille ihnen abstritten, und darüber gab es eine
Schrift, von der wir aber nur durch eine Predigt Kunde haben, die nicht vor
dem zwölften Jahrhundert verfaßt zu sein scheint, und von Feindseligkeit
gegen die Bavonianer erfüllt ist[20]. Außer vielen anderen Reliquien
merowingischen Zeit in den Mund legt.
Mancherlei geschichtlicher Stoff findet sich noch in den Legenden und
Wundergeschichten dieser Gegenden; vorzüglich lernen wir daraus die
Grafen von Flandern als eifrige Heiligenverehrer kennen. So wurde der
Leib des heiligen Winno ch vor den Normannen von Wormhout nach St.
Bertin geflüchtet und 900 durch Balduin den Kahlen (879-918) nach dem
von ihm gestifteten Kloster Bergh - S t.- Vi no c oder Wi nnoxb ergen
gebracht, wo ein älteres Leben des Heiligen gegen die Mitte des elften
Jahrhunderts überarbeitet und die Stiftungsgeschichte hinzugefügt
wurde[17].
Höchst eigenthümlich haben sich die Nachrichten aus den beiden
Gent er Klöstern S ai nt - B avon und Bl an dign y, auf einem Hügel
außerhalb der Stadt, dadurch gestaltet, daß jedes von ihnen höheres Alter in
Anspruch nahm, und ein durch Jahrhunderte hindurch mit immer
wachsender Erbitterung geführter Krieg sich daraus entspann. Ihre Waffen
waren echte und falsche Reliquien und Legenden, Urkundenfälschungen
und Verfälschung der handschriftlichen Ueberlieferung, wie das O. Holder-
Egger in ebenso ergötzlicher wie belehrender Weise dargestellt hat[18].
Beide Klöster waren vom Grafen Arnulf I im J. 941 nach tiefem Verfall
hergestellt und durch den Abt Gerhard von Brogne mit Mönchen neu
besetzt. Das veranlaßte in Blandigny schon bald nachher eine Schrift über
die ältere Geschichte des Klosters bis auf den berühmten Abt Einhard[19],
worin schon gefälschte Urkunden benutzt sind und die Gründung durch den
h. Amandus 610, mit keckem Plagiat aus der Vita Wandregisili. Im J. 944
brachte Graf Arnulf hierher auch aus Boulogne, wohin sie aus St. Wandrille
geflüchtet waren, die hh. Wandregisil, Ansbert und Wulfram, dessen Besitz
aber die Mönche von St. Wandrille ihnen abstritten, und darüber gab es eine
Schrift, von der wir aber nur durch eine Predigt Kunde haben, die nicht vor
dem zwölften Jahrhundert verfaßt zu sein scheint, und von Feindseligkeit
gegen die Bavonianer erfüllt ist[20]. Außer vielen anderen Reliquien
Page 491
erhielten sie auch um 945 aus Haerlebeke, der Heimath der Grafen von
Flandern, den h. Bertulf von Renty bei Saint-Omer, wo er in
merowingischer Zeit ein Kloster gegründet hatte. Sein Leib wurde 1073
durch den Abt Folcard feierlich erhoben, und nun nach einer älteren, jetzt
verlorenen Vita das wenige berichtet, was man von ihm wußte, mehr über
die Translationen und über die Grafen von Flandern, nicht ohne Fabeln[21].
Und dazu wollen wir gleich noch hinzufügen, daß, da beide Klöster sich
den ersten Abt Florbert zueigneten, beide sein Grab und seinen Grabstein
zeigten, im J. 1079 eine gegen die Mönche von Saint-Bavon gerichtete
Schrift darüber verfaßt wurde[22].
Nach S ai n t - B avo n war 940 der h. Bavo aus Laon, wohin er
geflüchtet war, zurückgebracht und 946 feierlich bestattet. Gegen das Ende
des zehnten Jahrhunderts schrieb ein Mönch, schon im Gegensatz gegen das
vom Grafen Arnulf bevorzugte Kloster Blandigny, und gegen die Zweifler,
welche ihnen sogar den Besitz des h. Bavo bestritten, in drei Büchern eine
Geschichte des Klosters nach schriftlichen Quellen, wozu er vorzüglich
auch die Annalen von St. Bertin und St. Vaast benutzte, die er Chronica
post Bedam nannte; er scheint auch Aufzeichnungen aus seinem Kloster
benutzt zu haben[23]. Vielleicht von demselben Verfasser ist auch das
Carmen de S. Bavone[24]. Der Concurrenz der Blandinienser besser
begegnen zu können, holten sie 980 aus dem kürzlich erworbenen
Wintershoven den h. L ando ald mit seinen ebenso unbekannten Genossen,
legten dem Bischof Notker von Lüttich den Bericht über die Translation
und die obligaten Wunder vor, und zugleich was der Ortspfarrer Sarabert
von diesen Heiligen zu berichten wußte. Der gelehrte H er i ger erfuhr zu
seinem Erstaunen von dem ihm bis dahin unbekannten Bischof Landoald
von Lüttich, buchte aber alles getreulich, und zwar der größeren Autorität
wegen unter dem Namen seines Bischofs. So gewannen diese frechen
Lügen geschichtlichen Anstrich, und haben viel Verwirrung angerichtet[25].
Die Gegner behaupteten zwar, es seien „malorum defunctorum ossa“, aber
die Bavonianer veranstalteten 982 eine neue feierliche Erhebung, und es
gelang ihnen, die Autorität des Erzbischofs von Reims dafür zu
Flandern, den h. Bertulf von Renty bei Saint-Omer, wo er in
merowingischer Zeit ein Kloster gegründet hatte. Sein Leib wurde 1073
durch den Abt Folcard feierlich erhoben, und nun nach einer älteren, jetzt
verlorenen Vita das wenige berichtet, was man von ihm wußte, mehr über
die Translationen und über die Grafen von Flandern, nicht ohne Fabeln[21].
Und dazu wollen wir gleich noch hinzufügen, daß, da beide Klöster sich
den ersten Abt Florbert zueigneten, beide sein Grab und seinen Grabstein
zeigten, im J. 1079 eine gegen die Mönche von Saint-Bavon gerichtete
Schrift darüber verfaßt wurde[22].
Nach S ai n t - B avo n war 940 der h. Bavo aus Laon, wohin er
geflüchtet war, zurückgebracht und 946 feierlich bestattet. Gegen das Ende
des zehnten Jahrhunderts schrieb ein Mönch, schon im Gegensatz gegen das
vom Grafen Arnulf bevorzugte Kloster Blandigny, und gegen die Zweifler,
welche ihnen sogar den Besitz des h. Bavo bestritten, in drei Büchern eine
Geschichte des Klosters nach schriftlichen Quellen, wozu er vorzüglich
auch die Annalen von St. Bertin und St. Vaast benutzte, die er Chronica
post Bedam nannte; er scheint auch Aufzeichnungen aus seinem Kloster
benutzt zu haben[23]. Vielleicht von demselben Verfasser ist auch das
Carmen de S. Bavone[24]. Der Concurrenz der Blandinienser besser
begegnen zu können, holten sie 980 aus dem kürzlich erworbenen
Wintershoven den h. L ando ald mit seinen ebenso unbekannten Genossen,
legten dem Bischof Notker von Lüttich den Bericht über die Translation
und die obligaten Wunder vor, und zugleich was der Ortspfarrer Sarabert
von diesen Heiligen zu berichten wußte. Der gelehrte H er i ger erfuhr zu
seinem Erstaunen von dem ihm bis dahin unbekannten Bischof Landoald
von Lüttich, buchte aber alles getreulich, und zwar der größeren Autorität
wegen unter dem Namen seines Bischofs. So gewannen diese frechen
Lügen geschichtlichen Anstrich, und haben viel Verwirrung angerichtet[25].
Die Gegner behaupteten zwar, es seien „malorum defunctorum ossa“, aber
die Bavonianer veranstalteten 982 eine neue feierliche Erhebung, und es
gelang ihnen, die Autorität des Erzbischofs von Reims dafür zu
Page 492
gewinnen[26]. Der Abt Odwin oder Otwin (982-998), der hier seine Energie
bewiesen hatte, erlangte auch aus Rom durch Vermittelung der frommen
Engländerin Teta Reliquien des h. Pancratius, welche 985 nach Gent
kamen[27]. Bald darauf stellte er nachdrücklich den Abt Adalwin von
Blandigny zur Rede, weil er fortfahre, gegen die getroffene Uebereinkunft
sein Kloster als „in castro Gandavo“ gelegen zu bezeichnen[28]. Ein neuer
Triumph war dann 1007 die Uebertragung der hh. Livin und Brictius aus
Holthem nach Gent, worauf 1010 unter Erlembold der h. Bavo noch einmal
feierlich erhoben wurde; der Verfasser der Beschreibung[29] scheint derselbe
zu sein, welcher auch im J. 1014 über den h. Machar iu s berichtet hat[30],
einen griechischen Mönch, der 1011 in St. Bavon Aufnahme fand und nach
vielen Kasteiungen schon 1012 starb. Man wußte weiter nichts von ihm,
verehrte ihn aber als heilig und wußte von Wundern zu berichten, die man
ihm zuschrieb. Doch half das alles nur wenig, und als der Abt Othelbold um
1020 der Gräfin Othgive, Gemahlin Balduins des Bärtigen von Flandern,
auf ihren Wunsch über die Reliquien des Klosters schrieb[31], hatte er
zugleich bitter zu klagen über den einstigen Reichthum und die bedrängte
Lage, seitdem Graf Arnulf zahlreiche Besitzungen des Klosters an seine
Dienstmannen vergabt hatte. Es bedurfte stärkerer Heilmittel, und zunächst
fand sich S tep eli n, ein aus St. Trond entlaufener Mönch, bereit, im J.
1049 nicht nur einen angeblich alten Grabstein für den Abt Florbert
anzufertigen, sondern auch, nach Holder-Eggers Vermuthung, jene Verse zu
machen, in welchen der h. Livin selbst an Florbert ein Epitaph des h. Bavo
schickt[32]. Weiter folgte 1058 eine neue Erhebung des h. Bavo, 1067 auch
des h. Macharius, und mit kühnerem Fluge wurde nun, während man früher
aufrichtig bekannt hatte, über sein Vorleben nichts zu wissen, die vollste
Schale abgeschmackter Verherrlichung über ihn ergossen[33]; zur
Schilderung seiner Tugenden diente, was im Leben des Erzbischofs Bruno
von Köln für diesen Zweck brauchbar erschien. Nach der Vermuthung von
Holder-Egger war es derselbe Verfasser, welcher schon um 1050 mit nicht
minder frecher Lüge das Leben des bis dahin ganz unbekannten L i vin
beschrieb (oben S. 132); besonders wichtig aber ist der Nachweis, daß fast
bewiesen hatte, erlangte auch aus Rom durch Vermittelung der frommen
Engländerin Teta Reliquien des h. Pancratius, welche 985 nach Gent
kamen[27]. Bald darauf stellte er nachdrücklich den Abt Adalwin von
Blandigny zur Rede, weil er fortfahre, gegen die getroffene Uebereinkunft
sein Kloster als „in castro Gandavo“ gelegen zu bezeichnen[28]. Ein neuer
Triumph war dann 1007 die Uebertragung der hh. Livin und Brictius aus
Holthem nach Gent, worauf 1010 unter Erlembold der h. Bavo noch einmal
feierlich erhoben wurde; der Verfasser der Beschreibung[29] scheint derselbe
zu sein, welcher auch im J. 1014 über den h. Machar iu s berichtet hat[30],
einen griechischen Mönch, der 1011 in St. Bavon Aufnahme fand und nach
vielen Kasteiungen schon 1012 starb. Man wußte weiter nichts von ihm,
verehrte ihn aber als heilig und wußte von Wundern zu berichten, die man
ihm zuschrieb. Doch half das alles nur wenig, und als der Abt Othelbold um
1020 der Gräfin Othgive, Gemahlin Balduins des Bärtigen von Flandern,
auf ihren Wunsch über die Reliquien des Klosters schrieb[31], hatte er
zugleich bitter zu klagen über den einstigen Reichthum und die bedrängte
Lage, seitdem Graf Arnulf zahlreiche Besitzungen des Klosters an seine
Dienstmannen vergabt hatte. Es bedurfte stärkerer Heilmittel, und zunächst
fand sich S tep eli n, ein aus St. Trond entlaufener Mönch, bereit, im J.
1049 nicht nur einen angeblich alten Grabstein für den Abt Florbert
anzufertigen, sondern auch, nach Holder-Eggers Vermuthung, jene Verse zu
machen, in welchen der h. Livin selbst an Florbert ein Epitaph des h. Bavo
schickt[32]. Weiter folgte 1058 eine neue Erhebung des h. Bavo, 1067 auch
des h. Macharius, und mit kühnerem Fluge wurde nun, während man früher
aufrichtig bekannt hatte, über sein Vorleben nichts zu wissen, die vollste
Schale abgeschmackter Verherrlichung über ihn ergossen[33]; zur
Schilderung seiner Tugenden diente, was im Leben des Erzbischofs Bruno
von Köln für diesen Zweck brauchbar erschien. Nach der Vermuthung von
Holder-Egger war es derselbe Verfasser, welcher schon um 1050 mit nicht
minder frecher Lüge das Leben des bis dahin ganz unbekannten L i vin
beschrieb (oben S. 132); besonders wichtig aber ist der Nachweis, daß fast
Page 493
zweifellos dieser Livin in Wirklichkeit kein anderer ist, als der
wohlbekannte, in Deventer bestattete Liafwin oder Lebuin; sein Genosse
Brictius scheint nur der Nachbarschaft im Kalender seinen Namen zu
verdanken, obgleich hier der Bischof von Tours, Nachfolger des h. Martin,
gemeint ist. Nach solcher Verherrlichung aber war es nun Zeit, auch diese
Heiligen feierlich zu erheben, was 1083 geschah; aber erst um 1200 wurde
über diese Vorgänge eine Schrift verfaßt[34].
Diese ganze Litteratur würde nicht verdienen, so viel Aufmerksamkeit
in Anspruch zu nehmen, wenn sie nicht theils für die Zeit charakteristisch
wäre, theils durch die Chronisten des 14. Jahrhunderts, Johann von
Thielrode und die Genter Annalen, viele hieraus geschöpfte Fabeln in die
Geschichte eingedrungen wären, welche noch nicht vollständig beseitigt
sind.
Eine besonders hervorragende Stellung als Reformator vieler Klöster
nahm der oben erwähnte Abt G er h ar d ein, der Stifter des Klosters
B r ogne im Lütticher Sprengel zwischen Maas und Sambre. Er gehörte zur
Sippschaft des Hagano (Austrasiorum ducis), jenes bekannten Günstlings
Karls des Einfältigen; seine Mutter Plictrudis war eine Schwester des
Bischofs Stephan von Lüttich. Im Lommatschgau, wo er heimisch war,
setzte er auf seinem Erbgut Brogne zuerst Canoniker ein; als aber Graf
Berengar von Namur, dessen vielvermögender Rath er war, ihn zum Grafen
Robert nach Paris sandte, machte ein Besuch im Kloster St. Denis solchen
Eindruck auf ihn, daß er seine Entlassung erbat und zur großen
Verwunderung der Mönche von St. Denis bei ihnen Unterricht nahm und
Mönch wurde (919 oder 920 nach Sackur). Es war ihnen ganz erstaunlich,
daß ein bärtiger Mann noch die Buchstaben lernen wollte, wie ein
fünfjähriger Knabe[35] — eine Stelle, die uns einmal recht deutlich zeigt,
wie unberührt von aller litterarischen Bildung die Laien waren, und wie
irrig die weitverbreitete Meinung ist, als ob die scholae exteriores für sie
bestimmt gewesen wären. Im Jahre 926 zum Priester geweiht, kehrte
Gerhard zurück, und übergab nun die Kirche zu Brogne 12 Mönchen aus St.
wohlbekannte, in Deventer bestattete Liafwin oder Lebuin; sein Genosse
Brictius scheint nur der Nachbarschaft im Kalender seinen Namen zu
verdanken, obgleich hier der Bischof von Tours, Nachfolger des h. Martin,
gemeint ist. Nach solcher Verherrlichung aber war es nun Zeit, auch diese
Heiligen feierlich zu erheben, was 1083 geschah; aber erst um 1200 wurde
über diese Vorgänge eine Schrift verfaßt[34].
Diese ganze Litteratur würde nicht verdienen, so viel Aufmerksamkeit
in Anspruch zu nehmen, wenn sie nicht theils für die Zeit charakteristisch
wäre, theils durch die Chronisten des 14. Jahrhunderts, Johann von
Thielrode und die Genter Annalen, viele hieraus geschöpfte Fabeln in die
Geschichte eingedrungen wären, welche noch nicht vollständig beseitigt
sind.
Eine besonders hervorragende Stellung als Reformator vieler Klöster
nahm der oben erwähnte Abt G er h ar d ein, der Stifter des Klosters
B r ogne im Lütticher Sprengel zwischen Maas und Sambre. Er gehörte zur
Sippschaft des Hagano (Austrasiorum ducis), jenes bekannten Günstlings
Karls des Einfältigen; seine Mutter Plictrudis war eine Schwester des
Bischofs Stephan von Lüttich. Im Lommatschgau, wo er heimisch war,
setzte er auf seinem Erbgut Brogne zuerst Canoniker ein; als aber Graf
Berengar von Namur, dessen vielvermögender Rath er war, ihn zum Grafen
Robert nach Paris sandte, machte ein Besuch im Kloster St. Denis solchen
Eindruck auf ihn, daß er seine Entlassung erbat und zur großen
Verwunderung der Mönche von St. Denis bei ihnen Unterricht nahm und
Mönch wurde (919 oder 920 nach Sackur). Es war ihnen ganz erstaunlich,
daß ein bärtiger Mann noch die Buchstaben lernen wollte, wie ein
fünfjähriger Knabe[35] — eine Stelle, die uns einmal recht deutlich zeigt,
wie unberührt von aller litterarischen Bildung die Laien waren, und wie
irrig die weitverbreitete Meinung ist, als ob die scholae exteriores für sie
bestimmt gewesen wären. Im Jahre 926 zum Priester geweiht, kehrte
Gerhard zurück, und übergab nun die Kirche zu Brogne 12 Mönchen aus St.
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Denis. Die Leitung des Klosters war seinem auf stille Beschaulichkeit
gerichteten Sinn zuwider, er lebte abgesondert als Klausner, aber Herzog
Giselbert und Bischof Fulbert von Cambrai ließen ihm keine Ruhe. In St.
Ghislain lebten nämlich damals Cleriker von gar schlechtem Wandel,
welche sich mit ihrem Heiligen singend und bettelnd herumtrieben, bis
endlich dieser des Treibens müde zuließ, daß sein Leib gestohlen wurde. Da
wurde das Kloster Gerhard zur Reform übergeben; er fand das Heiligthum
in Maubeuge, der Herzog gab die Güter zurück, und trotz des Widerstandes
der losen Brüder, stellte Gerhard dieses und andere Klöster her[36]. Auch
Arnulf von Flandern, angeblich von einem Steinleiden wunderbar
geheilt[37], entäußerte sich seiner Abteien Blandigny (941)[38] und St. Bertin
(944), wo die regelmäßige Zucht hergestellt wurde, und übergab Gerhard
alle Klöster seines Gebietes; er soll deren 18 geleitet haben, darunter auch
Saint-Remi. Durch einen Krieg über die gefährdete Lage seines eigenen
Klosters belehrt, kaufte Gerhard Brogne los von der Abhängigkeit von St.
Denis und übergab es dem Bischof Farabert von Lüttich (947-953); endlich
starb er in hohen Ehren am 3. Oct. 959. Sein Leben ist nicht lange nach
seinem Tode ausführlich beschrieben, aber wir besitzen nur eine
Ueberarbeitung aus dem Anfange des elften Jahrhunderts, für den Abt
Gonter geschrieben, geschmacklos mit Versen gemischt. Daß Raginer von
Hennegau noch in der Verbannung lebe, Lietald, Gerhards Nachfolger als
Vorstand des Klosters zu Mouson ( † 997), die Wahrheit der Erzählung
bestätigen könne, schrieb er gedankenlos nach, so wenig es auch zu seiner
Zeit noch paßte[39]. Daß die alte Biographie sich darin noch erkennen lasse,
wie W. Schultze annahm, leugnet L. v. Heinemann; die geltend gemachten
Stellen sind entnommen aus der darin benutzten und angeführten
gleichzeitigen Schrift über die Wunder des h. Eugenius in Brogne, wohin er
von St. Deuis gebracht war, die an den Abt Gerhard gerichtet ist und erst
kürzlich von den Bollandisten herausgegeben wurde; unter den Wundern
bezieht sich eines auf den Einfall der Ungern in Lothringen[40].
Ein eifriger Verehrer des Grafen Arnulf von Flandern war der Priester
Wi tg er, welcher zwischen 951 und 959 Arnulfs Herkunft mit der
gerichteten Sinn zuwider, er lebte abgesondert als Klausner, aber Herzog
Giselbert und Bischof Fulbert von Cambrai ließen ihm keine Ruhe. In St.
Ghislain lebten nämlich damals Cleriker von gar schlechtem Wandel,
welche sich mit ihrem Heiligen singend und bettelnd herumtrieben, bis
endlich dieser des Treibens müde zuließ, daß sein Leib gestohlen wurde. Da
wurde das Kloster Gerhard zur Reform übergeben; er fand das Heiligthum
in Maubeuge, der Herzog gab die Güter zurück, und trotz des Widerstandes
der losen Brüder, stellte Gerhard dieses und andere Klöster her[36]. Auch
Arnulf von Flandern, angeblich von einem Steinleiden wunderbar
geheilt[37], entäußerte sich seiner Abteien Blandigny (941)[38] und St. Bertin
(944), wo die regelmäßige Zucht hergestellt wurde, und übergab Gerhard
alle Klöster seines Gebietes; er soll deren 18 geleitet haben, darunter auch
Saint-Remi. Durch einen Krieg über die gefährdete Lage seines eigenen
Klosters belehrt, kaufte Gerhard Brogne los von der Abhängigkeit von St.
Denis und übergab es dem Bischof Farabert von Lüttich (947-953); endlich
starb er in hohen Ehren am 3. Oct. 959. Sein Leben ist nicht lange nach
seinem Tode ausführlich beschrieben, aber wir besitzen nur eine
Ueberarbeitung aus dem Anfange des elften Jahrhunderts, für den Abt
Gonter geschrieben, geschmacklos mit Versen gemischt. Daß Raginer von
Hennegau noch in der Verbannung lebe, Lietald, Gerhards Nachfolger als
Vorstand des Klosters zu Mouson ( † 997), die Wahrheit der Erzählung
bestätigen könne, schrieb er gedankenlos nach, so wenig es auch zu seiner
Zeit noch paßte[39]. Daß die alte Biographie sich darin noch erkennen lasse,
wie W. Schultze annahm, leugnet L. v. Heinemann; die geltend gemachten
Stellen sind entnommen aus der darin benutzten und angeführten
gleichzeitigen Schrift über die Wunder des h. Eugenius in Brogne, wohin er
von St. Deuis gebracht war, die an den Abt Gerhard gerichtet ist und erst
kürzlich von den Bollandisten herausgegeben wurde; unter den Wundern
bezieht sich eines auf den Einfall der Ungern in Lothringen[40].
Ein eifriger Verehrer des Grafen Arnulf von Flandern war der Priester
Wi tg er, welcher zwischen 951 und 959 Arnulfs Herkunft mit der
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Genealogie der Karolinger verband, und seine Verdienste um Kirchen,
namentlich die zu Compiègne, pries[41].
Ein Schüler Notkers von Lüttich war A dalbo l d, der nach dem
vortrefflichen Ansfrid 1010 Bischof von Utrecht wurde, wo er am 27. Nov.
1026 gestorben ist[42]. Seine große Gelehrsamkeit bezeugen theils
mathematische Schriften, theils ein Commentar zu derselben Stelle des
Boethius, welche einst Bovo von Corvey erläutert hatte[43]. Mit Heriger,
Gerbert, Berno war er befreundet und in wissenschaftlichem Verkehr[44]; er
nennt sich scholasticus, vielleicht (nach Moll) bei St. Ursmar in Lobach.
Ein Mitschüler von ihm, E geb er t, damals Priester und Schulmeister in
Lüttich nach E. Voigt, widmete ihm ein Buch, das er liber prorae et puppis
oder Foecunda ratis nennt, Sprichwörter, Geschichten und anderes in recht
schlechten Hexametern enthaltend, voll gesuchter und ungeschickter
Gelehrsamkeit; es fehlt darin nicht die übliche und immer wiederkehrende
Klage über Verfall und Mißachtung der Gelehrsamkeit. Die Franzosen,
deren strengere mönchische Askese auch Adalbold begünstigte, kann er
nicht leiden, und seine Schüler machen ihm manchen Kummer[45].
Einen sonst nicht bekannten Od ber t hatte Adalbold als Knaben mit
nach Utrecht genommen; dieser sah in der alten Salvatorkirche das Grab
des 838 erschlagenen B ischof s F r iedr ich; er hörte, daß durch die Dänen
mit vielen anderen Büchern auch dessen Lebensbeschreibung verbrannt sei,
und beeilte sich, wie er behauptet als zehnjähriger Knabe, aufzuzeichnen,
was man von diesem Märtyrer wußte. Man erzählte ihm, wie er angiebt, daß
Friedrich, von dem wir sonst nur wissen, daß er mit Hraban in
freundschaftlichem und gelehrtem Verkehr stand[46], sich der Ehe Ludwigs
des Frommen mit Judith wegen zu naher Verwandtschaft widersetzt habe,
und daß ihn deshalb Judith habe ermorden lassen: wohl ohne Zweifel eine
spätere Erfindung. In lügenhaftester Weise hat der Vf. die bei Thegan und
Regino gefundenen Nachrichten diesem Standpunkt entsprechend
ausgeschmückt und verdreht. Die noch erhaltenen Acta Friderici[47]
scheinen etwas überarbeitet zu sein, aber eine wesentlich übereinstimmende
namentlich die zu Compiègne, pries[41].
Ein Schüler Notkers von Lüttich war A dalbo l d, der nach dem
vortrefflichen Ansfrid 1010 Bischof von Utrecht wurde, wo er am 27. Nov.
1026 gestorben ist[42]. Seine große Gelehrsamkeit bezeugen theils
mathematische Schriften, theils ein Commentar zu derselben Stelle des
Boethius, welche einst Bovo von Corvey erläutert hatte[43]. Mit Heriger,
Gerbert, Berno war er befreundet und in wissenschaftlichem Verkehr[44]; er
nennt sich scholasticus, vielleicht (nach Moll) bei St. Ursmar in Lobach.
Ein Mitschüler von ihm, E geb er t, damals Priester und Schulmeister in
Lüttich nach E. Voigt, widmete ihm ein Buch, das er liber prorae et puppis
oder Foecunda ratis nennt, Sprichwörter, Geschichten und anderes in recht
schlechten Hexametern enthaltend, voll gesuchter und ungeschickter
Gelehrsamkeit; es fehlt darin nicht die übliche und immer wiederkehrende
Klage über Verfall und Mißachtung der Gelehrsamkeit. Die Franzosen,
deren strengere mönchische Askese auch Adalbold begünstigte, kann er
nicht leiden, und seine Schüler machen ihm manchen Kummer[45].
Einen sonst nicht bekannten Od ber t hatte Adalbold als Knaben mit
nach Utrecht genommen; dieser sah in der alten Salvatorkirche das Grab
des 838 erschlagenen B ischof s F r iedr ich; er hörte, daß durch die Dänen
mit vielen anderen Büchern auch dessen Lebensbeschreibung verbrannt sei,
und beeilte sich, wie er behauptet als zehnjähriger Knabe, aufzuzeichnen,
was man von diesem Märtyrer wußte. Man erzählte ihm, wie er angiebt, daß
Friedrich, von dem wir sonst nur wissen, daß er mit Hraban in
freundschaftlichem und gelehrtem Verkehr stand[46], sich der Ehe Ludwigs
des Frommen mit Judith wegen zu naher Verwandtschaft widersetzt habe,
und daß ihn deshalb Judith habe ermorden lassen: wohl ohne Zweifel eine
spätere Erfindung. In lügenhaftester Weise hat der Vf. die bei Thegan und
Regino gefundenen Nachrichten diesem Standpunkt entsprechend
ausgeschmückt und verdreht. Die noch erhaltenen Acta Friderici[47]
scheinen etwas überarbeitet zu sein, aber eine wesentlich übereinstimmende
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Erzählung kannte schon Wilhelm von Malmesbury. Von einem Priester
Od ul f, der auf Friedrichs Befehl den Friesen predigte, giebt es eine lange
nach seinem Tode verfaßte Lebensbeschreibung mit wenig Inhalt[48]; diese
hat jener Otbert benutzt.
Zu Ti el an der Waal verwandelte Adalbold ein verfallenes Kloster an
der Kirche der h. Walburga in ein Chorherrenstift, und der Custos dieses
Stifts widmete ihm eine Schilderung der dort vorgekommenen Wunder,
welche geschichtliche Beachtung verdienen. Adalbold preist er als Erbauer
der neuen Martinskirche, und als thätig auch in castris imperialibus. Eine
Abschrift, der ein neues Wunder beigefügt ist, schickt er an den oben S. 375
erwähnten Wormser Diaconen Immo[49].
Alpert erwähnt, daß Bischof Adalbold über die Thaten Heinrichs II bis
zur Einnahme von Metz (1012) ein so vortreffliches Werk verfaßt habe, daß
er, Alpert, deshalb von diesen Dingen nicht reden wolle[50]. Dieses Werk ist
leider verloren; erhalten hat sich der Anfang eines L eb ens Kai ser
Hei n r i chs II, welches nur bis 1004 reicht, und Adalbold zugeschrieben
wird[51]. Es ist gänzlich auf Thietmars Chronik begründet und nur mit
rhetorischem Schmuck überladen, ein Verfahren, welches von der Utrechter
Schule und Adalbolds gelehrter Bildung nicht befremden darf, während
dessen eigene Erfahrung erst im weiteren Verlaufe einwirken konnte. Doch
fehlen auch hier schon nicht einige Zusätze, besonders über italische
Verhältnisse. Ich sehe deshalb keinen genügenden Grund, das Werk mit
Moll Adalbold abzusprechen, noch auch anzunehmen, daß es niemals
weiter gereicht habe, als wir es besitzen, wenn auch der sächsische
Annalist, bei dem allein eine Spur desselben sich findet, nach mehr als
einem Jahrhundert auch schon nicht mehr als dieses Fragment gehabt haben
mag. Daß auch bedeutende Werke geringe Verbreitung fanden und
frühzeitig verloren wurden, ist leider keine vereinzelte Erscheinung.
Später übernahm man in dem von Heinrich gestifteten Bisthum
Bamberg die Bewahrung seines Andenkens, und machte hier aus dem
Od ul f, der auf Friedrichs Befehl den Friesen predigte, giebt es eine lange
nach seinem Tode verfaßte Lebensbeschreibung mit wenig Inhalt[48]; diese
hat jener Otbert benutzt.
Zu Ti el an der Waal verwandelte Adalbold ein verfallenes Kloster an
der Kirche der h. Walburga in ein Chorherrenstift, und der Custos dieses
Stifts widmete ihm eine Schilderung der dort vorgekommenen Wunder,
welche geschichtliche Beachtung verdienen. Adalbold preist er als Erbauer
der neuen Martinskirche, und als thätig auch in castris imperialibus. Eine
Abschrift, der ein neues Wunder beigefügt ist, schickt er an den oben S. 375
erwähnten Wormser Diaconen Immo[49].
Alpert erwähnt, daß Bischof Adalbold über die Thaten Heinrichs II bis
zur Einnahme von Metz (1012) ein so vortreffliches Werk verfaßt habe, daß
er, Alpert, deshalb von diesen Dingen nicht reden wolle[50]. Dieses Werk ist
leider verloren; erhalten hat sich der Anfang eines L eb ens Kai ser
Hei n r i chs II, welches nur bis 1004 reicht, und Adalbold zugeschrieben
wird[51]. Es ist gänzlich auf Thietmars Chronik begründet und nur mit
rhetorischem Schmuck überladen, ein Verfahren, welches von der Utrechter
Schule und Adalbolds gelehrter Bildung nicht befremden darf, während
dessen eigene Erfahrung erst im weiteren Verlaufe einwirken konnte. Doch
fehlen auch hier schon nicht einige Zusätze, besonders über italische
Verhältnisse. Ich sehe deshalb keinen genügenden Grund, das Werk mit
Moll Adalbold abzusprechen, noch auch anzunehmen, daß es niemals
weiter gereicht habe, als wir es besitzen, wenn auch der sächsische
Annalist, bei dem allein eine Spur desselben sich findet, nach mehr als
einem Jahrhundert auch schon nicht mehr als dieses Fragment gehabt haben
mag. Daß auch bedeutende Werke geringe Verbreitung fanden und
frühzeitig verloren wurden, ist leider keine vereinzelte Erscheinung.
Später übernahm man in dem von Heinrich gestifteten Bisthum
Bamberg die Bewahrung seines Andenkens, und machte hier aus dem
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tüchtigen und umsichtigen Kaiser, dem wackern Kriegsmanne, der nur
selten aus den Waffen kam, einen gewöhnlichen Legendenheiligen; es
bildete sich hier ein völlig entstelltes Bild aus, welches auf die richtige
Erkenntniß und Darstellung der Geschichte einen sehr nachtheiligen
Einfluß geübt hat[52]. Denn was die geistlichen Schriftsteller des
Mittelalters gelobt hatten, tadelten die neueren Historiker; die thatsächliche
Grundlage aber wurde nirgends genügend untersucht, bis in neuester Zeit
W. v. Giesebrecht mit umfassender und eindringlicher Benutzung der echten
gleichzeitigen Quellen eine besser begründete Schilderung jenes Kaisers in
die Geschichte einführte.
Notkers Nachfolger in L ütti ch, Balder ich II (1008-1018), früher
Vitzthum der Regensburger Kirche, wird als ein trefflicher Mann gerühmt;
er stiftete das Kloster St. Jacob und fand hier auch einen Biographen, der
jedoch erst um die Mitte des Jahrhunderts schrieb und den Bischof nicht
mehr persönlich gekannt hatte[53].
Ein ausgezeichneter Zögling der Schule zu L obbes wurde von Otto
III im Jahre 1000 (-1025) zum Bischof von Wor m s berufen, B ur char d,
der als der gelehrteste Canonist seiner Zeit bekannt und berühmt ist, und der
sein gänzlich verfallenes Bisthum zu neuer Blüthe erhob. Freilich wird von
dem gelehrten Pabste Gregor V (996-999) gerühmt, daß er in Worms
gebildet sei[54], doch fand Burchard nach seines Biographen Schilderung
die Stadt noch in Ruinen nach der Verwüstung durch die Ungern, und die
Fehden des Adels hinderten jeden Fortschritt zu besseren Zuständen. Durch
die Schilderung dieser Verhältnisse und der Art, wie es Burchard gelang den
Uebelständen abzuhelfen, ist dessen Biographie sehr lehrreich, so wie
andererseits Burchards einflußreiche und angesehene Stellung bei Otto III
und Heinrich II ihr auch für die Reichsgeschichte Bedeutung verleiht[55].
Sie ist von einem Zeitgenossen verfaßt und gehört zu den besseren Werken
dieser Art; doch hat Manitius nachgewiesen, daß in übermäßiger Weise
darin Alpert ausgebeutet, und sogar dessen Lobpreisung Ansfrids auf
Burchard angewandt ist, so daß nicht viel Eigenes übrig bleibt[56]. Noch am
selten aus den Waffen kam, einen gewöhnlichen Legendenheiligen; es
bildete sich hier ein völlig entstelltes Bild aus, welches auf die richtige
Erkenntniß und Darstellung der Geschichte einen sehr nachtheiligen
Einfluß geübt hat[52]. Denn was die geistlichen Schriftsteller des
Mittelalters gelobt hatten, tadelten die neueren Historiker; die thatsächliche
Grundlage aber wurde nirgends genügend untersucht, bis in neuester Zeit
W. v. Giesebrecht mit umfassender und eindringlicher Benutzung der echten
gleichzeitigen Quellen eine besser begründete Schilderung jenes Kaisers in
die Geschichte einführte.
Notkers Nachfolger in L ütti ch, Balder ich II (1008-1018), früher
Vitzthum der Regensburger Kirche, wird als ein trefflicher Mann gerühmt;
er stiftete das Kloster St. Jacob und fand hier auch einen Biographen, der
jedoch erst um die Mitte des Jahrhunderts schrieb und den Bischof nicht
mehr persönlich gekannt hatte[53].
Ein ausgezeichneter Zögling der Schule zu L obbes wurde von Otto
III im Jahre 1000 (-1025) zum Bischof von Wor m s berufen, B ur char d,
der als der gelehrteste Canonist seiner Zeit bekannt und berühmt ist, und der
sein gänzlich verfallenes Bisthum zu neuer Blüthe erhob. Freilich wird von
dem gelehrten Pabste Gregor V (996-999) gerühmt, daß er in Worms
gebildet sei[54], doch fand Burchard nach seines Biographen Schilderung
die Stadt noch in Ruinen nach der Verwüstung durch die Ungern, und die
Fehden des Adels hinderten jeden Fortschritt zu besseren Zuständen. Durch
die Schilderung dieser Verhältnisse und der Art, wie es Burchard gelang den
Uebelständen abzuhelfen, ist dessen Biographie sehr lehrreich, so wie
andererseits Burchards einflußreiche und angesehene Stellung bei Otto III
und Heinrich II ihr auch für die Reichsgeschichte Bedeutung verleiht[55].
Sie ist von einem Zeitgenossen verfaßt und gehört zu den besseren Werken
dieser Art; doch hat Manitius nachgewiesen, daß in übermäßiger Weise
darin Alpert ausgebeutet, und sogar dessen Lobpreisung Ansfrids auf
Burchard angewandt ist, so daß nicht viel Eigenes übrig bleibt[56]. Noch am
Page 498
Anfang des folgenden Jahrhunderts feierte der Cleriker Hermann in seinem
Cartular der Wormser Kirche Burchard durch eine kurze, aber inhaltreiche
Charakteristik voll warmer Dankbarkeit[57].
[1] S. über diese unten bei Hucbald, dem sie zugeschrieben wird.
[2] Mabillon sah die Handschrift in Bobio, Mus. Ital. I, 218. Uebrigens s. Ans. Leod.
c. 20, 21.
[3] Ueber Rather († 974) Vogel, Ratherius von Verona und das zehnte Jahrhundert,
Jena 1854, 2 Bände. Opera edd. Petrus et Hieronymus fratres Ballerini presbyteri
Veronenses, Veronae 1765, fol. Neuer Abdruck bei Migne CXXXVI. Die von Pertz
SS. III, 451 u. 553 gegebenen Stellen sind aus der Translatio S. Metronis.
[4] Ein merkwürdiges Fragment einer an Balderich gerichteten Schrift Rathers über
seine Verdrängung NA. IV, 177-180.
[5] Nach den scharfsinnigen Untersuchungen von W. Stubbs. Memorials of St.
Dunstan. Lond. 1874; vgl. R. Pauli, Hist. Zeitschr. XXXV, 199; Gött. Nachr. 1879, S.
322-324.
[6] S. über ihn Dümmler, Otto I, S. 302 Anm. 1, 374 Anm. 1, 397 Anm. 2, 545 Anm.
2.
[7] Daß er während der Minderjährigkeit Ottos III Italien als Regent verwaltet habe,
bestreitet Kehr, HZ. LXVI, 427, Anm. 2.
[8] c. 29, MG. SS. VII, 205.
[9] Nach G. Kurth, s. NA. XVII, 225.
[10] L. Weiland. HZ. XLVI, 496.
[11] Würdtwein, Nova Subsidia dipl. XIII, 151-214, cf. MG. SS. II, 192; p. 209-211
die hieraus genommenen Annales Lobienses von 900-982. Neue Ausgabe von Waitz
aus der Bamberger Handschrift saec. X, SS. XIIL, 224-235. Die Sammlung von J.
Alexandre: Chronica Lobbiensia etc. enthält nur die Texte und Vorreden der Mon.
Germaniae.
[12] Gött. Nachrichten 1870, 302-309.
[13] Folcuini Gesta abbatum Lobiensium ed. Pertz, MG. SS. IV, 52-74.
[14] Vita S. Folquini ep. Morinorum, bei Mab. Act. IV, 1, 624. Vgl. Holder-Egger a.
a. O. S. 422, und MG. SS. XV, 423-430. Ein Catal. epp. Morin. SS. XIII, 389. 751;
abbatum S. Bertini p. 389; praepositorum S. Audomari p. 389, u. epp. Ambian. p.
752, von Lambert von St. Omer.
[15] Cartulaire de l'Abbaye de St. Bertin, herausgegeben von Guérard 1840 in der
Collection des Cartulaires de France, III, mit den zum Theil reichhaltigen
Fortsetzungen bis 1187. Berichtigungen nach Auffindung einer alten Handschrift in:
Appendice au Cartulaire etc. publié par M. François Morand (Documents inédits)
1867. Vollständig (ohne die Urkunden) als Gesta abbatum S. Bertini Sithiensiun von
Holder-Egger, MG. SS. XIII, 600 bis 673. Verse aus St. Bertin zu einer
Krönungsfeier s. X. hat Dümmler herausgegeben, NA. X, 341. Ueber ein besonders
schönes, unter Abt Odbert (989-1008) von Heriveus geschriebenes Psalterium, s.
Palaeogr. Soc. 97. Woltmann, Gesch. d. Malerei I, 270.
Cartular der Wormser Kirche Burchard durch eine kurze, aber inhaltreiche
Charakteristik voll warmer Dankbarkeit[57].
[1] S. über diese unten bei Hucbald, dem sie zugeschrieben wird.
[2] Mabillon sah die Handschrift in Bobio, Mus. Ital. I, 218. Uebrigens s. Ans. Leod.
c. 20, 21.
[3] Ueber Rather († 974) Vogel, Ratherius von Verona und das zehnte Jahrhundert,
Jena 1854, 2 Bände. Opera edd. Petrus et Hieronymus fratres Ballerini presbyteri
Veronenses, Veronae 1765, fol. Neuer Abdruck bei Migne CXXXVI. Die von Pertz
SS. III, 451 u. 553 gegebenen Stellen sind aus der Translatio S. Metronis.
[4] Ein merkwürdiges Fragment einer an Balderich gerichteten Schrift Rathers über
seine Verdrängung NA. IV, 177-180.
[5] Nach den scharfsinnigen Untersuchungen von W. Stubbs. Memorials of St.
Dunstan. Lond. 1874; vgl. R. Pauli, Hist. Zeitschr. XXXV, 199; Gött. Nachr. 1879, S.
322-324.
[6] S. über ihn Dümmler, Otto I, S. 302 Anm. 1, 374 Anm. 1, 397 Anm. 2, 545 Anm.
2.
[7] Daß er während der Minderjährigkeit Ottos III Italien als Regent verwaltet habe,
bestreitet Kehr, HZ. LXVI, 427, Anm. 2.
[8] c. 29, MG. SS. VII, 205.
[9] Nach G. Kurth, s. NA. XVII, 225.
[10] L. Weiland. HZ. XLVI, 496.
[11] Würdtwein, Nova Subsidia dipl. XIII, 151-214, cf. MG. SS. II, 192; p. 209-211
die hieraus genommenen Annales Lobienses von 900-982. Neue Ausgabe von Waitz
aus der Bamberger Handschrift saec. X, SS. XIIL, 224-235. Die Sammlung von J.
Alexandre: Chronica Lobbiensia etc. enthält nur die Texte und Vorreden der Mon.
Germaniae.
[12] Gött. Nachrichten 1870, 302-309.
[13] Folcuini Gesta abbatum Lobiensium ed. Pertz, MG. SS. IV, 52-74.
[14] Vita S. Folquini ep. Morinorum, bei Mab. Act. IV, 1, 624. Vgl. Holder-Egger a.
a. O. S. 422, und MG. SS. XV, 423-430. Ein Catal. epp. Morin. SS. XIII, 389. 751;
abbatum S. Bertini p. 389; praepositorum S. Audomari p. 389, u. epp. Ambian. p.
752, von Lambert von St. Omer.
[15] Cartulaire de l'Abbaye de St. Bertin, herausgegeben von Guérard 1840 in der
Collection des Cartulaires de France, III, mit den zum Theil reichhaltigen
Fortsetzungen bis 1187. Berichtigungen nach Auffindung einer alten Handschrift in:
Appendice au Cartulaire etc. publié par M. François Morand (Documents inédits)
1867. Vollständig (ohne die Urkunden) als Gesta abbatum S. Bertini Sithiensiun von
Holder-Egger, MG. SS. XIII, 600 bis 673. Verse aus St. Bertin zu einer
Krönungsfeier s. X. hat Dümmler herausgegeben, NA. X, 341. Ueber ein besonders
schönes, unter Abt Odbert (989-1008) von Heriveus geschriebenes Psalterium, s.
Palaeogr. Soc. 97. Woltmann, Gesch. d. Malerei I, 270.
Page 499
[16] Gesta episcoporum Leodiensium ed. Köpke, MG. SS. VII, 134. Die daraus auch
abgesondert herausgegebene Vita Remacli kommt als Notkers Werk mit Widmung an
Abt Werinfrid von Stablo vor, ist aber nach Köpke S. 140 von Heriger. Die ältere ist
nach der oben 1→S. 264 angef. Untersuchung von Kurth ein Plagiat aus V. Lamberti
u. V. Trudonis, mit Nachrichten über die Stiftung von Stablo u. Malmédy.
Zugeschrieben wird Heriger auch das Leben der heiligen Berlindis, die man in
Meerbecke in Brabant verehrte. Ueber die irrig von M. Haupt vermuthete Benutzung
von Tac. Germania bei Heriger s. Waitz, Forsch. X, 602. Die von ihm benutzte V.
Servatii hat Kurth herausgegeben: Deux biographies inédites de Saint Servais, Liège
1881, vgl. NA. VII, 409. Er bestreitet eine ältere Quelle als Greg. Tur. u. ebenso W.
Arndt. Dagegen Anal. Boll. I, 85 ff. In den Nouvelles recherches sur St. Servais,
Liège 1884, vertheidigt Kurth gegen P. De Smedt seine Ansicht, daß auch die älteste
V. Servatii nur aus Gregor v. Tours geschöpft sei, dieser keine schriftliche Vita gehabt
habe, und weist aus metrischen Resten die Benutzung eines Epitaphs nach, welches
er der feierlichen Erhebung durch B. Monulph im 6. Jh. zuweist; Vf. könne dann nur
Venantius Fortunatus sein, und von ihm werde Gregor seine Nachrichten erhalten
haben. — Vgl. auch Prost, St. Servais. Examen d'une correction introduite à son sujet
dans les dernières éditions de Gr. de Tours (Nogent-le-Rotrou 1891), welches ich
nicht gesehen habe.
[17] Vita S. Winnoci, Mab. III, 1, 302-314. Auszug MG. SS. XV, 2, 775-778. Nach
der Translation von 1058 fügte ein Mönch Drogo neue Wunder hinzu, ib. p. 778-782.
Derselbe beschrieb in sehr anmuthiger, romanhafter Weise die Transl. S. Lewinnae,
welche 1058 aus England gestohlen war, Auszug ib. p. 782-789. Balduinus Barbatus
setzte 1022 Mönche von St. Bertin an die Stelle der Canoniker.
[18] Waitz-Aufsätze S. 622-665. Daselbst S. 633, Anm. 3, wird die Translatio S.
Amalbergae im J. 870 (Acta SS. Jul. III, 103) für ein spätes, unglaubwürdiges
Machwerk erklärt. Ueber Graf Arnulf Sackur, Clun. S. 127 ff.
[19] Fundatio mon. Blandiniensis ed. O. Holder-Egger, MG. SS. XV, 2, 621-624. Ich
beschränke mich auf Anführung dieser Ausgaben von Holder-Egger.
[20] Ex Sermone de adventu SS. Wandregisili, Ansberti et Vulfranni ed. Holder-
Egger, SS. XV, 2, 624-631.
[21] Ex Vita Bertulji Renticensis, ib. p. 631-641.
[22] Lantberti liber de loco sepulturae Florberti abb., ib. p. 641-644, aber nach S.
1317 ist der Autorname Lantbert irrig. S. 644 folgt ein Catalogus abb. Blandin. saec.
XII.
[23] Ex Miraculis et Translationibus S. Bavonis, SS. XV, 2, 590-597; dazu S. 598 ein
kurzer Auszug von Wundern, die gegen Ende des 11. Jahrh. beschrieben sind. Wie
der erste Vf. berichtet, sagten über den Ursprung von Gent Einige, daß Agrippa es
gegründet, „alii Hermenricum regem in eo arcem imperii sibi tradunt instituisse“.
Aehnlich auch im Carmen.
[24] NA. X, 371 von Holder-Egger herausgegeben.
[25] Translatio S. Landoaldi et sociorum ejus, SS. XV, 2, 601-607.
[26] Adventus et Elevatio S. Landoaldi et sociorum ejus, ib. p. 607-611.
[27] S. den Brief des Abtes Andreas von St. Pancraz, NA. VIII, 376.
[28] Brief im NA. X, 374.
[29] Elevatio S. Bavonis, SS. XV, 2, 597.
abgesondert herausgegebene Vita Remacli kommt als Notkers Werk mit Widmung an
Abt Werinfrid von Stablo vor, ist aber nach Köpke S. 140 von Heriger. Die ältere ist
nach der oben 1→S. 264 angef. Untersuchung von Kurth ein Plagiat aus V. Lamberti
u. V. Trudonis, mit Nachrichten über die Stiftung von Stablo u. Malmédy.
Zugeschrieben wird Heriger auch das Leben der heiligen Berlindis, die man in
Meerbecke in Brabant verehrte. Ueber die irrig von M. Haupt vermuthete Benutzung
von Tac. Germania bei Heriger s. Waitz, Forsch. X, 602. Die von ihm benutzte V.
Servatii hat Kurth herausgegeben: Deux biographies inédites de Saint Servais, Liège
1881, vgl. NA. VII, 409. Er bestreitet eine ältere Quelle als Greg. Tur. u. ebenso W.
Arndt. Dagegen Anal. Boll. I, 85 ff. In den Nouvelles recherches sur St. Servais,
Liège 1884, vertheidigt Kurth gegen P. De Smedt seine Ansicht, daß auch die älteste
V. Servatii nur aus Gregor v. Tours geschöpft sei, dieser keine schriftliche Vita gehabt
habe, und weist aus metrischen Resten die Benutzung eines Epitaphs nach, welches
er der feierlichen Erhebung durch B. Monulph im 6. Jh. zuweist; Vf. könne dann nur
Venantius Fortunatus sein, und von ihm werde Gregor seine Nachrichten erhalten
haben. — Vgl. auch Prost, St. Servais. Examen d'une correction introduite à son sujet
dans les dernières éditions de Gr. de Tours (Nogent-le-Rotrou 1891), welches ich
nicht gesehen habe.
[17] Vita S. Winnoci, Mab. III, 1, 302-314. Auszug MG. SS. XV, 2, 775-778. Nach
der Translation von 1058 fügte ein Mönch Drogo neue Wunder hinzu, ib. p. 778-782.
Derselbe beschrieb in sehr anmuthiger, romanhafter Weise die Transl. S. Lewinnae,
welche 1058 aus England gestohlen war, Auszug ib. p. 782-789. Balduinus Barbatus
setzte 1022 Mönche von St. Bertin an die Stelle der Canoniker.
[18] Waitz-Aufsätze S. 622-665. Daselbst S. 633, Anm. 3, wird die Translatio S.
Amalbergae im J. 870 (Acta SS. Jul. III, 103) für ein spätes, unglaubwürdiges
Machwerk erklärt. Ueber Graf Arnulf Sackur, Clun. S. 127 ff.
[19] Fundatio mon. Blandiniensis ed. O. Holder-Egger, MG. SS. XV, 2, 621-624. Ich
beschränke mich auf Anführung dieser Ausgaben von Holder-Egger.
[20] Ex Sermone de adventu SS. Wandregisili, Ansberti et Vulfranni ed. Holder-
Egger, SS. XV, 2, 624-631.
[21] Ex Vita Bertulji Renticensis, ib. p. 631-641.
[22] Lantberti liber de loco sepulturae Florberti abb., ib. p. 641-644, aber nach S.
1317 ist der Autorname Lantbert irrig. S. 644 folgt ein Catalogus abb. Blandin. saec.
XII.
[23] Ex Miraculis et Translationibus S. Bavonis, SS. XV, 2, 590-597; dazu S. 598 ein
kurzer Auszug von Wundern, die gegen Ende des 11. Jahrh. beschrieben sind. Wie
der erste Vf. berichtet, sagten über den Ursprung von Gent Einige, daß Agrippa es
gegründet, „alii Hermenricum regem in eo arcem imperii sibi tradunt instituisse“.
Aehnlich auch im Carmen.
[24] NA. X, 371 von Holder-Egger herausgegeben.
[25] Translatio S. Landoaldi et sociorum ejus, SS. XV, 2, 601-607.
[26] Adventus et Elevatio S. Landoaldi et sociorum ejus, ib. p. 607-611.
[27] S. den Brief des Abtes Andreas von St. Pancraz, NA. VIII, 376.
[28] Brief im NA. X, 374.
[29] Elevatio S. Bavonis, SS. XV, 2, 597.
Page 500
[30] Vita S. Macharii prior, ib. p. 615.
[31] Gedr. NA. VIII, 370 ff.
[32] S. oben → S. 132.
[33] Elevatio S. Macharii, SS. XV. 2, 616-621. Einzelnes darin, wie die Nachrichten
von der Pest des J. 1012, ist historisch brauchbar.
[34] Ex translatione SS. Livini et Brictii, ib. p. 611-614. — Der Catal. abh. Gandav.
MG. SS. XXV, 570, ist nur Auszug der Ann. Gand. u. werthlos, berichtigt Waitz-
Aufsätze S. 661.
[35] „Quod vir jamdudum barbatus applicari vellet ulterius studiis litterarum
puerilibus..... litteratim percurrit prima elementa ceu quinquennis puerulus.“ V.
Gerardi c. 9. Die chronologischen Bedenken in diesen Angaben beseitigt Sackur,
indem er ihn die Reliquien früher erwerben läßt.
[36] Es wurde 931 hergestellt, verbrannte 938. Nachrichten über die Geschichte des
Klosters in der zu Gerhards Zeit aufgezeichneten Inventio S. Gisleni, ed. Holder-
Egger SS. XV, 2, 576-579, mit von Augenzeugen aufgezeichneten Wundern. Danach
stand Gerhard schon vorher mehreren anderen Klöstern vor.
[37] Diese merkwürdige Geschichte hat auch Folcuinus ed. Guérard p. 143 aus der V.
Gerardi, c. 19, doch nur in einer späten Ueberarbeitung.
[38] S. oben. Ein Mönch Adelard von Bland. schrieb einen Brief an Erzb. Elphegus
von Canterbury (1006-1012) über Dunstan, der in seiner Verbannung bei Graf Arnulf
Schutz gefunden hatte, W. Stubbs, Memorials of Saint Dunstan, p. 53 (Hist. Zeitschr.
XXXV, 200). Die Historia Relationis S. Walarici in monasterium Leuconaense, ed.
Holder-Egger, SS. XV, 2, 693-696, im elften Jahrhundert geschrieben, berichtet, wie
dieser Heilige 952 durch Arnulf von Flandern nach St. Bertin gebracht war und 981
durch Hugo Capet nach St. Valery-sur-Mer zurückkam. Zugleich kam auch S.
Richarius von da nach seinem Kloster zurück; s. oben S. 173.
[39] Vita S. Gerardi Broniensis, ed. L. v. Heinemann, SS. XV, 2, 654-673. Capitel 14
sind Stellen aus Liudprands Antapodosis aufgenommen. Aus Italien brachte er ein
Saumthier mit lapidibus porphyreticis für den Hauptaltar mit, cap. 21. Die
Geschichte seiner Reise nach Rom ist aber wegen der Nennung eines Pabstes
Stephan und der Existenz einer zweifellos unechten Bulle von diesem bedenklich.
Vgl. über ihn Walther Schultze, Gesch. v. Brogne u. die Klosterreform in
Niederlothringen u. Flandern. Forsch. XXV, 221-271. L. v. Heinemann, Die älteren
Diplome f. d. Kl. Brogne u. die Abfassungszeit der V.G. NA. XV, 593-596. Sackur,
Die Cluniac. S. 121 ff. 365 ff. vgl. NA. XVIII, 350. — Unbedeutende Notae
Bronienses 1102-1175, MG. SS. XXIV, 27. „Cronice abbatis Broniensis“ wurden
1490 an das Kloster Marienstatt geschenkt, Anz. d. Germ. Mus. XXVII, 143.
[40] Analecta Boll. III, 29-57. Ex Virtutibus S. Eugenii Bronii ostensis ed. L. v.
Heinemann, SS. XV, 2, 646-652. Dazu S. 653 Wunder, die er schon im 9. Jahrh. in
Diogilus (Deuil) verrichtet hatte.
[41] Witgeri Genealogia Arnulfi comitis ed. Bethmann, MG. SS. IX, 302 bis 304.
[42] S. über ihn Moll, Kerkgeschiedenis van Nederland, II, 50-59; Hirsch, Heinr. II,
II, 296-301; Bresslau. Konrad II, I, 204 für 1026 (nicht 1025). Vorher war er Cluniac.
Mönch geworden. Monographie von Van der Aa, Groningen 1862.
[43] Oben S. 255. Adalbolds Werk hat Moll entdeckt und mit Einleitung
herausgegeben im Kerkhist. Archief v. Kist u. Moll III, 161-213. Sep.-Abdr. 1862.
[31] Gedr. NA. VIII, 370 ff.
[32] S. oben → S. 132.
[33] Elevatio S. Macharii, SS. XV. 2, 616-621. Einzelnes darin, wie die Nachrichten
von der Pest des J. 1012, ist historisch brauchbar.
[34] Ex translatione SS. Livini et Brictii, ib. p. 611-614. — Der Catal. abh. Gandav.
MG. SS. XXV, 570, ist nur Auszug der Ann. Gand. u. werthlos, berichtigt Waitz-
Aufsätze S. 661.
[35] „Quod vir jamdudum barbatus applicari vellet ulterius studiis litterarum
puerilibus..... litteratim percurrit prima elementa ceu quinquennis puerulus.“ V.
Gerardi c. 9. Die chronologischen Bedenken in diesen Angaben beseitigt Sackur,
indem er ihn die Reliquien früher erwerben läßt.
[36] Es wurde 931 hergestellt, verbrannte 938. Nachrichten über die Geschichte des
Klosters in der zu Gerhards Zeit aufgezeichneten Inventio S. Gisleni, ed. Holder-
Egger SS. XV, 2, 576-579, mit von Augenzeugen aufgezeichneten Wundern. Danach
stand Gerhard schon vorher mehreren anderen Klöstern vor.
[37] Diese merkwürdige Geschichte hat auch Folcuinus ed. Guérard p. 143 aus der V.
Gerardi, c. 19, doch nur in einer späten Ueberarbeitung.
[38] S. oben. Ein Mönch Adelard von Bland. schrieb einen Brief an Erzb. Elphegus
von Canterbury (1006-1012) über Dunstan, der in seiner Verbannung bei Graf Arnulf
Schutz gefunden hatte, W. Stubbs, Memorials of Saint Dunstan, p. 53 (Hist. Zeitschr.
XXXV, 200). Die Historia Relationis S. Walarici in monasterium Leuconaense, ed.
Holder-Egger, SS. XV, 2, 693-696, im elften Jahrhundert geschrieben, berichtet, wie
dieser Heilige 952 durch Arnulf von Flandern nach St. Bertin gebracht war und 981
durch Hugo Capet nach St. Valery-sur-Mer zurückkam. Zugleich kam auch S.
Richarius von da nach seinem Kloster zurück; s. oben S. 173.
[39] Vita S. Gerardi Broniensis, ed. L. v. Heinemann, SS. XV, 2, 654-673. Capitel 14
sind Stellen aus Liudprands Antapodosis aufgenommen. Aus Italien brachte er ein
Saumthier mit lapidibus porphyreticis für den Hauptaltar mit, cap. 21. Die
Geschichte seiner Reise nach Rom ist aber wegen der Nennung eines Pabstes
Stephan und der Existenz einer zweifellos unechten Bulle von diesem bedenklich.
Vgl. über ihn Walther Schultze, Gesch. v. Brogne u. die Klosterreform in
Niederlothringen u. Flandern. Forsch. XXV, 221-271. L. v. Heinemann, Die älteren
Diplome f. d. Kl. Brogne u. die Abfassungszeit der V.G. NA. XV, 593-596. Sackur,
Die Cluniac. S. 121 ff. 365 ff. vgl. NA. XVIII, 350. — Unbedeutende Notae
Bronienses 1102-1175, MG. SS. XXIV, 27. „Cronice abbatis Broniensis“ wurden
1490 an das Kloster Marienstatt geschenkt, Anz. d. Germ. Mus. XXVII, 143.
[40] Analecta Boll. III, 29-57. Ex Virtutibus S. Eugenii Bronii ostensis ed. L. v.
Heinemann, SS. XV, 2, 646-652. Dazu S. 653 Wunder, die er schon im 9. Jahrh. in
Diogilus (Deuil) verrichtet hatte.
[41] Witgeri Genealogia Arnulfi comitis ed. Bethmann, MG. SS. IX, 302 bis 304.
[42] S. über ihn Moll, Kerkgeschiedenis van Nederland, II, 50-59; Hirsch, Heinr. II,
II, 296-301; Bresslau. Konrad II, I, 204 für 1026 (nicht 1025). Vorher war er Cluniac.
Mönch geworden. Monographie von Van der Aa, Groningen 1862.
[43] Oben S. 255. Adalbolds Werk hat Moll entdeckt und mit Einleitung
herausgegeben im Kerkhist. Archief v. Kist u. Moll III, 161-213. Sep.-Abdr. 1862.
Page 501
[44] Die Briefe führt Moll an. Eine „Epistola Adalboldi Ultraj. ep. ad Erchanboldum
archiep. Mog.“ im Cod. lat. Mon. 2598 f. 80b ist nur eine Salutatio.
[45] Den Namen nennt Sigebert de SS. eccl. c. 146. — Egberts von Lüttich Fecunda
ratis ed. E. Voigt, Halle 1889. Ueber die Bedeutung desselben E. Voigt: Das erste
Lesebuch des Triviums, Mitth. d. Ges. f. deutsche Erzieh. u. Schulgeschichte I
(1891), S. 42-53. — Klagen über widerstrebende Schüler auch im cod. Col. 188,
Catal. p. 79, wo ludrica statt ludicra verdruckt ist.
[46] Dümmler, Poet. Lat. II, 181.
[47] Mit Einleitung von Gu. Cuper Acta SS. Jul. IV, 452-471: p. 457 der metrische
Prolog von Oetbert. Ausg. von Holder-Egger als Passio Frid. MG. SS. XV, 342-356.
[48] Vita Odulfi presb. Traj. Acta SS. Jun. II, 592-595. Auszug MG. SS. XV, 356-
358, vgl. 574b.
[49] Miracula S. Waldburgae Tielensia ed. Holder-Egger SS. XV, 2, 764-766, vollst.
von G. Henschen, Acta SS. Feb. III, 546-548. Von einem tobsüchtigen Engländer
heißt es: „in corium bovis, quod lingua Britanniorum hudifac (hudisac?) vocatur
illigaverunt“.
[50] De div. temporum I, 5: „quia domnus Adelboldus Traiectensis episcopus haec
omnia pleniter in uno volumine luculento sermone comprehendit“. Giesebrecht II,
560 und Hirsch, Heinrich II, I, 297 nehmen es als Praesens, mir scheint es jedoch
kaum möglich anzunehmen, daß nicht Alpert von einem ihm schon vorliegenden
Buche rede.
[51] Vita Heinrici II auct. Adalboldo ed. G. Waitz, MG. SS. IV, 679-695. Hs. in
Halle, NA. VIII, 382.
[52] S. darüber unten V § 14. — Eine von Giesebrecht entdeckte, von Jaffé
herausgegebene Nachricht über Dedicatio ecclesiae S. Petri Babenbergensis (1012)
MG. SS. XVII, 635. Bibl. V, 479.
[53] Vita Balderici ep. Leod. ed. Pertz, MG. SS. IV, 724-738.
[54] „Lingua Teutonicus, Wangia doctus in urbe.“ Epit. bei Baronius ad a. 999 § 1.
Die Form Wangia auch in einem Hymnusfragment saec. XII. Geschichtsbl. d.
mittelrhein. Bisth. S. 23.
[55] Vita Burchardi Wormat. ed. Waitz, MG. SS. IV, 829-846, nach der alten Ausgabe
von 1548. Cod. Pal. 851, Arch. XII, 344. Vgl. W. Giesebrecht, Geschichte der
Kaiserzeit I, 787. H. Grosch, B. v. W. Jena 1890. M. Conrat (Cohn), Gesch. d.
Quellen d. Rom. Rechts im MA. I, 261.
[56] NA. XIII, 197-202.
[57] MG. SS. IV, 829. Ueber die Wormser Schule vgl. Kehr, Die Urkk. Ott. III
(1890).
archiep. Mog.“ im Cod. lat. Mon. 2598 f. 80b ist nur eine Salutatio.
[45] Den Namen nennt Sigebert de SS. eccl. c. 146. — Egberts von Lüttich Fecunda
ratis ed. E. Voigt, Halle 1889. Ueber die Bedeutung desselben E. Voigt: Das erste
Lesebuch des Triviums, Mitth. d. Ges. f. deutsche Erzieh. u. Schulgeschichte I
(1891), S. 42-53. — Klagen über widerstrebende Schüler auch im cod. Col. 188,
Catal. p. 79, wo ludrica statt ludicra verdruckt ist.
[46] Dümmler, Poet. Lat. II, 181.
[47] Mit Einleitung von Gu. Cuper Acta SS. Jul. IV, 452-471: p. 457 der metrische
Prolog von Oetbert. Ausg. von Holder-Egger als Passio Frid. MG. SS. XV, 342-356.
[48] Vita Odulfi presb. Traj. Acta SS. Jun. II, 592-595. Auszug MG. SS. XV, 356-
358, vgl. 574b.
[49] Miracula S. Waldburgae Tielensia ed. Holder-Egger SS. XV, 2, 764-766, vollst.
von G. Henschen, Acta SS. Feb. III, 546-548. Von einem tobsüchtigen Engländer
heißt es: „in corium bovis, quod lingua Britanniorum hudifac (hudisac?) vocatur
illigaverunt“.
[50] De div. temporum I, 5: „quia domnus Adelboldus Traiectensis episcopus haec
omnia pleniter in uno volumine luculento sermone comprehendit“. Giesebrecht II,
560 und Hirsch, Heinrich II, I, 297 nehmen es als Praesens, mir scheint es jedoch
kaum möglich anzunehmen, daß nicht Alpert von einem ihm schon vorliegenden
Buche rede.
[51] Vita Heinrici II auct. Adalboldo ed. G. Waitz, MG. SS. IV, 679-695. Hs. in
Halle, NA. VIII, 382.
[52] S. darüber unten V § 14. — Eine von Giesebrecht entdeckte, von Jaffé
herausgegebene Nachricht über Dedicatio ecclesiae S. Petri Babenbergensis (1012)
MG. SS. XVII, 635. Bibl. V, 479.
[53] Vita Balderici ep. Leod. ed. Pertz, MG. SS. IV, 724-738.
[54] „Lingua Teutonicus, Wangia doctus in urbe.“ Epit. bei Baronius ad a. 999 § 1.
Die Form Wangia auch in einem Hymnusfragment saec. XII. Geschichtsbl. d.
mittelrhein. Bisth. S. 23.
[55] Vita Burchardi Wormat. ed. Waitz, MG. SS. IV, 829-846, nach der alten Ausgabe
von 1548. Cod. Pal. 851, Arch. XII, 344. Vgl. W. Giesebrecht, Geschichte der
Kaiserzeit I, 787. H. Grosch, B. v. W. Jena 1890. M. Conrat (Cohn), Gesch. d.
Quellen d. Rom. Rechts im MA. I, 261.
[56] NA. XIII, 197-202.
[57] MG. SS. IV, 829. Ueber die Wormser Schule vgl. Kehr, Die Urkk. Ott. III
(1890).
Page 502
§ 8. Alamannien. [ ← ]
Stälins Wirtembergische Geschichte I, 605 ff.
Die Schulen von S t . Gallen und R ei chenau bewahrten auch in
dieser Zeit ihren alten Ruhm und erhoben sich zu hoher Blüthe; es wurde
manches hier geschrieben, aber wie Schwaben damals der Reichsgeschichte
ferner stand, wie den Alamannen der sächsische Kaiserhof weit fremder war
als der karolingische, so nahm auch das ganze Leben einen provinziellen
Charakter an, und während wir in Sachsen und in Lothringen
Geschichtswerke von allgemeinerem Gesichtspunkte entstehen sahen,
beschränkt sich hier die Litteratur auf Schriften von engerem
Gesichtskreise. A n nal en freilich sind auch hier geschrieben und darin
auch, wie überall, von Kaiser und Reich berichtet; ihre Notizen sind als
gleichzeitige Aufzeichnungen wichtig, aber sie zeigen kein Streben nach
zusammenhängender Darstellung, wie die größeren sächsischen Jahrbücher
und der Fortsetzer des Regino. So wurden in St. Gallen die alten
Alamannischen Annalen bis 926 fortgesetzt[1]; um die Mitte des
Jahrhunderts entstanden dann die größeren A nnalen v on S t . Gal l en,
bis 955 von einer Hand geschrieben und von verschiedenen Schreibern bis
1044 fortgeführt[2], die Sanct Galler Gelehrsamkeit durch Anwendung von
Stellen alter Schriftsteller bekundend[3]. Bis 918 sind sie ein Auszug der
Alamannici mit einigen Zusätzen, von 919 an selbständig und von
erheblichem Werth. Gleichzeitig wurde in derselben Handschrift, welche
verschiedene Mönchsregeln u. a. enthält, auch das Necrologium angelegt[4].
Dagegen ließ man in Reichen au, wo längere Zeit hindurch die alten
Murbacher Annalen fortgesetzt waren, schon mit dem Jahre 939 von dieser
Thätigkeit ab; ein Exemplar dieser Annalen, welches für den Erzbischof
Friedrich von Mainz bald nach 939 abgeschrieben war, ist merkwürdig
durch die von Otto's des Großen Sohn Wilhelm eigenhändig am Schlusse
zugesetzte Nachricht von seiner Erhebung zum Erzbischof von Mainz (954)
und dem gleichzeitig zwischen dem Kaiser und seinem Sohne Ludolf
Stälins Wirtembergische Geschichte I, 605 ff.
Die Schulen von S t . Gallen und R ei chenau bewahrten auch in
dieser Zeit ihren alten Ruhm und erhoben sich zu hoher Blüthe; es wurde
manches hier geschrieben, aber wie Schwaben damals der Reichsgeschichte
ferner stand, wie den Alamannen der sächsische Kaiserhof weit fremder war
als der karolingische, so nahm auch das ganze Leben einen provinziellen
Charakter an, und während wir in Sachsen und in Lothringen
Geschichtswerke von allgemeinerem Gesichtspunkte entstehen sahen,
beschränkt sich hier die Litteratur auf Schriften von engerem
Gesichtskreise. A n nal en freilich sind auch hier geschrieben und darin
auch, wie überall, von Kaiser und Reich berichtet; ihre Notizen sind als
gleichzeitige Aufzeichnungen wichtig, aber sie zeigen kein Streben nach
zusammenhängender Darstellung, wie die größeren sächsischen Jahrbücher
und der Fortsetzer des Regino. So wurden in St. Gallen die alten
Alamannischen Annalen bis 926 fortgesetzt[1]; um die Mitte des
Jahrhunderts entstanden dann die größeren A nnalen v on S t . Gal l en,
bis 955 von einer Hand geschrieben und von verschiedenen Schreibern bis
1044 fortgeführt[2], die Sanct Galler Gelehrsamkeit durch Anwendung von
Stellen alter Schriftsteller bekundend[3]. Bis 918 sind sie ein Auszug der
Alamannici mit einigen Zusätzen, von 919 an selbständig und von
erheblichem Werth. Gleichzeitig wurde in derselben Handschrift, welche
verschiedene Mönchsregeln u. a. enthält, auch das Necrologium angelegt[4].
Dagegen ließ man in Reichen au, wo längere Zeit hindurch die alten
Murbacher Annalen fortgesetzt waren, schon mit dem Jahre 939 von dieser
Thätigkeit ab; ein Exemplar dieser Annalen, welches für den Erzbischof
Friedrich von Mainz bald nach 939 abgeschrieben war, ist merkwürdig
durch die von Otto's des Großen Sohn Wilhelm eigenhändig am Schlusse
zugesetzte Nachricht von seiner Erhebung zum Erzbischof von Mainz (954)
und dem gleichzeitig zwischen dem Kaiser und seinem Sohne Ludolf
Page 503
geschlossenen Frieden[5]. Es hat aber auch noch eine weitere Fortsetzung
Alamannischer Annalen gegeben, deren Spuren Giesebrecht bis 985 in den
Altahenses findet[6] und die vielleicht auch in den Cölner Annalen noch
kenntlich ist.
Auch die Wei n gar t er Annalen, nur nach dem Fundort benannt, sind
bis 918 nichts als ein Auszug der Alamannici, bis 936 fortgeführt[7]. In
E i nsied el n aber wurden um das Jahr 966 Annalen zusammengestellt, und
bis 1057, in einer anderen Handschrift bis 1268 gleichzeitig fortgeführt[8].
Im nahen Elsaß wurde in Weißenburg ein Exemplar der Hersfelder
Annalen in einen Auszug gebracht und von 985-1075 fortgesetzt[9].
Bei weitem das bedeutendste Werk für die Geschichte dieser Zeit ist
die Fortsetzung der Klosterchronik von St. Gallen, deren wir schon oben
(S. 268) gedachten, und die uns das anschaulichste und lebendigste Bild
gewährt von einem schön und reich entwickelten Klosterleben, dessen
Mittelpunkt die Schule ist. Har t m ann, der gelehrte Nachfolger (922-924)
des Abtbischofs Salomon, hat über die Geschichte seiner Zeit ein Buch
hinterlassen, welches uns leider verloren ist[10]. Ein Jahrhundert lang
scheint darauf diese Aufgabe unbeachtet geblieben zu sein, bis E kk eh ar d
(IV) die Arbeit unternahm, ein Schüler Notkers des Deutschen, des
bedeutendsten Sanctgaller Lehrers, an dessen Sterbebett er am 29. Juni
1022 stand; dann ging er, wohl von Aribo berufen, nach Mainz, wo er der
Schule vorstand. Auch Trier scheint er aus eigener Anschauung gekannt zu
haben[11]. Nach Aribo's Tod (6. April 1031) scheint er heimgekehrt zu sein,
und unter den Glossen, mit welchen er viele Handschriften des Klosters
versah, findet sich noch der Tod des Pabstes Victor (28. Juli 1057) erwähnt,
den nach seiner Meinung ein Abt vergiftet hatte. Für seinen Lehrer
Notker[12] hat Ekkehard eine große Menge metrischer Uebungen
(dictamina) verfertigt, die, verkünstelt und geschmacklos, wie sie meistens
sind, doch von diesem der Aufbewahrung werth erachtet wurden; andere
fügte er später aus eigenem Antrieb hinzu, die zum Theil an seinen Bruder
Immo, Abt von Münster im Gregorienthal, gerichtet sind. Die im Cod. 393
Alamannischer Annalen gegeben, deren Spuren Giesebrecht bis 985 in den
Altahenses findet[6] und die vielleicht auch in den Cölner Annalen noch
kenntlich ist.
Auch die Wei n gar t er Annalen, nur nach dem Fundort benannt, sind
bis 918 nichts als ein Auszug der Alamannici, bis 936 fortgeführt[7]. In
E i nsied el n aber wurden um das Jahr 966 Annalen zusammengestellt, und
bis 1057, in einer anderen Handschrift bis 1268 gleichzeitig fortgeführt[8].
Im nahen Elsaß wurde in Weißenburg ein Exemplar der Hersfelder
Annalen in einen Auszug gebracht und von 985-1075 fortgesetzt[9].
Bei weitem das bedeutendste Werk für die Geschichte dieser Zeit ist
die Fortsetzung der Klosterchronik von St. Gallen, deren wir schon oben
(S. 268) gedachten, und die uns das anschaulichste und lebendigste Bild
gewährt von einem schön und reich entwickelten Klosterleben, dessen
Mittelpunkt die Schule ist. Har t m ann, der gelehrte Nachfolger (922-924)
des Abtbischofs Salomon, hat über die Geschichte seiner Zeit ein Buch
hinterlassen, welches uns leider verloren ist[10]. Ein Jahrhundert lang
scheint darauf diese Aufgabe unbeachtet geblieben zu sein, bis E kk eh ar d
(IV) die Arbeit unternahm, ein Schüler Notkers des Deutschen, des
bedeutendsten Sanctgaller Lehrers, an dessen Sterbebett er am 29. Juni
1022 stand; dann ging er, wohl von Aribo berufen, nach Mainz, wo er der
Schule vorstand. Auch Trier scheint er aus eigener Anschauung gekannt zu
haben[11]. Nach Aribo's Tod (6. April 1031) scheint er heimgekehrt zu sein,
und unter den Glossen, mit welchen er viele Handschriften des Klosters
versah, findet sich noch der Tod des Pabstes Victor (28. Juli 1057) erwähnt,
den nach seiner Meinung ein Abt vergiftet hatte. Für seinen Lehrer
Notker[12] hat Ekkehard eine große Menge metrischer Uebungen
(dictamina) verfertigt, die, verkünstelt und geschmacklos, wie sie meistens
sind, doch von diesem der Aufbewahrung werth erachtet wurden; andere
fügte er später aus eigenem Antrieb hinzu, die zum Theil an seinen Bruder
Immo, Abt von Münster im Gregorienthal, gerichtet sind. Die im Cod. 393
Page 504
noch jetzt erhaltene Sammlung unter dem Titel liber benedictionum stellte
er zusammen auf Anregung des Staveloter Mönchs Johannes, Neffen des
Abtes Poppo, der in St. Maximin Abt wurde und am 11. Juli 1035 gestorben
ist[13]. Auf den Wunsch des Abtes Purchard II (1001-1022), der ein eifriger
Beförderer der lateinischen Dichtkunst war[14], machte er Verse zu den
Bildern aus dem Leben des h. Gallus, welche Abt Immo (975-984) im
Kloster hatte malen lassen. Ebenso dichtete er in Mainz auf Aribo's Wunsch
Unterschriften zu den Gemälden des Doms[15], und überarbeitete den
Waltharius des älteren Ekkehard (I † 973), den dieser für seinen Lehrer
Gerald in Verse gebracht, Gerald dem Bischof Erchambold von Straßburg
gewidmet hatte[16].
In St. Gallen war inzwischen eine große Veränderung eingetreten. Von
Stablo kam als Abt Norbert (1034-1072), um die strengere französische
Zucht des Abtes Poppo einzuführen, unter lebhaftem Widerstreben der alten
Mönche. Ekkehard war, trotz seiner Freundschaft mit Johannes, ebenso
heftig gegen diese Neuerer erbittert, wie jener Priester Egebert (oben
S. 389), und die Störung der Verhältnisse, die Vernichtung der alten
Harmonie und wohl auch der alten mehr profanen Studien, welche von nun
an in St. Gallen verschwinden, mögen ihn vorzüglich veranlaßt haben, die
Klosterchronik fortzusetzen und das Andenken der guten alten Zeit zu
retten. Mit der anziehendsten Ausführlichkeit erzählt er von dieser, mit
einer reichen Fülle von einzelnen Zügen, die uns ganz in das Innerste des
Klosters einführen; er schildert die Schicksale desselben, die Thätigkeit der
verschiedenen Lehrer und ihr Leben mit einander; aber freilich hatte er
dafür keine andere Quelle als das Gedächtniß an eine schon sehr fern
liegende Vergangenheit, an Erzählungen, die er in seiner Kindheit gehört
hatte. Es ist daher nicht zu verwundern, daß sich ihm in den Einzelheiten
vielfache Irrthümer nachweisen lassen; die kulturgeschichtliche Bedeutung
der Schilderung wird aber dadurch wenig gemindert, Ton und Färbung des
Bildes werden wir als wahrhaft anerkennen können, wenn auch die Umrisse
einzelner Gestalten täuschen, die gute alte Zeit zu sehr verherrlicht ist.
Leider hat Ekkehard sein Werk nur bis zum Jahre 971 geführt, und weit
er zusammen auf Anregung des Staveloter Mönchs Johannes, Neffen des
Abtes Poppo, der in St. Maximin Abt wurde und am 11. Juli 1035 gestorben
ist[13]. Auf den Wunsch des Abtes Purchard II (1001-1022), der ein eifriger
Beförderer der lateinischen Dichtkunst war[14], machte er Verse zu den
Bildern aus dem Leben des h. Gallus, welche Abt Immo (975-984) im
Kloster hatte malen lassen. Ebenso dichtete er in Mainz auf Aribo's Wunsch
Unterschriften zu den Gemälden des Doms[15], und überarbeitete den
Waltharius des älteren Ekkehard (I † 973), den dieser für seinen Lehrer
Gerald in Verse gebracht, Gerald dem Bischof Erchambold von Straßburg
gewidmet hatte[16].
In St. Gallen war inzwischen eine große Veränderung eingetreten. Von
Stablo kam als Abt Norbert (1034-1072), um die strengere französische
Zucht des Abtes Poppo einzuführen, unter lebhaftem Widerstreben der alten
Mönche. Ekkehard war, trotz seiner Freundschaft mit Johannes, ebenso
heftig gegen diese Neuerer erbittert, wie jener Priester Egebert (oben
S. 389), und die Störung der Verhältnisse, die Vernichtung der alten
Harmonie und wohl auch der alten mehr profanen Studien, welche von nun
an in St. Gallen verschwinden, mögen ihn vorzüglich veranlaßt haben, die
Klosterchronik fortzusetzen und das Andenken der guten alten Zeit zu
retten. Mit der anziehendsten Ausführlichkeit erzählt er von dieser, mit
einer reichen Fülle von einzelnen Zügen, die uns ganz in das Innerste des
Klosters einführen; er schildert die Schicksale desselben, die Thätigkeit der
verschiedenen Lehrer und ihr Leben mit einander; aber freilich hatte er
dafür keine andere Quelle als das Gedächtniß an eine schon sehr fern
liegende Vergangenheit, an Erzählungen, die er in seiner Kindheit gehört
hatte. Es ist daher nicht zu verwundern, daß sich ihm in den Einzelheiten
vielfache Irrthümer nachweisen lassen; die kulturgeschichtliche Bedeutung
der Schilderung wird aber dadurch wenig gemindert, Ton und Färbung des
Bildes werden wir als wahrhaft anerkennen können, wenn auch die Umrisse
einzelner Gestalten täuschen, die gute alte Zeit zu sehr verherrlicht ist.
Leider hat Ekkehard sein Werk nur bis zum Jahre 971 geführt, und weit
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über ein Jahrhundert verging nach ihm, bevor man wieder an die weitere
Fortsetzung dachte.
Schätzbar durch Nachrichten über den verheerenden Einfall der
Ungern im Jahre 926 ist die sonst nicht bedeutende Lebensbeschreibung der
Klausnerin Wib o r ada, von dem Sanctgaller Mönche Har t m ann erst
gegen das Ende des Jahrhunderts verfaßt[17].
Das Kloster R eichen au erhält eine besondere Bedeutung dadurch,
daß es an der Hauptstraße nach Italien lag. Bischöfe von Verona haben hier
Kirchen gestiftet; griechische und italienische Pilger und Reisende werden
erwähnt, und auch Irländer und Isländer lassen sich hier nachweisen. Durch
Nachrichten dieser Art verdienen die Wun der des h. Mar cus
Berücksichtigung, dessen Reliquien angeblich 830 von Venedig nach
Reichenau gebracht sein sollten. Die schon damals vielfach lautgewordenen
Zweifel an der Echtheit der Reliquien veranlaßten natürlich eine um so viel
größere Zahl von Wundern, und auch die Abfassung eines apologetischen
Berichtes darüber, welcher noch unter Heinrich I oder gleich nach seinem
Tode geschrieben ist[18]. Eine andere Reliquie, die als eine besondere
Kostbarkeit betrachtet wurde, war ein Kreuz mit dem Bl u te C hr i sti, das
durch einen Araber Hassan an Karl gebracht sein sollte und 925 nach
Reichenau geschenkt wurde. Neben vielem fabelhaften, das aber für die
Sagengeschichte nicht unwichtig ist, enthält die darüber verfaßte Schrift
doch auch einige geschichtliche Nachrichten[19]. Aehnlicher Art sind auch
die im Anfange des elften Jahrhunderts in Z ur zach beschriebenen
Wunder d er h. Ver ena[20]. Den Abt Liutharius, sonst Liuthard genannt
(926-934), feiern einige Verse wegen runder Fenster, durch welche er Licht
in ein dunkles Gemach gebracht hatte[21]. Ihm schreibt Stephan Beissel das
dem Augustus Otto dargebrachte schön geschmückte Evangeliar zu,
welches später dem Dom zu Aachen gewidmet ist[22].
Von mehr geschichtlichem Inhalt ist ein Gedicht zu Ehren des Abtes
Wi ti g o wo (985-997), von P ur ch ar d im Jahre 994 nicht ohne Geschmack
Fortsetzung dachte.
Schätzbar durch Nachrichten über den verheerenden Einfall der
Ungern im Jahre 926 ist die sonst nicht bedeutende Lebensbeschreibung der
Klausnerin Wib o r ada, von dem Sanctgaller Mönche Har t m ann erst
gegen das Ende des Jahrhunderts verfaßt[17].
Das Kloster R eichen au erhält eine besondere Bedeutung dadurch,
daß es an der Hauptstraße nach Italien lag. Bischöfe von Verona haben hier
Kirchen gestiftet; griechische und italienische Pilger und Reisende werden
erwähnt, und auch Irländer und Isländer lassen sich hier nachweisen. Durch
Nachrichten dieser Art verdienen die Wun der des h. Mar cus
Berücksichtigung, dessen Reliquien angeblich 830 von Venedig nach
Reichenau gebracht sein sollten. Die schon damals vielfach lautgewordenen
Zweifel an der Echtheit der Reliquien veranlaßten natürlich eine um so viel
größere Zahl von Wundern, und auch die Abfassung eines apologetischen
Berichtes darüber, welcher noch unter Heinrich I oder gleich nach seinem
Tode geschrieben ist[18]. Eine andere Reliquie, die als eine besondere
Kostbarkeit betrachtet wurde, war ein Kreuz mit dem Bl u te C hr i sti, das
durch einen Araber Hassan an Karl gebracht sein sollte und 925 nach
Reichenau geschenkt wurde. Neben vielem fabelhaften, das aber für die
Sagengeschichte nicht unwichtig ist, enthält die darüber verfaßte Schrift
doch auch einige geschichtliche Nachrichten[19]. Aehnlicher Art sind auch
die im Anfange des elften Jahrhunderts in Z ur zach beschriebenen
Wunder d er h. Ver ena[20]. Den Abt Liutharius, sonst Liuthard genannt
(926-934), feiern einige Verse wegen runder Fenster, durch welche er Licht
in ein dunkles Gemach gebracht hatte[21]. Ihm schreibt Stephan Beissel das
dem Augustus Otto dargebrachte schön geschmückte Evangeliar zu,
welches später dem Dom zu Aachen gewidmet ist[22].
Von mehr geschichtlichem Inhalt ist ein Gedicht zu Ehren des Abtes
Wi ti g o wo (985-997), von P ur ch ar d im Jahre 994 nicht ohne Geschmack
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und Kunstfertigkeit verfaßt. Er läßt darin die Augia selbst auftreten, trostlos
über die häufige Abwesenheit des Abtes, der bald am kaiserlichen Hofe
weilt, bald die Stiftsgüter mit Kirchen schmückt; ausführlich berichtet sie
von seinen Verdiensten, namentlich dem Neubau des Klosters. Ein Nachtrag
vom Jahre 996 berührt die Theilnahme des Abtes an Otto's III
Römerzuge[23]. Er brachte Reliquien und Privilegien mit; dann aber scheint
es ihm nicht anders ergangen zu sein als dem Abt Ratgar von Fulda: er
wurde abgesetzt[24]. Nicht unwahrscheinlich ist es, daß durch die Bauten die
Zucht gelockert und dadurch die folgende Katastrophe herbeigeführt wurde.
Im Jahre 1006 nöthigte nämlich Heinrich II den Mönchen wider ihren
Willen den Abt Immo auf, welcher schon den Klöstern Gorze und Prüm
vorstand, und die strenge lothringische Zucht mit großer Härte den
Mönchen aufzudrängen versuchte, was viele von diesen zur Flucht
veranlaßte und dem Kloster großen Schaden that. Davon hat der Mönch
R udper t in Prosa und in Versen berichtet[25], sein Werk ist aber verloren.
Nach zwei Jahren erlöste der König Reichenau von seinem Zuchtmeister
und gab ihnen Bern aus dem Kloster Prüm zum Abte, welcher den früheren
blühenden Zustand wieder herstellte[26].
Diese beiden großen Klöster scheinen alles an sich gezogen zu haben,
was an litterarischer Thätigkeit noch vorhanden war; C onst anz, so sehr es
durch bedeutende Bischöfe ausgezeichnet war, tritt litterarisch gar nicht
hervor, denn Salomo III, dessen Formelbuch und Gedichte oben (S. 274)
erwähnt wurden, gehört ganz dem Kloster St. Gallen an, welchem er seine
Bildung verdankte und in dem sein Andenken immer fortlebte. Von dem
Bischof C onr ad (934-976) giebt es freilich eine Biographie[27]; sie ist aber
erst 150 Jahre nach seinem Tode geschrieben und von geringem Werthe.
Das Leben des Bischofs Geb ehar d II (980-995) ist ebenfalls erst viel
später, im zwölften Jahrhundert, in seiner Stiftung Petershausen verfaßt; es
enthält einige merkwürdige Nachrichten über den Bau des Klosters[28].
über die häufige Abwesenheit des Abtes, der bald am kaiserlichen Hofe
weilt, bald die Stiftsgüter mit Kirchen schmückt; ausführlich berichtet sie
von seinen Verdiensten, namentlich dem Neubau des Klosters. Ein Nachtrag
vom Jahre 996 berührt die Theilnahme des Abtes an Otto's III
Römerzuge[23]. Er brachte Reliquien und Privilegien mit; dann aber scheint
es ihm nicht anders ergangen zu sein als dem Abt Ratgar von Fulda: er
wurde abgesetzt[24]. Nicht unwahrscheinlich ist es, daß durch die Bauten die
Zucht gelockert und dadurch die folgende Katastrophe herbeigeführt wurde.
Im Jahre 1006 nöthigte nämlich Heinrich II den Mönchen wider ihren
Willen den Abt Immo auf, welcher schon den Klöstern Gorze und Prüm
vorstand, und die strenge lothringische Zucht mit großer Härte den
Mönchen aufzudrängen versuchte, was viele von diesen zur Flucht
veranlaßte und dem Kloster großen Schaden that. Davon hat der Mönch
R udper t in Prosa und in Versen berichtet[25], sein Werk ist aber verloren.
Nach zwei Jahren erlöste der König Reichenau von seinem Zuchtmeister
und gab ihnen Bern aus dem Kloster Prüm zum Abte, welcher den früheren
blühenden Zustand wieder herstellte[26].
Diese beiden großen Klöster scheinen alles an sich gezogen zu haben,
was an litterarischer Thätigkeit noch vorhanden war; C onst anz, so sehr es
durch bedeutende Bischöfe ausgezeichnet war, tritt litterarisch gar nicht
hervor, denn Salomo III, dessen Formelbuch und Gedichte oben (S. 274)
erwähnt wurden, gehört ganz dem Kloster St. Gallen an, welchem er seine
Bildung verdankte und in dem sein Andenken immer fortlebte. Von dem
Bischof C onr ad (934-976) giebt es freilich eine Biographie[27]; sie ist aber
erst 150 Jahre nach seinem Tode geschrieben und von geringem Werthe.
Das Leben des Bischofs Geb ehar d II (980-995) ist ebenfalls erst viel
später, im zwölften Jahrhundert, in seiner Stiftung Petershausen verfaßt; es
enthält einige merkwürdige Nachrichten über den Bau des Klosters[28].
Page 507
Wir haben schon gesehen, wie S t. G al len auch in die Ferne wirkte
durch seinen Probst Notker, der 972 Bischof von Lüttich wurde; zwei
Ekkeharde gingen von dort nach Mainz. Mit Weißenburg im Elsaß war
vielfacher Verkehr und auch mit S t r aßburg, besonders unter dem Bischof
E r chen bald (965-991). Dieser, welcher durch die Gunst des zweiten und
dritten Otto zuerst wirklich Herr in seiner Stadt wurde, war wissenschaftlich
gebildet, machte selbst Verse und nahm sich eifrigst der Bibliothek an, für
welche er Abschriften machen ließ. Wimpheling hat noch Aufzeichnungen
aus seiner Zeit gehabt, welche später verloren sind[29]. Er ist es auch ohne
Zweifel gewesen, dem der Waltharius überreicht wurde[30]. Zur Zeit des
Abtes Burchard (958-971) berief er, wie Ekkehard erzählt, den Sanctgaller
Mönch Vi cto r, einen fähigen und gelehrten, aber unruhigen Mann von
vornehmer Abkunft nach Straßburg, wo er mit Erfolg als Lehrer wirkte[31].
Nach dem Tode des Bischofs zog der in früherer Zeit geblendete Victor sich
als Eremit in die Einsamkeit zurück. Erchenbald aber hat auch selbst einige
Verse über seine Vorfahren im Bisthum verfaßt[32]. Andererseits wirkte auch
Frankreich auf Straßburg ein; auch C onstant ius, der berühmte Scholaster
von Luxeuil, hat hier gelehrt[33].
Aus der Klosterschule von St. Gallen aber, wo ein großer Theil der
jungen vornehmen, zu hohen Kirchenämtern bestimmten Geistlichkeit
erzogen wurde, ging auch der ausgezeichnetste Bischof hervor, den
Alamannien in der Ottonischen Zeit besessen hat, Udal r i ch aus dem
Hause der Grafen von Dilingen[34], der von 924-973 dem Sprengel von
Au gsbu rg vorstand und ein segensreiches Andenken hinterlassen hat[35].
Ohne Zweifel würde er hier eine reiche Entfaltung geistiger Thätigkeit
hervorgerufen haben, wenn nicht die schweren Zeiten, welche Ludolfs
Aufstand und der Ungernkrieg über Stadt und Sprengel brachten, seine
Wirksamkeit gehemmt hätten. Die Folgen dieser Ereignisse sind gewiß
noch lange fühlbar gewesen; doch finden wir zu Bischof Liutolds Zeit (989-
996) in einem Briefe des Wigo von Feuchtwangen[36] den blühenden
Zustand der Augsburger Schule gerühmt, und zugleich zeigen uns diese
durch seinen Probst Notker, der 972 Bischof von Lüttich wurde; zwei
Ekkeharde gingen von dort nach Mainz. Mit Weißenburg im Elsaß war
vielfacher Verkehr und auch mit S t r aßburg, besonders unter dem Bischof
E r chen bald (965-991). Dieser, welcher durch die Gunst des zweiten und
dritten Otto zuerst wirklich Herr in seiner Stadt wurde, war wissenschaftlich
gebildet, machte selbst Verse und nahm sich eifrigst der Bibliothek an, für
welche er Abschriften machen ließ. Wimpheling hat noch Aufzeichnungen
aus seiner Zeit gehabt, welche später verloren sind[29]. Er ist es auch ohne
Zweifel gewesen, dem der Waltharius überreicht wurde[30]. Zur Zeit des
Abtes Burchard (958-971) berief er, wie Ekkehard erzählt, den Sanctgaller
Mönch Vi cto r, einen fähigen und gelehrten, aber unruhigen Mann von
vornehmer Abkunft nach Straßburg, wo er mit Erfolg als Lehrer wirkte[31].
Nach dem Tode des Bischofs zog der in früherer Zeit geblendete Victor sich
als Eremit in die Einsamkeit zurück. Erchenbald aber hat auch selbst einige
Verse über seine Vorfahren im Bisthum verfaßt[32]. Andererseits wirkte auch
Frankreich auf Straßburg ein; auch C onstant ius, der berühmte Scholaster
von Luxeuil, hat hier gelehrt[33].
Aus der Klosterschule von St. Gallen aber, wo ein großer Theil der
jungen vornehmen, zu hohen Kirchenämtern bestimmten Geistlichkeit
erzogen wurde, ging auch der ausgezeichnetste Bischof hervor, den
Alamannien in der Ottonischen Zeit besessen hat, Udal r i ch aus dem
Hause der Grafen von Dilingen[34], der von 924-973 dem Sprengel von
Au gsbu rg vorstand und ein segensreiches Andenken hinterlassen hat[35].
Ohne Zweifel würde er hier eine reiche Entfaltung geistiger Thätigkeit
hervorgerufen haben, wenn nicht die schweren Zeiten, welche Ludolfs
Aufstand und der Ungernkrieg über Stadt und Sprengel brachten, seine
Wirksamkeit gehemmt hätten. Die Folgen dieser Ereignisse sind gewiß
noch lange fühlbar gewesen; doch finden wir zu Bischof Liutolds Zeit (989-
996) in einem Briefe des Wigo von Feuchtwangen[36] den blühenden
Zustand der Augsburger Schule gerühmt, und zugleich zeigen uns diese
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zufällig erhaltenen Briefe ein lebhaftes litterarisches Streben in dem Kloster
F eu cht w ang en, im nördlichsten Winkel des Augsburger Bisthums. Wir
dürfen daraus wohl den Schluß ziehen, daß noch an vielen Orten eifrig
gelehrt und gelernt wurde, ohne daß uns eine Nachricht aufbewahrt ist, daß
auch vieles geschrieben worden ist, was später unbeachtet zu Grunde ging.
Ueber S. Ulrichs segensreiche Wirksamkeit aber ist uns glücklicherweise
ein reichhaltiger und vortrefflicher Bericht zugekommen, dessen Verfasser,
der Priester Ger har d, ein jüngerer Zeitgenosse des Bischofs, zugleich
durch seine gute Schreibart und Darstellung den gesegneten Erfolg von
Udalrichs Bestrebungen bezeugt. Die außerordentlich angesehene Stellung
dieses Bischofs, sein Einfluß bei Hofe, die mannhafte Vertheidigung seiner
Stadt und seines Sprengels gegen die Aufrührer und gegen die Ungern
geben seiner Biographie eine besondere Wichtigkeit und stellen sie dem
Leben des Erzbischofs Brun zur Seite; doch ist die Sprache sehr gesucht
und oft ganz fehlerhaft, griechische und deutsche Worte werden
eingemischt. Auch die Zeit seines Nachfolgers H einr ich (973-982) zog
Gerhard in seine Darstellung[37]. L iut ol d oder Ludolf bewirkte 993 die
Canonisation S. Ulrichs, das erste Beispiel eines solchen Actes, und von da
an wurde das Leben desselben immer von neuem, später auch in deutscher
Sprache überarbeitet; schon Bischof Gebhar d (996-999), früher Abt von
Ellwangen, dem die Zeitgenossen hohes Lob zollen, machte den Anfang
damit, aber geschichtlichen Werth hat nur das ursprüngliche Werk.
Lehrreich sind diese Bearbeitungen nur, insofern man darin recht deutlich
sehen kann, wie das geschichtliche Element sich immer mehr verliert und
dafür der rhetorische Schmuck, die herkömmlichen Phrasen überhand
nehmen, bis nur noch eine gewöhnliche mit Wundern überladene Legende
übrig bleibt[38].
[1] Neue Ausg. nach dem Original in Zürich in d. Mitth. z. vaterl. Gesch. XIX, 224-
265, von C. Henking. Nach der ausführl. Erörterung S. 347 bis 358 ist das Stück 800-
876 von einer Hand geschrieben und Reichenauer Ursprungs; 877-881 zweifelhaft,
882-926 in St. Gallen geschrieben.
F eu cht w ang en, im nördlichsten Winkel des Augsburger Bisthums. Wir
dürfen daraus wohl den Schluß ziehen, daß noch an vielen Orten eifrig
gelehrt und gelernt wurde, ohne daß uns eine Nachricht aufbewahrt ist, daß
auch vieles geschrieben worden ist, was später unbeachtet zu Grunde ging.
Ueber S. Ulrichs segensreiche Wirksamkeit aber ist uns glücklicherweise
ein reichhaltiger und vortrefflicher Bericht zugekommen, dessen Verfasser,
der Priester Ger har d, ein jüngerer Zeitgenosse des Bischofs, zugleich
durch seine gute Schreibart und Darstellung den gesegneten Erfolg von
Udalrichs Bestrebungen bezeugt. Die außerordentlich angesehene Stellung
dieses Bischofs, sein Einfluß bei Hofe, die mannhafte Vertheidigung seiner
Stadt und seines Sprengels gegen die Aufrührer und gegen die Ungern
geben seiner Biographie eine besondere Wichtigkeit und stellen sie dem
Leben des Erzbischofs Brun zur Seite; doch ist die Sprache sehr gesucht
und oft ganz fehlerhaft, griechische und deutsche Worte werden
eingemischt. Auch die Zeit seines Nachfolgers H einr ich (973-982) zog
Gerhard in seine Darstellung[37]. L iut ol d oder Ludolf bewirkte 993 die
Canonisation S. Ulrichs, das erste Beispiel eines solchen Actes, und von da
an wurde das Leben desselben immer von neuem, später auch in deutscher
Sprache überarbeitet; schon Bischof Gebhar d (996-999), früher Abt von
Ellwangen, dem die Zeitgenossen hohes Lob zollen, machte den Anfang
damit, aber geschichtlichen Werth hat nur das ursprüngliche Werk.
Lehrreich sind diese Bearbeitungen nur, insofern man darin recht deutlich
sehen kann, wie das geschichtliche Element sich immer mehr verliert und
dafür der rhetorische Schmuck, die herkömmlichen Phrasen überhand
nehmen, bis nur noch eine gewöhnliche mit Wundern überladene Legende
übrig bleibt[38].
[1] Neue Ausg. nach dem Original in Zürich in d. Mitth. z. vaterl. Gesch. XIX, 224-
265, von C. Henking. Nach der ausführl. Erörterung S. 347 bis 358 ist das Stück 800-
876 von einer Hand geschrieben und Reichenauer Ursprungs; 877-881 zweifelhaft,
882-926 in St. Gallen geschrieben.
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[2] Ann. S. Galli majores, früher Hepidanni genannt, ed. Pertz, MG. SS. I, 73-85;
Henking a. a. O. S. 265-323, vgl. S. 358 ff. (Nach S. 291 sind die J. 965 u. 966 von
Ekkeh. IV geschrieben u. also ohne Autorität.) Ueber die Reichsannalen, welche dem
Stück von 1025-1040 zu Grunde liegen, werden wir in der folgenden Periode zu
reden haben. Ueber Zusätze von Ekkehards IV Hand s. Meyer von Knonau S. 338.
[3] Strehlke, De Heinrici III bellis Ungaricis p. 35.
[4] S. die Ausgabe von Dümmler u. Wartmann in den St. Galler Mittheilungen XI
nebst den Historiae de fratribus conscriptis (885 bis 982) S. 13-24. Letztere als
Confraternitatum syngraphae MG. Libri Confrat. ed. Piper p. 136-143.
[5] Annales Augienses MG. I, 62. 67-69. Vgl. II, 238. Berichtigte Ausgabe von Jaffé,
Bibl. III, 700-706. Vgl. oben S. 287.
[6] MG. SS. XX, 776.
[7] Annales Weingartenses, MG. SS. I, 65-67. Vgl. Henking in den Mitth. z. vaterl.
Gesch. XIX, S. 345. Die Sangall. breves (ib. S. 220-227) sind nichts anderes als eine
schlechtere Copie desselben Auszuges.
[8] Ann. S. Meginradi, Heremi und Einsidlenses ed. Pertz, MG. SS. III, 137-149. Von
den Ann. Heremi vermuthet H. Bresslau im NA. V, 449, daß sie nur ein Auszug d.
Schwäbischen Reichsannalen sind. — G. v. Wyß: „Ueber die Antiquitates monasterii
Einsidlensis u. d. Liber Heremi des Aegidius Tschudi“ (Jahrb. f. Schweiz. Gesch. X)
behandelt sehr eingehend diese Mss. u. erweist ihren Charakter als Arbeiten von
Tschudi. Ihr geschichtl. Werth besteht in der Benutzung einer beim Klosterbrand
1577 verlorenen Annalenhs. u. des alten Liber vitae, im ersten Theil des Liber
Heremi, eines Namens, der eigentlich nur dem von Tschudi benutzten Liber vitae
zukommt. Daraus werden als Beilagen abgedr. S. 87 kurze Annalen 863-996 als
Annales S. Meginradi II, S. 88-110 Ex libro Vitae Einsidl. a. 883-1298, Verz. d.
Wohlthäter mit Angabe ihrer Schenkungen, Necrolog ohne Tage, u. noch einige
Notizen aus d. 14. Jahrhundert.
[9] Annales Weißenburgenses ed. Pertz, MG. SS. III, 33-65. 70-72. Vgl. oben → S.
340.
[10] Ekkehard S. 102: „de quo quoniam proprium ejus sui temporis libellum
habemus, plura scribere supersedemus“. Vgl. über ihn Dümmler, St. Gall. Denkmale
S. 256, NA. IV, 556; Meyers von Knonau Ausg. S. 165 bis 168.
[11] Dümmler, NA. XI, 405, wo er weitere Glossen von ihm zu Adonis
Martyrologium mittheilt.
[12] Dessen merkwürdiger Brief über seine Uebersetzungen an Bischof Hugo von
Sitten bei J. Grimm, Kl. Schr. V. 190.
[13] S. vorzüglich E. Dümmler, Ekkehart IV, in Haupts Zeitschrift XIV, 1-73, u. G.
Meyer von Knonau in der Einleitung zu seiner Ausgabe. Rythmi de S. Othmaro, mit
Glossen, worin er dieselben St. Galler Lehrer feiert wie in der Chronik, MG. II, 55-
58. Verbesserungen von Dümmler l. c. p. 13. Neue Ausg. im Ekk. ed. M. v. Knonau
p. LXXXV-LXXXIX. Benedictiones ad mensas ed. F. Keller, Mitth. d. Antiqu. Ges.
in Zürich, III, 97-121.
[14] An diesen Abt ist, als er sich am Hofe befand, ein merkwürdiges Schreiben über
einen Kirchendiebstahl und dessen Entdeckung von seinen Mönchen gerichtet, gedr.
in Wartmanns Urkundenbuch III, 34. — Ein im Anschluß an Marcianus Capella
gedichtetes Lehrgedicht über die 7 freien Künste, s. XI. aus St. Gallen, NA. V, 627.
Henking a. a. O. S. 265-323, vgl. S. 358 ff. (Nach S. 291 sind die J. 965 u. 966 von
Ekkeh. IV geschrieben u. also ohne Autorität.) Ueber die Reichsannalen, welche dem
Stück von 1025-1040 zu Grunde liegen, werden wir in der folgenden Periode zu
reden haben. Ueber Zusätze von Ekkehards IV Hand s. Meyer von Knonau S. 338.
[3] Strehlke, De Heinrici III bellis Ungaricis p. 35.
[4] S. die Ausgabe von Dümmler u. Wartmann in den St. Galler Mittheilungen XI
nebst den Historiae de fratribus conscriptis (885 bis 982) S. 13-24. Letztere als
Confraternitatum syngraphae MG. Libri Confrat. ed. Piper p. 136-143.
[5] Annales Augienses MG. I, 62. 67-69. Vgl. II, 238. Berichtigte Ausgabe von Jaffé,
Bibl. III, 700-706. Vgl. oben S. 287.
[6] MG. SS. XX, 776.
[7] Annales Weingartenses, MG. SS. I, 65-67. Vgl. Henking in den Mitth. z. vaterl.
Gesch. XIX, S. 345. Die Sangall. breves (ib. S. 220-227) sind nichts anderes als eine
schlechtere Copie desselben Auszuges.
[8] Ann. S. Meginradi, Heremi und Einsidlenses ed. Pertz, MG. SS. III, 137-149. Von
den Ann. Heremi vermuthet H. Bresslau im NA. V, 449, daß sie nur ein Auszug d.
Schwäbischen Reichsannalen sind. — G. v. Wyß: „Ueber die Antiquitates monasterii
Einsidlensis u. d. Liber Heremi des Aegidius Tschudi“ (Jahrb. f. Schweiz. Gesch. X)
behandelt sehr eingehend diese Mss. u. erweist ihren Charakter als Arbeiten von
Tschudi. Ihr geschichtl. Werth besteht in der Benutzung einer beim Klosterbrand
1577 verlorenen Annalenhs. u. des alten Liber vitae, im ersten Theil des Liber
Heremi, eines Namens, der eigentlich nur dem von Tschudi benutzten Liber vitae
zukommt. Daraus werden als Beilagen abgedr. S. 87 kurze Annalen 863-996 als
Annales S. Meginradi II, S. 88-110 Ex libro Vitae Einsidl. a. 883-1298, Verz. d.
Wohlthäter mit Angabe ihrer Schenkungen, Necrolog ohne Tage, u. noch einige
Notizen aus d. 14. Jahrhundert.
[9] Annales Weißenburgenses ed. Pertz, MG. SS. III, 33-65. 70-72. Vgl. oben → S.
340.
[10] Ekkehard S. 102: „de quo quoniam proprium ejus sui temporis libellum
habemus, plura scribere supersedemus“. Vgl. über ihn Dümmler, St. Gall. Denkmale
S. 256, NA. IV, 556; Meyers von Knonau Ausg. S. 165 bis 168.
[11] Dümmler, NA. XI, 405, wo er weitere Glossen von ihm zu Adonis
Martyrologium mittheilt.
[12] Dessen merkwürdiger Brief über seine Uebersetzungen an Bischof Hugo von
Sitten bei J. Grimm, Kl. Schr. V. 190.
[13] S. vorzüglich E. Dümmler, Ekkehart IV, in Haupts Zeitschrift XIV, 1-73, u. G.
Meyer von Knonau in der Einleitung zu seiner Ausgabe. Rythmi de S. Othmaro, mit
Glossen, worin er dieselben St. Galler Lehrer feiert wie in der Chronik, MG. II, 55-
58. Verbesserungen von Dümmler l. c. p. 13. Neue Ausg. im Ekk. ed. M. v. Knonau
p. LXXXV-LXXXIX. Benedictiones ad mensas ed. F. Keller, Mitth. d. Antiqu. Ges.
in Zürich, III, 97-121.
[14] An diesen Abt ist, als er sich am Hofe befand, ein merkwürdiges Schreiben über
einen Kirchendiebstahl und dessen Entdeckung von seinen Mönchen gerichtet, gedr.
in Wartmanns Urkundenbuch III, 34. — Ein im Anschluß an Marcianus Capella
gedichtetes Lehrgedicht über die 7 freien Künste, s. XI. aus St. Gallen, NA. V, 627.
Page 510
[15] Fehlerhaft gedr. bei Fr. Schneider, der h. Bardo, Mainz 1871: besser von Jos.
Kiefer im Progr. des Großh. Gymn. in Mainz 1881; vgl. NA. VII, 419.
[16] Ekkehardi I Waltharius ed. Rud. Peiper, Berol. 1873. Waltharius nach der
handschriftl. Ueberlieferung berichtigt mit deutscher Uebertragung und
Erläuterungen von J. v. Scheffel u. A. Holder, Stuttg. 1874. W. Meyer, Philolog.
Bemerkungen, Münch. SB. 1873 S. 361. Ueber die versch. Hypothesen und
Controversen s. M. v. Knonau zu Ekk. S. 284-287.
[17] V. S. Wiboradae ed. Waitz, MG. SS. IV, 446. 452-457. Vgl. Stälin I, 424. M. v.
Knonau zu Ekk. S. 203.
[18] S. oben S. 285.
[19] Historia Sanguinis Domini, gedr. im Auszuge von Waitz, MG. SS. IV, 445. 446-
449; vollständig bei Mone, Quellens. I, 671-676. Später wiederholt überarbeitet, auch
in deutschen Reimen, von Albert, herausgegeben von Schmeller, München 1844.
Vgl. dazu Aronius in d. Zts. f. Gesch. d. Juden in Deutschland II, 76-81 (NA. XIII,
400).
[20] Miracula S. Verenae ed. Waitz, MG. SS. IV, 457-460; Varianten v. Baumann,
Anz. f. Schweiz. Gesch. 1877, S. 288. Stälin I, 423. Ihre verschiedenen Vitae sind nur
Erweiterungen aus Notkers Martyrologium. Eine in fließenden Hexametern im Cod.
lat. Mon. 18628 f. 13 aus Tegernsee.
[21] Dümmler, NA. V, 433.
[22] Die Bilder der Hs. des Kaisers Otto im Münster zu Aachen (1886) S. 60.
[23] Carmen Purchardi de Gestis Witigowonis ed. Pertz, MG. SS. IV, 621 bis 632;
Berichtigungen aus Gallus Ohem, von O. Breitenbach, NA. I, 176 bis 178. Copie des
dazu gehörigen Bildes der Handschrift bei Mone III, Tafel 1. In diese Zeit fällt die
Schenkung des Evang. an Ekbert von Trier, s. oben 1→S. 365. Aus seiner Zeit
theilweise erhalten: Die Wandgemälde der St. Georgskirche zu Oberzell auf der
Reichenau, aufgen. durch Fr. Beer, herausg. v. Fr. Kraus, Freib. i. Br. 1884.
[24] Herim. a. 997: „Witigowone abbate privato Alawicus promotus“. Pertz
vermuthet sogar „vita privato“.
[25] Herim. Aug. Chr. ad a. 1006. Bischof Milo von Minden schrieb an Immo seinen
Brief über die Acta S. Gorgonii, Mab. Act. III, 2, 204.
[26] S. unten IV, § 5.
[27] Vita Cuonradi Const. ep. ed. Pertz, MG. SS. IV, 436. Seine Verbrüderung mit St.
Gallen bei Dümmler u. Wartmann S. 17; Piper, Libri Confrat. p. 188.
[28] Vita Gebehardi ed. Wattenbach, MG. SS. X, 582; vgl. Allg. D. Biogr. VIII, 453,
v. G. Meyer v. Knonau.
[29] Catal. epp. Argent. ed. Moscherosch Argent. 1651 (hier nicht vorhanden). Darin
nach Mitth. von Dümmler S. 32 ein Gebet, S. 33-34 ein Verzeichniß von 17
Bischöfen, bei deren Weihe er mitwirkte, nebst Angabe des Orts, wo sie geweiht
(abgedr. MG. SS. XIII, 323); S. 35 Verse aus Handschriften und von ihm geschenkte
Bücher, die damals noch vorhanden waren; S. 37 eine kurze gleichzeitige Notiz über
die Sarazenenschlacht von 982, abgedr. MG. SS. XIII, 43, Anm. 6. Der Schluß lautet
„Kalabria Deo vincente“ nach d. Bibliothèque A. Firmin-Didot, Catalogue des livres
rares et précieux, Paris, Juin 1882, p. 11-13 in d. Beschreibung der aus Straßburg
stammenden Handschrift. — Ueber die von ihm geschenkte Hs. von Pauli D. Gesta
Mett. NA. III, 186.
Kiefer im Progr. des Großh. Gymn. in Mainz 1881; vgl. NA. VII, 419.
[16] Ekkehardi I Waltharius ed. Rud. Peiper, Berol. 1873. Waltharius nach der
handschriftl. Ueberlieferung berichtigt mit deutscher Uebertragung und
Erläuterungen von J. v. Scheffel u. A. Holder, Stuttg. 1874. W. Meyer, Philolog.
Bemerkungen, Münch. SB. 1873 S. 361. Ueber die versch. Hypothesen und
Controversen s. M. v. Knonau zu Ekk. S. 284-287.
[17] V. S. Wiboradae ed. Waitz, MG. SS. IV, 446. 452-457. Vgl. Stälin I, 424. M. v.
Knonau zu Ekk. S. 203.
[18] S. oben S. 285.
[19] Historia Sanguinis Domini, gedr. im Auszuge von Waitz, MG. SS. IV, 445. 446-
449; vollständig bei Mone, Quellens. I, 671-676. Später wiederholt überarbeitet, auch
in deutschen Reimen, von Albert, herausgegeben von Schmeller, München 1844.
Vgl. dazu Aronius in d. Zts. f. Gesch. d. Juden in Deutschland II, 76-81 (NA. XIII,
400).
[20] Miracula S. Verenae ed. Waitz, MG. SS. IV, 457-460; Varianten v. Baumann,
Anz. f. Schweiz. Gesch. 1877, S. 288. Stälin I, 423. Ihre verschiedenen Vitae sind nur
Erweiterungen aus Notkers Martyrologium. Eine in fließenden Hexametern im Cod.
lat. Mon. 18628 f. 13 aus Tegernsee.
[21] Dümmler, NA. V, 433.
[22] Die Bilder der Hs. des Kaisers Otto im Münster zu Aachen (1886) S. 60.
[23] Carmen Purchardi de Gestis Witigowonis ed. Pertz, MG. SS. IV, 621 bis 632;
Berichtigungen aus Gallus Ohem, von O. Breitenbach, NA. I, 176 bis 178. Copie des
dazu gehörigen Bildes der Handschrift bei Mone III, Tafel 1. In diese Zeit fällt die
Schenkung des Evang. an Ekbert von Trier, s. oben 1→S. 365. Aus seiner Zeit
theilweise erhalten: Die Wandgemälde der St. Georgskirche zu Oberzell auf der
Reichenau, aufgen. durch Fr. Beer, herausg. v. Fr. Kraus, Freib. i. Br. 1884.
[24] Herim. a. 997: „Witigowone abbate privato Alawicus promotus“. Pertz
vermuthet sogar „vita privato“.
[25] Herim. Aug. Chr. ad a. 1006. Bischof Milo von Minden schrieb an Immo seinen
Brief über die Acta S. Gorgonii, Mab. Act. III, 2, 204.
[26] S. unten IV, § 5.
[27] Vita Cuonradi Const. ep. ed. Pertz, MG. SS. IV, 436. Seine Verbrüderung mit St.
Gallen bei Dümmler u. Wartmann S. 17; Piper, Libri Confrat. p. 188.
[28] Vita Gebehardi ed. Wattenbach, MG. SS. X, 582; vgl. Allg. D. Biogr. VIII, 453,
v. G. Meyer v. Knonau.
[29] Catal. epp. Argent. ed. Moscherosch Argent. 1651 (hier nicht vorhanden). Darin
nach Mitth. von Dümmler S. 32 ein Gebet, S. 33-34 ein Verzeichniß von 17
Bischöfen, bei deren Weihe er mitwirkte, nebst Angabe des Orts, wo sie geweiht
(abgedr. MG. SS. XIII, 323); S. 35 Verse aus Handschriften und von ihm geschenkte
Bücher, die damals noch vorhanden waren; S. 37 eine kurze gleichzeitige Notiz über
die Sarazenenschlacht von 982, abgedr. MG. SS. XIII, 43, Anm. 6. Der Schluß lautet
„Kalabria Deo vincente“ nach d. Bibliothèque A. Firmin-Didot, Catalogue des livres
rares et précieux, Paris, Juin 1882, p. 11-13 in d. Beschreibung der aus Straßburg
stammenden Handschrift. — Ueber die von ihm geschenkte Hs. von Pauli D. Gesta
Mett. NA. III, 186.
Page 511
[30] Oben S. 395; summus pontifex wird der Bischof von Worms genannt in dem
Briefe bei A. Mai, Spicil. Va, 147, Erchanbert von Eichstedt von Wolfhard bei Pez,
Thes. VI, 91. Ueber ganz abweichende Vermuthungen von M. Grellet-Balguerie s.
NA. XVI, 456.
[31] „Urbem suam doctrinis ejus floridam fecit.“ MG. II, 116; vgl. Meyer v. Knonau
z. Ekk. S. 273-275.
[32] Böhmers Fontes III, XII u. 1-4. Vgl. Rettberg I, 214, II, 61. Friedrich, Drei uned.
Concilien S. 54. M. v. Knonau a. a. O. Ausführlich handelt über Erch. mit viel
Phantasie Grandidier, Oeuvres hist. inéd. I.
[33] In der schon oben S. 319 angeführten Todtenklage um Constantius heißt es, daß
Kaiser Heinrich und König Rotbert, Frankreich, Deutschland und Langobardien um
ihn trauern. Straßburg und Lyon werden besonders genannt.
[34] Ueber diese vgl. Steichele, Das Bisth. Augsburg III (1872) S. 31-55.
[35] Waagen, Treasures of Art in Great-Britain I, 196, schreibt seiner Hand das
Evangeliar Harl. 2970 und ein anderes in München zu, mit der Inschrift; „Deus
propitius esto Udalrico peccatori“; dieses (23,630) ist jedoch jünger und der
Schreiber vielleicht der Sammler des Cod. Udalrici; s. NA. X, 410.
[36] B. Pez Thes. VI, 115. Vgl. Hirsch, Heinrich II, I, 127. Diese Briefe sind, nebst
einem neuen, nach der Hds. wiederholt bei Steichele a. a. O. S. 341-349 mit
Nachrichten über das Kloster, welches sich nicht halten konnte und Collegiatstift
wurde. Ueber diese Briefe handelt Bossert in d. Württemberg. Vierteljahrsheften IV
(1881), Heft 1-4, „als Quelle für die Geschichte des Württ. Franken“.
[37] Vita S. Oudalrici ed. Waitz, MG. SS. IV, 377-428. Migne CXXXV aus Mabillon.
Uebers. v. Grandaur, Geschichtschr. 31 (X, 4, 2) 1891 mit Excurs über die Schlacht
auf dem Lechfeld. Zur Ergänzung Ekkehards Excurs MG. II, 107-109; bei M. v.
Knonau mit Comm. S. 211-224. Auf S. 225 ist die Correctur ultra in cis citraque
nicht zu rechtfertigen, da diese incorrecte Ausdrucksweise im Mittelalter ganz
gewöhnlich ist. — Vgl. Stälin I, 424. Giesebrecht, Geschichte der Kaiserzeit I, 784.
Ruland in Steichele's Archiv für die Geschichte des Bisthums Augsburg I, 7. K.
Raftler: Ueber den h. Ulrich, Augsb. 1866. Jul. Koch: Gesch. u. Cult des h. Ulrich,
Hall. Diss. 1875. Augsburger Bischofsverz. SS. XIII, 333, und mit d. Aebten von St.
Ulrich u. Afra, S. 278.
[38] Eine sehr fabelhafte Version NA. VII, 139.
Briefe bei A. Mai, Spicil. Va, 147, Erchanbert von Eichstedt von Wolfhard bei Pez,
Thes. VI, 91. Ueber ganz abweichende Vermuthungen von M. Grellet-Balguerie s.
NA. XVI, 456.
[31] „Urbem suam doctrinis ejus floridam fecit.“ MG. II, 116; vgl. Meyer v. Knonau
z. Ekk. S. 273-275.
[32] Böhmers Fontes III, XII u. 1-4. Vgl. Rettberg I, 214, II, 61. Friedrich, Drei uned.
Concilien S. 54. M. v. Knonau a. a. O. Ausführlich handelt über Erch. mit viel
Phantasie Grandidier, Oeuvres hist. inéd. I.
[33] In der schon oben S. 319 angeführten Todtenklage um Constantius heißt es, daß
Kaiser Heinrich und König Rotbert, Frankreich, Deutschland und Langobardien um
ihn trauern. Straßburg und Lyon werden besonders genannt.
[34] Ueber diese vgl. Steichele, Das Bisth. Augsburg III (1872) S. 31-55.
[35] Waagen, Treasures of Art in Great-Britain I, 196, schreibt seiner Hand das
Evangeliar Harl. 2970 und ein anderes in München zu, mit der Inschrift; „Deus
propitius esto Udalrico peccatori“; dieses (23,630) ist jedoch jünger und der
Schreiber vielleicht der Sammler des Cod. Udalrici; s. NA. X, 410.
[36] B. Pez Thes. VI, 115. Vgl. Hirsch, Heinrich II, I, 127. Diese Briefe sind, nebst
einem neuen, nach der Hds. wiederholt bei Steichele a. a. O. S. 341-349 mit
Nachrichten über das Kloster, welches sich nicht halten konnte und Collegiatstift
wurde. Ueber diese Briefe handelt Bossert in d. Württemberg. Vierteljahrsheften IV
(1881), Heft 1-4, „als Quelle für die Geschichte des Württ. Franken“.
[37] Vita S. Oudalrici ed. Waitz, MG. SS. IV, 377-428. Migne CXXXV aus Mabillon.
Uebers. v. Grandaur, Geschichtschr. 31 (X, 4, 2) 1891 mit Excurs über die Schlacht
auf dem Lechfeld. Zur Ergänzung Ekkehards Excurs MG. II, 107-109; bei M. v.
Knonau mit Comm. S. 211-224. Auf S. 225 ist die Correctur ultra in cis citraque
nicht zu rechtfertigen, da diese incorrecte Ausdrucksweise im Mittelalter ganz
gewöhnlich ist. — Vgl. Stälin I, 424. Giesebrecht, Geschichte der Kaiserzeit I, 784.
Ruland in Steichele's Archiv für die Geschichte des Bisthums Augsburg I, 7. K.
Raftler: Ueber den h. Ulrich, Augsb. 1866. Jul. Koch: Gesch. u. Cult des h. Ulrich,
Hall. Diss. 1875. Augsburger Bischofsverz. SS. XIII, 333, und mit d. Aebten von St.
Ulrich u. Afra, S. 278.
[38] Eine sehr fabelhafte Version NA. VII, 139.
Page 512
§ 9. Baiern. [ ← ]
Ein Geschichtswerk aus Baiern ist uns aus diesem Zeitraume nicht
aufbewahrt, wohl aber mögen manche Aufzeichnungen vorhanden gewesen
sein, welche für uns verloren sind, wie die S alzburger An nalen von 835
an, und R egensb urger Ann alen, von denen Spuren sich in späteren
Werken nachweisen lassen[1]. Doch hatte auch gerade dieses Land
besonders schwer durch die Verheerungen der Ungern gelitten; manches
blühende Kloster war zerstört, andere durch Herzog Arnulfs
Säcularisationen kaum minder hart getroffen, und erst allmählich begann
eine neue Entwickelung und wissenschaftliche Thätigkeit.
In R eg ensburg starb am 23. Sept. 972 der Bischof Mich ael, der in
seinem Epitaphium[2] sehr gepriesen wird. Als sein Nachfolger wirkte bis
994 der treffliche Bischof Wo lf g ang, ein Schwabe von Geburt, der zuerst
in Reichenau die Schule besucht hatte, wo er mit Heinrich, des Bischofs
Poppo von Würzburg Bruder, Freundschaft schloß und ihn nach Würzburg
begleitete, um die Vorträge des italienischen Grammatikers Stephan zu
hören. Als 956 Heinrich Erzbischof von Trier wurde, mußte Wolfgang ihm
auch dahin folgen, und theils als Lehrer, theils als Decan für die Herstellung
der Zucht thätig sein. Allein nach Heinrichs frühem Tode 964 ließ er sich
durch nichts, auch nicht durch die Bemühungen des Cölner Erzbischofs
Brun, ihn zu gewinnen, abhalten seinem Herzenswunsch zu folgen und im
Kloster Einsiedeln Mönch zu werden. Dann trieb es ihn, den Ungern das
Evangelium zu predigen; hier aber trat ihm Bischof Piligrim von Passau
entgegen und bewirkte seine Erhebung zum Bischof von Regensburg, wo er
nun zu thätigem Wirken in der Welt gezwungen war und sich auch auf
diesem Felde ausgezeichnet bewährte. Er hat einen Biographen gefunden,
aber nicht in Baiern, sondern in Franken, und auch diese Schrift ist uns
leider verloren; nur in der späteren Bearbeitung von Otloh sind Fragmente
davon erhalten[3]. Wolfgang war der Erzieher Kaiser Heinrichs II, und auch
Poppo, Markgraf Liutpolds Sohn, der 1016 Erzbischof von Trier wurde, war
Ein Geschichtswerk aus Baiern ist uns aus diesem Zeitraume nicht
aufbewahrt, wohl aber mögen manche Aufzeichnungen vorhanden gewesen
sein, welche für uns verloren sind, wie die S alzburger An nalen von 835
an, und R egensb urger Ann alen, von denen Spuren sich in späteren
Werken nachweisen lassen[1]. Doch hatte auch gerade dieses Land
besonders schwer durch die Verheerungen der Ungern gelitten; manches
blühende Kloster war zerstört, andere durch Herzog Arnulfs
Säcularisationen kaum minder hart getroffen, und erst allmählich begann
eine neue Entwickelung und wissenschaftliche Thätigkeit.
In R eg ensburg starb am 23. Sept. 972 der Bischof Mich ael, der in
seinem Epitaphium[2] sehr gepriesen wird. Als sein Nachfolger wirkte bis
994 der treffliche Bischof Wo lf g ang, ein Schwabe von Geburt, der zuerst
in Reichenau die Schule besucht hatte, wo er mit Heinrich, des Bischofs
Poppo von Würzburg Bruder, Freundschaft schloß und ihn nach Würzburg
begleitete, um die Vorträge des italienischen Grammatikers Stephan zu
hören. Als 956 Heinrich Erzbischof von Trier wurde, mußte Wolfgang ihm
auch dahin folgen, und theils als Lehrer, theils als Decan für die Herstellung
der Zucht thätig sein. Allein nach Heinrichs frühem Tode 964 ließ er sich
durch nichts, auch nicht durch die Bemühungen des Cölner Erzbischofs
Brun, ihn zu gewinnen, abhalten seinem Herzenswunsch zu folgen und im
Kloster Einsiedeln Mönch zu werden. Dann trieb es ihn, den Ungern das
Evangelium zu predigen; hier aber trat ihm Bischof Piligrim von Passau
entgegen und bewirkte seine Erhebung zum Bischof von Regensburg, wo er
nun zu thätigem Wirken in der Welt gezwungen war und sich auch auf
diesem Felde ausgezeichnet bewährte. Er hat einen Biographen gefunden,
aber nicht in Baiern, sondern in Franken, und auch diese Schrift ist uns
leider verloren; nur in der späteren Bearbeitung von Otloh sind Fragmente
davon erhalten[3]. Wolfgang war der Erzieher Kaiser Heinrichs II, und auch
Poppo, Markgraf Liutpolds Sohn, der 1016 Erzbischof von Trier wurde, war
Page 513
in Regensburg erzogen[4]. Auch Tagino, 1004 bis 1012 Erzbischof von
Magdeburg, war vorher Vitzthum der Regensburger Kirche, ein Zögling
Wolfgangs und von ihm zu seinem Nachfolger bestimmt, aber damals vom
Kaiser nicht bestätigt[5]. Balderich, nach ihm Vitzthum, wurde 1008 Bischof
von Lüttich.
Vorzüglich machte Wolfgang sich verdient durch die Herstellung des
altberühmten Stiftes zu S t . E m m er am, welches ganz unter der Herrschaft
der Bischöfe gewesen war; jetzt zuerst erhielt es durch ihn einen eigenen
Abt an R am wo l d, den er aus St. Maximin berief, und der mit Ernst und
Eifer die klösterliche Zucht herstellte[6]. Er brachte Reliquien mit[7],
besorgte für seine Mönche eine Abschrift oder Bearbeitung der
Homiliensammlung des Paulus Diaconus[8], und legte ein Güterverzeichniss
an, wovon sich nur die Vorrede mit frommen Ermahnungen erhalten hat[9].
Doch hatte auch schon 961 Otto I in einer Urkunde die Frömmigkeit und
die Studien der Mönche rühmen können[10]. Ramwold erlangte, nachdem er
eine neue Kirche erbaut hatte, vom Abt Winidhar von Ellwangen (978-987)
Reliquien der h. Gemini[11]. Er war es auch, der durch Aribo und Adalpert
den herrlichen 870 für Karl den Kahlen geschriebenen Evangeliencodex
herstellen ließ[12], der durch Kaiser Arnulf aus Saint-Denis dorthin
gekommen war, und zu der romanhaften Translatio S. Dionysii den Anlaß
gegeben hat. In diesem Kloster hat sich in einer Handschrift ein
merkwürdiges Bruchstück über den Herzog Arnulf erhalten, merkwürdig
sowohl als vereinzelte Spur verlorener geschichtlicher Aufzeichnungen, als
auch durch den heftigen Widerwillen gegen den Sachsenkönig, welcher sich
darin ausspricht, und die Verherrlichung des tapferen Herzogs, auf den in
späterer Zeit die Geistlichkeit so übel zu sprechen war. Das Fragment ist in
Regensburg geschrieben und zwar noch zu Lebzeiten des Herzogs (921-
937) oder doch sehr bald nach seinem Tode[13].
In St. Emmeram war Gozp er t Mönch geworden, nachdem er in der
Augsburger Kirche von früher Jugend an seine Ausbildung erhalten hatte;
982 wurde er (nach Hartwich, oben S. 364) Abt von Teg er nsee und
Magdeburg, war vorher Vitzthum der Regensburger Kirche, ein Zögling
Wolfgangs und von ihm zu seinem Nachfolger bestimmt, aber damals vom
Kaiser nicht bestätigt[5]. Balderich, nach ihm Vitzthum, wurde 1008 Bischof
von Lüttich.
Vorzüglich machte Wolfgang sich verdient durch die Herstellung des
altberühmten Stiftes zu S t . E m m er am, welches ganz unter der Herrschaft
der Bischöfe gewesen war; jetzt zuerst erhielt es durch ihn einen eigenen
Abt an R am wo l d, den er aus St. Maximin berief, und der mit Ernst und
Eifer die klösterliche Zucht herstellte[6]. Er brachte Reliquien mit[7],
besorgte für seine Mönche eine Abschrift oder Bearbeitung der
Homiliensammlung des Paulus Diaconus[8], und legte ein Güterverzeichniss
an, wovon sich nur die Vorrede mit frommen Ermahnungen erhalten hat[9].
Doch hatte auch schon 961 Otto I in einer Urkunde die Frömmigkeit und
die Studien der Mönche rühmen können[10]. Ramwold erlangte, nachdem er
eine neue Kirche erbaut hatte, vom Abt Winidhar von Ellwangen (978-987)
Reliquien der h. Gemini[11]. Er war es auch, der durch Aribo und Adalpert
den herrlichen 870 für Karl den Kahlen geschriebenen Evangeliencodex
herstellen ließ[12], der durch Kaiser Arnulf aus Saint-Denis dorthin
gekommen war, und zu der romanhaften Translatio S. Dionysii den Anlaß
gegeben hat. In diesem Kloster hat sich in einer Handschrift ein
merkwürdiges Bruchstück über den Herzog Arnulf erhalten, merkwürdig
sowohl als vereinzelte Spur verlorener geschichtlicher Aufzeichnungen, als
auch durch den heftigen Widerwillen gegen den Sachsenkönig, welcher sich
darin ausspricht, und die Verherrlichung des tapferen Herzogs, auf den in
späterer Zeit die Geistlichkeit so übel zu sprechen war. Das Fragment ist in
Regensburg geschrieben und zwar noch zu Lebzeiten des Herzogs (921-
937) oder doch sehr bald nach seinem Tode[13].
In St. Emmeram war Gozp er t Mönch geworden, nachdem er in der
Augsburger Kirche von früher Jugend an seine Ausbildung erhalten hatte;
982 wurde er (nach Hartwich, oben S. 364) Abt von Teg er nsee und
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veranlaßte hier zu eifriger Beschäftigung mit dem klassischen Alterthume.
Statius, Persius, Horaz, Cicero's Briefe, Boethius wurden gelesen und
abgeschrieben; natürlich auch Priscian, aus dem man hier wie überall die
lateinische Grammatik lernte. Boethius Schrift vom Troste der Philosophie
schrieb Froumund in Cöln ab und sandte sie nach Tegernsee[14]; Glossen
zum Priscian in Feuchtwangen und im Pantaleonkloster[15]. Dieser
F r oum un d war Scholaster in Tegernsee und sammelte in einer noch
erhaltenen Handschrift eigene und fremde Briefe und Gedichte; daraus
allein ist uns dieses eifrige Studium in Tegernsee und die lebhafte
Verbindung mit den gleich strebsamen Mönchen und Clerikern in St.
Emmeram, Feuchtwangen, Augsburg, Würzburg bekannt geworden[16]. Der
gezierte und mit Gelehrsamkeit prunkende Stil der Zeit, auf den die
italienischen Grammatiker eingewirkt haben mögen, findet sich auch hier in
vollem Maaße. Als feingebildeter Bibliothekar in St. Emmeram erscheint
hier Reginbald[17].
Schon früher, noch in der ersten Hälfte des Jahrhunderts lehrte,
vielleicht in Wessob r un n[18], ein sehr gelehrter Mönch, Meister
B en edi ct, die Grammatik; ihm übergab S. Ulrich seinen Neffen Adalbero
zur Erziehung.
In S al zbu rg lehrte ein hochgefeierter Mönch aus S t . G al len,
C huni ber t, den Herzog Berthold (938-947 oder 948) sich vom Abt Kralo
(942-948) erbeten hatte; doch meldet davon nur der Sanctgaller Ekkehard,
welcher irrig den Herzog Heinrich nennt. Als Abt von Nieder-Altaich, und
zwar zu Herzog Bertholds Zeit, kennt ihn aber auch Hermann von
Altaich[19]. Etwas später, unter Erzbischof Friedrich (954-990),
versammelte in Salzburg ein gewisser L iudf r i t zahlreiche Schüler[20], und
Erzbischof Günther (ord. 1024 Jan. 26, † 1025 Nov. 1) hatte seine gelehrte
Ausbildung unter Bischof Notker von Lüttich erhalten[21]. Im Jahre 987 war
auch hier das altehrwürdige Stift zu St. Peter durch Erzbischof Friedrich
vom Dom getrennt und als selbständiges Kloster erhielt es einen Abt Tito,
der bis dahin Domprobst gewesen war. Sein Name findet sich im
Statius, Persius, Horaz, Cicero's Briefe, Boethius wurden gelesen und
abgeschrieben; natürlich auch Priscian, aus dem man hier wie überall die
lateinische Grammatik lernte. Boethius Schrift vom Troste der Philosophie
schrieb Froumund in Cöln ab und sandte sie nach Tegernsee[14]; Glossen
zum Priscian in Feuchtwangen und im Pantaleonkloster[15]. Dieser
F r oum un d war Scholaster in Tegernsee und sammelte in einer noch
erhaltenen Handschrift eigene und fremde Briefe und Gedichte; daraus
allein ist uns dieses eifrige Studium in Tegernsee und die lebhafte
Verbindung mit den gleich strebsamen Mönchen und Clerikern in St.
Emmeram, Feuchtwangen, Augsburg, Würzburg bekannt geworden[16]. Der
gezierte und mit Gelehrsamkeit prunkende Stil der Zeit, auf den die
italienischen Grammatiker eingewirkt haben mögen, findet sich auch hier in
vollem Maaße. Als feingebildeter Bibliothekar in St. Emmeram erscheint
hier Reginbald[17].
Schon früher, noch in der ersten Hälfte des Jahrhunderts lehrte,
vielleicht in Wessob r un n[18], ein sehr gelehrter Mönch, Meister
B en edi ct, die Grammatik; ihm übergab S. Ulrich seinen Neffen Adalbero
zur Erziehung.
In S al zbu rg lehrte ein hochgefeierter Mönch aus S t . G al len,
C huni ber t, den Herzog Berthold (938-947 oder 948) sich vom Abt Kralo
(942-948) erbeten hatte; doch meldet davon nur der Sanctgaller Ekkehard,
welcher irrig den Herzog Heinrich nennt. Als Abt von Nieder-Altaich, und
zwar zu Herzog Bertholds Zeit, kennt ihn aber auch Hermann von
Altaich[19]. Etwas später, unter Erzbischof Friedrich (954-990),
versammelte in Salzburg ein gewisser L iudf r i t zahlreiche Schüler[20], und
Erzbischof Günther (ord. 1024 Jan. 26, † 1025 Nov. 1) hatte seine gelehrte
Ausbildung unter Bischof Notker von Lüttich erhalten[21]. Im Jahre 987 war
auch hier das altehrwürdige Stift zu St. Peter durch Erzbischof Friedrich
vom Dom getrennt und als selbständiges Kloster erhielt es einen Abt Tito,
der bis dahin Domprobst gewesen war. Sein Name findet sich im
Page 515
Necrologium von St. Emmeram als der dortigen Congregation angehörig;
vielleicht machte er da sein Noviziat[22]. Die Verse des Abtes Ger har d von
S eo n wurden schon oben S. 319 erwähnt. In B enedict b eur en erhielt im
Anfange des elften Jahrhunderts der Probst Adalbero wegen seiner eifrigen
Studien den Beinamen des Bücherfasses[23]. In F r ei sin g ließ Bischof
Abraham[24], von 957-994, vielleicht 993, fleißig Bücher abschreiben, auch
in weiter Ferne. Sein Caplan, später Erzcaplan Gotschalk besorgte ihm
Abschriften in Metz und in Toul; dann folgte er ihm bis 1006 selbst als
Bischof, und nun war es der Schulmeister Antrich, welcher mit seinen
Schülern für ihn thätig war[25]. Aus Tegernsee wandte man sich an ihn, um
ein Exemplar der Historia tripertita zur Abschrift zu erhalten[26].
Geschichtliche Aufzeichnungen fehlen aber leider gänzlich; nur ein
Martyrologium mit nekrologischen Notizen hat sich aus Abrahams Zeit
erhalten[27].
Jener Chunibert aus St. Gallen ist, wie erwähnt, auch in Nied er-
Al tai ch Abt gewesen, aber bald wieder fortgegangen; später hausten hier
nach dem Verfall der klösterlichen Zucht Canoniker. Unter ihnen war ein
alter Priester, Namens Udalg is, der sich als Lehrer großen Ruhm erwarb.
Vornehme Jünglinge wurden ihm gern anvertraut, um sich hier in freierer
Weise ohne die strengere Ordensregel in den Wissenschaften auszubilden,
und mehrere Bischöfe sind aus seiner Schule hervorgegangen[28]. Der
berühmteste unter seinen Schülern aber ist Go dehar d (geb. 961), der in
Salzburg seine Studien fortsetzte, die gesunkene Klosterzucht in mehreren
Klöstern wieder herstellte und auch Altaich zu neuer Blüthe erhob,
nachdem dort im Jahre 990 wieder ein Schwabe, Erchembert, nach
Benedicts Regel zum Abt erwählt war.
Aus der Altaicher Schule kam auch P i li gr i m, ein Neffe des
Erzbischofs Friedrich, aus vornehmer Familie, welcher 971 in P assau auf
Adalbert folgte, wo er am 22. Mai 991 gestorben ist. Für Passau eröffneten
sich nach der Ueberwältigung der heidnischen Ungern große Aussichten;
schon Adalbert hatte sich einen Bischof von Lorch genannt, wovon man in
vielleicht machte er da sein Noviziat[22]. Die Verse des Abtes Ger har d von
S eo n wurden schon oben S. 319 erwähnt. In B enedict b eur en erhielt im
Anfange des elften Jahrhunderts der Probst Adalbero wegen seiner eifrigen
Studien den Beinamen des Bücherfasses[23]. In F r ei sin g ließ Bischof
Abraham[24], von 957-994, vielleicht 993, fleißig Bücher abschreiben, auch
in weiter Ferne. Sein Caplan, später Erzcaplan Gotschalk besorgte ihm
Abschriften in Metz und in Toul; dann folgte er ihm bis 1006 selbst als
Bischof, und nun war es der Schulmeister Antrich, welcher mit seinen
Schülern für ihn thätig war[25]. Aus Tegernsee wandte man sich an ihn, um
ein Exemplar der Historia tripertita zur Abschrift zu erhalten[26].
Geschichtliche Aufzeichnungen fehlen aber leider gänzlich; nur ein
Martyrologium mit nekrologischen Notizen hat sich aus Abrahams Zeit
erhalten[27].
Jener Chunibert aus St. Gallen ist, wie erwähnt, auch in Nied er-
Al tai ch Abt gewesen, aber bald wieder fortgegangen; später hausten hier
nach dem Verfall der klösterlichen Zucht Canoniker. Unter ihnen war ein
alter Priester, Namens Udalg is, der sich als Lehrer großen Ruhm erwarb.
Vornehme Jünglinge wurden ihm gern anvertraut, um sich hier in freierer
Weise ohne die strengere Ordensregel in den Wissenschaften auszubilden,
und mehrere Bischöfe sind aus seiner Schule hervorgegangen[28]. Der
berühmteste unter seinen Schülern aber ist Go dehar d (geb. 961), der in
Salzburg seine Studien fortsetzte, die gesunkene Klosterzucht in mehreren
Klöstern wieder herstellte und auch Altaich zu neuer Blüthe erhob,
nachdem dort im Jahre 990 wieder ein Schwabe, Erchembert, nach
Benedicts Regel zum Abt erwählt war.
Aus der Altaicher Schule kam auch P i li gr i m, ein Neffe des
Erzbischofs Friedrich, aus vornehmer Familie, welcher 971 in P assau auf
Adalbert folgte, wo er am 22. Mai 991 gestorben ist. Für Passau eröffneten
sich nach der Ueberwältigung der heidnischen Ungern große Aussichten;
schon Adalbert hatte sich einen Bischof von Lorch genannt, wovon man in
Page 516
der Vita Severini las, Laurentius trat als Schutzpatron dem h. Stephan zur
Seite, und dem viel jüngeren Salzburg gegenüber glaubte Pilgrim, der sich
ebenfalls Bischof von Lorch nannte, die Errichtung, oder wie er es
darstellte, die Herstellung eines Erzbisthums Lorch erreichen zu können.
Auch Fälschungen scheute er zu diesem Zwecke nicht, doch blieben seine
Bestrebungen erfolglos[29]. Pilgrims Name aber blieb gefeiert in Passau und
ist sogar in die Nibelungensage gekommen, über welche er zuerst ein
lateinisches Epos durch seinen Sänger Conrad dichten ließ.
In E ich sted t ließ Bischof S tar chand (933-966), ein Freund Ulrichs
von Augsburg, viele Bücher abschreiben und verfaßte selbst Gebete; sein
Nachfolger R egi nol d (bis 989) wird wegen seiner Beredsamkeit
Chrysostomus genannt; er verstand griechisch und hebräisch, besonders
aber war er ein großer Musiker und soll zur Uebertragung des h. Willibald
ein gar schönes Gedicht verfertigt haben, auch Wunnibald und Blasius hat
er besungen[30].
Bei einer so lebhaften litterarischen Thätigkeit kann es auch an
geschichtlichen Aufzeichnungen nicht ganz gefehlt haben; viel ist jedoch
nicht vorhanden gewesen, da wir sonst doch bei den späteren Schriftstellern
Spuren davon antreffen müßten, und größere Geschichtswerke scheinen
hier nicht entstanden zu sein. Jene grammatisch-philosophische Bildung,
welche vielfach hochgeschätzt und eifrig erstrebt wurde, befördert durch
Italiener wie Gunzo und Stephan, führte zur Geschichtschreibung nur,
insofern sie zu dem erforderlichen Bildungsgrade verhalf; eine unmittelbare
Beziehung zur Geschichte hatte sie nicht und leitete eher ab von der
Beschäftigung mit der eigenen einheimischen Vorzeit, wie wir denn auch
gesehen haben, daß die Hauptpunkte dieser gelehrten Studien, wie
Reichenau, St. Gallen, Lüttich, keineswegs auch die productivsten für
Geschichtswerke waren.
Seite, und dem viel jüngeren Salzburg gegenüber glaubte Pilgrim, der sich
ebenfalls Bischof von Lorch nannte, die Errichtung, oder wie er es
darstellte, die Herstellung eines Erzbisthums Lorch erreichen zu können.
Auch Fälschungen scheute er zu diesem Zwecke nicht, doch blieben seine
Bestrebungen erfolglos[29]. Pilgrims Name aber blieb gefeiert in Passau und
ist sogar in die Nibelungensage gekommen, über welche er zuerst ein
lateinisches Epos durch seinen Sänger Conrad dichten ließ.
In E ich sted t ließ Bischof S tar chand (933-966), ein Freund Ulrichs
von Augsburg, viele Bücher abschreiben und verfaßte selbst Gebete; sein
Nachfolger R egi nol d (bis 989) wird wegen seiner Beredsamkeit
Chrysostomus genannt; er verstand griechisch und hebräisch, besonders
aber war er ein großer Musiker und soll zur Uebertragung des h. Willibald
ein gar schönes Gedicht verfertigt haben, auch Wunnibald und Blasius hat
er besungen[30].
Bei einer so lebhaften litterarischen Thätigkeit kann es auch an
geschichtlichen Aufzeichnungen nicht ganz gefehlt haben; viel ist jedoch
nicht vorhanden gewesen, da wir sonst doch bei den späteren Schriftstellern
Spuren davon antreffen müßten, und größere Geschichtswerke scheinen
hier nicht entstanden zu sein. Jene grammatisch-philosophische Bildung,
welche vielfach hochgeschätzt und eifrig erstrebt wurde, befördert durch
Italiener wie Gunzo und Stephan, führte zur Geschichtschreibung nur,
insofern sie zu dem erforderlichen Bildungsgrade verhalf; eine unmittelbare
Beziehung zur Geschichte hatte sie nicht und leitete eher ab von der
Beschäftigung mit der eigenen einheimischen Vorzeit, wie wir denn auch
gesehen haben, daß die Hauptpunkte dieser gelehrten Studien, wie
Reichenau, St. Gallen, Lüttich, keineswegs auch die productivsten für
Geschichtswerke waren.
Page 517
[1] S. oben 2→S. 149. Ann. S. Emm. brevissimi 792. 817. 930-1062 und saec. XI
(1036-1046) ed. Jaffé SS. XVII, 571 sind sehr unbedeutend.
[2] Dümmler, Otto I S. 594.
[3] MG. SS. IV, 521-542. Vgl. über Wolfgang Hirsch Heinrich II, I, 112 f. In Verona
ist ein schönes Missale mit seinem Namen, in welchem mit Goldschrift zum 25. Oct.
992 die Ordination des Bischofs Otbert eingetragen ist, der es also von ihm erhalten
zu haben scheint. Arch. XII, 660. NA. III, 207.
[4] Thietmar l. V, Prol. Gesta Trevirorum, MG. SS. VIII, 175. Notiz über eine 1017
von ihm in Trier vollzogene Altarweihe in einem Missal in Koblenz, Lamprecht,
Initial-Ornamentik, S. 29 n. 60. Gedicht d. Cambr. Hs. Sponso sponsa. Der ihm
beigelegte Brief an Bened. IX u. dessen Antwort sind Fiction nach Bresslau, Konr. II,
II, 514-518, u. Lesser, Erzb. Poppo. Leipz. 1888.
[5] Thietmar V, 25. V. Wolfg. c. 36. Vgl. Hirsch, l. c. I, 172. 275.
[6] Consuetudines S. Emmerammi, aus Einsiedeln stammend nach O. Ringholz, Stud.
u. Mitth. a. d. Bened. u. Cist. Orden 1886 (NA. XII, 450).
[7] MG. SS. XV, 2, 1094.
[8] Zeumer, NA. X, 389; der Prolog S. 390.
[9] Holder-Egger, NA. XIII, 562-564.
[10] Dümmler, Jahrbücher unter Otto I, S. 320.
[11] NA. VII, 620, vgl. VIII, 369.
[12] Sanftl, Diss. in aureum etc. codicem, Ratisb. 1786, p. 28. Nach Woltmann,
Gesch. d. Malerei I, 260 nachgeahmt in einem Missal Heinrichs II, Monac. 4456.
[13] Fragmentum de Arnulfo duce Bavariae ed. Jaffé, MG. SS. XVII, 570. cf. 568;
ib. p. 567 ein Catalog der Bibliothek von St. Emmeram aus Ramwolds Zeit, ein
anderer im Serapeum II, 260. — Vgl. Giesebrecht I, 807. Die entgegengesetzte
Auffassung Arnulfs bei Herm. von Altaich in Böhmers Fontes III, 563, MG. SS.
XVII, 370. — Zwei Epitaphien saec. X. aus St. Emm. NA. V, 432. Verse über die
Reform von Niedermünster durch die Herzogin Witwe Judith und ihren Sohn
Heinrich den Zänker bei Hirsch I, 122. Von der Aebtissin Outa c. 1002-1005
gestiftetes schönes Evangeliar, Woltmann, Gesch. d. Malerei I, 258, NA. X, 410.
[14] Pez. Thes. I, Praef. p. XV. Die Handschrift ist jetzt in Maihingen, und zeigt auch
Beziehung zum Kl. Blandigny bei Gent, s. Schepss, Handschriftl. Studien zu Boeth.
de cons. im Progr. d. k. Studienanst. zu Würzburg 1881, S. 6; NA. VII, 177. Vgl. über
die Glossen auch Schepss, NA. IX, 173-194.
[15] Wiener SB. XCVI. 511. Zeitschr. f. D. Philol. XV, 420.
[16] Codex epistolaris Froumundi (Monac. 19412) von 983 bis in Heinrichs II Zeit
bei Pez Thes. VI, 110-199. Mab. Anall. p. 435. Vgl. Heinreich II von Hirsch I, 126.
II, 225-230. Bei Günthner, Geschichte der litterarischen Anstalten in Baiern I, 170
die Inschrift eines Remigius in Sedulii opus paschale (Monac. 19456): „Ego
Froumundus cepi hunc libellum scribere, sed pueri nostri quos docui meo juvamine
perscripserunt.“ Ueber den von Schmeller Froumund zugeschriebenen Ruodlieb
Giesebr. II, 624. Müll. u. Scherer (3. A.) II, 152. Ausg. v. Seiler 1882. Ders. über den
Cod. ep. in Zachers Zeits. f. D. Philol. XIV, Heft 4. G. Schepss: Zu Froumunds
Briefcodex und zu Ruodlieb, Zeitschr. f. D. Philol. XV, S. 423 ff.
(1036-1046) ed. Jaffé SS. XVII, 571 sind sehr unbedeutend.
[2] Dümmler, Otto I S. 594.
[3] MG. SS. IV, 521-542. Vgl. über Wolfgang Hirsch Heinrich II, I, 112 f. In Verona
ist ein schönes Missale mit seinem Namen, in welchem mit Goldschrift zum 25. Oct.
992 die Ordination des Bischofs Otbert eingetragen ist, der es also von ihm erhalten
zu haben scheint. Arch. XII, 660. NA. III, 207.
[4] Thietmar l. V, Prol. Gesta Trevirorum, MG. SS. VIII, 175. Notiz über eine 1017
von ihm in Trier vollzogene Altarweihe in einem Missal in Koblenz, Lamprecht,
Initial-Ornamentik, S. 29 n. 60. Gedicht d. Cambr. Hs. Sponso sponsa. Der ihm
beigelegte Brief an Bened. IX u. dessen Antwort sind Fiction nach Bresslau, Konr. II,
II, 514-518, u. Lesser, Erzb. Poppo. Leipz. 1888.
[5] Thietmar V, 25. V. Wolfg. c. 36. Vgl. Hirsch, l. c. I, 172. 275.
[6] Consuetudines S. Emmerammi, aus Einsiedeln stammend nach O. Ringholz, Stud.
u. Mitth. a. d. Bened. u. Cist. Orden 1886 (NA. XII, 450).
[7] MG. SS. XV, 2, 1094.
[8] Zeumer, NA. X, 389; der Prolog S. 390.
[9] Holder-Egger, NA. XIII, 562-564.
[10] Dümmler, Jahrbücher unter Otto I, S. 320.
[11] NA. VII, 620, vgl. VIII, 369.
[12] Sanftl, Diss. in aureum etc. codicem, Ratisb. 1786, p. 28. Nach Woltmann,
Gesch. d. Malerei I, 260 nachgeahmt in einem Missal Heinrichs II, Monac. 4456.
[13] Fragmentum de Arnulfo duce Bavariae ed. Jaffé, MG. SS. XVII, 570. cf. 568;
ib. p. 567 ein Catalog der Bibliothek von St. Emmeram aus Ramwolds Zeit, ein
anderer im Serapeum II, 260. — Vgl. Giesebrecht I, 807. Die entgegengesetzte
Auffassung Arnulfs bei Herm. von Altaich in Böhmers Fontes III, 563, MG. SS.
XVII, 370. — Zwei Epitaphien saec. X. aus St. Emm. NA. V, 432. Verse über die
Reform von Niedermünster durch die Herzogin Witwe Judith und ihren Sohn
Heinrich den Zänker bei Hirsch I, 122. Von der Aebtissin Outa c. 1002-1005
gestiftetes schönes Evangeliar, Woltmann, Gesch. d. Malerei I, 258, NA. X, 410.
[14] Pez. Thes. I, Praef. p. XV. Die Handschrift ist jetzt in Maihingen, und zeigt auch
Beziehung zum Kl. Blandigny bei Gent, s. Schepss, Handschriftl. Studien zu Boeth.
de cons. im Progr. d. k. Studienanst. zu Würzburg 1881, S. 6; NA. VII, 177. Vgl. über
die Glossen auch Schepss, NA. IX, 173-194.
[15] Wiener SB. XCVI. 511. Zeitschr. f. D. Philol. XV, 420.
[16] Codex epistolaris Froumundi (Monac. 19412) von 983 bis in Heinrichs II Zeit
bei Pez Thes. VI, 110-199. Mab. Anall. p. 435. Vgl. Heinreich II von Hirsch I, 126.
II, 225-230. Bei Günthner, Geschichte der litterarischen Anstalten in Baiern I, 170
die Inschrift eines Remigius in Sedulii opus paschale (Monac. 19456): „Ego
Froumundus cepi hunc libellum scribere, sed pueri nostri quos docui meo juvamine
perscripserunt.“ Ueber den von Schmeller Froumund zugeschriebenen Ruodlieb
Giesebr. II, 624. Müll. u. Scherer (3. A.) II, 152. Ausg. v. Seiler 1882. Ders. über den
Cod. ep. in Zachers Zeits. f. D. Philol. XIV, Heft 4. G. Schepss: Zu Froumunds
Briefcodex und zu Ruodlieb, Zeitschr. f. D. Philol. XV, S. 423 ff.
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[17] Schepss in d. angef. Programm, S. 12.
[18] Nach der Vermuthung Leutners, Hist. Wessofont. I, 63.
[19] Casus S. Galli ed. Meyer v. Knonau S. 333 mit dessen Anmerkung Giesebrecht,
Ann. Altah. S. 11. Abweichend Hirsch I, 130.
[20] V. Godeh. ant. c. 6, MG. SS. XI, 172; vgl. oben S. 324. In einer später
geänderten Stelle spricht Wolfher von einem celebre studium in Passau, aber wohl
nur durch eine Verwechselung; vgl. Hirsch I, 132.
[21] Sermo in purificatione von ihm, Cod. lat. Monac. 18090 aus Tegernsee, Catal. II,
3, 131.
[22] Heinrich II von Hirsch I, 129.
[23] Vas librorum, MG. SS. IX, 219.
[24] Er soll ein Slave gewesen sein; die ihm zugeschriebenen Freisinger Slovenica
sind aber älter, nach Miklosich: Die christl. Terminologie der slav. Sprachen, Wien
1875.
[25] „Abrahamo episcopo jubente, archicapellano ipsius Gotesalcho impetrante a
Rutberto probabili abbate Tullensi, eo loci famulitio sanctae Mariae sanctique
Corbiniani per Durandum liber iste illustrissimus scriptus est.“ Docen in Aretin's
Beiträgen VII, 533. Jetzt Cod. lat. Mon. 6294. Vgl. ferner im Catal. I, 3, 80. 82. 84.
91. 100. 105 u. über Cod. lat. 6426 Gr. Hundt, Bayr. Urkk. d. 11. u. 12. Jahrh. in d.
Abh. d. Münch. Akad. III. Cl. XIV, 2, S. 49. Die früher hier angeführte „Benedictio
in scriptorio“ ist aus Grimalds Sacramentar, bei Günthner I, 190.
[26] Meichelbeck, Hist. Frising Ib. p. 472.
[27] Dümmler, Forschungen XV, 165; Berichtigungen von Gr. Hundt a. a. O. S. 47.
[28] Vita Godeh. ant. c. 2, MG. SS. XI, 171. In der zweiten Vita Prol. p. 197 wird
aber Rumold als Godehards erster Lehrer genannt.
[29] Vgl. oben S. 51.
[30] Anon. Haser. MG. SS. VII, 255. 257.
[18] Nach der Vermuthung Leutners, Hist. Wessofont. I, 63.
[19] Casus S. Galli ed. Meyer v. Knonau S. 333 mit dessen Anmerkung Giesebrecht,
Ann. Altah. S. 11. Abweichend Hirsch I, 130.
[20] V. Godeh. ant. c. 6, MG. SS. XI, 172; vgl. oben S. 324. In einer später
geänderten Stelle spricht Wolfher von einem celebre studium in Passau, aber wohl
nur durch eine Verwechselung; vgl. Hirsch I, 132.
[21] Sermo in purificatione von ihm, Cod. lat. Monac. 18090 aus Tegernsee, Catal. II,
3, 131.
[22] Heinrich II von Hirsch I, 129.
[23] Vas librorum, MG. SS. IX, 219.
[24] Er soll ein Slave gewesen sein; die ihm zugeschriebenen Freisinger Slovenica
sind aber älter, nach Miklosich: Die christl. Terminologie der slav. Sprachen, Wien
1875.
[25] „Abrahamo episcopo jubente, archicapellano ipsius Gotesalcho impetrante a
Rutberto probabili abbate Tullensi, eo loci famulitio sanctae Mariae sanctique
Corbiniani per Durandum liber iste illustrissimus scriptus est.“ Docen in Aretin's
Beiträgen VII, 533. Jetzt Cod. lat. Mon. 6294. Vgl. ferner im Catal. I, 3, 80. 82. 84.
91. 100. 105 u. über Cod. lat. 6426 Gr. Hundt, Bayr. Urkk. d. 11. u. 12. Jahrh. in d.
Abh. d. Münch. Akad. III. Cl. XIV, 2, S. 49. Die früher hier angeführte „Benedictio
in scriptorio“ ist aus Grimalds Sacramentar, bei Günthner I, 190.
[26] Meichelbeck, Hist. Frising Ib. p. 472.
[27] Dümmler, Forschungen XV, 165; Berichtigungen von Gr. Hundt a. a. O. S. 47.
[28] Vita Godeh. ant. c. 2, MG. SS. XI, 171. In der zweiten Vita Prol. p. 197 wird
aber Rumold als Godehards erster Lehrer genannt.
[29] Vgl. oben S. 51.
[30] Anon. Haser. MG. SS. VII, 255. 257.
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§ 10. Frankreich. Reims. [ ← ]
An gelehrter Thätigkeit hat es in dieser Periode in Frankreich nicht
gefehlt; trotz aller Verheerungen und Unglücksfälle erhielt sich ein
bedeutender Grad von Bildung, der sich durch eine große Anzahl von
Lehrern, Scholastern fortpflanzte. Diese waren in Frankreich wie in
Deutschland wohl alle von geistlichem Stande; es scheint jedoch, daß sie
dort nicht so allgemein wie hier bestimmten Stiftern angehörten, sondern
mehr nach italienischer Weise in unabhängiger Stellung Schüler um sich
sammelten. Ihre ganze Richtung ging vorherrschend auf Grammatik,
Dialektik und Rhetorik, und trug daher ebenso wenig Frucht für die
Geschichte, wie die verwandten Bestrebungen in deutschen Klöstern.
I n R ei m s waren die beiden Schulen der Domherren und der
Landgeistlichkeit nach Flodoards Angabe (IV, 9) gänzlich verfallen, als
Hinkmars Nachfolger F ulk o (882-900) zu ihrer Herstellung zwei Schüler
Heirichs von Auxerre[1] berief, Meister Rem i gi us von A uxer r e, der die
jungen Cleriker in den freien Künsten unterwies, während der Erzbischof
selbst mit ihnen Theologie trieb, und Hucb al d den Kahlkopf von St.
Am and. Dieser war ein Mönch in jenem merkwürdigen Kloster, welches
auf der Grenzscheide beider Sprachen im Hennegau gelegen, uns zugleich
das deutsche Ludwigslied und das älteste Denkmal französischer Dichtung
aufbewahrt hat[2]. Ein Neffe und Schüler des Milo, der zu Karls des
Kahlen Zeit als Schriftsteller gefeiert war[3], übersandte er diesem um 876
seines Oheims Werk de sobrietate mit einer poetischen Widmung[4] und
ließ bald ein eigenes ebenso künstliches wie geschmackloses Gedicht in
laudem calvorum folgen, in welchem jedes Wort mit C anfängt[5]. Nachdem
Fulko, Abt von St. Bertin, zum Erzbischof von Reims erhoben war, erbat
dessen Nachfolger Rodulf ihn vom Abt Gauscelin von St. Amand, um seine
mangelhaften Schulkenntnisse zu ergänzen[6]; bald nachher aber muß er
jenem Rufe nach Reims gefolgt sein, wo er eine Zeit lang als Lehrer wirkte,
An gelehrter Thätigkeit hat es in dieser Periode in Frankreich nicht
gefehlt; trotz aller Verheerungen und Unglücksfälle erhielt sich ein
bedeutender Grad von Bildung, der sich durch eine große Anzahl von
Lehrern, Scholastern fortpflanzte. Diese waren in Frankreich wie in
Deutschland wohl alle von geistlichem Stande; es scheint jedoch, daß sie
dort nicht so allgemein wie hier bestimmten Stiftern angehörten, sondern
mehr nach italienischer Weise in unabhängiger Stellung Schüler um sich
sammelten. Ihre ganze Richtung ging vorherrschend auf Grammatik,
Dialektik und Rhetorik, und trug daher ebenso wenig Frucht für die
Geschichte, wie die verwandten Bestrebungen in deutschen Klöstern.
I n R ei m s waren die beiden Schulen der Domherren und der
Landgeistlichkeit nach Flodoards Angabe (IV, 9) gänzlich verfallen, als
Hinkmars Nachfolger F ulk o (882-900) zu ihrer Herstellung zwei Schüler
Heirichs von Auxerre[1] berief, Meister Rem i gi us von A uxer r e, der die
jungen Cleriker in den freien Künsten unterwies, während der Erzbischof
selbst mit ihnen Theologie trieb, und Hucb al d den Kahlkopf von St.
Am and. Dieser war ein Mönch in jenem merkwürdigen Kloster, welches
auf der Grenzscheide beider Sprachen im Hennegau gelegen, uns zugleich
das deutsche Ludwigslied und das älteste Denkmal französischer Dichtung
aufbewahrt hat[2]. Ein Neffe und Schüler des Milo, der zu Karls des
Kahlen Zeit als Schriftsteller gefeiert war[3], übersandte er diesem um 876
seines Oheims Werk de sobrietate mit einer poetischen Widmung[4] und
ließ bald ein eigenes ebenso künstliches wie geschmackloses Gedicht in
laudem calvorum folgen, in welchem jedes Wort mit C anfängt[5]. Nachdem
Fulko, Abt von St. Bertin, zum Erzbischof von Reims erhoben war, erbat
dessen Nachfolger Rodulf ihn vom Abt Gauscelin von St. Amand, um seine
mangelhaften Schulkenntnisse zu ergänzen[6]; bald nachher aber muß er
jenem Rufe nach Reims gefolgt sein, wo er eine Zeit lang als Lehrer wirkte,
Page 520
bis sein Gönner Fulko starb. Heimgekehrt, hat er außer anderen erbaulichen
Schriften 907 ein Leben der h. Rictrudis, der ersten Aebtissin von
Marchiennes, verfaßt, welches er dem Bischof Stephan von Lüttich
übersandte[7] und, wenn die Vermuthung des Herausgebers richtig ist, auf
Veranlassung desselben Bischofs, die metrische Vita S. Lamberti, worin
zuerst die von den früheren Biographen verschwiegene Ursache seiner
Ermordung berührt wird[8]. Außerdem verfaßte er ein Leben des
angelsächsischen Glaubensboten L iaf wi n, welches besonders durch die
Erwähnung der altsächsischen Landesversammlung sehr merkwürdig ist[9].
Dieses in Anlehnung an Altfrids Leben Liudgers mit großer Belesenheit und
sorgsamem Fleiße ausgearbeitete Werk widmete er dem Bischof Balderich
von Utrecht, und theilte es außerdem dem Archidiaconus Peter von Cambrai
und Odilo, dem Mönch von St. Medardus, zur Prüfung mit. Neunzigjährig
soll er 930 gestorben sein. Um sein Kloster machte er sich auch dadurch
verdient, daß er die Gebeine des von seinem Vater Karl dem Kahlen
geblendeten und um 876 verstorbenen Karlmann von Echternach nach
Saint-Amand brachte, was in einem Epitaph auf seine und Milo's
gemeinsame Grabstätte berichtet wird[10].
R ei m s war in diesem Jahrhundert auch der Mittelpunkt der
französischen Politik und namentlich für die lothringischen Händel von der
größten Bedeutung. Hier konnte man unmöglich ohne geschichtliche
Aufzeichnungen auskommen; hier bedurfte man anderer Werke als
rhetorisch ausgeschmückter Legenden, und Hinkmar selbst hatte das beste
Beispiel gegeben. Er fand einen Nachfolger an F lo doar d (894-966), der
als Archivar der Kirche sowohl, wie durch seine sehr angesehene Stellung
ganz besonders zu dieser Aufgabe befähigt war. Begonnen hatte auch er in
derselben Weise wie so viele seiner Zeitgenossen. Unter Pabst Leo VII
(936-939) besuchte er Rom, wo er vom Pabste sehr gut aufgenommen
wurde, und als Denkmal seiner Frömmigkeit, seiner umfassenden
Gelehrsamkeit und seiner Dankbarkeit verfaßte er in leidlichen Hexametern
ein gewaltiges Werk, dessen erste zwei Theile die Thaten Christi und der
ersten Heiligen in Palästina und Antiochien feiern, während der dritte in 14
Schriften 907 ein Leben der h. Rictrudis, der ersten Aebtissin von
Marchiennes, verfaßt, welches er dem Bischof Stephan von Lüttich
übersandte[7] und, wenn die Vermuthung des Herausgebers richtig ist, auf
Veranlassung desselben Bischofs, die metrische Vita S. Lamberti, worin
zuerst die von den früheren Biographen verschwiegene Ursache seiner
Ermordung berührt wird[8]. Außerdem verfaßte er ein Leben des
angelsächsischen Glaubensboten L iaf wi n, welches besonders durch die
Erwähnung der altsächsischen Landesversammlung sehr merkwürdig ist[9].
Dieses in Anlehnung an Altfrids Leben Liudgers mit großer Belesenheit und
sorgsamem Fleiße ausgearbeitete Werk widmete er dem Bischof Balderich
von Utrecht, und theilte es außerdem dem Archidiaconus Peter von Cambrai
und Odilo, dem Mönch von St. Medardus, zur Prüfung mit. Neunzigjährig
soll er 930 gestorben sein. Um sein Kloster machte er sich auch dadurch
verdient, daß er die Gebeine des von seinem Vater Karl dem Kahlen
geblendeten und um 876 verstorbenen Karlmann von Echternach nach
Saint-Amand brachte, was in einem Epitaph auf seine und Milo's
gemeinsame Grabstätte berichtet wird[10].
R ei m s war in diesem Jahrhundert auch der Mittelpunkt der
französischen Politik und namentlich für die lothringischen Händel von der
größten Bedeutung. Hier konnte man unmöglich ohne geschichtliche
Aufzeichnungen auskommen; hier bedurfte man anderer Werke als
rhetorisch ausgeschmückter Legenden, und Hinkmar selbst hatte das beste
Beispiel gegeben. Er fand einen Nachfolger an F lo doar d (894-966), der
als Archivar der Kirche sowohl, wie durch seine sehr angesehene Stellung
ganz besonders zu dieser Aufgabe befähigt war. Begonnen hatte auch er in
derselben Weise wie so viele seiner Zeitgenossen. Unter Pabst Leo VII
(936-939) besuchte er Rom, wo er vom Pabste sehr gut aufgenommen
wurde, und als Denkmal seiner Frömmigkeit, seiner umfassenden
Gelehrsamkeit und seiner Dankbarkeit verfaßte er in leidlichen Hexametern
ein gewaltiges Werk, dessen erste zwei Theile die Thaten Christi und der
ersten Heiligen in Palästina und Antiochien feiern, während der dritte in 14
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Büchern die Geschichte der römischen Päbste in Verse bringt, verbunden
mit zahlreichen Legenden der Heiligen. Noch bei Lebzeiten seines Gönners
Leo VII hat er die Arbeit vollendet, welche er dem Erzbischof Rotbert von
Trier widmete[11]; der letzte Theil derselben ist nicht ohne geschichtlichen
Werth[12]. Derselbe Erzbischof von Trier war es auch, der zur Zeit des
Concils von Ingelheim Flodoard dringend aufforderte und mahnte, die
Geschi cht e der Reim ser K ir ch e[13] zu schreiben, mit welcher
Flodoard noch 952 beschäftigt gewesen ist. Schon in jenem Gedicht hat
Flodoard auch urkundliche Nachrichten der Reimser Kirche benutzt, deren
Beziehungen zum päbstlichen Stuhl sorgfältig hervorgehoben werden. Das
sind die Anfänge der Studien, aus welchen diese bis 948 geführte
Geschichte der Reimser Kirche hervorging, ein Werk, in welchem die
Rücksicht auf die Form ganz zurücktritt gegen die Vollständigkeit und
Zuverlässigkeit des Inhalts, denn diese Geschichte ist eine urkundliche in so
hohem Grade, daß sie für die Zeit der Erzbischöfe Hinkmar und Fulko
großentheils geradezu aus Regesten der wichtigsten Urkunden, besonders
päbstlicher Schreiben besteht. Auch für die frühere Zeit lag ihm noch
einiges urkundliche Material vor, vorzüglich war er hier jedoch auf
Hinkmars Vita Remigii und einige andere Legenden angewiesen;
Wundergeschichten erzählt er gerne und mit großer Gläubigkeit. Die
Verarbeitung des Stoffes muß man als mangelhaft bezeichnen; sie läßt sich
oft ganz vermissen, aber der materielle Werth seines Werkes ist dadurch um
so größer für uns. Derjenige Theil desselben, welcher die Geschichte seiner
Zeit behandelt, findet sich großentheils wiederholt in seinem zweiten
Hauptwerke, den Annalen, welche von 919-966 reichen[14]. Doch hatte er
diese, wie G. Monod (Revue Crit, 1873, II, 263) nachgewiesen hat, schon
früher mit den Ereignissen gleichzeitig begonnen und darin Rücksichten zu
nehmen gehabt, welche für die Historia Remensis nicht mehr nothwendig
waren; er unterbrach sie, um die Historia zu schreiben, und nur der Bericht
über 948 scheint dann umgekehrt wieder aus der Historia in die Annalen
herübergenommen zu sein. Ob der Anfang der Annalen verloren ist, ob ein
anderes Werk vorhanden war, welches die Geschichte bis zum Jahre 919
mit zahlreichen Legenden der Heiligen. Noch bei Lebzeiten seines Gönners
Leo VII hat er die Arbeit vollendet, welche er dem Erzbischof Rotbert von
Trier widmete[11]; der letzte Theil derselben ist nicht ohne geschichtlichen
Werth[12]. Derselbe Erzbischof von Trier war es auch, der zur Zeit des
Concils von Ingelheim Flodoard dringend aufforderte und mahnte, die
Geschi cht e der Reim ser K ir ch e[13] zu schreiben, mit welcher
Flodoard noch 952 beschäftigt gewesen ist. Schon in jenem Gedicht hat
Flodoard auch urkundliche Nachrichten der Reimser Kirche benutzt, deren
Beziehungen zum päbstlichen Stuhl sorgfältig hervorgehoben werden. Das
sind die Anfänge der Studien, aus welchen diese bis 948 geführte
Geschichte der Reimser Kirche hervorging, ein Werk, in welchem die
Rücksicht auf die Form ganz zurücktritt gegen die Vollständigkeit und
Zuverlässigkeit des Inhalts, denn diese Geschichte ist eine urkundliche in so
hohem Grade, daß sie für die Zeit der Erzbischöfe Hinkmar und Fulko
großentheils geradezu aus Regesten der wichtigsten Urkunden, besonders
päbstlicher Schreiben besteht. Auch für die frühere Zeit lag ihm noch
einiges urkundliche Material vor, vorzüglich war er hier jedoch auf
Hinkmars Vita Remigii und einige andere Legenden angewiesen;
Wundergeschichten erzählt er gerne und mit großer Gläubigkeit. Die
Verarbeitung des Stoffes muß man als mangelhaft bezeichnen; sie läßt sich
oft ganz vermissen, aber der materielle Werth seines Werkes ist dadurch um
so größer für uns. Derjenige Theil desselben, welcher die Geschichte seiner
Zeit behandelt, findet sich großentheils wiederholt in seinem zweiten
Hauptwerke, den Annalen, welche von 919-966 reichen[14]. Doch hatte er
diese, wie G. Monod (Revue Crit, 1873, II, 263) nachgewiesen hat, schon
früher mit den Ereignissen gleichzeitig begonnen und darin Rücksichten zu
nehmen gehabt, welche für die Historia Remensis nicht mehr nothwendig
waren; er unterbrach sie, um die Historia zu schreiben, und nur der Bericht
über 948 scheint dann umgekehrt wieder aus der Historia in die Annalen
herübergenommen zu sein. Ob der Anfang der Annalen verloren ist, ob ein
anderes Werk vorhanden war, welches die Geschichte bis zum Jahre 919
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führte, ist unbekannt; unmöglich wäre es ja nicht, daß der Anfang frühzeitig
zu Grunde gegangen wäre, und ohne die Annahme einer bis dahin
reichenden Aufzeichnung ist gerade dieser Anfangspunkt unbegreiflich.
Sicher aber ist, daß auch Richer nicht mehr Hülfsmittel für die Zeit von 882
an, wo Hinkmars Jahrbücher aufhören, vor sich hatte; nicht einmal die
Annalen von St. Vaast waren ihm bekannt. Für jenen Zeitraum nun berichtet
Flodoard mit der größten Treue Jahr für Jahr die Ereignisse, wie er sie
erfuhr, grosse und kleine, ohne auf ihren inneren Zusammenhang
einzugehen, in derselben objectiven Weise, die wir schon bei anderen
ähnlichen Werken bezeichneten, in einfacher ungesuchter Sprache. Was ihn
aber auszeichnet, ist die Fülle seiner Nachrichten, nicht über Frankreich
allein, sondern auch über Lothringen und das ostfränkische Reich, mit dem
er manche Berührung hatte, und ferner seine fleckenlose Wahrheitsliebe
und Zuverlässigkeit. Er war in höherem Alter in das Kloster Saint-Basle
eingetreten, wo 952 wieder Mönche anstatt der Canoniker eingeführt
wurden und legte 963 die Prälatur, wie er sagt, siebenzigjährig nieder. Drei
Jahre später ist er gestorben, und fast bis an den Tag seines Todes hat er das
Werk fortgesetzt, dann ist noch ein Zusatz über die Jahre von 976-978
nachgetragen worden: darauf aber verging lange Zeit, bevor sich ein
Nachfolger fand. In den politischen Wirren, von welchen auch die
Metropole, lange Zeit ein Zankapfel der Parteien, viel zu leiden hatte,
gingen Zucht und Lehre fast zu Grunde, bis der Beginn einer besseren Zeit
in dem nahen Lothringen auch hierher seine Einwirkung erstreckte. Zwei
Metzer Domherren, welche nacheinander auf den erzbischöflichen Stuhl
erhoben wurden, Odelrich, 961-969, und besonders Adalbero von 969-988,
ein Zögling der Klosterschule zu Gorze[15], stellten die Ordnung wieder her,
und bald zog der neu erwachte Glanz der Reimser Schule Schaaren
lernbegieriger Jünglinge zu der alten Kathedrale.
Bald nach Flodoards Tod, um das Jahr 967, hatte ein junger Mönch,
Ger b er t, das Kloster Aurillac in der Auvergne verlassen, um in der
spanischen Mark Lehrer aufzusuchen, welche namentlich seiner Liebe zu
mathematischen Studien genügten. Im Jahre 970 folgte er dem Grafen von
zu Grunde gegangen wäre, und ohne die Annahme einer bis dahin
reichenden Aufzeichnung ist gerade dieser Anfangspunkt unbegreiflich.
Sicher aber ist, daß auch Richer nicht mehr Hülfsmittel für die Zeit von 882
an, wo Hinkmars Jahrbücher aufhören, vor sich hatte; nicht einmal die
Annalen von St. Vaast waren ihm bekannt. Für jenen Zeitraum nun berichtet
Flodoard mit der größten Treue Jahr für Jahr die Ereignisse, wie er sie
erfuhr, grosse und kleine, ohne auf ihren inneren Zusammenhang
einzugehen, in derselben objectiven Weise, die wir schon bei anderen
ähnlichen Werken bezeichneten, in einfacher ungesuchter Sprache. Was ihn
aber auszeichnet, ist die Fülle seiner Nachrichten, nicht über Frankreich
allein, sondern auch über Lothringen und das ostfränkische Reich, mit dem
er manche Berührung hatte, und ferner seine fleckenlose Wahrheitsliebe
und Zuverlässigkeit. Er war in höherem Alter in das Kloster Saint-Basle
eingetreten, wo 952 wieder Mönche anstatt der Canoniker eingeführt
wurden und legte 963 die Prälatur, wie er sagt, siebenzigjährig nieder. Drei
Jahre später ist er gestorben, und fast bis an den Tag seines Todes hat er das
Werk fortgesetzt, dann ist noch ein Zusatz über die Jahre von 976-978
nachgetragen worden: darauf aber verging lange Zeit, bevor sich ein
Nachfolger fand. In den politischen Wirren, von welchen auch die
Metropole, lange Zeit ein Zankapfel der Parteien, viel zu leiden hatte,
gingen Zucht und Lehre fast zu Grunde, bis der Beginn einer besseren Zeit
in dem nahen Lothringen auch hierher seine Einwirkung erstreckte. Zwei
Metzer Domherren, welche nacheinander auf den erzbischöflichen Stuhl
erhoben wurden, Odelrich, 961-969, und besonders Adalbero von 969-988,
ein Zögling der Klosterschule zu Gorze[15], stellten die Ordnung wieder her,
und bald zog der neu erwachte Glanz der Reimser Schule Schaaren
lernbegieriger Jünglinge zu der alten Kathedrale.
Bald nach Flodoards Tod, um das Jahr 967, hatte ein junger Mönch,
Ger b er t, das Kloster Aurillac in der Auvergne verlassen, um in der
spanischen Mark Lehrer aufzusuchen, welche namentlich seiner Liebe zu
mathematischen Studien genügten. Im Jahre 970 folgte er dem Grafen von
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Barcelona und dem Bischof Hatto von Vich, seinem Lehrer, nach Rom und
wurde hier bereits als ein ausgezeichnet begabter Jüngling vom Pabste dem
Kaiser Otto zugesandt. Noch fehlte es ihm aber an philosophischer
Ausbildung, und deshalb begleitete er den Reimser Archidiaconus
Garamnus[16], einen berühmten Lehrer der Logik, nach Reims, wo er einige
Zeit seine Studien fortsetzte, bald aber selbst als Lehrer einen
außerordentlichen Ruf gewann[17]. Ganz Gallien, sagt Richer, erglänzte von
ihm durchleuchtet, wie von einem strahlenden Lichte. Nachdem er sich
später einige Zeit bei Otto II aufgehalten und von ihm die Abtei Bobio
erhalten hatte, die er nicht behaupten konnte, kehrte er zurück[18], und nahm
während der Minderjährigkeit Otto's III in Reims eine sehr bedeutende
politische Stellung ein. Diese Periode ist es besonders, über welche uns
seine Br i ef sam m l ung die wichtigsten Aufschlüsse giebt, obgleich viele
der darin enthaltenen Anspielungen uns jetzt unverständlich sind, und durch
die absichtliche Dunkelheit der Schreibart die Benutzung sehr erschwert
wird[19]. Als später (991) der Erzbischof Arnulf von Reims entsetzt und
Gerbert sein Nachfolger wurde, zeichnete dieser selbst die Verhandlungen
der Synoden zu St. Basle, Mouson und Coucy auf, welche durch diese
Verhältnisse veranlaßt wurden[20], und die außerordentliche Klarheit,
Schärfe und Gediegenheit der Darstellung, sowie die Meisterschaft im
Ausdruck lassen uns sehr bedauern, daß er uns außerdem keine Werke
geschichtlichen Inhaltes hinterlassen hat. Besonders merkwürdig sind die
Acten der Synode von St. Basle durch die heftige und rücksichtslose
Opposition gegen den römischen Stuhl, welche sich darin ausspricht, und
die eine nicht minder heftige und charakteristische Entgegnung von Seiten
des römischen Abtes Leo hervorrief[21].
Hat aber Gerbert nicht selbst Geschichte geschrieben, so veranlaßte er
doch, daß nach langer Unterbrechung in Reims diese Thätigkeit wieder
aufgenommen wurde. Er beauftragte damit einen seiner Schüler, den
R i cher, einen Mönch von Saint-Remi[22], der sich mit nicht gewöhnlichem
Eifer dem Studium der alten Lateiner und der Philosophie, der Medicin und
wurde hier bereits als ein ausgezeichnet begabter Jüngling vom Pabste dem
Kaiser Otto zugesandt. Noch fehlte es ihm aber an philosophischer
Ausbildung, und deshalb begleitete er den Reimser Archidiaconus
Garamnus[16], einen berühmten Lehrer der Logik, nach Reims, wo er einige
Zeit seine Studien fortsetzte, bald aber selbst als Lehrer einen
außerordentlichen Ruf gewann[17]. Ganz Gallien, sagt Richer, erglänzte von
ihm durchleuchtet, wie von einem strahlenden Lichte. Nachdem er sich
später einige Zeit bei Otto II aufgehalten und von ihm die Abtei Bobio
erhalten hatte, die er nicht behaupten konnte, kehrte er zurück[18], und nahm
während der Minderjährigkeit Otto's III in Reims eine sehr bedeutende
politische Stellung ein. Diese Periode ist es besonders, über welche uns
seine Br i ef sam m l ung die wichtigsten Aufschlüsse giebt, obgleich viele
der darin enthaltenen Anspielungen uns jetzt unverständlich sind, und durch
die absichtliche Dunkelheit der Schreibart die Benutzung sehr erschwert
wird[19]. Als später (991) der Erzbischof Arnulf von Reims entsetzt und
Gerbert sein Nachfolger wurde, zeichnete dieser selbst die Verhandlungen
der Synoden zu St. Basle, Mouson und Coucy auf, welche durch diese
Verhältnisse veranlaßt wurden[20], und die außerordentliche Klarheit,
Schärfe und Gediegenheit der Darstellung, sowie die Meisterschaft im
Ausdruck lassen uns sehr bedauern, daß er uns außerdem keine Werke
geschichtlichen Inhaltes hinterlassen hat. Besonders merkwürdig sind die
Acten der Synode von St. Basle durch die heftige und rücksichtslose
Opposition gegen den römischen Stuhl, welche sich darin ausspricht, und
die eine nicht minder heftige und charakteristische Entgegnung von Seiten
des römischen Abtes Leo hervorrief[21].
Hat aber Gerbert nicht selbst Geschichte geschrieben, so veranlaßte er
doch, daß nach langer Unterbrechung in Reims diese Thätigkeit wieder
aufgenommen wurde. Er beauftragte damit einen seiner Schüler, den
R i cher, einen Mönch von Saint-Remi[22], der sich mit nicht gewöhnlichem
Eifer dem Studium der alten Lateiner und der Philosophie, der Medicin und
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der Mathematik hingab. Von seinen Vorgängern wich Richer ab, indem er
die schlichte annalistische Form verließ; ihm schwebte das höhere Ziel
einer künstlerisch durchgebildeten und das innere Wesen der Dinge
erfassenden Geschichtschreibung vor. Nachdem er die Widmung an Gerbert
und den Anfang seines Werkes (bis II, 78) geschrieben, scheint eine
Unterbrechung eingetreten zu sein, worauf er, bevor noch 997 König Robert
sich von Gerbert abwandte, diesen Anfang noch einmal überarbeitete und
bis zum Jahre 995 fortführte; einige kurze Notizen über die folgenden Jahre
auf dem letzten Blatte seiner Handschrift, in welchen die veränderte
Stimmung gegen den König sich deutlich zeigt, deuten die Absicht einer
weiteren Fortsetzung an, zu welcher er aber, vielleicht durch Gerberts
Absetzung (998) verhindert, nicht mehr gekommen ist. Nach Monod's
Vermuthung hat er ihn zum Kaiserhof begleitet[23].
Zum Ausgangspunkte seines Werkes nahm Richer nach einer kurzen
Einleitung das Ende von Hinkmars Werk (882); er versuchte es, die Lücke
zwischen diesem Zeitpunkte und Flodoards Annalen (919) auszufüllen, was
aber nur sehr unvollkommen gelingen konnte, weil es ihm offenbar an
schriftlichen Denkmälern über diese Periode, außer Flodoards Geschichte
von Reims, fast gänzlich fehlte. Er hatte, vermuthlich in Chartres, wohin
ihn das Studium der Medicin führte, sagenhafte Nachrichten über die
Herkunft des Grafenhauses von Blois erfahren[24], und sonst noch einige
Notizen, welche er mit äußerster chronologischer Verwirrung ganz
willkürlich in Verbindung brachte; wie sehr ihm jede Entstellung
zuzuschreiben ist, zeigt der folgende Abschnitt, wo Flodoards Annalen
seine Quelle sind, nebst einigen ungeschickt eingeschobenen Stellen der
Geschichte von Reims[25]. Wo diese enden, (966), erreicht er die Zeit,
welche er schon selbst mit durchlebt hatte, und je mehr er sich der
Gegenwart näherte, desto mehr hatte er Ereignisse zu berühren, deren
Mittelpunkt großentheils der erzbischöfliche Stuhl von Reims gebildet
hatte. Hier konnte es ihm, der im Auftrage Gerberts seine Geschichte
schrieb, an zuverlässiger Kunde nicht fehlen; für die frühere Zeit kam es
ihm auch zu statten, daß sein Vater Rudolf ein Dienstmann König Ludwigs
die schlichte annalistische Form verließ; ihm schwebte das höhere Ziel
einer künstlerisch durchgebildeten und das innere Wesen der Dinge
erfassenden Geschichtschreibung vor. Nachdem er die Widmung an Gerbert
und den Anfang seines Werkes (bis II, 78) geschrieben, scheint eine
Unterbrechung eingetreten zu sein, worauf er, bevor noch 997 König Robert
sich von Gerbert abwandte, diesen Anfang noch einmal überarbeitete und
bis zum Jahre 995 fortführte; einige kurze Notizen über die folgenden Jahre
auf dem letzten Blatte seiner Handschrift, in welchen die veränderte
Stimmung gegen den König sich deutlich zeigt, deuten die Absicht einer
weiteren Fortsetzung an, zu welcher er aber, vielleicht durch Gerberts
Absetzung (998) verhindert, nicht mehr gekommen ist. Nach Monod's
Vermuthung hat er ihn zum Kaiserhof begleitet[23].
Zum Ausgangspunkte seines Werkes nahm Richer nach einer kurzen
Einleitung das Ende von Hinkmars Werk (882); er versuchte es, die Lücke
zwischen diesem Zeitpunkte und Flodoards Annalen (919) auszufüllen, was
aber nur sehr unvollkommen gelingen konnte, weil es ihm offenbar an
schriftlichen Denkmälern über diese Periode, außer Flodoards Geschichte
von Reims, fast gänzlich fehlte. Er hatte, vermuthlich in Chartres, wohin
ihn das Studium der Medicin führte, sagenhafte Nachrichten über die
Herkunft des Grafenhauses von Blois erfahren[24], und sonst noch einige
Notizen, welche er mit äußerster chronologischer Verwirrung ganz
willkürlich in Verbindung brachte; wie sehr ihm jede Entstellung
zuzuschreiben ist, zeigt der folgende Abschnitt, wo Flodoards Annalen
seine Quelle sind, nebst einigen ungeschickt eingeschobenen Stellen der
Geschichte von Reims[25]. Wo diese enden, (966), erreicht er die Zeit,
welche er schon selbst mit durchlebt hatte, und je mehr er sich der
Gegenwart näherte, desto mehr hatte er Ereignisse zu berühren, deren
Mittelpunkt großentheils der erzbischöfliche Stuhl von Reims gebildet
hatte. Hier konnte es ihm, der im Auftrage Gerberts seine Geschichte
schrieb, an zuverlässiger Kunde nicht fehlen; für die frühere Zeit kam es
ihm auch zu statten, daß sein Vater Rudolf ein Dienstmann König Ludwigs
Page 525
IV gewesen war, dessen Gunst er sich durch seine Tapferkeit und Klugheit
erworben hatte.
Aeußerlich war also Richer für diese Zeit vortrefflich ausgerüstet, um
ein Geschichtswerk von nicht gewöhnlichem Werthe zu schreiben, aber
leider fehlte es ihm gänzlich an der inneren Befähigung. Es fehlte ihm vor
allen Dingen ganz an geschichtlichem Sinn. Nicht die Thatsachen, nicht die
Wahrheit sind ihm das wesentliche, sondern mehr noch die Form der
Darstellung. Das Studium der Alten, vorzüglich des sehr stark von ihm
benutzten Sallust[26], führte ihn, wie wir das im Mittelalter nur zu häufig
wahrnehmen, bloß zu dem Bestreben, in der äußeren Form ihnen
nachzueifern, namentlich erdichtete Reden den handelnden Personen in den
Mund zu legen und alterthümliche Benennungen anzuwenden, wo sie nicht
an ihrem Orte sind, nämlich für die eigenthümlichen Zustände und
Verhältnisse der Gegenwart. Bei Richer aber geht das Streben nach
rhetorischem Schmucke so weit, daß die Darstellung der Thatsachen
dadurch wesentlich beeinträchtigt wird. Schilderungen von Schlachten und
Belagerungen, sowie besonders auch von Krankheiten, bei denen er seine
medicinische Gelehrsamkeit zur Schau trägt, wiederholen sich in
übertriebener Weitschweifigkeit, und bei genauerer Untersuchung findet
man bald, daß der Verfasser sich hier nicht selten ganz seiner Phantasie
überläßt. Dieses führt uns auf den zweiten großen Fehler Richers, nämlich
seinen Mangel an Wahrhaftigkeit und Genauigkeit. Eine unbefangene
Darstellung darf man bei seinem Standpunkte überhaupt nicht erwarten,
aber auch da, wo keine Parteirücksichten ihn verleiteten, begeht er die
größten Fehler, welche besonders deutlich hervortreten, wo wir seine
Quelle, die Annalen Flodoards, zur Vergleichung bei der Hand haben.
Flüchtig und ungenau erscheint er da im höchsten Grade. Tritt nun aber gar
noch ein bestimmter Beweggrund hinzu, von der Wahrheit abzuweichen, so
sehen wir ihn jedem Antrieb der Art folgen; er übertreibt und vergrößert,
was er bei Flodoard vorfindet, aber er geht auch so weit, sein eigenes Werk
zu verfälschen, um eine krankhafte nationale Eitelkeit zu befriedigen. Ein
besonders günstiges Geschick hat uns seine eigene Handschrift aufbewahrt,
erworben hatte.
Aeußerlich war also Richer für diese Zeit vortrefflich ausgerüstet, um
ein Geschichtswerk von nicht gewöhnlichem Werthe zu schreiben, aber
leider fehlte es ihm gänzlich an der inneren Befähigung. Es fehlte ihm vor
allen Dingen ganz an geschichtlichem Sinn. Nicht die Thatsachen, nicht die
Wahrheit sind ihm das wesentliche, sondern mehr noch die Form der
Darstellung. Das Studium der Alten, vorzüglich des sehr stark von ihm
benutzten Sallust[26], führte ihn, wie wir das im Mittelalter nur zu häufig
wahrnehmen, bloß zu dem Bestreben, in der äußeren Form ihnen
nachzueifern, namentlich erdichtete Reden den handelnden Personen in den
Mund zu legen und alterthümliche Benennungen anzuwenden, wo sie nicht
an ihrem Orte sind, nämlich für die eigenthümlichen Zustände und
Verhältnisse der Gegenwart. Bei Richer aber geht das Streben nach
rhetorischem Schmucke so weit, daß die Darstellung der Thatsachen
dadurch wesentlich beeinträchtigt wird. Schilderungen von Schlachten und
Belagerungen, sowie besonders auch von Krankheiten, bei denen er seine
medicinische Gelehrsamkeit zur Schau trägt, wiederholen sich in
übertriebener Weitschweifigkeit, und bei genauerer Untersuchung findet
man bald, daß der Verfasser sich hier nicht selten ganz seiner Phantasie
überläßt. Dieses führt uns auf den zweiten großen Fehler Richers, nämlich
seinen Mangel an Wahrhaftigkeit und Genauigkeit. Eine unbefangene
Darstellung darf man bei seinem Standpunkte überhaupt nicht erwarten,
aber auch da, wo keine Parteirücksichten ihn verleiteten, begeht er die
größten Fehler, welche besonders deutlich hervortreten, wo wir seine
Quelle, die Annalen Flodoards, zur Vergleichung bei der Hand haben.
Flüchtig und ungenau erscheint er da im höchsten Grade. Tritt nun aber gar
noch ein bestimmter Beweggrund hinzu, von der Wahrheit abzuweichen, so
sehen wir ihn jedem Antrieb der Art folgen; er übertreibt und vergrößert,
was er bei Flodoard vorfindet, aber er geht auch so weit, sein eigenes Werk
zu verfälschen, um eine krankhafte nationale Eitelkeit zu befriedigen. Ein
besonders günstiges Geschick hat uns seine eigene Handschrift aufbewahrt,
Page 526
und diese zeigt uns, wie er im ersten Buche das, was er früher geschrieben
hatte, verändert hat, um anstatt Giselberts und der Lothringer den König
Heinrich und die Deutschen dem westfränkischen Könige unterworfen
erscheinen zu lassen. Doch bleibt es zweifelhaft, ob hier wirklich eine
absichtliche Entstellung anzunehmen ist, oder ob er sich selbst durch seine
ganz falsche Auffassung der älteren Geschichte irre leiten ließ; gewonnen
wird aber für ihn auch dadurch nicht viel, wenn man annimmt, er habe einer
oberflächlichen Theorie zu Liebe die überkommenen Thatsachen
willkürlich verändert[27].
Als Historiker können wir demnach Richer unmöglich hoch stellen; so
sehr er im einzelnen nach rhetorischem Schmucke strebt, so wenig ist er
doch auf ein richtiges Verhältniß der Theile bedacht gewesen, und es wird
durch ganz zufällige Umstände bestimmt, wo er auf alle Einzelheiten mit
größter Ausführlichkeit eingeht, oder wiederum wichtige Ereignisse nur
leicht berührt oder ganz übergeht. Dazu ist seine Sprache gesucht und oft
durch unpassende Ausdrücke kaum verständlich, so daß wir sein Werk auch
nicht in Rücksicht auf die Form loben können, wenn wir von der
Wahrhaftigkeit der Darstellung absehen wollten. Demungeachtet aber hat
doch Richers Buch für uns einen hohen Werth; er ist unser einziger
Berichterstatter über jene hochwichtige Zeit, in welcher die Herrschaft von
den Karolingern auf die Capetinger überging, und seine ausführliche
Darstellung gerade dieser letzten Jahre enthält eine große Fülle wichtiger
Nachrichten, die wir ihm allein verdanken, die freilich nur mit großer
Behutsamkeit zu gebrauchen sind, aber doch als eine sehr wesentliche
Bereicherung unserer geschichtlichen Kenntniß betrachtet werden
müssen[28]. Denn bis auf unsere Tage ist Richers Werk fast ganz verborgen
geblieben; nur in großen Zwischenräumen haben Ekkehard, Hugo von
Flavigny, Trithemius davon Gebrauch gemacht und dadurch eine sehr
unbestimmte Kunde von diesem Schriftsteller erhalten; sein Werk aber galt
für verloren, bis Pertz es 1833 in Bamberg von neuem entdeckte und 1839
zum ersten Male bekannt machte[29].
hatte, verändert hat, um anstatt Giselberts und der Lothringer den König
Heinrich und die Deutschen dem westfränkischen Könige unterworfen
erscheinen zu lassen. Doch bleibt es zweifelhaft, ob hier wirklich eine
absichtliche Entstellung anzunehmen ist, oder ob er sich selbst durch seine
ganz falsche Auffassung der älteren Geschichte irre leiten ließ; gewonnen
wird aber für ihn auch dadurch nicht viel, wenn man annimmt, er habe einer
oberflächlichen Theorie zu Liebe die überkommenen Thatsachen
willkürlich verändert[27].
Als Historiker können wir demnach Richer unmöglich hoch stellen; so
sehr er im einzelnen nach rhetorischem Schmucke strebt, so wenig ist er
doch auf ein richtiges Verhältniß der Theile bedacht gewesen, und es wird
durch ganz zufällige Umstände bestimmt, wo er auf alle Einzelheiten mit
größter Ausführlichkeit eingeht, oder wiederum wichtige Ereignisse nur
leicht berührt oder ganz übergeht. Dazu ist seine Sprache gesucht und oft
durch unpassende Ausdrücke kaum verständlich, so daß wir sein Werk auch
nicht in Rücksicht auf die Form loben können, wenn wir von der
Wahrhaftigkeit der Darstellung absehen wollten. Demungeachtet aber hat
doch Richers Buch für uns einen hohen Werth; er ist unser einziger
Berichterstatter über jene hochwichtige Zeit, in welcher die Herrschaft von
den Karolingern auf die Capetinger überging, und seine ausführliche
Darstellung gerade dieser letzten Jahre enthält eine große Fülle wichtiger
Nachrichten, die wir ihm allein verdanken, die freilich nur mit großer
Behutsamkeit zu gebrauchen sind, aber doch als eine sehr wesentliche
Bereicherung unserer geschichtlichen Kenntniß betrachtet werden
müssen[28]. Denn bis auf unsere Tage ist Richers Werk fast ganz verborgen
geblieben; nur in großen Zwischenräumen haben Ekkehard, Hugo von
Flavigny, Trithemius davon Gebrauch gemacht und dadurch eine sehr
unbestimmte Kunde von diesem Schriftsteller erhalten; sein Werk aber galt
für verloren, bis Pertz es 1833 in Bamberg von neuem entdeckte und 1839
zum ersten Male bekannt machte[29].
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Schon früher als Saint-Remi war das Kloster F leur y oder S ai nt-
B enôit - sur- L oi r e durch Odo von Cluny der strengeren Zucht
unterworfen worden; von hier hatte St. Remi seinen ersten Abt Hinkmar
erhalten. In Fleury wurde 988 A bbo Abt, der, in der Klosterschule
ausgebildet, schon als Lehrer gewirkt hatte, als er sich noch nach Paris und
Reims zu weiteren Studien begab. In der Astronomie machte er Fortschritte,
fand aber übrigens seine Erwartungen nicht befriedigt. In Orléans
vervollkommnete er sich in der Musik, und übernahm dann eine Mission
nach England, wo Erzbischof Dunstan die klösterliche Zucht herstellte.
Heimgekehrt, gewann er als Abt eine große Wirksamkeit, und übernahm
auch für den König eine Gesandtschaft an den Pabst, deren er 996 in einem
Briefe an den Abt Hatto III von Fulda[30] gedenkt; mit diesem, der um
dieselbe Zeit einen ähnlichen Auftrag auszuführen hatte, war er in Reims
bekannt geworden, und hatte einen Austausch von Reliquien mit ihm
beredet. Vor dem Tode des Königs Hugo (996) verfaßte er für diesen und
seinen Sohn eine Sammlung von kanonischen und anderen Aussprüchen,
mit besonderer Betonung des königlichen Amtes und des den Mönchen
gebührenden Schutzes[31]. Endlich wurde er 1004 in dem Priorat La Réole
an der Garonne in einem Tumult der Aquitanen erschlagen. Sein Leben
beschrieb A i m oi n[32], ein Mönch seines Klosters, der ihn auf seiner letzten
Reise begleitet hatte, mit einem Briefe an Herveus, Schatzmeister von St.
Martin, der unter Abbo in Fleury gebildet, die 1001 verbrannte
Martinskirche wieder herstellte. Sie wurde 1008 eingeweiht, 1012 starb
Herveus[33].
Nach Fleury war aus Montecassino, während es von den Langobarden
verwüstet in Trümmern lag, der Leib des heiligen Benedict entführt worden,
eine Thatsache, welche freilich später von den Cassinesen hartnäckig
geleugnet wurde (vgl. oben S. 306). Die Geschichte dieser Uebertragung,
welche einen großen Aufschwung des Klosters zur Folge hatte, verfaßte
schon im neunten Jahrhundert Adrevald oder Adalbert[34], und fügte ein
Buch über die Wunder des heiligen Benedict hinzu, welches von Adelerius
fortgesetzt wurde. Diesen schloss sich nun auch Aimoin an, indem er im
B enôit - sur- L oi r e durch Odo von Cluny der strengeren Zucht
unterworfen worden; von hier hatte St. Remi seinen ersten Abt Hinkmar
erhalten. In Fleury wurde 988 A bbo Abt, der, in der Klosterschule
ausgebildet, schon als Lehrer gewirkt hatte, als er sich noch nach Paris und
Reims zu weiteren Studien begab. In der Astronomie machte er Fortschritte,
fand aber übrigens seine Erwartungen nicht befriedigt. In Orléans
vervollkommnete er sich in der Musik, und übernahm dann eine Mission
nach England, wo Erzbischof Dunstan die klösterliche Zucht herstellte.
Heimgekehrt, gewann er als Abt eine große Wirksamkeit, und übernahm
auch für den König eine Gesandtschaft an den Pabst, deren er 996 in einem
Briefe an den Abt Hatto III von Fulda[30] gedenkt; mit diesem, der um
dieselbe Zeit einen ähnlichen Auftrag auszuführen hatte, war er in Reims
bekannt geworden, und hatte einen Austausch von Reliquien mit ihm
beredet. Vor dem Tode des Königs Hugo (996) verfaßte er für diesen und
seinen Sohn eine Sammlung von kanonischen und anderen Aussprüchen,
mit besonderer Betonung des königlichen Amtes und des den Mönchen
gebührenden Schutzes[31]. Endlich wurde er 1004 in dem Priorat La Réole
an der Garonne in einem Tumult der Aquitanen erschlagen. Sein Leben
beschrieb A i m oi n[32], ein Mönch seines Klosters, der ihn auf seiner letzten
Reise begleitet hatte, mit einem Briefe an Herveus, Schatzmeister von St.
Martin, der unter Abbo in Fleury gebildet, die 1001 verbrannte
Martinskirche wieder herstellte. Sie wurde 1008 eingeweiht, 1012 starb
Herveus[33].
Nach Fleury war aus Montecassino, während es von den Langobarden
verwüstet in Trümmern lag, der Leib des heiligen Benedict entführt worden,
eine Thatsache, welche freilich später von den Cassinesen hartnäckig
geleugnet wurde (vgl. oben S. 306). Die Geschichte dieser Uebertragung,
welche einen großen Aufschwung des Klosters zur Folge hatte, verfaßte
schon im neunten Jahrhundert Adrevald oder Adalbert[34], und fügte ein
Buch über die Wunder des heiligen Benedict hinzu, welches von Adelerius
fortgesetzt wurde. Diesen schloss sich nun auch Aimoin an, indem er im
Page 528
Jahre 1005 ein zweites und drittes Buch der Wunder schrieb. Geschichtliche
Nachrichten über die Könige von Frankreich kommen gelegentlich darin
vor[35] und wurden, obwohl sie weder genau noch ausführlich sind, doch
bei dem Mangel an anderen Quellen, besonders da auch Richers Werk nur
wenig bekannt geworden war, von Späteren häufig benutzt[36].
Von zweifelhaftem Werthe ist der Bericht über die I ll ati o S .
B enedi cti, d. h. die Uebertragung in die Marienkirche, und nach der
Flucht vor den Normannen 883, die Rückbringung aus Orléans an
demselben 4. December, voll von Wundergeschichten, von dem Hersfelder
Mönch Di eder i ch nach längerem Aufenthalt in Fleury verfaßt für den Abt
Richard von Amorbach, der von 1018 bis 1039 auch Abt von Fulda
gewesen ist[37].
Die Aufzeichnung der Wunder des h. Benedict hatte Aimoin nach dem
4. Cap. seines dritten Buches abgebrochen, um auf den Wunsch seiner
Klosterbrüder eine Geschichte der Aebte von Fleury zu schreiben, wovon
uns nur das Leben Abbo's erhalten ist. Seine Arbeiten nahm etwas später
An dr eas wieder auf, indem er 1041 das Leben des Abtes Gauzlin
beschrieb, Hugo Capet's Bastard, welcher auf Abbo folgte und 1030 als
Erzbischof von Bourges gestorben ist[38]. Doch behielt er auch als
Erzbischof die Abtei, welche 1026 abbrannte und unter seiner Leitung neu
gebaut wurde. Seine Biographie enthält viele für Kunstgeschichte und
Litteraturgeschichte wichtige Nachrichten; auch von dem gefeierten
Scholasticus C onstant in, dem Freund Gerberts, erfahren wir hier, daß er
von dem Bischof Arnulf von Orléans die Abtei Saint-Mesmin de Micy
erhalten hat[39]. Die Mirakel aber führte Andreas, häufig sich selbst
wiederholend, fort bis 1043; von anderer Hand sind nach 1056 Zusätze
dazu gemacht[40]. Endlich hat noch R adu lf u s Tor t ar i us, geb. 1063, ein
fruchtbarer Dichter[41], die Mirakel bis 1114 fortgeführt und das ganze
Werk in Verse gebracht; den Schluß bilden einige Aufzeichnungen von
Hu go d e S an ct a Mar ia.
Nachrichten über die Könige von Frankreich kommen gelegentlich darin
vor[35] und wurden, obwohl sie weder genau noch ausführlich sind, doch
bei dem Mangel an anderen Quellen, besonders da auch Richers Werk nur
wenig bekannt geworden war, von Späteren häufig benutzt[36].
Von zweifelhaftem Werthe ist der Bericht über die I ll ati o S .
B enedi cti, d. h. die Uebertragung in die Marienkirche, und nach der
Flucht vor den Normannen 883, die Rückbringung aus Orléans an
demselben 4. December, voll von Wundergeschichten, von dem Hersfelder
Mönch Di eder i ch nach längerem Aufenthalt in Fleury verfaßt für den Abt
Richard von Amorbach, der von 1018 bis 1039 auch Abt von Fulda
gewesen ist[37].
Die Aufzeichnung der Wunder des h. Benedict hatte Aimoin nach dem
4. Cap. seines dritten Buches abgebrochen, um auf den Wunsch seiner
Klosterbrüder eine Geschichte der Aebte von Fleury zu schreiben, wovon
uns nur das Leben Abbo's erhalten ist. Seine Arbeiten nahm etwas später
An dr eas wieder auf, indem er 1041 das Leben des Abtes Gauzlin
beschrieb, Hugo Capet's Bastard, welcher auf Abbo folgte und 1030 als
Erzbischof von Bourges gestorben ist[38]. Doch behielt er auch als
Erzbischof die Abtei, welche 1026 abbrannte und unter seiner Leitung neu
gebaut wurde. Seine Biographie enthält viele für Kunstgeschichte und
Litteraturgeschichte wichtige Nachrichten; auch von dem gefeierten
Scholasticus C onstant in, dem Freund Gerberts, erfahren wir hier, daß er
von dem Bischof Arnulf von Orléans die Abtei Saint-Mesmin de Micy
erhalten hat[39]. Die Mirakel aber führte Andreas, häufig sich selbst
wiederholend, fort bis 1043; von anderer Hand sind nach 1056 Zusätze
dazu gemacht[40]. Endlich hat noch R adu lf u s Tor t ar i us, geb. 1063, ein
fruchtbarer Dichter[41], die Mirakel bis 1114 fortgeführt und das ganze
Werk in Verse gebracht; den Schluß bilden einige Aufzeichnungen von
Hu go d e S an ct a Mar ia.
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Doch von Ai m oin haben wir noch ein Werk anzuführen.
Noch bei Lebzeiten Abbo's verfaßt und diesem gewidmet ist ein
früheres Werk von ihm, eine Geschichte der Franken, welche bis zur
Thronbesteigung Pippins reichen sollte, die aber unvollendet blieb und nur
bis in die Mitte des siebenten Jahrhunderts geführt ist[42]. Selbständigen
Werth hat sie deshalb durchaus nicht; sie gleicht vielmehr den damals so
häufigen Ueberarbeitungen alter Legenden, und ist wie diese mehr eine
sprachliche und formale als eine geschichtliche Leistung. Eine später im
Kloster St. Germain-des-Prés hinzugefügte Fortsetzung bis 1040 ist aus
bekannten Quellen zusammengesetzt, mit einigen Zusätzen über die
Geschichte des Klosters; eine weitere Fortsetzung reicht bis 1165.
Schon frühzeitig, seit dem Anfange des neunten Jahrhunderts, wurden
Annalen im Kloster der heiligen Co l um ba zu S ens geschrieben[43], und
mit Hülfe derselben in einer uns nicht erhaltenen ausführlicheren Gestalt bis
956 verfaßte ein unbekannter Geistlicher eine etwas ausführlichere, aber
doch immer sehr magere Chronik des westfränkischen Reiches von der
Schlacht bei Tertry, mit besonderer Beziehung auf das Erzbisthum Sens, bis
zum Ende des Jahrhunderts nach mündlicher Ueberlieferung und
persönlicher Erinnerung fortschreitend; wichtig ist dagegen wieder der von
einem Zeitgenossen herrührende Theil von 1000 bis 1015[44]. Dieses Werk
wurde nicht nur in der wenig späteren Chronik des Odorannus von Sens[45],
sondern auch von Hugo von Fleury und Anderen viel benutzt, von
Ordericus Vitalis vollständig in sein Werk aufgenommen[46].
Von grösserem Werthe, aber der deutschen Geschichte und unserer
Aufgabe schon sehr fern liegend, ist die Chronik der Normannen von Rollo
bis auf den Tod Richards I (996), von Dud o, Decan zu St. Quentin, am
Anfange des elften Jahrhunderts verfaßt. Er schrieb nach mündlicher
Ueberlieferung, hauptsächlich nach den Erzählungen des Grafen Rudolf
von Ivri, des Bruders Herzog Richards I, und giebt uns eine wahre
Volksgeschichte in reichhaltiger lebendiger, wenn auch mit viel
Noch bei Lebzeiten Abbo's verfaßt und diesem gewidmet ist ein
früheres Werk von ihm, eine Geschichte der Franken, welche bis zur
Thronbesteigung Pippins reichen sollte, die aber unvollendet blieb und nur
bis in die Mitte des siebenten Jahrhunderts geführt ist[42]. Selbständigen
Werth hat sie deshalb durchaus nicht; sie gleicht vielmehr den damals so
häufigen Ueberarbeitungen alter Legenden, und ist wie diese mehr eine
sprachliche und formale als eine geschichtliche Leistung. Eine später im
Kloster St. Germain-des-Prés hinzugefügte Fortsetzung bis 1040 ist aus
bekannten Quellen zusammengesetzt, mit einigen Zusätzen über die
Geschichte des Klosters; eine weitere Fortsetzung reicht bis 1165.
Schon frühzeitig, seit dem Anfange des neunten Jahrhunderts, wurden
Annalen im Kloster der heiligen Co l um ba zu S ens geschrieben[43], und
mit Hülfe derselben in einer uns nicht erhaltenen ausführlicheren Gestalt bis
956 verfaßte ein unbekannter Geistlicher eine etwas ausführlichere, aber
doch immer sehr magere Chronik des westfränkischen Reiches von der
Schlacht bei Tertry, mit besonderer Beziehung auf das Erzbisthum Sens, bis
zum Ende des Jahrhunderts nach mündlicher Ueberlieferung und
persönlicher Erinnerung fortschreitend; wichtig ist dagegen wieder der von
einem Zeitgenossen herrührende Theil von 1000 bis 1015[44]. Dieses Werk
wurde nicht nur in der wenig späteren Chronik des Odorannus von Sens[45],
sondern auch von Hugo von Fleury und Anderen viel benutzt, von
Ordericus Vitalis vollständig in sein Werk aufgenommen[46].
Von grösserem Werthe, aber der deutschen Geschichte und unserer
Aufgabe schon sehr fern liegend, ist die Chronik der Normannen von Rollo
bis auf den Tod Richards I (996), von Dud o, Decan zu St. Quentin, am
Anfange des elften Jahrhunderts verfaßt. Er schrieb nach mündlicher
Ueberlieferung, hauptsächlich nach den Erzählungen des Grafen Rudolf
von Ivri, des Bruders Herzog Richards I, und giebt uns eine wahre
Volksgeschichte in reichhaltiger lebendiger, wenn auch mit viel
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Schönrednerei aufgeschmückter Erzählung[47]. In dieser schwülstigen
Ueberladung und in der Verzierung mit inhaltlosen Versen in vielförmigen
Metren nach dem Vorbild des Boethius, entspricht Dudo ganz dem
Charakter der Schulen seiner Zeit, die unter Rollo's frommen Nachfolgern
auch in der Normandie wieder auflebten. Schon die Ermordung des
Herzogs Wilhelm Langschwert (942 Dec. 17) veranlaßte ein gleichzeitiges,
ziemlich rohes Gedicht, welches Dudo's Darstellung bestätigt[48]. Bald
begegneten sich am erzbischöflichen und herzoglichen Hofe, wie einst bei
Karl dem Großen, Irländer und Franken in heftiger Feindschaft. Moriuth
gewann die Gunst des sehr weltlichen und lebenslustigen Erzbischofs Hugo
(942-989) und der Fürsten durch seine Lobverse; War ner i us dagegen, ein
Mönch von Saint-Ouen, sehr gelehrt in seiner Weise, widmete sich ganz
dem Dienste des Erzbischofs Robert (989-1037), Herzog Richards Sohn,
und bekämpfte mit beißenden Versen den Gegner, dem er grobe
Unwissenheit vorwarf[49].
Aus ähnlicher Schule war auch Dudo hervorgegangen. Seine
Erzählung, ganz ohne schriftliche Quellen, ist natürlich in den Anfängen
ganz sagenhaft und auch später sehr unzuverlässig, dabei normannisch
ruhmredig in hohem Grade; den Charakter ihres Ursprungs verleugnet sie
nirgends. Sehr eingehend ist das mit scharfer und besonnener Kritik von E.
Dümmler nachgewiesen[50]; der gleichzeitige Versuch von J. Lair, von
Dudo's Nachrichten für die Geschichte etwas mehr zu retten, steht dagegen
sehr zurück.
Gewidmet hat Dudo sein Werk dem Bischof A dalb er o von L ao n
(977-1030), der wegen seines politischen Verhaltens übel berüchtigt, in
seinen alten Tagen (nach Mabillon um 1006) ein langes Gedicht in der
Form eines Gesprächs mit König Rotbert verfaßte, worin er seinem ganzen
Groll gegen Odilo und seine Cluniacenser, ihre Begünstigung durch den
König und die Erhebung mönchischer und niedrig geborener Bischöfe Luft
gemacht hat. Für die Kenntniß der Sitten und Zustände ist es nicht
unergiebig[51].
Ueberladung und in der Verzierung mit inhaltlosen Versen in vielförmigen
Metren nach dem Vorbild des Boethius, entspricht Dudo ganz dem
Charakter der Schulen seiner Zeit, die unter Rollo's frommen Nachfolgern
auch in der Normandie wieder auflebten. Schon die Ermordung des
Herzogs Wilhelm Langschwert (942 Dec. 17) veranlaßte ein gleichzeitiges,
ziemlich rohes Gedicht, welches Dudo's Darstellung bestätigt[48]. Bald
begegneten sich am erzbischöflichen und herzoglichen Hofe, wie einst bei
Karl dem Großen, Irländer und Franken in heftiger Feindschaft. Moriuth
gewann die Gunst des sehr weltlichen und lebenslustigen Erzbischofs Hugo
(942-989) und der Fürsten durch seine Lobverse; War ner i us dagegen, ein
Mönch von Saint-Ouen, sehr gelehrt in seiner Weise, widmete sich ganz
dem Dienste des Erzbischofs Robert (989-1037), Herzog Richards Sohn,
und bekämpfte mit beißenden Versen den Gegner, dem er grobe
Unwissenheit vorwarf[49].
Aus ähnlicher Schule war auch Dudo hervorgegangen. Seine
Erzählung, ganz ohne schriftliche Quellen, ist natürlich in den Anfängen
ganz sagenhaft und auch später sehr unzuverlässig, dabei normannisch
ruhmredig in hohem Grade; den Charakter ihres Ursprungs verleugnet sie
nirgends. Sehr eingehend ist das mit scharfer und besonnener Kritik von E.
Dümmler nachgewiesen[50]; der gleichzeitige Versuch von J. Lair, von
Dudo's Nachrichten für die Geschichte etwas mehr zu retten, steht dagegen
sehr zurück.
Gewidmet hat Dudo sein Werk dem Bischof A dalb er o von L ao n
(977-1030), der wegen seines politischen Verhaltens übel berüchtigt, in
seinen alten Tagen (nach Mabillon um 1006) ein langes Gedicht in der
Form eines Gesprächs mit König Rotbert verfaßte, worin er seinem ganzen
Groll gegen Odilo und seine Cluniacenser, ihre Begünstigung durch den
König und die Erhebung mönchischer und niedrig geborener Bischöfe Luft
gemacht hat. Für die Kenntniß der Sitten und Zustände ist es nicht
unergiebig[51].
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[1] Ademari Chron. III, 5. Remigius, als theolog. Schriftsteller bekannt, (Hist. litt. de
la France VI, 99 f., vgl. Prantl, Gesch. d. Logik II, 44) ging nach Fulko's Tod nach
Paris, wo Odo von Cluny sein Schüler war. Andere Schüler von ihm sind die in Vita
Joh. Gorz. erwähnten Hildebold (oben S. 377) und Blidulf, Archidiaconus der Metzer
Kirche; auch Erzb. Seulf v. Reims, Flod. IV, 18. Vgl. Huemer: Ueber ein
Glossenwerk zum Sedulius, Wiener SB. XCVI, 505-551. Von R. scheinen, wie
Dümmler mir mittheilt, die 2 Briefe an Dado von Verdun zu sein, worin von der
Herkunft der Ungern die Rede ist, Spicil. XII, 349, Mart. Coll. I. 320, auch im Cod.
Vindobon. 156, f. 110. Später lehrte in Auxerre zur Zeit des gefeierten Bischofs
Robert der ital. Grammatiker Wido, gest. 1095, s. Dümmler im NA. I, 181-183.
[2] Fragmenta Elnonensia, von Hoffmann, Gent 1837, 4. Neue Aufl. 1845. Facs. bei
G. Paris, Les plus anciens Monuments de la langue Française, 1875.
[3] S. über ihn Dümmler, NA. IV, 521-526. Ebert II, 277-285.
[4] Diese gedruckt bei Mart. Thes. I. 45. Vollständig herausgegeben von Desplanque,
Etude sur un poëme inédit de Milon, moine de Saint-Amand, Lille 1871.
[5] Herausgegeben von J. Desilve, Valenciennes 1875. Dess. Schrift De schola
Elnonensi, 1889, habe ich nicht gesehen.
[6] Zur Sicherung seines Unterhaltes wies der Abt ihm 889 ein Landgut an, welches
er später den Mönchen von St. Bertin überließ. Folq. ed. Guérard p. 131. MG. SS.
XIII, 623.
[7] Vita S. Rictrudis, Mab. II, 939-950. Acta SS. Mai III, 81-89.
[8] Vie de S. Lambert, écrite en vers par Hucbald de Saint-Amand, et documents du
X siècle, par J. Demarteau, Liège 1878. Vgl. oben 2→S. 264, u. Dümmler, NA. IV,
555.
[9] Hucbaldi Vita S. Lebuini ed. Pertz, MG. SS. II, 360-364 im Auszug aus Sur. VI,
277-286, doch nach der Handschrift berichtigt. Der Rest ist aus den
Lebensbeschreibungen von Willibrord, Bonifaz, Gregor und Liudger erweitert.
Uebersetzung des Auszuges von Arndt hinter der Vita Bonifacii. Vgl. über seine
Quellen u. besonders die Versammlung zu Marklo, W. Kentzler, Forsch. VI, 343-354
u. Entgegnung von S. Abel 355. 356. Eine Schrift über die Vita u. den Ursprung von
Deventer von Verloren wird Revue hist. XXXI, 236 angeführt.
[10] Acta SS. Jun. III, 36. S. über Hucbald Hist. litt. de la France VI, 210-221;
Dümmler, NA. IV, 560-563. — Hans Müller, Hucbalds echte und unechte Schriften
über Musik (Leipz. 1884, 4) weist nach, daß die Schrift de harmonica institutione,
aber nicht die Musica enchiriadis, von ihm ist.
[11] Nach handschriftlicher Ueberlieferung freilich Rotger, s. oben 2→S. 365. Es
mag ursprünglich, wie in der Widmung der Reimser Geschichte, nur R. gestanden
haben.
[12] Dieser ist gedruckt bei Mab. III, 2, 569-608 und bei Muratori III wiederholt.
Stücke bei Mab. II, 30. 127. 1095-1100. Vollst. jetzt bei Migne CXXXV, 494-886.
Vgl. über das ganze Werk Hist. litt. de la France VI, 318-321. Entlehnung der
Characteristiken aus den Epitaphien der Päbste, NA. XIII, 236.
[13] Flodoardi Historia Remensis ecclesiae, mit Anhang bis auf Adalbero, ed.
Sirmond. 1611: Colvener. Duaci 1617, Bibl. Patrum Lugd. XVII, 500: Bouquet VIII,
154-175 unvollständig; edd. Heller et Waitz, MG. SS. XIII, 405-599 (ohne den
la France VI, 99 f., vgl. Prantl, Gesch. d. Logik II, 44) ging nach Fulko's Tod nach
Paris, wo Odo von Cluny sein Schüler war. Andere Schüler von ihm sind die in Vita
Joh. Gorz. erwähnten Hildebold (oben S. 377) und Blidulf, Archidiaconus der Metzer
Kirche; auch Erzb. Seulf v. Reims, Flod. IV, 18. Vgl. Huemer: Ueber ein
Glossenwerk zum Sedulius, Wiener SB. XCVI, 505-551. Von R. scheinen, wie
Dümmler mir mittheilt, die 2 Briefe an Dado von Verdun zu sein, worin von der
Herkunft der Ungern die Rede ist, Spicil. XII, 349, Mart. Coll. I. 320, auch im Cod.
Vindobon. 156, f. 110. Später lehrte in Auxerre zur Zeit des gefeierten Bischofs
Robert der ital. Grammatiker Wido, gest. 1095, s. Dümmler im NA. I, 181-183.
[2] Fragmenta Elnonensia, von Hoffmann, Gent 1837, 4. Neue Aufl. 1845. Facs. bei
G. Paris, Les plus anciens Monuments de la langue Française, 1875.
[3] S. über ihn Dümmler, NA. IV, 521-526. Ebert II, 277-285.
[4] Diese gedruckt bei Mart. Thes. I. 45. Vollständig herausgegeben von Desplanque,
Etude sur un poëme inédit de Milon, moine de Saint-Amand, Lille 1871.
[5] Herausgegeben von J. Desilve, Valenciennes 1875. Dess. Schrift De schola
Elnonensi, 1889, habe ich nicht gesehen.
[6] Zur Sicherung seines Unterhaltes wies der Abt ihm 889 ein Landgut an, welches
er später den Mönchen von St. Bertin überließ. Folq. ed. Guérard p. 131. MG. SS.
XIII, 623.
[7] Vita S. Rictrudis, Mab. II, 939-950. Acta SS. Mai III, 81-89.
[8] Vie de S. Lambert, écrite en vers par Hucbald de Saint-Amand, et documents du
X siècle, par J. Demarteau, Liège 1878. Vgl. oben 2→S. 264, u. Dümmler, NA. IV,
555.
[9] Hucbaldi Vita S. Lebuini ed. Pertz, MG. SS. II, 360-364 im Auszug aus Sur. VI,
277-286, doch nach der Handschrift berichtigt. Der Rest ist aus den
Lebensbeschreibungen von Willibrord, Bonifaz, Gregor und Liudger erweitert.
Uebersetzung des Auszuges von Arndt hinter der Vita Bonifacii. Vgl. über seine
Quellen u. besonders die Versammlung zu Marklo, W. Kentzler, Forsch. VI, 343-354
u. Entgegnung von S. Abel 355. 356. Eine Schrift über die Vita u. den Ursprung von
Deventer von Verloren wird Revue hist. XXXI, 236 angeführt.
[10] Acta SS. Jun. III, 36. S. über Hucbald Hist. litt. de la France VI, 210-221;
Dümmler, NA. IV, 560-563. — Hans Müller, Hucbalds echte und unechte Schriften
über Musik (Leipz. 1884, 4) weist nach, daß die Schrift de harmonica institutione,
aber nicht die Musica enchiriadis, von ihm ist.
[11] Nach handschriftlicher Ueberlieferung freilich Rotger, s. oben 2→S. 365. Es
mag ursprünglich, wie in der Widmung der Reimser Geschichte, nur R. gestanden
haben.
[12] Dieser ist gedruckt bei Mab. III, 2, 569-608 und bei Muratori III wiederholt.
Stücke bei Mab. II, 30. 127. 1095-1100. Vollst. jetzt bei Migne CXXXV, 494-886.
Vgl. über das ganze Werk Hist. litt. de la France VI, 318-321. Entlehnung der
Characteristiken aus den Epitaphien der Päbste, NA. XIII, 236.
[13] Flodoardi Historia Remensis ecclesiae, mit Anhang bis auf Adalbero, ed.
Sirmond. 1611: Colvener. Duaci 1617, Bibl. Patrum Lugd. XVII, 500: Bouquet VIII,
154-175 unvollständig; edd. Heller et Waitz, MG. SS. XIII, 405-599 (ohne den
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Anhang). Kritik von Longnon im Répert. des travaux historiques. Die II, 19
aufgenommene Visio Raduini (oben → S. 211) kommt abgesondert vor u. ist NA. XI,
262 gedruckt. Der Ausg. von Pithou (1588) sind Visiones Flotildae von 940
angehängt. — Oeuvres de Flodoard ed. Le Jeune (Text mit Uebersetzung) Reims
1854. — Series archiepp. Rem. (nur Namen) SS. XIII. 381. 750. Annales Remenses
830-999, nicht gleichzeitig, ib. 81; Ann. S. Dionysii Remenses 845-1190, p. 82-84;
Ann. S. Nicasii Rem. 1197-1309, p. 84 bis 86.
[14] Flodoardi Annales ed. Pertz MG. SS. III, 363-408. Baehr, S. 188. Giesebr. I,
779. Ueber den von Pertz nicht benutzten Cod. Paris. Fonds latin 9768, nach Nithard,
s. NA. VI, 482. Cod. Christ. 633, NA. X, 224.
[15] Gesta epp. Camerac. I, 102.
[16] Der Name ist Hypothese, Richer hat nur den Anfangsbuchstaben, und in den
Reimser Urkunden der Zeit findet sich nur dieser Name.
[17] Er war auch Lehrer des Königs Robert nach der Satire des Bischofs Adalbero
von Laon, wo er Neptanebus genannt ist, was auf Gerbert gedeutet wird. Péchenard
de schola Rem. X saeculi Par. 1876 habe ich nicht sehen können.
[18] Vor Otto's II Tod, nach D. J. Witte, Lothringen in der zweiten Hälfte des zehnten
Jahrhunderts (Diss. Gott. 1869) S. 43, wo auch viel Widerspruch gegen Olleris neue
Anordnung der Briefe ist.
[19] Gerberti epistolae bei Duchesne II, 789-844. Opera ed. Olloris, 1867, 4. Verse
von ihm in N. Jahrb. f. Philol. 1867, XCV, 708-710. Die Briefsammlung von Gerbert
als eine Geschichtsquelle. Krit. Monogr. Nach den Hss. von N. Bubnow, Petersb.
1888 (russisch). Lettres publ. avec une introd. et des notes par Jul. Havet, Paris 1889
(NA. XV, 223). Anz. beider von Kehr, HZ, LXIV, 274-277. Zur Zeitbestimmung der
Briefe auch Sickel, Mitth. d. Inst. XII, 209 ff. Vgl. Wilmans in Ranke's Jahrbüchern
II, 2, 141-175. Giesebr. I, 787. Hock, Gerbert oder Pabst Sylvester II und sein
Jahrhundert, Wien 1837. M. Büdinger, Ueber Gerberts wissenschaftliche und
politische Stellung, Cassel 1851. Cantor, Mathematische Beiträge S. 304 ff.
eingehend über seine mathematischen Schriften; Gesch. d. Mathematik I, 728-751;
Zts. f. Math. u. Physik, Hist. litt. Abth. XXXIII, 3, 101 ff. gegen die Verwerfung der
Geomotria Gerberti von H. Weissenborn, Gerbert. Beiträge zur Kenntniß d. Math. d.
MA. Berl. 1888. Prantl, Gesch. d. Logik II, 53-57, H. Reuter, Gesch. der relig.
Aufklärung im Mittelalter (1875) I, 78-84. K. Schultess, P. Silv. II als Lehrer u.
Staatsmann. Wiss. Beil. zum Osterprogr. d. Wilh. Gymn. in Hamb. 1891. Ders. Die
Sagen von P. Silvester II, Hamb. 1893. A. Graf, Die Quellen der Legenden von S.,
Nuova Antologia 1890 Mz. 16. Daß der Sermo de dignitate sacerdotali nicht von ihm
sein kann, erweist Jul. Harttung, NA. I, 587-593. Ders. bezweifelt Forsch. XVII, 390
seinen Aufruf zum Kreuzzug; dagegen H. v. Sybel, Gesch. d. ersten Kreuzzuges
(1881) S. 458. Die Questio Girberti papae im Pariser Cod. 10444 enthält eine philos.
Untersuchung, NA. II, 625. Cod. Vat, 3101, Arch. XII, 232. Merkwürdige Sagen über
Gerbert bei Gualt. Mapes de nugis curialium ed. Wright (Camden Society) 1850. Vgl.
auch Döllingers Pabstfabeln. Ein Gedicht über seine Magie e cod. Salem, s. XIII,
Ortus remensis, bei Gerbert, Iter Alem. (1765) p. 246. ed. II p. 258. Mone's Anz. II,
188.
[20] MG. SS. III, 658-693.
[21] MG. SS. III, 686-690. Vgl. oben S. 306. Im Cod. Christ. 1283 (Arch. XII, 315)
folgen auf einen Bericht über Arnulfs Absetzung u. Gerberts Nachfolge sehr bittere
Verse Tres contra Dominum, die K. Palm Forsch. XIII, 579 aus einer Abschrift
mitgetheilt hat. Der Cod. hat nach Mitth. von Dümmler immer Gilb. u. v. 7 cupiere;
aufgenommene Visio Raduini (oben → S. 211) kommt abgesondert vor u. ist NA. XI,
262 gedruckt. Der Ausg. von Pithou (1588) sind Visiones Flotildae von 940
angehängt. — Oeuvres de Flodoard ed. Le Jeune (Text mit Uebersetzung) Reims
1854. — Series archiepp. Rem. (nur Namen) SS. XIII. 381. 750. Annales Remenses
830-999, nicht gleichzeitig, ib. 81; Ann. S. Dionysii Remenses 845-1190, p. 82-84;
Ann. S. Nicasii Rem. 1197-1309, p. 84 bis 86.
[14] Flodoardi Annales ed. Pertz MG. SS. III, 363-408. Baehr, S. 188. Giesebr. I,
779. Ueber den von Pertz nicht benutzten Cod. Paris. Fonds latin 9768, nach Nithard,
s. NA. VI, 482. Cod. Christ. 633, NA. X, 224.
[15] Gesta epp. Camerac. I, 102.
[16] Der Name ist Hypothese, Richer hat nur den Anfangsbuchstaben, und in den
Reimser Urkunden der Zeit findet sich nur dieser Name.
[17] Er war auch Lehrer des Königs Robert nach der Satire des Bischofs Adalbero
von Laon, wo er Neptanebus genannt ist, was auf Gerbert gedeutet wird. Péchenard
de schola Rem. X saeculi Par. 1876 habe ich nicht sehen können.
[18] Vor Otto's II Tod, nach D. J. Witte, Lothringen in der zweiten Hälfte des zehnten
Jahrhunderts (Diss. Gott. 1869) S. 43, wo auch viel Widerspruch gegen Olleris neue
Anordnung der Briefe ist.
[19] Gerberti epistolae bei Duchesne II, 789-844. Opera ed. Olloris, 1867, 4. Verse
von ihm in N. Jahrb. f. Philol. 1867, XCV, 708-710. Die Briefsammlung von Gerbert
als eine Geschichtsquelle. Krit. Monogr. Nach den Hss. von N. Bubnow, Petersb.
1888 (russisch). Lettres publ. avec une introd. et des notes par Jul. Havet, Paris 1889
(NA. XV, 223). Anz. beider von Kehr, HZ, LXIV, 274-277. Zur Zeitbestimmung der
Briefe auch Sickel, Mitth. d. Inst. XII, 209 ff. Vgl. Wilmans in Ranke's Jahrbüchern
II, 2, 141-175. Giesebr. I, 787. Hock, Gerbert oder Pabst Sylvester II und sein
Jahrhundert, Wien 1837. M. Büdinger, Ueber Gerberts wissenschaftliche und
politische Stellung, Cassel 1851. Cantor, Mathematische Beiträge S. 304 ff.
eingehend über seine mathematischen Schriften; Gesch. d. Mathematik I, 728-751;
Zts. f. Math. u. Physik, Hist. litt. Abth. XXXIII, 3, 101 ff. gegen die Verwerfung der
Geomotria Gerberti von H. Weissenborn, Gerbert. Beiträge zur Kenntniß d. Math. d.
MA. Berl. 1888. Prantl, Gesch. d. Logik II, 53-57, H. Reuter, Gesch. der relig.
Aufklärung im Mittelalter (1875) I, 78-84. K. Schultess, P. Silv. II als Lehrer u.
Staatsmann. Wiss. Beil. zum Osterprogr. d. Wilh. Gymn. in Hamb. 1891. Ders. Die
Sagen von P. Silvester II, Hamb. 1893. A. Graf, Die Quellen der Legenden von S.,
Nuova Antologia 1890 Mz. 16. Daß der Sermo de dignitate sacerdotali nicht von ihm
sein kann, erweist Jul. Harttung, NA. I, 587-593. Ders. bezweifelt Forsch. XVII, 390
seinen Aufruf zum Kreuzzug; dagegen H. v. Sybel, Gesch. d. ersten Kreuzzuges
(1881) S. 458. Die Questio Girberti papae im Pariser Cod. 10444 enthält eine philos.
Untersuchung, NA. II, 625. Cod. Vat, 3101, Arch. XII, 232. Merkwürdige Sagen über
Gerbert bei Gualt. Mapes de nugis curialium ed. Wright (Camden Society) 1850. Vgl.
auch Döllingers Pabstfabeln. Ein Gedicht über seine Magie e cod. Salem, s. XIII,
Ortus remensis, bei Gerbert, Iter Alem. (1765) p. 246. ed. II p. 258. Mone's Anz. II,
188.
[20] MG. SS. III, 658-693.
[21] MG. SS. III, 686-690. Vgl. oben S. 306. Im Cod. Christ. 1283 (Arch. XII, 315)
folgen auf einen Bericht über Arnulfs Absetzung u. Gerberts Nachfolge sehr bittere
Verse Tres contra Dominum, die K. Palm Forsch. XIII, 579 aus einer Abschrift
mitgetheilt hat. Der Cod. hat nach Mitth. von Dümmler immer Gilb. u. v. 7 cupiere;
Page 533
außerdem vor v. 10 den tautologischen Vers „Romam vexat adhuc census amor
immoderatus.“. Sie finden sich aber auch bei Giesebr. III, 1263 (von v. 7. an) auf
Wiebert angewandt, und scheinen mir dahin besser zu passen.
[22] Hier war 945 die Regel durch Erzbischof Hugo mit Rath des Abts Erchambold
von Fleury hergestellt und Hinkmar († 967) als erster selbständiger Abt eingesetzt.
Gerhard von Brogne (oben S. 388) wird dabei von Flodoard auffallender Weise gar
nicht erwähnt. Schon 948 führte Berner Mönche von St. Remi nach Homblières im
Vermandois, da die dortigen Nonnen zu liederlich waren und trotz aller Mühe
blieben, s. Inventio, translatio et miracula S. Hunegundis a. 946 auct. Bernero, Mab.
V, 214-221. Andere kamen 952 nach St. Basle und durch Erzbischof Adalbero 971
unter Lietald nach Mouson, 972 nach St. Thierry, dit du Mont d'or.
[23] S. G. Monod, Études sur l'hist. de Hugues Capet. Les sources historiques. Revue
hist. XXVIII, 241-272.
[24] Vermuthlich eine Gesta. S. C. v. Kalckstein, Geschichte d. frz. Königthums unter
den ersten Capetingern, I (1877) S. 476-482, wo seine ganz entstellten Nachrichten
von K. Odo besprochen sind.
[25] Vgl. die Dissertation von Reimann, worin Richers Unzuverlässigkeit im
einzelnen nachgewiesen ist, namentlich auch die Unechtheit seiner Zusätze zum
Ingelheimer Concil.
[26] F. Vogel in Actis Sem. Erlang. II, 418-421.
[27] Nach Wittich in den Forschungen III, 105-141 hätte Richer I, 34 bis 40 eine
lothringische Quelle benutzt, und weil er von Giselberts Erhebung erst bei dem
Eintritt dieser Quelle berichtet, die Stellen, wo er vorher erwähnt wurde, verändert,
um oberflächlich die Einheit herzustellen. Vgl auch Waitz, Heinrich I, 3. Ausgabe, S.
26 ff.
[28] Für die Zeit Otto's II wird seine Glaubwürdigkeit vertheidigt von Ad. Matthaei:
Händel Otto's II mit Lothringen, Hall. Diss. 1882; für die Erhebung der neuen
Könige (IV, 12. 13) von Julien Havet, Revue hist. XLV, S. 290-297, vgl. NA. XVII,
224.
[29] Richeri Historiarum libri IV ed. Pertz, MG. SS. III, 561-657, mit Schriftprobe.
Zwei andere Seiten in W. Arndts Schrifttafeln, t. 47, 2. A. 49. Besonderer Abdruck,
Han. 1839. Neue Ausg. von Waitz 1877 mit genauerer Beachtung der in der
Handschrift vorgenommenen Aenderungen. Mit französischer Uebersetzung von
Guadet, Paris 1845, und publiée par l'Acad. Imp. de Reims avec traduction, notes etc.
par A. M. Poinsignon, 1856. Uebersetzung von Freiherr v. d. Osten-Sacken, mit
Einleitung von Wattenbach, Berlin 1854; neue Ausg. 1891, Geschichtschr. 37 (X, 10).
Reimann de Richeri vita et scriptis, Olsnae 1845. Giesebr. I, 788. Maurenbrecher S.
69-74. Die Handschrift wird schon in dem Catalog der Michelsberger Bibliothek von
Ruotger zwischen 1112 u. 1113 (Schannat Vindem. I, 52) erwähnt; auch ein Vegez
kam dahin aus Reims: Veget. ed. Lang p. XXXI. Ekkehard hatte jedoch eine von der
unserigen verschiedene Handschrift.
[30] Baluzii Miscell. I, 409. Schannat, Hist. Fuld. p. 132.
[31] Conrat (Cohn) Gesch. d. Quellen u. Litt. d. röm. Rechts (1889) I, 259-261.
[32] Vita Abbonis abb. Floriacensis auct. Aimoino. Mab. VI, I, 37-58. Abbo ließ des
Josephus Bell. Jud. durch den Laien Rotbert abschreiben, Hagen, Catal. Bern. p. 240.
Ausführl. handelt bes. über Abbo, Cuissard-Gaucheron: L'École de Fleury-sur-Loire
à la fin du 10. siècle, Mém. de la Soc. Arch. de l'Orléanais XIV (1875) 551-717.
Sackur, Die Cluniac. I, 274 ff. Vom Jahre 626 an bis 1060 war auch in Fleury eine
Ostertafel mit Annalen versehen, gedruckt als Chron. Floriacense, Duchesne III, 355
immoderatus.“. Sie finden sich aber auch bei Giesebr. III, 1263 (von v. 7. an) auf
Wiebert angewandt, und scheinen mir dahin besser zu passen.
[22] Hier war 945 die Regel durch Erzbischof Hugo mit Rath des Abts Erchambold
von Fleury hergestellt und Hinkmar († 967) als erster selbständiger Abt eingesetzt.
Gerhard von Brogne (oben S. 388) wird dabei von Flodoard auffallender Weise gar
nicht erwähnt. Schon 948 führte Berner Mönche von St. Remi nach Homblières im
Vermandois, da die dortigen Nonnen zu liederlich waren und trotz aller Mühe
blieben, s. Inventio, translatio et miracula S. Hunegundis a. 946 auct. Bernero, Mab.
V, 214-221. Andere kamen 952 nach St. Basle und durch Erzbischof Adalbero 971
unter Lietald nach Mouson, 972 nach St. Thierry, dit du Mont d'or.
[23] S. G. Monod, Études sur l'hist. de Hugues Capet. Les sources historiques. Revue
hist. XXVIII, 241-272.
[24] Vermuthlich eine Gesta. S. C. v. Kalckstein, Geschichte d. frz. Königthums unter
den ersten Capetingern, I (1877) S. 476-482, wo seine ganz entstellten Nachrichten
von K. Odo besprochen sind.
[25] Vgl. die Dissertation von Reimann, worin Richers Unzuverlässigkeit im
einzelnen nachgewiesen ist, namentlich auch die Unechtheit seiner Zusätze zum
Ingelheimer Concil.
[26] F. Vogel in Actis Sem. Erlang. II, 418-421.
[27] Nach Wittich in den Forschungen III, 105-141 hätte Richer I, 34 bis 40 eine
lothringische Quelle benutzt, und weil er von Giselberts Erhebung erst bei dem
Eintritt dieser Quelle berichtet, die Stellen, wo er vorher erwähnt wurde, verändert,
um oberflächlich die Einheit herzustellen. Vgl auch Waitz, Heinrich I, 3. Ausgabe, S.
26 ff.
[28] Für die Zeit Otto's II wird seine Glaubwürdigkeit vertheidigt von Ad. Matthaei:
Händel Otto's II mit Lothringen, Hall. Diss. 1882; für die Erhebung der neuen
Könige (IV, 12. 13) von Julien Havet, Revue hist. XLV, S. 290-297, vgl. NA. XVII,
224.
[29] Richeri Historiarum libri IV ed. Pertz, MG. SS. III, 561-657, mit Schriftprobe.
Zwei andere Seiten in W. Arndts Schrifttafeln, t. 47, 2. A. 49. Besonderer Abdruck,
Han. 1839. Neue Ausg. von Waitz 1877 mit genauerer Beachtung der in der
Handschrift vorgenommenen Aenderungen. Mit französischer Uebersetzung von
Guadet, Paris 1845, und publiée par l'Acad. Imp. de Reims avec traduction, notes etc.
par A. M. Poinsignon, 1856. Uebersetzung von Freiherr v. d. Osten-Sacken, mit
Einleitung von Wattenbach, Berlin 1854; neue Ausg. 1891, Geschichtschr. 37 (X, 10).
Reimann de Richeri vita et scriptis, Olsnae 1845. Giesebr. I, 788. Maurenbrecher S.
69-74. Die Handschrift wird schon in dem Catalog der Michelsberger Bibliothek von
Ruotger zwischen 1112 u. 1113 (Schannat Vindem. I, 52) erwähnt; auch ein Vegez
kam dahin aus Reims: Veget. ed. Lang p. XXXI. Ekkehard hatte jedoch eine von der
unserigen verschiedene Handschrift.
[30] Baluzii Miscell. I, 409. Schannat, Hist. Fuld. p. 132.
[31] Conrat (Cohn) Gesch. d. Quellen u. Litt. d. röm. Rechts (1889) I, 259-261.
[32] Vita Abbonis abb. Floriacensis auct. Aimoino. Mab. VI, I, 37-58. Abbo ließ des
Josephus Bell. Jud. durch den Laien Rotbert abschreiben, Hagen, Catal. Bern. p. 240.
Ausführl. handelt bes. über Abbo, Cuissard-Gaucheron: L'École de Fleury-sur-Loire
à la fin du 10. siècle, Mém. de la Soc. Arch. de l'Orléanais XIV (1875) 551-717.
Sackur, Die Cluniac. I, 274 ff. Vom Jahre 626 an bis 1060 war auch in Fleury eine
Ostertafel mit Annalen versehen, gedruckt als Chron. Floriacense, Duchesne III, 355
Page 534
bis 357. Pertz giebt mit Weglassung des aus der Hist. miscella, den Ann. S. Amandi
und S. Columbae entnommenen den Rest II, 254 von 853 an als Annales
Floriacenses. Andere, größtentheils übereinstimmend, bis 1044, vom Rande einer
Ostertafel in Bern als Ann. Flor. breves SS. XIII, 87. Catal. abb. bis 818 SS. XV, I,
500.
[33] S. Hugonis archidiaconi Tornacensis dialogus ad Fulbertum (ep. Carnot.) de
quodam miraculo, quod contigit in translatione S. Martini, Mab. Anall. ed. II. p. 213
seqq.
[34] Adrevaldus qui et Adalbertus. Die von Mabillon geleugnete Identität erweist E.
de Certain in der Ausgabe für die Société de l'histoire de France: Les Miracles de
Saint Benoît, Paris 1855. Ex Adventu corporis S. Benedicti in agrum Flor. SS. XV, I,
480-482. 574b.
[35] Benutzt ist dazu das Fragm. ex antiqua membrana Flor. monasterii, s. J. Havet,
Revue hist. XLV, 290-297.
[36] Ex Miraculis S. Bened. Floriac. SS. XV, I, 474-500. Ex Aimoini Flor. Mir. SS.
IX, 374-376. Vgl. H. Hahn: Ein übersehener Brief des Pabstes Zacharias, NA. I, 580-
583.
[37] Bei Mab. Act. IV, 2, 50-55. Vgl. C. v. Kalckstein, Forsch. XIV, 120. Im Cod.
Vat. Christ. 586 f. 71 heißt der Verf. Diedericus nach Reifferscheid, Wiener SB. LIX,
139. Eine Hs., wo or Thiadericus genannt wird, war in der Klosterbibl. von
Amelungsborn, Dürre im Progr. d. Gymn. zu Holzminden 1876 S. 23.
[38] Ausg. von L. Delisle in den Mémoires de la Société archéologique de
l'Orléanais, T. II, 1853. Der Anfang NA. II, 605 in der irrigen Meinung, daß es
ungedruckt sei. Weil die Ausg. wenig zugänglich und nach einer fehlerhaften
Abschrift gemacht war, ist im NA. III, S. 349-383, eine Ausgabe von P. Ewald
gedruckt. Ueber das schöne, ihm aus Ramsey geschickte Sacramentar, Delisle,
Sacram. p. 216.
[39] Ein Gedicht an ihn, ein zweites an einen unbekannten Bovo, ed. Dümmler NA.
II, 222-228. Beide auch bei H. Hagen, Carmina Medii Aevi p. 130-136.
Verbesserungen zum ersten Romania 1877 S. 286.
[40] Dieser Theil ist nur in der Ausg. von Certain gedruckt; Berichtigungen nach der
Hs. Cod. Vat. Christ. 592 NA. III, 344-349, von P. Ewald.
[41] Eine Abhandlung über ihn von Certain, Bibl. de l'École des chartes I, 489-521.
[42] Aimoini Historia Francorum ed. Breulius, 1603 f. und in Frehers Corpus Franc.
Hist. mit den Fortsetzungen. Ohne dieselben Duchesne III, 1-120. Bouq. III, 21-139.
Ueber die Handschriften Waitz, Archiv XI, 314. Vgl. oben S. 110.
[43] Ann. S. Columbae Senonensis 708-1218 ed. Pertz, MG. SS. I, 102 bis 109. Bis
840 in den Ann. S. Maximini ausgeschrieben, oben → S. 363. Nach einem
vollständigeren Exemplar bis 922 sind sie von Albricus benutzt, s. MG. SS. XXIII,
661. Verwandte Notizen aus einem Martyrologium bei Delisle, Notice sur plus.
Manuscrits de la bibl. d'Orléans, Not. et Extr. XXXI, 1, 68-70. Sacram. p. 164.
[44] Nach Lot, Les derniers Carolingiens, Paris 1891, NA. XVII, 631. Das Buch
selbst war mir nicht zugänglich.
[45] Odoranni monachi S. Petri Vivi Senonensis Chronicon collectum a. 1045.
Duchesne II, 636. Mit seinen übrigen Schriften bei Duru, Bibl. hist. de l'Yonne II,
187-446. Daraus auch bei Migne CXLII. Eine Folge der Erzbb. mit Notizen aus der
Stockh. Hs. im Anz. d. Germ. Mus. XXII, 39. Delisle, Sacram. p. 106 u. 371.
und S. Columbae entnommenen den Rest II, 254 von 853 an als Annales
Floriacenses. Andere, größtentheils übereinstimmend, bis 1044, vom Rande einer
Ostertafel in Bern als Ann. Flor. breves SS. XIII, 87. Catal. abb. bis 818 SS. XV, I,
500.
[33] S. Hugonis archidiaconi Tornacensis dialogus ad Fulbertum (ep. Carnot.) de
quodam miraculo, quod contigit in translatione S. Martini, Mab. Anall. ed. II. p. 213
seqq.
[34] Adrevaldus qui et Adalbertus. Die von Mabillon geleugnete Identität erweist E.
de Certain in der Ausgabe für die Société de l'histoire de France: Les Miracles de
Saint Benoît, Paris 1855. Ex Adventu corporis S. Benedicti in agrum Flor. SS. XV, I,
480-482. 574b.
[35] Benutzt ist dazu das Fragm. ex antiqua membrana Flor. monasterii, s. J. Havet,
Revue hist. XLV, 290-297.
[36] Ex Miraculis S. Bened. Floriac. SS. XV, I, 474-500. Ex Aimoini Flor. Mir. SS.
IX, 374-376. Vgl. H. Hahn: Ein übersehener Brief des Pabstes Zacharias, NA. I, 580-
583.
[37] Bei Mab. Act. IV, 2, 50-55. Vgl. C. v. Kalckstein, Forsch. XIV, 120. Im Cod.
Vat. Christ. 586 f. 71 heißt der Verf. Diedericus nach Reifferscheid, Wiener SB. LIX,
139. Eine Hs., wo or Thiadericus genannt wird, war in der Klosterbibl. von
Amelungsborn, Dürre im Progr. d. Gymn. zu Holzminden 1876 S. 23.
[38] Ausg. von L. Delisle in den Mémoires de la Société archéologique de
l'Orléanais, T. II, 1853. Der Anfang NA. II, 605 in der irrigen Meinung, daß es
ungedruckt sei. Weil die Ausg. wenig zugänglich und nach einer fehlerhaften
Abschrift gemacht war, ist im NA. III, S. 349-383, eine Ausgabe von P. Ewald
gedruckt. Ueber das schöne, ihm aus Ramsey geschickte Sacramentar, Delisle,
Sacram. p. 216.
[39] Ein Gedicht an ihn, ein zweites an einen unbekannten Bovo, ed. Dümmler NA.
II, 222-228. Beide auch bei H. Hagen, Carmina Medii Aevi p. 130-136.
Verbesserungen zum ersten Romania 1877 S. 286.
[40] Dieser Theil ist nur in der Ausg. von Certain gedruckt; Berichtigungen nach der
Hs. Cod. Vat. Christ. 592 NA. III, 344-349, von P. Ewald.
[41] Eine Abhandlung über ihn von Certain, Bibl. de l'École des chartes I, 489-521.
[42] Aimoini Historia Francorum ed. Breulius, 1603 f. und in Frehers Corpus Franc.
Hist. mit den Fortsetzungen. Ohne dieselben Duchesne III, 1-120. Bouq. III, 21-139.
Ueber die Handschriften Waitz, Archiv XI, 314. Vgl. oben S. 110.
[43] Ann. S. Columbae Senonensis 708-1218 ed. Pertz, MG. SS. I, 102 bis 109. Bis
840 in den Ann. S. Maximini ausgeschrieben, oben → S. 363. Nach einem
vollständigeren Exemplar bis 922 sind sie von Albricus benutzt, s. MG. SS. XXIII,
661. Verwandte Notizen aus einem Martyrologium bei Delisle, Notice sur plus.
Manuscrits de la bibl. d'Orléans, Not. et Extr. XXXI, 1, 68-70. Sacram. p. 164.
[44] Nach Lot, Les derniers Carolingiens, Paris 1891, NA. XVII, 631. Das Buch
selbst war mir nicht zugänglich.
[45] Odoranni monachi S. Petri Vivi Senonensis Chronicon collectum a. 1045.
Duchesne II, 636. Mit seinen übrigen Schriften bei Duru, Bibl. hist. de l'Yonne II,
187-446. Daraus auch bei Migne CXLII. Eine Folge der Erzbb. mit Notizen aus der
Stockh. Hs. im Anz. d. Germ. Mus. XXII, 39. Delisle, Sacram. p. 106 u. 371.
Page 535
Obedienz-Erklärungen für die Erzbischöfe von Sens, NA. III, 199-202, und von
Besançon S. 196-198.
[46] Historia Francorum Senonensis a. 688-1015 (1034) ed. Waitz, MG. SS. IX,
361-369. Siméon Luce, La Continuation d'Aimoin et le Ms. lat. 12711 de la Bibl.
Nat. (Not. et Doc. pour la Soc. d'hist. de France), Paris 1884, p. 57-70, über das
Exemplar mit Interpolationen aus St. Germain-des-prés, woraus die ältesten
Ausgaben genommen sind, vgl. B. Krusch, HZ. LVI, 367. Chronicon S. Petri Vivi
auct. Clario monacho — 1124, cont. — 1179 — 1267 ex cod. bei Duru II, 449-597;
Excerpte MG. SS. XXVI, 30-36. Chronique de l'Abbayie de Saint-Pierre-le Vif de
Sens, rédigée vers la fin du 13. siècle, par G. de Courlon. Texte et trad. par G. Juilliot.
Sens 1876.
[47] Dudonis libri III de moribus et actis primorum Normanniae ducum, Duchesne
SS. Normannici, Paris, f. 1619. Excerpt bei Bouq. X, 141, MG. SS. IV. 93-106. Neue
Ausg. in 4 Büchern von Jules Lair, Caen 1865, 4. Migne CXLI. — Unbedeutend,
weil ganz aus den Bertin. und Vedast. Annalen genommen, ist das Chronicon de
Gestis Normannorum in Francia 820-897. MG. SS. I, 532-536.
[48] Complainte sur l'assassinat de Guillaume Longue-épée, duc de Normandie.
Poème inédit du X. siècle. Entdeckt von G. Paris, herausgegeben von Jules Lair in
der Bibl. de l'École des chartes XXXI, 389-406. L. Delisle, Notice sur des Mss. du
Fonds Libri cons. à la Laurent. à Florence (1886) p. 40 über ein älteres u. besseres
Exemplar, mit Facsimile.
[49] Warnerii ad Robertum archiep Rotom. satira in poetam Scotum nomine Moriuth,
cod. Paris. 8121 A. Jules Lair, Et. hist. p. 15; er verspricht eine Ausgabe. Ein zweites
Gedicht desselben W. an Rob. ist NA. II, 601 erwähnt.
[50] Forschungen VI, 361-390, IX, 651, vgl. die frühere Untersuchung von Waitz:
Ueber die Quellen zur Geschichte der Begründung der normannischen Herrschaft in
Frankreich, Gött. Nachr. 1866, N. 6. G. Körting: Wilhelms von Poitiers Gesta
Guilelmi ducis Norm. et regis Anglorum, Progr. der Dresd. Kreuzschule 1875. Mit
Dudo beschäftigt sich auch Joh. Steenstrup: Normannerne, Kop. 1876; vgl. die Rec.
von E. Beauvois, Revue hist. IV, 426-430. In dem an dieses Buch anknüpfenden
Aufsatz von Karl von Amira: Die Anfänge des normannischen Rechts, HZ. XXXIX,
241-268, wird S. 245 f. die Glaubwürdigkeit des Dudo gegen Dümmler und Waitz in
Schutz genommen und die vermeintliche altnordische Ueberlieferung über die
Herkunft Rollo's zurückgewiesen. Vgl. auch HZ. XLIV, 188.
[51] Bouq. N. 64-67 mit ausführlichem Commentar von Adr. Valesius. Ueber einen
von ihm an Bischof Fulco von Amiens gerichteten dialectischen Tractat s. Prantl,
Gesch. d. Logik II, 58. HS. aus St. Emm. in München, lat. 14272; Frgm. in Orléans,
cod. 169, beschr. v. Samuel Brandt, Wiener SB. CX, 167-174.
Besançon S. 196-198.
[46] Historia Francorum Senonensis a. 688-1015 (1034) ed. Waitz, MG. SS. IX,
361-369. Siméon Luce, La Continuation d'Aimoin et le Ms. lat. 12711 de la Bibl.
Nat. (Not. et Doc. pour la Soc. d'hist. de France), Paris 1884, p. 57-70, über das
Exemplar mit Interpolationen aus St. Germain-des-prés, woraus die ältesten
Ausgaben genommen sind, vgl. B. Krusch, HZ. LVI, 367. Chronicon S. Petri Vivi
auct. Clario monacho — 1124, cont. — 1179 — 1267 ex cod. bei Duru II, 449-597;
Excerpte MG. SS. XXVI, 30-36. Chronique de l'Abbayie de Saint-Pierre-le Vif de
Sens, rédigée vers la fin du 13. siècle, par G. de Courlon. Texte et trad. par G. Juilliot.
Sens 1876.
[47] Dudonis libri III de moribus et actis primorum Normanniae ducum, Duchesne
SS. Normannici, Paris, f. 1619. Excerpt bei Bouq. X, 141, MG. SS. IV. 93-106. Neue
Ausg. in 4 Büchern von Jules Lair, Caen 1865, 4. Migne CXLI. — Unbedeutend,
weil ganz aus den Bertin. und Vedast. Annalen genommen, ist das Chronicon de
Gestis Normannorum in Francia 820-897. MG. SS. I, 532-536.
[48] Complainte sur l'assassinat de Guillaume Longue-épée, duc de Normandie.
Poème inédit du X. siècle. Entdeckt von G. Paris, herausgegeben von Jules Lair in
der Bibl. de l'École des chartes XXXI, 389-406. L. Delisle, Notice sur des Mss. du
Fonds Libri cons. à la Laurent. à Florence (1886) p. 40 über ein älteres u. besseres
Exemplar, mit Facsimile.
[49] Warnerii ad Robertum archiep Rotom. satira in poetam Scotum nomine Moriuth,
cod. Paris. 8121 A. Jules Lair, Et. hist. p. 15; er verspricht eine Ausgabe. Ein zweites
Gedicht desselben W. an Rob. ist NA. II, 601 erwähnt.
[50] Forschungen VI, 361-390, IX, 651, vgl. die frühere Untersuchung von Waitz:
Ueber die Quellen zur Geschichte der Begründung der normannischen Herrschaft in
Frankreich, Gött. Nachr. 1866, N. 6. G. Körting: Wilhelms von Poitiers Gesta
Guilelmi ducis Norm. et regis Anglorum, Progr. der Dresd. Kreuzschule 1875. Mit
Dudo beschäftigt sich auch Joh. Steenstrup: Normannerne, Kop. 1876; vgl. die Rec.
von E. Beauvois, Revue hist. IV, 426-430. In dem an dieses Buch anknüpfenden
Aufsatz von Karl von Amira: Die Anfänge des normannischen Rechts, HZ. XXXIX,
241-268, wird S. 245 f. die Glaubwürdigkeit des Dudo gegen Dümmler und Waitz in
Schutz genommen und die vermeintliche altnordische Ueberlieferung über die
Herkunft Rollo's zurückgewiesen. Vgl. auch HZ. XLIV, 188.
[51] Bouq. N. 64-67 mit ausführlichem Commentar von Adr. Valesius. Ueber einen
von ihm an Bischof Fulco von Amiens gerichteten dialectischen Tractat s. Prantl,
Gesch. d. Logik II, 58. HS. aus St. Emm. in München, lat. 14272; Frgm. in Orléans,
cod. 169, beschr. v. Samuel Brandt, Wiener SB. CX, 167-174.
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§ 11. Cluny. [ ← ]
Als die herrschende Richtung in den französischen Schulen im zehnten
Jahrhundert trat uns jene rhetorisch-philosophische Bildung entgegen,
welche auf den Lehren der alten Grammatiker beruhte und nicht auf
kirchlichem Grunde erwachsen war. In scharfem Gegensatze zu diesem
Treiben entfaltete sich gleichzeitig in Cluny eine streng mönchische Askese,
welche das Studium des profanen Alterthums für sündlich erklärte,
geistesverwandt mit der auf gleicher Grundlage ruhenden Klosterreform in
Lothringen, mit welcher auch häufige Berührungen stattfanden. Die
Geschichtschreibung konnte nicht gedeihen, wo man alles Irdische
verachtete und verwarf, aber indem man die Tugenden der gefeierten
Häupter dieser Richtung anderen zum Vorbilde aufstellte, entstanden doch
Lebensbeschreibungen, welche um so wichtiger sind, je größer auch für die
weltlichen Angelegenheiten damals die Bedeutung jener Männer war. Aber
auch die Kenntniß dieser ganzen Richtung und namentlich die Entstehung
und das Wachsthum der Cluniacenser Congregation, welche bald eine so
außerordentliche politische Bedeutung gewann, ist von unmittelbarer
Wichtigkeit für den Geschichtsforscher; nur ist zu bedauern, daß der
legendenartige, auf Erbauung abzielende Ton der Biographieen uns gerade
über diejenigen Umstände, welche geschichtlich bedeutend sind, am
wenigsten Aufklärung finden läßt. Ueber das Leben des ersten Abtes O do
(927-942) besitzen wir eine Schrift seines Schülers Johannes[1]. Das Leben
des Abtes Maj ol us (949-994) beschrieb bald nach seinem Tode, nicht ohne
gute Nachrichten von ihm nahestehenden Zeitgenossen zu erhalten, in
blüthenreicher salbungsvoller Rede der Mönch S yr us[2], dessen Schrift
aber nach der Untersuchung von L. Traube[3] unvollendet blieb und von
Aldebald aus Heirici Vita et miracula S. Germani interpoliert ist, welche
Verunstaltung er in einer zweiten Bearbeitung noch vermehrte. Den echten
Text des Syrus haben wir also nicht, wohl aber kannte ihn Odilo, der in
seinem Elogium[4] die falschen Zuthaten des Aldebald unbeachtet gelassen
Als die herrschende Richtung in den französischen Schulen im zehnten
Jahrhundert trat uns jene rhetorisch-philosophische Bildung entgegen,
welche auf den Lehren der alten Grammatiker beruhte und nicht auf
kirchlichem Grunde erwachsen war. In scharfem Gegensatze zu diesem
Treiben entfaltete sich gleichzeitig in Cluny eine streng mönchische Askese,
welche das Studium des profanen Alterthums für sündlich erklärte,
geistesverwandt mit der auf gleicher Grundlage ruhenden Klosterreform in
Lothringen, mit welcher auch häufige Berührungen stattfanden. Die
Geschichtschreibung konnte nicht gedeihen, wo man alles Irdische
verachtete und verwarf, aber indem man die Tugenden der gefeierten
Häupter dieser Richtung anderen zum Vorbilde aufstellte, entstanden doch
Lebensbeschreibungen, welche um so wichtiger sind, je größer auch für die
weltlichen Angelegenheiten damals die Bedeutung jener Männer war. Aber
auch die Kenntniß dieser ganzen Richtung und namentlich die Entstehung
und das Wachsthum der Cluniacenser Congregation, welche bald eine so
außerordentliche politische Bedeutung gewann, ist von unmittelbarer
Wichtigkeit für den Geschichtsforscher; nur ist zu bedauern, daß der
legendenartige, auf Erbauung abzielende Ton der Biographieen uns gerade
über diejenigen Umstände, welche geschichtlich bedeutend sind, am
wenigsten Aufklärung finden läßt. Ueber das Leben des ersten Abtes O do
(927-942) besitzen wir eine Schrift seines Schülers Johannes[1]. Das Leben
des Abtes Maj ol us (949-994) beschrieb bald nach seinem Tode, nicht ohne
gute Nachrichten von ihm nahestehenden Zeitgenossen zu erhalten, in
blüthenreicher salbungsvoller Rede der Mönch S yr us[2], dessen Schrift
aber nach der Untersuchung von L. Traube[3] unvollendet blieb und von
Aldebald aus Heirici Vita et miracula S. Germani interpoliert ist, welche
Verunstaltung er in einer zweiten Bearbeitung noch vermehrte. Den echten
Text des Syrus haben wir also nicht, wohl aber kannte ihn Odilo, der in
seinem Elogium[4] die falschen Zuthaten des Aldebald unbeachtet gelassen
Page 537
zu haben scheint. Dadurch wird eine Revision der Untersuchungen von W.
Schultze und Sackur nothwendig[5].
Sein Nachfolger Odi lo (994-1049) fand mehrere Biographen in
ähnlichem Stile[6]; er selbst verfaßte außer dem Leben des Majolus auch ein
sogenanntes Epitaphium der Kaiserin Adalh ei d[7]. Er hat derselben sehr
nahe gestanden, besonders in der letzten Zeit ihres Lebens, in welcher sie
sich fast ganz frommen Uebungen und Klosterstiftungen hingab. Hierüber
enthält seine Schrift viele Lobpreisungen, über ihr Leben in der Welt ist sie
sehr kurz und begnügt sich mit den allgemeinsten Umrissen; nur bei den
Leiden und Gefahren ihrer Gefangenschaft und Flucht verweilt Odilo etwas
länger. Der geschichtliche Gewinn aus dieser Arbeit ist daher nicht
bedeutend, und nur einige wenige brauchbare Nachrichten lassen sich
daraus entnehmen.
[1] Mab. V, 150-186. Excc. ed. L. v. Heinemann SS. XV, 2, 586-588. Ueber die
jüngeren Bearbeitungen Sackur, NA. XV, 105-116. Ueber seine Wirksamkeit Sackur,
Die Cluniacenser (Halle 1892) S. 43 ff. Ueber den Odo zugeschriebenen Tractatus de
reversione b. Martini de Burgundia vgl. C. v. Kalckstein, Robert der Tapfere (Berl.
1871) S. 312.
[2] Mab. V, 786. Auszüge MG. SS. IV, 649-655.
[3] NA. XVII, 402-407.
[4] Acta SS. Maj. II, 683.
[5] W. Schultze für Odilo, Forsch. XXIV, 153-172. Sackur f. Syrus NA. XII, 503-
516. Entgegnung von Schultze NA. XIV, 545-564. — Epistola de morte Maioli NA.
XVI, 180. — Vgl. Sackur, Die Cluniac, I, 209 ff.
[6] Jotsaldi de vita et virtutibus Odilonis abb. libri III, Mab. VI, 1, 679 bis 710. Ein
Brief der Mönche von Souvigny (Silviniacensium) über Odilo's letzte Handlungen u.
die Wunder ib. p. 673. Exc. aus Jotsald SS. XV, 812. Vgl. Sackur, NA. XV, 117-126.
Cluniac. I, 300 ff. — Widmungsverse von Odilo an einen Kaiser Otto bei Jäck,
Beschr. d. Bamb. Hss. S. 119.
[7] Odilonis Epitaphium Adelhaidis ed. Pertz, MG. SS. IV, 633-645. Uebersetzung
von Hüffer, 1856; 2. A. 1891, Geschichtschr. 35 (X, 8). Giesebr. I, 789. Das zweite
Buch bilden in dem von ihr gestifteten Kloster Seltz zwischen Straßburg und Speier
aufgezeichnete Miracula S. Adalheidis. Vorangeschickt ist S. 636 ein metrisches
Epitaphium Ottonis Magni.
Schultze und Sackur nothwendig[5].
Sein Nachfolger Odi lo (994-1049) fand mehrere Biographen in
ähnlichem Stile[6]; er selbst verfaßte außer dem Leben des Majolus auch ein
sogenanntes Epitaphium der Kaiserin Adalh ei d[7]. Er hat derselben sehr
nahe gestanden, besonders in der letzten Zeit ihres Lebens, in welcher sie
sich fast ganz frommen Uebungen und Klosterstiftungen hingab. Hierüber
enthält seine Schrift viele Lobpreisungen, über ihr Leben in der Welt ist sie
sehr kurz und begnügt sich mit den allgemeinsten Umrissen; nur bei den
Leiden und Gefahren ihrer Gefangenschaft und Flucht verweilt Odilo etwas
länger. Der geschichtliche Gewinn aus dieser Arbeit ist daher nicht
bedeutend, und nur einige wenige brauchbare Nachrichten lassen sich
daraus entnehmen.
[1] Mab. V, 150-186. Excc. ed. L. v. Heinemann SS. XV, 2, 586-588. Ueber die
jüngeren Bearbeitungen Sackur, NA. XV, 105-116. Ueber seine Wirksamkeit Sackur,
Die Cluniacenser (Halle 1892) S. 43 ff. Ueber den Odo zugeschriebenen Tractatus de
reversione b. Martini de Burgundia vgl. C. v. Kalckstein, Robert der Tapfere (Berl.
1871) S. 312.
[2] Mab. V, 786. Auszüge MG. SS. IV, 649-655.
[3] NA. XVII, 402-407.
[4] Acta SS. Maj. II, 683.
[5] W. Schultze für Odilo, Forsch. XXIV, 153-172. Sackur f. Syrus NA. XII, 503-
516. Entgegnung von Schultze NA. XIV, 545-564. — Epistola de morte Maioli NA.
XVI, 180. — Vgl. Sackur, Die Cluniac, I, 209 ff.
[6] Jotsaldi de vita et virtutibus Odilonis abb. libri III, Mab. VI, 1, 679 bis 710. Ein
Brief der Mönche von Souvigny (Silviniacensium) über Odilo's letzte Handlungen u.
die Wunder ib. p. 673. Exc. aus Jotsald SS. XV, 812. Vgl. Sackur, NA. XV, 117-126.
Cluniac. I, 300 ff. — Widmungsverse von Odilo an einen Kaiser Otto bei Jäck,
Beschr. d. Bamb. Hss. S. 119.
[7] Odilonis Epitaphium Adelhaidis ed. Pertz, MG. SS. IV, 633-645. Uebersetzung
von Hüffer, 1856; 2. A. 1891, Geschichtschr. 35 (X, 8). Giesebr. I, 789. Das zweite
Buch bilden in dem von ihr gestifteten Kloster Seltz zwischen Straßburg und Speier
aufgezeichnete Miracula S. Adalheidis. Vorangeschickt ist S. 636 ein metrisches
Epitaphium Ottonis Magni.
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§ 12. Italien. Liudprand. [ ← ]
Liudprandi Opera ed. Pertz, MG. SS. III, 264-363 und besonderer Abdruck in Octav. Neue Ausg v.
Dümmler 1877. Koepke, De vita et scriptis Liudprandi, Berol. 1842. Uebersetzt (die
Antapodosis im Auszug) von Freih. v. d. Osten — Sacken, mit Einleitung von Wattenbach,
Berlin 1853; 2. A. 1889, Geschichtschr. 29 (X, 2). Waitz in Schmidts Zeitschrift II, 99. W.
Giesebrecht, Geschichte der Kaiserzeit I, 779. 781. Maurenbrecher S. 46-55. Peiper, Forsch.
XII, 443 über einige Entlehnungen aus Boethius, nebst Emendationen. Liudprand von Cremona
und seine Quellen, von C. Dändliker u. J. J. Müller, in M. Büdingers Untersuchungen zur Mittl.
Gesch. I (L. 1871), über welche ich das ablehnende Urtheil E. Dümmlers, HZ. XXVI, 273 bis
281 theile. Gegenbemerkungen von Büd. XXVIII, 233-238. Fr. Koehler, Beiträge zur Textkritik
L. im NA. VIII, 47-89. L. Ranke, Weltgesch. VIII, 634-655. Nicht gesehen habe ich Hantsch,
Progr. d. Gymn. zu Leoben 1888, Colini Baldeschi, Liudprando, Giarre 1889.
Auch Italien beginnt in dieser Periode sich wieder zu
schriftstellerischer Productivität zu erheben, und nach langer
Unterbrechung erscheint hier wieder ein Geschichtschreiber, welcher den
bedeutendsten seiner Zeitgenossen zur Seite tritt. Es ist Liudprand, der so
den italienischen Namen wieder zu Ehren brachte. Wie Paulus Warnefrids
Sohn, stammte auch er aus vornehmem langobardischen Geschlechte; auf
die Römer sieht er als ganz entartet mit tiefer Verachtung herab. Aber ein
Italiener ist er ganz und gar, und vollständig zeigt sich in ihm jener
Charakter der dort herrschenden grammatischen Ausbildung, deren wir im
vorigen Abschnitt gedachten. Auch erhielt er wie Paulus seinen Unterricht
nicht in einer Klosterschule, sondern am Hofe zu Pavia, wo er früh die
Aufmerksamkeit des Königs Hugo auf sich zog und durch seine schöne
Stimme die Gunst desselben gewann.
Obwohl es in seinen Schriften nicht an Bibelstellen fehlt und er den
Griechen mit orthodoxem Eifer entgegen tritt, so hat doch seine
Gelehrsamkeit, die er nur gar zu gern zur Schau trägt, einen überwiegend
weltlichen Charakter, und Horaz, Vergil, Terenz, Ovid, Juvenal, Cicero sind
die Schriftsteller, deren Aussprüche ihm immer gegenwärtig sind, die er mit
Vorliebe anführt[1]. Nach dem Muster des Boethius schmückt er seine
Schriften gern mit Versen in vielförmigen Metren, und er zeigt darin eine
Liudprandi Opera ed. Pertz, MG. SS. III, 264-363 und besonderer Abdruck in Octav. Neue Ausg v.
Dümmler 1877. Koepke, De vita et scriptis Liudprandi, Berol. 1842. Uebersetzt (die
Antapodosis im Auszug) von Freih. v. d. Osten — Sacken, mit Einleitung von Wattenbach,
Berlin 1853; 2. A. 1889, Geschichtschr. 29 (X, 2). Waitz in Schmidts Zeitschrift II, 99. W.
Giesebrecht, Geschichte der Kaiserzeit I, 779. 781. Maurenbrecher S. 46-55. Peiper, Forsch.
XII, 443 über einige Entlehnungen aus Boethius, nebst Emendationen. Liudprand von Cremona
und seine Quellen, von C. Dändliker u. J. J. Müller, in M. Büdingers Untersuchungen zur Mittl.
Gesch. I (L. 1871), über welche ich das ablehnende Urtheil E. Dümmlers, HZ. XXVI, 273 bis
281 theile. Gegenbemerkungen von Büd. XXVIII, 233-238. Fr. Koehler, Beiträge zur Textkritik
L. im NA. VIII, 47-89. L. Ranke, Weltgesch. VIII, 634-655. Nicht gesehen habe ich Hantsch,
Progr. d. Gymn. zu Leoben 1888, Colini Baldeschi, Liudprando, Giarre 1889.
Auch Italien beginnt in dieser Periode sich wieder zu
schriftstellerischer Productivität zu erheben, und nach langer
Unterbrechung erscheint hier wieder ein Geschichtschreiber, welcher den
bedeutendsten seiner Zeitgenossen zur Seite tritt. Es ist Liudprand, der so
den italienischen Namen wieder zu Ehren brachte. Wie Paulus Warnefrids
Sohn, stammte auch er aus vornehmem langobardischen Geschlechte; auf
die Römer sieht er als ganz entartet mit tiefer Verachtung herab. Aber ein
Italiener ist er ganz und gar, und vollständig zeigt sich in ihm jener
Charakter der dort herrschenden grammatischen Ausbildung, deren wir im
vorigen Abschnitt gedachten. Auch erhielt er wie Paulus seinen Unterricht
nicht in einer Klosterschule, sondern am Hofe zu Pavia, wo er früh die
Aufmerksamkeit des Königs Hugo auf sich zog und durch seine schöne
Stimme die Gunst desselben gewann.
Obwohl es in seinen Schriften nicht an Bibelstellen fehlt und er den
Griechen mit orthodoxem Eifer entgegen tritt, so hat doch seine
Gelehrsamkeit, die er nur gar zu gern zur Schau trägt, einen überwiegend
weltlichen Charakter, und Horaz, Vergil, Terenz, Ovid, Juvenal, Cicero sind
die Schriftsteller, deren Aussprüche ihm immer gegenwärtig sind, die er mit
Vorliebe anführt[1]. Nach dem Muster des Boethius schmückt er seine
Schriften gern mit Versen in vielförmigen Metren, und er zeigt darin eine
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solche Gewandtheit, daß man an jene früher erwähnte Aeußerung des
Panegyristen Berengars erinnert wird, daß auf Verse jetzt niemand Werth
lege, weil jedermann dergleichen zu machen verstehe.
Schon Liudprands Vater und Stiefvater waren als Gesandte in
Constantinopel gewesen und hatten dort mancherlei Verbindungen
angeknüpft, welche dann Liudprand, als eine Sendung des Königs
Berengar, dessen Kanzler (V, 30) er geworden war, ihn 949 nach Byzanz
führte[2], erneute und benutzte, um sich nicht nur mit der griechischen
Sprache, sondern auch mit der Geschichte und den Einrichtungen des
Reiches bekannt zu machen. Später hat er sich mit Berengar und mehr noch
mit der Königin Willa erzürnt; er suchte und fand eine Zuflucht am Hofe
des Königs Otto, und hier traf er im Februar 956 zusammen mit dem
spanischen Bischof Recemund von Elvira[3], der ihn aufforderte, ein Werk
über die Geschichte seiner Zeit zu verfassen. Zwei Jahre später 958 machte
sich Liudprand wirklich an die Arbeit in Frankfurt, und ungeachtet eines
vielbewegten Lebens und mancher Unterbrechungen arbeitete er daran fort
bis zum Jahre 962, auch noch, als Otto schon zum Kaiser gekrönt war und
ihn zum Bischof von Cremona erhoben hatte. Bald darauf aber, so scheint
es, legte er dieses Werk bei Seite, welches ohnehin durch den großen
Umschwung der Dinge in Italien seinen Zweck großentheils verloren hatte.
Denn dieser hatte vorzüglich darin bestanden, allen denen, welche ihm
gutes oder böses erwiesen hatten, nach Verdienst zu vergelten, besonders
aber seinem Hasse gegen Berengar und Willa Luft zu machen; darum
nannte er es das Buch der Vergeltung, An tapod osis. Er hat darin auch
weidlich auf seine Feinde gescholten; was aber eigentlich Berengar und
Willa ihm angethan hatten, erfahren wir nicht, da er in den sechs Büchern
seines Werkes nicht weiter gelangt ist, als bis zu jener Gesandtschaftsreise
an den griechischen Hof im Jahre 949.
Als seine Absicht bezeichnet Liudprand, alles zu berichten, was sich
seit Kaiser Karls des Dritten[4] Zeit begeben, die Thaten der Kaiser und
Könige von ganz Europa, wie er selbst sagt. Er erzählt von allem, was ihm
Panegyristen Berengars erinnert wird, daß auf Verse jetzt niemand Werth
lege, weil jedermann dergleichen zu machen verstehe.
Schon Liudprands Vater und Stiefvater waren als Gesandte in
Constantinopel gewesen und hatten dort mancherlei Verbindungen
angeknüpft, welche dann Liudprand, als eine Sendung des Königs
Berengar, dessen Kanzler (V, 30) er geworden war, ihn 949 nach Byzanz
führte[2], erneute und benutzte, um sich nicht nur mit der griechischen
Sprache, sondern auch mit der Geschichte und den Einrichtungen des
Reiches bekannt zu machen. Später hat er sich mit Berengar und mehr noch
mit der Königin Willa erzürnt; er suchte und fand eine Zuflucht am Hofe
des Königs Otto, und hier traf er im Februar 956 zusammen mit dem
spanischen Bischof Recemund von Elvira[3], der ihn aufforderte, ein Werk
über die Geschichte seiner Zeit zu verfassen. Zwei Jahre später 958 machte
sich Liudprand wirklich an die Arbeit in Frankfurt, und ungeachtet eines
vielbewegten Lebens und mancher Unterbrechungen arbeitete er daran fort
bis zum Jahre 962, auch noch, als Otto schon zum Kaiser gekrönt war und
ihn zum Bischof von Cremona erhoben hatte. Bald darauf aber, so scheint
es, legte er dieses Werk bei Seite, welches ohnehin durch den großen
Umschwung der Dinge in Italien seinen Zweck großentheils verloren hatte.
Denn dieser hatte vorzüglich darin bestanden, allen denen, welche ihm
gutes oder böses erwiesen hatten, nach Verdienst zu vergelten, besonders
aber seinem Hasse gegen Berengar und Willa Luft zu machen; darum
nannte er es das Buch der Vergeltung, An tapod osis. Er hat darin auch
weidlich auf seine Feinde gescholten; was aber eigentlich Berengar und
Willa ihm angethan hatten, erfahren wir nicht, da er in den sechs Büchern
seines Werkes nicht weiter gelangt ist, als bis zu jener Gesandtschaftsreise
an den griechischen Hof im Jahre 949.
Als seine Absicht bezeichnet Liudprand, alles zu berichten, was sich
seit Kaiser Karls des Dritten[4] Zeit begeben, die Thaten der Kaiser und
Könige von ganz Europa, wie er selbst sagt. Er erzählt von allem, was ihm
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bekannt geworden, von Deutschland, mit besonderer Vorliebe vom
griechischen Reiche, am meisten und eingehendsten aber doch natürlicher
Weise von Italien. Eigentliche Ordnung ist nicht darin zu finden, und auch
die chronologische Folge sehr ungenau. Ueberhaupt darf man sich nirgends
auf ihn verlassen; wie Widukind schreibt er nur nach mündlicher Kunde
und verfällt besonders über ferner liegende Vorfälle in große Irrthümer.
Aber Widukind ist frei von der Leidenschaft, welche den rachsüchtigen
Italiener nur zu oft hinreißt. In seinem Ingrimm hält er sich bei den
einzelnen, oft unbedeutenden Vorfällen übermäßig auf; er gefällt sich in der
Mittheilung von Anekdoten, besonders wenn sie boshaft und anstößig sind,
in der rhetorischen Ausmalung der Begebenheiten, in gezierten, den
Umständen wenig angemessenen Reden. Im einzelnen ist sein Urtheil oft
richtig und treffend, seine Ansicht von den geschichtlichen Verhältnissen
wohl begründet, wie er denn auch in Otto dem Großen sogleich den Mann
erkannte, von dem allein Italien Abhülfe seiner Leiden und Gebrechen, die
Herstellung der Zucht und Ordnung erwarten konnte, und diesem ohne
Wanken treu blieb. Seine Erwiederungen auf die leeren Anmaßungen der
Griechen sind ungemein treffend. Aber von einer höheren Begabung zum
Geschichtschreiber giebt doch sein Werk, als Ganzes betrachtet, kein
günstiges Zeugniß. Dafür gewährt uns andererseits gerade seine behagliche,
memoirenartige Art zu erzählen einen Einblick in die Sitten, Zustände und
Denkweise der Zeit, der vom höchsten Werthe ist.
Als Otto der Große sich dauernd und ernstlich mit den italienischen
Verhältnissen zu befassen begann, fand er die Hülfe des gelehrten und in
den politischen Verhältnissen des Landes erfahrenen Mannes sehr
schätzbar; er verlieh ihm schon 961 das Bisthum Cremona[5] und übertrug
ihm 963 eine Gesandtschaft an den Pabst Johann XII; bald darauf war er
zugegen in der Kirchenversammlung, durch welche dieser Pabst entsetzt
wurde, und über diese Vorgänge (960 bis 964) hat er eine eigene Schrift
verfaßt[6]. Hier versuchte er eine würdigere Sprache anzunehmen, er bringt
weder griechische Floskeln noch Verse an und mäßigt seine
Leidenschaftlichkeit; doch blickt sein eigenthümlicher Stil überall durch,
griechischen Reiche, am meisten und eingehendsten aber doch natürlicher
Weise von Italien. Eigentliche Ordnung ist nicht darin zu finden, und auch
die chronologische Folge sehr ungenau. Ueberhaupt darf man sich nirgends
auf ihn verlassen; wie Widukind schreibt er nur nach mündlicher Kunde
und verfällt besonders über ferner liegende Vorfälle in große Irrthümer.
Aber Widukind ist frei von der Leidenschaft, welche den rachsüchtigen
Italiener nur zu oft hinreißt. In seinem Ingrimm hält er sich bei den
einzelnen, oft unbedeutenden Vorfällen übermäßig auf; er gefällt sich in der
Mittheilung von Anekdoten, besonders wenn sie boshaft und anstößig sind,
in der rhetorischen Ausmalung der Begebenheiten, in gezierten, den
Umständen wenig angemessenen Reden. Im einzelnen ist sein Urtheil oft
richtig und treffend, seine Ansicht von den geschichtlichen Verhältnissen
wohl begründet, wie er denn auch in Otto dem Großen sogleich den Mann
erkannte, von dem allein Italien Abhülfe seiner Leiden und Gebrechen, die
Herstellung der Zucht und Ordnung erwarten konnte, und diesem ohne
Wanken treu blieb. Seine Erwiederungen auf die leeren Anmaßungen der
Griechen sind ungemein treffend. Aber von einer höheren Begabung zum
Geschichtschreiber giebt doch sein Werk, als Ganzes betrachtet, kein
günstiges Zeugniß. Dafür gewährt uns andererseits gerade seine behagliche,
memoirenartige Art zu erzählen einen Einblick in die Sitten, Zustände und
Denkweise der Zeit, der vom höchsten Werthe ist.
Als Otto der Große sich dauernd und ernstlich mit den italienischen
Verhältnissen zu befassen begann, fand er die Hülfe des gelehrten und in
den politischen Verhältnissen des Landes erfahrenen Mannes sehr
schätzbar; er verlieh ihm schon 961 das Bisthum Cremona[5] und übertrug
ihm 963 eine Gesandtschaft an den Pabst Johann XII; bald darauf war er
zugegen in der Kirchenversammlung, durch welche dieser Pabst entsetzt
wurde, und über diese Vorgänge (960 bis 964) hat er eine eigene Schrift
verfaßt[6]. Hier versuchte er eine würdigere Sprache anzunehmen, er bringt
weder griechische Floskeln noch Verse an und mäßigt seine
Leidenschaftlichkeit; doch blickt sein eigenthümlicher Stil überall durch,
Page 541
und der Anspielungen auf römische Dichter hat er sich auch hier nicht
enthalten. Da er in höherem Auftrage oder doch für das Auge des Kaisers
schrieb, so ist seine Darstellung keineswegs unbefangen; er verschweigt
manches, und man darf nicht vergessen, daß diese scheinbar so rein
objective und actenmäßige Erzählung doch nur eine Parteischrift ist, daß er
es namentlich vorzieht, manche Vorfälle und Umstände nicht zu erwähnen.
Aber im wesentlichen hat sich dennoch, was er mittheilt, als richtig
bewährt.
Im Sommer 968 ging Liudprand abermals nach Constantinopel als
Brautwerber für Otto II, und über diese Sendung stattete er dem Kaiser
einen Bericht ab, der ebenfalls erhalten ist, aber wie jene beiden anderen
Werke, am Schlusse unvollständig; der Gesandtschaftsbericht ist nur aus der
Ausgabe des Canisius bekannt und daher auch der Text unzuverlässig. In
diesem Bericht nun hat sich Liudprand wieder ganz der üblen Laune
überlassen, welche durch die schlechte Behandlung, die ihm in
Constantinopel widerfuhr, in ihm erregt war, und er strömt über von Spott
und Hohn. Der Uebermuth der Griechen hatte ihn aufs tiefste gekränkt, und
er bietet alle seine Beredsamkeit auf, um die Kaiser zur Züchtigung
derselben zu bewegen und diese Aufgabe als leicht und mühelos
darzustellen. Uebertrieben ist daher seine Schilderung; das Bild namentlich,
welches er vom Kaiser Nikephorus entwirft, ist nur in Bezug auf seinen
Geiz zutreffend, seine kriegerischen Eigenschaften und die Wehrkraft des
Reiches unterschätzt er durchaus. Aber im übrigen ist seine Schilderung
wahr, und gewährt uns ein so eigenthümliches und lebendiges Bild des
griechischen Reiches, daß Giesebrecht sie mit Recht fast vollständig in
seine Geschichte der Kaiserzeit (I, 523-546) aufgenommen hat, als
Seitenstück zu der Gesandtschaft des Abtes Johannes von Gorze an den
Kalifen von Córdova[7].
Liudprands Bericht endet mit seiner Abreise von Korfu am siebenten
Januar 969; im Sommer desselben Jahres überbrachte er als Bote (nuncius)
des Kaisers Briefe von diesem und vom Pabste, die sich auf eine römische
enthalten. Da er in höherem Auftrage oder doch für das Auge des Kaisers
schrieb, so ist seine Darstellung keineswegs unbefangen; er verschweigt
manches, und man darf nicht vergessen, daß diese scheinbar so rein
objective und actenmäßige Erzählung doch nur eine Parteischrift ist, daß er
es namentlich vorzieht, manche Vorfälle und Umstände nicht zu erwähnen.
Aber im wesentlichen hat sich dennoch, was er mittheilt, als richtig
bewährt.
Im Sommer 968 ging Liudprand abermals nach Constantinopel als
Brautwerber für Otto II, und über diese Sendung stattete er dem Kaiser
einen Bericht ab, der ebenfalls erhalten ist, aber wie jene beiden anderen
Werke, am Schlusse unvollständig; der Gesandtschaftsbericht ist nur aus der
Ausgabe des Canisius bekannt und daher auch der Text unzuverlässig. In
diesem Bericht nun hat sich Liudprand wieder ganz der üblen Laune
überlassen, welche durch die schlechte Behandlung, die ihm in
Constantinopel widerfuhr, in ihm erregt war, und er strömt über von Spott
und Hohn. Der Uebermuth der Griechen hatte ihn aufs tiefste gekränkt, und
er bietet alle seine Beredsamkeit auf, um die Kaiser zur Züchtigung
derselben zu bewegen und diese Aufgabe als leicht und mühelos
darzustellen. Uebertrieben ist daher seine Schilderung; das Bild namentlich,
welches er vom Kaiser Nikephorus entwirft, ist nur in Bezug auf seinen
Geiz zutreffend, seine kriegerischen Eigenschaften und die Wehrkraft des
Reiches unterschätzt er durchaus. Aber im übrigen ist seine Schilderung
wahr, und gewährt uns ein so eigenthümliches und lebendiges Bild des
griechischen Reiches, daß Giesebrecht sie mit Recht fast vollständig in
seine Geschichte der Kaiserzeit (I, 523-546) aufgenommen hat, als
Seitenstück zu der Gesandtschaft des Abtes Johannes von Gorze an den
Kalifen von Córdova[7].
Liudprands Bericht endet mit seiner Abreise von Korfu am siebenten
Januar 969; im Sommer desselben Jahres überbrachte er als Bote (nuncius)
des Kaisers Briefe von diesem und vom Pabste, die sich auf eine römische
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Synode vom 26. Mai 969 beziehen, an eine Synode zu Mailand, deren
Beschlüsse Otto am 9. Nov. 969 bestätigte[8]. Ueber seine weiteren
Schicksale ist nichts bekannt, nur eine Nachricht von sehr zweifelhaftem
Werthe läßt ihn an der glänzenden Gesandtschaft Theil nehmen, welche
endlich 971 die kaiserliche Braut wirklich in Empfang nahm, und auf dieser
Reise sterben.
Im Jahre 984 musterte der Bischof Odelrich von Cremona die
Urkunden und Bücher im Schatzhaus seiner Kirche: viel war malorum
manibus entfremdet, und geschichtliche Werke finden sich nicht im
Verzeichniß, auch nichts von Liudprand, aber „turibulum quod Luizonis
fuit, de manu raptorum liberavimus[9].“ Bekanntschaft mit seinen Schriften
ist in Italien nur bei Gregor von Farfa nachgewiesen.
In Deutschland sind Liudprands Schriften frühzeitig bekannt geworden
und von den gelehrteren, vielbelesenen Schriftstellern benutzt, während sie
der größeren Menge unbekannt blieben. Schon Hrotsuit scheint die
Antapodosis gekannt zu haben; dann haben der Biograph Gerhards von
Brogne, Ekkehard und Sigebert, Ragewin[10], Magnus von Reichersberg,
Alberich und Heinrich von Herford, Dietrich von Niem[11] und endlich
Trithemius aus dieser und der Historia Ottonis geschöpft.
Für die kritische Bearbeitung des Textes, mit Ausnahme der Legatio,
von welcher keine Handschrift sich erhalten hat, glaubte Pertz eine
vollkommen sichere Grundlage gefunden zu haben in der Freisinger
Handschrift, welche für die griechischen Stellen vom Schreiber gelassene
Lücken zeigt, die von einer anderen Hand ausgefüllt sind. Diese Hand
konnte nach der Ansicht von Pertz nur die Hand des Autors sein, und von
derselben ist die Historia Ottonis vollständig geschrieben. Diese Meinung
war allgemein angenommen und galt für unzweifelhaft, bis R. Koehler im
NA. VIII, S. 47 bis 89, vollkommen schlagend und überzeugend nachwies,
daß sie durchaus unhaltbar sei. Es kommen Fehler und Versehen vor,
welche ganz unmöglich von dem Verfasser selbst herrühren können. Da nun
Beschlüsse Otto am 9. Nov. 969 bestätigte[8]. Ueber seine weiteren
Schicksale ist nichts bekannt, nur eine Nachricht von sehr zweifelhaftem
Werthe läßt ihn an der glänzenden Gesandtschaft Theil nehmen, welche
endlich 971 die kaiserliche Braut wirklich in Empfang nahm, und auf dieser
Reise sterben.
Im Jahre 984 musterte der Bischof Odelrich von Cremona die
Urkunden und Bücher im Schatzhaus seiner Kirche: viel war malorum
manibus entfremdet, und geschichtliche Werke finden sich nicht im
Verzeichniß, auch nichts von Liudprand, aber „turibulum quod Luizonis
fuit, de manu raptorum liberavimus[9].“ Bekanntschaft mit seinen Schriften
ist in Italien nur bei Gregor von Farfa nachgewiesen.
In Deutschland sind Liudprands Schriften frühzeitig bekannt geworden
und von den gelehrteren, vielbelesenen Schriftstellern benutzt, während sie
der größeren Menge unbekannt blieben. Schon Hrotsuit scheint die
Antapodosis gekannt zu haben; dann haben der Biograph Gerhards von
Brogne, Ekkehard und Sigebert, Ragewin[10], Magnus von Reichersberg,
Alberich und Heinrich von Herford, Dietrich von Niem[11] und endlich
Trithemius aus dieser und der Historia Ottonis geschöpft.
Für die kritische Bearbeitung des Textes, mit Ausnahme der Legatio,
von welcher keine Handschrift sich erhalten hat, glaubte Pertz eine
vollkommen sichere Grundlage gefunden zu haben in der Freisinger
Handschrift, welche für die griechischen Stellen vom Schreiber gelassene
Lücken zeigt, die von einer anderen Hand ausgefüllt sind. Diese Hand
konnte nach der Ansicht von Pertz nur die Hand des Autors sein, und von
derselben ist die Historia Ottonis vollständig geschrieben. Diese Meinung
war allgemein angenommen und galt für unzweifelhaft, bis R. Koehler im
NA. VIII, S. 47 bis 89, vollkommen schlagend und überzeugend nachwies,
daß sie durchaus unhaltbar sei. Es kommen Fehler und Versehen vor,
welche ganz unmöglich von dem Verfasser selbst herrühren können. Da nun
Page 543
Koehler in Metz Excerpte griechischer Stellen aus Liudprand gefunden
hatte, welche auf ein correcteres Exemplar zurückgehen, und eine
Beschäftigung mit dieser Schrift im zehnten Jahrhundert beweisen, so hat er
daran die schon oben S. 373 angeführte Vermuthung geknüpft, daß Bischof
Dietrich den Nachlaß Liudprands gerettet und die Abschrift besorgt haben
möge. Nach seiner Meinung wäre auch die Umschrift der griechischen
Worte nach der Aussprache mit lateinischen Buchstaben erst hier
hinzugefügt, allein dieselbe findet sich auch in der aus anderer Quelle
stammenden Berliner Handschrift. Die Manuscripte werden schon etwas
beschädigt gewesen sein, und dadurch erklärt es sich, daß sowohl der
Legatio wie der Historia Ottonis der Schluß fehlt, in beiden Fällen aber nur
ein kleines Stück.
Es ist selbstverständlich, daß nun eine neue Ausgabe ein dringendes
Bedürfniß ist; die ganze Grundlage der Kritik ist verändert, und wenn schon
früher einzelne Verbesserungen nicht zu umgehen waren, so werden nun
überhaupt die oft viel besseren Lesarten anderer Handschriften nicht mehr
als willkürliche Correcturen eines Ueberarbeiters betrachtet werden können.
Eine Anzahl einleuchtender Emendationen hat schon R. Koehler
vorgeschlagen, viel mehr aber bleiben noch übrig. Doch wird es immer
schwer sein, die ursprüngliche Form und alte Emendationen zu
unterscheiden[12].
Für die Zeit des Königs Hugo nicht ohne Bedeutung ist das Buch von
den Wun d er n des h. C o lum ban[13]. Der König Hugo verlieh nämlich um
das Jahr 930 die Abtei B obi o seinem Kanzler Gerlannus, aber alle
Stiftsgüter waren von räuberischen Machthabern in Besitz genommen.
Unfähig, ihrer Herr zu werden, rief Gerlan den Heiligen selbst zu Hülfe und
brachte ihn in feierlichem Aufzuge nach Pavia: er ließ sein Kloster nicht im
Stich und that die gewünschten Wunder. Da entfiel den Räubern der Muth
und sie steckten die Stäbchen (fustes), welche symbolisch den Verzicht
bedeuteten, in die Pilgertasche (pera) des Heiligen, der nun im Triumph
hatte, welche auf ein correcteres Exemplar zurückgehen, und eine
Beschäftigung mit dieser Schrift im zehnten Jahrhundert beweisen, so hat er
daran die schon oben S. 373 angeführte Vermuthung geknüpft, daß Bischof
Dietrich den Nachlaß Liudprands gerettet und die Abschrift besorgt haben
möge. Nach seiner Meinung wäre auch die Umschrift der griechischen
Worte nach der Aussprache mit lateinischen Buchstaben erst hier
hinzugefügt, allein dieselbe findet sich auch in der aus anderer Quelle
stammenden Berliner Handschrift. Die Manuscripte werden schon etwas
beschädigt gewesen sein, und dadurch erklärt es sich, daß sowohl der
Legatio wie der Historia Ottonis der Schluß fehlt, in beiden Fällen aber nur
ein kleines Stück.
Es ist selbstverständlich, daß nun eine neue Ausgabe ein dringendes
Bedürfniß ist; die ganze Grundlage der Kritik ist verändert, und wenn schon
früher einzelne Verbesserungen nicht zu umgehen waren, so werden nun
überhaupt die oft viel besseren Lesarten anderer Handschriften nicht mehr
als willkürliche Correcturen eines Ueberarbeiters betrachtet werden können.
Eine Anzahl einleuchtender Emendationen hat schon R. Koehler
vorgeschlagen, viel mehr aber bleiben noch übrig. Doch wird es immer
schwer sein, die ursprüngliche Form und alte Emendationen zu
unterscheiden[12].
Für die Zeit des Königs Hugo nicht ohne Bedeutung ist das Buch von
den Wun d er n des h. C o lum ban[13]. Der König Hugo verlieh nämlich um
das Jahr 930 die Abtei B obi o seinem Kanzler Gerlannus, aber alle
Stiftsgüter waren von räuberischen Machthabern in Besitz genommen.
Unfähig, ihrer Herr zu werden, rief Gerlan den Heiligen selbst zu Hülfe und
brachte ihn in feierlichem Aufzuge nach Pavia: er ließ sein Kloster nicht im
Stich und that die gewünschten Wunder. Da entfiel den Räubern der Muth
und sie steckten die Stäbchen (fustes), welche symbolisch den Verzicht
bedeuteten, in die Pilgertasche (pera) des Heiligen, der nun im Triumph
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wieder nach seiner Ruhestätte gebracht wurde. Von Dauer ist freilich auch
die Wirkung dieses Auftrittes nicht gewesen.
[1] Diese Nachweise sind von Koehler in der oben angeführten Abhandlung
bedeutend vermehrt.
[2] Aus seinen damaligen Mittheilungen sind nach Dümmlers Vermuthung die
Nachrichten des Constantinus Porphyrogenitus de admin. imp. c. 26 über König
Hugo geschöpft. Wiener SB. XX, 358: vgl. Dändliker S. 53.
[3] S. darüber Dümmler, Jahrbb. unter Otto I. S. 278.
[4] Der Beiname des Dicken kommt erst im 12. Jahrh. vor, und ist deshalb nach
Dümmler Ostfr. II, 292 nicht mehr erlaubt.
[5] Hierhin übertrug Liudprand den auf recht niederträchtige Weise gestohlenen S.
Hymerius aus Ameria. Die später geschriebene kurze Erzählung MG. SS. III, 266 aus
Ughelli.
[6] Wieder abgedruckt bei Watterich, I, 49-63. Vgl. auch Giesebr. I, 830. Auf Leo
VIII bezogene Spottverse NA. VIII, 383.
[7] Aufsatz von Zanelli im Arch. stor. Ital. XIII (1884), 2. Heft, die Richtigkeit der
Thatsachen anerkennend. Erklärung des Wortes „mandrogerontes“ c. 55 als Gaukler,
aus der Com. Querolus entnommen, nachgewiesen von L. Havet, Revue crit. 1878, I,
197 (NA. IV, 210).
[8] Mitgetheilt von C. Cipolla, Mem. Acad. Taurin. 2 Ser. 42. Bd. s. NA. XVII, 450.
[9] Hist. patr. Mon. XIII. C. D. Langobardiae p. 1442-1445. Arch. stor. Lomb. 1880,
fasc. 26, p. 252-254.
[10] Die von Prutz über Radewin, S. 48, vermißten Stellen sind Antapod. I, 37 u. III,
14.
[11] Nach Lindner, Forsch. XXI, 90. 91.
[12] Die aus der Ashburnhamschen Bibl. nach Florenz gekommene Hs. ist eine
Abschrift der Freising-Münchener nach Holder-Egger, NA. XI, 260. 264. Von der mit
der Classe 5 verwandten Berliner Hs. 1 Seite in Arndts Schrifttafeln 23; 2. A. 24.
[13] Mab. II, 40-55. Rosetti, Bobbio illustrato III, 149-181. Verse aus B. ohne
geschichtl. Inhalt NA. V, 623.
die Wirkung dieses Auftrittes nicht gewesen.
[1] Diese Nachweise sind von Koehler in der oben angeführten Abhandlung
bedeutend vermehrt.
[2] Aus seinen damaligen Mittheilungen sind nach Dümmlers Vermuthung die
Nachrichten des Constantinus Porphyrogenitus de admin. imp. c. 26 über König
Hugo geschöpft. Wiener SB. XX, 358: vgl. Dändliker S. 53.
[3] S. darüber Dümmler, Jahrbb. unter Otto I. S. 278.
[4] Der Beiname des Dicken kommt erst im 12. Jahrh. vor, und ist deshalb nach
Dümmler Ostfr. II, 292 nicht mehr erlaubt.
[5] Hierhin übertrug Liudprand den auf recht niederträchtige Weise gestohlenen S.
Hymerius aus Ameria. Die später geschriebene kurze Erzählung MG. SS. III, 266 aus
Ughelli.
[6] Wieder abgedruckt bei Watterich, I, 49-63. Vgl. auch Giesebr. I, 830. Auf Leo
VIII bezogene Spottverse NA. VIII, 383.
[7] Aufsatz von Zanelli im Arch. stor. Ital. XIII (1884), 2. Heft, die Richtigkeit der
Thatsachen anerkennend. Erklärung des Wortes „mandrogerontes“ c. 55 als Gaukler,
aus der Com. Querolus entnommen, nachgewiesen von L. Havet, Revue crit. 1878, I,
197 (NA. IV, 210).
[8] Mitgetheilt von C. Cipolla, Mem. Acad. Taurin. 2 Ser. 42. Bd. s. NA. XVII, 450.
[9] Hist. patr. Mon. XIII. C. D. Langobardiae p. 1442-1445. Arch. stor. Lomb. 1880,
fasc. 26, p. 252-254.
[10] Die von Prutz über Radewin, S. 48, vermißten Stellen sind Antapod. I, 37 u. III,
14.
[11] Nach Lindner, Forsch. XXI, 90. 91.
[12] Die aus der Ashburnhamschen Bibl. nach Florenz gekommene Hs. ist eine
Abschrift der Freising-Münchener nach Holder-Egger, NA. XI, 260. 264. Von der mit
der Classe 5 verwandten Berliner Hs. 1 Seite in Arndts Schrifttafeln 23; 2. A. 24.
[13] Mab. II, 40-55. Rosetti, Bobbio illustrato III, 149-181. Verse aus B. ohne
geschichtl. Inhalt NA. V, 623.
Page 545
§ 13. Italien. Chroniken. [ ← ]
Bei manchen Schwächen bewies doch Liudprand einen tüchtigen und
auf das wahre Beste des Landes gerichteten Sinn, indem er sich mit aller
Entschiedenheit dem Manne anschloß, von welchem allein die Herstellung
eines geordneten Zustandes in Italien sowohl wie in der römischen Kirche
zu hoffen war. In höchst merkwürdiger Weise spricht sich das Verlangen
nach der alten kaiserlichen Gewalt, wie Karl der Große und seine nächsten
Nachfolger sie geübt hatten, auch in einer kleinen Schrift aus, welche in
S an t And r ea um die Mitte des zehnten Jahrhunderts verfaßt zu sein
scheint, ehe noch Otto eine neue Ordnung der Dinge begründet hatte[1].
Erzählt wird darin von der alten guten Zeit, wo noch der Kaiser oder sein
Stellvertreter in Rom die übermüthigen Großen im Zaum hielt und jedem zu
seinem Rechte verhalf, wo man sogar gegen Verwandte des Pabstes Recht
bekommen konnte. Ueber die älteren Zeiten ist der Verfasser schlecht
unterrichtet, aber die Verhältnisse unter den Karolingern schildert er, als ob
er sie genau kennte, mit eindringlicher Einfachheit bis zu dem
unglücklichen Moment, wo, wie er es darstellt, durch Karls des Kahlen
Usurpation die kaiserliche Autorität in Rom dahin gegeben wurde. Allein
diese Preisgebung hat, wie F. Hirsch nachgewiesen hat, gar nicht
stattgefunden, und der Verfasser malt sich die alte Zeit nur nach seinen
Wünschen aus.
Ueber die Ottonischen Einrichtungen in Rom belehrt uns eine Schrift,
welche unter Otto III entstanden ist und mit einer Beschreibung von Rom
Nachrichten über die damalige Verfassung verbindet[2]. Auf ein schon von
Bethmann im Arch. IX, 623 mitgetheiltes, aber ganz übersehenes Fragment
aus I v r ea hat L. Weiland aufmerksam gemacht[3]; es bezieht sich auf die
Usurpation des Franco (Bonif. VII) und dessen Bekämpfung durch den 974
von Otto II abgesandten Grafen Sicco, sowie die Verdrängung Benedicts
VII durch ihn im J. 980.
Bei manchen Schwächen bewies doch Liudprand einen tüchtigen und
auf das wahre Beste des Landes gerichteten Sinn, indem er sich mit aller
Entschiedenheit dem Manne anschloß, von welchem allein die Herstellung
eines geordneten Zustandes in Italien sowohl wie in der römischen Kirche
zu hoffen war. In höchst merkwürdiger Weise spricht sich das Verlangen
nach der alten kaiserlichen Gewalt, wie Karl der Große und seine nächsten
Nachfolger sie geübt hatten, auch in einer kleinen Schrift aus, welche in
S an t And r ea um die Mitte des zehnten Jahrhunderts verfaßt zu sein
scheint, ehe noch Otto eine neue Ordnung der Dinge begründet hatte[1].
Erzählt wird darin von der alten guten Zeit, wo noch der Kaiser oder sein
Stellvertreter in Rom die übermüthigen Großen im Zaum hielt und jedem zu
seinem Rechte verhalf, wo man sogar gegen Verwandte des Pabstes Recht
bekommen konnte. Ueber die älteren Zeiten ist der Verfasser schlecht
unterrichtet, aber die Verhältnisse unter den Karolingern schildert er, als ob
er sie genau kennte, mit eindringlicher Einfachheit bis zu dem
unglücklichen Moment, wo, wie er es darstellt, durch Karls des Kahlen
Usurpation die kaiserliche Autorität in Rom dahin gegeben wurde. Allein
diese Preisgebung hat, wie F. Hirsch nachgewiesen hat, gar nicht
stattgefunden, und der Verfasser malt sich die alte Zeit nur nach seinen
Wünschen aus.
Ueber die Ottonischen Einrichtungen in Rom belehrt uns eine Schrift,
welche unter Otto III entstanden ist und mit einer Beschreibung von Rom
Nachrichten über die damalige Verfassung verbindet[2]. Auf ein schon von
Bethmann im Arch. IX, 623 mitgetheiltes, aber ganz übersehenes Fragment
aus I v r ea hat L. Weiland aufmerksam gemacht[3]; es bezieht sich auf die
Usurpation des Franco (Bonif. VII) und dessen Bekämpfung durch den 974
von Otto II abgesandten Grafen Sicco, sowie die Verdrängung Benedicts
VII durch ihn im J. 980.
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Die eifrig kaiserliche Gesinnung der lombardischen Bischöfe, welche
durch die kirchenfeindlichen Angriffe Arduins von Ivrea zu größter
Lebhaftigkeit angefacht wurde, spricht sich in zwei rhythmischen
Gedichten aus, welche aus der Umgebung des Bischofs L eo von
Ver cel l i (999-1026) stammen, eines auf Otto III und den durch ihn
erhobenen Pabst Gregor V, das andere eine Klage um Otto's III frühen
Tod[4], nebst der Verherrlichung seines Nachfolgers Heinrichs II, von dem
die Niederwerfung Arduins erhofft wird[5].
Während es also in Italien durchaus nicht an Männern fehlte, welche
leidlich zu schreiben verstanden, verfaßte um das Jahr 968 ein Mönch des
Klosters St. Andr ea am Berg Soracte[6], Ben edict, eine Chronik, welche
an Rohheit der Gedanken wie der Sprache unübertroffen ist[7]. Wäre die
Ausführung nicht gar zu ungeschickt, so könnte man in dem Versuche, eine
Weltgeschichte seit Christi Geburt zusammenzustellen, einen Fortschritt
erkennen, aber es ist nur eine Compilation der dürftigsten Art. Wie wenig
geschichtlichen Sinn der Verfasser besaß, zeigt sich auch darin, daß er
zuerst die Sage von Karls Zug nach dem Morgenlande aufnahm; mitten
zwischen Stellen aus Einhards Werken schiebt er sie ein, ohne einen
Widerspruch darin zu gewahren. Im Mittelpunkt aller Dinge und
Begebenheiten steht ihm einzig sein Kloster; zu allen weiß er es in
Beziehung zu bringen. Gegen die fremden Herrscher, welche nach Italien
kommen, ist er sehr aufgebracht, worin Maurenbrecher seinen Patriotismus
erkennt, während J. Jung (Forsch. XIV, 426) vielmehr seinen klerikalen
Standpunkt darin findet: er begeistert sich für den Pabstkönig, und ist
deshalb auch gegen Alberich sehr eingenommen. Ueber seine eigene Zeit,
über Alberich und die Stadtgeschichte von Rom gewährt übrigens Benedict
bei dem Mangel an anderen Quellen wichtige Aufschlüsse, welche man aus
seiner verworrenen und aller Grammatik hohnsprechenden Schreibart mit
Vorsicht und Mühe zu entnehmen hat.
Einen eigenthümlichen inneren Gegensatz zeigt uns die um dieselbe
Zeit geschriebene Chronik eines S aler n it an er s bis zum Jahre 974[8]. Der
durch die kirchenfeindlichen Angriffe Arduins von Ivrea zu größter
Lebhaftigkeit angefacht wurde, spricht sich in zwei rhythmischen
Gedichten aus, welche aus der Umgebung des Bischofs L eo von
Ver cel l i (999-1026) stammen, eines auf Otto III und den durch ihn
erhobenen Pabst Gregor V, das andere eine Klage um Otto's III frühen
Tod[4], nebst der Verherrlichung seines Nachfolgers Heinrichs II, von dem
die Niederwerfung Arduins erhofft wird[5].
Während es also in Italien durchaus nicht an Männern fehlte, welche
leidlich zu schreiben verstanden, verfaßte um das Jahr 968 ein Mönch des
Klosters St. Andr ea am Berg Soracte[6], Ben edict, eine Chronik, welche
an Rohheit der Gedanken wie der Sprache unübertroffen ist[7]. Wäre die
Ausführung nicht gar zu ungeschickt, so könnte man in dem Versuche, eine
Weltgeschichte seit Christi Geburt zusammenzustellen, einen Fortschritt
erkennen, aber es ist nur eine Compilation der dürftigsten Art. Wie wenig
geschichtlichen Sinn der Verfasser besaß, zeigt sich auch darin, daß er
zuerst die Sage von Karls Zug nach dem Morgenlande aufnahm; mitten
zwischen Stellen aus Einhards Werken schiebt er sie ein, ohne einen
Widerspruch darin zu gewahren. Im Mittelpunkt aller Dinge und
Begebenheiten steht ihm einzig sein Kloster; zu allen weiß er es in
Beziehung zu bringen. Gegen die fremden Herrscher, welche nach Italien
kommen, ist er sehr aufgebracht, worin Maurenbrecher seinen Patriotismus
erkennt, während J. Jung (Forsch. XIV, 426) vielmehr seinen klerikalen
Standpunkt darin findet: er begeistert sich für den Pabstkönig, und ist
deshalb auch gegen Alberich sehr eingenommen. Ueber seine eigene Zeit,
über Alberich und die Stadtgeschichte von Rom gewährt übrigens Benedict
bei dem Mangel an anderen Quellen wichtige Aufschlüsse, welche man aus
seiner verworrenen und aller Grammatik hohnsprechenden Schreibart mit
Vorsicht und Mühe zu entnehmen hat.
Einen eigenthümlichen inneren Gegensatz zeigt uns die um dieselbe
Zeit geschriebene Chronik eines S aler n it an er s bis zum Jahre 974[8]. Der
Page 547
Verfasser hat nämlich seinen grammatischen Cursus durchgemacht, er ist
sehr stolz auf seine gelehrte Bildung und giebt zuweilen wunderlich
spitzfindige sprachliche Untersuchungen zum besten. Auch kann er
ziemlich fehlerfrei schreiben, wenn er sich Mühe giebt; dazwischen aber
kommen wieder Stellen, wo er alle seine Gelehrsamkeit vergißt und mit
allen Flexionsformen ein leichtsinniges Spiel treibt. Zum
Geschichtschreiber war er wohl etwas besser befähigt als Benedict, aber auf
einen hohen Standpunkt hat auch er keinen Anspruch. Er knüpft an Paulus
Geschichte der Langobarden an und erzählt nun weiter von den
langobardischen Fürstenthümern in Unteritalien, was ihm gerade einfällt,
ohne viel Ordnung und ohne alle Kritik; Erchempert hat er, wie Dümmler
bemerkt, stark benutzt und was er aus eigener Kunde hinzufügt, hat keinen
grossen Werth. Trauen darf man ihm nicht viel, aber seine lebendig
vorgetragenen, oft ganz novellenartigen Erzählungen geben doch einen
erwünschten Einblick in das Leben und Treiben jener Länder, und für die
Geschichte Unteritaliens sind wir oft allein auf seine Nachrichten
angewiesen.
Ungleich besser als diese Schriften ist die Chronik Venedig 's von
dem Diaconus Jo hann es, dem Caplan und vielleicht Verwandten des
Dogen Peters II Urseolus (991-1009), der wiederholt als Gesandter an Otto
III und Heinrich II geschickt wurde[9]. Seine Sprache ist die eines
Geschäftsmannes, ungeschmückt, auch nicht frei von Verstößen gegen die
Regeln der Grammatik, aber leicht verständlich und dem Gegenstande
angemessen; seine venetianischen Provinzialismen sind in einer solchen
Schrift für seine Landsleute ganz an ihrem Platze und unendlich viel
angenehmer, als die ungeschickten Phrasen der halbgelehrten Mönche. Im
Anfang auf Paulus Diaconus und Legenden gestützt und begreiflicher Weise
mangelhaft, führt er seine Geschichte fort bis 1008; sie gewinnt an
Reichthum des Inhalts mit dem Fortschritt der Erzählung und wird
besonders wichtig, wo er von den Berührungen mit den Kaisern berichtet,
bei denen er selbst selbst betheiligt war. Die treffliche Regierung des Dogen
Peters II bildet den Hauptgegenstand seiner Darstellung. Ueberhaupt
sehr stolz auf seine gelehrte Bildung und giebt zuweilen wunderlich
spitzfindige sprachliche Untersuchungen zum besten. Auch kann er
ziemlich fehlerfrei schreiben, wenn er sich Mühe giebt; dazwischen aber
kommen wieder Stellen, wo er alle seine Gelehrsamkeit vergißt und mit
allen Flexionsformen ein leichtsinniges Spiel treibt. Zum
Geschichtschreiber war er wohl etwas besser befähigt als Benedict, aber auf
einen hohen Standpunkt hat auch er keinen Anspruch. Er knüpft an Paulus
Geschichte der Langobarden an und erzählt nun weiter von den
langobardischen Fürstenthümern in Unteritalien, was ihm gerade einfällt,
ohne viel Ordnung und ohne alle Kritik; Erchempert hat er, wie Dümmler
bemerkt, stark benutzt und was er aus eigener Kunde hinzufügt, hat keinen
grossen Werth. Trauen darf man ihm nicht viel, aber seine lebendig
vorgetragenen, oft ganz novellenartigen Erzählungen geben doch einen
erwünschten Einblick in das Leben und Treiben jener Länder, und für die
Geschichte Unteritaliens sind wir oft allein auf seine Nachrichten
angewiesen.
Ungleich besser als diese Schriften ist die Chronik Venedig 's von
dem Diaconus Jo hann es, dem Caplan und vielleicht Verwandten des
Dogen Peters II Urseolus (991-1009), der wiederholt als Gesandter an Otto
III und Heinrich II geschickt wurde[9]. Seine Sprache ist die eines
Geschäftsmannes, ungeschmückt, auch nicht frei von Verstößen gegen die
Regeln der Grammatik, aber leicht verständlich und dem Gegenstande
angemessen; seine venetianischen Provinzialismen sind in einer solchen
Schrift für seine Landsleute ganz an ihrem Platze und unendlich viel
angenehmer, als die ungeschickten Phrasen der halbgelehrten Mönche. Im
Anfang auf Paulus Diaconus und Legenden gestützt und begreiflicher Weise
mangelhaft, führt er seine Geschichte fort bis 1008; sie gewinnt an
Reichthum des Inhalts mit dem Fortschritt der Erzählung und wird
besonders wichtig, wo er von den Berührungen mit den Kaisern berichtet,
bei denen er selbst selbst betheiligt war. Die treffliche Regierung des Dogen
Peters II bildet den Hauptgegenstand seiner Darstellung. Ueberhaupt
Page 548
erkennt man hier gleich, daß der Verfasser das Leben nicht nur aus der
Ferne sah, sondern selbst mitten darin stand.
In dem älteren Theile dieser Chronik herrscht eine große Verwirrung.
Ueber diese Vorgeschichte von Venedig vor der Wahl des ersten Dogen und
die Chronologie der nächsten zwei Jahrhunderte hat Andreas Dandolo in
seinen Annalen bessere Nachrichten; es scheint ihm ein altes
Dogenverzeichniß vorgelegen zu haben, mit den kurzen Charakteristiken
der ersten Dogen, welche bei Johannes fehlen.
Sehr alte Elemente sind ferner in den ersten Büchern des sog.
Chronicon Altinate[10], die mit ihrer höchst barbarischen Sprache nach
Simonsfeld schon im Anfang des 10. Jahrhunderts zusammengestellt, später
mit Zusätzen vermengt und bis ins 13. Jahrhundert fortgeführt sind; die
ursprüngliche Form bleibt häufig zweifelhaft. Das zweite Buch desselben
nach der Dresdener Handschrift ist nach Simonsfeld im ersten Theil des
Chronicon Gradense im Cod. Urbinas überarbeitet[11]. Derselbe hat
werthvolle Venet i anische Annalen des 11. und 12. Jahrhunderts zuerst
veröffentlicht[12] und das Verhältniß aller dieser und anderer Quellen zu den
Annalen des Andreas Dandolo, des Dogen von 1343-1354, (bis 1280) so
wie die sehr verwickelten Fragen über die handschriftliche Ueberlieferung
der Werke desselben genau untersucht.
Wenig erfreulich ist die historische Thätigkeit im Kloster Nonant u la;
dem Inhalt nach in frühe Zeit hinaufreichend, hat sie uns doch wesentlich
nur spätere Aufzeichnungen verwirrter und fabelreicher Tradition
hinterlassen. Ein Leben des ersten Abtes A nselm[13] ( † 803) mit der
Gründungsgeschichte aus der Zeit des Königs Aistulf, aber erst im Anfang
des elften Jahrhunderts mit viel chronologischer Verwirrung und wenig
Inhalt geschrieben, und Translationsgeschichten des h. Silvester; dann will
ihr Glück, daß der Pabst Adr i an III 885 in der Nähe des Klosters stirbt und
bei ihnen begraben wird. Bald wird er als Heiliger verehrt und thut Wunder;
eine Ueberlieferung davon erhält sich mündlich oder schriftlich, aber weiter
Ferne sah, sondern selbst mitten darin stand.
In dem älteren Theile dieser Chronik herrscht eine große Verwirrung.
Ueber diese Vorgeschichte von Venedig vor der Wahl des ersten Dogen und
die Chronologie der nächsten zwei Jahrhunderte hat Andreas Dandolo in
seinen Annalen bessere Nachrichten; es scheint ihm ein altes
Dogenverzeichniß vorgelegen zu haben, mit den kurzen Charakteristiken
der ersten Dogen, welche bei Johannes fehlen.
Sehr alte Elemente sind ferner in den ersten Büchern des sog.
Chronicon Altinate[10], die mit ihrer höchst barbarischen Sprache nach
Simonsfeld schon im Anfang des 10. Jahrhunderts zusammengestellt, später
mit Zusätzen vermengt und bis ins 13. Jahrhundert fortgeführt sind; die
ursprüngliche Form bleibt häufig zweifelhaft. Das zweite Buch desselben
nach der Dresdener Handschrift ist nach Simonsfeld im ersten Theil des
Chronicon Gradense im Cod. Urbinas überarbeitet[11]. Derselbe hat
werthvolle Venet i anische Annalen des 11. und 12. Jahrhunderts zuerst
veröffentlicht[12] und das Verhältniß aller dieser und anderer Quellen zu den
Annalen des Andreas Dandolo, des Dogen von 1343-1354, (bis 1280) so
wie die sehr verwickelten Fragen über die handschriftliche Ueberlieferung
der Werke desselben genau untersucht.
Wenig erfreulich ist die historische Thätigkeit im Kloster Nonant u la;
dem Inhalt nach in frühe Zeit hinaufreichend, hat sie uns doch wesentlich
nur spätere Aufzeichnungen verwirrter und fabelreicher Tradition
hinterlassen. Ein Leben des ersten Abtes A nselm[13] ( † 803) mit der
Gründungsgeschichte aus der Zeit des Königs Aistulf, aber erst im Anfang
des elften Jahrhunderts mit viel chronologischer Verwirrung und wenig
Inhalt geschrieben, und Translationsgeschichten des h. Silvester; dann will
ihr Glück, daß der Pabst Adr i an III 885 in der Nähe des Klosters stirbt und
bei ihnen begraben wird. Bald wird er als Heiliger verehrt und thut Wunder;
eine Ueberlieferung davon erhält sich mündlich oder schriftlich, aber weiter
Page 549
weiß man nichts von ihm, und da man doch eine Legende von ihm haben
will, wird im ausgehenden elften Jahrhundert der Zeitgenosse Karls des
Großen Adrian I mit ihm zu einer Person verarbeitet. Da hatte man Stoff
genug, und nahm zu Einhard u. a. noch den liber diurnus, von dem
vielleicht bei jener Gelegenheit ein Exemplar im Kloster geblieben war, und
so kam das Monstrum zu Stande, welches noch nie gedruckt, aber in durch
Mabillon bekannt gewordenen Auszügen zu gläubig angenommen ist und
Schaden angerichtet hat[14]. Dann um 911 die Tr ansl at io S S . S en esii
et T heo po m p i aus Treviso, welche unter der Königin Adalheid gegen die
Pest nach Pavia gebracht wurden, aber erst unter Abt Rudolf (1002-1035)
geschrieben; eine Abtreihe bis 933 und eine zweite mit einigen
geschichtlichen Nachrichten bis auf denselben Rudolf[15], unter dem durch
Erzbischof Aribert die Mönchsregel wieder hergestellt wurde. Damit
beginnt denn auch erst die Zeit, aus welcher schriftliche Aufzeichnungen
uns erhalten sind.
[1] De imperatoria potestate in urbe Roma. MG. SS. III, 719-722. Vgl. Wilmans in
Ranke's Jahrbüchern II, 2, 235. Giesebr. I, 344. 782. Benutzung bei Bened. de S.
Andrea u. in dem mit Unrecht bezweifelten Priv. Otto's III für Silvester II ist
erwiesen in dem Aufsatz von J. Jung, Forsch. XIV, 409-456, dessen Ansichten aber in
manchen Stücken angegriffen und widerlegt sind von F. Hirsch, Forsch. XX, 127-
164. Derselbe rechtfertigt HZ. LVII, S. 258-261, seine Kritik gegen A. Gasquet: Jean
VIII et la fin de l'empire Carolingien, 1886. — Benutzung bei Ekkehard
nachgewiesen von B. Simson, Forsch. XXV, 374.
[2] Graphia aureae urbis Romae bei Ozanam, Documents inédits p. 155 bis 183;
gehört auch die Beschreibung in der vorliegenden Form dem 12. Jahrhundert, so paßt
doch der zweite Theil nur in die Zeit Otto's III nach Giesebr. I, 866. Ueber die
Fortsetzung der Pabstgeschichte ib. p. 782. Watterich I, p. XIV-XXIII. Wunderliches
Gedicht aus Rom zu Marie Himmelfahrt viell. 999 Sancta Maria quid est bei Gies. I,
890.
[3] Nachrichten von d. k. Ges. d. Wiss. in Gött. 1885, S. 69-72, mit Zuziehung von
Benedicts VII Epitaph bei Baronius a. 984, Watterich I, 86.
[4] Hs. in Halle, NA. VIII, 383.
[5] Es genügt jetzt, die kritische Ausgabe Dümmlers anzuführen, Anselm der
Peripatetiker S. 72-82. Brief des Bischofs Leo von Vercelli an Heinrich II nach
Arduins Tod, Forsch. VIII, 387. Excommunication des Grafen Ubert Forsch. XIII,
600-602. Vgl. S. Löwenfeld: Leo von Vercelli, Gött. Diss. 1877. Ueber die
Zeitbestimmung zweier Briefe von ihm, Schnürer, Piligrim v. Cöln, Diss. Monast.
will, wird im ausgehenden elften Jahrhundert der Zeitgenosse Karls des
Großen Adrian I mit ihm zu einer Person verarbeitet. Da hatte man Stoff
genug, und nahm zu Einhard u. a. noch den liber diurnus, von dem
vielleicht bei jener Gelegenheit ein Exemplar im Kloster geblieben war, und
so kam das Monstrum zu Stande, welches noch nie gedruckt, aber in durch
Mabillon bekannt gewordenen Auszügen zu gläubig angenommen ist und
Schaden angerichtet hat[14]. Dann um 911 die Tr ansl at io S S . S en esii
et T heo po m p i aus Treviso, welche unter der Königin Adalheid gegen die
Pest nach Pavia gebracht wurden, aber erst unter Abt Rudolf (1002-1035)
geschrieben; eine Abtreihe bis 933 und eine zweite mit einigen
geschichtlichen Nachrichten bis auf denselben Rudolf[15], unter dem durch
Erzbischof Aribert die Mönchsregel wieder hergestellt wurde. Damit
beginnt denn auch erst die Zeit, aus welcher schriftliche Aufzeichnungen
uns erhalten sind.
[1] De imperatoria potestate in urbe Roma. MG. SS. III, 719-722. Vgl. Wilmans in
Ranke's Jahrbüchern II, 2, 235. Giesebr. I, 344. 782. Benutzung bei Bened. de S.
Andrea u. in dem mit Unrecht bezweifelten Priv. Otto's III für Silvester II ist
erwiesen in dem Aufsatz von J. Jung, Forsch. XIV, 409-456, dessen Ansichten aber in
manchen Stücken angegriffen und widerlegt sind von F. Hirsch, Forsch. XX, 127-
164. Derselbe rechtfertigt HZ. LVII, S. 258-261, seine Kritik gegen A. Gasquet: Jean
VIII et la fin de l'empire Carolingien, 1886. — Benutzung bei Ekkehard
nachgewiesen von B. Simson, Forsch. XXV, 374.
[2] Graphia aureae urbis Romae bei Ozanam, Documents inédits p. 155 bis 183;
gehört auch die Beschreibung in der vorliegenden Form dem 12. Jahrhundert, so paßt
doch der zweite Theil nur in die Zeit Otto's III nach Giesebr. I, 866. Ueber die
Fortsetzung der Pabstgeschichte ib. p. 782. Watterich I, p. XIV-XXIII. Wunderliches
Gedicht aus Rom zu Marie Himmelfahrt viell. 999 Sancta Maria quid est bei Gies. I,
890.
[3] Nachrichten von d. k. Ges. d. Wiss. in Gött. 1885, S. 69-72, mit Zuziehung von
Benedicts VII Epitaph bei Baronius a. 984, Watterich I, 86.
[4] Hs. in Halle, NA. VIII, 383.
[5] Es genügt jetzt, die kritische Ausgabe Dümmlers anzuführen, Anselm der
Peripatetiker S. 72-82. Brief des Bischofs Leo von Vercelli an Heinrich II nach
Arduins Tod, Forsch. VIII, 387. Excommunication des Grafen Ubert Forsch. XIII,
600-602. Vgl. S. Löwenfeld: Leo von Vercelli, Gött. Diss. 1877. Ueber die
Zeitbestimmung zweier Briefe von ihm, Schnürer, Piligrim v. Cöln, Diss. Monast.
Page 550
1883. Hinzuweisen ist auch auf die Schriften seines Vorgängers Atto von 924 bis c.
960 (Opera ed. Burontius, Verc. 1768 f.) vorzüglich de pressuris ecclesiasticis II,
322-352. Gött. Diss. über ihn von J. Schultz 1886, vgl. NA. XI, 641.
[6] S. Andrea in flumine, in der Ebene, nach Tomasetti, Arch. Rom. VII, 382.
[7] Chron. Benedicti de S. Andrea, entdeckt von Pertz und zuerst gedruckt MG. SS.
III, 695-722 mit Weglassung des Anfanges; vgl. Archiv V, 146, X, 381, Giesebr. I,
782. Auszüge daraus bei O. Abel, Paulus Diaconus S. 203; Wattenbach, Der Mönch
von St. Gallen S. 98. Benutzt von Martinus Pol. nach Weiland, Arch. XII, 33. Die
Hs., welche Pertz für sein Autograph hielt, ist in schöner regelmässiger Bücherschrift
geschrieben, 2 S. facs. bei Ern. Monaci, Arch. paleogr. Ital. II, t. 3. Das im Chron. S.
697 enthaltene Epigramm des Pabstes Damasus wird emendirt von de Rossi, Bull. di
Archeol. Christ. IV, 3, 1, S. 30.
[8] Chron. Salernitanum ed. Pertz, MG. SS. III, 467-571 (S. 548 de martyrio S.
Procopii ex cod. Bamb. Wiederholt SS. Langob. p. 457. Die Regententafeln am
Anfang ib. p. 491; bei Caravita II. 36 e cod. Cas. 269). — Bruchstücke übersetzt in
Abels Paulus Diaconus S. 192-202. Zu vergleichen ist: Schipa, Storia del principato
longob. di Salerno, Nap. 1887. Einige Einwendungen von F. Hirsch, Hz. LXI, S. 188.
[9] Johannis diaconi Chron. Venetum et Gradense ed. Pertz, MG. SS. VII, 4-38. Vgl.
Giesebr. I, 790; Kohlschütter, Venedig unter Peter II (Goett. Diss. 1868) S. 61-65
gegen die von Pertz angenommene successive gleichzeitige Abfassung; auch gegen
die Annahme, daß das Chron. Grad. von demselben Verfasser sei. Zustimmend Henry
Simonsfeld: Andreas Dandolo u. seine Geschichtswerke (München 1876) S. 56-79.
Monticolo, La cronaca del diacono Giovannino e la storia politica di Venezia sino al
1099, Pistoja 1882, 4. Früher nannte man diese Chronik das Chron. Sagornini. Ein
merkwürdiger Brief des Dogen von Venedig an Heinrich I bei Dümmler, Gesta
Berengarii S. 157. — Chronica patriarcharum Gradensium bis 1049, ed. Waitz, SS.
Langob. p. 392-397, als die ursprüngliche Fassung, e cod. Barberin. XI, 145. Vgl.
auch G. Monticolo im Arch. Venet. XV, 1 ff. Derselbe: I manoscritti e le fonti della
cronaca del diac. Giovanni, Bull. dell'Instituto stor. Italiano, N. 9, S. 37-327. Von
dems. die Ausgabe: Fonti per la storia d'Italia IX. Cronache Veneziane antichissime,
1890; vgl. NA. XVI, 210; Simonsfeld HZ. LXVII, 360-365.
[10] Ausg. vom Abb. Antonio Rossi im Archivio stor. Ital. VIII, u. nach der besseren
Dresd. Hds. im Appendice, Tomo V, 1847; jetzt als Chron. Venetum vulgo Altinate v.
Simonsfeld, MG. SS. XIV, 1-97, nach 4, sehr von einander abweichenden
Handschriften. Eine in Hss. damit verbundene sagenhafte Darstellung der Troj. röm.
Gesch. ed. Simonsfeld, NA. XI, 239-251. Ders. gegen Phantastereien des Dott. Rob.
Galli im Arch. Ven. XXXV, parte 1 (1888).
[11] Ueber die verschiedenen Bestandtheile, aus welchen dieses und auch schon das
Chron. Altinate in dem betr. Abschnitt zusammengesetzt ist, handelt G. Waitz, NA. II,
375-381.
[12] NA. I, 397-410; vgl. Dand. S. 90-96. Sie sind wiederholt im Arch. Ven. XII mit
Abh. von R. Fulin; MG. SS. XIV, 70.
[13] Vita Anselmi, SS. Langob. p. 566-570. Mit allen übrigen Stücken gedruckt bei
Bortolotti, Vita di S. Anselme abb. di Nonantula, con appendici ed illustrazioni e
tavole 3, Modena 1892.
[14] S. Th. v. Sickel, Die Vita Hadriani Nonantulana und die Diurnus-Hs. V. im NA.
XVIII, 107-133.
960 (Opera ed. Burontius, Verc. 1768 f.) vorzüglich de pressuris ecclesiasticis II,
322-352. Gött. Diss. über ihn von J. Schultz 1886, vgl. NA. XI, 641.
[6] S. Andrea in flumine, in der Ebene, nach Tomasetti, Arch. Rom. VII, 382.
[7] Chron. Benedicti de S. Andrea, entdeckt von Pertz und zuerst gedruckt MG. SS.
III, 695-722 mit Weglassung des Anfanges; vgl. Archiv V, 146, X, 381, Giesebr. I,
782. Auszüge daraus bei O. Abel, Paulus Diaconus S. 203; Wattenbach, Der Mönch
von St. Gallen S. 98. Benutzt von Martinus Pol. nach Weiland, Arch. XII, 33. Die
Hs., welche Pertz für sein Autograph hielt, ist in schöner regelmässiger Bücherschrift
geschrieben, 2 S. facs. bei Ern. Monaci, Arch. paleogr. Ital. II, t. 3. Das im Chron. S.
697 enthaltene Epigramm des Pabstes Damasus wird emendirt von de Rossi, Bull. di
Archeol. Christ. IV, 3, 1, S. 30.
[8] Chron. Salernitanum ed. Pertz, MG. SS. III, 467-571 (S. 548 de martyrio S.
Procopii ex cod. Bamb. Wiederholt SS. Langob. p. 457. Die Regententafeln am
Anfang ib. p. 491; bei Caravita II. 36 e cod. Cas. 269). — Bruchstücke übersetzt in
Abels Paulus Diaconus S. 192-202. Zu vergleichen ist: Schipa, Storia del principato
longob. di Salerno, Nap. 1887. Einige Einwendungen von F. Hirsch, Hz. LXI, S. 188.
[9] Johannis diaconi Chron. Venetum et Gradense ed. Pertz, MG. SS. VII, 4-38. Vgl.
Giesebr. I, 790; Kohlschütter, Venedig unter Peter II (Goett. Diss. 1868) S. 61-65
gegen die von Pertz angenommene successive gleichzeitige Abfassung; auch gegen
die Annahme, daß das Chron. Grad. von demselben Verfasser sei. Zustimmend Henry
Simonsfeld: Andreas Dandolo u. seine Geschichtswerke (München 1876) S. 56-79.
Monticolo, La cronaca del diacono Giovannino e la storia politica di Venezia sino al
1099, Pistoja 1882, 4. Früher nannte man diese Chronik das Chron. Sagornini. Ein
merkwürdiger Brief des Dogen von Venedig an Heinrich I bei Dümmler, Gesta
Berengarii S. 157. — Chronica patriarcharum Gradensium bis 1049, ed. Waitz, SS.
Langob. p. 392-397, als die ursprüngliche Fassung, e cod. Barberin. XI, 145. Vgl.
auch G. Monticolo im Arch. Venet. XV, 1 ff. Derselbe: I manoscritti e le fonti della
cronaca del diac. Giovanni, Bull. dell'Instituto stor. Italiano, N. 9, S. 37-327. Von
dems. die Ausgabe: Fonti per la storia d'Italia IX. Cronache Veneziane antichissime,
1890; vgl. NA. XVI, 210; Simonsfeld HZ. LXVII, 360-365.
[10] Ausg. vom Abb. Antonio Rossi im Archivio stor. Ital. VIII, u. nach der besseren
Dresd. Hds. im Appendice, Tomo V, 1847; jetzt als Chron. Venetum vulgo Altinate v.
Simonsfeld, MG. SS. XIV, 1-97, nach 4, sehr von einander abweichenden
Handschriften. Eine in Hss. damit verbundene sagenhafte Darstellung der Troj. röm.
Gesch. ed. Simonsfeld, NA. XI, 239-251. Ders. gegen Phantastereien des Dott. Rob.
Galli im Arch. Ven. XXXV, parte 1 (1888).
[11] Ueber die verschiedenen Bestandtheile, aus welchen dieses und auch schon das
Chron. Altinate in dem betr. Abschnitt zusammengesetzt ist, handelt G. Waitz, NA. II,
375-381.
[12] NA. I, 397-410; vgl. Dand. S. 90-96. Sie sind wiederholt im Arch. Ven. XII mit
Abh. von R. Fulin; MG. SS. XIV, 70.
[13] Vita Anselmi, SS. Langob. p. 566-570. Mit allen übrigen Stücken gedruckt bei
Bortolotti, Vita di S. Anselme abb. di Nonantula, con appendici ed illustrazioni e
tavole 3, Modena 1892.
[14] S. Th. v. Sickel, Die Vita Hadriani Nonantulana und die Diurnus-Hs. V. im NA.
XVIII, 107-133.
Page 551
[15] SS. Langob. p. 571-573 als Nomina abhatum Nonantul., sonst Chronicon
Nonantulanum genannt. Bischof Joh. von Arezzo schenkte an Non. um 876 ein
prächtiges Sacramentar, Delisle, Sacram. p. 128. — Unbedeutend und fabelhaft ist
das Leben des Johannes, ersten Abtes des von Sigifrid II gestifteten Klosters zu
Parma, der um 990 starb, erst gegen 1050 nach mündlicher Ueberlieferung verfaßt,
Mab. V, 715-724.
Nonantulanum genannt. Bischof Joh. von Arezzo schenkte an Non. um 876 ein
prächtiges Sacramentar, Delisle, Sacram. p. 128. — Unbedeutend und fabelhaft ist
das Leben des Johannes, ersten Abtes des von Sigifrid II gestifteten Klosters zu
Parma, der um 990 starb, erst gegen 1050 nach mündlicher Ueberlieferung verfaßt,
Mab. V, 715-724.
Page 552
§ 14. Italien. Biographieen. [ ← ]
Gegen das Ende des zehnten Jahrhunderts verschwindet in Italien jene
Barbarei, welche hier weit greller als in den anderen Theilen des
karolingischen Reiches hervorgetreten war. Die bessere Ordnung der
politischen und kirchlichen Verhältnisse macht sich auch hier fühlbar. Auf
Veranlassung des Kaisers Otto II schrieb ein Bischof Gum p old von
Man tua, von dem sonst wenig bekannt ist, ein Leben des böhmischen
Herzogs und Märtyrers Wen ceslaus ( † 935). Er stand indessen der Zeit
wie den Ereignissen zu fern, um viel davon zu wissen, und suchte die
Dürftigkeit des Inhalts durch schwülstige Phrasen zu verdecken.
Hochtrabende sallustische Ausdrücke paaren sich bei ihm in widerlicher
Mischung mit der kirchlichen Phraseologie. Im Prolog werden auf solche
Weise die Bestrebungen der Menschen geschildert und dabei die freien
Künste mit Umschreibungen bezeichnet, welche Büdinger ohne Grund auf
Gerberts Disputation mit Otrich bezogen hat[1]. Es ist deshalb auch nicht
nöthig, die Entstehung der Schrift nach Errichtung des Prager Bisthums
anzunehmen, von welcher Gumpold noch nichts weiß und von der man
doch kaum annehmen kann, daß er sie, wenn er später schrieb, nicht sollte
erfahren oder berücksichtigt haben[2].
Ein zweites Leben desselben Märtyrers schrieb später im elften
Jahrhundert, doch unabhängig von Gumpold, L aur ent ius, ein Mönch von
Mon te Cassin o; dieser beruft sich auf die Erzählungen eines
Landsmannes des Märtyrers und mag durch diesen Kunde erhalten haben
von einer schon früher in Böhmen und vielleicht in slavischer Sprache
verfaßten Legende, auf die wir später noch einmal zurückkommen
werden[3].
Eine bedeutende Einwirkung übte auf Italien die damals auch hier
eindringende streng mönchische Askese, welche theils von Cluny aus über
die Alpen sich verbreitete, theils unabhängig davon und in anderer Gestalt
Gegen das Ende des zehnten Jahrhunderts verschwindet in Italien jene
Barbarei, welche hier weit greller als in den anderen Theilen des
karolingischen Reiches hervorgetreten war. Die bessere Ordnung der
politischen und kirchlichen Verhältnisse macht sich auch hier fühlbar. Auf
Veranlassung des Kaisers Otto II schrieb ein Bischof Gum p old von
Man tua, von dem sonst wenig bekannt ist, ein Leben des böhmischen
Herzogs und Märtyrers Wen ceslaus ( † 935). Er stand indessen der Zeit
wie den Ereignissen zu fern, um viel davon zu wissen, und suchte die
Dürftigkeit des Inhalts durch schwülstige Phrasen zu verdecken.
Hochtrabende sallustische Ausdrücke paaren sich bei ihm in widerlicher
Mischung mit der kirchlichen Phraseologie. Im Prolog werden auf solche
Weise die Bestrebungen der Menschen geschildert und dabei die freien
Künste mit Umschreibungen bezeichnet, welche Büdinger ohne Grund auf
Gerberts Disputation mit Otrich bezogen hat[1]. Es ist deshalb auch nicht
nöthig, die Entstehung der Schrift nach Errichtung des Prager Bisthums
anzunehmen, von welcher Gumpold noch nichts weiß und von der man
doch kaum annehmen kann, daß er sie, wenn er später schrieb, nicht sollte
erfahren oder berücksichtigt haben[2].
Ein zweites Leben desselben Märtyrers schrieb später im elften
Jahrhundert, doch unabhängig von Gumpold, L aur ent ius, ein Mönch von
Mon te Cassin o; dieser beruft sich auf die Erzählungen eines
Landsmannes des Märtyrers und mag durch diesen Kunde erhalten haben
von einer schon früher in Böhmen und vielleicht in slavischer Sprache
verfaßten Legende, auf die wir später noch einmal zurückkommen
werden[3].
Eine bedeutende Einwirkung übte auf Italien die damals auch hier
eindringende streng mönchische Askese, welche theils von Cluny aus über
die Alpen sich verbreitete, theils unabhängig davon und in anderer Gestalt
Page 553
in Italien selbst aufkam. Zu den Hauptträgern dieser Richtung gehört der
griechische Calabrese Ni lus, der durch seine aufs äußerste getriebene
Verachtung alles Irdischen einen so großen Eindruck auf Otto III machte.
Sein Leben ist von einem Landsmanne in griechischer Sprache geschrieben
und enthält einige werthvolle Nachrichten, vorzüglich aber viele anziehende
Einzelheiten zur Culturgeschichte Italiens[4].
Von demselben Geiste erfüllt, aber ungleich wichtiger für die deutsche
Geschichte, ist das L eben des heil i gen Ad al ber t, des Bischofs von
Prag und Apostels der Preußen ( † 997), auf den Wunsch seines
schwärmerischen Freundes, des Kaisers Otto's III, verfaßt von Joh ann es
C anapar i u s, dem Abte des Alexiusklosters in Rom, in welchem Adalbert
sich eine Zeit lang aufgehalten hatte[5]. Der Verfasser hat Adalbert selbst
nahe gestanden, benutzte auch einen Aufsatz des Domprobsts Willico von
Prag, und schreibt daher aus voller Kenntniß des Gegenstandes und mit
großer Wärme, in reiner, wenn auch von biblischen Phrasen erfüllter
Sprache; über die politischen Verhältnisse, welche der Wirksamkeit
Adalberts in Böhmen im Wege standen, darf man freilich bei ihm keine
Aufklärung suchen. Die wenig spätere Ueberarbeitung dieses Lebens von
Bruno von Querfurt erwähnten wir schon oben (S. 354). Bruno gehörte zu
dem Kreise jener Asketen, welche in dem Kloster Classe bei Ravenna
lebten, aus deren Mitte der Camaldulenser Orden seinen Ursprung nahm.
Das Leben des Abtes R o m u al d hat um die Mitte des elften Jahrhunderts
der Hauptvertreter dieser Richtung, P etr us Dam i ani, geschrieben; aus
den salbungsvollen Sentenzen lassen sich einige geschichtliche Nachrichten
auslesen, welche in den Mon. Germ. SS. IV, 846-854 mitgetheilt sind.
[1] Diese, wie mir scheint, allein richtige Deutung jener Stelle verdanke ich
freundlicher Mittheilung von Jaffé.
[2] Gumpoldi Vita Vencezlavi ducis, von Pertz entdeckt und herausgegeben MG. SS.
IV, 211-223: wiederholt Migne CXXXV; Fontes Rer. Boh. (Pragae 1872) I, 146-166.
Vgl. Büdinger, Zur Kritik altböhmischer Geschichte, Wien 1857. Besonders
abgedruckt aus der Zeitschr. f. österr. Gymnasien 1857. Heft VII. Hierin ist
Gumpolds Existenz urkundlich nachgewiesen. Ueber die verschiedenen späteren
griechische Calabrese Ni lus, der durch seine aufs äußerste getriebene
Verachtung alles Irdischen einen so großen Eindruck auf Otto III machte.
Sein Leben ist von einem Landsmanne in griechischer Sprache geschrieben
und enthält einige werthvolle Nachrichten, vorzüglich aber viele anziehende
Einzelheiten zur Culturgeschichte Italiens[4].
Von demselben Geiste erfüllt, aber ungleich wichtiger für die deutsche
Geschichte, ist das L eben des heil i gen Ad al ber t, des Bischofs von
Prag und Apostels der Preußen ( † 997), auf den Wunsch seines
schwärmerischen Freundes, des Kaisers Otto's III, verfaßt von Joh ann es
C anapar i u s, dem Abte des Alexiusklosters in Rom, in welchem Adalbert
sich eine Zeit lang aufgehalten hatte[5]. Der Verfasser hat Adalbert selbst
nahe gestanden, benutzte auch einen Aufsatz des Domprobsts Willico von
Prag, und schreibt daher aus voller Kenntniß des Gegenstandes und mit
großer Wärme, in reiner, wenn auch von biblischen Phrasen erfüllter
Sprache; über die politischen Verhältnisse, welche der Wirksamkeit
Adalberts in Böhmen im Wege standen, darf man freilich bei ihm keine
Aufklärung suchen. Die wenig spätere Ueberarbeitung dieses Lebens von
Bruno von Querfurt erwähnten wir schon oben (S. 354). Bruno gehörte zu
dem Kreise jener Asketen, welche in dem Kloster Classe bei Ravenna
lebten, aus deren Mitte der Camaldulenser Orden seinen Ursprung nahm.
Das Leben des Abtes R o m u al d hat um die Mitte des elften Jahrhunderts
der Hauptvertreter dieser Richtung, P etr us Dam i ani, geschrieben; aus
den salbungsvollen Sentenzen lassen sich einige geschichtliche Nachrichten
auslesen, welche in den Mon. Germ. SS. IV, 846-854 mitgetheilt sind.
[1] Diese, wie mir scheint, allein richtige Deutung jener Stelle verdanke ich
freundlicher Mittheilung von Jaffé.
[2] Gumpoldi Vita Vencezlavi ducis, von Pertz entdeckt und herausgegeben MG. SS.
IV, 211-223: wiederholt Migne CXXXV; Fontes Rer. Boh. (Pragae 1872) I, 146-166.
Vgl. Büdinger, Zur Kritik altböhmischer Geschichte, Wien 1857. Besonders
abgedruckt aus der Zeitschr. f. österr. Gymnasien 1857. Heft VII. Hierin ist
Gumpolds Existenz urkundlich nachgewiesen. Ueber die verschiedenen späteren
Page 554
Legenden vgl. Friedjung, Kaiser Karl IV und sein Antheil am geistigen Leben seiner
Zeit (Wien 1876) S. 150-161.
[3] Auszugsweise mitgetheilt von Pertz, Archiv V, 137-143; vollständig von Dudik,
Iter Romanum I, 304-318, Fontes Boh. 167-182. Die Legende Crescente fide bei
Dudik, S. 319-326, Fontes 183-190. Ueber die wenig glaubwürdigen Legenden von
Wenzels Mutter Ludmila s. die Vorrede von Holder-Egger zu der Ausgabe der
ältesten, die jedoch auch erst aus dem 12. Jh. ist, während diejenige, welche bisher
für die älteste galt, nur ein Theil von dem betrüglichen Werk des Pseudo-Christann
ist, MG. SS. XV, 1, 572.
[4] Acta SS. Sept. VII, 336. Auszüge MG. SS. IV, 615-618. Giesebrecht I, 788.
[5] Johannis Canaparii Vita S. Adalberti ed. Pertz. MG. SS. IV, 581 bis 595. Ausg.
von Al. Batowski bei Bielowski S. 157-183 mit Varianten einer Handschrift aus
Kielce. Uebersetzt von Hüffer 1857; 2. A. 1891. Geschichtschr. 34 (X, 7). Vgl. oben
S. 354 u. den böhmischen Landtagsschluß von 992 in Wattenbach's Beiträgen S. 51
und bei Erben, Regesta Bohemiae p. 33: diesen finde ich nicht berücksichtigt in dem
sonst sehr hervorragenden und scharfsinnigen Aufsatz von Loserth: Der Sturz des
Hauses Slawnik, W. Arch. LXV, 19-54, worin Adalberts Mißerfolg in Prag
zurückgeführt wird auf die Rivalität seines Hauses, eines fürstlichen chorwatischen,
das mit Polen verbündet war, mit den Przemysliden. Die Miracula S. Adalberti sind
neu herausgegeben in den Mon. Pol. IV, 221 bis 238, nebst einer neuen Legende.
Zeit (Wien 1876) S. 150-161.
[3] Auszugsweise mitgetheilt von Pertz, Archiv V, 137-143; vollständig von Dudik,
Iter Romanum I, 304-318, Fontes Boh. 167-182. Die Legende Crescente fide bei
Dudik, S. 319-326, Fontes 183-190. Ueber die wenig glaubwürdigen Legenden von
Wenzels Mutter Ludmila s. die Vorrede von Holder-Egger zu der Ausgabe der
ältesten, die jedoch auch erst aus dem 12. Jh. ist, während diejenige, welche bisher
für die älteste galt, nur ein Theil von dem betrüglichen Werk des Pseudo-Christann
ist, MG. SS. XV, 1, 572.
[4] Acta SS. Sept. VII, 336. Auszüge MG. SS. IV, 615-618. Giesebrecht I, 788.
[5] Johannis Canaparii Vita S. Adalberti ed. Pertz. MG. SS. IV, 581 bis 595. Ausg.
von Al. Batowski bei Bielowski S. 157-183 mit Varianten einer Handschrift aus
Kielce. Uebersetzt von Hüffer 1857; 2. A. 1891. Geschichtschr. 34 (X, 7). Vgl. oben
S. 354 u. den böhmischen Landtagsschluß von 992 in Wattenbach's Beiträgen S. 51
und bei Erben, Regesta Bohemiae p. 33: diesen finde ich nicht berücksichtigt in dem
sonst sehr hervorragenden und scharfsinnigen Aufsatz von Loserth: Der Sturz des
Hauses Slawnik, W. Arch. LXV, 19-54, worin Adalberts Mißerfolg in Prag
zurückgeführt wird auf die Rivalität seines Hauses, eines fürstlichen chorwatischen,
das mit Polen verbündet war, mit den Przemysliden. Die Miracula S. Adalberti sind
neu herausgegeben in den Mon. Pol. IV, 221 bis 238, nebst einer neuen Legende.
Page 555
BEILAGE. [←]
Verzeichniß vollständig oder im Auszug gedruckter Necrologien.
I. Deutsches Reich.
E RZ B I S T HUM MAI NZ .
S p r eng el von Mai n z.
Mainz, Dom: Font. III, 141 aus Schannat, Vind. I, 1-4: Jaffé, Bibl. III, 721; C. Will im
Correspondenzbl. d. Gesammtvereins 1878, N. 8. 9. nach Abschrift von Bodmann. Fragmente
eines jüngeren s. XII. ed. Schenk von Schweinsberg im Correspondenzblatt 1876 N. 4: dass. v.
März bis Oct. C. Will wie oben. Auszüge aus St. Alban und Mariengreden Falk im
Correspondenzbl. XXI, N. 5: letzteres vollständig C. Will wie oben. — Dominicaner:
Bockenheimer, Beitr. z. Gesch. d. Stadt Mainz IV. — St. Agnes ord. Cist.: Auszug bei Bodmann,
Rheingauer Alterth. S. 134. 136 Note, sowie F. W. E. Roth, Die Druckerei zu Eltville u. ihre
Erzeugnisse (1886) S. 21 Anm. 2. (Mitth. v. F. W. E. Roth, dem ich auch einige der folgenden
Notizen verdanke.)
Bleidenstadt: Font. III, 152. C. Will: Monumenta Blidenstat. (1874) S. 35 bis 37 Liber
confraternitatis; S. 38-42 Necrologium.
Clarenthal bei Wiesbaden: Kremer, Origines Nass. II, 412-422.
Eberbach ord. Cist. im Rheingau: in 2 Fassungen s. XVII. XVIII. bei Roth, Fontes rerum Nass. I, 3,
1-9 u. 9-61.
Verzeichniß vollständig oder im Auszug gedruckter Necrologien.
I. Deutsches Reich.
E RZ B I S T HUM MAI NZ .
S p r eng el von Mai n z.
Mainz, Dom: Font. III, 141 aus Schannat, Vind. I, 1-4: Jaffé, Bibl. III, 721; C. Will im
Correspondenzbl. d. Gesammtvereins 1878, N. 8. 9. nach Abschrift von Bodmann. Fragmente
eines jüngeren s. XII. ed. Schenk von Schweinsberg im Correspondenzblatt 1876 N. 4: dass. v.
März bis Oct. C. Will wie oben. Auszüge aus St. Alban und Mariengreden Falk im
Correspondenzbl. XXI, N. 5: letzteres vollständig C. Will wie oben. — Dominicaner:
Bockenheimer, Beitr. z. Gesch. d. Stadt Mainz IV. — St. Agnes ord. Cist.: Auszug bei Bodmann,
Rheingauer Alterth. S. 134. 136 Note, sowie F. W. E. Roth, Die Druckerei zu Eltville u. ihre
Erzeugnisse (1886) S. 21 Anm. 2. (Mitth. v. F. W. E. Roth, dem ich auch einige der folgenden
Notizen verdanke.)
Bleidenstadt: Font. III, 152. C. Will: Monumenta Blidenstat. (1874) S. 35 bis 37 Liber
confraternitatis; S. 38-42 Necrologium.
Clarenthal bei Wiesbaden: Kremer, Origines Nass. II, 412-422.
Eberbach ord. Cist. im Rheingau: in 2 Fassungen s. XVII. XVIII. bei Roth, Fontes rerum Nass. I, 3,
1-9 u. 9-61.
Page 556
Engelport auf dem Hunsrück: Reisach u. Linde, Archiv f. rhein. Gesch. (1835) II, 3-94, von
Stramberg.
Erfurt, St. Marien: Mone, Anz. 1835 S. 141-146: vgl. Mone's Zeitschr. f. Gesch. des Oberrheins IV,
253; St. Peter: Schannat, Vind. II, 17; Dominicaner: A. Zacke über das Todtenbuch des
Dominicanerklosters und die Predigerkirche zu Erfurt, 1861. Ein thüringisches unbekannter
Herkunft ed. Wegele, Zeitschr. f. thür. Gesch. II, 118; Font. IV, 457.
Fritzlar, Collegiatkirche: Zts. d. Vereins f. hess. Gesch. N. F. II, Suppl. Kassel 1863.
Fulda: Diptychon Font. III p. X aus Schannat, Vind. I, 16: Leibn. SS. III. 761. Ein anderes s. XI:
Dümmler, Forsch. XVI, 171-177. Annales necrolog. s. oben S. 63. Liebfrauenkloster: Font. IV,
451-455.
Gottesthal, Cist. Nonnen, im Rheingau bei Winkel: Bruchstück in Bodmanns Rheing. Alterth. S. 177
u. daraus bei Roth, Fontes rerum Nass. I, 1, 198 n.
Kaufungen: MG. SS. IV, 791. Font. IV, 457.
Lorsch: Adonis Martyrol. ed. Rom. 1745 p. 689 e cod. Vat. Pal. 485, vgl. Dümmler in d. Zeitschr. f.
D. Alt. XVIII, 308; p. 704 e cod. Pal. 499. Jüngeres bei Schannat, Vind. I, 23 e cod.
Wirceburgensi (Würzb. Archiv). Font. III, 144 nach Schannat und Pal. 499.
Nordhausen, Stift zum h. Kreuz: G. Schmidt in d. Festschrift d. Harzvereins 1870.
Ruppertsberg: Fragm. ed. Sauer, Nass. Ann. XVII, 1.
Schmerlenbach, bei Aschaffenburg: NA. IV, 376.
Seligenstadt: Stillbauer, Necr. u. kurze Chronik der Abtei S. im Programm d. Realgymn. 1880.
Fragm. ed. Falk, NA. XIV, 173.
B isthu m Wor m s.
Worms: Notizen aus Nonnenmünster bei dem Mon. Kirsgart. ed. Ludewig, Rell. II, 29; vgl. Falk,
NA. XIV, 173.
Rosenthal: Kremer, Origines Nass. II, 422-426. Adolf Köllner, Gesch. d. Herrschaft Kirchheim-
Boland u. Stauf (Wiesb. 1854) S. 353-357. In diese Gegend gehören auch die Notizen aus einem
Nonnenkloster über Wildgrafen und die von Randeck, Bolanden und Stein, bei C. Greith, Spicil.
Vat. p. 96 e cod. Vat. 4763.
Stramberg.
Erfurt, St. Marien: Mone, Anz. 1835 S. 141-146: vgl. Mone's Zeitschr. f. Gesch. des Oberrheins IV,
253; St. Peter: Schannat, Vind. II, 17; Dominicaner: A. Zacke über das Todtenbuch des
Dominicanerklosters und die Predigerkirche zu Erfurt, 1861. Ein thüringisches unbekannter
Herkunft ed. Wegele, Zeitschr. f. thür. Gesch. II, 118; Font. IV, 457.
Fritzlar, Collegiatkirche: Zts. d. Vereins f. hess. Gesch. N. F. II, Suppl. Kassel 1863.
Fulda: Diptychon Font. III p. X aus Schannat, Vind. I, 16: Leibn. SS. III. 761. Ein anderes s. XI:
Dümmler, Forsch. XVI, 171-177. Annales necrolog. s. oben S. 63. Liebfrauenkloster: Font. IV,
451-455.
Gottesthal, Cist. Nonnen, im Rheingau bei Winkel: Bruchstück in Bodmanns Rheing. Alterth. S. 177
u. daraus bei Roth, Fontes rerum Nass. I, 1, 198 n.
Kaufungen: MG. SS. IV, 791. Font. IV, 457.
Lorsch: Adonis Martyrol. ed. Rom. 1745 p. 689 e cod. Vat. Pal. 485, vgl. Dümmler in d. Zeitschr. f.
D. Alt. XVIII, 308; p. 704 e cod. Pal. 499. Jüngeres bei Schannat, Vind. I, 23 e cod.
Wirceburgensi (Würzb. Archiv). Font. III, 144 nach Schannat und Pal. 499.
Nordhausen, Stift zum h. Kreuz: G. Schmidt in d. Festschrift d. Harzvereins 1870.
Ruppertsberg: Fragm. ed. Sauer, Nass. Ann. XVII, 1.
Schmerlenbach, bei Aschaffenburg: NA. IV, 376.
Seligenstadt: Stillbauer, Necr. u. kurze Chronik der Abtei S. im Programm d. Realgymn. 1880.
Fragm. ed. Falk, NA. XIV, 173.
B isthu m Wor m s.
Worms: Notizen aus Nonnenmünster bei dem Mon. Kirsgart. ed. Ludewig, Rell. II, 29; vgl. Falk,
NA. XIV, 173.
Rosenthal: Kremer, Origines Nass. II, 422-426. Adolf Köllner, Gesch. d. Herrschaft Kirchheim-
Boland u. Stauf (Wiesb. 1854) S. 353-357. In diese Gegend gehören auch die Notizen aus einem
Nonnenkloster über Wildgrafen und die von Randeck, Bolanden und Stein, bei C. Greith, Spicil.
Vat. p. 96 e cod. Vat. 4763.
Page 557
Sanct Jacob auf dem Donnersberge, vom Orden St. Paul des Einsiedlers: Köllner a. a. O. S. 336-340.
Wimpfen, Petersstift: Schannat, Vind. II, 64, Auszug. Orig. in d. Darmst. Hofbibl. n. 2297.
B ist hum S peier.
Speier, Dom: Fragment eines älteren, Font. IV, 315. Jüngeres ib. 317. Stücke daraus gaben Mone,
Anz. 1836 S. 98, Remling, Geschichte d. Bischöfe von Speier I, 413; vollständig v. Reimer,
Zeitschr. f. Gesch. d. Oberrh. XXVI, 414-444.
Lichtenthal: Schannat, Vind. litt. I. 164-172.
Weißenburg: Mone, Zeitschr. f. Gesch. d. Oberrh. XIII, 492 e cod. Weiß. 81. Zwei andere ed. Mooyer
im Archiv f. Unterfranken XIII, 3, 3 bis 43. 50-67. Auszüge aus letzteren Font. IV, 310-314.
B isth um S tr aßb urg.
Straßburg: Mone's Anz. 1838 S. 9-21; Font. III p. XV. Die Handschrift jetzt in Donaueschingen n.
512. Ein anderes ed. Mooyer im Archiv f. Unterfranken XIII, 3, 69-91. Fragm. ed. Koppmann in
d. Festgabe f. Archivar Wehrmann, Hamb. 1879. Exc. Font. IV, 309. Das in Melk verwahrte
Memorienbuch hat W. Wiegand herausgegeben, Zts. f. Gesch. d. Oberrh. N. F. III. Daraus sind
die von Liblin, Revue d'Alsace mitgetheilten Auszüge, s. NA. XVII, 242. Memorienbuch des
Frauenhauses v. A. Woltmann, im Repertor. f. Kunstwissenschaft I, Heft 3 u. 4.
Gengenbach: Baumann, NA. VII, 32.
Honau: Mone, Zeitschr. f. Geschichte des Oberrheins IV, 251.
B isthu m Con st anz [ 1 ] .
Constanz: Auszug von J. F. Böhmer im Geschichtsfreund XIII, 231-233; wiederholt Font. IV, 138;
vgl. NA. VII, 33. Necrol. I, 282-296. Dominicanerinnen: Thurg. Beitr. III, 45, vgl. NA. VIII,
438.
Aarau: Hunziker, Das Jahrzeitenbuch der Leutkirche von Aarau, Aarau 1872.
Adelberg: Fragm. Necrol. I, 143.
Wimpfen, Petersstift: Schannat, Vind. II, 64, Auszug. Orig. in d. Darmst. Hofbibl. n. 2297.
B ist hum S peier.
Speier, Dom: Fragment eines älteren, Font. IV, 315. Jüngeres ib. 317. Stücke daraus gaben Mone,
Anz. 1836 S. 98, Remling, Geschichte d. Bischöfe von Speier I, 413; vollständig v. Reimer,
Zeitschr. f. Gesch. d. Oberrh. XXVI, 414-444.
Lichtenthal: Schannat, Vind. litt. I. 164-172.
Weißenburg: Mone, Zeitschr. f. Gesch. d. Oberrh. XIII, 492 e cod. Weiß. 81. Zwei andere ed. Mooyer
im Archiv f. Unterfranken XIII, 3, 3 bis 43. 50-67. Auszüge aus letzteren Font. IV, 310-314.
B isth um S tr aßb urg.
Straßburg: Mone's Anz. 1838 S. 9-21; Font. III p. XV. Die Handschrift jetzt in Donaueschingen n.
512. Ein anderes ed. Mooyer im Archiv f. Unterfranken XIII, 3, 69-91. Fragm. ed. Koppmann in
d. Festgabe f. Archivar Wehrmann, Hamb. 1879. Exc. Font. IV, 309. Das in Melk verwahrte
Memorienbuch hat W. Wiegand herausgegeben, Zts. f. Gesch. d. Oberrh. N. F. III. Daraus sind
die von Liblin, Revue d'Alsace mitgetheilten Auszüge, s. NA. XVII, 242. Memorienbuch des
Frauenhauses v. A. Woltmann, im Repertor. f. Kunstwissenschaft I, Heft 3 u. 4.
Gengenbach: Baumann, NA. VII, 32.
Honau: Mone, Zeitschr. f. Geschichte des Oberrheins IV, 251.
B isthu m Con st anz [ 1 ] .
Constanz: Auszug von J. F. Böhmer im Geschichtsfreund XIII, 231-233; wiederholt Font. IV, 138;
vgl. NA. VII, 33. Necrol. I, 282-296. Dominicanerinnen: Thurg. Beitr. III, 45, vgl. NA. VIII,
438.
Aarau: Hunziker, Das Jahrzeitenbuch der Leutkirche von Aarau, Aarau 1872.
Adelberg: Fragm. Necrol. I, 143.
Page 558
Beromünster: Herrgott, Geneal. Habsb. III, 850: Geschichtsfreund V, 83 bis 157; Necrol. I, 345-356.
Bischofszell: Necrol. I, 382.
Blaubeuren: NA. VII, 30; Tubingius, Chron. Blaub. in Sattlers Grafen v. Wirtemberg, 2. Aufl. IV,
281: Necrol. I. 166-170. 659.
Denkendorf: Necrol. I, 172.
Einsiedeln: Grandidier, Hist. d'Alsace, Pièces justif. p. 268; Font. IV, 144, Herrgott, Geneal. Habsb.
III, 833, u. Geschichtsfreund I, 417-419, 420-424, nach Tschudi, unbrauchbar, s. NA. VIII, 429;
Necrol. I, 358-363.
Engelberg: Geschichtsfreund XXVI, 245-281 von Schneller. Necrol. I, 365-382.
Fahr (Aargau): NA. VIII, 435; Necrol. I, 384.
Feldbach (Thurgau): Freiberger Diöc. Arch. VII, 292: Necrol. I, 389-397.
Fraubrunnen: Schweizerischer Geschichtsforscher XI, 313-319; Mohr, Regesten d. Eidgenoss. II,
105; Necrol. I, 405-420.
Frauenthal: Necrol. I, 421.
Freiburg im Breisgau, Franciscaner: NA. VIII, 444.
Geiß, Pfarrkirche, Canton Luzern: Geschichtsfreund XXII. 209-220.
Günthersthal: Necrol. I, 296-309.
Hermetschwil: Quellen z. Schweiz. Gesch. III, 3, 134-166; Necrol. I, 423-439.
Hitzkirch: Geschichtsfreund XI, 92-104; Necrol. I, 410.
Hofen: Heß, Monumenta Guelf. p. 159-164; Necrol. I, 173-176.
Isny: NA. VII, 35; Necrol. I, 177-179.
Kempten: Necrol. I, 171.
Königsfelden: Argovia V, 52, v. Th. v. Liebenau; Necrol. I, 357.
Bischofszell: Necrol. I, 382.
Blaubeuren: NA. VII, 30; Tubingius, Chron. Blaub. in Sattlers Grafen v. Wirtemberg, 2. Aufl. IV,
281: Necrol. I. 166-170. 659.
Denkendorf: Necrol. I, 172.
Einsiedeln: Grandidier, Hist. d'Alsace, Pièces justif. p. 268; Font. IV, 144, Herrgott, Geneal. Habsb.
III, 833, u. Geschichtsfreund I, 417-419, 420-424, nach Tschudi, unbrauchbar, s. NA. VIII, 429;
Necrol. I, 358-363.
Engelberg: Geschichtsfreund XXVI, 245-281 von Schneller. Necrol. I, 365-382.
Fahr (Aargau): NA. VIII, 435; Necrol. I, 384.
Feldbach (Thurgau): Freiberger Diöc. Arch. VII, 292: Necrol. I, 389-397.
Fraubrunnen: Schweizerischer Geschichtsforscher XI, 313-319; Mohr, Regesten d. Eidgenoss. II,
105; Necrol. I, 405-420.
Frauenthal: Necrol. I, 421.
Freiburg im Breisgau, Franciscaner: NA. VIII, 444.
Geiß, Pfarrkirche, Canton Luzern: Geschichtsfreund XXII. 209-220.
Günthersthal: Necrol. I, 296-309.
Hermetschwil: Quellen z. Schweiz. Gesch. III, 3, 134-166; Necrol. I, 423-439.
Hitzkirch: Geschichtsfreund XI, 92-104; Necrol. I, 410.
Hofen: Heß, Monumenta Guelf. p. 159-164; Necrol. I, 173-176.
Isny: NA. VII, 35; Necrol. I, 177-179.
Kempten: Necrol. I, 171.
Königsfelden: Argovia V, 52, v. Th. v. Liebenau; Necrol. I, 357.
Page 559
Lindau: Zts. f. Schwaben u. Neuburg IV, 97, ed. Primbs; Necrol. I, 179-197.
Loewenthal, Dominicanerinnen: Sambeth im Verein f. Gesch. d. Bodensees, Heft 15. Auszug;
Necrol. I, 197-201.
Luzern, Benedictiner: Geschichtsfreund IV, 219-245; Chorherren: ib. 245 bis 258: vgl. NA. VIII,
430.
Magdenau: Necrol. I, 445-454.
Marchthal, s. NA. VII, 25; Necrol. I, 201.
Maria-Hof: Anniversarienbuch des Klosters Maria-Hof bei Neidingen, ed. Fickler, Schulprogr. von
Donaueschingen 1845, 1846, sehr fehlerhaft; Necrol. I, 309-314.
Mehrerau bei Bregenz: von Jos. Bergmann in den Denkschriften der Wiener Akademie V, 1-72;
Necrol. I, 145-152.
Muri: Herrgott, Geneal. Habsb. III, 839, ohne Werth, s. NA. VIII, 434; Necrol. I, 455.
Petershausen: Necrol. I, 315-323. 664-678.
Reichenau: Aeltestes (von Keller übersehen) ex cod. Vindob. Gerbert, Mon. vet. Liturgiae I, 482-492,
vgl. Denis I, 3030; Exc. Font. IV, 140; Saec. IX. facsim. v. F. Keller, Mittheilungen der Antiquar.
Ges. in Zürich (1848) VI, 2. Exc. Font, IV, 141-144. Herrgott, Geneal. Habsb. III, 831, aus dem
Verbrüderungsbuch; Necrol. I, 271-282.
Rheinau: Quellen z. Schweiz. Gesch. III, 2, 72-76; Necrol. I, 456-461.
Roth in Oberschwaben: Stadelhofer, Hist. Rothensis (Aug. 1787) S. 5-6. 12-16. 22-24. 27-29. 55,
Auszüge; Necrol. I, 202.
Salem: Necrol. I, 323.
Sanct Blasien: Fragment in Endlichers Codd. philol. p. 134, vgl. Büdinger in den Wiener
Sylvesterspenden 1858, und dazu Mooyer im Anz. d. Germ. Mus. 1860 Sp. 353, 1861 Sp. 113.
Dasselbe Font. IV, 148. Mone, Quellens. III, 609-619 mit den Verbrüderungen. Necrol. I, 323.
— Bernolds von St. Blasien Necrolog MG. SS. V, 391; Necrol. I, 657.
Sanct Gallen: Sanctgaller Todtenbuch und Verbrüderungen, herausgegeben von E. Dümmler u. H.
Wartmann (Mittheilungen zur vaterl. Gesch. XI. St. Gallen 1869). Ueber die Mittheilungen
einzelner nekrol. Notizen s. NA. VIII, 440; Necrol. I, 462-487.
Loewenthal, Dominicanerinnen: Sambeth im Verein f. Gesch. d. Bodensees, Heft 15. Auszug;
Necrol. I, 197-201.
Luzern, Benedictiner: Geschichtsfreund IV, 219-245; Chorherren: ib. 245 bis 258: vgl. NA. VIII,
430.
Magdenau: Necrol. I, 445-454.
Marchthal, s. NA. VII, 25; Necrol. I, 201.
Maria-Hof: Anniversarienbuch des Klosters Maria-Hof bei Neidingen, ed. Fickler, Schulprogr. von
Donaueschingen 1845, 1846, sehr fehlerhaft; Necrol. I, 309-314.
Mehrerau bei Bregenz: von Jos. Bergmann in den Denkschriften der Wiener Akademie V, 1-72;
Necrol. I, 145-152.
Muri: Herrgott, Geneal. Habsb. III, 839, ohne Werth, s. NA. VIII, 434; Necrol. I, 455.
Petershausen: Necrol. I, 315-323. 664-678.
Reichenau: Aeltestes (von Keller übersehen) ex cod. Vindob. Gerbert, Mon. vet. Liturgiae I, 482-492,
vgl. Denis I, 3030; Exc. Font. IV, 140; Saec. IX. facsim. v. F. Keller, Mittheilungen der Antiquar.
Ges. in Zürich (1848) VI, 2. Exc. Font, IV, 141-144. Herrgott, Geneal. Habsb. III, 831, aus dem
Verbrüderungsbuch; Necrol. I, 271-282.
Rheinau: Quellen z. Schweiz. Gesch. III, 2, 72-76; Necrol. I, 456-461.
Roth in Oberschwaben: Stadelhofer, Hist. Rothensis (Aug. 1787) S. 5-6. 12-16. 22-24. 27-29. 55,
Auszüge; Necrol. I, 202.
Salem: Necrol. I, 323.
Sanct Blasien: Fragment in Endlichers Codd. philol. p. 134, vgl. Büdinger in den Wiener
Sylvesterspenden 1858, und dazu Mooyer im Anz. d. Germ. Mus. 1860 Sp. 353, 1861 Sp. 113.
Dasselbe Font. IV, 148. Mone, Quellens. III, 609-619 mit den Verbrüderungen. Necrol. I, 323.
— Bernolds von St. Blasien Necrolog MG. SS. V, 391; Necrol. I, 657.
Sanct Gallen: Sanctgaller Todtenbuch und Verbrüderungen, herausgegeben von E. Dümmler u. H.
Wartmann (Mittheilungen zur vaterl. Gesch. XI. St. Gallen 1869). Ueber die Mittheilungen
einzelner nekrol. Notizen s. NA. VIII, 440; Necrol. I, 462-487.
Page 560
Sanct Georgen im Schwarzwald: NA. VII, 29.
Sanct Peter bei Freiburg: Baumann im Freib. Diöc. Arch. XIV (1881) S. 63-96; Necrol. I, 334-338.
Sanct Urban: Geschichtsfreund XVI, I: Necrol. I. 497.
Schachdorf, Canton Uri: Geschichtsfreund III, 160-169.
Schaffhausen, Allerheiligen: Mone, Quellens. III, 620, vgl. NA. VII, 36. Necrol. I, 498-502; Francisc.
ib. 502-511.
Schönenwerd (Solothurn): Urkundio I, 79.
Schussenried: Necrol. I, 205.
Schwarzenbach, Canton Luzern: Geschichtsfreund III, 195-209.
Seedorf (Uri): Geschichtsfr. XII, 54, gefälscht, s. NA. VIII, 431; Necrol. I, 511-521.
Sindelfingen: Haug, Chron. Sindelfing. p. 6-11: Necrol. I, 209-212.
Sion bei Klingnau: Necrol. I, 521-526.
Steinen, Canton Schwyz: Geschichtsfr. XXIX, 361-364.
Stetten bei Hechingen: Locher, Mitth. f. d. Gesch. in Hohenzoll. XIX; Necrol. I, 212.
Tennenbach im Breisgau: Necrol. I, 338-342.
Thännikon: Geschichtsfreund III, 116-128; Necrol. I, 527-533.
Tobel: Pupikofer, Geschichte des Thurgaues I. Beil. S. 36-40; Necrol. I. 537-547.
Tuggen, Dorf: Geschichtsfreund XXV.
Urspring bei Blaubeuern: Necrol. I, 214.
Wald bei Sigmaringen: Necrol. I, 218.
Weingarten: Heß, Monumenta Guelfica p. 133; Necrol. I, 221-238.
Sanct Peter bei Freiburg: Baumann im Freib. Diöc. Arch. XIV (1881) S. 63-96; Necrol. I, 334-338.
Sanct Urban: Geschichtsfreund XVI, I: Necrol. I. 497.
Schachdorf, Canton Uri: Geschichtsfreund III, 160-169.
Schaffhausen, Allerheiligen: Mone, Quellens. III, 620, vgl. NA. VII, 36. Necrol. I, 498-502; Francisc.
ib. 502-511.
Schönenwerd (Solothurn): Urkundio I, 79.
Schussenried: Necrol. I, 205.
Schwarzenbach, Canton Luzern: Geschichtsfreund III, 195-209.
Seedorf (Uri): Geschichtsfr. XII, 54, gefälscht, s. NA. VIII, 431; Necrol. I, 511-521.
Sindelfingen: Haug, Chron. Sindelfing. p. 6-11: Necrol. I, 209-212.
Sion bei Klingnau: Necrol. I, 521-526.
Steinen, Canton Schwyz: Geschichtsfr. XXIX, 361-364.
Stetten bei Hechingen: Locher, Mitth. f. d. Gesch. in Hohenzoll. XIX; Necrol. I, 212.
Tennenbach im Breisgau: Necrol. I, 338-342.
Thännikon: Geschichtsfreund III, 116-128; Necrol. I, 527-533.
Tobel: Pupikofer, Geschichte des Thurgaues I. Beil. S. 36-40; Necrol. I. 537-547.
Tuggen, Dorf: Geschichtsfreund XXV.
Urspring bei Blaubeuern: Necrol. I, 214.
Wald bei Sigmaringen: Necrol. I, 218.
Weingarten: Heß, Monumenta Guelfica p. 133; Necrol. I, 221-238.
Page 561
Weißenau: Mone's Zeitschr. VIII, 317-326; vgl. Mooyer ib. IX, 65-76; vgl. NA. VII, 35; Necrol. I,
153-165.
Wettingen: Herrgott, Geneal. Habsb. III, 839; Necrol. I, 588-600.
Wiblingen: Necrol. I, 238.
Willisau, Pfarrkirche: Geschichtsfr. XXIX, 166-253.
Wurmsbach (St. Gallen): Herrgott, Geneal. Habsb. III, 848; Necrol. I, 600.
Zürich, Chorherren: Grunauer in: Aelteste Denkmale der Züricher Litteratur, von M. Büdinger u. E.
Grunauer, Zürich 1866. Necrol. I, 547-588. — Frauenmünster, Fragmente: Mitth. der Antiq.
Gesellschaft VIII Anm. S. 12. 13; Necrol. I, 537-547.
Zurzach: Necrol. I, 606.
Zwiefalten: Heß, Monumenta Guelf. p. 234; vgl. Stälin II, 22, NA. VII. 33; Necrol. I, 240-268.
Bi sthum C ur.
Cur: Denkschriften der Wiener Akademie IV, 193-216 von Jos. Bergmann. Necrologium Curiense d.
i. die Jahrzeitbücher der Kirche zu Cur. Bearbeitet und herausgegeben von W. v. Juvalt. Mit 11
Tafeln Facsimile. Cur 1867. Ausg. von Baumann, Necrol. I, 619-646.
Marienberg im Vintschgau: Necrol. I, 649-653.
Münster in Graubündten: Necrol. I, 648.
Pfäffers: A. Birlinger, L. viv. et defunctorum. Alemannia IX (1881) S. 57 bis 71; Necrol. I, 646-648.
B ist h um A ugsburg.
Augsburg, Dom: MB. XXXV, 1, 3-119: Necrol. I, 55-73; von St. Ulrich und Afra: Braun, Notitia lit.
VI, 48-55; Necrol. I, 120-128.
Benedictbeuern: Necrol. I, 3-7.
Deggingen: Necrol. I, 73-75.
153-165.
Wettingen: Herrgott, Geneal. Habsb. III, 839; Necrol. I, 588-600.
Wiblingen: Necrol. I, 238.
Willisau, Pfarrkirche: Geschichtsfr. XXIX, 166-253.
Wurmsbach (St. Gallen): Herrgott, Geneal. Habsb. III, 848; Necrol. I, 600.
Zürich, Chorherren: Grunauer in: Aelteste Denkmale der Züricher Litteratur, von M. Büdinger u. E.
Grunauer, Zürich 1866. Necrol. I, 547-588. — Frauenmünster, Fragmente: Mitth. der Antiq.
Gesellschaft VIII Anm. S. 12. 13; Necrol. I, 537-547.
Zurzach: Necrol. I, 606.
Zwiefalten: Heß, Monumenta Guelf. p. 234; vgl. Stälin II, 22, NA. VII. 33; Necrol. I, 240-268.
Bi sthum C ur.
Cur: Denkschriften der Wiener Akademie IV, 193-216 von Jos. Bergmann. Necrologium Curiense d.
i. die Jahrzeitbücher der Kirche zu Cur. Bearbeitet und herausgegeben von W. v. Juvalt. Mit 11
Tafeln Facsimile. Cur 1867. Ausg. von Baumann, Necrol. I, 619-646.
Marienberg im Vintschgau: Necrol. I, 649-653.
Münster in Graubündten: Necrol. I, 648.
Pfäffers: A. Birlinger, L. viv. et defunctorum. Alemannia IX (1881) S. 57 bis 71; Necrol. I, 646-648.
B ist h um A ugsburg.
Augsburg, Dom: MB. XXXV, 1, 3-119: Necrol. I, 55-73; von St. Ulrich und Afra: Braun, Notitia lit.
VI, 48-55; Necrol. I, 120-128.
Benedictbeuern: Necrol. I, 3-7.
Deggingen: Necrol. I, 73-75.
Page 562
Dießen: Oefele II, 654. MB. VIII, 300. Notae Diessenses ed. Jaffé, MG. SS. XVII, 325, vgl. NA. VII,
38; Necrol. I, 7-32.
Donauwörth: Necrol. I, 118.
Ellwangen: Württemb. GQ. II von Giefel; Necrol. I, 75-78.
Fuessen: Necrol. I, 79-87.
Fultenbach: NA. VII, 31; Necrol. I, 87.
Hohenwart: Necrol. I, 33-35.
Irsee bei Kaufbeuern: Necrol. I, 139.
Kaisheim bei Donauwörth: Necrol. I, 88-94.
Neresheim: Necrol. I, 95-98.
Niederschönefeld: Oberbayerisches Archiv XXI Heft 3.
Ottobeuern: Heß, Monumenta Guelfica p. 289; Baumann, Zts. f. Schwaben u. Neuburg V, 3, 358;
Necrol. I, 99-118.
Polling: benutzt in der Succincta Informatio de Mon. Pollingano, Ginzb. 1760; wenige unbrauchbare
Trümmer nach Baumann.
Steingaden: Necrol. I, 35.
Thierhaupten: MB. XV, 140-144. Fragment im Anz. d. Germ. Mus. XXII, 8; Necrol. I, 38-41.
Ursberg: Necrol. I, 128-138.
Wessobrunn: Leutner, Historia Wessofontana II, 1-14; Necrol. I, 42-52.
B isth um E ich st edt.
38; Necrol. I, 7-32.
Donauwörth: Necrol. I, 118.
Ellwangen: Württemb. GQ. II von Giefel; Necrol. I, 75-78.
Fuessen: Necrol. I, 79-87.
Fultenbach: NA. VII, 31; Necrol. I, 87.
Hohenwart: Necrol. I, 33-35.
Irsee bei Kaufbeuern: Necrol. I, 139.
Kaisheim bei Donauwörth: Necrol. I, 88-94.
Neresheim: Necrol. I, 95-98.
Niederschönefeld: Oberbayerisches Archiv XXI Heft 3.
Ottobeuern: Heß, Monumenta Guelfica p. 289; Baumann, Zts. f. Schwaben u. Neuburg V, 3, 358;
Necrol. I, 99-118.
Polling: benutzt in der Succincta Informatio de Mon. Pollingano, Ginzb. 1760; wenige unbrauchbare
Trümmer nach Baumann.
Steingaden: Necrol. I, 35.
Thierhaupten: MB. XV, 140-144. Fragment im Anz. d. Germ. Mus. XXII, 8; Necrol. I, 38-41.
Ursberg: Necrol. I, 128-138.
Wessobrunn: Leutner, Historia Wessofontana II, 1-14; Necrol. I, 42-52.
B isth um E ich st edt.
Page 563
Eichstedt: MG. SS. VII, 248.
Bergen bei Neuburg (?): Archiv f. Unterfranken XIV, 1. 154-158, Fragment.
Nürnberg, St. Aegidien: Würfel, Diptycha eccl. Egyd. Nur. 1757; St. Catherinen, herausgegeben von
Würfel, Altorf 1769; Franciscaner: Oetter, Hist. Bibliothek II, 35-62.
B ist hu m Wür zb urg.
Würzburg, Dom: saec. IX. Eckhart, Comm. de Orient. Francia I, 830; Dümmler, Forsch. VI, 115-119;
Fragment im Archiv f. Unterfranken XIV, 1, 131-154, vgl. XV, 2, 371. Corpus Regulae seu
Kalendarium Domus S. Kiliani Wirceburgensis, saecula IX-XIV amplectens. Herausgeg. u.
erläutert von F. X. Wegele. Abh. d. Münch. Akad. III. Cl. XIII. Bd. 3. Abth. 1877. — Liber
regulae Haug. ed. Emil Ulrich, Arch. d. hist. V. f. Unterfr. u. Aschaff. XXX (1886) S. 249-335.
— St. Stephan: Wegele, Zur Litteratur der Fränkischen Necrologien (1864) S. 45-69.
Amorbach: benutzt in Gropps. Hist. Amorb. 1736.
Ansbach: Jung, Miscellanea II, 63.
Brunnbach: J. Kühles, Liber mortuorum monasterii Brunnbacensis, im Archiv f. Unterfranken u.
Aschaffenburg XXI, 1. 2. 1871.
Ebrach: Gropp, Monumenta sepulcralia Ebracensia, 1730, 4.
Hailsbronn: Jung, Miscell. II, 32-46. Ausgabe von Kerler im 33. Jahresbericht des hist. Vereins für
Mittelfranken (1865) S. 124-129. Neue Ausg. v. Dr. Scheins bei Stillfried, Kloster H. (Berlin
1877) S. 328 bis 394. Sep.-Abdr. bei Scheins: Aus den Archivalien des Klosters Hailsbronn.
Heidenfeld: Wegele, Zur Litteratur etc. S. 1-39.
Mergentheim, Dominicaner: Zeitschrift für das Wirtemb. Franken, Band 5 (1861) von H. Bauer.
Oehringen: Wibel, Hohenlohische Kirchen und Reform. Historie II (1753), 134-162.
Schwarzach: Wegele, Zur Litteratur etc. S. 1-39.
B i sth u m B am berg.
Bergen bei Neuburg (?): Archiv f. Unterfranken XIV, 1. 154-158, Fragment.
Nürnberg, St. Aegidien: Würfel, Diptycha eccl. Egyd. Nur. 1757; St. Catherinen, herausgegeben von
Würfel, Altorf 1769; Franciscaner: Oetter, Hist. Bibliothek II, 35-62.
B ist hu m Wür zb urg.
Würzburg, Dom: saec. IX. Eckhart, Comm. de Orient. Francia I, 830; Dümmler, Forsch. VI, 115-119;
Fragment im Archiv f. Unterfranken XIV, 1, 131-154, vgl. XV, 2, 371. Corpus Regulae seu
Kalendarium Domus S. Kiliani Wirceburgensis, saecula IX-XIV amplectens. Herausgeg. u.
erläutert von F. X. Wegele. Abh. d. Münch. Akad. III. Cl. XIII. Bd. 3. Abth. 1877. — Liber
regulae Haug. ed. Emil Ulrich, Arch. d. hist. V. f. Unterfr. u. Aschaff. XXX (1886) S. 249-335.
— St. Stephan: Wegele, Zur Litteratur der Fränkischen Necrologien (1864) S. 45-69.
Amorbach: benutzt in Gropps. Hist. Amorb. 1736.
Ansbach: Jung, Miscellanea II, 63.
Brunnbach: J. Kühles, Liber mortuorum monasterii Brunnbacensis, im Archiv f. Unterfranken u.
Aschaffenburg XXI, 1. 2. 1871.
Ebrach: Gropp, Monumenta sepulcralia Ebracensia, 1730, 4.
Hailsbronn: Jung, Miscell. II, 32-46. Ausgabe von Kerler im 33. Jahresbericht des hist. Vereins für
Mittelfranken (1865) S. 124-129. Neue Ausg. v. Dr. Scheins bei Stillfried, Kloster H. (Berlin
1877) S. 328 bis 394. Sep.-Abdr. bei Scheins: Aus den Archivalien des Klosters Hailsbronn.
Heidenfeld: Wegele, Zur Litteratur etc. S. 1-39.
Mergentheim, Dominicaner: Zeitschrift für das Wirtemb. Franken, Band 5 (1861) von H. Bauer.
Oehringen: Wibel, Hohenlohische Kirchen und Reform. Historie II (1753), 134-162.
Schwarzach: Wegele, Zur Litteratur etc. S. 1-39.
B i sth u m B am berg.
Page 564
Bamberg, Dom: Aeltestes bei Jaffé, Bibl. V, 555: anderes e cod. Vindob. 1845, Font. IV, 507, vgl.
Hist, Zeitschr. XX, 428. Domcapitel, bei Schweitzer: Vollständiger Auszug aus den
vorzüglichsten Calendarien des ehemaligen Fürstenthums Bamberg, im 7. Bericht des hist.
Vereins zu Bamberg, 1844. Exc. Font. IV, 505. Jaffé, Bibl. V, 555 bis 560. — Michelsberg,
ältestes: Hirsch, Heinr. II. I, 556. Bibl. V, 560 bis 563; jüngeres: Schannat, Vind. II, 47 u. bei
Schweitzer; Font. IV, 500-504; Bibl. V, 563-579. — Franciscaner: 36. Bericht d. hist. V f. 1873,
S. 1-83.
Banz, Siebenter Bericht des historischen Vereins zu Bamberg, 1844.
St. Martin in Forchheim und Neunkirchen im Brand, s. den Auszug von Schweitzer.
Bi sthu m P r ag.
Prag, Mansionarien: Dobner, Mon. III, 299-316; Strahof: Dlabacz. Chronologicum Necrologicum
abbatum et canonicorum Sioneorum, Prag 1817; S. Annae: Emler in d. SB. d. k. boehm. G. d.
W. 1878.
Glatz: Fragmente, Zts. f. Schles. Gesch. XXI, 381-388.
Hohenfurt: Millauer, Fragmente aus dem Necrologe des Zist.-Stifts Hohenfurt, Prag 1819.
Krumau, Clarissen: Höfler SS. Hussitici II, 78-85 (Fontes Rev. Austr. SS. VI).
Opatowitz: Dobner, Mon. Hist. Boh. III, 9-19.
Ostrau: Emler in d. SB. d. k. boehm. G. d. W. 1878.
Podlasitsch: Dudik, Forschungen in Schweden S. 404. vgl. S. 228.
Wittingau: Mitth. d. Vereins f. Gesch. d. Deutschen in Boehmen 1878, S. 220 ff. v. Loserth.
B i st hu m Olm üz.
Olmüz, Domcapitel: Arch. d. W. Ak. LIX, 639-657; LXV, 231-254; Minoriten: Loserth ib. S. 231-
254.
Hradisch: Dobner, Mon. III, 9-19; vgl. Meinert, Wiener Jahrb. XLVIII, Anz. S. 57.
Hist, Zeitschr. XX, 428. Domcapitel, bei Schweitzer: Vollständiger Auszug aus den
vorzüglichsten Calendarien des ehemaligen Fürstenthums Bamberg, im 7. Bericht des hist.
Vereins zu Bamberg, 1844. Exc. Font. IV, 505. Jaffé, Bibl. V, 555 bis 560. — Michelsberg,
ältestes: Hirsch, Heinr. II. I, 556. Bibl. V, 560 bis 563; jüngeres: Schannat, Vind. II, 47 u. bei
Schweitzer; Font. IV, 500-504; Bibl. V, 563-579. — Franciscaner: 36. Bericht d. hist. V f. 1873,
S. 1-83.
Banz, Siebenter Bericht des historischen Vereins zu Bamberg, 1844.
St. Martin in Forchheim und Neunkirchen im Brand, s. den Auszug von Schweitzer.
Bi sthu m P r ag.
Prag, Mansionarien: Dobner, Mon. III, 299-316; Strahof: Dlabacz. Chronologicum Necrologicum
abbatum et canonicorum Sioneorum, Prag 1817; S. Annae: Emler in d. SB. d. k. boehm. G. d.
W. 1878.
Glatz: Fragmente, Zts. f. Schles. Gesch. XXI, 381-388.
Hohenfurt: Millauer, Fragmente aus dem Necrologe des Zist.-Stifts Hohenfurt, Prag 1819.
Krumau, Clarissen: Höfler SS. Hussitici II, 78-85 (Fontes Rev. Austr. SS. VI).
Opatowitz: Dobner, Mon. Hist. Boh. III, 9-19.
Ostrau: Emler in d. SB. d. k. boehm. G. d. W. 1878.
Podlasitsch: Dudik, Forschungen in Schweden S. 404. vgl. S. 228.
Wittingau: Mitth. d. Vereins f. Gesch. d. Deutschen in Boehmen 1878, S. 220 ff. v. Loserth.
B i st hu m Olm üz.
Olmüz, Domcapitel: Arch. d. W. Ak. LIX, 639-657; LXV, 231-254; Minoriten: Loserth ib. S. 231-
254.
Hradisch: Dobner, Mon. III, 9-19; vgl. Meinert, Wiener Jahrb. XLVIII, Anz. S. 57.
Page 565
B isth u m H alber stadt .
Halberstadt, Dom: Mooyer in d. N. Mitth. d. thür.-sächs. Vereins VIII, 3, 58; St. Bonifaz: G. Schmidt
in d. Zeitschr. d. Harzvereins, VI (1873) 3. u. 4. Heft, aus d. 13. u. 14. Jahrhundert. St. Johannis-
Kloster, Fragment ed. O. v. Heinemann, Zeitschr. d. Harzvereins II, 2, 1-14.
Drübeck: Zeitschrift des Harzvereins III (1870) S. 381-392. 453-487.
Huisburg: Ed. Jacobs, Das Todtenbuch des Kloster Huisburg, in der Zeitschrift des Harzvereins V,
1872.
Ilsenburg: Leibn. SS. III, 684.
Quedlinburg: Mooyer in d. N. Mittheilungen VIII, 3, 46. 70. Dahin gehört vielleicht auch das
Fragment S. 83-87.
Wienhusen: Zeitschrift des hist. Vereins f. Niedersachsen 1855 S. 183, vgl. 371, von H. Boettger.
Bi st hu m Ver den .
Verden: Pratje, Altes und neues aus Bremen u. Verden IX, 263; ed. Holstein, Arch. d. V. f. Gesch. d.
Herzogth. Bremen u. Verden zu Stade, XI (1886) S. 146-192.
Lüneburg, St. Michaelis: Wedekind, Noten III; S. Maria fratrum Minorum: Gebhardi, Hist. geneal.
Abhandlungen IV, 215.
B ist hu m H ildesh eim .
Hildesheim, Dom: Leibn. SS. I, 763; Vaterl. Archiv f. Niedersachsen (1840) I, 67. St. Michaelis:
Leibn. SS. II, 103; vgl. Mooyer, N. Mitth. VIII, 3, 68; Archiv des hist. Vereins f. Niedersachsen
1842. 1843. Ein Fragment Arch. VII, 416.
Amelungsborn: Arch. f. Niedersachsen 1877, S. 6 ff. v. Dürre.
Braunschweig, St. Blasien: Fragment bei Wedekind, Noten I, 423; Dürre, Die beiden ältesten
Memorienbücher. Arch. f. Niedersachsen 1884.
Derneburg (nicht Dorstadt): Mooyer im Archiv des histor. Vereins f. Niedersachsen 1849, vgl. 1850
S. 368, 1851 S. 68. Zeitschrift des Harzvereins III (1870), S. 381-392. Nach Dürre ib. VII
Halberstadt, Dom: Mooyer in d. N. Mitth. d. thür.-sächs. Vereins VIII, 3, 58; St. Bonifaz: G. Schmidt
in d. Zeitschr. d. Harzvereins, VI (1873) 3. u. 4. Heft, aus d. 13. u. 14. Jahrhundert. St. Johannis-
Kloster, Fragment ed. O. v. Heinemann, Zeitschr. d. Harzvereins II, 2, 1-14.
Drübeck: Zeitschrift des Harzvereins III (1870) S. 381-392. 453-487.
Huisburg: Ed. Jacobs, Das Todtenbuch des Kloster Huisburg, in der Zeitschrift des Harzvereins V,
1872.
Ilsenburg: Leibn. SS. III, 684.
Quedlinburg: Mooyer in d. N. Mittheilungen VIII, 3, 46. 70. Dahin gehört vielleicht auch das
Fragment S. 83-87.
Wienhusen: Zeitschrift des hist. Vereins f. Niedersachsen 1855 S. 183, vgl. 371, von H. Boettger.
Bi st hu m Ver den .
Verden: Pratje, Altes und neues aus Bremen u. Verden IX, 263; ed. Holstein, Arch. d. V. f. Gesch. d.
Herzogth. Bremen u. Verden zu Stade, XI (1886) S. 146-192.
Lüneburg, St. Michaelis: Wedekind, Noten III; S. Maria fratrum Minorum: Gebhardi, Hist. geneal.
Abhandlungen IV, 215.
B ist hu m H ildesh eim .
Hildesheim, Dom: Leibn. SS. I, 763; Vaterl. Archiv f. Niedersachsen (1840) I, 67. St. Michaelis:
Leibn. SS. II, 103; vgl. Mooyer, N. Mitth. VIII, 3, 68; Archiv des hist. Vereins f. Niedersachsen
1842. 1843. Ein Fragment Arch. VII, 416.
Amelungsborn: Arch. f. Niedersachsen 1877, S. 6 ff. v. Dürre.
Braunschweig, St. Blasien: Fragment bei Wedekind, Noten I, 423; Dürre, Die beiden ältesten
Memorienbücher. Arch. f. Niedersachsen 1884.
Derneburg (nicht Dorstadt): Mooyer im Archiv des histor. Vereins f. Niedersachsen 1849, vgl. 1850
S. 368, 1851 S. 68. Zeitschrift des Harzvereins III (1870), S. 381-392. Nach Dürre ib. VII
Page 566
(1874), S. 178 bis 188 gehört es nach Derneburg; so auch v. Heinemann, Wolfenb. Hss. II, 14.
Marienberg bei Helmstedt: Zeitschrift des Harzvereins XV, 202-204 von O. v. Heinemann.
Woeltingerode: Mooyer im Archiv d. hist. Vereins f. Niedersachsen 1851 S. 48-71.
Bi st hu m P ader bor n .
Paderborn. Dom: Zeitschr. f. Gesch. Westfalens X, 115-167; vgl. Scheffer-Boichorst, Annales
Patherbrunnenses S. 73 Anm. 1.
Abdinghof: erwähnt von Scheffer-Boichorst l. c. S. 32.
Geseke: Seibertz, Quellen d. Westphäl. Gesch. III, 298-318.
Neuenheerse (Herisi): Wilmans, Kaiserurkunden der Provinz Westfalen I, 504, Auszug; Zeitschr. f.
Westf. Gesch. XXXVI, 2, 29 ff. von Evelt.
E R Z B I S T HUM C OE L N.
S p r en g el vo n C ö ln.
Cöln, Dom: Lacomblet, Archiv f. Gesch. des Niederrheins II, 10-22. Ein anderes von Mooyer ib. III,
374 ff. Font. III, 342. Nachträge aus einem dritten bei Ennen u. Eckertz II, 604-621. Einige alte
Notizen Forsch. VI, 123, vgl. auch Ecclesiae Colon. codd. (1874) cod. 45 p. 106, cod. 88 p. 125.
— St. Gereon: Lacomblet, Arch. III, 112-117; Groß, Sanct-Martin: Font. III, 347; vollständig bei
Jo. Hub. Kessel, Monumenta hist. eccl. Col. (1862) 1-108, ohne Tageszahlen; Mariengreden:
Lacomblet, Archiv II, 49-65, vgl. NA. XIII, 603-606.; Pantaleon: ungedruckt, im Berliner Cod.
Boruss. qu. 234: Memorienbuch des Stifts St. Ursula ed. Dornbusch in d. Annalen d. hist. V. f.
den Niederrhein 28. 29. (1876) S. 49-85. — Im 9. Heft d. Mitth. aus dem Stadtarchiv von Cöln
verzeichnet Korth die dort vorhandenen Necrologien aus 21 Stiftern der Stadt; ib. X, 91 wird ein
Necr. von St. Cunibert nachgewiesen.
Brühl, Franciscaner: Ann. f. d. Niederrh. XXXIV (1879) S. 105-123, von Virnich.
Deutz: Lacomblet, Archiv V, 265.
Düsseldorf: Lacomblet, Archiv III, 126-129.
Marienberg bei Helmstedt: Zeitschrift des Harzvereins XV, 202-204 von O. v. Heinemann.
Woeltingerode: Mooyer im Archiv d. hist. Vereins f. Niedersachsen 1851 S. 48-71.
Bi st hu m P ader bor n .
Paderborn. Dom: Zeitschr. f. Gesch. Westfalens X, 115-167; vgl. Scheffer-Boichorst, Annales
Patherbrunnenses S. 73 Anm. 1.
Abdinghof: erwähnt von Scheffer-Boichorst l. c. S. 32.
Geseke: Seibertz, Quellen d. Westphäl. Gesch. III, 298-318.
Neuenheerse (Herisi): Wilmans, Kaiserurkunden der Provinz Westfalen I, 504, Auszug; Zeitschr. f.
Westf. Gesch. XXXVI, 2, 29 ff. von Evelt.
E R Z B I S T HUM C OE L N.
S p r en g el vo n C ö ln.
Cöln, Dom: Lacomblet, Archiv f. Gesch. des Niederrheins II, 10-22. Ein anderes von Mooyer ib. III,
374 ff. Font. III, 342. Nachträge aus einem dritten bei Ennen u. Eckertz II, 604-621. Einige alte
Notizen Forsch. VI, 123, vgl. auch Ecclesiae Colon. codd. (1874) cod. 45 p. 106, cod. 88 p. 125.
— St. Gereon: Lacomblet, Arch. III, 112-117; Groß, Sanct-Martin: Font. III, 347; vollständig bei
Jo. Hub. Kessel, Monumenta hist. eccl. Col. (1862) 1-108, ohne Tageszahlen; Mariengreden:
Lacomblet, Archiv II, 49-65, vgl. NA. XIII, 603-606.; Pantaleon: ungedruckt, im Berliner Cod.
Boruss. qu. 234: Memorienbuch des Stifts St. Ursula ed. Dornbusch in d. Annalen d. hist. V. f.
den Niederrhein 28. 29. (1876) S. 49-85. — Im 9. Heft d. Mitth. aus dem Stadtarchiv von Cöln
verzeichnet Korth die dort vorhandenen Necrologien aus 21 Stiftern der Stadt; ib. X, 91 wird ein
Necr. von St. Cunibert nachgewiesen.
Brühl, Franciscaner: Ann. f. d. Niederrh. XXXIV (1879) S. 105-123, von Virnich.
Deutz: Lacomblet, Archiv V, 265.
Düsseldorf: Lacomblet, Archiv III, 126-129.
Page 567
Essen: Archiv f. Geschichte des Niederrheins N. F. I, 63-84.
Gerresheim: Archiv f. Geschichte des Niederrheins N. F. I, 90-102.
Gladbach: Font. III, 357. Auszug bei Eckertz und Növer, Gladbach S. 309. Vollst. von G. Eckertz,
Zts. d. Aachener Geschichtsvereins II, 191 ff. u. in bes. Ausgabe.
Grafschaft: Seibertz, Quellen d. Westf. Gesch. III. 422-460.
Kaiserswerth: Lacomblet, Arch. III, 117-126.
Kentrop bei Hamm an der Lippe: Archiv f. Geschichte d. Niederrheins N. F. I, 102-110.
Marienstatt, Cist. auf dem Westerwald: Auszug bei Lotz. Die Baudenkm. im Reg.-Bez. Wiesbaden
(Berlin 1880) S. 315 n.
Rolandswerth: Auszug bei Floß, Das Kloster Rolandswerth, 1868.
Siegburg: Annalen des hist. Vereins f. d. Niederrhein 1860 S. 221-225, von Eckertz.
Wedinghausen bei Arnsberg: Seibertz, Landes-u. Rechtsgesch. v. Westfalen I, 251-255.
Werden: Leibn. SS. III, 747. Daraus Font. III, 389, vgl. Martene, Coll. VI, 679. Notizen aus einer
Berliner Handschrift Arch. VIII, 842.
Xanten: Binterim und Mooren, Die alte und neue Erzdiöcese Köln I, 375; Notizen aus einem
Necrolog SS. XIII, 43-45.
B isth um L ütt i ch.
Lüttich: Diptychon Leodiense (Verbrüderungsbuch) ed. Wilthemius, 1659 folio. Schuermans, Le
diptyque consulaire de Liège, Bull. des Comm. roy. d'art et d'archéologie 1884. Fragment d'un
obituaire du XII. siècle. Bull, de Liège IX, 511.
Aachen: Necrologium b. Mariae Virginis Aquensis ed. Quix, 1830, 4. -- Windesheimer Chorherren in
Aachen: J. Greving, Zts. d. Aachener G.V. 1891, S. 61 ff.
Andennes, Chapitre d'Andennes: Analectes pour servir à l'hist. eccl. de Belgique XV.
Brogne: Obituaire de l'abb. de Brogne ou de Saint-Gérard, ib. XVIII.
Gerresheim: Archiv f. Geschichte des Niederrheins N. F. I, 90-102.
Gladbach: Font. III, 357. Auszug bei Eckertz und Növer, Gladbach S. 309. Vollst. von G. Eckertz,
Zts. d. Aachener Geschichtsvereins II, 191 ff. u. in bes. Ausgabe.
Grafschaft: Seibertz, Quellen d. Westf. Gesch. III. 422-460.
Kaiserswerth: Lacomblet, Arch. III, 117-126.
Kentrop bei Hamm an der Lippe: Archiv f. Geschichte d. Niederrheins N. F. I, 102-110.
Marienstatt, Cist. auf dem Westerwald: Auszug bei Lotz. Die Baudenkm. im Reg.-Bez. Wiesbaden
(Berlin 1880) S. 315 n.
Rolandswerth: Auszug bei Floß, Das Kloster Rolandswerth, 1868.
Siegburg: Annalen des hist. Vereins f. d. Niederrhein 1860 S. 221-225, von Eckertz.
Wedinghausen bei Arnsberg: Seibertz, Landes-u. Rechtsgesch. v. Westfalen I, 251-255.
Werden: Leibn. SS. III, 747. Daraus Font. III, 389, vgl. Martene, Coll. VI, 679. Notizen aus einer
Berliner Handschrift Arch. VIII, 842.
Xanten: Binterim und Mooren, Die alte und neue Erzdiöcese Köln I, 375; Notizen aus einem
Necrolog SS. XIII, 43-45.
B isth um L ütt i ch.
Lüttich: Diptychon Leodiense (Verbrüderungsbuch) ed. Wilthemius, 1659 folio. Schuermans, Le
diptyque consulaire de Liège, Bull. des Comm. roy. d'art et d'archéologie 1884. Fragment d'un
obituaire du XII. siècle. Bull, de Liège IX, 511.
Aachen: Necrologium b. Mariae Virginis Aquensis ed. Quix, 1830, 4. -- Windesheimer Chorherren in
Aachen: J. Greving, Zts. d. Aachener G.V. 1891, S. 61 ff.
Andennes, Chapitre d'Andennes: Analectes pour servir à l'hist. eccl. de Belgique XV.
Brogne: Obituaire de l'abb. de Brogne ou de Saint-Gérard, ib. XVIII.
Page 568
Burtscheid: einige Aebtissinnen bei Roth in Vollmöllers Rom. Forsch. VI, 494.
Floreffe: Analectes XIII.
Heinsberg: Meyer u. Erbard's Zeitschr. V (1842) 134-200, von Quix, Zts. d. Aachener G. V. I, 248-
286, v. Kessel.
Münsterbilsen: Bulletin de l'Institut archéologique Liégeois XII, 1, S. 27.
Namur, La Paix-Notre-Dame: Analectes XVI, 433.
Saint-Trond: Anal. XVI, 313.
Wenau: Zeitschr. d. Aachener Geschichtsvereins IV, 251-317, von E. v. Oidtmann.
B i sth u m Ut r echt.
Utrecht, Dom: Einige sehr alte Notizen NA. II, 291-293. Matthaeus, Fundationes et fata ecclesiarum
Ultraj. S. 34 (Fragmente, spät). Todestage einzelner Bischöfe aus einem Liber memor. eccl. maj.
bei Matthaeus de rebus Ultrajectinis. — St. Peter: Matthaeus, Fundatt. p. 116; Salvator: ib. 75-
108. Neue Ausg. im Archief voor de Gesch. van het aartsbisdom Utrecht, 11 u. 12 deel (1882,
1883).
Blumenthal (Nova lux) bei Utrecht: Bijdragen en Mededeelingen IX, 222-353.
Egmond: Van den Bergh, Oorkondenbok van Holland I, 332.
Elten: Het necrologium en het tynsboek van het adelyk Jufferenstift te Hoog-Elten, ed. Kist, Leyden
1853; vgl. über die Gräfin Liutgardis von Hamaland Holder-Egger, Waitz-Aufsätze S. 658.
Bi sthu m Münst er.
Münster: s. Ficker, Die Münsterischen Chroniken S. XLV. LII. Necrolog der Fraterherren, Zts. d. hist.
V. zu Münster, VI.
Feldwirth (Filwerth) in Friesland: Acta SS. Iul. VII, 178.
Marienfeld: v. Ledebur in Dorows Denkmälern alter Sprache und Kunst II, 123-232.
Floreffe: Analectes XIII.
Heinsberg: Meyer u. Erbard's Zeitschr. V (1842) 134-200, von Quix, Zts. d. Aachener G. V. I, 248-
286, v. Kessel.
Münsterbilsen: Bulletin de l'Institut archéologique Liégeois XII, 1, S. 27.
Namur, La Paix-Notre-Dame: Analectes XVI, 433.
Saint-Trond: Anal. XVI, 313.
Wenau: Zeitschr. d. Aachener Geschichtsvereins IV, 251-317, von E. v. Oidtmann.
B i sth u m Ut r echt.
Utrecht, Dom: Einige sehr alte Notizen NA. II, 291-293. Matthaeus, Fundationes et fata ecclesiarum
Ultraj. S. 34 (Fragmente, spät). Todestage einzelner Bischöfe aus einem Liber memor. eccl. maj.
bei Matthaeus de rebus Ultrajectinis. — St. Peter: Matthaeus, Fundatt. p. 116; Salvator: ib. 75-
108. Neue Ausg. im Archief voor de Gesch. van het aartsbisdom Utrecht, 11 u. 12 deel (1882,
1883).
Blumenthal (Nova lux) bei Utrecht: Bijdragen en Mededeelingen IX, 222-353.
Egmond: Van den Bergh, Oorkondenbok van Holland I, 332.
Elten: Het necrologium en het tynsboek van het adelyk Jufferenstift te Hoog-Elten, ed. Kist, Leyden
1853; vgl. über die Gräfin Liutgardis von Hamaland Holder-Egger, Waitz-Aufsätze S. 658.
Bi sthu m Münst er.
Münster: s. Ficker, Die Münsterischen Chroniken S. XLV. LII. Necrolog der Fraterherren, Zts. d. hist.
V. zu Münster, VI.
Feldwirth (Filwerth) in Friesland: Acta SS. Iul. VII, 178.
Marienfeld: v. Ledebur in Dorows Denkmälern alter Sprache und Kunst II, 123-232.
Page 569
Notteln: R. Wilmans in der Zeitschr. f. vaterl. Gesch. (Münster 1857) VIII, 158.
Vreden: benutzt von F. Tenhagen über die ältesten Aebtissinnen, Zts. f. Gesch. u. Alt. Westf. XLVIII,
141 ff.
Unbekanntes Nonnenkloster: Bresslau, NA. III, 137, vgl. S. 102 u. 659.
B isth u m O snab r ück.
Osnabrück: Mittheilungen d. hist. Vereins f. Osnabrück IV, 1-231.
B ist hum Mi n den.
Hameln: Urkundenbuch von O. Meinardus I (1887) S. 609-632.
Möllenbeck: Schannat, Vind. I, 138-142. Schrader in Wigands Archiv f. d. Gesch. Westfalens V, 432.
Mooyer in Meyer und Erhards Zeitschrift II, 1-105. III, 89.
Visbeck: Font. IV, 495-500, vgl. Scheffer-Boichorst. Ann. Patherb. S. 193. Hs. in Hannover n. 190
bei Bodemann S. 30.
E R Z B I S T HUM HAMB UR G- B RE ME N.
S p r eng el von B r em en.
Bremen: Mooyer im Vaterl. Archiv f. Niedersachsen 1835 S. 282-309.
Hamburg: Langebek, SS. Dan. V, 387. Neue Ausgabe von Koppmann, Zeitschr. f. Hamb. Gesch. N.
F. III, 21-183.
B i st hu m L ü beck.
Lübeck, Marienkirche: Wehrmann, Zts. f. Lüb. Gesch. VI (1890) S. 49-160, u. bes. Ausgabe.
Cismar: Quellensammlung d. Ges. f. Schl. Holst. Lauenb. Gesch. IV (1874) S. 272-395 von K.
Kohlmann.
Vreden: benutzt von F. Tenhagen über die ältesten Aebtissinnen, Zts. f. Gesch. u. Alt. Westf. XLVIII,
141 ff.
Unbekanntes Nonnenkloster: Bresslau, NA. III, 137, vgl. S. 102 u. 659.
B isth u m O snab r ück.
Osnabrück: Mittheilungen d. hist. Vereins f. Osnabrück IV, 1-231.
B ist hum Mi n den.
Hameln: Urkundenbuch von O. Meinardus I (1887) S. 609-632.
Möllenbeck: Schannat, Vind. I, 138-142. Schrader in Wigands Archiv f. d. Gesch. Westfalens V, 432.
Mooyer in Meyer und Erhards Zeitschrift II, 1-105. III, 89.
Visbeck: Font. IV, 495-500, vgl. Scheffer-Boichorst. Ann. Patherb. S. 193. Hs. in Hannover n. 190
bei Bodemann S. 30.
E R Z B I S T HUM HAMB UR G- B RE ME N.
S p r eng el von B r em en.
Bremen: Mooyer im Vaterl. Archiv f. Niedersachsen 1835 S. 282-309.
Hamburg: Langebek, SS. Dan. V, 387. Neue Ausgabe von Koppmann, Zeitschr. f. Hamb. Gesch. N.
F. III, 21-183.
B i st hu m L ü beck.
Lübeck, Marienkirche: Wehrmann, Zts. f. Lüb. Gesch. VI (1890) S. 49-160, u. bes. Ausgabe.
Cismar: Quellensammlung d. Ges. f. Schl. Holst. Lauenb. Gesch. IV (1874) S. 272-395 von K.
Kohlmann.
Page 570
B i sth um S chwer in .
Neuenkamp: Ledeburs Archiv XVI, 33. Fragment. Pomm, UB. I (1877) S. 504-516.
Rostock, Dominicaner: Fragment ed. Krause, Rostocker Progr. 1875.
B isthum Kam m i n .
Kammin: Ledeburs Archiv XVIII, 97-117.
Colbatz: Pomm. Urkundenbuch I (1877) S. 493-496.
Marienkron, Kartäuser-Kl. b. Rügenwalde: Balt. Stud. XXVI (1876) Heft 1.
E RZ B I S T HUM MA GDE BU RG .
Magdeburg: aus einer Handschrift von Stablo (Mart. Coll. VI, 668) N. Mitth. X, 2, 250-265 von
Dümmler; Anniversarien der Erzbischöfe ib. 265-267 von Winter. — St. Sebastian: Magdeb.
Geschichtsbl. 1874, 2. Heft, von Holstein.
Halle, St. Moritz: Würdtwein, Subsidia dipl. X, 407-412.
Neuwerk bei Halle: Geschichtsbl. f. Magd. v. K. Janicke II, 2 (1867) S. 154 bis 178; von Ed.
Bodemann.
B ist hum Mer sebu rg.
Merseburg: Hesse in Hoefer's Zeitschr. f. Archivkunde I, 101; neue Ausgabe von Dümmler, N. Mitth.
XI, 223-264. Ein jüngeres N. Mitth. II, 229 von Förstemann, vgl. Mooyer ib. V, 1, 49-81. 160. V,
3, 89 bis 99. VI, 2, 83-106. Wilmans im Arch. XI, 144.
Pegau: Mencken, SS. II, 118-155. Fragmente bei Endlicher, Codd. philol. p. 148.
B i sth u m N aum burg.
Neuenkamp: Ledeburs Archiv XVI, 33. Fragment. Pomm, UB. I (1877) S. 504-516.
Rostock, Dominicaner: Fragment ed. Krause, Rostocker Progr. 1875.
B isthum Kam m i n .
Kammin: Ledeburs Archiv XVIII, 97-117.
Colbatz: Pomm. Urkundenbuch I (1877) S. 493-496.
Marienkron, Kartäuser-Kl. b. Rügenwalde: Balt. Stud. XXVI (1876) Heft 1.
E RZ B I S T HUM MA GDE BU RG .
Magdeburg: aus einer Handschrift von Stablo (Mart. Coll. VI, 668) N. Mitth. X, 2, 250-265 von
Dümmler; Anniversarien der Erzbischöfe ib. 265-267 von Winter. — St. Sebastian: Magdeb.
Geschichtsbl. 1874, 2. Heft, von Holstein.
Halle, St. Moritz: Würdtwein, Subsidia dipl. X, 407-412.
Neuwerk bei Halle: Geschichtsbl. f. Magd. v. K. Janicke II, 2 (1867) S. 154 bis 178; von Ed.
Bodemann.
B ist hum Mer sebu rg.
Merseburg: Hesse in Hoefer's Zeitschr. f. Archivkunde I, 101; neue Ausgabe von Dümmler, N. Mitth.
XI, 223-264. Ein jüngeres N. Mitth. II, 229 von Förstemann, vgl. Mooyer ib. V, 1, 49-81. 160. V,
3, 89 bis 99. VI, 2, 83-106. Wilmans im Arch. XI, 144.
Pegau: Mencken, SS. II, 118-155. Fragmente bei Endlicher, Codd. philol. p. 148.
B i sth u m N aum burg.
Page 571
Naumburg: Schöttgen et Kreißig II, 160. Lepsius, Kl. Schriften I, 31 bis 33. Fragment ed. Perlbach,
Neue Mitth. XVII, 249-255.
Zeitz: Schöttgen et Kreißig II, 152.
B isthu m Meißen.
Meißen: Schöttgen et Kreißig II, 97.
Altenzelle: Bericht der deutschen Gesellschaft zu Leipzig 1841 S. 1 ff., vgl. 1844 S. 27. Archiv f.
Sächs. Geschichte 1843 S. 24.
Chemnitz: Mencken, SS. II, 118: CD. Sax. Reg. VI. von Ermisch.
Görlitz, Minoriten: SS. Rerum Lusat. (1839) I, 265 von Köhler. Verbesserungen von E. Wernicke im
N. Laus. Mag. L. (1873) 121-128.
Pirna, Dominicaner: Berichte der deutschen Gesellschaft zu Leipzig 1843 S. 19 von Leyser.
E R Z B I S T H UM GNE S E N .
Bi sthu m Br esl au.
Breslau, St. Vincenz: Zeitschr. d. Vereins f. Gesch. u. Alterthum Schlesiens X, 411-480 von Paul
Hein aus d. Berlin. HS. theol. lat. f. 378 (Arch. VIII, 843 irrig auf Posen bezogen); Kreuzstift:
Zeitschr. VII, 303 bis 343 von Arthur König.
Böhmisch-Schlesisches unbekannter Herkunft, Zeitschr. V, 107-115.
Schlesisches, aus verschiedenen Quellen gesammelt von C. Grünhagen, Zeitschrift IX, 182-190.
Czarnowanz: Zeitschrift I, 226.
Heinrichau: Zeitschrift IV, 278-310.
Kamenz: Zeitschrift IV, 311-337.
Leubus: Wattenbach, Monumenta Lubensia (Bresl. 1861) S. 35-59.
Neue Mitth. XVII, 249-255.
Zeitz: Schöttgen et Kreißig II, 152.
B isthu m Meißen.
Meißen: Schöttgen et Kreißig II, 97.
Altenzelle: Bericht der deutschen Gesellschaft zu Leipzig 1841 S. 1 ff., vgl. 1844 S. 27. Archiv f.
Sächs. Geschichte 1843 S. 24.
Chemnitz: Mencken, SS. II, 118: CD. Sax. Reg. VI. von Ermisch.
Görlitz, Minoriten: SS. Rerum Lusat. (1839) I, 265 von Köhler. Verbesserungen von E. Wernicke im
N. Laus. Mag. L. (1873) 121-128.
Pirna, Dominicaner: Berichte der deutschen Gesellschaft zu Leipzig 1843 S. 19 von Leyser.
E R Z B I S T H UM GNE S E N .
Bi sthu m Br esl au.
Breslau, St. Vincenz: Zeitschr. d. Vereins f. Gesch. u. Alterthum Schlesiens X, 411-480 von Paul
Hein aus d. Berlin. HS. theol. lat. f. 378 (Arch. VIII, 843 irrig auf Posen bezogen); Kreuzstift:
Zeitschr. VII, 303 bis 343 von Arthur König.
Böhmisch-Schlesisches unbekannter Herkunft, Zeitschr. V, 107-115.
Schlesisches, aus verschiedenen Quellen gesammelt von C. Grünhagen, Zeitschrift IX, 182-190.
Czarnowanz: Zeitschrift I, 226.
Heinrichau: Zeitschrift IV, 278-310.
Kamenz: Zeitschrift IV, 311-337.
Leubus: Wattenbach, Monumenta Lubensia (Bresl. 1861) S. 35-59.
Page 572
Bi sthu m Kr akau.
Krakau: Letowsky, Katalog biskupów Krakowskich Tom. IV Krak. 1853; neue Ausgabe in
Bielowski's Monumenta Poloniae II, 905 ff.
B i sth u m P o sen .
Lubin: Verbrüderungsbuch bei Zeißberg: Kleinere Geschichtsquellen Polens, 1877.
Bi sthu m L esl au.
Leslau: Ephemerides Wladislavienses MG. SS. XIX, 687-689.
E R Z BI S T H UM R I GA.
Riga, Dom: Notae necrol. in einem Missale s. XV. G. Berkholz in SB. d. Ges. f. Gesch. d.
Ostseeprovinzen Russl. 1874, S. 5.
Lond, Oliva: s. NA. XIII, 248.
Ronneburg: SS. Rer. Pruss. II, 147 von Strehlke.
Deutsch-Ordens-Necrologe: Perlbach, Forsch. XVII, 357-371.
Pomesanien: ib. S. 368.
Samland, Todestage der Bischöfe, ib. S. 370.
Die Ermländischen Anniversarienbücher (Frauenburg, Gutstadt, Pelplin): Monumenta Warm. III. 2.
SS. I, 208-299 von Woelky. Pelplin auch Mon. Pol. IV.
E R Z B I S T HUM GR AN.
Jászó: Wattenbach, Bemerkungen zu einigen öst. Geschichtsquellen, Archiv d. Wiener Ak. XLII,
497-499.
Krakau: Letowsky, Katalog biskupów Krakowskich Tom. IV Krak. 1853; neue Ausgabe in
Bielowski's Monumenta Poloniae II, 905 ff.
B i sth u m P o sen .
Lubin: Verbrüderungsbuch bei Zeißberg: Kleinere Geschichtsquellen Polens, 1877.
Bi sthu m L esl au.
Leslau: Ephemerides Wladislavienses MG. SS. XIX, 687-689.
E R Z BI S T H UM R I GA.
Riga, Dom: Notae necrol. in einem Missale s. XV. G. Berkholz in SB. d. Ges. f. Gesch. d.
Ostseeprovinzen Russl. 1874, S. 5.
Lond, Oliva: s. NA. XIII, 248.
Ronneburg: SS. Rer. Pruss. II, 147 von Strehlke.
Deutsch-Ordens-Necrologe: Perlbach, Forsch. XVII, 357-371.
Pomesanien: ib. S. 368.
Samland, Todestage der Bischöfe, ib. S. 370.
Die Ermländischen Anniversarienbücher (Frauenburg, Gutstadt, Pelplin): Monumenta Warm. III. 2.
SS. I, 208-299 von Woelky. Pelplin auch Mon. Pol. IV.
E R Z B I S T HUM GR AN.
Jászó: Wattenbach, Bemerkungen zu einigen öst. Geschichtsquellen, Archiv d. Wiener Ak. XLII,
497-499.
Page 573
E RZ B I S T HUM S AL Z B UR G.
S pr en gel von S al zburg.
(herausgegeben von F. Herzberg-Fränkel, M. G. Necrologia II, 1892.)
Salzburg: Monumenta Boica XIV, 365-405. Ausgabe von Wiedemann im Arch. d. W. Ak. XXVIII, 1-
286 unbrauchbar, s. Lit. Centralbl. 1863 S. 292-296. Auszug Font. IV, 576-583; Fragment des
Necrol. d. Dombrüderschaft im Arch. d. W. Ak. LIII, 245-258. Necrol. II, 77-199. — St.
Erendrudis ib. 65-76. — St. Peter: A. v. Meiller im Arch. d. W. Ak. XIX, 209-396. Vgl. das
Verbrüderungsbuch des Stiftes St. Peter, mit Erläuterungen von Th. G. v. Karajan, Wien 1852. in
folio. — Necrol. II, 1-64; NA. XII, 53-107 (verfasst 784).
Admunt: Pez, SS. Rer. Austr. II, 198-210. Ein anderes von A. v. Meiller im Arch. d. W. Ak. XIX, 407-
410. Frieß ib. LXVI, 315-506. Necrol. II, 281-309.
Au. bei Gars: MB. I, 250. Fragment. Necrol. II, 109.
Baumburg: MB. II, 264-268. Necrol. II, 237-255.
Chiemsee: Necrol. II, 203-212.
Eberndorf im Jaunthal: Schroll im Wiener Archiv LXVIII (1886).
Gars: Necrol. II, 201.
Gurk: B. Schroll im Wiener Arch. LXXV, 237 ff. (1889). Necrol. II. 448-454.
Michaelbeuern: Filz, Gesch. v. M. S. 860. Necrol. II, 212-216. 467.
Millstatt: B. Schroll im Wiener Arch. LXXXVII (1891) S. 265-317. Necrol. II, 455-466.
Ossiach: B. Schroll im Wiener Arch. LXXIII (1888) S. 275 ff; Necrol. II, 443-447.
Raitenhaslach: Necrol. II, 255-283.
Reun: Pusch et Froelich, Diplomataria Styriae II, 333; Fragmente eines älteren, Arch. d. W. Ak.
LVIII, 217-229, v. Zeißberg; Necrol. II, 341-356.
Sanct Lambrecht: M. Pangerl in den Fontes Rer. Austr. Dipll. XXIX. 1869: Necrol. II, 309-340.
S pr en gel von S al zburg.
(herausgegeben von F. Herzberg-Fränkel, M. G. Necrologia II, 1892.)
Salzburg: Monumenta Boica XIV, 365-405. Ausgabe von Wiedemann im Arch. d. W. Ak. XXVIII, 1-
286 unbrauchbar, s. Lit. Centralbl. 1863 S. 292-296. Auszug Font. IV, 576-583; Fragment des
Necrol. d. Dombrüderschaft im Arch. d. W. Ak. LIII, 245-258. Necrol. II, 77-199. — St.
Erendrudis ib. 65-76. — St. Peter: A. v. Meiller im Arch. d. W. Ak. XIX, 209-396. Vgl. das
Verbrüderungsbuch des Stiftes St. Peter, mit Erläuterungen von Th. G. v. Karajan, Wien 1852. in
folio. — Necrol. II, 1-64; NA. XII, 53-107 (verfasst 784).
Admunt: Pez, SS. Rer. Austr. II, 198-210. Ein anderes von A. v. Meiller im Arch. d. W. Ak. XIX, 407-
410. Frieß ib. LXVI, 315-506. Necrol. II, 281-309.
Au. bei Gars: MB. I, 250. Fragment. Necrol. II, 109.
Baumburg: MB. II, 264-268. Necrol. II, 237-255.
Chiemsee: Necrol. II, 203-212.
Eberndorf im Jaunthal: Schroll im Wiener Archiv LXVIII (1886).
Gars: Necrol. II, 201.
Gurk: B. Schroll im Wiener Arch. LXXV, 237 ff. (1889). Necrol. II. 448-454.
Michaelbeuern: Filz, Gesch. v. M. S. 860. Necrol. II, 212-216. 467.
Millstatt: B. Schroll im Wiener Arch. LXXXVII (1891) S. 265-317. Necrol. II, 455-466.
Ossiach: B. Schroll im Wiener Arch. LXXIII (1888) S. 275 ff; Necrol. II, 443-447.
Raitenhaslach: Necrol. II, 255-283.
Reun: Pusch et Froelich, Diplomataria Styriae II, 333; Fragmente eines älteren, Arch. d. W. Ak.
LVIII, 217-229, v. Zeißberg; Necrol. II, 341-356.
Sanct Lambrecht: M. Pangerl in den Fontes Rer. Austr. Dipll. XXIX. 1869: Necrol. II, 309-340.
Page 574
Sanct Paul im Lavantthal: B. Schroll im Arch. f. Gesch. v. Kärnten, 10. Jahrgang 1886.
Seckau: Pusch et Froelich, Diplomataria Styriae II, 353; Necrol. II, 356-435.
Seitz: Pusch et Froelich p. 329.
Seon: MB. II, 158-162; Necrol. II, 217-236.
Vorau: Necrol. II, 436-440.
B i sth u m B r ixen .
Wilten: Heß, Monumenta Guelfica S. 292, wenige Excerpte. Seb. Brunner im Arch. d. W. Ak. XLII,
233-250, chronologisch geordnete Auszüge 1142-1698 aus einem Necrol. s. XVIII.
Bi sthu m F r ei sing.
Freising: Eckhart, Comment. de Orient. Francia I, 835; Font. IV, 586. Ein anderes von Rudhart,
Quellen u. Erörterungen VII, 441-481; Font. IV, 586-588. Necrol. eccl. cath. saec. X. XI. ed.
Dümmler e cod. Monac. 6421, Forsch. XV, 162-166.
Ebersberg: Oefele II, 15-18. Ausg. v. W. Scherer, Wiener SB. LIII, 232-238.
Fürstenfeld: MB. IX, 337, mangelhafte Auszüge. Ueber das wiedererworbene Ms. M. Mayer. Zur
Kritik der Fürst. Geschichtsquellen S. 5.
Landshut, Franciscaner: Primbs in d. Verhandl. d. hist. Vereins f. Niederbayern XIII, 4. Heft.
Raitenbuch: angeführt von Greinwald, Origg. Raitenb. Monachii 1797.
Tegernsee: Oefele I, 632-638. Freyberg, Gesch. v. Tegernsee S. 203-220, vgl. Mooyer in d. Westfäl.
Prov.-Blättern III, 1.
Undersdorf: MB. XIV, 168-170.
B isthu m R egen sb urg.
Seckau: Pusch et Froelich, Diplomataria Styriae II, 353; Necrol. II, 356-435.
Seitz: Pusch et Froelich p. 329.
Seon: MB. II, 158-162; Necrol. II, 217-236.
Vorau: Necrol. II, 436-440.
B i sth u m B r ixen .
Wilten: Heß, Monumenta Guelfica S. 292, wenige Excerpte. Seb. Brunner im Arch. d. W. Ak. XLII,
233-250, chronologisch geordnete Auszüge 1142-1698 aus einem Necrol. s. XVIII.
Bi sthu m F r ei sing.
Freising: Eckhart, Comment. de Orient. Francia I, 835; Font. IV, 586. Ein anderes von Rudhart,
Quellen u. Erörterungen VII, 441-481; Font. IV, 586-588. Necrol. eccl. cath. saec. X. XI. ed.
Dümmler e cod. Monac. 6421, Forsch. XV, 162-166.
Ebersberg: Oefele II, 15-18. Ausg. v. W. Scherer, Wiener SB. LIII, 232-238.
Fürstenfeld: MB. IX, 337, mangelhafte Auszüge. Ueber das wiedererworbene Ms. M. Mayer. Zur
Kritik der Fürst. Geschichtsquellen S. 5.
Landshut, Franciscaner: Primbs in d. Verhandl. d. hist. Vereins f. Niederbayern XIII, 4. Heft.
Raitenbuch: angeführt von Greinwald, Origg. Raitenb. Monachii 1797.
Tegernsee: Oefele I, 632-638. Freyberg, Gesch. v. Tegernsee S. 203-220, vgl. Mooyer in d. Westfäl.
Prov.-Blättern III, 1.
Undersdorf: MB. XIV, 168-170.
B isthu m R egen sb urg.
Page 575
Regensburg, St. Emmeram: MB. XIV, 365, vgl. Mooyer in d. Verhandl. f. Oberpfalz XIII, 275-405 u.
NA. II, 449; Niedermünster: Gerbert, Monumenta Vet. Liturgiae I, 492-500; Font. III, 483, vgl.
Archiv IV, 315; Obermünster: Font. III, 485; Minoriten, Verhandl. f. Oberpfalz XXV, von K.
Primbs; S. Jacobi, in neuer Abschrift benutzt von Hugo Graf Walderdorff, Hist. V. v. Oberpfalz
und Regensburg XXXIV.
Münchsmünster: A. Nagel, Notitiae origines domus Boicae illustrantes (Mon. 1804) p. LIII-LVI.
Oberaltaich: MB. XII, 278. Ein älteres in unbrauchbarer Ausgabe von Wiedemann im Archiv d. W.
Ak. XXVI, 313-354, vgl. Lit. Centralbl. 1863 S. 174; Font. IV, 572-576. vgl. p. LXII.
Prüfening: MG. SS. XVII, 609.
Seldenthal: MB. XV, 506-550.
Seligenpforten im Nordgau: Hist. dipl. Magazin fürs Vaterland I, 37-67.
Weltenburg: MB. XIII, 473-493; Font. IV, 568-572.
Windberg: MB. XIV, 90-108.
B i sth u m P assau.
Passau: Fragment bei Dümmler, Piligrim von Passau S. 101.
Dürrenstein: Duellii Miscellanea I, 164-167.
Gaming: Zeißberg, Zur Gesch. d. Karthause Gaming, Arch. d. W. Ak. LX, 563-596.
Heiligenkreuz: Zeitschr. f. Oesterr. Gym. XXVIII (1877) S. 1-11, v. Zeißberg, Fragmente.
Klein Mariazell: Wiss. Studien u. Mitth. a. d. Bened. Orden. Heft 2, S. 106 bis 120, v. V. Staufer.
Klosterneuburg: Fischer, Geschichte von Klosterneuburg II, 101. Zeibig im Arch. d. W. Ak. VII, 271.
Lilienfeld: Hanthaler, Recensus Archivi Campilil. II, 423-438, mit Fälschungen. Neue Ausg. von
Zeißberg, Fontes Rer. Austr. II, XLI, 1 bis 238.
Melk: H. Pez, SS. Rer. Austr. I, 304. Zwei Fragmente in Keiblingers Geschichte von Melk I, 1160-
1165.
NA. II, 449; Niedermünster: Gerbert, Monumenta Vet. Liturgiae I, 492-500; Font. III, 483, vgl.
Archiv IV, 315; Obermünster: Font. III, 485; Minoriten, Verhandl. f. Oberpfalz XXV, von K.
Primbs; S. Jacobi, in neuer Abschrift benutzt von Hugo Graf Walderdorff, Hist. V. v. Oberpfalz
und Regensburg XXXIV.
Münchsmünster: A. Nagel, Notitiae origines domus Boicae illustrantes (Mon. 1804) p. LIII-LVI.
Oberaltaich: MB. XII, 278. Ein älteres in unbrauchbarer Ausgabe von Wiedemann im Archiv d. W.
Ak. XXVI, 313-354, vgl. Lit. Centralbl. 1863 S. 174; Font. IV, 572-576. vgl. p. LXII.
Prüfening: MG. SS. XVII, 609.
Seldenthal: MB. XV, 506-550.
Seligenpforten im Nordgau: Hist. dipl. Magazin fürs Vaterland I, 37-67.
Weltenburg: MB. XIII, 473-493; Font. IV, 568-572.
Windberg: MB. XIV, 90-108.
B i sth u m P assau.
Passau: Fragment bei Dümmler, Piligrim von Passau S. 101.
Dürrenstein: Duellii Miscellanea I, 164-167.
Gaming: Zeißberg, Zur Gesch. d. Karthause Gaming, Arch. d. W. Ak. LX, 563-596.
Heiligenkreuz: Zeitschr. f. Oesterr. Gym. XXVIII (1877) S. 1-11, v. Zeißberg, Fragmente.
Klein Mariazell: Wiss. Studien u. Mitth. a. d. Bened. Orden. Heft 2, S. 106 bis 120, v. V. Staufer.
Klosterneuburg: Fischer, Geschichte von Klosterneuburg II, 101. Zeibig im Arch. d. W. Ak. VII, 271.
Lilienfeld: Hanthaler, Recensus Archivi Campilil. II, 423-438, mit Fälschungen. Neue Ausg. von
Zeißberg, Fontes Rer. Austr. II, XLI, 1 bis 238.
Melk: H. Pez, SS. Rer. Austr. I, 304. Zwei Fragmente in Keiblingers Geschichte von Melk I, 1160-
1165.
Page 576
Niederaltaich: Handschriftlich in Jena, Arch. XI, 509. Benutzt von Jaffé, MG. XVII, 351; Dümmler,
Otto I, S. 160. Anderes in Wien, Arch. X, 488.
Ranshofen: MG. SS. IV, 791, vgl. auch Pritz, Geschichte von Ranshofen, im Arch. d. W. Ak. XVII,
377 ff.
Retz, Dominicaner: Duellii Miscellanea II, 169. Seb. Brunner, Der Prediger-Orden in Wien und
Oesterreich, Wien 1867.
Sanct Andrä an der Traisen: A. v. Meiller, Arch. d. W. Ak. XIX, 397 bis 407.
Sanct Florian: Stülz, Geschichte von St. Florian S. 193. Ein anderes im Notizenblatt d. W. Ak. 1852
S. 291. Dahin gehört auch das Necrol. des Pfarrers Albert von Waldkirchen MG. SS. IX, 754.
Albin Czerny, Das älteste Todtenbuch des Stiftes St. Florian, Arch. d. W. Ak. LVI, 257-368.
Necrol. Calender Heinrichs II, Probst von St. Florian 1313 bis 1321, nebst 3 anderen
Fragmenten, Beitr. z. Landesk. v. Ob.-Oest. XXX (1878) von Czerny.
Sanct Pölten: Duellii Exc. geneal. p. 125-166. Fontes Rer. Austr. Dipl. XXI, 441-753 von Wiedemann
vollständig, aber unzuverlässig. Berichtigungen und Ergänzungen von Fr. Stark im Arch. d. W.
Ak. XXXIV, 371-433; vgl. XXXV, 457-462. XXXVI, 473-483. Lit. Centralbl. 1865 S. 1209-
1211.
Spital am Pyrn: B. Schroll im Arch. d. Wiener Ak. LXXII (1888) S. 201 ff.
Wien, Schotten: H. Pez, SS. Rer. Austr. I, 695, vgl. SB. XIII, 107; Minoriten ib. II, 471-519;
Dominicaner (1309-1867) in dem oben angeführten Buch von Seb. Brunner.
Wilhering: Stülz, Geschichte von Wilhering, S. 435-445.
E R Z BI S T H UM T R I E R.
S p r en g el von Tr i er.
Trier: Diptychon aus ottonischer Zeit ohne Tage, nur Namen, neue Ausg. mit Facs. von Fr. X. Kraus,
Westd. Zts. IV, 138-156. Stellen aus dem verschollenen alten Necrol. der Domkirche in Browers
Annales Treverenses, s. Dümmler in den N. Mitth. XI, 228, Anm. 16. R. Wilmans,
Kaiserurkunden S. 432 Anm. 6; das von Sauerland e miss. Bamb. im Hist. Jahrb. VIII, 475-487
mitgetheilte gehört nach Paderborn. -- St. Maximin: Hontheim, Prodr. II, p. 966-994, vgl. Arch.
XI, 290. Kraus im Jahrb. d. Alterthumsfreunde im Rheinland, Heft 57-58.
Otto I, S. 160. Anderes in Wien, Arch. X, 488.
Ranshofen: MG. SS. IV, 791, vgl. auch Pritz, Geschichte von Ranshofen, im Arch. d. W. Ak. XVII,
377 ff.
Retz, Dominicaner: Duellii Miscellanea II, 169. Seb. Brunner, Der Prediger-Orden in Wien und
Oesterreich, Wien 1867.
Sanct Andrä an der Traisen: A. v. Meiller, Arch. d. W. Ak. XIX, 397 bis 407.
Sanct Florian: Stülz, Geschichte von St. Florian S. 193. Ein anderes im Notizenblatt d. W. Ak. 1852
S. 291. Dahin gehört auch das Necrol. des Pfarrers Albert von Waldkirchen MG. SS. IX, 754.
Albin Czerny, Das älteste Todtenbuch des Stiftes St. Florian, Arch. d. W. Ak. LVI, 257-368.
Necrol. Calender Heinrichs II, Probst von St. Florian 1313 bis 1321, nebst 3 anderen
Fragmenten, Beitr. z. Landesk. v. Ob.-Oest. XXX (1878) von Czerny.
Sanct Pölten: Duellii Exc. geneal. p. 125-166. Fontes Rer. Austr. Dipl. XXI, 441-753 von Wiedemann
vollständig, aber unzuverlässig. Berichtigungen und Ergänzungen von Fr. Stark im Arch. d. W.
Ak. XXXIV, 371-433; vgl. XXXV, 457-462. XXXVI, 473-483. Lit. Centralbl. 1865 S. 1209-
1211.
Spital am Pyrn: B. Schroll im Arch. d. Wiener Ak. LXXII (1888) S. 201 ff.
Wien, Schotten: H. Pez, SS. Rer. Austr. I, 695, vgl. SB. XIII, 107; Minoriten ib. II, 471-519;
Dominicaner (1309-1867) in dem oben angeführten Buch von Seb. Brunner.
Wilhering: Stülz, Geschichte von Wilhering, S. 435-445.
E R Z BI S T H UM T R I E R.
S p r en g el von Tr i er.
Trier: Diptychon aus ottonischer Zeit ohne Tage, nur Namen, neue Ausg. mit Facs. von Fr. X. Kraus,
Westd. Zts. IV, 138-156. Stellen aus dem verschollenen alten Necrol. der Domkirche in Browers
Annales Treverenses, s. Dümmler in den N. Mitth. XI, 228, Anm. 16. R. Wilmans,
Kaiserurkunden S. 432 Anm. 6; das von Sauerland e miss. Bamb. im Hist. Jahrb. VIII, 475-487
mitgetheilte gehört nach Paderborn. -- St. Maximin: Hontheim, Prodr. II, p. 966-994, vgl. Arch.
XI, 290. Kraus im Jahrb. d. Alterthumsfreunde im Rheinland, Heft 57-58.
Page 577
Arnstein: Auszug bei Wenck, Hist. Abhandlungen, 1. Stück, S. 138-140; Kremer, Origines Nass. II,
410-412. Besser bei Schliephake, Gesch. von Nassau I, 477-481. Becker, Nassauische Annalen,
XVI, Wiesb. 1881.
Dietkirchen an der Lahn: E. Joachim, Nass. Annalen XIV, 2. Heft.
Echternach: Reiffenberg, Monuments de Namur VII, 210-232. Publications de l'Institut de
Luxembourg XXVII (N. S. V) 1873 p. 140 bis 169, ein jüngeres von 1511. Ein anderes e cod.
Paris von Sackur, NA. XV, 132-136.
Laach: Dronke in Mone's Anzeiger 1839 S. 610. Wegeler, Geschichte des Klosters Laach, Bonn
1854. Ein älteres von dems. in d. Annalen d. hist. V. f. d. Niederrhein 1874, Heft 26. 27. S. 268-
316.
Limburg an der Lahn, Franciscaner: Wenck, Urkundenbuch I, 83.
Prüm: Annales necrologici s. oben S. 64. Bemerkungen zum Martyrol. NA. IV, 308.
Rommersdorf, Prämonstratenser: Auszug bei Wegeler, Die Abtei R. (Cobl. 1882), Orig. in d. Bibl. zu
Wiesbaden.
Schoenau, Nonnen: Seelbuch ed. F. W. E. Roth in Studien u. Mitth. aus dem Bened. Orden IV (1883)
S. 357 ff.
Wetzlar: Wigand, Wetzlarische Beiträge I, 65-69.
B i sthu m Metz [ 2 ] .
Metz: Dümmler, Forsch. XIII, 596-600 aus Jaffé's Nachlaß; S. 597 ein Fragment s. IX mit
Himildruda comitissa zum 27. März. Auszug aus dem Necr. S. Petri Mett. in: Voyage lit. de
deux Religieux Bénéd. II, 115.
Bi st hum Tou l.
Étival: Auszug in Annales de l'Est VI, 27 ff. Eine Seite facs. in den Schrifttafeln von Prou.
Pont-à-Mousson: Auszug im Voyage lit. de deux Religieux Bénéd. (Paris 1717) II, 115.
Remiremont: Font. IV, 462.
410-412. Besser bei Schliephake, Gesch. von Nassau I, 477-481. Becker, Nassauische Annalen,
XVI, Wiesb. 1881.
Dietkirchen an der Lahn: E. Joachim, Nass. Annalen XIV, 2. Heft.
Echternach: Reiffenberg, Monuments de Namur VII, 210-232. Publications de l'Institut de
Luxembourg XXVII (N. S. V) 1873 p. 140 bis 169, ein jüngeres von 1511. Ein anderes e cod.
Paris von Sackur, NA. XV, 132-136.
Laach: Dronke in Mone's Anzeiger 1839 S. 610. Wegeler, Geschichte des Klosters Laach, Bonn
1854. Ein älteres von dems. in d. Annalen d. hist. V. f. d. Niederrhein 1874, Heft 26. 27. S. 268-
316.
Limburg an der Lahn, Franciscaner: Wenck, Urkundenbuch I, 83.
Prüm: Annales necrologici s. oben S. 64. Bemerkungen zum Martyrol. NA. IV, 308.
Rommersdorf, Prämonstratenser: Auszug bei Wegeler, Die Abtei R. (Cobl. 1882), Orig. in d. Bibl. zu
Wiesbaden.
Schoenau, Nonnen: Seelbuch ed. F. W. E. Roth in Studien u. Mitth. aus dem Bened. Orden IV (1883)
S. 357 ff.
Wetzlar: Wigand, Wetzlarische Beiträge I, 65-69.
B i sthu m Metz [ 2 ] .
Metz: Dümmler, Forsch. XIII, 596-600 aus Jaffé's Nachlaß; S. 597 ein Fragment s. IX mit
Himildruda comitissa zum 27. März. Auszug aus dem Necr. S. Petri Mett. in: Voyage lit. de
deux Religieux Bénéd. II, 115.
Bi st hum Tou l.
Étival: Auszug in Annales de l'Est VI, 27 ff. Eine Seite facs. in den Schrifttafeln von Prou.
Pont-à-Mousson: Auszug im Voyage lit. de deux Religieux Bénéd. (Paris 1717) II, 115.
Remiremont: Font. IV, 462.
Page 578
B ist hum Ver dun.
Verdun: Necrologien von Sainte-Croix und Saint-Vannes oft benutzt von Clouet, Hist. de Verdun,
1867. Ein Necrol. von St. Vannes hat Sackur herausgegeben NA. XV, 126-132; vgl. W. Lippert
ib. S. 608-610.
II. Burgund.
(Vgl. das eben angeführte Werk von A. Molinier.)
E R Z BI S T H UM AR L E S .
Marseille: Obituaire de St. Victor im Répertoire de la Société de statistique de Marseille XXXV
(1872) S. 177 ff.
ERZBISTHUM BESANÇON.
Besançon: Chifflet, Vesontio II, 157 giebt ex vet. Missali S. Stephani, Nomina amicorum nostrorum
defunctorum, bis auf Poppo von Aquileja († 1042); vgl. auch Chifflet, Lettre touchant Béatrice
comtesse de Chalon (Dijon 1656) S. 155. Martyrologium Vesont. mit einigen Sterbedaten bei
Dunod, Hist. de Besançon I, Preuves p. XIV ss. Saint-Vincent bei Dunod, Hist. de Bourgogne II.
— Château-Chalon: Obituarium Castri-Caroli, Mém. de la Soc. du Jura, II. Série, I, 137 ff. von
Vayssière, 1875. — Villars: Sackur, Cluniac. I, 383-386.
Basel: Font. IV. 145-147. — Pairis: Citat aus d. Jahr 1168, Schweiz. Geschichtsforscher X, 45, Anm.
Lausanne: Mém. et Doc. de la Suisse Romande XVIII, 89-246, vom Abbé Gremaud. — La
Chartreuse de la Lance, von dems. ib. XXXIV (1879).
ERZBISTHUM LYON.
Lyon: Todestage der Erzbischöfe, Arch. VII, 213. Obituarium Lugdunensis ecclesiae, par M. Guigue,
Lyon 1867, 4. Obituarium S. Pauli Lugd., par M. Guigue, Bourg-en-Bresse 1872; S. Petri von
dems., Lyon 1880. — Saint-Thomas en Forez: Lyon 1873 von Gras.
Verdun: Necrologien von Sainte-Croix und Saint-Vannes oft benutzt von Clouet, Hist. de Verdun,
1867. Ein Necrol. von St. Vannes hat Sackur herausgegeben NA. XV, 126-132; vgl. W. Lippert
ib. S. 608-610.
II. Burgund.
(Vgl. das eben angeführte Werk von A. Molinier.)
E R Z BI S T H UM AR L E S .
Marseille: Obituaire de St. Victor im Répertoire de la Société de statistique de Marseille XXXV
(1872) S. 177 ff.
ERZBISTHUM BESANÇON.
Besançon: Chifflet, Vesontio II, 157 giebt ex vet. Missali S. Stephani, Nomina amicorum nostrorum
defunctorum, bis auf Poppo von Aquileja († 1042); vgl. auch Chifflet, Lettre touchant Béatrice
comtesse de Chalon (Dijon 1656) S. 155. Martyrologium Vesont. mit einigen Sterbedaten bei
Dunod, Hist. de Besançon I, Preuves p. XIV ss. Saint-Vincent bei Dunod, Hist. de Bourgogne II.
— Château-Chalon: Obituarium Castri-Caroli, Mém. de la Soc. du Jura, II. Série, I, 137 ff. von
Vayssière, 1875. — Villars: Sackur, Cluniac. I, 383-386.
Basel: Font. IV. 145-147. — Pairis: Citat aus d. Jahr 1168, Schweiz. Geschichtsforscher X, 45, Anm.
Lausanne: Mém. et Doc. de la Suisse Romande XVIII, 89-246, vom Abbé Gremaud. — La
Chartreuse de la Lance, von dems. ib. XXXIV (1879).
ERZBISTHUM LYON.
Lyon: Todestage der Erzbischöfe, Arch. VII, 213. Obituarium Lugdunensis ecclesiae, par M. Guigue,
Lyon 1867, 4. Obituarium S. Pauli Lugd., par M. Guigue, Bourg-en-Bresse 1872; S. Petri von
dems., Lyon 1880. — Saint-Thomas en Forez: Lyon 1873 von Gras.
Page 579
Antun: im Cartulaire de l'église d'Autun, par M. de Charmasse, p. 327. — Hugonis Flaviniacensis
Necrologium MG. SS. VIII, 285-287.
Beaune: Martyrologe de l'insigne collégiale N. D. de Beaune, par l'abbé Boudrot. Mém. de la Soc.
etc. de Beaune, t. 3-5. Reg. t. 7.
Saint-Pierre-hors-les-murs de Mâcon: Necrol. eccl. S. Petri Matisc. publié par M. Guigue 1874.
Dijon: Necrol. S. Benigni in d. oben angef. Lettre von Chifflet, S. 207. Necrol. S. Stephani Divion. in
Fyot, Hist. de St. Étienne de Dijon (Dijon 1696), Preuves p. 251.
Clairvaux: Le trésor de Clairvaux, vom Abbé Lalore, S. 174-183.
ERZBISTHUM VIENNE.
Vienne: Chevalier, Hagiologium Viennense, Documents inédits relatifs au Dauphiné II, Gren. 1868.
Grenoble: Necrol. des Dominicains de Gren. ed. Chevalier, Doc. inéd. V, Romans 1870, p. 1-15. —
Saint-Robert-de-Cornillon, Priorat von La Chaise-Dieu: Necrologium prioratus S. Roberti
Cornilionis O. S. B. ex cod. s. XIII. Documents inédits relatifs au Dauphiné, par M. l'Abbé
Chevalier. 2. Vol. Gren. 1868.
Genf: Obituaire de l'église cath. de St. Pierre de Genève, von A. Sarrasin. Mém. de la Soc. d'hist. de
Genève, N. S. I, 1883. Memorie estratte del necrologio della chiesa di San Francesco di
Ginevra. s. XVI, bei Cibrario e Promis p. 350. — Talloires bei Annecy: NA. XI, 102.
Saint-Jean-de-Maurienne: Auszüge ans zwei Necrologien vom Abbé Albrieux in: Documents publiés
par l'Acad. de Savoie II (Chambéry 1861), p. 335-385. Auszug bei Cibrario e Promis p. 332-
339.
ERZBISTHUM TARENTAISE.
Tarentaise: Zwei Notizen Arch. VII, 176. Schlechte Ausg. des Calenders von Fleury u. Million im
Recueil de mém. et doc. de la Val d'Isère, Mém. II, 437-467.
Sitten: Mémoires et Documents de la Suisse Romande XVIII, 247-293, und von der nahen
Pfarrkirche zu Granges S. 294-331, vom Abbé Gremaud. — S. Mariae de Abundantia:
Monumenta Hist. Patr. III, 325-434.
Necrologium MG. SS. VIII, 285-287.
Beaune: Martyrologe de l'insigne collégiale N. D. de Beaune, par l'abbé Boudrot. Mém. de la Soc.
etc. de Beaune, t. 3-5. Reg. t. 7.
Saint-Pierre-hors-les-murs de Mâcon: Necrol. eccl. S. Petri Matisc. publié par M. Guigue 1874.
Dijon: Necrol. S. Benigni in d. oben angef. Lettre von Chifflet, S. 207. Necrol. S. Stephani Divion. in
Fyot, Hist. de St. Étienne de Dijon (Dijon 1696), Preuves p. 251.
Clairvaux: Le trésor de Clairvaux, vom Abbé Lalore, S. 174-183.
ERZBISTHUM VIENNE.
Vienne: Chevalier, Hagiologium Viennense, Documents inédits relatifs au Dauphiné II, Gren. 1868.
Grenoble: Necrol. des Dominicains de Gren. ed. Chevalier, Doc. inéd. V, Romans 1870, p. 1-15. —
Saint-Robert-de-Cornillon, Priorat von La Chaise-Dieu: Necrologium prioratus S. Roberti
Cornilionis O. S. B. ex cod. s. XIII. Documents inédits relatifs au Dauphiné, par M. l'Abbé
Chevalier. 2. Vol. Gren. 1868.
Genf: Obituaire de l'église cath. de St. Pierre de Genève, von A. Sarrasin. Mém. de la Soc. d'hist. de
Genève, N. S. I, 1883. Memorie estratte del necrologio della chiesa di San Francesco di
Ginevra. s. XVI, bei Cibrario e Promis p. 350. — Talloires bei Annecy: NA. XI, 102.
Saint-Jean-de-Maurienne: Auszüge ans zwei Necrologien vom Abbé Albrieux in: Documents publiés
par l'Acad. de Savoie II (Chambéry 1861), p. 335-385. Auszug bei Cibrario e Promis p. 332-
339.
ERZBISTHUM TARENTAISE.
Tarentaise: Zwei Notizen Arch. VII, 176. Schlechte Ausg. des Calenders von Fleury u. Million im
Recueil de mém. et doc. de la Val d'Isère, Mém. II, 437-467.
Sitten: Mémoires et Documents de la Suisse Romande XVIII, 247-293, und von der nahen
Pfarrkirche zu Granges S. 294-331, vom Abbé Gremaud. — S. Mariae de Abundantia:
Monumenta Hist. Patr. III, 325-434.
Page 580
Aosta, Dom: M. Hist. Patr. SS. III, 545-668; Petri et Ursi ib. 517-540. Auszug bei Cibrario e Promis
p. 342-349.
ERZBISTHUM AIX.
Saint-Mary de Forcalquier (Sisteron): ed. Joseph Roman, Digne 1887.
III. Italien.
E R Z B I S T HUM T UR I N.
Turin, Dom: Monumenta Hist. Patr. SS. III, 499-608; von S. Solutore 213-230; von S. Andrea 193-
208, MG. SS. VII, 130.
Ivrea: Zwei Notizen bei Dümmler, Anselm S. 83 Anm. 1.
Novalese: MG. SS. VII, 130.
E R Z B I S T HUM GE NUA .
Genua: Necrol. von San Francesco di Castelletto, Atti della Società Ligure X, 387. — Ventimiglia:
Miscellanea di Storia Italiana, Vol. V. 72.
E R Z B I S T H UM MAI L AND .
Mailand: Calendarium Ambrosianum bei Muratori SS. I, 2, 235; Cal. Sitonianum ib. II, 2, 1035.
Monza: Frisi, Memorie di Monza III, 100-151.
Vercelli: Necrol. Eusebianum, angeführt von Mandelli. Commune di Vercelli II, 337.
Casale S. Evasii: Monumenta Hist. Patr. SS. III, 453-510.
Bergamo: Miscellanea di Storia Italiana, Vol. XIII.
p. 342-349.
ERZBISTHUM AIX.
Saint-Mary de Forcalquier (Sisteron): ed. Joseph Roman, Digne 1887.
III. Italien.
E R Z B I S T HUM T UR I N.
Turin, Dom: Monumenta Hist. Patr. SS. III, 499-608; von S. Solutore 213-230; von S. Andrea 193-
208, MG. SS. VII, 130.
Ivrea: Zwei Notizen bei Dümmler, Anselm S. 83 Anm. 1.
Novalese: MG. SS. VII, 130.
E R Z B I S T HUM GE NUA .
Genua: Necrol. von San Francesco di Castelletto, Atti della Società Ligure X, 387. — Ventimiglia:
Miscellanea di Storia Italiana, Vol. V. 72.
E R Z B I S T H UM MAI L AND .
Mailand: Calendarium Ambrosianum bei Muratori SS. I, 2, 235; Cal. Sitonianum ib. II, 2, 1035.
Monza: Frisi, Memorie di Monza III, 100-151.
Vercelli: Necrol. Eusebianum, angeführt von Mandelli. Commune di Vercelli II, 337.
Casale S. Evasii: Monumenta Hist. Patr. SS. III, 453-510.
Bergamo: Miscellanea di Storia Italiana, Vol. XIII.
Page 581
Brescia: Muratori, Antt. V, 759-761, Exc. ex necrologio antiquissimo monialium S. Juliae in civitate
Brixiana (Verbrüderungsbuch s. IX). Auch bei Odorici, Storie Bresciana IV, 70-75. A. Valentini,
Codice necrol. liturg. del mon. di S. Salv. e Giulia in Brescia, trascr. ed. ill. (Brescia 1887);
leider sehr mangelhaft, nach Mühlbacher, Mitth. d. Inst. X, 469-479.
Cremona: NA. III, 136 von H. Breßlau. Arch. stor. Lomb. 1880, fasc. 26 bis 28, von Novati.
PAT R I AR CHAT VON AQU I L E G I A .
Udine: NA. III, 135 von Breßlau.
Cividale: NA. III, 135 von Breßlau.
Verona: S. Vito e Modesto, saec. XIII ex. bei Biancolini, Notizie delle Chiese di Verona VII, 147-
156. S. Trinitatis in dess. Serie de' vescovi p. 66-71. — San Michele di Campagna im Bisthum
Verona, saec. XIII-XVI, bei Biancolini Notizie, Va, 194-200.
Trient: MG. SS. XIII, 368.
Freudenthal: Wilkowicz, Die Necrologe der Karthause Freudenthal. Mitth. des Musealvereins f.
Krain, 2. Jahrg.
E R Z B I S T H UM B OL OGNA.
Bologna: Sarti II, 196-200.
Modena: Muratori, Antt. III, 725-727 (ed. 1740 f.) NA. III, 137 von Breßlau.
Piacenza, S. Sabini: NA. V, 438-442 von Breßlau.
TO S C ANA.
Lucca: Baluzii Miscellenea ed. Mansi I, 431. 432. NA. III, 137 von H. Breßlau.
Siena: Ozanam, Documents inédits (Paris 1850) p. 195-200 mit vielen annalistischen Notizen.
Pistoja: Zacharia, Bibliotheca Pistoriensis I, 90.
Brixiana (Verbrüderungsbuch s. IX). Auch bei Odorici, Storie Bresciana IV, 70-75. A. Valentini,
Codice necrol. liturg. del mon. di S. Salv. e Giulia in Brescia, trascr. ed. ill. (Brescia 1887);
leider sehr mangelhaft, nach Mühlbacher, Mitth. d. Inst. X, 469-479.
Cremona: NA. III, 136 von H. Breßlau. Arch. stor. Lomb. 1880, fasc. 26 bis 28, von Novati.
PAT R I AR CHAT VON AQU I L E G I A .
Udine: NA. III, 135 von Breßlau.
Cividale: NA. III, 135 von Breßlau.
Verona: S. Vito e Modesto, saec. XIII ex. bei Biancolini, Notizie delle Chiese di Verona VII, 147-
156. S. Trinitatis in dess. Serie de' vescovi p. 66-71. — San Michele di Campagna im Bisthum
Verona, saec. XIII-XVI, bei Biancolini Notizie, Va, 194-200.
Trient: MG. SS. XIII, 368.
Freudenthal: Wilkowicz, Die Necrologe der Karthause Freudenthal. Mitth. des Musealvereins f.
Krain, 2. Jahrg.
E R Z B I S T H UM B OL OGNA.
Bologna: Sarti II, 196-200.
Modena: Muratori, Antt. III, 725-727 (ed. 1740 f.) NA. III, 137 von Breßlau.
Piacenza, S. Sabini: NA. V, 438-442 von Breßlau.
TO S C ANA.
Lucca: Baluzii Miscellenea ed. Mansi I, 431. 432. NA. III, 137 von H. Breßlau.
Siena: Ozanam, Documents inédits (Paris 1850) p. 195-200 mit vielen annalistischen Notizen.
Pistoja: Zacharia, Bibliotheca Pistoriensis I, 90.
Page 582
Florenz: Bandini, Bibl. Laur. IV, 546-555. Aus dem Necrol. der Canonica Frey, Berl. SB. 1883, I,
699-713.
RO M.
San Pietro in Vaticano: Dudik, Iter Rom. I, 79-82.
Sanctae Mariae trans Tiberim: NA. XI, 100, v. Breßlau.
San Ciriaco in Via lata: Martinelli, Il primo trofeo della santiss. Croce (Roma 1645) S. 145, vgl.
Arch. paleogr. Ital. II, 1, tav. 5.
UNT E R I TAL I E N.
Monte Cassino: Muratori SS. VII, 939-948. Gattula, Accessiones ad Hist. Casinensem p. 839-861.
La Cava: Einige Notizen bei Reifferscheid, Wiener SB. LXXI, 38.
Atri: Bindi, Monumenti degli Abruzzi 1889 s. NA. XVI, 644.
S. Maria de Gualdo: Montfaucon, Bibl. MSS. I, 132.
Salerno: Forsch. XVIII. 475. Confraternitätsbuch mit Necrol. von C. Abignenti, Arch. stor. per la
prov. Napol. XIII, 449 ff.
Lecce: Forsch. XVIII, 476.
Palermo: Forsch. XVIII, 471-475. Alle von Winkelmann.
IV. Frankreich[3].
E R Z BI S T HUM R E I MS .
Reims: Varin, Arch. législat. de la ville de Reims (1844) II, 1, 62 ff. — Templiers: E. de Barthelemy,
Mél. hist. (Doc. inédits) IV, 304-336.
699-713.
RO M.
San Pietro in Vaticano: Dudik, Iter Rom. I, 79-82.
Sanctae Mariae trans Tiberim: NA. XI, 100, v. Breßlau.
San Ciriaco in Via lata: Martinelli, Il primo trofeo della santiss. Croce (Roma 1645) S. 145, vgl.
Arch. paleogr. Ital. II, 1, tav. 5.
UNT E R I TAL I E N.
Monte Cassino: Muratori SS. VII, 939-948. Gattula, Accessiones ad Hist. Casinensem p. 839-861.
La Cava: Einige Notizen bei Reifferscheid, Wiener SB. LXXI, 38.
Atri: Bindi, Monumenti degli Abruzzi 1889 s. NA. XVI, 644.
S. Maria de Gualdo: Montfaucon, Bibl. MSS. I, 132.
Salerno: Forsch. XVIII. 475. Confraternitätsbuch mit Necrol. von C. Abignenti, Arch. stor. per la
prov. Napol. XIII, 449 ff.
Lecce: Forsch. XVIII, 476.
Palermo: Forsch. XVIII, 471-475. Alle von Winkelmann.
IV. Frankreich[3].
E R Z BI S T HUM R E I MS .
Reims: Varin, Arch. législat. de la ville de Reims (1844) II, 1, 62 ff. — Templiers: E. de Barthelemy,
Mél. hist. (Doc. inédits) IV, 304-336.
Page 583
Laon: Etwas daraus angeführt von Ravaisson im Catal. des Bibl. des Dép. I, 188.
Saint-Vaast-d'Arras: Doc. inédits publ. par l'Acad. d'Arras, N. 7, von Van Drival; vgl. Molinier S.
211. — Anchin: benutzt von Bethmann zu den Ann. Aquic. SS. XVI, 503-506.
Amiens: Necrol. de l'église d'A., par l'abbé Roze, 1885. — Corbie: Aebte mit Todestagen in der
Ausgabe des Polypticon Irminonis von Guérard, S. 338.
Thérouanne: Duchet et Giry, Cartul. de l'église de Th. (1881) p. 307-329. — Guines: Franks,
Archaeologia 46, 242 e psalterio.
Tournai, St. Nicolas des prés, später St. Médard: Mém. de la Soc. hist. et litt. de Tournai XI, 327-429.
— Brügge, St. Donatian: G. Gelliordts van Severen, Comptes rendus de la Comm. roy. IV. série,
XVI, 283-371.
E R Z B I S T HUM S E NS .
Sens: Einige Notizen im Anz. d. Germ. Mus. XXII (1875), 39. vgl. Arch. XII, 293; in Isidori Opp. ed.
Arev. II, 332. Fragm. Bouq. VII, 275. Delisle, Sacram. p. 164.
Paris, Notre-Dame: Guérard, Cartulaire de l'église de Notre-Dame à Paris IV, 1-207; Delisle, Sacram.
S. 372-388, vgl. S. 149. 150, Namen s. IX. X. — Saint-Germain-des-prés: Bouillart, Hist. de
Saint-Germain, App. p. CVII. A. Longnon, Not. et Doc. publ. par la Soc. de l'hist. de France
(1884) p. 19-55, Notice sur le plus ancien obituaire de l'abb. etc. geschr. 858/69 mit dem Mart.
von Usuard, viell. von ihm selbst; der ursprüngl. Text S. 41-53 abgedruckt; die Namen geordnet
u. erklärt; S. 55 Liste der 128 Mönche unter Ebroin 841-847. — Saint-Denis: Felibien, Preuves
p. 207-219. Delisle, Sacram. p. 388 aus dem Sacram. Lat. 2290. — Argenteuil: Mabillon, Acta
SS. O. S. B. III, 2. 364. — St. Maur des fossés. Fragm. ed. Prou, Mém. de la Soc. de l'hist. de
Paris XIV (1887), p. 209-238. — Corbeil, Saint-Spire: Mém. de la Soc. de Rambouillet VI, 148-
173.
Chartres: Cartulaire de Notre-Dame-de-Chartres III (Chartr. 1865), 1-226, par MM. de Lépinois et
Merlet.
Meaux: Verschiedene bei Toussaint Duplessis, Hist. de l'église de Meaux II.
Fleury: Mart. Coll. VI. 650-652.
Orléans, St. Avit: Vignat, Cartul. du Chapitre etc. Orl. 1888.
Saint-Vaast-d'Arras: Doc. inédits publ. par l'Acad. d'Arras, N. 7, von Van Drival; vgl. Molinier S.
211. — Anchin: benutzt von Bethmann zu den Ann. Aquic. SS. XVI, 503-506.
Amiens: Necrol. de l'église d'A., par l'abbé Roze, 1885. — Corbie: Aebte mit Todestagen in der
Ausgabe des Polypticon Irminonis von Guérard, S. 338.
Thérouanne: Duchet et Giry, Cartul. de l'église de Th. (1881) p. 307-329. — Guines: Franks,
Archaeologia 46, 242 e psalterio.
Tournai, St. Nicolas des prés, später St. Médard: Mém. de la Soc. hist. et litt. de Tournai XI, 327-429.
— Brügge, St. Donatian: G. Gelliordts van Severen, Comptes rendus de la Comm. roy. IV. série,
XVI, 283-371.
E R Z B I S T HUM S E NS .
Sens: Einige Notizen im Anz. d. Germ. Mus. XXII (1875), 39. vgl. Arch. XII, 293; in Isidori Opp. ed.
Arev. II, 332. Fragm. Bouq. VII, 275. Delisle, Sacram. p. 164.
Paris, Notre-Dame: Guérard, Cartulaire de l'église de Notre-Dame à Paris IV, 1-207; Delisle, Sacram.
S. 372-388, vgl. S. 149. 150, Namen s. IX. X. — Saint-Germain-des-prés: Bouillart, Hist. de
Saint-Germain, App. p. CVII. A. Longnon, Not. et Doc. publ. par la Soc. de l'hist. de France
(1884) p. 19-55, Notice sur le plus ancien obituaire de l'abb. etc. geschr. 858/69 mit dem Mart.
von Usuard, viell. von ihm selbst; der ursprüngl. Text S. 41-53 abgedruckt; die Namen geordnet
u. erklärt; S. 55 Liste der 128 Mönche unter Ebroin 841-847. — Saint-Denis: Felibien, Preuves
p. 207-219. Delisle, Sacram. p. 388 aus dem Sacram. Lat. 2290. — Argenteuil: Mabillon, Acta
SS. O. S. B. III, 2. 364. — St. Maur des fossés. Fragm. ed. Prou, Mém. de la Soc. de l'hist. de
Paris XIV (1887), p. 209-238. — Corbeil, Saint-Spire: Mém. de la Soc. de Rambouillet VI, 148-
173.
Chartres: Cartulaire de Notre-Dame-de-Chartres III (Chartr. 1865), 1-226, par MM. de Lépinois et
Merlet.
Meaux: Verschiedene bei Toussaint Duplessis, Hist. de l'église de Meaux II.
Fleury: Mart. Coll. VI. 650-652.
Orléans, St. Avit: Vignat, Cartul. du Chapitre etc. Orl. 1888.
Page 584
Auxerre: Mart. Coll. VI, 685. Vollständiger bei Lebeuf, Mémoires d'Auxerre II. App. p. 246-259.
Nouvelle édition par MM. Challe et Quentin, IV, 8-21. — La Charité sur Loire publ. par M. de
l'Espinasse, 1887.
Troyes: Collection des doc. inédits relatifs à la ville et la Champagne mérid. publ. par la Soc. acad. de
l'Aube, Voll. II (Troyes 1882) von Lalore. Vgl. auch über andere dessen Collection des
principaux obituaires du dioc. de Troyes.
E R Z B I S T HUM R OU E N.
Rouen: Recueil des Historiens des Gaules XXIII (1876), 357-370: Hospit. Mariae Magdalenae p.
415. — Jumièges: ib. 417-423. — Le Bec: Recueil XXIII. 576-582, vgl. L. Delisle, Bibl. de
l'École des ch. 1876, S. 521. — Sainte-Foy de Longueville: Recueil XXIII, 432-438. — Eu
(Auga): ib. 449-451. — Le Tréport (Ulterior portus): ib. 451.
Évreux: ib. 460-475. — Lyre: ib. 470-475. — La Croix-Saint-Leufroy: ib. 475-480.
Saint-Évroul (Utica d. Lexov.): ib. 484-491.
Lessay (S. Trinit. de Exaquio d. Const.): ib. 546. — Hôtel-Dieu de Saint-Lô: ib. 547-549. — La
Périne (Perrinense): ib. 549-553. — Montebourg: ib. 553-556.
Mont-Saint-Michel (d. Abrinc.): Delisle, Sacram. p. 389. — Saint-Évroul de Mortaing: Recueil
XXIII, 582.
Saint-Martin de Séez: Fragm. bei Delisles Instruct. p. 82.
E R Z BI S T H UM TOU RS .
Tours: Martyrologium Usuardi ad usum ecclesiae Turonensis cum obitibus et fundationibus (saec.
XIII). par M. l'abbé Bourassé, in den Mémoires de la Societé Archéologique de Touraine XVII
(Tours 1865), S. 16-82. — Necrologium b. Martini Turon. et Majoris monasterii obituarium,
publ. (schlecht) par M. Nobilleau, Tours 1875. — Necrol. S. Juliani Turon. Mém. etc. XXIII
(1873), S. 242 ff. von Quincarlet.
E R Z B I S T HUM B OR DE AUX.
Nouvelle édition par MM. Challe et Quentin, IV, 8-21. — La Charité sur Loire publ. par M. de
l'Espinasse, 1887.
Troyes: Collection des doc. inédits relatifs à la ville et la Champagne mérid. publ. par la Soc. acad. de
l'Aube, Voll. II (Troyes 1882) von Lalore. Vgl. auch über andere dessen Collection des
principaux obituaires du dioc. de Troyes.
E R Z B I S T HUM R OU E N.
Rouen: Recueil des Historiens des Gaules XXIII (1876), 357-370: Hospit. Mariae Magdalenae p.
415. — Jumièges: ib. 417-423. — Le Bec: Recueil XXIII. 576-582, vgl. L. Delisle, Bibl. de
l'École des ch. 1876, S. 521. — Sainte-Foy de Longueville: Recueil XXIII, 432-438. — Eu
(Auga): ib. 449-451. — Le Tréport (Ulterior portus): ib. 451.
Évreux: ib. 460-475. — Lyre: ib. 470-475. — La Croix-Saint-Leufroy: ib. 475-480.
Saint-Évroul (Utica d. Lexov.): ib. 484-491.
Lessay (S. Trinit. de Exaquio d. Const.): ib. 546. — Hôtel-Dieu de Saint-Lô: ib. 547-549. — La
Périne (Perrinense): ib. 549-553. — Montebourg: ib. 553-556.
Mont-Saint-Michel (d. Abrinc.): Delisle, Sacram. p. 389. — Saint-Évroul de Mortaing: Recueil
XXIII, 582.
Saint-Martin de Séez: Fragm. bei Delisles Instruct. p. 82.
E R Z BI S T H UM TOU RS .
Tours: Martyrologium Usuardi ad usum ecclesiae Turonensis cum obitibus et fundationibus (saec.
XIII). par M. l'abbé Bourassé, in den Mémoires de la Societé Archéologique de Touraine XVII
(Tours 1865), S. 16-82. — Necrologium b. Martini Turon. et Majoris monasterii obituarium,
publ. (schlecht) par M. Nobilleau, Tours 1875. — Necrol. S. Juliani Turon. Mém. etc. XXIII
(1873), S. 242 ff. von Quincarlet.
E R Z B I S T HUM B OR DE AUX.
Page 585
Bordeaux: Obituaires de l'église Saint-André de Bordeaux (13. u. 14. Jahrhundert), Archives hist. de
la Gironde XVIII, 1-260.
Fontévraud (Poitiers): Pavillon, Vie de Robert d'Arbrissel, p. 577; ib. p. 563 ex martyrol. prioratus de
Fontanis ord. Fontebraldensis.
E R Z BI S T H UM B OUR GE S .
Châteauroux, Cordeliers (1213-1782): par Hubert, Paris, Dicard 1886.
Limoges: Labbe, Bibliotheca nova II, 759-763. Documents hist. concernant principalement la
Marche et le Limousin, par A. Leroux, E. Molinier et Ant. Thomas, Tome I. 1883. Duplès-Agier,
Chroniques de St. Martial de Limoges.
Tulle: Obituaire de la cath. publ. par M. Clément Simon, Bulletin de la Soc. scientif. de la Corrèze XI
(1889), p. 478-497.
E R Z B I S T HUM NA RB ON NE .
Narbonne: Neue Ausgabe der Hist. de Languedoc VIII, 251-258. — Carcassonne: Mahul, Cartulaire
de Carcassonne.
V. England.
Canterbury: Wharton, Anglia Sacra I, 52-54. Stubbs, Chronicles II, 557.
London, St. Paul: Documents of St. Paul, ed. Simpson (Camden Soc. 1880), p. 61 ff.
Lincoln: Giraldi Cambr. Opera ed. Dimock, VII (1877).
Durham: Publications of the Surtees Society, XXXI (1856).
Glasgow: Publ. of the Bannatyne Club, vol. 79, II, 614.
Aberdeen: Publ. of the Maitland Club, vol. 63, Registr. ep. Aberd. II, p. 1 u. 207.
Dublin: The book of obits, ed. Crosthwaite, Dubl. 1844. 4.
la Gironde XVIII, 1-260.
Fontévraud (Poitiers): Pavillon, Vie de Robert d'Arbrissel, p. 577; ib. p. 563 ex martyrol. prioratus de
Fontanis ord. Fontebraldensis.
E R Z BI S T H UM B OUR GE S .
Châteauroux, Cordeliers (1213-1782): par Hubert, Paris, Dicard 1886.
Limoges: Labbe, Bibliotheca nova II, 759-763. Documents hist. concernant principalement la
Marche et le Limousin, par A. Leroux, E. Molinier et Ant. Thomas, Tome I. 1883. Duplès-Agier,
Chroniques de St. Martial de Limoges.
Tulle: Obituaire de la cath. publ. par M. Clément Simon, Bulletin de la Soc. scientif. de la Corrèze XI
(1889), p. 478-497.
E R Z B I S T HUM NA RB ON NE .
Narbonne: Neue Ausgabe der Hist. de Languedoc VIII, 251-258. — Carcassonne: Mahul, Cartulaire
de Carcassonne.
V. England.
Canterbury: Wharton, Anglia Sacra I, 52-54. Stubbs, Chronicles II, 557.
London, St. Paul: Documents of St. Paul, ed. Simpson (Camden Soc. 1880), p. 61 ff.
Lincoln: Giraldi Cambr. Opera ed. Dimock, VII (1877).
Durham: Publications of the Surtees Society, XXXI (1856).
Glasgow: Publ. of the Bannatyne Club, vol. 79, II, 614.
Aberdeen: Publ. of the Maitland Club, vol. 63, Registr. ep. Aberd. II, p. 1 u. 207.
Dublin: The book of obits, ed. Crosthwaite, Dubl. 1844. 4.
Page 586
VI. Dennemark.
Fragment aus einem Cistercienserkloster s. XII e cod. Berol. theol. f. 149 Ed. H. Wesemann,
Jahrbücher für Landeskunde von Schleswig-Holstein X (Kiel 1869), S. 262-270. — Aus einem
Psalterium Franks, Archaeologia XLVI, 246.
Kopenhagen: Langebek, SS. Dan. VIII. 538-550.
Lund: ib. III, 434-465. 474-579. IV, 27-66.
Lygumkloster: ib. IV, 578-587.
Nestved: ib. IV, 298-318.
Ripen: ib. V. 534-570.
Rothschild: ib. III, 266-275.
Norwegen: ib. V, 385. 386.
Island: ib. II, 504-519. VIII, 552-568.
Wisby: ib. VI, 557-566.
Aus einem Necrolog von Barcelona NA. VI, 235; von Monte Aragon
ib. 280.
[1] Die Necrologien von Constanz, Cur u. Augsburg hat L. Baumann, MG.
Necrologia Germ. I (1888), herausgegeben, jedoch abgekürzt und nach 1300 nur im
Auszug, so daß für Localgeschichte die besonderen Ausgaben ihren Werth behalten.
[2] Ueber diese drei Bisthümer gibt A. Molinier, Les Obituaires Français au Moyen
Age (Paris 1890) S. 213-218 den Nachweis der Handschriften.
[3] Hierfür ist A. Molinier, Les Obituaires Français p. 157-350, zu vergleichen, wo
auch die handschriftlich vorhandenen und irgendwo benutzten nachgewiesen sind.
Fragment aus einem Cistercienserkloster s. XII e cod. Berol. theol. f. 149 Ed. H. Wesemann,
Jahrbücher für Landeskunde von Schleswig-Holstein X (Kiel 1869), S. 262-270. — Aus einem
Psalterium Franks, Archaeologia XLVI, 246.
Kopenhagen: Langebek, SS. Dan. VIII. 538-550.
Lund: ib. III, 434-465. 474-579. IV, 27-66.
Lygumkloster: ib. IV, 578-587.
Nestved: ib. IV, 298-318.
Ripen: ib. V. 534-570.
Rothschild: ib. III, 266-275.
Norwegen: ib. V, 385. 386.
Island: ib. II, 504-519. VIII, 552-568.
Wisby: ib. VI, 557-566.
Aus einem Necrolog von Barcelona NA. VI, 235; von Monte Aragon
ib. 280.
[1] Die Necrologien von Constanz, Cur u. Augsburg hat L. Baumann, MG.
Necrologia Germ. I (1888), herausgegeben, jedoch abgekürzt und nach 1300 nur im
Auszug, so daß für Localgeschichte die besonderen Ausgaben ihren Werth behalten.
[2] Ueber diese drei Bisthümer gibt A. Molinier, Les Obituaires Français au Moyen
Age (Paris 1890) S. 213-218 den Nachweis der Handschriften.
[3] Hierfür ist A. Molinier, Les Obituaires Français p. 157-350, zu vergleichen, wo
auch die handschriftlich vorhandenen und irgendwo benutzten nachgewiesen sind.
Page 587
REGISTER. [←]
A B C D E F G H I J K L
M N O P Q R S T U V W XYZ
Aachen. 280;
Necrol. 446.
Aarau, Necrolog. 439.
Abbo, Abt v. Fleury. 416. 417.
— von St. Germain. 299.
Abdinghof, Necrol. 445.
Aberdeen, Necrol. 459.
Ablavius. 67.
Abraham (957-994) B. v. Freising. 405.
— Jacobson. 333.
Acta abb. Fuld. 240;
epp. Cenom. 302;
Friderici ep. Traj. 390;
Sanctorum. 10. 11.
Adalbaldus artifex. 160.
Adalbero (966-988) Erzb. v. Reims. 411.
— (887-910) B. v. Augsb. 260. 287.
— I (929-962) B. v. Metz. 369. 372.
— II (984-1005) B. v. Metz. 344. 372. 373. 375.
— vas librorum. 405.
Adalbert (968-981) Erzb. v. Magd. 351. 367. 368.
— (982-997) B. v. Prag. 353. 354. 435. 436.
— Abt v. Echternach. 366.
A B C D E F G H I J K L
M N O P Q R S T U V W XYZ
Aachen. 280;
Necrol. 446.
Aarau, Necrolog. 439.
Abbo, Abt v. Fleury. 416. 417.
— von St. Germain. 299.
Abdinghof, Necrol. 445.
Aberdeen, Necrol. 459.
Ablavius. 67.
Abraham (957-994) B. v. Freising. 405.
— Jacobson. 333.
Acta abb. Fuld. 240;
epp. Cenom. 302;
Friderici ep. Traj. 390;
Sanctorum. 10. 11.
Adalbaldus artifex. 160.
Adalbero (966-988) Erzb. v. Reims. 411.
— (887-910) B. v. Augsb. 260. 287.
— I (929-962) B. v. Metz. 369. 372.
— II (984-1005) B. v. Metz. 344. 372. 373. 375.
— vas librorum. 405.
Adalbert (968-981) Erzb. v. Magd. 351. 367. 368.
— (982-997) B. v. Prag. 353. 354. 435. 436.
— Abt v. Echternach. 366.
Page 588
Adalbold (1010-1026) B. v. Utrecht. 361. 389-391.
Adalgis, Priester. 279. 280.
Adalhard, Abt v. Corbie. 250.
mdash; B. v. Ivrea. 311.
Adalheid, Kaiserin. 320.
Adalram (821-836) Erzb. v. Salzburg. 221. 292.
Adam, Abt v. Masmünster. 152.
Adelberg, Necrol. 439.
Adelperga. 166.
Adelerius von Fleury. 417.
Ademar v. Chabannes. 303.
Adhemar, Aquit. Mönch. 210.
Admunt, Necrolog. 450.
Ado, Erzb. v. Vienne. 219. 257;
Martyrol. 60.
Adrevald (Adalbert) v. Fleury. 417.
Adso, Abt v. Montierender. 317. 320. 377. 378.
Adventius (858-875) B. v. Metz. 268.
Adventus S. Benedicti. 417.
— S. Landoaldi. 385.
— SS. Wandregisili, Ansberti et Vulfranni. 384.
Aedde Stephanus. 132.
Aeneas Silvius. 2. 6.
Aethicus. 111.
Agius. 255.
Agnellus. 309.
Agnes, Pfalzgr. v. Weimar. 321.
Agobardi Apologeticus. 211.
Aimoin v. Fleury. 109. 110. 299. 417-419.
Albrich, St. Galler Mönch. 287.
Albuinus heremita. 363.
Albwin, Abt v. Nienburg. 253.
Alcuin. 148. 152 ff.;
V. Willibr. 132;
Epp. 161.
Aldebald von Cluny. 422.
Alderich, Erzb. v. Sens. 163. 236. 257. 294.
Adalgis, Priester. 279. 280.
Adalhard, Abt v. Corbie. 250.
mdash; B. v. Ivrea. 311.
Adalheid, Kaiserin. 320.
Adalram (821-836) Erzb. v. Salzburg. 221. 292.
Adam, Abt v. Masmünster. 152.
Adelberg, Necrol. 439.
Adelperga. 166.
Adelerius von Fleury. 417.
Ademar v. Chabannes. 303.
Adhemar, Aquit. Mönch. 210.
Admunt, Necrolog. 450.
Ado, Erzb. v. Vienne. 219. 257;
Martyrol. 60.
Adrevald (Adalbert) v. Fleury. 417.
Adso, Abt v. Montierender. 317. 320. 377. 378.
Adventius (858-875) B. v. Metz. 268.
Adventus S. Benedicti. 417.
— S. Landoaldi. 385.
— SS. Wandregisili, Ansberti et Vulfranni. 384.
Aedde Stephanus. 132.
Aeneas Silvius. 2. 6.
Aethicus. 111.
Agius. 255.
Agnellus. 309.
Agnes, Pfalzgr. v. Weimar. 321.
Agobardi Apologeticus. 211.
Aimoin v. Fleury. 109. 110. 299. 417-419.
Albrich, St. Galler Mönch. 287.
Albuinus heremita. 363.
Albwin, Abt v. Nienburg. 253.
Alcuin. 148. 152 ff.;
V. Willibr. 132;
Epp. 161.
Aldebald von Cluny. 422.
Alderich, Erzb. v. Sens. 163. 236. 257. 294.
Page 589
Aldrich, B. von Le Mans. 302.
Alpert v. Metz. 374. 375.
Altenzelle, Necrolog. 448.
Altfrid (839-849) B. v. Münster. 245.
Aluberht, Bischof. 244.
Alvarus Pelagius. 6.
Amalarius (809-814) Erzb. v. Trier. 257.
Amalrich, Erzb. v. Tours. 300.
Ambricho (864-899) B. v. Regensb. 289.
Amelungsborn, Necrolog. 444.
Amersfoort. 374.
Amiens, Necrolog. 457.
Amorbach. Necrolog. 443.
Anamodus. 289.
Anastasius bibliothecarius. 304.
Anchin, Necrolog. 457.
Andennes, Necrolog. 446.
Andreas, Abt v. Michelsberg. 87.
— presb. Bergom. 309.
— Dandolo. 432. 433.
— von Fleury. 418.
Angelomus. 326.
Angelsachsen. 130 ff.
Angilbert, Abt v. Corbie. 171.
— Abt von St. Riquier. 171-178. 216.
— Ritter. 215.
Angilram (769-791) B. v. Metz. 168. 172. 196.
— Abt von St. Riquier. 173.
Aniane. 206. 210.
Annales Alamannici. 147. 148. 286. 368. 393;
Alcuini. 148;
Andegav. 101;
Angl. 244;
Aquitan. 205;
Arelat. 57. 101;
Augienses. 287. 393;
Aug. breviss. 286.
Alpert v. Metz. 374. 375.
Altenzelle, Necrolog. 448.
Altfrid (839-849) B. v. Münster. 245.
Aluberht, Bischof. 244.
Alvarus Pelagius. 6.
Amalarius (809-814) Erzb. v. Trier. 257.
Amalrich, Erzb. v. Tours. 300.
Ambricho (864-899) B. v. Regensb. 289.
Amelungsborn, Necrolog. 444.
Amersfoort. 374.
Amiens, Necrolog. 457.
Amorbach. Necrolog. 443.
Anamodus. 289.
Anastasius bibliothecarius. 304.
Anchin, Necrolog. 457.
Andennes, Necrolog. 446.
Andreas, Abt v. Michelsberg. 87.
— presb. Bergom. 309.
— Dandolo. 432. 433.
— von Fleury. 418.
Angelomus. 326.
Angelsachsen. 130 ff.
Angilbert, Abt v. Corbie. 171.
— Abt von St. Riquier. 171-178. 216.
— Ritter. 215.
Angilram (769-791) B. v. Metz. 168. 172. 196.
— Abt von St. Riquier. 173.
Aniane. 206. 210.
Annales Alamannici. 147. 148. 286. 368. 393;
Alcuini. 148;
Andegav. 101;
Angl. 244;
Aquitan. 205;
Arelat. 57. 101;
Augienses. 287. 393;
Aug. breviss. 286.
Page 590
— Barcinon. 298;
Bavarici breves. 149;
Bertiniani. 207. 292-296;
Burgund. 101. 104.
— chronographi vet. 131;
Colon. 362. 363;
Colon. breves. 363;
Colon. breviss. 263;
Corb. 150. 254. 328.
— Einhardi. 197. 201;
Einsidl. 394;
Engolism. 299.
— Flaviniac. 146;
Flodoardi. 410;
Floriac. 299. 417;
Fuld. 223-226. 368;
Fuld. ant. 150;
necrol. 63.
— Guelferbytani. 147.
— Halb. 345;
Heremi. 394;
Hersfeld. 340. 341;
Hild. 341. 349. 350.
— Juvavenses. 149.
— Laubac. 141;
Lauresham. 145. 205. 247;
Lauriss. maj. 191-204;
Lauriss. min. 204;
Lauson. 146;
Leod. 381;
Lindisfarn. 148;
Lob. 381;
Loisel. 191;
Lugdun. 299.
— Masciac. 299;
Maximiani. 146;
Mett. 128. 203;
Bavarici breves. 149;
Bertiniani. 207. 292-296;
Burgund. 101. 104.
— chronographi vet. 131;
Colon. 362. 363;
Colon. breves. 363;
Colon. breviss. 263;
Corb. 150. 254. 328.
— Einhardi. 197. 201;
Einsidl. 394;
Engolism. 299.
— Flaviniac. 146;
Flodoardi. 410;
Floriac. 299. 417;
Fuld. 223-226. 368;
Fuld. ant. 150;
necrol. 63.
— Guelferbytani. 147.
— Halb. 345;
Heremi. 394;
Hersfeld. 340. 341;
Hild. 341. 349. 350.
— Juvavenses. 149.
— Laubac. 141;
Lauresham. 145. 205. 247;
Lauriss. maj. 191-204;
Lauriss. min. 204;
Lauson. 146;
Leod. 381;
Lindisfarn. 148;
Lob. 381;
Loisel. 191;
Lugdun. 299.
— Masciac. 299;
Maximiani. 146;
Mett. 128. 203;
Page 591
Monast. 254;
Mosellani. 141. 143. 145;
Murbac. 147.
— Nazar. 147. 148;
Nivern. 298;
Normann. 363.
— Petaviani. 141. 144. 145;
plebei 191;
Prum. 259;
breves. 364;
necrol. 63.
— Quedl. 340-344. 358;
Rem. 409.
— Salisb. 149.
— Sanctae Columbae Sen. 419.
— Sancti Amandi. 141;
Bertini. 382;
Blasii necrol. 63;
Bonifatii. 241;
breviss. 241;
Dionysii Rem. 409;
Emm. 149;
breviss. 401;
Gall. Bal. 141;
Regum. 141;
br. 287. 394;
breviss. 287;
maj. 393;
Germ. Paris. 48;
Maximini. 363;
Medardi Suess. 199;
Meginradi. 394;
Nicasii Rem. 409;
Petri Col. 263;
Quintini. 188. 298;
Victoris Massil. 205. 298.
— Sith. 224-226;
Mosellani. 141. 143. 145;
Murbac. 147.
— Nazar. 147. 148;
Nivern. 298;
Normann. 363.
— Petaviani. 141. 144. 145;
plebei 191;
Prum. 259;
breves. 364;
necrol. 63.
— Quedl. 340-344. 358;
Rem. 409.
— Salisb. 149.
— Sanctae Columbae Sen. 419.
— Sancti Amandi. 141;
Bertini. 382;
Blasii necrol. 63;
Bonifatii. 241;
breviss. 241;
Dionysii Rem. 409;
Emm. 149;
breviss. 401;
Gall. Bal. 141;
Regum. 141;
br. 287. 394;
breviss. 287;
maj. 393;
Germ. Paris. 48;
Maximini. 363;
Medardi Suess. 199;
Meginradi. 394;
Nicasii Rem. 409;
Petri Col. 263;
Quintini. 188. 298;
Victoris Massil. 205. 298.
— Sith. 224-226;
Page 592
Tiliani 141;
Turon. 97.
— Vedastini. 297;
Veneti. 433;
Weingart. 394;
Weissenburg. 340. 394;
Werthin. 254;
Xant. 262.
Annalium veterum fragmenta. 203.
Annius Viterbiensis. 8.
Arno (884-916) B. v. Freising. 288.
— (950-978) B. v. Worms. 364.
Anonymus Cuspiniani. 55;
de situ orbis. 294;
Mellicensis. 86;
Ravennas. 67;
Vales. 56.
Ansbach, Necrolog. 443.
Anscher. 174. 175.
Ansibert, B. v. Rouen. 114.
Anskar (831-865) Erzb. v. Hamburg. 247-249.
Anso, Abt v. Lobbes. 130.
Antrich, Freisinger Lehrer. 405.
Aosta, Necrolog. 455.
Apollinarius Sidonius. 88.
Aquilegia. 216;
Evang. 65.
Ardo Smaragdus. 210.
Argenteuil, Necrolog 458.
Aribo (764-783) B. v. Freising. 123. 154.
Arichis. 166. 169.
Arles. 57.
Arn (785-821) Erzb. v. Salzb. 149. 154. 158. 195
— (855-893) B. v. Würzburg. 290.
Arnstein. Necrolog. 452.
Arnulf (996-1023) B. v. Halb. 345.
— Graf von Flandern. 384. 386. 388. 389.
Turon. 97.
— Vedastini. 297;
Veneti. 433;
Weingart. 394;
Weissenburg. 340. 394;
Werthin. 254;
Xant. 262.
Annalium veterum fragmenta. 203.
Annius Viterbiensis. 8.
Arno (884-916) B. v. Freising. 288.
— (950-978) B. v. Worms. 364.
Anonymus Cuspiniani. 55;
de situ orbis. 294;
Mellicensis. 86;
Ravennas. 67;
Vales. 56.
Ansbach, Necrolog. 443.
Anscher. 174. 175.
Ansibert, B. v. Rouen. 114.
Anskar (831-865) Erzb. v. Hamburg. 247-249.
Anso, Abt v. Lobbes. 130.
Antrich, Freisinger Lehrer. 405.
Aosta, Necrolog. 455.
Apollinarius Sidonius. 88.
Aquilegia. 216;
Evang. 65.
Ardo Smaragdus. 210.
Argenteuil, Necrolog 458.
Aribo (764-783) B. v. Freising. 123. 154.
Arichis. 166. 169.
Arles. 57.
Arn (785-821) Erzb. v. Salzb. 149. 154. 158. 195
— (855-893) B. v. Würzburg. 290.
Arnstein. Necrolog. 452.
Arnulf (996-1023) B. v. Halb. 345.
— Graf von Flandern. 384. 386. 388. 389.
Page 593
Arx, Ildefons von. 22.
Aspert (891-893) B. v. Regensb. 289.
Astronomus. 210.
Atri, Necrolog. 457.
Atto, B. v. Vercelli. 430.
Au, Necrolog. 450.
Auctarium Prosperi. 82.
Audoenus. 114.
Audradus Modicus. 216.
Augsburg. 287. 399-401;
Necrol. 442.
Ausonius. 88.
Autun, Necrolog. 454.
Auxerre. 302;
Necrolog. 458.
Auxilius. 305.
Aventin. 5.
Azo, B. v. Ivrea. 310.
B, sächsischer Priester. 380.
Baehr. 33.
Balderich II. (1008-1018) B. v. Lütt. 391.
— (970-987) B. v. Speier. 323.
— (917-976) B. v. Utrecht. 376. 377.
Baldo, Salzburger Lehrer. 269. 292.
Balthard, Abt v. Hersfeld. 241.
Balther. 121.
Balzani, Ugo. 12.
Bamberg. 319. 391;
Necrolog. 443.
Banz, Necrolog. 443.
Barcelona, Necrolog. 460.
Baronius. 9.
Basel, Necrolog. 454.
Baturich (817-848) B. v. Regensb. 289.
Baudonivia. 92.
Baugulf, Abt v. Fulda. 231.
Aspert (891-893) B. v. Regensb. 289.
Astronomus. 210.
Atri, Necrolog. 457.
Atto, B. v. Vercelli. 430.
Au, Necrolog. 450.
Auctarium Prosperi. 82.
Audoenus. 114.
Audradus Modicus. 216.
Augsburg. 287. 399-401;
Necrol. 442.
Ausonius. 88.
Autun, Necrolog. 454.
Auxerre. 302;
Necrolog. 458.
Auxilius. 305.
Aventin. 5.
Azo, B. v. Ivrea. 310.
B, sächsischer Priester. 380.
Baehr. 33.
Balderich II. (1008-1018) B. v. Lütt. 391.
— (970-987) B. v. Speier. 323.
— (917-976) B. v. Utrecht. 376. 377.
Baldo, Salzburger Lehrer. 269. 292.
Balthard, Abt v. Hersfeld. 241.
Balther. 121.
Balzani, Ugo. 12.
Bamberg. 319. 391;
Necrolog. 443.
Banz, Necrolog. 443.
Barcelona, Necrolog. 460.
Baronius. 9.
Basel, Necrolog. 454.
Baturich (817-848) B. v. Regensb. 289.
Baudonivia. 92.
Baugulf, Abt v. Fulda. 231.
Page 594
Baumburg, Necrolog. 450.
Beatus Rhenanus. 7.
Beaune, Necrolog. 454.
Bebo, Diaconus. 319.
Beda. 130. 131;
Chron. cont. 131;
de rat. temp. 58;
Martyrol. 60.
Benedict, Abt v. Aniane. 205.
— Grammatiker. 404.
— von St. Andrea. 430.
Benedictbeuern. 404;
Necrol. 442.
Benedictus levita. 22. 242.
Benevent. 307.
Beornrad, Erzb. v. Sens. 235.
Bergamo, Necrolog. 455.
Bergen, Necrolog. 442.
Bergh-Saint-Vinoc. 383.
Bernardus, rex Italiae. 278.
Berner von St. Remi. 413.
Bernold (821-840) B. v. Strassb. 279.
Bernowin. 171.
Bernward (992-1022) B. v. Hildesheim. 318. 346-349.
Beromünster, Necrolog. 439.
Bertharius Virdun. 267. 377.
Besançon, Necrolog. 454.
Bethmann, C. L. 23.
Bischofsheim. 137. 232.
Bischofszell, Necrolog. 439.
Biso (886-908) B. v. Paderborn. 253.
Blandigny, Saint-Pierre au mont Blandin de Gand. 384-386. 388. 413.
Blaubeuren, Necrolog. 439.
Bleidenstadt. 240;
Necrol. 437.
Bluhme 22.
Blumenthal, Necrolog. 446.
Beatus Rhenanus. 7.
Beaune, Necrolog. 454.
Bebo, Diaconus. 319.
Beda. 130. 131;
Chron. cont. 131;
de rat. temp. 58;
Martyrol. 60.
Benedict, Abt v. Aniane. 205.
— Grammatiker. 404.
— von St. Andrea. 430.
Benedictbeuern. 404;
Necrol. 442.
Benedictus levita. 22. 242.
Benevent. 307.
Beornrad, Erzb. v. Sens. 235.
Bergamo, Necrolog. 455.
Bergen, Necrolog. 442.
Bergh-Saint-Vinoc. 383.
Bernardus, rex Italiae. 278.
Berner von St. Remi. 413.
Bernold (821-840) B. v. Strassb. 279.
Bernowin. 171.
Bernward (992-1022) B. v. Hildesheim. 318. 346-349.
Beromünster, Necrolog. 439.
Bertharius Virdun. 267. 377.
Besançon, Necrolog. 454.
Bethmann, C. L. 23.
Bischofsheim. 137. 232.
Bischofszell, Necrolog. 439.
Biso (886-908) B. v. Paderborn. 253.
Blandigny, Saint-Pierre au mont Blandin de Gand. 384-386. 388. 413.
Blaubeuren, Necrolog. 439.
Bleidenstadt. 240;
Necrol. 437.
Bluhme 22.
Blumenthal, Necrolog. 446.
Page 595
Bobio. 116. 118. 216. 428.
Bobolenus. 120.
Boeddeken. 253.
Boehmer. 30.
Boethius. 66.
Bolland. 10.
Bologna, Necrolog. 456.
Bonifatius. 134-136. 238. 282. 375.
Bordeaux, Necrolog. 459.
Boretius, Alfred. 22. 23.
Bouquet. 12. 26.
Bovo, Abt v. Corvey. 254. 255.
Boyneburg. 13.
Braunschweig, Necrolog. 444.
Bremen. 247. 248;
Necrolog 447.
Brescia, Necrolog. 456.
Breslau, Necrolog. 448.
Breves notitiae Salisb. 158.
Breviarium historiale. 2.
Brogne. 387-389;
Necrolog. 446.
Brouwer. 9.
Brügge, Necrolog. 457.
Brühl, Necrolog. 445.
Brun (940-962) Erzb. v. Cöln. 321-323. 360-361.
— Abt v. Magdeb. u. Nienburg. 353.
Brun-Bonifacius, Erzb. 354. 355. 436.
Brunellus. 6.
Brunwart, Abt v. Hersfeld. 241.
Brunnbach, Necrolog. 443.
Bruun Candidus. 232-234.
Büchler. 18.
Bun, Abt v. Hersfeld. 241.
Burchard (1000-1025) B. v. Worms. 392.
Burtscheid, Necrolog. 446.
Bobolenus. 120.
Boeddeken. 253.
Boehmer. 30.
Boethius. 66.
Bolland. 10.
Bologna, Necrolog. 456.
Bonifatius. 134-136. 238. 282. 375.
Bordeaux, Necrolog. 459.
Boretius, Alfred. 22. 23.
Bouquet. 12. 26.
Bovo, Abt v. Corvey. 254. 255.
Boyneburg. 13.
Braunschweig, Necrolog. 444.
Bremen. 247. 248;
Necrolog 447.
Brescia, Necrolog. 456.
Breslau, Necrolog. 448.
Breves notitiae Salisb. 158.
Breviarium historiale. 2.
Brogne. 387-389;
Necrolog. 446.
Brouwer. 9.
Brügge, Necrolog. 457.
Brühl, Necrolog. 445.
Brun (940-962) Erzb. v. Cöln. 321-323. 360-361.
— Abt v. Magdeb. u. Nienburg. 353.
Brun-Bonifacius, Erzb. 354. 355. 436.
Brunellus. 6.
Brunwart, Abt v. Hersfeld. 241.
Brunnbach, Necrolog. 443.
Bruun Candidus. 232-234.
Büchler. 18.
Bun, Abt v. Hersfeld. 241.
Burchard (1000-1025) B. v. Worms. 392.
Burtscheid, Necrolog. 446.
Page 596
Canisius, Heinrich. 9.
Canterbury, Necrolog. 459.
Carmen de S. Bavone. 385.
Carmina Centulensia. 301.
Caroli M. Expeditio hisp. 188.
Carolus Magnus. 150 ff. 277. 278;
et Leo III. 176.
— II. Calvus. 294. 300.
— III. 273.
Casale S. Evasii, Necrolog. 455.
Cassiodor. 65-72;
Chron. 68;
Getica. 68-71;
Hist. trip. 71;
Instit. 71;
Variae. 71. 72.
Casus S. Galli. 268. 394.
Catalogus Brixiensis 310.
— Pontt. Rom. 55. 58. 59;
provinciarum. 171;
regum et impp. 168.
— archiepp. Lugd. 299;
Rem. 409;
Senon. 419;
Trev. 366;
Vienn. 219.
Catal. epp. Ambian. 382;
Argent. 399;
Atreb. 298;
August. 400;
Basil. 276;
Constant. 269;
Mett. 374;
Morin. 382;
Rat. 289.
— abb. Aug. 269;
Blandin. 385;
Canterbury, Necrolog. 459.
Carmen de S. Bavone. 385.
Carmina Centulensia. 301.
Caroli M. Expeditio hisp. 188.
Carolus Magnus. 150 ff. 277. 278;
et Leo III. 176.
— II. Calvus. 294. 300.
— III. 273.
Casale S. Evasii, Necrolog. 455.
Cassiodor. 65-72;
Chron. 68;
Getica. 68-71;
Hist. trip. 71;
Instit. 71;
Variae. 71. 72.
Casus S. Galli. 268. 394.
Catalogus Brixiensis 310.
— Pontt. Rom. 55. 58. 59;
provinciarum. 171;
regum et impp. 168.
— archiepp. Lugd. 299;
Rem. 409;
Senon. 419;
Trev. 366;
Vienn. 219.
Catal. epp. Ambian. 382;
Argent. 399;
Atreb. 298;
August. 400;
Basil. 276;
Constant. 269;
Mett. 374;
Morin. 382;
Rat. 289.
— abb. Aug. 269;
Blandin. 385;
Page 597
Corb. 255;
Floriac. 417;
Fuld. 240;
Gand. 387;
Nonant. 434;
Prum. 364;
S. Bertini. 382;
S. Emm. 289;
S. Galli. 269;
S. Vedasti. 298;
SS. Udalr. et Afrae. 400;
Weissenb. 340;
Werthin. 245.
— praepositorum S. Audomari. 382.
Celtis. 3. 4.
Centuriatoren. 8.
Chartres, Necrolog. 458.
Château-Chalon, Necrolog. 454.
Châteauroux, Necrolog. 459.
Chelles. 114. 300.
Chemnitz, Necrolog. 448.
Chiemsee, Necrolog. 450.
Childebrand. 126.
Childerich. 89.
Chilperich. 90.
Christian, Abt v. St. Pantaleon. 362.
— v. Stablo. 267.
Chrodegang (742-766) B. v. Metz. 144. 191.
Chronica de sex aetatibus mundi. 205.
— S. Benedicti. 307.
Chronicon ad a. 334. 54;
ad a. 796. 204. 226;
ad a. 805. 196. 202. 203. 298;
univ. ad a. 741. 129. 201. 202;
Altinate. 433;
Aquitan. 205. 299;
Augustanum. 82;
Floriac. 417;
Fuld. 240;
Gand. 387;
Nonant. 434;
Prum. 364;
S. Bertini. 382;
S. Emm. 289;
S. Galli. 269;
S. Vedasti. 298;
SS. Udalr. et Afrae. 400;
Weissenb. 340;
Werthin. 245.
— praepositorum S. Audomari. 382.
Celtis. 3. 4.
Centuriatoren. 8.
Chartres, Necrolog. 458.
Château-Chalon, Necrolog. 454.
Châteauroux, Necrolog. 459.
Chelles. 114. 300.
Chemnitz, Necrolog. 448.
Chiemsee, Necrolog. 450.
Childebrand. 126.
Childerich. 89.
Chilperich. 90.
Christian, Abt v. St. Pantaleon. 362.
— v. Stablo. 267.
Chrodegang (742-766) B. v. Metz. 144. 191.
Chronica de sex aetatibus mundi. 205.
— S. Benedicti. 307.
Chronicon ad a. 334. 54;
ad a. 796. 204. 226;
ad a. 805. 196. 202. 203. 298;
univ. ad a. 741. 129. 201. 202;
Altinate. 433;
Aquitan. 205. 299;
Augustanum. 82;
Page 598
breve Alam. 204;
Brix. 310;
Canisianum. 82;
Cuspiniani. 55;
de gestis Norm. 292. 420;
Floriac. 417;
Fontanell. 220;
Fuld. perd. 241;
Gothanum. 164;
Gradense. 432;
imperiale. 83;
Lauson. Chartul. 146;
Moissiac. 205;
Nonant. 434;
paschale. 58;
Pithoeanum. 83;
Sagornini. 432;
Salern. 431;
S. Petri vivi. 420;
S. Victoris. 205;
Ulricianum. 82;
Vedast. 298;
Venetum. 432.
Chunibert, Lehrer in Salzburg. 404.
Churrer, Caspar. 7.
Cismar, Necrolog. 447.
Cividale, Necrolog. 456.
Clairvaux, Necrolog. 454.
Clarenthal, Necrolog. 437.
Clarius, Mönch in Sens. 420.
Claudius v. Turin. 155. 205. 207.
Clausula de Pippino. 127.
Clemens Scottus. 155;
alius. 207. 231. 294.
Cluny. 421. 422.
Coblenz, Castorstift. 65.
Codex Carolinus. 190;
Brix. 310;
Canisianum. 82;
Cuspiniani. 55;
de gestis Norm. 292. 420;
Floriac. 417;
Fontanell. 220;
Fuld. perd. 241;
Gothanum. 164;
Gradense. 432;
imperiale. 83;
Lauson. Chartul. 146;
Moissiac. 205;
Nonant. 434;
paschale. 58;
Pithoeanum. 83;
Sagornini. 432;
Salern. 431;
S. Petri vivi. 420;
S. Victoris. 205;
Ulricianum. 82;
Vedast. 298;
Venetum. 432.
Chunibert, Lehrer in Salzburg. 404.
Churrer, Caspar. 7.
Cismar, Necrolog. 447.
Cividale, Necrolog. 456.
Clairvaux, Necrolog. 454.
Clarenthal, Necrolog. 437.
Clarius, Mönch in Sens. 420.
Claudius v. Turin. 155. 205. 207.
Clausula de Pippino. 127.
Clemens Scottus. 155;
alius. 207. 231. 294.
Cluny. 421. 422.
Coblenz, Castorstift. 65.
Codex Carolinus. 190;
Page 599
Einsidl. 281;
Einsidl. Vitae Caroli. 206.
Cod. epistolaris Fuld. 234.
Coeln. 263. 360-363;
Necrol. 445.
Colbatz, Necrolog. 447.
Columban. 116-119.
Compilatio Fuld. 240. 241. 368.
Conquestio dom. Chludovici. 211.
Conrad I, König. 273.
— (934-976) B. v. Constanz. 398.
— von Hirschau. 87.
— von St. Avold. 373.
— B. Pilgrims Sänger. 406.
Conring. 13.
Constantin, Abt von St. Symphorian. 373. 374.
Constantinus scholasticus. 418.
— Porphyrogenitus. 424.
Constantius Luxoviensis. 319. 399.
Constanz. 269. 398;
Necrol. 439.
Constructio Farfensis. 309.
Consularia Constantinop. 58;
Italica. 55.
Continuator Reginonis. 367-369.
Contzen. 33.
Conversio Carantanorum. 291.
Corbeil, Necrolog. 458.
Corbie. 114. 118. 249-252;
Necrol. 457.
Cornelius. 30.
Corvey. 249-255. 319. 328-333. 359. 360.
Cosmographia anon. Rav. 67.
Cozroh. 288.
Crantz. 149. 204.
Cremona, Necrolog. 456.
Cuono von St. Avold. 373.
Einsidl. Vitae Caroli. 206.
Cod. epistolaris Fuld. 234.
Coeln. 263. 360-363;
Necrol. 445.
Colbatz, Necrolog. 447.
Columban. 116-119.
Compilatio Fuld. 240. 241. 368.
Conquestio dom. Chludovici. 211.
Conrad I, König. 273.
— (934-976) B. v. Constanz. 398.
— von Hirschau. 87.
— von St. Avold. 373.
— B. Pilgrims Sänger. 406.
Conring. 13.
Constantin, Abt von St. Symphorian. 373. 374.
Constantinus scholasticus. 418.
— Porphyrogenitus. 424.
Constantius Luxoviensis. 319. 399.
Constanz. 269. 398;
Necrol. 439.
Constructio Farfensis. 309.
Consularia Constantinop. 58;
Italica. 55.
Continuator Reginonis. 367-369.
Contzen. 33.
Conversio Carantanorum. 291.
Corbeil, Necrolog. 458.
Corbie. 114. 118. 249-252;
Necrol. 457.
Cornelius. 30.
Corvey. 249-255. 319. 328-333. 359. 360.
Cosmographia anon. Rav. 67.
Cozroh. 288.
Crantz. 149. 204.
Cremona, Necrolog. 456.
Cuono von St. Avold. 373.
Page 600
Cur, Necrolog. 441.
Cuspinian. 3. 5. 55.
Cysoing. 174.
Czarnowanz, Necrolog. 449.
D'Achery 11.
Dado (880-923) B. v. Verdun. 267. 275.
Dahlmann. 22. 33.
Dedicatio St. Petri Bab. 391.
Deggingen, Necrolog. 442.
De imp. pot. in Urbe Roma. 429.
Denkendorf, Necrolog. 439.
Derneburg, Necrolog. 444.
Deuil. 389.
Deutscher Orden, Necrolog. 449.
Deutz, Necrolog. 445.
Dicuil., 151.
Diederich, Hersf. Mönch., 118.
Diekamp., 30.
Diessen, Necrolog., 442.
Dietkirchen, Necrolog., 452.
Dijon, Necrolog., 454.
Dionysius chronographus. 128.
— exiguus. 58.
Diptycha. 64.
Diptychon St. Maximini. 364.
Dodanae liber manualis. 211.
Domus Carol. Genealogia. 168.
Donat v. Fiesole. 153.
Donauwörth, Necrolog. 442.
Dortmund. 174.
Drogo von Bergh-St. Vinoc. 383.
Drübeck, Necrolog. 444.
Dubduin. 271.
Dublin, Necrolog. 459.
Du Chesne. 12.
Dudo von St. Quentin. 420.
Cuspinian. 3. 5. 55.
Cysoing. 174.
Czarnowanz, Necrolog. 449.
D'Achery 11.
Dado (880-923) B. v. Verdun. 267. 275.
Dahlmann. 22. 33.
Dedicatio St. Petri Bab. 391.
Deggingen, Necrolog. 442.
De imp. pot. in Urbe Roma. 429.
Denkendorf, Necrolog. 439.
Derneburg, Necrolog. 444.
Deuil. 389.
Deutscher Orden, Necrolog. 449.
Deutz, Necrolog. 445.
Dicuil., 151.
Diederich, Hersf. Mönch., 118.
Diekamp., 30.
Diessen, Necrolog., 442.
Dietkirchen, Necrolog., 452.
Dijon, Necrolog., 454.
Dionysius chronographus. 128.
— exiguus. 58.
Diptycha. 64.
Diptychon St. Maximini. 364.
Dodanae liber manualis. 211.
Domus Carol. Genealogia. 168.
Donat v. Fiesole. 153.
Donauwörth, Necrolog. 442.
Dortmund. 174.
Drogo von Bergh-St. Vinoc. 383.
Drübeck, Necrolog. 444.
Dubduin. 271.
Dublin, Necrolog. 459.
Du Chesne. 12.
Dudo von St. Quentin. 420.
Page 601
Duemge. 18.
Duemmler. 24.
Dürrenstein, Necrolog. 451.
Düsseldorf, Necrolog. 445.
Dungal. 153. 157. 292.
Durham, Necrolog. 459.
Dysibod. 40.
Eberbach, Necrolog. 437.
Eberhard, Markgr. v. Friaul. 174.
Eberhart v. Gandersheim. 337.
Eberndorf, Necrolog. 450.
Ebersberg, Necrolog. 450.
Ebo, Erzb. v. Reims. 296.
Ebrach, Necrolog. 443.
Ebrachar (959-971) B. v. Lüttich. 380.
Ebrardus. 168.
Eburnant v. Hornbach. 374.
Ecbasis captivi. 377.
Echternach. 132;
Necrolog. 452.
Eckhart. 15. 16.
Egbert (977-993) Erzb. v. Trier. 365. 366.
Egebert, Lütticher Lehrer. 389.
Eginhard u. Emma. 174.
Eginold, Abt v. Gorze. 369.
Egmond. 262. 366;
Necrolog. 446.
Eichstedt. 290. 406;
Necrolog. 442.
Eigil, Erzb. v. Sens. 258.
— Abt von Fulda. 232.
Eika, Alteneyk. 266.
Einhard. 178-189. 226. 223;
Ann. 197-201.
Einsiedeln. 286;
Necrolog., 439.
Duemmler. 24.
Dürrenstein, Necrolog. 451.
Düsseldorf, Necrolog. 445.
Dungal. 153. 157. 292.
Durham, Necrolog. 459.
Dysibod. 40.
Eberbach, Necrolog. 437.
Eberhard, Markgr. v. Friaul. 174.
Eberhart v. Gandersheim. 337.
Eberndorf, Necrolog. 450.
Ebersberg, Necrolog. 450.
Ebo, Erzb. v. Reims. 296.
Ebrach, Necrolog. 443.
Ebrachar (959-971) B. v. Lüttich. 380.
Ebrardus. 168.
Eburnant v. Hornbach. 374.
Ecbasis captivi. 377.
Echternach. 132;
Necrolog. 452.
Eckhart. 15. 16.
Egbert (977-993) Erzb. v. Trier. 365. 366.
Egebert, Lütticher Lehrer. 389.
Eginhard u. Emma. 174.
Eginold, Abt v. Gorze. 369.
Egmond. 262. 366;
Necrolog. 446.
Eichstedt. 290. 406;
Necrolog. 442.
Eigil, Erzb. v. Sens. 258.
— Abt von Fulda. 232.
Eika, Alteneyk. 266.
Einhard. 178-189. 226. 223;
Ann. 197-201.
Einsiedeln. 286;
Necrolog., 439.
Page 602
Ekkehard d. Rothe, Domscholaster in Magdeburg., 351.
— I in Sanctgallen. 395.
— II palatinus. 316. 317.
— IV. 269. 393-395.
Elevatio S. Bavonis., 386.
— Macharii. 386.
Elias, B. v. Angoulême. 301.
— Abt v. Gr. St. Martin. 361.
Ellwangen. 282;
Necrolog. 442.
Elogium Liberii papae. 59.
Elten, Necrolog. 446.
Endlicher. 30.
Engelberg, Necrolog. 439.
Engelmod v. Corbie. 252.
Engelport, Necrolog. 437.
Engilmar, Abt. 291.
Enhardus. 226.
Ennodius. 48. 72.
Epistola Adelardi Blandin. 388;
Andreae abb. S. Pancr. 385;
Hulderichi Aug. 6;
Luciferi. 6;
Milonis ep. Mind. 398;
Notkeri, 395;
Othelboldi abb. Gand. 386.
Epistolae Alati. 291.
— Austrasicae. 110.
Epitaphium Adalberonis II. 373;
Adalheidis imp. 423;
Aggiardi. 188;
Ansae reg. 166;
Bavonis. 132. 386;
Bened. VII. 430;
Bernaldi. 278;
Brun. Col. 361;
Chrodegangi. 371;
— I in Sanctgallen. 395.
— II palatinus. 316. 317.
— IV. 269. 393-395.
Elevatio S. Bavonis., 386.
— Macharii. 386.
Elias, B. v. Angoulême. 301.
— Abt v. Gr. St. Martin. 361.
Ellwangen. 282;
Necrolog. 442.
Elogium Liberii papae. 59.
Elten, Necrolog. 446.
Endlicher. 30.
Engelberg, Necrolog. 439.
Engelmod v. Corbie. 252.
Engelport, Necrolog. 437.
Engilmar, Abt. 291.
Enhardus. 226.
Ennodius. 48. 72.
Epistola Adelardi Blandin. 388;
Andreae abb. S. Pancr. 385;
Hulderichi Aug. 6;
Luciferi. 6;
Milonis ep. Mind. 398;
Notkeri, 395;
Othelboldi abb. Gand. 386.
Epistolae Alati. 291.
— Austrasicae. 110.
Epitaphium Adalberonis II. 373;
Adalheidis imp. 423;
Aggiardi. 188;
Ansae reg. 166;
Bavonis. 132. 386;
Bened. VII. 430;
Bernaldi. 278;
Brun. Col. 361;
Chrodegangi. 371;
Page 603
Ebracharii. 100;
Germani. 91;
Geroldi. 278;
Gregorii V. 392;
Heinrici com. 261;
Lotharii I. 216;
Lud. II. imp. 216;
Lulli. 137;
Mich. Rat. 401;
Ott. M. 423;
Pacifici. 311;
Petri abb. 310;
Ratoldi. 251;
Ricfridi. 376;
Rud. diac. 362;
Rutlandi. 188;
Sendebaldi. 371;
Walahfr. 281;
Warentrudis. 222.
Erchanbald (882-912) B. v. Eichstedt. 290.
— (965-991) B. v. Strassb., 398. 399.
Erchanberti Breviarium. 219;
Cont. 273.
Erchempert von Montecassino. 61. 307.
Erectio Magdeburg. 357.
Erfurt, Necrolog. 437.
Erich, Herzog. 216.
Erinfrid v. Fulda. 231.
Erlebold, Abt von Reichenau. 277. 279. 280. 283.
Ermenrich v. Ellwangen. 282-284. 290.
Ermoldus Nigellus. 208.
Erstein im Elsass. 299.
Essen, Necrolog. 445.
Etival, Necrolog. 453.
Eu, Necrolog. 458.
Eugenius Vulgarius. 305.
Eugippius. 44-49.
Germani. 91;
Geroldi. 278;
Gregorii V. 392;
Heinrici com. 261;
Lotharii I. 216;
Lud. II. imp. 216;
Lulli. 137;
Mich. Rat. 401;
Ott. M. 423;
Pacifici. 311;
Petri abb. 310;
Ratoldi. 251;
Ricfridi. 376;
Rud. diac. 362;
Rutlandi. 188;
Sendebaldi. 371;
Walahfr. 281;
Warentrudis. 222.
Erchanbald (882-912) B. v. Eichstedt. 290.
— (965-991) B. v. Strassb., 398. 399.
Erchanberti Breviarium. 219;
Cont. 273.
Erchempert von Montecassino. 61. 307.
Erectio Magdeburg. 357.
Erfurt, Necrolog. 437.
Erich, Herzog. 216.
Erinfrid v. Fulda. 231.
Erlebold, Abt von Reichenau. 277. 279. 280. 283.
Ermenrich v. Ellwangen. 282-284. 290.
Ermoldus Nigellus. 208.
Erstein im Elsass. 299.
Essen, Necrolog. 445.
Etival, Necrolog. 453.
Eu, Necrolog. 458.
Eugenius Vulgarius. 305.
Eugippius. 44-49.
Page 604
Eusebius. 52.
Everger (985-999) Erzb. v. Cöln. 362.
Evreux, Necrolog. 458.
Ewald, Paul. 33.
Excerptum ex Chron. Orosii. 57.
Fabricius, J. A. 16.
Fahr, Necrolog. 439.
Farfa. 309.
Fasti consulares, Rav. 55-57;
Vindobon. 55.
Faustinus. 155.
Faviana. 50.
Feldbach, Necrolog. 439.
Feldwerth, Necrolog. 447.
Feuchtwangen. 400.
Ficker, Julius. 30. 31.
Fiducia. 172.
Fincke, J. P. 16.
Fingen, Schottenabt. 372.
Flacius Illyricus. 6. 8.
Flavianus. 165.
Flavigny. 202. 259.
Fleury. 416-418;
Necrolog. 458.
Flodoardus. 409-411.
Florbert, Abt v. Gent. 384. 386.
Florennes, Necrolog. 446.
Florenz, Necrolog. 456.
Flores temporum. 2.
Florus diac. Lugdun. 60. 211.
Foecunda ratis. 389.
Folcmar (965-969) Erzb. v. Coeln. 361. 362.
Folcwin, Abt v. Lobbes u. St. Bertin. 381. 382.
Fontévraud, Necrolog. 459.
Forchheim, Necrolog. 443.
Formulae. 110;
Everger (985-999) Erzb. v. Cöln. 362.
Evreux, Necrolog. 458.
Ewald, Paul. 33.
Excerptum ex Chron. Orosii. 57.
Fabricius, J. A. 16.
Fahr, Necrolog. 439.
Farfa. 309.
Fasti consulares, Rav. 55-57;
Vindobon. 55.
Faustinus. 155.
Faviana. 50.
Feldbach, Necrolog. 439.
Feldwerth, Necrolog. 447.
Feuchtwangen. 400.
Ficker, Julius. 30. 31.
Fiducia. 172.
Fincke, J. P. 16.
Fingen, Schottenabt. 372.
Flacius Illyricus. 6. 8.
Flavianus. 165.
Flavigny. 202. 259.
Fleury. 416-418;
Necrolog. 458.
Flodoardus. 409-411.
Florbert, Abt v. Gent. 384. 386.
Florennes, Necrolog. 446.
Florenz, Necrolog. 456.
Flores temporum. 2.
Florus diac. Lugdun. 60. 211.
Foecunda ratis. 389.
Folcmar (965-969) Erzb. v. Coeln. 361. 362.
Folcwin, Abt v. Lobbes u. St. Bertin. 381. 382.
Fontévraud, Necrolog. 459.
Forchheim, Necrolog. 443.
Formulae. 110;
Page 605
Alsat. 275;
Aug. 275. 279;
Salisb. 275.
Fragmentum Chesnianum. 145. 204.
— de Arnulfo duce. 403;
de Bonif. VII. 430;
de Lud. jun. 228;
de Pippino duce. 128.
— ex libro aureo Eptern. 128;
ex membr. Floriac. 417.
Franco (854-901) B. v. Lüttich. 266.
Francorum regum historia. 219.
Frankenchronik, Lorscher. 204.
Fraubrunnen, Necrolog. 439.
Frauenbildung. 320. 321.
Frauenburg, Necrolog. 449.
Frauenthal, Necrolog. 439.
Frecht, Martin. 7.
Frechulf, B. v. Lisieux. 217.
Freckenhorst. 246.
Fredegar. 104-107;
Cont. 126-128.
Fredigardus. 301.
Freher. 16.
Freiburg, Necrolog. 439.
Freising. 122. 123. 154. 288. 405;
Necrolog. 450.
Freudenthal, Necrolog. 456.
Friderich (954-990) Erzb. v. Salzb. 404.
— (-838) B. v. Utrecht. 390.
Fridugis. 160.
Friedrich, J. 41.
Fritzlar, Necrolog. 438.
Frodebert, B. v. Tours. 111.
Frothar (813-848) B. v. Toul. 268.
Froumund. 403. 404.
Fürstenfeld, Necrolog. 451.
Aug. 275. 279;
Salisb. 275.
Fragmentum Chesnianum. 145. 204.
— de Arnulfo duce. 403;
de Bonif. VII. 430;
de Lud. jun. 228;
de Pippino duce. 128.
— ex libro aureo Eptern. 128;
ex membr. Floriac. 417.
Franco (854-901) B. v. Lüttich. 266.
Francorum regum historia. 219.
Frankenchronik, Lorscher. 204.
Fraubrunnen, Necrolog. 439.
Frauenbildung. 320. 321.
Frauenburg, Necrolog. 449.
Frauenthal, Necrolog. 439.
Frecht, Martin. 7.
Frechulf, B. v. Lisieux. 217.
Freckenhorst. 246.
Fredegar. 104-107;
Cont. 126-128.
Fredigardus. 301.
Freher. 16.
Freiburg, Necrolog. 439.
Freising. 122. 123. 154. 288. 405;
Necrolog. 450.
Freudenthal, Necrolog. 456.
Friderich (954-990) Erzb. v. Salzb. 404.
— (-838) B. v. Utrecht. 390.
Fridugis. 160.
Friedrich, J. 41.
Fritzlar, Necrolog. 438.
Frodebert, B. v. Tours. 111.
Frothar (813-848) B. v. Toul. 268.
Froumund. 403. 404.
Fürstenfeld, Necrolog. 451.
Page 606
Füssen. 284;
Necrolog. 442.
Fulco (882-900) Erzb. v. Reims. 216. 407.
Fulda. 150. 180. 205. 223-241;
Necrolog., 438.
Fultenbach, Necrolog. 442.
Fundatio Blandin. 384;
Corb. 250;
Werthin. 245.
Galiffe. 34.
Gallus. 119. 120.
Gallus Ohem. 276.
Gaming, Necrolog. 451.
Gandersheim. 255. 256. 334-337.
Garemann, Abt v. Hornbach. 374.
Gars, Necrolog. 450.
Gauderich, B. v. Velletri. 303.
Gauzelin (922-963) B. v. Toul. 377.
Gebhard (996-999) B. v. Augsb. 401.
Gebehard II (980-995) B. v. Constanz. 398.
Geddo, Lehrer in Magdeburg. 351.
Geiß, Necrolog. 439.
Genealogia S. Arnulfi. 168;
Arnulfi com. 389;
Carolorum Mettensis. 168;
ducum Brabantiae. 168;
regum Francorum. 168.
Genf, Necrolog. 454.
Gengenbach, Necrolog. 439.
Gent. 384-386.
Genua, Necrolog. 455.
Geographus Bawarus. 289.
Gerbert (Silvester II). 317. 318. 372. 411. 412.
Gerbirg, Aebt. v. Gandersheim. 321. 334.
Gerfrid (809-839) B. v. Münster. 246.
Gerhard (963-994) B. v. Toul. 377.
Necrolog. 442.
Fulco (882-900) Erzb. v. Reims. 216. 407.
Fulda. 150. 180. 205. 223-241;
Necrolog., 438.
Fultenbach, Necrolog. 442.
Fundatio Blandin. 384;
Corb. 250;
Werthin. 245.
Galiffe. 34.
Gallus. 119. 120.
Gallus Ohem. 276.
Gaming, Necrolog. 451.
Gandersheim. 255. 256. 334-337.
Garemann, Abt v. Hornbach. 374.
Gars, Necrolog. 450.
Gauderich, B. v. Velletri. 303.
Gauzelin (922-963) B. v. Toul. 377.
Gebhard (996-999) B. v. Augsb. 401.
Gebehard II (980-995) B. v. Constanz. 398.
Geddo, Lehrer in Magdeburg. 351.
Geiß, Necrolog. 439.
Genealogia S. Arnulfi. 168;
Arnulfi com. 389;
Carolorum Mettensis. 168;
ducum Brabantiae. 168;
regum Francorum. 168.
Genf, Necrolog. 454.
Gengenbach, Necrolog. 439.
Gent. 384-386.
Genua, Necrolog. 455.
Geographus Bawarus. 289.
Gerbert (Silvester II). 317. 318. 372. 411. 412.
Gerbirg, Aebt. v. Gandersheim. 321. 334.
Gerfrid (809-839) B. v. Münster. 246.
Gerhard (963-994) B. v. Toul. 377.
Page 607
— Abt v. Brogne. 387-389.
— Abt v. Seon. 319.
— Augsburger Priester. 400.
Germain. 11.
Gero (969-976) Erzb. v. Coeln. 362.
Gerold, Graf. 278.
Gerresheim, Necrolog. 444.
Geseke, Necrolog. 445.
Gesta Aldrici Cenom. 303;
Beringarii. 311;
Dagoberti. 109;
Francorum. 107-109;
Heinrici IV. 5;
Oddonis I. 334;
Theoderici. 72;
Witigowonis. 397.
— Pontt. Rom. 59. 303. 430.
— archiepp. Magd. 352. 353.
— epp. Autisiod. 302;
Cenom. 302. 303;
Halb. 345. 357;
Leod. 383;
Mett. 168. 374;
Neap. 307. 308;
Verdun. 267.
— abb. Fontanell. 220;
Lob. 381;
S. Bertini. 382.
Giesebrecht. 34.
Girard von Rossillon. 299.
Gisiler (981-1004) Erzb. v. Magd. 351.
Gladbach, Necrolog. 445.
Glanfeuil. 300.
Glasgow, Necrolog. 459.
Glatz, Necrolog. 443.
Glossae Salomonis. 275.
Gnesen. 353.
— Abt v. Seon. 319.
— Augsburger Priester. 400.
Germain. 11.
Gero (969-976) Erzb. v. Coeln. 362.
Gerold, Graf. 278.
Gerresheim, Necrolog. 444.
Geseke, Necrolog. 445.
Gesta Aldrici Cenom. 303;
Beringarii. 311;
Dagoberti. 109;
Francorum. 107-109;
Heinrici IV. 5;
Oddonis I. 334;
Theoderici. 72;
Witigowonis. 397.
— Pontt. Rom. 59. 303. 430.
— archiepp. Magd. 352. 353.
— epp. Autisiod. 302;
Cenom. 302. 303;
Halb. 345. 357;
Leod. 383;
Mett. 168. 374;
Neap. 307. 308;
Verdun. 267.
— abb. Fontanell. 220;
Lob. 381;
S. Bertini. 382.
Giesebrecht. 34.
Girard von Rossillon. 299.
Gisiler (981-1004) Erzb. v. Magd. 351.
Gladbach, Necrolog. 445.
Glanfeuil. 300.
Glasgow, Necrolog. 459.
Glatz, Necrolog. 443.
Glossae Salomonis. 275.
Gnesen. 353.
Page 608
Godefrid (950-961) B. v. Speier. 323.
Godehard (1022-1038) B. v. Hild. 405.
Goderamnus, Abt in Hild. 348.
Godesscalk (994-1006) B. v. Freis. 405.
— can. Leod. 264.
— Ketzer. 215. 237.
— Kalligraph. 152.
Goerlitz, Necrolog. 448.
Gogo. 110.
Goldmann. 35.
Gorze. 369-371.
Gottesthal, Necrolog. 438.
Gozbald (841-855) B. v. Würzburg. 222. 282. 283. 289. 290.
Gozbert, Abt v. Hersfeld. 341.
— Abt v. St. Gallen. 270.
— dessen Neffe. 270.
Gozpert, Abt von Tegernsee. 403.
Grafschaft, Necrolog. 445.
Grandval, Granfelden. 120. 271. 302.
Graphia aureae urbis Romae. 429.
Grautoff. 30.
Gregorii I. Dialogi. 171.
Gregor V. 392.
— Turon. 92-101;
hist. epit. 105.
— v. Utrecht. 244.
Grenoble, Necrolog. 454.
Gretser. 9.
Griechen. 322.
Grimald, Abt v. St. Gallen. 222. 268. 271. 279. 280. 282. 283.
Gudinus. 319.
Günthersthal, Necrolog. 439.
Guido Pisanus. 67.
Guimann von St. Vaast. 298.
Guines, Necrolog. 457.
Gumpold, B. v. Mantua. 434.
Gundram, k. Caplan. 282.
Godehard (1022-1038) B. v. Hild. 405.
Goderamnus, Abt in Hild. 348.
Godesscalk (994-1006) B. v. Freis. 405.
— can. Leod. 264.
— Ketzer. 215. 237.
— Kalligraph. 152.
Goerlitz, Necrolog. 448.
Gogo. 110.
Goldmann. 35.
Gorze. 369-371.
Gottesthal, Necrolog. 438.
Gozbald (841-855) B. v. Würzburg. 222. 282. 283. 289. 290.
Gozbert, Abt v. Hersfeld. 341.
— Abt v. St. Gallen. 270.
— dessen Neffe. 270.
Gozpert, Abt von Tegernsee. 403.
Grafschaft, Necrolog. 445.
Grandval, Granfelden. 120. 271. 302.
Graphia aureae urbis Romae. 429.
Grautoff. 30.
Gregorii I. Dialogi. 171.
Gregor V. 392.
— Turon. 92-101;
hist. epit. 105.
— v. Utrecht. 244.
Grenoble, Necrolog. 454.
Gretser. 9.
Griechen. 322.
Grimald, Abt v. St. Gallen. 222. 268. 271. 279. 280. 282. 283.
Gudinus. 319.
Günthersthal, Necrolog. 439.
Guido Pisanus. 67.
Guimann von St. Vaast. 298.
Guines, Necrolog. 457.
Gumpold, B. v. Mantua. 434.
Gundram, k. Caplan. 282.
Page 609
Gunthar (849-863) Erzb. v. Coeln. 263.
— (1024-1025) Erzb. v. Salzb. 404.
Gunzo von Novara. 315. 316.
Gurk, Necrolog. 450.
Gutstadt, Necrolog. 449.
Haeusser, L. 34.
Hailsbronn, Necrolog. 443.
Haimin von St. Vaast. 297.
Haimo (840-853) B. v. Halb. 344.
— von Auxerre. 302.
Halberstadt. 344. 345. 357;
Nec. 444.
Halle, Necrolog. 448.
Hamberger. 16.
Hamburg. 248;
Necrolog. 447.
Hameln. 136;
Necrolog. 447.
Hariulf. 172. 301.
Hartgar (840-854) B. v. Lüttich. 266.
Hartmann, Abt v. St. Gallen. 394.
— Mönch in St. Gallen. 273. 396.
— Schedel. 2.
Hartmut, Abt v. St. Gallen. 271.
Haslach. 120.
Hathumod. 255.
Hatto (891-913) Erzb. v. Mainz. 243. 260.
— I, Abt v. Fulda. 235.
— III, Abt v. Fulda. 416.
Hazecha v. Quedlinburg. 321. 324.
Hedwig, Herzogin v. Schwaben. 320.
Heerwagen. 7.
Hegel, Karl. 30.
Heidenfeld, Necrolog. 443.
Heidenheim. 137.
Heiligenkreuz, Necrolog. 451.
— (1024-1025) Erzb. v. Salzb. 404.
Gunzo von Novara. 315. 316.
Gurk, Necrolog. 450.
Gutstadt, Necrolog. 449.
Haeusser, L. 34.
Hailsbronn, Necrolog. 443.
Haimin von St. Vaast. 297.
Haimo (840-853) B. v. Halb. 344.
— von Auxerre. 302.
Halberstadt. 344. 345. 357;
Nec. 444.
Halle, Necrolog. 448.
Hamberger. 16.
Hamburg. 248;
Necrolog. 447.
Hameln. 136;
Necrolog. 447.
Hariulf. 172. 301.
Hartgar (840-854) B. v. Lüttich. 266.
Hartmann, Abt v. St. Gallen. 394.
— Mönch in St. Gallen. 273. 396.
— Schedel. 2.
Hartmut, Abt v. St. Gallen. 271.
Haslach. 120.
Hathumod. 255.
Hatto (891-913) Erzb. v. Mainz. 243. 260.
— I, Abt v. Fulda. 235.
— III, Abt v. Fulda. 416.
Hazecha v. Quedlinburg. 321. 324.
Hedwig, Herzogin v. Schwaben. 320.
Heerwagen. 7.
Hegel, Karl. 30.
Heidenfeld, Necrolog. 443.
Heidenheim. 137.
Heiligenkreuz, Necrolog. 451.
Page 610
Heimo (991-1024) B. v. Verdun. 377.
Heinrich II, Kaiser. 319.
— (956-964) Erzb. v. Trier. 401
— Gandavensis. 86.
Heinrichau, Necrolog. 449.
Heinsberg, Necrolog. 446.
Heirich v. Auxerre. 301.
Heito (800-823) B. v. Basel. 276. 277. 280.
Helisachar. 217.
Helmold. 7.
Henschen. Gotfrietl. 10.
Herford. 252. 253. 337. 338.
Heribert (999-1021) Erzb. v. Coeln. 363.
Heriger, Abt v. Lobbes. 382. 383. 385.
Herimanni Aug. Martyrol. 61.
Hermann, Wormser Cler. 392.
Hermetschwil, Necrolog. 440.
Hersfeld. 241.
Herveus, Schatzmeister v. St. Martin. 417.
Hetti (814-847) Erzb. v. Trier. 257.
Hibernicus exul. 153.
Hieronymi Chron. 53;
Martyrol. 60;
de viris ill. 118.
Hildebold, Erzb. v. Coeln. 263. 267.
— B. v. Soissons. 302.
Hildebold, Lehrer. 377.
Hildegar, B. v. Meaux. 112.
Hildegrim (853-888) B. v. Halb. 246.
Hildesheim. 345-350;
Necrol. 444.
Hildeward (968-996) B. v. Halb. 344.
Hilduin (842-849) Erzb. v. Coeln. 263.
— Abt v. St. Denis. 236.
Hincmar, Erzb. v. Reims. 295. 296;
de ord. pal. 252.
— B. v. Laon. 296.
Heinrich II, Kaiser. 319.
— (956-964) Erzb. v. Trier. 401
— Gandavensis. 86.
Heinrichau, Necrolog. 449.
Heinsberg, Necrolog. 446.
Heirich v. Auxerre. 301.
Heito (800-823) B. v. Basel. 276. 277. 280.
Helisachar. 217.
Helmold. 7.
Henschen. Gotfrietl. 10.
Herford. 252. 253. 337. 338.
Heribert (999-1021) Erzb. v. Coeln. 363.
Heriger, Abt v. Lobbes. 382. 383. 385.
Herimanni Aug. Martyrol. 61.
Hermann, Wormser Cler. 392.
Hermetschwil, Necrolog. 440.
Hersfeld. 241.
Herveus, Schatzmeister v. St. Martin. 417.
Hetti (814-847) Erzb. v. Trier. 257.
Hibernicus exul. 153.
Hieronymi Chron. 53;
Martyrol. 60;
de viris ill. 118.
Hildebold, Erzb. v. Coeln. 263. 267.
— B. v. Soissons. 302.
Hildebold, Lehrer. 377.
Hildegar, B. v. Meaux. 112.
Hildegrim (853-888) B. v. Halb. 246.
Hildesheim. 345-350;
Necrol. 444.
Hildeward (968-996) B. v. Halb. 344.
Hilduin (842-849) Erzb. v. Coeln. 263.
— Abt v. St. Denis. 236.
Hincmar, Erzb. v. Reims. 295. 296;
de ord. pal. 252.
— B. v. Laon. 296.
Page 611
Hinschius. 22.
Hippolytus Portuensis. 54.
Historia Abb. Agaun. 103;
Daretis Frigii. 105;
Francorum regum. 219;
Francorum Senon. 420;
Friderici I. 2;
Langob. cod. Goth. 164;
Lombardica. 61;
Lud. VII. 110;
Miscella. 166;
Sanguinis Domini. 397;
Wambae regis. 84.
Historiae Francorum Steinveld. 168.
Hitto (810-835) B. v. Freising. 288.
Hitzkirch, Necrolog. 440.
Hofannalen. 145.
Hofen, Necrolog. 440.
Hofschule. 156. 222. 236. 294. 322.
Hohenfurt, Necrolog. 443.
Hohenwart, Necrolog. 442.
Holder-Egger. 27.
Honau, Necrolog. 439.
Honorii Imago mundi. 2.
Honorius de SS. eccl. 86.
Hornbach. 275. 374.
Hôtel-Dieu de Saint-Lô. 458.
Hrabanus Maurus. 60. 222. 234-238.
Hradisch, Necrolog. 444.
Hrotrohc. 123.
Hrotsuit. 334-336.
Hubald, Lütticher Lehrer. 380.
Huber, Alfons. 31.
Hubert (708-727) B. v. Lüttich. 265.
— Priester v. St. Vaast. 297.
Hucbald v. St. Amand. 301. 407. 408.
Hugo (942-989) Erzb. v. Rouen. 420.
Hippolytus Portuensis. 54.
Historia Abb. Agaun. 103;
Daretis Frigii. 105;
Francorum regum. 219;
Francorum Senon. 420;
Friderici I. 2;
Langob. cod. Goth. 164;
Lombardica. 61;
Lud. VII. 110;
Miscella. 166;
Sanguinis Domini. 397;
Wambae regis. 84.
Historiae Francorum Steinveld. 168.
Hitto (810-835) B. v. Freising. 288.
Hitzkirch, Necrolog. 440.
Hofannalen. 145.
Hofen, Necrolog. 440.
Hofschule. 156. 222. 236. 294. 322.
Hohenfurt, Necrolog. 443.
Hohenwart, Necrolog. 442.
Holder-Egger. 27.
Honau, Necrolog. 439.
Honorii Imago mundi. 2.
Honorius de SS. eccl. 86.
Hornbach. 275. 374.
Hôtel-Dieu de Saint-Lô. 458.
Hrabanus Maurus. 60. 222. 234-238.
Hradisch, Necrolog. 444.
Hrotrohc. 123.
Hrotsuit. 334-336.
Hubald, Lütticher Lehrer. 380.
Huber, Alfons. 31.
Hubert (708-727) B. v. Lüttich. 265.
— Priester v. St. Vaast. 297.
Hucbald v. St. Amand. 301. 407. 408.
Hugo (942-989) Erzb. v. Rouen. 420.
Page 612
— (945-947) B. v. Lüttich. 363. 380.
— Abt v. Saint-Quentin. 215.
— Archid. v. Tournay 417.
— de S. Maria. 419.
— v. Trimberg. 87.
Huisburg, Necrolog. 444.
Humbert (832-841) B. v. Würzburg. 290.
Hunibald. 8.
Huoggi, Abt v. Fulda. 240.
Husward. 60.
Huy. 174.
Hydatius. 58. 83.
Ibrahîm-ibn-Jakûb. 333.
Idacius (Hydatius). 58. 83.
Ildefons von Toledo. 86.
Illatio S. Benedicti. 418.
Ilsenburg, Necrolog. 444.
Immo, B. v. Arezzo. 375. 390.
— Abt v. Gorze u. Prüm. 398.
— Abt v. Münster. 395.
— Abt v. St. Gallen. 395.
— Abt v. Waussor. 372.
Imperator. 330.
Importunus, B. v. Paris. 111.
Indiculus Arnonis. 158.
Ingramnus, B. v. Laon. 199.
Invectiva in Romam. 305.
Inventio S. Gisleni. 388;
Hunegundis. 413;
Maurini. 362.
Irland. 115. 116.
Irmingart, Kaiserin. 277. 278.
Irmintrud, Gem. Karls d. K. 300.
Irsee, Necrolog. 442.
Isarhofen. 290.
Isidorus Hispalensis. 84-86;
— Abt v. Saint-Quentin. 215.
— Archid. v. Tournay 417.
— de S. Maria. 419.
— v. Trimberg. 87.
Huisburg, Necrolog. 444.
Humbert (832-841) B. v. Würzburg. 290.
Hunibald. 8.
Huoggi, Abt v. Fulda. 240.
Husward. 60.
Huy. 174.
Hydatius. 58. 83.
Ibrahîm-ibn-Jakûb. 333.
Idacius (Hydatius). 58. 83.
Ildefons von Toledo. 86.
Illatio S. Benedicti. 418.
Ilsenburg, Necrolog. 444.
Immo, B. v. Arezzo. 375. 390.
— Abt v. Gorze u. Prüm. 398.
— Abt v. Münster. 395.
— Abt v. St. Gallen. 395.
— Abt v. Waussor. 372.
Imperator. 330.
Importunus, B. v. Paris. 111.
Indiculus Arnonis. 158.
Ingramnus, B. v. Laon. 199.
Invectiva in Romam. 305.
Inventio S. Gisleni. 388;
Hunegundis. 413;
Maurini. 362.
Irland. 115. 116.
Irmingart, Kaiserin. 277. 278.
Irmintrud, Gem. Karls d. K. 300.
Irsee, Necrolog. 442.
Isarhofen. 290.
Isidorus Hispalensis. 84-86;
Page 613
cont. 103;
Pacensis. 84.
Island, Necrolog. 460.
Isny, Necrolog. 440.
Iso von St. Gallen. 271. 275.
Israel, irl. Bischof. 322.
Ivrea, Necrolog. 455.
Jacobus Januensis. 61.
Jaffé. 31. 32.
Janssen. 30.
Jaszo, Necrolog. 449.
Johannes Canaparius, Abt. 435.
— Abt v. Gorze. 369-371.
— Abt v. Montecassino. 307.
— Abt v. St. Arnulf. 370. 371.
— Abt v. St. Maximin. 395.
— Biclariensis. 83.
— Calaber. 318.
— von Cluny. 422.
— Fuldensis. 231.
— diac. Neap. 307. 308.
— diac. Rom. 304.
— Scotus. 300.
— Trithemius. 2. 8. 86.
— diac. Ven. 432.
— Herzog v. Neapel. 308.
Jonas, B. v. Orléans. 265.
— v. Susa. 116. 118. 119.
Jordanis. 5. 65. 72-79.
Joseph Anglicus. 153.
— Lehrer. 300.
Jotsaldus von Cluny. 423.
Judith, Kaiserin. 218. 280. 295.
Julian, B. v. Toledo. 84.
Julius Africanus. 52.
Jumièges, Necrolog. 458.
Pacensis. 84.
Island, Necrolog. 460.
Isny, Necrolog. 440.
Iso von St. Gallen. 271. 275.
Israel, irl. Bischof. 322.
Ivrea, Necrolog. 455.
Jacobus Januensis. 61.
Jaffé. 31. 32.
Janssen. 30.
Jaszo, Necrolog. 449.
Johannes Canaparius, Abt. 435.
— Abt v. Gorze. 369-371.
— Abt v. Montecassino. 307.
— Abt v. St. Arnulf. 370. 371.
— Abt v. St. Maximin. 395.
— Biclariensis. 83.
— Calaber. 318.
— von Cluny. 422.
— Fuldensis. 231.
— diac. Neap. 307. 308.
— diac. Rom. 304.
— Scotus. 300.
— Trithemius. 2. 8. 86.
— diac. Ven. 432.
— Herzog v. Neapel. 308.
Jonas, B. v. Orléans. 265.
— v. Susa. 116. 118. 119.
Jordanis. 5. 65. 72-79.
Joseph Anglicus. 153.
— Lehrer. 300.
Jotsaldus von Cluny. 423.
Judith, Kaiserin. 218. 280. 295.
Julian, B. v. Toledo. 84.
Julius Africanus. 52.
Jumièges, Necrolog. 458.
Page 614
Kaddroe, Abt. 372.
Kaiserswerth, Necrolog. 445.
Kaisheim, Necrolog. 442.
Kalender. 55.
Kaltenbrunner. 33.
Kamenz, Necrolog. 449.
Kammin, Necrolog. 447.
Kaufungen, Necrolog. 438.
Kempten. Necrolog. 440.
Kentropp, Necrolog. 445.
Klein Mariazell, Necrolog. 451.
Klosterneuburg, Necrolog. 451.
Knust. 22.
Koenigsfelden, Necrolog. 440.
Koner. 30.
Kopenhagen, Necrolog. 460.
Krakau, Necrolog. 449.
Krause. 17.
— Victor. 23.
Krumau, Necrolog. 443.
Kunigunde, Kaiserin. 321.
Laach, Necrolog. 453.
La Cava, Necrolog. 457.
La Charité sur Loire, Necr. 458.
La Chartreuse de la Lance. 454.
La-Croix-Saint-Leufroy, Necr. 458.
Lambert (-708) B. v. Mastricht. 264.
— von Hersfeld. 7. 17.
Lammspring. 255. 256.
Landerich, B. v. Meaux. 110.
Landshut, Necrolog. 451.
Landulfus Sagax. 166.
Langobarden. 164 ff.;
Herkunft. 164.
Laon, Necrolog. 457.
La Périne, Necrolog. 458.
Kaiserswerth, Necrolog. 445.
Kaisheim, Necrolog. 442.
Kalender. 55.
Kaltenbrunner. 33.
Kamenz, Necrolog. 449.
Kammin, Necrolog. 447.
Kaufungen, Necrolog. 438.
Kempten. Necrolog. 440.
Kentropp, Necrolog. 445.
Klein Mariazell, Necrolog. 451.
Klosterneuburg, Necrolog. 451.
Knust. 22.
Koenigsfelden, Necrolog. 440.
Koner. 30.
Kopenhagen, Necrolog. 460.
Krakau, Necrolog. 449.
Krause. 17.
— Victor. 23.
Krumau, Necrolog. 443.
Kunigunde, Kaiserin. 321.
Laach, Necrolog. 453.
La Cava, Necrolog. 457.
La Charité sur Loire, Necr. 458.
La Chartreuse de la Lance. 454.
La-Croix-Saint-Leufroy, Necr. 458.
Lambert (-708) B. v. Mastricht. 264.
— von Hersfeld. 7. 17.
Lammspring. 255. 256.
Landerich, B. v. Meaux. 110.
Landshut, Necrolog. 451.
Landulfus Sagax. 166.
Langobarden. 164 ff.;
Herkunft. 164.
Laon, Necrolog. 457.
La Périne, Necrolog. 458.
Page 615
Lappenberg. 23. 30.
Laufen am Neckar. 290.
Laurentius Casin. 435.
Lausanne. 146;
Necrolog. 454.
Laus Hispaniae. 86.
Le Bec, Necrolog. 458.
Lecce, Necrolog. 457.
Legenda aurea. 61.
Legenden. 61.
Leibniz. 13-16.
Leidrad, B. v. Lyon. 154.
Le Mans. 302.
Leo VII. 409.
— B. v. Vercelli. 430.
— Abt u. Legat. 306. 412.
— Archipresbyter. 308.
Leobgyth. 238.
Leslau, Necrolog. 449.
Lessais, Necrolog. 458.
Le Tréport, Necrolog. 458.
Leubus, Necrolog. 449.
Liafwin. 133. 246. 386.
Libellus de Maj. domus. 128. 168.
— supplex mon. Fuld. 232.
Liber generationis. 54. 104;
Heremi 394;
hist. Francorum. 107-109;
pontificalis. 303;
vitae Einsidl. 394.
Libri Carolini. 157. 161.
Lichtenthal, Necrolog. 438.
Lieder. 36.
Ligurinus. 4.
Lilienfeld, Necrolog. 451.
Limburg an der Lahn. Necr. 453.
Limoges, Necrolog. 459.
Laufen am Neckar. 290.
Laurentius Casin. 435.
Lausanne. 146;
Necrolog. 454.
Laus Hispaniae. 86.
Le Bec, Necrolog. 458.
Lecce, Necrolog. 457.
Legenda aurea. 61.
Legenden. 61.
Leibniz. 13-16.
Leidrad, B. v. Lyon. 154.
Le Mans. 302.
Leo VII. 409.
— B. v. Vercelli. 430.
— Abt u. Legat. 306. 412.
— Archipresbyter. 308.
Leobgyth. 238.
Leslau, Necrolog. 449.
Lessais, Necrolog. 458.
Le Tréport, Necrolog. 458.
Leubus, Necrolog. 449.
Liafwin. 133. 246. 386.
Libellus de Maj. domus. 128. 168.
— supplex mon. Fuld. 232.
Liber generationis. 54. 104;
Heremi 394;
hist. Francorum. 107-109;
pontificalis. 303;
vitae Einsidl. 394.
Libri Carolini. 157. 161.
Lichtenthal, Necrolog. 438.
Lieder. 36.
Ligurinus. 4.
Lilienfeld, Necrolog. 451.
Limburg an der Lahn. Necr. 453.
Limoges, Necrolog. 459.
Page 616
Lincoln, Necrolog. 459.
Lindau, Necrolog. 440.
Liudfrit, Lehrer in Salzburg. 404.
Liudger (804-809) B. v. Münster. 243-245.
Liudprand. 372. 423-428.
Liudulf, Mainzer Priester. 242.
Liuphram (836-859) Erzb. v. Salzburg. 292.
Lintbert (863-889) Erzb. v. Mainz. 228. 229. 243.
— (849-871) B. v. Münster. 246.
Liutbirg, Klausnerin. 254. 320.
Liuthard, Abt v. St. Gallen. 397.
Liuthard, Probst. 267.
Liutward v. Vercelli. 273.
Livinus. 132. 386.
Lobbes. 130. 381. 382. 392.
Loewenfeld. 33.
Loewenthal, Necrolog. 440.
Lond, Necrolog. 449.
London, Necrolog. 459.
Lorch. 50.
Lorenz, Ottokar. 35.
Lorsch. 144. 204;
Necrolog. 438.
Lothar, Kaiser. 281.
Lubin, Necrolog. 449.
Lucca, Necrolog. 456.
Ludolf, Hiob. 14.
Ludwig der Fromme. 277. 278. 294.
— der Deutsche. 221-223. 292.
Ludwigsleich. 216.
Lübeck, Necrolog. 447.
Lüneburg, Necrolog. 444.
Lüttich. 264-266. 379-383. 391;
Necrol. 446.
Lullus (754-786) Erzb. v. Mainz. 135 bis 137.
Lund, Necrolog. 460.
Lupold v. Bebenburg. 6.
Lindau, Necrolog. 440.
Liudfrit, Lehrer in Salzburg. 404.
Liudger (804-809) B. v. Münster. 243-245.
Liudprand. 372. 423-428.
Liudulf, Mainzer Priester. 242.
Liuphram (836-859) Erzb. v. Salzburg. 292.
Lintbert (863-889) Erzb. v. Mainz. 228. 229. 243.
— (849-871) B. v. Münster. 246.
Liutbirg, Klausnerin. 254. 320.
Liuthard, Abt v. St. Gallen. 397.
Liuthard, Probst. 267.
Liutward v. Vercelli. 273.
Livinus. 132. 386.
Lobbes. 130. 381. 382. 392.
Loewenfeld. 33.
Loewenthal, Necrolog. 440.
Lond, Necrolog. 449.
London, Necrolog. 459.
Lorch. 50.
Lorenz, Ottokar. 35.
Lorsch. 144. 204;
Necrolog. 438.
Lothar, Kaiser. 281.
Lubin, Necrolog. 449.
Lucca, Necrolog. 456.
Ludolf, Hiob. 14.
Ludwig der Fromme. 277. 278. 294.
— der Deutsche. 221-223. 292.
Ludwigsleich. 216.
Lübeck, Necrolog. 447.
Lüneburg, Necrolog. 444.
Lüttich. 264-266. 379-383. 391;
Necrol. 446.
Lullus (754-786) Erzb. v. Mainz. 135 bis 137.
Lund, Necrolog. 460.
Lupold v. Bebenburg. 6.
Page 617
Lutra, Lure. 116.
Luxeuil. 117. 378.
Luzern, Necrolog. 440.
Lygumkloster, Necrolog. 460.
Lyon, Necrolog. 454.
Lyre, Necrolog. 458.
Maassen. 26.
Mabillon. 11.
Madalwin. 50.
Magdeburg. 350-354. 357;
Necrolog. 448.
Magdenau, Necrolog. 440.
Magno, Erzb. v. Sens. 156.
Mahthild, Königin. 320. 338. 339.
— Aebt. v. Quedl. 331. 339.
Mailand. 84. 310;
Necrol. 455.
Mainz. 135. 227. 228. 242. 243. 395;
Necrolog. 437.
Majolus, Abt v. Cluny. 422.
Malmédy. 267.
Manlius. 3.
Manno, Probst. 294.
Marcellinus comes. 56.
Marchelm (Marcellinus). 133.
Marchtbal, Necrolog. 440.
Marculf. 110.
Marcward, Abt v. Prüm. 257. 258.
Mariahof, Necrolog. 440.
Marienberg bei Helmstedt. 444.
Marienberg im Vintschgau, Necrolog. 441.
Marienfeld, Necrolog. 447.
Marienkron, Necrolog. 447.
Marienstatt, Necrolog. 445.
Marius Aventicensis. 83. 102.
Marseille, Necrolog. 453.
Luxeuil. 117. 378.
Luzern, Necrolog. 440.
Lygumkloster, Necrolog. 460.
Lyon, Necrolog. 454.
Lyre, Necrolog. 458.
Maassen. 26.
Mabillon. 11.
Madalwin. 50.
Magdeburg. 350-354. 357;
Necrolog. 448.
Magdenau, Necrolog. 440.
Magno, Erzb. v. Sens. 156.
Mahthild, Königin. 320. 338. 339.
— Aebt. v. Quedl. 331. 339.
Mailand. 84. 310;
Necrol. 455.
Mainz. 135. 227. 228. 242. 243. 395;
Necrolog. 437.
Majolus, Abt v. Cluny. 422.
Malmédy. 267.
Manlius. 3.
Manno, Probst. 294.
Marcellinus comes. 56.
Marchelm (Marcellinus). 133.
Marchtbal, Necrolog. 440.
Marculf. 110.
Marcward, Abt v. Prüm. 257. 258.
Mariahof, Necrolog. 440.
Marienberg bei Helmstedt. 444.
Marienberg im Vintschgau, Necrolog. 441.
Marienfeld, Necrolog. 447.
Marienkron, Necrolog. 447.
Marienstatt, Necrolog. 445.
Marius Aventicensis. 83. 102.
Marseille, Necrolog. 453.
Page 618
Martinus Bracarensis. 84.
Martyrium S. Procopii. 431.
Martyrologien. 59-61.
Martyrologium Augiense. 60. 276.
Massai in Berry. 299.
Matthaeus Palmerius. 82.
Matthias Palmerius. 82.
Mauriner. 11. 12.
Maximilian, Kaiser. 3. 4.
Maximian, B. v. Ravenna. 57. 309.
Maximus von Zaragoza. 86.
Meaux, Necrolog. 458.
Mediolani Descriptio. 165.
Megingoz (791-794) B. v. Würzb. 135.
Meginhard von Fulda, 228. 229. 239. 240.
Meginrat, h. 286.
Mehrerau, Necrolog. 440.
Meissen, Necrolog. 448.
Melanchthon. 6. 7.
Melk, Necrolog. 451.
Mencke. 16.
Merkel, Joh. 22.
Merseburg. 356. 357;
Necrolog. 448.
Meseritz. 353.
Metz. 105. 144. 168. 203. 268. 369 bis 374;
Necrol. 453.
Michael (944-972) B. v. Regensburg. 401.
Michaelbeuern, Necrolog. 450.
Michelsberg. 416.
Mico von St. Riquier. 301.
Millstatt, Necrolog. 450.
Milo von St. Amand. 407.
Mirabilia Romae. 55.
Miracula sanctae Adalheidis. 423;
Bertae. 299;
Glodesindis. 371;
Martyrium S. Procopii. 431.
Martyrologien. 59-61.
Martyrologium Augiense. 60. 276.
Massai in Berry. 299.
Matthaeus Palmerius. 82.
Matthias Palmerius. 82.
Mauriner. 11. 12.
Maximilian, Kaiser. 3. 4.
Maximian, B. v. Ravenna. 57. 309.
Maximus von Zaragoza. 86.
Meaux, Necrolog. 458.
Mediolani Descriptio. 165.
Megingoz (791-794) B. v. Würzb. 135.
Meginhard von Fulda, 228. 229. 239. 240.
Meginrat, h. 286.
Mehrerau, Necrolog. 440.
Meissen, Necrolog. 448.
Melanchthon. 6. 7.
Melk, Necrolog. 451.
Mencke. 16.
Merkel, Joh. 22.
Merseburg. 356. 357;
Necrolog. 448.
Meseritz. 353.
Metz. 105. 144. 168. 203. 268. 369 bis 374;
Necrol. 453.
Michael (944-972) B. v. Regensburg. 401.
Michaelbeuern, Necrolog. 450.
Michelsberg. 416.
Mico von St. Riquier. 301.
Millstatt, Necrolog. 450.
Milo von St. Amand. 407.
Mirabilia Romae. 55.
Miracula sanctae Adalheidis. 423;
Bertae. 299;
Glodesindis. 371;
Page 619
Verenae. 397;
Waldburgae Heidenh. 137;
Monh. 290;
Tiel. 390.
— sancti Adalberti. 354. 436;
Adelphi. 287;
Agrippini. 308;
Angilberti. 175;
Apri. 378.
— Basoli. 378;
Bavonis. 385;
Benedicti. 417;
Bercharii. 378;
Bernwardi. 348;
Bertini. 301;
Columbani. 428;
Eugenii. 389.
— Galli. 270;
Genesii. 284;
Germani. 299. 302;
Goaris. 258;
Gorgonii. 370.
— Mansueti. 378;
Marci. 285. 396;
Martialis. 301;
Mauri. 300;
Maximini. 364.
— Othmari. 271;
Pantaleonis. 362;
Pirminii. 374;
Quintini. 188;
Remacli. 267;
Richarii. 173.
— Sanctorum Fuld. 238.
— Vedasti. 297;
Waldeberti. 378;
Wandregisili. 220;
Waldburgae Heidenh. 137;
Monh. 290;
Tiel. 390.
— sancti Adalberti. 354. 436;
Adelphi. 287;
Agrippini. 308;
Angilberti. 175;
Apri. 378.
— Basoli. 378;
Bavonis. 385;
Benedicti. 417;
Bercharii. 378;
Bernwardi. 348;
Bertini. 301;
Columbani. 428;
Eugenii. 389.
— Galli. 270;
Genesii. 284;
Germani. 299. 302;
Goaris. 258;
Gorgonii. 370.
— Mansueti. 378;
Marci. 285. 396;
Martialis. 301;
Mauri. 300;
Maximini. 364.
— Othmari. 271;
Pantaleonis. 362;
Pirminii. 374;
Quintini. 188;
Remacli. 267;
Richarii. 173.
— Sanctorum Fuld. 238.
— Vedasti. 297;
Waldeberti. 378;
Wandregisili. 220;
Page 620
Wigberti. 341;
Willehadi. 217.
Modena, Necrolog. 456.
Modestus. 234.
Modoin, B. v. Autun. 156. 281.
Moellenbeck, Necrolog. 447.
Moengal Marcellus. 271.
Moissac. 206.
Mombritius. 9.
Mommsen. 24.
Monachus Engolismensis. 200.
— Sangallensis. 187.
Mone. 30.
Monheim. 290.
Monte Aragon, Necrolog. 460.
Montebourg, Necrolog. 448.
Montecassino. 167. 306. 307. 417. 457.
Montier-en-Der. 377.
Mont-Saint-Michel, Necrolog. 458.
Monumenta Germaniae. 17-27.
Monza, Necrolog. 455.
Moriuth. 420.
Mühlbacher. 31.
Müller, Joh. 17.
Münchsmünster, Necrolog. 451.
Münsterbilsen, Necrolog. 446.
Münster in Graubündten. 441.
Münster in Westfalen. 245. 447.
Muratori. 11.
Murbach. 147.
Muri, Necrolog. 440.
Namur, Necrolog. 446.
Narbonne, Necrolog. 459.
Narratio clericorum Rem. 296.
Naso. 156.
Naumburg, Necrolog. 448.
Willehadi. 217.
Modena, Necrolog. 456.
Modestus. 234.
Modoin, B. v. Autun. 156. 281.
Moellenbeck, Necrolog. 447.
Moengal Marcellus. 271.
Moissac. 206.
Mombritius. 9.
Mommsen. 24.
Monachus Engolismensis. 200.
— Sangallensis. 187.
Mone. 30.
Monheim. 290.
Monte Aragon, Necrolog. 460.
Montebourg, Necrolog. 448.
Montecassino. 167. 306. 307. 417. 457.
Montier-en-Der. 377.
Mont-Saint-Michel, Necrolog. 458.
Monumenta Germaniae. 17-27.
Monza, Necrolog. 455.
Moriuth. 420.
Mühlbacher. 31.
Müller, Joh. 17.
Münchsmünster, Necrolog. 451.
Münsterbilsen, Necrolog. 446.
Münster in Graubündten. 441.
Münster in Westfalen. 245. 447.
Muratori. 11.
Murbach. 147.
Muri, Necrolog. 440.
Namur, Necrolog. 446.
Narbonne, Necrolog. 459.
Narratio clericorum Rem. 296.
Naso. 156.
Naumburg, Necrolog. 448.
Page 621
Neapel. 305. 307.
Necrologien. 63
Neresheim, Necrolog. 442.
Nestved, Necrolog. 460.
Neuenheerse, Necrolog. 445.
Neuenkamp, Necrolog. 447.
Neunkirchen, Necrolog. 443.
Neuweiler bei Zabern. 287.
Neuwerk bei Halle, Necr. 448.
Nibelung. 127.
Nicolaus v. Siegen. 87.
Nieder-Altaich. 289. 405;
Necrol. 452.
Niedermünster. Regensb. 403.
Niederschoenefeld, Necrol. 442.
Nienburg. 353.
Nithard. 174. 212-215.
Nivelle. 129.
Nonantula. 433. 434.
Nonsberger Märtyrer. 43.
Nordhausen. 338. 339;
Necr. 438.
Norwegen, Necrolog. 460.
Nota de unct. Pippini. 127.
Notae Bronienses 388;
dedic. Fuld. 241;
S. Vict. Xant. 262.
Notitia de servitio monasteriorum. 206.
Notker, (972-1005) B. v. Lüttich. 380-383. 385.
— balbulus. 60. 187. 272-274. 395.
— Pfefferkorn. 318.
Notteln, Necrolog. 447.
Novalese, Necrolog. 455.
Nuenar, Graf. 5.
Nürnberg, Necrolog. 442.
Oberaltaich, Necrolog. 451.
Necrologien. 63
Neresheim, Necrolog. 442.
Nestved, Necrolog. 460.
Neuenheerse, Necrolog. 445.
Neuenkamp, Necrolog. 447.
Neunkirchen, Necrolog. 443.
Neuweiler bei Zabern. 287.
Neuwerk bei Halle, Necr. 448.
Nibelung. 127.
Nicolaus v. Siegen. 87.
Nieder-Altaich. 289. 405;
Necrol. 452.
Niedermünster. Regensb. 403.
Niederschoenefeld, Necrol. 442.
Nienburg. 353.
Nithard. 174. 212-215.
Nivelle. 129.
Nonantula. 433. 434.
Nonsberger Märtyrer. 43.
Nordhausen. 338. 339;
Necr. 438.
Norwegen, Necrolog. 460.
Nota de unct. Pippini. 127.
Notae Bronienses 388;
dedic. Fuld. 241;
S. Vict. Xant. 262.
Notitia de servitio monasteriorum. 206.
Notker, (972-1005) B. v. Lüttich. 380-383. 385.
— balbulus. 60. 187. 272-274. 395.
— Pfefferkorn. 318.
Notteln, Necrolog. 447.
Novalese, Necrolog. 455.
Nuenar, Graf. 5.
Nürnberg, Necrolog. 442.
Oberaltaich, Necrolog. 451.
Page 622
Odbert von Utrecht. 390.
Odelrich (961-969) Erzb. v. Reims. 411.
Odilo, Abt v. Cluny. 422.
— von St. Médard. 199.
Odo, Abt von Cluny. 422.
— Abt v. Glanfeuil. 300.
Odorannus von Sens. 419.
Odulf, Custos von St. Riquier. 301.
Oehringen, Necrolog. 443.
Ohtrich, Otricus, Magd. Lehrer. 351.
Oliva, Necrolog. 449.
Olmüz, Necrolog. 444.
Opatowitz, Necrolog. 443.
Origo et exordium gentis Francorum. 168.
— gentis Langob. 164.
— Suevorum. 333.
Orléans, Necrolog. 458.
Orosius. 80.
Ortwinus Gratius. 6.
Osnabrück, Necrolog. 447.
Ossiach, Necrolog. 450.
Ostertafeln. 55. 58.
Ostgothen 65 ff.
Ostrau, Necrolog. 413.
Otgar (825-847) Erzb. v. Mainz. 242.
Otger, Paladin Karls. 174.
Otricus. 258.
Otto I. 315-317;
II. 317. 318;
III. 318.
Otto Frisingensis. 2. 5.
Ottobeuern, Necrolog. 442.
Otwin (954-984) B. d. Hild. 346. 364.
— Abt v. Gent. 385.
Ovidius de vetula. 6.
Pacificus, Archidiaconus. 310.
Odelrich (961-969) Erzb. v. Reims. 411.
Odilo, Abt v. Cluny. 422.
— von St. Médard. 199.
Odo, Abt von Cluny. 422.
— Abt v. Glanfeuil. 300.
Odorannus von Sens. 419.
Odulf, Custos von St. Riquier. 301.
Oehringen, Necrolog. 443.
Ohtrich, Otricus, Magd. Lehrer. 351.
Oliva, Necrolog. 449.
Olmüz, Necrolog. 444.
Opatowitz, Necrolog. 443.
Origo et exordium gentis Francorum. 168.
— gentis Langob. 164.
— Suevorum. 333.
Orléans, Necrolog. 458.
Orosius. 80.
Ortwinus Gratius. 6.
Osnabrück, Necrolog. 447.
Ossiach, Necrolog. 450.
Ostertafeln. 55. 58.
Ostgothen 65 ff.
Ostrau, Necrolog. 413.
Otgar (825-847) Erzb. v. Mainz. 242.
Otger, Paladin Karls. 174.
Otricus. 258.
Otto I. 315-317;
II. 317. 318;
III. 318.
Otto Frisingensis. 2. 5.
Ottobeuern, Necrolog. 442.
Otwin (954-984) B. d. Hild. 346. 364.
— Abt v. Gent. 385.
Ovidius de vetula. 6.
Pacificus, Archidiaconus. 310.
Page 623
Paderborn. 253;
Necrol. 445.
Pairis, Necrolog. 454.
Palacky. 30.
Palermo, Necrolog. 457.
Panegyricus Berengarii 311.
Papebroch. 10.
Paris. 108. 299;
Necrol. 457.
Paschasius Radbertus. 251.
Passau. 50. 290. 291. 405. 406;
Necrol. 451.
Passio Adalberti Prag. 353. 354;
Afrae. 42;
Bonifatii. 136. 375;
Christophori. 324;
Desiderii. 114;
Dionysii. 109;
Floriani 42;
Friderici Traj. 390;
Quatuor Coronat. 43;
Sigismundi 103;
Thebaeorum 39. 41;
Undecim milium virg. 39. 41;
Victoris et Ursi 103.
Paulinus (787-802) Patr. v. Aquil. 151. 216.
Paullini. 14.
Paulus, Erzb. v. Rouen. 300.
— Diaconus. 152. 163-171;
Coll. homil. 168;
Gesta epp. Mett. 168;
Hist. Lang. 5. 169-171;
Cont. Casin. 307;
Rom. 204. 304;
Hist. Rom. 52. 166.
— Lang. 3.
Pavia. 157.
Necrol. 445.
Pairis, Necrolog. 454.
Palacky. 30.
Palermo, Necrolog. 457.
Panegyricus Berengarii 311.
Papebroch. 10.
Paris. 108. 299;
Necrol. 457.
Paschasius Radbertus. 251.
Passau. 50. 290. 291. 405. 406;
Necrol. 451.
Passio Adalberti Prag. 353. 354;
Afrae. 42;
Bonifatii. 136. 375;
Christophori. 324;
Desiderii. 114;
Dionysii. 109;
Floriani 42;
Friderici Traj. 390;
Quatuor Coronat. 43;
Sigismundi 103;
Thebaeorum 39. 41;
Undecim milium virg. 39. 41;
Victoris et Ursi 103.
Paulinus (787-802) Patr. v. Aquil. 151. 216.
Paullini. 14.
Paulus, Erzb. v. Rouen. 300.
— Diaconus. 152. 163-171;
Coll. homil. 168;
Gesta epp. Mett. 168;
Hist. Lang. 5. 169-171;
Cont. Casin. 307;
Rom. 204. 304;
Hist. Rom. 52. 166.
— Lang. 3.
Pavia. 157.
Page 624
Pegau, Necrol. 448.
Pelplin, Necrolog. 449.
Pertz. 20-22.
Petershausen. 398;
Necrolog. 440.
Petrus Damiani. 436.
— Diaconus de SS. ill. 86.
— Gallus Wagner. 87.
— Luder. 2.
— subd. Neap. 308.
— Pisanus. 152.
— de Vinea. 6. 5
Peutinger. 4. 5. 7.
Pez, B. u. H. 13.
Pfävers, Verbrüderungsbuch. 64.
Piacenza, Necrolog. 456.
Picho. 277.
Piligrim (971-991) B. v. Passau. 405.
Pirmin. 275. 374.
Pirna, Necrolog. 448.
Pistoja, Necrolog. 456.
Planctus Caroli. 216.
Podlasitsch, Necrolog. 443.
Poeta Saxo. 256.
Polling, Necrolog. 442.
Pomesanien, Necrolog. 449.
Pont-à-Mousson, Necrolog. 453.
Pontificale Romanum. 59.
Poppo (1016-1047) Erzb. v. Trier. 402.
— (941-961) B. v. Würzb. 316.
Porphyrius. 44.
Potthast. 10. 17. 32.
Prag. 435;
Necrolog. 443.
Pregitzer. 14.
Presbyter Ultraject. 136.
Primordia Gandeshem. 336.
Pelplin, Necrolog. 449.
Pertz. 20-22.
Petershausen. 398;
Necrolog. 440.
Petrus Damiani. 436.
— Diaconus de SS. ill. 86.
— Gallus Wagner. 87.
— Luder. 2.
— subd. Neap. 308.
— Pisanus. 152.
— de Vinea. 6. 5
Peutinger. 4. 5. 7.
Pez, B. u. H. 13.
Pfävers, Verbrüderungsbuch. 64.
Piacenza, Necrolog. 456.
Picho. 277.
Piligrim (971-991) B. v. Passau. 405.
Pirmin. 275. 374.
Pirna, Necrolog. 448.
Pistoja, Necrolog. 456.
Planctus Caroli. 216.
Podlasitsch, Necrolog. 443.
Poeta Saxo. 256.
Polling, Necrolog. 442.
Pomesanien, Necrolog. 449.
Pont-à-Mousson, Necrolog. 453.
Pontificale Romanum. 59.
Poppo (1016-1047) Erzb. v. Trier. 402.
— (941-961) B. v. Würzb. 316.
Porphyrius. 44.
Potthast. 10. 17. 32.
Prag. 435;
Necrolog. 443.
Pregitzer. 14.
Presbyter Ultraject. 136.
Primordia Gandeshem. 336.
Page 625
Prologus legis Salicae. 90.
Prosper. 81;
Cont. Havn. 84.
Prudentius. 294.
Prüfening, Necrolog. 451.
Prüm. 257-259. 364;
Necrol. 453.
Purchard II, Abt von St. Gallen. 395.
— von Reichenau. 387.
Quedlinburg. 321. 339. 340;
Necrolog. 444.
Querimonia Romanorum. 303.
Radbert Paschasius. 251.
Radbod (899-907) B. v. Utrecht. 375. 376.
Radegunde. 91.
Rado cancellarius. 163.
Radulfus de Diceto. 87.
— Tartarius. 418.
Raitenbuch, Necrolog. 451.
Raitenhaslach, Necrolog. 450.
Ramwold, Abt von St. Emmeram. 402.
Ranke, L. 29.
Ranshofen, Necrolog. 452.
Ratbod (883-915) Erzb. v. Trier. 257.
Ratgar, Abt v. Fulda. 231. 232.
Ratherius. 379. 380.
Ratleik. 183. 222.
Ratpert, Mönch in St. Gallen. 268. 269. 272. 273.
Ratram, Mönch in Corbie. 251.
Raumer, Fr. von. 29.
Ravenna. 55. 309.
Reccheo. 234.
Regensburg. 86. 122. 289. 401-403;
Necrol. 451.
Regimar, Priester. 221.
Prosper. 81;
Cont. Havn. 84.
Prudentius. 294.
Prüfening, Necrolog. 451.
Prüm. 257-259. 364;
Necrol. 453.
Purchard II, Abt von St. Gallen. 395.
— von Reichenau. 387.
Quedlinburg. 321. 339. 340;
Necrolog. 444.
Querimonia Romanorum. 303.
Radbert Paschasius. 251.
Radbod (899-907) B. v. Utrecht. 375. 376.
Radegunde. 91.
Rado cancellarius. 163.
Radulfus de Diceto. 87.
— Tartarius. 418.
Raitenbuch, Necrolog. 451.
Raitenhaslach, Necrolog. 450.
Ramwold, Abt von St. Emmeram. 402.
Ranke, L. 29.
Ranshofen, Necrolog. 452.
Ratbod (883-915) Erzb. v. Trier. 257.
Ratgar, Abt v. Fulda. 231. 232.
Ratherius. 379. 380.
Ratleik. 183. 222.
Ratpert, Mönch in St. Gallen. 268. 269. 272. 273.
Ratram, Mönch in Corbie. 251.
Raumer, Fr. von. 29.
Ravenna. 55. 309.
Reccheo. 234.
Regensburg. 86. 122. 289. 401-403;
Necrol. 451.
Regimar, Priester. 221.
Page 626
Reginbald, Bibl. v. St. Emm. 404.
Reginbert (834-835) B. v. Hild. 345.
— Bibl. in Reichenau. 276. 287.
Regino v. Prüm. 257. 259-262.
Reginold (966-989) B. v. Eichstedt. 406.
Regum Merov. geneal. et cat. 168.
Reichenau. 147. 276-287. 392. 393. 396-398;
Verbrüderungsbuch u. Necr. 64. 276. 440.
Reichsannalen. 190 ff.
Reims. 296. 407-416;
Necr. 457.
Relatio S. Richarii. 173.
— S. Vedasti. 297.
— S. Walarici. 388.
Remigius v. Auxerre. 301. 402.
Remiremont. 129;
Necrolog. 453.
Renatus Profuturus Frigeridus. 96.
Rettberg. 39-41.
Retz, Necrolog. 452.
Revelatio Steph. papae. 127.
Reversio S. Martini. 422.
Rheinau. 286;
Necrolog. 441.
Rhythmische Gedichte. 215.
Rieburg, Aebtissin. 338.
Richard, Abt v. Fulda. 418.
Richarius (922-945) B. v. Lüttich. 259. 261.
Richbod (795-804) Erzb. v. Trier. 257. 369.
Richer. 413-416.
Richthofen. 22.
Riculf (786-813) Erzb. v. Mainz. 172. 242.
Riga, Necrolog. 449.
Rimbert (865-888) Erzb. v. Hamb. 248. 249. 254.
Rinaudo. 12.
Ripen, Necrolog. 460.
Robert (989-1037) Erzb. v. Rouen. 420.
Reginbert (834-835) B. v. Hild. 345.
— Bibl. in Reichenau. 276. 287.
Regino v. Prüm. 257. 259-262.
Reginold (966-989) B. v. Eichstedt. 406.
Regum Merov. geneal. et cat. 168.
Reichenau. 147. 276-287. 392. 393. 396-398;
Verbrüderungsbuch u. Necr. 64. 276. 440.
Reichsannalen. 190 ff.
Reims. 296. 407-416;
Necr. 457.
Relatio S. Richarii. 173.
— S. Vedasti. 297.
— S. Walarici. 388.
Remigius v. Auxerre. 301. 402.
Remiremont. 129;
Necrolog. 453.
Renatus Profuturus Frigeridus. 96.
Rettberg. 39-41.
Retz, Necrolog. 452.
Revelatio Steph. papae. 127.
Reversio S. Martini. 422.
Rheinau. 286;
Necrolog. 441.
Rhythmische Gedichte. 215.
Rieburg, Aebtissin. 338.
Richard, Abt v. Fulda. 418.
Richarius (922-945) B. v. Lüttich. 259. 261.
Richbod (795-804) Erzb. v. Trier. 257. 369.
Richer. 413-416.
Richthofen. 22.
Riculf (786-813) Erzb. v. Mainz. 172. 242.
Riga, Necrolog. 449.
Rimbert (865-888) Erzb. v. Hamb. 248. 249. 254.
Rinaudo. 12.
Ripen, Necrolog. 460.
Robert (989-1037) Erzb. v. Rouen. 420.
Page 627
Rochus v. Ilsenburg. 344.
Rodbert (930-956) Erzb. v. Trier. 365. 409.
Rodoin, Probst. 199.
Rodrad, Mönch in Corbie 250.
Rösler. 17.
Rolandswerth, Necrolog. 455.
Rom. 305. 306. 429. 430. 456.
Rommersdorf, Necrolog. 453.
Ronneburg, Necrolog. 449.
Rorico. 110.
Rosenthal, Necrolog. 438.
Rostock, Necrolog. 447.
Roswey, Heribert van. 10.
Rotenhan. 5.
Roteln. 64.
Roterius. 103.
Rotger (917-930) Erzb. v. Trier. 365.
Roth, Necrolog. 441.
Rothschild. Necrolog. 460.
Rouen. 108. 114;
Necrol. 458.
Rudolf v. Fulda. 227. 228. 238. 239.
Rudpert. Mönch v. Reichenau. 398.
Rüxner. 8.
Rufinus. 52.
Ruinart. 11.
Ruodlieb. 327.
Ruopert, Mönch v. Mettlach. 366.
Ruotger von Coeln. 361.
Ruotpert (883-897) B. v. Metz. 369. 379.
Rupert v. Salzburg. 121. 122.
Ruppertsberg. Necrolog. 438.
Saint-Amand. 142. 407.
— Avold. 373.
— Bavon. 384-388.
— Benoît-sur-Loire. 416-418.
Rodbert (930-956) Erzb. v. Trier. 365. 409.
Rodoin, Probst. 199.
Rodrad, Mönch in Corbie 250.
Rösler. 17.
Rolandswerth, Necrolog. 455.
Rom. 305. 306. 429. 430. 456.
Rommersdorf, Necrolog. 453.
Ronneburg, Necrolog. 449.
Rorico. 110.
Rosenthal, Necrolog. 438.
Rostock, Necrolog. 447.
Roswey, Heribert van. 10.
Rotenhan. 5.
Roteln. 64.
Roterius. 103.
Rotger (917-930) Erzb. v. Trier. 365.
Roth, Necrolog. 441.
Rothschild. Necrolog. 460.
Rouen. 108. 114;
Necrol. 458.
Rudolf v. Fulda. 227. 228. 238. 239.
Rudpert. Mönch v. Reichenau. 398.
Rüxner. 8.
Rufinus. 52.
Ruinart. 11.
Ruodlieb. 327.
Ruopert, Mönch v. Mettlach. 366.
Ruotger von Coeln. 361.
Ruotpert (883-897) B. v. Metz. 369. 379.
Rupert v. Salzburg. 121. 122.
Ruppertsberg. Necrolog. 438.
Saint-Amand. 142. 407.
— Avold. 373.
— Bavon. 384-388.
— Benoît-sur-Loire. 416-418.
Page 628
— Bertin. 382. 388.
— Claude. 294.
— Denis. 107. 109. 110. 127. 203. 387. 388. 458.
— Evre. 377. 378.
— Evroul (Utica). 458;
de Mortaing. 458.
— Germain-des-prés. 112. 299. 457.
— Ghislain. 387. 388.
— Hubert. 265.
— Jean-de-Maurienne. 455.
— Martial. 301.
— Martin de Séez, Necr. 458.
— — de Tours. 160. 458.
— Mary-de-Forcalquier, Necr. 455.
— Maur.-des-fossés, Necr. 458.
— Maurice. 103.
— Médard. 211.
— Mihiel. 377.
— Omer. 392.
— Pierre bei Mâcon, Necrol. 454.
— Remi. 413.
— Riquier. 173. 213-215. 301.
— Robert de Cornillon, Necr. 454.
— Trond, Necrolog. 446.
— Vaast, 297. 457.
— Vannes, Necrolog. 453.
— Wandrille. 220.
Sainte-Foy-de-Longueville. 458.
Salem, Necrolog. 440.
Salerno, Necrolog. 457.
Salomo III. (890-920) B. v. Const. 274. 275.
Salvianus. 46.
Salzburg. 121. 122. 149. 188. 291. 292. 324. 401. 449.
Samland, Necrolog. 449.
Samuel (Beornrad) Erzb. v. Sens. 235.
— (841-856) B. v. Worms. 235.
Sanct Andrä, Necrolog. 452.
— Claude. 294.
— Denis. 107. 109. 110. 127. 203. 387. 388. 458.
— Evre. 377. 378.
— Evroul (Utica). 458;
de Mortaing. 458.
— Germain-des-prés. 112. 299. 457.
— Ghislain. 387. 388.
— Hubert. 265.
— Jean-de-Maurienne. 455.
— Martial. 301.
— Martin de Séez, Necr. 458.
— — de Tours. 160. 458.
— Mary-de-Forcalquier, Necr. 455.
— Maur.-des-fossés, Necr. 458.
— Maurice. 103.
— Médard. 211.
— Mihiel. 377.
— Omer. 392.
— Pierre bei Mâcon, Necrol. 454.
— Remi. 413.
— Riquier. 173. 213-215. 301.
— Robert de Cornillon, Necr. 454.
— Trond, Necrolog. 446.
— Vaast, 297. 457.
— Vannes, Necrolog. 453.
— Wandrille. 220.
Sainte-Foy-de-Longueville. 458.
Salem, Necrolog. 440.
Salerno, Necrolog. 457.
Salomo III. (890-920) B. v. Const. 274. 275.
Salvianus. 46.
Salzburg. 121. 122. 149. 188. 291. 292. 324. 401. 449.
Samland, Necrolog. 449.
Samuel (Beornrad) Erzb. v. Sens. 235.
— (841-856) B. v. Worms. 235.
Sanct Andrä, Necrolog. 452.
Page 629
— Arnulf, Metz. 257. 369. 370.
— Blasien, Necrolog. 440.
— Emmeram. 289. 402-404. 451.
— Florian. 42;
Necrolog. 452.
— Gallen. 64. 119. 120. 236. 268 bis 275. 287.
316. 318. 369. 392 bis 396. 398. 440.
— Georgen, Necrolog 440.
— Jacob auf d. Donnersberg. 438.
— Jacob, Lüttich. 391.
— Lambrecht, Necrolog. 450.
— Maximin. 363. 364. 367. 369. 452.
— Michael, Hild. 347-348. 350. 444.
— Pantaleon. 362.
— Paul im Lavantthal, Necrol. 450.
— Peter bei Freiburg, Necrol. 440.
— Peter, Salzburg 121. 450.
— Poelten, Necrolog. 452.
— Symphorian, Metz. 373.
— Urban, Necrolog. 441.
— Vincenz, Metz. 373.
Sancta Maria de Abundantia, Necr. 455.
— — de Gualdo, Necr. 457.
Sant Andrea. 429-431.
Schachdorf, Necrolog. 441.
Schaffhausen, Necrolog. 441.
Schienen, Kloster. 285.
Schmauss. 10.
Schmerlenbach, Necrolog. 438.
Schoenau, Necrolog. 453.
Schoenenwerd, Necrolog. 441.
Schorkel, Siegmund. 7.
Schottenmönche. 115-121. 124. 125. 153. 266. 268. 271.
279. 286. 292. 301. 310. 372. 420.
Schussenried, Necrolog. 441.
Schwarzach, Necrolog. 443.
Schwarzenbach, Necrolog. 441.
— Blasien, Necrolog. 440.
— Emmeram. 289. 402-404. 451.
— Florian. 42;
Necrolog. 452.
— Gallen. 64. 119. 120. 236. 268 bis 275. 287.
316. 318. 369. 392 bis 396. 398. 440.
— Georgen, Necrolog 440.
— Jacob auf d. Donnersberg. 438.
— Jacob, Lüttich. 391.
— Lambrecht, Necrolog. 450.
— Maximin. 363. 364. 367. 369. 452.
— Michael, Hild. 347-348. 350. 444.
— Pantaleon. 362.
— Paul im Lavantthal, Necrol. 450.
— Peter bei Freiburg, Necrol. 440.
— Peter, Salzburg 121. 450.
— Poelten, Necrolog. 452.
— Symphorian, Metz. 373.
— Urban, Necrolog. 441.
— Vincenz, Metz. 373.
Sancta Maria de Abundantia, Necr. 455.
— — de Gualdo, Necr. 457.
Sant Andrea. 429-431.
Schachdorf, Necrolog. 441.
Schaffhausen, Necrolog. 441.
Schienen, Kloster. 285.
Schmauss. 10.
Schmerlenbach, Necrolog. 438.
Schoenau, Necrolog. 453.
Schoenenwerd, Necrolog. 441.
Schorkel, Siegmund. 7.
Schottenmönche. 115-121. 124. 125. 153. 266. 268. 271.
279. 286. 292. 301. 310. 372. 420.
Schussenried, Necrolog. 441.
Schwarzach, Necrolog. 443.
Schwarzenbach, Necrolog. 441.
Page 630
Seckau, Necrolog. 450.
Secundus von Trient. 165.
Sedulius Scottus. 266.
Seedorf, Necrolog. 441.
Seitz, Necrolog. 450.
Seldenthal, Necrolog. 451.
Seligenpforten, Necrolog. 451.
Seligenstadt, Necrolog. 438.
Seltz. 423.
Semler. 17.
Sens. 419. 420. 457.
Seon, Necrolog. 450.
Sermo de S. Ferrutio. 240.
Servatus Lupus. 236. 258. 301.
Severin. 44-50. 308.
Severus Sulpitius. 57. 101.
Sichardus. 7.
Sickel. 24.
Siegburg, Necrolog. 445.
Siena, Necrolog. 456.
Sigebertus de SS. eccl. 86.
Sigehard, Mönch von St. Maximin. 364.
Sigeward. 253.
Sigloard. 216.
Sigulf, Abt v. Ferrières. 160. 163.
Sindelfingen, Necrolog. 411.
Sion, Necrolog. 441.
Sirmond. 9.
Sitten, Necrolog. 455.
Smaragdus, Abt. 326.
Sobius, Jacob. 6.
Soest. 362.
Solenhofen. 282.
Sophia, Aebt. v. Gand. 336.
Soupher, Gervasius. 5.
Speier. 323. 324. 438.
Spital, Necrolog. 452.
Secundus von Trient. 165.
Sedulius Scottus. 266.
Seedorf, Necrolog. 441.
Seitz, Necrolog. 450.
Seldenthal, Necrolog. 451.
Seligenpforten, Necrolog. 451.
Seligenstadt, Necrolog. 438.
Seltz. 423.
Semler. 17.
Sens. 419. 420. 457.
Seon, Necrolog. 450.
Sermo de S. Ferrutio. 240.
Servatus Lupus. 236. 258. 301.
Severin. 44-50. 308.
Severus Sulpitius. 57. 101.
Sichardus. 7.
Sickel. 24.
Siegburg, Necrolog. 445.
Siena, Necrolog. 456.
Sigebertus de SS. eccl. 86.
Sigehard, Mönch von St. Maximin. 364.
Sigeward. 253.
Sigloard. 216.
Sigulf, Abt v. Ferrières. 160. 163.
Sindelfingen, Necrolog. 411.
Sion, Necrolog. 441.
Sirmond. 9.
Sitten, Necrolog. 455.
Smaragdus, Abt. 326.
Sobius, Jacob. 6.
Soest. 362.
Solenhofen. 282.
Sophia, Aebt. v. Gand. 336.
Soupher, Gervasius. 5.
Speier. 323. 324. 438.
Spital, Necrolog. 452.
Page 631
Staatskalender, röm. 54 ff.
Stabius. 3. 5.
Stablo. 259. 265. 267. 383.
Starchand (933-966) B. v. Eichstedt. 406.
Steffanus, Magister. 165.
Stein, Freih. vom. 17-20. 28.
Steinen, Necrolog. 441.
Steingaden, Necrolog. 442.
Stenzel. 29. 30.
Stepelin von St. Trond. 386.
Stephan (901-920) B. v. Lüttich. 379.
— v. Novara. 316. 317.
— Mönch von St. Pantaleon. 362.
Stetten, Necrolog. 441.
Strassburg. 208. 398. 399. 439.
Struve, B. G. 16.
Stumpf, K. F. 31.
Sturm, Abt v. Fulda, 230.
Sulpicius, Alexander. 96;
Severus 62.
Suntheim, Ladislaus. 3.
Surius, Laurentius. 9.
Symeon, Mönch. 310.
Symmachus. 66.
Syrus v. Cluny. 422.
Tabula Peutingeriana. 4.
Tacitus. 36.
Tado. Erzb. v. Mailand. 310.
Tagino (1004-1012) Erzb. v. Magdeb. 352.
Talloires, Necrolog. 455.
Tarentaise, Necrolog. 455.
Tatto, Lehrer in Reichenau. 277. 279. 280.
Tegernsee. 123. 364. 403;
Necr. 451.
Tengnagel. 9.
Tennenbach, Necrolog. 441.
Stabius. 3. 5.
Stablo. 259. 265. 267. 383.
Starchand (933-966) B. v. Eichstedt. 406.
Steffanus, Magister. 165.
Stein, Freih. vom. 17-20. 28.
Steinen, Necrolog. 441.
Steingaden, Necrolog. 442.
Stenzel. 29. 30.
Stepelin von St. Trond. 386.
Stephan (901-920) B. v. Lüttich. 379.
— v. Novara. 316. 317.
— Mönch von St. Pantaleon. 362.
Stetten, Necrolog. 441.
Strassburg. 208. 398. 399. 439.
Struve, B. G. 16.
Stumpf, K. F. 31.
Sturm, Abt v. Fulda, 230.
Sulpicius, Alexander. 96;
Severus 62.
Suntheim, Ladislaus. 3.
Surius, Laurentius. 9.
Symeon, Mönch. 310.
Symmachus. 66.
Syrus v. Cluny. 422.
Tabula Peutingeriana. 4.
Tacitus. 36.
Tado. Erzb. v. Mailand. 310.
Tagino (1004-1012) Erzb. v. Magdeb. 352.
Talloires, Necrolog. 455.
Tarentaise, Necrolog. 455.
Tatto, Lehrer in Reichenau. 277. 279. 280.
Tegernsee. 123. 364. 403;
Necr. 451.
Tengnagel. 9.
Tennenbach, Necrolog. 441.
Page 632
Tentzel. 14.
Teuffel. 33.
Thännikon, Necrolog. 441.
Thangmar. 346-349.
Thegan. 208. 209. 258.
Theoderich, K. d. Ostgothen. 65 ff.;
Gesta. 72.
Theodericus (965-984) B. v. Metz. 371.
Theodofrid, Abt v. Corbie 111.
Theodorus. 284.
Theodulf, B. v. Orl. 153.
Theofrid v. Echternach. 115. 133.
Theophano, Kaiserin. 320.
Thérouanne, Necrolog. 457.
Thiatbrat, Bischof. 245.
Thierhaupten, Necrolog. 442.
Thietgaud (847-863) Erzb. v. Trier. 257.
Thietmar (1009-1018) B. v. Merseb. 355-360.
Thomas, Lehrer. 294.
Tiel an der Waal. 390.
Timo, Pfalzgraf. 288.
Tobel, Necrolog. 441.
Toeppen. 30.
Toul. 268. 377. 378.
Tournai, Necrolog. 457.
Tours, Necrolog. 458.
Traditiones Corbejenses. 252.
Translatio Adelphi. 287;
Agapiti et Fel. 290;
Albini. 362;
Alexandri. 238. 239;
Alexandri Fris. 288;
Amalbergae. 384;
Athanasii. 308.
— Baltechildis. 300;
Bavonis. 385;
Benedicti. 306;
Teuffel. 33.
Thännikon, Necrolog. 441.
Thangmar. 346-349.
Thegan. 208. 209. 258.
Theoderich, K. d. Ostgothen. 65 ff.;
Gesta. 72.
Theodericus (965-984) B. v. Metz. 371.
Theodofrid, Abt v. Corbie 111.
Theodorus. 284.
Theodulf, B. v. Orl. 153.
Theofrid v. Echternach. 115. 133.
Theophano, Kaiserin. 320.
Thérouanne, Necrolog. 457.
Thiatbrat, Bischof. 245.
Thierhaupten, Necrolog. 442.
Thietgaud (847-863) Erzb. v. Trier. 257.
Thietmar (1009-1018) B. v. Merseb. 355-360.
Thomas, Lehrer. 294.
Tiel an der Waal. 390.
Timo, Pfalzgraf. 288.
Tobel, Necrolog. 441.
Toeppen. 30.
Toul. 268. 377. 378.
Tournai, Necrolog. 457.
Tours, Necrolog. 458.
Traditiones Corbejenses. 252.
Translatio Adelphi. 287;
Agapiti et Fel. 290;
Albini. 362;
Alexandri. 238. 239;
Alexandri Fris. 288;
Amalbergae. 384;
Athanasii. 308.
— Baltechildis. 300;
Bavonis. 385;
Benedicti. 306;
Page 633
Bertae. 299;
Callisti Cisonium. 174;
Chrisanthi et Dariae. 258;
Epiphanii. 346;
Evergisli. 362.
— Fortunatae. 285;
Germani. 148. 299;
Habundii. 310;
Hermetis. 291;
Huberti. 265;
Hymerii. 426.
— Januarii. 285;
Justi. 267;
Justini. 251;
Landoaldi. 387;
Lewinnae. 383;
Livini et Brictii. 387.
— Magni. 284;
Marcellini et Petri. 188;
Mauri. 300;
Maurini. 362;
Mederici. 299;
Metronis. 379.
— Patrocli. 362;
Pusinnae. 253;
Quirini Malm. 267;
Radbodi. 376;
Ragnoberti. 300;
Reginae. 259;
Remigii. 296.
— Sebastiani. 199. 211;
Senesii et Theopompi. 434;
Severi. 242;
Severini. 308;
Silvestri. 433;
Sosii. 308;
Tiburtii, Marc. et P. 189. 199;
Callisti Cisonium. 174;
Chrisanthi et Dariae. 258;
Epiphanii. 346;
Evergisli. 362.
— Fortunatae. 285;
Germani. 148. 299;
Habundii. 310;
Hermetis. 291;
Huberti. 265;
Hymerii. 426.
— Januarii. 285;
Justi. 267;
Justini. 251;
Landoaldi. 387;
Lewinnae. 383;
Livini et Brictii. 387.
— Magni. 284;
Marcellini et Petri. 188;
Mauri. 300;
Maurini. 362;
Mederici. 299;
Metronis. 379.
— Patrocli. 362;
Pusinnae. 253;
Quirini Malm. 267;
Radbodi. 376;
Ragnoberti. 300;
Reginae. 259;
Remigii. 296.
— Sebastiani. 199. 211;
Senesii et Theopompi. 434;
Severi. 242;
Severini. 308;
Silvestri. 433;
Sosii. 308;
Tiburtii, Marc. et P. 189. 199;
Page 634
Viti. 251.
Trient, Necrolog. 456.
Trier. 257. 259. 363-366. 452.
Trithemius. 2. 8.
Troyes, Necrolog. 458.
Tuggen, Necrolog. 441.
Tulle, Necrol. 459.
Turin, Necrolog. 455.
Tutilo. 272.
Tuto (894-920) B. v. Regensb. 289.
Udalgis, Lehrer. 405.
Udalrich (924-973) B. v. Augsb. 399 bis 401.
Udalschalk (Augsb.). 288.
Udine, Necrolog. 456.
Uffing. 253. 345.
Ughelli. 11.
Ulmar von St. Vaast. 297.
Ulrich, Graf v. Ebersberg. 321.
— von Hutten. 6.
Undersdorf, Necrolog. 451.
Ursberg, Necrolog. 442.
Urspring, Necrolog. 441.
Usuardus. 60.
Utrecht. 132. 133. 244. 374-377. 389 bis 391;
Necrol. 446.
Vegetius. 219.
Venantius Fortunatas. 91. 92. 113.
Ventimiglia, Necrolog. 455.
Verbrüderungsbücher. 64. 269.
Vercelli, Necrolog. 455.
Verden, Necrolog. 444.
Verdun. 267. 377;
Necrol. 453.
Verona. 310-312. 456.
Versus aevi Carol. 215;
Trient, Necrolog. 456.
Trier. 257. 259. 363-366. 452.
Trithemius. 2. 8.
Troyes, Necrolog. 458.
Tuggen, Necrolog. 441.
Tulle, Necrol. 459.
Turin, Necrolog. 455.
Tutilo. 272.
Tuto (894-920) B. v. Regensb. 289.
Udalgis, Lehrer. 405.
Udalrich (924-973) B. v. Augsb. 399 bis 401.
Udalschalk (Augsb.). 288.
Udine, Necrolog. 456.
Uffing. 253. 345.
Ughelli. 11.
Ulmar von St. Vaast. 297.
Ulrich, Graf v. Ebersberg. 321.
— von Hutten. 6.
Undersdorf, Necrolog. 451.
Ursberg, Necrolog. 442.
Urspring, Necrolog. 441.
Usuardus. 60.
Utrecht. 132. 133. 244. 374-377. 389 bis 391;
Necrol. 446.
Vegetius. 219.
Venantius Fortunatas. 91. 92. 113.
Ventimiglia, Necrolog. 455.
Verbrüderungsbücher. 64. 269.
Vercelli, Necrolog. 455.
Verden, Necrolog. 444.
Verdun. 267. 377;
Necrol. 453.
Verona. 310-312. 456.
Versus aevi Carol. 215;
Page 635
Sax. 327.
— de Adalberto. 354; de Boboleno 117;
de Leone VIII. 426;
de S. Martino. 376;
de epp. Mett. 168;
de ord. comprov. 292;
de Ott. III. 430;
de Roma. 300;
de rotamundi. 111;
de Will. Norm. occ. 420.
— Johannis sapientis. 300.
Victor Cartenensis. 83.
— Sangallensis. 399.
— Tunnunensis. 83.
Victurius. 58.
Vienne, Necrolog. 454.
Villars, Necrolog. 454.
Virgil (767-784) B. v. Salzburg. 121 bis 123.
Visbeck, Necrolog. 447.
Visio Baronti. 278;
Bernoldi. 278;
domni Caroli. 188. 243;
Flotildae. 409;
paup. mulierculae. 277;
Raduini. 211. 409;
Rotcharii. 278;
Wettini. 277. 279. 280.
Vita abb. Agaun. 103;
Abbonis Flor. 417;
Adalberonis Aug. 287;
Adalberonis II. Mett. 373;
Adalberti Prag. 354. 435;
Adalberti diac. 366;
Adalhardi. 251;
Agili. 116. 123;
Alcuini. 163;
Amandi. 115;
— de Adalberto. 354; de Boboleno 117;
de Leone VIII. 426;
de S. Martino. 376;
de epp. Mett. 168;
de ord. comprov. 292;
de Ott. III. 430;
de Roma. 300;
de rotamundi. 111;
de Will. Norm. occ. 420.
— Johannis sapientis. 300.
Victor Cartenensis. 83.
— Sangallensis. 399.
— Tunnunensis. 83.
Victurius. 58.
Vienne, Necrolog. 454.
Villars, Necrolog. 454.
Virgil (767-784) B. v. Salzburg. 121 bis 123.
Visbeck, Necrolog. 447.
Visio Baronti. 278;
Bernoldi. 278;
domni Caroli. 188. 243;
Flotildae. 409;
paup. mulierculae. 277;
Raduini. 211. 409;
Rotcharii. 278;
Wettini. 277. 279. 280.
Vita abb. Agaun. 103;
Abbonis Flor. 417;
Adalberonis Aug. 287;
Adalberonis II. Mett. 373;
Adalberti Prag. 354. 435;
Adalberti diac. 366;
Adalhardi. 251;
Agili. 116. 123;
Alcuini. 163;
Amandi. 115;
Page 636
Angilberti. 174. 175;
Aniani. 97;
Anselmi Non. 433;
Ansfridi. 375;
Anskarii. 248;
Antonii Lirinensis. 48;
Arnoldi. 188;
Arnulfi Mett. 129;
Athanasii. 308;
Attalae. 116. 118;
Audoeni. 114.
— Balderici II. Leod. 392;
Balthildis. 114;
Basini. 98;
Baugulfi. 232;
Bened. Anian. 210;
Berlindis. 383;
Bernwardi. 348;
Bertulfi Bob. 116. 118;
Bertulfi Rentic. 384;
Bonifatii. 134-136;
Brunonis. Colon. 361;
Burchardi Wirz. 134;
Burchardi Worm. 392;
Burgundofarae. 116. 118.
— Cadroae. 372;
Caroli M. 184;
Chiliani. 124;
Chlodovaldi. 113;
Chrodegangi. 371;
Chrothildis. 113;
Columbani. 116-119;
Corbiniani. 122. 123;
Cuonradi ep. Const. 398.
— Dagoberti III. 114;
Deicoli 116;
Deoderici Mett. 373;
Aniani. 97;
Anselmi Non. 433;
Ansfridi. 375;
Anskarii. 248;
Antonii Lirinensis. 48;
Arnoldi. 188;
Arnulfi Mett. 129;
Athanasii. 308;
Attalae. 116. 118;
Audoeni. 114.
— Balderici II. Leod. 392;
Balthildis. 114;
Basini. 98;
Baugulfi. 232;
Bened. Anian. 210;
Berlindis. 383;
Bernwardi. 348;
Bertulfi Bob. 116. 118;
Bertulfi Rentic. 384;
Bonifatii. 134-136;
Brunonis. Colon. 361;
Burchardi Wirz. 134;
Burchardi Worm. 392;
Burgundofarae. 116. 118.
— Cadroae. 372;
Caroli M. 184;
Chiliani. 124;
Chlodovaldi. 113;
Chrodegangi. 371;
Chrothildis. 113;
Columbani. 116-119;
Corbiniani. 122. 123;
Cuonradi ep. Const. 398.
— Dagoberti III. 114;
Deicoli 116;
Deoderici Mett. 373;
Page 637
Desiderii Cadurc. 114;
Donati. 153;
Droctovei. 112.
— Eigilis. 233. 234;
Eligii. 114;
Emmerarami. 122. 123;
Epiphanii. 72;
Erinfridi. 231;
Erminonis. 130;
Eustasii. 116. 118. 123;
Ewaldorum. 133.
— Faronis. 112;
Findani. 286;
Florentii. 120;
Florini. 43;
Folquini Morin. 382;
Fridolini. 120.
— Galli. 119. 120. 270;
Gamulberti. 154;
Gaugerici. 114;
Gauzlini Flor. 418;
Gebehardi ep. Const. 398;
Gerardi Bron. 388;
Geretrudis. 129;
Gerhardi. Tull. 377;
Germani Grandivall. 120;
Germani Paris. 113;
Glodesindis. 371;
Goaris. 258;
Gregorii I. 131. 169. 303;
Greg. Traject. 245;
Greg. Turonensis. 95.
— Hadriani Non. 433;
Haimonis 344;
Hariolfi. 283;
Harlindis. 266;
Hathumodae. 256;
Donati. 153;
Droctovei. 112.
— Eigilis. 233. 234;
Eligii. 114;
Emmerarami. 122. 123;
Epiphanii. 72;
Erinfridi. 231;
Erminonis. 130;
Eustasii. 116. 118. 123;
Ewaldorum. 133.
— Faronis. 112;
Findani. 286;
Florentii. 120;
Florini. 43;
Folquini Morin. 382;
Fridolini. 120.
— Galli. 119. 120. 270;
Gamulberti. 154;
Gaugerici. 114;
Gauzlini Flor. 418;
Gebehardi ep. Const. 398;
Gerardi Bron. 388;
Geretrudis. 129;
Gerhardi. Tull. 377;
Germani Grandivall. 120;
Germani Paris. 113;
Glodesindis. 371;
Goaris. 258;
Gregorii I. 131. 169. 303;
Greg. Traject. 245;
Greg. Turonensis. 95.
— Hadriani Non. 433;
Haimonis 344;
Hariolfi. 283;
Harlindis. 266;
Hathumodae. 256;
Page 638
Heinrici II. 391;
Herasmi. 291;
Hludowici Pii. 208-210;
Hostiani. 103;
Hrodberti. 122. 291;
Huberti. 265;
Hugonis Gemmet. 174.
— Idae. 253. 345;
Joh. Gorz. 370;
Joh. Parm. 434;
Joh. Reomensis. 119.
— Lamberti. 264. 379, metr. 408;
Lebuini. 134. 246. 408;
Leobae. 238;
Leodegarii. 114;
Liudgeri. 245;
Liutbirgis. 254;
Livini. 131. 386;
Lulli. 137;
Ludmilae. 435.
— Macharii. 386;
Magni. 284;
Mahometi. 352;
Mahthildis. 338. 339;
Mainulfi. 253. 254;
Majoli. 422;
Martini. 62;
Maximiliani. 43. 50;
Maximini. 235;
Meginrati. 286;
Meingoldi. 174.
— Nili. 435;
Notkeri Leod. 381;
Odiliae. 115;
Odilonis. 423;
Odonis Clun. 422;
Odulfi. 390;
Herasmi. 291;
Hludowici Pii. 208-210;
Hostiani. 103;
Hrodberti. 122. 291;
Huberti. 265;
Hugonis Gemmet. 174.
— Idae. 253. 345;
Joh. Gorz. 370;
Joh. Parm. 434;
Joh. Reomensis. 119.
— Lamberti. 264. 379, metr. 408;
Lebuini. 134. 246. 408;
Leobae. 238;
Leodegarii. 114;
Liudgeri. 245;
Liutbirgis. 254;
Livini. 131. 386;
Lulli. 137;
Ludmilae. 435.
— Macharii. 386;
Magni. 284;
Mahometi. 352;
Mahthildis. 338. 339;
Mainulfi. 253. 254;
Majoli. 422;
Martini. 62;
Maximiliani. 43. 50;
Maximini. 235;
Meginrati. 286;
Meingoldi. 174.
— Nili. 435;
Notkeri Leod. 381;
Odiliae. 115;
Odilonis. 423;
Odonis Clun. 422;
Odulfi. 390;
Page 639
Othmari. 270;
Pascasii Radb. 251;
Pirminii. 275. 374;
Quinque fratr. Pol. 355;
Quirini. 50.
— Rabani. 238;
Radbodi. 376;
Radegundis. 92;
Ragnoberti. 300;
Reginswindis. 290;
Reinilae. 266;
Reinoldi. 174. 362;
Remacli. 264. 383;
Remedii s. Remigii. 97;
Richarii. 163. 173;
Rictrudis. 409;
Rigoberti. 194;
Rimberti. 249;
Romani Jur. 119;
Romualdi. 436.
— Salabergae. 116;
Servatii. 383;
Severi Rav. 242;
Severini. 44 bis 50;
Simeonis Achivi. 286;
Sturmi. 230. 232;
Sualonis. 282.
— Theodardi. 265;
Thiadildis. 246;
Trudberti. 120. 122;
Udalrici. 400;
Ursmari. 379;
Vedasti. 97. 163.
— Walae. 251;
Waldburgis. 290;
Waltgeri. 253;
Wandregisili. 107;
Pascasii Radb. 251;
Pirminii. 275. 374;
Quinque fratr. Pol. 355;
Quirini. 50.
— Rabani. 238;
Radbodi. 376;
Radegundis. 92;
Ragnoberti. 300;
Reginswindis. 290;
Reinilae. 266;
Reinoldi. 174. 362;
Remacli. 264. 383;
Remedii s. Remigii. 97;
Richarii. 163. 173;
Rictrudis. 409;
Rigoberti. 194;
Rimberti. 249;
Romani Jur. 119;
Romualdi. 436.
— Salabergae. 116;
Servatii. 383;
Severi Rav. 242;
Severini. 44 bis 50;
Simeonis Achivi. 286;
Sturmi. 230. 232;
Sualonis. 282.
— Theodardi. 265;
Thiadildis. 246;
Trudberti. 120. 122;
Udalrici. 400;
Ursmari. 379;
Vedasti. 97. 163.
— Walae. 251;
Waldburgis. 290;
Waltgeri. 253;
Wandregisili. 107;
Page 640
Wenceslai. 434. 435;
Wiboradae. 396;
Wigberti. 241;
Wilfridi. 132;
Willebaldi. 137;
Willehadi 247;
Willelmi Gellon. 211;
Willibrordi. 132;
Winnoci. 383;
Wolfkangi. 402;
Wynnebaldi. 137.
Vivian, Graf. 300.
Völkertafel, fränkische. 111.
Vorau, Necrolog. 450.
Vreden, Necrolog. 447.
Wachler. 33.
Wadilcoz, Reichenauer Mönch. 276.
Waitz. 23. 24. 33. 34.
Wala. 250.
Walahfrid. 209. 270. 276-281.
Walbeck. 356.
Walcaud in Trier 260.
Wald, Necrolog. 441.
Waldo (884-906) B. v. Freising. 274. 275. 288.
— Abt v. Schwarzach u. St. Maximin. 236. 258.
— Abt v. St. Gallen, Reichenau, St. Denis. 269. 276.
Waldram, Mönch in St. Gallen. 273. 275.
Waltcaud (810-831) B. v. Lüttich. 265.
Waltharius. 174. 395.
Walther. 30.
Walther von Speier. 323.
Wandalbert v. Prüm. 60. 258.
Warin, Abt v. Corvey. 250. 251.
Warnerius von St. Ouen. 420.
Wattenbach. 24. 28. 33.
Watterich. 32.
Wiboradae. 396;
Wigberti. 241;
Wilfridi. 132;
Willebaldi. 137;
Willehadi 247;
Willelmi Gellon. 211;
Willibrordi. 132;
Winnoci. 383;
Wolfkangi. 402;
Wynnebaldi. 137.
Vivian, Graf. 300.
Völkertafel, fränkische. 111.
Vorau, Necrolog. 450.
Vreden, Necrolog. 447.
Wachler. 33.
Wadilcoz, Reichenauer Mönch. 276.
Waitz. 23. 24. 33. 34.
Wala. 250.
Walahfrid. 209. 270. 276-281.
Walbeck. 356.
Walcaud in Trier 260.
Wald, Necrolog. 441.
Waldo (884-906) B. v. Freising. 274. 275. 288.
— Abt v. Schwarzach u. St. Maximin. 236. 258.
— Abt v. St. Gallen, Reichenau, St. Denis. 269. 276.
Waldram, Mönch in St. Gallen. 273. 275.
Waltcaud (810-831) B. v. Lüttich. 265.
Waltharius. 174. 395.
Walther. 30.
Walther von Speier. 323.
Wandalbert v. Prüm. 60. 258.
Warin, Abt v. Corvey. 250. 251.
Warnerius von St. Ouen. 420.
Wattenbach. 24. 28. 33.
Watterich. 32.
Page 641
Wechel. 7.
Wedinghausen, Necrolog. 446.
Weihenstephan. 288.
Weiland, L. 23.
Weingarten, Necrolog. 441.
Weissenau, Necrolog. 441.
Weissenburg 340;
Necrolog. 438.
Weltenburg. 64. 451.
Wenau, Necrolog. 446.
Werden. 245. 246. 253. 345;
Necrolog. 446.
Werinhar (1001-1029) B. v. Strassburg. 319.
Wessobrunn. 404. 442.
Westgothen. 79 ff.
Wettin 120. 278. 279.
Wettingen, Necrolog. 441.
Wetzlar, Necrolog. 453.
Wiblingen, Necrolog. 441.
Wicfrid (962-984) B. v. Verdun. 377.
Wicterb, Agilolfinger. 155.
Wido, ital. Grammatiker. 407.
Widukind v. Corvey. 328-333.
Wien, Necrolog. 452.
Wienhusen, Necrolog. 444.
Wigand, Pfarrer. 258.
Wigbert, Abt v. Fritzlar. 241.
Wigo v. Feuchtwangen 400.
Wiker, Abt v. St. Maximin. 364.
Wildeshausen. 239.
Wilhering, Necrolog. 452.
Will, Cornelius. 31.
Willehad (787-789) B. v. Bremen 246.
Willehelm (954-968) Erzb. v. Mainz. 367. 368. 393.
Willibald (745-781) B. v. Eichstedt. 137.
— v. St. Victor. 135.
Willibert (870-889) Erzb. v. Coeln. 263.
Wedinghausen, Necrolog. 446.
Weihenstephan. 288.
Weiland, L. 23.
Weingarten, Necrolog. 441.
Weissenau, Necrolog. 441.
Weissenburg 340;
Necrolog. 438.
Weltenburg. 64. 451.
Wenau, Necrolog. 446.
Werden. 245. 246. 253. 345;
Necrolog. 446.
Werinhar (1001-1029) B. v. Strassburg. 319.
Wessobrunn. 404. 442.
Westgothen. 79 ff.
Wettin 120. 278. 279.
Wettingen, Necrolog. 441.
Wetzlar, Necrolog. 453.
Wiblingen, Necrolog. 441.
Wicfrid (962-984) B. v. Verdun. 377.
Wicterb, Agilolfinger. 155.
Wido, ital. Grammatiker. 407.
Widukind v. Corvey. 328-333.
Wien, Necrolog. 452.
Wienhusen, Necrolog. 444.
Wigand, Pfarrer. 258.
Wigbert, Abt v. Fritzlar. 241.
Wigo v. Feuchtwangen 400.
Wiker, Abt v. St. Maximin. 364.
Wildeshausen. 239.
Wilhering, Necrolog. 452.
Will, Cornelius. 31.
Willehad (787-789) B. v. Bremen 246.
Willehelm (954-968) Erzb. v. Mainz. 367. 368. 393.
Willibald (745-781) B. v. Eichstedt. 137.
— v. St. Victor. 135.
Willibert (870-889) Erzb. v. Coeln. 263.
Page 642
Willibrord. 132.
Willico, Prager Domprobst. 354. 436.
Willisau, Necrolog. 441.
Wilten, Necrolog. 450.
Windberg, Necrolog. 451.
Winidharius. 156.
Wipert, Gefährte Bruns. 355.
Wisby, Necrolog. 460.
Witgar (887) B. v. Augsburg. 223.
Witger, Flandr. Priester 389.
Wittingau, Necrolog. 443.
Wizo. 158. 160.
Woeltingerode, Necrolog. 444.
Wolfgang (972-994) B. v. Regensb. 401. 402.
Wolfhard v. Herrieden. 61. 290.
Worms. 392;
Necrolog. 438.
Würzburg. 124. 134. 289. 290. 316;
Necrol. 442.
Wurmsbach, Necrolog. 441.
Xanten. 262;
Necrolog. 446.
Zeitz, Necrolog. 448.
Zeumer. 23. 27.
Zürich. 272. 373;
Necrol. 441.
Zurzach. 397. 441.
Zwiefalten, Necrolog. 441.
Willico, Prager Domprobst. 354. 436.
Willisau, Necrolog. 441.
Wilten, Necrolog. 450.
Windberg, Necrolog. 451.
Winidharius. 156.
Wipert, Gefährte Bruns. 355.
Wisby, Necrolog. 460.
Witgar (887) B. v. Augsburg. 223.
Witger, Flandr. Priester 389.
Wittingau, Necrolog. 443.
Wizo. 158. 160.
Woeltingerode, Necrolog. 444.
Wolfgang (972-994) B. v. Regensb. 401. 402.
Wolfhard v. Herrieden. 61. 290.
Worms. 392;
Necrolog. 438.
Würzburg. 124. 134. 289. 290. 316;
Necrol. 442.
Wurmsbach, Necrolog. 441.
Xanten. 262;
Necrolog. 446.
Zeitz, Necrolog. 448.
Zeumer. 23. 27.
Zürich. 272. 373;
Necrol. 441.
Zurzach. 397. 441.
Zwiefalten, Necrolog. 441.
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GESCHICHTSQUELLEN IM MITTELALTER BIS ZUR MITTE DES
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Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg
concept of a library of electronic works that could be freely shared with
anyone. For forty years, he produced and distributed Project Gutenberg
eBooks with only a loose network of volunteer support.
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copyright notice is included. Thus, we do not necessarily keep eBooks in
compliance with any particular paper edition.
Most people start at our website which has the main PG search facility:
www.gutenberg.org.
This website includes information about Project Gutenberg, including how
to make donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation,
how to help produce our new eBooks, and how to subscribe to our email
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