Die Deutschen Familiennamen_ geschichtlich_ geographisch_ sprachlich (German) Albert Heintze 2900 downloads.pdf

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Familiennamen, geschichtlich, geographisch, sprachlich
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Title: Die Deutschen Familiennamen, geschichtlich, geographisch,
sprachlich

Author: Albert Heintze

Release date: February 1, 2019 [eBook #58804]

Language: German

Other information and formats: www.gutenberg.org/ebooks/58804

Credits: Produced by Peter Becker, Reiner Ruf, and the Online
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*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE
DEUTSCHEN FAMILIENNAMEN, GESCHICHTLICH,
GEOGRAPHISCH, SPRACHLICH ***

Anmerkungen zur Transkription

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Der vorliegende Text wurde anhand der 1903 erschienenen Buchausgabe so weit wie möglich
originalgetreu wiedergegeben. Typographische Fehler wurden stillschweigend korrigiert.
Ungewöhnliche und altertümliche Schreibweisen bleiben gegenüber dem Original unverändert;
fremdsprachliche Zitate wurden nicht korrigiert.
Vereinzelt wurden Namen und Namensteile alphabetisch nicht korrekt eingeordnet; die originale
Reihenfolge der Begriffe wurde dennoch beibehalten. Zu einigen Verweisen im enzyklopädischen
Teil des Buches existiert keine Entsprechung. Verschiedentlich wurden Seitenzahlen in Verweisen
dem gegebenen Inhalt angepasst. Die ‚Berichtigungen‘ am Ende des Buches wurden bereits in den
Text eingearbeitet.
Hochgestellte Zahlen in geschweiften Klammern, z. B. {17}, verweisen auf Beispiele der
altdeutschen Namensbildung, von welchen verschiedene ausgewählte Formen im Abschnitt 5,
‚Weiterentwickelung der altdeutschen Personennamen. Ihre Lebenskraft.‘ vorgestellt werden.
Die Fußnoten wurden an das Ende des ersten Teils (‚Abhandlung‘) verschoben.

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Albert Heintze,

Die deutschen Familiennamen.

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Die
Deutschen
Familiennamen
geschichtlich, geographisch, sprachlich.

Von

Prof. Albert Heintze,
Verfasser von „Gut Deutsch“.

Zweite verbesserte und sehr vermehrte Auflage.

Halle a. S.
Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses.
1903.

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Alle Rechte vorbehalten.

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Vorwort
zur ersten Auflage.

Nachdem in den letzten Jahrzehnten eine ganze Literatur über die
deutschen Eigennamen erblüht ist, habe ich den Versuch gemacht, die
w e s e n t l i c h s t e n Ergebnisse der bisherigen Forschungen, soweit sie die
Familiennamen betreffen, einem größern Kreise, dem der Gebildeten
überhaupt, in möglichst übersichtlicher und handlicher Form darzulegen.
Demgemäß schildert der erste Teil dieses Buches zusammenhängend die
deutschen Familiennamen nach ihrer Entwickelung und ihren Klassen,
während der zweite Teil eine lexikalische Zusammenstellung der
wichtigsten Bildungselemente (und Namen) enthält.
Die Grundlage dieser Darstellung bilden zunächst die einschlagenden
Werke von F ö r s t e m a n n, P o t t, A b e l, S t a r k, A n d r e s e n, denen
sich für die Namen der zweiten und dritten Schicht der freilich oft
unkritische V i l m a r anreiht. Wenig Ausbeute lieferten im allgemeinen die
Namenbücher, welche den Wohnungsanzeiger irgend einer Hauptstadt,
meist in ziemlich oberflächlicher Art, behandeln. Als entschieden wertvoller
erwiesen sich dagegen einige Arbeiten in Jahresberichten höherer Schulen.
Besondere Aufmerksamkeit habe ich auf ein bisher weniger
berücksichtigtes Gebiet, nämlich auf die geographische Verteilung der
Familiennamen verwendet. Das bezügliche Material lieferten hauptsächlich,
während der letzten Kriege (von 1866, 1870–71), die Verlustlisten der
preußischen und deutschen Heere, aus welchen ich viele tausende von
Namen zu diesem Behufe mit Vorsicht ausgezogen und geordnet habe.
Auf einem so schwierigen Gebiete, wie die Behandlung und Erklärung
der Eigennamen ist, kann nur durch vereinte Kräfte vieler größere

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Sicherheit gewonnen werden. Daher gestatte ich mir an alle, welche sich für
diesen Zweig unserer Sprache und Kultur interessieren, die Bitte, mich
brieflich durch Beiträge, insbesondere durch Berichtigung etwaiger Fehler,
die sich in meiner Arbeit finden, freundlichst zu unterstützen.
Und so möge denn dieses Buch, auf welches ich im Lauf der Jahre so
manche Stunde verwendet habe, zum bessern Verständnis unserer
Familiennamen und damit auch zur Belebung echt deutschen Sinnes an
seinem bescheidenen Teile beitragen!

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Vorwort
zur zweiten Auflage.

Das ganze die deutschen Familiennamen behandelnde Schrifttum,
insbesondere die vielen in letzter Zeit erschienenen Einzelschriften
auszuschöpfen, konnte auch bei dieser neuen Auflage nicht meine Absicht
sein. Durch eine solche Erweiterung wäre das Buch übermäßig
angeschwellt und somit auch für einen größeren Kreis übermäßig verteuert
worden. Immerhin sind mehrere tausend Namen dem Lexikon neu
eingereiht, unter steter Bevorzugung des Gesicherten und Feststehenden.
In der Abhandlung ist vornehmlich die Übersicht der landschaftlichen
Verteilung der Familiennamen weitergeführt und auf einen großen Teil des
hochdeutschen Sprachgebietes ausgedehnt worden.
Für freundliche Unterstützung sage ich besonderen Dank den Herren
Archivrat Dr. J a c o b s in Wernigerode, Gymnasial-Rektor Prof. E r b e in
Ludwigsburg, Prof. Dr. C a s c o r b i in Münden, Prof. B ö h m e in Stolp.

S t o l p in Pommern, im Juli 1903.
A. H e i n t z e.

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Inhalt.
I. Abhandlung. Seite

Einleitung 3
1. Die Elemente der deutschen Familiennamen (dreifache Schicht) 9
2. Die Personennamen überhaupt — ein Spiegel des Volksgeistes.
Namen der Griechen, Römer, Israeliten 9
3. Die altgermanische Namenwelt 12
4. Übereinstimmung der deutschen Namengebung mit der
griechischen 19
5. Weiterentwickelung der altdeutschen Personennamen. Ihre
Lebenskraft 20
6. Fremdsprachige (kirchliche) Namen 24
7. Das Festwerden der Namen: Bildung der Familiennamen 26
8. Altdeutsche Vollnamen als Familiennamen 30
9. Sproßformen der altdeutschen Vollnamen als Familiennamen:
a) Kürzungen und Verkleinerungen 32
b) Genetivische Namen 34
10. Kirchliche Personennamen als Familiennamen 36
11. Familien-Namen der dritten Schicht:
a) Stand und Gewerbe 39
Werkzeuge und Kleidungsstücke 44
Speisen 46
12. Familiennamen der dritten Schicht:
b) Eigenschaften 47

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Körperteile 49
Satznamen 50
13. Familiennamen der dritten Schicht:
c) Herkunft und Wohnstätte 53
Adelsnamen 58
Häusernamen 59
14. Würdigung der deutschen Familiennamen nach Gehalt und Form 62
15. Latinisierungen 63
16. Jüdische Namen 66
17. Französierungen, Polonisierungen und andere
Metamorphosierungen der Neuzeit 68
18. Geographische Verbreitung der deutschen Familiennamen 70
19. Genauere Angabe der Verteilung der Familiennamen:
a) Niederdeutschland 73
b) Oberdeutschland 78
20. Stillstand oder Bewegung in der Namenwelt? 84
Beilage 1. Godeberaht 85
„ 2. Entwickelung einer Namenreihe während der Neuzeit 87
„ 3. Fremdsprachige Namen in Deutschland:
a) Slawische 88
b) Littauische 90
c) Romanische 91
II.
Namen-Lexikon 93

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I.
Abhandlung.

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Einleitung.
Unsere Geschlechts- oder Familien-Namen erscheinen uns, wenn wir
genauer nach ihrem eigentlichen Sinne fragen, in der weitaus größten Zahl
rätselhaft und unverständlich. Denn was bedeuten Namen wie z. B.:
Hildebrand, Gundlach, Odebrecht, Rüdiger, Amelung? Ist das nicht, wie
wenn eine Reihe von Rittern vor uns aufmarschierte, aber alle mit
geschlossenem Visier? Oder kürzere Namen wie: Renz, Wenz, Benz, Bopp,
Dapp, Rapp, Rupp, Dromtra, Krumtum, Zumtrum! Wird uns da nicht zu
Mut, als ob wir einen Chor wunderlicher Kobolde sähen, die uns neckend
umhüpfen?
Nun, wir wollen es einmal versuchen, ob wir den Rittern ihr Visier nicht
öffnen, ob wir die neckischen Kobolde nicht zwingen können, daß sie uns
standhalten und Namen und Abkunft sagen.
Denn ein merkwürdig und wunderlich Ding ist es im Grunde doch, daß
der Mensch in seinem Namen so einen Begleiter durch das Leben erhält,
der ihm stets mit geschlossenem Visier zur Seite geht, einen Gefährten, der
ihn von der Wiege bis zur Bahre geleitet, siebenzig, achtzig Jahre lang, und
dennoch in seinem Wesen nicht erkannt wird, stets nur sein Äußeres, nie
sein Inneres aufweist — dessen wahre Gestalt also verborgen bleibt. Und
doch bewahren wir den unerkannten Begleiter so sorgsam, wir dulden es
nicht, daß er in irgend etwas verkürzt werde, daß ihm ein Buchstab, sollte er
auch für die Aussprache nichts verschlagen, genommen oder zugesetzt
werde, wir bewahren den Namen mit allen unorthographischen ck und tz
und dt.
So wachen wir sorglich über die äußere Gestalt und Hülle, und um den
inneren Gehalt und Kern sollten wir uns nicht bekümmern, nie danach
fragen?
Etwas Bedeutungsl o s e s ist ein solcher Name jedenfalls nicht, so
sinnlos und bedeutungsleer er auch vielfach scheinen mag. Es ist kein leerer
Schall, welcher rein der Willkür und der Laune des Zufalls sein Dasein zu

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verdanken hätte. Etwas — das kann hier im voraus versichert werden —
etwas bedeutet von Hause aus ein jeder Name, und dieser Satz behält seine
Wahrheit auch gegenüber den tausenden unserer Familiennamen, die uns so
dunkel und unverständlich klingen.
Aber wie hat denn Sinn und Bedeutung der
N a m e n s o s e h r e n t s c h w i n d e n k ö n n e n ? — Das hat mehr als
einen Grund. Vor allen Dingen liegt es am A l t e r der Familiennamen.
Dieselben sind fest geworden in der zweiten Hälfte des Mittelalters, also
vor mindestens 500–600 Jahren. Damals sind sie f e s t g e w o r d e n, d. h.
während bisher der Name vom Vater auf den Sohn wechselte, wie noch jetzt
bei uns die Vornamen, so befestigte sich nunmehr allmählich in der Familie
ein Name, der vom Vater auf den Sohn überging und an dem ganzen
Geschlechte haften blieb. Diese Entwickelung trat allerdings erst vor etwa
einem halben Jahrtausend ein; die Namen aber, welche sich damals als
Familiennamen festsetzten, sind nicht erst damals auch entstanden, sondern
gehen, als Personennamen, meist weit höher hinauf, bis in die Zeiten der
Völkerwanderung — es braucht hier nur an die hervorragendsten Gestalten
des Nibelungenliedes erinnert zu werden, an Siegfried, Hagen, Gunther,
Dietrich, Rüdiger, Namen, die wir sämtlich, wenn auch vielleicht ein wenig
verändert, in der Gegenwart als Familiennamen, zum Teil auch als
Vornamen häufig finden. Einzelne reichen noch höher hinauf, bis zu den
Anfängen der germanischen Geschichte, wie sie uns in freilich lückenhafter
Kunde Griechen und Römer überliefert haben, ja über Armin und Marbod
hinauf in Zeiten, da wohl noch kein Germane Fuß und Speer auf den Boden
des nachmaligen Deutschland gesetzt hatte.
Nun haben aber die Eigennamen mit der stetigen Weiterentwicklung der
Sprache nicht gleichen Schritt gehalten, sie sind je länger je weniger
mitgegangen, zumal seit sie als Familiennamen festgeworden. Die
Veränderungen, welche die Sprache zu erleiden gehabt, haben sie als das
geheiligte Eigentum des einzelnen nicht gleichmäßig mitgemacht, sie sind
stehen geblieben; die Stürme der Zeiten, welche die alten Sitten und Weisen
hinweggefegt, haben sie nur wenig berührt. So stehen die Namen da gleich
den Ruinen der Ritterburgen, als Zeugen einer vergangenen Zeit. Die alten
Wortformen sind untergegangen in dem sonstigen Gebrauch der Sprache,
manche Stämme und Wurzelwörter ganz abhanden gekommen, wie Zweige
eines Baumes, ganze Stämme verdorren; doch in den Namen sind sie noch

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da, wenn auch dem Verständnis entrückt. So verstehen wir von dem Namen
Hildebrand die letzte Silbe wohl noch, was heißt aber hilde? Hier gibt uns
unser Neuhochdeutsch nicht mehr Aufschluß, wir müssen weiter
hinaufsteigen, zum A l t d e u t s c h e n, um den Schlüssel für diesen noch
jetzt gar nicht seltenen Namen zu holen. Hild heißt Kampf, Schlacht, also
Hildebrand: Kampfesbrand, Schlachtenbrand — gewiß ein trefflicher Name
für einen Helden, der wie verzehrendes Feuer um sich her wütet in der
Schlacht! Ähnlich ist es mit der Silbe mar, berühmt, in Waldemar (berühmt
im Walten), Germar (speerberühmt), sowie mit rud, welches gleichfalls
berühmt bedeutet, in Rudolf, Rüdiger. So könnten der verschollenen
Stämme noch gar manche aufgeführt werden; andere haben wenigstens ihre
Bedeutung geändert, wie schalk (ursprünglich „Knecht“), und wir als
geborene Deutsche müssen bei den Gelehrten Rat suchen, um uns diese
urdeutschen Namen wie fremde erklären zu lassen. Es ist Moos darum
gewachsen, Rost hat sich auf das Metall gelegt und will mit behutsamer
Hand entfernt sein, ehe uns wieder der edle, reine Metallglanz
entgegenstrahlt.
So nehmen denn die Eigennamen eine besondere, eine
Ausnahmestellung in der Sprache vor allen anderen Wörterklassen ein; sie
gehen nicht mit der Zeit mit, sie kümmern sich nicht darum, ob man sie
versteht, sie haben ihre eigenen Formen, die nicht angetastet werden dürfen,
ja ihre eigene Rechtschreibung.
Aber es ist nicht allein das hohe Alter der Namen und ihre von daher
großenteils bewahrte Form, wodurch sie so dunkel und rätselhaft, fast
hieroglyphengleich geworden sind — auch die mannigfachen
M u n d a r t e n, in welche sich das Deutsche spaltet, tragen dazu bei, die
Bedeutung der Familiennamen zu verhüllen. Als diese sich bildeten, waren
die verschiedenen Mundarten Deutschlands noch in vollerer Blüte, eine
allgemein herrschende Schriftsprache war noch nicht vorhanden. So setzten
sich denn auch die Familiennamen für jede Landschaft zunächst in der dort
verbreiteten Mundart fest. Sieht man sich z. B. die lange Reihe
pommerischer Namen aus der Zeit Herzog Bogislaws X. an, wie sie
Klempin in seinen „Diplomatischen Beiträgen zur Geschichte Pommerns“
aufstellt, so wird man alles, was darin an Namen deutsch ist, eben als
niederdeutsch erfinden: Apenborch, Benekendorp, van deme Berghe,
Bilrebeke, Blome, Boddeker, Bokholt usw. Als nun nach Luther das

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Hochdeutsche auch im Norden allmählich als Schriftsprache durchdrang,
wurden diese „plattdeutschen“ Namen allerdings zum größten Teile dem
neuen Lautsystem angepaßt, aber doch nicht ausnahmslos: viel
Niederdeutsches blieb und bleibt stehen. So schimmert die ursprüngliche
mundartliche Grundlage für ganz Niederdeutschland in den Familiennamen
noch überall durch in Formen wie: Schulte, Möller, Flashaar, Niebuhr
(neben Neubauer), Voß, Utermöhlen („aus der Mühle“), Cassebaum
(halbniederd. = Kirschbaum) usw. Dahin gehört besonders auch die große
Zahl von Verkleinerungsformen auf ke, die meist von einheimischen oder
auch ausländischen Vornamen herrühren, z. B. Gerike von Gerhard, Jahnke
von Johannes. Im Oberdeutschen finden wir statt dessen die Endung el,
auch z, z. B. Dietel, Dietz für Dietrich. Diese und viele andere
Verkleinerungswörter, oder wenn man will „Schmeichelformen“, die sich
vorzugsweis als Familiennamen festgesetzt haben, erfordern zu ihrer
Entzifferung, wenn dieselbe mehr als ein bloßes Raten sein soll, Kenntnis
der Dialekte und ihrer oft höchst eigentümlichen Formen. Wer möchte z. B.
durch bloßes Vermuten darauf kommen, daß Hiesel aus Matthias, Gilles aus
Ägidius, Grolms aus Hieronymus entstanden ist! Nicht minder macht sich
dies geltend bei der zahlreichen Klasse der von Beschäftigungen, von Amt
und Gewerbe entlehnten Familiennamen, da die Bezeichnungen gerade auf
diesem Gebiete landschaftlich oft sehr verschieden sind.
Nicht genug, daß die Mundarten ihre Einflüsse geltend gemacht haben
— alles das ist immer doch noch deutsch — aber auch von außerhalb der
Grenzen unserer Sprache sind bedeutende Einströmungen erfolgt. So wenig
das jetzige deutsche Volk ein ganz ungemischtes ist, so wenig sind die
Familiennamen durchweg deutsch. Vor allem ist die Beimischung der
S l a w e n hervorzuheben. Diese erfüllten bekanntlich, von den Zeiten der
Völkerwanderung her, den ganzen Osten Deutschlands bis zur Elbe und
Saale. Als sie endlich wieder zurückgedrängt wurden, blieben doch viele in
ihrer seit so langer Zeit eingenommenen westlichen Heimat sitzen und
wurden erst allmählich und nicht überall germanisiert. Diese Grundlage des
Slawischen auch in längst wieder deutsch gewordenen Strichen tritt wie in
den Ortsnamen, so auch in den Familiennamen hervor, ein bedeutender
Bruchteil ist slawisch: wendisch, polnisch — selbst Tschechen dringen aus
Böhmen herauf. Vor allen kenntlich sind die polnischen Namen auf ski, wie
Lichnowski, Kosinsky; nicht minder aber sind slawisch, meist eben von den
entsprechenden Ortsnamen entlehnt, die Namen auf ow (mit stummem w):

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Passow; die auf itz: Miltitz, vergröbert itsch: Delitzsch; die auf in: Schwerin
— nicht zu vergessen die mit slawa (Ruhm) selbst zusammengesetzten
Personennamen: Bogislaw, Bugslaff, zuletzt Butzlaff (mit lang zu
sprechendem u, „Gottesruhm“).
Dann ist ein, wenn auch lange nicht so starker, doch immerhin in
Anschlag zu bringender Bruchteil r o m a n i s c h e n Blutes aufgenommen
worden, hauptsächlich aus Frankreich, in den Auswanderern, welche unter
Ludwig XIV. ihres protestantischen Glaubens wegen ihr Vaterland als
„Réfugiés“ verlassen mußten und in Deutschland liebevolle Aufnahme und
eine neue Heimat fanden. Daher nun französische Familiennamen, wie
Palmier, du Mesnil, de Convenant.
Zum Schluß verdient noch Erwähnung, daß selbst das L i t t a u i s c h e,
so entlegen es dem Völkerverkehr ist, sein Fähnlein gestellt hat, z. B.
Kaprolatis, Adomeit. In Berlin sind littauische Namen nicht selten, und in
Königsberg gar wimmelt es von ihnen.
So sind denn slawische Elemente von Ost und Südost, littauische von
Nordost, romanische von West und Südwest eingedrungen und zwar in
bedeutendem Maße. Man mache die Probe an irgend einer Namenreihe —
eines Regierungskollegiums, eines Stadtverordneten- oder
Lehrerkollegiums — in dem östlichen Deutschland, und man wird selten
die Namen rein deutsch finden.
Wir haben es also in der Welt der Familiennamen, wie sie gegenwärtig
in Deutschland ist, mit einem Gemisch nicht bloß aus verschiedenen
Zeitaltern und Mundarten, sondern sogar aus ganz verschiedenen Sprachen
zu tun. Dadurch wird begreiflicherweise die Erforschung der Namen
außerordentlich erschwert. Denn wer vollkommen gerüstet ans Werk gehen
wollte, um die in Deutschland jetzt vorkommenden Familiennamen zu
erklären, müßte eine sehr umfassende Sprachkenntnis besitzen, nicht allein
des Deutschen nach seinen Verzweigungen und des Romanischen, sondern
vor allen Dingen auch des Slawischen, und zwar in seinen verschiedenen
Mundarten.
Aber selbst wer diese umfassende Sprachkenntnis besäße, würde doch
noch genug Hindernisse zu überwinden haben und oft mutlos das kritische
Messer sinken lassen. Ja, wenn die Namen in reiner, unverfälschter und
unentstellter Form vorlägen! Aber wieviel Entstellungen, Verstümmelungen

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und besonders Umdeutungen haben sie sich müssen gefallen lassen trotz
aller beanspruchten Unantastbarkeit, die fremden zumal, die man nicht
verstand! Butzlaff statt Bogislaw (Bugslaff) ist noch nicht arg; wenn aber
Warneking (Verkleinerungsform von Werner) sich in Warnkönig, wenn
Christian sich einerseits in Kirschstein, anderseits in Kasten, Bley gar sich
in Pflaumbaum wandeln konnte, so sieht man, daß hier Dinge möglich und
häufig sind, die bei den Gemeinnamen (Appellativen) glücklicherweise zu
den größten Seltenheiten gehören.
Das alles sind unabsichtliche Entstellungen; es kommt aber auch vor,
daß der Träger eines Namens in bewußter Weise diesen Namen, weil er ihm
nicht zusagt, umändert und entstellt, z. B. ein Faßbinder nennt sich
Vasbender, ein Knieriem schreibt sich wenigstens Cnyrim. Das ist ein
harmloses Vergnügen; ganz anders ist es, wenn jemand seinen ehrlichen
deutschen Namen verachtet, weil er eben nur deutsch ist, und ihn in ein
fremdartiges Gewand hüllt, damit er vornehmer klinge. In der Art
versündigten sich besonders die Gelehrten im 16. und 17. Jahrhundert,
indem sie ihre untadeligen deutschen Namen latinisierten, ihnen eine
zuweilen recht schlotterige Toga umwarfen. Weil man dabei ziemlich
willkürlich und gewaltsam verfuhr, so ist die Rückübersetzung häufig
schwierig. Olearius z. B. kann die Übersetzung von drei Namen sein:
Öhlmann, Öhler, Öhlenschläger. Andere sind gar nicht mehr nach ihrer
Bedeutung zu entziffern.
So haben denn gar mannigfache Einflüsse verschleiernd und
verdunkelnd auf die Familiennamen eingewirkt. Dieselben sind, um es
nochmals zusammenzufassen: 1. d a s A l t e r d e r N a m e n, das nach
Jahrhunderten, zum Teil nach Jahrtausenden zu berechnen ist, und in
Verbindung damit die verschiedenen E n t w i c k e l u n g s s t u f e n d e r
S p r a c h e; 2. der trübende Einfluß der M u n d a r t e n; 3. die Mischung
mit f r e m d e n S p r a c h e l e m e n t e n; 4. M i ß v e r s t ä n d n i s s e
u n d w i l l k ü r l i c h e E n t s t e l l u n g e n. Daher ist es denn auch kein
Wunder, wenn die große Mehrheit der Familienbezeichnungen uns so
unverständlich ist, wenn die tausende und aber tausende von Namen, die
unter diesen Einflüssen zusammengekommen sind, das Bild eines
dichtverschlungenen Urwaldes darbieten, in welchem man fast bei jedem
Schritt auf Schwierigkeiten und Hindernisse stößt.

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Aber diese Schwierigkeiten, so groß sie zum Teil sind, dürfen von der
Betrachtung der Familiennamen und ihrer Erforschung nicht
zurückschrecken. Das verbietet — abgesehen von dem Interesse, welches es
doch für den einzelnen haben muß, die Bedeutung seines Namens zu wissen
— die Wichtigkeit des Gegenstandes überhaupt. Die Eigennamen
(Personen- und Ortsnamen) bilden einen Teil der Sprache, und zwar in den
altdeutschen Namen den ältesten, den unsere Sprache überhaupt als erhalten
aufzuweisen hat. Wenn man nun die übrigen Wörterklassen betrachtet, ihre
Bildungsgesetze erforscht und darstellt, so sind die Eigennamen dabei nicht
zu übergehen, ihnen gebührt dieselbe Aufmerksamkeit. Auch in ihnen webt
und wirkt der Geist der Sprache. Wollte man sie beiseite lassen, so würde
die Kenntnis der Sprache an einer bedeutenden Lücke leiden, ein großes
Gebiet wäre unerhellt.
Das ist die Bedeutung, welche die Namenkunde nach der sprachlichen
Seite hat. Aber in der Sprache spiegelt sich der Geist des Volkes, und in
ganz besonderem Maße gerade in den Namen. Ihren Stolz und ihre
Sehnsucht, ihren Glauben und ihren Aberglauben, ihre ganze
Lebensanschauung haben ursprüngliche Völker, wie das germanische, in
ihre Namen gelegt. Und weiter, auch die späteren Entwickelungen im
Leben des Volkes, in Sitten und Einrichtungen, Zuständen und
Anschauungen lassen hier ihren Niederschlag zurück, so daß wir ein gutes
Stück unserer Kulturgeschichte an den Familiennamen herabbuchstabieren
können. Dieselben gleichen den Versteinerungen der Urzeit: aus den
Umwälzungen früherer Perioden sind sie übrig geblieben als Zeugen von
dem, was einstmals war. Freilich ist es schwer und oft gar nicht mehr
möglich, die Bedeutung mancher Namen zu ergründen; aber wo es möglich
ist, da erschließen sich uns ganz neue, unverfälschte Quellen für die
Erkenntnis der Denk- und Sinnesart unseres Volkes in längst vergangener
Zeit. So ist es denn keine undankbare Mühe, es ist eine schöne und nach
mehr als einer Seite hin lohnende und fruchtbringende Beschäftigung, in
diese reiche Welt der Namen zu gehen, das nur schlummernde Leben in den
scheinbar kalten und toten Zeichen wieder zu erwecken, der stillen Sprache
zu lauschen, die sie, die unsere Vorfahren durch sie zu uns reden.
„Vergangenheit entsteigt dem dunklen Grab
Und gibt uns manche wundersame Kunde.“

Page 22

Page 23

1.
Die Elemente der deutschen Familiennamen
(dreifache Schicht).
Die deutschen Familien- oder Geschlechtsnamen sind als solche, wie
schon in der Einleitung hervorgehoben ist, verhältnismäßig jung; erst im
Ausgange des Mittelalters, im 12. bis 14. Jahrhundert, haben diese vom
Vater auf den Sohn vererbenden Bezeichnungen sich allmählich festgesetzt.
Die Elemente jedoch, aus welchen sich damals die Familiennamen gebildet,
gehen meist viel weiter zurück; es lassen sich darin d r e i S c h i c h t e n
unterscheiden, die sich wie Geschiebe eines Gebirges auf- und ineinander
gelagert haben. Diese sind:
1. a l t e i n h e i m i s c h e, ursprünglich heidnische
P e r s o n e n n a m e n, d. h. nicht forterbende Benennungen einzelner
Personen (z. B. Albrecht und Arnold);
2. später dazugekommene fremde Personennamen aus christlicher Zeit
(z. B. Peter und Paul).
Beide Klassen haben das gemein, daß sie von Hause aus Personen- oder
Einzelnamen gewesen sind und auch nach ihrem Festwerden (als
Familiennamen) großenteils noch daneben als Personen-, d. h. nunmehr
Vo rnamen, verwendet werden. Zu ihnen gesellt sich nun aber
3. eine dritte Klasse von B e z e i c h n u n g e n, ursprünglich nur
unterscheidende Zusätze zu den Personennamen der beiden ersten
Schichten: Namen jüngster Periode (z. B. Weber und Wittenberg).[1]
Betrachten wir zunächst die beiden ersten Schichten genauer, um ein
möglichst anschauliches Bild von den Grundlagen zu gewinnen, auf denen
die Bildung unserer Familiennamen beruht.

Page 24

2.
Die Personennamen überhaupt — ein Spiegel des
Volksgeistes.
Namen der Griechen, Römer, Israeliten.
Daß in den Eigennamen eines Volkes sich der Geist dieses Volkes, der
Charakter desselben in seiner Eigentümlichkeit abspiegele, nicht minder als
in seinen Sitten und Taten, dieser Satz gilt in besonderem Maße von den
ältesten Namen, welche sich bildeten, da das Volk noch unberührt von
fremden Einflüssen, in voller Selbständigkeit sich entwickelte. So redet
eben durch die Namen die uralte Vergangenheit zu der Gegenwart, die
Vorfahren reden durch sie zu den nachkommenden Geschlechtern und
enthüllen ihnen ihren Geist und Sinn.
Werfen wir zum Beweise einen vergleichenden Blick auf die drei
Völker, welche für uns die Hauptvölker des Altertums sind, die Griechen,
die Römer und die Israeliten, so treten uns hier die allerbezeichnendsten
Verschiedenheiten entgegen.
Das edle, hochbegabte Volk der G r i e c h e n zeigt auch in seinen
Personennamen eine reiche Phantasie, einen i d e a l e n Schwung. Die
Namen gehen überwiegend auf das Geistige, auf edle Eigenschaften und
Beschäftigungen. Das beweist die Fülle der Namen, die auf kles (Ruhm)
endigen: Perikles (sehr berühmt), Sophokles (durch Weisheit berühmt),
Themistokles (durch Gerechtigkeit berühmt), Kallikles (durch Schönheit
berühmt) — oder die mit der Silbe kle anfangen: Kleophanes
(ruhmstrahlend). Viele beziehen sich auf das Vo r a n g e h e n und Erster
sein, gleichsam Bezeichnungen für Männer, die jenen homerischen
Wahlspruch: „Stets der Beste zu sein und vorzustreben den andern“ in sich
zur Verkörperung gebracht haben. So die mannigfachen Bildungen von
Aristos (der Beste), ferner Namen wie Poliarchos (Stadtherrscher),
Agesilaos (Volksführer), Eurysthenes (weit gewaltig) — auch Thrasybulos

Page 25

(kühn im Rat), Megistophron (das Größte denkend). Auf K a m p f und Sieg
gehen Nausimachos (zu Schiffe kämpfend), Nikophanes (siegprangend).
Wie jedoch jene homerischen Helden das Wort ebenso trefflich zu
handhaben wissen wie das Schwert, so stellt sich neben die kriegerischen
Namen eine fast ebenso lange Reibe von Namen, welche die
B e r e d s a m k e i t feiern, z. B. Aglaophon (herrlich redend), Anaxagoras,
Protagoras — letztere zum Beweise, wie hoch der Grieche seine Agora, die
Volksversammlung, hielt. Aber in der Reihe dieser edlen und ruhmwürdigen
Eigenschaften ist auch die G ö t t e r f u r c h t unvergessen; den Beweis
geben die vielen mit Theos (Gott) zusammengesetzten Namen, wie
Theodotos (gottgegeben), Timotheos (Ehregott), dazu mannigfache
Ableitungen von den Namen einzelner Gottheiten, von Dionysos (Bacchus):
Dionysios, von Hera (Juno): Herodotos, von Apollon: Apollonios. Im
Einklange damit stechen unter den Tieren in der Namengebung hervor der
Löwe, das königliche Tier, in vorgeschichtlicher Zeit in Griechenland
einheimisch: Leon, Timoleon, das edle Roß, dem Poseidon heilig, in
besonders zahlreichen Namen: Hippias und Hipparchos, Hippokrates,
Philippos, Aristippos.
Während so die griechischen Personennamen ein ideales, poetisches
Gepräge haben, indem edle, meistens geistige Eigenschaften in ihnen
anklingen, bilden dazu den allerschroffsten Gegensatz die R ö m e r. Hier ist
von Poesie und Idealität wenig zu finden; die römischen Namen haben ein
durchaus p r o s a i s c h e s Gepräge und bewegen sich meist in einer sehr
niederen Region. Zunächst halten sie sich an die erste und hauptsächlichste
Beschäftigung der alten Römer, den A c k e r b a u: Agricola (Landbauer),
Fabius, Cicero, Piso (Bohnen-, Erbsen-, Wickenmann),[2] und in
Zusammenhang damit an die Viehzucht: Porcius (Schweinezüchter),
Asinius (Eselzüchter). Schon hierbei kann es befremden, daß die großen
Römerhelden keine edleren Namen führten als Bohnenmann, Erbsenmann,
Schweinemann. Doch mögen wir diese Namen trotz ihrem Erdgeruche noch
gelten lassen, da der Ackerbau die Grundlage des römischen und überhaupt
jedes italischen Gemeinwesens war und derselbe allewege eine
hochehrenwerte Beschäftigung ist. Es ist freilich etwas Hausbackenes und
Massives,[3] aber doch immer etwas sehr Praktisches und Solides in den
Namen dieses Schlages. Aber was soll man zu der langen Reihe der Namen
sagen, die von ä u ß e r l i c h e n Z u f ä l l i g k e i t e n und G e b r e c h e n
hergenommen sind, wie Niger, Rufus, Flavius, Livius (der Schwarze, der

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Rote, der Gelbliche, der Bläuliche), Longus, Paullus, Crassus, Macer (der
Lange, der Kleine, der Dicke, der Magere), Calvus (der Kahlkopf), Capito
(der Großkopf), Naso (der Nasenkönig), Paetus (der Schieler), Caecus (der
Blinde), Balbus (der Stammler), Claudius (der Lahme), Plautus (der
Plattfuß), Scaurus (der Klumpfuß) — die Reihe ist fast endlos, ich breche
ab, um nicht durch fernere Aufzählung zu ermüden. Ist es doch, als käme
man in ein Lazarett oder eine orthopädische Anstalt! Das Äußerste jedoch
in nüchterner Prosa und Armut an Erfindungsgabe leisten die Zahlnamen:
Secundus, Tertius, Quintus, Sextus (mit mehrfachen Ableitungen wie
Sextius, Octavianus), die bloß herzählen, daß jemand der zweite, dritte usw.
Sohn seines Vaters sei. Welche geistige Armut, wenn ein Vater seinem
Kinde nichts weiter im Namen mitzugeben weiß, als daß es Nr. 2, Nr. 3 ist!
Diese Namen, welche eben die römische Namengebung beherrschen,
verraten einen großen Mangel des römischen Geistes, eine starke
Einseitigkeit der Anschauungs- und Auffassungsweise. Fürwahr, man
braucht nur diese Namenliste anzusehen, um kühnlich zu prophezeien, daß
ein solches Volk auch auf geistigem Gebiete, besonders in der Dichtung,
wenig leisten werde. Auf s o l c h e m Boden können die goldenen
Hesperidenäpfel der Poesie schwerlich gedeihen. Dagegen bekundet eine
derartige Namengebung eine hervorstechende Anlage und Neigung zum
Auffassen menschlicher Schwächen, d. h. zur S a t i r e. In der Tat ist auch
die Satire der einzige Zweig der poetischen Literatur, worin die Römer
etwas Bedeutendes, Ureigenes geschaffen haben.
Ein Element, welches schon in der griechischen Namengebung, doch
nur in zweiter Reihe hervortrat, der f r o m m e S i n n, die alles auf die
Gottheit beziehende Lebensanschauung, kommt zur vollen Entfaltung bei
den Orientalen, namentlich dem Volke der Israeliten. Dies wird durch das
Vorwiegen der Namen bezeugt, die mit der Silbe ja (jo, je) — Abkürzungen
von Jehova (Jahve) — oder mit el anfangen oder auch schließen. Beides
bedeutet „Gott“, also[4] Josua (dessen Hülfe Jehova ist), Johannes (den
Jehova geschenkt hat), mit ähnlichem Sinne Jonathan (den Jehova
gegeben), Josaphat (dem Jehova Recht schafft); — Obadja (Knecht Gottes,
vgl. arabisch Abdallah), Sacharja, Zacharias (dessen Jehova gedenkt); —
Elimelech (dem Gott König ist), Elieser (dem Gott Hülfe ist), in derselben
Bedeutung Eleasar (Lazarus); — Nathanael (den Gott gegeben), Joel (die
beiden Gottesnamen verbunden: dem Jehova Gott ist). Hieran reihen sich

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noch mehrere, bei welchen diese Beziehung nicht ausdrücklich
ausgesprochen, aber doch leicht zu ergänzen ist, z. B. Nathan, abgekürzt
aus Jonathan, Saul (der Erbetene, nämlich von Gott).

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3.
Die altgermanische Namenwelt.
Wenden wir uns, nachdem wir dies vorausgeschickt, zu unserm Volke in
seiner ungetrübten Ursprünglichkeit und fragen: Was ist das Eigentümliche
der altgermanischen Namengebung?
Der Geist und Sinn, die ganze Anschauungsweise eines ursprünglichen
Volkes spricht sich bezeichnend aus in den Vorstellungen, die es sich vom
Übersinnlichen, von der Gottheit macht. Wie Gott die Menschen schuf nach
seinem Ebenbilde, so denkt sich umgekehrt der Naturmensch die Gottheit
gern nach s e i n e m menschlichen Bilde. Was ihm als das Höchste
erscheint, das überträgt er auf jene und stellt somit einen Spiegel auf seines
eigenen Selbst. Wie hat nun der Germane sich die Gottheit gedacht? Hören
wir darüber den beredten Mund eines neueren Forschers, der sich in der
Hauptsache folgendermaßen ausspricht: „Während andere Völker die stille,
starre Ordnung der Himmelskörper, der Gestirne, über alles andere gefeiert
und das Leben der Menschen zu einem Abbilde dieser stillen, starren
Ordnung zu machen gesucht haben; während wieder andere das in den
Entwickelungen der Dinge bemerkbare Ebenmaß und die Schönheit des
lebendigen, organischen Maßes, die Harmonie gefeiert haben — hat die
germanische Glaubenslehre an die Spitze aller Götterfiguren eine
Personifikation gestellt des ungebrochenen, rastlos jagenden,
todverachtenden H e l d e n g e i s t e s, den Wuotan.[5] Damit ist der
ungebrochene, gottbewegte, persönliche Heldensinn über alles andere
gesetzt und zum höchsten Gegenstande der Verehrung und des sittlichen
Strebens gemacht.“ (H. Leo, Vorlesungen I, 109).
Diesen stürmischen Heldengeist zeigt unser Volk von seinem ersten
Auftreten in der Geschichte an. Heftig und ungestüm war die Kampfesart
der Germanen, zumal ihre ersten Angriffe zu Beginn der Schlacht, und nur
der überlegenen Kriegskunst der Römer gelang es, die furchtbare Kraft
derselben zu brechen.[6] So in dem Kriege der Cimbern und Teutonen,

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welche fünf Jahre hindurch alle gegen sie ausgesandten Heere der Römer
schlugen und vernichteten, bis es endlich dem großen Feldherrn Marius
gelang, den Sturm zu beschwören und das drohende Verderben von Rom
abzuwenden; so in dem Kampfe Cäsars mit Ariovist, so in allen
nachfolgenden Kämpfen, bis zu dem gewaltigen Gewittersturm der
Völkerwanderung.
Bekannt sind die Zeugnisse des Tacitus für die Tapferkeit der Germanen
(nullus mortalium armis aut fide ante Germanos). Krieg und gefahrvolle
Unternehmungen waren ihre Lust — daher jene nie gesättigte Begier nach
Abenteuern, die Gier, Gefahrvolles aufzusuchen und mit dem Furchtbaren
zu kämpfen; daher auch im Frieden die Lust, auf ungemessenen,
ungebahnten Pfaden das Wild zu jagen. „Wer hat mehr Mut“, ruft der
Römer Seneca, „als die Germanen? Wer stürmt mit größerer Gewalt? Wer
liebt leidenschaftlicher die Waffen, mit denen sie gleichsam geboren, in
denen sie aufgezogen werden? Die allein sind ihre Sorge, alles andere
kümmert sie wenig.“ (Sen. de ira I, 11.) Im Einklang damit läßt der jüdische
Schriftsteller Josephus den König Agrippa zu den Juden sagen: „Ihr habt
ohne Zweifel von den Germanen gehört. Ihr habt ihre Stärke gesehen und
die Größe ihrer Gestalt. Sie haben aber einen Geist, der größer ist als ihre
Leiber, eine Seele, die den Tod verachtet, und einen grimmigern Zorn als
die wilden Tiere.“
Dieser wilde Kriegsmut ist der „furor Teutonicus“, der im Altertume wie
zum Sprichwort geworden noch von viel späteren Schriftstellern oftmals
erwähnt wird.
So war der Geist unserer Ahnen, und diese todesverachtende Kühnheit,
dieser wuotanische Heldensinn spiegelt sich ab auch in der Namengebung
jener Zeit, des Heroenalters unseres Volkes. Und wenn uns keine
Geschichte und keine Sage Kunde gäbe, so würden diese zahlreichen
männlichen und auch weiblichen Namen vernehmlich genug sprechen, die
da wiederklingen von W a f f e n und K r i e g und K a m p f und S i e g.
Hild, Gund, Had, Bad und Wig sind lauter Ausdrücke für Kampf,
Schlacht, Krieg, Wortstämme, die, sonst in unserer Sprache längst
erstorben, nur noch in den Namen und zwar hier um so häufiger fortleben.
Es ist hier nicht der Raum, alle die Ableitungen und Zusammensetzungen
aufzuzählen, von denen die Sprache damals eine staunenswerte Menge und

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Mannigfaltigkeit besaß. Nur zur Probe wollen wir, um an einem Worte
diesen Reichtum zu zeigen, die von dem Stamme hild gebildeten Namen
vollständiger hersetzen:[7]

Hildibald, Hildibern, Hildiberht, Hildibodo, Hildibrand —
Hildidag — Hildifrid, Hildifuns — Hildigang, Hildigar, Hiltigast,
Hildegaud, Hildegern, Hildigis, Hildigrim — Hildehoc —
Hildelaic, Hiltilant, Hiltileip, Hiltilouc — Hildiman, Hildimar,
Hildimod, Hiltimund — Hildinand — Hildirad, Hiltiram, Hildiric,
Hiltiroch — Hiltiscalh, Hiltistain — Hildulf — Hildowald,
Hildiwar, Hildiward, Hildiwerc, Hiltiwic, Hildiwin.

Dabei sind die weiblichen Namen, wie Hildigunda, Hildiburg (von
denen späterhin!) noch gar nicht berücksichtigt.
Von dem Stamme Gund kommen, um nur wenige Namen
herauszugreifen, Gundachar (Kriegskämpfer), Gundobert
(kampfprangend), Gundemar (kampfberühmt);
von Wig: Wigand (Kämpfer), Wiglef (Kampfessohn), Chlodowech
(Ruhmeskampf), der Frankenkönig des 5. Jahrhunderts.
Zu Kampf und Schlacht gehören W a f f e n. Auch diese sind zahlreich
vertreten. Haben sich doch ganze Völkerschaften danach genannt, wie z. B.
die Sachsen nach ihren langen Kriegsmessern, althochdeutsch sahs,
angelsächsisch seax, nach welchen selbst ein Gott, der Kriegsgott der
Germanen, Saxnot (Schwertgenoß) benannt ist.[8]
Die deutsche Nationalwaffe, die F r a m e (bei Tacitus), ein Spieß mit
schmalem, kurzem Eisen, geschickt für den Nahkampf wie für den
Fernkampf, für Stoß und Wurf, begegnet in Framhard (speerkräftig) — das
althochdeutsche ger, Wurfspeer, in Gairebald (gerkühn), Garibert
(gerprangend), Ansigar, altsächsisch Osgar (Asenspeer d. i. Götterspeer);
— das S c h w e r t, ecka (Schwertecke = Schneide, Stamm ag) in Agabert
(schwertglänzend), Agihard, Ekkihart (schwertstark).
Die Schutzwaffen treten zurück; waren doch die alten Germanen damit
kärglich ausgerüstet: fast mit nacktem Leibe, nur mit einem langen,

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schmalen Schilde aus Holz und Leder traten sie furchtlos den
wohlausgerüsteten römischen Legionären entgegen.
Der Schild heißt R a n d, daher Rantowic (Schildkämpfer), Bertrand
(leuchtender Schild).
Panzer besaßen die Germanen auch zu Armins Zeiten noch nicht, selbst
nicht einmal eigentliche H e l m e. Statt dessen setzten sie die Kopfhaut von
erlegten Tieren auf, deren Fell zugleich als Mantel die Schultern bedeckte.
Daher die Namen Bernhelm, Ebarhelm, Wolfhalm. Doch später, als sie in
der Kunst des Schmiedens sich vervollkommnet, traten eherne Helme an
die Stelle, und somit gewannen Namen wie Helmperht (helmglänzend) eine
Berechtigung.[9]
Die kriegerische Eigenschaft der K r a f t und S t ä r k e klingt an in
magan, megin: Maganhard (machtstark), Magnobod (mächtig gebietend);
in ellan, got. aljan: Ellanperht (kraftglänzend), Aljanmot (kraftmutig) —
die K ü h n h e i t in besonders vielen Namen; dahin gehören vor allem die
zahlreichen Bildungen mit bald: Baldawin (kühner Freund), Liutbald und
Theudobald (sehr kühn), Hunibald (riesenkühn); ferner die
Zusammensetzungen mit nand: Nandulf (kühner Wolf), Siginand
(siegeskühn).
Die Gesamtheit der freien, waffenfähigen Männer bildete bei den
Germanen das H e e r, althochd. hari, heri, altfränkisch chari. Hierher
gehört, um den ältesten überlieferten Namen voranzustellen, wahrscheinlich
das im römischen Munde wohl etwas entstellte Ariovist, sicher aber
Hariman (Heeresmann),[10] Hariberaht (heerglänzend), Cariovalda (der
heerwaltende), Bataverfürst des 1. Jahrh. (Tac. Ann. II, 11); dann besonders
die vielen Namen, deren zweiter Teil aus diesem Worte besteht, wie
Raganhar, Werinheri.
Aber die Tapferkeit der Germanen, so stürmisch sie war, war doch kein
bloßes Dreinschlagen, das des k l u g e n R a t e s entbehrt hätte. Wuotan ist
nicht allein der Gott des Sturmwindes, sondern auch der der Weisheit, und
neben den stürmenden, alles vor sich niederwerfenden Wate des
Gudrunliedes stellt sich der kluge Frute. Welchen Wert die Germanen auf
einsichtsvollen Rat gelegt haben, lehren nun auch lange Reihen von Namen.
Da sind die mit rat: Adalrad, Chuonrat; da ist ragan (Rat): Raganfrid,

Page 32

Raginmund; mathal (Versammlungs-, Beratungs- und Gerichtsort des
Volkes): Mathalwin; hugu (denkender Geist): Hugubert.
Solchem mit Kraft und klugem Rate zugleich geführten Kampfe kann
der S i e g nicht fehlen: Sigifrith, Sigiberht, Sigimund und mit erweitertem
Stamme Sigismund (Siegschutz, durch Sieg schützend).
So hören wir alles von Schwertergeklirr und Waffenklang wiederhallen,
wir hören die Tapferkeit der Germanen heraus, ihren Schlachtenmut, ihre
Siegesfreude; wir begreifen, daß Leute, die Krieg und Jagd für die einzigen
eines freien Mannes recht würdigen Beschäftigungen hielten, die sich am
liebsten nach ihren Waffen, nach Schwert und Lanze nannten, daß diese
wohl ihren Nachbarn furchtbar sein mußten, ja den bis dahin
unbezwinglichen Römern ein „bis hierher und nicht weiter!“ zurufen
konnten.
Das mächtige W a l t e n nach Kampf und Sieg liegt in Waldomar (im
Walten berühmt), Sigiwalt, Chraftolt; — ferner in rich (mächtig): Ricohard,
Frithuric, Ermanarich (der Gotenkönig aus dem 4. Jahrhundert, welcher
sich in dem Schmerz über die Zurückdrängung seines Volkes durch die
Hunnen im 110. Lebensjahre selbst den Tod gab).
Der mit solchem Siegen und Walten verbundene R u h m wird,
abgesehen von dem überaus häufigen beraht, bert, besonders durch die
Stämme hlod, hrod und hrom dargestellt: Chlodowald (ruhmwaltend);
Hrodegang (Ruhmesgänger), Romuald (ruhmwaltend); ferner durch mar,
schon seit dem 1. Jahrhundert in Namen wie Catumer, Inguiomer (Armins
Oheim, Tacit. Ann. I, 60).
Im vollen Einklang hiermit werden auch in den aus der T i e r w e l t
entlehnten Benennungen starke, kampflustige, herrschende Tiere
entschieden bevorzugt, solche, deren Schönheit, Kraft, Schnelligkeit der
Germane bewunderte, wenn er auch mit ihnen als Jäger oder Hirt in Fehde
lag.
Der Herrscher von Wald und Heide, der grimmige B ä r, nahm einst in
der Anschauung des Nordens die Stelle ein, aus welcher ihn später der
fremdländische Löwe verdrängt hat: er war König der Tiere. Daher die
Namen: Berinhard, Beringar, Isanpero.

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Nicht minder passend, als Sinnbild der Größe und Stärke, ist der U r,
das gewaltigste einheimische Tier, oft im Kampfe mit dem Bären: Urold,
Uremar. Beiden schließt sich der E b e r an, ebenfalls durch wilde Stärke
ausgezeichnet. Einfach Ibor (Eber) hieß der älteste, uns überlieferte
Anführer der Langobarden aus dem 4. Jahrhundert; am bekanntesten ist
Ebarhard.
Herrscher im Reiche der Lüfte ist der A a r: Arnoald (waltend wie ein
Aar).
Doch die beiden königlichen Tiere Bär und Adler treten zurück gegen
zwei andere von scheinbar geringerer Bedeutung: W o l f und R a b e. Dies
rührt daher, weil letztere heilige Tiere sind. Freilich war auch der Eber
schon ein geheiligtes Tier, doch nur des Gottes Fro, während Wolf und Rabe
Diener des höchsten Gottes Wuotan sind. Zwei Wölfe, Geri und Freki
(gierig und frech d. i. kühn), und zwei Raben, Huginn und Muninn
(Gedanke und Erinnerung), sind Wuotans ständige Begleiter. Jene begleiten
ihn als seine Hunde, wenn er in seinen Wolkenmantel gehüllt auf
windschnellem Rosse auszieht. Der Wolf ist daher ein heil- und
siegverkündendes Tier. Nach ihm hat der älteste Schriftsteller unserer
Literatur den Namen: Vulfila (Ulfila, Wölflein), der westgotische Bischof
und Bibelübersetzer aus dem 4. Jahrhundert. Ganz besonders häufig ist der
Name des Wolfes als zweiter Teil der Zusammensetzung in der
abgeschliffenen Form ulf (olf): Athaulf, Maginulf, Ebarolf.
Die Raben sind die beutegierigen Tiere des Schlachtfeldes, die Kriegs-
und Siegesvögel und so dem Wuotan als dem obersten Schlachtenlenker
heilig, der auch von ihnen den Beinamen „Rabengott“ führt. Einen Raben
hatte der schreckliche Normannenhäuptling Ragnar Lodbrokr auf seiner
Schlachtenfahne; je nachdem er auf derselben munter in den Lüften flatterte
oder seine Flügel hängen ließ, schloß man auf Sieg oder Niederlage. So
haben wir nun unter anderen die Namen: Hiltiram und Gundhram
(Kriegsrabe), Sigihram, Walahram (Rabe des Wal d. i. der Gefallenen),
Wolfhraban, die beiden heiligen Tiere verbunden.
Bei den von Wolf und Rabe hergeleiteten Namen stehen wir mit einem
Fuße schon auf einem anderen Gebiete, welches dicht daran grenzt, auf dem
Gebiete r e l i g i ö s e r (mythologischer), von den G ö t t e r n entlehnter

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Benennungen. Die ungeheuchelte Ehrfurcht vor dem Heiligen, den sieg-
und segenspendenden Göttern, liegt in zahlreichen Namen zu Tage.
Unser uraltes und ureigenes Wort G o t t ist in Godolef (gotisch
Gudilaibs, althochd. Cotleip), gottgeboren, enthalten; ferner in Godefrid,
Godascalc (Gottesknecht), Godowin (Gottesfreund), Gotahard u. a.
Die Namen der obersten Götter: Wuotan, Donar, Ziu, Fro werden, wohl
aus religiöser Scheu, nicht zu Personennamen verwendet (nur
ausnahmsweise findet sich ein Thunerulf oder Donarperht) — desto
häufiger die allgemeinen Götternamen und die Benennungen der
untergeordneten Götterwesen. So die Ansen (Asen, Götter) in Anshalm (der
mit dem Asenhelm, Götterhelm), Ansoin, Ansowald, die uns geläufiger sind
in der altsächsischen und angelsächsischen Form, wo ans in ôs
zusammengezogen wird, also: Osvine, Osvald.
In das geheimnisvolle Reich der Naturgeister, der Albe oder Elfen, von
denen Sage und Märchen so viel zu erzählen wissen, führen uns Namen wie
Albirich (Elfengebieter), Albarad, angels. Älfred (Elfenrat), Alfwin, Alboin
(Elfenfreund).
Den Gegensatz zu dem kleinen, bald gutmütig helfenden, bald boshaft
schadenden Elfenvolke mit ihrem Anhange der Zwerge und Wichtelmänner
bildet das ungeschlachte, sinnlich rohe, naturkräftige Geschlecht der
R i e s e n (Hünen und Thursen): Hunibald, Thurismund.
Es wird dies genügen, um mindestens in den Grundzügen ein Bild von
der Namengebung jenes Zeitalters zu gewinnen. K a m p f und S i e g tönen
uns allerorten aus ihr entgegen mit hellem Waffenklang; daran schließt sich
der kluge R a t und das r u h m v o l l e W a l t e n — nicht ohne den
Aufblick zu den sieg- und segenspendenden G ö t t e r n. Weiter ins einzelne
zu gehen ist für unseren Zweck nicht erforderlich und alles gar zu
erschöpfen hier ganz unmöglich, wegen der außerordentlichen Menge der
Namen. Wie zur Frühlingszeit in Wald und Flur tausend und abertausend
grüne Sprossen aufschießen, so ist auch in diesem Frühling deutscher
Namengebung eine fast zahllose Menge von Namen erwachsen. Die oben
angeführten sind nur beispielsweise genannt, sind nur geringe Proben aus
der Fülle, derart, daß die einzelnen ganze Reihen vertreten. So sind der
Namen, die auf bald auslauten, in Förstemanns großem Werke 199, der auf
ric über 200, der auf beraht (bert) weit über 300, der auf wolf (olf) gar

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nahezu 500. Mehr als 12000 (männliche und weibliche) Namen hat
Förstemann aus gedruckten Schriften und Urkunden gesammelt, eine Zahl,
die durch spätere Forscher noch sehr vermehrt worden ist; wie viele mögen
sich nicht noch in ungedruckten Quellen finden, wie viele nie zur
Aufzeichnung gelangt sein!
Es ist eine h o c h g e m u t e, eine i d e a l e, eine p o e t i s c h e
Namengebung, in der uns nichts Unedles stört. Sie ist e i n h e i t l i c h, wie
aus e i n e m Geist und Guß, gleich dem Germanenvolke selber, das ein
einheitliches an Abstammung und Aussehen war, „ein eigenes, reines, nur
sich selbst ähnliches Geschlecht“. Das Heldenhafte, Kühne, Gewaltige,
Hohe finden wir in dieser Namenwelt ausgeprägt, das Liebliche, Sanfte,
Milde tritt zurück — selbst in den w e i b l i c h e n Namen. Auch diese sind
wesentlich von demselben Gepräge, Kampf und Schlacht tönen aus ihnen
fast ebenso wieder wie aus den männlichen. Die Walküre, die
Schlachtenjungfrau Wuotans, erscheint als das Ideal des urgermanischen
Weibes. War doch in jenen Tagen auch das schwächere Geschlecht dem
Kriege, seinen Ehren und Gefahren nicht fern. Was uns griechische und
römische Schriftsteller erzählen, spricht laut genug. Es wird uns da
geschildert, wie die Frauen mit in den Krieg zogen, um in der Nähe ihrer
Anverwandten hinter der Schlachtreihe sich aufzustellen, wie sie die
Kämpfenden durch ihren Zuruf anfeuerten, die Verwundeten verbanden, die
Weichenden wohl wieder zum Stehen brachten, die Sieger begrüßten und
belohnten, aber auch mit den Unterliegenden zu sterben wußten und lieber
sich selbst und ihre Kinder töteten, als daß sie sich in Gefangenschaft
begaben.
Bei solcher Sinnesart der germanischen Frauen darf es uns nicht wunder
nehmen, wenn auch ihre Namen dieses Gepräge haben und sich eng an die
männliche Benennungsweise anschließen.[11]

Page 36

4.
Übereinstimmung der deutschen Namengebung
mit der griechischen.
Werfen wir, ehe wir weitergehen, einen vergleichenden Rückblick auf
die Namengebung der alten Völker, so läßt sich wohl kaum ein schrofferer
Gegensatz denken, als zwischen der r ö m i s c h e n und der
g e r m a n i s c h e n Namengebung. Dort körperliche Schwächen und
Mängel, hier edle Eigenschaften und Vorzüge, leiblicher und ganz
besonders geistiger Art! Dort niedrige Prosa — hier erhabene Poesie!
Dagegen tritt eine auffallende Übereinstimmung mit der
g r i e c h i s c h e n Namengebung hervor, zunächst darin, daß die Namen
auf beiden Seiten der großen Mehrzahl nach zusammengesetzte sind.[12]
Namen dieser Art sind an sich schon poetischer, schwungvoller als
einfache, und so tritt bereits hier in erfreulicher Weise übereinstimmend
eine edle Anlage beider Völker hervor. Dann aber entsprechen sich auch die
Zusammensetzungselemente in beiden Sprachen großenteils: so das
griechische phanes (glänzend, prangend) und das deutsche beraht (bert),
das griechische kles (berühmt) und das deutsche mar, das griechische krates
(kräftig, gewaltig) und das deutsche rich; so ferner medon (waltend) und
walt (old), stratos (Heer) und heri, demos (Volk) und theod (diet), theos
(Gott) und got u. s. f.
Demnach kann man eine Menge griechischer Namen geradezu mit
deutschen übersetzen, da sie sich wörtlich decken, z. B.:
Nikophanes (siegprangend) — Sigibert,
Kleophanes (ruhmstrahlend) — Hrodebert (Ruprecht, Robert),
Kleoptolemos (ruhmkämpfend) — Chlodowich (Ludwig),
Perikles (vielberühmt) — Vilmar,
Demosthenes (volksgewaltig) — Dieterich,

Page 37

Thrasybulos (kühn im Rat) — Chuonrat (Konrad),
Laomedon (volkswaltend) — Leutold,
Demophilos (Volksfreund) — Volkwin,
Theodulos (Gottesknecht) — Gotschalk u. a. m.
Genug, die Anlage unseres Volkes ist, gleich der des griechischen, eine
treffliche und edle; ein nach dem Hohen gerichteter Sinn tritt uns überall in
dieser Namengebung entgegen, aus welcher der Geist unserer Ahnen mit
beredten Lauten zu uns spricht. Unser Volk war berufen von der Vorsehung,
die Ketten zu zersprengen, in welche römische Tyrannei die Welt
geschlagen hatte, und als ein edles Reis in die Fäulnis des Römertums
eingesenkt zu werden, um von jetzt an Hauptträger der Entwickelung des
Menschengeschlechtes zu sein.

Page 38

5.
Weiterentwickelung der altdeutschen
Personennamen. Ihre Lebenskraft.
Wie sehr diese Namengebung aus dem innersten Leben und Wesen des
deutschen Volkes hervorgewachsen, das erweist sich durch die Zähigkeit,
mit welcher lange Jahrhunderte hindurch an ihr festgehalten wird. Die
Stürme der Völkerwanderung brausen dahin, die verschiedenen Stämme der
Germanen lassen sich in den Provinzen des ehemaligen römischen Reiches
nieder und bauen die Erde sich neu. Die staatlichen Verhältnisse ändern
sich, das Christentum stürzt den alten Götterhimmel — doch die Namen
bleiben und blühen ohne wesentliche Veränderung weiter auf einem
vielfach umgestalteten Felde.
Die Beweise liegen zu Tage. Man werfe nur einen Blick auf die Namen
der deutschen Könige und Kaiser! Ihre Reihe ist von Karl dem Großen an
sechs Jahrhunderte lang rein deutsch: Karl, Ludwig, Konrad, Heinrich,
Otto, Friedrich sind die herrschenden Namen. Unterbrochen wird diese
Reihe erst durch W e n z e l aus dem lützelburgisch-b ö h m i s c h e n Hause
1378 und später durch M a x i m i l i a n den „letzten Ritter“ 1493. Ebenso
ist es im Kreise der Reichsfürsten. Albrecht der Bär hatte sieben Söhne:
Otto, Hermann, Sigfrid, Heinrich, Adelbert, Dietrich, Bernhard — kein
undeutscher Name findet sich darunter, ein Fall, der sich jetzt schwerlich
wiederholen würde.
Selbst im Stande der G e i s t l i c h e n, wo das Eindringen fremder
Namen am ersten zu erwarten wäre, behauptet sich die deutsche
Namengebung überraschend lange. Bischöfe und Erzbischöfe, Klosteräbte
und Mönche erscheinen fort und fort als Träger der altgermanischen
Krieges-, Sieges- und Ruhmesnamen. Man denke an Adalbert von Prag, den
Apostel der Preußen, an Otto von Bamberg, den Pommern-Apostel, an
Willegis von Mainz, Adalbert von Bremen.

Page 39

Ähnliches gilt von den romanischen Ländern. Trotz der fortwährenden
Berührung mit der römischen Welt und dem teilweisen Aufgehen in
dieselbe behaupten sich die alten Namen nicht bloß im eigentlichen
Deutschland, sondern auch in Frankreich, Spanien, ja selbst in Italien.
Nachdem die Sprachen längst romanisch geworden, erhalten sich noch die
fränkischen, gotischen, langobardischen Namen in überraschender Weise.
Man braucht sich nur die Führer des ersten Kreuzzuges zu
vergegenwärtigen: Gottfried von Bouillon, Robert von der Normandie,
Raimund von Toulouse, Boemund von Tarent usw., um dies bestätigt zu
finden. Fügen wir noch ein Beispiel aus Frankreich, eins unter vielen,
hinzu! Im Jahre 991 versammelten sich zu Reims die Bischöfe der Diözese:
Guido von Soissons, Adalbero von Laon, Heriveus von Beauvais,
Godesmann von Amiens, Ratbod von Noyon, Odo von Senlis; außerdem
Erzbischof Daibert (Dagobert) von Bourges, aus der Lyoner Synode die
Bischöfe Walter von Autun, Bruno von Langres, Milo von Maçon; endlich
der Erzbischof Siguin von Sens mit den Bischöfen seines Sprengels Arnulf
von Orleans und Herbert von Auxerre. Unter diesen dreizehn geistlichen
Würdenträgern findet sich keiner mit nichtdeutschem Namen; nur sind
einzelne dieser Namen oberflächlich romanisiert, wie Guido aus altdeutsch
Wido, oder latinisiert, wie Heriveus aus Heriwic.[13]
Geschichtliche Erinnerungen und mehr noch Familienüberlieferungen
kamen der Erhaltung der Namen zu Hülfe. Im karlingischen Geschlechte
waren Karl, Ludwig, Lothar zu Hause, bei den Württembergern Ulrich und
Eberhard, bei den Schwarzburgern Günther usw. Aber auch
Stammesüberlieferungen machten ihren Einfluß geltend; noch jetzt läßt sich
erkennen, wie einzelne Namen bei gewissen Stämmen besonders
gebräuchlich waren. So kommen Friedrich, Rudolf, Albert vorwiegend in
Schwaben, Luitpold, Dietpold bei den Bayern, Heinrich, Ludwig, Konrad
bei den Rheinfranken vor. Wie beliebt der Name Wilhelm noch im 12.
Jahrhundert bei den Normannen war, davon zeugt die Erzählung eines
Zeitgenossen. Als nämlich Weihnachten 1171 der junge König Heinrich
(Sohn Heinrichs II. von England) bei Bayeux ein großes Fest gab, kamen
zwei Wilhelme, der Seneschall von der Bretagne und der Verwalter von der
Normandie, auf den Einfall, es sollten in ihrem Saale nur Wilhelme sein
dürfen. Wer einen anderen Namen führte, mußte hinaus, und als man zählte,
waren noch 117 Ritter da, die alle Wilhelm hießen, ungerechnet die vielen
andern, welche in des Königs Halle speisten.[14]

Page 40

So behaupteten sich die Namen, nur daß sie mit der Entwickelung der
Sprache im wesentlichen Schritt hielten und daher mancherlei
Abschleifungen und Zusammenziehungen erfuhren. Aus Raganhar, wie es
im 6. Jahrhundert gelautet hatte, entwickelte sich Reginher, Reginer und
schließlich (im 10. Jahrh.) Reiner; ferner aus
Cariovalda (1. Jahrh.): Heroald — Herold (10. Jahrh.),
Hruodperaht: Ruodpreht, Hruodbert — Ruprecht und Rupert (11.
Jahrh.),
Berinhard: Bernhard, Bernd.
Nun liegt es aber in der Natur der Sache, daß Eltern ihre Kinder mit
a b g e k ü r z t e n Namen rufen. Solche Kürzungen, zunächst für den
Hausgebrauch und vertraulichen Verkehr, kannte die alte Zeit auch schon,
und sie waren regelmäßiger gebildet als die jetzt üblichen. Da nach
deutscher Grundregel der erste Teil der Zusammensetzung betont ist, so
behielt man diesen bei und ließ den zweiten fort, an dessen Stelle ein o trat,
erwachsen aus dem im Gotischen und Altsächsischen noch haftenden a, z.
B. God-beraht: Godo; Kuon-rat: Kuono; Sig-bert: Sigo.[15] Dies sind die
e i nstämmigen gekürzten Formen. Häufig wurde jedoch der zweite Teil
nicht ganz abgeworfen, sondern sein Anfangskonsonant blieb erhalten, und
so entstand eine z w e istämmige gekürzte Form, z. B. Rat-poto: Ratpo; Sig-
bert (Sibert): Sibo; Thiet-mar: Thiemo.
Natürlich ist Godo Abkürzung nicht bloß für Godberaht, sondern für
alle Vollnamen, d. i. unverkürzte Namen, deren erster Teil God ist, wie
Godebald, Godofrid, Godomar usw., ebenso Sigo auch für Sigibrand,
Sigifrid, Sigimar usw., Sibo wenigstens für Sigibert und Sigibrand.
Diese verkürzten Formen erlitten nun noch weitere Veränderungen,
indem man Ve r k l e i n e r u n g ssilben an sie hängte. Die einfachste Art
der Verkleinerung wird durch i bewirkt: Sigi, Kuni. Wichtiger jedoch sind
die konsonantischen Suffixe k, l, z in den Endungen iko, ilo, izo. So
entstanden Bildungen wie: Godiko, Godilo, Godizo (von Godo); Sigiko,
Sigilo, Sigizo (von Sigo) — ebenso zweistämmig: Sibiko; Oppilo, Oppizo
(von Oppo = Otbert).
Aber damit war man noch nicht zufrieden. Kann doch die elterliche,
besonders die mütterliche Liebe sich in zärtlichen Benennungen nimmer
Genüge tun. Man verband die Verkleinerungssilben, so daß dann doppelt

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verkleinerte Formen entstanden: ikilo — iliko — iziko, izilo und mit
Zuhülfenahme des dem l so naheverwandten Suffixes n: ikîn — ilîn — izîn.
[16]

Dies sind die Verkleinerungsformen, die liebkosenden Deminutiva oder
Schmeichelformen[17], mit welchen wir aus dem Hochwald der
altgermanischen Namengebung (s. Kap. 3) nunmehr in den Niederwald
eingetreten sind, der, was ihm an Mächtigkeit der einzelnen Stämme abgeht,
durch ihre Menge und dichtes Wachstum zu ersetzen sucht.
Staunenswert ist die Vermehrungskraft, die in diesen alten deutschen
Personennamen liegt. Einem einzigen können tausende entkeimen. Sie
k ö n n e n es — denn freilich sind nicht alle Keime fruchtbar geworden, wie
nicht aus jeder Eichel im Walde ein Baum entsteht; aber die Möglichkeit ist
vorhanden. Dies weist sehr anschaulich Pauli an einem Beispiele nach,
wozu er den Namen Godeberaht wählt.[18]
Aus ihm entstehen zunächst die einstämmige gekürzte Form Godo und
die zweistämmige Godbo mit ihren Nebenformen Gobbo und Gobo. Daraus
entstehen an einfach verkleinerten Formen mittels der Endungen ilo, izo
und iko 21 Namen; hieraus durch doppelte Verkleinerung 49 Formen (s.
Beilage 1).
Das sind 75 Grundformen, deren weitere Entwickelung Pauli mit
Rücksicht auf das Neuhochdeutsche folgendermaßen berechnet. Jede dieser
75 Formen hat zunächst mindestens eine mundartliche Nebenform, indem
für d auch t, für b auch p, für z niederdeutsch t, für k hochdeutsch ch
eintreten kann. Das gibt also 75 neue Formen, zusammen 150. Nun
wechseln ferner g und j häufig in Namen, und dadurch erhalten wir 150
weitere Nebenformen, zusammen 300. Der althochdeutsche Vokal o
erscheint neuhochdeutsch bald als o, bald als ö, verdumpft auch als u und ü.
Es ist demnach jede der 300 Formen in vier Variationen möglich —
zusammen also 1200. Doch wir sind noch nicht zu Ende! Jede der obigen
1200 Formen kann die drei Arten Patronymika bilden, auf -ing, auf -sen und
rein genetivische. Das gibt 3600 Formen, also zusammen bis jetzt 4800.
Fast wie eine Laune der Sprache erscheint es, wenn sie an den Namen, der
ja schon die Personen als solche bezeichnet, noch ein -mann anhängt.
Dadurch ergeben sich schließlich noch 1200 Namen, in Summa also alles in
allem 6000 Namen, die auf die eine alte Form Godeberaht zurückgehen.

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So zeigt auch die Sprache, was wir an der Natur so sehr bewundern,
eine unendlich reiche Entfaltung eines einzigen Keimes, und zwar mit
verhältnismäßig geringen Mitteln.

Page 43

6.
[19]
Fremdsprachige (kirchliche) Namen.
Trotz der eben geschilderten Lebenskraft und Zähigkeit der altdeutschen
Personennamen war es unausbleiblich, daß bei der andauernden Einwirkung
der fremden Gelehrsamkeit, die ja schon im Zeitalter der Ottonen (10.
Jahrh.) zu einer deutschen Literatur in lateinischer Sprache führte, und bei
der zunehmenden Macht der Kirche endlich auch fremde Namen Eingang
gewannen. Bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts ist die Anzahl dieser in
Deutschland auftauchenden kirchlichen, also hebräischen und griechisch-
lateinischen Taufnamen verschwindend klein; seit der Hohenstaufenzeit
aber und dem gesteigerten Verkehr mit Italien nimmt ihre Zahl sehr zu. Die
ersten sind die Namen der hervorragendsten Apostel Johannes, Petrus,
Paulus, Jacobus, auch Philippus (so unter den Hohenstaufen selbst ein
Philipp von Schwaben); daran schließt sich eine Reihe Heiliger, als: Martin,
Michael (der Erzengel), Christoph, Georg. Letztere jedoch, so unverdächtig
kirchlich ihre Namen klingen, wurzeln im tiefsten Grunde noch in
altheidnischem Boden. Wie sonst vielfältig, haben sich auch hier
volkstümlich-heidnische Vorstellungen unter einem nur leicht darüber
geworfenen christlichen Gewande erhalten. Bekannt ist die Legende vom h.
Christophorus, der das Christuskind durch das tiefe Wasser trägt und daher
eben seinen Namen (Christusträger) empfängt. Ebenso trägt nach der
nordischen Mythe der Gott Thor (Donar) durch gewaltige Ströme gehend
den Oervandil auf seinen Schultern, und wie Thor hat auch der h. Christoph
rotes Haar und wurde vom Volke zum Schutzpatron gegen Blitz und
Wetterschaden gemacht.
In St. Georg dem Drachentöter haben wir unverkennbar den alten
deutschen Nationalhelden Siegfried vor uns, der selbst wieder nur die
verjüngte und vermenschlichte Wuotansgestalt ist.
Am merkwürdigsten aber ist es, wie der h. Michael in die Stelle
Wuotans getreten ist. Warum haben neben ihm die beiden andern Erzengel

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Raphael und Gabriel keinen Platz gefunden? Zunächst war ihm schon sein
Name günstig, der an das altdeutsche michel (groß) anklang; dann aber
erinnerte der Erzengel die jungen Christen dadurch an ihren Gott, daß er der
Führer der himmlischen Heerscharen (caelestis militiae signifer) und der
Vorsteher des Paradieses ist. Wie Wuotan die Seelen der gefallenen Helden
empfängt und nach Walhalla führt, so wird von Michael gelehrt, daß er der
Fürst der Engel und von Gott mit dem Amte betraut sei, die Seelen der
abgeschiedenen Christen in Empfang zu nehmen und ins Paradies
einzuführen.
So lehnen auch diese Heiligen sich noch an das altgermanische
Heidentum, dessen Anschauungen und Gestalten unter der durchsichtigen
Hülle christlicher Benennungen fortleben.
Ferner setzte sich eine Reihe von O r t s h e i l i g e n fest, die besonders
in einzelnen Landschaften, Städten usw. als Heilige und Schutzpatrone
verehrt wurden. So Gallus und Columban im Bereiche von St. Gallen,
Stephanus in Österreich, Kilian der Franken-Apostel in Würzburg, Martin
in Mainz, Florentius in Holland. Ihre Namen wurden Täuflingen beigelegt
und wurden sehr natürlich Lieblingsnamen des Volkes in dem jedesmaligen
Bereich.
Verwandt mit diesen Lokalheiligen sind die S c h u t z h e i l i g e n
e i n z e l n e r S t ä n d e. St. Georg, der Drachensieger im ritterlichen
Harnisch, war der Patron der Ritterschaft. Ähnlich wurde der h. Nicolaus,
ursprünglich Bischof von Myra in Syrien (Kleinasien), als Patron der
Kaufleute und Seefahrer angesehen, seitdem im 11. Jahrh. italienische
Kaufleute seine Gebeine glücklich nach Bari in Unteritalien entführt hatten.
Daher nun unter anderem die vielen Nikolaikirchen, besonders auch im
Norden Deutschlands, z. B. in Berlin, Stettin, Hamburg, daher die
Beliebtheit des Namens als Taufname in früherer Zeit.[20]
So drang allerdings ein immer breiter werdender Strom neuer,
fremdsprachiger Namen ein; aber eine eigentliche Hochflut brachte erst das
16. Jahrhundert, das Zeitalter der Reformation. Mit Eifer wandte sich das
Volk dem neu erschlossenen Buch der Bücher zu und holte sich dort nicht
nur seine Glaubenslehren, sondern auch seine Namen. Aus dem alten und
neuen Testamente, von Adam und Eva bis zur Offenbarung Johannis herab,
entlehnte man sie. Im Gegensatze zu dem Protestantismus betonte der

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Katholizismus die Heiligenverehrung noch stärker und fügte den schon
früher eingeführten Heiligennamen eine große Zahl neuer hinzu; man kann
sie eben daran erkennen, daß sie ziemlich ausschließliches Eigentum der
Katholiken sind, z. B. Ignatius, Vincenz, Aloys, Xaver, Seraphin.
Als nun vollends durch den dreißigjährigen Krieg das nationale Leben
in seinem Kern angegriffen und auf ein Jahrhundert fast erstickt wurde, da
riß wie in Sprache und Literatur, so auch in der Namengebung eine
vollständige Verwilderung ein. Doch ist das hier glücklicherweise von
geringerem Belang, weil längst der große Wendepunkt eingetreten war, da
die Personennamen fest wurden und sich die Familiennamen bildeten. Auf
diesen schon im 13. und 14. Jahrhundert in der Hauptsache zum Abschluß
gekommenen Prozeß hat die spätere Überschwemmung mit fremden
Namen wenig mehr einwirken können, daher wir uns hier mit diesen kurzen
Hindeutungen begnügen.

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7.
Das Festwerden der Namen: Bildung der
Familiennamen.
Bei den einfachen Verhältnissen der früheren Jahrhunderte, solange
eben das Leben auf engere Kreise beschränkt war, hatte e i n Name zur
Bezeichnung einer Person genügt. So noch während der Herrschaft der
sächsischen, der fränkischen Kaiser. Die Bevölkerung war verhältnismäßig
dünn und dazu der Hauptmasse nach bodenständig; jeder, vom Grafen bis
zum letzten Hörigen, war ein mehr oder weniger abhängiges Zubehör der
Scholle, die ihn nährte, des Gaues, der Grafschaft. Jeder kannte seine
Nachbarn, Aus- und Einwanderung fand, die slawischen Marken
abgerechnet, nur in geringem Maße statt. Handel und Verkehr war nicht
bedeutend, da die abendländischen Völker wenig Bedürfnisse hatten und
was sie brauchten, meist selbst erzeugten. Da bedurfte es der
Geschlechtsnamen so wenig, als noch heutzutage im Innern der Familie.
Aber allmählich änderte sich die Sache. Die Bevölkerung wurde dichter. Es
kamen die Kreuzzüge und bewirkten mannigfachen Wechsel im Besitztum;
das Land wanderte in die Stadt, Fremde siedelten sich hier neben Fremden
an; Handel und Wandel nahm zu und mit ihm die Zahl der gerichtlichen
Verträge und Urkunden. So genügte die alte Bezeichnungsweise nicht mehr.
Da überdies viele der alten Namen erloschen waren, andere, ursprünglich
verschiedene, in der im gewöhnlichen Leben gebrauchten Form
zusammenfielen (z. B. Baldhard, Baldram, Baldewin in der Form Baldo,
vgl. S. 23), so war es unausbleiblich, daß besonders an den Brennpunkten
des Verkehrs, in den Städten, derselbe Name sich bei vielen Personen
wiederholte. Wie häufig der Name Wilhelm bei den Normannen gewesen,
ist vorhin schon erwähnt (S. 22). So finden wir ferner in Köln unter den
Ministerialen in den Jahren 1141 bis 1159 nicht weniger als zwölf
verschiedene Hermann. Ähnlich war in Basel der Name Burkhard, in
Zürich Heinrich verbreitet. Endlose Verwechselungen und Verwirrungen
mußten daraus im täglichen Leben entstehen. Und wie unvollkommen war

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eine Unterschrift in dieser Art, wie eine Urkunde des Bistums Basel aus
dem Jahre 1095 von 19 Personen bezeugt wird, die außer dem dux
Bertholdus (nämlich von Zähringen) und comes Erimannus nur mit ihrem
einfachen Personennamen unterschrieben sind: Arnolt, Sigebolt, Ruodolfus
usw., zweimal Burchardus und zweimal Cuono, wo es dann höchst einfach
heißt: Cuono, item Cuono!
Die Notwendigkeit einer genaueren Bezeichnung und Unterscheidung
machte sich gebieterisch geltend, im täglichen Leben wie bei Ausstellung
von Urkunden. Um zu wissen, welcher Hermann oder Heinrich oder
Johannes unter den vielen dieses Namens denn gemeint sei, mußten
allerhand Zusätze gemacht werden, wodurch die einzelnen genauer
gekennzeichnet wurden. Dieselben bestanden in dem Personennamen des
Va t e r s oder in der Angabe des A m t e s und der B e s c h ä f t i g u n g,
oder sie waren von besonderen, an einer Persönlichkeit hervortretenden
E i g e n s c h a f t e n oder endlich von dem W o h n s i t z entlehnt. So finden
wir unter jenen zwölf Hermann in Köln einen Razo’s, einen Sohn Ditwigs,
einen Vo g t, einen S c h u l t h e i ß (Amt), einen r o t e n, einen w e i ß e n,
einen m i t d e m B a r t (Eigenschaften), einen v o m N e u m a r k t
(Wohnung).
Diese Zusätze nun gingen auf die Nachkommen über, sie befestigten
sich in der Familie und wurden so allmählich zu Familiennamen, wie dies
bei den einzelnen Klassen derselben näher nachgewiesen werden soll. Erst
dies, daß solche Zusätze nicht bloß eine bestimmte einzelne Person näher
kennzeichnen, sondern auch auf die Nachkommen forterben, macht ja das
Wesen der Familien- oder Geschlechtsnamen aus.
Doch vorher ist der Zeitpunkt, w a n n diese große Wendung eingetreten
(daß sich aus den alten Personennamen, unter Hinzutritt ganz neuer
Elemente, die Familiennamen bildeten), genauer ins Auge zu fassen und
festzustellen. Dieser Zeitpunkt ist durchaus nicht überall derselbe, sondern
ein sehr verschiedener, zum Teil um Jahrhunderte auseinanderliegender,
eben in genauem Anschluß an die soziale Entwickelung der einzelnen
Länder und Landschaften. Wo b ü r g e r l i c h e r Ve r k e h r aufkommt, da
wird auch das Vorhandensein fester, erblicher Namen notwendig, und es
bilden sich Familiennamen, als natürliches Erzeugnis der Verhältnisse.
Umgekehrt ist demnach das frühere oder spätere Emporkommen der
Familiennamen ein Gradmesser für die frühere oder spätere Entwickelung

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des Bürgerstandes in den Städten. Von den Städten wird der neue Brauch
dann auf das Land und andere Stände übertragen.
Am frühsten treten die Geschlechtsnamen in S ü d d e u t s c h l a n d und
am R h e i n e auf; so (nach Becker)
in Köln 1106, in Zürich 1145,
in Basel 1168 —
etwas später in M i t t e l d e u t s c h l a n d, so
in Nordhausen im 13. Jahrhundert[21] —
noch später in N o r d d e u t s c h l a n d; wenigstens weisen für Pommern die
Verzeichnisse der Kamminer Prälaten[22] auf die erste Hälfte des 14.
Jahrhunderts hin.
Anfänglich tauchen einzelne Familiennamen auf, die sich aber schnell
vermehren, und sehr bald, nach einer verhältnismäßig kurzen
Übergangsperiode, hat der neue Brauch gesiegt und die Umwandlung ist
allgemein. Zunächst finden sich die Geschlechtsnamen, nach Beckers
Beobachtungen, bei den vornehmeren Bürgern der größeren Städte, nämlich
bei den reicheren Ministerialen oder ritterbürtigen Dienstmannen der
Bischöfe und bei den an Rang und Geltung ihnen nahestehenden
Freibürgern oder Patriziern. Was an Rang über oder unter diesem Stande ist,
der hohe Adel und die Geistlichkeit einerseits, der Handwerker und der
hörige Bauer anderseits, das hält noch lange an dem alten Brauche der
einfachen Namengebung fest. — Der hohe Adel nennt sich bekanntlich
nach dem Stammsitz. Bei der Geistlichkeit setzen zuerst die Stiftsherrn aus
städtischen Geschlechtern ihren Geschlechtsnamen der sonstigen
Bezeichnung bei, z. B. 1230 in Zürich R. Manezo subdiaconus; bei ihnen
mochte das bürgerliche Selbstgefühl dem geistlichen die Wage halten.
Dagegen nannten Bischöfe und Äbte sich, wie meist noch jetzt, mit dem
Taufnamen oder dem angenommenen Kirchennamen, unter Beifügung der
Würde, der Diözese, des Klosters.
Die Handwerker in den Städten ahmten zwar bald den Brauch des
städtischen Adels und der Patrizier nach; da sie sich aber stets aus der
Landbevölkerung ergänzten und deren älteren Brauch in die Stadt
hineinbrachten, so konnte es vorkommen, daß z. B. in Basel noch 1438 bei

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der Zunft „zu Brotbecken“ ein sonst namenloser „Hans des jebsmolers
(Gipsmüllers) tochtermann“ aufgenommen wurde.
Bei dem Landvolke endlich hängt die Benennung mit dem Grade der
errungenen Freiheit zusammen. Während die freien Landleute von Uri
schon 1291 eine große Anzahl wirklicher Geschlechtsnamen bieten,
entbehren die Leibeigenen in manchen Gegenden derselben bis ins 14., ja
16. Jahrhundert.
Doch ist hervorzuheben, daß an den Küsten der Nordsee, in Friesland,
Holstein, Schleswig, wie auch in Dänemark eigentliche Familiennamen sich
am spätesten festgesetzt haben, indem die alte Sitte, sich nach dem Vater zu
nennen (z. B. Großvater Clas Petersen, Vater Peter Classen, Sohn Clas
Petersen, Enkel Peter Classen) erst im vorigen Jahrhundert polizeilichen
Verordnungen gewichen ist.[23] Es ergibt sich aus allem, daß der Gebrauch
der Geschlechts- oder Familiennamen in den Städten und mit der Blüte der
Städte entstanden ist; daß dieser Brauch in den einzelnen Städten um so
eher aufkommt, je früher sich dieselben entwickeln, und daß er sich von der
Stadt und ihren Bürgern auf das Land und auf andere Stände verbreitet hat.
Wie wenig befestigt anfangs die einzelnen Familiennamen waren, ergibt
der leichte und häufige Wechsel. So wurde Lucas C r a n a c h, also benannt
von seinem Geburtsort im Hochstifte Bamberg, auch genannt „Lucas
M a l e r“. Sein eigentlicher Familienname war wahrscheinlich Sunders
(P o t t, Personennamen, S. 43). Im Quedlinburger Urkundenbuche wird aus
dem Jahre 1407 ein Ludeke Hugholdes, „andere geheten Ludeke Smet,“
erwähnt, aus dem Jahre 1429 ein Clauwes Hartwiges, „anders geheten
Clauwes Groper.“

Page 50

8.
Altdeutsche Vollnamen als Familiennamen.
Um eine Person genauer zu bezeichnen und von „den Genamen“, den
Namensvettern, zu unterscheiden, war es das Nächstliegende, die Abkunft
anzugeben, also den N a m e n d e s Va t e r s hinzuzufügen, besonders
wenn dies eine hervorragende Persönlichkeit war. Nennen sich doch schon
in der deutschen Heldensage die Helden nach ihren Vätern: Hiltibrant
Heribrantes sunu, Sigfrid Sigmundes sun — Zusätze, die jedoch damals
noch nicht erblich geworden. Wurde nun der Name des Vaters beigefügt, so
geschah dies in der Form „Sohn Arnolds“ oder auch bloß Arnolds, in den
Bürgerrollen und Urkunden, die meist lateinisch abgefaßt wurden: filius
Arnoldi oder mit Auslassung von filius bloß Arnoldi. Man würde demnach
hier lauter genetivische Familiennamen als Patronymika erwarten, wie
Arnolds, Friedrichs, Otten. Auffällig ist nun, daß die weit überwiegende
Mehrzahl der Namen dieser Art nicht im Genetiv, sondern im Nominativ
auftritt: Arnold, Friedrich, Otto (Otte) usw. Woher diese auf den ersten
Blick überraschende Erscheinung? Sie ist wohl so zu erklären, daß man
statt des genaueren Genetivs oder einer sonstigen patronymischen Bildung
den Namen des Vaters einfach und unverändert im Nominativ hinzusetzte
— infolge einer schon damals eintretenden Erstarrung der Sprache,
vielleicht auch, weil man den Namen des Vaters deutlicher wollte
hervortreten lassen. So finden wir bereits im 8. Jahrhundert in Urkunden
unter andern einen Sigifridus filius Sigimund u s, und im 11. Jahrhundert
erscheint der Vatername schon oft dem des Sohnes im Nominativ als
Beiname hinzugefügt, z. B. Uguo Folcaldus (im J. 1030.)[24] Ein besonders
belehrendes Beispiel führt Becker aus Köln an. Dort finden wir unter den
Dienstmannen der Abtei zu St. Pantaleon im Jahre 1128 einen Razo; dann
unterzeichnet 1185 unter den Bürgern ein Henricus R a z o n i s, derselbe
1195 Henricus R a z o, und 1272 ist Theodoricus dictus Razo Bürgermeister.
Ebenso erscheint im Göttinger Urkundenbuch im Jahre 1245 der Ritter
Johannes Cusen (Genetiv), 1270 der Ritter Johannes Cuso.[25] Gewiß war

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dies, die einfache Beifügung des Vaternamens im Nominativ, im
gewöhnlichen Leben noch häufiger.
So erscheint denn nun eine Menge jener altdeutschen Personennamen
nunmehr als Familiennamen, teils wenig verändert, z. B. Hildebrand,
Siegfried, Amelung, teils mannigfach abgeschliffen, wie Kiesel und Geröll
des Meeres im Wogenschlag der Jahrhunderte, teils sogar verstümmelt und
entstellt bis zur Unkenntlichkeit.
Am deutlichsten treten hervor die zusammengesetzten Namen, von
denen hier eine Übersicht der gewöhnlicheren Bildungen folgen möge, nach
dem zweiten Teile der Zusammensetzung geordnet:
b a l d (bold, belt; polt, pelt, „kühn“[26]): Liebald, Liebold, Liebelt,
Lippold, Lippelt;
b r e c h t (bert, barth; precht, pert, „glänzend“): Siebrecht, Siebert,
Siebarth; Wieprecht, Wiepert;
f r i e d (fert, fart, „Friede, Schutz“): Siegfried, Siefert, Seifart;
g e r („Speer“): Rödiger;
h a r t (art, ert, „stark, fest“): Eckhardt, Eckart, Eckert;
h e r (er, „Krieger; Heer“): Walther, Walter;
m a n n: Hermann;
m a r (mer, „berühmt“): Volkmar, Volkmer;
r i c h (reich, „mächtig“): Friedrich, Friedreich;
w a l t (olt, elt, „waltend“): Reinwald, Reinold, Reinelt;
w a r t (werth, „Hüter, Wart“): Ahlwardt, Adelwerth;
w i g („Kampf“): Hartwig;
w i n (wein, „Freund“): Gerwin, Eberwein;
w o l f (olf, umgestellt loff, „Wolf“): Schönewolf; Rudolph, Rudloff.
Durch Abfall der Schlußkonsonanten entwickelte sich aus bald, belt:
ball, bel; aus fert: fer; aus old: ohl usw.
Manche dieser urspr. altdeutschen Namen treten infolge mundartlicher
und anderer Einflüsse in außerordentlich vielen verschiedenen Formen auf,
z. B. altdeutsch Ricohard findet sich als:

Richard, Richert, Riechert — Riegert — Reichhardt, Reichard,
Reichert — Rickert, Ritschard — Ritsert;

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ungerechnet die bloß orthographischen Abweichungen. Liutbald tritt gar
(freilich gemengt mit Liutwald) in mehr als zwanzig Formen auf:

Liebaldt, Liebold, Liebhold, Libelt, Liebel, Liepelt — Lippelt, Lippel
— Leopold — Lepold, Lepel — Leppelt — Luppold — Lubold —
Laubhold — Leupold — Leybold, Leibel, Leibhold, Leipold, Leipel
usw.

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9.
Sproßformen der altdeutschen Vollnamen als
Familiennamen.

a) K ü r z u n g e n u n d Ve r k l e i n e r u n g e n.

Sehr zahlreich, mitunter zahlreicher noch als die vollen Formen, sind
die verkürzten, sich anschließend an die altdeutschen Kürzungen und
Verkleinerungen, die Seite 23 behandelt sind. Das o, welches dort an den
Torso gesetzt wurde, hat sich nur in wenigen Familiennamen, wie Otto,
Thilo, erhalten; meist ist es in e abgeschwächt: Otte, Thiele, Heine (altd.
Heino aus Heinrich), Thieme (Thiemo aus Thiedmar) — oder es ist ganz
abgefallen, so daß der Name einsilbig wird: Ott, Thiel, Heyn, Thiem.
Diese Verkürzungen bilden den Übergang zu den eigentlichen
Verkleinerungsformen oder S c h m e i c h e l f o r m e n. Die verschiedensten
Bildungen treten hier hervor, und eine wundersam reiche Flora beut sich
den erstaunten Blicken. Jede Landschaft hat ihre besonderen
Deminutivendungen, nach Maßgabe der Mundart.[27]
Der Kern der o b e r d e u t s c h e n Verkleinerungsendung ist ein l (altd.
ilo, s. S. 23), welches auch in Appellativen in den mannigfachsten Formen
auftritt: ele, el, le, li, la usw., z. B. Mädele, Mädel, Maidle, Maidli, Madla;
Vogel, Vogerl.
Der Kern der n i e d e r d e u t s c h e n Verkleinerungs-Endung ist ein k
(altd. iko, S. 23): ke, ken, z. B. Mäke, Mäken.
Im Schriftdeutschen sind beide vertreten, und zwar in der Verbindung
mit n (S. 23): oberd. lein, niederd. chen.
Demnach finden wir im Oberdeutschen folgende Bildungen in den
Familiennamen:

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e l (die verbreitetste Form): Dietel, Merkel;
l (bayrisch, österreichisch): Dietl, Merkl;
l e (schwäbisch): Dietle, Merkle — mit Bindevokal: Eisele;
l i (schweizerisch): Märkli;
l i n (schwäbisch, schweizerisch):[28] Märklin, Bürklin — abgestumpft in:
l e n Eiselen —
gewöhnlich, mit der Weiterentwickelung des Neuhochdeutschen Schritt
haltend:
l e i n: Dietlein.
Weniger mannigfaltig sind die entsprechenden Bildungen in
N i e d e r d e u t s c h l a n d, wo man im allgemeinen die
Verkleinerungsformen auch in den gewöhnlichen Hauptwörtern weniger
liebt. Es ist hier besonders nur die Endung
k e mit Bindelaut: Tedike, Reinicke, Reinecke;
ohne Bindelaut: Reinke, Wilke;
k: Tieck —
verhochdeutscht
c h (ich, ig): Dedich, Rüdig.
Daneben finden sich
k e n: Tiedken, Wilken, welches hierher gehört, sofern es aus dem
alten kin (ikin) abgeschwächt ist. Doch ist es in vielen Fällen
genetivische Bildung (s. das folg. Kap.). Die hochdeutsche
Form
c h e n, die bei den Appellativen zur Herrschaft gelangt ist, findet
sich gerade bei Eigennamen auffallend selten: Nöldechen
(Didtgen).
Friesisch lautet die Verkleinerungsform je: Meisje (Mädchen), Pottje
(Töpfchen); so auch in Familiennamen
j e: Detje, Bätje.
Diese Verkleinerungen bewirken in der Regel, wie aus den obigen
Beispielen ersichtlich, den Umlaut, wegen des ursprünglich in der Endung
steckenden i (iko, ilo).

Page 55

Außer diesen beiden Hauptsuffixen, l und k, wird in Mittel- und
Süddeutschland noch jenes dritte, nur in Eigennamen vorkommende
gebraucht:
z (altdeutsch izo, s. S. 23).
So wird aus Dietrich: Dietze, nachher einsilbig Dietz, aus Gottfried: Götze,
Götz (vgl. Götz von Berlichingen), aus Ludwig: Lutze, Lutz, aus Heinrich:
Heinze, Heinz — aber auch Heinitz (aus urspr. Heinizo, der Grundlage für
alle drei Formen).
Diese Kürzungen der Rufnamen, welche als solche in
Niederdeutschland, mit alleiniger Ausnahme von Fritz,[29] durchaus nicht
üblich sind, haben von Oberdeutschland her als Familiennamen weite
Verbreitung gewonnen.
Das z erweichte sich übrigens, der Entwickelung der Sprache folgend,
häufig in ss: Diess, Russ, ja in s: Heinse, während es sich anderseits in sch,
tsch vergröberte: Gersch statt Gerz, Dietsch.
Da nun aber die Sprache mit einmaliger Verkleinerung noch keineswegs
zufrieden ist, so werden diese verschiedenen Endungen verbunden und auf
solche Weise doppelt verkleinerte Formen gebildet, z. B. von Dietrich:
l i c k e (altd. iliko): Thielicke, Tielke;
k e l (altd. ikilo): Tickel;
z e l (altd. izilo): Dietzel;
z k e (altd. iziko): Tietzke.
Ja es finden sich Formen, in denen alle drei Suffixe (z, l, k) vereinigt sind:
Dietzelke.

b) G e n e t i v i s c h e N a m e n .

Wenn (nach S. 31) auch die Form, in welcher ein Personenname sich als
Familienname festsetzte, in der Regel die des Nominativs war, so war es
doch unausbleiblich, daß bisweilen der G e n e t i v an seine Stelle trat.
Entsprach es doch der strengen grammatischen Regel, wenn der Name des
Vaters zu näherer Bezeichnung eben im Genetiv hinzugefügt wurde:

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Heinrich, Sohn Arnolds, lateinisch Henricus, filius Arnoldi, wobei die
Bindeglieder „Sohn“ und filius auch wegfallen können.[30] Daher nun eine
ziemliche Menge Namen, die sich im Genetiv festgesetzt haben und in
dieser Form als Familiennamen erstarrt sind. Die beiden Biegungsarten,
welche durch die Deklination der Hauptwörter im Deutschen
hindurchgehen, treten nun auch hier hervor:
d i e s t a r k e, die sich durch ein s,
d i e s c h w a c h e, die sich durch ein n
im Genetiv kennzeichnet. Erstere tritt an die vollen Namen, wie Diederichs,
Hermanns, letztere an die Verkürzungen: Thielen, Otten (welche aber auch
häufig das s der starken Biegung annehmen, z. B. Köhns neben Könen).
Dazu tritt als eine dritte Form im Friesischen ena (wie in Hagena,
Tydena), die mit Ruprecht[31] als Genetiv Pluralis der schwachen
Deklination zu erklären ist (vgl. den alten Wahlspruch „Eala freya
Fresena“). Es bedeutet demnach z. B. Focke Uckena („hovetlink Focke U.
van Leer“ in einer Urkunde von 1435) den Sohn oder Nachkommen der
Uko, weist also nicht bloß auf den Vater, sondern auch auf die Ahnen hin.
Da diese Bezeichnung besonders für angesehene Geschlechter Wert hatte,
bei welchen der Name auch einen Anteil an dem alten Besitze und dem
alten Ruhme der Familie zusicherte, so ist es nicht zufällig, wenn wir unter
den klangvollen Namen dieser Bildung vielen alten Häuptlingsnamen
begegnen.
Der genetivischen Bildungen sind aber mehr, als es auf den ersten Blick
scheint, da sich dieselben nicht selten hinter entstellender Rechtschreibung
verstecken; namentlich schmilzt ein t-Laut mit s zu tz zusammen: Seifritz
(statt Seifrids, Siegfrids), Gompertz (statt Gomperts von Gundbrecht),
Reinartz (Reinhards). Während in dem letzten ein zum Stamm gehöriges h
ausgelassen ist, wird ein solches in den Zusammensetzungen mit old (walt)
fälschlich eingeschoben, so daß der Schein einer Zusammensetzung mit
H o l z (niederd. Holt) entsteht. Reinold, schon entstellt und umgedeutet in
Reinhold, nimmt so im Genetiv oder durch falsche Verhochdeutschung gar
die Form Reinholz an.
Durch Vermittelung des L a t e i n i s c h e n, welches in den Bürgerrollen
und öffentlichen Urkunden überwog, entstanden die Zwitterformen Arnoldi,
Ruperti, Friederici, auch mit y: Bernhardy und ähnliche, Formen, die sich

Page 57

schon durch das Verschieben der naturgemäßen Betonung als Entstellungen
der deutschen Namen kundgeben.
Ganz mit demselben patronymischen Sinne wie die Genetive werden
auch Zusammensetzungen mit „Sohn“ gebildet, welches dabei aber fast
immer in der abgeschliffenen Form sen erscheint: Wilmsen, Volquardsen. Es
ist dies eine alte Bezeichnungsweise; schon in der Edda findet sich
„Sigmundr Völsungsson“ (Siegmund, Völsungs Sohn). Dieselbe ist
besonders im Norden heimisch,[32] während in einigen süddeutschen
Landschaften, z. B. Kärnten, eine patronymische Bildung auf er (ler)
hervortritt: Sebolter, Hartler (aus Leonhard).[33]
Auch M e t r o n y m i k a (Ableitungen von dem Namen der Mutter)
finden sich, wenngleich nur sehr vereinzelt. Dahin gehören Vernáleken =
(Sohn) der „Frau Aleke“ (Adelheid),[34] Nesensohn (der Agnes Sohn),
Odiliae, Eisentraut, Liebetrut.

Page 58

10.
Kirchliche Personennamen als Familiennamen.
Die Personennamen der zweiten Schicht, die kirchlichen, mußten eben
als fremde Namen noch stärkere Umwandlungen erfahren wie die
einheimischen. Aufgenommen sind sie zunächst in der griechisch-
lateinischen Form, wie die Kirchensprache (nach dem Vorgang der
lateinischen Bibelübersetzung, der Vulgata) sie bot. In dieser vollen Form
jedoch erscheinen sie als Familiennamen, einige kürzere wie Thomas,
Lucas ausgenommen, fast nie; — es verbietet das schon ihre Länge, da sie
meist 4–5silbig sind.
Es mußte also eine Kürzung erfolgen. Dabei kam alles auf die Betonung
an. Im Althochdeutschen wurde bei den Fremdwörtern der Ton
zurückgezogen, er strebte noch über die drittletzte Silbe nach vorn hin, auf
die erste Silbe, die im Deutschen in der Regel als Stamm den höchsten Ton
trägt, z. B. Antichristus — Ántichristo, Constántia — Chóstanza, Mathaéus
— Mátheus.
Die Sprache hatte sich so gewöhnt, den Hochton auf den Anfang des
Wortes zu werfen, daß in den Fällen, wo dies aus irgend einem Anlasse
nicht geschehen war, der nun tonlose Anfang wie mit Mißachtung behandelt
und durch eilendes Drüberhingehen des einen oder anderen Lautes beraubt,
ja gänzlich abgeworfen wurde, z. B. apostolus — althochd. postul,
Hispanus — Spân.
Später freilich wurde durch romanische Einflüsse die echtdeutsche
Betonung der Fremdwörter mehr und mehr verdrängt zu Gunsten einer
anderen, welche den Ton auf den Ausgang der Wörter wirft. Es ist dies die
französisch-neuhochdeutsche Betonung, die, schon im Mittelalter
beginnend (s. die zahlreichen Hauptwörter auf îe, jetzt íe oder ei), nunmehr
leider zur Herrschaft in unserer Sprache gelangt ist.

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Länger als in der Schriftsprache behauptete sich jene ursprüngliche,
umdeutschende Betonung im Volksmunde, besonders den fremden
Eigennamen gegenüber. Bei denselben wird noch heute der Ton auf die
erste Silbe zurückgezogen, was dann Kürzungen am Ende (Apokopen) zur
Folge hat: Andres, Béndix, d. i. Benedictus, Chrístian (Chrísten), Níclas[35]
usw. Oder falls diese Zurückwerfung des Tones unterblieben ist, treten vorn
Verkürzungen (Aphäresen) ein: Joachim — Achim, Erasmus — Rasmus,
Asmus. Häufig ist beides, Aphärese und Apokope, vereint, wie Bonifacius
— Fazi, Dionysius — Nis, wo von 5 Silben nur eine, die Tonsilbe selbst,
übrig geblieben ist.[36]
Hinsichtlich dieser weitgreifenden Aphäresen treten die fremden Namen
den deutschen gegenüber, bei welchen Kürzungen zu Anfang des Wortes
durch die Betonung gehindert werden.
Aus diesen mannigfach gekürzten und umgewandelten Taufnamen ist
nun eine verhältnismäßig bedeutende Zahl Familiennamen erwachsen, teils
mit einer Kürzung am Ende: Máthies und Mathes, teils mit einer solchen
am Anfang: Alexander — Xander. Vielfach treten an demselben Namen
wechselnd beide Erscheinungen hervor, wie von demselben Stamm eines
Baumes Äste nach entgegengesetzten Richtungen ausgehen, und es
entstehen Formen, die keine Ähnlichkeit mehr miteinander haben. So wird
aus Ambrosius einerseits Ambrosch, anderseits Brose,[37]
„ Andreas „ Enders, „ Drewes,
„ Nicolaus „ Nickel, „ Claus, Klaas.
Mitunter haben diese verschiedenen Sproßformen keinen Buchstaben des
Stammes gemein, z. B. Barthel und Mewes aus Bartholomäus.
Wie das letzte Beispiel beweist, findet neben der Kürzung bisweilen
Zerdehnung statt, indem zwischen zwei Vokale sich ein w oder g einschiebt.
Dies ist auch der Fall bei Paul, woraus sich Pawel und Pagel entwickelt
hat.
Nicht selten gehen diese Kürzungen, Zusammenziehungen und
Umbildungen so weit, daß die ursprüngliche Namensform vollkommen
unkenntlich geworden ist. Lex aus Alexius, Xander aus Alexander ist schon
ziemlich gewaltsam; doch wird auch dies noch überboten. Wer würde z. B.
denken, daß der Familienname Gille aus Aegidius entstanden ist, daß

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Grolms (der Bauer in der bekannten Fabel), Rohner und Muss ein und
derselbe Name und daß alle drei aus Hieronymus entstellt sind?[38] Und
doch beweisen dies die Formen, welche in den alten Schriften und
Urkunden sich finden, nebst den lebenden der Volksmundarten. Bei
fremdsprachigen Namen dürfen solche Erscheinungen nicht überraschen.
In betreff der g e n e t i v i s c h e n Ableitungen ist Vorsicht vonnöten;
namentlich ist das s kein sicheres Kennzeichen, da es vielfach nur von dem
Nominativ her stehen geblieben, z. B. Staats (aus Eustathius), Mews; auch
Marx, aus Marcus. Das gilt besonders von der Endung ies (zweisilbig zu
sprechen), die aus dem lat. Nominativ ius entstanden ist:[39] Borries aus
Liborius, Plönnies, Lönnies aus Apollonius. Ganz unzweideutig genetivisch
sind fast nur die mit fremden (lateinischen) Genetivendungen auftretenden
Namen auf i, ae, is: Pauli, Matthiae, Michaelis.
Zusammensetzungen mit „Sohn“ sind häufig, und dabei ist mehrfach
der volle Vokal bewahrt: Andersohn, Matthisson, Petersson, während
allerdings in der Mehrzahl auch hier die Abschwächung in sen eingetreten
ist.
Verkleinerungsformen dagegen sind im ganzen seltener: Köbke (aus
Jakob) und Jahnke (aus Johannes), denen Jäckel und Hensel
gegenüberstehen, weisen die Hauptform des niederdeutschen Deminutivs
(mit dem Charakterlaute k) und des oberdeutschen (mit l) auf, während z bei
den Fremdnamen überhaupt nicht vertreten ist.
Außer dem Genetiv und der Zusammensetzung mit Sohn wird das
patronymische Verhältnis auch durch Vorsetzung von Jung oder Klein
bezeichnet. Hieß der Vater z. B. Andreas, so wurde der Sohn, welcher
denselben Namen in der Taufe erhalten hatte, Jungandres genannt, oder
Michel: Kleinmichel, und zu den Zeiten der Söhne trat eben das Festwerden
der Familiennamen ein, so daß nun Jungandres und Junghans, Kleinmichel
und Kleinpaul auch der ganzen Nachkommenschaft des eigentlichen
Jungandres usw. zuteil wurden. Übrigens scheinen es hauptsächlich nur die
Fremdnamen Andreas, Johannes, Michael, Nikolaus und Paul, sowie die
einheimischen Konrad (Kurt, Kunz) und Heinrich (Heinz) zu sein, welche
Patronymika mit Jung und Alt, Klein und Groß bilden.
Aus einigen dieser Namen hat sich solchergestalt durch Kürzung,
Ableitung, Zusammensetzung eine Menge Familiennamen gebildet; man

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sehe das Lexikon unter Andreas, Nikolaus, Matthaeus.
Alle überbietet jedoch der Name Johannes. Wie dieser als Taufname
jederzeit einer der beliebtesten gewesen, so hat er auch als Familienname
die weiteste Verbreitung und mannigfachste Gestaltung erfahren, so daß
sich mehr als 100 Familiennamen aufzählen lassen, die sämtlich aus
Johannes gebildet sind (s. das Lexikon). Wir haben hier wieder das Bild
eines Waldes, der allmählich aus einem einzigen Baum entstanden ist.
Indessen sind es nur einzelne unter den fremdsprachigen Namen,
welche eine solche Fruchtbarkeit entwickeln. Im allgemeinen können
dieselben, schon als Fremdlinge, nicht eine so vielseitige Bildsamkeit
besitzen wie die einheimischen, von vornherein in deutschem Sprachgrunde
wurzelnden. Es bleibt daher die Zahl der von kirchlichen Taufnamen
stammenden Familiennamen im ganzen eine beschränkte im Vergleich mit
den Gebilden altdeutschen Ursprunges.

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11.
Familiennamen der dritten Schicht.

a) S t a n d u n d G e w e r b e .

Den aus den Personennamen gebildeten Familiennamen gesellt sich
eine gleich große Zahl solcher Bezeichnungen zu, die niemals Personen-
(Tauf-)namen gewesen. Diese wurden zunächst entlehnt von der
B e s c h ä f t i g u n g. Um unter den vielen Konrad oder Johannes einen
bestimmten zu bezeichnen, setzte man das Handwerk, welches er trieb, oder
das Amt hinzu. Solchen Zusätzen begegnen wir bereits bei den Goten,
indem sich unter zwei sonst lateinisch abgefaßten Verkaufsurkunden, die
sich aus der ostgotischen Zeit erhalten haben, als Zeugen neben Römern
auch finden: Merila bokareis (M. der Bucherer, d. i. Schreiber), Ufitahari
papa (U. der Pfaffe), Sunjaifrithas diakun (S. der Diakon), Viljarith
bokareis, Gudilub diakun. Dies sind die ältesten germanischen Zusätze von
Stand und Gewerbe zur näheren Bezeichnung einer Persönlichkeit. So
finden wir denn auch in spätern Urkunden häufig solcherlei Zusätze, wie
„Herman der Perchmayster“ (in einer Marburger Urkunde aus dem Jahre
1290), „Herman der Amman“, „Schechel der Mawter“ (Mautner), „Nicla
der Schreiber“ (alle ebenda aus dem 14. Jahrhundert) „Huch de smet“ und
„Schrift de kremere“ (im Göttinger Urkundenbuch um 1383) usw.
Eine solche Beifügung konnte nun sehr leicht auf den Sohn übergehen,
so sich allmählich in einem Geschlechte befestigen und zum Namen der
gesamten Familie werden, besonders wenn der Sohn, wie es doch ohne
Frage häufig und häufiger als jetzt geschah, die Beschäftigung seines Vaters
fortsetzte. Doch war das kaum einmal nötig: der Name des Familienhauptes
wurde ohne weiteres auf die übrigen Glieder der Familie, insbesondere auf
die Kinder übertragen.
Erscheinungen dieser Art zeigen sich noch heutzutage, da doch längst
die feststehenden Familiennamen durchgedrungen sind, im Volksmunde gar

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nicht selten. So wird in Fr. Reuters „Reis’ nah Belligen“ der Pastorsohn nie
mit dem Geschlechtsnamen, sondern immer „Heindrich Paster“ genannt.[40]
Hier muss doch ein schon vorhandener Familienname verdrängt
werden, damit die Amtsbezeichnung an die Stelle trete; wie viel leichter
war die Sache, wenn solche Verdrängung noch nicht nötig war!
Bei dem Übergange zum Familiennamen fiel zunächst der Artikel, wenn
er nicht etwa schon von vornherein gefehlt hatte, regelmäßig fort. So bietet
das Göttinger Urkundenbuch neben den vorhin erwähnten Huch de smet
und Schrift de kremere in demselben Schriftstück aus dem J. 1383 Eckel
Smet und Herman Kremere. Nur in ganz vereinzelten Fällen ist der Artikel
stehen geblieben, z. B. in de Pottere (= Töpfer), de Boer (spr. Bûr).[41]
Eine lange, fast endlose Reihe ehrsamer Meister vom Handwerk zieht
an uns in diesen Namen vorüber, die uns einen Blick in die friedliche
Tätigkeit unserer Vorfahren während des 12.-16. Jahrhunderts tun lassen.
Greifen wir einige Gruppen heraus — solcher Handwerke, die für jene Zeit
besonders bezeichnend sind.
Auf das alte K r i e g s w e s e n, wie es vor der Erfindung und
allgemeinen Anwendung des Schießpulvers war, gehen Namen wie
Harnischmacher, Harnischfeger (der den Harnisch fegt, d. i. glänzend
macht, poliert); Armbruster, Pfeilschmidt, Bolzer, Pfeilsticker, niederl.
Pielsticker (Verfertiger der Stecken für die Pfeile); Lersner (Verfertiger der
Lersen d. i. Lederhosen).
Während diese durch ihr meist geräuschvolles Handwerk dem Schwerte
dienten, bewegte in stiller Klause der B ü c h e r a b s c h r e i b e r
unermüdlich die Feder im Dienste friedlicher Kunst: Bucher, Pucher (der
Bücherabschreiber). Ihn unterstützten der Buchfeller (der die Felle zu
Büchern bereitet) und der Rothmaler (der die bunten Anfangsbuchstaben
malte). Alle drei Namen stammen vorzugsweis aus Oberdeutschland, wo
die Kunst des Bücherabschreibens und des Ausmalens der Titel und
Anfangsbuchstaben mehr als in Niederdeutschland zu Hause war.
Begeben wir uns aus der Enge der Städte hinaus aufs Land, in die freie
Natur, so sprechen uns hier besonders die Namen an, welche der J a g d und
W a l d w i r t s c h a f t entlehnt sind. Ist doch das Jagen im schönen, grünen
Walde von jeher eine Lieblingsbeschäftigung der Deutschen gewesen! Und

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wieviel ausgedehnter war noch im Mittelalter das Jagdgebiet, da die Wälder
einen so unvergleichlich größeren Raum einnahmen, derart, daß die
bewohnten Stätten in manchen Landschaften fast nur wie Inseln im
Waldmeer erschienen!
Der älteste Name des Jägers ist Waider, Weidmann; er bedeutet
denjenigen, welcher auf Weide, d. i. Nahrung ausgeht, und weist somit auf
jene uralten Zustände in dem Leben unserer Vorväter hin, in welchen die
Jagdbeute den vornehmsten Teil der Speise ausmachte. Jünger ist das so
häufige Jäger mit den Zusammensetzungen Gambsjäger, Hasenjäger,
während ein Name wie Bärenfänger beweist, daß auch die wilden, starken
Tiere des Waldes, die einst der Germane bekämpft hatte, noch nicht
ausgestorben waren. Auf die Jagd mit Falken („Federspiel“), einen der
beliebtesten Zeitvertreibe in der ritterlichen Zeit, gehen Falkner (Felkner),
Hachmeister (s. v. a. Habichtmeister, Abrichter der Stoßvögel). Die älteste
Bezeichnung des Waldverwalters dauert noch in dem Familiennamen
Widemarker fort; derselbe bedeutet den, welcher für die Holzmark (witu
Holz) zu sorgen hat. Der Name setzt das Vorhandensein einer gemeinsamen
Mark voraus; in der Privatwaldung eines Fürsten oder Adligen dagegen war
ein Holzknecht angestellt — nach Vilmars treffender Bemerkung ungefähr
das, was jetzt Oberforstkollegium, Oberforstrat, Forstinspektor, Oberförster,
Unterförster und Forstläufer zusammengenommen sind. Viel häufiger ist
indes der Name Förster (Vorster). Daneben sind Zeugen für die ehemalige
verschwenderische Waldwirtschaft die Familiennamen Aschenbrenner und
Aschenbrand; dieselben bezeichnen ein eigenes Gewerbe, welches darin
bestand, ganze Waldstrecken niederzubrennen, bloß um Asche zu gewinnen,
teils für die Glashütten, teils für die Seifensiederei.
Die zuletzt angeführten Namen sind zum Teil nicht mehr reine
Handwerksnamen, sondern bezeichnen, wie Hachmeister und Förster, ein
A m t. So reihen wir denn hier die Amtsnamen an.
Weltliches Amt und weltliche Würde war im Mittelalter meist erblich
geworden. Somit werden wir uns nicht wundern, in unseren
Namenverzeichnissen den vollständigen Hofstaat weltlicher und geistlicher
Fürsten, vom Kanzler bis zum Schergen, wiederzufinden. Man vergleiche
nur folgendes Verzeichnis der Hof-Verwaltungsämter eines Fürsten jener
Zeit mit deutschen Familiennamen: Dapifer Truchsess, Droste; Pincerna
Schenk; Marescalcus Marschall; Camerarius Kämmerer; Causidicus oder

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Scultetus Schuldheiß, Schulz; Advocatus Vogt; Minister Ammann; Villicus
Meier; Cellarius Keller; Telonarius Zoller, Zöllner; Magister coquinae
Küchenmeister; Monetarius Münzer usw. Daran reiht sich eine Menge
Namen von städtischen und Klosterämtern, richterlichen, polizeilichen und
militärischen Stellen wie Fürbringer (Advokat); Küster, Glöckner, Sigrist
(auch Sacristan); Stocker und Sulzer (Gefängniswärter); Venner (Fähnrich).
Während so diese alten Ämter viele Familiennamen geliefert haben,
sind die neueren Amtsbenennungen — glücklicherweise — nicht so
fruchtbar gewesen. Weder Kammerherr noch Kammerdiener, weder
Präsident noch Superintendent, weder Steuerperäquator noch
Hauptzollamts-Kassenkontrolleur werden aus naheliegenden Gründen je zu
Familiennamen werden.
Einige Schwierigkeit machen Namen wie Kaiser, König, Herzog und
ähnliche, bei denen allerdings „gerechte Zweifel sich erheben können, ob
solche Familien häufig in den Fall gekommen sind, die durch derlei Namen
bezeichnete Würde als wirkliche Lebensbürde zu tragen“ (Pott). Es sind
jedenfalls Übernamen, welche die betreffenden Persönlichkeiten in dem sie
umgebenden Kreise führten.[42] Ähnlich ist es mit Bischof, Probst, Mönch
und anderen geistlichen Würden, die sich freilich auch sehr wohl auf
patronymischem Wege als Familiennamen festsetzen konnten — trotz dem
Cölibat.
Spottnamen sind: Bratengeiger, Giegengack (Bierfiedler), Pinkepank
(Schmied), Gaugengigl (Narr, Geck).[43]
Manche alte Bezeichnungen von Amt und Gewerben sind nur in diesen
Familiennamen erhalten, da sie sonst, zugleich mit der bezeichneten Sache,
erloschen sind — so Platner, Armbruster. Andere Gewerbe bestehen noch,
aber die alten Namen sind erloschen, z. B. Menger = Händler, in
Zusammensetzung Eisenmenger, Winkler = Kleinverkäufer, Preiswerk =
Posamentier.
Interessant sind auch die mundartlichen und l a n d s c h a f t l i c h e n
Ve r s c h i e d e n h e i t e n, die sich hier geltend machen. So ist Müller,
Miller die oberdeutsche, Möller die niederdeutsche Form; Beck (Mehrh.
Becken) oberdeutsche Form statt des norddeutschen Becker (in Basel
Pfister vom lat. pistor). Leiendecker ist (nach Vilmar) am Rhein und nach
Oberhessen hinein wohl verständlich, aber schon in Niederhessen ein

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Fremdling: ein Schieferdecker; denn der Dachschiefer heißt am Mittel- und
Niederrhein die Leie. Manches Handwerk hat infolgedessen die
verschiedensten Bezeichnungen; so heißen die S c h l ä c h t e r:
Fleischhauer, Fleischhacker, Fleischer, Metzger, Knochenhauer,
Beinhauer; die T ö p f e r: Hafner, Potter, Eulner. Ebenso bedeuten Binder,
Küfer, Böttcher, Büttner, Scheffler im wesentlichen dasselbe.
Manche dieser Gewerbenamen sind außerordentlich häufig, vor allen
die fünf:

Müller, Schulze, Meier, Schmidt, Schneider,

die man deshalb auch die fünf Großmächte in der Namenwelt genannt hat.
Den vier ersten wird man diese Stelle nicht bestreiten; doch gegen
Schneider als fünften möchten mehrere andere nicht ohne gute Aussichten
in die Schranken treten, als da sind: Bauer, Becker, Richter, Weber,
Lehmann. Zu Berlin gab es im Jahre 1867 nach Ausweis des Adreßbuches
929 Familien und alleinstehende Personen des Namens Müller und sogar
1267 des Namens Schulze (Schulz); nächstdem waren die Schmidt mit 884,
die Meyer mit 509 Nummern vertreten. Die Lehmann und die Krüger
brachten es gleichmäßig auf 474, die Richter und die Hoffmann ebenso
gleichmäßig auf 354. Alle gehören ausnahmslos in diese Klasse, ihre
Häufigkeit erklärt sich aus dem häufigen Vorkommen des betreffenden
Gewerbes oder Amtes, besonders auch auf dem Lande. Das trifft bei
sämtlichen oben angeführten Namen zu, vor allen bei Müller und Schulze.
Da jedes Dorf (in Norddeutschland) seinen Schulzen hatte, fast jedes,
wenigstens größere, seinen Müller, so war eine Überfülle daher
entspringender, meist gleichlautender Familiennamen unvermeidlich.[44]
Obenan steht in dieser Hinsicht unleugbar der Name Schulze (Schulz), den
man deshalb versucht wäre kaum noch als Namen gelten zu lassen.
Die hier hervortretende Einförmigkeit wird dadurch noch vermehrt, daß
die Namen dieser Klasse an Sproßformen so arm sind. Deminutive
Bildungen sowie patronymische fehlen fast ganz, auch genetivische, z. B.
Schiffers, Snyders, Zimmermanns sind selten und finden sich nur in
einzelnen Landschaften, besonders am Niederrhein.

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Eine Ausnahme macht der Name Schmid, der mehrfache Ableitungen,
namentlich auch Deminutiva wie Schmiedecke, Schmidel, Schmidtlein
bietet. Dies erklärt sich daher, daß der Name schon sehr früh vorkommt,
schon im 9. Jahrhundert in den Formen Smithart, Smido, Smidilo; er gehört
demnach zu den altdeutschen Personennamen, welche ja eine so große
Umbildungsfähigkeit im Bereich der Schmeichelformen entwickeln (s.
SMID). Nebst Kaufmann (althochd. Caufman) ist Schmid wohl der einzige
vom Gewerbe entlehnte Personenname der altdeutschen Zeit. Das
Schmiedehandwerk ist eben das älteste Handwerk der Deutschen; zugleich
war es das vornehmste, da seine Aufgabe war, Waffen für den Kampf zu
liefern. Mit den Namen berühmter Schwerter wurde auch der des
kunstreichen Verfertigers fortgepflanzt, so die Namen Wielands (in der
nordischen Wilkinasage), Mimes (in der Wölsungensage). In manchen
Gegenden hat der Schmied noch einen mythischen oder heidnischen
Schimmer behalten; vielleicht versteht er die Schwarzkunst; man zieht ihn
zu Rate, wenn man bestohlen ist. Daher die zahlreichen Schmiedesagen
(wie von dem Schmied zu Jüterbogk, der selbst den Teufel zu überlisten
weiß und ihn auf dem Amboß übel zurichtet). Es liegt einmal etwas
Geheimnisvolles in der Beschäftigung mit dem glühenden Stahl und Eisen.
Wenn, von Schmied abgesehen, sich Sproßformen bei dieser
Namenklasse selten finden, so sind dagegen Z u s a m m e n s e t z u n g e n
häufiger und ersetzen zum Teil den Mangel an eigentlichen Sproßformen.
Um manche dieser Handwerksnamen gruppiert sich eine überraschende
Zahl solcher Kompositen; dieselben rühren größtenteils daher, daß das
betreffende Handwerk früher in weit mehr Spielarten zerfiel als heutzutage.
So finden sich in Nürnberg von 1300–1500 neben Beck: Brodbeck,
Fladenpeck, Schwarzpeck (Schwarzbrotbäcker), Tachspeck (später
Täglichsbeck, der alle Tage backt), Judenpegk (der den Juden Matzen
backt), Pfennigspeck (der Pfenniglaibe backt), Wasserbeck (der
Wasserwecken backt).
Obenan steht in betreff der Zusammensetzungen ohne Frage der Name
Meier (Meyer, Maier), vom lat. major der Ältere, sodann Aufseher (eines
Landgutes), Verwalter. Dieser Name, welchen einer der großen Sippe, Franz
Meyer in Osnabrück, in einer besonderen Einzelschrift („Der Name Meyer
und seine Zusammensetzungen“) behandelt hat, zählt weit über 1000

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Zusammensetzungen, so daß schwerlich ein anderer Name dieser Klasse
sich darin auch nur entfernt mit ihm messen dürfte.

We r k z e u g e u n d K l e i d u n g s s t ü c k e .

Eine nicht unwesentliche Ergänzung erhält diese Klasse durch die von
W e r k z e u g e n u n d G e r ä t e n entlehnten Namen. Womit jemand
hantierte, danach wurde er benannt. So konnte einen tapfern Krieger der
Name Degenkolb, einen Schmid der Name Boßhammer zieren (von boßen =
schwer aufschlagen), wie für einen Koch Schaumlöffel sehr bezeichnend
war. Pfeffersack ist ein alter Spottname für Kaufleute, während Knieriem
und Leimpfann noch heutzutage für jedermann verständlich die
betreffenden Handwerke bezeichnen.
Unter den hierher gehörigen Familiennamen nehmen auf dem Gebiete
der H a u s g e r ä t s c h a f t e n die der K ü c h e den größten Raum ein:
Schaumlöffel, Kessel, Wiegelmesser, Fetthake (ein Hauptgerät der Küche
des 15. Jahrhunderts), Feuerhake, Pfannstiel, Ölhafen u. a. — unter den
H a n d w e r k s g e r ä t e n die, welche sich auf grobe Holz- und Eisenarbeit
beziehen: Axt, Breitbeil, sowie die Zusammensetzungen mit Hammer.[45]
Geräte der Feldarbeit erscheinen beispielsweis in: Schellpflegel, Pflug
(Keil-), Rollwagen, Spannagel.
Doch dieser friedlichen Vereinigung tritt auch hier sofort ein starkes
Fähnlein k r i e g e r i s c h e r Namen gegenüber: Eisenhut, Stahlhuth,
Harnisch, Kempeisen (die Eisenkolbe der Gottesgerichtskämpfe),
Bauerneisen, die berüchtigten Kirmeßspieße des 15.-16. Jahrhunderts, „mit
denen die Bauern sich leichtlich zur Ader ließen“; einen Reitersmann
bezeichnen: Klingspor, Holzsadel, den altertümlichen Pfeilschützen
Armborst und Pfeil, während die Feuerwaffen in dem Namen Feuerrohr
vertreten sind. Manche dieser Namen gehen zugleich auf die J a g d.
Entsprechend dem Goetheschen „Saure Wochen, frohe Feste“ schließt
sich ein heiterer Reigen solcher Namen an, die von L u s t b a r k e i t e n und
dabei gebrauchten Geräten entlehnt sind.
Danzglock, Schombart (Maske), Glückrad, Kranz, Maikranz und
Grünemay, Rosenkranz, Kuttruf (eines der im 15.-16. Jahrhundert äußerst

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zahlreichen Trinkgefäße). Diese Namen stammen besonders aus
Süddeutschland, wo überhaupt mehr leichtlebiger Frohsinn als im Norden
herrscht und wo frühzeitig schon im Mittelalter auch ein freier Bauernstand
sich bildete. Einen Beleg für die Blüte des letzteren haben wir in der
höfischen Dorfpoesie des bayrischen Ritters Neidhart von Reuenthal.
Hierher rechnet Vilmar auch die M ü n z n a m e n, deren er volle 20
aufzählt. Darunter sind freilich manche zu streichen, wie Dreier, welches
die niederdeutsche Form für Dreher, Drechsler ist; auch Schilling und
Heller sind zweifelhaft zu nennen. Doch bleiben immer noch einige übrig,
wie Weißpfennig, Redepenning (barer Pf.), Wucherpfennig und dessen
Gegenteil Schimmelpfennig, Fünfschilling, bei denen eine Beziehung auf
die betreffenden Münzen nicht abzuweisen ist.
Den Geräten mögen sich die K l e i d u n g s s t ü c k e anreihen, wie denn
schon bei Namen wie Eisenhut, Harnisch sich beides nicht scharf trennen
ließ.
Eine Benennung nach einem auffälligen Kleidungsstücke, welches
jemand trägt, ist auch für uns noch etwas Naheliegendes und Gewöhnliches.
So sprechen wir von Grünröcken (Jägern),[46] Rotröcken (roten Husaren —
englischen „Rotröcken“), Schwarzröcken, von Weißmänteln und
Rotmänteln.[47]
Fangen wir mit der Kopfbedeckung an, so haben wir hier vor allem die
Zusammensetzungen mit Hut: Webelhut (d. i. Wackelhut), Weißhut,
Grünhut, Spitzhut; vereinzelter Wittkugel (weiße Gogel oder cucullus, eine
Kaputze, an einem Kragen desselben Stoffes befestigt, der Schultern und
Hals umschloß, so daß vom Kopfe nichts zu sehen blieb als das rings
umrahmte Gesicht), Rothkepl u. a.
Das Leibkleid, der Rock, findet sich ebenfalls in mannigfachen
Zusammensetzungen: Blaurock, Wittrock (auch Weißkittel), Langrock,
Kurzrock; dazu Ärmel in Rothärmel, Weißermel (wohl Spottname für
Müller); ferner der Mantel in Wintermantel, Rothmantel.
Die Beinbekleidung haben wir in: Leinhose, Mehlhose (Spottname für
Müller), Kurthose.[48] Die scherzhaftesten unter allen sind: Lodderhose,
Schlaphose und Lumphose, ein Kleeblatt, in welchem sich die unsinnige,
zuerst von renommistischen Landsknechten aufgebrachte Pludertracht des

Page 70

16. Jahrhunderts verewigt hat, gegen die der Brandenburger Hofprediger
Andreas Musculus 1556 in gerechtem Zorn seine „Vermahnung und
Warnung vom zuluderten, zucht- und ehrverwegenen Hosenteufel“ schrieb.
[49]

Die Fußbekleidung endlich ist vertreten durch Schuh, Knabenschuch,
Holtzschue, Rothschuh (Tanzliebhaber), Bundschuh (der von den Bauern
getragene Schnürschuh, der nicht nur eine sprichwörtliche Bezeichnung des
Bauern überhaupt, sondern auch ein bekanntes Parteizeichen hat abgeben
müssen).

Speisen.

Namen von Speisen entlehnt gehören hierher, soweit sie Personen
bezeichnen, welche die betreffende Speise bereiteten, sie an Gäste
verabreichten, damit handelten; doch ist gewiß auch häufig jemand nach
einer Speise benannt worden, die er besonders liebte.
Auf dieser Tafel stehen im Vordergrunde B r o t und F l e i s c h, B i e r
und W e i n, die sich in mannigfachen Zusammensetzungen finden:
Hirsebrod und Roggenbrod, Weichbrodt und Truckenbrod;
Kalbfleisch und Rindfleisch, Gensfleisch und Sötefleisch;
Schweinebraten, Bratfisch, Bradenahl;
Gutbier und Bösbier, Dünnebier und Zuckerbier;
Altwein und Gutwein, Kühlwein und Sauerwein.[50]
M i l c h - und M e h lspeisen sind vertreten durch: Süßmilch,
Schlegelmilch (Buttermilch), Hafermehl, Pfannkuch, Butterweck.
Mehr Vereinzeltes übergehen wir hier; doch zu erwähnen ist noch ein
deutsches Nationalessen, die W u r s t, wonach der deutsche Lustigmacher
den Namen „Hanswurst“ (Hans Wurst) erhalten hat, während der
französische als „Jean Potage“ (Suppe) und der englische als „John
Plumpudding“ auftritt. Die Wurst kommt in deutschen Familiennamen
sowohl einfach vor, als auch in genaueren Zusammensetzungen wie:
Blutwurst, Krautwurst, Leberwurst.
Es ist im ganzen eine einfache Küche; man braucht sich besonders nur
die häufigen Zusammensetzungen mit sauer vorzuhalten:

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Sauerbier und Sauerwein, Sauermilch und Sauermost,
Sauersenft, Saueressig, Sauerbirn —
um sich mit einem Schlage an die genügsamen Tische des 15. Jahrhunderts
zurückversetzt zu sehen. (Vilmar, Namenbüchlein S. 48 ff).
Außerdem zeigen sich in den Familiennamen noch Speisen und
Getränke, die bereits im 16. Jahrhundert verschwinden, z. B. Gossenbrod,
warmes Brot mit Fett begossen, eine Lieblingsspeise alter Zeit, selbst von
Dichtern öfter erwähnt,[51] und Moras, über Maulbeeren abgezogener Wein.

Page 72

12.
Familiennamen der dritten Schicht.

b) E i g e n s c h a f t e n .

Wie aus der Geschichte bekannt ist, wurden hervorragenden Personen,
namentlich fürstlichen Standes, in früheren Zeiten häufig Beinamen
gegeben, mit welchen der Deutsche in diesem Falle sehr freigebig war. So
finden wir schon im 9. Jahrhundert unter den Karolingern einen K a r l
d e n D i c k e n und einen K a r l d e n K a h l e n, später unter den
sächsischen Kaisern einen O t t o d e n R o t e n und einen H e i n r i c h
d e n H e i l i g e n. Was letzteren Namen betrifft, so kennt die Geschichte
außerdem noch Heinrich den S t o l z e n, den S c h w a r z e n, den Z ä n k e r.
Und wie hieraus ersichtlich, gab man nicht immer ehrende Beinamen,
sondern auch tadelnde und spottende, und das Mittelalter war darin
durchaus nicht blöde. So hieß Kaiser Wenzel der „F a u l e“, Landgraf
Ludwig von Thüringen der „U n a r t i g e“, Eberhard von Württemberg der
„G r e i n e r“, d. i. Händelsucher.[52]
Zu diesem Zwecke werden zunächst und am einfachsten verwendet
E i g e n s c h a f t s w ö r t e r selbst, die mit dem Artikel dem eigentlichen
Namen nachgesetzt werden: Otto der Rote, Friedrich der Lange usw. Aus
diesen Zusätzen entwickelten sich dann dauernde Bezeichnungen der
Familie, wobei der Umstand zu Hülfe kam, daß eben die Eigenschaften des
Vaters vielfach auf die Kinder vererben. Dabei fiel der Artikel vor dem
Zusatze fort;[53] doch blieb trotzdem sehr oft die gebogene Form des
Eigenschaftswortes stehen: Kluge neben Klug, Weiße neben Weiß, Grote
(Große) neben Groth (Groß), und in manchen Fällen ist es sogar die
herrschende Form geblieben, wenigstens in Norddeutschland, wie in
Krause, Lange.
Die Zahl der einfachen Namen dieser Art vermindert sich übrigens bei
näherer Untersuchung sehr. Einmal finden sich viele davon schon im

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Altdeutschen, gehören demnach — wenn auch vielleicht nicht in allen
Fällen — zur ersten Schicht; so die Namen Guth, Fromm, Jung (schon im 6.
Jahrhundert ein Goda, im 10. ein Jungo). Dann sind manche auch nur
scheinbar Eigenschaftswörter, z. B. ist Voll schwerlich einer, der immer
„voll“ ist, sondern es ist das altdeutsche Fulko (vgl. Volkbrecht und
Vollbrecht). Auch Rohde kann zwar die niederdeutsche Form des
Eigenschaftswortes rot sein — auf das Haar bezüglich, wie schon Krause;
gewiß aber mindestens eben so häufig ist es das altdeutsche Hrodo (zu dem
Stamme hrod „Schall, Ruhm“).
Sicherer sind Zusammensetzungen, wie
lobend: Gottgetreu, Unverzagt, Wolzogen (wohlerzogen);
tadelnd: Schadenfroh, Tollkühn, Umbscheiden, Ungefug.
Viel seltener finden sich H a u p t w ö r t e r zur Bezeichnung einer
Eigenschaft oder charakteristischen Tätigkeit, wie Becker aus Köln (12.
Jahrhundert) anführt: Fraz (Fresser), Schad (Räuber), Slevere (Schläfer);
aus Zürich (13. Jahrhundert): Manesse (Menschenfresser), Boneze
(Bohnenesser). Letzteren stellen sich zur Seite von neueren Namen:
Fleischfresser nebst Holtfreter (niederd. = Holzfresser) und Speckäter —
insbesondere aber gehören hierher manche Zusammensetzungen mit Mann:
Biedermann, Großmann; auch Abstrakte wie Frischmuth, Sanftleben, und
präpositionelle Zusammensetzungen: Ohnesorge, Woltemate (wohl zu
Maß).
In bildlicher Weise wurden auch Namen von T i e r e n, an denen man
bestimmte, stark hervortretende Eigenschaften fand, in diesem Sinne
verwendet. Bekannt sind aus der Geschichte Heinrich der Löwe und
Albrecht der Bär. Noch häufiger waren wohl spottende Zusätze der Art. So
wird in der Lübecker Bürgermatrikel von dem Jahre 1322 der eine von zwei
Brüdern Johannes de rode, der andere Richard Vos genannt, offenbar nach
derselben Ursache.[54]

Körperteile.

Die bisher angeführten Namen dieser Gattung beziehen sich, wie leicht
zu erkennen, teils auf geistige, teils auf leibliche Eigenschaften.
Familiennamen der letzteren Art sind nun mit Vorliebe von einem

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Körpert e i l e hergenommen, der eben von hervorstechender
Eigentümlichkeit sein muß, um Anlaß zur Benennung der ganzen Person zu
geben. Darum eignen sich allgemeine und einfache Bezeichnungen wie
H a a r, H a n d, F i n g e r, M u n d wenig zu Familiennamen, weil sie als
solche meist zu nichtssagend wären.
Die Namen dieser Art, die sich dessenungeachtet finden, sind verdächtig
und bedeuten offenbar großenteils etwas ganz anderes. So ist Mund sicher
meist das altdeutsche Munto (von althochd. munt d. i. Schutz, vgl.
Vormund), Haar das altdeutsche Haro (von hari d. i. Heer).[55] Andere
bedeuten allerdings Körperteile, sind aber durch Häuserzeichen vermittelt
(s. weiterhin).
Mit viel größerer Sicherheit gehören hierher die zusammengesetzten
Benennungen, unter denen besonders häufig sind die Komposita mit
H a u p t und K o p f, mit H a a r und B a r t, mit B e i n und F u ß. Die
Beschaffenheit und Form des Kopfes, wie anderseits die des Fußes, die
Farbe und Beschaffenheit des Haares und Bartes, weil ja am meisten in die
Augen fallend, wurde vorzugsweise bezeichnet.
Haupt: Breithaupt, Rauchhaupt (= Rauh-), Wollenhaupt.
Kopf: Großkopf, Breitkopf, Wittkopf (niederd.).
Flachshaar, niederd. Flashaar, Geelhaar (= Gelb-),
Haar:
Weißhaar.
Bart: Rothbart, Spitzbart, Weißbart.
Bein: Einbein, Krummbein, Langbein.
Fuß: Leichtfuß, Schmalfuß, Stolterfoth (niederd.).
Wie sehr Bezeichnungen dieses Schlages sich zu Familiennamen
eignen, geht daraus hervor, daß manche derselben noch jetzt appellativ
gebraucht werden. So reden wir von einem „Flachskopf, Rotkopf“, einem
„Großmaul“, nennen einen Invaliden mit hölzernem Bein „Stelzfuß“ usw.
[56]

Hier, bei den von körperlichen Eigenschaften entlehnten Namen, verrät
sich eine bemerkenswerte Übereinstimmung mit der Seite 11 geschilderten
römischen Namengebung, in der Art, daß die Namen beider Sprachen sich
vielfach decken:

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Longus: Lange, Capito: Großkopf,
Paullus: Klein, Crispus: Krause,
Niger: Schwarz, Plautus: Platzfuß (= Platt-) usw.
Doch sinkt das Deutsche auch hier nicht zu der geistlosen Einförmigkeit
und Äußerlichkeit der lateinischen Namengebung hinab. Das verhindern
vor allem die

S a t z n a m e n,

eine besonders anziehende und reichhaltige Gruppe.
Die Eigentümlichkeit, kurze Sätze, namentlich befehlender Art,
zusammenzuschieben in uneigentlicher Komposition und daraus
Hauptwörter zu bilden, erscheint innerhalb der deutschen Sprache zuerst im
Mittelhochdeutschen, wo Gebilde wie habedanc (Danksagung), rûmelant
(räume das Land, ein Landflüchtiger) und einige andere auftreten. Diese
Bildungsweise scheint dann besonders in der volkstümlichen Literatur des
15.-16. Jahrhunderts geblüht zu haben. So finden wir unter anderem im
Liederbuch der Klara Hätzlerin, welches zahlreiche lyrische Stücke,
größtenteils aus dem 15. Jahrhundert, enthält: „Vergiß mein nit das
plümlein, das krautt denck an mich“ — in Sebastian Brants Narrenschiff:
Füll den mag, schmirwanst (Namen von Fressern) — bei Fischart:
Hebdenmann, ein rechter Jag den Teuffel, Reckdendegen, Streichdenbart
(lauter Personennamen); Dörflein Beiteinweil (d. i. Wart ein Weilchen),
Trotzdenkaiser (N. einer Burg), Luginsland (N. eines Turmes)[57] — dann
besonders in Rollenhagens „Froschmeuseler“ bezeichnende Tiernamen wie
Blehebauch, Ruerdendreck, Rufflaut (Frösche); Beißhart, Luginsloch,
Spahrkrümlein (Mäuse). Niederdeutsche Bildungen dieser Art bietet
Reineke de Vos in den Tiernamen Merkenouwe (Merke genau, die Krähe),
nebst dem Krähensohn Slindepier (schlinge den Wurm); Pluckebudel
(pflücke den Beutel, die räuberische Natur der Raben bezeichnend).
Diese Fähigkeit ist allerdings im Neuhochdeutschen, je mehr dasselbe
Buchsprache wurde und an lebendiger Beweglichkeit einbüßte, desto mehr
erloschen; trotzdem läßt sich auch jetzt noch eine ziemliche Reihe solcher
Bildungen zusammenbringen: Habenichts, Störenfried (störe den Frieden),
Wagehals, Thunichtgut — Lebewohl, Stelldichein u. a., wozu noch die

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Blumennamen Vergißmeinnicht und Gedenkemein zu rechnen. Auch die
Büchertitel Trösteinsamkeit, Trutznachtigall und Wendunmuth erklären sich
hieraus. Manche unter diesen Ausdrücken sind allerdings weniger
schriftgemäß als volkstümlich, und begeben wir uns ganz von der
einförmigern Landstraße des Schriftdeutschen herunter auf die Nebenpfade
volkstümlicher, mundartlicher Rede, so können wir noch manches
Blümchen dieser Gattung pflücken.[58]
In ganz besonderem Maße hat diese Zusammensetzungsweise ihren
Tummelplatz im Bereiche der Personennamen. Bekannt sind unter den
Vornamen Leberecht, Fürchtegott, Traugott — auch wohl Kreuzwendedich
(hin und wieder einem Kinde gegeben, wenn schon mehrere vor ihm
gestorben). Weit größer aber ist die Zahl unter den Familiennamen. Vilmar
hat drittehalbhundert zusammengebracht, eine Zahl, die sich noch erheblich
vermehren läßt.[59]
Es finden sich unter diesen Namen, die vorwiegend wohl in den Kreisen
lustiger Gesellen, Waffen- und Zechbrüder entstanden sind, die
lebendigsten und launigsten Bezeichnungen, Scherz- und Spottnamen.
Betrachten wir nach diesen allgemeinen Vorbemerkungen die
Satznamen genauer, und zwar zunächst hinsichtlich der F o r m, so haben
wir unter ihnen
1) Zusammensetzungen aus z w e i Wörtern (Zeitwort und
Eigenschaftswort oder auch Umstandswort): Bleibtreu,
Trinkaus — viel häufiger aber
2) Zusammensetzungen aus d r e i Wörtern (Zeitwort mit Objekt
und davorstehendem Artikel): Haßdenpflug (ein Bauer, der des
Pfluges überdrüssig geworden), gewöhnlich abgeschliffen
Hassenpflug, Jagenteufel, später verkürzt in Jageteufel, so daß
nun der Artikel ganz ausgefallen ist, auch Wieswell (= wie es
wolle, geh es wie es wolle, Bezeichnung eines gelassenen
Gemütes).
3) Sogar Zusammenschiebungen aus v i e r Wörtern finden sich,
am deutlichsten in Haltanderheide (ein Ritter oder Reisiger, der
an der Heide hält, um Vorüberziehende anzugreifen); aber auch
Namen wie Fleugimtanz (flotter Tänzer), Griepentrog (niederd.
= greif in den Trog, von einem, der unbescheiden zulangt),

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Springsfeld (spring in das Feld) und der Gegensatz Bleibimhaus
gehören hierher; ferner Feuerimdach (ein Jähzorniger).
Dem i n n e r n G e h a l t e nach bezeichnen diese Namen zum Teil gute,
rühmliche Eigenschaften, überwiegend aber, wie nicht anders zu erwarten,
Schwächen und Untugenden. Unter den ersteren steht auch hier wie bei den
altdeutschen Namen obenan die T a p f e r k e i t in Namen wie Hauenschild
(Hauschild), Klubeschedel (klöbe d. i. spalte den Schädel), Schüttesper
(schüttle den Speer, englisch Shakespeare), Zuckseisen (zücke das Eisen),
wohin auch die Zusammensetzungen mit Teufel gehören: Fressenteufel,
Jageteuffel, Schlagenteufel, Bitdendüwel (niederd. = beiße den Teufel) —
Leute, die sich selbst vor dem Gottseibeiuns nicht fürchten.[60]
Einzelne dieser Namen mögen auch schon ein gewisses Übermaß von
Tapferkeit, eine übermäßige Kampfbegier, S t r e i t s u c h t und
R a u f s u c h t bezeichnen. Deutlich tritt letzteres hervor in Namen wie
Raufseisen, Haberecht, Hebenstreit (der den Streit anhebt). Unter solchen
Spottnamen ragen vor allen diejenigen hervor, welche den übermäßigen
Durst, die leidige T r u n k s u c h t der Deutschen geißeln: Kehrein,
Suchenwirth, Findekeller, (der den Keller zu finden weiß), Schmeckebier
und Schluckebier und manche andere, denen nur vereinzelt ein Haßenkrug
gegenübersteht.
Kann es nun wohl bezeichnendere Namen geben als diese
imperativischen? Kräftigere als Hauenschild und Schüttesper, neckischere
als Findekeller und Greifentrog, schwungvollere als Fleugimtanz?

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13.
Familiennamen der dritten Schicht.

c) H e r k u n f t u n d W o h n s t ä t t e .

Die von Örtlichkeiten entlehnten Familiennamen gehören zu den
ältesten, da diejenigen Personen und Geschlechter, welche Grundbesitz
hatten, sich schon sehr früh danach benannten. So finden wir unter den
ritterlichen Sängern und Dichtern der Hohenstaufenzeit einen Heinrich von
Veldeke, einen Hartmann von Aue (Ouwe), einen Walther von der
Vogelweide u. a. Doch war dieser Zuname ursprünglich noch nicht so
befestigt, daß bei einem Wechsel des Besitzes die Familie ihn beibehalten
hätte; vielmehr wurde in solchem Fall auch der Name vertauscht. So
führten z. B. die Freiherren von Attinghausen diesen Namen erst seit ihrer
Übersiedelung nach Uri; vorher hießen sie nach ihrer Stammburg im
Emmental die Freien von Schweinsberg. So hießen die von Löwenstein
früher Bischofshausen, von Bischofshausen, jetzt Bischhausen an der
Schwalm; als sie aber im 13. Jahrhundert ihre neue Burg erbauten, nahmen
sie ebenfalls die neumodische Benennung an.[61]
Diese Weise wurde aber auch von Leuten nicht ritterlichen Standes
frühzeitig befolgt, indem sie sich nach ihrem Stammorte oder ihrem
Wohnsitze benannten. So begegnen wir unter den hervorragenden Dichtern
des 13. Jahrhunderts einem bürgerlichen „meister“ Konrad, der sich selbst
Konrad von Würzburg nennt.[62]
Daß solche Zusätze sich allmählich befestigten, war naturgemäß, ja fast
unvermeidlich, sobald eine Familie längere Zeit in demselben Besitze blieb
oder an derselben Stelle wohnte.
Die aus dieser Quelle geflossenen zahlreichen Namen zerfallen in zwei
Hauptgattungen, je nachdem sie von allgemeinen

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O r t s b e z e i c h n u n g e n oder von b e s t i m m t e n Ortsnamen
herrühren. Betrachten wir jene zuerst!
Uns klingen jetzt die Namen mancher Landleute in Schillers Tell
auffällig und fremdartig: (Hans) auf der Mauer, (Jörg) im Hofe, (Burkhart)
am Bühel u. a. Solcher Benennungen aber, wie sie hier Schiller im
Anschluß an die Schweizer-Chronik von Tschudi gewählt hat, gab es
ursprünglich sehr viele, von den verschiedensten Örtlichkeiten entlehnt und
mit den mannigfachsten Verhältniswörtern: von der Au; am Ende (der am
Ende des Ortes Wohnende); aus dem Werd (Werder, Insel); beim Born; vor
dem Baum; achterm Boil (hinter dem Bühel d. i. Hügel); unter den Weiden;
zum Steg u. s. f.[63]
Später fiel dann das Verhältniswort meist ab, eine Familie aus dem
Werd nannte sich einfach Werth, ter Varrentrap (zu der Ochsenspur)
Varrentrap — oder dasselbe wurde eng an das Hauptwort herangezogen
und mit ihm vereinigt. So ist eine Anzahl Familiennamen entstanden, die
man nur nach ihren Bestandteilen auseinander zu schneiden braucht, um sie
sofort zu verstehen:
Ambach: am Bach;
Imhove: im Hofe;
Zumbusch: zum Busch;
Vormbaum: vor dem Baum;
Auffenberg: auf dem Berg usw.
Bisweilen sind dabei allerdings Entstellungen eingedrungen: Tremöhlen
statt t e r Möhlen (hochd. zur Mühlen), Austermühle statt aus der Mühle,
Amthauer statt Amthor.
Nur selten hat die ursprüngliche Form, Hauptwort und Verhältniswort
getrennt, sich erhalten, wie in: aus der Ohe, aus’m Werth, ten Brink
(niederd. = zum Hügel), zum Bild, ganz vereinzelt Zur-Linde.[64]
In entsprechender Weise werden Familiennamen von b e s t i m m t e n
O r t s n a m e n (Stadt- oder Dorfnamen) abgeleitet. Wer aus einem fremden
Orte zuzog, wurde beim Eintragen in die Bürgerrollen am einfachsten nach
dem Orte bezeichnet, aus welchem er kam. So ist in den Bürgerrollen von
Nordhausen aus dem 13. und 14. Jahrhundert ein Personenname aus v o n
(oder lateinisch d e) und einem Ortsnamen gebildet die gewöhnlichste

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Bezeichnung, z. B. Henricus de Erfordia, Ludovicus de Molhusen. Das
v o n fiel später weg, zumal der Adel es mehr und mehr als sein
Kennzeichen und Sonderrecht hinstellte. Dieser allmähliche Wegfall ergibt
sich deutlich aus einer Zusammenstellung Förstemanns (Programm S. 11),
wonach von 27 Mitgliedern des Rates zu Nordhausen im Jahre 1385 noch
13 das v o n mit einem Ortsnamen haben, dagegen 1401 nur 7, 1421 nur 2,
1475 noch einer, endlich 1484 keiner, obgleich nicht weniger als sieben
einen Ortsnamen als Familiennamen führen.
Daher stammt nun eine außerordentliche Menge von Familiennamen,
die einfach aus einem Ortsnamen bestehen. Besonders leicht zu erkennen
sind die zusammengesetzten, bei welchen etwa folgende Ausgänge die
häufigsten sind:
- a u: Fürstenau;
- b a c h: Blumenbach — niederd. - b e c k (spr. bäk): Möllenbeck;
- b a u m: Birnbaum — niederd. - b o h m: Nottebohm;
- b e r g: Lichtenberg;
- b r ü c k: Delbrück — niederd. - b r ü g g e: Delbrügge;
- b u r g: Homburg;
- d o r f: Holtzendorf, Bernstorff — niederd. - d o r p: Oldendorp;
- e c k: Viereck — südd. - e g g: Hohenegg;
- f e l d: Birkenfeld;
- h a g e n: Hundeshagen — zsgz. - h a i n: Rosenhain, - h a h n:
Langenhahn;
- h a u s: Brockhaus — im Dat. Plur. - h u s e n (aus altd. husum):
Wachenhusen, mit neuhochd. Vokal - h a u s e n: Möllhausen;
- h e i m: Freinsheim;
- h o f: Blumhof — im Dat. Plur. - h o f e n: Altenhoven;
- h o l z: Buchholz;
- h o r s t: Scharnhorst;
- l e b e n: Alsleben;
- r e u t: Bärenreuth;
- r o d e: Benterode — mit Abfall des e - r o t h: Almeroth, - r a t h:
Beckerath;
- s t a d t: Karlstadt — mit der Nebenf. - s t e d t (eig. Dativ):
Bodenstedt;

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- s t e i n: Lauenstein;
- t h a l: Friedenthal — niederd. - d a h l: Küchendahl;
- w a l d e: Schwachenwalde — gew. gekürzt - w a l d: Arnswald;
Dazu die Endung
- i n g e n (eig. Dat. Plur. von dem Patronymikum s. Namenlexikon):
Ehingen, gekürzt - i n g: Bisping.
Diesen schließen sich in der Häufigkeit zunächst an die auf
- b o r n, - b u s c h, - f e l s, - f u r t, - h o r n.
Im ganzen ist der Ortsnamen, die zugleich als Familiennamen dienen,
eine ungezählte Menge, da es kaum einen größeren Ort in Deutschland gibt,
dessen Name nicht auch als Familienbezeichnung sich fände. Viele
Familiennamen, die sonst fast als unlösbare Rätsel erscheinen, werden ohne
weiteres klar, sobald man ein geographisches Wörterbuch zur Hand nimmt.
[65]

Freilich wird anderseits auch die sichere Deutung und Heimweisung
vieler Familiennamen durch das Hereinspielen der Ortsnamen erschwert, da
nicht wenige der letzteren mit Personennamen buchstäblich
übereinstimmen. Z. B. ist Seeger eine Weiterbildung des altdeutschen
Personennamens Sigher, zugleich aber auch ein Ort in Pommern; Roth, für
welches schon eine doppelte Quelle nachgewiesen (S. 48), findet sich auch
häufig als Ortsbenennung, von rode abzuleiten (s. oben). Außerdem tragen
viele Orte Namen von Gegenständen der Natur, sei es durch zufälliges
Zusammentreffen, wie in Hahn, welches hier doch nur Zusammenziehung
aus Hagen ist, oder indem der Name eines Tieres, einer Pflanze ohne
weiteres, ohne Anhängung einer Endung, auf einen Ort übertragen wurde.
Es tritt an diesem Punkte ein Mangel in der Namengebung hervor, da viele
Bezeichnungen unterschiedslos als Personen- wie als Ortsnamen dienen, z.
B. Baum, Habicht, Kranz, Nagel, Wohlgemuth. Daher ist hier besondere
Vorsicht geboten, und es ist in solchen zweifelhaften Fällen jeder Name
möglichst durch Einzeluntersuchung klarzustellen.
Leichter sind diejenigen Familiennamen zu erkennen, welche durch
A b l e i t u n g von Ortsnamen gebildet sind, und zwar mittels der Endung er
wie: Eppinger, Meißner.[66] Diese Bildungsweise hat jedoch geringere
Verbreitung und ist hauptsächlich oberdeutsch. So gehören bei Fröhner

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(Karlsruher Namenbuch) unter etwa 100 von Orten hergeleiteten
Familiennamen zwei Drittel hierher, während in Hoffmanns hannöverschen
Namenbuche unter etwa 300 derartigen Namen sich (abgesehen von den
neueren jüdischen) kaum 10 finden, und diese erklären sich durch
oberdeutschen Zuzug.[67]
Die meisten der auf S. 54 f. aufgeführten Endungen bilden
Familiennamen dieser Art, wobei sich durch Hinzutreten des U m l a u t e s
aus manchen zwei Formen entwickeln, so aus -dorf: -dorfer und -dörfer, aus
-bach: -bacher und -becher. Demnach haben wir
- a u e r: Kronauer;
- b a c h e r (-becher): Speckbacher — Isselbecher;
- b e r g e r: Frankenberger — Reichensperger;
- b r ü c k e r (-brugger): Haarbrücker — Moosbrugger;
- b u r g e r (-bürger): Waldburger — Waldbürger;
- d o r f e r (-dörfer): Rudorfer — Harsdörfer;
- e c k e r (-egger): Bernecker — Buchegger;
- f e l d e r: Hirschfelder;
- h a u s e r (-häuser): Steinhauser — Steinhäuser;
- h e i m e r: Sinsheimer;
- h o f e r (-höfer): Frauenhofer — Sandhöfer;
- i n g e r: Ehinger;
- r e u t e r: Vogelreuter;
- r ö d e r: Blumröder;
- s t ä d t e r: Hochstädter;
- s t e i n e r: Buchsteiner;
- t h a l e r (-thäler): Reinthaler — Lichtenthäler.
Dagegen erweisen sich -hagen, -leben, -see, -wald u. a. für Bildungen
dieser Art wenig fruchtbar, was sich zum Teil daher erklärt, daß die
betreffenden Ortsnamen in Süddeutschland nicht üblich sind. So ist -leben
auf Thüringen und das nördliche Schleswig beschränkt, -borstel und -bostel
auf das nordwestliche Deutschland (Hannover).
In die Lücke treten dafür einige andere Endungen, welche
Süddeutschland eigentümlich sind, namentlich
- k o f e r: Zollikofer;

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- ö d e r (-eder): Ameisöder — Hocheder (Leute, die in einer „Öde“
wohnen).
Die Namen dieser Gattung zeichnen sich, wie aus den mitgeteilten
Beispielen hervorgeht, durch ihre Länge aus, da sie meist dreisilbig, zum
Teil sogar viersilbig sind. Doch gibt es auch zweisilbige in Menge, von
Ortsnamen, die nur aus einer Silbe oder auch aus zweien bestehen,
abgeleitet, wie Ulmer, Wiener, Lindner (vom O. Linden).
So haben wir denn eine dreifache Weise, Familiennamen von
Ortsnamen zu bilden; alle diese drei Formen finden sich z. B. in dem
berühmten Baseler Drucker- und Gelehrtengeschlechte der Amerbach,
welche in den alten Zunftlisten auftreten als von Amorbach, Amerbach,
Amerbacher.
Für viele Familiennamen, die offenbar Ortsnamen sind, läßt sich der
entsprechende Ort nicht mehr nachweisen. Gar viele Ortschaften sind in den
Stürmen der Zeiten untergegangen; so nach Förstemann in der Umgegend
von Nordhausen an hundert im Umkreise weniger Stunden, und Hoffmann
von Fallersleben bezeichnet in dem „Kasseler Namenbüchlein“ unter 120
hessischen Ortschaften 30, also den vierten Teil, als nicht mehr vorhanden
(auf Grund der „Historisch-topographischen Beschreibung der wüsten
Ortschaften im Kurfürstentum Hessen“ von Dr. Landau). Die großen
Seuchen des Mittelalters, die verheerenden Kriege früherer Zeiten erklären
dies zum großen Teile. Doch gingen auch vielfach kleine Ortschaften in
eine große Stadtgemeinde auf, die sie mehr zu schützen vermochte.[68]
Wenn aber auch der Ort noch vorhanden ist, so decken sich doch dessen
Name und der daher entlehnte Familienname heutzutage keineswegs immer.
Das darf nicht überraschen; denn indem beide Jahrhunderte lang selbständig
und meist ohne gegenseitigen Zusammenhang fortbestanden und sich
entwickelten, konnte es nicht ausbleiben, daß hin und wieder der eine
Wandlungen erfuhr, die der andere nicht mitmachte. So weist für die
Familiennamen Birkenhagen und Eschenhagen auch Rudolphs
„Vollständigstes Ortslexikon“ keine vollkommen entsprechenden
Ortsnamen nach, sondern nur Birkenh a i n und Eschenh a h n; beides aber,
hain und hahn, sind Zusammenziehungen aus hagen (s. Förstemann, Die
deutschen Ortsnamen S. 57). Es hätten somit in diesem Falle die
Familiennamen die ältere, ursprüngliche Form bewahrt. Dasselbe gilt von

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Meixner statt Meißner, von Zollikofer (aus Zollik o n am Züricher See,
urspr. Zollinc hovun „zu den Höfen des Zollinc“).
Sehr viel Familiennamen, besonders im östlichen Deutschland, sind von
slawischen Ortsnamen entlehnt und sollen später eine genauere Darstellung
finden (s. Beilage 3 und das Namenlexikon).
Eine besondere Abteilung in dieser Klasse bilden die

Adelsnamen,

die ja, soweit ursprünglich und echt, fast sämtlich von Ortsnamen abgeleitet
sind, z. B. von Falkenstein, von der Asseburg. Doch ebenso alt ist die schon
erwähnte Ableitung auf e r: der Bodensteiner, der Toggenburger. So nennt
sich Hartmann (im 13. Jahrhundert) bald „der von Ouwe“, bald „der
Ouwaere“. So wird noch im Tell der Freiherr von Attinghausen von dem
Hirten in der ersten Szene „der Attinghäuser“ genannt.
Jetzt ist die präpositionale Bezeichnung allgemein durchgedrungen und
zwar die mittels des Verhältniswortes von, welche die andern in den
Hintergrund gedrängt hat und als Kennzeichen des Adels schlechthin gilt.
Wie aus obiger Darstellung erhellt, hat dieses von einen Sinn nur vor
Ortsbezeichnungen, und es ist eine Verirrung, auch Namen anderer Art,
ursprünglichen Personennamen, Handwerksnamen usw. es vorzusetzen. Von
Hermann, von Schmidt, von Schulz u. dergl. ist sprachlich entschiedener
Nonsens, und daß man in hunderten von Fällen ein von so ganz äußerlich
anheften konnte, ist ein unleugbarer Beweis von erloschenem Sprachgefühl.
Ein Rest dieses Gefühles hat sich in Österreich erhalten; aber wie hilft
man sich dort? Man bildet (wie schon in den Zeiten des alten deutschen
Reiches)[69] aus dem bisherigen Familiennamen des zu Adelnden durch
Anhängung von -feld, -burg, -thal usw. einen Ortsnamen, unbekümmert
darum, ob es einen solchen Ort in der Welt gibt oder nicht, also: Kuhn von
Kuhnenfeld, Planck Edler von Planckburg, Braun von Braunthal — lauter
Namen, welchen man es sofort ansieht, daß sie nichts als Phantasiegebilde
sind.
Besser ist in dieser Hinsicht eine Namengebung wie: Schubert, Edler
von dem Kleefelde (wegen seiner Verdienste um den Kleebau geadelt, Pott,

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Personennamen S. 3), und Escher von der Linth, wie der Staatsrat Escher
wegen Regelung des Laufes der Linth und Austrocknung der durch diesen
Fluß gebildeten Sümpfe auf Beschluß des kleinen Rates von Zürich genannt
wurde. („Die Staatskanzlei sei beauftragt, künftig in allen betreffenden
öffentlichen Schriften den verewigten hochverehrten Herrn Staatsrat Hans
Konrad Escher und dessen männliche Nachkommen als „Escher von der
Linth“ zu benennen, eine Bezeichnung, die jetzt urkundlich um so
begründeter festgesetzt wird, da sie schon, während das Vaterland sich noch
des lebendigen Wirkens des Vollendeten erfreute, von der öffentlichen
Meinung aufgefaßt und von Mitbürgern und Eidgenossen übereinstimmend
geübt ward.“)

Häusernamen.

Wenn in manchen Geschlechtsnamen, z. B. Amthor, die Bezeichnung
der L a g e des Hauses entnommen ist, so entspringt sie auch sehr häufig aus
dem N a m e n des Hauses selbst. Denn jene alte Zeit war, wie Becker S. 20
treffend bemerkt, so jugendfrisch, daß sie allen Dingen, wie Adam im
Paradiese, gleich einen lebendigen Namen zu geben wußte, nicht nur
Burgen, Höfen und Straßen, sondern auch den Häusern.[70] Wir begnügen
uns jetzt mit einer toten Nummer und Littera, während nur die
Straßennamen noch fortdauern. An einzelnen Orten sind freilich auch diese
wenigstens vorübergehend abgeschafft, z. B. in Mannheim, wo es statt
dessen bis vor kurzem armselige Häuserquadrate A, B, C usw. gab, und
jenseit des Ozeans bei den nüchternen, poesielosen Yankees, die da bloß
zählen 1. 2. 3..... Avenue.
Im Mittelalter dagegen führten auch die Häuser Namen, und zwar
benannte der Erbauer oder Besitzer eines Hauses dasselbe entweder nach
seiner alten Heimat — so hieß das Haus, in welchem der Dichter Konrad
von Würzburg (s. S. 54) in Basel wohnte, Würzburg, andere zum Mailand,
zum Venedig — oder nach Tieren, Pflanzen, Geräten, namentlich nach
Geräten oder Erzeugnissen eines Gewerbes oder Dingen, die mit dem
Berufe des Erbauers irgendwie zusammenhingen.
Diese Häusernamen nun wurden nicht angeschrieben, sondern dem lese-
unkundigen Volke zu nutz wurde der im Namen enthaltene Gegenstand
angemalt oder auch in einem Holz- oder Steinbild am Hause angebracht.[71]

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Reste dieser Sitte sind die noch jetzt üblichen besonderen Benennungen
und Bezeichnungen der G a s t h ä u s e r und A p o t h e k e n, auch der
L o g i e r h ä u s e r in Bädern. Im übrigen haben sich nur einzelne dieser
Namen und Bilder bis in die Gegenwart erhalten. So heißt in Leipzig noch
jetzt ein schönes, hohes Haus auf dem Neumarkte „die hohe Lilie“ (Pröhle),
ein Haus in Erfurt „zum Rebstocke“, ein anderes in Stettin „die weiße
Taube“.
An diese Benennungen knüpfen sich häufig sagenhafte Erzählungen,
welche die Veranlassung und Bedeutung derselben zu erklären suchen.
Einige teilt Pröhle in seinen „Deutschen Sagen“ mit:
„Zu Erfurt sah einst ein Schäfer in seinem Garten einen Bock und ein
Schaf an einem Rosenstocke stehn. Das Schäfchen aber scharrte mit seinem
Fuß etwas Geld aus der Erde. Da grub der Schäfer nach und fand so viel
Geld, daß er davon drei schöne Häuser bauen konnte. Er nannte aber das
erste Haus „z u m g ü l d e n e n S c h a f e“, und es ist daran auch ein
S c h a f i n S t e i n zu sehen, das andere „z u m R o s e n s t o c k“ und das
dritte „z u m s c h w a r z e n B o c k“.
Geschichtlicher sind nach allem Anscheine die Angaben über das oben
erwähnte Haus „z u m R e b s t o c k“, welches von Otto v. Ziegler im 15.
Jahrhundert erbaut worden. „Dieser reiste 1447 zum heiligen Grabe und in
die 18 Königreiche. Er brachte aus dem heiligen Lande einen großen
merkwürdigen Rebstock mit, und als er 1451 zu Erfurt in der Futtergasse
ein schönes Haus als Stammhaus erbaute, nannte er es „z u m
R e b s t o c k“. Oben an dem Hause standen auf steinernen Platten die
Wappen der 18 Königreiche gemalt,[72] wodurch der Otto v. Ziegler
gereiset. Auch ward der Rebstock, den er mitgebracht hatte, daran
abgebildet und außerdem in seiner Familie aufbewahrt“ (Pröhle, Deutsche
Sagen neue Ausg. S. 248 ff.).
Ähnlich über ein Haus in Würzburg in der Dominikanergasse, welches
den Namen „zum roten Hahn“ führt: Auf das Dach desselben wurde von
den Leuten des Wilh. Grumbach nach Überrumpelung der Stadt Würzburg
ein roter Hahn gesetzt und das Haus angezündet. Der rote Hahn krähte (d.
h. die Flamme prasselte) und flog von einem Dache zum andern. Nach
seiner Wiedererbauung erhielt das Haus den Namen „zum roten Hahn“
(Pröhle a. a. O. S. 237).

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Aus diesen Hausnamen und -Bildern sind nun eine Menge
Familiennamen entstanden. So führt Becker aus älterer Zeit unter andern
folgende an: aus Köln 1116 zum Saphir, 1178 Lembechen (Lämmchen),
1219 von Gürzenich, 1256 van me Kranen (vom Kranich), 1262 van me
Hane; aus Basel: 1255 Waltherus ad Stellam, zum Sternen, 1262 Anselm zer
Tannen; später zer Sonnen, zer Rosen, zem Haupt, zem Tracken (Drachen)
usw. Wie hieraus ersichtlich wurden diese Hausnamen vorzugsweis aus der
Tier- und Pflanzenwelt gewählt, und daher erklärt sich zum guten Teile der
Umstand, daß jetzt so manche Familiennamen nichts anderes als eben Tier-
und Pflanzennamen sind. Der Hausname wurde auf den Besitzer
übertragen, ursprünglich wie andere Ortsbenennungen mit einem
Verhältnisworte: von oder zu, welches später abfiel. Einen Beweis für diese
Entwickelung bietet unter anderem der Familienname Molfenter, aus zum
Olfenter (Kamel), wo das m von der Vorsetzsilbe noch stehen geblieben ist.
Besonders reichliche Beiträge zur Bezeichnung menschlicher
Geschlechter haben unter den vierfüßigen Tieren gegeben: Schaf und Ziege,
Rind, Wolf, Fuchs und Hase, nächstdem Hirsch und Reh (Rehbein, Rehfuß)
— unter den Vögeln außer dem allgemeinen Vogel nebst seinen
Zusammensetzungen (Brachvogel, Schreivogel) die Raubvögel: Adler,
Geier, Falk, außerdem Gans und Hahn. Innerhalb des Pflanzenreichs
überragt die Königin der Blumen, die Rose, die andern auch hier, zumal in
mannigfachen Zusammensetzungen (Rosenblüt, Rosenstiel, Rosenstock,
Rosenzweig).
Jedoch ist wiederholt darauf hinzuweisen, daß wir uns hier auf einem
sehr trügerischen Gebiete bewegen, in einer Welt, die großenteils eine Welt
des Scheines ist. Wie bei den Gerätschaften und Körperteilen ist auch hier
ein gut Teil anderen Ursprungs und trifft nur zufällig, oft infolge von
Umdeutung und Entstellung, mit neueren Tier- und Pflanzennamen
zusammen. So ist der Name Strauß die regelmäßige Weiterentwickelung
vom althochd. Struz, der Schmeichelform von Strudolf, Appel ist
Zusammenziehung und Verkürzung aus Adalbold, Hering, althochd.
Herinc, Patronymikum von Hero, Regen althochd. Regino (s. Ragan
„klug“), Bock meist wohl aus Bucco, Kürzung von Burkhart. Andere
bezeichnen wirklich Tiere, stammen aber meistens schon aus der ersten
Periode, wie Bär, Roß, Schwan, oder sie gehen auf Eigenschaften (s. S. 48).

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* *
*
Hiermit schließen wir diese Übersicht. Wie uns die Personennamen
unserer germanischen Altvordern das kampfdurchtobte, waffenfreudige
Leben und Treiben derselben vor Augen führen, so spiegeln die dem spätern
Mittelalter entsprossenen Familiennamen die bunten Erscheinungen
mittelalterlichen Lebens wieder. Die Bilder der Raubritter, der „frummen“
Landsknechte, der teils gedrückten, teils übermütigen Bauern, besonders
aber der ehrsamen Bürger in Werkstatt und Rat, in Singschule und
Trinkstube werden durch diese Namen vor unsere Augen gezaubert.
Wenn die Geduld des freundlichen Lesers uns bis hierher gefolgt ist, so
wird derselbe nunmehr wenigstens in den Grundzügen ein Bild der
deutschen Familiennamen erhalten haben. Es mag dieses einem
buntgewirkten Teppich gleichen, in welchem die a l t d e u t s c h e n und die
k i r c h l i c h e n Namen den Aufzug, die b ü r g e r l i c h e n Bezeichnungen
den Einschlag bilden. Damit ist im wesentlichen die Sache abgeschlossen;
was später etwa noch hinzukommt, kann den Grundcharakter der deutschen
Namengebung nicht ändern, es dient nur dazu, hie und da noch einen neuen
Faden in das Gewebe einzufügen, es noch ein wenig bunter zu machen.

Page 89

14.
Würdigung der deutschen Familiennamen nach
Gehalt und Form.
Nach ihrem innern Gehalt ist die deutsche Namengebung alles Lobes
würdig.
Die Grundlage bilden die a l t d e u t s c h e n H e l d e n n a m e n mit
ihrem schönen, idealen Gepräge und in ihrer reichen Fülle, mit einer
verhältnismäßig nicht bedeutenden Beimischung fremdsprachig
k i r c h l i c h e r Namen, von Glaubenshelden entlehnt. An diese schließt
sich dann, entsprechend der gesellschaftlichen Entwickelung, in durchaus
gesunder Weise eine fast ebenso große Fülle b ü r g e r l i c h e r Namen,
hergenommen von Amt und Handwerk, von Geburts- und Wohnort. Freilich
hat sich der Schwung des heroischen Zeitalters ermäßigt, der poetische
Blütenstaub ist abgestreift. Dafür tritt zum Ersatz der W i t z, die
s c h e r z e n d e u n d s p o t t e n d e L a u n e ein, die sich am
glänzendsten in den S a t z n a m e n offenbart.
Ein Mangel allerdings gibt sich hier sehr bald kund: die zu häufige
Wiederkehr mancher Namen, besonders der vom H a n d w e r k entlehnten,
wogegen anderseits auch ein F e r n h a l t e n v o n l e e r e m P r u n k
anzuerkennen ist.[73]
Nicht so günstig kann das Urteil in betreff der Form ausfallen.
Hier ist vor allem zu beklagen, daß die klangvollen Namen der ersten
Schicht, wie Hildebrand, Rüdiger, Landolf durch spätere Verkürzungen und
Verkleinerungen doch sehr gelitten haben, so daß eine Menge überkurzer,
einsilbiger, klangloser Namen entstanden ist: Eck, Sietz, Lemm, Thie, Deetz
usw. Hierher gehören auch viele zweisilbige, insbesondere die
niederdeutschen auf ke: Gefke, Gehrke, Reetzke, Zielke, denen die
süddeutschen auf l entsprechen: Dietl, Atzl, Datzl, Hutzl.

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Voller tönende Namen finden sich unter den von Ortsbezeichnungen
entlehnten: Frankenstein, Reinthaler, Rudinger u. a. — und diese bilden
jetzt die Hauptmasse der längeren, mindestens dreisilbigen Familiennamen.
Manche, viersilbige, haben sogar zuviel Gewicht und etwas Schleppendes,
wie: Albrechtsberger, Koberlechner.
Außerdem fällt eine H ä r t e in den konsonantischen Verbindungen, z.
B. in Hitzke, Kratzke, Nitzschke, vielfach unangenehm ins Ohr.

Page 91

15.
Latinisierungen.
Unter den auf S. 62 erwähnten späteren Zutaten treten hervor die
Latinisierungen.
Im Ausgange des Mittelalters und besonders nach der sonst so
erfreulichen Wiederbelebung der klassischen Studien im 15. und 16.
Jahrhundert wurde es Sitte bei den Gelehrten und studierten Fürstendienern,
auch ihre Namen in das Antike zu übersetzen. Ein Beispiel haben wir unter
anderm an dem Dr. juris Olearius in Goethes Götz in der Tafelszene des
ersten Aufzuges:

L i e b e t r a u t: Ihr seid von Frankfurt? Ich bin da wohlbekannt. — Euer Name ist
Olearius? Ich kenne so niemanden.
O l e a r i u s: Mein Vater hieß Ölmann. Nur den Mißstand auf dem Titel meiner
lateinischen Schriften zu vermeiden, nennt’ ich mich nach dem Beispiel und auf Anraten
würdiger Rechtslehrer Olearius.
L i e b e t r a u t: Ihr tatet wohl, daß ihr euch übersetztet. Ein Prophet gilt nichts in
seinem Vaterlande; es hätt’ euch in eurer Muttersprache auch so gehen können.
O l e a r i u s: Es war nicht darum.
L i e b e t r a u t: Alle Dinge haben ein paar Ursachen.

Die Grundursache war eben die leidige Nachahmung oder vielmehr
Nachäffung des Fremden. Es sollte das alte Römertum wieder erweckt und
alles möglichst auf römischen Fuß gebracht werden. So wurde das
heimische Recht durch das römische Corpus juris verdrängt, und auch die
deutsche Muttersprache suchte man als eine barbarische, wofür sie den
Gelehrten galt, möglichst zu verdrängen und auszurotten, zunächst in den
gelehrten Schulen, damit die lateinische ganz an ihre Stelle träte. Man
betrachtete es als einen großen Vorzug der römischen Kinder, daß sie von
kleinauf Latein sprachen und mit Lateinsprechenden umgingen, und
bedauerte die armen deutschen Kinder, die nicht schon von den Ammen und
beim Spielen auf den Gassen lauter Latein hörten. Den Lehrern wie den

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Schülern war darum alles Deutschsprechen untersagt; Spielen ward unter
der Bedingung erlaubt, daß auch dabei nur Latein gesprochen würde. So
hoffte man die „barbarische“ Muttersprache wenigstens aus den Schulen
bald auszutreiben. In diesen traurigen Anschauungen und Bestrebungen
kamen der Straßburger Lehrplan des Joh. Sturm, der württembergische des
Herzogs Christoph und der der Jesuiten überein. Es war eben allgemeine
Zeitrichtung.
Daher darf es nun nicht wundernehmen, wenn im Kreise der Gelehrten
die Namen so eifrig verlateint wurden und man sich wenigstens hierin zu
Römern zu lügen suchte. Ein Lutz nannte sich Lucius, ein Kurz: Curtius,
ein Köpflin: Capito, ein Crachenberger: Pierius Gracchus — ein Fischer
übersetzte sich Piscator, ein Habermann: Avenarius — mit Zuhülfenahme
des Griechischen ein Holzmann: Xylander, ein Becker: Artopoeus, ein
Hausschein: Oecolampadius.
Während die vergriechten Namen, fast ausnahmslos zusammengesetzt,
durch ihre Länge ins Ohr fielen, indem sie mindestens dreisilbig, oft aber
vier-, fünf-, ja sechssilbig sind: erschienen die einfachen lateinischen
Namen in ihrer Kürze noch zu kahl; mindestens mußte den zweisilbigen
wie Sartor, Pistor noch eine Endung gleichsam als Schleppe angehängt
werden, um die Würde ihrer pedantischen Träger recht zu bezeichnen, also:
Sartorius, Pistorius.
In jenen Zeiten bestimmte zuweilen der unreife und phantastische
Einfall eines unbärtigen Literaten auf Jahrhunderte den Familiennamen
seines Geschlechtes. So war, nach Vilmar, ein gewisser Mosmann der Sohn
eines Schmiedes zu Gemünden an der Wohra; da ihm aber einige lateinische
Verse gelungen waren, so konnte er nicht mehr Mosmann heißen, sondern
nahm den lateinischen Namen für das Gewerbe seines Vaters an: Faber.
Indes das drückte doch nicht den poetischen Schwung aus, den der
angehende Virgil in sich fühlte, und so nannte er sich denn Fabronius,
welches bedeuten sollte Faber Aonius, d. i. Musenschmied, und diesen
Namen behielten seine Nachkommen bei. Seine Landsleute waren Helius
Eobanus Hessus und Euricius Cordus, von denen bei ihren hochpoetisch
klingenden Namen niemand mehr weiß, wie sie recht geheißen haben.
So entstanden die wunderlichsten und abenteuerlichsten Namengebilde,
z. B. Osiander aus Hosemann, Chiomusus aus Schneesing, Eucharius aus

Page 93

Eckhard, Chelopoeus aus Kistemaker, Namen, die jetzt schwer zu enträtseln
sind oder gar nicht mehr, wie Chesnecophorus. Auch übellautende
Mißbildungen, wie Gueinzius, Heineccius, Cocceji[74] setzten sich fest.
Diese Latinisierungen wucherten am meisten da, wo eben die vorhin
geschilderte, sog. humanistische Richtung besonders blühte, also
namentlich in Sachsen, in der Pfalz, in Basel, vor allem aber am Hofe des
hessischen Landgrafen Philipps des Großmütigen.
Manche kehrten von den Pistorius, Episcopius, Melissander ihrer Väter
zu den Becker, Bischoff, Bienemann ihrer Großväter zurück; andere aber
behielten die bunten lateinischen und griechischen Namen bei, wenn sie
sich auch nicht auf der wissenschaftlichen Höhe ihrer Vorfahren behaupten
konnten, und so finden wir diese Fremdnamen gegenwärtig noch überall in
Deutschland.[75]
Jetzt bekommt diese Namenklasse glücklicherweise keinen Zuwachs
mehr. Nur einige Stockphilologen haben es in neuerer Zeit noch nicht
lassen können, Namen in dieser Weise für ihre Zwecke zu antikisieren:
Öhler in Olearius, Sillig in Siligius. Doch gründlicher verfuhr hierin Reisig.
Dieser Gelehrte, der jedesmal, wenn er glaubte eine glückliche Konjektur
gemacht zu haben, dies der Welt durch Trompetenstoß von dem Boden
seiner Wohnung aus verkündete, leistete auch Entsprechendes auf dem
Gebiete der Antikisierung, besser gesagt, Entstellung der Namen. So
verwandelte er Wunderlich in Vunderilicus, Poppo ganz unnötigerweise in
Pomponius, Mitscherlich gar in Midoscherilix, als wäre dieser
Horazerklärer des 19. Jahrhunderts einer von den Keltenhäuptlingen des
alten Galliens, gleich den Viridovix und Vercingetorix.

Page 94

16.
Jüdische Namen.
Am spätesten haben die Juden sich dazu verstanden, Familiennamen
anzunehmen; meist wurden sie erst durch die Gesetzgebung, in Österreich
unter Joseph II., in Preußen durch Hardenbergs Edikt vom 11. März 1812
dazu genötigt. Sie hatten nun die Wahl und wählten, was auch am nächsten
lag, zum großen Teil hebräische, alttestamentliche Namen, indem einfach
die bis dahin geführten Personennamen zu Familiennamen gestempelt
wurden: Abraham, Jakob, Moses, Simon; auch patronymische Ableitungen
hebräischer Namen: Jakoby, Jakobson (entsprechend dem hebräischen ben,
welches in Benary „Löwensohn“ erscheint).
Doch in der Mehrzahl wurden neuhochdeutsche Namen gewählt,
zunächst Bezeichnungen von E i g e n s c h a f t e n, natürlich guten: Edel,
Freundlich, Treu — sodann T i e rbenennungen: Hirsch, Wolf, Adler, meist
wohl mit Rücksicht auf die Bedeutung, welche denselben im Alten
Testamente beigelegt wird[76] — jedoch mit besonderer Vorliebe
O r t sbezeichnungen: Cassel, Falkenstein; häufig mit der Ableitungsendung
er: Friedländer, Wronker, Exiner, Meseritzer. Diese Namen weisen
großenteils nach dem Osten, nach Westpreußen und Posen.
Eigentümlich ist hierbei die Vorliebe für schönklingende Namen,
Zusammensetzungen nicht nur mit G o l d[77] und S i l b e r — sondern auch
mit L ö w e n, mit R o s e n, L i l i e n und Ve i l c h e n: Löwenstamm und
Löwenthal, Rosendorf und Rosenberg, Lilienthal, Veilchenfeld u. ähnl.
Woher diese prächtig klingenden Namen, welche zu den die jüdische
Namengebung beherrschenden gehören? Ist es noch ein Nachklang jenes
poetischen Sinnes, der sich einst in den Dichtungen des Alten Testamentes
kundgegeben, ein Stück von dem Farbenreichtum des Morgenlandes nach
dem Abendlande verpflanzt? Oder ist es nur das Bestreben, wie die Ware so
auch den Namen möglichst herauszuputzen, durch schönes Etikett Reklame
zu machen?[78]

Page 95

Dabei wird nun nicht gefragt, ob derlei Ortsbezeichnungen auch in
Wirklichkeit vorkommen; diese Lilienthal, Veilchenfeld usw. sind
großenteils rein erdachte Namen, wie auch Cohnfeld und Cohnheim,
Aronsbach, Lewinthal — denn wo gäbe es in Deutschland Orte dieses
Namens? Es gleichen diese scheinbaren Ortsnamen trügerischen
Luftspiegelungen, die bei der Annäherung zerrinnen.
Hingegen treten zurück die altdeutschen Namen, die kirchlichen und,
was besonders bezeichnend ist, auch die Handwerksnamen.
Im ganzen hat die jüdische Namengebung etwas Gemachtes,
Künstliches, was allerdings teilweis mit der Art ihrer Entstehung
zusammenhängt.
In Österreich standen zu Ende des 18. Jahrhunderts besonders die Juden
Ungarns, Galiziens und der Bukowina auf einer tiefen Stufe, sie kannten
das Bedürfnis nach Familiennamen gar nicht und hielten an dem alten
orientalischen Brauche fest, nach welchem jeder bloß mit dem eigenen
Personennamen (und dem des Vaters) benannt wurde. Rücksichten der
Verwaltung, der Steuererhebung und Rechtspflege forderten Beseitigung
solcher Zustände. Darum beauftragte Joseph II. seinen Hofkriegsrat, binnen
zweier Jahre die nötigen Maßregeln durchzuführen. Zu dem Ende wurden
nun Kommissionen von Offizieren ernannt. Ein panischer Schreck fuhr in
die Juden, welche besonders vor dem Militärdienste wahre Todesangst
empfanden und einen Abscheu vor den „heidnischen“ Namen hatten, die sie
neben ihren „heiligen“ hebräischen tragen sollten.
Zunächst konnten die Juden ihre Familiennamen selbst wählen. Da sie
sich aber vielfach hartnäckig ablehnend verhielten, so blieb den
Kommissionen nichts anderes übrig, als selber ihnen Namen zu erteilen.
Dabei war vorgeschrieben, solche Namen zu wählen, die möglichst große
Besonderheit hätten; auch sollten die Kommissionen viele Familiengruppen
bilden und wiederholte Wahl desselben Namens in ihrem Bezirk vermeiden.
Außerdem spielten Soldatenwitz und Schneid, auch wohl der Ärger über
mißglückte Erpressungsversuche eine große Rolle. So kamen denn
wunderbare Namengebilde zum Vorschein, als da sind: Wohlgeruch,
Veilchenduft, Schöndufter; Armenfreund, Wohlthäter, Weisheitsborn;
Geldschrank, Smaragd; Singmirwas, Küssemich — Ladstockschwinger,
Pulverbestandtheil, Maschinendraht, Nußknacker, Schulklopfer,

Page 96

Reinwascher; Temperaturwechsel, Maulwurf, Nachtkäfer, Rebenwurzel —
Notleider, Hungerleider; Schnapser; Eselskopf, Ochsenschwanz,
Drachenblut; Stinker, Kanalgeruch; Galgenvogel, Galgenstrick,
Taschengreifer, Hirschtödter, Wanzenknicker, Saumagen, Groberklotz u. a.
m.[79]

Page 97

17.
Französierungen, Polonisierungen und andere
Metamorphosierungen der Neuzeit.
Die in Kap. 16 geschilderten Latinisierungen fanden eine
bemerkenswerte Fortsetzung in der neuesten Zeit. Das infolge der traurigen
staatlichen Verhältnisse gesunkene Nationalgefühl der Deutschen hatte
schon seit dem Dreißigjährigen Kriege eine bei andern Völkern unerhörte
Schwäche hervortreten lassen, die sich in Mißachtung des Heimischen und
Überschätzung alles Fremden kundgab.[80] Daher in der Literatur die
sklavische Nachahmung fremder Muster, in der Sprache die
Überschwemmung mit fremden, namentlich französischen Wörtern. Auf
einzelnen Gebieten überwunden trat diese einmal vorhandene Schwäche
und Krankheit wieder in andern Symptomen hervor — neuerdings in der
Unsitte, in fremden Landen seinen deutschen Namen zu entdeutschen, zu
französieren, polonisieren, madjarisieren, wie es gerade kommt.
So werden denn in Frankreich die Namen verfranzöselt:[81] ein Solger
nennt sich Saulier, ein Nagler — Naguiller, ein Witzel — Ficelle, ein
Kleemann — Clément und ein Vogler schämt sich seines schönen deutschen
Namens, nicht Vogler mehr — er wohnt ja in Paris — nein, Fouclair! mag
auch das Französisch, welches er spricht, noch recht sehr seine
Abstammung aus Deutschland, vielleicht speziell aus Thüringen verraten.
Besonders ungerechtfertigt und tadelnswert ist es, wenn dergleichen in
Deutschland selbst geschieht, wenn sich z. B. ein Dessauer — Dessoir
nennt, um durch diesen aufgehefteten französischen Lappen seinem Namen
ein vornehmeres Aussehen zu geben, oder wenn echt deutsche Namen mit
französischen Accenten versehen werden: Nägelé, Schultsé (!), Salingré,
Ledérer.
Während diese Französelei sich häufig bei Schauspielern findet,
veritalienern sich Sänger und Sängerinnen: der Schwabe Stiegele in

Page 98

Stighelli, die Sängerinnen Crüwell in Cruvelli, Röder in Rodani (!) — als
ob Deutsche nicht singen könnten und alles, was gut singt, aus Italien
herstammen müßte.
Wie im Westen die Namen französiert werden, so werden sie im Osten
polonisiert. Ein Feldmann benamset sich klangvoller Feldmanowski, ein
Krauthofer zunächst Krauthofski, dann aber, damit doch ja nicht eine Faser
einer deutschen Kohlrübe an ihm hängen bleibe: Krótowski. Wird keine
polnische Endung angehängt, so muß wenigstens die Schreibung eine
polnische sein: Szuman (Schumann), Szrajber (Schreiber), Szulc (Schulz).
[82]

Man sollte dergleichen nicht für möglich halten, da die polnische Nation
doch in geringerer Achtung steht (s. „polnische Wirtschaft“, „polnischer
Reichstag“) und die deutsche sich stets überlegen gezeigt hat, und doch
geschieht es. Hieraus erklärt sich zum Teil das erneute Vordringen des
Slawischen in manchen östlichen Bezirken Preußens. Es wäre nicht
möglich gewesen, wenn die Deutschen in polnischer Umgebung die Fahne
ihrer Nationalität immer hochgehalten hätten, wenn sie nicht in
jämmerlicher Schwäche ihr Deutschtum verleugnet, ja zum Teil sich den
Polen im Kampfe gegen ihr Vaterland, gegen deutsche Sprache und
Nationalität angeschlossen hätten. So weigerte sich ein Gutsbesitzer Arndt
(!) bei Gnesen, an einer in deutscher Sprache geführten
Gerichtsverhandlung teilzunehmen, weil er — ein Pole sei. Entartete
Deutsche sind vielfach gerade die Vorkämpfer der Polen und Tschechen.
In Österreich schließen sich an die Slawisierungen deutscher Namen in
den slawischen Landstrichen M a d j a r i s i e r u n g e n in Ungarn. Die
öffentlichen Blätter haben in neuerer Zeit häufig lange Listen
österreichischer Staatsbürger gebracht, denen auf ihren Antrag
Madjarisierung ihres Namens bewilligt worden. Am bekanntesten unter
diesen Talmi-Madjaren ist der berühmte Reisende Vambéry, dessen Name
nichts weiter ist als eine Verdrehung aus Bamberger. Ähnlich hat sich ein
Hundsdörfer in Hunfalvy, ein Benkert in Kertbeny, ein Schedel in Toldy
umgewandelt, der dann als Sekretär der ungarischen Akademie der
Wissenschaften im ungarischen Unterrichtsrate gegen seine Muttersprache
wütete und die nichtmadjarischen Nationalitäten Knall und Fall zu
Madjaren zu machen suchte.

Page 99

In Amerika endlich werden die Namen anglisiert: Schmid in Smith,
Grünbaum in Greenbaum.
Diese Umwandlung ist übrigens verhältnismäßig am unschuldigsten, da
es mehr nur Umsetzung aus einer Mundart in die andere, aus der
hochdeutschen in die angelsächsische ist. Wenn aber auf diesem Wege ein
so schöner Name wie Rosenkrantz in Rosecrans entstellt wird, so tritt auch
hier wiederum das Widerwärtige dieser Erscheinung hervor.
Alles in allem — es ist eine sehr betrübende Erscheinung. Daß auf diese
Weise echtdeutsche Namen verhunzt werden, ist noch das Geringere.
Schlimmer ist, was damit unvermeidlich zusammenhängt. Wer sich seines
ehrlichen deutschen Namens schämt, der schämt sich auch seiner Sprache,
seiner Nationalität, seines Vaterlandes und sucht sie sobald wie möglich
abzustreifen, er wird Franzose, Pole, Madjare, Slowene, Slowake, was es
sei — nur ja nicht Deutscher bleiben![83] Einem Franzosen, einem
Engländer, Italiener würde es nicht einfallen, seinen Namen einer fremden
Sprache zuliebe zu entstellen — dem Deutschen war es vorbehalten, sich so
wegzuwerfen!
Ein edler S t o l z — das ist es, was dem Deutschen in den letzten
Jahrhunderten nur zu sehr gefehlt hat. Und doch hätte er wohl Ursache, auf
sein Vaterland stolz zu sein! auf das Land der Guttenberg und Luther, der
Leibnitz und Humboldt, der Goethe und Schiller, der Scharnhorst, Stein und
Bismarck!

Page 100

18.
Geographische Verbreitung der deutschen
Familiennamen.
Nachdem wir die geschichtliche Entwickelung der deutschen
Familiennamen in den Grundzügen verfolgt haben, wird es nunmehr an der
Zeit sein, auch in geographischer Beziehung einen prüfenden Blick auf
dieselben zu werfen.
Stellen wir zu dem Ende vorerst die Grenzen des deutschen
Sprachgebietes fest, welche im wesentlichen ja auch die der deutschen
Familiennamen sind![84]
Wenn wir im N o r d w e s t e n beginnen, so folgt die Grenze zwischen
Deutsch und N i e d e r l ä n d i s c h vom Dollart aus im ganzen der
politischen Grenze zwischen Deutschland und Holland.
Bei Eupen setzt das F r a n z ö s i s c h e ein, und die Grenze zwischen
Deutsch und Französisch fällt nun seit Rückgewinnung des Elsasses meist
wieder mit der politischen zusammen, indem nur bei Malmedy und Metz
das deutsche Sprachgebiet zurückweicht, während es anderseits bei
Luxemburg bis nach Arlon in Belgien hinübergreift.
Von der Schweiz ist der Norden und die Mitte deutsch, derart, daß etwa
Solothurn, Freiburg, Gsteig (Kanton Bern) und Leuk (Kanton Wallis) die
äußersten deutschen Punkte nach Westen sind.
Am Rosaberge bildet Issime den südlichsten Vorsprung in das
romanische — westlich französische, östlich i t a l i e n i s c h e
Sprachgebiet. Von hier geht die Grenze nordöstlich über den St. Gotthard,
Chur, Martinsbruck, die Ortlerspitze, Salurn (Tirol), Brunecken bis Pontafel
in Kärnten, wo drei Sprachen: Deutsch, Italienisch, Slawisch
zusammenstoßen.

Page 101

Von Pontafel zieht sich die Grenze zwischen Deutsch und S l a w i s c h,
im ganzen der Drau folgend, ostwärts bis Radkersburg an der Mur, von da
nordwärts bis zur Mündung der Feistritz in die Raab, wo wir zuerst auf das
M a d j a r i s c h e stoßen.
Weiterhin bis Preßburg ist die Sprachgrenze — zwischen Madjarisch
und Deutsch — in welche sich überdies slawische Sprachinseln eindrängen,
vielfach zerrissen; doch greift das Deutsche bedeutend nach Ungarn hinüber
bis Körmönd, Güns, Wieselburg und bildet auch im eigentlichen Ungarn
viele Sprachinseln, besonders in der westlichen Hälfte und im Banat.
Bei Preßburg stoßen wir wieder auf das S l a w i s c h e (Westslawen).
Durch das mährische Tor zwischen Olmütz und Znaym haben sich die
Tschechen tief hinein ergossen bis Budweis, Pilsen, Leitmeritz, Turnau,
Josephstadt, so daß nur die inneren Abhänge der Grenzgebirge Böhmens
deutsche Landbevölkerung bewahrt haben.
In Preußen ist der ganze Ostrand von Pleß bis Oletzko überwiegend
slawisch (p o l n i s c h), also der Südosten von Schlesien etwa bis Ratibor,
Zülz, Namslau, die größere östliche Hälfte von Posen, das mittlere Drittel
von Westpreußen, nördlich von Bromberg bis zur Ostsee (Kassubei), der
Süden von Ostpreußen (Masuren). Doch sind auch diese als überwiegend
polnisch bezeichneten Landschaften von vielen deutschen Sprachinseln
durchsetzt und zeigen in dieser Hinsicht ein sehr buntes Bild.
Noch ist eine slawische Sprachinsel zu erwähnen: die
S o r b e n w e n d e n in der Lausitz, zwischen Bautzen, Muskau,
Senftenberg, Peitz.
Östlich von Goldap beginnt die Grenze zwischen Deutsch und
L i t t a u i s c h, welche zuerst fast ganz mit der politischen Grenze gegen
Rußland übereinstimmt, dann nördlich von Pillkallen sich westwärts wendet
und an der Mündung der Gilge ins Kurische Haff die Küste trifft.
Endlich im Norden die Grenze gegen das D ä n i s c h e! Dieselbe wird
ungefähr durch eine Linie von Hoyer an der Nordsee über Tondern nach
Gravenstein bezeichnet; aber nördlicher gelegene Orte, namentlich
Apenrade, Hadersleben, Christiansfeld sind noch deutsch.
Außerhalb dieses Hauptgebietes finden sich noch mannigfache deutsche
Inseln, besonders an dem ganzen Südost- und Ostrande: so Gottschee in

Page 102

Krain, viele Kolonien in Ungarn (Arad, Weißkirchen, die Zips), in
Siebenbürgen (Hermannstadt, Kronstadt, Bistritz), in Russisch-Polen
(Lodz), in den russischen Ostsee-Provinzen Kurland, Livland, Estland, an
der Wolga, endlich jenseit des Ozeans in Amerika und Australien.
Innerhalb des zusammenhängenden deutschen Gebietes sind nun zwei
sich kreuzende Linien zu ziehen: eine von Nord nach Süd, um die Grenze
zu bezeichnen, bis zu welcher sich slawische Einflüsse infolge früherer
Besiedelung (s. Beilage 3) noch heutzutage in der Namengebung
bemerklich machen — eine zweite von West nach Ost, um die Scheide
zwischen Ober- und Niederdeutsch[85] festzustellen.
Die Scheidelinie zwischen Deutsch und Slawisch
(Wendisch) wird im allgemeinen gebildet durch Elbe, Saale, Böhmerwald.
Das Genauere ist, daß eine Linie von der Kieler Bucht in einigen
Windungen, doch im ganzen nach Südost verlaufend (zwischen dem 28.
und 32. Meridian), über Lüneburg, Oschersleben, Naumburg, Koburg,
Waldmünchen (im Böhmerwalde), Windisch Garsten (in Österreich ob der
Enns), Pontafel die äußerste Westgrenze der slawischen Eroberungen im
6.-9. Jahrhundert bezeichnet.
Die Scheidelinie zwischen Oberdeutsch und
N i e d e r d e u t s c h geht über Bonn, den Harz, die Niederlausitz —
genauer: von Eschweiler (an der holländischen Grenze) über Bonn, Siegen,
Münden, Aschersleben, Wittenberg, Lübben bis Birnbaum (Posen), wo das
Polnische beginnt.
Doch ist diese Linie natürlich nicht haarscharf zu ziehen; denn
Übersiedelung, gegenseitiger Verkehr, Unterjochung des einen Stammes
durch den andern, Vermischungen aller Art haben beide Mundarten —
besonders an der Grenze — oft durcheinander geworfen. Daher finden sich
südlich jener Linie noch an manchen Orten niederdeutsche Elemente,
nördlich oberdeutsche, ja beträchtliche deutsche Sprachinseln am Oberharz
(um Klausthal) und in Ostpreußen (um Wormditt und Guttstadt), letztere
wohl durch Einwanderer entstanden, welche im Anfange des 17.
Jahrhunderts aus Oberdeutschland in das pestverheerte Littauen zogen.
Durch Ziehung dieser beiden sich kreuzenden Linien wird das ganze
Gebiet in vier Viertel zerschnitten: Nordwest, Nordost, Südwest, Südost, die
wir nach dem Grundcharakter der Familiennamen bezeichnen als:

Page 103

niederdeutsch, niederdeutsch-wendisch — oberdeutsch, oberdeutsch-
wendisch.
Im folgenden soll nun für das deutsche Reich eine genauere
Charakteristik der geographischen Verteilung der Familiennamen versucht
werden.

Page 104

19.
Genauere Angabe der Verteilung der
Familiennamen.

a) Niederdeutschland.

Nordwest.

An der Nordseeküste sitzen seit Urzeiten in einem schmalen Streifen
von der Scheldemündung ostwärts — soweit es Marschen und Inseln gibt
— die F r i e s e n, „der deutsche Seestamm, zäh und spröde im Festhalten
des Alten, im Verteidigen der Freiheit, ein kerniges Geschlecht.“
Die Sprache ist erst allmählich durch das nahverwandte Niederdeutsche
zurückgedrängt worden und behauptet sich gegenwärtig östlich der Ems
besonders noch im Saterlande (Oldenburg), in der Gegend von Husum und
Tondern und auf den Inseln.[86]
In diesen vom Weltverkehr abgelegenen Gauen bildeten sich, den
einfachen bäuerlichen Verhältnissen entsprechend, vorzugsweis
p a t r o n y m i s c h e Geschlechtsnamen aus.
Beginnen wir mit O s t f r i e s l a n d! Hier bilden die genetivischen
Namen wie Reiners, Gerdes, Gerjets, Dirks — Focken, Rippen, Tjaden,
Ufken, mit Anschluß der seltneren auf -sen (Bohlsen) in den Kreisen Aurich
und Emden die Hälfte aller Namen, in Leer noch ein Drittel. Als ganz
besonders charakteristisch, nur hier vorkommend, sind dabei die Namen auf
a (Gen. Plur.) hervorzuheben: Wiarda, Ebbinga, Ukena — außerdem die
Zusammensetzungen mit ma (mann): Bolema.
Von Gewerben finden sich nur die einfachsten (ländlichen): Smidt,
Müller, Fischer, Schipper, Bakker, Kramer.

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Die Lautverhältnisse haben manches Eigentümliche: sm (Smidt neben
Schmidt), tj (Warntjes), kk (Dekker), ui = ü (Luitjens), ou = au
(Wildebouer). Wie hieraus ersichtlich, weisen sie zum Teil auf das
Holländische hin, dessen Einfluß sich an der ganzen westlichen
Sprachgrenze von Ostfriesland bis zum Niederrhein geltend macht.
Auch im O l d e n b u r g i s c h e n treten die patronymischen Namen wie
Redlefs, Oltmanns, Rieniets, Taddiken, Knutzen (= Knudsen) am nördlichen
Küstenrande stark hervor, am stärksten (mit 80 v. H.) im Kreise Jever.
Überhaupt findet große Übereinstimmung mit den ostfriesischen Namen
statt, nur daß die auf a und ma fehlen, wie auch die Anklänge an das
Holländische.
Kommen wir nach H a n n o v e r, so treten hier, selbst in den Marschen
zwischen Weser und Elbe, die genetivischen Namen merklich zurück. Ihre
Zahl wächst erst wieder in H o l s t e i n (Ditmarschen: mindestens 40 v. H.)
— und hier, an der s c h l e s w i g-holsteinischen Küste, treten die bis dahin
mehr vereinzelten Zusammensetzungen auf -sen, je weiter nach Norden,
desto stärker hervor, namentlich im Herzogtum Schleswig, bis in den
Kreisen Husum und Tondern die Hansen, Thomsen und Nissen,
Christiansen und Gidionsen, Detlefsen und Hinrichsen alles so
überwuchern, daß sie fast 90 v. H. aller Familiennamen füllen. Doch diese
Bildungen greifen auch nach der Ostseite des meerumschlungenen Landes
hinüber, zum Stamm der Angeln, und bilden dort ebenfalls die Mehrheit, im
Kr. Flensburg wiederum 90 v. H., im Kr. Schleswig noch die Hälfte, bis sie
im daran grenzenden Kr. Eckernförde plötzlich nahezu verschwinden.
Gehen wir wieder nach unserm Ausgangspunkte, Ostfriesland, zurück,
so schließen sich an dieses in der Namengebung die südlicher gelegenen
h a n n ö v e r s c h e n Bezirke, namentlich P a p e n b u r g, wo die
genetivischen (ungerechnet einige auf ing) wieder die Hälfte aller Namen
bilden.
In L i n g e n machen diese nur noch etwa ein Fünftel aus, und anderseits
treten als Namenelemente Bezeichnungen von Örtlichkeiten wie brink,
horst, auch hoff, desgleichen Zusammensetzungen mit Meyer hervor — die
Vorläufer der eigentümlich w e s t f ä l i s c h e n Namengebung.
Patronymika (auf ing und genet. Bildungen) finden sich durch das ganze
preußische Westfalen mit Einschluß Osnabrücks — am stärksten an der

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holländischen Grenze.
Patronymika und zwar genetivische (Giesen, Otten, Wienands, Ludwigs,
Gompertz — selbst Namen der dritten Schicht wie Schippers, Schmitz, Kox)
bilden das Charakteristische auch am preußischen N i e d e r r h e i n, ganz
besonders auf der linken Seite des Flusses von Kleve bis Aachen, wo
dieselben ungefähr die Hälfte aller Namen ausmachen (Höhenpunkt mit
mindestens 60 v. H. im nördlichsten Teile des Regierungsbezirks Aachen).
Dann aber gibt sich das spezifisch Eigentümliche der
w e s t f ä l i s c h e n Namengebung in den zahlreichen an die
Besonderheiten der Ö r t l i c h k e i t angelehnten Namen kund. Die
Landschaft hat hier nicht mehr die Einförmigkeit des Küstenrandes, der
Marschen an der Nordsee; Berge und Hügel (hövel), hochliegende
Grasflächen (brink) treten in ihr hervor; anderseits Teiche (diek), Brücher
(brok), häufig ein Wald oder Gebüsch (loh, holt, horst), dann das Feld in
abgeschlossene, umhegte K ä m p e geschieden. Alles dies spiegelt sich auch
in den Familiennamen, in welchen demnach brink, brock, horst, kamp,
demnächst beck (Bach), diek, holt, loh Hauptelemente sind, in Namen wie:
Windhövel, Hasenbrink, Uhlenbrock, Hasselhorst, Lohkamp, Möllenbeck,
Buddendieck, Eickholt, und abgeleitet mit der Endung er: Steinbrinker,
Hüttebräuker, Behrhörster, Roggenkämper — oder präpositional: auf dem
Brauke, Tenberge, Terbeck.
Eine solche Bezeichnungweise konnte um so eher Platz greifen, da die
Ansiedelung in diesen Gegenden nach altgermanischer Weise eine
zerstreute ist. Münster und die nördlichen Teile von Minden und Arnsberg
gehören zu denjenigen Gegenden, wo das Land nicht in geschlossenen
Dörfern, sondern durch einzelne Höfe angebaut ist, die erst für staatliche
Zwecke zu Bauerschaften zusammengefaßt werden. Dazu stimmen auch die
vielen Namen auf hof (Lohoff) und haus (im Münsterschen auch hues:
Grothues).
Auf die Abstufung nach dem Grundbesitz gehen Meyer und Kötter,
welche in außerordentlich vielen Zusammensetzungen erscheinen.
Insbesondere tritt Meyer mit seiner Sippe im Mindenschen hervor, bis zu 25
v. H. aller Namen.
Rechnen wir nun noch dazu, daß auch andere Namen, mit denen man in
andern Gegenden an sich zufrieden sein würde, hier gern durch

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Zusammensetzungen noch näher bestimmt werden (wie Bowenschulte,
Brinkschröder, Oberste-Kampmann, Hemkensamkenschnieder), daß ferner
in Sproßformen der ersten Schicht das altertümliche o sich häufiger
behauptet hat (Danco, Teuto): so werden wir zugeben müssen, daß hier auf
echt deutschem Boden, wo deutsche Bevölkerung und Sitte sich
verhältnismäßig ungeschwächt erhalten hat, auch die Namengebung eine
ureigene und höchst bezeichnende ist, wie sie sich kaum in einem andern
Teile Deutschlands findet.
Das o l d e n b u r g i s c h e Binnenland schließt sich an den Küstenrand
an, es bietet bei entschieden niederdeutschem Gepräge (sogar -borg st.
burg) wieder eine Fülle g e n e t i v i s c h e r Namen, in Rastede und
Westerstede noch an 50 v. H., doch nach Osten hin stark abnehmend,
während der Süden (Vechta) nebst den hannöverschen Kreisen Diepholz
und Hoya schon zum westfälischen Charakter überleitet.
Auch im ö s t l i c h e n H a n n o v e r zwischen Weser und Elbe, dem
alten Ostfalen, finden sich noch bedeutende Anklänge an die westfälische
Namengebung, indem die örtlichen Elemente, namentlich brink, brock,
horst, kamp noch weithin ausgestreut sind, östlich bis an die ehemalige
slawische, südlich bis an die hochdeutsche Sprachgrenze.[87] Indessen sind
sie doch entschieden weniger zahlreich, und die Ableitungen brinker,
kämper usw., sowie die etwas langatmigen Zusammensetzungen (auch auf
kötter) fehlen. Dasselbe tritt bei dem Namen Meyer hervor, der auch hier
außerordentlich häufig erscheint, jedoch überwiegend einfach, während in
Westfalen die Zusammensetzungen auf -meyer vorherrschen.
So bietet diese Namengebung trotz vielfacher Verwandtschaft doch nur
ein sehr abgeblaßtes Bild der westfälischen.
Dagegen gehen die Patronymika in wesentlich unverminderter
Häufigkeit hindurch. Als neu treten hinzu eigentümliche Ortsbezeichnungen
auf -bostel, -horn, -sen (Abkürzung aus -sheim), z. B. Rodenbostel,
Ehrhorn, Bellersen (wie diese schon unter den Kreisstädten durch
Fallingbostel, Gifhorn, Wennigsen vertreten sind).
Als Verkleinerungsform begegnet hier zuerst häufiger ke (wofür bisher
das friesische je und das genet. ken oder gen), insbesondere nach dem
Wendlande und der Altmark hin.

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Im Kreise D a n n e n b e r g erinnern Ortsnamen wie Lüchow, Liepe
daran, daß wir nunmehr die Linie überschritten haben, welche die
slawischen Eroberungen vor dem 9. Jahrhundert bezeichnet, daß wir uns in
dem hannöverschen Wendlande befinden, wo (in den Ämtern Lüchow und
Gartow) bis ins 18. Jahrhundert hinein wendisch gesprochen wurde und in
der Volksmundart noch jetzt einzelne dem Wendischen entlehnte Ausdrücke
sich erhalten haben.
Hier stoßen nun auch unter den Familiennamen wendische Formen wie
Wiebelitz, Glabbatz, Gramüsch auf.
Und so kommen wir zu dem Nordosten Deutschlands, dessen Charakter
im allgemeinen als niederdeutsch-wendisch zu bezeichnen ist.

Nordost.

Der Nordost umfaßt die weitausgedehnten Ebenen östlich der Elbe, die
seit Gründung der Nordmark in jahrhundertelangem Ringen den Slawen
(Wenden) wieder abgewonnen wurden, d. h. das östliche Holstein,
Mecklenburg, Brandenburg, Pommern, West- und Ostpreußen, bis zur
polnischen beziehungsweise littauischen Sprachgrenze im Osten und
Südosten (s. S. 71) und bis zur Grenze des Hochdeutschen im Süden.
Hier, in der Heimat Fritz Reuters, wird man auch in den Familiennamen
noch den n i e d e r d e u t s c h e n Charakter ausgeprägt erwarten.
Derselbe zeigt sich in Namen wie Schröder und Schrader, Pieper, Voß,
woneben die hochdeutschen Formen (Schröter, Pfeifer, Fuchs) weit seltener
vorkommen, ferner in Namen wie Kruse (besonders in Holstein,
Mecklenburg, Vorpommern), Niemann, Grote (Groth), Möller, Schütte u. a.,
[88] ebenso in den von Ortsnamen entlehnten auf -beck (st. -bach), -husen
(st. -hausen). Selbst der ursprüngliche niederdeutsche Name von Salzwedel:
Soltwedel, als Ortsbezeichnung längst verhochdeutscht, hat sich noch als
Familienname erhalten.
Dazu treten die Verkleinerungen auf -ke (Lüdicke, Lemke, Wilke,
Jahnke), welche hier so recht ihre Heimat und Geburtsstätte haben.
Doch überwiegt das Niederdeutsche hier im Osten, von Holstein und
Mecklenburg abgesehen, nicht so wie im Westen. Es ist gerade in den

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Namen nicht mit solcher Entschiedenheit festgehalten worden; der
Übergang in das Hochdeutsche ist merklich weiter vorgeschritten. Als ein
auffallender Beweis bietet sich der Name Schulz, der in Westfalen meist
noch Schulte lautet (auch in Mecklenburg häufig Schult), während dies in
Brandenburg und Pommern eine seltene Form ist.
Anderseits sind entschieden hochdeutsche Formen hier nicht selten,
namentlich die Deminutivbildungen mit z und l, wie Barz, Kunze, Wetzel,
Neitzel, zu denen Zwitterformen wie Neitzke den Übergang bilden.
Solche Namen auch in der Landbevölkerung weisen wohl darauf hin,
daß die deutsche Einwanderung in diese dem Slawentum allmählich wieder
abgewonnenen Gaue, wenn auch überwiegend aus Niederdeutschland, doch
teilweis auch aus oberdeutschem Sprachgebiet erfolgt ist.
Patronymische Bildungen, die in Ostholstein noch beinahe 20 v. H., in
Mecklenburg aber nicht mehr 10 v. H. betragen, verschwinden weiterhin
fast ganz.
Von der s c h w e d i s c h e n Herrschaft sind einige Familien, besonders
in Neuvorpommern, welches bis 1815 schwedisch war, sitzen geblieben.
Doch sind diese „alten Schweden“ schon sehr dünn geworden; in einem
Kataster der Stadt Stralsund vom Jahre 1844 (Verzeichnis der
Hauseigentümer) fanden sich nur noch acht unzweifelhaft daher stammende
Namen, wie: Sjöborg, Wallengreen, Weström.
Nun aber ist die w e n d i s c h e Beimischung festzustellen. Daß in
diesen Landschaften außerordentlich viel wendische Ortsbezeichnungen
auch nach der Rückgermanisierung in meist wenig veränderter Form stehen
geblieben sind, ist schon in der Einleitung angemerkt worden (Genaueres
darüber in Beilage 3). Dies beeinflußt nun auch die Familiennamen, welche
ja zum guten Teile einfach übertragene Ortsnamen sind. Unter ihnen
schlagen vor die auf ow, demnächst die auf in (betont) und witz, wie:
Bütow, Grabow; Leppin, Ladenthin, Pentzien; Bublitz, Gerwitz.[89]
Neben diesen halbschlechtigen Namen, die, auf dem linken Elbufer
(Altmark), auch noch in Ostholstein vereinzelt, auf dem rechten sich bis zu
10, ja in Pommern in manchen Kreisen fast bis zu 20 v. H. steigern, treten
nun, zuerst in der Priegnitz, vollgültige wendische Personennamen auf, als
da sind: Noack, Mitzlaff, Petrick, Nimz, Pechek.[90]

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Doch bleiben auch hier die deutschen Namen ganz überwiegend in der
Mehrheit, derart, daß, alles zusammengerechnet, die wendischen kaum
irgendwo ein Drittel der gesamten Zahl erreichen.
Ihre Zahl wächst allerdings überall nach der slawischen Sprachgrenze
hin, so in Brandenburg nach der Niederlausitz, in Pommern nach der
Kassubei hin. In Pommern bezeichnet der Küstenfluß Lupow etwa die
Grenze, hinter welcher erst das Übergewicht der slawischen Namengebung
hervortritt. Wunderlich klingende Gebilde wie Gromoll, Pigorsch,
Piotraschke, Quardux beherrschen hier das Gebiet, während südöstlich,
hinter Bütow, die sich vordrängenden -ski an die Nähe der polnischen
Sprachgrenze gemahnen.
Überspringen wir die Kassubei, so kommen wir zu dem schönen
deutschen Stücke zwischen den beiden Angelpunkten Danzig und
Königsberg. Hier an der nördlichen Ostmark deutschen Wesens, wo drei
Sprachen: deutsch, slawisch (in Masuren), littauisch zusammentreffen, zeigt
sich eine sehr bunte Mischung auch im Bereiche der Familiennamen. Die
Grenze gegen diese beiden Sprachen ist im vorigen Kapitel angegeben; aber
auch in den verbleibenden deutschen Teil sind häufig slawische und
littauische Namen (s. Beilage 3) eingesprengt. Doch können diese weniger
auffallen, als eine eigentümliche Klasse unter den deutschen Namen,
nämlich die mit entschieden süddeutschem Gepräge wie: Fischöder,
Scharfetter, Rohrmoser, Obersperger. Diese Namen, welche auf Österreich
(und Bayern) hinweisen, sind durch die 1724 aufgenommenen Salzburger
hierher verpflanzt.

b) Oberdeutschland.

Südwest.

Südlich der Linie, die von Bonn am Rhein über den Harz bis zur
Nordgrenze der Niederlausitz (Lübben) geht, beginnt das oberdeutsche
Gebiet. Dieses kennzeichnet sich im Bereich der Familiennamen zunächst
durch den Wegfall des eigentümlich Niederdeutschen in Lautverhältnissen
und Wortformen. Namentlich gilt dies auch von den Bildungselementen der

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Verkleinerungsformen: an Stelle des k (g, j) tritt l in seinen mannigfaltigen
Gestaltungen (s. Seite 33) und z.[91]
Beginnen wir am Rhein, mit der preußischen Rheinprovinz, so handelt
es sich besonders um die Regierungsbezirke K o b l e n z u n d T r i e r.
Die genetivischen Namen, welche in dem nördlichen linksrheinischen
Teile dieser Provinz überwogen (Henrichs, Reichartz, Caspers, Eckes,
Hoppen), bilden auch hier im Nordwesten (Kr. Daun, Prüm) fast noch die
Hälfte der Familiennamen, sie nehmen aber je weiter nach Osten und Süden
desto mehr ab, bis sie in den Kreisen Saarbrücken und St. Wendel sowie
Altenkirchen (auf dem rechten Ufer) nahezu verschwinden.
Das bisherige Verkleinerungssuffix k (Hünnekes, Wilkens, Klömpges,
Nüßgen, Büschgens) weicht den l und z (Eckel, Thiel — Heinz, Lutz), die
hier zum erstenmal im Westen erscheinen.
Was die von Ortsnamen stammenden Familiennamen betrifft, so treten -
ich (nich), -rath, -scheid zurück, besonders südlich der Mosel. Statt -rath
erscheint auf dem rechten Rheinufer (schon im Regierungsbezirke Köln) -
roth (Wilmeroth), welches bis zur Ostgrenze von Thüringen hindurchgeht.
Wichtiger aber ist, daß die Ortsnamen, um Familiennamen zu werden,
nunmehr häufig die Endung -er annehmen: -bacher, -burger, -heimer, -
inger, z. B. Morschbacher, Straßburger, Weinsheimer, Dillinger — mit
Umlaut: -becher, -häuser, -thäler: Dörrenbecher, Oppenhäuser,
Lichtenthäler.
Die Nähe der französischen Sprachgrenze (Kr. Malmedy) verrät sich in
Namen wie Dieudonné, Dollibois u. a.[92]
Überschreiten wir den Rhein ostwärts, so finden wir in dem
Nassauischen (Regb. Wiesbaden) den allgemein oberdeutschen Charakter,
ohne stark hervortretende Besonderheiten. Derselbe setzt sich auch in
Hessen und Thüringen fort, so daß wir diese Landschaften bis zur Saale hier
zusammenfassen können.
Genetivische Namen können hier kaum noch in Betracht kommen; sie
bilden schon im Nassauischen nur etwa 2 v. H. und verlieren sich weiter
nach Osten so gut wie ganz. Dagegen gehen die Patronymika auf ing, wenn
auch in geringem Hundertsatz, durch bis zur Saale.

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Verkleinerungsformen werden auf -el gebildet (bisweilen in Thüringen
verstärkt durch n: -lein, z. B. Gäbelein) und auf z, für welches letztere
mitunter das vergröberte tsch eintritt: Fritsch, Götsch neben Fritze, Götze.
Da jedoch die Dialektgrenze nicht fern ist und diese Scheidelinie sogar
durch das ehemalige Kurfürstentum geht, somit ein, wenn auch nur kleiner
Teil desselben (Kr. Hofgeismar, Wolfhagen) in den Bereich des
Niederdeutschen fällt, so ist es nicht verwunderlich, daß auch südlich von
dieser Linie niederdeutsche Formen öfters begegnen, besonders in Hessen
und Thüringen: Gerke, Hennicke, Meinecke, Fricke.
Von den Handwerksnamen sind am häufigsten Schmidt und Müller
nebst einigen Zusammensetzungen und in den Hannover benachbarten
Landschaften Meyer, einfach und in Zusammensetzungen, Schulz dagegen
findet sich nur sehr vereinzelt. Auch in dieser Klasse zeigen sich
niederdeutsche Formen, so auffallend häufig in Hessen Möller neben
Müller.
Die Ortsnamen werden überwiegend ohne Ableitungsendung
übertragen: Lauterbach (bach hier das häufigste Grundwort), Henneberg,
Sonnefeld usw., dabei wird -rode meist in -roth gekürzt (Germeroth), auch
in -rott (Ascherott), ähnlich das eigentümlich thüringisch-sächsische -leben
(Hallensleben) häufig in -leb: Rinkleb, Witzleb. Viel seltener (in Nassau
etwa ⅓ in Hessen und im nördlichen Thüringen noch weit weniger
zahlreich) sind die Ableitungen auf -er: Reichenbächer, Dillenburger,
Henneberger, Saalfelder, Staudinger, Herchenröder.
Die Annäherung an die ehemals slawische Ostgrenze macht sich
bemerklich in Bildungen wie Stiebritz, Löbnitz — Gölitzer.
Gehen wir wieder zurück an den Rhein, um nach dem eigentlichen
S ü d d e u t s c h l a n d — südlich vom Main — zu gelangen!
Dieser Übergang markiert sich in Hessen-Darmstadt (Starkenburg,
Rheinhessen) durch das Auftreten des ai, ay (statt ei): Hainz, Mayer neben
Meyer, sodann dadurch, daß die Ableitungen auf -er von Ortsnamen
gegenüber den einfach übertragenen Ortsnamen häufiger werden und
letzteren nunmehr schon das Gleichgewicht halten.
In B a d e n tritt auf dem Gebiete der Schmeichelformen das z
(vergröbert tsch: Fritz, Dietz — Fritsch, Dietsche, Bertsch) entschieden in

Page 113

den Hintergrund gegen das andere Suffix l. Dieses nimmt hier die
eigentümliche Form -le an, welche im Unterrheinkreis (auf fränkischem
Boden) noch gegen -el zurückstehend, je weiter nach Süden desto mehr an
Zahl wächst, so daß südlich von der Murg (auf alemannischem Boden),
namentlich aber im Seekreise die Merkle und Bürkle, die Enderle und
Eberle eine fast unbestrittene Alleinherrschaft üben. Selbst Namen der
dritten Schicht müssen sich dieser Herrschaft fügen: Kränzle, Drechsle
(statt Drechsel = Drechsler), Sütterle (von Sutter, Schuhmacher). Nur im
Oberrheinkreise tritt daneben ziemlich häufig -lin auf: Bürklin, Brendlin,
Sütterlin, wie dieses auch auf der andern Seite des Rheines, im Elsaß, nicht
selten ist, man denke an Oberlin, Köchlin. Nach der Schweiz weisen einige
Formen auf i wie Erni, Bläsi, Rudy (bisweilen verstärkt durch n: Lüttin,
Wältin, Willin). Unter den Vollnamen sind eigentümlich einzelne
Verkürzungen des -hart in -et wie Bernet, Ehret, Werneth.
Unter den von Örtern entlehnten Familiennamen gewinnen die
Ableitungen auf -er nunmehr schon im Unterrheinkreis die Oberhand und
verdrängen weiter nach Süden die einfache Übertragung der Ortsnamen fast
vollständig. Den Reigen führt -inger: Götzinger, Hottinger, Zähringer,
demnächst -berger. Beide zusammen bilden ⅔ aller bezüglichen Namen.
Während -ingen und -berg abgesehen von Adelsnamen wohl immer
umbiegen, verhält sich -bach wie auch sonst auffallend spröde dagegen und
bildet nur in der Minderzahl der Fälle weiter: -bacher seltner -becher.
Wie hieraus hervorgeht, schwankt der Umlaut; so auch in -hauser und -
häuser, -hofer und -höfer; doch herrschen im allgemeinen in dieser Klasse
die nicht umgelauteten Formen vor, wie auch unter den Namen, welche von
der Beschäftigung hergenommen sind, Kammerer und Kuster (Kusterer)
und Kohler auffallen.
Ähnliche Verhältnisse wie im Badischen herrschen wesentlich in
W ü r t t e m b e r g mit Einschluß von H o h e n z o l l e r n. Auch hier
überwiegt als Verkleinerungsf. -le. Schon im Nordosten, im Jagstkreise (auf
fränkischem Boden) mindestens die Hälfte der Verkleinerungsformen mit
dem Kern l bildend, füllt es im südlichen Württemberg (auf schwäbisch-
alemannischem Boden) über 75 v. H. Schier endlos ist die Reihe dieser
Schmelzle und Schwämmle, Bäuerle und Mayerle, Endele und Bendele,
Dägele, Hägele, Nägele, Wegele. Daneben kommt nur noch -el
einigermaßen in Betracht (Denzel, Immel), da -lin (Hölderlin), -len (Enßlen)

Page 114

und -lein (Merklein) nur vereinzelt auftreten. Hingegen gehen die
Verkleinerungen auf z in mäßiger Zahl durch alle Kreise, ohne die badische
Vergröberung in tsch.
Patronymika auf -ing (Schilling, Gehring, Scheuring) sind hier häufiger
als im Badischen. Unter den von der Beschäftigung entlehnten Namen sind
besonders häufig Müller und Maier (Mayer — immer mit a), beide,
namentlich letzterer auch in vielfachen Zusammensetzungen wie:
Steinmaier, Burkardsmaier, Katzenmaier, Stegmayer. Ihnen ziemlich gleich
an Zahl kommen Schmid[93] und Schneider, die aber die
Zusammensetzungen fast ganz entbehren.
Eigentümlich süddeutsche Handwerks- und Amtsbezeichnungen sind:
Beck (in Baden meist noch Becker), auch in Zusammensetzungen wie
Brodbeck, Pfister, und Pfisterer (aus lat. pistor), Sautter (aus lat. sutor),
Hafner — Forstner, Sigrist.
Was die Lokalia betrifft, so herrschen wie in Baden die Ableitungen auf
-er von der Tauber bis zum Bodensee ganz entschieden vor. Unter ihnen
stehen, entsprechend der großen Zahl württembergischer Ortsnamen auf -
ingen, die -inger obenan: Breitinger, Griesinger, Junginger, Sickinger. Als
eigentümlich süddeutsche Formen (auf alemannisch-schwäbischem Boden)
schließen sich an: Allgöwer, Ettwanger, Beißwänger, Winterhalter,
Dannegger, Moosbrugger, Sonnenmoser, Bogenrieder.
In lautlicher Hinsicht ist anzumerken, daß häufig ai für ei eintritt:
Aichele, Sailer, Stainer, Schnaithmann, wie dieses ai sich auch schon in den
Ortsnamen bemerklich macht (Waiblingen, Spaichingen, Crailsheim u. a.)
— sodann hin und wieder uo statt u: Ruof, Schraishuon. Konsonantisch fällt
eine gewisse Einfachheit der Schreibung auf. Ganz entgegen der sonstigen
Orthographie der Familiennamen, die mit Vorliebe soviel Buchstaben als
möglich setzt, stimmt hier die Schreibung im allgemeinen mit den
gewöhnlichen Regeln überein und enthält sich besonders der unnötigen
Häufungen ck, tz, dt, ll.[94]

Südost.

Das thüringisch-sächsische Gepräge der Familiennamen setzt sich auch
noch östlich der Saale in den dorthin sich erstreckenden Teilen der

Page 115

preußischen Provinz S a c h s e n (den Kr. Delitzsch, Bitterfeld, Torgau,
Schweinitz, Liebenwerda) sowie in dem Königreich Sachsen im
allgemeinen fort.
Die häufigste Verkleinerungsendung ist -el in Namen wie Göthel,
Hähnel, Neydel, Seidel, Siegel, Weigel; Barthel, Jäckel. Den oberdeutschen
Formen auf l und z (häufig vergröbert tsch) tritt in den nördlichen Gegenden
ziemlich oft das niederdeutsche k zur Seite; so finden sich nebeneinander
Heinze und Heinecke, Dietze und Diecke. In den südlichen Landschaften
(dem Königreich Sachsen) tritt an Stelle des ke (-icke) das mehr
hochdeutsche -ig (-ich): Heinig (Heinich), Theurig, Uhlig, Gerbig.
Ableitungen auf -er von Ortsnamen (Straßberger, Schönfelder,
Clausnitzer) treten hier zurück, mit Ausnahme der nicht seltenen
zweisilbigen, wie Berger, Langer (von Ortsnamen Berg, Lang), Birkner,
Jeßner, Klingner, Ließner, Lindner, Meißner, Ölsner (von Ortsnamen auf -
en: Birken, Jessen usw.).
Durch das Zusammentreffen von Oberdeutsch und Slawisch werden in
Namensformen (deutschen wie auch slawischen Ursprungs) harte
Zischlautverbindungen erzeugt: zsch, tzsch, nicht allein im Auslaut:
Fritzsche, Klotzsch, Pietzsch, Roitzsch, sondern (im Königreich Sachsen)
auch im Anlaut: Zschweigert, Zschinsky, Tschucke.
Überhaupt blickt der slawische Untergrund, wenn auch die deutschen
Namen, von der Lausitz abgesehen, ganz bedeutend überwiegen, doch noch
hie und da durch in Namen wie Gaudlitz, Muschwitz (von den
entsprechenden Ortsnamen), Nowak, Noack (= Neumann), Schunak,
Hannusch.
Die südlichen Kreise des Regierungsbezirks F r a n k f u r t a . d . O .,
die den größten Teil der Lausitz mit ihrer urspr. sorben-wendischen
Bevölkerung in sich schließen, haben zwar ebenfalls die deutschen
Verkleinerungsformen auf l und z (tsch), doch häufiger das aus zwei
Quellen (niederdeutsch und wendisch) fließende Suffix k: Janke, Paulke,
Hannuske, Dammaschk, Scholtka, Hanko. Bisweilen sind l oder z mit k in
deutschen Zwitterformen wie Henkel, Kunzke vereinigt.
Ortsnamen werden fast immer unmittelbar übertragen: Goldbach,
Hanstein, Wollenberg — Ukrow, Schillow, Matzkow, Dubrau; -ow und

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daraus verdeutscht -au (wie in den Städtenamen Kalau, Luckau, Sorau
usw.) sind hier die gewöhnlichen Endungen slawischer Ortsnamen. Das
Wendische tritt natürlich stark hervor, bis zu 40 v. H. und drüber, in
Gebilden wie (außer den schon erwähnten): Kuba, Koalick, Mudrak,
Woitschach, Natusch, Nawotnik.
Eine ebenfalls starke wendische Beimischung zeigt die
O b e r l a u s i t z, am stärksten im Kreis Hoyerswerda. Im übrigen leitet die
Oberlausitz (wie auch schon Sachsen) durch das Vorschlagen der
Verkleinerungsform -el und die Ableitungen auf -er von Ortsnamen, wie
Elsner, Wiesner, nach Schlesien hinüber.
Da S c h l e s i e n wie eine langgestreckte Halbinsel in das slawische
Sprachmeer, zwischen Tschechenland und Polen, hinausragt, so ist es
natürlich, daß fast überall slawische Elemente auch in den Familiennamen
hervortreten. Im Innern der Provinz ist dies freilich nur in geringem Maße
der Fall, in desto größerem aber an den Rändern, besonders im Osten, wo
Preußisch-Schlesien unmittelbar an das Polnische (in Posen und Russisch-
Polen) und im Südosten, wo es an das sogenannte Wasserpolnische (in
Oberschlesien) stößt, während im Westen noch ein Streifen deutscher
Bevölkerung (in Österreich) vorgelagert ist. Am stärksten ist diese
slawische Beimischung in der Ecke zwischen dem Posenschen (Rawitsch)
und Oberschlesien (Kreuzburg), besonders in den Kreisen Namslau und
Wartenberg,[95] wo die -ek (Adamek) und -ak (Stepaniak), die -owski und -
inski usw. 40–50 v. H. ausmachen. Dagegen ist in den oberschlesischen
sprachlichen Grenzkreisen Leobschütz, Neustadt, Falkenberg, Neiße,
Grottkau nur etwa ⅕ der Familiennamen slawisch.[96] In der d e u t s c h e n
Namengebung fehlen die Patronymika (Genetiv, Ableitungen auf -ing,
Zusammensetzungen auf -sen). Von den Verkleinerungsendungen ist -ke
wohl meist dem Slawischen zuzuweisen, z begegnet fast nur in den
bekannten „Hinz und Kunz“ (Heinze und Kunze), häufiger in den breiteren
Form tsch: Bartsch, Fritsch, Nitsche — bisweilen sch: Kunsch — mit k
verbunden: Nitschke. Obenan steht jedoch wie in Sachsen -el: Göbel,
Menzel, Riedel, Seydel, Thiel (aus Thiedel) — Hensel, Jäckel — Hentschel.
Ortsnamen werden meist einfach übertragen: Steinberg, Kunzendorf,
Süßenbach, Baumgart, wobei -berg, -dorf, -bach voranstehen, während die
urspr. slawischen Ortsnamen überwiegend auf -witz und -itz endigen:
Plagwitz, Nittritz. Doch wird die Endung -er an Ortsnamen auf -berg häufig

Page 117

gehängt: Grünberger, Riesenberger, Rosenberger, und einsilbige
Ortsnamen erfahren gewöhnlich diese Verlängerung: Brieger, Glatzer. Ganz
besonders aber sind zweisilbige Ortsnamen auf -en anscheinend immer nur
in dieser Weiterbildung verwendet, so daß sich hieraus eine lange Reihe
solcher Familiennamen ergibt: Elsner, Ilgner, Kösner, Kutzner, Klingner,
Langner, Lindner, Moschner, Wiedner, Wiesner von den Ortsnamen Elsen,
Ilgen, Kösen usw.
Unter den von Amt und Handwerk entlehnten Namen sind als
eigentümlich schlesisch hervorzuheben: Scholz (vgl. auch „Erbscholtisei“
— slawisch Woita = Vogt) und Kretschmer vom slaw. Kretscham
(Dorfkrug).

Page 118

20.
Stillstand oder Bewegung in der Namenwelt?
Der Prozeß der Festwerdung der Familiennamen ist, nachdem auch die
letzten Nachzügler (s. S. 29 und 66) sich ihm haben anbequemen müssen,
nunmehr seit beinah einem Jahrhundert zum Abschluß gelangt. Es fragt sich
aber, ob damit nun ein völliger Stillstand auf diesem Gebiete eingetreten, ob
nicht auch hier bei genauerer Betrachtung eine Bewegung zu erkennen ist,
gleichwie der Spiegel eines scheinbar still und tot daliegenden Gewässers
doch eine leichte Bewegung auf der Oberfläche verrät.
Diese Frage ist entschieden zu bejahen; einen völligen Stillstand gibt es
auch auf diesem Gebiete nicht.
1. E s s t e r b e n F a m i l i e n a u s u n d d a m i t a u c h
F a m i l i e n n a m e n . Dies läßt sich am leichtesten bei adeligen
Geschlechtern verfolgen. So starb, um nur ein Beispiel aus dem vorigen
Jahrhundert herauszugreifen, im Jahre 1836 zu Stralsund Graf August
Wilhelm von Mellin als letzter eines Geschlechtes, das nach einer Äußerung
des geistreichen und gemütvollen Mannes „älter war als die
Stubbenkammer“ (Berghaus, Sprachschatz der Sassen).
2. Vo r h a n d e n e N a m e n w e r d e n g e ä n d e r t . Besonders
häufig ist der Übergang aus der mundartlichen in die hochdeutsche Form,
namentlich auf niederdeutschem Sprachgebiete: Möller in Müller,
Röwenhagen in Rübenhagen u. a. noch in neuester Zeit (s. Beilage 2).
Davon abgesehen werden vereinzelte Namen aus den mannigfachsten
Gründen geändert: Czech in Echt, Kamphaus in Kamphausen, Laabs in
Labes.
3. E s b i l d e n s i c h n e u e N a m e n — zunächst durch
Zusammensetzung zweier: bei adeligen Geschlechtern infolge
Verschmelzung zweier Familien, deren eine bis auf eine Erbtochter
erloschen ist: von Kleist-Retzow, Henckel von Donnersmarck — bei

Page 119

Schauspielerinnen, die im Fall einer Verheiratung den Namen, unter
welchem sie berühmt geworden, gern beibehalten: Hendel-Schütz,
Birchpfeiffer. In einzelnen Fällen ist ein solcher Doppelname gestattet
worden, um das Aussterben eines berühmten Namens zu verhindern, so
Bessert-Nettelbeck (des Kolberger N. Schwiegersohn).
In einigen Gegenden ist es Sitte, den Vaternamen der Frau mit dem
eigenen zu verbinden. Beispielsweise nannte sich Hollweg nach Frankfurter
Sitte Bethmann-Hollweg; bei dem Sohne kam dieser Doppelname bald in
alleinigen Gebrauch und wurde auch 1840 von Friedrich Wilhelm IV.
geadelt. Diese Sitte scheint besonders in der Schweiz verbreitet zu sein.
Endlich entstehen Namen, wenn auch nur ganz vereinzelt, durch völlige
Neubildung. Dies wird hauptsächlich der Fall sein bei Findlingen und bei
Proselyten. So hat ein dem Verfasser persönlich bekannter Proselyt sich
Bußin genannt, von dem Hauptwort „Buße“ mit Anlehnung an die
Ortsnamen auf -in.

Page 120

Beilage 1.
Godeberaht.{1}

a) D i e i m A l t d e u t s c h e n m ö g l i c h e n B i l d u n g e n (s.
S. 22 f.).

Einstämmig gekürzte Form Godo,{2} zweistämmig gekürzt Godbo{3}
mit den Nebenformen Gobbo{4} und Gobo.{5}
Hieraus als einfach verkleinerte Formen mittels der Endung -ilo:
Godilo{6} mit den Nebenff. Godlo,{7} Gollo{8} und Golo,{9} sowie
Godbilo{10} mit den Nebenff. Gobbilo{11} und Gobilo{12} — mittels der
Endung izo: Godizo{13} nebst Godzo,{14} Gozzo,{15} Gozo,{16} sowie
Godbizo{17} nebst Gobbizo{18} und Gobizo{19} — mittels der Endung iko:
Godiko{20} nebst Godko,{21} Gokko,{22} Goko,{23} sowie Godbiko{24} nebst
Gobbiko{25} und Gobiko.{26}
Daraus wieder als doppelt verkleinerte Formen (l + n) Godilin{27} nebst
Godlin,{28} Gollin,{29} Golin,{30} sowie Godbilin{31} nebst Gobbilin{32} und
Gobilin{33} — ferner (l + k) Godiliko{34} nebst Godliko,{35} Golliko{36} und
Goliko,{37} sowie Godbiliko{38} nebst Gobbiliko{39} und Gobiliko{40} —
ferner (z + n) Godizin{41} nebst Godzin,{42} Gozzin,{43} Gozin,{44} sowie
Godbizin{45} nebst Gobbizin{46} und Gobizin{47} — ferner (z + l)
Godizilo{48} nebst Godzilo,{49} Gozzilo,{50} Gozilo,{51} sowie Godbizilo{52}
nebst Gobbizilo{53} und Gobizilo{54} — ferner (z + k) Godiziko{55} nebst
Godziko,{56} Gozziko,{57} Goziko,{58} sowie Godbiziko{59} nebst
Gobbiziko{60} und Gobiziko{61} — ferner (k + n) Godikin{62} nebst Godkin,
{63} Gokkin,{64} Gokin,{65} sowie Godbikin{66} nebst Gobbikin{67} und
Gobikin{68} — endlich (k + l) Godikilo{69} nebst Godkilo,{70} Gokkilo,{71}
Gokilo,{72} sowie Godbikilo{73} nebst Gobbikilo{74} und Gobikilo.{75}

Page 121

b) D i e w i r k l i c h v o r h a n d e n e n n e u d e u t s c h e n
Familiennamen.

1. a) Gottbrecht.
b) Gottbrath.
c) Gobbert.
d) Joppert.
e) Göppert; Göpper.
f) Juppert.
g) Gobert.
Gen. Goverts.
2. a) Gohde.
Gen. Gohdes — patr. A. Goding.
b) Göde.
Gen. Göden; Gödens; Göens.
c) Gödde.
d) Gäde.
e) Gude.
f) Gen. Gudden.
g) Gothe; Goth.
h) Goethe; Göth.
i) Köth.
k) Gotte; Gott (Gottmann).
l) Götte; Gött.
Gen. Götten — patr. A. Götting.
m) Kott.
n) Gute (Guthe); Gut (Gutmann).
Patr. A. Guting.
o) Güte; Güth.
Patr. A. Güting.
p) Gutte (Guttmann).

Page 122

q) Jütte.
4. a) Gubbe.
b) Kopp.
5. a) Göb.
Gen. Goeben.
b) Gube.
6. a) Godel (Godelmann).
b) Gödel.
c) Göthel.
Patr. A. Göthling.
d) Gottel.
e) Göttel (Göttelmann).
f) Güttel; Gütl.
7. a) Göttle; Göttl.
Patr. A. Göttling.
b) Patr. A. Güthling.
8. a) Golle; Goll (Gollmann).
Patr. A. Golling.
b) Göll.
c) Kölle.
d) Güll.
9. a) Gohl.
b) Johl.
c) Göhle; Göhl.
Patr. A. Göhling.
11. a) Gobbel.
b) Göbbel.
c) Köppel.
12. a) Göbel.
b) Göpel.
15. a) Gotz (Gotzmann).
Gen. Gotzens.

Page 123

b) Kotz.
c) Gotsch.
d) Gosse; Goss (Gossmann).
e) Götze; Götz (Götzmann).
Gen. Götzen.
f) Gödsche; Götsch.
g) Gutz (Gutzmann).
h) Gütz.
i) Gutsch.
16. Göz.
20. a) Gödike; Gödeke.
Gen. Gödeken —
Patr. A. Gödeking.
b) Jödike.
c) Göttig; Göttich.
d) Gädeke.
e) Gedicke.
f) Güttich.
21. a) Gödtke.
Gen. Gödkens.
b) Göthge.
Gen. Götjes.
c) Gottke.
d) Gottge.
e) Gädtke.
f) Guthke.
g) Guttke.
h) Güttke.
22. a) Gocke.
Patr. A. Göckingk.
b) Göcke.
Gen. Göcks.

Page 124

23. Göke.
Gen. Göken.
37. a) Gohlke.
b) Göhlke.
50. a) Gotzel.
b) Götzel.
c) Kötzel.
d) Gossel.
Gen. Gossels.
e) Gössel.
f) Kössel.
g) Götschel; Götschl.
h) Gützel.
57. a) Götzke.
b) Götschke.
c) Göschke.
d) Gottschick.
62. Godeken.
64. Göcken.
71. a) Gockel.
b) Göckel.
c) Göggl; Göggelein.
d) Gückel.

Page 125

Beilage 2.
Entwickelung einer Namenreihe während der Neuzeit.
[97]

1600 1650 1700 1750 1800 1850
Arend Arendt, Arndt Arndt Arndt Arndt
Arnd
Bardenflet, Bardenfleth Barenfleth Barenfleth, Bahnfleth Bornfleth
-fleit Bahne-
Bellin Bellin Bellin, Bellin Bellin Bellin
Bellihn
Boleman Boleman Boleman Bohlmann Bohlmann Bohlmann
Brandt Brandt Brand Brandt Brandt Brandt
Donner Donner Donner Donner Donner Donner
Ertman Ertman Erdmann Erdmann Erdmann Erdmann
Goyer Gojar, Gojar Gojar Gauger Gauger
Goyar
Hake Hake Haacke Haack Haak (ck) Haak
Knolle Knolle Knolle Knoll Knoll Knoll
Köne Köne Köhne Köhne, Köhn Köhn
Koine
Köpe Köpe Köpe Koipe Keupe Keup
Kröger Kröger Krüger Krüger Krüger Krüger
Krossin Krossin, Krössihn Krössin Krössin, Kressin
Krössin Kressin
Labes Labes Labeß Labs, Labs, Laabs
Laabs Laabs
Landtbrecht Landtbrecht Landbrecht Landbrecht Lambrecht
Loitzin Loitzin Löyssihn, Lössin Lössin Lössin
Lössin

Page 126

Lubbeke Lübbeke Lübbecke Lübbeke, Lübke Lübke
Lübke
Moller, Möller Möller Möller Möller Müller
Möller
Nieman Nieman, Niemann, Niemann, Niemann Niemann
Neu- Neu- Neu-
Oldehaue, Oldehave, Oldhoff, Olhoff Olhof, Ollhoff
-hoff Olhaf Olhoff Ollhoff
Pagenkop Pagenkop Pagenkop, Pagenkop Pagenkop Pagenkopf
-pf
Placke Placke Placke, Plack Plack Plack
Plack
Rham Rham Rhamm Ramm Ramm Ramm
Ribe Rybe Riebe Riebe Riebe Riebe
Ruchel Ruchel Rüchel Rüchel Rüchel Rüchel
Steffen Steffen Steffen Steffen Steffen Steffen
Stekelinck Stekelinck Steckeling Stekeling Steckling Stekling
Timme Timme Timme Timm Timm Timm
Witte Witte Witte Witte Witt Witt
An diesen hier durch dritthalb Jahrhunderte verfolgten Namen zeigt sich
1. ein allmähliches Schwinden der Form, besonders durch Wegfall eines e, so
daß dreisilbige Namen zweisilbig, zweisilbige einsilbig werden (s.
Bardenfleth, Bolemann, Lubbecke, Oldehoff, Stekelinck — Arend, Hake,
Knolle, Köne, Köpe, Labes, Placke, Timme, Witte);
2. ein allmählich stärkeres Hervortreten des Umlautes (s. Krossin, Lubbeke,
Moller, Ruchel);
3. ein zum Teil schon früher, zum Teil aber auch sehr später Übergang aus der
niederdeutschen in die hochdeutsche Form: Kröger schon ums Jahr 1700
Krüger, dagegen Möller erst seit 1850 Müller — während andere Namen
standhaft die niederdeutsche Form behaupten (s. namentlich Ollhoff,
Stekling), oder nach einigem Schwanken wenigstens schließlich bei ihr
beharren (s. Niemann).
Im ganzen ist die Entwickelung eine naturgemäße, der sprachlichen
Entwickelung gleichlaufend; nur zwei Namen weisen eine Entstellung auf: Kressin
(st. des richtigeren Krössin) und Bornfleth (st. Bardenfleth, O. im
Oldenburgischen).

Page 127

Beilage 3.
Fremdsprachige Namen in Deutschland.

a) S l a w i s c h e .

Schon bei der ersten Festsetzung der Familiennamen mischten sich in
bedeutendem Maße fremde Sprachelemente ein, und zwar s l a w i s c h e.
Als die Hauptmasse der Germanen in der Völkerwanderung nach Westen
und Süden zog, wurde der Osten Deutschlands fast ganz entleert, und die
aus dem fernen Osteuropa hervordringenden Slawen rückten über Weichsel
und Oder in die Lücke ein. Die wenigen Germanen, welche etwa in der
ursprünglichen Heimat geblieben, konnten der herandringenden Slawenflut
nicht Widerstand leisten, sie mußten sich unterwerfen und verschmolzen
mit den neuen Einwanderern. Erst an der Elbe staute sich die Flut, und so
füllten seitdem die Slawen in ihren verschiedenen Stämmen den Osten
Deutschlands bis zur Elbe und Saale, ja zum Teil noch darüber hinaus. In
Mecklenburg saßen die O b o t r i t e n, in Brandenburg die W i l z e n,
H e v e l l e r u. a., in Pommern die P o m o r e n, im Meißnischen die
D a l e m i n c i e r, in Schlesien die B e l o c h r o b a t e n usw. Jahrhunderte
lang sah die Elbe auf ihren beiden Ufern ganz verschiedene Völker: links
die Deutschen (Sachsen und Thüringer), rechts die Slawen (Wenden), die
sich in unaufhörlichen Fehden und Beutezügen bekämpften. Mit den
Karolingern begann der Rückschlag; doch erst seit der Hohenstaufenzeit
drang die deutsche Nation wieder mit Stetigkeit vor. Im Süden wurde durch
die Stiftung des Bistums Bamberg und im Norden durch die Gründung der
Nordmark an der untern Elbe die Grundlage gewonnen zu weiterem
Vorschreiten. Von da ab mußten die Wenden immer weiter nach Osten
zurückweichen, und in jahrhundertelangen blutigen Kämpfen wurden die
ausgedehnten Landschaften zwischen Elbe und Oder, sodann zwischen
Oder und Weichsel größtenteils dem Deutschtum wiedergewonnen.

Page 128

So gewaltsam man auch gegen die Wenden verfuhr, es verblieben doch
viele in ihrer seit Jahrhunderten eingenommenen Heimat, mischten sich
zum Teil mit den Deutschen und wurden allmählich germanisiert, oder wo
sie in größerer Masse zusammensaßen, behaupteten sie sogar ihre
Volkstümlichkeit, ihre Sprache. So gab es in Hannover ein Wendland (im
Lüneburgischen), ebenso in Altenburg, wo die höchst eigentümliche
wendische Tracht sich bis zur Stunde erhalten hat; in Westpreußen bilden
die K a s s u b e n, in der Lausitz die S o r b e n noch jetzt bedeutende, wenn
auch immer mehr zusammenschmelzende Inseln im germanischen
Sprachmeer; Oberschlesien ist überwiegend slawisch, und von Südost
dringen die T s c h e c h e n in Böhmen wie eine Halbinsel fast bis in die
Mitte Deutschlands vor.[98]
Diese ursprüngliche Grundlage des Slawischen auch in längst
rückgermanisierten Landschaften bekunden noch jetzt die Ortsnamen, die
entweder slawisch oder n e udeutsch sind. Alle Städtenamen auf -gard, z. B.
Naugard (Nowgorod = Neuenburg), alle Ortsnamen auf -ow, -itz, -in — und
deren ist Legion — sind slawisch. Wie eine Sündflut hat sich das
Slawentum auf die Spuren unserer Altvordern gelegt.
Daher nun so vielfache slawische Elemente auch in den Familiennamen,
besonders des östlichen Deutschland!
Zunächst sind die von slawischen Ortsnamen abgeleiteten FN.
hervorzuheben, unter welchen vorschlagen die auf
-in (betont): Cammin, v. Schwerin, Stojentin;
-itz: Bublitz, v. Dewitz, Nemitz;
-ow (mit stummen w): v. Flotow, Grabow, Vangerow.
Doch sind diese nebst vielen mehr vereinzelten Bildungen, wie Balfanz,
Laabs (O. Labes), Roggatz, v. Wobĕser, nur bedingt hierher zu ziehen; denn
wenn auch die Ortsnamen, welche hier zu Grunde liegen, slawisch sind, so
ist doch die Art, wie dieselben mit Ergänzung eines Verhältniswortes oder
auch durch einfache Übertragung (s. Kap. 13) zu Familiennamen
gestempelt werden, nicht slawisch, sondern deutsch, und sie treten also zu
den deutschen Familiennamen. (Näheres über diese ganze Namenklasse in
dem Namenlexikon unter den Endungen in, itz (witz), ow.)

Page 129

Nach slawischer Art wird von den Ortsnamen eine Ableitung gebildet
mit der Endung ski (häufig im Deutschen sky geschrieben), z. B.
Grabowski, „der Mann aus Grabow“, Kaminsky, „der aus Kammin“. So
entsprechen sich ferner Lassan — Lassansky, Loschitz — Loschitzki,
Poblotz — Poblotzki usw. Nur diese also sind als wirkliche und vollgültige
slawische Bezeichnungen anzusehen (wenn auch vielfach in halbdeutscher
Schreibung).
Den adligen Namen ist im Deutschen dann noch das von vorgesetzt,
welches streng genommen doch nur zu dem Ortsnamen selber paßt: von
Gostkowski (O. Gustkow), von Lisiecki (sprich Lisiëtzki), von Zelasinski.
Zu diesen eigentlichen slawischen Bezeichnungen treten nun, ähnlich
wie im Deutschen, P e r s o n e nnamen mit ihren mannigfachen
Sproßformen:
a) ursprünglich slawische, z. B. die auf -slaw (Ruhm): Mieczyslaw
„Schwertruhm“;
b) kirchliche: Pawelek (von Paulus); Piotr (Petrus) nebst Petrik,
Pechatschek, Pjatrask u. a.;
c) Amts- und Handwerksnamen: Woita (Schulze), Pahnke (Panek
kleiner Herr, Junker), Koschnik (Mäher), Pigorsch (piekarz Bäcker)
usw.
In überwiegend deutschen Gegenden sind diese Namen großenteils so
umgewandelt, daß sie ein mehr deutsches Gepräge angenommen haben:
Mitzlaff, Pawelke,[99] Woith — in überwiegend slawischen bestehen sie in
unveränderter slawischer Fassung fort.

b) L i t t a u i s c h e .

Littauisch Redende finden sich unter deutscher Herrschaft hauptsächlich
nur noch in den nördlichsten Teilen des preußischen Regierungsbezirkes
Gumbinnen, nördlich von Insterburg und Pillkallen, doch auch hier vielfach
durch deutsche Ansiedelungen unterbrochen. Erst die Spitze nördlich von
Tilsit, die alte Landschaft Schalauen, ist überwiegend littauisch, so daß hier

Page 130

die deutschen Orte als Inseln (auf Böckhs Karte gelb im littauischen Blau)
erscheinen.
In den Familiennamen tritt der ursprünglich littauische Bestandteil
natürlich noch in größerem Maße hervor, da auch in den deutsch
gewordenen Gegenden viele Einwohner littauischen Stammes leben und die
alten Namen, wenn auch teilweis entstellt, fortführen. Doch macht sich
überall das Eindringen des Deutschen bemerklich, und so überwiegen
littauische Familiennamen selbst unter der Landbevölkerung nur noch etwa
in den Kreisen Heidekrug und Tilsit, halten den deutschen das
Gleichgewicht in Memel, Ragnit, Pillkallen, bleiben aber in allen übrigen
Kreisen in der Minderzahl.
Unter den littauischen Familiennamen stehen im Vordergrunde die
ursprünglich p a t r o n y m i s c h e n Bildungen auf -atis und -aitis (vgl.
griech. -είδης, -ιάδης), welche dann auch verkleinernd gebraucht werden —
z. B. Baltratis von Baltras (Balthasar), Obramaitis von Obramas
(Abraham). Gewöhnlich haben sie die Endung is abgeworfen und
erscheinen in der Form at, eit: Peterat (von Peter), Josupeit (Joseph). Am
deutlichsten erkennbar sind nach ihrem Sinne die Ableitungen von
Vornamen, wie die obigen; doch gibt es auch vielfache Ableitungen von
Appellativen, wie Kaprolatis von Kaprolas (Korporal), selbst von deutschen
Stämmen: Schneidereit, Schulmeistrat.
Zu ihnen treten die Namen auf ies (i-es): Stachulies, und auf us:
Schimkus, welche mit jenen zusammen gegen 80 v. H. der littauischen
Familiennamen ausmachen. Dadurch erhält die Namengebung etwas
Eintöniges, wenn auch nicht zu leugnen ist, daß manche dieser Namen, wie
Adomaitis, Rodatis, Laugallies recht vollen Klang haben.
Auf ihrer Wanderung nach Westen erleiden diese fremdartig klingenden
Namen, von ihrer Heimat abgetrennt, manche Entstellungen: atis wird
abgeschwächt in ates (Norekates), Obromeit abgeschliffen in Obermeit, die
Endung at erscheint in schlechter Schreibung als adt, ath, aat.

c) R o m a n i s c h e .

Page 131

1. F r a n z ö s i s c h . Hier kommen weniger in Betracht die 10000
Wallonen im rheinpreußischen Kreise Malmedy und die im Reichslande
Elsaß-Lothringen verbliebenen Franzosen (gegen 250000), als die
Hugenotten, welche Ludwig XIV. durch seine Bedrückungen zur
Auswanderung veranlaßte. Als derselbe alternd samt seiner Umgebung von
leichtsinniger Sittenlosigkeit zu heuchlerischer Frömmigkeit übergegangen
war, begann er die Protestanten in seinem Reiche zu verfolgen, um durch
ihre gewaltsame Bekehrung sich ein Verdienst im Himmel zu erwerben.
Durch Vertreibung und Hinrichtung ihrer Geistlichen, durch Schließen und
Niederreißen ihrer Kirchen und Schulen, durch Wegnahme ihrer Kinder, um
sie im Katholizismus erziehen zu lassen, suchte er sie zum Abfall von ihrem
Glauben zu bringen, sodann durch Entziehung ihrer Gewerbsrechte und
ihrer Sitze in den Gerichtshöfen, endlich durch die berüchtigten
Dragonaden oder Einlagerungen von Dragonern und andern Soldaten.
Schon jetzt wanderten viele Protestanten aus, und als gar durch den
Widerruf des Ediktes von Nantes (1685) der Protestantismus in Frankreich
für aufgehoben erklärt und auf die Ausübung dieses Kultus Todesstrafe
gesetzt ward, verließen nach und nach, trotz strenger Grenzbewachung und
Androhung der Galerenstrafe, viele tausend gewerbfleißige Menschen ihr
Vaterland und fanden teils in den Niederlanden und in England, teils in
Deutschland Aufnahme. Hier war es besonders Friedrich Wilhelm der große
Kurfürst, welcher den Flüchtigen (Réfugiés) bereitwillig eine neue Heimat
gewährte. Seit 1672 wurden in Brandenburg an 25000 Hugenotten
aufgenommen, vorwiegend in den Städten. Daher noch jetzt die
französisch-reformierten Gemeinden an vielen Orten in Preußen, z. B. in
Berlin, Magdeburg, Stettin u. a., aber auch in Süddeutschland, z. B.
Erlangen.
Zu Ende des 18. Jahrhunderts sind in den Stürmen der Revolution auch
viele geflüchtet (Emigranten), und wenngleich die meisten später wieder
nach Frankreich zurückgekehrt sind, so haben doch auch manche es
vorgezogen, in der inzwischen liebgewonnenen neuen Heimat zu
verbleiben, wie der Dichter Adalbert von Chamisso (mit vollständigem
Namen: Louis Charles Adelaïde de Chamisso de Boncourt, von dem
Schlosse B. in der Champagne).
Daher nun häufig französische Namen in Deutschland, wie Palmier,
Bétac, du Mesnil, besonders im Heere: Loucadou, de Courbière (der

Page 132

„König von Graudenz“ 1806), Forcade, de la Motte-Fouqué und viele
andere, darunter manche berühmte Namen auch von Gelehrten: Savigny,
Michelet, Carrière, du Bois-Reymond.
Fast immer sind diese Namen unverändert erhalten, wenn sie auch im
Volksmunde manchmal wunderlich entstellt werden: Boitelet in Budlee,
Généola in Schellack. Nur in vereinzelten Fällen ist eine Verdeutschung
erfolgt; so hat sich Buttmann, der bekannte griechische Grammatiker, aus
franz. Boudemont germanisiert.
2. I t a l i e n i s c h . Italiener sind über die Alpen gezogen besonders als
Kunsthändler und Konditoren.
Die italienischen Familiennamen enden auf a: Sala, Bonewendura
(entstellt aus Bonaventura) — auf o: Delmanzo — meist aber und in großer
Einförmigkeit auf i: Bentivegni, Marsegli, Sparagnapani, Bertinetti. Dieses
i erklärt sich als Pluralform, „einer aus der Familie so und so“, z. B. der
Cittadini, während das Appellativ im Sing. cittadino lautet. —
Ganz vereinzelt erscheinen, damit doch alle Nationalitäten Europas in
Deutschland vertreten seien, selbst im Norden, am Gestade der Ostsee
m a d j a r i s c h e Familiennamen: Böszörmeny, Kedesdy. Ja dem Verf. ist
ein Nachkomme eines K o s a k e n bekannt, mit dem klangvollen Namen
Nawitainuk, dessen Nachkommen sich freilich Iwan (russisch = Johann)
nennen.

Page 133

Fußnoten:
[1] Diese werden nicht als Vornamen verwendet. Wenn also ein Name sich
auch als Vorname findet (z. B. Kasten), so liegt darin ein Beweis, daß er einer
der beiden ersten Schichten angehört.
[2] Ut quisque aliquod optumum genus sereret. Plin. hist. nat. XVIII, 3.
[3] Diesen Charakter des Derb-Massiven, das nicht selten selbst in
ästhetische Roheit übergeht, hat man auch sonst in der lateinischen Sprache,
zumal in der Dichtersprache, gefunden. Vgl. Frommanns fesselnd geschriebene
Studie über die „Verschiedenheit des Geschmackes im poetischen Ausdruck bei
lateinischen und deutschen Klassikern“ 1866.
[4] Die nachfolgenden Namen sind hier in der uns geläufigen Form der
deutschen Bibel gegeben, von welcher die ursprüngliche hebräische allerdings
mitunter stark abweicht, z. B. Jochânân (Johannes), Scha-ûl (Saul).
[5] Wuotan, niederdeutsch Wodan, nordisch Odin, der alles durchdringende
Geist, der Gott des überallhin dringenden Sonnenlichtes und des in den Wolken
jagenden Sturmwindes, welchem deshalb das windesgleich dahinbrausende Roß
heilig ist. Er ist der Kriegs- und Schlachtengott, der die gefallenen Helden um
sich sammelt in Walhalla. Auf ihn als Kriegsgott bezieht sich noch jetzt der
Auszug des wütenden Heeres, das sturmesgleich hoch durch die Lüfte dahinzieht
(„wilder Jäger“).
[6] Ein solcher Angriff wird z. B. geschildert im Nibelungenliede Str. 2210
f.:
„Den Schild rückte Wolfhart, ein schneller Degen gut;
G l e i c h e i n e m w i l d e n L e u e n l i e f e r a u f i h n a n,
Die Schar seiner Freunde ihm jäh zu folgen begann.
M i t w e i t e n S p r ü n g e n s e t z t ’ e r bis vor des Saales Wand.“
[7] In der nachfolgenden Übersicht sind die einzelnen Namen in der, soweit
erreichbar, ältesten und ursprünglichsten Form aufgeführt, ohne weitere
Scheidung der Mundarten, worauf es hier nicht ankommt. Vgl. A b e l, Die
deutschen Personennamen. F ö r s t e m a n n, Altdeutsches Namenbuch I. Bd.:
Personennamen. 1856. Zweite Auflage. 1900.
[8] Nimith eure saxas! ruft bei Nennius hist. Brit. cap. 46 Hengist den Seinen
zu. ‚Von den mezzerin also wahsin Wurden sie geheizen Sahsin‘ (Annolied).
[9] Zusammensetzungen mit brunja (Brünne d. h. Panzer) und helm treten
erst spät auf, im 6. Jahrh., meist erst seit dem 8. Jahrh.
[10] Lange verwechselt mit Arminius, welches wohl abzuleiten von dem
Halbgott Irmino, dem kriegerisch dargestellten Wuotan, vgl. Irmingard und
Armengardis; Irminfrid und Armenfred u. a.

Page 134

[11] Es finden sich wohl Namen, die mit lieb zusammengesetzt sind:
Liubgard, mit blid (freundlich, heiter): Bliddrud, mit flat (schön): Albofledis
(Elfenschön) — aber sie sind mehr vereinzelt in der Menge. Dagegen kommt
nach andern Seiten hin das eigentümlich Weibliche zu entschiedenem Ausdruck.
So in den auf R a t hinzielenden Namen. Wie sehr Frauenrat bei den Germanen
geehrt und beachtet wurde, beweist die Sitte, daß man erst dann in den Kampf
ging, wenn die Weiber durch Los oder Weissagung erklärt hatten, daß eine
Schlacht ratsam sei. Man glaubte eben in Priesterinnen und anderen geistig
hervorragenden Frauen eine geheimnisvolle, weissagerische Kraft. Daher nun,
abgesehen von den Zusammensetzungen mit Rat, die zahlreichen Namen, die
von dem Worte run (Geheimnis, Zauber) gebildet sind: Runhild, Friderun
(Friedenszauberin), Sigirun (Siegzauberin). Das Schaffen des Weibes im
geschlossenen häuslichen Kreise heben die Namen auf gard hervor, wie
Adalgard, Irmingard, das B e r g e n (schützen, bewahren) die auf birga (berga)
und burg, die sämtlich weiblich sind: Amalabirga, Dietberga, Sigiburg,
Waltburgis.
[12] Im Deutschen sind sie es fast ausnahmslos, da auch die einfach
scheinenden Namen meist Kürzungen aus zusammengesetzten sind. Eine ganz
sichere Ausnahme bilden nur einige partizipiale Formen, wie Wigand, Heiland.
[13] Es sind diese altdeutschen Personennamen eine Saat, die über die ganze
europäische Welt ausgestreut ist. Denn den romanischen Völkern haben sich
später auch die Slawen und die Madjaren angeschlossen, so daß jetzt bei allen
christlichen Nationen Europas und Amerikas diese altdeutschen Namen, wenn
auch mannigfach umgewandelt und zum Teil entstellt, sich wiederfinden,
zunächst als Vornamen (s. die reichhaltige Zusammenstellung von Michaelis:
Vergleichendes Wörterbuch der gebräuchlichsten Taufnamen. Berlin 1856) —
aber auch, wenigstens bei den Romanen, als Familiennamen, z. B. bei den
Franzosen: Bertrand (Berhtrand), Arnaud (Arnold), Gautier (Walter), Guéroult
(Gerold), Regnier (Reginher, Reiner), Baudouin (Balduin), Thibaut (Theobald);
bei den Italienern Gualtieri (Walter), Garibaldi (Garibald), Ruggiero (Rüdiger),
Sismondi (Sigismund).
[14] A b e l, Personennamen, S. 44 f.
[15] S t r a c k e r j a n, Die jeverländischen Personennamen. Dergleichen
Kürzungen finden sich noch jetzt in Mundarten häufig, mit der vollen Endung o
besonders im Friesischen: Edo, Ecko, Luddo, Willo, s. A l l m e r s,
Marschenbuch, Land- und Volksbilder aus den Marschen der Weser und Elbe
1861, S. 139, wo ein Verzeichnis von 30 solcher Vornamen gegeben wird, bei
denen freilich o jetzt auch schon meist in das klanglose e abgeschwächt ist, wie
in den norddeutschen Formen Ede (Eduard), Lude (Ludwig). — Der umgekehrte
Fall, daß nämlich eine Kürzung im Anlaut eintritt, ist selten und dann wohl
durch besondere Einflüsse, namentlich fremder Sprachen, zu erklären. So
Prandus aus Rotprandus (S t a r k, Die Kosenamen der Germanen, S. 13), Role
für Karl aus der latinisierten Form Carôlus.
[16] Nach S t a r k s Beobachtungen (S. 52 ff.) sind die ältesten
Verkleinerungsformen die auf i, demnächst die mit l (nachweislich aus dem 1.
Jahrh. nach Christo), während solche mit k erst seit dem 4. Jahrh. auftreten. Alle
drei Formen waren bei den g o t i s c h e n Stämmen sehr beliebt; S a c h s e n und
F r i e s e n dagegen verwendeten vorzugsweise k, selten t (entsprechend dem

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ahd. z). Bei den o b e r d e u t s c h e n Stämmen erscheinen Deminutiva mit l in
überwiegender Zahl, seltener solche mit z (in sicheren Belegen erst seit dem 8.
Jahrh.). Nur sparsam, und zwar erst vom 7. Jahrh. an, finden sich Deminutiva
mit ch; sie sind wahrscheinlich niederdeutschem Einfluß zuzuschreiben, der z. T.
durch Kolonisation hervorgerufen ist. L und k können jede Stelle einnehmen, z
scheint auf die erste beschränkt zu sein.
[17] Gewöhnl. „Koseformen“, eine Benennung, die S t e u b in seinen
„Oberdeutschen Familiennamen“ S. 34 mit Recht als etwas „budoirmäßig“
klingend tadelt und für die er „Schmeichelform“ vorschlägt. Im Gegensatze zu
ihnen werden die unverkürzten Namen wie Godberaht, Sigbert Vo l l n a m e n
genannt.
[18] Pauli, Über Familiennamen, insbes. die von Münden. Progr. I, S. 8 f.
[19] A b e l S. 45–48. — B e c k e r, Die deutschen Geschlechtsnamen, ihre
Entstehung und Bildung. Programm der Gewerbeschule zu Basel. S. 17 f.
[20] Übrigens wurden auch Träger alter deutscher Namen zu Heiligen
gestempelt, und dadurch wurde der Erhaltung dieser Namen selbst Vorschub
getan. Solche Heiligennamen weisen die Kalender in großer Zahl nach, z. B.
Alfons, Gottschalk, Hildebrand, Hubert (Patron der Jäger), Otto, Wilibald u. a.
m.
[21] F ö r s t e m a n n, Über die Bildung der Familiennamen in Nordhausen
im 13. und 14. Jahrhundert, Progr. S. 4.
[22] K l e m p i n, Diplomatische Beiträge zur Geschichte Pommerns aus der
Zeit Bogislaws X. 1859. Zur Veranschaulichung setzen wir ein Verzeichnis der
„Praepositi, Dhumpraueste“ des Bistums Kammin her:
Sifridus 1175–85
Conradus 1186–1216
Thietmarus 1222
Pribzlaus 1224–32
Florentius 1233–40
Conradus 1241–49
Lambertus 1253–91
Johannes 1297–99
Hildebrandus 1303–15
R e y m a r u s ( d e W a c h o l t ) 1317–23
Fridericus de Stalberg 1326
Barnim de Werle 1330–33
Conradus dictus de Gripeswold 1333–36
Bernardus Bere 1336–51
Marquardus de Tralowe 1354–68
usw.
So ist im allgemeinen der Gang. Genaueres über einzelne Landschaften
findet man unter anderen bei K l e e m a n n, Die Familiennamen Quedlinburgs
und der Umgegend, S. 3. — Wenn wir die Alpen übersteigen, finden wir
Familiennamen allerdings viel früher in den italienischen Städten, in denen sie
sich, während sie bei uns im 12. Jahrhundert erst im Entstehen sind, bereits seit
langen Jahren ganz verbreitet zeigen. Die ersten Spuren finden sich in

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Ve n e d i g, wo schon im 9. Jahrhundert eine Familie Particiaco begegnet: 809
Angelo P., 829 Justiniano P., 864 Urso P., 881 Johannes Particiaco. Hier erbt
also der Name Particiaco, ursprünglich der Beiname einer einzigen Person, in
dem Geschlechte fort.
[23] A l l m e r s in seinem „Marschenbuch“ bemerkt auf Seite 140 f.:
„Eigentliche Familiennamen waren bei den Friesen selbst noch bis ins vorige
Jahrhundert selten. Der Sohn erhielt zu dem Vornamen seines Vaters nur noch
einen eigenen Taufnamen, w i e e s n o c h j e t z t a u f v i e l e n
f r i e s i s c h e n I n s e l n G e b r a u c h i s t. Hieß z. B. der Vater Eke Lübs
und man taufte seinen Sohn Siade, so hieß dieser Siade Eks, und der Enkel,
wenn er nach dem Großvater Lübbe genannt wurde, Lübbe Siads oder Eke Lübbe
Siads. Das angehängte s ist nichts weiter als Bezeichnung des Genetivs. — Man
kann leicht ermessen, welche bunte Verwirrung solche Sitte zur Folge haben
mußte, und wie ganz besonders, wo es wichtige Erbschaftsangelegenheiten
betraf, bei denen oft weitläuftige Namenregister in betracht gezogen werden
mußten, die unlösbarsten Verwickelungen oft endlose Prozesse herbeiführten.
Früher oder später machte daher in den verschiedenen Marschen ein Gesetz,
wonach jede Familie einen festen Namen annehmen mußte, diesem Unwesen ein
Ende, welches in manchen Gegenden bis ins letzte Jahrhundert fortdauerte und
auf den Inseln sogar heute noch angetroffen wird. Denn wenn auch alle Friesen
nunmehr Familiennamen angenommen haben, so betrachten sie, wenigstens die
Landbevölkerung, dieselben als unnütze Anhängsel, die nur vor Gericht und bei
ähnlichen Gelegenheiten erforderlich sind.“
Im Osnabrückischen haftet noch jetzt der Name in den Bauerschaften
weniger an der Person als am Hofe. Wenn z. B. Müller zu B. auf den Hof Meyer
zu N. heiratet, heißt er selbst Meyer zu N., nicht mehr Müller, höchstens Meyer
geb. Müller. Wenn Kinder oder Kindeskinder vom Hofe ziehen, werden sie sich
in der Regel Meyer, selten Müller nennen. (F r . M e y e r, Der Name Meyer, S.
8.) Ähnliches bezeugt für die lippischen Familiennamen O . P r e u ß. 1864.
[24] S t a r k, Kosenamen, S. 154. 156.
[25] Bemerkenswert ist, daß ja auch Luther vielfältig in der
Bibelübersetzung die Eigennamen unverändert, statt im Gen., beifügt, z. B.
Kinder Korah, Tochter Zion, Sohn Isai.
[26] Infolge des häufigen Gebrauches ist aber die ursprüngliche Bedeutung
dieser Zusammensetzungselemente allmählich sehr verblaßt, so daß sie teilweise
zu bloßen fast bedeutungsleeren Endungen herabgesunken sind.
[27] Die rein vokalische Verkleinerungsform i (S. 23) findet sich jetzt nur
noch in der Schweiz: Burcki, Fritschi, Hochuli, Welti.
[28] Wie Luther „Wörtlin“ u. a. und noch Fischart in der zweiten Hälfte des
16. Jahrhunderts: „Er hat ein hölzins Röcklin an.“ Daß übrigens die Endung hier
in den Eigennamen nicht den Ton hat, ist selbstverständlich, also Rümelin (–́ ᴗ
–).
[29] Daß „Fritz“ als Rufname für Friedrich auch in Niederdeutschland so
allgemein verbreitet ist, erklärt sich durch die Verpflanzung der Hohenzollern
nach Brandenburg, deren Ahnherr, der Burggraf Friedrich von Nürnberg, im
Jahre 1411 von dem Kaiser Sigismund in die Marken eingesetzt wurde. Jedoch

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finden sich einzelne Formen mit z auch schon früh in niederdeutschen
Urkunden: Hence (= Henze) und Hinze mehrfach in Urkunden der Stadt Lübeck
13. Jahrh., Thiezo, Winizo, Reinzo und einige andere in der Frekenhorster
Heberolle, so daß man mit L ü b b e n, Die Thiernamen im Reineke Vos S. 48,
wohl hochdeutschen Einfluß hier einräumen muß; ebenso bei der Verbindung
des z mit k, wie in Tieziko, Meinziko, Raziko, die eigentlich Zwitter sind.
[30] Henricus dictus Arnoltz (= Arnolds), Berchtoldus Marchwardi u. a. in
Urkunden; deutsch Henning Markwardes (wie Darius Hystaspis).
[31] R u p r e c h t, Die deutschen Patronymica, nachgewiesen an der ostfries.
Mundart. Programm S. 14.
[32] Wir finden sie auch bei den Schweden (Torstenson), Norwegern
(Björnson), Dänen (Thorwaldsen), Isländern (Sturluson), Engländern (Wilson,
Robinson, Thomson). Im Schottischen entsprechen die Namen mit Mac (M’):
Mac Gregor (Sohn des Gr.), Macdonald; im Irischen die mit O: O’Connel.
[33] B e c k e r S. 15. R e i c h e l, Die deutschen Geschlechtsnamen. Marburg
(Steiermark). Programm. Auch in den Lippischen Familiennamen erscheint als
häufig gebrauchte Patronymikalform neben -ing die Silbe -er, vermittelt durch
die Kolonatsnamen, die, vom ersten Besitzer entlehnt, an dem Grundstück haften
blieben und auf die Nachfolger übergingen, z. B. in Hakedahl: 1488 Henke
Druden, 1523 Henke Druding, 1538 de (= der) Drudener — jetzt Drüner.
Während man aber bei „Henke Druding“ noch eher an den Sohn der Drude
dachte, hat „der Drudener“ schon mehr den Begriff des Inhabers des Hofes der
Drudings und damit den eines Repräsentanten der Familie angenommen. (O.
P r e u ß, Die Lippischen Familiennamen S. 15 f.)
[34] Vgl. Johannes Vorn Hesen 1530 (d. i. Frauen Hedwig Sohn);
Gisilbertus, filius Odilie 1036; Rudolf et Ulrich filii Adelheidis 1149.
[35] Auf süddeutschen Schulen sogar Hómer, Hóraz, Vírgil.
[36] Vgl. W. W a c k e r n a g e l, Die Umdeutschung fremder Wörter. 2. Ausg.
1863. S. 32 ff., 36 f.
[37] Die Scheidung nach den Mundarten ist hier schwierig und nicht immer
streng durchzuführen. So findet sich Nickel, welches V i l m a r, Namenbüchlein
S. 6 als hochdeutsch bezeichnet, auch im Niederdeutschen, hinwieder Klas
(wovon Klasl) auch im Oberdeutschen (Bayrischen). Jochen, wie nach Vilmar
der Hochdeutsche den Namen Joachim abkürzen soll, ist dem pommerschen
Landmann die gewohnte Form.
[38] Hieronymus: in Sachsen Gruner, in Holstein Harms, in der Schweiz
Ronus, Rones, Roni, Muss, Müssi, in Hessen Grolmann (nach Becker S. 19). Am
wenigsten hat sich von der ursprünglichen Form entfernt der Name Kronymus,
den Fröhner aus Karlsruhe anführt.
[39] Vgl. das Mittelhochdeutsche, wo die lateinische Endung us bei Namen
regelmäßig in es abgeschwächt wird: Philippes; auch Liborius und Liborghes als
Vornamen bei Klempin.
[40] P a u l i I. S. 11: „In meiner Vaterstadt wurden die Kinder des
Konrektors sowie die des Kantors nicht mit ihren Familiennamen Richter,

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Müller bezeichnet, sondern fast ausschließlich als Minna Konrektorn, Julius
Kantor usw.“
[41] Diese Namen, die Pauli aus Hannover und Ostfriesland beibringt,
beruhen auf der Einwirkung des Holländischen, wo noch häufig das de
erscheint; man denke an de Ruyter, de Vrient (Devrient) u. a.
[42] Zum Teil mögen sie auch von Wirtshausschildern entlehnt sein.
[43] Aus älterer Zeit (niederdeutsch): Musekensteker (Mäuschenstecher),
Duvendriver (Taubentreiber).
[44] An Scherzen über diese Namen, insbesondere über Schulze und Müller,
hat es nicht gefehlt. Angeblich lebten im Jahre 1880 30000 Schulzes innerhalb
des Zollvereins. Lustspiele sind auf der Häufigkeit dieses Namens erbaut
worden, ebenso wie auf der Verwechselung von Müller und Miller. — Um diese
vielen Namensvettern zu unterscheiden, hat der Volksmund zu allerhand
Zusammensetzungen seine Zuflucht genommen: Sünden-Müller (bedeutender
Theolog, dessen Hauptschrift „Die Lehre von der Sünde“ ist), Linden-Müller
(ein Berliner Volksredner aus dem J. 1848, der seine Vorträge „Unter den
Linden“ hielt). Flausch-Müller (ein nach seinem Rocke benannter Student);
Blut-Schulze (der Physiolog), Graupen-Schulze (ein Berliner Kaufmann),
Theater-Schulze usw.
[45] Von diesen ist jedoch ein guter Teil als nicht hergehörig auszuscheiden,
da sie (nach S t e u b, Oberd. Familiennamen S. 148) Ableitungen von
Ortsnamen sind auf heim, oberbayr. ham: Mooshammer = Moosheimer,
Forchhammer. Überhaupt ist bei dieser Klasse Vorsicht vonnöten, insofern viele
Namen nur scheinbar hierher gehören, in Wahrheit aber auf andere Quellen,
namentlich auf Personennamen zurückgehen, z. B. Rost (auch althochd. Rusto,
der Gerüstete), Kasten (st. Karsten) auf Christian.
[46] Johann Rickweg, Zimmermann und kühner Schmuggler, der 1813 im
Lande Wursten durch seine feurige Beredsamkeit einen Aufstand gegen die
Franzosen zu stande brachte, wurde nach seiner beständigen g r ü n e n Kleidung
im Volke nur Jan Grön genannt (A l l m e r s, Marschenbuch S. 228).
[47] Bekannt ist aus Coopers amerikanischen Romanen der „Lederstrumpf“,
so benannt von den Moccasins, die dieser alte Jäger nach indianischer Sitte zu
tragen pflegte. Wie leicht sich solche Benennungen noch jetzt bilden, möge das
Beispiel jenes Kapitäns Dilger beweisen, der, ursprünglich preußischer
Artillerieoffizier, 1864 nach Amerika ging und als Befehlshaber einer Batterie in
das Heer der Nordstaaten trat, wo er sich durch Kühnheit und Ausdauer hervortat
und unter dem Spitznamen „Lederhose“ jedem Offizier und Soldaten bekannt
war. „Während des Kampfes stand er immer da in Hemdärmeln und seinen glatt
anliegenden Hosen von Hirschleder.“
[48] Schon im J. 905 in Verona ein „Johannes, qui alio nomine Braccacurta
vocitabatur“.
[49] R u d . S c h u l t z e, Die Modenarrheiten. Ein Spiegelbild der Zeiten
und Sitten für das deutsche Volk. 1868.
[50] Nicht aber Reichwein, Trautwein u. a., die mit dem alten win (nicht wîn)
„Freund“ zusammengesetzt sind. Auch Altwein und Gutwein sind schon
zweifelhaft wegen altdeutsch Aldwin und Godwin.

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[51] Z. B. wird im „Renner“ des Hugo v. Trimberg „ein wol begozzen
wecke“ als Leckerbissen genannt.
[52] Wie sehr das Mittelalter zu Spott und Satire aufgelegt war, geht unter
anderem daraus hervor, daß fast jede Landschaft ihr Schöppenstedt oder Schilda
hatte und daß die Bewohner gar mancher Landschaft oder Stadt Beinamen
führten. So hießen (und heißen) beispielsweise die Illzacher im Elsaß
„Mondfänger“, die zwischen Ill und Rhein Wohnenden „Rheinschnaken“, die
Schlesier „Eselsfresser“ — in Pommern die Wolliner „Stintköppe“ und die
Kamminer „Flunnerköppe“ (nicht „Plunderköppe“, wie Riehl angibt), wegen der
vielen dort gefangenen Stinte und Flundern.
[53] Den Übergang stellen unter anderem in friesischen Urkunden dar die
Namenformen Kersten rike neben K. de rike, Floreke witte neben F. de witte. Im
Holländischen ist der Artikel geblieben: de Grote, de Jonghe, de Wit; ähnlich im
Französischen: Lebeau, Legrand, Lejeune.
[54] Ferner in Urkunden: Marquart der Hunt, 12. Jahrh. Gislebertus pro sua
proceritate cognominatus Grus (Kranich); Hugo de Wenden dictus Aries
(Widder); Hugo Coturnix (Wachtel).
[55] Doch ist bei B a c m e i s t e r, Germanistische Kleinigkeiten S. 36 aus
alten Urkunden angeführt: Heneke mit dem dumen 1373 Braunschw., Liebhard
mit der Hand 1383 Augsb., auch Fridericus Mittemmunde 1190; bei Trötscher
(Die ältesten Egerer FN.): Chunrat mit der prust, Endres mit dem part —
Zusätze, die doch wohl so zu verstehen sind, daß die genannten Körperteile
wegen irgend einer Eigentümlichkeit auffallend waren. Auch ist zu vergleichen
aus der Sage: Bertha mit dem Fuße = B. mit dem großen F., altfranz. Berthe as
grands piés.
[56] Aus Urkunden des 11.-15. Jahrh. führt Stark S. 153 an: Everhardus der
Spizebart, Jacobus langenase, Hartwig Churzhals — desgl. Reichel aus
Marburger Urkunden: Jacob de Chrafuez (Krähenfuß), Heinrich Krumnas. —
Becker aus Köln 13. Jahrh.: Buntebart, Gobelin dictus Hardevust; Hans
Schweinerüssel (16. Jahrh.).
[57] In Pasewalk heißt ein alter Wartturm noch jetzt Kiekindemark, desgl. ein
Hof in Mecklenburg.
[58] Wendehals, Streckfuß und ähnliche Bezeichnungen bedeuteten
ursprünglich so viel als ein Hals zum Wenden, ein Fuß zum Strecken (wie
Lockvogel „ein Vogel zum Locken“, Gießkanne „eine Kanne zum Gießen“).
Diese wurden später umgedeutet, man sah in dem ersten Gliede einen Imperativ,
und so entstanden die imperativischen Namen. Wie kann man aber dazu
aufgefordert werden, den Frieden zu stören, nicht gut zu tun usw.? Die
imperativische Bedeutung rechtfertigt sich dadurch, daß dem, an welchem eine
Eigenschaft oder Gewohnheit haftet, gleichsam zugerufen wird, das zu tun, was
er ohnehin und immer tut, und was man an ihm wahrzunehmen gewohnt ist. Ein
Friedensstörer, einer der nicht gut tut, wird ironisch aufgefordert zu tun, was er
doch nicht läßt, und so erhält er den Namen Störenfried, Tunichtgut. Findet eine
solche Aufforderung doch auch in Wirklichkeit öfters statt. Unvorsichtigen und
Leichtsinnigen hört man im täglichen Leben zurufen: Schneide dich! Fall
herunter und brich den Hals! Trotzigen: Ja trotze noch! (S . A n d r e s e n,
Imperativnamen. Archiv für neuere Sprachen, Bd. XLIII, S. 296).

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[59] Anderseits sind freilich auch manche in Vilmars Verzeichnis als nicht
hierher gehörig zu streichen, wie Baldauf, Gangauf, die richtiger als Ableitungen
altdeutscher Personennamen (Baldolf, Gangolf) gefaßt werden; Richzenhain,
Rollenhagen, Stemshorn, die ursprünglich Ortsnamen sind und daher in die
folgende Klasse c) gehören. Auch Andresen beachtet das Hereinspielen der
Ortsnamen nicht immer genügend.
[60] Eine hübsche Illustration zu den letztaufgeführten Namen bietet jene
höchst bezeichnende plattdeutsche Grabschrift eines mecklenburgischen Junkers
in der Kirche zu Dobberan:
Wiek, Düwel, wiek wiet van my!
Ick scher my nich en Haar um dy;
Ick bin en Meckelbörgsch Edelmann,
Wat geit dy, Düwel, min Supen an?
Ick sup mit mim Herrn Jesu Christ,
Wenn du Düwel ewig dösten müst;
Ick sup mit em ne söte Kolleschal,
Wenn du sittst in de Höllenqual.
Drum rad ick: wiek, lop, renn un gah,
Eh, by dem Düwel! ick t o s c h l a h!
[61] B e c k e r, Geschlechtsnamen S. 6. — V i l m a r, Namenbüchlein S. 15.
[62] „Von Würzeburc ich Kuonrât“ im „Otto mit dem Barte“, Z. 760.
[63] Becker stellt mehrere Reihen alter Namen dieser Art zusammen, aus
Köln (12. Jahrh.) die Geschlechter: vom Neumarkt, de Monticulo (vom Bühel);
aus Zürich: zer Linden, im Hof, am Thor; vom Lande aus der Umgegend des
Vierwaldstätter Sees: in der Ouwe (Aue), in der Matta, bim Schechen, ze dem
Brunnen u. a. — Pott führt aus Ehrentrauts friesischem Archive Bd. I H. 3 an:
Wilken thom dyke, Oltman bi der muren, eylerd mank den schuren u. a.; aber
auch schon ohne Verhältniswort: Robeke bakhus, borcherd netelhorst, Godeke
stengrauen. — Aus der Kölner Universitätsmatrikel (15. Jahrh.) füge ich hinzu:
Henricus in der sunnen, Henricus super lapidem, Everhardus uff dem Velde,
Conradus van der Lynden.
[64] Anderer Art, wenn auch ähnlichen Sinnes sind die Zusammensetzungen
mit Mann: Grundmann, Lehmann, Buschmann, Horstmann, Gampmann.
[65] Das Verhältnis der Familiennamen zu den Ortsnamen und das
bedeutende Hereinspielen der letzteren ist von manchen nicht genügend in
Betracht gezogen worden, namentlich nicht von Vilmar, der, zu sehr nach dem
äußeren Schein und Klang urteilend, viele Namen falsch einreiht. So stellt er
Schönaich, Staudach unter die Pflanzen, berücksichtigt bei Baum und Horn
nicht, daß diese einfach oder als zweiter Teil der Zusammensetzung häufig als
Ortsnamen vorkommen usw.
[66] Stark S. 156: Rudolfus Strubingar (Straubinger) 12. Jahrh.; Heinrich der
Wiener 14. Jahrh. — Henricus dictus Mijssener (Meißner) Köln. Univ.-Matrikel
1390.
[67] In Klempins Pommerschen Namenverzeichnissen aus dem Ende des 15.
Jahrh. findet sich kein einziger Name dieser Art, immer ist die Ortsbenennung

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unverändert, mit verhältniswörtlicher Ellipse, verwendet: Arnstorp, Paswalck,
Rosendal, Schenkenbergh usw.
[68] K l e e m a n n (Die Familiennamen Quedlinburgs und der Umgegend S.
167) zählt in der großen Feldmark von Quedlinburg 15 ehemalige, jetzt
verschwundene Dörfer auf.
[69] Z. B. Opitz von Boberfeld, Hoffmann von Hoffmannswaldau. Auch
Abstrakta wurden und werden verwendet wie: Löllhöfel von Löwensprung, Adler
von Adlerskampf, Riebel von Festertreu, Tengg von Lanzensieg.
[70] Daß in noch früherer Zeit auch die W a f f e n der Helden, namentlich
die S c h w e r t e r Namen hatten (Altekläre = hoher Glanz, Preciosa,
Angurwadel), ist aus den Epen des Mittelalters bekannt.
[71] Ähnlich war es in England noch zu Ende des 17. Jahrhunderts: „Die
Häuser (in London) waren nicht numeriert. Es würde in der Tat von geringem
Nutzen gewesen sein sie zu numerieren; denn von den Kutschern,
Sänftenträgern, Lastträgern und Laufburschen Londons konnte nur ein sehr
kleiner Teil lesen. Es war nötig, Zeichen zu gebrauchen, die der Unwissendste
verstehen konnte. Die Läden unterschieden sich daher durch gemalte Zeichen,
welche der Straße ein heiteres und groteskes Ansehen gaben. Der Weg von
Charingcross nach Whitechapel ging durch eine unendliche Folge von
Sarazenenköpfen, Königseichen, blauen Bären und goldenen Lämmern, welche
verschwanden, wie sie nicht mehr als Leitfaden der gemeinen Leute nötig
waren.“ (M a c a u l a y, Gesch. Englands seit dem Regierungsantritt Jakobs II.,
Bd. 2 in dem Kapitel: Zustand Englands im Jahre 1685.)
[72] Schiller im Tell I, 2 von Stauffachers Hause:
„Mit bunten Wappenschildern ist’s bemalt
Und weisen Sprüchen.“
[73] Man vergleiche schwedische Namen wie von Tigerström (ein Strom, an
dem Tiger hausen, in Skandinavien!), Gyllenstorm (goldner Sturm) u. a. — auch
die jüdischen Familiennamen (s. weiterhin).
[74] Urspr. bloßer Koch, aber anmaßlicherweise eingedrungen in die
römische Gens Cocceja (Pott).
[75] Friedrich der Große hat gelegentlich darüber seinen Spott ausgegossen,
siehe den Bericht über seinen Besuch im Rhin- und Dossebruch (1779), verfaßt
vom Oberamtmann Fromme, welcher den König durch den Fehrbelliner
Amtsbezirk begleiten mußte und alles aufgezeichnet hat, was er an diesem
denkwürdigen Tage erlebt und aus des Königs Munde vernommen.
K ö n i g: Wie heißt Ihr?
A m t s r a t (des Amtes Neustadt): Klausius.
K ö n i g: Klau-si-us. — — Was ist das für ein Mensch, der da rechts?
F r o m m e: Der Bauinspektor Menzelius, der hier die Bauten in Aufsicht
gehabt hat.
K ö n i g: Bin ich hier in Rom? Es sind ja lauter lateinische Namen! — —
Wie heißt die Kolonie?
F r o m m e: Klausiushof.

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A m t s r a t: Ihre Majestät, sie kann auch Klaushof heißen.
K ö n i g: Sie heißt Klau-si-ushof. Wie heißt da die andere Kolonie?
F r o m m e: Brenkenhof.
K ö n i g: So heißt sie nicht.
F r o m m e: Ja, Ihro Majestät! Ich weiß es nicht anders!
K ö n i g: Sie heißt Brenkenhofi-ushof.
[76] Im Segen Jakobs (1. Mos. 49) wird Juda ein junger Löwe, Naphthali ein
Hirsch, Benjamin ein Wolf genannt. Der Adler ist ein Bild sich erneuender
Jugend (Ps. 103,5 u. a.).
[77] Gold, Golde, Feingold, Goldader, Goldbach, Goldbaum, Goldberger,
Goldenberg, Goldenkranz, Goldfaden, Goldfarb, Goldfinger, Goldmann,
Goldmark, Goldreich, Goldstein, Goldstrom, Goldtreu, Goldziher usw.
[78] Bemerkenswert ist es, daß die Frau auch wohl den Vo rnamen des
Mannes mit annimmt: Esther Salomon Gottschalk, Bertha Philipp Freundlich —
es ist eben die F i r m a, die so selbst noch auf den Grabsteinen prangt.
[79] A n d r e e, Zur Volkskunde der Juden. S. 125 ff.
[80] Früher beseelte die Deutschen ein stolzes Selbstgefühl, über welches als
die „Teutonicis innata superbia“ Schriftsteller anderer Nationen klagen. „Seit
jenem unseligen Kriege,“ ruft Gfrörer bitter aus, „sind die Deutschen ein Volk
von Bedienten geworden!“
„Ich bin Franzos!“ „Engländer!“ „Ich Russe!“ — Und Sie, mein Verehrter?
„Schulze aus Meiningen, Herr! Dero ergebener Knecht!“ (Xenien der
Gegenwart.)
[81] Schon lange vor dem letzten Kriege.
[82] Diese lächerlichen Schreibungen finden ein Gegenstück nur in den
Entstellungen deutscher Namen auf Häuserschildern in Metz (vor 1870): Chemit
(Schmidt), Quoinze (Kuntz), Choultse (Schulze) u. a. — Über die
Polonisierungen früherer Jahrhunderte spricht Winckler, „Die Nationalitäten
Pommerellens“ S. 4 f., welcher dort ein Verzeichnis der während der polnischen
Herrschaft polonisierten Adelsgeschlechter gibt. So wurde aus Ahlebeck
gemacht Alebitzki, aus Behme — Bem, aus Hutten — Ozapski, aus Kochenstein
Kochanski, aus Schönborn — Szumborski usw. Noch häufiger jedoch wurde den
deutschen ein polnischer, vom Besitz entlehnter Name hinzugefügt, so daß nun
diese merkwürdigen Zwitter entstanden wie Stein von Kaminski, Otterfeld-
Rybinski. Doch diese Maskierungen werden durch den Druck der mehr als
dreihundertjährigen polnischen Gewaltherrschaft in Westpreußen einigermaßen
entschuldigt. Welche Entschuldigung aber haben diejenigen, die in der
Gegenwart unter einer deutschen Regierung ihre Nationalität verleugnen und mit
den Feinden des Vaterlandes gemeinsame Sache machen?
[83] Rüstow in seinen „Erinnerungen aus dem italienischen Feldzuge von
1860“: „Die u n g a r i s c h e Legion bestand aus allen Nationen; besonders
waren auch viele Norddeutsche darin. Die d e u t s c h e n Offiziere in derselben
hatten sich ungarische Namen gegeben“ — wozu das Magazin für Literatur des
Auslandes (1862, Nr. 7) bemerkt: „Es ist wirklich rührend und für jeden echten

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Deutschen erhebend. Man möchte glauben, wenn einmal ein Freiheitskrieg der
Kongoneger ausbricht, und deutsche Landsknechte dahin kommen, so lassen sie
sich, abgesehen von den schwarzen Namen, die sie natürlich annehmen, mit
echtem Kienruß färben, um den Negern ihre Farbe und Nationalität nicht
mißliebig zu machen.“
[84] B e r n h a r d i, Sprachkarte von Deutschland. — K i e p e r t, Völker-
und Sprachenkarte von Deutschland und den Nachbarländern. — D e r s .
Völker- und Sprachenkarte von Österreich. — P e r t h e s ’ Alldeutscher Atlas.
Bearbeitet von Langhans 1900.
[85] Nach der üblichen geographischen Zweiteilung des deutschen Landes.
[86] Ein Beispiel dieser sehr abweichenden Mundart ist das saterländische
„Skippers sankje“ (Schiffers Gesang), mitgeteilt von Poppe, Globus 1872 Nr. 12.
Daß übrigens in diesem ganzen Kapitel nur die L a n dbevölkerung in Betracht
kommen konnte, ist wohl selbstverständlich.
[87] Westlich durch die niederrheinische Landschaft (besonders Reg.-Bez.
Düsseldorf) wenn auch in stark verminderter Menge.
[88] In Mecklenburg auch Kröger, Köster, Schriewer.
[89] Damit sind die Familien noch nicht als urspr. wendisch gekennzeichnet.
Der Name besagt ja nur, daß der Ahnherr des Geschlechtes aus dem bezügl. Orte
stammte; er kann also sehr wohl und wird in Wirklichkeit meistens deutscher
Abkunft gewesen sein.
[90] Aus -ek entwickelte sich -ke, wie in Pawelke aus Pawelek, Mardschinke
aus Marcinek. In andern Fällen wurden volle Vokale (a, i) abgeschwächt, wie in
Jütersonke aus Jutrzenka, Palbitzke aus -ki. Dadurch haben die Namen auf ke,
aus mehreren Quellen fließend, solchen Zuwachs erhalten, daß sie in
Hinterpommern (etwa 15 v. H.) dreimal so zahlreich als in Vorpommern sind.
[91] Die altdeutschen Vollnamen und ihre ein- oder zweistämmigen
Kürzungen ohne Verkleinerungssuffix, welche die allgemeine Grundlage auch
hier bilden, werden nicht weiter hervorgehoben. Nur die Eigentümlichkeiten der
einzelnen Landschaften sollen hier möglichst ins Licht gestellt werden.
[92] Im Luxemburgischen bisweilen in französischer Schreibung:
Bouchholzer, Bourggraff, Brandenbourg — Nitschké.
[93] Fast immer in dieser einfachsten Schreibung.
[94] Für B a y e r n fehlten mir leider die ausreichenden Unterlagen —
ebenso wie für Elsaß-Lothringen, die deutschen Teile von Österreich-Ungarn
und der Schweiz.
[95] Hier ragt ja auch das Polnische in die Provinz herein.
[96] Anderseits begegnen auch viele deutsche Namen (bis zu 25 v. H.) in den
überwiegend polnischen Kreisen.
[97] Zusammengestellt nach den Kirchenbüchern der Gemeinde
Wachholzhagen (Kreis Greifenberg, Pommern), die in den Konfirmanden-
Verzeichnissen bis 1586, im übrigen bis 1619 zurückgehen.
[98] K i e p e r t, Völker- und Sprachenkarte von Deutschland und den
Nachbarländern. — R i c h . B ö c k h, Sprachkarte vom preußischen Staate nach

Page 144

den Zählungsaufnahmen vom Jahre 1861, im Auftrage des Königl. statistischen
Bureaus bearbeitet.
[99] An dieser Stelle fließen Slawisch und Deutsch teilweis zusammen und
es ist keine strenge Grenze zu ziehen, da manche Namen auf ke sowohl
deutschen als slawischen Ursprunges sein können, z. B. Janke deutsche
Verkleinerungsform von Johannes und auch slawische, durch Janek vermittelt.

Page 145

II.
Namen-Lexikon.

Page 146

Page 147

Vorbemerkungen.
Adelslex. bedeutet Frh. von Ledebur, Adelslexikon der
preußischen Monarchie.
ahd. „ althochdeutsch.
angels. „ angelsächsisch.
Bacm. „ Bacmeister, Germanistische Kleinigkeiten (I.
Alte, meist oberdeutsche Familiennamen).
Bed. „ Bedeutung.
Buck „ Buck, Oberdeutsches Flurnamenbuch.
DW. „ Grimm, Deutsches Wörterbuch.
einst. K. „ einstämmige Kürzung.
EN. „ Eigenname.
F. „ Form.
FN. „ Familienname.
Först. „ Förstemann, Altdeutsches Namenbuch.
Gen. „ Genetiv.
got. „ gotisch.
Gött. UB. „ Göttinger Urkundenbuch.
Jh. „ Jahrhundert.
Kal. „ Kalendertag.
KB. „ pommersche Kirchenbücher.
Klemp. „ Klempin, Diplomatische Beiträge.
Lipp. Reg. „ Preuß und Falkmann, Lippische Regesten.
mhd. „ mittelhochdeutsch.
N. „ Name.
niederd. „ niederdeutsch.
O. „ Ort.
oberd. „ oberdeutsch.

Page 148

ON. „ Ortsname.
patr. A. „ patronymische Ableitung.
patr. Zss. „ patronymische Zusammensetzung.
PN. „ Personenname.
Preuß „ Preuß, Die lippischen FN. (urkundlich).
Rud. „ Rudolphs Vollständigstes Ortslexikon von
Deutschland und Österreich.
südd. „ süddeutsch (südlich vom Main).
V. „ Vollname.
Vklf. „ Verkleinerungsform.
VN. „ Vorname.
westf. „ westfälisch.
zsgz. „ zusammengezogen.
Zss. „ Zusammensetzung.
zweist. K. „ zweistämmige Kürzung.
I. II. III. „ die drei Schichten innerhalb der FN.
(Abhandlung Kap. 1).
Bei der ersten Schicht beachte man, daß die Aufeinanderfolge der an
zweiter Stelle befindlichen Zusammensetzungselemente diese ist: bald,
beraht, bod, brand, brord — dag — frith, funs — gang, gar, gard, gast,
grim — hard, hari, helm, hraban, hroc, hrod — laic, laif, land — man,
mar, mod, mund — nanth, nod — rad, ric — scalc, stain — thanc, thiu —
wald, ward, wig, win, wulf.
Den neuhochdeutschen FN. sind die ad. Vollnamen vorangestellt —
wenn nicht urkundlich nachgewiesen und nur vorausgesetzt, in Klammer, z.
B. unter Band: Bandhard, aber (Bandheri). Die gekürzten altdeutschen
Formen dagegen sind, wenn auch nachweisbar, der Raumersparnis wegen
nicht durchgängig aufgeführt worden. Eine Zahl bei einem altdeutschen
Namen. z. B. Arnust 8., bezeichnet das Jahrhundert, in welchem derselbe
zuerst nachweislich wird.
Alle von Ortsbezeichnungen abgeleiteten zusammengesetzten
Familiennamen suche man unter dem Grundwort, z. B. Bärenreuth,

Page 149

Vogelreuter unter Reut. (Die wichtigsten dieser Grundwörter siehe auf S. 55
f.)

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Page 151

A.
A III. got. ahva, ahd. aha, mhd. ahe „fließendes Wasser“
(urverwandt mit lat. aqua) — bildet schon in der ahd. Zeit
unzählige Namen auf -aha, wie Fuldaha, neben denen
seltnere Formen auf -aa, -ach, -a hergehen. Heutzutage ist
die häufigste F. -ach. Solche Flußnamen sind dann auch
auf daran liegende Orte und von diesen auf Familien
übertragen worden.
FN. Altena (= zur alten A). Berka. von Bibra (aus
Biberaha, Biberfluß). Fulda, abgeschwächt Fulde.
Aalderk s. Athal (V. Adalric).
Aalfs s. Ath (V. Athaulf).
Aapken s. Ath (zweist. K.).
Aar s. Ar.
Abben s. Ath (zweist. K.).
Abbrecht s. Ath (V.).
Abbt s. Abt.
Abderhalden III. (schweiz.) „der von der Halde“ (vgl.
„Heinrich von der Halden“ Schiller, Tell 1, 4).
Abe, Abek- s. Ath (zweist. K.).
Abel a) I. s. Ath (zweist. K.). b) II. hebr. Hebel, Habel
„Hauch“.
Abele, -ing s. Ath (zweist. K.).
Abend III. in mehreren Zusammensetzungen: Braunabend,
Faßlabend, Feierabend. — Auch Abendroth.
Aberell III. „April“, auch Aberill — der F. nach aus dem
12.-14. Jh. Aus späterer Zeit Aprill; Aprell.

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Aberle, Äberli s. Ath (V.).
Abesser III. einer aus Abes (Bayern), Abesser (Bayern).
Abich, Abick, Abo s. Ath (zweist. K.).
Äbli s. Ath (zweist. K.).
Abraham II. hebr. „Vater der Menge“ (s. 1. Mos. 17, 5).
FN. (meist jüdisch): Abraham, zsgz. Abram (mit der
ursprünglichen Form des N. wieder
zusammenfallend). Gen. Abrahams; Abrams (beide
ostfries.). Patr. Zss.: Abrahamsohn; Abrahamson.
Vorn verkürzt: Brahms.
Abram s. Abraham.
Abrecht s. Ath (V.).
Abt III. ahd. abbât, mhd. abbet (aus dem syrischen abba
„Vater“, welches in die kirchliche Sprache aufgenommen
wurde) der „meister über die münche“.
-ach III. 1) vom ahd. aha (s. A).
2) vom ahd. -ahi (= lat. -etum), bes. wenn der erste Teil
der Zss. eine Baumgattung bezeichnet, wie z. B. in
Weidach (Weidicht), Ahornach, Dornach.
FN. von Erlach.
3) nicht deutsch, aus der keltischen Endung -acum, -
acus entstanden, wie in Andernach aus Antunnacum
u. vielen andern rheinischen Städtenamen.
FN. Echternach. Gappenach. Creizenach (wohl =
Kreuznach).
Ableitung von ON auf -ach (oberd.):
FN. 1) -acher: Brettnacher (O. Brettenach in
Lothringen). Breisacher. Heidacher.
Reinacher. Staudacher. Weidacher.
2) -ächer (-echer): Eisenächer. Holecher
(O. Holach in Mittelfranken).

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-acher, -ächer s. -ach.
achter III. ahd. aftar, mhd. after, niederd. achter „hinter“ —
in manchen Zss.: Achterfeld (ON.). Achterholt.
Achterkirchen. Achtermeyer.
Achternbosch III. niederdeutsch (niederrhein.) „hinter dem
Busch“ (S. 54). So auch wohl Agternkamp „hinter dem
Kamp“.
Achtsnicht III. Satz-N. Auch Achtsnit (Wien). Entstellt
Achzenicht, Achtzig (Cämmerer, thüring. FN. S. 16).
Acke s. Ath (einst. K.).
-acker a) I. aus ahd. wacar „wachsam“.
FN. Gonnacker. Heinacker. Rothacker (s.
Andresen, Personennamen S. 47).
b) III. aus „Acker“, zunächst
Ortsbezeichnungen, dann durch
Übertragung Familien-N. bildend.
FN. Dreysigacker (O. Dreißigacker). Dinkelacker.
Eichacker. Goldacker. Hofacker. Hohenacker.
Rothenacker. Steinacker.
Ackermann III. mhd. ackerman „Ackersmann“. Verlateint
Agricola.
Adä s. Adam.
Adam II. hebr., als N. des ersten Menschen vielfach zum
Vornamen verwendet.
FN. Adam, mit der eigentümlichen Zss. Karrenadam.
— Gen. (lat.) Adä; Adami, Adamy — (deutsch)
Adams.
Adden, Ade s. Ath (einst. K.).
Adebahr III. mhd. mniederd. adebar (jetzt nur noch niederd.
Adebar) „Storch“.
Adel- s. Athal (V., einst. K.).

Page 154

Adelt s. Ath (V.).
Adena s. Ath (einst. K.).
Adenauer III. „einer aus Adenau“.
Aderjahn s. Hadrianus.
Adickes, Adix s. Ath (einst. K.).
Adl- s. Athal (V.) — doch
Adloff s. Ath (V.).
Adler a) I. s. Athal (V.). b) III. der „Adler“, der König der
Vögel, als Wappen- und Häuserzeichen beliebt. Zss.
Steinadler. Güldenadler.
Adnot, Adolf, -ph s. Ath (V.).
Adrian s. Hadrianus.
Adt s. Ath (einst. K.).
Aegidius II. griech. von der Ägis, dem Schilde des Zeus: der
„Beschildete“, ein seinerzeit berühmter Augustinermönch,
Erzieher des nachherigen Königs von Frankreich, Philipps
des Schönen, gest. 1316.
FN.: Ägidi (aus dem Gen. Aegidii zsgz., wie die
Monats-N. Juni, Juli aus Junii, Julii), Egidy. —
Volkstümlich gekürzte F.: Gilles (vgl. holl. Gillis,
franz. Gilles); Gillessen.
Aemilius II. lat., N. der bekannten römischen Familie der
Aemilier, vermischt mit dem deutschen Emilo (s. Amal).
FN.: Millies; Mellies (S. 38). Zss. Westermillies
(westf.).
AG I. ahd. ekka, mhd. ecke, egge (vgl. lat. acies) „Ecke“,
Kante, bes. in dem Sinne von „Schneide,
Schwertesschärfe; Schwert“.
FN. Agebald: Eibold.
Agabert: Eggebrecht; Eggebert — Eckebrecht;
Eckenbrecht; Eckbert — Eibert; Eyber. Gen.

Page 155

Egberts.
Agafrid: Eiffert.
Agihard: Eggard; Eggert — Egert — Eckhard;
Eckard, Eccardt; Eckert — Eichhardt; Eichert —
Eiert. Gen. Agartz — Egts. Patr. A. Eggerding —
Eckarter (südd.).
Agihari: Egger — Eckher; Ecker (Eckermann) —
Eier. Gen. Eggers (Eggersmann westf.) — Egers.
Patr. A. Eggering.
Vklf. (l): Eckerle. (l + n): Eckerlin.
Egiman: Eckmann — Eimann.
Agemar: Eimer. Gen. Eimers.
Agarich: Eyerich — Eirich. Gen. Eggerichs;
Eggericks (ostfries.).
Agiovald: Egold — Eckold; Eckhold; Eckgold;
Eckelt. Gen. Eckholz.
Egward: Eckwert.
Agiolf: Egolf; Egloff — Eckwolf.
Einstämmige Kürzung Ag-.
Eggo, Ecko, Aio: Egge — Ege — Ecke; Eck — Aye;
Ey. Gen. Aggen — Eggen; Eggens (Kleinegges
westf.) — Ecks; Ecken — Agena (ostfries.) —
Eggena (ostfries.). Patr. Zss. Axen (aus Aggesen
vom ostfries. VN. Agge).
Vklf. (i) Egi: Eckei. (l): Eckel. (k) Agico: Eicke;
Eyk. Gen. Aiken. (z) Eizo: Eitze.
Zweistämmige Kürzung Agab-.
Agibo, Eibo: Eyb.
Zweistämmige Kürzung Agam-.
(Agimo): Gen. Eymeß.
Vklf. (k): Eimicke.

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Aggen s. Ag (einst. K.).
AGIL I. Weiterbildung von Ag (berührt sich z. T. mit Athal
in Formen ohne i in der ersten Silbe, wie Ehlert, s.
Andresen S. 23).
FN. Agilperht: Eilebrecht — Ellbrecht; Elbracht;
Elbert.
Egilger: Elger. Patr. A. Elgering.
Agilard: Eilhard; Eylert — Ehlert. Gen. Eilderts
(ostfries.). Patr. A. Eilerding — Ehlerding.
Agelhar: Egeler — Eckler — Ehler. Gen. Ehlers.
Agilrich: Eilrich.
Agilward: Elwert.
Einstämmige Kürzung Agil-.
Agilo, Egilo, Eilo: Agel — Egel — Eyle — Ehle.
Gen. Egells — Eils. Patr. A. Egeling — Eyling.
Patr. Zss. Eilsen.
Vklf. (i): Egli (schweiz.) (k): Eileck.
AGIN I. Weiterbildung von Ag.
FN. Aganbert: Gen. Eigenberts.
Aginard (Eginhard, Karls des Großen Schreiber und
Biograph): Ahnert — Eginard — Einhard; Einert
— Enet. Gen. Ehnders (ostfries.) — Eints
(ostfries.).
Agenar: Agner — Ahner — Egner.
Aginald: Ahnelt — Ähnelt — Einold.
Aginulf: Egenolf.
Einstämmige Kürzung Agin-.
Agino, Egino, Eino: Egen — Eine — Ehne. Gen.
Eins — Ennen (vgl. ostfries. VN. Enno). Patr. A.
Eining.

Page 157

Vklf. (k): Einicke — Enigk; Eneich — Enke. Patr.
A. Enking.
AGIS I. got. agis, ahd. agiso, ekiso „Schrecken“.
FN. Egisrik: Eisrich; (umgedeutet) Eisenreich.
(Agisold): Eiswaldt; Eisold; Eiselt.
Aglaster III. ahd. agalastra, mhd. agelster „Elster“.
Agner s. Agin (V.).
Agricola III. Latinisierung für Ackermann, Bauer und
Baumann — auch für Schnitter (Joh. Schnitter aus
Eisleben, hervorragender märkischer Theolog des 16. Jh.,
von welchem auch die bekannte Sprichwörtersammlung
herrührt). Aus Agricola wieder Grickel (s. Tschiersch,
Formwandlungen deutscher Geschlechtsnamen S. 6).
Agternkamp s. Achternbosch.
Ahl-, Ähl- s. Athal (V., einst. K.).
Ahlff s. Ath (V.).
Ahmer s. Ath (V.).
Ahn- s. Agin (V.).
Ähnelt s. Agin (V.).
Ahr s. Ar.
Ahren-, Ahrn- s. Arin (V., einst. K.).
Aiken s. Ag (einst. K.).
Akemeyer s. Ath (einst. K.) und Meier.
ALB I. (got. albs) ahd. mhd. alp, angels. ālf, altnord. âlfr
„Elf“ (S. 18).
FN. Alberad (Alfred): Elfrath.
Alpheri: Elbers.
Albarich: Alberich — Elfreich. Gen. Alverichs.
Einstämmige Kürzung Alb-.

Page 158

Albo, Alpho: Elbe — Alf — Elfe. Gen. Alben; Alves
— Elben; Elven.
Vklf. (l) Albila: Albel — Elbel. (k): Albig. (k + n):
Elpken.
Alb- s. a) Athal (V.) b) Alb (V., einst. K.).
Albinus III. Lat. für Weiß(e). (Allgem. deutsche
Biographie). Albinus als Leibarzt der Königin Christine in
den (schwedischen) Adelstand erhoben: Weiß von
Weißenfels.
ALD I. got. alds, ahd. alt, altsächs. ald. „alt“.
FN. Altduom: Altum.
Aldhard: Aldthardt.
Althar: Alder — Alter; Altherr.
Aldman: Altmann — Oltmann — Ollmann —
Ohlmann. Gen. Altmanns — Oltmanns.
Alderich: Alderich — Oltrich — Haltrich — Eltrich.
Alduig: Altwig — Oltwig — Olwig.
Aldwin: Altwein.
Einstämmige Kürzung Ald-.
Aldo, Halto: Alde — Alte; Alt — Halte — Olde —
Olle — Ohle. Patr. A. Alding: Alting. Patr. Zss.
Ohlsen.
Aleff, Alefs s. Ath (V.).
Alexander II. griech. „männerabwehrend“; außer Alexander
dem Gr. Name mehrerer Päpste.
FN. Alexander. Mit Kürzung im Anlaut: Xander —
Zander (s. Pott S. 111, wonach in Elbing Alexander
als VN. in Zander gekürzt wird) — Sander (Schütt,
Braunschweiger PN. 8).

Page 159

Alexius II. griech. „Helfer“, N. vieler oströmischen Kaiser.
FN. Gen. Alexi. Gekürzte FF.: Allex — Lex. Patr. A.
Lexer (südd. s. S. 36).
Alf- s. a) Alb b) Ath (V.) c) Athal (V.).
Alger s. Athal (V.).
Alheid, Alhelm s. Athal (V.).
Alitz s. Athal (einst. K.).
Aljets s. Athal (V.).
Alk- s. Athal (V., einst. K.).
Allard s. Athal (V.).
Alle s. Athal (einst. K.).
Allebracht, Allerd-, Allers s. Athal (V.).
Allerheiligen III. verkürzt aus „Tag aller Heiligen“, Festtag
in der katholischen Kirche — auch mehrfach als ON.
vorkommend.
Alletag s. Athal.
Allex s. Alexius.
Allgäuer III. „einer aus dem Allgau“ in Vorarlberg und
Bayern.
FN. Allgäuer; Allgeier; Allgayr; Allgöwer (worin noch
das urspr. w — ahd. gawi — erhalten ist).
Allgeier, Allgöwer s. Allgäuer.
Allm-, Allram, Almer s. Athal (V.).
Alrich s. Athal (V.).
Alt- s. Ald (V., einst. K.).
Altbüßer III. „Schuhflicker“. Niederd. Olböter — niederl.
Ouboter (Kleve).

Page 160

Altherr a) I. s. Ald b) III. mhd. altherre „alter, angesehener
Herr“, insbes. „Vorsteher einer Gemeinde“.
Alv- s. Alb.
Alw- s. Athal (V.).
AMAL I. wohl zu altnord. aml „Arbeit“. Ostgot.
Königsgeschlecht der Amaler.
FN. Amalhari: Amler — Emeler — Emmler.
Einstämmige Kürzung Amal-.
Amala, Emilo: Emele. Gen. Amels. Patr. A. Amalung
5: Amelung; Amelong; Amelang (auch Amerlang)
— Ambelang — Ammeling. Gen. Amelings
(ostfries.).
Amann s. Ammann.
Ambelang s. Amal.
Ambronn III. „der am Brunnen Wohnende“.
Ambrosius II. griech. „der Unsterbliche“; der berühmte
Kirchenlehrer, geb. zu Trier, gest. 397 als Bischof zu
Mailand, ein Hauptbegründer des Kirchenliedes in der
abendländischen Kirche, nach welchem auch der
„ambrosianische Lobgesang“ (Te Deum laudamus)
benannt ist.
FN. Ambrosius. Gen. Ambrosy; Ambrosay.
Mit Kürzung im Auslaut: Ambros; Ambrosch
(oberdeutsch).
Mit Kürzung im Anlaut: Brosius; Brose (s. S. 37);
Broos.
Vklf. (l): Brösel. (k): Brösicke; Bröske —
Brösgen.
Ambühl III. „der am Bühel d. i. Hügel“.
Amdohr s. Amthor.

Page 161

Ameis III. das wegen seines „emsigen“ (von der Nebenf.
Ämse) Fleißes sprichwörtl. gewordene Insekt (s. Sprüche
Sal. 6, 6). Doch ebensogut zu altd. Amizo 9. Jh.
FN. Ameis — Omeis.
Amel- s. Amal.
Amende III. „der am Ende des Ortes Wohnende“; auch
getrennt: am Ende.
-amer s. Heim III.
Amke s. Ath (zweist. K.).
Amkreutz III. „(der) am Kreuz (Wohnende)“.
Ammann III. ahd. ambahtman, mhd. ambetman, ambtman,
amman „niederer Beamter; urteilsprechende
Gerichtsperson“.
FN. Ammann — Amann — Ammon.
Amme s. Ath (zweist. K.).
Ammeling s. Amal.
Ammer s. Ath (V.).
-ammer s. Heim III.
Am Rhyn III. (schweiz.) „am Rhein“.
Amthor III. „der am Tore wohnt“. Auch niederd. Amdohr
und entstellt Amthauer.
Anacker III. „ohne Acker“ (ahd. âna, mhd. âne „ohne“).
Vgl. franz. Santerre.
Ander- s. Andreas.
Anderbrügg III. niederd. „an der Brücke“.
Anderegg III. (schweiz.) „an der Ecke“.
Anderheit III. „an der Heide“. Vgl. Vanderheidt. Auch
Anderheiden.

Page 162

Anderkul III. (Gottschee) „an der Grube“ — auch An der
Kull.
Andermahr III. „an dem Erdrutsch“ (der Moräne).
Andermatt(en) III. „an der Matte“ (Wiese). Johannes an der
matten 1300.
Andermauer III. „an der Mauer“. Vgl. Hans auf der Mauer
(Schiller, Tell).
An der Meulen III. (Geldern) „an der Mühle“.
Andreas II. griech. „der Mannhafte“; der Apostel, Bruder
des Petrus (Kal. 30. Nov.).
FN. Andreas; Andrea; Andres (mit langem e); Andrieß
— Anders, in breiter oberd. Ausspr. Andersch; Ander
(Andermann). Gen. Andreä; Andrä; Andree
(Andrée); Andre (André). Diese Accente deuten
schwerlich auf franz. Ursprung, sondern sind leidiger
Vornehmtuerei und Ausländerei entsprungen. Patr.
Zss. Andresen (mit langem e in der mittleren Silbe);
Andreessen; Andriessen — Andersohn; Anderson;
Andersen.
Vklf. (l): Anderl (bayr.) — Anderler.
Mit Umlautung des a in e (oberd.): Endres; Entres;
Endriß; Endraß; Enders; Endre. Patr. A. Endresser
(österr.).
Vklf. (l): Enderle (schwäb.). (l + n): Enderlin;
Enderlein.
Mit Kürzung im Anlaut: Drees; Dreese; Dreis — mit
den Zss. Dreesmann; Dräsemann; Driesemann.
Patr. Zss. Dreassen; Dreessen.
Vklf. (k): Dräseke; Dreske (doch s. auch Thras).
Zerdehnt: Drewes; Drews; Dreeß (vgl. Andrewes
Ebelingk 1480 Ilsenburg; Drewes als VN. in KBB,
z. B. Drewes Köster) — Drebes. Patr. A. Drewing.
Patr. Zss. Drewsen.

Page 163

Vklf. (k): Drewke.
Aneshensel s. Johannes.
Anesorge s. Ohnesorge.
Angel- s. Angil (V., einst. K.).
Angen- = an dem, in FN. wie Angendohr, -feld, -heister,
Angewisch (Niederrhein).
ANGIL I. gemischten Ursprungs: der Stamm Ingvi
(germanischer Gott), erweitert durch das Suffix l, traf mit
dem christlichen Lehnworte angil (angelus, Bote Gottes,
Engel) zusammen und bildete so die Doppelquelle dieses
zwitterhaften Angil. Auch der Volksname der Angeln
kommt dabei in Betracht.
FN. Angilberht: Engelbrecht; Engelbert; Engelbrett.
Gen. Engelbertz; Engelbarts.
Ingilbodo: Engelboth.
Angilfrid: Engelfried.
Angilhart: Engelhard — Englert. Gen. Engelarts
(ostfries.) Patr. A. Englerding.
Angelher: Engeler; Engler.
Angilman: Engelmann, Englmann.
Angelmar: Angelmar.
Ingalrad: Angelrath.
Engilscalc: Engelschall.
Angilthiu, Hengildeo: Hinckeldey; Hinckelthey.
Einstämmige Kürzung Angil-.
Angilo, Engilo, Ingilo: Angell — Engel — Ingel.
Gen. Engels (Engelsmann). Patr. A. Engling.
Vklf. (k): Engelke (Vorname Engelke Mandüvel
1362). Zss. Engelkemeyer. Gen. Engelken;
Engelkes; Engelkens. — Patr. A. Engelking.
Anhelm III. „ohne Helm“ (s. Anacker).

Page 164

Anhuth III. „ohne Hut“ (s. Anacker).
Anker III. wohl Hausname, wie noch bei Gasthöfen
(„Goldner Anker“).
ANS I. zu altnord. âs, angels. ôs „Gott“ (S. 18); die Anses
(Jordanes).
FN. Ansobort: Asberth; Asbahr — Osbarth; Osbahr.
Ansiprand: Asbrand; Aspern.
Ansher: Anser — Öser.
Anshalm: Anselm.
Osman: Aßmann (VN. in den Akener
Schöffenbüchern) — Osmann.
Ansmar: Oßmer.
Ansmod: Assemuth; Asmuth.
Ansemund: Osmund.
Ansovald: Osewaldt; Oswald.
Einstämmige Kürzung Ans-.
Anso, Aso: Ass — Ose — Öhse. Patr. A. Assing —
Ösing.
Vklf. (l) Ansilo, Ensilo, Asilo: Ansel — Ensle —
Asel. (l + n): Enslin. (k) Ansich: Oske.
Ansinn III. „ohne Sinn“ (s. Anacker).
Ansorg s. Ohnesorge.
Antenbrink III. niederd. „Entenbrink“.
Antonius II. 1) der h. Antonius, der im 4. Jh. als Einsiedler
in der thebaischen Wüste Ägyptens lebte. 2) Antonius von
Padua, berühmter Prediger im 13. Jh., der auch den
Fischen gepredigt haben soll.
FN. Antonius; Anton. Gen. Antoni, Antony — (deutsch)
Antons.

Page 165

Mit Kürzung im Anlaut: Tonius — Tönnies (VN. in
KB.). — Tönges; Tönniges (Thonyghes van dem
borne 1458 Pomm. Urk.) — mit j ostfriesisch:
Tonjes; Tönjes — Doniges — Dönniges; Dönges.
Patr. A. Tönnießen (Vechta).
Apel- s. Ath (V., zweist. K.).
Apfel III. als FN. in den Zss.: Eichapfel. Güdenapfel.
Kühnapfel. Holzapfel.
Apitz, Apitzsch, Apley s. Ath (zweist. K.).
Apollonius II. griech. „der Apollonische“, nach dem Gotte
Apollo; Märtyrer unter Kaiser Commodus im 2. Jh.
FN.: Plönnies — Lönnies (dreisilbig zu sprechen:
Plönni-es, oder Plönjes, s. S. 38).
App- s. Ath (V., zweist. K.).
Äppli s. Ath (zweist. K.).
Aprill, Aprell s. Aberell.
AR I. got. ara, ahd. aro, mhd. ar „der Aar“.
FN. Arawald: Arold — Arlet; Arlitt; zsgz. Arlt.
Arulf: Arloff.
Einstämmige Kürzung Ara: Aar, Ahr.
ARB I. got. arbi, ahd. arpi, erbi, mhd. erbe „das Erbe“.
FN. Arbogastes 4.: Arbogast.
Erbhart: Arbert — Arpert — Erbert.
Erphari: Erber.
Erfman: Arfmann.
Arbrih: Erbrich; Erbreich.
Erpold: Erpold — Erbt. Patr. A. Erpelding.
Einstämmige Kürzung Arb-.
Arbio, Erbo: Arp (niederd. Taufname noch 1770
Brem. Wörterb.) — Erbe — Erve. Gen. Arps —

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Erbs; Erbsch; Erben. Patr. A. Erbeling — Erpling
— Erfling (Lippe).
ARCAN I. ahd. ercan „echt, freigeboren, edel“. Arcambald.
FN. Ercanberaht: Erkenbrecht.
Erchanoald: Archenhold. Gen. Archenholtz.
Ardelt s. Hard (V.).
Aren- s. Arin (V., einst. K.).
Arfmann s. Arb.
Argelander s. Lehmann.
ARIN I. erweiterte F. von Ara.
FN. Arnbreht: Armbrecht — Arrenbrecht.
(Arinhart): Arnhard; Arnert — Ernert.
Arnheri: Erner.
(Arnric): Arnrich.
Arnoald: Arnwaldt; Arnold; Arnholdt (zerdehnt
Arenhold, Ahrendhold); Arnal; Arneth — Arendt
mit der Zss. Meierarend; Arnd — Ornold. Gen.
Arnolds; Arnholds — Ahrnholtz — Arenz; Arndts,
Arntz (lat. Arnoldi). Patr. Zss. Arndsen.
Vklf. (i): Ärni, Erni (schweiz.).
Mit Kürzung im Anlaut (S. 23 Anm.):
Noldt; Nolte (Abkürzung für Arnold in Elbing, s. Pott
S. 111). Zss. Branolte (= Nolte Brandes) — Nölte
— Nolle. Gen. Nolden — Zss. Kleine-Nolten
(westf.); latinis. Noltenius. Patr. A. Nolding —
Nölting.
Vklf. (k): Nöldecke. (k + n): Nöldechen — Nölken.
(z): Noltze.
Einstämmige Kürzung Arn-.
Arno: Arnemann — Ahren — Erno (Ernemann).
Gen. Ahrens (Zss. Marahrens). Patr. A. Arning —

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Ahrning. Patr. Zss. Arnsen.
Vklf. (k): Arnecke; Arnke. Gen. Arenkens
(ostfries.).
Arl- s. Ar.
Armborst s. Armbrust.
Armbrecht s. Arin.
Armbriester s. Armbruster.
Armbrust III. vor dem 12. Jh. nicht erscheinend, durch
Eindeutschung aus dem mlat. arcubalista entstanden.
FN. Armbrust; Armborst.
Armbruster III. mhd. armbruster. 1) „Verfertiger von
Armbrüsten“; 2) „Armbrustschütze“.
FN. Armbruster; Armbröster; Armbriester — von
Armst (zsgz. aus Armbrust): Armster.
Armengaud, Armerding, Armgard s. Irmin (V.).
Armster s. Armbruster.
Arn- s. Arin (V., einst. K.).
Ärni s. Arin (einst. K.).
ARNUST I. ahd. ernust, mhd. ernest, ernst „Ernst“, d. i.
urspr. der ernsthafte, entschlossene Kampf, angels.
eornost „Zweikampf“.
FN. (Zsgesetzte N. bisher nicht nachgewiesen.)
Arnust 8.: Arnst — Ernest — Ernst. Patr. A.
Ernsting. Lat. (Gen.) Ernesti.
Arp- s. Arb.
Arrenbrecht s. Arin.
Art- s. Hard (V., einst. K.).
As- s. Ans.

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ASC I. ahd. asc, mhd. asch „die Esche“, deren Holz zu
Lanzenschäften und Schiffen verwendet wurde, daher
auch „Eschenspeer; Boot“. Im Mhd. heißt die Esche
geradezu sperboum.
FN. (Aschard): Aschert — Eschert.
Aschari: Ascher (Aschermann) — Escher.
Ascman: Eschmann.
Ascarich: Eschrich; Escherig.
Ascolt: Aschhold. Gen. Eschholtz.
Asculf: Eschloff.
Einstämmige Kürzung Asc-.
Asco: Asche; Asch — Esche.
Vklf. (l): Eschle — Äschlimann (schweiz.). (k):
Aschke — Eschke.
Asch-, Äsch- s. Asc.
Aschenbrand, -brenner III. s. S. 41.
Ascher a) I. s. Asc b) (jüd.) „Glücklicher“.
Asmus s. Erasmus.
Asper III. (schweiz.) vom Hofe Asp bei Wollishofen, wo das
Geschlecht noch heute wie schon vor 500 Jahren
(Heinrich Asper uf Aspen) sitzt. (Tobler-Meyer, deutsche
FN.)
Aß-, Ass- s. Ans — doch.
Aßmy s. Erasmus.
Assemacher, Assenmacher III. halbniederd.
„Achsenmacher“.
ATH I. wohl Stamm zu Athal „Adel“, mit welchem es
mehrfach zusammenfließt. (Athaulf, Gotenkönig,
Schwager des Alarich 5. Jh.)
FN. Adabald: Appold; Appelt — Apelt.

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Athuberaht: Abbrecht — Appricht — Appert —
Abrecht; Abert.
Vklf. (l): Aberle (württ.) — Äberli (schweiz.).
Adamar: Ammer — Ahmer.
(Adanot): Adnot.
Athald: Adelt.
Athaulf 5.: Adolph; Adloff — Aleff, zsgz. Ahlff —
Alf. Gen. Adolfs — Alefs; Aalfs (ostfries.). Patr. A.
Alfing. Patr. Zss. Adolphsen (schlesw.). Mit
Kürzung im Anlaut: Dolf. Gen. Dolffs.
Einstämmige Kürzung Ath-.
Ado, Atto: Ade; Adt. Gen. Adden — Atten. — Adena
(ostfries.). — Atsma (ostfries.).
Vklf. (k) Athacho, Acco: Acke. Gen. Adickes; Adix. (z)
Azo: Atze.
Zweistämmige Kürzung Athb-.
Abbo, Abo: Appe — Abo; Abe. Gen. Abben.
Vklf. (l): Appel (Appelmann) — Abele; Abel
(Abelmann) — Apel. Gen. Abels. Patr. A.
Abeling. (l + i): Äppli — Apley. (l + n): Abelein.
(k): Abich; Abick. Gen. Abeken — Aapken —
Abekena (ostfries.). Patr. A. Abeking. (z): Apitz;
Apitzsch (Kgr. Sachsen).
Zweistämmige Kürzung Athm-.
Amo: Amme.
Vklf. (k): Amico: Amke.
ATHAL I. ahd. adal, mhd. adel „Geschlecht, Adel“, ein in
EN. nur anlautend, aber außerordentlich häufig
gebrauchter Stamm.
FN. Athalbald: Albold.
Athalberaht: Albrecht; Albracht; Albert. Zss.
Alberternst (München) — Allebracht — Ahlbrecht

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— Ehlebracht. Gen. Alberts, Albertz (lat. Alberti)
— Elbregts (ostfries.). Patr. A. Elperting. Patr. Zss.
Albertsen.
Adalbrand: Albrand — Ahlbrand — Ellbrandt.
Athaldag: Altag — Alletag — Alldey.
Athalfrid: Alfert (Alfermann).
Adalgar: Alger; Alker.
Adalgis: Adelgeiß — (umgedeut.) Adelgeist.
Adalgoz: Adlgos.
Adalgrim: Ahlgrimm.
Adalhaid f.: Alheid. Gen. Aljets (ostfries. von dem
weibl. VN. Aljet = Adelheid, s. Ruprecht S. 7).
Adalhard: Adelhardt — Allard; Allerdt — Ahlert —
Edelhardt — Ehlert (doch auch zu Agil). Patr. A.
Allerding.
Adalhari: Adeler; Adler — Ahler — Edeler. Gen.
Allers — Ahlers — Ählers. Patr. Zss. Allerssen.
Adalhalm: Adelhelm — Alhelm.
Adalhoh: Adlhoch.
Adalraban: Allram.
Adalhrod: Ahlroth.
Adalman: Adelmann — Allmann — Ahlmann.
Adalmar: Almer. Gen. Allmers.
Adalric: Alrich — Aalderk (fries.).
Adelstein: Adelstein.
Athalwart: Adlwerth — Ahlwardt — Edelwerth;
Edelwirth.
Adalwich: Alwich.
Athaluin: Alwein.
Einstämmige Kürzung Athal-.

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Adalo, Allo, Edilo: Adel — Alle — Ahle — Edele;
Edel — Elle — Ähle — Ehl. Gen. Adels — Allen
— Ahlen — Edels — Ehlen. Patr. A. Adalunc:
Adelung — Eddeling — Ehling.
Vklf. (k) Alico: Ahlig; Ahlke. Gen. Alken. (z)
Alizo: Alitz.
Atsma, Atten, Atze s. Ath (einst. K.).
Au III. 1) deutsch vom ahd. awa, ouwa, mhd. ouwe, urspr.
„Wasser, Fluß“ (vgl. Königsa u in Schleswig); diese Bed.
tritt aber im Laufe der Zeit immer mehr zurück und die
eines „bewässerten Wiesengrundes“ immer mehr hervor.
Nhd. Aue, Au — dänisch ö (Insel) — friesisch og
(Wangeroog u. a.).
Au in vielen ON. zweites Glied der Zss.
FN. Buchenau. Kronau. von Rabenau. Adenaw (O.
Adenau, Rgb. Koblenz).
2) slawisch, aus ow verdeutscht (s. ow).
FN. Bülau neben v. Bülow. v. Rantzau neb. Ranzow.
Stremlau neb. Stremlow.
Ableitung auf -er (oberd.):
FN. 1) -auer: Blumauer. Eichenauer. Eipeldauer.
Kronauer. Rheinauer. Wiesenauer. Helmsauer
(Helmsau). Hilsensauer (Hilsens-au). (Meist
jedenfalls von 1) und oberdeutsch; aus
Niederdeutschland nur in modern jüdischen N. wie
Warschauer). Umgedeutet: Hasenhauer (O.
Hasenau). Schwarzenhauer (O. -nau).
2) -euer: Adeneuer. Gersteuer. Entstellt -eier:
Haseneier. Horneyer (O. Hornau). Morgeneyer.
Ramseyer. Waldeyer.
Aubel s. Aud (zweist. K.).

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AUD I. got. aud- (in audags), altsächs. ôd, ahd. ôt- (in ôtag
reich), „reicher Erbbesitz, Erbgut“. Noch in Allod.
FN. Autbald: Oppold; Oppelt — Opelt; Opet.
Audoberht; Audebert — Odebrecht; Odebrett;
Odenbrett — Oppert (Oppermann — Obbermann)
— Obrecht; Obert; Ober. Gen. Aupers — Öppers.
Vklf. (l): Oberle. (l + n): Auberlen — Oberlin.
Autfrid: Auffermann — Uffert — Offer. Gen. Offers
— Ofers.
Audagar: Ottiger — Ötiker — Ötker — Ockermann
— Öcker.
Autgart: Ockardt — Ökert — Uckert.
Audchar (Hothar): Oder — Otter (Ottermann) —
Hotter. Gen. Öters. Patr. A. Ötterling. Patr. Zss.
Otersen.
Otleib: Otlepp — Uthleb.
Autman: Odemann — Othemann — Ottmann.
Audomar: Othmer — Öhmer — Ommer. Patr. A.
Ömering.
Audericus: Odrich — Öttrich.
Audowald: Odewald.
Audulf: Oloff, zsgz. Ohlf. Gen. Olfen. Patr. Zss.
Olfsen.
Einstämmige Kürzung Aud-.
Audo, Odo, Hoto: Audt — Ode — Otto; Otte; Ott
(mit den Zss. Meierotto; Feldotto — Brunotte;
Janotte — Schwarzott) — Ötte — Hotho; Hoth —
Hotto; Hotte — Uhde — Uth. Gen. Oden — Ottes;
Otten (Zss. Ottenjan); Ottens (Zss. Ottensmeyer).
Patr. A. Öding — Otting — Odinga (ostfries.) —
Uhder. Patr. Zss. Ottsen.

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Vklf. (l) Audila: Aul — Öddel — Öttle — Öhle. (l
+ k): Aulike. (k) Audac, Occo: Otke — Öck.
Gen. Oetken; Oetjen (ostfries. oe = ô) — Ottjes
(ostfries.) — Ocken. Patr. A. Ockinga (ostfries.).
(k + l) Ochilo: Ockel, Ockhl (Ockelmann). (z)
Auzo: Autze — Ötzmann — Utz. (z + l) Ozilo:
Ötzel.
Zweistämmige Kürzung 1) Audb-.
Oppo, Opo (Stark 118): Oppe. Gen. Oppen — Öppen
— Öben.
Vklf. (l): Aubel — Oppel — Opel; Obel. Gen.
Öbels. (k): Öbbecke — Öpke. (z) Opizo (Stark
145): Oppitz — Opitz; Obitz.
Zweistämmige Kürzung 2) Audf-.
Offo: Offe — Öff. Gen. Offen — Ohfen.
Vklf. (l): Offel — Öfele.
Zweistämmige Kürzung 3) Audm-.
Ommo, Omo: Ohme; Ohm — Öhme. Gen. Ohmen —
Öhms — Ommen (Norderney); Ommena
(ostfries.). Patr. Zss. Ohmssen.
Vklf. (k): Ohmich; Ohmcke — Öhmigke; Öhmke.
(k + n): Öhmichen.
-auer s. Au.
Auf dem Garten III. s. S. 54.
Auffahrt a) I. s. Aud (V.).
b) III. = Himmelfahrt(stag).
Aufdermauer III. (schweiz.) „auf der Mauer“.
Auffenberg III. = „auf dem Berge“, vgl. Martinus
Updenberge (Klemp.). So auch wohl Aufenacker = „auf
dem Acker“.
Auffermann s. Aud (V.).

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Aufmkolk III. „auf dem Kolk“ (Wasserloch).
Aufm Ordt III. „auf dem Ort“ (Spitze, Rand, Grenze).
Auge III. in mehreren Zss., bes. nach der Farbe (wie
Wernher der Grünaug 1404): Rothauge; Rodaug.
Gansauge. Weinauge.
Augustus II. lat. „der Erhabene“, Beiname des ersten
römischen Kaisers Octavian.
FN. August — Augst. Gen. Augusti.
Augustinus II. Ableitung von Augustus; der h. Augustinus,
der große Kirchenlehrer, Bischof zu Hippo (jetzt Bona) in
Afrika, gest. 430.
FN. Augustin — entstellt Augstein. Gen. Augustiny.
Mit Kürzung im Anlaut: Stinus.
Aul s. Aud (einst. K.).
Aupers s. Aud (V.).
Ausderau III. „aus der Aue“.
aus’m Werth III. „aus dem Werder“ (Insel) s. S. 54.
AUST I. zu ahd. ôstan, mhd. ôsten „der Osten“; scheint (wie
west, nord, sund) solche Personen zu bezeichnen, die aus
den genannten Weltgegenden herstammen, deshalb nach
Förstemanns Beobachtungen bes. häufig bei den so weit
nach Westen vorgedrungenen Franken. Da der Zug
deutscher Stämme in der Völkerwanderung wesentlich die
Richtung von Osten und Norden her hatte, erklärt es sich
auch, warum diese beiden Himmelsgegenden in den
altdeutschen PN. an Häufigkeit der Verwendung den
Westen und Süden so sehr überragen. Doch haben
mythologische Beziehungen mitgewirkt (Ostara, Gottheit
des aufsteigenden Lichtes) — bei diesem Stamme auch
christliche (Ostern), s. Austar.
FN. Ostold: Osthold.
Austoricus 8: Osterich.

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Einstämmige Kürzung: Ohst — Öste (Östmann). Patr.
A. Oosting (ostfries.).
AUSTAR I. Erweiterung von Aust.
FN. (Austreman): Austermann — Ostermann.
Austrouald: Osterwald (auch ON.); Osterhold.
Austrulf: Osterloff.
Einstämmige Kürzung Austar-.
Oster: Auster — Oster — Öster.
Vklf. (l): Österle. Patr. A. Austerling — Osterling
— Österling. (l + n) Austrolenus: Österlin;
Österlein; Österlen.
Austermühle III. „aus der Mühle“ (S. 54).
Austerwischen III. „aus der Wiese“. Noch getrennt: aus der
Wischen.
Autze s. Aud (einst. K.).
Avemarg III. = Ave Maria (Hermann Avemarie 1434 Lipp.
Reg.).
Avenarius III. Latinisierung für Habermann.
Averdieck III. (niederd.) „oberhalb des Teiches“.
Axen, Aye s. Ag (einst. K.).

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B.
Baader s. a) I. Bad (V.) b) III. Bader.
Baake s. 1) Bag 2) Bald (einst. K.).
Baar- s. Bera (V., einst. K.).
Baath, Baatz s. Bad (einst. K.).
Babbe s. Bad (zweist. K.).
Babendererde III. niederd. (Mecklenb.) „über der Erde“ (in
welchem Sinne?), vgl. Chonradus uf der Erde 1194.
Babst s. Pabst.
Bach s. a) I. Bag b) III. Bach.
Bach III. ahd. pah, bah, mhd. bach, altsächs. biki bildet
urspr. Flußnamen, dann auch Benennungen von Orten, die
an den Flüssen liegen — heutzutage hochd. -bach in
tausenden von Namen, niederd. -beck (spr. bäk, mit
gedehntem, offenem e, daher auch in der Schreibung) -
bek, -beek; -becke. Häufig elliptisch: Weißenbach = zum
weißen Bach; Langenbeck.
FN. Bach (= am Bach, s. Lubbeke bi der beke fries.
Urk. Pott 543 — Bach auch häufiger ON.) Zumbach.
— Bachmann. Anspach. Hilspach. Perkhausen von
Aiglspach (wie auch Pachmayr Münch.). —
Achenbach. Erlebach; niederd. Ellerbeck.
Feuerbach. Grumbach. Hagenbach. Marbach.
Raupach (O. Raubach). Roßbach. Seebach.
Süßenbach. Niederdeutsch: van der Beck, Beeck
(Bek niederd. weiblich). Terbeck. — Billerbeck.
Düsterbeck. Einbeck. Goldbeck (Klemp. Goltbeke
1369). Langenbeck (O. in Hannover, welchem

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hochd. Langenbach in Bayern, Nassau entspricht).
Lilienbeck. Lutterbeck (O. Lutterbeck u. -bek).
Mühlenbeck; ganz niederdeutsch Möllenbeck
(westf.). Nordbeck (O. Nordenbeck). Overbeck.
Rohrbeck. Schwanebeck. Schwarzenbeck (neben
hochd. Schwarzenbach). Seebeck. Steinbeck.
Westerbeck. von dem Knesebeck (Kn. Dorf in
Hannover).
Selten -becke: Harbecke (O. im Regb. Arnsberg).
Thorbecke (flämisch, deutsch Thorbeck O. in
Mecklenb., Hannov.).
Ableitung auf -er (oberd.):
1) -pacher (bes. nach s): Dürenpacher (neben
Durnbacher, O. Dürnbach in Gottschee).
Gerspacher. Rinderspacher. Rummelspacher.
Überpacher (Wien, O. -bach).
2) -bacher: Embacher. Föhrenbacher. Kuchelbacher.
Speckbacher. Steinbacher.
Daneben ist bemerkenswert eine F. mit Umlaut:
3) -bächer, gew. -becher (wo dann der Schein einer
Zss. mit dem Hauptw. Becher entsteht). Während im
Hochdeutschen die umlautfreie F. bei solchen
Ableitungen von ON. auf -bach jetzt alleinige
Geltung hat, z. B. „das Hambacher Fest“,
„Weilbacher Brunnen“, weisen oberdeutsche
Mundarten den Umlaut auf, z. B. die alemannische
(Hebel: „’s Mamb e c h e r Hätteli“ von Mambach im
Oberrheinkreis). Demnach finden sich:
Arzbächer. Offenbächer. Vogelbächer. Weilbächer.
Dörrenbächer, auch Dörrenbecher. Reichenbächer,
auch -becher. Isselbächer, auch -becher (s.
Verlustliste Nr. 91: Isselbecher aus Isselbach, wo
demnach die Zusammengehörigkeit recht in die
Augen springt). Eberspecher neben Eberspacher
(München). — Cumbecher. Eschenbecher.

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Leutbecher. Merschbecher. Nußbecher. Odenbecher.
Rohrbecher. Schneckenbecher. Seidenbecher.
Steinbecher. Stürzelbecher. Weidenbecher.
Wittenbecher.
Zu diesen sämtlichen N. finden sich entsprechende ON.
auf -bach in Rudolphs Lex. Dementsprechend wird
auch Holzbecher abzuleiten sein, da es mehrere O.
Holzbach gibt, obwohl der N. auch von einem Geräte
abgeleitet, „(der mit dem) Holzbecher“, einen guten
Sinn ergäbe.
(In Bayern und Österreich begegnet mitunter -beck, -
böck für -bach (-bacher) als FN., so Hotzbeck,
Adenböck, Deisböck, Waitzenböck s. Steub S. 146).
-bacher, -bächer s. Bach.
Bäck s. Beck.
Backe s. a) Bad (einst. K.) b) Bag c) Bald (einst. K.).
Backer s. Becker.
Backfisch III. „Fisch zum Backen d. i. Bratfisch“.
Backhaus III. „der am (oder im) Backhause wohnt“.
Niederd. Backhus (S. 54, Anm. 2). Doch gibt es auch ein
Dorf Backhaus (im Rbz. Koblenz).
Backmeister III. auch Bacmeister, mhd. bachmeister
„Aufseher der Bäckerei“, Oberbäcker. („Lütke oder
Lüdeke, d. i. Ludwig Willens war oberster Bäcker bei
dem Herzog von Braunschweig zu Lüneburg, und da er
hiernach aller andern Bäcker Meister war, so wurde er
von den Hofleuten gemeiniglich „Lütke Backmeister“
genannt. Sein Fürst, als er dies hörte, befahl, daß er und
seine Nachkommen diesen N. immer als einen
Geschlechts- und Zunamen führen sollten“. Adolf
Bacmeister, Germanist. Kleinigkeiten).

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BAD I. zu altnord. bodh, angels. beado „Kampf“, die ein
ahd. patu voraussetzen (S. 14).
FN. Patager: Bagger — Bättger.
Bathari: Bader, Baader — Bäder — Päder —
Better.
(Baduman): Bahmann — Bethmann.
Badomar: Battmer — Bammer — Pammer.
(Badold): Badelt — Bathelt.
Einstämmige Kürzung Bad-.
Bado, Pato: Bade — Pahde — Bathe; Baath —
Pathe — Beede — Bethe — Päthe.
Patr. A. Bading.
Vklf. (l) Patilo: Padell — Pätel — Bathel. (k)
Baducho: Badeke — Battig — Backe — Bätke
— Bethge — Pethke. (z) Pazzo, Bezo: Batz, —
Patze — Batsch — Baatz. (z + l) Bezilo: Batzel.
(z + k) Bezeco: Patzke; Patzig.
Zweistämmige Kürzung Badb-.
Babo, Papo: Pape (doch s. auch Pfaffe) — Babbe.
Patr. A. Papinga (ostfries.).
Vklf. (l) Babilo: Bebel. (k): Papke — Päpke.
Bad- s. Bad (V., einst. K.).
Badenheuer s. Bardenheuer.
Bader a) I. s. Bad (V.) b) III. urspr. der, welcher den
Badenden bedient, dann „Besitzer einer Badestube“.
(Hans Paders Padstuben 1437 Bacm.). Derselbe schor
auch den Bart. (Vgl. Badstüber).
Bäder s. Bad (V.).
Badstüber III. Die öffentliche Badestube (ahd. stuba, mhd.
stube aus lat. stupa „heizbares Zimmer“), wo auch zur
Ader gelassen und geschröpft wurde, spielte früher eine

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große Rolle im städtischen Leben, sie war vielfach der
Mittelpunkt, an welchem sich Bürger zur Besprechung
städtischer Angelegenheiten versammelten. Daher
zahlreiche FN., die auf Besitzer solcher Badestuben
zurückgehen:
Badstuber (Wien); Badstüber (wie es auch
„Badstüberstraßen“ gibt — merkwürdig entstellt
(sächs.) Patschdieber.
Dann geteilt 1) Bader. 2) Stüber — Stieber —
Steuber — Stoiber (österr.). Niederd.: Stöber —
Stöwer (Gött. UB. 1383: Stovere).
Mit dem n der schwachen Bildung:
Badstübner — Stübener — Stöbener.
BAG I. zu ahd. bâgan „streiten“. Bagodeo.
FN. (Bagarih): Beyrich.
Einstämmige Kürzung Bag-.
Bago, Bacco: Bage — Backe — Baacke — Bach —
Pach. Gen. Backes — Bax. (Doch s. auch Bald u.
Bad).
Bagger s. Bad (V.).
Bahl- s. Bald (V., einst. K.).
Bahmann s. Bad (V.).
Bähr- s. 1) Ber (einst. K.) 2) Berin (V., einst. K.).
Bahr- s. Ber (einst. K.).
Baier III. „der Baier“. Auch Bayer, Beyer — Peyer.
Vklf. Beierle.
Baintner s. Bünd.
Bakker s. Becker.

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BALD I. got. balths, ahd. pald, bald, mhd. balt „kühn“ (jetzt
nur noch Umstandsw. „bald“); vom deutschen entlehnt
ital. baldo.
FN. Baldhard: Ballert — Bollert — Pollart; Pollert —
Bohlert.
Baldher: Balter — Baller — Bolder — Boller —
Poller — Böller. Patr. A. Baldring.
Paldhram: Paldramus — Peldram.
Baldroh: Poltrock.
Baldmann: Baldemann — Bahlmann — Boldemann
— Boldtmann — Bollmann — Pollmann —
Bohlmann.
Baldemar: Ballmer — Palmer — Pollmar —
Bellmer.
Baldarich: Baldrich.
Paldewart: Bollward.
Baldwig: Ballweg; Balwey — Bollwöck.
Baldavin: Baldewein — Bolwin, Bollwien —
Pollwein — Bullwein.
Baldulf: Baldauf — Balluf; Ballauf Pallauf (bayr.)
— Waldauf (Gottschee, wo b u. w mundartl.
wechseln) — Bolluf.
(Baldawan): Bollwahn — Bolduan (Boldewan 17.
Jh.).
Einstämmige Kürzung Bald-.
Baldo, Ballo: Balde; Bald — Ball — Bahl — Pahl
— Bolde — Bolte — Bölte — Bolle — Poll —
Bohle — Böhl. Gen. Baldes — Bolten — Bohlen.
Patr. A. Baldung: Balling — Bolling — Bölling —
Böhling.
Vklf. (k) Baldiko, Bolko: Balke — Backe, Baake
(s. Stark S. 73; nordfries. Backe = Baldicke) —
Bolke — Böldicke; Böldge — Böhlke; Bölk —

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Bock (s. auch Burg). Patr. A. Böcking. (k + l):
Bockel — Böckel. (z) Balzo: Balze — Balleis —
Boltze; Bolz (Boltzmann) — Polz. (z + l): Pölzl.
Auslautend (199 mal Först.):
-bald: Sebald.
-bold: Siebold.
-pold: Seypold — selten -polt: Seepolt.
-blot: Humblot.
-belt: Liebelt.
-pelt: Leipelt.
-ball: Niedball.
-bol: Sambol.
-bel: Sybel.
-pel: Seyppel.
-bet: Gerbet. Siebeth.
-bt: Seibt.
Balke s. Bald (einst. K.).
Ball- s. Bald (V., einst. K.).
Ballester III. „Armbrustschütze“. (Vgl. altfranz.
arbalestrier.)
Ballschmieter III. niederd. (Rügen) „Ballwerfer“. Auch
Balschmieder.
Balster s. Balthasar.
Balter s. Bald (V.).
Balthasar II. Beltschazar, Belsazar, (babylon.) „sein Leben
schirme“, einer der h. drei Könige, wozu die Legende die
Weisen aus dem Morgenlande gemacht hat (Kal. 6. Jan.).
FN. Balthasar. Zsgz. Balzer (als VN. noch im 18. Jh.:
Baltzer Bruswitz 1870 KB.) — Balster. Gen.
Balsters (ostfries.).

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Mit Kürzung im Anlaut: Hauser (bayr.).
Balwey s. Bald (V.).
Balze s. Bald (einst. K.).
Balzer s. Balthasar.
Bammer s. Bad (V.).
BAND I. zu langobard. bandu „Kriegsbanner“, vgl. ahd.
pant, bant, mhd. bant, Band (doch ist auch altsächs. bant,
ahd. panz „Gau“ in Betracht zu ziehen).
FN. Bandhard: Bannert — Bendert.
(Bandheri): Pander — Bender.
(Bandmar): Bandemer. Vklf. Pemmerl.
(Bandold): Bandhold.
Einstämmige Kürzung Band-,
Bando: Bando — Bante — Bonne (fries.). Patr. A.
Banning — Panning — Bentinck.
Vklf. (l): Bandel (Bandelmann); Bandle — Pandel
— Pantell — Bantel — Pendele — Bendel. (l +
n): Bandelin. (k): Bandich — Bantke —
Panneke. Gen. Bantjes (ostfries.). (z) Panzo,
Benze: Pantz — Pantsch — Banse — Benz —
Bense (Bensemann). (z + l) Patr. A. Benzler —
Benseler.
Bann-, Banse, Bant- s. Band.
Baptista II. griech. „der Täufer“; St. Johannes der Täufer.
FN. Battist.
Bar-, Bär- s. 1) Ber (V., einst. K.) — 2) Berin (V., einst. K.).
BARD I. ahd. barta „Barte“ (Axt) — altnord. bardi „Riese“
(mischt sich mit beraht).
FN. Bartholf: Bardolph.
Einstämmige Kürzung Bard-.

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Bardo: Barde — Bahrdt.
Vklf. (l) Bardilo: Bardel.
Bardelmes s. Bartholomäus.
Bardenheuer III. „der Barten (ahd. parta, mhd. barte, Beil,
Streitaxt) zuhaut“, anfertigt. Entstellt: Bardenheier;
Badenheuer.
Bardolph s. a) Beraht (V.) b) Bard.
Barends s. Berin (V.).
Bärenfänger III. s. S. 41 — auch allgem. „Bärenjäger“, da
Bärenfang nicht bloß die angelegte Grube bed., in welcher
sich B. fangen sollen, sondern auch überhaupt die
Bärenj a g d.
Bärens s. Berin (einst. K.).
-barg, -bargen s. Berg.
Barfuß III. (schon im 12. Jh.) — Parfuß (österr.). Niederd.
barft aus barfot, dah. Barfknecht.
Bargmann s. Bergmann.
Barnert s. Berin (V.).
Bart III. der „Bart“. Chonrad Mitembart, Ch. cum barba 13.
Jh. Vgl. auch Eberhard im Barte, H. Ludwig mit dem
Barte.
Seit dem 12. Jahrh. ward (nach Schultze Modenarrheiten S.
43) das glatte Gesicht die Regel, und alle Bartformen
waren Ausnahmen, besonders bei hohem Alter und hoher
Würde (der Fürsten) sich findend. Daher mußte ein
bärtiges Gesicht um so mehr auffallen und konnte um so
eher zu einem Beinamen Veranlassung geben.
Erst während der Reformationszeit begann man allgemeiner
den Bart wachsen zu lassen, und während des
dreißigjährigen Krieges war derselbe in den
mannigfachsten Formen Mode. Als solche zählt

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Moscherosch auf: Zirkelbärtel, Schneckenbärtel,
Jungfrauenbärtel, Dellerbärtel, Spitzbärtel, Entenwädele,
Schmalbärtel, Zuckerbärtel, Türkenbärtel, spanisch Bärtel,
italienisch Bärtel, Sonntagsbärtel, Osterbärtel, Lillbärtel,
Spill-, Drill-, Schmutzbärtel, Stutz-, Trutzbärtel usw.
FN. Bart, Barth. — Zss. Breitbart. Buntebarth.
Flachsbart. Judenbart. Rauschbart (vgl. Eberhard
der Rauschebart). Rothbart. Schlitzbart. Schmalbart.
Schweizerbarth. Spitzbart („Everhardus der
Spizebart“ Stark S. 153). Weißbart.
Bart- s. Beraht (V., einst. K.).
-bart s. a) I. Beraht b) III. Bart.
Bartel s. a) I. Beraht (einst. K.) b) II. Bartholomäus.
Barth a) I. s. Bard b) I. s. Beraht c) III. „der mit dem
(langen) Barte“ (Golz mit dem Barte 1327) — auch ON.
Barthol s. a) I. Beraht b) II. Bartholomäus.
Bartholomäus II. hebr. „Sohn des Tolmaï“; Apostel. (Kal.
24. Aug.)
FN. Bartholomäus — Bartelmus — Barthelmeß —
Bardelmes — Bartlme. Gen. Bartholomä —
Bartholmey.
Gewöhnlich wegen seiner Länge in zwei Hälften
zerschnitten: 1) Barthol; Bartel (vgl. schweiz. Bartli,
bayr. Bartl). 2) Mewes (mit eingeschobenem w, vgl.
niederd. Bartelmeews, Meewsdag: 24. Aug., up ollen
Bartelmeiwes: 5. Sept. nach dem alten, julianischen
Kal. Berghaus, Sprachschatz der Sassen); Mews —
Möwes; Möws — das w in b verhärtet: Mebus;
Mebes — Möbus; Möbes. Latinis.: Mevius —
Möbius. Patr. Zss. Mewissen.
Bartsch, Bärtschi s. Ber (einst. K.).
Barz a) I. s. Ber (einst. K.) b) III. ON. (in Mecklenb.).

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Basler III. „einer aus Basel“. Auch Bäsler.
Bassüner III. mhd. busûnaere, mittelniederd. basûner
„Posaunenbläser“.
Bast- s. Sebastianus.
Bastineller III. (Tirol) „einer aus Bastianello“.
Bath-, Bätke s. Bad (einst. K.).
Batt- s. Bad (V., einst. K.).
Bättger s. Bad (V.).
Batsch, Batz- s. Bad (einst. K.).
Bauch III. in einigen Zss.: Breitenbauch (der mit dem br.
B.). Gutschebauch. Schmerbauch.
Bauck s. Baug.
Baudissin, von III. altes lausitzisches Adelsgeschlecht,
Stammort Bautzen (früher Baudissin).
Bauer III. mhd. bûr (auch bûwaere, ahd. pûâri, bûâri) „der
den Acker b a u t“, Gegensatz zu herre (Ritter), später
auch zu burgaere.
FN. Bauer, in älterer F. Baur. Südd. Paur; Pauer.
Niederd. Buhr — in Ostfriesland mit Artikel de
Buhr, in holländischer Schreibung de Boer (S. 40).
Vklf. (l): Bäuerle (schwäb.); Bäuerlein.
Zss. (bes. zahlreich im eigentlichen Bayern): mit
Vornamen: Christlbauer. Kasparbauer — mit
Eigenschaften: Jungbauer. Neubauer; -pauer;
niederd. Niebuhr — nach der Beschaffenheit des
Hofes: Großbauer. Hallbauer; niederd. Halbuer
(Halb-) — nach der Lage: Bruckbauer. Kreuzbauer.
Oberbauer; Oberpaur. Mitterbauer. Holzbauer;
niederd. Holtbuer. Moosbauer (Moor-). Seebauer —
nach den Erzeugnissen: Rosenbauer. Rubenbauer
(Rüben-). Gerstbauer. Waitzenbauer — nach der

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Zugehörigkeit und Verpflichtung: Hoffbauer;
Hofpauer. Kirchenpauer. Königsbauer.
Bauerfeind s. Baurenfeind.
Bauermann, (ostfries.) Boerma.
Bauermeister III. vom mhd. bûr Wohnung, eine städtische
Obrigkeit = „Bürgermeister“, auch auf ländliche
Gemeinden angewandt (z. B. in der Umgegend von
Münden in Hannover, Pauli II, 27).
FN. Burmeister — Baurmeister; Bauermeister.
Niederd. Burmester (mit langem e in der mittleren
Silbe).
BAUG I. ahd. pouc, mhd. bouc „Ring“, Spange für Hals,
Haupt oder Arm, von biugan „biegen“. Die bouge waren
ein sehr begehrter Schmuck für Frauen und auch Männer.
Baugulf 8.
FN. Bougrat: Peukert.
Einstämmige Kürzung Baug-.
Bauco: Bauke; Bauck — Pauck. Gen. Baukes;
Bauken.
Baum III. ahd. poum, boum, mhd. boum, altsächs. bôm,
mittels dativischer Ellipse zu ON. verwendet, zuerst im
11. Jh. in Budenbomen — gegenwärtig nicht viel unter
200 bewohnte O. auf -baum in Deutschland (außerhalb
Deutschlands z. B. Oranienbaum).
Andere FN. sind durch Häusernamen vermittelt, wie ein
Haus „zum Mulboum“ 1315 zu Mainz, im 12. Jh. zu
Basel war (s. Buck, oberd. Flurnamenbuch S. 176 unter
Maulbeerbaum) — noch andere sind unmittelbar von den
Baumnamen abgeleitet; eine Scheidung ist schwer
durchzuführen.

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Vgl. Henr. Nuzboum 1223. Hinrik Heisterbom 1413. (Franz.
Cerisier, Poirier).
FN. Baum. — Zss. Apfelbaum. Birnbaum. Eichbaum;
Eichelbaum. Eschbaum. Grünbaum. Holderbaum;
Hollinderbaum. Honigbaum. Kienbaum.
Kirschbaum. Krähenbaum. Kriechenbaum.
Nußbaum. Pappelbaum. Pfraumbaum. Quittenbaum.
Rosenbaum. Schlöhbaum. Weidenbaum. —
halbniederd.: Appelbaum. Beerbaum. Blöbaum.
Busenbaum. Dannenbaum. Kassebaum.
Kreikenbaum. Nottebaum; Nuttebaum —
ganz niederd.: Bohm. Beerboom. Cassebohm.
Dannenbohm. Lindeboom. Nottebohm. Plumbohm.
Rosenbohm.
Ableitung auf -er (Conrad Holderbäumer 1285. Heinr.
dict. Kirsbaumer 1297).
1) Baumer (z. B. von dem O. Bauma im Tößtal,
Schweiz. Tobler-Meyer). Bierbaumer.
Eschbaumer (Münch.). Kerschbaumer (tirol.).
Nußbaumer.
2) Bäumer. Altenbäumer. Brinkbäumer.
Hägerbäumer. Hasenbäumer. Hollinderbäumer.
Strothbäumer — alle in Westfalen, wo auch mehr
vereinzelt.
3) niederd. -bömer: Burgböhmer. Steinbömer.
Baum III. zur Bildung von Gerät-N. im Sinne von „Stange,
Balken“ — bes. „Schlagbaum“ (Lipp. Reg.).
FN. Heubaum. Leiterbaum. Maibaum, niederd. v.
Meibom. Schierbaum. Schurbaum (wenn =
Schürbaum). Schnitzelbaum. Wallbaum. Wiesbaum.
Zugbaum.
Baumann III. mhd. bûman „Ackerbauer“. (In manchen
Gegenden Pommerns die Formel: „der ehr- und achtbare
B a u m a n n und Wirt“ in Grabschriften bis in die

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Gegenwart herein die stehende Bezeichnung des
bäuerlichen Besitzers.)
FN. Baumann. Niederd. Bumann (Eutin). Paumann
(südd.).
Bäumer III. „Inhaber oder Anwohner eines Schlagbaums an
der Grenze oder Zollstätte“. Niederd. Böhmer (Preuß,
Lipp. FN. S. 32). Gen. Beumers (niederrh.). Zss.
Schuckenbäumer (Johann vor dem Schuckenbome 1507).
Baumstark III. „stark wie ein Baum“.
Baurenfeind III. der „Bauernfeind“, vgl. Joh. Purenfint
1348. Heintz v. Redwitz, Bawrnfeind genannt 15. Jh.
FN. Baurenfeind; Paurnfeindt (vermutlich daraus des
übeln Sinnes wegen umgeändert: Bauernfreund) —
Bauerfeind.
Bax s. a) Bad (einst. K.) b) Bag (einst. K.).
Bayer III. der Bayer, mit dem altertümlichen y, welches
auch in der amtlichen Schreibung des Volks- und
Landesnamens in Bayern immer noch festgehalten wird.
(Vgl. aber auch beier, baier = Eber Grimm DW.)
Bebel s. Bad (zweist. K.).
-becher s. Bach.
Becherer III. Verfertiger hölzerner Trinkgefäße, der Becher
(ahd. bechar) und der Schleifkannen. Förstemann, Progr.
S. 4 (der hinzufügt, daß die Nordhäuser Gilde der
Becherer im 15. Jh. verschwunden sei, vermutlich weil
nun die metallenen und gläsernen Trinkgefäße mehr in
Gebrauch gekommen).
Becht- s. Beraht (V., einst. K.).

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Beck III. ahd. peccho, mhd. becke, aus der Schriftsprache
durch „Bäcker“ verdrängt; in oberdeutschen Mundarten
noch jetzt der „Beck“, Mehrh. die „Becken“.
FN. Beck, Beckh, Bäck (München 1876: 49 mal Beck,
nur 17 mal Becker).
Zss. (S. 44). Brodbeck (mhd. brôtbecke). Fesenbeck.
Hofbeck. Jungbeck. Kleinbeck. Kornbeck („Korn“
hier wohl in dem engeren Sinne von Roggen).
Sauerbeck. Täglichsbeck. Wasserbäch (Württ. —
vgl. Bertram der Waterbeck 1379 Lipp. Reg.).
-beck s. 1) Bach 2) Beck.
Beckenhube III. „Pickelhaube“, vgl. Peckelhub 1434.
Übrigens 1610 in Waldsee eine Wirtschaft „zur
Beckelhaube“.
Becker III. ahd. bakâri, mhd. becker der „Bäcker“.
FN. Becker (mit seltenen Ausnahmen noch in der alten
Schreibung mit e), hin und wieder Bekker, welches
auf niederländische Einflüsse zurückzugehen scheint
(s. Dekker). In Ostfriesland auch ohne Umlaut:
Backer, Bakker (Borkum), vgl. neuniederl. bakker.
Gen. Beckers (niederrhein.).
Zss. 1) nach der Art des Gebäckes: Kuchenbecker.
Semmelbecker. Stollenbecker. Weckbecker.
Weißbecker —
2) nach der Art des Backens und dem dabei
verwendeten Geräte: Kohlenbecker.
Pfannenbecker. Waterbecker —
3) nach Unterschieden, die in der Person des
Bäckers selbst liegen: Jungbecker. Neubecker;
niederd. Niebecker.
-becker s. a) Becker b) von ON. auf -beck, z. B. Walbecker.
Beckert, Beckhardt s. Big.
Beede s. Bad (einst. K.).

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Beelke s. Bil.
Beer- s. 1) Ber (V.) 2) Berin (einst. K.).
Beerboom III. niederd. „Birnbaum“. Halbniederd.
Beerbaum.
Beethoven III. (flam.) „Rübengarten“. Ludwig van B.
Behl- s. Bil.
Behm s. Böhme.
Behn- s. Berin (V., einst. K.).
Behr- s. Ber (V., einst. K.).
Beiderbecke III. halbniederd. „bei dem Bache“.
Beiderlinden III. „bei der Linde“. Conradus apud tiliam
1313. Andreas under der Linden.
Beiderwiden III. „bei der Weide“.
Beierle s. Baier.
Beil a) I. s. Bil b) III. mhd. bîl das Werkzeug, mit den Zss.
Breitbeil. Eisenbeil. Klingbeil (Klemp. Klinckebil).
Beilhardt, Beiling s. Bil.
Beimgraben III. „beim Graben“.
Bein a) I. s. 1) Win: Widebein 2) Berin. b) III. das
Körperglied, in mannigfachen Zss.: Dünnebein. Einbein.
Hochbein; Hobein. Holbein; Hohlbein. Huckelbein.
Klapperbein. Krummbein. Langbein. Löffelbein.
Schönbein. Streckbein — besonders auch nach Tieren:
Hasenbein. Hühnerbein. Kuhbein (vgl. Kuhfuß).
Otterbein. Vosbein. Ziegenbein.
(Doch Schiefelbein ist ON., Städtchen in den früher zur
Neumark gehörigen Teilen Pommerns — und in
süddeutschen ON. tritt nach Bacmeister S. 23 bisweilen
bein an Stelle von -beund = bünd.)
Beinhauer III. der „Fleischer“ (Knochenhauer).

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Beink- s. Berin (einst. K.).
Beißenhirz III. Satz-N. „beiß den Hirsch“, wohl einen
eifrigen Jäger bezeichnend. Auch Beißenherz.
Beke III. niederd. „Bach“, in Bekemeyer.
Bell- s. 1) Bil (V., einst. K.) 2) Bald (V.).
Bellachini, Zauberkünstler aus dem Posenschen, namens
Bellach, der sich — durch bloße Geschwindigkeit, ohne
Hexerei! — in Bellachini veritalienert hat.
Bellmer s. Bald (V.).
Benck s. Berin (einst. K.).
Bend- s. Band.
Bender s. a) I. Band b) III. Binder.
Benditt, Bendix s. Benedictus.
Benecke s. Berin (einst. K.).
Benedictus II. lat. „der Gesegnete“; Benedict von Nursia,
Stifter des Benedictiner-Ordens im 6. Jahrh.
FN. Benedict; Benditt; Benedick — Benedix; Bendix.
Gen. Bendixen. — Südd. Patr. Benedicter.
Mit Kürzung im Anlaut: Dictus; Dict — Dix.
Benhelm s. Berin (V.).
Bening s. Berin (einst. K.).
Benk- s. Berin (einst. K.).
Benn- s. Berin (V., einst. K.).
Bens-, Benz- s. 1) Band (einst. K.) 2) Berin (einst. K.).
BER I. ahd. bero, mhd. bere „Bär“, ehemals in der
Anschauung des Nordens König der Tiere.
FN. Berhard: Berardt.
Berachar: Behrer.

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Perlaic, Berlah: Berlich, Berleck; Berlach — Barlach
— Bierlich; Bierlick.
Berman: Bermann, Behrmann, Bärmann —
Baarmann.
Bernot: Bernot — Biernoth.
Paradeo: Bardey — Parthey.
Beroald: Bärwald — Berold; Beerhold — Börold —
Berlet mit der Zss. Gutberlet — Berlitt; Berlt —
Perlett — Biehrhold — Pyroldt. Gen. Berholz —
Bierholz.
Beroward: Berward; Beerwarth — Bierwerth;
Bierwirth (Preuß 8).
Beriwich: Barwig.
Berewin: Berwin — Bärwein.
Berulf: Bärwolf.
Einstämmige Kürzung Ber-.
Bero: Behre; Bär, Bähr — niederd. Bahre; Baar.
Gen. Behrs — Bahrs. Patr. A. Bering; Bähring —
Pering — Berring — Baring — Bierung.
Vklf. (l) Berilo: Berle — Perl — Bierl — Birle;
Birla. Patr. A. Perling — Bierling. (l+n)
Bärlein. (k) Berico: Berke — Bährecke —
Bierig. Patr. A. Berking. (z) Berzo, Bezzo (Stark
S. 86 — doch auch für beraht S. 84. 87): Bertz
— Pertz — Pertsch — Betz (Zss. Schmidtbetz)
— Petz (dah. Beiname des Bären) — Pätsch —
Barz — Bartsch — Bärtschi (schweiz.). (z+l):
Betzel — Petzel — Bessel.
Ber- s. Ber (V., einst. K.).
BERAHT I. got. baírhts, ahd. peraht, beraht mhd. perht,
berht „glänzend“.
FN. Perahtgar: Prächtker.

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Berhthari: Brechter — Prächter — Berchter —
Bechter — Bertermann.
Berahthoh: Bertog; Bertuch.
Berahtram: Bertram; Bertrab — Bartram. Gen.
Bertrams (niederrhein.).
Berehtmar: Bartmer.
Bertrand: Bertrand.
Berahtold: Berchtold — Berthold; Perthold (öst.);
Berthelt — Bechtold — Pechtold — Barthold;
Bartelt; Barthlott; Barthol; Bartel. Gen. Bartholz;
Bartheldes — latinis. Bartholdy.
Perahtolf: Bertleff — Bechtolf; Bechdolf —
Bardolph.
Einstämmige Kürzung Beraht-.
Perhto, Berto: Bercht, Bergt — Brecht — Precht —
Berthe; Bert — Becht — Pecht — Bracht —
Pracht — Barthe; Bardt (Brecht, Bracht auch ON.
s. Brach). Gen. Berthes — Perthes — Bartens.
Vklf. (l) Pirahtilo: Brechtel — Berthele; Bertl —
Bechtel — Brachtl — Prächtel — Bartel. Gen.
Bartels — Bartela (ostfries.). Patr. A. Bertling
— Bartling, Barttlingck. (k): Bartke; Barttig.
Gen. Bertges. Patr. A. Brechtker (Preuß S. 19).
Auslautend (388 mal Först):
-brecht: Albrecht. Gen. -brechts: Lambrechts.
-precht: Lamprecht.
-pricht: Limpricht.
-bracht: Allebracht.
-berath: Hilberath.
-brath: Hilbrath.
-brod: Milbrodt.

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-bert: Albert. Gen. -berts: Egberts, in anderer
Schreibung -z (tz): Limbertz.
-pert: Ruppert. Gen. -pertz: Roppertz.
-brett: Odebrett.
-bart: Herbart. Seg barth.
-ber: Eyber. Gen. -bers: Dübbers.
-per: Lemper.
-bahr: Osbahr.
Bercht- s. Beraht (V., einst. K.).
Beren- s. Berin (V., einst. K.).
Berg III. ahd. perc, berc, mhd. berc — neuhochd. ist -berg in
ON. die vieltausendfach belegbare F. Daneben die
dativische F. -berge mit ursprünglichem Verhältniswort zu
(ze): ze dem witten (weißen) berge, daraus Wittenberge.
FN. Van dem Berghe (van deme Berghe 1383. Gött.
UB. I. Vgl. franz. Dumont). Zum Berge, auch
Zumberge. Dass. Berge; Berg, Bergk. Zss.
Bergemann; Bergmann (doch dies natürlich auch
Gewerbs-N.).
Die zusammenges. FN. auf -berg überbieten selbst in
Niederdeutschland die von andern Ortsbezeichnungen
abgeleiteten an Häufigkeit; so zählt Hoffmanns
hannöversches Namenbuch über 100 FN. auf -berg,
während -dorf nur 38 mal, -feld 35, -hof 29, -bach 19 mal
vertreten ist.
v. Auersperg. Blumberg. Chlingensperg (Münch.).
Dannenberg. v. Gottberg. v. Hertzberg. Lindenberg.
Nürnberg. Schönberg. Wittenberg.
Das -e der dativischen F. fällt in den FN. regelmäßig ab, so
daß nur die Biegung des Eigenschaftswortes (Witten-,
Schwarzen-) noch den ursprünglichen Dativ des ON.
verrät. Nur vereinzelt findet es sich hier noch, namentlich

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in loserer Zusammenfügung, wie Schulze-Overberge
(westf.).
Dagegen bleibt die dativische Mehrheit auf -en unverändert:
Gandesbergen.
Niederd. -barg (vereinzelt): Morbarg. Wienbarg.
Wittebarg. — Hasbargen (O. -bergen in Hannov.,
Oldenb.).
Ableitung auf -er (oberd.):
1) -berger: Berger. — Albrechtsberger.
Frankenberger. Henneberger. Nirnberger (Wien).
Würtemberger.
2) -perger (nach s): Baltensperger (Hof Baltsberg,
Schweiz). Güntersperger. Madlsperger (O.
Madelsberg, Steiermark). Hersperger.
Hettmannssperger. Reichensperger.
Wolfensperger.
Bergamenter III. „Bereiter von Pergament“ mhd. perminter.
Bes. in Süddeutschland (früher eine „Permentergasse“ in
Nürnberg, Augsburg, Reutlingen), doch auch in
Braunschweig: Hinrike de permenterer 1406.
FN. Bergamenter — Bermenter; Berminter.
Bergemann s. Berg.
Berger, -berger s. Berg.
Bergmann III. 1) s. Berg 2) der „Bergmann“. Niederd.
Bargmann.
Bergt s. Beraht (einst. K.).
Bergundthal III. (Zürich 1886).
BERIN I. Erweiterung von Ber (Bär).
FN. Beringar: Beringer — Berenger — Bröhinger.
Berinhard: Bernhard — Pernhart — Bernert; Bernet
(im „Etat der Bürgerschaft von St. Gallen“ 1854
ist ausdrücklich angegeben, daß die dortige

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Familie Bernet früher Bernhard, auch Bernath
geheißen. Steub S. 17) — Pernet — Bennert —
Behnert — Barnert.
Zsgz. Bährendt, Behrend (entstellt Bierente) —
Berndt (Zss. Großberndt; Möllenbernd;
Schöneberndt). Gen. Bernhards (lat. Bernhardi) —
Berendes; Berends, Behrenz — Barends —
Bierentz.
Berinher: Berner — Perner — Barner — Benner.
Bernhelm: Benhelm.
Bernold: Bernhold — Bennold; Benhold.
Einstämmige Kürzung Berin-.
Berno, Benno (Stark S. 25): Beren, Bähren — Benne
— Behn — Beine (Preuß 10). Gen. Bärens (Zss.
Braunbehrens) — Berns (Bernsmann). Patr. A.
Berning — Benning — Bening. Gen. Bennenga;
Beninga (beides ostfries.). Patr. Zss. Beerensson
— Bernsen.
Vklf. (i): Berni. (k): Bernicke — Pennecke —
Benecke — Penke — Benck — Barnicke. Gen.
Behnken. Patr. A. Beinker (= Benekingk 1507,
Preuß 10). (k+l): Barnickel. (z): Berntz —
Benze; Benz — Bense (Bensemann). (z+l):
Benzel. Patr.A. Benzler — Benseler.
Berk-, Berl- s. Ber (V., einst. K.).
Berken- = Birken, in N. wie Berkenkemper, -kötter,
Berkemeyer — Berkenbusch.
Bermann s. Ber (V.).
Bermenter, Berminter s. Bergamenter.
Bern- s. Berin (V., einst. K.).
Berner a) I. s. Berin (V.) b) III. „einer aus Bern“ (Tobler-
M.)

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Bernklau, auch v. Bernclau III. „Bärenklaue“.
Bernstein III. häufiger ON. (urspr. meist Berinstein) — von
B., Stammort Bärenstein im Erzgebirge.
Berring s. Ber (einst. K.).
Bert-, Berth- s. Beraht (V., einst. K.).
Berward s. Ber (V.).
Bessel s. Ber (einst. K.).
Besserdich III. Satzname.
Beth- s. Bad (V., einst. K.).
Better s. Bad (V.).
Betz- s. Ber (einst. K.).
Betulejus III. latinis. für Berckmann (betula die Birke).
Beutler III. „Beutelmacher“. Peutler (Gottschee).
Beyrich s. Bag.
Bichl, Bichler, -bichler s. Bühel.
Bick-, Bieck- s. Big.
Biederkarken III. niederd. „bei der Kirche“.
Biedermann III. mhd. biderman ein „unbescholtener Mann,
Ehrenmann“. Biderbeman 1262.
(Biegel) -biegel, -biegler s. Bühel.
Biegholdt s. Big.
Biehl- s. a) I. Bil b) III. Bühel.
Biehrhold s. Ber (v.).
Biel- s. a) I. Bil b) III. Bühel.
Bien(en)gräber III. der „Bienen aus hohlen Bäumen
ausgräbt“.

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Bier III. ahd. pior, mhd. bier, das bekannte Getränk (S. 46).
Marquart Gutpier 1450.
FN. Bösbier. Dünnebier (Schwachbier). Frischbier.
Gutbier. Mengelbier. Sauerbier. Strengbier. Süßbier,
niederd. Sötbeer. Warmbier. Zuckerbier. Doch
Gießenbier Umdeutung aus Gisembert (Preuß 7).
Bier- soweit I. s. 1) Ber (V., einst. K.) 2) Berin (V.).
Bierbaum III. „Birnbaum“, mhd. birboum (ahd. pira, mhd.
bir Birne). Vgl. Bierkamp (unter Kamp).
Bierente III. „Bierbruder, Zecher“. Vgl. Bieramsel, -fink, -
igel, -gans (doch s. auch Berinhard).
Bietendüwel III. s. Bitdendüvel.
Biffart s. Bil.
BIG I. ahd. pichan, mhd. bicken „hauen, stechen“.
FN.(Bighard): Pickhardt; Pickert — Bickert —
Beckhardt; Beckert — Peikert.
Bigwalt: Biegholdt.
Einstämmige Kürzung Big-.
Bigo: Pigge — Pick — Bieck. Vklf. (l): Pickl —
Bickel.
BIL I. ahd. mhd. bil „Steinhacke, Streitaxt“. Es scheint sich
aber ein altd. Stamm bil „Billigkeit, Recht“ damit zu
mischen.
FN. Bilifrid: Biffart.
(Biligar): Billger.
(Bilhard): Bilhardt; Billert — Bielert — Beilhard —
Peilert — Bellert. Gen. Bilharz — Pilartz —
Beilharz.
Bilihar: Biller — Biehler — Pieler — Behler. Gen.
Bellers.
Biliram: Pilgram.

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Belimar: Bilmer.
Einstämmige Kürzung Bil-.
Bilo: Biel — Piele — Behl — Beil (teilweis). Patr. A.
Billing — Pilling — Billung — Bieling —
Belling; Bellinga (ostfries.) — Beling — Beiling.
Vklf. (k) Pilicho: Billig — Bielicke — Pielke —
Beelke — Beilicke. (z): Biltz — Pilz. Patr. A.
Piltzing.
Billger s. a) I. Bil. b) III. Pilger.
-biller s. Bühl.
Blitz s. Bil (einst. K.).
Binder III. mhd. binder der „Faßbinder, Bötticher“
(„Bindergasse“ in Nürnberg).
FN. Binder — Pinder (oberd., vgl. „Pinter“ in
Marburger Urk., Reichel S. 31) — mit Abstumpfung
des i; Bender. Zss. Faßbinder; Vasbender.
Bittenbinder; Büdenbänder. Buchbinder;
Buchbender. Bürstenbinder. Rehbinder.
Bindseil III. zu den Gerät-N. Vgl. auch Cunrad cognom.
bintriemo 1339.
Bir- s. Ber.
Birchpfeiffer Doppel-N. (S. 85): Charlotte Pfeiffer, Tochter
des Kriegsrates Pf. in München, verheiratet (1825) mit Dr.
Birch, die bekannte dramatische Dichterin.
Birkner III. „einer aus Birken“.
Birnbaum III. s. Baum. (Heinr. von dem Birnbaum, genannt
Henricus de Pyra. Köln 14. Jh.)
Bischof III. aus griech.-lat. episcopus (Aufseher), im Mhd.
jeder höhere, auch nichtchristliche Priester (S. 42); im

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DW. auch spottweise ein „Bierbischof“. Petrus dictus
episcopus 12. Jh. Selten Pischof (Wien).
FN. Bischof, Bischoff. Gen. Bischofs. Eigentüml. F.
Bischkop (wohl durch Vermittelung des slaw.
biscup).
Patr. A. Bischopink (Westf.).
v. Bismarck III. von der zum ehemaligen Bistum
Magdeburg gehörigen Stadt Bismark d. i. Bischofsmark
(= Bistumsgrenze) im Kr. Stendal.
Bitdendüvel III. Satz-N. niederd. „beiß den Teufel“ (S. 52).
Auch Biedendüwel. Ähnlich Schietdendüvel „schieß den
T.“
Bittenbinder III. „Büttenbinder“.
Bittner s. Büttner.
Blanc I. ahd. planch, blanch, mhd. blanc (von blinken)
„blank, weiß“.
FN. Blanchard: Blankart. Gen. Blankarts — umgedeut.
Blankertz.
(Blanchar): Blenker.
Einstämmige Kürzung Blanc-.
Blancho: Blancke; Blanc — Planck — Blencke.
Blank s. Blanc.
Blasius II. Bischof u. Märtyrer unter Diokletian.
FN. Plaß (Plaßmann) — Bläß. Patr. A. Bläsing.
Blatner, Blattner s. a) Platner b) vom O. Blatten.
Blatt in den Zss. Kleeblatt. Lindenblatt. Rosenblatt.
Bled- s. Blid.
Bleibimhaus III. Satz-N. „bleib im Haus“ — Bezeichnung
eines Häuslichen. Gegensatz: Fleuchaus.

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Bleibnichtlang III. Satz-N., wohl Bezeichnung eines, der
nirgend lange bleibt.
Bleibtreu III. Satz-N. (S. 51).
Bleichert, Bleick- s. Blic.
Bleidt, Bleimer, Bleitz s. Blid.
Blenker s. Blanc.
Bleudorn III. niederd. „Blühdorn“ s. Dorn.
BLIC I. ahd. plich, blic, mhd. blic „Lichtglanz, Blitz“.
FN. (Blichard): Bliechert — Bleickhardt — Bleichert.
Blieger: Blicker. Gen. Bleickers.
Einstämmige Kürzung Blic-: Blicke.
BLID I. got. bleiths, ahd. plîdi, mhd. blîde „froh, heiter,
freundlich“.
FN. Blidegar: Blediger.
Blidmar: Bleimer.
Einstämmige Kürzung Blid-.
Blido: Blied — Plitt — Blede — Bleidt.
Patr. A. Bliedung.
Vklf. (z): Bleitz.
Bliechert s. Blic.
Blied- s. Blid.
Blievernicht III. niederd. = bliev dar nicht, „ein Unsteter“.
Block III. „vierschrötiger, plumper Mensch“. Auch
Blochmann; Plochmann.
Bloem, Blohm, Blöm- s. Blom.
BLOM I. got. blôma, ahd. pluomo, blômo, mhd. bluome
„Blume“, wohl auf Jugend und Kraft deutend. Blumarit.
FN. (Blomhard): Bluhmhard — Blümert.

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(Blomheri): Blömer — Blumer — Blühmer —
Plümer.
(Blomrich): Blumrich.
Einstämmige Kürzung Blum-.
(Pluomo): Blohm — Blume; Bluhm — Bloem (ô
Kleve). Gen. Bloems (ostfries.).
Vklf. (l): Blümel. (l + n): Blümlein. (k): Blömke —
Blühmke — Plümicke.
Bluhm-, Blühm- s. Blom.
Blühdorn III. zu den Pflanzen-N. Niederd. Blöhdorn —
Bleudorn, entstellt Bleidorn.
Blume a) I. s. Blom b) III. bes. in Zss. wie Kornblum.
Schlüsselblum. — Blumenstiel. Blumenstengel.
Blumenschein; Blumschein. — Plumenkron (öst.).
Blum-, Blüm- s. Blom.
Blumenschein III. mhd. bluomen schîn „der Blumen Glanz
und Schmelz“. (Nach Buck S. 32 hübscher, leuchtender
Blumenstrauß, als Wirtshausschild).
Blumenschmied III. der Schmied gegenüber dem Gasthof
„zur Blume“ (Becker).
Bob- s. Bod (V., zweist. K.).
Bock a) I. s. Bald (einst. K.) — Bod (einst. K.) — Burg
(einst. K.) b) III. zu den Tiernamen, vgl. Cunrat der Bock
1387.
Vklf. (l + n): Böcklin.
Böcker s. Bötticher.
Bockhard s. Burg (V.).
Böckel, Böcking s. Bock a).
Böckler III. „der einen Schild (buckel) führt“.
FN. Böckler - Pückler.

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BOD I. zu got. biudan, ahd. piotan. angels. beodan im Sinne
von „gebieten, entbieten“.
FN. (Bodebert): Bobardt — Popert. Gen. Bobertz.
Bodfrid: Boffert.
Botthar: Boder — Böter — Buder — Butter —
Büder.
Bodomar: Bodemer — Bothmer — Bommer.
Poterich: Bödrich — Böttrich — Puttrich —
Püttrich.
(Bodoald): Böthelt.
(Bodewig): Bodewig — Budwig.
Botolf: Puttloff.
Einstämmige Kürzung Bod-.
Poto, Buddo (VN. Bodo): Bode — Bothe — Pothe
— Bott — Pott — Bude — Budde (Zss.
Großbudde) — Butte. Gen. Boden — Bots; Boten
— Poten — Budden. Patr. A. Böding — Büding —
Bütting.
Vklf. (i) Bodi: Body. (l) Bodilo: Potel — Bötel —
Budel. (l + n) Budelin: Bodelin. (k) Poticho:
Bodeck — Poddig — Pottke — Botje (Eutin) —
Bödke — Böttge — Budig — Buddeke — Bock.
(z) Bozo: Botz — Butze — Putsche — Busso
(VN. Klemp.); Busse — Bosse. (z + l): Bötzel.
Zweistämmige Kürzung 1) Bodb-.
Poppo (nach Andresen): Bobbe — Bopp — Bobe —
Poppo; Poppe — Pöppl (bayr.) (Zss. Popma
ostfries.) — Pöppe — Puppe. Gen. Poppen (Zss.
Kleinpoppen). Patr. A. Poppinga (ostfries.).
Vklf. (l): Poppel — Bobel — Pobel — Böppli —
Puppel. (k): Bobeck — Pöppig — Puppke. Gen.
Popken — Puppkes.
Zweistämmige Kürzung 2) Bodf-.

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Boffo (Stark S. 120): Buff — Puffe; Puff.
Zweistämmige Kürzung 3) Bodm-.
(Bommo): Pomme.
Auslautend (62 mal Först.).
-bode: Gerbode.
-bothe: Gerbothe; -both: Gerboth.
-poth: Niepoth.
-bott: Meerbott.
-pott: Gerpott.
-bade (niederd.): Garbade.
Bod-, Böd- s. Bod (V., einst. K.).
Böddiker. Bödeker s. Bötticher.
Bodenbinder III. „der einen Bretterboden legt“ (s. Bodmer).
FN. Bodenbender, Bodenbänder. Niederd.
Boddenbender.
Bodmer a) I. s. Bod b) III. von „bodmen“, d. i. einen Boden
(ahd. podam, mhd. bodem, das m noch bis ins 17. Jh.
erhalten) von Brettern zusammenschlagen: ein Faß, ein
Zimmer, ein Schiff bodmen.
Boer s. Bauer.
Boffert s. Bod (V.).
BOG I. ahd. bogo. mhd. boge „Bogen“ (als Waffe), durch
Gräberfunde schon für die älteste Zeit als germanische
Waffe erwiesen. Kaum von Baug zu trennen.
FN. (Bogehard): Bogenhard.
(Bogold): Bögehold.
Einstämmige Kürzung Bog-.
Bogo: Boge — Böge — Boye. Gen. Bogena
(ostfries.).
Boge, Böge s. Bog.

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Bogen III. in ON. auf eine B i e g u n g, in der Regel eines
Flusses od. Baches, gehend.
FN. Bogen — Elbogen.
Ableitung auf -er (oberd.):
Bogner (der Bogenaere = der von Katzenellenbogen,
Walther 180 Pfeiff.) — Bögner.
Bogner III. 1) einer aus Bogen, s. das Vorhergehende 2)
„Bogenmacher“ DW. (eine „Bognergasse“ in Wien;
Marburger Gewerbe-Verz. Pogner).
FN. Bogner — Pogner (Gottschee) — Bögner.
In Schaffhausen, wo die Bogenschützen auf ihrer
eigenen Schießstätte den Sommer hindurch die alte
Waffe noch handhaben, übt auch ein „Bogner“ sein
Amt — Instandhaltung der Armbrust — noch heute
aus. (Tobler-Meyer 1894).
Bohl-, Böhl- s. Bald (V., einst. K.).
Böhme III. einer aus „Böhmen“. Conrad Bohemus 1281.
FN. Böhme; Böhm — auch Behm (Hans Behem 1476,
vgl. Behaim, mhd. Bêheim neben Böheim, den alten
N. des Landes). Auch Böheim; Böhaimb — Beheimb.
Böhmer s. Baum — bes. „Inhaber oder Anwohner eines
Schlagbaumes“.
Böke niederd. Buche, in Bökenkamp; Bökemeyer usw.
Bohnenbluest III. (schw.) „Bohnenblüte“ (vgl. mhd. bluost
Blüte). Bohnenstengel.
Böhringer s. Berin (V.).
Bohse s. Bos.
Bold- s. Bald (V., einst. K.).
Böld- s. Bald (einst. K.).
Bolke, Bölk s. Bald (einst. K.).

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Boll-, Böll- s. Bald (V., einst. K.).
Bolt-, Bölt- s. Bald (einst. K.).
Bolte, Joachim B., Bürgermeister zu Wolgast, 1675 von dem
schwed. Könige Karl II. geadelt: Bolte von Boltenstern.
Bolwin s. Bald (V.).
Bolz- s. Bald (einst. K.).
Bömack III. slawisch: ein „Böhme“.
-bömer s. Baum.
Bomheuer III. niederd. „Baumhauer“ (s. -hauer).
Bommer s. Bod (V.) — aber auch einer aus Bommen
(Schweiz).
Bonewendura III. (Ottweiler) aus ital. Bonaventura.
Bonne s. Band.
Boos s. Bos.
Bopp, Böpp- s. Bod (zweist. K.).
Borch-, Börch-, Borg- s. Burg I. (V.).
-borg III. s. Burg.
Borgers, Börger s. Bürger.
Borges s. Liborius.
Borggreve s. Burggraf.
Bork- s. Burg (V., einst. K.).
Bormann s. Burg I. (V.).
Born, -born s. Brunn.
Börold s. Ber.
Borries, Börries s. Liborius.
Borstel s. Burgstall.

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Borz s. Burg I. (einst. K.).
Bosch s. Busch.
BOS I. ahd. bôsi „böse“ (feindlich). Bosulf.
Einstämmige Kürzung Bos-.
Boso 6.: Bohse; Boos — Pohse — Böse.
Vklf. (l) Poasilo: Bösel. (k): Böske.
Böse a) I. s. Bos b) III. vgl. Hinricus de Bose 1325)
(Ilsenburg).
Bosse s. Bod (einst. K.).
Bostel s. Burgstall.
Bot-, Both- s. Bod (V., einst. K.).
Böteführ III. (Süderditmarschen) niederd. Satz-N. „zünde
Feuer an“ (Heizer in Schmelzöfen u. dergl. — doch auch
Spottname für einen „Rotkopf“). Auch Büteführ; verderbt
Bettführ.
Bötel s. Bod (einst. K.).
Böter a) I. Bod b) III. ostfries. „Heizer“, holl.
„Kesselflicker“.
Böthelt s. Bod (V.).
Bott s. Bod (einst. K.).
Bött- s. Bod (V., einst. K.).
Bötticher III. von Bottich, ahd. potacha, mhd. boteche,
botege großes Holzfaß, zumal in Brauereien der
„Bötticher“; altniederd. Bödeker.
FN. 1) hochd. Bötticher; Böttcher — Böttiger;
Böttger — Bottger — Pöttcher (oberd.)
— Bettcher.
2) niederd. (bes. im Nordwesten):
Böddiker; Böddeker — Bödeker —
zsgz. Böcker.

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Böttner s. Büttner.
Böttrich s. Bod (V.).
Botz, Bötzel s. Bod (einst. K.).
Bovenkerk III. (westf.) „(der) oberhalb der Kirche
(wohnt)“. Auch Bovenkerken. Vgl. Bovensiepen.
Bovenstein.
Bowenschulte III. (westf.) „der Schulze oben“ (s. Schulze).
Boye s. Bog.
Brabandt III. „einer aus Brabant“. Brabänder.
Brach III. ahd. brâcha, mhd. brâche „das erste
U m b r e c h e n eines zum Anbau bestimmten Landes“.
Seit dem 8. Jh. in ON. Jetzt hochd. Brach, -brach, -
brechen — doch viel häufiger niederd. Braak, -brack, -
braken, -breck.
FN. Ellerbracke. von Heidebreck. Nebenf. Bracht seit
9. Jahrh., und dem entsprechend neuere ON. wie
Bracht, Brecht, die auch zu FN. geworden.
Bracht s. a) I. Beraht (einst. K.) b) III. s. Brach.
Brachvogel III. numenius arquatus. Niederd. Brakvogel.
Bradenahl III. niederd. (Mecklenb.) „gebratener Aal“; vgl.
Frideric. cognomento Bradegans 13. Jh.; altniederd.
Bradherink.
Brahms s. Abraham.
Brambeer III. mhd. brâmber die „Brombeere“.
Brancke s. Brand.
BRAND I. ahd. prant, brant, mhd. brant „Feuerbrand;
flammendes, blitzendes Schwert“ (davon ital. brando
Schwertklinge, altfranz. brandon Schwert; das Schwert
des span. Cid heißt Tizona d. i. Feuerbrand vom lat. titio).
FN. (Brandiger): Brandiker — Brenker.

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(Brandhard): Brennert.
Brandold: Brandholdt.
Einstämmige Kürzung Brand-.
Prando: Brandt (VN. bei Klemp.). Gen. Brandes;
latinis. Brandis (Brandsma ostfries.). Patr. A.
Branding — Brenning.
Vklf. (l) Brandila: Brandel — Prantl — Brendel;
Brändle (schwäb.); Prändl (bayr.). (l + n):
Brändlein. (k) Brandico: Brancke — Pranckh
— Brendicke — Brentke — Brennecke —
Brenck. Patr. A. Breinker (Preuß 16). (z)
Brantio: Branz — Prantz — Brentz — Brenneis.
(z + l): Prentzel.
Auslautend (50 mal Först.):
-brand: Hildebrand. Dittebrandt. Gen. -brands:
Zybrands.
-brahn: Robrahn.
-barn: Dettbarn.
-bern (s. Stark S. 187): Dibbern.
Brand III. als ON. eine Waldstelle, welche durch Feuer
gerodet ward. Jetzt nicht bloß einfachen Brand, Brande
häufig, sondern auch über ein halbhundert Zss. auf -
brand, -brenda.
FN. Brand. Altenbrand.
Bränd- s. Brand I.
Brandner III. „einer aus Branden“ (Baden, Tirol).
Branolte I. = Nolte (Arnold) Brandes (Preuß 30).
Branz s. Brand (einst. K.)
Braten III. ahd. brâto, mhd. brâte. In der Zss. FN.
Hafenbrädl („Topfbrätchen“). Schweinebrade. (In andern
Zss. dürfte -brat eher eine zsgz. F. von -beraht sein, z. B.
Mundbrat, wie deutlich in Hilbrath).

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Bratengeiger III. „der um den Braten geigt“, Spottname =
Bierfiedler.
Brauer III. mhd. briuwer, brouwer der „Bierbrauer“; mit
Umlaut Bräuer (eine „Bräuergasse“ in Dresden, auch
„Bierbräuer“ im Münch. Adreßb.).
FN. Brauer — Bräuer, Breuer. Gen. Brauers —
Breuers (niederrhein.). Niederd. Brüwer (Bruwere
1483 Gött. UB.). Gen. Browers; Broyers (beides
ostfries.). Entstellt Breyer. Wienbreyer (1635:
Weinbrewer). Zss. Mumbrauer (Mumme, das seit
Ende des 15. Jhs. in Braunschweig gebraute Bier).
Bräuer s. Brauer.
Brauk, -brauk s. Bruch.
Braun a) I. s. Brun b) III. von der Farbe: ahd. mhd. brûn,
prûn „braun, brünett“ (vgl. franz. Lebrun).
FN. Braune; Braun — (südd.) Praun.
Bräun- s. Brun (V., einst. K.).
Braunabend III. der „braune Abend“, eine Floskel der 2.
schlesischen Dichterschule, also nicht vor 1650 (Vilmar).
Auch Brunabend.
Braunbehrens I. 1661: Heinrich Braun oder Berendts
(Preuß).
Brausewetter III. ein „stürmischer Mensch“ (s. Wetter).
Bräutigam III. zu den Verwandtschafts-N. Niederd.
Brüdigam.
Brecht- s. a) Beraht (V., einst. K.) b) ON.
Brede, Breie, Breit s. Brid.
Breinker s. Brand.
Breiser III. „Schnürriemenmacher, Posamentier“ (mhd.
brîsen schnüren) vgl. Preiswerk.
Bremer III. „einer aus Bremen“. Auch Brämer.

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Brend- s. Brand (einst. K.).
Brenk- s. Brand (V., einst. K.).
-brenker s. Brink.
Brenn- s. Brand.
Brenner III. vgl. Otte gen. der brenner 1338.
FN. Brenner — Prenner (Gottschee). Zss. Kalkbrenner.
Neubrenner. Steinbrenner. Weinbrenner.
Brennessel III. deutlicher Pflanzen-N.
Brent-, Brentz s. Brand.
Brett- s. Brid.
Breuer s. Brauer.
Brenker, -breuker s. Bruch.
Breun- s. Brun (einst. K.).
Breyer s. Brauer.
BRID I. wohl zu angels. bridel, ahd. brittil „Zügel“ oder
zum Volksnamen der Britten. Britharius 6.
Einstämmige Kürzung Brid-.
Briddo: Britt — Brede — Brett — Breie (Preuß 26).
Patr. A. Breitung — Bretting.
Vklf. (l) Bridilo: Brill. (k): Bricke. Gen. Brix.
Briehl s. Brühl.
Brill s. Brid.
-bring s. Brink.
Bringewath III. Satz-N. niederd. „bringe was“. Bringezu.
Brink III. „(hochliegender) Grasplan“ — ein in
niederdeutschen Mundarten weit verbreitetes Wort. Dahin
gehört mehr als ein halbes Hundert ON. auf -brink in der

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Linie Hannover-Utrecht, mit der Hauptstärke in
Westfalen.
FN. Brink (Dorf im Oldenburgischen, Münsterschen,
Kalenbergischen); ten Brink, auch Tombrink (= zu
dem Br.); von den Brinken. — Brinkmann,
Bringmann; (fries.) Brinkama. Vgl. „die Brinkfrau zu
Morsbecke, Inhaberin des Brinkhofes“, nachher
genannt „Ilse Brinkfrau“ (Lipp. Reg.).
Bes. häufig in Zusammensetzungen, die meist jedoch
nicht Städte oder Dörfer, sondern in mehr
appellativer Art einzelne Örtlichkeiten einer Dorflage
oder Feldflur bezeichnen — als FN. demnach der
daselbst Wohnende, der „Brinksitzer“, vgl. Gerd
uppe dem Brinke 1406 (Lipp. Reg.).
Antenbrink. Berenbrink. Exernbrink. Fahrenbrink.
Gantenbrink. Hasenbrink. Klockenbrink.
Mühlenbrink. Osterbrink. Steinbrink. Unterbrink.
Lüsebrink und Musebrink (offenbar Spottnamen
für die bezeichneten Örtlichkeiten, vgl.
pommerisch „Flöhenbrink“). — Oberbrinkmann.
Bisweilen in der Schreibung -bring: Finkenbring
neben Finkenbrinck. Hasselbring. Igelbring.
Kregenbring neben Krägenbrinck und
Krähenbrink. Kreidebring neben Kreidebrink.
Lehmbring. Piepenbring.
Ableitung auf -er (westf.):
-brinker: Brinker. Berenbrinker. Steinbrinker.
-brenker: Brenker (auch = Brendeker Preuß 18).
Brembrenker (Bram, Bräme = Brombeerstrauch).
Alle diese Bildungen mit großenteils noch nicht
verwischtem niederdeutschem Gepräge sind als FN.
bes. häufig in Westfalen und den angrenzenden
Landschaften (Lippe, Osnabrück), wo sie zu den die
Namengebung beherrschenden gehören.

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-brink, -brinker s. Brink.
Brinkkötter III. „Brinksitzer, Häusler auf dem Brink“, s.
Brink und Köther.
Brinkoch III. 1530: Brinkkort = Kord am brinke (Preuß 30).
Britt, Brix s. Brid.
Brock-, -brock s. Bruch.
Bröcker s. Bruch.
Brod-, Bröd s. Brord.
Bröhl s. Brühl.
Broicher, -broich, -broick s. Bruch.
Broichsitter III. (niedenrhein.) „Bruchsitzer“.
Brok-, -brok s. Bruch.
Bröker s. Bruch.
Brom-, Bröm- s. Brun (V., zweist. K.).
Brongers s. Brun (V.).
Bronn-, -bronn, -bronner s. Brunn.
Brons-, Bronzema s. Brun.
Broos s. Ambrosius.
BRORD I. ahd. prort, brort, angels. brord „Schiffsvorderteil;
Rand, Spitze (einer Waffe)“. Willibrord.
FN. Brothar: Broder — Bröder (Brödermann). Gen.
Brors. Patr. A. Bröring. Patr. Zss. Brodersen.
Einstämmige Kürzung Brord-.
(Brodo): Brode — Prott. Vklf. (l): Brödel — Prottel
— Pröhle. (k): Brodke.
Zweistämmige Kürzung Brordb-.
Patr. A. Propping.
Bröring, Brors s. Brord.

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Bros-, Brös- s. Ambrosius.
Brot III. zu den Speisen (S. 46) in mancherlei Zss.
FN. Bierbrot. von Casembrod (holländ. „Käse und
Brot“). Eigenbrod. Gutbrod. Herrenbrod. Hirsebrod.
Roggenbrod (Gernod ruckenbrot 1235).
Sommerbrod. Sparbrod. Truckenbrod; Druckenbrodt.
Warmbrod. Weichbrodt. Weißbrod.
Einige dieser FF. sind zweifelhaft, da möglicherweise
altd. brord, brod — oder auch eine Verderbung aus -
beraht (brat) in ihnen steckt, wie offenbar in
Heimbrodt aus Haginbert, Milbrod aus Mildebrath (s.
Mild); auch wohl Treubrodt altd. Truprat aus
Drudperaht.
Browers, Bröyers s. Brauer.
Bruch III. ahd. bruoch, der allgemeinste und durch viele
Mundarten verbreitete Ausdruck für „Sumpf“. Neben den
gewöhnlichen FF. auf -bruch findet sich in ON.
niederdeutsches -brook, -brock (bes. in Westfalen),
niederrheinisches -broich.
FN. 1) Bruch. Hucklenbruch. Nonnenbruch.
Ottenbruch. Vahlbruch. Wildenbruch.
2) Brook, Brock. v. Buddenbrock. v.
Diepenbrock. Ellerbrock. Papenbrock.
Rosenbrock. Schmalbrock.
Stuckenbrock. Uhlenbrock.
3) Broich. Hucklenbroich.
Kleinherzbroich.
4) v. Kerßenbroick.
Großenteils sind die Benennungen dieser Art, ebenso wie die
auf -brink, nicht Namen für Ortschaften, sondern sie
bezeichneten, als sie auf die Personen übertragen wurden,

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wirklich noch ein Bruch (Moor). So die nachfolgenden,
die wenigstens in Rudolphs Lex. sich nicht finden.
Vom Bruch. Erlbruch; Elsenbruch. Gosebruch.
Haselbruch. Mühlenbruch.
Vom Brocke. Zum Brook. Edelbrock. Griesenbrock.
Kerkenbrock. Kordenbrock. Möhlenbrock.
Nottebrock. Piepenbrock. Wiesbrock.
Auf dem Brauke. Vom Brauck. Osterbrauk.
Uhlenbrauk.
Möhlenbruck.
Zss. mit -Mann:
Bruchmann — Brockmann, Brokmann, Brookmann
— Braukmann.
Zss. mit -Müller:
Brockmüller. Braukmüller.
Ableitung auf -er (westf.):
Brücher — Broicher — Bröker, Bröcker, urspr. Hans
im Broke (Preuß S. 3) — Breucker.
Hüttebräucker.
Alle diese niederd. Bildungen mit k sind vorzugsweis häufig
in Westfalen und gehören zu den dort die Namengebung
beherrschenden.
Brücher s. Bruch.
-bruck s. 1) Bruch 2) Brück.
Brück III. ahd. prucca, mhd. brucke, brücke, brügge. An der
Spitze der davon abgeleiteten ON. steht Brügge in
Flandern (schon im 7. Jh. Brugae); jetzt außerordentlich
viele N. auf -brück, -bruck, -brücken (Dat.-Plur.), -
brügge, -brugg, -bruggen.
FN. 1) -bruck: von Wydenbrugk (O. -brugge).
2) Brück. Delbrück. Steinbrück.
Wiedenbrück. Zweibrück (O. -brücken).

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3) -brügge: Brügge. Delbrügge.
Esselbrügge (Westf.). Steenebrügge.
4) -brücken: v. Zweibrücken.
5) -brüggen: Osenbrüggen.
Ableitung auf -er (oberd. und westf.):
1) -brucker: Brucker (Baden). Prucker
(bayr.). Haarbrucker (Salzb.).
Tiefenbrucker.
2) -brücker: Brücker. Haarbrücker.
3) -brugger: Brugger (Baden). Prugger
(österr.).
4) -brügger: Erdbrügger. Ibrügger (Westf.).
Bruckhei III. „Brückenaufseher“ (Hei). Auch Auch
Bruggey.
Brückmann III. „Brückenmann“ d. i. Brückenaufseher;
doch nach Ähnlichkeit von Brinkmann, Brockmann u. a.
nur den Wohnort bezeichnend: einer der auf oder bei einer
Brücke wohnt. Brüggemann = tor Brügge (Strackerjan).
Heinrich von der Brücke 17. Jh.
FN. Brückmann — Brüggemann; Brügmann.
Brückner III. schwerlich ein Brückenaufseher (Reichel),
eher ein „Brückenbauer“ (s. Öffner, Büttner u. a.), am
einfachsten, da der ON. Brücken wiederholt vorkommt,
„einer aus Brücken“, wie Bruckner „einer aus Brucken“.
Prückner; Pruckner (beide bayr. österr.).
Bruckschlägl III. (öst.) „Brückenschläger“. Vgl. Burcard de
Bliensowe dict. Bruggenschlegel 1265.
Brüel s. Brühl.
-brügge, -brüggen, -brugger, -brügger s. Brück.
Brüggemeyer III. 1380: Henne up der Brucken (Preuß 32).
Bruggey s. Bruckhei.

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Brühl III. ahd. pruohil, Vklf. von bruoh „Bruch, Sumpf“,
mhd. brüel (mittellat. brogilus, ital. broglio, franz. breuil),
„bewässerter, mit Gras und Gebüsch bewachsener Platz,
buschige Wiese.“ Jetzt in ON. Brühl, -brühl, Brüel —
Prühl — -bröhl — Briel, -briel.
FN. 1) Brühl. Waldbrühl. — Brühlmann. — 2) Brüel.
— 3) Bröhl. — 4) Briehl, Briel. — 5) Brügel; Brügl.
Bruhn-, Bruins s. Brun (einst. K.).
Brum-, Brüm- s. Brun (V., zweist. K.).
BRUN I. got. brunjô, ahd. brunja, prunja, mhd. brünne
„Brustharnisch“. Daß daneben brûn „funkelnd
dunkelfarbig, braun“ hineinspielt, ist nicht zweifelhaft.
FN. Brunger: Brunger — Brünger — Braunger —
Bräuniger. Gen. Brungers — Brongers.
(Brungard): Braungardt.
Brunhard: Brunnert — Braunhardt; Braunert.
Brunheri: Brunner — Braunher; Brauner —
Bräuner.
(Brunmar): Brummer — Prummer (bayr.) —
Brümmer — Brommer.
Brunold: Brunold — Braunewald; Braunwald. Gen.
Braunholz.
Brunwart: Braunwarth.
(Brunwig): Brunweg — Brunwey.
Einstämmige Kürzung Brun-.
Bruno: Bruno; Brune; Bruhn (Lütjebrune Lippe) —
Brünne — Braune; Braun — Praun. Gen Bruhns;
Brunen — Pruns — Brauns — Brons — Bruins
(ui = ü ostfries.) — Bronsema (ostfries.). Patr. A.
Brüning — Breuning — Bruninga (ostfries.). Patr.
Zss. Brunssen — Bruhnsen.

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Vklf. (l): Breunle. (l+n): Breunlein, Bräunlein. (k):
Brunko — Bruhnke — Brünicke — Brönneke
— Bräunig. Gen. Brunken — Brünjes (fries.).
(z): Brauneis.
Zweistämmige Kürzung Brunm-.
(Brummo): Brumme — Brume — Bromme —
Brömme.
Vklf. (l): Brömmel; Prömmel — Brömel. (z):
Bromeis.
Brun-, Brün- s. Brun (V., einst. K.).
Brunabend III. s. Braunabend.
Brunn III. got. brunna, ahd. prunno, mhd. brunne (niederd.
born) „Quelle“, im Nhd. durch eben dieses Wort
zurückgedrängt, so daß es nur noch eine künstlich
angelegte und eingefaßte Quelle bezeichnet. In ON. schon
seit dem 7. Jh. häufig nachweisbar (Baldobrunno) — bei
neueren N. in drei Formen: -brunn, -bronn, -born.
„By deme Borne“ 1383 Gött UB. I., 1316 lat. „apud
fontem“.
FN. 1) Brunn (vgl. franz. Lafontaine).
Kaltenbrunn. Saltzbrunn. Steinbrunn.
— v. Schönprunn (bayr.).
2) Bronn. Heilbronn. Neubronn.
3) von dem Borne (Roloff van deme Borne
Klemp.). Born. Erlenborn. Eschborn.
Schönborn. Sonneborn. (O. Sonnborn).
Tettenborn. Weißenborn.
Ableitung auf -er (oberd.):
1) Brunner; Prunner (bayr.). Diestlbrunner.
Kaltenbrunner. Schönbrunner.
2) Bronner. Diefenbronner. Neubronner.
Brünne s. Brun (einst. K.)

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Brunner, Bronner a) I. s. Brun b) III. s. Brunn.
Brüwer s. Brauer.
Bscherer III. (bayr.) „Barbier“. Auch Pscherer.
Bschlagengaul III. wohl imperat. = „Hufschmied“.
Buccardt s. Burg (V.).
Buch III. kollektiv für „Buchwald“, mhd. daz buoch.
FN. Buch. Willenbuch.
Ableitung auf -er (oberd.):
1) -bucher: Hagenbucher. Heimbucher
(salzb.). Langenbucher. Oberbucher.
2) -bücher: Klotzbücher (württ.).
Rothenbücher (württ). Willenbücher.
Buchardt s. Burg.
Buche III. ahd. puocha, mhd. „Buche“ — in Zss. wie
Buchmeyer, südd. Puchmayr. Niederd. Bokemeyer.
-büchel s. Bühl.
Bucher III. a) schon got bôkareis, ahd. puochâri, mhd.
buochaere „Bücherabschreiber, Schreiber“ b) einer aus
Buch.
FN. Bucher; Pucher (doch auch zu Buch III).
-bucher, -bücher s. Buch.
Buchfeller III. mhd. buochveller von buochvel
„Pergament“, „der die Felle zu Büchern, das Pergament,
bereitet“.
Buchfinck III. deutscher Vogel-N.
Buchholtz III. von dem sehr häufigen ON. Buchholz. Auch
Bucholtz.
-büchler s. Bühel.

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Buchner III. „einer aus Buchen“ (O. 40 mal Rud.); auch
Büchner — (südd.) Puchner. Zss. Hagenbuchner.
Buchsbaum III. mittelalterlicher Schmeichelname (Grimm,
Kleine Schr. II, 400). Puxbaum (Wien). Niederd.
Busboom.
Buck, Bück- s. Burg (einst. K.).
Bud-, Büd- s. Bod (V., einst. K.).
Büddenklepper III. niederd. „Büttenklopfer“ Spottname für
Bötticher.
Büdenbänder III. niederd. „Büttenbinder“ s. Binder.
Buff s. Bod (zweist. K.).
Bügel-, -bügel s. Bühel.
Bugg- s. Burg I. (V., einst. K.).
Bühel III. ahd. puhil, buhil, mhd. bühel „Hügel“
(„Gansbühel“ Stadtgegend in München) — nhd. in den
mannigfachsten FF. ON. bildend: Bühl, Biehl, Büchel,
Bichl, Pichl, Bügel, Buckel, Beul u. a.
FN. 1) Bühl. Guggenbühl. Münzbühl.
2) Biehl, Biel (doch s. auch Bil I.).
Windbiel (Baden).
3) Rafflenbeul.
4) Büchel, Büchl (bayr.). Steinbüchel.
5) Bichl (bayr.).
6) Klingsbügel. Krumbügel (in Köln eine
Straße „Krummenbüchel“).
7) Krumbiegel. Nußbiegel (vgl. O.
Nußbühl).
8) zuweilen noch mit p (nach s):
Dinkelspiel (ON. Dinkelsbühl).
Walterspiel (Baden).
Ableitung auf -er (oberd.):

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1) -bühler: Bühler (Hans von Bühel, auch
„der Büheler“ Elsaß 15. Jh.).
Steinbühler. Ungerbühler (salzb.).
Varnbühler (= Farn-). Weißenbühler.
Pühler (bayr.).
2) -biehler: Biehler.
3) -büchler: Bücheler; Büchler.
Bürekbüchler. Steinbüchler. Püchler.
4) -bichler (bes. bayrisch): Bichler.
Aichbichler. Emetsbichler. Friedbichler.
Fuchsbichler. Guggenbichler (salzb.).
Hirschbichler. Lochbichler.
Moosbichler. Steinbichler.
5) -pichler: Pichler. Laupichler.
Oberpichler. Raschpichler (salzb. —
sämtlich noch jetzt in Ostpreußen).
6) -biegler: Eisenbiegler. Oberbiegler.
7) -(s)pieler: Radspieler. Singlspieler.
8) Biller. Millbiller nach Steub S. 141 =
Mühlbühler. Ganzbiller (Wien, vgl. O.
Gansbühl).
9) -spiller: Hackspiller.
Buhr s. Bauer.
Bull- s. Bald (V., einst. K.).
Bülte III. „Hügelchen im Sumpfe“.
Bültemeier (1507: Johann upper Bulten).
Bultmann (Bremerhafen).
v. Bülzingslöwen III. Stammort Bülzingsleben in Thüringen
(s. -leben) — im Wappen fälschlich ein Löwe. (Adelslex.)
Bumann s. Baumann.
Bünd III. ahd. piunt (zu „bauen“), seit dem 8. Jh. in ON.
Jetzt in den FF. -bünd, -boind, -peunt (-point), -paint

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(Adelpaint). Conrat in der Pewnt 1376. Grasbiunder 1319
Augsb.
FN. Ableitung auf -er (oberd., bes. bayr. österr.):
1) -pointner: Pointner. Hirschpointner.
Kreuzpointner. Mühlpointner.
2) -paintner: Paintner. Haarpaintner.
Lindpaintner. — Baintner.
Bunge III. „Trommel“. Zss. Bungenstab.
Bungener III. altniederd. bungener „Trommler“, von bunge
= Trommel, bungen = trommeln.
FN. Bungener — Büngener; Büngeler. Mit der starken
Bildung: Bunger — Bünger.
Burch-, Burck- s. Burg I. (V., einst. K.).
BURG I. got. baúrgs, ahd. purc, mhd. burc „Burg“ (ital.
borgo, span. burgo — Stadt Burgos in Altkastilien). Von
„bergen“.
FN. Burghard: Burghardt; Burgard — Burgerth —
Burckhard; Burkert — Purkhart; Purkart —
Burchardt — Buccardt — Buggert — Bürkert —
Pürkerth (bayr.) — Borghard; Borgert — Borchardt;
Borchert — Bockhard — Bochert. Gen. Burghartz;
Burgartz — Borcherts — latinis. Burchardi. Patr. A.
Borcherding — Borkerding.
Burghar: Burger. Gen. Borchers — Börchers.
Burgman: Burgmann — Borchmann — Bormann.
Burgmar: Burgmer.
Burgoald: Burgold — Purgold — Burghold —
Borgwaldt. Gen. Burgholtz.
Burcward: Burgwardt — Borgwardt.
Einstämmige Kürzung Burg-.
Burgio, Bucco: Bürge — Burck — Bugge — Buck —
Borge — Borck — Bock. Gen. Burgs. Patr. A.

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Bücking — Böcking.
Vklf. (i): Burki — Bürgi (schweiz.). (i + n) Bürgin.
(l): Bürgel; Bürgle — Bürkle — Bückel —
Böckel. (l + n): Bürklin — Bürcklein —
Bücklein. (z): Burtz — Borz. (z + l): Bürzel —
Pörzel.
Auslautend in 179 Namen (Först.), die sämtlich
weiblich sind.
Burg- s. Burg I. (V.).
Bürg- s. Burg I. (einst. K.).
Burg III. got. baúrgs, ahd. purc, burg, mhd. burc befestiger,
bergender Ort, „Burg, Stadt“. Schon im 1. Jh.
Teutoburgium und Asciburgium; einfaches Burg erst aus
dem 8. Jh. nachweislich und in derselben F. in tausend
heutigen N. Niederd. -borg (so immer bei Klempin, z. B.
Brandenborgh).
FN. Dillenburg. Brandenburg. Eulenburg.
Mecklenburg. v. d. Malsburg.
Das ahd. p noch in: Marpurg. Regenspurg. Niederd. v.
d. Borg. Drieborg (O. Driburg). Humborg (O. -burg).
Osborg (O. -burg). Tecklenborg (O. -burg). Wieborg.
Winzenborg (O. -burg) — bes. in dem
nordwestlichen Deutschland, während es in den ON.
fast durchweg in -burg verhochdeutscht zu sein
scheint.
Ableitung auf -er (oberd.):
1) -burger: Brandenburger. Dillenburger.
Luxemburger. Naumburger. —
Regenspurger.
2) -bürger: Heimbürger. Lünebürger.
Oldenbürger. Würzbürger.
Burger s. a) Burg (V.) b) Bürger.

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Bürger III. ahd. purgâri, mhd. burgaere, später burger
„Bewohner einer Burg“, sodann „Bewohner einer
(befestigten) Stadt“, im Gegensatz zu dem Landbewohner.
FN. Bürger — Burger (in Wien häufiger als Bürger).
Gen. Bürgers. Niederd. Börger. Gen. Borgers.
-bürger s. Burg III.
Bürgermeister III. mhd. burgermeister „Voreteher einer
Stadtgemeinde, Bürgerschaft“; auch übertragen auf den
Vorsteher einer Dorfgemeinde (in Schwaben und am
Rhein). — Im Schwabenspiegel burcmeister, daher
„Burgemeister“ (wie noch bei Goethe); neuniederländ.
burgemeester.
FN. Bürgermeister — Burgemeister.
Burggraf III. mhd. burcgrâve „Burggraf, Stadtrichter“. („Er
was lantgrâve überz lant., burcgrâve in der stat genant“
Rudolf v. Ems, Guter Gerhard V. 1452).
Burgmann a) I. s. Burg b) III. mhd. burcman „auf der Burg
wohnender Vasall des Burgherrn“.
Burgstall III. angels. burhstal, noch jetzt in Österreich
gebräuchlich, sinnverwandt mit „Burg“. Im südöstlichen
Deutschland sind Orte namens Burgstall sehr häufig; im
nordwestlichen dagegen treten zwei abgeschliffene FF.
zahlreich auf: Borstel, -borstel, und Bostel, -bostel.
FN. 1) v. Hammer-Purgstall.
2) v. Borstell.
3) Bestenbostel. Döhnbostel. Hornbostel
(O. in der Landdrostei Lüneburg).
Ohlenbostel. Rodenbostel. — Auch
Bostelmann (hannöv.).
Ableitung auf -er (oberd.): Purgstaller (österreichisch).
Burk-, Bürk- s. Burg I. (V., einst. K.).
Burmeister, -mester s. Bauermeister.

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Burtz, Bürzel s. Burg I. (einst. K.).
Busboom III. niederd. „Buchsbaum“, aus lat. buxus, s.
Busenbaum.
Busch III. ahd. busc, mhd. busch, pusch das gewöhnlichste
deutsche Wort für „niedriges Gehölz, Buschwerk“.
Niederländ. Bosch. In manchen der folg. Namen gewiß
appellativ, wie -brink, -bruch u. a.
FN. 1) von dem Bussche. Busch. Pusch. —
Buschmann. Puschmann. Berkenbusch.
Dornbusch. Dohrenbusch. Ellerbusch.
Evertsbusch. Finsterbusch. Gadebusch.
Hasselbusch. Holderbusch.
Kattenbusch. (Katzen-). Kieckebusch;
Kyckbusch (O. in Brandenburg).
Knappertsbusch (O. Knapperzbusch).
Nätebusch (Nuß-). Schlebusch.
Vahlbusch. Wiedebusch (Weiden-).
2) von der Bosch. Achternbosch. —
Boschmanns (niederrhein.).
Ableitung auf -er (oberd. — aber auch westf. von
Flurnamen):
1) Buscher (Münch.).
2) -büscher: Büscher. Königsbüscher.
Telgenbüscher; Tellbüscher.
Busenbaum III. nach Vilmar „Stammbaum“, was aber nicht
belegbar. Besser mit Andresen = „Buchsbaum“ (s. d.).
Dafür sprechen auch die Nebenff. Busebaum und
(niederd.) Busboom.
Buss- s. Bod (einst. K.).
Bußin III. N. eines dem Verf. persönlich bekannten
Proselyten, abgeleitet von „Buße“ mit Anklang an die
ON. auf -in.
Büteführ s. Böteführ.

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Butendieck III. niederd. „der am Außendeich“.
Halbniederd. Butendeich.
Butenop III. niederd. „außenauf“ (Finkenwerder).
Butenschön III. niederd. „(nur) außen schön“.
Büttel III. in ON. zu altsächs. bodl, angels. botl „Haus“ (9.
Jh.: Dallangibudli).

Page 228

FN. Edelbüttel, auch Eddelbüttel. Oldenbüttel.
Sießenbüttel.
Butterbrod III. vgl. Kese-unde-brot um 1530 (Lübben),
altniederd. Wekebrôd.
Butterfaß III. deutlicher Gerät-N.
Buttermann III. ein „Butterhändler, -träger“. Niederd.
Bottermann.
Butterweck III. ein aus Butterteig gebackener Weck.
Halbfranzösiert in barbarischer Schreibung Bouterwek,
„um der unästhetischen Butterwecke zu entgehen“ (Pott).
Auch Butterwegge.
Bütting s. Bod (einst. K.).
Buttmann Pott S. 596: „Möglicherweise aus Butte für
Bütte. Oder Verkäufer von Butten (Butt, Platteise,
Rhombus piscis). Oder vom hamburg. Adj. butt, von
kleinen Kindern, vgl. verbuttet, auch grob, plump.“ Alle
diese Vermutungen sind in die Luft gebaut, wenigstens
soweit es sich um den N. des bekannten Gräcisten
handelt; denn dieser ist urspr. gar nicht deutsch, sondern
französisch, von Réfugiés stammend, Boudemont, woraus
nur Buttmann verdeutscht worden (s. Allg. deutsche
Biographie S. 656).
Büttner III. mhd. bütenaere (vom ahd. putin, mhd. büten,
bütte) „Bötticher“ („Büttnerstraße“ in Breslau).
FN. Büttner. Böttner. Verderbt Bittner (Schles.); Pittner
(bayr.).
Butze s. Bod (einst. K.).

Page 229

C.
Cammerer s. Kämmerer.
Camp- s. Kamp I.
Cannegieter s. Kannengießer.
Capelle III. mehrfacher ON.
FN. Capelle. von Capellen.
Abl. auf -er: Kappeller.
Carels, Carl- s. Karal.
Carst- s. Christianus.
Casp- s. Kaspar.
Caßebohm III. niederd. „Kirschbaum“ (s. Baum —
Kassebohm O. in Mecklenb.).
Cattepoel III. „Katzenpfuhl.“
Cellarius s. Keller.
Charfreytag III. zu den Zeitnamen gehörig (s. Tag).
Chelopoeus s. Kistmacher.
Christ, -el, -en s. Christianus.
Christianus II. griech.-lat. Ableitung von Christus: „ein
Christ“ (noch mhd. Christen); der N. zuerst in Antiochien,
Apostelgesch. 11, 26.
FN. a) Christian; Christann; Christen — gleich dem
Appelativum bis zur Einsilbigkeit verkürzt: Christ,
Krist nebst Christmann, ostfries. Christma. Gen.
Christiani; Christians; Krystians. Patr. A. Christinck

Page 230

— Christeller (Schles.). Patr. Zss. Christiansen;
Christensen (Schlesw.).
Vklf. (l): Christel; Christl (bayr.). Krestel. Patr. A.
Kristler. (l + n): Kristlin. (k): Christeinicke.
b) Mit Umstellung des r: Kirstan, Kirsten
(Elbing. Urk. Kirsten Heyncze 1487) —
Kürsten — Kirschten, woraus durch
Umdeutung Kirstein; Kirschstein —
Kerschstein (Hessen). — Verkürzt: Kirste;
Kirst (Patr. A. Kirsting); in breiterer
Aussprache Kirscht — mit Ausstoßung
des r: Kist.
c) Mit Umstellung des r und Brechung des i
in e: Kerstan (in Gött. UB. I. schon ums J.
1251 Kerstianus als VN.); Kersten;
Kerstein — verkürzt Kerst. Patr. A.
Kersting.
Mit Ausstoßung des r: Kesten; Kestein;
Kest. Patr. A. Kesting. (1590: Kersting
Preuß). Zss. Richterkesting (Lippe).
d) Mit Umstellung des r und Verbreiterung
des e in a (niederd.): Karsten, Carstenn
(Carsten Manteuffel KB.); Karstein;
Karst. Gen. Carstens — (ostfries.)
Karsjens. Patr. Zss. Carstensen.
Vklf. (k): Karsteineke.
Mit Ausstoßung des r: Kasten (als VN. 17. Jh. KB.);
Kastein; Kast. Patr. Zss. Kastensen.
Mit Rückangleichung des t: Kassens.
Christophorus II. griech. „Christusträger“ (S. 25); die
betreffende Legende unter anderen bei Kind: „Offerus war
ein Lanzenknecht“ usw.
FN. Christopher; Christoffel; Christoph. Gen.
Christophory; Christophers; Christoffels.

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Mit Kürzung im Anlaut: Stoffer — Stoppel. Gen.
Stoffers (Stoffer VN., Stoffer Prochel 1644 KB.);
Stoffels. Patr. A. Stöffler.
Chrysander III. vergriecht = Goldmann.
Ciliax, Ciriaks, Cirks s. Cyriacus.
Claaß-, Clabs, Claes, Clas-, Claß- s. Nicolaus.
Claud- s. Hlod (einst. K.).
Claus- s. Nicolaus.
Clauth s. Hlod (einst. K.).
Claw- s. Nicolaus.
Clemens II. lat. „milde, gütig“ — N. zweier bedeutender
Lehrer und Schriftsteller der christlichen Kirche der ersten
beiden Jh.
FN. Clemens, Klemens; Klement.
Clericus III. lat. Übers. von Pape, in dem Sinne des mhd.
pfaffe „Geistlicher“ (s. Klempin, Matrikeln der
pommerschen Ritterschaft S. 11).
Cloos s. Nicolaus.
Cnyrim s. Knieriem.
Coecejus s. Koch.
Coers s. Kun (V., Chunrad).
Cohn a) christlicher N. s. Kun (einst. K.). b) häufiger
jüdischer N., zsgz. aus Cohen „Priester“.
Cohnfeld, -helm, -stein III. jüdische Phantasie-N. (S. 67).
Cohrs s. Kun (Kunrad).
Con- s. Kun (V., einst. K.).
Cord- s. Kun (Kunrad).
Corleis s. Kyrieleis.

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Cornelius II. berühmtes römisches Geschlecht, zu welchem
auch der Hauptmann Cornelius Apostelgesch. 10, als
Nachkomme eines Freigelassenen des L. Cornelius Sulla,
gehört haben mag.
FN. Cornelius; Corneljes (friesisch; Genetiv? s.
Ruprecht S. 9); Cornils — Cornel, Cornehl. Gen.
Corneli. Patr. Zss. Korneliussen; Cornelissen.
Mit Kürzung im Anlaut: Nelius; Nelies, Neljes,
Nellies (die drei letzten im Fries. auch VN.) —
Neels — Niels. Patr. Nellessen — Nehlsen.
Corrodi I. „älter Koradi = Konrads“ s. Kun.
Corßen s. Kun (V.).
Corvinus III. verlateint aus Rabe, Raab.
Cosmar s. Goz.
Coster, Cöster s. Küster.
Crabathi III. „Kroat“ (Fröhner S. 36).
Cramer s. Krämer.
Cranach III. ON. (S. 30).
Cremer s. Krämer.
Cretzschmar s. Kretschmer.
Crobath III. „Kroat“.
Cruse s. Krause.
Cun- s. Kun (V., einst. K.).
Curdes, Curt, -curt s. Kun (V.).
Curtius III. verlateint aus Kurtz, Korte.
Cyprianus II. griech.-lat. „der Mann aus Cypern“, Bischof
von Karthago u. Märtyrer unter Valerian 3. Jh. (Kal. 26.
Sept.).
FN. Supprian.

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Cyriacus II. griech. „dem Herrn gehörig“; Patriarch von
Konstantinopel um 600 n. Chr.
FN. Cyriacks. Cyriaci.
Zsgz. Cirks (fries.), davon Gen. Plur. Cirksena, das
einheimische Fürstengeschlecht in Ostfriesland,
welches mit Karl Edzard 1744 ausstarb; doch dauert
der N. anderweitig in Ostfr. fort, als der einzige noch
lebende N. auf sena (sna) s. Ruprecht S. 14 — aber
nach Stark S. 135 von Sigerik, Sirck, indem fries. für
s ein z eintritt: Zirkzena, wie Zicke = Sicke.
Mannigfache, z. T. sehr entstellte Formen: Ciriaks;
Ciliax — Zilias; Zilges — Silges u. a.
Czech III. ein „Tscheche“; auch in der Schreibung Tschech,
Zschech. (In der Kassubei von einigen Familien nach dem
Attentat des Bürgermeisters Czech auf Friedrich Wilhelm
IV. in Echt umgewandelt, indem der König, um
Verleihung eines andern N. angegangen, das Cz vorn
strich und ein t am Ende zusetzte).

Page 234

D.
Daab s. Dag (zweist. K.).
Daacke s. Dag (einst. K.).
Dabbert, Dabert s. Dag (V.).
DAD I. got. dêds, ahd. mhd. tât „Tat, Werk“. Fließt z. T. mit
Dag zs.
FN. Tadebert: Dabbert — Tabbert.
Thetald: Thadewald.
Einstämmige Kürzung Dade.
Tatto: Dato; Dathe — Dade — Thate.
Vklf. (l): Taddel. (k): Tatje.
Daffert s. Dag (V.).
DAG I. got. dags, ahd. tac, tag, mhd. tac „Tag“ (wohl in
Hinsicht auf Licht und Glanz). Seit dem 4. Jh. in N.
nachweisbar.
FN. Tagebold: Tabold.
Dagobert: Dabbert — Tabbert — Tappert —
Dapper. Gen. Dappers.
Tagibod: Taboth.
Dagafrid: Daffert.
Dagaher: Täger. Patr. A. Degerink.
Dagaleif 4.: Taglieb.
Tagamar: Daimer — Dahmer.
Tagarat: Tagart — Tägert.
Dagarich: Teirich.

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Tagadeo: Tadey (spr. — dē, Eutin) — Taddey.
Dagoald: Dagott.
Mit Erweiterung (Dagin-):
Dagimpald: Damboldt.
Taginbert: Dammert — Dember.
Einstämmige Kürzung Dag-.
Dago, Tacco: Daacke — Tag — Tack (Tackmann) —
Däge — Täge — Deg — Tegge — Dey. Gen.
Tägen.
Vklf. (l) Dagalo: Degel — Tägel. Patr. A. Dägling
— Dahling — Dehling. (k): Dagiko: Deicke.
Gen. Deycks. (z) Tagizo, Tayso: Deitz — Deiß
— Theise; Theis.
Zweistämmige Kürzung Dagb-.
Dapp — Tapp — Daab.
Zweistämmige Kürzung Dagm-.
Damo: Dahm. Gen. Dahms.
Vklf. (l): Dehmel. (k): Dahmke.
Auslautend (53 mal Först.):
-tag: Heiligtag.
-dach: Hildach.
-dey: Alldey.
Däg- s. Dag (einst. K.).
Dahl-, -dahl s. Thal.
Dahling s. Dag (einst. K.).
Dahm- s. Dag (V., zweist. K.).
Dahn s. Dan.
Dähn- s. 1) Dan 2) Thegan.
Damcke s. Thanc (zweist. K.).

Page 236

Damm a) I. s. Thank b) III. „der am oder auf dem Damm
Wohnende“ vgl. Henning vamme Damme (Drübecker
Urk. 1525).
Dän- s. 1) Dan 2) Thegan.
DAN I. der „Däne“ — seit dem 7. Jh. in N. nachweisbar
(Danoald).
FN. Denihart: Dannert — Tannert — Denhard —
Dähnert.
Einstämmige Kürzung Dan-.
Dano, Tenno: Dann — Dahn — Dähne; Dehn. Patr.
A. Dening.
Vklf. (l) Danilo 7.: Dähnel, Dänell. (k): Dahnke
— Denicke — Dähnke.
(Fließt zusammen mit Thegan.)
Danck- s. Thanc.
Danehl s. Daniel.
Danhauer III. „Waldhauer, Holzfäller“ (s. Tann).
Dannenhauwer 1471.
Daniel II. hebr. „mein Richter ist Gott“, der bekannte
Prophet.
FN. (zum Teil jüdisch): Daniel (Danigel) — Danehl —
Dannöhl — Danneil. Latinis. Danelius. Gen. (lat.)
Danielis — (deutsch) Daniels. Patr. Zss. Danielsohn;
Danielson; Danielsen.
Dank s. Thanc.
Dankegott III. deutlicher Satz-N.
Dann, Dannert s. Dan.
Dannehl, -eil, -öhl s. Daniel.
Danz s. Thanc.
Dapp- s. Dag (V., zweist. K.).

Page 237

Däschler, Däschner s. Täschner.
Dato, Dathe s. Dad.
Daud- s. Thiud (V., einst. K.).
Daum III. s. S. 49. Heneke mit dem dumen 1373. Chunrat
vnd Friderich die Dovmen; Frideric. Pollex 13. Jh.
Dautert s. Thiud (V.).
Däuwel s. Thiud (V.).
David II. hebr. „geliebt“; der König und Psalmendichter des
A. T.
FN. (z. T. jüdisch): David; Dawid. Gen. (lat.) Davidis
— (deutsch) Davids. Patr. Zss. Davidson — Davison.
DAW I. ahd. dau, angels. theav, altsächs. thau „Sitte“.
FN. Dawipert: Daubert.
Tawold: Dauwald.
Einstämmige Kürzung Dav-.
Dawo: Daue — Dewe.
de in niederländ. Namen der Artikel: de Boer, de Vrient (S.
40), de Ruyter (Emden).
Deb- s. Thiud (V.).
Debbelin s. Thiud (zweist. K.).
Debusmann s. Matthäus.
Dechant III. ahd. techant, mhd. dechân (aus lat. decanus
„der über zehn gesetzt ist“), ein Vorgesetzter in
verschiedenen, nicht bloß geistlichen Ämtern.
FN. Dechant; Dechend.
Decker a) I. = Dietger (s. Preuß 18) b) III. „Dachdecker“.
FN. Decker, in ostfriesischer Schreibung Dekker. Gen.
Deckers (niederrhein.).
Ded- s. Thiud (V., einst. K.).

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Deeken, Deet- s. Thiud (einst. K.).
Defert s. Thiud (V.).
Defregger III. „einer aus dem Teferegger Tale“ (Tirol).
Deg- s. Dag (einst. K.).
Degen-, Degner s. Thegan.
Degreff s. Graf.
Dehling s. Dag (einst. K.).
Dehmel s. Dag (zweist. K.).
Dehn s. 1) Dan 2) Thegan.
Dehrholtz s. Diur.
-dei s. a) Dag b) Thiu.
Deib- s. Thiud (V., zweist. K.).
Deichmann III. „Aufseher eines Deiches“ d. i.
Schutzdammes gegen das Wasser. (Da mit der
Erdausgrabung zugleich eine Erdaufschüttung verbunden
ist, so hat die Sprache dasselbe Wort einmal in der hochd.
Form „Teich“ für lacus, sodann in der halbniederd. F.
„Deich“ für agger verwendet).
FN. Deichmann. — Niederd. Dieckmann. Gen.
Diekmanns (Geldern) — s. auch Teichmann.
Deick- s. Dag (einst. K.).
Dein- s. Thegan.
Deiß s. 1) Dag (einst. K.) 2) Thiud (einst. K.).
Deit- s. Thiud (V., einst. K.).
Deitz s. 1) Dag (einst. K.) 2) Thiud (einst. K.).
Delff, Delfs s. Thiud (V.).
Delker, Delkener III. „einer aus Dalbke“ in Lippe-Detmold
(Preuß 34).

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Demant III. „Diamant“. Auch Jaspis findet sich als
christlicher FN.
Dember s. Dag (V.).
Denant s. Thiud (V.).
Denecke s. Thegan.
Dengel s. Thanc.
Denhard s. 1) Dan 2) Thegan.
Denis s. Dionysius.
Denk- s. Thanc.
Denn- s. 1) Dan 2) Thegan.
Denys s. Dionysius.
Denz- s. Thanc.
Depping s. Thiud (zweist. K.).
Dereich, Derix s. Thiud (V.).
Dessaller III. (romanisch-deutsch) „einer aus de Sala“.
Dessoir III. aus Dessauer verfranzöselt (S. 68).
Det-, Deth- s. Thiud (V., einst. K.).
Dett- s. Thiud (V.).
Deub- s. Thiud (V., zweist. K.).
Deudeloff s. Thiud (V.).
Deuerling s. Diur.
Deuß s. Thiud (einst. K.).
Deut- s. Thiud (V., einst. K.).
Deutsch III. auch Teutsch. Abgeleitet Teutscher.
Devrient III. urspr. flämisch: de Vrient „der Freund“ (S. 40).
Dew-, Deybaldt s. Thiud (V.).

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Deycks s. Dag (einst. K.).
Deyhl s. Thiud (einst. K.).
Dibbern s. Thiud (V.).
-dick s. Teich.
Dict- s. Benedictus.
Didden, Didtchen s. Thiud (einst. K.).
Didolf s. Thiud (V.).
Dieb- s. Thiud (V., zweist. K.).
Dieck-, -dieck s. Teich.
Dieckmann s. Deichmann.
Died- s. Thiud (V., einst. K.).
Dief- s. Thiud (V.).
Diehr s. Diur.
Dieken s. Thiud (einst. K.).
Diekgräber III. (niederd.) „Teichgräber“.
Diekgräwe, -grebe III. niederd. „Deichgraf“ d. i. Aufseher
eines Deiches.
Diel- s. Thiud (einst. K.).
Diem- s. Thiud (V., zweist. K.).
Dienhart s. Thegan.
Diepolt s. Thiud (V.).
Dier- s. 1) Diur 2) Thiud (V.).
Dieringer III. „Thüringer“.
Dießl s. Thiud (einst. K.).
Diet-, Dieth- s. Thiud (V., einst. K.).
Dietsch, Dietz-, Dihle, Dik-, Dill s. Thiud (einst. K.).

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Diewald s. Thiud (V.).
Dillschneider III. „Dielschneider“, vom mhd. dille Diele.
Dimmel s. Thiud (zweist. K.).
-ding, -dink aus ing entstanden bei Anfügung an Vollnamen,
die auf einen T-Laut ausgehen:
Helmerding (Helmhard). Vollbeding (Volkbert).
Humperdinck (Hunipreht, Humpert).
Dionysius II. griech. „der Dionysische“, von dem Gotte
Dionysus (Bacchus).
FN. Denys, Denis. Mit Kürzung im Anlaut Nieß.
Dip- s. Thiud (V., zweist. K.).
Dirck-, Dirk- s. Thiud (V.).
Diruff s. Diur.
Diß s. Thiud (einst. K.).
Dit-, Ditt- s. Thiud (V., einst. K.).
Ditz s. Thiud (einst. K.).
DIUR I. zu ahd. tiuri, diuri, mhd. tiure „teuer“.
FN. Diurleic: Thierley — Thurlei.
Deorovald: Dörwald — Dürholdt — Tyrolt. Gen.
Dehrholtz.
Deorulf: Dierolf — Thierolf — Dürolf — Thyrolf —
Türloff — Diruff — Tiroff; Thierauf.
Einstämmige Kürzung Diur-.
Dioro: Diehr — Theuer — Duhr. Patr. A. Dierink.
Patr. Zss. Diersen.
Vklf. (l) Patr. A. Deuerling. (k): Diericke —
Theurich — Dürrich. (k + n): Dürichen. Patr.
Zss. Dührsen — Dürsen.
Dix s. Benedictus.

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Djuren s. Georgius.
Dob- s. Thiud (V.).
Döb-, Döbb- s. Thiud (V., zweist. K.).
Docke, Dod- s. Thiud (einst. K.).
Död- s. Thiud (V.).
Dohm s. Dom.
Dolf s. Ath (V.).
Dolfus s. Fuß b).
Doll s. Thiud (einst. K.).
Dollfuß s. Fuß b).
Dollmetsch III. gegen Ende des 13. Jh. aus dem Slawischen
(poln. tlumacz, russ. tolmatsch) aufgenommen:
„Dollmetscher“.
DOM I. got. dôms, ahd. mhd. tuom „Urteil, Gericht“ (auch
Macht, Ansehen).
FN. Dombert: Dombert — Tompert.
Domard: Domhardt — Dommert — Dühmert —
Dummert — Thumhart — Dümmert.
Domarius: Thomer — Dommer — Thümer.
Tuomrih: Domrich — Dommerich.
Einstämmige Kürzung Dom-.
(Domo): Dom, Dohm — Thum — Thym.
Gen. Dohmen — Dommes — Thümen.
Vklf. (l) Duomelo: Dommel — Tömmel —
Dummel — Dümmel — Thümmel. Patr. A.
Dömling — Dümling — Thümling. (l + n):
Dümlein. (k): Domke — Dömich — Dühmke. (k
+ n): Dümichen.
Auslautend -tum: Altum.

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Dom-, Döm-, Domm- s. Dom.
Dominicus II. „dem Herrn angehörig“ (vgl. Cyriacus); der
h. D. ein ‚Spanier‘ stiftete 1216 den Orden der
Dominikaner.
FN. Dominicus; Dominick; Domnick — Minikus
(Zürich).
Don-, Dön- s. Antonius.
Donaubauer III. „einer aus der Einöde Donaubau“(er) in
Niederbayern. Auch Donebauer, Donnabauer.
-donk s. Dung.
Donner s. Thunar.
Donnersmark III. im Zipserlande (Ober-Ungarn) gelegener
Marktflecken, wonach das jetzt schlesische
Grafengeschlecht Henckel v. Donnersmarck seinen
Namen hat, während der N. Henckel durch eine
Erbtochter „v. Henckel“ hinzugebracht ist (S. 85).
Döpel s. Thiud (V.).
Dopp s. Thiud (zweist. K. I).
Dordenbusch III. Satz-N. „durch den Busch.“
Durhdenpusch (Hugo v. Trimberg).
Dorf III. ahd. dorf, thorf, mhd. dorf, altsächs. thorp, niederd.
dorp (dän. torp) — in ON. aus dem 7. Jh. zuerst
nachweislich; neuere FF. -dorf, -torf — niederd. -dorp (z.
B. Oldendorp), -drup, -trup, -trop.
FN. a) hochdeutsch:
1) -dorf: Borsdorf. v. Helldorf. Pufendorf.
Blasendorff.
2) -dorpf (-torpf): Teßdorpf. Graf
Sierstorpff (O. Siersdorf).
3) -torf (nach s und t): v. Ahrenstorff (O.
Ahrensdorf in d. Uckermark). Gottorf.
Reinstorf. v. Bernstorff. Estorff.

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Wolterstorff neben Woltersdorff
(während als ON. nur Woltersdorf).
4) -troff: Hermestroff. Langstroff (O.
Langsdorf).
b) niederdeutsch:
1) -dorp: v. Hogendorp. Oldendorp (neben
Ollendorff). So immer bei Klempin:
Benekendorp, Teskendorp (j.
Teschendorf) — nach s torp:
Beygerstorp (j. Beyersdorf).
2) -drop: Daldrop.
3) -drup: Brandrup (O. Branderup in
Nordschleswig). Sandrup.
4) -torp: Quistorp (O. Quisdorf im
Eutinischen).
5) -trop: Gastrop. Ribbentrop (O.
Ribbentrup in Lippe-Detmold). —
Aschentropp.
6) -trup: Mentrup. Sentrup. Wentrup.
Westrup. Eistrupp (O. Eistrup im
Osnabrückischen). Schachtrupp (O. -
trup).
Ableitung auf -er (oberd.):
1) -dorfer (-torfer): Bilsdorfer.
Freundorfer. Herrmannsdorfer.
Helfersdorfer. — Aiglstorfer (bayr.).
2) -dörfer: Herrendörfer. Hundsdörfer.
Neudörfer. Erdmannsdörffer. —
Herrmannstörfer.
-dorfer, -dörfer s. Dorf.
Dörfler III. „einer aus Dörfel“ (O. 54 mal).
Döring s. During.

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Dorn III. ahd. mhd. dorn „Dorn, Dornbusch“. Auch häufiger
ON.
FN. Dorn. Blühdorn; niederd. Bleudorn. (entstellt
Bleidorn). Hagedorn, zsgz. Heidorn. Hogendorn.
Maidorn. Schleedorn (Heinric. dict. Sleedorn 1266).
-dorp, -dorpf s. Dorf.
Dörries s. Isidorus.
Dörwald s. Diur.
Dörwand III. niederd. = dör(ch) de Wand (Catharina
Dördewant 1651 Eutiner Urk.) „ein unbesonnener,
tollkühner Mensch.“
Döscher III. niederd. = Drescher; Dröscher.
Dotter, Döttloff s. Thiud (V.).
Doxie II. aus Eudoxia (Fröhn.).
Drabant s. Trabant.
Drabsanft III. Satz-N. „trabe sanft“.
Drächsle s. Drechsler.
Dräs- s. Andreas.
Draudt s. Drud (einst. K.).
Dreassen s. Andreas.
Drebes s. Andreas.
Drechsler III. von „drechseln“, dem Frequentativ von
„drehen“.
FN. Drechsler, Drexler — Träxler, Trexler — dem
mhd. draehsel entsprechend Drechsel, in
schwäbischer F. Drächsle.
Dreeß, Drees- s. Andreas.
Dreher III. von „drehen“, mhd. draejen, der „Drechsler“.
FN. Dreher. Zss. Stockdreher.

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Niederd. Dreier, Dreyer von niederd. drejen. Zss.
Schötteldreyer (Bückeburg) „Verfertiger hölzerner
Schüsseln“. Stuhldreier (Westf.). (So werden auch
die Bernstein-Arbeiter, die früher in Danzig, Stolp
usw. eine besondere Zunft bildeten, in dem Stolper
KB. noch im 17. Jh. „Bernsteind r e i e r“ genannt.)
Dreier, Dreiher s. Dreher.
Dreis s. Andreas.
Dreizehner III. wohl mit Bezug auf den alten Aberglauben,
daß, wenn gerade 13 Personen sich in einer Gesellschaft
zusammenfinden, einer von ihnen bald sterben muß.
Drescher III. „der Getreide ausdrischt“. Auch Dröscher.
Dressel s. Thras.
Dreuttel s. Drud (einst. K.).
Drew- s. Andreas.
Dreyer s. Dreher.
Driesch III. „unbebaut liegen bleibender Acker“.
FN. Van den Driesche, holländ. Gelehrter des 16. Jh.
Von den Driesch.
Driesemann s. Andreas.
Drischaus III. Satz-N. „drisch aus.“
Drodtloff, Dröder s. Drud.
Drommeter s. Trompeter.
-drop s. Dorf.
Droste III. „Amtmann, Schösser“ in Friesland, Westfalen u.
a. (s. Truchseß). In mehreren Adelsfamilien des
Münsterlandes: Dr. zu Hülshoff; Dr. zu Vischering.
Drube s. Drud (zweist. K.).

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DRUD I. altnord. Thrudr eine Walküre (s. Weinhold, die
deutschen Frauen S. 14). Daneben kommt das Eigensch.
trût „traut“ in Betracht. Vgl. auch angels. thrydht „schön.“
FN. (Drudbod): Trauboth.
Trudhari: Dröder — Trüter — Treutter.
Trutman: Trutmann — Drumann — Trumann —
Trautmann — Traumann.
Drutmar: Trummer — Trumer — Drümmer —
Trümmer — Traumer.
Drudwih w.: Trautwig.
Drudwin: Trautwein.
Trudulf: Drodtloff — Trüloff — Trautloff — zgsz.
Trolf.
Einstämmige Kürzung Drud-.
Drudo: Drude — Trude — Drue — True — Draudt
— Traute; Traut. Patr. A. Druding — Druiding
(spr. Drüding, ostfries.). — Treuding — Drüner
(1538: Drudener, 1523: Druding-Preuß).
Vklf. (l) Drudilo: Dreuttel — Treutel — zsgz.
Drühl. (l + n): Treutlein. (k) (Drudico): Drüke
— Treucke; Treuge. (z) Truzo: Trautz (mit der
unorgan. Bildung Trautschold). (z + l): Trutzel
— Troschel.
Zweistämmige Kürzung Drudb-.
Trubo: Drube — Trube — Drobe — Druwe —
Traube.
Vklf. (l): Trupel.
Auslautend (173 mal Först., doch anscheinend nur in
weiblichen N.).
-trut: Liebetruth.
-traut: Liebetraut.
Drue, Drühl, Druiding, Drüke s. Drud (einst. K.).

Page 248

Drumann, Drümmer s. Drud (V.).
-drup s. Dorf.
Druwe s. Drud (zweist. K.).
Dryander III. = Eichmann.
Dubb- s. Thiud (V., zweist. K.).
Dübbert s. Thiud (V.).
Dübel s. Thiud (V., Theudobald).
Dudd-, Duden s. Thiud (einst. K.).
Düfert s. Thiud (V.).
Dühm- s. Dom.
Duhr, Dührsen s. Diur.
DULD I. zu ahd. mhd. dult „Geduld“, bes. wohl auf
Ausdauer im Kampfe gehend.
FN. (Tultperaht): Tulpracht.
(Dulthart): Duldhardt.
Tulthere: Duller.
Einstämmige Kürzung Duld-.
Vklf. (k): Dulk — Tulke. (z): Dultz.
Dulk, Duller, Dultz s. Duld.
Düm-, Dumm-, Dümm- s. Dom.
Dung, Donk III. wahrsch. eine kleine Bodenerhebung, bes.
zwischen Sümpfen (Förstemann ON. S. 75). Alte N.:
Dung, Megmedung; neuere bes. in der Gegend von
Düsseldorf und in Flandern.
FN. 1) -dunk: Averdunk, Averdung.
2) -donk: Berendonk. Germerdonk.
Wesendonk.

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Dunker III. wohl „Tüncher“. (Früher eine Dunkerstraße in
Reval).
Dünnebacke III. zu den Körperteilen.
Dür- s. Diur.
DURING I. zum Volksnamen der „Thüringer“. Turincpraht.
Durinchard.
FN. During — Düring — Thüring — Döring —
Thöring.
Düring a) I. s. During b) III. ein „Thüringer“. Auch in
neuerer F.: Thüringer.
Dürre III. französiert Durré, s. S. 68. Albrecht der Dürre
1325.
Dürrich s. Diur.
Dusendtüfel III. „Tausendteufel“ (wohl weil der Ahnherr
diesen Fluch im Munde führte).
Dutschke, Duttke s. Thiud (einst. K.).
Dütt- s. Thiud (V., einst. K.).
Düwel s. Teufel (doch Düvelhenke = Dietbold Henke s.
Hagan).
Dux s. Thiud (einst. K.).
-dyk s. Teich.

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E.
Eb- s. Ebur.
EBUR I. zu ahd. ebur, mhd. eber „der Eber“ (S. 17), für
Männernamen um so passender, als in der nord. Dichtung
sogar jöfurr = Fürst, Herr.
FN. Eburhard: Eberhard — Everhart — Ebrard —
Ebhard; Ebart; Ebert. Zss. Meiereverth. Gen.
Eberhards; Eberts — Evertz. Patr. A. Everding.
Ewurman: Ebermann — Evermann.
Eburwin: Eberwein — Ewerwien (niederd.).
Einstämmige Kürzung Ebur-.
Ebaro, Ebo, Eppo (Stark S. 40): Eber — Eebe —
Ebbe — Epp. Gen. Ebers — Evers — Ebs; Eben
— Eppen. Patr. A. Eppink — Ebbinga (ostfries.).
Vklf. (l): Ebel; Eble — Epple. Patr. A. Eberling —
Ebeling. (l + n): Eberlein — Eppelein — Eblen
— Epplen. (k): Ebbecke — Ebke (Ebkema
ostfries.) — Eppich; Eppeich (Gottschee).
Patr. A. Ebker (Preuß 19).
Ebener III. „einer aus Eben“ (häufiger ON. in
Süddeutschld.) — doch auch mhd. ebenaere
„Schiedsrichter“.
Ebentheuer III. „Abenteuer“, früher auch persönlich
gebraucht (s. Goethe, Mitschuldige 1, 1.
Ecc-, Eck- s. Ag (V., einst. K.).

Page 251

Ecke III. ahd. ekka, mhd. ecke, egge „Ecke, Winkel“. Sehr
zahlreich in ON.: -eck; daneben -egg (süddeutsch).
FN. 1) Honeck (O. Hoheneck). v. Nordeck.
Viereck. Waldeck.
2) v. Aichenegg. v. Bieberegg. v. Cronegg
(O. Kronegg). Hohenegg. v. Königsegg.
v. Lichtenegg; Lichtnack.
Ableitung auf -er (oberd.):
1) -ecker: Bernecker. Heidecker. Vilsecker.
Waldecker. (Bisweilen in der Schreibung
-äcker: Rienäcker neben Rienecker, von
Rieneck in Unterfranken, ehem.
Grafschaft, s. Goethes Götz 2, 8:
„Reineckische Bauern“, nach Götzens
Lebensbeschreibung. So auch wohl
Steinäcker st. Steinecker.)
2) -egger (südd.): Bernegger. Buchegger (O.
Buchegg in der Schweiz). Heidegger (vgl.
Heideck, Oberpfalz). Kaltenegger (O.
Kalteneck in Steiermark). Lichtnegger (O.
Lichtenegg in Österreich) neben
Lichtenecker und Lichtenöcker.
Rauchenegger neb. -ecker. Scheidegger
(Scheidegg in Bayern, Bezirk Lindau).
Steinegger (Steinegg in Baden).
Hohenögger (O. -egg).
-ecker s. Ecke.
Eddeling s. Athal (einst. K.).
Edel- s. Athal (V., einst. K.).
-eder s. Öd.
Edigkaufer s. Hof.
Eebe s. Ebur (einst. K.).

Page 252

Eerkes, Eerts s. Er.
Egbert s. Ag (V.).
Ege s. Ag (einst. K.).
Egel- s. Agil (V., einst. K.).
Egen- s. Agin (V., einst. K.).
Egers, Egert s. Ag (V.).
Egidy s. Aegidius.
Egg- s. Ag (V., einst. K.).
-egg, -egger s. Ecke.
Eginard s. Agin (V.).
Egli s. Agil (einst. K.).
Egloff s. Ag (V.).
Egner s. Agin (V.).
Egold, Egolf, Egts s. Ag (V.).
Ehl- s. 1) Agil (V., einst. K.) 2) Athal (V., einst. K.).
Ehmich s. Irmin.
Ehn- s. Agin (V., einst. K.).
Ehr- s. Er.
Ehren- s. Erin.
Eib- s. 1) Ag (V.) 2) Iw.
Eich III. in ON. von „Eiche“ in kollektivem Sinne =
„Eichwald“: Eich, Aich, -aich.
FN. Eich. von Schönaich. Abl. auf -er (oberd.): Eicher.
Breiteneicher.
Eichhard, Eichert s. Ag (V.).
Eichholtz III. vgl. R. im Eichholtz 1330. Auch häufiger ON.

Page 253

Eichmann III. „der bei einer Eiche wohnt“. Dreieichmann
„der bei den drei Eichen“.
Eick- s. Ag (einst. K.).
Eidam III. nebst Kleineidam. Zu den Verwandtschafts-N.
Eier, Eiert, Eiffert s. Ag (V.).
-eier s. Au.
Eigenbertz s. Agin (V.).
Eik- s. Ag (einst. K.).
Eike III. niederd. „Eiche“, in Eikenkötter, Eickemeyer u. a.
Eil- s. Agil (V., einst. K.).
Eim- s. Ag (V., zweist. K.).
Ein- s. Agin (V., einst. K.).
Einenkel III. ahd. eninchil „Enkel“.
Einerhand III. elliptischer N.: „der mit einer Hand“. (S. 49).
Einsiedel III. ahd. einsidilo, mhd. einsidele „Einsiedler“.
FN. Einsiedel, Einsiedl — auch Einsiedler.
Einspenner III. „der mit e i n e m Pferde fährt.“
Eipeldauer, Eypeltauer III. (Wien) „einer aus Eipoldau“
(Leopoldau).
Eirich s. Ag (V.).
Eis- s. Agis.
Eisen I. s. Isan.
-eisen a) I. entstanden, wohl durch Umdeutung, aus eis
(ahd. izo (S. 23, 34)).
FN. Grimmeisen neben Grimeis (ad. Grimizo).
Grüneisen. Helmeisen (Helmizo). Lotheisen;
Lotheißen (Hlodizo). Notheisen (Notizo). —
Gerdeißen (Gardizo).

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b) III. Zus. mit „Eisen“, Geräte bezeichnend.
FN. Bauerneisen (S. 44). Hufeisen (mhd. huofîsen).
Spereisen.
c) III. in Thurneisen entstellt aus urspr. Thurnhäuser
1220, Thurneyser 1500 (Bacm.).
Eisenblätter III. = Eisenplätter, wie Dratplätter vom
Plattmachen des Drates zwischen zwei stählernen Bolzen.
Eisenhut III. mhd. îsenhuot „Helm“. Niederd. Iserhot.
Eisenmenger III. „Eisenhändler“ (s. Manger).
Eisenreich s. Agis.
Eitze s. Ag (einst. K.).
Elb- s. 1) Alb 2) Athal (V.) 3) Agil (V.).
Elf- s. Alb (V., einst. K.).
Elger- s. Agil (V.).
Elias II. hebr. „mein Gott (ist) Jehova“; der Prophet 1. Kön.
17 ff.
FN. Elias. Patr. Eliassen.
Ell- s. 1) Agil 2) Athal (V., einst. K.).
Ellend III. ahd. alilanti „von der Heimat (dem Lande) fern;
fremd“.
FN. Ellendt — Ehlend.
Eller III. landschaftl. „Erle“ — in Ellerbrock, -busch, -kamp
u. a.
Elp- s. Alb, doch
Elperting s. Athal.
Eltester III. s. S. 48: Eigenschafts-N.
Eltrich s. Ald (V.).
Elven s. Alb (einst. K.).

Page 255

Elwert s. Agil (V.).
Em- s. Ew.
-em s. Heim III.
Emanuel II. hebr. Immanuel „Gott mit uns“ vgl. Jes. 7, 14.
Matth. 1, 23.
FN. Manuel — daraus jüdisch: Mendel mit den patr.
Zss. Mendelssohn; Mendelson.
Emel- s. Amal.
-emer s. Heim III.
Emich, Emmelmann s. Irmin.
Emund, Emons s. Ew.
Ender-, Endr- s. Andreas.
Enet s. Agin (V.).
Eng- s. Ingo.
Engel-, Engl- s. Angil (V., einst. K.).
Enigk, Eneich s. Agin (einst. K.).
Enke a) I. s. Agin (einst. K.). — b) III. ahd. encho „Knecht“,
bes. der dem Großknecht untergeordnete jüngere
Kleinknecht.
Enking, Ennen s. Agin (einst. K.).
Ensle, -in s. Ans (einst. K.).
Ep- s. Ebar.
ER I. ahd. êra, mhd. êre „Ehre“. (Hari Heer spielt hinein, so
daß eine genaue Sonderung sehr schwierig ist).
FN. (Eraberht): Ehrbrecht.
Erhart: Ehrhard — Ehret (bad.) — Erhard. Gen.
Eerts (ostfries.).
Erolt: Erold — Ehrhold.

Page 256

Einstämmige Kürzung Er-.
Ero: Patr. A. Ehring.
Vklf. (l) Eralo: Ehrle. (k) Erico: Ericke; Ehrke.
Gen. Eerkes (ostfries.).
Erasmus II. griech. „der Liebenswürdige“.
FN. Gen. Erasmy.
Mit Kürzung im Anlaut: Rasmus. Patr. Zss. Rasmussen.
— Asmus. Gen. Aßmy. Patr. Zss. Asmussen.
Erb- s. Arb.
Erbsmehl III. deutlicher Name aus der Pflanzenwelt.
Erd- s. Hard (V., einst. K.).
Erfling s. Arb (einst. K.).
Erich s. Ew.
ERIN I. Erweiterung von Er.
FN. (Erinbot): Ehrenbot.
Erindrud: Ehrentraut.
Erinfrid: Ehrenfried.
Erenricus: Ehrenreich — Ernreich.
Ernwin: Ernenwein.
Erkenbrecht s. Arcan.
ERL I. altsächs. erl „Mann“, angels. eorl „Edelmann“,
altnord. iarl Edelmann, Gaugraf.
FN. Erlman: Erlemann.
Erlachar: Erler.
Erliwin: Erlewein — Erlwein — Erlenwein.
Einstämmige Kürzung Erl-.
Erlo: Erle.
Vklf. (k): Erlecke; Erleck.

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Erm- s. Irmin (V., einst. K.).
-ermel III. in Rothermel. Weißermel (Spottname für Müller
(S. 46).
Ern- s. 1) Arin (V., einst. K.) 2) Erin.
Ernest, Ernst- s. Arnust.
Erp- s. Arb.
Ert- s. Hard (V., einst. K.).
Erve s. Arb (einst. K.).
Erxmeyer III. = Erichsmeyer (s. Er).
Erythropel III. Vergriechung aus „Rothenburg“.
Esch- s. Asc.
Esel III. vgl. Lambertus asinus 1136, Berhtold der esel 1297.
FN. Lutenesel (E., der die Laute schlägt). v. Riedesel —
Eselkopf.
Esser III. 1) ein „Vielessender“. Zss. Brodesser. Vgl.
Fresser (Zürich 1839), niederdeutsch Freter 2) „einer aus
Essen“.
-eter, -etter s. Öd.
Eue s. Ew.
Eulenburg, von, früher Eylenburg, Ilenburg, von der Stadt
Eilenburg in Sachsen. (Adelslex.)
Euler III. der „Töpfer“, von aul Topf (aus lat. olla).
FN. Euler. Gen. Eulers. Mit dem n der schwachen
Bildung: Eulner. Zss. Ohlenmacher.
(Vgl. Albrecht Ewlnsmid 15. Jh. Nürnberg; noch
heute begegnen in der Wetterau die EN.
Aulenpfad, Aulenweg u. a. und Eulner gilt
allgem. für Töpfer DW.).
Eupert, Eurich s. Ew.

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Eustachius II. griech. „der Ährenreiche“.
FN. Stach (Stachmann). Vklf. Stachel.
Eustathius II. griech. „der Standhafte, Gesunde“.
FN. Statius. Staats (Staatsmann). Stets. Patr. Zss.
Staassen (fries. Staats VN.).
Euteneuer III. „einer aus Euteneuen“ (Rheinprovinz).
Ever- s. Ebur (V.).
EW I. got. aivs, ahd. êwa, mhd. êwe, ê „uralte Zeit;
altherkömmliches Recht und Gesetz“.
FN. Eubert: Eupert.
Eumund: Emund. Gen. Emundts; Emons.
Euarix: Eurich — Erich (doch s. auch Er).
Ewald: Ewald. Gen. Ewolds.
Einstämmige Kürzung Ew-.
Ewo, Euo: Ewe — Eue. Gen. Ewes — Euen.
Ew- s. 1) Ebur 2) Ew.
Exner s. Ochsner.
Exter III. aus Agelster, ahd. agalastra „Elster“. Auch wohl in
Exernbrink („Elsternbrink“).
Ey- s. Ag (V., einst. K.).
-eyer s. Au.
Eyl- s. Agil (V., einst. K.).
Eymeß s. Ag (zweist. K.).
Eyßen- s. Isan.

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F.
Faber III. Latinisierung für Schmid.
FN. Faber. Gen. Fabri. Patronymisch weiter gebildet:
Fabricius (um dadurch in die Namenverwandtschaft
dieses berühmten altrömischen Geschlechts
hineinzukommen — so Magister Phil. Fabricius, der
1561 als Zeuge unterzeichnet: D. philips Smidt, s.
Gesch. des Gymnas. zu Dortmund Progr. 1875 S. 5)
— daraus verkürzt: Fabriz.
Fabianus II. christlicher Märtyrer unter dem röm. Kaiser
Decius.
FN. Fabian — Fabigan — auch Pfabian (Wien). Gen.
Fabiani.
Fabri, Fabricius s. Faber.
Fach-, Fack- s. Fag.
FAG I. mit der Erweiterung Fagin zu got. fahêds „Freude“,
got. und ahd. faginôn sich freuen.
FN. (Faghard): Fackert.
Fagenold: Gen. Feinholtz.
Einstämmige Kürzung Fag-.
Facho: Fache; Fach (Fachmann) — Vack.
Fahland III. mhd. vâlant der „Teufel“, auch von Menschen
gebraucht; so wird der wilde Hagen des Gudrunliedes
„Vâlant aller künege“ genannt.
FN. Fahland, Valand — Vohland — Volland.
Fahlen III. niederd. „Füllen“ — in Fahlenkamp —
Vahlbruch, Fahlbusch, -kampf, -teich.

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Fähnrich III. urspr. der „Fahnenträger“.
FN. Fähnrich; Fähndrich — Fenrich.
Fahr- s. Far.
Fahre III. niederd. „Föhre“ — in Fahrenbruch, Fahrendorf,
Fahrenhorst, Fahrenkamp, Fahrenkrug — Fahrenbauer.
Fährmann a) I. s. Far b) III. „Fährmann, Ferge“.
Fait, Faith s. Wid (einst. K.).
Faichner s. Falkner.
Fälgenmacher s. Felgenhauer.
Falke III. ahd. falco, falcho, mhd. valke, der „Falk“, beliebt
in der ritterlichen Zeit als Stoßvogel auf der Jagd, bes. der
Reiherbeize; in der mhd. Dichtung ein Bild des Geliebten.
FN. Falke; Falk. Zss. Güldenfalk. Praunfalk.
Falkner III. mhd. valkenaere „der Falken abrichtet“, bes.
zur Reiherbeize.
FN. Falkner; oberd. Falchner. Mit Umlaut Felkner.
Fallmerayer III. von dem ehemals romanischen Hofe
Valmarei (vallis Mariae), der früher im Besitze der
Familie war (Steub).
-fänger III. in mehreren Zss.: Aalfänger. Bärenfänger.
FAR I. zu dem burgund. und langobard. fara, angels. faru
„Geschlecht, Familie“.
FN. Faraman: Fährmann, Fehrmann.
Einst. Kürzung Faro: Fahre — Fehre. Gen. Vehrens.
Patr. A. Fehring. Zss. Fehrensen.
Vklf. (l): Fehrle. Patr. A. Ferling. (k) Farago:
Farrach — Fahrke.
Farrach s. Far.
Faßbänder s. Binder.
Faßhauer s. -hauer.

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Faßlabend III. zu den Zeitnamen gehörig. Petrus
Fastelavent 1561. So auch Faßnacht vgl. Ulrich Vaznacht
1367; mhd. vastnaht und vasnaht der Vorabend vor den
großen Fasten.
Fäßler III. „Faßbinder“.
FAST I. ahd. fasti, mhd. veste „fest, standhaft“.
Fastheri: Faster. Patr. A. Vesterling.
Fastman: Fastmann.
Fastrad: Fastert.
Fastrih: Fastrich.
Fastwig: Vestewieg.
Einstämmige Kürzung Fast-.
(Fasto): Fast — Fest — Föste. Patr. A. Fasting —
Festing.
Vklf. (l): Fastl (bayr.). (k): Fastje (fries. Oldenb.).
Fauk s. Fulc (einst. K.).
Faust II. III. a) lat. Faustus „der Glückliche“ b) das
Körperglied. Peyne mit der Vust 1366 (Drübeck).
Fechner III. der mit „Fech“, mhd. vêch buntem Pelzwerk,
bes. Hermelin, handelt.
Fedd- s. Frith (V., einst. K.).
Federwisch III. ein bis ins 13. Jh. zurückgehender N.
(Embricho Federwisch 1213) = Gosewisch.
Fegebank III. Satz-N. „einer, der nicht stillsitzen kann.“
Feghelm III. „Waffenschmied“.
Fehr- s. Far.
Feichte ahd. fiehta „Fichte“, in Feichtmayr.
Feierabend III. Zeitname; Jac. Firabend 1313.
Feig- s. Frith (einst. K.).

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Feinaigle III. „Feinäuglein“, mit schönen Augen (schwäb.
Fröhn.).
Feinholtz s. Fag.
Feith s. Wid (einst. K.).
Feld III. ahd. feld, mhd. velt „freies, flaches, unbewaldetes
Land; bebauter Acker“. Ist Asfeld bei Paulus Diaconus (I,
20) wirklich aus dem 5. Jh. überliefert, so gehört -feld zu
den ältesten deutschen Ausgängen in ON.; das 8. Jh. bietet
schon eine große Menge.
Mit dativischer Ellipse alt -felda, -feldum, neu -felde, -
felden; doch dieses e des Sing. fällt in FN. fast immer ab,
ebenso wie in -berge.
FN. von Beerfelde. — Hirschfeld (O. Hirschfeld und -
felde). Lichterfeld (O. Lichterfeld und -felde).
Steinfeld. von Winterfeld. Marienfeldt (O. meist -
felde). Mucksfeldt (O. Muggesfelde in Holstein).
Neufeldt. v. Meerveldt. Staffeldt.
Ableitung auf -er (oberd.):
1) Hirschfelder. Obstfelder. Schönfelder.
Schwengfelder. Weidenfelder.
2) Feldner. Seefeldner (O. -felden).
3) Fellner (O. Felden). Langfelner (O. -
felden). Leinfellner (O. -felden)
Neufellner (O. -felden).
Felgenhauer III. mhd. velgenhouwer „der die Radfelgen
zuhaut“, Radmacher, Wagner.
Felkner s. Falkner.
Fels III. ahd. fels, mhd. vels, in alten N. wie Rotenvels weit
seltener als -stein; neue N. wie Drachenfels, Weißenfels
verhältnismäßig häufiger.
FN. Fels (vgl. franz. La Roche). Hartenfels.
Lichtenfels. Neuenfels.

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Ableitung auf -er (oberd.):
Dannenfelser. Steinfelser.
Felsch s. Fulc (einst. K.).
Felten s. Valentin.
Femmer s. Frith (V.).
Fend III. ahd. fendo, mhd. vende „Fußknecht“. Rudolfus
dictus Vende.
FN. Fendt. Fent. Zss. Grotefend.
Fenner III. mhd. venre, verkürzt aus vanaere, ahd. fanâri
„Fähnrich“.
Fenrich s. Fähnrich.
Ferber s. Färber.
Ferd- s. Frith (V.).
Ferg III. ahd. farjo, mhd. verge „der Ferge“ d. i. Fährmann.
FN. Ferg — Förg, Vörg.
Ferling s. Far.
Fernand s. Frith (V.).
Fernkorn III. „altes Korn“ (vgl. Firnhaber).
Fesenbeck III. der aus „Fese“ d. i. Spelt backt.
Fetkenheuer s. Pfettenhauer.
Fett- s. Frith (einst. K.).
Fetthake III. zu den Küchengeräten s. S. 44.
Feuchtner s. Fichtner.
Feuerrohr III. (S. 45).
Feuerstacke III. „Feuerstange“ zum Einreißen und
Wegziehen brennender Balken. Niederd. Fürstake 1484.
Fichtner III. „einer aus Fichten“ (Bayern, Österr.).
Feuchtner (O. Feuchten). Feichtner (Österr.). Vom mhd.

Page 264

viehte „Fichte“.
Fick s. Frith (einst. K.).
Fidicin III. abgekürzt aus fidicinus, einer Weiterbildung des
lat. fidicen „Lautenschläger“.
Fidrich s. Frith (V.).
Fiedler III. mhd. videlaere „der Geiger“.
FN. Fiedeler; Fiedler, selten Viedler.
Fieg-, Fietz, Figge s. Frith (einst. K.).
FIL I. got. ahd. filu, mhd. vil „viel“, vgl. manag.
FN. Filibert: Filbert — Vielbert.
Filiman: Fillmann — Fielmann.
Filmar: Vilmar — Fillmer.
Filter III. niederd. „Filzer, Hutmacher“.
Fimmen s. Frith (zweist. K.).
Findekeller III. Satz-N.: einer, der den Keller zu finden
weiß, ein guter „Zechbruder“ (S. 52).
Findeklee III. Satzname: glücklicher Finder von
(vierblättrigem) Klee.
Finger III. s. S. 49.
Vklf. Fingerlin (schwäb.); Fingerli (schweiz.).
Fingerhuth III. der „mit dem Fingerhut“, etwa = Schneider.
Finke III. ahd. finco, mhd. vinke der „Fink“, ein lustiger
Mensch.
FN. Finke, Vincke; Finckh. Fink von Finkenstein.
Finkennest (O. in Sachsen).
Finkler III. der „Finkler“ d. i. Vogelfänger, von finkeln
Finken, dann allg. Vögel fangen.
Firnhaber III. „alter Hafer“, vom ahd. firni, mhd. virne alt
(wie auch in „Firnewein“).

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Fisch III. Auch in mannigfachen Zss.: Backfisch = Bratfisch.
Buckfisch (vgl. Bückling, gepökelter Fisch). Faulfisch.
Maifisch. Seefisch. Vklf. Fischli; Fischlein.
Fischer III. ahd. fiskâri, mhd. vischaere.
FN. Fischer, Vischer. Gen. Fischers (niederrhein.).
Zss.: Deichfischer; Teichfischer. Hechtfischer. —
Fischermanns (Gladbach).
Friesisch: Fisser, Visser (vgl. holländ. Visser) — auf
Norderney sehr häufig.
Fischhaber III. „einer aus Fischau“ — (alt Fischhauer und
Fischower Buck).
Fischnaller III. (romanisch-deutsch) „einer aus Vischinal“
(vicinala „Gemeinweide“).
Fisser s. Fischer.
Fittighauer s. Pfettenhauer.
Fitz- s. Frith (einst. K.).
Flachsmann III. „Flachsbauer, -händler“. Niederd.
Flaßmann.
Flacke s. Flad.
FLAD I. mhd. vlât „Sauberkeit, Reinheit, Glanz“ (vgl. den
Gegensatz im Nhd. „Unflat“). Fladebert 7. u. a.
FN. (Fladerich): Fladerich — Flädrich.
Einst. Kürzung: Flade — Flatt. Gen. Flatten. Patr. A.
Fladung.
Vklf. (k): Flacke — Flege (Preuß).
Flammenkamp III. 1517 Hermann im Flamenkampe
(niederländische Ansiedelung Preuß 33).
Flas III. niederd. „Flachs“ — in Zss. wie Flashaar —
Flaßkamp; Flaßdieck.
Flatt- s. Flad.

Page 266

Flege s. Flad.
Fleisch III. In mehrfachen Zss. (vgl. Eggihart Sulzeflaiske
1180): Gensfleisch (der ursprüngliche FN. Gutenbergs).
Kalbfleisch. Jungfleisch. Klopffleisch. Rindfleisch (vgl.
ital. Delmanzo). Sötefleisch (niederd. = Süßfleisch).
Fleischhacker, Fleischhauer III. = „Fleischer“.
Fleischfresser III. Spottname, der Seitenstücke findet in
Brodesser und Holtfreter „Holzfresser“. Auch Verkenesser
in Kölner Urkunden.
Fleischmann III. „Fleischverkäufer“. Vergriecht Sarkander.
Flemisch III. „ein Vlame“.
Flemming III. mhd. Vlaeming ein „Flamänder, Vlame“.
FN. Flemming; Flemmig.
-fleth s. Fließ.
Fleuchaus III. Satz-N. „flieh aus“ (wohl urspr. Fleugaus).
Fleugimtanz III. Satz-N. „flieg im Tanz“, ein flotter Tänzer.
Fliedner III. „einer aus Flieden“ (in Hessen).
Fliegauf III. Satz-N. Ähnlich Fliegaus (der immer
„ausfliegt“?). Fleuchaus; Fleichaus.
Fließ III. mhd. vlieȥ, altfries. flet (niederl. fleete) „Bach“.
Hochdeutsch Fließ, -fließ, doch vorherrschend in niederd.
Gestalt: Fleeth, -fleth (bes. an Elb- und Weser-Mündung).
FN. Schönflies. Niederd. Bardenfleth; daraus entstellt
Bahnfleth, Bornfleth (S. 87). Stockfleth (ehem. O.
Stocflethe in der Wilstermarsch).
FLOD I. mundartliche Nebenf. von Hlod (Stark 15. 56).
FN. Flothar: Floder — Fluder — Flöter.
Patr. A. Floderer.
Flodomar: Flömer.
Einstämmige Kürzung Flod-.

Page 267

(Flodo): Flude.
Vklf. (k): Flöck. (k + n): Flötgen.
Flohrschütz s. Flurschütz.
Florus II. lat. „blühend“. Schon ins Altdeutsche
aufgenommen, wo sich Florebert u. a. findet.
FN. Flohr. Patr. A. Flöring.
Vklf. (l): Flörl. (k): Flöricke; Flörke.
Von Florus abgeleitet Florianus, dah. FN.: Florian.
Flüh III. ahd. fluoh, mhd. vluo „Felswand“, Fluh (schweiz.).
Niklas von der Flühe.
FN. Zurflüh (schweiz.). Fluhmann — Flühmann.
Flurschütz III. mhd. vluorschütze „der Feldhüter“.
FN. Flurschütz — Flohrschütz.
Fobbe s. Fulc (zweist. K.).
Fock-, Föck- s. Fulc (einst. K.).
Fokes s. Fulc (einst. K.).
Fol-, Föl- s. Fulc (V., einst. K.).
Fopp- s. Fulc (zweist. K.).
-förde s. Furt.
Förg s. Ferg.
Förster III. ahd. forstâri, mhd. vorstaere „Aufseher,
Verwalter“ der Forst.
FN. Förster — Ferster (österr.). Zss. Holzförster.
Waldförster. Wildförster (Wolfram wiltforstere
1211).
Ohne Umlaut (wie noch heutzutage in Schwaben und
Bayern „der Forster“): Forster, Vorster.
Mit dem n der schwachen Bildung Förstner; Forstner.
Forstmann III. = Förster.

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Föse s. Funs.
Foss s. Fuchs.
Föste s. Fast.
Foth s. Fuß.
Fräd- s. Frith (V.).
Frahn- s. Fraw.
FRANC I. zum Volksnamen der „Franken“; (ahd. Franko,
mhd. Vranke) gehörig. Dieser Volksstamm wiederum ist
nach (ahd. francho), angels. franca, altnord. frakke
„Wurfspieß“ genannt. Francobert 8., Francard 6.
FN. (Francolf): Frankloff.
Einstämmige Kürzung Franc-.
Franco, Frenko: Franke; Franck — Frenk. Gen.
Franken — Frenken (niederrhein.). Patr. A.
Frenking. Patr. Zss. Franksen.
Vklf. (l): Frankl — Frenkel. (l + n) Francolin:
Franklin.
Franciscus II. latinis. aus dem Vorigen; der h. Franciscus
von Assisi.
FN. Franz (Zss. Franzmann und Schäferfranz —
Franzmeyer) — Frentze. Gen. Franzen (niederrhein.)
— Frentzen. Patr. Zss. Frenssen. Wieder latinis.:
Frantzius.
Vklf. (l): Frenzel (Zss. Mühlfrenzel). Latinis.
Frenzelius. (z + l): Franzelin. (k): Franzke.
Frank- a) I. s. Franc. — b) III. als N. des Stammes vgl.
„Bentz der frank“ 1373.
Franz- s. Franciscus.
Fraß III. mhd. vrâz ein „Fresser, Schlemmer“, so Heinrich
der Fraz 1292 (Bacm.), s. S. 48. Johann Hambsterfraß,
Hans Ziegenfraß 16. Jh.

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Fraude s. Frod.
Frauer s. Fraw.
Frautz s. Frod.
FRAW I. in der Hauptsache zu got. frauja, ahd. frô „Herr“,
frôwa „Herrin, Frau“, bes. in ihrer mythologischen
Beziehung auf Fro und Frouwa — weniger zum Eigensch.
frô „froh“.
FN. Frawipreht: Frobarth.
(Frawiher): Frauer — Freuer.
Frauirat: Frorath.
Frorich: Froreich.
Frowin: Frohwein.
Mit dem durch n erweiterten Stamme (vgl. Frowinlint
u. a. Först. S. 417). (Frowinhart): Frahnert —
Frohnert.
Einst. Kürzung: Frohne — Frahne (niederd.). Patr. A.
Froning — Fröhning.
Vklf. (k): Frohncke.
Fred-, Freed-, Freel- s. Frith (V., einst. K.).
Freerks s. Frith (V.).
Freier, Freiert s. Fri.
Freimann III. mhd. vrîman 1) ein „Freigelassener“, libertus
2) „Freiknecht“, carnifex.
Freischmidt III. ein „unzünftiger Schmied“, wie
„Freifleischer“, „Freischuster“ (DW.), ferner
„Freischlächter“, „Freischneider“ (KB.).
Freitag III. schon 1197 Sifridus Vrietak s. Tag. (Doch findet
sich schon ahd. Frittag, zu Frith gehörig.)
Als FN. meist Freytag. Niederd. Friedag.
Frenk- s. Franc.

Page 270

Frenssen, Frenz- s. Franciscus.
Frer- s. Frith (V.).
Fressenteufel III. Satz-N.: „friß den Teufel“. Vretenduvel
1383 Gött. Urk.-Buch. (S. 52).
Freuer s. Fraw.
Freund I. III. schon im 8. Jh. Friunt. Niederdeutsch Fründt.
Zss. Bierfreund. Tausendfreund. (Vgl. franz. Bonami).
Frevert s. Frith.
Frey- s. Fri.
FRI I. got. freis, ahd. frî, mhd. vrî „frei“.
FN. Friard: Freiert.
Friher: Freier, Freyer.
(Friolt): Freyhold.
Einstämmige Kürzung: Frey.
FRIAS I. zu dem Volksnamen der „Friesen“. Friskaer,
Fresger 9.
FN. Friaso: Friese; Fries — Frese — Freise. Gen.
Friesen (doch auch ahd. Friasini) — Fresen (lat.
Fresenius) — Freisen. Patr. A. Friesenga (ostfries.).
Vklf. (k): Friesicke.
Frick- s. Frith (V., einst. K.).
Frieb- s. Frith (zweist. K.).
Fried- s. Frith (V., einst. K.).
Friel s. Frith (einst. K.).
Fries a) I. s. Frias b) III. deutlich in de Fries, de Vries.
Frille s. Frith (einst. K.).
Frimmer s. Frith (V.).
Frischauf III. Satz-N.

Page 271

Frischmuth III. s. S. 48.
FRITH I. ahd. fridu, mhd. vride, altsächs. frithu „Friede“,
bes. in dem Sinne von „Sicherheit, Schutz“. Nachweislich
in N. seit dem 4. Jh. (Gotenfürst Frithigern).
FN. Frithuger: Fricker.
Fridehere: Frieder — Fräder — Fedder (Jever).
Gen. Frieders. Patr. A. Frederling. Patr. Zss.
Feddersen (Hamb.). Verkleinert: Feddercke.
Friduleib: Friedlieb.
Fridumar: Frimmer — Femmer (fries.).
Fridenand: Ferdinand — Fernand (wenn nicht zu
Fart).
Frithuric (seit 5. Jh.): Friederich; Friedrich —
Fräderich — Fredereck — Frerick (westf.) —
Frerichmann — Fidrich. Gen. Fried(e)richs —
Frerichs. — Frericks (Papenburg). — Latinis.
Friederici. Patr. A. Frederking — Frerking. Patr.
Zss. Friedrichsen — Freerksen.
Fridwald: Friedewald; Friedewold.
Frithuward: Frevert (Preuß 5).
Friduwin: Friedwein.
Fridulf: Gen. Freelfs (ostfries.).
Einstämmige Kürzung Frith-.
Frido, Feddo (aus Ferdo s. Stark 27): Friede —
Frede — Fedde (Oldenb.) — Fette. Gen. Frieden.
Patr. A. Freding — Fitting.
Vklf. (l) Fridilo, Frillo: Friedel; Friedle — Frille
— Friel. Gen. Freels. (l + n) Fridulin: Friedlein.
(k) Frideco, Fricco, Feddeco, Ficcho: Fredike
— Fricke (lat. Friccius) — Fettke — Ficke
(häufiger VN. Klemp.) — Vieck — Figge —
Fiege — Feige. Gen. Ficken. (k + l): Frickel —
Fickel — Fiegel — Feigl. (z) Frithezo: Fritze;

Page 272

Fritz (Zss. Langfritz) — Fritsche; Fritschi
(schweiz.) — Fitze — Fietz. Gen. Fritzen —
Fritschen — Fitzen. (z + l): Fritzel. (z + k):
Fritzke — Fitzke.
Zweistämmige Kürzung Frithb-.
(Fribo): Friebe; Frieb.
Vklf. (l): Friebel. (k): Fiebig.
Zweistämmige Kürzung Frithm-.
Gen. Fimmen (Jever).
Auslautend (220 mal Först.).
-fried: Siegfried. Gen. -fritz (st. frids): Seifritz.
-fert: Siefert. Gen. -ferts: Nieferz.
-fart: Seifart. Herrfahrdt. Gen. -fartz: Hoffartz.
-fer: Diefer.
Fritsch-, Fritz- s. Frith (einst. K.).
Frobarth s. Fraw.
Froböß s. Frühbuß.
FROD I. got. frôds, ahd. fruot, mhd. vruot, altsächs. frôd
(lat. prudens) „verständig, weise“.
FN. Frothar: Frodermann.
Frodrich: Frödrich.
Frodulf: Froloff.
Einstämmige Kürzung Fruoto: Frohde — Fröde —
Fruth — Fraude. Gen. Frödden.
Vklf. (l): Frodl. Gen. Fröhls. (k): Frutig. (z):
Frutz — Frautz.
Fröd-, Frohde s. Frod.
Fröhlich a) I. s. Frod (Vrolicus VN. Klemp.) b) III. schon
1373 der frölich.
Fröhls s. Frod.

Page 273

Frohm-, From-, Fröm- s. Frum.
Frohn-, Froning, Frohwein s. Fraw.
Frommann a) I. s. Frum b) III. mhd. vrumman
„Ehrenmann, Biedermann“.
Frosch III. ahd. frosc, mhd. vrosch zu den Tiernamen.
Früchtenicht III. Satz-N. „fürchte nichts“.
Frühbuß III. O. Frühbuß in Böhmen, Friebus in Böhmen
und Sachsen.
FN. Frühbuß — Froböß.
FRUM I. ahd. mhd. frum „fromm“, d. i. „tüchtig, wacker“,
ahd. fruma das „Frommen“.
FN. (Frumihard): Frommert.
Frumiher: Frommer.
Frumirih: Frömmerich.
Frumold: Frommelt; Frommhold — Frömmelt. Gen.
Frommholz.
Einstämmige Kürzung frum-.
Frumm — Fromme; Fromm — Frohme. Patr. A.
Fruming: Frömming.
Vklf. (l): Frommel — Frömmel — Frömel. (k):
Fromke — Frömcke.
Fründt s. Freund.
Frut- s. Frod.
Fuchs III. meist nach der Farbe des Haares; so wird in der
Lübecker Bürgerrolle für das J. 1322 der eine von zwei
Brüdern Richard Vos, der andere Johannes de rode
genannt, offenbar nach derselben Ursache. Peter der fuhs
1360. Emercho dictus de Jungefos 1298.
FN. Fuchs, Fux — latinis. Fuchsius (daher die Blume
Fuchsie) und Vulpius. Verkleinert: Füchsel.

Page 274

Zss. Rotfuchs. Sandfuchs. Schreckenfuchs (imperat.).
Niederd. de Vos; Voß, Foß. Gen. Vossen
(niederrhein.). Patr. A. Vössing. Zss. Rothfos —
Sandvoß. Voszal, (vgl. Jäck fuchsschwantz 1466
Bacm.). — Voßwinkel.
Fuck- s. Fulc (V.).
-fues s. Fuß.
Fuglsang s. Vogelsang.
Fuhrmann III. Auch Gen. Fuhrmanns (niederrhein.).
Fuhse s. Funs.
Ful- s. Fulk (V.).
FULC I. ahd. folc, folch, mhd. volc „Volk“ (Kriegsvolk).
FN. Folcberaht: Fulbrecht; Fulpracht — Volbrecht;
Volprecht; Volbert; Vollbracht; Vollborth; Vollbrod;
Vollbehr — Völber. Gen. Volbers — Folpts (ostfries.
Rup. 7: Folpt = Volcbert). Patr. A. Vollbring;
Vollbeding.
Fulbrand: Volbrand.
Folhker: Volger.
Fulchard: Fuckart — Volkhart; Volckardt; Volkert —
Folchert — Folgert — Volhardt; Vollard; Vollert.
Gen. Folkerts.
Fulchar: Volcker — Völcker — Föller. Gen. Folkers
— Völkers — Vollers. Patr. A. Völkerling.
Folcleih: Volley.
Folcman: Volkmann.
Folcmar: Volkmar; Volkmer — Vollmar; Folmer —
Föllmer. Patr. A. Vollmering.
Folmuot: Volkmuth — Vollmuth.
Folcnand: Volkenand.
Fulcrad: Vollrath; Vollrad.

Page 275

Fulcrich: Gen. Folrichs.
Fulcuald, Volcold: Vollgold — Volkelt. Gen.
Volkholtz.
Folcward: Volkwarth; Volquardt. Gen. Vollquards,
Vollquarz. Patr. Zss. Volquardsen (schlesw.).
Folcwin: Folkwein.
Folculf: Gen. Fulfs (ostfries.).
Einstämmige Kürzung Fulc-.
Fulco, Focko: Volke; Volk — Folg — Völk — Voll —
Föll — Vocke; Fock — Fauk. Gen. Volkens —
Fölks — Fokes (ostfries.) — Fockena (ostfries.).
Patr. A. Fölling — Föcking — Fockenga
(ostfries.).
Vklf. (l): Fölkel; Völkle — Föckel. (l + n):
Völklein. (z) Folzo: Volz — Fölz. (z + l): Völzel.
(z + k): Völzke (daraus Fölsch, Felsch in
Pomm.).
Zweistämmige Kürzung Fulcb-.
Foppo: Fobbe — Fopp. Gen. Foppen.
Zweistämmige Kürzung Fulcm-.
Fulmo: Völm.
Vklf. (l): Völmle. (k): Völlmicke.
Füllekrus III. Satz-N. „fülle den Krug“ (s. Kraus); auch
Füllkruß.
Fullgraf = Vollgraff s. Graf.
Füllkrug III. Satz-N. „fülle den Krug“ (s. Füllekrus).
FUNS I. ahd. funs, altsächs., altfries. fûs „bereit, willig“
(vgl. Alfons).
FN. Einst. Kürzung Fuso: Fuhse — Föse. Gen. Fusen.
Auslautend (14 mal Först.):

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-fus (Arifus 8., Garifus), umgedeutet in -fuß: Siefuß
(Sigifuns). Beilfuß (Bilifuns?). Gailfuß (Gailfuns).
Heidfuß; Heitefuß (Heidfuns?). Pernfuß
(Bernefuns).
Fürbringer III. der eine Sache vorbringt, „Rechtsanwalt“.
Fürchtegott III. Satz-N. „fürchte Gott!“ Auch Förchtegott.
Fürchtenicht III. Satz-N. „fürchte nichts“. Niederd.
Früchtenicht (Hamburg).
Furt III. ahd. furt, mhd. vurt „Furt, Bahn“.
In ON. Furth, -furt, -forth — niederd. -ford, -forde, -
förde.
FN. 1) Steinfurt. Dittfurth. Herfurth.
Schweinfurth. Erfurdt.
2) Haßforth (O. -furt). Reckforth. Sandfort.
Steinforth.
3) Herford.
4) v. Beverförde. Böckenförde.
Ableitung auf -er (oberd.): Weinfurter. Hasenforter.
Fusen s. Funs.
Fuß a) I. von Funs, woher der altd. PN. Fuso — namentlich
in den Zss. Gailfuß, Siefuß u. a. (s. Funs).
Umdeutung aus latinisierten N.: Dolfus aus Dolf, Abkürzung
für Adolf (als PN. in Köln Dolfes, s. Andresen S. 23),
dann Dollfuß geschrieben. Ebenso Rolfus, Rollfuß aus
Rudolf zsgz. Rolf.
b) III. den Körperteil bezeichnend, vgl. Otto Vuoz 1212.
Vklf. (l): Füßel; Fuißel (Wien). Füßli (schweiz.) und
Füeslin (oder zu a) gehörig?).
Bes. in vielen Zss. Barfuß (niederd. Barfot, Barfft 1511
Klemp.). Blaufuß. Breitfuß (vgl. Henricus dict. Breytfuz
1306). Gelbfuß. Großfuß. Gugelfuß (württ). Holzfuß.
Kaulfuß. Krumfuß. Leichtfuß, halbniederd. Lichtfuß.

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Platzfuß. Rauchfuß, halbniederd. Ruhfuß. Scharrfuß.
Schmalfuß. Schneefuß. Schönfuß. — Niederd. Kliefoth.
Stolterfoth. Holtfoeth (oe = ô Viersen).
Sehr häufig sind Zss. mit T i e rnamen, wie schon im J. 1212
Hartlieb Gensevuz:
Hasenfues (vgl. das Appellat. „Hasenfuß“). Hühnerfuß.
Kalbfus. Kranefuß; Krohnfuß. Kuhfuß; Kühfuß (eine
württ. Familie d. N. ließ sich vor 30 J. in Reiff umtaufen).
Lammsfuß. Muckenfuß, Muggenfuß. Rehfues (wohl wegen
der Zierlichkeit). Rindsfuß. Schweinefuß. Ziegenfuß.
Imperativisch: Regenfuß. Streckfuß.

Fütterer III. mhd. fuoteraere „Futterhändler“, (in Halle
früher eine besondere Zunft bildend. Kleemann.)

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G.
Gaab s. Gab.
GAB, GIB I. got. giban, angels. gifan, ahd. kepan, mhd.
geben „geben“. Freigebigkeit, bes. auch als
Gastfreundschaft, ein schöner Zug des altgermanischen
Lebens.
FN. (Gebeberaht): Gabrecht.
Gibfrid: Giebfried — Gepfert — Geffert. Gen.
Giefers — Geffers.
Gebahard: Gebhard — Gebert Geppert — Gewert
— Giebert — Kiepert — Gippert. Patr. A.
Geberding — Gebhardter (Wien).
Gibaheri: Geber — Keber. Gen. Gebbers — Gevers.
Geberad: Gebrat.
Giperich: Gipperich.
Gebald: Gabold — Gebelt — Geppelt.
Einstämmige Kürzung Gab-.
Gabe, Gebo, Gibo: Gabe — Jaap — Gabbe — Gapp
— Gebbe — Geeb — Gewe — Giebe — Kiepe —
Jipp — Kipp. Gen. Jabes — Jabben — Keben —
Jebens — Jippen. Patr. A. Japping — Giebing.
Vklf. (i) Gebi: Giffey. (l): Gabel — Gäbele;
Gebell — Geppel — Giebel. (l + n): Gäbelein.
(k): Gabcke — Gebecke — Gewecke — Geffke
— Kiepke. Gen. Gebken — Geffken.
Gab-, Gäb- s. Gab (V., einst. K.).
Gabbe s. Gab (einst. K.).

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Gaberler südd. Patronym. von Gabriel.
Gade, Gäd- s. God (einst. K.).
Gafner III. ein berner Geschlecht = „Hüttenmann“, vgl. in
Wallis das Geschlecht zen Gafinen „bei den Hütten“ aus
capanna, in der lingua rustica = Bauernhütte, Sennhütte
— dah. franz. cabane, engl. cabine (Gatschet,
Ortsetymolog. Forschungen).
GAID I. langobard. gaida, angels. gâdu „Lanzenspitze.“
FN. Gaiduald: Keudell — Keutel.
Einstämmige Kürzung Gaid-.
Gaido: Geide — Geith — Keith.
Vklf. (z): Keitz.
Zweistämmige Kürzung Gaidb-.
(Geibo): Geib. Vklf. (l): Geibel — Keibel. (Oder zu
Gib.)
Zweistämmige Kürzung Gaidm-.
(Geimo): Geim (Vklf.) (k): Geimecke.
GAIL I. ahd. gail, keil, mhd. geil „mutwillig, übermütig,
lustig“ (Stammwort für ital. gala, franz. galon Borte und
galant).
FN. Geilhard: Keilert — Geiler, Gayler.
Einstämmige Kürzung Geil-.
Gailo, Keilo, Gelo: Gayle; Geil — Keil — Gehl —
Jehle. Patr. A. Keiling.
Gailin: Gehlen.
Vklf. (k): Geilich — Keilig.
Gaißer III. ahd. geiȥâri „Ziegenhirt“.
Gallus II. lat. der „Gallier“; d. h. Gallus, Irländer von
Geburt, Gründer der Abtei St. Gallen in der Schweiz, gest.
646.
FN. Galle; Gall.

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GAMAL I. zu nord. gamal, angels. gamol „alt“.
FN. Gamalheri: Gammler — Kammler — Kämmler.
Einstämmige Kürzung Gamal-.
(Gamalo): Gammel — Kammel.
Gambsjäger III. süddeutsch „Gemsenjäger“.
GAND I. vielleicht auf altnord. gandr „Werwolf“ zu
beziehen.
FN. Ganthar: Ganter — Genther. Gen. Genters.
Gandaricus: Gandrich — Genderich — Gennerich
— Jennrich.
Gandulf: Gandolf.
Einstämmige Kürzung Gand-.
Ganto, Canto, Gento: Gante — Kant — Jentho —
Genthe (Gentemann).
Vklf. (l) Cantulo: Gendele — Gentel — Kentel.
(k): Gantke. (z): Gantz — Kantz — Genz —
Gentzsch. Patr. Zss. Genzensohn. (z + l): Ganzel
— Gentzel — Gensel. (z + k): Ganzke.
Zweistämmige Kürzung Gandb-.
(Gampo): Gamp.
Vklf. (l): Gempel.
GANG I. zu got. gaggan, ahd. gangan „gehen“, angels.
gang, altnord. gangr „heftiger Andrang, Ansturm“.
FN. Gangerih: Gengerich.
Gangulf: Gangwolf — Gangeloff; Gangloff;
Gangauf.
Einstämmige Kürzung Gang-.
Gange: Genge; Gäng.
Vklf. (i) Gangi: Gangei. (l): Gangel.
Auslautend (10 mal Först.).

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-gang: Wittgang.
Gans III. zu den Tiernamen. Frideric. cognom. Bradegans
13. Jh. Klempin: Valegoeß.
FN. Gans. — Riedgans. Schneegans. Wildegans. —
Gänswürger.
Gant- s. Gand.
Gantenbrink III. der „Gänserichsbrink“, vom niederd.
Gant, ahd. ganazo. mhd. ganze Gänserich.
Gantz-, Ganz- s. Gand.
Gapp- s. Gab (einst. K.).
GAR I. ahd. kêr, gêr, mhd. gêr, angels. gâr „Ger,
Wurfspeer“.
FN. Garibald: Gerbald; Gerbet; Gerbel.
Garibert: Garber — Gerbracht; Gerbert. Gen.
Garbers. Patr. A. Gerberding.
Gerbodo: Garbade — Gerbode; Gerboth; Gerpott.
Gerbrand: Gerbrandt. Gen. Garbrands.
Garehard: Gerhard; Gerard — Görhardt — zsgz.
Gehret; Gehrt (Geertmann). Gen. Gerhards;
Gerards — Gerdes — Geerdts — Gerriets (fries.).
Zss. Gerdesmeyer. Patr. A. Gerding. Patr. Zss.
Gerdsen (ostfries.) — Gerritzen (Kleve) —
Görritzen (schlesw.) — Geertsema; Gerzema;
Gersema (ostfries.).
Gerland: Gerland.
Gerleip: Garlepp; Garleb; Garlipp — Karlipp —
umgedeutet Garlieb.
Gerolah (s. Laic): Garlich; Garlach; Garlei —
Gerlich; Gerlach — Görlich; Görlach. Gen.
Görlichs. Patr. A. Gerlacher.
Garaman: Garmann — Karmann — Gehrmann —
Germann — Jerrmann.

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Garimar: Garmer — Jarmer — Germar; Germer.
Gen. Garmers.
Germuot: Jarmuth. Vklf. Germotl (Gottschee).
Garimund: Germund.
Gernand: Gernant — Görnandt.
Gernot: Gernoth.
Garivald: Gerold; Gerhold — Jerrold — zsgz. Gerlt
— Göraldt. Gen. Garrelts (ostfries.) — Gerholz
— Gerrelts.
Gerawig: Gerwig.
Garuin: Gerwin (lat. Gervinus); Jerwien — Kerwien.
Garulf: Garleff — Karlauf — Gerloff; Gerlhoff —
Grolf (Gottschee). Gen. Garrelfs — Graalfs (beide
ostfries.).
Einstämmige Kürzung Ger-.
Gero, Kero: Gehre — Kehr. Gen. Geers; Geeren —
Kahrs — Kehren — Gören. Patr. A. Gehring,
Jhering; Gehrung — Göring; Göhrung.
Vklf. (l): Gerle. Gen. Gehrels (Oldenb.). Patr. A.
Garling — Gerling. (k): Garcke — Gericke;
Jericke — Gehrke; Gehrigk; Gehrich —
Görcke. Gen. Gerckens. Patr. A. Gerking. (z):
Gareis — Jahreis — Geerz (auch Gen. zu
Gehrt) — Garsche — Gersch. Patr. A.
Gersching.
Zweistämmige Kürzung Gerb-.
(Gerbo): Garbe — Gerb. Gen. Garbs — Gerwes.
Patr. A. Gerwing.
Vklf. (l): Gerbel. (k): Gerbig.
Zweistämmige Kürzung Germ-.
Germo: Gärme — Germ. Gen. Germs — Kerms.
Auslautend (195 mal Först.).

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-ger: Hilger.
-cher: Röttcher.
-ker: Hilker.
Garb- s. Gar (V., zweist. K.).
GARD I. got. gards, ahd. gart „Haus, Gehöft“. Gardulf.
Einstämmige Kürzung Gard-.
Patr. A. Garding: Gerting; Gertung.
Vklf. (l): Gardila: Gerdtell. Patr. A. Gertling.
Auslautend (113 mal, meist w. Först.).
-gardt s. Gart.
Gareis s. Gar (einst. K.).
Garl-, Garm- s. Gar (V.).
Garnjost II. III. s. Jodocus. Vgl. Gereke Gorenköper 1590 =
Garnaufkäufer.
Garr- s. Gar (V., einst. K.).
Gart III. got. gards, ahd. garto, mhd. garte „Umzäunung;
dann Wohnung; Garten“. Jetzt nicht bloß in zahllosen
Garten-N., sondern auch für Städte und Dörfer
gebräuchlich: in der älteren F. -gart, in der neueren -
garten.
FN. 1) Rosengart. Weingart. Baumgardt.
Schöngardt. Thiergardt (auch
Diergardt). — Vereinzelt Baumgarte.
2) Baumgarten — von Paumgarten
(österr.). von Hopfgarten. Weingarten.
3) -gaard (dänisch): Knudsgaard.
Möllgaard (beide in Nordschleswig).
Ableitung auf -er (oberd.):
1) -garter: Stuttgardter.

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2) -gartner: Baumgartner. Hirschgartner (O.
Hirsgarten).
-garten, -gartner s. Gart.
Gärtner III. ahd. gartinâri, mhd. gartenaere, später auch
gertanaere (doch noch im 15. bis 17. Jh. auch „gartner“)
„Gärtner“ d. i. 1) einer, der den Gartenbau kunst- und
zunftmäßig übt 2) Besitzer eines Hauses nebst kleinem
Grundstück, aber ohne Feld (im östlichen Deutschland,
bes. Sachsen, Schlesien).
FN. Gärtner — Gartner. Zss. Baumgärtner.
Hopfengärtner. Weingärtner.
Gaspers s. Kaspar.
Gasser s. Gaß.
Gassert s. Gast.
GAST I. got. gasts, ahd. gast, mhd. gast „Fremdling, Gast“,
bes. „fremder Krieger, landfahrender Recke“.
FN. Gastrad: Gaster — Jaster — Gassert. Patr. A.
Gesterding.
(Gastram): Gastram — Jesstram.
Castricus: Gestrich — Göstrich.
(Gastolf): Gastolph.
Einstämmige Kürzung Gast-.
Gasto: Gaste; Gast. Gen. Gasten.
Vklf. (l): Gastel — Jestel.
Auslautend (44 mal Först.):
Liudigast: Leidgast.
Gaß III. ahd. gaȥȥa, mhd. gaȥȥe „Gasse“. Sicher in
Ortsbezeichnungen seit dem 10. Jh.; jetzt „Gassen“ in fast
allen deutschen Städten, aber auch etwa 100 ganze
bewohnte Örter auf -gasse, -gaß.
FN. Steingaß. Rothengaß. — Windgassen.

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Ableitung auf -er (oberd.):
1) -gasser: Gasser (vgl. Joh. in der gassun
1330). Adelgasser (bayr.). Breitengasser.
Langgasser. Meingasser (Salzb.).
2) Gaßner.
3) -gesser: Borngesser (bayr.). Nungesser.
Querengässer (alt Querngesser und
Querchgesser — Koch, Saalfeld. FN.)
4) -geßner: Kirchgeßner.
Gau s. Gaw.
Gauckstert III. niederd. „Kuckucksschwanz“.
GAUD I. auf den Volksnamen der „Goten“ zu beziehen
(Grimm, Gesch. der deutschen Sprache S. 308).
FN. Gauter: Gauder.
Gaudomar: Gaumer.
Einstämmige Kürzung Gaudo: Gaude — Gaut. Vklf.
(k): Gaudig.
Gaue s. Gaw.
Gaugengigl III. mhd. gugelgige, guckengegel „Narr, Geck“.
Gauke s. Gaw.
Gaukler III. ahd. gougulâri, mhd. gougelaere
zusammenfassender N. für mancherlei wandernde
Künstler: „Zauberer, Taschenspieler; auch Schauspieler“.
Gaum s. Gund (zweist. K.).
Gaumer, Gausrapp s. Goz.
Gausepohl III. niederd. „Gänsepfuhl.“
Gaut s. Gaud.

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GAW I. got. gavi, ahd. gawi, mhd. gou „Gau“, die uralte,
auf Staats-, Gerichts- und Heerwesen bezügliche
Unterabteilung der deutschen Volksstämme.
FN. Gawibert: Kaupert.
Gawiman: Goymann — Göhmann.
Einstämmige Kürzung Gau-.
Gawo: Gaue; Gau.
Vklf. (l): Gaul. (k): Gauke. Gen. Jaukens.
Gayer s. Geier.
Gayl- s. Gail.
Geb- s. Gab (V., einst. K.).
Gebauer III. (Ton auf der zweiten Silbe) 1) mhd. gebûr
„Nachbar“ 2) mhd. gebûre „Bauer“. Cunrad Gebur 1304.
FN. Gebauer; Gebauhr. Zss. Großgebauer.
Halbgebauer. Neugebauer; verderbt Neigebaur
(Nygebüre 1385).
Gedicke s. God (einst. K.).
Geeb s. Gab (einst. K.).
Geelhaar III. „mit gelbem (blondem) Haar“.
Geelhood s. Hut.
Geer- s. Ger (V., einst. K.).
Geff- s. Gab (V., einst. K.).
Gehl- s. Gail.
Gehr- s. Gar (V., einst. K.).
Geib- s. Gaid.
Geide s. Gaid.
Geier III. zu den Tiernamen. „Die v. Geyer stammen von
einem altkölnischen Geschlechte, das von seinem Hause
„zum Geyer“ de Vulture in der Rheingasse den N. Gyr

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angenommen, auch einen Geier im Wappen führte. Sie
erkauften 1716 die Schweppenburg von den von Loen,
daher G. von Schweppenburg“. (Rheinischer Antiquarius).
FN. Geier, Gayer; Geyr.
Geil- s. Gail.
Geim- s. Gaid (zweist. K.).
Geiß, Geis- s. Gis.
Geisel-, Geißel-, Geisl- s. Gisal.
Geith s. Gaid.
Geldmacher III. sehr modern klingender N., an das
amerikanische make money erinnernd; jedoch wohl =
„Münzer“, bes. Falschmünzer.
GELF I. ahd. gelf „lautes Schallen“; altsächs. gelp „trotzige
Rede“ dem Feinde gegenüber. (Vgl. Hildebrandslied u.
Nibelung.)
FN. Gelfrât: Gelfrat; Gelfert — Gölfert.
Einstämmige Kürzung Gelf-.
Vklf. (k): Gelpke.
Gelhaar III. „Gelbhaar“. Gelbe, blonde Haare galten bes.
auch in der ritterlichen Zeit als Schönheit.
Gellert s. Gisal.
Gelp- s. Gelf.
Gelzer III. „Viehverschneider“ (von gelzen). Auch Gölzer.
Gemeinhardt III. „Gemeindehirt“.
Gempel s. Gand (zweist. K.).
Gen- s. Gand.
Geng- s. Gang.
Gensfleisch III. eine alte angesehene Patrizier-Familie zu
Mainz. Frielo G. hatte im 14. Jh. die Erbtochter Elsa, von

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dem alten Geschlechte derer zum Guttenberge, geheiratet
und dessen Güter den seinigen hinzugefügt. Sie wohnten
im Hofe zum Guttenberge am St. Christoffels-Kirchhofe,
und hier wurden ihnen zwei Söhne geboren: Frielo und
Henne (Johannes), der letztere, der berühmte Erfinder der
Buchdruckerkunst, wahrscheinlich 1397.
Gensterblom III. (Mainz) „Ginsterblume.“
Gentsch s. Gand.
Georgius II. griech. der „Landbauer“; der h. Georg, welcher
angeblich unter Diocletian gelebt hat, Patron der
Ritterschaft (S. 25).
FN. Georgius. Gen. (lat.) Georgii, gewöhnl. zsgz.
Georgi.
Mit Kürzung im Auslaut: Georges — Jorges (od.
Genet.?) — George; Georg (Zss. Kirchgeorg) —
Görg; Jörg — Jürge. — Girg (Wien). Gen. Görgen
(Domgörgen); Görges — Jorgas — Jürgaß (Jurges
1434) — Jürgens; Jürriens; Jürrens — Djuren
(fries.). Patr. A. Görger (Karlsruhe, Fröhn.); Jörger.
Patr. Zss. Georgensohn — Jürgensen — Jirgensohn.
Vklf. (l): Görgel.
Gep- s. Gab (V., einst. K.).
Ger- s. Gar (V., einst. K. — bei Gerb- und Germ- auch
zweist. K.).
Gerathewohl III. Satz-N. „gerate wohl.“
FN. Gratwohl — Gerothwohl — Grothwohl.
Gerber III. mhd. garwer, gerwer „der das Leder g a r macht,
zubereitet“.
FN. Gerber. Zss. Rothgerber. Weißgerber (mhd.
wîzgerwer). Splittgerber, in älterer F. Splittegarb.

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Gereut III. mhd. geriute „durch Reuten urbar gemachtes
Stück Land.“ Häufiger ON.
FN. Vom Greuth. Am Grüth. Greuter. Grüter.
Greutmann.
GERN I. got. gairns, ahd. mhd. gern „begierig“, mit Bezug
auf die ungestüme Kampflust der Germanen. Gernolt.
FN. (Gernhard): Gernerth; Gernet.
(Gernheri): Gerner.
Gerngroß III. Cunrad Gerengroz 1333. Noch jetzt
appellativ: ein „Gernegroß“.
Gerr- s. Gar (V.).
Gert- s. Gard.
Gerw- s. Gar (V., zweist. K.).
Geselbracht s. Gisal.
Geselle III. ahd. gisello mhd. geselle urspr. „Hausgenosse“
(von sal Haus), dann „Gefährte, Freund“, auch „Gehülfe“
bei einer Arbeit. Heinrich Geselle 1300.
FN. Gesell — Gsell (südd.; Peter Gsell 1492 Augsb.).
Gsöll (Wien). Lat. Gsellius.
Zss. Frischgesell. Gutgesell. Liebergesell. Taggesell.
Obergsell (südd.).
Geske s. Gis.
-gesser s. Gaß
Geßler s. Gisal.
Geßmer s. Gis.
Gest- s. Gast.
Geßwein s. Gis.
Gevers s. Gab (V.).
Gew- s. Gab (V., einst. K.).

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Geyr s. Geier.
Geys s. Gis.
Gieb- s. Gab (V., einst. K.).
Giefers s. Gab (V.).
Giegengack III. Spottname für „Bierfiedler“.
Giehl-, Giel s. Gisal.
Gier- s. Gir.
Gies- s. Gis.
Giesel-, Gießel- s. Gisal.
Gießenbier s. Bier.
Giffey s. Gab (einst. K.).
Gilb- s. Gisal.
Gildemeister III. „Vorsteher einer Gilde“. Auch Gillmeister.
Gill-, Gilmer s. Gisal.
Gilles, s. Aegidius.
Gipp- s. Gab (V.).
GIR I. ahd. girî, kirî, mhd. gir „Begehren, Verlangen (nach
Kampf?)“ nicht sicher von gar zu trennen.
FN. Girart: Gierhardt — zsgz. Girth.
Girannus: Gieram.
Giroald: Kirwald.
Girulf: Gierloff — Kierulff.
Einstämmige Kürzung Gir-.
Giro: Giere — Kier. Gen. Gieren; Giers — Kiers —
Giersch. Patr. A. Giering.
Vklf. (l): Girl — Gierl. Patr. A. Gierling. Gen.
Girlings. (k): Giercke; Gierig; Gierach.
Girg s. Georgius.

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Girschner s. Kürschner.
GIS I. mit Gais und Gar „Speer“ verwandt.
FN. Gisbert: Giesebrecht — Gisbrecht; Gisbert. Gen.
Gisbertz.
Gisibrand: Gisebrandt.
Gisher: Gieser — Kieser.
Gisaleicus: Kieslich.
(Giseman): Giesmann.
Gisemar: Geysmer — Geßmer.
Gissold: Gieswald; Gieshold.
Gisoin: Gieswein — Geßwein.
Gisulf: Geislauff.
Einstämmige Kürzung Gis-.
Giso, Kiso: Giese — Kiese; Kieß — Kiß — Geyso;
Geiß — Gese (Gesemann). Gen. Geisen. Patr. A.
Giesing — Gissing.
Vklf. (i): Gisi; Gysi (schweiz.). (k): Giesecke —
Geske. Patr. A. Gieseking. (l + n): Kißlin.
Auslautend (116 mal Först.).
-gis: Maingis.
-gies: Ortgies.
-geiß: Adelgeiß.
GISAL I. ahd. gîsal, kîsal, mhd. gîsel „Geisel“
(Kriegsgefangner). Gisal zsgz. Gill- (so Gilla = Gisila im
Polypt. Irmin. S. 50, Gillebert für Gislebert Pertz Monum.
VIII).
FN. Gisalbreht, Gilpreht: Gießelbrecht — Gisselbrecht
— Geißelbrecht — Geselbracht — Gilbrecht;
Gilbert — Kilbert. Gen. Gilbers.
Gisalhart: Geiselhardt — Geißelhard — Gillert —
Gellert.

Page 292

Gisilhar: Gieseler — Kieseler — Geiseler; Geisler
— Geßler — Giehler — Giller.
Gisalmar, Gilmar: Gilmer — Killmer.
Gisalolf: Geislauff — Giehloff.
Einstämmige Kürzung Gisal-.
Gisilo: Giesel — Kiesel — Kießel — Gissel —
Geisel; Geisle — Geißel — Giel. Gen. Gielen
(niederrhein.). Patr. A. Kieseling — Kießling.
Gissel- s. Gisal.
Glaser III. mhd. glaser — auch mit Umlaut (so im KB. noch
im 17. Jh. öfters der Gläser, weibl. Gläserinne).
FN. Glaser — Gläser.
Mit dem n der schwachen Bildung „gleßner“ (in einer
hessischen Urk. von 1537 Hoffm.) FN. Glaßner —
Gläßner.
Gläser, Gläßner s. Glaser.
Glau- s. Glaw.
GLAW I. got. glaggvus, ahd. glau, klau „scharfsichtig,
einsichtsvoll“.
FN. Glauperaht: Glaubrecht; Glaubrech — Klauprecht
— Glubrecht. Gen. Klubertz.
(Glauhart): Glauert.
(Glawold): Klauhold.
Einstämmige Kürzung: Glaue — Klaue.
Glöckner III. mhd. glockenaere.
FN. Glöckner — Glockner. Auch Glocker — Glöckler.
Niederd. Klöckner.
Glöde, Gloth s. Hlod (einst. K.).
Glubrecht s. Glaw.
Gluth s. Hlod (einst. K.).

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Gnörich s. Knod.
Göb-, Gobb- s. God (V., zweist. K.).
Göbbel s. God (zweist. K.).
Gobert s. God (V.).
Gock-, Göck- s. God (einst. K.).
GOD I. got. guth, gud, ahd. got, kot, mhd. got „Gott“.
FN. Godebald: Goppelt — Koppold — Kobbelt —
Kobelt.
Godabert: Gottbrecht; Gottbrath — Gobbert —
Gobert — Göppert.
Godafrid: Gottfried — Göttfried — Goffarth —
Goffrey — Göpfert — Göbfardt — Göfert.
Gotahard: Godehard — Goddard — Gotthardt;
Gottert — Gödert — Göttert — zsgz. Gohrt —
Gördt. Gen. Gödderz.
Godehar: Goder — Gotter — Göder — Göther.
Godolef: Gottlieb (umgedeutet). Gen. (zsgz.) Jolfs.
Godolec: Gottlack; Gottlick; Gottlich — Göttlich.
Gotrat: Gorath.
Godoscalcus: Gottschalck; Gottschalch (g);
Gottschall.
Godedanc: Goddang.
Gotadeo: Kodei (oder aus Kodag).
Godovald: Gottwald — Gotthold (soweit aus Godold
umgedeutet) — Godelt; Godet — Gödelt.
Goduin: Gottwein — Gowin — Jowien.
Godulf: Kottlof — Kolloff.
Mit Erweiterung durch l:
Godalhard: Gollhardt; Gollert.
Godelmar: Gollmer — Kollmer.

Page 294

Sämtliche Sproßformen s. Anhang 1.
God-, Göd- s. God. (V., einst. K.).
Göddertz s. God (V.).
Göens s. God (einst. K.).
Goethe I. s. God (einst. K.).
Goff- s. God (V.).
Gögg- s. God (einst. K.).
Gogrewe III. „Gaugraf“ s. Graf.
Gohl-, Göhl- s. God (einst. K.).
Göhmann s. Gaw.
Gohrt s. God (V., Gotahard.).
Göhrung s. Gar (einst. K.).
Gök- s. God (einst. K.).
Göker (1536: de Godeker = Godeking) s. God.
Goldammer III., auch Goltdammer zu den Vogel-N.
(emberiza citrinella).
Goldfinger III. der vierte Finger der Hand, an welchem der
Goldring getragen wird.
Göldner III. „Vergolder“ (Reichel, Gewerbe im steirischen
Marburg 13.-15. Jh. Goldner).
Goldsticker III. einer der „mit Gold stickt“. Verderbt:
Goldstücker.
Gölfert s. Gelf.
Goll- s. God (einst. K., erweit. V.).
Göll s. God (einst. K.).
Golzer, Gölzer s. Gelzer.
Gom-, Gon-, Gön- s. Gund (V.).

Page 295

Göpel s. God (zweist. K.).
Göpfert, Göpp-, Goppelt s. God (V.).
Gör- s. Gar (V., einst. K.).
Gorath, Gördt s. God (V.).
Gorg-, Görg-, Gorius s. Georgius.
Görres, Gorrissen s. Gregorius.
Gos-, Gös- s. Goz.
Gos III. niederd. „Gans“, in Zss. wie Gosebruch
(halbverhochdeutscht) = Gänsebruch, Gosemeyer u. a.
Gosch-, Göschke s. God (einst. K.).
Goss-, Gössel s. God (einst. K.).
Gossenbrod III. „warmes Brot mit Fett begossen“, eine
Lieblingsspeise alter Zeit (S. 47). Marquard Begoȥȥenbrot
1321.
Gösser, Gossert s. Goz.
Göstrich s. Gast.
Goth-, Göt-, Gotsch, Götsch- s. God (einst. K.).
Gott-, Gött- s. God (V., einst. K.).
Gottbehüt III. Satz-N. „Gott behüte!“.
Gottgetreu III. deutliche eigenschaftswörtliche Zss.
Gottschey III. (Wien) „einer aus Gottschee.“
Gottwalts III. Satz-N.: „Gott walte es!“ Auch Waltigott.
Gotz-, Götz- s. 1) God (einst. K.). 2) Goz.
Gowin s. God (V.).
Goymann s. Gaw.

Page 296

GOZ I. mit Gaud zusammengehörig und auf den
Volksnamen der Goten zu beziehen.
FN. Gaosbod: Gosboth — Kosbothe.
Gauzfrid: Götzfried.
Gozger: Götzger.
Gozhart: Gossert.
Gozheri: Kotzer — Kosser — Gösser.
Caozhram: Gausrapp.
Gozleib: Kutzleb.
Gozleih: Goslich.
Cosmar: Cosmar — Götzmer.
Kozolt: Kotzolt.
Gozwin: Goßwein — Göswein — Güßwein.
Gozolf: Gotzlof — Götzlof.
Die Sproßformen fallen mit denen von God (durch z
verkleinert) zusammen.
Graalß s. Gar (V.).
-gräbe s. Graf.
Gräber III. ein „Grabender“, als FN. einfach und in Zss.:
Biengräber. Borngräber — Brunngräber. Diekgräber.
Gradwohl s. Gerathewohl.
Graf III. mittellat. graphio, ahd. grâvo, mhd. grâve, „höherer
weltlicher Richter, Vorsteher“.
FN. Grafe (Joh. Grave 1516. Köln. Univ. Matrikel);
Graf; Graff — auch mit Art. de Graaff (niederländ.).
Niederd. (in Nordwest-D. weit verbreitet) Grewe —
Greve, Gräfe; Gräf (Gräff; Greff); mit Art. Degreff
— Grebe; Greb — auch Vorsteher ländlicher
Gemeinden, z. B. in Hannover (in der Gegend von
Münden, Pauli II, S. 27).

Page 297

Mit dem leidigen franz. Accent: Grevé. Gen. Graven —
Grefen, Greven — Grewen. Patr. A. Greving
(Oldenb.).
Zss. Burggraf; niederd. Borggreve. Diekgrebe;
Dickgräwe. Fluthgraf. Gogrewe (Gaugraf).
Hochgrefe — Hogrefe; Hogrebe. Holzgrebe;
Holzgrewe; niederd. Holtgreve. Kleegraf. Landgräbe.
Pfalzgraff. Steingräbe. Vollgraff; Vollgrebe — auch
Fullgraf — Füllgraf — Fielgraf. Woldgrebe.
Gräfe, Graff s. Graf.
Gräger s. Gregorius.
Grah, Gramann s. Graw.
Granold s. Hraban.
Grapengießer III. vom niederd. „Grapen“ d. i. dreifüßiger
Kochtopf aus Gußeisen (eine „Grapengießer-Straße“ in
Stettin). Ludeke Gropenghetere 1416. (Braunschw.)
FN. Grapengießer — Gropengießer — Grobengießer.
Niederd. Grapengeter.
Gräper s. Gröper.
Gräser III. ein „Grasmäher“ (für Wiesen, bes. Stadtwiesen,
angestellter Beamter). Dasselbe wohl Graßmann.
Grasmuck III. zu den Vogel-N., „Grasmücke“. Die
bekannte Opernsängerin Grossi hat sich aus Grosmuck
veritalienert.
Grathwohl s. Gerathewohl.
Graupner, Gräupner III. 1) „einer aus Graupen“ (in
Böhmen) 2) „Händler mit Graupen“ (Hülsenfrüchten).
GRAW I. ahd. grâo, mhd. grâ „grau“ (wohl von der dunkeln
Waffenfarbe).
FN. Graman: Gramann — Graumann.
Einstämmige Kürzung Gra-.

Page 298

Grawo: Grah — Grau.
Grebe, Greff s. Graf.
Greem s. Grim.
Greger s. Gregorius.
Gregorius II. griech. der „Wachsame“; der h. Gregorius,
den großen Kirchenlehrern Ambrosius, Augustinus,
Hieronymus als der vierte doctor ecclesiae zugezählt,
gest. als Bischof von Rom, Gregor I. oder der Große 604.
FN. Gregorius. Gen. Gregory.
Mit Kürzung im Auslaut: Gregor; Greger, Gräger —
Grögor; Gröger.
Mit Kürzung im Anlaut: Gorius — Görries; Görres.
Patr. Gorrissen (ostfries.) — Jürissen (Aachen).
Greifentrog III. Satz-N. „greif in den Trog“, von einem, der
etwas unbescheiden zulangt.
FN. Greifentroch. Niederd. Griepentrog.
Greiffenklau III. seit 1192 genanntes mittelrheinisches
Geschlecht.
Greifzu III. Satz-N. Vgl. Dr. Grypto Rein. Vos 4156.
Greim-, Gremm- s. Grim.
Grempler III. „Trödler“.
Greuth III. s. Gereuth.
Grev-, Grew- s. Graf.
Grichbaum s. Kriechenbaum.
Grickel s. Agricola.
Griem- s. Grim.
Griepentrog s. Greifentrog.

Page 299

Gries III. ahd. grioȥ, mhd. grieȥ „Kiessand, sandiges Ufer.“
Joh. dictus an dem griese. Auch häufiger ON.
FN. Gries. — Obergrieser.
Grieshaar III. niederd. „Grauhaar“.
Grillparzer III. „einer aus Grillparz“ (O. 3 mal im Erzherz.
Österreich).
GRIM I. altnord. und angels. grîma „Helm“, mischt sich
aber z. T. mit ahd. mhd. grim „grimm“.
FN. Grimhard: Griemert — Grimmert.
Grimhar: Grimmer — Greimer. Gen. Gremmers.
Grimoald: Grimaul (Gottschee).
Einstämmige Kürzung Grim-.
Grimo: Griem — Grimme; Grimm — Krimme —
Gremme — Greem — Greim. Patr. A. Grimming.
Vklf. (l): Griemel — Grimmel — Krimmel —
Greimel. (l + k): Krimelke. (z) Grimizo:
Grimeis; Grimeisen.
Auslautend (74 mal Först.).
-grimm: Ahlgrimm.
Gripenkerl III. Satz-N. niederd. „greif den Kerl“, Beiname
von Gerichtsdienern und Bettelvögten. Vgl. Greifzu.
Grobengießer s. Grapengießer.
Gröger s. Gregorius.
Grohnert s. Gron.
Grolf s. Gar (V.).
Grolms, Grommes s. Hieronymus.
GRON I. ahd. gruoni, mhd. grüene, altsächs. grôni „grün“
(wohl in dem Sinne von lebensfrisch).
FN. Cronhart: Grohnert — Grunert — Krunert —
Grünert — Krünert — Kreunert. Gen. Gronartz.

Page 300

(Gronhari): Groner — Kroner — Kröner — Gruner
— Grüner — Krüner.
(Gruonrih): Grönrich.
(Gronwald): Grünhold.
Einstämmige Kürzung Gron-.
Grun: Grone — Krohn — Grun (Grunemann) —
Grüne; Grün. Gen. Gronen. Patr. A. Gröning —
Kröning — Grüning.
Vklf. (k): Grunicke — Grünke. Grünig — Grönig
— Krönig. (z): Grunz.
Grön- s. Gron.
Gropengießer s. Grapengießer.
Gröper III. „Grapengießer“ („Gröpergasse“ in Halberstadt).
Auch Gräper.
Gröppel s. Hrod (zweist. K.).
Groß III. ahd. mhd. grôȥ, altsächs. grôt.
FN. Große; Groß — Grosse (mit kurzem o). Niederd.
de Groote; Grothe; Groth.
In mannigfachen Zss.: Großmann. Großkopff.
Großschedel, Großschädl. Grospietsch. Großwendt
— niederd. Grotjan; Grotrian (großer Johannes).
Großkurz III. I. 1567: Grotecordes (Braunschweig,
Schütte).
Grotefend III. „großer Knecht“ s. Fend.
Grotegut s. Hrod (V.).
Grothe s. Groß.
Grothwohl s. Gerathewohl.
Grotjan s. Groß.
Grott- s. Hrod (einst. K.).

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Grube III meist auf ein Bergwerk bezüglich; doch auch
Sand- usw. Grube, Grube zum Wildfangen. ON. einfach
und in Zss.
FN. Grube.
Ableitung auf -er (oberd.):
Gruber; Grueber (Gottschee). Zss. Anzengruber.
Baumgruber. Frauengruber. Hartmannsgruber.
Holzgruber. Kalchgruber. Obergruber.
Steingruber. Wolfsgruber (Mechtild ob der
Wolfgruben 1300).
Grulms s. Hieronymus.
Grün a) I. s. Gron b) von der Farbe der Kleidung (S. 46 Jan
Grön).
Grun-, Grün- s. Gron.
Grundt, Grundmann III. einer „der im Grunde wohnt“,
Gegensatz zu Berg, Bergmann. (So wurden in einem dem
Verf. bekannten Falle zwei bäuerliche Besitzer in
demselben Dorfe, die beide Runge hießen, unterschieden
als „Bergrunge“ und „Grundrunge“). So auch
Grundkötter; Grundmeyer.
Grüth- s. Gereuth.
Grütter s. Grützner.
Gruttke s. Hrod (einst. K.).
Grützner III. „Grützmüller“.
FN. Grützner. Niederd. Grüttner; Grütter. — Auch
Grützmacher.
Gschwandtner III. „einer aus Gschwand“ (Bayern, Österr.)
von schwenden, ahd. suandian, schwinden machen =
ausroden durch Feuer.
Gsell, Gsöll s. Geselle.
Gubbe, Gube s. God (zweist. K.).

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Gückel, Gude s. God (einst. K.).
Guerle s. War (einst. K.).
Gugelfuß III. „Kugelfuß“ d. i. Klumpfuß. Auch Kaulfuß.
Guggimoos III. „Moor, wo sich die rote Wasserkröte
(Guggi) häufig findet“. (Buck). Davon auch: Guggimoser.
Gümbel, Gumb- s. Gund (V.).
Gumm-, Gump- s. Gund (V., zweist. K.).
GUND I. ahd. gund, kunt „Krieg“ (noch im ital. gonfalone
aus gundfano Kriegsfahne). Seit dem 3. Jh. in N.
nachweislich. Die mit K anlautenden N. lassen sich auch
durch Kun erklären.
FN. Gundobald: Gumpold — Jumpelt — Gumpel;
Gumbel — Gümbel — Gummel — Gombold.
Gundobert: Gumprecht; Gumprich; Gumpert;
Gumbert; Gumbart; Gumper; Gummert —
Gompart — Gombert — Kompert — Gommert.
Gen. Gompertz — Kümpers.
Gundefred: Gumpfer.
Gundhart: Gundert — Günthert — Gontard —
Gönnert.
Gundachar: Gunder (Guntermann) — Kunter —
Günther (Zss. Kleingünther) — Gondermann —
Gonnermann.
Guntchramnus. Guntram — Guntrum — Gontrum.
Gundalah: Gundelach; Gundlach; Gundlack.
Gundemar: Gummer — Kummer.
Vklf. (l): Kümmerle.
Gunderad: Günthrat.
Gundericus: Gönrich.
Gundivic: Günnewig.
Gundulf: Gundwolf; Gundolf — Gondolf.

Page 303

Einstämmige Kürzung Gund-.
Gundo: Gund — Kunth — Günth.
Vklf. (l): Gundel — Gündell — Günthel. Patr. A.
Gundling. (k): Kuntke. (k + l): Gunkel. (z):
Guntz — Güntz; Güntsch. Unorg. Günzert. (z +
l): Günzel — Künzel — Günsel; Günschel. (z +
k): Gunschke — Günzke.
Zweistämmige Kürzung Gundb-.
Gumpo: Gump — Gumme — Gaum.
Vklf. (l): Gumpel — Kümpel (s. auch Gundobald).
(k): Gummich.
Gündell s. Gund (einst. K.).
Günnewig s. Gund (V.).
Güns-, Gunschke s. Gund (einst. K.).
Gunt-, Günth- s. Gund (V., einst. K.).
Güßwein s. Goz.
Güntsch, Guntz, Günz- s. Gund (einst. K.).
Gürtler III. „Verfertiger von Gürteln“. Auch Girtler (Wien).
Gut III. auch Guth, vgl. Frid. der gute 1304. — In
mancherlei Zss.: Gutbier. Gutgesell. Guthknecht. Gutkind.
Gutsjahr (Gutjar 1295). Gutzeit. — Gutsmuths.
Gut-, Güt-, Gutsch s. God (einst. K.).
Gutschebauch III. wohl von schwäb. „gautschen“, d. i.
wiegen, schaukeln.
Gutsmuths III. Gen. „gutes Mutes“ (mit dem urspr. und
richtigeren Gen. der starken Biegung).
Auch im Nom. Guthermuth, vgl. Tvmmermuot 1327.
Gutz-, Gütz- s. God (einst. K.).
Gygas III. lat. gigas „Riese“.

Page 304

Gysi s. Gis.

Page 305

H.
Haab- s. Had (zweist. K.).
Haack- s. Hag (V., einst. K.).
Haag s. Hag (einst. K.).
Haak a) I. s. Hag b) III. niederd. „Höker“ (so z. B. noch in
dem Stralsunder Kataster von 1845). — Zss. Bierhake
(Bierhöker?).
Haan s. Hahn.
Haape s. Hath (zweist. K.).
Haar- s. Hari (V., einst. K.).
Haar III. als Körperteil in mannigfachen Zss. Vgl. nord.
König Harald Harfagr (Haarschön).
FN. Flachshaar; niederd. Flashaar. Gelbhaar —
Geelhaar. Glatthaar. Grieshaar. Kraushaar.
Schlichthaar. Straubhaar. Weißhaar.
Haarnagel s. Hard.
Haas III. s. 1) Hase 2) Hose.
Hab-, Habb- s. Hath (V., zweist. K.).
Habedank III. Satzname (schon bei Walther v. d.
Vogelweide als Appellativum: „Swelch schoene wîp mir
denne gaebe ir habedanc“). Als FN. auch gekürzt Hadank.
Habekost III. aus Haveckhorst („Habichtshorst“) 1484,
Havekost 1532. Auch Hafekost; Haffekost. Noch 1890
Hawickhorst (Oldenb.).
Habenicht III. Satzname „habe nichts“ (ein „Herr von
Habenichts“).

Page 306

Habenschaden III. Satzname „habe den Schaden“, für
jemand, der sich unvorsichtig in Gefahr begeben hat.
Haber III. die eig. hochdeutsche F. (mhd. haber), wofür jetzt
in der Schriftsprache das niederd. „Hafer“
durchgedrungen ist.
FN. Faulhaber (Werner dict. vulhaber 1299).
Firnhaber. Frischhaber. Kiffhaber 1450, jetzt
entstellt Kühfaber (Bacm.). Schlichthaber.
Wiesenhafer. — Haberbruch. Haberkorn.
Habermann. Habersaath. Haberstroh. Haferkamp.
Haferstroh.
Haberecht III. Satzname „habe Recht“, ein rechthaberischer
Mensch (doch s. auch Hath).
Häberlein s. Hath (V.).
Haberstolz III. entstellt aus Oberstolz (Overstolz altes
Patrizier-Geschlecht in Köln). S. Andresen,
Konkurrenzen.
Habicht III. der bekannte Raubvogel, mhd. habich (könnte
aber als FN. aus ad. Habicho entstanden sein, s. Hath
zweist. K.).
Hablützel III. Satzname „habe wenig“ vgl. Habenicht. Auch
Hablitzel.
Hach- s. Hag (V., einst. K.).
Hachmeister III. nach Vilm. aus „Habichtmeister“ d. i.
Abrichter der Stoßvögel zur Jagd. (Ahd. hapuh, mhd.
habech zsgz. in Hach s. Buck, Flurnamen S. 69.).
Hack-, Häck- s. Hag (V., einst. K.).
Had-, Häd- s. Hath (V., einst. K.).
Hadank s. Habedank.
Hadd- s. Hath (einst. K.).

Page 307

Hadrianus II. lat. „einer aus der italienischen Stadt Hadria“,
N. eines römischen Kaisers, dessen Vorfahren daher
stammten, und mehrerer Päpste.
FN. Adrian — Aderjahn. Gen. Adrians.
Hafemann nicht mit Pott zu Hafen, sondern niederd.
„Hofmann“, vgl. Klempin, Diplom. Beitr. S. 623:
Hauelude (Hofgesinde), Hauemarschalk (spr. Have-),
Hauemeisterinne.
Hafenbrädl s. Braten.
Hafer s. Haber.
Hafner III. ahd. hafanâri, mhd. havenaere „Töpfer“ — die
süddeutsche Bezeichnung, wie z. B. in München die
Innung der „Hafner“, auch ein „Hofhafnermeister“, in
Augsburg ein „Hafnerberg“, während Töpfer
mitteldeutsch ist.
FN. Hafner, Haffner — Häfner.
Haff- s. Hath (V.).
HAG I. ahd. hag. hac, mhd. hac „Einhegung, Hag, umhegter
Ort“ (s. Tac. Germ. 16).
FN. Hagabald: Heckebold — Heybold — zsgz. Heipt.
Hagibert: Hackebracht; Hackbarth — Hegebart —
Heibert; Heiber. Gen. Heypertz.
Hahkis: Haigis, Heigis.
Hechard: Hagart — Hackert — Haackert — Hegert
— Heckert. Gen. Heiartz.
Hagihar: Hager — Hacker — Hacher — Haker —
Hecker (Häckermann) — Häger (Hägermann) —
Heyer (Heiermann).
(Hagiman): Hagemann — Hamann — Hegmann —
Heckmann — Heimann. Gen. Heimanns.
(Hagimar): Hagemer — Hechemer — Hegemer —
Heymer. Vklf. Heymerle.

Page 308

Hachirat: Hackrath — Heckrath.
Hecgirih: Hagerich — Hährich — Heyrich.
Hagoald: Hegewald.
Einstämmige Kürzung Hag-.
Hago, Hako, Heio: Hage; Haag — Hake; Haack —
Hege — Heye; Hay. Gen. Hayen. Patr. A.
Hecking. Gen. Hayungs (jeverl.).
Vklf. (i): Hägi (schweiz.). (1): Hagel — Hachel
— Hakl — zsgz. Hahl — Hegel — Häckel
Hechele; Hechel. Patr. A. Hegeling. (l + n):
Hägelin; Hegelein. (k): Hageck — Hayeck;
Heicke. Gen. Heyken. (k + l): Heyckel — —
Heighele.
Hag-, Häg- s. Hag I. (V., einst. K.).
Hag III. ahd. hag, hac, mhd. hac, dessen älteste Bed. nach
Förstemann (ON. S. 57) Wald oder Busch; aus dieser
entwickelte sich die eines schützenden Busches, einer
Einhegung und dann erst die eines eingehegten Raumes
selbst: „Gehege, Wohnort“. In ON. -hag, -haag; -heeg.
FN. 1) -hage (bes. in Westf. — elliptischer
Dativ?): Brakhage. Glashage.
Grünhage. Heisterhage. Hohage.
Kohlhage. Kreuzhage. Niehage (Neu-).
Osthage. Overhage. Rehage. Sandhage.
Schneehage. Voshage.
2) -hege: Dornhege. Feldhege.
Hundehege. Osthege.
HAGAN I. Erweiterung von Hag I.
FN. Haginbert: Hambrecht — Hegenbarth (Heger-);
Heimbrecht; Heimbert; Heimbrodt — Hemper. Patr.
A. Hemmerding.
Vklf. (l): Hemberle.
Heinfrid: Hennefahrt.

Page 309

Heinhard: Hanhardt — Heinhardt; Haynard; Heinert
— Hennert.
Haginher: Hagner — Hanner — Hahner — Hähner
— Hayner, Heiner — Henner mit den Zss.
Hofhenner. Schmitthenner.
Hainarad: Hanrath — Hahnrath.
Haganrih: Handrick; Hanreich — Heinrich;
Heinreich — Henrich; Hendrich; Hentrich —
Hinrich; Hinnerk.
Zss. Langheinrich. Tiekenheinrich. Westheinrich.
Großhenrich. Möhlhenrich (Mühlheinrich).
Lockenhinnerk. Gen. Heinrichs; Heinderichs —
Hendrichs; Hendrix (Kempen) — Hinrichs;
Hinderks (ostfries.). (Latinis. Heinrici — Henrici).
Patr. A. Heinricher (Cilli). Patr. Zss. Heinrichsen
(Zss. Gerdheinrichsen) — Hinrichsen;
Hindrichsohn; Hinderksen.
(Haginachar): Hanewacker — Hannwacker —
Heinacker.
Haginold: Hannewald — Hanewald; Hanold; Hanelt
— Hänelt; Hänet — Haynald; Heinold; Heinhold;
Heinelt; Heinloth; Heinleth.
Einstämmige Kürzung Hagen-.
Hagano, Hanno, Heino: Hagen, Hagn; Haagn
(Salzb.) — Hanno; Hanne — Hahne; Hahn —
Heino; Haine, Heyne; Hayn (Heinemann;
Heinevetter) — Henne; Henn — Hehn. Gen.
Hagens; Hagena (ostfries.) — Heinen; Heins. Patr.
A. Hanning — Heining — Henning (noch im 17.
Jh. Vorname, z. B. Henning Woyke, 1681
Bürgermeister zu Neustettin). Patr. Zss. Heinsohn
— Heinekind.
Vklf. (l): Heinel; Heindl — Hähnel (Junghähnel)
— Henle. (l + n): Hainlin — Hänlein; Hänlen.

Page 310

(k): Hanke — Heinicke (Marheineke); Heinke;
Haink; Heinich — Hennicke; Hennig (doch
auch gekürzt aus Henning) — Henke
(Bierhenke; Düvelhenke; Grotehenke;
Manhenke; Marhenke; Schäferhenke;
Strothenke) — Hink (Stark S. 71) mit der Zss.
Brokhinke. Gen. Hainken (ostfries.); Heinks —
Hennickens; Henniges; Hennigs; Hennies —
Hinken; Hinkens. Patr. A. Henking. Patr. Zss.
Hinksen. (k + l): Hankel — Heinkel — Henckel
(Zss. Wegehenkel. Kampfenkel) — Hinkel
(Hinkelmann). (k + l + k): Henkelke. Patr. A.
Henkelking — Henkler (Preuß 16). (k + n):
Hänichen — Heineken (Langheinecken);
Heinichen. (z): Hanzo — Heintze; Heinz, Hainz
(bayr.) (Heinzmann — Emmelheinz; Hoffheinz;
Kleinheintz; Langheinz; Schönheinz) — Heinitz
— Heinse (lat. Heinsius auch der Dichter Wilh.
Heinse hieß eigentlich Heintze, s. Lessing,
Wieland, Heinse von H. Pröhle S. 129); Heinss
— Henze; Hense (Stark S. 76) — Häntzsche
(Kgr. Sachsen) — Hinze — Hientzsch — Hinse;
Hinsche. Gen. Heinzen — Hinzen. Patr. A.
Henzing; Hensing. (z + i): Hentzi (schweiz.). (z
+ l): Heinzel (Heinzelmann) — Henzel; Hensel;
Henschel — Hintzel; Hinselmann. Patr. A.
Henzler — Hinzler. (z + k): Heinzke — Hinzke.
Zweistämmige Kürzung Haganb-.
Hampo: Hampe. Vklf. (l): Hempel.
(Mehrere Formen, namentlich die mit Han-, Hen-
beginnenden, treffen mit entsprechenden von
J o h a n n e s zusammen).
-hage s. Hag III.
Hagedorn III. mhd. hagendorn, hagdorn.
FN. Hagedorn (auch ON.) — Heidorn.

Page 311

Hagemeister III. „Hegemeister, Förster“. Niederd.
Hagemester.
Hagen- s. Hagan (einst. K.).
Hagen III. ahd. hagan, mhd. hagen der „zum Einhegen bes.
passende Dornstrauch“, aber ursprünglicher das
Buschwerk überhaupt. In ON. seit dem 9. Jh.
nachweislich. Jetzt tausende von Örtern auf -hagen (so an
der mecklenburgischen und pommerschen Küste in langer
Folge von Mecklenburg bis zur Kassubei); doch läßt sich
kaum nachweisen, welche davon hierher und welche als
Dativ Plur. zu Hag zu setzen sind (der Umstand, daß die
bezeichneten mecklenburgischen und pommerschen Ö.
meist langgestreckte Dörfer — bis zur Länge einer halben
Meile — sind, dürfte wenigstens bei diesen für den Plural
sprechen = „zu den Gehegen“). Hagen findet sich auch als
S t r a ß e nbezeichnung, z. B. in Stralsund: Flachshagen,
Reperhagen, Zipollenhagen u. a.
FN. vom Hagen; von Hagen. Bollhagen. von
Buggenhagen. Eschenhagen. Falkenhagen.
Hundeshagen. Stavenhagen.
Ableitung auf -er:
-hager: Gerhager. Hinterhager (O. -hagen, oder
auch zu -hag?).
-häger: Poppenhäger (O. -hagen).
Aus -hagen wird durch Zusammenziehung -hain (wie auch
der Gattungsname „Hain“ daraus entstanden ist), woneben
noch eine F. auf -hahn herläuft. Den FF.-Übergang zeigt
unter a. ein hessischer Ort, der 1264 Glimenhagen, 1297
Glimenhahn, im 15. Jh. Glimenhain, jetzt Gleimenhain
heißt.
1) -hain: Espenhain. von Falckenhain.
Mückenhain. Probsthain. Rosenheyn (O.
Rosenhain).

Page 312

2) -hahn: Bauerhahn. Dammhahn (O. nur
Dammhagen Rud.). Espenhahn (s. oben
Espenhain). Falkenhahn (O. -hagen und -
hain). Gräfenhan (O. -hain). Krähahn
neben Krehain (vgl. O. Kreyenhagen).
Langenhahn, Langenhan (O. Langenhahn
neben -hagen u. -hain). Lindenhahn (O. -
hain R.). Neuhahn; Neuenhahn (O. -hagen,
-hain). Probsthan (O. -hagen und -hain).
Rosenhahn (O. -hagen, hain). Wildenhahn
(O. -hagen, -hain). Ziegenhahn (O. -hagen,
-hain).
Ableitung auf -er (oberd.):
-hainer: Geysenheyner (O. Geisenhain in Sachsen).
Liebeneiner (O. Liebenhain).
Hägenbarth zu Hagen (V.).
-hager, -häger s. Hagen III.
Hagn s. Hagan (einst. K.).
Hagner s. Hagan (V.).
Hahl s. Hag I. (einst. K.).
Hahn a) I. s. Hagan (einst. K.) b) III.
1) ON. (über 30 mal Rud.), s. Hagen III.
2) Tier-N.: de Haan (Düren); auch in einigen
Zss. meist zweifelhafter Art: Berkhan.
Kaphahn (Kapaun). Urhahn (Auerhahn,
welches mehrfach N. von Forsthäusern).
-hahn s. a) Hagen III. b) Hahn.
Hahn-, Hähn- s. Hagan (V., einst. K.).
Hährich s. Hag (V.).
-hai s. Hei.

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HAID I. got. haidus, ahd. mhd. heit „Art, Wesen“ (auch
Rang und Stand).

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FN. (Heidbreht): Heidebrecht.
Heitkär: Heitger.
Heidher: Heider, Hayder — Heiter.
Haidrich: Heidrich; Heidreich — Heitrich.
Haidulf: Heydwolff; Heidolf; Heideloff; Heidelauf.
Einstämmige Kürzung Heit-.
Haido: Heyde (Heydemann); Haid, Heyd (doch s.
auch Heide III). Gen. Heyden — Heits.
Vklf. (l): Heydel. Patr. A. Heitling. (l + n):
Haidlen. (l + k): Heidelk. (k): Heideke. (k + n):
Heitchen; Heitgen. (z): Heitz — Heise
(urkundlich = Heidenreich); Heis. Patr. A.
Heising.
Haide III. got. haithi, ahd. heida, mhd. heide ein mit
Strauchwerk und Dornen bewachsenes „unbebautes
Feld“. In ON. Haid, -haid; Heide, -heide.
FN. Vonderheydt, auch getrennt von der Heidt; von der
Heyden. Holzheide. Kirchheide. Knappheide.
Krähenheide. Öllheide. Ordelheyde. Schlingheide
(sämtlich in Westfalen, meist appellativ zu fassen:
Personen, die auf der betr. Heide wohnten).
Kleinheidt.
Ableitung auf -er: Steinheider (O. Steinheide, auch -
heid genannt, in Sachsen-Meiningen).
Haigis s. Hag I. (V.).
HAIL I. got. hails, ahd. mhd. heil „gesund, unverletzt“;
Hauptw. ahd. heil.
FN. Heilker: Gen. Heilgers.
(Heilher): Heyler (Heilermann).
Heilman: Heilmann.
Einstämmige Kürzung Heil-.
Heilo: Heile; Heyl. Patr. A. Heiling.

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Participiale Bildung Hailant 8.: Heiland.
HAILAG I. ahd. heilag, mhd. heilic, altsächs. hêlag, hâlag
„unverletzlich, heilig“ (von „Heil“).
FN. Halegdag: Heiligtag.
Einstämmige Kürzung Heilig-.
Halicho: Heilig — Hallich; Halke.
Hain s. Hagan (einst. K.).
-hain s. Hagen III.
Hak- s. Hag I. (V., einst. K.).
Hake III. 1) „Höker“, Kleinhändler mit Lebensmitteln 2)
Gerät. Zss. Fetthake. Feuerhake.
Halbrehder III. doch wohl = Halbritter, vgl. Halbritter 14.
Jh., Halfridder proconsul in Grifenbergh (Kalendarium
des Karteuser-Klosters Marienkron bei Rügenwalde —
seit 1430 zu nekrologischen Aufzeichnungen benutzt).
Halbuer s. Hallbauer.
Halbwachs III. „halberwachsen“. Schon 1388 Cunrad
Halbwahs. Auch Hallwachs.
Halde III. ahd. halda, mhd. halde „Abhang eines Berges“
(bes. im südwestl. Deutschland).
FN. auf -er (oberd.): Halder. Sonnenhalter.
Winterhalter, auch Winterhalder (von der
„Winterhalde“ = Nordhalde, z. B. bei Stuttgart
Bacm.) — daraus Winterholler. Spiegelhalter.
Haleff s. Hath (V.).
HALID I. ahd. helid der „Held“. Halidegastes 3. Halidrich.
FN. Helido: Held usw. — mit Hild
zusammengeflossen, so daß eine sichere Scheidung
nicht durchzuführen ist.
Hallbauer III. 1) „Halbbauer“, der nur einen halben Hof
besitzt, im Gegensatze zum Vollbauer. Niederd. Halbuer.

Page 316

2) „einer aus Hallbau“.

Hallich, Halke s. Hailag.
Hallwachs s. Halbwachs.
Hals III. als Körperteil in den Zss.
FN. Kurzhals; niederd. Korthals. Langhals. Schönhals
(-hals öfters auch in ON.).
Halt- s. Ald (V., einst. K.).
Haltanderheide III. Satz-N., ein Reisiger, der an der Heide
hält (doch wohl, um Vorüberziehende anzugreifen).
-halter s. Halde.
HAM I. ahd. altsächs. hamo „Hülle, Decke, Kleid“ im Sinne
von Waffenrüstung. Hamadeo 5.
FN. Hamerich: Hammerich.
Einstämmige Kürzung Ham-.
Hamo: Hamme — Hemme.
Vklf. (l) Hamilo: Hamel.
HAMAR I. ahd. hamar, mhd. hamer „Hammer“ — wohl mit
Bezug auf den Hammer des Donar, den Miölnir, mit
welchem dieser Gott die Riesen zerschmettert
(Blitzstrahl). Hamerard. Hamarolf.
FN. Hamar 8.: Hammer.
Vklf. (l): Hammerl — Hämmerle; Hämmerli.
Hambrecht s. Hagan (V.).
Hamel, Hamm- s. Ham.
Hammer s. 1) Hath (V.) 2) Hamar.
Hammer III. 1) als Werkzeug 2) in ON., ein Hammerwerk
bezeichnend; hat auch vielen O. den Namen gegeben, wo

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längst kein solches Werk mehr besteht, z. B.
Silberhammer bei Danzig.
FN. Hammer. Boßhammer. Pochhammer.
Schellhammer. Streithammer u. a., doch meist
zweifelhaft, da hier die Ableitungen von ON. auf -
heim, oberbair. -ham hereinspielen (s. Heim III).
-hammer s. 1) Hammer III., bes. Werkzeug 2) Heim III.
Hampe s. Hagan (zweist. K.).
Hampfstengel III. deutlicher Pflanzen-N.
Han-, Hän- s. Hagan (V., einst. K.).
Hanbut III. die „Hagebutte“ oder Hainbutte (wilde Rose
und deren Frucht).
HAND I. got. handus, ahd. mhd. hant „Hand“. Handwin.
Handolf.
FN. (Handrich): Handrich.
Hantwin: Handwein.
Einstämmige Kürzung Hand-.
Hanto: Handt (Handtmann) — Hente. Gen. Handten.
Vklf. (l): Hantel — Händel. (k): Handtke.
Hand III. der Körperteil (s. das Vorhergehende). Liebhard
mit der Hand 1383.
FN. Hand. — Geradehand. Luchterhand. Weichhand.
Wolfhand.
Handrick s. Hagan (V.).
Handschuh III. zu den Kleidungsstücken (S. 45).
Hane- s. Hagan (V.).
Hän- s. Hagan (einst. K.).
Hanffstengel III. zu den Pflanzen-N.
Hanke s. a) I. Hagan (einst. K.) b) II. Johannes 5.

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Hann- s. a) I. Hagan (V., einst. K.) b) II. Johannes 4.
Hannes, Hans s. Johannes 5.
Hantel s. Hand I.
Häntzsche, Hanzo s. Hagan (einst. K.).
Hap-, Häp-, Happ- s. Hath (V., zweist. K.).
Här- s. Hari (einst. K.).
Harb- s. Hari (V.).
HARD I. got. hardus, ahd. mhd. hart „hart, fest, stark“ (vgl.
das urverwandte griech. κρατὺς und das von dem
deutschen abgeleitete franz. hardi). Schon seit dem 3. Jh.
in EN. nachweisbar.
FN. Hardher: Harder — Herder (VN. bei Klemp.) —
Herter. Gen. Harders.
Hartleip: Hartleib; Hartleb.
Hartmann (Ardeman): Hartmann — Hertmann —
Artmann — Erdmann (auch als VN.: E. Laabs KB.
1845). Gen. Hartmanns.
Hartmar: Ertmer.
Hardmod: Hartmuth.
Hartomund: Hartmond.
Hartnagel: Härtnagel — Haarnagel.
Hartnid: Harney — Horney (Schütte,
Braunschweiger PN. S. 5).
Hardarat: Hartrath; Hartert.
Harderich: Hartrig — Herterich; Härttrich.
Arthald: Hartelt — Hertelt — Ardelt — Erdelt.
Hardulf: Hertwolf.
(Hardewart): Hardewardt.
Harduwich: Hartwig; Hartweg — Hardewey —
Hertwig; Hertweck — Erdwig. Patr. Zss.

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Hartwichsen.
Einstämmige Kürzung Hart-.
(Harto), Ardo: Harte; Hart — Herthe. Gen. Harden
— Harten. Patr. A. Hardung — Harting; Hartung;
Hartong — Herding.
Vklf. (l): Hardell — Hartel — Herdel — Hertell
— Artel — Erdel — Ertle. Patr. A. Hertling.
(k): Hartig; Hartke; Hartje (ostfries.) — Harke
— Hertig. (z): Hartz.
Auslautend (überaus häufig, 295 mal Först., wodurch
der Übergang in eine bedeutungslose Endung
vorbereitet wird).
-hard: Eberhard. Einhardt. Gen. -harts, -harz:
Reinharz. Burghartz.
-ard: Eckard. Gen. -arts, -arz: Blankarts. Reinartz.
-at: Morat, -aht.
-ert: Eilert. Gen. -erz: Reicherz — daraus durch
Umdeutung -herz: Liebherz, Lebherz neben
Lieberz.
-er: Bicker.
-et: Bernet.
Harder s. a) I. Hard b) III. Herter.
Haren s. Hari (einst. K.).
Hareng III. franz. Familie aus der Bretagne, nannte sich in
Deutschland Häring (so in Soldin) — daher der
Romandichter Wilhelm H. (Willibald Alexis).
Hargens s. Hari (einst. K.).
HARI I. got. harjis, ahd. hari, heri, mhd. her „Heer“. Seit
dem 1. Jh. in EN. nachweisbar (Cariovalda Bataverfürst).
FN. Haribald: Herbold.

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Hariberaht: Harprecht; Harbert; Harbart —
Herbrecht; Herbert; Herbart; Herborth; Herber.
Gen. Harbers — Heribertz — Herberz; Herpers.
Patr. A. Harberding.
Hariobaudes: Harboth — Herbothe; Herboth.
Haribrand: Haarbrandt — Herbrand.
Harifrid: Herfart, Herrfahrdt.
Herigaud: Herrguth; Herget; Herkt.
Harigaoz: Herrgoß; Herrgaß.
Hariger: Herger; Hercher; Herker.
Hariard: Herhard. Gen. Heerhartz.
Harilaip: Harlepp; Harlieb — Herlepp; Herlieb.
Charilaigus: Herlach; Herrlich.
Hariman 7.: Harmen — Haarmann — Hermann,
Herrman — Heermann — Hörmann. Gen.
Harmans — Harms; Harrems (ostfries.).
Hermanns (lat. Hermanni); Hermens; Herms. Patr.
A. Harmening. Patr. Zss. Harmanssen —
Hermanssen.
Harimot: Harmuth — Herrmuth.
Haririh: Harrich — Herrig.
Heridegan: Hardegen — Herdegen; Heerdegen.
Cariovalda 1.: Harold — Herwalt; Herrwald —
Herold; Herholdt; Herlet; Herlt — Hörold. Gen.
Herholz — Hörholz.
Hariward: Harward — Herwarth; Herwath —
Heerwarth.
Hariwich: Harwig — Herwig; Herbig; Herwegh.
Hariulf: Harloff — Herloff; Herleff.
Einstämmige Kürzung Her-.

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Haro, Hero: Haar — Herr; Her — Heere; Heer.
Gen. Hars; Haren — Heers; Heeren. Patr. A.
Herinc: Haring — Harring — Häring, Hering —
Herring — Höring. — Gen. Harringa — Heringa
(beide ostfries.).
Vklf. (l) Herilo: Herel — Härle. Patr. A. Harling
— Herrling. (k) Haricho: Harke — Harig —
Häricke — Herke. Gen. Harken; Harrjes;
Hargens — Heerkes. Patr. A. Herking. (z)
Harizo: Hareis.
Zweistämmige Kürzung Harib-.
Herbo: Herb, Herpp.
Vklf. (k): Herbich.
Zweistämmige Kürzung Harim-.
Patr. A. Hermeler (1505: Hermeling-Preuß).
Auslautend (372 mal Först.).
-her (doch h nicht mehr lautbar): Muther.
-er: Deuter. Gen. -ers: Deiters.
-herr: Dietherr.
Harig, Haring, Hark- s. Hari (einst. K.).
Harl- s. Hari (V., einst. K.).
Harm- s. Hari (V.).
Harnack III. aus Hartnack, niederd. Hardenack.
Harnisch III. mhd. harnas, harnasch, harnisch, aus dem
keltischen haiarnaez Eisengeräte — später eingeführtes
Wort statt des deutschen brünne (s. Brun). Wernher dict.
Harnasch 1362.
FN. Harnasch; Harnisch.

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Harnischfeger III. „der den Harnisch fegt“ d. i. poliert,
blank macht, reinigt; dann = Harnischmacher.
FN. Harnischfeger; auch Harnisfeger (mit dem urspr. s,
mhd. harn a s).
Harprecht s. Hari.
Harr- s. Hari (V., einst. K.).
Harras III. „Stallmeister“, zugleich Aufseher über Harnisch
und Waffen (von haracium Stuterei). Vgl. Schillers Tell:
Rudolph der Harras. Auch ON.
FN. Harras; Harrasser.
Hart- s. Hard (V., einst. K.).
Härt- s. Hard (V.).
Hartfaust III. Zss. mit Faust (geballte Hand), niederd.
Hardevust (Klemp.).
Hartog s. Herzog.
Hartz s. Hard (einst. K.).
Harw- s. Hari (V.).
Hase a) I. zu verschiedenen Stämmen: Hath, Hass. b) III.
das bekannte Tier (in der Tierfabel: Lampe) vgl. franz.
FN. Liepvre, Lelièvre. Thomas der Hase 14. Jh.
FN. de Haas; Hase; Haas (die mehr süddeutsche Form,
in Wien im J. 1875 Haas 137 mal, Haase 16 mal,
Hase 1 mal). Vklf. Häslein. Zss. Feldhase. Kohlhaas
(Conrad dict. Kolhase 1317). Lauerhase. Schellhase.
Schnuphase. Spörhase. Dagegen Kniehase,
Lederhas, Leinhaas und einige andere zu Hose.
Die Zusammensetzungen, in denen Hase den ersten Teil
bildet, sind ziemlich zahlreich:
Hasenbalg (conrad dict. Hasenbalg 1291). Hasenbein
(Cvnrad. dict. Hasenbein 1279). Hasenfuß.
Hasenfratz. Hasenohr; Hasenöhrl. Hasenschart.

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Hasenschlaf. Hasenzagel; Hasenzahl. (Aber
Hasenpoth ist ON., Stadt in Kurland).
Hasenclever III. niederd. „Hasenklee“, vermutlich =
Sauerklee, auch Hasenkohl genannt — doch da es in der
Rheinprovinz einen O. Hasenclev gibt, besser darauf
bezogen.
Hasenschlaf III. der einen „sehr leisen Schlaf“ hat, ähnlich
den Hasen, die, wie man sagt, mit offenen Augen
schlafen.
HASS I. zum Volksnamen der „Hessen“.
FN. (Hassomar): Hessemer.
Einstämmige Kürzung Hass-.
Hasso (noch Vorname), Hesso; Hasse; Haß —
Hesse. Gen. Hessen. Patr. A. Hessing.
Vklf. (l): Hassel — Hessel. Gen. Hessels. Patr. A.
Heßling. (l + n): Heßlein. (k): Hessig.
Haßdenpflug III. Satz-N. „hasse den Pflug“ (ein Bauer, der
des Pfluges überdrüssig ist).
FN. Haßdenpflug; Hastenpflug — Hassenpflug
(entstellt: Hasenpflug).
Haßdenteufel III. Satz-N. „hasse den Teufel“ (s. Teufel).
FN. Hassdenteufel — Haßendeibel — entstellt:
Hassenteifel.
Hassel- III. niederd. „Hasel“ corylus, in Zss. wie
Hasselbrink, -horst, -kamp, -meyer.
Hassenkrug III. Satz-N. „hasse den Krug“, ein
Wirtshausfeind.
Hassenpflug s. Haßdenpflug.
Hassenteifel s. Haßdenteufel.
Hassenwein III. Satz-N. „hasse den Wein“, ein
Wassertrinker.

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Hassesang III. Satz-N. „hasse den Sang“, ein Sangesfeind.
Hastenpflug: s. Haßdenpflug.
Häterich s. Hath (V.).
HATH I. (got. hathus) ahd. hadu, angels. headho „Krieg“.
Schon im 1. Jh. (Catualda).
FN. Hathubald: Hadeball — Happold — Habold;
Habelt — Hebold.
Hadaperht: Habbert — Happert — Happrich —
Haprecht — Hebert. Gen. Habberts. Patr. A.
Haberding.
Vklf. (1): Heberle; Häberlein. Patr. A. Heberling.
Hadufrid: Haffert; Haffer.
(Hadheri): Hedermann.
Hadaleih: Hadlich — Hedlich.
Hadamar: Hattemer — Hammer — Hamer.
Hadarih: Hederich; Hädrich — Hetterich.
Hathuwic (w.): Hadwig — Hattwich — Hawig —
Hedewig; Hedwig — Hettwig. Patr. A. Hadwiger.
Hathovulf: Haleff — Hedloff.
Einstämmige Kürzung Hath-.
Hatte, Hetto: Had — Hatt — Hedde (Hettema
ostfries.). Gen. Hadden; Hatts. Patr. A. Hattinga
(ostfries.) — Heddenga (ostfries.).
Vklf. (l): Hedel. (k): Hattig; Hatje (fries.) —
Hädicke — Hettig. Gen. Hettgen. (z): Hatz —
Hetz — Hetsch — Hasse. (z + l): Hatzel.
Unorg. Hatzold.
Zweistämmige Kürzung Hadb-.
Happo, Habo, Heppo: Happe — Haape — Haabe —
Häpe — Heppe. Gen. Habben — Haabes. G. Plur.

Page 325

Habena (ostfries.). Patr. A. Hebing — Habbinga
(ostfries.).
Vklf. (l): Happel — Habel — Hebbel — Heppel
— Hebel. (k): Hapke — Habich — Hebich.
Hatje s. Hath (einst. K.).
Hatt- s. Hath (V., einst. K.).
Hatz- s. Hath (einst. K.).
Haub- s. Hug (V., zweist. K.).
Haube III. zu den Kleidungsstücken (Waffen, vgl.
Sturmhaube).
FN. Haube. Vklf. Häublein. Zss. Beckenhube.
Haubenschmidt III. „Verfertiger von Sturmhauben“, vgl.
Joh. faber galearum 1347.
Hauber III. „Verfertiger von Sturmhauben“. Auch Heuber
— Haubner — Heubner.
Hauenhut III. Satz-N. „hau (in) den Hut“; verkürzt Hauhut.
Hauenrand III. Satz-N. „hau den Rand“ (Schild), s. das
Folg.
Hauenschild III. Satz-N. „hau den Schild“, Bezeichnung
eines tapfern Kriegers.
FN. Hauenschild; Haunschild — Hauschild. Auch
wohl Hauffschild, worin dann das ursprüngliche w
(ahd. altsächs. hauwan) noch erhalten wäre, vgl.
Howeschild 14. Jh.
Hauer, Hauert s. Hug (V.).
-hauer III. der etwas „haut“ (niederhaut, zuhaut, verfertigt),
in einer Menge Zss., die sich meist von selbst erklären.
FN. Baumhauer (doch auch O. Baumhau in
Oberbayern). Beinhauer. Brethauer. Danhauer.
Eichenhauer. Eisenhauer. Felgenhauer.
Fleischhauer. Holzhauer. Lattenhauer.

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Moldenhauer; Moldenhawer. Pfettenhauer.
Scheidhauer (Scheit-). Schiffhauer. Schildhauer.
Schlothauer — Schlotzhauer. Schopenhauer.
Spornhauer. Staudenhauer. Stubenhauer. Steinhauer.
Telgenhauer. Vaßhauer. Waldhauer.
Mit Umlaut -heuer: Bardenheuer. Bomheuer; entstellt
Baumheier (Wien). Holzheuer. Krummheuer.
Scharfheuer. Steinheuer. Vatheuer. Waldheuer.
Hauffe s. Hug (zweist. K.).
Hauffschild s. Hauenschild.
Haug, Hauhardt s. Hug.
Hauk- s. Hug (einst. K.).
Haumersen s. Hug (V.).
Haun- s. Hun (V., einst. K.).
Haupers s. Hug (V.).
Haupt a) I. s. Hug (Hugibald, -bodo) b) III. got. haubith,
ahd. haubit, mhd. houbet:
1) als Körperteil, auch in mannigfachen Zss. — Piscator, qui
vocatur Durrehoubith 1256. Joh. Hoybit 1339. z. T. durch
Häuserzeichen vermittelt (S. 60).
FN. Breithaupt. Dünnhaupt. Guldenhaupt. Kraushaupt.
Rauchhaupt. Rothhaupt. Schönhaupt. Schwarzhaupt.
Weißhaupt. Wollenhaupt.
2) in Bergnamen und für Quelle (z. B. Brunhoibet 13. Jh.),
ON. bildend auf -haupt, -haupten.
FN. Weidenhaupt. Mühlhaupt.
Niederd. -höft (mit langem ö), in mancherlei Zss., die wohl
meist Ortsbezeichnungen sind.
FN. Höft — Bernhöft (vgl. Conrad. Berenhoufed 1278
— wohl ein ON., vgl. z. B. Bernhaupten in Bayern).
Bornhöfft (O. Bornhöved). Bredehöft (Breithaupt).

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Düsterhöft. Düvelshöft (vgl. hochd. FN. Teufelskopf).
Lamshöft. Schönhöft. Wiedenhöft. Witthöft.
Hauptmann III. „Burghauptmann“.
Haurand III. Satz-N. „zerhaue den Rand“ d. i. den Schild
(mhd. rant), älterer Ausdruck als Hauschild.
Haus-, Häus- s. Hus.
Haus III. ahd. mhd. altsächs. hûs. Schon bis zum J. 1100
sind nicht viel weniger als tausend ON., die dies Wort
enthalten, überliefert. Neuhochd. -haus — niederd. -hus,
in anderer Schreibung -huus, -hues.
FN. 1) Backhaus (auch ON.); Backhus.
Neuhaus — Neuenhaus (elliptische
Dativform); halbhochd. Niehaus —
Nienhaus. Steinhaus. Wirminghaus (O. -
hausen Westfal.). Niederd. Brockhus —
Brockenhuus.
2) Düsterhues. Grothues. Heidhues;
Heithus. Lieckhues. Oldehus.
Overholthus (Papenb.). Overhues.
Osthues. Westhues. — Steins (1590
Steinhues).
3) An der holländischen Grenze (von
Aurich bis Rees) findet sich die F. -huis
(Joh. Steenhuys 1488. Köln. Univ.-
Matr.) Beckhuis. Bülthuis (Emden).
Groothuis. Nyhuis — Nyenhuis.
Veenhuis.
Häufig tritt Haus im elliptischen D a t i v P l u r . auf: (diu
stat) ze den nordhusen „(die Stadt) zu den Nordhäusern“,
daraus gekürzt: Nordhusen. Daher nhd. die ON. auf -
husen, -hausen (die auf -hus, -husen endigenden sind in

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der Schriftsprache jetzt sehr beschränkt, wohl eigentlich
nur noch niederd.).
FN. 1) Camphausen. von Ernsthausen.
Holzhausen neben Holthausen und
Holthusen (alle drei FF. auch als ON.:
Holzhausen 92 mal in den
verschiedensten Gegenden
Deutschlands, Holthausen 32 mal auf
niederdeutschem Gebiet, Holthusen
dagegen nur 4 mal Rud.). Schaffhausen.
Seehausen. Steinhausen. Thannhausen.
Westerhausen. — v. Gillhaußen.
Ballhause (O. -hausen).
2) v. Brockhusen (vgl. hochd.
Bruchhausen). Niehusen. Riepenhusen.
Wachenhusen (O. -hausen).
3) An der holländ. Grenze -huysen (in
vollständig holländ. Schreibung -
huyzen): Geesthuysen. Groethuysen.
Nienhuysen. Wardhuisen.
Merkwürdig sind die Abkürzungen, die bei der Länge dieser
Bildungen auf -hausen (häufig fünfsilbig:
Mengeringhausen, Eddigehausen) hier in besonderem
Maße Platz gegriffen haben. Hunderte von N. zeigen jetzt
nur noch ein -sen, wie Evereshusen jetzt Eversen,
Elidagshusen — Eldagsen, Otinhusen — Ottensen,
Amelungshusen — Amelunxen, während in andern Fällen
beide Formen, die vollständige und die
zusammengezogene, neben einander stehen: Holzen
neben Holthausen (im Kreise Iserlohn).
FN. v. Adelebsen. Algermissen (O. in Hannover, alt
Alegremishusen). v. Amelunxen. v. Bennigsen.
Dangersen. Elligsen. Hovedissen (ursp.
Hohwartinghusen). Mackensen. Mengersen (neben
ON. Mengershausen). Rohrsen. — v. Berlepsch (O.
1442 noch: Berleibessen).

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Ableitung auf -er (oberd.):
1) -hauser: Neuhauser. Rotthauser (O. -
haus und -hausen). Steinhauser.
2) -häuser (im südlichen Teil der
Rheinprovinz, Nassau, Hessen,
Thüringen, Schlesien): Häuser; Häusser
(O. Haus, Hauß mehrfach). Ernsthäuser.
Frankenhäuser. Froschhäuser.
Kaltenhäuser. Niederhäuser.
Rothenhäuser (O. -haus und -hausen).
Steinhäuser und -häußer. Tannhäuser.
Windhäuser — bisweilen in der
Schreibung -heuser: Anheuser (O.
Anhausen). Oppenheuser.
Entstellt -heiser: Packheiser (O. -
hausen). Tannheiser.
3) niederd. -hüser (westfälisch, selten):
Hüser. Berghüser. Niehüser. Rodehüser.
Hauschild s. Hauenschild.
-hause s. Hose.
-hausen s. Haus.
Hauser s. a) II. Balthasar b) III. „einer aus Hausen“.
-hauser, -häuser s. Haus.
Häusler III. im östlichen Mitteldeutschland 1) ein
Landmann, der ein eigenes Haus, aber wenig oder gar
keinen Acker besitzt, 2) ein Dörfler, der im fremden
Hause zur Miete wohnt, Tagelöhner.
Hausmann III. mhd. hûsman 1) „Vorstand einer
Haushaltung“, bes. einer ländlichen 2) „Hausbewohner,
Mietsmann“ 3) „Wächter und Schließer eines Hauses“,

Page 330

bes. Burgwart. Vgl. das mittelalt. lat. husimanni im 12. Jh.
„zinspflichtige Hofleute“.
FN. Hausmann. Haußmann. Gen. Huismanns
(ostfries.).
-haußen s. Haus.
Haute III. niederd. Satz-N. „hau zu“ — auch Hautau.
Hautop s. Hotopp.
Hautz s. Hug (einst. K.).
Havemeister s. Hofmeister.
Hawig s. Hath (V.).
Hay- s. 1) Hag (V., einst. K.) 2) Haid (V.).
Hayduck s. Heyduck.
Hayn- s. Hagan (V., einst. K.).
Haza v. Radlicz III. ein jetzt westpreußisches Geschlecht,
urspr. Hase, aus Radlitz bei Steinau stammend, änderte
seinen Namen so in Polen um (Winckler, Nationalitäten
Pommerellens S. 91).
Heb- s. Hath (V., zweist. K.).
Hebbel s. Hath (zweist. K.).
Hebenkrieg III. Satz-N. „einer, der den Krieg anhebt“.
Hebenschimpf III. Satz-N. „der den Scherz anhebt“,
Spaßmacher.
Hebenstreit III. Satz-N. „der den Streit anhebt“ (Michel
Hebdenstreit 1591) — auch Hebestreit.
Hebetanz III. Satz-N. „Vortänzer“.
Hech-, Heck- s. Hag (V., einst. K.).
Hecht III. „Hecht“ Wienand Heketh 1316 (Lipp. Reg.).
Hecker a) I. s. Hag b) III. „Gärtner“.

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Hed- s. Hath (V., einst. K.).
Hedd- s. Hath (einst. K.).
Heer- s. Hari (V., einst. K.).
Heg- s. Hag (V., einst. K.).
-hege s. Hag III.
Heger a) I. s. Hag b) III. „Forstaufseher“.
Hehn s. Hagan (einst. K.).
Hehrlin s. Hari (einst. K.).
Hei III. ahd. heio, mhd. heie der „Heger, Aufseher, Hüter“.
FN. Hey. Zss. Bruckhei; Bruggey — Prugghai (bayr.).
Fischhei. Grashei (Cunrad Grashay 1318),
umgedeutet Grasheu. Halmhei; Halmheu. Holzhei,
Holtzhey — gew. jetzt Holzheu. Kerkhei. Öschey.
Wieshei; Wiesheu.
Heiartz, Heib- s. Hag (V.).
Heicke s. Hag (einst. K.).
Heid- s. Haid I.
-heide, -heider, -heidt s. Haide III.
Heidorn s. Hagedorn.
Heier, Heigis s. Hag (V.).
-heier s. Hauer.
Heil- s. Hail.
Heiligensetzer III. „der Heiligenbilder aufstellt“.
Heilmeyer III. „M., der ein heiles Erbe hat“, Vollhüfner.
Helm- s. 1) Hag (V.) 2) Heim I.
-heim, -heimb s. Heim III.

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HEIM I. got. haims Dorf. ahd. mhd. heim „Haus, Heim“.
FN. Haimperht: Heimbrecht; Heimbrodt.
Heimard: Heimert; Heimer.
Haimrich: Heimrich; Heimreich — Himmrich —
auch durch Abschwächung des m: Heinrich, wo
dann die FF. mit Hagen- in einander fließen.
Heimoald: Heimhold.
Einstämmige Kürzung Heim-.
Haimo: Heime; Heym, Haim. Gen. Heimes.
Vklf. (l): Heimle. (k): Heimke — Hiemke.
Bem. Mischt sich mit Hagen (Hein), bes. in den
Vollnamen, deren zweiter Teil mit b anlautet.
Heim III. got. haims Dorf, Flecken, ahd. mhd. heim „Haus,
Heim“ (altsächs. hêm, angelsächs. hâm, dah. engl. -ham).
An ehrwürdigem Alter können sich die hiermit gebildeten
ON. denen auf -burg an die Seite stellen: Βουίαιμον 1. Jh.,
Τευριοχαίμαι 2. Jh. Der sich schon in alter Zeit
entwickelnden Formenfülle steht eine gleiche in den
neueren ON. gegenüber.
Die gewöhnliche, tausendfach wiederkehrende Gestalt (in
dem Elsaß und der Schweiz die einzige) ist -heim,
demnächst ziemlich häufig -ham (bes. in Oberbayern, in
merkwürdiger Übereinstimmung mit den englischen ON.
auf -ham, der Art, daß ganz unbedeutende bayrische u.
österreichische Dörfer mit berühmten englischen O. im
Namen zusammenfallen, wie Durham, Graham) — selten
-hem. Mit Schwinden des anlautenden h: -am, -em, -im; -
um, -om (nordwestdeutsch und flandrisch z. B. Dahlum,
älter Dalehêm). Zuletzt abgeschliffen in -en (Holzen aus
Holzheim).

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Aus -heim (ham) mit vorausgehendem K-Laut (-incheim)
entwickelt sich -kam (z. B. Zeiskam in Rheinbayern, 1109
Ceizencheim).
FN. 1) -heim: v. Pappenheim. v. Veltheim —
zuweilen im Auslaut mit b: v. Edlhaimb.
v. Gilgenheimb. Meerheimb (Stammort
Merheim Rheinpr.). v. Quernheimb (O.
Quernheim). Aronheim jüdischer
Phantasie-N.
2) -ham: Langham (Wien, neben -heim).
3) -hem: Berghem. v. Beughem.
4) -em: v. Medem (Gött. UB. 1390: Thylo
v. Medeheym; derselbe 1394 Thile v.
Medehem, 1383 Tile v. Medem
genannt). Aussem. Bachem. Holzem.
Kochem (Kochem, eigentl. Kochheim a.
d. Mosel). Liessem. Olzem (O.
Olzheim). v. Einem. Yxem (O. Ixheim in
Bayern). Vonvolxem (Trier) = von
Volxheim (O. in Hessen).
5) -im: Arnim, v. Arnim (Arnheim, -hem in
den Niederlanden; Arnim Dorf in der
Altmark).
6) -um: v. Ankum. Borsum. Deckum. v.
Holtum. Schlickum (O. Schliekum).
Stockum.
7) -en: Meeden.
Ableitung auf -er (oberd.):
1) -heimer: Dahlheimer. Weinheimer.

2) -hamer, -hammer (schon 1342 Ulr.
Heilhamer Augsb. = Heilheimer Bacm.):
Berghammer (Bergheim häufiger ON.,
auch in Bayern). Bockhammer.
Buschhammer. Esterhammer (=

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Österheimer Steub S. 85). Forchhammer
(O. Forchheim). Froschhammer;
Frohschammer. Grahammer.
Grieshammer. Haushammer. Hundhamer.
Klughammer. Kohlhammer. Langhammer.
Lindhammer, -hamer. Mooshamer (O.
Moosham). Mühlhammer. Oberhammer.
Pertenhammer. Rothhammer.
Schellhammer (= Schelchheimer).
Schönhammer. Schwinghammer.
Thalhammer (O. Thalham 38 mal Rud.).
Weilhammer. Werthhammer.
3) -amer, -ammer: Holzamer, Holzammer (O.
Holzheim, Holzem). Rügamer — Rigamer
(O. Rügheim).
-kamer, -kammer („ich Klaus
Langenlohr den man nempt Cleinkamer“
— sonst auch Klinghamer, -haimer
Augsb.): Bergkammer. Langkammer.
Volckamer, Vollkamer.
-samer: Attensamer (Attensheimer).
Reitsamer, Reizamer (Reizheimer).
Tuffensamer (Tuffensheimer). Ulsamer
(Ulzheimer). — Hexamer.
4) -emer: Bullemer (O. Bullenheim).
Leidemer. Lendemer. Rügemer; Rügmer.
Stockemer. (S. über alle diese Bildungen
auf -hamer usw. Steub S. 148 f.).
-heimer s. Heim III.
Hein- s. Hagan (V., einst. K.).
Heinevetter III. „Vetter Heinrich“ vgl. niederdeutsch
Jacobohm, Trinatante.
Heinitz s. a) I. Hagan b) III. ON.
Heipt s. Hag (V.).

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Heis- s. Haid.
-heiser s. Haus.
Heister III. junger Buchenstamm (davon franz. hêtre), in
Zss. wie Heisterkamp — Hestermeyer. Buchheister.
Heit- s. Haid.
Helb- s. Hild (V., zweist. K.).
Helders s. Hild (V.).
Helf- s. 1) Hild (V.) 2) Hilp.
Helgenmacher III. „Verfertiger von Heiligenbildern“.
Hell s. Hild (V., einst. K.).
Hellenbrecht, Hellm- s. Helm.
HELM I. got. hilms, ahd. mhd. helm „Helm“ (von helan
„hehlen“ d. i. bergen, schützen).
FN. Helmbald: Helmbold.
Helmperht: Helmbrecht — Hellenbrecht (zerdehnt,
vgl. Hellebarte aus Helmbarte).
Helmdag: Helmentag.
Helmhart: Helmert; Helmer. Gen. Hellmers. Patr. A.
Helmerding.
Hilmerad: Helmrath.
Helmirich: Hellmrich; Helmreich. Gen. Helmerichs.
Helmold: Helmold; Helmet. Gen. Helmholtz.
Einstämmige Kürzung Helm-.
(Helmo): Helm. Gen. Helms. Patr. A. Helming.
Vklf. (l): Helmle. Patr. A. Helmling. (k): Helmcke;
Helmich. (k + n): Helmchen. Gen. Helmgens.
Auslautend (103 mal Först.).
-helm: Reichhelm.
Helwert s. Hild (V.).

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-hem s. Heim.
Hemberle, Hemmerding, Hemper s. Hagan (V.).
Hemme s. Ham.
Hemptenmacher III. „der Himten macht“, mittelniederd.
hemete ein Getreidemaß. Himptenmacher 1667.
Hend- s. Hagan (V.).
Henk-, Henle s. Hagan (einst. K.).
Henkord = Henne Kordes (Preuß).
Henn- s. a) I. Hagan (V., einst. K.) b) II. Johannes 5.
Henold, Henrich s. Hagan (V.).
Hens- s. a) Hagan (einst. K.) b) Johannes 4.
Henschel s. Hagan (einst. K.).
Hente s. Hand I.
Hentrich s. Hagan (V.).
Henz- s. Hagan (einst. K.).
Hepp- s. Hath (zweist. K.).
Her- s. Hari (V., einst. K.).
Herb- s. Hari (zweist. K.).
Herbst III. ahd. herbist, mhd. herbest eigentl. die Jahreszeit
der Früchte (vgl. griech. καρπός, lat. carpo). Jacob dict.
Herbist 1315.
Herd- s. Hard (V., einst. K.) — doch
Herdegen s. Hari.
-herder s. Herter.
Hering a) s. Hari (einst. K.) b) III. der bekannte Fisch,
altniederd. Harink. Zss. Vollhering.
Hermeler s. Hari (zweist. K.).

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Herold a) I. s. Hari (V.) b) III. der „Herold“.
Herpp s. Hari (zweist. K.).
Herpffer III. mhd. harpfaere, härpfer „Harfner“.
Herr- s. Hari (V., einst K.).
Herrgott III. von gewohnheitsmäßigem Ausruf (vgl.
Simmergott u. a.) — wenn nicht von Herigaud (s. Hari).
Herrnschwager III. „Hahnrei eines Vornehmen“ (Vilm.).
Hert- s. Hard (V., einst. K.).
Herter a) s. Hard (V.) b) III. mhd. hertaere „Hüter der
Gemeindeherde“ DW.
FN. Herter — Herder. Zss. Schapherder. Nied. auch
Harder (vgl. holl. harder, herder).
Herz III. 1) ahd. herza, mhd. herze das „Herz“, bes. wohl in
Zss. wie Gutherz.
2) Hirsch s. Hiruz.
FN. Herzberg. Herzfeld.
-herz a) I. Gen. von -hart, -hert (s. Hard auslautend) b) III.
Zss. mit „Herz“ (s. das Vorhergehende).
Herzog III. mhd. herzoge „Heerführer“ (wie magezoge
„Knabenführer, Erzieher“) s. übrigens S. 42. Hermen de
Hertoge 1330.
FN. Herzog. Niederd. Hartog. (Franz. Leduc.)
Hespe III. „einer aus Hesepe oder Hespe“ (in Hannover).
Hess-, Heß s. Hass.
Hesse s. a) I. Hass b) III. „Hesse“.
Hester- s. Heister.
Hett- s. Hath (V., einst. K.).
Hetsch, Hetz s. Hath (einst. K.).
-heu s. Hei.

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Heubaum III. „Baum“ (Balken), der oben über den
beladenen H e uwagen gelegt wird.
Heuber, Heubner s. Hauber.
Heubes s. Hug (zweist. K.).
-heuer s. Hauer.
Heug- s. Hug (einst. K.).
Heun- s. Hun (V., einst. K.).
Heus- s. Hus.
-heuser s. Haus.
Hey s. a) I. Hag (einst. K.) b) III. Hei.
Heybold s. Hag (V.).
Heyckel s. Hag (einst. K.).
Heyd- s. Haid (V., einst. K.).
Heydorn s. Hagedorn.
Heyduck III. N. eines „ungarischen Volksstammes“;
„Bedienter“ (Läufer). Auch Heuduck.
Heyer s. Hag (V.).
Heyken s. Hag (einst. K.).
Heyl- s. Hail.
Heym s. Heim.
Heymann a) s. Hag (V.) b) jüdischer N.
Heymer s. Hag (V.).
Heyne s. Hagan (einst. K.).
Heypertz, Heyrich s. Hag (V.).
Hib-, Hibb- s. Hild (zweist. K.).
Hick- s. Hild (einst. K.).

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Hidd- s. Hild (V., einst. K.).
Hieb- s. Hild (zweist. K.).
Hiecke s. Hild (einst. K.).
Hied- s. Hild (V., einst. K.).
Hientzsch s. Hagan (einst. K.).
Hieronymus II. griech. „einen heiligen Namen führend“;
der h. Hieronymus, der gelehrteste unter den
Kirchenvätern des Abendlandes, gest. in einer Zelle bei
Bethlehem 430 n. Chr.
FN. Hieronymus. Gen. Hieronymi. — Kronymus (S. 38)
— Grulms; Grolms — Grommes.
Hies- s. Matthias.
Hietzschold s. Hild (einst. K.).
Hil- s. Hild (V., einst. K.) — bei Hilf- s. zugleich Hilp.
HILD I. (s. S. 14) zu ahd. hiltja, altsächs. hild „Kampf“
(vgl. die altnord. Walküre Hildr). Sowohl anlautend als
auslautend einer der häufigsten Wortstämme; erste Spur
Thusnelda 1. Jh. Die fränkischen N. mit scharfem Hauch
im Anlaut: Childerich.
FN. Hildibald: Helbold.
Hildibert: Hildebrecht — Hillebrecht — Hilbrecht;
Hilprecht; Hilbert; Hilberath; Hilbraht —
Hippert; Hipper. Gen. Hilbers. Patr. A.
Hipperling.
Hildibrand: Hildebrand — Hiltebrandt —
Hillebrand — Hilbrand — Hillenbrand —
Hillerbrand — Hüllerbrand. Gen. Hildebrands —
Hilbrands; Hilberns. Patr. A. Hillebrenner (Preuß
19).
Hildidag: Hildach.
Hildifrid: Hilfert; Hilfer. Gen. Helfritz; Hellfritzsch.
Patr. A. Helferding (oder auch zu Hilp).

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Hildigar: Hilliger — Hilger; Hilker. Gen. Hilgers.
Hildigard: Hildgard — Hilgert — Hülgerth.
Childard: Hillardt; Hillert — Illhardt.
Hildier: Hilder — Hiller — Heller. Gen. Hillers;
Hillerns (ostfries.).
Hildeman: Hildemann — Hiltmann — Hillmann —
Heldmann (auch zu Held) — Hiddemann;
Hiddema (ostfries.) — Hittmann — Hiedemann —
Illmann.
Hildimar: Hillmar; Hilmer — Hellmar — Illmer.
Gen. Hillmers — Hellmers (auch zu Helm).
Hildimod: Hellmuth.
Hiltimund: Hellmundt.
Hildiric: Hillrich — Heldrich — Hellerich —
Illerich. Gen. Hilrichs.
Hildiward: Hildewerth — Helwert.
Hiltiwic: Hildewig — Hillwich — Helwig, Hellwieg;
Helweg.
Hildiwin: Hildwein — Heldwein — Hellwein.
Hildulf, Iltolf: Ilwof — Ihloff.
Einstämmige Kürzung Hilt-.
Hildo, Hillo, Ilo, Hiddo: Hild, Hilt — Hille — Helle
— Hidde — Ihle. Gen. Hils. Patr. A. Hilling —
Hidding — Hitting — Illing.
Vklf. (i): Hilti (schweiz.). (l) Hildulo: Hildel —
Hiltl (bayr.) — Hillel — Hittel — Hiedel. (k):
Hildico, Hicko (Stark 73); Hillig; Hilke —
Hicke — Hiecke. Gen. Hilliges — Illies; Ilges
(Kleve). (k + l): Hickel. (k + n): Hildikin:
Hilcken — Hicken — Iltgen. (z): Hildizo, Hizo:
Hiltz — Hitze — Hiss. (k + z): Hitzke —
Hitschke. Unorg. Bildung: Hietzschold (Kgr.
Sachsen).

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Zweistämmige Kürzung Hildeb-.
Hilbo, Hibbo, Hibo, Ibo: Hilb — Hibbe — Hippe —
Hibo — Hieb — Ibe. Gen. Hibben — Hippen —
Hieben. Patr. A. Helbing — Hibbing.
Vklf. (l): Hippel — Hiebl. (k): Hilbig — Helbig
— Ilbig — Ibig.
HILP I. got. hilpan, ahd. helfan „helfen“.
FN. Helpfrid: Helfert — zsgz. Helft. Patr. A.
Hülferding.
Hilpericus: Hilfrich — Helferich; Helfrich.
Einstämmige Kürzung Hilp-.
Helpo: Hilfe — Helff.
Himmelfahrt III. zu den Zeitnamen, ahd. himilfart.
Dagegen Himmelreich häufiger ON. (32 mal Rud.)
Himmrich s. Heim.
Hin- s. Hagan (V., einst. K.).
Hinckeldey, Hinckelthey s. Angil.
Hingst III. niederd. „Hengst“.
Hinnen III. urspr. Dahinden (Tobler-M.).
Hipp- s. Hild (V., zweist. K.).
HIR I. got. hairus, altsächs. heru „Schwert“ (auch im Volks-
N. der Cherusker). Hiribert. Hiriger.
FN. Einstämmige Kürzung Hir-.
Hiro: Ihr. Vklf. (k): Irig.
-hirn s. Horn III.
Hirsch a) I. s. Hiruz b) III. wohl meist durch Vermittelung
von Häuser-N. — in jüdischen FN. besonders beliebt,
nach dem Segen Jakobs (1. Mos. 49, 21). Auch Hersch.
Franz. Cerf.
Hirschsprung III. ON. (im Kgr. Sachsen).

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Hirsing s. Hiruz.
Hirte III. got. hairdeis, ahd. hirti, mhd. hirte.
FN. Hirth. Zss. Geißhirt (mhd. geiȥhirte). Lämmerhirt.
Ochsenhirt. Roßhirt. Schafhirt. Ziegenhirt.
HIRUZ I. ahd. hiruz, mhd. hirz der „Hirsch“. Hirizpero 11.
FN. (Hirizleip): Hirschleb; Hirschlaff (niederd.).
Einstämmige Kürzung Hirz-.
Hiruz: Hirtz — Hirsch. Patr. A. Hirsing.
Vklf. (l) Hirzula: Hirzel — Hirschel
(Hirschelmann).
Hiß, Hitschke s. Hild (einst. K.).
Hitt- s. Hild (V., einst. K.).
Hitz- s. Hild (einst. K.).
Hitzig III. der getaufte Sohn des Hofbankiers Itzig in Berlin
nannte sich Hitzig.
HLOD I. zur Wurzel hlu hören (ahd. hlût „laut“) — doch
mit dem Sinne des griech. κλυτός, lat. (in)clytus
„berühmt“, welche sich nach dem Gesetze der
Lautverschiebung mit hlod decken. (Berührt sich schon
früh so nahe mit liud, daß eine sichere Scheidung in den
wenigsten Fällen, hauptsächlich nur bei den mit K und G
anlautenden FF., die nur zu Hlod gehören, stattfinden
kann).
FN. Chlodobert: Löpert — Kohlbrey (Preuß S. 7, 1488:
Koldebrig).
Chlodochar: Klöter — Klüter — Clauder — Loder
— Lotter — Löther — Lauter. Gen. Lodders.
Hlodmar: Lotmar — Luthmer — Lohmar — Lommer
— Löhmer — Laumer. Gen. Lottmers — Lutmers
— Lüttmers.
Chloderich: Lorich; Lorey — Lörick — Laurich.

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Clodowald: Lothal Gen. Lothholz.
Chlodowich 5.: Ludowieg; Ludwig, Ludwich. Gen.
Ludowigs; Ludwigs (latinis. Ludowici) —
Lodewyks (ostfries.).
Chlodulf: Ludolf; Ludloff - Löloff — zsgz. Lülf —
Looff — Löff — Lauff. Gen. Lulfs — Lüdelfs —
Lülwes.
Einstämmige Kürzung Hlod-.
Chlodio, Hludio, Lotto: Klode — Kloth — Gloth —
Klott — Klute — Gluth — Klutt — Klütmann —
Glöde — Claude — Clauth (latinis. Clodius,
Claudius).
Lode — Loth — Lott — Löhde — Luth — Laute;
Lauth. Gen. Looden (ostfries.) — Lotinga
(ostfries.). Patr. A. Löding.
Vklf. (i): Klöthi (schweiz.). (l) Lullo: Ludl — Loll.
Patr. A. Lolling. (k) Claodicus: Klocke — Kluck
— Löttge (latinis. Lotichius). (z) Hludizo, Lozo:
Klotz — Klotsch — Klötsch — Lotze (Zss.
Langelotz) — Lotsche — Lutze (Lutzemann) —
Lutsche — Loutsch (Luxemb.) — Lautz —
Lautsch. Gen. Lutets (ostfries.). Patr. A. Lotzing.
(z + l): Klötzel. (k + z): Klötzke.
Zweistämmige Kürzung Hlodf-.
Patr. A. Löhdefink — Lohfink.
Ho- aus Hoch abgeschliffen in Hobaum, Hobusch, Hometer
u. a. (vgl. Elbinger Urk.: Pauwel von Rusdorff homeister
1431 d. i. Hochmeister). Doch wird auch Hof- mitunter in
Ho- abgeschliffen (s. Hofmeister).
Hob- s. Hoh.
Hobb- s. Hug (zweist. K.).
Hobein III. = Hochbein.

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Höbel, -höbel s. Hübel.
Hoch- s. Hoh.
Hocker, Höcker s. Hug (V.).
Hodemacher III. rein niederd. Hodemaker „Hutmacher“.
Hof III. jetzt wie in alter Zeit ein eingehegter oder
eingezäunter Raum — in hunderten von alten und
tausenden von neueren ON.: Hof, -hof, -hofen (elliptischer
Dat. der Mehrzahl, ahd. hovum, abhängig zu denken von
einem Verhältniswort).
FN. auf dem Hofe. van Hove. Baumhove (ellipt. Dat.).
Hoff. Berghoff. Blumhof. Eckhoff. Eickhoff.
Graßhoff. Grönhoff. Herdieckerhoff. Holthoff.
Kirchhof. Kruithof (Emden). Nordhof. Osthof.
Sudhof. Westhof; Westerhof — in vielen dieser N.
mehr appellativ, indem Nordhof „den von dem
Nordhofe“, Sudhof „den vom Südhofe“ bezeichnet.
Eschhofen. Frohnhofen. Udelhofen (O. Udelhoven). v.
Westhofen. — v. Hoven. Aldenhoven. — v.
Morenhoffen (O. -hoven). v. Pfaffenhoffen.
Ableitung auf -er (oberd.):
1) -hofer: Hofer. Blumhofer. Duttenhofer.
Gsellhofer (bayr.). Rittershofer.
Schweighofer. Stadelhofer. Kirchhoffer (O.
Kirchhof u. -hofen). Westenhoffer.
2) -höfer: Berghöfer. Fronhöfer. Sandhöfer.
Schweighöfer. — Dörnhöffer.
Klingelhöffer. Neuhöffer.
3) -hofner: Ganghofner.
Bemerkenswert ist die schweizerische
Zusammenziehung -kon, abgestumpft -ken, aus
ursprünglichem inc-hovun, z. B. Zollikon aus Zollinc
hovun, (zu) „den Höfen des Zollinc“; Hüttikon aus
Huntinchovun, Luderetikon aus Ludretinchovun;

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auch Leutmerken aus Liutmariochova. — Vor 1100
nicht in einer Urkunde gefunden, auch im 12. Jh.
noch sehr vereinzelt, ist diese F. -kon das ganze 13.
Jh. hindurch fast schon die allein herrschende. Die
ältere F., allerdings mit Ausstoßung des h, ist
erhalten in Bayern (Gangkofen, Mattenkofen), den
preußischen Rheinlanden (Diepenkofen).
Die FN. nun bewahren die alte F., auch wenn die ON.
jetzt nur die jüngere, zusammengezogene aufzeigen,
ein Beweis, daß die Ableitung der FN. schon früh,
mindestens im 12. Jh., stattgefunden hat. So steht
Zollikofer neben Zollikon (Zürich), Mörikofer neben
Möriken (Aargau), Oppikofer neben Oppikon
(Thurgau), Puppikofer neben Puppikon (Thurgau) —
Ganghofer neben Gangkofen (Niederbayern)
hat sogar das h bewahrt. Dagegen entsprechen sich
Orts- und Fam.-N. in den bayrischen
Hüttenkofer (O. Hüttenkofen Niederbayern);
Hittenkofer. Pangkofer (Pangkofen Niederbayern).
Radlkofer (Radelkofen Niederbayern).
Dändliker (O. Dändlikon). Kölliker (Kölliken
Aargau).
Vereinzelte FF. sind: Edigkaufer (München);
Messikomer aus Messikon = Messinghofen.
-höfel s. Hübel.
-hofen, -hofer, -höfer s. Hof.
Höfener s. Huber.
Hofer III. 1) ein „zu einem Herrenhofe gehöriger Untertan“
vgl. Eberhard von dem Houe 1287. Fridrich und Otte die
Hofer 1291 2) Ableitung von dem ON. Hof.
FN. Hofer — Höfer.
Hoffartz s. 1) Hoh 2) Hug.

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Hoffendrunk III. Satz-N. „hoffe einen Trunk“, ein
Spielmann, der auf einen Trunk hofft.
-höffer s. Hof.
Hoffert s. Hoh.
Hoffmann s. Hofmann.
Hofmann III. ahd. hovaman, mhd. hoveman 1) jemand, der
als „Ingesinde“ am Hofe eines Fürsten lebt (in diesem
Sinne auch Höfling, welches ebenfalls FN.) 2) der einen
Hof (Gehöft) bewohnende Bauer, „colonus; rusticus, qui
colit fundos“ = Hofsäß.
FN. Hofmann, gew. Hoffmann geschrieben (Hoffmann
von Fallersleben). — Vereinzelt: Hovemann. Gen.
Hoffmanns. Niederd. Hafemann.
(Daß Hoffmann trotz dem ff nichts mit „hoffen“, niederd.
hapen, hapeninge zu tun hat, demnach nur im Scherze mit
dem griech. Elpenor übersetzt werden kann, beweisen die
niederd. FF., die das f (v) bewahren: Houeman d. i.
Hoveman, Hoffmann Klemp.).

Hofmeister III. mhd. hovemeister 1) hochgestellter Beamter
bei Hofe, „Aufseher über die Hofdienerschaft“,
Ceremonienmeister 2) „Aufseher über die Knechte eines
Gutes“ (in Vorpommern und Mecklenburg „Statthalter“).
FN. Hofmeister, Hoffmeister — daraus abgeschliffen
Homeister (vgl. Hômêster im Osnabrückischen).
Niederd. Havemeister.
Hög s. Hug (V., einst. K.).
Hoge, Hög- s. Hug (einst K.).
Hogenkamp III. niederd. „(auf dem) hohen Kamp“.
Abgekürzt Hokamp.
Hogrebe, -fe = Hochgrebe s. Graf.

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HOH I. got. hauhs, ahd. mhd. hôh „hoch“ (in FN. schwer
von hug zu trennen).
FN. Hochbert: Hobrecht; Hobert.
Hoffred: Hoffert. Gen. Hoffartz.
Homan: Hohmann, Homann.
Hohmuot: Hochmuth — Homuth.
Einstämmige Kürzung Hoh-: Hohe — Hoche; Hoch.
Hohn III. got. hauns, ahd. hôni „niedrig“ (woher nhd.
Hauptw. „Hohn“). In ON. Hohn, -hohn; Hohne.
Hierher gehören wohl mehrere in Westf. vorkommende FN.
auf -höhner, außer dem einfachen
Höhner — Diekhöner. Stranghöner. Wellhöner.
Traphöner und einige andere — auch Siebenhüner.
Höhn- s. Hun (einst. K.).
Hohnschop III. niederd. „mit hohem Haarschopfe“ (Pott S.
592).
Holb- s. Huld.
Hokamp s. Hogenkamp.
Hold-, Höld- s. Huld.
Holderbaum s. Hollunder.
Hölger, Holk, Holl- s. Huld.
Holland III. FN. — davon Hollenders (Bocholt).
Hollenweger III. (Zürich) „der am Hohlweg“.
Hollinderbaum s. Hollunder.
Höllriegl III. mhd. hellerigel (der die Rückkehr aus der
Hölle versperrt) „Höllriegel“.
Höllwarth s. Huld.
Hollunder III. ahd. holuntar, von hol und tar d. i. triu =
„Hohlbaum“.

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Holm III. in Niederdeutschld. „kleine Insel, Werder“ —
häufig in ON.
Holscher, Hölscher s. Holzschuher.
Holsch(en)macher III. = Holzschuhmacher, vgl.
Holtscomekere 1380 (Braunschw.).
Holste III. zsgz. aus Holtsate „ein im Holz Ansässiger“,
entstellt Holstein (aus der Mehrheit Holtsaten, Holsten),
Holsteiner. Altertümlich und dichterisch noch jetzt
„Holste, Holstengau“.
FN. Holste; Holst. Holstein.
Holt niederd. = Holz, in Holtmann, Eickholt, Tenholte.
-hölter s. Holz.
Holtfreter III. niederd. (Vorpommern) „Holzfresser“.
Spottname vgl. Fleischfresser.
Holz a) I. durch Umdeutung aus dem für niederd.
Gattungsnamen gehaltenen holt u. aus olds entstanden.
Helmholtz aus Helmolt und Gen. Helmolds s. Walt.
b) III. Holz im Sinne von „Wald“, nach dem Stoffe, woraus
derselbe besteht. In ON. seit dem 8. Jh. nachweislich:
Holz, -holz; niederd. -holt.
FN. Holtz (Ulr. im holtz 1404 — vgl. franz. du Bois,
Dubois). Zss. Buchholz. Eichholtz. Erlenholz —
Elsholtz. Fahrenholtz (sechsmal ON. in
Niederdeutschland, außerdem Vahrenholz in Lippe-
Detmold, Vahrholz in Provinz Sachsen; daher nicht
als imperativischer PN. zu fassen = „fahr in das
Holz“ s. S. 50 ff.). Nordenholz.
Niederd. (bes. westfälisch): Bockholt (= Buchholz,
daher eig. mit gedehntem o, wie bei Klempin
Bokholt neben Bockholt). Eickholt (Eichholz). Graf
zu Westerholt.
Ableitung auf -er: Banholzer. Bohnholzer. Buchholzer.
Eichholzer. Niederd. -hölter (westf.): Echterhölter.

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Heithölter. Südhölter. Bergholter (Mecklenb.).
c) III. Geräte bezeichnend:
FN. Keilholz. Krumbholz. Nabholz.
Holzapfel III. die Frucht des wilden Apfelbaumes. Heinr.
Holzappel 1298.
Holzheuer = Holzhauer s. -hauer.
Holzhey III. „Holzhüter, -aufseher“. Auch Holzheu.
Holzmann III. ahd. mhd. holzman „Holzhauer,
Holzhändler“. — Niederd. Holtmann. (Vergriecht
Xylander).
Holzsadel III. halbniederd. „Holzsattel“.
Holzschuher III. „Verfertiger von Holzschuhen“, die
niederd. gekürzt Holtschen, Holschen heißen (wie die
Handschuhe — Hanschen). Holtschuher, Holschuer 1250.
FN. Holzschuher. Niederd. zsgz. Hultscher. —
Holscher — Hölscher (letzteres bes. häufig in
Westf.).
Homann s. Hoh.
Homeister s. Hofmeister.
Homuth s. Hoh.
Homm- s. Hun (V.).
Hon-, Hön- s. Hun (V., einst. K.).
-höner s. Hohn.
Hönerkopf III. halbniederd. = „Hühnerkopf“ (s. Kopf).
Honerla III. 1507: Honderlage (Honder = Hunrich. Preuß
30). S. Lage.
Honn- s. Hun (V., einst. K.).

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Höpfner III. der „Hopfenbauer, -händler“.
FN. Höpfner. — Niederd. Höppener; Höppner (Klemp.
Hoppener).
Hopkes, Höpken, Hopp- s. Hug (zweist. K.).
Höppener, Höppner s. Höpfner.
Hör- s. Hari (V., einst. K.).
HORN I. got haurn, ahd. mhd. horn „Horn“ als
Blasinstrument, wozu urspr. Tierhörner verwendet
werden.
FN. (Hornhart): Hornhardt.
(Hornman): Hornemann.
(Hornher): Hörner.
Einstämmige Kürzung Horn-.
(Horno): Horne; Horn. Patr. A. Hornung: Horning —
Hörning.
Vklf. (l): Hörnle; Hörndl. (k): Hornicke; Hornig
— Hörnigk. (k + l): Hornikel; Hornigel.
Horn a) I. s. das Vorhergehende. b) III. „Spitze, Vorsprung“
(des Feldes in den Wald, des Landes ins Wasser, eines
Besitztums in die benachbarten Güter). In neuerer Zeit in
ON. meist die F. Horn, -horn selbst, ferner -hörn, -hörne
(die „Hörne“ in Stolp Bezeichnung einer vorspringenden
Häusermasse), am seltensten -hirn.
FN. 1) Horn (O. 32 mal Rud.). — Zss. (bes. in
Nordwest-Deutschland): Ahlhorn.
Ballhorn. Barghorn (Emden).
Buschhorn. Dannhorn. Eichhorn.
Giffhorn. Hirschhorn. Schierhorn.
Stemshorn. Uhlhorn. Weißenhorn.
Windhorn.
Ableitung auf -er:
Oberhorner: (bayr.).

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2) -hirn: Dirmhirn (Cilli). Spinnhirn
(Salzb.).
c) III. Geräte: FN. Gellhorn. Schellhorn (wenn s. v. a.
„Schallhorn“). Silberhorn.
Horn-, Hörn- s. Horn I.
Horney I. aus Hartnid, 1539 noch Harneith.
Hörndlimann III. (Zürich), Hürlimann vom Berge Hörnli
(Tobler).
HORS I. ahd. hros, hors „Roß“. Horserat. Mischt sich mit
Hrod.
FN. Horsa 5: Roß (Roßmann).
Vklf. (l): Hörsel — Rossel — Rössel.
Horst III. ahd. hurst, mhd. horst „Busch, Gesträuch“ (in
dieser Bed. noch in Hebels allemannischen Ged.). In ON.
seit dem 9. Jh. nachweislich.
FN. von der Horst. Terhorst (zur H.). Horst. Zss.
Brandhorst. Brunkhorst. Buchenhorst. Diestelhorst.
Eichhorst. Fahrenhorst (Joh. Vahrenhorst Köln.
Univ. Matr. 1477). Gravenhorst. Hasselhorst.
Hohnhorst (O. Hohnhorst und -hurst). Langenhorst.
Lindhorst. Mordhorst. von Petershorst. Quellhorst.
Rabenhorst. Scharnhorst. Windhorst. (In manchen
wohl appellativ, wie auch in Horstmann =
Buschmann, der im Busche Wohnende).
Ableitung auf -er: Hörster. — Behrhörster. Hanhörster
(alle drei in Westf.).
-hörster s. Horst.
Hose III. ahd. hosa mhd. hose „Beinbekleidung“ (Hose oder
Strumpf). Vgl. S. 46. In mancherlei Zss. — Grawehose
1370.
FN. Hosius (latinis.). Hösle. Hosemann — alle drei
zweifelhaft, da auch ad. Hozo, Hozeman begegnen.

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Deutlicher die Zss. (auch in den FF. -hase und -
hause):
Kniehase. Kurthose. Lederhose; Ledderhose
(Conrad. dictus Lederhose 14. Jh.) — auch
Lederhaas und Lederhause. Leinhose; auch
Linnhos — Leinhaas. Mehlhose; auch Mehlhase
und Mehlhause (Spottname für Müller).
Schlaphose. Schlotterhose. Trillhose — Trillhaas.
Hosius (Osius) III. Übersetzung von Hilliger, das man =
Heiliger nahm, während es durch Rückangleichung aus
Hildiger entstanden ist.
Hoth s. Aud (einst. K.).
Hotopp III. Satz-N. niederd. „Hut auf“! Auch Hautop —
Hotopf (letzteres unrichtig verhochdeutscht, wie
Middeldorpf u. a.). vgl. Kappauf.
Hott- s. Aud (V., einst. K.).
Houwald s. Hug (V.).
Hövel, -hövel, Höwel s. Hübel.
-hoven s. Hof.
Hoy s. Hug (einst. K.).
Hoyer s. Hug (V.).
HRABAN I. ahd. hraban, mhd. raben „Rabe“, der heilige
Vogel Wuotans (S. 17) — zsgz. hram, ram, ran.
FN. Hrabanolt, Grannold: Kranold — Granold —
Rabenold; Rabenhold.
Einstämmige Kürzung Hraban-.
Hrabano, Rabo, Ramo: Raben — Raven — Rabe —
Rave — Rappe; Rapp — Raap — Ramm. Gen.
Rabens — Rahms. Patr. A. Ramming. Vklf. (l):
Rammel. (k): Rabig.
Auslautend (125 mal Först.):

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-ram: Bertram. Wolframm.
-rab: Bertrab.
-rapp: Gausrapp.
HRING I. ahd. hring, mhd. rinc „Ring“, bes. „Panzerring“
(die Ringpanzer, aus Eisendraht gehäkelt, wurden bis zu
Anfang des 14. Jh. getragen, wo der Plattenpanzer sie
verdrängte); „zum Kampfe abgesteckter Kreis“.
FN. (Hringhart): Ringhard; Ringert — mit Ableitung
Ringelhardt. Gen. Ringhartz.
Rincar: Rinker; Ringger (Zürich).
(Hringleip): Ringlepp.
(Rincman): Ringmann.
Ringolt: Ringewald; Ringwald.
Einstämmige Kürzung Hring-.
Rincho: Kring — Ringe; Ring — Rinke. Gen. Krings
— Ringes; Ringens — Ringena (ostfries.).
Vklf. (l) Hringilo: Ringel — Rinkel. (l + i): Ringli
(schweiz.). (l + n): Rinklin. Patr. A. Ringling. (l
+ k): Ringelke.
HROC I. wohl zu got. hrukjan, ahd. rohôn mhd. rohen —
auf den Schlachtruf gehend. Vgl. barditus Tac. Germ. 3.
FN. Hrohhart: Rochard — Rückart; Rückert.
Rochold: Rocholl — Rokohl. Gen. Rocholtz.
Einstämmige Kürzung Hroc-.
Hroggo: Rogge — Roche — Rocke — Roh — Röcke
— Ruge — Ruhe — Rücke — Rüge — Rühe. (Mit
Hrodg- zusammenfließend).
Vklf. (l): Röckel — Rüchel.
Auslautend (22 mal Först.):
-rock: Poltrock.

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HROD I. zu altnord. hrôdr „Schall, Ruhm“ (vgl. griech.
κρότος). In Namen seit dem 5. Jh. nachweislich.
FN. Hrodbald: Roppelt — Ruppolt; Ruppelt —
Raubold.
Hrodebert: Kruberth — Rodbert(us) — Robrecht;
Robert — Röpert; Röber — Ruprecht; Rubrecht;
Rubert; Rubarth — Rupprecht; Ruppert; Rubbert
— Raubert. Gen. Robertz — Roppertz; Roppers
— Robbers — Rovers — Röbers — Raupers. Patr.
A. Rupprechter (Baden).
Rotprand: Robrahn.
Hrotfrid: Röfer — Ruffert — Rüffert. Gen. Roffers.
Hrodegang: Rothgang.
Hrodgar: Rogger — Rocker — Roger — Rödiger —
Röttger; Röttcher — Röger — Rudigier —
Rugger; Rucker — Rüdiger — Rüttiger — Rüger
— Rücker. Gen. Rötgers.
Hruadgast: Rodigast.
Hrodgaud: Grotegut (Preuß 7).
Hrodhard: Rothhardt, Rohthardt; Rothert — Rödert
— Rudhardt; Rudert — Ruthat — Rautert. Gen.
Röhrden (von der zsgz. F. Röhrd).
Chrodhari: Kröter — Roder — Rother — Rotter —
Röder (zsgz. Röhr) — Rötter — Ruder — Rüder
— Rüter — Rauter. Gen. Röders — Röhrs. Patr.
A. Rötering.
Rodleich: Rodley — Rothlach — Rolack — Rödlich.
Hrodleif: Rohtlieb — (niederd.) Rodlaff — Roleff —
Rudlaff.
Hrodlant: Roland — Ruland — Rühland.
Hrodman: Rodemann — Rottmann — Romann —
Ruttmann — Rumann.

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Hrotmar: Rodemer — Rohmer — Röhmer — Rumer
— Raumer.
Hrodmund: Rodemund — Rothmund (erweitert
Rothermund — Rottermund) — Romundt.
Hrodric: Grüderich — Rothreich — Rorich —
Röhrig — Rüdrich.
Hrodstein: Rothstein.
Rodacar: Rothacker.
Hrodowald: Rohdewald — Rothwald — Rohwald;
Rohwoldt; Rohwohl — Rudelt — Ruwoldt. Gen.
Rothholtz.
Hrodwig: Krudewig — Krutwig — Krautwig —
Rodewig; Rodewyk — Roddewig.
Hrodulf: Krolof — Krudup (Preuß 27) — Rodloff —
Rothlauf — Roloff; Rohlhoff; Rolauf; Roleff —
zsgz. Rolf (latinis. Rolfus, umgedeutet in Rollfuß)
— Rudolf, Rudolph; Rudloff; Rudlauf — Ruttlof
— Ruloff — zsgz. Rolf — Rulff. Gen. Rudolfs
(latinis. Rudolphi) — Rolffs — Rulffes —
Roelfsema (ostfries.). Patr. A. Rohlfing —
Rudolfer (München).
Einstämmige Kürzung Hrod-.
Hrodo, Ruodo: Rode, Rohde, Rhode — Roddo;
Rodde — Rothe; Roth — Rotte — Röde — Röth
— Rud — Ruth — Rutte - Rütte. Gen. Roden —
Rüden — Rüths. Zss. Rüedisühli (Basel). Patr. A.
Grotting — Roding — Röding — Röthing —
Rüding — Rüthing.
Vklf. (l) Hruodilo, Rollo: Rodel — Rödel —
Röthel — Rudel — Rüdel — Rottel — Rüttel —
Räudel. Zsgz. Formen: Kroll — Krull — Rolle
(Rollmann) — Röhle — Rölle — Ruhle - Rühle
(Rühlemann) — Rullmann. Gen. Rottels —
Roels (fries., = Rôls). Patr. A. Rolinck —

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Röhling — Rüdling — Rüthling — Rühling. —
Patr. Zss. Rohlsen. (l + n) Hrodelin: Röthlin. (l +
k) Roleko: Roleke — Röhlicke — Röllig —
Reuleke. (k) Hruodicho: Grottke — Gruttke —
Kruttge — Rohdich — Rotteck; Rottig —
Röthke — Röttig — Rudeck — Ruttig — Ruck
— Rüdig — Rücke — Rügge — Röck. (k + n)
Rutechin: Rötteken. (k + l) Rukelo: Rockel —
Röckel — Rückel — Rückhl. (z) Rozo, Ruozo:
Rudisch (aus Ruodizo, in den Ratsbüchern von
Eger oft = Rüedeger) — Rotz — Rotsch —
Rötsch — Rutz — Rütz — Reutsch — z
erweicht in s: Ruß — Rose (Förstemann, Progr.
S. 4); Roos. Unorganisch gebildet: Rützer. (z +
l) Rozelo: Rossel — Rözel — Rützel Rüssel —
Rüsel — Rütschle — Räuzel — Räußel. Patr. A.
Rützler — Rüßler (Steub). (z + k) Roziko,
Rosico: Roseck (Roseke VN. Akener
Schöffenb.) — Rösecke; Röske — Rutschke.
Patr. A. Rösing.
Zweistämmige Kürzung Hrodb-.
Robbo, Rubo, Ruppo: Kropp — Robbe — Röbe —
Röpe — Röve (Preuß 26) — Rubo — Rupe —
Rupp — Rübe — Raupp. Gen. Röben — Ruben
(ostfries., vgl. VN. Röbe). Patr. A. Rüping.
Vklf. (i): Rubi (schweiz.) — Robey. (l) Rupilo:
Gröppel — Robel — Robbel — Röbel; Röpell
— Rubel — Ruppel — Rüpel — Rüppele
Rüppli (schweiz.). Patr. A. Röbbeling. (l + n):
Röbbelin — Rüpplin. (k) Robico: Robeck —
Röpke — Rübig — Reupke. Gen. Röpkes. Patr.
A. Röpking. (z) Robizo: Robitzsch.
Zweistämmige Kürzung Hrodf-.
Ruffo: Ruf — Ruoff (württ.) — Ruff.
Zweistämmige Kürzung Hrodg-.

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Roggo, Rugo: Roge — Rogge — Ruge — Rüge —
Rügge — Rauch.
Vklf. (l): Rügel — Rauchel.
(l + n): Räuchlin. (S. auch Hroc).
Auslautend (15 mal Först.):
-roth: Allroth (aus Adalhrod).
HROM I. ahd. hrôm, hruom, mhd. ruom „Ruhm“.
FN. Ruombald: Rumbold; Rumpelt; Rumpel — Rümpel.
Rumpraht: Romprecht — Rummert.
Hrumker: Kromker — Rümcker.
Romard: Rommerdt — Römert. Patr. A. Römerding.
Hromheri: Krömer — Romer — Römer — Ruhmer
— Raumer.
Romarich: Krumreich; Krumrey.
Romoald: Römhold; Röhmelt; Römheld.
Einstämmige Kürzung Hrom-.
Hruam: Krome — Kraume — Rohm — Röhm —
Ruhm — Rumm. Patr. A. Röming — Romming —
Kromminga (ostfries.).
Vklf. (i): Romey. (l): Rommel — Rummel —
Rümmele. (l + n): Rümelin. Patr. A. Römeling —
Rühmling. (k): Krömecke — Rühmke — Romig.
Gen. Rümckens. (z): Romeiß.
Zweistämmige Kürzung Hromb-.
(Hrumbo): Rump. Vklf. (l): Rumpel.
Hub-, Hüb- s. Hug (V., zweist. K.).
Hübel III. ahd. hubil, mhd. hübel (von „heben“) „Hügel“. In
ON. hochd. Hübel, -hübel; niederd. Hövel, -hövel (auf der
Linie Münster-Antwerpen).
FN. Hubel — Hübel. — Hirschhübel — Sturmhöbel
(O. -hübel Ostpreuß.). — Hövelmann. von Hövel.

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Altenhövel. Langenhöfel. Meinhövel. Steinhöfel.
Sturmhöfel. Windhövel. van Heuvel (ostfries.).
Huber a) I. s. Hug (Hugubert) b) III. mhd. hubaere (auch
mittellat. hubarius) „Inhaber einer Hufe“, ahd. huoba,
mhd. huobe, altsächs. hôva (im allgemeinen = 30
Morgen).
FN. Huber (selten Hüber: im Münchener Adreßbuch
Huber 180 mal, Hüber nur 7 mal) mit vielen Zss.
(bes. in Bayern):
1) nach der Größe des Besitztums: Halbhuber.
Drittelhuber —
2) nach der Lage: Angerhuber. Bachhuber.
Brunnhuber. Hinterhuber. Kreuzhuber.
Mitterhuber. Niederhuber. Osterhuber.
Sommerhuber —
3) nach dem, was auf der Hufe in
bemerkenswerter Weise wächst oder
überhaupt sich befindet: Blumenhuber.
Holzhuber. Kohlhuber. Rosenhuber.
Schleehuber. Salzhuber. Fuchshuber —
4) nach dem Vornamen des Besitzers:
Märtlhuber. Paulhuber —
5) nach der Beschäftigung: Jägerhuber.
Schmidhuber.
Mit dem n der schwachen Bildung, mhd. huobenaere:
Hubner — Hübener; Hübner — niederd. (selten)
Hüfner mit der Zss. Niederhüfner — Hüffner —
Höfener (vgl. mittelniederl. hoevener — doch
österreich. Höfner von dem häufigen ON. Hofen).
(Während in der Schriftsprache die niederdeutsche F. „Hufe“
die hochdeutsche mit b fast ganz verdrängt hat, herrschen,
wie obige Aufzählung beweist, in den FN. die
hochdeutschen Lautverhältnisse durchaus vor.)

Hübner s. Huber.

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Huchel, Hückel s. Hug (einst. K.).
Hucker s. Hug (V.).
Hudtwalcker III. „Hutwalker“.
Hue s. Hug (einst. K.).
-hues s. Haus.
Huff- s. Hug (V.).
Hüff- s. Hug (V., zweist. K.).
Hüfner s. Huber.
HUG I. got. hugs, ahd. hugu, mhd. huge, hüge „denkender
Geist“.
FN. Hugibald: Huppold — Haubold.
Hugubert: Hubrecht; Hubert; Huber — Hupprecht;
Huppert — Hübert — Hüper — Hüpper —
Haubert; Hauber. Gen. Huppertz — Hubers
(ostfries., also nicht zu Huber III). — Hübbers —
Hübers — Haupers.
Hugifrid: Huffert; Huffer — Hüffer — Hoffert.
Hucger: Hugger; Hucker — Hüger — Hocker —
Höcker — Hoyer.
Hugihart: Hugart — Hauhardt; Hauert; Hauer.
Hugiher: Huger — Höger — Hauer.
(Hugilant): Huland.
(Hugiman): Hugemann — Humann.
Hugimar: Humer — Hummer — Hümer. Patr. Zss.
Haumersen.
Hugold: Hugold — Huhold — Huwald (Houwald).
Einstämmige Kürzung Hug-.
Hugo, Hogo: Hugo; Huge — Hüge (Hügemann) —
Hoge — Höge — Haug — Hauke — Hue — Hoy.

Page 360

Vklf. (i) Hugi 8.: Hugi (schweiz.). Patr. A. Hüging.
(l) Hukili: Hugel — Huggle — Huchel —
Hügel; Hügle — Hückel — Högele — Hauckel
— Heugel. (l + n): Hüglin — Heuglin. (z)
Hugizo, Huzo (Stark 89): Hutze — Hautz. (z +
l): Hutzel.
Zweistämmige Kürzung Hugb-.
Hubo: Hube — Hupe — Huppe — Hübbe — Hoppe
— Hobbe — Haube. Gen. Hoppen — Heubes.
Patr. A. Hobbing.
Vklf. (l): Hubel — Hüppel. Gen. Hobbels. (l + i):
Höppli (schweiz.). (k): Huppke — Hobbie
(jeverl.). Gen. Hopkes. (k + n) Hupichin:
Höpken.
Zweistämmige Kürzung Hugf-.
Hufo (Stark 113): Hüffmann — Hauffe.
Vklf. (l): Hüffel.
Hug-, Hüg- s. Hug (V., einst. K.).
Huhold s. Hug (V.).
Huhn III. ahd. mhd. huon „das Huhn“.
FN. Huhn (zweifelhaft, da auch zu Hun I.). Sicherer
sind die Zss. Brathuhn; Brodhuhn. Haselhuhn.
Kluckhuhn. Rebhuhn, Repphuhn. Wasserhuhn.
Weißhuhn; niederd. Witthuhn.
Huhn-, Hühn- s. Hun (V., einst. K.).
-huis s. Haus.
Hül- s. Hild.
Huland s. Hug (V.).

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HULD I. got. hulths, ahd. hold, mhd. holt „hold“, urspr. auf
das Verhältnis zwischen Lehnsherrn und Gefolgsmann
gehend: „gnädig — treu ergeben.“ Holdulf.
FN. (Huldbert): Holbert; Holber.
Huldear: Holder (Holdermann) — Holler — Hölder.
(Huldger): Hölger.
(Huldrich): Hölderich — Höllerich.
(Huldward): Höllwarth.
Einstämmige Kürzung Huld-.
(Holdo): Hulde — Hold — Holle (so ist ja auch die
Göttin Hulda im Volksmärchen zur „Frau Holle“
geworden). Gen. Holden. Patr. A. Holding.
Vklf. (i): Hölty — Holtei. (k): Holk — Höltge. (z):
Hultsch.
Hülferding s. Hilp.
Hultsch s. Huld (einst. K.).
Hultscher s. Holzschuher.
Hum-, Hüm- s. 1) Hug (V.) 2) Hun.
HUN I. zu dem Volksnamen der „Hunnen“, ahd. Hûn, mhd.
Hiune, auch schon vorher in dem Sinne von „Riese,
Hüne“, mit mythologischer Beziehung (S. 18).
FN. Hunibald: Humboldt; Humblot; Humbel; Humpel;
Hummelt; Hummel — Hommel. Gen. Hommels.
Hunbraht: Humbracht; Humbert; Humpert —
Umbrecht — Hümpert. Patr. A. Humperdinck.
Hungar: Hungar; Hunger; Hunker — Huonker
(württ.) — Höniger.
Hunard: Hühnert — Honert — Heunert.
Hunher: Hühner — Honer —- Höner — Hauner.
Hunmar: Hummer — Hümmer — Hommer. Gen.
Hommers. Patr. A. Hömmerling.

Page 362

Hunrad: Hunrath — Honrath.
Hunrich: Huhnrich — Hundrich — Honnrich.
Hunwald: Hunold; Huhnholdt — Hünold — Honold
— Honnold.
Einstämmige Kürzung Hun-.
Huno: Huhne; Huhn — Hühne — Hunn — Hünn —
Honn — Höhne — Haun — Heune. Gen. Hüns —
Honens — Hönes. Patr. A. Höning. Gen. Hönings.
Vklf. (i): Hüni. (l): Höhnel. (l + n): Hühnlein. (k)
Hunico: Huneke — Hunke — Hünicke —
Honecke (auch Honig?) — Hönicke — Hönig
— Heunicke. Gen. Hünnickes. (k + l): Hunkel.
(k + n): Hunichin: Hünecken; Hünichen;
Hünchen.
Zweistämmige Kürzung Humb-.
Hummo: Humme.
Vklf. (l): Hummel — Humpl. (k): Humke.
Hun-, Hün- s. Hun (V., einst. K.).
Hund a) I. Hundo, Hundpreht u. a. vielleicht zu ahd. hunda
„Beute“ — daher vermutlich FN. Hundert (ahd.
Honthard) — Hundt (doch schon im 12. Jh. Marquart der
Hund). Dagegen b) III. zu „Hund“ canis in Zss. wie FN.
Hundskopf. Hundbiß (1344 huntbiss).
Hundemann III. Aufseher über die Jagdhunde,
„Rüdenmeister“.
Hundertmark III. von mhd. marke, ein halbes Pfund
betragend. Schon 1350 ein Gevert Hundertmark.
Hungerland III. „einer aus Ungerland“.
Hunn, Hünn- s. Hun (einst. K.).
Hunvalfy III. aus Hundsdörfer madjarisiert (S. 69).
Huonker s. Hun (V.).

Page 363

Hup-, Hüp- s. Hug (V., zweist. K.).
HUS I. got ahd. mhd. hûs „Haus“. Husimunt.
FN. (Husbrand): Haußbrandt. (Husher): Häuser,
Heuser — niederd. Hüser.
Einstämmige Kürzung Hus-.
Huso: Haus. Patr. A. Hüsing — Heusing — Husung.
Vklf. (k) Husicho: Hauschke. Gen. Huyskens
(westf.).
-hus, -husen, Hüser, -hüser s. Haus.
Hüser, Hüsing s. Hus.
Hut III. ahd. mhd. huot, „Hut“ (auch in dem Sinne von
Helm).
FN. Anhuth. Breithuth. Eisenhut; niederdeutsch Iserhot.
Gelhut; niederd. Geelhood. Grünhut. Hochhut mit
seinem Gegensatz Nedderhut. Schönhut. Spitzhut.
Stahlhuth (mhd. stahelhuot, „Stahlhelm“). Webelhut.
Weißhut; halbniederd. Witthut.
Huter III. „Hutmacher“. Auch Hutter — Hutterer (südd.).
Hütte III. ahd. hutta, mhd. hütte „Hütte, Zelt“.
FN. Erdhütte. — Erdhütter.
Hutz- s. Hug (einst. K.).
Huwald s. Hug (V.).
-huysen s. Haus.
Huyskens s. Hus.

Page 364

I.
-i I. zur Bildung von Verkleinerungsff. verwendet: Litti aus
Liud- (s. S. 23) — auch -y geschrieben: Luty, Ludy (aus
Hludio). (In italienischen N. s. S. 92).
Ib- s. Hild (zweist. K.).
-ich a) I. Verkleinerungsendung: Dedich (zu Thiud), Rodich
(zu Hrod).
b) III. End. v. ON., teils aus ahd. ahi, wie in Lindich,
Weidich (s. -ach) — teils aus römischem iacum, wie in
Jülich, Kessenich (am Rhein in großer Menge).
FN. (zu b). Elvenich. Fischenich. Gymnich. Himmerich.
Jülich. Kessenich. Lechnich (O. Lechenich).
Longerich. v. Metternich. Mündenich. Sinzenich.
Ableitung auf -er (oberd.):
Bibricher (O. Biberich). Gimnicher. Züricher.
Ick- s. Ingo.
-ig a) I. Verkleinerungsendung, andere Schreibung für -ich:
Lüttig (zu Liud), Rüdig (zu Hrod).
b) III. in Ortsnamen neben -ich (s. das Vorhergehende):
Linnig, Breisig u. a. — aber auch in slawisch-deutschen
ON. wie Danzig aus Gdansk, Dolzig, Lanzig (neben
Lanzke).

Ihl- s. Hild (V., einst. K.).
Ihm- s. Irmin.
Ihne s. Ingo.
Ihr s. Hir.

Page 365

Ilbig s. Hild (zweist. K.).
Ilgner III. „einer aus Ilgen“.
Ill- s. Hild (V., einst. K.).
Ille III. der wallensteinische Feldmarschall im
dreißigjährigen Kriege, nicht etwa ein Kroat oder Böhme,
oder ein Italiener gleich den Piccolomini, sondern ein
Märker, eig. Ihlow, der Familie von Ihlow angehörig, die
im Barnim, dem Lebusischen und in der Neumark
angesessen war und seit Anfang des 19. Jhs. ausgestorben
ist. Das Dorf Ihlow, welches der Familie mutmaßlich den
N. gab, liegt an der Grenze von Barnim und Lebus.
Ilsebey II. von dem (weibl.) N. Ilsabe (= Elisabet, hebr.
Elischeba).
Iltgen, Iltz s. Hild (einst. K.).
Ilwof s. Hild (V.).
Im = in dem, in Zss. wie Imbusch, Imhove, s. In.
-im s. Heim III.
Imgart III. „der im Garten Wohnende“. Erni im Garten
1330.
Immer s. Ingo.
In III. als Verhältniswort in Zss. zur Bezeichnung des
Wohnortes einer Person (S. 54).
FN. 1) Einz. männlich und sächlich mit dem
Artikel in eins gezogen (im):
Imbaumgarten. Imbusch. Imdahl
(niederd. = Imthal). Imgart. Imgrund.
Imhove; Imhoff. Imholz. Imkamp.
Imobersteig. Imthurn. Imwalle.
2) Einz. weiblich (in der): Inderau = In der
Au. Inderfurth. Inderheide. Indermauer.
3) Mehrz. (in den): Indenbirken.

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Inhetveen (Kempen) offenbar holländisch = in dem
Moor. Intveen.
Entstellt (niederrhein. g = d): Ingenkamp. Ingendörnen.
-in I. altdeutsch.
Die FN., welche als hierher gehörig aufgezählt werden,
gehören z. T. als undeutsch gar nicht hierher, z. T. sind sie
mindestens zweifelhaft.
So ist Bodin, latinis. Bodinus, französisch (Bodin Lehrer des
Staatsrechtes, Herausgeber eines theatrum universae
naturae 1590 Lyon).
Viele andere sind von slawischen ON. abzuleiten, z. B.
Rammin (O. Ramin in Pommern).
Als deutsch erscheinen (hauptsächl. süddeutsch) unter
anderen: Liedin; Luthin; Lüttin (aus altd. Liudin). Bürgin.
Höldin. Weltin.

-in III. in ON. slawisch: urspr. besitzanzeigendes
Eigenschaftswort auf inu, ina, ino von Stämmen auf a und
i, z. B. Babin von PN. Baba, Gostin von Gosti = der
Baba’sche, der Gosti’sche Ort (vgl. lat. Flavia d. i. urbs,
von Flavus).
FN. (häufig im nordöstl. Deutschl.) Berlin. von Bonin.
Cörlin. Ladenthin. von Pressentin (Stammort Prestin,
früher Pressentin in Mecklenb.). von Schwerin.
Bisweilen -ien geschrieben: Leppien. Scholwien (O.
Leppin, Scholwin).
Ableitung auf -er:
Berliner. Dobriner. Exiner (alle drei jüdisch).
Ing- s. Ingo.
-ing a) I. auch -ung, patronymische Endung, wie im Angels.
Vulf Vonrédes auch Vulf Vonrêding genannt wird. In sehr
vielen Personen-N., die Abstammung von einem Vater
oder Ahnherrn bezeichnend; am bekanntesten in der

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Geschichte die Merovingi, Charalingi (Karolinger), auch
die Agilolfinger in Bayern und die Capetinger in
Frankreich. Jetzt in vielen FN., ohne daß die
patronymische Bedeutung noch gefühlt würde. (Aus der
patronymischen Bed. hat sich später eine verkleinernde
entwickelt, namentlich in Mecklenburg und Vorpommern
in Formen wie: Männing, Hüsing, Wiesing (Luise), in
welchen aber ng gesprochen wird wie in lang’, bang’.)
FN. 1) Götting (eigentl. Sohn oder
Nachkomme des Gotto). Kuning.
Rüding —
selten ink geschrieben (nach der
Aussprache): Eppink. Gerdink. Immink.
2) Hartung.
b) III. in ON., und daher auf Familien übertragen s. -
ingen.
Ingel s. Angil (einst. K.).
-ingen III. seit dem 8. Jh. in ON., Dativ Plur. von dem
Patronymikum auf ing (s. vorhin), abhängig von einem
Verhältnisworte, z. B. ze den Eppingen „zu den Söhnen
(Nachkommen) des Eppo“ (Eberhard). Verhältniswort
nebst Artikel fällt dann fort, und so entsteht der N.
Eppingen.
Heutzutage ist das volle ingen bes. in Schwaben
einheimisch, während in Altbayern östlich vom Lech und
in Österreich meist die Kürzung ing an die Stelle getreten
ist.
In einzelnen Fällen ist ingen Abkürzung aus -ingheim:
Sickingen aus Sickingheim.
FN. 1) -ingen: v. Berlichingen. Ehingen.
Grüningen. Hüningen. Menningen.
2) -ing: Bisping. v. Rössing. von Schöning
(Stammort Schöningen in Pommern).

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Da diese ON. sich zum allergrößten Teile in
Oberdeutschland finden, so ist auch die oberdeutsche
Bildungsform -inger in den FN. viel häufiger, wo dann
ingen und ing zusammenfließen.
FN. Bermeitinger (O. Bermatingen Fröhner S. 37).
Bilfinger (O. Bilfingen in Baden). Böhringer.
Ehinger. Gundelfinger. Haßlinger. Heimerdinger.
Offterdinger. Sickinger. Wassertrüdinger. (Von ON.
auf -ingen).
Aiblinger. Derflinger (O. Derfling in Ober-Österr.).
Eberhartinger. Hörmandinger (Hörmading in
Ober-Österr.). Mallinger. Oitzinger.
Standhartinger. Stockinger. Straubinger.
(Sämtlich von ON. auf -ing).
INGO I. schon frühzeitig in N. auftretend (1. Jh. Ingomar,
Armins Oheim), doch in seiner Bed. nicht sicher;
wahrscheinlich von dem Halbgott Inguio.
FN. Inghard: Inghardt — Enghardt; Engert.
Inguheri: Enger.
Ingiram: Ingram.
(Ingman): Ingemann — Engmann. Gen. Ingmanns.
Ingomar: Immer.
Ingold: Ingwald; Ingenohl — Engewald.
Einstämmige Kürzung Ing-.
Ingo, Engo: Enge.
Intfen, Intveen s. In III.
Irm- s. Irmin (V., einst. K.).
IRMIN I. der kriegerisch dargestellte höchste Gott Wuotan
(Grimm, Myth. S. 325); in Zss., als das Höchste
überhaupt bezeichnend, später ein verstärkender Begriff

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(s. Lübben Progr. S. 9). In PN. seit dem 1. Jh.: Arminius
der Cheruskerfürst.
FN. Irmindrud w.: Irmtraut.
Irmingar: Irminger.
Irmingard (Armingardis) w.: Armgardt. Gen.
Irmgartz.
Ermingaud: Armengaud.
Irminhard, Emehard: Irmert — Immert. — Ermert.
Patr. A. Armerding.
Irminher: Irmer — Immer — Ermer.
Ermanrih: Ermrich.
Irminold: Ermold.
Einstämmige Kürzung Irmin-.
Irmino, Irmo, Immo (Stark 24): Imme; Im — Ihm.
Patr. A. Immenga (ostfries.).
Vklf. (l) Imilo, Ermilo: Immelmann — Imelmann
— Ermel — Emmelmann. Gen. Ihmels. Patr. A.
Ermeling. (l + n): Imlin. (k) Imico: Immig —
Ermke — Emich. Patr. A. Immink.
IS I. verkürzt = Isan (Stark S. 40).
FN. Isheri: Eiser.
Isman: Ißmann — Eisemann — Eismann.
Isuwarth: Eisert.
Einstämmige Kürzung Is-.
Vklf. (l) Islo: Eisele. (l + n): Iselin. (k) Isico:
Isecke.
ISAN I. ahd. îsan, mhd. îsen „Eisen“.
FN. Isanperaht: Isenbart — Eisenbarth.
Isanbrand: Isenbrand — Eisenbrand.
Isindrut w.: Eisentraut.
Isangart w.: Isengarth — Eißengarthen.

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Isangrim: Eisengrein — (verstümmelt) Isegrei.
Isanhard: Eisenhart — Eyssenhardt.
Isanman: Eisenmann.
Isanrich: Eisenreich.
Einstämmige Kürzung Isan: Isen — Eisen — Eyßen.
Isen- s. Isan.
Isenschmid III. „Eisenschmid“ (s. Schmid).
Isidorus II. griech. „Gabe der Isis“, der ägyptischen Göttin.
FN. Dörries (wegen d. Aussprache s. S. 38).
Ißleib I. nicht imperativisch, sondern ahd., zu îs „Eis“ =
Sohn des Eises, altnord. Isleif (Andresen).
-itsch s. das Folgende.
-itz III. in ON., slawischen Ursprungs. Im Slawischen bilden
-ice und -owice Patronymika im Plur., z. B. Bobolice,
Plur. von bobolić d. i. Sohn des Bobola (Rundbauch), also
deutsch etwa die „Bobolingen“ wie Eppingen u. a. — jetzt
Bublitz. Daher nun sehr viele deutsche FN. im Osten
Deutschlands, die von den entsprechenden slawischen
ON. übertragen sind.
FN. Bonitz (O. in Anhalt). Bublitz. von Grävenitz. v.
Maltitz. v. Nostiz (Dorf in Sachsen: Nostitz). Pölitz.
v. Prittwitz. v. Zitzewitz. v. d. Marwitz.
Vergröbert -itsch, -itzsch (bes. im Kgr. Sachsen):
Delitsch. Kötteritzsch.
Ableitung auf -er (oberd.):
Clausnitzer. Gölitzer. Loßnitzer (Kgr. Sachsen).
Thalwitzer — im nordöstl. Deutschl. jüd.:
Meseritzer.
Iv- s. Iw.
IW I. ahd. îwa, mhd. îwe, ybe „Eibe“ (Taxus), deren Holz
wegen seiner Zähigkeit und Schnellkraft bes. geeignet für

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Bogen war.
Einstämmige Kürzung Iw-.
FN. Ivo, Ibo: Iwe — Ibe. Gen. Iven — Iben — Eiben.

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J.
Jaap s. Gab (einst. K.).
Jab- s. Gab (einst. K.).
Jack-, Jäck- s. Jacobus.
Jacobus II. hebr. Jaakob „der Fersenhalter“ d. i.
Nachgeborene (als jüngerer Zwillingsbruder des Esau);
im N. Testamente die beiden Apostel Jacobus (Kal. 25.
Juli).
FN. (zum Teil jüdisch). Jacobus; Jacob. — Zss.
Quadejacob. Schlingjacob. Venjacob. Gen. (lat.)
Jacobi, Jacoby — (deutsch) Jacobs, Jakobs (oder
zsgz. aus dem Nom. Jacobus). Patr. A. Jakober. Patr.
Zss. Jacobsohn; Jacobson; Jacobsen.
Verkürzt am Ende: Jack. Gen. Jacks. — Jock
(schweiz.).
Vklf. (i): Jäggi (schweiz.). (l, oberdeutsch): Jackl.
— Jäckel, Jeckel — Jäkel — Jockel — Jöckl
(bayr.). (l + i): Jäggli (schweiz.). (l + n):
Jäcklin; Jäcklein.
Verkürzt am Anfang: Kobus (Gen. Kobi) — Kob.
Gen. Kobes; Kobs, Koops (oder aus dem Nom.).
Vklf. (niederd.): Köbcke, Köpke (doch ist bei
diesen mit k anlautenden FF. auch der
altdeutsche Stamm God in Betracht zu ziehen).
Jagdenfuchs III. Satz-N. „eifriger Fuchsjäger“.
Jagendeubel s. Jageteufel.

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Jäger III. mhd. jagaere, jeger.
FN. Jager (Gottschee) — Jäger. Zss. Gambsjäger.
Hasenjäger. Hühnerjäger. Latinis. Venator. Gen.
Jägers (niederrheinisch).
Jageteufel III. Satz-N. = „jage den Teufel“ (S. 52).
Jagenteufel 1580.
Jägg- s. Jacobus.
Jahn-, Jähn- s. Johannes 3.
Jahr III. in einzelnen Zss.: Langjahr (= Schaltjahr Fröhn.).
Vgl. Gutjar 1295.
Jahreis s. Gar (einst. K.).
Jäkel s. Jacobus.
Jan-, Jän- s. Johannes 3.
Japping s. Gab (einst. K.).
Jar- s. Gar (V., einst. K.).
Jasp- s. Kaspar.
Jaster s. Gast.
Jaukens s. Gaw.
Jebens s. Gab (einst. K.).
Jeck- s. Jacobus.
Jeffke s. Gab (einst. K.).
Jehle s. Gail.
Jehner s. Johannes 3 b.
Jennrich, Jentho s. Gand.
Jer-, Jerr- s. Gar (V., einst. K.).
Jesp- s. Kaspar.
Jhering s. Gar (einst. K.).

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Jipp- s. Gab (einst. K.).
Jirgensohn s. Georgius.
Joachim II. hebr. Jehojakim „Jehova richtet auf“.
FN. Joachim. Gen. Joachimi; (deutsch) Joachims.
Abgeschliffen: Jochen — Jochum — Juchem (Köln).
Gen. Jochens; Jochums. — Verkürzt im Anlaut:
Achim. Vgl. bei Klemp. z. B. Achim (Jochim)
Dewitz — sonst ist Achim auch ON.
Jobst, Jöbstl s. Jodocus.
Joch- s. Joachim.
Jock-, Jöck- s. Jacobus.
Jöd- s. God (einst. K.).
Jodocus II. griech. etwa „Pfeile enthaltend“; St. Jodocus.
FN. Jobst — Jost (vgl. bayr. VN. Jobst). Zss. Jostarndt
(doch s. auch Justus). Garnjost. Gen. Josten. Patr. A.
Jösting. Vklf. (l): Jöbstl.
Johannes II. hebr. Jehochanan „Gott ist gnädig“; Johannes
der Täufer (24. Juni); Johannes d. Apostel u. Evangelist
(27. Dez.). Dieser als VN. sehr beliebte Name hat eine
fast unübersehbare Menge von FN. hervorgerufen.
FN. 1) J o h a n n e s (selten); Johanns. Gen.
Johannis; Joanni. Zss. Vogtsjohanns
(Oldenb.). Patr. Zss. Johannessohn;
Johannesson.
2) Verkürzt im Auslaut: J o h a n n — mit
den Zss. (bes. westf.) Aldejohann.
Engeljohann. Großjohann. Jungjohann.
Kochjohann. Lüttjohann. Meyerjohann.
Schmaljohann. Wittjohann. —
Johannpötter (westf.). Johansmann.
Patr. A. Johanning — Joanning. Gen.
Johannings (ostfries.). Zss.
Johanningmeyer (westf.). Patr. Zss.

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Johannssohn; Johannson; Johannsen;
Johannzen.
3) Zusammengezogen a) mit
Hervorhebung des Vokals der ersten
Silbe:
J o h n. Gen. Johns; Johnen, Jonen
(niederrhein.). Patr. A. Johner (Baden).
Vklf. (k): Johnke — Jöhnke —
Joontjes (ostfries.).
b) mit Hervorhebung des Vokals der
zweiten Silbe:
J a h n. Gen. Jahns; Jans — Jähn.
Gen. Jähns; Jehnen. Zss. Endejann.
Fuhljahn (der faule J.). Grotjan.
Ottenjan. Schmidtjan. Schönjahn (auch
Schönian, älter Schönejan, Schönergan).
Strackerjan (d. i. schlanker J. Pott).
Wiesjahn. — Janotte (Johann Otto).
Patr. A. Janning — Jahner (Wien). Patr.
Zss. Janson; Jansen; Janssen; Janzohn;
Janzon; Janzen.
Vklf. (l): Jahnel — Jähnl. (k):
Janecke; Janeck; Jahnke — Jancke;
Jank — Jänicke; Jäneke; Jänke —
Jencke — (hochd.) Jänichen; Jänigen;
Jähnchen.
4) Verkürzt im Anlaut:
a) H a n n e s; Hans mit den Zss.:
Althans. Großhanß. Guthans. Junghans.
Kleinhans. Langhans. Langerhans.
Schwarzhans.
Fritzehans; Fritschhans. Elsenhans.
Ilkenhans. Josenhans (Hans, Sohn der
Else, Ilke oder Eilika, Josepha).
Petershans.
Fuhrhans. Guldenhans. Meisterhans.
Speckhans. Speerhans. Stallhans.

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Timmerhans (westf.).
Hanselle (= Hans Selle = Preuß 30).
Hansemann; Hansmann. Hansgirg
(Hans Georg). Patr. A. Hansing. Hanser
(südd. Fröhn., Reichel). Sanktjohanser
(Münch.). Patr. Zss. Hanson; Hansen
(schlesw.); Hanssen.
b) H e n n e s. Patr. Zss. Hensen;
Henssen. — Hensmanns.
Vklf. (l): Hansel (Hanselmann).
Hensel; Hänsle. Zss. Aneshensel (der H.
des Ahni, Großvaters); Anishänsli
(Basel). Oberhänsli (Thurgau).
Peterhensel. Patr. A. Hansler. Henseler.
Niederd. (k): Henske; Hensken;
Hänsgen — Hansken (ostfries.).
5) Verkürzt im Anlaut und Auslaut
(zusammenfließend mit Hagan).
a) H a n n e; Hann (Hannemann). Zss.
Junghann. Junghäni (schweiz.).
Hanotte.
Vklf. (niederd.): Hannicke;
Hanneken; Hanke.
b) H e n n e, Henn (Henne VN., z. B.
Henne Vagedes Lipp. Reg.) in mannigf.
Zss. Bauerhenne; niederd. Burhenne.
Kleinhenne. Opperhenne. Weberhenne.
Wiesenhenne. — Großhenn; niederd.
Grotehen. Junghenn. Hartmannshenn.
Johl s. God (einst. K.).
John- Jöhn- s. Johannes 3.
Jolfs s. God (V.).
Jonas II. hebr. „die Taube“; der Prophet.
FN. auch jüdisch.

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Joontjes s. Johannes 3.
Joosten s. Justus.
Jordan II. Jordanes 5. Jh., vermutlich aus altd. Jornandes,
womit es wechselt, unter Einwirkung des Namens des
heiligen Flusses umgebildet. Im Gött. UB. als Vorname
im J. 1229.
FN. Jordan (auch jüdisch). Gen. Jordans; Jordens —
Jördens — Jörrens.
Jörg, Jorges s. Georgius.
Jörrens s. Jordan.
Joseph II. hebr. „er fügt hinzu“ (1. Mos. 30, 24); als
christlicher N. von Joseph, dem Manne der Maria,
stammend. (Kal. 19. März).
FN. Joseph; Josef. Gen. Josephs (Jever) — lat. Josephi.
Patr. A. Josepher. Patr. Zss. Josephson.
Verkürzt im Anlaut: Sepp (südd.).
Jost s. a) Jodocus b) Justus.
Jowien s. God (V.).
Juchem s. Joachim.
Jump- s. Gund (V.).
JUNG I. got. guggs, ahd. jung, mhd. junc „jung“. In altd.
EN. weit seltener als alt.
FN. Jungman: Jungmann, Junkmann.
Jungarat: Junkert.
Jungeric: Jungerich.
Einstämmige Kürzung Jungo: Junge; Jung (latinis.
Jungius), Jungk — Jünge.
Vklf. (l): Jüngel. (k): Jüngken.
Jung a) I. s. das vorhergehende W. b) III. (vgl. Hellenbrecht
de Junghe 1383 Gött. UB. I. — auch franz. Lejeune) —

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de Jonge (Emden).
Jüngel s. Jung I.
Jungbluth III. auch Jungesblut; niederd. Jungeblodt (holl.
Jongebloed).
Jungfer III. Abkürzung aus Jungfrau (vgl. Johannes dictus
Virgo 1390 Köln. Univ.-Matr.).
Jungnickel s. Nicolaus.
Junkert s. Jung I.
Junker III. aus mhd. juncherre „junger Herr“ (herre
Bezeichnung des ritterlichen Standes).
FN. Junker. Gen. Junkers.
Jür-, Jürr- s. Georgius.
Justus II. lat. der „Gerechte“.
FN. Justus; Just — Jost. Gen. (lat.) Justi — (deutsch)
Justen — Joosten, Joesten (oe = ô, ostfries.).

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K.
Kabelmacher III. „Verfertiger von Schiffstauen“.
Kächler III. „Kachelmacher, Töpfer“, vom ahd. chachala,
mhd. kachele irdenes Geschirr („Kachel“ noch
schweizerisch, tirolisch in diesem Sinne).
Kahle III. „Kahlkopf“. Hans de Kale 1430 (Lipp. Reg.).
Kähler s. Köhler.
Kahrs s. Gar (einst. K.).
Kaiser III. s. S. 42; auch in der Schreibung Kayser, Keiser.
— Selten in der ursprünglichen lat. F. Caesar.
Kalb III. zu den Tiernamen (S. 49. 61), vgl. Cuonrad calf,
calp vitulus 1219. Cuonrad dict. Kelbelin.
FN. Kalb. Niederd. Kalff. Vklf. Kälble. Zss.
Sommerkalb (Barthold genannt Sumerkalf 1358 —
Lipp. Reg.). Sonnenkalb. — Kalbskopf.
Kalff s. Kalb.
Kaltschmidt III. ahd. chaltsmit, mhd. kaltsmit „Schmied,
der ohne Feuer arbeitet, Kesselschmied“.
-kam s. Kamp III.
v. Kamecke III. Stammort Camminke auf der Insel Usedom.
-kamer, -kammer s. Heim III.
Kamm-, Kämm- s. Gamal.
Kämmerer III. ahd. chamarâri, mhd. kameraere, nach dem
mittellat. camerarius 1) „Hofbeamter, der die Aufsicht hat
über die fürstlichen Gemächer“, namentlich über die
Schatzkammer, auch sonst aufwartet und auf Ordnung

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hält 2) in Klöstern und Gemeinden „Verwalter der
Einkünfte“.
FN. Cammerer — Kämmerer.
Kämmerling III. ahd. chamarlinc, mhd. kemerlinc
„Kammerdiener“. (Das Wort noch im ital. camerlengo).
KAMP I. ahd. champh, mhd. kampf „Kampf“ (urspr. Eifer,
Wetteifer).
FN. Kamphard: Kempert — Kempfert.
Einstämmige Kürzung Camp-.
Campo (noch fries. VN.), Chempho: Campo; Campe
— Kampf — Kempe — Kämpffe; Kempf. Gen.
Kamps; Kampen. Patr. A. Overkämping (Westf.).
Vklf. (k): Kempke. Gen. Kempkens.
Kamp III. aus dem lat. campus, welches schon früh in das
Niederdeutsche und Friesische herübergenommen ist,
namentlich ein eingeschlossenes, umhegtes Feld
bezeichnend, das einem einzelnen Bebauer zusteht. Alte
ON. auf -camp aus dem 9.-11. Jh.; heutige auf -kamp,
auch verhochdeutscht -kampfen, -kämpfen.
Eine große Menge FN. auf -kamp findet sich in
W e s t f a l e n, hergenommen von einzelnen solchen
Kämpen, an denen dieser Landstrich so reich ist (S. 75).
Dabei tritt auch das niederdeutsche Sprachelement hier
sehr in den Vordergrund.
FN. Von dem Kampe. Van Kampen (Kleve; Kampen
Stadt in Holland).
Zss. 1) nach dem, was auf dem Kampe
wächst: Appelkamp (Äpfel-).
Birkenkamp; Berkenkamp.
Bohnenkamp. Bökenkamp (Buchen-).
Buschkamp. Distelkamp.
Eichelkamp. Ellerkamp. Flaßkamp.
Füchtenkamp. Graßkamp.

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Haverkamp; Haberkamp.
Hasselkamp. Heisterkamp.
Holtkamp. Horstkamp. Kirschkamp.
Kleekamp. Lihnkamp (Lein-).
Lohkamp. Nettelkamp. Roggenkamp.
Röbekamp; Röwekamp.
Schleenkamp. Wiedenkamp —
oder sich dort aufhält (Tiere):
Ahlkamp. Hasenkamp. Immenkamp.
Kreienkamp. Uhlenkamp.
Wolfkamp —
oder überhaupt sich dort befindet:
Brüggenkamp (Brücken-).
Gallenkamp (aus Galgen-).
Kiesekamp. Kleinemoorkamp.
Kottenkamp. Kreutzkamp.
Kulenkamp. Moorkamp.
Mühlenkamp. Pohlkamp (Pfuhl-).
Sandkamp (auch Dorf in Hannover).
Steinkamp. Wasserkamp.
2) Nach der Lage und Beschaffenheit
des Kampes: Altkamp. Bredenkamp
(auf dem breiten K.). Hoffkamp.
Hokamp — Hogenkamp (elliptisch:
auf dem hohen K.). Kortenkamp.
Langenkamp. Ostkamp; Osterkamp.
Veltkamp. Westerkamp.
3) Nach dem Besitzer: Nonnenkamp.
Verhochdeutscht in -kampf: Erlekampf. v.
Heidekampf (vgl. O. Heidekamp in Holstein).
Flaßkampf. Lindenkampf. Lohkampff.
Mühlenkampf. Oberkampf. Siedenkampf.
Tellkampf. Weidekampf.
Abgestumpft in -kam: Breitenkam. Gerstenkamm.
Kleekam. Osterkam.
Ableitung auf -er (westf.):

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Kämper, Kemper. Gen. Kempers. — Zss.
Berkenkemper. Elfenkämper. Engelkemper.
Fahlenkemper. Haarkämper (Haar = Anhöhe auf
einer Heide). Hasenkämper. Heidkämper.
Holtkemper. Kieskemper. Kortenkemper.
Kottenkemper. Krützkemper (Kreuz-).
Lehmkämper. Lohkemper. Nordkämper.
Ossenkämper. Pagenkämper (Page = Pferd).
Pierenkemper (Regenwürmer-?). Roggenkämper.
Stegkämper. Strotkemper. Stutenkemper.
Südkemper. Weidenkämper.
Auch als e r s t e r Teil der Zusammensetzung findet
sich Kamp in: Kampmann; Oberste Kampmann.
Kampmeyer — Kampfmeyer — Kammeyer.
Kampfmüller. Kampfwirth. Kampfschulte. —
Kampfranz.
Kamp- s. a) Kamp I. b) Kamp III.
-kamp s. Kamp III.
Kämp- s. Kamp I.
Kampe a) s. Kamp I. b) Ortsbezeichnung s. Kamp III.
Kampfenkel I. III. der „Henkel vom Kampe“ (s. Hagan).
-kämper s. Kamp III.
Kampf- s. a) Kamp I. b) Kamp III.
-kampf s. Kamp III.
Kämpf- s. Kamp I.
Kamphaus III. Fleischermeister in St., nennt sich, seit es
einen Finanz-Minister Camphausen in Preußen gegeben:
Kamphausen.
Kändler III. (bayr.). mhd. kandeler „Kannengießer“.
Kannengießer III. „Zinngießer“; man sieht aus dem N., daß
das Gießen von Kannen einst die wichtigste Arbeit in

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diesem Handwerke war („Kannengießer-Straße“ in
Braunschweig).
FN. Kannegießer; Kanngießer, Canngießer. Niederd.
Cannegieter (Klemp. Kannegeter).
Kant, Kantz s. Gand.
Kanzler III. ahd. chancilâri, mhd. kanzelaere aus mittellat.
cancellarius „Vorgesetzter der Kanzlei“.
FN. Kanzler, Cantzler. Mit Umlaut Kentzler.
Kapeter III. (Württ.) eig. Hausname casa Petri, wie
Cahannes, Capaul (Buck).
Kaphengst III. vom mhd. kappen „verschneiden“.
Kappeller s. Capelle.
Kapper s. Kaspar.
Kapphammel III. vom mhd. kappen „verschneiden“.
KARAL I. ahd. charal, karl „Mann“ (Kerl).
FN. Karlman: Karlmann.
Einstämmige Kürzung Karal-.
Carol: Karel — Karle; Karl, Carl — (zerdehnt)
Kardel — Kerl — Keerl. Gen. Carels — Karls —
Kerlen. Patr. A. Kerling. Patr. Zss. Carlsohn.
Vklf. (i): Karli (schweiz.).
Kärcher III. oberd. „Kärrner“, von Karch „Karren“, ahd.
karruh aus lat. carruca Reisewagen.
FN. Kärcher — Karcher.
Kardel s. Karal.
Karges, Karius s. Macarius.
Karlauf s. Gar (V.).
Karmann s. Gar.
Karrer III. „Kärrner“. Auch Karner.

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Karsjens, Karst- s. Christianus.
Kaschube III. ein „Kassube“ (S. 78). Auch verkürzt
Kaschub.
Kasemeier III. umgestaltet aus Kasimir (1788 Detmold).
Kaspar II. persisch Kansbar „Schatzmeister“, nach der
Legende einer der h. drei Könige (Kal. 6. Jan.).
FN. Kaspar, Caspar; Casper — süddeutsch Kapper (s.
Melchior Meyr, Erzählungen aus dem Ries). Gen.
Caspary (auch jüdisch) — Caspers — Gaspers
(Heinsberg).
Vklf. Kasperl (bayr.). — Zss. Kasparbauer.
Mit Erweichung des k (schon bei Klemp.
nebeneinander Kaspar, Gaspar, Jaspar): Jasper. Gen.
Jaspers (ostfries.). Patr. Zss. Jespersen.
Kassebaum III. halbniederd. statt karseboom
„Kirschbaum“. Auch Kessebohm. (Kassebohm O. in
Mecklenb.).
Kassebeer III. niederd. statt Karsebeere „Kirsche“ (lat.
cerasum).
Kasseroller III. „Kasserollen-Verfertiger“.
Kassens, Kast- s. Christian.
Kastner III. „Verwalter des Kornkastens“ d. i.
Getreidespeichers, dann, weil aus den Getreide- und
Fruchtzinsen sich die Steuern entwickelten, hie und da =
Amtmann über alle Einkünfte „Rentmeister“. So an Höfen
ein Hofkastner, in Klöstern ein Pater Kastner.
FN. Kastner — Kästner, Kestner — Khöstner
(Gottschee).
Kathmann, Käthner s. Köther.
Kathreiner III. „einer aus (St.) Kathrein“.
Kauer- s. Kun (V.).

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Kaufmann III. ahd. choufman, mhd. koufman
„Handelsmann“ (s. Krämer).
FN. Kaufmann, häufig Kauffmann. Niederdeutsch
Kopmann, Koopmann. Gen. Koopmanns.
Kaulbars III. deutlicher Fischname.
Kaulfuß III. „Klumpfuß“, von Kaule = Kugel, schon mhd.
kugele zsgz. kûle.
Kaunert s. Kun (V.).
Kaupert s. Gaw.
Kauwertz s. Gaw.
Keb- s. Gab (V., einst. K.).
Keerl s. Karal.
Kehr- s. Gar (einst. K.).
Kehrein III. Satz-N. „kehr ein“.
Keil s. Gail.
Keiper III. „Fischmeister“, Aufseher über Fischereien
(ostpreuß.).
Keiser s. Kaiser.
Keith, Keitz s. Gaid.
Keller III. mhd. kellaere aus lat. cellarius 1)
„Kellermeister“, Schaffner 2) Kammerbeamter; wie vom
herrschaftlichen Kasten ein Kastner, so bekam vom
herrschaftlichen Keller ein K e l l e r (Kellner) als
Rentbeamter seinen Namen (cellarii am Hofe Karls d.
Gr.), welcher urspr. die Weinberge u. Weingülten samt den
andern Einkünften, die in die Keller einzuliefern waren,
zu verwalten hatte; bei geistlichen Stiftern der Beamte,
welcher die Einkünfte verwaltet, die für den Tisch
geordnet sind — oft mit dem Kastner eins 3) Inhaber

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eines „Kellerhofes“, einer Art Hofgüter in einigen Teilen
Schwabens und der Schweiz. (Walter der Kellaer 1288).
FN. Keller. Lat (rücklatinis.) Cellarius. Auch Kellerer.
Kellermann.
Kellermann s. Keller.
Kellner III. mittellat. cellenarius, ahd. kelnâri, mhd.
kelnaere = keller (Conrade Kelner, auch C. Keller genannt
1379 Bacm.).
Kemp- s. Kamp I.
-kemper s. Kamp III.
Kentel s. Gand.
Kentzler s. Kanzler.
Kerke III. niederd. „Kirche“, in Zss. wie Kerkenbrock
(Kirchenbruch); Kerkhei.
Kerl-- s. Karal.
Kerms s. Gar (zweist. K.).
Kerner III. 1) = Körner 2) „Kärrner“.
Kerschstein s. Christianus.
Kerse III. „Kirsche“, aus lat. cerasum, in Zss. wie
Kersenbrock (-bruch), Kerßenbroick — Kersemeyer.
Kerst- s. Christianus.
Kessebohm III. „Kirschbaum“.
Kessel III. der Kessel als bedeutsames Hausgerät, das zu
sinnbildlichen Rechtshandlungen und abergläubigen
Gebräuchen diente. Vgl. H. de Eschenowe dictus
Brukeȥȥel (Braukessel) 1263.
Kesseler III. „Kesselschmied“. Auch Keßler.
Kesselhake III. Haken, an welchem der Kessel über dem
Feuer aufgehängt wird.

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Kesselhut III. eine „Pickelhaube in Kesselform“. Auch
niederd. Ketelhod.
Kest- s. Christianus.
Kestner s. Kastner.
Ketelböter III. niederd. „Kesselflicker“ (böten = hd. büßen,
d. i. urspr. bessern).
Ketelhod s. Kesselhut.
Keudel, Keutel s. Gaid.
Keun- s. Kun (V., einst. K.).
Kieckebusch III. ON. (in Brandenb.).
Kiefer s. Küfer.
Kiehne s. Kun (einst. K.).
Kiekuth III. niederd. Satz-N.: „schau aus“ — doch zunächst
wohl ON. (auf Rügen) und von daher übertragen.
Kienbaum III. mhd. kinboum „Kiefer“.
Kienle s. Kun (einst. K.).
Kiep- s. Gab (V., einst. K.).
Kier- s. Gir.
Kierschner s. Kürschner.
Kies- s. Gis.
Kiesel- s. Gisal.
Kieser III. „Prüfer“; in den Städten Deutschlands waren
solche K. besonders für Getränke und andere
Lebensmittel angestellt.
Kiesewetter III. Satz-N. „der das Wetter prüft,
Wetterspäher“ (Gudrun 903: Fruote bî dem lufte k i e s e n
dô began). Entstellt Küssewetter (Wien).
Kieß- s. Gis (Gisal).

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Kiewitt III. niederd. der Kiebitz, sprichwörtl. wegen seines
Zickzackfluges; daher „Kiebitzgang“. (Everhardus Kyvit
Köln. Univ. Matr. 1390).
Kilbert s. Gisal.
Kilian II. ein Schotte, Apostel der Franken im 7. Jh.
FN. Kilian; Killian — Kilgan.
Killmer s. Gisal.
Kimmerle s. Kun (V.).
Kipp s. Gab, Gib (einst. K.).
Kirche III. ahd. kiricha, mhd. kirche, altsächs. kirika, kerika,
altfries. kerke, karke (wohl aus griech. κυριακόν „Haus
des Herrn, Gotteshaus“). In ON. -kirch, -kirchen
(elliptischer Dativ); niederd. -kerk.
FN. 1) Altenkirch. Neukirch. Taufkirch (O. -en
8 mal Rud.). v. Tippelskirch.
2) Giesenkirchen. Herrenkirchen.
Odenkirchen. Rodenkirchen.
Rommerskirchen.
Halbniederd. Nienkirchen
(Mecklenburg); hochdeutsch
Neunkirchen (häufig ON., wohl aus
Neuenkirchen zsgz., zumal bei Dörfern,
wo eine solche Menge von Kirchen
doch nicht anzunehmen).
3) Bovenkerk.
Ableitung auf -er (oberd.):
1) -er: Feldkircher (O. -kirch).
2) -ner: Feldkirchner (O. -kirchen).
Neukirchner. Seekirchner. Steinkirchner.
Kircher III. mhd. kirchaere „Küster“ 2) gekürzt aus
Kirchherr, d. i. „Pfarrer“. Auch Kilcher.

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Kirchhoff III. „der am Kirchhofe“, vgl. fries. Urkund.:
roleff bi den kerkhoue (Pott. S. 549).
Kirchmann a) I. ahd. Kirihman (aus dem 9. Jh. als PN.
nachgewiesen durch Förstemann, vgl. auch den rhein.
Namen Kirchartz, der auf einen altd. Nomin. Kirihhart
zurückweist) b) III. mhd. kirchman Eingesessener einer
Gemeinde, „Gemeindeglied“, im Gegensatz zum
Ausmann, ûȥman.
Kirchner III. mhd. kirchenaere „Küster, Mesner“, bes. im
sächsischen Vogtlande üblich.
-kirchner s. Kirche.
Kirieleis II. aus dem kirchlichen Rufe (griech.) kyrie eleïson
„Herr, erbarme dich“, vgl. Bechtold Kyrieleyson 1366
(Weistümer 3, 419). Noch weiter verkürzt Cyrlis —
Corleis.
Kirmes III. aus mhd. kirchmesse, „Fest zum Andenken an
die Einweihung einer Kirche“ — (Zeitname, vgl. Tag).
FN. Kirmes; Kirmß.
Kirner s. Körner.
Kirschner s. Kürschner.
Kirschstein s. Christianus.
Kirscht-, Kirst- s. Christianus.
Kirwald s. Gir.
Kiß s. Gis.
Kist s. Christianus.
Kistenfeger III. der „Kisten fegt d. i. ausräumt“, plündert.
Kistmacher III. der „Kisten macht“, Tischler. Niederd.
Kistemaker; latinis. Chelopoeus. Entstellt Küstenmacher.
Auch Kistner.

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Kittel III. mhd. Kittel, ein Kleidungsstück — mit der Zss.
Weißkittel.
Klaas, Klag-, Klas-, Klaß- s. Nicolaus.
Klau- s. Glaw.
Klaus, Kläusli s. Nicolaus.
Klebsattel III. „kühner mit dem Sattel eng verbundener
Reiter“ (Andresen). Daraus Kleesattel.
Klee III. früher volkstüml. auch der mit Kleeblumen bunt
gezierte Rasen (Kleemeister = Wasenmeister) — mit der
Zss. Grüneklee. Auch Kleeblatt (vielleicht mit mystischer
Beziehung als Sinnbild der Dreieinigkeit, wie in Irland,
wo es sogar in diesem Sinne Nationalzeichen ist).
Kleemann. Kleemeyer. Schubert Edler von dem Kleefelde.
(S. 59). Niederd. Klewer.
Kleienstäuber III. nach Hoffmann, Kasseler Namenb. S. 69,
Bezeichnung des „Müllers“.
FN. Kleyenstäuber, zsgz. Kleinstäuber — auch
Kleyenstüber; Kleinstüber. Vgl. Joh. Fäsenstaub,
Müller 1408 (Tobler-Meyer), von Fese = Hülse.
Klein, Kleine III. der „Kleine“. Doch weisen FN. wie
Kleinhard, Kleinert (Gen. Kleinertz), Kleinlein, Kleinecke
darauf hin, daß dieser Stamm schon im Altdeutschen zur
Namenbildung verwendet worden, dann im Sinne von
„fein, sauber“.
Kleinknecht III. „unterer Knecht“ gegenüber dem
Großknecht.
Kleinschmidt III. Gegensatz zum Grobschmied: ein
Schmied, der kleine, d. i. feine Arbeiten macht; bez.
hauptsächlich der „Schlosser“, dann der Büchsenschmied,
Sporer, Uhrmacher.
Kleinsorge III. der sich wenig d. i. (bes. nach mhd.
Ausdrucksweise) gar keine Sorge macht.

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Kleisl, Kleißl s. Nicolaus.
Klemens, -t s. Clemens.
Kliebenschedel s. Klubeschedel.
Kliefoth III. niederd. statt Kliefuß, vom ad. cliuwa Kugel,
Knäuel, also = Klumpfuß.
v. Klinckowström III. Martin Klinckows Söhne wurden im
17. Jh. von der schwedischen Regierung geadelt.
(Adelslex.)
Kling III. ahd. chlinga, mhd. klinge „Gebirgsbach,
rauschender Bergstrom“, ON. und in Zss. wie
Klingmüller. Auch Klingel, wie in der Pfalz viele Bäche
heißen. Daher FN. Klincke, Kling mit der Ableit. Klinger.
Klingelhage.
Klingbeil III. Satz-N. urspr. Klinckebyl „laß das Beil
klingen!“.
Klingspor III. „mit klingendem Sporn“. Klingspor 1571.
Klobelauch III. ahd. klobelouh, mhd. clobelouch von
kliuban spalten, entstellt knobelouch „Knoblauch“ (auch
ON.). Knobloch — Knoblich.
Klocke III. a) I. s. Hlod (einst. K.) b) niederdeutsch
„Glocke“ in Klockemeyer.
Klöckner s. Glöckner.
Klode s. Hlod (einst. K.).
Kloos, Klos-, Kloss- s. Nicolaus.
Klostermann III. mhd. klôsterman „Mönch“.
Klöter s. Hlod (V.).
Kloth, Klöthi s. Hlod (einst. K.).
Klötsch, Klott s. Hlod (einst. K.).
Klotz a) I. s. Hlod b) III. „vierschrötiger, plumper Mensch“.
vgl. Marquardus dictus Block (Truncus).

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Klubertz s. Glaw.
Klubeschedel III. Satz-N. „ein Schädelspalter“ (S. 52), von
„klöben“ ahd. klioban, mhd. klieben und klûben spalten.
Auch Kluibenschädel (Tirol).
Klubeschelt III. Satz-N. „der Scheite spaltet“.
Klußmeyer s. Nicolaus.
Klute, Klüt- s. Hlod (einst. K.).
Klüter s. Hlod (V.).
Klutendreter III. (Aachen) der „Erdklöße tritt“, Spottname
für einen Landbauer.
Klutt s. Hlod (einst. K.).
Knabe III. ahd. chnabo, mhd. knabe „Knabe, junger
Bursche“, bes. ein im Dienste eines Höheren stehender;
mit knappe, kneht mehrfach gleichbedeutend. Auch
Knape. Gen. Knabben (niederrhein.).
Knappe III. Nebenf. zu Knabe (wie Rappe zu Rabe) ahd.
chnappo, mhd. knappe 1) Knabe, Jüngling, bes. „der
Ritter werden will“ 2) „Diener, Lehrling, Geselle“.
FN. Knappe; Knapp.
Knaubel, Knaup, Knauth s. Knod.
Knecht III. mhd. kneht sinnverwandt mit knabe und knappe,
daher auch in der Bed. „Lehrling, Geselle“, wie in
smidekneht.
FN. Knecht. Zss. Ackerknecht. Frommknecht.
Futterknecht. Gutknecht; niederdeutsch Godknecht.
Haußknecht. Holzknecht. Kammerknecht.
Kleinknecht. Mahlknecht (Müllergeselle).
Packknecht. Schildknecht. Stallknecht. Schuknecht.
Wagenknecht.
Knick III. „niedriger lebendiger Zaun zur Einhegung der
Felder“. Auch Knigge.

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Knie III. „ein im Waldwinkel liegendes Stück Land“, in FN.
wie Kniemeyer, -möller.
Knieriem III. ein „Gurt über dem Knie“, das unentbehrliche
Beistück der kurzen Landsknechtshosen, jetzt nur noch
ein Geräte der Schuhmacher. Vgl. Cunrad cognom.
bintriemo 1239. Knirim — Cnyrim.
Knobbe, Knobel s. Knod.
Knoblauch, Knoblich s. Klobelauch.
Knochenhauer III. „Schlächter, Fleischer“, noch jetzt in
Braunschweig die übliche Bezeichnung, wo sich schon
1380 der FN. Knokenhowere findet (in Hannover eine
Knochenhauer-Straße).
Knocke s. Knod.
KNOD I. zu got. knôds, ahd. chnuat „Geschlecht, Stamm“.
Chnodomar 4.
FN. (Knoderich): Gnörich.
Einstämmige Kürzung Knod-.
Knuto: Knode — Knothe — Knott — Knuth —
Knauth. Patr. A. Knudsen.
Vklf. (l, Knodilo): Knolle. (k): Knocke.
Zweistämmige Kürzung Knodb-.
(Knobo): Knobbe — Knop — Knopf — Knaup.
Vklf. (l): Knobel — Knöpfel — Knaubel.
Knolle, Knop-, Knothe, Knott, Knudsen, Knuth s. Knod.
Kob-, Köb- s. a) I. God b) II. Jacobus.
Koch III. ahd. choch, mhd. koch, altsächs. kok aus lat.
coquus.
FN. Koch. Gen. Kochs. Äußerlich verlateint Cochius —
in anderer Weise Coccejus. Gen. Cocceji (S. 65).
Vklf. (l): Köchle (schwäb.); Köchly (schweiz.). —
Köchlin.

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Niederd. Kock; auch Koock, Koke (Kok Gött. UB. I.
ums J. 1373, Klemp. Coke neben der Bezeichnung
Meisterkock = ouerste kokenmeister). Gen. Kox,
Cox (niederrhein.).
Der N. Kock findet sich lange vor der französischen
Einwanderung und ist jetzt in verschiedenen
Gegenden Norddeutschlands unter der
Landbevölkerung verbreitet, so in Westfalen, Mörs,
Schleswig; er kann daher nicht franz. Ursprungs (aus
coq Hahn) sein.
Köch-, Kock s. Koch.
Kochlöffel III. s. S. 44.
Kodel s. God (V.).
Koen- s. Kun (V., einst. K.).
Koerts s. Kun (V.).
-kofen, -kofer s. Hof.
Köfer s. Küfer.
Kögler III. mittelniederd. Kogeler „Gaukler“.
-kohl in Zss. wie Herrenkohl, Linnenkohl s. Kugel =
Kapuze.
Kohl- s. 1) Kol 2) Hlod.
Köhler III. „Kohlenbrenner“. Selten Kohler — Kähler —
auch Köller (Preuß). Zss. Dammköhler.
Kohn-, Köhn- s. Kun (V., einst. K.).
Kohr-, Köhring s. Kun (V.).
KOL I. wohl zu altnord. kollir „Helm“.
FN. Colobert: Kolbert.
(Colohart): Kohlhardt.
(Coloman): Kollmann — Kohlmann.

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Einstämmige Kürzung Kol-.
Colo: Kohl — Kölle — Kuhle. Patr. A. Köhling.
Vklf. (i): Kohli — Kuhley.
Zweistämmige Kürzung Kolb-.
(Kolbo): Kolbe; Kolb — Kulbe — Külb.
Vklf. (l): Kölbl — Külbel.
Kolb s. Kol (V., zweist. K.).
Koll- s. 1) God (V.) 2) Kol.
Kommallein III. bemerkenswerter Satz-N. (auf die
Einladung zu einem Stelldichein deutend?).
Kompert s. Gund (V.).
Kon- s. Kun (V.).
Kön- s. Kun (V., einst. K.).
König III. häufiger FN., durch verschiedene Ursachen
veranlaßt 1) durch persönliches Hervorragen in der
Umgebung (Schützenkönig u. a., jetzt Eisenbahnkönig
usw.), Friedrich de Kuninc 1314. 2) durch N. von
Häusern, bes. wohl von Gasthöfen (König von Spanien u.
a.). — Vgl. franz. Leroy.
FN. König; Königk. Gen. Königs. (Doch ist bei diesen
N. auch der altd. Stamm Kun zu vergleichen). Zss.
Rübenkönig.
Könnicke s. Kun (einst. K.).
Koock s. Koch.
Koops s. Jacobus.
Koordt s. Kun (V., Chunrad).
Köper s. Küfer.

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Kopf III. ahd. chuph, copf, mhd. kopf aus mittellat. cuppa
Faß 1) Trinkschale, Becher (so Glaßkopf FN. 15. Jh. =
Glasbecher, Glasnapf). 2) Hirnschale, Kopf.
FN. Kopf vgl. Chono der Chophe 1175. Ulric. der
Chopf 1225.
Mannigfache Zss., sämtlich wohl in dem Sinne des
Körperteils: Breitkopf. Großkopf. Hartkopf;
halbniederd. Hardekopf. Krauskopf; niederd.
Kruskop. Rothkopf. Ruhkopf (halbniederd. =
Rauhkopf). Schönkopff. Schwartzkopff Weißkopf;
niederd. Wittkop. Wullkopf; niederd. Wullkop —
nach Tieren (z. T. vermutlich durch Häuserzeichen
vermittelt, aber auch durch Flurnamen): Hönerkopf
(halbniederd. = Hünerkopf). Ochsenkopf; niederd.
Ossenkopp. Rehkopf. Rindskopf. Roßkopf. Schellkopf.
Wedderkop. Welskopp —
nach Pflanzen: Mohnkop und Mahnkopf.
Köpke s. Jacobus.
Kopmann s. Kaufmann.
Kopperschmidt III. (niederd.) „Kupferschmied“.
Koppold s. God (V., Godebald).
Körber III. „Korbmacher“. Auch Korber.
Kord- s. Kun (V.).
Korn III. got. kaurn, ahd. mhd. korn „Fruchtkorn,
Getreidekorn“ (mundartl. = Roggen).
FN. Korn. Zss. Fernkorn, Viernkorn vom
Eigenschaftsw. fern „vorig“ (Firnewein u. a.).
Gerstenkorn. Grünkorn. Haferkorn; Haberkorn
(Ruprecht Haberkorn 1385). Hirsekorn; Hirschkorn.
Klöwekorn (Spaltkorn, in welchem Sinne? oder
imperativisch = Haarspalter vgl. Klövesand — Pott).
Pfefferkorn (Walcher Phefferkorn 1282). Senfkorn
(Ev. Matth. 13, 31). Sommerkorn. Weitzkorn.

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Kornbluhm III. deutlicher Pflanzen-N. (centaurea cyanus).
Kornbrust s. Probst.
Körner III. 1) vom got. quairnus, ahd. quirn, mhd. kürn
Mühle, also „Müller“ 2) von Korn: „Kornkäufer“ 3) =
Kordener, Körtener patronym. zu Konrad (Preuß 17).
FN. Kürner — Kirner — Körner — Kerner — selten
noch in der älteren Form Querner. Zss. Körnerknecht
(„Mühlknappe“).
Kornmesser III. mhd. kornmeȥȥer „vereidigter
Getreidemesser“, ein öffentlicher Beamter.
Kort-, Kört- s. a) I. Kun (V.) b) III. nied. = kurz, in
Kortenkamp u. a.
Kortum III. niederd. „kurz um“, nach dem Bremer Wörterb.
ein kleiner, hurtiger Mensch. Auch Kortüm.
Kos- s. Goz (V.).
Köster- s. Küster.
Kostezzer III. (Zürich) „einer aus Konstanz“ (gesprochen:
Kostetz — Tobler-M.).
Kothe a) I. s. God b) III. geringeres Bauernhaus, urspr. ohne
Feld und Hofstätte, nur mit einem Garten; es ist dann
freilich auch vielfach etwas Land mit solcher Kothe
vereinigt worden, doch nicht bis zu einer vollen Hufe.
Hauptsächlich niederdeutsches Wort, auch in ON.
ziemlich häufig: -kathe, -kathen, -kothen, -kotten.
FN. Kothe (auch Kothé — das é soll die betreffende
Familie für schweres Geld vom Landesherrn
erstanden haben, s. Pauli II, S. 5).
Zss. Roßkoth. — Hollkott. Oldenkott. Weskott.
Horstkotte. — Geilenkotten. Vierkotten. (Henricus
Bernekotte Köln. Univers. Matr. 1390). —
Kothmeyer — Kottmeyer — Kothmüller.

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Köther III. „Inhaber einer Kothe“.
FN. Köther. Zss. Buschköter (der K. in dem Busche).
Eikenköter (Hannov.). Leimköter (doch wohl =
Lehmk.). Auch der N. Fetköter gehört hierher, wie
die Nebenff. Vettkötter (Vegesack) und Fettkotter
beweisen.
In Nordost-D. heißt die Kothe: Kathe, Kathen, daher:
Käthner; Kathmann — in Westfalen Kotte, daher „Kötter“
(s. Immermann Münchhausen III, 56: „daß ich den
Halbhüfner, den Kötter und wer es sonst sein mag, jeden
nach seiner Gebühr nennen muß“). In dieser F. ist das
Wort reich an Zss., die alle in Westfalen heimisch sind:
FN. Baumkötter. Berkenkötter. Buschkötter. Feldkötter.
Flurkötter. Grundkötter. Heitkötter (Haid-).
Holtkötter. Horstkötter. Kampkötter. Kuhlenkötter.
Marschkötter. Ostenkötter. Pohlkötter. Rietkötter.
Sandkötter. Strotkötter. Vennekötter. Winkelkötter.
Wieskötter — sämtlich wohl nach der Wohnstätte
benannt, während Jacobskötter, Mörtenkötter Zss.
mit den VN. Jacob, Martin sind.
Anderer Art sind Neukötter. Hundekötter (vgl. den
niederd. Maler Hondekoeter). Schniederkötter.
Schultenkötter (der K. des Schulzen). Schüttenkötter.
-köter s. Köther.
Kott- s. a) I. God (V., einst. K.) b) III. Kothe.
-kott, -kotte, -kotten s. Kothe.
-kötter s. Köther.
Kottlof s. God.
Kotz- s. 1) God (einst. K.) 2) Goz.
v. Kotzebue III. von dem altmärk. O. Kossebau, früher
Kossebu. (Adelslex.).
Kox s. Koch.

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Krabat III. (Gottschee) „Kroat“.
Kracht s. Kraft.
Kradolfer III. „einer aus Kradolf“, urspr. Kradorf
(Thurgau).
KRAFT I. ahd. mhd. kraft „Kraft; Heeresmacht“.
FN. Kraftheri: Krefter.
Einst. Kürzung Craft, Craht: Krafft — Kracht. Patr. A.
Krefting.
Krägen- III. mhd. krâ, kraeje, kreie „Krähe“ in Zss. wie
Krägenbrink.
Kramer s. Krämer.
Krämer III. ahd. chrâmâri, mhd. krâmaere, krâmer, kraemer
der „Krämer“, Kleinhändler, im Gegensatz zum
„Kaufmann“, der mehr den Großhändler bezeichnet. Dem
Krämer fiel zum Handel alles anheim, was
„Pfennigsgewerbe“ war. (Schon 1175 Chunrad Chramar).
FN. Krämer, Cremer — Kramer, Cramer. Gen.
Kramers (niederrhein.). Zss. Eisenkrämer.
Krahn, Krohn III. mittelniederd. krân, krôn „Kranich“.
Auch in Zss.: Kranepohl u. a.
Kranefuß III. „Kranichfuß“. Auch Krohnfuß.
Kranewitter III. vom ahd. khranawitu „Wacholder“. ON. in
mannigfachen FF. Entstellt in Kronawetter; Kronebitter;
Kronenbitter (Steub).
Kranich III. der bekannte Zugvogel. Vgl. franz. Lagrue. 1)
Hauszeichen (S. 61) 2) Eigenschaft bezeichnend,
namentlich die Schlankheit (S. 49).
Kranold s. Hraban.
Kranz III. mit den Zss. Maikranz (S. 45, doch auch ON.).
Rautenkranz. Rosenkrantz (auch ON.).
Vklf. Kränzlein — Kränzl.

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Kratz-, Krätzel s. Pancratius.
Kraume s. Hrom.
Kraus, Krauß III. 1) s. Krause 2) der „Krug“; so
namentlich in der Zss. Steinkrauß „Steinkrug“.
Krause III. von dem Eigenschaftsw., der „Kraushaarige“
(Crispus). Hainrich der kruse 1304 (S. 50).
FN. Krause; Kraus (letzteres süddeutsch, z. B. in
München 1876: 44 mal Kraus und Krauß, Krause nur
3 mal, dagegen in der Preuß. Rang- und Quartierliste
von 1874 Krause 50 mal, Kraus (Krauß) nur 4 mal).
Niederd. Kruse, Cruse. — Latinis. Crusius.
Kraushaar III. = dem Vorhergehenden. Volz von
Nüwenegge den man da nemmet Crushar 1347 (Bacm.).
In demselben Sinne Krauskopf.
Kräuter III. „Gemüsegärtner und -Händler“ (auch
Apotheker). Niederd. Krüdener (Crudiner 13. Jh.).
Krautwig s. Hrod (V.).
Krawath III. „Kroat“. Auch Krabot.
Kreft III. (mit langem offenem e) niederd. = Krebs. (Hans
Krewet 1473). Auch Krebsscher findet sich als FN.
Kreft- s. Kraft.
Krege, Kreie III. mhd. kraeje, kreie „Krähe“, in Zss. wie
Kregenbrink, Kreienkamp, Kreymeyer u. a.
Kreikenbaum III. (halbniederd.) mhd. kriechenboum von
krieche d. i. schlechte Pflaume.
Kreiser III. „Feldhüter“ (z. B. in Hessen).
Kreith III. = Greut, Gereute von „reuten“; Kreitmeyer =
Greutmaier (Steub S. 13).
Krempelsetzer III. zur Tuchmacherei gehörig (Krempel =
Wollkamm).

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Krestel s. Christianus.
Kretschmer III. mitteld. crecimer, aus dem slaw. karczmarz
„Schenkwirt“, bes. in Schlesien, Posen, der Lausitz, wo
auch die Dorfschenke „Kretscham“ heißt. Seit dem 14. Jh.
von Osten her bis nach Thüringen und weiter verbreitet,
im 16. Jh. z. B. Luthern ganz geläufig, jetzt
zurückgewichen und auf die östlichen Grenzländer
beschränkt.
FN. Kretschmar, Cretzschmar (mit Bewahrung des
ursprüngl. a); Kretschmer — Kretzmer. Auch
Kretschmann.
Kreuchauff III. Satz-N. „Kriechauf!“
Kreunert s. Gron.
Kridewiß III. „kreideweiß“.
Kriechenbaum III. mhd. krieche, niederd. krike
„Schlehenpflaume“. Auch Kriegbaum — Grichbaum.
Kriebaum (zu dem Kriechbovme 1449).
Kriegner III. „einer aus Kriegen“ (Österr.).
Krim- s. Grim.
Kring- s. Hring.
Krist- II. s. Christianus.
Kröger s. Krüger.
Krohn s. a) I. Gron b) III. Krahn.
Krohnfuß s. Kranefuß.
Kroll s. a) I. Hrod (einst. K.) b) III. „gekräuselt“ vgl.
niederd. Krulle „krause Haarlocke“.
Kroloff s. Hrod (V.).
Krom-, Kröm s. Hrom.
Kron III. a) in Adels-N. von dem Hauptw. „Krone“: v.
Abercron. v. Ohlen u. Adlerskron — dagegen

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b) von „Kranich“, niederd. kran, kron in: Kronbiegel
(Kranichbühl, vgl. Kronschnabel, Crohnsnest).
Kronemeyer. Kronfuß.

Kronawetter, Kronenbitter s. Kranewitter.
Kroner, Krön- s. Gron.
Kronymus s. Hieronymus.
Kropp s. Hrod (zweist K.).
Kröter s. Hrod (V.).
Krüdener s. Kräuter.
Krudewig s. Hrod (V.).
Krudup s. Hrod (Hrodulf).
Krug III. in vielen ON. Zss. Fahrenkrug; Fahrenkrog.
Niederd. Krog in Krogmann.
Krüger III. mhd. krüeger „Schenkwirt“ (auf dem Lande).
FN. Krüger, Crüger; Krieger (bayr. österr. vgl.
Hiebner). Zss. Altkrüger. Fahrenkrüger. Heidkrüger
(der Besitzer des Heidekruges). Niederd. Kröger.
Zss. Buschkröger.
Krukemeyer III. s. Hrod (Chrodico).
Krumbiegel, Krumbügel s. Bühel.
Krunert, Krün- s. Gron.
Kruse s. Krause.
Kruskop III. niederd. „Krauskopf“ (s. Kopf).
Kruttge s. Hrod (einst. K.).
Krutwig s. Hrod (V.).
Krystians s. Christianus.
Kübler III. 1) Verfertiger von Kübeln. „Bötticher“ 2)
„Häusler“, = Köbler (Franken und Oberpfalz).

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Kuchen III. in mehrfachen Zusammens.: Eierkuchen.
Pfannkuche. Pustkuchen (Aschenkuchen). Matzkuchen
(die ungesäuerten „Matzen“ s. Matzbecker).
Kuchenbeißer III. vgl. Fleischfresser.
Küchenmeister III. magister coquinae, vornehmere
Bezeichnung für Koch.
Küchler III. „Kuchenbecker“.
Kuckuck III. ON., (10 mal Rud.). Auch Kukuk.
Küfer III. mhd. küefaere 1) der „Kufen und andere große
Gefäße macht“, daher auch Großbinder und
Schwarzbinder genannt, zum Unterschiede von den
Kleinbindern, Weißbindern oder Rotbindern, welches die
gemeinen Bötticher sind. 2) „Diener und Aufwärter in
großen Kellereien“, bes. in Weinkellern und Weinhäusern.
FN. Kufer — Küfer — Köfer — (mit der mittel- und
oberdeutschen Aussprache des ü) Kiefer.
Mit dem n der schwachen Bildung: Kufner — Küffner.
Niederd. Küper — Köper. de Kuyper (Rheinbach).
Gen. Kuypers (Geldern).
Kugel III. ahd. cucula, mhd. kugele, gugel, kogel, vom lat.
cucullus „Kappe, über den Kopf zu ziehen, Kapuze“.
FN. Leinekugel — Linnekugel, auch Linkogel,
Linnekuhl, Linnenkohl; daraus umgedeutet
Lindenkohl. Reifenkugel; Riefkohl. Rothkugel;
niederd. Rodekogel — entstellt Rodenkohl.
Wittkugel. Schlapkohl.
Kühfaber III. entstellt aus Kiffhaber s. Haber.
Kuhle III. niederd. „Grube“; in Ortsbezeichnungen.
FN. Goldkuhle. Lehmkuhl (O. Lehmkuhle). Leimkuhl.
Sandkuhl — Sandkaul. Silberkuhl. Voßkuhl. Zss.
Kuhlmann. — Kulenkamp.
Ableitung auf -er (bes. westfälisch):

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Buschkühler. Flaßkühler (Flachs-). Lehmkühler;
Leimkühler. Sandkühler. Steinkühler.
Kuhl-, Kulb-, Külb- s. Kol.
-kühler s. Kuhle.
Kuhn-, Kühn- s. Kun (V., einst. K.).
Kühnapfel III. verderbt aus Kienapfel, wie Kühnbaum aus
Kienbaum.
Kuhr- s. Kun (V.).
Kükenbiter III. niederd. „Kükenboißer“, ein kleiner
Raubvogel.
Kummer, Kümm- s. 1) Gund (V.) 2) Kun (V.).
Kümpel s. 1) Gund (zweist. K.) 2) Kun (V.).
Kümpers s. Gund (V.).
Kumpfmüller III. „Besitzer einer oberschlächtigen Mühle,
deren Schöpfrad mit Kümpfen (Sohöpfeimern) versehen
ist“.
KUN I. 1) got. kuni, ahd. kunni, chunni, mhd. künne
„Geschlecht, Sippe“ (lat. genus) 2) ahd. kuoni, chuoni,
mhd. küene „kühn“.
FN. Chunipald: Kümpel — Kümmel.
Chuniger: Königer — Könker — Keuncker.
Chunihard: Kunhardt; Cunardt; Kuhnert; Kuhnat;
zsgz. Kuhnt — Kunnert — Kühnert — Conard;
Kohnert — Köhnert — Kaunert. Gen. Konertz
Patr. A. Conerding.
Chunihari: Kuner — Kühner — Koner. Gen.
Kuhners — Coners. Patr. A. Conring.
Khunemar: Kummer. Vklf. (l): Kümmerl —
Kimmerle (schwäb.).
Kunimund: Kunimund — Kühnemund.

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Chunrad, Chuonrat: Kunrath — Conrath; Conrad —
zsgz. Kuhrt — Curt (latinis. Curtius) — Korth,
Koordt — Korte — Körte —
mit den Zss. Curtmann — Cordemann — Kortmann —
Ackerkurt; Großkurth; Jungcurt — Mühlenkord;
Schäferkord — Kordvahr (1640: Kortvader) —
Kauert — Kauer — Kuhr — Kohr. Gen. Conradts,
Konrads — Koenraads (sprich: Kôn-, ostfries.) —
Curdes — Kordes — Koerts (ostfries.) — Kohrs,
Coers — Kauers. Patr. A. Körting — Köhring —
Kauring — Conradter. Patr. Zss. Cordsen —
Corssen.
Cunirih: Kühnreich.
Kuniald: Kunwald, Kunold — Künold; Kühnelt;
Kühnhold. Gen. Köhnholz.
Einstämmige Kürzung Kun-.
Kuno, Chuono, Cono: Cuno; Kuhne — Kühne; Khün
— Kiehne — Künne — Cone; Kohn — Köne —
Keune. Gen. Koens (spr. Kôns, ostfries.); Kohnen.
Patr. A. Kuning — Künning. Gen. Könings
(Cleve).
Vklf. (i): Kuoni (schweiz.), Kuny. (l) Chunulo:
Kuhnle — Kühnell; Kühndel — Kienle —
Kohnle — Konle. (l + n): Kühnlein — Köhnlein.
(k) Chunico: Kunicke; Kunig — Künnecke —
Könnicke — Köhnke — König — Köng —
Küng — Keunecke. Gen. Könkes. (k + l):
Kunigel. (z) Chunizo: Kunitz — Kunze —
Cuontz — Conz. Gen. Kuntzen. Zss. Kunzmann
— Hoffkuntz; Jungkunz; Schmidkunz —
Schmidkonz. Oberkonz. (z + l): Kunzelmann —
Küntzel; Künzli (schweiz.) — Kienzle — Kintzle
(Luxemburg) — Kinsele. Patr. A. Küntzling. (z
+ l + n): Künzlin.
Unorg. Bildung: Küntzer — Küntzler.

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Kün- s. Kun (einst. K.).
Kunt- s. Gund (V., einst. K.).
Kunz-, Künz- s. 1) Gund (einst. K.) 2) Kun (einst. K.).
Kuoni s. Kun.
Küper s. Küfer.
Küppenbender III. (Düren) „Küfer“ 1).
Kurbisch, Kurpis III. „Kürbis“.
Kürner s. Körner.
Kürschner III. mhd. kürsenaere, vom ahd. chursinna, mhd.
kürsen „Pelzkleid“. In Mitteldeutschland (Sachsen)
Kirschner gesprochen.
FN. Kürschner; in älterer F. Kürssener. Kierschner —
Kirschner — Girschner (s. Förstemann Progr. S. 8).
Kürsten s. Christianus.
Kurt s. Kun (Chunrad).
Kurzhalz III. = Kurzhals (s. Hals).
Küssewetter s. Kiesewetter.
Küstenmacher s. Kistmacher.
Küstenpfennig III. Satz-N. „küsse den Pfennig“ (Geizhals).
Auch Küssenpfennig.
Kuster s. Küster.
Küster III. ahd. custor, mhd. kuster aus lat. custos (templi),
urspr. Hüter des Kirchenschatzes und der heiligen Geräte,
dann der bekannte Kirchendiener, hauptsächlich im
protestantischen Norden noch in Geltung.
FN. Küster. Gen. Küsters (Heinsberg). Zss.
Küstermann. — Ohne Umlaut: Kuster (Kustermann);
Kusterer (württ).
Vklf. Kusterle (Gottschee).

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Niederd. Köster, Cöster; Coster (Jeverland). Gen.
Kösters (Borken). Zss. Köstermann. Patr. A.
Köstering (Lippe).
Mit dem n der schwachen Bildung Küstner — Köstner.
Küter III. ein „Hausschlächter, so in den Garküchen
schlachtet“ (Frisch). In Pommern (Klemp. Kuter —
„Kütertor“ in Stralsund), Brandenburg. „Wursthof“ oder
„Küterhof“, ältestes bekanntes Berliner Schlachthaus im
16. Jh. bei dem Heiligengeist-Hospital.
Küttner III. „einer aus Kutten“ (Provinz Sachsen). Auch
Kittner.
Kuttruf III. ein Trinkgefäß (S. 45).

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L.
-la s. Lah.
-lach, -lacher s. Loh.
Lachenicht III. Satz-N. Auch Lachnit.
Lachmann s. Loh.
Lachner III. „einer aus Lachen“ (O. 18 mal Rud.).
-laf a) deutsch s. Laif b) slawisch, eig. slaw. „Ruhm“, wobei
das s mit einem vorhergehenden t zu z oder tz
verschmilzt: Butzlaf (S. 6. 90). Mitzlaff („Schwertruhm“).
Panzlaf u. a.
Lafrenz s. Laurentius.
Lage III. in ON. kann nach Förstemann Ortsnamen S. 128
dem ahd. lâga Lage (situs) etwa in der Bed. „Wohnort“
entsprechen oder einen tiefliegenden Ort bezeichnen:
altnord. lâg Senkung des Bodens, niederd. leeg niedrig.
Fast ausschließlich im nordwestlichen Deutschland (auch
in Flurnamen).
FN. Zurlage. — v. Dincklage. Graflage. Kamplage.
Snethlage. Steinlage. Weglage.
Lah III. 1) mhd. lache „Pfütze, Lache“ 2) mhd. lôch
„Gebüsch“ 3) Lage.
FN. Kälberla. Kamla (= Kampla). Honerla (1507:
Honderlage = Hunrichlage.)
Laiber s. Laif.
LAIC I. zu got. laikan „springen“, laik „Lied, Tanz“, ahd.
leih „Spiel“ (Kampfspiel), mhd. leichen „spielen“ (noch

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in Luthers Bibel: wider den Stachel löken d. i.
ausschlagen).
FN. Lecard: Leichardt; Leichert — Leikert.
(Laicowig): Leggewig.
Einstämmige Kürzung Laic-.
Laico: Leich — Leyck — Liche.
Häufiger auslautend (60 mal Först.):
-lich: Gerlich.
-lick: Göttlick.
-lach: Gerlach.
-lei: -ley: Thierley.
LAIF I. zu got. laifs überlebend, ahd. leiba, mhd. leibe
Überbl e i bsel; daher in Namen wohl den Überlebenden d.
i. „Sohn“ bezeichnend. Berührt und mischt sich mit Liub.
FN. Leibher: Laiber, Leiber.
Einstämmige Kürzung. Patr. A. Laiping: Leibing.
Auslautend seit dem 4. Jh. (in 81 Namen Först.):
1) hochdeutsch
-leib: Isleib (vgl. nord. Isleif).
-leb: Ortleb neben -lieb, -leib.
-lepp: Garlepp (ahd. Gerleip).
-lieb (Vermischung mit liub und Umdeutung): Garlieb.
-lipp: Garlipp.
2) niederdeutsch
-lef: Radleff. Gen. -lefs: Redlefs.
-laf: Rudlaff (lat. lauus, Gen. laui = lavi: Dytlauus,
Rolauus, während die slawische Silbe laf, eig.
slaw. durch -laus gegeben wird: Pribslaus,
Stanislaus).

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LAITH I. 1) ahd. leid, altsächs. lêd „leid“ = feindlich 2)
ahd. leitjan, alts. lêdian „leiten“.
FN. Lethard: Leitert.
Leither: Leider — Leiter — Leder.
Leitold: Leithold.
Leidulf: Leidloff — Leitloff.
Einstämmige Kürzung Laith-.
Laitu 5.: Lethe — Leyde.
Lamb-, Lamfried s. Land (V.).
Lamle s. Land (zweist K.).
Lamm- a) I. s. Land (V., einst. K.) b) Lamm III. bes. wohl v.
Häuserzeichen entnommen (S. 60). Vgl. Konrad daȥ
Lamb 1281. Zss. Zicklam.
Lämml- s. Land (zweist. K.)
Lamp- s. Land (V., zweist. K.).
Lamparter III. mhd. Lampartaere „Lombarde“ (Lamparten
Lombardei). Heinrich der Lamparter 1329.
FN. Lamparter; Lamperter. Entstellt: Lampater;
Lampeter.
Land I. got. land, ahd. mhd. lant „Land“. Seit dem 5. Jh. in
EN. nachweisbar.
FN. Landoberht: Lambracht; Lambert; Lambardt —
Lamprecht (im KB. noch 1762 Landbrecht);
Lampert; Lamparth — Lammert — Lempert; Lemper
— Lemmert; Lemmer. Gen. Lambrechts —
Lammertz — Lempertz — Lemmertz; Lemmers.
Vklf. (l): Lemperle. Patr. A. Lammerding.
Landfrid: Landfried — Lamfried — Lempfried;
Lempfert. Gen. Lenfers. Zss. Landfermann.
Landager: Länger — Lenker.
Landohard: Lannhardt.

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Lanthar: Lander — Lender — Lenter. Zss.
Lantermann. Gen. Lenders.
Landamar: Lammer — Lendemer. Gen. Lammers.
Landerich: Lendrich. Patr. A. Lenderking.
Landoald: Landolt; Landahl.
Landoard: Landwerth.
Landwig: Landwich.
Landulf: Landolph.
Einstämmige Kürzung Land-.
Lando: Lande; Land. Gen. Landes.
Vklf. (l): Lendel. (k): Lendeke — Lentge — Lenke.
(z) Lanzo: Lantz; Lantzsch — Lenze; Lenz;
Lentsch. Patr. A. Lansing. (z + k) Lanziko:
Lanzke — Lentzke.
Zweistämmige Kürzung Landb-.
Lampo: Lampe (VN. Lampe Meyger 1441 Ilsenburg)
— Lamm — Lempe — Lemme. Zss. Lampsma
(ostfries.). Gen. Lemmen. Patr. A. Lamping —
Lammenga (ostfries.).
Vklf. (i): Lampei. (l) Lampulo: Lampel —
Lammel; Lamle — Lämmle; Lemmel — Lämpl.
Patr. A. Lemling. (l + n): Lämmlein; Lemlin. (k)
Lambico: Lameke; Lammich — Lemcke;
Lembke (Lemmeke als Vorname Kalendar.; auch
Lemke Ebeling = Lamprecht E. 1400 Stark).
Auslautend (44 mal Först.):
-land: Uhland. Rolandt.
Land III. ahd. mhd. lant „Land“ a) in natürlichem Sinne:
Erde, Boden, Acker b) in politischem Sinne: Gebiet.
Heutzutage haben wir im älteren Sinne Heideland,

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Friedland, Bonlanden, im neueren Holland, England,
Deutschland.
FN.: Holland. Saamland (das Samland in Ostpreußen,
die Bernsteinküste). Sauerland (in Westf., entstellt
aus Süderland). Wendland (das Wendenland in
Hannover). Seeland.
Ableitung auf -er (oberd.):
1) -länder: Aländer (O. Aland). Ausländer.
Harländer (Harlanden). Holländer.
Kurländer. Liefländer. Mailänder.
Niederländer. Ruhländer (O. Ruhland).
Sauerländer. Voigtländer. — Bolender
(O. Bolanden).
2) -lander: Achterlander. Amerlander.
Camerlander (O. Kammerland).
-lander, -länder s. Land III.
Landgraf, -grebe s. Graf.
Landschade III. mhd. lantschade „Straßenräuber“ (s.
Schade).
LANG I. ahd. lang. Langwich.
FN. (Langhart): Lengert.
(Langolf): Langloff.
Einstämmige Kürzung Lang-.
Lango: Lange; Lang.
Lange a) I. s. Lang b) III. vgl. Gött. UB. I.: Giseke unde
Tyle de Langen a. 1366.
FN. Lange; Lang (letzteres die süddeutsche F., s.
Münchener Wohnungsanzeiger von 1876: 86 mal
Lang und nur 5 mal Lange — dagegen in Münster
1877: 23 mal Lange, 3 mal Lang).
Langner III. „einer aus Langen“ (häufiger ON.).

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Langohr a) I. aus Langecowerd (= Langecord s. Kun —
Schütte, Braunschw. PN.) b) III. vgl. Hans v. Gumpenberg
„mit den langen Ohren“ (Bacm.).
Lannhardt s. Land I. (V.).
Lansing s. Land I. (einst. K.).
Lantermann s. Land I. (V.).
Lanwermeyer s. Schnatmeyer.
Lanz- s. Land I. (einst. K.).
Lar III. nach Förstemann in ON. am wahrscheinlichsten zu
ahd. und altsächsisch lâri „leer“ (vgl. Öde).
FN. v. Buttlar. Fritzlar. Goßlar. Lindlar. v. Uslar.
LATH I. got. lathôn, ahd. ladôn „laden, einladen“ (zum
Kampf herausfordern). Lathomar.
FN. (Lathaulf): Lattolf.
Lathwesen III. Satz-N. niederd. „laß sein“ d. h. der es gehen
läßt, wie es will. Auch Lattwesen.
Laub- s. 1) Liub (V., einst. K.) 2) Liud (V.).
Laudert s. Liud (V.).
-lauer s. Loh (Nebenf. für -loher in Eisenlauer u. a.).
Läufer III. Bedienter, der früher in besonderer Livree vor
dem Wagen des Herrn herlief (noch 1815 während des
Wiener Kongresses als Sitte bei den Vornehmen); doch
auch „lauffer“ zum Einbringen der Forderungen eines
Klosters (Grimm Weistümer III, 677).
FN. Läufer — Lauffer. Zss. Wettlaufer.
Lauff, Laumer s. Hlod (V.).
Launhardt s. Lew.

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Laurentius II. lat. „der Lorbeerbekränzte“; der h.
Laurentius, im 3. Jh. Diakon an der Gemeinde zu Rom,
auf einem Roste verbrannt.
FN. Laurentius. Gen. Laurenti. — Laurenz; Laurens —
Lafrenz — Lawrenz; Lawerenz — Lobrentz —
Lewrenz; Lewerentz — Lieberenz — Lorenz; Lorinz.
Gen. Lorenzen (Schleswig). Zsgz. 1) Lorz. Patr. A.
Lortzing (s. Pott) 2) Patr. Zss. Lohrenson; Lornsen 3)
Lenz.
Laurich s. Hlod.
Laus s. Nicolaus.
Laut- s. Hlod (V., einst. K.).
Lautner III. „der die Laute spielt“. Lautenschläger.
Lautsch, Lautz s. Hlod (einst. K.).
Lavater III. (Spr. lafâter) aus lat. lavator „Wäscher, Walker“
im Kloster (Becker).
Laux s. Lucas.
Law- s. Laurentius.
Leb- s. 1) Liub 2) Liud (V.).
-leb s. a) I. Laif b) III. Leben.
Leben III. in ON. Nach Förstemann (und Pott, welcher die
deutsche Abkunft dieses -leben mit triftigen Gründen
verficht), liegt das zu liban gehörige got. laiba, ahd. leiba,
altsächs. leva zu Grunde, im Sinne von
„Hinterlassenschaft, Erbteil“. Urspr. auf -leiba, -leva
ausgehend haben die ON. erst nach 1100 die Mehrheitsf.
angenommen. Jetzt etwa drittehalb hundert deutsche ON.
auf -leben 1) in Thüringen (an der Saale, Helme und
Unstrut) 2) im nördlichen Schleswig und südlichen
Jütland auf -leben und -lev.

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Neuere ON. wie Ruhleben, Langesleben sind mit Leben
(vita) zusammengesetzt.
FN. Alsleben. von Alvensleben. Erxleben. Grobleben.
von Holleben. Senftleben. Tottleben. v. Wartensleben.
Wasserschleben (neben O. Wasserleben.)
Umgedeutet: v. Bültzingslöwen.
Mitunter verkürzt in -leb: Billeb (wohl aus ON.
Billeben, s. Pauli II. S. 16). So ferner Büschlepp (O.
Büßleben); Eischleb (Eisleben); Herbstleb neben
ON. Herbsleben; Ringleb, Rinkleb neben ON.
Ringleben; Witzleb neben v. Witzleben.
Leberecht III. Satz-N. „lebe recht“ (auch VN.) — doch vgl.
auch Liud.
Lebhardt s. Liub.
Lebwohl III. Satz-N.
Lebzelter III. „Lebkuchen- (Honigkuchen-) Bäcker“.
-lechner s. Lehen.
Leder s. Laith.
Lederer III. mhd. lederaere „Lederbereiter“ (Gerber) s.
Reichel, Marburger Gewerbe-Verzeichnis Ledrer; in
München eine Ledererstraße. Zss. Weißleder =
Weißgerber.
Ledold s. Liud (V.).
Leenderts s. Lew.
Lefken s. Liub (einst. K.).
Leggewig s. Laic.
Lehen III. in zahlreichen ON., woneben auch -lechen
herläuft, teils zu ahd. lêhan, mhd. lêhen „Lehen“, teils zu
got. hlaiv, ahd. hlêo, mhd. lê „Hügel“.

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Scheint fast nur oberdeutsch zu sein, daher die
FN. auf -lehner und -lechner (bes. in Österreich und bei
den Salzburger Auswanderern in Ostpreußen):
Almoslechner (Cilli). Angerlechner. Bachlehner
neben Bachlechner. Berglehner. Hinterlechner.
Holzlehner. Koberlechner. Mitterlehner.
Mooslehner; Mooslechner. Mühllechner.
Oberlechner. Reitlechner; Reitlöhner (O. -lehen).
Rosenlehner. Steinlechner. Weinlechner.
Lehmann III. mhd. lêhenman, zsgz. lêman ein
„Lehnsmann“, der kein eignes Erbe hat, sondern eines zu
Lehen trägt, vasallus; erst seit dem 14. Jh. statt des
einfachen man. Einer der häufigsten N. (S. 42). — Falsch
latinisiert Argelander (vom griech. ἄργιλος Tonerde, als
steckte „Lehm“ in dem N.).
Lehn- s. Lew.
-lehner s. Lehen.
Lehrenkrauß III. Satz-N. = Lernbecher.
Leib- s. 1) Laif 2) Liud (V.).
Leibküchler III. „Lebküchler“, von Lebkuchen d. i. dünner
Honigkuchen.
Leich- s. Laic.
Leibundgut III. (Zürich). Daraus Leibenguth.
Leichnamschneider III. ehemalige Benennung für
„Anatom“; im J. 1755 war Joseph L. Hof- und
Burgpfarrer in Wien.
Leichtfuß III. ein leichtfüßiger, auch wohl leichtsinniger
Mensch = niederd. Lichteuot (Klemp.), auch Lichtenuot
(spr. -vot); daher halbniederd. Lichtfuß.
Leid- s. 1) Liud (V., einst. K.) 2) Laith.
Leidenschaden III. Satz-N. = Habenschaden.

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Leiendecker III. „Schieferdecker“, die Lei am Mittel- und
Niederrhein = Schiefer (S. 42), altsächs. leia, altklevisch
leyo Fels.
FN. Leiendecker; verkürzt Leidecker.
Leikert s. Laic.
Leimwieder III. Satz-N. „leime wieder.“
Leinert s. Lew.
Leip- s. Liud (V.).
Leinwather III. (Zürich) „Leinwandhändler“.
Leiß s. Liud (einst. K.).
Leit- s. 1) Laith 2) Liud.
Leite III. ahd. hlîta, mhd. lîte „Leite, Bergabhang“, seit dem
12. Jh. in ON. auftretend, jetzt in ein paar hundert
Ortsbezeichnungen auf -leite, -leit, -leiten („Birkenleiten“
eine Stadtgegend in München); -leute, -leuten, die alle
auch einfach vorkommen; -leden.
FN. Achleiten.
Viel häufiger in der oberd. Ableitung auf -er:
1) -leiter: Bergleiter. Lechleiter. Mettenleiter.
Sandleiter. Sonnenleiter (an der
Sonnenseite eines Berges wohnend).
2) -leitner: Leitner. Achleitner. Bergleitner.
Fahrnleitner. Haberleitner. Hochleitner.
Niederleitner. Oberleitner. Sonnleithner.
Steinleitner. Winterleithner. Haglaitner.
3) -leutner: Achleuthner. Hausleutner.
Hochenleuthner (O. Hohenleiten).
Niederleutner. Schönleutner.
-leiter s. Leite.

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Leitgeb III. mhd. lîtgebe „Schenkwirt“, vom mhd. lît
Obstwein.
FN. Leitgeb; entstellt Leigöb, auch Leitgebel und
Leitgeber.
-leithner s. Leite.
Leitsch, Leitz- s. Liud (einst. K.).
Lembke, Lemcke, Leml- s. Land I. (zweist. K.).
Lemm- s. Land I. (V., zweist. K.).
Lemmerhardt III. „Lämmerhirt“.
Lemmerzahl III. in älterer F. Lemmerzagel
„Lämmerschwanz“.
Lemp- s. Land I. (V., zweist. K.).
Lemtzer, Lemser III. verkürzt aus Lemnitzer (s. Koch,
Saalfelder FN. aus dem 16. und 17. Jahrh. Progr.).
Lend-, Lenfers s. Land I. (V.).
Lengert s. Lang.
Lenhard s. Lew.
Lenk- s. Land I. (V., einst. K.).
Lennartz s. Lew.
Lent- s. Land I. (V., einst. K.).
Lentsch s. Land I. (einst. K.).
Lenz s. a) I. Land (einst. K.) b) II. Laurentius.
Leon- s. Lew.
Leop-, Lep- s. Liud (V.).
-lepp 1) I. s. Laif 2) III. Leben.
Lernbecher III. Satz-N. „leere den Becher“ (ein
Zechbruder).
Lerschmacher s. das Folgende.

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Lersner III. Verfertiger von lêrsen d. i. ledernen Hosen, die
zugleich Strümpfe und Schuhe vertraten (aus niederl.
leers, laars von „leer“, Leder; noch im 16. Jh.).
Lethe s. Laith.
Leube s. Liub (einst. K.).
-leutner s. Leite.
Levi II. hebr. Stammes-N. „Anhänglichkeit“.
FN. (jüd.) Levi — Levin, Lewin. Patr. Zss. Levysohn.
Mit Artikel: Halévy.
LEW, erweitert LEWON I. ahd. lewo und leo, altsächs. leo
„Löwe“ läßt sich nach Förstemann in einer Anzahl Namen
nicht ableugnen (z. T. schon aus dem 5. und 6. Jh.
nachweislich: Leogisil, Levald), wodurch die Ansicht, daß
das deutsche Wort nicht aus dem Lateinischen entlehnt,
sondern urverwandt ist, großen Halt gewinnt.
FN. Leonard: Löwenhardt — Leonhardt; Leonard —
Lonhardt — Lönhard; Löhnert — Launhardt —
Lienhardt; Lienert — Linhard — Lehnhard; Lehnert
— Lenhard — Leinert. Gen. Linnartz — Lenhartz;
Lennartz — Lönartz — Leenderts (ostfries.).
Einstämmige Kürzung Lew-.
(Lewo): Löwe.
Vklf. (l): Löwel. (k): Leweke.
Lewald s. 1) Lew 2) Liud (V.).
Lewerentz, Lewrenz s. Laurentius.
Lex, Lexer s. Alexius.
Leyck s. Laic.
Leyde s. Laith.
Libbertz s. Liud (V.).
Liborius II. FN. Borries; Borges — Börries (S. 38).

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Liche s. Laic.
Lichtfuß s. Leichtfuß.
Lichtner III. „einer aus Lichten“.
Lichtwerk III. „Lichtgießer“ (s. Schubert). Auch Lichtwark
— Lichtwert.
Lickleder III. Satz-N. „lecke das Leder“, Spottname des
Schusters.
Lieb- s. 1) Liub (V., einst. K.) 2) Liud (V. Liudb-).
Liebeneiner III. „einer aus Liebenhain“.
Lieberenz s. Laurentius.
Lieberknecht; Liebeskind — Liebknecht; Liebschwager
III. deutliche Zss. dritter Schicht.
Liebetreu III. Satz-N. (S. 51).
Lied- s. Liud (V., einst. K.).
Lief- s. Liud (V.).
Lickfett, Lickefett III. Satz-N. „lecke Fett“. So auch
Lickteig „lecke Teig“ Spottname des Bäckers (leckespiz =
Lecker, eig. lecke den Bratspieß — Berthold v.
Regensburg).
Lieme s. Liud (zweist. K).
Lien- s. Lew.
Liep-, Lier- s. Liud (V.).
Liesegang III. einer der „leise geht“. Lisganck 1352. Vgl.
Leisentritt.
FN. Liesegang; Liesgang — Leisegang.
Liesemeyer III. s. Liuzo (Liud einst. K.).
Liet- s. Liud (V., einst. K.).
Lietsche, Lietze s. Liud (einst. K.).

Page 421

Liewald s. Liud (V.).
Lilie III. Sinnbild der Reinheit (als Wahrzeichen an Häusern
S. 60).
FN. Lilie. v. Lilien. Rühle v. Lilienstern. v. Lilienkron.
Limb-, Limm-, Limp- s. Lind.
LIND I. 1) ahd. lint, altnord. linni „Schlange“ (noch in
Lindwurm), Sinnbild geheimnisvollen Wissens
(Kleemann) 2) Linde, ahd. linta, dann auch „Schild“
(Lindenschild) vgl. Hildebrandslied V. 67.
FN. (Lintbrecht): Limprecht; Limpricht; Limpert;
Limper; Limbarth; Limmer. Gen. Limbertz; Limpertz.
Linthart: Lindart.
(Lindher): Linder — Lintermann.
(Lindmar): Lindemer.
Lindoald: Lindhold.
Lindolf: Lindelof; Lindloff.
Einstämmige Kürzung Lint-.
Linto: Linthe — Lind. Gen. Lindena (ostfries.).
Vklf. (k): Lindecke; Lindig. Gen. Lindgens. (z)
Linzo: Lintz; Lindeis. (z + l): Lintzel — Linsl
(Landshut).
Linde III. der eigentliche deutsche Lieblingsbaum (man
sehe die Lieder der Minnesänger und die Volkslieder) —
im Mittelalter häufig Gerichtsbaum, wie noch heute
Versammlungsort des Dorfes.
FN. Linde. Lindenblatt. Lindenlaub. Lindenstrauß.
Lindemann (Conradus juxta tiliam 1313).
Lindenkohl s. Kugel.
Lindner III. „einer aus Linden“.
Linhard, Linnartz s. Lew.
Lins, Lint- s. Lind.

Page 422

Linth III. Escher von der Linth s. S. 59.
Lintz- s. Lind.
Liphard s. Liub.
Lipp- s. a) I. Liud (V., zweist. K.) b) II. Philippus.
LIST I. ahd. mhd. list „Klugheit, Kunst“ (List).
FN. (Listhart): Listhart. Listhar: Lister.
Einstämmige Kürzung List-.
Lista: List (Listmann). Patr. A. Listing.
Vklf. (l): Listl.
Litolf s. Liud (V.).
Litt- s. Liud (V., einst. K.).
Litzke s. Liud (einst. K.).
LIUB I. got. liubs, ahd. liub, mhd. liep „lieb“.
FN. Liopdag: Liebdag.
Liubdrut w.: Liebelrut; Liebetraut.
Liupger: Liebcher — Lubiger — Lübker.
Liubhart: Liphard — Liebert — Lebhardt —
Laubhardt.
Liebheid w.: Liebheit.
Liubheri: Lieber (Liebermann) — Luber — Lauber.
Liupram: Lieberam; Liebram.
Liubman: Liebmann — Laubmann.
Liubirih: Liebrich; Liebreich.
Liupwart: Liebwerth.
Einstämmige Kürzung Liub-.
Liubo: Liebo; Liebe; Lieb — Laub — Leube. Patr. A.
Liubing: Liebing.
Vklf. (i): Liebi. (l) Liubilo: Liebel — Loibl (bayr.)
— Luibl (bayr.). (l + n): Lieblein. (k) Liuvicho:

Page 423

Liebig; Liebke; Liebche. (k + n) Liuikin:
Liebchen — (nied.) Lefken.
Auslautend (65 mal Först., worunter 21 w.):
-lieb: Hartlieb.
LIUD I. ahd. mhd. liut „Volk“ (Leute) vielfach nur
verstärkend, z. B. Liutbald volkskühn, kühn vor allem
Volk = sehr kühn (s. Lübben, die Tiernamen im Reineke
Vos S. 7 ff.) — seit dem 4. Jh. in EN. nachweislich. Fließt
z. T. mit Liub und Hlod zusammen.
FN. Liutbald: Liebaldt; Liebold; Liebhold; Liebelt;
Liebel; Liepold; Liepelt — Lippoldt; Lippelt; Lippel
— Leopold — Lepold; Lepel — Leppelt — Luppoldt
— Lubold — Laubhold — Leupold — Leipoldt;
Leibhold; Leipelt; Leibel. Gen. Liebholz. Patr. A.
Leopolder — Loipolder.
Liutperaht: Liebrecht; Liebert; Liepert — Lippert —
Leoprecht — Lebert; Leber —- Lubrecht; Luber
— Lubbert — Lübbert — Laubrecht; Laubert;
Lauber — Leupert — Leipert. Gen. Lieberz;
umgedeutet Liebherz — Libbertz — Lebherz —
Lübbers. Patr. A. Leoprechting.
Liutpot: Lippott.
Liutbrand: Lüttebrand — Liebrand — Lübbren —
Leibbrand; Leipprand; Leibrand.
Liutfrid: Lieffert; Liefer — Lefarth. Patr. A.
Lieffering.
Liudiger: Lüdecker — Lütger — Leutiger —
Leidiger — Luger.
Liudigast: Leidgast.
Liuthard: Liethert — Luthardt — Luttert —
Luithardt (schwäb.) — Lüdert — Laudert —
Leuthard; Leutert — Leitert. Patr. A. Leiterding.

Page 424

Liuthari: Lieder — Luder — Luther — Lutter —
Lüder — Leuther — Leiter — zsgz. Lühr — Lier.
Gen. Ludders — Lüdders — Lüders — Lüters —
zsgz. Lührs — Liers — Leurs — Luirs (ostfries.).
Patr. A. Lüerssen.
Liutrod: Lutteroth.
Liudman: Liedemann — Liemann — Littmann —
Ludmann — Lüdemann — Lüttmann — Lühmann
— Leumann.
Leudomar: Luthmer — Lummer — Luhmer.
Liutmod: Lehmuth.
Liutnand: Leutenant.
Liuderich: Liederich — Lührig.
Liudoald: Liewald — Ledold — Lewald — Ludold
— Leuthold — Loidelt (Wien) — Leidhold;
Leitelt. Gen. Leutholz.
Liudward: Lewert.
Liutwin: Leutwein — Leidwin.
Liudulf: Liedloff — Litolf — Lütolf — Leudolph;
Leutholf; Leutloff — Leidolph; Letdloff —
Leitlauf.
Einstämmige Kürzung Liud-.
Liuto, Luto: Liethe — Lude — Lute — Lüdde —
Leyde. Gen. Luden — Luths — Lüdden — Lütten
— Lüthens. Patr. A. Lieding — Leiding.
Vklf. (i): Litti — Ludy — Lüty. (l): Liedl — Leidl
— Ludl — Loidl (bayr.) — Lulle — Lühl. Patr.
A. Lüling. (k) Liudiko (Vorname: Ludeke
Molzan Klemp.): Liedtke; Liedigk — Littko —
Ludke — Lüdecke; Lüdtke (mit langem ü) —
Lücke (mit langem ü, s. auch Stark 69: Lüke) —
Lüttig; Lüttge — Lüthje (Hamb.). Zss.
Langelütje — Leucke — Leidicke; Leidig. Gen.

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Luyken (niederrhein.) — Liedgens — Lüdtkens
— Lüddeckens — Luitgens (ostfries). Patr. A.
Lüdecking — Lücking. Lükermann (= Lüdeking
Preuß 17). Patr. Zss. Lüksen (fries.). (k + n)
Ludechin: Lüdken — Lückgen — Lüken. (z)
Liuzo: Lietze; Lietsche — Leutze; Leutsch —
Leitze; Leitsch; Leiß. (z + k) Liuziko: Litzke —
Leitzke.
Zweistämmige Kürzung Liudb-.
Lubbo: Lupp — Lübbe. Gen. Lübbes. Patr. Zss.
Lübsen.
Vklf. (k): Lübbecke; Lübeke, Lüpke. Gen. Lüpkes.
(z): Lubitz — Lippitsch.
Zweistämmige Kürzung Liudm-.
Lieme — Luhme — Lumme. Gen. Lümmen.
Lobedanz III. Satz-N. „lobe den Tanz“ (Tanzfreund) 1390:
Lovedans.
Lobgott III. Satz-N. Vgl. Dienegott, Fürchtegott.
Lobrentz s. Laurentius.
Lobwasser III. Satz-N. „Wasserfreund“.
Lod- s. Hlod (V., einst. K.).
Lodders s. Hlod (V.).
Löding s. Hlod (einst. K.).
Löff s. Hlod (V.).
Löffler III. „Verfertiger von Löffeln“.
Loh III. ahd. lôh, mhd. lôch niedriges Holz, „Gebüsch“ (vgl.
lat. lucus). In ON. Loh, Lohe; -loh, -lohe, auch -loch, -lah
u. -lach.
FN. Lohe. v. Hohenlohe. — Altenloh. Grünloh.
Kirchloh. Kregeloh (Krähenbusch?). Mandelsloh.
Munderloh. Niegeloh. Osterloh. Otterloh. Westerloh.

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Wieseloh. — Van de Loo (Geldern). v. Loë (O. Lohe
in Westf.).
Doch finden sich auch schon altdeutsche PN. auf -loh,
z. B. Swarzaloh 8., vermutlich der jetzige FN.
Schwarzloh.
Ableitung auf -er (oberd.):
1) -loher: Eisenloher; Eisenlohr.
Eschenloher; Eschenlohr. Kammerloher.
Keferloher. Oberkammerloher. Oberloher.
2) -locher: Bärlocher. Hagenlocher.
Haslocher.
3) -löcher: Haslöcher.
4) -lacher (wie in Allach, ad. Ahaloh
„Wasserbusch“): Lacher. Baierlacher.
Bernlacher.
5) -lauer: (Meltzer, genannt Eschenloher
oder) Eschlauer. Eisenlauer.
Löhde-, Lohfink s. Hlod (einst. K.).
Lohmann, -meyer, s. Loh.
Lohmar. Löhmer s. Hlod (V.).
Lohrenson s. Laurentius.
Loibl s. Liub (einst. K.).
Loibner III. „einer aus Loiben“ (Leoben in der Steiermark).
Loidl B. Liud (einst. K.).
Loidert, Loipolder s. Liud (V.).
Loll- s. Hlod (einst. K.).
Löloff, Lommer s. Hlod (V.).
Lonhardt, Lön- s. Lew.
Lönnies s. Apollonius.

Page 427

Looden s. Hlod (einst K.).
Looff, Löpert s. Hlod (V.).
Lorenz- s. Laurentius.
Lorey, Lorich, Lörick s. Hlod (V.).
Lorinser III. aus dem Dorfe Lorüns in Vorarlberg stammend
(s. Gedenkblätter der Familie Lorinser von Dr. Lorinser
1868).
Lorinz, Lornsen, Lortz-, Lorz- s. Laurentius.
Lot-, Loth- s. Hlod (V., einst K.).
Löther s. Hlod (V.).
Lott- s. Hlod (V., einst K.).
Lotsche, Löttge, Lotz- s. Hlod (einst. K.).
Löwe I. III. als König der Tiere von den Deutschen seit den
Kreuzzügen angesehen; dah. beliebtes Wappenzeichen.
FN. Löwe; Löw (als jüdischer FN. häufig aus Lewy) —
Leue; Leu. Latinis. Leo. Zss. v. Löwenclau.
Löwald, Löwenhardt s. Lew.
Lub- s. Liud (V., zweist. K.) — doch
Luber s. Liub (V.).
Lüb- s. Liud (zweist K.) — doch
Lübker s. Liub (V.).
Lubbert s. Liud (V.).
Lübb- s. Liud (V., zweist. K.).
Lucas II. lat. zsgz. aus Lucanus „Lukaner“; Lucas der
Evangelist.
FN. Lucas, Lukas — zsgz. Luks, Lux — Laux. Gen.
Lucä. Südd. Patr. Luggiser (s. Reichel S. 23).
Luchterhand III. lucht = „link“ (Lipp. Reg.).

Page 428

Lucius (I.) verlateint aus Lutze.
Lück- s. Liud (einst. K.).
Lud- s. 1) Hlod (V., einst. K.) 2) Liud (V., einst. K.).
Lüd- s. 1) Hlod (V.) 2) Liud (V., einst. K.).
Luggiser s. Lucas.
Lühl s. Liud (einst. K.).
Luhm- s. Liud (V., zweist. K.).
Lühmann, Lühr- s. Liud (V.).
Lüersen s. Liud (V., Liuthari).
Luibl s. Liub (einst. K.).
Luit- s. Liud (V., einst K.).
Lük- s. Liud (einst. K.).
Lukas, Luks s. Lucas.
Lülf, Lulfs s. Hlod (V.).
Lüling, Lulle s. Liud (einst. K.).
Lülwes s. Hlod (V.).
Lumm- s. 1) Liud (V., zweist. K.) 2) Lund.
Lümmen s. Liud (zweist. K.).
LUND I. zu altnord. lundr „Hain, Wald“.
FN. Luntbert: Lummert. Patr. A. Lummerding.
Einstämmige Kürzung Lund-.
(Lundo): Lunde; Lundt.
Vklf. (z) Lunzo: Lunz. (z + l): Lüntzel.
Lünzel s. Lund.
Lüpke s. Liud (zweist. K.).
Lupp- s. Liud (V., zweist. K.).

Page 429

Lut- s. Hlod (V., einst. K.).
Lüt- s. Liud (V., einst. K.).
Lutsche s. Hlod (einst. K.).
Lutt- s. Liud (V.).
Lütt- s. 1) Hlod (V.) 2) Liud (V., einst. K.).
Lüttjebrune III. I. „der kleine (junge) Bruno“.
Lüttschwager III. zu den Verwandtsch.-N. „der kleine
Schwager“ (vgl. Kleineidam). Der pommersche Chronist
L. antikisierte sich in Micraelius (= micra elius).
Lutz- s. Hlod (einst. K.)
Lux s. Lucas.
Luyken s. Liud (einst. K.).

Page 430

M.
Maag- s. Mag (V., einst. K.).
Maaß s. Math.
Maaz s. Mag (einst. K.).
Macarius II. „der Selige“.
FN. Karius — Karges.
Mach- s. Mag (V., einst. K.).
-macher III. in mannigfachen Zss., die größtenteils neueren
Ursprungs sind:
FN. Axmacher (Achsenmacher); halbniederd.
Assenmacher. Bolzmacher. Eimermacher.
Fälgenmacher (s. Felgenhauer). Glasmacher; Gen.
Glasmachers (Joh. Glasmecher 1516 Köln. Univ.-
Matr.). Grützmacher. Kabelmacher. Kannenmacher.
Käsemacher. Lademacher. Lakemacher.
Lerschmacher. Pflugmacher. Rademacher.
Sattelmacher. Scharmacher (Pflugschar-).
Schirmmacher. Schleiermacher. Schloßmacher.
Schumacher. Spangenmacher. Spießmacher.
Uhrmacher. Taschenmacher.
Am modernsten klingt Geldmacher (doch s. dies W.).
Niederd. -maker: Kettenmaker. Kistemaker (s.
Kistmacher). Rademaker. Schomaker; Gen.
Schomakers (Lingen). Tripmacker.
Macht-, Mächt- s. Maht.
Mack- s. Mag (V., einst. K.).
Mad- s. a) I. Math u. Mathal b) II. Matthäus.

Page 431

Mäd- s. Mathal.
Maferding s. Mag (V.).
MAG I. zu got. ahd. magan „mögen“ d. i. vermögen.
FN. (Magibald): Mebold.
Magipert: Mebert.
Magubrant: Makebrand.
Magafred: Meifert; Mayffarth — Meffert. Patr. A.
Maferding.
(Magihart): Makart; Makert — Machhard; Machert
— Meiert.
Magher: Mager, Maager — Macher — Mäker. Gen.
Magers. Patr. A. Meiring.
Vklf. (l): Megerle.
Magoald: Mawoldt — Magold — Macklot — Makot
— Machold; Machlett; Machlitt — Maywald;
Meyhold — Mehwald. Gen. Macholtz (umgedeutet
Machholz); Machalz.
(Magwart): Machwirth — Mechwart.
Einstämmige Kürzung Mag-.
Mago, Macco: Maag — Magg — Mack — Mache
— Mech — Meeg — Maye. Gen. Mäken
(ostfries.).
Vklf. (l) Megilo, Meilo: Mägele; Meckel —
Mechel — Meyel; Meile — Meili (schweiz.).
Gen. Meiels. Patr. A. Meiling. (l + k): Mechelke
— Meilicke. (k) Magico: Meicke — Mecke. (z)
Magizo: Maaz — Mähtz — Meitz. (z + l):
Mayßel; Meisl.

Page 432

MAGAN I. Erweiterung von Mag, vgl. ahd. magan, megin,
mhd. magen „Kraft“ — großenteils wohl verstärkend (s.
Lübben, Progr. S. 10).
FN. Maganperht: Membart; Memmert (daraus
Memmhardt).
(Magingast): Meingast.
Meginger: Menger — Meniger.
Maingis: Mengis.
Maginhard: Megenhard — Mainhard; Meinert —
Mennert — Mehnert (franz. Ménard). Gen.
Meinherz — Meinderts; Meinders; Meints —
Meents (die letzten vier ostfries.).
Maganhar: Magener — Meyner — Mehner —
Menner. Gen. Meiners.
Maganrad: Meinrad — Menrad.
Magnerich: Mennrich.
Maginold: Meinold; Meinhold — Menold.
Maginulf: Meinolf — Menolf.
Einstämmige Kürzung Magan-.
Magino, Meino, Menno, Meno (Stark 51): Magen —
Mahn — Meine; Meyn — Menno. Gen. Meins;
Meinen — Menen. Patr. A. Menning.
Vklf. (k) Meyneco, Menko, Minco (Stark 71):
Manigk; Mahnke — Meinicke — Mähnicke;
Mehnig — Menneke — Menke — Minck. Gen.
Menniken — Meenken — Menken. (z) Maginzo,
Meinzo: Meinz — Menze. Patr. A. Menzing
(Mensing). (z + l): Menzel. Patr. A. Menzler
(Schles.).
Zweistämmige Kürzung Maginb-: Mampe.
Vklf. (l): Mampel — Mämpel. (k): Mämecke.

Page 433

Mägdefrau III. vgl. Jungfrau (Ennen, Geschichte von
Köln), Nickse u. a.
Magdolf s. Maht
Mägele s. Mag (einst. K.)
Magen- s. Magan (V., einst. K.).
Mager s. a) I. Mag (V.) b) III. Eigenschaftswort, vgl. lat.
Macer.
Magg s. Mag (einst. K.).
Magister s. Meister.
Magnus II. „der Große“.
FN. Magnus. Patr. Zss. Magnussen (Schlesw.).
Mahl-, Mähl- s. Math u. Mathal.
Mahler s. a) I. Mathal b) III. = Maler.
Mahn, Mähnicke s. Magan (einst. K.).
Mahnkopf III. „Mohnkopf“ (halbniederd. — oder ist das a
noch vom mhd. mân, mânkoph her erhalten?).
Mahr- s. Mar (V., einst. K.).
Mähr- s. Mar (einst. K.).
MAHT I. got. mahts, ahd. mhd. maht „Macht“.
Mahtleip: Machtleb.
Mahtulf: Machtolf — Magdolf.
Einstämmige Kürzung Maht-.
Maht: Macht. Gen. Machts.
Vklf. (l): Mächtle.
Mähtz s. Mag (einst. K.).
Maibaum III. ein Baum, der am Maifest aufgepflanzt,
geschmückt und dann von der Jugend umtanzt wurde
(Grimm Myth. S. 738).

Page 434

Maier, Mair s. Meier.
Mainhard s. Magan.
MAIT I. zu got. maitan, ahd. meiȥan „schneiden, hauen“
(davon: Meißel).
FN. Meiȥolt: Meisolle — Mesolle — Massolt. Entstellt
in Meier Solle (Preuß 10).
Mak- s. Mag (V.).
Mäk- s. Mag (V., einst. K.).
-maker s. -macher.
Maler a) I. s. Mathal b) III. der „Maler“. So wird Lucas
Cranach auch genannt Lucas Maler (S. 30).
FN. Maler, Mahler. Zss. Rothmaler.
Malkomesius I. lat. Gebilde von dem ON. Malkomes in
Hessen.
Mälzer III. mhd. malzaere, melzaere „der das Malzgeschäft
besorgende Brauknecht“, auch schlechtweg = „Brauer“
(„Mälzergasse“ in Danzig).
Mamp- Mäm- s. Magan (zweist. K.).
MAN I. got. manna, ahd. mhd. man der „Mann“. In EN.
schon seit dem 1. Jh. (Mannus Tac. Germ. 2).
Da magan auch in man zsgz. wird, fließen beide Stämme
ineinander.
FN. (Manhart): Mannhardt; Mannert.
Manricus 7.: Mennerich.
Manowald: Manold — Mannhold.
Einstämmige Kürzung Man-.
Manno: Manno; Mann. Gen. Manns. Patr. A.
Mannsen.
Vklf. (l): Männel. Patr. A. Männling. (k) Mannico:
Manke — Manncke; Mannig. (k + n) Mannikin:

Page 435

Männchen. (z) Manzo: Manz — Manso. (z + l):
Manzel. (z + k): Manzke.
Auslautend (183 mal Först.).
MANAG I. ahd. manag, mhd. manec „manch, viel“.
FN. Managold: Manegold — Mangold — Mengold.
MAND I. wohl zu ahd. mandjan, mhd. menden „sich
freuen“. Albmand. Manduin. Berührt sich mit man.
FN. Einstämmige Kürzung Mand-.
Manto: Mante; Mandt — Mende.
Vklf. (l): Mandel — Mändl — Mentel. (k)
Mendicho: Mandtke. (z) Manzo: Manz — Mentz
— Mense. (z + l): Menzel.
Manger III. ahd. mangâri, mhd. mangaere vom lat. mango
„Händler“.
FN. Manger — Menger. Zss. Eisenmenger.
Fischmenger. Pferdemenger. Wadmenger (mhd. wât
Kleidung). Ziegenmenger.
Mangold s. Manag.
Manhenke = Meine Henke (Preuß 30).
Manigk s. Magan (einst. K.).
Mann- Männ- s. Man.
-mann auslautend häufiger als jedes andere Wort und aus
den verschiedensten Perioden:
a) I: Germann. Hermann. Volkmann.
Willmann. — Fredermann — an
Sproßformen angehängt: Götzmann.
b) II: Kloßmann. Petermann.
c) III: Handwerks- und Standesnamen
bildend: Schumann. Klostermann.
Lehmann —

Page 436

auch an Ortsbezeichnungen angehängt: Eichmann —
Münstermann. Tangemann (= van Tange).
Brüggemann. Soestmann. Weselmann.
Mante s. Mand.
Mantel III. 1) als Kleidungsstück, ahd. mantal aus mittellat.
mantellus. Hainrich der Langmantel, Hartman der L.,
Chourat der L. burgere ze Augspurch 1292, lat.
Longumpallium; dann auch Langenmantel 1339.
FN. Langenmantel. Regenmantel. Rothmantel.
Weißmantel. Wintermantel.
2) in ON. vom oberd. mantel = Fichte: Hengmantel.
Manz s. 1) Man 2) Mand.
MAR I. meist zu got. mêrs, ahd. mâri, mhd. maere
„berühmt“ (vgl. das Hauptw. „Märe“) — wobei mari
„Meer“ z. T. in Betracht kommt. Schon seit dem 1. Jh. in
Namen gebräuchlich (Ingomar, Sigimar).
FN. Marabald: Merboldt.
Meriboto: Meerbothe; Meerbott.
(Maragot): Margott — Meerguth.
Maracher: Marer; Marherr — Mehrer.
Maroald: Mahrwald; Marold; Mahrhold — Marloth
— zsgz. Mahrt — Mardt — Marohl — Meerwald
— Merold. Gen. Mahrholz — Mahrenholtz —
Mehrolz — Meerholz.
Merowech, Merwig: Marweg; Marwey.
Maruin: Meerwein.
Einstämmige Kürzung Mar-.
Maro, Marro, Merio: Mare; Mahr — Marre — Mähr;
Meer. Gen. Mehren. Patr. A. Mähring — Mehring.
Vklf. (l): Marell — Märell; Mährle — Merlo. (l +
n): Mahrlein — Mährlen. (k): Mehrke. Gen.

Page 437

Mehrckens. (z) Marizo: Martz — Martsch —
Mareis. Patr. A. Mertsching. (z + k): Martzke.
Auslautend (mar, mer, mir 247 mal Först.):
-mar: Dittmar.
-mer: Dittmer. Gen. -mers: Allmers.
Mar- s. Mar (V., einst. K.).
Mär- s. Mar (einst. K.).
March-, Marck-, Märck- s. Mark I.
Marcus II. lat.; St. Marcus der Evangelist.
FN. Marcus; Markes — zsgz. Marks, Marx (Marx als
VN. im KB.). Gen. Marci.
Mardersteig s. Martersteck.
Marggraf s. Markgraf.
Margoff, Margold s. Mark I.
MARK I. 1) ahd. marah „Roß“ 2) got. marka, ahd. marka,
mhd. marke „Mark“ d. i. Grenze, Grenzland, Bezirk (das
eig. deutsche Wort für das aus dem Slawischen granica
aufgenommene „Grenze“).
FN. Marcbert: Markbert.
Marchard: Markart; Markert — Merkert.
Marchari: Marker — Merker.
Marcoald: Markwald — Margold — Markott.
Marachward, Marcward: Markwart (Marquard);
Markworth; Markwot; Marckord — Morquardt —
Merkord. Patr. Zss. Marquardsen.
Marculf: Markloff — Margoff.
Einstämmige Kürzung Marc-.
Marc: Marco; Mark — March — Merke. Gen.
Markes — Merks.

Page 438

Vklf. (i): Märki, Merki (schweiz.). (l): Markel —
Merkel — Mergell — Märkli (schweiz.). (l + n):
Marklein — Märcklin.
Mark III. in ON. 1) ahd. marka s. das Vorhergehende 2)
abgeschliffen aus „Markt“ (vom lat. mercatus), welches
sich bei etwa 40 bewohnten O. In Deutschland findet, z.
B. Neumarkt; abgeschliffen Käsmark (in der Zips) aus
Kaisersmarkt.
FN. von Bismarck. Freimark. von Königsmark.
Krusemark. Schönermark. Uckermark.
Mark- s. a) Mark I. b) II. Marcus.
Markgraf III. mhd. marcgrâve „Richter einer Mark“ d. i.
eines Grenzlandes.
FN. Markgraf; Marggraf — Margraf.
Marquard s. Mark I.
Marre s. Mar (einst. K.).
Marsch III. „niedriges fettes Land am Wasser“ — in
Marschkötter. Mit Ausfall des r: Masch.
FN. Masch — vollständig Auf der Masch. Zss.
Maschmeyer.
Auch Mesch (1380: Hermann op der Mersch —
Preuß).
Marschall III. ahd. marah-scalh eig. „Pferdeknecht“, dann
Stallmeister, dann vornehmer Hofbeamter, dem die Sorge
für das einheimische wie für das fremde Gesinde
(Gefolge) zu Pferde oblag, aber auch häufig die Führung
der Nachhut im Zuge und Streite — und so aufwärts bis
zu der bekannten hohen Würde.
FN. von Marschalk — Mareschall; Marschall.
Namentlich auch bei Adelsgeschlechtern, die dann
dem Amte zur weiteren Unterscheidung noch den
Stammsitz hinzufügten, z. B. Marschall von
Bieberstein.

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(In die roman. Sprachen übergeg.: franz. Maréchal.
Ital. Marescalchi Karlsruhe).
Marstaller III. 1) zum Marstall gehöriger Knecht
„Pferdeknecht“ (Klempin, S. 625: marstellre =
stalknechte) 2) einer aus dem O. Marstall.
Mart-, Marth- s. Martinus.
Martersteck, Mardersteig III. „Unter Marter versteht man
in den Alpen jedes Denkzeichen am W e g e, sei es eine
Stationskapelle oder ein Bild Christi am Marterpfahl oder
endlich ein Denkzeichen (Täfelchen mit Inschrift) eines
Unglücksfalles“. (L. v. Hörmann, Grabschriften u.
Marterlen S. XV.)
Martinus II. lat. „ein dem Kriegsgotte Mars Angehöriger“;
der h. Martinus, Bischof von Tours, gest. um 400, dessen
Gedenktag der 11. November, während bei den
Protestanten der 10. November als Martinstag zu Luthers
Gedächtnis, der dann geboren und am 11. getauft,
bezeichnet wird.
FN. Martin; Marten; Marthen — Mertin; Merten. Zss.
Herdemerten. Gen. (lat.) Martini, Martiny —
(deutsch) Martins; Martens — Mertins; Märtens.
Zss. Martensmeyer (westf.). Patr. Zss. Martienßen;
Martensen — Mertinsen.
Vklf. (l): Mörtel (Reichel). (k): Mertke.
Märtlhuber s. Martinus u. Huber.
Martsch, Martz- s. Mar (einst. K.).
Marx s. Marcus.
Masch III. s. Marsch.
Massolt s. Mait.
Masuhr III. slawischer Volksstamm der Masuren in dem
südl. Teile der Prov. Preußen.
Mat- s. 1) Matthäus 2) Matthias.

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Mät- s. Math.
MATH I. Grundform zu Mathal.
FN. Mathere: Meder.
Mathlec: Mahlei.
Einstämmige Kürzung Math-.
Matto: Mäte — Mede.
Vklf. (l): Madle. (k): Mattig — Mätke. (z) Mazo:
Matz — Maaß. (z + l) Mazili: Metzel.
Maternus II. „der Mütterliche“.
FN. Mattern — Ternes.
Math- s. a) I. Mathal b) II. 1) Matthäus 2) Matthias.
MATHAL I. got. mathl, ahd. madal „Versammlungs-,
Beratungs- und Gerichtsplatz“ des Volkes (griech. ἀγορά).
Fließt teilweis mit Mahal zusammen.
FN. Madalhart: Mählert — Mehlhart.
Madalher: Madaler; Madler — Mattler — Mettler
— Mädler — Mähler.
Einstämmige Kürzung Madal-.
Madalo, Malo: Mahle — Mädel — Mehle; Mehl.
Patr. A. Madelung; Madelong — Mehling. Vklf.
(k): Mahlke.
Matt- s. a) I. Math u. Mathal b) II. 1) Matthäus 2) Matthias.
Matte III. mhd. mate „Wiese“.
FN. Dürrenmatt. v. Kalbermatten.
Matth- s. 1) Matthäus 2) Matthias.
Matthäus II. hebr. „Geschenk“ (Jehovah’s); St. Matthäus
der Apostel und Evangelist (Kal. 24. Febr.).
FN. 1) Mathäus; Matheus; Mathees; Matthes;
Mathes (in schlechterer Schreib.
Matheß; Mattes) — Matthe — Mades.

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Neu latinis.: Matthesius. Gen. Matthäi
— Matthei. Patr. A. Matthesing —
Matthäser. Patr. Zss. Mattheeßen;
Mattesen.
2) Im Anlaut verkürzt: Thees (in
Ostfriesland auch VN.). Gen. Thesen.
Patr. A. Theessinga (ostfries.).
Zerdehnt: Thewes; Tews (Tewes VN.,
im KB. z. B. Tewes Wendorp 1650).
Debusmann (Trier.).
Berührt sich mit Matthias, so daß die FF. teilweis
ineinander fließen.
Matthias II. hebr. „Geschenk“ (Jehovahs) (= griech.
Theodor, lat Deodatus); St. Matthias der Apostel (Kal. 24.
Febr.).
FN. 1) Matthias; Matthia; Matthies; Matys;
Matheis; Matthes — Matthix (aus der
Zerdehnung -tthiges). Gen. Matthiae.
Patr. Zss. Mathiasen — Matthisson;
Mattison; Matthießen.
2) Im Anlaut gekürzt (Tias, Ties VN. in
Tias Wille, Ties Burmester KB.):
Thias — Thies — Theis. Zss.
Thiesmeyer. Gen. Thiesen. Patr. A.
Thiesing. Patr. Zss. Thiessen — Tissen
— Theissen — Tyssen. — mit Abfall
auch des t: Hiese.
Vklf. Hiesel (der „bayrische
Hiesel“).
Zerdehnt: Tieges; Tiegs — Tigges
(Tiggemann).
Matz a) I. s. Math b) II. = Matthäus.
Maud s. Mod.

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MAUR I. wohl Maurus „ein Maure“.
FN. (Morbrand): Mohrbrand.
Morhard: Moorhardt; Moraht.
Mauroald: Moralt. Gen. Mohrholtz.
Morolf: Moroff.
Einstämmige Kürzung Mor-.
Mauro, Moro (More VN. Klemp.): Mohr
(Mohrmann) — Möhre. Gen. Mohren. Patr. A.
Moring — Möhring.
Vklf. (l) Maurilo: Morell — Möhrle. (k): Mohrig
— Mörike; Mörke. Gen. Mörcken.
Maurer III. ahd. mûrâri, mhd. mûraere.
FN. Maurer — mit Umlaut Meurer (der „Mäurer“ z. B.
in schweiz. Mundart, s. Pestalozzi, Lienhard und
Gertrud). Gen. Meurers (niederrhein.). — Niederd.
Mührer.
Mauritius II. lat. Ableitung von Maurus „der Maurische“,
dem Lande Mauretanien in Nordafrika angehörig. Der h.
Mauritius, ein Afrikaner von Geburt, soll unter Diocletian
als Anführer einer christlichen Legion mit seiner Schar in
Gallien niedergemetzelt sein.
FN. Mauritz — Moritz (auch jüdisch, mit Anlehnung an
Mo-se). Gen. Mauritii. Patr. A. Moritzer (südd.).
Maus III. die „Maus“ (Gerlac. dict. Mus 1256).
FN. Maus. Vklf. Meusel; Meuslin (der Mewsel, Katz
gen. 1388. Andr. Meusel, brandenburg. General-
Superint. im 16 Jh., übersetzte seinen Namen in
Musculus). Zss. Mauskönig. Mausehund.
Mauser III., „der Schermäuse fängt“ (Buck).

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Mautner III. mittellat. mutarius, mhd. mûtaere, später auch
mit dem n der schwachen Bildung mautner „ein
Warenzoll-Einnehmer“.
FN. Mauter (Schechel der Mawter Marb. Urk. 1305).
Mautner.
Mautz s. Maud.
Mawoldt s. Mag (V.).
Maybaum s. Maibaum.
Maye s. Mag (einst. K.).
Mayer, Mayr s. Meier.
Mayffarth, Maywald s. Mag (V.).
Mayßel s. Mag (einst. K.).
Meb- s. Mag (V.).
Mebes, Mebus s. Bartholomäus.
Mech- s. Mag (V., einst. K.).
Meck-, Meeg s. Mag (einst. K.).
Med- s. Math.
Meen- s. Magan (V., einst. K.).
Meer- s. Mar (V., einst. K.).
Meergarte s. Mar. (Als N. eines Kunstreiters natürlich
Meergarté.)
Meerkatz III., niederd. Meerkatte.
Meerrettig III. deutlicher Pflanzen-N.
Meerschneck III. ahd. merisnecco, mhd. mersneck
Purpurschnecke; aber auch Schildkröte.
Meffert s. Mag (V.).
Megenhard s. Magan (V.).
Megerle s. Mag (V.).

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Mehl- s. Mathal.
Mehlmann III. „Mehlhändler“.
Mehlose III. = Mehlhose.
Mehn- s. Magan (V., einst. K.).
Mehr- s. Mar (V., einst. K.).
Mehwald s. Mag (V.).
Meicke, Meiels s. Mag (einst. K.).
Meier III. a) als c h r i s t l i c h e r N. aus dem lat. major, in
dem Sinne von major villae oder villicus, d. i. zunächst
Aufseher oder Verwalter eines Landgutes. In Westfalen
entwickelte sich (nach Franz Meyer, Der Name Meyer
und seine Zusammensetzungen) das Verhältnis etwa
folgendermaßen. Karl d. Gr. hatte die fränkische
Einteilung des Bodens in mansi auf das Sachsenland
übertragen. Der ganze bebaute Boden mit allem Zubehör
an Wald, Weide usw. hieß bei den Franken lat. villa,
deutsch marka, enthaltend in der Mitte den Sitz des Freien
(hûs) mit umliegender huobe, wovon die liti ihre mansi
bekamen. Der Haupthof (fränk. sala, später lat. curia)
bekam von dem Gutsherrn, wenn er selbst als ministerialis
am Hofe oder als Krieger im Felde war, einen villicus, der
den Herrn vertrat. Die Abgabe der mansi heißt census
(Zins, vom villicus erhoben), debitum (Schuld, vom
Schultheiß erhoben), officium (Pflicht, Amt, vom
Amtmann erhoben). Der den Haupthof bewohnende
Villicus war also entweder nur Wirtschafter und hatte
einen scultetus und officiarius neben sich, oder er übte
auch deren Rechte selbst aus. Hatte er mehrere Höfe zu
verwalten, so hatte er wohl wieder einen Unter-Villicus
auf dem Vorwerke. Seit dem 11. und 12. Jh. wurden die
villici fast überall auf bestimmte Leistungen gesetzt, weil
sie oft in den eigenen Geldbeutel wirtschafteten. Nun
entstand bei der Bemeierung eine Art Lehnverhältnis,
wobei der Herr gelobte zu schützen, der Villicus treu und

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hold zu sein. Während der Landesherr durch Vögte und
Gografen richtete, bestand das Gemeindegericht des
Villicus auf dem Thy häufig daneben. Manche Villici
schwangen sich zu Rittern auf (zum Stande des niedern
Adels) und emanzipierten sich völlig (so in der Schweiz
die Meyer von Knonau, v. Siggingen, v. Windeck), so daß
die Herrschaft sich genötigt sah, die Abgaben von den
mansi selbst einzuziehen. Wo sie es konnten,
zerstückelten sie daher den Haupthof gegen Pacht, und
nun bildete sich das eigentliche M e i e r r e c h t. Neue
Mansen entstanden durch Waldrodung, Haupthöfe wurden
in Kotten zersplittert, bes. seit dem 14. und 15. Jh. Die
Hofbesitzer hießen nun M e i e r, welche an Stelle des
Villicus Teile der alten Villikation besaßen, oft nur auf
bestimmte Zeit. Schließlich ward das Verhältnis doch
allenthalben erblich; die Meier traten eben in Erbpacht
und wurden dauernde Besitzer, wenn auch nicht
Eigentümer der Höfe. Das Recht der Abmeierung,
welches die Herren besaßen, war, abgesehen von
bestimmten Fällen, wo klare Gründe vorlagen, eigentlich
nur theoretisch noch vorhanden.
So in Westfalen, und in Süddeutschland ist (nach der von
Pott angeführten Stelle aus Goldast rer. Alem. I, 113)
wesentlich dasselbe Verhältnis gewesen.
Das Meiertum ist am reichsten entwickelt gewesen in
Westfalen, Hannover, Bayern, Württemberg. Von dort
stammt die Fülle dieser FN. Hoffmann zählt im
Hannöverschen Namenbuche von 1852 in der Stadt
Hannover 234 einfache und 211 zusammengesetzte
Meyer, während in dem Münchener Adreßbuche für 1892
1307 selbständige Personen den N. Maier in
verschiedenen Schreibarten führen.
Je häufiger in einer Gegend die Meierwirtschaft, desto
häufiger natürlich der Name. Ganz den Verhältnissen
entsprechend ist er in Hannover nirgends häufiger als im
Hoyaschen und Osnabrückischen. Hier gehören die

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Meierhöfe meist zu den größten, weil die Meier, das Land
der Herren bewirtschaftend, leicht mehr hatten als andere
freie Eigentümer, zumal wenn sie Besitzer von Vollhöfen
(heile Erven) waren. Manche Meier hatten ganz
hervorragende Rechte in ihrer Markgenossenschaft.
In Ostfriesland dagegen, wo die Meier nichts als Pächter der
freien Bauern sind, haben sie vorwiegend die kleinsten
Besitzungen.
Was nun die Schreibweise des N. anlangt, so ist darin an
Mannigfaltigkeit geleistet, was überhaupt mit so wenigen
Buchstaben zu leisten war. An das urspr. Major, welches
sich auch noch als FN. findet, schließen sich die
süddeutschen FF. am nächsten an: Majer — Mayer, Mayr,
Maier, Mair (im Münchener Adreßbuch in den
verschiedensten Schreibweisen, doch meist mit ai, ay); in
Norddeutschland am häufigsten Meyer (in Hoffmanns
hannöv. Namenbüchlein: 234 einfache Meyer, darunter
nur 3 Meier, 3 Mejer — 1 Maier, 1 Mayer) — außerdem
Meier, Meyr, Meir; Mejer — letzteres noch heute auf dem
Lande in Westfalen die gewöhnliche Aussprache für
Meyer und Meier, im Osnabrückischen auch kurz Mejjer
gesprochen. Die hochdeutsche Aussprache auch für Mejer
war stets Maier. Erst in diesem Jh. hat eine Familie Mejer
im Hildesheimischen auch die Ausspr. Mejer
angenommen, wohl um sich aus der allzugroßen Sippe
besser auszusondern. Gen. Maiers, Mayers (österreich.),
Meyers (Prüm), Mayern, Meyern (nach der schwachen
Biegung). — Die übrigen Ableitungen, welche Fr. Meyer
anführt, die Vklff. Mayerl, Meyerlein, die Patronymika
Meyering, Meiring erscheinen als zweifelhaft und dürften,
bes. die letzteren, eher zu dem Stamme Mag I. gehören, s.
daselbst Magher.
Im Osnabrückischen hängt dem N. auf dem Lande eigentlich
immer noch der appellative Charakter an, auch wenn
schon eine Zusammensetzung erfolgt ist. Man geht hier
nach heutigem Sprachgebrauch noch stets z u m

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Dütemeyer, man redet noch immer von d e m Meier zu N.
Vielfach bleibt der N. unzusammengesetzt, bekommt aber
von der Bauerschaft oder der Lage des Hofes einen
Zusatz, der zum Namen gehört. Solche
„halbzusammengesetzten“ N. gibt es im Osnabrückischen
eine große Zahl. Fr. Meyer führt aus den Ämtern Iburg,
Finsterau, Vörden, Grönenberg, Wittlage gegen 100 N.
dieser Art an wie: Meyer zu Atter, M. zu Westrup, M. zu
Farcke (aus Vorwerk entstanden, woher auch M. zum
Varwick), M. zu Weghorst, M. zu Stockum, M. zu
Altenborgloh — selten mit andern Vorwörtern: Meyer im
Hagen, M. vorm Bohne.
Viele der ON., die in diesen Bezeichnungen stecken, sind
sonst völlig von der Karte verschwunden; aber der N. des
Hofes bleibt, auch nachdem die größere Bauerschaft den
ON. aufgesogen hat. Alle diese Bildungen sind
forterbende, mindestens halbe EN., die zwar in der
Anrede fortgelassen werden, aber im Gespräch über den
Dritten gang und gäbe sind. So kann es kommen, daß die
Bauerschaft Gellenbeck neben einem Meyer zu G. noch
einen M. zu Borchsten und einen M. zu Spelbrink
aufweist.
Da ist es denn auch nicht zu verwundern, daß sich viele
wirkliche Zusammensetzungen finden, in denen der
Zusatz den Wohnort angibt. Doch wollen wir bei
Aufzählung der Zss. denselben Gang einschlagen, wie in
der abhandelnden Darstellung der FN. überhaupt, und
demnach zuerst die Zss. mit altdeutschen PN., dann die
mit fremden (kirchlichen) PN., dann die nach Gewerbe
und Beschäftigung gebildeten usw. aufzählen. Dabei
bedeutet m. die gewöhnliche F. Meyer.
I. Mit a l t d e u t s c h e n Personen-
Namen:
Akemeier (Ath). Albertsmeyer. —
Ahrensm., Noltem.; Meierarend
(Arnold). — Anselm., Aßm. (Anso). —

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Berensm., Benningm., Beinkem.
(Bernhard, Benno). — Erxm. (Erich).
— Gerdsm., Gerkensm. (Gerhard). —
Henrichsm., Heinem., Heinzlmaier,
Henkem.; Meyerhenrich, -heine, -henke
(Heinrich). — Kordem., Kohrm.;
Meyerkord (Konrad). Krukem. (Hrod).
— Liesem. (Liud). — Ottom., Ottm.,
Ottensm., Öttm.; Meierotto. — Rolfsm.,
Rolfingsm. (Rudolf). — Rüpelm.
(Ruprecht). — Tiem. (Thiud). —
Tramsm. (Bertram). — Uhm. (Aud). —
Wilmsm. (Wilhelm).
Mögen diese Beisp. genügen! Die meisten der hierher
gehörenden N. wird man erkennen, wenn man den
altdeutschen Teil nach den in diesem Lexikon
aufgeführten altdeutschen Stämmen aufsucht. So gehört
Badmeyer, Bahmeyer zu Bad, Hillm. Hilkem. zu Hild,
Lüddekem., Lükem. zu Liud, Determ., Tettm., Tietm.,
Tödtem., Tütem. zu Thiud.
II. Mit k i r c h l i c h e n Personen-Namen:
Christoffelsmeyer, Stofferm.
(Christophorus). — Clausm., Klußm.
(Nicolaus). — Dreesm.; Meyerdrees
(Andreas). — Gallm. (Gallus). —
Grolmsm. (Hieronymus). —
Johannesm., Johannism., Johannsm.,
Johannigm., Janmeyer, Hansm.,
Henselm.; Meierhans (Johannes). —
Josm.; Meyerjobst (Jodocus). —
Martensm. (Martinus). — Neelm.
(Cornelius). — Peterm., Petringm.;
Meyerpeter (Petrus). — Thießm.
(Matthias). — Vietm. (Veit).
III. a) Nach der B e s c h ä f t i g u n g
benannt, (vielfach erst in Städten

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entstanden):
Amtmeyer (villicus, qui officiarius
est). Grevem.; Grafm. (manche M.
waren Unter-Holzgrafen). Jägerm.,
Krugm.; österreichisch Kretschmayer.
Richtsm. (Richter Preuß 34).
Schäpermeier. Schmidtm. Schreibm.
Schröderm. Schultem. (villicus, qui
scultetus est).
(Werkzeuge und Waren):
Eisenmeyer. Glasm. Glockem.;
niederd. Klockem. Goldm. Kesselm.
Pielm. (Pfeil-). Piepm. Vaßm.
(Kleidung): Schürzmeyer. Stiefelm.
Zwilgm.
(Speise): Biermeyer. Grützem.
Milchmaier.
b) Nach E i g e n s c h a f t e n:
Altmeyer. Biederm. Blaßm.
Fröhlichm. Grobm. Grotem. (Groß-).
Heulm. Jungm. Kleinm. Langm.
Schönem.
c) Nach dem W o h n o r t:
nach O r t s c h a f t e n: Attermeyer
(M. zu Atter). Bokelm. (Bokel bei
Wiedenbrück). Kiffm. (auf der Kiffe
bei Osnabrück). Quadkem. (früher,
noch 1650 M. to Quatke in Peingdorf,
Amt Grönenberg). — Stärker
verändert: Emptm. (1514 noch Meyger
to Empten, 1650 schon Embttm.).
Deitem. (alt Dedinckm. zu
Deitinghausen). Rattenm. (M. zu
Rattinghausen) —
nach F l ü s s e n: Dütemeyer (zwei
Höfe unweit Osnabrück, beide an der
Düte). Elsem. (unweit der Else).

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Hasem. Werrem. (im Kreise Lübbecke
an der Werra) —
nach B e r g e n: Harzmeyer.
Hüggelm. (im Osnabrück., am
Hüggel).
Allgemein nach der L a g e des
Hofes: Fordermeyer. Achterm. und
Hinterm. Mittem.; Mittelm.; (niederd.)
Middelm.; Mittermaier (ahd. mittar
neben mittil). Endm. Winkelm. Eckm.
Kniem.; Kneem. Stratem., Straßm.
Grenzm. Schnatm. = Lanwermeyer.
Oberm. (-mayer); (niederd.) Overm.
Hochm. Hom. Niederm.; (niederd.)
Nedderm.; sogar Oberniedermeyer.
(Himmelsgegend): Ostmeyer und
Osterm. Westm. und Westerm. Nordm.
(der Inhaber des „Nordhofes“).
Südmeyer.
Dorfm. (das Dorf als
zusammenliegende Häusermasse im
Gegensatz zu den meist ganz zerstreut
liegenden Bauerschaften, entsteht gew.
in der Umgebung der Kirche und
bildet sich hauptsächlich aus wenigen
alten Höfen).
(Berg u. Thal): Bergmeyer. Hügelm.
Höwelm. (s. Hübel). Bühlm.; südd.
Büchelmayer; Pichlmaier. Bültem.
Brinkm., Bringm. Damm. (früher
Henne uppem Damme). Thalm.;
Thallmaier; niederd. Dahlm.
Schachtmeyer. Kuhlm.
(Wald u. Busch): Holzmeyer;
niederd. Holtm. (urspr. Bernt vor dem
Holte Preuß 3). Waldm. Forstm.
Buschmeyer. Horstm. Lohm.; Lahm.

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Struckm. (Strauch-).
(Heide): Heidemeyer. Niederheitm.
(Anger und Wiese): Angermeyer.
Wiesem.; niederd. Wischm. Driftm.
(Triftm.-). Plaggenm.
(Moor und Sumpf): Braukmeyer;
Brokm., Broekm. Siekm., Siegm.
Maschm. Brühlm. Haarm.
(Hochmoor-). Moosmair („Moos“
südd. = Moor). Moddem. („Modde“ =
Morast). Solm. Sumpm. Pfitzemaier
(Pfützen-). Kolkm. und Pohlm.
(Wasser): Wassermeyer; niederd.
Waterm. (de Meyger over dem water
Lipp. Reg. 1406 — jetzt Waterm.).
Teichm.; niederd. Dieckm. Seem.
Brunnem. Pumpm. Bekem.; südd.
Pachmayr. Klingm. Canalm. (in
Emden). Brüggem.; Brückm. (1380:
Henne up der Brucken); südd.
Pruckmaier, Pruggm. (österreichisch).
Springm. Stegm. Wehrm. (Wehr im
Wasser). Sülzem.; niederd. Sültemeyer.
(Acker und dessen Beschaffenheit):
Kampmeyer. Kampfm. Lettenmayer.
Marschm.; Maschm. Gastm. („Geest“
leichterer Boden). Kalkm.
Mergelmeyer. Sandm. Steinm.
(Umfriedigung der einzelnen
Hofbesitzungen): Dammeyer. Wallm.
Grabenm. Heckem. Zaunm. Knickm.
Pahlm. (Pfahl-). Gatterm.
(Holzverschlag). Twietm.
(Auf den Hof selbst, seine Größe
und seine Teile gehend): Hofm.
(Bewohner der curia, des freien
Hofes). Sedelmayer, Sedlmayr (häufig

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in Bayern). Vollm. Heilm. (Vollhüfner).
Halbm. Kottm.; Kothm. (die K. haben
nur ein Viertelerbe oder noch
weniger). — Schünem.; Scheuerm.
Stadelm.; Stattm. (s. Stadler).
Spiekerm.
d) Nach E r z e u g n i s s e n des
Bodens:
(Getreide-Arten): Gerstemeyer.
Haberm.; niederd. Haverm. Hersem.
Linsenmaier. Weitem. (Weizen).
Veesenm. (Spelt). — Kleem.
Grasmeyer.
(Blumen, Kraut): Blom. (alt
Blomemeyer, also „Blume“) Rosenm.
Krutm.; südd. Krütim. Salatm. Distelm.
Piltzm. Rethm.
(Bäume): Birkenm.; Berkem.;
Pirkmayr (südd.). Buchm.;
niederdeutsch Bokem.; Bökem.; südd.
Puchm. Danm. Eichm.; niederd.
Eickem. (1502: Gotschalk under den
Eken). Ellerm.; Elsm. = Erlenm.
Eschenm. Haselm. Hesterm. Lindenm.
Pappelm.; niederdeutsch Pöppelm. —
Kersem. Twiesselm. (wilde Kirsche).
Plumm. (Pflaume). Kreikem. Nußm.;
niederd. Nottm. Hasselm.
Liebesholderm. (Hollunder). Schlem.
Dornmeyer.
Manche dieser N., bes. die von
Getreide-Arten, können auch auf die
Verpflichtung zu bestimmten
Fruchtlieferungen hinweisen.
e) Nach T i e r e n:
(Erzeugnisse des Hofes und ihm
obliegende Lieferungen; auf dem

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Besitztum oder in der Nähe
vorkommend; auch vielleicht
Eigenschaft der Person.)
Viehmeyer. Bockm. Stehrm.
(Widder). Kaum. (Kuh). Oßm.
Pferdem. Roßm. Hengstm. Stutem.
Ziegenm. Geißm. (österreich.) Katzm.
Voßmeyer.
Gosem. Schwanem. Drosselm.
Falkem. Finkem. Hafkem. (Habicht).
Krehm.; Kreym. Kronem. Uhlem. —
Bienm. Imkemeyer.
Froschm. Poggenm. Krabbenm.
Achelkenm. (Blutegel-). — Eierm.
Käsemeyer.
f) Nach Ve r p f l i c h t u n g e n:
Deschmeyer; Dreschm. Zinsm.
Zehntm.; Zehetmayr (bayr.); niederd.
Tegetm.; Tägtm.; Techtm.
Auch Kirchm. Klosterm. gehen wohl
auf Rechtsverhältnisse, Abhängigkeit
von geistlichen Stiftern und Personen;
ebenso Abtm. Münchm.; Mönchm.;
niederd. Mönkem. Papem.
Probstmeyer.
g) Nach B e r e c h t i g u n g e n:
Amtm. Grafm. Schultem. (s. vorhin).
Sattelm. (die Besitzer der sieben
Sattelhöfe in der Umgegend von
Engern rühmen sich der Abstammung
von Wittekinds Gefährten, der in E.
einst seinen Sitz hatte wie auch sein
Grab. Bei der Beerdigung eines von
ihnen ward — oder wird noch? — ein
gesatteltes und gezäumtes Pferd
vorangeführt — doch s. auch
Sedelmayer).

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b) Als j ü d i s c h e r Name (VN. und FN.) aus hebr. Me-ir
„erleuchtend“. Schon bei Josephus, jüd. Krieg VI, 5, 1 wie
Μήιρος; dann öfters in den N. von Gelehrten des
Mittelalters, so im 12. Jh. der Bibelerklärer Samuel ben
Meïr.

Meiert, Meifert s. Mag (V.).
Meil- s. Mag (einst. K.).
Mein- s. Magan (V., einst K.).
Meiring s. Mag (V.).
Meisl s. Mag (einst. K.).
Meisolle s. Mait.
Meister III. ahd. meistâri, mhd. meister (aus lat. magister,
ehemals „Gelehrter, Künstler“ (Arzt), später der
Dienstherr gegenüber dem Gesellen — in Schwaben bes.
auch Abdecker.
FN. Meister (vgl. franz. Lemaître). Gen. Meisters
(niederrhein.). Patr. A. Meistering. Zss. Backmeister,
Bac-. Baumeister. Bürgermeister. Hagemeister; auch
Hagemester (Münster). Mühlmeister; Müllenmeister.
Münzmeister. Neumeister. Rentmeister. Rittmeister.
Schulmeister. Schützenmeister. Wachtmeister.
Wehrmeister. Weinmeister. Werckmeister.
Meitz s. Mag (einst. K.).
Meixner III. auch Meichsner = Meißner, einer aus Meißen.
Mejer s. Meier.
Melcher s. Melchior.
Melchior II. hebr. „König des Lichtes“, einer der h. drei
Könige (s. Caspar).
FN. Melchior; Melcher. Gen. Melchers. Zss.
Schneemelcher.
Melior III. Latinis. für Besser.

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Mellies s. Ämilius.
Melzer s. Mälzer.
Mem- Memm- s. Magan (V., einst. K.).
Men- s. 1) Magan (V., einst. K.) 2) Mand.
Mende s. Mand.
Mendel s. Emanuel.
Mengelbier III. zu den Speisen u. Getränken (S. 46).
Menger s. a) I. Magan (V.) b) III. Manger.
Mengold s. Manag.
Menn- s. 1) Magan (V., einst. K.) 2) Man.
Mens- s. 1) Magan (einst. K.) 2) Mand.
Mentzer III. „Mainzer“, Mainz alt „Mentz“ vgl. Fischart,
der sich „Mentzer“ nannte. Aber auch O. Menz in
Sachsen.
Menz- s. 1) Magan (einst. K.) 2) Mand.
Merboldt s. Mar.
Mercator III. Latinis. für Kremer (berühmter Geograph des
16. Jh., nach welchem die Karten in „Mercators
Projektion“ benannt sind).
Mergell s. Mark I.
Merk- s. Mark I. (V., einst. K.).
Merkord I. = Kord Merk (Preuß 30) — umgedeutet
Merkötter.
Merkswohl III. Satz-N., getrennt Mercks wohl 1561 (Koch,
Saalfelder FN.).
Merlo s. Mar (einst. K.).
Merode (Graf) III. von dem O. Merode bei Düren
(Rheinprov.), früher Rode — aus „vamme Rode“

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(Adelslex.)
Merold s. Mar (V.).
Mert- s. Martinus.
Mertsching, Merz s. Mar.
Mesch s. Marsch.
Messerer III. „Messerschmied“.
Messikomer s. Hof.
Meßmer s. Meßner.
Meßner III. ahd. mesinâri, mhd. messenaere aus mittellat.
mansionarius d. i. Wächter und Hüter des heiligen
Gebäudes, „Kirchendiener, Küster“. Erhalten ist das
ursprüngliche n der ersten Silbe in der F. mensner, die
sich noch im 14. Jh. findet.
FN. Meßner. Meßmer (schwäb.) — Mößmer u. Mößner
(Wien).
Metdepenningen III. niederd. „mit den Pfennigen“.
Methfessel III. nach Pott = „kleines Metfaß“, was durch die
von Koch angeführten Formen Modtfesgen, Metfessichen,
die mit Methfessel in derselben Fam. während des 16. Jh.
wechseln, bestätigt wird.
Mettler s. Mathal.
Metzel s. Math.
Metzger III. mhd. metziger „Fleischer“ (in Süd- und auch
Mittel-Deutschl.)
Metzler III. ahd. mezilâri, mhd. metzeler, aus mittellat.
macellarius „Fleischverkäufer“, später „Fleischhauer“.
Chunrad de macello 1200 (Bacm.).
Metzner III. „Mühlknappe“ (der das Metzen verrichtet).
Doch auch O. Metzen.

Page 457

Meule III. niederd. „Mühle“: FN. an der Meulen (Geldern);
ter Meulen.
Meurer s. Maurer.
Meusel s. Maus.
Mev-, Mew- s. Bartholomäus.
Mey- s. Mag (V., einst. K.).
Meyer s. Meier.
Meyerbeer: der Sohn des jüdischen Bankiers Beer in Berlin
wurde von einem reichen Glaubensgenossen, Meyer (s.
Meier b.), der ein Freund der Familie Beer und ein
besondrer Gönner des kleinen Giacomo war, zum
Vollerben eingesetzt unter der Bedingung, daß der Kleine
auch den Namen seines Gönners führe. Daher
„Meyerbeer“.
Meyn- s. Magan (V., einst. K.).
Michael II. hebr. „wer (ist) wie Gott?“, der h. Michael der
Erzengel Offenb. Joh. 12, 7 (S. 25 — Kal. 29. Sept.).
FN. Michael; Michaal; Michal; Micheel; Michel mit
den Zss. Michelmann — Kleinmichel. Kühmichel.
Paulmichl. (bayr.). Gen. (lat.) Michaelis; Michaeli;
Michelis — (deutsch) Michaels; Michels. Patr. A.
Micheler; Michler (oberdeutsch: Brieg, Saarbr.). Patr.
Zss. Michaelsen; Michelsen (ostfries., schlesw.).
Michaelsohn; Michaelson (jüd. Neubildungen).
Michel-, Michler s. Michael.
Mielke s. Ämilius.
Mießner s. Meißner.
Milb- s. Mild.
Milch III. in mehrf. Zss. (s. Speisen S. 46).
FN. Buttermilch. Fettmilch. Lautermilch (Lutermilch
oberschwäb. 1690). Sauermilch. Süßmilch.

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Schlegelmilch; Schleemilch; Schlömilch
(Buttermilch).
MILD I. got. milds, ahd. milti, mhd. milte „mild“ d. i. gütig
u. freigebig.
FN. (Mildbreht): Mildebrath — Milbrecht; Milbrodt.
(Mildbrand): Mildbrand — Millbrand.
(Mildher): Milder — Milter.
Einstämmige Kürzung Mild-.
(Mildo): Milde. Gen. Milden.
Vklf. (z) Mildizo: Milse.
Millbrand s. Mild.
Miller s. Müller.
Millies s. Ämilius.
Milner s. Müllner.
Milse s. Mild.
Milter s. Mild.
Milz s. Mild.
Minck s. Magan (einst. K.).
Minikus II. s. Dominicus.
Mitterrutzner III. „einer vom Hofe Mittel-Rutzen“.
Mittnacht III. ältere Form für Mitternacht, ahd. mittinaht.
Möb- s. Bartholomäus.
Möd- s. Mod.
MOD I. got. môds, ahd. mhd. muot „Mut“. In N. seit dem 4.
Jh.
FN. Mutbraht: Moppert.
Moathard: Motard.

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Mothar: Moder — Muther; Muthherr — Müther —
Mauder.
Moderich: Mudrich — Muthreich — Müttrich —
Maudrich.
Modulf: Mutup — Multhaup; Multhaupt (Preuß 7).
Einstämmige Kürzung Mut-.
Muodo: Mode — Mott — Möthe — Muth — Müth.
Patr. A. Moding — Müting.
Vklf. (l): Model — Mudel — Muthel — Müttel —
zsgz. Mohle — Moll — Muhl. Patr. A. Mühling.
(k): Mödig — Mutke — Mügge. (z) Mozo: Motz
— Mutze — Mütze — Mautz. (z + l): Muzel —
Mützel — Motzl.
Unorganisch gebildet: Mozart. Mozelt.
Auslautend (137 mal Först., darunter aber viele w.):
-muth: Hellmuth.
MODAL I. Erweiterung von Mod.
FN. Modalbert: Mühlbrecht; Mühlbrett.
(Modalfrid): Mühlfarth.
(Modalhart): Muhlert — Mühlhart.
Modersohn III. niederd. „Muttersohn“.
Mohle s. Mod (einst. K.).
Möhler s. Müller.
Möhlmann s. Mühlmann.
Mohn-, Möhn- s. Mun.
Mohr-, Möhr- s. Maur.
-mohr s. Moos.
Mohrenweißer III. „einer aus Mohrenweis“ (in
Oberbayern).

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Moldenhauer III. „der die Mulden (längliche, ausgehöhlte
hölzerne Gefäße) zuhaut“. Auch Moldenhawer und
Mollenhauer.
Molfenter III. vom Hause übertragener N. (S. 61), vgl.
Olfenten 1324. Holfenten 1374.
Molitor s. Müller.
Moll s. Mod (einst. K.).
Möllen- niederd. = Mühlen, in Zss. wie Möllenbernd,
Möllenhenne. Termöllen.
Mollenhauer s. Moldenhauer.
Moller, Möller s. Müller.
Molner s. Müllner.
Molter, Mölter s. Müller.
Mom-, Momm- s. Mun.
Mond- s. Mund.
Mondenschein III. „Mondschein“ (in welchem Sinne?).
Mondhold s. Mund.
Mone, Monn-, Mönn- s. Mun.
Mönk III. niederd. = Mönch, in Zss. wie Mönkemeyer, -
möller.
-moor s. Moos.
Moorhardt s. Maur.
Moos III. ahd. mos „Sumpf, Moor“, in süddeutschen N. seit
dem 8. Jh.; auch jetzt noch sehr häufig Moos, mit
mancherlei Zss. auf -moos.
FN. Moos. Zss. Guggemos — Moosbauer.
Moosbichler. Mooseder. Mooshammer. Moosmayr.
Moosmüller. Moosrainer. — Kokemoor (westf.).
Obermohr (bayr.).

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Ableitung auf -er (oberd.): Moser. Möser. Breitmoser.
Bruckmoser. Deutelmoser (bayr.). Ennemoser (vgl.
Ennenmoos in Unterwalden). Guggimoser.
Kaltenmoser. Lottermoser (ostpreuß. d. i.
salzburgisch). Niedermoser. Rohrmoser (ostpreuß.,
vgl. Rohrmoos in Steiermark). Sonnenmoser
(württemb.). Suppenmooser.
Mooshake III. „Händler mit môs“ (mittelniederd.) = Kohl,
Gemüse; Hake = Höker. Auch Mushacke.
Mor-, Mör- s. Maur.
Moras III. über Maulbeeren abgezogener Wein — „mete,
môraȥ unde wîn“ (Nib.).
Morgenbesser III. Satz-N. (S. 50 f.).
Moritz s. Mauritius.
Morneweg III. = „morgen weg“ — daraus Mornewey. Vgl.
Mörnhinweg, Mornenweg 14. Jh.
Morquardt s. Mark I.
Mörtel s. Martinus.
Moser, Möser s. Moos.
Moses II. hebr. Moscheh „der aus dem Wasser Gezogene“
(nach 2. Mos. 2, 10).
FN. (jüd.) Moses — Mosse — Moscheles. Zsgz.
Mosenthal.
Für Moses: Moritz.
Mößmer, Mößner s. Meßner.
Motard, Möthe, Mott, Motz- s. Mod.
Möw- s. Bartholomäus.
Mozart wohl zu Mod. Stoffel Motzhart 1551 Augsb. Dies
die älteste Spur des großen Namens; Mozarts Vater war
bekanntlich ein geborener Augsburger (Bacm.).

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Muckenschnabel III. (München).
Mud-, Mügge s. Mod.
Muhl-, Mühl- s. 1) Mod 2) Modal.
Mühle III. der älteste und häufigste Ausdruck auf dem
Gebiete gewerblicher Anlagen. In ON. gewöhnlich in der
gekürzten F. -mühl (niederd. -möhl), daneben -mühlen
(Dat. Plur.).
FN. Brendemühl. Sagemühl. — Grevismühlen; verkürzt
Grevsmühl.
Mit Verhältniswörtern: Tremöhlen. Utermöhlen.
Zurmühlen.
Mit der bewahrten ad. Kürze des ü:
Müllbauer. Niederd. Mölle in Möllenbernd; -benne
„der Bernhard aus der Mühle“ (falsch verhochd.
Mühlenbein Preuß S. 39).
Mühlenkampf III. „der vom Mühlenkampe“.
Mühler s. Müller.
Mühling s. Mod.
Mühlner s. Müllner.
Muhn- s. Mun.
Mührer s. Maurer.
Müldner s. Müllner.
Müllenmeister = Mühlmeister (ahd. muli, mhd. müle mit
kurzem Vokal in der ersten Silbe).
Müller III. schon im 14. Jh. „der muller“, durch
Angleichung aus mittellat. multor d. i. molitor. Erhalten
ist der T-Laut noch in den FN. Molter, Mölter, sowie in
der genet. Bildung Mölders (westf.) — mit n: Möldener.
Gedehnt Mühler (Kindervers: „Mühler ist ein
Roggendieb, Mühlamehler Roggenstehler“).

Page 463

Mit verdünntem Selbstlauter: Miller (in Bayern häufig).
Niederd. Moller — Möller — Möhler (Klemp. Moller,
Molre). Patr. A. Möllering (westf.).
Die Hauptform bleibt Müller, die überaus häufig ist (S.
42), auch in zahlr. Zss., welche sich um so eher
bilden konnten, da sich in manchen Orten mehrere
Mühlen befanden (z. B. in dem schweiz. Unter-
Embrach vier, Tobler-M. S. 74).
1) Nach der A r t d e r M ü h l e:
Bockmüller, womit Dreimüller
(Adenau), wenn anders = Drehmüller,
gleich bedeutend ist, da eine Bockmühle
auf ihrem Untergestell, dem „Bock“,
nach der Windrichtung d r e h b a r ist.
Grützmüller. Habermüller. Holzmühler;
-miller (wohl = Sägemüller).
Kornmüller. Lohmüller. Ölmüller;
Ohlmüller. Sagemüller (Varel,
halbniederd. = Sägem.); Segmiller.
Schneidemüller. Weitzmüller;
Weitzenmiller. Windmüller; niederd.
Windmöller.
2) Nach dem S t a n d o r t d e r M ü h l e:
Angermüller und -miller. Aumüller.
Bachmüller. Bergmüller. Bornmüller.
Bruchmüller; niederd. Brockmöller.
Dorfmüller; halbniederd. Dorpmüller.
Feldmüller. Furtmüller. Heitmüller
(Besitzer der Heidemühle). Kampfmüller
(s. Kamp). Klingmüller. Kniemöller.
Mittermüller (Besitzer der Mittelmühle).
Obermüller. Riethmüller. Rosenmüller
(Besitzer einer Mühle, welche die
„Rosenmühle“ heißt, z. B. im Amte
Kalenberg). Seemüller. Stadtmüller.
Stegmüller; niederd. Stegemöller.

Page 464

Teichmüller. Untermüller. Waldmüller.
Werdmüller (s. Wert). Weyermüler (der
M. am Weiher). Wiesenmüller.
3) Nach der Z u g e h ö r i g k e i t
(Untertänigkeit):
Fromüller = Frohnmüller
(herrschaftlicher M.). Hoffmüller.
Mönkemöller.
4) Nach der B e s c h a f f e n h e i t d e s
M ü l l e r s (oder der Mühle):
Altmüller. Neumüller; Neumiller;
niederd. Niemöller. Freymüller.
Graumüller. Grünmüller.
5) Mit Vo r n a m e n Zss.:
Engelbrechtsmüller (die
Engelbrechtsmühle bei Dachau in
Bayern). Frankemöller. Kunzemüller;
Kunsemüller. Marxmüller. Petermöller.
Westelmüller (wenn anders Westel aus
Sebastian).
Die Zss. mit Möller sind im Nordwesten Deutschlands,
besonders in Westfalen einheimisch.
Müllner III. ahd. mulinâri, mhd. mulnaere der „Müller“ (im
Marburger Gewerbe-Verz. Mulner; noch 1691 bei Stieler
„der Müllner“).
FN. Müllner (häufig in Wien); gedehnt Mühlner —
verdünnt Milner. Niederd. (Klemp. Molner) Molner.
Holländ. Molenaar.
Zss. Edelmüllner. Obermüllner. Fraunmüllner. —
Eckmillner. Waldmillner.
Mult- s. Mod.
Mumm- s. Mun.
Mun-, Mün- s. Mun.

Page 465

MUN I. wohl zu altnord. munr „Freude, Lust“.
FN. Muniperht: Mombert; Momber; Mommert;
Mommer. Gen. Mummers.
Einstämmige Kürzung Mun-.
Muno, Monno: Muhne — Monno — Mone; Mohn —
Möhn. Gen. Mohns — Monnen. Patr. A. Mönning.
Patr. Zss. Mohnsen.
Vklf. (k): Muncke — Münnecke — Mohnike —
Möhnke — Mönnich. (k + l): Munkel.
Zweistämmige Kürzung Mumm-.
(Mummo): Mumm — Momm.
Patr. Zss. Mummsen — Mommsen.
Mund- s. Mund.
MUND I. ahd. munt „Schutzgewalt“ (vgl. Vormund). In EN.
seit dem 3. Jh.
FN. (Mundher): Munder — Munter (Muntermann) —
Münter.
Munderich: Munderich.
Mundoald: Mondhold.
Einstämmige Kürzung Mund-.
Mundo: Munte — Mund — Münte — Mondt. Patr.
A. Munding — Münding — Muntinga (ostfries.).
Vklf. (k): Mündecke. (z): Munz — Münz —
Munsch. (z + l): Muntzel — Müntzel.
Auslautend (144 mal Först.):
-mund: Emund.
-mond: Hartmond.
Mund III. Friderio. mittemmvnde 1190. Zss. Guldenmund.
Lachmund.
Mundigler III. einer aus dem rhätischen Orte Montiggl (aus
lat. monticulus).

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Münster III. ahd. monastri aus lat. monasterium
„Klosterkirche, Kathedrale“.
FN. Münster. Weilmünster.
Munsch, Munt-, Münt- s. Mund I.
Münter a) I. s. Mund b) III. s. Münzer.
Munz-, Münz- s. Mund I.
Münzer III. ahd. munizâri aus lat. monetarius 1) Geldpräger
2) Geldwechsler. Hermann Monetarius (de Münter) 1298.
FN. Münzer. Niederd. Münter.
Musebrink III. „Mäusebrink“.
Mushacke s. Mooshake.
Müßigbrod III. ein Müßiggänger oder einer, der in Muße
sein Brot ißt (Rentier?).
Müßiggang III. (wie Irregang) „Müßiggänger“. Thomas M.
1447.
Mustopf, Mustoph III. aus Mustafa.
Mut-, Muth-, Müt- s. Mod.
Mutscheller III. von Mutschelle, häufigem Hofnamen in
den Alpen, roman. Herkunft, vielleicht = mottisella
„Hügel“ (Buck S. 187).
Mütt-, Mutze, Mütz-, Muzel s. Mod.
Mylius III. der deutsche „Müller“, in antikem Gewande.
Eine Zss. mit Mylius ist Missomelius, entstellt aus
Mesomylius (Mittelmüller).

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N.
Naatz s. a) Nath b) Ignatius.
Nab- s. Nath.
Nachbauer III. gekürzt aus ahd. nâhkapûr, mhd. nâchgebûr
der „nah Bauende“ (Wohnende); noch im 17. Jh. neben
Nachbar.
FN. Nachbur — Nachbaur; Nachbauer.
Nachtigal III. ahd. nahtigala („Sängerin der Nacht“, von
galan).
Nack-, Näck- s. Nath.
Nad-, Näd- s. Nath.
NAGAL I. ahd. nagal, mhd. nagel, später auch zsgz. neil
„Nagel“. Der Gebrauch dieses Namens in EN. scheint
sich auf die mythischen Schmieden zu gründen.
Nagalhard 8.
FN. (Nagalrich): Neilreich.
Einstämmige Kürzung Nagal-.
Nagal: Nagel — Nahl — Nägel — Negele — Neil.
Vklf. (l): Nägele; Nägeli. (l + n): Negelein;
Nägelen.
Nagel III. nach Vilmar S. 39 in mehr als funfzig damit
zusammengesetzten FN.
Faßnagel. Hufnagel. Kupfernagel; niederd.
Koppernagel. Nothnagel. Schiennagel; österr.
Schinnagl. Silbernagel. Spannagel. Spitznagel.
Thürnagel. Wackernagel. Deutlich elliptisch:
Blankennagel.

Page 468

Nägel-, Nahl s. Nagal.
Nahning, Nan-, Näning s. Nanth.
Nahrings s. Nas.
NANTH I. got. nanthjan wagen, nanths „kühn“; ahd.
nendan, mhd. nenden wagen.
FN. Nandbrecht: Nembhard (aus Nembart).
Nandhari: Gen. Nanders.
Nantuic: Nentwig.
Einstämmige Kürzung Nand-.
Nando, Nanno, Nonno: Nanne — Nane — Nenne —
Nonne (Nonnemann). Gen. Nannen — Nonnen.
Patr. A. Nanning — Nahning — Näning. —
Nannenga (ostfries.).
Vklf. (i): Nanny. (l): Nendel. (k): Nantke —
Nancke — Nannig — Nennich; Nennicke —
Nenke — Nonnig — Nönnig. Gen. Nantkes;
Nantjes (ostfries.) — Nanken. (z): Nantz —
Nenz.
Auslautend (32 mal Först.):
-nand: Wienand.
-nant: Denant.
Napert, Napp s. Nath.
NAS I. got. nisan, nasjan, ahd. nerjan, mhd. nern „nähren;
retten“. Nasold. Neriberaht.
FN. Einstämmige Kürzung Nas-.
Nasua: Nasse; Naß — Neese. Patr. A. Nehring. Gen.
Nahrings (Prüm).
Vklf. (k): Nehrig.
Nase III. in den Zss.
FN. Spitznase (vgl. auch Halfnase 1376). Langnese
(Heinricus Langenase 1304).

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NATH I. wohl zu altsächs. nâtha, ahd. ginâda „Gnade“, im
Sinne von helfender Geneigtheit.
FN. Natbold: Nabold. Gen. Nabholz.
(Natbert): Nabert; Naber; Napert.
(Nather): Nather — Näther.
(Nadold): Nadol.
Einstämmige Kürzung Nath-.
Nado, Nato: Nath — Näthe.
Vklf. (l): Nädele. (l + n): Nädelin. (k): Nadig —
Nattke — Nacke — Näke. Gen. Nacken —
Näckes. (k + l): Näckel. (z) Nazo: Naatz.
Zweistämmige Kürzung Nathb-.
Nappo: Napp.
Nätebus III. (niederd.) „Nußbusch“.
Näth-, Nattke s. Nath.
Nau- s. Niw.
Neander s. Neumann.
Nedder niederd. „Nieder“ in Neddermeyer, Nedderhut u. a.
Neels s. Cornelius.
Neese s. Nas.
Negel- s. Nagal.
Nehlsen s. Cornelius.
Nehr- s. Nas.
Neiber s. Nid (V.)
Neid- s. Nid (V., einst. K.).
Neiffert s. Nid (V.).
Neigebauer s. Gebauer.
Neil- s. Nagal.

Page 470

Neip- s. Nid (V., zweist. K.).
Neit-, Neitz- s. Nid (einst. K.).
Nel-, Nell- s. Cornelius.
Nembhard s. Nanth.
Nen- s. Nanth.
Neo s. Niw.
Nesensohn II. (Appenzell) „Sohn der Agnes“.
Nettel III. niederd. „Nessel“ in Nettelbladt, -kamp, -struck.
Neu s. Niw.
Neubauer III. ein „Bauer“, der sich „neu“ auf einem
(vielleicht erst von ihm urbar gemachten) Platze ansiedelt.
FN. Neubauer. Niederd. Niebuhr (Klemp. Niebur).
Halbniederd. Niebauer.
Neub-, Neue, Neuf- s. Niw.
Neugebauer s. Gebauer.
Neukomm III. ein „Neuangekommener“. Hans Nuwkomm
1393.
Neumann III. a) I. s. Niw b) III. ein „Neuangesiedelter“. Als
FN. sehr häufig — wie Neustadt als ON. — auch
Proselyten-N. (= „neuer Mensch“), in griech. Übersetzung
Neander (der berühmte Kirchenhistoriker dieses Namens
hat denselben 1806 in Hamburg angenommen, als er zum
Christentum übertrat).
Niederd. Niemann (in Münster 1878 22 Niem. neben
nur 8 Neum.) — Niegemann — Nigmann —
Niggemann (Klemp. Nieman, Nigeman).
Neumeister III. ein in die Zunft „neu aufgenommener
Meister“.
Neuner, Neup-. Ney s. Niw.
Nibbe s. Nid (zweist. K.).

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Niel-, Nicol- s. Nicolaus.
Nicolaus II. griech. „Volkssieger“; Nicolaus, Bischof von
Myra in Lycien 4. Jh. (S. 26).
FN. Nikolaus — Niklaus (in schlechterer Schreibung
Nücklaus) (Großniklaus) — Nicolas; Nicola —
Niclas, Nicklas, Niklaß — Nieglas — Nicol mit den
Zss. Altnikol und Nicolmann — Nickel mit den Zss.
Jungnickel; Kurznickel; Langnickel; Mühlnickel
(Nickel als VN., N. Hannemann 1662 KB.) — Niggl
(bayr.). Gen. Nicolai, Nikolay — deutsch: Nickels.
Patr. A. Nickling — Niggeler (oberd.). Patr. Zss.
Nicolassen — Niklassen.
Mit Kürzung im Anlaut:
a) Klaus, Clauß, mit der Zss. Schäperclaus
(westf.); Öhlclaus; Klause — latinis.
Clausius. Gen. Klausen. Patr. A.
Clausing — Clauser. Patr. Zss.
Jungclaus (Gegensatz: Großklaus);
Jungclaussen.
Vklf.(l): Kläusli — Kleisl; Kleißl
(Tirol).
b) Klose; Kloos, Cloos; Kloß (z. T. mit
geschärftem Vokal gesprochen, deshalb
auch Kloss geschrieben, wohl um den
Gleichlaut mit dem Gattungsnamen zu
vermeiden) — verlateint Clossius. Zss.
Kloßmann.
c) Klaß (Klaßmann), Klaas, Claes — Zss.
Jungklas; Poggenklas (westf.);
Klasmeyer (westf.); Clasohm. Gen.
Claßen, Claassen; Clasen; Claasens.
Patr. A. Claßing; Klasing.
d) Durch Zerdehnung aus Klaus: Clawes
(als Vorname Clawes und Nicclawes
(Klemp.); Claws; Clabs — Klages;

Page 472

Klagge (Klempin: Klags = Klawes). Zss.
Klagemann. Grotklags.
e) Durch Wegfall der beiden ersten Silben:
Laus — Laves.
-nick III. in slawischen ON.
FN. Jauerniek. Lesnik. Rüthnick.
Ableitung auf -er: Obornicker.
Nicke s. Nid (einst. K.).
Nickel-, Nickl- s. Nicolaus.
Nickse III. „Nixe“, auf die Wassergeister der deutschen
Mythe zurückdeutend, vgl. Johannes dictus diu Nixe 1336
Bacm.
NID I. ahd. nîd, mhd. nît „Neid“ d. i. feindseliger Eifer und
Zorn des Kriegers (Nibelungen V. 427 Lachm.).
FN. Nidbald: Niedball — Niepold; Niepelt — Nippold;
Nippel — Neipold.
Nitperht: Niebert — Neiber. Gen. Neippertz. Patr. A.
Nieberding.
Nidaboto: Niepoth.
(Nidfried): Niefert; Nieffer — Neiffert. Gen. Nieferz.
Nidgar: Nieger.
Nidhard: Niedhardt; Nietardt; Nietert — Neidthardt;
Neidert.
Nither: Nieter — Neider - Neidherr — Nitter.
Nidmar: Niemer — Nimmer.
Nidrih: Niedrich — Nittrey — Nierich.
(Nidolt): Neidholdt.
Einstämmige Kürzung Nid-.
Nitho: Niete (Nietmann) — Neide; Neidt. Gen.
Nieten — Neithen — Neiden. Patr. A. Nieding;
Niedung.

Page 473

Vklf. (l): Niedel — Neidel — Nittel. Patr. A.
Niedling. (l + n): Neidlein. (k): Niedke —
Niecke — Nicke. (z) Nizo: Nietze — Nizze;
Nitz; Nitzsch (Nitschmann) — Neitsch. (z + l):
Nietzel — Nißl — Neitzel. Patr. A. Nitzling. (z +
k): Nietzschke — Nitschke — Neitzke.
Unorganische Bildung: Neitzert.
Zweistämmige Kürzung Nidb-.
Nippo: Nippe — Nibbe — Neipe.
Nie- III. niederd. „neu“, in Zss. wie Niebecker, Niemann,
Niemeyer u. a.
Nieb- s. Nid (V.).
Niebuhr s. Neubauer.
Niecke s. Nid (einst. K.).
Nied- s. Nid (V., einst. K.).
Niedner III. „einer aus Nieden“.
Nief- s. Nid (V.).
Niegemann s. Neumann.
Nieger s. Nid (V.).
Niejahr III. niederd. „Neujahr“.
Niemann s. Neumann.
Niemer s. Nid. (V.).
Niemetz III. ein „Deutscher“, poln. Niemiec. Auch Niemeitz
— Nimz.
Niep-, Nierich s. Nid (V.).
Niermann III. = Niedermann, nach der tieferen Lage der
Wohnstätte; vgl. Tornedden.
Nieß s. Dionysius.
Niet- s. Nid (V., einst. K.).

Page 474

Nietz- s. Nid (einst. K.).
Niewert s. Niw.
Niggemann, Nigmann s. Neumann.
Niggeler, Niggl s. Nicolaus.
Nik- s. Nicolaus.
Nimmer s. Nid (V.).
Nimz s. Niemetz.
Nipp- s. Nid (V., zweist. K.).
Nißl s. Nid (einst. K.).
Nitsch, Nitz s. Nid (einst. K.).
NIW I. ahd. niwi, mhd. niwe „neu (jung)“.
FN. (Niwipald): Naubold.
(Niwipert): Niewert — Neubert; Neupert; Neuber;
Neuper — Naubert; Naupert.
Neufred: Neufert.
(Niwiman): Neumann — Naumann (Nau noch in
manchen Landschaften mundartlich = neu, s. Koch
S. 18, der es für Saalfeld bezeugt; auch Buck S.
189).
Niward: Nauert.
Mit erweitertem Stamme Niwun-. Niwunheri: Neuner.
Einstämmige Kürzung Niw-.
Nivo: Neo — Neue; Neu — Neye, Ney — Naue. Gen.
Neyen.
Nixe III. s. Nickse.
Nizze s. Nid (einst. K.).
Noack s. Nowack.
Nob- s. Nod (V., zweist. K.).

Page 475

Nobbe, Nöbbe s. Nod (zweist. K.).
Nock- s. Nod (V., einst. K.).
Nöcker s. Nod (V.).
NOD I. got. nauths, ahd. mhd. nôt „Not, Kampfdrangsal;
eifriges Streben“.
FN. Nodbert: Nootbaar — Nobert — Nopper. Gen.
Noppers.
Notakar: Nöttger — Nocker — Nöcker.
Nothart: Nothardt.
Nothar: Noder — Notter — Nöther — Nohr. Patr. A.
Nöhring — Noderer.
(Notleih): Nöthlich — Nölich. Gen. Nöthlichs.
Nodulf: Nolohf.
Einstämmige Kürzung Nod-.
Noto: Noth, Noodt — Nott — Nöthe. Gen. Nothen —
Nöthen. Patr. A. Nöding — Nuding.
Vklf. (l): Nödel — Nötel — Nolle — Nohl.
Patr. A. Nöthling — Nüdling. (k): Nocke. (z): Nootz
— Notz (Notzmann); Noß. (z + l): Nötzel; Nößl. (z
+ l + n): Nötzlin. (z + k): Notzke — Nößke.
Unorg. Bildung: Nötzold.
Zweistämmige Kürzung Nodb-.
Noppo: Nobbe — Nöbbe — Nube.
Vklf. (l) Nopelo: Nobel — Nopel.
Patr. A. Nobiling (nach dem bekannten Mordversuch
auf K. Wilhelm I. von einigen Gliedern der
Familie in Edeling verwandelt).
Auslautend -not (41 mal Först.): -not: Adnot. Gernoth.
Nöd-, Nohl s. Nod (einst. K.).
Nohr, Nöhring s. Nod (V.).

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Nold-, Nöld- s. Arin (Arnold).
Nölken s. Arin (Arnold).
Nolle, Noll 1) I. s. Arin. 2) I. s. Nod (einst. K.).
Nolohf, Nölich s. Nod (V.).
Nolt-, Nölt- s. Arin (Arnold).
Non-, Nön- s. Nanth.
Nonnenmacher III. „Schweineschneider“ (mhd. nunne,
nonne „verschnittenes Schwein“). Auch Nunnenmacher.
Nonnenprediger III. (Pyritz) „der die Verpflichtung hatte,
im Nonnenkloster zu predigen“.
Noodt, Noot-, Nopel s. Nod.
Nopper s. Nod (V.).
NORD I. ahd. nord „Norden“, ebenso wie die drei andern
Weltgegenden in EN. gebraucht.
FN. Nordeman: Nordmann — Normann, Norrmann.
Nordoalt: Nordahl.
Nordwich: Nordwig.
Einstämmige Kürzung Nord-,
Nordo: Nord, Nordt, North — Nörr. Gen. Norda
(ostfries.).
Vklf. (z): Norz.
Normann, North, Norz s. Nord.
Noß-, Nöß- s. Nod (einst. K.).
Noth-, Nöt-, Nott- s. Nod (V., einst. K.).
Nott III. niederd. „Nuß“, in Nottebrock, Nottmeyer u. a.
Nottebohm III. niederd. „Nußbaum“. Auch Nottebaum,
Nuttebaum (halbniederd.)
Nöttger s. Nod (V.).

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Notz-, Nötz- s. Nod (einst K.).
Nowack III. aus slawisch Nowak der „Neue,
Neuangekommene“ = Neumann. In seinen verschiedenen
FF. im Osten Deutschlands weit verbreitet.
FN. Nowack, Nowag — Noack — Nobak.
Nube s. Nod (zweist. K.).
Nücklaus s. Nicolaus.
Nuding, Nüdling s. Nod (einst. K.).
Nunnenmacher s. Nonnenmacher.
Nürmberger III. „Nürnberger“, alt Nuremberger 1507.
Nußpicker III. von mhd. bicken: „hauen mit einem spitzen
Werkzeuge“.
Nuttebaum s. Nottebohm.

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O.
-o 1) deutsch: die häufigste Endung der verkürzten Namen,
jetzt meist durch das charakterlose e ersetzt oder ganz
abgeworfen (S. 22).
2) slawisch: ebenfalls in verkürzten Personen-N., die dann
als FN. verwendet werden, z. B. Hanzo, Hanzko
(Hantschko) von Johannes.
Mitunter ist auch o entstanden aus ow (urspr. slawische
Endung für ON.) durch Abfall des stummen w: Fanselo,
Calo, v. Plotho (O. Plathow), Wossidlo, welches früher
noch häufiger weggelassen wurde; so findet sich in KB.
Büto, Zastro statt des jetzt üblichen Bütow, Zastrow.

Ob- s. Aud (V., zweist. K.).
Öb- s. Aud (zweist. K.).
Obbermann s. Aud (V.).
Öbb- s. Aud (zweist. K.).
Obenauf III. „der immer obenauf ist“. Ähnlich Obenaus
„obenhinaus“. (Hans Bovenuth 1460.)
Obenderhabighorst III. bemerkenswerter westf. N., vom
Wohnorte hergenommen.
Oberste in westf. N. zur Unterscheidung der Genamen
(Namensvettern) benutzt, z. B. Oberste-Steinhorst = der
zu oberst wohnende St. Obrist und Zobrist (= zu oberst
schweiz.).
Obser III. mhd. obeȥaere, jetzt oberd. Obßer, hochd.
„Öbster, Öbstler“.

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Ochs III. mit der Vklf. Öchsle und den Zss. Ochsenbein und
(niederd.) Ossenkop. Vgl. Joh. zum Ochsen 1412
(Hauszeichen). (Doch Ochs vielleicht = ahd. Otgoz 1100,
Ocoz oder auch Otgis, beides zum Stamme Aud.)
Ochsner III. mhd. ohsenaere „Ochsenhirt, — bauer“ -
Öchsner, entstellt Exner.
Ock-, Öck-, Od- s. Aud (V., einst. K.).
Öd III. In Süddeutschland ungemein zahlreiche ON. auf -öd
(Altenöd), -ed, -et, -edt (Einet). Bei dem Mangel
entscheidender alter FF. ist hierbei an got. auths, ahd. ôdi
mhd. oede „öde, leer“ zu denken, falls nicht angels. ead,
altnord. audhr „Besitz“ größeren Anspruch darauf hat.
FN. Ableitung auf -er (oberd., bes. bayr., österr.):
1) -öder („die Leute, die einst in der Öde
wohnten, die Söhne der Einöde“ Steub)
nur in Zss.: Ameisöder. Manzenöder.
Schusteröder. Vgl. der Flachsöder 1490.
2) -ötter: Königötter (entstellt Kenngötter).
Meist infolge der „alten Unart der Bajuwaren, ö und
e in der Aussprache nicht zu unterscheiden“
(Steub) in e verwandelt, daher
3) Eder, urspr. Öder (vgl. Albertus Öder
1262). Allertseder. Alteneder.
Breiteneder. Buchneder (O. Buchenöd).
Fischeder neben Fischöder. Greifeneder.
Habereder. Haseneder. Hocheder.
Kroneder. Lucaseder. Mittereder.
Mooseder. Niedereder. Obereder.
Pauleder. Permaneder (O. Permanöd).
Roseneder. Spitzeder. Steineder.
Ziegeleder. Engleder. Herleder.
Wendleder. — Lempenzeder (zu ad.
Lampo). Manzeneder; daneben
Manznetter.

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4) -eter: Eppeneter. Hemeter (= Heimöder).
Schlageter (auch in Ostpreußen).
Weileter. Breitsammeter (Einöde
Breitsameten in Oberbayern).
5) -etter: Mosetter. Obernetter. Panzetter.
Scharfetter (in Salzburg und
Ostpreußen); in der Namenliste der
Eingewanderten bei Beheim-
Schwarzbach Scharffitter. Vgl. Stephan
Scharffeder 1407).
6) -ettner: Scharfettner.
7) entstellt -ieder: Geißelsieder.
Hutzelsieder (Steub S. 147).
Öddel, Öding, Oet- s. Aud (einst. K.).
Oetjen, Oetken s. Aud (einst. K.).
Of-, Off- s. Aud (V., zweist. K.).
Öfele, Öff- s. Aud (zweist. K.).
Öffner III. mhd. ovenaere „Ofensetzer“.
Oheim III. mhd. ôheim „Mutterbruder“.
Ohfen s. Aud (zweist. K.).
Ohl- s. 1) Ald 2) Aud (V.) 3) Othal (V.).
Öhl- s. 1) Aud (einst. K.) 2) Othal (V.).
Ohlenmacher III. „Töpfer“ (s. Euler).
Ohlenschläger, Öhlen- s. Öhlschläger.
Öhlmann a) I. s. Othal b) III. „Ölhändler“. Verlateint
Olearius (S. 63).
Öhlschläger III. „Ölpresser“.
FN. Öhlschläger; Öhlenschläger — Ohlenschläger —
Öhligschläger — Olligschläger (vgl. ölich Weist. III,
296, niederd. Ölje; auch dänisch olie, olieslaaer).

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Ohm III. aus Oheim zsgz. mhd. ôme „Oheim“ (Ohm auch
ein Zunftgenoß bei den Münzern, desgl. Ohmschaft =
societas monetariorum).
Ohm- s. Aud (zweist. K.).
Öhm- s. Aud (V., zweist. K.).
Ohnesorge III. vgl. Gernod dict. Anesorge. Daher noch jetzt
Ansorg.
Ohorn III. ON. = Ahorn.
Ohr III. in den Zss. Langohr; Weibelohr („Wackelohr“).
Ohrt s. Ort I.
Ohst s. Aust.
Ökert s. Aud (V.).
Ol- s. 1) Ald 2) Aud (V.) 3) Othal (V.).
Öl- s. Othal (V., einst. K.).
Olböter III. niederd. „Altbüßer d. i. Altflicker“ (in Stettin
ein „Olböterberg“).
Olde s. Ald.
Ölhafen III. FN. v. Öhlhafen (mit einem Ölkrug im Wappen,
Pott S. 654).
Oll- s. Ald.
Öll- s. Othal (V., einst. K.).
Olligschläger s. Öhlschläger.
Olt- s. Ald.
Omeis s. Ameis.
Ömering s. Aud (V.).
Omm- s. Aud (V., zweist. K.).
Ondereyck III. niederd. (Krefeld) „unter der Eiche“.

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Onken, Onnen s. Un.
Oost s. Aust.
Op- s. Aud (V., zweist. K.).
Opdenhof III. (Wesel) niederd. „auf dem Hofe“.
Opderbeck III. niederd. = ob der Beck „oberhalb des
Baches“.
Opfermann III. „der das Kirchenopfer in Empfang nimmt“
= Küster, früher allgemeiner in Niedersachsen, jetzt noch
in Braunschweig (Hoffmann).
FN. Opfermann — Offermann (vgl. Opfergeld und
Offergeld). Niederd. Oppermann (doch s. auch
Audeberht).
Öpke, Opp-, Öpp- s. Aud (V., zweist. K.).
Oppenhövel III. „auf dem Hübel“.
Oppenkamp III. „auf dem Kampe“.
Oppermann s. a) I. Aud (V.) b) III. Opfermann.
Optenhögel III. niederd. „auf dem Hügel“.
Orban s. Urban.
Ord- s. Ort I.
Orgler III. „Orgelspieler“.
Ornold s. Arin.
Ort-, Ört s. Ort I.
-ort in ON. s. Ort III.
ORT I. ahd. mhd. ort „Schärfe, Spitze“, bes. des Schwertes
und Speeres.
FN. Ortgis: Ortgies. Gen. Ortgiesen.
Ortlaip: Ortleb; Ortlepp; Ortlöpp.
Ortliub: Ortlieb.

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(Ortman): Ortmann — Ohrtmann.
Ortolt: Ortelt — Örtelt.
Ortwin: Ortwein.
Ordulf: Ordolff — Ortloff.
Einstämmige Kürzung Ort-.
Ordo, Ort: Ort, Orth — Ohrt.
Vklf. (l): Ortel — Örtle; Örtel.
Patr. A. Örthling.
Ort III. in ON. a) „Vorgebirge“ (z. B. Brüsterort an der
ostpreußischen Küste) b) „Winkel“, bes. bei
Flußmündungen (z. B. Ruhrort).
FN. auff’m Ordt. Ruhrort. v. Scharfenort. Steinort.
Vierordt.
Os-, Oß-, Ös- s. Ans (V., einst. K.).
Oß III. niederd. „Ochse“, in Ossenkop, Oßmeyer u. a.
Öschhey III. mhd. eschheie „Hüter der Feldflur,
Flurschütz“.
Osiander III. von einem fränkischen Schmiede Hosemann
abstammend und halb vergriecht, „so daß die Hose,
freilich ohne Asper, daran hängen blieb“ (Pott).
Ost-, Öst- s. Aust.
Oster-, Öster- s. Austar.
Oster III. vom Umstandsw. ahd. ôstar, mhd. ôster „ostwärts,
östlich“, in mannigfachen Zss.: Osterbrink; Osterbrauk (-
bruch); Osterkamp — Ostermeyer u. a.
Ostertag III. zu den Zeitnamen (s. Tag); vgl. Grav Friedrich
zolr der Ostertag 1315.
Ot-, Oth-, Ott-, Öt- s. Aud (V., einst. K.).

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OTHAL I. ahd. uodal, ôdhil „Erbgut; Heimat“. Vgl. Aud.
FN. Odalbreht: Ohlbrecht — Olbricht — Ölbracht —
Ulbrecht; Ulbricht; Ulber (Ulbermann). Gen.
Olbertz; Olbers — Ulpts (ostfries.).
Odalfried: Ulfert. Gen. Olfers — Ulffers.
Odalgar: Ölker. Gen. Öhlckers.
Odalgart: Ölgard; Ölgarte.
Odalhart: Ohlert — Ölhardt; Öhlert.
Uodalhari: Uhler — Ulherr. Gen. Öhlers — Öllers.
Odolleip: Olepp.
Odolland: Ohland — Uhland.
Uodalman: Öhlmann — Uhlmann — Ullmann.
Uodalmar: Ullmar.
Uodalrich: Olerich — Ölreich — Öllrich — Uhlrich
— Ulrich; Ullreich; Uldrich; Ullerich. Gen.
Öhlrichs — Ulrichs. Patr. A. Öhlerking.
Odalwin: Ohlwein — Ölwein.
Einstämmige Kürzung Othal-.
Udilo: Ule — Ühle. Gen. Uhlen.
Vklf. (i): Hochuli (schweiz.). (l): Ölke — Öllig —
Uhlig — Ullich. Gen. Uulkes (ostfries.). (z):
Uhlitzsch (Kgr. Sachsen) — Ultzsch. Gen.
Öltzen.
Zweistämmige Kürzung Othalm-,
Vklf. (k): Ulmcke.
Ottiliae I. Vklf. zu weibl. Oda (s. Aud) — Muttername
(Wernigerode 1880). Auch Ottilige — Odiliae. (Doch gibt
es auch einen O. Ottilia und mehrere Ö. St. Ottilien).
Ötz- s. Aud (einst. K.).
Overbeek III. niederd. „der oberhalb des Baches
Wohnende“ (s. Bach) — halb hochd. Oberbeck. Over =

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ober auch in Overberg, Overdieck; Overkamp, Overweg.
-ow III. in urspr. slawischen ON., die eigentlich
besitzanzeigende Eigenschaftswörter auf owy, owa, owo
sind, den von dem Namensträger gegründeten oder
besessenen Ort bezeichnend. So bildet sich von dem N.
Grab (Weißbuche) das Eigenschaftswort grabowy, -a, -o,
welches nun mit Ergänzung eines Hauptwortes wie was
(weibl.) = Dorf, mjesto (sächl.) = Stadt zum ON.
gestempelt wird, also Grabowa, Grabowo (= „der
Grab’sche Ort“), Viduchowa „der Widoch’sche Ort“ (vom
PN. Vidoch) — Formen, die sich in slawischen Gegenden
noch häufig finden, während in den schon länger
germanisierten Landschaften des nordöstlichen
Deutschland der Endvokal abgefallen und die Endung ow
(mit stummem w, das auch mitunter in der Schreibung
weggefallen, s. -o) herrschend geworden ist: Grabow,
Fiddichow.
Daher nun die vielen ON. — von Städten, Dörfern, auch
Flüssen, z. B. Warnow — auf ow, deren im östlichen
Deutschland Legion ist, und die fast ebenso große Fülle
der von ihnen entlehnten FN. auf ow (z. B. in Stolp im J.
1864 unter 1800 Namen über 50).
FN. Buckow (spr. Buko). Bütow. Grabow. Massow.
Passow. Quednow. Strippentow. Vangerow — nicht
minder viele Adels-N.: v. Below. v. Bülow. v.
Krockow. v. Lettow. v. Lützow. v. Massow.
Häufig finden sich kleine Abweichungen von den
bezüglichen ON.: Duchrow (O. Ducherow). Münchow (O.
Mönchow). Strölow (O. Strelow) — mitunter auch
bedeutendere wie Leitzow (O. Lewezow, welches im
Volksmunde in Leitzow zsgz. wird).
Ableitungen auf -er sind selten, da sich diese Endung nicht
bequem anfügt; nur in modern jüdischen N. wie
Bojanower (von Bojanowo) scheint sie sich zu finden.

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Häufiger sind Latinisierungen auf -ovius, aus der Zeit der
Renaissance stammend (S. 63): Ciborovius. Gregorovius.
Gusovius. Nicolovius — z. T. mit sehr wenig lateinischer
Schreibung: Bülowius. Wannowius.
Zuweilen ist das w abgefallen: v. Plotho (O. Alten-Plathow).
Calo. Floto.
Nicht selten ist die E. ow bei den ON. oder den daher
entlehnten FN. in au übergegangen, wodurch dem Namen
ein mehr deutsches Gepräge gegeben wird: Grabau, als
wäre es eine rein deutsche Zusammensetzung. So
entspricht der FN. Gumtau dem ON. Gumtow, Treptau
dem ON. Treptow, Bernigau dem ON. Bernickow,
Kahlbau vermutl. dem ON. Calebow; umgekehrt Nipkow
= dem ON. Nipkau, Calow dem ON. Kalau. Aus manchen
ON. sind auf diese Weise zwei FN. hervorgegangen, z. B.
aus ON. Lossow die FN. Lossow und Lossau, aus ON.
Gülzow die FN. Gülzow und Gülzau, aus ON. Bülow die
FN. v. Bülow und Bülau. Beide Endungen, ow und au,
wechseln eben außerordentlich leicht miteinander, und
früher verfuhr man noch willkürlicher darin. So wird im
Stolper KB. der fürstlich Croy’sche Rentmeister Vanselow
auch Vanselau genannt, z. B. im J. 1647, dagegen 1651
wieder Vanselow. In manchen Städtenamen sind diese
Endungen noch im Kampfe, z. B. Spandow und Spandau,
Prenzlow und -au; letztere sollten hier vorgezogen
werden, damit auch der Name dieser seit Jahrhunderten
deutschen Städte den deutschen Lautgesetzen entspreche.

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P.
Pabst III. mhd. bâbest aus griech. lat. papas.
FN. Pabst — Babst (S. 42).
Pach a) I. s. Bag b) III. bayr. in Pachmayr, -maier.
-pach, -pacher s. Bach.
Pächter III. neueren Verhältnissen entstammend, daher als
FN. sehr selten.
Padell s. Bad (einst. K.).
Päder s. Bad (V.).
Pagel s. Paulus.
Pagenhardt III. „Pferdehirt“ (aber auch ON.).
Pagenkopf III. „Pferdekopf“ (auch ON.).
Pagenstecher III. der die schlechten Pferde (niederd. Pagen)
absticht, „Abdecker“.
Pahde s. Bad (einst. K.).
Pahl a) s. Bald (einst. K.) b) „Pfahl“.
Pahnke III. slaw. Panek „kleiner Herr“.
-paintner s. Bünd.
Paldramus s. Bald (V.).
Pälegrimm s. Pilgrim.
Pallauf, Palmer s. Bald (V.).
Pammer s. Bad (V.).
Pancratius II. griech. der „Allherrschende“ (Kal. 12. Mai)
— Mamertus, P., Servatius die drei sogen. „strengen

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Herren“, welche die späten Frühlingsfröste bringen sollen.
FN. Pankratz; Pangrätz (Gottschee) — Pongratz —
(mit Kürzung im Anlaut): Craz, Kraatz (doch schon
ahd. ein Chrazo).
Vklf. (oberd.) Krätzel, latinis. Crecelius; (niederd.)
Kratzke (mit langem a).
Pand- s. Band.
Pankok(e) s. Pfannkuch.
Pann-, Pant-, Panz s. Band.
Pape s. a) I. Bad (zweist. K.) b) III. Pfaffe.
Papinga s. Bad (zweist. K.).
Papke s. a) I. Bad (zweist. K.) b) III. Pfaffe.
Päpke s. Bad (zweist. K.).
Pardiller III. romanisch-deutsch von pardill = pratello
„kleine Wiese“.
Parthey s. Ber (v.).
Parzer III. „einer aus Parz“ (ON. häufig in (Österr. ob der
Ens).
Zss. Grillparzer (O. Grillparz 3 mal in Ober-Österr.).
Steinparzer.
Pastor III. lat. „der Hirte; Pfarrer“. FN. Gen. Pastoors
(Kleve).
Paternoster III. = Paternostermeker „Verfertiger von
Rosenkränzen“ (Schütte), doch vgl. Heinr. Vaderunser
1565.
Pathe, Pät- s. Bad (einst. K.).
Patsch, Patz- s. Bad (einst. K.).
Pätsch s. Ber (einst. K.).
Pauck s. Baug.

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Pauel- s. Paulus.
Pauer s. Bauer.
Pauker III. mhd. pûkaere „Paukenschläger“.
FN. Paucker; mit Umlaut Peucker.
Paulus II. lat. „der Kleine“; St. Paulus, der Apostel. (Kal.
25. Jan., 29. 30. Juni.)
FN. Paulus; Paul (Paulmann). Gen. Pauli, Pauly —
Pauls; Pauels (ostfries.). Patr. A. Pauling — Pauler
(österreich.). Patr. Zss. Paulsohn; Paulson; Paulsen
— Pauelssen (ostfries.) — in demselben Sinne
Kleinpaul.
Zss. Paulmichl — Sentpaul (ON.). Zsgz. Pohl (Preuß
27).
Niederd. zerdehnt: Pagel — Pawel, Pavel (Pagel als
VN. im KB. z. B. Pagel Gustman 1692; Pagel
Dobrenze, sonst Paul Dobrantz — pawel glasenap
1518 Klemp.). Gen. Pagels — Pawels — Powels.
Vklf. Pawelke.
Paumann s. Baumann.
Paur s. Bauer.
Pausepack III. „Bausbacke“.
Pav-, Paw- s. Paulus.
Payer s. Baier. Auch in der Zss. Payrhuber.
Pecht- s. Beraht (V., einst. K.).
Ped- s. Petrus.
Pelkert s. Big.
Peilert s. Bil.
Peldram s. Bald (V.).
Pelikan III. zeichnet sich nach dem Glauben des Altertums
(s. Aelian 3, 25) vor allen Vögeln durch die Liebe zu

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seinen Jungen aus, die er mit seinem Blut ernährt, und
wenn sie tot sind, zu neuem Leben erweckt. Daher in der
christlichen Mystik ein Bild für den Heiland.
Pelzer III. mhd. belzer „Pelzhändler“.
Pemmerl, Pendele s. Band.
Penke, Penneeke s. Berin (einst. K.).
Penning s. Pfennig.
Perdt III. niederd. pêrd „Pferd“.
FN. to Perdt (Rees), te Peerdt (Wesel) „zu Pferde“
(Gegensatz: Tovote).
-perg, -perger s. Berg.
Pering s. Ber (einst. K.).
Perl- s. Ber (V., einst. K.).
Pern- s. Born (V.).
Person s. Petrus.
Perthes, Pertsch, Pertz s. Ber (einst. K.).
Petersilje III. deutlicher Pflanzen-N., Petercilie 1300, 1587:
Petzerlei.
Pethke s. Bad (einst K.).
Petrus II. griech. „Fels, Felsenmann“, Übersetzung des
hebr. Kephas; St. Petrus, der Apostel, mit eigentlichem N.
Simon (Kal. 18. Jan., 29. Juni, 1. Aug.).
FN. Peter (Petermann) — Petter. Zss. Brüggenpeter.
Gen. (lat.) Petri, Petry — (deutsch) Peters — Petters
— Pieters (ostfries., vgl. holländ. Pieter). Patr. A.
Petering. Patr. Zss. Petersson; Peterssen; Peterson;
Petersen — niederd. Pedersen — vereinzelt
Petrikind.
Durch Zusammenziehung aus urspr. Pederson: Person;
Pierson — entstellt Persohn.

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Anderweitige Zss.: Kleinpeter. Großpeter (franz.
Grandpierre). Graupeter. Langpeter. — Petermeyer.
Petermichl.
Petter s. Petrus.
Petz- s. Ber (einst. K.).
Peucker s. Pauker.
Peukert s. Baug.
Peutler s. Beutler.
Peyer s. Baier.
Pfab s. Pfau.
Pfabian s. Fabianus.
Pfadenhauer s. Pfettenhauer.
Pfaffe III. ahd. pfaffo, mhd. pfaffe aus lat. papa der
„Geistliche“ und zwar „Weltpriester“, seelsorgender
Geistlicher im Gegensatze zu dem Klostergeistlichen und
dem Laien — erst bei Luther und Aventinus († 1534) in
verächtlichem Sinne. Den Übergang zum FN. weisen
Benennungen auf wie Wernher dictus Paffe 1284;
Heinrich des Pfaffen sun (Bacm.).
FN. Pfaff. Niederd. Pape; latinis. Papius. Vklf.
Pfäfflein. Papke (doch s. auch Bad).
Pfannenschmid III. s. Schmid (in Kolberg heißt eine ganze
Straße auf der Münder Vorstadt „Pfannschmieden“, weil
hier ehemals die Pfannen zum Salzsieden geschmiedet
wurden).
FN. Pfannenschmidt; verkürzt Pfannschmidt.
Pfannkuch III. s. Speisen S. 46. Niederd. Pankoke, vgl.
Pangkoke 1369 Braunschw.
Pfätchenhauer, Pfatten- s. Pfettenhauer.
Pfau III. ahd. phâwo, mhd. phâwe „Pfau“ aus lat. pavo.
(Otto dictus pavo 1300. Jörg Pfauenschwanz 15. Jh.)

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Auch Pfabe; Pfab — Pfob.
Pfauw s. Pfau.
Pfeffer III. eine Brühe zu Fleischspeisen, wegen der starken
Gewürze so genannt (jetzt noch „Hasenpfeffer“).
Pfeffersack III. der alte Spottname der Kaufleute. Niclas
pfeffersak 1419. (S. auch Goethes Götz, Akt 3, Sz. 1:
„Wenn ein Kaufmann einen Pfeffersack verliert“ usw.).
Pfeidler III. „Hemden, Kleider usw. feilhaltender Händler“
(vom mhd. pfeitel Hemd).
Pfeifer III. ahd. pfîfâri, mhd. pfîfaere, pfîfer.
FN. Pfeifer. Pfeiffer (Pfeuffer) — Pfyffer (schweiz.).
Niederd. Pieper, Piper. Gen. Piepers (niederrhein.).
Pfeilschifter s. Pfeilsticker.
Pfeilsticker III. „der die Stecken für die Pfeile macht“.
FN. Pfeilsticker; Pfeilstöcker. Niederd. Pielsticker.
Auch Pfeilschifter (von Schaft, s. Marb. Verz. der
Gewerbe).
Pfennig III. s. Münznamen S. 45, ahd. phantinc (von phant
Pfand), mhd. pfenninc „Pfennig“ (doch häufig in
allgemeinerer Bed. = Geld, Geldsumme, wie noch jetzt in
„Mutterpfennig“, „Sparpfennig“ u. a.).
FN. Pfennig; niederd. Penning — mit mehrfachen Zss.:
Barpfennig. Redepfennig. Weißpfennig.
Wucherpfennig mit seinem Gegenteil
Schimmelpfennig; Schimmelpfeng — niederd.
Schimmelpenninck.
Pfettenhauer III. der „die Querbalken eines Hauses zuhaut“
(Andresen).
Als FN. in mannigfachen FF.: Pfattenhauer —
Pfadenhauer — Pfotenhauer — Pfötkenhauer;
Pfötchenhauer — Fetkenheuer — Fittighauer.
Pfeuffer s. Pfeiffer.

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Pfingst III. zu den Zeitnamen.
Pfister s. Pistor.
Pflaumbaum III. „der beim Pflaumbaum Wohnende“. Doch
in einer Familie mißverständl. aus Plumbum, der
Latinisierung von Bley. (Andresen, Volksetymologie).
Niederd. Plumbohm.
Pfleiderer s. Pleitner.
Pflug III. vgl. Eberhardus dictus Pfluoc 1294. Zss.
Keilpflug. Stellpflug. Niederd. Ploog.
Pflüger III. niederd. Plöger — Pleuger.
Pförtner III. mhd. portenaere (mittellat. portenarius).
FN. Pförtner; bes. bemerkenswert Pförtner von der
Hölle, ein schlesisches Adelsgeschlecht. Niederd.
Pörtner.
Pfotenhauer, Pfötkenhauer s. Pfettenhauer.
Pfraumbaum III. „Pflaumbaum“ mhd. phrûmbaum (neben
pflûmboum) vom lat. prunus.
Pfretzschner III. „Kleinkrämer“ (südd.).
Pfuhl III. mhd. phuol aus lat. palus „Pfuhl“. In ON. seit dem
9. Jh., doch mehr vereinzelt; niederd. -pohl.
FN. Pfuhl. Lehmpfuhl. Niederd. Gausepohl.
Hundepohl. Kranepohl. Otterpohl. Cattepoel.
Pfurtscheller III. (romanisch-deutsch) „einer von
Fortschella“ (Berggabel, Joch).
Pfyffer s. Pfeifer.
Philippus II. griech. „Roßfreund“; St. Philippus a) der
Apostel b) der Almosenpfleger Apostelg. 6, 5. 8, 26 ff.
FN. Philipp, Filipp (österr.). Gen. (lat.) Philippi —
(deutsch) Philippen; Philipps; Phillips (wo das s
jedoch auch vom Nom. herrühren kann, vgl. philipps
Sunnenberch 1490 Klemp.). Patr. Zss. Philippsen;

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Philippsohn; -son (die beiden letzten jüngere
Neubildung, jüdisch).
Mit Kürzung im Anlaut: Lippus; Lipps, Lips (so redet
z. B. Johann von Leyden in einem Schreiben den
Landgrafen Philipp von Hessen „myn lewe Lips“
an).
Pichler, -pichler s. Bühel.
Pichlmaier III. „der Meier auf dem Bühel“ (s. Bühel und
Meier).
Pick- s. Big (V., einst. K.).
Piel- s. Bil (V., einst. K.).
-piel s. Bühel.
Pielsticker s. Pfeilsticker.
Piepe III. „Röhrbrunnen“. In FN. wie Piepenbrinck, -brock.
Pieper s. Pfeifer.
Pierson, Pieters s. Petrus.
Pigge s. Big (einst. K.).
Pigler s. Bühl.
Pilartz s. Bil.
Pilger, Pilgram s. a) I. Bil (V.) b) III. Pilgrim.
Pilgrim III. mhd. bilgerîn aus lat. peregrinus. Schon 1245:
Peregrinus.
FN. Pilgrim — Pälegrimm; auch Pilgram. — Pilger.
Das mhd. b noch in Billger, (schwäb.) Bilgeri (doch
s. auch Bil).
Pill- s. Bil (V., einst. K.).
Pilz, Pilzing s. Bil (einst. K.).
Pinder, Pinter s. Binder.
Pinkepank III. Spottname f. einen „Schmied“.

Page 495

Pirkmayr III. (südd.) „Birkm.“.
Pischof s. Bischof.
Pistor III. Latinisierung für Becker (schon 1340 im Gött.
UB. als FN.); verlängert Pistorius, wovon der Gen.
Pistory. Wieder umgedeutscht Pister, Pfister; Pfisterer
(südd.); Pfistner (bad.). Gen. Pisters.
Pittner s. Büttner.
Plagge III. zur Düngung abgeschaufeltes „Rasenstück“. FN.
Plaggemeyer.
Planck s. Blank.
Plaß s. Blasius.
Plater, Platner III. a) mhd. blatenaere, platner „Verfertiger
der blate“, einer Schutzwaffe, die vor der Brust über der
halsperge getragen wurde (vgl. „Platnergasse“ in Prag) b)
„Pfaffe“ von der Tonsur.
FN. Plater. — Platner; Plattner, auch Blattner. Mit
Umlaut: Plettner (Klempin: pletener =
harnischmester) — Plöttner (Koch, Saalfelder FN.).
Platter III. „Mein Vater hieß Antoni Platter, von dem alten
Geschlecht der Platter. Die haben ihren N. von einem
Hause auf einer breiten Platte, d. i. ein Felsen auf einem
gar hohen Berg bei dem Dorfe Grenchen.“ (Thom.
Platters Leben S. 14).
Platzfuß III. „Plattfuß“ (S. 50); niederd. Plattfaut; Platvoet.
Pleitner III. „der die Bleiden d. i. Wurfmaschinen (mhd.
blîde) bedient“. Auch Pfleiderer.
Plettner s. Plater.
Pleuger, Plöger s. Pflüger.
Plitt s. Blid.
Plogstert III. (Lippe) „Pflugsterz“.

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Plönnies s. Apollonius.
Plotho III. Freiherr v. Pl. — Stammsitz Alten-Plathow, Kr.
Jerichow in Brandenb. (Adelslex.).
Plüm- s. Blom.
Plumbohm III. s. Pflaumbaum. Plummeyer.
Pobel s. Bod (zweist. K.).
Poddig s. Bod (einst. K.).
Pogge III. niederd. „Frosch“ (Padde), vgl. ON. Poggendorf,
Poggenkrug; Paddewisch.
FN. Pogge. Poggenmeyer.
Pogner s. Bogner.
Pohl III. niederd. „Pfuhl“ — in Zss. wie Pohlkamp;
Pohlmeyer; Pohlschröder — Gausepohl s. auch Pfuhl.
Dagegen der einfache N. Pohl wohl meist zu Paulus (Preuß
27 — doch s. auch Bald).

Pohland III. älterer N. für „Polen“. Polland.
Pohse s. Bos.
Pointner s. Bünd.
Poll- s. Bald (V., einst. K.).
Pollack III. ein „Pole“. Auch Polack.
Pollender III. ein „Pole“, von Poland = Polen.
Poltrock s. Bald (V.).
Polz, Pölzl s. Bald (einst. K.).
Polzer III. (österr.) „Verfertiger von Bolzen“.
Pomme s. Bod (zweist. K.).
Pommerenke III. (Pommeränecke 1681) ein „alter,
ehrlicher Pommer“ (Geisheim S. 78); wohl aus dem lat.
Pomeranus mit der niederd. Verkleinerungsendung.

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Nebenff. Pommrehn (Pommerene 1300); Pommerening;
Pomränig — Pommerienken (Gen., ostfries.). Der
Chemnitzer Rektor Hager sagt in seiner „Ausführlichen
Geographie“, Chemnitz 1747 T. II. S. 1058 von den
Einwohnern Pommerns: „Die Einwohner sind nunmehro
redliche Teutsche, nachdem die Wenden daraus vertrieben
worden sind. Der Vorwurf, welcher ihnen wegen der
Grobheit gemacht wird, rührt ohne Zweifel von ihren
Feinden her. Und wenn auch die Erzählung von einem
groben P o m m e r i n k e n wahr wäre, welchen den
Herzog Bogislaus dem Kayser Rudolpho II. auf Begehren
geschicket haben soll, so gereichet selbige den Pommern
nicht zum Nachtheile.“ Dagegen Pommerell „einer aus
Pommerellen“, Pomerania parva, dem Landstrich
zwischen Pommern u. der Weichsel.
Pomränig s. Pommerenke.
Pongratz s. Pancratius.
Pontnofer III. (romanisch-deutsch) „einer von punta nova“
(neue Brücke).
Pop- s. Bod (V., zweist. K.).
Popp-, Pöpp- s. Bod (zweist. K.).
Pörtner s. Pförtner.
Portugall III. Länder-N. — vielleicht auch von einem
Gasthofe („König von Portugal“) übertragen.
Pörzel s. Burg (einst. K.).
Pößl s. Bod (einst. K.).
Potel, Poten s. Bod (einst. K.).
Potgieter s. Pottgießer.
Pothe, Pott s. Bod (einst. K.).
Pöttcher s. Bötticher.
Pötter s. Töpfer.

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Pottgießer III. halbniederd. = „Topfgießer“ (der eiserne
Töpfe gießt).
FN. Pottgießer. Ganz niederd. Potgieter (vgl. Potgieter
1481 Köln. Univ.-Matr.); Pottgüter.
Pottke s. Bod (einst. K.).
Powels s. Paulus.
Pracht-, Prächt- s. Beraht (V., einst. K.).
Pramschiefer III. wie die ältere F. Pramschüver (KB.)
beweist, s. v. a. „Prahmschieber“, der einen Prahm
(großes, flaches Boot) auf dem Flusse schiebend
fortbewegt.
Pranckh, Prändl, Prantl, Prantz s. Brand.
Prätorius III. „Schulze“ in der Toga (Gottschalk Schultze,
lat. Abdias Praetorius, ausgezeichneter Pädagog des 16.
Jh.).
Praun s. a) I. Brun (einst. K.) b) III. Braun.
Precht s. Beraht (einst. K.).
Preiser s. Breiser.
Preister III. niederd. „Priester“.
Preiswerk III. früher Brysswerk „Schnurmacher,
Posamenter“ (s. Breiser).
Prenner s. Brenner.
Prentzel s. Brand.
Preser s. Breiser.
Preuß III. „ein Preuße“. Auch Prüßmann.
Priester III. aus griech.-lat. presbyter. (Vgl. franz. Leprêtre).
Niederd. Preister.
Probst III. aus lat. propositus. Auch Kornprobst findet sich,
entstellt Kornbrust (wie „wainprobst“ = tafernär) Bacm.

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Patr. A. Pröbsting (westf.).
Pröhle, Propping, Prott- s. Brord.
Pruck-, Prugg- s. Brück.
Pruckner, Prückner s. Brück.
Prummer s. Brun.
-prunn s. Brunn.
Prunner s. a) I. Brun b) III. Brunn.
Pucher s. Bucher.
Püchler s. Bühl.
Puchner III. „einer aus Puchen“ (Buchen).
Pückler s. Böckler.
Puff- s. Bod (zweist. K.).
Pühler s. Bühl.
Pupp- s. Bod (zweist. K.).
-purg s. Burg III.
Purgold s. Burg I. (V.).
Purgstall s. Burgstall.
Purk-, Pürkerth s. Burg (V.).
Putsche s. Bod (einst. K.).
Puttfarken III. niederd. „Pfützenferkel“ (?) von altniederd.
pute Pfütze (aus lat. puteus) und Farken.
Puttkamer III. von P. eine der ältesten Adelsfamilien in
Ostpommern, deren N. nach Angabe des pommerischen
Wappenbuches daher stammt, daß ein Familienglied in
Polen das Amt eines Podkomorzy „Unterkämmeriers“
(subcamerarius) führte. Dessen Nachkommen nannten
sich Podkomer. Puttkumer, Podkamer, dann wechselnd
Puttkamer und -kammer, bis 1859 auf dem

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Geschlechtstage von allen „Vettern“ beschlossen wurde,
sich übereinstimmend Puttkamer — mit e i n e m m — zu
schreiben (wodurch jedoch die Aussprache dieses Namens
= Puttkammer nicht berührt wird). Der N. findet sich
übrigens auch als bürgerlicher in beiden Schreibungen:
Puttkamer und Puttkammer.
Puttloff, Püttrich s. Bod (V.).
Puxbaum s. Buchsbaum.
Pyroldt s. Ber (V.).

Page 501

Q.
Quadejacob II. der „böse Jakob“ (s. Jacobus).
Quadflieg III. „böse Fliege“.
Qualbert s. Wald I. (Walbert). Qu statt w findet sich im
Altdeutschen öfter: Quolfwin, Quilibert = Wolfwin,
Wilibert.
Quandt, Quante, Quantz s. Wand I.
Quardocus II. aus Twardocus, der slawischen Übertragung
von Firminius.
FN. Quardocus; Quardux (Kassubei).
Quentel s. Wandal.
Quentzel s. Wand I.
Quercke, Quering s. War (einst. K.).
Querner s. Körner.
Querüber III. wohl von der Lage der Wohnung (Pott S.
271), wie auch v. Hinüber.
Quidde s. Wid (einst. K.) — doch schon 4. Jh. Quito.
Quin, Quincke s. Win (einst. K.).
Quist in schwedischen N. (S. 77), altnord. quistr „Zweig“.
FN. v. Lindequist (Rügen).
Quitt, Quittmann s. Wid (V.).

Page 502

R.
Raach s. Rag.
Raalt s. Rad (V.).
Raap s. Hraban.
Raatjes, Raatz s. Rad (einst. K.).
Rab- s. 1) Hraban 2) Rad (V.).
Rach- s. Rach — doch
Rachner s. Ragan.
Rack- s. 1) Rad (V.) 2) Rag.
Räcker s. Rad (V.).
RAD I. ahd. mhd. rât. altsächs. râd „Rat“. In EN. seit dem 5.
Jh. nachweislich.
FN. Radbald: Radebold — Rappold; Rappohl; Rappel
— Rabold; Rabehl; Rabel. Patr. A. Rappolder.
Radobert: Radber — Rappard — Rabert — Reppert.
Gen. Rabbertz.
Radigor: Radecker — Racker Redecker — Retger —
Räcker.
Radheri: Rader — Rather — Räder — Retter. Patr.
Zss. Reddersen.
Ratleib: Radleff — Rathlev. Gen. Redlefs; zsgz.
Reelfs.
Radleic: Radlach.
Radman: Rademann; Radmann — Rathmann —
Redemann; Redmann.

Page 503

Ratmar: Rahmer — Redmer — Rettmer. Gen.
Redmers.
Raderich: Raderick.
Radoald: Radewald — Rawald — Raalt.
Radwig: Reddewig.
Radulf: Radloff — Ralph — Rauff (Stark 138). Gen.
Rahlfs; Rahlwes — Rauls.
Einstämmige Kürzung Rad-.
Rado, Rato: Rade — Radde — Rathe — Ratte —
Räde — Räth — Redde. Gen. Raden — Rahts.
Patr. A. Rading — Rating — Reding.
Vklf. (i): Radi. (l): Radill; Radel — Rall — Rahl
— Rädel — Redtel. Patr. A. Redling. (k):
Radach; Radig; Radeck — Raticke; Rathke —
Rattich; Rattke; Rattje (Schleswig) — Redeke
— Räthke — Reddig — Rettke. Gen. Raatjes. (k
+ n): Rahtgen — Räthgen. Gen. Rathjens. (z)
Razo, Rezo: Ratz — Raaz — Ratsch — Reetz.
(z + l) Razili: Ratzel; Rassel — Retzel; Ressel.
(z + k) Raziko: Rätzke — Reetzke.
Auslautend (303 mal Först.), worunter viele weibliche
N.
-rath: Frorath (aus Frowirat).
-rad: Konrad.
-ert: Hartert (neben Hartrath).
Radde s. Rad (einst. K.).
Räd- s. Rad (V., einst. K.).
Rademacher III. „Stellmacher, Wagner“.
FN. Rademacher; Radmacher. Niederd. Rademaker.
Gen. Rademächers.
Raffensack III. Satz-N. „raff in den Sack“. Auch gekürzt
Raffsack. Vgl. Raffauf.

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RAG I. ursprünglichere Gestalt des Stammes Ragan.
FN. (Ragibrand): Rackebrandt.
Reguhard: Reckhard; Reckert.
Ragihar: Reger.
Ragadeus: Radey — Raddei — Ratthey.
Racold: Gen. Rachholtz; Rachals; Rachhals.
Einstämmige Kürzung Rag-.
Ragio, Raco, Recco: Ragg — Racko — Rake —
Rache — Raach — Recko; Recke — Rech.
Vklf. (l) Ragilo: Rackel — Rachel — Regele;
Regel — Reckel — Reihle. Patr. A. Regling —
Reckling — Reling — Railing. (l + n): Regelin.
Ragizo: Reitz (auch ON.).
RAGAN 1. got. ragin „Rat“, altnord. Plur. regin die
Ratschlagenden und Beschlußfassenden, die Götter — oft
zur bloßen Steigerung verwendet (s. Lübben S. 7 ff.).
FN. Raganbald: Rambold; Rammelt — Reinbold —
Reimbold; Reimolt; Reimelt — Rembold; Rempel;
Remmel.
Raginbreht: Regenbrecht — Reinbrecht; Reinbert —
Rennebarth — Reimert — Remmert; Remmer.
Gen. Reimerdes — Remmers. — Reemsema
(ostfries., vgl. VN. Reemt). Patr. A. Rainprechter.
Ragimbod (Regenbode VN. Akener
Schöffenbücher): Reinbothe; Reineboth; Reinbott.
Ragemprand: Rembrandt.
Raganfrid: Renfert — Rennefarth — Renfer — Refer
(Preuß 5).
Ragingar: Ranniger — Reiniger; Reinker — Renger.
Gen. Rengers.
Raginhart: Rahnert — Regenhard — Reinhard;
Reinert — Rienhardt; Rienth — Renard; Rehnert

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— Rennert. Gen. Rheinharz; Reinarz; Reinherz;
Reinders; Reints — Reents — Rieniets (ostfries.,
jeverl.). Patr. A. Reinerding — Reinharter (Wien).
Vklf. (k): Gen. Reintges (niederrhein.).
Raganhar: Rachner — Regener — Reiner
(Reinermann) — Renner. Gen. Reiners. Vklf. (l):
Reinerle.
Raginman: Reinemann — Reimann — Rennemann
— Rehmann.
Raginmar: Reinemer — Reimar; Reimer (als VN.
Reymer Mantzke 1453 Pomm. Urk.) — Remer.
Gen. Reimers — Remmers (Norderney).
Ragnemod: Reinmuth — Reimuth.
Raginmund: Reinemund; Reinmund — Raymund.
Raganrich: Rhenrich.
Raginscal(c): Reinschall.
Raginald: Reinwald; Reinwold; Reinold; Reinhold;
Reinelt; Reinel — Renelt. Gen. Reinals; Reinholtz
(umgedeutet aus Reinolds) — Reendels (ostfries.).
Patr. A. Reinalter.
Raginward: Reinwarth; Reinwerth.
Raganwin: Reinwein.
Einstämmige Kürzung Ragan-.
Raganus, Regino, Rano: Rahn — Regen — Reyne;
Rein — Rehn — Renno; Renn — Riehn. Gen.
Reinen — Rehnen — Rennen. Patr. A. Reining;
Reininga (ostfries.). Patr. Zss. Rahnsen —
Reensen — Rennsen.
Vklf. (l): Reindl. (k) Reinco: Reinecke; Reinke;
Reinick — Ränicke — Rehnich — Rennecke —
Renke — (Ranke Stark 71). Gen. Reinkens;
Reinken — Renken — Reinkena (ostfries.). Patr.
A. Reinking. (z) Reginzo, Renzo (Stark 75):

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Reinz; Reintzsch — Renz (Renzmann); Rensch
— Renneis. (k + n): Reinichen; Reinecken. (z +
l): Renzel.
Zweistämmige Kürzung Raginb-.
Rampo: Rambo — Rampe — Rampf — Ramm —
Rempe.
Zweistämmige Kürzung Raginm-.
Raimo: Reime — Rehm (latinis. Remus).
Ragg s. Rag.
Rahl- s. Rad (V., einst. K.).
Rahm- s. 1) Rad (V.) 2) Hraban.
Rahn- s. Ragan (V., einst. K.).
Raht- s. Rad (V., einst. K.).
Railing s. Rag.
Rain III. ahd. rain, mhd. rein „abgrenzender Bodenstreif“.
FN. Hohenrainer (O. -rain). Moosrainer. Nußrainer.
Rainprechter s. Ragan.
Rake s. Rag.
Rall s. Rad (einst. K.).
Ralph s. Rad (V.).
Ramb-, Ramp- s. Ragan (V., einst. K.).
Ramm- s. 1) Hraban 2) Ragan (V., zweist. K.).
Ramschüssel s. Reumschüssel.
RAND I. ahd. mhd. rant, Gen. randes „Schildrand, Schild“.
FN. Ranthar: Ranter — Renter.
Rantowic: Randwig — Rannewig.
Randulf: Randolf — Rondolf.
Einstämmige Kürzung Rando: Rand.

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Gen. Randa (ostfries.).
Verkleinert (l): Randel (k): Rentke. (z) Rantze;
Rantsch.
Auslautend 63 mal (Först.) -rand: Bertrand.
RANG I. zu ahd. ringen „ringen“, rang „Kampf“.
FN. Ranchar: Ranger — Rencker — Renger.
Einstämmige Kürzung Rang-.
Rence: Ranke; Ranck; Rang — Rencke; Renk.
Ranger s. 1) Ragan (V.) 2) Rang.
Ränicke s. Ragan (einst. K.).
Ranke s. 1) Ragan (einst. K.) 2) Rang.
Rann- s. 1) Ragan (V.) 2) Rand.
Rant-, Rantsch, Rantze s. Rand.
Rap- s. Rad (V.).
Rapp- s. 1) Rad (V.) 2) Hraban.
Rappsilber III. Satz-N. vom niederd. rapen „raffen,
rauben“. Altniederd. Rapesulver.
Rasmus s. Erasmus.
Rassel s. Rad (einst. K.).
Rath a) I. s. Rad (einst. K.) b) III. de Rath.
Rat-, Rath-, s. Rad (V., einst. K.).
-rath s. a) I. Rad b) III. Rode.
Räth- s. Rad (V., einst. K.).
Rathmann a) I. s. Rad (V.) b) III. mhd. râtman „Ratgeber“;
dann „Mitglied einer städtischen Ratsversammlung“.
Ratsch, Ratt-, Ratz-, Rätzke s. Rad (einst. K.).
Raub- s. Hrod (V.).

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Rauch- s. Hrod (zweist. K.).
Rauchfuß III. „rauher Fuß“, vom ahd. rûh, mhd. rûch rauh,
rauch, haarig.
Rauchhaupt III. „rauhes Haupt“ s. das vorhergehende.
Rauchkopf; halbniederd. Rukopf.
Räuchlin s. Hrod (zweist. K. Hrodg-.).
Räudel s. Hrod (einst. K.).
Rauff, Rauls s. Rad (V., Radulf).
Rauffenbarth III. Satz-N.
Raumer s. 1) Hrod (V.) 2) Hrom (V.).
Raumschüssel s. Reumschüssel.
Rauner s. Run.
Raup- s. Hrod (V., zweist. K.).
Räußel s. Hrod (einst. K.).
Raut- s. Hrod (V.).
Rautenkranz III. urspr. Haus-N. Auch Rautenstrauch.
Räuzel s. Hrod (einst. K.).
Rav- s. Hraban.
Rawald s. Rad (V.).
Raymund s. Ragan (V.).
Rebbe s. Ric (zweist. K.).
Rebstock III. Haus-N. „zum Rebstock“ (S. 60 f.) auch bei
Gasthöfen.
Rech-, Reck- s. 1) Rag 2) Ric (V.).
Reckefuß III. Satz-N. vgl. Streckfuß.
Red- s. Rad (V., einst. K.).

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Redepfennig III. „bereiter, barer Pfennig“. Niederd.
Redepenning. Vgl. niederd. Redegeld (FN. Redegeld) und
Bretgeld; „mit redem gelde“ (Klemp. S. 510).
Reemsema s. Ragan (Raginbreht).
Reen- s. Ragan (V., einst. K.).
Reetz- s. Rad (einst. K.).
Ref- s. 1) Rich (V.) 2) Ragan (V.).
Regel-, Reger s. Rag.
Regen- s. Ragan (V., einst. K.).
Regenbogen III. schon N. eines Meistersängers.
Regenfuß III. Satz-N. „rege den Fuß“.
Regiomontanus III. Latinisierung für „Königsberger“ —
Joh. Müller aus Königsberg in Franken, berühmter
Mathematiker und Astronom, gest. 1476.
Regling s. Rag.
Rehbein III. wohl von der Schlankheit und Zierlichkeit, wie
auch Rehfues. Andere Zss. mit Reh sind: Rehbock (engl.
Roebuck). Rehkalf (niederd.). Rehkopf. Rehlamb. Rehfell.
Rehbinder III. „der das Riedgras od. Schilfrohr (niederd.
rêt) zum Verkauf in Bunde bindet“.
Rehdantz III. Satz-S. aus älterem Regedanz „rege den Tanz
an“. Vgl. Hebetanz, Rördanz.
Rehm- s. Ragan (V., zweist. K.).
Rehn- s. Ragan (einst. K.).
Rei s. Ric (einst. K.).
Reib- s. Ric (V., zweist. K.).
Reich- s. Ric (V., einst. K.).
Reicke s. a) Ric (V., einst. K.) b) III. „der Reiche“. Johann
de Ryke (Lipp. Reg.).

Page 510

Reidel s. Rid.
Reif- s. Ric (V.).
Reig- s. Ric (V., einst. K.).
Reil s. Ric (einst. K.).
Reim- s. 1) Ragan (V., zweist. K.) 2) Ric (V.) (doch
Reimschüssel s. Reum-).
Rein- s. Ragan (V., einst. K.).
Reinganum III. O. Rheingönheim.
Reip- s. Rich (V., zweist. K.).
Reis s. Ris.
Reiter III. 1) ahd. rîtâri, mhd. rîter.
FN. Reiter; de Reyter (Aurich). Niederd. Ryder. Zss.
Kielreiter (doch s. Reut). 2) s. Reut.
Reitgeld III. „bereites d. i. bares Geld“ (s. Redepfennig).
Reith, -reither s. Reut.
Reitz s. Rag.
Rekate, Rekelofs s. Ric. (V.)
Reling s. Rag.
Remer, Remb-, Remm- s. Ragan (V.).
Remp- s. Ragan (V., zweist. K.).
Renard, Renelt, Renf- s. Ragan (V.).
Renger s. 1) Ragan (V.) 2) Rang.
Renk- s. 1) Ragan (einst. K.) 2) Rang.
Renn- s. Ragan (V., einst. K.).
Rennebohm III. mittelniederd. Rennebom „Schlagbaum“
(Lübben, Etwas über niederdeutsche FN.).

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Renner III. mhd. rennaere „Rennbube“, der die Pferde zu
besorgen hat; oft = Bote, vgl. Klemp. „ronner“ (doch s.
auch Raginhart).
Rensch s. Ragan (einst. K.).
Rent- s. Rand.
Renz s. Ragan (einst. K.).
Reppert s. Rad (V.).
Repschläger III. niederd. Reifschläger, d. i. „Seiler“ — von
got. raip, ahd. mhd. reif, niederd. rêp Seil; Faßreif, Ring.
Requard s. Ric (V.).
Ressel s. Rad (einst. K.).
Reth III. ahd. hriot „Sumpfgras“ s. Ried.
FN. Rethfeld. Rethmeyer. Rethwisch.
Ret-, Rett- s. Rad (V., einst. K.).
Retzel s. Rad (einst. K.).
Reuleke s. Hrod (einst. K.).
Reumschüssel III. Satz-N. „räume die Schüssel“, von einem
tüchtigen Esser (Godefredus dict. Rumskottele. 1178
Köln). Vgl. die alten N. Rumekiste; Rumenkasten;
Rumzlant und Rumelant (zwei Dichter des 13. Jh.). —
Rumenap (-pf); Raumsattel; Raumtaschen.
FN. Raumschüssel; Reumschüssel — entstellt
Reimschüssel; Ramschüssel. Niederdeutsch
Rumschöttel.
Reut III. vom ahd. riuti „durch Reuten urbar gemachtes
Land“ (lat. novale), welches seit dem 8. Jh. sehr viele ON.
bildet. Die neueren Bildungen (südd.) endigen teils auf -
reut, woraus durch schlechtere Aussprache mehrfach -reit
geworden, teils auf -ried.
FN. 1) Bärenreuth. von Kalkreuth (O.
Kalkreuth in Schlesien). von

Page 512

Gravenreuth.
2) Reith. Herbstreith.
3) Rieth. Autenrieth (O. Autenried) u. a, s.
Ried.
Ableitung auf -er (oberd.):
1) -reuter (in Baden, Württemberg, Bayern,
Österreich, bes. auch unter den
salzburgischen N. s. Beheim-Schwarzbach,
Hohenzollersche Kolonisationen S. 523
ff.): Reuther. Beyreuther (O. Baireuth).
Hinterreuter. Kannreuther. Kuchenreuter.
Langreuter. Neureuther. Niederreuther.
Oberreuther. Pfützenreuter (Pott).
Vogelreuter. Hochroithner (O. -roith u. -
reithen).
Greuter, Grüter (ON. Greuth aus
Gereut, woher die schweiz. Vklf. Grütli,
Rütli, s. Schillers Tell: „Das Rütli heißt sie
bei dem Volk der Hirten, weil dort die
Waldung a u s g e r e u t e t ward“).
2) -reiter: Reither. Greither. Buchreiter.
Daffenreither. Hochreiter. Markreither.
Neureiter. Niederreiter. Oberreiter.
Abstreiter, entstellt aus Abtsreuther
(Steub). Dagegen Margreiter von dem O.
Margreit.
3) -rieder s. Ried.
Mitunter finden sich in demselben N. alle
drei Formen: Bernreuther, -reither, -rieder
Frauenreuter, -reiter, -rieder.
Reuter III. 1) mhd. riutaere „Ausreuter“, der Land urbar
macht 2) vom Rhein her eingedrungen aus
mittelniederländ. ruiter — wohl aus mittellat. ruptarius,
rutêrus, von rupta Abteilung eines Heeres (Rotte) —
„Wegelagerer, Räuber“, woraus sich, da diese Leute

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häufig zu Pferde waren, die Bed. „Krieger zu Pferde“
entwickelte.
FN. Reuter. Die Zss. gehören sicher ihrem allergrößten
Teile nach zu dem vorhergehenden Worte; nur
Kutschenreuter dürfte hierher zu stellen sein.
Niederd. Rüter, Rüther; auch noch Ruiter, Ruyter in
holländischer Schreibung (Freren, Lingen — man
denke an den Admiral de Ruyter). Gen. Rüters
(niederrhein.) — Reuters (Aachen).
Reutsch s. Hrod (einst. K.).
Reyn- s. Ragan (V., einst. K.).
Rheinharz, Rhenrich s. Ragan (V.).
Rhode s. Hrod (einst. K.).
Rib- s. Ric (V., zweist. K.).
RIC I. got. reiks. ahd. rîchi, mhd. rîche „mächtig“ (vgl. lat.
rex, rego und das deutsche Hauptwort Reich); „reich“. In
PN. einer der häufigsten und der frühesten Stämme, schon
im 1. Jh. vor Chr. bei lat. und griech. Schriftstellern in
germanischen sowohl als keltischen N. sich findend:
Theudoricus — Caesarix.
FN. Ricbald: Riebold; Riebel; Ribet — Rippold; Rippel
— Reibold; Reibel.
Ricbraht: Rieprecht; Riepert; Rieper; Rieber —
Ribbert — Reiprecht; Reibert; Reiber. Gen.
Ripperts — Ribberda u. Ripperda (ostfries.) —
Reibers.
Ricfrid: Riffert; Riffarth — Refert; Refardt —
Reiffert; Reifarth; Reiffer. Gen. Reifers.
Richaid: Richey (1544: Richeit = Richheit).
Ricohard: Richard; Richert; zsgz. Richt (ostfries.
VN. Richt = Richard) — Riegert — Rickert —
Ritschard; Ritscher; Ritsert — Reichard; Reichert.
Gen. Richartz — Rigts u. Richten (ostfries.) —

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Reichartz; Reicherz — Reckerts. Patr. Zss.
Richardsen.
Richari (m. Ricger zusammenfließend): Riecker
(Rieckermann); Rieckheer — Riegger — Rieger
— Rickher; Riecker — Reicher — Reiger. Gen.
Riechers — Richers — Rickers.
Richhelm: Reichhelm.
Ricman: Rieckmann — Rickmann — Riemann —
Reichmann — Reimann.
Ricmar: Reimer (doch s. auch Raginmar). Gen.
Rickmers.
Rihmot: Reichmuth.
Ricoald: Riewaldt; Riewold — Riekelt — Rigal —
Reichwald; Reichold; Reichelt; Reichhold. Gen.
Rickelts — Reichholtz. Patr. Zss. Richelsen.
Ricward: Rickwardt — Requardt — Rekate (Preuß
7). Gen. Riquards — Requards.
Richowin: Richwien; Richwein — Reichwein.
Riculf: Rikoff, umgedeutet Riekhof — Rieloff. Gen.
Rickelfs — Rekelofs.
Einstämmige Kürzung Ric-.
Rico: Rigo (Borken) — Riecke — Ricke — Rieche
— Rich — Reicke — Reiche; Reich — Rei. Gen.
Rieken — Ricks; Ricken; Rickens — Rickena und
Rykena (ostfries.) Reichs Patr. A. Reiching.
Vklf. (l): Riechel (Riechelmann) — Riegel —
Reichel; Reichle — Reigel — Reil. Gen.
Riegels. Patr. A. Reichling. (l + n): Reichlin. (z)
Richizo, Rizo: Rietsch — Ritze; Riss. (z + k):
Rietschke — Ritzchen. (z + l): Rietschel —
Ritzel; Rissel; Ritschl. Patr. A. Ritzler.
Zweistämmige Kürzung Ricb-,

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Ribo, Rippo (Stark 114): Riebe — Ribbe — Rippe —
Reibe — Rebbe. Gen. Rieben — Riepen — Rippen
— Reipen — Riepena (ostfries.). Patr. A. Ripping.
Vklf. (l): Riebel — Riepl. (k): Riebicke — Ripke.
Gen. Riepkes — Ripken — Reibchen.
Auslautend -ric sehr häufig (254 mal Först., fast
ausnahmslos männlich); daher schon in Namen
seiner Bed. nach sehr verflüchtigt und im Nhd. zu
einer bloßen, das männliche Geschlecht
bezeichnenden Endung herabgesunken (Wüterich,
Täuberich u. a.).
-rich: Dietrich.
-rick: Lörick. Gen. -rix: Derix.
-reich: Dietreich.
-rei (rey): Krumrey.
Rich- s. Ric (V., einst. K.).
Richter III. ahd. rihtâri, mhd. rihtaere.
FN. Richter (sehr häufig, s. S. 43). Zss. Altrichter.
Bauerrichter. Hofrichter; Hofferichter. Jungrichter.
(-richt auch in ON. des nördlichen Bayern). Gen.
Richters (niederrhein.). Patr. A. Richtering.
Rick- s. Ric (V., einst. K.).
RID I. wohl zu nord. rîda, ahd. rîtan „reiten“.
FN. Ridperaht: Reiprecht. (Ridrich): Riedrich.
Einstämmige Kürzung Rid-.
Rido: Ried (Riedemann). Patr. A. Rieding.
Vklf. (l): Riedel; Riedl — Reidel.
Auslautend Bithurid: Piderit.
Ridder s. Ritter.
Rieb- s. Ric (V., zweist. K.).
Riech- s. Ric (V., einst. K.).

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Rieck- s. Ric (V., einst. K.).
Ried III. in ON. 1) ahd. hriot „Ried, Sumpfgras“, damit
bewachsener Ort 2) ahd. riuti, mhd. riute durch Reuten
urbar gemachtes Land; bayrisch Ried = novale und rieden
= reuten (s. -reut). Die Scheidung ist bei der Menge
hierher gehörender ON. schwer.
FN. Ried. Autenrieth. Osterrieth. Schmalzried.
Ableitung auf -er (oberd.): Rieder. Bernrieder.
Ellenrieder. Oppenrieder. Osterrieder (O.
Osterried); auch Osterritter. Westenrieder (O.
Westerried). — Riedkötter.
Ried- s. Rid.
Riedel s. 1) I. Hrod (einst. K.) 2) Rid.
Riedesel III. nach Vilmar „Reitesel“ ahd. rîtesel, was
bestätigt wird durch das urkundliche her herman Reitesel,
Egkhart Rietesel 15. Jh. (Bacm.).
Rieg-, Riek- s. Ric (V., einst. K.).
Riehn s. Ragan (einst. K.).
Rieloff, Riemann s. Ric (V.).
Riemer III. „Sattler“ (doch hin und wieder vielleicht zu ahd.
Rimheri oder Ricmar).
In derselben Bedeut. Riemenschneider; Riemschneider.

Rien- s. Ragan (V.).
Rienäcker s. Ecke III.
Riep- s. Ric (V., zweist. K.).
Ries- s. Ris.
Riese III. der „Riese“. FN. Riese; Ries; de Ries (ostfries.).
Doch findet sich auch schon ahd. Riso 9. Jh.
Rieth, -rieth s. Ried.

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Rietsch- s. Ric (einst. K.).
Riew-, Riff- s. Ric (V.).
Rig- s. Ric (V., einst. K.).
Rikoff s. Ric (V.).
Rindsmaul III. österreich. Grafengeschlecht, vgl. Alb.
Rindismul 1219, Alber der Rindsmaul 1317.
Ring-, Rink- s. Hring.
Rinniusland III. Satz-N. „renne ins Land“ (= Landfahrer).
Rip- s. Ric (V., zweist. K.).
Riquards s. Ric (V.).
RIS I. ahd. riso „Riese“. Risulf.
Einstämmige Kürzung Ris-.
FN. Riso: Riese; Ries — Reis. Gen. Riesen. Patr. A.
Rising: Reising.
Riss- s. Ric (einst. K.).
Ritsch- s. Ric (V., einst. K.).
Ritsert s. Ric (V.).
Ritter III. ahd. rîtâri, mhd. rîtaere, rîter, daneben riter, ritter,
urspr. allgemein „Reiter“; nachdem aber die Veränderung
des Kriegswesens seit dem 10. Jh. einen besonderen Stand
vornehmer Krieger zu Roß hervorgerufen hatte, den
Ritterstand, diente das Wort hauptsächlich zu dessen
Bezeichnung = „adeliger Streiter zu Pferde“.
FN. Ritter. Gen. Ritters. Zss. Kleinritter (doch liegt hier
wie bei andern Zss. mit -ritter vielleicht eine
Ableitung von -ried vor, = rieder s. Ried, Osterritter).
Niederd. Ridder. Gen. Ridders.
Die Form Reiter, die sich ebenfalls aus mhd. rîter entwickelt
hat, ist als FN. selten.

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Ritz s. Ric (einst. K.).
Rob-, Röb- s. Hrod (V., zweist. K.).
Röbe III. niederd. „Rübe“, in Röbekamp.
Roch- s. Hroc (V., einst. K.).
Rock III. in mannigfachen Zss.: Blaurock. Buntrock.
Graurock (Gött. UB. I.: Grawerok 1383). Halbrock.
Kurzrock. Langrock. Leibrock. Padrock (Pfaidrock,
linnener Überwurf). Schönrock. Wittrock (niederd. =
Weißrock).
Da im Altdeutschen Hroc als zweites Glied der Zss.
verwendet wird (22 mal Först.), so werden Spuren davon
auch in neueren Namen noch zu finden sein, z. B.
Poltrock; auch für Wittrock findet sich schon ad. Witroch
8.

Rock-, Röck- s. 1) Hroc 2) Hrod (einst. K.).
Rod-, Röd- s. Hrod (V., einst. K.).
Rode s. a) I. Hrod (einst. K.) b) III. Rothe.
Rode III. in ON. zu „roden“ (reuten), wozu ein paar hundert
alte Namen seit dem 8. Jh. und unzählige neuere auf -
rode, -roda, -rod gehören. In Niederdeutschland tritt für o
ein a ein: -rade, -rath.
FN. von Roden (von deme Rode Gött. UB. I. im J. 1377
— latinis. de Novali 1388). von Dachröden (O.
Dachröden jetzt Dachrieden bei Mühlhausen).
Zss. 1) -rode: Benterode. Mauderode.
Minnigerode (O. Mingerode Hannov.).
v. Nesselrode. Osterode. v.
Wintzingerode — Neuroda.
Gewöhnlich gekürzt in:
2) -roth (Thüringen, Hessen), auch wenn
der ON. -rode hat: Billroth (O.

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Billroda). Germeroth (O. -rode).
Hitzeroth -rode). v. Siegroth.
3) -rodt: Bleichrodt (O. Bleicherode).
Eichrodt. Elligerodt (O. Elligerode).
Güntherodt (O. -rod und -rode).
Mackenroth und Mackrodt. v.
Mallinckrodt. Wilgerodt (O.
Wilkenrath).
4) -rott: Aschrott (O. Ascherode).
Hütterott (Hüttenrode). Pfafferott.
5) -rath (in Rheinpreußen): Beckerath
(O. Beckrath). Bellingrath.
Blumenrath. Herkenrath. Hilberath.
Herzogenrath. Lückerath. Owerath.
Paffrath. Wallrath. Wingerath. Selbst
Bergrath (Dorf im Rgb. Aachen),
Baurath (neben Bauroth, Hessen),
Bankrath.
Ableitung auf -er (oberd.):
1) -röder: Allmenröder. Blumenröder;
Blumröder (O. Blumerode und
Blumroda, alt Blumenroda).
Hergenröder (O. Hergenrod).
Sachsenröder.
2) -röther: Hergenröther.
-röder, -rodt s. Rode III.
Roel- s. Hrod (V., einst. K.).
Rog-, Rög- s. Hrod (V., zweist. K.).
Rogg- s. 1) Hroc 2) Hrod (V., zweist. K.).
Roh s. Hroc.
Rohd- s. Hrod (V., einst. K.).
Rohenkohl s. Hroc (V., Rochold).

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Rohl- s. Hrod (V.).
Röhl- s. Hrod (einst. K.).
Rohm- s. 1) Hrod (V.) 2) Hrom.
Röhm- s. Hrom.
Rohn- s. Run.
Röhr-, Roht-, Rohw- s. Hrod (V.).
Rokohl s. Hroc (V.).
Rol- s. Hrod (V., einst. K.).
Rolfus, Rollfuß s. Fuß b)
Röll- s. Hrod (einst. K.).
Rom- s. 1) Hrod (V.) 2) Hrom.
Röm-, Romm- s. Hrom.
Ron-, Rön- s. Run.
Rondolf s. Rand.
Roos s. Hrod (einst. K.).
Röp- s. Hrod (V., zweist. K.).
Ropp- s. Hrod (V.).
Rördanz III. Satz-N. „rühre den Tanz“ d. i. hebe den Tanz
an. Vgl. Hebetanz, Schickedanz.
Rorich s. Hrod (V.).
Ros-, Rös- s. Hrod (einst. K.).
Rose a) I. s. Hrod (einst. K. Rozo) b) III. s. das Folgende.
Rose III. die Königin der Blumen, in alter wie neuer Zeit
beliebt; dann Sinnbild der Schönheit und der Liebe —
gern zum Abzeichen (Hauszeichen S. 60) gewählt, bes. in
der ritterlichen Heraldik (meist die rote Rose).

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In vielen Zss.: Rosenblatt. Rosenblüt (schon unter den
Meistersingern ein Hans Rosenplüt). Rosenbaum.
Rosenkrantz (auch ON.). Rosenstengel. v. Rosenstern
(Rose und Stern im Wappen verbunden). Rosenstiel.
Rosenstock (S. 61). Rosenstrauch. Rosenzweig.
Mayrose. In vielen ON.: Rosenbach, -berg, -hain, -thal u. a.

Rosen III. Ballhorn, Erzieher lippischer Prinzen, erhielt statt
dieses Namens, der ihm unangenehme Spöttereien zuzog,
im Hinblick auf die Rose im lippischen Wappen den N.
Ballhorn-Rosen, und seine Söhne, die bekannten
Orientalisten, ließen den urspr. N. ganz fort und nannten
sich einfach: Rosen (Pott, S. 661).
Rosen- s. Rose III.
Rosenbaum III. mhd. rôseboum „Rosenstock“. — Auch
Haus-N. (in Straßburg zwei Häuser „zu dem Rosenbaum“
1225) u. ON. Niederd. Rosenboom.
Rosenplenter III. niederd. = „Rosenpflanzer“.
Rosenstengel III., auch Rosenstingl (Wien).
Rosentreter III. (bei Klemp. Rosentreder) „der auf Rosen
wandelt“. Auch Rosentritt.
Roß a) I. Horsa 5 (Roß) b) III. Roß (als Hauszeichen, wie
namentlich bei Gastwirten).
Roßdeutscher s. Roßtäuscher.
Rossel, Rössel s. Hors.
Roßtäuscher III. mhd. rostûschaere der „Roßhändler“, von
tûschen, tauschen (womit freilich gerade hier oft auch ein
„täuschen“ verbunden ist) vgl. „Roßtauscher“ im
Marburger Gewerbe-Verz., auch „Täuscher“, Schiller,
Pegasus im Joche.
FN. Roßteuscher — (wegen des üblen Anklanges)
entstellt in Roßteutscher; Roßdeutscher.

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Rost-, Röstel s. Rust.
Rötgers s. Hrod (V.).
Roth s. a) I. Hrod (V., einst. K.) b) III. Rothe.
-roth s. Rode.
Röth- s. Hrod (einst. K.).
Rothbarth III. Zss. mit Bart, vgl. Friedrich Barbarossa
(kann aber in manchen Fällen auch = Hrodebert sein).
Rothe III. nach der Farbe des Haares, s. Fuchs. Heinrich der
Rothe 1263.
-röther s. Rode.
Rothermel III. zu den von der Kleidung entlehnten N. (S.
46). Desgl. Rothkäppel.
Rothmaler III. „der die roten und überhaupt die bunten
Anfangsbuchstaben in Handschriften anfertigte“, lat.
rubricator (Rubrik), illuminator.
Rothschuh III. Schuh aus feinem rotem Leder (Corduan) —
bei reichen Leuten beliebt (Weinhold, Deutsche Frauen II,
265).
Rotsch, Rötsch, Rott-, Rotz, Rözel s. Hrod (einst. K.).
Röve niederd. Rübe-, in Rövekamp; Röwekamp.
Rovers, Röve s. Hrod (zweist. K.).
Rub- s. Hrod (V., zweist. K.)
Rübig s. Hrod (zweist. K.).
Rübsamen III. deutlicher N. aus dem Pflanzenreich. Auch
Rübesam.
Rubl s. Hrod (zweist. K.).
Ruck- s. Hrod (V., einst. K.).
Rück- s. 1) Hroc 2) Hrod (V., einst. K.).

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Rück III. ahd. hrukki, mhd. rücke „Rücken“,
1) in Zss. wie: Breitruck. Weißrück —
2) in ON. wie Geisruck, Ziegenrück.
FN. Baumruck. Harruck.
Ableitung auf -er (oberd.):
Baumrucker. Buchrucker. Harrucker. Steinrucker.
Rud-, Rüd-, Rüed- s. Hrod (V., einst. K.).
Ruf- s. Hrod (V., zweist. K.).
Rüffert s. Hrod (V.).
Rug-, Rüg- s. 1) Hroc 2) Hrod (V., zweist. K.).
Ruhe, Rühe s. Hroc.
Ruhfuß s. Rauchfuß.
Ruhkopf III. halbniederd. = „Rauhkopf“.
Ruhle s. Hrod (einst. K.).
Rühl- s. Hrod (V., einst. K.).
Ruhm-, Rühm- s. Hrom.
Rühmekorb III. Satz-N. „räume d. i. leere den Korb“.
Niederd. Ruhmkorff; Rühmekorf (s. Reumschüssel).
Ruhn- s. Run.
Rul- s. Hrod (V., einst. K.).
Rum- s. 1) Hrod (V.) 2) Hrom.
Rüm-, Rumm-, Rümm- s. Hrom.
Rumohr III. Dorf bei Kiel, ehemals Rugemoor d. i. rauhes
(= mit Gebüsch bewachsenes) Moor.
Rump- s. Hrom (V., zweist. K.).
Rumschöttel s. Reumschüssel.

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RUN I. got. runa, ahd. rûna, mhd. rûne „Geheimnis,
geheime Weisheit“ (vgl. „Runen“ und das nhd. „raunen“).
FN. Runger: Ronniger.
Runhard: Rönnert.
Runheri: Rohner — Ronner — Röhner — Rauner.
Runuald: Rönelt.
Einstämmige Kürzung Run-: Rohne; Rohn. Patr. A.
Ronning.
Vklf. (k) Runico: Runike; Ruhnke — Runnecke —
Runge; Runck — Rüncke — Rohnke — Ronge
— Rönigk. Gen. Ruhnken — Röntjen (ostfries.).
(k + l): Runkel.
Run-, Rün- s. Run.
Ruoff s. Hrod (zweist. K.).
Rup- s. Hrod (V., zweist. K.).
Rüp- s. Hrod (zweist. K.).
Ruß, Rüßler s. Hrod. (einst. K.).
RUST I. ahd. hrust, rust „Rüstung“.
FN. (Rusthart): Rostert.
Einstämmige Kürzung Rusto 9.: Rust — Rüst — Rost.
Vklf. (l): Röstel.
Rußwurm III. mhd. ruoȥwurm. Auch Roßwurm.
Rüt-, Ruth- s. Hrod (einst. K.).
Rüter s. Reuter.
Rutschke, Rütschle s. Hrod (einst. K.).
Rutt-, Rütt- s. Hrod (V., einst. K.).
Rutz-, Rütz- s. Hrod (einst. K.).
Ruwoldt s. Hrod (V.).

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Ryder s. Reiter.
Rykena s. Ric (einst. K.).

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S.
Saacke s. Sac.
Saar- s. Sar.
Saaß s. Sahs.
Sabellius II. Presbyter in Ptolemais (3. Jh.).
FN. Zabel (Zabellus, Szabel VN. Klemp.).
SAC I. got. sakan, ahd. sahhan „streiten“. Sahmar.
Einstämmige Kürzung Sac-.
Sacco: Sach — Sack — Saacke.
Sachs- a) s. I. Sahs b) III. Stammesname: Sachse; Sachs,
Sax.
Sack a) I. s. Sac. b) III. zu den Gerätnamen, bes. in Zss., die
wohl großenteils Spottnamen sind: Biersack. Buttersack.
Botsack (Botentasche). Habersack. Hopfensack.
Ledersack. Milchsack (mhd. milchsac „Hirtentasche“).
Strohsack. Vollsack. Wadsack. c) III. ON. in Bohnsack
(Westpreußen).
Sackmann III. mhd. sacman „Troßknecht“ (auch =
Plünderer).
Sadler, Sädler s. Sattler.
Sager III. der „Säger“, vgl. Ludeke de sager Ehrentraut
fries. Archiv. Bd. I, H. 3.
Sägert s. Sig (V.).
Sägesser s. Segisser.
Sahlmann s. Sal.

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Sahr s. Sar.
SAHS I. zum Volksnamen der „Sachsen“, ahd. Sahso,
mitteld. niederd. Sasse (vom ahd. sahs Messer, urspr.
Steinmesser, vgl. lat. saxum. S. 15). Sahsbert. Sahsarich.
FN. (einstämmig) Saxo, Sasso: Sachse, Saxe; Sachs —
Sasse — Saaß.
Vklf. (l): Sassel — Seßle. (k) Sahsiko: Saske.
Saitz s. Sig (einst. K.).
SAL I. vielleicht zu got. saljan „darbringen“, ahd. sala, mhd.
sal „rechtliche Übergabe eines Gutes“. Salabald.
FN. Salager: Salger — Seeliger — Selker.
Salaman: Sahlmann — Seelmann.
(Zsgeworfen mit Salomon).
Einstämmige Kürzung Sal-.
(Salo): Selle.
Vklf. (k) Salaco: Sallge — Seligo. Patr. A. Sehling.
Sallwerk III. mhd. sarwurke, später entstellt salwurke (z. B.
Berchtold Salwurk 1373) „Harnischmacher“. Auch
Sallwürk.
Salomo II. hebr. „der Friedliche“.
FN. (christlich und jüdisch): Salomon. Gen. Salomons.
Salzer III. der „Einsalzer“.
FN. Salzer — Sälzer. Niederd. Solter — Sölter.
Dazu die Zss.: Salzgeber. Salzmann. Salzsieder.
Samariter III. wohl mit Bezug auf den „barmherzigen
Samariter“ Ev. Luc. 10.
Sambol s. Sand.
-samer s. Heim III.
Samm- s. Sand.

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Samuel II. hebr. Schemuêl „von Gott erhört“ (1. Sam. 1,
20).
FN. Samel — Zamel, Zahmel (mit Verhärtung des s in
z, wie in Niederd. bei fremdsprachigen N. öfter).
Gen. Samuels. Patr. Zss. Samuelsohn (jüd.) —
Samelsohn.
SAND I. hochdeutsche F. des altsächsischen sôdh (dän.
sand) „wahr“.
FN. Sandebold: Sambol.
Sandebert: Sammert.
Sandheri: Sander; Sandherr — Santer — Söder.
(Sandmar): Sammer.
Sandarat: Sandrat.
(Sandroch): Sandrog; Sandrock.
Sandolt: Sannwald; Sandol. Zss. Sandelmann. Gen.
Sandholz.
Einstämmige Kürzung Sand-.
Sando; Sande — Santo; Sandt.
Vklf. (l): Sandel — Sendel. (k): Sandig — Sannig;
Sanke — Senteck. (z) Sanzo: Santz — Sentz.
Sand a) I. s. Sand b) III. = Sandfläche, vgl. Ulrich im Sand
1264. Auch häufiger ON.
Sander a) I. s. Sand b) II. Alexander.
Sandfuchs III. „sandgelbes Pferd“.
Sanftleben III., niederd. Sachtleben (schon 1369 Heneke
Sachtelevent), „der ein sanftes d. i. ruhiges Leben führt“.
Sann-, Sant- s. Sand.
Santjohanser III. von dem Dorfe u. ehemaligen Kloster St.
Johann in Toggenburg (Tobler-M.).

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SAR I. got. sarvo, ahd. saro, mhd. sar- (nur in Zss.)
„Rüstung“.
FN. (Sarafrid): Sarfert; Sarfart.
Saraman: Saarmann — Sermann.
Serald: Sehrwald.
(Sarwig): Sarwey.
Einstämmige Kürzung Sar-.
Saro; Saare; Sahr — Sarre — Serre — Seer. Patr. A.
Säring.
Vklf. (k): Sarach — Serig; Sehrke. (k + l): Sargeli.
Sarrazin, Sarazin (gewöhnl. in franz. Aussprache) III. mhd.
Sarrazîn, franz. Sarrasin, mittellat. Saracenus, arab.
scharakyn „Sarazen, Morgenländer“.
Sarre s. Sar.
Sartor III. Latinisierung für „Schneider“.
FN. Sartor; erweitert Sartorius. Gen. Sartori (aus
Sartorii).
Saske, Sass- s. Sahs.
Sattler III. ahd. satalâri, mhd. satler.
FN. Sattler; mit Umlaut Sättler. Niederd. Sadler —
Sädler.
Sauer III. einfach und in mancherlei Zss. (S. 47):
Sauerapfel. Sauerbier. Sauerbrei; Saurbrey. Saueressig.
Sauermilch. Sauermost. Sauersenft. Sauerteig. Sauerwein.
— Sauerbeck.
Saufaus III. Satz-N. „ein Saufaus“ (Säufer).
Säugling III.
Saupe s. Sund.
Sauter s. Suter.

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SCAC I. zu altnord. skaka, angels. scacan „schütteln,
erschüttern“ (engl. shake; Shakespeare = Schüttelspeer).
FN. Schachert.
Einstämmige Kürzung Scac-.
Scacca: Schacko; Schacke; Schack — Schaake —
Schache.
Vklf. (l): Schackerl — Schäckel — Schächle.
SCALC I. got. skalks, ahd. scalc, mhd. schalc, schalch
„Knecht, Diener“. Scalcoman 8.
FN. Scalco: Schalke — Schalch — Schall.
Auslautend (14 mal Först.):
-schalk: Gottschalk.
-schall: Gottschall.
SCAR I. ahd. scara, mhd. schar „Schar“ (Heeresabteilung)
— oder ahd. scar, mhd. schar „schneidende Waffe“
(Pflugs c h a r). Scaramunt.
FN. (Scaribert): Scheerbarth.
(Scaraman): Scharmann — Scherrmann.
(Scarold): Scharold.
(Scarolf): Scharloff.
Einstämmige Kürzung Scar-.
Scharr — Schar, Schaar — Scherr — Scheer. Patr.
A. Schäring, Schering.
Vklf. (l) Scherilo: Scharl — Scherle. Patr. A.
Scherling. (k): Scharck — Scherck.
SCARP I. ahd. scarf, mhd. scharf, scharpf, alts. scarp
„scharf“, Skerfold u. a.
FN. (Scarpo): Scharfe — Scharpff — Scherpe —
Schärffe; Scherff. Gen. Scharpen. Patr. A. Scharping
— Scherper (Preuß).
Vklf. (k): Scharpke — Scherfig.

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SCAUN I. got. skauns, ahd. scôni, mhd. schoene „glänzend
— schön“.
FN. (Scaunibert): Schombert. Vklf. (l): Schömperle.
(Sconhart): Schonhardt; Schonert — Schönhardt;
Schönert.
Sconhari: Schöner; Schönherr.
(Sconrich): Schönreich.
Sconolf: Schönewolf.
Einstämmige Kürzung Scaun-.
(Scono): Schoon — Schöne; Schön (Schönemann).
Gen. Schonen. Patr. Schöning.
Vklf. (l): Schönell; Schönle. Patr. A. Schönling. (l
+ n): Schönlin; Schönlein. (k): Schönecke;
Schönig. (k + n): Schönichen.
Schaar s. Scar.
Schach-, Schächle s. Scac.
Schachtschabel III. mhd. schûchzabel „Schachbrett“.
Schack-, Schäckel s. Scac.
Schade III. ahd. scado. mhd. schade „schädigender Feind,
Widersacher“ (doch auch schon im 8. Jh. Scatto).
FN. Schade; Schad. Zss. Landschade.
Schadenfroh III. S. 48.
Schaf III. (Hauszeichen S. 61); mit der Zss. Schlachtschap,
dem N. eines Wiedertäufers in Münster 1534.
Schäfer III. ahd. scâphare, mhd. schaefer „Schafhirt“.
FN. Schäfer. Gen. Schäfers. Zss. Horstschäfer.
Neuschäfer. Schäfersmann. Niederd. Schaper —
Schäper. Gen. Scheepers; Schäpers (niederrhein.).
Zss. Bauerschäfer; niederd. Buerschaper. —
Schäpermeier.

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Schaffenhauer III. „Verfertiger von Schaffen“ (ahd. scaph,
mhd. schaf, altsächs. scap Schaff, Holzgefäß), etwa =
Bötticher.
Schäffer III. (mit geschärftem Vokal) ahd. scaffâri, mhd.
schaffaere, schaffer, scheffer „Schaffner“ (Verwalter,
Hausmeister).
FN. Schäffer, Scheffer — auch Schaffer — Schöffer
(aus dem Gebrauche des 15.-16. Jh. in
Mitteldeutschland, wo man das e in ö vergröberte,
woher noch Schreibungen wie „Schöpfer, Hölle“).
Zss. Neuschöffer. Niederd. Schapper. Gen. Scheffers.
Mit dem n der schwachen Bildung: Schaffner —
Scheffner.
Schaffnicht III. Satz-N. „schaffe nichts“ (ein Faullenzer).
Auch Schaffnit.
Schaffrath III. „schaffe Rat“ (einer der immer Rat zu
schaffen weiß) — auch Schaffenrath.
Schalch, Schalk, Schall s. Scalc.
Schaper, Schäper s. Schäfer.
Schapper s. Schäffer.
Scharf-, Schärf- s. Scarp.
Schäring, Scharl-, Scharold s. Scar.
Scharp- s. Scarp.
Scharr s. Scar.
Schaubert s. Schubert.
Schauer s. Scur.
Schaufert s. Schubert.
Schauinsland III. Satz-N. (O. in Baden); auch zsgz.
Schaunsland.
Schaumkell III., Schaumlöffel III. s. S. 44.

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Schaur- s. Scur.
Scheele s. Schiele.
Scheelhaß s. Schellhase.
Scheepers s. Schäfer.
Scheer a) I. s. Scar b) III. mhd. scher der „Scherer, Barbier“.
FN. Scheer (latinis. Rasor). Zss. Bartscheer.
Tuchscheer.
Scheerpelz III. Satz-N.
Scheff(n)er s. Schäffer.
Scheffler III. mhd. scheffelaere, von scheffel kleines Schaff
(niederd. Schapp), der „Faßbinder“. In München
Bezeichnung des Gewerbes (Schäffler).
FN. Scheffler — Schöffler. Niederd. Schepeler.
Scheibner III. einer aus dem O. Scheiben (in Böhmen,
Steiermark u. a.)
Scheide III. im Sinne von „Wasserscheide“ seit dem 8. Jh. in
ON. Heutzutage die einfachen Scheide, Scheidt und viele
Örter auf -scheid, die eine zusammenhängende Masse in
dem Regierungsbez. Arnsberg, der preuß. Rheinprovinz,
Nassau, Luxemburg bilden.
FN. Scheid. Arnscheidt. Brandscheid. Burtscheidt.
Dürrscheidt. Langenscheid. Mittelstenscheid.
Reifferscheid. von Rohrscheidt. Thanscheidt.
Ableitung auf -er (oberd.):
Wegscheider (O. Wegscheid u. Wegscheiden, häufig
in Österreich und Bayern). Lugscheider.
Marscheider.
Scheidemann III. mhd. scheideman „Schiedsrichter“.
Scheil s. Schiele.
Schein III. in den Zss. Blumenschein. Hausschein (verlateint
Oecolampadius). Maienschein. Monschein.

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Scheld-, Schell- s. Scild.
Schellhase III. „scheu aufspringender (mhd. schellec)
Hase“. Entstellt Scheelhaß.
Schellhorn III. Schelchshorn 1677, Schelshorn (München)
„Horn des Schelchs“ (Riesenhirsches Nib. 880). Auch
Schöllhorn.
Schellkopf III. „Kopf des Schelchs“ d. i. Riesenhirsches.
Schelt- s. Scild.
Schenk III. ahd. scenco, mhd. schenke der „Schenke,
Mundschenk“ — bes. auch ein Hofamt; daher in den N.
mehrerer edler Geschlechter, die dann dem Amte zur
weiteren Unterscheidung oft noch den Stammsitz
hinzufügten: Kuonrat der schenke von Wintersteten.
Gegenwärtig noch: Schenk von Stauffenberg (ehemals
Schenken der Hohenstaufen); Schenk von Geyern;
Schenck zu Schweinsberg u. a. — Zss. Bierschenk.
Weinschenk.
Schenkel III. Körperteil — mit den Zss. Kurzschenkel.
Langschenkel.
Schepeler s. Scheffler.
Scher- s. Scar.
Scherer III. mhd. scheraere „Scherer“ d. i. Barbier, doch
auch Feldscher und Tuchscherer.
Scherf-, Scherp- s. Scarp.
Schermer s. Schirmer.
Scherr- s. Scar.
Scheubenpflug III. Satz-N. „schiebe den Pflug“ (ein
tüchtiger Pflüger).
Scheuchenpflug III. Satz-N., vom mhd. schiuhen scheuen:
„scheue den Pflug“.

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Scheuer-, Scheur- s. Scur.
Scheunemann III. „der an der Scheune“. Niederd.
Schünemann.
Schick s. Scic.
Schickedanz III. Satz-N. „schicke den Tanz“ d. i. ordne den
Tanz an — auch Schickendans — Schücktanz (österr.).
Schiele III. „schielend“. Schile-Peter.
FN. Schiele — Scheele — Scheil.
Schietendüvel III. Satz-N. „schieß den Teufel“.
Schier- s. Scir.
Schiffer III. Gen. Schiffers (niederrhein.).
Vklf. Schifferli. Niederd. Schipper. Gen.
Schippers.
Schifferdecker III. = Schieferdecker.
Schiffmann III. ahd. scefman, mhd. schifman der „Schiffer“
(welches letztere erst seit dem 16. Jh. auftritt). Niederd.
Schippmann.
Schild- s. Scild.
Schild III. in Haus-N. Grünschild. Rothschild.
Schildwächter III. der „in voller Rüstung Wache stehende
Krieger“ (s. Luthers Bibelübers. Richt. 7, 11).
Schilf-, Schilk-, Schill- s. Scild.
Schiller a) I. III. wohl durch Rückangleichung aus Schilter,
Schilder entstanden, wie Hiller aus Hilder. Man
vergleiche auch „s c h i l l e r n“ = schildern (Schildwach
stehen) in einem bei Moscherosch aufbewahrten
Volksliede des 17. Jh.:

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„Gott ist des Christen Hülf’ und Macht,
Ein’ feste Citadelle;
Er wacht und s c h i l l e r t Tag und Nacht,
Tut Rond’ und Sentinelle.“
b) III. „ein Schielender“ (schwäb. schilla „schielen“).
(Der N. Schiller findet sich in Oberschwaben schon im J.
1403.)

Schilling III. die bekannte Münze, schon im got. skillings
(wohl zu ahd. scellan klingen), seitdem in allen
germanischen Sprachen, mhd. schillinc. (Doch schon im
Angels. ein Scilling der „Tönende“, als Gefährte des
sagenhaften Sängers Vidsidh).
FN. Schilling. — Schelling. Gen. Schillings
(niederrhein.). — Zss. Fünfschilling. (S. auch Scild.)
Schilter a) I. s. Scild b) III. ahd. schiltâri mhd. schiltaere der
„Schilde und überhaupt Lederwerk anfertigt“; der
„Schildmaler, Wappenmaler“ (woher nhd. das Zeitwort
„schildern“). Wolchwin der Sciltaer 1190, Johannes dictus
Schildere (pictor).
FN. Schilter — Schilder — Schiller.
Mit dem n der schwachen Bildung: Schildner.
Schimmelpfennig III. einer der den Pfennig erst mit
Schimmel sich überziehen läßt, ehe er ihn ausgibt. Vgl.
Wucherpfennig.
FN. Schimmelpfennig; Schimmelpfeng. Niederd.
Schimmelpenninck.
Schindler III. mhd. schindelaere „Schindelmacher“.
Schipper III. s. Schiffer.
Schirmeister III. bei den Schmieden der „Vorschläger“;
sonst „Geschirrmeister“ auf Schiffen, bei den Posten usw.
(Kann aber z. T. auch aus mhd. schirmmeister
„Fechtmeister“ entstanden sein.)

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Schirmer III. ahd. schirmâri, mhd. schirmaere 1) „Schützer“
2) „Fechter“. Auch Schürmer — Schermer.
Schirott, Schirrey s. Scir.
Schittenhelm s. Schüttenhelm.
-schitz III. in ON. slawisch, s. S. 90.
FN. Lipschitz. — Dobschütz (O. Dobschitz).
Niebelschütz.
Schlächter III. slahtâri, mhd. slahtaere, slahter, slehter der
„Fleischer“.
FN. Schlächter — Schlachter (südd.).
Schladenhauffen s. Schlagdenhauffen.
Schladoth III. niederd. Satz-N., ein „Schlagetot“.
Schlag III. in ON. vom Schlagen eines Waldes: Puoheslaga
9. u. a., jetzt Buchenschlag — mitunter auch aus loh
„Busch“ mit vorhergehendem s entstellt: Adelschlag aus
Adaloltesloh. (Noch andere Bed. von „Schlag“ in Flur-N.
bei Buck S. 239–40).
FN. Asperschlag. Giesenschlag. Rottschlag.
Ableitung auf -er (oberd.): Partenschlager (Baden).
Schlagdenhauffen III. Satz-N. für einen tapfern
Dreinschläger; auch Schlaginhaufen — aus beiden
abgekürzt: Schlagenhauf. Ähnlich
Schlagenteuffel III. Satz-N. s. S. 52.
Schläger III. einfach und in Zss.: Kesselschläger.
Lautenschläger.
Schlagintweit III. niederd. Satz-N. aus „Schlag in d a t
Weite“.
Schlauderaff III. ein nichtstuender „schluderiger Affe“
(woher Schlaraffe. Schlaraffenland).
FN. Schlauderaff — Schlauraffe — Schluraffe.

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Schleemilch s. Schlegelmilch.
Schlegel III. ahd. slegil, mhd. slegel „Schlägel“, Werkzeug
zum Schlagen (auch Schlachten). Hermann der slegel
1299.
FN. Schlegel. (Burcard. de Bliensowe dict.
Bruggenschlegel 1265.)
Schlegelmilch III. „Buttermilch“ (von schlagen mhd.
slegemilch, slêmilch). Auch Schleemilch; Schlömilch.
Schlemmer III. „Schlemmer“, der slemmer 1595.
Schlesing III. ein „Schlesier“ — neben dem neueren
Schlesinger und auch Schlesier.
Schlichtegroll, auch Schlichtkrull III. Satz-N. „schlichte
die Locken“, mhd. krülle „Haarlocke“.
Schlick III. mhd. slic „Fresser“.
Schließer III. der „Schließer“, bes. in dem Sinne von
„Gefängniswärter“. Niederd. Schlüter (Klemp. Matrikeln
der pommerschen Ritterschaft S. 136: Sluter = claviger).
Schlindewein III. Satz-N. von mhd. slinden schlingen =
„Weinsäufer“.
Schlockebier s. Schluckebier.
Schlöhbaum III. „Schleebaum, -busch“ (ahd. slêha Schlehe,
prunella).
Schlömilch s. Schlegelmilch.
Schlosser III. neuere Bezeichnung statt der älteren
Kleinschmied.
FN. Schlosser — Schlösser — Schlötzer.
Schlothauer III. „Schlosser“. Auch Schlotzhauer.
Schluckebier III. Satz-N. Nach Vilmar ist ein ganzes
hessisches Dorf von Schluckebieren bewohnt. Auch
Schlockebier.

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Schluraffe s. Schlauderaff.
Schmeekebier III. Satz-N. „schmecke Bier“ (s.
Schluckebier).
Schmeckpeper III. Satz-N. niederd. „schmecke Pfeffer.“
Schmed-, Schmetje s. Smid.
Schmid a) I. s. Smith b) III. got. smitha, ahd. smid, mhd.
smit jeder „der aus Metall Geräte verfertigt“.
FN. in verschiedener Schreibung, gew. Schmidt,
daneben Schmid, Schmitt, Schmiedt. Gen. Schmidts,
Schmitz (häufig am Niederrhein) — Smets —
Smeets. Der ursprüngliche Anlaut sm ist erhalten in
den aus Nordwest-D. stammenden FF. Smidt, Smid,
Smitt.
a) I. s. Smid (auch S. 43).
b) III. noch häufiger sicherlich aus der 3. Periode
stammend, wohin auch die vielen Zss. gehören:
1) nach dem bearbeiteten M e t a l l:
Blechschmidt. Eisenschmidt;
Isenschmid (mhd. îsensmit).
Goldschmidt. Kupferschmied;
halbniederd. Kopperschmidt (Hamb.).
Silberschmidt. Stahlschmidt —
2) nach dem verfertigten G e r ä t e:
Beilschmidt. Drahtschmidt.
Hackenschmidt. Hammerschmidt.
Haubenschmidt. Hufschmidt.
Messerschmidt. Nagelschmidt.
Pfannenschmidt. Pfeilschmidt.
Schaarschmidt (der Pflugscharen
schmiedet). Scheerschmidt. Segenschmid
= Sensenschmid. Sichelschmidt.
Waffenschmidt. — Kaltschmidt.
Kleinschmidt. Pfennigschmidt
(Münzer?). Werschmidt

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(Waffenschmied). Wohl scherzhaft:
Pusterschmidt (Verfertiger von
Blasebälgen). Wurstschmidt —
3) auf d o p p e l t e B e s c h ä f t i g u n g
deutend:
Bauerschmidt (wie auch umgekehrt
Schmittbauer). Jägerschmidt — dagegen
Freischmidt ein unzünftiger Schm. —
4) auf den S t a n d o r t d e r S c h m i e d e
bezüglich:
Bergschmidt. Blumenschmid.
Dorfschmidt. Gassenschmidt.
Lindenschmit. Sonnenschmidt (wohl bei
einem Gasthaus „zur Sonne“).
Thorschmidt. Waldschmidt — auch wohl
Brüggenschmidt (der Schm. an der
Brücke).
Seltener bildet das Wort den ersten
Teil der Zss., was fast nur in Verbindung
mit PN. stattfindet: Schmitthenner (der
Heinrich von der Schmiede). Schmitjan
(der Schmiedejohann). Schmidtkunz.
Schmidtseifert (-siegfried). —
Schmidthuber (s. Huber).
Schmidd-, Schmied-, Schmit- s. Smid.
Schmock, Schmuck-, Schmück- s. Smuk.
Schnapauf III. Satz-N.
Schnatmeyer III. Schnat oder auch Landwehr: an der
Grenze gelegene Abteilung der Mark, die einer engeren
Gemeinschaft zugehört. Auch in Schnatmann;
Schnathorst.
Schnee III. — auch in der Zss. Kaltschnee. Schneekloth;
Schneekluth niederd. = Schneekloß. Schneevogl.
Schneeweis III. mhd. snêwîȥ.

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Schneewind s. Schneidewind.
Schneid III. wohl die (politische) Grenze bezeichnend, in
ON. seit dem 8. Jh. (Otensnaita).
FN. Schneid; Schnaith (württ). Wessanschneid.
Ableitung auf -er: Elendschneider.
Schneider III. erst mhd. snîdaere, snîder „der ein Gewand
zuschneidet und verfertigt“ — einer der häufigsten FN.
Gen. Schneiders (niederrhein.).
Zss. Herrenschneider. Kampfschneider. (westf., der
Schn. vom Kampe). Nagelschneider „Nagel, olim
Schneider“ Preuß 34).
Niederd. Schnieder (schon 1383 im Gött. UB. I. als
Snidere vorhanden) — zsgz. Schnier. Gen. Snyders
— Schnieders (ostfries.).
Einige merkwürdige Zss. bietet auch hier Westfalen:
Schockenschnieder; Hemkensamkenschnieder — was
bedeuten sie?
(Die Bemerkung Vilmars, daß der N. nur aus Mittel- und
Oberdeutschland stamme, wird durch die obigen
Anführungen hinfällig).

-schneider III. in Zss. wie Brettschneider, nicht von dem
Hauptw. Schneider, sondern unmittelbar von dem Zeitw.
schneiden.
FN. Brettschneider, auch Bredschneider. Dillschneider.
Holtschneider (halbniederd. = Holzschneider).
Pfeifenschneider. Reifschneider. Riemenschneider;
Riemschneider (= Riemer). Rohrschneider.
Steinschneider. Wandschneider. (Klemp. Wandsnider
= Gewandschneider.)
(-schneider in einzelnen oberd. FN. auch zu ON.
gehörig s. Schneid.)
Schneidewind III. Satz-N. „durchschneide den Wind“ d. i.
ein „unruhiger, umherziehender (Landsknecht)“

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Snydewint 13. Jh. vgl. franz. Taillevent — als FN. in den
verschiedensten FF.: Schneidewind; Schneidawind;
Schneidewin; Schneidewendt — Schnödewind —
Schniewind — Schneewind.
Schnell- s. Snel.
Schnellenpfeil III. Satz-N. „schnelle den Pfeil“. So auch
Spitzenpfeil.
Schnetger, Schnetker s. Schnittger.
Schnetzler III. der „Schnitzler“.
Schnieder, Schnier s. Schneider.
Schniewind s. Schneidewind.
Schnitter III. mhd. snitaere, snitter der „die Ernte
schneidet“.
FN. Schnitter. Zss. Strohschnitter.
Schnittger III. niederd. Snittger, der „Tischler“.
FN. (Nordwest-D.) Schnittger; Schnittker — Schnetker;
Schnetger.
Schnitzer, Schnitzler III. mhd. snitzaere, snitzeler
„Bildschnitzer“.
Schnödewind s. Schneidewind.
Schnuphase III. zu schnauben, schnopern „wittern“. Vgl.
FN. Spörhase „Spürhase“.
Schobelt, Scholle s. Scut.
Schöffer s. Schäffer.
Scholten, Scholz- s. Schultheiß.
Schomaker s. Schuhmacher.
Schomann s. Schumann.
Schömann III. N. eines bekannten Greifswalder Professors,
aus dem schwed. Sjömann „Seemann“.

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Schombart III. mhd. schemebart (bärtige) „Larve,
Gesichtsmaske“. Nhd. Schönbart (doch s. auch Scaun I.).
Schombert, Schömperle, Schon-, Schön- s. Scaun.
Schöne, Schön a) I. s. Scauni b) III. der „Schöne“ (vgl.
franz. Lebeau). In Zss.: Schönknecht. Schönrock.
Schönbaum u. a.
Schoon s. Scaun.
Schopenhauer III. der „Schopen d. i. Schöpfkellen (s.
Klempin, Diplomat. Beitr. S. 487) zuhaut“.
Schopp s. Scut.
Schöps III. aus slaw. skopec castratus — als FN. in
Schlesien häufig. Der Husaren-Oberst Rudorf mußte auf
Befehl Friedrichs d. Gr. seinen ursprünglichen N.
„Schöps“ ablegen (Pott S. 287).
Schotte a) I. s. Scut b) III. „Schotte“ d. i. Krämer und
Hausierer, nach den zahlreichen Schotten, die im
Mittelalter als Hausierer durch Deutschland zogen. FN.
Schotte; Schott.
Schötteldreier s. Dreher.
Schöttler s. Schüßler.
Schottmüller III. urspr. Müller: „Anfang des J. 1858 bewarb
ich mich aus Rücksicht auf meine zahlreichen Söhne um
die Erlaubnis, meinem Vaternamen den FN. meiner
Mutter, einer geb. Schott, vorsetzen zu dürfen, und nenne
mich seitdem Schottmüller“. (In der Lebensbeschreibung
des Prof. Adolf Sch., welche er seinem „Luther“
vorangestellt hat.)
Schrader s. Schröter.
Schramm III. „der mit der Schramme“. Hans Breitbeck mit
der schrammen 1459.
Schraudolph, Schraut s. Scrot.

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Schreiber III. ahd. scrîbâri, mhd. scrîbaere der „Schreiber“,
doch in weiterer Bed. und unter Umständen von höherem
Range als jetzt: Notar, Rechnungsführer, Kanzler.
FN. Schreiber. Zss. Quittschreiber. Niederd. Schriever
(Ratzeb.). Verlat. Scriba (Hessen).
Schreur s. Schröter.
Schriever s. Schreiber.
Schrocke s. Scrot.
Schröder s. Schröter.
Schrödl s. Scrot
Schröer s. Schröter.
Schröpf, Schropp s. Scrot (zweist. K.).
Schrot-, Schrötel s. Scrot.
Schröter III. mhd. scrôtaere, neuniederd. schröder, schröer
(vom ahd. scrôtan, mitteld. schrôden, schrâden
abschneiden) 1) der Kleider zuschneidet, „Schneider“ 2)
der Lasten, namentlich Fässer „schrotet“, d. i. auf zwei
Leiterbäumen, die oben und unten verbunden sind,
schiebend fortbewegt oder wälzt. In dieser Bed. noch im
16. Jh. allgemein, z. B. bei Luther Jerem. 48, 12.
FN. Schröter — Schrötter — Schroter. Niederd.
Schröder; mit Ausfall des d Schröer — Schrader
(Scrader, Scroder 1369 Braunschw.). Gen. Schröers
— Schreuers (niederrhein. an der holl. Grenze).
Zss. Bierschröder. — Brinkschröder (westf. „der Schr.
auf dem Brinke“). Kampschröer (westf.).
Pohlschröder.
Schrupp s. Scrot.

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Schubert III. mhd. schuochwürhte, schûworhte, schûworte
Schuhwirker d. i. „Schuhmacher“. Aus den mhd. FF.
durch weitere Abschleifung und z. T. Entstellung die
FN. Schuhwirth; Schuhwicht; Schuwert — Schuffert —
Schaufert — Schubert (durch Verhärtung des w in b,
zugleich wohl mit Anlehnung an die zahlreichen EN.
auf -bert); Schubart — Schaubert.
Doch sind die FF. mit b, f zweifelhaft, da ein
altdeutsches skog hereinzuragen scheint, welches
sich in N. wie Schuhwein bes. deutlich verrät (s.
Steub S. 137).
Schuch s. Schuh.
Schuchmacher s. Schumacher.
Schuchmann, Schuckmann s. Schuhmann.
Schücktanz s. Schickedanz.
Schüddekopf III. Satz-N. „schüttle den Kopf“. Auch
Schittenkopf, Schütterkop s. Schüttenhelm.
Schuffenhauer s. Schopenhauer.
Schuffert s. Schubert.
Schufft III. änderte, als er 1837 an der Taubstummenanstalt
zu Homburg bei Kassel angestellt wurde, auf Befehl des
Kurfürsten seinen N. in Schafft. (Keßler, Festschrift usw.
1888).
Schuh III. mhd. schuoch der „Schuh“. (Schühlin 1265.
Guldinschuh 1462).
FN. Schuh; älter Schuch. Zss. Bundschuh (Schnürschuh
S. 46). Breitschuh. Frauenschuh. Guldenschuh.
Handschuh. Holzschuh. Hornschuh. Knabenschuch.
Rothschuh. Weißschuh.
Schuhmann III. ahd. schuohman der „Schuhmacher“.
FN. Schuhmann, gewöhnlicher Schumann — in älterer
F. Schuchmann; Schuckmann. Niederd. Schomann.

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Schuhwerk III. mhd. schuochwürke „Schuhmacher“.
Schuwirth, -wicht s. Schubert.
Schuknecht III. landschaftl. „Schuhmachergeselle“. Nieder.
Schoknecht.
Schüler III. in älterer F. Schuler = scolaris „Student“ —
auch Schuller (österreich.).
Schult- s. Schultheiß.
Schultheiß III. ahd. scultheiȥo, mhd. schultheiȥe urspr. „der
Verpflichtungen und Leistungen (schult) heißt d. i.
befiehlt“; Zivilrichter, Vogt.
FN. Schultheiß — verkürzt Schultheß; Schultes; Schults
— gew. in der Schreibung mit z: Schulze (Schultze);
Schulz (Schultz; die Form mit e ist die ältere) — der
häufigste deutsche FN. (S. 43), wenn auch im Süden
minder häufig als im Norden (in München 1876 nur
22 mal). Gen. Schulzen.
Mit Abschwächung des u in o: Scholze; Scholz
(schlesisch, wie auch das Zwitterwort „Scholtisei“).
Gen. Scholzen (am Rhein, Rgb. Trier).
Niederd. Schulte (westf.), vgl. mittelniederd. scultheite,
scultete. Gen. Schulten; Schultens — Scholten
(Rees).
Verlateint: Scultetus. Gen. Scultety. Auch Praetorius.
Zss. verhältnismäßig nicht zahlreich: Eberschulz.
Hirtschulz. Rothschulz. Schwarzschulz.
Bergschulte. Brinkschulte. Bowenschulte. Hofschult
(vgl. „Hofschulte“ Immermann Münchhausen).
Kleeschulte. Klosterschulte. Middelschulte.
Nachbarschulte. Niederschulte. Voßschulte — alle
diese wieder in Westfalen, wo häufig auch eine
Familie durch den Zusatz des Ortes in loser
Verbindung mit dem Namen näher bestimmt wird:

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Schulte-Bocholt. Sch.-Castrop. Sch.-Delwig. Sch.-
Loh usw. durch das ganze Alphabet.
Schulz- s. Schultheiß.
Schumacher III. mhd. schuochmacher.
FN. Schuhmacher — älter Schuchmacher. Niederd.
Schomaker. Gen. Schomakers (Lingen).
Schumann s. Schuhmann.
Schünemann s. Scheunemann.
Schupp s. Scut.
Schüppelz s. Schüttpelz.
Schur-, Schür- s. Scur.
Schürmer s. Schirmer.
Schürholtz s. Scir.
Schüßler III. mhd. schüȥȥeler „Verfertiger von (hölzernen)
Schüsseln und Näpfen“.
FN. Schüßler. Niederd. Schöttler — Schüttler.
Schuster s. Sutor.
Schütt- s. Schütze.
Schüttenhelm III. Satz-N. „schüttle den Helm“. Entstellt
Schittenhelm, Schitthelm (Wien).
Schüttesper III. Satz-N. „schüttle den Speer“ (vgl. englisch
Shakespeare, auch Breakspeare). Entstellt Schutzbar.
Schüttler s. Schüßler.
Schüttpelz III. Satz-N. „schüttle den Pelz“ (vgl.
Schuddefell). Cunrad Scutdepelz 1225. Auch Schüppelz.
Schütze III. ahd. scuzzo, mhd. schütze der „Schütze“.
(Meist jedenfalls aus der 3. Periode, wenn auch vereinzelt
schon im 9. Jh. der EN. Scuzzeo in gleicher Bed.).
FN. Schütze; Schütz.

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In Zss. wohl nur in der verkürzten F.: Büchsenschütz.
Feuerschütz (niederd. vuurschutte 14. Jh.).
Flurschütz; Flohrschütz. Waldschütz.
Niederd. Schütte. Gen. Schütts (ostfries.); Schütten
(niederrhein., Mörs).
Zss. Wildschütte (westf.). Schüttenkötter (westf.).
-schütz in ON. slawisch, s. -schitz.
Schützendübel III. Satz-N. „schüttle den Teufel“. Falsch
verhochd. aus Schuttenduvel 1601 (ahd. scuttan, mhd.
schütten „schütteln“).
Schuwert s. Schubert.
Schwabe, Schwab a) 1. s. Swab b) III. einer aus dem
Volksstamm der Schwaben.
Schwabedissen III. urspr. ON., verkürzt aus
Schwabedishusen (Kolonat, Preuß 33. 34).
Schwabel, Schwäbig s. Swab.
Schwager III. zu den Verwandtschafts-N. Zss. Altschwager.
Lüttschwager (verlateint Micraëlius).
Schwaiger s. Schweiger.
Schwalbe, Schwalb III. mhd. swalewe die „Schwalbe“
(auch eine Art Harfe).
Schwan a) I. s. Swan b) III. der „Schwan“ (als
Häuserzeichen).
Schwan-, Schwann- s. Swan.
Schwarz III. der „Schwarze“ (Brünette), vgl. Burchard der
swarze 12. Jh. (doch wird auch schon im Ahd. swarz zur
Namenbildung verwendet, s. Swarz).
FN. Schwarze; Schwartz. Niederd. Schwarte.
Schwärzfirm III. (München) „Schwertfeger“, entstellt aus
Swertfürb von mhd. vürben „putzen, fegen“ (vgl. Volrich

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des swertfürben hûs in der munse ze Tüwingen gelegen.
1315 Bacm.).
Schweb- s. Swab.
Schwed- s. Swinth.
Schwegler III. ahd. swegelâri mhd. swegelaere
„Flötenbläser“, vom mhd. swegele, einer kleinern Art
Flöte, bayr. und schwäb. noch „Schwegel“ (daher FN.
Schwegelbauer).
Schwehr, Schweier s. Swinth (V.).
Schweickard, Schweigert s. Swinth.
Schweiger III. ahd. sweigâri, mhd. sweiger „Hirt, Senne“.
FN. Schweigger, Schwaiger.
Schweim s. Swinth (zweist. K.).
Schwein III. ahd. mhd. swîn, Schwein; auch Wildschwein.
Mit den Zss. Eberschwein; Meerschwein —
Schweinebraten; Schweinefuß; Schweinshaupt (z. T. ON.,
wie auch Schwein selbst).
Schweizer III. Volksname. Auch in der älteren Form
Schwyzer.
Schwend- s. Swinth (V., einst. K.).
Schwenecke s. Swan.
Schwenn- s. Swinth (einst. K.).
Schwer- s. Swinth (V.).
Schwerdtfeger III. „Waffenschmied“ (urspr. „der das
Schwert fegt“, d. i. blank erhält).
Schwet- s. Swinth (V., einst. K.).
Schwich-, Schwick- s. Swinth (V.).
Schwidd- s. Swinth (V., einst. K.).
Schwiebert s. Swinth (V.).

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Schwied- s. Swinth (V., einst. K.).
Schwiefert, Schwieg- s. Swinth (V.).
Schwier- s. Swinth (V.).
Schwietzke s. Swinth (einst. K.).
Schwincke, Schwind-, Schwinn- s. Swinth (einst. K.).
Schwippert s. Swinth (V.).
Schwitt- s. Swinth (V., einst. K.).
Schwob s. Swab.
Schwon s. Swan.
SCILD I. got. skildus, ahd. skilt, mhd. schilt „Schild“.
Scilcolt. Mit der Übergabe des Schildes und der Frame
wurde der german. Knabe wehrhaft (Tac. Germ. 14).
FN. (Sciltberaht): Schilbert.
(Scildfrid): Schilfert.
(Schilthart): Schildert — Schillert.
(Schiltheri): Schilter — Schilder — Schiller —
Scheller.
(Schiltwin): Schellwien.
Einstämmige Kürzung Scild-.
Scilto: Schilde; Schild — Schill — Scheldt. Gen.
Schelten. Patr. A. Schilling — Schelling.
Vklf. (k): Schilke. (k + n): Schildgen — Schilken.
Patr. A. Schilking.
SCIR I. got. skeirs, ahd. skîr, mhd. schîr „lauter, rein“
(schier). Scirbald.
FN. (Scirgaud): Schiergott.
(Scirold): Schirott. Gen. Schierholtz — Schürholz.
Einstämmige Kürzung Scir-.

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Sciri: Schirrey — Schier (Schire VN. Klemp.). Patr.
A. Schiering.
SCROT I. ahd. scrôtan, mhd. schrôten „hauen, schneiden“
(schroten).
FN. Scrutolf: Schraudolph.
Einstämmige Kürzung Scrot-.
Scroto: Schroth — Schrott — Schrauth.
Vklf. (k): Schrotke — Schrocke. (l): Schrötel —
Schrödl.
Zweistämmige Kürzung Scrotb-.
(Scroppe): Schropp — Schröpf — Schrupp.
SCUR I. got. skura, ahd. scûr, mhd. schûr „Unwetter
(Schauer), Kampf“.
FN. Scuriprant: Scheuerbrandt.
Einstämmige Kürzung Scur-.
(Scuro): Skuhr — Schure — Schür — Schaur;
Schauer — Scheuer. Patr. A. Schüring —
Scheuring.
Vklf. (l): Scheurell. (l + n): Scheurlen;
Scheuerlein. (k): Schurig — Schürch —
Schaurich — Scheurich. Gen. Schürkens. (z)
Scurizo: Schurz.
SCUT I. ahd. scuttan „schießen“ Scothard.
FN. (Scotbald): Schobelt.
Einstämmige Kürzung Scut-.
(Scuto): Schott.
Vklf. (l) Scudilo: Schottel — Scholle. (z) Scuzzeo:
Schoß.
Zweistämmige Kürzung Scutb-.
Scopo: Schupp — Schopp.
Seb- s. Sig (V., zweist. K.).

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Sebastianus III. griech. der „Ehrwürdige“, Übersetzung von
Augustus; Märtyrer unter Diocletian.
FN. Bastian — Wastian. Bastl. Gen. Bastians.
Vklf.(süddeutsch): Wastl. Bästlein. Patr. A.
Wastler.
Sedelmayer III. „Pächter auf einem Sedelhofe“ d. i. einem
adeligen Sitze (Steub).
See III. in ON. ahd. sêo, mhd. sê „See“ (Landsee und Meer).
FN. v. Blanckensee. Duwensee (O. Duvensee). Isensee.
v. Langensee. Poggensee. v. Waldersee. Weißensee.
Seeb-, Seeg-, Seeh- s. Sig (V.).
Seefried s. 1) Sew 2) Sig (V.).
Seel- s. 1) Sal 2) Sigil.
Seemann a) I. s. Sew b) III. der „Seemann“.
Seepolt s. Sig (V.).
Seer s. Sar.
Seewald s. 1) Sig (V.). 2) Sew.
Seez- s. Sig (einst. K.).
Seff- s. Sig (V.).
Seg-, Sege- s. Sig (V., einst. K.).
Segeler s. Sigil.
Segelke s. Sig (einst. K.).
Segenschmidt III. „Sensenschmied“ (s. Segisser).
Seggeling s. Sig.
Segisser III. „Sensenschmied“, vom ahd. segansa, mhd.
segense, zsgz. Sense, doch in der alemannischen Mundart
noch „Sägese“.
FN. Segisser — Sägesser (schweiz., alt Segenser,
Segesser 1421 Basel).

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Sehling s. Sal.
Sehm s. Sig (zweist. K.).
Sehr- s. Sar.
Seib- s. Sig (V., zweist. K.).
Seld- s. Sind.
Seldenschwantz III., alt. Seydenswantz 1372 Augsb.
„seidne Schleppe“ (vgl. mhd. swanz Schleppe des
Frauenkleides) — erst später zur Bezeichnung des Vogels
(aber auch ON.).
Seidenstücker III. = Seidensticker.
Seierlen s. Sig (V.).
Seif- s. Sig (V.).
-seif s. Seifen.
Seifen III. Siefen, niederd. Siepen in ON. zu mundartl.
siefern, siepen, siepern „durchsickern“ (schles.
Gebirgsbäche auf -seifen, „Siepe“ in Westfalen ein Boden,
wo überall Wasser durchdringt). Jetzt ein paar hundert
ON. auf -seifen, -siefen; -siepen.
FN. 1) Steinseifen. Wollseiffen (O. -seifen). —
Dornseif (Rheinprovinz, Kr. Lennep).
— Seifenmoser.
2) Giersiefen. Hirzsiefen. Müllensiefen. —
Schlingensief.
3) Bovensiepen. Langensiepen.
Mühlsiepen. — Silbersiepe. —
Finkensiep. — Brooksiebe (alle
niederrheinisch, und westfälisch). —
Sepmeier.
Ableitung auf -er: 1) Dornseifer. Steinseifer (oberd.).
Rabenseifner. 2) Ballsieper. Kottsieper (westf.).
Seigerschmid III. (württ.) „Uhrmacher“.

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Seil- s. Sig (einst. K.).
Seiler III. mhd. seilaere. Als FN. auch in der Schreibung
Sailer.
Seim- s. Sig (V., zweist. K.).
Seip- s. Sig (zweist. K.).
Seiß, Seitz s. Sig (einst. K.).
Seißenschmidt III. niederd. „Sensenschmied“.
Seiw- s. Sig (V.).
Seldner III. „der auf einer Selde wohnt“, ahd. selida
Wohnhaus eines ärmeren Landmanns mit keinem oder nur
wenig Grund und Boden. Dagegen Seltner „einer aus
Selten“.
Seligo s. Sal.
Sell- s. 1) Sig (einst. K.) 2) Sal.
Selohff s. Sig (V.).
Seltenreich III. entstellt aus urspr. Säldenreich d. i. saelden
rîch „reich an Glück und Heil“.
Semmler III. s. Simmeler.
Semp- s. Sind.
-sen s. 1) Sohn (S. 35) 2) Haus.
Sendel s. Sand.
Seneschall III. ahd. senescalh d. i. primus servorum, später
„Truchseß“. (In die rom. Sprachen übergegangen, franz.
Sénéchal.)
Senf III. zu den N. von Speisen, vgl. Berthold Senep 1531
(Lipp. Reg.). Lat. Sinapius. Zss. Senfmacher.
Sengelaub III. Satz-N. (s. Aschenbrand S. 41). Hierher auch
wohl Sengebusch; Sengewald — Sengstock „der die
stehen gebliebenen Baumstümpfe (Stubben) ausbrennt“.

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Senteck, Sentz s. Sand.
Sepmeier III. 1530: Hermann uppen Sepe (s. Seifen).
Sepp s. Josephus.
Seraphim II. Mehrheit von (hebr.) Seraph (vgl. ital.
Cherubini).
Serick s. Sig (V.).
Serig, Sermann, Serre s. Sar.
Seßle s. Sahs.
Sethe s. Sind.
Setzepfand III. Satz-N. „der statt zu bezahlen, gern ein
Pfand setzt“. Hinrik Setzepand 1356.
Seub- s. Sig (V.).
Seuter s. Sutor.
SEW I. got. saivs, ahd. altsächs. sêo „Meer.“ Schwer von
Sig zu trennen, dessen entartete Formen in Se- übergehen.
FN. Sefrid: Seefrid.
Seman: Seemann.
Sewald: Seewald.
Sew-, Sey- s. Sig (V.).
Siats s. Sind.
Sib-, Sich- s. Sig (V.).
Sichler s. Sigil.
Sick- s. Sig (V., einst. K.).
Sickler s. Sigil.
Sid- s. Sind.
Sieb- s. Sig (V., zweist. K.).
Sieck- s. Sig (einst. K.).

Page 556

Siede s. Sind.
Siedentopf III. niederd. sîdentop „Seidenzopf“. Vgl. „Ir
zöpfe, wol bewunden überal mit borten und mit sîden.“
(Wigalois.)
Siedenkampf III. „der auf dem niedrigen Kamp“, wie
manche Orte in Norddeutschland durch den Zusatz
Hohen- u. Sieden- unterschieden werden.
Sief- s. Sig (V.).
-sief, -siefen s. Seifen.
Sieg- s. Sig (V., einst. K.).
-sieg s. Siek.
Siegeler s. Sigil.
Siegesmund s. Sigis.
Siegrist III. ahd. sigristo, mhd. sigriste aus mittellat. sacrista
der „Sigrist, Mesner“ (süddeutsch; auch in Schillers Tell).
Siehdichum III. Satz-N. „tres montes, qui Circumspicite
sive Se thic umme nominantur“ (Först.). Dah. FN.
Sydicum; Südekum. (Jost Su dick umme 1588.)
Siehl s. Sig (einst. K.).
Siehler s. Sigil.
Siek III. in jetzigen Mundarten „feuchte Niederung“, vgl.
altnord. sik See, Kanal, ahd. gisic Sumpf.
FN. Bodensiek. Buddensieg. Heidsiek (=
Heideniederung). Krumsiek; Krumsieg. Lämmersiek.
Nebelsiek. Nordsiek. Schachtsiek. Ellersig. — Auch
Siekmeyer.
Siel- s. Sig (V., einst. K.).
Siem- s. a) I. Sig. (V., zweist. K.). b) II. Simon.
Siep- s. Sig (zweist. K.).

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-siep, -siepen, -sieper s. Seifen.
Sier- s. Sig. (V.).
Sietsch, Sietze s. Sig (einst. K.).
Siev- s. Sig (V.).
Siew- s. Sig (V.).
Sif- s. Sig (V.).
SIG I. got. sigis, ahd. sigu, mhd. sige, sic „Sieg“. In PN. seit
dem 1. Jh. nachweislich (Cheruskerfürst Segimer Tacitus
Ann.).
FN. Sigibald: Siebold; Siebel, Sybel; Sibeth — Sebald;
Seepolt — Seybold; Seypold; Seibeld; Seibel;
Seyppel; Seibt — Seubel. Gen. Siebolds; Siebels,
auch Siebelis, woraus (nach Andresen) umgedeutet
Siebelist und Siebenlist. Patr. A. Siebeling —
Seibolter (S. 36).
Sigiperaht: Siebrecht; Zyprecht; Siebert; Siebarth,
Siebard; Sieber — Ziebarth — Siphardt; Siewert
— Sibbert — Segebrecht; Segebart — Sebert;
Seeber — Seibert; Seiber — Seubert. Gen. Sybertz
— Siebraß (= Sigbrechts Preuß 14). Patr. A.
Sieberling — Sipperling — Seiberler.
Sigibrand: Siebrand — Sibbern — Seebrandt. Gen.
Zybrandts — Sieberns.
Sigibodo: Sieboth — Segebade — Segebath —
Seebode; Seebade — Seyboth — zsgz. Seibt.
Sigifrid: Siegfried — Siefert; Sifard — Siffert —
Seffert — Seifried; Seifert; Seyfahrt; Seifhardt;
Seiffer (Seifermann) — Seuffert; Seufer — Seefrid.
Gen. Siefers — Seifritz.
Sigifuns: Siefuß. Vklf. (l): Seifüßl.
Sigihard: Sighart; Siegert — Sichart — Sickert;
Zickert — Seegert, Sägert.

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Sichar: Sieger — Sicher — Seger — Seyer. Zss.
Sickermann — Zickermann. Gen. Siegers —
Segers. Patr. A. Seyring. Vklf. (l + n): Seierlen.
Patr. A. Segerling.
Sigirod: Siegroth (doch auch ON. s. -rode) — Sirot.
Sigileip: Sielipp; Sielaff.
Sigilant: Siegland — Sieland.
Sigiman: Siegmann — Sickmann — Siemann —
Seegmann.
Sigimar: Simar; Siemer — Simmer — Seymer. Gen.
Siemers. Patr. A. Siemering. Vklf. (l + n):
Simmerlein.
Sigimund: Siegemund; Siegmund — Siemund;
Simond — Segemund — Seimund. Gen.
Simmonds.
Sigimuot: Simmet.
Sigarich: Sierich; Sierck — Seehrich; Serick —
Seyrich.
Sigivald: Siegwald — Seewald — Seiwald —
Ziegold.
Sigiwart: Sigwart — Siewerdt — Seward — Seiwert.
Gen. Siewerts; Siewets (ostfries.) — Süvern. Patr.
A. Sieverding; Sievering. Patr. Zss. Sieversen
(Schlesw.).
Sigiwin: Siegwein — Siebein — Seffen. Patr. A.
Sewening.
Sigiwolf: Siloff — Selohff.
Einstämmige Kürzung Sig-.
Sigo, Sicco: Sieg — Sigge — Sicke. Gen. Sikkes
(Emden, Sikke VN.) — Siecke — Sy — Zick. Zss.
Sickama (ostfr.).
Vklf. (l) Sigilo, Segilo: Siegele; Siegel (Sigl bayr.)
— Sickel — Sieckel — Siehl (Sielmann) —

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Segel — Sello; Selle - Seil. Patr. A. Siegling —
Sieling — Seggeling — Seiling. (l + n)
Sigolenus: Siglen. (l + k): Segelke. (z) Sigizo:
Sietze; Sietsch — Sitz — Segitz — Seez —
Seitz, Saitz — Seiß. (z + l): Seißl. (z + k): Sitzke.
Zweistämmige Kürzung Sigib-.
Sibo: Siebe — Sipp — Seip — Seebo. Gen. Sieben;
Siebena (ostfries.) — Sips — Sebes.
Vklf. (l): Siebel; Sieble — Seible — Seipel. Gen.
Siebels. (k): Siebicke; Siebich; Siebeck —
Siepke — Süpke. Gen. Siepkes. Patr. A.
Sivekinck.
Zweistämmige Kürzung Sigf-.
(Sifs): Sief — Seif. Vklf. (k): Siefken.
Zweistämmige Kürzung Sigim-.
Simo (Stark 114 — durch Anfügung eines n oft dem
biblischen Simon gleichgemacht): Siem — Sehm
— Seime. Gen. Siemes; Siemen.
Vklf. (l): Siemel. Patr. A. Siemelink. Patr. Zss.
Siemsen.
SIGIL I. Erweiterung aus Sig.
Siclehar: Siegeler — Sickler — Siehler Segeler —
Seeler.
(Sigilwall): Süllwolt (Preuß 7).
SIGIS I. Erweiterung aus Sig.
Sigismund; Siegesmund.
Sigge s. Sig (einst. K.).
Sikkes s. Sig (einst. K.).
Silges s. Cyriacus.
Sim-, Simm- s. a) Sig (V.) b) Sind.

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Simmeler III. mittellat. similarius „Semmelbäcker“ (ahd.
simila, semila, mhd. simele, semmile vom lat. simila,
Weizenmehl).
FN. Simmeler — Semmler.
Simmergott III. aus mhd. sam mir got, sem mir got „sowahr
mir Gott (helfe)“.
Simon II. hebr. Schim-ôn „Erhörung“ 1) der Sohn Jakobs
(Simeon) 2) N. zweier Apostel: Simon Petrus u. Simon
von Kana.
FN. Schimon — Simon (auch jüdisch), Siemon. Zss.
Simonmathes. Gen. (lat.) Simonis — (deutsch)
Simons, Symons; Siemens. Patr. Zss. Simonsen.
Hermann u. Paul Simon, angenommene Söhne der
verwitweten Frau Adelgunde v. Kleist, geb. v.
Zastrow, 1855 geadelt: Simon v. Zastrow.
Simp- s. Sind.
Simrock III. wohl = FN. Siebenrock.
Simson II. hebr. Schimschôn „kleine Sonne“.
FN. Simson; Simpson — Samson.
Sin-, Sind- s. Sind.
SIND I. got. sinths, ahd. sind, mhd. sint, altsächs. sîd „Weg,
Reise, Heereszug“, wobei jedoch auch das von sind
abgeleitete gisindi Begleitung (Gesinde) in Betracht zu
ziehen ist.
FN. Sindebold: Simbol; Simmel.
Sindperht: Simprecht; Simper — Semperl; Semper.
Sinthar: Sinther — Sitter. Gen. Sinders.
Sindram: Sinram — Simram — Zindram, da s im
Niederd., namentl. aber im Fries. in z übergeht.
(Sindleif): Sinleif.
Sindmar: Simmer. Vklf. (l + n): Simmerlein.

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Einstämmige Kürzung Sind-.
Sindo, Sido: Sindt — Sido; Siede — Seide — Sethe.
Gen. Sindts — Siats (Stade) — Sidden. Patr. A.
Sinning.
Vklf. (l): Siedel — Seidel. (k) Sindiko, Sidiko:
Seidig — Sittich. Gen. Sittjes (ostfries.). (z)
Sinzo: Sinz. (z + l): Sinzel.
Singer III. mhd. singaere „Sänger (lyrischer Dichter);
Kantor“. Dyetmar der mit zunamen Singer ist genant
(Marb. UB.).
Sinther, Sinz- s. Sind.
Sip-, Sipp- s. Sig (V., zweist. K.).
Sirot s. Sig (V.).
Sitt- s. Sind.
Sitz- s. Sig (einst. K.).
Sivekinck s. Sig (zweist. K.).
Skuhr s. Scur.
SMITH I. got. smitha, ahd. smid, mhd. smit „Schmied“,
ahd, smîda Metall. Mindestens seit dem 9. Jh. in EN.
nachweislich (S. 43).
FN. (Smidpoto): Schmittpott.
Smidhart: Schmittat.
(Smidher): Schmitter (doch auch mehrere Dörfer
Schmitten in der Schweiz) — Schmieder; zsgz.
Schmier — Schmeder.
(Smidman): Schmidtmann — Schmedemann. Gen.
Smitmans (Mörs).
(Smideald): Smital.
Einstämmige Kürzung Smith-.

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Smido: Smid — Schmid. Gen. Schmits, gew. in der
Schreibung Schmitz (niederrhein.) — Smets —
Smedes — Schmedes; Schmeda (die letzten drei
FF. ostfriesisch). Patr. A. Schmidding —
Schmitting — Schmieding — Schmeding —
Smeddink (westf.).
Vklf. (l): Smidilo: Schmiedel; Schmiedle;
Schmiedl. (l + n): Schmidlin; Schmidtlein. (k)
Smidiko: Schmidtke; Schmidge — Schmiedicke
— Schmetje (ostfries.) — Schmädicke. (k + n):
Schmiedeken; Schmiedchen; Schmiedigen.
SMUK I. mhd. smücken „schmücken“.
FN. (Smuckhart): Schmuckert — Schmückert —
Schmücker.
Einstämmige Kürzung Smuk-.
(Smucko): Sckmock. Patr. A. Schmücking.
SNEL I. ahd. mhd. snel „schnell“, bes. auch ehrendes
Beiwort der Helden.
FN. Snelhart: Schnellhard.
Snelmann: Schnellmann.
Snelrad: Schnellrath.
Einstämmige Kürzung Snel-: Snel — Schnelle —
Schnöll.
Snyders s. Schneider.
Solmeyer III. „der M. am Soll, Sohl“ (kleiner Sumpf).
Solter, Sölter s. Salzer.
Sommer I. III. schon im 8. Jh. Sumar. In örtlicher Zss. wie
Sommerhalde bezeichnet es die Südseite, sowie Winter-
die Nordseite. So auch wohl in Sommerbauer.

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Sommerlatte III. ahd. sumarlata, mhd. sumerlate „der einen
Sommer alte Sprößling, Jahresschößling“. Hartman
Sumerlat 15. Jh.
FN. Sommerlatte; Sommerlath.
Sommervogel III. „Schmetterling“ (allemannisch-schwäb.).
Sondermann III. mhd. sunderman, -liute „Hörige“ (weil in
keiner Genossenschaft stehend).
Sonnabend s. Tag.
Sonne a) I. Sunno 4., wohl zu sunna „Sonne“ gehörig b) III.
von Häusernamen (S. 60). Nach Buck S. 261 heißen
mehrere Edelhöfe in Bayern Sonne, Sonnen, dah.
Sonnenmaier.
Sonnenkalb III. Altgot. sunnunchalbus 1228 (Bacm.)
„Kugelkäfer“ (coccionella).
Sonner s. Sund.
Sonntag III. s. Tag.
Sötebier III. niederd. „Süßbier“ s. Bier. Auch Sötbeer.
Spalteholz III. Satz-N., ein „Holzspalter“.
Spaniol III. = Spanier, von der spanischen F. Español.
Spannan III. Satz-N. — Gegensatz: Spannaus — Spannuth,
Spanuth (niederd.) „spann aus“ — urspr. wohl
Aufforderung auf einem Gasthausschilde.
Sparnicht III. Satz-N. „spare nicht (nichts)“. Ebenfalls Satz-
N.: Sparschuh. Sparwasser.
Specht III. der baumhackende Vogel, welcher in der
Volkssage eine Rolle spielt, indem er die „Springwurzel“
zu finden weiß (Grimm, Myth. S. 1222).
Speckäter III. niederd. „Speckesser“ (Spottname).
Specketer 1404.
Spelling s. Spil.

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Spener III. „Stecknadelmacher“. Spenen wurden früher die
Stecknadeln wegen ihrer Ähnlichkeit mit Dornen genannt,
gewöhnlicher verkleinert, ahd. spinula, mhd. spinele,
spenel, nhd. (bayr.) Spenel, Spennadel.
Spengler III. mhd. spengelaere (vom ahd. spanga Spange,
Beschlag), „Blechschmied, Klempner“. Oberdeutsch (s.
„Spenglergäßchen“ in Augsburg).
Sperling III. anscheinend der Vogel, wie sich auch Spatz als
FN. findet. Doch gibt es ahd. schon die Stämme spar (zu
sparen) und spir (Speer) in EN.
Spiecker III. niederd. = „Speicher“, vgl. Mechtildis dicta de
granario 1302. Davon Spieckermann „der im Speicher“.
Spielmanns III. (niederrhein.) ahd. spilaman, mhd. spilman
Spielmann, fahrender Sänger.
SPIL I. ahd. mhd. spil „Scherz, Zeitvertreib —
Kampfspiel.“ Spilihard.
FN. (Spiliman): Spillmann.
Einstämmige Kürzung Spil-.
Spilo: Spiel. Patr. A. Spelling. Vklf. (k): Spilleke.
Spindler III. „Verfertiger von Spindeln (Drechsler)“. Auch
Spiller (Gottschee) — Spilner.
Spittler III. „einer aus dem Spittel“. In vollerer Form
Spitaler.
Splettstößer III. der „Splitte“ (niederd. F. zu mhd. splîze
Span, scindula), bes. wohl Dachsplitte „verkauft“, vgl.
mhd. salzstoeȥer der Salz im kleinen verkauft.
Splietop III. Satz-N., niederd. „spleiße auf, spalte auf“ s.
Spalteholz.
Splittgerber III. „der Splitte (s.Splettstößer) macht“. Auch
Splittegarb.

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Sporer III. mhd. sporaere „Sporenmacher“. Auch Sporrer u.
Sporner. Mit Umlaut Spörer u. Spörner.
Sprenger III „Steinsprenger“.
Springer III. mhd. springaere; die „Springer“ (Tänzer,
Gaukler) gehörten im Mittelalter zu den „fahrenden
Spielleuten“.
Springinklee III. Satz-N., Springenklee (Altmarburg).
Springinreif, vgl. Springinrink (Becker). Springenzaun.
Springinsgut, verkürzt Springsgut III. Satz-N., nach Vilmar
Scherzname für einen, der mit einem Mal reich wurde
(od. für einen kühnen Angreifer fremden Gutes, Schütte).
Springmann III. Ghezeke van dem Springhe (Quell) 1109
— zwei Jahre später Gh. Springmann.
Springsfeld III. Satz-N., verkürzt aus Springinsfeld,
welches noch als Appellativum einen munteren, bes. im
Springen gewandten Menschen bezeichnet, vgl. FN.
Springinslant (Becker).
Spundflasche III. von Pauli angeführt aus Münden.
Staaßen, Staats, Staatsmann s. Eustathius.
Stach s. Eustachius.
Stadler III. mhd. stadelaere von ahd. stadal, mhd. stadel,
Scheuer (Stadel noch jetzt südd.) 1) „Aufseher über den
Stadel“ 2) „Inhaber eines Stadelhofes“.
FN. Stadler (auch häufiger südd. ON.) — Städler. Zss.
Stadlmann (bayr.). Stadelbauer.
Stadt III. ahd. mhd. stat, altsächs. stad urspr. nur „Ort“, in
ON. kaum vor dem 8. Jh. nachweisbar. Heutige FF. 1) -
stadt, -statt 2) -stedt, -stätt (vom Dativ Sg. -steti) 3)
niederd. -stede, -sted (so bei Klemp.: Bornestede,
Lockstede, de Eykstede) 4) Plur. (Dat. -stetim) -stätten, -
stetten.
FN. 1) Oberstadt. Karlstadt.

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2) v. Mittelstädt. Bohnstedt. Eichstedt.
Quenstedt. Arnstett. Bernstett.
3) v. Borgstede. Hammenstede. Otterstede.
Willstede. Carsted (O. Karstedt) — auch
-stedde: Beckstedde.
4) v. Benstetten. Manstetten.
Ableitung auf -er (oberd.):
Hofstädter (O. -stett und -stetten). Rastätter.
Achstetter (O. -stetten). Helmstetter (O. -städt,
auch -stedt geschrieben). Hochstetter (O. -stadt, -
stedt, -stetten in verschied. Schreibungen).
Kirchstetter (O. -stetten). Brandstötter (Ober-
Österr.).
-städt s. Stadt.
STAHAL ahd. stahal, mhd. stahel „Stahl“. Stahelhart 8.
Stahalolf.
FN. Einstämmige K. Stahal-.
Stahal, Stalo: Stahel — Stahl — Stähle — Stehely
(schweiz.). Patr. A. Stähling.
Vklf. (l + n): Stähelin — Stehlin. (k): Stehleke;
Stehlich.
Stahl-, Stähl- s. Stahal.
STAIN I. got. stains, ahd. mhd. stein „Stein“ (als Waffe, vgl.
hamar, auch wâfanstein).
FN. (Steinbreht): Steinbrecht; Steinbart.
Staniger: Steiniger.
Stainhard: Steinhart; Steinert.
Steinher: Steiner; Steinherr.
(Steinmar): Steinmar — Steimar; Steimer.
(Steinrich): Steinrich.
Einstämmige Kürzung Stain-.

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(Staino): Stein — Stehn.
Vklf. (l): Steinel; Steindel — Stainl; Staindl (öst.)
(l + n): Steinlein. (k): Steinecke; Steinigke;
Steinick; Steinig; Steinke.
Auslautend -stein (13 mal Först.): Adelstein.
Stall III. in ON.
Ableitung auf -er (oberd.):
Buchstaller; Eberstaller; Seestaller.
Stammler III. mhd. stamelaere, stemeler „Stammler“
(Heinrich der Stammler 1290); vgl. lat. Balbus.
FN. Stammler — Stämmler.
Standfest III. Satz-N. „stehe fest“. Jünger auch Stehfest.
STANG I. ahd. stanga, mhd. stange „Speerstange“ (got.
stiggan „stechen“).
Einstämmige Kürzung Stang-.
Stange. Vklf. (l): Stengel. (l + n): Stenglin. (z):
Stentzel.
Stange a) I. s. Stang b) III. vgl. Heinricus dictus Stange
1294.
STARC I. ahd. starah, mhd. starc „standhaltend, stark“.
FN. Starkhar: Sterker.
Starcman: Starkmann.
Starculf: Starklof.
Einstämmige Kürzung Starc-.
Starco: Starke; Starck — Stärke; Sterck. — Vklf. (l):
Starkel.
Stark-, Stärk- s. Starc.
Statius s. Eustathius.
-stätter s. Stadt.
Stattmeyer III. = Stadelmeyer s. Stadel.

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Staubesand III. Satz-N. „stäube den Sand, wirble den Sand
auf“ (Pott). Wohl ein flotter Reiter. Niederd. Stövesand.
Stechmesser III. Niederd. Steckmetz. „Dolch“. (Lübben,
Etwas über niederd. FN. S. 5.) Entstellt: Stekemest.
Steckmetz s. Stechmesser.
Sted-, -stedde, -stede, -stedt s. Stadt.
Stehl- s. Stahal.
Stefan, Steffen s. Stephanus.
Steg(e)mann III. „der am Stege“. Otto van dem Stege 1272.
Steig III. in Zss.
FN. Mardersteig (s. Martersteck). Richtsteig.
Stein- s. Stain.
-stein s. a) I. Stain b) III. Stein.
Stein III. ON. Außerordentlich viele Felsen und Örter tragen
diese Bezeichnung. Daneben läuft, weil die
Bodengestaltung wenig Veranlassung gab, nur wenig
Niederdeutsches auf -steen. Schon seit dem 8. Jh. die
ältesten dieser N., wie Uncunstein.
FN. Billenstein. (O. Billstein). Brandenstein. v.
Eberstein. Giebigenstein (O. Giebichenstein).
Lauenstein. Frhr. vom und zum Stein. Stein von
Kaminski (S. 69). (Dagegen Holstein entstellt, s.
Holste.)
Ableitung auf -er (oberd.):
Buchsteiner. Fahrsteiner. Höllensteiner.
Landsteiner. Obersteiner.
Stein III. zur Bezeichnung von Steinarten und von
Werkzeugen, vgl. Zunamen: der Hagelstein 14. Jh.,
nachher Conrad hagelstain (Bacm.).
FN. Barnstein (niederd. = Bernstein d. i. Brennstein).
Feuerstein. Goldstein (jüdisch). Kloppstein (der

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Klopfstein der Schuhmacher). Schornstein. Wettstein
(Wetzestein).
Steinbick III. „Steinmetz“, von bicken = hauen. Auch
Steinbicker.
Steingrobe III. Steingrapen (s. Grapengießer).
Steinhauer III. altklevisch steynhouwer „Steinmetz“.
Steinmann III. niederd. Stehmann aus Stênmann (Lipp.
Reg.).
Steinmetz III. mhd. steinmetze. Als FN. auch Steinmatz.
Stellmacher III. der Wagengestelle macht, „Wagner“; auch
norddeutsch (bei Klempin: stelmaker).
Steng- s. Stang.
Stephanus II. griech. „Kranz“, erster christlicher Märtyrer
(Apostelgesch. Kap. 6–7).
FN. Stephanus. Gen. Stephani (mit Verrückung des
Tones auf die mittlere Silbe). Stephan (Zss.
Mühlstephan), in österreichischer Schreibung Stefan
— Stephen, Gen. Stephens; Steevens (ostfries.) —
Steffen, Gen. Steffens — Stöffen. Patr. Zss.
Steffensen. — Stieve (Preuß 27).
Sterck s. Starc.
Stern III. als FN. z. T. durch Hauszeichen vermittelt (S. 60).
Zss. Abendstern. Morgenstern (auch ON.). v. Lilienstern.
Stets s. Eustathius.
-stetter s. Stadt
Steuber s. Badstüber.
Stibbe s. Stid.
Stichtenoth III. „Stiftsgenosse, Ministerial des Stifts“. Auch
Stichnoth; Stichternath.

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Sticker III. in den Zss. Seidensticker; auch -stücker:
Goldstücker.
STID I. (ahd. stind), angels. stîdh, altsächs. stîth „steif,
strenge“.
FN. (Stidbald): Steibelt.
(Stidhard): Stiedert.
Einstämmige Kürzung Stid-.
Stinde; Stindt.
Vklf. (l): Stindl.
Zweistämmige Kürzung Stindb-.
(Stibbo): Stibbe — Stippe. Patr. A. Stiebing. Vklf. (l):
Stippl. (k): Stippich.
Stieber s. Badstüber.
Stiel- s. Stil.
Stier- s. a) I. Stiur b) III. „Stier“.
Stighelli aus Stiegele verwelscht (S. 68).
STIL I. zu ahd. stilli „still“, altsächs. stilljan, ahd. stillan,
mhd. stillen „beruhigen, stillen“, z. T. auch wohl zu stil
„Stiel“ (Speerschaft).
FN. Stilfrid: Stillfried.
(Stillihart): Stillert — Stielert.
Stillihere: Stiller — Stieler.
(Stillirih): Stillreich.
Einstämmige Kürzung Stil-.
(Stillo): Stille; Still — Stiele; Stiehl. Gen. Stils. Patr.
A. Stilling.
Vklf. (k) Stilico 4. (Vandale): Stilke.
Still- s. Stil.
Stind- s. Stid.

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Stinus s. Augustinus.
Stipp- s. Stid.
STIUR I. ahd. stiuri, stûri „groß, erhaben“.
FN. Stiuri 9.: Stier — Stuhr (auch ON.). Gen. Stiers;
Stieren. Patr. A. Stühring.
Vklf. (l + n): Stierlein.
Stöbener, Stöber s. Badstüber.
Stock 1) ON. ahd. stoch, mhd. stoc „Baumstumpf“ — geht
zwar meist auf die stehengebliebenen W u r z e l s t ö c k e
gefällter Bäume; doch ist in manchen Fällen auch die
Bed. „Berg“ in Betracht zu ziehen, vgl. Gebirgsstock. In
ON. -stock, -stöck.
FN. v. Birkenstock. Haberstock. Hilgenstock.
Sengstock. (Slawisch in Rostock u. a.).
2) Pflanzen und Geräte:
FN. Rebstock (S. 61) — Klopstock.
Stocker III. 1) „Gefangenwärter“, von stocken, in den Stock
setzen (stoc urspr. der Block, in welchen die Füße der
Gefangenen gesetzt wurden, dann Gefängnis überhaupt).
2) „Holzfäller“ (Buck).
FN. Stocker — Stöcker — auch Stöckler.
Stockmann III. „Gefangenwärter“.
Stoff- s. Christophorus.
Stöffen s. Stephanus.
Stoffer, Stöffer s. Christophorus.
Stoiber s. Badstüber.
Stollenbecker III. der „Stollen“, d. i. eine Art feines
Weizengebäck, „backt“.
Stolterfoth III. niederd. „stolzer, stattlicher Fuß“.

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Stolz III. ahd. mhd. stolz „stolz, stattlich“.
FN. Stolze; Stolz. Niederd. Stolte. (Doch deuten N. wie
Stölzel, ad. Stolzelin, Stolzke, niederd. Stölting darauf
hin, daß dieser Stamm schon in der 1. Periode zur
Namenbildung verwendet wurde).
Stoppel s. Christophorus.
Storch III. ahd. storah, mhd. storch (s. Adebar).
Storm, Störmer s. Sturm.
Stötter s. Stadt.
Stövesand s. Staubesand.
Stöwer s. Badstüber.
STRAL I. ahd. strâla, mhd. strâle „Pfeil“ (die Strahlen der
Sonne sind nach der Mythe die Pfeile des Sonnengottes).
Stralhelm 8.
FN. (Stralheri): Strahler.
Einst. Kürzung Stral: Strahl — Strehle.
Vklf. (k): Strehlke.
STRANG I. ahd. strangi, mhd. strenge „stark“. Strangolf 9.
FN. (Strangheri): Stränger.
Einstämmige Kürzung Strang-: Strang — Strenge.
Vklf. (z) Stranzo (aus Strangizo): Stranz —
Strentz. Gen. Stranzen.
Stränger s. Strang.
Stranz- s. Strang.
Straße III. ahd. strâȥa, mhd. strâȥe aus lat. (via) strata
„geebneter, gepflasterter Weg“.
FN. Wasserstraß. Niederd. Strate, Strote (Baltzer van
der Strate 1558): van Straaten. (Kleve). v. Salm-
Hoogstraeten (niederländ.). Strotkötter.
Ableitung auf -er (oberd.):

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Langenstraßer. Hochstraßer. Steinstraßer.
Straubhaar III. „mit struppigem Haar“, vom mhd. strûben
rauh emporstehen.
Straub-, Strauß, Strautz s. Strud.
Streckfuß III. Satz-N., der Streckfuß 1377. Auch Beiname
des Todes (Grimm, Myth. S. 812). Streckdenfinger.
Strehl- s. Stral.
Streisgrut III. Satz-N. „streue das Gut“ d. i. ein
Verschwender (wie z. B. Kaiser Friedrich III., der Träge
und Geizige, seinen feurigen und unternehmenden Sohn
Maximilian ein „Streudasgütlein“ zu nennen pflegte).
Streit- s. Strid.
Streng-, Strentz- s. Strang.
Streub-, Streußel s. Strud.
STRID. I. ahd. mhd. strît, altsächs. strîd „Streit“ (mit
Waffen, vor Gericht).
FN. Strither: Strieder — Stritter — Streiter.
(Stridolf): Streitwolf.
Einst. Kürzung Strid-: Stridde — Stritte — Streit.
Zweistämmige Kürzung Stritb-.
(Stripo): Vklf. Striepecke.
Stridde, Stried-, Stritt- s. Strid.
Stroh-, Ströb-, Strodel, Strödell, Stroll s. Strud.
Ström III. schwedisch „Strom“ — zweiter Teil der Zss. in
einigen Namen, die von dem 30jähr. Kriege und der
schwedischen Beherrschung Vorpommerns herstammen
(S. 77).
FN. Bergström (Meckl.-Strelitz). von Tigerström
(Vorpommern). Wickström (Herzogt. Lauenb.).
Strote s. Straße.

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Strott s. Strud.
Strub-, Strüb- s. Strud.
STRUD I. zu ahd. strudjan, angels. strudan „verwüsten,
rauben“.
FN. (Strudbalt): Strubelt — Strobolt; Strobel.
(Strudbert): Ströbert — Straubert — Streubert;
Streuber.
(Strudmar): Strummer.
Strudolf: Strutwolf.
Einstämmige Kürzung Strud-.
Strodo: Strud — Strott.
Vklf. (l): Strodel; zsgz. Stroll (Strullo 8.) —
Strödell; zsgz. Ströhl — Ströll. (k): Struck. (z)
Struz; Strutz; Struß — Strautz; Strauß. (z + l):
Strützel — Streußel.
Zweistämmige Kürzung Strudb-.
Strobo: Strube — Straube — Stropp. Patr. A.
Strübing.
Vklf. (l): Strübel — Straubel — Streubel —
Strobel — Ströbel.
Strummer, Struß, Strut-, Strützel s. Strud.
Stübener s. Badstüber.
Stubenhauer III. vermutlich = „Stubbenhauer“, der
Baumstubben ausrodet, vgl. FN. Stubhenhouwer Klemp.
Stüber s. Badstüber.
Stugart III. mundartl. statt Stuttgart.
Stuhr, Stühring s. Stiur.
Stührmann III. niederd. „Steuermann“.
Stüler III. = Stuhlmacher.

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STURM I. ahd. sturmi, altsächs. storm „Aufregung,
Unwetter, Kampf“.
FN. (Sturmheri): Stürmer — Störmer.
Einstämmige Kürzung Sturmi: Sturm; Sturmb —
Storm. Gen. Storms.
Suchenwirth III. Satz-N. „suche den Wirt“ d. i. einer, der
das Wirtshaus zu finden weiß. So auch niederd.
Sökedrunk (Lübben S. 43). Suchsbrot.
Suchsland III. Satz-N. „suche das Land“. Niederd.
Sökeland.
Sud III. „Süd“ — in Sudhof; Sudmeyer (s. Sund).
Suder, Sudor s. Sutor.
Sudmer s. Sund.
Südekum s. Siehdichum.
Süllwoll s. Sigil.
Sulze III. mhd. sulze, mittelniederd. sulte „Salzquelle“. Sulz,
Sulza häufig in ON.
FN. Sulze — Sulzer — Sültmann.
Sumsnit III. Satz-N. „säume damit nicht“. Auch Sümenicht.
SUND I. zu ahd. sund „Süden“ (wie die mit Nord-, Aust-,
West- beginnenden N. von den drei andern
Weltgegenden).
FN. Sundhari: Sunder (Sundermann; Sündermann) —
Sonner.
(Sundmar): Sudmar.
Zweistämmige Kürzung Sundb-.
Suppo: Suppe — Saupe.
Sund III. ahd. sund „Süden“, sundar, mhd. sunder —
mitteld. suder „südwarts gerichtet“. In Zss. wie
Sunderhof, entstellt Sünderhauf (Andresen Volksetym. S.

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62) — Sudhof; Sudhaus — Sundermann — Suerjohan
(Preuß).
Süpke s. Sig (zweist. K.).
Suppe s. Sund.
Supprian s. Cyprianus.
Suter III. ahd. sûtâri, mhd. sûtere, seuter (aus lat. sutor)
„Schuhmacher, auch Schneider“.
FN. Sutor — Sudor — Suttor — mehr verdeutscht
Suter — Suder — Sutter (Hermann der Suter 1331);
auch Suttner — Sauter — Seuter. Vklf. Sütterle;
Sütterlin — Seuterlin. Zss. Seutermann —
Suttermeister. (Alle diese FF. süddeutsch, bes. am
Oberrhein).
Aus dem zu bestimmterer Bezeichnung gebildeten
schuochsuter wurde schûchster, endlich Schuster
(schon 1236 Bacm.). Zss. Kleinschuster,
Sandschuster.
Sutt- Sütt- s. Sutor.
Swaans s. Swan.
SWAB I. zum Volksstamme der „Schwaben“ gehörig.
Swabperaht u. a.
Einstämmige Kürzung Suab-.
Swabo: Schwabe — Schwob — Schwebe.
Vklf. (l): Suabilo: Schwabel — Schwebel (k):
Schwäbig; Schwebke.
SWAN I. ahd. swâna, mhd. swâne „Schwan“. Dieser wegen
seiner Schönheit gefeierte Schwimmvogel spielt auch in
der deutschen Mythe eine Rolle, namentlich indem die
Walkyrien, die Dienerinnen des Wuotan, sich durch
Anlegung des Schwanhemdes (oder Schleiers) in

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Schwäne verwandeln können: Schwanjungfrauen. Es war
also den Germanen ein heiliger Vogel.
FN. Swanager: Schwaniger.
(Swanheri): Schwaner.
Suanehard: Schwanert.
(Swanold): Schwenold.
Einstämmige Kürzung Suan-.
(Swano): Schwane; Schwan — Schwann — Schwon.
Gen. Swaans (ostfries.).
Vklf. (k) Suanucho: Schwanecke — Schwannecke
— Schwanck — Schwenecke. (k + l):
Schwenkel.
SWARZ I. ahd. swarz „schwarz“, altsächs. swart. Swarzolf.
FN. Swarzman: Schwarzmann.
Einstämmige Kürzung Swarz-.
(Swarzo): Schwarz. Patr. A. Schwarting.
Sweers s. Swinth (V.).
Swidden s. Swinth (einst. K.).
SWINTH I. got. swinths, ahd. swind, altsächs. swîth „stark,
heftig, geschwind“.

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FN. Suindbert: Schwiebert — Schwippert —
umgedeutet: Schweinebart (Preuß 6).
Suintfrid: Schwiefert.
Swidger: Schwieger. Patr. A. Schwiegerling.
(Swithgard): Schwickard — Schwiegert —
Schwichert — Schweighard — Schweickard;
Schweikert; Schweigert.
Swidher: Schwinner — Schwieder — zsgz. Schwier
— Schwidder — Schweder — zsgz. Schwehr —
zerdehnt Schweier. Gen. Schwitters — Schwers;
Sweers (ostfries.). Patr. A. Schwering —
Schwiering.
(Swindeman): Schwendemann.
(Switald): Swithal.
Einstämmige Kürzung Swinth-.
Suint: Schwindt — Schwinn — Schwend — Schwenn
— Schwiede — Schwitte — Schwidde. Gen.
Schwedes — Swidden (ostfries.); Schwidden. Patr.
A. Schwieding — Schwenning. Patr. Zss.
Schwennsen (Schleswig).
Vklf. (k): Schwindtke — Schwincke —
Schwendicke — Schwetje — Schweik.
Zweistämmige Kürzung Swinthm-.
(Swimo): Schweim.
Swithal s. Swinth (V.).
Sy s. Sig (einst. K.).
Syb- s. Sig (V.).
Sydicum s. Siehdichum.
Symons s. Simon.

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T.
Tab-, Tabb- s. Dag (V.).
Tack- s. Dag (einst. K.).
Tadd- s. Dad.
Tag-, Täg- s. Dag (V., einst. K.).
Tag III. Personen-Namen von der Z e i t hergenommen, bes.
von Zeit und Umständen der Geburt.
FN. Unter den Wochentagen bes. häufig Sonntag
(„Sonntagskinder“) und Freytag (als Christi Todestag
frommen Eltern vorzugsweis merkwürdig, daher
auch FN. Charfreytag) — viel seltener die übrigen:
Montag. Mittwoch. Donnerstag. Sonnabend. (In
Berlin fand sich 1867 der N. Sonntag 28 mal,
Freytag 24 mal, dagegen Montag nur 8 mal,
Sonnabend nur 4 mal). Außerdem Mittag. Ostertag.
Tägener s. Thegan.
Tagge s. Dag (einst. K.).
Täglichsbeck III. „der ein Tägliches backt“ (s. Beck).
Tam- s. Thanc.
Tandler III. „Händler mit alten Sachen, Trödler“
(süddeutsch, z. B. in München).
Tang-, Tank- s. Thanc.
Tann III. ahd. tanna, mhd. diu tanne „Tanne“, der tan
„Wald“; bei neueren Dichtern (Uhland) noch jetzt Tann =
Wald. Daher ON. Tann, -tann.
FN. Tann. v. der Tann.

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Ableitung auf -er (oberd.): Tanner. Gitzentanner.
Tanz- s. Thanc.
Tapken s. Thiud (zweist. K.).
Tapp- s. Dag (V., einst. K.).
Täschler s. Taschner.
Taschner III. „Taschenmacher“ (früher ein
„Taschnergäßlein“ in Nürnberg).
FN. Taschner — Täschner — Däschner. Auch
Taschler, Täschler und Däschler.
Tatje s. Dad.
Taub- s. Thiud (V.).
Taube III. Bild der Unschuld und Friedlichkeit (Noah’s T.
mit dem Ölblatt; auch die entweichende Seele der
Märtyrer hat oft nach der Legende die Gestalt einer
Taube) — nach Matth. 3, 16 Sinnbild des h. Geistes.
Daher spielt die Taube eine Rolle in der Symbolik des
Mittelalters, wo die weiße T. auf Johannes den Täufer, die
purpurne auf Christum gedeutet wird, der sein Blut für die
Menschheit vergoß. Die Taube als Hauszeichen S. 60.
FN. Taube. Zss. Ringeltaube.
Tauscher III. mhd. tûschaere „Händler“ (s. Roßteuscher).
FN. Tauscher — Teuscher.
Tausendfreund III. s. Freund (bedeutet hier „tausend“ eine
Verstärkung, etwa wie „Tausendschön“?). Auch
Siebenfreund findet sich als FN.
Taute s. Thiud (einst. K.).
Tawartmann s. Dag.
Tebben s. Thiud (zweist. K.).
Tebeding s. Thiud (V.).
Ted- s. Thiud (V., einst K.).

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Teetz s. Thiud (einst. K.).
Tegeler III. Klemp. Tegheler, niederd. = „Ziegler“,
Ziegelbrenner.
Tegen s. Thegan.
Teget = Zehnt, in Zss. wie Tegetpferd. Tegethof —
Tegetmeyer (s. Meier).
Tegge s. Dag (einst. K.).
Teibel s. Thiud (zweist. K.).
Teich m. mhd. tîch, alts. dîk der „Teich“.
In mannigfachen Ortsbezeichnungen, bes. in der niederd. F.
dieck (dick) in Nordwest-Deutschland (wie es auch in
Münster eine „Dieckstraße“ gibt).
FN. ten Dyck. tom Dieck.
Beberdieck (Biberteich). Buddendieck. Düsterdieck.
Fahldick (Fohlen-). Flaßdieck. Gräfendick.
Kastendyk, Castendyck (O. Kastendick). Kranendick.
Butendieck (hamburg. Inseln) — halbverhochd.
Butenteich. Mohrdieck, -dick (O. Moordeich, -diek).
Mönkendieck. Oberdieck; Överdieck; Averdieck
(Eutin). Papendieck. Schapdick. Schäferdick.
Schweckendiek.
Ableitung auf -er (westf.): Niendiecker. Papendiecker.
Pappendieker.
Teichert s. Dih.
Teichmann III. s. Teich (auch Deichmann). Niederd.
Dieckmann, im Jeverlande = Deichmann.
Teidel s. Thiud (einst. K.).
Teimer s. Thiud (V.).
Teipel s. Thiud (V.).
Teirich s. Dag (V.).

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Telgenhauer III. „der Zweige (niederd. Telgen) abhaut“.
Tellkampf III. s. Tilgenkamp.
Temme s. Thiud (zweist. K.).
Tempel s. Thegan (V.).
ten, ter III. abgeschwächt aus tom, tor, die noch erhalten
sind in Tombrink (Dombrink), Tombreul (Münster),
Thorbecke. Niederd. F. für zum, zur (w. m. s.) in
Ortsbezeichnungen, die dann auf Personen und Familien
übertragen wurden.
FN. (bes. häufig in Westfalen und am Niederrhein, in
der Nähe der holländischen Grenze):
Tenbaum. Tenberge; auch Then-Berg. ten Brink.
Tenbusch. ten Cate und ten Doornkaet-Koolman
(ostfries.). Tendahl. ten Dyck, Tendyck („zum
Teiche“). Tenhagen. Tenholt („zum Holze“). ten
Hompel. ten Winkel.
Terbeck (zum Bache; niederd. de beke). Terbruggen;
Terbrüggen. Terfloth. Tergast („Geest“). Terhardt
(„zum Gebirge“). Terhoffstedde. Terhorst.
Terlinden. Termöllen (Kr. Tecklenburg); ter
Meulen (Gronau, Landdrostei Hildesheim, vgl.
hochd. Zurmühlen). Tersteegen. Tervoort („zu der
Furt“). Auffallend mit Wechsel des Geschlechtes:
ter Meer. ter Stein. — Teröverst.
Tenke, Tentzel s. Thanc.
Ter s. ten — doch ter Nedden s. Tornedden.
Tet- s. Thiud (V.).
Tett- s. Thiud (V., einst. K.).
Tetz- s. Thiud (einst. K.).
Teub- s. Thiud (V.).

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Teufel a) s. Thiud (Theudobald) b) III. aus dem
Kirchenlatein diabolus (griech. διάβολος) „Beschuldiger,
Verlästerer“ (der Menschen bei Gott, s. Hiob Kap. 1. 2);
schon ins Gotische aufgenommen als diabaulus, ahd.
tiufal, mhd. tiufel. vgl. Fahland.
FN. („der Tuvel“, Appo dictus Diabolus schweiz. bei
Bacm.) Teufel, Teuffel. Niederd. Düwel. Reinbert
genannt Düvel, diabolus 1307 (Lipp. Reg.).
Häufig in Zss. (Satz-N. S. 52) Haschenteufel.
Jagenteufel; Jageteuffel. Schlagenteufel. — Niederd.
Bietendüwel aus Bitdendüwel. Schietenduivel. —
Manteuffel. Niederd. Dusendtüfel.
Teufelskind III. aus dem 15. Jahrh. von Vilmar angeführt,
vermutlich Abkömmling einer „Hexe“.
Teufert s. Thiud (V.).
Teuscher s. Tauscher.
Teuth s. Thiud (einst. K.).
Teutloff s. Thiud (V.).
Teutzel s. Thiud (einst. K.).
Tews s. Matthäus.
Textor III. Latinisierung von Weber.
FN. Textor; Texter; Textorius.
Thad- s. Dad.
Thal III. ahd. mhd. tal, alts. dal — in ON. seit dem 8. Jh.
ziemlich häufig. Heutzutage ist die Zahl der mit diesem
Grundworte bezeichneten teils wirklichen Täler, teils
bewohnten Örter unendlich groß: a) hochd. -thal b)
niederd. -dahl; die Kürze des a hat sich erhalten in den
fast ausschließlich niederösterreichischen N. auf c) -thall.
FN. 1) von Blumenthal. Engelthal. von
Lilienthal. Rosenthal (88 mal ON.
Rud.). In jüdischen FN. häufig bloßer

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Phantasie-N. (S. 66): Veilchenthal.
Lewinthal.
2) Boltendahl (halb verhochdeutscht
Bolzendahl). Heidendahl. Odendahl.
Rosendahl. Wischendahl; Wiesendahl.
3) von Derenthall.
Ableitung auf -er (oberdeutsch):
1) Engelthaler. Reinthaler. (Auch die
Joachimsthaler, abgekürzt „Taler“,
gehören bekanntlich hierher).
Tschurtschenthaler. Mit Umlaut
Lichtenthäler.
2) Thaller. Haidenthaller. Kirchthaller.
Wurmsthaller.
-thall, -thaller s. Thal.
Thammsen s. Thanc (zweist. K.).
THANC I. got. thagks, ahd. danch, thanc, mhd. dank
„Denken, Gedanke“. Vgl. hug.
FN. Dankhart: Dankert; Dancker — Denkert. Patr. A.
Tangerding.
Thancheri: Danker — Denker.
Tancmar, Tammar: Vklf. (l) Tammerl.
Dankwart: Dankwart; Dankwerth; Dankworth.
Einstämmige Kürzung Dank-.
Danko: Danko; Dank — Tanke — Denk — Tenke.
Vklf. (l) Danchilo: Danckel — Denkel
(Danckelmann) — Dengel. (z) Danzo: Danz —
Tanz. (z + l): Denzel — Tentzel. Patr. A. (südd.)
Denzler.
Zweistämmige Kürzung Dankm-.
Tammo (Stark S. 115): Tamme — Damm. Gen. Tams;
Tammen — Tammena (ostfries.). Patr. A.

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Tamminga (ostfries.). Patr. Zss. Thammsen.
Vklf. (k): Damcke — Tamke.
That- s. Thiud (V., einst. K.).
Thäte s. Thiud (einst. K.).
Thed- s. Thiud (einst. K.).
Thees- s. Matthäus.
THEGAN I. ahd. degan, thegan, mhd. degen, angels. thegn
„Degen“ d. i. junger Held.
FN. Theganbald: Tempel (Preuß 11).
Theganger: Deiniger.
Theganhard: Degenhard — Deinhardt; Deinert —
Theinhardt; Theinert — Dähnhardt (s. Stark S.
50); Dähnert — Dennhardt; Dennert — Dienhart.
Theganhar: Degener; Degner (bei Klemp. VN.) —
Tägener — Theiner — Dehner.
Deganolt: Degenhold.
Einstämmige Kürzung Degan-.
Thegan, Degano: Degen — Tegen — Dein — Thein
— Dehne.
Vklf. (l + n): Deinlein. (k): Denecke.
Theile s. Thiud (einst. K.).
Thein- s. Thegan.
Theis s. a) I. Dag (einst. K.) b) II. Matthias.
Thel- s. Thiud (einst. K.).
Themar, Theo- s. Thiud (V.).
Thesen s. Matthäus.
Theuer, Theurich s. Diur.
Thewald s. Thiud (V.).

Page 586

Thewes s. Matthäus.
Thias s. Matthias.
Thie s. Thiud (einst. K.).
Thiebes s. Thiud (zweist. K.).
Thieden, Thiel- s. Thiud (einst. K.).
Thiem- s. Thiud (einst., zweist. K.).
Thier- s. Diur.
Thies s. Matthias.
Thilo s. Thiud (einst. K.).
Thimmo s. Thiud (zweist. K.).
THIUD I. got. thiuda, ahd. diot, mhd. diet „Volk“ — seit
dem 2. Jh. v. Chr. in PN.: Teutobod, der Teutonenfürst im
Cimbern- und Teutonenkriege. In den mannigfaltigsten
FF. auftretend, indem durch Ausfall des i die begleitenden
Selbstlaute als alleinstehende Stammvokale erscheinen.
FN. Theudobald: Tiedebohl — Tietböhl — Diebold;
Diepolt; Diebel — Typold — Dippoldt; Dippel —
Tippold — Tippelt — Theobald; Theopold —
Debald; Debold — Tobald; Tobold; Topel — Döbold;
Döpel — Taubald — Deubold; Deubel — Dübel —
Däuwel — Teuffel — Deybaldt; Deibel — Teipel.
Gen. Tiebels. Patr. A. Tebeding.
Theudobert: Tieber — Dipper — Dobert — Dubbert
— Tauberecht; Taubert — Teubert; Teuber. Gen.
Dobers — Dübbers.
Deotprant: Dittebrandt — Dibbern — Dettbarn —
Dubbern.
Theudofrid: Diefert; Diefer — Düfert; Düfer —
Teufert — Defert.
Theutegar: Ditger — Tikker (ostfries.).

Page 587

Teudhard: Dietert — Dittert — Dethart; Detert —
Dautert — Daudert. Patr. A. Detharding —
Dederding.
Teuthar: Dieter (Dietermann) — Deter (Determann)
— Teder — Dotter — Dödter — Tödter. Gen.
Dieders — Deiters. Patr. Zss. Dedersen. Patr. A.
Detering — Dettring. Vklf. Dieterle (schwäb.) (l +
n): Dieterlen — Döderlein. Patr. A. Teterling.
Teuthram: Dietram.
Teutman: Dietmann — Diedemann — Tiedemann —
Thiemann — — Diemann — Dittmann —
Tittmann — Detmann — Tettmann — Tutmann —
Düttmann.
Thiudemer 4.: Diemar; Diemer — Thiemer —
Dittmar; Dittmer — Dettmer — Themar —
Teimer. Gen. Tiedmers — Dittmers — Dettmers.
Patr. A. Detmering — Diemerling.
Theotnand: Denant.
Theudoricus 1.: Dietrich; Dietreich — Diederich —
Ditterich — Tittrich — Dederich — Dereich —
Deutrich — Deitrich — zsgz. Dirk (z. B. Dirck,
Graf von Holland 984 — neben Diederich). Gen.
Diederichs — Dieterichs (latinis. Dieterici) —
Dierks; Dierken — Dirks — Dierickx — Derix —
Tjarks (fries.). Patr. A. Dierking. Patr. Zss.
Diederichsen — Dirksen.
Theudoald: Diethold — Diedelt — Ditwald —
Diewald — Dewald — Thewald. Gen. Dedolz.
Thiotvic: Dietwig.
Teuduin: Dewin.
Theudulf: Didolff; Diedloff — Tietloff — Dittlof —
Dedolph — Dettloff; Dettlef — zsgz. Delff —
Dötloff — Deudeloff — Teutloff — zsgz. Tülf.

Page 588

Gen. Dethlefs — zsgz. Delfs — Detheleven
(ostfries.). Patr. Zss. Detlefsen.
Einstämmige Kürzung Thiud-.
Tiuto, Dieto, Dudo usw. (in mehr als 50 altdeutschen
FF. bei Förstemann). Diede — Dieth — Tiede —
Titho — Ditt — Thie (Stark S. 38) — Thye —
Dede — Thede — Thäte — Detto — Dode —
Dodt — Thode — Tohte; Todt — Thute — Dudde
— Thutt — Daude — Taute — Deut — Theut.
Gen. (doch auch zu Teudin 8.): Thieden; Tiedens
— Thyen — Dittes — Didden — Tidden —
Tedden — Doden — Duden — Tuhten — Dudden
— Tjaden (ostfries.). — Plur. Tydena (ostfries.).
Patr. A. Dütting. (Gen.) Thedinga (ostfries.).
Vklf. (i): Thedy — Dudey. (l) Theudila: Dietel;
Dietle — Diedel — Titel — Dittel — Tittel —
Dedel — Dodel — Deitel — Teidel Mit
Ausstoßung des T-Lautes Thilo 8.: Dihle —
Thilo; Thiele (Thielmann) — Tillo; Tille; Till
(Tillmann) — Thele (Thelemann) — Thöle —
Thüle — Theile — Deyhl — Dilly — Tilly. Gen.
Detels — Dielen — Thielen — Tillmanns —
Thelen — Tholen. Patr. A. Tettling — Tiling. (l
+ n) Teudolin: Dietlein. (l + k): Thielicke; Tielke
— Tölke. Patr. A. Thielking; Tielker (früher
Tylekink Preuß 19). (k) Theodicho: Tiedge —
Diko — Tieck — Ticke — Tedicke — Dedich —
Detje — Docke — Thoke — Duttke — Tütge.
— Gen. Tiedken — Tietjens (ostfries.) —
Dieken — Ditges — Deeken — Deetjen — Dux
(= Ducks Preuß 14). Plur. Dikena (ostfries.). —
(k + n): Didtchen — Deutchen. (k + l): Tickel.
(z) Theuzo: Dietze (Dietzmann); Dietsche —
Tietz; Tietsch — Dietschi (schweiz.) — Ditz;
Diß — Titze; Titsch — Deetz — Teetz — Deitz;
Deiß — Deuß; Deutsch. Gen. Tietzen. Unorgan.

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Zss. Dietzer; Dietzold. (z + l): Dietzel; Dießl —
Teutzel — Tetzel. (z + k) Thieziko: Titzk —
Tetzke — Dutschke. (z + l + k): Dietzelke.
Zweistämmige Kürzung Thiudb-.
(Tiebo): Tiebe — Dippe — Tibbe — Topp — Dopp
— Töppe — Dubbe — Tubbe. Gen. Thiebes —
Tebben (Tebbenjohanns Oldenb.) — Toben. Patr.
A. Depping.
Vklf. (l): Diebel — Dippel — Tippel — Topel —
Döbel (s. auch Theodebald) — Deubel —
Deibel — Teibel. Gen. Tiebels. Patr. A.
Döbbeling. (l + n): Debbelin — Döbbelin. (k):
Tiebeck — Dipke — Döbbecke. Gen. Tapken —
Töpken.
Zweistämmige Kürzung Thiudm-.
Timo: Dieme — Thieme — Thimmo; Timme; Timm
— Temme. Gen. Tiems.
Vklf. (l) Dimmel — Timmel. (k): Diemke —
Thiemich — Timke.
THIU I. got. thius „Diener“, ahd. mhd. diu.
FN. Dioman: Thiemann.
Diomuod: Demuth.
Auslautend 80 mal (Först.):
-dei: Herndei.
-they: Parthey.
Thode, Thöle, Tholen s. Thiud (einst. K.).
Thom- s. Thomas.
Thomas II. hebr. „der Zwilling“ — der Apostel (Kal. 21.
Dec.).
FN. Thomas, Thomaß — latinis. Thomasius — Thoma;
Thome; Thom. Gen. (lat.) Thomae — deutsch Thoms
(was aber auch zusammengezogener Nom. = Thomas

Page 590

sein kann). Patr. A. Thomaser (Saarlouis). Patr. Zss.
Tomassen — Thomssen.
Vklf. (k): Thömsgen.
Thomer s. Dom.
Thormann III. „Torwächter“ (oder einer „der im Tore
wohnt“?). Latinis. Portius.
Thörner s. Türmer.
Thorwesten s. ter, zu.
THRAS I. got. thras in thrasabalthei „Streitlust“.
FN. Thrasolt: Tresselt; Tressel — Dressel.
Thudichum III. Satz-N „tu dich um“. Auch Thudium
(Ludwigsburg) „ein Betriebsamer“ (Erbe, Ludwigsburger
FN. 1901).
Thugut III. österreichischer Minister unter Maria Theresia,
urspr. Thunichtgut (angeblich oberösterreich. Umdeutung
des wälsch-tirolischen N. Tunicotto Pott S. 39). Als er im
Staatsdienst zu steigen begonnen, änderte die Kaiserin
den N. in obiger Weise.
Thüle s. Thiud (einst. K.).
Thum, Thüm- s. Dom.
THUNAR I. ahd. thonar, donar, mhd. doner „Donner“, in
EN. mit Beziehung auf Donar (nord. Thorr), den Gott des
Gewitters, der mit seinem Hammer, dem Blitz, die
Glutriesen verjagt. Donarperht 9.
FN. Donner. Gen. Donners.
Thurm III. in ON., altertüml. Thurn, ahd. mhd. turn (aus lat.
turris).
FN. Thurn. Fürst von Thurn u. Taxis. v. Weißenthurn.
— Hohenthurm. Lichtenthurn (O. -thurm).

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Thürmer III. mhd. turnaere „Turmwächter“ (noch in
Goethes Götz „Thurn“ u. „Thürner“).
FN. Thürmer — Törmer; in älterer F. Thurner;
Thurnher — Thürner — Thörner.
Thurn, -thurn s. Thurm.
Thurner, Thürner s. Thürmer.
Thute, Thutt s. Thiud (einst. K.).
Thye s. Thiud (einst. K.).
Thym s. 1) Dom 2) Thiud (zweist. K.).
Thyrolf s. Diur.
Tibbe s. Thiud (zweist. K.).
Tick-, Tidden s. Thiud (einst. K.).
Tidebohl s. Thiud (V.).
Tieb- s. Thiud (V., zweist. K.).
Tieck s. Thiud (einst. K.).
Tied- s. Thiud (V., einst. K.).
Tieges s. Matthias.
Tiel- s. Thiud (einst. K.).
Tiem- s. Thiud (V., zweist. K.).
Tier- s. Diur.
Tiet- s. Thiud (V., einst. K.).
Tietsch, Tietz- s. Thiud (einst. K.)
Tigges s. Matthias.
Tikker s. Thiud (V.).
Tilgenkamp III. „mit Stecklingen (niederd. Telgen)
besetztes Feld“. Daraus Tillenkamp — Tellkampf.
Tiling, Till- s. Thiud (einst. K.).

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Tim-, Timm- s. Thiud (zweist. K.).
Timmermann s. Zimmermann.
Tipp- s. Thiud (V., zweist. K.).
Tippenhauer III. 1590: Tubbenhauer (Tubben = Zuber).
Tiroff, Tirold s. Diur.
Tischer III. mhd. tischer der „Tischler“ (niederd. noch jetzt
„Discher“, im Stolper KB. hochd. „tischer“ 17. Jh.).
FN. Tischer; Tischler — Dischler.
Tissen s. Matthias.
Tit- s. Thiud (V., einst. K.).
Titsch, Titz- s. Thiud (einst. K.).
Tjaden s. Thiud (einst. K.).
Tjarks s. Thiud (V. Dietrich).
Tob- s. Thiud (V., zweist. K.).
Tobaben III. (hamburg. Inseln) „zu oben“.
Tobel III. „Schlucht“. Häufiger ON. in Südd. FN. Tobler
(schweiz.).
Tobias II. hebr. Tobijja „Güte Jehovah’s“.
FN. Tobias — Tobis — Tobey. Patr. A. Tobiassen;
Tobiesen.
Tochtermann III. zu den Verwandtschafts-N. (s. Eidam).
Todt s. Thiud (einst. K.).
Tödter s. Thiud (V.).
Tohte, Tölke s. Thiud (einst. K.).
Tolkmit III. ON. Tolkemit.
Töllner s. Zöllner.

Page 593

Tom niederd. = zum in N. wie tom Dieck, tom Have,
Tombrink, Tombreul (s. Zu).
Tömmel, Tompert s. Dom.
Ton-, Tön- s. Antonius.
Top- s. Thiud (V., zweist. K.).
Töpfer III. jüngere Bildung für Hafner, welches schon ahd.
hafinâri; vgl. im J. 1482 topffer = hafner.
FN. Töpfer. Töpfner. Niederd. Pötter (holl. de Pottere
S. 40). Latinis. Figulus.
Töppe s. Thiud (zweist. K.).
Tor- in Zusammens. wie Tormählen (s. ter, zu).
-torf s. Dorf.
Torffstecher, auch Dorfstecher III., bemerkenswert als
eigentüml. norddeutscher N. (z. B. in Pommern).
Tornedden III. niederd. 1590: Hans dar nedden „dort
unten“. (Lipp. Reg.). Abgeschwächt ter Nedden — falsch
verhochd. zur Nedden; Zurnieden.
-torp, -torpf s. Dorf.
Tovote III. niederd. „zu Fuß“. Gegensatz: Hinrek
Uppenperde 1479.
Trabant III. „Fußsoldat“ („Vothknecht“ Klempin, diplom.
Beitrag S. 626). Aus ital. trabante, Soldat von der
Leibwache der deutschen Kaiser (wohl gebildet aus dem
deutschen „traben“ mit der ital. Endung des Part. Präs.).
FN. Trabant — Drabant.
Träger III. ahd. tragâri mhd. trager (Elbing. Urk. Michel der
treger 1484).
FN. Trager — Träger — in mehrfachen Zss.:
Bornträger. Eisenträger. Felgenträger.
Flaschenträger. Kreutzträger. Mehlträger.

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Tramsmeyer s. Bertram.
Trau- s. Drud (V., einst. K.).
Traube a) I. s. Drud (zweist. K.) b) III. die „Traube“ —
auch N. von Gasthöfen.
Traxler, Träxler s. Drechsler.
Tremöhlen III. niederd. aus ter Möhlen „zur Mühle“ (S. 54).
Tress- s. Thras.
Treucke, Treuge s. Drud (einst. K.).
Treut- s. Drud (V., einst. K.).
Trinkaus III. leichtverständlicher Satz-N. zsgz. Trinks.
Niederd. Hans Drinkuth 1529 (Ilsenb.).
Tripmaker III. niederd. „Halbsammetweber“.
-troff s. Dorf.
Trolf s. Drud (V.).
Trolle s. Drud (einst. K.).
Trommer s. Trümper.
Trompeter III. mhd. trumpeter, trummeter — vom ital.
trombetta, franz. trompette „Trompete“ (aus ital. tromba).
FN. Trompetter; Trompeter — Trümpter — Trompter
— Trumeter — Drommeter.
-trop s. Dorf.
Troschel s. Drud (einst K.).
Trabe s. Drud (zweist. K.).
Truchseß III. ahd. truhtsâȥo, mhd. truhsaeȥe „im Volke
s i t z e n d e r und ihm vorsitzender Gefolgshauptmann“,
Anführer und Verpfleger der G e f o l g s c h a f t (truht);

Page 595

später eines der vier großen Hofämter: kameraere,
schenke, truhsaeȥe (lat. dapifer), marschalc.
FN. Truchseß. In mehreren adl. Geschlechtern, die
früher ein Erbtruchsessen-Amt besessen: Tr.-
Waldburg. Tr. von Wellerswalde. — Mittellat.
drossatus, woraus Droste, Gen. Drosten (drosthe
Klemp. S. 491 im Sinne von Aufwärter bei Tische).
Trude, True s. Drud (einst. K.).
Trühl, Trülle s. Drud (einst. K.).
Trüloff, Trum- s. Drud (V.).
Trumeter s. Trompeter.
Trummer, Trümmer s. a) I. Drud (V.) b) III. Trümper.
Trümper III. ahd. trumpari „Trompeter“, vom ahd. trumba
aus ital. tromba Trompete.
FN. Trümper; Trümmer — Trummer — Trommer —
auch wohl Trümpler — schweiz. Trümpy.
Trümpter s. Trompeter.
-trup s. Dorf.
Trupel s. Drud (zweist. K.).
Trut, Trüter s. Drud (V.).
Trutzel s. Drud (einst. K.).
Tschudi III. zuerst 1127 Schudi, nach Beckers Vermutung
schweizerische Umbildung des lat. judex „Richter“.
Tubbe s. Thiud (zweist. K.).
Tucher III. „Tuchmacher“.
Tuchhändler III. sehr entsprechender jüdischer FN.
Tuhten s. Thiud (einst. K.).
Tülf s. Thiud (V.).
Tulke, Tulpracht s. Duld.

Page 596

Tyroler III. in der alten Schreibung = „Tiroler“. Auch
Tyroller.
Tum in N. wie Tumbreul, Tumbrinck, Tumbült, niederd. (s.
Zu).
Tütge s. Thiud (einst. K.).
Tutmann s. Thiud (V.).
Twiete III. auch Tweete. niederd. „Durchgang“, bes.
zwischen Hecken, in Twietmeyer.
Typold s. Thiud (V.).
Tyrold s. Diur.
Tyssen s. Matthias.

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U.
Uckert, Uffert, Ufer s. Aud (V.).
Uhde s. Aud (einst. K.).
Uhl s. Othal (V., einst. K.).
Uhle III. niederd. „Eule“, in Zss. wie Uhlenbrauk
(Eulenbruch), Uhlenkamp — Uhlemeyer.
Ühle s. Othal (einst. K.).
Uhmeyer III. = Uhdemeyer s. Aud.
ui = ü in österreichischen N.: Uibel, Uiberlacher, Uichtritz
v. Steinkirchen u. a.
Ul-, Ull- s. Othal (V., einst. K.).
-um s. Heim III.
Umbrecht, Umfried s. Un.
Umbscheiden III. = Unbescheiden, vgl. Walther gen.
Unbezhaiden 1304. Schon mhd. angeglichen:
umbescheiden, das Gegenteil von bescheiden d. i.
verständig; rücksichtsvoll. Verkürzt: Unbescheid —
Umscheid.
UN I. zu ahd. unnan „gönnen, gewähren“.
FN. Unebert: Umbrecht.
Unifred: Umfried.
Einstämmige Kürzung Un-.
Unno: Uno. Vklf. (k) Unico: Gen. Oncken.
Unbehaun III. doch wohl s. v. a. (in demselben Bilde)
„ungehobelt, unpoliert“. Üllein der Unbehowen 1352.

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-ung I. Patronymika bildend (s. ing): Adelung —
abgestumpft -ong: Amelong.
Ungefug III. mhd. ungefüege „ungeschickt“, aber auch
„übermäßig groß und stark“. Fridrich Vngevuge 1260.
Ungeheuer III. mhd. ungehiure „unheimlich, häßlich“.
-ungen III. in ON., Nebenf. zu ingen.
FN. v. Bodungen. v. Kauffungen. Mitunter abgekürzt in
-ung: Breitung (O. Breitungen). Gerstung (O.
Gerstungen). Ableitung auf -er: Hagenunger
(Baden).
Ungenannt III. merkwürdiger N., eig. einen Widerspruch in
sich selbst enthaltend.
Ungewitter III. bildlicher N.
Unglenk III. mhd. ungelenke „ungelenk, unbiegsam“.
Unkraut III. urspr. Übername (Tobler-M.).
Untiedt III. niederd. „Unzeit“.
Unverdorben III. mhd. unverdorben „nicht unglücklich,
erfolgreich“.
Unverzagt III. mhd. unverzaget „unverzagt, nicht blöde“.
Upderworth III. niederd. So auch Uppendahl; Uphoff;
Uppenkamp, halbverhochd. Uffenkamp.
UR ahd. ûro, mhd. ûr der „Ur“, Auerochs (S. 17). Urhart.
Urold.
FN. (Urschalk): Urschall.
Einstämmige Kürzung Ur-:
Uro: Auer — Ühre.
Vklf. (k) Urico: Urich.
Urbanus II. lat. der „Städtische, Höfliche“.
FN. Urban — Orban.

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Urner III. „einer aus Uri“.
Utermark III. „aus der Mark“.
Utermöhlen III. niederd. „aus der Mühle“. Schon Gött. UB.
1426 ut der Molen, und 1488 Utermolen.
Uth-, Utz s. Aud (einst. K.).
Uulkes s. Othal (einst. K.).

Page 600

V.
(Aussprache des v: in den rein lateinischen Wörtern
Valentinus, Venator, Vincens und ihren meisten
Ableitungen weich, wie w, in allen übrigen hart, wie f.)
Vack s. Fag.
Vadder s. Vater.
Vagd, Vagedes, Vagts s. Vogt.
Vahl s. Fahlen.
Valand s. Fahland.
Valentinus II. lat. Weiterbildung von Valens „gesund,
kräftig“. V. Bischof im 5. Jh.
FN. Valentin; Vallenthin, Wallentin. Gekürzt: Valtin —
Velten (mit hartem V., daher auch Felten). Gen. (lat.)
Valentini. — Veltjes (ostfries.).
Valtin s. Valentinus.
Van niederd. = von, vor Ortsbezeichnungen zur Bildung von
FN. (s. von).
Vandenhoeck III. urspr. van den Hoek (so Klopstock in
einem Briefe an Bodmer 1749, s. Döring, Klopstocks
Leben S. 99), vom niederd. hoek „Ecke, Ende“. Vgl.
Huckmeyer (= Eckmeyer).
Vanderbrück, Vanderburgh u. ähnl. s. unter Von.
Varnhagen III. (spr. Farn-) O. im Oldenb.
Varrentrap III. (zur) „Ochsenspur“ (S. 54).
Vasbender III. „Faßbinder“, Bötticher.

Page 601

Vaßhauer III. „der Fässer zuhaut“, Böttcher. — Niederd.
Vatheuer.
Vatebender III. niederd. = „Faßbinder“ (s. Binder).
Vater III. zu den Verwandtschafts-N. Niederd. Vadder. Zss.
Altvater (Großvater). Bestvater. Kindervater.
Vatheuer s. Vaßhauer.
Vedder s. Vetter.
Vehrens s. Far.
Veit s. Wid.
-veldt s. Feld.
Velten, Veltjes s. Valentin.
Venator s. Jäger.
Vendt s. Fend.
Venn III. ahd. fenna, niederd. fenne, nordfries. fehn,
niederländ. venne, veen „Sumpf, Moor“.
FN. Van der Venne — ter Vehn (ostfries.) Venn. —
Inhetveen — Intfen (Mörs). — Vennekötter.
Ver- in N. wie Vergeest, Verhoek, Vermöhlen, s. Von.
Vernaleken III. „Sohn der Frau Aleke“ d. i. Adelheid (S.
36). Ver abgestumpft aus frou, z. B. Vern Jutten grabin
„der Frau Jutta Graben“ 1319.
Vest- s. Fast.
Vetter III. zu den Verwandtschafts-N. Cunrad Vetter 1312.
FN. Vetter; Vötter (Wien). Niederd. Vedder. Zss.
Heinevetter (s. Hagan). Trautvetter.
Vklf. Vetterli (schweiz.).
Vielbert s. Fil.
Vietmeyer s. Wied (einst. K.).

Page 602

Vietor = Faßbender (s. Binder).
Villmann III. mhd. velleman „Abdecker“.
Vilmar I. ahd. Filomar, „vielberühmt“. In der richtigen
Aussprache lautet der N. nicht Wilmar, wie man so häufig
hört, sondern Filmar (was der Verf. aus persönlicher
Kenntnis mehrerer Glieder der Familie des bekannten
Literarhistorikers bezeugen kann).
Vincens II. lat. „der Siegende“; mit der Weiterbildung
Vincentius — der h. Vincentius im 5. Jh.
FN. Vincens; Vincenz, Winzenz (österr. Schreibung).
Zsgz. Ventz (Ventze = Vincentius Klemp.), woraus
Vklf. Ventzke (Fentzke). Gen. Venskens.
Virchow III. (spr. Fircho) O. in Pommern.
Visser s. Fischer.
-vitz in Vorpommern s. -witz.
Vitzthum III. aus lat. Vicedominus.
FN. Vicedomini. Vitzthum (Viztum 1311). Vitzthum v.
Eickstedt hatte vom Erzbischof von Mainz das
Vitztum-Amt über Erfurt zu Lehen.
Vocke s. Fulc (einst. K.).
Vogel III. Hermann dict. Vogel 1159. Hans der Vogel 1377.
FN. de Vogel (Düsseld.), Vogel, Vogl (österreich.).
Vklf.: Vögeli; Vögelin.
Zss. Brachvogel. Eisvogel. Grünvogel (nach Buck S. 90
aus mhd. krimvogel „Raubvogel“). Haidvogel.
Krautvogel. Schreivogel, Schreyvogl (= Schreier,
Charadrius vociferans Pott). Waldvogel. Wildvogel.
Ziervogel.
Vogelmann III. „Vogler“. Verlat. Ornitander.
Vogelsang: III. sehr häufiger ON. „ein O., wo Vögel singen“
(bes. Waldgegend).

Page 603

Voglbeer III. „Vogelbeere“, die (rote) Beere der Eberesche,
womit Vögel, insbes. Krammetsvögel, gefangen werden.
Vogler III. ahd. fokalâri, mhd. vogelaere „Vogelfänger“.
FN. Vogeler; Vogler — Vögler.
Vogt III. ahd. fokat, fogit, mhd. voget, voit aus mittellat.
vocatus st. advocatus „Schirmherr“; der von demselben
eingesetzte Stellvertreter, daher bes. „Statthalter, höherer
weltlicher Richter“. Gegenwärtig auch Vorsteher
ländlicher Gemeinden (in Schleswig-Holstein, Westfalen).
FN. Voget; Vogt, Voogd, Voght — auch de Vogt (Mörs).
Zsgz. Voit (wie Magd — Maid); Voitus (der Schluß
noch vom lat. advocatus).
Aus der Vermengung beider FF. (Vogt und Voit) ist die
sinnlose Schreibung Voigt, Voigdt (mit stummem i)
entstanden.
Niederd. Vagd (Vaget Klemp.). Gen. Voigts. Niederd.
Vagedes (westf.); Vagts. Patr. A. Vögting (Lippe).
Vklf. (l): Voigtel — Vögtlin.
Zss. Dreisvogt. Hänervogt. Landvoigt. Waldvoigt.
Slevoigt; Schleevoigt; Schleenvoigt. — Voigtmann.
(Slawisch: Woita; Woyte; Woith — Wota — häufig in
den östlichen Provinzen Preußens).
Vohland s. Fahland.
Voigt, Voit s. Vogt.
Vol- s. Fulc (V., einst. K.).
Völ- s. Fulc (V., einst., zweist. K.).
Volland s. Fahland.
Von vor Ortsbezeichnungen zur Bildung von FN. (S. 55,
Adelsnamen S. 58).
Getrennt: von dem Hoff; von dem Busche-Streithorst;
vom Berge; vom Ende; vom Felde; vom Kolke
(Wassergrube) — von der Borch; von der Heyden.

Page 604

In eins gezogen: Vonscheidt. Vonsiepen. Vontobel. —
Vondendriesch (neben von den Driesch (Brachland).
Vomhof. Vonderheydt u. Vonderheiden (neben von
der Heyde). Vonderaa. Vonderbank. Vonderforst.
Vonderlinden.
Niederd. van (bes. niederrhein.): van Cleve, auch van
Cleef, van Dyck (Vandyck); van Nuyhs; van Geldern
— van den Bergh; van den Wyngaert (holl.) — van
der Beeck (Bach); van der Horst; van der Moolen;
van der Venne; van der Voer (holl. von der Furt) —
häufig mit dem Hauptwort in eins gezogen:
Vanderburgh. Vanderbrück. Vanderscheid.
Vandersee.
Van der zsgz. in ver: Verbrugghe. Verfurth. Vergeest
(„von der Geest“, Gegensatz zu der „Marsch“).
Verhoek (s. Vandenhoek). Vermöhlen („von der
Mühle“). Versteegen.
Als Entstellungen erscheinen: Wanderbank. Wandersee.
Voogd s. Vogt.
Vörg s. Ferg.
Vor mit Hauptw. u. Art. zur Bildung von ON. und FN.
Vormbaum. Vormberg. Vormschlag. Vormstein. Vormweg.
— Vormsand.
Getrennt: vorm Walde.
Vornbäumen.
Vorreiter III. „der fürstlichen Wagen vorreitet“.
FN. Vorreiter; Vorreuter.
Vorster s. Förster.
Voß-, Vössing s. Fuchs.
Vötter s. Vetter.

Page 605

W.
Waack s. Wac.
Waalkes s. Wald I.
WAC I. ahd. wak „wach“, mit der Ableitung WACAR
wachar, mhd. wacker, wacher „wachsam, munter“.
FN. Wagheri: Wager — Wackermann.
Wacald: Gen. Wachholtz.
Einstämmige Kürzung Wac-, Wacar-.
Vaco, Wecho, Wacar: Wake; Waack — Wage —
Wache — Wecke — Wacker. Gen. Weckes; Wex;
Wecken. Patr. A. Weckering.
Vklf. (l): Weckerle. (l + n): Wecklein —
Weckherlin; Weckherlen; Weckerlein.
Auslautend -acker (23 mal Först.): Gunnacker.
Heinacker. Rothacker.
Wach- s. Wac.
Wächter III. ahd. wahtâri, mhd. wahtaere, wehter.
FN. Wächter — Wachter. Zss. Kleinwächter.
Wadmenger III. „Kleiderhändler“ (mhd. wât).
Wadsack III. mhd. wâtsac „Reisesack, Mantelsack“.
Wag- s. Wac.
Wagehals III. Satz-N. „Wage den Hals“, in älterer F.
Wagenhals (Wagehals auch als Apellativ noch in der
Sprache).
Wagenblast III. „wag’ einen Zank“ (Erbe, FN. — vom ahd.
mhd. blâst Blasen; Zorn und Zank).

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Wagener III. ahd. waginâri, mhd. wagener „Verfertiger von
Wagen“.
FN. Wagener; Wagner — mit Umlaut Wägener;
Wegner.
Wagenknecht III. „Fuhrmann“ (s. Klempin Memorab. S.
624: wagenknechte = vorlude „Fuhrleute“). Selbst
Wagenschieber findet sich als FN.
Wahl- s. 1) Walah 2) Wald (V.).
Wahn-, Wähnert s. Wahn.
Wahnschaffe III. mhd. wânschaffen „ungestalt“, auch
geistig „verrückt“.
FN. Wahnschaffe — Wannschaffe; Wanschaff.
Wähn- s. Wan.
Wahr- s. War (V., einst. K.).
Wahrenholtz s. Warin (V.).
Waibel III. ahd. weibil, mhd. weibel „Gerichtsbote,
Amtsdiener“ (vgl. Schillers Tell 2, 2).
Waitzmann s. Wid (einst. K.).
Wake s. Wac.
WAL I. ahd. mhd. wal „Inbegriff der Erschlagenen auf der
Walstatt“ (als der von den Walküren, den Dienerinnen
Wuotans, für Walhalla Erw ä h lten); „Kampfplatz“.
FN. Walahraban, Walaram (Rabe der Walstatt S. 17):
Wallrafen, Wallraven; Walraf, Wallraff; Walram.
Auch in den ff. Namensippen Walah und Wald stecken
sicher manche Ableitungen dieses Stammes, die sich
aber nicht mit Bestimmtheit aussondern lassen.
Wal- s. 1) Wal 2) Walah 3) Wald (V., einst. K.).

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WALAH I. ahd. walah, mhd. walch „Fremder, Ausländer“
(Name, womit die Deutschen ihre keltischen und
romanischen Nachbarn bezeichneten, jetzt „Wälscher“).
FN. Walahheri: Walcher — Waller — Wahler.
Einstämmige Kürzung Walaho: Wahle; Wahl. Gen.
Wahlen.
Vklf. (k) Walicho: Walich — Wallich — Walch —
Walke — Welke. Gen. Wallichs — Walkes —
Welches.
Walbert s. Wald (V.).
WALD I. got. valdan, ahd. waltan, waldan, mhd. walten
„walten“. In N. einer der ältesten (schon seit dem 1. Jh.)
und häufigsten Wortstämme.
FN. Waldobert: Wallbrecht; Walbert; Wallber; Walpert
— Wollbrecht; Wolbert; Wolpert; Wolper (entstellt
Wolbier; Wohlbier) — Wölbert; Wölpert. Gen.
Wolbertz; Wolpers. Patr. A. Wolperding (die mit den
Silben Wol-, Wöl- beginnenden FF. auch zu Wulf).
Walbodo: Waldpott — Wallpott.
Waldburga w.: Waldburg — Wallburg.
Walttag: Woldag — Wohltag.
Waldifrid: Waltfried — Wallfried.
Waldegar: Walger.
Waldhart: Waldhard; Waldert — Wöltert — Wohlert;
Wöhlert.
Waldhar: Walther (Waltermann); Waldherr; Walthier
— Welter — Wolter — Wölter — Woller —
Wohler — Wöhler. Gen. Wolters — Wohlers —
Wouters (ostfries.). Patr. A. Woltering — Wollring.
Patr. Zss. Wollersen.
Waldhelm: Waldhelm.
Walderamnus: Waldraf — Wallraf — Wallramm.

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Waldleih: Wolley.
Waldman: Waldmann — Woltmann — Wohlmann.
Waldomar: Waldemar — Wahlmar — Woldemar —
Wollmar; Wollmer (s. auch Wulf).
Waldorad: Wallrath; Wallroth.
Waldirih: Walderich — Waltreich — Woldrich —
Weltrich. Gen. Walrichs.
Einstämmige Kürzung Wald-.
Waldo: Waldo; Walde; Wald — Walte — Welde —
Welte — Wolde — Wolle — Wohl — Wöll —
Wöhl. Gen. Walts. Patr. A. Wöhling.
Vklf. (i) Waldi: Welti (schweiz.). (i + n) Waldin:
Welden — Welten. (l) Waltila: Wäldele. (k)
Waldiko: Waltke — Weldicke; Weldig — Wolke
— Wöldicke — Wöltge — Wöhlke. Gen.
Waalkes — Waltjen (beide fries.). (z) Walzo:
Waltz — Weltze — Woltze. (z + l): Walzel —
Welzel.
Auslautend (347 mal Först.):
-wald: Friedewald. Arnwaldt.
-alt: Haynald.
-al: Lothal. Gen. -als: Reinals. -hals: Göthals.
-wold: Friedewold.
-old: Arnold. Eckolt. Gen. -olz: Macholz.
-hold: Reinhold. Arnholdt. Gen. -holz (S. 35):
Arnholz. Reinholtz.
-gold: Eckgold.
-ott: Dagott.
-ol: Sandol.
-lot: Macklot.
-let: Berlet. Heinleth neben Heinelt.

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-elt: Rudelt.
-et: Arnet. Sibeth.
-el: Gerel (= Gerelt s. Stark 167).
Wald- s. Wald I. (V., einst. K.).
-wald s. a) Wald I. b) Wald III.
Wald III. Kaum ist in den deutschen ON. irgend ein Begriff
durch eine solche Mannigfaltigkeit von Ausdrücken
vertreten, als der von Wald und Busch. „Wald“, schon seit
dem 7. Jh. nachweisbar, hat sich unter allen diesen
Ausdrücken am längsten u. allgemeinsten erhalten. 1)
Wald, -wald 2) Walde, -walde (elliptischer Dat. Sg., urspr.
walda) 3) niederd. -wold, -wohld, -wolde.
FN. 1) von Auerswald (O. Auerswalde).
Eichwald. Grunwald. Maiwald.
Osterwald. Schwarzwald. Steigerwald.
2) Bärwalde. Fürstenwalde. Recklenwalde.
Schwachenwalde (-walde in FN. selten,
da diese F. dann meist in -wald gekürzt
ist: Arnswald, Luckenwaldt aus
Arnswalde, Luckenwalde).
3) Gronewold. Grotewohlt (Itzehoe).
Ableitung auf -er (oberdeutsch):
1) -walder: Finsterwalder. Hinterwalder.
Taugwalder. Unterwalder.
2) -wälder: Grünewälder. Schwarzwälder.
Wäld- s. Wald I.
-wälder s. Wald III.
Waldmann a) I. s. Wald I. b) III. mhd. waltmann
„Einwohner eines Waldes“, auch „Förster“.
Waldstein III. noch blühendes Grafengeschlecht, zu
welchem auch Albrecht v. Wallenstein gehört.

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Walger s. Wald (V.).
Walker III. ahd. walkâri, mhd. walker der „Walker“, im 16.
Jh. noch „Welker“.
FN. Walker — Welcker. Zss. Hudtwalcker.
Wallb- s. Wald (V.).
Wallentin s. Valentinus.
Wallfisch III. wohl urspr. Hauszeichen und daher
übertragen.
Wallner III. „einer aus Wallen“.
Walpert s. Wald (V.).
Wallpott, -raf, -ram, -rath s. Wald (V.).
Walser III. „Walliser“ (aus dem K. Wallis Steub).
Walt-, Walz- s. Wald (V., einst. K.).
Waltsgott III. „walte des Gott“ (s. Simmergott). Auch
Waltigott.
Wambold, Wamperlings s. Wan.
Wams III. eines der gewöhnlichsten Kleidungsstücke alter
Zeit, daher selten als FN.
WAN I. ahd. altsächs. wân, altfries. wên „Glanz, Schönheit“
— dah. die Götterfamilie der Vanir, Wanen.
FN. Wanbold: Wambold.
Wanibert: Wemper. Gen. Wemmers.
(Vklf.) Wamperlings.
Wanfrit: Wanfried — Wahnfried.
Wanegar: Wanger; Wanker — Weniger — Wenger;
Wenker.
Wanhard: Wannert — Wähnert.
(Wanheri): Wanner — Wehner.
(Wanold): Wähnelt.

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Wanulf: Wannloff.
Einstämmige Kürzung Wan-.
Wano: Wahn. Patr. A. Wanning — Wening.
Vklf. (k) Wanicho: Wannicke — Wanke —
Wenige; Wenig — Wenke. (k + l): Wengel.
WAND I. zu der weitverzweigten Wurzel „winden“,
„wenden“, „wandern“ gehörig; doch ist die genauere
Beziehung in EN. noch nicht genügend erforscht.
FN. (Wandhart): Wendert.
Wanther: Wander — Quander.
Wandemar: Wendemer.
Wandarich: Wandrey — Wendrich.
(Wandolt): Wandelt — Wendelt.
Einstämmige Kürzung Wand-.
Wando: Wande; Wand — Wende; Wendt — Quante;
Quandt.
Vklf. (i) Wandi: Wanney. (k): Wandtke —
Wendecke — Wäntig. Gen. Wentges
(niederrhein.). (z) Wanzo, Quanzo: Wenz —
Quantz. (z + l): Wenzel — Quentzel —
Quensell. (z + k): Wenzge; Wenzig.
Wand III. im Sinne von „Steinwand, Felswand“.
FN. auf -er (oberd.): Haßlwander (Niederösterr.).
Steinwenter; Steinwender (O. -wand).
WANDAL I. zum Volksstamme der „Vandalen“ — doch ist
es vielleicht nur einfache Erweiterung des Stammes
Wand.
FN. Wandalarius: Wendeler.
Einstämmige Kürzung Wandal-.
Wandalus 5.: Wandel — Wendell — Wentel —
Quentell. Gen. Wendels. Patr. A. Wellner (=
Wendeling Preuß 17).

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Wanderbank, Wandersee s. von.
Wandschneider III. „Gewandschneider“.
Wanfried s. Wan.
Wang III. got. vaggs, altd. „Feld, Aue“ („gesenkte Fläche“
Gatschet, ortsetym. Forschungen), vgl. engl. wang. In
ON. fast ausschließlich süddeutsch: Wang, -wang, -
wangen (ahd. wangum Dat. Plur.).
FN. Haldenwang (württemb.).
Ableitung auf -er (oberd.):
1) Wanger. Azwanger (O. -wang Tirol).
Berwanger. Dürrwanger. Ellwanger (O.
-en). Feuchtwanger.
2) Beißwenger (O. Beiswang Württ.).
Gutwenger. Unterwenger (O. -wangen).
-wang, -wanger s. Wang.
Wanger, Wank- s. Wan.
Wann- s. Wan.
Wannschaffe s. Wahnschaffe.
WAR I. 1) zu ahd. waren, mhd. warn „wahren“ 2) zu got.
varjan, ahd. warjan, mhd. wern „wehren“ 3) ahd. mhd.
wâr „wahr“.
FN. Warfrid: Gen. Wehrfritz.
Warger: Werger; Werker.
Werigoȥ: Warkos.
Warlaicus: Warlich — Wahrlich — Werlich.
Waraman: Wehrmann — Wörmann.
Warimund: Wahrmund.
Warmut: Warmuth — Wermuth — zsgz. Warmt —
Wärmpt.
(Warwig): Warwig; Warwei.

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(Werwin): Werwein.
Waraulf: Werlauff.
Einstämmige Kürzung War-.
Waro, Wero: Ware — Werr — Wehre. Gen. Werres
— Wehrs; Weeren.
Vklf. (i): Werry — Wehri; Werey. (l): Werle —
Wehrle — Wörle — Guerle. Patr. A. Warling —
Werling. (l + n) Waralenus: Wehrlein. (k): Wahrig
— Wehrig — Quercke (Guericke). Gen. Werries
(Osnabr.).
WARD I. got. vards, ahd. warto, mhd. warte „Hüter, Wart“.
FN. Wartman: Wartmann — Wortmann. (Wartold):
Warthold; Warthol.
Einstämmige Kürzung Ward-.
Warto: Warth. Patr. A. Warting.
Vklf. (l): Wardel. (k): Wartig.
Auslautend (137 mal Först.):
-wart: Berwart. Ahlwardt.
-wort: Markwort. Dankworth.
-werth: Dankwerth.
WARIN I. 1) Erweiterung von War 2) zum Volksnamen der
Wariner.
FN. Warinbold: Warnebold — Warmbold — zsgz.
Warmbt. — Wärmpt. — Wehrenbold.
Werinperaht: Wehrenbrecht.
Warinfrid: Warnefried.
Warengar: Warneger — Werniger — Wehringer.
Werinhard: Wernhart; Wernert; Werneth (Baden) —
zsgz. Werndt. Gen. Warnders (ostfries.).
Warinheri: Warnherr; Warner — Wernher; Wernherr;
Werner (Wernermann) — Wörnhör; Wörner. Gen.

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Warners.
Werinolt: Gen. Wahrenholtz — Warnholtz.
Einstämmige Kürzung Warin-.
Warin: Wern — Wörn. Gen. Warns. Patr. A. Warning
— Werning.
Vklf. (i): Werny. (l): Werndl; Werndla (München)
— Wörnle. Wröndel (l + n): Wernlein. (k):
Warnicke — Wernicke; Wernigk. Gen.
Warnekes; Warnken — Warrentjes; Warntjen
(beide ostfr.). Patr. A. Werneking (entstellt
Warnkönig). (z): Wernz — Wörnz. (z + l) Wezil
(Stark 93 = Werinhard, aber auch Werinhari 94):
Wetzel; Wessel.
Warkos, Warl- s. War.
Warm- s. 1) War (V.) 2) Warin (V.).
Wärmpt s. 1) War 2) Warin (V.).
Warn- s. Warin (V., einst. K.).
Warnevogt aus Werneke Vogt (Preuß S. 30).
Warrentjes s. Warin (einst. K.).
Wart- s. Ward.
v. Wartensleben III. Stammort Warsleben, früher
Wardensleben, in Sachsen. (Adelslex.)
Wasgehtsdichan III. (Mähren 1703) Satz-N.
Wasser III. ahd. waȥar, altsächs. watar. In ON. -wasser, -
water.
FN. Altwasser. Bornwasser. Kaltwasser. (Auch FN.
Waterfall.)
Wast- s. Sebastianus.
Waterbecker III. nied. „der mit Wasser backt“.
Wayant s. Wig (Part.).

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Waydelin s. Wid (einst. K.).
Waypold s. Wig (V.).
Weber III. mhd. webaere.
FN. Weber (häufig). — Zss. Dünnweber. Leinweber;
Linneweber. Rosenweber. Scharnweber. Vestweber.
Wollenweber; Wollweber; Wullenweber;
Wüllenweber. Niederd. Wever. Gen. Wewers
(Meppen).
Webert, Wechmar s. Wig (V.).
Weck- s. Wac.
Weckesser III. Spottname — ob, wie Vilmar will, für
Reformierte, die sich beim h. Abendmahle nicht der
Oblaten, sondern der Wecken bedienen, bleibe
dahingestellt.
Wed- s. Wid (V., einst. K.).
Wedd- s. Wid (einst. K.).
-wedde s. Wede.
Wede III. ziemlich sicher zu ahd. witu, mhd. wite Holz d. i.
„Wald“. In ON. -wede. auch wohl -wied, wieden.
FN. Eichwede. von Holwede. Marwede. Schmalwede.
Schwanewede — Brickwedde.
Wedel III. ungewisser Bed. (ahd. widil Sumpf?) —
heutzutage in etwa 30 bewohnten Örtern.
FN. Wedel. von Wedell. Burgwedel. Hollwedel.
Krautwedel. Marwedel. Saltzwedel; auch noch in der
ursprünglichen niederd. F. Soltwedel (Hamb.).
Steinwedel.
Weege s. Wid (einst. K.).
Weer- s. 1) War (einst. K.) 2) Wig (V.).
Weg III. got. vigs, ahd. weg, mhd. wec, in ON. seit dem 8.
Jh. — nicht bloß für Wege, sondern auch für bewohnte

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Örter.
FN. Breitweg. Feldweg. Hohlweg; Hollweg (O.
Hollwege) — niederd. Hahlweg. Nieweg. Steinweg
(amerikanisiert Steinway in Neu-York). Vieweg.
Zollweg.
Ableitung auf -er (oberd.):
Hollenweger. Kirchweger („der am Kirchwege
wohnt“ Pott). Rittweger. Sachsenweger.
Viehweger. Zollweger.
Weg- s. Wig (V., einst. K.).
Wegner s. Wagner.
Weh- s. 1) Wid (V.) 2) Wig (einst. K.).
Wehl s. Wil.
Wehner s. Wan.
Wehr- s. War (V., einst. K.).
Wehrenbold, -brecht s. Warin (V.).
Wehrenpfennig III. Satz-N. „wahre den Pfennig“, ein
Pfennigfuchser; vgl. Hüdepennig (Bremer WB.).
Wehringer s. Warin (V.).
Wehrmann a) I. s. War b) III. mhd. wermann
„Gewährsmann“.
Wehrmeister III. „Aufseher eines Wehres“.
Weib- s. Wig (V., zweist. K.).
Weibezahl III. „Wedelschwanz“, ahd. weibôn, mhd. weiben
„schwanken“, mhd. weibezegelen „mit dem Schweife
wedeln“.
Weibezahn III. „Wackelzahn“.
Weich-, Weick- s. Wig (V., einst. K.).
Weid- s. Wid (V., einst. K.).

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Weidemann, Weidmann a) I. Wid b) III. mhd. weideman
(S. 41).
Weig- s. Wig (V., einst. K., Particip) — doch
Weigang s. Wid.
Weihbrecht s. Wig (V.).
Weihnacht III. einer der „zu Weihnacht geboren“.
Weik- s. Wig (V., einst. K.).
Weiland s. Wig (V., eins. K.).
Weiler III. ahd. wîlâri, mhd. wîler „einzelnes Gehöft;
kleines, aus wenigen Gehöften bestehendes Dorf“. In ON.
außerordentlich häufig im Südwesten Deutschlands von
der Schweiz bis nordwärts nach Köln und Aachen.
FN. Weiler. Ahrweiler. Derichsweiler. Dettweiler.
Eschweiler. Kunzweiler. Lindweiler. Mönchweiler.
Scheidweiler. Trierweiler.
(In manchen Fällen ist -weiler auch oberd. Ableitung
von ON. auf weil: Freudweiler (O. -weil).
Rothweiler vom O. Rothweil in Baden.)
Schweiz. Nebenf. -wyl: von Wattenwyl. Bériswyl
(romanis., Freiburg). Göschwiel (Baden, neben O.
Göschweiler).
Weiling s. Wig (einst. K.).
Weimann s. Wig (V.).
Wein- s. Win (V., einst. K.) — doch Weinand s. Wig.
-wein s. a) I. Win (Trautwein) b) III. Wein in ON. (Reitwein)
c) III. Wein als Getränk (Sauerwein, Mengewein).
Wein III. in ON. wohl zu got. vinja, ahd. winne „Weide“.
FN. Reitwein. Schlettwein.
Wein III. als Getränk in einigen Zss., die jedoch meist
zweifelhaft sind, da hier bes. das altd. Win stark

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hereingreift (S. 47).
FN. Altwein. Gutwein. Kühlwein. Lauterwein.
Mengewein. Sauerwein.
Weinbrenner III. Branntweinbrenner (Marb. Gewerbe-Verz.
„Weinprenner“).
Weinmann a) I. s. Win b) III. mhd. wînman „Weinbauer;
Weinschenk“ („Weinhändler“, im ältesten Berliner
Stadtbuche von 1397).
Weinstock III. z. T. wohl durch Häuser-N. vermittelt, wie
auch Weintraub, vgl. Gasthof „zur Traube“. Wienstruck
niederd. (Weinstrauch).
Weinzierl III. (bayr.) ahd. wînzuril (aus lat. vinitor)
„Winzer“ (Fröhner Karlsruher Namenb. S. 21).
Weippert, Weirich s. Wig (V.).
Weis- s. Wis.
Weiß a) s. Wid und Wig (einst. K.) b) III. der „Weiße“ d. i.
Weißhaarige (Hellblonde). Vgl. Weißhaar.
FN. Weiße; Weiß. Niederd. de Witt (Kleve); Witte.
Weißermel III. s. Ermel (= „Müller“?).
Weißgerber III. mhd. wiȥgerber der „das Leder w e i ß g a r
bereitet“.
Weißpfennig III. „weißer Pfennig“, eine Silber-
Scheidemünze (seit 1360, lat. albus). Niederd.
Wittpenning.
Weit- s. Wid (V., einst. K.).
Weitz- s. 1) Wid (einst. K.) 2) Wig (einst. K.).
Welches s. Walah.
Welcker s. Walker.
Weld- s. Wald (V., einst. K.).
Welke s. 1) Walch 2) Wald.

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Well- s. Wil (V., einst. K.),
Welser III. „einer aus Wels“ (Berühmtes Patrizier-
Geschlecht in Augsburg im 16. Jh.).
Wels-, Welz- s. Wald (V., einst. K.).
Wemmer, Wemper s. Wan.
Wend- s. 1) Wand 2) Winid.
Wendel- s. Wandal.
Wendemuth III. Satz-N. „der seinen Sinn leicht ändert“.
-wender s. Wand III.
Wendland III. „einer aus dem Wendlande“ (Wendenlande).
Wenger s. Wan.
-wenger s. Wang.
Wenig s. Wan.
Wenk- s. Wan.
Wenndrich s. Wand I.
Wentel- s. Wandal.
-wenter s. Wand III.
Wentjes s. Wand I.
Wenz- s. Wand.
Wepold s. Wig (V.).
Weppner III. mhd. waepenaere, weppener „Gewaffneter,
Schildknappe“.
Wer- s. War (V., einst. K.).
Werd- s. Wird.
Werder s. a) I. Wird b) III. Werth.
Wern- s. Warin (V., einst. K.).

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Werr- s. War (einst. K.).
Werth- s. Wird.
Werth III. ahd. warid, mhd. wert (von warjan, schützen,
wehren), erhöhtes, gegen Überschwemmung gesichertes
Land in Flüssen oder zwischen Sümpfen, auch im oder
am Meere: „Wert, Insel“. Schon seit dem 8. Jh. in einer
nicht geringen Zahl ON. — jetzt besonders in den FF. -
werth, -wörth, -worth; -werden, wörden. Neuere F. -
werder.
FN. (bes. in Nordw.-D.) 1) aus’m Werth. Mühlwerth.
Neuwerth; niederd. Niewerth. Peterwerth.
Rottewerth. Schönwerth. — Berenschwerdt (neben
Behrenswerth — Münster). Hesselschwerth (st.
Hesselswerth „Eiland des Hezilo“ Steub S. 152 —
wie Ermschwerd a. d. Werra aus Ermeswert „Insel
des Ermo“ s. Andresen Volksetym. S. 52). So auch
wohl Kockschwerdt aus Kockswerth.
2) Eggenwörth. Kleinedingwörth.
3) v. Allwörden.
4) Werder (Fridericus de insula 1172.
Drübecker Urk.). Von Bischofswerder.
Wessel s. Warin (einst. K.).
Wesseler III. niederd. = Wechsler.
WEST I. ahd. westan, mhd. westen.
FN. (einstämmig): West.
WESTAR I. Erweiterung des Stammes West (Wistremar.
Westargos).
FN. (Westerman): Westermann.
(Westerih): Westerich.
Einstämmige Kürzung Westar-: Patr. A. Westerling.
Wester III. althd. westar, mhd. wester „westwärts, im
Westen“, in mehreren Zss. wie: Westermeyer, -millies.

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Westermillies s. Aemilius.
Westphal III. ein „Westfale“. Auch Westfehling.
Wett- s. Wid (einst. K.).
Wetter III. in mehreren Zss.: Bösewetter. Brausewetter.
Faulwetter. Kühlwetter. Schönwetter — wohl mit Bezug
auf Charakter und vorherrschende Stimmung, wie man
von jemand sagt, es sei „bei ihm Gutwetter,
Schlechtwetter“, er sehe aus „wie acht Tage Regenwetter“
u. ähnl.
Dagegen Kiesewetter imperat.
Wetzel s. Warin (einst. K.).
Wever, Wewer s. Weber.
Wex s. Wac.
Wey- andere Schreibung st. Wei- s. Wig (V., einst. K.).
Wiard- s. Wig (V.).
Wib- s. Wig (V., zweist. K.).
Wich-, Wick- s. Wig (V., einst. K.).
WID I. 1) got. vidus, ahd. widu, witu, mhd. wite „Wald“
(noch im engl. wood vom angels. vudu).
2) wît „weit“.
FN. Witbald: Wittbold.
Widbert: Weitbrecht.
Witbrannus: Witbrandt.
Widpure w.: Wideburg.
Widukind: Widekind — Widdekind — Wittekind —
Wedekind — Wehkind.
Widugang: Wittgang — Wiegang — Weigang.
Witgar: Widiger — Wediger.
Withard: Witthard — Weidert.

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Withar: Witter — Wieder (Wiedermann) — Wieter —
Weder (Wedermann). Gen. Wieders — Wieters.
Withelm: Widhalm.
Widolaic: Weidelich — Weitlich — Wedlich.
Widiman: Widmann — Wittmann — Wiedemann —
Wiedamann; Widnmann (München) —
Weidemann; Weidmann — Weitmann —
Wedemann.
Widiomar: Widmer — Wittmar; Wittmer —
Wedemar.
(Widimod): Wiedemuth.
Witirih: Wittrich — Wietrich.
Widald: Witold; Witholdt — Wiedewald. Gen.
Wittholtz — Wietholtz.
Einstämmige Kürzung Wid-.
Wido, Wito: Witte — Wiede — Weide — Weithe —
Wede — Quidde — (Vieth u. Veit durch
Vermittlung des latinis. Vitus). Gen. Wiets. Patr. A.
Witting — Wieding — Wieting.
Vklf. (l): Wittel — Weidel; Weidle. (l + n) Widulin:
Waydelin; Weidlin. Patr. A. Wittling — Wiedling
— Weitling. Gen. Wittlings (Kempen). (k)
Widuco: Widdig — Wittcke; Wittge; Wittig —
Wieddicke — Weitig; Weitke — Wedigo (Wedig
als VN. noch in d. Familie v. d. Osten); Wedeke;
Wedige — Weege (Preuß 26) — Wettke. Gen.
Wittichen — Weddigen — Wedigen — Wettken
— Wietjes (ostfries.). Patr. A. Wedeking. (z)
Witiza, Wizo: Wietze — Weitze (Waitzmann) —
Wyß (Weiß). (z + l): Witzel— Weitzel. (z + k):
Wietzke (Witzke VN. Klemp.).
WIDAR I. Erweiterung von Wid.
FN. Widarolt: Wiederhold, Wiederholt.

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Widd- s. Wid (V., einst. K.).
Widemarker III. entstellt in Widemarkter „der für d.
Holzmark (witu) zu sorgen hat.“
Widmer a) I. s. Wid b) mhd. widemer der Bauer, welcher
„den Widum (ahd. widum, mhd. wideme) d. i. das
Kirchengut bebaut“.
FN. Widmer; Wittmer — auch Wimmer (Heinrich der
Wimmer 1294 Bacm.).
Wieb- s. Wig (V., zweist. K.).
Wiech-, Wieck- s. Wig (V., einst. K.).
Wied- s. 1) Wid (V., einst. K.) 2) Widar.
Wiede III. niederd. „Weide“ in Wiede(n)kamp, Wiedebusch.
Wieg- s. 1) Wid (V.) 2) Wig (V., einst. K.).
Wiegelmesser III. deutl. Gerät-N. (S. 44).
Wieh- s. 1) Wig (einst. K.) 2) Wil (einst. K.).
Wiehmeyer III. 1597: Kord tor Wedeme (Preuß 33).
Wiehn s. Win (einst. K.).
Wiek- s. Wig (V., einst. K.).
Wiel- 1) Wig (V.) 2) Wil (V., einst. K.).
Wiem- s. Wig (V., zweist. K.).
Wien- s. 1) Wig (V.) 2) Win (V., einst. K.).
Wiener III. schon im 14. Jh. (S. 56 Anm.).
Wiep-, Wier- s. Wig (V.).
Wies- s. Wis.
Wiesand III. ahd. wisant, mhd. wisent „Büffelochse“, noch
im Nibelungenliede erwähnt. Wiesend.
Wiesbaum III. mhd. wisboum, ein Baum, der oben auf den
Heuwagen gelegt, zur Befestigung des Heues dient. Auch

Page 624

Heubaum.
Wiese III. ahd. wisa, mhd. wise. Niederd. Wische — in zsgs.
Flur- u. Dorfnamen.
FN. Binnewies. Deppenwiese. — Wiesemeyer. Niederd.
von der Wisch. Deipenwisch. Feldwisch. Gosewisch.
Langwisch; Langewiesche. Meyerwisch (westf.).
Rethwisch. — Wischmann. Wischemeyer.
Ableitung auf -er:
1) -wieser (oberd.): Breitwieser. Filzwieser
(O. -wies). Gmeinwieser. Hohenwieser.
Königswieser. Mayrwieser. Traunwieser.
2) -wischer (westf.): Sudwischer.
Wieswell III. Satz-N. „wie es welle (wolle)“ d. i. geh es, wie
es wolle (S. 52).
Wießner III. 1) „einer aus Wiesen“ (O. 66 mal), Wießen (1
mal) 2) ahd. wîȥinâri „Büttel, Scharfrichter“.
Wiet- s. Wid (V., einst. K.).
Wietz- s. Wid (einst. K.).
WIG I. ahd. wîg, wîc, mhd. wîc „Kampf“. (Mischt sich mit
wîh Heiligtum und wid Wald.)
FN. Wigibald: Wickbold — Wiebold — Wibbelt —
Waypold — Wepold.
Wigberht: Wieprecht; Wiebracht; Wiepert; Wieber —
Wipprecht; Wippert — Weyprecht; Weihbrecht;
Weibert; Weippert — Webert. Gen. Wiegberts —
Wiebers — Wibets (ostfries.).
Wigbrand: Wippern.
Wighard: Wigard — Wiekert Wiggert — Wickardt —
Wichardt — Weighardt; Weigardt — Weikert —
Weichhardt; Weichart; Weichert — Wegert. Gen.
Wiegartz — Wickerts — Wiards (ostfries.) —

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Wierds (Wierdsma). Gen. Plur. (ostfries.) Wiarda;
Wyerda — Weyerda — Weerda.
Wigheri (im Zusammenfluß mit Wiggar): Wieger —
Wiecker — Wigger — Wicher — Weiger — Weger
— Weyer (Weyermann). Gen. Wiegers — Wiggers
— Wichers — Weichers — Weyers — Wiers —
Weers. Patr. A. Wigering. Patr. Zss. Weyerssen —
Weerssen (beide ostfries.).
Wichraban: Wychgram — Wygram.
Wigleip: Wiegleb — Wielepp — Weylepp.
Wigland: Wiegland — Wieland — Weiland.
Wigman: Wiegmann — Wigmann — Wiechmann —
Wiemann — Weichmann — Weickhmann —
Weimann — Wegmann.
Wigmar: Wiemar; Wiemer — Wechmar. Gen.
Wiemers.
Wigmunt: Wiegmund — Wegemund.
Wigimuot: Wiemuth.
Wignand: Wienand (Guinand) — Weinand. Gen.
Winands — Weynands. — Weinandy (Luxemb.).
Aus Wignant wohl entstellt Weickgenannt (St.
Petersburg).
Wigirich: Wegerich — Weirich.
Wigold: Wiechelt — Weygold; Weigelt; Weigt —
Weichold; Weichhold — Weyold.
(Wigwart:) Wegwerth.
Einstämmige Kürzung Wig-.
Wigo, Wicco, Wego: Wieck — Wigge — Wicke —
Wiche — Weig — Weicke — Weiche — Wey —
Wego; Wege — Wehke. Gen. Wieken — Weiks —
Weyen. Patr. A. Wigering.
Vklf. (l) Wigilo: Wiegel (Wiegelmann) — Wiechel
— Weigel; Weigele (schwäb.) — Weichel —

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Wegel — Weyel — Wiehle. Gen. Wiegels. Patr.
A. Weiling. (l + n): Wicklein — Weigelin —
Wegelein — Weichlein. (z) Wegezo, Wizo:
Witze; Witz — Weitz (Weiß). (z + l): Wizel;
Witzschel. (z + k): Witzke — Weitzke.
Zweistämmige Kürzung Wigb-.
Wibo, Wippo (Stark 118, aber auch zu Wid und Wil):
Wiebe — Wippo (Münster). Gen. Wieben.
Vklf. (l): Wibel — Wippel — Weibl. Gen. Wiebels
— Weibels. (l + n) Wibelin: Weiblen. (k):
Wiebecke — Wippich. Patr. A. Wiebeking.
Partizipiale Bildung: Wigand (der „Kämpfende“);
Wiegent — Weigand; Weigend — Weiand, Wayant.
Zweistämmige Kürzung Wigm-.
Wimo. Vklf. (k): Wiemken (jeverländ.).
Auslautend (69 mal Först.):
-wig: Hartwig.
-wich: Hartwich.
Wig III. got. veihs, ahd. wich, fries. u. altsäch. wik —
entsprechend dem lat. vicus. Seit dem 7. Jh. in ON.: -wig,
-wiek, -weig.
FN. Brunswig. Braunschweig. Bardowiecks.
Erkenzweig (O. Erkenswick). Winterschweig (O.
Winterswick).
Ableitung auf -er (oberd.): Braunschweiger.
Wigg- s. Wig (V., einst. K.).
WIL I. got. vilja, ahd. wiljo, mhd. wille „Wille“. In PN. seit
dem 5. Jh. nachweisbar.
FN. Willabald: Willibald.
Willaperht: Wilbrecht; Willbarth; Wilpert — entstellt
Wildbret. Gen. Wilbertz; Wilbers. Patr. A.
Wilberding.

Page 627

Willibrand: Willebrandt; Wilbrand.
Williprort: Willebrord.
Wiliafred: Wilfert; Wilfer, Wilfahrt.
Williger: Williger; Willcher.
Willigard: Willgert.
Willihard: Williard; Willard; Willert; Willet. Gen.
Wilts (ostfries.). Patr. A. Willerding.
Williachar: Willer — Wieler — Weller (Wellermann).
Gen. Wielers.
Willahalm 8.: Wilhelm; Wilhalm, entstellt Wilharm
(oft Willermus, Guillermus 10.-11. Jh.) — zsgz.
Wilm — latinis. und im Anlaut gekürzt Helmus.
Gen. Wilhelms — (lat.) Wilhelmi, in
eigentümlicher Schreibung Wilhelmj — Willems;
Wilmes; Wilms (Wilmsmeyer). Patr. A. Wilhelmer.
Patr. Zss. Wilhelmsen — Willemssen — Wilmsen.
Willicumo: Willkomm.
Williman: Willmann — Wellmann. Gen. Wilmanns.
Willimar: Willemer; Willmar — Wellmer. Gen.
Wilmers.
Willimot: Willmuth.
Willirat: Willrath, Willradt.
Willierich: Wilrich.
Wilitanch: Wildang.
Einstämmige Kürzung Wil-.
Wilia, Willo: Wille — Wiehle — Welle — Wehl. Gen.
Willes. Patr. A. Willing; Willink — Wieling —
Welling. Gen. Willings.
Vklf. (k): Willeke; Willige; Willich; Wilko; Wilcke.
Gen. Willkes. (k + n) Willikin: Willeken; Wilken.
Gen. Willikens; Wilkens. Patr. A. Wilkening. (z)
Willizo: Wiltz; Wiltsch.

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Wil-, Will- s. Wil.
WILD I. ahd. wildi, mhd. wilde „wild“. Wiltfrid, Wilderich.
FN. Einstämmige Kürzung Wild-.
Wilto: Wilde; Wildt.
Vklf. (z) Wildeis; Wildeisen.
Wildner III. „einer aus Wilden.“
Wimmer s. Widmer.
WIN I. ahd. wini, mhd. wine „Freund“. Seit dem 5. Jh.
FN. Winibald: Weinpold.
Winipreht: Weinbrecht.
Winidrud: Weintraud, Weintraut.
Winiger: Winniger — Winiker — Winker.
Winigard: Weingardt.
Winihart: Wienert — Weinhart; Weinardt; Weinert.
Gen. Winnertz.
Winiheri: Wiener — Weiner. Gen. Wieners.
Winileih: Weinlig.
Winiman: Weinmann.
Winimar: Weinmar — Wimmer.
Winirich: Wienrich — Windrich — Weinrich;
Weinreich.
Winevold: Winhold — Wienholt — Weinnoldt;
Weinhold. Gen. Wienholtz — Weinholz.
Einstämmige Kürzung Win-.
Wino, Quino: Winne — Wiehn — Quin — Weine;
Wein. Gen. Winnen — Wiens; Wynen — Weinen.
Patr. A. Winning.
Vklf. (l) Winilo: Weinel; Weindl. (k) Winicho:
Winnich — Winke; Winck — Quinke —
Winecke; Wienig — Weineck; Weinig. Gen.

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Wientjes (ostfries.) — Weinges; Weings. (k + n).
Winneken — Wyneken. (z) Winizo: Wintz —
Wientz — Weints — Quintz.
Auslautend (226 mal Först.):
-win: Gerwin — auch -wien geschrieben.
-wein: Baldewein. Frowein. Trautwein.
-bein: Deutschbein. Siebein. Widebein.
Winands s. Wig (V.).
Wind- s. Winid.
Winecke s. Win (einst. K.).
Wingerter III. mhd. wîngartaere, wîngerter „Weingärtner“.
Winhold s. Win (V.).
WINID I. haupts. zum Volksnamen der „Winden“ oder
Wenden.
FN. Windogast: Wendegast.
Winidhari: Winder — Winter. Vklf. Wintterlin.
Winidold: Windhold. Gen. Windholz.
Winidulf: Windolf.
Winidisco (adjektivisch): Windisch (häufig in Wien)
mit Windischmann — Wendisch.
Einstämmige Kürzung Winid-.
Winde; Windt — Wende; Wendt. Gen. Winden.
Winiker s. Win (V.).
Winke s. Win (einst. K.).
Winkel III. ahd. winkil, dem Ausdr. „Ecke“ sehr nahe
stehend (dasselbe von innen, was Ecke von außen
angesehen). Jetzt neben einfachem Winkel ein paar
hundert ON. auf -winkel, worunter am bekanntesten

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Krähwinkel. Auch Flur-N. (vgl. uȥ deme wynkele. Akener
Schöffenbücher).
FN. Bärwinkel; (bayr.) Berwinkl. Hanewinkel.
Katzwinkel. Kornwinkel. von Krähwinkel (schon ahd.
Chrawinchil, von den Krähen). Kramwinkel.
Rehwinkel. Rußwinkel. Voswinkel. Schadewinkel. —
Winkelmann. Winkelmeyer.
Winker s. Win (V.).
Winkler III. der einen „Winkel“ d. i. eine Krambude hat,
Krämer.
Winn- s. Win (V., einst K.).
Winter 1) Winidhari (s. winid) 2) PN. Wintar, der
wenigstens bei Neugart, codex diplom. Alamanniae im J.
858, wo Wintar u. Sumar Brüder sind, mit Sicherheit zu
ahd. wintar „Winter“ gehört (Först.). Gen. Winters (Mörs).
In Zss. = Nordseite: Winterkamp.
Winiterlin s. Winter.
Wintz s. Win (einst K.).
Wipp- s. Wig (V., zweist. K.).
WIRD I. zu got. vairths, ahd. werd „wert“.
FN. Werdher: Werder (Werdermann) — Werther.
Werdmann: Wirthmann — Werthmann.
Werdold: Werdelmann.
(Werdwin): Werthwein.
Einstämmige Kürzung Wird-.
Werdo: Wirth — Werth, Werdt.
Gen. Plur. Werda (ostfries.).
Vklf. (1) (Wirdilo): Wirtele — Würdele —
Würthle. (k) Werdicho: Werdich. (z) Werzo:
Wirz.

Page 631

Wirth a) I. s. Wird b) III. der „Wirt“ (Jacob der wirt 1299).
Zss. Altwirth. Neuwirth. Bierwirth. Brinkwirth.
Dorfwirth. Kampfwirth (s. Kamp III.). Auch wohl
Jungwirth; Rosenwirth. Gen. Wirdts, Wirtz
(niederrh.).
Wirthmann, Wirz s. Wird.
WIS I. zu ahd. wîsan „weisen“, wîso „Führer“, wîs „weise“.
FN. (Wisigar): Wisger.
Visichart: Wiesert — Weishardt; Weisert.
Wisman: Wiesmann — Wißmann — Weismann.
Wisamar: Wiesmer — Wismer.
Einstämmige Kürzung Wis-.
Wiso: Wiese — Weise. Gen. Wiesen. Patr. A. Wiesing.
Vklf. (l) Wisili: Wiesel — Weisel. (k) Wieseke —
Wiske — Weiske.
Wisch-, -wisch s. Wiese.
Wißgott III. Beteuerungsformel: mhd. wiȥȥe got, wie wiȥȥe
krist.
Wißmann s. Wis. (Doch nach Preuß der Besitzer des
Haupthofes in Wissentrup).
Wit-, Witt- s. Wid (V., einst K.).
Wittkop III. niederd. „Weißkopf“ (s. Kopf).
Wittkugel III. einer „mit weißer Kapuze“ (S. 46).
Wittpenning s. Weißpfennig.
Witz-, Wizel s. Wid (einst K.).
-witz s. -itz, in vielen ON. des östlichen Deutschland und
davon abgeleiteten FN. — in Vorpommern auch -vitz, -
fitz: Triddelfitz, -vitz.

Page 632

WOD I. zu got. vôds wütend, besessen, ahd. wuotan, mhd.
wüeten „wüten“ — mit Beziehung auf Wuotan (S. 13).
FN. (Wodger): Wüdiger.
Wodaric: Woderich — Wottrich — Wudrich —
Wuttrich.
Einstämmige Kürzung Wod-.
Woto: Wode — Wothe — Wöde — Wude — Wuthe;
Wuth.
Vklf. (l) Wodal: Wödel (l + n): Wöttlin. (k)
Wodicho: Wodicke — Wothge — Wottke —
Wudicke — Wuttke — Wüttig. (z) Wuzo: Wutzo;
Wutz.
Zweistämmige Kürzung Wodb-.
Woppo: Wopp. Gen. Wübbena (ostfries.).
Vklf. (k): Gen. Wöpcken (Jever).
Wöd- s. Wod.
Wohl-, Wöhl- s. Walt (V., einst. K.) — doch
Wohlfromm s. Wulf.
Wohlgemuth III. zu den von Eigenschaften entlehnten N.
(S. 48). Hainr. Wolgemut 1390; entstellt in Wolkenmuth.
Wohlschlegel III. entstellt aus Wollschlegel =
„Wollschläger“.
Wöhn- s. Wun.
Wolb-, Wölb- s. 1) Wald (V.) 2) Wulf (V.).
WOLC I. ahd. wolkan, mhd. wolken „Wolke“ — in
Wolkmar, Wolchanhart u. a.
FN. Wolchanhart: Wolkenhaar; entstellt Wolkenhauer
(Fick).
Einstämmige Kürzung: Wolke; Wolck — Wölke (auch
zu Wald = Waldiko).

Page 633

Wold- s. Wald (V., einst. K.).
Wöldicke s. Wald (einst. K.).
Woldgrebe III. „Aufseher eines Waldes“ s. Graf.
Wolf a) I. s. Wulf — bes. in Zss. wie Berwolf, Hertwolf,
Streitwolf.
b) III. vgl. Petrus dictus Lupus 1390 Köln. Univers. Matr. —
Zss. Weißenwolf, wohl elliptisch „zum weißen Wolf“.
Als jüdischer N. für Benjamin mit Beziehung auf den Segen
Jacobs 1. Mos. 49, 27.

Wolf-, Wölf- s. Wulf I. (V., einst. K.).
Wolfshand, Wolfsheim, Wolfskehl (Philipps Wolfskele 15.
Jh.), Wolfskinn III. zum Teil in dem uralten, heidnischen
Glauben des Volkes wurzelnd.
Wolk-, Wölke s. 1) Wald (einst K.) 2) Wolc.
Wolker s. Wulf (V.).
Woll-, Wöll- s. 1) Wald (V., einst. K.) 2) Wulf (V.).
Wollenweber III. älter Wullenweber — Wüllenweber —
entstellt Willenweber.
Wollenschläger III. mhd. wollensleger der „durch Schlagen
die Wolle reinigt und verarbeitet“. Auch Wollschläger.
Entstellt: Wohlschläger.
Wollner III. mhd. wollener „Wollbereiter“. Konradus
Lanifex. = Kord Wullner 1306. (Lipp. Reg.). Auch
Wöllner — Wüllner.
Wolp-, Wölp- s. 1) Wald (V.) 2) Wulf (V.).
Wolt-, Wölt- s. Wald (V., einst. K.).
Woltag s. Wulf.
Woltemate III. niederd. „wohl zu Maße“ (der das rechte
Maß zu halten weiß). Auch Woldemade; Woldemathe —

Page 634

halbhochd. Woltemas.
Wolzogen III. „wohlgezogen“.
Wöniger s. Wun.
Wop- s. Wod (zweist. K.).
Wörn- s. Warin (V., einst K.).
Wortmann s. Ward.
Woth-, Wott-, Wöttlin s. Wod.
Wouters s. Wald (V.).
Wrede III. altsächs. wrêth, niederd. wred „wild, zornmütig“.
Hermann der Wrede 1380. (Lipp. Reg.). Gen. Wreden.
Wröndel s. Warin (einst. K.).
Wübbena s. Wod (zweist. K.).
Wucherer III. ahd. wuocharâri, mhd. wuocheraere, urspr.
ohne ungünstigen Nebenbegriff (so noch bei Luther, Ev.
Luc. 7, 41–42).
Wud-, Wüdiger s. Wod.
Wulbrands s. Wulf (V.).
Wulf- s. Wulf (V., einst. K.).
Wülf- s. Wulf (einst. K.).
WULF I. got. vulfs, ahd. mhd. wolf, altsächs. wulf „Wolf“,
das dem Wuotan heilige Tier (S. 17). Seit dem 4. Jh.
(Vulfila der Westgoten-Bischof) in EN. nachweisbar, über
alle deutschen Stämme verbreitet.
FN. Wolfbald: Wolbold.
Wolbero: Wollenbär.
Wulfbert: Wolpert — Wölpert. Gen. Wolberts;
Wolbrigts (ostfries.). Patr. A. Wolperding.
Wolfbrand: Wullbrand — Wolbrand. Gen. Wulbrands
— Wolbrands.

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Wulfdag: Woltag.
Wolfgang: Wolfgang.
Wolfker: Wülker — Wolker.
Wolfgard w.: Wolfgart.
Vulfhard: Wulffert — Wolffhardt; Wolfart
(Wohlfahrt); Wolfert; Wolfer — Wölfert; Wölfer.
Gen. Wolferts.
Vulfhar: Wolfer; Wolfermann — Wölfer. Gen.
Wolfers.
Wolfhraban: Wulfgrom — Wolfram; Wolfgram;
Wolfrom; Wolfrum — (umgedeutet) Wohlfromm.
Vulfolaicus: Wölflich.
Wulflaib: Wulfleff — Wolleib.
Vulfrad: Wolfrath, Wolffradt.
Wolfrun w.: Wolfrun.
Ulfoard: Wöllwarth.
Einstämmige Kürzung Wolf-.
Vulfo: Wulf — Wolff (als Vorn. z. B. Wulff Pudwils
1453 Pomm. Urk.). Gen. Wolfes; Wolfen. Patr. A.
Wülfing — Wölfing.
Vulfin: Wulffen.
Vklf. (l) Vulfila: Wolfel — Wölfel. Wölfli
(schweiz.). Patr. A. Wölfling. (l + n)
Wulfolenus: Wölflin. (k) Vulficho: Wülfke. Gen.
Wülfken — Wölfken.
Auslautend, häufiger als jeder andere Stamm (464 mal
Först.):
-wolf: Hertwolf.
-ulf: Kierulff.
-olf (olph): Landolph.
-uf: Dieruf.

Page 636

-of: Margoff.
-auf: Gangauf (Gangolf).
-lof: Dettlof. Osterloff.
-lauf: Rolauf und Rudlauf neben Rudolf, Heidelauf
neben Heideloff (Heidolf).
-lef: Garleff (bei Klemp. Gerloff, Gerleff als derselbe
N.).
Wülker, Wullbrandt s. Wulf (V.).
Wullenweber, Wüllenweber s. Wollenweber.
Wüllner s. Wollner.
WUN I. wohl zu ahd. wunna „Wonne“.
FN. Vunniger: Wöniger.
(Wunnihart): Wöhnert.
Wunnaheri: Wöhner.
(Wunram): Wunram; Wundram.
Einstämmige Kürzung Wun-.
Wunno: Wunn — Wünne. Patr. A. Wünning —
Wöhning.
Vklf. (k): Wunnecke — Wüncke.
Wunn-, Wüncke, Wünn s. Wun.
Würdele s. Wird.
WURM I. got. vaurms, ahd. mhd. wurm „Schlange,
Drache“. Wurmhart 8.
Einstämmige Kürzung Wurm-.
FN. Wurm — Worm.
Vklf. (l) Patr. A. Würmeling.
Wurm III. „Wurm, Schlange, Drache“.
FN. von Wurmb; Wurm.

Page 637

Zss. Goldwurm. Käsewurm. Lindwurm. Maiwurm.
Rußwurm.
Wurst III. das deutsche Nationalessen (S. 46).
FN. Wurst (Hans Wurst 1441). Vklf. Würstlin.
Zss. Blutwurst. Knackwurst. Krautwurst. Leberwurst.
Wurster III. mhd. wurstaere „Wurstmacher“.
Würthle s. Wird.
Wurzler III. mhd. wurzeler „Kräutersammler“.
Wuth, Wüttig, Wuttrich, Wutz- s. Wod.
Wyerda, Wygram s. Wig (V.).
-wyl s. Weiler.
Wyn- s. Win (einst. K.).

Page 638

X.
Xander II. s. Alexander.
Xylander III. lat. Übersetzung von Holtzmann.

Page 639

Y.
Ybelacker (München) = Übel- s. Acker.
York — in Hinterpommern, etwa eine Meile von Bütow,
liegt das adelige Gut Groß-Gustkow, von früher her unter
mehrere Familien pommerschen Landadels verteilt. Eine
dieser altkassubischen Familien waren die Jorken oder
Jarken, eines der unzähligen armen Adelsgeschlechter des
slawischen Landes. Schon im Beginne des 17. Jahrh., im
J. 1607, findet man Lehnbriefe der Jorken zu Groß-
Gustkow — ein Beweis, daß der nachmals berühmteste
Träger des Namens, der Feldmarschall York von
Wartenburg, irrte, wenn er behauptete, von dem
hochberühmten englischen Geschlechte der York
abzustammen; ein Zweig derselben sollte in der Mitte des
17. Jh., etwa 1650, erst nach Schweden ausgewandert und
von dort nach Pommern gekommen sein.
Yxem III. O. Ixheim (Bayern).

Page 640

Z.
Zabel s. Sabellius.
ZAC I. got. tahjan „reißen, zerschütteln“.
FN. Zahheri: Zacher.
Einstämmige Kürzung Zac-.
Zacco: Zacke — Zach — Zeche.
Vklf. (l): Zeckel.
Zacharias II. hebr. „Jehova gedenkt“ 1) ein Prophet des A.
T. 2) der Vater Johannes des Täufers.
FN. Zachariae — Zacher.
Zagel III. ahd. mhd. zagel „Schwanz“ in mehrf. Zss. (die z.
T. wohl ON. sind, vgl. Hasenzagel).
FN. Rattenzagel — gew. zsgz. -zahl: Hasenzahl.
Lämmerzahl. Mäusezahl. Voszal. Weibezahl. Auch
Rübezahl, der N. des schlesischen Berggeistes,
gehört hierher, Rüebezagil 1762 = Rübenschwanz.
-zahl s. Zagel.
Zahn III. doch wohl nach einem irgendwie ungewöhnlichen
Zahne, vgl. lat. Dento, Dentatus (Pott).
In mehreren Zss.: Berzahn (= Eberzahn); Weibezahn (=
Wackel-), vgl. Scharfzahn 1427; — doch nicht
hierher gehörig Maltzan, welches slawisch. Urspr. ist
(wohl von Moltzen im Lüneburg. Ledebur,
Adelslexikon).
Zaiser, Zaitz s. Zeiz.
Zamel s. Samuel.

Page 641

Zander a) I. = Sander s. Sand. b) III. = Alexander (VN.
Ilsenb. Urk.).
Zapfe III. „Verzapfer von Getränken“.
Halbniederd. Zappe; Zapp.
Zss. Sauerzapf, -zapp „der schlechtes (saures) Zeug
verzapft“. Ölzapf. Weinzapf.
Zeche, Zeckel s. Zac.
Zehender III. „Zehntenerheber“ (Appo der Zehender 14.
Jh.).
FN. Zehender; Zehntner — Zehnter.
Zehet = Zehnt (vgl. Teget) in Zss. wie Zehetbauer, -gruber,
-mayr.
Zeidler III. ahd. zîdalâri, mhd. zîdelaere „Bienenzüchter“,
bes. mit Hinsicht auf die früher im Großen betriebene
Bienenwirtschaft im Walde. Die Zeidler bildeten eine
Genossenschaft mit besonderen Satzungen und Rechten.
Auch Zeitler.
Zeigswetter III. Satz-N. „zeige das Wetter an“. Vgl.
Kiesewetter.
Zeis-, Zeiß- s. Zeiz.
Zeit III. in Zus.: Guttzeit (vgl. franz. Bontemps). Liebzeit.
Neuenzeit (elliptisch = zur neuen Z.).
Zeitvogel III. wohl = Zugvogel.
ZEIZ I. ahd. zeiz „anmutig, zart“, altnord. teitr „froh“
(herteitr „kriegesfroh“, Beiname Odhins).
FN. Zeizperc: Zeisberg.
(Zeizger): Zeisiger.
Zeizher: Zeißer — Zaiser.
Zeizman: Zeitzmann.
Einstämmige Kürzung Zeiz-.

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Zeizo: Zaitz (Zeitzmann) — Zeiße. Zeyß — Zeise.
Patr. A. Zeißing — Zeising.
Zell III. lat. cella, zur Bezeichnung von Klöstern
angewendet, seit dem 8. Jh. nachweislich in
Manegoldescella u. a., einfaches Cella schon in
demselben Jh. weit verbreitet. Jetzt -zell.
FN. Zelle. von Lauberszell.
Ableit. auf -er (oberd.): Zeller. Appenzeller.
Finkenzeller. Pfaffenzeller.
Zembach s. Zu.
Zentgraf III. der einer „Cent d. i. Hundertschaft vorsitzende
Graf“. Cuntz Zentgreff 15. Jh.
FN. Zintgraf — Zinkgreff.
Zerrleder III. „zerre das Leder“ — Spott-N. des Schusters.
Zeyß s. Zeiz.
Zick- s. Sig (V., einst. K.).
Zickendrath III. Satz-N. „zücke, ziehe den Drat“, Spott-N.
des Schusters (Vilmar).
Ziebarth, Ziegele s. Sig (V.).
Ziel-, Ziehl- s. Zil.
ZIER I. ahd. ziari, mhd. ziere „zier, schmuck“.
FN. (Zierold): Zierold — Ziert.
Einstämmige Kürzung Zier-.
(Ziero): Ziehr (Ziermann). Gen. Zieren.
Vklf. (l): Zierl. (l + n): Zierlein. (z): Ziereis.
Zierfuß III. „mit zieren d. i. zierlichen, schönen Füßen“,
vom mhd. Eigenschaftsw. zier.
ZIL I. ahd. mhd. zil „Ziel“, ahd. zilôn streben.
FN. Cilger: Zieleger — Zilger; Zilker.
(Zilheri): Zieler.

Page 643

Ciliman: Zillmann.
(Zilmar): Zillmer.
Einstämmige Kürzung Zil-.
Zilo, Zillo: Zill — Ziehl. Gen. Zilles; Zils. Patr. A.
Zilling. Patr. Zss. Zillessen.
Verkleinert (k): Ziehlke — Zillich.
Zilias, Zilges s. Cyriacus.
Zill- s. Ziel.
Zimmermann III. mhd. zimberman.
FN. Zimmermann. Gen. Zimmermanns (niederrhein.).
Niederd. Timmermann. Auch Zimmerling findet sich
in derselben Bed. sowie Zimmerer.
Zindram s. Sind.
Zinkgreff, Zintgraf s. Zentgraf.
Zoller III. mhd. zollaere, von zollen „Zoll fordern“.
FN. Zoller — Zöller.
Zöllner III. ahd. zollanâri, mhd. zolnaere (lat. telonarius).
FN. Zollner — Zöllner. Niederd. Töllner (Klemp.
Tolner und Toller).
Zoons (niederrhein.) holländ. F. = deutschem Sohns.
Zu in vielen FN.: Zufelde, Zutafern (ad tabernam); doch
gewöhnlich mit Artikel: zum, zur (niederd. ten, ter).
FN. Zumbach; Zembach; halbniederd. Zumbeck.
Zumbaum; halbniederd. Zumbohm. Zum Bild (doch
wohl Heiligenbild). Zumbrink; niederd. Tombrink.
Zum Brook (Oldenb., hd. Zumbruch) Zumbühl
(Baden, = zum Hügel). Zumbruch. Zum Felde;
Zumfeld (vgl. van dem Felde, Gött. UK. im J. 1371).
Zum Fleth (Fließ). Zumgrunde. Zum Hagen. Zum
Hofe; Zumhoff. Zumholz; halbniederd. Zumholte.
Zumkeller. Zumsteeg. Zumstein.

Page 644

Zurfluh. Zurheide. Zurkaulen (zur Grube). Zurmühlen.
Zurstraßen. Zur Windmühlen (s. über diese und die
verwandten Bildungen S. 54). Zorbach.
Zu Rhein III. Freiherr zu Rh. (bayr.) urspr. ze Rhyn
(innerhalb der Ringmauern von Basel am Ufer des
Rheines ansässig. Tobler-Meyer).
Zuckschwerdt III. Satz-N. „zücke das Schwert“. Vgl.
Cucksswert (Altmarburg, Reichel). Auch Zugschwerdt.
Zum-, Zur- s. Zu.
Zürcher III. = Züricher.
Zurhelle III. Helle, Hölle „wilde Gegend mit Abgründen“.
Zurnieden s. Tornedden.
Zutafern III. „zur Taberne“.
Zwilchenbart III. (Zürich) „der mit doppelt gedrehtem
Bart“ (Tobler-M.).
Zwingly III. nach Stalder’s Idiotikon aus „Zwilling“, ahd.
zwiniling. Vgl. Petrus czwilling 1372.
Zwirner III. von zwirnen = „zusammendrehen“, der Fäden
aus Flachs, Hanf oder Seide dreht.
Zybrandts, Zyprecht s. Sig (V.).

Page 645

Page 646

Berichtigungen.
S. 15, Z. 13 o. lese man den wohl ausgerüsteten römischen.
S. 28, Z. 8 u. Marquardus.
S. 33, Z. 2 o. Vogel zu streichen.
S. 50, Z. 2 u. Krumnas.
S. 76, Z. 21 o. bis ins 18. Jahrh.
S. 111b, Z. 12 o. Böhringer.
S. 115a, Z. 26 o. Karl XI.

Buchdruckerei des Waisenhauses in Halle a. S.

Page 647

Verlag der Buchhandlung des
Waisenhauses in Halle a. S.

Die Entwicklung der
deutschen Kultur
im Spiegel des deutschen Lehnworts
von
Fr. Seiler.
I. Die Zeit bis zur Einführung des M 1,50.
Christentums.
II. Von der Einführung des Christentums bis M 2,50.
zum Beginn der neueren Zeit.
In einen Band gebunden M 5,—.

Geschichte der deutschen
Literatur
mit einem Abriß der Geschichte der deutschen
Sprache und Metrik

Page 648

bearbeitet von
G. Bötticher und K. Kinzel.
Siebente und achte verbesserte Auflage.

1903. In Kalikoband M 1,80.

Auswahl deutscher
Gedichte
von
Theodor Echtermeyer.
34. Auflage,
unter Berücksichtigung der neuen Rechtschreibung besorgt von
Dr. A. Rausch,
Rektor der Lateinischen Hauptschule in Halle a. S.

M 3,60. In Geschenkband M 5,—.
Diese neue Auflage bringt eine Anzahl neuerer
Gedichte, welche aus der Fülle der neueren deutschen
Lyrik nach Grundsätzen ausgewählt worden sind, die von
jeher für das Werk maßgebend waren. Ferner ist jetzt der
Sammlung eine sachlich geordnete Übersicht über sämtliche
Gedichte vorangestellt worden, welche den ganzen
Reichtum der Sammlung zu erschließen bestimmt ist,
während die angehängten beiden Register das leichte und
schnelle Auffinden der Gedichte ermöglichen. — Bisher in
245 000 Exemplaren verbreitet.

Page 649

Gedichte des 18. und 19.
Jahrhunderts
ausgewählt und erläutert von
Prof. Dr. Karl Kinzel.
1. Gedichte des 18. In Kalikoband
Teil. Jahrhunderts. M 1,20.
2. Gedichte des 19. In Kalikoband M 2,
Teil. Jahrhunderts. —.

Die deutsche Heimat.
Landschaft und Volkstum.

Von
Prof. Dr. August Sach.
2. Auflage mit vielen Abbildungen. M 7,50; geb. M 10,—.
Eine d e u t s c h e K u l t u r g e s c h i c h t e für das Volk.
Für die deutsche Familie empfehlt es sich wie kaum ein
anderes Werk. Karlsruher Zeitung.

Page 650

Deutsches Leben in der
Vergangenheit.
Von
Prof. Dr. August Sach.
Zwei Bände. M 12,—; in zwei eleg. Bänden M 15,50.
Ein i n h a l t r e i c h e s B u c h, das in übersichtlicher
Gliederung ausgewählte Abschnitte aus der politischen und
Kulturgeschichte, aus der Rechts- und Religionsgeschichte
des deutschen Volkes im Mittelalter und in der Neuzeit
darbietet und als Kompendium deutscher Staats- und
Privataltertümer eine glückliche Ergänzung oder
Erweiterung der hierher gehörigen Werke von J . S c h e r r
und G . F r e y t a g ist. Grenzboten.

Charakterspiegel in Sage
und Geschichte.
Von
August Sach.
Geh. M 5,25; in Halbleinenband M 6,—.
„Die Hand des bewährten Pädagogen ist nach
Anordnung und Inhalt dieses im ganzen vortrefflichen
Buches unverkennbar. Er bietet damit der reiferen
Jugend beiderlei Geschlechts eine tüchtige
Geistesnahrung, die durch den bunten Wechsel der
Personen, Zeiten und Handlungen angenehm und

Page 651

lehrreich zu unterhalten versteht. Aus dem weiten Gebiete
der Welt- und Spezialgeschichte wie der Biographie und der
mehr sagenhaften Erzählung sind mit weiser Absicht immer
solche Themata ausgesucht, welche auf den zu bildenden
Charakter der Jugend von bestimmendem Einfluß sich
erweisen können, um Glaube, Treue, Mut, Tatkraft,
Gottvertrauen und andere edle Tugenden der Christen
anschaulich zu machen und unverdorbene Gemüter für die
Nacheiferung solch hehrer Vorbilder zu erwärmen. Alles
irgendwie Irreführende ist deshalb sorgfältig ausgeschieden
worden, und die besten Autoren kommen überall
zum Wort. Auch werden mancherlei mehr anekdotenhafte
und unverbürgte Züge der hergebrachten
Geschichtsbehandlung aus den Quellen berichtigt und hier
und da vergessene oder mehr unbekannte Nebenpartieen in
das gebührende Licht gesetzt. So fügt sich zum Großen das
Kleine und zu dem Allgemeinen das Besondere in
wirkungsvoller Abwechselung.“
Theologisches Literaturblatt.

Erzählungen aus der alten
deutschen Welt
für jung und alt.
Von
K. W. Osterwald.
G e s a m t a u s g a b e in drei Bänden.
Mit Holzschnitt-Tafeln.
M 10,—; in drei Halbleinenbänden M 12,—.

Page 652

I n h a l t: Gudrun. Siegfried und Kriemhilde. Walther
von Aquitanien. Dietrich und Eoke. König Rother.
Engelhart. Parzival. Erzählungen aus dem Kreise der
Langobardischen und Dietrichs-Sage. König Ortnit.
Dietrich und seine Gesellen. Alpharts Tod. Die
Ravennaschlacht. Beowulf. Iwein. Wieland der Schmied.

Deutsche Zeit- und
Charakterschilderungen.
I. Berndt, M., Gneisenau. Mit einem M 1,80;
Bildnis Gneisenaus. kart. M 2,10.
II. Kallsen, Otto, Friedrich Barbarossa, M 4,—;
die Glanzzeit des deutschen Kaisertums kart. M 4,50.
im Mittelalter. Mit 6 Vollbildern von
Felix J o e r d e n s.
III. Berndt, M., Das Leben Karls des M 2,10;
Großen. Z w e i t e Auflage. Mit einem kart. M 2,40.
Bildnis Karls des Großen.
IV. Berndt, M., Jakob Grimms Leben und M 1,80.
Werke.

Deutsche Sozialgeschichte,
vornehmlich der neuesten Zeit,

Page 653

gemeinverständlich dargestellt

von
E. Stutzer.
M 3,60.

Was ist deutsch?
Eine Kaisergeburtstagsrede
von
Fr. Neubauer.
M —,40.

Page 654

*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE DEUTSCHEN
FAMILIENNAMEN, GESCHICHTLICH, GEOGRAPHISCH,
SPRACHLICH ***

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and (c) any Defect you cause.

Section 2. Information about the Mission of Project
Gutenberg

Project Gutenberg is synonymous with the free distribution of
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computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It
exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations
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Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg’s goals
and ensuring that the Project Gutenberg collection will remain freely
available for generations to come. In 2001, the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation was created to provide a secure and
permanent future for Project Gutenberg and future generations. To
learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 and
the Foundation information page at www.gutenberg.org.

Section 3. Information about the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non-profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the state
of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal Revenue
Service. The Foundation’s EIN or federal tax identification number is
64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation are tax deductible to the full extent permitted by U.S.
federal laws and your state’s laws.

The Foundation’s business office is located at 41 Watchung Plaza
#516, Montclair NJ 07042, USA, +1 (862) 621-9288. Email contact

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links and up to date contact information can be found at the
Foundation’s website and official page at www.gutenberg.org/contact

Section 4. Information about Donations to the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation

Project Gutenberg™ depends upon and cannot survive without
widespread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine-readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment. Many small
donations ($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax
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The Foundation is committed to complying with the laws regulating
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Section 5. General Information About Project Gutenberg
electronic works

Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone. For forty years, he produced and distributed Project
Gutenberg eBooks with only a loose network of volunteer support.

Project Gutenberg eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
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