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Das Project-Gutenberg-E-Book „Die Prinzipien der Lederherstellung“

Dieses E-Book steht jedem in den Vereinigten Staaten sowie in den meisten anderen Teilen der Welt kostenlos und nahezu ohne jegliche Einschränkungen zur Verfügung. Sie dürfen es unter den Bedingungen der mit diesem E-Book enthaltenen Project-Gutenberg-Lizenz oder online unter www.gutenberg.org kopieren, weitergeben oder erneut verwenden. Wenn Sie sich nicht in den Vereinigten Staaten befinden, müssen Sie vor der Nutzung dieses E-Books die Gesetze des Landes prüfen, in dem Sie sich aufhalten.

Titel: Die Prinzipien der Lederherstellung

Autor: H. R. Procter

Veröffentlichungsdatum: 20. Juli 2018 [E-Book #57548]

Sprache: Englisch

Weitere Informationen und Formate: www.gutenberg.org/ebooks/57548

Danksagung: Erstellt von Chris Curnow, Harry Lamé sowie dem Online-Distributed-Proofreading-Team unter http://www.pgdp.net (Diese Datei wurde aus Bildern erstellt, die großzügigerweise vom Internet Archive zur Verfügung gestellt wurden.)

*** ANFANG DES PROJECT-GUTENBERG-EBUCHS „DIE PRINZIPIEN DER LEDERHERSTELLUNG“ ***

Bitte beachten Sie die Anmerkungen des Transkribenten am Ende dieses Textes.

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Das Titelbild wurde für dieses Dokument erstellt und steht im öffentlichen Bereich zur Verfügung.

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Die Prinzipien der Lederherstellung

Frontispiz.

Tafel I.

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Abschnitt aus Kalbsleder. (Zum Schlüssel siehe Abb. 9.)

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Die Prinzipien der Lederherstellung
von H. R. Procter, F.I.C., F.C.S.
Professor für die Lederindustrie am Yorkshire College in Leeds;
ehemaliger Präsident der Internationalen Vereinigung der Chemiker im Lederhandel

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London:
E. & F. N. SPON, Limited, 125 STRAND

New York:
SPON & CHAMBERLAIN, 123 LIBERTY STREET

1903

Widmung an

PROFESSOR F. L. KNAPP
GEHEIMER HOFRAT, DR. PHIL. UND DR. ING.

DEN PIONIER DER WISSENSCHAFTLICHEN FORSCHUNG
IN DER LEDERHERSTELLUNG

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VORWORT

Der Anlass für dieses Werk war der Versuch, eine zweite Auflage des kleinen Lehrbuchs über das Gerben zu erstellen – eines Werkes, das der Autor im Jahr 1885 veröffentlichte und das seit langem nicht mehr im Druck ist. Obwohl jahrelang daran gearbeitet wurde, konnte das Werk nie vollendet werden – teils aufgrund des ständigen Drucks durch andere Aufgaben, aber noch mehr aufgrund der raschen Fortschritte in unserem Wissen über dieses Thema sowie der wissenschaftlichen Untersuchungen, die ihm gewidmet wurden. Für seinen Beitrag zur Initiierung dieser Arbeit gebührt Wilhelm Eitner, Leiter des kaiserlich-königlichen Forschungsinstituts für Lederindustrie in Wien, großes Lob. Doch die von ihm eingeleiteten Arbeiten wurden nicht nur in Wien, sondern auch in den Gerbereischulen und Forschungsinstituten in Freiberg, Leeds, London, Lüttich, Kopenhagen, Berlin und anderswo energisch fortgesetzt – in geringerem Maße auch in privaten Laboren.

Unter dem Druck dieses schnellen Fortschritts war es unmöglich, das Werk als Ganzes abzuschließen. Deshalb veröffentlichte der Autor im Jahr 1898 einen Band, der sich mit der rein chemischen Seite des Themas befasste, unter dem Titel „Laborbuch für die Lederindustrie“. Dieses Buch wurde ins Deutsche, Französische und Italienische übersetzt; die englische Ausgabe neigt sich schnell dem Ende zu.

Das vorliegende Werk, das eigentlich vor dem Laborbuch hätte erscheinen sollen (und das häufig darauf als „L.I.L.B.“ verweist), versucht, die allgemeinen wissenschaftlichen Prinzipien der Branche zu behandeln, ohne ihre praktischen Methoden im Detail zu beschreiben – obwohl nebenbei viele praktische Aspekte erörtert werden. Um das Thema vollständig abzudecken, sollte ein dritter Band geschrieben werden, der detaillierte Anleitungen zu den verschiedenen Herstellungsverfahren liefert. Doch abgesehen von der Schwierigkeit des Themas sowie der Mühe, „viele Bücher zu schreiben“, gibt es noch weitere Hindernisse…

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Sie schwanken so stark und hängen von vorübergehenden Bedingungen ab, dass sie keinen dauerhaften Wert haben wie die Aufzeichnungen wissenschaftlicher Fortschritte. Da dieses Buch sowohl Chemikern als auch praktizierenden Gerbermeistern zugutekommen soll, muss es in gewissem Maße bei beiden Gruppen versagen – schließlich enthält es viele Themen, die den Chemikern bereits bekannt sind, während andere Themen für die Gerbermeister schwierig sein könnten. Für diese und weitere Mängel bittet der Autor um Nachsicht seitens seiner Leser.
Der Autor muss hier seine Dankbarkeit gegenüber Dr. Tom Guthrie sowie Herrn A. B. Searle ausdrücken für ihre Hilfe bei der Erstellung mehrerer Kapitel; gegenüber Dr. A. Turnbull und Herrn F. A. Blockey für ihre große Unterstützung bei der Korrektur der Manuskripte sowie bei der Vorbereitung des Manuskripts für den Druck; sowie gegenüber den vielen Herren, die ihm ihre Zeichnungen und Darstellungen zur Veranschaulichung zur Verfügung gestellt oder zur Nutzung erlaubt haben.

Yorkshire College,
Leeds.

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INHALT.

KAPITEL I.

EINLEITENDES UND GESCHICHTLICHE EINFÜHRUNG.

Ursprüngliche Methoden der Lederherstellung – Verwendung von Leder bei den Alten – Entwicklung der Lederherstellung in England – Herstellungsverfahren für Leder – Pflanzliche Gerbungen – Kombinierte Gerbungen – Verwendung von Aluminium, Eisen und Chrom – Öl- und Fettleder – Schwierigkeiten bei der wissenschaftlichen Behandlung SEITE 1

KAPITEL II.

EINLEITENDER ÜBERBLICK ZUR LEDERHERSTELLUNG.

Zweck des Gerbens – Waschen und Einweichen – Entfernung von Haaren durch Verkalkung – Enthaaren durch Zersetzung – Enthaaren und Entfleischung – Entkalkung – Kneten, Pürieren und Tränken – Der Prozess der pflanzlichen Gerbung – Kurieren – Alaun-, Chrom- und Chamottenleder SEITE 7

KAPITEL III.

DIE LEBENDIGE ZELLE.

Struktur der Zellen – Weißblutkörperchen – Hefezellen – Epidermiszellen – Aufbau der Pflanzen SEITE 10

KAPITEL IV.

ZERSETZUNG UND GÄRUNG.

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Die Natur von Fermenten – Organisierte und unorganisierte Fermente – Klassifizierung der organisierten Fermente
– Allgemeine Eigenschaften von Fermenten – Die alkoholische Gärung – Die Wirkung von Enzymen oder unorganisierten Fermenten – Die Zerstörung von Fermenten durch Wärme und Desinfektionsmittel – Die Produkte der Gärung – Die Gärungen in der Gerberei – Gärung bei der Behandlung von Leder – Gärung in den Gerberlösungen – Schimmelpilze – Kontrolle der Gärung SEITE 15

KAPITEL V.
DESINFIZIERUNGSMITTEL UND ANTISEPTIKA

Unterschiede zwischen Desinfektionsmitteln und Antiseptika – Kalk – Schwefeldioxid – Herstellung von Schwefelsäure – Bisulfite und Metabisulfite – Borsäure und Borate – Quecksilberchlorid – Quecksilberjodid – Kupfersulfat – Zinksalze – Arsen – Fluoride – Phenol – Verwendung von Carbonsäure – Eudermin – Creasote – Creolin – Salicylsäure – Benzoesäure – Cresotinsäure – Anticalcium – „C.T.“-Behandlungsmittel – Naphtholsäure – Naphthole – Hydronaphthol – Oxynaphthoinsäure – Kohlendisulfid – Formaldehyd – Triformol – Kamfer und ätherische Öle SEITE 21

KAPITEL VI.
URSPRUNG UND BEHANDLUNG VON HÄUTEN UND FELLERN

Markierung von Häuten – Verarbeitung von Schafsfellen – Verwendung von Salz – Salzen von Leder – Salzen durch Einlegen in Salzlösung – Trockensalzen – Behandlung mit indischem Gips – Analyse von Salzminen – Salz- und Eisenflecken – Trocknung von Häuten und Fellen – Schäden durch Insekten – Die Warble-Fliege – Schäden durch Brandmarken – SEITE 33

KAPITEL VII.
STRUKTUR UND WACHSTUM VON HAUTEN

Ähnlichkeiten bei Säugetierhäuten – Entwicklung der Haut – Struktur von Kalbfellen – Die Epidermis – Struktur der Haare – Die Talgdrüsen – Entwicklung der Haare – Die Haarscheide – Der Haarmuskel – Die hyaline Schicht – Das Leder – Bindegewebe – Fettzellen – Streifenmuskeln – Elastische Fasern – Der Prozess des Enthaarends – Der Schwitzenprozess SEITE 46

KAPITEL VIII.

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Die chemischen Bestandteile der Haut.

Keratinfasern – Herstellung von Gelatine aus Bindegewebe – Analysen von Häuten und Gelatine – Zusammensetzung der Gelatine – Analyse und Reaktionen der Gelatine – Zersetzung der Gelatine – Reaktionen der Gelatine – Chondrin – Coriin – Hautalbumin – „Säure“- und „Laugen“-Albumine – Eiweiß – Vitellin – Kasein – Keratine – Elastische Fasern – Analytische Methoden – Kjeldahlsche Methode SEITE 56

KAPITEL IX.

Die physikalische Chemie der Häutefasern.

Ursachen für Schwellung und Zusammenziehung – Grundlagen des Gerbprozesses – Zusammensetzung der Materie – Natur der Moleküle – Dampfdruck – Oberflächenspannung – Lösungsdrücke – Gele – Kristalle – Osmotischer Druck – Elektrolytische Dissoziation – Elektrolyse – Reaktionen von Ionen – Aufnahme von Wasser durch Gelatine – Entwässerung durch Alkohol – Wirkung von Säuren, Laugen und Salzen auf gelatineartige Fasern – Physikalische Erklärung der Schwellung – Wirkung von Säuren auf Gelatine – Wirkung von Laugen auf Gelatine – Einfluss von Salzen – Der Einweichprozess SEITE 73

KAPITEL X.

Wasser im Gerbereibetrieb.

Unreinheiten im natürlich vorkommenden Wasser – Härte – Seifentest – Vorübergehende Härte – Clarksche Weichmachmethode – Archbuttsches und Deeleysches Weichmachgerät – Andere Geräte – Einfluss der vorübergehenden Härte bei der Gerbung und Färbung – Dauerhafte Härte – Kesselrost – Schlamm – Eisen – Aluminiumoxid – Natron – Kupfer, Blei usw. – Schwefelsäure – Nitrate und Nitrite – Chlor – Kohlensäure – Silicumsäure – Einfluss der Härte auf das Aufquellen – Torfwässer SEITE 93

KAPITEL XI.

Einweichen und Weichmachen von Häuten und Skinnen.

Waschen frischer Häute – Gefahr der Verwesung – Einweichen gesalzener Häute und Skinnen – Einweichen und Weichmachen trockener sowie trocken gesalzener Häute – Amerikanisches Waschrad – Chemische Methoden – Schwierigkeiten beim Weichmachen von bei hoher Temperatur getrockneten Häuten SEITE 108

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KAPITEL XII.

DEPILATION.

Methoden der Depilation – Der Schwitzvorgang – Verwendung von Kalk – Quellen des Kalks – Kalziumoxid – Auflösung des Kalks – Löslichkeit des Kalks in Wasser – Analyse des Kalks – „Verfügbarer“ Kalk – Wirkung des Kalks auf das Leder – Verwendung von Kalk in den Fabriken – Suspensionen aus Kalk – Effekt der Erwärmung des Kalks – Benötigte Menge an Kalk – Die Buffalo-Methode – Wirkung alter Kalke – Auflösung des Ledermaterials durch Kalk – Natrium- und Kaliumhydrate – Die Payne- und Pullman-Methode – Alkalische Karbonate – Alkalische Sulfide – Natriumsulfid – Calciumsulfhydrat – Gaskalk – Abfälle aus Tanks – Lufkins Methode zur Herstellung von Kalk – Bariumsulfhydrat – Realgar, oder roter Arsenidsulfid – „Unschädliche“ Lösungen zum Enthaaren – Earps Patent – Enthaaren mit Maschinen – Vaughns Maschine – Leidgens Maschine – Enthaaren in Behältern und Waschwalzen – Jones’ Maschine – Entfernung des Fettes vom Leder – Vaughns Maschine zur Entfernung des Fettes – Seite 119

KAPITEL XIII.

ENTKALKUNG, BEHANDLUNG MIT SÄUREN, PÜRING UND DRENNEN.

Methoden zur Entfernung von Kalk und zur Verringerung der Schwellung – Verwendung von Säuren – Milchsäure, Essigsäure und Formalinsäure – Boral – Natriumbisulfat – Boressigsaure – Borax – Der „Herunterziehungsprozess“ – Verwendung von Ammoniumchlorid und -sulfat – Einweichlösungen – Behandlung mit Milchsäure – Natriummetabisulfit – Entfernung des Kalks nach französischer Methode – Nesbitts Methode – Verwendung von Kohlensäure – Carbonsäure – Cresotinsäure – Oxynaphthoinsäure – „Anticalcium“ – „Acrilene-Behandlungsäure“ – „C.T. Bate“ – Verwendung von Sulfiden und Polysulfiden – Babool-Kapseln – Behandlung mit Branntwein – Ursachen für die Wirkung dieser Behandlungen – Pepsin – Trypsin oder Pancreatin – Woods Forschungen – Erodin – Palmers Experimente – Andere künstliche Behandlungsmittel – Relativer Effekt von Hundekot- und Taubenkot-Behandlungen – Analyse von Kotstoffen – „Scudding“ oder „Feinhaaren“ – Aufbewahrung und Verwendung von Kotstoffen – Seite 152

KAPITEL XIV.

ALUM-TANNUNG.

Natur des Leders – Mineralische Gerbungsmittel – Aluminiumsalze – Alume – Aluminiumsulfat – Wirkung von Salzen bei der Alum-Tanning – Basische Aluminiumoxid-Lösungen – Tanning von Häuten für Teppiche – Herstellung von Kalbfell – Herstellung von Handschuhfell – Grünes Leder sowie andere Kombinationsgerbverfahren – Seite 184

KAPITEL XV.

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Eisen- und Chromgerbung.

Eisengerbung – Chromgerbung – Chemie der Chromverbindungen – Knapps Methode der Chromgerbung – Cavallin – Swan – Heinzerling – Hummels Verbesserung – Schultzes Methode – Theorie des Zwei-Bäder-Verfahrens – Praktische Umsetzung des Zwei-Bäder-Verfahrens – Dennises Chromgerberlösung – Procters Lösungen – Theorie des basischen Verfahrens – Praktische Anwendung von basischen Lösungen – Waschen und Neutralisieren – Einfluss von Schwefel auf Chromleder – Blaufärben – Fettlösungen – Färben von Chromleder – Glasieren und Finishen SEITE 198

KAPITEL XVI.

Grundlagen der pflanzlichen Gerbungsvorgänge.

Methoden zur Gerbung von Sohlenleder – Finishung von Sohlenleder – Theorie der pflanzlichen Gerbung – Entlimung von Sohlenleder – „Mellonigkeit“ der Lösungen – Eindringen der Gerbstoffe – Trocknung von Sohlenleder – Gerbung von Oberledern – Vorbereitung für die Gerbung – Vermeidung von „Bloom“ – Gerbung von Mohair- und anderen Ledern SEITE 220

KAPITEL XVII.

Kombination von pflanzlichen und mineralischen Gerbstoffen.

Frühe Kombinationsgerbungen – Unterschiedlicher Effekt von mineralischen und pflanzlichen Gerbstoffen – Verwendung von Fettlösungen – Wechselwirkung von mineralischen und pflanzlichen Gerbmaterialien – Dänische und schwedische Handschuhleder – Grüne Leder – Herstellung von Fettlösungen – Chromkombinationen SEITE 236

KAPITEL XVIII.

Pflanzliche Gerbmaterialien.

Verteilung von Gerbstoffen in Pflanzen – Struktur von Rinden – Botanische Liste wichtiger Gerbmaterialien SEITE 242

KAPITEL XIX.

Chemie der Gerbstoffe.

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Quellen von Tanninen – Allgemeine Eigenschaften der Tannine – Chemische Zusammensetzung – Catechol- und Pyrogallol-Tannine – Catechine – Neigung von Catechol-Tanninen, durch Licht dunkler zu werden – „Physiologische“ und „pathologische“ Tannine – Vorhandensein von färbenden Stoffen SEITE 294

KAPITEL XX.

Entnahme und Analyse von Gerbmaterialien.

Die Internationale Vereinigung der Chemiker der Lederindustrie – Die Amerikanische Offizielle Vereinigung der Agrarchemiker – Entnahme von Proben – Herstellung einer Lösung zur Analyse – Extraktion fester Materialien – Gesamtmenge an löslichen Stoffen – Verdampfung von Lösungen – Wiegen der Rückstände – Bestimmung von Nicht-Tanninen – Filtermethode mit Lederpulver – Schüttelmethode mit Lederpulver – Bestimmung des Feuchtigkeitsgehalts – Farbmessung SEITE 300

KAPITEL XXI.

Zerkleinerung von Gerbmaterialien.

Primitivmethoden der Zerkleinerung – Glockenmühlen oder Kaffeemühlen – Scheibenmühlen – Zerkleinerungsgeräte – Carrsches Zerkleinerungsgerät – Cartersches Zerkleinerungsgerät – Einstellung der Zerkleinerungsgeräte – Williams-Pulverisierer – Zerkleinerer vom Typ Myrobalans und Valonia – Sägemühlen – Raspmühlen – Maschinen zum Schneiden von Dyewood – Siebung der zerkleinerten Materialien – Zerkleinerung von Rinde – Zerkleinerungsgeräte und Feuerversicherung – Staub von Zerkleinerungsgeräten – Kettenförderer – Bandförderer – Schwingförderer SEITE 316

KAPITEL XXII.

Extraktion von Gerbmaterialien sowie Herstellung von Extrakten.

Löschung – Frühe Formen der Löschung – Das Press-Lösch-Verfahren – Umgang mit Flüssigkeiten – Verteilungsschächte und Ventile – Konstruktion der Löschvorrichtungen – Einfluss der Temperatur – Verwendung eines geräuschlosen Kochstrahls – Geschlossene Extraktoren – Besprüfungsverfahren zur Löschung – Herstellung von Extrakten – Entfärbung von Extrakten – Lösliche Extrakte – Konzentrierung von Extrakten – Yaryan-Verdampfer – Mehrfachwirkungsverfahren – Verwendung von Extrakten in der Gerberei – Einfluss der Temperatur auf die Extraktion und die Farbe SEITE 328

KAPITEL XXIII.

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Fette, Seifen, Öle und Wachse.

Eigenschaften von Fetten und Ölen – Chemische Zusammensetzung – Art und Herstellung von Seifen – Unlösliche Seifen – Destillation von Fetten – Lösungsmittel für Öle – Trocknungsöle – Gesättigte Fettsäuren – Nicht-trocknende flüssige Fettsäuren – Weniger gesättigte flüssige Fettsäuren – Rizinusöl – Talg – Schafsfett – Wollefett – Destilliertes Wolfsfett – Destilliertes Stearin – Olivenöl – Kalkutta-Öl – Leinöl – Gekochte Öle – Japanisches Lederöl – Baumwollsamenöl – Sesamöl – Heringöl – Haifischleberöl – Walöl – Robbenöl – Menhadenöl – Fischöle – Fischtalg – Dégras- und Sodöl – Wachse – Samenöl – Bienenwachs – Carnaubawachs – Japanisches Wachs – Flüchtige oder ätherische Öle – Birkenöl – Wintergrünöl – Mineralöle und Wachse – Vaseline und Vaselinöl – Paraffinwachs – Ozokerit – Harzöle – Harze SEITE 350

KAPITEL XXIV.

Öltanninge sowie der Einsatz von Ölen und Fetten beim Tanning.

Ursprünglicher Einsatz von Ölen bei der Lederherstellung – Chamoisieren und Herstellung von Waschleder – Herstellung von Moellon bzw. Dégras – Sodöl – Formaldehydleder – „Crown“- und „Helvetia“-Leder – Theorie der Ölleder – Verfahren des Tannens – Theorie des Füllverfahrens – Manuelles Füllen – Füllen mit Trommel – Füllen von trockenem Leder – „Spueing“ und seine Ursachen – Fettlösung SEITE 378

KAPITEL XXV.

Farbstoffe und Färben.

Kohlenrauchfarben – Säure- und Basenfarben – Theorien des Färbens – Fixierung von Farben auf Leder – Mordantien und Mordantfarben – Tannerschreibfarben – Glasur- und Finishstoffe – „Hilfsstoffe“ beim Färben – Bronzefärben – Verblassen der Farben – Praktische Methoden des Lederverfärbens – Einsatz von Färbholz – Eisensalze – Tanninfarben – Färben – Theorie der Farbmischungen – Finishierung gefärbter Leder – Prüfung von Farbstoffen – Schädliche Auswirkungen von Metallen beim Färben SEITE 394

KAPITEL XXVI.

Evaporation, Erwärmung und Trocknung.

Theorie der Evaporation – Siedepunkt und Dampfdruck – Wärmebedarf bei der Evaporation – Wärmeeinheiten – Mechanische Energie der Wärme – Evaporation durch „Mehrfacheffekt“ – Dampfdruck der atmosphärischen Feuchtigkeit – Feuchtkugel- und Trockenthermometer – Wärme und Luft, die beim Trocknen von Leder benötigt werden

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— Wärmeverluste durch Gebäude – Menge an Wärme, die über Dampf- und Warmwasserrohre abgegeben wird – Schraubenlüfter zum Trocknen – Zentrifugallüfter – „Turm“-Trockner – Nach unten gerichtete Belüftung – Anordnung der Dampfrohre – Warmwasserrohre SEITE 420

KAPITEL XXVII.

Bau und Wartung von Gerbereien.

Auswahl des Standorts – Anordnung der Gebäude – Feuerversicherung – Automatische Sprinkleranlagen – Möglichkeit zur Erweiterung – Erzeugung und Verteilung von Energie – Elektromotoren – Schächte, Rollen und Transportschläuche – Ausbalancierung der Maschinen – Brandgefahr durch Rindenmühlen – Kettenförderer – Schmieröle – Bau von Gruben – Unterirdische Rohre und oberirdische Leitungen – Pumpen und Pumpengeräte SEITE 444

KAPITEL XXVIII.

Abfallprodukte und ihre Entsorgung.

Haare – Entfettungsstoffe und Klebstoffe – Fett – Sägespäne – Hörner – Verbrauchte Gerbmittel – Gerböfen – Abwasser und andere Abfallflüssigkeiten – Chemische Reinigung von Abwasser – Sedimentationsbecken – Filterpressen – Bakterielle Reinigung von Abwasser – Abfallflüssigkeiten aus Gerbereien SEITE 460

ANHANG A.

Methode der Internationalen Vereinigung der Chemiker der Lederindustrie zur Analyse von Gerbmaterialien: Korrigiert auf das Jahr 1901.

Probenentnahme aus Bulkmaterial – Vorbereitung für die Analyse – Herstellung einer Infusion – Bestimmung der Gerbstoffe und Nicht-Gerbstoffe – Farbmessung – Analyse von verwendeten Flüssigkeiten SEITE 475

ANHANG B.

Das Dezimalsystem.

Metrische Gewichte und Maße – Grad Celsius-Thermometer SEITE 481

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ANHANG C.

METHODE ZUR ANALYSE VON GERBEMATERIALIEN DER AMERIKANISCHEN VEREINIGUNG FÜR OFFIZIELLE LANDWIRTSCHAFTLICHE CHEMIKER: Korrigiert auf 1901.

Herstellung der Probe – Menge des Materials – Feuchtigkeit – Gesamtfeste Stoffe – Lösliche Feste Stoffe – Nichttannine – Tannine – Prüfung von Lederpulver – Prüfung des nicht-tanninhaltigen Filters SEITE 482

ANHANG D.

LISTEN AN KOHLENTEERFARBEN, DIE ZUM FARBEN UND BESCHMIEREN VON LEDER GEEIGNET SIND, VON HERRN M. C. LAMB BEISTELLT.

Farben zum Besprühen von Leder – Farben zum Färben pflanzlich gegerbten Leders – Färben und Finishen von Chromleder – Liste der für Chromleder geeigneten Farben SEITE 485

INDEKS SEITE 499

GRUNDSÄTZE DER LEDERHERSTELLUNG.

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KAPITEL I.
Einführendes und historisches.

Der Ursprung der Lederherstellung reicht weit in die vorgeschichtliche Zeit zurück und war vermutlich eine der frühesten Künste, die von der Menschheit ausgeübt wurden. Die Relikte aus der Paläolithikumzeit sowie die Erfahrungen moderner Entdecker zeigen uns beide, dass die Landwirtschaft eine spätere und höhere Entwicklungsstufe darstellt als das Leben des Jägers. Da in den kälteren Regionen stets eine Art Kleidung notwendig war, können wir schließen, dass diese ursprünglich aus Tierhäuten hergestellt wurde.[1]
[1] Siehe auch Gen. III, 21.

Während nasse Häute verfaulen, werden trockene Häute hart und hornartig. Es war daher ganz natürlich für den Jäger, dies zu beheben, indem er die trocknenden Häute mit dem Fett des Tieres einrieb – wobei er sicherlich bereits den Weichmachereffekt dieses Fetts auf seine eigene Haut bemerkt hatte. Auf diese Weise kann weiches und langlebiges Leder hergestellt werden. Dieser Prozess des Reibens und Knetens mit fettigen sowie eiweißhaltigen Stoffen wie Fett, Gehirn, Milch, Butter und Eigelb wird bis heute sowohl von den Tataren auf den asiatischen Steppen als auch von den Indianern auf den amerikanischen Prärien angewandt. Nicht nur das: Auch wir selbst verwenden noch heute denselben Ansatz bei der Verarbeitung unserer besten Felle sowie bei der Herstellung von Kamelfellen sowie verschiedener Arten von Spitzen- und Gürtelledern.

Ein solcher Prozess wird in der Ilias (XVII, 389–393) in der Beschreibung des Kampfes um den Körper des Patroklos beschrieben:
„Wie wenn ein Mann ein riesiges Ochsenfell, das mit glattem Fett bedeckt ist, zum Spannen gibt; seine Diener stellen sich ringsherum auf, arbeiten mit großer Anstrengung und dehnen das Fell gleichmäßig in alle Richtungen. Dabei verdunstet das Feuchtigkeit und das Fett dringt in das Leder ein.“

Auch schon früh wurde festgestellt, dass Rauch vom Holzfeuer – das zu jener Zeit untrennbar mit der Nutzung des Feuers verbunden war – eine antiseptische und konservierende Wirkung auf in ihm getrocknete Häute hatte. Rauchgegerbtes Leder wird bis heute in Amerika sowohl von Indianern als auch von zivilisierteren Lederherstellern hergestellt. Auf diese Methode bezieht sich der Psalmbeter, als er sagt: „Ich bin wie eine Flasche im“

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„Rauch“ – solche Flaschen, die aus der gesamten Ziegenhaut hergestellt werden, sind den Reisenden im Osten noch immer vertraut.
[2] Ps. cxix. 83.

Der Einsatz pflanzlicher Gerbmaterialien ist zwar prähistorisch, doch wahrscheinlich nicht so alt wie die von mir beschriebenen Methoden. Möglicherweise wurde er bereits bei frühen Versuchen zur Färbung entdeckt – einer Kunst, die vielleicht sogar noch vor dem Gebrauch von Kleidung entstand! Tannine sind im Pflanzenreich sehr weit verbreitet; die meisten Rinden sowie viele Früchte eignen sich zur Herstellung von Leder.

Der Einsatz von Alum und Salz beim Gerben wurde vermutlich erst später eingeführt und muss in Ländern entstanden sein, in denen Alum als natürlicher Stoff vorkommt. Diese Kunst war in Europa bis zu ihrer Einführung durch die Mauren in Spanien verloren gegangen oder unbekannt.

Die Lederherstellung erreichte im alten Ägypten ein hohes Niveau. Im Berliner Museum befindet sich eine Granitskulptur, die vermutlich mindestens 4000 Jahre alt ist und Lederarbeiter darstellt: Einer holt eine Tigerhaut aus einem Behälter, ein anderer arbeitet an einem anderen Behälter, während ein Dritter auf einem Tisch mit einer Haut arbeitet. Auf einer Mumie aus dem 9. Jahrhundert v. Chr. wurden emaillierte und vergoldete Ledergurte gefunden. Ein ägyptischer Bootsschutz aus emailliertem Ziegenleder sowie gefärbte und bemalte Schuhe aus Marokko sind ebenfalls noch in relativ gutem Zustand erhalten. Diese Kunst ist in China schon sehr früh entstanden und wurde von den Griechen und Römern gut verstanden. Im Grosvenor Museum in Chester befindet sich die Sohle eines römischen Stiefels, die mit Bronznägeln versehen ist und dennoch recht flexibel ist. Nach dem Untergang des Römischen Reiches gingen viele Künste in Europa verloren. Erst durch die maurische Invasion Spaniens wurde die Kunst der Färbung und Veredelung feinerer Ledersorten wieder eingeführt.

England lag bis zum Ende des letzten Jahrhunderts in dieser Industrie weit zurück – aufgrund der restriktiven Gesetzgebung sowie bestimmter Zölle, die erst 1830 aufgehoben wurden. Seitdem hat diese Kunst rasante Fortschritte gemacht, insbesondere durch den Einsatz von maschinellen Hilfsmitteln. England kann heute als gleichauf mit allen anderen Ländern angesehen werden – allerdings werden wir in einigen speziellen Bereichen vom Kontinent und von Amerika übertroffen. Bei solchen Vergleichen muss man jedoch bedenken, dass insbesondere bei der Gerbung von Ledersohlen in den letzten Jahren am schnellsten in jenen Ländern Fortschritte erzielt wurden, die bisher zurückgeblieben waren. Unsere Überlegenheit ist daher viel weniger ausgeprägt als früher – und wird in einigen Jahren wahrscheinlich ganz verschwinden, es sei denn, es werden bedeutende Verbesserungen in den Produktionsmethoden vorgenommen.

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In der gerade dargestellten Übersicht zur Entwicklung der Lederherstellung wurde angedeutet, dass das Ziel darin besteht, das verderbliche Tierfell in ein dauerhaftes Material umzuwandeln, das nicht so leicht verrottet, gleichzeitig aber ausreichend Weichheit oder Flexibilität für die vorgesehenen Zwecke behält. Da diese Zwecke von Stiefelsohlen bis hin zu Kinderschuhen reichen, gibt es große Unterschiede – nicht nur in den verwendeten Verfahren, sondern auch in den Materialien sowie in den Anwendungsmethoden.

Die wichtigste Methode zur Herstellung von Leder ist die Verwendung pflanzlicher Gerbungsmittel. Dies ist wohl die einzige Methode, die wirklich als „Gerben“ bezeichnet werden kann – obwohl man sich an diese Unterscheidung nicht immer streng hält. Sie umfasst ein breites Spektrum: von Sohlenleder über Riemen, Geschirre und Verarbeitungsleder bis hin zu Kalb- und Ziegenhäuten sowie den verschiedenen Sumach-Gerbstoffen, aus denen Morocco-Leder und seine Imitationen hergestellt werden. Alle diese Produkte außer dem ersten und letzten durchlaufen nach der Gerbung weitere Verarbeitungsschritte, bei denen Öl- und Fettstoffe verwendet werden, um die Flexibilität zu erhöhen und eine gewisse Widerstandsfähigkeit gegen Wasser zu verleihen. Mit Sumach gegerbte Häute werden eigentlich nicht weiter verarbeitet, erhalten aber in der Endbearbeitung in der Regel etwas Öl.

Nach den pflanzlichen Gerbstoffen kommen die durch Alaun und Salz hergestellten Leder, einschließlich der „weißen Leder“ für Gürtelschnüre und Schürzen sowie Kalb- und Kinderschuhe. Ein Bindeglied zwischen Gerben und dieser Art der Verarbeitung bilden die „grünen Leder“, „Dongola-Leder“ sowie „Kombinationsgerbstoffe“, bei denen Alaun und Salz zusammen mit pflanzlichen Gerbungsmitteln, insbesondere Gambier, eingesetzt werden.

Salze mehrerer Metalle, insbesondere jene von Aluminium, Eisen und Chrom, haben die Eigenschaft, Haut in Leder umzuwandeln. Verfahren, bei denen Chromsalze verwendet werden, haben in letzter Zeit eine große wirtschaftliche Bedeutung erlangt.

Bei der Herstellung von Kalb- und Kinderschuhen spielen neben Alaun und Salz auch eiweißhaltige und fettige Stoffe wie Eigelb, Olivenöl sowie Gluten aus Mehl eine wichtige Rolle. Dadurch sind diese Verfahren sowohl mit den ursprünglichen Methoden der Indianer und Kalmücken verbunden als auch mit denen, bei denen heute „Crown“- und „Helvetia“-Leder sowie viele andere Arten von Gürtel- und Schnürledern durch Behandlung mit Fetten und Eiweißen hergestellt werden.

Von diesen Verfahren ist es nur ein kleiner Schritt bis zu den „Chamois“- und „Buff“-Ledern sowie den deutschen „Fettgar“-Ledern, bei denen ausschließlich Öle und Fette verwendet werden. Auch diese sind vermutlich chemisch mit Leder verwandt, das mithilfe von Formaldehyd und anderen Aldehyden hergestellt wird.

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Im Bemühen, all diese komplexen Prozesse aus wissenschaftlicher Sicht zu betrachten, sollte der Leser stets bedenken, dass die gegenwärtigen Methoden der Lederherstellung das Ergebnis von Jahrhunderten an Erfahrung sowie unzähliger vergessener Misserfolge sind und daher nicht erwartet werden können, dass sie leicht ersetzt werden können. Die Wissenschaft muss erst vorangehen, bevor sie führen kann, und ihre erste Pflicht besteht darin, die Gründe und Prinzipien unserer gegenwärtigen Praxis zu verstehen – denn wir können nur auf der Grundlage dessen, was bereits gelernt wurde, Neues aufbauen. Ein weiterer Umstand, der vom Praktiker in seinen Forderungen an die Wissenschaft kaum verstanden wird, ist, dass in der Lederherstellung jede gestellte Frage auf die tiefgründigsten Probleme der Chemie und Physik beruht: die Chemie einiger der komplexesten organischen Verbindungen sowie die Physik von Lösungen, Osmose und der Struktur kolloidaler Körper – Probleme, die von der heutigen höchsten Wissenschaft noch lange nicht vollständig gelöst wurden. Es mag kühn erscheinen, überhaupt einen wissenschaftlichen Umgang mit einem solchen Thema zu versuchen; tatsächlich muss man zugeben, dass unser Wissen noch weit von ausreichendem Stand für eine vollständige Bearbeitung entfernt ist. Dennoch wurde genug erreicht, um eine Grundlage für zukünftige Arbeiten zu schaffen, und dies kann zumindest zusammengefasst und in einer zugänglichen Form dargestellt werden. Das Thema lässt sich natürlich in zwei Abschnitte einteilen: Im ersten Abschnitt würden die Herstellungsprozesse nur allgemein beschrieben werden, jedoch ausreichend detailliert, damit der Leser die wissenschaftlichen Überlegungen verstehen kann, auf denen sie beruhen, sowie die anwendbaren Untersuchungsmethoden. Im zweiten Abschnitt sollte versucht werden, ausreichend detaillierte Angaben zu den verschiedenen Prozessen zu liefern, damit Personen mit grundlegendem Wissen über diesen Bereich erfolgreich in ihren verschiedenen Bereichen experimentieren können. Ursprünglich war vorgesehen, diese beiden Abschnitte in einem Buch als zweite Auflage des Autors „Textbuch der Gerbung“ zu veröffentlichen. Aufgrund der langen Verzögerung bei der Veröffentlichung wurde jedoch entschieden, den ersten Abschnitt unter dem aktuellen Titel „Grundsätze der Lederherstellung“ zu veröffentlichen und den zweiten Abschnitt „Herstellungsprozesse der Lederherstellung“ auf einen späteren, leider etwas ungewissen Zeitpunkt zu verschieben. Der rein chemische Teil ist bereits im „Laborbuch der Lederindustrie“ erschienen, auf das in den folgenden Seiten häufig unter der Abkürzung „L.I.L.B.“ verwiesen wird. Wenn Mengen und Details angegeben werden, sollten sie nicht als Rezepte angesehen werden, denen blind Folge geleistet werden muss – oder sogar in jedem Fall als die besten bekannten Methoden. Vielmehr handelt es sich dabei um bloße Leitfäden für Experimente, die je nach unterschiedlichen Bedingungen und Anforderungen angepasst werden müssen. Der besondere Vorteil des wissenschaftlichen Ansatzes im Vergleich zur rein traditionellen Sichtweise auf solche Fragen besteht darin, dass durch das Kennen des Ursprungs und der Wirkung jeder einzelnen Phase des Prozesses diese so angepasst werden können, um Schwierigkeiten zu überwinden.

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Um neuen Bedingungen gerecht zu werden. Es versteht sich von selbst, dass viele Methoden sorgfältig als Geschäftsgeheimnisse gehütet werden und detaillierte Informationen oft nicht zugänglich sind. Nach dem Gesagten ist es wohl angebracht, die große Bedeutung praktischer Kenntnisse und Erfahrungen für den Lederhersteller hervorzuheben. Selbst in Branchen, die einen hohen wissenschaftlichen Stand erreicht haben – wie beispielsweise die Herstellung von Kohlebitumenfarben – werden kleine Laborversuche ohne Erfahrung und manchmal sogar ohne Erfolg nicht in Produktionsprozesse umgewandelt; und das gilt umso mehr für ein Handwerk wie die Lederherstellung, bei dem unser Wissen über die tatsächlich stattfindenden Veränderungen noch sehr unvollständig ist. Andererseits sind die Kosten für Experimente in großem Maßstab in der Regel so hoch, dass selbst der am wenigsten wissenschaftlich Denkende den Vorteil erkennen muss, alles zu lernen, was das Labor beizubringen vermag, bevor er etwas weiter unternimmt; während uns bereits unser gegenwärtiges unvollkommenes Wissen über die beteiligten chemischen Prozesse oft davon abhält, hoffnungslose Experimente durchzuführen, und uns Hinweise darauf gibt, in welche Richtungen Erfolg erzielt werden kann. Das Wissen in Chemie wird wahrscheinlich zumindest genauso wichtig für die Zukunft unseres Handwerks sein wie das Wissen in Mechanik in der Vergangenheit.

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KAPITEL II.
Einführender Überblick über die Lederherstellung.

Ziel der Gerbung ist es, Tierhäute unverrottbar und biegsam zu machen. Da wir heute jedoch selten Leder mit dem Fell darauf benötigen, sind vorbereitende Verfahren notwendig, um das Fell zu entfernen und es für die Gerbung vorzubereiten. Die Art dieser Verfahren hat einen großen Einfluss auf die Eigenschaften des hergestellten Leders.

Der erste Schritt besteht in der Reinigung des Fells, um Blut und Schmutz zu entfernen. Falls das Fell gesalzen oder getrocknet wurde, ist eine gründlichere Einweichung erforderlich, um das Salz zu entfernen und das Fell in seinen ursprünglichen weichen und durchlässigen Zustand zurückzuversetzen.

Anschließend wird das Fell durch Weichmachung sowie teilweises Auflösen der Epidermisstrukturen (siehe S. 47), in denen sich das Fell befindet, gelockert. Dies geschieht in der Regel durch mehrtägige Einweichung in Kalkmilch – gelegentlich wird dabei auch eine Kalkalkalie oder ein Schwefelidrat hinzugefügt. Wenn letztere in konzentrierter Lösung verwendet werden, werden sowohl das Fell selbst als auch die Epidermistexturen innerhalb weniger Stunden weich und zerstört. Der Kalk dient nicht nur dazu, das Fell zu lockern, sondern schwemmt auch die Fasermassen auf, aus denen das Ledergewebe besteht, sodass das Fell für die Gerbung geeignet wird (vgl. S. 125).

Für bestimmte Zwecke wird anstelle der Kalkbehandlung ein kontrolliertes Verrottungsverfahren eingesetzt: Die Häute werden in einem feuchten und warmen Raum aufgehängt (siehe S. 119). Dadurch zerfällt die weiche Schleimschicht, die den inneren Teil der Epidermis bildet – teils durch direkte Verrottung, teils durch die Wirkung des entstehenden Ammoniaks – sodass das Fell abgeschabt werden kann. In diesem Fall schwellen die Lederrfasern nicht an; die notwendige Schwellung muss daher durch weitere Verfahren erreicht werden.

Unabhängig davon, wie das Fell gelockert wurde, wird es mit einem stumpfen, etwas gebogenen Messer mit zwei Griffen auf einer abgewinkelten, abgerundeten Holz- oder Metallfläche abgeschabt. Diese Operation wird als „Entfellung“ bezeichnet (siehe S. 144). Anschließend folgt in der Regel die „Entfleischung“, die ebenfalls mit einem ähnlichen Messer auf derselben Fläche durchgeführt wird – dieses Messer ist jedoch zweischneidig und scharf. Dabei werden durch Schaben und Schneiden Teile des Fleisches sowie das Fett und das lockere Gewebe, das unter der eigentlichen Haut liegt (siehe S. 147), entfernt. Für bestimmte Zwecke werden auch Maschinen zur Entfleischung eingesetzt (siehe S. 148).

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Bei Ledersohlen wird das Leder nach einigem Waschen in weichem Wasser zur Entfernung von Kalk bereit für den eigentlichen Gerbungsvorgang gemacht. Bei weicheren Ledern ist jedoch eine gründlichere Behandlung erforderlich, um den Kalk zu entfernen und das Leder durch Auflösung sowie Entfernung eines Teils der verbindenden Substanz der Fasern weiter zu weichen. Diese Behandlung ist in der Regel von fermentativer oder zersetzender Natur; die gängigste Form ist das sogenannte „Bating“, bei dem das Leder in einer fermentierenden Infusion aus Tauben- oder Hühnerkot eingeweicht wird. Die Wirkungsweise ist noch nicht vollständig geklärt, doch der Effekt beruht größtenteils auf den unorganisierten hydrolytischen Enzymen, die von den vorhandenen Bakterien produziert werden. Gleichzeitig wird der Kalk durch die entstehenden schwachen organischen Säuren sowie Ammoniumsalze neutralisiert und entfernt. Die durch den Kalk aufgeblähten Fasern werden dadurch extrem entspannt und schlaff. Bei den leichtesten Ledern, wie Ziegen- und Lammfellen für Handschuhe sowie Ziegen- und Schafsfellen für Morochos und ähnliche Produkte, wird anstelle von Geflügelpot für Hundekot verwendet – dieser Prozess wird dann als „Puring“ bezeichnet (siehe S. 170). Auf diese Verfahren folgt oft das „Drenching“, das manchmal sogar deren Platz einnimmt, wobei das Leder in einer fermentierenden Kleieinfusion eingeweicht wird. Dabei sind die in der Fermentation entstehenden geringen Mengen an Essigsäure und Milchsäure die aktiven Stoffe, die den Kalk neutralisieren und auflösen sowie das Leder reinigen und leicht aufblähen (siehe S. 166). Der anschließende Gerbungsvorgang besteht darin, das Leder in Infusionen verschiedener pflanzlicher Produkte einzulegen, die Stoffe der Klasse der „Tannine“ enthalten – diese haben die Eigenschaft, sich mit den Hautfasern zu verbinden und sie in Leder umzuwandeln. Würden zunächst starke Infusionen verwendet, würden sie zu stark auf die Oberfläche des Leders wirken, es verhärten und zusammenziehen, wodurch die spätere Gerbung des Inneren behindert würde und die Außenoberfläche „eingezogen“ und runzelig würde. Dies wird vermieden, indem zunächst sehr schwache Infusionen verwendet werden, die bereits bei Produkten in einem fortgeschritteneren Stadium eingesetzt wurden. Später im Prozess werden viel stärkere Lösungen verwendet, und die Häute werden häufig damit bestreut, wobei dabei gemahlene Gerbstoffe verwendet werden. Bei Ledersohlen können diese Verfahren zwei bis zwölf Monate in Anspruch nehmen, bis sie abgeschlossen sind. Danach wird das Leder getrocknet, geglättet und mechanisch komprimiert – danach ist es gebrauchsfertig. Gerbte Lederteile, von Kalbfellen bis zu Zaumledern, durchlaufen einen deutlich kürzeren Gerbungsvorgang, gefolgt von einer Behandlung mit Fetten und Ölen – zusammen mit mechanischen Verarbeitungsschritten bildet dies das sogenannte „Currying“. Die dünne Schicht…

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Fett, das auf der Oberfläche der Fasern verteilt wird, macht sie geschmeidig und bis zu einem gewissen Grad wasserdicht. Die leichteren Lederarten, wie zum Beispiel Morocco-Leder, werden gefärbt und durch viele komplexe Verarbeitungsschritte auf ihre jeweiligen Zwecke vorbereitet sowie in ihrem Aussehen verbessert. Viele Lederarten wie Kalbshaut, Handschuhleder und Glacé-Kid-Leder werden nicht gegerbt, sondern mit einer Lösung aus Alum und Salz behandelt; dabei werden oft auch Mischungen aus Mehl und Eigelb verwendet, um das Leder zu füllen und weicher zu machen. Anstelle von Alum und Salz werden auch Chromsalze eingesetzt – sie erzeugen ein ebenso weiches, aber langlebigeres Leder. Schließlich entstehen Waschleder oder sogenanntes Chamoisleder sowie Polierleder durch das Einreiben der vorbereiteten Haut mit Fisch- oder Walöl; dadurch wird die Haut durch anschließende Oxidation in Leder umgewandelt, wobei Aldehyde entstehen.

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KAPITEL III.
Die lebende Zelle

Der größte Teil der in der Lederherstellung verwendeten Materialien hat einen organischen Ursprung. Die Haut selbst ist eine organisierte Struktur, und die Lebensprozesse der Fäulnis sowie der Gärung spielen in den Gerbereien eine wichtige Rolle. Daher ist ein gewisses Wissen über biologische Strukturen und Prozesse notwendig, um vieles, was folgt, vollständig zu verstehen. Ein paar Worte zu den Grundlagen des Lebens selbst sind daher angebracht.

Die Bausteine aller lebenden Strukturen sind die lebenden „Zellen“ sowie deren Produkte. Diese grundlegenden Elemente unterscheiden sich kaum – wenn überhaupt – davon, ob es sich um tierisches oder pflanzliches Leben handelt. Die Unterschiede entstehen eher durch die Art und Weise, wie diese Elemente miteinander verbunden sind, als durch Unterschiede in den Zellen selbst. Es ist oft schwierig zu entscheiden, zu welcher der beiden Kategorien die einfachsten Organismen gehören, da die meisten dieser Organismen in der Lage sind, sich aktiv zu bewegen. Ihre Ernährungs- und Fortpflanzungsweisen sind in beiden Reichen gemeinsam.

In ihrer einfachsten Form ist die Zelle – egal ob tierisch oder pflanzlich – streng genommen gar keine Zelle, sondern besteht lediglich aus einer winzigen Menge lebendigen Gelees oder Protoplasmas. So ist es bei der Amöbe, die im Wasser und im feuchten Boden vorkommt, ebenso bei den Lymphzellen und weißen Blutkörperchen in unserem Körper. Ebenso gilt das zumindest für einige Stadien der einfachsten Pilze, wie zum Beispiel das Æthalium septicum, das man manchmal auf alten Gerberhaufen als eine kriechende Masse aus gelbem Schleim findet. Wenn man eine Tropfen Speichel unter dem Mikroskop unter einem Deckglas, mit einem Objektiv im Sechstelmaßstab sowie einer kleinen Diaphragmenöffnung untersucht, findet man einige verstreute, halbtransparente Objekte von der Größe einer Linse oder eines kleinen Erbsens, die eine runde Form haben. Das sind Lymphkörperchen (Abb. 1). Ihr Inhalt besteht aus kleinen Granulen. Wenn man sie schnell beobachtet oder die Präparatplatte bei etwa Körpertemperatur hält, wird man feststellen, dass diese Körperchen sich ständig bewegen. Wenn die Temperatur konstant gehalten werden kann – was ohne spezielle Ausrüstung schwierig ist – und die Zellen von Zeit zu Zeit beobachtet werden, kann man sehen, dass sie ihre kreisförmige Form verlieren und Auswüchse (Pseudopodien, „falsche Füße“) bilden. Einer dieser Auswüchse wächst allmählich an, bis er die ganze Zelle aufnimmt – dadurch kann sich die Zelle fortbewegen. Nun wird leicht verständlich, wie diese Zellen durch alle Gewebe des Körpers wandern.

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durch die kleinsten Poren – wie eine Fee, die ihren Finger durch ein Schlüsselloch steckt – und wuchs auf der anderen Seite weiter, bis sie ganz hindurch war! Diese unabhängige Vitalität kann in einer warmen und geeigneten Nährflüssigkeit länger als eine Woche anhalten; im Fall der Amöbe sogar völlig unbegrenzt.
[3] Für Details zur mikroskopischen Manipulation in diesem und dem folgenden Kapitel siehe L.I.L.B., S. 234 ff.

Abb. 1 – Lymphkörperchen der Frösche, das eine allmähliche Formveränderung zeigt.
(Ranvier.)

Es ist möglich, dass bei genauer Betrachtung innerhalb der Zelle ein abgerundetes oder verlängertes Körperchen zu erkennen ist, das etwas einer Ölglobule ähnelt; allerdings ist es in der Regel deutlicher sichtbar, wenn die Zelle getötet und mit einer schwachen Lösung gefärbt wurde.

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Jod. Das ist der Kern, und darin befindet sich ein noch kleinerer Punkt namens Nukleolus, der eine wichtige – doch bislang nur unvollständig verstandene – Rolle im Lebenszyklus der Zelle spielt. Nach einer Weile durchläuft er bestimmte, etwas komplizierte Veränderungen und teilt sich in zwei Teile auf; der Kern verlängert sich ebenfalls und teilt sich, wobei jede Hälfte einen Teil des lebenden Protoplasmas mit sich trägt und so zwei vollständige, unabhängige Zellen entstehen. Dies ist der Lebenszyklus – nicht nur der Lymphozyten, sondern mit mehr oder weniger Abwandlungen – jeder lebenden Zelle oder jedes Gewebes.

Abb. 2 – Hefezellen, stark vergrößert.

Diese Zellen ernähren sich, wie alle Lebewesen, von den Nährstoffen, die sie umgeben, und nehmen sogar kleine Partikel fester Nahrung auf, die allmählich aufgelöst und verschwinden. Auf diese Weise ernähren sich die weißen Blutkörperchen angeblich von den noch kleineren Organismen, die in das Blut gelangen und sonst Krankheiten verursachen könnten, und zerstören sie. Die von den Zellen aufgenommene Substanz wird natürlich nicht zerstört, sondern lediglich in andere Formen umgewandelt; einige dieser Formen sind für die Zellen nutzlos oder sogar giftig und werden, ähnlich wie die Sekrete höherer Tiere, in die umgebenden Flüssigkeiten abgegeben; während andere zurückbehalten werden und zum Wachstum der Zelle beitragen. So sekretieren die meisten Pflanzenzellen Zellulose, also Pflanzengewebe, das eine Wand bildet, die das Protoplasma umgibt – und damit auch den Namen „Zelle“ rechtfertigt. Wenn man warmes Wasser sowie etwas Zucker mit genügend Hefe versetzt, sodass es leicht milchig wird, und dieses anschließend untersucht…

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Im Speichel werden wir typische Pflanzenzellen in ihrer einfachsten Form vorfinden (Abb. 2). Es ist dasselbe granuläre Protoplasma vorhanden, sowie ein Kern – allerdings kann dieser ohne spezielle Vorbereitung nicht gesehen werden. Die abgerundeten Hohlräume, die wie solche aussehen, sind einfach mit durchsichtigem Flüssigkeit gefüllt und werden als Vakuolen bezeichnet. Es gibt jedoch keine Bewegung, wie es bei Amöben der Fall ist, denn die Zellen sind in eine feste Zellulosehaut eingehüllt. Dies wird deutlich, wenn man einige Falten von Filterpapier auf das Objektiv legt und dieses mit dem Griff einer Nadel oder einem abgerundeten Glasstab drückt – dadurch wird das Protoplasma herausgedrückt, während die Zellulosehaut wie eine geplatzte Blase zurückbleibt. Dies wird noch deutlicher, wenn die Zellen zuvor mit Jod oder Magentafarbe gefärbt wurden; diese färben das Protoplasma, aber nicht die Membran. Es ist leicht, die Vermehrung der Hefezellen zu beobachten – sie unterscheidet sich etwas von der Vermehrung anderer Zellen. Anstelle dessen, dass die Zelle insgesamt wächst und sich in zwei gleich große Zellen teilt, entsteht an der Seite der Mutterzelle ein kleiner Keim, der zunimmt, bis er selbst zu einer Mutterzelle mit eigenen Keimen wird. Diese brechen nicht sofort ab, wodurch Ketten und Gruppen von miteinander verbundenen Zellen entstehen, die bei wachsender Hefe leicht mit einem Mikroskop erkennbar sind. Die Hauptnahrung der Hefe ist Traubenzucker oder Glukose; dabei wird viel mehr davon verbraucht, als zur Bildung der Zellulosewand sowie des Stoffes neuer Zellen benötigt wird. Genau wie bei Tieren werden Zucker, Stärke und Fett verbraucht, um Wärme und Energie zu erzeugen. Bei der Hefe wird dieser überschüssige Zucker in Kohlendioxid umgewandelt, das als Gas entweicht – und dem die Hefe ihre Fähigkeit verdankt, Brot aufgehen zu lassen – sowie in Alkohol, der in zu großen Mengen für die Hefe selbst giftig ist.

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Abb. 3 – Epithelzellen. Ranvier.
p: Druckspuren; g: körniges Protoplasma.

Beim Untersuchen des Speichels auf Lymphozyten ist es möglich, dass einige deutlich größere Objekte mit unregelmäßig polygonalem Umriss sowie einem gut sichtbaren Kern festgestellt wurden. Es handelt sich dabei um Zellen aus dem Schleimhautepithel des Mundes, die sich in Form und Größe nur von den Zellen der Hautepidermis unterscheiden (Abb. 3). Beachten Sie die durch den Druck der übereinanderliegenden Zellen entstandenen Spuren. In diesen Zellen besteht die Zellwand aus Keratin oder hornartigem Gewebe, das anstelle der Zellulose in Hefezellen fungiert.

Abb. 4 – Penicillium glaucum, ein häufig vorkommender grüner Schimmel.

Weitere einfache Zellformen sind die von Saccharomyces mycoderma oder Torula, die eine Schicht auf der Oberfläche alter Flüssigkeiten bilden und stark einer kleinen Hefe ähneln; sowie die verschiedensten Gärungsbakterien, die in Flüssigkeiten, Bädern und Lösungen vorkommen und im folgenden Kapitel ausführlicher beschrieben werden.

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Viele davon, wie beispielsweise die Essigsäure- und Milchsäurefermente, die wie alle anderen Bakterien durch Teilung vermehren, trennen sich nicht voneinander, sondern bleiben in Ketten oder Reihen verbunden – wie eine Perlenkette. Von diesen ist es nur ein kleiner Schritt zu den Hyphenen oder Stielen der höheren Schimmelpilze, die häufig auf langsam getrocknetem Leder vorkommen und einfach aus röhrenförmigen Zellen bestehen, die sich durch Bildung von Septen oder Querwänden verlängern und teilen und so eine komplexe Pflanzenstruktur aufbauen (Abb. 4). Je weiter wir in der Hierarchie des pflanzlichen und tierischen Lebens voranschreiten, desto vielfältiger werden die Formen und Produkte der Zellen. Anstelle einer einzigen Zelle, die alle Funktionen der Pflanze oder des Tieres erfüllt, hat jede Zellklasse ihre eigenen besonderen Aufgaben und Eigenschaften; gleichzeitig arbeiten sie alle zusammen, um die komplexe Struktur aufrechtzuerhalten, deren Bestandteil sie sind.

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KAPITEL IV.
VERFAULUNG UND GÄRUNG

Die chemischen Veränderungen, die von einzelligen Organismen wie Hefen und Bakterien hervorgerufen werden – auf die im vorherigen Kapitel Bezug genommen wurde – werden als Gärung und Verfall bezeichnet. Sie sind für den Gerber sowohl vorteilhaft als auch nachteilig, weshalb dieses Thema ausführlich behandelt werden muss. Es gibt keine wissenschaftliche Unterscheidung zwischen Gärung und Verfall; üblicherweise wird der Begriff „Verfall“ jedoch auf jene Zersetzung von stickstoffhaltigen tierischen Stoffen beschränkt, bei denen Produkte mit unangenehmem Geruch und Geschmack entstehen. Die Organismen, die sowohl Gärung als auch Verfall verursachen, werden unter dem allgemeinen Begriff „Gärtner“ zusammengefasst. In den letzten Jahren wurde dieser Begriff auch auf die sogenannten „unorganisierten Gärtner“ (Enzyme, Zymasen) erweitert – aktive Substanzen, die von den „organisierten Gärtnern“ oder lebenden Organismen sekretiert werden. Letztere wiederum lassen sich in drei Klassen einteilen:
1. Schimmelpilze.
2. Hefen (Saccharomyceten).
3. Bakterien.

Die Mitglieder einer Klasse unterscheiden sich von denen einer anderen durch ihre Form sowie insbesondere durch die Substanzen, die sie während ihres Lebenszyklus produzieren. Alle drei Klassen gelten heute als Pilze. Alle Gärtner weisen folgende drei Eigenschaften auf:
1. Sie sind stickstoffhaltige Organismen.
2. Sie sind instabil, d.h. sie werden durch Wärme, Chemikalien usw. zerstört.
3. Eine relativ kleine Menge an Gärtner kann große Veränderungen in den Substanzen bewirken, auf die sie wirken – insbesondere, wenn die Produkte dieser Veränderungen bereits bei ihrer Entstehung entfernt werden können.

Die allgemeinen Merkmale der Gärung lassen sich am besten durch eine genaue Betrachtung der Hefezelle verstehen – diese wurde bereits beschrieben (S. 12) und ihr Lebenszyklus kurz skizziert. Es hat sich gezeigt, dass es sich um Pflanzen sehr einfacher Art handelt, die zu den Pilzen gehören. Diese sind frei von dem grünen Farbstoff, der es höheren Pflanzen ermöglicht, die Energie des Sonnenlichts zu nutzen.

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Sie assimilieren die Kohlensäure der Atmosphäre, atmen ihren Sauerstoff aus und nutzen ihr Kohlenstoff zur Bildung von Gewebe; daher müssen sie, wie Tiere auch, ihre Nährstoffe bereits in fertiger Form besitzen, die durch Oxidation Energie liefern kann. Für Hefen ist, wie bereits erwähnt, die geeignete Nahrung Glukose, oder „Traubenzucker“. Dieser wird hauptsächlich in einfachere Verbindungen – Alkohol und Kohlensäure – zerlegt, während ein kleiner Anteil für den Aufbau der Zelle sowie die Bildung sekundärer Produkte verwendet wird. Die Hauptreaktion wird durch die folgende Gleichung dargestellt:
C6H12O6 = 2C2H6O + 2CO2
Glukose → Alkohol + Kohlendioxid

Hefen können keinen gewöhnlichen Rohrzucker (C12H22O11) direkt vergären, sondern sezernieren eine Substanz namens Invertase, die auf den Zucker einwirkt und ihn unter Absorption einer Wassermolekül in zwei Moleküle vergärbaren Glukoses (Dextrose und Levulose) umwandelt, die als Nahrung für die Hefe dienen.[4]
Diese Invertase gehört zu der Gruppe von Stoffen, die als „unorganisierte Fermente“, Enzyme oder Zymasen bekannt sind. Im Gegensatz zu organisierten Fermenten handelt es sich dabei um reine chemische Produkte ohne Leben oder Vermehrungsfähigkeit, die jedoch in der Lage sind, eine unbegrenzte Menge der auf sie wirkenden Stoffe zu zersetzen, ohne selbst Veränderungen zu erleiden. Die Art und Weise, wie dies geschieht, ist nicht vollständig verstanden, doch es gibt Parallelen zur Wirkung von Schwefelsäure auf Alkohol – diese kann eine unbegrenzte Menge Alkohol in Ether umwandeln, ohne selbst dauerhafte Veränderungen zu erfahren. Die Wirkung von Enzymen beschränkt sich darauf, komplexe Stoffe in einfachere Formen zu zerlegen, oft unter Absorption von Wasser, wie im Fall des Zuckers. Einige der Produkte organischer Fermente sind hingegen oft komplex; ein Teil ihrer Nährstoffe wird in einfache Produkte wie Kohlensäure, Moorgas und Ammoniak umgewandelt, um die notwendige Energie für die Verarbeitung des Rests bereitzustellen.
[4] Vgl. O’Sullivan und Thompson, Jour. Chem. Soc., 1890, S. 834; 1891, S. 46.

Es sind sehr viele verschiedene unorganisierte Fermente bekannt, da sie nicht nur von Hefen und Bakterien produziert werden, sondern auch von Zellen höherer Pflanzen und Tiere entstehen. So gehören die Verdauungsenzyme Pepsin, Trypsin und Ptyalin zu dieser Gruppe – Ptyalin wandelt, ähnlich wie Diastase, Stärke in Zucker um. Solche Stoffe erfüllen zahlreiche Funktionen sowohl im tierischen als auch im pflanzlichen Organismus. Bei der Gärung, genauso wie bei Krankheiten, ist es oft schwierig zu unterscheiden, was auf die direkte Wirkung von Bakterien zurückzuführen ist und was auf die unorganisierten Fermente, die sie produzieren,. Die Frage wird noch dadurch erschwert, dass in den meisten natürlichen

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Bei der Fermentation sind mehr als ein Fermentorganismus vorhanden. Manchmal lässt sich die Wirkung der unorganisierten Enzyme dadurch unterscheiden, dass die Zugabe von Chloroform nur wenig Einfluss auf ihre Aktivität hat, während sie die Aktivität des lebenden Organismus lähmt. Durch Exposition gegenüber hoher Temperatur werden beide zerstört – die Bakterien, Hefen und Schimmelpilze werden getötet, während die unorganisierten Enzyme wie Eiweiß gerinnen und somit unwirksam werden. Viele Antiseptika zerstören ebenfalls die Aktivität sowohl der Organismen als auch der Enzyme; andere wiederum, wie Chloroform, haben keinerlei Wirkung auf letztere. In einigen Fällen, wie beim Invertase, kann das eigentliche Enzym durch Alkohol aus seiner wässrigen Lösung ausgefällt, gefiltert und durch Umfüllung in Wasser wieder aktiviert werden. Da beide Arten von Enzymen durch hohe Temperaturen zerstört werden, werden alle Fermentationsprozesse durch Aussetzung an ausreichend hohe Hitze vollständig und dauerhaft gestoppt – anschließend muss die Mischung in Behältern aufbewahrt werden, die so verschlossen sind, dass keine neuen Fermentkeime eindringen können. Ein bekanntes Beispiel sind konserveierte Fleischprodukte. Alle vollständig entwickelten Bakterien werden bereits bei sehr kurzer Exposition gegenüber Kochtemperatur zerstört; die meisten werden bei 60° bis 70° C abgetötet. Doch viele Arten bilden Sporen, die äußerst schwer zu zerstören sind. Die von Globig entdeckten und von Rabinowitsch weiter erforschten thermophilen Bakterien gedeihen bei einer Temperatur von 60° C. Es sind etwa acht Arten bekannt; sie beteiligen sich an der Vergärung von Heu und ähnlichen Prozessen, bei denen hohe Temperaturen vorliegen, und befinden sich daher vermutlich auch in altem Gerbstoff.
[5] Centr. Blatt für Bakt., II. Abth. Vol. I, S. 585.

Für eine absolute Sterilisierung ist es daher notwendig, entweder unter Druck zu kochen, um die Temperatur auf beispielsweise 110 °C zu erhöhen, oder wiederholt für kurze Zeit bei Temperaturen von 80–100 °C zu erhitzen – in Abständen von 24 Stunden –, damit die Sporen sich entwickeln können. Dieser Prozess wird häufig bei bakteriologischen Untersuchungen in Flaschen oder Reagenzgläsern durchgeführt, die lediglich mit einem Stück sterilisierter Baumwollwatte verschlossen sind; diese hat sich als effektiv zum Filtern der Keime aus der durch sie eindringenden Luft erwiesen (siehe L.I.L.B., S. 270). Fermentierende Organismen können nicht gedeihen und sich vermehren, es sei denn, sie haben angemessene Nährstoffe sowie günstige Wachstumsbedingungen – wobei Feuchtigkeitsgehalt und Temperatur zu den wichtigsten Faktoren gehören. Dies wird bei der Konservierung vieler Lebensmittel verwendet, da dadurch verhindert wird, dass diese zerfallen, indem zumindest eine der für das Wachstum notwendigen Bedingungen fehlt. Beispielsweise werden Häute durch Trocknen konserviert; das Fehlen ausreichender Feuchtigkeit hemmt solange das Wachstum jeglicher Organismen, solange die Häute trocken sind – doch sobald sie etwas feucht werden, beginnt sofort der Zersetzungsprozess.

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Die Abfallprodukte von Organismen sind oft für diese selbst giftig, und aus diesem Grund enden Fermentationen häufig, bevor die gesamte Substanz fermentiert ist. So kann weder Bier noch Essig durch direkte Fermentation eine Stärke über einen bestimmten Wert hinaus erzielen – Alkohol oder Essigsäure hemmen schließlich das Wachstum der jeweiligen Fermente. Eine Glucoselösung, die mit dem Milchsäureferment saurer Milch behandelt wird, liefert nur etwa 0,5 Prozent Milchsäure; fügt man jedoch Kalk hinzu, wird die entstehende Milchsäure sofort neutralisiert, und die Fermentation setzt sich fort, bis die gesamte Glukose in unlösliches Calciumlactat umgewandelt ist.[6] Wenn dies erreicht ist, stirbt das Milchsäureferment aufgrund von Nährstoffmangel ab, und an seine Stelle tritt ein anderer Organismus – von dem mit Sicherheit einige Keime vorhanden sind, die das Calciumlactat in Calciumbutyrat umwandeln. Fällt die Nahrungsmenge aus oder werden die Bedingungen für ein bestimmtes Ferment ungünstiger als für andere, die selbst in geringen Mengen im Fluid vorhanden sind, wird das erste schnell verdrängt und abgetötet, und das zweite übernimmt seinen Platz. So geht das übliche Ferment bei der Behandlung von Kleie rasch zugrunde, es sei denn, es wird ständig in frische Kleieinfusionen übertragen.

[6] Für die praktische Herstellung von Milchsäure kann die Lösung 71/2–11 Prozent Glucose sowie etwas stickstoffhaltige Nährstoffe enthalten. Die Lösung sollte leicht sauer sein. Siehe Journ. Soc. Ch. Ind., 1897, S. 516.

Viele Produkte von Bakterien (genauso wie solche einiger höherer Pflanzen) sind sowohl für Tiere als auch für den Menschen äußerst giftig. Viele schwere Krankheitssymptome werden durch diese im Körper gebildeten Gifte verursacht. So produzieren Tetanusbakterien ein Gift, dessen Wirkung der des Strychnins ähnelt und genauso virulent ist. Solche Gifte werden nicht nur von Krankheitsbakterien im Körper gebildet, sondern auch oft in den frühen Stadien der faulenden Fermentation. Letztere werden als Ptoxine bezeichnet und können in Käse sowie konservierten Lebensmitteln zu Vergiftungen führen. Solche Fäulnisprozesse gehen oft ohne unangenehme Gerüche oder Geschmäcker einher.

Die wichtigsten Fermentationen in der Gerberei sind zunächst die gewöhnliche Fäulnis, die sowohl Häute als auch andere tierische Materialien betrifft und in der Regel ein komplexer Prozess ist, der von verschiedenen Bakterienarten und anderen Mikroorganismen durchgeführt wird. Dieser Prozess gilt im Allgemeinen als schädlich für den Gerber; doch er wird im „Schwitzen“ zur Enthaarung sowie beim „Altern“ von Schaffellen genutzt – dabei wird ausgenutzt, dass die weiche Schleimschicht der Epidermis, die die Haarwurzeln enthält, schneller fauligt als die faserige Struktur der Haut selbst. Auch beim Einweichen wird die Fähigkeit der faulenden Fermente genutzt, die verbindenden Stoffe der Haut aufzulösen – allerdings bringt dies in diesem Fall eher fragliche Vorteile mit sich.

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Bei der Gerbung zeigt sich im Verlaufe des Limierungsvorgangs die Fäulnis, wenn das Limewasser zu alt wird und mit tierischem Material angereichert ist – dadurch wird das Leder weicher und letztendlich locker sowie anfällig für Risse. In vielen Fällen ist dieser Effekt nützlich, sofern er nicht übertrieben wird.
Beim Bätten- und Pürierprozess liegt die Wirkung fast ausschließlich bei Enzymen sowie anderen Produkten bakterieller Aktivität; die ursprünglichen chemischen Bestandteile des Dungs spielen offenbar nur eine geringe Rolle. Natürlich eignet sich die Flüssigkeit auch für das Wachstum vieler anderer Organismen neben jenen, die am vorteilhaftesten auf das Leder wirken. Schäden durch falsche Formen der Fäulnis sind dabei sehr häufig – wenn sie nicht sogar stets in größerem oder geringerem Maße vorhanden sind.
Beim Tränken liegt die Wirkung anfangs ausschließlich bei den schwachen Säuren, die durch die bakterielle Fermentation des Kleies entstehen. In späteren Stadien wird die Situation jedoch durch fäulnisbedingte sowie andere Fermentationsprozesse kompliziert – diese können nun wiederum vorteilhaft oder nachteilig sein.
In den Gerbflüssigkeiten ist die Fermentation weniger ausgeprägt, doch sie ist aufgrund der von Bakterien aus den im Material enthaltenen Zuckern gebildeten Säuren von großer Bedeutung. Die Säuren selbst werden wiederum oft gefördert und zerstört – hauptsächlich durch die oxidierende Wirkung von Saccharomyces mycoderma sowie höheren Schimmelpilzen (siehe S. 14); diese wirken außerdem zerstörerisch auf die Tannine.
Die Wirkung dieser Säuren auf das Leder besteht darin, dass sie es aufblähen und jegliches Limewasser, das darin enthalten sein könnte, neutralisieren. Zudem verleihen sie den Flüssigkeiten einen charakteristischen sauren Geschmack. Deshalb werden Flüssigkeiten, die Essigsäure und Milchsäure enthalten, in der Gerberei üblicherweise als „saurer Wein“ bezeichnet.
Es ist fraglich, ob die Wirkung der Pilze selbst durch den Trocknungsprozess vollständig unterbunden werden kann. Die Erhitzung des Leders erfolgt durch Bakterien und höhere Schimmelpilze; Eitner betrachtet ihr Wachstum als eine der Ursachen für das „Auslaufen“ oder „Zusammensetzen“ von gegorenen Ledern.
Aus dem Gesagten geht hervor, dass es im Hinblick auf die Fermentationen für den Lederhersteller ein doppeltes Problem gibt: Einerseits möchte er jene Prozesse nutzen, die ihm Vorteile bringen, während er andererseits jene kontrollieren oder beseitigen muss, die schädlich sind. Der erste Schritt zur Lösung dieser Probleme besteht darin, ein umfassenderes Wissen über die Organismen zu erlangen, die uns nützen oder schaden – damit wir sozusagen Freunde von Feinden unterscheiden können. Anschließend kann man das Problem auf zwei Arten angehen: Als Beispiel kann man das Tränkverfahren heranziehen – man kann einerseits eine „reine Kultivierung“ des gewünschten Fermentes in eine sterilisierte Kleieinfusion einbringen, um somit nur die gewünschte Fermentation hervorzurufen; oder man kann, da verschiedene Fermente in unterschiedlichem Maße von Antiseptika beeinflusst werden, solche wählen, die das Wachstum bestimmter Organismen ermöglichen.

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Wir wollen die einen töten oder davon abhalten, während wir die anderen fördern. Wir können außerdem die Nährstoffe, die Temperatur, den Säuregrad sowie andere Bedingungen so gestalten, dass ein bestimmter Organismus bevorzugt wird. Alle drei Methoden wurden bei der Bierherstellung mit guten Ergebnissen angewandt.

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KAPITEL V.
ANTISEPTIKA UND DESINFEKTIONSMittel.

„Antiseptika“ werden oft als Substanzen definiert, die die Fäulnis hemmen, ohne unbedingt Bakterien und ihre Sporen zu zerstören, während „Desinfektionsmittel“ für Fermentorganismen giftig sind und diese tatsächlich zerstören. Es bestehen große Unterschiede in der Stärke ihrer desinfizierenden Wirkung; die gesamte Unterscheidung ist eher ein Gradunterschied als eine Artunterschied und hat nur geringen praktischen Wert. So ist Kochsalz selbst in konzentrierter Lösung nicht in der Lage, die meisten Bakterien abzutöten, obwohl es die Fäulnis durch Entzug von Wasser aus den Häuten sowie durch die direkte Verhinderung der Vermehrung der Bakterien hemmt. Wenn das Salz aus den Häuten gewaschen wird, setzt die Fäulnis sofort wieder durch die vorhandenen Organismen ein. Häute hingegen, die bereits mit wirksamen Desinfektionsmitteln wie Phenol („Carbol“) oder Quecksilberchlorid sterilisiert wurden, faulen nicht erneut, bis die getöteten Organismen durch neue aus der Umgebung ersetzt werden. Die Wirkung von Natriumsulfat sowie vieler anderer Salze ist in dieser Hinsicht ähnlich wie die von Kochsalz. Ein großer Teil der aromatischen Verbindungen wirkt dauerhaft desinfizierend – wobei ihre Wirksamkeit von der Art der betroffenen Bakterien abhängt.

Biernacki und andere haben gezeigt, dass einige Desinfektionsmittel bei extrem verdünnter Anwendung tatsächlich die alkoholische Gärung sowie vermutlich auch das Wachstum anderer Fermente anregen – beispielsweise Quecksilberchlorid in einer Konzentration von 1 zu 300.000, Salicylsäure in 1 zu 6.000 sowie Bor säure in 1 zu 8.000. In vielen Fällen gewöhnen sich die Organismen an Antiseptika in Dosen, die anfangs tödlich gewesen wären.

Die Anzahl der verfügbaren Antiseptika ist heute so groß, dass es unmöglich ist, alle detailliert zu beschreiben. Dennoch gehören die folgenden zu denen, die am besten bekannt sind und in der Praxis eingesetzt werden.

Kalk weist einige antiseptische Eigenschaften auf und wird häufig zur Konservierung von Fleischprodukten verwendet, bevor sie in die Leimfabrik geschickt werden. Am praktischsten lässt man sie in einem großen Tank lagern, der mit einer starken Kalklösung gefüllt ist. Verdünnte Lösungen von kaustischen Alkalien haben eine ähnliche Wirkung wie Kalk.

Kochsalz, Natriumchlorid (NaCl), wirkt bis zu einem gewissen Grad durch seine Löslichkeit sowie durch eine entwässernde Wirkung auf tierische Gewebe – eine Eigenschaft, die allen Chloriden gemeinsam ist. Dadurch wird Wasser aus Häuten und anderen Materialien entfernt, die konserviert werden sollen. Wahrscheinlich spielt diese letzte Eigenschaft eine wichtige Rolle für seine Wirkung.

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bei der Überwachung der Entwicklung von Bakterien – schließlich gedeihen viele Arten recht gut in schwachen Salzlösungen, und einige sogar in Salzwasser. Der entwässernde Effekt des Salzes ermöglicht es außerdem, viele tierische Gewebe zu verhärten, wenn es in ausreichender Menge verwendet wird, wodurch das darin enthaltene Wasser in Form von Salzwasser entweicht. Gewöhnliches Steinsalz enthält häufig Eisen(III)-chlorid. Dieses, sei es bereits ursprünglich im Salz enthalten oder in einigen Fällen durch die Wirkung des Salzes auf das im Blut enthaltene Eisen entstanden, ist die Ursache für die sogenannten „Salzflecken“. Diese sind beim Verlegen von Leder mit Kalk kaum sichtbar, es sei denn, es werden Sulfide verwendet – dann treten grünlich-schwarze Flecken aufgrund der Bildung von Eisensulfiden auf. Wenn das Leder jedoch in die Gerbstofflösungen kommt, entstehen durch die Wirkung der Gerbstoffe schwarze oder blaue Flecken, die während des Gerbprozesses teilweise durch die Säuren der Lösungen entfernt werden, aber im fertigen Leder dennoch in gewissem Maße sichtbar bleiben. Es gibt eine weitere Art von Salzfleck, die offenbar nicht auf Eisen zurückzuführen ist, sondern auf Farbstoffe, die durch bestimmte pilzartige oder bakterielle Wachstümer entstehen. Solche Flecken lassen sich praktisch nicht entfernen und werden manchmal auf den Einsatz von altem Salz zurückgeführt, mit dem das Leder zuvor gesalzen wurde. Eisenflecken lassen sich am leichtesten durch die Verwendung einer Lösung von Kaliumferrocyanid oder Thiocyanat, leicht mit Salzsäure angefeuchtet, erkennen. Wenn diese Lösung auf das Leder aufgetragen wird, ändern sich die Flecken von schwarzlich zu blau, falls das erste Salz verwendet wurde, oder zu rot, falls das zweite. Ein noch eindeutigerer Nachweis besteht darin, ein Stück Filterpapier, das in verdünnte Salzsäure getränkt wurde, auf den Fleck zu legen und anschließend mit Ferrocyanid oder Thiocyanat nach Eisen zu prüfen. Vor der Verwendung muss sichergestellt werden, dass das Papier selbst frei von Eisen ist. Eisenflecken, die bereits im gesalzenen Zustand entstanden sind, sind schwieriger zu beseitigen als solche, die später im Gerbprozess entstehen, da Eisenverbindungen eine ausgeprägte gerbende Wirkung haben und sich fest an die ungerbten Fasern binden. Auf dem Kontinent, wo normales Salz stark besteuert wird, werden häufig Alum, Karbol, Naphthalin und andere Stoffe hinzugefügt, um es zu „denaturieren“ oder unfähig zu machen, als Nahrungsmittel verwendet zu werden. Diese Zusätze sind oft die Ursache für Probleme beim Gerber. Natriumsulfat, Na2SO4, hat in verdünnten Lösungen nur geringe oder gar keine desinfizierende Wirkung. Wenn es jedoch in der gebrannten Form (anhydres Natriumsulfat) wie von Eitner[7] vorgeschlagen als Ersatz für normales Salz zur Konservierung von Leder verwendet wird, zieht es Wasser aus dem Leder und kristallisiert bei 10 Aq (etwa 56 Prozent). Dieses Wasser entweicht nicht wie Salzwasser, sondern bleibt im Leder, wodurch dieses sein Gewicht behält und in den Kalk- sowie Gerbstofflösungen weiterhin prall und gut aufquillt – etwas, was Chloride stark erschweren. 10–15 Prozent des Ledergewichts reichen aus, während für Salz fast doppelt so viel benötigt wird. Man muss darauf achten, dass das verwendete Sulfat frei von Bissulfat, NaHSO4, ist.

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Es hat eine starke schwellende Wirkung auf die Lederfasern – ähnlich wie Schwefelsäure. Das neutrale Sulfat färbt weder Methylorange noch Litmus rot. Eingelegte Lederstücke können teilweise durch das Natriumsulfat erhalten bleiben, das durch die Wirkung der Schwefelsäure auf das in der Einlegelösung enthaltene Salz entsteht (siehe S. 90). [7] Gerber, 1880, S. 185.

Die stärkeren Mineralöle besitzen erhebliche antiseptische Eigenschaften und sind natürlich besonders wirksam gegen solche Keime, die am besten in alkalischen Lösungen gedeihen. Der Einsatz von Schwefelsäure bei der Einlegung von Lederstücken wurde bereits erwähnt. Eine sehr verdünnte Lösung, ohne Salz, verhindert die Fäulnis bei rohem Leder – doch das Hauptziel ihres Einsatzes ist es, das Leder aufzupolstern und ein künstliches Gewicht sowie Volumen zu erzeugen, die beim Gerben wieder verschwinden. Solches Leder zeigt natürlich eine starke saure Reaktion auf Litmus. In geringen Mengen wird Schwefelsäure vorteilhaft zur Einweichung von E.I.-Kippen verwendet. Ein sehr kleiner Überschuss an Salzsäure kann faulige Abfälle sterilisieren – zweifellos hätten auch Salpetersäure oder Schwefelsäure denselben Effekt. Die starke Wirkung der Mineralöle auf tierische Fasern sowie ihre lösende Wirkung auf Zemente und Eisen erschweren jedoch ihren allgemeinen Einsatz als Antiseptika.

Wichtiger ist der Einsatz von Schwefelsäure und Schwefeldioxid, die aufgrund ihrer mäßigen Säurekraft und starken antiseptischen Eigenschaften für verschiedene nützliche Anwendungen geeignet sind. Es bestehen erhebliche Zweifel hinsichtlich der keimtötenden Wirkung von Schwefeldioxid – mit Sicherheit ist das trockene Gas bei trockenen Gegenständen weniger wirksam als in Lösung oder auf feuchten Materialien, wie es in Gerbereien fast immer der Fall ist. Möglicherweise ist es bei bestimmten Schimmelpilzen und Fäulniskeimen wirksamer als bei den pathogenen Bakterien, die üblicherweise zur Prüfung der Desinfektionsmittel eingesetzt werden. In der Praxis erweist es sich jedoch als äußerst nützlich in Brauereien und bei der Herstellung von Gelatine – es gibt keinen Grund, warum es in Gerbereien weniger nützlich sein sollte.

Das Gas wird am einfachsten durch das Verbrennen von Schwefel gewonnen – dabei entsteht doppelt so viel Schwefeldioxid wie Schwefel. Wenn es zur Beheizung von Trockenräumen und anderen Orten verwendet wird, die von Schimmelpilzen befallen sind, muss darauf geachtet werden, ein Brandrisiko zu vermeiden. Ein flacher Gusseisenkessel auf Ziegeln oder Sand ist in der Regel das geeignetste Behältnis. Der Schwefel kann mit einem Stück glühendem Eisen oder einem Tuch, das zuvor in geschmolzenen Schwefel getaucht wurde, entzündet werden. Schwefeldioxid ist korrosiv für Metallwaren und färbt viele Farben aus – doch es hat keine wesentlichen schädlichen Auswirkungen auf Leder. Die durch Oxidation entstehende Schwefelsäure kann jedoch, falls sie nicht entfernt wird, das Leder letztendlich weich machen.

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Zu vielen Zwecken ist eine Lösung des Gases erforderlich – und dies lässt sich am einfachsten erreichen, indem das Schwefel in einem kleinen Metall- oder Feuerziegelofen verbrannt wird. Die Dämpfe werden anschließend durch einen „Reiniger“ geleitet. Im Kleinskalenfall besteht dieser Reiniger bequem aus großen glasierten Sanitärrohren, die mit Koks oder zerbrochenem Tonschutt gefüllt sind; über diese Rohre fließt Wasser. Das unterste Rohr weist eine Öffnung für ein Verbindungsrohr auf, das mit dem Ofen verbunden ist und auf drei Ziegeln in einer Schale ruht. Diese Schale sammelt die saure Lösung und bildet außerdem eine Wassersperre, um ein Entweichen des Gases zu verhindern. Über dem Eingang für die Gase ist ein Holzgitter befestigt, auf dem der Koks liegt. Der Reiniger kann 10–15 Fuß hoch sein und ist an der Oberseite mit einem Schornstein oder Dampfstrahler verbunden, um einen Luftstrom zu erzeugen. Die Anordnung ist in Abbildung 5 dargestellt. Eine weitere Methode besteht darin, das Schwefel in einem geschlossenen Zylinder zu verbrennen und die Produkte mithilfe eines Luftkompressors oder Dampfstrahlers durch Wasser zu drücken. Anstelle eines Reinigers können die Dämpfe auch direkt mit Hilfe eines Dampfstrahlers in einen Tank geblasen werden. Dies ist eine sehr gute Lösung zum Waschen und Bleichen von Haaren usw., doch bei der Notwendigkeit großer Mengen an Lösung ist diese Methode weniger effektiv als der Reiniger. Es sollten Dampfstrahler aus hartem Blei oder Regulus-Metall verwendet werden – sie werden weniger von den trockenen Gasen beeinflusst als vom sehr verdünnten, feuchten Abgas des Reinigers (siehe S. 335).

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Abb. 5 – Apparat zur Herstellung von Schwefelsäure.

Bisulfite weisen ebenfalls starke antiseptische Eigenschaften auf. Eine Lösung von „Natriumbisulfit“ (hydratisiertes Natriumsulfit) kann erzeugt werden, indem man dem Reinigungsapparat eine Lösung aus Natronasche oder Waschnatron zuführt; Natriumlinsenbisulfit entsteht durch Verwendung von Kalkmilch oder durch Befüllen des Reinigungsapparats mit Kalk oder Kalkstein (ohne viel Eisen) anstelle von Kohle. In jedem Fall erhält man eine viel stärkere Lösung als mit Wasser allein.

Boakes’ „Metabisulfit des Natriums“[8] ist eine sehr praktische Quelle für Schwefelsäure, wenn diese in kleinen Mengen benötigt wird. Es handelt sich um ein anhydres Sulfit, Na2O·2(SO2), das 67,4 Prozent seines Gewichts an SO2 enthält. Eine Molekül der Salzverbindung (= 190) benötigt ein Molekül von H2SO4 (= 98).

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Um den gesamten Schwefelsäuregehalt zu freisetzen, kann das entstehende Natriumsulfat für viele Zwecke vernachlässigt werden und die angereicherte Lösung kann direkt verwendet werden. [8] Patentiert von Boakes, Ltd., Stratford, London, E.

Für die Analyse von Sulfiten sowie Lösungen mit Schwefelsäure siehe L.I.L.B., S. 16 und 37.
Borsäure, Borax sowie andere Borate sind keine besonders wirksamen Desinfektionsmittel. Sie haben keine schädlichen Auswirkungen auf die Haut, erfordern aber zur Wirksamkeit eine ziemlich starke Konzentration – beispielsweise 1 Prozent – und ihr relativ hoher Preis macht sie für eine allgemeine Verwendung als Antiseptika in der Lederindustrie ungeeignet. Allerdings ist Borsäure als Mittel zum Einweichen und Entkalken sehr nützlich (siehe S. 156, 229 sowie L.I.L.B., S. 37).
Quecksilberchlorid, HgCl2, ist ein äußerst wirksames Antiseptikum, das das Wachstum bestimmter Bakterienstämme bereits in Lösungen mit einer Konzentration von 1 zu 300.000 verhindert (Koch). Bei einer Konzentration von 1 zu 14.000 hat es desinfizierende Eigenschaften (Miquel); seine Wirksamkeit hängt jedoch stark von den jeweiligen Organismen ab (Jörgensen gibt an, dass für die Abtötung von Penicillium glaucum eine Konzentration von 1 zu 400 erforderlich ist). Aufgrund seiner extrem giftigen Wirkung sowie der Tatsache, dass er durch verschiedene Stoffe in den verwendeten Materialien inaktiviert wird, eignet er sich für die meisten Anwendungen in der Lederherstellung nicht.
Quecksilberiodid, gelöst in Kaliumiodidlösung, wurde von Messrs. Collin und Benoist als Antiseptikum in der Lederverarbeitung patentiert; es ist jedoch aus denselben Gründen wie Quecksilberchlorid unwirksam – obwohl es unter günstigen Bedingungen sogar wirksamer sein kann als Letzteres.
Kupfersulfat, Zinkchlorid und -sulfat sowie viele andere Metallsalze sind starke Antiseptika, haben aber nur begrenzte Anwendungsmöglichkeiten in der Lederindustrie und sterilisieren in der Regel nicht wirklich. Arsen (Arsensäure), das bei der Gerbung von Häuten verwendet wird, ist ein hervorragendes Insektizid, wirkt aber als Antiseptikum nicht besonders effektiv. Arsenid des Arsens (Realgar), das in Lösemitteln verwendet wird (siehe S. 139), scheint nur eine geringe antiseptische Wirkung zu haben. Arsenensäure ist in alkalischen Lösungen leicht löslich.
Fluoride wurden als Antiseptika in der Lederindustrie vorgeschlagen, scheinen aber kaum praktischen Wert zu haben.
Die wichtigsten Antiseptika derzeit sind jene, die aus Kohlenöldestillaten stammen und zur aromatischen Reihe gehören. Von diesen werden insbesondere die Phenole (Carbonsäure, Cresol usw.) am häufigsten verwendet.
Reines Phenol, „reine kristallisierte Carbonsäure“, ist Hydroxylbenzol, C6H5(OH); die groben Formen, die üblicherweise verwendet werden, enthalten jedoch Cresole sowie weitere Verbindungen dieser Reihe.

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Wasserstoffatome werden durch CH3-Gruppen ersetzt. Es handelt sich dabei um ölige Stoffe, die nur schwer in Wasser löslich sind; selbst reines Phenol ist nur in kaltem Wasser bis zu einem Grad von etwa 7 Prozent löslich. Rohes Karbol sollte in der Gerberei nicht verwendet werden, da die unlöslichen öligen Partikel das Leder färben und es unempfindlich gegenüber der Gerbung machen. Geeignetes Karbol sollte frisch eine blassgelbe Farbe haben (obwohl es bei Kontakt mit Luft und Licht dunkler wird) und vollständig in ausreichender Menge Wasser löslich sein. Seine Dichte sollte zwischen 1,050 und 1,065 liegen. Zu Methoden der chemischen Untersuchung siehe L.I.L.B., S. 40. Eine gesättigte Lösung von Karbol sterilisiert das Leder vollständig gegen die meisten verderbenden Organismen, hat aber auch eine Art Gerbeeffekt: Sie haftet hartnäckig an den Fasern, sodass sie durch Waschen nicht entfernt werden kann; Leder, das damit behandelt wurde, kann nicht durch Schwitzen enthaart werden, obwohl es auf die übliche Weise mit Kalk behandelt werden kann – allerdings etwas langsamer. Beim Mischen mit Wasser oder Flüssigkeiten muss Vorsicht geboten werden, da ungelöste Tropfen dieselben Effekte wie das rohe Acid hervorrufen. Wie bereits beschrieben, können Leder gelegentlich durch Salze, die mit gewöhnlichem Karbol denaturiert wurden, gefärbt werden. Eitner empfiehlt die Verwendung einer Lösung von Karbol in gleichen Mengen an rohem Glycerin, welches sich leicht in Wasser löst und offenbar jeden schädlichen Einfluss auf das Leder verhindert. Eine wässrige Lösung mit 1 Prozent Karbol reicht aus, um das Leder lediglich zu sterilisieren; falls es jedoch über einen längeren Zeitraum aufbewahrt werden soll, können stärkere Lösungen (bis zu 4 Prozent) verwendet werden.[9] [9] Gerber, 1889, S. 98.

Sehr geringe Mengen – beispielsweise 1 Teil pro 1000 – hemmen die Gärung von Flüssigkeiten, verhindern die Bildung von Schimmelpilzen auf der Oberfläche, sparen Tannine ein und bewahren bereits vorhandene Pflanzensäuren, verringern aber gleichzeitig deren Bildung durch Gärung – was manchmal zu Schwierigkeiten in den frühen Phasen der Gerbung führt. Karbol ist streng genommen kein Säurestoff, sondern eher von der Natur eines Alkohols, obwohl es schwache Verbindungen mit Basen bildet. Es handelt sich um ein starkes Narkotikum und Gift; in konzentrierter Form auf die Haut getropft, verursacht es schwere Verbrennungen. Diese lassen sich am besten mit Öl behandeln. Bei Vergiftungen müssen Öl und Kalk innerlich verabreicht werden – doch wenn die eingenommene Menge an Karbol groß war, sind diese Maßnahmen wahrscheinlich nicht wirksam. Aufgrund seiner Billigkeit und Wirksamkeit wird Karbol voraussichtlich zunehmend eingesetzt, obwohl für spezielle Zwecke einige neuere Antiseptika große Vorteile bieten. Eudermin ist ein Teeröl, das von Speyer und Grund in Frankfurt am Main hergestellt wird und als antiseptische Zusatzstoffe in Füllfetten verwendet wird, um…

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Schimmelbildung und Ausfluss. Für diesen Zweck wird es von Eitner[10] empfohlen und kann in Mengen von 10 Prozent des Fettes verwendet werden. Creasote und Cresole können in Ölen sowie Fettstoffen gelöst werden und wirken als Antiseptika – wenn auch weniger wirksam als in wässrigen Lösungen. Harzöle und Terpentin besitzen ebenfalls antiseptische Eigenschaften.
[10] Gerber, 1893, S. 41.

Creasote, auch „schweres Kohlenöl“ oder „Totöl“ genannt, ist eine komplexe Mischung aus Kohlenwasserstoffen, Phenolen und Cresolen, die durch Destillation von Kohlenpech gewonnen wird. Es ist schwerer als Wasser und fast unlöslich darin. Es wird hauptsächlich als Konservierungsmittel für Holz verwendet. Carbolineum gehört zu dieser Klasse von Ölen; es kocht bei über 300 °C und dient zur Behandlung von Holz. Ein oder mehrere Schichten werden auf trockenes Holz bei einer Temperatur von 80 °C aufgetragen. Die Hände der Arbeiter müssen durch Handschuhe geschützt werden, da das heiße Creasote schmerzhafte Blasen verursacht. Eitner[11] empfiehlt seine Verwendung zur Konservierung von Becken, Pfählen und anderen Holzprodukten in Gerbereien. Wood-Creasote ist ein etwas ähnliches Produkt, das aus Holzpech gewonnen wird.
[11] Gerber, 1889, S. 183.

Die schwereren Cresole sind so wenig in Wasser löslich, dass sie in ihrer üblichen Form als Antiseptika nutzlos sind. Dennoch werden verschiedene Präparate unter den Namen „Creolin“, „Jeyes Fluid“, „Lysol“, „Izal“, „Soluble Phenyl“ usw. hergestellt, bei denen sie mit Seifen oder Alkalien behandelt werden, wodurch sie sich emulgieren oder in Wasser lösen – in der Regel als milchige Flüssigkeiten. Dies sind starke Keimtötungsmittel, die im Vergleich zu Phenol den Vorteil haben, nicht giftig zu sein. Eine Lösung von 0,1 bis 0,5 Prozent Creolin kann Häute nach dem Rupfen sterilisieren, sodass keine Fäulnis entsteht. Herr J. T. Wood empfiehlt Creolin insbesondere für allgemeine Zwecke in Gerbereien – zur Desinfektion von Becken und Behältern sowie zur Eindämmung der Wirkung von Lösungsmitteln auf Produkte, die bereits zu stark beeinträchtigt wurden, indem man sie in eine 0,2-prozentige Lösung gibt.

Salicylsäure, Orthohydroxybenzoinsäure, C6H4OH(COOH), wird heute künstlich aus Phenol hergestellt. Sie ist viel weniger giftig als dieses und hat keinen Geruch, was sie für bestimmte Zwecke wertvoll macht – doch sie ist für die meisten technischen Anwendungen zu teuer. Es scheint, als würden viele Bakterien allmählich an ihre Wirkung gewöhnt, was auch für Phenol gilt – allerdings in geringerem Maße. Salicylsäure steht in engem Zusammenhang mit Protokatechus- und Gallussäuren; ähnlich wie diese ergibt sie in Verbindung mit Eisensalzen eine dunkelbraune Farbe. Sie ist gut löslich in heißem Wasser, aber nur sehr schlecht in kaltem. Die Zugabe von 1–2½ Teilen Natriumphosphat, Sulfat oder Kaliumnitrat pro Teil Salicylsäure erhöht ihre Löslichkeit erheblich. Sie scheint bei der Verhinderung der Entstehung von…

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Bakterien werden besser abgetötet als mit Karbolessig; eine Lösung von 1 Teil Salicylsäure in 666 Teilen Wasser gilt in dieser Hinsicht als gleichwertig zu 1 Teil Karbol in 200 Teilen Wasser.
Benzsäure, C6H5COOH, wird zwar außer in der Medizin kaum verwendet, ist aber ein noch wirksameres Desinfektionsmittel und hat den Vorteil, für Menschen nicht giftig zu sein.
„Cresotinsäure“, die wie Salicylsäure aus Cresolen gewonnen wird, ist löslicher als Salicylsäure. Sie ist nicht sehr giftig und ein wirksames Desinfektionsmittel. In reiner Form wurde sie von Hauff aus Feuerbach zur Entfernung von Kalk aus Häuten eingesetzt. Dabei erfüllt sie ihre Aufgabe sehr gut – allerdings ohne die Weichmachewirkung eines echten Entkalkungsmittels. Sie neigt dazu, einen rosafarbenen Fleck zu hinterlassen sowie die Fasern bis zu einem gewissen Grad zu gerben. Zudem ist ihr Preis für großflächige technische Anwendungen recht hoch. (Siehe auch S. 162.)
„Anticalcium“ ist ein neueres Präparat, das von derselben Firma als Entkalkungsmittel eingeführt wurde.[12] Es handelt sich um eine Lösung von gemischten Sulfonsäuren, die aus Cresolen gewonnen werden, und es besitzt erhebliche desinfizierende Eigenschaften. Es entfernt Kalk sehr effektiv – doch aufgrund seines sauren Charakters schwellt es die Haut etwas an. Es wird sehr erfolgreich als Behandlungsmittel für dünne Häute eingesetzt (S. 163).
[12] Gerber, 1895, S. 133.
„C.T.“ (Kohlenöltau-)Entkalkungsmittel ist eine graue, kristalline Paste mit teerartigem Geruch. Chemisch ist es dem Anticalcium sehr ähnlich, wenn auch nicht identisch.
Naphtholsulfonsäure weist starke antiseptische Eigenschaften auf. Ihre Verwendung als Entkalkungsmittel wurde von Burns und Cross patentiert. (Siehe S. 163.)
Naphthole, C10H7(OH) – Diese Stoffe stehen in derselben Beziehung zum Naphthalin wie die Phenole zum Benzol; sie sind starke Antiseptika. Auch Naphthalin selbst scheint antiseptische Eigenschaften zu haben und wird gelegentlich zur Denaturierung von Salzen verwendet. Es gibt zwei Arten von Naphtholen, die sich durch die Position der OH-Gruppe in der Molekülstruktur unterscheiden – α-Naphthol und β-Naphthol. α-Naphthol ist das wirksamere Antiseptikum und weniger giftig; β-Naphthol hingegen ist günstiger und wird daher häufig im Handel verwendet. Es wird gesagt, dass bereits Mengen von 0,1–0,4 Gramm α-Naphthol pro Liter ausreichen, um das Wachstum von Mikroben zu verhindern – bei β-Naphthol sind etwa zehnmal so viele Mengen erforderlich. Naphthole sind nicht besonders teuer, doch ihr Wert wird dadurch verringert, dass sie in Wasser unlöslich sind. Sie sind in alkalischen Lösungen löslich – doch ihre Verbindungen mit Basen weisen nur einen viel geringeren antiseptischen Wert auf. Dasselbe gilt für ihre alkoholischen Lösungen: Wenn eine alkoholische Lösung in Wasser gegeben wird, fällt das Naphthol aus – doch wenn Seife oder Kampfer zur alkoholischen Lösung hinzugefügt wird, bleibt das Naphthol in einer sehr fein verteilten Form erhalten, falls es nicht vollständig gelöst wird.

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Wenn man Eitners Vorschlag bezüglich des Oxynaphtho säures befolgt (siehe unten), können Häute zweifellos zunächst mit einer alkalischen Naphthol-Lösung behandelt und anschließend mit einer sehr verdünnten Säure, um das Naphthol freizusetzen, sterilisiert werden. „Hydronaphthol“, β-Tetrahydro-Naphthol, C10H12O, entsteht durch die Reduktion von β-Naphthol mit Natrium (Rideal). Es scheint ein hervorragender Desinfektionsmittel zu sein. Oxynaphtho säure, α-Hydroxynaphtho säure, C10H6(OH)COOH, steht in derselben Beziehung zum Naphthol wie Salicylsäure zum Phenol. Sie ist billiger als Salicylsäure und gilt als stärkeres Antiseptikum. Ihre Salze haben keine antiseptische Wirkung. In ihrer kommerziellen Form handelt es sich um ein rötliches kristallines Pulver, das geruchlos ist, aber einen brennenden Geschmack hat; sein Staub verursacht heftiges Niesen. Es ist nur schwer löslich in Wasser und soll bei Lagerung einige Veränderungen durchmachen, wodurch seine keimtötende Wirkung abnimmt. Es ist leicht löslich in Alkohol – die entstehende Lösung ergibt bei Mischung mit Wasser eine milchige Flüssigkeit. Eine solche Lösung, die 15 Gramm der Säure in 4 Litern Wasser enthält, kann Häute sterilisieren. Eitner empfiehlt[13], sie in einer verdünnten Natronlösung aufzulösen und die Häute nach dem Einweichen durch Wasser zu führen, das leicht mit Salzsäure angefeuchtet wurde – genauso wie es im Fall des Naphthols vorgeschlagen wurde. Diese Methode lässt sich auch auf Creosotinsäure anwenden; dadurch werden die Häute dauerhaft sterilisiert, sodass sie nicht durch Schwitzen wieder behaart werden können – allerdings härten sie weiterhin auf die übliche Weise aus. [13] Gerber, 1888, S. 101; 1889, S. 99 ff. Siehe auch S. 163.

Kohlenstoffdisulfid – Moret hat eine wässrige Lösung dieses Stoffes als Antiseptikum vorgeschlagen. Es scheint erhebliche sterilisierende Eigenschaften zu haben. Aufgrund seiner Entzündlichkeit, Giftigkeit sowie unangenehmen Geruch ist es jedoch unwahrscheinlich, dass es in großem Maße eingesetzt wird.

Formaldehyd, COH2, wurde kürzlich als Antiseptikum in einer wässrigen Lösung mit 40 Prozent Formaldehyd sowie etwas Essigsäure unter den Namen „Formalin“ usw. eingeführt. Es scheint starke desinfizierende Eigenschaften zu haben und könnte bei verschiedenen Prozessen in der Lederherstellung nützlich sein, je mehr es billiger wird. Allerdings hat es eine merkwürdige Verhärtungswirkung auf die Lederfasern sowie gallertartige Substanzen; daher kann es in sehr verdünnten Lösungen Leder erzeugen.[14] Die Dämpfe von Formaldehyd oder seines Kondensationsprodukts Paraform können zur Verhärtung mikroskopischer Präparate verwendet werden. 1 Teil Formaldehyd sowie somit 2½ Teile „Formalin“ in 12.000 Teilen Wasser sollen sterilisierend wirken – diese Mischung würde eine gute Desinfektionslösung bilden. Selbst in deutlich größeren Mengen scheint es nicht giftig zu sein und besitzt somit die bakterizide Wirkung des Sublimats.

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ohne die giftigen Eigenschaften Letzterem. Formaldehyd hat einen weiteren Vorteil gegenüber den meisten, wenn nicht allen anderen Desinfektionsmitteln: Er kann sowohl im gasförmigen als auch im flüssigen Zustand verwendet werden. Aus diesem Grund wird er häufig zur Desinfektion von Räumen oder Gegenständen eingesetzt, die sonst beschädigt würden, wenn sie nass würden – denn das gasförmige Formaldehyd desinfiziert sie gründlich, ohne die Farben der empfindlichsten Stoffe zu beeinträchtigen. [14] Gerber, 1897, S. 67; ebenda, 1899, S. 101, 205, 218.

Aufgrund seiner Fähigkeit, gelatineartige Stoffe hart und wasserunlöslich zu machen, muss Formaldehyd mit großer Vorsicht eingesetzt werden. Doch 0,2–0,3 Prozent können erfolgreich in Kombination mit Eiweiß bei der Herstellung von „Beizen“ zur Veredelung von Mohairleder verwendet werden. Zudem wird es kommerziell zur Herstellung verschiedener Arten von Weißleder für Soldatenausrüstung und ähnliche Zwecke eingesetzt (S. 380).

Triformol (Trioxymethylen, „Paraform“) ist ein Produkt der Polymerisierung von Formaldehyd und entsteht durch das Verdampfen einer Lösung dieses Stoffes im Wasserkocher. Es gilt als wirksamer als Formalin in seinen desinfizierenden Eigenschaften, wird aber nicht in großem Umfang als Desinfektionsmittel eingesetzt. Dennoch wird es in beträchtlichem Maße zur „Fixierung“ von Bakterien in Gelatine zu bakteriologischen Zwecken verwendet.

Kamfer sowie ätherische Öle, einschließlich Terpentinöl, besitzen starke desinfizierende Eigenschaften. Die günstigeren ätherischen Öle wie jene von Wintergrün, Schwarzer Birke, Sassafras und Anis werden besonders in Amerika häufig zur Konservierung von Pasten, Beizen und Zusätzen sowie zur Überdeckung unangenehmer Gerüche eingesetzt. Der Geruch der ätherischen Öle wird durch Verdünnung noch intensiver – bereits sehr kleine Mengen reichen für die genannten Zwecke aus. Birkenharzöl, wie es zur Aromatisierung russischen Leders verwendet wird (S. 372), hat ebenfalls eine erhebliche desinfizierende Wirkung.

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KAPITEL VI.
Ursprung und Behandlung von Häuten und Fellen.

Ein erheblicher Anteil der für die Lederherstellung verwendeten Häute und Felle stammt von Tieren, die vom Metzger zum Verzehr getötet wurden. Diese werden oft vom Gerber ohne jegliche vorherige Behandlung verwendet. Haushalts-Häute und -Felle werden heutzutage in der Regel auf wöchentlichen Märkten in den wichtigsten Städten nach Sortierung und Einstufung nach Gewicht und Qualität versteigert.[15] In vieler Hinsicht ist das eine Verbesserung gegenüber der alten Methode des Direktkaufs beim Metzger – doch es führt oft zu Verzögerungen bei der Lieferung. Zudem leiden Häute bei heißem Wetter unter Fäulnis. In den meisten Fällen ist der Schaden nicht ernst genug, um die Haltbarkeit des Leders zu beeinträchtigen; doch die empfindliche Membran des „Fasergewebes“ wird beschädigt, wodurch das Fell oder Leder nicht mehr für die Herstellung von gefärbtem Leder oder für Zwecke geeignet ist, bei denen kleine äußerliche Schäden wichtig sind. Metzger lehnen den Einsatz von Salz ab, da dieses Wasser aus dem Fell in Form von Brühe entfernt und dadurch dazu führt, dass das Fell an Gewicht verliert. Durch eine leichte Salzung könnten jedoch viele Schäden vermieden werden. Alle Häute und Felle, bei denen das Fellhaar herausgerutscht ist, sollten als beschädigt angesehen werden, wenn sie für die Herstellung feinen Leders verwendet werden sollen.
[15] Das Gewicht der englischen Markt-Häute, wie es vom Metzger angegeben wird, ist in der Regel am Rand des Tierkörpers in der Nähe des Schwanzes durch Schnitte mit einem Messer markiert. Die Nummerierung wird in Abbildung 6 ausreichend erklärt: Jeder Schnitt, der die horizontale Linie durchquert, steht für 20 Pfund, die Schnitte darüber für 10 Pfund; geringere Mengen werden dabei mit römischen Ziffern angegeben. Auf dem Kontinent wird das Gewicht in Halbkilogramm angegeben (50 Kilogramm = 110 englische Pfund). In Paris erfolgt die Markierung am Schwanz – auch dies ist in Abbildung 6 dargestellt.

Abbildung 6: Methode zur Markierung des Gewichts auf Häuten; 97 Pfund.

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Schafshäute werden in der Regel nicht direkt vom Ledergerber gekauft, sondern vom Pelzhändler, der die Wolle entfernt. Da diese in der Regel einen weitaus höheren Wert hat als die Haut selbst, wird letztere oft sehr nachlässig behandelt – ihre Qualität wird geopfert, um die Qualität der Wolle zu verbessern. In vielen Fällen werden die Häute in einem warmen und feuchten Raum aufgehängt, wodurch Ammoniak entsteht, das durch die Zersetzung der Haut entsteht. Dadurch wird die Wolle weit genug gelockert, damit sie herausgezogen werden kann. Wenn diese Behandlung mit größter Sorgfalt durchgeführt wird, kann die Haut schweren Schäden entgehen. In den meisten Fällen wird jedoch die Struktur der Haut geschwächt, was im gesamten Gerbprozess spürbar wird. Für den Ledergerber ist eine bessere Methode, die Häute mit Kalk zu behandeln: Dabei wird die Fleischseite mit einer dicken Kalkschicht überzogen. Anschließend werden die Häute so gefaltet, dass die Fleischseite nach innen zeigt, um den Zugang des Kalks zur Wolle so weit wie möglich zu verhindern. Danach werden die Häute in ein Becken gelegt und mit Wasser bedeckt, bis die Wolle durch den Kalk gelockert ist. Eine noch zufriedenstellendere Methode, die in amerikanischen Schlachthöfen sowie teilweise auch in Europa verwendet wird, besteht darin, die Häute zunächst mit Wasser zu waschen, um Blut und Schmutz zu entfernen. Anschließend werden sie in feuchtem Zustand, mit der Fleischseite nach oben, mit einer Lösung behandelt, die etwa 25 Prozent Natriumsulfid enthält und mit Kalk verdickt wurde. Die behandelten Häute werden anschließend gefaltet und für einige Stunden oder über Nacht auf dem Boden ausgelegt, bis die Wolle weit genug gelockert ist. Danach werden die Häute wie gewohnt weiterverarbeitet. Im Allgemeinen lagert der englische Pelzhändler seine Häute im Kalk, bis sie an den Ledergerber verkauft werden. Da es in kleinen Betrieben manchmal Zeit dauert, eine ausreichende Menge an Häuten anzusammeln, können die älteren Häute durch übermäßige Behandlung mit Kalk stark beschädigt werden. Selbst frische Limetten lösen die Verbindungen zwischen den Fasern auf und verstärken die bereits natürlich lockere Struktur der Schafshaut. Doch die Schäden sind viel größer, wenn alte, mit Ammoniak und bakteriellen Stoffen angereicherte Limetten verwendet werden – was häufig der Fall ist. In amerikanischen Schlachthöfen werden die Häute in der Regel nur so lange mit Kalk behandelt, wie es nötig ist, um das Fett zu beeinflussen und die Fasern zu schwollen zu lassen. Danach werden sie sofort eingeweicht und konserviert. Weitere Informationen zur Konservierung finden Sie auf Seite 89. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Pullman-Methode zur Kalkbehandlung (Seite 137) auch für Pelzhändler geeignet ist – schließlich bleiben die Häute nach der Behandlung mit Kaliumchlorid über einen längeren Zeitraum unbeschädigt. Wenn Häute nicht sofort in ihrem frischen Zustand verwendet werden können, gibt es wohl keine bessere Methode zur Konservierung als den Einsatz von Salz. Obwohl Salz für Bakterien nicht tödlich ist, verlangsamt es deren Wachstum – zum Teil durch seine direkte antiseptische Wirkung auf viele Organismen, zum Teil indem es Wasser aus den Zellen zieht.

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Die Haut – bei der gut gesalzten Haut kann sie fast unbegrenzt lange in gutem Zustand gehalten werden. Wenn die Ware nur für eine Woche oder zwei aufbewahrt werden soll, reicht ein mäßiger Salzbeschuss auf der Fleischseite aus. Doch wenn sie über einen längeren Zeitraum aufbewahrt werden soll, ist eine gründlichere Behandlung notwendig. Es wird gesagt, dass die Häute, egal wie sorgfältig sie gesalzen werden, nach zwölf Monaten in diesem Zustand immer noch nachlassen.

Die im Chicagoer Schlachthof für „Packhäute“ angewandte Salzmethode kann als gutes Beispiel für eine gründliche Salzung gelten. Zunächst werden die Häute von unnötigen Teilen befreit, und alle größeren Fettstücke werden entfernt. Die Trocknung erfolgt in großen, kühlen Kellern mit Betonböden. Detaillierte Informationen dazu finden sich im folgenden Auszug aus dem „Shoe and Leather Reporter“:

„Es wird große Sorgfalt darauf verwendet, die Seiten der Packung höher als die Mitte zu gestalten, damit die durch den Kontakt der Hautsäfte mit dem Salz entstehende Brühe zurückgehalten werden kann. Die Brühe kann nur durch Perkolation entweichen, wodurch die Fasern der Häute vollständig getrocknet werden. Der Boden eines solchen Kellers besteht in der Regel aus Beton. Eine Packung ist 15 bis 20 Fuß lang und so breit wie der Abstand zwischen den Pfosten, die den Boden stützen. Zunächst werden die Seiten der Packung auf eine Höhe von 4 bis 6 Zoll aufgebaut; anschließend werden die Querschichten angebracht – in der Regel drei pro Seite, zwei davon innen und eine mit den Enden nach außen. In einer 20 Fuß langen Packung enthalten die Seitenlagen jeweils etwa 25 mittelgroße Häute, während eine Querschicht 12 bis 14 Häute enthält. Um mit dem Aufbau einer Packung zu beginnen, wird eine Ladung Häute zum vorderen Teil des ausgewählten Bereichs gebracht. Ein Mitarbeiter greift das Ende der Haut, sein Kollege den Kopf der Haut – gemeinsam tragen sie sie dorthin, wo später der hintere Teil der Packung liegen soll. Die Haut wird dann abgelegt, sodass die gefaltete Kante parallel zur inneren Linie der Pfosten liegt und etwa 15 bis 20 Zoll davon entfernt ist; der Kopf der Haut liegt etwas näher als das Ende. Der Mann vorne nimmt mit der linken Hand die Unterlippe sowie den vorderen Beinstumpf der Haut und streckt seine rechte Hand entlang des Bauchs der Haut aus, um den Rand anzuheben. Der Mann hinten hält mit einer Hand die Flanke und mit der anderen den hinteren Beinstumpf fest. Sie halten ihre Beine gut weg vom Salzwerfer, der mit einem einzigen Wurf das ganze Fell bedeckt – dabei achtet er darauf, dass genug Salz auf die von den Männern gehaltenen Ränder trifft, damit dort eine deutliche Erhebung entsteht, wenn die Haut wieder glattgelegt wird. Ein wenig Salz wird auch auf die Haatoberfläche gestreut, und das Ende der Haut wird etwa einen Fuß weit gefaltet. Anschließend wird die gefaltete Kante so ausgerichtet, dass sie mit der äußeren Linie der Packung übereinstimmt. Weitere Häute werden auf dieselbe Weise hinzugefügt, bis die Ecken hoch genug sind. Danach wird jede Haut weiter nach vorne gelegt, um eine ebene Oberfläche von hinten nach vorne zu schaffen. Die Köpfe der Häute am vorderen Ende werden genauso gefaltet wie die Enden am Anfang. Die andere Seite wird auf dieselbe Weise aufgebaut, anschließend werden die Querschichten abwechselnd angebracht, bis die Packung fertig ist.“

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Auf dieser Ebene werden die Seiten wieder wie zuvor aufgebaut. Beim Auflegen der ersten Häute der Schichten werden diese über den Rand geworfen und fallen beim Hinzufügen des Salzes wieder zurück; anschließend wird die Schicht weiter nach vorne fortgesetzt. Der Mann, der den Stumpf hält, leitet in jedem Fall den Vorgang. Er lässt den Stumpf genau an der richtigen Stelle herunter, nimmt das obere Bein sowie den Schaft in jede Hand, setzt einen Fuß auf den unteren Schaft, um ihn festzuhalten, und wirft den Gegenstand in seinen Händen mit erheblicher Kraft weg. Der Mann am Kopfende beobachtet seinen Partner, hält die gefaltete Haut straff und lässt sie zur gleichen Zeit wie der andere herunter. Er nimmt das vordere Bein in der einen Hand sowie den oberen Teil der Haut in der anderen, setzt seinen Fuß auf die untere Seite und wirft den oberen Teil gleichzeitig mit dem Mann hinten nach vorne. Zwei erfahrene Arbeiter, die daran gewöhnt sind, zusammenzuarbeiten, legen eine Haut mit einem einzigen Wurf aus – doch vordem die Haut für das Salzen bereit ist, muss noch etwas Handarbeit geleistet werden. Eine Gruppe aus zwei Arbeitern, einem Salzwerfer und einem Salztransporteur kann pro Stunde vierzig Häute bearbeiten. Wenn die Gruppen verdoppelt werden, übernehmen zwei Männer die gesamte Bearbeitung; die anderen beiden platzieren die Häute an Orten, von denen aus sie leicht zugänglich sind. Eine doppelte Gruppe kann pro Stunde achtzig Häute bearbeiten. Der Salztransporteur bringt das Salz in offenen Transportwagen, deren eine Seite geöffnet ist, damit ein Schaufel darin Platz findet. Der Salzwerfer sorgt dafür, dass die Ränder und Ecken der Ladung vollständig mit Salz bedeckt sind. Er muss darauf achten, dass jeder Teil der Fleischseite gut bedeckt ist. Jede Haut benötigt zwei Schaufelladungen gemahlenen Fels oder grobes Weißsalz, vermischt mit einer gleich großen Menge altem oder zweiten Salzes. Der Salzwerfer wirft die Schaufel nach vorne, zur Seite und wieder zurück – dabei fällt das Salz gleichmäßig auf die gesamte Oberfläche der Haut. Die Geschwindigkeit und Effizienz der Arbeit hängt stark von der Leistungsfähigkeit des Salzwerfers ab. Wenn die Ladung zu hoch wird und für die Arbeiter unbequem ist, wird sie auf eine ebene Höhe gebracht und mit sauberem Salz bedeckt. Dadurch erhält sie ein sehr ordentliches und professionelles Aussehen. Die Arbeiter, die die Häute bearbeiten, erhalten 20 Cent pro Stunde, während die Transporteur 17½ Cent erhalten. Wenn die Temperatur konstant bleibt, reichen zwei Wochen aus, um die Häute zu trocknen.

„Beim Aufnehmen“ entkleiden zwei Männer die Häute von der Ladung. Da diese von hinten nach vorne gelegt wurden, werden sie nun in entgegengesetzter Richtung aufgenommen. Unabhängig davon, wie viel loses Salz auf der Oberfläche liegt, weiß der Mann genau, wo er seine Hand auf den Schaft legen muss; während die Häute nach vorne bewegt werden, fällt das lose Salz nach vorne. Ein Mann entfernt das Salz, sobald es sich ansammelt, und transportiert es zu den Salzbehältern, wo es mit neuem Salz vermischt wird, um erneut verwendet zu werden. Vor der Ladung wird ein „Gerüst“ aus Balken platziert – etwa 3½ Fuß breit, 6 Fuß lang und 2½ Fuß hoch über dem Boden. Auf dieses Gerüst werden die Häute, mit der Fleischseite nach unten, gelegt und geschüttelt, um das daran haftende Salz zu entfernen. Dieser Vorgang

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Dafür sind vier Männer erforderlich – einer an jeder Ecke. Das Leder wird zweimal mit Kraft auf das Pferd gedrückt und anschließend fleischseitig nach oben auf den Boden gelegt, damit die Inspektoren es untersuchen können. Es gibt zwei Inspektoren: einen, der das Unternehmen vertritt, und einen anderen, der den Käufer des Leders vertritt. Sie fegen das eventuell verbliebene Salz weg und prüfen auf Schnitte, Wunden, Brandspuren, Dung sowie Larven. Zudem stellen sie sicher, dass das Leder ordnungsgemäß gewogen und klassifiziert wird. Falls im Vertrag eine spezielle Bearbeitung vorgesehen ist, wird diese nun durchgeführt. Anschließend rollen zwei Männer das Leder zusammen – zunächst werden die Beine, der Kopf und der Hals eingewickelt. Danach werden die Seiten gefaltet und erneut eingewickelt, sodass der Rollenbreite 15 bis 18 Zoll bleibt. Die Enden werden nach innen gelegt, sodass sie leicht übereinanderliegen; anschließend erfolgt noch eine letzte Falte, und das Leder ist bereit zum Binden. Zum Binden wird ein Seil verwendet, das etwa sieben Fuß lang ist. Für eine solche Arbeit braucht man drei Männer. Nach dem Binden werden die ordentlich gebundenen Bündel gewogen und auf Wagen geladen, um transportiert zu werden. Dem Käufer wird ein kleiner Gewichtsabzug gewährt. Gewöhnliche Arbeiter in den Lederlagern erhalten 17½ Cent pro Stunde, während die Inspektoren 25 Cent pro Stunde erhalten.

Für eine gründliche Trocknung ist etwa 25 Prozent des Salzes am ursprünglichen Gewicht des Leders erforderlich. Oft wird einfach nur Gesteinssalz verwendet – doch dieses kann Eisen in Form von Oxiden und Chloriden enthalten, was zu den charakteristischen Marmormustern, den sogenannten „Salzflecken“, führt. Deshalb ist es besser, weißes kristallines Salz zu verwenden – auch in diesem Fall können jedoch durch das im Blut enthaltene Eisen Flecken entstehen. Einige Salzflecken scheinen außerdem auf das Wirken von Pigmentbakterien zurückzugehen und enthalten kein Eisen. Bei Ledern, die lange Zeit im Salz aufbewahrt wurden oder unter unzulänglichen Bedingungen lagen, ist oft eine Rötung der fleischseitigen Seite zu beobachten – dies tritt besonders häufig bei in Südamerika mit Feuchtigkeit gesalzenen Ledern auf. Solche Ledern sollen niemals ein so festes Leder hervorbringen wie solche, die ordnungsgemäß behandelt wurden.

Oft werden Leder nicht nur mit trockenem Salz bestreut, sondern auch in Salzwasser eingeweicht, um sie zu konservieren. Diese Methode wird hauptsächlich verwendet, um ein höheres Gewicht vorzutäuschen. Leder, die in Salzwasser eingeweicht wurden, trocknen beim Gerben nicht gut aus; das Leder ist in seiner Qualität nicht so gut wie das, das mit trockenem Salz behandelt wurde, und die Trocknungsprozedur ist viel weniger effektiv.

Viele Leder werden nicht nur gesalzen, sondern auch getrocknet, um sie zu konservieren. Es wurden nur wenige Details über die verwendeten Methoden veröffentlicht – diese variieren zweifellos von Ort zu Ort. Wahrscheinlich werden die Leder in einigen Fällen in Haufen gesalzen und in anderen Fällen in Salzwasser eingeweicht, bevor sie zum Trocknen aufgehängt werden. Der Hauptzweck dieser Trocknung besteht darin, das Gewicht und die Transportkosten zu senken – doch dadurch wird es viel schwieriger, die Leder für das Gerben zu waschen und weich zu machen. Zudem hat die Kristallisation des Salzes wahrscheinlich eine schwächende Wirkung auf die Fasern. Leder, die auf diese Weise behandelt wurden, werden als „mit Trockensalz behandelt“ bezeichnet.

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Eine große Anzahl der Häute der kleinen einheimischen Rinder Indiens wird in diesem Land in getrocknet-salziger Form importiert. Die folgenden Angaben zur Behandlung dieser Häute stammen aus einem Artikel des Autors sowie von Herrn W. Towse.[16]
[16] Journ. Soc. Ch. Ind., 1895, S. 1025.

Getrocknet-salzige Häute – oder, wie sie üblicherweise genannt werden, „Kalkbehandelte Häute“, wie jene aus Dhaka und Mehapore – sind mit einer dicken Schicht eines weißen Materials überzogen. Dabei handelt es sich anfangs um den unlöslichen Anteil eines Salzgesteins, das bei der Behandlung verwendet wird; in vielen Fällen wird jedoch eine größere Menge dieses Materials aufgetragen, einfach um dem Leder mehr Gewicht zu verleihen. Die Salzbehandlung wird von Herrn W. G. Evans so beschrieben, der vor einigen Jahren als Gerber in Cawnpore umfangreiche Erfahrungen gesammelt hatte:

„Das von den Einheimischen verwendete Salz ist ein Salzgestein – so nennen sie es auch. Es kommt in großer Menge in den Regionen Cawnpore, Agra, Delhi, Lucknow, Patna usw. vor und hat zweifellos etwas mit der Ansiedlung der Lederbehandlungsindustrie an diesen Orten zu tun. Die Vorgehensweise ist im Grunde wie folgt: Das Salzgestein wird zu einer sehr dünnen Paste verarbeitet, die an einem Tag leicht auf die Fleischseite des Leders aufgetragen wird; anschließend wird das Leder über Nacht unter Abdeckung gelassen. Am nächsten Tag wird, um beste Ergebnisse zu erzielen, dieselbe Lösung erneut auf die Fleischseite des ausgebreiteten Leders aufgetragen und mit einem porösen Ziegel eingerieben. Danach wird das Leder zum eigentlichen Trocknen unter Abdeckung gelassen. Bei Export können die Salzbädern drei oder vier Mal wiederholt werden, wobei die Häute bei extremer Sonneneinstrahlung draußen behandelt werden; das erklärt, warum viele Häute nach ihrer Rückkehr nach England und anderen Ländern erneut behandelt werden müssen.“

„In unserem Vertrag mit den Lederhändlern gab es eine Klausel, wonach alle Häute zurückgeschickt werden sollten, die nach zwei Tagen im klaren Wasser nicht ihre natürliche Weichheit erreichten. Über die Behandlung mit Arsen weiß ich nichts – sie ist nicht mehr so verbreitet wie früher. In Cawnpore, Lucknow, Allahabad usw. gibt es einen regelrechten Handel damit, alte und minderwertige Häute mit neuen Häuten für den Export zu mischen. Die einheimischen Besitzer bemühen sich sehr, ihr Lagerbestand vor Beginn der Regenzeit abzubauen – schließlich sind die Häute, wie sie sagen, und ich stimme ihnen zu, nach den Regenfällen um 30 Prozent weniger wert. Die besondere Feuchtigkeit der Regenfälle wirkt sich sehr nachteilig auf die Häute aus.“

Unter bestimmten Umständen führt diese Behandlungsmethode zu starken Eisenflecken auf den Häuten. Um die Ursachen dieser Schäden aufzuklären, wurden Analysen des Materials durchgeführt, das von den Behandlungsvorgängen in Dhaka und Mehapore übrig blieb. Die folgenden Ergebnisse stammen aus diesen Analysen, die am Restmaterial nach der Behandlung durchgeführt wurden.

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Das Material, das mit dem Trocknungsprozess abgeschabt worden war, wurde durch Erhitzung zerstört – zusammen mit Spuren von ammoniakhaltigen Salzen. – Dacca, Mehapore.
Sand und Silizium: 20,55 %, 27,38 %
Fe2O3: 2,77 %, 1,86 %
Al2O3: 2,48 %, 2,74 %
Mn3O4: 0,60 %, 0,40 %
CaO: 2,60 %, 3,70 %
MgO: 3,38 %, 3,69 %
Na2O: 28,97 %, 26,80 %
SO3: 38,90 %, 33,75 %
Cl: 0,22 %, 0,18 %
H3PO4 und CO2: Spuren, Spuren
Gesamt: 100,47 %, 100,50 %

Die löslichen Salze des aus Dacca gewonnenen Materials wurden ebenfalls getrennt analysiert; das Ergebnis lautete:
CaO: 0,70 %
MgO: 0,60 %
Na2O: 29,00 %
SO3: 37,90 %
Cl: 0,22 %
Unlösliche Stoffe: 32,12 %
Gesamt: 100,54 %

Das Material bestand somit ausschließlich aus Sulfaten – mit Ausnahme von Spuren von Chloriden. Beide Proben waren nach der Erhitzung gegenüber Phenolphthalein neutral; doch vor der Erhitzung war das Material aus Dacca deutlich alkalisch – vermutlich aufgrund des Vorhandenseins von Ammonsalzen. Zudem zeigten beide Proben vor der Erhitzung deutlich größere Spuren von Carbonaten als nachher.
Das Auffälligste an diesen Analysen ist das Fehlen jeglicher nennenswerter Chloridspuren. Die Proben enthalten somit praktisch kein Kochsalz; ihre antiseptische Wirkung beruht auf dem Natriumsulfat, das ihr Hauptbestandteil ist. Nitrate scheinen völlig abwesend zu sein. Natriumsulfat bildet manchmal große Kristalle in den Behältern, in denen diese Materialien eingeweicht werden.
Die bereits erwähnte Eisenfärbung der Häute tritt offenbar nur dann auf, wenn die Häute nach dem Trocknungsprozess über einen längeren Zeitraum einer feuchten Atmosphäre ausgesetzt sind. Dabei spielt vermutlich auch das vorhandene Kohlensäure eine Rolle – das Eisen gelangt dabei in Form von Hydrotcarbonaten in Lösung.

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Die Analysen weisen eine auffällige Ähnlichkeit mit denen der Sodaablagerungen aus Wyoming auf, wie sie von Dr. Attfield beschrieben wurden [17]. Der Unterschied besteht darin, dass ihr Anteil an Natriumcarbonat geringer ist – was im Lichte von Herrn Brunners Abstract über die „Wahrscheinliche Herkunft natürlicher Natriumcarbonatablagerungen“ [18] durchaus verständlich ist. Dieses Abstract stützt die Ansicht, dass das Natriumcarbonat aus Natriumsulfat durch die reduzierende und karbonatisierende Wirkung von einfachen Organismen entsteht.
[17] Journ. Soc. Ch. Ind., 1895, S. 4.
[18] Ebd., 1893, S. 116.

Es sei hier darauf hingewiesen, dass die Konservierungseigenschaften von Natriumsulfat gut bekannt sind; das anhydre Sulfat wird als Ersatz für Kochsalz empfohlen (siehe S. 23). Das Trocknen ist eine sehr verbreitete Methode zur Konservierung von Häuten sowie anderen verderblichen Materialien. Es hat keinen Einfluss darauf, Bakterien abzutöten – die Fäulnis kann nur in Gegenwart einer beträchtlichen Menge an Feuchtigkeit weitergehen. Bei der Verarbeitung von Häuten gilt dies für den Gerber als eine der am wenigsten zufriedenstellenden Trocknungsmethoden, da es erhebliche Schwierigkeiten gibt, die Häute wieder in den feuchten, aufgeblähten Zustand zu versetzen, der zu Beginn der Bearbeitung erforderlich ist. Doch es handelt sich um die einzige praktikable Methode in Gebieten weit ab von der Küste mit primitiven Transportmöglichkeiten – sowohl aufgrund der Kosten für Salz als auch wegen des geringeren Gewichts der getrockneten Häute. Es bestehen große Unterschiede in der Geschwindigkeit, mit der getrocknete Häute weich werden, je nach Art der Trocknung; je höher die verwendete Temperatur ist, desto größer sind die Schwierigkeiten (siehe S. 111). Die beste Trocknungsart besteht darin, die Häute im Schatten bei guter Zirkulation kühler Luft aufzuhängen, wobei die Fleischseite nach außen zeigt. Häute, die in der tropischen Sonne getrocknet werden, sind nicht nur schwer zu weichen, sondern neigen auch zu Beschädigungen – sie weigern sich entweder, weich zu werden, oder blasen beim Behandeln mit Kalk auf und zerfallen, da die Struktur des Leders durch die Hitze zerstört wird. Die Außenseite trocknet zuerst aus und bildet eine undurchlässige Schicht, die die Verdunstung vom Inneren hindert; dadurch wird das feuchte Innere geschmolzen, während die Außenseite noch intakt erscheint. Solche Schäden werden oft erst durch Einweichen und Behandlung mit Kalk entdeckt. Sehr ähnliche Schäden können auch durch Fäulnis im Inneren entstehen, nachdem die Außenseite bereits getrocknet ist. Um gute Ergebnisse zu erzielen, muss das Trocknen schrittweise, aber schnell erfolgen – insbesondere in heißen Klimazonen. Südamerikanische Häute werden meist in der Sonne getrocknet, wobei sie an Pfählen an Kopf- und Schwanzseite aufgehängt werden, wobei die Haarseite nach außen zeigt. Das Risiko von Schäden durch Fäulnis während des Trocknens wird durch den Einsatz von Antiseptika verringert. Lösungen von Arsen wurden häufig zu diesem Zweck verwendet; viele der getrockneten indischen Häute gehören zu den sogenannten „Arsenbehandlungen“. Der Autor konnte jedoch in keiner der untersuchten Stücke Arsen nachweisen.

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Es wurde untersucht, und seine Verwendung scheint keineswegs allgemein üblich zu sein. Die Arsenwasserstoffsäure wird in der Regel in Natronlösungen gelöst. Sofern sie nicht recht frei verwendet wird, hat sie nur einen geringen antiseptischen Effekt, ist aber nützlich zur Vorbeugung von Angriffen von Insekten, die oft sehr zerstörerisch sind. Die Larve eines kleinen Käfers, Dermestes vulpinus, frisst häufig das gesamte Gewebe bestimmter Stellen des Leders auf und lässt nur die Epidermis zurück.

Es mag angebracht sein, hier ein paar Worte über die Schäden und Mängel zu sagen, denen Leder und Häute ausgesetzt sind – obwohl einige davon nicht unbedingt auf die Behandlung zurückzuführen sind. Der schwerwiegendste, doch vermeidbare Schaden ist jener durch Schnitte durch Metzger. Da der Wert des Leders nur einen kleinen Anteil am Wert des Fleisches ausmacht, arbeiten viele Metzger äußerst nachlässig – was durch die lockere Klassifizierung „beschädigter Leder“ auf einigen Märkten noch gefördert wird. Zudem besteht die Annahme, dass das Aussehen des Fleisches durch einen dünnen Schicht weißen Hautgewebes verbessert wird; aus diesem Grund sowie aus reinem Nachlässigkeit heraus machen Metzger häufig flache Schnitte in die Flanken des Leders, was seinen Wert erheblich verringert. Die „Packer-Häute“ aus den Vereinigten Staaten sowie die Produkte der großen Schlachthöfe Südamerikas, wie z. B. die von Liebig, zeigen, was durch geschickte Arbeit in dieser Hinsicht erreicht werden kann. In den Vereinigten Staaten wird der Großteil des Häutens mit einem Holzbeil statt mit einem scharfen Messer durchgeführt. Eine weitere Methode, die bis zu einem gewissen Grad angewandt wird und für Kalb- und Schaffelle empfehlenswert sein kann, besteht darin, das Tier vor dem Häuten mit Luft aus einer Kompressionspritze aufzupumpen – dadurch reißt das verbindende Gewebe zwischen Haut und Körper und das Häuten wird viel einfacher.

Brandmarkungen sind eine große Quelle von Schäden für Leder. Doch dort, wo Rinder auf ungeschützten Ebenen frei umherlaufen, wie auf den Prärien Texases und den Pampas Südamerikas, erscheinen sie zur Identifizierung des Eigentümers unverzichtbar – da keine andere Markierungsmethode ausreichend dauerhaft und auffällig ist. Leider muss man, da die Tiere zusammenleben und nicht näher herangekommen werden können, darauf achten, dass die Brandmarkungen nicht nur groß sind, sondern auch an der wertvollsten Stelle des Leders angebracht werden. In der Regel werden auf den Pampas versucht, die Brandmarkungen nur auf einer Seite anzubringen, sodass bei südamerikanischen Ledern klar erkennbare, markierte Seiten vorhanden sind. In den Vereinigten Staaten ist mittlerweile viel Land mit Stacheldraht eingezäunt – was zwar die Notwendigkeit von Brandmarkungen beseitigt, aber ein weiteres Problem in Form von „Stacheldrahtkratzern“ mit sich bringt, die bei „Packer-Häuten“ oft Probleme verursachen.

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Abb. 7 – Hypoderma bovis. 1, Ei; 2, Larve; 4, Puppenhülle; 6, Fliege, vergrößert (Brauer); 3, 5, Puppe und Fliege, in natürlicher Größe (B. Clark).

In Ländern, in denen Rinder zum Zugtiergebrauch eingesetzt werden, sind Stechmarkierungen eine häufige Quelle von Verletzungen. Einige der großen Rindentickarten verursachen erheblichen Schaden an den Häuten in Spanien und Südamerika. Aus Sicht der Gerber sind jedoch die schädlichsten Insekten die „Botfliegen“ oder „Warble-Fliegen“ (Arten aus der Gattung Hypoderma bovis sowie verwandte Arten, Abb. 7). Es besteht weiterhin Unklarheit darüber, wie die Eier dieser Insekten abgelegt werden. Bei der Pferdebotfliege ist bekannt, dass die zunächst auf der Haut abgelegten Eier vom Tier abgelutscht und verschluckt werden. Dort entwickeln sie sich im Magen, wobei sie dort ihre Larven- und Puppenphase verbringen und an den inneren Schichten des Magens haften bleiben. Erst vor der endgültigen Verwandlung in eine vollständige Fliege fallen sie ab und werden zusammen mit dem Kot ausgeschieden. Aufgrund dessen sowie einiger direkter Beobachtungen sind einige amerikanische Naturforscher der Ansicht, dass zumindest die amerikanischen Arten im Magen schlüpfen und als winzige Larven durch alle dazwischenliegenden Gewebe wandern, bis sie die Haut erreichen, wo sie ihre weitere Entwicklung fortsetzen.

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Die verstorbenen Miss Ormerod, die die englischen Arten sorgfältig untersucht hat,[19] gibt an, dass das Ei auf dem Fell ausbrütet und dass die Larve einfach ihren Weg unter die Haut frisst, wobei sie einen winzigen roten Punkt hinterlässt, den sie anschließend vergrößert, um Luft für ihre an der Schwanzspitze befindlichen Atemöffnungen zu erhalten. Während ihres Wachstums reizt sie weiterhin den unteren Teil der Höhle mit hakenförmigen Kiefern und ernährt sich von dem dadurch entstehenden Eiter sowie anderen Substanzen. Sie erreicht eine Länge von bis zu 3/4 Zoll; die zwischen Haut und Unterhautgewebe liegende Höhle, Abbildung 8, ist oft so groß wie eine halbe Walnuss. Sie bleibt nicht nur in ihrer Larven-, sondern auch in ihrer Puppenphase im Sack – deren Aussehen sich kaum unterscheidet – und fällt vor vollständiger Entwicklung auf den Boden. In geringer Anzahl scheint die Fliege keinen großen Schaden für die allgemeine Gesundheit des Tieres zu verursachen; es sind jedoch Fälle bekannt, in denen Tiere tatsächlich an der durch sie verursachten Entzündung gestorben sind. Ein Eindruck von dem Ausmaß dieses Problems ergibt sich daraus, dass ein indischer Kip, der beim Autor in Besitz ist, mindestens 680 Löcher aufweist – fast genauso viele wurden auch bei englischen Rindern gezählt. Präventive Maßnahmen sind das Schutz der Rinder in den Sommermonaten, in denen die Fliege am häufigsten vorkommt; die Auftrags von Mischungen aus Öl oder Fett zusammen mit Teeröl und Schwefel auf das Fell, um das Legen von Eiern zu verhindern; sowie die Vernichtung der Larven in ihren frühen Stadien im Herbst und Winter, indem man die Atemöffnungen mit Fett oder besser noch mit einem Quecksilbersalb einreibt. Wenn dies früh genug geschieht, heilt das Loch ohne dauerhaften Schaden wieder zu; bleibt es jedoch während der Wachstumsphase offen, werden seine Ränder teilweise durch das Wachstum der Epidermis bedeckt, was eine ordnungsgemäße Verbindung mit dem Hautgewebe dauerhaft verhindert. Man geht davon aus, dass die Larven, wenn man sie systematisch in einer Gegend vernichtet, bald aussterben würden, da man annimmt, dass sie nicht weit wandern.

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[19] „Some Observations on the Œstridæ“, E. A. Ormerod, Simpkin and Marshall, London, 1884, Preis 4d.
Eine sehr problematische Erkrankung der Haut von Lämmern und Schafen ist die sogenannte „Cockle“-Krankheit. Dabei wird die Haut stark mit Flecken aus verdicktem Gewebe übersät; diese Flecken weisen in ihrer Form eine gewisse Ähnlichkeit mit Muschelschalen auf. Die Erkrankung tritt vor allem im Frühjahr auf, wenn das Fell noch dick ist, und verschwindet fast sofort nach der Schur. Über ihre Ursachen oder Möglichkeiten der Prävention ist jedoch wenig bekannt.
Klima und Rasse haben einen erheblichen Einfluss auf die Qualität von Häuten und Fellen. Im Allgemeinen haben die weniger hochzüchteten Rassen sowie jene, die den extremen Wetterbedingungen am meisten ausgesetzt sind, die dicksten Häute. In den meisten Fällen wurden bei hochzüchteten Tieren die Eigenschaften, die für die Fleischproduktion – oder bei Schafen für die Wolleproduktion – wichtig sind, auf Kosten der Eigenschaften entwickelt, die für Gerber am wertvollsten sind.

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KAPITEL VII.
STRUKTUR UND WACHSTUM DER HAUT.

Obwohl die Häute verschiedener Tiere auf den ersten Blick nur wenig Gemeinsamkeiten zu haben scheinen, zeigt eine genaue Betrachtung, dass alle Säugetiere Häute besitzen, die dieselbe allgemeine Struktur aufweisen. Daher gilt eine anatomische Beschreibung der Haut eines Ochsen fast gleichermaßen für die Haut einer Schaf, Ziege oder Kälber – obwohl aufgrund von Unterschieden in Textur und Dicke die praktischen Anwendungen dieser verschiedenen Materialien stark variieren können. Die Häute von Echsen, Alligatoren, Fischen und Schlangen unterscheiden sich von denen höherer Tiere hauptsächlich dadurch, dass es in der Epidermis erhebliche Veränderungen gibt: Sie wird härter und bildet „Schuppen“, außerdem weist die Anordnung der Fasern erhebliche Unterschiede auf. Bei vielen Fischhäuten liegen beispielsweise die Fasern in aufeinander senkrecht stehenden Schichten, die diagonal zur Haut verlaufen, ohne miteinander verflochten zu sein.

In ihrem natürlichen Zustand ist die Haut nicht nur ein Schutz für das Tier, sondern zugleich ein Sinnesorgan sowie ein Sekretionsorgan – weshalb ihre Struktur etwas kompliziert ist. Sie besteht aus zwei Hauptschichten: der Epidermis (Epithel, Kutikula) und dem Corium (Dermis, eigentliche Haut). Diese sind nicht nur in Struktur und Funktion, sondern auch in ihrer Entstehung völlig unterschiedlich. Im Ei eines Vogels sowie im Ei eines höheren Tieres besteht das lebende Keimzell aus einer einzigen Zelle, die sobald sie befruchtet wird, durch wiederholte Teilung zu vermehren beginnt. Die so entstandene Zellmasse differenziert sich frühzeitig in drei verschiedene Schichten; aus der obersten entsteht das Epithel, während die eigentliche Haut zusammen mit Knochen und Knorpeln aus der mittleren Schicht hervorgeht.

Diese Unterschiede in der Entstehung gehen mit erheblichen Unterschieden in anatomischen und chemischen Eigenschaften einher. Eine schematische Ansicht einer Kalbfell-Schnittfläche ist in Abbildung 9 dargestellt, eine genauere Darstellung ihres tatsächlichen Aussehens findet sich auf Tafel I (Frontispiz). Die Epidermis ist im Vergleich zur von ihr bedeckten eigentlichen Haut sehr dünn und wird vor der Gerbung vollständig entfernt; dennoch hat sie wichtige Funktionen. Sie ist in Abbildung 10 an den Stellen a und b in vergrößerter Ansicht dargestellt. Ihre innere Schleimschicht b, das Rete Malpighii, das auf der eigentlichen Haut c liegt, ist weich und besteht aus lebenden, kernhaltigen Zellen, die sich durch Teilung vermehren und Keratinfasern bilden. In den tieferen Schichten sind diese Fasern länglich, werden jedoch allmählich flacher, je näher sie der Oberfläche kommen, wo sie austrocknen und die hornige Schicht a bilden. Diese letztere wird ständig…

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Es wird abgenutzt, als tote Hautschuppen abgestoßen und ständig von unten durch die Vermehrung der Zellen erneuert. Aus der Epithelschicht entwickeln sich sowohl die Haare als auch die Schweiß- und Fettdrüsen.

Abb. 9 – Vertikaler Querschnitt von Kalbfell, etwa 50-mal vergrößert. a, Epidermis; b, Körnenschicht oder Papillenschicht; c, fibröse Hautschicht; d, Haare; e, Fettdrüsen; f, Schweißdrüsen; g, Öffnungen der Schweißdrüsenkanäle; h, Haarmuskeln.

Jedes Haar ist von einer Hülle umgeben, die mit der Epidermis verbunden ist; in diese wächst in der Regel ein neues Haar, während das alte ausfällt. Das Haar selbst ist mit einer Schicht übereinanderliegender Schuppen bedeckt – ähnlich wie die Schindeln auf einem Dach, jedoch in unregelmäßiger Form. Diese verleihen dem Haar an den Seiten eine gezackte Kontur; bei stark ausgeprägten Haaren, wie sie bei Wolle und einigen Pelzen vorkommen, sorgen sie außerdem für die Fähigkeit zur Filzbildung.

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In diesen Schichten, die als „Haarkutikula“ bezeichnet werden, befindet sich eine faserige Substanz, die den Körper des Haares bildet; manchmal – aber nicht immer – gibt es auch einen zentralen, zellulären Markkern, der unter dem Mikroskop aufgrund des optischen Effekts eingesperrter Luft oft schwarz und undurchsichtig erscheint. Beim Kochen oder langem Einweichen in Wasser, Alkohol oder Terpentin werden die Lufträume mit der Flüssigkeit gesättigt und erscheinen dann durchsichtig.

Abb. 10 – Epidermis-Schicht.

Der faserige Teil des Haares besteht aus langen, spindelförmigen Zellen und enthält das Pigment, das dem Haar seine Farbe verleiht. Das Fell von Hirschen unterscheidet sich von dem der meisten anderen Tiere dadurch, dass es fast vollständig aus polygonalen Zellen besteht, die in weißen Haaren in der Regel mit Luft gefüllt sind. Bei dunklen Haaren sind sowohl das Haar selbst als auch die Haushülle stark pigmentiert – doch insbesondere das Haar ist stark pigmentiert, weshalb die Haarbasis in der Regel eine deutlich dunkle Form hat. Die dunkelhaarigen Bereiche eines Fells, aus denen das Haar durch Kalkung entfernt wurde, bleiben weiterhin durch die pigmentierten Zellen der Haushüllen gefärbt; diese können nur durch „Klopfen und Reiben“ vollständig entfernt werden.

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Abb. 11 – a: Talgdrüse; b: Haar; c: Aufrechterhaltungsmuskel. Mag. 200.

In der Nähe des Öffnungsorts der Haarscheide zur Hautoberfläche münden die Kanälchen der Talgdrüsen in diese Scheide und sekretieren eine Art Öl, um das Haar zu schmieren. Die Drüsen selbst bestehen aus großen, kernhaltigen Zellen, die mehr oder weniger wie eine Traube angeordnet sind; die oberen und zentral gelegenen Zellen enthalten besonders viel Fettstoffe. Ihr Aussehen ist in Abb. 11 dargestellt. Die Basis des Haares ist eine Knospe, die die Haarpapille h umschließt (Abb. 12). Diese ist ein hervorstehender Fortsatz der eigentlichen Haut und versorgt das Haar durch die darin befindlichen Blutgefäße mit Nährstoffen. Die Haarknospe besteht aus runden, weichen Zellen, die sich schnell vermehren und nach oben durch die Haarscheide dringen, wodurch sie härter werden und dadurch die Länge des Haares zunimmt. Die Zellen außerhalb der Knospe, dargestellt als f in Abb. 12, wandern beim Wachstum nach oben und bilden eine Hülle um das Haar – die sogenannte „innere Wurzelscheide“. Im embryonalen Entwicklungsprozess bildet sich auf der Unterseite der Epidermis über einem Knoten aus kapillären Blutgefäßen im Korium eine kleine Zellgruppe, die an Größe zunimmt und tiefer in dieses Gewebe eindringt. In dieser Gruppe entsteht die Wurzelnospe des jungen Haares, die die Kapillaren umgibt, von denen sie Nährstoffe erhält – diese Kapillaren bilden wiederum die Haarpapille (Abb. 13). Bei der Erneuerung der Haare beim erwachsenen Tier verläuft der Prozess sehr ähnlich: Die Knospe des alten Haares welkt ab und das Haar fällt aus. In der Zwischenzeit kommt es zu einer Verdickung der epidermalen Schicht am Boden der Haarscheide; unterhalb davon entsteht das neue Haar, meist auf der Seite des alten Haares, das anschließend in die Haarscheide wächst und den Platz des alten Haares einnimmt. Dies ist einer der Gründe für die Schwierigkeit bei der Entfernung von Haaren.

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Die Haarwurzeln im Zuge des Enthaarends – schließlich sind sie nicht nur kurz, sondern auch tiefer sitzend als die alten Haare.
Der Entwicklungsprozess der Schweißdrüsen ist dem der Haare sehr ähnlich. Sie bestehen aus mehr oder weniger gewundenen Röhren mit Wänden, die aus längs verlaufenden Fasern des Bindegewebes des Koriums gebildet sind. Diese Röhren sind außerdem mit einer Schicht großer, kernhaltiger Zellen ausgekleidet, die den Schweiß sekretieren. Die äußerst engen Kanäle, deren Wände aus kernhaltigen Zellen bestehen wie bei den äußeren Haarscheiden, öffnen sich manchmal direkt durch die Epidermis – häufiger jedoch in das Öffnungstor einer Haarscheide, direkt an der Hautoberfläche. Jedes Haar ist mit einem schräg angeordneten Muskel ausgestattet, dem Arrector pili (siehe Abbildung 11). Dieser Muskel zieht sich bei Kälte oder Angst zusammen und lässt das Haar „steif werden“ bzw. zu Berge stehen. Dadurch wird die darunterliegende Haut nach oben gedrückt – das erzeugt den sogenannten „Gänsehaut-Effekt“. Der Muskel gehört zur Art der ungestreiften, willkürlichen Muskeln; er erstreckt sich von der Nähe der Haarwurzel bis zur Epidermis – direkt unterhalb der Talgdrüsen, die er beim Zusammenziehen komprimiert.
Neben Haaren und Haarscheiden gibt es noch weitere strukturelle Elemente hornartiger Natur, wie Hörner, Hufe, Krallen und Fingernägel. Diese sind sowohl chemisch als auch anatomisch den übertrieben großen Haaren ähnlich – wie beispielsweise den Stacheln des Igels.
Die gesamte Epidermis samt den Haaren ist durch eine äußerst feine Membran vom Korium getrennt – diese Membran wird als hyaliner oder glasartiger Schicht bezeichnet. Sie bildet die sehr dünne, beigefarbene Oberfläche von gegerbtem Leder. Diese Oberfläche weist offensichtlich eine andere Struktur auf als der Rest des Koriums: Wenn sie vor dem Gerben abgeschabt wird, bleibt der darunterliegende Hautbereich fast weiß, anstatt sich zu färben. Die gesamte Haarscheide ist außerdem von einer Schicht aus elastischen sowie bindegeweblichen Fasern umgeben. Diese Fasern sind mit Nerven und Blutgefäßen versorgt und gehören zum Korium.

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Abb. 13 – Entwicklung junger Haare.
Abb. 14 – Bindegewebsfasern (Ranvier).

Die Struktur des Coriums oder der eigentlichen Haut unterscheidet sich erheblich von der der gerade beschriebenen Epidermis. Das Corium besteht hauptsächlich aus miteinander verflochtenen Bündeln weißer Fasern, die als „Bindegewebe“ bezeichnet werden (siehe Abb. 14). Diese Fasern bestehen aus äußerst feinen Fibrillen, die durch eine etwas löslicheren Substanz miteinander verbunden sind als die Fasern selbst.

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Die Fasern sind an sich keine lebenden Zellen, sondern werden offenbar von schmalen, spindelförmigen Zellen erzeugt, die an ihnen liegen. Die geflochtenen Faserranken sind im mittleren Teil der Haut lockerer miteinander verwebt, werden aber in der Nähe des Fleisches wieder kompakter. Bei Schaffellen ist dies besonders ausgeprägt – der mittlere Teil ist voller Fettzellen und sehr locker. Jede unsachgemäße Behandlung des Felles während der Bearbeitung kann diese mittlere Schicht weiter lockern, sodass das Fasergewebe und das Fleisch manchmal auseinandergerissen werden können. Bei Schaffellen muss diese lockere Fettschicht vor dem Polieren entfernt werden; bei amerikanischen „gewachsten“ Ledern aus Ochsenhäuten wird dieser Teil abgetrennt, um das Fleisch zu glätten. Die äußerste Schicht, direkt unter der Epidermis, ist äußerst dicht und kompakt; die darin befindlichen Faserranken sind in ihre elementaren Fibrillen aufgeteilt, die so miteinander verflochten sind, dass sie kaum noch erkennbar sind. Dies ist die Pars papillaris – sie bildet die heller gefärbte Schicht, die zusammen mit ihrer sehr feinen Außenschicht als „Faserstruktur“ des Leders bezeichnet wird. In diesem Bereich befinden sich die Fettdrüsen, während Haarwurzeln und Schweißdrüsen durch ihn in das lockerere Gewebe darunter gelangen. Der Name leitet sich von den kleinen Erhebungen oder Papillen ab, mit denen die Außenseite bedeckt ist – diese bilden die charakteristische Faserstruktur der verschiedenen Lederarten. [20] (Siehe Abb. 9 und Tafel I.) [20] Es sei darauf hingewiesen, dass der Gerber das Wort „Faserstruktur“ mindestens in drei unterschiedlichen Bedeutungen verwendet, was zu erheblicher Verwirrung führt. Die äußerst dünne hyaline Schicht bildet eine natürliche Schutzschicht für das Leder und könnte durchaus so bezeichnet werden; die Form und Anordnung der Papillen sowie der Haarporen könnte als „Muster“ der Faserstruktur bezeichnet werden, wodurch die Verwendung des Begriffs „Faserstruktur“ selbst auf die Pars papillaris beschränkt bleibt.

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Abb. 15 – Fettzellen im Bindegewebe. a, Fettkugel; p, Protoplasma; n, Kern; m, Zellwand. (Ranvier.)

Die Untersuchung der Struktur des Gewebes sowie insbesondere der Anordnung der Haarporen ist sehr wichtig, da sie in der Regel die einfachste Methode darstellt, um den Typ der Haut zu bestimmen, aus der ein Leder hergestellt wurde – was bei fertigen Ledern mit künstlich erzeugtem Muster oft sehr schwierig ist. (Tafel II.) Die Untersuchung wird durch das Benetzen und Dehnen des Leders sowie durch den Einsatz einer guten Lupe oder eines Mikroskops mit niedriger Vergrößerung erleichtert.[21]
[21] Unter dem Mikroskop wird das Leder natürlich von oben durch direktes Licht aus einem Fenster oder durch Licht einer Lampe, das durch einen „Bullseye“-Kondensor gebündelt wird, beleuchtet. Die Umkehrung des Bildes im Mikroskop führt oft zu einem pseudoskopischen Effekt, der für Anfänger sehr verwirrend ist: Erhebungen erscheinen als Vertiefungen und umgekehrt – bis schließlich die richtige Beleuchtungsrichtung berücksichtigt wird.

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TABELLE II.

Fotomikrographien von Körnern verschiedener Häute (A. Seymour-Jones).

1. Rindenhaut; 2. Kalbhaut; 3. Ostindische Ziege; 4. Schweinehaut; 5. Ostindisches Schaf; 6. Walisisches Schaf.

[S. 52.]

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Wie bereits erwähnt, ist die Hautoberfläche, die direkt an das Fleisch angrenzt, fester als die in der Mitte. Da die Fasern nahezu parallel zur Oberfläche verlaufen, hat sie ein mehr oder weniger membranartiges Charakter. Die Haut ist durch ein Netz aus Bindegewebe (Panniculus adiposus) mit dem Körper des Tieres verbunden. Dieses Bindegewebe ist oft voller Fettzellen und wird daher als Fettgewebe bezeichnet. Es bildet die weiße Schicht, die zusammen mit Teilen des eigentlichen Fleisches bei der „Entfleischung“ entfernt wird. Wenn ein winziger Teil des Fettgewebes unter dem Mikroskop untersucht wird, erscheint er als eine Ansammlung von Fettkügelchen, die im Bindegewebe verfangen sind. Wenn das Gewebe jedoch mit Carmin oder Logwood gefärbt wird, kann man sofort erkennen, dass jede Kügelchen in einer Zelle liegt. Das kernhaltige Protoplasma, durch das das Fett sekretiert wurde, drückt sich dabei eng gegen die Zellwand (Abb. 15). Ähnliche Zellen finden sich in großer Anzahl im gesamten Leder – insbesondere in der zentralen Partie. Bei der Herstellung von Leder ist es unmöglich, das Fett zu entfernen oder auszuwaschen, solange die Zellen nicht durch „Verlöschen“ oder auf andere Weise zerstört wurden. Viele Tiere (Ochse, Pferd usw.) besitzen eine dünne Schicht aus Willensmuskel (rotes Fleisch), die sich auf der Innenseite der Haut befindet und dazu dient, Fliegen zu vertreiben. Bei einer groben Entfleischung bleibt dieser Muskel manchmal zurück und kann dazu führen, dass das Leder dunkel wird. Auch im fertigen Leder kann seine gestreifte Struktur unter dem Mikroskop erkannt werden (Abb. 16). Neben den Bindegewebsfasern enthält die Haut auch einen kleinen Anteil an feinen, gelben „elastischen“ Fasern. Wenn eine dünne Schnittfläche des Leders für einige Minuten in einer Mischung aus gleichen Teilen Wasser, Glycerin und konzentrierter Essigsäure eingeweicht und anschließend unter dem Mikroskop untersucht wird, werden die weißen Bindegewebsfasern geschwollen und durchsichtig. Die gelben „elastischen“ Fasern hingegen sind kaum von der Säure betroffen und können somit deutlich gesehen werden. Auch die Haarbalgen sowie Schweiß- und Fetthöhlen werden durch diese Behandlung deutlich sichtbar. Die weißen, gelatineartigen Fasern sind am leichtesten sichtbar, wenn die Schnittfläche in einer starken Lösung von Kochsalz oder Ammonsulfat untersucht wird – oder indem sie mit Anilinfarben wie Safranin gefärbt werden. Schnitte lassen sich am einfachsten durchführen…

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Zu diesen Zwecken wird entweder der Gefriermikrotom verwendet oder das Material vorher in Alkohol gehärtet. Weitere Einzelheiten finden Sie bei L.I.L.B., S. 254.

Üblicherweise wird bei der Herstellung von Leder nur das Corium, also die eigentliche Haut, verwendet. Um dieses in einem geeigneten Zustand für die verschiedenen Gerbungsvorgänge zu erhalten, müssen Haare oder Wolle zusammen mit dem Epithel vollständig entfernt werden, ohne dass die Haut selbst beschädigt wird. Zudem muss besonders darauf geachtet werden, dass das Gewebe direkt neben der Epidermis während der Behandlung keinen Schaden nimmt. Alle angewandten Methoden beruhen auf der Tatsache, dass die Epidermiszellen – insbesondere die weich wachsenden Zellen neben dem Corium sowie die Zellen der Epidermisschicht, die die Haarwurzeln umgeben – aufgrund ihres unterschiedlichen chemischen Charakters leichter zerstört werden können als das Corium selbst. Der „Enthaarungsprozess“ besteht im Wesentlichen darin, diese Zellen durch chemische oder zersetzende Stoffe zu zerstören und die Haare zusammen mit dem Rest der Epidermis mittels mechanischer Methoden zu entfernen. Von den verschiedenen Substanzen, die zu diesem Zweck verwendet werden können, ist Kalk eine der praktischsten Optionen – seine Löslichkeit in Wasser ist so gering, dass es nicht einfach möglich ist, eine Lösung mit ausreichend starker Konzentration herzustellen, um das Leder zu schädigen. Caustische Alkalien hingegen sind viel löslicher; falls nicht sorgfältig nur die richtige Menge verwendet wird, kann eine gefährlich starke Lösung entstehen, die wiederum der Haut Schaden zufügt. Die Zugabe kleiner Mengen an Sulfiden zur Kalklösung beschleunigt die Enthaarung aufgrund ihrer besonderen lösenden Wirkung auf die Epidermisstrukturen – auch bei alkalischen Sulfiden durch das durch ihre Reaktion mit dem Kalk entstehende caustische Alkalium. Selbst wenn sie allein verwendet werden, zerstören starke Lösungen von alkalischen Sulfiden schnell sowohl Haare als auch Epidermis und verwandeln sie in eine Masse, die wie feuchter Brei von der Haut entfernt werden kann. Dennoch haben sie praktisch keine schädliche Wirkung auf die eigentliche Haut.

Im „Schwitzen“-Prozess werden die Epidermiszellen durch zersetzende Organismen und deren Produkte zerstört, sodass die Haare locker werden und anschließend entweder abgerieben oder abgeschabt werden können. Ammoniak, das während des Zerfalls entsteht, hat ebenfalls eine wichtige lösende Wirkung; seine Anwesenheit trägt zweifellos dazu bei, sowohl den Enthaarungs- als auch den Zerstörungsprozess zu beschleunigen.

Um nützliche Erkenntnisse über die Struktur einer bestimmten Haut zu gewinnen, ist es nicht notwendig, ein sehr aufwendiges oder teures Mikroskop zu haben. Es ist durchaus möglich, nützliche Informationen allein durch den Einsatz einer guten Taschenlupe zu erhalten – beispielsweise bei der Untersuchung verschiedener Formen des „Gewebemusters“ oder beim Nachahmen eines Hautmusters durch ein anderes.

Weitere Einzelheiten zur Handhabung und Auswahl des Mikroskops findet der Leser bei L.I.L.B., S. 234 ff.

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KAPITEL VIII.
Die chemischen Bestandteile der Haut.

Die Chemie der verschiedenen Bestandteile der Haut ist noch sehr unvollständig verstanden. Beilstein ordnet in seinem umfangreichen Handbuch der Organischen Chemie Gelatine, Eiweiße und Keratine der „aromatischen“ Reihe zu und geht daher davon aus, dass sie einen „Benzolring“ enthalten. Zumindest ist sicher, dass alle diese Stoffe sehr komplex sind.

Die Strukturen der Epidermis gehören zur Klasse der Keratine, die eng mit geronnenem Eiweiß verwandt sind. Die weißen Fasern des Koriums (oder der eigentlichen Haut) sind entweder identisch mit Gelatine oder unterscheiden sich von dieser nur in ihrem molekularen Aufbau bzw. Grad der Hydratation. Dieses gelatineartige Gewebe bildet den größten Teil des Koriums. Es enthält außerdem Eiweiße als Bestandteile des Lymphs und Blutes, die es mit Nährstoffen versorgen, Keratine in den epithelialen Strukturen der Blut- und Lymphgefäße sowie „gelbe Fasern“, die vielleicht mit den Keratinen verwandt sind, aber nicht leicht für die Analyse isoliert werden können.

Das weiße Bindegewebe des Koriums wird durch Kochen mit Wasser in Gelatine (Glutin) umgewandelt. Aufgrund der Unmöglichkeit, unveränderte Hautfasern frei von anderen Bestandteilen zu erhalten – und noch mehr aufgrund der Schwierigkeit, festzustellen, bis zu welchem Grad das Gewebe getrocknet werden muss, um unverbindliches Wasser zu entfernen – ist es nicht möglich, durch Analyse nachzuweisen, ob seine Zusammensetzung der von Glutin entspricht. Da das weiße Fasergewebe jedoch bei weitem den größten Teil des Koriums ausmacht und die anderen Bestandteile in ihrer prozentualen Zusammensetzung kaum von ihm abweichen, ist eine Analyse sorgfältig gereinigten Koriums im Grunde genommen identisch mit der Analyse der tatsächlichen Fasern. Daher sind die folgenden Analysen von Haut und Gelatine von Interesse.

Die Analysen von Von Schroeder und Paessler[22] sind von besonderer Bedeutung, da sie das Durchschnittsergebnis zahlreicher einzelner Messungen darstellen. Ihre Stickstoffbestimmungen erfolgen nach der Kjeldahlschen Methode. Kleine Mengen an Asche sowie Spuren von Schwefel werden ignoriert und gehen vermutlich in dem unter dem Namen O ermittelten Wert auf.

[22] Ding. Polyt. Journ., 1893, cclxxxvii. S. 258, 283, 300.

Analysen von gereinigtem Korium.

Analytisches Material: C, H, N, O, S

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Stohmann und Langbein .. 49,9 5,8 18,0 26,0 0,3
Müntz – Rindshaut: 51,8 6,7 18,3 23,2 ..
Von Schroeder und Paessler – Rind, Kalb, Pferd, Kamel, Schwein, Nashorn: 50,2 6,4 17,8 25,4 ..
„Ziege und Hirsch“: 50,3 6,4 17,4 25,9 ..
„Schaf und Hund“: 50,2 6,5 17,0 26,3 ..
„Katze“: 51,1 6,5 17,1 25,3 ..

Analysen von Gelatine (ohne Asche).
Analytische Bestandteile: C, H, N, O
Von Schroeder und Paessler: 51,2 6,5 18,1 24,2
Mulder: 50,1 6,6 18,3 25,0
Fremy: 50,0 6,5 17,5 26,0
Schützenberger: 50,0 6,7 18,3 25,0
Chittenden und Solly[23]: 49,4 6,8 18,0 25,1
[23] Enthält außerdem 0,7 Schwefel. Journ. Physiol., xii. S. 23.

Es ist zu beachten, dass die oben genannten Analysen von Hautmaterialien untereinander größere Unterschiede aufweisen als ihr Durchschnitt im Vergleich zu den Analysenergebnissen der Gelatine – obwohl insgesamt der Stickstoffgehalt in letzterer etwas höher ist. Das Molekulargewicht der Gelatine muss sehr hoch sein[24]; daher sind alle auf Grundlage von Analyseergebnissen gewonnenen empirischen Formeln eher hypothetisch. Bleunard[25], Schützenberger und Bourgois[26] sowie Hofmeister sind sich über die Formel C76H124N24O29 einig; diese führt zu folgender Prozentsatzzusammensetzung:
Prozent:
C76 = 912 = 49,7
H124 = 124 = 6,8
N24 = 336 = 18,3
O29 = 464 = 25,2
Gesamt = 1836 = 100,0
[24] Paal (Berichte D. Ch. Ges., xxv. (1892), S. 1202–36 sowie Ch. Soc. Abst., 1892, S. 895–7) berechnet aufgrund physikalischer Methoden (Frostpunkt, Siedepunkt) ein Molekulargewicht von etwa 900.
[25] Annales de Chimie [5] xxvi. S. 18.
[26] Compt. Rend., lxxxii. S. 262–4.

Die Zugabe einer Wassermolekül würde zu Veränderungen in der durch diese Formeln angegebenen Prozentsatzzusammensetzung führen – Veränderungen, die kleiner wären als die wahrscheinlichen experimentellen Fehler. Daher könnte es sich dabei um eine Hydratisierung handeln.
Gelatine enthält sicherlich sowohl Carboxyl- als auch Amidogruppen und kann sich sowohl mit Säuren als auch mit Basen verbinden (siehe S. 84).

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Reimer[27] erhielt durch die Verdauung von gereinigtem Leder mit 1⁄2 Prozent Essigsäure über mehrere Tage sowie anschließende Neutralisierung eine Substanz, die er für reine, unveränderte Fasermasse hielt. Seine Analyse ergab einen Gehalt von C = 48,45 Prozent, H = 6,66 Prozent, N = 18,45 Prozent und O = 26,44 Prozent – was erhebliche Abweichungen von der Analyse unveränderter Haut aufwies. Offensichtlich kann diesem Ergebnis nur geringes Gewicht beigemessen werden, da Reimers Ausfällung vermutlich lediglich ein Zerfallsprodukt ist.
[27] Ding. Polyt., ccv. S. 164.

Hofmeister[28] weist darauf hin, dass Gelatine beim Erhitzen Wasser verliert und ein Anhydrid bildet, das er mit Kollagen oder Lederfasern identisch hält. Wenn Gelatine bei einer Temperatur von 130 °C getrocknet wird, wird sie selbst bei Kochtemperatur nicht mehr in Wasser löslich und kann nur unter Druck erhitzt werden, um gelöst zu werden. Es ist sicher, dass Kollagen (Lederfasern, Ossein) weniger leicht in heißem Wasser löslich ist als gewöhnliche Gelatine.
[28] Bied. Centr., 1880, S. 772.

Soweit unser gegenwärtiges Wissen reicht, können wir Lederfasern als nichts anderes als eine organisierte, möglicherweise entwässerte Gelatine betrachten. Gelatine oder Glutin (nicht zu verwechseln mit dem Gluten von Getreide) ist in reinem, trockenem Zustand eine farblose, durchsichtige, hornartig harte Substanz mit einem Spezifischen Gewicht von 1,3. Sie beginnt bei etwa 140 °C zu schmelzen und geht gleichzeitig in Auflösung. Sie ist unlöslich in Kohlenwasserstoffen, Äther oder starken Alkoholen. In kaltem Wasser schwellt sie zu einer durchsichtigen Gelee-Substanz an, nimmt dabei mehrfaches ihres eigenen Gewichts an Wasser auf, löst sich aber nicht auf. In heißem Wasser ist sie löslich; doch eine Lösung, die sogar 1 Prozent hochwertige Gelatine enthält, erstarrt beim Abkühlen zu einem schwachen Gelee. Gelatinegele schmelzen bei Temperaturen, die je nach Qualität bzw. Abwesenheit von Zerfallsprodukten stark variieren, aber innerhalb recht breiter Grenzen (5–10 Prozent) nur wenig von der Konzentration beeinflusst werden. Eine 10-prozentige Lösung der besten festen Gelatine schmilzt bei etwa 38 °C, während minderwertige Gelatine bereits bei 15 °C nicht mehr fest werden. Ein nützlicher technischer Test für die Gerinnungsfähigkeit von Gelatine besteht darin, ein würfelförmiges Stück des Gelees in einen kleinen Schlauch zu legen, der an ein Thermometer angebracht ist, und dieses in einem Becher mit Wasser zu schütteln; das Wasser wird langsam erhitzt, bis das Gelee schmilzt, wobei die Temperatur notiert wird. Der genaue Zeitpunkt lässt sich vielleicht leichter erkennen, wenn der Schlauch zu einer kegelförmigen Spitze gezogen wird. Das Gelee kann auch in Kapillarröhren mit offenem Boden abgestellt werden, wobei der Moment festgehalten wird, in dem Wasser in die Röhre aufsteigt. Die Schmelztemperatur steigt durch die Zugabe von Formaldehyd, Chromsalzen, Aluminiumoxid sowie Eisensalzen an – diese haben eine gerbende Wirkung – und in geringerem Maße auch durch Sulfate, Tartrate, Acetate sowie einige andere Salze. Sie sinkt hingegen durch Iodide, Bromide, Chloride und Nitrate. [29] Gelatine-Lösungen

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Zu schwach oder zu warm, um zu gelieren – solche Lösungen weisen eine erhebliche Viskosität auf. Gelatine kann daher, falls keine anderen viskosen Stoffe vorhanden sind, mit einem Viskosimeter bestimmt werden – einem Instrument, das die Zeit misst, die ein Flüssigkeit benötigt, um durch einen Kapillarröhrchen zu fließen.[30] Die Festigkeit eines Gelees, die oft für kommerzielle Zwecke wichtig ist, wird häufig nach der Methode von Lipowitz gemessen: Dabei wird eine leicht konvexe Scheibe mit einem Durchmesser von genau 1 cm am Boden eines Trichters befestigt und allmählich mit Quecksilber belastet, bis sie im Gelee versinkt. Das Gelee (5 oder 10 Prozentig) sollte einige Stunden vor dem Test aushärten. [29] Siehe Pascheles, „Versuche über Quellung“, Archiv für ges. Path., Bd. 71. [30] Siehe Prollius, Ding. Polyt. Journ., ccxlix. S. 425; er verwendet eine 1-prozentige Lösung. Ebenso Stützer, Zeit. Ann. Ch., xxxi. S. 501–15. Lösungen von Gelatine aus Haut und Knochen weisen gegenüber polarisiertem Licht eine starke Linksdrehung auf. Bei 30 °C beträgt der Wert (A)D = –130°; doch Temperatur sowie die Reaktion der Lösung haben großen Einfluss auf diesen Wert. Gelatine wird aus wässrigen Lösungen durch Zugabe von starkem Alkohol sowie konzentrierten Lösungen von Ammonsulfat und einigen anderen Salzen ausgefällt. Viele andere kolloidale Stoffe wie Dextrin und Gummis verhalten sich ähnlich. Fehlen diese Stoffe, kann die Ausfällung durch Alkohol zur technischen Analyse von Gelatinen und Klebstoffen sowie von Zusammensetzungen für Druckertrommeln und gelatinösen Süßwaren genutzt werden. 25 ccm der gelatinösen Lösung – am besten etwa 10 Prozentig – werden zusammen mit einem Glasrührstab in einen kleinen Becher gefüllt, und dreimal so viel absoluter Alkohol wird hinzugefügt. Durch Rühren setzt sich die Gelatine fest auf dem Rührstab sowie an den Wänden des Bechers ab; sie kann anschließend mit verdünntem Alkohol oder sogar mit kaltem Wasser gewaschen, getrocknet und gewogen werden. Eine sehr reine französische Gelatine ergab 98,6 Prozent Ausfall, während ein gewöhnlicher Knochenklebstoff nur etwa 60 Prozent Ausfall lieferte. Absoluter Alkohol entzieht dem Gelatinegelee Wasser und hinterlässt eine hornartige Masse. Gelatine kann auch vollständig ausgefällt werden, indem man ihre Lösung mit Natriumchlorid sättigt und anschließend leicht mit Schwefelsäure oder Salzsäure säuert; dabei härten sich die Geleemassen in der gesäuerten Salzlösung genauso wie im Alkohol aus – obwohl eine neutrale Lösung kaum Wirkung zeigt. Der Grund dafür ist schwer zu erklären, doch seine Bedeutung für das Einweichen von Schafshäuten (S. 89) sowie für die Herstellung von Weißleder (S. 186) ist offensichtlich. Zersetzung: Wenn wässrige Gelatinalösungen unter Druck erhitzt werden, oder in Gegenwart von Glycerin sowie anderen Stoffen, die den Siedepunkt erhöhen, oder langsamer bei niedrigeren Temperaturen, verlieren sie allmählich die Fähigkeit, beim Abkühlen zu gelieren. Die Gelatine wandelt sich dabei in Modifikationen um, die in kaltem Wasser löslich sind, aber dennoch durch Tannine ausgefällt werden können. Hofmeister[31] gibt an, dass die Gelatine 3 Wassermoleküle aufnimmt und sich dadurch in…

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Hemicollin ist in Alkohol löslich und wird durch Platinchloridlösung nicht ausgefällt; Semiglutin hingegen ist in Alkohol unlöslich und wird durch Platinchloridlösung ausgefällt. Beides wird durch Quecksilberchlorid ausgefällt. Trockene Gelatine ist bei hohen Temperaturen in Glycerin löslich, unterliegt aber vermutlich einer ähnlichen Veränderung. Daher müssen bei der Herstellung von Gelatine hohe Temperaturen sowie eine lange, anhaltende Erwärmung vermieden werden; bei der Herstellung von Druckertrommelkompositionen, die Mischungen aus Gelatine und Glycerin sind, muss die Gelatine zunächst mit Wasser aufgequollen und anschließend bei niedriger Temperatur zusammen mit dem Glycerin geschmolzen werden.
[31] Bied. Centr., 1880, S. 772, sowie Ch. Soc. Abs., 1881, S. 294.

Gelatine wird auch durch Wärme in Gegenwart von verdünnten Säuren und Laugen in lösliche Formen (Peptone) umgewandelt – diese sind vermutlich identisch mit den oben beschriebenen. Auch diese werden durch Tannine sowie Metaphosphorsäure ausgefällt.[32] Wenn Gelatine mit wässrigen Lösungen von caustischen Laugen, Baryt oder Kalk über längere Zeit oder bei höheren Temperaturen erhitzt wird, zerfällt sie allmählich in immer einfachere Produkte, bis schließlich Stickstoff oder Ammoniak, Wasser und Kohlensäure entstehen. Zu den Zwischenprodukten gehören verschiedene Säuren der Amidooxalsäure-Reihe, wie Amidooxalsäure (Glycocin, Glycoll), Amidopropionsäure (Alanin) und Amidokapronsäure (Leucin), sowie der Amidosuccinsäure-Reihe (Amidosuccinsäure = Aspartinsäure).[33]
[32] Lorenz, Pflüger’s Arch., xlvii, S. 189–195; Journ. Chem. Soc., 1891, A, S. 477.
[33] Vgl. Schützenberger, Comptes Rend., cii, S. 1296–9; Journ. Chem. Soc., 1886, A, S. 818.

Die Behandlung mit Säuren erzeugt sehr ähnliche Effekte. Die ersten Produkte sind lösliche Peptone. Paal[34] erhielt bei der Behandlung von 100 Teilen Gelatine im Wasserbad mit 160 Teilen Wasser sowie 40 Teilen konzentrierter HCl, bis das Produkt in absolutem Alkohol löslich war, nach Reinigung eine weiße, feuchte Masse aus Peptonen, die 10–12 Prozent Salzsäure enthielt.[35]
[34] Berichte, xxv, S. 1202–36; Journ. Chem. Soc., 1892, A, S. 895.
[35] Siehe auch Buchner und Curtius, Ber., xix, S. 850–9; Journ. Chem. Soc., 1886, A, S. 635.

Die Produkte der Verdauung von Gelatine durch Magen- und Bauchspeicheldrüsensaft sind Peptone, die in ihrer endgültigen Zusammensetzung kaum von Gelatine abweichen; die Wirkung erfolgt vermutlich hauptsächlich hydrolytisch.[36]
[36] Chittenden und Solly, Journ. Chem. Soc., 1891, A, S. 849.

Die frühen Produkte der Fäulnis sind sehr ähnlich. Viele Bakterien besitzen die Fähigkeit, Gelatine zu flüssig machen. Brunton und McFadyen[37] zeigten, dass dies nicht auf die direkte Wirkung der Bakterien beruht, sondern auf einer von ihnen sezernierten, löslichen Zymase, die die Gelatine peptonisiert. Ihre Wirkung wird gefördert…

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unter alkalischen Bedingungen entstehen und bei einer Temperatur von 100° C zerstört werden.[38] Mit fortschreitender Fäulnis wird die Lösung aufgrund der Bildung von Buttersäure sehr sauer, später bilden sich Ammoniak sowie Amidosäuren.[37] R. S. Proc., xlvi. S. 542–53. [38] Vgl. S. 17, 171; auch Ch. Zeit., 1895, S. 1487.

Fahrion[39], ausgehend von der Idee, dass Albuminoide und Gelatine Kondensationsprodukte laktonischer Art sind (L.I.L.B. S. 185) und dass sie, ähnlich wie Lactone, durch Saponifizierung depolymerisiert werden können, spaltete diese Stoffe mit alkoholhaltigem Natron auf, bis sie gelöst waren. Nach Neutralisierung der Lösung mit Salzsäure – wobei das Überschussquantum durch wiederholtes Verdunsten entfernt wurde – sowie nach Entfernung des Natriumchlorids durch Behandlung mit Alkohol erhielt er in jedem Fall Stoffe mit saurer Reaktion. Aufgrund ihrer Zusammensetzung nahm er an, dass es sich dabei um Schützenbergers Proteinsäure C8H14N2O4 handelte, die in Wasser und Alkohol löslich, in Äther und Petroleum unlöslich ist, nicht kristallisierbar ist und unlösliche Salze bildet. Fahrion vermutete, dass der stickstoffhaltige Charakter, den Eitner seinem „Dégras-Former“ zuschrieb (S. 370), wahrscheinlich auf Kontamination durch diesen Stoff zurückzuführen sei; außerdem könne seine Bildung bei der Analyse von Leder und anderen Proteinstoffen genutzt werden. Diese Produkte wurden seitdem weiter von Prof. Paal und Dr. Schilling[40] untersucht, die nachwiesen, dass sie Salzsäure enthalten, wodurch ihre saure Reaktion entsteht, und dass sie identisch mit den zuvor von Prof. Paal durch Spaltung von Proteinen mit Salzsäure gewonnenen Peptonen sind. Die freien Peptide sind stark basisch.[39] Ch. Zeit., 1895, S. 1000. [40] Ch. Zeit., 1895, S. 1487.

Durch Trockendestillation von Gelatine entsteht eine Mischung aus Pyrrol- und Pyridinbasen. Dieses Produkt wird kommerziell durch die Destillation von Knochen gewonnen und als „Knochenöl“ oder „Dippels Tieröl“ bezeichnet. Pyrrol, C4H5N, weist eine ähnliche Wirkung wie Phloroglucin auf: Es verleiht Kiefernholz, das mit Salzsäure befeuchtet wurde, eine purpurrote Farbe (S. 299).

Reaktionen der Gelatine – Gelatine wird durch Quecksilberchlorid ausgefällt, wodurch sie den Peptonen ähnelt; durch Kaliumferrocyanid hingegen nicht, wodurch sie sich von Albuminoiden unterscheidet. Zudem unterscheidet sie sich von Albumin dadurch, dass sie durch Wärme nicht gerinnt. Eine Gelatine-Lösung löst erhebliche Mengen an Calciumphosphat – daher ist dieses stets in Knochenklebern enthalten. Gelatine sowie einige ihrer Zerfallsprodukte werden durch Metaphosphorsäure ausgefällt.[41] Das Ausfällungsprodukt enthält etwa 7 Prozent P2O5, verliert dieses jedoch allmählich beim Waschen. Verschiedene Salze verringern die Löslichkeit der Gelatine in heißem Wasser.

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Insbesondere die des Alum-Typs. Chromalum und basische Chromsalze sind besonders wirksam und machen das Material praktisch unlöslich. Die Zugabe von etwa 3 Prozent Ammonium- oder Kaliumdichromat führt dazu, dass Klebstoffe oder Gelatine durch das Licht in Verbindung mit der Bildung basischer Chromsalze unlöslich werden; dies wird in der Fotografie sowie als wasserdichtes Zement verwendet. Andere Kolloide neben Gelatine werden auf ähnliche Weise beeinflusst.
[41] Lorenz, Pflüger’s Archiv, xlvii. S. 189–195.

Gelatine wird durch alle Tannine ausgefällt – selbst aus sehr verdünnten Lösungen; eine Lösung, die nur 0,2 Gramm pro Liter enthält, wird durch Gallotanninsäure oder einen Aufguss aus Gallnüssen deutlich trüb. Einige andere Tannine hingegen verursachen eine weniger empfindliche Reaktion. Das Ausfällungsprodukt ist in erheblichem Maße in Überschuss an Gelatine löslich; daher muss bei der Verwendung von Gelatine als Test für Spuren von Tanninen darauf geachtet werden, nur eine sehr kleine Menge hinzuzufügen. Die Zugabe einer kleinen Menge Alum macht die Reaktion empfindlicher. Ob es sich beim Ausfällungsprodukt um ein bestimmtes chemisches Verbindung handelt, ist umstritten, da seine Zusammensetzung je nachdem variiert, ob Gelatine oder Tannin im Überschuss vorhanden ist. Böttinger[42] gibt an, dass das durch die Zugabe von überschüssiger Gelatine zu Gallotanninsäure entstehende Ausfällungsprodukt 10,7 Prozent Stickstoff enthält, was auf einen Anteil von 66 Prozent Gelatine hindeutet – unter der Annahme, dass Gelatine 16,5 Prozent Stickstoff enthält (siehe S. 57). Bei Verdauung mit Wasser bei 130 °C zerfällt das Ausfällungsprodukt und ergibt eine Lösung, die Tannine ausfällt; dies deutet vermutlich auf die Bildung einer säurehaltigeren Verbindung hin. Gelatine in Überschuss mit Eichenrinden-Tanninen ergibt ein Ausfällungsprodukt, das 9,5 Prozent Stickstoff enthält – was einem Anteil von 57,5 Prozent Gelatine entspricht. Bei Behandlung mit Wasser bei 150 °C entstanden drei Produkte: eines löslich in kaltem Wasser, ein weiteres nur in heißem Wasser und eines unlösliche. Bei Zugabe einer Formaldehydlösung zu Gelatine tritt im Kühlen keine sichtbare Reaktion auf – es sei denn, die Gelatinalösung ist sehr konzentriert und alkalisch. Beim Erhitzen wird die Gelatine jedoch aufgrund der Bildung einer Verbindung mit Formaldehyd unlöslich. Angesichts der sehr geringen Menge an Formaldehyd, die zur Bildung von Formogelatine benötigt wird, ist es sehr fraglich, ob es sich dabei um eine bestimmte Verbindung handelt.
[42] Liebig’s Ann. der Ch., ccxliv. S. 227–32.

Weiske[43] gibt an, dass Knochengelatine, sorgfältig von allen Mineralstoffen befreit, erst durch das Hinzufügen einer Spur eines Salzes (z. B. Natriumchlorid) durch Tannine ausgefällt wird. Soweit bekannt ist, ist Knochengelatine identisch mit der aus Haut gewonnenen Gelatine.
[43] Bied. Centr., 1883, S. 673.

Chondrin ist der gelatinöse Stoff, der durch die Verdauung von Knorpel mit Wasser bei 120 °C über drei Stunden entsteht. In den meisten seiner physikalischen Eigenschaften ist er identisch.

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mit Gelatine – unterscheidet sich von dieser jedoch dadurch, dass sie aus ihrer Lösung in Wasser durch Essigsäure, Acetat von Blei, Alum sowie die Mineralsäuren ausgefällt wird, sofern diese nicht in Überschuss vorhanden sind. Chondrin unterscheidet sich außerdem von Gelatine dadurch, dass es bei Kochen mit verdünnten Mineralsäuren eine Substanz hervorbringt, die Kupferoxid leicht reduzieren kann. Es ist äußerst wahrscheinlich, dass Chondrin lediglich eine unreine Gelatine ist.[44]
[44] Vgl. Petri, Berichte, xii. S. 267; Mörner, Skand. Archiv f. Physiol., i. S. 210–243; sowie Journ. Chem. Soc., 1889, A. S. 736 und Zeit. Physiol. Chem., 1895, xx. S. 357–364; sowie Journ. Chem. Soc., 1895, A. i. S. 254. Siehe auch Richter, Org. Chem., i. S. 559.
Coriin – Rollet[45] hat gezeigt, dass, wenn Haut und andere Formen von Bindegewebe in Kalk- oder Barytwasser eingeweicht werden, die Fasern in feinere Fibrillen zerfallen, und im Laufe der Zeit wieder in noch feinere, bis die endgültigen Fibrillen so fein sind, dass sie nur unter einem starken Mikroskop erkennbar sind. Gleichzeitig löst die alkalische Lösung die Substanz auf, die die Fasern miteinander verband; diese kann durch Neutralisierung der Lösung mit Essigsäure gewonnen werden, wobei die Substanz als flockiger Niederschlag ausfällt. Rollet hielt dies für eine Albuminoidsubstanz; doch Reimer[46] hat gezeigt, dass sie viel enger mit den gelatinösen Fasern verwandt ist und tatsächlich vermutlich durch die Wirkung der alkalischen Lösung aus diesen entsteht. Reimer verwendete für seine Experimente kalkhaltige Kalbfellhaut und unterzog sie einer langwierigen Reinigung mit destilliertem Wasser, sodass alle löslichen Bestandteile zuvor gründlich entfernt worden sein müssen. Anschließend ließ er sie in verschlossenen Behältern 7–8 Tage lang mit Kalkwasser „verdauen“ und ließ die klare Lösung mit verdünnter Essigsäure ausfallen. Er stellte fest, dass derselbe Teil der Haut immer wieder verwendet werden konnte, ohne erschöpft zu werden – was die Annahme stark unterstützt, dass es sich um ein Produkt der teilweisen Zersetzung der Hautfasern handelt und es tatsächlich keine eigentliche „Verbindungssubstanz“ gibt, sondern lediglich ein Unterschied in der Hydratation oder physikalischen Beschaffenheit der Fasermasse, der dazu führt, dass sie in bestimmten Richtungen leichter zerfallen. Die gelöste Substanz, die er „Coriin“ nannte, wurde durch wiederholtes Auflösen in Kalkwasser sowie erneutes Ausfallen mit Essigsäure gereinigt. Sie war gut löslich in alkalischen Lösungen, aber nicht in verdünnten Säuren – obwohl sie in einigen Fällen so aufgequollen und fein zerteilt war, dass sie fast wie gelöst erschien. Sie war jedoch sehr löslich in einer Salzlösung mit etwa 10 Prozent Gehalt; aus dieser konnte sie sowohl durch Zugabe von viel Wasser als auch durch Sättigung der Lösung mit Salz ausgefällt werden. Reimer stellte fest, dass eine 10-prozentige Salzlösung genauso wirksam wie Kalkwasser zur Extraktion von Coriin aus der Haut war, dass es bei Zugabe von Säure teilweise ausfiel und bei Sättigung der gesäuerten Lösung mit Salz vollständig ausfiel. Andere Salze der Alkalien und Alkalimetalle wirkten ebenfalls.

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Auf ähnliche Weise wurde auch Reimer bei seinen Experimenten mit Barytwasser zunächst getäuscht – denn da dieses konzentrierter ist als Kalkwasser, blieb das Corinin in dem durch Neutralisierung mit Säure entstandenen Bariumsalz gelöst, und es war notwendig, das Lösungsmittel zu verdünnen, bevor ein Niederschlag entstehen konnte. Die leicht saure Corininlösung ergab weder im Kalten noch beim Kochen mit Kaliumferrocyanid einen Niederschlag, wodurch sie sich von Albuminoiden unterschied. Die neutrale oder alkalische Lösung zeigte keinen Niederschlag bei Verwendung von Eisen- oder Quecksilberchlorid, Kupfersulfat oder neutralen Bleiacetat; doch mit basischem Bleiacetat, basischem Eisensulfat oder in Gegenwart eines Überschusses an Tanninen entstand ein Niederschlag. Reimers Analyse ergab: Kohlenstoff 45,91; Wasserstoff 6,57; Stickstoff 17,82; Sauerstoff 29,60; er gab außerdem eine Formel an, die dessen Beziehung zur ursprünglichen Faser zeigt – doch diese wird durch keine ausreichenden Beweise gestützt. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist Corinin lediglich ein unreines Abbauprodukt von Hautfasern oder Gelatine.
[45] Sitz. Wiener Akad., xxxix. S. 305.
[46] Ding. Polyt. Journ., ccv. S. 153.

Hautalbumin – Das frische Leder enthält einen Anteil an echtem Albumin, nämlich das aus Blutserum und Lymphe. Dieses befindet sich nicht nur in den zahlreichen Blutgefäßen, sondern durchdringt auch das faserige Bindegewebe, welches dadurch mit Nährstoffen versorgt wird. Dieses Albumin wird größtenteils durch das Behandeln des Leders mit Kalk entfernt – dies ist eine Vorbereitungsmaßnahme für das Gerben. Vermutlich wäre das Albumin für Ledersohlen sogar vorteilhaft, wenn es im Leder verbleiben würde, da es sich mit Tanninen verbindet und dazu beiträgt, dem Leder Festigkeit und Gewicht zu verleihen. Aus Gründen, die später erläutert werden, ist es jedoch absolut notwendig, jeglichen Kalk zu entfernen, der sich mit dem Albumin verbinden könnte. Auch das Blut muss vor dem Gerben gründlich vom Leder entfernt werden, da seine Farbstoffe Eisen enthalten, welches in Kombination mit Tanninen eine schlechte Farbe hervorruft.
Albumine bilden eine Klasse eng miteinander verbundener Stoffe, wobei das Eiweiß des Eies als Muster dienen kann. Sie stehen außerdem in Beziehung zum Kasein in der Milch sowie zu Fibrin – und in geringerem Maße auch zu Gelatine. Umfangreiche Informationen zu dieser Klasse finden sich in Watts „Dict. of Chem.“, 2. Auflage, Artikel „Proteids“, sowie in Beilsteins Artikel „Albuminaten“ und in Allens „Commercial Organic Analysis“, Band IV. Die charakteristischste Eigenschaft von Albuminen ist ihre Gerinnung durch Wärme. Die Temperatur, bei der dies stattfindet, unterscheidet sich bei den verschiedenen Vertretern dieser Gruppe etwas: Eiweiß und Serumalbumin gerinnen bei 72–73 °C. Trockene Albumine werden, wenn sie einige Zeit lang bei 110 °C erhitzt werden, unlöslich. Spuren von Säure neigen dazu, die Temperatur leicht zu senken, während Spuren von Alkali sie erhöhen.

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Gerinnung: Natriumchlorid sowie einige andere neutrale Salze fördern die Gerinnung. Albuminlösungen werden bei einer Temperatur, die etwas unter der liegt, bei der Flocken entstehen, opaleszent. Auch Alkohol sowie starke Mineralöle führen zur Gerinnung von Albumin. Gerinnetes Albumin ist nur in starken Säuren und Laugen – mit Hilfe von Wärme – löslich und ähnelt stark Keratin (S. 56, 68). Albuminlösungen sind gegenüber polarisiertem Licht linksdrehend. „Säure-“ und „Laugen-Albumine“ entstehen durch den Einfluss von verdünnten Säuren (wie Essigsäure, Salzsäure) sowie Laugen auf Albuminlösungen bei Kälte. Sie lassen sich nicht durch Wärme gerinnen, sondern setzen sich durch sorgfältige Neutralisierung ab; sie sind jedoch in Überschuss an Säure oder Lauge sowie in alkalischen Carbonaten löslich. Durch Sättigung mit Natriumchlorid oder Magnesiumsulfat werden sie aus der Lösung ausgefällt. Es ist fraglich, ob Albumine sich mit Säuren oder Basen verbinden; es ist wahrscheinlich, dass die „säure-“ oder „laugen-Albumine“ identisch mit den Parapeptonen sind, die in der ersten Phase der verdauungsfördernden Prozesse entstehen. Bei Zersetzung oder bei stärkerer Behandlung mit Säuren und Laugen zerfallen Albumine auf eine Weise, die der von Gelatine ähnelt, und ergeben fast identische Produkte (siehe S. 57); dabei spielen Amido-Säuren der Essigsäurereihe sowie Tyrosin (Para-Oxy-α-Amido-Phenyl-Propionsäure) und Aspartinsäure (Amido-Succinsäure) die wichtigste Rolle. Die Behandlung mit alkoholischem Natron (siehe S. 62) ergibt Peptone, die denen von Gelatine ähneln.[47] [47] Paal, Ch. Zeit., 1895, S. 1487. Wenn alle Proteine, einschließlich Albuminen, Gelatine und Keratine, mehrere Tage lang mit verdünnter Salpetersäure (1 : 2) erhitzt werden, entstehen gelbe „Xantho-Proteinsäure“-Flocken – eine Substanz mit eher unbestimmter Zusammensetzung, die in Ammoniak sowie in festen, kaustischen Laugen löslich ist und dabei eine orangerote oder braunrote Farbe erzeugt. Millons Reagenz gibt bei Erhitzung mit Albuminen, Keratinen oder Gelatine eine intensive Rötung. Das Reagenz wird hergestellt, indem 2,5 g Quecksilber in 20 ccm konzentrierter Salpetersäure gelöst werden, anschließend 50 ccm Wasser hinzugefügt wird, das Gemisch abgesetzt und anschließend die klare Flüssigkeit abgegossen wird. Albumine, die zuvor durch Kochen mit Alkohol und Waschen mit Äther gereinigt wurden, ergeben bei Auflösung in konzentrierter Salzsäure (Spezifikgröße 1,196) unter Verwendung von Wärme eine violett-bläuliche Färbung; die Reaktion ist jedoch oft etwas unbestimmt. Gelatine, Chondrin und Keratine zeigen diese Reaktion nicht. Bei Behandlung mit einem Spuranteil von Kupfersulfat sowie Überschuss an kaustischer Kalilauge ergeben Albumine eine violette Lösung, während Gelatine und Peptone eine rosafarbene Lösung ergeben (Biuret-Reaktion).

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In glazialem Essigsäurelösung aufgelöst und mit konzentrierter Schwefelsäure behandelt, ergeben Albumine sowie Peptone eine violette, schwach fluoreszierende Lösung. Eine etwas ähnliche Reaktion tritt ein, wenn man anstelle der Essigsäure eine Zuckeralösung verwendet. Eine mit Essigsäure stark säuerliche Albuminlösung wird durch Kaliumferrocyanid, Natriumsulfat, Bleiacetat, Quecksilberchlorid, Tannine sowie Picrin- und Wolframsäure ausgefällt. Eiweiß ist in den Eiweißschalen in Membranen enthalten, die durch Aufschlagen mit Wasser zerstört werden können und anschließend durch Filtration entfernt werden können. Im Frischzustand weist es eine leicht alkalische Reaktion auf und ist linksdrehend. Nach Lehmann enthält das Eiweiß 87 Prozent Wasser sowie 13 Prozent feste Stoffe; diese bestehen fast ausschließlich aus Eiweiß. Dieses gerinnt bei Erhitzung auf 60 °C und wird in Wasser unlöslich. Vitellin – das Albumin oder Globulin des Eigelbs – ist in Wasser unlöslich und entsteht als weißes, granuläres Rückstandsmaterial beim Extrahieren von ungetrocknetem Eigelb mit großen Mengen an Äther. Es ähnelt stark Myosin, dem Hauptglobulin im Muskel, unterscheidet sich jedoch von anderen Globulinen dadurch, dass es in einer gesättigten Salzlösung löslich ist. Eine neutrale Vitellinlösung in sehr verdünntem Salzwasser gerinnt bei 70–75 °C. [48] Globulin ist ein Albumin, das in verdünnten Salzlösungen löslich, aber in Wasser unlöslich ist. Eigelbe, die durch Zugabe von Salz, Borax oder Formalin konserviert wurden, werden beim „Tawing“-Verfahren zur Behandlung von Häuten verwendet (siehe S. 191). Zur Analyse solcher Eigelbe siehe L.I.L.B., S. 159. Der wichtigste Bestandteil für die Lederbearbeiter ist das Eigelböl, das etwa 30 Prozent der Eigelbe ausmacht. Kasein, das Hauptprotein der Milch, kann hier im Zusammenhang mit den Albuminen erwähnt werden, zu denen es enge Beziehungen hat. Obwohl es keinerlei Verbindung zur Tierhaut hat, wird es teilweise als „Würze“ oder Überzug für Leder verwendet, wofür es besonders geeignet ist. Heutzutage handelt es sich dabei größtenteils um einen Abfallprodukt der Butterherstellung. Im Gegensatz zu Albuminen gerinnt Kasein durch Kochen nur sehr unvollständig – falls überhaupt –, löst sich aber bei Zugabe von Säuren (Salzsäure, Essigsäure, Buttersäure) sowie unter dem Einfluss von Lab sofort in Klumpen auf. Der Quark ist leicht löslich in kleinen Mengen an verdünnten Alkalien, Kalkwasser sowie Salzen mit alkalischer Wirkung wie Natriumcarbonat und Borax. Wenn nur die notwendige Menge an Alkali zur Auflösung verwendet wird, weist das Verbindung eine saure Reaktion gegenüber Phenolphthalein auf und gerinnt wie die ursprüngliche Milch durch Lab und verdünnte Säuren. Kasein kann auch durch Auflösen mit verdünnten mineralischen oder organischen Säuren aufgelöst werden.

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Haare, Epidermis und Drüsen – All diese entstehen aus der Epithelschicht und weisen daher, wie man vermuten kann, viele Gemeinsamkeiten in ihrer chemischen Zusammensetzung auf. Chemiker ordnen sie alle unter einem Namen ein: „Keratin“ oder hornartiges Gewebe. Eine genaue Analyse zeigt, dass sie in ihrer grundlegenden Zusammensetzung den Albuminen sehr ähneln. Offensichtlich handelt es sich bei den hornartigen Geweben jedoch um eine ganze Gruppe von Stoffen und nicht um ein einzelnes Verbindungsmittel.

Durch langanhaltendes Einweichen in Wasser werden die Keratine allmählich gelöst. Bei weiterem Kochen in einem Papin’schen Verdampfer bei 160 °C entsteht Schwefelwasserstoff, während gleichzeitig eine trübe Lösung entsteht, die beim Abkühlen nicht gerinnt. Keratine lassen sich durch caustische Alkalien lösen; die Epidermis sowie die weicheren hornartigen Gewebe werden leicht angegriffen, während Haare und Hörner starke Lösungen sowie Wärme benötigen, um vollständig aufgelöst zu werden. Caustische Alkalimetalle wirken auf dieselbe Weise wie verdünnte alkalische Lösungen; daher greift Kalzium leicht die Epidermis an und lockert die Haare auf, zerstört diese aber nicht sofort. Alkalische Sulfide scheinen hingegen die härteren Gewebe mindestens genauso leicht anzugehen wie die weicheren – die Haare werden oft vollständig zersetzt, während die Epidermis noch fast unversehrt bleibt. Deshalb eignen sie sich zur Enthaarung durch Zerstörung der Haare. Keratine zeigen mit Salpetersäure die Xanthoproteinktion sowie bei Verwendung von Millons Reagenz eine rote Färbung. Zudem ähneln sie den Albuminen darin, dass sie durch Kaliumferrocyanid aus ihrer Lösung in Schwefelsäure ausgefällt werden. Durch Verschmelzung mit Kalipotasch oder langanhaltendes Kochen in verdünnter Schwefelsäure wird das Keratin zerlegt und liefert Leucin, Tyrosin, Ammoniak usw. Der durch Zugabe von Säuren zu einer alkalischen Lösung von Keratin (Haaren, Hörnern usw.) entstehende Niederschlag, gemischt mit Öl und Bariumsulfat, wurde von Dr. Putz als Füllmaterial für Leder verwendet. Zu diesem Zweck wirkt er genauso wie Eigelb und Mehl, die bei der Herstellung von Kalbleder verwendet werden. Eitner versuchte, ihn für denselben Zweck bei mit Rinde gegerbtem Leder einzusetzen, hatte dabei aber wenig Erfolg. Putz schlug außerdem vor, das Material nachdem man seine Lösung zunächst in die Poren des Leders eingearbeitet hat, auszufällen.

Elastische Fasern – Die elastischen oder gelben Fasern des Leders sind von sehr stabiler Natur. Sie werden selbst durch langanhaltendes Kochen nicht vollständig aufgelöst, und Essigsäure sowie heiße Lösungen von caustischen Alkalien greifen sie kaum an. Es scheint, als würden sie sich nicht mit Tanninen verbinden, und im Gerbprozess verändern sie sich nur sehr wenig. Sie machen in Leder und Haut weniger als ein Prozent aus.

Analytische Methoden – Die Reaktionen, die die wichtigsten Bestandteile der Haut unterscheiden, sind in der folgenden Tabelle zusammengefasst:

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Reagenzien: Gelatine, Albumine, Keratine.
Kaltes Wasser: Nur löslich – unlöslich.
Im Wasser erhitzt: Löslich; bei 72°C gerinnt es – nur bei Temperaturen bis zu 75°C noch löslich; bei Temperaturen über 100°C nicht mehr löslich.
Essigsäure und Kaliumferrocyanid: Keine Ausfällung – Ausfällung – Ausfällung in der wässrigen Lösung.
Millons-Reagenz: Keine Reaktion – Rote Färbung – Rote Färbung.
Heiße konzentrierte Salzsäure: Keine Färbung – Violett-blau – Keine Färbung.

Es gibt keine einfache Methode zur quantitativen Trennung der verschiedenen Bestandteile der Haut. Deshalb wird üblicherweise einfach die Menge an Stickstoff bestimmt, die ein bestimmter Teil des Materials enthalten kann. Da die gelatinösen Fasern, die den größten Anteil der eigentlichen Haut ausmachen, 17,8 Prozent Stickstoff enthalten, wird die Schätzung der Menge an Haut auf dieser Zahl beruhen (siehe S. 57).
Die praktischste Methode zur Bestimmung des Stickstoffs ist die von Kjeldahl entwickelte Methode, die wie folgt durchgeführt wird: Ein bekanntes Gewicht des Stoffes, der etwa 0,1 Gramm Stickstoff enthält (0,5 Gramm Haut oder eine entsprechende Menge Flüssigkeit), wird zusammen mit 15 ccm konzentrierter Schwefelsäure in einen Jena-Glasflaschen gegeben. Die Inhalte der Flasche werden anschließend über einer kleinen Bunsenflamme 15 Minuten oder länger gekocht, bis das gesamte Wasser verdampft ist und das Material vollständig zersetzt ist. Danach wird die Mischung abgekühlt, bis die Temperatur unter 100° fällt. Anschließend werden 10 Gramm trockenes Kaliumpersulfat hinzugefügt, und das Kochen wird fortgesetzt, bis die Flüssigkeit farblos wird. Das Kochen sollte an einem gut belüfteten Ort oder im Freien durchgeführt werden. Bevor der Stoff anfangen kann, zu verkohlen, ist es ratsam, einen kleinen Trichter in den Hals der Flasche zu setzen, um so weit wie möglich ein Austreten der Schwefelsäure zu verhindern.

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Abb. 18 – Kjeldahl-Gerät.

Die farblose Flüssigkeit wird vollständig abgekühlt, anschließend wird der Flaschenhals mit einem Trichter sowie einem Rohr ausgestattet, wie in Abb. 18 dargestellt. Dieses Rohr muss einen Durchmesser von mindestens 4 mm haben; außerdem muss das Ende im Flaschenhals diagonal zugeschnitten sein, damit die Flüssigkeitströpfchen wieder in die Flasche zurückfallen können. Das Rohr steigt in einem Winkel von 12 bis 15 Zoll in die Höhe, biegt sich anschließend wie in der Abbildung gezeigt und wird über ein Gummirohr[49] mit einer 100-cm³-Pipette oder einem ähnlich geformten Rohr verbunden. Das andere Ende dieses Rohres befindet sich knapp unter der Oberfläche einer Menge von genau 50 ccm „normalem“ Salzsäurelösung, die sich in einer zweiten Flasche befindet. In die Flasche mit dem zu analysierenden Probenmaterial werden etwa 50 ccm destilliertes Wasser eingefüllt. Danach werden vorsichtig und langsam 100 ccm einer Lösung aus 50 Gramm Natronlauge in 100 ccm Wasser mithilfe des mit der Flasche verbundenen Trichters in diese Flasche gegossen. Der Inhalt der Flasche wird nun etwa eine halbe Stunde lang gekocht[50]; dabei wird die normale Säure in der Empfangsflasche durch Einlegen in kaltes Wasser gekühlt. Die Flüssigkeit in dieser zweiten Flasche wird anschließend titriert.

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Normales Natriumcarbonat, wobei Methylorange als Indikator verwendet wird. Der Unterschied in c.c. zwischen 50 c.c., dem verwendeten Sävolumen, und der Menge an normalem Natriumcarbonat, die zur Neutralisierung erforderlich ist – multipliziert mit 0,014 – gibt die Menge an Stickstoff in Gramm an, die sich im verwendeten Stoff befindet; multipliziert mit 0,0786 ergibt sich hingegen das Gewicht der Lederfasern in derselben Stoffmenge. Einige Chemiker fügen vor dem Erhitzen des Stoffs mit konzentrierter Schwefelsäure Kupfersulfat oder einen Tropfen Quecksilber hinzu, doch der Einsatz solcher Substanzen führt zu Komplikationen im Verfahren und liefert bei gelatineartigen Stoffen keine genaueren Ergebnisse. Es ist absolut notwendig, dass die verwendeten Säuren und Alkalis frei von Ammoniak sind; außerdem sollte ein Kontrollversuch mit reinem Zucker durchgeführt werden, der kein Stickstoff enthält, und gegebenenfalls eine Korrektur für das enthaltene Ammoniak vorgenommen werden.[51]
[49] Die Enden der Glasröhren sollten eng zusammenpassen, damit das Gummi möglichst wenig der Wirkung von ammoniakhaltigen Dämpfen ausgesetzt wird.
[50] „Bumping“ ist in dieser Phase oft sehr problematisch und kann dadurch verhindert werden, dass ein Dampfstrom aus einem anderen Fläschchen oder ammoniakfreie Luft durch eine Röhre mit kapillärer Öffnung in die kochende Flüssigkeit geleitet wird; Fragmente aus reinem Zink, Platin oder gebrochene Tabakpfeifen sind dabei weitaus weniger wirksam. Als zusätzliche Maßnahme gegen das Entweichen von Ammoniak kann eine kleine Absorptionsröhre mit Glassplittern an das Absorptionsfläschchen befestigt werden. Die normale Säure wird durch diese Röhre in das Fläschchen geleitet, um die Glassplitter zu benetzen, und wird schließlich vor der Titration des Inhalts in das Absorptionsfläschchen abgespült.
[51] Vgl. Procter und Turnbull, Jour. Soc. Chem. Ind., 1900, S. 130; auch Nihoul, Composition des Cuirs Belges, S. 14 (Bourse aux Cuirs de Liège, September 1901), der den Einsatz von Kaliumpermanganat bei der Oxidation empfiehlt; sowie Law (Jour. Soc. Ch. Ind., 1902, S. 847). Anstelle von 10 g Kaliumpersulfat wie beschrieben können auch 10 g gewöhnliches Kaliumsulfat verwendet werden, wobei Kaliumpersulfat in kleinen Mengen gegen Ende des Verfahrens hinzugefügt wird, bis eine vollkommen farblose Lösung entsteht.

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KAPITEL IX.
Die physikalische Chemie der Lederfasern.

Die Art der Veränderungen, die bei der Umwandlung von rohem Leder in Leder stattfinden, sowie die Ursachen für Schwellungen und andere Phänomene in den verschiedenen Phasen der Bearbeitung und Gerbung gehören zu den schwierigsten Problemen, mit denen wir konfrontiert sind. Eine verständliche Erklärung ist nur möglich, wenn man Fakten berücksichtigt, die zu den neuesten Entdeckungen der physikalischen Chemie gehören – wobei unser Wissen über diese Fakten noch keineswegs vollständig ist. Aus unserer Untersuchung der Struktur des Leders wissen wir, dass es im natürlichen Zustand aus gallertartigen Fasern besteht, die weich, mit Wasser gesättigt und leicht verrottbar sind. Wenn diese Fasern getrocknet werden, ziehen sie sich zusammen und haften aneinander, wodurch eine harte, fast homogene Masse entsteht, die in gewissem Maße einer Schicht aus Kleber oder Gelatine ähnelt. Nach dem Gerbprozess ändern sich die Eigenschaften der Fasern, nicht jedoch ihre Form; sie saugen nicht mehr so leicht Wasser auf, und beim Trocknen haften sie nicht mehr aneinander, sondern bleiben getrennt und können sich frei bewegen. Das Leder ist daher porös, flexibel und undurchsichtig – aufgrund der Streuung des Lichts an den Oberflächen der Fasern – obwohl die einzelnen Fasern durchscheinend sind. Gleichzeitig haben sich chemische Veränderungen ereignet, die die Fasern unfähig machen, auf normale Weise zu verrotten. Unsere erste Aufgabe bei der Umwandlung von Haut in Leder besteht daher darin, die Fasern zu trocknen, ohne dass sie aneinander haften. Dies wird auf die primitivste Weise erreicht, indem während des langsamen Trocknens fettige Substanzen mechanisch in die Haut eingearbeitet werden, um die durch Kneten und Dehnen gelockerten Fasern zu überziehen und zu isolieren. Gleichzeitig bildet das Fett eine wasserdichte Schicht, die verhindert, dass die Fasern wieder Wasser aufnehmen, das für die Verrottung notwendig wäre. Ähnliche Ergebnisse können auch durch chemische Veränderungen in den Fasern selbst erzielt werden, wodurch diese in Wasser unlöslich werden und somit nicht mehr haften. Man kann sogar eine Art Leder herstellen, indem man einfach das Wasser zwischen den Fasern durch starken Alkohol ersetzt – in dem die Fasern unlöslich sind und der das Wasser aus ihnen aufnimmt und entfernt, wodurch die Fasern schrumpfen und härten, während ihre Haftung verhindert wird. Der Verdienst, diese grundlegenden Prinzipien der Lederherstellung erstmals klar erkannt und formuliert zu haben, gebührt dem heute bereits verehrten Professor Knapp, der 1858 einen kurzen Artikel („Natur und Wesen der Gerberei und des Leders“) veröffentlichte.

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Modell einer klaren Erklärung und praktischen Experimente. Knapp befasst sich jedoch hauptsächlich mit den Veränderungen des Zustands der Faser, die notwendig sind, um sie in Leder zu verwandeln – und nicht mit ihren physikalischen Ursachen. Bevor wir die Mittel erklären können, durch die diese Veränderungen herbeigeführt werden, müssen wir mit bestimmten Fakten und Theorien über Lösungen vertraut sein, die seit seinem Schreiben viel klarer geworden sind.

Die Teilchen (Moleküle) aller Stoffe werden durch Anziehungskräfte zusammengehalten, die dem Gravitationsfeld ähneln – jenem Feld, das das Sonnensystem zusammenhält und für das Gewicht verantwortlich ist. Es ist sogar möglich, dass diese Kräfte identisch sind. Wie bei der Gravitation nehmen auch diese molekularen Anziehungskräfte rapide an Intensität zu, je geringer die Entfernung zwischen den anziehenden Körpern wird. In Feststoffen und Flüssigkeiten, wo die Moleküle eng beieinander liegen, sind sie äußerst stark, während sie in Gasen und Dämpfen kaum wahrnehmbar sind. Auf diese Anziehungskräfte wirkt die Wärmebewegung entgegen – sie spielt in der Molekularphysik dieselbe Rolle wie die Energie der Planetenbewegung im Sonnensystem. In Feststoffen halten die Anziehungskräfte die Moleküle fest an ihrem Platz; die Wärmebewegung beschränkt sich auf kurze Schwingungen um einen festen Punkt, deren Auswirkungen in der durch steigende Temperatur verursachten Ausdehnung sichtbar sind. Wenn die Temperatur erhöht wird, werden die meisten Stoffe flüssig – in diesem Zustand können sich die Teilchen umeinander drehen, werden aber weiterhin durch ihre gegenseitigen Anziehungskräfte zusammengehalten, genauso wie die Sonne die Erde davon abhält, in den Weltraum zu fliegen. Wenn die Temperatur weiter steigt, werden die Umlaufbahnen der Moleküle größer, die Flüssigkeit dehnt sich aus – schließlich fliegen die Moleküle tangential davon und sind außerhalb der Reichweite der Anziehungskräfte der Flüssigkeitsmasse. Nur durch Kollisionen mit Feststoffen oder anderen fliegenden Molekülen werden sie von ihrer Bahn abgelenkt und prallen zurück. Das stellt den Zustand von Dampf oder Gas dar.

Moleküle bestehen in der Regel aus Atomgruppen. Im Wasserdampf enthält beispielsweise jedes Molekül ein Sauerstoffatom in Verbindung mit zwei Wasserstoffatomen. Erst bei extrem hohen Temperaturen wird diese innere Struktur aufgelöst. Natürlich desto komplexer und schwerer die Molekülgruppe, desto leichter wird sie durch äußere Einflüsse in einfachere Strukturen zerlegt. Moleküle können in Flüssigkeiten oder Feststoffen existieren, die bereits vor Erreichen des gasförmigen Zustands zerfallen. Von solchen Stoffen sagt der Chemiker, dass sie „ohne Zersetzung nicht verdampft werden können“. In sehr seltenen Fällen besteht das gasförmige Molekül aus einem einzelnen Atom; selbst die Moleküle der perfektesten Gase wie Wasserstoff, Sauerstoff und Stickstoff bestehen aus Paaren, die bei keiner bekannten Temperatur zerfallen. Der Druck eines Gases sowie seine Ausdehnungstendenz beruhen einfach auf der Bewegung und dem Zusammenstoß seiner fliegenden Moleküle. Man kann feststellen, dass bei gleicher Temperatur und gleichem Druck alle Gase gleiche Volumina haben.

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Bei derselben Anzahl an Molekülen kompensieren die leichteren Moleküle ihr geringeres Gewicht durch ihre größere Geschwindigkeit. Die durchschnittliche Geschwindigkeit eines Sauerstoffmoleküls (O2) beim Gefrierpunkt beträgt 461 Meter pro Sekunde – das ist etwa die Geschwindigkeit einer Schusswaffenkugel. Es darf jedoch nicht angenommen werden, dass in jedem festen, flüssigen oder gasförmigen Stoff bei jeder Temperatur alle Moleküle mit konstanter Geschwindigkeit bewegen; vielmehr kann jedes einzelne Molekül von Moment zu Moment seine Geschwindigkeit vom Stillstand bis zu einer sehr hohen Geschwindigkeit ändern, während die Temperatur nur den Durchschnitt darstellt. In allen Flüssigkeiten und sogar in Feststoffen hat daher bei jeder Temperatur ein bestimmter Anteil der Moleküle eine Geschwindigkeit, die ausreicht, um die Oberfläche zu verlassen und in Form von Dampf zu existieren, während ein anderer Anteil wieder zurückfällt und dort gefangen bleibt. Jede Flüssigkeit – und theoretisch auch jeder Feststoff – weist somit einen „Dampfdruck“ auf, der mit der Temperatur zunimmt und ausschließlich von dieser abhängt. Bei der Siedetemperatur der Flüssigkeit, die der des Atmosphärdendrucks entspricht – etwa 15 Pfund pro Quadratzoll – kann es daher Blasen im Inneren der Flüssigkeit bilden. Wenn etwas Flüssigkeit in einem Fläschchen eingeschlossen ist, füllt sich dieses mit ihrem Dampf. Solange noch Flüssigkeit vorhanden ist, hängt der Dampfdruck ausschließlich von der Temperatur ab und überhaupt nicht von der jeweiligen Menge an Flüssigkeit oder Dampf. Auch der Druck wird nicht durch den Druck anderer Dämpfe oder Gase beeinflusst, wobei der Gesamtdruck die Summe der „Teildrücke“ aller vorhandenen Gase und Dämpfe ist.[52] [52] Siehe S. 421.

Das Verhalten von Gasen und Dämpfen wurde recht detailliert beschrieben, weil es eine sehr große Ähnlichkeit mit dem Verhalten von Stoffen in Lösung aufweist. Die Moleküle von Flüssigkeiten werden durch Anziehungskräfte miteinander verbunden, die über die kurzen Entfernungen, die sie voneinander trennen, äußerst stark sind – in den meisten Fällen entspricht das vielen Tonnen pro Quadratzentimeter Querschnittsfläche. Doch der Wirkungsbereich dieser Kräfte ist sehr klein. Im Inneren der Flüssigkeit sind die Anziehungskräfte auf einer Seite eines Moleküls natürlich genau durch die Kräfte auf der gegenüberliegenden Seite ausgeglichen, sodass das Molekül ungehindert in der Flüssigkeit bewegt werden kann. An der Oberfläche hingegen ist ein sehr kleiner Teil der durch die Anziehungskräfte der Oberflächenschicht entstehenden Kraft ungleichmäßig verteilt; dieser Teil wirkt wie eine Art elastische Hülle, die die Flüssigkeit zusammenhält, und wird als „Oberflächenspannung“ bezeichnet. Bekannte Beispiele dafür sind die Kraft, die eine Tropfe am Ende eines Rohres stabilisiert, die Möglichkeit, eine leicht ölige Nadel auf der Wasseroberfläche ohne Untergehen abzulegen, sowie die Fähigkeit einiger Fliegen, auf dem Wasser zu laufen, als wäre es mit einem Lederblatt bedeckt. Viele Flüssigkeiten vermischen sich oder lösen sich in beliebigen Proportionen voneinander auf – beispielsweise Wasser und Alkohol; die Anziehungskraft des Alkohols auf die Wassermoleküle ist genauso groß oder sogar größer.

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im Vergleich zu Alkohol mit Alkohol oder Wasser mit Wasser. In anderen Fällen, wie z. B. Wasser und Öl oder Wasser und Petroleumalkohol, findet praktisch keine Mischung statt, da die gegenseitige Anziehungskraft gering ist; jeweils behält man an den Kontaktstellen eine erhebliche Oberflächenspannung bei – wenn auch geringer als an den freien Oberflächen, da jede Seite eine Anziehungskraft auf die andere ausübt. Es gibt auch viele Zwischenfälle, wie z. B. Wasser mit Chloroform, Carbonsäure oder Äther, bei denen jeder Lösungsmittel einen Teil des anderen löst, doch die beiden Lösungen vermischen sich nicht, sondern bilden getrennte Schichten. In diesen Fällen wird ein Gleichgewicht erreicht, bei dem die Tendenz beider Flüssigkeiten, in die andere Schicht überzugehen, gleich groß ist. Dies weist eine außergewöhnliche Ähnlichkeit mit dem, was über Dampfdrücke gesagt wurde; die Tendenz, in eine Lösung überzugehen, wird oft als Lösungsdruck bezeichnet. Man kann festhalten, dass, sobald ein Gleichgewicht erreicht ist, nicht nur der Lösungsdruck, sondern auch der Dampfdruck jedes Bestandteils in beiden Lösungen gleich ist. Wie bei Dampfdrücken steigen auch die Lösungsdrücke in der Regel mit zunehmender Temperatur an, wodurch immer mehr von jedem Bestandteil in den anderen übergeht, bis schließlich die Zusammensetzung der beiden Schichten identisch wird, ihre Oberflächenspannungen verschwinden und eine vollständige Mischung stattfindet. Bei Phenol (Carbonsäure) und Wasser geschieht dies bei etwa 70 °C.

Das Meiste, was über die gegenseitige Lösbarkeit von Flüssigkeiten gesagt wurde, gilt auch für die Lösbarkeit von Feststoffen, doch diese lassen sich in zwei sehr unterschiedliche Klassen einteilen: Kolloide und Kristalloide (die jedoch ineinander übergehen). Kolloidale oder klebrige Stoffe sind meist in jedem Verhältnis mit den Flüssigkeiten mischbar, in denen sie löslich sind, und es gibt keinen bestimmten Sättigungspunkt. Es gibt jedoch einige, die Gele bilden, die große Ähnlichkeit mit teilweise mischbaren Flüssigkeiten haben: Es besteht eine gegenseitige Löslichkeit, wobei ein Teil des Feststoffs in eine flüssige Lösung übergeht, während der Rest der Flüssigkeit im Feststoff gelöst wird, dessen Volumen dadurch zunimmt, doch er behält weiterhin die Eigenschaften des festen Zustands bei. Mit steigender Temperatur nimmt diese gegenseitige Löslichkeit in der Regel zu, bis an einem bestimmten Punkt das Gel schmilzt und eine vollständige Lösung stattfindet, wie im Fall von teilweise mischbaren Flüssigkeiten. Diese Phänomene sind von großer Bedeutung in der Gerbereitechnik, doch ihre weitere Betrachtung muss aufgeschoben werden, bis einige Worte über Kristalloide gesprochen wurden. Diese zeichnen sich durch eine regelmäßige kristalline Struktur aus, was darauf hindeutet, dass die Anziehungskräfte ihrer Moleküle in bestimmten Richtungen wirken und ihnen eine Neigung geben, sich in bestimmten geometrischen Anordnungen miteinander zu verbinden. Sie lösen keinen Teil des Lösungsmittels in sich selbst auf, sondern werden von diesem gelöst, bis ein Gleichgewicht erreicht ist, bei dem die Tendenz weiterer Feststoffpartikel, in das Lösungsmittel überzugehen, durch die Tendenz der bereits gelösten Partikel ausgeglichen wird, sich am verbleibenden Feststoff zu binden – also „zu kristallisieren“.

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„außen.“ Eine solche Lösung ist hinsichtlich des festen Rückstands „gesättigt“, doch das Wort hat keine Bedeutung, es sei denn, es sind feste Kristalle vorhanden. Wenn ein Stoff, wie es manchmal der Fall ist, mehr als eine kristalline Form aufweist, kann eine Lösung hinsichtlich einer dieser Formen gesättigt sein und hinsichtlich einer anderen mehr oder weniger ungesättigt. In „übersättigten“ Lösungen beginnt die Kristallisation sofort durch das Hinzufügen eines „Keimkristalls“ der richtigen Form. Wenn eine kristalloide Substanz, wie zum Beispiel Kupfersulfat, in einen Lösungsmittel (z. B. Wasser) gegeben wird, breitet sich das gelöste Salz allmählich im gesamten Lösungsmittel aus. Ohne jegliche Strömungen im Flüssigkeit ist diese Bewegung jedoch äußerst langsam – es können Jahre vergehen, bis die Diffusion einige Meter zurückgelegt hat. In vielen Fällen diffundieren Salze durch wässrige Gele mit derselben Geschwindigkeit wie durch stilles Wasser. Kolloidale Substanzen hingegen haben kaum oder gar keine Diffusionsfähigkeit und können meist überhaupt nicht durch Gele dringen. Das ist der Grund, warum das Gerben mit Mineralsalzen viel schneller abläuft als mit pflanzlichen Tanninen, die kolloidaler Natur sind und sich mit extrem langsamer Geschwindigkeit durch die gallertartigen Fasern des Leders ausbreiten.

Nicht alle gelösten Kristalloide dringen gleichermaßen leicht durch gallertartige Membranen ein. Es gibt Substanzen, meist gallertartige Precipitate, die die Diffusion gelöster Salze nicht zulassen, obwohl sie Wasser frei durchlassen. Dünne Schichten solcher Precipitate bilden sogenannte „halbpermeable Membranen“. Das Vorhandensein solcher Membranen ermöglicht es uns, die Diffusionsneigung – oder wie es allgemein genannt wird, den „osmotischen“[53] Druck der gelösten Stoffe – direkt zu messen. So kann eine poröse Tons-Batteriezelle in eine Lösung von Kupfersulfat getaucht und mit Kaliumferrocyanid gefüllt werden. Auf diese Weise werden ihre Poren mit einem gallertartigen Precipitat von Kupferferrocyanid gefüllt, das für Wasser durchlässig, aber für die meisten gelösten Stoffe undurchlässig ist. Wenn nun die Zelle mit einer verdünnten Lösung eines Kristalloids, sagen wir Zucker, gefüllt und ihr Oberteil mit einem perforierten Korken versehen wird, an dem ein vertikaler Rohr angebracht ist, und die Zelle ins Wasser getaucht wird, wird Wasser in die Zelle eindringen, und die verdünnte Lösung wird im Rohr bis zu einer Höhe von mehreren Metern über dem Wasser außerhalb steigen. Durch Ersatz des vertikalen Rohres durch einen Quecksilberdruckmesser können genaue Messungen des Drucks in der Zelle vorgenommen werden – das ist der osmotische Druck des gelösten Stoffes. Auf den ersten Blick scheint es paradox zu sein, dass Wasser gegen einen hohen Druck in die Lösung fließen soll, doch die Erklärung ist einfach. Schon erwähnt wurde der enorme innere Druck von Flüssigkeiten, der durch die Anziehungskräfte ihrer Moleküle entsteht. In der Lösung wird ein Teil dieses Drucks vom gelösten Stoff getragen; Wasser strömt daher von außen herein, bis ein innerer mechanischer Druck entsteht.

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gleich groß wie der osmotische Druck der gelösten Substanz. Die Ähnlichkeit der Phänomene bei Lösungen mit denen des Dampfdrucks wurde bereits erwähnt, und es stellt sich heraus, dass diese Ähnlichkeit sogar quantitativ ist, da die gemessenen osmotischen Drücke genau gleich groß sind wie jene, die die gelöste Substanz erzeugen würde, wenn sie sich im gasförmigen Zustand bei derselben Temperatur und im selben Volumen wie die Lösung befände. Tatsächlich wirkt sie genauso wie der „Partialdruck“ eines Gases. Es gibt mehrere indirekte Methoden, den osmotischen Druck gelöster Stoffe zu messen – beispielsweise anhand der Senkung des Gefrierpunkts oder der Erhöhung des Siedepunkts der Lösung im Vergleich zu denen des reinen Lösungsmittels. All dies bestätigt die direkten Messungen und zeigt, dass in einem bestimmten Volumen bei derselben Temperatur dieselbe Anzahl von Molekülen immer denselben osmotischen Druck erzeugt, unabhängig von ihrer Natur – oder umgekehrt, dass bei gleichem osmotischen Druck und Temperatur gleiche Volumina jeder Lösung dieselbe Anzahl von Molekülen enthalten müssen. Der Einsatz dieser Erkenntnisse zur Bestimmung der Molekulargewichte ist offensichtlich. [53] Lösungsdruck und osmotischer Druck sind eigentlich zwei Bezeichnungen für dieselbe Kraft; der erste wird verwendet, um die Neigung eines Feststoffs zur Auflösung anzugeben, der zweite den durch die gelöste Substanz erzeugten Druck, der eine weitere Auflösung verhindern will. In einer gesättigten Lösung in Kontakt mit ihrem Feststoff sind daher die beiden Drücke stets gleich, wirken aber in entgegengesetzte Richtungen. Eine interessante scheinbare Abweichung von diesem Gesetz wird jedoch bei Lösungen von Salzen, Säuren und Basen sowie allgemein bei Elektrolyten festgestellt: Eine dilutierte Lösung von Natriumchlorid erzeugt einen osmotischen Druck, der fast doppelt so hoch ist wie derjenige, der dem Anteil der NaCl-Moleküle entspricht; tatsächlich verhält sie sich, als wären es Lösungen von Na und Cl, die getrennt voneinander vorhanden sind. Eine solche Lösung leitet Strom sehr leicht, wobei das Chlor zum positiven Pol und das Natrium zum negativen Pol transportiert wird, wo sie sich als Na2 und Cl2 trennen (das Natrium zersetzt dabei das vorhandene Wasser und bildet NaOH). Tatsächlich besagt die moderne Elektrolysetheorie, dass diese zerfallenen Atome nicht durch den Strom voneinander getrennt werden, sondern bereits getrennt im Elektrolytlösung vorhanden sind und lediglich als Träger für den Strom fungieren. Die von diesem Strom verrichtete Arbeit besteht nicht darin, die Salzmoleküle aufzuspalten, sondern darin, den zerfallenen Atomen neue elektrische Ladungen zu verleihen, die es ihnen ermöglichen, als neue Moleküle zusammenzutreten und aus dem Elektrolyten zu entweichen. Komplexe Salze spalten sich nicht immer in einzelne Atome auf – Calciumsulfat spaltet sich in Ca und SO4, Schwefelsäure in 2H und SO4 usw. auf. Diese zerfallenen Atome und Atomgruppen werden „Ionen“ genannt und können einwertig, zweiwertig usw. sein; das zweiwertige Ion trägt das Doppelte an elektrischer Ladung des einwertigen Ions.

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Monovalent. Ohne die letztendliche Natur der Elektrizität selbst zu erörtern, lässt sich die Sache am einfachsten dadurch veranschaulichen, dass man annimmt, das Molekül des ungelösten Salzes bestehe aus einem Ion mit einer +-Ladung („Kation“, z. B. Na) und einem Ion mit einer –-Ladung („Anion“, z. B. Cl), wobei sie durch die elektrische Anziehung dieser Ladungen miteinander verbunden bleiben. In der Lösung werden diese Anziehungskräfte durch die Kräfte anderer Ionen ausgeglichen, sodass sie sich frei im Flüssigkeitstextil bewegen können. Um jedoch in der Form freier Elemente aufzutreten und beispielsweise als Na2 und Cl2 zu entweichen, muss ein Paar Kationen zum –-Pol gehen und eine +-Ladung abgeben, während gleichzeitig ein Paar Anionen zum +-Pol geht und eine +-Ladung erhält. Dadurch trennen sich das Na sowie alle anderen Kationen am –-Pol, während das Cl sowie alle anderen Anionen am +-Pol bleiben.

Aus dem Gesagten geht hervor, dass freie Ionen nur in Lösung existieren können und weder verdampfen noch als Feststoffe getrennt werden können. In der Flüssigkeit verhalten sie sich jedoch sehr ähnlich wie andere gelöste Moleküle und üben ihre eigene osmotische Druckwirkung unabhängig voneinander oder vom gelösten Salz aus – mit der Einschränkung, dass eine Lösung stets gleich viele +- und –-Ionen enthalten muss. Wenn eine Lösung verdünnt wird, werden mehr Ionen freigesetzt; wenn sie konzentriert wird, bilden sich wieder mehr Ionen, die zu ungespalteten Salzen zusammenkommen. Dies wird anhand eines Beispiels klarer: In einer gesättigten Natriumchloridlösung mit vorhandenem festen Salz befinden sich gelöstes Salz bei dem Druck des kristallinen Salzes sowie Na- und Cl-Ionen bei dem Dissoziationsdruck der gesättigten Salzlösung – wobei keines der Ionen das andere beeinflusst. Fügen wir nun Salzsäure hinzu, hat diese keinen direkten Einfluss auf die Löslichkeit des Salzes. Da HCl jedoch größtenteils in H und Cl zerfällt, steigt der Druck der Cl-Ionen an, was dazu führt, dass das Salz wieder zusammenkommt, bis der Cl-Druck auf seinen Normalwert sinkt. Dadurch erhöht sich die Konzentration der ungespalteten Salzlösung, und das Salz fällt aus oder kristallisiert aus, bis die Lösung nicht mehr übergesättigt ist.

Die meisten chemischen Reaktionen, insbesondere jene zwischen Säuren und Basen, sind eigentlich Reaktionen der Ionen. So ist NaOH in einer verdünnten Lösung größtenteils in Na und OH ionisiert, während HCl ähnlich in H und Cl ionisiert wird. Wasser hingegen ionisiert nur sehr geringfügig. Bei der Mischung vereinen sich daher H und OH zu Wasser unter Freisetzung von Wärme, während zwischen Na und Cl keine tatsächliche Verbindung entsteht, solange sie in einer verdünnten Lösung bleiben. Aus diesem Grund ist die Neutralisationswärme aller starken Säuren und Basen unabhängig von ihrer Art gleich, da starke Säuren, Basen und Salze fast vollständig ionisiert sind. Die Geschwindigkeit der Reaktion – und damit das, was wir als „Stärke“ oder „Angriffslust“ einer Säure oder Base bezeichnen – hängt von der Anzahl der freien Ionen in der Lösung ab. Sehr schwache Säuren und Basen sind nur sehr wenig ionisiert, obwohl ihre

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Salze ionisieren in verdünnten Lösungen fast vollständig. Davon hängt die Erklärung eines von großer praktischer Bedeutung seinenden Phänomens ab. Salzsäure, eine starke Säure, ist in der Lösung fast vollständig ionisiert; Essigsäure, eine schwache Säure, nur sehr wenig; während Natriumacetat und Natriumchlorid als Salze beide fast vollständig ionisiert sind. Wenn wir Salzsäure zu einer Lösung von Natriumacetat hinzufügen, entstehen in der Lösung Natriumionen, Acetationen, Chloridionen und Wasserstoffionen. Da der Druck der Acetationen und Wasserstoffionen größer ist als der Dissoziationsdruck der Essigsäure, werden sie miteinander verbunden, bis sich der Druck ausgleicht. In der Lösung befinden sich dann etwas ionisierte freie Essigsäure, die Natrium- und Chloridionen des Natriumchlorids sowie die Natrium- und Acetationen des übrig gebliebenen Natriumacetats. Wäre die Salzsäure gerade ausreichend, um sich mit dem gesamten Natrium zu verbinden, gäbe es ein Gleichgewicht, das viel (ionisiertes) Natriumchlorid und wenig Natriumacetat sowie viel freie Essigsäure und wenig Salzsäure enthält. Somit würde die „starke“ Säure die schwache verdrängen.

Nehmen wir ein weiteres Beispiel: Wir fügen Natriumacetat zu einer Lösung von Essigsäure hinzu. Da der Ionisationsdruck der Essigsäure viel geringer ist als der des Natriumacetats und beide gemeinsame Acetationen haben, wird die Ionisierung der Essigsäure abnehmen, und es wird mehr ungespaltene Essigsäure entstehen, bis durch ihre Konzentration die beiden Drücke ausgeglichen sind. Die Gesamtmenge an freier Essigsäure bleibt unverändert, doch ein geringerer Anteil davon wird ionisiert sein, und sie wird wie eine schwächere Säure wirken. Diese Verringerung der Aktivität einer schwachen Säure durch das Hinzufügen ihres neutralen Salzes wird oft von Chemikern genutzt. Beispiele aus der Gerbtechnik sind der Einsatz von Überschüssen an Kaliumdichromat zusammen mit Chromsäure im Chromgerbungsvorgang, die Wirkung neutraler Salze bei der Abschwächung der Wirkung von Gerbstofflösungen sowie der Einsatz von Salzen beim Einlegen.

Versuchen wir nun, diese Erkenntnisse auf die Physik der Gerbung anzuwenden, wobei wir zunächst die einfachsten Fälle betrachten, in denen keine elektrolytische Dissoziation stattfindet. Wir können das feuchte Leder als eine Masse aus Gelatinefasern betrachten, deren Zwischenräume mit Wasser gefüllt sind. Tatsächlich können wir zu vielen experimentellen Zwecken das Leder durch einfache Blätter geschwollener Gelatine ersetzen, um die durch Wasser oder mechanisch zwischen den Fasern zurückgehaltenen Lösungen verursachten Komplikationen zu vermeiden.

Wenn wir ein Blatt trockener Gelatine ins Wasser legen, schwellt es an und nimmt vielleicht sieben oder acht Mal sein eigenes Gewicht an Wasser auf, löst sich aber nicht wesentlich auf. Ein Gleichgewichtszustand wird erreicht, wenn die Anziehungskraft der Wassermoleküle auf die Gelatine gleich der Summe aus der kohesiven Anziehungskraft der Gelatine selbst und der inneren Anziehungskraft des Wassers außerhalb ist. Eine Erhöhung der Kohäsion der Gelatine würde dazu neigen, dass sie sich zusammenzieht und einen Teil des Wassers ausscheidet.

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Wasser – und diese Zusammenziehung neigt dazu, sowohl die Kohäsion der Gelatine als auch ihre Anziehungskraft auf die geringere Anzahl an Wassermolekülen, die sie enthält, weiter zu erhöhen. Offensichtlich wirken diese Faktoren in entgegengesetzte Richtungen. Das Gleichgewicht ist daher sehr instabil; schon geringe Einflüsse können zu erheblichen Veränderungen des Schwellungsgrades führen – was tatsächlich der Fall ist. Wenn wir die Temperatur erhöhen, nimmt die Kohäsion der Gelatine ab, bis sie schließlich kleiner wird als ihre Anziehungskraft auf das Wasser. In diesem Fall verliert das Gelee plötzlich seinen festen Zustand und löst sich auf.
Die Aufnahme von Wasser durch Kolloide (einschließlich Gelatine) geht mit einer Volumenverkleinerung des aufgenommenen Wassers sowie mit Wärmeentwicklung einher. Wie Koerner[54] bereits hervorgehoben hat, wird diese Prozess durch eine Erhöhung der Temperatur behindert – dadurch nimmt die Schwellung ab. Lösungen hingegen nehmen Wärme auf und werden daher durch eine Temperaturerhöhung begünstigt.
[54] Beiträge zur wissenschaftlichen Grundlage der Gerberei, Freiberg, 1899.

Wenn wir das aufgequollene Gelee in Alkohol geben, trennt es sich vom Wasser und zieht sich zusammen. Gelatine und Alkohol sind nicht miteinander löslich – die Summe der Anziehungskraft des Wassers auf den Alkohol sowie der kohezenten Anziehungskraft der Gelatine ist größer als die Anziehungskraft der Gelatine auf das Wasser. Da der Alkohol nicht in die Gelatine eindringen kann, entweicht das Wasser und das Gelee zieht sich zusammen. Je höher die Konzentration des Alkohols ist, desto vollständiger wird das Gelee entwässert; in konzentriertem Alkohol kann es sogar ganz hart und fest werden. Wenn wir dieselben Fakten in einer für moderne Chemiker vertrauteren Sprache ausdrücken wollen – auch wenn diese für Laien weniger verständlich sein mag –, können wir sagen, dass der Alkohol außerhalb der Gelatine eine osmotische Druck ausübt, innerhalb der Gelatine hingegen kaum oder keinen Druck. Dadurch wird das Wasser herausgedrückt. Ebenso richtig wäre es zu sagen, dass das Wasser aus dem Gelee entweicht, bis der osmotische Druck im Gelee und im Alkohol gleich ist. Das Gelee ist eine echte „feste Lösung“ von Wasser in Gelatine – in einer Lösung kann man jeweils eines der beiden Bestandteile als Lösungsmittel betrachten. Genaue Parallelen finden sich bei der Verteilung einer dritten Substanz zwischen zwei unverträglichen Lösungsmitteln (siehe S. 76), zum Beispiel Alkohol zwischen Wasser und Äther. Den osmotischen Druck des Wassers in den Alkohol lässt sich auf sehr einfache Weise nachweisen, indem man davon ausgeht, dass eine Schicht aus Gelee für Wasser durchlässig ist, aber nicht für Alkohol. Wenn man das im Kapitel 78 beschriebene Experiment durchführt, indem man Alkohol in eine Zelle gibt, die zuvor mit einer Gelatine-Lösung gespült wurde, und diese Zelle anschließend ins Wasser stellt, wird das Wasser in die Zelle eindringen, wodurch die alkoholische Lösung im vertikalen Rohr stark ansteigt. Die Unlöslichkeit der Gelatine in Alkohol kann genutzt werden, um deren Konzentration zu bestimmen. Wenn man dreimal so viel absoluten Alkohol wie das Volumen der Gelatine-Lösung hinzufügt, wird die Gelatine…

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Es kann als feste Masse auf einem Rührstab oder an den Seiten des Bechers abgetrennt werden und mit weiteren Mengen Alkohol gewaschen werden. Die Methode ist nützlich bei der Analyse von Gelatinebonbons sowie „Gummibärchen“, Rollenkompositionen, Hektographmassen und Ähnlichem; außerdem zur Bestimmung der echten, unveränderten Gelatine in Klebstoffen sowie kommerziellen Gelatinen (siehe Seite 60). Viele andere Kolloide werden jedoch ebenfalls durch Alkohol ausgefällt.

Wird Leder mit Alkohol behandelt, wie im Experiment von Knapp (S. 74), ist die Wirkung genau dieselbe wie bei Gelatinegelee. Das Wasser wird zunächst aus den Zwischenräumen zwischen den Fasern und anschließend aus den Fasern selbst entfernt. Dadurch trocknet das Leder, wobei die Fasern isoliert und nicht miteinander verbunden bleiben. Tatsächlich verwandelt es sich in eine Art Leder, welches jedoch beim Einweichen in Wasser wieder zu dem ursprünglichen Leder zurückkehrt.

Die Wirkung von Lösungen von Zucker, Glycerin und Ähnlichem ist grundsätzlich ähnlich wie die des Alkohols, doch komplexer – schließlich sind diese Stoffe in der Regel nicht nur in Wasser, sondern auch in Gelatine oder Lederrissen löslich. Daher lässt sich ihre Wirkung nicht vorhersagen, obwohl sie in der Regel eher zu einer Kontraktion als zu einer Schwellung führt. Im Allgemeinen besteht das Gleichgewicht aus dem Anziehungskraftverhältnis von Wasser und Zucker zur Gelatine gegenüber der gegenseitigen Anziehungskraft innerhalb der Lösung sowie der kohesiven Kraft der Gelatine selbst. Dies hängt nicht nur von der Natur der Stoffe ab, sondern auch von Temperatur und Konzentration.

Die Wirkung von Säuren, Basen und Salzen auf gelatineartige Fasern ist noch komplexer – schließlich spielen nicht nur elektrolytische Dissoziationen, sondern vermutlich auch tatsächliche chemische Reaktionen eine Rolle. Die chemische Zusammensetzung der Gelatine ist bisher noch nicht vollständig geklärt, doch man weiß, dass die Moleküle sowohl Amid-Gruppen enthalten, die mit Säuren reagieren können, als auch Carboxylgruppen, die sich mit Basen verbinden (siehe S. 58). Deshalb saugen Lederrisse sowohl Säuren als auch Basen sehr stark auf – so stark, dass Schwefelsäure aus einer Decinormallösung vollständig vom Leder aufgenommen werden kann, sodass nur noch Wasser ohne jeglichen nachweisbaren Säurerest durch Litmus übrig bleibt. Basen werden auf ähnliche Weise aufgenommen. In beiden Fällen erhält die Gelatine oder das gelatineartige Gewebe eine erheblich gesteigerte Fähigkeit, Wasser aufzunehmen – und somit auch anzuschwellen. Bekannte Beispiele dafür sind die Schwellung von Leder durch Säuren oder Kalk; in keinem Fall kann die zugeführte Substanz in angemessener Zeit allein durch Wasserspülung entfernt werden.

Um Leder von Kalk oder Säuren zu befreien, muss daher die Base mit Säuren neutralisiert werden (siehe S. 153) oder die Säure mit Kalk oder Basen (siehe S. 91). Es wurde bisher keine genaue Bestimmung darüber vorgenommen, welche Menge an Säure oder Base mit Gelatine oder Lederrissen reagiert – schließlich wird die Situation durch das mechanisch aufgenommene Volumen der Säure- oder Baslösung zusätzlich erschwert.

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Tendenz des Verbindens, beim Waschen mit Wasser teilweise zu zerfallen.
Experimente des Autors führen zu dem Schluss, dass 1 Gramm luftgetrocknete Gelatine sich in einer sehr verdünnten Lösung von Salzsäure (HCl) mit etwa 0,025 Gramm dieser Säure verbindet. Dieses Verbindungsmittel kann dabei 40 bis 45 Gramm Wasser aufnehmen, ohne den Gelformzustand zu verlieren. Die maximale Schwellung – sowohl bei Säuren als auch bei Basen – tritt in verdünnten Lösungen auf; bei stärkeren Säuren muss die äußere Lösung fast neutral sein, wenn ein Gleichgewicht erreicht wird. Steigende Mengen an Säure verringern die Menge des aufgenommenen Wassers. Dasselbe gilt für starke Basen. Somit wird in beiden Fällen, in denen eine Schwellung gewünscht ist, das Ziel durch den Einsatz zu starker Lösungen vereitelt. Die Menge an Säure oder Base sollte streng nach dem Gewicht der Gelatine angepasst werden – und nicht nach dem Volumen der Lösung.

Was eine physikalische Erklärung für den Einfluss von sauren und basischen Lösungen auf Gelatine betrifft, so müssen alle Aussagen dazu eher als Spekulationen denn als echtes wissenschaftliches Wissen angesehen werden. Es muss außerdem zugegeben werden, dass zwar die Ansicht, es komme zu einer tatsächlichen chemischen Verbindung zwischen Gelatine und Säuren (oder Basen), am wahrscheinlichsten erscheint, doch Schwierigkeiten dadurch entstehen, dass verschiedene Säuren offenbar nicht immer im Verhältnis zu ihren Äquivalenten miteinander reagieren. Es ist jedoch möglich, dass dies lediglich scheinbare Anomalien sind, sobald genaue Methoden zur Bestimmung bekannt sind, wie viel Säure tatsächlich verbindet und wie viel nur mechanisch aufgenommen wird.

Vorerst außer Acht lassend, ob eine Schwellung stattfindet, müssen einige Worte über eine Eigenschaft dieser säure- (und basischen-) Gelatineverbindungen gesagt werden – deren Kenntnis für das Verständnis des Schwellungsprozesses unerlässlich ist. Wenn eine Masse an säurehaltiger Gelatine in reinem Wasser suspendiert wird, wird ein Teil davon in neutrale Gelatine und freie Säure zerlegt, wobei letztere in das Wasser diffundiert. Somit kann säurehaltige Gelatine nur in Gegenwart einer bestimmten Menge an freier Säure existieren. Diese Dissoziation durch Wasser ist eine gemeinsame Eigenschaft aller Salze und folgt notwendigerweise aus dem Gesagten über die Ionisierung. Sie wird jedoch erst dann praktisch wahrnehmbar, wenn die Bindungskraft der Bestandteile schwach ist. Wasser ionisiert sich nur in sehr geringem Maße zu H und OH. Wenn man sich ein in Wasser gelöstes Salz wie NaCl vorstellt, das sich fast vollständig in Na und Cl ionisiert, so ergibt sich, dass durch die Reaktion mit den Wasserionen eine bestimmte Menge an NaOH und HCl entstehen muss. Im genannten Fall ist diese Menge absolut vernachlässigbar, da sowohl Natriumhydrat als auch Salzsäure selbst fast vollständig ionisiert sind. Falls jedoch entweder die Säure oder die Base schwach ist (d.h. nur wenig ionisiert), muss der Reaktionsprozess weitergehen, bis die saure oder basische Lösung stark genug ist, um einen Ionisierungsdruck aufzuweisen, der dem des Salzes entspricht. Da diese Säure oder Base dann nicht mehr in ionisiertem Zustand ist, kann sie…

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Es wird durch Verdunstung oder Diffusion aus der Lösung entfernt. Wenn beispielsweise eine Lösung von Eisen(III)-chlorid in einer Schale aus Pergamentpapier aufbewahrt wird – durch das die Diffusion nur eingeschränkt möglich ist – und diese Schale auf Wasser schwimmt, das regelmäßig ausgetauscht wird, diffundiert die dissoziierte Säure durch die Membran ins Wasser. Auf diese Weise kann letztendlich alles entfernt werden, sodass in der Schale nur noch eine kolloidale Lösung von hydratisiertem Eisen(III)-oxid zurückbleibt. Solche Vorgänge, bei denen die gallertartigen Fasern des Leders dieselbe Rolle wie die Pergamentpapiermembran spielen, spielen eine wichtige Rolle bei vielen Phänomenen beim Gerben.[55] Im Fall eines mit Säure aufgeblähten Leders wird das Säureverbindung mit den Fasern teilweise dissoziiert. Wenn das Leder in Wasser gehängt wird, das ständig ausgetauscht wird, diffundiert die Säure hinein, und letztendlich kann alles, wenn auch langsam, entfernt werden. Ein ähnlicher Effekt tritt bei der üblichen Methode zur Entfernung von Säure aus Pelzen oder verchromten Ledern auf – dabei wird „Weißmittel“ (Kalkcarbonat) verwendet. Letzteres ist in Wasser unlöslich und kann daher nicht in das Leder eindringen. Da es jedoch sofort mit jeder diffundierenden Säure reagiert, wird die Säure-Gelatine-Verbindung schnell zersetzt, da sie nur in einer Lösung stabil ist, die genügend freie Säure enthält, um einen Ionisierungsdruck zu erzeugen, der dem des Verbindungsgleichgewichts entspricht. Ähnliches gilt für Alkaligelatine- und Kalkgelatine-Verbindungen.[55] Wahrscheinlich werden in der mineralischen Gerbung Chrom-, Aluminium- und Eisensalze auf diese Weise zersetzt und als unlösliche basische Salze im Leder fixiert. Siehe Seiten 186, 215. Es wird einfacher sein, die Ergebnisse zu verstehen, wenn wir uns ein konkretes Beispiel ansehen, das vom Autor sowie anderen sorgfältig untersucht wurde: die Wirkung von Salzsäurelösungen auf Gelatine. Wenn ein gewogenes Stück Gelatine in eine sehr verdünnte Säurelösung gelegt wird, bläht es sich deutlich mehr auf als im Wasser. Der maximale Auftrieb wird bei einer Konzentration von 0,1 bis 0,2 Gramm HCl pro Liter erreicht. Das aufgeblähte Gelatine hat dann ein Volumen von etwa 45 ccm pro Gramm der luftgetrockneten Gelatine. Die Konzentration im aufgeblähten Gelatine beträgt etwa 0,75 Gramm HCl pro Liter – das sind mindestens fünfmal so viele wie in der Auflösung. Wenn die Konzentration der Auflösung zunimmt, steigt auch die Konzentration im Gelatine – allerdings in einem viel geringeren Verhältnis – während das Volumen des Gelatine abnimmt. Bei einer Konzentration von 5 Gramm HCl pro Liter in der Auflösung beträgt das Volumen des Gelatine nur noch etwa 18,5 ccm, und seine Konzentration liegt bei knapp 6 Gramm pro Liter. Diese Fakten lassen sich durch keine Theorie einer einfachen Auflösung von HCl im Gelatine erklären, denn nach dem Gesetz solcher Lösungen bleibt die Konzentration in beiden Komponenten konstant, es sei denn, es kommt zu chemischen Veränderungen. Möglicherweise lassen sie sich durch Adsorption erklären.

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Es ist bekannt, dass Gelatine sowohl Amidogruppen enthält, die sich mit Säuren verbinden können, als auch Carboxylgruppen, die sich mit Basen verbinden können. Daher ist es viel wahrscheinlicher, dass tatsächlich eine chemische Verbindung stattfindet, und dass die scheinbaren Unregelmäßigkeiten in der Menge des gebundenen Säures auf eine teilweise Hydrolyse des Verbindungsstoffs zurückzuführen sind.[56] Siehe dazu jedoch Walker und Appleyard zu „Absorption of Acids by Silk“, Chem. Soc. Trans. 1896, S. 1334.
Als Arbeitshypothese kann Folgendes vorgeschlagen werden: Da sowohl Wasser als auch Salzsäure frei in das Gelatinegel eindringen und wieder daraus austreten können, muss dieses in jeder Hinsicht im osmotischen Gleichgewicht mit der äußeren Lösung stehen. Weder die nicht ionisierte Salzsäure in der Lösung noch die geringe Menge, die durch die Hydrolyse des Gelatineverbindungsstoffs entstehen kann, kann einen Einfluss auf das Aufquellen haben. Solange die äußere Lösung sehr verdünnt ist, wird der überwiegende Teil der vorhandenen Säure vom Gelatine aufgenommen und gebunden; fast die gesamte Säure in der äußeren Lösung wird ionisiert, ebenso ein Teil der Säure, die mit dem Gelatine verbunden ist. In diesem Fall können die Ionen jedoch nicht aus dem Gelatinegel austreten und führen daher zu einem inneren osmotischen Druck. Das Gelatinegel wird so lange aufquellen, bis die Cl-Ionen im osmotischen Gleichgewicht mit denen der äußeren Lösung stehen. Gleichzeitig wird dieser innere Druck der Cl-Ionen den Zutritt der Cl-Ionen (und somit auch der damit verbundenen H-Ionen) aus der äußeren Lösung hemmen. Die mechanisch aufgenommene Säurelösung wird dadurch etwas weniger konzentriert sein als die äußere Lösung. Wenn die Konzentration der äußeren Lösung zunimmt, wird der Druck der äußeren Cl-Ionen die Ionisierung des Gelatinechlorids sowie dessen Neigung zur Hydrolyse hemmen. Dadurch sollte die tatsächlich mit dem Gelatine verbundene Säuremenge etwas zunehmen, während das Aufquellen abnehmen sollte – was tatsächlich der Fall ist.[57] Es ist unmöglich, die Konzentration der Salzsäure auf mehr als 5 Gramm pro Liter zu erhöhen, ohne dass das Gelatine gelöst wird. Doch das Hinzufügen von Kochsalz zur äußeren Lösung sollte ebenfalls den Druck der Cl-Ionen erhöhen und somit das Aufquellen weiter verringern. Dabei erhöhen die Na-Ionen genauso wie die Wasserstoffionen den äußeren Druck. Tatsächlich wird das Hinzufügen von ausreichender Menge Salz das Aufquellen so weit reduzieren, dass das Gelatine ganz fest wird und nur noch etwa sein eigenes Gewicht an Wasser enthält. Gleichzeitig nimmt die scheinbar mit dem Gelatine verbundene Säuremenge stark zu. Dies lässt sich nicht auf eine direkte Entwässerungswirkung des Salzes zurückführen, da konzentrierte Natriumchloridlösungen ohne Säure eher eine aufquellende Wirkung auf Gelatine haben. Die Konzentration des Salzes in der äußeren Lösung und im Gelatinegel weist innerhalb der Grenzen des experimentellen Fehlers genau denselben Wert auf.

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Mehrere weitere Fakten können erwähnt werden, die die gegebene Erklärung zu stützen scheinen. Die Tendenz zur Schwellung von Gelatine ist allen sauren Stoffen mit erheblicher Stärke gemeinsam, und in allen Fällen, in denen die Konzentration des Säures untersucht werden konnte, ohne dass dadurch die Gelatine aufgelöst wurde, wurde ein Effekt maximaler Schwellung beobachtet, der mit zunehmender Säurekonzentration abnimmt. Andere Salze erzeugen ebenfalls ähnliche Effekte wie Natriumchlorid; so wird die durch Schwefelsäure verursachte Schwellung durch Natriumsulfat unterdrückt. Natriumchlorid scheint die durch alle Säuren verursachte Schwellung zu verringern, doch bei einem großen Überschuss an Natriumchlorid wird wahrscheinlich der größte Teil der Säure in Kombination mit der Gelatine als Salzsäure vorliegen – unabhängig davon, welche Säure ursprünglich zur Schwellung führte. Ein interessanter Umstand, den der Autor beobachtete, ist, dass absoluter Alkohol, der neutrale Gelatine so wirksam entwässert, fast keine Wirkung darauf hat, Wasser oder Säure aus durch Salzsäure geschwollenen Gelatinen zu entfernen. HCl ist selbst im absoluten Alkohol gut löslich, doch die H- und Cl-Ionen können darin nur in sehr geringem Maße vorhanden sein; daher können wir schließen, dass die Säure, die die Schwellung verursacht und das Wasser in der Gelatine bindet, entweder tatsächlich in Kombination mit der Gelatine vorliegt oder in ionisierter Form. Die von der Gelatine gebundene Säure steigt zunächst rasch auf einen Maximum an, nimmt dann leicht ab und bleibt anschließend praktisch konstant. Nach der vorgeschlagenen Theorie muss die aufgenommene Lösung jedoch verdünnter sein als die äußere Lösung, und die tatsächlich vorhandene Gesamtsäure größer sein als durch die obigen Berechnungen angegeben. Die „gesamte“ Säure, wie sie durch Indikatoren bestimmt wird, zeigt einen leichten, aber kontinuierlichen Anstieg. Sie ist gegenüber Phenolphthalein säurehaltig, gegenüber Methylorange jedoch neutral. Lösungen von kaustischen Alkalien weisen in vielerlei Hinsicht eine ähnliche Schwellungswirkung wie starke Säuren auf. Ein Teil des Alkalis wird auf irgendeine Weise von der Gelatine gebunden, während ein anderer Teil einfach als Lösung aufgenommen wird. Auch bei dünnen Lösungen wird ein maximales Schwellungseffekt festgestellt, der mit zunehmender Konzentration abnimmt. Die durch Alkalien verursachte Schwellung wird nach bisherigen Beobachtungen nicht durch Chloride verringert; insbesondere lässt sich feststellen, dass die durch Caustic Soda verursachte Schwellung nicht durch Natriumchlorid beeinträchtigt wird. Nach der vorgeschlagenen Theorie gibt es keinen Grund, warum die durch Alkalien verursachte Schwellung durch Chloride reduziert werden sollte – schließlich enthält das Schwellungsmittel keine Cl-Ionen. Es ist jedoch etwas seltsam, dass das Natriumsalz, das über ein gemeinsames Na-Ion verfügt, keine Unterdrückung der Schwellung durch Caustic Soda bewirkt. Im gegenwärtigen Stand unseres Wissens kann keine endgültige Erklärung gegeben werden, doch es ist durchaus möglich, dass die Schwellung in diesem Fall nicht durch das Natriumion, sondern durch ein komplexeres Ion – oder sogar durch das Hydroxidion – verursacht wird, wie es bei den meisten charakteristischen Reaktionen von Alkalien der Fall ist. Offenbar ist das Gelatine-Alkalium-Verbindung noch stark…

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Alkalisch – mit dem gleichen Effekt auf den Phenolphthalein-Indikator wie unverbindliches Alkalium; dieser Effekt wird auf das Vorhandensein freier HO-Ionen zurückgeführt. Den Einfluss von Säuren und Alkalien haben Procter sowie andere an echtem Leder sowie an Gelatine untersucht und festgestellt, dass er qualitativ, wenn auch nicht quantitativ, dem bei Gelatine sehr ähnlich ist. Aufgrund der mechanisch in den interfasziellen Räumen verbliebenen Säuren ist eine genaue quantitative Bestimmung jedoch schwieriger. Die entstehende Schwellung ist nicht proportional zur Stärke der Säure – einige schwache, wenig ionisierte Säuren wie Milchsäure verursachen eine größere Schwellung als stärkere Säuren wie Salzsäure und Schwefelsäure, bei denen der ionische Druck in der äußeren Lösung größer ist. Verdünnte Lösungen verursachen im Allgemeinen eine größere Schwellung als konzentrierte Lösungen; daher sollten bei Bedarf an Schwellung ohne zerstörerischen Effekt auf das Leder verdünnte Lösungen solcher schwachen Säuren bevorzugt werden, wobei das Vorhandensein neutrer Salze vermieden werden sollte. Andererseits ist es vorteilhaft, neutrale Salze – insbesondere Chloride – hinzuzufügen, wenn Kalzium entfernt oder das Leder ohne Schwellung in einen sauren Zustand versetzt werden soll. Eine sehr wichtige Anwendung dieses Prinzips ist das „Einsalzen“ von Schafhäuten, insbesondere von Schafleder, um sie für den Export zu konservieren. Das Prinzip dieser Behandlung besteht darin, die Häute zunächst mit Schwefelsäure leicht anzuschwellen und die Schwellung anschließend durch Salz zu verringern – entweder durch Hinzufügen von Salz oder durch Verwendung in einem nachfolgenden Bad. In der Praxis wird heute üblicherweise auch bereits im ersten Bad Salz hinzugefügt, um die Schwellung zu mildern. Eine geeignete Konzentration für die „Anschwellungs-Lösung“ beträgt etwa 80 g gewöhnliches Salz sowie 7,5 g Schwefelsäure pro Liter. Für 100 ccm dieser Lösung sind daher etwa 15 ccm N⁄1-Alkalie erforderlich, um sie zu neutralisieren. Die Lösung sollte nach jeder Charge an Häuten getestet werden, und ihre Konzentration muss durch geeignete Zugabe von Säure aufrecht erhalten werden. Die von den Häuten aufgenommene Säure ist hauptsächlich Salzsäure; Natriumsulfat sammelt sich im Bad an. Salz wird von den Häuten nicht auf dieselbe Weise aufgenommen wie die Säure, sondern wird ständig durch das Wasser, das die Häute mitbringen, verdünnt; daher müssen gelegentlich weitere Mengen an Salz hinzugefügt werden, damit die Dichte bei etwa 65° Bkr. (1,065 spezifisches Gewicht) bleibt. Nachdem die Häute etwa 1/2 bis 3/4 Stunde in diesem Bad gewesen sind, werden sie in gesättigte Salzlösung überführt und dort weiter gerührt, bis ihre Dicke vollständig abnimmt – dabei wird die Dichte der Flüssigkeit durch einen Überschuss an Salz aufrechterhalten. Es ist vorteilhaft, die Häute einige Stunden in der gesättigten Salzlösung zu belassen. Innerhalb moderater Grenzen spielt die Stärke der Anschwellungs-Lösung keine große Rolle, da die Häute nur eine bestimmte Menge an Säure aufnehmen (die mit der Salzkonzentration zunimmt). In der zweiten, „Abschwellungs-Lösung“ zwingt der große Salzüberschuss alle vorhandenen Säuren in die Häute – keine Säure diffundiert mehr in das Bad. Mit weitaus geringeren Mengen an Säure können die Häute effektiv eingesalzen werden als die oben angegebenen Mengen; außerdem sind sie viel einfacher zu gerben.

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Zufriedenstellend – doch es wird gesagt, dass sie eher an Schimmel leiden. Die Einlegung kann auch dadurch erfolgen, dass die Häute in eine konzentrierte Salzlösung gelegt werden und eine berechnete Menge an Säure hinzugefügt wird, nicht mehr als 0,1 Gramm-Moleküle Schwefelsäure pro Kilogramm trockener Hautoberfläche. Doch diese Methode ist in der Praxis nicht wirtschaftlich, da das Wasser, das mit den Häuten in die Lösung gelangt, diese verdünnt und ständige große Mengen an Salz hinzugefügt werden müssen. Eingelegte Häute dürfen nicht mit Wasser in Berührung kommen, denn dadurch wird die Salzlösung verdünnt, wodurch die überschüssige Säure die Fasern angreifen und zerstören kann. Selbst Tropfen von Wasser, die versehentlich auf die Häute fallen, haben diesen Effekt – und es wird gesagt, dass dieser Effekt auch auf Bereiche übergeht, die nicht nass geworden sind. Aus ähnlichen Gründen ist es beim Gerben eingelegter Häute notwendig, den Prozess zumindest mit Flüssigkeiten zu beginnen, in denen Salz enthalten ist. Die benötigte Menge hängt von der Menge an Säure ab, die zur Einlegung verwendet wurde; wenn diese auf ein Minimum reduziert wird, ist es sogar möglich, ohne weitere Zufuhr von Salz außer dem, das bereits in den Häuten enthalten ist, zu gerben.[58] Der Einlegungsprozess verwandelt die Häute in eine Art Weißleder. Häute, die nach der Einlegung in gesalzten Flüssigkeiten oder durch Zugabe von Säure und Salz zu Sumach-Flüssigkeiten gegerbt werden, ergeben ein gutes Farbergebnis sowie widerstandsfähiges Leder – bei deutlich geringerer Verbrauchsmenge an Sumach. Die Langlebigkeit solchen Leders ist etwas fragwürdig; der Autor konnte in einer untersuchten Probe jedoch keine freie Schwefelsäure feststellen. Möglicherweise wird die durch die Einlegung entstandene Säure, wenn später keine Säure mehr hinzugefügt wird, vom Tannin ausgeschieden – doch das ist sehr unwahrscheinlich. [58] Anstelle von gesalzten Flüssigkeiten können die Häute vor dem Gerben auch durch ein Bad aus Weichmachern, Wasser, Borax oder einer anderen leicht alkalischen Lösung „enteingelagert“ werden. Die in den vorherigen Seiten besprochenen Fakten liefern eine ausreichende Erklärung für die Ursachen jener Entfettungsprozesse, die auf der einfachen Neutralisierung der im Leder vorhandenen alkalischen Stoffe beruhen, sowie für das Aufquellen durch Säure – ein Schritt bei der Herstellung vieler Arten von Sohlenleder. Sie erklären jedoch keineswegs vollständig die Ursachen für die viel stärkere Zerstörung des Leders durch bakterielle Produkte. Es wurde bereits darauf hingewiesen (S. 82), dass Gelatine und Lederfasern in einem neutralen Zustand durch Wasser aufquellen – doch das erreichte Gleichgewicht ist instabil und leicht durch geringfügige Einflüsse beeinflusst. Zu diesen gehören, wie Koerner[59] bereits betont hat, die Oberflächenspannung zwischen Wasser und den aufgequollenen Fasern. Solche Oberflächenspannungen werden stark von vielen Substanzen beeinflusst, zu denen auch bakterielle Enzyme gehören. Viele Salze verändern außerdem die Wasseraufnahme der gelatinösen Fasern – manchmal führt das zum Aufquellen, manchmal zum Zusammenziehen.

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Je nach Temperatur, Konzentration und Art des Salzes. Obwohl die meisten Salze anscheinend nicht von den Lederfasern aufgenommen werden, ist es möglich – wie Koerner (ebd.) vorschlägt – dass in einigen Fällen die Base mit den Säuregruppen sowie die Säure des Salzes mit den basischen Gruppen der Gelatine-Moleküle verbunden werden kann. Es sind außerdem weitere Fälle bekannt, in denen Salze tatsächlich dissoziiert werden und ihre Säuren durch die Affinitäten der Lederfasern gebunden bleiben. Ein interessanter Fall dieser Art wurde kürzlich von Paessler und Appelius[60] nachgewiesen; sie zeigten, dass Schwefelsäure aus einer Lösung von Natriumsulfat aufgenommen wurde und das neutrale Sulfat in der Lösung zurückblieb. Ähnliche Reaktionen treten zweifellos auch bei einigen Salzen starker Säuren und schwacher Basen auf, doch dieses Thema muss im Zusammenhang mit der Theorie der mineralischen Gerbung ausführlicher erörtert werden.
[59] Beiträge zur wissenschaftlichen Grundlage der Gerberei, Jahresberichte der deutschen Gerberschule zu Freiberg, 1898–9 und 1899–1900.
[60] Wissenschaftliche Beilage des Ledermarkt, 1901, II, S. 106.

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KAPITEL X.
Wasser im Gerbereibetrieb

Von allen Materialien, die bei der Gerbung verwendet werden, ist kein anderes so unverzichtbar wie Wasser. Seine Qualität hat zweifellos einen großen Einfluss auf den Gerberprozess – doch es wird oft für Fehler und Probleme verantwortlich gemacht, die eigentlich auf die Fehler des Gerbers zurückzuführen sind.

Wasser wird in Gerbereien hauptsächlich zur Einweichung und Reinigung von Häuten sowie zur Herstellung von Lauge, Gerbmitteln und Gerbstofflösungen verwendet. Zudem dient es in Dampfkesseln sowie bei der Färbung. Für all diese Zwecke sollte es möglichst frei von Verunreinigungen sein. Da Wasser jedoch das universellste Lösungsmittel in der Natur ist, findet man es niemals rein vor – es enthält stets Mineralstoffe, die aus den Gesteinen und Böden stammen, durch die es geflossen ist, sowie organische Verunreinigungen aus verrottendem tierischem und pflanzlichem Material. Mit diesen verbunden sind meist lebende Organismen, die die Qualität des Wassers für die Gerbung noch stärker beeinträchtigen können als die Mineralverunreinigungen. Die reinsten natürlichen Gewässer sind jene, die nur über harte Sandsteine und vulkanische Gesteine geflossen sind. Wasser, das für Laborzwecke ausreichend rein ist, kann nur durch Destillation gewonnen werden. Das Dampfwasser aus Heizrohren enthält in der Regel große Mengen an gelöstem Eisen sowie oft auch flüchtige organische Stoffe aus Ölen usw., die in den Kessel gelangen. Manchmal kann dieses Wasser durch Kochen (was das vorhandene Eisencarbonat ausfällt) sowie anschließendes Absetzen oder Filtern wieder gebrauchsfähig gemacht werden. Der Einsatz von eisenhaltigem Dampfwasser ist eine häufige Ursache für Flecken und Verfärbungen in der Gerberei – was den Vorteil seiner Weichheit mehr als ausgleicht.

Die „Härte“ natürlicher Gewässer beruht hauptsächlich auf den Salzen von Kalzium und Magnesium, die darin enthalten sind. Diese Salze lassen Seife in Form unlöslicher Stearate und Oleate ausfallen, die für das Waschen nutzlos sind. Die Härte wird in der Regel dadurch bestimmt, wie viel einer Standard-Alkohol-Seifenlösung zugesetzt werden muss, damit beim Schütteln eine dauerhafte Schaumkrone entsteht. Theoretisch werden etwa 12 Teile Seife (Natriumstearat oder Natriumoleat) durch 1 Teil Calciumcarbonat oder eine äquivalente Menge anderer Kalziumsalze zerstört, wodurch unlösliche Kalziumseifen entstehen. In Wirklichkeit ist die Reaktion aufgrund der Auflösung der Seife in Wasser in freie Alkalien und Säuresalze viel komplizierter. Teed[61] schätzt, dass 1/3 bis 1/2 mehr benötigt wird.

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mehr als die theoretische Menge – und in heißem Wasser mehr als in kaltem. Diese Unsicherheit wird teilweise dadurch überwunden, dass die Seifenlösung mit einer bekannten Kalziumchloridlösung verglichen wird. Das Vorhandensein von Magnesia erschwert den Test zudem und führt zu abweichenden Ergebnissen.
[61] Journ. Soc. Chem. Ind., 1889, S. 256. Vgl. auch Allen, ebenda 1888, S. 795.

Die von Hehner entwickelten Methoden zur Bestimmung der Härte (siehe L.I.L.B., S. 19) sind einfacher und genauer als der Seifentest und sollten daher bevorzugt werden – außer bei der direkten Beurteilung der Eignung eines Wassers zum Reinigen mit Seife. Die „Härtegrade“ in England werden als Anteile an CaCO3 pro 100.000 oder manchmal als Körner pro Gallone (70.000 Körner) berechnet. Es gibt zwei Arten von Härte: „vorübergehende“ und „beständige“; die erstere lässt sich durch Kochen beseitigen, während die letztere nicht so leicht entfernt werden kann.

Die vorübergehende Härte besteht aus Carbonaten der Alkalimetalle, die durch einen Überschuss an Kohlensäure in Lösung gehalten werden. Kalk verbindet sich mit einer Molekül von Kohlendioxid zu dem gewöhnlichen Normalcarbonat (Kreide), das praktisch unlöslich in Wasser ist. Wenn jedoch ein Überschuss an Kohlensäure vorhanden ist, entsteht das recht gut lösliche wässrige Calciumcarbonat (Bikarbonat). Dies lässt sich leicht dadurch nachweisen, dass Kohlendioxid in etwas verdünntes Kalkwasser geleitet wird: Zunächst wird das Wasser trüb durch die ausfällende Kreide, doch bald klärt es sich durch die Bildung des löslichen wässrigen Carbonats wieder auf. Wenn die Lösung nun gekocht wird, zerfällt das wässrige Carbonat, der Überschuss an Kohlensäure entweicht als CO2 und die Kreide fällt erneut aus. Die Reaktionen werden durch die folgenden Gleichungen dargestellt:
Ca(OH)₂ + CO₂ → CaCO₃ + H₂O. (1)
CaCO₃ + CO₂ + H₂O → Ca(HCO₃)₂. (2)

Magnesia bildet auf ähnliche Weise lösliche Doppelcarbonate, verliert aber beim weiteren Kochen allmählich seinen gesamten Kohlensäuregehalt und fällt als Magnesiumhydroxid, Mg(OH)₂, aus.

Eine der wichtigsten Reaktionen im Zusammenhang mit der vorübergehenden Härte ist die durch das Hinzufügen von Calciumhydroxid (verbrannter Kalk) verursachte Reaktion, die die Grundlage von Clarks Entkalkungsverfahren darstellt. Wenn eine äquivalente Menge an Kalk zu einer Lösung von wässrigem Calciumcarbonat hinzugefügt wird, verdrängt sie das Wasser des „halbgebundenen“ Kohlensäures, wodurch eine zweite Molekül von Calciumcarbonat entsteht, das zusammen mit dem ursprünglich vorhandenen ausfällt – wie in der folgenden Gleichung dargestellt:

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CaCO3
H2CO3 –+ Ca(OH)2 = 2CaCO3 + 2OH2. (3)

Magnesiumcarbonathydrat wird ebenfalls durch Kalk ausgefällt, doch die Reaktion ist etwas anders: Das Magnesium wird als Hydrat entfernt, wie folgt:
MgCO3 –+ H2CO3 + 2Ca(OH)2 = 2CaCO3 + 2OH2 + Mg(OH)2. (4)

Es sei darauf hingewiesen, dass 2 Äquivalente an Kalk benötigt werden, um 1 Äquivalent an Magnesium zu entfernen. Zwei Moleküle Natriumhydroxid (NaOH) oder Kaliumhydroxid (KOH) können anstelle von 1 Ca(OH)2 verwendet werden – mit ähnlichen Ergebnissen. In einigen Fällen ist es praktisch vorteilhaft, das前者 zu verwenden, da das bei der Entfernung der vorübergehenden Härte entstehende Natriumcarbonat erneut auf die dauerhafte Härte wirkt und dadurch Kalk sowie Magnesium als Carbonate ausfällt. (Siehe S. 101.)

Abb. 19 – Grundriss des Apparats von Archbutt und Deeley.
Größerer Grundriss (110 kB)

Der Einsatz von Kalk zur Weichmachung von wasser mit vorübergehender Härte wurde ursprünglich von Thomas Henry, F.R.S., aus Manchester vorgeschlagen, wurde aber erstmals als praktischer Prozess von Clark angewandt, der nach Zugabe der erforderlichen Menge an Kalk ins Wasser…

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In einem Mischbehälter wird das Wasser in einem großen Tank abgestanden, damit sich die ausgefallenen Kalziumkarbonate durch Sedimentation absetzen können – dabei dauert es 6 bis 12 Stunden, bis sie sich vollständig gesetzt haben. Der Prozess in seiner ursprünglichen Form ist durchaus zufriedenstellend, mit Ausnahme der benötigten großen Sedimentationsbehälter, die in einigen Fällen unpraktisch und teuer sind. Die Herren Archbutt und Deeley[62] haben eine Verbesserung des Clark-Verfahrens patentiert, bei der die Zeit der Sedimentation erheblich verkürzt wird. Dabei bleibt das in früheren Schritten ausgefallene Kalziumkarbonat im Behälter, während frisches Wasser sowie Kalzium mithilfe von Dampfinjektoren damit vermischt werden. Diese injizieren einen Luftstrom durch perforierte Rohre am Boden des Behälters und erwärmen das Wasser gleichzeitig leicht. Bei etwas höherer Temperatur verläuft der Prozess viel schneller als bei kalten Temperaturen. Interessanterweise setzt sich das aufgewirbelte Sediment statt dessen schnell ab und trägt dabei auch das in den neuen Schritten entstandene Sediment mit sich. Dieses Verfahren eignet sich besonders gut zur Aufbereitung von Wassern, die Magnesia enthalten – aus diesen kann nämlich leicht ein Kombinationsstoff aus Kalzium und Magnesia in kolloidaler Form ausgefallen, der Filterstoffe verstopft und sich nicht leicht absiedelt. Nach der Weichmachung wird das Wasser in der Regel „kohlensäurehaltig“ gemacht, indem die beim Verbrennen von Kokskohle entstehenden Gase in einen herausführenden Rohrleitung eingeleitet werden. Dadurch bleiben eventuell noch vorhandene Spuren von Kalzium- und Magnesiumkarbonaten in löslicher Form erhalten und es wird verhindert, dass sie später in den Rohrleitungen ausfallen. Das Gerät wird von den Herren Mather und Platt aus Manchester hergestellt; seine Anordnung ist in den Abbildungen 19 und 20 dargestellt.
[62] Journ. Soc. Chem. Ind., 1891, S. 511.

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Abb. 20.
Größere Ansicht (115 kB)

Es wurden mehrere Modifikationen des Clark-Verfahrens eingeführt, bei denen die Ausfällung kontinuierlich statt intermittierend stattfindet. Die wichtigste davon ist das Porter-Clark-Verfahren: Ein Teil des zu weichmachenden Wassers fließt durch einen Agitator, der mit überschüssigem Kalk versorgt ist; dadurch entsteht gesättigte Kalkwasserlösung, die langsam in einen Zylinder geleitet wird, wo der überschüssige suspendierte Kalk abgeschieden wird. Das so entstandene klare Kalkwasser wird in einem zweiten Zylinder, der ebenfalls über einen Agitator verfügt, mit einem frischen Teil des zu weichmachenden Wassers vermischt. Das Verhältnis der beiden Flüssigkeiten wird durch Ventile geregelt. Der Kalziumcarbonat fällt sofort aus und wird durch Durchfluss durch eine Filterpresse entfernt. Dieses Verfahren wird erfolgreich in großem Maßstab in der Gerberei von Herrn Hodgson in Beverley eingesetzt.

Auch verschiedene andere Filterarten wurden erfolgreich eingesetzt, ebenso Methoden, bei denen das aufbereitete Wasser durch Behälter mit schrägen Trennwänden fließt, auf denen sich der Kalziumcarbonat ablagert. Dieser Ansatz wurde ursprünglich…

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In Frankreich wurde es von Gaillet-Huet patentiert und in England von Stanhope eingeführt. Soweit bisher bekannt ist, ist es aus Sicht des Gerbers kaum notwendig, zwischen Kalk und Magnesia zu unterscheiden; beide können einfach als „Härte“ betrachtet werden. Hartes Wasser weichdet getrocknete Häute vermutlich langsamer als reineres Wasser – doch die beobachtete Unterschiede in der benötigten Zeit können in vielen Fällen auf die niedrigere Temperatur der Brunnen zurückzuführen sein, aus denen hartes Wasser in der Regel entnommen wird. Bei der eigentlichen Behandlung mit Kalk kann die Härte des Wassers keine nennenswerte Auswirkung haben; falls jedoch ausschließlich Natriumsulfid zur Enthaarendung verwendet wird, entsteht aufgrund der vorübergehenden Härte ein gewisser Abfall, wodurch es ratsam sein kann, etwas Kalk hinzuzufügen. Erst bei der Reinigung der Häute vom Kalk wird der Einfluss von hartem Wasser erst richtig spürbar. Wenn kalkhaltige Produkte nach der Enthaarendung in Wasser mit hoher vorübergehender Härte gelegt werden, tritt dieselbe Wirkung wie im Clark’schen Wasserweichverfahren auf: Kalk wird an der Oberfläche der Häute abgelagert, wodurch diese rau werden und ihr Gewebe „zerzaust“ oder uneben wird. Die gängige, aber nicht ganz zufriedenstellende Lösung besteht darin, etwas Kalk – oder besser noch einige Eimer Kalklösung – ins Wasser zu geben, bevor die Häute hineingegeben werden. Am besten ist es, Wasser zu verwenden, das ordnungsgemäß weichgeklärt wurde. Permanente Härte hat in diesem Zusammenhang keine schädlichen Auswirkungen. Leider wird durch den Einsatz von hartem Wasser bei der Reinigung der Häute nicht nur das Gewebe geschädigt, sondern auch die in den Flüssigkeiten vorhandenen Basen verbinden sich mit Säuren und Tanninen, wodurch Verbindungen entstehen, die bei Kontakt mit Luft oxidieren und dunkler werden. Diese sind die häufigsten Ursachen für Flecken und Verfärbungen auf allen Arten von Leder. Selbst wenn die Produkte vor dem Gerben eingeweicht oder behandelt werden, wird der Schaden nicht verhindert – denn die schwachen organischen Säuren, die in der Lage sind, den Kalk aus dem Leder zu entfernen, haben nur wenig Wirkung auf die abgeschiedenen Carbonate, die nur mit stärkeren Säuren gelöst werden können. Es sei darauf hingewiesen, dass derselbe schädliche Effekt auf kalkhaltige Produkte auch durch freies Kohlensäuregas entsteht, das selbst in weichem Wasser vorkommen kann. Wenn bei der Auswaschung der Gerbmaterialien temporär hartes Wasser verwendet wird, wird die Kohlensäure durch die Tannine ersetzt. Dadurch entstehen Verbindungen, die ähnlich wie die oben erwähnten sind, keine Gerbung bewirken und bei Kontakt mit Luft dunkler und verfärben. Obwohl die Menge an Kalk in einem Liter selbst des härtesten Wassers sehr gering ist, summiert sie sich bei tausenden von Gallonen, die wöchentlich in einer größeren Gerberei verwendet werden, auf eine beträchtliche Menge. Da die Molekulargewichte der Tannine sehr hoch sind, ist die Menge an zerstörten Tanninen um ein Vielfaches größer als die Menge an Kalk. Diesen Verlust kann man vermeiden, indem man ausreichend Mineral säure hinzufügt, um die vorübergehende Härte in permanente umzuwandeln.

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Härte: (b) durch den Einsatz von Oxalsäure, die das gesamte Kalzium als Oxalat ausfällt, oder (c) am besten durch Aufweichung des Wassers durch geeignete Behandlung vor der Verwendung. Jeder Anteil an vorübergehender Härte, berechnet als CaCO3 (L.I.L.B., S. 19), erfordert 1,26 Teile kristallisierte Oxalsäure oder 0,98 Teile H2SO4 – oder auch einen Teil gewöhnlichen Schwefelsäures öls mit spezifischem Gewicht von 1,840 pro 100.000 Teilen Wasser. Da Kalzium und Magnesium aus wasser mit vorübergehender Härte durch Kochen ausgefällt werden, lagern sie sich in Dampfkesseln als weicher Niederschlag ab; einen Großteil davon kann man durch geeignete Maßnahmen entfernen. Wenn jedoch Öle oder Fette in den Kessel gelangen, entsteht ein weicher, voluminöser, haftender Niederschlag, der verhindert, dass das Wasser die Platten erreicht – diese können dadurch extrem heiß werden und zum Einsturz oder zur Explosion führen. Dieser Effekt tritt bei Mineralölen nicht auf; im Gegenteil neigen sie dazu, eine Anhaftung von Ablagerungen an den Platten zu verhindern. Da geeignete Mineralöle nicht nur günstiger sind, sondern auch viel weniger schädlich für die Arbeitskomponenten von Dampfmaschinen als tierische oder pflanzliche Öle sowie Talg, sollten sie stets vorzugsweise für solche Zwecke verwendet werden. Wasser, das aufgrund von Calcium- und Magnesiumkarbonaten vorübergehend hart ist, eignet sich nicht zum Färben, da die Karbonate mit basischen Farbstoffen reagieren, den Farbstoffkern ausfallen lassen und somit einen Teil des Farbstoffs unbrauchbar machen. Zudem verursacht dieser Niederschlag auf der Oberfläche ungleichmäßiges Färben sowie Flecken und Streifen. Beim Färben mit basischen Farbstoffen ist es daher ratsam, vor der Verwendung ausreichend Essigsäure zum Wasser hinzuzufügen, um die vorhandenen Karbonate vollständig zu neutralisieren. Natürlich ist diese Behandlung völlig unnötig, wenn saure Farbstoffe verwendet werden, da Säure in der Regel zusammen mit dem Farbstoff zugesetzt wird; außerdem ist bei Färbemitteln auf pflanzlicher Basis das Vorhandensein einer kleinen Menge an Kalziumsalzen vorteilhaft. Da jeder „Grad“ der Gesamthärte eine Seifenzerstörungskraft von mindestens 2 Unzen Seife pro 100 Gallonen Wasser darstellt, muss bei der Herstellung von „Fettlösungen“ aus Seife und Öl auf den Verlust von Seife durch ihre Ausfällung durch die Mineralstoffe im Wasser Rücksicht genommen werden. Die klebrigen Kalziumseifen neigen dazu, sich an dem Leder anzulegen und das Glanzverfahren zu stören; daher ist es viel besser, weiches Wasser zu verwenden. Die permanente Härte von Wasser wird in der Regel durch Sulfate von Kalzium und Magnesium verursacht, seltener durch Chloride und Nitrate. Da keines dieser Stoffe durch Kalzium ausgefällt werden kann, kann die permanente Härte weder durch Clarks Verfahren beseitigt werden noch den schädlichen Effekt auf mit Kalzium behandeltes Leder hervorrufen, der der vorübergehenden Härte zugeschrieben wird. Auch das vorhandene Kalzium und Magnesium können sich nicht mit Tanninen verbinden, falls sie zur Extraktion verwendet werden, da sie bereits durch stärkere Säuren gebunden sind; höchstens können sie durch eine geringfügige Verringerung der Löslichkeit der Tannine schädlich wirken. Auch dieser Effekt kann jedoch nicht als erwiesen angesehen werden, obwohl er weiterer Untersuchungen bedarf.[63] Permanente Härte ist daher kaum von Bedeutung.

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In Bezug auf die üblichen Anwendungen in der Gerberei ist das Kalzium von geringer Bedeutung – doch es hat einen erheblichen Einfluss auf einige Färbeprozesse. Zudem wirkt es sehr schädlich, wenn Seife zur Reinigung verwendet wird, wie beispielsweise beim Waschen von Schaffellen für Wollläufer. Jeder Teil Kalziums, der als Carbonat vorliegt, zerstört mindestens zwölf Teile reiner Seife (Natriumstearat oder Oleat). Dadurch entsteht eine klebrige, unlösliche Kalziumseife, die an den Fasern haftet. Bei der Gerbung von Ledersohlen kann eine dauerhafte Härte manchmal vorteilhaft sein – insbesondere dann, wenn sie durch Calcium- und Magnesiumsulfate verursacht wird. Vignon empfahl, vor der Verwendung genügend Schwefelsäure zum Wasser hinzuzufügen, um die Carbonate, die eine vorübergehende Härte verursachen, vollständig zu neutralisieren. Da Magnesium- und Calciumsulfate nicht schädlich sind, sondern dazu beitragen, das Leder weicher zu machen, muss man jedoch bedenken, dass die freigesetzte Kohlensäure dennoch nachteilige Auswirkungen auf mit Kalzium behandeltes Leder haben kann.

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[63] Jüngste Untersuchungen von Nihoul („Influence de la nature de l’eau sur l’extraction des matières tannantes“, Bulletin de la Bourse aux Cuirs de Liège, September 1901) zu den Gerbewässern in Belgien deuten darauf hin, dass die permanente Härte bei der Extraktion von Gerbstoffen schädlicher ist, als allgemein angenommen wird. Permanente Härte ist insbesondere in Wassern problematisch, die zur Versorgung von Kesseln verwendet werden – Calciumsulfat ist dabei besonders problematisch, da es bei 150 °C oder unter einem Dampfdruck von 55 lb fast unlöslich wird und als harte kristalline Schicht auf den Kesselplatten ablagert, die mit einem Hammer entfernt werden muss. Wenn viele Kessel mit hartem Wasser betrieben werden müssen, ist es am besten, das Wasser vor dem Eintritt in den Kessel mit Natronlauge oder zusammen mit Kalk und Soda weich zu machen. In Fällen, in denen eine solche Maßnahme zu kostspielig wäre, werden manchmal spezielle Kesselmittel eingesetzt, wobei jedoch Vorsicht geboten ist, da einige davon die Kesselplatten schädigen können. Der aktive Bestandteil vieler Kesselmittel ist Natriumcarbonat, das durch eine Doppelzersetzung mit Calciumsulfat wirkt – dabei entsteht Natriumsulfat und Calciumcarbonat fällt als Sediment aus, das leicht entfernt werden kann. Die meisten Gerbstoffe sowie sogar abgenutzte Gerbelösungen verhindern oder verringern die Ablagerung, wenn sie mit dem Zulaufwasser vermischt werden – doch manchmal korrodieren sie die Kesselplatten, wenn sie in zu großen Mengen verwendet werden. Dieses Risiko lässt sich verringern, indem sie zusammen mit Natron verwendet werden. Schwermineralöle, die entweder in geringen Mengen mit dem Zulaufwasser zugegeben werden oder beim Reinigen auf die Seiten der Kessel aufgetragen werden, helfen dabei, die Bildung einer festen Schicht zu verhindern. Die Entfernung der permanenten Härte aus Wasser ist bei den meisten Verfahren zur Wasserweichmachung mithilfe von Kalk einfach möglich, indem eine berechnete Menge an Natriumcarbonat hinzugefügt wird. Die Reaktion bei Calciumsulfat wird durch folgende Gleichung dargestellt: CaSO4 + Na2CO3 = CaCO3 + Na2SO4. Auch die Umwandlung von Magnesiumsulfat in Carbonat ist möglich – doch da dieses etwas löslich ist, muss ein zusätzliches Äquivalent an Kalk verwendet werden, um es als Hydrat auszufällen. Magnesiumsalze verursachen aufgrund ihrer Löslichkeit keine Ablagerungen in Kesseln – allerdings neigt das Chlorid dazu, Korrosion hervorzurufen. Sie zerstören jedoch genauso wie Calciumsalze Seife. Natronlauge beseitigt die vorübergehende Härte und reagiert nach ihrer Umwandlung in Carbonat auch mit eventuell vorhandener permanenter Härte – daher ist ihr Einsatz manchmal praktisch, insbesondere in kleinen Mengen.

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Gerinnungshemmer sind zwar vorhanden, doch sie sind nicht wirksamer und erheblich teurer als eine geeignete Mischung aus Kalk und Natriumcarbonat. Selbst mit diesen Mitteln sei die Kosten für die Beseitigung der permanenten Härte etwa zehnmal so hoch wie bei der Beseitigung der vorübergehenden Härte allein mit Kalk, so Archbutt.[64] [64] Proceedings of Inst. of Mech. Engineers, 1898, S. 404–54 – in diesem Werk werden wertvolle Informationen zur Wasserenthärtung bereitgestellt.
Was den Einfluss anderer Verunreinigungen angeht, so ist unser Wissen noch lange nicht vollständig. Dennoch sind folgende Stoffe am wichtigsten und am ehesten vorhanden:
Schlamm ist unter allen Umständen unerwünscht. Er enthält oft organischen Schleim sowie Organismen, die die Fäulnis von Leder fördern, das darin gewaschen oder weich gemacht wird. Zudem enthält Schlamm fast immer Eisen als Bestandteil, was dazu führt, dass das Leder gefärbt wird und dunkle Flüssigkeiten entstehen. Schlamm lässt sich nicht leicht durch Filtration entfernen – große Filterbetten sind teuer und schwer in Ordnung zu halten, außerdem ist viel Platz erforderlich, um das Wasser durch Sedimentation zu reinigen. Mechanische Filter, die leicht gereinigt werden können und unter Druck verwendet werden, bieten die besten Chancen auf Erfolg. Die Pulsometer Company stellt einen solchen Filter her, der aus fest gepacktem Schwamm unterhalb eines perforierten Kolbens besteht. Um den Filter zu reinigen, wird ein Wasserschwall in die entgegengesetzte Richtung geleitet, und der Kolben wird per Hand oder mit Hilfe von Antriebsmitteln nach oben und unten bewegt, damit der Schwamm gelockert und geknetet werden kann. Filterpresse, bei denen Stoffe oder in manchen Fällen Sand als Filtermedium verwendet werden, eignen sich ebenfalls gut für diesen Zweck. Wenn Wasser mithilfe des Clark-Verfahrens oder anderer Verfahren enthaltene Eisenverbindungen entfernt werden, trägt der ausgefallene Kalk den Schlamm sowie die meisten Organismen mit sich.
Eisen ist in Gerbereien stets eine unerwünschte Verunreinigung – allerdings schadet es der Qualität des Leders weniger als sein Einfluss auf dessen Aussehen. Tatsächlich fügen deutsche Ledergewerbler oft altes Eisen in die Behälter ein, um die Farbe des Leders zu verdunkeln – vermutlich auch, um den Gerbprozess zu beschleunigen. Eisen darf in Wasser, das zum Färben verwendet wird, nicht vorkommen. Eisendioxid kommt meist nur in Form von Schlamm vor; in diesem Fall kann es durch Filtration entfernt werden. In anderen Formen als dem von Carbonat ist Eisen selten gelöst – Sulfat oder Chlorid können schließlich nicht in Gegenwart von Kalziumbikarbonat vorhanden sein. In dieser Form wird Eisen durch Kochen oder durch Zugabe von Kalk sofort ausgefällt – genauso wie die auf andere Basen zurückzuführende vorübergehende Härte in Form von Eisenhydroxid. Langsamer erfolgt die Ausfällung durch Oxidation bei Kontakt mit Luft. Der durch die Entfernung von Eisen aus Wasser entstehende Schlamm muss vollständig durch Filtration oder Sedimentation entfernt werden, bevor das Wasser weiterverwendet werden kann.

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Bei der Auswaschung löst sich das Eisen wieder in den Säuren der Lösungen auf. Eisen ist in den Waschwannen nicht erkennbar schädlich, doch in den Einweichbecken kann es manchmal Flecken verursachen, die erst durch die Gerbstofflösungen schwarz werden und dann sichtbar werden. In Gegenwart von Schwefel – entweder aus Natriumsulfiden oder durch die Zersetzung von Sulfaten durch Schwefelbakterien, die fast immer in den Einweichbecken vorhanden sind – werden die Flecken bläulich oder grünlich-schwarz, und es bildet sich oft ein schwarzer Belag an den Wänden des Beckens. Die Fäden der Schwefelbakterien (Thiothrix) können dabei oft unter dem Mikroskop erkannt werden. Da Eisensalze nicht nur mit Gerbstoffen reagieren, sondern selbst als Gerbstoffe wirken (siehe S. 198), werden sie schnell vom Leder aufgenommen. Eisen ist daher stets in der Asche des Leders enthalten. (Zur Erkennung und Bestimmung siehe L.I.L.B., S. 218.)

Aluminiumoxid kommt außer in Form von Ton nur selten in Gewässern vor und ist vermutlich in allen für die Gerbung geeigneten Gewässern unbedenklich. Natrium kommt manchmal in beträchtlichen Mengen vor, entweder als Sulfat, Chlorid oder Carbonat. Das Sulfat ist vermutlich unwirksam. Chloride, sofern sie in nennenswerten Mengen vorhanden sind, verhindern das Aufquellen des Leders und können dazu führen, dass das Leder dünn und weich wird. In großen Mengen behindern sie zudem die ordnungsgemäße Verarbeitung vieler Gerbstoffe. Natriumcarbonat kommt manchmal in beträchtlichen Mengen vor, wie beispielsweise in einigen Gewässern im Leeds-Gebiet. Es kann mit vorübergehender Härte koexistieren und ähnliche schädliche Effekte hervorrufen. In Gewässern, in denen es vorhanden ist, kann es keine echte permanente Härte geben. Es kann durch vorsichtige Zugabe eines Säures oder durch Mischung mit Wasser mit permanenter Härte neutralisiert werden. Es führt zu einem erhöhten Aufquellen des Leders in den Waschwannen, neutralisiert aber die freien Säuren der Gerbstofflösungen, die für die Gerbung von Ledersohlen notwendig sind.

Kupfer, Blei und andere Metalle kommen in den für die Gerbung verwendeten Gewässern wahrscheinlich nicht in Mengen vor, die schädlich wären. Schwefelsäure kommt selten frei in Gewässern vor – und wenn, dann nur in Spuren, die für die Gerbung unbedenklich sind, wohl aber für Dampfkessel schädlich sein können. In Form von Sulfaten ist sie am häufigsten anzutreffen. Alkalische Sulfate weisen keine schädlichen Wirkungen auf. Die Sulfate von Kalk und Magnesia sind die Hauptursache für permanente Härte. Eisensulfat findet sich manchmal in Bergwerkswässern.

Nitrate und Nitrite in Gewässern sind in der Regel das Ergebnis einer vorherigen Verschmutzung durch Abwässer. Sie sind nur von Bedeutung als Anzeichen für das mögliche Vorhandensein von zersetzenden Enzymen und spielen in den Gewässern kaum eine Rolle.

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Wird nur zu Herstellungszwecken verwendet; es scheint sogar nützlich zu sein, um die Wirkung von Branndämpfen zu fördern, indem es den für die Gärung benötigten Stickstoff liefert. Chlor ist im Wasser selten oder nie in freier Form vorhanden, sondern nur in Form von Chloriden – am häufigsten als Natriumchlorid (Kochsalz); deren Wirkung wurde bereits oben sowie auf Seite 88 erwähnt. Die Wirkung anderer Chloride ist bezüglich der Aufquellung des Leders vermutlich ähnlich. Magnesiumchlorid ist als Bestandteil von Kesselwasser äußerst problematisch, da es bei hohen Temperaturen Salzsäure freisetzt und die Rohre an der Wasseroberfläche korrodieren lässt. Diesen Schaden kann man durch Zugabe von Soda verhindern. Kohlensäure wurde unter dem Begriff „vorübergehende Härte“ erwähnt. Ihre Anwesenheit in freier Form ist für den Gerber von gewissem Interesse (siehe Seite 99). Silicumsäure in löslicher Form kommt in einigen Gewässern in beträchtlichen Mengen vor. Solche Gewässer sollen das Leder verhärten; der Verfasser hat jedoch keine persönlichen Erfahrungen dazu. Es wurden nur wenige genaue Untersuchungen zur Wirkung von Wasserunreinheiten auf das Gerben durchgeführt.[65] Obwohl aus dem Gesagten hervorgeht, dass diese Unreinheiten nicht wirkungslos sind, ist es wahrscheinlich, dass in vielen Fällen das Wasser für Probleme verantwortlich gemacht wird, die einfach auf falsche Handhabung zurückzuführen sind, und ihm Eigenschaften zugeschrieben werden, die eigentlich auf sorgfältige und geschickte Herstellung beruhen. [65] Siehe Nihoul, „Influence de l’eau sur l’extraction des matières tannantes,“ Bulletin de la Bourse aux Cuirs de Liège, September 1901. Die Härte des Wassers sowie die darin gelöste Kohlensäure sind zusammen mit der Temperatur die wichtigsten Faktoren, die bestimmen, ob sich das Leder aufbläht oder zusammenfällt. Die fast einzige genaue Untersuchung zu diesem Thema wurde von W. Eitner durchgeführt.[66] Er legte Lederstücke, die durch Schwitzen enthaart worden waren und völlig flach und zusammengefallen waren, vier Tage lang bei einer Temperatur von 46° F. (8° C.) ins Wasser – mit folgenden Ergebnissen: 1. In destilliertem Wasser: Kaum Aufblähung. 2. In mit CO2 gesättigtem Wasser: Gut aufgebläht. 3. In Wasser mit Kalziumhydrogencarbonat, 20° auf der deutschen Härteskala: Erträglich aufgebläht. 4. In Wasser mit Magnesiumhydrogencarbonat, 20° derselben Skala: Ebenfalls erträglich aufgebläht. 5. In Wasser mit Kalziumsulfat, 20° derselben Skala: Gut aufgebläht. 6. In Wasser mit Magnesiumsulfat, 20° derselben Skala: Am besten aufgebläht.

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7. Magnesiumchlorid, 20° dH. Keine Aufquellung zu verzeichnen.
8. Kochsalz, 20° dH.

(1 deutsches Härtegrad entspricht 1 Teil CaO auf 100.000.)

[66] Gerber, iii. (1877) S. 183.

Die Besonderheiten, die die Tierhäute nach dem Herausholen aus dem Wasser zeigten, blieben während des Gerbprozesses bestehen. Dieser wurde nach der deutschen Methode durchgeführt: Die Häute wurden in schwachen Birkenrindenlösungen eingeweicht, die aus destilliertem Wasser hergestellt und in jedem Fall mit gleichen Mengen Milchsäure gesäuert wurden. Anschließend wurden sie, bis sie gegerbt waren, in einer Mischung aus Eichenrinde und Valonia aufbewahrt. Nummer 6 – hergestellt aus Magnesiumsulfat – war am besten; danach kam Nummer 2. Nummer 3 war weniger gut, doch alle Stücke von 1 bis 6 waren fest, kompakt und besaßen eine gute Struktur sowie Textur. Nummer 1 hatte sich in der sauren Lösung gut aufgebläht. Andererseits blähten sich die Stücke 7 und 8 kaum in der Lösung auf, blieben die ganze Zeit flach und waren lockerer, dünner sowie aus feineren Fasern bestehend. Aus diesem Experiment geht hervor, dass Sulfate und Carbonate eine positive Wirkung auf die Aufquellung haben, während Chloride das Gegenteil bewirken – sie führen nicht nur nicht zur Aufquellung, sondern bringen die Häute auch in eine ungünstige Verfassung für die Wirkung der Säuren in den Lösungen. Diese Erkenntnisse werden durch die praktische Erfahrung des Autors vollständig bestätigt. Das Wasser in der Lowlights-Tannerie, das bei trockenem Wetter größtenteils aus Schichten ursprünglichem Meeressand stammte und daher einen sehr hohen Anteil an Chloriden enthielt (bis zu 68 Teile NaCl auf 100.000), erforderte eine besondere und sehr sorgfältige Behandlung, um dickes Leder herzustellen – obwohl es einen beträchtlichen Anteil an Kalzium- und Magnesiumsulfaten enthielt. Diese Fakten unterstreichen auch die Bedeutung einer gründlichen Entfernung von Salzen aus Häuten, die für Ledersohlen verwendet werden sollen. Bei Leder, das zum Verarbeiten bestimmt ist, ist eine Aufquellung nicht wünschenswert. Es ist möglich, dass der Einsatz eines kleinen Prozentsatzes Salz in den Lösungen oder Waschwässern in einigen Fällen das Verwenden von Aufquellmitteln überflüssig macht. Wie ein Aufquellmittel würde auch Salz einen kleinen Anteil des Lederstoffs auflösen (siehe S. 65). Es gibt keine praktikablen Methoden zur Entfernung von Chloriden aus Wasser, doch Eitner schlägt vor, in Wasser mit hohem vorübergehendem Härtegrad (Bikarbonate) eine kleine Menge Schwefelsäure zuzufügen, um diesen in einen dauerhaften Härtegrad (Sulfate) umzuwandeln – wie bereits erwähnt, führt dies zu einer besseren Aufquellung. Die benötigte Menge kann anhand einer Acidimetrie des vorübergehenden Härtegrades berechnet werden (siehe L.I.L.B., S. 19). Ein einfacher, aber nicht besonders genauer Richtwert ist es, so viel Säure hinzuzufügen, dass das Wasser violett wird – aber nicht rot.

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Litmuspapier – selbst nachdem dieses einige Minuten lang im Wasser bewegt wurde. In der Praxis muss das Säuremittel natürlich gründlich mit dem Wasser durch Rühren und Untertauchen vermischt werden. Es muss bedacht werden, dass Eitners Experiment an geschwitzten Häuten durchgeführt wurde; bei mit Kalk behandelten Häuten, die durch den im Gewebe gelösten Kalk prall bleiben, würden andere Ergebnisse hinsichtlich Kohlensäure und Bicarbonaten erzielt werden. Beide Stoffe würden den Kalk im Gewebe in Kalkstein umwandeln, der unlöslich und inaktiv ist; dadurch würden die Häute zumindest dann schlaff werden, wenn der Kalk vollständig kohlensäuriert war. Häute bleiben hingegen am prallsten in Wassern, die möglichst frei von Substanzen sind, die den Kalk neutralisieren können. Daraus lässt sich schließen – was man a priori erwarten kann – dass je reiner das Wasser ist, desto praller bleiben die mit Kalk behandelten Häute darin. In weichen, aber torfigen Gewässern werden die Häute schnell schlaff, da der Kalk durch die schwachen organischen Säuren des Torfs neutralisiert wird. Solche Gewässer sind aufgrund ihrer lösungsmittelförmigen Wirkung auf Blei für den Haushaltsgebrauch gefährlich; diese Gefahr kann jedoch vollständig beseitigt werden, indem das Wasser in Kalksteinreservoiren gelagert wird oder vor der Verwendung langsam durch einen Kalksteinkanal fließen lässt. In einigen Städten im Norden Englands wird eine kleine Menge Kalk hinzugefügt, um das Wasser bereits beim Verlassen des Reservoirs und vor dem Eintritt in die Leitungen zu neutralisieren. Überall dort, wo Bedingungen der Fäulnis oder des Zerfalls organischer Stoffe vorliegen – wie beispielsweise in Sümpfen – werden die Häute schnell schlaff; in extremen Fällen verhindert selbst das Vorhandensein stärkerer Säuren nicht mehr die Schlaffheit der Häute. Eitner erwähnt den Fall eines Baches in Vissoko in Bosnien, der bei Gerbern aufgrund seiner Fähigkeit, Häute schnell schlaff zu machen, besonders berüchtigt war; dieser Bach entsprang einem Weideland, auf dem die Schweine der Stadt weideten. Die Ursachen für diese Wirkung liegen zweifellos in den Produkten der Fäulnis, sind jedoch etwas unklar. Bakterien, die im Wasser vorhanden sind, stellen eine häufige Quelle von Schäden während des Einweichvorgangs sowie vermutlich auch in anderen Phasen des Gerbprozesses dar. Regenwasser sowie das Wasser von Bächen in Gebieten mit hartem magmatischem Gestein enthält im Allgemeinen kaum Mineralstoffe. Das gilt für das Wasser aus Loch Katrine in Glasgow sowie für das Wasser aus Thirlmere, das Manchester versorgt. Solches Wasser, sofern es kalt genug ist und frei von Schlamm sowie organischen Verunreinigungen, eignet sich für fast alle Zwecke in der Gerberei am besten. Das Wasser der Flüsse enthält in der Regel erhebliche Mengen an Mineralstoffen, ist jedoch in der Regel weicher als das Wasser aus Quellen oder Brunnen. Weitere Informationen zur chemischen Analyse von Wasser sowie zu den Methoden zur Bestimmung der Mengen seiner verschiedenen Bestandteile finden Sie bei L.I.L.B., S. 18 ff.

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KAPITEL XI.
Einweichen und Weichmachen von Häuten und Fellen.

Wie im vorherigen Kapitel erklärt wurde, gelangen Häute und Felle in die Hände des Gerbers entweder ungeräuchert („grün“), wie sie vom Tier genommen werden, mit Salz oder einem anderen Desinfektionsmittel konserviert, getrocknet – oder „trockengesalzen“, wobei beide Methoden kombiniert werden. Sein Ziel in jedem Fall ist es, Blut und Schmutz zu entfernen und das Fell in seinen weichen, natürlichen Zustand zurückzubringen; doch die erforderliche Behandlung variiert stark je nach Zustand der Häute.

Frische Häute benötigen lediglich eine Reinigung von Blut und Schmutz. Dies ist notwendig, denn Blut verursacht einen schlechten Farbton, und sowohl Blut als auch Lymphe sowie angehafteter Dung sind Quellen der Fäulnis, die letztendlich die Struktur des Fells beeinträchtigen. Daher halten gereinigte Häute länger als ungereinigte. Kaltes Wasser ist am besten geeignet, um die Fäulnis zu verhindern. Wenn die Wassertemperatur über 10° C liegt, wenn das Wasser mit organischem Material und Gärkeimen belastet ist – oder, was allzu häufig der Fall ist, wenn die Häute bei Erhalt bereits teilweise verrottet sind – muss die Einweichzeit so weit wie möglich verkürzt werden. Es kann sogar notwendig sein, das Wasser mit Karbol oder Creolin zu sterilisieren (S. 26, 28). In solchen Fällen ist die Verwendung einer Waschwalze sehr vorteilhaft, da sie die Häute schnell reinigt und angehafteten Dung entfernt, der die Behandlung stört und eine ernsthafte Ursache für Schäden in der Felloberfläche darstellt. Das amerikanische Modell einer Waschwalze, das in Abbildung 21 dargestellt wird, eignet sich hervorragend für diesen Zweck. Unter keinen Umständen sollte man grüne Häute länger als ein paar Stunden im Wasser liegen lassen; eine unkluge Behandlung zu diesem Zeitpunkt ist die Ursache vieler Probleme, die erst in späteren Stadien entdeckt werden und deren Ursprung sehr schwer zu ermitteln ist. Zu diesen Folgen gehören ein „schwacher Felloberflächenstruktur“, bei dem die hyaline Schicht (S. 50) zerstört wird und das Leder eine weiße Färbung annimmt; „Stiche“ oder Perforationen der Felloberfläche durch kleine Löcher, die sich weiter zu größeren Löchern entwickeln können; sowie eine allgemeine Schwächung der Fasern, verbunden mit Weichwerden und unnötigem Gewichtsverlust. Als lehrreiches Beispiel kann angeführt werden, dass ein großer Gerber feststellte, dass sein gegerbtes Leder mit kleinen, dunkler gefärbten Flecken und Ringen bedeckt war, was es völlig unbrauchbar für die Färbung machte – und diese Flecken tauchten sogar wieder auf, nachdem das Leder poliert worden war.

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Sie erschienen als schwarze Flecken; diese Flecken neigten dazu, „auszubrechen“, d.h. kleine Pusteln aus harzartiger Substanz zu bilden. Bevor das Leder gefüllt wurde, war kein Defekt mit bloßem Auge erkennbar. Doch entweder zu diesem Zeitpunkt oder nach Entfernung des Fettes mit einem Lösungsmittel konnten sie unter dem Mikroskop als helle Flecken mit offener, poröser Struktur sichtbar werden – Flecken, die mehr Fett aufnahmen, als ihnen zustand. Während des Gerbprozesses waren sie kaum wahrnehmbar; bei der ersten Färbung traten sie jedoch für einige Stunden als dunkle Punkte auf, die fast genauso aussahen wie jene, die durch Eisen- oder Rostpartikel verursacht wurden. Durch sorgfältige Beobachtung ließ sich feststellen, dass die Ursache in den Laugevorgängen lag. Proben des mit Kalk behandelten Leders wurden Direktor Eitner vorgelegt, der den Defekt als „Stippen“ identifizierte – eine Störung, die durch eine bestimmte Bakterienart verursacht wird. Diese Bakterien können in der Lauge nicht überleben und müssen daher bereits während des Laugevorgangs vorhanden gewesen sein. Da dieser Aspekt aufgrund der hohen Arbeitsbelastung etwas vernachlässigt worden war, wurden die betroffenen Stellen gereinigt und mit Creolin-Lösung sterilisiert – daraufhin hörte das Problem auf. Es ist erwähnenswert, dass der Gerber den Beginn des Problems auf das Einweichen einiger „spanischer“ Pferdehäute zurückführte; diese könnten die Infektion eingebracht haben. Der Verfasser kennt mehrere sehr ähnliche Fälle.

Es ist keineswegs unbedingt notwendig, frisches Leder vor der Kalkbehandlung einzulegen. Wenn das Wasser knapp oder ungeeignet ist, oder wenn das Leder verschmutzt ist oder Haare enthält, ist es am besten, direkt mit einer schwachen Kalklauge zu arbeiten. In diesem Fall müssen die Kalklaugevorgänge in Schichten durchgeführt werden (siehe S. 131); sonst wird die gesamte älteste Flüssigkeit abfließen und das Leder schnell in eine neue Kalklauge übergehen. Andernfalls werden die Kalklaugevorgänge so stark mit organischer Substanz und Bakterien belastet, dass das Leder nicht mehr aufquillt und sogar faulen kann.

Gesalzenes Leder benötigt mehr Einweichzeit sowie gründlichere Reinigung als frisches Leder. Denn es muss nicht nur das Salz entfernt werden, sondern auch die durch das Salzen dehydrierten und zusammengezogenen Fasern weich gemacht und aufgequollen werden. Wenn Produkte mit Salz in die Kalklauge gegeben werden, quellen sie nicht richtig auf; es entstehen Falten und Runzeln, die durch keine Nachbehandlung beseitigt werden können. Dies ist besonders wichtig bei Sohlenleder. Bei der Auswahl der Methode muss man bedenken, dass Salz leicht löslich ist und sich schnell in Wasser oder schwachen Lösungen ausbreitet. Schwache Salzlösungen hemmen tendenziell das Aufquellen der Fasern, während Lösungen mit etwa 10 Prozent Salzgehalt eine erhebliche Auflösungskraft gegenüber den verbindenden Stoffen der Fasern haben – dadurch verringert sich das Gewicht und die Festigkeit des Leders. Es sei auch darauf hingewiesen, dass Salz zwar kein echtes Desinfektionsmittel ist (S. 22), gesalzenes Leder jedoch viel weniger anfällig für…

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Sie verfaulen schneller als frische Häute, weshalb eine längere Einweichzeit unbedenklich ist.
[67] Die auf S. 89 erwähnten Experimente werfen Zweifel am Effekt von Salz bei der Verhinderung des Aufquellens der Häute auf – obwohl die im Text vertretene Ansicht allgemein von Lederern geteilt wird. Diese Bedingungen deuten darauf hin, dass eine freie Exposition gegenüber Wasser wünschenswert ist, was durch Aufhängen, häufiges Umfüllen oder Schütteln sowie wiederholte Wechsel des Wassers erreicht werden kann. Das Ausmaß der Salzauswaschung lässt sich leicht durch die Bestimmung des Chloridgehalts im letzten Waschwasser ermitteln (L.I.L.B., S. 18).
Amerikanische Lederer lassen nass gesalzene Häute in der Regel drei bis vier Tage lang einweichen, wobei mehrmals das Wasser gewechselt wird; oft wird die Behandlung abschließend mit einigen Minuten in einer Waschwalze abgeschlossen. Jede Art von Waschmaschine kann verwendet werden; doch die einfache und günstige Konstruktion der amerikanischen Waschwalze lässt sich anhand von Abbildung 21 leicht verstehen. Die Seiten sind offen, sodass die Häute zwischen den Speichen hineingelegt oder entfernt werden können. Der Rand der Walze ist in der Regel perforiert, damit das Wasser abfließen kann; das Wasser wird dabei über ein Rohr, das durch die Achse führt, zugeführt. Oft wird die Walze durch eine Kette oder ein Seil um ihre Umfangsfläche angetrieben. Für grüne oder gesalzene Häute ist keine strenge mechanische Behandlung notwendig oder wünschenswert.
Trockene sowie trocken gesalzene Häute benötigen eine viel längere Einweichzeit als nass gesalzene Häute – die Dauer hängt dabei natürlich von der Dicke der Haut sowie von der Art der Trocknung ab. Selbst dünne Häute, die stark getrocknet wurden, benötigen eine beträchtliche Zeit, um weicher zu werden und ihre Fasern aufzublähen, obwohl sie schnell durchfeuchtet und flexibel werden. Es wurden viele verschiedene Einweichmethoden angewandt: Manchmal werden die Häute in fließendem Wasser aufgehängt; manchmal werden sie in Lösungen eingeweicht, die entweder erneuert werden oder einfach ihrem Verfall überlassen werden; manchmal werden sie in Wasser eingeweicht, dem Salz, Borax oder Karbolzucker zugesetzt wurde, um die Verfäulung zu verhindern. In jüngerer Zeit werden erfolgreich schwache Lösungen von Natronlauge, Natriumsulfid oder Schwefelsäure verwendet.

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Abb. 21 – Amerikanische Waschwalze.

Die erste dieser Methoden ist, falls sie gewünscht wird, heutzutage aufgrund der Gesetze zur Bekämpfung der Flussverschmutzung nur selten möglich; von den anderen Methoden lässt sich schwer sagen, welche die beste ist, da die gewünschte Behandlung von der Härte des Leders sowie von der Temperatur abhängt, bei der es getrocknet wurde. Das Hauptziel besteht darin, das Leder gründlich zu weichen, ohne dass Fäulnis Schaden anrichtet. Da getrocknete Leder oft bereits aus diesem Grund beschädigt werden – entweder vor dem Trocknen oder durch Feuchtigkeit und Wärme an Bord – ist es oft nicht einfach, dies zu erreichen. Wie bereits erwähnt, enthält das frische Leder erhebliche Mengen an Albumin; wenn das Leder bei hoher Temperatur getrocknet wird, kann dieses ganz oder teilweise gerinnen und unlöslich werden. Die gelatineartigen Fasern sowie das Coriin (sofern dieses im frischen Leder überhaupt vorhanden ist) gerinnen durch Wärme nicht, werden aber ebenfalls weniger löslich. Gelatine, die bei 130 °C getrocknet wurde, kann nur durch Säuren oder Wasser bei 120 °C wieder aufgelöst werden. Eitner[68] führte Experimente mit Stücken von grünem Kalbfell gleicher Dicke durch, die bei unterschiedlichen Temperaturen getrocknet wurden; die Ergebnisse sind in der folgenden Tabelle aufgeführt:—

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Sam – Tempe – Anmerkungen. Zeit der Behandlung. Coriin: Weichmachung durch Auflösung im Wasser unter Verwendung von Salz. Trocknung. Lösung.

I. 15° C. Im Vakuum 24 Stunden – ohne Behandlung: 1,68 Prozent.
II. 22° C. In der Sonne 2 Tage – Effekt: 1,62 Prozent; bei zweimaliger Trocknung.
III. 35° C.: 5 Prozent; Effekt: 0,15 Prozent; die Haut weicht nicht auf.
IV. 60° C.: Ausreichend – nur Spuren; geeignet für das Gerben.

[68] Gerber, 1880, S. 112.

Es ist daher offensichtlich, dass für Häute, die bei niedrigen Temperaturen getrocknet wurden, eine kurze Einweichung in frischem, kaltem Wasser ausreicht. Abgesehen von warmem Wetter besteht kaum Gefahr einer Fäulnis. Bei intensiverer Trocknung ist mehr Zeit erforderlich, und es können zusätzliche Maßnahmen notwendig sein. Ein bekannter Gerber empfahl eine Salzlösung mit einem Barkometerwert von 30–35° (Spezifisches Gewicht 1,035, also etwa 5 Prozent NaCl). Diese Lösung hat eine doppelte Wirkung: Sie schützt vor Fäulnis und löst außerdem einen Teil des Lederstoffs in Form von Coriin auf – was zweifellos einem Verlust für den Gerber gleichkommt. Es ist jedoch fraglich, ob es ein Verfahren gibt, mit dem übergetrocknete Häute ohne Gewichtsverlust weich gemacht werden können; schließlich löst bereits eine lange Einweichung in kaltem Wasser bei zu niedriger Temperatur einen erheblichen Anteil des Lederstoffs auf. Chloride scheinen aufgrund ihrer schwachen antiseptischen Wirkung sowie ihrer Neigung, Schwellungen zu verhindern, nicht geeignet zu sein. Um dies zu vermeiden, empfahl Jackson Schulz die Verwendung von Wasser bei 80° F zur Einweichung in den Wintermonaten. Wasser, das eine geringe Menge (0,1 Prozent) Karbol enthält, wird ebenfalls empfohlen; es verhindert die Fäulnis, hat aber keine lösende Wirkung auf das Leder – im Gegenteil: Es neigt dazu, albuminöse Stoffe zu koagulieren und unlöslich zu machen. Borax wurde ebenfalls zu diesem Zweck vorgeschlagen; in einer 1-prozentigen Lösung verhindert es sicherlich die Fäulnis und besitzt eine beträchtliche Weichmachtkraft – ist aber viel zu teuer. Weitere Methoden der chemischen Weichmachung werden auf S. 115 beschrieben. Für einige Arten von Häuten, insbesondere für Indienkappe, wurden früher häufig faulnisfördernde Einweichverfahren verwendet; diese hatten eine weichmachende Wirkung.

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Es wird dadurch das verhärtete Gewebe löslich gemacht. In Indien weichen die einheimischen Gerber ihre Häute bereits in wenigen Stunden auf, indem sie sie in faulige Becken tauchen, in die jeglicher Art von Abfall aus der Gerberei gelangen darf. Fäulnisprozesse sind jedoch stets gefährlich, da die Wirkung durch Temperaturänderungen oder Schwankungen im Zustand der Flüssigkeit unregelmäßig sein kann – entweder wird ein Teil der Haut zuerst angegriffen als ein anderer, oder der Prozess verläuft schneller als erwartet. Die Häute werden außerdem während des Trocknungsprozesses häufig mehr oder weniger durch Fäulnis und Erwärmung beschädigt, und diese Schäden werden durch das Faulen in den Becken noch verstärkt. Daher müssen die Häute in diesen Becken ständig und sorgfältig überwacht werden, und die Produkte müssen sofort herausgenommen werden, sobald sie vollständig weich sind – schließlich zerstört die Fäulnis kontinuierlich die Häute, während sie sie gleichzeitig weicher macht. Es ist möglich, dass eine durch Fäulnis bewirkte Weichmachung für Kipps sowie für Materialien, die für Oberleder bestimmt sind, weniger schädlich ist als für solche, die nur für Sohlen verwendet werden – denn im erstgenannten Fall gilt es grundsätzlich als notwendig, einen großen Teil des Eiweißes sowie der zwischenfasrigen Substanzen zu entfernen und die Fasern gut in ihre Bestandteile aufzuteilen, um Weichheit und Flexibilität zu erreichen; somit erledigt das Faulen in den Becken, wenn es richtig angewandt wird, einen Teil der Arbeit, die sonst durch Kalzium und andere Mittel erledigt werden müsste – schließlich scheinen die eigentlichen Fasern der Haut weniger anfällig für Fäulnis zu sein als die weicheren Verbindungsstoffe. Wie wir gesehen haben, wird die Fäulnis durch eine große Vielfalt an lebenden Organismen verursacht, von denen jeder seine eigenen speziellen Produkte und Wirkungsweisen hat. Es ist durchaus möglich, dass wir, wenn wir wüssten, welche genau Form der Fäulnis am vorteilhaftesten ist, unter geeigneten Bedingungen diese fördern und so bessere Ergebnisse erzielen könnten als bisher. Faulende Bäder im alten Sinne werden heutzutage jedoch von allen aufgeklärten Gerbern nicht mehr verwendet, da man erkannt hat, dass die Risiken die Vorteile überwiegen; bei der Verarbeitung von mit Trockensalz behandelten Häuten ansammeln sich die löslichen Salze in schädlichem Maße. Die moderne Methode, bei der keine Chemikalien verwendet werden, besteht darin, jedem Bündel Häute mindestens einmal frisches Wasser zur Verfügung zu stellen. Selbst in diesem Fall kommt es zu erheblicher Fäulnis, wenn das Einweichen 7 bis 14 Tage dauert – wie es bei Kipps und Häuten der Fall ist – und es ist wahrscheinlich, dass die Verwendung chemischer sowie antiseptischer Einweichmethoden letztendlich aus technischen und hygienischen Gründen allgemein übernommen wird. Der Einsatz von verdünnten Säuren zur Weichmachung hat viele Vorteile: Ihre Fähigkeit, die Fasern zum Aufquellen und Wasseraufnehmen zu bringen, ist nahezu gleich groß wie die der Alkalien – während nur wenige, wenn überhaupt, fäulnisverursachende Bakterien in solchen Medien gedeihen können.

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Säurehaltige Flüssigkeit. Sehr verdünnte Schwefelsäure wurde erfolgreich eingesetzt, um den alkalischen „Kalk“ der Ostindien-Korken aufzulösen (S. 39). Sie besitzt eine erhebliche desinfizierende Wirkung (S. 23), doch ihre Wirkung auf die Lederfasern ist unerwünscht stark.

Schwefelsaure ist viel geeigneter. Ihre Verwendung zu diesem Zweck wurde von Maynard zusammen mit einer Reihe weiterer möglicher Anwendungen patentiert, doch das Patent ist nun abgelaufen, und es scheint, als sei es ihm nicht gelungen, sie in die Praxis einzuführen. Experimente am Yorkshire College sowie in einer Gerberei in industrieller Größenordnung haben gezeigt, dass diese Methode hervorragende Ergebnisse liefert. Die Leder werden 24–48 Stunden lang in einer Lösung aus Schwefelsaure mit etwa 2 Prozent SO2 eingeweicht (zur Herstellung vgl. S. 24; zur Prüfung: L.I.L.B., S. 16, 37) und anschließend in Wasser gegeben, wo sie frei auf ihre volle Dicke anschwellen. Sie können entweder sofort mit Kalk behandelt werden oder zunächst mit verdünnter Natronlauge, Ammoniak oder Natriumsulfid neutralisiert werden – was bei der Gerbung des Leders vielleicht wünschenswert ist. Es kommt zu keiner Fäulnis, selbst wenn die Leder über einen längeren Zeitraum im Wasser aufbewahrt werden, und die Säure hat nur geringe oder keine lösende Wirkung auf die Lederfasern, deren Festigkeit gut erhalten bleibt. Die Kalkbehandlung muss jedoch entweder mit Hilfe von Natriumsulfid oder mit altem Kalk durchgeführt werden, da die sterilen Bedingungen der Leder eine Kalkbehandlung mit frischem Kalk sehr verlangsamen (vgl. S. 137). Zu experimentellen Zwecken kann eine ½-prozentige Lösung von Boakes’ „Metabisulfit von Natrium“ verwendet werden, zu der während des Einweichens allmählich ¼ Prozent konzentrierte Schwefelsäure, die zuvor mit Wasser verdünnt wurde, hinzugefügt wird – wobei die Leder zunächst herausgenommen werden. Für die dauerhafte Verarbeitung ist es viel günstiger, die Säure vor Ort durch das Verbrennen von Schwefel herzustellen.

Die Verwendung von Lösungen aus Natronlauge (1 Teil pro 1000) oder Natriumsulfid (1½–3 Teile pro 1000), wie von Eitner vorgeschlagen, scheint aufgrund ihrer Einfachheit und Sicherheit derzeit alle anderen Methoden der Weichmachung zu ersetzen. 24 bis 48 Stunden in einer dieser Lösungen, denen gegebenenfalls eine kurze Einweichung in normalem Wasser folgen kann, reichen offenbar aus, um sowohl Korken als auch Leder weich zu machen. Experimente am Yorkshire College haben gezeigt, dass Lösungen dieser Stärke nur geringe oder keine lösende Wirkung auf die Lederfasern haben, aber deren Anschwellen im Wasser so effektiv fördern, dass keine mechanische Weichmachung erforderlich ist (obwohl ein leichtes Klopfen vorteilhaft ist). Zudem wird die Fäulnis fast vollständig verhindert, sodass die Lösung wiederholt verwendet werden kann, sofern ihre ursprüngliche Stärke beibehalten wird.

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Er kann leicht mit Standard-Säuren und Phenolphthalein bestimmt werden (siehe L.I.L.B., S. 17). Weder Natriumhydroxid noch Natriumsulfid haben eine schädliche Wirkung auf das Verhärtungsverfahren – allerdings kann dieser Prozess etwas langsamer verlaufen als bei den älteren Methoden, bei denen die Epidermis durch die Wirkung faulender Enzyme teilweise zerstört wurde. Die verwendeten verdünnten Lösungen sind nicht nur weniger schädlich für das Leder als stärkere Lösungen, sondern auch wirksamer beim Weichmachen. Eitner (Gerber, 1899, S. 584) gibt an, dass bei Verwendung einer Natriumhydroxidlösung mit einer Konzentration von 1 Teil auf 1000 Teile die Zeit, die zum Weichmachen einiger Lederteile benötigt wird, nur zwei Tage beträgt – im Vergleich zu drei Tagen bei einer Natriumsulfidlösung sowie vier Tagen bei reinem Wasser. Bei der Verwendung der Natriumhydroxidlösung löste sich lediglich etwa 0,6 Prozent des Ledermaterials auf, während bei Verwendung von Natriumsulfid 0,7 Prozent und allein bei reinem Wasser sogar 1,9 Prozent verloren gingen. Die Verwendung mäßig warmen Wassers (40 °C) in einem Trommelbehälter ist sehr erfolgreich, um intakte Leder nach mehrtägigem Einweichen in kaltem Wasser schnell weich zu machen – doch wenn das Leder bereits während des Trocknungsprozesses beschädigt ist, kann dies die Schäden eher verstärken. Leder, das innerlich teilweise verfault ist oder dem heißen Sonnenlicht ausgesetzt war, während sein Inneres noch feucht war, erscheint zwar trocken betrachtet intakt, bricht jedoch aufgrund der Zerstörung der Fasern sofort beim Verhärtungsprozess auf – und das trotz der sorgfältigsten Behandlung. Für beschädigte Leder ist Natriumhydroxid wahrscheinlich vorzuziehen gegenüber Natriumsulfid. Viele Chemikalien wurden zur Weichmachung von Leder patentiert. Es wird gesagt, dass Arsen sulfid verwendet wird; wenn es in einer Natriumhydroxidlösung gelöst wird, unterscheidet sich seine Wirkung kaum von der eines gewöhnlichen Natriumsulfids. Auch Salpeter wurde eingesetzt – doch seine Wirkung, falls überhaupt vorhanden, war vermutlich nur antiseptisch. Gewöhnliches Natriumcarbonat wurde ebenfalls verwendet, ist aber weniger wirksam als Natriumhydroxid. Gaslösungen sowie Mischungen daraus mit Teer und Wasser wurden von Barron patentiert; vermutlich weicht die erste Variante aufgrund ihres Ammoniaks und Sulfide auf, während Teer Carbonsäure enthält. Die wohl absurdeste Mischung aller Zeiten wurde von Berry patentiert: Sie bestand aus 1/2 Eimer Kalk, 1/2 Eimer Holzasche, 12 Pfund Kalipotasse, 5 Pfund Schwefelsäureöl und 4 Pfund Salzspiritus!

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Abb. 22 – Zerkleinerungsmaschinen für Leder.

Neben dem einfachen Einweichen der Häute ist es manchmal notwendig, sie mechanisch zu bearbeiten, um ihre Weichheit zu fördern. Früher wurde dies durch das Zertrümmern der Häute mit einem stumpfen Messer auf einer Stange erreicht. Dieser Prozess wird noch heute für viele Arten von Häuten verwendet, doch bei den schwereren Ledersorten wird er heutzutage in der Regel durch den Einsatz von Zerkleinerungsmaschinen oder Trommeln ersetzt oder ergänzt. Letztere bestehen aus einer hölzernen oder metallenen Kiste besonderer Form, in der zwei sehr schwere Hämmer angeordnet sind, die abwechselnd durch Stifte oder Nocken auf einer Walze angehoben und auf die Häute herabgelassen werden. Dadurch werden die Häute gegen das gebogene Ende der Kiste gedrückt – eine Art Knetvorgang. Die übliche Form dieser Maschine ist in Abb. 22 dargestellt. Eine modernere Variante, die offensichtlich einige Vorteile bietet, ist die amerikanische „Double-Shover“-Maschine, die in Abb. 23 zu sehen ist. „Kurbelbetriebene Zerkleinerungsmaschinen“, die in ihrer Form den herkömmlichen Maschinen ähneln, aber durch Kurbeln angetrieben werden, werden manchmal zur Weichmachung der Häute eingesetzt, sind jedoch besser für leichtere Anwendungen geeignet.

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Abb. 23 – Amerikanischer Weichmachungsapparat.

Die Anzahl der Häute, die gleichzeitig in den Apparat gelegt werden können, variiert natürlich je nach Größe der Häute sowie des Apparats selbst. Sie sollte jedoch so gewählt werden, dass die Häute kontinuierlich und regelmäßig bearbeitet werden können. Die gesamte Menge an Häuten sollte nicht auf einmal hinzugefügt werden, sondern nacheinander, sobald sie wieder eine regelmäßige Bearbeitung zulassen. Die Dauer der Behandlung beträgt 10–30 Minuten – abhängig vom Zustand und der Beschaffenheit der Häute. Die Häute sollten erst dann in den Apparat gelegt werden, wenn sie so weich sind, dass man sie ohne Bruch oder Belastung der Fasern stark falten kann. Nach der Behandlung müssen sie erneut für kurze Zeit eingeweicht werden, anschließend in eine Lösung mit Kalk gegeben werden. Es wird empfohlen, eine kleine Menge Natriumsulfid zur Einweichlösung oder in den Apparat hinzuzufügen – dies soll bei der Weichmachung besonders widerstandsfähiger Häute sehr wirksam sein, was wohl auf ihre bekannte weichmachende Wirkung auf zelluläre und hornige Gewebe zurückzuführen ist. Auch Trommeln verschiedener Formen können zur Weichmachung eingesetzt werden – insbesondere bei Häuten – und sind sowohl hinsichtlich des Gewichts als auch der Qualität der Produkte deutlich weniger nachteilig als die herkömmliche Behandlungsmethode.

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Bei Leder aus Ledersohlen – und sogar bei anderen Lederarten – wurde in den letzten Jahren von vielen fortschrittlicheren Gerbern die Verwendung von Walzen vollständig aufgegeben. Falls überhaupt mechanische Bearbeitung erforderlich ist, wird lieber ein Trommel verwendet; diese wird manchmal nach einigen Tagen des Limierens eingesetzt, wobei das Leder zunächst nur in frischem Wasser weich gemacht wird. Die Verwendung von Natriumhydroxid, Natriumsulfid oder Schwefelsäure macht eine mechanische Weichmachung fast überflüssig.

Abb. 24 – Trommel zum Waschen oder Gerben.

Die verwendeten Trommeln ähneln im Prinzip einem Fass; es handelt sich dabei um große, zylindrische Holzkammern mit einem Durchmesser von 6 bis 12 Fuß. Innen sind sie entweder mit Regalen versehen, ähnlich wie die Flügel einer Wasserrad, oder mit abgerundeten Stiften, auf die das Leder fällt. Das amerikanische Waschrad auf S. 111 ist eine Maschine dieser Art; eine detailliertere Darstellung findet sich in Abb. 24. Trommeln werden nicht nur zur Weichmachung, sondern auch zum Gerben, Färben sowie zu vielen anderen Zwecken in der Lederherstellung eingesetzt. Es ist vorteilhaft, die Drehrichtung der Trommeln umkehren zu können, um ein Aufrollen des Leders zu verhindern.

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KAPITEL XII.
DEPILATION

Nachdem die Weichmachung und Reinigung des Leders abgeschlossen ist – und bevor mit der Bräunung begonnen wird – ist es in der Regel notwendig, die Haare oder Wolle zu entfernen. Die früheste Methode zur Erreichung dieses Ziels bestand darin, eine beginnende Fäulnis in Gang zu setzen; diese greift zunächst das weiche Schleimgewebe der Epidermis an und lockert so die Haare, ohne die eigentliche Haut erheblich zu schädigen. Diese Lockerung der Haare tritt oft zufällig bei Lederstücken auf, die zu lange ohne Salzung aufbewahrt wurden; man bezeichnet dies als „Ablösung der Haare“. Dabei kann es zu gewissen Schäden am Lederstruktur kommen. Die alte Methode, die Haare durch Fäulnis zu lockern – oder wie sie allgemein genannt wird, „Schwitzen“ – bestand darin, die Lederstücke in Haufen zu legen, meist an einem warmen und feuchten Ort. Gelegentlich wurde eine leichte vorherige Salzung angewandt, um eine zu starke Fäulnis des Leders zu verhindern. Die Wirkung dieser Methode war jedoch sehr unregelmäßig, weshalb sie in allen zivilisierten Ländern vollständig aufgegeben wurde.

Abb. 25 – Schwitzkammer.

Die heute verwendete Methode besteht darin, die Lederstücke in einer geschlossenen Kammer aufzuhängen – meist in einer sogenannten „Schwitzkammer“, Abb. 25 – die in der Regel oberhalb von…

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Auf Bodenhöhe und vor plötzlichen Temperaturänderungen geschützt durch Doppelwände oder Erdhaufen. Die Häute werden in den Schwitzkasten gehängt, in kleinen Kammern, die jeweils 50 oder 100 Häute aufnehmen können. Die Temperatur wird bei etwa 15° bis 20° C gehalten; die Luft wird bei Bedarf durch das Einführen von Dampf unter einem perforierten Boden erwärmt oder durch Wasserstrahlen aus Sprinklern gekühlt – diese sind so angeordnet, dass sie nicht direkt auf die Häute wirken, wodurch diese stets mit Feuchtigkeit gesättigt bleiben. Es gibt kaum oder gar keine Belüftung, und durch die Zersetzung der organischen Stoffe entsteht eine große Menge an Ammoniak, das zweifellos zur Auflösung der Epidermis und zum Loslassen der Haare beiträgt – wie der Autor festgestellt hat, bewirken Ammoniakdämpfe allein bereits sehr schnell diesen Effekt. Nach 4–6 Tagen dieser Behandlung sind die Haare stark genug gelockert, um sie mit einem stumpfen Messer über dem Balken zu entfernen oder mithilfe von Maschinen (siehe S. 116). Es ist große Sorgfalt und Aufmerksamkeit erforderlich, um Schäden an der Hautstruktur durch Fäulnis zu vermeiden. Die Haut befindet sich in einem schleimigen, völlig schlaffen Zustand; außerdem kann es Probleme geben, wenn die Haare durch die Maschinen in das Fleisch gedrückt werden. Um dies zu verhindern, wird nach dem Schwitzen oft eine leichte Verlegung mit Kalk vorgenommen. Häute, die auf diese Weise enthaart wurden, müssen in Säuren eingeweicht werden, um ein zufriedenstellendes Leder für Sohlen herzustellen – denn der Schwitzprozess führt nicht dazu, dass die Fasern aufquellen oder reißen. In einigen europäischen Gerbereien wird ein ähnlicher Prozess, allerdings bei höherer Temperatur, angewandt; er wird auch häufig bei Schaffellen unter dem Namen „Staling“ verwendet. In diesem Fall erfolgt die Behandlung jedoch manchmal auf sehr grobe und primitive Weise, was oft zu erheblichen Schäden an der Haut führt. Der größte Nachteil des Schwitzprozesses – egal wie sorgfältig er durchgeführt wird – ist die Gefahr, dass Fäulnis die Haut selbst angreift und zu einer schwachen Struktur führt. Sein vorteilhaftester Einsatzbereich ist das Leder für Sohlen: Obwohl die Auflösung des Lederstoffs vielleicht nicht viel geringer ist als im Fall der Verlegung mit Kalk, bleibt die gelöste Substanz in der Haut und trägt durch die Fixierung durch Tannine zur Festigkeit des Leders bei. In England wird fast überall Kalk zur Enthaarung verwendet – obwohl jeder Gerber seine Mängel und Nachteile kennt. Es ist jedoch schwierig, einen Ersatz zu empfehlen, der frei von denselben oder noch größeren Nachteilen wäre. Kalk weist ein oder zwei wertvolle Eigenschaften auf, die es sehr schwierig machen, ihn zu ersetzen. Eine davon ist, dass er zwar unweigerlich zu Verlusten führt…

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Was Substanz und Gewicht angeht, so ist es auch mit größter Sorgfalt unmöglich, eine Ladung Häute durch deren Verwendung vollständig zu zerstören – was bei einigen Konkurrenzprodukten keineswegs der Fall ist. Ein weiterer Vorteil ist, dass aufgrund der sehr begrenzten Löslichkeit von Kalk in Wasser es relativ unwichtig ist, ob viel oder wenig Kalk verwendet wird; selbst wenn die Häute einige Tage länger als nötig gelassen werden, kann der Schaden, obwohl er sicherlich eintritt, nur durch sorgfältige und genaue Beobachtung festgestellt werden. Bei allen anderen Methoden sind genaue Zeitpunkte und Mengen von entscheidender Bedeutung, und es ist nicht einfach, gewöhnliche Arbeiter dazu zu bringen, dieser Art von Details die nötige Aufmerksamkeit zu schenken. Zudem sind die Eigenschaften des Kalks, seine Vorzüge und Mängel, seit Hunderten von Jahren Gegenstand von Erfahrungen; soweit solche Erfahrungen etwas lehren können, wissen wir genau, wie man mit ihm umgehen muss. Eine neue Methode hingegen bringt neue, unerwartete Schwierigkeiten mit sich und erfordert oft Änderungen in anderen Teilen des Verfahrens sowie beim Enthaaren selbst, um erfolgreich zu sein. Je mehr unser Wissen über die damit verbundenen chemischen und physikalischen Veränderungen wächst, desto leichter werden wir diese Hindernisse überwinden können.

Die universelle Quelle für Kalk ist Kalkstein, der aus Kalziumcarbonat besteht; das Kohlendioxid wird dabei durch Erhitzen in einem Ofen entfernt. Viele Kalksteine bestehen jedoch keineswegs ausschließlich aus Kalziumcarbonat, sondern enthalten große Anteile an Magnesia, Eisen und Aluminiumoxid – letzteres wurde vermutlich ursprünglich in Form von Ton zusammen mit den Sedimenten gebildet, aus denen der Stein entstanden ist. Solche tonhaltigen Kalksteine ergeben beim Erhitzen natürliche Zemente wie Oolith sowie andere „hydraulische“ Kalke, die sogar unter Wasser aushärten können. Das Vorhandensein von Magnesia und Ton schadet nicht nur dadurch, dass es die Menge des vorhandenen Kalks verringert, sondern auch dadurch, dass der Kalk viel schwerer zu neutralisieren ist. Eisenoxid, obwohl völlig unlöslich, kann sich mechanisch im Gefüge der Haut festsetzen und Ursache späterer Flecken sein. Das Erhitzen von Kalk im Ofen ist vermutlich keine so einfache Prozedur, wie es die Gleichungen in Lehrbüchern nahelegen würden. Durch bloßes Erwärmen kann das Carbonat zwar zersetzt werden, doch dafür ist eine starke Hitze erforderlich, die in der Praxis selten erreicht wird. Wahrscheinlich wird zumindest ein Teil des vorhandenen Kohlendioxids durch die brennbaren Brenngase in Kohlenmonoxid umgewandelt und somit vom Kalk getrennt – gegen den Kohlenmonoxid keine Affinität hat. Kohlenmonoxid ist der Grund für die äußerst giftige Wirkung der Gase aus dem Kalkofen; reines Kohlendioxid ist zwar atemunfähig, aber nicht streng genommen giftig.

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Kalziumoxid, CaO, reagiert beim Kontakt mit Wasser mit diesem und es entsteht dabei erhebliche Wärme – dadurch wird es zu Kalziumhydroxid, Ca(OH)2, umgewandelt. Diese Umwandlung erfolgt schnell und leicht, wenn das Kalziumoxid leicht und porös ist, wie es durch das Verbrennen von Kalk oder hochwertigem Kalkstein bei niedriger Temperatur entsteht. Wenn das Kalziumoxid jedoch zu stark erhitzt wurde oder „überverbrannt“ ist, oder Silikate sowie andere Salze enthält, die bei der Temperatur des Ofens schmelzen, entsteht ein kompaktes Kalziumoxid, das nur schwer und äußerst langsam umgewandelt werden kann. Dadurch geht es für den Gerber verloren – oder es entstehen durch die bei der Umwandlung entstehende Wärme sogar Löcher in den Häuten. Le Chatelier[69] gibt an, dass für dichtes Kalziumoxid im Kalten oft 24–48 Stunden zur vollständigen Umwandlung benötigt werden, während Magnesia noch schwieriger zu behandeln ist – manchmal sind Monate nötig, um hart verbrannte Proben vollständig zu hydratisieren. Mischungen aus Kalziumoxid und Magnesia weisen ein mittleres Verhalten auf. Die Umwandlung wird durch Wärme stark unterstützt – selbst stark verbranntes Magnesia wird bei 100° C in etwa sechs Stunden hydratisiert. Zudem verläuft die Umwandlung in einer verdünnten Lösung (2 Prozent) von Calcium- oder Magnesiumchlorid viel schneller. Aus diesen Fakten lässt sich leicht erschließen, warum eine geeignete Menge an Wasser – weder zu viel noch zu wenig – für eine schnelle und effektive Umwandlung des Kalziumoxids erforderlich ist. Wenn zu wenig Wasser verwendet wird, wird das Kalziumoxid nur teilweise umgewandelt, und es fällt anderen Wassermengen nicht leicht, in das Innere der pulverförmigen Masse vorzudringen. Andererseits führt ein Überschuss an Wasser dazu, dass die Temperatur sinkt, der Prozess langsam verläuft und die Masse nicht leicht zu Pulver wird – somit kann sie im Verfahren zur Beizung nicht genutzt werden. Von allen Methoden zur Umwandlung von Kalziumoxid ist wohl die übliche Methode, es direkt in die Behälter zu geben, die unvernünftigste – sie führt zur Entstehung unumgewandelter Klumpen, die die Häute verbrennen können und zusammen mit Steinen und Schmutz die Behälter schnell mit nutzlosem Material verstopfen. Die beste Methode ist die, die von Bauarbeitern sowie in vielen kontinentalen Betrieben angewandt wird: Dabei wird eine große Menge Kalziumoxid in einem flachen Tank mit ausreichend Wasser benetzt, nachdem dieser 24 Stunden Zeit hatte, sich aufzuwärmen und zu setzen. Anschließend wird genug Wasser hinzugefügt, um eine feste Paste zu erhalten. In dieser Form kann sie monatelang ohne wesentliche Verschlechterung aufbewahrt werden. Wenn sie zum Einsatz kommen soll, wird eine geeignete Menge der Paste ausgehoben und in einem Behälter gründlich mit Wasser vermischt, bevor sie in den Tank gegeben wird – wobei Steine und Sand im Tank zurückbleiben. Auf diese Weise wird auch jeglicher Staub vermieden. Wenn Kalziumoxid unumgewandelt gelagert wird, nimmt es allmählich Feuchtigkeit aus der Luft auf, wird weicher und entwickelt bald Staub – was seine Nutzung erschwert.

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Es wird vollständig aufgebraucht, während die Spuren von Kohlendioxid in der Luft es allmählich in nutzloses Karbonat umwandeln.
[69] Bull. de la Soc. d’Encouragement, 1895, S. 52–62; Journ. Soc. Chem. Ind., 1895, S. 575.
Die Löslichkeit von Kalk in Wasser ist sehr begrenzt, und die von verschiedenen Chemikern ermittelten Werte stimmen nicht besonders gut überein. Die folgende Tabelle zeigt die Ergebnisse von Messungen, die von Herrn A. Guthrie im Labor des Autors durchgeführt wurden – sie sind vermutlich eine der genauesten[70]:
100 ccm gesättigtes Kalkwasser bei 5° C enthalten 0,1350 Gramm CaO.
„ „ 10° „ 0,1342 „
„ „ 15° „ 0,1320 „
„ „ 20° „ 0,1293 „
„ „ 25° „ 0,1254 „
„ „ 30° „ 0,1219 „
„ „ 35° „ 0,1161 „
„ „ 40° „ 0,1119 „
„ „ 50° „ 0,0981 „
„ „ 60° „ 0,0879 „
„ „ 70° „ 0,0781 „
„ „ 80° „ 0,0740 „
„ „ 90° „ 0,0696 „
„ „ 100° „ 0,0597 „
[70] Journ. Soc. Chem. Ind., 1901, S. 224.

Es ist zu beachten, dass im Gegensatz zu den meisten Stoffen die Löslichkeit von Kalk in Wasser mit steigender Temperatur abnimmt. Daher ist es beim Einsatz von Kalkwasser als Standardlösung notwendig, sicherzustellen, dass es bei konstanter Temperatur gesättigt ist. Die in der obigen Tabelle angegebenen Werte beziehen sich auf reinen Marmorkalk. Wenn gewöhnlicher, unreiner Kalk aus Kalkstein verwendet wird, entsteht oft ein etwas stärkeres Kalkwasser. Dies lässt sich schwer erklären, doch möglicherweise bildet sich ein Doppelhydrat aus Kalk und Magnesia, das löslicher ist als jeder der beiden Hydrate für sich allein. Die Ergebnisse stimmen mit dem alten Glauben der Gerber überein, dass Kalk aus Kalkstein eine mildere Wirkung auf die Haut hat als Kalk aus weniger reinen Kalksteinen. Die Löslichkeit eines bestimmten Kalks lässt sich leicht bestimmen, indem man ihn in überschüssiger Menge in ein verschlossenes Reagenzglas gibt und dieses häufig schüttelt, bis eine Lösung konstanter Stärke entstanden ist. Anschließend wird ein bekannter Volumenanteil dieser Lösung – die klar sein muss und frei von ungelöstem Kalk sein sollte – mit N⁄10-Salzsäure titriert, wobei Phenolphthalein als Indikator verwendet wird.

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Gesättigte Kalkwasserlösungen können bequem als alkalische Standardlösungen für viele Zwecke verwendet werden. Wenn genügend Kalk vorhanden ist, bleibt die Lösung stets ätzend und weist bei normalen Laborbedingungen nur geringe Schwankungen in ihrer Stärke auf. Die Lösung ist fast 1⁄20 normal, doch für präzise Arbeiten muss ihre Stärke mit N⁄10-Säure genau bestimmt werden. 1 Liter reines Kalkwasser bei 15° C. benötigt zur Neutralisierung 471,4 ccm N⁄10-Säure.

Kalk ist in Zuckerlösungen viel löslicher als im Wasser. Solche Lösungen wurden bereits als Standardlösungen verwendet, und Zucker wurde dem Kalk zugesetzt, um seine Wirkung auf die Häute zu verstärken.

Im Folgenden ist die Analyse eines in einer Gerberei in Leeds verwendeten Kalks aufgeführt; sie wurde von Herrn G. W. Flower, B.Sc., im Leather Industries Laboratory des Yorkshire College durchgeführt[71]:

Prozentual:
SiO2 sowie unlösliche Stoffe: 17,70
Fe2O3: 6,42
CaO: 49,86
CaCO3: 14,21
CaSO4: 3,01
CaCl2: 0,33
MgO: 2,09
Organische Stoffe: 0,80
Feuchtigkeit: 5,58
Gesamt: 100,00

[71] Journ. Soc. Chem. Ind., 1901, S. 224.

Das Probenmaterial enthielt nur 31,02 Prozent verfügbaren Kalks; der Rest war vermutlich mit Silizium verbunden. Zudem enthielt es eine beträchtliche Menge an Eisenoxid, das mechanisch in den Poren der Häute haften bleiben und in späteren Verarbeitungsschritten gelöst werden könnte, wodurch die Farbe des Leders dunkler wird. Der Kalk war außerdem unvollständig verbrannt – das geht aus der Menge an Carbonat hervor.

Zur Vergleich kann hier die Analyse eines guten Exemplars von kohlenstoffhaltigem Kalkstein aus Buxton angegeben werden:

Prozentual:
CaO: 91,95
MgO: 1,30
CO2 sowie Feuchtigkeit: 6,75
Gesamt: 100,00

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Bestimmung des „verfügbaren“ Kalks – Der praktische Wert von Kalk für den Gerber lässt sich leicht bestimmen, indem man Proben entnimmt, indem man kleine Stücke von mehreren Klumpen des Materials abbricht, sie in einem Mörser grob zermahlt und anschließend einen Teil so fein wie möglich mahlt. Diesen Teil wird sofort in eine verschlossene Flasche gegeben, um ihn wiegen zu können. Ein Anteil davon, der 1 Gramm nicht überschreitet, wird in eine verschlossene Literflasche geschüttet. Diese wird grob bis zur Markierung mit heißem, gut gekochtem Destillwasser gefüllt und einige Stunden lang bei gelegentlichem Schütteln stehen gelassen. Wenn das Gemisch kalt ist, wird es genau bis zur Markierung mit kaltem Destillwasser aufgefüllt, erneut gut geschüttelt und anschließend abgeseiht. 25 oder 50 cm³ der klaren Flüssigkeit werden mit einer Pipette entnommen und mit N⁄10-Hydrochlorid- oder Schwefelsäure sowie Phenolphthalein titriert. Jeder Kubikzentimeter der N⁄10-Säure entspricht 0,0028 Gramm CaO. Es ist im Allgemeinen ein großer Fehler, für die Gerberei minderwertigen Kalk zu verwenden – denn jede Kosteneinsparung wird durch die größere Menge, die benötigt wird, durch die häufigere Reinigung der Behälter sowie durch das Risiko von Flecken und Verbrennungen durch unvollständige Reaktion des Kalks wieder aufgehoben. Die Wirkung des Kalks auf das Leder wurde bereits teilweise erläutert. Kalk ist ein Lösungsmittel – die verhärteten Zellen der Epidermis schwellen an und weichen auf; die Schleim- oder Wachstumschichten sowie die Haarscheiden lösen sich auf. Dadurch können diese beim Kratzen mit einem stumpfen Messer mehr oder weniger vollständig zusammen mit dem Fell entfernt werden (was als „Schuppen“ bezeichnet wird). Das Fell selbst verändert sich nur sehr geringfügig – außer an seiner weichen, wachsenden Wurzel – doch die eigentliche Haut wird stark beeinflusst. Die Fasern schwellen an und saugen Wasser auf, wodurch das Leder prall und aufgebläht wird. Gleichzeitig löst sich die „Zementsubstanz“ der Fasern auf, und sie zerfallen in feinere Fibrillen. Die Fibrillen selbst werden zunächst aufgebläht und durchsichtig, bevor sie schließlich zerstört und sogar aufgelöst werden. Eine ähnliche Schwellung der Fasern wird auch durch Alkali und Säuren hervorgerufen – vermutlich aufgrund schwacher Verbindungen, die mit der Fasersubstanz entstehen und eine größere Affinität zum Wasser haben als das unveränderte Leder. Diese Schwellung ist für den Gerber vorteilhaft, da sie es ermöglicht, das Leder leichter von anhaftendem Fleisch zu befreien – dank der dadurch gewonnenen Steifheit der eigentlichen Haut. Zudem erleichtert sie das Gerben, indem sie die Fasern in ihre einzelnen Fibrillen zerlegt und somit eine größere Oberfläche für die Wirkung der Lösungsmittel freilegt. Dies ist vorteilhaft bei Ledern, die später in milden Lösungsmitteln gegerbt werden müssen – schließlich muss die Zementsubstanz der Fasern aufgelöst und entfernt werden, damit das Leder flexibel bleibt.

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Leder – aus Gründen des Gewichts und der Festigkeit ist es notwendig, das Leder in einer bestimmten Phase des Verarbeitungsprozesses aufzupumpen; doch es ist wahrscheinlich, dass dieser Effekt mit geringerem Verlust an Substanz und Festigkeit durch eine geeignete Säurekonzentration in den Gerbflüssigkeiten erzielt werden kann. Ein weiterer Vorteil von Kalk ist, dass er auf das Fett im Leder wirkt und es mehr oder weniger vollständig in ein unlösliches Seifenstoff umwandelt[73]. Dadurch werden seine schädlichen Auswirkungen auf den nachfolgenden Gerbprozess sowie auf das fertige Leder vermieden. Wenn später starke Säuren – sei es mineralische oder organische – verwendet werden, zerfällt dieses Kalkseifenstoff, und das Fett wird wieder freigesetzt. Bei geschwitztem Leder oder Leder mit sehr geringem Kalkgehalt stellt dieses Fett ein großes Problem dar, da es zu Verfärbungen oder Fettflecken auf dem fertigen Leder führt.

[72] Siehe Seite 84.
[73] Dies wurde in Frage gestellt, doch ich habe festgestellt, dass es richtig ist.

Die übliche Methode zur Anwendung von Kalk besteht darin, die Lederstücke einfach horizontal in große Behälter mit Kalkmilch zu legen. Dabei muss darauf geachtet werden, dass jedes Lederstück vollständig untergetaucht ist, bevor das nächste hinzugefügt wird, damit genügend Flüssigkeit zwischen ihnen vorhanden ist. Täglich – oder sogar zweimal täglich – werden die Lederstücke herausgeholt und der Behälter gut umgerührt, damit der ungelöste Kalk in der Flüssigkeit verteilt wird. Anschließend werden die Lederstücke wieder hineingelegt, wobei darauf geachtet wird, dass sie vollständig ausgebreitet sind. Wie viel Kalk benötigt wird, ist unklar; aufgrund seiner begrenzten Löslichkeit ist ein Überschuss, sofern er richtig aufgelöst wird, eher verschwenderisch als schädlich. Es bestehen große Unterschiede in der Menge des verwendeten Kalks, der Dauer der Behandlung sowie der Arbeitsmethode – nicht nur bei verschiedenen Lederarten, sondern auch bei denselben Arten in unterschiedlichen Betrieben. Wie wir bereits gesehen haben, ist Kalk nur bis zu einem Grad von etwa 1,25 Gramm pro Liter löslich – oder, da 1 Kubikfuß Wasser etwa 1000 Unzen wiegt, etwa 1¼ Unzen pro Kubikfuß. In einem gewöhnlichen Kalkbehälter beträgt die Menge daher nicht mehr als ¼ Pfund pro Lederstück. Nur der Kalk in Lösung wirkt auf das Leder; es ist jedoch notwendig, einen Überschuss an festem Kalk bereitzustellen, der sich dann löst, wenn der Kalk in der Flüssigkeit verbraucht oder vom Leder aufgenommen wird. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Lederstücke wie üblich flach in Behältern liegen, sodass keine Zirkulation der Flüssigkeit möglich ist. Wenn die Lederstücke in Kalkwasser gehalten werden, das ständig zirkuliert und durch Rühren in einem anderen Behälter mit festem Kalk auf seine volle Konzentration gehalten wird, werden sie genauso schnell enthaart wie mit Kalkmilch. Doch bei der Verwendung von Kalk scheint diese Methode keinen besonderen Vorteil gegenüber der üblichen Methode zu bieten, sofern bei dieser letzteren die Lederstücke häufig genug herausgeholt werden, damit der Kalk gleichmäßig verteilt bleibt. Bei löslicheren Enthaarungsmitteln ist die Situation anders. Für Methoden der Kalkbehandlung wurden verschiedene Patente angemeldet.

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Liköre – doch die Idee gehört nun zum öffentlichen Eigentum und wird hauptsächlich auf dem Kontinent eingesetzt. Es ist notwendig, das Kalkmaterial, das auf den Boden des Behälters sinkt, zu vermischen und in Schwingung zu halten. Dies kann entweder durch Bewegung der Häute auf einem Rahmen, wie bei den „Suspendern“ (S. 221), oder durch Agitatoren erreicht werden, die nach dem Prinzip von Pumpen funktionieren und das Flüssigkeit sowie den Schlamm vom Boden hochheben. Solche Agitatoren wurden in Deutschland patentiert, kamen aber bereits viel früher im Gerbereibetrieb des Autors zum Einsatz. Ein Agitator nach dem Prinzip einer Dampfschiffsschraube, der in der Nähe des Behälterbodens platziert und durch ein Gitter geschützt wird, kann ebenfalls nützlich sein (Abb. 26). Häute werden häufig mit Kalk behandelt, indem man sie mit Schaufeln umrührt oder Luft in den Behälter bläst. Die letztere Methode ist weder wirksam noch energieeffizient.

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Abb. 26 – Aufhängung für Kalkbad.

Wie bereits erwähnt, nimmt die Löslichkeit des Kalks – und damit auch die Stärke der Kalklösung – mit steigender Temperatur ab. Gleichzeitig erhöht sich jedoch seine lösende Wirkung auf das Ledermaterial erheblich. Infolgedessen verläuft die Lockerung der Haare in warmen Kalkbädern viel schneller. Allerdings werden die Lederstücke nicht gut aufgepolstert, bleiben locker und hohl, neigen dazu, im Fasergefüge Risse zu bilden, und haben ein geringes Gewicht. Für Ledersohlen ist diese Methode daher in jeder Hinsicht katastrophal. In den wenigen Fällen bei leichteren Ledern, in denen eine deutliche Weichmachung sowie Lockerung der Lederstruktur erforderlich ist, kann man von diesem Effekt möglicherweise Nutzen ziehen. Doch es wäre äußerst schwierig, die Temperatur eines gewöhnlichen Kalkbads genau zu regulieren. Bessere Ergebnisse ließen sich vermutlich mit Aufhängungen erzielen, bei denen die Flüssigkeit ständig zirkuliert. Wenn das Kalkbad sehr kalt ist, wird die Wirkung trotz der höheren Konzentration der Lösung stark eingeschränkt. Bei extrem kaltem Wetter besteht zwar kaum Gefahr einer Überbelastung mit Kalk, doch die übliche Behandlungszeit kann stark überschritten werden. Im Allgemeinen ist es am besten, das Kalkbad bei etwa normaler Sommertemperatur zu verwenden. Im Winter lässt sich dies besser erreichen, indem man den Kalkbereich wärmt, anstatt das Kalkbad direkt zu erhitzen. Wenn Kalk verwendet wird, der nach der Reaktion abgekühlt ist, kann das zur Herstellung des Kalks verwendete Wasser auch mitten im Winter auf eine Temperatur von maximal 20 °C erhitzt werden. Die Menge an Kalk, die verschiedene Gerber sowie für verschiedene Arten von Leder verwenden, variiert stark – nicht nur je nach gewünschtem Effekt und Verwendungsmethode, sondern auch aufgrund der Willkür des Anwenders. Da die begrenzte Löslichkeit des Kalks einen Überschuss relativ unbedenklich macht, kann dieser in solchen Fällen genutzt werden. Für Ledersohlen liegt die empfohlene Menge zwischen weniger als 1 Prozent und 10 bis 12 Prozent des Rohgewichts des Leders. Tatsächlich können jedoch nur etwa 2–3 Prozent effektiv genutzt werden; der Rest geht verloren. Um jedoch den gesamten Kalk nutzen zu können, ist eine sehr häufige Umrühring der Lösung erforderlich, um eine gleichmäßige Verteilung zu gewährleisten. Ebenso muss berücksichtigt werden, dass die Stärke kommerziellen Kalks zwischen mehr als 80 Prozent und 30 Prozent des verfügbaren Kalziumoxids liegt. Von Schroeder stellte fest, dass eine Konzentration von 6 Gramm Kalziumoxid pro Liter ausreicht. In der Praxis wird jedoch in der Regel viel mehr Kalk hinzugefügt. Es sei außerdem darauf hingewiesen, dass eine brandneue Kalklösung viel stärker sein muss als eine, die bereits verwendet wurde. Dies liegt teilweise daran, dass…

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Die Tatsache, dass in altem Kalk eine gewisse bakterielle Aktivität stattfindet und dabei Ammoniak entsteht, das zur Entfernung der Haare beiträgt – zusätzlich zum Effekt des Kalks selbst – sowie teilweise deshalb, weil der Kalk in alten Lösungen viel länger in Suspension bleibt und somit gleichmäßiger verteilt ist. Eine Methode zur Behandlung mit Kalk, manchmal als „Buffalo-Methode“ bezeichnet, wird in Amerika weitgehend für Ledersohlen verwendet und kommt heute auch in vielen kontinentalen Gerbereien zum Einsatz. Sie besteht aus einer sehr kurzen Kalkbehandlung sowie anschließender Verwendung von Warmwasser. Der Kalk wird außerdem oft durch Zugabe von etwas Natriumsulfid oder einem anderen Sulfid geschärft. So werden in einer großen Gerberei in den USA die Häute für Ledersohlen nur 10 Stunden lang mit 2 Pfund Kalk sowie 2½ Unzen Natriumsulfid pro Seite behandelt; nachdem sie über Nacht in Wasser bei einer Temperatur von 35–45 °C gelegen haben, lassen sie sich leicht von Haaren befreien. Ein kontinentales Unternehmen behandelt die Häute zwei Tage lang mit schwachem frischem Kalk sowie etwas Tankabfall und behandelt sie anschließend 6–8 Stunden lang mit Wasser bei 32 °C. Danach werden die Häute erneut für zwei Stunden in Warmwasser gelegt, bevor sie weiterverarbeitet werden. Es können alle möglichen Kombinationen zwischen Kalkbehandlung und Wassertherapie angewandt werden. Je länger und intensiver die Kalkbehandlung ist, desto niedrigere Temperaturen oder kürzere Zeiten im Wasser reichen aus. Diese Methode ist besonders geeignet für feste Ledersohlen – doch sie saponifiziert Fette nicht und dehnt die Fasern auch nicht vollständig aus; zu diesem Zweck wird in der Regel in einem späteren Stadium Vitriol verwendet. Die Haut gelangt praktisch ohne Kalk in die Lösung, und der Verlust an Hautsubstanz ist viel geringer als bei der herkömmlichen Kalkbehandlungsmethode. Ein Punkt, der vermutlich noch wichtiger ist als die Menge des verwendeten Kalks, ist die Dauer, über die der Kalk ohne Wechsel der Lösung verwendet wird. Ein alter Kalk enthält Ammoniak sowie andere Produkte der Wirkung des Kalks auf das Leder – wie Tyrosin, Leucin (Amidocaproinsäure) sowie einige Caproinsäuren. Der unangenehme Ziegengeruch dieser Stoffe ist beim Ansetzen von Schwefelsäure auf eine alte Kalklösung sehr deutlich wahrnehmbar; dabei fallen gleichzeitig beträchtliche Mengen an teilweise verändertem Gelatine aus (vgl. S. 64). Kalk hat eine erhebliche antiseptische Wirkung – ein neuer Kalk ist praktisch steril, doch sehr alte Kalklösungen enthalten, insbesondere bei heißem Wetter, oft viele aktive Bakterien, die unter einem guten 1/6-Zoll-Objektiv am Mikroskop sichtbar sind. Ihr Vorhandensein ist stets ein Zeichen dafür, dass eine Fäulnis voranschreitet; wenn ihre Anzahl sehr groß ist, sind die daraus hergestellten Lederteile in der Regel locker, hohl und haben einen trüben Kornstruktur. In extremen Fällen können die Häute sogar völlig zerstört werden. Sphärische Ablagerungen aus Kalziumcarbonat können ebenfalls unter dem Mikroskop beobachtet werden.

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Mikroskope, die in kleinerem Maßstab denen ähneln, die in permischen Kalksteinen vorkommen; vermutlich entstanden sie in beiden Fällen durch Kristallisation aus einer Flüssigkeit, die viel organisches Material enthält. Es ist kaum wahrscheinlich, dass in vielen Gerbereien die Ammoniakmenge so groß ist, dass es sich lohnt, sie aus den Kalklösungen zurückzugewinnen – obwohl dies leicht durch Dämpfen des alten Kalks in geeigneten Behältern sowie durch Kondensation der ammoniakhaltigen Dämpfe in verdünnter Schwefelsäure möglich wäre. Ihre Menge überschreitet selten 0,1 Prozent NH3. Zu Methoden zur Bestimmung von Ammoniak siehe L.I.L.B., S. 30.

Bis zu einem gewissen Grad zeigt sich, dass alter Kalk viel leichter enthaarend wirkt und einen stärkeren Weichmachereffekt hat als neuer Kalk – was oft vorteilhaft für die Verarbeitung von Produkten ist. Bei Ledern wie Schlangenleder oder gefärbtem Kalbleder, bei denen Gewicht und Festigkeit von großer Bedeutung sind, muss der Einsatz von altem Kalk jedoch in engen Grenzen bleiben. Auch bei feineren Ledern, wie Ziegenleder oder Moroccolleder, wird der erwähnte Effekt in der Regel auf andere Weise besser erzielt – beispielsweise durch den Einsatz von Sulfiden. Bei Ostindien-Kalken und anderen getrockneten Häuten, die schwer zu weichen sind und eine große Widerstandsfähigkeit gegen die Wirkung von Kalk aufweisen, sind alte Kalke durchaus nützlich – doch auch hier gibt es Grenzen, die nicht überschritten werden sollten. Wahrscheinlich sollte kein Kalk länger als drei Monate ohne mindestens einen teilweisen Austausch der Lösung verwendet werden. Das Verfahren, bei dem alle Kalke in einem Gebäude zwölf Monate lang genutzt und anschließend gemeinsam gereinigt werden, ist fast das Schlechteste, was man sich vorstellen kann. Eine viel bessere Methode besteht darin, die Kalke in regelmäßigen Abständen zu reinigen und gegebenenfalls einen Teil der alten Lösung zum Herstellen neuer Kalke zu verwenden, um einen zu plötzlichen Wechsel zu vermeiden. Die alte Lösung ist nur dann wertvoll, wenn sie Ammoniak und organisches Material enthält – die Menge an Kalk in der Lösung ist hingegen unbedeutend. Ammoniak erhöht erheblich die Lösungskraft sowie die Enthaarende Wirkung, während es das Leder weniger aufbläht als eine gleich große Menge an Kalk. In einigen Fällen kann es sinnvoll sein, Ammoniak künstlich zuzufügen. In diesem Fall ist es günstiger und praktischer, es in Form von Ammonsulfat zuzufügen als als flüssiges Ammoniak. Wenn Ammoniak erhalten bleiben soll, sollte der Kalk abgedeckt aufbewahrt werden. Sehr alter Kalk, der einen Überschuss an Ammoniak und Kalk enthält, kann manchmal bei heißem Wetter zu einer durchsichtigen Aufblähung der Produkte führen, wodurch die faserige Struktur zerstört wird.[74] Der Autor hat ein ähnliches Phänomen bei sehr schwachem und altem Kalk beobachtet, der mit Sulfiden gestärkt wurde; dabei wurde das Leder experimentell mehrere Wochen lang belassen. Die Hauptwirkung des gelösten…

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Tierische Stoffe dienen dazu, es Bakterien zu ermöglichen, darin zu gedeihen – was sie in frischem Kalk nicht tun würden. Verrotteter Kalk enthält vermutlich ebenfalls zersetzende Enzyme, die von den dort vorhandenen Bakterien produziert werden (S. 17) und die das Leder auflösen. Eitner hat Forschungen zur Menge an Ledermasse publiziert, die durch Kalk aufgelöst wird[75]; darin zeigt er, dass der Stoffverlust bei einer ausreichenden Behandlung mit Kalk zur Entfernung des Fells bei altem Kalk deutlich größer ist als bei frischem Kalk. Allerdings sind neue Kalksorte in den ersten zwei Tagen der Behandlung eindeutig am aktivsten. Wie er bemerkt, rechtfertigt dies die Weisheit der heute weit verbreiteten Methode, mit wechselnden Kalksorten zu arbeiten – indem man die Behandlung zunächst mit altem Kalk beginnt und anschließend mit frischem Kalk fortsetzt. (Siehe auch S. 131.)
[74] Gerber, 1884, S. 150, 184.
[75] Gerber, 1895, S. 157–159, 169–172.

Für Details zu den verwendeten Analysemethoden muss man sich Eitners ursprüngliches Paper ansehen; die beigefügte Tabelle (siehe nächste Seite) fasst seine Ergebnisse zusammen. Die Buchstaben über den Spalten haben folgende Bedeutung:
A. Ledermasse, die durch Neutralisierung des Kalks mit Kohlensäure ausgefällt ist.
B. Ein weiterer Ausfall, der durch leichte Säuerung mit Salzsäure entsteht.
C. Lösliche Peptide, die durch Hypochlorussäure oder Quecksilbernitrat ausgefällt sind.
Offensichtlich repräsentieren keine dieser Werte die gesamte gelöste organische Substanz – es ist bedauerlich, dass diese nicht bestimmt wurde. Es ist jedoch recht sicher anzunehmen, dass die Tabelle die relative Löslichkeit in den verschiedenen Flüssigkeiten korrekt darstellt. In jedem Fall wurden 2 Liter Flüssigkeit pro Kilogramm grünem Leder verwendet. Wenn alte Flüssigkeiten verwendet wurden, wurde die ursprünglich darin enthaltene Ledermasse bestimmt und vom Endwert abgezogen.

Beschreibung des Leders – Anzahl der Tage – Ledermassen im Verlust pro Liter pro Prozent:
A. B. C. Gesamt. Trockenes Leder.

1. Rindshaut – Frischer Kalk: 30 Gramm pro Liter – 6[76] 1,068 0,324 2,370 3,762 2,35

2. Ebenda: 9 2,764 0,540 3,624 6,928 4,14

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3 „Frische Kalksteinmasse: 30 g, 1⁄2 g.
– 5[76]: 0,852; 0,172; 1,816; 2,840; 1,75 – Natriumsulfid pro Liter.“

4 „Ebenso: 8; 1,240; 0,514; 3,846; 5,600; 3,36.“

5 „5 Wochen alte Kalksteinmasse – durch die bereits 4 Packungen gegangen sind:
– 2; 0,180; 0,212; 0,988; 1,380; 0,87.“

6 „Ebenso: 5[76]: 0,868; 1,318; 3,356; 5,542; 3,46.“

7 „5 Monate alte Kalksteinmasse mit Natriumsulfid:
– 2; 0,196; 0,188; 0,864; 1,248; 0,77.“

8 „Ebenso: 5[76]: 0,928; 1,198; 3,004; 5,130; 3,06.“

9 „Rindenhaut – frische Kalksteinmasse wie oben: 5[76]: 1,982; 0,413; 4,501; 6,896; 4,30.“

10 „Ebenso: 8; 3,132; 0,672; 5,741; 9,545; 5,94.“

11 „Frische Kalksteinmasse wie oben, plus 1⁄2 g:
– 5[76]: 1,012; 0,403; 2,315; 4,730; 2,96 – Natriumsulfid pro Liter.“

12 „Ebenso: 8; 2,521; 0,653; 5,026; 8,200; 4,87.“

13 „Alte, nicht mehr verwendete Kalksteinmasse: 5; 0,344; 0,291; 2,341; 2,976; 1,84.“

14 „Ebenso: 8[76]: 2,119; 1,697; 6,952; 10,768; 6,45.“

15 „Verwendete Natriumsulfid-Kalksteinmasse (4 Wochen alt):
– 5[76]: …; 1,600; 1,047; 2,527; 1,58.“

16 „Ebenso: 8; 0,791; 0,519; 4,592; 5,892; 3,43.“

[76] Häute ohne Haare.

Wenn man nur den für das Enthaaren notwendigen Kalkbedarf berücksichtigt, wie in der Tabelle dargestellt, fällt auf, dass der Verlustprozentsatz bei alten Kalksteinmassen stets höher ist als bei neuen. Zudem ist er bei Kalksteinmassen, die mit Natriumsulfid behandelt wurden, geringer als bei solchen, bei denen allein Kalk verwendet wird. Die einzige Ausnahme von dieser Regel ist Nummer 15: Eine 4 Wochen alte Natriumsulfid-Kalksteinmasse weist den geringsten Verlust während des Enthaarungsprozesses auf. Tatsächlich scheinen Natriumsulfid-Kalksteinmassen, sofern sie durch die erforderliche Zugabe von Natriumsulfid stabilisiert werden, sehr langsam zu verschlechtern.

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8: Bei Rinden mit 5 Monaten Alter zeigt sich ein Ergebnis, das noch als gut angesehen werden kann. Ein weiterer Punkt, den Eitner besonders hervorhebt, ist die geringe Wirkung alter Rinden in den ersten Phasen des Rendungsprozesses – im Vergleich zu ihrer schnellen lösenden Wirkung, sobald das Fell gelockert wird. Der Verlust scheint in jedem Fall nicht so groß zu sein, wie die Befürworter anderer Entfellungsverfahren oft behaupten. Wenn man annimmt, dass alle gelösten Bestandteile der Haut zu Leder verarbeitet werden könnten, beträgt der schlimmste Verlust bei Ochsenhäuten, die nur bis zum Grad der Entfellung gerendet wurden, weniger als 3½ Prozent vom möglichen Gesamtgewicht. Zu beachten ist außerdem, dass zumindest ein Teil davon aus gelöstem Epidermismaterial besteht, das auf keine Weise in Leder umgewandelt werden könnte. In den Nummern 2, 4, 10, 12 und 16 wird dargestellt, welche erheblichen Verluste durch die weitere Behandlung nach der Entfellung entstehen – doch man muss bedenken, dass bei der Herstellung von Gerbereileder die Auflösung mindestens eines Teils der verbindenden Stoffe unerlässlich ist, um die erforderliche Weichheit und Flexibilität zu erreichen. Eitner berechnet das Gewicht des getrockneten Leders anhand des Gewichts der rohen Haut – unter der Annahme, dass 100 Teile der ursprünglichen Haut 32 Teile getrockneten, reinen Leders bei rohen Ochsenhäuten, 25 Teile bei rohen Kalbfellen sowie 56 Teile bei getrockneten Kalbfellen entsprechen. Bei einigen kleineren Häuten, wie denen von Kälbern, die für Handschuhleder verwendet werden und eine große Weichheit sowie Dehnbarkeit erfordern, ist der Verlust notwendigerweise viel größer als bei gewöhnlichem Gerbereileder – bei Kälbern beträgt er 20 bis 27 Prozent. Der Anteil, der durch die rein chemische Wirkung der Rinde sowie durch die Wirkung von Bakterien und bakteriellen Enzymen im Entfellungsprozess entsteht, muss weiterhin als ungewiss angesehen werden. Der verstorbene Professor von Schroeder[77] führte eine Reihe von Experimenten zur Rendung und Schwitzung durch, die durch seine übliche Sorgfalt und Gründlichkeit gekennzeichnet waren und darauf hindeuten, dass die chemische Wirkung weitaus wichtiger ist als die bakterielle. Er ließ frische Häute direkt nach dem Schlachten in einer Gerberei gründlich waschen und entfleischen. Anschließend wurden die Stücke in etwa 10 cm große Quadrate geschnitten, in mehrfach gewechseltem Salzwasser eingelegt und schließlich in Glasbehältern in einer gesättigten Salzlösung aufbewahrt. Er stellte fest, dass das Fell durch die bakterielle Wirkung nach vier bis fünf Tagen, nachdem es vom Salz gereinigt worden war und in einem feuchten Raum bei 16 °C aufbewahrt wurde, ausreichend gelockert wurde. Stücke, die ohne vorherige Entsalzung in den feuchten Raum gelegt wurden, zeigten erst nach etwa zehn Wochen Exposition Anzeichen der Schwitzung. Auch bei Rendungsversuchen mit ähnlichen, gesalzenen Häuten – sowohl nach drei Tagen Waschen zur Entsalzung als auch unbehandelt – wurde das Fell entfernt.

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innerhalb von drei bis vier Tagen frei. Diese Experimente wurden variiert, indem jeweils 6, 18 bzw. 30 Gramm Kalk pro Liter Wasser verwendet wurden, in das etwa 200 Gramm Leder gegeben wurden. Doch weder in den gewaschenen noch in den ungewaschenen Teilen gab es einen nennenswerten Unterschied in der Zeit, die zum Lösen der Haare benötigt wurde. Die Zugabe von 1 Volumen des verwendeten Kalklösungsmittels zu 3 Volumina Wasser hatte ebenfalls keinen wahrnehmbaren Einfluss. Eine sorgfältige bakteriologische Untersuchung des Leders sowie der Lösungen zeigte, dass das Leder durch das intensive Salzen fast sterilisiert worden war und dass die Kalklösungen praktisch keinerlei Bakterien enthielten.
[77] Gerberei-Chemie, Berlin, 1898, S. 646.

Von Schroeders Schlussfolgerung, dass vom Einsatz übermäßiger Mengen an Kalk kein Vorteil entsteht, solange die Lösung gesättigt bleibt, ist sowohl durch Erfahrung als auch durch wissenschaftliches Denken voll und ganz gerechtfertigt. Seine Ergebnisse bezüglich der Wirkung alter Lösungen sowie Bakterien widersprechen jedoch den Schlussfolgerungen sowohl praktischer Gerber als auch anderer wissenschaftlicher Forscher. Die unterschiedlichen Wirkungen von altem und neuem Kalk sind für praktische Gerber allzu gut bekannt, um sie durch Laborversuche außer Acht zu lassen – selbst wenn diese nicht nicht nur durch Eitners Ergebnisse, sondern auch durch eine beträchtliche Anzahl von Untersuchungen im Labor des Autors sowie an anderen Orten bestätigt würden. Die Notwendigkeit einer bakteriellen Wirkung wird zumindest dadurch wahrscheinlich, dass Natriumlösungen, die für Bakterien völlig steril sind, dazu nicht in der Lage sind, Leder zu enthaaren, das zuvor keine Fäulnis durchgemacht hat (siehe S. 137). In einigen unter Anregung des Autors durchgeführten Experimenten stellte sich heraus, dass eine völlig frische und sterilisierte Kalbshaut, die nach zehn Tagen Immerung in einer sterilisierten Kalklösung noch nicht enthaart war, schnell enthaart wurde, sobald eine Bakterienkultur zur Lösung hinzugefügt wurde. Es ist äußerst schwierig, Bakterien auszuschließen – selbst bei völlig frischen Häuten, die mit Chloroform oder Schwefeldioxid behandelt wurden, konnten immer Bakterien festgestellt werden, wenn die Haut zur Enthaarung bereit war. Von Schroeders Arbeit ist jedoch so sorgfältig und zuverlässig, dass diese abweichenden Ergebnisse als etwas anderes als experimentelle Fehler erklärt werden müssen. Was alte Lösungen angeht, so ist bekannt, dass Ammoniak ein wirksamer Helfer beim Enthaaren ist; es ist jedoch unklar, inwieweit die von ihm verwendeten Lösungen damit angereichert waren. Ebenso ist sicher, dass alte Kalklösungen, die viel organisches Material enthalten, ein freies Bakterienleben ermöglichen, während 25 Prozent einer möglicherweise nicht sehr alten Lösung durch die Zugabe von Kalk und 75 Prozent Wasser wahrscheinlich sterilisiert würden. Um die Angelegenheit unter genau den Bedingungen einer Gerberei fair zu prüfen, hätte der Kalk vollständig hergestellt werden müssen.

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mit altem Limonenschnaps, reich an Ammoniak und organischen Stoffen – anstelle von Wasser. Es ist auch möglich, dass die Häute bereits in der Gerberei einer ausreichenden bakteriellen Veränderung unterzogen wurden, bevor sie in Gebrauch kamen. Von Schroeders Salzlösungen – es ist keineswegs unwahrscheinlich, dass die Salzlösung selbst eine bestimmte Wirkung auf das Enthaaren hatte. Ebenso ist möglich, dass seine Bakterienkulturen auf Gelatineböden angelegt wurden, die für das Wachstum alkalischer Bakterien ungeeignet waren, weshalb keine Ergebnisse erzielt werden konnten. Unter diesen Umständen ist es kaum möglich, zu sehr eindeutigen Schlussfolgerungen zu gelangen – es ist offensichtlich, dass weitere Experimente zu diesen Themen äußerst wünschenswert sind.

Natrium- und Kaliumhydroxide – Schon seit der Antike werden Holzasche, die hauptsächlich aus Kaliumcarbonat besteht, allein oder in Kombination mit Kalk zum Enthaaren verwendet; der deutsche Name dieses Verfahrens (Aeschern) leitet sich von diesem Umstand ab. In neuerer Zeit wurde Natron, entweder bereits fertiggestellt oder vor Ort durch Zugabe von Kalk zur Lauge gemacht, oft als Ersatz für Kalk empfohlen. Seine Wirkung ist der des Kalks sehr ähnlich, doch aufgrund seiner höheren Löslichkeit ist es weitaus wirksamer – vermutlich ist dies bislang eines der größten Hindernisse für seine Verwendung, da eine Lösung mit der Stärke von Kalkwasser fast sofort aufgebraucht wird, während eine viel stärkere Lösung eine zu starke Wirkung auf die Häute hat. Experimente im Labor des Autors zeigen, dass Natron in Lösungen derselben Stärke wie Kalkwasser deutlich weniger Lederstoff löst als dieser, aber es ist antiseptischer als Kalk und benötigt zur Entfernung der Haare in der Regel die Hilfe bakterieller Prozesse (vgl. S. 137). Zudem schwellt es stärker an, und es fällt schwer, das Gewebe glatt und faltenfrei zu halten.

Natron hat den großen Vorteil, dass es aufgrund seiner sowie der Löslichkeit seiner Carbonate in Wasser viel leichter und vollständiger durch Waschen entfernt werden kann als Kalk. Es wurde in einigen Fällen erfolgreich eingesetzt, um Häute zu weichen, deren Textur von Natur aus zu kompakt ist – beispielsweise für Marokkoleder und weichere Lederarten; außerdem wird es nützlich zur Weichmachung getrockneter Produkte eingesetzt (S. 115). Wenn Natron lediglich dazu dient, Kalk „zu verstärken“, sollte es am besten in Form von Natriumcarbonat (Sodaasche oder Kristalle) zugegeben werden, welches in den Behältern durch Kalk zur Lauge gemacht wird. Ein Viertel- oder Halbprozent des Gewichts der Häute, das auf diese Weise zugesetzt wird, erhöht deutlich die Weichmachtkraft des Kalks. Es sei darauf hingewiesen, dass bei der Verwendung von Natriumsulfid in Kombination mit Kalk Natron eines der Produkte dieser Reaktion ist.

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Zersetzung[78] – und ist vermutlich eine der Hauptursachen für den Unterschied im Effekt dieses Materials bei der Schärfung von Ledergeräten im Vergleich zu Rotarsen. [78] Dies wurde bestritten, ist aber vermutlich richtig; zwar lässt sich die tatsächliche Reaktion nicht leicht analytisch nachweisen, doch der Effekt auf das Leder entspricht im Grunde den Angaben. Eine indirekte Methode zur Behandlung des Leders mit Kalk wurde kürzlich von den Herren Payne und Pullman aus Godalming patentiert[79]; sie weist sowohl wissenschaftliches als auch praktisches Interesse auf. Aufgrund der schwierigen Löslichkeit des Kalks sowie der dadurch notwendigen schwachen Lösungen ist der herkömmliche Verfahrensablauf sehr langsam. Natriumhydroxid hingegen kann in viel stärkeren Lösungen verwendet werden, ohne dem Leder Schaden zuzufügen oder dessen Substanz stark aufzulösen; dank seiner hohen Diffusionsfähigkeit dringt es sehr schnell ein. Wird es jedoch allein verwendet, schwillt das Leder für die meisten Zwecke zu stark an; zumindest bei bestimmten Lederarten (z. B. Buff- und Kamelhaarleder) scheint die Anwesenheit eines Anteils an Kalk für einen erfolgreichen Bearbeitungsprozess notwendig zu sein. Wenn ein mit Natriumhydroxid aufgeblähtes Leder anschließend mit einer Kalziumchloridlösung behandelt wird, findet eine doppelte Zersetzung statt: Im Inneren der Fasern des Leders entsteht wahrhaftiger Kalk, während Natrium mit Chlor zusammenwirkt und Kochsalz bildet. Beide Lösungen können auf jede geeignete Weise verwendet werden; durch den Einsatz von Trommeln kann der gesamte Prozess in fünf bis sechs Stunden abgeschlossen werden. Es stellt sich jedoch heraus, dass vollkommen frisches Leder, das auf diese Weise behandelt wird, nicht enthaart werden kann. Die Erklärung dafür liegt vermutlich darin, dass beim herkömmlichen Verfahren die Epidermis durch die gemeinsame Wirkung von bakteriellen Enzymen sowie der alkalischen Lösungen löslich wird. Wenn Natriumsulfid zum für die Enthaarung verwendeten Natriumhydroxid hinzugefügt wird, kann das Leder ohne Verwendung von verrottungsfördernden Mitteln enthaart werden; doch der Prozess ist schwierig zu steuern, ohne dass die Haare beschädigt werden. Die Herren Pullman empfehlen daher, dass alle Lederstücke, die mit ihrem Verfahren enthaart werden sollen, im Winter 48 Stunden und im Sommer 24 Stunden in einer wirklich fauligen Lösung eingeweicht werden müssen. Diese Notwendigkeit stellt für viele Zwecke eine ernsthafte Schwäche des Verfahrens dar, denn eine faulige Einweichung ist stets äußerst gefährlich für die Struktur des Leders – insbesondere bei heißem Wetter. Für bestimmte Zwecke kann man jedoch davon profitieren, dass das Leder durch Pullmans Verfahren vollständig mit Kalk behandelt werden kann und die Fasern so aufgebläht werden, dass sie ohne Lockerung der Haare für das Gerben bereit sind. Der Autor hat Hirschfelle gesehen, die auf diese Weise behandelt wurden, bei denen die Haare

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Es war perfekt fest, während sie eine Weichheit und Fülle aufwiesen, die ohne Limsen nicht erreicht werden konnte.
[79] Eng. Pat. 2873, 1898.

Herr Pullman empfiehlt nun, dass die Behandlung mit seinen Lösungen in Behältern stattfinden sollte – vorzugsweise in Behältern dieser Art – anstelle von Fässern oder anderen Behältern. Zudem soll die Konzentration der Natronlauge nicht mehr als ein Pfund pro zehn Gallonen betragen (1 Prozent). Die Häute verweilen dort etwa 48 Stunden lang; in dieser Zeit werden sie einmal herausgenommen und wieder hineingelegt. Wenn die Verrottungsbehandlung ordnungsgemäß durchgeführt wurde, sollten die Haare vollständig gelöst sein. Anschließend werden die Häute zwei Stunden lang abgetropft und in einen weiteren Behälter mit einer Kalziumchloridlösung gegeben. Diese Lösung soll etwas stärker sein als die Natronlauge – etwa ein Viertel Pfund pro zehn Gallonen. Die Häute verweilen dort ebenfalls etwa 48 Stunden lang; in dieser Zeit werden sie einmal herausgenommen und anschließend gründlich in weichem Wasser (ohne vorübergehende Härte) gewaschen. Dort können sie eine Weile aufbewahrt werden, ohne Schaden zu nehmen. Da sowohl die Natronlauge- als auch die Kalziumchloridlösungen gegenüber normalen, verrottungsfördernden Bakterien völlig steril sind, können sie fast unbegrenzt verwendet werden. Ihre Konzentration kann durch Zugabe von konzentrierten Lösungen einfach angepasst werden. Diese können aus einer Lösung mit einem Spezifischen Gewicht von 1,4 (80 °Tw.) hergestellt werden; dadurch entsteht eine Konzentration von etwa 5½ Pfund Natronlauge sowie 5¾ Pfund Kalziumchlorid pro Gallone.

Neben dem erheblichen Zeitvorteil lassen sich die Effekte viel leichter steuern als bei der herkömmlichen Limsung. Die Menge an Natron (und somit auch an Kalk), die von den Häuten aufgenommen wird, kann durch Titrierung der Flüssigkeiten genau bestimmt werden. Fett lässt sich besser entfernen als bei der herkömmlichen Limsung, da Natronseifen in Wasser löslich sind. Um dieses Ergebnis zu erzielen, muss die Seife jedoch vor dem Einlegen in die Kalziumchloridlösung entfernt werden – andernfalls würde sie zu einer unlöslichen Kalkseife umgewandelt. Ein großer Vorteil in vielen Regionen ist außerdem, dass dieser Prozess praktisch keine Abfälle sowie keinen Kalkstein erzeugt – beides ist oft sehr schwierig zu beseitigen. Die ernsten Nachteile der herkömmlichen Verrottungsbehandlung wurden jedoch bereits erwähnt.

Anstelle davon, zunächst Natronlauge und anschließend Kalziumchlorid anzuwenden, können die Häute auch zunächst mit einer Kalziumchloridlösung behandelt und danach mit Natronlauge behandelt werden. Alternativ kann die Natronlauge auch auf die Fleischseite der Haut aufgetragen werden. Diese Varianten werden von Herrn Pullman beschrieben.

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Pullmans Patent – doch sie sind bereit, Lizenzen für Experimente gegen eine geringe Gebühr zu erteilen.
Alkalische Carbonate wirken auf das Leder viel sanfter als die entsprechenden Hydrate. Obwohl sie das Haar vom Leder entfernen können, ist ihre Wirkung in Abwesenheit von Kalk etwas unbeständig und langsam. „Polysulphin“ (Polysulphin Co., Keynsham) verdankt seine Haarentfernungskraft hauptsächlich dem Natriumcarbonat – nicht den geringen Spuren an Schwefelverbindungen, die es enthält.
Natriumcarbonat kommt im Handel in drei Formen vor: „Soda Ash“, ein mehr oder weniger reines trockenes Natriumcarbonat; „Soda Kristalle“ oder Waschsoda, Na2CO3·10H2O, die 62,95 Prozent Kristallwasser enthalten und in der Luft ausblühen; sowie Gaskell und Deacons „Crystal Soda“, Na2CO3·H2O, das nur 14,5 Prozent Kristallwasser enthält. Es muss bedacht werden, dass Natriumcarbonat in Kombination mit Kalk zur Caustik wird und in NaOH umgewandelt wird.
Sulfide – Die Verwendung von Realgar, also rotem Arsenidsulfid (Deutsch: Rusma), als Zusatz zu Kalk bei der Verarbeitung feiner Leder ist eine sehr alte Praxis. Realgar hat die Eigenschaft, die Haare sowie die Epidermisstruktur ohne so starke Auflösung des Bindegewebes wie allein Kalk zu lockern – dadurch entsteht ein Leder mit dichterer Struktur. Es ist jedoch sinnvoll, die Betrachtung dieses Stoffes auf später zu verschieben, nachdem einige modernere und einfachere Alternativen wie die Sulfide von Natrium und Kalzium besprochen wurden.
Sulfide der Alkalien und Alkalimetalle haben in konzentrierten Lösungen – beispielsweise 5 Prozent oder mehr – die Wirkung, härtere Keratinstrukturen wie Haare und Wolle sehr schnell in einen Brei zu verwandeln. Zunächst werden die inneren Zellen angegriffen, wodurch die Haare wie eine Reihe von Würstchen zusammenfallen. Innerhalb weniger Stunden – oder sogar in wenigen Minuten bei sehr konzentrierten Lösungen – ist die gesamte Masse so vollständig zerfallen, dass sie mit einem Besen vom Leder gefegt oder abgewaschen werden kann. Gleichzeitig ist die Wirkung auf das Leder selbst, insbesondere auf das Bindegewebe, sehr gering – allerdings schwillt das Gewebe an und wird vorübergehend etwas weicher. Wenn hingegen schwache Lösungen verwendet werden – beispielsweise 1/4 Prozent oder weniger – in Kombination mit Kalk, werden die Haare nur wenig beschädigt, während die Haarwurzeln sowie Schmutz schnell gelöst werden. Die Ergebnisse sind dabei denjenigen mit Arsen ähnlich.
Natriumsulfid (Na2S·9H2O) – Zu den Methoden zur Bestimmung von Natriumsulfid siehe L.I.L.B., Seite 28.

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[80] Im Laborbuch wird das Kristallisationswasser mit 10 Aq. angegeben. Spätere Forschungen zeigen jedoch, dass reine Kristalle des kommerziell erhältlichen Sulfids nur 9 Aq., also 67,5 Prozent Wasser, enthalten.

Leder, das in Lösungen von Natriumsulfid mit einem Gehalt von 2 bis 3 Prozent aufgelöst ist, wird schnell enthaart. Bei den gängigeren Arten von Ledern wird die Haare oft dadurch beseitigt, dass man auf die Haarseite eine Lösung aus (kristallisiertem) Natriumsulfid mit einem Konzentrat von 15°–28° Tw. (30–40 Prozent) aufträgt – diese Lösung wird dabei mit Kalk verdickt und mit einer Faserbürste aufgetragen. Anschließend wird das Leder an einem feuchten Ort in Polster gelegt oder in einen Behälter gepackt. Die Haare werden innerhalb weniger Stunden zu einer Paste. Derselbe Effekt wird erzielt, wenn das Leder durch eine ähnliche Lösung ohne Kalk geführt wird; dabei bleibt genügend Substanz an den Haaren haften, um diese zu zerstören. Die Arbeiter müssen Gummihandschuhe tragen, um den ätzenden Einfluss der Lösung auf Haut und Nägel zu vermeiden. Für dünneres Leder lässt sich die Enthaarung leichter bewerkstelligen, indem man die Mischung auf die Fleischseite aufträgt – dadurch lockern sich die Haare oder Wolle innerhalb weniger Stunden, ohne dass sie zerstört werden. Für Verarbeitungshäute sowie die feineren Sorten von Sohlen ist es am besten, die Lösung als Zusatz zu herkömmlichem Kalk in einem Anteil von 1/4–1/2 Prozent des Gewichts der Häute zu verwenden; dadurch lockern sich die Haare schneller als allein mit Kalk – und es kommt zu weniger Verlust an Ledersubstanz. Gute Proben von Natriumsulfid bestehen aus blassbraunen, fast farblosen Kristallen, die 28 bis 32 Prozent trockenes Natriumsulfid enthalten; sie deliquatieren bei Kontakt mit Luft. Heutzutage kann auch geschmolzenes Natriumsulfid gewonnen werden, das fast doppelt so viel echtes Sulfid enthält wie die kristalline Form. Die dunkelgrüne Farbe vieler Natriumsulfidproben ist auf das Vorhandensein von Eisensulfid zurückzuführen. Bei sorgfältiger Verwendung kann durch dessen Vorhandensein kein ernsthafter Schaden entstehen. Wenn die Lösung eine Weile stehen gelassen wird, setzt sich das Eisensulfid ab.

Calciumsulfhydrat, Ca(SH)2, manchmal auch als Böttgerscher Grünkalk bezeichnet, ist ein wirksames Enthaarungsmittel. Es hat vermutlich eine geringere zerstörerische Wirkung auf die Lederfasern als sogar Natriumsulfid – und würde zweifellos häufiger verwendet werden, wäre es nicht aufgrund seiner Instabilität. Es handelt sich vermutlich um das Hauptwirkstoffprodukt, das bei der Verwendung von Arsenissulfid in Kombination mit Kalk entsteht – obwohl auch die Bildung eines Sulfarsenits möglich ist. Es kann durch das Durchleiten von Schwefelwasserstoff (SH2) in Milch von Kalk gewonnen werden. Laut von Schroeder entsteht es nicht durch die Reaktion von Natriumsulfid mit Kalklösungen (siehe Anmerkung, S. 136). Es kann kristallin gewonnen werden, ist wasserlöslich, zerfällt aber beim Kochen. Das Sulfid CaS ist unlöslich in…

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Wasser – doch durch die Wirkung von Dampf unter Druck wird es angeblich in eine Mischung aus gleich großen Mengen an Hydrat und Sulfhydrat umgewandelt. Es kann auch in einer Lösung von Schwefelwasserstoff gelöst werden, wodurch eine Sulfhydratlösung entsteht. Auf diese Weise könnte es in großem Maßstab aus den „Tankschlämmen“ des Leblanc-Soda-Verfahrens hergestellt werden.

Gaslima ist hauptsächlich aufgrund des darin enthaltenen Calciumsulfids wirksam, doch seine Wirksamkeit ist sehr unterschiedlich, da sowohl das Sulfhydrat als auch das Sulfid durch den stets vorhandenen Kohlendioxid im Gas zerlegt werden und dabei Carbonate bilden. Limawolle wird heute kaum noch zur Reinigung von Gasen verwendet; an ihre Stelle ist nun Eisenoxid getreten. Früher wurde Gaslima jedoch häufig zur Entwollung von kleinen Schafshäuten verwendet, die für einfache Handschuhe benötigt wurden – meist indem man eine Creme daraus auf die Fleischseite auftrug, manchmal aber auch indem man die Häute in eine starke Lösung tauchte, was natürlich die Wolle zerstörte. An ihre Stelle ist nun eine Lösung von Natriumsulfid mit einem Konzentration von 15–18° Tw. (ungefähr 30–35 Prozent Kristalle) getreten, die mit Limawolle zu einer sämigen Konsistenz verdickt wird. Der Einsatz dieser Lösung zur Entwollung von Schafshäuten wird stark empfohlen.

Die Tankschlämme des Leblanc-Verfahrens, die hauptsächlich aus Calciumsulfid bestehen, sind frisch gesehen völlig unlöslich und besitzen keine entwollende Wirkung. Wenn sie jedoch der Luft und Feuchtigkeit ausgesetzt werden, finden Zersetzungsprozesse statt, wodurch Sulfhydrate und Polysulfide entstehen. Diese bilden eine Lösung, die Gegenstand mehrerer Patente zur Entwollung war.[81] Allein die Polysulfide haben vermutlich keine entwollende Wirkung; in Kombination mit Limawolle entstehen jedoch Sulfhydrate, die die Haare schnell lockern. Dieser Umstand bildete die Grundlage für ein einfallsreiches und effektives Entwollungsverfahren, das vor vielen Jahren von Herrn John Muir aus Beith angewandt wurde. Nachdem die Häute auf die übliche Weise 24 Stunden lang mit Limawolle behandelt worden waren, wurden sie anschließend 24 Stunden lang in einer ziemlich starken Lösung aus den Tankschlämmen eingeweicht und schließlich weitere 24 Stunden lang in Wasser, um überschüssige Limawolle sowie Sulfide zu entfernen. Die im Leder entstandenen Sulfhydrate griffen die Haarwurzeln an, ohne dem Haar selbst großen Schaden zuzufügen. Die Häute enthielten so wenig Limawolle, dass sie ohne Vorbehandlung gegerbt werden konnten und etwa 10 Prozent mehr Gewicht hatten als solche, die auf die übliche Weise behandelt wurden. Probleme ergaben sich durch Flecken, die durch Verunreinigungen in den Tankschlämmen entstanden.

[81] Squire, E. P., 756, 1855; Claus, E. P., 1906, 1855.

Eine etwas ähnliche Entwollungslösung wie die, die aus Tankschlämmen gewonnen wird – die heutzutage nur noch selten erhältlich ist – wurde vom Professor Lufkin patentiert.[82]

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Mischen Sie gleichmäßige Mengen an Schwefel und Natronasche mit etwas Wasser, bis eine Mischung entsteht. Anschließend werden 8 bis 10 Teile Kalk hinzugefügt – dieser muss bereits aufgelöst und noch heiß sein. Schultz[83] gibt an, dass eine solche Mischung, die 10 Pfund Schwefel enthält, auf dieselbe Weise und in etwa derselben Zeit wie gewöhnlicher Kalk die Haare von fünfzig Häuten entfernen kann. Dabei wird das Leder nur leicht aufgebläht und lässt sich ohne weitere Behandlung durch einige Minuten im Warmwasser leicht bearbeiten. Durch das Kochen von Kalk und Schwefel mit Wasser entsteht eine gelbe Lösung, die genauso verwendet werden kann wie die aus den Abfällen der Verarbeitung. Auf denselben Stoffen kann weiteres Wasser gekocht werden; je nach Bedarf werden mehr Kalk und Schwefel hinzugefügt. Polythiosulfide scheinen eine ausgeprägte Wirkung bei der Verhinderung des Aufblähens des Leders zu haben.
[82] Eng. Pat. 2053, 1860.
[83] „Leather Manufacture“, S. 35.

Bariumsulfhydrat wurde experimentell als Enthaarungsmittel auf den Markt gebracht – in Form einer starken Lösung, die gelbe Polythiosulfide enthält. In kaltem Klima bildet diese Lösung Kristalle von Bariumsulfhydrat. Es ist stabiler als Kalziumsulfhydrat, weist aber insgesamt keine Vorteile gegenüber Natriumsulfid auf.

Realgar, also rotes Arsenid, As2S3, entsteht durch das Schmelzen von Arsenwasserstoffsäure und Schwefel. Orpiment ist As2S3, doch seine Wirkung unterscheidet sich von der von Realgar. In Kombination mit Kalk entsteht Kalziumsulfhydrat sowie möglicherweise Hyposulpharsenit. Um eine schnelle und vollständige Reaktion zu erzielen, muss Realgar mit heißem Kalk vermischt werden; je heißer die Mischung ist, desto stärker ist ihre Enthaarungswirkung. Mildernde Varianten lassen sich durch Mischen mit kaltem Wasser oder allein unter Verwendung von Warmwasser herstellen. Realgar wird in Kombination mit Kalk in unterschiedlichen Proportionen zur Enthaarung von Lamm- und Ziegenhäuten für Handschuhleder sowie andere feine Lederarten eingesetzt. Dadurch erhält das Leder die notwendige Elastizität, Weichheit sowie eine saubere Struktur – ohne dass die Textur verschlechtert oder Substanzen des Leders verloren gehen, wie es bei einer äquivalenten Menge an gewöhnlichem Kalk der Fall wäre. Für Handschuhleder werden etwa 0,1–0,3 Prozent Realgar sowie 5 Prozent Kalk verwendet – berechnet auf das Gewicht des rohen Leders.

Zum Besprühen der Innenseite von Kalb- und Lammhäuten wird 1 Teil Realgar mit 10 Teilen heißem Kalk vermischt und mit Wasser zu einer Paste verarbeitet. Kalbhäute werden so in 8 bis 10 Stunden enthaart.

Eine „unschädliche“ Enthaarungslösung enthält große Mengen an Arsenidsulfid, das offenbar in Natronlauge gelöst ist – obwohl Morets ursprüngliches Patent ausschließlich die Verwendung von Wolleschweißpotasche vorsah!

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W. R. Earp[84] hat den Einsatz von Verbindungen aus Schwefel und Arsen vorgeschlagen – Thioarsenate, Thioarsenite usw. – in einer 5-prozentigen alkalischen Lösung. Er bevorzugt es, diese Verbindungen den gewöhnlichen Kalklösungen zuzusetzen oder sie vor Ort herzustellen, indem man die richtigen Mengen an Arsen- oder Arsenwasserstoffsäure zusammen mit einem Drittel ihres Gewichts an Schwefel zu einer Lösung eines alkalischen Sulfids in Kalklösung gibt. Das Leder wird nicht auf die übliche Weise eingeweicht oder benetzt, sondern nach dem Entfernen der Haare direkt in die Gerbflüssigkeit gegeben, in die zuvor Schwefelsäure hinzugefügt wurde.
[84] Eng Pat., Nr. 2052, 12. Februar 1886.

Es besteht ein größeres Risiko für das Leder durch die sehr langanhaltende Wirkung schwacher Sulfidlösungen, die letztendlich die Struktur des Leders zerstören und die Fasern in einen gallertartigen Zustand versetzen, als durch zu konzentrierte Lösungen. Bei einer normalen Kalkbehandlung besteht jedoch kein Risiko. Arsenhaltiger Kalk eignet sich nicht für beschädigte Häute, und er sollte auch nicht so stark sein, dass er Haare oder Wolle zerstört. Zu Methoden zur Analyse sowohl alter als auch neuer Kalklösungen siehe L.I.L.B., S. 27 bis 34.

Unabhängig davon, welche Methode zum Entfernen der Haare gewählt wird, muss das Entfernen selbst dadurch erfolgen, dass das Leder auf eine schräge, konkave Platte gelegt wird und anschließend mit einem stumpfen, zweihändigen Messer abgeschabt wird (Abb. 27). Dabei drückt der Arbeiter die Haare nach unten und weg von sich. Die Platte kann aus Gusseisen oder Holz bestehen; meist ist sie mit Zink überzogen, um ihre Abnutzungsfestigkeit zu erhöhen. Nachdem das Leder aus den Kalkbecken geholt wurde, darf es etwa eine halbe Stunde lang abtropfen, bevor die Haare entfernt werden. Sobald diese Arbeit abgeschlossen ist, sollte das Leder in weiches Wasser gelegt werden. Es ist von großer Bedeutung, dass das mit Kalk behandelte Leder nicht länger als unbedingt notwendig der Luft ausgesetzt wird, da das in der Atmosphäre vorhandene Kohlensäure den im Leder enthaltenen Kalk schnell zersetzt und Kalkstein bildet – was später zu einer ungleichmäßigen Gerbung führt.

Wenn das Leder unzureichend mit Kalk behandelt wurde, ist es oft einfach, die längeren Haare zu entfernen, doch extrem schwierig ist es, das kurze Unterhaar zu beseitigen. Selbst bei richtig mit Kalk behandelten Häuten kann dieses Unterhaar oft nur durch Rasieren mit einem scharfen Handmesser entfernt werden. Diese Schwierigkeit liegt teilweise daran, dass das kurze Haar nur geringen Widerstand gegen das Enthaarmesser bietet, und teilweise daran, dass es tiefer in der Haut verwurzelt ist als das längere Haar (siehe S. 49).

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Abb. 27 – Enthaaren (Penketh Tannery).
Es wurden verschiedene Maschinen entwickelt, um das Haar zu entfernen. Aufgrund der Geschwindigkeit, mit der das Haar auch von Hand entfernt werden kann, sowie der Tatsache, dass diese Arbeit nicht schwierig ist, ist bislang noch keine Maschine im allgemeinen Gebrauch gekommen. Die manuelle Bearbeitung hat außerdem den Vorteil, dass in jenen Hautbereichen, in denen das Haar dichter als üblich wächst, es durch größeren Druck des Messers oder durch manuelles Rasieren entfernt werden kann. Nachdem die Ware mit einer Maschine enthaart wurde, muss sie stets überprüft werden, und alle verbliebenen Haare müssen von Hand entfernt werden. Die Ränder müssen ebenfalls immer von Hand bearbeitet werden.
Zur Erreichung dieses Zwecks wurden mehrere Maschinen mit spiralförmigen Messern eingeführt. Die von der Vaughn Company (Peabody, Mass.) hergestellte Maschine zum Entfernen des Fettes ist eine der zufriedenstellendsten für das Enthaaren – doch auch jede andere Maschine ähnlicher Art, ausgestattet mit spiralförmigen Messerklingen, die absichtlich abgeschrägt sind, kann verwendet werden. Die Enthaarmaschine von Leidgen, die in Abb. 28 und 29 dargestellt wird, gehört zu den neuesten und ausgeklügeltsten Maschinen dieser Art.[85]

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[85] E. H. Munkwitz, Milwaukee.

Abb. 28 – Leidgen-Maschine zur Enthaarung.

Gelegentlich werden Güter durch Einweichen in „Stocks“ enthaart; doch es ist sehr fraglich, ob die Einsparung an Arbeitskraft nicht durch den Gewichtsverlust ausgeglichen wird, der entsteht, wenn das Leder in einem teilweise aufgelösten Zustand solch rauer Behandlung ausgesetzt wird. Die Verwendung der Waschwalze (siehe S. 111, 118) zu diesem Zweck ist viel zufriedenstellender und kann vorteilhaft bei gewöhnlichen Gütern eingesetzt werden – insbesondere dann, wenn die Haare durch Besprühen mit einer Schwefelidemischung gelöst wurden. Nach der Enthaarung werden die Lederstücke auf dem Balken „entfleischt“. Diese Arbeit besteht darin, alle kleinen Fleisch- und Fettstücke zu entfernen, die der Metzger auf der Innenseite der Haut zurückgelassen hat; sie muss sorgfältig und gründlich durchgeführt werden. Die erforderliche Genauigkeit bei dieser Arbeit hängt jedoch davon ab, wofür die Lederstücke verwendet werden sollen.

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Abb. 29 – Leidgen-Maschine zum Enthaaren.

Es ist notwendig, nicht nur die leicht sichtbaren Fettanteile zu entfernen, sondern auch jene, die sich im lockeren areolären Gewebe befinden. Die Form des Messers, das in England zum Entfleischen verwendet wird, ist in Abb. 30 dargestellt. Es unterscheidet sich vom Messer zum Enthaaren dadurch, dass es etwas breiter und schwerer ist; außerdem sind beide Kanten scharf. So kann dort, wo das Fleisch zu fest ist, um es allein durch Reibung mit dem Messer zu entfernen, dieses tatsächlich abgeschnitten werden, indem man das Messer fast flach auf den Werkstoff legt und die konvexe, scharfe Kante verwendet. Die Schnitte dürfen nicht zu breit sein – andernfalls wird aufgrund der Konvexität des Werkstoffs das Material in der Mitte durchgeschnitten oder am Rand des Schnitts bleibt Fleisch zurück. Diese Schwierigkeit wird durch das flexible Messer vermieden, das in Deutschland üblicherweise verwendet wird; ansonsten ist seine Arbeit jedoch weniger schnell und effektiv.

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Abb. 30 – Entfettung.
Maschinen werden seit langem zur Entfettung und Vorbereitung von leichteren Häuten wie Lamm-, Ziegen- und Känguruhhäuten eingesetzt. Ihr Einsatz zur Vorbereitung schwererer Häute ist in den Vereinigten Staaten mittlerweile sehr verbreitet und gewinnt allmählich auch in England an Bedeutung. Die Art der Maschine, die für diese schwereren Häute verwendet wird, unterscheidet sich erheblich von derjenigen, die für leichte Häute eingesetzt wird – doch das grundlegende Prinzip bleibt dasselbe. In den meisten Fällen besteht das Arbeitswerkzeug der Maschine aus einem Zylinder mit spiralförmigen Klingen, die in der Regel auf einer Seite rechtshändig und auf der anderen Seite linkshändig angeordnet sind. Dadurch wird nicht nur das Leder in Richtung der Bewegung des Zylinders abgeschabt, sondern es wird auch seitlich gestreckt. Ein großer Teil der Effizienz dieser Maschinen hängt von der genauen Einstellung des Spiralmusters ab. Bei der Vaughn-Maschine, die vermutlich am häufigsten im praktischen Gebrauch ist, sind die Klingen so angeordnet, dass zwei sich kreuzende Spiralen entstehen – wobei eine Spirale ein steileres Muster aufweist als die andere. Der große Unterschied zwischen Maschinen für leichte Häute und solchen für schwierigere Arbeiten liegt in den Mitteln, mit denen das Leder gestützt und unter die spiralförmigen Klingen geführt wird.

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Abb. 31 – Jones’ Fleischmaschine.

In der von dem verstorbenen J. Meredith Jones erfundenen Maschine werden die Häute auf einer aus Indienkautschuk gefertigten Decke gestützt, die über zwei Rollen gespannt ist. Dadurch kann der Messerkolben auf den Teil der Decke einwirken, der sich zwischen den Rollen befindet – was eine große Elastizität bewirkt. Diese Maschine hat sich bei der Bearbeitung empfindlicher Häute als äußerst erfolgreich erwiesen. In einigen anderen Maschinentypen wurden anstelle dieser Anordnung zylinderförmige Elemente verwendet, die dick mit Kautschuk überzogen sind. Die Jones-Maschine ist in Abb. 31 dargestellt. Für schwere Häute wird in der Regel die Vaughn-Maschine verwendet; sie kann als Vorbild für die übrigen Maschinen angesehen werden, da die Vaughn Company sicherlich den halbzylindrischen „Balken“ entwickelt hat, der eine sehr wichtige Eigenschaft dieser Maschinen darstellt. Ihre Konstruktion ist in Abb. 32 zu sehen.

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Abb. 32 – Vaughn-Fleischmaschine, Frontansicht.

Es ist leicht zu erkennen, dass, wenn eine Tierhaut über den Halbzylinder gelegt wird, sodass die eine Hälfte außen hängt und die andere Hälfte in seiner Hohlkehle liegt, und dieser Halbzylinder anschließend gedreht wird, die Haut zunächst von einer Federschere festgehalten wird. Diese Schere ist über dem Rand des Halbzylinders durch Blöcke, die am Rahmen befestigt sind, abgestützt. Wenn der Rand ansteigt, hebt er diese Schere von den Blöcken ab und führt so die Haut unter den spiralförmigen Messerkreisler. Die Klingen dieses spiralförmigen Messerkreislers sind zu scharfen rechteckigen Kanten geschliffen und schaben sowie schneiden teilweise das lockere Fleischgewebe. Wenn der Halbzylinder eine halbe Umdrehung vollzogen hat, kehrt er in seine ursprüngliche Position zurück. Die Abmessungen der Antriebsrollen sind so gewählt, dass der Zylinder schneller nach unten fährt als nach oben, um Zeit zu sparen – obwohl in beiden Fällen die Tierhaut von dem mit noch höherer Geschwindigkeit drehenden Messerkreisler bearbeitet wird. Die Tierhaut wird natürlich auf dem Balkenzylinder gedreht, und die andere Hälfte wird auf ähnliche Weise entfleischt. Der Balkenzylinder dreht sich automatisch um, kann aber auch manuell umgedreht werden; außerdem ist seine Entfernung zum spiralförmigen Messer steuerbar. Er ist in der Regel mit einer dicken Gummischicht bedeckt. Es ist offensichtlich, dass Maschinen dieser Art nicht nur zur Entfleischung, sondern auch zur Enthaarung und Reinigung verwendet werden können, indem geeignete Messer eingesetzt werden.

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Zylinder – und im Fall von hellen Häuten werden häufig Zylinder mit Schieferplatten für diese Bearbeitung verwendet. Der für diesen Zweck verwendete Schiefer muss einen besonders feinen und gleichmäßigen Korngehalt aufweisen; er stammt meist aus einer einzigen Steinbruchstätte in Wales. Die Vaughn-Maschine wird in Amerika häufig zur Entfernung des Fleisches aus Häuten nach dem Einweichen, aber vor dem Einsetzen in die Lauge, eingesetzt. Es gibt viele Vorteile für diese Methode – schließlich ermöglicht die Entfernung des Fleisches eine gleichmäßige Wirkung der Lauge. Ein deutlicher Nachteil dieser Methode ist jedoch, dass das Leder nach dem Gerben rau aussieht. Die Methode eignet sich am besten in Kombination mit dem amerikanischen Verfahren zur Aufteilung des gegerbten Leders.

Bei der Herstellung von Sohlenleder sind Entfleischungsmaschinen bisher noch nicht weit verbreitet. Dies lässt sich dadurch erklären, dass bei ihrer Verwendung vor dem Einsetzen der Lauge ein raues Leder entsteht, was für Sohlenleder unattraktiv ist und später nur schwer verbessert werden kann. Ebenso gibt es Probleme bei der Entfleischung nach dem Einsetzen der Lauge – hinzu kommt noch der Nachteil, dass das Leder zu stark gepresst wird und nicht leicht wieder aufgepolstert werden kann, um ein zufriedenstellendes Sohlenleder herzustellen.

In Amerika werden sowohl Sohlenleder als auch Gerbleder in der Regel an den Seiten gegoren, wobei das Leder entlang der Mitte des Rückens geteilt wird. In England wird das Leder für Sohlenleder in „Butts“, „Bends“ sowie „Offal“ aufgeteilt, wie in Abbildung 33 dargestellt. Die Aufteilung erfolgt von Hand mit einem scharfen Messer auf einem Tisch; in einigen der besten Gerbereien werden dazu Holz- oder Metallrahmen verwendet, um die erforderlichen Abmessungen anzugeben. Der größte Vorteil der vorherigen Aufteilung besteht darin, dass die verschiedenen Teile des Leders unterschiedlich gegoren werden können und somit für die jeweils am besten geeigneten Zwecke verwendet werden können. Das „Offal“ wird heute häufig zerteilt und zu hellem Leder verarbeitet – in anderen Fällen wird es mit einem günstigeren und schnelleren Gerbverfahren als die „Butts“ gegoren.

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Abb. 33.—Diagramm des Leders.

Gelochtes Leder wird nach der Gerbung häufig abgerundet, je nach den Verwendungszwecken, für die es benötigt wird.

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KAPITEL XIII.
Abtrennen, Einweichen, Purgieren und Besprengen.

Obwohl Kalzium in vieler Hinsicht das nützlichste und zufriedenstellendste Mittel ist, um Haare von Häuten und Ledern zu entfernen, ist es von größter Bedeutung, dass es nach seiner Wirkung vollständig entfernt wird – schließlich ist seine Wirkung auf Tannine äußerst schädlich, und sie ist oft auch beim Gerben schädlich. Bei weichen Lederarten ist es außerdem notwendig, dass das Leder von einem geschwollenen Zustand in einen weichen und schlaffen Zustand gebracht wird.

In der Praxis wird dies hauptsächlich bei der Vorbereitung von Leder durch Einweichen, Purgieren und Besprengen erreicht; während Sohlenleder sowie Riemenleder allzu oft dem Zufall sowie der natürlichen Säure der Gerbstofflösungen überlassen werden. Das Einweichen besteht darin, die Materialien in einer schwachen, fermentierenden Lösung aus Tauben- oder Hühnerkot für eine Zeit einzuweichen, die in der Regel einige Tage beträgt. Dieses Verfahren wird auf die schwereren Arten von Vorbereitungsleder angewandt, wie z. B. gewöhnliche Häute, Rindsleder und Kalbsleder.

Das Purgieren ist ein sehr ähnliches Verfahren, das auf feineren und leichteren Ledern angewandt wird, wie z. B. Handschuhleder, Glacé-Leder und Morocco-Leder. Dabei wird statt Vogelkot Hundekot verwendet. Da die Mischung warm verwendet wird und die Leder dünn sind, ist das Verfahren in der Regel bereits nach wenigen Stunden abgeschlossen. Weder das Einweichen noch das Purgieren sind besonders wirksam bei der Entfernung von Kalzium; es scheint, dass sie hauptsächlich durch einen direkten Einfluss der bakteriellen Produkte auf die Schwellung des Leders wirken.

Das Besprengen wird gelegentlich (z. B. bei Kalbsleder) als Ersatz für Einweichen oder Purgieren verwendet, kommt aber häufiger nach diesen Verfahren und dient dazu, die Leder vor dem Gerben zu reinigen und leicht aufzupolstern sowie die vollständige Entfernung des Kalziums zu gewährleisten. Die Besprengungslösung besteht aus einer Infusion von Kleie, die mit heißem Wasser hergestellt wird und unter dem Einfluss spezieller Bakterien fermentiert. Diese Bakterien sind stets in den dafür verwendeten Behältern vorhanden und erzeugen Milchsäure sowie Essigsäure. Es sei darauf hingewiesen, dass alle diese Methoden fermentativ sind; ihre Wirkung besteht nicht nur in der chemischen Entfernung des Kalziums, sondern die bakterielle Aktivität führt auch zur Auflösung der verbindenden Substanzen der Lederfasern und hat somit eine deutliche Weichmachungswirkung auf das Leder.

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Erheblicher Verlust an Lederstoff. Bei der Herstellung weicherer Leder ist dieses Effekt in der Regel gewünscht – es gäbe keinen zufriedenstellenden Verfahrensablauf, der ihn nicht hervorbrächte. In anderen Fällen, wie bei Zaumzeug und Riemen, wären festeres und schwereres Leder vorzuziehen, falls man wüsste, wie man es herstellt. Die zersetzenden Prozesse würden gerne vermieden werden, wenn zufriedenstellende Ersatzmethoden gefunden werden könnten – nicht nur aufgrund ihres unangenehmen Charakters, sondern auch wegen ihrer Unzuverlässigkeit und Gefahr für die Produkte. Selbst wenn nur das Kalzium entfernt werden würde, ließe sich die erforderliche Weichheit oft durch geeignete Behandlung mit Kalk und Gerben erreichen. Es ist daher am besten, zunächst die rein chemischen Methoden zu betrachten, die allein darauf abzielen, das Kalzium zu entfernen, bevor man sich jenen Methoden zuwendet, die bakterielle Prozesse einbeziehen. Leider ist das chemische Problem nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. Das alkalische Kalzium haftet hartnäckig an den Lederfasern und kann nur sehr langsam – wenn überhaupt – durch reines Waschen entfernt werden. Andererseits ist der Einsatz von zu viel starkem Säure absolut ausgeschlossen, da diese eine starke Schwellwirkung auf das Leder hat; beim Gerben würde sie sogar schädlicher sein als Kalzium und dazu führen, dass das Leder dunkel gefärbt sowie brüchig oder zart wird. Dieser Effekt lässt sich auch durch den Einsatz sehr verdünnter Lösungen von starken Säuren nicht vermeiden, da die Anziehungskraft der Lederfasern zu diesen Säuren so groß ist, dass praktisch alle Säure aus einer Decinormallösung entfernt wird und die Lösung dadurch völlig neutral wird. Was benötigt wird, ist eine Säure mit äußerst schwacher Anziehungskraft, die lösliche Kalziumsalze bildet und zu geringen Kosten erhältlich ist – oder alternativ ein Salz einer schwachen Base, das vom Kalzium verdrängt werden kann und das Leder nicht schädigt. Mit bestimmten Vorsichtsmaßnahmen können jedoch in besonderen Fällen auch stärkere Säuren erfolgreich eingesetzt werden. Bei Ledern für Sohlen und Riemen wird keine Weichmachung gewünscht; früher begnügten sich Gerber in der Regel mit einer sehr oberflächlichen Reinigung im Wasser und verließen sich darauf, dass die in den Lösungen enthaltenen Säuren die vollständige Entfernung des Kalziums bewirken würden. Selbst reines destilliertes Wasser bewirkt diese Entfernung sehr langsam und unvollständig – aufgrund der starken Anziehungskraft des Kalziums zu den Fasern. Wenn „vorübergehend hartes“ Wasser verwendet wird, verbindet sich das im Leder enthaltene Kalzium mit dem im Wasser enthaltenen Kalzium und fällt als Kalk an der Oberfläche des Leders aus. Dies kann verhindert werden, indem vor der Verwendung eine kleine Menge Kalzium oder Kalziumlösung zum Wasser hinzugefügt wird, um es zu weichmachen (siehe S. 95). Doch wenn dies nicht sehr sorgfältig geschieht, verhindert das im Wasser vorhandene freie Kalzium, dass etwas vom Kalzium im Leder entfernt wird. Der sicherste Weg ist es, gar nichts hinzuzufügen.

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Die Kalkstoffe sollten direkt ins Wasser gegeben werden, wobei das Wasser jedoch allmählich verändert werden sollte, damit der bereits vorhandene Kalk den neuen Wasserteil aufweichen kann. Eine viel effektivere Methode besteht darin, die Kalkstoffe in Wasser einzulösen und anschließend nacheinander kleine Mengen an verdünnter Säure hinzuzufügen, bis der Kalk fast, aber nicht ganz, neutralisiert ist. Bei sorgfältiger Anwendung ist Schwefelsäure[86] vielleicht genauso gut wie jede andere Säure – doch natürlich wird ein Überschuss die Farbe oder den Glanz des Leders ruinieren.

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[86] Die Verwendung von Schwefelsäure zu diesem Zweck wurde von H. Belcher aus Wantage patentiert (Nummer 14.943). Schon einige Jahre zuvor wurde sie in mehreren Gerbereien verwendet, die dem Autor bekannt waren. Essigsäure, Formigsäure und Milchsäure sind sicherer als Schwefelsäure, doch sie sind etwas teuer und dürfen nicht in nennenswerter Menge verwendet werden. Rohes Pyroligninsäure kann ebenfalls verwendet werden – es hat aufgrund der darin enthaltenen Phenole usw. eine erhebliche desinfizierende Wirkung. Salzsäure eignet sich nicht für Ledersohlen, da Chloride eine negative Wirkung auf die Elastizität des Leders haben. Schwefelwasserstoffsäure[87] ist wohl die beste Wahl – ihre Säureeigenschaften sind so schwach, dass eine geringe Überschussmenge kaum Schaden anrichtet. Das neutrale Calciumsulfit hingegen ist unlöslich; um das Kalzium tatsächlich auflösen zu können, muss Hydrosulfit gebildet werden, was nur in Gegenwart eines Überschusses an Säure möglich ist. Ohne einen solchen Überschuss neigt die Farbe des Leders in den Anfangsphasen des Verfahrens dazu, etwas grau zu sein. Wahrscheinlich wäre eine sehr gute Methode, die Lederteile in einer Lösung von Schwefelwasserstoffsäure oder einer anderen Säure mit einer Stärke von etwa N⁄20 für ausreichend lange Zeit einzulegen, um das gesamte Kalzium von der Oberfläche zu entfernen und das Leder leicht aufzupolstern – ohne dabei ins Zentrum des Leders vorzudringen. Anschließend sollten die Lederteile in Wasser eingehängt werden, bis der überschüssige Säureanteil vom noch vorhandenen, unneutralisierten Kalzium aufgenommen wurde. Am Ende des Verfahrens sollte das Leder eher alkalisch als sauer sein. Nach diesem oder jedem anderen Aufpolsterungsverfahren kann das Leder zugeschnitten werden, wobei die Schnittfläche mit einer alkoholischen Lösung von Phenolphthalein befeuchtet werden sollte – diese wird durch den geringsten Anteil an freiem Kalzium rot oder rosa gefärbt.
[87] Zur Herstellung von Schwefelwasserstoffsäure siehe Seite 24; zur Prüfung siehe L.I.L.B., Seite 37.

Bei der Verwendung von Mineralösen ist es von großer Bedeutung, dass sie völlig frei von Eisen sind und dass der verwendete Behälter kein Eisen enthält, das sich auflösen könnte. Denn falls Eisen im Aufpolsterungsmittel vorhanden ist, wird es sicherlich vom Leder aufgenommen – insbesondere dann, wenn die Menge der verwendeten Säure nicht ausreicht, um das gesamte Kalzium zu neutralisieren. Neben der direkten Verwendung der beschriebenen Mineralösen kann auch Schwefelsäure – oder noch besser Oxalsäure – sehr vorteilhaft zur Ausfällung von Kalzium aus bereits genutzten Aufpolsterungsmitteln eingesetzt werden, die schwache organische Säuren oder andere Kalziumlöser enthalten. Dadurch kann die ursprüngliche Wirksamkeit dieser Mittel wiederhergestellt werden. Nicht nur wird dadurch die Säure eingespart, indem sie wiederholt verwendet werden kann, sondern auch einige der aus dem Leder gelösten organischen Stoffe besitzen selbst eine beträchtliche Fähigkeit, Kalzium zu entfernen. Eine Fäulnis darf nicht zulassen werden; viele der für die Aufpolsterung vorgeschlagenen organischen Säuren gehören zu…

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Aromatische Verbindungen weisen eine erhebliche antiseptische Wirkung auf. Wenn organische Säuren verwendet werden, verringert das Vorhandensein ihrer neutralen Kalziumsalze im Lösungsmittel – das durch vorangegangene Verarbeitungsschritte entsteht – die schwellende Wirkung der Säure auf die Haut, ohne ihre Fähigkeit zur Entfernung von Kalzium zu verringern (vgl. S. 81). Anstelle von Schwefelsäure haben einige Gerber ein Material verwendet, das unter dem Namen „Boral“ vermarktet wird. Dieses Material besteht einfach aus anhydrischem Natriumsulfat, das mit etwa einem Siebtel seines Gewichts an Borsäure verschmolzen wurde. Diese Menge ist jedoch zu gering, um eine nennenswerte antiseptische Wirkung zu entfalten; außerdem soll es mit dem vorhandenen Kalzium unlösliche Borate bilden, die manchmal zu weiteren Problemen führen können. Es gibt keinen Grund, warum nicht gewöhnliches Natriumbisulfat für diesen Zweck verwendet werden sollte – seine Wirkung ist milder als die der Schwefelsäure selbst. Es muss jedoch sorgfältig darauf geachtet werden, dass kein Salpetersäure vorhanden ist, wie es häufig bei dem Rohprodukt der Herstellung von Salpetersäure aus Natriumnitrat der Fall ist; dieses Produkt ist auf dem Markt als „Nitre-Cake“ bekannt. Ein Spuranteil an Natriumchlorid wäre für die Behandlung von Leder nicht nachteilig, würde aber dazu führen, dass die Sohlen nicht mehr prall sind. Paessler und Appelius[88] haben kürzlich gezeigt, dass rohes Leder Schwefelsäure aus Natriumbisulfat aufnimmt und dabei das neutrale Sulfat in der Lösung zurücklässt.
[88] „Wissenschaftlich-Technische Beilage des Ledermarkt“, 1901, S. 107.

Borsäure wurde zwar in den vergangenen Jahren nur in geringem Maße verwendet, ist aber in jüngster Zeit als Entkalzierungsmittel stark in Mode gekommen – zu diesem Zweck eignet sie sich in vielerlei Hinsicht besonders gut. Das Leder der Sohlen kann durch ein kurzes Bad in einer 1½–2-prozentigen Borsäurelösung zur Entfernung von Oberflächenkalzium in Bezug auf die Farbe verbessert werden. In diesem Fall sollte die Säure am besten unmittelbar bevor das Leder in die Behandlungsmaschinen gelangt, aufgetragen werden. Borsäure kann auch auf bereits behandeltem Leder verwendet werden – dann wirkt sie als Tränkmittel und entfernt Spuren von Kalzium, sodass die Lösungen eine gleichmäßigere Wirkung auf das Leder haben. Erfahrungen haben gezeigt, dass das Leder niemals für längere Zeit in einer Borsäurelösung unbewegt liegen lassen werden darf, da dies zu Bereichen mit teilweise entkalziertem Leder führt, was zu unregelmäßiger Farbe führt. Am besten ist es, das Leder ständig in Bewegung zu halten – beispielsweise mit einem Rührwerk oder durch häufiges Handhaben. Borsäure hat einen erheblichen Einfluss darauf, dass in den frühen Behandlungsschritten keine unregelmäßigen Strukturen im Leder entstehen – doch wenn sie in die späteren Behandlungsschritte gelangt, macht sie das Leder locker und leicht (vgl. S. 229 sowie L.I.L.B., S. 37).

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Borax wird ebenfalls als Entlimer vorgeschlagen. Da es chemisch gesehen ein Säuresalz ist, hat es natürlich eine gewisse entlimernde Wirkung – doch weder im Preis noch in der Effektivität kann es mit Bor säure mithalten. Sowohl Bor säure als auch Borax sind Desinfektionsmittel (siehe S. 25). Bei der Verwendung von Schwefelsäure, Bor säure oder jeglicher anderen Säure, die Kalziumsalze mit begrenzter Löslichkeit bildet, muss man bedenken, dass die Lösung, wenn sie wiederholt an Konzentration erhöht wird, mit dem Kalksalz gesättigt wird. Obwohl die Säure weiterhin mit dem Kalk reagiert und ihn neutralisiert, kann sie ihn dann nicht mehr aus dem Leder entfernen. Unter diesen Bedingungen kann Schwefelsäure zur Ablagerung kristallinen Kalziumsulfats in winzigen Knötchen zwischen den Fasern führen. Auch Kalziumborat kann auf diese Weise abgelagert werden – außerdem hat es den Nachteil, durch die Gerbflüssigkeiten zersetzt zu werden, wodurch dunkle Verbindungen mit dem Kalk entstehen. Wenn daher nur Schwefelsäure verwendet wird, ist es am besten, das Wasser jedes Mal zu erneuern. Wenn sie zusammen mit einer anderen Säure eingesetzt wird, die sehr lösliche Kalksalze bildet, besteht dieses Risiko nicht; Oxalsäure hingegen lässt den Kalk fast vollständig aus der Lösung precipitieren. Man muss bedenken, dass bei der Verwendung von Säuren in allen Fällen alle vorhandenen Kalkcarbonate an den Seiten der Lederstücke oder an anderen Stellen zersetzt werden, und die Kohlensäure löst sich in der Flüssigkeit auf. Falls nicht ausreichend Säure verwendet wird, um den gesamten Kalk zu entfernen, kann dieser Rest als Carbonat zurückbleiben. Beim Bearbeiten von Leder besteht dieses Risiko geringer, da in der Regel warmes Wasser verwendet wird, in dem nur wenig Kohlensäure gelöst ist. Es ist möglich, dass einige der Kohlenöl-Säuren, die für das Behandeln von Leder beworben werden, auch zum Bearbeiten von Ledersohlen nützlich sein könnten. Hauffs „Anticalcium“ (siehe S. 29, 163) scheint für diesen Zweck sehr geeignet zu sein. Wenn die Flüssigkeit durch Zugabe ausreichender Mengen an Schwefelsäure neutralisiert wird, kann sie wiederholt verwendet werden – ohne dabei teuer zu werden. Zudem wäre ihre desinfizierende Wirkung sehr vorteilhaft für das richtige Aufquellen der Lederstücke, denn nichts hemmt das Aufquellen so sehr wie zersetzende Prozesse. Wenn man nun vom Bearbeiten von Ledersohlen zum Bearbeiten von Leder übergeht, werden Mineralien säuren sehr erfolgreich zur „Herabziehung“ der Lederstücke eingesetzt: Die Lederstücke werden in einen Behälter mit warmem Wasser bei etwa 30–35 °C gegeben, anschließend wird die erforderliche Menge an Schwefelsäure oder Salzsäure – zuvor stark mit Wasser verdünnt – in zwei oder drei aufeinanderfolgenden Portionen hinzugefügt.

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Minuten. Die Säure darf auf keinen Fall ausreichen, um den gesamten Kalk zu neutralisieren. Produkte, die auf diese Weise behandelt wurden, können bei Bedarf mit den üblichen Methoden weiter weich gemacht, zerkleinert oder eingeweicht werden, falls sie nicht ausreichend weich sind. Wenn zu viel Säure verwendet wurde und die Häute Anzeichen von Schwellung zeigen, kann dies durch Zugabe von etwas Ammoniak, Borax oder sogar Soda behoben werden. In vielen Fällen führt die Zugabe einer kleinen Menge Salz zur Säurelösung dazu, dass die Häute weicher werden, und verhindert gleichzeitig eine schädliche Wirkung der Säure. Auch Ammoniumchlorid kann vorteilhaft eingesetzt werden (siehe S. 159). Eine Lösung, die etwa 15 Prozent Salz sowie 0,3 Prozent Schwefelsäure enthält und außerdem etwas Melasse, wird in den Vereinigten Staaten häufig als Weichmacher verwendet; sie scheint bei bestimmten Arten von Produkten gut zu wirken. Allerdings gelangen die Säure und das Salz letztendlich in die Flüssigkeiten und zerstören dort das Tannin. Der Prozess eignet sich besonders gut für Chromleder und kann auch dann nützlich sein, wenn die Produkte durch Wind oder andere Faktoren mit Kalziumcarbonat angereichert wurden – schließlich kann in Gegenwart von Salz ausreichend Säure verwendet werden, um das Kalziumcarbonat aufzulösen. Pflanzliche Säuren können natürlich genauso wie Salz verwendet werden. Das Salz neutralisiert die Säure nicht, sondern kontrolliert lediglich die Schwellung der Häute. Wenn zu viel Säure verwendet wurde, muss der erste Teil des Gerbprozesses in gesalzten Flüssigkeiten durchgeführt werden oder die Säure muss vor dem Gerben mit Ammoniak, Natriumcarbonat oder Kalk neutralisiert werden – andernfalls werden die Produkte in den Flüssigkeiten aufquellen und beim Gerben weich sein (vgl. S. 91). Milchsäure wird in letzter Zeit zunehmend als Entkalkungsmittel eingesetzt. Sie ist am besten bekannt als die Säure, die der sauren Milch ihren charakteristischen Geschmack verleiht, und ist das Hauptprodukt der Milchsäuregärung. Sie kann sehr erfolgreich zur Neutralisierung des im Fleisch nach der Enthaarung verbleibenden Kalks eingesetzt werden. Wenn sie jedoch in größeren Mengen verwendet wird, neigt sie dazu, das Leder stark aufzuplustern oder zu schwellen – schließlich gehört sie zu den besten Aufplustermitteln überhaupt. Zur Entkalkung eignet sich eine Lösung von 2 Pfund Milchsäure pro 100 Gallonen sehr gut. In vielen Fällen kann sie vorteilhaft anstelle des Bran-Drenches verwendet werden; sie ist außerdem schneller wirksam und weniger gefährlich in heißem Wetter – doch die Wirkung ist nicht in allen Aspekten identisch.[89] [89] Zu der Herstellung von Milchsäure durch Gärung siehe Claflin, Journ. Soc. Chem. Ind., 1897, S. 516. Campbell gibt an, dass praktisch reine Kulturen der Milchsäurebakterien durch kontinuierliche Kultivierung in Milch gewonnen werden können. Diese Kulturen, die als Gärungsmittel für Einweichlösungen verwendet werden, haben im Yorkshire College Experimental Tannery gute Ergebnisse erzielt.

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Wenn Milchsäure zur Behandlung oder Besprengung verwendet wird, sollte diese Prozedur stets in einem Rührbehälter durchgeführt werden. Die Flüssigkeit wirkt dabei effektiver, wenn sie eine Temperatur von 30–35 °C hat. Was die Kosten angeht, so ist festzustellen, dass Milchsäure in der Praxis nicht wesentlich teurer ist als Dung oder Kleie. In der Regel reicht etwa eine Stunde Rühren aus, sofern die richtige Menge an Säure verwendet wurde. In einigen Fällen ist es jedoch besser, die Säure in mehreren Portionen hinzuzufügen und mehr Zeit einzuplanen.

Die Bestimmung der Menge an Milchsäure im kommerziell erhältlichen Produkt kann durch Verdünnung von genau 9 Gramm Milchsäure mit etwa dem Zehnfachen des Volumens an Wasser erfolgen. Anschließend wird die Lösung wie beschrieben in L.I.L.B., Seite 16 für Essigsäure, mit normalem Natronlauge titriert. Da jedes Milliliter Normalalkali 0,090 Gramm Milchsäure entspricht, stellt dies einen Prozentsatz des tatsächlichen Milchsäuregehalts im Probenmaterial dar. Sind weitere Säuren vorhanden, werden diese selbstverständlich ebenfalls berücksichtigt. Kommerzielle Milchsäure weist in der Regel einen Gehalt von etwa 50 Prozent auf.

Es ist wichtig, dass die Milchsäure frei von Eisen ist – eine verdünnte Lösung sollte bei Zugabe von Kaliumferrocyanid oder Ferricyanid keine blaue Färbung aufweisen. Säure, die völlig frei von Eisen ist, lässt sich heutzutage leicht beschaffen.

Formigsäure in 60-prozentiger Lösung, die synthetisch durch die Kombination von Kohlenmonoxid mit Natronlauge sowie anschließende Zersetzung des entstandenen Natriumformats erzeugt wird, ist kürzlich zu günstigen Preisen auf den Markt gekommen. Sie wird vermutlich eine zufriedenstellende Alternative zu Essigsäure bei der Entkalkung von Häuten sowie in vielen anderen technischen Anwendungen darstellen.

Anstelle von Säuren können auch viele neutrale Salze zur Neutralisierung von Kalk verwendet werden. Bei Ledern aus Einzelhäuten ist es in der Regel nicht nachteilig, den Kalk im Leder zu belassen, solange er in einer unlöslichen und fixierten Form vorliegt und mit einer Säure verbunden ist, die nicht durch Tannine verdrängt werden kann. Phosphate oder Oxalate von Natrium oder Ammonium wandeln den Kalk in unlösliche Phosphate oder Oxalate um, wodurch Natrium- oder Ammoniumhydroxide freigesetzt werden. Diese bilden lösliche Tannate sowie andere Salze, die leicht aus dem Leder gewaschen werden können. Zinksulfat bildet im Leder Calciumsulfat und Zinkoxid – dies scheint für Ledersohlen weiterer Untersuchungen wert zu sein, doch das Zinksulfat muss frei von Eisen sein. Alum, also Sulfat von Aluminiumoxid, würde ähnlich Calciumsulfat und Aluminiumoxid bilden – doch die Gerbungswirkung von Aluminiumsalzen ist zu stark, um ihre allgemeine Verwendung zur Behandlung von Häuten zu ermöglichen. Ammonsulfat bildet Calciumsulfat zusammen mit der Freisetzung von Ammoniak.

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Für die Behandlung von Leder wäre der Einsatz von Ammoniumchlorid noch vorteilhafter. Es handelt sich dabei um ein wirksames Reinigungsmittel, das Kalzium in Kalziumchlorid umwandelt – dabei entsteht Ammoniak. Dieses hat nur eine geringe Füllwirkung und wird leicht ausgewaschen. Ammoniumchlorid wurde sehr erfolgreich bei der Herstellung von Kalbfell als Vorbehandlung für das Einweichen eingesetzt – anstelle von Puring, das früher üblich war. Da jedoch nur etwa 3/4 Unze pro Dutzend Häute verwendet wurden, musste die Reinigung hauptsächlich durch das warme Wasser erfolgen, mit dem Ammoniumchlorid eingesetzt wurde, sowie durch das entstehende freie Ammoniak.

Der Einsatz von Ammoniumchlorid als Reinigungsmittel wurde 1838 von Zollickoffer patentiert.

Ein von mir vorgeschlagenes Reinigungsmittel, das mit etwas Erfolg bei der Behandlung von Sattelleder eingesetzt wurde, setzt sich aus 1/4 Pfund hochwertigem weißem Ammoniumchlorid sowie 1/4 Pfund von Boakes’ „Metabisulfit von Natrium“ pro Haut zusammen. Für weitere Behandlungszyklen wird ausreichend Schwefelsäure hinzugefügt, um das entstandene Ammoniak zu neutralisieren. Zudem werden kleine Mengen an Metabisulfit und Ammoniumchlorid hinzugefügt, um das bereits entfernte Material wieder auszugleichen. Es ist wahrscheinlich, dass dieses Verfahren auch zur Entfernung von Kalzium aus Sohlenleder geeignet ist – schließlich entfernt es das Kalzium vollständig, ohne die Häute stark zu beeinträchtigen. Falls stattdessen Ammoniumsulfat verwendet würde, könnten die Mengen an Schwefelsäure erhöht werden, bis die Lösung nach Abschluss der Behandlung nur noch leicht alkalisch ist. Pro Haut sind etwa 2–4 Unzen hochwertiges weißes Schwefelsäureöl erforderlich; die genaue Menge hängt jedoch vom Verfahren der Kalziumentfernung sowie von der Menge an Waschungen ab, die die Häute vor der Behandlung erhalten. Diese Menge kann daher nur durch Erfahrung bestimmt werden. Solange die Menge an Metabisulfit konstant bleibt, kann in der Lösung kein freies Schwefelsäure vorhanden sein – somit besteht keine praktische Gefahr, dass das Leder beschädigt wird, selbst wenn die Säure in geringer Menge überschüssig ist. In den meisten Fällen können die angegebenen Mengen verringert werden, da es in der Praxis nicht immer sinnvoll ist, das gesamte Kalzium zu entfernen. In geringen Mengen fördert Kalzium nämlich sowohl die Gerbung als auch die Penetration der Lösung in das Leder – entweder indem es als Mordant für das Gerbstoff wirkt oder indem es diesen vorübergehend neutralisiert und seine adstringierende Wirkung auf die Lederfasern verringert.

Was die Behandlung von Leder angeht, so wurde in diesem Land der Einsatz von kaltem Wasser praktisch aufgegeben. Dennoch wird das feinste französische Kalbfell durch wiederholtes Einweichen in kaltem Wasser erzeugt – dabei werden die Häute mehrfach über einen Balken gezogen, manchmal sogar neunmal oder öfter. In diesem Fall…

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Eine längere Einwirkung auf Gewässer, die nur allmählich erneuert werden, führt vermutlich zu einer zersetzenden Wirkung – durch die abbaubaren Produkte der Haut selbst entsteht eine Art Reinigungseffekt. Tatsächlich wurden in vielen französischen Gerbereien Zusatzmittel eingeführt, um die Wirkung des Wassers allein zu ergänzen. Die Fähigkeit der Gewässer, Kalk aus der Haut zu entfernen, variiert stark. Leicht saure sowie torfige Gewässer sowie solche, die im Allgemeinen viel organisches Material enthalten, sind weitaus wirksamer bei der Entfernung von Kalk als reine Gewässer (vgl. S. 107).

Warmes Wasser hat eine viel stärkere Wirkung bei der Entfernung von Kalk als kaltes Wasser – die Wärme verringert das Risiko von gelöstem Kohlensäure und scheint eine direkte entkalkende Wirkung auf die Häute zu haben. Ein guter Waschvorgang in warmem, weichem Wasser entfernt einen großen Teil des Kalks und ist eine hervorragende Vorbereitung für die weitere Bearbeitung der Häute. Doch die Wärme muss vorsichtig eingesetzt werden – sie sollte niemals über 30–35 °C liegen. Einige Häute, wie zum Beispiel Robbenhäute, werden durch die Wärme sehr leicht weich, während andere, insbesondere Schaffelle, einer relativ hohen Temperatur standhalten können.

Der Einsatz einer Kohlensäurelösung zur Entfernung von Kalk wurde von Nesbitt[90] patentiert. Er nutzt dabei die Tatsache, dass Kalziumkarbonat in Überschuss an Kohlensäure löslich ist (S. 94). Das Gas, das er – ähnlich wie bei Sprudelwasser – durch die Reaktion von Säuren mit Kalk oder Kalkstein erzeugt, wird in einen Behälter geleitet und anschließend mithilfe einer Pumpenanlage in den Behälter mit den Häuten gepresst. Dieser Behälter sollte idealerweise ein rotierender Trommel sein, der mit Kupfer ausgekleidet ist und einem Druck von etwa drei Atmosphären standhalten kann. Die Erfindung weckte bei ihrer Einführung großes Interesse – schließlich ist das Gas sicherlich völlig unbedenklich für die Häute. Zudem wurde behauptet, dass es ermögliche, Fett und Schmutz besser zu entfernen als mit herkömmlichen Methoden. Erfahrungen haben jedoch gezeigt, dass die Entfernung des Kalks bei weitem nicht vollständig ist – denn um Erfolg zu haben, ist es nicht nur notwendig, den Kalk in Lösung zu bringen, sondern ihn auch unter Druck mit einer Kohlensäurelösung wegzuwaschen. Denn bei Kontakt mit Luft setzen Lösungen von Kalk in Überschuss an Kohlensäure schnell Kalziumkarbonat frei. Derzeit ist die einzige Gerberei, in der mir bekannt ist, dieses Verfahren anzuwenden, die von Messrs. Mossop und Garland in Kapstadt. Sie geben an, dass dieses Verfahren für Sattelleder sehr gut geeignet ist, wenn zur Entkalkung reiner Kalk verwendet wird, der durch das Erhitzen von Meeresmuscheln gewonnen wird – mit herkömmlichem Kalk aus Stein hingegen ist es nicht zufriedenstellend. Chemisch lässt sich dies schwer erklären. Klebstoffe können sehr effektiv entfernt werden, indem einfach Kohlendioxid oder gewaschene, gekühlte Gase aus Kalköfen in eine offene Grube geblasen werden, in der das Material ständig bewegt wird.

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Es ist nicht notwendig, den Kalk tatsächlich zu entfernen, solange er kohlensäurehaltig ist und seine ätzende Wirkung zerstört wurde. Kohlensäure zersetzt Kalkseife nicht und setzt daher keine Fettsäuren frei – diese zusammen mit Fett sind die Hauptursachen für die Trübung von Klebstoffen. Der Prozess liefert somit einen helleren, aber dunkler gefärbten Klebstoff als die Behandlung mit Schwefelsäure.
[90] Eng. Pats. 7744 und 12,681, 1886.

Mehrere Säuren der aromatischen Reihe wurden von Zeit zu Zeit als Entkalkungsmittel empfohlen; sie weisen in der Regel den Vorteil auf, gleichzeitig starke Desinfektionsmittel zu sein. In diesem Zusammenhang sei auf die Lösung aus 1 Prozent Phenol und 2 Prozent Bor säure hingewiesen, die von Dr. Parker sowie dem Verfasser zur Vorbereitung und Aufbewahrung von Häuten für Farbtests verwendet wird (L.I.L.B., S. 133). Diese Lösung eignet sich sehr gut als Entkalkungsmittel – selbst in stark verdünnter Form – und kann durch den Einsatz eines guten kommerziellen Carbolöls anstelle von reinem Phenol sowie durch die Verwendung von Schwefelsäure zur Entfernung des Kalks aus der Lösung und zur Wiederverwendung günstig genug gemacht werden. Das Carbolöl sollte nicht zu dunkel gefärbt sein und sorgfältig gelöst werden, da sonst „Carbol“-Flecken entstehen. „Cresotinsäure“, eine Mischung unreiner Säuren, die auf dieselbe Weise wie Salicylsäure aus reinem Phenol gewonnen wird, wurde von J. Hauff aus Feuerbach als Entkalkungsmittel sowie zum Enthaaren vorgestellt.[91] Er schlägt außerdem vor, Salzsäure einzusetzen, um die Säure nach ihrer Verbindung mit Kalk im Entkalkungsprozess wieder freizusetzen. Sie ist nur in einem Maße in Wasser löslich, das etwa 1 zu 800 beträgt; daher entsteht auch bei Übergebrauch keine gefährlich starke Lösung. Allerdings neigt sie dazu, die Häute leicht aufzublähen und zu verhärten – weshalb sie vielleicht eher für Sohlenleder als für Gerbereileder geeignet ist. Zudem besitzt sie starke desinfizierende Eigenschaften (siehe S. 29).[92]
[91] Eng. Pat. 14,889, 1888.
[92] Vgl. auch Journ. Soc. Chem. Ind., 1889, S. 954.

Hauff gibt an, dass eine Lösung aus 18 Pfund Cresotinsäure in 500 Gallonen Wasser bei 30° C. ausreicht, um eine Charge von 50 schweren Häuten zu behandeln. Dasselbe Mittel kann kontinuierlich verwendet werden, indem für jede weitere Charge von 50 Häuten 4–5 Pfund mehr Cresotinsäure hinzugefügt werden. Für die Behandlung von Handschuhleder empfiehlt Hauff den Einsatz von 5 Kilogramm Cresotinsäure, aufgelöst in 1000 Litern Warmwasser pro 500 Kilogramm feuchter Häute; dazu wird Ammoniak hinzugefügt, in einer Menge, die gerade ausreicht…

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Das Cresotinsäure wird neutralisiert, wodurch die Lösung für Litmuspapier weiterhin leicht sauer bleibt; außerdem wird die Zugabe von 5 Kilogramm Ammoniumchlorid oder -sulfat empfohlen. Die Rohhäute werden etwa eine halbe Stunde lang in dieser Lösung eingeweicht. „Oxynaphthoinsäure“, die entsprechenden gemischten Säuren der Naphthole (S. 30), wurde ebenfalls von Hauff als Mittel zum Entfetten patentiert, da Cresotinsäure manchmal zu stark auf helle Hauttypen wirkt.[93] Er erwähnt, dass auch Mischungen aus dieser Säure und Cresotinsäure bzw. Salicylsäure verwendet werden können. Für die Herstellung einer Lösung der Oxynaphthoinsäure sind 20.000 bis 30.000 Teile Wasser erforderlich. [93] Eng. Pats. 10,110 und 12,521. Journ. Soc. Chem. Ind., 1889, S. 124, 809; 1890, S. 85. Eine Mischung aus den α- und β-Mono- sowie Di-Sulfonsäuren des Naphtals wurde ebenfalls zum Entfetten patentiert,[94] unter dem Namen „Acrilene-Entfettungs- und Puerungsäure“. 150 Kalbfelle mit einem Gewicht von 880 Pfund wurden in einer 3-prozentigen Lösung dieser Säure gereinigt – dabei erhielt man 266 Pfund Leder, im Vergleich zu 255 Pfund bei Fellen ähnlichen Gewichts, die mit Kuhdung behandelt wurden. Dieser Gewinn blieb auch nach dem Ausstopfen bestehen, und die Schultern der Felle waren praller und voller. Dieses Patent scheint einen Teil von Hauffs Ansprüchen vorwegzunehmen, die im nächsten Absatz erwähnt werden. [94] Burns and Hull, Eng. Pat. 8096, 1891; Journ. Soc. Chem. Ind., 1892, S. 48.

Kürzlicher hat Hauff unter dem Namen „Anticalcium“ eine Mischung aus unreinen Sulfonsäuren verschiedener Cresole und Kohlenwasserstoffe patentiert. Dieses Mittel ist günstiger als Cresotinsäure und weist wie diese beträchtliche antiseptische Eigenschaften auf. Eine Lösung in Konzentrationen von einem Viertel bis zur Hälfte eines Prozents schützt die Häute über einen längeren Zeitraum vor Schäden; in dieser Konzentration sorgt sie jedoch dafür, dass die Häute praller werden. Sie eignet sich daher eher als Entkalkungsmittel für Ledersohlen als als Entfettungsmittel für Verarbeitungshäute – doch sie kann das Einweichen ersetzen. Zweifellos lässt sich durch den Einsatz von Warmwasser sowie durch Vermeidung eines Überschusses an Säure die Behandlung der Häute zufriedenstellend durchführen, oder der Prallheitseffekt kann durch Zugabe von Salz kontrolliert werden. Doch die desinfizierenden Eigenschaften der Säure würden eine weitere Behandlung mit herkömmlichen Entfettungsmitteln sehr erschweren.[95] [95] J. Hauff, Eng. Pat. 22,546, 1894; Journ. Soc. Chem. Ind., 1895, S. 170, Gerber, 1895, S. 133. Das von der Martin Dennis Chrome Company hergestellte „C. T. Bate“ weist eine sehr ähnliche Eigenschaft auf; es handelt sich dabei um eine grauweiße kristalline Paste, die hauptsächlich aus Sulfonsäuren des Naphtals sowie vermutlich auch anderen Kohlenwasserstoffen besteht. Es wird sehr wahrscheinlich durch Sulfonierung von Kohle-Cresot hergestellt.

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Öle, die viel Naphthalin und Phenanthren enthalten. Die folgenden Anweisungen gibt das Unternehmen für deren Verwendung vor:
„1. Nach dem Enthaaren und Entfleischen sollten die Häute gründlich mit Wasser (vorzugsweise warmem) gewaschen werden, um so viel Kalk wie möglich zu entfernen.
2. Wenn im Kalkvorgang Natriumsulfid in Kombination mit dem Kalk verwendet wird, wird der Kalk löslicher und kann daher leichter mit Wasser entfernt werden.
3. Je gründlicher die Häute mit warmem Wasser gereinigt werden, desto weniger Bate ist erforderlich.
4. Nach dem Waschen sollten die Häute gründlich auf der Walze bearbeitet werden, insbesondere auf der Oberfläche.
5. Nun wird eine Lösung von C. T. Bate in einem Verhältnis von einer halben bis zu einer Unze Bate pro 100 Gallonen warmem Wasser (90° F.) hergestellt. Beim Herstellen der Lösung darf das Wasser keine Temperatur von über 140° F. erreichen – unter keinen Umständen darf es gekocht werden.
6. Wenn die Häute wie oben beschrieben behandelt wurden, reicht eine Unze Bate für 400 Pfund feuchte Häute aus. Die Häute werden in die Bate-Lösung gelegt und eine Stunde lang bearbeitet. Anschließend werden sie einige Stunden oder über Nacht in der Lösung ruhen gelassen, wobei gelegentlich umgerührt wird.
7. Die Dauer, für die die Behandlung fortgesetzt werden sollte, hängt vom gewünschten Grad an Weichheit und Dehnbarkeit des Leders ab. Für Sohlenleder reichen beispielsweise fünfzehn Minuten aus; für Satinleder dreißig Minuten; für Handschuhleder vier bis sechs Stunden oder sogar länger.
8. Wenn die Häute aus der Bate-Lösung genommen werden, ist es manchmal sinnvoll – insbesondere bei hochwertigeren Ledersorten –, sie erneut mit warmem Wasser zu waschen und auf der Walze zu bearbeiten. Danach können sie in die Gerbflüssigkeiten gegeben werden.
9. Bei der Herstellung der Bate-Lösung für die zweite Behandlung sollte ein Drittel der alten Lösung abgegossen und durch frisches Wasser ersetzt werden. Anschließend wird nur die Hälfte der ursprünglich verwendeten Menge an Bate zur Lösung hinzugefügt – und so weiter bei jeder nachfolgenden Behandlung.
10. Wenn gegen Ende des Kalkvorgangs frischer Weichkalk verwendet wird und ein Bate aus Mist zur Verringerung der Rauheit der Lederoberfläche notwendig erscheint, ist es sehr vorteilhaft, die Häute zunächst mit dieser Mist-Bate-Lösung zu behandeln und anschließend mit einer C. T. Bate-Lösung zu behandeln, um so die bakterielle Aktivität einzudämmen.“

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Des Stallschlamms – er schützt das Lederfleisch, reinigt, bleicht und neutralisiert außerdem die Häute vor dem Einlegen in die Gerbflüssigkeiten. 11. Wenn es ratsam erscheint, Stallschlamm zu verwenden, ist es gute Praxis, die Häute wie oben beschrieben zu behandeln (bis zum Punkt Nr. 7) und sie anschließend in den Stallschlamm zu legen. Durch diese vorherige Behandlung wird die antiseptische Wirkung des C.T.-Schlamms dazu beitragen, die zerstörerische bakterielle Wirkung des Stallschlamms einzudämmen und somit das Risiko von Schäden am Lederfleisch zu verringern. In allen Fällen, in denen der Wert des Leders von der Qualität und Vollkommenheit des Lederfleisches abhängt, stellt dies einen wichtigen Vorteil dar.

Alle diese Kohlenölteer-basierten Mittel eignen sich eher zur Reinigung als zur weiteren Behandlung der Häute, da ihre Wirkung hauptsächlich darauf beruht, Kalk zu entfernen. Aufgrund ihrer antiseptischen Eigenschaften sind sie sehr nützlich, um die Auswirkungen der Fäulnis zu stoppen sowie zu verhindern, dass Gärprozesse in die Gerbflüssigkeiten gelangen. Die Häute können somit sicherlich mindestens einige Tage lang in schwachen Lösungen aufbewahrt werden; doch jede notwendige weitere Behandlung sollte in der Regel vor deren Verwendung stattfinden.

Ein Autor in der Zeitschrift „Gerber“ aus dem Jahr 1875, S. 279, empfiehlt die Verwendung einer verdünnten Lösung von Natriumsulfid als Behandlungsmittel. Möglicherweise entfernt dieses Mittel Kalk in Form von Sulfhydraten. Der genannte Autor scheint mit Lammhäuten gute Ergebnisse erzielt zu haben. In Experimenten am Yorkshire College zeigte sich, dass eine Lösung von 4 Gramm pro Liter bei 40 Gramm Lederhaut zu einer erheblichen Aufquellung führte; vermutlich reicht jedoch eine viel schwächere Lösung aus, um zufriedenstellende Ergebnisse zu erzielen. Polysulfide wie „Schwefelliver“ oder die gelbe Lösung, die durch Kochen einer verdünnten Natriumsulfid- oder Natriumhydroxidlösung mit überschüssigem Schwefel entsteht, besitzen eine starke Wirkung beim Aufquellen der Lederhäute und scheinen daher als Behandlungsmittel durchaus geeignet zu sein.

In Indien werden die Hülsen des Babool-Baumes (Acacia arabica) häufig als Behandlungsmittel verwendet; dabei wird die Infusion fermentieren gelassen. Im getrockneten Zustand enthalten sie etwa 12 Prozent eines leicht umwandelbaren Tannins, das kein Kaliumhydroxid ausfällt und durch Fermentation sehr wahrscheinlich in Gallussäure umgewandelt wird. Die Verwendung von Gallussäure selbst als Behandlungsmittel wurde von Albert Hull patentiert[96]; sie würde zweifellos zur Entfernung des Kalks führen, sofern sie in ausreichender Menge verwendet wird. Da er jedoch nur eine Lösung von 25 Milligramm pro Liter verwendet (eine Teilchenmenge von 1 zu 40.000), muss jede Wirkung hauptsächlich auf das Waschen mit Wasser zurückzuführen sein. Gallussäure bildet mit Kaliumhydroxid dunkle Oxidationsprodukte.

[96] Eng. Pat. 14,595, 1889.

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Unter den fermentativen Methoden zur Entfernung von Kalk ist das „Tränken“ mit fermentierenden Kleieinfusionen theoretisch die einfachste Methode – sie wurde von Herrn J. T. Wood sehr sorgfältig untersucht.[97] Es ist daher praktisch, diesen Prozess zuerst zu betrachten, obwohl er häufig als Mittel zur Reinigung und leichten Aufpolsterung der Haut nach der Entfernung des Kalks durch andere Verfahren eingesetzt wird. Bei der Herstellung von Kalbfell hingegen wird er heute ohne vorheriges Andickenverfahren verwendet, und in einigen anderen Fällen ersetzt er das Einsatz von Dung zum Andicken. Die wichtigsten aktiven Fermente sind zwei Arten von Bakterien, von Wood als Bacterium furfuris α und β bezeichnet, die in ihrer Form und Wirkung sehr ähnlich sind (siehe L.I.L.B., S. 264); gemeinsam führen sie jedoch eine etwas bessere Fermentation her als getrennt voneinander. Sie sind in den Abbildungen 34 und 35 dargestellt.

[97] Journ. Soc. Chem. Ind., 1890, S. 27; 1893, S. 422; 1897, S. 510; Brit. Assoc. Rep., 1893, S. 723.

Abbildung 34: Bacterium furfuris α. Abbildung 35: Bacterium furfuris β.

Keine dieser Arten hat eine direkte Wirkung auf das Ledermaterial, sondern fermentiert den Glukosegehalt, der durch die Wirkung des Cerealins in der Kleie auf das darin enthaltene Stärke entsteht. Während der Fermentation entstehen erhebliche Mengen an Wasserstoff sowie Kohlendioxid, Stickstoff und geringe Mengen an Schwefelwasserstoff, zusammen mit Milchsäure und Essigsäure sowie Spuren von Formigsäure und Buttersäure sowie Aminen. Aktive Tränkmittel enthalten 1–3 Gramm gemischte Säuren.

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Pro Liter entsteht so eine durchaus zufriedenstellende Behandlung – durch ein künstliches Lösungsmittel, das 0,5 Gramm glaziales Essigsäure sowie 1 Gramm Milchsäure enthält (Spezifisches Gewicht 1,210). Die Häute werden dabei 1½–2 Stunden lang in diesem Lösungsmittel behandelt; bei der herkömmlichen Methode wären hingegen 12–16 Stunden erforderlich. Ein experimentelles Lösungsmittel ergab bei Analyse folgende Werte:
Formigsäure: 0,0306 Gramm pro Liter
Essigsäure: 0,2402 Gramm pro Liter
Buttersäure: 0,0134 Gramm pro Liter
Milchsäure: 0,7907 Gramm pro Liter
Gesamt: 1,0749 Gramm pro Liter

Es ist wahrscheinlich, dass andere Organismen in der Lage sind, ähnliche Fermentationen hervorzurufen. Es ist außerdem nicht sicher, ob in allen Gerbereien dieselben Keime vorhanden sind. Herr A. N. Palmer gibt an, dass er bei den Cambrian Leather Works in Wrexham keine Milchsäure in den Lösungsmitteln nachweisen konnte; alle vorhandenen Säuren gehörten zur Essigsäurereihe. Die von Wood untersuchten Fermente sind nicht in der Lage, die Häute anzugehen oder zu schädigen. Seiner Ansicht nach liegt eine Schädigung der Häute in der Regel an faulenden sowie gelatineauflösenden Organismen, die aus den Behältern oder aus der Luft bei heißem, schwülem Wetter eindringen. Die Behandlung verläuft am sichersten und zufriedenstellendsten bei Temperaturen von maximal 30–35 °C; in der Regel ist der Prozess dann in 12–24 Stunden abgeschlossen. Bei heißem, schwülem Wetter kann manchmal plötzlich eine aktive Buttersäurefermentation anstelle der normalen Fermentation stattfinden. Dadurch schwellen die Häute schnell an, werden durchsichtig und lösen sich schließlich in einen Brei auf. Wenn die Häute in diesem geschwollenen Zustand gegerbt werden, entsteht weiches, nutzloses Leder. Die Schädigung fortschreitet dabei mit beunruhigender Geschwindigkeit – manchmal werden die Häute bereits innerhalb weniger Stunden völlig zerstört. Daher ist schnelles Handeln notwendig. Der erste Schritt besteht darin, Salz hinzuzufügen, welches die Fermentation hemmt und genauso wie im Einweichprozess wirkt, indem es die Wirkung der Säure kontrolliert und eine Art „Tawing“ erzeugt. Solche Häute liefern zwar gutes Leder, doch das Fasermuster neigt dazu, etwas gedehnt zu sein. Wenn die Häute sofort aus dem Lösungsmittel herausgeholt werden können, kann die Säure durch vorsichtiges Hinzufügen von Ammoniak, Soda oder Weichmachern zum Wasser, in dem sie sich befinden, neutralisiert werden – am besten in einem Bad. Falls die Häute nicht ausreichend behandelt wurden, können sie anschließend in lauwarmem Wasser gebadet werden; dies ist jedoch kaum notwendig, da die Säure den Kalk sehr vollständig entfernt. Ein Einwand gegen die Verwendung…

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Weißmachungsmittel – welches ansonsten das sicherste und beste Material zur Entfernung von Säuren aus dem Leder ist – neigen dazu, sich mechanisch im Fasergewebe festzusetzen und dadurch bei der Verwendung mit pflanzlichen Gerbstoffen zu einem schlechten Farbton zu führen. Bei weißem oder chromgegerbtem Leder würde dies keinen Schaden anrichten. Um ein Wiederholen dieses Problems zu verhindern, sollte die Temperatur des Badewassers niedrig gehalten werden sowie das Kleiegemisch durch Waschen in zwei bis drei kalten Wasserschichten von Mehl befreit werden, bevor das heiße Wasser hinzugefügt wird, mit dem das eigentliche Badewasser hergestellt wird. Denn das Mehl – oder zumindest sein Stärkeanteil – ist die Quelle, aus der sowohl Buttersäure als auch Milchsäure entstehen. In kaltem Wetter, wo das Baden auf normale Weise stattfindet, ist Mehl nützlich, da es die natürliche Nahrung für das Gärungsferment darstellt. In England wird Mehl häufig absichtlich dem Kleiegemisch hinzugefügt, um die Aktivität des Gärungsprozesses zu erhöhen. Um das Mehl zu erhalten, kann das Kleiegemisch zunächst mit kochendem Wasser gewaschen werden; dadurch gelatiniert die Stärke und haftet besser am Kleie. Laut Eitner wird außerdem eine klebrige, fettartige Substanz entfernt, wodurch das Kleiegemisch besser in der Lage ist, das Fett aus der Haut zu entfernen. Nach zwei Stunden im heißen Wasser wird das Gemisch in mehreren kalten Wasserschichten gewaschen und anschließend bei etwa 40 °C aufbewahrt, bis es verwendet wird.[98] Viele Gerber verwenden das Kleiegemisch ohne vorheriges Waschen – doch wenn viel Mehl vorhanden ist, steigt es zusammen mit den durch die Gärung entstehenden Gasen an die Oberfläche und bildet eine pastöse Masse auf den Häuten, was ein gleichmäßiges Baden erschwert.
[98] Gerber, 1882, S. 246.

Die Menge an Kleie, die bei der normalen Badung verwendet wird, variiert stark – doch als Durchschnittswert können etwa 4 Teile pro 1000 Teilen Wasser sowie 5 bis 10 Prozent des Gewichts der Haut angegeben werden; oft wird jedoch mehr verwendet. Die Temperatur kann zwischen 10 °C und etwa 30–35 °C liegen, während die Zeit je nach Temperatur des Badewassers, der Menge des vorhandenen Gärungsferments sowie Dicke und Beschaffenheit der Häute von Tagen oder Wochen auf zwei bis drei Stunden abnimmt. Die Häute werden in der Regel in das frisch zubereitete Badewasser gegeben; oft werden dabei einige Eimer altes Badewasser als Gärungsmedium hinzugefügt. Bald setzt die Gärung ein, und die entstehenden Gase sorgen dafür, dass die Häute an die Oberfläche steigen – das wird als „Arbeiten“ des Badewassers bezeichnet. Dünne Häute können nach einem Mal Aufsteigen ausreichend gebadet werden, während dicke Häute zweimal oder dreimal in das Badewasser gelegt werden müssen. Ein Zeichen für eine ausreichende Badung ist das Auftreten kleiner Blasen im Fasergewebe, verursacht durch das Entstehen von Gasen im Ledermaterial. Sobald solche Blasen sichtbar werden, sollte das Baden sofort eingestellt werden – andernfalls nehmen die Blasen an Zahl zu und platzen durch das Fasergewebe, wodurch winzige Löcher entstehen.

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„Stiche“ – eine der vielen Formen dieser Beschwerde, die auf Deutsch als Pikiren oder Piquieren bezeichnet wird. Wenn sich eine Luftblase in einer Falte der ausreichend angefeuchteten Haut befindet und diese gedrückt wird, hebt sich das Hautmuster an, ohne dass die Haut tatsächlich von ihrem Untergrund getrennt wird. Die richtig angefeuchtete Haut faltet sich außerdem leicht, wenn man sie zwischen den Händen – entweder längs oder quer – hält. Ist die Haut dünn, zeigt sich unter ihr bei starker Dehnung das Korn des Schrots als kleine Erhebungen, an denen sich die Haut festhält. Die angefeuchtete Haut sollte nicht durchsichtig sein, sondern weiß und weich sein; außerdem sollte sie beim Drücken die Spur des Fingers behalten. Es bedarf etwas Erfahrung, um genau den Punkt zu bestimmen, an dem die Haut ausreichend angefeuchtet ist – dieser Punkt variiert natürlich je nach Eigenschaften der Haut sowie nach dem gewünschten Ledertyp. Das Gefühl der Haut in erfahrenen Händen ist dabei eines der wichtigsten Kriterien.

Ein Autor in der Zeitschrift „Gerber“[99] teilt die Anfeuchtungsmethoden in drei Kategorien ein: „süß“, „alkoholisch“ und „sauer“. Bei der süßen Anfeuchtung werden die Häute in ein Bad aus lauwarmem Schrotwasser getaucht. Dieses Wasser entsteht durch Einweichen des Schrots in heißem Wasser, wobei die klare Flüssigkeit vom am Boden liegenden Schrot abgetrennt wird. Die Häute dürfen nur 2–3 Stunden darin bleiben – nicht lange genug, damit eine Gärung einsetzen kann. Diese Methode eignet sich nur für sehr dünne oder weiche Häute, die keine weitere Lockerung vertragen. Der Vorteil des Schrotwassers besteht darin, dass dadurch die Arbeit des Entfernens des anhaftenden Schrots mit einem Messer erspart bleibt. Doch ob ungegorenes Schrot tatsächlich eine Wirkung hat, ist fraglich. Schrotwasser kann jedoch auch zur Gärungsanfeuchtung verwendet werden – und hat bei der Herstellung von Handschuhleder weitgehend die älteren Methoden ersetzt. Die mechanische Wirkung des Schrots bei der Reinigung der Häute ist jedoch oft nützlich. Bei der sauren Anfeuchtung wird der Schrot mehrere Stunden lang in kaltem Wasser eingeweicht und weich gemacht. Anschließend wird kochendes Wasser hinzugefügt, bis die Temperatur auf 75 °C ansteigt. Danach wird weiterhin oft umgerührt, und nachdem die Temperatur auf 45 °C gesunken ist, wird eine beträchtliche Menge des alten Anfeuchtungswassers als Gärungsmittel hinzugefügt. Wenn die Anfeuchtung bei warmer Temperatur (30–35 °C, im kalten Wetter sogar 40 °C) erfolgt, bleiben die Häute nur 1–3 Stunden im Wasser. Bei kühlerer Temperatur kann die Anfeuchtung über einen Zeitraum von 2–3 Tagen andauern, wobei die Häute häufig bearbeitet werden müssen. Diese Variante eignet sich für Glacé-Kid-Häute sowie für härtere Hautsorten. Handschuhleder wird jedoch immer mit der warmen und schnellen Methode behandelt. Was der Autor in der „Gerber“ als „alkoholische“ Schrotanfeuchtung beschreibt, ist vermutlich die von Herrn Wood untersuchte Gärungsmethode – bei dieser entstehen gewöhnliche brennbare Gase, aber kein Alkohol.

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[99] Gerber, 1888, S. 257.

Eine normale Einweichlösung lässt die Produkte leicht aufquellen, doch wenn sie viele der fauligen Gärstoffe enthält, die aus dem Bate oder Puer stammen, fallen die Häute darin genauso zusammen wie im Bate. Um diesen Effekt zu verstärken, wird manchmal fauliger Einweichalkohol zur Lösung hinzugefügt – mit fraglichem Nutzen. In Einweichlösungen kann die Gesamt säuregehalt durch Titration mit Kalkwasser oder N⁄10-Kaustik Soda unter Verwendung von Phenolphthalein als Indikator bestimmt werden; die flüchtigen Säuren können wie beschrieben bei der Analyse von Gerbflüssigkeiten destilliert werden (L.I.L.B., S. 126). Für vollständigere Analysemethoden wird der Leser auf den Artikel von Messrs. Wood und Willcox über „Die Natur der Kleiegärung“ verwiesen.[100]
[100] Journ. Soc. Chem. Ind., 1893, S. 422.

Es wird gesagt, dass Einweichlösungen etwas besser wirken, wenn sie mit Wasser hergestellt werden, das Nitrate enthält – und das ist durchaus möglich. Der benötigte Stickstoff kann jedoch leicht zugesetzt werden, indem eine sehr kleine Menge Salpeter hinzugefügt wird. Wood ist der Ansicht, dass die in der Kleie vorkommenden Gärstoffe nicht aus der Einweichlösung selbst stammen, sondern aus den im Bate behandelten Häuten, da die Bakterien der Einweichlösung schnell absterben und die Gärung nicht abgeschlossen wird; daher ist eine ständige Erneuerung des Nährstoffs notwendig (vgl. S. 18). Das Behandeln mit Bate und Puer unterscheidet sich zwar in vielerlei Hinsicht praktisch, ist aber theoretisch identisch – und das Meiste, was folgt, gilt für beide Verfahren. Die Wirkung ist weitaus komplexer als bei der Einweichung und umfasst sowohl chemische Reaktionen als auch solche organisierter und unorganisierter Gärstoffe. Es ist nicht einfach zu bestimmen, welchem dieser Faktoren welcher Anteil an dem beobachteten Effekt zuzuschreiben ist. Früher wurde der Haupteffekt organischen Ammoniumsalzen sowie deren Homologen sowie amidischen Säuren zugeschrieben, die sich mit Kalk verbinden. Phosphorsäure ist ebenfalls vorhanden; falls sie in Form löslicher Salze vorliegt, verbindet sie sich mit Kalk und macht ihn unlöslich und inaktiv. Wahrscheinlich befindet sich jedoch der größte Teil, wenn nicht sogar die gesamte Phosphorsäure bereits in Form von Tricalciumphosphat vor, und ist daher wirkungslos. Heute wird jedoch anerkannt, dass die Wirkungen dieser Chemikalien im Vergleich zu den Produkten bakterieller Aktivität unbedeutend sind – und die Forschungen von J. T. Wood haben vieles aufgeklärt, was bis vor Kurzem noch völlig unerklärlich war.[101]

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[101] Journ. Soc. Chem. Ind., 1894, S. 218; 1895, S. 449; 1898, S. 856, 1010; 1899, S. 117, 990.

Den Verdauungsenzymen wie Pepsin und Trypsin, die in frischem Dung vorkommen, wird große Wirkung zugeschrieben. Es ist bekannt, dass der tierische Organismus diese Enzyme in einem Umfang sekretiert, der weit über seinen Bedarf hinausgeht. Doch es ist fraglich, ob sie auch in frischem Dung unverändert vorhanden sind; zwar scheinen sie widerstandsfähiger gegen Fäulnis und Zersetzung zu sein, als man aufgrund ihrer komplexen organischen Struktur erwarten würde, doch besteht daher die Möglichkeit, dass sie im Dung vorhanden sind – selbst dann noch, wenn dieser in der Gerberei verwendet wird. Sowohl Pepsin als auch Trypsin sind Enzyme (siehe S. 16) und gehören zur großen Klasse der Albuminoide. Sie sind in Wasser löslich, aber in Alkohol unlöslich; durch Zugabe von Alkohol zu ihrer Lösung werden sie also ausgefällt, werden dadurch jedoch nicht verändert und erlangen ihre Aktivität wieder, sobald sie in Wasser gelöst werden. Durch Hitze gerinnen und zersetzen sie sich, wodurch ihre Aktivität dauerhaft zerstört wird.

Pepsin ist das aktive Prinzip der Sekretion der Magenschleimhautdrüsen. In großen Mengen wird es für medizinische Zwecke als Hilfsmittel bei der Verdauung aus Schweinemägen gewonnen. Pepsin wirkt nur in leicht sauren Lösungen. Obwohl frischer Lauge eine leicht saure Wirkung auf Litmus hat, wird sie aufgrund des Kalziums in den Häuten sowie des darin enthaltenen Ammoniaks schnell basisch – wodurch die Wirkung von Pepsin in der Lauge nur sehr begrenzt sein kann. Wood[102] verglich die Wirkung einer 1-prozentigen Pepsinlösung, die mit 0,2 Prozent Salzsäure gesättigt war, mit der Wirkung einer Hundenudellauge bei einer Temperatur von 40 °C. Nach einer Stunde war das Leder in der Pepsinlösung erheblich eingedrückt, während das Leder in der Nudellauge fast vollständig aufgelöst war. Da die hier verwendete Lösung viel stärker war als in der Praxis üblich und die Bedingungen für ihre Wirkung weitaus günstiger waren, kann man davon ausgehen, dass die tatsächliche Wirkung von Spuren von Pepsin in der Lauge vernachlässigt werden kann.

[102] Journ. Soc. Chem. Ind., 1894, S. 220.

Trypsin oder Pancreatin[103], falls vorhanden, ist eher in der Lage, eine Wirkung zu entfalten, da es sowohl in neutralen als auch in basischen Lösungen aktiv ist. Es ist ein Produkt der Bauchspeicheldrüse und spielt eine wichtige Rolle bei der Darment Verdauung. Chemisch ähnelt es stark Pepsin, ist aber hitzestabiler und behält seine Verdauungskraft auch nach Erhitzung auf 160 °C bei trockenen Bedingungen bei. Seine erhitzte Lösung löst Fibrin fast sofort und in großen Mengen auf sowie peptonisert Gelatine und Lederfasern, sodass diese in Wasser löslich werden.

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Wood stellte fest, dass eine 1-prozentige Lösung von Pankreatin weitaus schneller wirkte als eine Lösung von Pepsin derselben Stärke. Bei 40 °C in einer neutralen Lösung zerfiel das Leder schnell, und die Wirkung setzte sich auch im Kühlen fort. Nach 15 Stunden war die Flüssigkeit voller winziger Bakterien. Auf Vorschlag des Autors wurde das Experiment daher wiederholt, wobei 15 Prozent Chloroform hinzugefügt wurden; dieses verhinderte die Entwicklung von Bakterien, ohne jedoch die Wirkung des Pankreatins zu stoppen. Das Leder zerfiel wie zuvor, doch in keinem Fall hatte es den charakteristischen Griff von gepökeltem Leder, und auch die Eigenschaften des daraus hergestellten Leders waren nicht dieselben. Wir können daher schließen, dass zwar Trypsin zur Wirkung bei der Verarbeitung von Leder beitragen kann, dies jedoch nur in geringem Maße der Fall ist, und dass die Hauptwirkung auf andere Ursachen zurückzuführen ist. Es ist jedoch sicher, dass frischer Vogeldung – und vermutlich auch Dung aller Tiere – Enzyme enthält, die in der Lage sind, Gelatine zu flüssigen. Ein Beispiel dafür findet sich in der bei der Herstellung von Klebstoffen üblichen Beobachtung: Wenn ein Tropfen Vogeldung auf einen Behälter mit erstarrter Gelatine fällt, wird dieser bis zum Boden des Behälters flüssig. Trypsin – oder zumindest die Sekrete der Bauchspeicheldrüse sowie Galle aus der Leber – besitzen eine starke Fähigkeit, Fette zu benetzen und zu emulgieren; dies könnte etwas mit der Wirkung bei der Reinigung von Leder von Fetten zu tun haben. [103] Ebd. sowie Beilstein, Bd. III, S. 1308, 2. Auflage.

Bakterielle Fermentation und ihre Produkte sind jedoch der Hauptfaktor bei der Wirkung von Pökelmitteln und Lederverarbeitungsmitteln. In diesem Zusammenhang verdanken wir den größten Teil unseres Wissens den Arbeiten von J. T. Wood. Zwar haben Popp und Becker ebenfalls in diesem Bereich geforscht, sie haben ihre Ergebnisse jedoch nicht so offen veröffentlicht. Wood zeigte, dass eine frische Pökelflüssigkeit, selbst wenn sie eine halbe Stunde lang gekocht wird und dadurch frei von lebenden Organismen sowie albuminoiden Enzymen ist, dennoch eine erhebliche Wirkung auf limiertes Leder hat – wenn auch deutlich weniger als ungekochte Pökelflüssigkeit. Er stellte fest, dass diese Wirkung hauptsächlich auf Amine sowie deren Verbindungen mit organischen Säuren beruht, die das Kalzium entfernen, aber das interfibrilläre Material nicht beseitigen und somit auch nicht den typischen Griff von gepökeltem Leder verleihen. Ein sehr ähnliches Ergebnis wurde mit 1-prozentiger Lösung von Anilinhydrochlorid erzielt. Eine beträchtliche Vielfalt an Bakterien aus Dung und anderen Quellen wurde in verschiedenen Nährmedien kultiviert und ihre Pökelwirkung getestet. Obwohl diese Wirkung größer war als die unorganisierten chemischen Verbindungen wie Aminsalze und organische Säuren, war sie in keinem Fall vergleichbar mit der eines gewöhnlichen Pökelmittels.

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oder ausreichend für den praktischen Gebrauch. Wenn jedoch eine kleine Menge der aus dem Puer gewonnenen Aminsalze einer gemischten Bakterienkultur zugesetzt wurde, war die Wirkung auf die Haut fast genauso schnell und erheblich wie bei echtem Puer. Um festzustellen, ob die Puer-Wirkung auf die direkte Wirkung der Bakterien oder auf ihre Enzymprodukte zurückzuführen war, wurden letztere aus einer gefilterten Puer-Lösung herausgetrennt, indem man sie in einen großen Behälter mit 98-prozentigem Alkohol gab – in dem Enzyme unlöslich sind. Bei erneutem Auflösen in Wasser zeigten sie eine deutliche Puer-Wirkung. Eine Lösung von 0,5 g der gemischten Enzyme sowie 0,5 g der gemischten Ammoniumhydrochloride in 100 ccm Wasser bei 350 °C ließ ein Stück Kalkhaltige Schafshaut innerhalb von dreißig Minuten genau wie durch echten Puer weich werden. Die Wirkung hängt daher von der gegenseitigen Wirkung der Enzyme und Aminsalze ab; da die Trennung dieser jedoch für den praktischen Gebrauch zu kostspielig wäre und die Puer-Wirkung effektiver ist, wenn sie in Kontakt mit der Haut durch aktive Bakterien entstehen, wählte Wood die Methode, eine geeignete, sterilisierte Nährflüssigkeit herzustellen, die vor der Verwendung mit einer gemischten Kultur geeigneter Bakterien beimpft wird. Für laboratorische Zwecke wurde eine geeignete Kulturlösung erzeugt, indem 10 g Gelatine mit 5 g Milchsäure (wasserfrei) sowie 100 ccm Wasser drei Stunden lang in einem geschlossenen Behälter auf dem Wasserkocher zersetzt wurden. Die entstandene Lösung wurde mit Natriumcarbonat neutralisiert und mit der Zugabe einer kleinen Menge Kaliumphosphat auf 1 Liter verdünnt. Es stellte sich heraus, dass die Bakterien aus frischem Hundekot keine zufriedenstellende Puer-Wirkung besaßen; jene aus Kot, der einen Monat lang fermentiert worden war (wie im praktischen Gebrauch), ergaben Ergebnisse, die fast denen von echtem Puer entsprachen. Noch bessere Ergebnisse wurden mit einer gemischten Kultur aus Wurzeln erzielt, die durch Schwitzen locker geworden waren. Die Bakterien gehörten hauptsächlich zwei Arten an; keiner dieser Arten allein war in der Lage, eine zufriedenstellende Puer-Wirkung zu erzielen; doch gemeinsam wirkten sie schneller als echter Puer. Diese Bakterien lösen Gelatine nicht auf. Im Laufe seiner Experimente stellte Wood fest, dass gefilterte Puer-Lösungen weniger aktiv waren als trübe Lösungen, und dass ihre Aktivität sogar durch die Zugabe inaktiver Substanzen wie Kaolin zunahm. Wood führt die Unterschiede in der Wirkung zwischen Hundekot und Vogelkot nicht nur auf unterschiedliche Bakterien zurück, sondern auch darauf, dass im letzteren Fall Harnprodukte, insbesondere Harnsäure, im Kot enthalten sind. Aufgrund der Ergebnisse dieser und ähnlicher Forschungen konnten Wood in England sowie Popp und Becker in Deutschland eine praktische künstliche

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„Erodin“ setzt sich aus einem festen Nährmedium sowie einer flüssigen „reinen Kultur“ der Bakterien zusammen, die für die gewünschte Gärung erforderlich sind. Im Folgenden finden Sie die Anleitung zur Verwendung von „Erodin“, wie sie vom Hersteller bereitgestellt wird:

Für 100 Pfund feuchte, gewaschene Haut, die für die Gärung bereit ist, sind etwa 1 Pfund „Erodin“ erforderlich. Im metrischen System benötigt 1 Kilogramm feuchte Haut etwa 10 Gramm „Erodin“. Die Konzentration des Gärmediums darf 3 Gramm pro Liter nicht unterschreiten – das entspricht 1/2 Unze pro Gallone. Zur Herstellung des Gärmediums wird ein ausreichend großer Fass oder Behälter, der sorgfältig gereinigt und gedämpft wurde, in die Nähe des Rührers gestellt. Das Fass sollte mit einem leicht zu bedienenden Dampfrohr ausgestattet sein sowie mit einem sauberen Deckel. Die erforderliche Menge an „Erodin“ wird abgewogen und in den Behälter gegeben; dazu kommt Wasser in einer Menge, die fünfzigmal so viel wie das Gewicht des „Erodins“ beträgt. Die Mischung wird auf eine Temperatur von maximal 40 °C erhitzt – durch direkten Zufuhr von Dampf. Anschließend wird alles gründlich umgerührt und die reine Kultur von Bacillus erodiens zur Mischung hinzugefügt. Die Temperatur darf nicht unter 25 °C sinken. Am Morgen, mittags und abends sollte etwas Dampf zugeführt werden, damit die Temperatur wieder auf 40 °C ansteigt.

Eine praktische Vorgehensweise ist folgende: Am Freitag wird doppelt so viel „Erodin“ hergestellt und in Gärung versetzt, wie für einen Tag benötigt wird. Dieses „Erodin“ kann unter den oben genannten Bedingungen bis Montag gelagert werden. Am Montag wird die Hälfte davon für die Gärung verwendet; dieser Anteil wird durch eine gleich große Menge frischen „Erodin“-Pulvers ersetzt, das in Wasser in einer Menge, die fünfzigmal so viel wie das Gewicht des Pulvers beträgt, aufgelöst wird. Dieses neue „Erodin“ wird dann zur bereits vergorenen Mischung hinzugefügt. Dieser Vorgang wird jeden Tag wiederholt, bis am nächsten Freitag wieder genügend „Erodin“ für einen Tag im Behälter vorhanden ist. Dieses „Erodin“ wird anschließend in einen kleineren Behälter umgefüllt, um es am Samstag verwenden zu können – und der Kreislauf beginnt von vorn.

Für jede Menge an „Erodin“-Pulver von 11 Pfund (5 Kilogramm) oder weniger sollte eine reine Kultur von Bacillus erodiens verwendet werden. Angenommen, für einen Tag sind 11 Pfund (5 Kilogramm) „Erodin“ erforderlich – dann müssen am Freitag 22 Pfund (10 Kilogramm) „Erodin“ wie beschrieben in 110 Gallonen (500 Litern) Wasser aufgelöst werden. Zudem werden 2 reine Kulturen hinzugefügt, und die Mischung wird bis Montag gären lassen.

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Am Montag wird die Hälfte davon verwendet, und zum Rest werden 11 Pfund (5 Kilogramm) Erodin sowie 55 Gallonen (250 Liter) Wasser hinzugefügt. Dies wird am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag wiederholt; am Freitag wird wieder die Hälfte verwendet und der Rest in einen separaten Fass gegeben, um ihn am Samstag zu verwenden. In dem Mashing-Fass wird anschließend eine neue Menge von 22 Pfund (10 Kilogramm) Erodin zusammen mit 110 Gallonen (500 Litern) Wasser zubereitet, um sie in der nächsten Woche zu verwenden.[104]

[104] Herr Wood hat festgestellt, dass es in vielen Fällen nicht notwendig ist, am Ende jeder Woche von vorn anzufangen, sondern dass nach Bedarf kontinuierlich zusätzliche Mengen an Erodin-Lösung zusammen mit der dazugehörigen Bakterienkultur in den Behälter hinzugefügt werden können. Bei der Verarbeitung kann die konzentrierte Lösung aus dem Behälter mit 4 bis 6 Mal ihrem Volumen an Warmwasser verdünnt werden. Die verdünnte Flüssigkeit sollte in der Regel nur für ein Bündel Leder verwendet werden. Am Samstag wird der Rest des alten Mashes aufgebraucht.

Falls dieses Vorgehen aus irgendeinem Grund nicht zu den Arbeitsbedingungen passt, kann Erodin auch dadurch verwendet werden, dass täglich eine neue Menge mit fünfzig Mal ihrem Gewicht an Wasser zubereitet wird, die reine Bakterienkultur hinzugefügt wird und die Mischung drei Tage vor der Verwendung fermentieren lässt. In einigen Fällen kann die Lösung für mehrere aufeinanderfolgende Bündel Leder verwendet werden, indem einfach Wasser sowie eine kleine Menge Erodin hinzugefügt wird – ohne eine neue Bakterienkultur.

Erodin wird mit großem Erfolg in mehreren großen Betrieben in England und im Ausland eingesetzt. Auf Kalbs- und Schaffellen hat sich Erodin als genauso wirksam wie auch viel sicherer als Hundefutter erwiesen; die Leder erhalten dabei eine saubere Oberfläche ohne Flecken. Es wurde auch in der Versuchswerkstatt des Yorkshire College häufig verwendet und sich als zufriedenstellender Ersatz für Puer erwiesen. Mit den aktuellen Bakterienkulturen kann Erodin jedoch nur bei warmer Temperatur verwendet werden – im Gegensatz zu herkömmlichem Taubenkot. Zweifellos lässt sich ein geeignetes bakterielles Medium und eine Kultur für die Verwendung bei kühleren Temperaturen finden; diese Methode ist für dickere Leder oft vorzuziehen als das Verfahren mit Puer. In dieser Richtung laufen bereits Experimente.

Aufgrund der Vielzahl an Keimen sowie der Anpassungsfähigkeit der Dunglösung als Nährmedium für alle verrottungsfähigen Organismen, die darauf gelangen können, ist das Verfahren zur Behandlung der Leder notwendigerweise gefährlich für die Lederstücke – es führt stets zu einem Gewichtsverlust. Wenn das Verfahren zu lange fortgesetzt wird, kommt es sogar zur mehr oder weniger vollständigen Zerstörung der Leder. Ein gewisser Gewichtsverlust ist jedoch unvermeidlich – und tatsächlich notwendig, wenn weiches Leder hergestellt werden soll. Wenn die Lederstücke im Behandlungsmittel liegen bleiben, setzen sich Schlamm, der Organismen enthält, sowie bakterielle Formen in den Falten ab und verursachen durch die Zerstörung der Lederoberfläche Marmormuster, Streifen und Linien.

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Schwarze oder bläuliche Flecken entstehen ebenfalls oft – sie werden als „Bate-Flecken“ bezeichnet. Sie entstehen entweder durch bakterielle Pigmente oder in einigen Fällen durch das Wirken von Wasserstoffsulfid auf Eisen, das durch Salzen oder andere Quellen vorhanden ist. Daher ist ein häufiger Wechsel der Position notwendig – insbesondere dann, wenn die Flüssigkeit aufgrund der Verarbeitung bei hoher Temperatur aktiv ist. Es scheint jedoch nicht wünschenswert zu sein, die „Häute“ ständig in Bewegung zu halten. Wenn die Gärung mit einem Rührwerk durchgeführt wird, sollte dieses nur in Abständen eingesetzt werden. T. Palmer[105] stellte in Experimenten mit Taubendung fest, dass während des Prozesses ein erheblicher Stickstoffverlust auftritt. Er empfahl daher die Gärung in Behältern, aus denen die Luft möglichst weit entfernt wurde – sowohl um einen erheblichen Materialspareffekt zu erzielen als auch um falsche Fermente zu vermeiden, die seiner Ansicht nach meist aerob sind. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass diese Methode vorteilhaft ist – schließlich haben Roscoe und Scudder gezeigt, dass die Gelatinisierung nur in Gegenwart von Sauerstoff stattfindet. Eine teilweise Ausschließung von Sauerstoff würde somit das Risiko einer Übergärung sowie daraus resultierender Schäden und Gewichtsverluste verringern. [105] Leather Trade Circular, 22. September 1891; 1887, S. 667; sowie Sanford, Journ. Soc. Chem. Ind., 1893, S. 530. Unter der Annahme, dass Gärung und weitere Verarbeitungsschritte im Grunde genommen bakterielle Prozesse sind, wurden bereits vor den Arbeiten von Wood, Popp und Becker versuche unternommen, andere Fermentstoffe anstelle von Dung zu verwenden. Wahrscheinlich scheiterten diese Bemühungen in vielen Fällen weniger daran, dass sie grundsätzlich falsch waren, sondern vielmehr an mangelndem Wissen über die notwendigen Details – wie zum Beispiel die Verwendung geeigneter Fermente sowie die Bereitstellung passender Nährmedien. Guano, gehärtetes Pferdefleisch, Urin, Hefe sowie fermentierende Gemüsesorten wurden alle ausprobiert. Vor vielen Jahren wurde auf Vorschlag des Autors in einer Marokkolederfabrik eine Lösung aus Glukose oder Sirup mit etwa 10 Prozent Konzentration verwendet – dazu wurde etwa eine Woche vor der Anwendung 3 Prozent tierischer Gärsubstrat hinzugefügt. Diese Lösung diente zumindest als teilweiser Ersatz für das Gärsubstrat und wird dort bis heute verwendet. Die Mischung bleibt eine Zeit lang aktiv und wird in ähnlicher Weise sowie in ungefähr denselben Proportionen wie das Dungpulver zur Flüssigkeit hinzugefügt. Ähnlich im Prinzip ist das feste Gärsubstrat, das von einem amerikanischen Unternehmen angeboten wird: Dabei wird Glukose mit einer kleinen Menge stickstoffhaltiger Stoffe sowie Phosphaten sowie einem Milchzuckerferment vermischt. Dieses Produkt muss nur kurz vor der Verwendung in warmem Wasser aufgelöst werden. Die Ergebnisse sind für bestimmte Zwecke gut – doch sie ähneln eher denen eines Bades als denen eines Gärsubstrats. Auf ähnliche Weise kann Gärsubstrat auch zu Flüssigkeiten hinzugefügt werden, die aus Kleie hergestellt werden.

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Es bewirkt bei ihnen eine Gärung, durch die die Häute viel weiter heruntergedrückt werden als bei einer gewöhnlichen Einweichlösung. Es ist wahrscheinlich, dass in einigen Fällen eine schwache Glukoselösung mit Spuren von Mineralstoffen, ähnlich wie in Cohns Lösung (siehe L.I.L.B., S. 269), sowie Milch oder gärender Einweichalkohol vorteilhaft zum Einweichen verwendet werden können – mit Kosteneinsparung. Ein Autor in „Hide and Leather“ beschreibt eine Einweichlösung, bei der zwei Teile Glukose pro Gewichtsteil in etwa 25 Teilen Wasser gelöst und etwa drei Tage lang vergoren werden, bis sich Schaum an der Oberfläche bildet. Anschließend wird etwa ein Teil alter Kleie-Einweichlösung oder 0,1 Teil gepresster Hefe hinzugefügt, und die Mischung wird auf insgesamt 1000 Teile Wasser aufgefüllt. Die Materialien werden 24–36 Stunden bei einer Temperatur von etwa 35 °C in dieser Lösung eingeweicht; zur zweiten Einweichung wird etwa ein Fünftel der ursprünglichen Glukosemenge hinzugefügt. Nach einer Woche wird eine neue Einweichlösung hergestellt, wobei ein Teiltausendteil der alten Lösung hinzugefügt wird. Eine kurze Einweichzeit von beispielsweise 10 Stunden ergab sehr gutes Sattelleder – doch im Allgemeinen führte dies dazu, dass das Material lockerer und schwammiger wurde als bei einer Einweichung mit Dung. Es ist offensichtlich nicht unbedeutend, ob zur Initiierung der Gärung alter Einweichalkohol oder Hefe verwendet wird: Im letzteren Fall kann nur Alkohol direkt durch die eingebrachten Gärkeime erzeugt werden, wobei dieser später durch andere Mikroorganismen in Essigsäure umgewandelt werden könnte. Diese gemischten Einweichlösungen, die Glukose enthalten, sind jedoch vermutlich prinzipiell falsch, da die eigentlichen Gärkeime nicht in Gegenwart von Säuren gedeihen können und Stickstoffstoffstoffe benötigen.

Was die relativen Wirkungen von Einweichlösungen aus Hundescheiße, Hühnerscheiße oder Taubenscheiße angeht, so sind die wichtigsten veröffentlichten Experimente jene von W. J. Salomon am Wiener Versuchsanstalt für Lederindustrie[106]. Dabei bestimmte er die relative Lösekraft gleicher Mengen: Für Hundescheiße lag sie bei 2½, für Taubenscheiße bei 2 und für Hühnerscheiße bei 1. Offensichtlich müssen diese Werte, obwohl interessant, mit Vorsicht betrachtet werden, da selbst die Zusammensetzung reiner Dungsorte keineswegs konstant ist – sie hängt von der Ernährung der Tiere ab, und Fälschungen sind weit verbreitet. Der Autor hat Geschichten über einen Händler gehört, der sein Produkt aus Ton mithilfe eines Schussapparats herstellte – allerdings garantiert er diese Angabe nicht! Im Allgemeinen gilt, dass die Wirkung von Vogeldung durchdringender ist, aber weniger weichmachend und lockernd als die von Hundescheiße. Deshalb wird Hundescheiße in der Regel für Lederteile verwendet, bei denen große Weichheit und Dehnbarkeit erforderlich sind. Zu beachten ist in diesem Zusammenhang, dass Vogeldungseinweichlösungen in der Regel kalt verwendet werden, wodurch ihre Wirkung viel langsamer ist – was ihnen Zeit gibt…

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dringt gleichmäßiger in dickere Häute ein. Es wurden nur wenige Analysen von Dungstoffen, die bei der Lederherstellung verwendet werden, veröffentlicht – und diese meist im Hinblick auf ihren Wert als Düngemittel. Schulze[107] gibt die Ergebnisse von vierzig Analysen von Taubendung wie folgt an:
Min. Max. Mittelwert
Prozent Prozent Prozent
Wasser 3,80 40,00 21,00
Stickstoff 1,47 5,04 2,53
Phosphorsäure 1,00 2,77 1,79
Kalium 0,71 2,57 1,46

Ein Stück enthielt 43,3 Prozent Sand!
[106] Tech. Quart., 1892, Bd. S. 81.
[107] Der Landwirt, 1895, Nr. S. 301.

Wood[108] zitiert Folgendes:
Hühnerdung:
Prozent
Wasser 60,88
Organische Substanz[109] 19,22
Phosphate 4,47
Calciumcarbonat und -sulfat 7,85
Alkalische Salze 1,09
Silizium und Sand 6,69
Hundedung:
Wasser 31,0
Ca 43,0
Na, K, Mg 0,8
PO4 3,4
CO2 7,5
Organische Substanz 14,2
Spuren von Fe, Cl, Si; Verlust 0,1
[108] Journ. Soc. Chem. Ind., 1894, S. 220.
[109] Enthält Stickstoff in Höhe von 0,74 Prozent Ammoniak.

Es handelte sich offenbar um einen Stichproben aus einem Hund, der Knochen fraß; die Probe aus den Tierheimen, die in der Lederherstellung häufiger verwendet wird, enthält viel weniger Kalzium. Eine von Wood analysierte Probe wies 4,7 Prozent Mineralstoffe, 9,7 Prozent organische Substanzen sowie 85,6 Prozent Wasser auf – wovon ein Teil zweifellos hinzugefügt wurde.

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Analyse – Der Analyse sowohl des Düngemittels für die Behandlung von Häuten als auch der dazu verwendeten Flüssigkeiten wurde kaum oder gar keine Aufmerksamkeit geschenkt. Obwohl die Gesamtkosten für solche Düngemittel hoch sind, ist offensichtlich, dass solch preisgünstige und unregelmäßige Produkte keine aufwendige Analyse rechtfertigen. Wahrscheinlich wäre es in einigen Fällen sinnvoll, den Feuchtigkeitsgehalt sowie die organischen und mineralischen Bestandteile durch Trocknen und Entzünden zu bestimmen. Falls weitere Untersuchungen gewünscht sind, wäre es ratsam, den löslichen Anteil durch Filtern und Verdunsten eines Teils der Lösung bis zur Trockenheit sowie den Stickstoffgehalt nach der Kjeldahl-Methode zu bestimmen (siehe S. 70). In Zukunft könnte bei besserer Kenntnis des Themas auch eine bakteriologische Untersuchung nützlich sein. Wenn man den Gehalt an Lederbestandteilen in den verwendeten Flüssigkeiten abschätzen möchte, liefert die Bestimmung des Stickstoffs in einer bestimmten Menge nach der Kjeldahl-Methode die beste Grundlage für die Berechnungen – wobei der im ursprünglichen Düngemittel enthaltene Stickstoff berücksichtigt werden muss. Lederbestandteile enthalten etwa 17,8 Prozent Stickstoff. In vielen Fällen reicht bereits das einfache Wiegen des festen Rückstands nach Verdunsten der Flüssigkeit bis zur Trockenheit sowie das Trocknen bei 100 °C über mehrere Stunden aus; anschließend wird die Masse entzündet, um Kalk und andere Mineralien zu bestimmen. Die Menge an Hühner- oder Taubendung, die zur Behandlung von Häuten verwendet wird, variiert stark – sie liegt in der Regel zwischen 12 und 60 Litern pro 1000 Kilogramm Rohleder, wobei mindestens 2000 Liter Wasser hinzugefügt werden. Das Düngemittel wird in der Regel kalt verwendet; die Häute bleiben darin 4–8 Tage lang, wobei sie häufig bewegt werden. Einige Gerber, insbesondere in den Vereinigten Staaten, bevorzugen jedoch eine Behandlung bei einer Temperatur von etwa 35 °C – in diesem Fall muss die Behandlungszeit auf wenige Stunden verkürzt werden. Die Dungmasse sollte am besten in einem separaten Behälter mit warmem Wasser angefeuchtet und mindestens eine Woche lang ungenutzt fermentieren lassen; dabei bilden sich zahlreiche Mikrokokkenketten. Nur die klare Flüssigkeit sollte in den Behandlungsbehälter gefüllt werden; der Sediment sowie Schmutz sollten weggeworfen oder als Dünger verwendet werden. Auf diese Weise wird das Risiko von Flecken und Abschuppungen erheblich verringert. Die Düngemittel können für mehrere Chargen von Häuten mit frischer Dunglösung ergänzt werden – doch sie sollten nicht zu lange verwendet werden, da sie durch die gelösten Lederbestandteile sowie die verstärkte Fermentation an Lösungskraft gewinnen, und diese Methode birgt somit Risiken. [110] Dies wurde offenbar erstmals von T. Palmer vorgeschlagen, Eng. Pat. 13,636, 1886. Nach der Behandlung werden die Häute in der Regel auf dem Gestell bearbeitet, um Schmutz und Fett zu entfernen; in Amerika gilt ein Waschen in einer Waschwalze oft bereits als ausreichend.

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116) Aus dem Bate – doch das wird nicht empfohlen, da dadurch wahrscheinlich ein Großteil der teilweise aufgelösten Lederbestandteile ausgespült wird und es zu unangemessener Weichheit sowie Gewichtsverlust kommt. Es ist schwierig, klare Kriterien für eine ausreichende Behandlung mit Bate anzugeben – abgesehen vom weichen, nachgiebigen Gefühl des Leders, das von einer erfahrenen Hand leicht erkannt werden kann. Ein frühes Anzeichen für eine übermäßige Behandlung mit Bate sind blaue Flecken oder eine bläuliche Färbung, die etwas an einen Eisenfleck erinnert; solche Flecken verschwinden in der Regel nach einigen Tagen, nachdem das Leder in die Flüssigkeit gegeben wurde. Hühner- und Taubenkot sollte am besten luftgetrocknet aufbewahrt werden – falls er jedoch sehr feucht ist oder zur schnellen Verwendung benötigt wird, kann er wie Hundekot in Form einer Paste aufbewahrt werden. Hundekot darf niemals der Luft ausgesetzt werden, sonst verrottet er und wird schwarz; die Inhaltsstoffe des Bate gehen dabei verloren, und das Leder wird nicht weich. Deshalb sollte der Kot mit Wasser zu einer Paste vermischt und in Behältern aufbewahrt werden, damit er nur wenig der Luft ausgesetzt ist – so behält er seine Eigenschaften über einen langen Zeitraum bei. Frischer Kot sollte vor der Verwendung mindestens eine Woche lang fermentieren. Es lässt sich keine genaue Angabe zur benötigten Menge machen. Eitner gibt an, dass 1–1½ Eimer Kotpaste (also 14–20 Liter) ausreichen, um 200 mittelgroße bis große Lammhäute für die Herstellung von Handschuhen zu behandeln. Die Menge sollte ausreichen, um das Wasser stark trüb zu machen – aber nicht dickflüssig oder suppig. Für Lammhäute eignet sich eine Temperatur von 18°–20°C; im sehr kalten Wetter kann diese auf 25°C erhöht werden, um ein Abkühlen zu ermöglichen. Die benötigte Zeit liegt bei zwei Stunden für die dünnsten Häute und bei 12–14 Stunden für die stärkeren. Es ist ratsam, zum Umgang mit dem Kot Holzgegenstände statt Eisengegenstände zu verwenden; außerdem sollte der Kot nach der Verdünnung mit Wasser durch ein grobes Tuch gefiltert werden. Wie bereits erwähnt, ist es nicht wünschenswert, die Häute während des Fermentierungsprozesses ständig in Bewegung zu halten – sie sollten zunächst 20–30 Minuten lang umgerührt werden, anschließend jede Stunde für 10 Minuten über fünf bis sechs Stunden hinweg. Danach können sie längere Zeit ruhen, ohne Schaden zu nehmen. Das Fermentieren ist abgeschlossen, wenn die Häute ganz weich und schlaff sind, in alle Richtungen hängen und das Fleisch mit den Fingernägeln abgeschabt werden kann. Wood empfiehlt, für das Fermentieren von Schafshäuten den Kot einen Monat vor der Verwendung fermentieren zu lassen – er geht davon aus, dass der Kot nach mehr als drei Monaten seine Qualität verliert. Die Produkte des Fermentierungsprozesses entstehen durch die successive Wirkung verschiedener Bakterienarten; Wood ist der Ansicht, dass die tatsächlich beteiligten Bakterien aus der Luft stammen.

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Behälter, in denen der Dung aufbewahrt wird – dieser ist bei der Ausscheidung nicht mehr darin enthalten.
Borgman[111] rät dazu, den Dung in trockenem Zustand zu halten und erst zwei Wochen bis drei Wochen vor der Verwendung zu einer Paste zu verarbeiten. Dazu soll der Dung in einen sauberen Fass mit kaltem Wasser gegeben werden; am nächsten Tag soll er mit einem sauberen Holzstab, der aus holzfreiem Material gefertigt ist, zu einer glatten Paste vermischt werden. Anschließend soll das Fass abgedeckt werden und ungestört ruhen, bis es benötigt wird. Saubere Extraktfässer eignen sich sehr gut für diesen Zweck, sofern sie sorgfältig und wiederholt mit Dampf gereinigt werden. Borgman empfiehlt außerdem, eine regelmäßige Produktion einzurichten, um den benötigten Dung bereitzustellen – das Datum der Mischung soll auf jedem Fass sorgfältig vermerkt werden. Während des gesamten Prozesses muss größte Sauberkeit gewährleistet werden; die Fässer sollen sofort nach dem Entleeren sorgfältig mit Dampf gereinigt werden. Kurz vor der Verwendung soll die Dungpaste durch Dämpfen fast, aber nicht ganz bis zum Siedepunkt erhitzt werden – dabei muss darauf geachtet werden, dass kein kondensiertes Wasser mit Eisen hinzukommt. Der Dung soll anschließend gründlich mit einer großen Menge Wasser (zum Beispiel 100 Gallonen) bei 45–50 °C vermischt werden, anschließend abgesetzt und durch ein Sieb in den Pürierstab gegossen werden. Auf den Rest im Mischbehälter soll weitere warmes Wasser gegossen werden, um ihn auf das richtige Volumen zu verdünnen. Die Temperatur der Flüssigkeit kann vor dem Hinzufügen der Häute auf 42 °C ansteigen. Die Flüssigkeit sollte eine helle Farbe haben – grünlich bis braungelb; falls sie dunkler ist, deutet das auf eine Zersetzung des Dungs durch falsche Lagerung oder zu lange Gärung hin – dies kann zu Fleckenbildung und Schäden an den Häuten führen. Für die Herstellung von Puer sind etwa 33 Liter trockener Dung pro 100 Kilogramm feuchter Haut erforderlich (33 Gallonen pro 1000 Pfund). Trockener Dung sollte eine gelbe bis braune Farbe haben; dunkelbrauner oder schwarzer Dung ist verdorben und nicht verwendbar. Feuchten Dung ist schwieriger zu beurteilen – doch sehr dunkelbrauner oder schwarzer Dung sowie Dung mit sehr starkem Geruch, der auf bereits erfolgte Gärung hindeutet, sollte abgelehnt werden. Borgmans Anweisungen zeugen von Erfahrung und gesundem Menschenverstand – das Buch insgesamt lohnt es, studiert zu werden.
[111] „Die Feinleder-Fabrikation“, Berlin, 1901, S. 69.

Borgman empfiehlt, die Häute zunächst für einige Zeit in Wasser bei etwa 40 °C zu erwärmen – in dieses Wasser sollen ein paar Eimer Puer-Paste gegeben werden. Anschließend sollen die Häute in den Puer gegeben werden, wobei die Temperatur dort auf etwa 38 °C gesenkt werden sollte. Die gepuerten Häute sollten sich…

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Seidig in der Struktur – sogar etwas rutschig –; bei Druck zwischen Zeigefinger und Daumen sollte eine dunkle Spur zurückbleiben. Das Fleisch sollte zart sein und sich leicht abschaben lassen. Die erforderlichen Eigenschaften variieren jedoch etwas je nach Art der Häute sowie dem Verwendungszweck. Nach dem Puering können die Häute eine halbe Stunde lang in Wasser mit etwa derselben Temperatur wie das Puer eingeweicht werden.

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KAPITEL XIV.
Aluminium-Tanning oder Tawing.

Wir haben nun die Rohstoffe bis zur letzten Vorbereitungsstufe für ihre eigentliche Umwandlung in Leder verfolgt – es bleibt noch, die Mittel zu betrachten, durch die diese wichtige Veränderung herbeigeführt wird. Obwohl der pflanzliche Gerbprozess bisher am weitesten verbreitet ist und die größte wirtschaftliche Bedeutung hat, ist der Einsatz von Mineralsalzen bereits seit langer Zeit bekannt. Durch das Aufkommen des Chromgerbens ist die dauerhafte Überlegenheit der pflanzlichen Gerbstoffe jedoch stark in Frage gestellt worden. Nicht nur die Bedeutung der mineralischen Gerbverfahren, sondern auch ihre größere Einfachheit aus wissenschaftlicher Sicht rechtfertigen es, sie vor denen pflanzlichen Ursprungs in Betracht zu ziehen. In den vorherigen Kapiteln wurde gezeigt, dass es zur Herstellung eines dauerhaften Leders nicht nur notwendig ist, die Fasern in einem getrennten, nicht haftenden Zustand zu trocknen, sondern sie auch so zu überziehen oder ihr chemisches Verhalten zu verändern, sodass sie nicht mehr durch Wasser aufgequollen und klebrig werden können. Alle Salze, die eine Zusammenziehung oder Dehydrierung der Fasern hervorrufen, ähnlich wie es Alkohol tut, sind in größerem oder geringerem Maße dazu in der Lage. Viele Sulfate, insbesondere jene von Natrium und Magnesium, bewirken zwar allein keine Lederbildung, doch sie ziehen die Fasern so stark zusammen, dass dadurch die Gerbung mit pflanzlichen Gerbmitteln erheblich beschleunigt wird. Daher eignen sie sich für schnelle Gerbverfahren – insbesondere dann, wenn zähe und leichte Leder erzielt werden sollen, die anschließend durch weitere Behandlungen verdichtet und fest gemacht werden können. Starke Lösungen von Ammonsulfat sind fast genauso dehydrierend wie Alkohol und erzeugen weiße Leder, die denen durch Einweichen sehr ähneln – was sicherlich große wirtschaftliche Bedeutung hat. Keines dieser Salze kann jedoch allein ein vollständiges Leder bilden; es bedarf vielmehr der Unterstützung von Metallsalzen, die sich dauerhaft in den Fasern festsetzen und deren Anziehungskraft zum Wasser verringern oder beseitigen. Viele Substanzen besitzen diese Eigenschaft in größerem oder geringerem Maße – doch alle von wirtschaftlicher Bedeutung gehören zur Gruppe, deren Vertreter Aluminium, Eisen und Chrom sind, und die in der Lage sind, Salze zu bilden.

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Es entstehen Oxide mit der Formel M2O3 (z. B. Aluminiumoxid, Al2O3). Mangan, dessen Salze dieser Art sehr instabil sind, hat nur eine sehr geringe Gerbkraft. Titan hingegen, das in vielerlei Hinsicht zur gleichen Gruppe gehört – obwohl es nicht streng genommen dazu gehört – wurde kürzlich als Gerbmittel patentiert. Für den Moment können wir unsere Aufmerksamkeit jedoch auf die zuerst genannten drei Metalle beschränken.

Aluminiumoxid und seine Salze verdienen besondere Aufmerksamkeit – nicht nur weil sie bereits in sehr frühen Zeiten bei der Lederherstellung verwendet wurden, sondern auch weil sie heute noch von kommerziellem Interesse sind. Das Metall Aluminium ist heute gut bekannt; sein Oxid, Aluminiumoxid (Al2O3), kommt in großer Menge in der Natur vor – verbunden mit Silizium in Form von Ton und Bauxit, als Fluorid in Kombination mit Natriumfluorid in Cryolith sowie in einigen Fällen als natürliches Sulfat. Alumschiefer, der früher die Hauptquelle für Alum war, ist ein bituminöser Ton, der viel Eisensulfid enthält; durch Erhitzung entsteht daraus Aluminiumsulfat. Da Aluminiumsulfat nicht leicht kristallisiert und schwer vom Eisen getrennt werden kann, wurde zum Sud, der durch das Aufweichen des erhitzten Schiefers gewonnen wurde, Kaliumsulfat hinzugefügt. Nach Konzentration durch Kochen konnte so Potasch-Alum, ein Doppelsulfat aus Kalium und Aluminium (Al2(SO4)3·K2SO4·24H2O), leicht kristallisiert werden. Heutzutage wird Alum in der Regel durch Zersetzung von Ton oder Bauxit mit Schwefelsäure hergestellt; dabei wird meist Ammonsulfat anstelle des Kaliumsalzes verwendet, wodurch Ammonium-Alum entsteht – ein Doppelsulfat aus Aluminium und Ammonium mit einer ähnlichen Zusammensetzung wie Potasch-Alum. Ammonium-Alum lässt sich leicht vom Kaliumsalz unterscheiden, da es beim Hinzufügen von Caustik Soda oder Kalk einen starken Ammoniakgeruch abgibt. Soweit bekannt ist, gibt es keinen praktischen Unterschied in der Gerbwirkung zwischen den beiden Salzen. Ammonium-Alum ist billiger und etwas stärker in seiner Wirkung; sein Molekulargewicht beträgt 906, im Vergleich zu 948 beim Kaliumsalz. Beide Sorten lösen sich leicht in kaltem Wasser – in einem Verhältnis von etwa neun Teilen auf 100 Teile Wasser – und noch leichter sowie in größerem Maße in heißem Wasser; das Überschussmaterial kristallisiert beim Abkühlen aus. Es wird gesagt, dass Lösungen von Alum für Zwecke der Lederherstellung nicht gekocht werden sollten. Obwohl es unwahrscheinlich ist, dass dies irgendwelche Veränderungen verursacht, muss man bedenken, dass Chrom-Alum beim Kochen tatsächlich zerfällt und Säure sowie ein basischeres Salz freisetzt – dies zeigt sich durch eine Farbveränderung von Violett zu Grün; beim Abkühlen kehrt es langsam wieder in die violette Form zurück.

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Alum ist in der Lederherstellung nur in dem Maße wertvoll, wie viel Aluminiumsulfat es enthält; Kalium- oder Ammonsulfat nimmt nicht an der Reaktion teil. Da verbesserte Methoden die Herstellung von Aluminiumsulfat ermöglichen, das praktisch frei von Eisen ist, hat dieses weitgehend den Platz des Alums eingenommen – es ist sowohl günstiger als auch leistungsfähiger. Kristallines Aluminiumsulfat, Al2(SO4)3·18H2O, hat eine Molekülmasse von 666, was dem Wert von 906 bei Ammonium-Alum sowie 948 bei Kalium-Alum entspricht. Eisen ist die störendste Verunreinigung sowohl im Alum als auch im Aluminiumsulfat und kann durch Zugabe von Kaliumthiocyanat erkannt werden – dies führt zu einer roten Farbe – oder durch Kaliumferrocyanid (gelber Prussiat des Kaliums), was eine blaue Farbe hervorruft. Da Eisen in ferrischem Zustand vorliegen kann, ist es sicherer, die Alum-Lösung zunächst mit einigen Tropfen Salpetersäure oder Bromwasser zu kochen. Für eine genauere Bestimmung von Eisen siehe L.I.L.B., S. 20, 136.

Mit einer Lösung allein aus Alum oder Aluminiumsulfat lässt sich kein zufriedenstellendes Leder herstellen – die Haut wird hornartig und kann durch Dehnen nicht weich gemacht werden. In der Praxis wird immer zusätzlich Salz verwendet; das Verhältnis ist sehr variabel, liegt aber im Durchschnitt bei etwa der Hälfte des Gewichts des Alums bzw. zwei Dritteln des Gewichts des Aluminiumsulfit. Die Wirkungsweise des Salzes hat Chemiker lange Zeit ratlos gemacht; man nahm an, dass seine Funktion darin bestehe, das Aluminiumsulfat in Chlorid umzuwandeln – eine Reaktion, die bis zu einem gewissen Grad stattfindet, aber nicht erklären kann, warum dadurch ein weiches Leder entsteht. Schließlich wird Aluminiumchlorid zwar vom Leder aufgenommen, doch es ergibt kein besseres Leder als Aluminiumsulfat. Die eigentliche Erklärung findet sich im Kapitel IX. Aluminiumoxid ist eine schwache Base, die leicht ihren Säureanteil an das Leder abgibt und dabei in ein basisches Salz umgewandelt wird (siehe S. 187). Die Säure verursacht nicht nur eine Schwellung des Leders, wodurch kein weiches Leder entstehen kann, sondern das geschwollene Leder ist außerdem weniger in der Lage, das Aluminiumoxid-Salz aufzunehmen – es bleibt daher unvollständig gegerbt. Die Zugabe von Salz verhindert die schwellende Wirkung der Säure und bewirkt eine partielle Einweichung der Haut (S. 89); zusammen mit der gerbenden Wirkung des entstandenen basischen Aluminiumoxid-Salzes entsteht so ein zufriedenstellendes Leder – allerdings eines, das leicht durch Waschen beeinträchtigt wird. Wenn statt Kochsalz eine Base wie Natron zur Alum-Lösung hinzugefügt wird, verbindet sich diese mit einem Teil der Säure und bildet Natriumsulfat, während das Aluminiumoxid weiterhin als „basisches Salz“ in der Lösung bleibt. Da der Begriff „basisches Salz“ im Zusammenhang mit der mineralischen Gerbung häufig verwendet wird, kann er hier erläutert werden: Basische Salze sind Verbindungen…

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Zwischen dem Normalsalz, bei dem die gesamte Base mit Säure verbunden ist, und dem hydrierten Oxid, bei dem alles mit OH-Gruppen verbunden ist, liegt ein Zwischenstadium. Aluminiumchlorid, Al2Cl6, gehört daher zum Normalsalz – dabei sind alle Bindungskräfte des Aluminiums durch Chlor gesättigt. Aluminiumhydroxid, Al2(OH)6, ist das hydrierte Oxid. Al2Cl5OH, Al2Cl4(OH)2 usw. sind basische Salze, bei denen nacheinander immer mehr Chloratome durch OH-Gruppen ersetzt werden. Im Allgemeinen wird eine Lösung eines Salzes je basischer sie ist, umso instabiler – sehr basische Salze sind entweder unlöslich oder fallen aufgrund geringfügiger Faktoren wie Kochen, Verdünnung oder der Anziehung durch tierische oder pflanzliche Fasern aus ihren Lösungen aus und zerfallen in freie Säure sowie entweder ein Hydroxid oder ein noch basischeres, unlösliches Salz. Auf diese Eigenschaft beruht ihre Bedeutung bei der Gerbung und Färbung – viele metallische Mordantien sind schließlich Lösungen von basischen Salzen. Basische Salzlösungen entstehen auf verschiedene Weise; am häufigsten erfolgt die direkte Auflösung eines hydrierten Oxids in einer Lösung des Normalsalzes oder die Neutralisierung eines Teils der Säure des Normalsalzes durch Zugabe einer stärkeren Base. Das ist genau das, was beim Hinzufügen von Soda zu einer Alaunlösung geschieht. Wenn zu viel Soda hinzugefügt wird, fällt das gesamte Aluminiumoxid als Hydroxid oder als unlösliches basisches Salz aus. Wenn jedoch nur ein Anteil von etwa vier Teilen kristallisiertes Natriumcarbonat separat gelöst und langsam unter ständigem Rühren zu den zehn Teilen Alaun, die in Wasser gelöst sind, hinzugefügt wird, findet keine Ausfällung statt. In dieser Lösung kann Leder gerbt werden – mit oder ohne Zusatz von Salz. Das Aluminiumoxid wird dabei leichter aufgenommen als aus normalem Alaun; dadurch wird das Leder leichter weich und widerstandsfähiger gegen Wasser. Solches Leder weist große Ähnlichkeit mit chromhaltigen Gerbungen auf – es verträgt viele Waschgänge sowie hohe Temperaturen, ohne wieder in einen weichen Zustand zurückzukehren. Je basischer die verwendete Lösung ist, desto voller und weicher wird das hergestellte Leder. Das Aluminiumoxid-Salz, das vom Leder aus solchen basischen Lösungen aufgenommen wird, ist stets basisch, während das aus Alaun oder Aluminiumsulfat aufgenommene Salz offenbar das normale Aluminiumsulfat ist. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass das tatsächlich verwendete GerbungsSalz in beiden Fällen basisch ist und dass die Säure als freie Säure gebunden bleibt – genauso wie im Einweichprozess –, da die Anteile an Säure und Base in der verbleibenden Flüssigkeit etwas variabel sind. Basische Aluminiumoxid-Lösungen haben in der Praxis kaum den Platz eingenommen, den sie verdienen – obwohl sie bereits 1858 von Knapp beschrieben wurden[112] und seitdem von Hunt patentiert wurden. Doch dieses Patent (vermutlich ungültig) wurde…

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Es ist zulässig, dass die Lösung verdirbt. Eine gute Standardlösung für den praktischen Gebrauch wird hergestellt, indem man 10 Pfund Aluminiumsulfat in 10 Gallonen Wasser sowie 4 Pfund Waschsoda in 4 Gallonen Wasser auflöst und anschließend das Letztere allmählich mit dem Ersteren mischt. Bei Bedarf kann zusätzlich Salz verwendet werden; auch Mehl und Eigelb können hinzugefügt werden.
[112] „Natur und Wesen der Gerberei“, Braunschweig, 1858.

Beim Verarbeiten kleiner Häute, bei denen es nicht wünschenswert ist, dass das Fell mit der Flüssigkeit in Berührung kommt, oder beim Behandeln von Wollteppichen ist es oft praktisch, die Haut nachdem sie so weit wie möglich von Blut und Schmutz befreit sowie vom Fleisch getrennt wurde, auf einen Rahmen zu spannen oder an ein Brett zu nageln und anschließend eine starke Lösung aus Alum und Salz – so heiß, wie die Hand es ertragen kann – mit einer Schwamm anzuwenden. Dieser Vorgang wird wiederholt, bis die Haut durchdrungen ist. Etwa 1 Pfund Alum und 1⁄2 Pfund Salz pro Gallone bilden eine geeignete Konzentration. Anstelle der Anwendung der Lösung wird manchmal pulverisiertes Alum und Salz in die feuchte Haut eingerieben. Alumierte Produkte sollten im Allgemeinen schnell und schließlich bei guter Temperatur getrocknet werden, da dies dazu beiträgt, das Gerbmittel zu fixieren. Zudem wird die Haltbarkeit und Widerstandsfähigkeit gegen Wasser erhöht, wenn die Häute einen Monat oder länger in diesem Zustand belassen werden – ein Vorgang, der als „Reifung“ bezeichnet wird. Wenn sie zum ersten Mal getrocknet werden, sind alumierte Produkte stets steif und hornartig; um ihnen Weichheit zu verleihen, müssen sie zunächst wieder auf einen halbtrockenen Zustand gebracht werden und anschließend durch mechanische Mittel allmählich weicher gemacht werden. Die üblichen Methoden sind „Staken“ und „Perching“: Beim „Staken“ werden die Produkte kräftig über eine stumpfe Klinge gezogen, die oben auf einem Pfosten befestigt ist; beim „Perching“ werden die Häute an einem horizontalen Pfahl befestigt und mit einem Werkzeug namens „Crutch Stake“ bearbeitet – einem Werkzeug, das etwas wie eine kleine Schaufel mit einer halbkreisförmigen Klinge ist; anstelle dieser Klinge wird oft ein „Moon-Knife“ (eine runde Klinge, ähnlich einem breiten, dünnen Quoit) in einen Holzstock eingebaut. Die Werkzeuge sowie ihre Verwendungsmethoden sind in den Abbildungen 36 und 37 dargestellt. [113] Die auf Seite 192 beschriebenen Maschinen werden heute im Allgemeinen für diese Arbeiten verwendet. Nach dem ersten „Staken“ oder Weichmachen werden die Häute fast trocken gelassen und anschließend ein zweites Mal bearbeitet. Es ist dabei Urteilsvermögen erforderlich, was den genauen Feuchtigkeitsgrad in jedem Fall angeht: Im ersten Schritt müssen die Häute ausreichend feucht sein, um sich ohne Schaden durch das mechanische Dehnen zu biegen, aber gleichzeitig genug Feuchtigkeit behalten, damit die Fasern beim Trocknen wieder zusammenwachsen können; beim zweiten „Staken“ oder „Perching“ müssen sie wiederum feucht genug sein, damit diese Fasern ohne Gewalt wieder gelockert werden können, aber gleichzeitig trocken genug, damit sie nicht erneut zusammenwachsen.

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[113] Der in Abb. 37 dargestellte Vorgang ist eigentlich keine „Befestigung“, sondern eine „Entfernung der Hautschicht“ – dabei wird ein Mondmesser mit scharf geschliffener Kante verwendet, um die Dicke der Haut an der Stelle der Befestigung zu verringern, während sie gleichzeitig gestreckt und weicher gemacht wird.

Abb. 36 – Befestigen von Weißleder.

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Abb. 37 – Entfernung der Haare mit dem Mondmesser.

Der folgende kurze Überblick über die Herstellung von Kalbfellen dient dazu, die praktische Herstellung der feineren, „weißen“ Leder zu veranschaulichen. Die Rohstoffe sind in England meist große Marktkalbfelle; manchmal werden jedoch auch gesalzene und getrocknete Felle verwendet. Nach ausreichendem Einweichen oder Waschen in Wasser werden sie ohne Arsen oder andere Sulfide mit Kalk behandelt. Dabei darf der Kalk nicht alt oder faulig werden, bis die Haare leicht entfernt werden können. Nach dem Entfernen der Haare und des Fleisches auf die übliche Weise werden die Felle einige Tage lang in frischem Kalk aufbewahrt, um sie aufzupolstern. Anschließend werden sie schrittweise, aber so vollständig wie möglich, vom Kalk befreit, indem sie wiederholt in Wasser eingeweicht und gewaschen werden – wobei das Wasser durch eine Mischung desselben Mittels aufgeweicht wird, das bereits für andere Produkte verwendet wurde.

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und durch Arbeiten am Stück Leder. Dies dient als teilweiser Ersatz für das Einreiben mit Dung, der heute bei Kalbshäuten nicht mehr verwendet wird. Anschließend werden die Produkte auf die übliche Weise getränkt – dabei werden 3–4 % Kleie verwendet – und dürfen zwei- bis dreimal im Tränkbad liegen. Dabei müssen die üblichen Vorsichtsmaßnahmen beachtet werden (S. 167), um das Risiko einer Butyrfermentation bei heißem Wetter zu vermeiden. Die Produkte sollten aus dem Tränkbad ohne Kalk und ohne Vergrößerung durch Säure herauskommen, sondern voll, weiß und weich sein. Das Gerben (oder „Tawing“, wie es im Fall von mit Alaun behandelten Produkten üblicherweise genannt wird), erfolgt in einem rotierenden Trommel mit einer Mischung aus Alaun oder Aluminiumsulfat, Salz, Mehl, Eigelb und Olivenöl. Pro 100 Pfund feuchter Haut sind etwa 5 Prozent Mehl, 2,5 Prozent Alaun, 1 Prozent Salz, die Eigelbe von 25 Eiern oder 1½ Pfund konserviertes Eigelb, 2 Unzen Olivenöl sowie 1¼–1½ Gallonen (12–15 Pfund) Wasser erforderlich. Das Mehl wird zunächst mit etwas Wasser zu einer glatten Paste verarbeitet; das Eigelb, das etwas mit warmem Wasser verdünnt und durchgesiebt wurde, wird zusammen mit dem Öl hinzugefügt. Schließlich wird die Alaun-Salzlösung bei einer Temperatur hinzugefügt, die die gesamte Mischung auf Körpertemperatur (38 °C) bringt. Die Dauer des Gerbens hängt von der Dicke der Häute ab – für sehr dicke Häute sind mehrere Stunden erforderlich. Es muss jedoch darauf geachtet werden, den Trommelraum in regelmäßigen Abständen zu lüften, damit die Häute durch Reibung nicht zu heiß werden. Früher wurde dieser Schritt durch Treten mit bloßen Füßen in einer Badewanne ausgeführt. Nach dem Gerben werden die Produkte über Nacht in Haufen gelagert oder manchmal für einen Tag oder so in Behältern mit dem restlichen Gerbenbrei belassen, um die Aufnahme von Salz und Alaun abzuschließen. Anschließend werden sie häufig mit einer Maschine gespalten – doch es wäre besser, wie es auf dem Kontinent oft gemacht wird, sie bereits vor dem Gerben zu spalten. Die dafür verwendeten Maschinen sind nicht nur teuer, sondern auch ungeeignet für viele Zwecke, für die sie sonst verwendet werden könnten. Das Trocknen sollte schnell erfolgen – am besten zunächst bei mäßiger Temperatur oder im Freien und anschließend in einem recht heißen Ofen. Danach können die Produkte ein bis drei Monate „reifen“, doch es ist in der Regel besser, vor dem Reifen den ersten Teil des Finish-Prozesses durchzuführen – nämlich das Erneute Tränken, das Fixieren der Häute sowie gegebenenfalls das Schärfen. Heutzutage werden fast immer Maschinen zum Fixieren der Häute eingesetzt. Das Prinzip dieser Maschinen lässt sich wie folgt beschreiben: Sie bestehen aus einem Paar Zangen, an denen an einem Arm ein oder meist zwei Fixierklingen angebracht sind, sowie an dem anderen Arm ein Rollen, der sich um die Haut schließt und sie gegen die Klingen drückt, während die Zangen nach hinten gezogen werden, sodass die Haut hindurchgleiten kann. Abbildung 38 zeigt die Slocomb – eine der beliebtesten Maschinen dieser Art. Nach dem Fixieren und Reifen können die Häute…

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werden in Wasser getaucht, bis sie in allen Teilen vollständig nass sind. Dadurch wird die Haut nicht nur weicher und auf die Färbung vorbereitet, sondern auch überschüssiges Alum sowie Salz entfernt – außerdem ein großer Teil Mehl und Ei. Um diese Stoffe wieder hinzuzufügen, ist eine erneute Einführung von Ei notwendig; während einige Hersteller nur Eigelb oder Eigelb zusammen mit Mehl verwenden, fügen viele einen Anteil Salz hinzu – manchmal auch Alum. Dies geschieht vor der Färbung, falls die Häute am Tisch schwarz gefärbt werden sollen. Da bei der Trockenfärbung (siehe S. 406) das Ei erneut ausgewaschen würde, wird die erneute Einführung des Eis bei dieser Methode auf nach der Färbung verschoben. Vor der Färbung erhalten die Häute ein alkalisches Mordant, um Fettigkeit zu überwinden und eine bessere Farbaufnahme zu ermöglichen. Früher wurde dazu in der Regel alter Urin verwendet, doch dieser wurde größtenteils durch Lösungen von „Hydrolein“ (einem Waschpulver) oder durch Seife ersetzt, die mit Ammoniak mehr oder weniger alkalisch gemacht wurde. Eitner gibt folgendes Rezept an: 1/2 Pfund Marseiller Seife, gelöst in kochendem Wasser, dazu 5 oder 6 Eigelbe; alles wird anschließend mit Wasser auf 4 Gallonen aufgefüllt sowie 1/4 Pfund Kaliumbichromat hinzugefügt. Die verwendete Farbe entsteht durch einen Aufguss aus Holzraute oder ihrem Extrakt – oder aus zwei Dritteln Holzraute und einem Drittel Fustik, wobei letzteres am besten ohne Alkali extrahiert wird, wobei anschließend eine kleine Menge Soda oder Ammoniak hinzugefügt wird. Die Farbe wird durch ein Bad in Eisenchloridlösung oder in einer Lösung aus 1 Teil Eisensulfat auf 75 Teilen kaltem Wasser fixiert und verdunkelt. Nach erneutem Trocknen werden die Häute manchmal mit einem speziellen Messer zerkleinert, erneut weich gemacht – dabei wird oft eine Maschine mit schrägen oder spiralförmigen Klingen, die an einen Trommel angebracht sind und auf einer Art Ledergürtel arbeiten, den Maschinen vom Slocomb-Typ vorgezogen – und anschließend mit einer Mischung aus Öl, Wachs usw. entlang der Faserstruktur eingerieben. Schließlich werden sie mit einer schweren Glätteisen glatt gebügelt, um eine feine, glatte Oberfläche zu erzeugen. Für den Glanz gibt Eitner folgendes Rezept an: 1 Kilogramm Arabische Gummi, 1/2 Kilogramm Gelbwachs, 1/2 Kilogramm Rindertalg, 3/4 Kilogramm Marseiller Seife, 1 Liter starke Holzrautenaufguss sowie 5 Liter Wasser. Das Wasser wird in einem Tongefäß zum Kochen gebracht, anschließend werden nacheinander Seife, Wachs, Gummi und Talg hinzugefügt; jedes Stoff wird gerührt, bis es sich aufgelöst hat, bevor der nächste hinzugefügt wird – zuletzt die Holzraute. Nach einer Stunde Kochzeit wird die Mischung vollständig abkühlen lassen, wobei sie während des gesamten Prozesses ständig gerührt wird. Nach dem Bügeln werden die Produkte mit einem letzten Glanzmittel eingerieben; dafür gibt Eitner folgendes Rezept an: 8 Liter Olivenöl, 500 Gramm Talg, 500 Gramm Gelbwachs, 500 Gramm Rosin, 500 Gramm Arabische Gummi. (Im Rezept wird kein Wasser angegeben, doch der Arabische Gummi wird vermutlich in Wasser weich gemacht.) Die Mischung wird zwei Stunden lang in einem Tongefäß gekocht, bis das Wasser verdampft ist, anschließend bei ständigem Rühren abkühlen lassen. Die Häute

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Dann werden sie mit einem Flanelltuch und einer sehr geringen Menge an französischer Kalkpaste eingerieben und sind somit zum Verkauf bereit.

Abb. 38 – Die Slocomb-Stekmaschine.

Die Herstellung von Leder für Handschuhe ist im Prinzip der gerade beschriebenen ähnlich, weist aber in den Details Unterschiede auf, um den weicheren und zarteren Ledern gerecht zu werden. Dadurch wird eine größere Weichheit erreicht sowie eine bessere Dehnbarkeit in alle Richtungen – ohne dass das Leder wieder in seine ursprüngliche Form zurückkehrt, was für Leder so typisch ist. Schafhäute sind die Hauptrohstoffe; für die besten Qualitäten wird jedoch auch echtes Kalbfell verwendet. Die Herstellungsweise variiert stark je nach Qualität und Eigenschaften des Materials. Die meist getrockneten Häute werden je nach Alter und Dicke drei bis vier Tage lang in sauberem, kühlem Wasser eingeweicht. Bei minderwertigen Qualitäten (kleine importierte Schafe) wird das Fell oft durch Einlegen oder Auftragen einer Paste aus Kalk, Soda-Sulfid oder Kalk und Rotarsen entfernt, um das Wolllager zu zerstören. Bei besseren Häuten wird das Fell manchmal allein mit Kalk oder in einer Mischung darauf aufgetragen; in anderen Fällen werden gewöhnliche Kalklösungen verwendet, wobei der Kalk in der Regel mit Rotarsen angereichert wird, der dem heißen Kalk beim Auflösen zugesetzt wird (vgl. S. 142). Das so entstehende Kalziumsulfhydrat (und vielleicht Kalziumsulfarsenit) beschleunigt das Entfernen des Felles und bewahrt den Glanz der Lederstruktur. Qualitativ hochwertige Betriebe vermeiden möglichst den Einsatz alter Kalke, da dieser zu einem lockeren, porösen Leder mit rauer, matter Struktur führt. Die Behandlung mit Kalk dauert…

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Die durchschnittliche Dauer beträgt zehn Tage – und das ist von größter Bedeutung. Es ist unerlässlich, dass die interfibrilläre Substanz aufgelöst wird, damit das Leder die in Deutschland als „Stand“ bekannte Qualität hat, das heißt, es stark in der Länge oder Breite gestreckt werden kann, ohne wieder in seine ursprüngliche Form zurückzukehren. Ebenso hängt es vom Verfahren der Löschung ab – und das ist insbesondere bei Schaffellen von großer Bedeutung – ob das Gewebe der Fettdrüsen gut gelockert wird, sodass das Fett, sei es in seiner ursprünglichen Form oder als Kalk- oder Ammoniaseife, leicht und vollständig entfernt werden kann. Felle, bei denen dies vernachlässigt wird, können niemals richtig gefärbt werden. Wenn das Haar (oder die Wolle) gut gelockert ist, werden die Felle mit Wasser abgespült und anschließend mit einem stumpfen Messer auf dem Gestell enthaart. Das zum Waschen verwendete Wasser sollte nicht viel kälter sein als das Wasser mit Kalk – sonst wird das Haar nicht leicht entfernt. Die Wolle oder das Haar wird gewaschen und getrocknet, um verkauft zu werden. Die Felle werden in Wasser geworfen, dem etwas Kalklösung zugesetzt wurde, um eine Ausfällung des Kalks durch das freie Kohlensäuregas im Wasser zu verhindern – andernfalls würden die Felle rau werden. Danach folgt die erste Entfettung – dabei wird das lockere zelluläre Gewebe auf der Fleischseite zusammen mit Kopf, Ohren und Beinen entfernt; außerdem werden die Flanken zugeschnitten. Anschließend werden die Felle erneut in Wasser gelegt, das wie oben beschrieben mit Kalklösung abgemildert wurde, und danach in einen Brei aus Hundekot. Dieser wird hergestellt, indem weißer, fermentierter Hundekot mit kochendem Wasser vermischt und anschließend durch ein Sieb oder einen Wickerkorb gefiltert wird. Der Brei muss lauwarm verwendet werden – und nicht zu stark. In ihm verlieren die Felle schnell ihre Fülle und werden äußerst weich und glatt im Griff; dadurch können Fettdrüsen, verbliebenes Haar sowie andere Verunreinigungen sehr leicht entfernt werden. Zu starke Breie oder eine zu lange Einlegung in solche Breie haben offensichtlich zerstörende Auswirkungen auf die Felle. (Siehe auch S. 181.) Wenn die Felle aus dem Brei herausgenommen werden, werden sie gestreckt und mit einem scharfen Messer bearbeitet, wobei jegliches verbleibende subkutane Gewebe entfernt wird. Das stellt die zweite Entfettung dar. Anschließend werden die Felle in warmem Wasser abgespült und mit Stöcken in einer Wanne bearbeitet – oder in einer Trommel, wobei in jedem Fall nur sehr wenig Wasser verwendet wird. Schließlich werden die Felle in ein nicht zu kaltes Wasser gegeben und mit einem Schaufelrad ständig in Bewegung gehalten. Danach werden die Felle auf der Faserseite gereinigt, indem man mit Platten aus Vulkanit, die an Holzgriffen befestigt sind, auf dem Gestell arbeitet – dadurch werden Fett, Kalk- und Ammoniaseifen sowie andere Kalkverbindungen zusammen mit allen verbleibenden Verunreinigungen entfernt.

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Haar oder Wolle. Die Häute werden nun ein zweites Mal im „Paddeltrommel“ gewaschen – zunächst in kaltem, dann in lauwarmem Wasser. Nachdem das Wasser abgelaufen ist, werden sie in die Branbäderei gebracht. Diese wird hergestellt, indem Weizenkleie in Wasser bei etwa 50° C eingeweicht und anschließend mit Warmwasser verdünnt wird. Manchmal wird die Mischung gefiltert, und nur das Kleiewasser verwendet, um sich die Mühe und Kosten zu sparen, die anhaftenden Kleiepartikel von den empfindlichen Häuten zu entfernen. Es muss ausreichend Flüssigkeit verwendet werden, um die Häute vollständig zu bedecken; die Temperatur kann zwischen 50° F (10° C.) und 68° F (20°C.) liegen. Diese Bedingungen sind günstig für die bakterielle Aktivität – diese erzeugt einerseits Essigsäure und Milchsäure, die alle verbleibenden Kaliumspuren auflösen, und andererseits lockert und differenziert das Ledergewebe, sodass es in der Lage ist, die Gerb-Lösung aufzunehmen. Bei der Handhabung der Branbäderei ist große Sorgfalt erforderlich – insbesondere im Sommer – denn die Milchsäure kann leicht in eine Buttersäure-Fermentation übergehen (siehe auch S. 167). Die Gerb-Mischung besteht – ähnlich wie bei der Herstellung von Kalbfell – aus Alum, Salz, Mehl und Eigelben, zu einer ziemlich dünnen Paste. In der Regel wird auch eine kleine Menge Olivenöl verwendet. Die Häute werden entweder mit den Füßen darin zertrampelt oder allgemeiner in einen Trommelbehälter mit dieser Mischung gegeben. Kathreiner wies vor einigen Jahren darauf hin,[114] dass eine Mischung aus Olivenöl und Glycerin teilweise anstelle der Eigelbe beim Gerben und Färben von Handschuhleder verwendet werden könnte. [114] Gerber, i. (1875) S. 170; ii. (1876) S. 664. Die gegorenen Häute werden nun an Pfählen aufgehängt, mit der Kornseite nach innen. Eine schnelle Trocknung in gut belüfteten, aber nur mäßig beheizten Räumen ist entscheidend, um ein zufriedenstellendes Produkt herzustellen. Das getrocknete Leder wird schnell durch lauwarmes Wasser gezogen; nachdem es für sehr kurze Zeit aufgehängt wurde, damit das Wasser ablaufen kann, wird es fest in Fässer gepresst und dort etwa 12 Stunden lang gelassen, damit die Feuchtigkeit gleichmäßig verteilt werden kann. Anschließend wird es auf „Horden“ – quadratische Holzstäbe, die an den Ecken miteinander verbunden sind und thus einen Boden mit scharfen Kanten bilden – zertrampelt. Die nächste Schritt ist das Dehnen mit dem „Mondmesser“; danach wird das Leder fast vollständig getrocknet und erneut aufgehängt. Damit ist der Gerbprozess abgeschlossen. Die Produkte werden nun wie bei der Herstellung von Kalbfell „gereift“. Vor dem Färben werden sie mit lauwarmem Wasser gewaschen, um einen Teil der Gerb-Mischung sowie insbesondere überschüssiges Alum und Salz zu entfernen. Zudem werden sie, ähnlich wie bei Kalbfell, vor dem Färben erneut mit Eiern behandelt, falls das Färben durchgeführt wird.

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Bürsten – und danach entweder im Färbetopf oder in der Bürste. Anilinfarben werden heute häufiger verwendet als früher, insbesondere zur Aufhellung und Verstärkung der natürlichen Farben, doch Färbholz sowie andere Mordantfarben werden weiterhin weit verbreitet eingesetzt. Das Leder wird zunächst mit einem alkalischen Mordanten (alter Urin, Ammoniak usw.) vorbereitet (vgl. S. 413), anschließend wiederholt mit dem Färbholzlösungsbad bearbeitet oder darin getaucht. In der Regel wird außerdem eine Lösung mit metallischen Salzen aufgetragen, um entweder den gewünschten Ton hervorzuheben oder die Farbe lebhafter und längerhaftiger zu machen. Diese Lösung besteht in der Regel aus einem der sogenannten „Vitriole“: „Weißes Vitriol“ (Zinksulfat), „Blues Vitriol“ (Kupfersulfat), „Grünes Vitriol“ (Eisensulfat) – gelegentlich auch andere Salze. Nach dem Färben werden die Häute, falls sie getaucht wurden, ausgepresst und erneut mit Ei behandelt; bei Bürstenfärben werden sie mit einem Messing- oder Ebonitwerkzeug glatt gestrichen, um überschüssiges Wasser zu entfernen. Anschließend werden sie in einem gut belüfteten Raum getrocknet. Vor dem Spannen werden die Häute in einem feuchten Keller oder in feuchtem Sägemehl ausgelegt oder aufgehängt. Sie werden zweimal gespannt – einmal, während sie noch feucht sind, und einmal, wenn sie fast trocken sind – und schließlich mit Glasur oder Bügeln bearbeitet. Häute, die stark an der Faserseite beschädigt sind oder sonstige Mängel aufweisen, werden auf der Fleischseite mit Schwämme geglättet oder auf der Glättungswelle mit feinem Schleifpapier bearbeitet. Anschließend werden sie meist durch Tauchen, gelegentlich aber auch mit der Bürste gefärbt; in letzterem Fall wird die beschriebene Methode leicht abgewandelt. Die Behandlung mit Alaun und Salz wird häufig für einfachere und widerstandsfähigere Ledersorten verwendet, wie z. B. Schürzen aus Schaffell, Leder für Peitschenriemen, Schnallen für Gürtel sowie „Skivers“ zum Verschließen von Chemikalienflaschen. Der Prozess ist im Grunde genommen derselbe wie beim Kalbfell, nur dass kein Ei und nur wenig Mehl verwendet wird. Oft wird das Mehl ganz weggelassen, und die Produkte werden dann in Behältern mit Alaunlösung behandelt, wobei sie lediglich bewegt werden, da die Alaunlösung schnell einzieht. Produkte, die weiß sein sollen, werden häufig mit einer „Weißmachermilch“ behandelt oder gewälzt, um sowohl die Farbe zu verbessern als auch vorhandene Säuren zu neutralisieren und das Alaun durch Erhöhung seiner Basizität zu fixieren. Mit Alaun behandelte Produkte können nach gründlicher Weichmachung durch Spannen mit Fetten gefüllt werden – entweder manuell oder in Trommeln. Alaun sowie andere Aluminiumsalze werden häufig in Kombination mit pflanzlichen Materialien bei der Pflanzlederherstellung verwendet (siehe Kapitel XVII). „Grünes“ Leder für Schnallen, „Dongola“-Leder sowie Handschuhleder werden auf diese Weise hergestellt. Glasiertes Kalbfell für Damenschuhe muss vor der Weiterverarbeitung leicht pflanzlich gegerbt werden.

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Oberfläche – sonst wird es nicht glasiert – doch dies wird häufig durch den Einsatz von Materialien in der Färbelösung erreicht, die Tannine enthalten.

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KAPITEL XV.
Eisen- und Chromgerbungen.

Die Eisengerbungen können sehr kurz behandelt werden, da ihr praktischer Nutzen derzeit entweder historischer oder zukunftsorientierter Natur ist. Doch Eisenverbindungen spielen auf vielfältige Weise in der Chemie der Lederherstellung eine Rolle, weshalb ihre Eigenschaften kurz erörtert werden müssen. Eisen kommt in Salzen in zwei Zuständen vor – dem ferroischen und dem ferrösen. Im ersten Zustand ist es zweiwertig, im zweiten dreiwertig. So ist Eisen(II)-chlorid FeCl2, Eisen(II)-oxid FeO, Eisen(II)-sulfat FeSO4 sowie Eisen(II)-hydroxid Fe(OH)2. Die Verbindungen des ferroischen Eisens sind meist grün, wie zum Beispiel Eisen(II)-sulfat („grünes Vitriol“, „Kupfersalpeter“). Bei Kontakt mit Luft und Feuchtigkeit nehmen sie leicht Sauerstoff auf und wechseln in den ferrösen Zustand über. Eisen(III)-chlorid ist FeCl3 (oder, manchmal ohne erkennbaren Grund, Fe2Cl6); Eisen(III)-hydroxid ist Fe(OH)3, Eisen(III)-oxid Fe2O3, Eisen(III)-sulfat Fe2(SO4)3 usw. Das Atomgewicht von Eisen beträgt 56. Eisen(III)-Salze sind meist gelb oder orange gefärbt; Eisen(III)-hydroxid ist gelbbraun. Beim Erhitzen verwandeln sie sich in tiefrotes Eisen(III)-oxid, das nur sehr schwer in Säuren löslich ist. Eisen(III)-Salze geben in Kontakt mit leichter oxidierbaren Stoffen leicht Sauerstoff ab und wechseln in den ferroischen Zustand über – insbesondere in Gegenwart organischer Stoffe unter dem Einfluss von Sonnenlicht. Somit wirken Eisenverbindungen oft als Träger von Sauerstoff sowie als Oxidationsmittel für organische Stoffe: Sie nehmen Sauerstoff aus der Luft auf und geben ihn unter dem Einfluss von Licht oder Wärme wieder ab. Es gibt noch einige weitere Eisenoxide, die keine Salze bilden. Zudem existiert eine Eisen(III)-säure, die offenbar der Chromsäure entspricht – doch sie ist so instabil, dass sie nur unvollständig erforscht wurde. Eisen(III)-Salze weisen in ihrer Struktur Ähnlichkeiten mit denen von Aluminiumoxid auf. Wie diese sind auch sie starke Gerbmittel und bilden leicht basische Salze. Eisen(II)-Salze hingegen haben zunächst keinen Gerbeeffekt, bis sie oxidiert werden und dabei basische Eisen(III)-Salze bilden. Eisen(III)-Salze zeichnen sich dadurch aus, dass sie mit Tanninen sowie vielen anderen verwandten Stoffen blau-schwarze oder grün-schwarze Verbindungen bilden. Die entsprechenden Eisen(II)-Verbindungen sind meist farblos, obwohl sie schnell oxidieren und dunkler werden.

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Eisen(III)-oxid bildet, genauso wie Aluminiumoxid, ein „Alum“ – ein Doppelsulfat aus Eisen und Kalium, Fe2(SO4)3K2SO4, 24Aq – das feine, blass-violette Kristalle ergibt, sich aber in einer gelb-braunen Lösung auflöst. Es muss klar sein, dass Eisen-Alum und Chrom-Alum kein Aluminiumoxid enthalten, sondern einfach als Alume bezeichnet werden, weil sie in ihrer Zusammensetzung ähnlich sind – dabei ersetzt Eisen oder Chrom das Aluminium. Eisen-Alum kann zusammen mit Salz zur Gerbung verwendet werden und liefert ein blass-braunes Leder, das dem Leder, das mit herkömmlichen Alumen hergestellt wird, sehr ähnlich ist. Daher hat das Vorhandensein einer geringen Menge Eisen in einem zum Gerben verwendeten Alum keine Bedeutung – außer dass es die Farbe des Leders beeinflusst. In unreinen Aluminiumsulfaten wie „Aluminoferric“ existiert Eisen hingegen in der grünen, eisenhaltigen Form und erlangt erst durch Oxidation gerbende Eigenschaften. Ohne Kochsalz sind Eisensalze unter denselben Bedingungen noch weniger geeignete Gerbmittel als Aluminiumoxide, da die Säure in ihnen noch lockerer gebunden ist. Zwar werden basische Eisenverbindungen in beträchtlichen Mengen vom Leder aufgenommen, doch das entstehende Leder ist dünn und in der Regel brüchig. Professor Knapp widmete viel Forschung der Herstellung von kommerziell nutzbarem Sohlenleder mithilfe basischer Eisensalze und beantragte mehrere Patente, die jedoch nicht praktisch erfolgreich waren. Die Brüchigkeit des Leders ließ sich zwar bis zu einem gewissen Grad durch die Zugabe von Eisenverbindungen mit organischen Stoffen wie Blut und Urin sowie durch das Hinzufügen von Eisensäubern sowie Rosin und Paraffin überwinden. Wie bei den meisten mineralischen Gerbverfahren war auch dieses Verfahren viel schneller als das mit pflanzlichen Materialien. Knapps basisches Gerbmittel wurde durch die Oxidation von Eisensulfat mit einer kleinen Menge Salpetersäure hergestellt. Auch Patente wurden für die Oxidation von Eisensulfat mittels Manganperoxid in Gegenwart von Schwefelsäure angemeldet – dabei entsteht basisches Eisen(III)-sulfat in Verbindung mit Mangan sulfat, welches ebenfalls einige gerbende Eigenschaften hat. Es wurden auch Versuche unternommen, das Leder durch Behandlung mit Lösungen von Eisensulfat und anschließende Aussetzung in die Luft zu gerben, um das Eisen in den Fasern zu oxidieren und es in ein basisches Eisen(III)-salz umzuwandeln – doch diese Ansätze erwiesen sich als nicht kommerziell nutzbar. Der Hauptanwendungsbereich von Eisen in der Lederherstellung ist derzeit die Färbung von Schwarzfarben (siehe S. 413). In diesem Fall führt die schwache Bindung von Eisen in der Eisen(III)-Form an Säuren sowie seine Neigung, als Oxidationsmittel oder Sauerstoffträger zu wirken, dazu, dass die Schwarzfarben etwas instabil werden und das Leder oft schädigen. Es besteht außerdem kaum Zweifel daran, dass das Vorhandensein von Eisenverbindungen in Schwarzfarben dazu neigt, das Öl im Leder zu resinifizieren – ein Phänomen, das als „Spueing“ bezeichnet wird – indem es dessen Oxidation fördert.

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Chromgerbungsmittel stehen aus praktischer Sicht auf einem völlig anderen Standpunkt als die gerade erwähnten; sie haben sich bei der Herstellung fast aller Arten von Leichtledern gegen alle älteren Methoden durchgesetzt und beanspruchen ernsthaft einen Anteil an der Produktion von Gürteln sowie sogar von Sohlenledern. Chrom ist ein graues, äußerst schwer schmelzbares Metall, das in seinen Verbindungen chemisch stark dem Eisen ähnelt und ein Atomgewicht von 52 oder etwas mehr hat. Wie Eisen besitzt es auch eine zweiwertige und eine dreiwertige Form – doch die zweiwertige Form hat eine so starke Affinität zum Sauerstoff und wechselt so leicht in die dreiwertige Form über, dass sie bis zur Entwicklung einfacherer Herstellungsverfahren nur geringes praktisches Interesse hat. Ihre Salze sind blau. Die Salze der dreiwertigen Form hingegen, die den Eisensalzen des Eisens entsprechen, sind sehr stabil und starke Gerbungsmittel. Sie sind meist grün, doch es sind auch violette Varianten bekannt, die den violetten Kristallen von Eisen-Aluminium entsprechen, allerdings mit einem viel dunkleren Farbton. Es gibt außerdem eine sechswertige Form, die vermutlich der des Eisens in den instabilen Ferraten entspricht – beim Chrom jedoch eine beträchtliche Stabilität aufweist. Sein Oxid ist das Chromanhydrid, CrO3, das gemeinhin als Chromsäure bezeichnet wird. Diese verbindet sich mit Basen, insbesondere mit Alkalien, zu gelben oder orangeroten Salzen. Das Anhydrid selbst ist in fester Form fast karmesinrot, löst sich aber in Lösungen von Orange oder Gelb auf. Obwohl Chromsäure tierische Gewebe härten und konservieren kann, besitzt sie keine Gerbungseigenschaften, bis sie zu Chromoxid reduziert wird. Es gibt außerdem ein höherwertiges, aber sehr instabiles Oxid – die Perschromsäure – die möglicherweise der Persulfursäure entspricht und in Äther eine intensiv blaue Lösung ergibt. Der Name Chrom leitet sich von der intensiven Farbe vieler seiner Verbindungen ab. Unsere Chromvorräte stammen aus Chrom-Eisen-Erzen, einem Mineral, das sowohl Chrom- als auch Eisenoxide enthält. Dieses wird zusammen mit einer Mischung aus Kalk sowie Soda oder Kalium in einem Ofen erhitzt; dabei nimmt es Sauerstoff aus der Luft auf, wodurch das Chrom in Chromsäure umgewandelt wird, die sich mit dem vorhandenen Alkalium verbindet, während das Eisen ungelöst als Eisenoxid bleibt. Durch Auswaschen der Masse und Verdunsten der Lösung erhält man je nach verwendetem Alkalium Kalzium- oder Kaliumchromate. Wenn ausreichend Schwefelsäure zugesetzt wird, um die Hälfte der Base zu binden, kann Kalium- oder Natriumdichromat kristallisiert werden. Kaliumdichromat wird am häufigsten hergestellt, weil es gut kristallisiert und nicht delikat ist – Natriumdichromat ist zwar etwas günstiger, aber weniger praktisch in der Anwendung. Dichromate, zumindest im kristallinen Zustand, sind…

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Es handelt sich dabei nicht um wässrige Salze wie Bisulfate, sondern um Anhydrochromate, die dem Kaliumanhydrosulfat entsprechen – dieses wird durch Schmelzen gewöhnlicher Bisulfate gewonnen – sowie dem Schwefelsäuredampf. Die Formel des Kaliumdichromats lautet daher:

CrO₂OK oder Cr₂K₂O₇,
und seine Molekülmasse beträgt 294. Die Molekülmasse des Natriumdichromats, das in seiner Zusammensetzung ähnlich ist, aber mit 2H₂O kristallisiert, liegt bei 298. Die Molekülmasse von CrO₃ beträgt 100. Chromsäure sowie angereichertes Kaliumdichromat sind starke Oxidationsmittel und werden daher in vielen Prozessen eingesetzt – insbesondere bei der Herstellung von Alizarin. Wenn Schwefelsäure in molekularen Verhältnissen verwendet wird, entsteht als Reaktionsprodukt Chromalum: 4H₂SO₄ + Cr₂K₂O₇ → 3CrO₃ + 4H₂O + K₂Cr₂(SO₄)₄. Dieses kristallisiert, wie gewöhnliches Alum, mit 24H₂O und hat somit eine Molekülmasse von 998. Es bildet dunkelviolette, fast schwarze Kristalle, die im Durchgangslicht einen feinen Granatrotton aufweisen. In kaltem Wasser löst es sich zu einer violett gefärbten Lösung auf; diese wird beim Kochen grün und nimmt nur sehr langsam wieder ihre violette Farbe an, wenn sie abgekühlt ist. Diese Veränderung, die in Chromlösungen nicht ungewöhnlich ist, beruht vermutlich auf einer teilweisen Zersetzung in freie Säure und ein basisches Salz – basische Chromsalze sind in der Regel grün gefärbt. Es wurde festgestellt, dass rohes Leder in der grünen Lösung viel stärker aufquillt als in der violett gefärbten. Da Chromalum aus Abfallprodukten gewonnen wird, stellt es oft eine günstige und wertvolle Quelle für Chrom bei der Chromgerbung dar. Für die Analyse von Chromverbindungen siehe L.I.L.B., S. 141 ff. Chromoxid sowie basische Chromsalze werden bei starker Erhitzung selbst in konzentrierten Säuren unlöslich – ihre Analyse ist daher etwas schwierig. Wenn jedoch das erhitzte Restprodukt (zum Beispiel Asche von Leder) fein zermahlen und sorgfältig mit einer Schmelzmischung aus gleichem Anteil reiner gebrannter Magnesia und reinem trockenem Natriumcarbonat vermischt wird und anschließend – vorzugsweise in einem Platinkrug – erneut erhitzt wird, wobei gelegentlich mit einem Platindraht umgerührt wird, so wird es quantitativ in Chromat umgewandelt. Dieses kann in Säure gelöst und auf die übliche Weise mit Kaliumjodid und Thiosulfat bestimmt werden. Falls gleichzeitig auch die Menge an Schwefelsäure bestimmt werden soll, geschieht dies manchmal…

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Es ist vorzuziehen, Magnesia durch Limonensäure oder Kalziumcarbonat zu ersetzen, da Magnesia leicht mit Sulfaten verunreinigt sein kann. Chrom ist nicht nur bei der Gerbung, sondern auch bei der Färbung von Bedeutung – aufgrund seiner Fähigkeit, mit vielen Mordantfarbstoffen unlösliche Farbpigmente zu bilden. Zu diesem Zweck werden manchmal normale oder basische Chromsalze verwendet, manchmal Chromsäure oder Dichromate; letztere wirken nicht nur durch die Bildung von Chromoxid bei Reduktion, sondern auch als Oxidationsmittel für die Farbstoffe. Die meisten mit Chrom-Mordanten erzeugten Farben sind dunkle Töne; die mit Logwood erzielten Farben sind dunkelviolett oder schwarz. Die Mordantwirkung von Chrom ist bei der Färbung von Chromleder wichtig. Kaliumdichromat wird oft in verdünnter Lösung zur Verdunkelung des Farbtons von mit anderen Materialien gefärbtem Leder verwendet, doch aufgrund seiner zerstörerischen Wirkung auf das Leder wird es nicht empfohlen. Es wurden zahlreiche Patente für Verfahren der Chromgerbung erteilt. Die erste praktische Methode wurde 1858 von Professor Knapp beschrieben (siehe S. 210), obwohl er ihren Wert nicht erkannte. Einige der Patente haben historisches Interesse, sind aber nicht von großer Bedeutung. Dazu gehört das Patent von Cavallin, einem schwedischen Apotheker, dessen Ziel eher die Färbung als die Gerbung war; er behandelte das rohe Leder mit einer Lösung von Kaliumdichromat, die anschließend in den Fasern durch Eisensulfat reduziert wurde. Das so hergestellte Leder ist dunkelrotbraun und weich aufgrund der gleichzeitig entstehenden Menge an basischem Eisenhaltigem Salz. Herr J. W. Swan, bekannt für seine Arbeiten im Bereich der Fototechnik und Beleuchtungstechnik, patentierte ebenfalls ein Verfahren der Chromgerbung (als Ergänzung zu einem Patent zur Kohlenstoffdrucktechnik); dabei wurde die zunächst im Leder fixierte Chromsäure durch „Oxalsäure oder eine andere geeignete Säure“ reduziert. Obwohl es möglich ist, Leder gemäß den Vorgaben des Patents herzustellen, macht die starke saure Wirkung des Reduktionsmittels dieses Verfahren für den praktischen Einsatz ungeeignet. Das erste Chromgerbungverfahren, das tatsächlich praktischen Erfolg zeigte, wurde 1879 von Heinzerling patentiert; es wurde in diesem Land von der Eglinton Tanning Company übernommen und für kurze Zeit auch unter deren Lizenz von der Yorkshire Tanning Company in Leeds angewandt. Obwohl das Verfahren nicht in nennenswertem Maße kommerziell erfolgreich war, weist es Aspekte auf, die eine kurze Beschreibung rechtfertigen. Die Häute wurden nach der üblichen Vorbereitung in einer gemischten Lösung aus Salz, Alum (oder Aluminiumsulfat) und Kaliumdichromat behandelt; es wurde jedoch kein systematischer Versuch unternommen, die Chromsäure in eine geeignete Gerbform umzuwandeln.

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Zunächst handelte es sich zumindest um ein lediglich mit Alaun gefärbtes Leder, das vielleicht noch mit Chromsäure etwas gehärtet wurde. Bei längerer Lagerung fand jedoch allmählich eine Reduktion statt – auf Kosten der Lederfasern sowie der Fette, die zur Gerbung verwendet wurden. Dadurch wurde das Leder im Inneren graugrün und tatsächlich mit Chrom gegerbt. Proben der frühen Produkte dieses Verfahrens, die im Museum des Departements für Lederindustrie in Leeds aufbewahrt werden, haben nun alle diese Veränderung durchgemacht; sie sind jedoch weiterhin fest und flexibel. Dies zeigt, dass die schnelle Weichwerdung des Heinzerling-Leders, welche einer der Gründe für seinen Misserfolg war, auf einen Fehler bei der Herstellung zurückzuführen sein muss und nicht im Verfahren selbst liegt. Historisch interessant ist die Tatsache, dass in einer frühen Phase des Patents ein Stück dieses Leders dem verstorbenen Professor Hummel vorgelegt wurde, damit er Möglichkeiten vorschlug, die unangenehme Gelbfarbe des Produkts zu beseitigen. Er reduzierte die Farbe mithilfe eines Bisulfites und färbte sie mit einem Anilinfarbstoff. Ein solches Stück befindet sich noch im Besitz des Yorkshire College und ist in perfektem Zustand. Hätte die rechtliche Veröffentlichung dieses Experiments nachgewiesen werden können, wäre dies die wichtigen Schultz-Patente ungültig gemacht hätten – unter denen der größte Teil der Chromgerbungen in den Vereinigten Staaten hergestellt wurde. Was die moderne Chromgerbung betrifft, so ist die wichtigste Reaktion im Verfahren die zwischen Alaun und Bichromat. Heal und Procter[115] haben gezeigt, dass das Leder praktisch keine Chromsäure aus dem Bichromat aufnimmt, es sei denn, sie wurde zuvor durch Säuerung freigesetzt. Wenn jedoch Alaun oder Aluminiumsulfat hinzugefügt wird, setzt dessen Schwefelsäure die Chromsäure frei und hinterlässt ein basisches Aluminiumsalz in Lösung – diese Tatsache wird in einigen modernen Gerbverfahren genutzt.
[115] Journ. Soc. Chem. Ind., S. 251, 1895.

Der erste wirklich bedeutende Fortschritt in der praktischen Chromgerbung wurde 1884 von Augustus Schultz erzielt. Schultz war kein Gerber, sondern Chemiker und Angestellter eines Anilinfarbenhändlers in New York. Seine Aufmerksamkeit wurde zufällig auf Leder gelenkt, als ein Freund ihn fragte, ob es möglich sei, ein Leder herzustellen, das zum Bedecken von Korsettstählen verwendet werden könnte und diese nicht wie gewöhnliches Alaunleder rosten ließe. Das von ihm angewandte Verfahren wurde vermutlich von einer damals kürzlich patentierten Methode zur Mordierung von Wolle mit Chromoxid inspiriert. Es beruhte auf der Fähigkeit des Leders, freie Chromsäure aufzunehmen (wie alle anderen freien Säuren auch) sowie auf der anschließenden Reduktion dieser Säure in den Fasern zu einem basischen Chromsalz, wodurch die Gerbung entstand. Als Reduktionsmittel wurde freie…

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Schwefelsäure oder Thiosulfursäure einer angereicherten Lösung von Natriumthiosulfat (Hyposulfit). Da nicht sicher war, welche der beiden Säuren das eigentliche Wirkstoff war, duplizierte Schultz sein Patent, um beide zu erfassen. Obwohl er in seinem Patent keine Ansprüche darauf erhob, die besten Mengenverhältnisse der Inhaltsstoffe entdeckt zu haben, haben sich die von ihm angegebenen Verhältnisse nach Berücksichtigung der durch verschiedene Häute sowie leicht unterschiedliche Arbeitsmethoden erforderlichen Anpassungen als praktisch nützlich erwiesen. Sein erstes Bad bestand aus einer Lösung von 5 Prozent Kaliumdichromat und 2½ Prozent konzentrierter Salzsäure (oder 1,25 Prozent konzentrierter Schwefelsäure), berechnet auf das Feuchtwicht der vorbereiteten Haut, und war in ausreichend Wasser gelöst, um sie bequem im für den Prozess verwendeten Bad zu verwenden. In diesem Bad wurden die Häute so bearbeitet, bis sie überall eine gleichmäßige gelbe Farbe annahmen, ohne dass ein Gerbeffekt entstand. Anschließend wurden sie von dem überschüssigen Chromlösungsmittel durch Abgießen befreit und in das zweite Bad überführt, das aus 10 Prozent „Hyposulfit“ und 5 Prozent ähnlich gelöster Salzsäure bestand. Dort nahmen die Häute aufgrund der Reduktion der Chromsäure schnell eine Entenkäugengrün-Farbe an; sobald diese Farbe überall auf der Haut gleichmäßig war, war das Gerben abgeschlossen. Die genaue Menge an Wasser ist nicht von großer Bedeutung – gute Ergebnisse lassen sich bereits mit Mengen zwischen 20 und 50 Gallonen pro 100 Pfund Haut erzielen (200 bis 500 Prozent), sofern Zeit zur Wirkung der schwächeren Lösung vorhanden ist. Die für das zweite Bad angegebenen Mengen an „Hyposulfit“ und Salzsäure reichen oft etwas nicht aus und müssen leicht erhöht werden, um die vollständige Reduktion zu erreichen. Die stattfindenden Reaktionen werden durch die folgenden Gleichungen dargestellt, wobei die Gewichte der in der Reaktion beteiligten Stoffe ebenfalls unter den Symbolen angegeben sind. Im ersten Bad:
Kaliumdichromat + Salzsäure → Kaliumchlorid + Chrom(III)-oxid + Wasser
K2Cr2O7 + 2HCl = 2KCl + 2CrO3 + H2O
294 + 73 = 149 + 200 + 18

Da gewöhnliche konzentrierte Salzsäure nur etwa 30 Prozent echtes HCl enthält[116], wären etwa 2,5 Teile erforderlich, um 2,94 Teile Kaliumdichromat vollständig zu zersetzen. In Schultzes Formel hingegen werden 2,5 Teile Salzsäure zu 5 Teilen Kaliumdichromat verwendet – das ist ein Überschuss.

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Es hat sich bei der Herstellung hochwertiger Leder als nützlich erwiesen – sowohl um Unfälle durch eine Überdosis Salzsäure zu vermeiden, als auch aufgrund der verändernden Wirkung eines Überschusses an neutralen Salzen auf die Wirkung der Chromsäure (vgl. S. 82).
[116] Eine Säure mit spezifischem Gewicht von 1,16 (32° Tw.) enthält 31,5 Prozent HCl pro Gewichtseinheit, also 36,6 Gramm pro Liter – sie ist somit praktisch 10-mal so stark wie normale Säuren. Eine Säure mit spezifischem Gewicht von 1,2 (40° Tw.) enthält 39,1 Prozent HCl, also 469 Gramm pro Liter.
Die Reaktionen, die im zweiten Bad stattfinden, sind etwas kompliziert. Eitner weist in einer Reihe wertvoller Artikel über das Chromgerben, die seit Januar 1900 in der „Gerber“ veröffentlicht wurden, darauf hin, dass noch bessere Ergebnisse erzielt werden, wenn eine geringe Menge Salzsäure überschüssig verwendet wird. Denn die Wirkung der Chromsäure (in Gegenwart des Kaliumchlorids im Chrombad) führt nicht zu einer Schwellung, sondern zur Verhärtung des Leders; die leichte schwellende Wirkung der Salzsäure gleicht dies aus und erleichtert zudem die anschließende Reduktion. Die beiden Ansichten stehen nicht im Widerspruch – der Überschuss an Bichromat wirkt auf das Leder wie ein basisches Salz, das ebenfalls eine leichte schwellende Wirkung hat. Es ist sehr wahrscheinlich, dass bessere Ergebnisse erzielt werden, wenn die Lösung entweder basisch oder sauer ist, anstatt wenn das Kaliumchromat vollständig zerlegt wird. Eitner empfiehlt die Verwendung von vier Teilen Bichromat sowie vier Teilen der stärksten Salzsäure, gelöst in 400 Teilen Wasser, für jede 100 Teile feuchten Leders – dadurch sollten etwa 40 Teile trockenes Leder entstehen. Er gibt an, dass bei Verwendung eines solchen Bades dieses sicher und wirtschaftlich mit einer weiteren Charge Leder aufgebraucht werden kann – was bei einem Bad mit Überschuss an unverestertem Bichromat nicht möglich ist. Er liefert [117] folgende Erklärung für die nachfolgenden Veränderungen, die während der Reduktion durch das allmähliche Hinzufügen von Säure auftreten – weist jedoch darauf hin, dass in der Praxis die Reaktionen stets bis zu einem gewissen Grad gleichzeitig ablaufen.
[117] Gerber, S. 297, 1900.
In der ersten Phase ist nur eine sehr geringe Säuerung erforderlich – falls das Leder mit Überschuss an Salzsäure kromatisiert wurde, kann diese sogar ganz weggelassen werden. Das Leder wird braun, da die Chromsäure in sogenanntes „Chromdioxid“ umgewandelt wird (vermutlich handelt es sich dabei um ein basisches Chromchromat, Cr2CrO4(OH)4, das beim Erhitzen Cr3O6 hinterlässt). Es wird weder Schwefelsäure freigesetzt noch Schwefel abgeschieden – stattdessen entsteht im Bad Natriumtetrathionat. Die Reaktion kann wie folgt dargestellt werden:

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(1) 3CrO3 + 6HCl + 6Na2S2O3 = 3Na2S4O6 + 6NaCl + 3OH2 + Cr3O6.
Eine weitere Zugabe von Salzsäure lässt die Farbe der Schichten heller werden, wobei die Flüssigkeit weiterhin klar bleibt. Anstelle von Chromat entsteht Chlorkromat; die Hauptreaktion lautet:
(2) 2CrO3 + 12HCl + 6Na2S2O3 = 3Na2S4O6 + 2CrCl3 + 6NaCl + 6OH2.
Bei weiterer Zugabe von Salzsäure wird Schwefel gemäß der folgenden Gleichung abgetrennt und teilweise in den Schichten sowie teilweise im Bad abgeschieden:
(3) 2CrO3 + 6HCl + 3Na2S2O3 = 3Na2SO4 + 3S + 2CrCl3 + 3OH2.
Nach vollständiger Reduktion sowie Verbrauch der freien Salzsäure finden weitere Reaktionen statt – dabei wird das überschüssige Thiosulfat genutzt, was zur Bildung basischer Chromsalze sowie zu einer weiteren Absonderung von Schwefel führt, meist innerhalb der Schichten, wie in den folgenden Gleichungen dargestellt:
(4) Cr2(SO4)3 + Na2S2O3 + OH2 = 2CrOH·SO4 + SO2 + S + Na2SO4.
(5) 2CrCl3 + Na2S2O3 + OH2 = 2CrOH·Cl2 + SO2 + S + 2NaCl.
Das Thiosulfatbad reduziert somit nicht nur, sondern sorgt auch für die Absetzung von Schwefel in den Schichten und bringt das Chromsalz in einen basischen Zustand. In kochender Lösung setzt das Thiosulfat das gesamte Chrom als Chromoxid ab, doch bei kalter Temperatur sowie in Gegenwart von freier Schwefelsäure reduziert es es lediglich zu einem basischen Salz. Eitner berücksichtigt nicht die Möglichkeit – die sicherlich untersucht werden muss –, dass anstelle von basischen Salzen zumindest zunächst Sulfite/Sulfate entstehen. Solche Salze einer Base und zweier Säuren sind durchaus möglich, und es ist sehr wahrscheinlich, dass sie bei der Verwendung von Chromierbädern mit organischen Säuren einen erheblichen Einfluss auf den Gerbungsvorgang haben. Der freigesetzte Schwefel wird teilweise auf und zwischen den Fasern des Leders abgeschieden, was dessen Weichheit erhöht. Zudem wirkt er chemisch auf die zum „Fettglätten“ verwendeten Öle ein; daher ist er vermutlich einer der Hauptgründe für die Unterschiede zwischen den Produkten der Schultz- oder „Zweibad“-Methode sowie den später beschriebenen „Einzubad“-Verfahren.

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Es fällt nicht in den Umfang dieses Buches, die Arbeitsmethoden zur Herstellung der verschiedenen Arten von Chromleder detailliert zu beschreiben, doch können einige allgemeine Vorsichtsmaßnahmen genannt werden, die für alle Verfahren gelten. Es ist nicht in jedem Fall absolut notwendig, dass die Produkte vor der Chrombehandlung vollständig von Kalk befreit werden; in diesem Fall muss jedoch im ersten Bad ausreichend Säure vorhanden sein, um den eingebrachten Kalk zu neutralisieren. Eine gründliche Kalkbehandlung ist im Allgemeinen ratsam, um die Fasern aufzupolstern und voneinander zu trennen. Im Allgemeinen sollte die Vorbehandlung der Produkte für die Chrombehandlung jedoch nicht übermäßig sein – es sollte darauf geachtet werden, nicht mehr als unbedingt notwendig von dem Ledermaterial entfernt zu werden. Denn die Chrombehandlung ist von Natur aus weich und leicht und eignet sich nicht für künstliche Füllstoffe wie Mehl oder Eigelb, wie es beim Kalbfellverfahren der Fall ist. Manchmal werden Häute durch „Einkochen“ (S. 89) vom Kalk befreit; solche eingelegten Häute können ohne erneutes Entkalken mit Chrom behandelt werden – dies geschieht mithilfe von Dichromat. In diesem Fall muss die in den Häuten enthaltene Säure bei der Zusammensetzung des Chrombads berücksichtigt werden. Häute, die mit ausreichender Menge an Säure eingelegt wurden, können in einem neutralen Dichromatabbad mit Chrom behandelt werden – das ist manchmal eine praktische Vorgehensweise. Um ein Auseinanderziehen der Fasern während der Gerbung zu verhindern, erhalten Häute oft zunächst eine Vorgerbung mit Alaun oder Aluminiumsulfat. Diese Stoffe sowie Salze können in das Chrombad eingeführt werden; dabei wird ein Teil der Chromsäure freigesetzt, wie bereits im Zusammenhang mit dem Heinzerling-Verfahren erwähnt. Alaun, Chromalaun sowie saure Salze wie Natriumbisulfat können anstelle der Säure im Chrombad verwendet werden – organische Säuren dürfen hingegen nicht verwendet werden, da sie die Chromsäure reduzieren würden. Die Menge an freier Chromsäure im Chrombad ist von entscheidender Bedeutung für den Erfolg: Sie – und nicht das Dichromat, das in beträchtlichem Überschuss vorhanden sein kann – bestimmt die Menge an Chrom, die vom Leder aufgenommen wird, sowie das anschließende Grad der Gerbung. Durch Überchromierung kann das Leder beschädigt werden – es wird rau, hart und sogar zart. Wenn ein Bad mit überschüssigem Dichromat verstärkt werden soll, kann man im Allgemeinen davon ausgehen, dass alle freien Chromsäuren bereits vom Leder aufgenommen wurden. Während es lediglich notwendig ist, die Konzentration des Dichromats auf seinen ursprünglichen Wert zurückzusetzen, muss die volle Menge an Säure verwendet werden, die für die Herstellung eines neuen Bades erforderlich wäre. Wo, wie im sauren Chrombad nach Eitner, die gesamte Chromsäure freigesetzt wird, kann das Bad durch einen zweiten Satz an Häuten erschöpft werden. Viele Gerber versuchen, um Komplikationen zu vermeiden…

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Die Wiederbehandlung des Chrombades – bei der die verwendeten Chromlösungen nach einmaliger Verwendung entfernt werden, wodurch alle überschüssigen Dichromate beseitigt werden – ist notwendig. Bei richtiger chemischer Kontrolle sollte das jedoch nicht nötig sein; es ist außerdem problematisch – nicht nur aufgrund der Verschwendung, sondern auch wegen der äußerst giftigen Eigenschaften des unreduzierten Dichromats. Schon schwache Dichromatlösungen, insbesondere wenn sie warm sind, können schmerzhafte und hartnäckige Hautausschläge verursachen. Dies tritt bei Gerbern jedoch selten auf, da die giftige Wirkung der Lösung durch Reduktion beseitigt wird. Es ist jedoch ratsam, dass die Personen, die mit Häuten im Chrombad arbeiten, anschließend auch im Reduktionsbad arbeiten. Es werden Methoden zur Analyse der verwendeten Chromlösungen angegeben (L.I.L.B., S. 142 ff.). Die Methoden zur Bestimmung der Säuregehalt sind jedoch in Gegenwart von Alum sowie Salzen des Chromoxids nicht leicht anwendbar.

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[118] Ziegenhäute für das Glacieren von Kalbfellen müssen gründlich gepurrt werden, um eine glatte Oberfläche zu erzielen.

Die Häute können nach dem Verfahren im Chrombad eine Weile unbeschadet liegen bleiben, müssen jedoch vor Licht geschützt werden – denn Licht führt zum Abbau des Chroms auf Kosten der Haut und macht die anschließende Gerbung unregelmäßig. Es wurde festgestellt, dass Häute, die in ein schwaches oder neutrales Reduktionsbad gegeben werden, dazu neigen, „bluten“ zu lassen, d.h. Chromsäure zu verlieren, die im Bad verschwendet reduziert wird. Andererseits neigt ein starkes Reduktionsbad dazu, die Fasern der Haut anzuziehen und sie zusammenzuziehen, da die Gerbung zu plötzlich stattfindet. Deshalb wird oft ein etwas stärkeres Reduktionsbad als vorbereitender „Tauchvorgang“ verwendet: Die Häute werden einfach darin getaucht, um das Chrom an der Oberfläche zu fixieren, anschließend auf einen „Pfahl“ gelegt und schließlich in einem Bad mit normaler Stärke reduziert. Die Neigung zum Bluten wird verringert – allerdings auf Kosten der Haut – durch die Reduktion, die stattfindet, wenn die Häute über Nacht im chromierten Zustand gelassen werden. Eitner gibt an, dass Häute, die in einem Säurebad chromiert wurden (d.h. bei denen die gesamte Chromsäure in freiem Zustand ist), nur geringe Neigung zum Bluten zeigen. Nach der Reduktion werden die Häute gründlich mit warmem Wasser gewaschen, und ihre weitere Behandlung erfolgt wie bei Häuten, die durch das Ein-Bad-Verfahren gegerbt werden, was später beschrieben wird (siehe S. 211).

Natürlich kann in der Praxis die Reduktion nicht streng nach den in S. 206 von Eitner beschriebenen Schritten durchgeführt werden; vielmehr finden alle Vorgänge in unterschiedlichen Proportionen gleichzeitig statt. Durch die Zugabe der Säure in angemessenen Mengen und zu geeigneten Zeitpunkten kann man sie jedoch im Großen und Ganzen in der angegebenen Reihenfolge ablaufen lassen. Sowohl aus diesem Grund als auch weil weder die genaue Menge an Chromsäure in den Häuten noch die Menge an Schwefelsäure, die durch Ausdunstung verloren geht, genau bestimmt werden können, kann die Reduktion nicht nach theoretischen Prinzipien durchgeführt werden – vielmehr müssen die besten Bedingungen empirisch ermittelt werden. Eitner gibt an, dass 12 Teile Thiosulfat, gelöst in 400 Teilen Wasser, sowie 6 Teile (40-prozentige) Salzsäure ausreichen für 4 Teile Bichromat pro 100 Teil feuchter Haut, wovon nicht mehr als die Hälfte bis zwei Drittel aufgenommen werden. Wenn bei der Chromierung gleiche Mengen an Bichromat und Säure verwendet werden, kann die für die Reduktion benötigte Säuremenge auf 5 Teile reduziert werden. In diesem Fall darf man nicht vergessen, dass, wenn das teilweise erschöpfte Chrombad für eine zweite Charge an Häuten verwendet wird, die anschließend in einem Bad mit voller Stärke weiterverarbeitet werden, fast die gesamte Menge an Bichromat, die zur Herstellung eines Bades benötigt wird, von den Häuten aufgenommen wird. Die Menge an Säure, die bei der Reduktion verbraucht wird, wird daher größer sein.

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Es wird schneller zugesetzt, aufgrund einer erhöhten Entweichung von Schwefelsäure. Es ist besser, die Säure, die zuvor mit Wasser verdünnt wurde, in 8 oder 10 aufeinanderfolgenden Portionen zuzufügen – zunächst schneller und in der zweiten Hälfte des Vorgangs langsamer. Jede Portion Säure soll hinzugefügt werden, sobald keine weitere Farbveränderung mehr durch die bereits zugeführte Säure verursacht wird. Je heller die Ware ist, desto schneller erfolgen diese Veränderungen. Die Farbe dunkelt zunächst zu olivbraun, wird dann allmählich grün und schließlich blau. Wenn diese Farbe im gesamten Material gleichmäßig ist, muss keine weitere Säure mehr zugefügt werden. Für Waren, die in einer Säurebadbehandlung chromiert wurden, gibt Eitner an, dass in den ersten zwanzig bis dreißig Minuten keine Säure benötigt wird. Es ist wichtig, dass im Bad nach Abschluss der Reduktion ein ausreichender Überschuss an Thiosulfat vorhanden ist; in diesem Fall können die Waren einige Stunden oder über Nacht im Bad belassen werden, um die „Neutralisierung“ abzuschließen. Eitner bevorzugt es jedoch, zu diesem Zweck ein neues Bad mit 1½ Teilen Thiosulfat in 400 Teilen Wasser zu verwenden. Nachdem dieses Bad abgesetzt hat, kann es zur Herstellung des Reduktionsbads für die nächste Charge verwendet werden – wobei dabei 1½ Teile weniger Thiosulfat verwendet werden. Die Waren müssen während der Reduktion in Bewegung gehalten werden, sei es in einem Trommel oder in einem verschlossenen Behälter. In einem Aufsatz mit dem Titel „Die Natur und Wesen der Gerberei“, der 1858 vom Professor Knapp veröffentlicht wurde, beschreibt er detailliert einen Chromgerbungsvorgang mit basischem Chromchlorid, der durch das Hinzufügen von Natriumcarbonat zu einer Lösung des Normalsalzes entsteht. Er gibt jedoch ausdrücklich an, dass das Produkt nicht widerstandsfähiger gegen Wasser war als herkömmliche Alumbadbehandlungen. Wie er zu diesem Fehler kam, ist schwer zu erklären – denn Leder, das nach seinen Anweisungen hergestellt wurde, widerstand nicht nur dem Waschen in kaltem, sondern auch in kochendem Wasser. Sobald der Schultz-Prozess erfolgreich war, wurden viele Versuche unternommen, das Patent durch den Einsatz anderer Reduktionsmittel als des „Hypo“ sowie anderer Salze der Schwefelsäure zu umgehen. Unter diesen Mitteln erwiesen sich Schwefelwasserstoff sowie saure Lösungen von basischen Sulfiden – insbesondere Polysulfide[119] – als praktikabel einsetzbar, obwohl sie weniger praktisch waren als Thiosulfat. Bald wurde dieses Verfahren zusammen mit Schultz’ ursprünglichen Patenten von der Patent Tanning Company übernommen. [119] „Schwefelliver“ oder Lösungen, die durch das Kochen von Natriumsulfid oder Soda mit überschüssigem Schwefel hergestellt werden. Unter diesen Umständen belebte Martin Dennis – entweder durch eine neue Entdeckung oder auf andere Weise – den ursprünglichen Prozess von Knapp wieder, den er fast wortwörtlich patentieren ließ, und bot ein basisches Chromgerbungsmittel zum Verkauf an.

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ohne weitere Einschränkungen hinsichtlich seines Gebrauchs. Dieser Lösungsmittel wurde hergestellt, indem das ausgefallene und gewaschene Chromhydrat – welches leicht durch das Ausfallen einer Chrom-Aluminium-Lösung mit Überschuss an Alkalien gewonnen werden kann – in Salzsäure bis zur Sättigung aufgelöst und anschließend Waschsoda zugesetzt wurde, bis die Lösung ausreichend basisch war. Eine solche Lösung kann auf auf normale Weise vorbereiteten Häuten verwendet werden, indem sie mit Wasser verdünnt und im Laufe des Gerbprozesses gestärkt wird – ähnlich wie ein pflanzliches Gerbmittel. Es ist fraglich, ob das Patent gültig ist, da bereits bekannt war, dass der Einsatz einer solchen Lösung nichts Neues war; es wurde erst in Amerika erteilt, aufgrund der Behauptung, die später als falsch erwiesen wurde, dass ausschließlich Chloride für das Gerben geeignet seien, obwohl Knapp seine Aussage nicht auf diese Salze beschränkt hatte. Tatsächlich scheinen sowohl Chloride als auch Sulfate gleichermaßen geeignet zu sein, doch um ähnliche Ergebnisse zu erzielen, müssen die Chloride basischer gemacht werden als die Sulfate. Auf jeden Fall kann das Patent das allgemeine Prinzip des basischen Gerbens nicht abdecken, sondern nur das spezifische Lösungsmittel sowie die angegebene Herstellungsweise. Kurz darauf zeigte der Verfasser [121], dass eine gute Chrom-Gerblösung durch die direkte Reduktion von Dichromat mit Zucker in Gegenwart einer begrenzten Menge an Salzsäure hergestellt werden kann, wodurch ein basisches Salz entsteht. Geeignete Mengenverhältnisse sind 5 Mol HCl zu 1 Mol Kaliumdichromat, wodurch ein Salz von etwa Cr2Cl3(OH)3 entsteht. Die Lösung lässt sich leicht herstellen, indem drei Teile Dichromat in einer angemessenen Menge Wasser aufgelöst werden, anschließend sechs Teile konzentrierte Salzsäure zugesetzt werden und schließlich nach und nach Rohrzucker, bis eine grüne Lösung entsteht. Anschließend kann die Lösung auf insgesamt hundert Teile aufgefüllt werden; sie hat dann ungefähr die gleiche Konzentration wie eine 10-prozentige Chrom-Aluminium-Lösung. Ein wenig Wärme kann zur Initiierung der Reaktion benötigt werden, doch sollte zu viel Wärme vermieden werden, da bei der Oxidation erhebliche Mengen an Wärme entstehen und außerdem Kohlendioxid gebildet wird, wodurch die Lösung stark sprudelt. Der verwendete Behälter sollte daher ausreichend groß sein. Anstelle von Rohrzucker kann auch Glukose von guter Qualität verwendet werden; einige Proben enthalten jedoch Unreinheiten, die zu einer violett gefärbten Lösung führen, die kein zufriedenstellendes Gerbergebnis liefert. Dieses Lösungsmittel wird in vielen Gerbereien regelmäßig eingesetzt und ergibt ein hochwertiges Chromleder; seine Wirkung variiert jedoch je nach Temperatur, bei der es hergestellt wird. Es scheint keinen wirklichen Vorteil gegenüber einer einfachen Chrom-Aluminium-Lösung zu haben, die durch Soda basisch gemacht und mit etwas Salz angereichert wird. Eine etwas ähnliche Herstellungsmethode ist Eberles „Chromalin“ [122], bei dem eine organische Substanz, vermutlich Rohglyzerin, zur Reduktion des Dichromats verwendet wird. Die organische

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Insbesondere die organischen Säuren, die durch die Oxidation von Zucker oder Glycerin entstehen, haben Einfluss auf die Gerb Eigenschaften der Lösung. Natürlich können diese Lösungen durch Zugabe von Natriumcarbonat noch basischer gemacht werden. Eine gute Grundlösung, mit etwa derselben Stärke wie die oben beschriebene, wird hergestellt, indem man 10 Teile Chromalum in 80 Teile lauwarmes, aber nicht heißes Wasser auflöst und anschließend unter ständigem Rühren eine Lösung von 2½ bis 3½ Teilen Waschsoda in 10 Teilen Wasser hinzufügt. Chromalum löst sich ohne Wärme etwas langsam auf; am besten wird die Lösung entweder in einem kleinen, motorgetriebenen Behälter hergestellt oder indem die Kristalle in einem Korb nahe der Oberfläche der Lösung suspendiert werden, sodass die gesättigte Lösung nach unten sinken kann.

[120] Martin Dennis, U.S.A. Pat. 495028, 1893; sowie 511411, 1893, 7732, 1893. E. Pat. Gallagher.
[121] Leather Trades Review, 12. Januar 1897.
[122] Vgl. Eberles deutsche Patente 119042, 1898, und 130678, 1899. Letzteres scheint zumindest was die Verwendung von Glukose, Zucker und Stärke angeht, bereits in der oben zitierten Veröffentlichung des Autors aus dem Jahr 1897 vorausgesehen worden zu sein.
[123] Leather Trades Review. Spätere Untersuchungen haben gezeigt, dass die Temperatur des Wassers unwichtig ist, wenn Alkali hinzugefügt wird. Doch Chromalum dissoziiert in heißem Wasser bis zu einem gewissen Grad, und vergleichende Experimente haben gezeigt, dass Lösungen des Normalsalzes, die bei Hilfe von Wärme hergestellt werden, auf das Leder wirken, als wären sie säurehaltiger als solche, die bei kühlen Bedingungen hergestellt werden. Eitner[124] hat auf den wichtigen Einfluss hingewiesen, den Unterschiede in der Basizität auf die Gerb Eigenschaften von Chromlösungen haben. Normales Chromsulfat oder Chromalum färbt das Leder schnell und gleichmäßig und lässt es aufgrund seines praktisch sauren Charakters anschwellen. Es entsteht jedoch ein dünnes, nur leicht gegerbtes Leder, aus dem viel Chrom herausgewaschen wird – es sei denn, es wird sofort in alkalischen Lösungen „neutralisiert“. Je basischer die Chromlösung ist, desto langsamer dringt das Gerben ein, doch es erfolgt dann gründlicher; die Farbe wird dunkler und blauer, und weniger vom Chromsalz wird beim Waschen mit Wasser entfernt. Wenn die Basizität zu groß wird, wird die Lösung instabil und zerfällt bei Verdünnung mit Wasser in ein sehr basisches Salz, das ausfällt, sowie in eine säurereichere Lösung als die einer mäßig basischen Lösung. Die Wirkung solcher Lösungen auf das Leder ist sehr unbefriedigend – es treten sowohl die negativen Auswirkungen zu säurerer als auch zu basischerer Salze auf. Das Leder neigt bei Verwendung des säurereicheren Salzes dazu, anzuschwellen und leicht gefärbt zu werden; gleichzeitig verläuft das eigentliche Gerben sehr langsam. In extremen Fällen ist es schwierig, das Leder vollständig zu gerben; außerdem wird die Oberfläche übergerbt, und das Lederflechtwerk wird oft weich – ja sogar brüchig – aufgrund der Ablagerung von ausgefallenen Stoffen.

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Basisches Salz. Eitner vergleicht die Wirkung der säurehaltigeren Flüssigkeiten mit den schnell einwirkenden und mild gerbenden pflanzlichen Gerbstoffen wie Gambier, während die Wirkung der basischeren Flüssigkeiten mit den stärker wirksamen Gerbstoffen wie Valonia vergleichbar ist. Innerhalb bestimmter Grenzen lässt sich diese Tatsache nutzen, um die Flüssigkeiten dem Charakter des Leders anzupassen, das erzeugt werden soll. Bei Sulfatflüssigkeiten hält er das Salz CrOH₅SO₄ für am besten geeignet. Im Fall von Chromalum wird dieses durch die Verwendung von 286 Teilen Natriumcarbonatkristallen oder 106 Teilen trockenem Natriumcarbonat (1 Molekül) zu 998 (oder praktisch 1000) Teilen Gewicht (1 Mol.) Chromalum hergestellt. Beim Einsatz von Waschnatron muss darauf geachtet werden, klare Kristalle des Salzes zu verwenden – nicht solche, die durch Wasserverlust weiß geworden sind. Anstelle von Natriumcarbonat bereitet Eitner eine ähnliche basische Flüssigkeit her, indem er 1000 Teile Chromalum mit 248 Teilen (1 Mol.) Natriumhydrogen sulfit kocht, bis sämtliches freigesetzte Schwefelsäure entzogen ist und das Schwefel abgeschieden wird. In Vergleichsexperimenten des Autors konnte kein Unterschied in den Gerbwirkungen der beiden Lösungen festgestellt werden; die Lösung mit Natriumcarbonat ist außerdem günstiger in der Herstellung. Wenn die Lösung mit Hydrogen sulfit nicht gekocht wird, entsteht eine säurehaltigere Flüssigkeit, in der ein Teil des Chroms mit Schwefelsäure verbunden wird und so ein instabiles Verbindungsbildung entsteht, das in bestimmten Fällen nützlich sein kann. [124] Gerber, 1901, S. 3 ff.

Eitner gibt an, dass er Chromlösungen verschiedener Art hergestellt hat, die organische Verbindungen in Kombination mit dem Chromsalz enthalten. Diese Verbindungen verbinden sich mit dem Leder und führen zu einem volleren und weicheren Gerben. Er gibt jedoch keine Details zur Herstellung dieser Lösungen, da sie kommerziell von der „Erste Oesterreichische Soda-Fabrik“ in Hruschau hergestellt werden. Der Autor stellte fest, dass man in einigen Fällen, indem man bei der Herstellung der basischen Flüssigkeit 3 Teile Zucker – oder noch besser Glukose – zu 10 Teilen Chromalum hinzufügt, ein viel volleres und pralleres Leder erhält, das selbst ohne Stützen oder Fettablagerung perfekt weich trocknet. Wahrscheinlich lassen sich viele weitere organische Verbindungen finden, die ähnliche Effekte erzielen. Die Zugabe sehr kleiner Mengen an neutralen Tartraten oder Lactaten sowie vermutlich auch vieler anderer organischer Salze oder Säuren hat eine bemerkenswerte Wirkung darauf, die scheinbare Basizität der Lösung zu verringern. Es ist möglich, dass diese Stoffe ebenfalls nützlich in Kombination mit sehr basischen Flüssigkeiten eingesetzt werden können. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die unzufriedenstellenden Gerbflüssigkeiten, die durch direkte Reduktion mit bestimmten Glukoseproben entstehen, auf das Vorhandensein geringer Mengen an bestimmten organischen Säuren zurückzuführen sind, die während der Oxidation entstehen.

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Es wurde festgestellt, dass diese Lösungen durch den großzügigen Zusatz von Soda gebräunt werden können. Wahrscheinlich lassen sich bei der Chromgerbung zufriedenstellendere Ergebnisse erzielen, indem bekannte organische Substanzen direkt zu basischen Lösungen mit bestimmter Zusammensetzung hinzugefügt werden, anstatt durch die etwas unzuverlässigen Produkte organischer Oxidationen. Die Menge des zuzusetzenden Salzes hängt von den gewünschten Eigenschaften des Leders sowie davon ab, ob chloridhaltige oder sulfathaltige Lösungen verwendet werden; in chloridhaltigen Lösungen erhöht das Salz die Weichheit des Leders, führt aber in größeren Mengen zu einer Flachheit des Leders, während es in sulfathaltigen Lösungen deren Basizität praktisch verringert, indem es das Chromsulfat in das entsprechende Chlorid umwandelt – welches, wie Eitner betont, als weniger basisches Salz wirkt und daher nur geringe Vorteile bietet. Am besten ist es, mit einer sehr schwachen Lösung zu beginnen, um ein Ziehen der Fasern zu vermeiden; zu diesem Zweck kann auch eine vorbereitende Gerbung mit Aluminiumsalzen vorgenommen werden, oder Alum sowie Aluminiumsulfat und Salz zur ersten Lösung hinzugefügt werden. Die Anziehungskraft des Chromsalzes auf die Fasern reicht aus, um eine Chromgerbung auch in Gegenwart von überschüssigen Aluminiumsalzen zu bewirken. 10 Pfund Chromalum genügen etwa für 100 Pfund feuchte Häute, doch für die erste Charge muss mehr verwendet werden; um Zeitverluste zu vermeiden, können die Häute auch in einer ziemlich starken Lösung gegerbt werden. Die Lösung neigt im Laufe der Zeit dazu, sauer zu werden, und bevor sie verstärkt wird, kann es notwendig sein, weitere Natriumhydroxidlösung hinzuzufügen. Nur sehr wenig zusätzliches Salz ist erforderlich, da es nur in geringem Maße von den Häuten aufgenommen wird – vermutlich in Form von Chromchlorid. Da die Lösungen allmählich mit Sulfaten belastet werden, ist es am besten, sie wie Rindenlösungen zu verwenden und dieselbe Lösung nicht endlos weiter zu verstärken. Wenn alte Lösungen für grüne Produkte verwendet werden, ist es nicht notwendig, sie vor der Verwendung mit Natriumhydroxid zu neutralisieren, denn wie Eitner gezeigt hat, färben weniger basische Lösungen gleichmäßiger und verursachen weniger das Ziehen der Fasern. Basische Chromlösungen, wie sie beschrieben wurden, können auch bei der Kombinationsgerbung mit Chrom verwendet werden. Im Allgemeinen ist es am besten, eine leichte pflanzliche Gerbung vor der Chromgerbung durchzuführen; leicht gegerbte Häute wie „Perser“-Häute und Ostindien-Häute erlangen durch diese Behandlung viele der Eigenschaften von chromgegerbtem Leder. Der Effekt wird noch weiter gesteigert, wenn das Leder vorher mit alkalischen Lösungen entgerbt wird (siehe S. 241). Neben Dennis liefern mittlerweile auch mehrere Firmen bereits fertig zubereitete basische Chromlösungen zum Einsatz. Die Dauer der Gerbung hängt natürlich von der Dicke der Produkte ab; bei Kalbsledern dauert sie in der Regel einige Tage, obwohl sie auch kürzer sein kann.

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Der Vorgang wird durch das Schlagen mit Trommeln erheblich beschleunigt. Die Gerbung erfolgt in der Regel am besten mit Schaufeln, kann aber auch durch häufiges Handhaben in Behältern oder Tüfern durchgeführt werden – oder, wenn eine besonders glatte Oberfläche wichtig ist, durch Aufhängen. Wenn die Materialien aus der Endlösung herauskommen, können sie vorteilhaft für 24 Stunden – oder sogar einige Tage – in Haufen liegen gelassen werden, da dadurch das überschüssige Chromwasser herausgedrückt wird und die Gerbung vollständiger wird. Anschließend werden sie mit reichlich warmem Wasser gewaschen, bis das Wasser keine Farbe mehr aufnimmt. Sie können nahezu unbegrenzt in feuchtem Zustand aufbewahrt werden, da sie nicht ausfärben und selbst im Haufen nur wenig Neigung zur Erwärmung haben. Sie haben nun den Zustand erreicht, in dem wir das Leder nach der „Zweibad-Gerbung“ zurückgelassen hatten; die weitere Behandlung kann in beiden Fällen dieselbe sein.

Obwohl bei beiden Verfahren das in den Fasern gebundene Chromsalz einen eindeutig basischen Charakter hat, enthält es dennoch genug Säure, um im Laufe der Zeit schädliche Auswirkungen auf das Leder zu haben und ernsthafte Probleme bei der anschließenden Behandlung zu verursachen. Bevor man weitermacht, muss diese Säure entfernt oder neutralisiert werden. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass die meisten Probleme bei der Fettgerbung auf Nachlässigkeit oder Fehler bei der Waschung und Neutralisierung zurückzuführen sind. Die Schwierigkeit beim Verfahren liegt darin, dass die Säure zwar auf ein Minimum reduziert werden muss, aber nicht vollständig entfernt werden darf – denn Chromoxid selbst scheint keine gerbende Wirkung zu haben. Zudem führt ein Überschuss an starken Alkalien sofort dazu, dass das Leder hart und pelzig wird. Borax ist eines der sichersten Neutralisierungsmittel; es werden etwa 3 Prozent des Feuchtigkeitsgewichts des Leders benötigt, in einer Lösung mit nicht mehr als 1/2 Prozent Konzentration. Eitner empfiehlt die Verwendung von Natriumsilikat, das als Lösung mit einem Spezifischen Gewicht von 1,5 verkauft wird und etwas stärker sowie viel günstiger ist als Borax. Natriumhyposulfit zusammen mit Weißmitteln neutralisiert schneller und vollständiger als jeweils eines für sich allein. Auch andere Salze schwacher Säuren können verwendet werden; die Säuren üben dabei eine regulierende Wirkung aus, die verhindert, dass die Neutralisierung zu weit geht. Natriumcarbonat oder Natriumbicarbonat sowie Ammoniak können ebenfalls verwendet werden – doch mit diesen Mitteln ist es schwierig, eine echte Neutralisierung zu erreichen oder das Risiko zu vermeiden, den Prozess zu weit voranzutreiben. Selbst gründliches Schlagen mit einer Lösung aus „Weißmittel“ (Calciumcarbonat) ist wirksam. Bei dieser Methode besteht kein Risiko, den Prozess zu übertrieben durchzuführen – doch in einigen Fällen stellen das haftende Weißmittel sowie das ausgefallene Calciumsulfat Probleme bei späteren Verarbeitungsschritten dar. In jedem Fall sollte die Neutralisierung nur so weit fortgesetzt werden, bis die Häute keinerlei Säurereaktion auf Litmuspapier zeigen. [125] Procter and Griffith, Journ. Soc. Chem. Ind., 1900, S. 223.

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Es ist wahrscheinlich, dass einer der Hauptgründe für den Unterschied zwischen „einschichtigen“ und „zweischichtigen“ Ledern das Vorhandensein von freiem Schwefel in letzteren ist. Dieser kann auch in „einschichtiges“ Leder eingeführt werden, indem es im nassen, verchromten Zustand mit einem Überschuss an Lösung von Hyposulfit oder einem alkalischen Polysulfid behandelt wird – wodurch gleichzeitig das Leder neutralisiert wird. Je saurer die Chromlösung ist, desto mehr Schwefel wird eingeführt. Die einfachste Methode, um „zweischichtige“ von „einschichtigen“ Gerben zu unterscheiden, besteht darin, auf das Vorhandensein von Schwefel zu testen: Dabei wird eine Silbermünze zusammen mit einem Stück Leder in Papier eingewickelt und das Bündel eine Stunde lang in einem Wassertopf oder an einem anderen warmen Ort gelassen. Das Vorhandensein von Schwefel zeigt sich durch die Verfärbung der Münze. Natürlich zeigt auch ein mit Schwefel behandeltes „einschichtiges“ Leder dieselbe Reaktion.

Das Leder muss nun gefärbt und mit Fettlösung behandelt werden. Welche dieser beiden Verarbeitungsschritte zuerst durchgeführt werden soll, hängt von den Umständen ab. Die meisten Leder lassen sich leichter färben, bevor sie mit Fettlösung behandelt werden – doch da viele Farbstoffe in der alkalischen Fettlösung löslich sind, geht oft viel Farbe verloren. Dies kann ausgeglichen werden, indem eine geeignete Anilinfarbe in die Fettlösung gelöst wird.

„Bluebacking“ wird in der Regel vor der Fettlösungsmethode durch Behandlung mit Methylviolett oder einer anderen Anilinfarbe durchgeführt – mit oder ohne Logwood, welches allein bereits eine sehr dunkle Violettfarbe ergibt. Jegliches Schneiden oder Spalten des Leders muss natürlich vor dem „Bluebacking“ erfolgen.

Die Fettlösung ist eine Emulsion aus Seife und Öl. Bei verchromtem Leder sollte sie möglichst neutral sein, sofern die Neutralisierung gründlich erfolgt ist. Falls jedoch noch Säuren auf dem Leder vorhanden sind, wird eine neutrale Fettlösung als fettige Masse ausfallen. Dies kann manchmal durch Hinzufügen von etwas Ammoniak oder Borax oder durch erneute Behandlung nur mit Seifenlösung behoben werden. Wenn die Reinigung des Leders jedoch unvollständig war und lösliche Chromsalze zurückblieben, ist der Schaden fast unkorrigierbar – es bilden sich klebrige Chromseifen, die oft mit Anilinviolett gefärbt sind und am Leder haften bleiben. Diese lassen sich kaum mit einem Lösungsmittel entfernen, das das Leder nicht schädigt.

Was die verwendeten Seifen und Öle angeht, so gibt es große Freiheiten: 1½ Prozent Castorölseife sowie ¾ Prozent Castor- oder Olivenöl pro Feuchtwert des Leders haben bei mir gute Ergebnisse gebracht. Viele Hersteller verwenden jedoch weiche Seifen, Quarkseifen usw. in Kombination mit Castor-, Oliven-, Hering- oder Rindsfett – manchmal auch Sodaöl oder Degras. Eitner hält Olivenöl sowie Olivenölpotaschenseife für am besten geeignet und warnt insbesondere davor…

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Die Verwendung von Trockenölen oder Ölen, die Talg enthalten (wie z. B. Neatsfoot), ist nicht geeignet – sie verursachen nicht nur eine weiße Ausfällung, sondern geben dem Leder auch einen unangenehmen, ranzigen Geruch. Fischöle sind ungeeignet, während Mineralöle oft nützliche Bestandteile von Fettlösungen sind. Schafsfett eignet sich ebenfalls als Fettlösung, ist aber für Produkte, die geglänzt werden sollen, ungeeignet. „Turkey-Red Oil“ (sulfatisiertes Rizinusöl) kann als Fettlösung verwendet werden – einfach mit warmem Wasser, ohne Seife, gemischt. Es wird empfohlen, wenn feine Farben nach der Behandlung mit Fettlösung gefärbt werden sollen; doch es soll einen unbefriedigenden Nachteil haben: Das Leder wird dabei hart und spröde. Einige Seifen, die aus dem saponifizierbaren Teil des Schafsfetts hergestellt werden, wie z. B. „Lanosoap“, wirken ebenfalls gut in Kombination mit Olivenöl, Rizinusöl oder anderen Ölen. Wenn das Leder geglänzt werden soll, muss die Menge der Fettlösung sehr gering gehalten werden. Fettlösungen sollten gründlich emulgiert werden und in der Regel bei warmer Temperatur verwendet werden. Sie dringen besser ein, wenn das Leder teilweise durch Glätten, Pressen oder vorsichtiges Sammen getrocknet wird – doch das Leder darf vor der Behandlung mit Fettlösung und Färbeung nicht vollständig trocken sein, es sei denn, es wurde zuvor mit Glycerin, Glukose, Sirup oder einem delikaten Salz behandelt, damit es wieder befeuchtet werden kann. Chromleder ist, wie oft behauptet, nicht wasserdicht – es sei denn, es wird durch Behandlung mit Seifen und Fetten so gemacht. Offenbar lässt es sich leicht befeuchten, doch die Fasern nehmen nach vollständiger Trocknung kein Wasser mehr auf und können daher weder angemessen gefärbt noch gefüttert werden. Um Chromleder in einem ungefärbten Zustand zu halten, wird manchmal Glycerin oder Sirup in die Fettlösung gemischt – doch da der wässrige Anteil dieser Mischung in der Regel nicht vollständig aufgenommen wird, ist dieser Prozess etwas verschwenderisch. Herr M. C. Lamb umgeht dieses Problem, indem er nach der Behandlung mit Fettlösung eine Glycerinlösung mit einer Schwamm auf die Faserseite aufträgt. In diesem Fall kann das Leder sicher genug getrocknet werden, um es zu bearbeiten. Chromleder kann mit vielen sauren Anilinfarben ohne Mordant gefärbt werden. Basische Farben werden nur dann festgehalten, wenn das Leder zunächst mit pflanzlichen Tanninen behandelt wurde – Gambier sowie eine Mischung aus Gambier und Sumach sind hier am geeignetsten. Bei der Anwendung von Tanninen auf Chromleder muss große Sorgfalt walten gelassen werden – sie neigen dazu, das Leder zu verhärten und seine Dehnbarkeit zu verringern, oder es sogar weich zu machen. Doch Spuren von Tannin im Farbstoff können das Glänzen erleichtern. Vor der Färbung ist es vorteilhaft, das Tannin mit Tartar-Emetic oder für Brauntöne sowie Gelbtöne mit einer Lösung aus Titankaliumoxalat zu fixieren – diese Lösung ergibt selbst einen guten gelbbraunen Farbton.

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Tannin: Anstelle der Verwendung von Tannin sowie Titansalz in zwei getrennten Bädern können diese miteinander kombiniert werden – wobei die Menge des Gambier- oder Gerbstoffextrakts (aus Eichenholz, Kastanien usw.) etwa der Menge des Titansalzes entsprechen sollte. Alternativ kann auch eine Lösung aus Titan-Tanno-Oxalat verwendet werden. Chromleder kann mit verschiedenen Färbhölzern gefärbt werden; diese werden durch das enthaltene Chrom fixiert. Die Farben sind jedoch meist trüb – die Farbe des Logwood ist fast schwarz. Eine sehr haltbare schwarze Farbe erhält man, indem man das Leder mit Logwood färbt und anschließend mit einer heißen Lösung aus Titanoxalat behandelt. Ein wenig Eisen-Alum, das dem Chromlösung beim Gerben zugesetzt wird, erleichtert das Färben des Leders mit Logwood und hilft dabei, dass die Farbe in das Leder eindringt – was manchmal gewünscht ist. Mehrere Anilinfarben sowie insbesondere die „Corvoline“ der Badische Anilin und Soda Fabrik, Casellas „Leather Black C“ sowie Claus & Rées Chromschwarz ergeben durch Auftragen oder Färben sehr zufriedenstellende Ergebnisse.

Chromleder kann auf die übliche Weise mit Blut- oder Eiweißmischungen unter Glas oder Agat glasiert werden. Dabei ist jedoch viel Druck sowie wiederholtes Glätten erforderlich – außerdem muss bei der Fetthaltigkeit große Sorgfalt walten. Das Glätten wird oft durch vorheriges Auftragen von Berberis-Saft oder einer Lösung aus Milchsäure oder Weinsäure mit einem Hauch Zucker unterstützt. Ein Großteil der Schwierigkeiten beim Glätten von Chromleder liegt entweder am natürlichen Fett des Leders oder an Ölen, die in zu großen Mengen oder in ungeeigneter Qualität zum Fetthalten verwendet werden.

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KAPITEL XVI.
Grundlagen der Verfahren zur pflanzlichen Gerbung

Die bei der Herstellung von Leder mit pflanzlichen Gerbmaterialien angewandten Verfahren unterscheiden sich erheblich je nach der Art des zu herstellenden Leders – sowohl hinsichtlich der verwendeten Materialien als auch bezüglich der benötigten Zeit. Bei der Gerbung von Sohlenleder, bei der dicke Häute verwendet werden und bei der Diffusion die einzige Kraft ist, die das Gerbmittel in das Leder bringt, sind oft mehrere Monate erforderlich. Bei dünnen Häuten hingegen, sowie mit Hilfe mechanischer Bewegungen, die das Gerbmittel zwischen den Fasern zirkulieren lassen, kann der Prozess oft bereits innerhalb weniger Stunden abgeschlossen werden. Unterschiede in der Stärke der Lösungen je nachdem, ob hartes oder weiches Leder hergestellt werden soll, sowie die gegenseitige Wirkung der in den Lösungen enthaltenen Säuren sowie des Gerbmittels haben ebenfalls einen entscheidenden Einfluss auf die Qualität des Produkts.

Die einfachste Form der Gerbung ist im Prinzip wohl die traditionelle Methode zur Herstellung von Sohlenleder. Zu diesem Zweck werden die Häute nach Entlackung, Enthaaren und Entfleischung in der Regel „abgerundet“ oder zugeschnitten, damit der wertvollste Teil, das sogenannte „Butt“, getrennt vom übrigen Teil gerbt werden kann. Die Butte werden in der Regel mit Wasser gewaschen, um einen Teil des Kalks zu entfernen. Dabei ist große Vorsicht geboten, um eine Karbonisierung sowie eine Fixierung des Kalks durch freies Kohlensäure oder wasserlösliches Kalziumkarbonat (vorübergehende Härte) im Wasser oder durch freie Kohlensäure aus der Luft zu vermeiden. Dieses eher primitive Verfahren kann bestenfalls nur einen kleinen Teil des Kalks entfernen, da der Kalk solange er noch in seiner caustischen Form vorliegt, sehr fest an den Lederfasern haftet. Moderne Gerber verwenden heute häufig neben dem Waschen auch schwach saure Bäder, um eine vollständigere Entkalkung zu erreichen. Dadurch verbessert sich die Farbe der Lösungen erheblich. Der Einsatz von Milchsäure (ohne Eisen) oder Boressäure in Lösungen mit einem Gehalt von etwa 4 Pfund pro 100 Gallonen, in denen die Butte in Bewegung gehalten wird, gehört zu den sichersten und zufriedenstellendsten Methoden zur Entfernung des Oberflächenkalks und zur Verbesserung der Farbe. Doch auch stärkere Mineralöle können vorsichtig eingesetzt werden (siehe Kapitel XIII.).

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Egal, ob Säure verwendet wird oder nicht – die Häute werden heutzutage in der Regel in tiefe Gruben gelegt, die mit alten und fast aufgebrauchten Gerbstofflösungen gefüllt sind. Diese Lösungen enthalten eine bestimmte Menge an Milchsäure und Essigsäure, die durch Fermentation aus den zuckerhaltigen Bestandteilen der Gerbstoffe entstehen, sowie in einigen Fällen auch schwache Säuren, die ursprünglich bereits in den Materialien selbst vorhanden sind. Diese Säuren sind für einen erfolgreichen Gerbprozess von großer Bedeutung; ihre Wirkung ist doppelte: Erstens neutralisieren sie und entfernen jeglichen Kalk, der noch in den Häuten vorhanden ist; zweitens bringen sie die Häute in einen leicht sauren Zustand, in dem sie in den Lösungen weiterhin prall und aufgebläht bleiben, während das Gerbstoff allmählich in die Fasern eindringt und diese gerbt. Wenn, wie es häufig der Fall ist – insbesondere in modernen Gerbereien, in denen stark konzentrierte Extrakte verwendet werden – der natürliche Säuregehalt der Lösungen für diesen Zweck nicht ausreicht, verbindet sich der Kalk mit den Gerbstoffen. Dadurch färben sich die Häute entweder sofort um oder dunkeln durch Austrocknung und Oxidation nach, während die Hautfläche flach und unzureichend aufgebläht bleibt. Um dieses Problem zu vermeiden, wird manchmal zu einer künstlichen Säuerung der Lösungen gegriffen. Im Allgemeinen gilt es als unangemessen, stärkere Mineralöle direkt mit den Lösungen zu mischen; stattdessen können Milchsäure und Essigsäure verwendet werden, oder sogar Oxalsäure in solchen Mengen hinzugefügt werden, dass der darin enthaltene Kalk ausgefällt und entfernt wird, wodurch die damit verbundenen organischen Säuren freigesetzt werden. Der Einsatz von Oxalsäure sollte jedoch nie über diesen Grad hinausgehen, da sie eine sehr starke Aufblähungswirkung auf die Haut hat; Produkte, die durch Säuren zu stark aufgebläht werden, gerben dunkel und werden brüchig. Nachdem die Häute zehn Tage bis zwei Wochen lang in den Behältern verblieben sind, werden sie in Gruben gelegt, die als „Handler“ bezeichnet werden. Diese Gruben sind in Serien à 6, 8 oder 10 Gruben angeordnet, wobei jede Gruppe die gleiche Anzahl an Häutepaketen enthält. Täglich wird die schwächste Lösung aus dem jüngsten Paket in die Behälter geleitet; eine neue, stärkere Lösung wird in die Grube geleitet, die nun an die Spitze der Serie rückt, in die das älteste und am meisten gerbte Paket gebracht wird. Das nächste Paket übernimmt anschließend seinen Platz sowie seine Lösung – und so weiter, wobei schließlich das jüngste Paket den Platz einnimmt, der zuvor vom vorletzten Paket eingenommen wurde. Auf diese Weise erhält jedes Paket abwechselnd Lösungen mit zunehmender Stärke; während der Zeit, in der es in den „Handlers“ verbleibt, ändert sich die Stärke der Lösung von etwa 20° Bkr. (Spezifisches Gewicht 1,020) auf etwa 40° Bkr. (Spezifisches Gewicht 1,040). Während dieses Teilprozesses sind die Häute vollständig oder nahezu durchgefärbt und können anschließend für den weiteren Verarbeitungsschritt verwendet werden.

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In den Vorbehandlungsprozessen werden sehr häufig Spuren von gemahlenem Rindenmaterial oder anderen Gerbstoffen verwendet. Die Schichten unterscheiden sich davon lediglich dadurch, dass sie mit einer viel stärkeren Menge an diesen Stoffen versetzt sind, sowie durch stärkere Lösungsmittel – außerdem darf man sie über längere Zeiträume unberührt lassen, von einer Woche bis zu einem Monat oder sogar sechs Wochen, je nach Fortschritt des Gerbprozesses. Die zur Herstellung der Lösungsmittel verwendeten Stoffe stammen hauptsächlich aus den alten Schichten; doch oft werden sie auch mit schwächeren Lösungsmitteln aus den Extrakten angereichert und mit Extrakten oder Gambier gestärkt. Bei der Herstellung von Ledern für Sohlen werden sehr unterschiedliche Materialien verwendet. Eichenrinde gehört zu den ältesten Materialien und ist in Bezug auf die Qualität eines der zufriedenstellendsten – doch sie ist teuer, nicht nur wegen ihres geringen Tanninggehalts, sondern auch aufgrund der geringen Dichte des daraus entstehenden Leders. Valonia ist eines der bevorzugten Materialien: Es sorgt für eine hohe Dichte des Leders und hinterlässt dabei eine große Menge an Substanzen, die das Leder verbessern. Extrakte aus Eichenholz, Kastanienholz und Tannenrinde werden heute in großem Maße verwendet, vor allem zur Stärkung der Lösungsmittel. Das Ziel dabei ist es, nicht nur die Kosten für die Materialien zu senken, sondern auch Zeit zu sparen und ein höheres Gewicht sowie eine größere Festigkeit des Leders zu erzielen. In einigen Betrieben, in denen Extrakte verwendet werden, erreichen die Lösungsmittel eine Stärke von bis zu 120° bis 150° Bkr. (Spezifisches Gewicht 1,12 bis 1,15); in Betrieben, in denen ausschließlich Eichenrinde verwendet wird, ist es hingegen schwierig, Werte über 30° oder 35° Bkr. zu erreichen – und selbst diese Werte werden nur durch wiederholte Anreicherung derselben Lösung erreicht, wodurch sich große Mengen an nicht-gerbenden Substanzen ansammeln. Die Meinung der erfahrensten Gerber ist jedoch, dass bessere Ergebnisse durch einen regelmäßigen Wechsel der Lösungsmittel erzielt werden können – auch wenn die scheinbare Stärke dadurch geringer ist. Wenn das Leder lange genug in den Schichten verweilt hat, um das volle Gewicht und die volle Festigkeit zu erreichen, wird es in einer klaren, etwas schwächeren Lösung oder sogar in warmem Wasser gewaschen und anschließend in die Trockenkammer gebracht, um getrocknet und weiterverarbeitet zu werden. Da diese Endbearbeitung fast ausschließlich mechanischer Natur ist und kaum in den Geltungsbereich dieses Buches fällt, muss hier nur ein sehr kurzer Überblick gegeben werden.

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Abb. 39 – Wilsons Schlagmaschine.

Die Verarbeitungsmethode, die zumindest früher in Lancashire und Cheshire üblich war, kann als Muster für die beste Arbeitsweise angesehen werden. Heutzutage sind die verschiedenen Methoden so weit verbreitet, dass sie nicht mehr lokal begrenzt sind und je nach Qualität sowie Gerbung der Ware variieren. Die Stücke, die früher größtenteils mit Rinde gegerbt wurden, werden feucht aus den Gruben geholt und auf einer abgerundeten Stange oder einem „Pferd“ mit Stein und Bürste gereinigt, bis die Oberflächenbeschichtung vollständig entfernt ist. Anschließend wird das Holz entlang der Faserrichtung leicht eingefettet, halb getrocknet und zu Haufen gelegt, um es zu härten. Danach wird es mit der „Pinne“, einem zweihändigen Werkzeug mit dreieckigem Querschnitt wie in Abb. 29 dargestellt, bearbeitet. Der Einsatz dieses Werkzeugs wurde heute weitgehend durch Wilsons Schlagmaschine ersetzt. Bei dieser Maschine werden Messer oder andere Werkzeuge, die an beweglichen Armen befestigt sind, verwendet, um die Stücke zu bearbeiten; diese liegen dabei auf einem langsam rotierenden Zylinder. Ziel der Bearbeitung mit der Pinne ist weniger die Entfernung von Oberflächenbeschichtungen oder Schmutz – was bereits durch das Reinigen erreicht wurde – sondern vielmehr die Glättung und Ablenkung der Fasern. Nach weiterer Trocknung erfolgt in der Regel eine zweite Bearbeitungsschritt; anschließend werden die Stücke zweimal gerollt – zunächst mit leichtem Gewicht und noch etwas feuchtem Holz, danach mit größerem Gewicht, wenn das Holz fast trocken ist. Früher wurde dies mit einer Art Kasten oder Wagen erreicht, der mit schweren Gewichten beladen war und auf einem glatten Messingrollen mit etwa 5 Zoll Durchmesser und 9 Zoll Länge ruhte; dieser Wagen wurde anschließend mit einem langen Holzgriff bedient.

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ein Boden aus Hartholz oder Zinkplatten. Eine Art der Maschinen, die dieses primitive Gerät nun fast vollständig ersetzt haben, ist in Abbildung 40 dargestellt; sie wird hauptsächlich für Abfälle sowie gewöhnliche Warenarten verwendet. Für eine bessere Bearbeitung sind durchgehende Rollen vorzuziehen – wie Wilsons einfallsreicher Doppelrollenmechanismus in Abbildung 41. Nach dem Rollen werden die Waren mithilfe mäßiger Hitze ziemlich schnell getrocknet und nach dem Polieren mit einer Bürste (manuell oder maschinell, Abbildung 42) zum Verkauf bereit. Es sei darauf hingewiesen, dass zwar die Werkzeuge unterschiedlich sind, der Prozess im Grunde genommen derselbe ist wie bei der „Vache lissée“-Verarbeitung in Frankreich und Belgien und ähnelt stark der Verarbeitung von Sattelleder – mit dem Unterschied, dass das Einfüllen von Fetten und Ölen weggelassen wird.

Abbildung 40: Rollen für Abfälle.

Im Gegensatz zu dieser eher aufwendigen Methode kann man noch die amerikanische Veredelungsmethode mit rotem Hemlockholz nennen: Dabei wird das Holz vollständig mit einem Material gegerbt, das keine Verfärbungen verursacht. Bei dieser Methode erfolgt zunächst das Schrubben und anschließend das Bearbeiten des Holzes.

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Ganze Abschnitte wurden weggelassen: Die Güter werden vollständig getrocknet, wodurch die dunkle Flüssigkeit festgehalten wird und eine bessere Farbe entsteht. Anschließend werden sie wieder feucht gemacht, abgekühlt und unter einem schnell bewegten Pendelwalzenrollen stark gerollt – dabei wird das Leder gleichzeitig poliert und geglättet. Die Kosteneinsparung durch einen so einfachen Prozess ist nicht unerheblich.

Abb. 41 – Wilsons Doppelwalzenroller.

Im Westen Englands wird noch viel schweres Leder aus südamerikanischen Häuten hergestellt, die mit einem hohen Anteil an Valonia gegerbt werden; dadurch entsteht ein starker Glanz auf dem Leder. Es wird nicht versucht, diesen Glanz zu entfernen, da dies das Gewicht und die Festigkeit des Leders zu stark verringern würde. Stattdessen werden die Güter nach einer leichten Ölung zur Farbbehaltung aufgehängt und teilweise getrocknet, anschließend gestapelt, um abzukühlen. Die Faserrichtung wird nun mit Seife und Wasser befeuchtet – oft wird dabei etwas Öl hinzugefügt – und der Glanz wird mit einer Nadel oder Maschine „weggeschlagen“. Dabei wird eine eher stumpfe Nadel oder ein stumpfes Werkzeug verwendet, das in einem solchen Winkel gehalten wird, dass die Fasern geglättet und komprimiert werden, ohne dass zu viel Druck ausgeübt wird. Nach weiterer Trocknung wird der Vorgang in der Regel wiederholt, die Güter werden mit Wasser gewaschen und erneut gerollt. Anschließend werden sie mit einer Mischung aus Pigmenten gefärbt – diese Mischung enthält in der Regel einen hohen Anteil an Weißmittel.

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Manchmal wird französischer Kalk mit Ochren, Chromgelb und Orange gefärbt – oder mit jeglichen Farbstoffen, die zur gewünschten Tönung des Lederherstellers passen oder am besten die Farbe eines sauber gereinigten Leders nachahmen. In der Regel wird diese Mischung mit Leim und Öl vermischt – manchmal auch nur mit Öl und Gerbstofflösung. Diese Mischung wird gründlich einmassiert und anschließend mit einem Tuch glatt gestrichen; danach wird das Leder gebürstet. Danach wird es schnell getrocknet und erneut gebürstet. Wenn die Arbeit gut ausgeführt wurde, ist es nicht einfach, den Unterschied zu einem sauber gereinigten Leder zu erkennen – außerdem ist das Ergebnis viel günstiger.

Abb. 42 – Bürstmaschine.

Eine Methode, die zwischen dieser und der zuvor beschriebenen Methode liegt und früher in London häufig angewandt wurde, bestand darin, wie oben beschrieben vorzugehen – allerdings unter Verwendung mehr Wasser sowie dabei, während des ersten Bearbeitungsschritts den Stab so zu verwenden, dass möglichst viel Überzug entfernt werden konnte. Dabei wurde zusätzlich Wasser sowie eine Bürste eingesetzt. Anstelle von opaken Pigmentfarben wurden die Produkte in der Regel entweder zwischen dem ersten Bearbeitungsschritt und dem ersten Rollvorgang oder zwischen den beiden Rollvorgängen mit einer durchsichtigen Farbe gefärbt – beispielsweise mit gelöstem Annatto oder einer Mischung aus Anilinfarben – um Spuren des Überzugs zu verbergen und leichte Schäden am Leder weniger auffällig zu machen.

Die Prinzipien der Herstellung wurden in den vorherigen Abschnitten ausführlich erklärt – bis zum Zeitpunkt, an dem das Leder in die Gerbstofflösungen gegeben wird. In dieser Phase finden komplexe Reaktionen zwischen dem Kalk in den Reststoffen statt.

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Die freien Pflanzenöle in den Lösungen sowie die Tannine – von der richtigen Abstimmung dieser drei Faktoren hängt ein großer Teil des Erfolgs der Verarbeitung ab, ja sogar der gesamten Herstellung. Wenn das Kalzium in größerer Menge vorliegt als die vorhandenen Säuren, bildet es mit den Tanninen an der Oberfläche des Leders unlösliche Verbindungen. Wenn diese vor der Luft geschützt werden, lösen sie sich in der Regel wieder auf, wenn sie in saurendere Lösungen gelangen. Doch sie oxidieren leicht zu dunkel gefärbten Stoffen, die nicht mehr entfernt werden können. Ihr Vorhandensein im fertigen Leder ist einer der Hauptgründe für die Verfärbung während des Trocknungsprozesses. Wenn das Leder in kalziumhaltigem Zustand entweder der Kohlensäure in der Luft oder freier Kohlensäure bzw. wasserlöslichem Calciumcarbonat ausgesetzt wird („vorübergehende“ Härte, S. 94), bildet sich an der Oberfläche ein Calciumcarbonat-Ausfall, der viel schwieriger zu entfernen ist als freies Kalzium. Dies ist vermutlich die häufigste Ursache für Flecken und Verfärbungen, die für Ledergerber erhebliche Verluste bedeuten. Solche Flecken können, sofern sie nicht zu stark oxidiert sind, durch Behandlung des gegerbten Leders mit schwacher, warmer Schwefelsäure beseitigt werden. Doch dieses Mittel bringt weitere Nachteile mit sich und sollte daher nicht angewandt werden. Die beste Lösung besteht darin, das Leder vom Zeitpunkt der Enthaaring bis zum Einlegen in die Lösungen stets in Wasser aufzubewahren, in dem immer ein Spur von caustischem Kalzium vorhanden ist – oder zumindest in Wasser, das frei von Kohlensäure ist. Bei der Entkalzifizierung von Leder mit Säuren ist es am besten, die erforderliche Menge an Säure sofort vollständig zuzuführen und nicht schrittweise, damit sie am effektivsten auf die Außenseite wirken kann und alle vorhandenen Carbonate beseitigen kann, bevor sie ins Innere vordringt und dort durch das überschüssige Kalzium neutralisiert wird. Das ist genau das Gegenteil von dem, was bei der Bearbeitung von Leder ratsam ist – dort soll das Kalzium möglichst gleichmäßig und vollständig entfernt werden, ohne dass irgendwo eine übermäßige Säurekonzentration entsteht. Natürlich sollten Lederstücke, auch bei Sohlenleder, nicht in die Lösungen gegeben werden, solange noch eine Säurevergrößerung der Oberfläche vorhanden ist. Diese verschwindet jedoch schnell, wenn das Leder nach der Entkalzifizierung eine Weile in kaltem Wasser aufbewahrt wird – es sei denn, es wurde zu viel Säure verwendet (vgl. S. 153 ff.). Wenn das Verhältnis der freien Säuren in den Lösungen richtig ist, ist es wahrscheinlich vorteilhaft, wenn etwas Kalzium im Inneren des Leders bleibt. Es hält das Leder in den ersten Phasen der Färbung prall, beschleunigt die Penetration der Tannine und verringert die Neigung zu „gezogenem“ oder geriffeltem Lederstruktur, was auftritt, wenn das Leder in einer flachen oder eingefallenen Form in die Lösungen gegeben wird. Die Ursachen für dieses Phänomen…

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Die Faserstruktur ist oft etwas unklar. Natürlich bedarf es keiner Erklärung für den Fall, in dem die Häute in gefaltetem oder geriffeltem Zustand dem Gerbmittel ausgesetzt werden – dadurch wird diese Struktur einfach fixiert und dauerhaft. Dies kann entweder durch Nachlässigkeit bei der Handhabung der Ware vor dem Einlegen in die Behälter entstehen oder durch die Art und Weise, wie die Häute an die Stäbe gehängt werden; dadurch entstehen oft lange Falten, die später schwer zu beseitigen sind. Im Allgemeinen entsteht eine solche Verformung der Faserstruktur dadurch, dass die Oberfläche der Fasern gerbt und dort fixiert wird, während das Material der Haut in einem weiteren Zustand bleibt als zu dem Zeitpunkt, als die Gerbung voranschreitet. Häute in flachem, ungeschwollenem Zustand sind dünner, ihre Fasern sind schlanker und lockerer als im geschwollenen Zustand – dadurch hat die Haut eine größere Fläche. Wenn sich das Material der Haut nach der Gerbung im Gerbmittel zusammenzieht, sei es durch Aufquellen mit Säuren oder durch die direkte Wirkung des Tannins auf die inneren Fasern, dann wird die Faserstruktur sicherlich schrumpfen, ähnlich wie die Schale einer getrockneten Apfel. Ein ähnlicher Effekt, der mechanisch entsteht, tritt immer dann auf, wenn eine Haut mit der Faserseite nach außen über einen Stab aufgehängt wird; dadurch dehnt sich die Oberfläche an der Biegung aus, wodurch sofort lange Falten entstehen, sobald die Haut wieder gerade wird.

Häute in leicht alkalischem Zustand färben und gerben sogar schneller als solche, die in saurem Zustand sind. In Gegenwart von Spuren von Kalk sowie bei Mangel an freien Säuren im Gerbmittel verleihen Valonia und Rinde der Haut eine Art Zitronengelb-Farbe. Diese Farbe ist an sich nicht schädlich und verschwindet, wenn die Häute in sauremere Lösungen gegeben werden – doch sie ist ein Zeichen für Gefahr, da sie darauf hindeutet, dass kein Überschuss an Säuren im Gerbmittel vorhanden ist. Gambier verleiht Häuten, die völlig frei von Kalk sind, eine hellbraune Farbe; wo jedoch Kalk vorhanden ist, ist die Farbe stets rötlicher und viel dunklerer. Diese Färbung verschwindet nicht so leicht wie die durch Valonia – daher muss man beim Einsatz von Gambier in den ersten Gerbprozessen darauf achten, alle Spuren von Kalk von der Oberfläche zu entfernen. Das einzige bekannte Tannin, das keine unlöslichen Verbindungen mit Kalk bildet, stammt aus der Schote des Babool-Baums (manchmal auch „Gambia-Schote“ genannt). Es wird in Indien häufig als Gerbstoff verwendet und könnte wohl sehr nützlich bei der Färbung von Lösungen sein (S. 165, 288).

Wenn Leder zunächst in die Gerbmittel gegeben wird, schwellt es in der Regel bis zu einem gewissen Grad aufgrund von Kalk an. Wenn die Lösungen, wie üblich, neben den Tanninen auch ausreichend freie Säuren (Essigsäure, Milchsäure) enthalten, so binden diese sich mit dem Kalk und neutralisieren ihn. Dadurch verliert das Leder zwar nicht völlig seine Form, wird aber dünner.

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Die Festigkeit nimmt ab, und das Leder wird weich und schwammig. Das ist eine günstige Bedingung für die Aufnahme von Tanninen – doch man muss darauf achten, dass das Leder nicht zusammengedrückt wird, sonst wird Wasser herausgepresst, und das Leder kann seine Fülle nicht wiedererlangen. Im Laufe des Gerbprozesses dringen sowohl die Tannine als auch die Säuren der Lösungen tiefer in das Leder ein: Die Tannine neigen dazu, die Fasern zusammenzuziehen, während die Säuren sie zum Schwellen bringen. Somit verursacht eine bestimmte Menge an Säure eine stärkere Schwellung, je weniger Tannine vorhanden sind; daher werden bei starken Gerbflüssigkeiten mehr Säuren benötigt. Das Vorhandensein bestimmter Produkte der bakteriellen Zersetzung hat einen großen, jedoch unerklärlichen Einfluss darauf, dass das Leder nicht durch Säuren aufquillt. In heißem Wetter lässt sich eine bessere Schwellung erzielen, wenn das Leder mit einem der auf den Seiten 30 und 162 erwähnten Kohlenölprodukte sterilisiert und entkalkt wird. Borsäure kann ebenfalls zu diesem Zweck verwendet werden – doch sie darf nicht in die Flüssigkeiten für Ledersohlen gelangen, da sie dazu neigt, ein weiches und lockereres Leder zu erzeugen. Aufgrund ihres anorganischen und unzerstörbaren Charakters neigt sie außerdem dazu, sich in dem Raum anzusammeln, in dem sie verwendet wird. Aus denselben Gründen ist es unklug, sie in Flüssigkeiten einzubringen, die wieder in die Gerberei zurückgeführt werden – selbst beim Gerben von Oberleder. Dennoch ist ihr Vorhandensein in den Färbflüssigkeiten sehr nützlich, da es die Adstringenz der Tannine verringert und eine feine Struktur des Leders bewirkt. Ihre Wirkungsweise ist keineswegs klar erklärt, steht aber in Zusammenhang mit ihrer Neigung, „Konjugiersäuren“ zu bilden (L.I.L.B., S. 37, 46).
Zur sogenannten „Mildheit“ alter Gerbflüssigkeiten sei noch etwas gesagt. Praktizierenden Gerbern ist bekannt, dass alte Gerbflüssigkeiten bei der Färbung grüner Produkte viel weniger dazu neigen, eine raue Oberfläche sowie eine ungleichmäßige Struktur des Leders hervorzurufen – im Vergleich zu Flüssigkeiten, die zwar genauso schwach sind, aber aus frischen Materialien hergestellt wurden. Dies liegt vermutlich zumindest teilweise an mehreren Ursachen. Die meisten natürlichen Gerbstoffe enthalten Gerbstoffe mit unterschiedlichem Grad an Adstringenz sowie unterschiedlicher Fähigkeit, sich an die Lederfasern zu binden. Es ist offensichtlich, dass bei Verwendung einer Gerbflüssigkeit zunächst die stärksten adstringierenden Tannine entfernt werden, sodass nur die milderen Tannine übrig bleiben. Ebenso ist bekannt, dass das Vorhandensein neutraler, basischer Salze schwacher Säuren einen erheblichen Einfluss auf die Mildheit der Gerbflüssigkeit hat – beispielsweise hat die Zugabe von Natriumacetat eine deutliche Wirkung. Diese Wirkung beruht vermutlich erstens auf der Wirkung der neutralen Salze, die die Wirkkraft der schwachen Säuren verringern (siehe S. 81), und zweitens darauf, dass ihre Basen bis zu einem gewissen Grad mit den Tanninen reagieren.

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Laut dem Autor sind solche Tannine im Grunde genommen in ihrer Wirkung auf das Leder teilweise gelähmt (S. 339). Natriumsulfit wirkt in dieser Hinsicht sehr wirksam und könnte vielleicht technischen Wert haben, indem es die Adstringenz von Flüssigkeiten bei der schnellen Gerbung vorübergehend verringert. Borax hat einen ähnlichen Effekt, ist jedoch zu alkalisch; wenn er nicht mit größter Vorsicht eingesetzt wird, verfälscht er durch Oxidation die Farbe der Flüssigkeiten. Wahrscheinlich erklären ähnliche Faktoren die Milderung des Geschmacks von Palmetto-Extrakten, die große Mengen an alkalischen Salzen enthalten, sowie von einigen Extrakten, die mit Sulfiten behandelt wurden – wenn sie unverdünnt bei der Trommelgerbung verwendet werden. Die Zugabe von freien Säuren stellt diese Tannine in der Regel wieder in einen aktiven Zustand.

Im Laufe der Gerbung und je weiter die Flüssigkeiten in das Leder eindringen, werden stärkere Lösungen verwendet. Denn die bereits gegorene Außenseite ist bis zu einem großen Grad vor der Wirkung dieser Flüssigkeiten geschützt. Nur durch kontinuierliche Erhöhung der Stärke der Flüssigkeiten kann mehr Tannin in das Innere eindringen – schließlich findet die Diffusion nur von einer stärkeren in eine schwächere Flüssigkeit statt. Die Flüssigkeit im Inneren der Rohhäute ist solange tanninfrei, wie noch Teile der Lederfasern ungegoren sind. Doch je dicker die Schicht der gegorenen Fasern zwischen diesen und der Außenseite wird, desto größer muss der Kontrast sein, um einen angemessenen Austauschprozess aufrechtzuerhalten – genauso wie mehr Flüssigkeit benötigt wird, um einen Durchfluss durch eine größere Anzahl von Perkolationskanälen zu gewährleisten. Wenn die Stärke der Flüssigkeit an der Außenseite abnimmt, wird diese Abstufung der Stärke vom Außenbereich zum Inneren der Rohhäute gestört – und es dauert einige Zeit, bis sie wieder hergestellt werden kann. Da die Flüssigkeiten an Tanningehalt zunehmen, können sie auch etwas säurereicher werden – schließlich wirken die beiden Stoffe bis zu einem gewissen Grad gegeneinander. Die durch Säure aufgeblähten Fasern nehmen das Tannin langsamer auf als in einem neutraleren Zustand – doch offensichtlich in größeren Mengen. Auf jeden Fall entsteht dadurch ein festeres, stabileres und weniger flexibles Leder.

Es wurde bereits erwähnt, dass in den späten Phasen des Verfahrens in der Gerbflüssigkeit in der Regel feste Gerbstoffe hinzugefügt werden. Es sei darauf hingewiesen, dass viele dieser Stoffe ihre Gerbwirkung je nachdem unterscheiden, ob sie in fester Form oder nur in flüssiger Form verwendet werden. Youl und Griffith[126] haben gezeigt, dass Materialien wie Valonia-, Eichenholz- und Kastanienextrakte sowie Myrobalan-Extrakte, die sowohl Gallotanninsäure als auch Ellagottanninsäure enthalten, ihre Wirkung schnell verlieren, wenn sie in flüssiger Form verwendet werden. Dabei zerfällt die Ellagottanninsäure und es entsteht unlösliche Ellagsäure. Genau diese Ellagsäure ist es, die…

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in das Leder oder auf dessen Oberfläche eingebracht, verleiht es Gewicht, Festigkeit und Glanz. Die Untersuchungen weisen nicht nur auf eine wichtige Quelle von Verlusten in der Gerbereiindustrie hin, sondern auch darauf, warum Valonia – die bei der Gerbung von Sohlenleder für ein hartes und schweres Leder bekannt ist – in großen Mengen bei der Verarbeitung von Ledern in Yorkshire zusammen mit Gambier in Form eines Liquors verwendet werden kann, wodurch ein weiches und mildes Leder entsteht, das fast keinen Glanz aufweist. Wenn bei der Verwendung solcher Materialien Gewicht und Festigkeit erforderlich sind, ist es offensichtlich, dass sie unmittelbar mit dem zu gerbenden Leder in Berührung gebracht werden müssen, damit möglichst viel Glanz im Leder selbst entsteht und nicht außerhalb davon. Bei vielen anderen Materialien wie Zitterpappel, Quebracho und Mimose, die keinen Glanz erzeugen, sondern „schwierig lösliche“ Tannine (Rote oder Phlobaphene) liefern, gilt dieselbe Regel: Im Kontakt mit den Häuten wird der kleine Anteil dieser Materialien, der in den Liquoren löslich ist, so schnell ersetzt, wie er vom Leder aufgenommen wird. Wird hingegen nur Flüssigkeiten oder Extrakte verwendet, bleibt der größte Teil dieser festmachenden und gewichtsverleihenden Bestandteile in den verwendeten Gerbermaterialien ungenutzt. Gleichzeitig bieten die langen „Schichten“ die Möglichkeit für Acet- und Milchsäuregärungen, die die Hauptquelle der natürlichen Säureigkeit der Liquore sind. Es muss verstanden werden, dass das in England als „Schichten“ bezeichnete Verfahren nicht mit den Sätzen gleichzusetzen ist, sondern vielmehr mit den Versenken der deutschen Gerber. Beim englischen Verfahren werden die Schichten auf ähnliche Weise wie vor 150 Jahren in England angelegt: Dabei wird das Leder mit dicken Schichten aus Gerbermaterial dazwischen in eine leere Grube gelegt, die anschließend mit oft relativ schwachen Liquoren gefüllt wird. In solchen Schichten erfolgt die Säuerung sowie die Festigung des Leders in noch größerem Maße; die entstehende Säure dringt offenbar allmählich in das Innere der Lederfasern ein und verleiht ihnen eine Festigkeit sowie eine käsige Textur, die mit den englischen Schichten kaum erreicht werden kann. Diese haben jedoch den Vorteil der Schnelligkeit und Günstigkeit.
[126] Journ. Soc. Chem. Ind., 1901, S. 428.

Bei der Trocknung von Sohlenleder besteht eines der wichtigsten Ziele darin, die dunkel gefärbten Liquore, mit denen die Produkte gesättigt sind, von der Oberfläche zu entfernen und zu verhindern, dass weitere Mengen davon aus dem Inneren dorthin gelangen. Wenn man ein Stück Filterpapier so ablegt, dass ein Ende in einer Schale mit etwas Liquid befindet, und es in einen Luftzug stellt, wird das freiliegende Ende des Papiers schnell dunkelbraun oder schwarz.

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Der Alkohol, der verdunstet, wird ständig durch frische Mengen ersetzt, die durch kapillare Anziehung aus der Schale aufgenommen werden. Eine ähnliche Wirkung tritt stets auf, wenn Flüssigkeiten durch Papier gefiltert werden, wobei das Papier über den Rand des Trichters hinausragen darf. Genau derselbe Effekt tritt – möglicherweise verstärkt durch die Oxidation der Tannine – an den Rändern sowie an anderen Stellen eines Stücks Leder auf, die am meisten der Luftzufuhr ausgesetzt sind. Das Einreiben des Leders mit Öl dient nicht nur dazu, es bis zu einem gewissen Grad vor der Oxidation zu schützen, sondern auch dazu, die Verdunstung sowie die daraus resultierende Ansammlung der dunkel gefärbten Feststoffe in der Flüssigkeit einzudämmen. Ein sehr ähnliches Ergebnis wird erzielt, indem die Lederoberfläche befeuchtet wird und so viel wie möglich Verdunstung von der Fleischseite stattfinden kann.

Der Prozess der Gerbung von Sohlenleder wurde aufgrund seiner Einfachheit und Bedeutung ausführlich besprochen. Nun ist es an der Zeit darauf hinzuweisen, inwiefern sich die Gerbung leichterer Lederpräparate prinzipiell davon unterscheidet. Bei gewöhnlichen Lederarten wie Kipps oder geschabten Häuten gilt es zunächst zu beachten, dass diese Produkte nicht nur durch das Behandeln fast vollständig von Kalzium befreit sind, sondern auch aufgrund der Wirkung der bakteriellen Enzyme in einem sehr flachen, ausgebreiteten Zustand vorliegen. Im Allgemeinen erfolgt in diesem Land die Färbung in Badewannen, doch wo eine sehr glatte Oberfläche erforderlich ist, wird die Verwendung von Suspensionssystemen empfohlen – was in Amerika weit verbreitet ist. Tatsächlich wird in den USA die Gerbung vieler günstigerer Lederarten ausschließlich in Suspensionssystemen durchgeführt; die Seiten werden erst dann von den Brettern entfernt, auf denen sie befestigt waren, wenn sie zum Spalten benötigt werden. Aus dem Gesagten über Sohlenleder geht hervor, dass, da die Häute in einem sehr ausgebreiteten Zustand in die Flüssigkeiten gegeben werden, die Oberfläche wahrscheinlich geriffelt sein wird – und das ist tatsächlich unvermeidlich, es sei denn, das Leder wird durch Suspension mehr oder weniger in Spannung gehalten, bis seine Fasern durch die Gerbung festgelegt sind. Die freie Bewegung im Bad fördert die Entstehung einer „geriffelten“ Oberfläche, da das Leder mal in diese, mal in jene Richtung gebogen wird, wodurch winzige Falten und Runzeln in alle Richtungen entstehen. Für viele Zwecke – insbesondere wenn die Oberfläche später durch spezielle Verfahren geglättet werden soll – ist diese Riffelung nicht nachteilig, solange sie nicht übermäßig ist. In einigen anderen Fällen verursacht sie jedoch viel Arbeit für den Gerber, bevor sie beseitigt werden kann. Wenn englische Gerber und Lederbearbeiter mit Amerikanern um glatte Oberflächen konkurrieren wollen, müssen sie diese Quelle von unnötiger Arbeit beseitigen. Je geringer die Riffelung ist und je leichter sie beseitigt werden kann, desto besser.

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Die zur Färbung verwendeten Flüssigkeiten sind schwächer und milder – und ihre Stärke wird allmählich erhöht. Die Herstellung von weichem Leder hängt davon ab, dass die Fasern in einem geschrumpften, nicht aufgeblähten Zustand gegerbt werden. Aus diesem Grund ist das Einweichen in vielen Fällen unerlässlich; doch wenn etwas festeres Leder benötigt wird, reicht es aus, die Aufblähung durch Entfernung des Kalkes zu verringern. Aus demselben Grund ist weder vor dem Gerben noch in den Flüssigkeiten eine Säureaufblähung zulässig. Obwohl die für weiches Leder verwendeten Flüssigkeiten eher sauer als alkalisch sein müssen, sind sie nicht in der Lage, große Mengen an Kalk zu entfernen. Für beste Ergebnisse muss die Entkalkung vor dem Gerben vollständig erfolgen. Da das bloße Einweichen hauptsächlich dazu dient, die Aufblähung durch bakterielle Produkte zu verringern (S. 172) und kein sehr effektives Mittel zur Entfernung des Kalkes ist, ist es sinnvoll, es dort, wo es angewandt wird, durch einen aktiveren Entkalkungsprozess zu ergänzen. Bei leichteren Ledern erfüllt das Tränken (S. 166) in der Regel diesen Zweck. Viele erfahrene Gerber geben den eingeweichten Häuten vor dem Gerben ein Bad in Borax, was nicht nur die letzten Spuren von Kalk ohne Säureaufblähung entfernt, sondern auch die bakterielle Fermentation hemmt und deren Eindringen in die Flüssigkeiten verhindert. Bei Gambier-Gerbern wird durch diese Behandlung eine deutlich bessere Farbe erzielt (S. 228). In den meisten Fällen ist bei der Herstellung von Veredellungsledern keine Blüte gewünscht – sie wird hauptsächlich durch den Einsatz von Flüssigkeiten sowie durch Vermeidung von festen Substanzen, die zur Blüte führen können (darunter die meisten Pyrogalloltannine), verhindert. Die Herstellung von Veredellungsledern kann oft durch Trommeln beschleunigt werden: Dabei werden die Lederteile kontinuierlich in alle Richtungen gebogen, wodurch die Räume zwischen den verschiedenen Fasern ständig erweitert und zusammengezogen werden – im Grunde also die Flüssigkeit durch das Leder gepumpt. Dadurch wird die Weichheit der Lederteile erhöht. Die Verhärtungswirkung der in den Flüssigkeiten enthaltenen Säuren wird durch das Hinzufügen von Salzen oder Sulfaten (Natrium, Magnesium, Ammonium) verhindert. Diese Substanzen wirken wie ein „Einsalzen“ auf die Fasern, verhindern deren Aufblähung und tragen gleichzeitig dazu bei, dass das Leder leichter und etwas weniger dicht wird. Es folgt keineswegs daraus, dass ein Lederstück, das vollständig gefärbt wurde, auch wirklich vollständig gegerbt ist – denn obwohl die Fasern zwar an der Oberfläche gegerbt oder überzogen sein mögen, braucht es Zeit, bis die Tannine bis ins Zentrum der Fasern vordringen können. Diese Unvollständigkeit der Saturation kommt häufig bei Trommelgerbern vor. Solche Lederteile sind in der Regel zäh und gewinnen im Trocknungsprozess an Gewicht und Weichheit. Um „Fett gut aufnehmen“ zu können – das heißt, große Mengen an Fett aufzunehmen, ohne dabei fettig zu wirken – ist…

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Es ist unerlässlich, dass die Faserröllchen gründlich getrennt oder unterschieden werden; der Grad, in dem dies erreicht wird, hängt größtenteils vom Ausmaß der Limsierung ab. Auch zwischen verschiedenen Gerbmethoden besteht ein erheblicher Unterschied hinsichtlich der Menge an Fett, die sie enthalten. Heutzutage ist es nicht unüblich, bei feineren Ledern einen gewissen Anteil an Aluminium- oder Chromgerbung mit pflanzlicher Gerbung zu kombinieren. Weitere Informationen dazu finden Sie im nächsten Kapitel. Die feinsten Ledersorten wie Ziegen-, Kalb-, Schaf- und Robbenleder für Buchbinderei, Polsterung und ähnliche Zwecke werden meist mit Sumach gegerbt; Schaufeln und Trommeln werden dabei häufig eingesetzt, um den Prozess zu beschleunigen. Leder, das mit Sumach gegerbt wurde, hat sich laut den Forschungen des Komitees der Society of Arts bezüglich der Zersetzung von Buchbindeliedern als das langlebigste Leder für diesen Zweck erwiesen[127]; einige andere Gerbstoffe aus der Pyrogallol-Klasse kommen in dieser Hinsicht ihm nahe, während alle Katecholgerbungen besonders anfällig für Zerstörung durch Sonnenlicht, trockene Hitze, Gasdämpfe sowie Spuren von Schwefelsäure aus anderen Quellen sind. In vielen Fällen sind sie jedoch widerstandsfähiger gegen mechanische Abnutzung und Feuchtigkeit als die Pyrogallolgerbungen – wie beim Schuhleder (S. 298). Ostindische Schaf- und Ziegenhäute (sogenannte „Perser“) werden mit dem Katecholgerbstoff aus Turwar- oder Cassia-Rinde gegerbt.
[127] Soc. of Arts Journ., 1901, S. 14.

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Abb. 42a – Innenraum einer Gerberei für Lichtleder.

Die feineren Leder, von denen wir hier sprechen, werden fast immer zur Gerbung durch Behandlung mit Hundekot sowie Durchtränken mit Schrot vorbereitet – schließlich sind Farbe und Weichheit die wichtigsten Eigenschaften, die angestrebt werden. Für Schafshäute sowie Kalbs Häute wird gelegentlich eine etwas interessantere Gerbmethode verwendet: Dabei wird das Leder mit der Fleischseite nach außen in einen Beutel eingenäht, wobei an einer Seite nur ein kleiner Eingang zum Befüllen bleibt. Anschließend wird das Leder mit der Faserrichtung nach außen gedreht, mit starkem Sumach-Extrakt sowie etwas Sumachblatt gefüllt und in eine Badewanne mit warmem Sumach-Extrakt getaucht. Nach kurzer Einweichzeit werden die Häute auf einem Gestell gestapelt, sodass der Extrakt durch ihr Gewicht durch sie hindurchgedrückt wird. Wenn sie teilweise leer sind, werden sie erneut gefüllt und der Prozess wiederholt. Die Gerbzeit ist sehr kurz – sie beträgt nicht mehr als etwa 24 Stunden – und das dabei hergestellte Leder ist sehr weich.

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KAPITEL XVII.
Kombination von pflanzlichen und mineralischen Gerbmitteln.

Schon in sehr früher Zeit wurden Leder hergestellt, die teilweise mit Alaun und teilweise mit pflanzlichen Materialien gegerbt wurden. Eines der ältesten Beispiele dafür war vermutlich das schwedische oder dänische Handschuhleder. Dieses Prinzip wird seit langem bei der Herstellung bestimmter, besonders widerstandsfähiger und flexibler Leder verwendet – sogenanntes „Grünleder“ – welches für „Aufnahmebänder“ für Webstühle, Schnüre für Gürtel sowie als „Kämmleder“ und zu anderen Zwecken eingesetzt wird, bei denen Weichheit und Widerstandsfähigkeit von großer Bedeutung sind. Vor etwa fünfundzwanzig Jahren wandte Herr Kent dieses Verfahren in Amerika zur Herstellung einer Imitation von glasiertem Kalbleder an; er nannte dieses Leder Dongola-Leder. Seitdem hat sich diese Methode in verschiedenen Varianten bei der Herstellung hochwertigerer Leder für Schuhe, insbesondere in den Vereinigten Staaten, eine bedeutende Rolle erobert.

Wie bereits erwähnt, zeichnen sich mit Alaun gegerbte Leder durch ihre Weichheit und Widerstandsfähigkeit aus. Mineralische (kristalloide) Gerbmittel haben die Fähigkeit, die einzelnen Fasern des Leders in viel größerem Maße zu durchdringen und zu isolieren als pflanzliche Gerbstoffe; daher sind sie weniger auf eine vorherige Isolierung durch Auslöschen angewiesen. Andererseits verleihen sie dem Leder weniger Fülle und Festigkeit, es dehnt sich leichter aus und ist weniger widerstandsfähig gegenüber Wasser. Im Allgemeinen – wobei einige Chromgerbmittel eine Ausnahme bilden – sind sie ohne mechanische Weichmachung nach Abschluss des Gerbprozesses nicht in der Lage, ein weiches Leder zu erzeugen. Reine mineralische Gerbmittel weisen stets eine wollige, faserige Struktur auf und niemals die feste, kompakte Struktur, die für Leder erforderlich ist, die gewachst oder auf der Fleischseite zu einer glatten Oberfläche bearbeitet werden sollen. Da sie diese Eigenschaften mehr oder weniger auch auf Kombigerbmittel übertragen, werden diese meist entweder für eine Struktur mit sichtbaren Fasern oder für Anwendungen verwendet, bei denen eine weiche, samtenartige Fleischseite erforderlich ist – wie beim sogenannten „Samtkalbleder“. Die teilweise Verwendung pflanzlicher Gerbmittel verleiht hingegen einem gewissen Grad an Fülle, Festigkeit und Wasserbeständigkeit, was bei reinen Alaungerbungen nicht möglich ist.

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und eine Weichheit, die bei der Verwendung pflanzlicher Gerbmittel ohne den Einsatz großer Mengen an Fetten oder Ölen nur schwer zu erreichen ist. Eine vorherige mineralische Gerbung erhöht außerdem erheblich die Geschwindigkeit der Penetration der pflanzlichen Gerbstoffe, indem sie die Fasern isoliert und weniger gallertartig macht. Wenn ein Leder vollständig mit pflanzlichen Materialien gegerbt wurde, wird es kaum von anschließenden Behandlungen mit Aluminiumoxid oder sogar Chrom beeinflusst; andererseits behalten Ledere aus Chrom und Aluminiumoxid zwar weiterhin die Fähigkeit, beträchtliche Mengen an pflanzlichen Gerbstoffen aufzunehmen, doch sie behalten stets bis zu einem gewissen Grad die Eigenschaften, die ihnen durch die mineralische Gerbung verliehen wurden. Die entstehenden Ledere werden somit nicht nur durch das unterschiedliche Verhältnis von pflanzlichen und mineralischen Gerbmitteln sowie durch die Eigenschaften des verwendeten pflanzlichen Gerbmittels verändert, sondern auch durch die Reihenfolge, in der die verschiedenen Behandlungen durchgeführt werden – und behalten stets bis zu einem erheblichen Grad die Merkmale dessen, was zuerst angewendet wurde. Wir haben somit ein mächtiges Mittel in der Hand, um den Charakter unseres Leders so zu verändern, dass es den besonderen Anforderungen entspricht, die es erfüllen soll.

Solange die Gerber einerseits auf die üblichen Methoden beschränkt waren, Leder mit Ölen und Fetten zu imprägnieren, und andererseits auf die Verwendung von Eigelb, das bereits seit langer Zeit bei der Aluminiumgerbung üblich war, blieb die Kombigerbung von untergeordneter Bedeutung. Erst die Anwendung der „Fett-Liquorierung“-Methode durch James Kent auf sein Dongola-Leder verschaffte ihr ihren heutigen Stellenwert, indem sie einen günstigen Ersatz für Eigelb bot und es dem Gerber ermöglichte, Weichheit und Wasserdichtigkeit zu erzielen, ohne das fettige Gefühl zu erzeugen, das bei mit Ölen imprägnierten Ledern üblich ist. Der Prozess der Fett-Liquorierung wurde bereits im Zusammenhang mit Chromledern erwähnt, auf die er später angewandt wurde; wir werden darauf zurückkommen, nachdem wir weitere Einzelheiten zu den Gerbverfahren gegeben haben.

Zunächst müssen wir kurz die gegenseitige Wirkung der mineralischen und pflanzlichen Gerbmittel aufeinander betrachten. Eitner wies darauf hin – und es wurde auch auf Seite 339 im Zusammenhang mit der Entfärbung von Extrakten erwähnt – dass die Zugabe von beispielsweise 1⁄2 Prozent Aluminium oder Aluminiumsulfat zu den Gerbflüssigkeiten deren Farbe heller machte, nicht nur durch die Schaffung eines gewissen Säuregehalts in der Lösung, sondern auch durch die Ausfällung eines Teils der weniger löslichen und dunkler gefärbten Gerbstoffe. Chrom-Aluminium- sowie basische Chromsalze erzeugen einen ähnlichen Effekt, obwohl aufgrund ihrer ausgeprägten Farbe die Aufhellung der Lösung nicht so leicht erkennbar ist. Es ist daher ratsam, wenn diese Salze

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Sie sollen in der Praxis zusammen mit den pflanzlichen Gerbstoffen verwendet werden, um die Einwirkungszeit abwarten zu können oder um die dunkel gefärbten Ausfällungen zu filtern. Größere Mengen als 1⁄2 Prozent Alum scheinen den gerade beschriebenen Effekt nicht wesentlich zu verstärken. Ein zweiter Effekt, den diese Mineralsalze auf pflanzliche Gerbstoffe haben, besteht darin, in vielen Fällen Farbstoffe hervorzubringen, die bereits vorhanden sind; da die meisten dieser Farbstoffe gelb sind, entsteht so ein gelberes Leder als bei Verwendung nur von pflanzlichen Materialien. Dieser Effekt ist besonders ausgeprägt bei Sumach, Gambier und Quebracho. Die Verbindungen, die diese Farbstoffe mit Chrom bilden, weisen meist einen dunkleren Farbton auf als jene mit Aluminiumoxid – sie neigen eher zum Olivton – weshalb Leder, die mit Chrom behandelt wurden, in der Regel eine trübe Farbe haben. Kaliumdichromat, insbesondere wenn es gesäuert wird, oxidiert und fällt die Gerbstoffe aus, wodurch ihre Farben dunkler werden; daher ist es nicht praktikabel, nach einer pflanzlichen Gerbung das Verfahren mit Chrom in zwei Schritten anzuwenden. Obwohl auch die umgekehrte Reihenfolge möglich ist, liefert das Verfahren mit Chrom in einem Schritt, und zwar nach der pflanzlichen Gerbung und nicht davor, in der Regel die besten Ergebnisse. Wenn leicht gegerbte Leder, wie beispielsweise die importierten Ostindischen Leder aus Babool- oder Turwar-Rinde, mit einer basischen Chromgerbflüssigkeit behandelt werden, wie sie auf Seite 215 beschrieben wird, wird ein so großer Anteil an Chrom aufgenommen, dass das Leder die meisten Eigenschaften eines echten Chromleders aufweist. Bei der Kombigerbung von Handschuhledern, wie den bereits erwähnten dänischen und schwedischen Ledern, werden diese in der Regel zunächst mit Alum und Salz gebleicht, mit oder ohne Zugabe von Mehl und Eigelb, anschließend gefärbt und mehr oder weniger mit pflanzlichen Materialien gegerbt. Für das ursprüngliche dänische Leder wurde Weidenrinde (von Salix arenaria) verwendet. In Frankreich, wo diese Weide nicht vorkommt, wurde stattdessen die Rinde der gewöhnlicheren Salix caprea verwendet; da sie an Gerbstoffen viel schwächer ist, mussten Eichenrinde oder Sumach hinzugefügt werden, um den Mangel auszugleichen, sowie Madder, um eine rötlichere Farbe zu erzielen. Die Färbung dieser Leder wird oft mit der Gerbung kombiniert, indem Färbholz oder Färbflüssigkeiten mit den Gerbflüssigkeiten vermischt werden. Bei der Herstellung von glasiertem französischem Kalbleder wird das Verfahren sogar so gestaltet, dass Färbflüssigkeiten, die mit Gerbstoffen vermischt sind, auf die Oberfläche des Leders aufgetragen werden, um lediglich die Oberfläche zu gerben – was notwendig ist, damit sie durch Reibung geglättet werden kann – während der eigentliche Lederkörper weiterhin rein durch Alum gegerbt bleibt.

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Andererseits erhalten die „grünen Ledereien“ (so genannt aufgrund ihrer grünlich-gelben Farbe und größtenteils in der West Riding of Yorkshire hergestellt) in der Regel eine leichte Gambier-Gewinnung, die etwa eine Woche lang in schwachen Gambier-Lösungen durchgeführt wird. Anschließend werden die Häute in einer heißen, starken Lösung aus Salz und Alum „gegerbt“; dort bleiben sie schließlich die ganze Nacht und werden anschließend schnell getrocknet, wobei das Alum nicht ausgewaschen wird – ein Großteil davon kristallisiert daher an der Oberfläche. Dieses wird abgeschabt, das Leder erneut befeuchtet und stark mit Sodaöl gefüllt. Wenn die Kombigewinnung jedoch ordnungsgemäß durchgeführt wird, kann das Leder mehrfach gewaschen werden, ohne das notwendige Alum zu verlieren – es entsteht somit ein härteres, zufriedenstellenderes Leder, auch wenn es etwas leichter ist. In vielen Fällen ist es besser, beide Gewinnungsverfahren in einem Bad zu kombinieren, indem Alum und Salz mit dem Gambier vermischt und die Häute in dieser Mischung behandelt werden. Dies ist das Verfahren, das üblicherweise für Dongola-Leder in den Vereinigten Staaten angewandt wird. Bei Häuten, die glasiert werden sollen, ist es wichtig, dass die Oberfläche mit pflanzlichen Materialien gegerbt wird; daher werden die Häute zunächst in Gambier-Lösungen eingelegt, wobei Salz und Alum erst nachdem die Gewinnung etwas vorangeschritten ist, hinzugefügt werden. Bei mattem Dongola-Leder, das eher Kalbfell nachahmen soll, ist es am besten, zunächst mit Alum und Salz zu gären. Für Ziegenhäute zum Glasierten Dongola-Kalbfell werden pro Dutzend etwa 4 Pfund Gambier, 1/2 Pfund Alum und 1/4 Pfund Salz verwendet; die Gewinnung dauert insgesamt etwa 24 Stunden. Nach der Gerbung werden die Häute gründlich mit lauwarmem Wasser gewaschen, um überschüssiges Alum und Gambier zu entfernen, danach sind sie bereit für die Fettbehandlung. Wie im Fall von Chromleder ist es sehr wichtig, dass dieses Waschen gründlich erfolgt, denn jegliches verbleibende Alum, das in die Fettlösung eindringt, kann dazu führen, dass diese gerinnt. Je gründlicher das Waschen, desto neutraler ist die Fettlösung – doch eine etwas alkalische Seifenlösung neigt weniger zum Gerinnen. Die ursprüngliche Fettlösung, die von Herrn Kent verwendet wurde, war die alkalische Lösung, die zur Entfernung des überschüssigen Öls aus Kamelhaarleder verwendet wurde (siehe S. 380); heute werden jedoch in der Regel speziell dafür Seifen- und Öllösungen hergestellt. Die meisten Angaben aus dem Kapitel über Chromgerbnisse gelten auch in diesem Fall – doch die Fettbehandlung ist vermutlich etwas einfacher als bei Chrom. Häufig werden Mischungen aus Weichseife oder Curdseife mit Hering-, Soda- und Olivenöl verwendet. Sesamöl scheint ebenfalls gut geeignet zu sein. Je besser diese Stoffe emulgiert werden, desto zufriedenstellender ist das Ergebnis; ein Zink- oder Kupferzylinder wird hierfür verwendet.

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Mit einem Kolben – ähnlich wie bei einem „Lightning Egg Beater“ –, der jedoch mit perforiertem Zink oder Drahtgaze überzogen ist, lässt sich auf kleinem Niveau sehr gut als Emulgator verwenden. Eine weitere Methode besteht darin, das Seife mit gerade genug Wasser zu schmelzen, um eine pastöse Masse zu erhalten, und das Öl gründlich in diese Masse einzuarbeiten; anschließend wird die Masse in heißem Wasser gelöst. Öle lassen sich am leichtesten emulgiert, wenn sie etwas sauer sind. Aus diesem Grund werden oft ranzige Olivenöle für den Turkey-Red-Prozess verwendet; ein ähnliches Ergebnis kann jedoch auch erreicht werden, indem vor dem Mischen eine kleine Menge Oléinsäure hinzugefügt wird. Die Zugabe von gesulfatiertem Rizinusöl (Turkey-Red-Öl) unterstützt ebenfalls die Emulgierung und ist zudem ein sehr guter Weichmacher. Einer der häufigsten Fehler bei der Fettbehandlung ist die Verwendung eines zu starken Emulgators – bereits eine Menge von ½ Prozent Seife sowie die Hälfte davon an Öl, berechnet auf das feuchte Gewicht des gut abgetrockneten Leders, erzielt eine bemerkenswerte Weichmachewirkung. Für trübe Oberflächen können natürlich größere Mengen verwendet werden. Nicht nur Kombinationstanningverfahren, sondern auch rein pflanzliche Tanningverfahren können mit hervorragendem Erfolg gefettet werden. Dieses Verfahren wird heute häufig bei farbigem Kalbfell sowie anderen Ledern eingesetzt, die weich und nährend sein sollen, ohne jedoch fettig zu wirken. Leder nimmt das Fett am besten auf, wenn es in einem halbgetrockneten Zustand hineingegeben wird; selbst wenn es völlig nass ist, nimmt es schnell das gesamte Öl und die Seife auf, wodurch im Trommelbehälter nur noch etwas klares Wasser zurückbleibt. Die Produkte können auch noch während des Feuchtseins mit dem Fettlösungsmittel gefärbt werden, sollten aber im Allgemeinen (außer bei Chromledern) vor der Färbung getrocknet werden, da dies Öl und Seife in den Fasern fixiert. Viele farbige Leder werden heutzutage nach einem Verfahren hergestellt, das als Kombination aus dem Dongola-Verfahren selbst und dem üblichen pflanzlichen Tanningverfahren angesehen werden kann: Die Produkte werden zunächst gefärbt und teilweise gegerbt, als wäre es ein pflanzliches Tanningverfahren, und anschließend mit Dongola-Lösungen sowie Alum, Salz und Gambier weiterverarbeitet. In den Vereinigten Staaten werden auf diese Weise sehr gute Leder hergestellt, wobei das Gerben in Lösungen aus Hemlockrinde beginnt. Imitationen von Dongola-Leder entstehen durch Behandlung von Ostindischen Schafen oder Ziegen mit Alumlösungen, gefolgt von einer eventuellen Fettbehandlung sowie der Endbearbeitung wie bei echtem Dongola-Leder. Die Behandlung ist am wirksamsten, wenn ein Teil des ursprünglichen Gerbstoffs durch Waschen mit warmem Wasser, zusammen mit etwas Borax, Ammoniak oder sogar Soda, entfernt wird; anschließend werden die Produkte mit einer „neutralisierten“ oder basischen Alumlösung behandelt, wie sie auf Seite 187 beschrieben wird. Produkte

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Mit einem basischen Chromlösungsmittel, wie demjenigen, das beim Einbadverfahren zur Chrombehandlung verwendet wird (S. 212), werden die Materialien fast vollständig in chrombehandelte Produkte umgewandelt; sie können sogar einer gewissen Grad von Erhitzung standhalten. Die Verwendung eines Lösungsmittels, das auf der Basis des Martin-Dennis-Lösungsmittels hergestellt wird – indem Chromoxid in Salzsäure gelöst wird – war Gegenstand eines amerikanischen Patents[129]. In diesem Land gehört dieses Patent den Unternehmen Wichellow und Tebbutt; es läuft jedoch im Jahr 1903 aus.
[128] Ostindische Schafe und Ziegen werden in der Regel so stark mit Sesamöl eingerieben (bis zu 30 Prozent ihres Gewichts), dass es in vielen Fällen besser ist, das Öl zu verringern statt zu erhöhen. Dies kann durch Waschen mit Seifenlösungen erreicht werden – vorzugsweise vor der Behandlung mit Alum.
[129] Eng. Pat. Jensen 13126, 1889.

Chromkombinationen können auch erzielt werden, indem Materialien, die bereits mit pflanzlichen Mitteln nach einem der Chrombehandlungsverfahren behandelt wurden, erneut behandelt werden; dabei scheint Gambier am geeignetsten zu sein. Selbst die Verwendung sehr schwacher Lösungen aus Sumach sowie den meisten anderen Gerbmitteln beraubt das chrombehandelte Leder seiner Elastizität; bei übermäßiger Anwendung wird das Leder leicht hart und spröde.

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KAPITEL XVIII.
Pflanzliche Gerbstoffquellen.

Wie im vorherigen Kapitel bereits erwähnt, ist unser Wissen über die Chemie der Gerbstoffe noch nicht weit genug entwickelt, um eine streng chemische Klassifizierung zu ermöglichen. Zudem kommt die Komplikation hinzu, dass in Holz, Rinde, Früchten, Gallen usw. derselben Pflanze sehr unterschiedliche Gerbstoffe nebeneinander vorkommen können. Es scheint daher am besten zu sein, dem Beispiel von Prof. Bernardin in seinem Werk „Classification de 350 matières tannantes“[130] zu folgen und die Pflanzen nach den Gruppen des natürlichen Systemats der Botanik einzuteilen – wie es bereits von Höhnel[131] und A. de Lof.[132] getan wurde. Auf den folgenden Seiten werden nur jene Materialien aufgeführt, die aufgrund ihres hohen Gerbstoffgehalts oder aus anderen Gründen von kommerziellem Interesse oder Wert sind. Da Gerbstoffe im pflanzlichen Reich so weit verbreitet sind, wäre eine vollständige Liste völlig undurchführbar.

[130] Gand, 1880.
[131] „Die Gerberinden“, Berlin, 1880.
[132] „Matières tannantes“, Halle aux Cuirs, Paris, 1890. Siehe auch „Agricultural Ledger“, 1902, Nr. 1 (Government Printing Office, Calcutta, 6d.), von Herrn D. Hooper – dieses Werk enthält viele wertvolle Informationen.

Gerbstoffe sind nicht auf einen bestimmten Teil der Pflanze beschränkt, obwohl sie in der Regel am häufigsten in Rinde und Früchten vorkommen. Insektengallen enthalten oft viel Gerbstoff – meist Gallotanninsäure. In einigen Fällen haben Holzarten aufgrund ihrer geringen Kosten kommerzielle Bedeutung, obwohl ihr Gerbstoffgehalt in der Regel nicht hoch ist. Die Funktion der Gerbstoffe im pflanzlichen Organismus ist noch nicht gut verstanden. In einigen Fällen handelt es sich dabei wahrscheinlich um Abfallprodukte des Pflanzenlebens, die dazu beitragen können, Angriffe von Insekten abzuwehren. Gerbstoffe kommen in der Regel als Zellinhalte vor. Da pflanzliche Zellen oft dicke, undurchlässige Wände haben und die Diffusionsfähigkeit der Gerbstoffe gering ist, ist für deren Extraktion viel Zeit erforderlich – es sei denn, die Zellen wurden zuvor zerkleinert oder zerstört.

Es läge außerhalb des Umfangs dieses Lehrbuchs, die Strukturen der gerbstoffhaltigen Teile der Pflanzen im Detail zu beschreiben. Doch da Rinden von allgemeiner Bedeutung sind, erscheinen einige Einzelheiten angebracht.

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Die detaillierte Struktur der Rinde variiert bei verschiedenen Bäumen stark, doch ihre grundlegenden Prinzipien bleiben unverändert. Eine der besten kurzen Beschreibungen dazu findet sich bei Prof. H. Marshall Ward auf Seite 199 seines kleinen Buches über „Holz und einige seiner Krankheiten“[133]; weitere Informationen sind in Van Tieghems „Traité de Botanique“ sowie in anderen Werken zur strukturellen Botanik zu finden.
[133] Macmillan & Co.

Was die detaillierte Struktur verschiedener Gerbharze angeht, so ist „Die Gerberinden“ von von Höhnel[134] eine der besten Quellen.
[134] „Die Gerberinden“, Berlin, 1880.

Die innere Rindenschicht eines jungen Baumes oder Zweigs besteht aus einer Schicht weicher, lebender Zellen, die auf der Außenseite des Holzes liegen und als Kambium bezeichnet werden. Diese Zellen vermehren sich durch Teilung (vgl. S. 12) und bilden auf ihrer Innenseite die jeweiligen jährlichen Holzschichten; auf ihrer Außenseite entsteht ein faseriges Gewebe namens Bast (Phloem), das aus verlängerten Zellen sowie Röhren mit perforierten Wänden (Siebträger) besteht. Diese transportieren Saft und verlaufen meist in Richtung des Zweigs, werden jedoch quer von Zellen durchzogen, die entlang der Markstrahlen des Holzes angeordnet sind. Alle diese Zellen haben bei ihrer Entstehung im Kambium eine dünne, weiche Zellulosewand; die innere Schicht, die zum Holz wird, lignifiziert – also verhärtet – durch Ablagerungen von Lignin an der Innenseite der Zellwände, während ihr Inhalt aus lebendem Protoplasma verschwindet. Die äußere Schicht, die den Bast bildet, bleibt viel weicher und faseriger und behält länger ihre Vitalität. Die Außenseite des jungen Zweigs ist mit einer dünnen Schicht flacher, korkartiger Zellen bedeckt, die die Epidermis bilden und aus dem wachsenden Gewebe des Knospenentstehen. Darunter befindet sich eine Schicht wachsender Zellen, die oft als Korkkambium bezeichnet wird. Dieses erzeugt auf seiner Innenseite eine Schicht weicher, saftiger, dünnwandiger Zellen (Parenchym), die lebendig sind und wachsen können. Sie enthalten Protoplasma sowie oft Chlorophyll – wodurch die grüne Farbe junger Zweige entsteht. Diese Schicht liegt zunächst auf dem Bast. Auf der Außenseite bildet das Korkkambium unter der Epidermis korkartige Schichten. Eine Schnittansicht eines Eichenzweigs ist in Abbildung 43 dargestellt.

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Abb. 43 – Querschnitt eines Eichenzweigs, gezeichnet von Prof. Bastin: c, korkartige Schicht; t, Tanninzellen; St, Steinzellen; Ca, Kambium; Mr, Markstrahl; P, Mark.

Da der Baum wächst, wird offensichtlich, dass die korkartige Epidermis, die in der Dicke, aber nicht in der Breite zunimmt, immer weiter gedehnt und schließlich reißt. In einigen Fällen wird die Oberfläche durch ständig darunter entstehende neue korkartige Schichten erneuert; dann bleibt die Rinde glatt und ungeriffelt, wie bei der Buche und dem jungen Eichenbaum oder bei der Birke, von der kontinuierlich dünne korkartige Schichten abblättern. Oder es kann eine dicke Korkschicht entstehen, wie beim Kork-Eichenbaum. In vielen Fällen, insbesondere bei älteren Bäumen, stirbt die äußere oder primäre Korkkambiumschicht letztendlich aufgrund von Nährstoffmangel ab, und in dem noch lebenden Parenchymus entwickelt sich eine neue Korkbildungszone. Da Kork

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Praktisch luft- und wasserdicht – die neue Schicht trennt sich von ihrer Nahrungsquelle ab und tötet das gesamte darum liegende Parenchym. In einigen Fällen löst sich diese Schicht ab, wie beim Orientalischen Platanen (Platanus), doch meist bildet sie eine ständig wachsende Schicht aus totem Gewebe, die die sogenannte „Rinde“ bildet. Da diese Schicht nicht breiter werden kann, entstehen im Laufe der Zeit tiefe Risse, je älter der Baum wird. In einigen Fällen bildet die neu wachsende Schicht oder das sekundäre Korkkambium eine vollständige Schicht parallel zur ersten, doch häufiger besteht sie aus einer Reihe von Bögen, die nach innen gerichtet sind und das primäre Korkkambium an verschiedenen Stellen durchschneiden, wodurch das Gewebe außerhalb davon in Schuppen unterteilt wird. Später wiederholt sich dieser Prozess: Neue Bögen bilden sich innerhalb der ersten Schicht und schneiden weitere Bereiche des Parenchyms ab. Auf diese Weise dringt die korkbildende Schicht allmählich immer tiefer in die Rinde ein, bis sie oft sogar in die Bastschicht vordringt. Dadurch entstehen sehr komplexe Gewebestrukturen, in denen korkartige Schichten des sekundären Korkkambiums mit Bastzellen sowie Siebträgern durchsetzt sind. Im Allgemeinen enthält der äußere, tote Teil der Rinde nur wenig Tannin – es gibt jedoch Ausnahmen, beispielsweise beim Zitterpappel und beim Aleppo-Kiefer. Die Rinde enthält immer einen großen Anteil an dunkelfarbenden Stoffen (Rotfarbstoffe, Phlobaphene, S. 297). Kork besteht aus dünnen, oft grob kubischen Zellen, die mit Luft gefüllt sind, während Tannin in eher ähnlichen Zellen mit dickeren Wänden vorkommt. Die Wände vieler Pflanzenzellen sind mit feinen Löchern durchsetzt und verdicken sich durch innere Ablagerungen harter lignoser Stoffe, die manchmal fast die gesamte Zelle ausfüllen („Steinzellen“). Rindenzellen enthalten oft Stärkekörner, die häufig eine besondere, charakteristische Form haben (die leicht anhand der blauen Färbung erkannt werden kann, die entsteht, wenn die Probe unter dem Mikroskop mit einer Tropfenlösung von Eisenchlorid in Kaliumjodid behandelt wird), sowie Kristalle von Kalziumoxalat und anderen Stoffen. Diese Eigenschaften sowie die Form und Anordnung der Zellen unter dem Mikroskop bilden nützliche Merkmale zur Erkennung verschiedener Rindenarten. Tannin lässt sich am einfachsten durch Färben vor dem Schnitt der Präparate mit einer Lösung von Eisenchlorid in reinem Alkohol nachweisen. Neben den mikroskopischen Eigenschaften stellt das äußere Erscheinungsbild der Rinden – sowohl mit bloßem Auge als auch mit Hilfe eines Lupens – ein wertvolles Erkennungsmerkmal dar. Die Anordnung der Bast- und Korkschichten, die Überreste der Epidermis sowie die Form und Art der Risse sowie der Lentizellen spielen dabei eine Rolle.

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Kleine, korkartige Erhebungen, die in der Epidermis die Stomata ersetzen, sollten beobachtet werden. Der Platz erlaubt keine ausführliche Beschreibung der Struktur von Früchten, Holz und Blättern – auch diese sind zelluläre Strukturen, die in vieler Hinsicht der Rinde ähneln. Die Cutikeln der Blätter, insbesondere die Stomata oder Atmungsporen sowie die Haare sind oft sehr charakteristisch. (Vgl. Tafeln III und IV sowie S. 272.) Wertvolle Hinweise lassen sich auch aus den chemischen Reaktionen gewinnen, die auf S. 70 ff. beschrieben werden, L.I.L.B.

Botanische Liste von Gerbstoffquellen.[135]

[135] Der angegebene Prozentsatz an Gerbstoffen, wenn die Informationsquelle nicht angegeben ist, muss in vielen Fällen als unsicher angesehen werden – schließlich wurden viele Analysen vor Einführung moderner Methoden durchgeführt. Diejenigen Analysen, die als im Labor des Autors durchgeführt angegeben werden, stammen aus jüngerer Zeit und wurden mit den neuesten Methoden durchgeführt.

CONIFERÆ: Kiefern, Zypressen – enthalten meist Katecholgerbstoffe, aus denen Rotfarben gewonnen werden können.

Abies excelsa, Lam. (Pinus Abies, Pinus Picea, Picea vulgaris, Link.): Norwegische Fichte. Französisch: Faux sapin; Deutsch: Fichte, Rottanne. Quelle des sogenannten Lärchenextrakts sowie ein wichtiges Gerbstoffmaterial in Österreich. Enthält 7–13 Prozent Katecholgerbstoff sowie viel fermentierbaren Zucker. Deshalb eignet es sich zur Aufquellung und Färbung, führt aber nicht zu einer starken Gerbung. Die Rinde aus England und Skandinavien wird anscheinend kaum genutzt. Die beste Rinde ist 2–8 mm dick, glatt, innen gelb und außen rotbraun. Für eine detaillierte Beschreibung der Struktur siehe von Höhnel, „Die Gerberinden“, S. 35.

Abies pectinata, Silberfichte. Französisch: Sapin; Deutsch: Edeltanne, Silbertanne, Weißtanne. In begrenztem Maße verwendet, doch leicht mit der Fichte zu verwechseln. Enthält 6–15 Prozent eisenblauender Gerbstoffe. Wird in Steiermark, Österreich und Russland verwendet. Ohne rotbraune Farbe, außen silbergrau und glatt. (Von Höhnel, „Die Gerberinden“, S. 40; „Gerber“, 1875, S. 375.)

Abies (Pinus, Tsuga) canadensis, Hemlockfichte (Abb. 44): Das wichtigste amerikanische Gerbstoffmaterial sowie Quelle des Hemlockextrakts. Enthält im Durchschnitt 8–10 Prozent Katecholgerbstoffe – allerdings kann dieser Wert variieren; es wurden auch Werte von 18 Prozent gemeldet.

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von einer anderen Art. Häufig in Kanada sowie in den nördlichen und nordwestlichen Bundesstaaten Amerikas. Die Rinde alter Bäume, die hauptsächlich zum Gerben und zur Herstellung von Extrakten verwendet wird, ist 2–4 cm dick, innen glatt und gelb, außen grauweiß und tief gefurcht. Das „Ross“, das rot und dick ist, enthält eine beträchtliche Menge an Tanninen sowie viel dunkelrotes Phlobaphen. In seiner Struktur unterscheidet es sich nicht vom inneren, lebenden, gelben „Fleisch“. Die Rinde ist anhand ihrer deutlich sichtbaren, konkaven Korklamellen leicht zu erkennen – diese durchtrennen die jeweiligen Schichten des „Rosses“, die mehrere Millimeter dick sind. (Von Höhnel, ebenda, S. 42.)

Abb. 44.[136] – Hemlock-Tanne (Tsuga canadense).

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[136] Bastin und Trimbles „American Coniferæ“, American Journal of Pharmacy.

Abies alba (Picea alba), Weißer Fichtenbaum, Nordamerika. In Charakter und Rinde sehr ähnlich der Norwegischen Fichte.
Larix europæa D.C. (Abies oder Pinus Larix), Lärche. Enthält 9–10 Prozent blasses Katecholtannin – mild und geeignet für leichte Lederarten. Wird insbesondere in Schottland zur Gerbung von Leder verwendet.
Pinus halepensis, Aleppo-Kiefer. Ein wichtiges Gerbstoffmaterial an den Mittelmeerküsten. Die äußere Rinde, die wie Kork vom lebenden Baum abgeschält wird („Scorza“ oder „Cortegia rossa“), ist ein dunkelroter Gerbstoff und enthält etwa 15 Prozent Tannin, das dem des Holzahorns sehr ähnlich ist. Sie wird hauptsächlich auf der Insel Zypern verwendet. Der innere, fleischige Teil der Rinde, der nur beim Fällen des Baumes erhältlich ist, wird „Snoubar“-Rinde genannt und enthält bis zu 25 Prozent hell gefärbten Tannins. Diese Rinde ist rötlich-braun und auf beiden Seiten ziemlich glatt – mit Ausnahme von schalenartigen Einkerbungen auf der Außenseite. Die „Scorza rossa“ ist im Inneren dunkelrotbraun, außen grau und unregelmäßig geformt; sie ist oft sehr dick und in durch Korklamellen getrennte Schichten mit einer Dicke von 1–2 mm unterteilt. (Von Höhnel, ebenda, S. 44.) Äußerlich ähnelt der Baum der Schottischen Fichte.
Pinus tæda, Amerika; P. Laricio, Österreichische Kiefer; P. maritima, Mittelmeerregion; P. Cembra, Alpen, Tirol – 3–5 Prozent Tannin; P. sylvestris, Schottische Fichte – 4–5 Prozent Tannin; P. longifolia Roxb., Indien – 11–14 Prozent Tannin.
Juniperus communis, Wacholder. Die Rinde wird in Russland verwendet.
Podocarpus elongata und Thunbergii, Kap der Guten Hoffnung – Gelber Holz.
Phyllocladus trichomanoides, Neuseeland – „Golden Tan“. Wird zur Färbung von Handschuhleder verwendet. Enthält 30 Prozent Tannin; in Kombination mit Eisen entstehen grüne Schwarztöne.
P. asplenifolia, Tasmanien – 23 Prozent Tannin. Phyllocladus gehört zur Stechpalmenfamilie.

LILIACEÆ.

Scilla maritima, Meeresschelle. Der Gehalt an Tannin liegt bei 2–24 Prozent. Besonders wertvoll für die Pharmazie.

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PALMEN.

Areca catechu – die Betelnusspalme Indiens. Sie liefert eine Art von Gerbstoff, der für das Gerben keine Bedeutung hat.
Sabal serrulata – die Sägepalme Floridas (Trimble). Die „Zwerg“-Palme ist S. Adansonia. Die Wurzeln der Sägepalme werden oft als Gerbmaterial verwendet; sie ergeben Leder in hellem Farbton.
Aus den Wurzeln der Sägepalme, die in den südlichen Bundesstaaten Amerikas wild wächst und insbesondere an der Ostküste Floridas in großer Menge vorkommt, wird mittlerweile ein Extrakt hergestellt. Die Pflanze ist immergrün; ihr Stängel wächst flach am Boden entlang und wird durch zahlreiche Wurzeln stabilisiert. Die Blätter sind fächerförmig und gerippt; ihr Durchmesser beträgt zwei bis drei Fuß. In ihrer Widerstandsfähigkeit ähnelt die Sägepalme einem Unkraut – die Blätter können ganz nah am Stängel abgeschnitten werden, ohne dass die Pflanze geschädigt wird. Sie wächst gut auf kargem Sandboden, der für andere Zwecke nutzlos ist. Die durchschnittliche Ernte beträgt etwa 10 Zentner pro Acre; in guten Jahren und auf fruchtbarem Boden konnte jedoch mehr als eine Tonne pro Acre erzielt werden.
Die luftgetrockneten Blätter enthalten etwa 13 Prozent Gerbstoffe; doch die von verschiedenen Chemikern ermittelten Werte liegen zwischen 5 und 20 Prozent. Möglicherweise werden diese Unterschiede durch unterschiedliche Feuchtigkeitsgehalte in den Proben verursacht.
Die Blätter müssen mit einer Lösung von Natriumhydroxid behandelt werden, um den glänzenden, siliziumhaltigen Schutzfilm zu entfernen, der sie bedeckt und eine einfache Extraktion erschwert. Nachdem der Gerbstoff extrahiert wurde, kann das verbleibende Fasergewebe profitabel an Hersteller von Papier und Seilen verkauft werden.
Da die Verfügbarkeit von Sägepalmen sehr groß ist, wird sie voraussichtlich in erheblichem Maße die Verwendung von Gambier ersetzen. In den Vereinigten Staaten hat der Extrakt bereits gute Absatzchancen. Von dem Autor untersuchte Proben enthielten 16–22 Prozent Gerbstoff sowie einige Prozent Mineralstoffe; dadurch entstand Leder, das sehr weich und von guter Farbe war. Der Extrakt enthält außerdem erhebliche Mengen an Kochsalz sowie organischen Natriumsalzen, die bei Erhitzung Natriumkarbonat hinterlassen.
Cocos nucifera – die Kakaonusspalme – enthält ebenfalls Gerbstoffe in ihren Wurzeln.

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CASUARINÆ.

Casuarina equisetifolia L. (laterifolia Lam.); Rinde von Filao, Réunion; Tjamara laut, Java; Casagha oder Tinian-Pine, Ceylon. Weit verbreitet in Südasien; die Rinde wird zur Gerbung und Färbung verwendet. Das Tannin ergibt in Kombination mit Eisen blaue bis schwarze Farben. Es gibt mehrere weitere Arten, die in Struktur und Eigenschaften sehr ähnlich sind. (Von Höhnel.) Hooper fand 11–18 Prozent Tannin.

MYRICACEÆ.

Myrica Gale – „Süßer Gale“ oder Sumpfmyrte.
Myrica (Comptonia) asplenifolia, USA; „Süße Farnpflanze“. Sie bedeckt Millionen von Hektar in Michigan. Sie liefert 40 Prozent „Extrakt“. Laut Trimble enthalten die Blätter 4–5 Prozent sowie die Wurzeln 4–6 Prozent Tannin – je nach Jahreszeit. Über diese Pflanze wurde viel gesprochen, doch nach Ansicht von Prof. Trimble wird sie wohl keine große Bedeutung haben.
Myrica nagi (Hind. Kaiphal), Indien: Die Rinde enthält 13–27 Prozent Tannin sowie ein Farbstoff namens Myricetin, der dem des Sumachs entspricht. Leder, das damit gegerbt wird, hat eine etwas rötliche Farbe; diese wird durch Sumach stark aufgehellt und durch Behandlung mit Alaun in ein blasses Gelb umgewandelt. Es verspricht sich als wertvolles Gerbmaterial. [137] Perkin und Hummel, Trans. Chem. Soc., 1896, S. 1287.

BETULACEÆ.

Alnus glutinosa – Gemeiner Ahorn. Enthält 16–20 Prozent eisengrünes Tannin sowie viel Farbstoff; alte Rinden enthalten nur noch bis zu 10 Prozent Tannin. Die Farbe entsteht während und nach der Gerbung. Allein verwendet ergibt es rohes, hartes und brüchiges Leder; in Kombination mit Gallen usw. lässt es sich jedoch zu zufriedenstellendem Leder verarbeiten. Seine Hauptverwendung ist die Herstellung von Schießpulverkohle. Es ist möglich, dass die Rinde aus Schießpulverfabriken gewonnen werden kann, sofern der Einsatz von Schießpulver nicht durch Nitroverbindungen ersetzt wird. (Von Höhnel.)
Alnus maritima, Hannoki, Japan; sowie A. firma, Minibari. Die Früchte enthalten 25 Prozent Gerbstoffe (eisenblaue Farbe) sowie wenig Farbstoff. In Japan werden sie zur Färbung und Gerbung verwendet. A. nepalensis und A. nitida werden in Indien verwendet. Mehrere andere Ahornarten enthalten ebenfalls Tannin.

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Betula alba, Weiße oder Gemeine Birke. Französisch: Bouleau blanc; Deutsch: Birke.
Die innere Rinde wird in Schottland (in Kombination mit Lärche zur Gerbung von Schaffellen), Norwegen, Russland usw. verwendet. Sie enthält nur 2–5 Prozent eisenhaltiger Gerbstoffe sowie viel fermentierbare Zucker. Die wichtigste Anwendung der Birkenrinde bei der Gerbung ist die Herstellung des Birkenrindentarps, der dazu dient, „Russland-Leder“ (Youft; Deutsch: Juchten) mit Duft und insektenabweisenden Eigenschaften auszustatten. Die äußere Rinde besteht aus dünnen Schichten von Kork, oft weiß mit kristallinen Ablagerungen von Betulin – deren Destillation das duftende Öl ergibt. Dabei handelt es sich um eine Trockendestillation; mit dem echten Öl treten auch teerartige Stoffe auf, die dem Leder zunächst einen starken Geruch verleihen, den es beim Aufbewahren verliert, während der eigentliche „Russland-Geruch“ bleibt. Dieses „Reifeprozess“ kann beschleunigt werden, indem das Leder in einem heißen Ofen aufgehängt wird. Wenn das Öl in Dampfströmung oder mit Petrolether destilliert wird, gehen die teerartigen Stoffe verloren, während das Substanz, das den eigentlichen Geruch verleiht, im Destillationsapparat zurückbleibt (S. 372).

Betula lenta, Amerikanische Schwarzbirke. Die Rinde und Zweige, die mit Wasser destilliert werden, liefern ein ätherisches Öl, das fast reines Methylsalicylat ist und weitgehend als Ersatz für Wintergrünöl (Gaultheria procumbens) verwendet werden kann – chemisch ist es mit diesem identisch. Es wird in der Parfümindustrie sowie als Mittel gegen Rheuma eingesetzt. Oft wird fälschlicherweise behauptet, es sei die Quelle des „Russland-Öls“. Eine Mischung aus Spuren von Wintergrünöl und Sandelholzöl ähnelt stark dem „Russland-Geruch“ (S. 373).

CUPULIFERÆ.

Castanea vesca, Wahre oder Spanische Kastanie. Französisch: Châtaignier; Deutsch: Kastanie. Sie kommt in Italien, im Süden Frankreichs und auf Korsika in großen Beständen vor. Die Rinde soll in Bezug auf ihren Gerbstoffgehalt fast so stark sein wie die des Eichens (bis zu 17 Prozent, de Lof), wird aber kaum zur Gerbung verwendet. Das Holz enthält nur 3–6 Prozent Gerbstoffe, ist jedoch die Quelle des wertvollen Kastanienextrakts, der ursprünglich zum Färben verwendet wurde und später von Aimé Koch als Gerbmittel eingeführt wurde. Die Konzentration des Extrakts ist selbst bei gleicher Dichte sehr variabel (siehe S. 339); er enthält in der Regel 28 bis 32 Prozent Gerbstoffe. Der Gerbstoff ergibt in Kombination mit Eisen ein blauschwarzes Farbmittel; er ist weder mit Eichenrinden- noch mit Gallengerbstoffen identisch, sondern scheint vielmehr eine Mischung oder ein methyliertes Derivat dieser zu sein. Er ist außerdem mit Eichenholzgerbstoffen identisch – oder zumindest nahe genug daran, um nicht unterschieden werden zu können; möglicherweise ist er auch mit Divi-Gerbstoff identisch.

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Entfärbte Kastanienextrakte, manchmal gemischt mit Quebracho sowie anderen Materialien, werden oft als „Eichenholz“- oder „Eichenhaut“-Extrakte verkauft. Der Extrakt verleiht dem Leder eine feste Struktur; bei intensiver Verwendung entsteht eine intensive Farbe, außerdem hat das Leder einen rötlicheren Ton als bei Valonia-Extrakten. Der Extrakt enthält oft dunkle Farbstoffe, wodurch die Farbe des mit ihm gegerbten Leders durch Spuren von Kalk aus kalkhaltigen Gewässern oder unvollständig entfetteten Häuten leicht dunkler wird. Wie alle Holzextrakte führt er zu einer schnellen Gerbung – zunächst dringt die Farbe ein, anschließend erfolgt die Gerbung selbst. Laut Eitner reicht er jedoch allein nicht aus, um eine vollständige oder stabile Gerbung zu erreichen – vermutlich aufgrund eines Mangels an säurebildenden Stoffen. In Kombination mit Fichtenrinde eignet er sich jedoch besonders gut. In England wird er hauptsächlich in Kombination mit Valonia-, Myrobalan- sowie anderen Materialien für Ledersohlen verwendet.

Je höher die Extraktionstemperatur ist, desto mehr Farbstoffe sind im Extrakt enthalten – proportional zu den Tanninen – und desto größer ist seine Viskosität. Wenn der Extrakt in kaltem Wasser gelöst wird, bleiben viele Farbstoffe ungelöst; zudem geht die Gerbkraft verloren, da die Farbstoffe auch mit dem Leder reagieren können. Tatsächlich wurde er bereits durch Auflösen in Borax- oder Alkalisalzlösungen zur Gerbung verwendet. Durch verbesserte Herstellungsverfahren konnte die Menge an Farbstoffen stark reduziert werden.

Die Kastanie ist ein wichtiger Nahrungsbäum; ihre Nüsse bilden einen erheblichen Teil der Nahrung der Bewohner Korsikas, Sardiniens und sogar Italiens.

**Eichen**

Fast alle Eichenarten enthalten in ihrer Rinde – und vermutlich auch im Holz – nützliche Mengen an Tanninen. Die meisten, wenn nicht alle Eichen liefern Catecholtannine, vermutlich in Kombination mit Ellagitanninsäure.

**Quercus robur**, Gemeine Eiche. Französisch: Chêne; Deutsch: Eiche. Sie wird häufig in zwei Unterarten unterteilt:

**Quercus pedunculata**: Die häufigste Eiche in den Tieflanden Englands, Irlands und Schottlands. Die Eicheln befinden sich in Büscheln oder Spitzen an einem etwa 1/6 Zoll langen Stiel – daher der deutsche Name „Stiel-Eiche“. Die Blätter sind sitzend oder kurz gestielt. Unter günstigen Bedingungen soll sie etwa 2 Prozent mehr Tannine liefern als Q. sessiliflora – doch das ist fraglich. Es handelt sich dabei um die häufigste Eiche in Slawonien sowie um die Quelle für kommerzielle Eichenholzextrakte.

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Q. sessiliflora – Ger. Traubeneiche. Häufig in hügeligen Gebieten und verstreut im ganzen Land zu finden. Eicheln wachsen in Büscheln an den Ästen oder mit sehr kurzen Stielen; die Blätter haben einen Stiel von 1/2–1 Zoll Länge. Von den englischen Eichenhäuten gelten die aus Sussex und Hampshire als die besten; sie enthalten bis zu 12–14 Prozent Gerbstoffe. Ein Eichenholz aus Wastdale in Cumberland lieferte jedoch 19 Prozent Gerbstoffe (Hellon). Wahrscheinlich liefert jede der beiden Eichenarten das beste Holz dort, wo sie am besten gedeiht (v. Höhnel). Belgisches Eichenholz ist manchmal genauso gut wie englisches und enthält 10–12 Prozent Gerbstoffe. Exportiertes niederländisches Eichenholz ist in der Regel minderwertig und nicht gereinigt; schwedisches Eichenholz ist zwar hell gefärbt, aber sehr schlecht. Eichenrinde enthält Gerbstoffe sowie Quercitanninsäure; in Kombination mit Eisensalzen entstehen grün-schwarze Farben. Möglicherweise enthält die Rinde auch Katechol- und Pyrogallolgruppen – doch ihre Zusammensetzung ist noch nicht vollständig geklärt. Aus der Rinde lassen sich sowohl rote Anhydride als auch Ellagsäure gewinnen; Gallussäure kann durch die Wirkung von Salzsäure gewonnen werden – allerdings nicht durch Fermentation in der Gerberei. Das Tannin ist kein Glucosid; doch die Tatsache, dass auch der Zucker Lävulose in der Rinde vorkommt, hat einige Forscher zu falschen Schlüssen bezüglich der Zusammensetzung des Tannins geführt. Die unreine Infusion aus der Rinde von Q. robur ergibt aufgrund eines Farbstoffs ein blau-schwarzes Farbton bei Verwendung von Eisensalzen; die Rinde der meisten anderen Eichen hingegen ergibt grün-schwarze Farbtöne. Der größte Anteil an Tannin befindet sich im lebenden Teil der Rinde. Bei Bäumen über 25 Jahre alt nimmt die Menge an Tannin ab. Rinden aus Jungbäumen sind aufgrund des Fehlens von Rissen oft widerstandsfähiger; außerdem enthalten sie weniger Farbstoffe und mehr fermentierbare Zucker. Warme, fruchtbare Böden scheinen die besten Rinden hervorzubringen. Je heller die Farbe des frisch geschnittenen „Fleisches“ der Rinde ist, desto besser ist die Rinde. Eine dunkelbraune Innenseite deutet darauf hin, dass die Rinde Regen ausgesetzt war – dadurch nimmt ihre Festigkeit sowie ihre Farbe ab. Eine sehr helle Farbe wird von einigen als Zeichen für mangelnden Tanningehalt angesehen. Weißer Flechtenwuchs gilt als Zeichen einer schlechten Rinde und weist vermutlich auf feuchte, ungünstige Bedingungen hin. Eichen werden in der Regel dann geschlagen, wenn der Saft fließt (vom 15. April bis zum 15. Juni), wenn die Knospen aufbrechen und neue, weiche Zellen zu wachsen beginnen – denn dann lässt sich die Rinde leichter ablösen. Experimente in Frankreich haben gezeigt, dass die Rinde von Bäumen, die zu anderen Jahreszeiten gefällt wurden, durch Dämpfen gelockert werden kann. Es wird gesagt, dass es keine praktischen…

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Verlust von Tanninen: Es wird überschäumender Dampf verwendet, der in einem kleinen Kessel im Wald erzeugt wird. Die Rinde wird mit Werkzeugen verschiedener Formen abgezogen; Äste sowie verdickte Stellen werden dabei mit einem Hammer bearbeitet, um sie zu lockern. Die Rinde muss unmittelbar nach dem Fällen des Baumes abgezogen werden. Die abgezogene Rinde, in Stücken bis zu drei Fuß Länge, wird auf schräg angeordnete Ablagen gelegt, sodass das Wasser möglichst abfließen kann – auf diese Weise trocknet sie. In feuchten Jahreszeiten wird sie jedoch stark beschädigt. Rinde, die so im Wald getrocknet wird, enthält oft noch 40–50 Prozent Wasser; sie muss daher gestapelt oder gelagert werden, damit sie weiter trocknen kann. Englische Rinde wird manchmal als „lange Rinde“ verkauft, manchmal auch in Stücken von etwa vier Zoll Länge. Belgische und niederländische Rinden werden in der Regel in solche Stücke zerkleinert. Belgische Baumrinde wird „gereinigt“ – dabei werden die Reinigungsrückstände oft wieder mit der Rinde vermischt – niederländische Rinde hingegen nicht gereinigt. In der meisten kontinentalen Rinde befindet sich viel Sand und Schmutz: Aus den Rückständen belgischer Rinde entstand schwarzer Saft, der so viel Sand enthielt, dass er nicht einmal verbrennen konnte! Eichenrindenextrakte werden gelegentlich zum Verkauf angeboten, sind aber in der Regel weder echt noch von guter Qualität – mit Ausnahme des Extrakts aus der Amerikanischen Kastanie-Eiche, Q. prinus, aus der in den Alleghenys ein hervorragender Extrakt hergestellt wird. Falsche Extrakte enthalten oft Myrobalanen- oder Quebracho-Extrakte.

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Abb. 45 – Eichenholz der Art Quercus cerris.

Eichenholz enthält nur einen sehr geringen Prozentsatz an Tanninen – zwischen 2 und 4 Prozent –, die praktisch identisch mit denen des Kastanienholzes sind, aber von denen des Eichenrindens abweichen. De Lof gibt an, dass dieser Anteil im alten Herzholz 9–14 Prozent erreichen kann; doch das ist fraglich. Das Holz behält die Tannine über einen langen Zeitraum in seinem Inneren. Laut de Lof enthielt das Holz einer im Jahr 55 v. Chr. in Mainz errichteten römischen Brücke im Jahr 1881 n. Chr. noch immer 2,14 Prozent Tannine. Zweifellos wird ein großer Teil der nachgeahmten Eichenholzextrakte aus Kastanienholz hergestellt. Leider gibt es keine wirklich zuverlässige Methode, um sie voneinander zu unterscheiden. Der Eichenrindenextrakt hingegen lässt sich durch die sofortige Bildung eines Niederschlags – selbst in verdünnter Lösung – mit Bromwasser von Eichenholz unterscheiden, während das Eichenholz erst nach längerem Aufbewahren einen braunen Niederschlag ergibt. Niederschlagbildung durch Bromwasser

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Dies ist eine allgemeine Eigenschaft von Katecholtanninen – daher würde eine Mischung aus Quebracho (einem billigen Katecholtannin) und Kastanie in dieser Hinsicht Eichenrinde nachahmen. Wenn man in einem Reagenzglas einige Tropfen der nicht-tanninhaltigen Lösung oder ein alkoholisches Extrakt aus den „vollständig löslichen“ Bestandteilen von Extrakten, die Quebracho oder andere Katecholtannine enthalten, mit konzentrierter Schwefelsäure behandelt, entsteht eine tiefe Karmesinfarbe – insbesondere an der Oberfläche der Säure, die bei Verdünnung mit Wasser weiterhin rosa bleibt. Bei Pyrogallolderivaten, wie sie in echtem Eichenholz vorkommen, entsteht nur eine gelbe oder braune Farbe (J. Hughes). Der Test ist sehr empfindlich. Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass Rindenextrakte spürbare Spuren von Mangan enthalten – doch darauf kann man sich nicht verlassen, da auch viele Holzextrakte etwas Mangan enthalten, vermutlich stammend von Zweig- und Astrinden, die zusammen mit dem Holz verwendet werden. Eichenholzextrakte werden heute in großem Maßstab in Slawonien hergestellt und sowohl von Ledergerbern als auch von Gerbern, die das Leder vorbehandeln, verwendet – hauptsächlich zur Steigerung der Festigkeit der Gerbstofflösungen. Der Extrakt wird außerdem dazu verwendet, das Gewicht des Leders nach der Gerbung zu erhöhen, indem er auf die Innenseite des Leders aufgetragen wird. Alle besten Hersteller von Eichenholzextrakten liefern ihre Produkte unter Angabe von Analyseergebnissen und Farbmessungen. Guter slawonischer Eichenholzextrakt enthält in der Regel 26–28 Prozent Gerbstoffe; dies ergibt bei Messung einer Lösung mit 1/2 Prozent Gerbstoffen in einer 1-cm-Zelle einen Tintometerwert von 4–5° Rot sowie 20–25° Gelb. Weitere Informationen zur Herstellung konzentrierter Extrakte finden Sie auf Seite 337.

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Abb. 46 – Korkeiche (Quercus suber).

Q. cerris, Türkische Eiche. Deutsch: Zerreiche. Häufig im Süden Europas; eine schöne Baumart, doch ihre Rinde ist schlechter als die der Q. robur. Abb. 45.

Q. pubescens. Französisch: Chêne velu; Deutsch: Weiß- oder Schwarzeiche. In Gebirgsregionen sowie verstreut im Süden Europas vorkommend; etwa gleichwertig zur Q. robur.

Q. ilex, Immergrüne Eiche. Französisch: Chêne vert, Chêne yeuse; Deutsch: Grüneiche, Steineiche; Spanisch und Italienisch: Encina. Im Süden Europas sowie in Algerien zu finden. Man sagt, sie enthalte etwas mehr Tannine als die gewöhnliche Eiche – 5–11 Prozent eines eher dunkel gefärbten Tannins. Sie eignet sich gut für Lederverarbeitung. Die Rinde ist außen glatt, ohne Risse, und bricht nur schwer.

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Q. Suber, Korkbaum. Frz. Chêne liège; Ital. Sughero, Suvero. (Abb. 46, 47.)
Die äußere Rinde besteht aus Kork; die innere Rinde enthält 12–15 Prozent Tannine. Diese sind röter als die des gewöhnlichen Eichbaums. Zunächst produziert der Baum unregelmäßigen Kork, der als „reiner Kork“ für Blumengärten usw. verkauft wird. Nachdem dieser abgeschält wurde, sind die später wachsenden Korkschichten gleichmäßiger und geeignet für den Gebrauch. Gerbharz erhält man erst, wenn der Baum gefällt wird. Die Rinde ist auf beiden Seiten rau, aber blass gefärbt und etwa 1 cm dick; die innere Rinde gleicht der des gewöhnlichen Eichbaums, ist jedoch stärker gefurcht. Der Korkbaum wächst hauptsächlich an den Mittelmeerküsten und wurde früher in Irland weit verbreitet verwendet.

Abb. 47 – Querschnitt durch einen Korkbaum, der den Kork, die innere Rinde sowie das Holz zeigt.

Q. pseudosuber, Afrikanischer Eichbaum. Frz. Chêne faux liège. Algerien. Nicht stärker als der englische Eichbaum, enthält aber mehr Farbstoffe; daher dringt er schnell durch Leder. Die Rinde ist sehr dick.

Q. Mirbecki. Frz. Chêne Zeen. Algerien. Schnelles Wachstum. Die Rinde enthält 8 Prozent Tannine.

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Q. Tozæ. Fr. Chêne tauzin. Pyrenäen und Südfrankreich. Die Rinde enthält 14 Prozent Tannine.
Q. coccifera, Kermes-Eiche. Fr. Kermes, Garouille (Abb. 48). Südeuropa und Algerien. Die Wurzelrinde wird „Rusque“ oder „Garouille“ genannt; sie enthält im Durchschnitt 10–18 Prozent Tannine, während die Stammrinde nicht mehr als 11 Prozent enthält. Dieser Baum dient als Nahrungsquelle für das Kermesinsekt und wurde vor der Einführung von Cochenille zur Färbung in Rot verwendet. Garouille wird hauptsächlich im Süden Frankreichs verwendet und liefert ein festes Leder mit unangenehmem Geruch und dunkelbrauner Farbe.

Abb. 48 – Kermes-Eiche (Quercus coccifera).

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Q. Ægilops (und vermutlich auch andere Arten – Q. macrolepis, græca, Ungeri, coccifera), Valonia. Französisch: Valonée; Deutsch: Valonea, Ackerdoppen, Orientalische Knoppern. In Smyrna enthält das Holz bis zu 40 Prozent, in griechischem Holz 19–30 Prozent, in Candia valonias bis zu 41 Prozent sowie in Caramanian-Holz (vermutlich nicht Q. Ægilops) 17–22 Prozent an Tanninen. Dabei handelt es sich mindestens hauptsächlich um Pyrogallolderivate, die in Kombination mit Eisen blaue bis schwarze Farben ergeben, mit Bromwasser kein Niederschlag bilden und eine große Menge an Ellagsäure absondern.

Abb. 49 – Eichenholz von Valonia (Q. Ægilops).

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Frage: Ægilops (Abb. 49) soll besonders häufig in den Hochländern von Morea, Roumelien, auf der griechischen Inselwelt, in Kleinasien und Palästina vorkommen. Macrolepis hingegen bildet große Wälder in vielen Teilen Griechenlands – insbesondere an den unteren Hängen des Berges Taygetos. In Kleinasien reift die Frucht im Juli–August; zu dieser Zeit werden die Bäume bearbeitet und die Eicheln auf dem Boden zum Trocknen zurückgelassen. Anschließend werden sie gesammelt und auf Kamelen in die Städte gebracht, von dort aus per Kamel oder Bahn nach Smyrna. Dort werden sie in großen, luftigen Lagerräumen zu Haufen von 5–6 Fuß Tiefe gelagert und einige Wochen lang fermentieren sowie erwärmt. Dabei schrumpft die Eichel, die nur wenig Tannin enthält, und fällt aus der Schale heraus; sie wird anschließend zur Fütterung von Schweinen verwendet. Diese Fermentation ist jedoch riskant – wenn sie zu weit getrieben wird, verfärben sich die Schalen dunkel und werden beschädigt. Die Eichel enthält eine beträchtliche Menge an fermentierbarem Zucker.

Wenn die Valonia zum Versand bereit ist, wird sie von Hand geerntet. Die größten und feinsten Exemplare gelangen nach Triest, die zweitklassigen nach England („Inglese“); der Rest, der als „natürlich“ bezeichnet wird, kommt ebenfalls größtenteils nach England. Der „Inglese“ ist zwar in seiner Qualität geringer als die sehr großen, ausgewählten Exemplare, ist aber natürlich günstiger und liefert eine ähnliche Menge an Tannin. Im Jahr 1887 exportierte Smyrna etwa 23.000 Tonnen nach England sowie 16.000 Tonnen an andere Orte, hauptsächlich nach Österreich, Deutschland und Italien. Die größte bekannte Ernte betrug in Kleinasien 70.000 Tonnen und in Griechenland 14.000 Tonnen – doch der durchschnittliche Ertrag liegt deutlich darunter.

Der Bartteil der Eichel enthält deutlich mehr Tannin als die Schale – manchmal sogar über 40 Prozent. Er wird oft zu dem gleichen oder einem niedrigeren Preis separat verkauft; in Smyrna ist er unter dem türkischen Namen Tirnac bekannt (italienisch: Trillo). In Griechenland wird die beste Valonia (im April?) vor Reifung der Schale und solange diese noch die Eichel umschließt, gesammelt; sie wird Chamada genannt (italienisch: Camata und Camatina). Diese Sorten haben eine hervorragende Farbe und einen hohen Tanningehalt. Sie werden hauptsächlich von Färbern verwendet, sind aber auch bei der Gerbung wichtig, wo die Farbe eine Rolle spielt. Bei Camatina ist die Eichel vollständig von der Schale bedeckt, während sie bei Camata teilweise sichtbar ist.

Die nächste Qualitätsstufe, Rhabdisto, wird im September–Oktober mit Stöcken bearbeitet (vom Namen her ersichtlich). Nach den ersten Regenfällen fallen die Früchte herab und verfärben sich schwarz; sie werden Charcala genannt. Sie enthalten nur wenig Tannin und werden in der Regel nicht gesammelt.

Manchmal wird die Valonia von einer Art Honigtau befallen – vermutlich verursacht durch Ameisenläuse – wodurch sie sehr klebrig wird und vielleicht anfälliger für Hitze ist. Dies beeinträchtigt jedoch nicht ihre Gerb Eigenschaften.

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Je heller die Farbe, desto höher das Gewicht – und je dicker die Behaarung des Bartes, desto besser ist in der Regel die Qualität. Doch eine Analyse ist der beste Orientierungspunkt. Caramanian Valonia ist dabei von sehr schlechter Qualität. Das in Valonia enthaltene Tannin eignet sich besonders gut zur Herstellung von Ledersohlen. Es verursacht viel „Bloom“; wenn es als Bestreuungsmaterial verwendet wird, sorgt es dafür, dass das Leder fest und kompakt wird – doch die Fasern bleiben dabei etwas rau und schwer zu bearbeiten. In Kombination mit Gambier sowie anderen Materialien ist es ein hervorragendes Gerbmittel für das Verarbeiten von Leder. Bei richtiger Handhabung entsteht wenig oder gar kein „Bloom“ (vgl. S. 231). Q. infectoria (Abb. 50) ist die Quelle der „türkischen“ oder Aleppo-Gallen. Gallen entstehen durch Insekten, hauptsächlich aus der Gattung Cynips, die ihre Eier in verschiedenen Teilen der Pflanzen ablegen und auf diese Weise einen abnormalen Wachstum des Knospen-, Blatt- oder anderen Teils der Pflanze bewirken.

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Abb. 50 – Eichen-Gallwürmer (Q. infectoria).
Die Aleppo-Gallen entstehen an den jungen Trieben der Eiche; sie sind am besten, bevor das Insekt entkommen ist, und enthalten in dieser Phase bis zu 50 oder 60 Prozent Gallotanninsäure. Wenn sich das Insekt entwickelt hat und entkommen ist, sind die Gallen natürlich perforiert, viel leichter und poröser. Diese Gallen sowie die von Rhus semialata stellen die wichtigsten Quellen für den in der Industrie verwendeten Tannin dar.
Q. infectoria bildet außerdem große, apfelähnliche Gallen – sogenannte „Äpfel von Sodom“ – die durch ein anderes Insekt verursacht werden. Diese Gallen wurden in zerkleinertem Zustand weitgehend als Gerbmaterial verwendet und enthalten 24–34 Prozent Gallotanninsäure.

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Englische Eichen weisen mehrere Arten von Gallen sowie Eichäpfeln auf, doch sie scheinen für die Gerbung nicht besonders wertvoll zu sein.

Abb. 51 – Kastanien-Eiche (Q. prinus).

Knoppern sind Gallen, die an unreifen Eicheln verschiedener Eichenarten entstehen, insbesondere bei Q. Cerris in Ungarn. Früher wurden sie dort weitgehend zur Gerbung verwendet, da sie bis zu 35 Prozent Gallotanninsäure enthalten. Heute sind sie seltener geworden und wurden größtenteils durch Valonia ersetzt, das manchmal als „orientalische Knoppern“ bezeichnet wird. Wie alle rein gallotanninhaltigen Materialien ergeben sie auf natürliche Weise eine weiche und poröse Gerbung, die sich nicht gut für Ledersohlen eignet. Dies führte zur österreichischen Praxis, das Material zu trocknen – oder besser gesagt…

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Dämpfen bedeutet das Garen des Leders in sehr heißen und feuchten Öfen – dadurch wird das Leder hart und brüchig.
Chinesische und japanische Gallen entstehen durch die Aktivität von Blattläusen an bestimmten Sumach-Arten; sie werden unter den Sumachen (Rhus) erneut erwähnt.
Djaft, Dchift, Jift oder Jaft ist ein Material offenbar östlichen Ursprungs; es soll aus einem Eichenbaum im Kurdistan stammen. Es handelt sich um dunkelrote Schuppen oder Fragmente von unklarer Herkunft; dieses Material ist sehr adstringierend und liefert einen dunklen Gerbstoff. Wenn Flüssigkeit davon verschüttet wird, trocknet sie weißlich aus – offenbar aufgrund einer Art Kristallisation. Es enthält große Mengen an Gerbstoffen. Im Handel kommt es nur sehr unregelmäßig vor; der Autor würde gerne weitere Proben sowie Informationen zur Herkunft erhalten. Er hat es einmal erfolgreich bei der Gerbung von Ledern für Schuhe verwendet. Es wird auch einem Strauch aus der Familie der Cæsalpinias zugeschrieben (S. 286).
Die wichtigsten amerikanischen Eichen sind Q. prinus (Castanea monticola), die Kastanien-Eiche oder Fels-Eiche (Abb. 51). Ihre Festigkeit ist etwa der unserer Eiche gleich; die Rinde ist sehr dick. Die Infusion dieser Rinde zeigt eine starke Fluoreszenz – insbesondere in Gegenwart von Ammoniak. Sie ist somit eine wichtige Quelle für Extrakte aus Kastanien-Eichenholz. Q. alba, die „Weiße Eiche“, ist wohl die am weitesten verbreitete und häufigste aller amerikanischen Eichenarten; sie ähnelt stark der europäischen Q. robur. Q. tinctoria oder nigra, die Schwarze oder Quercitron-Eiche, eignet sich kaum als Gerbmaterial, wird aber zur Färbung in Gelb sowie zur Anpassung der Farbe von Hemlock-Gerbstoffen verwendet. Der Farbstoff Quercetin ähnelt dem des Fustikbaums; er ergibt Gelbtöne in Kombination mit Alum- und Zinnmordanten.
Trimble[138] liefert viele Informationen über amerikanische Eichen sowie andere Gerbmaterialien.
[138] „The Tannins“, Band II, Lippincott, Philadelphia, 1894.
Wichtige indische Eichenarten sind Q. glauca, Q. lamellosa und Q. incana; von letzterer Art soll die Rinde 22 Prozent Gerbstoff enthalten.
**SALICACEÆ, Weiden**
Die Rinde verschiedener Weidenarten, insbesondere von Salix arenaria und Russeliana, wird in Russland zur Gerbung sowie für die Herstellung von Handschuhleder verwendet. Einige dieser Weidenarten enthalten bis zu 12–14 Prozent eines eisenblau färbenden Gerbstoffs. Sie verleihen dem Leder einen starken Geruch – doch dieser unterscheidet sich vom Geruch von Birkenharzöl sowie vom typischen Geruch russischen Leders.

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Leder entsteht durch eine Kombination beider Faktoren. In vielen Fällen blättert die Rinde ab. Für die Herstellung von Körben werden Weiden verwendet. Eine russische Weide (Art unbekannt), in Form von dünner Weidenrinde oder kleinen Zweigen, lieferte im Labor für Lederindustrie des Yorkshire College 9,5 Prozent Tannin; Weiderrinden verdienen sicherlich mehr Aufmerksamkeit als bisher in England als Gerbungsmaterialien für feines Leder. Salix caprea wird in Frankreich für Handschuhleder verwendet, ist aber schwächer als S. arenaria. Pappeln gehören zur gleichen natürlichen Ordnung und wurden ebenfalls zur Gerbung verwendet, doch ihre Rinden enthalten höchstens 2–3 Prozent Tannin.

POLYGONACEAE, Rote Bete. Die meisten Arten dieser Familie enthalten Tannin. Rumex hymenosepalum, Canaigre, Gonagra (Cana agria), Rote Bete – diese Pflanzen sind in den sandigen Alluvialebenen Mexikos und Texases verbreitet und ähneln stark dem Rhabarber. Ihre knollenförmigen Wurzeln ähneln denen der Dahlie und enthalten, wenn sie luftgetrocknet werden, 25–30 Prozent eines Katecholtannins, das vermutlich mit dem des Mimosenbaums verwandt ist. Ungetrocknet enthalten die Wurzeln etwa 68 Prozent Wasser und nur 8 Prozent Tannin. Wenn die Wurzeln in dünne Scheiben geschnitten und schnell getrocknet werden, verleiht dies dem Leder eine leuchtend orangefarbene Farbe sowie, so wird gesagt, erhebliche Festigkeit. Dadurch eignet es sich besonders gut zur Nachgerbung sowie zum Finishen von Leichtledern und Zaumzeugledern. Neben Tannin enthält die Wurzel auch ein gelbes Farbstoff sowie etwa 8 Prozent Stärke. Die Stärkegranulate weisen sehr unterschiedliche Formen und Größen auf, sind meist jedoch oval oder länglich. Sie färben sich nur schwer mit Jod, solange sie nicht gründlich gewaschen oder mit verdünnter Schwefelsäure behandelt wurden. Sowohl die Stärke als auch das Tannin befinden sich in großen, etwas dünnwandigen Zellen; das in Scheiben geschnittene Material lässt sich bei niedrigen Temperaturen leicht extrahieren. Höhere Temperaturen gelieren die Stärke und ergeben eine dunklere Farbe. Die beste Extraktionstemperatur liegt zwischen 30° und 50° C. (siehe S. 348)

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Abb. 52 – Canaigre (Rumex hymenosepalum). „New Commercial Drugs and Plants“, T. Christy.

Die Pflanze lässt sich am leichtesten aus Knollen oder Teilen, die auch die Krone enthalten, ziehen, da sie nur spärlich Samen bildet. Sandige Böden, die der Überflutung oder Bewässerung ausgesetzt sind, scheinen am besten für ihren Anbau geeignet zu sein. In Kalifornien und Arizona beginnt das Wachstum im Oktober oder November mit den Winterregenfällen; die Blütezeit liegt etwa Ende Januar. Die Blätter verwelken im Mai, während die Wurzeln im Sommer in Ruhe bleiben. Es ist nicht wichtig, zu welcher Zeit die Wurzeln geerntet werden; ihr Gehalt an Tanninen verbessert sich bis ins zweite Jahr, danach werden sie dunkler und verschlechtern sich in ihrer Qualität.

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Die geerntete Pflanze sollte in dünne Stücke geschnitten und bei niedriger Temperatur schnell getrocknet werden – oder noch besser: sofort in ein Extrakt umgewandelt werden. Dies wird bereits in beträchtlichem Umfang in Deming, New Mexico, durchgeführt. Der Rückstand nach der Extraktion wird in Amerika als Futter für Rinder verwendet; er könnte zweifellos auch zur Herstellung von Alkohol genutzt werden.

Die Anpflanzung erfolgt im Herbst, in Reihen mit einem Abstand von etwa 30 Zoll zueinander sowie 10 Zoll zwischen den einzelnen Wurzeln. Die Wurzeln, die als „Samen“ verwendet werden sollen, sollten im Boden belassen oder in trockenem Sand aufbewahrt werden. In einer durchschnittlichen Saison sollte dies zu einer Ernte von 10 Tonnen pro Acre führen.

Referenzen: Bericht des US-Agrarkommissars, 1878, S. 119 ff.; Trimble, Am. Jour. of Pharmacy, S. 395, 1889; Canaigre, Bull. Nr. 7, Arizona Agr. Expt. Station, 1893; „Canaigre oder Tanner’s Dock“, Bull. Nr. 105, University of California, Berkeley, Kalifornien; „Canaigre-Tannin“, Trimble und Peacock, Philadelphia, 1893; „Bericht an den Deutschen Lederverband“, von V. Schroeder, 1894; „Il Canaigre“, E. Andrieis, Turin, 1899.

Rumex maritima, oder maritimus. Zentraleuropa, England, Irland. Laut de Lof kommt diese Pflanze auch in Kalifornien vor, wo sie von den Ureinwohnern zum Gerben verwendet wird; vermutlich verwechselt er sie jedoch mit Canaigre. De Lof stellte fest, dass die Wurzeln im feuchten Zustand 6 Prozent und nach dem Trocknen 22 Prozent Tannin enthielten, zusammen mit Stärke sowie einem mit Malinsäure verwandten Saure.

Mehrere englische Dock-Pflanzen enthalten Tannin; der Autor hatte ein Stück Leder in Händen, das mit Dock-Wurzeln (sehr wahrscheinlich R. aquaticus) gegerbt worden war – es war bereits viele Jahre alt, blieb aber weich und hatte eine feine Textur; außerdem war es von hervorragender Qualität.

Polygonum amphibium. Es soll auf Tausenden von Acres am unteren Missouri wachsen. Die Wurzeln enthalten 22 Prozent, die Zweige 17 Prozent Tannin. P. amphibium ist eine häufig vorkommende Pflanze in England und Europa; sie hat rosa Blütenstände und wächst in Sümpfen und Teichen. Wahrscheinlich handelt es sich dabei um die von Fraas analysierte Pflanze, bei der 20–26 Prozent Tannin gefunden wurden.

Polygonum Bistorta. Häufig in feuchten Gebieten in England. Bistort wird auch „Eastermer Giants“ genannt; in Cumberland werden die jungen Blätter zur Herstellung von Kräutepuddingen verwendet. Fraas fand in den Wurzeln 16–21 Prozent Tannin.

Weitere Arten enthalten ebenfalls viel Tannin. Perkin fand in P. cuspidatum, einer in Indien und China heimischen Pflanze, die häufig als Zierpflanze in Gärten angebaut wird, ein rotes Farbstoff. P. tinctorium wird in China und Japan als Quelle für Indigo verwendet.

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Coccoloba uvifera – die „Meertraube der Westindischen Inseln“; Quelle für das westindische Kino. Die ganze Pflanze ist reich an Tanninen.

LAURACEÆ, Lorbeergewächse.

Persea, oder Laurus lingue. Die Rinde wird in Chile zur Gerbung von Leder verwendet. (Laut Arata: Laurus caustica.) Es handelt sich um einen Baum, der 25–30 Fuß hoch und 2 Fuß im Umfang ist. Die Rinde ist außen rau und weißlich, hat einen aromatischen Geruch und Geschmack, ist brüchig und lässt sich leicht zermahlen. Sie enthält 17–19 Prozent eines Katechol-Phloroglucols-Tannins sowie eisenhaltige Salze (Journ. Chem. Soc., 1881, S. 600). Jährlich werden in Valdivia und Umgebung etwa 60.000 Tierhäute mit dieser Rinde gegerbt; diese werden meist nach Hamburg geschickt. Die Häute sind dick und kaum vollständig gegerbt; ihre Farbe ist hell, das Leder weich und porös.

Persea Meyerina N. und Laurus Pneumo. Angeblich werden auch diese Pflanzen in Chile verwendet.

SANTALACEÆ.

Osyris compressa (Fusanus compressus, Colpoon compressum, Thesium Colpoon) – „Kap-Sumach“. Blätter und Rinde stammen vom Kap der Guten Hoffnung. Die Blätter enthalten etwa 23 Prozent Tannine und stellen eine nützliche Alternative zum Sumach dar; doch die Tannine sind nicht identisch und gehören zur Kategorie der Katecholtannine, ähnlich wie die des Gambiers. O. arborea – Nordindien. Die Blätter sind reich an Tanninen. Fusanus acuminatus (Santalum acuminatum) – „Quandony“. Australien. Enthält 18–19 Prozent Tannine; die Farbe ist dunkel. Exocarpus cupressiformis – Australien. Die Rinde enthält 15 Prozent Tannine.

DAPHNOIDÆ, Spurgelorbeergewächse.

Daphne Cnidium L. – „Garou“. Algerien. Wird zur Färbung und Gerbung verwendet.

PROTEACEÆ.

Banksia serrata – „Heath-Honeysuckle“. Australien. Ein untersuchtes Exemplar enthielt 11 Prozent Tannine; laut Maiden können es bis zu 23 Prozent sein.

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Banksia integrifolia. Queensland. Die Rinde enthält 11 Prozent Tannine.
Grevillia striata. Australien. Die Rinde enthält 18 Prozent Tannine.
Leucospermum conocarpum. Kap der Guten Hoffnung. Laut de Lof enthält diese Pflanze 22 Prozent Tannine; doch ein von dem Autor untersuchtes Exemplar wies bei der Analyse 10,9 Prozent Tannine auf.
Protea mellifera. Kap der Guten Hoffnung. Laut de Lof enthält sie 25 Prozent Tannine; Palmer fand hingegen 18,8 Prozent.
Protea grandiflora. Kap der Guten Hoffnung. Enthält laut de Lof 25 Prozent Tannine; Palmer fand 15,9 Prozent, Procter 15,6 Prozent.
Protea speciosa. Kap der Guten Hoffnung.
Leucadendron argenteum – Silberbaum. Die Rinde soll 16 Prozent Tannine enthalten (de Lof); ein vom Autor untersuchtes Exemplar wies 9,2 Prozent Tannine auf.
Brabium stellatifolium – Wilde Mandelbaum.

PLUMBAGINÆ.
Plumbago europaea – Bleiwurz. In England eine Gartenpflanze; in Frankreich heimisch. Enthält viel Tannin, insbesondere in der Wurzelrinde.
Statice coriaria – Sumpf-Rosenmarin. Südlich Russlands. Die Wurzeln sind bis zu 3 Meter lang und 2–12 cm dick; von den Kalmücken zur Gerbung von Schaffellen verwendet. Enthält 22 Prozent Tannine (de Lof).
Statice limonum – Meer-Lavendel. An Küsten und Salzwiesen in Europa und Amerika. Enthält mehr Tannine als S. coriaria; in Frankreich, Spanien und Portugal verwendet.
Mehrere weitere Arten enthalten Tannine. Diese Pflanzen sind mit der Art „Armeria“ verwandt.

MALPIGHIACEÆ.
Byrsonima spicata – Antillen; „Tamwood“.
Byrsonima coriacea – Jamaika; „Goldene Löffel“.
Byrsonima chrysophylla usw.
Malpighia punicifolia – Nicaragua; „Nancite“; „Mangrutta“. Die Rinde enthält 20–30 Prozent hell gefärbte Tannine.

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POLYGALACEÆ, Familie der Milchwortgewächse.

Krameria triandria, Rhatany, Peru. Die Wurzel wird in der Medizin verwendet und enthält angeblich 40 Prozent Tannine. Wittstein fand in der Rindenrinde – dem einzigen aktiven Teil der Wurzel – nur 20 Prozent eines eisengrünen Katechol-Phloroglucol-Tannins, das mit dem Tannin des Tormentils verwandt ist.

ANACARDIACEÆ.

Loxopteryngium Lorenzii, spanisch Quebracho colorado. Südamerika, insbesondere die Republik Argentinien; der höchste Anteil an Tanninen findet sich im Holz aus der Region Gran Chaco. Das Holz enthält im Durchschnitt etwa 20 Prozent eines roten, schwer löslichen Tannins, aus dem „Rote“ hergestellt werden können; außerdem enthält es Katechol und Phloroglucol. Das Tannin ist nicht sehr wasserlöslich und kann daher nur in schwachen Lösungsmitteln verwendet werden. Es ist jedoch sehr adstringierend und erzeugt ein festes, rötliches Leder. Das Holz enthält außerdem ein Katechin sowie eine Farbstoffsubstanz namens Fustin, die identisch mit der des „jungen Fustics“ ist. Es wird nach England importiert, insbesondere nach Le Havre und Hamburg, in Form von Stämmen. Dort werden diese wie Logwood zerkleinert und entweder direkt zur Gerbung verwendet oder zu Extrakten verarbeitet. Es handelt sich dabei um einen sehr günstigen Gerbstoff. In Kombination mit Alaun entsteht eine gelbe Farbe. Der Extrakt löst sich in der Regel zu einer braunfarbenen, trüben Lösung auf. Viele Quebracho-Extrakte werden heute durch Behandlung mit Alkalien oder Sulfiten vollständig löslich gemacht (vgl. S. 338).

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[139] Siehe P. Arata, Journ. Chem. Soc., 1878, A, S. 986; 1881, A, S. 1152 sowie Perkin und Gunnell, Trans. Chem. Soc., 1896, S. 1303.
„Quebracho“ bedeutet „Axtzerbrecher“ und wird daher auf verschiedene harte Hölzer angewendet. Seine Dichte liegt bei 1,27–1,38, weshalb er im Wasser sinkt.
Pistacia lentiscus – auf Italienisch Pistacio, auf Französisch Lentisque. Vorkommen: Sizilien, Zypern, Algerien.
Die kleinen, myrtenartigen Blätter enthalten 12–19 Prozent Katecholtannin und werden häufig zur Fälschung von Sumach verwendet. Leder, das mit solchem Sumach gefärbt wurde, dunkelt und rötet sich bei Kontakt mit Licht und Luft – aus diesem Grund ist seine Verwendung in vielen Fällen äußerst schädlich. Auf Zypern und im Osten ist es als „Skens“ bekannt; auf Italienisch Schinia, auf Französisch Poudre de Lentisque. In England wird es oft als Zypernsumach bezeichnet. (Vgl. S. 272.)
P. orientalis, Terebinthus, Vera usw. – Vorkommen: Indien, Mittelmeerraum. Verschiedene Blattläusezysten, 30–40 Prozent Tannin. Ein Probenstück von Zysten der Pistacia vera, „Gool-i-pista“, aus Indien, das kürzlich im Labor des Autors untersucht wurde, enthielt 30 Prozent eines hellfarbigen Tannins.
Schinus molle – „Molle“; Vorkommen: Buenos Aires. Nur die Blätter werden verwendet; man sagt, sie enthielten 19 Prozent Tannin.
S. Aroeira – Brasilien. Man sagt, sie enthielten 14 Prozent Tannin.
Rhus coriaria – Sizilianischer Sumach. Auf Italienisch Somacco. (Abb. 53.) Ein strauchiger Strauch, dessen Blätter und kleine Zweige verwendet werden.

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Abb. 53 – Sizilianischer Sumach (Rhus coriaria).

In der Regel wird er durch Ausläufer älterer Pflanzen vermehrt. Diese werden Anfang Frühling in Reihen mit einem Abstand von etwa zwei Fuß gepflanzt und auf eine Höhe von 6–8 Zoll zurückgeschnitten. Die Sträucher beginnen bereits im Jahr nach der Pflanzung Früchte zu tragen, doch ihre Qualität ist nicht so gut wie bei reiferen Pflanzen. Die Ernte erfolgt entweder durch Abschneiden der Triebe oder durch manuelles Sammeln der Blätter; in letzterem Fall werden die Sträucher im Winter beschnitten. Die Blätter werden entweder auf den Feldern oder auf überdachten Dreschplätzen getrocknet, wobei sie anschließend durch Schlagen von den Stängeln getrennt werden. Ein Teil wird in diesem Zustand als „Blatt-“ oder „Ballen-Sumach“ exportiert, doch der größte Teil wird unter Verwendung von Mahlmaschinen zu feinem Pulver zermahlen. „Ventilierter“ Sumach wird gesiebt, um Staub und Sand – der oft Eisen enthält – zu entfernen. „Mascolino“ ist der beste Sumach aus Palermo und Umgebung; „Feminella“ besteht aus schwächeren Sorten aus anderen Gebieten und wird in der Regel zur Mischung verwendet.

Die verschiedenen Sorten des Sumachs werden wie folgt eingestuft: Relativer Marktwert.

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Sumach zum Ballen: 2,5
Zerkleinerung: 2,3
Aus Jungpflanzen: 1,5
Enden von Zweigen, die im Herbst gesammelt werden: 1,0

Um diese verschiedenen Qualitäten für den endgültigen Verbrauch vorzubereiten, werden sie in Mühlen zerkleinert, die denen ähneln, die zur Zerkleinerung von Oliven verwendet werden – also solche, in denen zwei große Steinräder hintereinander auf einer kreisförmigen Ebene rotieren. Die gesamte Konstruktion entspricht in etwa der des spanischen oder mexikanischen Arrastre-Verfahrens. Der so zerkleinerte Sumach wird anschließend durch Siebe geführt, um die feineren von den groberen Partikeln zu trennen.

Nachdem das Sumachblatt dem ersten Zerkleinerungsprozess unterzogen wurde, werden die verbleibenden groben Teile erneut zerkleinert und dem bereits gewonnenen Produkt hinzugefügt. Der noch unzerkleinerte Rest, sogenanntes Peduzzo, wird gesiebt; die groberen, nicht zerkleinerbaren Teile dienen als Brennstoff, während die feineren Teile mit den teilweise zerkleinerten, kleinen, blatttragenden Zweigen (Gambuzza, Gammuzza) vermischt und erneut zerkleinert werden.

Palermo ist der wichtigste Handelsplatz für Sumach. Das Material wird in der Regel von Zwischenhändlern bei kleinen Anbauern gekauft, die es bis zu günstigen Marktbedingungen aufbewahren. Die Preise werden stets in Tarì angegeben – 42,5 Cent pro Cantar à 79,342 Kilogramm. Diese Angaben sind selbst auf Sizilien veraltet und müssen in Lire bzw. Francs sowie Kilogramm umgerechnet werden. Somit entspricht 1 Tarì pro Cantar 0,53565 Lire pro 100 Kilogramm.

Im Jahr 1894 lagen die Preise in den Mühlen bei etwa 41–42 Tarì für Mascolino, 37–38 Tarì für Femminello, 14–18 Tarì für Brusca und 10 Tarì für Stinco pro Cantar; eine Lira war damals etwa 9d wert.[140]
[140] Vgl. „Kew Bulletin“, Nr. 107, S. 293–296.

Sumach wurde auch nach Australien eingeführt und soll dort in den trockenen Ebenen der Wimmera-Region gut gedeihen. Sumach enthält oft viel Sand sowie manchmal Partikel aus magnetischem Eisenerz, die schwarze Flecken verursachen. Diese können mit einem Magneten entfernt werden. Sie lösen sich in verdünnter Salzsäure ohne Wasserstoffentwicklung in einer gelben Lösung auf. Metallisches Eisen, das ebenfalls vom Magneten angezogen wird, löst sich in Salzsäure mit Schaumbildung in einer farblosen oder grünen Lösung auf. Guter Sumach enthält mindestens 25–27 Prozent Tannine. Der Autor hat Proben von unbestreitbar echtem Sumach analysiert, die bis zu 32 Prozent Tannine enthielten – hauptsächlich Gallotannine, sowie etwas Ellagottanninsäure und ein Farbstoff (Myricetin), der dem von Myrica nagi entspricht (S. 250). Dieser Farbstoff ergibt Gelbtöne in Kombination mit Aluminium- und Zinnmordanten und ist lichtempfindlich.

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Sumach ist das beste Gerbmaterial, das aufgrund seiner blassen Farbe und des weichen Gerbstoffscharakters bekannt ist. Deshalb wird er für Lederteile in den Farben Morocco, Roan, Skiver usw. verwendet – sowie zur Aufhellung von Lederarten mit dunklerem Gerbstoffcharakter, wie z. B. Mimosa- oder Gambierleder. Die Farbstoffe dieser Lederarten scheinen von warmen Sumach-Lösungen aufgelöst werden zu können. In dem Bericht des Ausschusses der Society of Arts zur Verarbeitung von Buchbindungsledern[141] wird anhand zahlreicher Belege festgestellt, dass Leder, die mit Sumach gegerbt wurden, weniger von Licht und Gasdämpfen beeinträchtigt werden und weniger anfällig für Zersetzung sind als Leder, die mit anderen bekannten Gerbmitteln gegerbt wurden. [141] Soc. Arts. Journ., 1901, S. 14.

Sumach wird häufig mit gemahlenen Blättern und Zweigen von Pistacia lentiscus („Schinia“ oder „Skens“), Coriaria myrtifolia („Stinco“), Tamarix africana („Brusca“), Ailantus glandulosa, Vitis vinifera (Blätter der gewöhnlichen Rebe) sowie einigen anderen Arten aus der Familie der Rhus-Arten verunreinigt. Doch Pistacia lentiscus wird in weitaus größerem Maße verwendet als alle anderen Arten. Pistacia, Coriaria und Tamarix enthalten zwar beträchtliche Mengen an Gerbstoffen – allerdings weniger als echter Sumach – und diese haben eine andere chemische Zusammensetzung. Die zufriedenstellendste Methode zur Erkennung dieser Verunreinigungen ist die mikroskopische Untersuchung; keine der vorgeschlagenen chemischen Methoden ist besonders zuverlässig. Da viele der zugesetzten Stoffe Katecholgerbstoffe enthalten, während die Gerbstoffe des Sumachs reinen Pyrogallolderivaten entsprechen, könnte die von Hughes vorgeschlagene Methode zur Erkennung von Quebracho im Eichenholz durch die Reaktion mit konzentrierter Schwefelsäure (S. 296) nützlich sein. Jede Sumach-Infusion, die durch Bromwasser trüb wird, stünde zumindest unter starkem Verdacht.

TABELLE III.

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Ailantus glandulosa. Coriaria myrtifolia.

Colpoon compressa. Rhus cotinus.

TABELLE IV.

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Pistacia lentiscus. Rhus metopium.

Rhus coriaria. Tamarix Africana.

Die wichtigsten Arbeiten zur mikroskopischen Struktur der Gewebe des Sumachs sowie seiner Fälschungsmittel wurden von Andreasch durchgeführt, als er in den späten Stadien seiner letzten Krankheit gezwungen war, auf Sizilien zu überwintern.[142] Seine Arbeiten lohnen sich durchaus, erlauben aber leider keine nützlichen Zusammenfassungen hier. Eine sehr nützliche Untersuchung wurde außerdem im Labor des Autors von den Herren durchgeführt.

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M. C. Lamb und W. H. Harrison[143] bezüglich der Behandlung und Untersuchung der Blattcutikeln – dadurch wird die Erkennung von Mischungen relativ einfach. Für weitere Details muss man sich das Originalartikel ansehen. Wenn das verdächtige Material einige Minuten lang mit konzentrierter Salpetersäure erwärmt wird, wird seine feinere Blattstruktur vollständig zerstört. Nach Waschen und Neutralisierung mit Natriumcarbonat bleiben die widerstandsfähigen Cutikeln der Blätter der häufigeren Fälscherarten – „Schinia“ (Pistacia lentiscus), „Stinco“ (Coriaria myrtifolia), „Brusca“ (Tamarix africana) sowie Ailantus glandulosa – unbeschädigt und können somit leicht erkannt werden. Die Untersuchung wird durch Färben der Cutikeln erleichtert; Safranin, Säuregrün, Bismarckbraun und Naphtholgelb eignen sich dazu. Mr. Lambs Fotografien der Cutikeln sind auf den Tafeln III und IV abgebildet. Doch wenn möglich, ist es am zufriedenstellendsten, das verdächtige Probenstück direkt mit bekannten Exemplaren der Fälscherarten zu vergleichen.
[142] „Sicilianischer Sumach und seine Verfälschung“, Wien, 1898.
[143] „Sumach and the Microscopic Detection of its Adulterants“, Journ. Soc. Dyers and Colorists, März 1899.

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Abb. 54 – Amerikanischer Sumach (Rhus glabra).

R. glabra, südliche Bundesstaaten der USA (Abb. 54). In den USA wird er häufig eingesetzt, um den sizilianischen Sumach zu ersetzen. Ein von dem verstorbenen Professor Trimble gesammeltes und im Labor für Lederindustrie analysiertes Proben enthielt 25 Prozent Tannine und ergab ein Leder in einer viel dunkleren Farbe als das aus Sizilien.

R. typhina, „Staghorn“- oder Virginischer Sumach, enthält 10–18 Prozent Tannine. Ein Proben aus derselben Quelle enthielt 13 Prozent Tannine.

R. cotonoides, USA. Die Analyse eines Proben dieses Materials ergab 21 Prozent Gerbstoffe; das daraus gegerbte Leder hatte eine fast gleiche Farbe wie das aus R. glabra.

Weitere Arten, die in den USA vorkommen: R. semialata (5 Prozent Tannine); R. aromatica (13 Prozent Tannine); R. metopium (8 Prozent); R. copallina, R. pumila, R. canadensis. R. toxicodendron ist die bekannte „Giftsumache“, eine Kletterpflanze, die bei Berührung zu starken, reizenden Hautausschlägen führt.

R. glabra und R. copallina werden vor allem für eine großflächige Anpflanzung in den Vereinigten Staaten empfohlen.

In Virginia sammeln die Einheimischen die Blätter und trocknen sie, um sie anschließend an Besitzer von Mühlen zum Zerkleinern zu verkaufen. Ihr Hauptziel ist es, bei möglichst niedrigen Kosten die größtmögliche Menge an Produkt zu erhalten; daher wird kaum Aufmerksamkeit auf die Qualität oder die Art der Ernte gelegt. Die klügsten Händler für Rohmaterial raten den Sammlern, folgende Punkte zu beachten: Um einen maximalen Wert für die Gerbung zu gewährleisten, sollten die Blätter erntet werden, solange sie noch voller Saft sind – bevor sie rot werden, zu verwelken beginnen oder vom Frost betroffen sind. Entweder können die blatttragenden Stängel abgeschnitten werden oder der ganze Stängel abgeschnitten werden, wobei die Blätter vor dem Transport in die Trockenkammer verwelken dürfen; dabei muss jedoch darauf geachtet werden, dass sie weder verbrannt noch durch die Sonne gebleicht werden. Wenn die Blätter verwelkt sind, werden sie an einen überdachten Ort gebracht und auf offenen Regalen zum Trocknen ausgebreitet. Es sollte vermieden werden, eine zu große Menge an einem Ort zu lagern, da dies durch Überhitzung und Gärung die Qualität des Produkts beeinträchtigen könnte. Der Sumach sollte mindestens einen Monat in der Trockenkammer bleiben, bevor er auf den Markt gebracht wird; bei schlechtem Wetter kann eine längere Zeit erforderlich sein. Wenn er zum Verpacken bereit ist, sollte er vollständig trocken und sehr brüchig sein; andernfalls kann er in den Lagern durch Heizung und Gärung Schaden nehmen.

Käufer von Sumachblättern zum Zerkleinern orientieren sich hauptsächlich an der Farbe zur Bestimmung des Wertes; daher sollten die Blätter, wenn sie zum Verkauf bereit sind, …

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Auf dem Markt weisen sie eine hellgrüne Farbe auf – das ist ein Zeichen dafür, dass sie weder nach der Ernte vom Regen noch während des Trocknungsprozesses beeinträchtigt wurden. Blätter mit schimmeligem Geruch oder Aussehen werden abgelehnt. Die Ernte aus Virginia beträgt 7000–8000 Tonnen und wird zu jedem Zeitpunkt zwischen dem 1. Juli und dem Auftreten von Frost eingebracht. Es besteht ein erheblicher Unterschied im Wert der europäischen und amerikanischen Produkte: Der Anteil an Gerbstoffen in den amerikanischen Produkten ist in der Regel niedriger als in den europäischen, die daher bei Lederherstellern und Färbern bevorzugt werden. Durch den Einsatz des sizilianischen Sumachs lassen sich die feinsten weißen Leder herstellen, während bei Verwendung des amerikanischen Produkts das Leder eine unangenehme gelbe oder dunkle Farbe erhält – offensichtlich aufgrund eines Farbstoffs, der in der amerikanischen Variante in größerer Menge vorkommt als in der sizilianischen. Experimente zur Prüfung des Vorhandenseins solcher Farbstoffe durch Behandlung einer Sumach-Infusion mit einer Gelatine-Lösung ergaben folgende Ergebnisse: Virginia, gemischt, im Juni geerntet, lieferte einen nahezu weißen Niederschlag; im Juli einen deutlich gelblich-weißen Niederschlag; R. copallina im August einen schmutzig-gelben Niederschlag; R. glabra ebenfalls einen sehr schmutzig-weißen Niederschlag; Fredericksburg, gemischt, ebenfalls einen schmutzig-gelben Niederschlag; Sizilianischer Sumach einen leicht gelblich-weißen Niederschlag. Zur Herstellung weißer sowie fein gefärbter Leder sollte daher die Ernte im Juni stattfinden; zur Herstellung dunkelfarbiger Leder sowie zum Färben und Drucken in Dunkeltönen, wo ein leicht gelber Schimmer keinen schädlichen Effekt hat, kann die Ernte im Juli erfolgen. Es scheint, dass der Sumach, der nach dem 1. August geerntet wird, für alle Zwecke eine geringere Qualität aufweist. Experimentelle Ergebnisse bezüglich des Prozentsatzes an Gerbstoffen, der bei der Ernte des Sumachs in verschiedenen Jahreszeiten erzielt wurde, zeigten: Prozentanteil an Gerbstoffen: Virginia, gemischt, im Juni geerntet, 22,75 %; im Juli 27,38 %; R. glabra im August 23,56 %; R. copallina 16,99 %; Sizilianischer Sumach sowie R. coriaria 24,27 %. Es ist daher offensichtlich, dass man zum Erhalt der maximalen Menge an Gerbstoffen den Sumach im Juli ernten sollte – doch der Farbstoffgehalt der Blätter hat einen erheblichen Einfluss auf den Wert des Produkts. Die Blätter an den oberen Enden der Stängel enthalten stets mehr Gerbstoffe als die anderen Blätter.

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Der Anteil dieses Säures nimmt mit zunehmendem Alter der Pflanze allmählich ab. Die zum Zerkleinern der Sumachblätter verwendete Maschine besteht aus einem schweren, festen, kreisförmigen Holzbett mit einem Durchmesser von 15 Fuß. An den Rändern des Bettes befindet sich eine Vertiefung, die einige Zoll tief und 1 Fuß breit ist – sie dient dazu, das zerkleinerte Sumachmaterial aufzunehmen. Zudem gibt es zwei Rollen an den Rändern, die jeweils etwa 2500 Pfund wiegen, einen Durchmesser von 5–6 Fuß haben und mit zahlreichen Eisen- oder Holzzähnen ausgestattet sind. In Europa sowie in einigen Teilen der südlichen Staaten wird Sumach immer noch durch Steine zerkleinert, die auf einem Steinbett rotieren; das Sieben geschieht oft von Hand.

Abb. 55 – Venezianischer Sumach (Rhus cotinus).

R. cotinus, Venezianischer Sumach. Französisch: Arbre à perruques; Deutsches: Perrukenstrauch (Abb. 55). Er ist eher als Färbemittel denn als Gerbmaterial wichtig. Seine Zweige und das Holz enthalten einen hohen Anteil an Farbstoffen – insbesondere Fisetin. In Kombination mit Zinn- und Aluminiumverbindungen erzeugt dies leuchtend gelbe Farben. Der Farbstoff ähnelt stark dem in R. coriaria vorkommenden Myricetin, ist aber nicht identisch damit.[144]

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Die Blätter, die als türkischer oder venezianischer Sumach bekannt sind, enthalten etwa 17 Prozent Gerbstoffe und werden zum Gerben verwendet.
[144] Perkin und Allen, Trans. Chem. Soc. 1896, 1299.

R. pentaphylla, „Tezera“, aus Algerien, wird von den Arabern zum Gerben von Ziegenhäuten verwendet.
R. Thunbergii, Kliphout, Kap der Guten Hoffnung. Ein Probenstück des Rindenmaterials, das im Labor des Autors analysiert wurde, enthielt 28 Prozent Gerbsubstanz. Es handelt sich um ein wertvolles, rötlich gefärbtes Gerbmaterial. Der Gerbstoff gehört zur Kategorie der Catechine. Mehrere andere Arten der Gattung Rhus werden ebenfalls zum Gerben verwendet. R. semialata erzeugt chinesische und japanische Gallen, die bis zu 70 Prozent Gallotanninsäure enthalten. Diese Gallen entstehen nicht durch Fliegen, sondern durch den Befall durch Blattläuse – genauso wie die Gallen der verwandten Gattung Pistacia.[145] Die Blattläuse verbringen ihre ungeschlechtliche Entwicklungsphase innerhalb der großen, dünnwandigen Gallen. Eine ähnliche Blattlaugall kommt beim amerikanischen Sumach vor. Ein Probenstück der Blätter, das am Yorkshire College untersucht wurde, enthielt nur 5 Prozent Gerbstoffe.
[145] Siehe Flückiger und Hanbury, ‘Pharmacographia’.

Mangifera indica, Mango, weit verbreitet in den Tropen. Rinde und Blätter sind reich an Gerbstoffen; diese verleihen in Kombination mit Eisen eine grün-schwarze Farbe.

CORIARIACEÆ.

Coriaria myrtifolia, französischer Sumach (es gibt vier Sorten: fauvis, douzère, redoul oder redon sowie pudis). Ein giftiger Strauch aus Südfrankreich; die Blätter werden zum Gerben sowie als Betrugsmittel unter dem Namen „Stinco“ verwendet; sie enthalten etwa 15 Prozent Gerbstoffe. (Vgl. S. 272.)
Die Rinde von Coriaria ruscifolia, auch „Tutu“ aus Neuseeland genannt, enthält 16–17 Prozent Gerbstoffe.
Andere Arten der Gattung Coriaria verdienen weitere Untersuchungen; sie enthalten offenbar viel Gerbstoff.

RUBIACEÆ.

Rubia, Madder, verwandt mit den Galium-Arten, die die fast einzigen englischen Vertreter dieser Familie sind. Kaffee- und Chinapflanzen sind fremde Vertreter dieser Familie.
Nauclea oder Uncaria gambir. Ostindien. (Abb. 56.) Ein kletternder Strauch, Quelle für „Gambier“ oder „Terra Japonica“; er wird auch „Catechu“ genannt, genauso wie mehrere andere feste Extrakte. Gambier wurde erstmals vom niederländischen Händler beschrieben.

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Couperus, im Jahr 1780; Pflanze wurde 1758 in Malakka eingeführt; Plantagen wurden 1819 in Singapur angelegt.
Die Anpflanzung erfolgt hauptsächlich von Chinesen auf sehr grobe Weise; es wird ein schneller Ertrag erzielt, doch durch die angewandte Behandlung ist eine Plantage nach zehn bis fünfzehn Jahren erschöpft. Die Ernte beginnt drei Jahre nach dem Pflanzen und findet zwei bis viermal jährlich statt, wobei kaum Rücksicht auf die Gesundheit der Sträucher genommen wird – die Pflanzen werden so stark geerntet, dass ihnen kaum noch Blätter zum Überleben bleiben. Es gilt als vorteilhaft, den Pfefferanbau mit dem des Gambiers zu kombinieren: Die abgenutzten Blätter bieten einen guten Schutz für die Wurzeln der Pfefferpflanzen, haben aber nur geringen Düngewert.

Abb. 56 – Gambierstrauch (Nauclea gambir).
Die Ernte wird mit einem Messer namens Parang durchgeführt; ein größeres Messer wird verwendet, um die Blätter und Zweige vor dem Einlegen in einen Topf zu zerschneiden.

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Es wird mit Wasser erhitzt, bis die Flüssigkeit – die während des Vorgangs ständig mit einem hölzernen, fünffach gezackten Rührgerät umgerührt wird – sirupartig wird. Anschließend werden die Blätter mit einer Holzgabel herausgeholt und auf einem Tablett abgetropft, sodass die Flüssigkeit wieder in den Kessel zurückfließt. Die noch im Kessel verbleibenden groben Stoffe werden mit einem Sieb entfernt; die feineren Bestandteile werden durch Abseihen der Flüssigkeit durch eine perforierte Kokosnussschale in kleine, flache Behälter geleitet, wo sie unter ständigem Rühren mit einem zylindrischen Holzstab abkühlen dürfen. Der Holzstab wird dabei in rotierender Bewegung nach oben und unten bewegt, bis sich das Catechin kristallisiert. Wenn die Masse vollständig gekühlt ist, wird sie aus dem Behälter genommen, mit einem Messer mit ringförmiger Klinge in Würfel mit einer Kantenlänge von 1 Zoll geschnitten und auf Bambustellern in Schuppen getrocknet – manchmal auch über Holzfeuer geräuchert.

Guter Gambier in Würfelform ist eine erdige Substanz: Außen ist er dunkel, innen hingegen hell aufgrund der Kristallisation des Catechins. Catechin selbst ist kein Gerbstoff, wird aber offenbar durch Trocknen bei 110–126 °C in einen Gerbstoff umgewandelt, wobei dabei eine Wassermolekül abgespalten wird. Es ist sehr wahrscheinlich, dass ein ähnlicher Prozess auch in Gerbereien stattfindet. Der entstehende Gerbstoff ist ein Derivat des Catechol-Phloroglucins; er ist weniger adstringierend als die meisten Gerbstoffe dieser Gruppe und hat eine helle Farbe. (Siehe S. 297.)

Eine günstigere Qualität, sogenannter „Block-Gambier“, wird statt in Würfel in große, längliche Blöcke mit einem Gewicht von etwa 250 Pfund geformt. Diese werden in Matten eingewickelt und in pastösem Zustand exportiert. Sie enthalten laut der Methode mit Lederpulver 35–40 Prozent Gerbstoff, während die besten Würfel bis zu 50–65 Prozent enthalten. Neben diesen Formen werden noch verschiedene andere hergestellt – hauptsächlich für den lokalen Gebrauch zum Kauen zusammen mit Betelnüssen in Form kleiner Kekse oder in Form dünner Scheiben („Wafer-Gambier“), indem die pastöse Masse in Bambusrohre gefüllt und daraus dünne Scheiben geschnitten werden. Diese Formen sind in der Regel hell gefärbt und sehr reich an Catechin.

Weitere Informationen zur Chemie und Verwendung von Gambier finden Sie auf den Seiten 228, 231, 239 usw.

APOCYNACEÆ

Aspidospermum quebracho. Sp. Quebracho blanco. Brasilien. Die Rinde enthält Aspidospermin, ein Alkaloid, das in der Medizin verwendet wird; doch sowohl Rinde als auch Holz enthalten nur wenig Gerbstoffe.

Quebracho colorado: Siehe Anacardiaceæ, S. 269.

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ERICACEÆ, Heidekrautgewächse.

Arctostaphylos (oder Arbutus) uva-ursi, Bärenbeere. Wird in Russland und Finnland verwendet; Zweige und Blätter enthalten angeblich 14 Prozent Gerbstoffe. Oft wird sie mit Blättern von Vaccinium vitis-idæ oder Kuhsbeere verunreinigt.
Arbutus unedo, Gewöhnlicher Arbutus. Blätter, Früchte und Rinde werden an den Mittelmeerküsten verwendet.

VACCINIÆ.

Vaccinium Myrtillus, Heidelbeere. Wird im Piemont verwendet.

SAXIFRAGEÆ.

Weimannia glabra L., „Curtidor“-Rinde. Venezuela.
Weimannia macrostachys D.C. Réunion.
Weimannia racemosa, Neuseeländische Towai- oder Tawheri-Rinde.
Diese Arten enthalten 10–13 Prozent eisenblauender Gerbstoffe; sie werden zwar praktisch genutzt, sind aber nicht besonders wichtig.

TAMARISCINIÆ.

Die meisten Arten dieser Gruppe weisen nur geringe Mengen an Gerbstoffen auf, doch einige Arten haben Gallen, die reich an Gerbstoffen sind.
Tamarix africana; Ägypten, Algerien. Die Gallen enthalten 26–56 Prozent Gerbstoffe. Die kleinen Zweige werden in Tunesien gesammelt, getrocknet und zermahlen, um anschließend nach Sizilien importiert zu werden – dort dienen sie zur Verunreinigung von Sumach unter dem Namen „Brusca“. Sie enthalten etwa 9 Prozent Gerbstoffe. (Vgl. S. 272.)
T. articulata, Marokko: Erzeugt Gallen, die durch Blattläuse entstehen; in Arabien werden diese Gallen Takout genannt. Laut Vogel enthalten sie 43 Prozent Gerbstoffe.
Tamarix gallica, wird in Spanien und Italien verwendet.

OXALIDEÆ.

Oxalis gigantea, Quelle für die Churco-Rinde, Chile. Es handelt sich um eine dünne, brüchige, dunkelrote Rinde – meist etwa 2 mm dick; Kork und Rossin sind völlig abwesend. Die Rinde ist brüchig.

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Die Zellen werden dünner. Sie enthalten etwa 25 Prozent eines leicht extrahierbaren, dunkelroten Tannins; in Kombination mit Eisen entsteht dabei eine grün-schwarze Farbe. Die Rinde wurde fälschlicherweise Fuchsia macrostemma zugeschrieben. (Vgl. Von Höhnel, „Die Gerberinden“, S. 125, sowie dieses Buch, S. 284.)

COMBRETACEÆ.

Mehrere Familien dieser Gattung umfassen Bäume, die reich an Tanninen sind. Am wichtigsten sind jedoch die Myrobalanen – oft, aber falsch, als Myrabolams oder Myrabolans bezeichnet –, also die unreifen Früchte verschiedener Arten der Gattung Terminalia aus Indien.

Abb. 57 – Myrobalan-Baum (Terminalia Chebula).

T. Chebula (Abb. 57) ist ein 40–50 Fuß hoher Baum, der gutes Holz liefert. Er ist die Quelle aller üblichen Sorten, die sich nur durch den Herkunftsraum sowie den Reifegrad der Früchte unterscheiden. Die Nüsse enthalten 30 bis 40 Prozent Tannine. Von den verschiedenen Sorten sind vermutlich jene bekannt, die als…

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„Bombays“ sind am wenigsten unreif, während die „lean greens“ am meisten unreif sind. Unreife Früchte enthalten den höchsten Gehalt an Tanninen. „Bombays“ haben eine glatte Schale mit groben Falten; sie sind porös und hell gefärbt, wenn man sie schneidet. „J’s“ (Jubbalpores) sowie „V’s“ (Vingorlas) weisen feinere und flachere Falten auf; sie sind härter, fester und daher dunkler im Aussehen – doch sie liefern keinen dunkleren Saft. „Lean greens“ hingegen sind grüner, enthalten weniger gelbe Farbstoffe und ähneln somit eher dem Sumach, dem sie in vieler Hinsicht ähneln – obwohl sie vermutlich im Verhältnis zum Gallotanninsäuregehalt mehr Ellagitanninsäure enthalten.

Die Nüsse sollten leuchtend gefärbt sein, weder von Würmern befallen noch „wachsartig“ oder weich. Wenn man sie an einem feuchten Ort aufbewahrt, saugen sie schnell Feuchtigkeit auf und werden wachsartig – in diesem Zustand sind sie sehr schwer zu mahlen, da sie an den Mahlwerksteilen haften bleiben.

Weder die großen, harten Steine noch ihre Kerne enthalten Tannine – doch die Kerne enthalten ein Öl, das dem Leder einen besonderen Geruch verleiht. Die Tannine befinden sich in großen, eher dickwandigen Zellen und lassen sich nicht leicht extrahieren. Die Schale der Nüsse ist gefaltet; doch die unzerdrückten Nüsse nehmen nach einiger Zeit im Wasser wieder ihre ursprüngliche, pflaumenförmige Gestalt an. Die Rinde enthält fast genauso viele Tannine wie die Früchte – außerdem liefert der Baum Gallen.

T. Belerica liefert „Beleric- oder Bedda-Nüsse“, die flauschig sind, runder und größer als gewöhnliche Myrobalanen-Nüsse. Sie enthalten etwa 12 Prozent Tannine und werden als Verunreiniger für gemahlene Myrobalanen verwendet. Ein Proben eines festen Extrakts aus der Rinde von T. Belerica enthielt 70 Prozent Tannine.

T. tomentosa hat flauschige Nüsse, die etwa 10 Prozent Tannine enthalten. Laut de Lof enthält die Rinde 36 Prozent Tannine. Ein Proben eines festen Extrakts enthielt 56 Prozent Tannine; die Rinde selbst enthält etwa 11 Prozent Tannine.

Es gibt noch einige weitere indische Arten. T. Catappa, die „Badamier-Rinde“ aus Mauritius, enthält 12 Prozent Tannine. T. mauritiana, die „Jamrosa-Rinde“, soll 30 Prozent Tannine enthalten. T. Oliveri vom Malaiischen Archipel liefert „Thann-Blätter“, aus denen ein Extrakt hergestellt wird, der als Ersatz für Kutch verwendet wird. Ein Proben dieses Extrakts aus Burma, das kürzlich im Labor des Autors untersucht wurde, enthielt 62 Prozent Tannine. Das Tannin handelt sich dabei um ein Catechol-Derivat, das sich vom Tannin der Acacia catechu dadurch unterscheidet, dass es kein Phloroglucinol enthält (S. 297).

Ein Proben einer Rinde aus Mandalay enthielt 31 Prozent Tannine, während die Blätter desselben Baumes 14 Prozent Tannine enthielten.

Emblic myrobalans – siehe S. 293.

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RHIZOPHORACEÆ – Mangroven.

Rhizophora mangle sowie andere verwandte Arten wachsen als Mangroven an den tropischen Küsten der ganzen Welt. Die Rinde weist je nach Art einen stark unterschiedlichen Gerbstoffgehalt auf – von 15 bis zu 40 Prozent (siehe Ceriops). Die Blätter, die in Havanna verwendet werden, enthalten angeblich 22 Prozent Gerbstoff. Laut Eitner enthalten die jüngeren Pflanzen den höchsten Anteil an Gerbstoff. Die Rinde von Rhizophora mangle gilt als minderwertig im Vergleich zu der einiger anderer Arten. Alle Bäume, die in Sümpfen wachsen und denselben Wachstumsmuster wie Mangroven aufweisen, werden in Ostindien „Bakau“ genannt (auf Englisch: mangrove). Verschiedene Arten von Ceriops liefern die beste Gerbstoffquelle. Ein Mangrovensumpf bei niedrigem Wasserstand besteht aus einem Gewirr von gewölbten Wurzeln, auf denen die Bäume ruhen. Der leicht extrahierbare Katecholgerbstoff hat eine dunkelrote Farbe und ähnelt dem der Mimosen. In Verbindung mit anderen Stoffen ist die rote Farbe weniger ausgeprägt; daher wird Mangrovenrinde heute häufig in Kombination mit Kiefer-, Eichen- und Mimosenholz verwendet. Auch mehrere andere Arten sind reich an Gerbstoffen und werden weltweit unter dem Namen „Mangle“ verwendet – genauso wie einige Arten von Conocarpus aus der Familie der Combretaceae.

Rhizophora mucronata – Indien und Burma. Der Gerbstoffgehalt der Rinde variiert erheblich; David Hooper vom Indian Museum in Kalkutta gibt einen Wert von 26,9 Prozent an. Dr. Koerner (Deutsche Gerberschule, Freiberg) analysierte im Jahr 1900 zwei Proben – eine enthielt 48 Prozent, die andere 21 Prozent Gerbstoff. Zwei kürzlich vom Autor untersuchte Proben aus dem British Imperial Institute wiesen jeweils nur 4,5 bzw. 6,1 Prozent Gerbstoff auf.

Ceriops candolleana – Bakau oder Tengah-Bark, Ostindien. Goran, Bengalen. Sie enthält bis zu 27 Prozent Gerbstoff und liefert ein Extrakt, das sich gut als Ersatz für Cutch eignet; für Färbungszwecke ist es fast gleichwertig mit Cutch. Das feste Extrakt enthält bis zu 65 Prozent Gerbstoff und ergibt ein gutes, aber dunkelrotes Leder.

Ceriops roxburghiana – ein etwas größeres Baumgewächs, das ebenfalls in den Sundarbans wächst. Die Rinde weist hinsichtlich ihrer Qualität und ihres Gerbstoffgehalts große Ähnlichkeiten mit der oben beschriebenen auf.

ONAGRACEÆ – Die Familie der Önothera-Arten.

Fuchsia excorticata – der einzige laubabwerfende Baum Neuseelands. Er enthält 5 Prozent Gerbstoff.

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Fuchsia macrostemma, Chile. Lieferant der Tilco- oder Chilco-Rinde. Die Churco-Rinde wurde fälschlicherweise dieser Pflanze zugeschrieben, stammt aber sicherlich von einer Oxalis-Art, wie die Behörden in Kew angeben. (Vgl. von Höhnel, „Die Gerberinde“, S. 125.)

GUNNERACEÆ.

Gunnera scabra (Pangue?), Pauke, Chile. Wird gelegentlich bei der Gerbung von Ziegenhäuten verwendet.

MYRTACEÆ.

Eucalyptus globulus sowie andere Eucalyptus-Arten, die in Australien häufig vorkommen und nach Algerien sowie Südeuropa eingeführt wurden (Zahnpflanzen), enthalten mehr oder weniger viel Catecholtannine. Ihr Saft ist die Quelle für das Botany-Bay- oder australische Kino, das bis zu 79 Prozent Tannine enthält. Mehrere Eucalyptus-Arten liefern adstringierende Extrakte; diejenigen aus der „roten“, „weißen“ oder „überfluteten“ Zahnpflanze (E. rostrata), dem „Blutholz“ (E. corymbosa) sowie E. citriodora eignen sich hervorragend zur Ersetzung der pharmazeutischen Sorte. Die Zahnpflanze wird hauptsächlich von Holzfällern gewonnen – sie befindet sich in zäher Form in eingedrückten Hohlräumen im Holz und wird dort schnell dickflüssiger, härter und brüchiger. In geringeren Mengen wird sie durch Einschnitte in die Rinde lebender Bäume gewonnen; dabei entsteht ein sirupartiger Flüssigkeit, aus der nach Verdunstung 35 Prozent feste Kino-Substanzen gewonnen werden können. Die Zahnpflanze wird aus Australien importiert, es liegen jedoch keine Statistiken darüber vor, in welcher Menge.[146]
[146] Vgl. Journ. Soc. Chem. Ind., 1902, S. 159.

Die Rinde von Eucalyptus longifolia, der „Wollrücken“ Australiens, enthält 8,3 Prozent Gerbstoffe sowie 2,8 Prozent Gallussäure. Der „Pfefferminzbaum“ enthält in seiner Rinde 20 Prozent Gerbstoffe. Die „Fadenrinde“ (E. obliqua) liefert 13½ Prozent Kinotannine. Der „Eisenrindenbaum“ aus Victoria (E. leucoxylon) enthält 22 Prozent Kinotannine, eignet sich jedoch nur für minderwertige Leder. Myrtus communis sowie mehrere andere Myrtenarten enthalten in ihrer Rinde und ihren Blättern eine beträchtliche Menge an Tanninen.

GRANATACEÆ.

Punica Granatum, Granatapfel. Die Schale des Fruchts wird in Spanien und im Osten als Ersatz für Sumach verwendet und enthält bis zu 25 Prozent Tannine. Die Rinde soll…

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Enthält 22 Prozent Tannine. Balaustinen, wilde Granatäpfel, Ostindien. Die Früchte sollen 46 Prozent Tannine enthalten.

ROSACEÆ.

Tormentilla erecta, Potentilla tormentilla. Die Wurzel enthält angeblich 20–46 Prozent Tannine. Rotes Leder, das früher auf den Orkney-Inseln, den Shetlandinseln und den Färöer-Inseln sowie in einigen Teilen Deutschlands verwendet wurde.

Sorbus oder Pyrus Aucuparia, Berg-Esche. Die Rinde soll härter sein als die von Eichen.

Viele andere Pflanzen dieser Familie enthalten Tannine – darunter auch die Erdbeere.

PAPILIONACEÆ.

Butea frondosa.[147] Diese Pflanze (zusammen mit Pterocarpus marsupium)[148] liefert das indische Kino. Die Blüten werden in Indien als Farbstoff unter dem Namen Tesu verwendet. Die Rinde ist recht reich an Tanninen.

[147] „Dictionary of Economic Products“, I.B., S. 944; Hummel und Cavallo, Proc. Chem. Soc. 1894, S. ii.

[148] Agricult. Ledger, 1901, Nr. 11, Gov. Printing Office, Kalkutta.

Pterocarpus oder Drepanocarpus senegalensis ist die Quelle für das afrikanische Kino, das bis zu 75 Prozent Tannine enthält.

Cæsalpinia coriaria, Divi-divi. Ein Baum von 20–30 Fuß Höhe, ursprünglich aus Mittelamerika stammend, der erfolgreich in Indien eingeführt wurde. Er wird hauptsächlich aus Maracaibo, Paraiba und Rio Hache importiert. Die getrockneten Samenkapseln enthalten 40–45 Prozent eines Pyrogalloltannins – hauptsächlich Ellagitat. Es handelt sich dabei um ein äußerst wertvolles Gerbmaterial – wären da nicht die Probleme durch Gärung sowie die plötzliche Entstehung einer dunkelroten Färbung. Die Ursachen sind nicht genau bekannt, doch offenbar lässt sich das Risiko erheblich verringern, indem Antiseptika verwendet werden. Wenn es in starken Alkoholen verwendet wird, ergibt sich ein schweres und festes Leder. Meist wird es jedoch als Teilersatz für Gambier bei der Gerbung von Leder eingesetzt. Bei der schnellen Trommelfärbung von leichtem Leder kann eine hervorragende Farbe erzielt werden. Es soll ein besonders festes und glänzendes Leder ergeben. Leder, das damit gegerbt wird, weist selbst dann, wenn es äußerlich eine gute Farbe hat, oft einen bläulich-violetten Schimmer auf – vermutlich aufgrund der Entstehung eines Farbstoffs, der dem des Logwoods ähnelt. Die Samen enthalten keine Tannine; diese befinden sich fast frei in der Schale der Samenkapsel. Die Samenkapseln sind etwa 3–4 cm lang, außen dunkel gefärbt und krümmen sich beim Trocknen in Form eines S.

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C. digyna – die Hülsen werden Tari oder Teri genannt. Sie kommt in Prome, Toungoo, Bassin, Mynang sowie in anderen Teilen Indiens und Burmas vor, wo sie als Farbstoff verwendet wird. Es wird gesagt, dass aus diesen Hülsen mehr als 50 Prozent Gerbstoff gewonnen werden können. Eine Probe aus Burma, die vom Imperial Institute zugesandt wurde und von dem Autor im Jahr 1900 untersucht wurde, enthielt 24 Prozent Gerbstoff; nach Entfernung der Samen enthielten die verbleibenden Hülsen bei Analyse 44 Prozent Gerbstoff. C. digyna verspricht, zu einem wertvollen Gerbstoffmaterial zu werden, sofern sie keine Neigung zur Gärung aufweist – eine Eigenschaft, die beim Divi-Divi ein großes Problem darstellt. Sie wurde in England unter dem Namen „White Tan“ eingeführt; daraus entsteht Leder, das genauso weiß ist wie Leder, das aus Sumach hergestellt wird. Allerdings scheint die Verfügbarkeit dieser Substanz derzeit ungewiss zu sein.

C. cacolaco – Cascalote, Mexiko. Die Hülsen sind reich an Gerbstoffen (bis zu 55 Prozent, laut Eitner). Sie sind größer und fleischiger als die des Divi-Divi; die Samen sind kleiner, der Gerbstoffgehalt ist ähnlich. Die Hülsen einiger anderer Arten der Gattung Cæsalpinia werden ebenfalls zum Gerben verwendet – manchmal unter dem Namen „Algarobilla“. Dieser Name ist einfach eine Verkleinerungsform von Algaroba, also Karob oder Schmetterlingsbohne; er stammt vom arabischen Wort al Kharroba und bezeichnet verschiedene kleine Hülsen. (Siehe Balsamocarpon und Prosopis.)

C. (oder Balsamocarpon) brevifolia – Chile, gewöhnliche Algarobilla. Abbildung 58. Es handelt sich um eines der stärksten bekannten Gerbstoffmaterialien; es enthält im Durchschnitt 45 Prozent eines Gerbstoffs, der dem des Divi-Divi sehr ähnlich ist, aber weniger anfällig für Verfärbungen ist. Der Gerbstoff befindet sich in einem sehr offenen Fasergeflecht und ist leicht in kaltem Wasser löslich; die Samen enthalten keinen Gerbstoff. Wenn man ihn nicht gären lässt, entsteht Leder mit sehr hellem Farbton.

Algarobilla wurde früher Prosopis pallida zugeschrieben, doch das scheint incorrect zu sein. Mehrere Arten der Gattung P. liefern Gerbstoffhaltige Hülsen; die Hülsen von P. Stephaniana aus der Wüste von Kaschan in Persien werden dschigh dschighe genannt – möglicherweise identisch mit dchift oder jaft. (Siehe Seite 263.) Die Rinde von P. spicigera wird in Punjab verwendet.

C. (oder Hæmatoxylon) campechianum – Logwood, Mittelamerika. Neben Farbstoffen sowie einem Glucosid, das bei Oxidation entsteht, enthält dieses Holz etwa 3 Prozent Gerbstoff. Seine Hauptverwendung besteht darin, Schwarztöne mit Eisen- oder Chrommordanten zu färben. (Siehe Seite 413.)

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Abb. 58.[149]–Algarobilla (Cæsalpinia brevifolia).

[149] „New Commercial Drugs and Plants“, Nr. 5, T. Christy.

C. echinata liefert „Brasilholz“. (Siehe S. 413.)
C. Sappan – Sappanholz, Indien.
Cassia auriculata: Rinde von Turwar oder Tanghadi, Südindien. Wird zur Gerbung sogenannter „persischer“ Schaf- und Ziegenhäute verwendet; sie enthält etwa 17 Prozent Katecholtannine. Leder, das damit gegerbt wird, ist blassgelb, färbt sich aber schnell in der Sonne rot. Vgl. S. 235.
C. fistula, Indien: Schale der Hülse – 17 Prozent Tannine. Das Fruchtfleisch der Hülse wird als Abführmittel verwendet.
C. elongata und lanceolata: Sennalisten. Oberägypten.
C. Sophora – „Bali-babilan“.

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Abb. 59 – Babool (Acacia arabica).

MIMOSEÆ, eine Tribus der Leguminosæ.

Acacia arabica, „Babool“, „Babul“, Indien, Ägypten. Abb. 59: Die Rinde enthält etwa 12–20 Prozent Katecholtannine; es handelt sich dabei um eines der wichtigsten indischen Gerbstoffe, die zur Herstellung von Leder verwendet werden. Die Hülsen, die in Indien zum Gerben verwendet werden, enthalten etwa die gleiche Menge an Tanninen wie die Rinde – allerdings einer anderen Art. Die Tannine in der Rinde sind Katecholtannine mit viel Farbstoff; die Tannine in den Hülsen hingegen sind heller und gehören zur Gruppe der Divitannine; diese lassen sich nicht durch Kalilauge ausfällen. Im Ägypten werden die Hülsen „Bablah“ genannt – dieser Name wird auch für die Hülsen von A. cineraria und A. vera sowie anderer Arten verwendet. Sie werden zur Färbung von Handschuhledern eingesetzt.

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A. nilotica, Ägypten. Die Hülsen werden neb-neb oder bablah genannt.

Abb. 60 – Cutch-Baum (Acacia catechu).

A. catechu, Indien. Das Holz liefert Cutch oder „dunklen Catechu“. Eine heller gefärbte Variante namens Kath, die viel kristallisiertes Catechin enthält, wird ebenfalls in Indien hergestellt und hauptsächlich zum Kauen mit Betel verwendet. A. catechu ist ein 30–40 Fuß hoher Baum, der in Indien und Burma sowie im tropischen Ostafrika vorkommt, wo er jedoch nicht genutzt wird. Im Süden Indiens wird auch A. suma zu diesem Zweck verwendet.

Bäume mit einem Durchmesser von etwa 1 Fuß werden gefällt, und das Holz – manche geben nur das Kernholz an – wird in Späne zerkleinert und in Tongefäßen über einem Lehmkamin mit Wasser gekocht. Wenn die Flüssigkeit dick und konzentriert wird, wird sie in ein anderes Gefäß umgegossen, und die Verdunstung setzt sich fort, bis das Extrakt fest wird.

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Kühlung: Wenn die Flüssigkeit in Formen aus Blättern oder Ton gegossen wird, erfolgt die Trocknung durch Exposition gegenüber Sonne und Luft. „Kath“ oder blasser Cutch wird im Norden Indiens hergestellt, indem die Verdunstung bereits früh gestoppt wird und die Flüssigkeit auf Zweigen und Blättern, die zu diesem Zweck in Behälter gelegt werden, abkühlen und kristallisieren kann. Er enthält einen hohen Anteil an Catechin – offenbar identisch mit dem in Gambier – doch sein Tannin ist viel rötlicher. Guter Cutch enthält etwa 60 Prozent Gerbstoffe, wird aber hauptsächlich zur Färbung von Braun- und Schwarztönen mit Chrom- und Eisenchromaten verwendet. Er enthält Quercetin, eine gelbe Farbstoffsubstanz (S. 263).

A. leucophlea, Indien und Java – „Pilang“. Die Hülsen und Rinde sind denen von A. arabica ähnlich. In Australien gibt es viele Akazien (Mimosen), von denen viele zur Gerbung verwendet werden; ihre Wirksamkeit variiert jedoch stark – nicht nur je nach Art, sondern vermutlich auch je nach Standort und Wachstumsbedingungen. Die besten Informationen finden sich wohl in dem Pamphlet „Wattles and Wattle-Bark“ von J. H. Maiden, F.L.S., das 1890 vom Department of Public Instruction in Sydney veröffentlicht wurde. Seine Analysen wurden mit dem Löwenthal-Verfahren durchgeführt und können nur grob mit denen des Lederpulververfahrens verglichen werden. Die angegebenen Analysewerte stammen vom I.A.L.T.C.-Verfahren und basieren größtenteils auf Proben, die von Herrn Maiden bereitgestellt wurden.

Eine Besonderheit, die insbesondere in der Familie der Mimosen verbreitet ist, besteht darin, dass die eigentlichen Blätter zurückgebildet werden und an ihrer Stelle die abgeflachte, erweiterte Mittelrippe (Phyllode) tritt. Daher kommen im Genus zwei sehr unterschiedliche Blattformen häufig vor; einige Akazienarten, wie A. heterophylla, können auf derselben Zweigspitze beide Formen aufweisen. Vgl. A. pycnantha und A. decurrens.

Die australischen Mimosen haben sich in Indien eingebürgert und wachsen frei in den Nilgiri-Bergen – doch die Rinde scheint dort nicht genutzt zu werden. Die wichtigsten Arten sind wie folgt:

A. pycnantha (Abb. 61) – „Breitblättrige“ oder „Goldene Wattle“, Südaustralien. Eine der wirksamsten Gerbharze, die bekannt sind. Eine als „speziell“ gekennzeichnete Probe, die am Yorkshire College analysiert wurde, enthielt 50 Prozent Tannin; eine weitere Probe mit der Bezeichnung „gewöhnlich“ enthielt 40 Prozent Tannin.

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Abb. 61 – Breitblättriger Akazienstrauch (Acacia pycnantha).
Abb. 62 – Grüner Akazienstrauch (Acacia decurrens).

A. longifolia, die Goldene Akazie aus New South Wales, enthält nur die Hälfte an Tanninen im Vergleich zu A. pycnantha.
A. mollissima sowie ihre beiden Varietäten A. decurrens (Abb. 62) und A. dealbata gehören zu den wichtigsten Arten der Akazienfamilie aus wirtschaftlicher Sicht. Zwei Proben der ersten Varietät, die als „Grüne Akazie“ bezeichnet wurden, enthielten 36–39 Prozent Gerbstoffe; eine weitere Probe, die als „Sydney Green Wattle“ bezeichnet wurde, enthielt 41 Prozent Gerbstoffe. Eine Probe von A. decurrens enthielt bei der Analyse nur 12 Prozent Gerbstoffe.
A. penninervis gilt als besonders widerstandsfähig – doch seine Festigkeit scheint sich zu unterscheiden. Eine Probe aus Bateman’s Bay enthielt 38 Prozent Gerbstoffe.
A. binervata, eine weitere „Schwarze Akazie“, enthält bis zu 30 Prozent Gerbstoffe; ebenso wie die „Weinende Weide“, A. saligna. Letztere ist giftig und soll zur Fischtötung verwendet werden.
A. prominens – deren Rinde in ihrem Aussehen der der Goldenen Akazie, A. longifolia, ähnelt – enthält nur 14 Prozent Tannine.
Der Anbau von Akazien in Australien wurde etwas vernachlässigt – doch er würde es ermöglichen, viele brachliegende Flächen oder bereits erschöpfte Flächen, die nicht mehr für den Pflanzenanbau geeignet sind, zu nutzen.

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Getreide. Es erfordert so wenig Aufmerksamkeit, dass es sehr rentabel ist. Der Anbau von Akazien und die Schafhaltung können nach dem ersten Jahr zufriedenstellend kombiniert werden, wenn die jungen Bäume auf dem Plantagenareal eine Höhe von 3–4 Fuß erreicht haben. In Natal wurden australische Akazienarten, insbesondere A. mollissima, erfolgreich akklimatisiert und kultiviert; heute werden große Mengen an hervorragender Rinde nach England exportiert. Afrikanische Akazienrinden enthalten in der Regel etwa 30 Prozent Tannin.

Akazien wachsen in fast jedem Boden – sogar im ärmsten – doch ihr Wachstum ist am schnellsten auf lockeren, sandigen Flächen oder dort, wo die Oberfläche aus landwirtschaftlichen Gründen aufgebrochen wurde. Wenn der Boden hart und fest ist, sollten Pflugfurchen in regelmäßigen Abständen von 6–8 Fuß voneinander angelegt werden, in die anschließend die Samen gestreut werden. Die Samen sollten im Mai gesät werden, nachdem sie zuvor in heißem Wasser – etwas unter dem Siedepunkt – einige Stunden lang eingeweicht wurden. Sie sollten in einem Durchschnittsabstand von 1 Fuß entlang der Furchen ausgebracht werden; für ein Acre Land reichen dabei etwa 7200 Samen aus. Die Samen sollten mit nicht mehr als etwa 1/4 Zoll Erde bedeckt werden.

Auf lockigem Sandboden ist es sogar unnötig, den Boden irgendwie aufzubrechen; Furchen können weggelassen werden, und die Samen können direkt nach dem Hacken des Bodens ausgesät werden. Nachdem die Pflanzen keimt sind, sollten sie so verdünnt werden, dass sie einen Abstand von 6–8 Fuß zueinander haben. Wenn die jungen Bäume eine Höhe von 3–4 Fuß erreicht haben, sollten die unteren Äste abgeschnitten werden. Danach sollte alles getan werden, um den Stamm gerade und frei zu halten, damit das Abschälen erleichtert wird und eine höhere Rindenproduktion erzielt wird. Es ist ratsam, die schwarzen sowie breitblättrigen Arten getrennt anzubauen, da die schwarze Akazie, die viel größer und schneller wächst, die langsamer wachsenden breitblättrigen Arten überwuchern würde. Man sollte darauf achten, jeden abgeschälten Baum durch Neuansaat zu ersetzen, damit es möglichst wenige Schwankungen in der Ernte gibt.

In Victoria sind die Monate September bis Dezember diejenigen, in denen der Saft ununterbrochen austritt und die Rinde reich an Tannin ist. Analysen zeigen, dass die Rinde von Bäumen, die auf Kalkstein wachsen, in Bezug auf Tannin deutlich schlechter ist als die von Bäumen anderer Böden – mit einem Unterschied von 10–25 Prozent.

Hier sind einige südamerikanische Mimosenarten:
A. cavenia, Espinillo: Die Rinde enthält 6 Prozent Tannin, die Hülsen 18–21 Prozent oder mehr.
A. cebil, Roter Cebil: Die Rinde enthält 10–15 Prozent Tannin; die Blätter 6–7 Prozent Tannin. Argentinische Republik.
A. Guarensis, Algarobilla aus der Argentinischen Republik: Rinde, Hülsen und Blüten werden angeblich zur Gerbung verwendet.

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A. timbo, Buenos Aires.
A. curupi, Rinde von Curupy.
A. angico, oder Piptadenia macrocarpa, Brasilien – liefert „Angica-Rinde“. Eine Probe davon enthielt bei einer kürzlich im Labor des Autors durchgeführten Analyse 20 Prozent Gerbstoffe.
„Weiße Rinde“, Südamerika – vermutlich eine Akazie; die Rinde ist im Inneren sehr ähnlich der Angica-Rinde, wenn nicht sogar identisch.
A. horrida, „Doornbosch“, Kap der Guten Hoffnung – enthält 8 Prozent Gerbstoffe.
Inga feuillei, „Paypay“, Peru. Die Hülsen sollen 12–15 Prozent Gerbstoffe enthalten (ungewiss). Mehrere andere Inga-Arten enthalten bekanntermaßen Gerbstoffe.
Elephantorrhiza Burchellii, Elandsboschjes, Tugwar oder Tulwah, Südafrika – eine Hülsenfruchtpflanze. Die luftgetrockneten Wurzeln enthalten 12 Prozent Gerbstoffe sowie viel Farbstoff. Die Wurzeln sind mehrere Fuß lang und etwa 2 Zoll im Durchmesser; sie wachsen an den Ufern von Flüssen.
Zur oben genannten Liste können folgende Arten hinzugefügt werden:—

EUPHORBIACEÆ.
Cleistanthus collinus, „Kodarsi“, Dekkan – die Rinde soll 33 Prozent Gerbstoffe enthalten.
Phyllanthus emblica, Indien – liefert Emblic-Myrobalan; dieser enthält in unreifem Zustand erhebliche Mengen an Gerbstoffen. Blätter (18 Prozent) sowie Rinde werden zur Gerbung verwendet.
Phyllanthus distichus und nepalensis liefern ebenfalls Gerbharze.

COMBRETACEÆ.
Anogeissus latifolia, Indien – Rinde und Blätter sind reich an Gerbstoffen.

GUTTIFERÆ.
Garcinia mangostana, Indien – die Schale der Mangostanfrucht enthält viel Gerbstoff.

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KAPITEL XIX.
Die Chemie der Tannine.

Die wesentlichen Bestandteile von Gerbmaterialien gehören zu einer großen Gruppe organischer Verbindungen, die als „Tannine“ oder „Tannsäuren“ bezeichnet werden. Sie sind im Pflanzenreich weit verbreitet; bei Tieren gibt es anscheinend nur einen Vertreter dieser Verbindungen – im Körper des Maisschädlings. Ihre Rolle in der Pflanzenphysiologie ist bisher unklar; in einigen Fällen scheinen sie Abfallprodukte organischer Umwandlungsprozesse zu sein. Obwohl die Tannine in ihrer chemischen Zusammensetzung sowie in vielen wichtigen Eigenschaften erheblich variieren, weisen sie alle die Fähigkeit auf, Gelatine sowie einige damit verwandte Stoffe aus ihren Lösungen auszufällen, Tierhaut in das unverrottbare Material Leder umzuwandeln und mit Eisensalzen dunkel gefärbte Verbindungen zu bilden, die häufig als Tinte verwendet werden. Sie werden außerdem durch Acetat von Blei und Kupfer, Chlorid von Stannus sowie viele andere Metallsalze ausgefällt und bilden mit vielen organischen Basen wie Chinin sowie mit basischen Anilinfarben unlösliche Verbindungen. Sie weisen eine schwache säureartige Eigenschaft auf.

Alle Tannine sind mehr oder weniger wasserlöslich; sie sind außerdem in Alkohol, in Mischungen aus Alkohol und Äther, in Ethylacetat, Aceton sowie in einigen ähnlichen Lösungsmitteln löslich. Doch sie lösen sich weder allein in trockenem Äther noch in Chloroform, Petroleumgeist, Kohlendisulfid oder Benzin auf. Da Tannine nicht kristallisierbar sind und ohne Zersetzung nicht destilliert werden können, ist es äußerst schwierig, sie in reinem Zustand zu erhalten. Aufgrund der erheblichen Unterschiede in ihren Eigenschaften eignet sich keine Methode gleichermaßen für die gesamte Gruppe. Da ihre erfolgreiche Trennung erhebliches chemisches Wissen und Erfahrung erfordert, liegt eine detaillierte Beschreibung außerhalb des Umfangs dieser Arbeit. Einige Angaben zu den wichtigsten Verfahren finden sich auf S. 43, L.I.L.B.

Ihre chemische Zusammensetzung ist komplex und in den meisten Fällen nur unvollständig verstanden. Alle untersuchten natürlichen Tannine erwiesen sich jedoch als Derivate des trihydratischen Phenols Pyrogallol oder des dihydratischen Phenols Catechol. Letzteres wird oft von einem trihydratischen Phenol namens Phloroglucol begleitet, das isomorph zu Pyrogallol ist. Die Phenole selbst sind eine Klasse von Derivaten von Benzol, C6H6, bei denen ein oder mehrere Wasserstoffatome…

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Atome werden durch OH-Gruppen ersetzt. Phenol oder „Carbol-Säure“ ist ihr einfachster Vertreter. Viele davon, darunter Pyrogallol und Catechol, werden als Fotodevelopiermittel verwendet. Wenn die Phenole ein weiteres Wasserstoffatom durch eine Carboxylgruppe (COOH) ersetzen, entstehen echte Säuren – wobei Salicylsäure der gewöhnlichen Phenolsäure entspricht, Protocatechuinsäure der Catecholsäure und Gallussäure dem Pyrogallol. Tannine sind offenbar komplexe Säuren, bei denen eine der beiden letztgenannten Säuren mit einer zweiten Molekül dieser oder einer anderen Säure als Anhydrid verbunden ist; in einigen Fällen mögen außerdem Phenole oder andere organische Gruppen hinzukommen. Für detailliertere Informationen siehe L.I.L.B., S. 45. Gallotanninsäure ist offenbar Digallussäure, bei der zwei Moleküle Gallussäure nach Abgabe von Wassermolekülen miteinander verbunden sind. Natürliche Gallotanninsäure sowie viele andere Tannine sind Glucoside – oder enthalten zumindest Glucose, die in vielen Fällen durch Reinigung entfernt werden kann.

Aus dem Gesagten geht hervor, dass eine Klassifizierung der Tannine nach ihrer Zusammensetzung derzeit nicht praktikabel ist – nicht nur aufgrund unseres unvollständigen Wissens, sondern auch wegen der Schwierigkeit, die Produkte ihrer Zersetzung zu trennen und zu bestimmen. Es ist jedoch nicht schwierig, die Catecholtannine von den Pyrogalloltanninen anhand ihrer chemischen Eigenschaften zu unterscheiden – abgesehen von der eigentlichen Trennung der Phenole. Diese Unterscheidung ist wichtig, da sie durch bestimmte erhebliche Unterschiede in ihren Eigenschaften gekennzeichnet ist, die ihre Verwendung beim Gerben beeinflussen.

Catecholtannine, die in Wasser gelöst sind, ergeben einen Niederschlag, wenn Bromwasser hinzugefügt wird, bis die Lösung stark danach riecht. Der Niederschlag ist gelegentlich kristallin, meist aber amorph und von gelblicher oder brauner Farbe. Wenn die Tanninlösung sehr schwach ist, ist der Niederschlag manchmal nur geringfügig oder bildet sich langsam. Pyrogalloltannine ergeben keinen Niederschlag mit Bromwasser. Eine weitere Reaktion, die in der Regel für Catecholtannine charakteristisch ist, besteht darin, dass, wenn konzentrierte Schwefelsäure zu einem Tropfen der Lösung in einem Prüfrohr hinzugefügt wird, an der Stelle, an der sich die beiden Flüssigkeiten treffen, ein dunkelroter oder karmesinroter Ring entsteht; bei Verdünnung mit Wasser ist die Lösung in der Regel rosa gefärbt. Pyrogalloltannine hingegen ergeben einen gelben oder höchstens dunkelbraunen Ring, der bei Verdünnung zu einer gelblichen Lösung wird. Diese Reaktion ist äußerst empfindlich – und kann durch die Verwendung eines alkoholischen statt eines wässrigen Extrakts noch weiter erhöht werden. Sie tritt oft auch im nicht-tanninhaltigen Rückstand der Catecholtannine auf, der nach Behandlung mit Lederpulver zurückbleibt; in diesem Fall liegt sie vermutlich an der Präsenz von Catechinen, die mit den Tanninen verbunden sind. Mit Eisensalzen (vorzugsweise einer Eisen-Aluminium-Lösung) ergeben Pyrogalloltannine blau-schwarze Farben, während Catecholtannine in der Regel grünlich-schwarze Farben ergeben – wobei die Reaktion durch das Vorhandensein von Farbstoffen unsicher werden kann.

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Je nach Zusammensetzung des Tannins unterscheiden sich die Farben. So ergeben wässrige Extrakte aus der gewöhnlichen Eichenrinde (Quercus robur) in Gegenwart von Eisen eine deutlich blauschwarze Farbe – obwohl es sich um Katecholtannine handelt; gereinigte Tannine hingegen ergeben eine grün-schwarze Farbe. Die meisten Rinden amerikanischer Eichenarten, wie Q. prinus, liefern bereits ungereinigt eine grün-schwarze Farbe. Australische Mimosen ergeben in Gegenwart von Eisensalzen in der Regel eine trüb violett-schwarze Farbe – obwohl sie alle Katecholtannine enthalten. Der Eisentest wurde erstmals von Stenhouse als Klassifizierungsmethode vorgeschlagen. Trimble zeigte, dass gereinigte Pyrogalloltannine nur etwa 52 Prozent Kohlenstoff enthalten, während Katecholtannine etwa 60 Prozent Kohlenstoff enthalten.[150] [150] „The Tannins“, II, S. 131.

Bislang konnten nur zwei Tannine der Pyrogallol-Gruppe eindeutig identifiziert werden, obwohl es sehr wahrscheinlich ist, dass es noch weitere gibt. Es handelt sich dabei um das gewöhnliche Gallussäure-Tannin aus Gallnüssen (vermutlich Digallussäure), das bei Erhitzung mit verdünnten Säuren oder durch die Wirkung bestimmter unorganisierter Enzyme Gallussäure abgibt – solche Enzyme sind in der Regel in Gerbmaterialien vorhanden. Zudem gibt es das Ellagitanin, das in unterschiedlichen Mengen meist zusammen mit der Gallotanninsäure vorkommt; unter denselben Bedingungen erzeugt es als eines seiner Produkte „Bloom“ – einen unlöslichen Niederschlag aus Ellagsäure. Deshalb sorgen die meisten Pyrogalloltannine dafür, dass auf dem Leder „Bloom“ entsteht, wobei die Menge stark variiert: Gallnüsse und Sumach liefern nur sehr wenig, während Myrobalanen, Valonia und Divi-Divi eine große Menge liefern. Englische Eichenrinde hinterlässt ebenfalls viel „Bloom“ auf dem Leder. Obwohl sicher ist, dass ihr Haupttannin ein Katecholtannin ist, könnte das blau-schwarze Farbstoff, den sie in Gegenwart von Eisensalzen hervorruft, auf das Vorhandensein von Ellagitanin zurückzuführen sein – obwohl bekannt ist, dass Gallotanninsäure fehlt. Die Tannine von Eichenholz, Kastanienholz und Valonia sind im Wesentlichen, wenn nicht ganz, Pyrogallol-Derivate, die eng mit den zuvor genannten Tanninen verwandt sind – falls nicht sogar identisch sind – doch in diesem Fall ist es sehr schwierig, sie in reiner Form zu erhalten. Bemerkenswert ist, dass es große Unterschiede zwischen den verschiedenen Produkten der Eiche gibt: Gallen, Rinde, Früchte und Holz liefern Tannine mit sehr unterschiedlichen Eigenschaften. Die Tannine anderer Gallen, wie denen des Sumachs und Pistazien, enthalten in der Regel Gallotanninsäure – selbst dann, wenn der Rest der Pflanze Katecholtannine liefert. Die Tannine der Katechol-Gruppe weisen offenbar eine größere Vielfalt auf als die Pyrogalloltannine, obwohl viele scheinbare Unterschiede auf das Vorhandensein von Verunreinigungen zurückzuführen sein könnten. Zumindest ist sicher, dass die Tannine von Gambier und Cutch Phloroglucinol als einen ihrer Bestandteile enthalten, während dieses in den meisten anderen Gerbmaterialien fehlt. Sein Vorhandensein lässt sich leicht feststellen, indem man Kiefernholz mit einer Infusion des betreffenden Tannins befeuchtet und anschließend etwas konzentrierte Salzsäure darauf aufträgt.

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Nach einigen Minuten entsteht eine leuchtend rote oder violette Färbung. Die Katecholtannine ergeben beim Kochen mit Säuren weder Gallussäure noch einen anderen Stoff, sondern im Allgemeinen einen Niederschlag aus „Rötungen“, die in Wasser unlöslich, aber in alkalischen Flüssigkeiten sowie in Alkohol löslich sind. Diese Stoffe stehen in enger Beziehung zu Harzen – insbesondere zum als „Drachenblut“ bekannten roten Harz. Es handelt sich dabei um Anhydride der Tannine, also um Stoffe, die durch Entzug von Wasser aus den Tanninen entstehen. Sie bilden sich somit durch alle Prozesse, die dazu führen, dass Wasser entfernt wird – wie zum Beispiel längeres Kochen oder hohe Temperaturen. Die weniger entwickelten Anhydride (also jene, aus denen am wenigsten Wasser entzogen wurde) sind nicht völlig unlöslich, bilden jedoch „schwierig lösliche“ Tannine, die in vielen Materialien natürlich vorkommen. Sie sind in heißem Wasser viel besser löslich als in kaltem Wasser – das ist einer der Gründe dafür, warum Flüssigkeiten, die unter Verwendung von Wärme hergestellt werden, in der Regel eine dunklere Farbe auf Leder geben als solche, die bei kühlen Bedingungen extrahiert werden. In Holunderextrakten und Quebracho-Vollholz kommen diese Stoffe in großen Mengen vor. Es wurden Versuche unternommen, ihre alkalischen Lösungen zur Gerbung zu nutzen – doch ohne größeren Erfolg. Allerdings werden Alkalien oder alkalische Sulfite häufig verwendet, um „lösliche“ Quebracho-Extrakte zu gewinnen (S. 338).

Viele Katecholtanningmittel – insbesondere Gambier, Cutch und Quebracho – enthalten neben den Tanninen auch erhebliche Mengen farbloser Stoffe, die als Katechine bezeichnet werden. Diese sind nur schwach in kaltem Wasser löslich, aber gut in heißem Wasser. Beim Abkühlen kristallisieren sie aus. Diese Stoffe führen nicht zur Gerbung, bilden aber im Grunde die Quelle der Tannine – diese scheinen deren ersten Anhydride zu sein. Die roten Stoffe entstehen durch den nachfolgenden Verlust weiterer Wassermoleküle. Mit großer Wahrscheinlichkeit werden diese Stoffe schließlich durch Veränderungen im Gerbereiprozess in Tannine umgewandelt. Diese Umwandlung kann sehr schnell durch Erhitzung auf eine Temperatur von 100 bis 120 °C herbeigeführt werden.[151] Das Katechin des Gambiers führt durch Kristallisation auf und im Leder zu einem Problem, das als „Weißfärbung“ bekannt ist – dieses Problem tritt häufig dort auf, wo viel Gambier verwendet wird.

[151] Es bestehen Zweifel bezüglich der genauen Temperatur, bei der Katechine in Anhydride umgewandelt werden. Perkin gibt eine höhere Temperatur an als die angegebene.

Eine bedauerliche Eigenschaft, die offenbar allen Katecholtanninen gemeinsam ist, ist, dass das durch sie hergestellte Leder – egal wie hell es auch sein mag – durch Exposition gegenüber starkem Licht schnell dunkler und röter wird und letztendlich ziemlich brüchig und verrottet wird.[152] Vgl. S. 234, 272.

[152] Vgl. Bericht des Ausschusses für Buchbindungsleder, Journ. Soc. of Arts, 1901, S. 14.

Der deutsche Chemiker Wagner versuchte, die Tannine in „physiologische“ Tannine einzuteilen – also solche, die im natürlichen Wachstum der Pflanze entstehen – sowie in „pathologische“ Tannine, die durch den Befall von Insekten entstehen.

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Die Gallwespen – und er wagte sogar die Behauptung, dass nur die erstgenannte Gruppe in der Lage sei, Leder herzustellen. Später wurde gezeigt, dass die in den Gallen gebildeten Tannine identisch mit einigen jenen sind, die in gesunden Pflanzen vorkommen, und dass Gallen bereits seit sehr alter Zeit zur Gerbung verwendet wurden. Es ist nur notwendig, den Leser an die Verwendung türkischer Gallnüsse als Ersatz für Sumach zu erinnern – Sumach war im Osten üblich zur Gerbung von Mohairleder – sowie an die „Knoppern“, also Eichengallen, die einst in Österreich weit verbreitet als Gerbungsmaterial für Ledersohlen verwendet wurden. Zwar eignet sich das Tannin aus Gallen nicht besonders gut für diesen Zweck, da es hauptsächlich aus Gallotanninsäure besteht, welche keine feste Schicht bildet und daher kein festes oder dickes Leder erzeugen kann. Reine Gallotanninsäure hingegen ergibt ein sehr weißes und weiches Leder. Die Klasse, zu der die Tannine der verschiedenen Gerbungsmaterialien gehören, wird größtenteils in der botanischen Liste (Kapitel XVIII.) erwähnt; hier sei jedoch auf einige der häufigsten Beispiele hingewiesen. Gallen und Sumach enthalten Gallotanninsäure sowie etwas Ellagottannin; Myrobalanen, Valonia, Divi-Divi, Algarobilla, Eichenholz und Kastanien enthalten alle Pyrogalloltannine, deren Zersetzungsprodukte Ellagsäure und Gallussäure enthalten. Alle Kiefernrindearten, einschließlich des amerikanischen Hemlocks und der Lärche, alle Akazien- und Mimosenarten, einschließlich der indischen Babul-Akazie (Acacia arabica), Eichenrinde (nicht jedoch Eichenholz, Früchte oder Gallen), Quebracho-Holz, Cassia[153] sowie Mangrovenrinde, Canaigre, Cutch und Gambier sind Catecholtannine – wobei die letzten beiden auch Phloroglucinol enthalten, dessen winzige Spuren auch in vielen anderen Catecholtanninen vorhanden sind (S. 297). [153] Cassia auriculata, oder „Turwar“-Rinde, wird zur Gerbung von Schaf- und Ziegenhäuten im Ostindien bzw. Persien verwendet und kommt außerdem häufig bei der Buchbinderei zum Einsatz; doch sie färbt sich schnell rot und verrottet rasch. Gallotanninsäure sowie mehrere künstliche Tannine mit den charakteristischen Eigenschaften dieser Klasse wurden im Labor hergestellt, doch es gibt derzeit keine Aussichten darauf, sie zu einem Preis herzustellen, der auch nur annähernd mit dem der natürlichen Herstellung konkurrieren könnte. Gerbungsmaterialien enthalten oft Färbstoffe, die meist aus denselben Phenolen stammen wie die darin enthaltenen Tannine. Sie enthalten außerdem in der Regel Gummi, Stärke und Glukose. Eichenrinde enthält Lävulose, die nicht mit dem Tannin verbunden ist. Viele Tannine kommen in der Natur jedoch in Kombination mit Zuckerarten als Glykoside vor; diese lassen sich durch Säuren oder durch Fermentation leicht zersetzen. Diese zuckerhaltigen Stoffe sind wichtig, da sie durch Fermentation die Essigsäure und Milchsäure in den Gerbflüssigkeiten liefern.

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KAPITEL XX.
Entnahme und Analyse von Gerbmaterialien.

Obwohl die Analyse von Gerbmaterialien eher in den Bereich eines Buches für Chemiker fällt als in eines, das in erster Linie für Gerber bestimmt ist, und obwohl sie im „Leather Industries Laboratory Book“ ausführlich behandelt wurde, muss nun eine kurze Übersicht über die allgemein verwendeten Methoden gegeben werden. Es ist nämlich von großer Bedeutung, dass zumindest die Prinzipien, auf denen diese Methoden beruhen, von allen verstanden werden, die ein praktisches Interesse daran haben. Zudem liegt eine ungefähre Analyse eines Gerbmaterials mit der Lederpulvermethode im Bereich dessen, was jeder fähige Gerber leisten kann, sofern er sich mit den notwendigen Werkzeugen ausstattet. Der Internationalen Vereinigung der Chemiker der Lederindustrie sowie der Amerikanischen Offiziellen Vereinigung der Agrarchemiker wurde diesem Thema große Aufmerksamkeit gewidmet. Da die von diesen Organisationen vorgeschriebenen Methoden mit sehr wenigen Ausnahmen von allen qualifizierten Chemikern auf der ganzen Welt angewandt werden, sind ihre Anweisungen – aktualisiert – in den Anhängen A und C enthalten. Da diese Anweisungen jedoch an Chemiker gerichtet sind, die bereits mit dem üblichen Analyseablauf vertraut sind, muss hier eine etwas ausführlichere Erklärung gegeben werden. Es muss besonders betont werden, dass eine strikte Befolgung der vorgegebenen Methoden unerlässlich ist, um konsistente Ergebnisse zu erzielen. Kleine Manipulationspunkte, die an sich unbedeutend erscheinen, sind oft das Ergebnis langer Erfahrung und sorgfältiger Abstimmung. Insbesondere die Mitglieder der Internationalen Vereinigung sind durch ihre Regeln dazu verpflichtet, in ihren Analyseberichten jede Abweichung – egal wie gering – vom vorgeschriebenen Verfahren festzuhalten. Der erste Schritt bei der Analyse jedes Materials besteht darin, eine Probe zu entnehmen, die wirklich repräsentativ für das gesamte Material ist – was oft keineswegs einfach ist. Das Versäumnis, dies zu erreichen, ist vermutlich die Ursache für mehr Fehler und Streitigkeiten als jede Ungenauigkeit in der Analysemethode selbst. In vielen Fällen werden Chemiker für Abweichungen verantwortlich gemacht, die tatsächlich in den ihnen zur Verfügung gestellten Proben vorhanden sind. Die Chemiker der Internationalen Vereinigung übernehmen nur dann die Verantwortung für die Genauigkeit ihrer Analysen, wenn die Probenentnahme streng nach den von ihrer Vereinigung vorgeschriebenen Regeln erfolgt ist. Aus diesem Grund…

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Wichtige Proben sollten in Gegenwart eines Leiters oder einer anderen verantwortlichen Person entnommen werden. Bei flüssigen Extrakten ist eine gründliche Vermischung der Flüssigkeit von größter Bedeutung. Die meisten Extrakte enthalten einen Anteil an „schwierig löslichen“ Tanninen (siehe S. 297), die sich langsam am Boden absetzen oder an den Wänden des Fasses haften bleiben; dabei sind Maßnahmen wie das einfache Drehen des vollen Fasses äußerst unzureichend, um diese Tannine zu entfernen. Tatsächlich ist nur das Entnehmen des Inhalts aus einer ausreichenden Anzahl von Fässern sowie die anschließende Vermischung mit einem geeigneten Stab, der speziell auf die Wände und den Boden des Fasses eingewirkt wird, oder das Entleeren des gesamten Inhalts in einen Tank, in dem alles ordnungsgemäß vermengt werden kann, wirklich zuverlässig. Manchmal muss man sich jedoch mit weniger zufriedenstellenden Methoden begnügen. Immer dann, wenn voraussichtlich Proben an mehr als einen Chemiker geschickt werden müssen, sollte der gesamte Inhalt sofort entnommen, gründlich vermengt und in getrennten Flaschen aufbewahrt werden. Bei der Aufteilung der Probe muss genauso sorgfältig vorgegangen werden, um eine vollständige Vermischung zu gewährleisten, wie bei der Entnahme der ursprünglichen Probe.

Feste und pastöse Extrakte wie Quebracho, Cutch und Gambier sind noch schwieriger zu probieren, da die Außenseite fast immer viel trockener ist als die Innenseite. Im Allgemeinen bleibt nur die Möglichkeit, solche Stücke auszuwählen, die nach Ansicht angemessen für die Gesamtmenge stehen, sie in mittelgroße Stücke zu schneiden, zu vermischen und in einem luftdichten Behälter aufzubewahren. Es obliegt dann dem Chemiker, aus diesen Stücken die für die Analyse benötigte kleinere Probe entnommen zu können. Gambier lässt sich am besten mit einem röhrenförmigen Werkzeug wie einem Korkenzieher, der von Herrn Kathreiner entwickelt wurde (Abb. 63), probieren – dieses Werkzeug muss vollständig durch den Ballen geführt werden, damit ein zylindrischer Probeausschnitt entnommen werden kann. Dasselbe Werkzeug kann auch zur Probennahme von Sumach in Säcken verwendet werden, sofern Schäden am Sack nicht stören. Falls ein solches Werkzeug nicht verfügbar ist, ist die einzige faire Methode, Gambier mit einem sauberen Messer in Scheiben durch den Ballen zu schneiden. In jedem Fall ist es von größter Bedeutung, dass die entnommene Probe so schnell wie möglich vermengt und anschließend in einer luftdichten Box oder Dose aufbewahrt, versiegelt und beschriftet wird.

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Abb. 63 – Kathreiners Probennahmewerkzeuge. A: starke Querhandgriff; B: Schutzring; C, C’: Messingrohr, an C’ geschärft; D: Messing- oder Holzkolben.

Für Materialien zur Trockengerbung, wie Rinde und Valonia, ist es notwendig, bei der Auswahl von Proben sorgfältig vorzugehen, damit diese die Gesamtmasse angemessen repräsentieren. Wenn diese Materialien nicht leicht in Staub und Fasern zerfallen, ist eine gute Methode, eine ausreichende Menge in einer gewöhnlichen Rindermühle zu mahlen und nach gründlicher Vermischung eine Probe aus dem gemahlenen Material entnehmen. In anderen Fällen ist es am besten, eine ausreichende Anzahl von Säcken übereinander in Schichten auf einen glatten Boden zu legen und anschließend einen Abschnitt bis zum Boden herauszunehmen. Bei Materialien wie Valonia und Divi-Divi ist der Staub in der Regel viel stärker ausgeprägt als im Durchschnitt der Kapseln oder Behälter. Dasselbe Maß an Vorsicht ist auch bei der Entnahme der noch kleineren Proben für die Analyse aus der größeren Ausgangsprobe erforderlich – diese Anweisungen sind jedoch ausführlich in den Richtlinien des I.A.L.T.C. im Anhang beschrieben. Da Materialien in der Regel eine feinere Mahlung erfordern, als mit den in Gerbereien verwendeten Mühlen möglich ist, muss eine geeignete Mühle bereitgestellt werden. Eine der einfachsten Lösungen zu einem moderaten Preis ist eine Mühle vom Typ Nr. 4, hergestellt von A. Kenrick and Sons, Limited, West Bromwich (Abb. 64). Kaffeemühlen sind selten stark genug für diesen Zweck; falls keine bessere Mühle verfügbar ist, muss die Probe gründlich getrocknet werden.

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Vor dem Zerkleinern wird sein Gewicht gemessen und bei der Berechnung der Analyse berücksichtigt. Dabei muss darauf geachtet werden, dass das nach dem Zerkleinern verbleibende Probenstück so aufbewahrt wird, dass es keine Feuchtigkeit mehr aufnehmen kann. Valonia, Myrobalan sowie sogar Rinde können vor dem Zerkleinern mit einem flachköpfigen Hammer auf einer dicken Gusseisenplatte zerkleinert werden; die Platte sollte erhöhte Kanten haben, um ein Verlust durch fliegende Fragmente zu verhindern.

Abb. 64 – Kenricks Präpariermaschine.

Herstellung der Lösung für die Analyse: Da die Analysemethode nur zufriedenstellende Ergebnisse liefert, wenn die Menge an Gerbstoffen in der Lösung innerhalb bestimmter Grenzen liegt, legt die Internationale Vereinigung fest, dass die Lösung durchschnittlich 3,5 bis 4,5 Gramm Gerbstoff pro Liter enthalten muss – idealerweise möglichst genau 4 Gramm. Falls, was selten vorkommt, die Konzentration der

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Das Material ist eher unbekannt; es kann notwendig sein, einen Probentest durchzuführen, um die Menge der zu verwendenden Substanz festzustellen. Die folgende Tabelle gibt jedoch für die meisten gewöhnlichen Materialien eine ausreichend genaue Angabe zur benötigten Menge.

Tabelle mit der Menge verschiedener Materialien, die zur Analyse sowie zur Herstellung eines Liters Lösung abgewogen werden müssen.

Rinde usw.
Gramm.
Algarobilla 9
Canaigre 15
Divi-divi 9
Rinde des Wolfsbaums 16
Rinde der Mimose 11
Myrobalan 15
Eichenrinde 30
Eichenholz 100
Quebracho-Holz 20
Sumach 15
Valonia 15
Valonia-Bart 11

Extrakte:
Eichenholz, spezifische Dichte 1,2 oder mehr – 15
Kastanienholz – 14
Quebracho (fest) – 6
Quebracho (flüssig) – 9 bis 13
Gambier (Block) – 10
Gambier (Würfel) – 7

Die beste Methode zur Abwiegung genauer Mengen kann hier für diejenigen beschrieben werden, die sie noch nicht kennen – schließlich kann viel Zeit dadurch verschwendet werden, wenn man es unsystematisch versucht. Das Material wird natürlich in einer Waagschale abgewogen; das Gewicht des Materials wird dabei genau durch Gewichte auf der anderen Seite ausgeglichen. Wenn viele solcher Abwiegungen durchgeführt werden müssen, spart es Zeit, wenn man dazu eine spezielle Waagschale verwendet, die ordnungsgemäß beschriftet sein sollte[154]. Zudem sollte ein Gegengewicht aus Blei oder Messing verwendet werden, das genau dem Gewicht des Materials entspricht – so muss nur noch das Gewicht hinzugefügt werden, das zur Abwiegung erforderlich ist. Angenommen, es handelt sich um ein flüssiges Extrakt, das abgewogen werden soll: Eine ausreichende Menge wird mit einer Pipette in die Waagschale gegeben – etwas mehr als das erforderliche Gewicht. Anschließend wird die Pipette entleert und eine kleine Menge wieder aus der Schale entnommen. Falls die Schale immer noch zu schwer ist, wird die Pipette erneut entleert und der Vorgang wiederholt, bis…

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Die Schale ist zu leicht. Das tatsächliche Gewicht liegt nun zwischen dem Gewicht in der Schale und der kleinen Menge, die in der Pipette verbleibt; aus dieser Menge wird Extrakt hinzugefügt, bis die Schale wieder zu schwer ist. Anschließend wird derselbe Vorgang wiederholt, wobei jedes Mal der Unterschied verringert wird, bis eine ausreichende Genauigkeit erreicht ist. Bei der Abwiegung der Probe ist es nicht notwendig, auf einen einzelnen Milligramm genau zu sein; mit Übung lässt sich diese Genauigkeit jedoch leicht erreichen. Wenn das Material fest ist, wird anstelle der Pipette eine Spatel verwendet. Die Abwiegung flüssiger oder pastöser Extrakte sollte so schnell wie möglich erfolgen, da sie durch Verdunstung an Gewicht verlieren.

Porzellan-Schalen können unverwechselbar markiert werden, indem man darauf mit gewöhnlicher Tintenfeder schreibt und anschließend mit einer Brennrohr stark erhitzt.

Flüssige Extrakte lassen sich am einfachsten lösen, indem man einen großen Trichter in den Hals eines Literflaschen setscht, nachdem etwas kochendes Wasser in die Flasche gegossen wurde. Die Schale wird anschließend schräg in den Trichter gehalten, und ihr Inhalt wird mit kochendem Destillwasser aus einer Glasflasche oder einem perfekt sauberen Kupferkessel ausgewaschen, bis die Flasche bis zur Markierung gefüllt ist. Die Flasche wird nun mit einem kleinen Becher abgedeckt, der locker am Hals der Flasche hängen muss – ohne darauf zu ruhen – und schnell unter kaltem Wasser gekühlt, bis die Temperatur möglichst knapp über 15 °C liegt. Anschließend wird die Flasche bis zur Markierung am Hals mit kaltem Wasser aufgefüllt und gründlich durch Schütteln vermischt.

Feste oder pastöse Extrakte werden in einem Becher durch Rühren mit successiven Mengen kochenden Wassers gelöst; dieses Wasser wird anschließend in die Flasche gegossen, wodurch die ungelöste Substanz im Becher zurückbleibt. Wenn die Flasche fast voll ist und noch kleine Mengen ungelöst oder unlöslich sind, können diese mit den letzten Portionen heißem Wasser in die Flasche gespült werden. Danach wird die Flasche wie bereits beschrieben abgekühlt und gemischt.

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Abb. 65 – Procters Extraktor.

Die Extraktion fester Materialien wie Rinde oder Valonia ist schwieriger, doch es gibt eine praktische Methode, die von der Internationalen Vereinigung als offiziell anerkannt wurde. Ein gewöhnlicher Becher mit einem Fassungsvermögen von etwa 200 ccm – dessen Größe je nach Menge des zu behandelnden Materials angepasst werden kann – wird, wie in Abb. 65 dargestellt, in ein Wasserbad gestellt. In den Becher wird ein Trichter mit Dornenkopf eingefügt; sein Stiel ist zweimal rechtwinklig gebogen, und der Kopf ist mit einem Stück feiner Seidenwatte bedeckt, die als Sieb dient. Der Trichter wird durch eine Klammer in Position gehalten, wie in der Abbildung zu sehen ist. An das freie Ende des Stiels wird mithilfe eines Gummischlauchs ein Glasrohr mit einer Länge von sechs bis acht Zoll angebracht; dieses Schlauch ist außerdem mit einem Ventil ausgestattet, um den Fluss der Flüssigkeit zu regulieren. Feiner Silbersand, der zunächst mit Salzsäure gewaschen wurde, um Eisen sowie lösliche Stoffe zu entfernen, wird anschließend verwendet.

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Das mit Wasser gründlich angefeuchtete Material wird nun in den Becher gegossen, sodass es den Trichterkopf in einer Tiefe von etwa einem halben Zoll umgibt; anschließend wird die gewogene Menge an Gerbstoffmaterial hinzugefügt. Es ist am besten, das Material mit kaltem Wasser zu bedecken und es über Nacht stehen zu lassen. Im Notfall kann jedoch Wasser bei 30° bis 50° verwendet werden, wobei die Extraktion erst nach vollständiger Einweichung des Materials fortgesetzt wird. Die Perkolation beginnt dadurch, dass man den Syphon saugt und das Flüssigkeit langsam in einen Literflaschen ablaufen lässt. Die Temperatur des Wasserkessels wird mit einem Bunsenbrenner aufrechterhalten, und der Becher wird bei Bedarf mit Wasser der gewünschten Temperatur nachgefüllt.[155] Mindestens 500 ccm müssen perkoliert werden, bevor die Temperatur 50° überschreiten darf. Danach kann die Temperatur – mit Ausnahme von Sumach und Canaigre, bei denen die Perkolation bereits bei etwa 30° beginnen sollte und deren Temperatur unter keinen Umständen über 50° steigen darf – auf den Siedepunkt erhöht werden. Für die Perkolation von 800 bis 900 ccm sollten mindestens 1½ Stunden eingesetzt werden. Falls das Material danach noch nicht praktisch erschöpft ist, muss die Literflasche entfernt und durch eine gewöhnliche, unmaßgeschneiderte Flasche ersetzt werden, in der die Perkolation weitergeführt wird, bis das Material erschöpft ist. Die sehr verdünnte Flüssigkeit in der zweiten Flasche wird anschließend eingekocht, bis ihr Volumen so klein ist, dass sie zur Flüssigkeit in der Literflasche hinzugefügt werden kann. Während des Kochvorgangs wird ein kleiner Trichter in den Hals der Flasche gesteckt, um ein Austreten der Flüssigkeit sowie den Zutritt von Luft zu verhindern. Unter keinen Umständen darf die stärkere Flüssigkeit aus dem ersten Teil der Perkolation eingekocht werden, da dies zur Zerstörung der Tannine führen würde. Die Lösung wird anschließend abgekühlt und wie zuvor beschrieben auf das Mark aufgefüllt. Die meisten gewöhnlichen Materialien können durch einen Liter Wasser praktisch vollständig ausgefiltert werden, wenn die Perkolation langsam erfolgt – so kann man sich die Mühe der Verdunstung sparen.[155] Das Material sollte in einer gleichmäßigen Schicht gehalten werden; falls nötig, kann die Oberfläche alleine mit einem Thermometer oder einer Glasstange von Zeit zu Zeit gerührt werden.
Gesamte lösliche Stoffe – Die Lösung, für deren Herstellung beschrieben wurde, muss nun gefiltert werden. Dabei müssen die Größe und Art des Papiers sowie die genaue Filtermethode strikt gemäß den Vorgaben der Internationalen Vereinigung befolgt werden. Alle Filterpapiere und -methoden nehmen Spuren von Gerbstoffen auf; nur wenige liefern bei Lösungen wie jenen aus Quebracho- oder Stechapfelextrakten einen klaren Filtrat. Um einheitliche Ergebnisse zu erzielen, ist eine exakte Einhaltung der Methoden unerlässlich.[156] Abweichungen von der genauen Methode führen bei Quebracho leicht zu Abweichungen von mehreren Prozentpunkten in den Ergebnissen. Der Zweck der Ablehnung der ersten Portionen der gefilterten Lösung besteht darin, Fehler zu vermeiden, die durch die Aufnahme von Tanninen durch das Filterpapier entstehen könnten, und einen klaren Filtrat zu gewährleisten. 50 ccm des klaren Filtrats werden nun mit einer präzisen Pipette abgemessen und in einer gewogenen Porzellanschale bis zur Trockenheit verdampft.

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Dampfbad, um den „gesamten löslichen Anteil“ zu bestimmen. Diese sowie die folgenden Verfahren sollten in doppelter Ausführung durchgeführt werden – selbst wenn dies bei der Herstellung der ursprünglichen Lösung nicht der Fall war; das ist sicherlich wünschenswert.
[156] In dem Labor des Autors wurden Methoden zur Korrektur der Absorption durch Filterpapiere entwickelt, die auf der letzten Konferenz der Internationalen Vereinigung übernommen wurden. Vgl. Collegium, S. 145–158, 1902, sowie Anhang A, S. 477.
Zur Verdunstung werden in der Regel gewöhnliche Porzellanschalen mit einem Durchmesser von etwa drei Zoll verwendet; die Verdunstung verläuft etwas schneller, wenn diese einen flachen Boden haben (tellerförmig). Anstelle von Porzellan können auch dünne Glasbehälter hemisphärischer Form verwendet werden. Abgesehen vom Preis wäre Platin die beste Wahl. Auch Aluminium- und Nickelbehälter wurden ausprobiert, doch sie werden von einigen Flüssigkeiten leicht angegriffen und sind daher anfälliger für Schwankungen im Gewicht – obwohl sie den Vorteil einer schnellen Verdunstung haben. Die Verdunstung verläuft am schnellsten, wenn das Dampfbad in eine Luftströmung gestellt werden kann, damit die entstehenden Dämpfe schnell abtransportiert werden können; die Behälter müssen jedoch vor Staub geschützt werden. Unter günstigen Bedingungen dauert die Verdunstung von 50 ccm in Porzellanschalen eine bis anderthalb Stunden. Ein gewöhnlicher Topf mit einem Deckel aus dünnem Kupfer, das mit Löchern im Durchmesser von zwei und drei Viertel Zoll perforiert ist, eignet sich als Wasserkocher; doch bei größeren Mengen an Arbeit ist es wünschenswert, über ein rechteckiges Bad aus dünnem Kupferblech zu verfügen, das eine oder höchstens zwei Reihen von Behältern aufnehmen kann, und das außerdem mit den üblichen Vorrichtungen zur Aufrechterhaltung eines konstanten Wasserspiegels ausgestattet ist – oder mit einer Dampfversorgung aus einem Boiler sowie einem Überlauf für kondensierte Wasser.
Sobald der Inhalt der Behälter völlig trocken erscheint, kann er in den Trockenofen übertragen werden. Die zufriedenstellendste Variante besteht darin, die Behälter in einen geschlossenen Raum zu platzieren, der von Dampf bei Atmosphärdendruck umgeben ist und gleichzeitig einem Vakuum ausgesetzt wird, das durch eine Wasserdüsen-Luftpumpe aufrechterhalten wird; da dieses Gerät jedoch etwas teuer ist, wird es wahrscheinlich nur in Laboren verwendet, die sich auf solche Arbeiten spezialisiert haben. Neben dem Vakuumofen liefert ein Luftofen, der durch einen Gaskocher erhitzt wird und dessen Temperatur durch einen Quecksilberregler auf 100–105 °C gesteuert wird, die besten Ergebnisse – und er ist auch am günstigsten. Doch es sind erhebliche Sorgfalt sowie wissenschaftliches Wissen erforderlich, um ihn zufriedenstellend einzusetzen. In erfahrenen Händen können gute Ergebnisse mit den kleinen Gaskochern von Fletcher of Warrington erzielt werden; diese werden auf einer Eisenplatte platziert, die durch einen Gaskocher erhitzt wird. Die Gaszufuhr wird dabei durch einen Thermostat oder einen Quecksilbergasregler geregelt, der zusammen mit einem Thermometer durch Löcher in der Oberseite eingeführt wird. Die Behälter dürfen nicht zu nahe am Boden des Ofens platziert werden; dieser muss außerdem durch eine perforierte Metallplatte geschützt werden, die vielleicht einen Zoll darüber angebracht ist, um Strahlung zu verhindern.

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und um die heiße Luft zu verteilen. Jede für die Belüftung benötigte Kaltluft sollte unter dieser Platte zugeführt werden, und man muss darauf achten, die Produkte der brennenden Gase auszuschließen. Der Kontakt der Behälter mit beliebigen erhitzten Teilen des Metallgeräts sollte sorgfältig vermieden werden; am besten werden sie auf Gitterregalen gestützt, die mit Drahtgeflecht oder perforiertem Metall bedeckt sind, damit eine freie Luftzirkulation möglich ist. Wenn perforiertes Zink verwendet wird, muss es gut gestützt werden, da es bei der verwendeten Temperatur stark weich wird. Das am wenigsten zufriedenstellende Gerät in erfahrenen Händen – aber vermutlich das einfachste für Unerfahrene – ist der gewöhnliche Wasser- oder Dampfkochtopf. In diesem Apparat ist es unmöglich, die Temperatur im Inneren vollständig auf den Siedepunkt zu erhöhen; Gambier, Quebracho sowie andere Lösungen, die Katechine enthalten (S. 298), trocknen bei dieser Temperatur sehr langsam. Andererseits bleibt die Temperatur solange konstant, wie der Topf kocht und mit Wasser versorgt wird – es besteht somit keine Gefahr einer Überhitzung, wie sie leicht in Öfen vorkommt, die direkt mit Gas beheizt werden. Solche Öfen sind oft mit Öffnungen an der Oberseite ausgestattet, die als Dampfbad genutzt werden können. Um die besten Ergebnisse zu erzielen, müssen die Behälter möglichst frei der Luft im Inneren des Ofens ausgesetzt sein (unter keinen Umständen dürfen die Behälter übereinander gestellt werden, außer im Trockner zur Kühlung); außerdem ist kaum oder gar keine Belüftung von außen erforderlich, da nach dem Verdunsten im Dampfbad nur Spuren von Feuchtigkeit zurückbleiben; daher können nach einer Stunde Trocknung alle Lüfter sicher geschlossen werden. Da ein großer Teil der Kühlung über die Tür stattfindet, ist es am besten, diese mit einem nicht leitfähigen Material wie Asbestplatten zu schützen, die mit Nieten oder sogar mit gewöhnlichen Heftklammern befestigt werden können. Im Vakuumofen benötigt man ein bis anderthalb Stunden, um eine konstante Gewichtsverteilung zu erreichen; im Luftofen bei 105° etwa zwei bis drei Stunden; im Wasserkochtopf vermutlich etwa vier Stunden – außer bei Gambier, das etwas länger brauchen kann. Zu langes Erhitzen ist nachteilig, da die Rückstände anfangen zu oxidieren und an Gewicht zuzunehmen. Sobald man annimmt, dass das Gewicht der Behälter konstant ist, werden sie aus dem Trocknungsofen genommen und sofort in einen Trockner gelegt (einen Glasbehälter mit genau passender Abdeckung, der leicht eingefettet werden sollte; im Bodenbereich befindet sich entweder trockener Calciumchlorid oder konzentrierte Schwefelsäure, um die Feuchtigkeit der Luft aufzunehmen). Dort bleiben sie, bis sie völlig kalt sind – falls mehrere Behälter zusammengelegt werden, kann das eine halbe Stunde dauern. Anschließend werden sie so schnell wie möglich genau gewogen, wieder für eine halbe Stunde in den Trocknungsofen gegeben und anschließend erneut in den Trockner zurückgelegt. Das genaue Gewicht jedes Behälters wird jeweils vor dem Herausnehmen aus dem Trockner auf die Waage gelegt, damit sofort erkennbar ist, ob es zu einem Gewichtsverlust oder -zuwachs gekommen ist, bevor der Behälter Zeit hat, Feuchtigkeit aus der Luft aufzunehmen. Das Gewicht sollte etwa um einen Milligramm niedriger sein als beim ersten Messen.

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Wägen: Wenn ein Gewichtszuwachs auftritt, ist dieser auf Oxidation zurückzuführen. Das erste Gewicht sollte als korrekt angesehen werden, wenn sicher ist, dass der Behälter zu diesem Zeitpunkt vollständig kalt war – bereits eine sehr geringe Menge Wärme kann das scheinbare Gewicht um mehrere Milligramm verringern. Falls es zu einem Materialverlust gekommen ist, muss der Behälter natürlich wieder in den Ofen gegeben und nach einer halben Stunde erneut gewogen werden; doch mit Erfahrung ist dies nur selten notwendig.

Es ist notwendig, dass die verwendete Waage bis auf Milligramm genau wiegt; außerdem müssen beide Waagschalen mindestens 50 Gramm tragen können. Es ist zwar praktischer, wenn sie 100 Gramm oder mehr tragen können, doch mit etwas Einfallsreichtum lässt sich auch bei 50 Gramm eine genaue Messung erreichen. Falls eine preiswerte Waage verwendet werden muss, ist vermutlich eine kleinere Größe genauer. Solche Waagen sind heutzutage bereits für zwei bis drei Pfund erhältlich – doch es ist in jeder Hinsicht besser, eine Waage erstklassiger Qualität zu kaufen, die etwa zehn Pfund kostet. Die Waagen von Verbeek und Peckholdt aus Dresden haben aufgrund ihrer Einfachheit und Schnelligkeit beim Wiegen im Yorkshire College große Zufriedenheit hervorgerufen. Unabhängig von den Einsparungen bei der Auswahl der Waage ist es unerlässlich, dass die Gewichte höchst präzise sind – insbesondere müssen alle Gewichte derselben Größe (10 Gramm, 1 Gramm usw.) genau gegeneinander abwägen. Selbst nach allen Vorsichtsmaßnahmen ist es wünschenswert, dass die Gewichte, die doppelt vorhanden sind, mit Kennzeichnungen versehen werden (z. B. durch einen Mittelpunktsstich) und stets in derselben Reihenfolge auf die Waage gelegt werden. Nicht nur wegen möglicher Ungenauigkeiten, sondern auch um Zeit zu sparen, ist es ratsam, Behälter abzulehnen, deren Gewicht so nahe beieinander liegt (20, 25, 30 Gramm), dass beim Wiegen mit dem Restgewicht (0,3–0,4 Gramm) eine Anpassung der größeren Gewichte erforderlich sein kann – schließlich muss bedacht werden, dass jeder Fehler der verwendeten Gewichte sich auf das geringe Restgewicht konzentriert.

Nach Abzug des Gewichts der leeren Behälter werden die Gewichte der beiden 50-cm³-Residuen, die im Prinzip gleich sein sollten, in Milligramm zusammengezählt. Der Summenwert wird anschließend durch das Gewicht des verwendeten Gerbmaterials in Gramm geteilt – dadurch ergibt sich der Prozentsatz der „gesamten löslichen Substanzen“.

Nicht-Tannine: Nun muss der Anteil der „gesamten löslichen Substanzen“, der aus „Nicht-Tannin-Substanzen“ besteht, bestimmt werden – also aus Substanzen, die durch Behandlung mit Lederpulver nicht aus der Lösung entfernt werden. Zu den sogenannten „Gerbsubstanzen“, die entfernt werden, gehören Farbstoffe sowie einige andere Substanzen, die zwar vom Leder aufgenommen werden, aber im strengen chemischen Sinne keine Tannine sind. (Siehe Anmerkung, S. 480.)

Nach der Methode des Internationalen Verbands wird dazu das in Abbildung 66 dargestellte Gerät verwendet. Die Glasglocke wird sorgfältig und gleichmäßig mit Lederpulver gefüllt, wobei darauf geachtet wird, dass keine Kanäle entstehen.

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Insbesondere an den Seiten, durch die die Flüssigkeit zum Syphon gelangen kann, ohne das Lederpulver durchqueren zu müssen. Vor dem Befüllen der Glocke sollte der kurze Teil des Syphonrohrs locker mit Baumwollwatte verschlossen werden (wobei etwas davon am Ende herausragen darf), um zu verhindern, dass das Pulver in das Rohr gelangt. Das Pulver bleibt durch ein Stück Musselin, das mit einem Gummiband festgehalten wird, in seiner Position in der Glocke. Anschließend wird die Glocke wie in der Abbildung dargestellt in einen Becher oder Krug gelegt, und die gefilterte Flüssigkeit wird allmählich hinzugefügt, während sie vom Pulver aufgenommen wird, bis alles gleichmäßig benetzt ist. Die Flüssigkeit, die zunächst durch Papier gefiltert wurde und wegen der „gesamten Löslichen“ verworfen wurde, kann für diesen Zweck verwendet werden – es ist nicht notwendig, dass sie völlig klar ist. Nun wird der Syphon vorsichtig gesaugt, und das Filtrat darf Tropfen für Tropfen in einen Messzylinder fallen. Die ersten 30 ccm, die sich sammeln, werden verworfen, da sie Spuren von gelösten Lederstoffen enthalten – selbst aus dem reinsten Lederpulver. Die nächsten 50 ccm sollten keine Trübung aufweisen, sofern einige Tropfen entweder mit einer klaren Tanninlösung (ohne gelöste Lederstoffe) oder mit den ersten 30 ccm (ohne Tannine) vermischt werden. Diese 50 ccm werden zur Bestimmung der Nicht-Tannine durch Verdunstung und Trocknung verwendet – genauso wie bei der Bestimmung der „gesamten Löslichen“. Einige Chemiker, die über sehr präzise Waagen verfügen, bevorzugen es, nur 25 ccm zu verdunsten, was etwas Zeit spart; in jedem Fall muss jedoch die gesamte Menge von 50 ccm durch den Filter fließen, bevor sie gemessen wird, da der Feststoffgehalt des Filtrats im Laufe des Filtervorgangs etwas variiert. Die Filtration und Verdunstung sollten zweimal wiederholt werden. Das Gewicht des Rückstands wird in Prozent als „lösliche Nicht-Tanning-Stoffe“ berechnet – genauso wie bei den „gesamten Löslichen“. Wenn man davon die „gesamten Löslichen“ abzieht, ergibt sich der Prozentsatz der „Tanning-Stoffe“. Falls das von den englischen Mitgliedern der Internationalen Vereinigung verwendete Lederpulver (hergestellt von Messrs. Mehner und Stransky in Freiberg in Sachsen) verwendet wird, gibt es keine Schwierigkeiten bei der Filtration. Dieses Pulver ist völlig neutral und enthält 10 bis 20 Prozent Zellulose, um es absorbierfähiger zu machen. Es schwellt im Filter nicht an, daher sollte es möglichst fest in die Glocke gefüllt werden – etwa 10 Gramm sind erforderlich. Wenn die Glocke richtig gefüllt ist, sollte die Filtration insgesamt etwa eine Stunde dauern; falls die Flüssigkeit jedoch zu schnell fließt, muss dies durch einen Drosselklappen am Gummiband reguliert werden.

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Der Schlauch des Siphons. Wenn andere Pulver verwendet werden, die oft Säuren enthalten und im „Kolben“ stark aufquellen, ist die Befüllung weitaus schwieriger. Zudem müssen die Seiten des Kolbens eng gepackt werden – es ist jedoch äußerst wichtig, darauf zu achten, dass das Pulver im Zentrum locker bleibt, sonst funktioniert der Filter nicht. Ein Punkt bezüglich neutraler Lederpulver muss erwähnt werden: Wenn ein Extrakt, der durch Zugabe von Alkalien oder Sulfiten löslich gemacht wurde (S. 388), mit einem vollkommen neutralen Pulver analysiert wird, so haben Paessler und Appelius[157] gezeigt, dass ein Teil der Tannine, die mit den Alkalien verbunden sind, nicht aufgenommen wird. Bei sauren Pulvern hingegen wird das gesamte Tannin gemessen.
[157] Wissenschaftliche Beilage des „Ledermarkt“, 1901, S. 107.

Die von der American Association of Official Agricultural Chemists angewandte „Schüttelmethode“ weist einige Vorteile auf – insbesondere bei der Analyse von gebrauchten Flüssigkeiten, die aufgrund der darin enthaltenen Säuren bei der Filtermethode tendenziell etwas zu hohe Ergebnisse liefern (siehe Anhang B, S. 480). Ein weiterer Vorteil ist, dass diese Methode im Vergleich zur Filtermethode weniger von der Qualität des verwendeten Lederpulvers abhängt. Deshalb wurde sie von der International Association als zulässig für alle Gerbmaterialien sowie als verpflichtend für gebrauchte Flüssigkeiten anerkannt (siehe Anhang A) und muss daher kurz erläutert werden. Sie kann auch mit etwas minderwertigen Lederpulvern durchgeführt werden als die für die Filtermethode erforderlichen – doch in der Regel ergeben sich dadurch Ergebnisse, die um 1 bis 2 Prozent niedriger sind als bei der Filtermethode. Es muss eine spezielle Schüttelmaschine verwendet werden, die in der Lage ist, eine Mischung aus Lederpulver und der zu analysierenden Flüssigkeit gründlich zu vermengen. Falls viele Analysen durchgeführt werden müssen, ist es praktisch, wenn die Maschine von einer Antriebskraft angetrieben wird – andernfalls wird die Arbeit etwas mühsamer. Üblicherweise wird dazu eine sogenannte „Milchschüttelmaschine“ (Abb. 67), die zur Vermischung von Sommergetränken verwendet wird, eingesetzt. Die für die Analysen benötigte Menge an Pulver (etwa 8 Gramm gewöhnliches, luftgetrocknetes Pulver pro Messung; in Abb. 67 werden etwa 5 Gramm hinzugefügt) wird in einem großen Becher mit 25-mal ihrem Gewicht an destilliertem Wasser verrührt und 24 Stunden lang einweichen gelassen. Zu Beginn des Verfahrens wird 1,5 Prozent Chromaluminium, das zuvor in Wasser aufgelöst wurde, hinzugefügt – weitere 1,5 Prozent mindestens 6 Stunden vor Ende des Verfahrens. Anschließend wird das Pulver durch Auspressen durch Leinen gewaschen.

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Die Waschung wird fortgesetzt, bis das Waschwasser keine Ausfällungen mehr mit Bariumchlorid ergibt; anschließend wird das Pulver gut ausgewrungen – am besten mit Hilfe einer Presse. Das feuchte, ausgepresste Pulver wird nun grob gewogen, um ungefähr herauszufinden, welche Menge benötigt wird, um pro Analyse 7,5 g des ursprünglichen Trockenpulvers zu erhalten (Luftgetrocknetes Pulver enthält etwa 15 Prozent Feuchtigkeit). Ein Teil des Pulvers wird anschließend genau in einer Schüssel gewogen und getrocknet – zunächst im Wasserbad und dann im Trockenschrank – um die Feuchtigkeitsmenge durch Gewichtsverlust zu bestimmen. Die ungefähre Menge an Pulver, die für jede Analyse benötigt wird – möglichst eine gerade Zahl in Gramm – wird in so viele Flaschen mit einem Fassungsvermögen von etwa 300 ccm wie Analysen durchgeführt werden müssen, abgewogen. In jede Flasche werden 100 ccm der zuvor beschriebenen gefilterten Flüssigkeiten gefüllt, und die Flaschen werden jeweils 10 Minuten lang geschüttelt (Herr Alsop gibt an, dass nach seiner Erfahrung 5 Minuten ausreichen). Der Inhalt der Flaschen wird anschließend durch Trichter gefiltert, deren Stiele mit reinem Baumwollflusen verstopft sind; die Flüssigkeit wird weitergeleitet, bis ein klares Filtermedium entsteht. Von diesem werden 50 ccm wie nach der internationalen Methode verdampft. Es ist nun notwendig, den erhaltenen Rückstand genau zu korrigieren – berücksichtigt man dabei die Menge an Wasser, die vom feuchten Pulver mitgebracht wurde. Der Gewichtsverlust des getrockneten Pulvers geteilt durch sein feuchtes Gewicht gibt an, wie viel Wasser in jedem Gramm des feuchten Pulvers enthalten ist; multipliziert man dieses Wert mit dem Gewicht des feuchten Pulvers, das zur Flüssigkeit hinzugefügt wurde, erhält man das Gewicht in Gramm (oder Volumen in ccm) des zugesetzten Wassers pro 100 ccm Flüssigkeit. Wenn man die ermittelten Rückstände daher mit diesem Wert plus 100 multipliziert und das Produkt anschließend durch 100 teilt, erhält man das Gewicht, das durch 50 ccm unverdünnter, aber enttannter Flüssigkeit entstehen würde. Anhand dieses Wertes können die nicht-tanninhaltigen Stoffe genauso genau berechnet werden wie bei den Rückständen aus dem Filterverfahren. Im Alltag wird natürlich ein Faktor gefunden, mit dem alle Rückstände einfach multipliziert werden müssen, um sie auf das unverdünnte Gewicht zu korrigieren. Der Prozess klingt etwas kompliziert, ist in Wirklichkeit jedoch, wenn viele Analysen durchgeführt werden müssen, genauso schnell – wenn nicht sogar schneller – als die Filtermethode; es ist durchaus möglich, dass diese Methode letztendlich an Bedeutung gewinnt, da viel Aufwand in ihre Verbesserung gesteckt wird. Nachdem die Tanning-Eigenschaften sowie die löslichen, nicht-tanninghaltigen Stoffe der Materialien bestimmt wurden, bleibt noch die Bestimmung der Feuchtigkeit sowie der unlöslichen Stoffe, die insgesamt das Material ausmachen. Zur Bestimmung der Feuchtigkeit wird eine Menge von maximal zwei bis drei Gramm trockenem Feststoff oder halbem Gramm feuchtem oder flüssigem Extrakt in eine Schüssel gewogen und auf dieselbe Weise wie bei den Rückständen getrocknet – nur dauert es dabei deutlich länger, bis eine konstante Ergebnismenge erreicht wird. Der Grund für die Verwendung einer so kleinen Menge an flüssigen Extrakten besteht darin, diese Zeit sowie die dadurch bedingte Oxidation so weit wie möglich zu verkürzen.

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Möglich ist das, da sich auf der Außenseite des Extrakts bald eine harte Schicht bildet, wodurch eine weitere Trocknung sehr mühsam wird. Es ist vorteilhaft, etwas Alkohol zu flüssigen und halbflüssigen Extrakten hinzuzufügen und sie so zu verdünnen, dass sie beim Neigen der Schale in einer dünnen Schicht auf deren Seiten verteilt werden können; gleichzeitig erleichtert der Alkohol die Verdunstung des Wassers. Das Gewicht des getrockneten Rückstands in der Schale stellt die „Gesamtfeststoffe“ dar, während der Verlust das „Wasser“ ist; diese Werte können in Prozent umgerechnet werden, indem man mit 100 multipliziert und durch das ursprünglich entnommene Gewicht der Substanz teilt. Eine alternative Methode, die bei Extrakten oft praktisch ist, besteht darin, vor der Filtration 50 ccm (zweimal) der gelösten und gut vermischten Extraktlösung abzupipettieren und genau auf dieselbe Weise wie bei den „Gesamtlöslichen“ zu trocknen. Die Summe der beiden Rückstände in Milligramm, geteilt durch das Gewicht des zur Analyse entnommenen Extrakts, ergibt die „Gesamtfeststoffe“; wenn man davon 100 abzieht, erhält man das „Wasser“, während der Unterschied zwischen den „Gesamtfeststoffen“ und den „Gesamtlöslichen“ den Prozentsatz der unlöslichen Stoffe ausmacht. Zwei weitere Punkte müssen beachtet werden: Wenn die Gesamtfeststoffe nach der ersten Methode und die Gesamtlöslichen auf die übliche Weise bestimmt werden, kommt es in Extrakten, die keine unlöslichen Stoffe enthalten, oft dazu, dass sie sich um 0,1 oder 0,2 Prozent unterscheiden – entweder aufgrund der Schwierigkeit, das gesamte Wasser zu entfernen, oder aufgrund einer geringen Oxidation des Rückstands der Gesamtlöslichen. Andererseits findet man, wenn die zweite Methode angewandt wird, selbst in vollständig löslichen Extrakten immer eine kleine Menge an „Unlöslichem“, was auf die Aufnahme von Tanninen oder Farbstoffen durch das Filterpapier zurückzuführen ist. Zur Korrektur dieses Fehlers siehe Collegium, 1902, S. 145–158 sowie Anhang A, S. 477. Da der Wert eines Gerbmaterials oft stark von der Farbintensität abhängt, ist es üblich, in Verträgen die Farbintensität einer Lösung mit 0,5 Prozent Gerbstoff (gemessen nach der I.A.L.T.C.-Analysemethode) in einer ein Zentimeter dicken Glaszelle im Vergleich zu Standardfarbgläsern im Tintometer anzugeben. Zur Messmethode siehe L.I.L.B., S. 131. Anmerkung: Alle in diesem Kapitel genannten Geräte können bei Messrs. Reynolds and Branson, Commercial Street, Leeds, oder bei Messrs. Portway, Jamaica Road, S.E., sowie bei den meisten anderen Händlern für chemische Geräte erworben werden.

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KAPITEL XXI.
Zerkleinerung von Gerbstoffmaterialien

Bevor die darin enthaltenen Gerbstoffe extrahiert werden können, müssen die meisten Materialien zerkleinert werden. Die einzigen Ausnahmen von dieser Regel sind Divi-Divi und Algarobilla – bei diesen ist der Gerbstoff nur sehr locker gebunden. Extrakte, sei es in fester oder flüssiger Form, müssen lediglich in Wasser oder einen anderen Lösungsmittel aufgelöst werden; in diesen sind sie zu allen praktischen Zwecken vollständig löslich. Bei weniger löslichen Extrakten ist es in der Regel besser, sie bei einer Temperatur von 50° bis 60° C unter intensivem Rühren aufzulösen.

Die genaue Methode der Zerkleinerung sowie die dafür verwendeten Maschinen variieren nicht nur je nach zu zerkleinerndem Material, sondern auch je nach gewählter Extraktionsmethode. Es ist nämlich wichtig, dass die Masse des zerkleinerten Materials vollständig vom zur Extraktion verwendeten Lösungsmittel durchdrungen wird. Wenn das Material zu fein zerkleinert wird oder aufgrund der Höhe, in der es in den Extraktionsbehältern gelagert wird, zu viel Druck ausgeübt wird, kann sich eine kompakte, tonartige Masse bilden, deren Inneres weiterhin unextrahiert bleibt.

Im Labor, wo eine gründliche Extraktion innerhalb weniger Stunden erfolgen muss, darf das Material kaum zu fein sein. Auf größeren Skalen hingegen muss ein deutlich groberer Produkt verwendet werden. Die Extraktion dauert dann Tage – manchmal sogar Wochen – und ist selten erfolgreich genug, um alle Gerbstoffe zu entfernen. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass diese mechanischen Schwierigkeiten bei der Extraktion in Zukunft überwunden werden. Dann kann das Material auf größeren Skalen genauso fein zerkleinert und vollständig extrahiert werden wie im Labor heute.

Eine der ältesten Methoden zur Zerkleinerung von Eichenrinde, die auch noch heute für Sumach angewandt wird (S. 271), besteht darin, die Rinde unter großen, kreisförmigen Steinen zu zermahlen – diese Steine wurden oft von Pferden angetrieben. Dieser Prozess war für Rinden sehr langsam und ineffizient.

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Horizontale Mühlensteine, ähnlich denen, die für Weizen verwendet wurden, wurden schon vor langer Zeit durch Eisen- oder Stahlmühlen ersetzt, die nach demselben Prinzip wie gewöhnliche Kaffeemühlen funktionieren. Diese Mühlen, Abbildung 68, bestehen aus einem „Kegel“ oder inneren Kegel, der mit Blättern oder Zähnen bedeckt ist, die in einem leichten Winkel zur vertikalen Ebene des Kegels angeordnet sind. Diese Blätter werden in Richtung der unteren, breiteren Teil des Kegels immer feiner und zahlreicher. Der innere Kegel rotiert innerhalb eines äußeren, hohlen Kegels oder Gehäuses, das ebenfalls mit Blättern oder Zähnen ausgestattet ist, die in entgegengesetzter Richtung zu denen des inneren Kegels geneigt sind, sodass sie sich wie die Schneidblätter einer Schere unter einem Winkel treffen. Die Winkel des Kegels sind so gewählt, dass die Blätter sich in Richtung ihrer Basis immer näher kommen. Der äußere Kegel ist fest und verfügt über einen Behälter ähnlich wie eine Kaffeemühle; der innere Kegel wird um seine Achse gedreht, sodass das in den Behälter gelegte Material zwischen beiden Kegeln zerkleinert wird – zunehmend feiner, bis es schließlich an den unteren Rand gelangt und herausfällt. Die Blätter oder Zähne werden in der Regel zusammen mit den Metallkegeln gegossen und bei Bedarf mit kalten Meißeln geschärft. Diese Arbeit sollte nicht in der Mühle selbst durchgeführt werden, da sonst kleine Eisensplitter mit dem Material vermischt werden könnten und Flecken auf dem Leder hinterlassen. Diese Art von Mühle wird in England mit etwa 30 Umdrehungen pro Minute betrieben, in Amerika fast dreimal so schnell. Sie funktioniert sehr gut mit trockenem Material, verstopft jedoch stark, wenn das Material deutlich feucht ist. Aus diesem Grund ist es immer ratsam, die Mühle mit einem recht locker sitzenden Band anzutreiben – dieses wird sonst versuchen, zu viel Druck auszuüben und die Maschine zu beschädigen. Bei solchen Aufgaben sind Sicherheitskupplungen kaum nützlich. Eine etwas andere Art von Mühle besteht aus einem Paar Scheiben oder sehr stumpfer Kegel, wobei der innere Kegel um eine horizontale Achse rotiert. Die Zähne sind in der Regel in konzentrischen Ringen angeordnet und miteinander verbunden. Das zu mahlende Material wird in der Nähe des Zentrums der feststehenden Scheibe zugeführt und an den Rändern wieder ausgeschieden. Die Konstruktion dieser Mühlenart lässt sich leicht anhand von Abbildung 69 verstehen. Sehr kleine Stücke Eisen oder Stahl, die zwischen den Zähnen stecken bleiben, können dazu führen, dass diese zerbrechen und Eisenstaub entsteht – was ein ernsthafter Nachteil bei der Verwendung dieser Mühlenart (zu denen die Schmeija „Excelsior“, die Glaeser „Favorita“ sowie der „Devil Disintegrator“ der Hardy Patent Pick Co. gehören) zum Zerkleinern von Rinde ist.

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Abb. 69 – „Excelsior“-Mühle.

Myrobalanen- sowie Mimosenrinden haben sich als besonders schwierig zum Zerkleinern erwiesen: Die Myrobalanen aufgrund der Härte der Fruchtkerne sowie der Neigung, die Mühle zu verstopfen; die Mimosenrinden hingegen aufgrund ihrer kombinierten Härte und Zähigkeit. Heutzutage werden „Zerkleinerer“ verschiedener Bauart hergestellt, die in der Lage sind, beide Materialien zufriedenstellend zu zerkleinern. Abgesehen von ihrer Neigung, Brände auszulösen, sowie vom großen Anteil an feinem Staub, den sie erzeugen, werden sie in der Regel den gezahnten Mühlern vorgezogen. Trotz dieser Nachteile werden sie aufgrund ihrer Effizienz beim Zerkleinern hartnäckiger Materialien weit verbreitet eingesetzt. Zerkleinerer arbeiten nach dem Prinzip des Zerstoßens des Materials in Pulver durch sehr schnell drehende Zerkleinerungswerkzeuge; in kleineren Maschinen drehen sich diese mit 2500 bis 3000 Umdrehungen pro Minute. Der erste Zerkleinerer wurde von Carr entwickelt und bestand aus zwei konzentrischen Zylindern oder Körben aus Stahlstäben, die sich in entgegengesetzten Richtungen mit hoher Geschwindigkeit drehten. Das Material wurde zwischen diese Elemente geführt und durch den Aufprall gegen die Stäbe sowie die Außenhülle in Stücke zertrümmert.

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Abb. 70 – Zerstäuber.

Bald darauf führte Carter eine einfachere Variante ein, bei der nur eine Achse verwendet wurde, an der sich radiale Schläger befanden, die das Material gegen die gezahnte Außenhülle schleuderten. Ein Teil der Umfangsfläche dieser Hülle war mit Gittern ausgestattet; das zerkleinerte Material wurde durch diese Gitter ausgeworfen, sobald es groß genug verkleinert worden war. Die Feinheit der Zerkleinerung ließ sich durch gezielte Änderung der Gitter regulieren. Diese Art von Zerstäuber wird – in geringfügig abgewandelter Form – von allen führenden Herstellern von Geräten für die Lederherstellung hergestellt. Eine Variante ist in Abb. 70 dargestellt, und eine ähnliche, aber kleinere Maschine, deren Aufbau sichtbar ist, in Abb. 71.

In den moderneren Maschinen sind sowohl die Seiten als auch die Umfangsfläche der Hülle oft gewellt, um die Wirkung auf das Material zu verstärken. Mühlwerke, die mit einer Geschwindigkeit von bis zu 3000 Umdrehungen pro Minute laufen, können selbst die härtesten Substanzen wie Stein oder Ziegel unbeschadet zerkleinern. Doch Eisenstücke im Lederherstellungsmaterial können Schäden verursachen. Deshalb werden verschiedene magnetische Vorrichtungen eingesetzt, um dieses Metall zu trennen – allerdings nur teilweise erfolgreich.

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Erfolg. In den besten Mühlen sind daher die Schlagwerkzeuge sowie die inneren Gehäuse so konstruiert, dass sie leicht ersetzt werden können; dadurch sind die Schäden in der Regel nicht schwerwiegend.

Abb. 71 – Geöffneter Zerkleinerer, zeigt die Konstruktion.

Um Vibrationen zu vermeiden, müssen die Scheiben sowie die Schlagwerkzeuge all dieser Hochgeschwindigkeitsmühlen mit großer Präzision ausbalanciert werden. Dies lässt sich am besten erreichen, indem man die Welle aus der Mühle nimmt und sie auf zwei ausgelevelten Geraden rollen lässt; anschließend werden die Schlagwerkzeuge auf der schwereren Seite abgeschliffen oder abgetragen, bis sie in jeder Position gleichmäßig liegen.

In Amerika wurde kürzlich eine neue Art von Zerkleinerer von der Williams’ Patent Crusher and Pulveriser Company auf den Markt gebracht. Dabei sind mehrere Scheiben an der Hauptwelle befestigt; um deren Umfang herum sind zahlreiche „Hammer“ mittels Schrauben aufgehängt. Jeder dieser Stahlstäbe, also jeder Hammer, kann sich um 120° bewegen. Wenn die Maschine in Betrieb ist, nehmen die Hämmer aufgrund der Zentrifugalkraft eine vom Mittelpunkt abweichende Position ein.

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Nachdem ein Schlag gegen das auf eine als „Amboss“ dienende Platte gelegte Material ausgeführt wurde, springen die Hämmer zurück. Nachdem das Material, das vom Schlag nicht zerstört wurde, passiert ist, nehmen die Hämmer wieder ihre normale Position ein – sodass die nächste Gruppe von Hämmern das noch unzerstörte Material bearbeiten kann. Die gelenkige Befestigung der Hämmer verleiht der Maschine eine Flexibilität, die bei keiner anderen Maschine dieses Typs zu finden ist, und verringert außerdem das Risiko von erheblichen Schäden an der Maschine durch das Eindringen von Metallstücken zusammen mit dem Rindenmaterial. Die Hersteller behaupten, dass diese Maschine schneller und kostengünstiger repariert werden kann als jede andere Zerkleinerungsmaschine gleicher Leistungsklasse auf dem Markt. In den letzten Jahren wurden erhebliche Verbesserungen in den Konstruktionsdetails dieser Maschine vorgenommen. Abbildung 72 zeigt einen Querschnitt dieser Maschine. Natürlich sind in der Abbildung nur die Endhämmer jeder Gruppe sichtbar.

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Abb. 72 – Querschnitt durch Williams’ Zerkleinerungsmaschine.

Wenn Myrobalan oder Valonia zur Löschung verwendet werden sollen, ist es in der Regel besser, sie zwischen gezahnten oder geriffelten Rollen zu zerkleinern, anstatt sie fein zu mahlen. Die zelluläre Struktur wird auf diese Weise genauso vollständig zerstört, und die durch das Zerkleinern entstehenden Flakes ermöglichen eine viel freiere Perkolation als bei Material, das durch einen Zerkleinerer zu Pulver verarbeitet wird. Gleichzeitig ist auch der Energieverbrauch geringer. Die allgemeine Konstruktion der Maschine lässt sich anhand von Abb. 73 leicht verstehen. Es sei nur darauf hingewiesen, dass der kleine obere Roller hauptsächlich als „Zuführmechanismus“ für die größeren Zerkleinerungsrollen dient.

In den besten Mühlen bestehen die Rollen aus einer Reihe von gezahnten Stahlplatten auf einem quadratischen Achs系, wodurch sie bei Bedarf leicht ersetzt oder geschärft werden können.

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sind beschädigt oder abgenutzt worden.

Abb. 73 – Zerkleinerer für Myrobalanen.

In Amerika wurden mehrere Mahlwerke eingeführt, bei denen die Rinde mit zahnigen Scheiben – ähnlich wie bei Kreissägen – gesägt oder abgeschliffen wird. Doch diese Geräte sind nur in der Lage, Rinden brüchiger Art zu verarbeiten; zähe Materialien wie die Rinde der Mimose oder des Eichbaums blockieren sie sofort. Eine bessere Form von Mahlwerk – doch auch dieses weist bis zu einem gewissen Grad dieselben Nachteile auf – ist das „Schleifmahlwerk“. Dabei sind Schneiden wie Hobel auf einer Scheibe, Kugel oder Zylinder befestigt und drehen sich mit hoher Geschwindigkeit gegen das Material, das von zahnigen Rollen unter einem solchen Winkel darauf zugeführt wird, dass die Späne diagonal zur Faserrichtung abgeschnitten werden. Solche Schleifmahlwerke werden in Amerika hauptsächlich zur Verarbeitung der Tannenrinde eingesetzt, wobei sie dort besonders erfolgreich sind. Das Prinzip dieser Maschinen ist genau dasselbe wie das der Maschinen, die zur Verarbeitung von Eichenholz, Quebracho-Holz sowie verschiedenen Farbhölzern verwendet werden. Eine Art solches Schleifmahlwerks ist in Abb. 74 dargestellt.

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Abb. 74 – Rasiermühle.

Oft wird das Material aus der Mühle in einem sehr ungleichmäßigen Zustand geliefert. Manchmal ist es notwendig, es zu sieben, um den groberen Anteil entweder für die Verarbeitung in Lechprozessen oder zur erneuten Zerkleinerung zu verwenden, während der feinere Anteil besser für die Herstellung von Staub geeignet ist. Mit Zerkleinerungsgeräten, die die Rinde mit erheblicher Kraft freisetzen, kann das Sieben dadurch erfolgen, dass ein Sieb diagonal unterhalb der Mühle platziert wird – durch dieses Sieb werden die feineren Bestandteile herausgeschleudert. Es ist jedoch unerlässlich, dass diese Oberfläche des Siebs äußerst glatt und sehr widerstandsfähig ist, denn gewöhnliches Drahtgeflecht wird durch den Aufprall des Materials sofort durchtrennt. Sogenannte „verschlossene Drahtsiegel“, bei denen die Drähte um die Querstäbe gewickelt sind, eignen sich hervorragend. Falls die Umstände keine solche Siebung zulassen, können zylindrische, drehbare Siebe oder nahezu horizontale Siebe verwendet werden.

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Es können Schirme verwendet werden, die durch einen Exzenter in Schwingung versetzt werden. Letztere sind günstiger in der Errichtung und haben den Vorteil, dass sie weniger Platz einnehmen. Durch die Verwendung von Drähten oder perforiertem Stahl unterschiedlicher Körnung kann das Material in mehrere Feinigkeitsgrade aufgeteilt werden.

Abb. 75 – Rindezerkleinerer.

Eiche-Rinde, wie sie von den Bäumen abgenommen wird, ist in der Regel etwa drei Fuß lang. Bevor sie in den meisten der oben beschriebenen Maschinen zerkleinert werden kann, muss sie in kleinere Fragmente geschnitten oder zerbrochen werden. Dies geschieht häufig von Hand, indem die Rinde in Stücke von etwa vier Zoll Länge zerschnitten wird; diese Vorgehensweise wird als „Zerkleinerung“ bezeichnet. Manchmal werden auch Maschinen nach dem Prinzip des Schrotthackers verwendet – solche Maschinen bestehen aus einem Flügelrad mit radial angebrachten, gebogenen Blättern. Anstelle der manuellen Zerkleinerung wird die Rinde oft durch das Passieren durch ineinander greifende, gezahnte Rollen zerbrochen; die Konstruktion dieser Maschine lässt sich anhand von Abb. 75 leicht verstehen.

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In Belgien sowie in einigen anderen Gebieten, in denen Rinde gewonnen wird, wird die daran haftende Moosschicht sowie die tote Außenrinde in der Regel vor dem Zerkleinern entfernt. Offenbar werden diese Verunreinigungen jedoch nach Abschluss des Zerkleinerungsprozesses wieder mit der Rinde vermischt! Da solche Rinden oft auch viel Ton und Schmutz enthalten, ist es üblicherweise sinnvoll, die zerkleinerte Rinde vor dem Einbringen in die Mühle durch ein grobes Sieb zu führen, um den größten Teil dieses Schmutzes zu entfernen. Andernfalls führt dieser Schmutz dazu, dass schwarze und unzulängliche Flüssigkeiten entstehen.

Bei der Erstellung von Feuerversicherungspolicen wird in der Regel ein höherer Prämienbetrag verlangt, wenn Zerkleinerungsgeräte zur Verarbeitung des Gerbmaterials verwendet werden. Dies liegt daran, dass aufgrund der Menge an Staub sowie der Entstehung von Funken durch das Aufprallen der Stahlteile der Maschine auf eventuell vorhandene Steine oder Metallstücke ein höheres Brandrisiko besteht als bei Zahnmühlen. Mit geeigneten Vorkehrungen ist das Risiko jedoch tatsächlich gering. (Vgl. S. 446.)

Alle Zerkleinerungsgeräte funktionieren wie Lüftungsfans: Sie saugen Luft zusammen mit dem Material auf und blasen sie anschließend mit großer Kraft an der Peripherie wieder heraus. Diese Luft ist stark mit Staub aus dem Gerbmaterial belastet, der die Lungen äußerst reizt. Die Schwierigkeit wird bis zu einem gewissen Grad dadurch gelöst, dass ein Luftkanal oder eine Rauchleitung – meist in der Maschinenhülle integriert – die Auslassöffnung mit der Einfüllöffnung verbindet, wodurch die Luft zurück zum Zerkleinerungsgerät geleitet wird. Dadurch zirkuliert die Luft im System, doch immer wieder wird etwas Luft aus der Außenluft angesaugt und zusammen mit dem zerkleinerten Material ausgestoßen. Es ist daher ratsam, dass die Kammer, in die die Luft abgeleitet wird, über eine Art Filter verfügt, bevor die Luft entweichen kann. Eine praktische Methode besteht darin, einen großen Flanellbeutel zu verwenden, der von der Luft wie ein Ballon aufgeblasen wird; der Staub kann dann, wenn die Maschine stillsteht, daraus geschüttelt werden. Eine weitere effektive Methode ist es, eine der Wände oder die Decke der Kammer aus Leinen oder Sackstoff herzustellen. In jedem Fall sollte es möglich sein, dass die Luft entweichen kann, ohne dass etwas Staub Unannehmlichkeiten verursacht.

**Kettenförderer:** Während in England das zerkleinerte Material in der Regel in Karren oder Körben von der Mühle zu den Behältern transportiert wird, ist in Amerika der Einsatz von Förderern praktisch universell. Es besteht kein Zweifel daran, dass sie eine erhebliche Arbeitsersparnis bei relativ geringen Kosten ermöglichen. Der praktischste Förderer für Gerbmaterialien besteht aus einer Rinne, durch die eine endlose Kette läuft, an der Schaber befestigt sind. Für diesen Zweck werden in der Regel Ketten verwendet, deren Glieder ineinanderpassen und auf Zahnrädern laufen können. Solche Ketten werden von mehreren Firmen in Amerika sowie von der Ewart Chain Conveyor Co. in Derby in England hergestellt. Diese Firma liefert nicht nur einfache Glieder, sondern auch solche mit Vorsprüngen, an denen Eimer, Schaber sowie verschiedene Anbauteile befestigt werden können.

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Abb. 76 – Kettenförderer.

In vielen Fällen ist die Schale V-förmig, wobei die Kette in einem Winkel darin verläuft; in anderen Fällen ist sie, wie in der Abbildung, flachbodig oder rechteckig. Die Schaber können aus Metall oder Holz bestehen; wenn Materialien einen steilen Neigungswinkel hinauftransportiert werden müssen, sollten anstelle von Schabern Eimer verwendet werden. Die Anordnung eines solchen Förderers ist in Abb. 76 dargestellt.
Eine nützliche Form eines Förderers für trockene Materialien besteht aus einem gewebten Baumwollgurt, der in einer glatten Schale verläuft und dabei alle paar Abstände mit Streben vernietet ist. Diese Streben sollten leicht über die Ränder des Gurts hinausragen, um ein Abnutzen zu verhindern. Bei solchen Gurten muss darauf geachtet werden, dass das Material nicht zwischen Gurt und Rolle gerät.

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Kettenförderer werden häufig verwendet, um das verarbeitete Leder von den Leichmitteln zu den Öfen zu transportieren – gelegentlich auch zur Beförderung von Häuten. In Maismühlen werden verschiedene andere Arten von Förderern eingesetzt; spiralförmige oder wurmförmige Förderer, die nach dem Schraubenprinzip funktionieren, werden besonders häufig zur Beförderung von Mais verwendet. Sie eignen sich aufgrund der Körnung der zu verarbeitenden Materialien jedoch nicht besonders gut dafür, da dadurch die Reibung stark zunimmt; dennoch werden sie gelegentlich verwendet. Solche Förderer, die aus separaten Blättern bestehen, sollten besonders vermieden werden. Eine einfallsreiche Form eines Förderers wurde kürzlich aus Deutschland eingeführt: Es handelt sich dabei um eine leichte Rinne, die auf Stahlfedern ruht und mittels eines Exzentrikums längs vibriert, wodurch das Material von einem Ende der Rinne zum anderen geschüttelt wird. Die Bewegungsgeschwindigkeit der Rinne ist beim Vorwärtsbewegungsmoment geringer als beim Rückweg, sodass das Material mitgetragen wird, während es nach vorne bewegt wird, und beim Rückweg darüber gleitet. Offensichtlich kann dieses Prinzip auch zur Siebung angewandt werden.

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KAPITEL XXII.
Die Extraktion von Gerbstoffen sowie die Herstellung von Extrakten.

Löschung – Nachdem das Material in einen geeigneten Feinheitsgrad gebracht wurde, ist es bereit für die Extraktion. Dies erfordert eine beträchtliche Zeit, da sich der Gerbstoff in Zellen befindet, deren Wände aus holzähnlichen Substanzen (Zellulose und Lignin) bestehen. Das Wasser diffundiert durch diese Wände nur langsam. Deshalb ist es notwendig, das Material sehr fein zu mahlen, damit es schnell extrahiert werden kann – doch es darf nicht so fein sein, dass es in den Lösungsmitteln zu einer kompakten Masse wird und somit die Zirkulation behindert. Bei der Anwendung der gegenwärtigen Extraktionsmethoden im großen Maßstab muss das Material nur etwas grob gemahlen oder zerkleinert werden, damit eine effektive Perkolation möglich ist. Es ist jedoch durchaus möglich, dass in naher Zukunft bessere mechanische Verfahren gefunden werden, um Staub und andere übermäßig fein gemahlene Stoffe zu verarbeiten und so eine sehr schnelle Extraktion zu erreichen.

Bis vor etwa 150 Jahren wurden keine Versuche unternommen, das Gerbstoffmaterial zu lösen. Es wurde einfach in Schichten zwischen die Häute gelegt und mit Wasser befeuchtet. Die Löschmethode entstand in England und wurde zunächst nur eingesetzt, um das bereits als Schicht verwendet worden Material vollständig auszunutzen. Doch es erwies sich als vorteilhaft, statt Wasser auch schwache Flüssigkeiten zur Löschung zu verwenden. Bald wurde auch neues Material verwendet, um stärkere Lösungen herzustellen. Die früheste Form der Löschanlage bestand aus einem Loch mit einem perforierten Holzstück in einer Ecke, in dem eine Pumpe platziert werden konnte, um die Flüssigkeit abzupumpen, ohne dass sie durch feste Stoffe blockiert wurde. Dies wurde durch Hinzufügen eines perforierten „Falschen Bodens“ erheblich verbessert; die Perforationen dieses Falschen Bodens erwiesen sich jedoch als unnötig. Heute dient er lediglich dazu, die Flüssigkeit abzupumpen oder einen Stopfen in einem Loch zu bedienen, das mit einem unterirdischen Kanal verbunden ist, der zu einem Pumpbrunnen führt. Der Falsche Boden besteht am besten aus Brettern mit einer Dicke von etwa 1 Zoll und einer Breite von 2 Zoll. Sie sind schräg geschnitten, sodass die obere Oberfläche breiter ist als die untere – dadurch werden die Zwischenräume weniger anfällig für Blockaden. Die Bretter werden mit Nägeln befestigt.

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Auf Querbrettern mit Kupfernägeln – diese sollten lang genug sein, um die Bretter festzuschrauben – werden Abstände von 1/4 Zoll bis 1/2 Zoll zwischen den Brettern gelassen, je nach Feinheit des Bodenmaterials. Der gitterförmige Boden sollte aus mindestens zwei Teilen bestehen, damit er leicht entfernt werden kann, um ihn zu reinigen; außerdem sollte er auf separaten Blöcken ruhen, die am besten unterseitig an die Querbretter geschraubt werden. Ein Abstand von 2 bis 3 Zoll unter dem künstlichen Boden reicht aus, sofern dieser jedes Mal gereinigt wird, wenn der Graben entleert wird – ansonsten nicht. Eine freie Durchströmung im gleich zu beschreibenden „Press-Leach“-System setzt voraus, dass sowohl unter dem Boden als auch zwischen den Brettern keine Hindernisse vorhanden sind. Ein Teil des gitterförmigen Bodens ist in Abbildung 77 dargestellt. Die Bretter lassen sich leicht mit einer Kreissäge mit schräger Arbeitsfläche schneiden, wobei das Brett bei jedem Schnitt gedreht werden muss. Es bringt keinen Vorteil, sie zu planieren.

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Abb. 77 – Querschnitt durch den Leich-Boden.

Da man mit einem einzigen Auslaugungstank kein starkes Lederextrakt herstellen kann, werden heutzutage immer mehrere Tanks verwendet. Es ist die Art der Auslaugung – ob systematisch oder auf andere Weise –, die bestimmt, wie viel vom gesamten Tannin weggeworfen und im „verbrauchten Extrakt“ verloren geht. Bei richtig extrahierten Materialien enthält der „verbrauchte Extrakt“ nicht mehr als ein Prozent an Gerbstoffen. Der wirtschaftlich sinnvolle Grad der Extraktion hängt jedoch vom verwendeten Gerbstoffmaterial sowie von der Art des zu herstellenden Leders ab. Das als am besten angesehene System basiert auf dem „kontinuierlichen“ Extraktionsprozess. Von seinen verschiedenen Formen ist die „Pressauslaugung“ die einfachste – in den meisten Fällen reicht diese aus.

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Abb. 78 – Grundriss und Querschnitt der Press-Läuteranlagen.
In Abb. 78 sind ein Grundriss sowie ein vertikaler Querschnitt der Läuteranlagen dargestellt. Unter der Annahme, dass die Läuteranlagen bereits eine Weile in Betrieb sind und dass die Flüssigkeit aus der stärksten Anlage in die Färbepfannen abgeleitet wurde – oder im Fall der Herstellung von Extrakten in die Entfärbungstanks oder Verdampfer –, ist der letzte Behälter in der Reihe nun mit Wasser oder gebrauchter Flüssigkeit gefüllt. Dieses Wasser kann bei Bedarf mit Dampf erhitzt werden. Es sorgt dafür, dass die Flüssigkeit in der gesamten Anlage weitergeleitet wird und dabei immer stärker wird, je mehr sie von einem Behälter zum nächsten gelangt. Die sehr schwache Flüssigkeit, die im letzten Behälter verbleibt, wird anschließend in einen Ersatzbehälter gepumpt oder in den nächsten, stärkeren Behälter – wodurch die Flüssigkeit wieder wie zuvor weitergeleitet wird. Der Behälter wird von dem gebrauchten Material entleert und mit neuem Material gefüllt; er wird somit zur nächsten Läuterstufe.

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Auf den schwächsten Behälter wird der stärkste Alkohol unter Zugriff durch fließendes Wasser oder schwächeren Alkohol gebracht. Was die Konstruktion einer solchen „Batterie“ aus Leech-Behältern angeht, so unterscheiden sich die Details je nachdem, ob die üblichen englischen quadratischen Gruben oder die amerikanische Variante mit kreisförmigen Behältern verwendet werden. Im ersten Fall bestehen die vertikalen Verbindungen, die mit dem Raum unter den falschen Böden in Verbindung stehen, in der Regel aus Holz – ähnlich wie bei den altmodischen „Augen“ – und befinden sich an einer Seite oder Ecke jeder Grube. Sie sind mit der Oberfläche der nächsten Grube durch eine kurze Rinne verbunden, die nach Belieben offen oder bedeckt sein kann. Sowohl diese „Augen“ als auch die Querrinnen müssen ausreichend groß sein, damit der Fluss des Alkohols nicht behindert wird. Bei einem Set aus sechs oder acht Leech-Behältern sollte der Boden der Querrinne mindestens 10 bis 12 Zoll unterhalb der eigentlichen Oberfläche des Leech-Behälters liegen; dieser darf nicht mit Materialen oberhalb dieses Niveaus gefüllt werden. Ziel ist es, einen ausreichenden Höhenunterschied vom ersten zum letzten Leech-Behälter zu schaffen. Es müssen Mittel zur vorübergehenden Verschließung der Querrinne zwischen den Behältern vorhanden sein, die den ersten und letzten Leech-Behälter bilden. In sehr kleinen Maßstäben kann dies mit einem Stöpsel erreicht werden; schwenkbare Holztüren sind praktisch, doch schwer zu verschließen. Eine Tür mit Scharnieren oder Schiebetür, die durch eine Keil- oder Kippverbindung gegen eine Gummiauflage gedrückt wird, scheint ein praktikables Lösungsmittel zu sein. Wenn kreisförmige Behälter verwendet werden, kann die vertikale Verbindung ebenfalls mit einer Holzrinne hergestellt werden; für die Querverbindungen sind jedoch Kupferrohre fast unverzichtbar. Falls im Zentrum des Leech-Behälters ein vertikales Kupferrohr zum Kochen oder Entleeren des Behälters vorhanden ist, kann es zur Steuerung des Alkoholflusses genutzt werden, indem es mit einem dünnen Kupferrohr großer Durchmesser mit der Querrinne verbunden wird. Ein Anschluss wie bei einem Herdrohr reicht vermutlich aus, um eine ausreichende Dichtheit zu gewährleisten; falls nötig, kann er durch das Überrollen eines Gummiringes noch fester gemacht werden. In der Regel reichen sechs bis acht Leech-Behälter aus, um eine solche „Batterie“ zu bilden. Wenn mehr Behälter in einer Reihe miteinander verbunden werden, ist in der Regel eine Unterstützung der Zirkulation erforderlich – entweder durch Pumpen eines Zwischenbehälters oder durch ein oder mehrere Pumpen nach dem Holbrook-System, bei dem eine einfach konstruierte, von Strom angetriebene Pumpe im „Auge“ des Leech-Behälters installiert wird. Es versteht sich von selbst, dass der Alkohol nach unten durch die Leech-Behälter und nach oben durch die vertikalen Rohre fließen muss, um eine Vermischung des schwächeren mit dem stärkeren Alkohol zu verhindern.

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Es wurden mehrere Ergänzungen und Änderungen am System vorgenommen, um die sogenannte „Kanaldifficulty“ zu beseitigen. Einige Gerber befürchten stets, dass die Flüssigkeit in den Laugebehältern das Material zur Seite drücken und dadurch Kanäle bilden könnte, wodurch eine ordnungsgemäße Extraktion des Gerbstoffs verhindert wird. Nach Ansicht des Autors wurde dieses Problem stark übertrieben, denn es ist keineswegs einfach, solche Kanäle entstehen zu lassen, es sei denn, die Flüssigkeit wird aus den Laugebehältern mit sehr hoher Geschwindigkeit abgepumpt, während sie sich noch in Bewegung befindet. Auf jeden Fall lässt es sich vollständig vermeiden, indem das Material in den Laugebehältern gelegentlich umgerührt wird, um es etwas zu erleichtern und neu anzordnen.

Es sei auch darauf hingewiesen, dass die Bereitstellung eines geeigneten Systems zur Pumpung oder Zirkulation der Lauge nicht davon abhält, diese so oft wie gewünscht abzupumpen – obwohl dies im Allgemeinen vermieden werden sollte. Wenn nämlich die Laugebehälter von der Flüssigkeit geleert werden, neigt das Material dazu, zu einer kompakten Masse zusammenzusinken, die schwer durchlässig ist und außerdem dazu neigt, an den Seiten der Behälter zusammenzuschrumpfen – was genau das Problem verursacht, das man eigentlich vermeiden will. Es gibt Vorteile darin, die ersten und stärksten Flüssigkeiten in einem separaten Tank vom Material abzutrennen und die weitere Entfernung der Flüssigkeit anschließend in den Press-Laugebehältern durchzuführen. Viele Materialien quellen nämlich auf und packen sich fest, wenn sie erst einmal benetzt werden. Im Großen und Ganzen lohnt sich diese Methode jedoch kaum aufgrund der zusätzlichen Kosten.

Das oben beschriebene Press-Lauge-System eignet sich gut für die Anforderungen der Gerber: Die Anfangskosten sind sehr gering, abgesehen von den Kosten für den Bau der Laugebehälter selbst. Es ermöglicht eine gute Extraktion des Gerbstoffs, spart viel Arbeitszeit bei der Pumpung und verringert erheblich die Neigung des Pumpers, aus Zeitgründen Behälter auszulassen, wenn der Meister ihn nicht beobachtet. Ein weiterer oft wichtiger Vorteil ist, dass, wenn die Laugebehälter voll sind, viel mehr als nur eine Flüssigkeitsschicht ohne Pumpen in den obersten Behälter eingefüllt werden kann. Ebenso kann, wenn die Behälter auf ihrem niedrigsten Stand sind, viel mehr als nur eine Flüssigkeitsschicht in den untersten Behälter gepumpt werden, bevor dieser überläuft. Da die Lauge langsam fließt im Vergleich zur Geschwindigkeit, mit der Flüssigkeiten mit einer guten Dampfpumpe gepumpt werden können, ist es sehr vorteilhaft, die Pumpe so einzurichten, dass sie in einen auf eine bestimmte Höhe angehobenen Flüssigkeitstank entleeren kann. Dadurch kann die Flüssigkeit in jedem Laugebehälter in einem für die Zirkulation geeigneten Tempo zugeführt werden. Zudem ermöglicht dies das Pumpen der Flüssigkeiten, ohne warten zu müssen, bis Platz in den Laugebehältern frei wird. Solche Tanks sind besonders nützlich, um Flüssigkeiten in die Werkstätten zu leiten – insbesondere in Werkstätten für Ledersohlen – und sorgen dafür, dass die Zirkulation auch nachts weiterhin aufrechterhalten werden kann.

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Und zu anderen Zeiten, wenn die Pumpen nicht laufen. Sie können auch als Filter für die Gerbstofflösungen verwendet werden, indem man ihnen falsche Böden einbaut, die mit einer Schicht fast verbrauchten Gerbstoffs bedeckt sind. Die Lösungen können mithilfe von Leinenschlauchrohren in die verschiedenen Behälter geleitet werden – oder, was oft praktischer ist, über sorgfältig ausgeglichene Überlaufbecken, die bei Bedarf mit Entlüftungsventilen ausgestattet sind. Letztere bestehen bequem aus Blei in halbkugelförmiger Form, das auf einer Gummiauflage ruht, die wiederum von einer leichten Messinggusselemente oder einer entsprechend gefertigten Aussparung in einem Holzblock gestützt wird. (Vgl. S. 457 und Abb. 79.) Solche Ventile halten gut, wenn hochwertiger Gummi verwendet wird, und sind absolut dicht.

Abb. 79 – Ventil für Überlaufbecken.

In England werden die Behälter für die Gerbstofflösungen in der Regel im Boden vergraben und bestehen häufig aus Ziegeln und Zement oder aus großen Yorkshire-Steinen. Solche Behälter sind etwas teuer, aber sehr langlebig. Auch quadratische Holzbehälter, die außen mit Ton ausgegossen werden, werden verwendet; sie halten gut bei kalten oder sogar warmen Lösungen, ertragen jedoch keinen direkten Dampfdruck – das Holz biegt sich allmählich, wodurch der Ton in die Lösung gelangt und schwarze Flecken verursacht. Die großen runden Fässer aus dickem Kiefernholz, die in den Vereinigten Staaten üblicherweise verwendet werden und oft 10 bis 12 Tonnen fassen, halten dem Kochvorgang deutlich besser stand. Sie werden häufig auf einem Förderband oder Transportband platziert, in das die verbrauchte Rinde durch eine Öffnung am Boden eingefüllt werden kann. Wenn diese Methode angewandt wird, muss man bedenken, dass Rinde sowie die meisten anderen Gerbstoffmaterialien nicht wie Getreide durch ein Loch fließen können, sondern hineingegossen werden müssen – es sei denn, das Fass ist besonders groß.

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Bei geringerer Tiefe ist es einfacher – und fast genauso einfach –, die Lösung von oben einzubringen. Wenn ein Ablaufloch verwendet wird, muss im falschen Boden ein zentrales Loch angefertigt werden; dieses muss wiederum mit einem Kupferrohr versehen werden, das in Abschnitten von zwei bis drei Fuß Länge angefertigt wird und bis zur Oberfläche des Lösungsmittels reicht. Um den Behälter zu entleeren, wird der obere Teil des Rohres entfernt, und das Tannin wird mit einer Schaufel in das Loch gefüllt, bis der nächste Abschnitt erreicht ist – anschließend wird der Vorgang wiederholt. Das zentrale Rohr dient außerdem zur Zirkulation der Flüssigkeit, wenn die Behälter gekocht werden, und kann auch als Aufstiegsrohr im Press-Lösemittel-System verwendet werden.

Die Frage nach dem Einfluss der Temperatur auf die Extraktion wird auf Seite 344 erörtert. Abgesehen von Fällen, in denen eine helle Farbe von großer Bedeutung ist, ist es im Allgemeinen vorteilhaft, bei der Extraktion eine mäßige Hitze zu verwenden. Nach Ansicht des Autors – was durch zahlreiche sorgfältig durchgeführte Experimente gestützt wird – sollten nur die nahezu erschöpften Lösungsmittel erhitzt werden, nicht nur um Verfärbungen zu vermeiden, sondern auch um möglichst viel Tannin zu extrahieren. In amerikanischen Gerbereien wird das Kochen häufig mit Kupferspulen durchgeführt, die unterhalb der falschen Böden der Behälter angebracht sind. Solche Spulen sind jedoch sehr teuer, und wenn nur schwach konzentrierte Flüssigkeiten erhitzt werden sollen, scheinen sie keinen Vorteil gegenüber einem gut organisierten Heizsystem mit direktem Dampf zu bieten. Dabei muss darauf geachtet werden, dass ausschließlich trockener Dampf verwendet wird und dass alle im Dampfrohr kondensierten Flüssigkeiten, die in der Regel Eisen enthalten, durch effektive Dampfabscheider entfernt werden. Wenn Dampf durch ein offenes Rohr in kalte Flüssigkeit geblasen wird, entsteht ein sehr unangenehmes Rasseln und Vibrieren – was nicht nur störend ist, sondern auch der Lösungsmittel schadet. Dieses Problem kann durch den Einsatz von „stillernden Kochdüsen“ vermieden werden, die nach dem Prinzip eines Dampfstrahlanhebers funktionieren. Gemäß einem Vorschlag des Autors können diese Düsen gleichzeitig dazu verwendet werden, das Wasser durch das Gerbmaterial des nahezu erschöpften Behälters zu zirkulieren und so die letzten Spuren von Tannin zu entfernen. Die einfachste Methode, dies zu erreichen, besteht darin, die nach oben gerichtete Kochdüse, die mit einem beweglichen Dampfrohr verbunden ist, in das Zentrum des Lösungsmittels zu führen, sodass das erhitzte Wasser darüber fließt und nach unten durch das zu reinigende Material sickert. Zwei Varianten dieser Koch- und Mischdüsen, hergestellt von den Herren Körting, sind in den Abbildungen 80 und 81 dargestellt.

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Abbildungen 80 und 81 – Koch- und Mischstrahlen.

Batterien aus geschlossenen Kupferextraktoren, die nach dem Presssystem arbeiten und denen, die zur Gewinnung von Zucker aus Rüben verwendet werden, werden häufig empfohlen. Doch sie sind sehr teuer und haben im Vergleich zu offenen Behältern keinen anderen Vorteil, außer dass die Flüssigkeit durch Druck durch die Anlage gepresst werden kann, anstatt durch Schwerkraft zirkulieren zu müssen. Durch das Kochen unter Druck entsteht kein Vorteil, denn bereits das Kochen in offenen Behältern führt dazu, dass Tannine zerstört werden, die Farbe der Flüssigkeit dunkler wird und die Menge an unlöslichen Stoffen zunimmt. Höhere Temperaturen sind sogar noch schädlicher.

Das Erwärmen der schwächsten Lösung im Press-Extraktionsystem fördert eine gleichmäßige Zirkulation der Flüssigkeit. Die warme, schwache Lösung ist nämlich viel leichter als die kälteren, stärkeren Lösungen in den vorherigen Extraktionsstufen und schwimmt daher an der Oberfläche. Dadurch wird die stärkere Lösung gleichmäßig nach unten gedrückt.

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Vorteil ist, dass die Flüssigkeiten vor dem Erreichen eines ausreichend hohen Konzentrationsniveaus gekühlt werden. In Gerbereien hingegen, wo alle Lösungsmittel erhitzt werden, werden oft teure Rohrkühler eingesetzt. Wenn die Flüssigkeit abkühlt, trennen sich große Mengen an Farbstoffen sowie Rotfarbstoffen, die in der heißen Flüssigkeit gelöst sind, und werden durch das Gerbmaterial gefiltert. Dadurch entstehen Flüssigkeiten mit viel hellerer und leichterer Farbe.

Abb. 82 – Sprinkler-Löscher.

Sprinkler-Löscher, wie in Abb. 82 dargestellt, wurden früher in vielen Gerbereien und Extraktfabriken verwendet, insbesondere in den Vereinigten Staaten. Sie wurden von Allen und Warren eingeführt und erzeugen eine Flüssigkeit, die anfangs sehr konzentriert ist, aber mit der Zeit schnell schwächer wird, je länger die Extraktion andauert. Diese Löscher ähneln im Prinzip dem Mälzetrog und dem Sprühgerät bei der Bierherstellung, doch der Prozess eignet sich nicht besonders gut für die Verwendung in Gerbereien, da das Material zu lange der Luft ausgesetzt ist – was zu Oxidation und Verlust von Tanninen führen kann. Zudem ist es äußerst schwierig, das Material vollständig zu entfetten, ohne einen unpraktisch großen Wassermenge verwenden zu müssen. Sprinkler-Löscher sind so konstruiert, dass sie die Flüssigkeit oder das Wasser in solchem Maße auf das festen Material sprühen, dass diese genauso schnell wieder abfließt, wie sie in den Behälter fließen. Ein Eindruck von dem großen Ausmaß an Oxidation sowie dem daraus resultierenden Tanninverlust bei dieser Art von Extraktor lässt sich vermitteln, wenn man bedenkt, dass dieselbe Methode heute auch zur Zerstörung von… verwendet wird.

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Abfallstoffe werden durch Sprühen auf Koksbetten behandelt, damit sie mit möglichst viel Luft vermischt werden können, bevor sie von den Bakterien in den Koksbetten zerstört werden (siehe S. 473). Zudem soll so schwaches Alkohol in Essigsäure umgewandelt werden – im sogenannten „schnellen Essigverfahren“. Was die Extraktion angeht, so gibt es grundsätzlich keinen Unterschied zwischen den Methoden, die vom Ledergerber und vom Extrakthersteller angewandt werden. Letzterer arbeitet jedoch in der Regel in größerem Maßstab und verwendet oft höhere Temperaturen, um seine Ausbeute oder die Konzentration des Extrakts zu erhöhen. Dies wird vermutlich durch praktische Überlegungen bei der Herstellung von Extrakten aus sehr minderwertigen Materialien gerechtfertigt – wie zum Beispiel Eichenholz, das nur 2 bis 3 Prozent Gerbstoffe enthält, oder Kastanienholz, das zwar etwas stärker ist, aber dennoch einer der Gründe dafür ist, warum eine Entfärbung der Flüssigkeit in der Regel notwendig ist. Getrocknetes Blut wird hauptsächlich als Entfärbungsmittel verwendet. Kürzlich wurde außerdem ein Brei aus Blutalbumin auf den Markt gebracht, der angeblich frei von mehreren Nachteilen der Verwendung des rohen Materials ist. Die zu entfärbende Flüssigkeit wird in einen Mischbehälter geleitet, der mit einer Dampfschleife ausgestattet ist, die die Temperatur der Flüssigkeit auf mindestens 80 °C erhöhen kann. In der Regel ist der Behälter außerdem mit einem einfachen Rotationsmischer ausgestattet. Die Flüssigkeit darf beim Einlaufen in den Mischbehälter keine Temperatur von mehr als 48 °C haben, weder eine Stärke von mehr als etwa 20 ° Bkr. (Spezifisches Gewicht 1,020). Blut oder Albumin, das in etwas Wasser gelöst ist, wird dem Inhalt des Behälters zugegeben; anschließend wird alles gut gemischt und die Temperatur auf 70 °C erhöht. Dadurch gerinnt das Albumin und trägt einen Großteil der Farbstoffe ab. Die Lösung wird anschließend in einen anderen Tank geleitet, wo das Niederschlagsgut zur Ruhe kommen kann. Die klare Flüssigkeit wird dann zur Verdampfung abgezogen. Der trübe Teil, der etwa 8 Zoll tief ist, wird durch Filterpresse gepumpt – diese können kostengünstig aus Holz hergestellt werden. Die klaren Flüssigkeiten gelangen anschließend in die Verdampfer, während die Presskuchen zum Trocknen als Dünger verwendet werden. Neben Blutalbumin wurden auch verschiedene andere Substanzen wie Acetat von Blei, Aluminiumsalze, Kasein sowie andere albuminhaltige Stoffe zur Entfärbung von Extrakten eingesetzt. Doch sie sind keineswegs so wirksam wie Albumin. Die Entfärbung führt immer zu einem Verlust an Gerbstoffen – einige davon gehen zusammen mit dem abgesetzten Farbstoff verloren. Deshalb sollte sie vermieden werden, wenn ihr Einsatz nicht wirklich notwendig ist. Oftmals kann sie jedoch…

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Dies kann durch sorgfältige Extraktion bei mäßigen Temperaturen vermieden werden – und das ist insbesondere dann wichtig, wenn es sich um starke Gerbmaterialien handelt, die leicht Flüssigkeiten ergeben, deren Stärke weit über 20° Bkr. liegt. Wenn diese Flüssigkeiten direkt in den Verdampfer geleitet werden können, entstehen dadurch Kosteneinsparungen bei der Verdampfung, was oft eine wichtige Überlegung darstellt. Eine weitere Methode, die häufig zur Aufhellung der Farbe von Extrakten verwendet wird, ist die Behandlung mit Schwefelsäure. Für die Extraktion kann eine verdünnte Schwefelsäurelösung verwendet werden, doch eine gängigere Methode besteht darin, vor der Konzentration Schwefeldioxidgas in die Flüssigkeit einzubringen. Schwefelsäure wirkt teilweise als schwache Säure, indem sie Verbindungen der Tannine sowie Farbstoffe mit Basen wie Kalk, Eisen oder Kupfer zerlegt. Aktiver wirkt sie jedoch durch die Reduktion von Sauerstoffverbindungen und die Verhinderung der Oxidation. Durch diese Art des Bleichens werden die Farbstoffe eigentlich nicht zerstört oder entfernt; sie neigen vielmehr dazu, bei Kontakt mit der Luft wieder aufzutauchen – entweder in der Flüssigkeit oder, noch häufiger, im mit ihr gegerbten Leder. Dadurch ist der Gewinn oft eher scheinbar als wirklich. Wenn Schwefelsäure in nennenswerten Mengen vorhanden ist, kann sie außerdem durch ihre schwellende Wirkung auf das Leder Unannehmlichkeiten verursachen; meist wird sie jedoch während der Konzentrierung ausgeschieden. Ein weiterer Prozess sollte hier vielleicht ebenfalls erwähnt werden, obwohl er nicht streng genommen eine Bleichmethode darstellt. Mehrere Gerbmaterialien, insbesondere Quebracho und Stechpalme, enthalten große Mengen an „schwierig löslichen Tanninen“, die dazu führen, dass die aus ihren Extrakten hergestellten Flüssigkeiten beim Abkühlen trüb werden. Diese Tannine bilden lösliche Verbindungen mit Alkalien sowie alkalischen Sulfiten; in letzterem Fall wird vermutlich die Schwefelsäure freigesetzt und mit der Base verbunden. Dies wurde in einem kürzlichen Patent[158] genutzt: Dabei werden Quebracho- sowie andere Extrakte durch Erhitzen in geschlossenen Behältern mit Bisulfiten, Sulfiten, Sulfiden oder sogar caustischen Alkalien löslich gemacht. Derzeit sind viele „lösliche Quebracho-Extrakte“ auf dem Markt, die nach diesem Prinzip hergestellt werden. Auch in diesem Fall entweicht nach Erfüllung ihrer Funktion zur Verhinderung der Oxidation der größte Teil der Schwefelsäure während der Herstellung, wodurch die Extrakte neutral oder alkalisch bleiben. Es gibt keinen Grund, warum solche Extrakte nicht für das Gerben geeignet sein sollten – doch Paessler hat kürzlich gezeigt, dass das alkalische Tannin vom neutralen Lederpulver nicht aufgenommen wird. Dadurch kann es nicht nur zu Ungenauigkeiten in der Analyse kommen, sondern im Falle des Trommelgerbens, bei dem natürlich kein Säure vorhanden ist, auch dazu, dass nicht der gesamte…

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Tannine hingegen setzen, wenn sie zu gewöhnlichen Flüssigkeiten hinzugefügt werden, die darin enthaltenen Säuren frei.
[158] Lepetit, Dollfus und Gansser, Eng. Pat. 8582, 1896.

Als Mittel zur Ausfällung von Eisen und Kupfer, die in Extrakten vorhanden sind, wurde der Einsatz von Ferrocyaniden vorgeschlagen. Zudem lässt sich feststellen, dass bei vielen rot gefärbten Gerbmaterialien wie Holunder und Quebracho die Zugabe kleiner Mengen an Alum zur Gerbflüssigkeit eine erhebliche Verbesserung der Farbe bewirkt – nicht nur durch die Ausfällung eines Teils der schwer löslichen „Rotfarbstoffe“, sondern auch durch die Aktivierung der gelben Farbstoffe (Quercetin, Myricetin usw.), die möglicherweise vorhanden sind. Eine solche Zugabe schadet bei weichen Ledern nicht, könnte aber bei der Gerbung von Sohlenleder schädlich sein.

Die Flüssigkeiten, sei es direkt aus den Laugebehältern oder aus den Entfärbungsbehältern, müssen anschließend durch Verdampfung konzentriert werden – auf Sirupkonsistenz für flüssige Extrakte oder bis sie beim Abkühlen fast fest werden, falls ein fester Extrakt gewünscht ist. Wie bereits erwähnt, führt die Wirkung der Hitze zu einem Verlust an Tanninen sowie zu einer Verdunkelung der Farbe durch Zersetzung und Bildung unlöslicher Rotfarbstoffe. Um diesen Verlust auf ein Minimum zu reduzieren, werden die schwachen Flüssigkeiten bei möglichst geringer Luftzufuhr und bei möglichst niedriger Temperatur verdampft; diese Bedingungen lassen sich am besten durch den Einsatz von Dampfbeheizten Vakuumbehältern erreichen.

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Abb. 83 – Dreifachwirkungs-Evaporator von Yaryan.

Für eine Konzentration bei Gravitationen, die 1,200 nicht überschreiten, wird das von Mirrlees, Watson und Yaryan aus Glasgow hergestellte Yaryan-Gerät am häufigsten eingesetzt. Die allgemeine Anordnung eines „Dreifachwirkungs“-Geräts dieser Marke ist in Abb. 83 dargestellt, die innere Konstruktion in Abb. 84. Jeder Behälter besteht aus einem robusten Gehäuse, in das Dampf eingeleitet wird; durch dieses Gehäuse verlaufen Kupferrohre, die am anderen Ende in einen Trennkammer münden. Diese Trennkammer wird durch eine Luftpumpe unter niedrigem Druck gehalten. Die zu verdampfende Flüssigkeit wird in die Rohre eingeleitet und wird dort sofort durch den daraus entstehenden Dampf in Sprühform gebracht und anschließend in die Trennkammer gefördert.

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Kammer, aus der sie durch eine Pumpe abgezogen wird. Der Dampf wird, bevor er zur Luftpumpe gelangt – oder im Fall eines „mehrfachen Effekts“ zum nächsten Behälter – durch einen „Auffangbehälter“ geleitet, um jeglichen Sprühnebel, der noch im Dampf enthalten ist, zu entfernen. Auf diese Weise durchläuft die zu verdampfende Flüssigkeit das gesamte Gerät in vier bis fünf Minuten und kann dabei von einer Dichte von 1,02 oder 1,03 auf 1,20 konzentriert werden, ohne jemals über 70 °C erhitzt zu werden. Sofern das Brennmaterial nicht sehr günstig ist – was oft der Fall ist, wenn abgenutztes Gerbmaterial zur Erzeugung von Dampf verwendet werden kann – ist es ratsam, ein Doppel- oder Dreifachsystem zu verwenden. Dabei wird der Dampf aus der Verdampfung der schwächsten Flüssigkeit im ersten Behälter genutzt, um den zweiten Behälter zu erwärmen; dieser wird dabei unter einem niedrigeren Vakuum gehalten, und so weiter. Auf diese Weise kann der Dampf fast doppelt oder dreifach genutzt werden. Da der Dampf aus den Extraktflüssigkeiten Säuren enthält, die Eisen korrodieren, müssen sowohl die Gehäuse als auch die Rohre in allen Behältern, in denen der Dampf verwendet wird, aus Kupfer bestehen. Eisen muss tatsächlich in jedem Teil des Geräts, der mit den Extraktflüssigkeiten oder deren Dämpfen in Berührung kommt, sorgfältig vermieden werden. Neben dem Yaryan gibt es noch mehrere andere Verdampfer, bei denen das Sprühprinzip mehr oder weniger vollständig angewandt wird. Der einfachste dieser Verdampfer besteht darin, die Heizspule eines gewöhnlichen Vakuumkessels durch eine kupferne Dampfkammer zu ersetzen, durch die vertikale Rohre verlaufen, die an beiden Enden offen sind. Diese Kammer wird in die zu verdampfende Flüssigkeit getaucht; die Flüssigkeit tritt am Boden der Rohre ein und wird am oberen Ende wieder ausgesprüht. Paul Neubäcker aus Danzig konstruiert auf dieser Grundlage einen Kessel mit einer sehr einfallsreichen Anordnung zur Beseitigung von Schaum – was Beachtung verdient.

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Abb. 84 – Querschnitt des Yaryan-Verdampfers.
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Leider ist es mit Sprühvorrichtungen nicht möglich, die Verdampfung von Extrakten weiter voranzutreiben als bis zu einer Dichte von 1,2 spezifischer Schwere, da dickere Flüssigkeiten dazu neigen, die Rohre zu verstopfen – diese sind anschließend schwer zu reinigen. Deshalb werden selbst flüssige Extrakte in der Regel in Verdampfern vom herkömmlichen Typ verwendet, die auch in Mehrfachwirkungsanlagen eingesetzt werden können.
Im Fall eines festen Extrakts muss die Verdampfung so lange fortgesetzt werden, bis die Flüssigkeit so dick ist, dass sie aus dem Apparat abgeleitet werden kann. Um dies zufriedenstellend zu erreichen, müssen Rührer vorhanden sein, die den Extrakt solange in Bewegung halten, wie er sich im Verdampfer befindet.

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Der dicke, heiße Flüssigextrakt wird anschließend in Behälter gefüllt, die mit Papier oder einem anderen geeigneten Material ausgelegt sind, wo er abkühlen und fest werden kann. Der Behälter zur endgültigen Verdampfung der festen Extrakte sollte so konstruiert sein, dass eine einfache Reinigung sowie ein leichter Zugang zu seinem Inneren möglich sind – damit im Falle, dass die Verdampfung ungewollt so weit fortgeschritten ist, dass die Flüssigkeit nicht mehr abfließen kann, die Reinigung des Behälters relativ einfach möglich ist. Ebenso wichtig ist, dass der Auslass für den Extrakt groß dimensioniert ist. Wahrscheinlich eignet sich am besten ein breiter und etwas flacher Behälter, der lediglich durch eine Dampfumhüllung erhitzt wird und außerdem mit drehbaren Rührern ausgestattet ist.

**Verwendung von Extrakten in der Gerberei** – Einer der großen Vorteile von Extrakten besteht darin, dass sie die Mühe und Kosten des Löschens überflüssig machen. Da der Hersteller von Extrakten dies zu seiner Spezialität macht, kann er oft mehr Gerbsubstanz aus einem Material extrahieren als ein Gerber, der keine Möglichkeit hat, seine schwachen Lösungen zu konzentrieren. Der Extrakthersteller kann außerdem Entfärbungsmethoden anwenden, die für einen Gerber nicht praktikabel wären, wodurch dieser eine bessere Farbe erzielen kann als bei Verwendung des Rohmaterials. Durch die Verwendung von Extrakten kann ein Gerber schwache Lösungen problemlos und mit bestimmten Mengen an Materialien verstärken. Zudem ermöglicht es ihm die Verwendung von Extrakten, die schwächeren Lösungen aus seinen Löschprozessen aufzubrauchen, somit mehr Wasser zu verwenden und eine bessere Extraktion der festen Materialien zu erreichen als bei alleiniger Verwendung dieser Materialien. Bei sehr schwachen Materialien wie Eichenholz sind die Schwierigkeiten, ohne Verdampfung Lösungen mit ausreichender Stärke für das Gerben herzustellen, so groß, dass solche Materialien für den Gerber unbrauchbar sind – selbst der Transport über kurze Strecken kann ihren Gesamtwert überschreiten. Selbst bei viel reichhaltigeren Materialien spart die Extraktion Kosten, wenn der Transport über lange Strecken erfolgt; es lohnt sich selten, Materialien mit weniger als etwa 25 Prozent Gerbsubstanz einzuführen. Auch dann, wenn die Stärke des natürlichen Materials beträchtlich ist – wie beim Quebracho – kann die Extraktion rentabel sein, wenn das Material aufgrund seiner Härte oder aus anderen Gründen für den Gerber schwer zu verarbeiten ist. Für lange Transportwege, insbesondere aus den Tropen, sind feste Extrakte besser geeignet als flüssige, da dadurch die Kosten für Fässer eingespart werden und das Risiko einer Fermentation verringert wird. Da es für den Gerber unmöglich ist, anhand des Aussehens oder der Konsistenz die Stärke oder den Wert der Extrakte zu beurteilen, sollten diese immer auf Grundlage der Analyse der jeweiligen Lieferung oder des Pakets durch einen kompetenten Chemiker gekauft und verkauft werden. Anleitungen zur Probenentnahme finden Sie auf den Seiten 301 und 475.

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Extrakte müssen einfach in einer geeigneten Menge Wasser oder schwacher Flüssigkeit bei einer angemessenen Temperatur aufgelöst werden, um eine Flüssigkeit der gewünschten Stärke zu erhalten. Einige Extrakte sind vollständig in kaltem Wasser oder in solcher Flüssigkeit löslich, doch die meisten lösen sich besser mit Hilfe von Wärme. 40°–60° C (100°–140° F.) reicht in der Regel aus; höhere Temperaturen über 80° (180° F.) bringen vermutlich keinen Vorteil. Das Kochen sollte vermieden werden, da es zur Bildung unlöslicher Stoffe führt, was zu einem Verlust an Gerbstoffen sowie zu einer Verfärbung des Produkts kommt. Der Extrakt sollte in dünnem Strahl in den Behälter eingeführt werden und ständig umgerührt werden; bei der Auflösung großer Mengen an Extrakt ist ein mechanischer Rührer vorteilhaft. Ein „stiller Kochstrahl“ (S. 335) kann verwendet werden – er besteht aus einem kleinen Gehäuse, das in die Flüssigkeit getaucht ist und an beiden Enden offen ist; der Extrakt wird in den von ihm erzeugten Strahl eingeleitet. Egal ob bei der Herstellung von Extrakten oder für die direkte Verwendung in der Gerberei – die Temperatur, bei der die Gerbstoffe extrahiert werden, ist von größter Bedeutung. Es ist ein häufiger Fehler anzunehmen, dass durch Kochen die größte Menge an Gerbstoffen extrahiert werden kann. Herr A. N. Palmer wies darauf hin, dass dem keineswegs so ist; vielmehr hat jedes Material eine optimale Extraktionstemperatur, bei der mehr Gerbstoffe extrahiert werden als bei jeder anderen Temperatur. Die Frage wurde von J. G. Parker sowie dem Autor[159] sorgfältig untersucht, wobei die Ergebnisse in den folgenden Tabellen dargestellt werden. Für viele Zwecke stellt die mit dem Gerbstoff verbundene Farbstoffkonzentration ein ernsthaftes Problem dar; diese wird in der Regel bei höheren Temperaturen am stärksten extrahiert. Aus diesem Grund muss der Gerber, der seine Lösungen wirtschaftlich herstellen möchte, herausfinden, bei welcher Temperatur er die größte Menge an Gerbstoffen ohne mehr Farbstoffe extrahieren kann, als er in das Leder aufnehmen möchte. Die meisten Materialien lassen sich bei 50°–60° C zufriedenstellend extrahieren; im Allgemeinen ist es jedoch am besten, mit niedriger oder nahezu niedriger Temperatur zu beginnen und die Temperatur erst im Laufe des Extraktionsvorgangs zu erhöhen. Die Tabellen zeigen den Prozentsatz an Gerbstoffen sowie den Farbgehalt (gemessen mit dem Lovibond-Tintometer), der bei der Extraktion der Materialien mit einem Procter’s-Extraktor (S. 306 sowie L.I.L.B., S. 102) erzielt werden kann, solange noch Farbe oder Gerbstoffe extrahiert werden können.
[159] Journ. Soc. Ch. Ind., 1895, 635.

Belgische Eichenrinde.
Temperatur | Gerbstoffe – Löslichkeitsprozent | Farbstoffe – Prozentsatz

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Absorbierte Bräunung in der Lösung – durch Hide. Maximal 1⁄2 Zoll-Zelle. Ertrag: Rot, Gelb. °C, Prozent, Grad.
15: 5,9; 5,1; 61,9; 8,6; 23,1; 57,4
15–30: 6,8; 5,5; 70,7; 9,2; 26,4; 64,5
30–40: 8,0; 5,5; 83,5; 11,6; 30,4; 76,1
40–50: 8,2; 5,7; 84,2; 12,0; 32,1; 80,0
50–60: 8,5; 5,8; 87,6; 12,5; 36,0; 84,0
60–70: 9,1; 5,9; 95,5; 13,1; 38,1; 92,7
70–80: 9,2; 6,0; 95,7; 14,7; 38,9; 98,7
80–90: 9,6; 6,0; 100,0; 14,0; 36,9; 93,2
90–100: 9,6; 6,1; 100,0; 14,0; 41,2; 94,6

Nach dem Kochen (1⁄2 Stunde): 9,1; 6,6; 93,7; 15,0; 42,6; 100,0

Myrobalan: Temperatur, Löslichkeit der Bräunung in Prozent, Farbe in Prozent. Extraktion von Tanninen; Tanninlösung in der Farbe – bei 1⁄2 Zoll-Zelle. Maximaler Ertrag: Rot, Gelb. °C, Prozent, Grad.
15: 28,5; 12,8; 79,2; 1,09; 4,9; 97,4
15–30: 30,1; 13,6; 83,6; 1,00; 4,1; 82,5
30–40: 32,3; 14,3; 89,8; 1,03; 4,1; 82,7
40–50: 33,5; 13,6; 93,0; 1,03; 4,2; 84,4
50–60: 34,7; 14,4; 96,4; 1,03; 4,4; 87,6
60–70: 34,8; 14,4; 96,6; 1,03; 4,5; 89,3
70–80: 34,9; 14,9; 96,8; 1,10; 4,7; 94,1
80–90: 35,1; 15,0; 97,4; 1,16; 4,8; 96,7
90–100: 36,0; 14,9; 100,0; 1,12; 4,9; 97,0
Nach dem Kochen: 35,4; 15,5; 98,1; 1,26; 4,9; 100,0

Smyrna Valonea: Temperatur, Löslichkeit der Bräunung in Prozent, Farbe in Prozent. Extraktion von Tanninen; Tanninlösung in der Farbe – bei 1⁄2 Zoll-Zelle. Maximaler Ertrag: Rot, Gelb, Blau. °C, Prozent, Grad.
15: 25,5; 19,1; 70,5; 2,5; 6,0; 0,3; 74,6
15–30: 29,1; 18,3; 74,5; 2,5; 6,4; 0,3; 78,0

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30-40 33,6 18,1 86,2 2,3 6,4 0,3 76,2
40-50 35,5 18,1 86,2 2,3 6,5 0,3 74,6
50-60 39,1 16,6 100,0 2,0 6,0 0,3 76,2
60-70 38,6 17,0 99,0 2,0 6,8 0,3 84,7
70-80 38,8 17,5 99,5 2,1 7,4 0,4 84,7
80-90 36,9 17,2 95,0 2,2 7,6 0,4 84,7
90-100 36,6 17,0 94,0 2,4 7,8 0,5 90,6
Gekocht: 35,4 17,6 90,6 3,0 8,2 0,6 100,0

Griechische Valonea.
Temperatur, Gerbung, lösliche Stoffe in Prozent, Farbe der Stoffe in Prozent.
Extraktion: Tannine. Konzentration der Tannine in Prozent in einer Zelle mit 1/2 Zoll Größe.
Maximale Tanninmenge: Rot, Gelb, Blau.
°C, Prozent, Grad.
15: 16,0; 13,0; 64,0; 2,9; 6,3; 0,3; 67,3
15-30: 18,1; 12,6; 72,4; 3,0; 6,6; 0,3; 70,0
30-40: 21,1; 12,0; 84,4; 2,8; 6,5; 0,3; 68,0
40-50: 23,6; 12,1; 94,4; 2,4; 6,6; 0,3; 65,9
50-60: 24,8; 12,4; 99,2; 2,7; 7,0; 0,4; 71,6
60-70: 25.0; 12,6; 100,0; 2,9; 7,3; 0,5; 75,8
70-80: 24,6; 12,5; 98,4; 3,1; 7,9; 0,6; 82,3
80-90: 24,0; 12,5; 96,0; 3,4; 8,1; 0,6; 85,8
90-100: 23,6; 12,6; 94,4; 3,5; 8,8; 0,7; 92,0
Gekocht: 22,6; 13,0; 88,8; 3,9; 9,4; 0,8; 100,0

Natal-Mimosa.
Temperatur, Gerbung, lösliche Stoffe in Prozent, Farbe der Stoffe in Prozent.
Extraktion: Tannine. Konzentration der Tannine in Prozent in einer Zelle mit 1/2 Zoll Größe.
Maximale Tanninmenge: Rot, Gelb.
°C, Prozent, Grad.
15: 21,2; 11,6; 66,2; 2,6; 4,1; 51,1
15-30: 29,0; 9,8; 90,6; 3,0; 4,1; 54,2
30-40: 30,1; 9,8; 94,0; 3,0; 4,4; 56,5
40-50: 30,2; 9,8; 94,4; 3,1; 5,0; 61,8
50-60: 30,4; 10,4; 95,0; 3,9; 6,5; 79,9
60-70: 31,5; 10,6; 98,4; 4,2; 6,5; 81,6
70-80: 32,0; 10,8; 100,0; 4,2; 7,0; 85,5
80-90: 30,8; 11,2; 96,2; 4,9; 7,4; 93,8
90-100: 30,1; 11,8; 94,0; 5,3; 7,8; 100,0

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Gekocht: 29,4 12,0 91,8 5,7 7,2 98,4

Sumach.

Temperatur Gerbung Löslichkeitsprozent Farbprozent
der Stoffe. Nichtlösliche Stoffe pro 1⁄2 Prozent.
Extraktion. Tannine. Tanninlösung in Farbe
auf einer Zelle von 1⁄2 Zoll.
2
auf
Maximum. Maximum.
Rot. Gelb.
°C. Prozent. Prozent. Grad. Grad.
15 14,2 17,8 70,0 1,6 5,4 63,6
15–30 17,6 18,1 86,7 1,4 4,3 51,8
30–40 18,5 18,1 91,1 1,3 4,4 51,8
40–50 20,1 18,5 99,0 1,4 4,4 52,9
50–60 20,3 19,1 100,0 1,5 4,7 56,5
60–70 19,0 19,4 93,6 1,7 5,6 66,6
70–80 18,0 19,9 89,1 1,9 6,2 72,8
80–90 16,9 21,1 83,2 2,3 6,8 82,7
90–100 16,6 22,3 81,7 2,6 7,0 87,7

Gekocht: 15,2 24,0 74,8 3,3 7,7 100,0

Quebracho-Holz.

Temperatur Gerbung Löslichkeitsprozent Farbprozent
der Stoffe. Nichtlösliche Stoffe pro 1⁄2 Prozent.
Extraktion. Tannine. Tanninlösung in Farbe
auf einer Zelle von 1⁄2 Zoll.
2
auf
Maximum. Maximum.
Rot. Gelb.
°C. Prozent. Prozent. Grad. Grad.
15 7,6 2,2 35,0 8,9 14,1 71,3
15–30 10,1 2,4 46,5 6,4 10,7 68,7
30–40 11,8 2,4 54,4 5,9 9,6 65,2
40–50 15,1 2,4 69,5 5,3 8,4 60,0
50–60 16,5 2,4 76,0 5,4 8,5 60,4
60–70 17,4 2,4 80,0 5,6 8,2 59,9
70–80 19,1 2,7 88,0 6,4 8,6 67,4
80–90 21,7 3,0 100,0 6,4 9,4 74,3
90–100 19,5 3,0 89,8 6,6 9,8 100,0

Mangrovenrinde (Ceriops).

Temperatur Gerbung Löslichkeitsprozent Farbprozent
der Stoffe. Nichtlösliche Stoffe pro 1⁄2 Prozent.
Extraktion. Tannine. Tanninlösung in Farbe
auf einer Zelle von 1⁄2 Zoll.
2
auf
Maximum. Maximum.
Rot. Gelb.

Page 368

°C. Prozent. Prozent. Grad. Grad.
15 13,0 10,4 61,6 14,2 20,8 64,7
15–30 16,1 10,4 76,3 16,1 21,7 69,8
30–40 17,4 12,5 82,4 15,8 23,0 71,7
40–50 18,5 11,4 87,7 16,5 33,5 73,8
50–60 20,3 10,3 96,2 16,0 23,4 72,8
60–70 20,0 11,4 94,7 17,5 31,2 90,0
70–80 20,4 11,2 96,7 16,5 28,3 82,8
80–90 21,1 10,8 100,0 15,4 24,6 73,8
90–100 20,2 11,4 95,7 23,0 34,1 100,0

Wurzel von Canaigre (drei Jahre alt).
Einfluss verschiedener Temperaturen.

Temperatur Gerbung Lösliche Prozentzahl Farbe der Prozentzahl
von Stoffen Nicht-lösliche Stoffe pro 1⁄ Zoll-Zelle.
Maximales Ertrag. Rot. Gelb. Gesamtertrag.
°C. Prozent. Prozent. Grad. Grad. Grad.
15 21,1 13,0 78,7 1,6 4,1 5,9 41,5
15–30 26,2 12,5 85,6 1,6 3,8 4,4 38.0
30–40 28,1 12,5 91,8 1,4 3,7 5,1 35,9
40–50 30,5 13,1 99,6 2,1 4,2 6,3 44,3
50–60 30,6 13,6 100,0 2,4 4,8 7,2 50,7
60–70 27,2 14,1 88,8 2,5 5,0 7,5 52,7
70–80 26,4 14,6 86,2 2,8 6,1 8,9 62,6
80–90 23,2 14,8 75,8 3,1 6,9 10,0 70,4
90–100 22,8 14,8 74,5 4,3 7,4 11,7 82,4

1⁄2 Stunde gekocht: 19,2 12,3 62,7 5,6 8,6 14,2 100,0

Kubus-Gambier.
Einfluss verschiedener Temperaturen.

Temperatur Gerbung Lösliche Prozentzahl Farbe der Prozentzahl
von Stoffen Nicht-lösliche Stoffe pro 1⁄ Zoll-Zelle.
Maximales Ertrag. Rot. Gelb. Gesamtertrag.
°C. Prozent. Prozent. Grad. Grad. Grad.
15 46,8 21,8 78,0 2,5 7,8 10,3 57,2
15–30 48,8 21,0 81,3 1,7 8,0 9,7 54,9
30–40 50,2 22,0 83,7 1,7 8,6 10,3 57,2

Page 369

40–50 51,9 23,0 86,5 1,7 8,8 10,5 58,3
50–60 51,1 20,3 91,9 1,7 8,9 10,6 58,8
60–70 55,6 20,3 92,7 1,9 9,4 11,3 62,7
70–80 55,7 20,3 92,8 2,2 10,1 12,3 68,3
80–90 55,8 21,2 93,1 2,3 10,6 12,9 71,6
90–100 56,1 22,0 93,3 2,8 11,6 14,4 80,0

Gekocht, 1/2 Stunde: 60,0 20,0 100,0 3,2 14,8 18,0 100,0

Block Gambier – Auswirkung verschiedener Temperaturen:

Temperatur | Prozentsatz der löslichen Stoffe | Farbprozentsatz
2 % | Extraktion | Aufgenommene Tannine | Farbe des Tanninlösungsmittels auf 1/2 Zoll großem Zellstoff

Maximaler Ertrag: Rot, Gelb, Gesamt.
°C | Prozentsatz | Grad

15 °C: 30,1 %, 27,4 %, 50,1 %, 2,6 %, 8,1 %, 10,7 %, 33,5 %
15–30 °C: 34,8 %, 26,2 %, 69,6 %, 2,4 %, 8,0 %, 10,4 %, 34,0 %
30–40 °C: 40,8 %, 27,2 %, 81,6 %, 2,0 %, 9,0 %, 11,0 %, 55,0 %
40–50 °C: 44,8 %, 27,6 %, 89,6 %, 2,4 %, 9,8 %, 12,2 %, 61,0 %
50–60 °C: 46,8 %, 27,8 %, 93,6 %, 2,4 %, 10,1 %, 12,5 %, 62,5 %
60–70 °C: 47,3 %, 27,6 %, 94,6 %, 2,5 %, 10,6 %, 13,2 %, 66,0 %
70–80 °C: 47,4 %, 27,6 %, 94,7 %, 2,8 %, 10,9 %, 13,7 %, 63,5 %
80–90 °C: 47,6 %, 27,3 %, 95,2 %, 3,2 %, 11,6 %, 14,8 %, 74,0 %
90–100 °C: 48,2 %, 27,1 %, 96,4 %, 3,8 %, 12,8 %, 16,6 %, 83,0 %

Gekocht, 1/2 Stunde: 50,2 %, 26,4 %, 100,0 %, 5,0 %, 15,0 %, 20,0 %, 100,0 %

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KAPITEL XXIII.
Fette, Seifen, Öle und Wachse

Fette und Öle bilden eine große Gruppe von Substanzen tierischen oder pflanzlichen Ursprungs, die entweder fest, pastös oder mehr oder weniger zähe Flüssigkeiten sein können. Im letzteren Fall werden sie üblicherweise als „feste“ oder fettige Öle bezeichnet, um sie von den flüchtigen, sogenannten ätherischen Ölen zu unterscheiden. Ätherische Öle können ohne Zersetzung destilliert werden und sind die Quelle für den größten Teil der Düfte von Pflanzen; außerdem weisen sie eine völlig andere chemische Zusammensetzung auf. Der Begriff „Öl“ wird auch auf verschiedene Produkte mineralischen Ursprungs angewandt – insbesondere auf solche, die aus Erdöl gewonnen werden – aufgrund ihrer Ähnlichkeit in Aussehen und physikalischen Eigenschaften zu den festen Ölen. Chemisch gesehen gehören sie jedoch zu einer ganz anderen Klasse. Wachse bilden eine weitere Gruppe, die eng mit Fetten verwandt ist. Es gibt bestimmte feste Öle, wie zum Beispiel Spermaöl, die zwar in Aussehen und Eigenschaften stark den fettigen Ölen ähneln, chemisch aber zur Gruppe der Wachse gehören.

Da offensichtlich keine chemische Unterscheidung zwischen Fetten und fettigen Ölen besteht – abgesehen vom Schmelzpunkt – ist es praktisch, sie gemeinsam zu behandeln. Insbesondere, da ein fester Fett in einem Klima ein Öl in einem anderen Klima sein kann. Palmöl und Kakaobohnenöl sind hier Beispiele: Palmöl hat in diesem Land eine buttrige Konsistenz und gilt dort als fester Fett, obwohl es in tropischen Klimazonen flüssig ist. Für detailliertere Informationen zur Chemie von Fetten und Ölen sollte der Leser auf das „Leather Industries Laboratory Book“, Abschnitt XVIII, oder auf die speziell zu diesem Thema verfassten Handbücher von Lewkowitsch, Jean und anderen zurückgreifen – sowie auf den hervorragenden Abschnitt über Öle in Allens „Commercial Organic Analysis“, Band II. Doch einige allgemeine Fakten müssen noch zusammengefasst werden.

Echte Fette enthalten Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff – aber keinen Stickstoff. Es handelt sich dabei um Verbindungen aus Glycerin und organischen Säuren, die im Allgemeinen als „Fettsäuren“ bezeichnet werden. Diese ähneln in vielen Eigenschaften den Fetten selbst. Glycerin ist eine sehr schwache Base, die der Natur eines Alkohols entspricht. Wenn daher ein Fett mit einer Lösung einer caustischen Base erhitzt wird, verbindet sich die Fettsäure mit dieser Base, während das Glycerin zurückbleibt.

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kostenlos. Die so entstandenen Salze werden als „Seifen“ bezeichnet. Die Reaktion mit Stearin (Glycerinstearat), dem Hauptbestandteil harter tierischer Fette, ist in der folgenden Gleichung dargestellt:

Natrium
Stearinhydrat → Stearat + Glycerin
(C17H35COONa)3C3H5 + 3NaOH = 3C17H35COONa + C3H5(OH)3.

Wird eine Seife mit einer stärkeren Säure behandelt als sie selbst, wird diese freigesetzt, während die neue Säure mit der Base reagiert. Die folgende Gleichung zeigt beispielsweise die Wirkung von Salzsäure auf die Stearinsäureseife:

Salzsäure
Natriumstearat → Stearinsäurechlorid
C17H35COONa + HCl = C17H35COOH + NaCl.

Wenn eine Seife in heißem Wasser gelöst wird und ausreichend Salzsäure oder Schwefelsäure hinzugefügt wird, um die Lösung sauer zu machen, wird diese zunächst milchig – und bleibt (wenn sie warm gehalten wird) über längere Zeit so. Die Fettsäure steigt schließlich in Form einer öligen Schicht an die Oberfläche; in vielen Fällen härrt sie beim Abkühlen zu einer festen Masse aus. Die Menge an Fettsäure in einer Seife kann grob bestimmt werden, indem man 25 Gramm Seife in 50 ccm kochendem Wasser auflöst, überschüssige Säure hinzufügt und die Reaktion in einem Messzylinder oder einem Flaschen mit messbarem Hals in einem Behälter mit kochendem Wasser abläuft lässt. Wenn die Fettsäure an die Oberfläche gestiegen ist, kann ihr Volumen gemessen werden; pro ccm kann grob mit 0,9 Gramm gerechnet werden (für detailliertere Methoden siehe L.I.L.B., Abschnitt XVII).

Seifen sind in starken, kaustischen Alkalilösungen unlöslich. Deshalb findet die Saponifizierung – also die Zersetzung von Fetten durch Alkalien – in ihnen nicht leicht statt. Aus diesem Grund verdünnt der Seifenhersteller seine Natronlauge in der Regel auf eine Stärke von maximal 18° Tw. (Spezifisches Gewicht 1,090) und trennt die Seife am Ende des Verfahrens durch Zugabe von Salzwasser ab, in dem sie unlöslich ist. Eine einfachere Methode, die oft bei der Herstellung kleiner Mengen spezieller Seifen für Fettlösungen usw. nützlich ist, ist wie folgt: 10 Pfund gute Natronlauge, frei von Kochsalz, werden in 4 Gallonen Wasser gelöst. 75 Pfund Öl oder Fett werden auf etwa 25 °C erwärmt – gerade so weit, dass es flüssig wird. Anschließend wird die Natronlauge unter ständigem Rühren langsam hinzugegeben; das Rühren muss fortgesetzt werden, bis die Masse zu pastös wird. Danach wird die Mischung beiseitegestellt…

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Für mindestens vierundzwanzig Stunden aufbewahren, wobei während dieser Zeit allmählich die Saponifizierung stattfindet. Für Lederzwecke ist in der Regel ein neutrales Seife mit einem leichten Überschuss an Fett vorteilhaft, sodass der Fettgehalt auf 80 Pfund erhöht werden kann; alternativ wird die Reaktion durch das Hinzufügen von 5 Pfund kommerziellen Ölsäure erleichtert. Wenn eine weiche Seife gewünscht wird, können anstelle von 10 Pfund Natronlauge 14 Pfund Kalipotasse verwendet werden. Die Härte oder Weichheit der Seifen hängt bis zu einem gewissen Grad vom verwendeten Fett ab, doch Kalipotasenseifen sind immer viel weicher als die entsprechenden Natronlauge-Seifen. Offensichtlich bleibt bei Seifen, die auf diese Weise hergestellt werden, das gesamte Glycerin im Seifenstoff enthalten. Falls bei der Prüfung festgestellt wird, dass die Seife nicht frei von caustischen Stoffen ist, kann sie erneut geschmolzen werden, was in der Regel die Reaktion vollständig abschließt. Bevor man mit großen Mengen arbeitet, ist ein Laborversuch sinnvoll – dabei werden 10 Gramm Natron in 40 ccm Wasser sowie 75 bis 80 Gramm Öl oder Fett verwendet. Die Neutralität der Seife bzw. ihre Freiheit von caustischen Alkalien kann dadurch überprüft werden, dass man eine frisch geschnittene Oberfläche mit einer alkoholischen Phenolphthalein-Lösung berührt; bereits der geringste Anteil an Natronlauge oder Kalipotasse färbt diese rosa.
[160] Carpenter, „Soap, Candles and Lubricants“, S. 144.

Wenn Seifenlösungen mit Lösungen von Salzen der Schwermetalle oder der Alkalimetalle vermischt werden, findet eine gegenseitige Zersetzung statt: Der Säureanteil des Salzes verbindet sich mit dem Alkalitätsanteil der Seife, während der Fettsäureanteil mit dem metallischen Basenanteil eine metallische Seife bildet. Die meisten dieser Seifen sind klebrige Massen, die in Wasser unlöslich sind, aber häufig in Terpentin oder Petroleumgeist löslich sind, sofern sie vorher gründlich getrocknet wurden; daher werden einige davon zur Herstellung von Lacken verwendet. Aluminiumseifen werden gelegentlich eingesetzt, um Mineralöle zu verdicken oder deren Viskosität zu erhöhen. Die allgemeine Reaktion der Stearinsäureseife mit Calciumsulfat ist in der folgenden Gleichung dargestellt – in der Praxis ist sie jedoch manchmal komplexer:
Calcium-Natrium-Stearinsäuresulfat-Sulfat → Calciumstearat
2C17H35CO.ONa + CaSO4 = Na2SO4 + (C17H35CO.O)2Ca

Das ist die Reaktion, die durch hartes Wasser zur Gerinnung der Seife führt, Seite 93.
Reines Fett kann ohne Zersetzung nicht allein destilliert werden. Bei Destillation unter Dampf gelangt etwas unzerlegtes Fett durch, doch der größte Teil…

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Der Fettanteil wird in freie Fettsäuren und Glycerin aufgeteilt; außerdem entstehen Kohlenwasserstoffe, die praktisch identisch mit Mineralölen sind. Fette und Öle sind in Wasser unlöslich und in den meisten Fällen nur mäßig in Alkohol löslich, doch frei in Äther, Petroleum, Benzol sowie den meisten anderen Kohlenwasserstoffen sowie in Chloroform, Kohlentetrachlorid und Kohlendisulfid löslich. Petroleum, oft als Benzin bezeichnet, wird hauptsächlich zur Extraktion von Fetten und Ölen sowie zum Entfetten von Leder und zum Entfernen von Fett aus Kleidung verwendet. Im Labor wird Kohlendisulfid oder Kohlentetrachlorid bevorzugt. Rizinusöl ist eine Ausnahme – aufgrund des hohen Anteils an Sauerstoff, den es enthält, ist es leicht in Alkohol löslich, aber nur sehr mäßig in Petroleum; andere Öle werden bei Oxidation in der Regel besser in Alkohol und schlechter in Kohlenwasserstoffen löslich. Öle unterscheiden sich stark in ihrer Neigung, „auszutrocknen“, d.h. in feste oder klebrige, harzartige Substanzen umgewandelt zu werden. Diese Neigung ist bei einigen Samenölen am größten und beim Olivenöl sowie beim öligen Teil tierischer Fette (Schmalz, Rindertalg) am geringsten. Spermaöl, ein „flüssiges Wachs“, weist ebenfalls kaum diese Neigung auf; alle Fischöle besitzen sie jedoch in unterschiedlichem Maße. Sie beruht nicht auf Verdunstung, sondern auf der Aufnahme von Sauerstoff durch die Fettsäuren. Die Neigung zur Sauerstoffaufnahme und damit auch zum Austrocknen (bei Lederölen auch zum „Ausquellen“) wird analytisch durch den „Jodwert“ gemessen – die Aufnahme von Jod ist proportional zur Aufnahme von Sauerstoff, wobei letztere viel leichter messbar ist. Es gibt keine einfachen Tests, mit denen die Reinheit von Ölen bestimmt werden kann, obwohl in einigen Fällen das Vorhandensein bestimmter Öle nachgewiesen werden kann. Das Mischen und Verfälschen von Ölen ist heute eine Wissenschaft; diejenigen, die damit beschäftigt sind, kennen die üblichen Tests gut und achten darauf, ihre Mischungen so anzupassen, dass sie diesen Tests entsprechen. Geschmack und Geruch liefern jedoch mit Übung oft nützliche Hinweise. Natürliche Öle und Fette sind stets Mischungen aus Glyceriden verschiedener Fettsäuren; ihre Eigenschaften hängen einfach vom Charakter dieser Glyceride sowie von dem Verhältnis, in dem sie miteinander vermischt sind, ab. Die Fettsäuren bilden mehrere Gruppen, die sich in ihrem Grad der „Sättigung“ voneinander unterscheiden – oder umgekehrt in ihrer Fähigkeit, Sauerstoff aufzunehmen, von der wiederum ihre Neigung zum Austrocknen abhängt. Die Mitglieder einer solchen Gruppe ähneln sich stark und unterscheiden sich hauptsächlich in Schmelzpunkten, Dichte und anderen physikalischen Eigenschaften.

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[161] Eine „gesättigte“ Verbindung ist eine solche, deren Bestandteile in einem solchen Verhältnis zueinander stehen, dass alle Wechselwirkungen zwischen ihnen erfüllt werden können. Zum Jodwert siehe L.I.L.B., S. 176, sowie Jour. Soc. Ch. Ind., 1902, S. 454.

Gesättigte Fettsäuren – Stearinsäure, C18H35O.OH, und Palmitinsäure, C16H31O.OH, sind die wichtigsten. Bei normalen Temperaturen handelt es sich um harte, weiße, kristalline Stoffe, die bei 69° bzw. 62° C schmelzen. Unter normalen Umständen nehmen sie weder Sauerstoff noch Jod auf und sind nur sehr wenig anfällig für chemische Veränderungen. Zusammen mit Ölsäure bilden sie die Hauptbestandteile von Talg sowie anderen tierischen Fetten; Palmitinsäure sowie einige weitere Vertreter derselben Gruppe kommen häufiger in Pflanzenölen vor. Freie Stearinsäure ist ein wichtiger Bestandteil der in Currys verwendeten „destillierten Stearine“; „Ölestearin“ besteht hauptsächlich aus den neutralen Fetten oder Glyceriden von Stearinsäure und Palmitinsäure.

Flüssige, nicht-trocknende Fettsäuren – Von diesen ist Ölsäure die am häufigsten vorkommende und wichtigste. Ihr Glycerid, Ölein, bildet den flüssigen Anteil tierischer Fette und ist der Hauptbestandteil pflanzlicher, nicht-trocknender Öle. Olivenöl besteht fast ausschließlich aus Ölein, mit etwas Palmitin. Die Formel von Ölsäure lautet C18H33O.OH – dadurch unterscheidet sie sich von Stearinsäure dadurch, dass sie zwei weniger Wasserstoffatome enthält. Die zu diesen beiden Atomen gehörenden Bindungen können voneinander getrennt werden und zwei Atome von Jod, Brom oder Chlor sowie ein Atom von Sauerstoff binden. Der Jodwert reiner Öleins beträgt 83,9 (das heißt: 100 g absorbieren 83,9 g Jod); beim Olivenöl liegt dieser Wert bei etwa 83. Ein Öl mit einem höheren Jodwert als Ölein muss Trockenöle enthalten – doch ein niedrigerer Wert deutet nicht unbedingt auf deren Abwesenheit hin, falls auch Palmitin oder andere gesättigte Säuren vorhanden sind.

Ungesättigte flüssige Fettsäuren – Es gibt mehrere Gruppen solcher Säuren, die sich in ihrem Grad der Gesättigung sowie vermutlich auch in ihrer Struktur unterscheiden. Ihre Glyceride bilden zusammen mit Ölein – manchmal auch mit Palmitin – die Bestandteile der Samenöle. Die Trocknungsneigung dieser Öle hängt von dem Anteil an ungesättigten Säuren sowie von der jeweiligen Gruppe ab, zu der sie gehören. Fischöle enthalten eine besondere Gruppe ungesättigter Säuren, zusammen mit Ölein sowie in der Regel auch Stearin und Palmitin, genau wie andere tierische Fette. Linolensäure, C18H29O.OH, eine der Säuren im Leinsamenöl, weist sechs weniger Wasserstoffatome als Stearinsäure auf und besitzt daher drei Doppelbindungen; sie kann somit sechs Atome von Jod aufnehmen. Ihr theoretischer Jodwert beträgt 274, während das Leinsamenöl selbst oft einen Jodwert von über 180 aufweist. Der Jodwert von Kabeljauleberöl ist manchmal fast genauso hoch. Beide Öle enthalten daher auch andere, weniger ungesättigte Säuren als Linolensäure.

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Das „Ausspucken“ des Leders ist auf die Aufnahme von Sauerstoff sowie die daraus resultierende Resinifizierung der Öle zurückzuführen. Daher können alle Trockenöle, egal wie rein sie auch sein mögen, dieses Phänomen hervorrufen – wobei einige dazu neigen, dies stärker zu tun als andere (vgl. S. 363, 365, 366, 368, 390). Linolsäure sowie vermutlich auch andere verwandte Säuren werden durch die Aufnahme von Sauerstoff in feste, lackartige Substanzen umgewandelt, die für den Ledergerber wichtig sind, da sie die Hauptbestandteile der Lacke für Leder bilden. Ungesättigte Säuren aus Fischölen ergeben selten harte Lacke – obwohl Menhadenöl (S. 367) manchmal als Farböl für Außenarbeiten verwendet wird. Die meisten Fette neigen dazu, durch Kontakt mit der Luft ranzig zu werden; dabei entwickeln sie einen unangenehmen Geschmack und Geruch sowie eine säurehaltige Reaktion durch die Freisetzung der Fettsäuren. Die stattfindenden Veränderungen sind etwas komplex. Die Fettsäure im Rizinusöl weist eine besondere Struktur auf: Es handelt sich dabei um eine Olésäure, bei der ein Wasserstoffatom durch eine „Hydroxyl“- oder OH-Gruppe ersetzt wurde. Auf die Löslichkeit des Rizinusöls in Alkohol wurde bereits hingewiesen. Es trocknet nicht aus und eignet sich hervorragend zur Schmierung schwerer Maschinen. Manchmal wird es mit „aufgeblasenen“ Ölen verunreinigt, die aus nicht-trocknenden oder nur leicht trocknenden Samenölen wie Baumwollsamen- oder Rapsöl hergestellt werden, indem Luft unter erhitzten Bedingungen durch diese Öle geblasen wird. Durch diese Behandlung steigen ihre Viskosität, Dichte sowie ihre Löslichkeit in Alkohol stark an – doch sie erhalten nicht die anderen wertvollen Eigenschaften des echten Rizinusöls. Die „Ablagerungen“, die sich bei Ruhestand der Öle bilden, bestehen manchmal aus tierischen oder pflanzlichen Fasern oder Schleimstoffen in Kombination mit Wasser – doch oft handelt es sich einfach um die härteren Fette wie Stearin oder Palmitin, die beim Abkühlen aus dem Öl kristallisieren. In diesem Fall werden sie beim Erwärmen des Öls wieder aufgelöst. Solche Öle, die wie Neatsfoot-Öl oder Talgöl bei kaltem Wetter trüb werden, werden als „weiche Öle“ bezeichnet.

Nicht-trocknende Fette und Öle:

Talg (frz. Suif; dt. Talg) ist das Fett verschiedener Säugetiere, vor allem von Rindern und Schafen – gelegentlich auch von Ziegen. Das aus allen Teilen des Kadavers gewonnene Gemischfett wird als „hergestellter Talg“ bezeichnet, während das aus dem Bereich der Nieren gewonnene Fett härter ist. Eine Substanz, die gemeinhin als „gepresster Talg“ oder „Oleo-Stearin“ bezeichnet wird, entsteht durch das Pressen des gewöhnlichen Talgs in hydraulischen Pressen. Das flüssigere…

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Der ausgedrückte Anteil ist Talgöl – wobei die feineren Qualitäten zur Herstellung von Margarine verwendet werden. Oleostearin darf nicht mit dem „destillierten Stearin“ verwechselt werden, das durch Destillation und Druck aus Yorkshire-Fett gewonnen wird (Seite 359), noch mit dem von Kerzenmachern verwendeten „Stearin“, das eine Mischung aus freien Stearinsäure- und Palmitinsäuren ist. Reiner Talg ist weiß und geschmacklos, doch ein Großteil des verkauften Talgens ist gelblich und hat einen unangenehmen, leicht ranzigen Geschmack. Schafstalg ist in der Regel härter und weißer als Rindertalg. Ziegenfett hat einen charakteristischen Geruch, ebenso wie die gewonnenen Stearine sowie andere Abfallfette aus Leimfabriken. Bockstalg, der besonders hart ist, wurde mittlerweile größtenteils durch Oleostearin ersetzt. Rindertalg schmilzt bei etwa 40 °C; Schafstalg bei 45 °C. In seiner chemischen Zusammensetzung besteht Talg hauptsächlich aus einer Mischung der Triacylglyceride der Palmitinsäure, Stearinsäure und Ölsäure; seine Härte nimmt mit zunehmendem Anteil dieser Letzteren ab. Talg sollte beim Schmelzen völlig klar sein – Trübheit deutet auf das Vorhandensein von Wasser oder anderen Fremdstoffen hin, die entweder durch Nachlässigkeit bei der Herstellung oder möglicherweise durch Fälschung entstanden sind. Spuren von Kalziumphosphat oder Fragmente tierischer Gewebe können als zufällige Verunreinigungen vorhanden sein; Kalzium wird hingegen manchmal hinzugefügt, um den Talg zu verdicken und ihm die Fähigkeit zu geben, mehr Wasser zu binden. Stärke, Ton, Weißkreide usw. werden ebenfalls gelegentlich verwendet. Talg wurde nicht selten mit destillierten Fettsäuren aus Wollfett gefälscht. In diesem Fall können Cholesterinkristalle (siehe L.I.L.B., Seite 181) durch Untersuchung des unsaponifizierbaren Teils der Mischung unter dem Mikroskop nachgewiesen werden. Dadurch erhält der Talg außerdem einen ungewöhnlich hohen „Säurewert“. Methoden zur näheren Analyse von Talg sind im „Laborbuch“, Seiten 189 ff., beschrieben. Die Fette, die durch das Kochen von Fleischresten für Leim sowie durch das Pressen von Schaffellen gewonnen werden, gehören zur Kategorie der weichen Tälge. Wenn die Fleischreste mit Säure entfettet und frisch gekocht werden, ist das Fett in der Regel von guter Farbe und hat nur einen geringen unangenehmen Geruch – enthält aber Spuren freier Fettsäuren, die aus der Zersetzung der Kalziumseifen entstehen. Wenn die Fleischreste getrocknet und das Kalzium vergast wurden, ist das Fett in der Regel braun und mehr oder weniger ranzig; die Kalziumseifen zerfallen jedoch nicht, es sei denn, der „Abfall“ wird mit Säure behandelt, wodurch eine höhere Menge an Fett gewonnen werden kann. Das Fett aus Schaffellen ist in der Regel etwas braun und riecht oft nach…

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Flüchtige Säuren sowie andere Bestandteile der Gerbstofflösungen – insbesondere dann, wenn Lärchenrinde verwendet wurde – können die Eigenschaften dieser Fette beeinträchtigen. Diese Fette verbessern sich in der Regel erheblich in Bezug auf Aussehen und Geruch, wenn sie durch Kochen oder Dämpfen in Wasser gut gewaschen werden, oder indem eine Mischung aus Luft und Dampf durch sie geblasen wird – manchmal reicht auch schon das Erhitzen auf eine ausreichende Temperatur aus, um das Wasser verdampfen zu lassen und die flüchtigen Stoffe zu entfernen. Wenn das Fett langsam abkühlen lässt wird, um die Kristallisation zu fördern, bis es eine sämige Konsistenz hat, und anschließend durch einen Filterdruck mit Wolltüchern gepumpt wird, lässt sich der flüssigere Teil leicht vom festeren Teil trennen. In vielen Fällen können beide Teile in der Lederherstellung verwendet werden: das Talg für das Gerben und das Öl als Ersatz für Rindsfußöl. Pferdefett – insbesondere das aus den fettreichen Teilen des Halses – sowie verschiedene andere tierische Fette werden ebenfalls in der Lederherstellung eingesetzt. Sie unterscheiden sich vom Talg hauptsächlich dadurch, dass sie einen niedrigeren Schmelzpunkt haben und im Verhältnis zu Stearin und Palmitin mehr Olein enthalten – wodurch sie etwas weicher sind. Obwohl diese Fette oft fast weiß sind, können sie durch Produkte der Zersetzung tierischer Materie manchmal dunkler werden; dies stört jedoch in der Regel nicht die Verwendung des Öls zur Lederbehandlung. Sie sind in der Regel so günstig, dass sie kaum verunreinigt werden; Mittel zur Bestimmung ihrer Reinheit finden sich jedoch in L.I.L.B., S. 191. Rindsfußöl ist ein gelbliches, fast geruchloses Öl mit mildem Geschmack, das häufig bei der Behandlung von Kalbfell verwendet wird. Es hat eine ähnliche Zusammensetzung wie Talgöl sowie andere Öle, die durch Anwendung hoher Drücke bei niedriger Temperatur an weichen Tierfetten gewonnen werden. Oft wird es mit Knochenöl, Schweinefettöl und Baumwollsamenöl verunreinigt – gelegentlich auch mit Mineralöl und wiedergewonnenem Wollfett. Da Rindsfußöl etwas teuer ist, können Gerber vorteilhaft oft gewöhnliche tierische Fette (Pferdefett usw.) verwenden, nachdem das härtere Talg durch Abkühlen und Druck extrahiert wurde. Das so gewonnene Produkt ist chemisch gesehen identisch mit Rindsfußöl und in jeder Hinsicht ebenso geeignet – zugleich ist es weniger anfällig für Verunreinigungen. Das echte Rindsfußöl wird durch Kochen der Füße von Rindern – manchmal auch von Schafen und Pferden – in Wasser sowie durch Abschöpfen und Klären des so gewonnenen Öls hergestellt. Die physikalischen und chemischen Eigenschaften dieses Öls sind in L.I.L.B., S. 192 beschrieben.

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Wollfett (frz. Suint, oesype; dt. Wollschweissfett) ist ein Fett mit hoher Spezifität, das aus den Talgdrüsen der Schafe zusammen mit organischen Kaliumsalzen ausgeschieden wird. Es wird entweder durch Extraktion des Wolles mit Lösungsmitteln oder durch Waschen mit alkalischen Lösungen gewonnen; anschließend wird es durch Ausfällung mit Säure sowie durch heißes Pressen der entstandenen Masse gewonnen. In jüngerer Zeit wird es auch dadurch hergestellt, dass die Reinigungslösung verdampft und anschließend zentrifugiert wird. Wollfett zeichnet sich durch einen niedrigen Anteil an Glyceriden aus; die darin enthaltenen Fettsäuren sind hauptsächlich mit höheren Alkoholen verbunden (Alkoholverbindungen mit wachsigem Konsistenz). Chemisch gesehen handelt es sich eher um Wachs als um echtes Fett. Zu den in Wollfett enthaltenen Alkoholen gehört ein erheblicher Anteil an Cholesterin und Isocholesterin. Es ist nur schwer saponifizierbar – dazu muss es unter Druck bei 105–110 °C mit alkoholischem Kaliumhydroxid erhitzt werden. Selbst dann bleiben etwa 44 Prozent der Alkohole übrig, die nicht weiter saponifiziert werden können. Man sollte daher nicht annehmen, dass ungesaponifizierte Stoffe in Fetten, die Wollfett enthalten können, notwendigerweise Mineralöl sind. Für detaillierte Analyseangaben siehe L.I.L.B., S. 194.

Reines Wollfett ist nahezu weiß, hat eine salbenartige Konsistenz und einen sehr schwachen Geruch; bei 15 °C beträgt seine Dichte 0,973. Rohes Wollfett ist gelb oder braun und weist einen unangenehmen, sehr anhaltenden Geruch auf. Sowohl reines als auch rohes Wollfett besitzen eine außergewöhnliche Emulgierfähigkeit gegenüber Wasser, was sie zu wertvollen Ersatzstoffen für Dégras in Füllfett macht. Lanolin (und einige andere Präparate unter verschiedenen Namen) sind Mischungen aus gereinigtem Wollfett und Wasser; Lanolin enthält etwa 22 Prozent Wollfett.

„Yorkshire-Fett“ unterscheidet sich vom rohen Wollfett dadurch, dass es aus den Flüssigkeiten gewonnen wird, die zur Reinigung von Wollstoffen verwendet werden. Es enthält daher die freien Fettsäuren der zum Reinigen verwendeten Seifen sowie die „Oleine“ usw., die zur Behandlung der Stoffe verwendet werden. Obwohl es oft viel Wollfett enthält, kann es gelegentlich auch dieses Substanz fehlen.

Holden-Fett besteht aus gewöhnlichem Wollfett, das mit Fischöl vermischt wurde, und wird entweder als Ersatz für Dégras oder in Mischung damit verwendet.

Destilliertes Wollfett wird durch Destillation von rohem Yorkshire-Fett mit Dampf hergestellt. Die meisten Glyceride werden dabei zerstört, doch viele freie Fettsäuren, Alkohole und Wachse bleiben unverändert – obwohl ein erheblicher Teil in flüchtige Kohlenwasserstoffe umgewandelt wird, die stark Mineralölen ähneln. Das Destillat wird durch Abkühlung und Druck in ein flüssiges „Olein“ getrennt.

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Reines Stearin. Letzteres bildet eine sehr wertvolle Fettmasse zur Befüllung, die in England größtenteils die Stelle des in den Vereinigten Staaten verwendeten „Oleo-Stearins“ einnimmt – mit dem es jedoch nicht verwechselt werden darf. Destilliertes Stearin, wie oben beschrieben hergestellt, ist ein blassgelbes bis braunes Fett, dessen Härte sowie Schmelzpunkt je nach Herstellungsbedingungen variieren. Es hat einen charakteristischen, sehr anhaltenden Geruch und besteht hauptsächlich aus freien Stearinsäure- und Palmitinsäuren; die meisten durch die Destillation entstehenden flüssigen Kohlenwasserstoffe werden zusammen mit dem „Olein“ entfernt.

Olivenöl (frz. Huile d’olive; dt. Olivenöl) findet weite Verwendung bei der Behandlung von Leder sowie insbesondere bei der Herstellung von „Fettlösungen“ (S. 217, 240). Es wird aus den Früchten der Olivenpflanze durch Druck gewonnen; in jüngerer Zeit auch aus den Rückständen durch Extraktion mit Schwefeldioxid. Obwohl es chemisch stark mit Talg- und Schweineschmalzölen ähnelt, lässt sich seine Verunreinigung mit diesen Substanzen in der Regel, zumindest grob, am Geschmack und Geruch des Öls erkennen. Aus chemischer Sicht zeichnet es sich vor allem dadurch aus, dass es Glyceride der Palmitinsäure enthält, aber keine der Stearinsäure, sowie einen viel höheren Anteil an Olein gegenüber festen Glyceriden im Vergleich zu den meisten nicht-trocknenden Tierölen. Bei niedrigen Temperaturen erstarrt Olivenöl zu einem Produkt, das durch Druck in ein festes, talgähnliches Fett sowie ein flüssiges Öl, das hauptsächlich aus Tri-Olein besteht, getrennt werden kann. Olivenöl gehört zu den nicht-trocknenden Pflanzenölen; obwohl es bei Kontakt nicht wesentlich dickflüssiger wird, verdirbt es recht schnell und ist daher nicht mehr für die Schmierung geeignet. Sofern die Säurezahl nicht zu hoch ist, scheint es die Qualität des Öls für die Lederherstellung nicht zu beeinträchtigen – im Gegenteil: Für bestimmte Zwecke ist es sogar vorteilhaft, da es die Emulgierung fördert. Freie Säuren im Öl können durch Schütteln mit einer Natriumcarbonatlösung entfernt werden. Olivenöl enthält immer etwas freie Säure – was bei der Herstellung von Fettlösungen wichtig ist, da es die Bildung einer Emulsion erleichtert. Diese Eigenschaft kann durch das gezielte Hinzufügen von etwas Olinsäure verbessert werden. Olivenöl wird häufig mit anderen Pflanzenölen verunreinigt. Wahrscheinlich ist der Iodwert das nützlichste Kriterium – er steigt durch das Hinzufügen beliebiger Samenöle an. Auch Untersuchungen mit einem Refraktometer liefern nützliche Hinweise. Baumwollsamen-, Sesam- und Erdnussöle sind die häufigsten Verunreiniger bei höherwertigen Olivenölen; in vielen Fällen lassen sie sich durch spezielle Tests erkennen.

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Rizinusöl (frz. Huile de ricin; dt. Ricinusoel) ist das Öl, das aus den Samen von Ricinus communis gewonnen wird. Es handelt sich um eine durchsichtige, farblose oder blass gelbliche Flüssigkeit mit einem schwachen Geruch und einem unangenehmen Geschmack. Bei niedrigen Temperaturen wird es zähflüssiger und setzt sich leicht ab; bei –18° C. erstarrt es zu einer blass gelben Masse.

Rizinusöl unterscheidet sich von allen anderen natürlichen festen Ölen durch seine hohe Dichte (0,960 bis 0,964) sowie Viskosität, durch seine Löslichkeit in Alkohol und seine Unlöslichkeit in Petrolether. Echtes Rizinusöl ist bei normaler Temperatur vollständig löslich in einem gleich großen Volumen an reinem Alkohol oder in viermal so viel „reiner Spiritus“. Es ist praktisch unlöslich in Petrolether, kann jedoch eine gleich große Menge dieses Stoffes lösen.

Für Lederhersteller ist das herkömmliche, heiß gepresste Öl – wie es zur Schmierung von Maschinen verwendet wird – genauso gut geeignet wie das teurere, kalt gepresste Öl, das zu medizinischen Zwecken eingesetzt wird. Es wird in Behältern importiert, die etwa 40 Pfund Öl fassen. Rizinusöl sowie das daraus hergestellte Seifenöl, wie es auf Seite 352 beschrieben wird, eignen sich sehr gut zum „Fettlösen“; sie scheinen weniger störend bei der Färbung und Glättung des Leders zu wirken als die meisten anderen Öle. Stiefel, die mit Rizinusöl eingerieben werden, können sofort schwarz gefärbt werden und erhalten außerdem einen guten Glanz.

Die einzigen Öle, die üblicherweise mit Rizinusöl vermischt werden, sind „geblasene“ oder oxidierte Samenöle sowie Harzöle. Alle anderen Öle würden den spezifischen Gewicht so stark senken, dass ihre Verwendung unpraktisch wäre. Zur Erkennung und Bewertung dieser Öle sollte das „Laborbuch“ konsultiert werden; falls weitere Details benötigt werden, wird der Leser auf Benedikt und Lewkowitschs „Öle, Fette und Wachse“ oder auf Allens „Commercial Organic Analysis“, Band II, verwiesen.

Sulfoniertes Rizinusöl oder Türkisrotöl wird heute häufig zum „Fettlösen“ verwendet; vermutlich wurde es erstmals um das Jahr 1890 vom Autor für diesen Zweck eingesetzt. Dieses Material – das sorgfältig von der Olivenölpreparation unterschieden werden muss, die ebenfalls zur Färbung von Baumwolle in Türkisrot verwendet wird – wird hergestellt, indem Rizinusöl mit einem Viertel seines Gewichts an konzentrierter Schwefelsäure (Spezifisches Gewicht 1,8) behandelt wird. Dabei wird die Säure in sehr kleinen Mengen hinzugefügt, wobei darauf geachtet werden muss, dass die Temperatur der Mischung niemals über 35° C. steigt. Anschließend wird die Mischung 24 Stunden lang stehen gelassen, gelegentlich umgerührt, mit einem gleich großen Volumen Wasser gewaschen, bis sich das Wasser vollständig getrennt hat; danach wird das Öl abgesaugt. Falls gewünscht, kann das Öl noch einmal oder zweimal mit einer Lösung aus konzentriertem Salzwasser gewaschen werden – doch dies bringt nur begrenzte Vorteile und sollte auf keinen Fall erfolgen.

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Übermäßig. Das gewaschene Öl wird schließlich durch das vorsichtige Hinzufügen eines Hundertstels seines Volumens an starken Ammoniaklösung (Spezifisches Gewicht 0,880) neutralisiert. Wenn es richtig hergestellt wird, verträgt das Türkisrote Öl (sulfonierte Rizinusöl), wenn es stark mit Wasser verdünnt wird, das Hinzufügen von Ammoniak bis zu einer alkalischen Reaktion – ohne dass eine Trübung entsteht, selbst nach mehrstündigem Stehenlassen. Falls eine Trübung auftritt, deutet dies darauf hin, dass das verwendete Rizinusöl unrein war und Stoffe enthielt, die reich an Stearin sind. Der auf S. 360 beschriebene Alkoholtest kann ebenfalls angewandt werden: Die ölige Schicht ist dann vollständig löslich, wenn beim Herstellen des Rotöls ausschließlich Rizinusöl verwendet wurde.
Türkisrotes Öl enthält in der Regel etwa 50 Prozent Fettssäuren (Allen). Leinöl (franz. Huile de lin; deutsch Leinoel) wird von Lederherstellern bei der Herstellung von Patentleder verwendet sowie bis zu einem gewissen Grad auch zum Einreiben von Ledern aus Levante und Marokko – doch für diese Zwecke wurde es größtenteils durch Mineralöle ersetzt. Es wird aus den Samen der Flachspflanze Linum usitatissimum gewonnen, die hauptsächlich in Russland und Indien angebaut werden. Das russische Leinöl wird in der Regel zu etwa 20 Prozent mit Hanföl gemischt, während das indische Leinöl, das zusammen mit Senf und Raps angebaut wird, niemals völlig rein ist. Das baltische Leinöl gilt als am besten geeignet für die Herstellung von Patentleder und wird durch längeres Lagern in Tanks an einem warmen Ort verbessert.
Wird Leinöl durch Kaltpressung der Samen gewonnen, hat es eine leuchtend gelbe Farbe; bei höheren Temperaturen bei der Extraktion ist das Öl mehr oder weniger braun und hat einen viel intensiveren, scharfen Geschmack. Bei Kontakt mit Luft wird Leinöl leicht ranzig, nimmt Sauerstoff auf – und wenn es in einer ausreichend dünnen Schicht aufgetragen wird, trocknet es zu einer neutralen Substanz (Linoxyn) aus, die in Äther unlöslich ist. Auf dieser Eigenschaft beruht der Hauptwert von Leinöl sowie anderen „Trocknölen“.
Leinöl wird hauptsächlich mit anderen Samenölen verunreinigt; Baumwollsamenöl wird dabei am häufigsten verwendet, obwohl gelegentlich auch Menhaden- und andere Fischöle eingesetzt werden. Da die Dichte von rohem Leinöl bei 15 °C zwischen 0,932 und 0,936 liegt, würde das Hinzufügen anderer Samenöle oder Mineralöle zu einer erheblichen Senkung dieses Wertes führen, während Rosin oder Rosinöl ihn erhöhen würden. Eine kluge Mischung aus Mineralöl und Rosinöl würde ein Produkt mit normaler Dichte ergeben. Fischöle lassen sich an ihrem charakteristischen Geruch erkennen – insbesondere beim Erwärmen.

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Es wurden verschiedene Methoden vorgeschlagen, um die Qualität von Leinsamenöl zu beurteilen, doch keine davon ist vollkommen zufriedenstellend. Das beste Öl ist das, das am besten trocknet; doch die Geschwindigkeit des Trocknens sowie die Konsistenz des getrockneten Produkts sind die wichtigsten Faktoren, die ebenfalls berücksichtigt werden müssen. Der Jodwert, der ein Maß für die Trocknungskraft darstellt, sollte nicht wesentlich unter 180 liegen. Ein zufriedenstellender praktischer Test, den Allen[162] empfiehlt, besteht darin, das Öl mit dreimal seinem Gewicht an echtem Weißblei zu mischen und eine perfekt saubere Glasfläche mit dieser Mischung zu bedecken. Ein genau ähnliches Experiment wird gleichzeitig mit einem Standardproben von Leinsamenöl durchgeführt, wobei die Trocknungsrate sowie die Eigenschaften der Farbschicht verglichen werden. [162] Commercial Organic Analysis, ii. S. 122.

J. Muter hat diesen Test vereinfacht, indem er einfach eine Glasscheibe mit dem Öl übergoss und sie anschließend einer Temperatur von 38° C (100° F.) in einer guten Luftzirkulation aussetzte. Die Zeit, die zum Trocknen benötigt wird – bis die Schicht beim leichtesten Berühren nicht mehr abgeht – wird notiert und mit Standardproben des Öls verglichen. Durch gelegentliches Berühren verschiedener Stellen der Filmoberfläche mit dem Finger kann der Fortschritt des Trocknens leicht beobachtet werden.[163] [163] Kathreiner gibt an, dass diese Methode ein nützlicher Test für Fisch- und Leberöle ist; jene Öle, die am schnellsten trocknen, neigen besonders dazu, „auszublasen“.

**Gekochtes Öl** – Seine Trocknungsfähigkeit wird durch Erwärmung auf eine Temperatur von 130° C und darüber, unter Zufuhr von Luftströmungen durch das Öl sowie durch weitere Erhöhung der Temperatur, bis das Öl zu sprudeln beginnt, erheblich verbessert. Große Mengen an Leinsamenöl werden heute auf diese Weise für industrielle Zwecke aufbereitet. Als Trockenmittel werden metallische Salze verwendet, hauptsächlich solche von Blei und Mangan, die offenbar als Sauerstoffträger wirken. Früher wurde am häufigsten Litharge verwendet, doch inzwischen ist dieses weitgehend durch Acetat-, Borat- und Resinatverbindungen von Mangan ersetzt worden. 1 bis 2 Prozent Litharge oder Manganborat können verwendet werden; allerdings reichen bereits geringere Mengen aus, um eine deutliche Wirkung zu erzielen. Offenbar führt Litharge zu einer schnelleren Trocknung, während Mangan eine viel hellere Farbe ergibt.[164] Leinsamenöl wird durch Kochen in der Regel dunkler und weist sowohl ein höheres Gewicht als auch eine höhere Dichte sowie Viskosität auf. Die chemischen Reaktionen, die beim Kochen stattfinden, sind nicht gut verstanden; es handelt sich im Wesentlichen um einen Oxidations- und Polymerisierungsprozess, möglicherweise begleitet von der Bildung von Anhydriden der Fettsäuren. Ein Teil der Trockenmittel bleibt in dem gekochten Öl gelöst. Diese Trockenmittel können erkannt werden, indem man etwa eine Unze des Öls mit verdünntem…

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Salzsäure – dadurch trennt sich die Mischung in zwei Schichten, wobei die untere Schicht abgegossen wird und in einen anderen Behälter gefüllt wird. Anschließend werden Metalle (Kupfer, Mangan, Zink) oder Säuren (Borsäure, Oxalsäure usw.) getestet.
[164] Vgl. F. H. Thorpe, Abst. Jour. Soc. Chem. Ind., 1890, 628, aus Technology, Quart., III, S. 9–16.
Schwarzes Japan für patentiertes Leder wird durch Kochen von Leinsamenöl – ohne Luftzufuhr – über mindestens sieben bis acht Stunden mit Preußischem Blau oder Eisenoxiden hergestellt. Das Ergebnis ist ein braunlicher statt blauer Farbton; vermutlich dient das Preußische Blau lediglich als Quelle für Eisenoxid, das sowohl als Farbstoff als auch als Trockenmittel wirkt. Manchmal werden weitere Trockenmittel wie Litharge hinzugefügt; bei farbigen Emaillefarben werden stattdessen andere Pigmente verwendet.
Kopfsamenöl (französisch: Huile de coton; deutsch: Cottonöl oder Baumwollensamenoel) wird heute in enormen Mengen in den Vereinigten Staaten, auf dem europäischen Kontinent und in Großbritannien gewonnen. Das Rohöl enthält einen sehr charakteristischen Farbstoff, der zwar natürlich rubinfarben ist, manchmal jedoch so intensiv ist, dass das Öl fast schwarz erscheint. Dieser Farbstoff verursacht Flecken im Öl; daher wird er durch ein Raffinationsverfahren entfernt, wodurch ein stroh- oder goldgelbes Produkt entsteht. Die Raffination erfolgt in der Regel durch Schütteln des Rohöls mit einer kalten 5-prozentigen Lösung von Kalilauge – dabei wird etwa das Zehnfache an Öl verwendet als an Lauge.
Aufgrund seines Preises wird Kopfsamenöl selten oder nie gefälscht; doch es wird selbst häufig als Verunreiniger für Olivenöl und Neatsfootöl verwendet. Es handelt sich um ein halbtrocknendes Öl, das für die meisten Zwecke in der Lederherstellung ungeeignet ist. Für eine Beschreibung seiner chemischen und physikalischen Eigenschaften wird auf Lewkowitschs „Oils, Fats and Waxes“ oder auf Allens „Commercial Organic Analysis“, Band II, verwiesen.
Sesamöl (französisch: Huile de sésamé; deutsch: Sesamoel; Teelöl, Gingeliöl) ist ein weiteres Samenöl, das in der Regel eine hellere Farbe hat als Kopfsamenöl. Es weist kaum Geruch auf und hat einen milden, angenehmen Geschmack – allerdings nicht besonders charakteristisch. Es wird oft als Verunreiniger für Olivenöl verwendet.
Sesamöl ist ein nicht-trocknendes Öl, das nicht leicht ranzig wird. Wenn es in anderen Ölen vorhanden ist, kann es erkannt werden, indem 10 ccm der Probe mit 5 ccm konzentrierter Salzsäure vermischt werden, in die zuvor 0,1 Gramm Zucker gelöst wurden. Nach mindestens zehn Minuten Schütteln…

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Nach einigen Minuten können sich das Öl und die Säure voneinander trennen. Ist Sesamöl vorhanden, nimmt die Säureschicht eine ausgeprägte Rosenfarbe an; die Intensität dieser Farbe steigt mit der Menge des Sesamöls im Probenmaterial an (Baudouin-Test). Sesamöl wird in Indien hauptsächlich verwendet, um gegerbte Schaf- und Ziegenhäute zu ölen („Persian-Häute“). Es hat die Eigenschaft, in großen Mengen von Leder aufgenommen werden zu können, ohne dass das Leder ölig erscheint. In Ostindien enthaltende gegerbte Häute weisen oft 25 bis sogar 30 Prozent Sesamöl auf. Das Öl wird in feuchtem Zustand auf die Häute aufgetragen, bevor diese getrocknet werden. Es lässt sich durch den Baudouin-Test leicht in den aus diesen Häuten extrahierten Ölen nachweisen. Das Öl scheint sich hervorragend für viele Zwecke in der Lederherstellung einzubringen.

Heringöl (frz. Huile de morue; dt. Leberthran) ist bei weitem das wichtigste Öl, das von Lederherstellern verwendet wird. Es wird aus der Leber des gewöhnlichen Heringes (Gadus Morhua) sowie mehrerer anderer Arten der Gattung Gadus gewonnen. Die wichtigsten Gebiete für die Heringsfischerei sind die Küsten und Meeresbänke von Neufundland, Nova Scotia, der Sankt-Lorenz-Golf, die Küsten Norwegens, Dänemarks und Deutschlands, die Doggerbank im Nordmeer sowie die Küsten Alaskas im Pazifischen Ozean.

Früher wurde das Öl gewonnen, indem man die Lebern der Fische in großen Holzfässern hielt und ständig umrührte, bis eine ausreichende Zersetzung stattgefunden hatte, sodass die Zellen, die das Öl enthielten, platzten. Dadurch kam das Öl an die Oberfläche und konnte mit Holzlöffeln abgeschöpft werden. Das Rohöl ließ man anschließend in einem Tank sedimentieren, damit sich alle suspendierten Stoffe absetzen konnten, bevor es in Fässer gefüllt wurde, die zum Verkauf bereit waren. Das „braune Öl“, das von Gerbern häufig verwendet wird, entsteht durch Erhitzen der nach dem Ölextraktionsvorgang verbleibenden festen Stoffe in Eisenbehältern, bis das gesamte Wasser verdampft ist. Das so freigesetzte Öl wird anschließend abgeseiht, geklärt und in Fässer gefüllt.

Reinere Qualitäten von Heringleberöl werden heute durch Erhitzen der Lebern mit Wasser sowie Abschöpfen des an die Oberfläche kommenden Öls gewonnen. Derzeit sind drei Qualitäten auf dem Markt: medizinisches oder normales, helles Öl; ein minderwertigeres „hellbraunes“ Öl sowie „dunkelbraunes“ Öl, auch „Gerberöl“ genannt. Es ist wahrscheinlich, dass diese durch Dampfextraktion gewonnenen Öle viel anfälliger für „Spülen“ sind als jene, die nach der alten Methode bei höherer Temperatur extrahiert werden. Eitner[165] hat nämlich gezeigt, dass Robbenöle, die bei niedriger Temperatur extrahiert werden, stark „spülen“, aber ihre Anfälligkeit verlieren, wenn sie für einige Zeit auf 250–300 °C erhitzt werden.

[165] Gerber, 1880, S. 244.

Echtes Heringöl, das für die Verwendung in der Lederherstellung geeignet ist, ist immer mehr oder weniger braun gefärbt, hat einen Spezifikumsgewicht von etwa 0,928 und eine Brechzahl…

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Index 1·482. Zu den aktuellen Preisen kann es nur mit anderen Fischölen, Harz oder Mineralöl sowie mit Wasser, Gelatine oder Schleim verunreinigt werden. Von diesen sind Harzöl und Erdöl am häufigsten bei Betrügereien verwendet. Es wird auch eine minderwertige Ölsorte verkauft, die als „Küstenkabeljauöl“ bezeichnet wird und aus den Lebern verschiedener Fische wie Kabeljau, Haddock und Makrele hergestellt wird. Da sie jedoch oft mit Ölen aus anderen Fischabfällen vermischt wird, hat sie einen sehr schlechten Ruf. Kabeljauöl weist zusammen mit den meisten anderen Ölen, die aus Fischlebern gewonnen werden, die Eigenschaft auf, bei Zugabe einer Tropfe starken Schwefelsäure zu zehn oder fünfzehn Tropfen des Öls in einer weißen Porzellanschale eine intensive rötlich-violette Farbe zu erzeugen. Die Reaktion ist noch besser, wenn anstelle des Öls selbst seine Lösung in Chloroform, Kohlendisulfid oder Tetrachlorid verwendet wird. Dieser Test ist zwar sehr nützlich zur Erkennung von Leberölen, wenn diese in Ölen völlig anderer Art wie Raps- oder Olivenöl vorhanden sind, gibt aber keinerlei Hinweis darauf, ob ein Probenstück Fischöl rein ist oder nicht. Eine sehr ähnliche Reaktion zeigt Cholesterin, das in Wollfett enthalten ist. Haifischleberöl (frz. Huile de requin; deutsch Haifischthran) wird aus der Leber des „Sonnenhaifens“ gewonnen, der hauptsächlich vor der Küste Norwegens gefangen wird; manchmal werden jedoch auch die Lebern von Hundsfischen und einigen verwandten Fischen verwendet. Haifischöl wurde in Gerbereien als Ersatz für Kabeljauleberöl verwendet, doch laut Lewkowitsch und Allen wird es in England nicht mehr eingesetzt. Aufgrund seiner blassen Farbe wird es vermutlich hauptsächlich dazu verwendet, das Aussehen dunklerer Öle zu verbessern. Laut Eitner[166] führt sein Einsatz dazu, dass das Leder ohne vorherige Erwärmung schlecht „ausspuckt“. [166] Gerber, 1886, S. 266. Haifischöl zeichnet sich durch einen sehr hohen Anteil an unsaponifizierbaren Stoffen aus, die derselben Art wie die im Spermaöl enthaltenen Stoffe sind und nicht leicht mit Petrolether aus der Seifenlösung entfernt werden können. Mit konzentrierter Schwefelsäure ergibt es eine starke violett-bläuliche Färbung – die Reaktion ist sogar noch ausgeprägter als bei Kabeljauleberöl selbst und weist einen blaueren Violetton auf. Walöl (frz. Huile de baleine; deutsch Wallfischthran) wird aus dem Fett verschiedener Walarten extrahiert und enthält oft Spuren von Spermacet, dem Stoff, der das Öl des Pottwals kennzeichnet. Bei der Saponifizierung entstehen daraus höhere Alkohole, die in…

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Unsaponifizierbare Stoffe – in gewöhnlichem Walöl übersteigen die Gesamtkonzentrationen an Unsaponifizierbaren selten 1½ bis 2 Prozent. Walöl wird auf dem Kontinent hauptsächlich zur „Chamoisierung“ verwendet und ist daher ein Bestandteil von Dégras. Es ist weitaus weniger oxidierbar als Kabeljauöl.

Robbenöl (frz. Huile de phoque; deutsch Robbenthran) wird aus der gemeinen, rau behaarten Robbe gewonnen, die in den arktischen Regionen in großer Zahl vorkommt. Es weist eine starke Ähnlichkeit mit sowohl Wal- als auch Fischölen auf und lässt sich in Mischungen dieser Öle nicht nachweisen. Das schwedische „Dreikronenthran“ ist eine Mischung aus Robben- und Fischöl. Da reines Robbenöl nur etwa ½ Prozent Unsaponifizierbare enthält, kann seine Fälschung durch Mineral- oder Harzöle durch Bestimmung des nach Saponifizierung des Öls mit Petrolether extrahierten Stoffes erkannt werden (siehe L.I.L.B., S. 178).

Es gibt keinen einfachen Test, mit dem die Reinheit oder sonstige Eigenschaften eines Ölproben bestimmt werden können, da die Händler alle besten Tests kennen, die die Verbraucher anwenden könnten, und ihr Öl entsprechend fälschen. Wenn beispielsweise heimlich Petroleum zu Kabeljauöl hinzugefügt werden soll, wird der durch diese Zugabe verursachte Rückgang der Spezifität des Öls durch Zugabe einer geeigneten Menge an Seife oder Rosinöl ausgeglichen, was kaum Auswirkungen auf Farbe, Geschmack oder Geruch der Probe hat. Die einzige zufriedenstellende Methode zur Erkennung von Fälschungen besteht darin, das Öl einer umfassenden chemischen Untersuchung zu unterziehen; zu diesem Zweck können L.I.L.B., S. 156 ff., oder die bereits genannten umfangreicheren Lehrbücher herangezogen werden.

Menhadenöl (auch Porgieöl oder Straitsöl genannt) wird in bestimmten Gebieten hauptsächlich als Fälschungsmittel oder Ersatz für Kabeljauöl verwendet. Es wird aus der Art Alosa Brevoordia, auch Menhaden genannt, gewonnen – einem Mitglied der Heringsfamilie mit einer Länge von etwa einem Fuß. Der Fisch wird an der Atlantikküste Amerikas gefangen und kommt in solchen Mengen vor, dass es sehr fraglich ist, ob Kabeljauöl jemals preislich mit ihm konkurrieren kann. Die Fische werden in Dampfkesseln gekocht, das Öl mittels hydraulischer Pressen ausgepresst, aufgereinigt und durch Aufbewahrung in flachen, mit Glas abgedeckten Behältern in der Sonne gebleicht. Eine minderwertigere Variante wird als „Banköl“ bezeichnet. Menhadenöl zeichnet sich vor allem durch seine sehr hohe „Spezifitätsreaktionstemperatur“ aus (L.I.L.B., S. 169), die bei etwa 306 liegt. Es eignet sich nicht gut als Lederöl, da es sehr anfällig für „Spue“ ist.

Viele weitere Ölsorten, die aus dem Körper – und nicht nur aus der Leber – von Fischen gewonnen werden, werden als Fischöle eingestuft. Menhadenöl ist die wichtigste dieser Öle; doch japanisches Öl, Sardinen- und Heringöl sowie Öle, die aus Abfällen anderer Fische gewonnen werden, sind kaum weniger wichtig, obwohl sie ebenfalls aus diesen Quellen stammen.

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Aus solch unterschiedlichen Quellen ist es nicht möglich, konkrete Eigenschaften anzugeben, anhand derer sie bei Mischung mit wertvolleren Ölen identifiziert werden könnten. Sie neigen in der Regel sehr stark zum „Ausspucken“. Fischfett, das laut Eitner ein gutes und günstiges Ersatzmittel für Dégras ist, ist das feste Fett, das aus verschiedenen Arten von Fischöl gewonnen wird, indem dieses bei niedriger Temperatur behandelt und das dadurch ausgefallene Material getrennt wird – oder (wie in China und Japan) das feste Fett, das gleichzeitig mit dem Öl aus dem Körper des Fisches extrahiert wird. Früher wurde Fischfett nur aus japanischem Heringsfett gewonnen, doch heute stammt es aus Waltran. Letzterer liefert eine sehr reine Form des Fettes, die keiner weiteren Reinigung bedarf; die japanische Variante hingegen, die aus Fischen der Heringsfamilie gewonnen wird, enthält eine Art Fischkleber, der die Qualität des Produkts erheblich verschlechtert. Durch sorgfältige Reinigung kann dieser klebrige Stoff jedoch entfernt werden, und das raffinierte Produkt weist keine der für rohes Fett typischen Eigenschaften auf, die zu Fleckenbildung führen können. Das raffinierte Fett wird in quadratischen Platten verkauft, schmilzt bei 42° und ist nicht ganz so steif wie Rindertalg.

Dégras sowie Sodöl sind Produkte der Behandlung von Kamelhaarleder (S. 378), die beim Curry-Garen verwendet werden. Die Häute werden mit Meereslebewesenölen behandelt und oxidiert; das überschüssige, teilweise veränderte Öl wird anschließend gewonnen. Bei der französischen Methode werden Wal- und Robbenöle sowie Leberöle verwendet; die Oxidation verläuft langsam und allmählich. Das flüssige Restöl wird unter Druck gewonnen und ergibt Moellon – wobei die erste Pressung die beste ist. Dieses wird in seiner ursprünglichen Reinheit niemals zum Curry-Garen verkauft; sondern gemischt mit weiteren Mengen an Fischölen, Fetten und manchmal Schafsfett bildet es das übliche Handelsprodukt Dégras. Die Zusätze senken zwar den Wert, dürfen aber nicht als einfache Fälschungen angesehen werden, da Moellon allein weniger geeignet wäre. Nachdem so viel Öl wie möglich durch Einlegen in heißes Wasser und Pressen entfernt wurde, wird eine weitere Menge durch Waschen mit Kalium- oder Natriumlösungen gewonnen; anschließend wird sie durch Zugabe von Säure getrennt und ergibt ein Dégras niedrigerer Qualität. Moellon hat als Material zum Curry-Garen einen solchen Wert, dass spezielle Fabriken betrieben werden, in denen ausschließlich zur Herstellung von Moellon Kamelhaarleder behandelt wird – die Häute werden dabei wiederholt mit Öl behandelt und oxidiert, bis sie zu Lumpen werden.

Bei der englischen Methode der Behandlung von Kamelhaarleder werden fast ausschließlich Leberöle verwendet; die Oxidation verläuft dabei viel schneller und intensiver. Die Häute werden…

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In Kisten verpackt oder gestapelt und zur Erwärmung gelassen. Das auf diese Weise gewonnene Produkt ist viel zähflüssiger und kann nur durch Reinigung mit Alkalien gewonnen werden; das mit Säure gewonnene Produkt stellt Natriumöl dar. In vielen englischen Fabriken wird heute eine modifizierte Methode angewandt, bei der das Produkt unter Druck gewonnen wird – es unterscheidet sich kaum vom Moellon. Eine wichtige Eigenschaft von Dégras und Natriumöl ist ihre leichte Emulgierbarkeit mit Wasser, welches aufgrund der Herstellungsweise stets natürlich enthalten ist und in einem guten Dégras in einer Menge von mindestens 20 Prozent vorhanden sein sollte. Eine solche Mischung mit Wasser ist eine Art natürlicher Fettlösung und wird von Leder viel besser aufgenommen als reines Öl. Natriumöle werden jedoch häufig „verdampft“, d.h. durch Erhitzung über 100° des Wassers beraubt, nicht nur um eine vermeintliche Verbesserung zu erzielen, sondern auch um den in Wasser enthaltenen Schwefelsäuregehalt vollständiger zu beseitigen. Dadurch werden sie homogener und somit deutlich dunkler gefärbt. Es ist nicht einfach, die Säure in wässrigem Natriumöl durch direkte Zugabe von Alkalien zu neutralisieren; möglicherweise eignet sich Ammoniak am besten dafür; oder man kann, wie ich glaube auf Vorschlag von Eitner, eine kleine Menge eines geeigneten Seifs zufügen. Auf jeden Fall ist eine sehr vollständige Mischung erforderlich. Wenn die zur Gewinnung verwendete Schwefelsäure nicht ausreichend war, um das Alkalium vollständig zu neutralisieren, enthält das Dégras oder Natriumöl natürlich Seifen – manchmal auch freies Alkalium. Sowohl freie Säuren als auch freies Alkalium sind für Leder schädlich, wobei die Säuren dies noch stärker tun, indem sie die Farbe dunkler machen und das Leder sogar weicher machen. Wenn Dégras in Mischung mit anderen Fetten verwendet wird, muss darauf geachtet werden, dass die Temperatur der Mischung nicht so hoch wird, dass das Wasser verdampft – schließlich liegt ein großer Teil seiner besonderen Wirkung am Wasser. Die chemischen Veränderungen, die während des Schleifvorgangs stattfinden, sind bislang noch nicht vollständig verstanden. Ein großer Anteil der Glycerin wird während der Erwärmung dehydriert und bildet Acrolein (Acrylaldehyd); durch dessen Wirkung könnte die eigentliche Umwandlung des Leders in Leder erfolgen, während auch die Fettsäuren oxidiert werden. Dégras enthält daher stets beträchtliche Mengen an oxidierten Fettsäuren, die manchmal mit stickstoffhaltigen Produkten aus dem Leder verbunden sind und in Alkohol löslich, aber in Petrolether unlöslich sind. Simand gab diesen Produkten den Namen Degrasbildner (Dégras-bildender Stoff, frz. dégragène); er galt als Maß für die Qualität des Dégras, doch sein genauer Wert und seine Funktion sind eher fraglich. Nach Simand ist ein echtes…

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Dégras sollte mindestens 15 bis 20 Prozent des Dégras-Bildners enthalten – gemessen nach seiner Methode, die auf dem trockenen Öl beruht. In den ursprünglichen Fischölen ist ein geringerer Prozentsatz vorhanden. (Zur Schätzmethode siehe L.I.L.B., S. 182.) Da der Herstellungsprozess von Dégras offensichtlich hauptsächlich ein Oxidationsprozess ist, wurden viele Versuche unternommen, es durch direkte Oxidation von Fischölen herzustellen – ohne Verwendung von Häuten – sei es durch das Durchblasen von Luft durch das Öl oder durch Zugabe von Oxidationsmitteln wie Salpetersäure. Eitner behauptet, dass solche oxidierten Öle eher zu „Ausfällungen“ neigen als die ursprünglichen Öle, da sie bereits große Mengen an resinierten Stoffen enthalten; doch das gilt sicherlich nicht für alle künstlichen Dégrase – einige erfüllen ihren Zweck als Kurrimaterial hervorragend, obwohl sie in anderen Fällen wohl kaum geeignet sind. Natürlich werden die Methoden erfolgreicher Hersteller als strenges Geheimnis gehalten.
Dégras sowie Sodöl sind, wenn ihnen das Wasser entzogen wird, dunkle, zähe Öle mit hoher Spezifität (0,945–0,955) und sind daher schwerer als die Öle, aus denen sie hergestellt werden.
Wachse unterscheiden sich, wie bereits erwähnt, in ihrer chemischen Struktur von echten Fetten dadurch, dass ihre Fettsäuren, die meist ein hohes Molekulargewicht haben, nicht mit Glycerin, sondern mit Alkoholen verbunden sind – ebenfalls mit hohem Molekulargewicht und wachsartiger Konsistenz. Die meisten Wachse sind feste Stoffe mit hohem Schmelzpunkt; doch einige Öle, insbesondere Walrossöl und Pottwalöl, sind chemisch gesehen flüssige Wachse. Wollefett enthält einen erheblichen Anteil an Wachsen; viele Meeresöle, wie zum Beispiel Haifischleberöl (S. 366), enthalten in geringeren Mengen Wachse in Mischung mit echten Fettölen.
Pottwalöl (französisch: Huile de cachalot; deutsch: Spermacetioel, Walratoel) wird vom Pottwal gewonnen, einem Bewohner der antarktischen Meere. „Arktisches Pottwalöl“ (deutsch: Doeglingthran) ist ein sehr ähnliches Öl, das vom Bottwal gewonnen wird. Diese Öle sind sehr flüssig, trocknen nicht aus und eignen sich hervorragend als Schmieröle für leichte Maschinen sowie als Lampenöle. Sie enthalten nur wenig oder gar keine Glyceride sowie etwa 40 Prozent unsaponifizierbare feste Alkohole, die in Ethanol löslich sind. Diese dürfen nicht mit gewöhnlichen unsaponifizierbaren Mineralölen verwechselt werden, die häufig als Verunreinigungen in Mischung mit Fettölen verwendet werden, um die Dichte sowie den „Saponifizierungswert“ zu beeinflussen. Mineralöle sind flüssig und unlöslich in Alkohol. Pottwalöl ist das leichteste der üblichen Öle – bei 15 °C beträgt seine Dichte nur etwa 0,880. Aufgrund seines Preises ist es besonders anfällig für Fälschungen. Es wird verwendet in…

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Die Lederherstellung verwendet Wachs bei der Verarbeitung einiger feiner Ledersorten – manchmal auch als Bestandteil von Fettlösungen. Spermaceti, ein Wachs, das ebenfalls aus dem Walross gewonnen wird, kommt gelegentlich in Lederpolituren vor. Bienenwachs (frz. Cire des abeilles; dt. Bienenwachs) ist eines der wichtigsten Wachse für die Lederbearbeitung. Wie allgemein bekannt, wird es aus dem Bienenstock der gewöhnlichen Biene gewonnen. Es handelt sich um einen gelblichen Feststoff, der frisch noch recht plastisch ist und einen „wachigen“ Griff hat. Bei niedrigen Temperaturen wird er brüchig und weist eine feinkörnige Textur auf; rein ist er fast geschmacklos. Er wird oft durch wiederholtes Schmelzen und Einwirkung von Sonnenlicht gebleicht. Da Wachs immer eine beträchtliche Menge an Pollen enthält, kann es in Mischung mit anderen Substanzen unter Verwendung eines Mikroskops identifiziert werden. Bienenwachs ist fast unlöslich in kaltem Alkohol, doch kochender Alkohol löst das darin enthaltene Cerotinsäure, das beim Abkühlen daraus kristallisiert. Wachs wird durch alkoholischen Kaliumhydroxid gesäuert, doch das entstehende Myricylalkohol (etwa 54 Prozent) lässt sich nicht weiter säuern. Bienenwachs wird häufig gefälscht. Zu den Substanzen, die am häufigsten zur Fälschung verwendet werden, gehören Wasser sowie Mineralien (Ocker, Gips usw.), außerdem Mehl, Stärke, Talg, Stearinsäure, Japanwachs, Carnaubawachs, Harze und Paraffinwachs. Die Erkennung dieser sowie insbesondere der anderen Wachse ist so schwierig, dass sie hier nicht beschrieben wird. Der Leser wird jedoch auf „Öle, Fette und Wachse“ von Benedikt und Lewkowitsch verwiesen, um weitere Informationen zu erhalten. Carnaubawachs (frz. Cire de carnauba; dt. Cearenwachs, Carnaubawachs) wurde aufgrund der Entstehung der farbigen Lederschuhe in letzter Zeit weit verbreitet. Da es sich um ein sehr hartes Wachs handelt, ist es bei Herstellern von Schuhpolitur sehr beliebt – auch sein niedriger Preis spricht dafür. Carnaubawachs entsteht als Ausfluss aus den Blättern der Copernica cerifera, einer in Brasilien heimischen Palmenart, weshalb es oft als Brasilianisches Wachs bezeichnet wird. Es ist schwer zu säuern, und bei verschiedenen Untersuchern ergaben sich sehr unterschiedliche Analyseergebnisse; allgemein gilt jedoch, dass es sich um eine komplexe Mischung mehrerer höherer Alkohole und Säuren handelt. Japanwachs ist kein echtes Wachs, sondern ein Fett, das aus Glyceriden besteht. Es handelt sich um eine blassgelbe, harte, wachige Substanz, die aus den Früchten einer Sumach-Art (Rhus succedanea usw.) gewonnen wird. Bei normalen Temperaturen entspricht sein Spezifikumgenau dem des Wassers, und er schmilzt bei 56 °C. Jede Mischung mit anderen Fetten senkt den Schmelzpunkt – doch Japanwachs wird oft mit 15 bis 30 Prozent…

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Prozentanteil an Wasser. Für Lederbearbeiter ist es vor allem aufgrund seines niedrigeren Preises als Ersatz für Bienenwachs wertvoll.

Flüchtige oder ätherische Öle.

Diese Öle unterscheiden sich von denen aus dem vorherigen Abschnitt dadurch, dass sie destilliert werden können, ohne erheblich zu zersetzen. Sie kommen in der Natur in beträchtlichem Maße vor, doch die für den Lederhandel wichtigsten werden durch die Zersetzung komplexerer Stoffe gewonnen.
Birkenöl ist für Lederbearbeiter bei weitem das wichtigste Öl dieser Klasse, da es das Substanz ist, die dem „russischen Leder“ seinen charakteristischen Geruch verleiht.
Das Öl wird durch zerstörerische Destillation gewonnen, und der von den Bauern angewandte Prozess gehört zu den rohesten, die man sich vorstellen kann. Ein Topf wird mit trockener Birkenrinde gefüllt, verschlossen und über einem Feuer erhitzt. Die entstehenden Dämpfe werden mittels eines Rohres in einen anderen Behälter geleitet, der im Boden vergraben ist, und dort kondensiert. Die dunkelbraune Flüssigkeit (Birkenharz) wird abkühlen gelassen, und die an die Oberfläche steigende Flüssigkeit wird abgeschöpft. Das Harz wird manchmal weiter destilliert, wodurch ein Öl gewonnen wird, das zwar nicht den eigentlichen Geruch des Birkenöls so stark vermittelt, aber gelegentlich als raffiniertes Öl verkauft wird. Die eigentliche duftende Substanz hat offensichtlich einen sehr hohen Siedepunkt und bleibt hauptsächlich im Harz zurück.
Birkenharz wird fast ausschließlich verwendet, um Leder einen „russischen“ Geruch zu verleihen. Obwohl es etwas stark nach harzhaltigen Produkten riecht, sind die Öle, die diesen Geruch verursachen, weitaus flüchtiger als der Geruch des Birkenöls selbst und verschwinden daher bereits nach kurzer Lagerung des Leders. Harz, das aus verschiedenen Kiefernarten gewonnen wird, wird manchmal als Ersatz für Birkenharz verwendet, lässt sich aber anhand des Geruchs sowie des Unterschieds im Spezifischen Gewicht leicht vom Birkenharz unterscheiden. Birkenharz hat ein Spezifisches Gewicht von 0,925 bis 0,945, während Fichtenharz ein Spezifisches Gewicht von 1,02 bis 1,05 hat; daher schwimmt das Birkenharz auf Wasser, während das Fichtenharz sinkt, sofern es frei von eingeschlossener Luft ist. Auch Fichtenharz gibt eine gelbe Färbestoffe in das mit ihm geschüttelte Wasser ab, während Birkenharz das Wasser farblos lässt. Birkenharz weist eine deutlich saure Reaktion auf und darf nicht in Eisenbehältern aufbewahrt werden. (Siehe S. 251)

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Die Blätter und Zweige der amerikanischen Schwarzbirke ergeben bei Destillation mit Wasser oder Dampf ein Öl, das praktisch identisch mit dem von Gaultheria procumbens (Wintergrün) ist und fast ausschließlich aus Methylsalicylat besteht. Dieses Öl wird durch Filtration durch Wolldecken sowie durch Wiederdestillation gereinigt und bis zu einem gewissen Grad entfärbt. Von einer Tonne Gehölz soll etwa vier Pfund Öl gewonnen werden können. Dieses Öl hat einen völlig anderen Geruch als das echte russische Öl und kann daher nicht zur Aromatisierung von „Russland-Leder“ verwendet werden. Sandelholzöl in Kombination mit etwas Öl der Schwarzbirke oder des Wintergrüns wird manchmal zur Aromatisierung kleiner, exklusiver Artikel eingesetzt und weist eine erhebliche Ähnlichkeit mit dem echten Geruch von „Russland-Leder“ auf. Schwarzbirke, Anis, Sassafras sowie verschiedene andere ätherische Öle werden gelegentlich in geringen Mengen als Konservierungsstoffe sowie zur Überdeckung unangenehmer Gerüche in Blutgewürzen, Zementen und anderen Produkten aus dem Lederhandel verwendet. Die zur Erkennung und Bestimmung dieser Stoffe angewandten Methoden fallen jedoch nicht in den Geltungsbereich eines Werkes wie dieses. Die meisten ätherischen Öle weisen eine beträchtliche antiseptische Wirkung auf sowie die Fähigkeit, Schimmel und Insektenbefall zu verhindern.

Mineralöle und Wachse

Diese Stoffklasse unterscheidet sich in ihrer chemischen Zusammensetzung völlig von den eigentlichen Ölen und Wachsen – sie enthalten weder Glyceride, Fettsäuren noch Alkohole, sondern bestehen ausschließlich aus Kohlenstoff und Wasserstoff, in etwa im Verhältnis von einem Atom des erstgenannten zu zwei Atomen des letzteren. Sie kommen in unterirdischen Seen vor, aus denen sie durch Quellen oder Bohrungen gewonnen werden, oder in Schiefern, aus denen sie durch Destillation getrennt werden. Man geht allgemein davon aus, dass sie in einer fernen Epoche der Erdgeschichte durch die Zersetzung tierischer und pflanzlicher Stoffe bei hohen Temperaturen und unter großem Druck entstanden sind.[167]
[167] Öle aus Quellen oder Brunnen werden technisch als „Petrolöle“ bezeichnet, solche aus Schiefern als „Paraffinöle“; chemisch gibt es jedoch keine klare Unterscheidung. Mineralöle und Wachse können größtenteils ohne Zersetzung destilliert werden, doch bei Erhitzung auf hohe Temperaturen zerfallen sie leicht in einfachere und in der Regel flüchtigere Verbindungen – ein Umstand, der bei der Gasproduktion sowie bei der Nutzung einiger der schwereren Produkte genutzt wird.

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Sie unterscheiden sich stark in ihrer Dichte und ihrem Siedepunkt, weisen aber kaum Unterschiede in ihrer endgültigen Zusammensetzung auf – diese besteht größtenteils aus gesättigten oder nahezu gesättigten Kohlenwasserstoffen (vgl. S. 354). Daher sind sie nur wenig anfällig für Oxidation und reagieren kaum mit chemischen Reagenzien. Aufgrund ihrer Zusammensetzung sind sie selbstverständlich unsaponifizierbar und können somit von Fetten und Ölen getrennt werden, mit denen sie vermischt wurden. (Weitere Einzelheiten zur Methode finden Sie bei L.I.L.B., S. 178.)

Die schwereren Mineralöle werden häufig in Mischung mit anderen Ölen und Fetten verwendet, um Leder zu füllen; dabei eignen sich in der Regel diejenigen mit einer Dichte von 0,880–0,900 am besten. Sie neigen überhaupt nicht dazu, „auszuspritzen“, und helfen dabei, dieses Phänomen bei anderen Ölen, mit denen sie vermischt werden, zu verringern. Allerdings haben sie nicht dieselbe Affinität zu den Lederfasern wie einige echte Öle. Zudem sind sie bis zu einem gewissen Grad flüchtig und sollten daher in der Regel in Mischung statt allein verwendet werden.

Die meisten Mineralöle zeigen, wenn starkes Licht (Tageslicht oder elektrisches Licht mit hohem UV-Anteil) auf sie fällt, eine grüne oder violette Fluoreszenz. Dieses Phänomen ist sehr beständig – selbst dann noch, wenn das Öl mit einem großen Volumen anderer Öle vermischt wird – und wird oft als Mittel zur Erkennung solcher Öle als Fälschungen genutzt. Der Test ist jedoch nicht immer zuverlässig, da das Phänomen auf Verunreinigungen zurückzuführen sein kann, die durch Reinigung beseitigt werden können, oder durch das Hinzufügen von Stoffen wie Nitrobenzin oder Nitronaphthalin überdeckt werden können. Zudem tritt dieses Phänomen auch bei den Kohlenwasserstoffprodukten auf, die bei der Destillation tierischer Öle entstehen, und manchmal auch in gewissem Maße bei Ölen, die nicht destilliert wurden.

Vaseline sowie Vaselineöl gehören zu den viskösesten und dichtesten Produkten aus dem Erdöl. Wahrscheinlich unterscheiden sie sich in ihrer chemischen Zusammensetzung von den festen Paraffinen, obwohl ihre endgültige Zusammensetzung fast identisch ist. Sie sind oft nützliche Bestandteile von Fettpasten zum Füllen von Leder.

Paraffinwachs setzt sich aus einer Mischung von Kohlenwasserstoffen zusammen, die in ihrer chemischen Zusammensetzung den Paraffin- und Erdölölen ähneln, aber einen höheren Siedepunkt haben und bei normalen Temperaturen fest sind. Ihre Kohlenwasserstoffe sind größtenteils gesättigt, wodurch es sich um sehr stabile Stoffe handelt, die nur wenig anfällig für Oxidation sind. Sie sind vollständig unsaponifizierbar und unbeeinflusst vom Kochen mit alkoholischer Kalilauge sowie in den meisten Fällen auch vom Kochen mit konzentrierter Schwefelsäure. Mit diesen Methoden können sie von tierischen und pflanzlichen Wachsen oder Fetten getrennt werden, mit denen sie vermischt wurden. Sie neigen überhaupt nicht dazu, durch Oxidation Harze zu bilden oder im Leder das Phänomen des „Ausspürens“ zu verursachen. Sie sind löslich in Petroleumspiritus sowie Kohlenstoff.

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Disulfide sowie die meisten üblichen Lösungsmittel für Fette – doch unlöslich in Alkohol.
Paraffinwachs trennt sich bei Abkühlung durch Kristallisation von den flüssigen Ölen; das verbleibende, anhaftende Flüssigkeitsmaterial wird durch hydraulisches Pressen entfernt, wie es auch beim Talg der Fall ist. Die Härte und Schmelzpunkt hängen davon ab, in welchem Maße das Pressen durchgeführt wurde sowie bei welcher Temperatur dies geschah. Paraffine mit höherem Schmelzpunkt sind in der Regel teurer.
Reines Paraffinwachs ist eine weiße, mehr oder weniger harte und brüchige Substanz, die nicht so leicht schmilzt wie gewöhnliche Fette. Aus diesem Grund wird es zur Füllung bestimmter Ledersorten verwendet, um die Füllfettmasse zu härten und dem Leder ein weniger öliges Gefühl zu verleihen. Im geschmolzenen Zustand bildet Paraffinwachs eine dünne Flüssigkeit, die eher einem gewöhnlichen Petroleumlampenöl ähnelt als den viskosen Vaseline- oder Lederoelen. Beim Entzünden brennt es mit einer hellen, etwas rauchigen Flamme und hinterlässt keinen Asche. Bei Analyse findet man es zusammen mit anderen Wachsen oder Ölen in der „unsaponifizierbaren Substanz“ (siehe L.I.L.B., S. 178).
Ozokerit ist ein natürliches Paraffinmaterial, das zur Herstellung von Cerasin-Kerzen verwendet wird. Es kommt manchmal in der Nähe von Petroleumquellen vor, insbesondere in Galicien. In reiner Form ist es blassgelb und hat einen Schmelzpunkt von etwa 70 °C. Seine Hauptunreinheiten sind Petroleumöle, Wasser und Ton. Diese werden entfernt, indem Ozokerit geschmolzen wird, das klare Öl abgegossen und anschließend durch feinen Tierkohlefilter gefiltert wird. Falls flüssige Öle vorhanden sind, wird das Material mit Alkalien oder starken Schwefelsäuren behandelt und vor dem Filtern durch Kohle gepresst. Das raffinierte Produkt wird „Cerasin“ genannt und weist im Vergleich zu gewöhnlichem Paraffinwachs eine wachsigere und weniger kristalline Textur auf.
Harzöle stammen aus Harzen, hauptsächlich aus Kolophon oder gewöhnlichem Kiefernharz, durch zerstörerische Destillation. Ihr Spezifisches Gewicht liegt zwischen 0,96 und 0,99; ihre chemische Zusammensetzung ist jedoch nur unvollständig bekannt und scheint keineswegs konstant zu sein. Wie Mineralöle sind sie „unsaponifizierbar“, enthalten aber oft geringe Mengen an seifengebildenden Stoffen (Harzsäuren).
Die Erkennung und Bestimmung von Harzölen ist oft äußerst schwierig; weitere Einzelheiten dazu finden sich in L.I.L.B., S. 180. Aufgrund ihrer Billigkeit werden sie häufig als Verunreiniger für andere Öle verwendet. Ihr hohes Spezifisches Gewicht macht es außerdem praktisch, das Gewicht von Mineralölen bei dieser Verwendung anzupassen, da letztere…

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In der Regel leichter als fette Öle. Als Curryöle eignen sie sich nicht besonders, werden jedoch oft bei der Füllung von Lederteilen sowie bei anderen stark geölten Ledern verwendet. Sie besitzen erhebliche antiseptische Eigenschaften und sind deshalb in Lederfetten nützlich – sie verhindern das Erhitzen des Leders und bekämpfen Schimmel.

Harz selbst wird gelegentlich als Zusatz zu Lederfetten verwendet; es soll die Wasserdichtigkeit des Leders erhöhen und ihm ein trockeneres Gefühl verleihen. In Kombination mit etwa der Hälfte seines Gewichts an Paraffinwachs sowie ggf. etwas Fett zur Weichmachung der Mischung wird es häufig in wasserdichten Mischungen verwendet, die bei 50–60 °C schmelzen können. Das Leder kann ohne Verbrennungen in der geschmolzenen Mischung getaucht werden, sofern es vor dem Eintauchen in einem heißen Ofen bei einer Temperatur von mindestens 50 °C gründlich getrocknet wurde. Ein zu großer Anteil an Paraffinwachs führt dazu, dass sich das Harz trennt. Harz besteht hauptsächlich aus freien Säuren, die bei Erhitzen leicht mit Alkalien und alkalischen Carbonaten reagieren. Aus diesem Grund wird es aufgrund seiner Billigkeit weitgehend bei der Herstellung von Seifen verwendet, um diese wasserlöslicher zu machen. Die Harzsäuren sind nicht so stark wie viele Fettsäuren; daher sind Harzseifen eher stark alkalisch. Harzseife, die durch Zugabe von Alaun oder Aluminiumsulfat in gemahlene Papierpulpe im Waschmaschinenverfahren ausgefällt, wird häufig als Beizmittel für gewöhnliches Papier verwendet.

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KAPITEL XXIV.
Ölgerben sowie der Einsatz von Ölen und Fetten bei der Gerbung.

Die Umwandlung von Haut in Leder unter Verwendung von Ölen und Fetten ist vermutlich eine der ursprünglichsten Methoden. Sie wird von primitiven Völkern in allen Teilen der Welt auf unterschiedliche Weise angewandt – je nachdem, welche Häute und Fette zur Verfügung stehen. In ihrer einfachsten Form besteht sie darin, die feuchte Haut mit Öl oder Fett zu benetzen und sie zu kneten sowie zu dehnen, während sie langsam Feuchtigkeit verliert und das Fett aufnimmt. Unter diesen Bedingungen werden die Fasern mit einer fetthaltigen Schicht überzogen, die verhindert, dass sie nach dem mechanischen Bearbeiten wieder zusammenkleben. Gleichzeitig findet in den Fasern selbst eine chemische Veränderung statt, die bei der Umwandlung in Leder eine Rolle spielt – deren Bedeutung hängt von der verwendeten Methode sowie vom Fett ab. Die Chemie dieser Prozesse kann am besten erläutert werden, nachdem zunächst eine kurze Beschreibung der jeweiligen Methoden gegeben wurde.

Die vollständigste Form der Ölgerbung wird durch das „Chamoisieren“ erzielt – also durch Behandlung mit Meerölen. Dieser Prozess wird auf gewöhnlichen „Chamoisledern“ angewandt, die aus dem Fleischteil der Schaffelle hergestellt werden, sowie bei der Herstellung von „Buffleder“ für militärische Zwecke. Der Ablauf variiert etwas je nach Eigenschaften des Leders, doch die Herstellung von gewöhnlichen Chamoisledern kann als Muster dienen. Dazu werden die Schaffelle von der lockeren, fettreichen Mittelschicht befreit, indem man mit einem scharfen Messer auf einer ähnlichen Vorrichtung wie bei der Entfellung arbeitet – allerdings in einem viel steileren Winkel (Abb. 30, S. 147). Dabei handelt es sich eher um ein Schaben als um ein Schneiden. Ursprünglich wurde diese Methode verwendet, um das Fasermuster auf Hirschfellen zu entfernen, die häufig für Handschuhleder verwendet wurden – schließlich dringt Öl nur schwer in eine Haut ein, deren Faseroberfläche intakt ist. Das Fleisch wird in der Regel durch Einweichen von den Häuten getrennt; die Entfernung des Fetts ist hingegen unbedeutend. Nachdem die Häute gut entwässert wurden, werden sie eine Weile mit Sägemehl bedeckt, bis sie teilweise trocken und porös sind. Dabei werden in der Regel die in Abb. 22, S. 116, dargestellten Behälter verwendet. Während dieses Prozesses muss darauf geachtet werden, dass die Häute durch die entstehende Reibung nicht überhitzt werden. Wenn die Häute durch die enthaltenen Stoffe undurchsichtig geworden sind…

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Aufgrund der Luft zwischen den Fasern werden sie nach der kontinentalen Methode auf dem Tisch geschüttelt und eingefettet; anschließend werden sie zu Bündeln gefaltet und wieder in die Behälter gelegt. In England wird das Öl in der Regel während des Einlegens in kleinen Mengen hinzugefügt – es verteilt sich durch die Bewegung der Häute schnell und gleichmäßig. In England wird fast ausschließlich Heringöl verwendet, auf dem Kontinent hingegen ein erheblicher Anteil an Robben- und Walölen. Da die Produkte nicht nur durch Reibung, sondern auch durch die Oxidation der verwendeten Öle leicht überhitzen können, werden sie in regelmäßigen Abständen aus den Behältern genommen und abgekühlt – meist an Haken, die der Luft ausgesetzt sind. In Frankreich ist diese Aussetzung der Luft viel intensiver als in England: Die Häute werden nach jedem Einlegen acht bis zwölf Stunden lang der Luft ausgesetzt. Die Trockenräume werden mäßig warm gehalten; dort findet eine starke Oxidation des Öls statt, was erheblich den Charakter des Produkts beeinflusst – insbesondere den des verbleibenden Öls oder „Dégras“, das anschließend aus den Häuten ausgepresst und zur Herstellung von Curry verwendet wird (S. 368). Es ist äußerst wichtig, zu verhindern, dass Teile der Häute vor vollständiger Sättigung mit Öl trocken werden – dadurch entstehen harte, durchsichtige Stellen, in die das Öl später nicht mehr eindringen kann. Nach jeder Aussetzung der Luft werden die Häute auf dem Tisch eingefettet und wieder in die Behälter gelegt. Das Einlegen muss viele Stunden andauern – selbst bei Waschleder. Im Laufe dieses Prozesses verlieren die Häute ihren Geruch nach Kalkhaltigem und entwickeln einen charakteristischen senfartigen Geruch durch die flüchtigen Oxidationsprodukte des Öls. Wenn die Häute vollständig gesättigt sind, werden sie nach der englischen Methode in Kisten verpackt und dürfen durch Oxidation des Öls weiterhin abkühlen. Dabei ist besonders zu Beginn große Vorsicht geboten, damit die Temperatur nicht so hoch ansteigt, dass die Häute beschädigt werden. Um dies zu verhindern, werden sie in regelmäßigen Abständen aus den Kisten genommen und auf dem Boden ausgebreitet, um abzukühlen; danach werden sie wieder verpackt. Dieser Prozess wird fortgesetzt, bis die Oxidation abgeschlossen ist und die Häute nicht mehr heiß werden. Während des Erhitzens entstehen große Mengen an flüchtigen, sehr stechenden Stoffen – insbesondere Acrolein (Acrylaldehyd, entsteht durch Dehydrierung von Glycerin), das die Augen stark reizt. Die deutsche Methode unterscheidet sich nicht wesentlich von der englischen; in Frankreich wird jedoch auf das Verpacken in Kisten verzichtet, und die Oxidation findet vollständig in warmen Öfen statt, in denen die Produkte an Haken aufgehängt werden. Die Erwärmung ist in diesem Fall viel mäßiger, und das Öl verdickt sich weniger – ein Ergebnis, das teilweise auf die unterschiedlichen verwendeten Öle zurückzuführen ist und zu Unterschieden in der anschließenden Bearbeitung des Leders führt.

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Bei der französischen Methode werden die öligen Häute in heißes Wasser getaucht und ausgewrungen oder hydraulisch gepresst. Das so gewonnene Öl bildet den sogenannten Moellon oder Dégras (S. 368). Anschließend werden die Häute in einer heißen Natron- oder Kalilösung gewaschen, wodurch ein weiterer Anteil des minderwertigen Dégras gewonnen wird. Bei der altmodischen englischen Methode wurde das Öl so verdickt, dass es nicht mehr herausgepresst werden konnte. Es wurde daher durch Waschen mit Natron- oder Kalilösung entfernt und anschließend mithilfe von Säuren wieder gewonnen – dabei entstand das sogenannte „Sod Oil“ (S. 369). Heutzutage verwenden viele englische Hersteller eine modifizierte Methode und gewinnen einen großen Teil ihres Öls durch Pressen.

Buffleder, das häufig für Militärausrüstung verwendet wird, wird auf ähnliche Weise wie Chamoisleder aus Ochsen- oder Kuhhäuten hergestellt, wobei die Faserstruktur dieser Häute abgeschabt wird. Die Bleichung sowohl von Buffelleder als auch von Chamoisleder erfolgt durch Einlegen in die Sonne in feuchtem Zustand. Dabei werden die Häute bei Bedarf mit Wasser oder Fettlösung sowie der alkalischen Emulsion des Dégras, die beim Waschen der Häute entsteht, befeuchtet. Die Bleichung kann auch mit Oxidationsmitteln wie Kaliumpermanganat oder gesättigtem Natriumperoxid erfolgen. Wenn Kaliumpermanganat verwendet wird, wird das Leder in einer Lösung von etwa 5 Gramm pro Liter bis zu einer dunkelbraunen Farbe behandelt und anschließend in einer Lösung von Schwefelsäure oder Oxalsäure, bis die Farbe entfernt ist.

Die Herren J. und E. Pullman aus Godalming stellen eine Art Buffelleder her, das sie „Kaspine-Leder“ nennen. Dazu werden gelöschte und angefeuchtete Häute in einem Trommelbehälter mit einer sehr verdünnten Formaldehydlösung behandelt, die durch Natriumcarbonat alkalisch gemacht wird (Engl. Pat. 2872, 1898). Die Umwandlung in Leder erfolgt sehr schnell. Anschließend wird das Leder mit Seifenlösungen aus Fettlösungen behandelt, um es zu nähren und weicher zu machen. Es ist fast ununterscheidbar vom echten Buffelleder – außer dass es vollständig weiß ist und kein Bleichen benötigt. Es findet zunehmend Anwendung für militärische Zwecke.

Eine Art Leder, die chemisch eng mit Ölledern verwandt ist, sind die sogenannten „Crown“-, „Helvetia“- sowie fettgerbten Leder. Das erste dieser Lederarten wurde von einem deutschen Tischler namens Klemm erfunden. Er verkaufte das Geheimnis an Preller, der es in Southwark unter dem Namen „Crown“-Leder herstellte. Klemm verwendete Mehl, Rindengehirn, Butter, Milch sowie weiches Fett, das mit Wasser zu einer Paste verarbeitet und auf die gelöschten, angefeuchteten und teilweise getrockneten Häute aufgetragen wurde. Diese wurden anschließend zu Bündeln gerollt und einige Stunden lang in leicht erwärmten Trommeln behandelt. Danach wurden sie erneut leicht getrocknet und mit der Mischung überzogen, bevor sie wieder in den Trommeln behandelt wurden. Bei dickeren Häuten wurde der Vorgang dreimal wiederholt.

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Die Verarbeitung dauert etwa acht Stunden. Das Leder wurde für Schnürsenkel, Bänder, Leichtgürtel sowie zu anderen Zwecken verwendet, bei denen große Zähigkeit und Flexibilität erforderlich waren. Durch weitere Erfahrungen stellte sich heraus (falls es Klemm selbst nicht bereits bekannt war), dass die einzigen wirklich wesentlichen Bestandteile der Mischung weiche Fette und Mehl waren; sogar dieses konnte bei einigen Lederarten weggelassen werden. Es wurde außerdem festgestellt, dass nur das Gluten oder die albuminreiche Komponente des Mehls vom Leder aufgenommen wurde, während das Stärke hauptsächlich dazu diente, die Emulgierung der Fette zu erleichtern. Die in der Paste verwendeten Mengen betragen etwa sieben Teile Mehl, sieben Teile weicher Fette wie Pferdefett, zwei Teile Talg, vier Teile Wasser sowie etwas Salz oder Nitrat als Antiseptikum. Andere Fette, wie Mischungen aus Talg und Öl, können anstelle von Pferdefett verwendet werden; Ton oder Ocker können bis zu einem gewissen Grad das Mehl ersetzen, und auch Seife kann hinzugefügt werden. Die Ähnlichkeit der verwendeten Mischungen mit der Paste zur Behandlung von Kalb- und Handschuhleder (S. 191, 196) ist offensichtlich. Klemm hatte einen früheren Verfahrensablauf, bei dem der gerade beschriebene Vorgang durch eine leichte Alumentannierung vorangegangen war – dieses Verfahren war in seinen Details fast identisch mit den heute zur Herstellung sogenannten „rohen Leders“ verwendeten Methoden. Andererseits ähnelt es der Herstellung von „Riems“, also rohen Ledergurten in Südafrika: Dabei wird ein langer Streifen aus dem Leder spiralförmig abgeschnitten und zu einer Art Schlauch aufgewickelt, der an einem Querbalken aufgehängt wird; am unteren Ende befindet sich ein schweres Gewicht. Der Streifen wird geölt und gedreht, wobei seine Position häufig geändert wird, bis das Wasser verdampft ist und der Streifen mit Fett gesättigt ist – dadurch entsteht ein sehr zähes und langlebiges Leder. Ein ähnliches Material kann auch durch Fulling oder andere Verfahren erzeugt werden, bei denen Fett in ein zum Gerben vorbereitetes Rohleder eingebracht wird. Eitner untersuchte chemisch Proben von „Crown-Leather“, indem er das Gluten aus dem Mehl mit einer alkalischen Lösung entfernte, und stellte fest, dass ein unvollständig behandeltes Leder zurückblieb, das nach Zusatz von Fett viel weniger voll war und eine viel geringere Menge an Fett enthielt als zuvor.[168]

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[168] Gerber, 1878, S. 2.

Es wurden verschiedene Theorien vorgeschlagen, um die Reaktion zu erklären, die bei der Herstellung von Öllederen stattfindet. Knapp vermutete, es handle sich dabei lediglich um einen Fall, in dem die kleinsten Fasern des Leders mit den Produkten der Oxidation von Ölen überzogen werden, wodurch sie daran gehindert werden, miteinander zu haften, und durch die entstehende wasserdichte Schicht vor dem Einfluss von Wasser geschützt werden. Diese Erklärung ist angesichts der Tatsache kaum haltbar, dass Kamelhaarleder sogar mit heißen, verdünnten Lösungen von kaustischen Alkalien ohne Zerstörung behandelt werden kann, während Baumwollfasern, die durch Behandlung mit Trockenölen wasserdicht gemacht wurden, durch Behandlung mit Alkalien ihre Schicht vollständig verlieren. Lietzmann vermutete, dass alle gelatineartigen Fasern beim Verkalken sowie bei der anschließenden Behandlung entfernt würden und dass das fertige Leder nur noch aus dem Skelett aus gelben oder elastischen Fasern bestünde, die im Leder vorhanden sind und sich durch ihre Widerstandsfähigkeit gegen Hitze, Säuren und Alkalien auszeichnen. Leider macht dieser Anteil dieser Fasern nur etwa 6 Prozent des Gesamts aus, sodass sie keineswegs ausreichen, um die Entstehung des Leders zu erklären. Wir wissen jedoch heute, dass Aldehyde, einschließlich des Acrylaldehyds, das bei der Oxidation von Ölen bei der Herstellung von Kamelhaarleder entsteht (und das durch das Patent der Herren Pullman geschützt ist), in der Lage sind, gelatineartige Substanzen in ein Material umzuwandeln, das in seinen Eigenschaften – insbesondere in seiner Widerstandsfähigkeit gegen heißes Wasser und alkalische Lösungen – dem Fasermaterial von Kamelhaarleder entspricht. In allen Fällen, in denen eine perfekte Behandlung zur Herstellung von Kamelhaarleder erfolgt, findet eine intensive Oxidation statt, und es werden oxidierbare Öle verwendet, die Acryl- und andere Aldehyde freisetzen. Wenn hingegen Öle mit geringer Trocknungskraft verwendet werden, wie bei Kronenleder und anderen Fettledern, kommt nur eine unvollkommene Behandlung zustande; daher ist es gerechtfertigt, die besonderen Eigenschaften von Kamelhaarleder einer natürlichen Aldehydtanning behandlung zuzuschreiben. Andererseits besteht kein Zweifel daran, dass eine Überzug der Fasern mit oxidierten Ölprodukten tatsächlich stattfindet und dies wahrscheinlich ein wichtiger Faktor bei der Herstellung von Kronenleder sowie anderen ähnlichen Produkten ist, die nicht mit alkalischen Lösungen ausgewaschen werden. Knapp bewies durch Behandlung von rohem Leder, das mit Alkohol dehydriert worden war (S. 74), mit einer sehr verdünnten alkoholischen Lösung von Stearinsäure, dass eine dünne Schicht von Stearinsäure auf den Fasern große Weichheit sowie erhebliche Widerstandsfähigkeit gegen Wasser verleiht. Selbst dann, wenn keine Stearinsäure oder andere Fettsäuren absichtlich zum Alkohol hinzugefügt werden, der zur Dehydrierung des Leders verwendet wird, sind Spuren dieser Stoffe aufgrund der Zersetzung des natürlichen Fettes des Leders vorhanden – und es besteht wenig Zweifel daran, dass dies der Grund dafür ist.

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Alkoholbehandeltes Leder ist viel schwieriger wieder in den Zustand des Rohleders zu bringen, als man a priori erwarten würde; und der auf diese Weise entwässerte Lederpulver eignet sich aufgrund seiner Wasseraufnahmefähigkeit nicht für den Einsatz im Lederpulverfilter (S. 311).

Abb. 85 – Reinigen großer Robbenfelle von Hand.

Es liegt nicht im Umfang dieses Bandes, die bei der Gerbung verwendeten Verfahren im Detail zu beschreiben – viele davon sind rein mechanischer Natur und weisen, unabhängig von ihrer praktischen Bedeutung, kein theoretisches Interesse auf; der Autor hofft, sie in einem zukünftigen Buch ausführlich behandeln zu können. Das Leder wird in der Regel mit Steinen, Bürsten und Schleifgeräten gereinigt, um „Bloom“ sowie lose Behandlungsrückstände zu entfernen (Abb. 85); oder mit Maschinen wie in Abb. 86. Oft wird außerdem die Dicke des Leders durch manuelles Schärfen (Abb. 87) oder maschinelles Schärfen (Abb. 88) verringert. Anstelle des Schärfens werden Felle häufig in zwei oder mehr Schichten aufgeteilt. Dies geschieht mit verschiedenen Maschinen, wobei das in Abb. 89 dargestellte „Bandmesser“ die wichtigste ist; das Schneidwerkzeug besteht dabei aus einem dünnen Stahlband, das wie eine Bandsäge gespannt ist und an einer Kante durch ein Schleifrad geschärft wird.

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Abb. 86 – Reinigungsmaschine.

Currying Shop, Abteilung für Lederindustrie, Yorkshire College.

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Es muss hier etwas über die Funktion der in der Curry-Methode verwendeten Öle und Fette sowie deren allgemeine Anwendungsmethode gesagt werden. Es ist offensichtlich, dass die Möglichkeit, die feinsten Fasern des Leders mit einer fettigen Schicht zu überziehen, nicht nur auf rohes Leder beschränkt ist, sondern auch – manchmal sogar in größerem Maße – auf gegerbtes oder gewachstes Leder vorliegt, bei dem die Fasern bereits so weit isoliert sind, dass der Zugang für Fette erleichtert wird. Auch die Möglichkeit einer Aldehydgerbung wird nicht ausgeschlossen, insbesondere dann, wenn die Fasern noch nicht vollständig mit anderen Gerbmitteln gesättigt sind oder diese aufgrund ihrer Natur keinen so festen Halt an den Fasern haben, dass sie durch das Wirken von Aldehyden verdrängt werden könnten. Es ist daher offensichtlich, dass wir einige der Ideen, die wir bezüglich der Ölgerbung entwickelt haben, auf die Wirkung von Fetten auf gegerbtes Leder übertragen können. Zunächst muss man bedenken, dass gallertartige Stoffe im Allgemeinen in Fetten unlöslich sind; umgekehrt sind Fette nicht in der Lage, trockene und feste gallertartige Fasern zu durchdringen. Wenn das Leder während des Chamoisierungsprozesses trocken wird, bleibt dieser Teil roh. Man kann daher schließen, dass Fette und Öle an sich nur eine geringe Wirkung beim Isolieren der Fasern haben, und dass dies durch andere Mittel erreicht werden muss, denn solange die Fasern noch zusammenhaften, können die Fette sie nicht durchdringen. Daher ist Feuchtigkeit notwendig, die die Fasern weich und teilbar hält; bei rohem Leder spielt außerdem eine starke mechanische Behandlung eine wichtige Rolle, die die winzigen Fettkügelchen zwischen die Fasern bringt. Bei gegerbtem Leder ist diese Bedingung weniger wichtig, da die Fasern bereits durch die Gerbung isoliert sind und die Kapillarwirkung den Eindringen der Fette hilft. Auch in diesem Fall wird die Verteilung der Fette stark erleichtert, wenn sie bereits in einem Zustand feiner Aufteilung (Emulgierung) sind und die Oberflächenspannung zwischen ihnen und Wasser gering ist – wie es bei Dégras und anderen teilweise oxidierten Ölen der Fall ist. Wahrscheinlich hängt die Bedeutung des „Dégras-Formers“ sowie anderer Oxidationsprodukte, die in Dégras enthalten sind, sowie der Unterschied in der Durchdringungskraft verschiedener Öle eher von diesem als von irgendeiner besonderen chemischen Affinität ab. Solange das Öl in einem ungeteilten Zustand bleibt, kann es weiterhin herausgepresst werden, und das Leder wird fettig erscheinen; sobald es jedoch vollständig emulgiert ist und an den Fasern haftet, kann es nicht mehr durch mechanische Mittel entfernt werden. Zweifellos hängt auch die unterschiedliche Fähigkeit verschiedener Gerbverfahren, Fett aufzunehmen, ohne dass das Leder fettig erscheint, vom Grad der Isolation der Fasern sowie von deren Oberflächenspannung gegenüber Fetten ab. Man kann davon ausgehen, dass je leichter ein Öl emulgiert werden kann, desto freier und vollständiger wird es wahrscheinlich an den Lederfasern haften bleiben.

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Abb. 87 – Rasieren mit der Hand.

Abb. 88 – Rasiermaschine.

Es gilt als praktisch unveränderliches Prinzip, dass die Lederfasern beim Auffüllen feucht sein müssen. Die Oberflächenspannung zwischen Wasser und Fetten ist geringer als die jeweils gegenüber der Luft; daher trocknet das Wasser aus den

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In den kleinen Spalten des Leders dringt das Fett ein und nimmt allmählich dessen Platz ein. Im Allgemeinen sollte die Menge an Wasser so sein, dass beim Zudrücken des Leders kleine Tropfen austreten – das heißt, nicht nur die kleinsten Zwischenräume zwischen den Fasern werden gefüllt, sondern auch die größeren Räume zwischen den Faserbündeln bis zu einem erheblichen Grad.

Abb. 89 – Maschine zum Zerteilen von Leder mit Bandmesser.

Beim „Handfüllen“ wird das Leder nun auf der Fleischseite – oder gelegentlich auf beiden Seiten – mit „Dubbing“ überzogen. Dabei handelt es sich um eine pastöse Mischung aus Fetten, die in der Regel hauptsächlich aus Heringöl und Talg bestehen. Diese Mischung wird mit einem Pinsel ziemlich dick aufgetragen und anschließend mit dem fleischigen Teil des Unterarms glatt gestrichen. Wenn solche Bestandteile miteinander geschmolzen werden, lösen sich die härteren Fette im Öl auf. Wenn die Mischung abkühlt, kristallisieren viele der härteren Fette wieder aus. Um ein gutes Dubbing herzustellen, müssen die abkühlenden Fette ständig umgerührt werden, damit dies geschieht – andernfalls trennt sich die Mischung in kleine kugelförmige Kristallmassen mit flüssigem Öl dazwischen auf, anstatt eine gleichmäßige Masse mit salbenartiger Konsistenz zu bilden. Die Anteile der harten und weichen Bestandteile des Dubbings sollten je nach Jahreszeit sowie der Temperatur, bei der das gefüllte Leder getrocknet werden soll, angepasst werden. So verhindert man einerseits, dass das Dubbing schmilzt und abläuft, und andererseits, dass es stärker erstarrt, als nötig ist – schließlich kann nur die flüssige Lösung, die noch zwischen den Kristallen vorhanden ist, vom Leder aufgenommen werden.

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Das Leder: Die festen, kristallinen Fette bleiben an der Oberfläche und werden durch das glatter verarbeitete Fett abgeschabt – als sogenanntes „Tischfett“. Dieses wird in der Regel wieder geschmolzen und erneut verwendet. Bei der manuellen Fütterung des Leders ist es jedoch nicht ratsam, diese Wiederverwendung zu weit zu treiben, denn das Tischfett enthält nur die härteren Bestandteile des Fettes sowie einen zunehmenden Anteil an Stearinsäure. Wenn daher kontinuierlich Tischfett und Öl verwendet werden, wird letztendlich kaum noch Öl vom Leder aufgenommen; bei Verwendung von frischem Talg hingegen bleiben einige seiner weicheren Bestandteile im Öl gelöst. Die Hauptfunktion der härteren Fette besteht darin, das Öl an der Oberfläche des Leders zu halten; bis zu einem gewissen Grad können sie durch andere Feststoffe ersetzt werden, wie z. B. Steatit oder andere pulvrige Materialien. Der Einsatz eines Anteils an weichem Fett, wie Knochenfett oder hochwertigen Klebstofffetten, ist durchaus praktikabel – insbesondere, wenn es mit dem härteren Tischfett gemischt wird. Das Trocknen des manuell gefütterten Leders sollte langsam erfolgen, damit genügend Zeit für die Aufnahme des Fetts bleibt. Die Temperatur sollte so reguliert werden, dass das Fett in einem weichen, aber nicht flüssigen Zustand bleibt. Im Winter, wenn die Außentemperatur ausreichend erhöht werden kann, verläuft das Trocknen zu schnell – das Wasser verdunstet, bevor das Fett richtig aufgenommen werden kann. Deshalb ist es im kalten Wetter am besten, die Belüftung hauptsächlich durch die Zirkulation der Luft im Raum zu gewährleisten, wobei möglichst wenig Luft von außen zugeführt wird. In extremen Fällen kann sogar eine künstliche Befeuchtung der Luft vorteilhaft sein. Manchmal ist das Auftreten von Schimmel während eines langsamen, warmen Trocknungsprozesses sehr problematisch. Dies kann durch das Hinzufügen von Antiseptika zum Fett verhindert werden. Carbonsäure und Creosot sind wirksam, doch ihr Geruch ist in der Regel unangenehm. Rosinenöl hat eine beträchtliche antiseptische Wirkung – auch Mineralöle in geringerem Maße. Wahrscheinlich würde α-Naphthol ein effektives Mittel sein, da es kaum Geruch hat und starke antiseptische Eigenschaften aufweist – doch der Autor hat es noch nicht getestet. (Vgl. Kapitel V.)

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Abb. 90 – Haley’s Fülltrommel für Injektoren.

Beim Füllen mit Hilfe einer Trommel unterscheiden sich die Bedingungen erheblich von denen beim manuellen Füllen. Die noch feuchten Materialien werden in eine Trommel gelegt (Abb. 90), die mit Dampf auf eine Temperatur erhitzt wurde, die für das Leder sicher ist. Kalt und feuchtes Leder kann in eine auf 60 °C erhitzte Trommel gefüllt werden; das Fett kann dabei bei derselben Temperatur zugegeben werden. Im Allgemeinen sollte das Fett bei etwas höherer Temperatur geschmolzen und vermischt werden. Manchmal wird vor dem Hinzufügen des Leders einfach Dampf in die Trommel geblasen, um sie auf die erforderliche Temperatur zu bringen; manchmal wird ein Dampfrohr direkt in die Trommel eingebaut. Eine modernere Methode, die heute in den Vereinigten Staaten weit verbreitet ist, besteht darin, mit heißer Luft zu heizen – diese wird durch einen Ventilator über einen externen Dampferhitzer zirkuliert und durch die Trommel geleitet. Die Trommel wird in Rotation versetzt, und das geschmolzene Fett wird entweder über die hohle Achse oder, falls diese nicht vorhanden ist, durch eine Öffnung in die Trommel eingeführt. Die Rotation wird dann zwanzig bis dreißig Minuten lang aufrechterhalten. In den letzten Minuten wird die Öffnung oft durch ein offenes Gitter ersetzt oder kalte Luft wird durch den Ventilator durch die Trommel geblasen, um die noch etwas warmen Materialien abzukühlen. Anschließend werden sie zusammen mit dem Schleifgerät auf dem Tisch abgelegt.

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und wird unter nahezu denselben Bedingungen getrocknet wie die handgefüllten Produkte. Bei der Füllung mit Hilfe von Trommeln wird die Härte der Fette durch ihren Schmelzpunkt begrenzt – dieser darf nicht so hoch sein, dass das Leder beschädigt wird, kann aber auch so weich sein, wie gewünscht. Da die Fette mechanisch in das Innere des Leders gedrückt werden, besteht keine Gefahr, dass sie austreten, doch das Trocknen muss bei einer Temperatur stattfinden, die das Fett zumindest teilweise weich hält. Die Trommel drückt das Fett lediglich in die größeren Poren des Leders und sorgt nicht dafür, dass es sich gleichmäßig auf den Fasern verteilt. Durch den Einsatz äußerst harter Fette wie Stearin (S. 359) und Oleostearin (S. 356), manchmal in Kombination mit Paraffinwachs, ist es möglich, enorme Mengen an Fett einzubringen und dennoch ein Leder zu erhalten, das eine gute Farbe annimmt. In Amerika ist es üblich, auf 100 Pfund trockenes Leder nach Reinigung 100 bis sogar 115 Pfund Fett zu verwenden – und alles wird aufgenommen; kaum etwas bleibt beim „Aushärten“ zurück. Das Leder aus der Trommel ist dunkelbraun, doch wenn es während des Aushärtungsprozesses stark gebogen wird, um die Faserrichtung zu bestimmen, zerfallen die sehr harten, kristallinen Fette zu weißem Pulver, und das Leder erhält eine helle, schöne Farbe. Solches Leder würde natürlich sofort dunkler, wenn es dem Feuer ausgesetzt würde, würde aber nach dem Abkühlen wieder heller, sobald die Kristalle zerfallen. Ein Teil flüssiger Fette, wie Dégras oder Fischöl, sollte in dem Fett enthalten sein – denn reine feste Fette dringen nicht bis ins Herz der Fasern vor und lassen das Leder trocken und rau. Bei der Füllung mit Trommeln ist es möglich, feste Stoffe in das Leder einzubringen; Barit (zerstoßener Baryumsulfat) wurde früher häufig zu diesem Zweck verwendet, wird aber heute fast nicht mehr eingesetzt. Glukose wird zwar weiterhin als Verunreiniger für Leder verwendet, wird jedoch nicht in die Trommel gegeben, sondern indem die Produkte vor der Füllung mit Sirup besprüht werden. Sie verleiht dem Leder nicht nur Gewicht und eine hellere Farbe als eine entsprechende Menge an Fett, verringert zugleich aber auch seine Festigkeit. In England sollte sie daher verboten werden – genauso wie bereits in Deutschland. Zur Erkennung von Verunreinigungen von Leder siehe L.I.L.B., S. 212. In diesem Land wird die Trommelfüllung hauptsächlich für Schuhleder verwendet, in Amerika hingegen zunehmend für Zaumzeuge und sogar Gürtel. In Deutschland wird für schwere Gürtel und Ähnliches eine andere Füllmethode angewandt, die auf den ersten Blick dem Grundsatz widerspricht, dass Leder nur nass gefüllt werden darf. Sie wird „Einbrennen“ genannt und besteht darin, zunächst das Leder zu trocknen.

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Bei hoher Temperatur (50 °C), um das Vorhandensein jeglicher Feuchtigkeit zu gewährleisten, wird entweder heiß geschmolzener Talg auf das Leder gegossen und das Leder über einem Feuer gehalten, damit der Fettstoff eindringen kann, oder es wird vollständig in eine Badung aus geschmolzenem Talg getaucht. Die Ausnahme ist nur scheinbar, denn obwohl das Leder in dieser Phase vollständig mit Talg gesättigt ist, erlangt es erst nach Befeuchten und Klopfen durch die eigentliche Füllung seine Flexibilität. Ähnliche Methoden sind auf geliertes Leder sowie auf Chromleder anwendbar; sogenanntes „wasserdichtes“ oder „anhydrisches“ Leder wird dadurch hergestellt, dass vollständig getrocknetes Leder in eine Badung aus 2 Teilen Harz und 1 Teil Paraffin oder einer ähnlichen Mischung getaucht wird. Wenn das Leder nicht zunächst gründlich getrocknet wird, wird es durch das heiße Fett verbrüht und zerstört.

Der problematischste Defekt, dem gefülltes Leder ausgesetzt ist, wird als „Spueing“ bezeichnet und tritt in zwei Formen auf. Die erste, weniger ernsthafte Form (vielleicht besser als „Austritt“ zu bezeichnen) besteht aus einer weißen Ablagerung, die dem Anfangsstadium von Schimmel ähnelt, leicht abgewischt werden kann, aber in der Regel wieder auftaucht. Dies ist auf die Kristallisation der härteren Fette, insbesondere der freien Fettsäuren, an der Oberfläche des Leders zurückzuführen und tritt fast sicher in größerem oder geringerem Maße auf, wenn harte Fette wie Talg oder Stearin mit einem nicht-trocknenden Öl wie Neatsfoot kombiniert werden oder wenn weiche Fette im Leder vorhanden sind. Manchmal geht dies einher mit echtem Schimmel, von dem es selbst unter dem Mikroskop schwer ist, ihn zu unterscheiden, und er kann sogar durch pilzartige Pflanzen verursacht werden, die die Fette nicht nur durch ihr Wachstum mechanisch vertreiben, sondern vermutlich auch ihre Verderblichkeit sowie die Trennung der kristallinen Fettsäuren fördern. Es handelt sich dabei höchstens um einen ästhetischen Mangel, der das Leder keineswegs schädigt. Er ist ständig bei Kalbfell vorhanden, aufgrund des zur Finishierung verwendeten Neatsfoot-Öls, und wird in diesem Fall von Käufern eher geschätzt, da sie es aus irgendeinem Grund als Qualitätsmerkmal betrachten. Eine sehr ähnliche Erscheinung kann durch den Einsatz von Lösungen von Bariumchlorid, Alaun oder anderen Mineralsalzen zum Gewichten oder zu anderen Zwecken entstehen; doch bleibt sie bestehen, wenn das Leder dem Feuer ausgesetzt wird, während die kristallisierten Fettsäuren sofort schmelzen und verschwinden. Die Fettsäuren können mit einem Tropfen Benzol oder Petroleumalkohol sofort entfernt werden; Wasser hat keinen Einfluss auf sie, während bei wasserlöslichen Salzen das Gegenteil der Fall ist.

Die zweite Form von „Spueing“ ist weitaus problematischer. Sie zeigt sich zunächst als winzige Flecken oder Pickel aus harziger Substanz, die über der Oberfläche des Leders hervorstehen. Wenn diese entfernt werden, tauchen sie in der Regel wieder auf und können so schlimm werden, dass eine klebrige, harzige Schicht entsteht.

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Eine Schicht, die die gesamte Oberfläche bedeckt. Die austretenden Stoffe bestehen aus den oxidierten Produkten von oxidierbaren Ölen – doch der Grund für ihr Auftreten lässt sich nicht immer leicht erklären. In der Regel wird dies auf verunreinigte Öle zurückgeführt; es muss zugegeben werden, dass einige Öle fast immer solche Stoffe erzeugen. Doch manchmal tritt dieses Phänomen auch auf, wenn nur das reinste und absolut echte Heringöl verwendet wurde. Es kann nur aus trocknenden oder halbtrocknenden Ölen entstehen – dazu gehören alle gewöhnlichen Fischöle sowie die meisten Pflanzenölkerne. Es kann jedoch niemals aus Talg oder Stearin, aus Mineralölen oder Vaseline sowie aus echten, nicht-trocknenden Ölen wie Talg, Neatsfoot oder Sperma entstehen – wohl auch nicht aus Rosinenöl. Dieses Phänomen wird durch Faktoren begünstigt, die die Oxidation von Ölen fördern, wie feuchte Wärme bei eingeschränktem Luftzugang, sowie durch das Vorhandensein von Sauerstoffträgern wie Eisenverbindungen in Farbstoffen – möglicherweise auch durch das Vorhandensein freier Säuren. Eine große Menge an freien Fettsäuren im Öl selbst ist verdächtig – nicht nur, weil freie Säuren schneller oxidieren als neutrale Fette, sondern auch, weil ihr Vorhandensein auf eine Neigung zur Verderbnis des Öls hindeutet. Es wird außerdem behauptet, dass dieses Phänomen durch eine vorherige Schimmelbildung des Leders verursacht wird – und es tritt sicherlich oft dort auf, wo das Leder durch bakterielle Aktivität während des Einweichens porös geworden ist, vermutlich aufgrund der größeren Menge an aufgenommenem Öl in diesen Bereichen. Zwar ist es einfach zu sagen, welche Öle möglicherweise solche Stoffe erzeugen können, doch es gibt keinen bekannten chemischen Test, der vorhersagen könnte, ob ein bestimmtes Öl unter normalen Bedingungen dazu neigt. Eitner[169] gibt an, dass Robbenöl, das bei niedriger Temperatur extrahiert wird, sehr anfällig dafür ist – doch wenn es über einen längeren Zeitraum bei einer Temperatur von 250°–290°C erhitzt wird, dunkelt es in Farbe und verliert diese Neigung. Das gilt vermutlich auch für viele andere Meeresöle – und könnte einer der Gründe für die häufigen Probleme mit modernen Ölen sein, von denen viele, insbesondere die hellfarbigen Sorten, durch Dampf bei einer Temperatur unter dem Siedepunkt extrahiert werden. Es ist sehr wahrscheinlich, dass eine Erhitzung auf eine hohe Temperatur dazu führt, dass albuminöse oder gelatineartige Stoffe, die in frischen Ölen vorhanden sind, dehydriert und abgetrennt werden – was vermutlich ihre Neigung zur Zersetzung erhöht. Viele dieser Stoffe trennen sich während des langfristigen Lagern als „Trübungen“ vom Öl ab – und solche alten Öle gelten als weniger anfällig für solche Störungen als jene, die kürzlich hergestellt wurden.
[169] Gerber, 1880, S. 243.

Wenn oxidierbare Öle auf Leder aufgetragen werden, „trocknen“ sie auf den Fasern – und wenn gleichzeitig nicht genügend nicht-trocknende Bestandteile vorhanden sind, wird das Leder letztendlich hart und kann sogar durch die Verhärtung Risse bekommen.

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Die Fasern: Mineralöle neigen nicht dazu, auf den Fasern eine harte Schicht zu bilden. Da sie jedoch leicht flüchtig sind – obwohl sie einen sehr hohen Siedepunkt haben – können sie letztendlich verdampfen und das Leder unzureichend nähren. Aufgrund ihrer niedrigen Oberflächenspannung besitzen sie eine starke Fähigkeit zur kapillaren Penetration – wie man daran erkennen kann, dass Lampenöle über die Oberfläche der Lampe „kriechen“. Allerdings haben sie weniger Affinität zum Wasser als die stärker oxidierbaren Öle und verbinden sich wahrscheinlich nicht so eng mit den Lederfasern. Sie eignen sich wohl besser in Kombination mit anderen Fetten als allein. Die Zugabe von festem Paraffin zu Fettstoffen hat die Tendenz, das Leder weniger fettig und trockener erscheinen zu lassen als sonst; es wird gesagt, dass Rohterpentin und Rosin in dieser Hinsicht noch größere Wirkung zeigen.

Das Wasser, das für eine zufriedenstellende Behandlung des Leders benötigt wird, kann in einigen Fällen sowohl in die Fettstoffe als auch ins Leder eingeführt werden. Die Wirkung von Dégras beruht größtenteils auf dem Wasser, mit dem es sorgfältig vermischt wird. Wenn Dégras oder Sodöl durch Erhitzung auf zu hohe Temperaturen – sei es vor oder nach der Mischung mit Fettstoffen – des Wassers beraubt wird, nimmt seine Wirksamkeit erheblich ab.

Die Fettlösung (Seiten 217, 239) kann als Spezialfall der Fettbehandlung angesehen werden, bei der das Öl mit einer großen Menge Wasser perfekt emulgiert wird. Auf diese Weise können sehr große Mengen an Öl in das Leder eingeführt werden, ohne dass dieses ein fettiges Gefühl erhält. Eigelb enthält etwa 30 Prozent eines chemisch sehr ähnlichen Öls wie Olivenöl, allerdings mit einem höheren Anteil an Palmitin. Es kann daher als eine sehr gute natürliche Fettlösung angesehen werden; außerdem enthält es Eiweiß, das als „Nährstoff“ für das Leder dient. Wenn es möglich wäre, Olivenöl, Schweineschmalz oder Rindertalg genauso perfekt wie im Eigelb mit eiweißhaltigen Stoffen zu emulgieren, würde das Problem eines Eigelb-Ersatzes mit großer Wahrscheinlichkeit gelöst werden. Milch und Sahne sind ebenfalls natürliche Fettlösungen.

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KAPITEL XXV.
Farbstoffe und Färben.

Bevor die künstlichen organischen Farbstoffe entdeckt wurden, waren die einzigen Farbmittel, die der Industrie bekannt waren, solche mineralischer sowie direkt organischer Herkunft; aus diesem Grund war das Färben von Leder früher mit großen Schwierigkeiten und Einschränkungen verbunden. Die Entdeckung der Möglichkeit, einen organischen Farbstoff (Mauve) künstlich herzustellen, durch Perkin vor etwa vierundvierzig Jahren, eröffnete ein neues Forschungsfeld. Seitdem ist die Liste der kommerziell erhältlichen Farbstoffe so stark angewachsen, dass es heute kaum noch eine Farbe oder einen Schattenton gibt, den man nicht mit Hilfe der Kohlenölfarbstoffe genau nachahmen und erzeugen könnte. Diese Farbstoffe werden oft als „Anilinfarbstoffe“ bezeichnet, da viele von ihnen – insbesondere die älteren – aus Anilin gewonnen werden, einem Produkt des Kohlenöls. In jüngerer Zeit wurden jedoch zahlreiche weitere wichtige Farbstoffe aus anderen Bestandteilen des Teers hergestellt; daher ist es korrekter, alle Farbstoffe, die direkt oder indirekt aus Kohlenöl gewonnen werden, als „Kohlenölfarbstoffe“ zu bezeichnen. Kohlenölfarbstoffe sind im Allgemeinen in Wasser oder Mischungen aus Wasser und Alkohol löslich. Die meisten von ihnen verbinden sich mit dem Fasergewebe des Leders ohne Verwendung eines Mordants; in den meisten Fällen genügt es daher, eine Lösung des Farbstoffs direkt auf das Leder aufzutragen – wobei ihre Eignung für diesen Zweck stark variieren kann. Einige Farbstoffe, die nur in Ölen oder Kohlenwasserstoffen löslich sind, eignen sich nicht zum Färben von Leder, obwohl sie manchmal in Kombination mit Fetten bei der Gerbung verwendet werden können. Es gibt außerdem bestimmte Farbstoffe, die nicht direkt auf das bereits fertiggestellte Fasergewebe aufgetragen werden, sondern durch anschließende chemische Behandlung darauf entwickelt werden; diese werden nur in begrenztem Maße für das Leder verwendet. Zahlreiche Kohlenölfarbstoffe, die in kristalliner Form hergestellt werden, weisen im festen Zustand eine völlig andere Farbe auf als in ihren Lösungen sowie als die Farbe, die sie beim Färben erzeugen. Ein bekanntes Beispiel dafür ist Magentafarbe oder Fuchsin: Im festen Zustand bilden sie glänzende grüne Kristalle, während sie in Lösung ein leuchtend roter Farbstoff sind. Die Farben der Kristalle sind in der Regel…

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Zu den Eigenschaften der Farbstoffe gehört auch, dass einige Blautöne einen metallischen Kupferglanz aufweisen, während Violetttöne wie Methylviolett grünlich-gelb sind und in der Regel einen ausgeprägten metallischen Glanz haben. Diese Besonderheit ist die Ursache für das bei der Färbung auftretende Defekt, das als „Bronzierung“ bezeichnet wird – dabei erhält die Oberfläche des Stoffes, wenn der Farbstoff in zu konzentrierter Form aufgetragen wird, einen Schimmer in der Farbe seines Komplementärfarbs.

Die Kohlenölfarbstoffe sind meist entweder „sauer“ oder „basisch“. Die sauren Farbstoffe sind Salze organischer Farbstoffsäuren mit anorganischen Basen (in der Regel Natrium) und sind in der Regel gut wasserlöslich. Allerdings haften sie oft nicht an den Fasern, bis durch Zugabe eines stärkeren Säures die Farbstoffsäure freigesetzt wird. In vielen Fällen hat die freie Farbstoffsäure eine andere Farbe als ihre Salze. Die basischen Farbstoffe sind Salze von Farbstoffbasen (organische Basen, die aus sehr komplexen Ammoniakderivaten bestehen) mit Säuren (meist Salzsäure, Schwefelsäure oder Essigsäure). Die meisten dieser Farbstoffe, die im Handel verwendet werden, sind wasserlöslich – allerdings benötigen einige deren Zugabe in Form von Alkohol. Die Farbstoffbasen selbst sind in der Regel wasserunlöslich und werden daher durch Alkalien ausgefällt. In einigen Fällen sind sie außerdem farblos. Basische Farbstoffe weisen in der Regel eine höhere Farbintensität auf als saure Farbstoffe. Doch viele davon sind bei Lichtexposition sehr schnell verblasst. Zudem neigen viele andere in konzentrierten Lösungen dazu, zu „bronzieren“ – ein Defekt, der bei sauren Farbstoffen in der Regel weniger ausgeprägt ist.[170]

[170] Lamb hat kürzlich gezeigt (siehe Anhang D, S. 498), dass viele basische Farbstoffe auf Leder viel schneller durch Licht verblassen als auf Textilien.

Da es auf den ersten Blick nicht immer klar ist, ob ein bestimmter Farbstoff sauer oder basisch ist, ist ein Reagenz zur Unterscheidung nützlich. Zu diesem Zweck eignet sich eine Lösung aus 1 Teil Tanninsäure und 1 Teil Natriumacetat in 10 Teilen Wasser (gemessen nach Gewicht). Mit basischen Farbstoffen entstehen dabei gefärbte Ausfälle, während saure Farbstoffe davon nicht beeinflusst werden. Die Tatsache, dass basische Farbstoffe durch Tannine ausgefällt werden, beeinflusst ihren Einsatz bei der Lederfärbung – nicht nur hinsichtlich ihrer Fixierung an den Lederfasern durch die darin enthaltenen Tannine, sondern auch dadurch, dass sie im Färbebade ausgefallen, wenn man nicht darauf achtet, keine löslichen Tannine vorzufinden. Der Einsatz von Natriumacetat dient dazu, mit der Mineralsäure des Farbstoffsalzes zu reagieren; diese würde sonst eine vollständige Ausfällung verhindern. Stattdessen wird Essigsäure eingesetzt, die viel schwächer ist – insbesondere in Gegenwart von überschüssigem Natriumacetat (vgl. S. 81).

Bei der Verwendung der Begriffe „sauer“ und „basisch“ bezüglich Farbstoffe soll nicht angenommen werden, dass die verwendeten Farbstoffe im chemischen Sinne sauer oder basisch sind.

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Dass Essig sauer und Soda basisch ist – aber lediglich, dass der eigentliche Farbstoff des Salzes in einem Fall eine saure Natur hat und durch stärkere Säuren freigesetzt wird, während er im anderen Fall basisch ist und durch stärkere Alkalien freigesetzt (und oft ausgefällt) wird. Es gibt mehrere allgemeine Theorien bezüglich der Fixierung von Farben bei der Färbung organischer Fasern, und es ist wahrscheinlich, dass keine von ihnen in allen Fällen eine vollständige Erklärung bietet. Eine besagt, dass die Färbewirkung eher mechanischer als chemischer Art ist und die Farbe durch Oberflächenanziehung an der Faser haftet; eine andere besagt, dass zwischen dem Farbstoff und dem gefärbten Material oder einem seiner Bestandteile ein tatsächliches chemisches Verbindungsbild entsteht; eine dritte, Witts „Glaslösungstheorie“, ist in gewissem Sinne intermediär und besagt, dass das Farbstoffmolekül tatsächlich in der gefärbten Faser gelöst ist. Die Vorstellung einer Glaslösung mag zunächst seltsam erscheinen, stellt sich jedoch bei genauerer Betrachtung als nicht besonders schwierig heraus. Die farbenden Metallsalze in gefärbtem Glas befinden sich offensichtlich in Lösung im geschmolzenen Glas, und man kann kaum behaupten, dass sich ihr Zustand in dieser Hinsicht ändert, wenn das Glas fest wird. Gelatine, Indigopflanzenharz und vermutlich alle anderen kolloidalen Stoffe nehmen Wasser oder andere Flüssigkeiten auf, ohne ihre feste Form zu verlieren, und man kann durchaus sagen, dass diese Flüssigkeiten in dem Feststoff gelöst sind. Alle tierischen und pflanzlichen Fasern sind in dieser Hinsicht wie Gelatine und schwellen während des Färbungsprozesses durch Wasser an. Es ist ganz einfach, eine Menge Gelatine mit den meisten wasserlöslichen Farbstoffen vollständig zu färben. (Vergleichen Sie zu diesen Punkten das, was in Kapitel IX über die physikalische Chemie von Lederfasern gesagt wird.) Die Unterschiede zwischen Lösung und molekularer Oberflächenanziehung einerseits sowie bestimmten Formen chemischer Verbindungen andererseits sind nicht groß, und vermutlich sind alle drei Theorien in verschiedenen Fällen richtig und gehen durch unmerkliche Gradationen ineinander über. Das Thema der Lederfärbung ist tatsächlich sehr kompliziert, da es hier nicht um eine Faser mit einheitlicher Zusammensetzung geht, sondern um eine Faser, deren Struktur (sowohl chemisch als auch physikalisch) durch die Prozesse verändert wurde, denen sie während ihrer Umwandlung in Leder unterzogen wurde. Obwohl die Zusammensetzung der gelatinösen Faser der Haut streng genommen unbekannt ist, haben wir durchaus Grund zu der Annahme[171], dass sie, ähnlich wie die Amidosäuren, die wichtige Nebenprodukte ihrer Zersetzung sind, sowohl saure als auch basische Gruppen enthält und daher in der Lage ist, sowohl Basen als auch Säuren anzuziehen. Es ist beispielsweise gut bekannt, dass die neutrale Faser in der Lage ist, Schwefelsäure aus einer Decinormallösung aufzunehmen.

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Eine solche Intensität, dass die verbleibende Flüssigkeit gegenüber Litmuspapier neutral ist; außerdem wird sie auch caustische Alkalien mit vielleicht gleicher Intensität aufnehmen.[172]
[171] Procter, Jour. Soc. Chem. Industry, 1900, S. 23.
[172] Vgl. Kapitel IX.

Sie lässt sich daher leicht mit Farbstoffen von basischem oder saurem Charakter färben und dissoziiert in vielen Fällen sogar deren Salze, wodurch die charakteristische Farbe des freien Farbstoffs entsteht – möglicherweise wird dabei gleichzeitig die freigesetzte Base oder Säure, mit der der Farbstoff verbunden war, fixiert. Viele Gerbverfahren bestehen aus einer mehr oder weniger ähnlichen Fixierung schwacher Basen und Säuren; daher ist zu erwarten, dass sie die farbfixierenden Eigenschaften des ursprünglichen Fasers erheblich verändern – was tatsächlich der Fall ist. Genau welche Auswirkungen ein bestimmtes Gerbverfahren in dieser Hinsicht hat, lässt sich hingegen weniger leicht vorhersagen.

Im herkömmlichen pflanzlichen Gerbverfahren werden die säurehaltigen Tannine frei von den Fasern fixiert. Es überrascht daher nicht, dass pflanzlich gegerbtes Leder am besten basische Farben annimmt – insbesondere weil diese mit den Tanninsäuren unlösliche Verbindungen bilden. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass die Färbung hauptsächlich durch die Bildung von Tannin-Farbstoffkomplexen auf den Fasern erfolgt, anstatt durch eine tatsächliche Fixierung der Farbbase in Kombination mit dem ursprünglichen Material der Haut. Es ist jedoch bemerkenswert, dass selbst vollständig gegerbte Haut keineswegs ihren Anreiz für säurehaltige Farbstoffe verloren hat; viele dieser Farbstoffe können sie sogar ohne Vorhandensein freier Säuren färben – obwohl möglich ist, dass die Tanninsäure die Funktion übernimmt, die alkalische Base, mit der der Farbstoff verbunden ist, zu sättigen.

Es sei darauf hingewiesen, dass das Material von Tierhaut praktisch aus gelatinösen Fasern besteht, die auf der Außenseite mit einer dünnen, äußerst zarten Membran bedeckt sind, der sogenannten hyalinen oder glasartigen Schicht (S. 50). Bei lebenden Tieren trennt diese Schicht die eigentliche Haut von der Epidermis. Die Chemie dieser Schicht ist weitgehend unbekannt; sie reagiert auf Farbstoffe anders als die gelatinösen Fasern und ist vermutlich weniger empfänglich für basische Farben sowie eher für gefärbte Anhydride der Tannine – und vielleicht allgemein für säurehaltige Farben – als die eigentliche Haut. Infolgedessen färbt sie sich beim Gerben dunkler und bei der Färbung mit basischen Farben weniger stark. Da sie außerdem bei den vorbereitenden Verfahren zur Entfernung von Haaren und Kalk durch den Gerber äußerst anfällig für Schäden ist, stellt diese unregelmäßige Färbung einen ernsten Nachteil dar – insbesondere bei der Verwendung basischer Farben.

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Die Menge an Kalk, die noch in der Haut vorhanden ist, ist vermutlich ebenfalls eine wichtige Ursache für unregelmäßiges Färben. Mordantien sind Chemikalien, die dazu dienen, es dem Fasermaterial zu ermöglichen, Farbstoffe aufzunehmen, zu denen es sonst keine ausreichende Anziehungskraft hätte. Es handelt sich dabei in der Regel um Substanzen, die sowohl zur Faser als auch zum Farbstoff eine Affinität haben. Baumwolle beispielsweise, die selbst keine Anziehungskraft zu basischen Farben hat, wird durch eine Tanninlösung mordantiert – diese wird von der Baumwolle angezogen und zieht wiederum die Farbstoffe an und fixiert sie. In vielen Fällen ist die Funktion der Mordantien jedoch komplexer: Sie fixieren nicht nur den Farbstoff, sondern verändern oft sogar seine Farbe. So färbt Tannin bei Verwendung eines Eisenchlorids schwarz, obwohl es selbst farblos ist. Solche Mordantien können nach dem Auftragen des Farbstoffs verwendet werden, wenn dieser allein noch keine ausreichende Anziehungskraft zur Faser hat, um aufgenommen zu werden – doch er erzeugt dann nicht die gewünschte Farbe. Dieser Prozess wird oft als „Verdunkelung“ bezeichnet, da die Farbe in der Regel dunkler wird. Ein bekanntes Beispiel ist die Verwendung von Eisenlösungen zur Verdunkelung oder Verfärbung von Tannin oder Holzharz. Theoretisch gibt es kaum einen Unterschied zwischen Mordantien dieser Klasse und den Bestandteilen der Farbstoffe, die nacheinander auf das Leder aufgetragen werden, um die Färbung auf der Faser zu erzielen. Dazu gehören mehrere Mineralsalze, die früher beim Lederfärben verwendet wurden, deren Einsatz heute jedoch fast überholt ist. Eisenverbindungen werden leicht vom Leder – egal ob gegerbt oder ungerbt – aufgenommen; im erstgenannten Fall entsteht durch die Wirkung des Tannins eine dunkle Farbe. Bei anschließender Behandlung mit einer Kaliumferrocyanidlösung entsteht ein tiefschwarzes Blau (Preußisches Blau). Wenn anstelle des Eisensalzes Kupferacetat oder eine ammoniakale Kupfersulfatlösung verwendet wird, entsteht ein dunkelrotbraunes Ferrocyanid. Gelbe Farben werden manchmal erzielt, indem zuerst gegerbtes Leder mit Bleiacetat behandelt wird – dieses wird vom Tannin fixiert – und anschließend mit Kaliumbichromat, wodurch gelbes Bleichromat entsteht. Eine weitere wichtige Anwendung von Blei ist bei der sogenannten „Bleiche“, bei der eigentlich mit Schwefelbleiweiß gefärbt wird. Das gegerbte Leder wird nach dem Waschen zunächst mit einer Bleiacetatlösung (üblicherweise „Brauner Zucker aus Blei“ in einer Konzentration von etwa 4 Gramm pro Liter) behandelt, anschließend mit einer verdünnten Schwefelsäure in einer Konzentration von etwa 30 Gramm konzentrierter Säure pro Liter – danach wird es gründlich gewaschen, um es von der Säure zu befreien. Dieser Prozess wird oft zur Vorbereitung auf das Färben von hellen Tönen verwendet, da viele Anilinfarbstoffe leicht auf dem gebleichten Leder fixiert werden können. Allerdings weist dieser Prozess den Nachteil auf, der allen mit Blei angereicherten Pigmenten eigen ist: Sie dunkeln schnell durch Spuren von Schwefel oder Schwefelwasserstoff.

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Sie befinden sich ständig im Beleuchtungsgas oder entstehen durch die Zersetzung organischer Stoffe. Der Einsatz von Säuren kann außerdem zu einem vorzeitigen Verfall des Leders führen. Ein großer Anteil der Kohlenölfarben enthält Amidogruppen (NH2-Gruppen), die bei Behandlung der Fasern mit Salpetersäure (oder einer gesättigten Lösung von Natriumnitrit) „diazotiert“ werden – das heißt, sie werden in —N : N—-Gruppen umgewandelt, wobei OH2 eliminiert wird. Bei weiterer Behandlung des Diazokomplexes mit Amins- oder Phenol-Lösungen kommt es zur Kombination dieser Stoffe, wodurch neue Azofarben in oder auf den Fasern entstehen – oft bereits nach kurzer Zeit durch Waschen oder Reiben. Da diese Eigenschaften beim Leder weniger wichtig sind als bei Textilien, der Prozess zudem etwas empfindlich ist und die Salpetersäure das Leder schädigen kann, werden diese Verfahren beim Lederfärben kaum eingesetzt; sie werden hier nur aus Gründen der Vollständigkeit erwähnt. Der Einsatz natürlicher Polygenerfarbstoffe bei der Färbung von Leder mit pflanzlichen Gerbstoffen, der einst allgemein üblich war, verschwindet allmählich – mit Ausnahme der Herstellung von Schwarztönen. Für diese Farbstoffe lässt sich das Leder nicht besonders gut mordieren; doch sie haben eine gewisse natürliche Anziehungskraft auf das Leder selbst, weshalb sie in der Regel zuerst gefärbt werden und ihre Farben anschließend durch metallische Mordantien wie Eisensalze, Chromsalze, Zinnsalze sowie Alum entwickelt werden. Diese wirken nicht nur auf das aufgenommene Farbstoff, sondern oft auch auf die Gerbstoffe sowie die aus den Gerbungsmaterialien stammenden Farbstoffe. Für die Schwarzfärbung wird zunehmend der Einsatz von Kohlenölfarben – entweder allein oder zur Vertiefung der durch Eisen erzeugten Farben – praktiziert. Als nützliche Farbstoffe können „Autho-Black“ von Claus und Rée, die „Corvolines“ der Badische Co. sowie Casellas „Naphthylamin Black“, „Aniline Grey“ und „Naphthol Blue-Black“ genannt werden. Da Kohlenölschwarze meist dunkle Violetttonen statt reiner Schwarztöne aufweisen, kann ihre Farbe durch Zugabe geeigneter Gelb- oder Brauntöne vertieft werden – dies wurde bereits bei einigen der genannten Farbstoffe umgesetzt. Abgesehen von Kohlenölfarben erfolgt die Schwarzfärbung in der Regel durch das Wirken von Eisen (und Chrom) – entweder auf die Gerbstoffe des Leders selbst oder auf Logwood. Da das Leder häufig fettig ist und eine zufriedenstellende Bildung eines Gerbstoff- oder Logwood-Lacks nur in Gegenwart einer Base möglich ist, die die freigesetzte Säure des Eisensalzes aufnimmt, werden die Häute entweder mit einer mit Soda oder Ammoniak alkalisierten Logwood-Infusion besprüht oder eingetaucht, oder das gegerbte Leder erhält eine vorherige Behandlung mit einer schwachen Soda- oder Ammoniaklösung. Da solche Lösungen auf gegerbtes Leder stark wirken und es rau und empfindlich machen, muss man große Sorgfalt darauf verwenden, keinen Überschuss anzuwenden.

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Die Wirkung dieser alkalischen Behandlung besteht nicht nur darin, die Benetzung der fettigen Oberfläche zu erleichtern, sondern auch darin, ein zu tiefes Eindringen der Farbe zu verhindern, indem sie eine schnelle Ausfällung des Farbstoffs bewirkt. In jüngerer Zeit werden jedoch manchmal Leder gefordert, bei denen die Farbe durchdringt – in diesem Fall könnte es sinnvoll sein, die Behandlung umzukehren: mit einer schwachen Lösung eines Eisensalzes zu beginnen, eventuell in Kombination mit Natriumacetat oder Kaliumtartrat, und schließlich mit einer alkalischen Sumachlösung abzuschließen. Ohne Alkali entfaltet sich nämlich die volle Farbe nicht. Der Einsatz von Eisensalzen ist hinsichtlich der Haltbarkeit des Leders nicht besonders zufriedenstellend; es ist daher von großer Bedeutung, dass sie nicht in Übermaß verwendet werden und dass alle darin enthaltenen starken Säuren mit stabilen Basen gesättigt sowie möglichst ausgewaschen werden. Lederoberflächen, die mit Eisen geschwärzt wurden, verlieren fast immer letztendlich ihre Farbe – sie werden braun, wenn Tannine verwendet wurden, und rot, wenn Sumach eingesetzt wurde. Gleichzeitig wird die Lederoberfläche in der Regel brüchig oder spröde. Dies liegt größtenteils an der Wirkung der Eisenoxide als Sauerstoffträger. Bei Licht werden sie in den ferrogen Zustand reduziert und oxidieren dabei die organischen Stoffe, mit denen sie verbunden sind; im Dunkeln werden sie wieder oxidiert, und der Prozess wiederholt sich. Es ist daher von größter Bedeutung, dass eine ausreichende Menge an organischem Farbstoff vorhanden ist und dass die Menge an Eisen möglichst gering ist und in einer stabilen Verbindung vorliegt. Diese Aspekte werden in der Praxis oft vernachlässigt – insbesondere dann, wenn das Schwarzfärben durch das Auftragen von Eisensalzen ohne Sumach erfolgt. Dabei werden die bereits erwähnten Nachteile durch die tatsächliche Entfernung eines Teils der Tannine im Leder sowie durch die Verbindung von Eisenoxid mit den Lederfasern verstärkt, wodurch ein brüchiges Eisen-Leder entsteht. Eine Behandlung mit alkalischen Sumach-, Gambier- oder Sumachlösungen, sowohl vor als auch nach dem Auftragen von Eisen, würde diese Probleme verringern. Eisen-Sumach-Schwarzer sind weitaus weniger haltbar und verblassen unter dem Einfluss von Licht und Luft schneller als Eisen-Tannin-Schwarzer. Die Verwendung von Eisen-Schwarzern auf gegerbtem Leder scheint die Neigung zum „Auswaschen“ erheblich zu erhöhen – ein Defekt, der auf die Oxidation der Öle zurückzuführen ist (siehe S. 390). Kupfersalze färben Sumach in ein sehr dunkles Blau, das viel stabiler ist als die Eisenverbindung; daher werden sie oft vorteilhaft in Kombination mit Eisensalzen verwendet. In der Praxis werden Eisen-Schwarzer in der Regel beim Finishen mit Öl behandelt – dadurch werden sie stabiler, da sowohl der Farbstoff vor der Luft geschützt als auch Eisenseifen gebildet werden, die stabil sind. Der Einsatz eigentlicher Seifen beim Schwarzfärben und Finishen ist bekannt und verdient wohl mehr Aufmerksamkeit. Harte Seifen aus Soda und…

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Stearinsäure [173] ergibt eine hervorragende Oberflächenbehandlung, wenn eine mäßige Glanzierung erforderlich ist. Die Seifenmasse wird mit einem Pinsel sehr dünn aufgetragen, muss vollständig trocknen, anschließend mit einer Flanelldecke oder einem Pinsel poliert werden – oder mit Glas überzogen. Viele Farbstoffe sind in solchen Seifenmassen löslich und können daher zur Färbung verwendet werden. Ähnliche, aber härtere Oberflächenbehandlungen, die zu einem hohen Glanz gebracht werden können, entstehen durch Auflösen von Shellac in verdünnten Borax- oder Ammoniaklösungen [174]. Beide Arten von Oberflächenbehandlungen helfen dabei, die Neigung von Eisenblauen dazu zu verringern, sich abzusetzen oder abzureiben – ein Problem, das dadurch entsteht, dass lose Eisenchloride an der Oberfläche precipitieren, anstatt mit den Fasern verbunden zu bleiben. Dies ist besonders offensichtlich, wenn „Tinten“ oder Einfarbstoffe verwendet werden oder wenn die Lösungen des Mordants und der Farbstoffe an der Oberfläche des Leders miteinander vermischen. Solche „Tinten“ bestehen in der Regel aus einem Eisensalz sowie Logwood oder Tanninen, zusammen mit etwas Anilinblau; die Farbchlore sollten nur durch Oxidation entstehen. Chrom wird bei Schwarztönen auf pflanzlichen Gerben kaum verwendet, da es nur Schwarztöne mit Logwood erzeugt – Chromverbindungen von Tanninen haben keinen Farbwert. Bichromate wiederum sind für das Leder äußerst schädlich.

[173] 1 Teil Natronlauge in 10–15 Teilen Wasser, mit 8 Teilen Stearinsäure zum Kochen gebracht, bis die Lösung klar ist. Anschließend auf 25 °C abgekühlt und mit 400–800 Teilen Wasser unter ständigem Rühren verdünnt, bis eine weiße Masse mit geeigneter Konsistenz entsteht. Etwas ähnliche, aber härtere Präparate können auch mit Wachsen oder Fettsäuren hergestellt werden, die noch stärker als Stearinsäure sind.

[174] 5 Teile Shellac werden bei warmer Temperatur mit 100 Teilen Wasser sowie 3 Teilen konzentriertem Ammoniak oder 1 Teil Borax vermischt. Wenn die Lösung als „Beize“ zur Glanzierung verwendet wird, muss das beim Abstandnehmen abgeschiedene wachsartige Material vor der Verwendung durch Schütteln wieder eingemischt werden. Als Lack sollte eine stärkere Lösung verwendet werden, wobei das Wachs abgeschöpft werden muss.

Bei der Färbung von Schwarztönen auf anderen als pflanzlichen Gerben wird Chrom jedoch wichtig – insbesondere, da meist Logwood verwendet wird, manchmal in Kombination mit Tanninen, oft auch in Kombination mit Quercitron oder Fustic, um den bläulichen Ton der Logwood-Chrom- oder Logwood-Eisenchloride zu korrigieren. In der Praxis darf nicht übersehen werden, dass, wenn Eisensalze mit Bichromatlösungen vermischt werden, letztere reduziert werden und das Eisen in den ferrischen Zustand oxidiert wird.

Bei mit Alaun gegerbtem Leder wird die Fixierkraft der ursprünglichen Lederfasern deutlich weniger beeinträchtigt als bei pflanzlichen Gerben. Unabhängig davon, wie es bei pflanzlichen Gerben aussieht, besteht kaum Zweifel daran, dass physikalische Einflüsse bei der Herstellung von mineralischen Gerben mindestens genauso wichtig sind wie chemische. Die Menge des absorbierten Gerbmittels wird stark von der Konzentration der Lösungen beeinflusst.

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Aluminiumoxid kann erneut durch einfaches Waschen entfernt werden. In diesem Fall nimmt das vorhandene Kaliumsulfat nicht an dem Vorgang teil; das Aluminiumoxid-Salz wird offenbar wie ein normales Salz aufgenommen. Allein Alaun oder Aluminiumsulfat ist ohne die Hilfe von Kochsalz nicht in der Lage, eine zufriedenstellende Gerbung zu bewirken – die aufgenommene Menge ist gering, und die Fasern schwellen durch die Wirkung des Säures auf. In Gegenwart von Salz ist die Aufnahme größer, und das Schwellen wird verhindert. Die Erklärung dafür liegt nicht in der Bildung von Aluminiumchlorid, denn obwohl dies zweifellos stattfindet, hat sich gezeigt, dass die Wirkung von Aluminiumchlorid ohne Salz nicht besser ist als die von Alaun. Es ist seit langem bekannt, dass Salz die schwellende Wirkung von Säuren auf die Haut verhindert, obwohl es die Aufnahme der Säure nicht verringert; dieses Phänomen lässt sich mit modernen osmotischen Theorien erklären (vgl. S. 89). Die so behandelte Haut verwandelt sich in Leder – doch wenn das Salz ausgewaschen wird, bleibt die Säure in der Haut zurück, wodurch diese wieder in den Zustand eines durch Säure geschwollenen Leders übergeht. Es ist daher wahrscheinlich, dass zwar Säure und Aluminiumoxid in äquivalenten Mengen aufgenommen werden, sie tatsächlich dissoziieren und an verschiedene Gruppen in der Gelatine-Molekülstruktur binden. Die Wirkung des Salzes besteht darin, die Aufnahme der Säure ohne Schwellen zu ermöglichen sowie osmotisch die Dissoziationskraft des Leders zu erhöhen. Wenn anstelle eines normalen Aluminiumoxid-Salzes ein basisches Salz verwendet wird – wie es durch die teilweise Neutralisierung der Schwefelsäure mit Soda entsteht – kann eine zufriedenstellende Gerbung auch ohne Salz erreicht werden. Ein basisches Verbindung wird aufgenommen, und das Leder wird durch das Waschen weniger beeinträchtigt. Im ähnlichen Fall der Chromgerbung kann dieses basische Verbindung durch Waschen mit alkalischen Lösungen weiterhin von seinem restlichen Säureanteil befreit werden; dadurch entsteht ein Leder, das selbst gegen heißes Wasser äußerst widerstandsfähig ist. Ein etwas ähnliches Ergebnis lässt sich auch mit Aluminiumoxid erzielen – allerdings mit größerer Schwierigkeit, da offensichtlich bereits ein sehr kleiner Überschuss an Alkalien die Eigenschaften des Leders zerstört. (Vgl. S. 187.)
Die Ergebnisse bezüglich der Färbung sind fast genau das, was man erwarten konnte. Während gewöhnliches mit Alaun behandeltes Leder sowohl saure als auch basische Farbstoffe leicht aufnimmt, hat das mit Chrom behandelte Leder praktisch seine Affinität zu letzteren verloren. Sowohl Chrom- als auch Aluminiumoxid-Leder nehmen leicht pflanzliche Tannine auf – was die Ansicht stützt, dass die säurebindenden Gruppen der Gelatine-Molekülstruktur noch ungesättigt sind (Tannine können Leder, das durch Schwefelsäure geschwollen ist, gerben und offenbar auch die Säure aus dem Leder vertreiben). Im Fall von Chromleder verringert die Nachgerbung mit Tanninen dessen Dehnbarkeit erheblich – und wenn diese Prozedur fortgesetzt wird…

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Zu weit, um seine Härte zu zerstören – doch sofort wird das Leder in der Lage, Grundfarbstoffe zu fixieren. Diese Eigenschaft wird häufig bei der Färbung genutzt, doch die Auswirkungen auf das Leder dürfen nicht außer Acht gelassen werden, wenn Weichheit und Dehnbarkeit wichtig sind – wie beispielsweise bei Handschuhledern. Polygene Farbstoffe werden natürlich auf Aluminium- oder Chromleder durch Aluminium- oder Chrommordantien fixiert, obwohl die Basen offenbar nicht in den günstigsten Bedingungen für die Farbfixierung vorliegen. So färbt Holzharz ohne Alkalien Leder gelb, Aluminiumfärbung Leder violett-blau und Chromfärbung Leder dunkelviolett. Einige Farbstoffe der Alizaringruppe färben Chrom sehr gut, da ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber heißem Wasser es ermöglicht, höhere Temperaturen zu verwenden als bei den meisten anderen Ledern. Das in den Färbehölzern enthaltene Tannin hat die Wirkung, die Dehnbarkeit von Chromledern zu verringern.

Vielleicht sollte man etwas über die Färbung von Öl- und Aldehydledern sagen – doch dieses Thema wurde bisher kaum wissenschaftlich behandelt, und unser praktisches Wissen darüber reicht nicht aus, um Theorien aufzustellen. (Siehe jedoch S. 496.)

Mängel in der Farbe des fertigen Leders sind auf verschiedene Ursachen zurückzuführen, doch viele entstehen durch mangelnde Sauberkeit und Systematik während der eigentlichen Färbung. In dieser Hinsicht ist größte Sorgfalt erforderlich. Bei der Bürstenfärbung sollte für jede Farbe eine andere Bürste verwendet werden, da es mit den üblichen Reinigungsmethoden unmöglich ist, alle Spuren des Farbstoffs vollständig zu entfernen.

Unregelmäßige oder oberflächliche Färbungen treten manchmal auf, weil die Farben zu schnell fixiert werden; in anderen Fällen ist die Affinität des Farbstoffs zu gering, um eine ausreichende Entfernung des Farbstoffs aus dem Bad zu ermöglichen. Die Zugabe von Salzen schwacher Säuren, wie Kaliumhydrogentartrat, oder solcher wie Natriumsulfat, die hydrierte Salze bilden, verringert die Geschwindigkeit der Färbung mit sauren Farbstoffen; während Säuren diese Geschwindigkeit im Allgemeinen erhöhen. Auch die Zugabe von Kochsalz kann die Geschwindigkeit der Färbung erhöhen, da dadurch die Löslichkeit des Farbstoffs verringert wird. Schwache Säuren wie Essigsäure oder Formalinsäure sowie saure Salze wie Natriumbisulfat sollten im Allgemeinen der Schwefelsäure vorgezogen werden, wenn sie dem Färbebad zugesetzt werden. Falls Schwefelsäure verwendet wird, ist große Sorgfalt bei ihrer vollständigen Entfernung geboten.

Es besteht kein Zweifel daran, dass der schnelle Zerfall von Ledereinbänden und Polsterstoffen größtenteils auf die nachlässige Verwendung von Schwefelsäure bei der „Entfärbung“ und Färbung des Leders zurückzuführen ist.[175] Selbst wenn die Schwefelsäure vollständig entfernt wird, hat sie bereits alle Basen wie Kalk, die natürlich im Leder vorhanden sind, gesättigt.

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Kombination mit schwachen Säuren – diese würden sonst eine Art Schutz vor der bei der Verbrennung von Kohlegas entstehenden Schwefelsäure bieten. [175] Siehe Bericht des Ausschusses der Society of Arts über Ledere für Buchbinderei, 1901.

„Bronzierung“ – der dichroische Effekt, der durch vom Oberflächenbereich vieler Farbstoffe reflektiertes Licht entsteht und dem Licht entspricht, das von diesen Farbstoffen ausgesandt wird und von der Oberfläche des gefärbten Materials reflektiert wird – ist nicht auf basische Farben beschränkt, tritt aber in der Regel stärker bei ihnen auf als bei säurehaltigen Farben. Basische Farben neigen aufgrund ihrer großen Affinität zu Tanninen sowie der daraus resultierenden schnellen Färbung dazu, unregelmäßig zu färben und nicht tief genug in das Leder einzudringen. Wenn das lösliche Tannin vor der Färbung nicht vollständig aus den Häuten gewaschen wird, tritt es in die Färbungslösung ein und führt zur Bildung unlöslicher Tanninablagerungen, die Farbe verschwenden und sich an der Oberfläche des Leders festsetzen. Die Nachteile basischer Farben aufgrund ihrer zu schnellen Fixierung können manchmal durch eine leichte Säuerung der Färbungslösung mit einer schwachen Säure wie Essigsäure oder Milchsäure verringert werden. Die Säure kann bei Bedarf noch weiter „abgeschwächt“ werden, indem ihr neutrales (Natrium-)Salz hinzugefügt wird. Die Bildung von Tanninablagerungen in der Lösung kann durch vorherige Fixierung des Tannins mit Tartareremet, Kaliumoxalat oder -lactat oder anderen geeigneten Metallsalzen verhindert werden.

Das Verblaschen der Farben gefärbter Produkte durch Lichtexposition ist ein Defekt, der in der Textilindustrie viel intensiver erforscht wurde als in der Lederherstellung – obwohl er in letzterer, insbesondere im Bereich der Ledere für Buchbinderei und Möbel, noch größere Bedeutung hat. Wahrscheinlich gibt es keine Farben, die tatsächlich unbeeinflusst von starkem Sonnenlicht bleiben; in vielen Fällen ist jedoch die Wirkung so gering, dass sie praktisch vernachlässigt werden kann. Einige Kohleteerfarben sowie insbesondere einige Alizarinfarben sind praktisch unvergänglich, während andere, insbesondere die Anilinfarben aus der Triphenylmethangruppe wie Magenta, so flüchtig sind, dass sie bereits nach einer Woche starken Sonnenlichts praktisch ausbleichen. Chrysoidin und Eosine sind in dieser Hinsicht ebenfalls sehr schlecht. Die Lichtbeständigkeit der Farben wird stark vom Material beeinflusst, auf dem sie gefärbt werden; bisher wurden nur wenige Ergebnisse direkter Experimente an Leder veröffentlicht. Herr M. C. Lamb beschäftigt sich jedoch bereits seit einiger Zeit mit solchen Forschungen [176], und das Thema erhält derzeit auch in anderen Bereichen viel Aufmerksamkeit. Experimente lassen sich leicht durch die Exponierung von Proben gegenüber Sonnenlicht unter Glas oder in einem Südfenster durchführen, wobei ein Teil des Leders zum Vergleich mit Holz oder dickem braunem Papier bedeckt wird. Die Ergebnisse sind oft…

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Dieses Problem wird noch verschärft durch die Tendenz aller mit Tanninen der Katecholgruppe, insbesondere mit Rinde von Turwar, Mimosa und Quebracho, gegerbten Leder, sich in der Sonne oder sogar bei Aussetzung an diffuses Licht zu verdunkeln und rötlich zu werden. Reine Sumach-Tanninge weisen dieses Defekt fast nicht auf und sind außerdem viel weniger anfällig für die Wirkung von Gase (Salzsäure) sowie anderen schädlichen Einflüssen, denen Bücher und Möbel oft ausgesetzt sind.[177]
[176] Siehe Anhang D, S. 488, 498, sowie Journ. Soc. Chem. Ind., 1902, S. 156–158.
[177] Vgl. Bericht des Ausschusses für Buchbindereileder der Society of Arts, 1901.

Mangelnde Beständigkeit gegen Reibung ist ein Defekt, der im Allgemeinen bei Textilien wichtiger ist als bei Leder – dort wird er oft durch Beschichtungen oder andere Oberflächenbehandlungen vermieden. In einigen Fällen, insbesondere bei schwarzem Leder, kann er jedoch störend sein. Wenn geeignete Farben verwendet werden, liegt der Defekt in der Regel daran, dass die Farbe auf der Oberfläche absetzt – sei es durch übermäßige Verwendung von Mordanten oder durch das Färben von Leder, das nicht ausreichend von freien Tanninen befreit wurde. Oft wird dieser Effekt auch durch das sogenannte „Flaming“ verursacht, bei dem Farbe zusammen mit dem zur Beschichtung verwendeten Stoff aufgetragen wird, um Unvollkommenheiten beim Färben zu verbergen oder dessen Farbe zu ändern. Auf diese Weise aufgetragene Farbe ist nur mechanisch am Leder fixiert und lässt sich leicht durch Feuchtigkeit entfernen, wodurch die damit in Berührung kommenden Gegenstände gefärbt werden.

Ein sehr ähnliches Problem kann durch eine unvollständige Reinigung des gefärbten Leders entstehen – dabei bleiben Farbstoffe aus dem Färbbad im Produkt zurück. Um dies bei Handschuhledern zu vermeiden, wo es besonders störend wäre, werden weiterhin häufig natürliche Mordantfarben verwendet. Diese setzen sich in einer unlöslichen Form auf den Fasern durch den Mordanten bzw. ein metallisches Salz ab und sind daher kaum anfällig für Abnutzung. Basische Farben können durch eine anschließende Behandlung mit Tanninen oder durch das Auftragen bestimmter säurehaltiger Farben wie Pikrinsäure fixiert werden. Einige Farben, insbesondere Martius- oder „Manchester“-Gelb (Dinitronaphthol), sind bei niedrigen Temperaturen flüchtig und neigen daher dazu, alle Materialien zu befärben, mit denen das gefärbte Gewebe – auch im trockenen Zustand – in Berührung kommt.

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Abb. 91 – Färben in der Färbeschale.

Die praktische Färbung von Leder variiert erheblich je nachdem, ob es mit pflanzlichen Materialien, Chrom, Aluminiumsalzen oder durch Chamoisieren gegerbt wurde. Pflanzlich gegerbtes Leder wird entweder von Hand in einer Färbeschale oder in einem Trommel- oder Schneckenfärber gefärbt; die letzten beiden Methoden werden heute weitgehend angewandt. Die Färbeschale ist ein flacher Behälter mit einer Tiefe von etwa 10 Zoll und groß genug, damit das Leder darin flach liegen kann. Bei der englischen Methode werden einmal ein oder zwei Dutzend Häute – oder sogar mehr – gleichzeitig gefärbt; dabei werden sie von Hand in der Schale umgedreht, wobei die unterste Häutepaarung herausgezogen und auf die obere gelegt wird (Abb. 91). Diese Methode ist praktisch, wenn nur eine kleine Anzahl von Häuten in einem bestimmten Farbton gefärbt werden sollen – dieser lässt sich leichter erreichen, da die Produkte ständig im Auge behalten werden können. Zudem hat sie den Vorteil, dass bei Bedarf nur die Fleischseiten der Häute gefärbt werden können, indem man sie vor dem Färben „paart“ oder „faltet“. Zu diesem Zweck werden zwei gleich große Häute Fleisch an Fleisch zusammengelegt (Paarung) oder jede Haut wird auf der Rückseite gefaltet, wobei die Fleischseite nach innen zeigt; anschließend werden sie mit einem Druckmittel fest zusammengepresst. Dadurch haften die Häute so eng aneinander, dass bei sorgfältiger Handhabung während des Färbens kein Farbstoff zwischen sie eindringt – außer etwas an den Rändern. Dies führt zu einer erheblichen Einsparung an Farbstoff, da die Fleischseiten sonst viel Farbstoff aufnehmen würden; für bestimmte Zwecke wird außerdem ein ungefärbtes Fleisch bevorzugt. Beim Färben in einem Trommel- oder Schneckenfärber werden die Häute einfach locker in die Färbelösung gelegt.

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damit das Leder gleichmäßig mit den Faserrichtungen gefärbt wird. Das Schöpffärben hat den Vorteil, dass im Vergleich zum Färbetrog erhebliche Arbeitskosten eingespart werden können – beim Färbetrog ist nämlich eine ständige Handhabung erforderlich, die oft eine Stunde oder länger dauert. Zudem ermöglicht das Schöpffärben eine nahezu gleichmäßige Überprüfung der Farbe des Leders, was bei der Färbung nach bestimmten Tönen sehr wichtig ist. Allerdings ist es weniger wirtschaftlich hinsichtlich der Farbstoffe, da nicht nur die Faserrichtungen gefärbt werden, sondern auch ein viel größerer Mengen an Flüssigkeit verwendet wird. Da das Färbewasser niemals vollständig entleert werden kann, geht beim Entsorgen des gebrauchten Wassers weiterer Farbstoff verloren. Das Trommelfärben ist in dieser Hinsicht deutlich günstiger, da die Menge an Flüssigkeit sehr gering sein kann. Aufgrund der Effizienz der Bewegung erfolgt die Färbung sehr gründlich – der Farbstoff dringt tief in das Leder ein, was in vielen Fällen vorteilhaft ist. Allerdings ist es schwierig, genau den gewünschten Ton zu erreichen, da das Leder nur durch Anhalten und Öffnen der Trommel überprüft werden kann. Die meisten Farbstoffe festigen sich bei hohen Temperaturen leichter – in dieser Hinsicht hat die Trommel einen Vorteil gegenüber allen anderen Methoden. Sobald sie erhitzt wurde, behält sie ihre Wärme bis zum Ende des Verfahrens fast ohne Verluste. Beim Schöpffärben sowie beim Färbetrog kühlt die Flüssigkeit hingegen schnell ab. Spezielle Methoden zur Temperaturhaltung erschweren die Anwendung und erfordern große Sorgfalt, um eine Überhitzung zu vermeiden. In der Regel ist es am besten, bei der höchsten Temperatur zu arbeiten, die das Leder sicher aushalten kann – diese Temperatur variiert je nach Art des Leders. Chromgegerbtes Leder sowie Kamelhaarleder können fast jede Temperatur bis kurz vor dem Siedepunkt aushalten. Bei pflanzlich gegerbtem Leder kann 50 °C als Maximalwert angesehen werden. Kalt und feucht sind die Lederteile jedoch sicherlich schnell in Flüssigkeit bei 60 °C einsetzbar, da sie diese Temperatur ausreichend senken. Hier sei noch die kontinentale Methode des Färbens in zwei Trägern erwähnt – sie führt zu einer sehr schnellen und gleichmäßigen Färbung sowie zu erheblichen Einsparungen an Farbstoffen. Dieses Prinzip lässt sich auch auf andere Methoden anwenden, bei denen viele Lederteile in derselben Farbe gefärbt werden müssen. Üblicherweise werden zwei Träger verwendet, jeder etwa 4 Fuß lang, 18 Zoll breit und 10 Zoll bzw. 1 Fuß tief. Diese Träger haben in der Regel einen schrägen Boden oder werden so aufgestellt, dass die Färbeflüssigkeit ganz auf die andere Seite des Trägers fließt. In der Regel werden gleichzeitig ein Paar Lederteile gefärbt – in etwa 6 Litern Flüssigkeit für Schafe und Ziegen. Zunächst wird der erste Träger mit einer sehr schwachen Flüssigkeit gefüllt, der zweite mit einer Flüssigkeit, deren Konzentration etwa halb so hoch ist. Die Lederteile werden in den ersten Träger gelegt, mehrmals gedreht und anschließend in den zweiten Träger gebracht. Die Flüssigkeit aus dem ersten Träger wird abgelassen und dieser wieder aufgefüllt.

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mit einer Lösung voller Konzentration, in die die Ware anschließend überführt wird, und gefärbt. Das zweite Bad ist aufgrund der Hautreste stark abgeschwächt und dient nun als schwache Lösung für ein neues Paar Ware, das wiederum in die Lösung gelangt, mit der die Ware bereits gefärbt wurde, und anschließend in eine neue Lösung; jedes Paar Ware durchläuft somit drei Bäder, wobei das letzte Bad voller Konzentration ist und schnell eine vollständige und gleichmäßige Farbe erzeugt. Bei der üblichen englischen Methode müssen die Waren aus Gründen der Farbstoffeinsparung in einem fast erschöpften Bad gefärbt werden, was eine mühsame Prozedur ist – die letzte Färbestufe dauert oft viel länger als nötig, um die Ware annähernd zur gewünschten Farbe zu bringen, und liefert selbst dann keine gute, vollständige Farbe. Dieses Problem kann durch das Hinzufügen des Farbstoffs in mehreren aufeinanderfolgenden Portionen verringert werden, je mehr sich das Bad erschöpft – doch mit nur einem Bad lässt es sich nicht vollständig vermeiden, wenn eine angemessene Erschöpfung des Bads erreicht werden soll. Auf den ersten Blick scheint es ein sehr langsamer Prozess zu sein, die Waren paarweise zu färben, doch dies wird in hohem Maße durch die Schnelligkeit ausgeglichen, mit der sie Farbe annehmen. Im kontinentalen System werden die Farbstoffe, meist aus der Kohlenölserie, als starke Lösungen verwendet, und jedes neue Färbebad wird hergestellt, indem das Bad mit einem bestimmten Volumen heißem Wasser gefüllt und eine gemessene Menge der Farbstofflösung hinzugefügt wird. Die Wiederverwendung teilweise erschöpfter Färbebäder ist im Allgemeinen nur dann möglich, wenn entweder einzelne Farbstoffe oder Mischungen mit sehr gleicher Affinität zum Leder verwendet werden, da bei Verwendung von Farbstoffen mit unterschiedlicher Affinität einer schneller entfernt wird als der andere, wodurch sich die Farbe des Bades ändert. Viele als Einzelfarben verkauften Farbstoffe sind in Wirklichkeit Mischungen[178] und ändern ihre Farbe, wenn nacheinander Mengen Leder in ihren Lösungen gefärbt werden. Basische Farbstoffe neigen außerdem dazu, durch Spuren von Tanninen, die aus den Waren ausgewaschen werden, zu precipitieren und somit unbrauchbar für eine zweite Verwendung zu werden. Dies kann durch eine geeignete Vorbereitung der Waren vermieden werden (siehe S. 411). [178] Solche Mischungen lassen sich oft erkennen, indem man einen Tropfen ihrer Lösung auf Filterpapier gibt – die Farbstoffe bilden dabei ringförmige Muster in unterschiedlichen Farben, je nachdem, wie schnell sie vom Papier aufgenommen werden – oder indem man den trockenen Farbstoff sehr dünn auf feuchtes Filterpapier streut; dabei entsteht für jede Partikel ein eigenes Fleckchen. Ein großer Teil des Erfolgs bei der praktischen Lederfärbung hängt von der richtigen Auswahl und Vorbereitung der Waren ab. Ein intaktes, unbeschädigtes Leder ist von größter Bedeutung; eine zufriedenstellende Färbung ist bei Lederstücken nicht möglich, die durch Nachlässigkeit bei dem Einweichen, Behandeln mit Kalilauge oder anderen Mitteln verunreinigt wurden.

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als „schwaches Gewebe“ – verursacht durch die Zerstörung oder Beschädigung der zarten hyalinen Schicht, die die natürliche Glasur sowie die Außenseite der Haut bildet (S. 50). Für solche Materialien sollten „säurehaltige“ Farbstoffe vorzugsweise gegenüber „basischen“ Farbstoffen verwendet werden, da letztere dazu neigen, an Stellen mit unvollkommenem Gewebe dunklere Farbtöne zu erzeugen. Materialien mit unterschiedlichem Gerbverfahren und Farben sollten niemals zusammen gefärbt werden, da sie in derselben Färbungslösung sicherlich unterschiedliche Farbtöne hervorrufen werden. Getrocknete Gerbstoffhäute, insbesondere wenn sie bereits seit längerer Zeit gelagert wurden, sollten gründlich weich gemacht werden, indem man sie in lauwarmem Wasser einweicht; eine Temperatur zwischen 40° und 45° C ist am vorteilhaftesten. Häute wie Kalbfelle mit gemischtem oder Rinden-Gerbverfahren müssen zunächst von allen Verunreinigungen befreit werden, indem man sie mit einer Bürste sowie gegebenenfalls mit Schiefer oder Stein schrubbt – dabei muss jedoch größte Sorgfalt darauf verwendet werden, das Gewebe nicht zu beschädigen. Ein wenig Borax oder eine andere schwach alkalische Lösung hilft dabei, die Verunreinigungen zu entfernen. Frisch mit Sumach gegerbte Häute benötigen lediglich eine Bearbeitung mit einem Messinggerät; doch solche, die bereits lange getrocknet wurden, färben sich oft gleichmäßiger und leichter, wenn sie erneut mit Sumach behandelt werden. Dunkle Gerbstoffe wie der australische Bazil sowie Schafe- und Ziegenhäute aus Ostindien, die mit Cassia-Rinde gegerbt wurden, verbessern sich immer durch eine Behandlung mit Sumach. Bei hellen Farbtönen sollte zunächst ein Teil des ursprünglichen Gerbstoffs entfernt werden, indem man die Häute für ein Viertelstunde bei einer Temperatur von 30° bis 35° C mit einer schwachen Lösung aus Seifenpulver oder Borax bearbeitet; anschließend sollen sie (nach gründlichem Waschen in warmem Wasser, wobei sie möglichst wenig der Luft ausgesetzt werden sollen) durch eine schwache Schwefelsäurelösung von 1–2 % geführt werden. Die Säure sollte anschließend so gründlich wie möglich durch Waschen mit Wasser entfernt werden, danach sollen die Materialien erneut mit Sumach behandelt werden. Dieser Prozess – insbesondere die Verwendung von Schwefelsäure – ist stets schädlich für die Häute und gehört zu den Ursachen für den frühen Verfall von farbigen Bucheinbänden sowie Möbelledern. Milchsäure, Essigsäure oder Formalinsäure können sicherheitshalber anstelle von Schwefelsäure verwendet werden. Das Risiko von Schäden durch Schwefelsäure, das in der Regel erst nach längerer Zeit erkennbar wird, lässt sich erheblich verringern, indem man zur Sumach-Lösung eine kleine Menge Kaliumtartrat, Natriumacetat oder Lactat sowie ein anderes Salz einer schwachen organischen Säure hinzufügt – dadurch wird die weitaus gefährlichere Schwefelsäure ersetzt. Außer in Fällen absoluter Notwendigkeit für die Erzielung heller Farbtöne sollte auf die Verwendung von Schwefelsäure verzichtet werden – und zwar nur bei Materialien, bei denen keine hohe Beständigkeit erwartet wird. Für helle Farbtöne bei Bucheinbänden und Polsterstoffen sollten ausschließlich gut mit Sumach gegerbte Leder sowie organische Säuren verwendet werden.

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Auch die alkalische Behandlung erfordert große Vorsicht, da ein Überschuss an starken Alkalien dem Leder sehr schadet. Eine weitere problematische Methode zur Vorbereitung von Leder für sehr helle Farbtöne ist der Einsatz des Bleichmittels auf Bleibasis, wie es auf Seite 399 beschrieben wird. Die Behandlung mit Sumach erfolgt am besten in einem Trommelbehälter bei einer Temperatur von etwa 40°. Lamb rät davon ab, mehr als 1 bis 2 Pfund Sumach pro Dutzend Lederstücke zu verwenden, und empfiehlt, die Lederstücke zwei bis drei Stunden in dieser Flüssigkeit einzulegen. Anschließend werden sie mit Wasser abgespült, um den daran haftenden Sumach zu entfernen, und dann auf einen Tisch gelegt, wo sie mit einem Messinggerät bearbeitet werden – danach sind sie bereit für die Färbung mit „säurebasierten“ Farbstoffen. Wenn „basische“ Farbstoffe verwendet werden, ist ein gründliches Waschen in mehreren lauwarmen Wasserschichten notwendig, um das Leder von losen Tanninen zu befreien. Um tiefe Farben zu erzielen, ist es besser, anstatt zu viel zu waschen, die Tannine zu fixieren – diese dienen anschließend als Mordant für die Farbe. Für Blautöne, Blaugrün oder Violett wird dazu eine Lösung aus „Tartar-Emetic“ (Kaliumtartrat von Antimon, 5 bis 20 Gramm pro Liter je nach Menge der zu fixierenden Tannine; oft wird auch etwas Kochsalz hinzugefügt) verwendet – diese löst keine Veränderungen in der Farbe aus. Für Brauntöne, Gelbtöne, Dunkelrote oder Gelbgrün ist es vorteilhaft, Titankaliumlactat oder -oxalat zu verwenden (2 Gramm pro Liter); in Kombination mit den Tanninen entsteht so eine sehr langlebige Gelbfärbung, auf der die basischen Farbstoffe frei färben können. In vielen Fällen ist es am besten, das Titansalz nach der Färbung mit einem der Färbholzsorte anzuwenden. Basische Farbstoffe benötigen in der Regel zunächst eine einfache Lösung in heißem Wasser, bevor sie zum Färbebade hinzugefügt werden. Sie werden in Mengen von 0,5 bis 2,5 Gramm pro Liter Färbebade verwendet – je nach ihrer Färbekraft, die stark variieren kann, sowie je nach gewünschter Farbtiefe. Die Lösungen sollten nicht gekocht werden, da einige Farbstoffe durch zu hohe Temperaturen geschädigt werden. Einige Farbstoffe lösen sich unvollständig auf und müssen daher durch ein Baumwolltuch gefiltert werden. Da basische Farbstoffe durch Kalziumcarbonat ausgefällt werden, ist es wichtig, dass „vorübergehend hartes“ Wasser mit Essigsäure oder Milchsäure neutralisiert wird, bis Litmus leicht rötlich wird. Bei Farbstoffen, die aufgrund ihrer Anziehungskraft zu den Lederfasern zu schnell und somit ungleichmäßig färben, lässt sich oft eine bessere Färbung erzielen, indem ein kleiner Überschuss an Essigsäure verwendet wird – dies erhöht außerdem die Löslichkeit der Farbe. Zu viel Säure verhindert jedoch eine vollständige Entfärbung des Bades. Einige heute kaum noch verwendete Farbstoffe müssen zunächst in etwas Methylalkohol gelöst werden; die Zugabe von Alkohol kann bei leicht fettigem Leder die Färbung verbessern – doch Kostengründe verhindern in der Regel seinen Einsatz.

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Natriumsulfat wird nicht selten zu Färbebädern hinzugefügt, um eine gleichmäßigere Färbung zu erreichen; bei einigen Baumwollfarben wird Kochsalz verwendet, um ihre Löslichkeit zu verringern und die Entfernung der Farbe aus dem Bad zu erleichtern. „Säurefarben“ färben in der Regel besser, wenn Säure ins Bad gegeben wird, um ihre Farbstoffe freizusetzen – zu diesem Zweck wird in der Regel Schwefelsäure in einer Menge verwendet, die etwa der Menge des verwendeten Farbstoffs entspricht. Ihre Verwendung ist jedoch aus denselben Gründen wie beim Bleichen problematisch, da es unmöglich ist, sie allein durch Waschen vollständig vom Leder zu entfernen; konzentriert kann sie das Leder schließlich zerstören, wenn es einer trockenen Atmosphäre oder hohen Temperaturen ausgesetzt ist. Besser ist es, Essigsäure oder Formalinsäure in einer Menge zu verwenden, die zwei- bis dreimal so groß ist wie die Menge des Farbstoffs. Auch Natriumsulfatsäure kann verwendet werden, ist aber vermutlich problematischer als organische Säuren. Viele Säurefarben färben jedoch bereits aus einem neutralen Bad recht zufriedenstellend. Säurefarben werden in mehr oder weniger gleicher Menge wie basische Farben verwendet, weisen aber im Allgemeinen eine geringere Färbekraft auf. Dennoch färben sie besonders gleichmäßig – insbesondere auf fehlerhafter Lederstruktur – und sind oft lichtbeständiger. Schon erwähnt wurde die Gruppe der polygenetischen oder mordierenden Farbstoffe, die noch heute teilweise zur Färbung von Handschuhledern verwendet werden; dabei spielt Holz von Logwood bei der Herstellung schwarzer Farben eine wichtige Rolle. Fustikholz sowie Brasilienholz (Pfirsichholz) sind bei traditionellen Färbern auch weiterhin im Gebrauch – insbesondere zur Färbung von Morocco-Ledern sowie anderen pflanzlich gegerbten Ledern. Pfirsichholz zusammen mit einem Zinnmordiermittel (in der Regel sogenannte „Zinnalkohole“, die durch Auflösen von Zinn in Mischungen aus Salzsäure und Salpetersäure hergestellt werden) wurde früher häufig zur Herstellung billiger Karmesinfarben verwendet, wird heute aber weitgehend durch Azofarbstoffe ersetzt. Die säurehaltigen Zinnlösungen waren oft sehr schädlich für das Leder. Die aus Holz gewonnene Flüssigkeit, die durch Soda, Ammoniak oder früher durch altes Urin leicht alkalisch gemacht wird, wird in der Regel zunächst auf das Leder aufgetragen, anschließend folgt das Mordiermittel „Striker“. Für dunkle Farben werden Eisensalze oder Eisen(III)-Salze sowie Kaliumdichromat verwendet, für helle Farben Zinnsalze oder manchmal Alum. Das Mordiermittel wird manchmal gegen Ende des Färbeprozesses zum Färbewasser hinzugefügt, doch es ist besser, es in einem separaten Bad zu verwenden – denn es neigt dazu, einen Niederschlag aus Farbstoff auf der Lederoberfläche zu bilden, der durch Reibung abgewischt werden kann. In einigen Fällen, insbesondere bei der Färbung in Schwarz, werden die starken Farbstofflösungen sowie das notwendige Mordiermittel nacheinander mit einem Pinsel aufgetragen, anstatt sie in das Färbefass zu geben. Sowohl Logwood als auch Brasilienholz gehören zur Gattung Cæsalpinia und sind eng mit Divi-divi verwandt. Logwood ist Cæsalpinia Campechianum (siehe S. 287). Seine Färbekraft…

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Es handelt sich dabei um Hämatoxylin – eine Substanz, die den Tanninen sehr ähnlich ist und fast farblos ist. Bei Oxidation entsteht Hämatin, das eine gelb-braune Färbung verleiht; weitere Farben entstehen nur mit Hilfe von Mordanten. Holzkohlestücke werden durch Kochen oder Erhitzen unter Druck für einige Zeit mit Wasser extrahiert. Da Hämatin mit Alkalien dunkelviolett-rote Verbindungen bildet, wird oft Soda oder alter Urin hinzugefügt – in der irrigen Annahme, dadurch eine bessere Extraktion zu erzielen. Tatsächlich führt dies jedoch zur Verschwendung des Farbstoffs durch Oxidation. Am besten ist es, ausschließlich mit Wasser zu extrahieren und vor der Verwendung das notwendige Alkalium der Infusion zuzufügen. Zur Herstellung der Infusion werden häufig 1–2 Pfund Holz pro Gallone verwendet. Da dieses Wasserverhältnis zur ordnungsgemäßen Extraktion des Holzes völlig unzureichend ist, sollte der Rückstand mit einer oder mehreren weiteren Mengen Wasser gekocht werden; diese werden anschließend wiederholt zur Extraktion neuer Holzportionen verwendet. Holzkohle färbt am besten bei hohen Temperaturen – insbesondere bei Chromleder, bei dem eine Temperatur von 80 °C sicher verwendet werden kann. Das Vorhandensein eines Spurenmengens Kalksalz ist vorteilhaft; in sehr weichem Wasser kann etwas Kalkwasser oder Kalk zur Holzkohle-Lösung hinzugefügt werden. Beim Schwarzfärben von Leder wird die starke Infusion mit Natriumcarbonat oder Ammoniak leicht alkalisch gemacht und unverdünnt auf das Leder aufgetragen. Wenn sie als Bad verwendet wird, kommt eine etwas schwächere Infusion zum Einsatz; das Leder wird dabei oft zunächst in einem alkalischen Bad behandelt, dem häufig eine kleine Menge Kaliumbichromat zugesetzt wird. Die Funktion des Alkalis besteht nicht nur darin, bei der Bildung des Farbfilms zu helfen, indem es die aus dem als Farbstoff verwendeten Eisensalz freigesetzten Säuren sättigt und so verhindert, dass die Farbe zu tief in das Leder eindringt, sondern auch darin, dem durch Fett oder Öl verursachten Benetzungswiderstand des Leders entgegenzuwirken. Beim Schwarzfärben von gefülltem Leder muss daher mehr Alkalie verwendet werden – doch Überschuss sollte sorgfältig vermieden werden, da er das Leder leicht weich und brüchig macht. Kaliumbichromat oxidiert das Hämatoxylin bzw. das anschließend aufgetragene Eisensalz und bildet so einen nahezu schwarzen Chrom-Holzkohle-Farbfilm. Die Eisenlösung besteht in der Regel entweder aus Eisensulfat mit etwa 5 Prozent Konzentration oder aus kommerziellem „Eisenbad“, welches ein Pyrolignit oder rohes Eisenacetat ist und Katecholderivate sowie andere organische Produkte aus der Destillation von Holz enthält. Diese Stoffe wirken vorteilhaft sowohl als Desinfektionsmittel als auch dabei, eine schnelle Oxidation zu verhindern, wie sie beim Einsatz reinen Eisenacetats auftritt. Im Allgemeinen ist Eisenbad vorzuziehen.

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Sulfat – „grünes Vitriol“ – wirkt, genauso wie die Schwefelsäure, die darin enthalten ist, letztendlich katastrophal auf das Leder, es sei denn, es wird vollständig durch das in der Herstellung verwendete Alkalium neutralisiert. Kommerzielles Eisenchromat wird oft mit Eisen(II)-sulfat verunreinigt; dies kann dadurch festgestellt werden, dass ein Niederschlag mit Bariumchlorid entsteht. Es muss größte Sorgfalt darauf verwendet werden, kein zu großes Maß an Eisen zu verwenden – schließlich entzieht das Eisen dem Leder selbst Tannine, wodurch das Leder hart und brüchig wird. Zudem wirkt jedes unverbindliche Eisen als Träger von Sauerstoff; es gibt seinen Sauerstoff an die Farbstoffe oder Tannine ab, mit denen es in Berührung kommt, und oxidiert anschließend wieder durch die Luft – was zu „Ausbluten“ oder Öloxidation sowie anderen Schäden führt.

Gute, langlebigere Farben als jene, die mit Logwood erzielt werden, können dadurch gewonnen werden, dass Leder, das einen Überschuss an Eichenrinden-Tanninen oder Sumach enthält, zunächst mit einer alkalischen Lösung behandelt wird – am besten nicht stärker als 2½ Prozent flüssiges Ammoniak oder 5 Prozent Natriumcarbonat – und anschließend mit Eisenchromat. Wenn nicht sicher ist, ob das Leder einen Überschuss an geeigneten Tanninen enthält, muss eine Tanninlösung wie die aus Logwood verwendet werden – oder das Leder muss mit Sumach behandelt werden. Die Zugabe etwas Sumach zur Logwood-Lösung ist oft vorteilhaft; so erhält man einen dunkleren (d.h. weniger blauen) Farbton, insbesondere bei mit Alaun behandeltem Leder. Lösungen, die durch Erhitzen von 10 Prozent Cutch zusammen mit 5 Prozent Natriumcarbonat hergestellt werden, liefern gute Farben in Kombination mit Eisenchromat, machen das Leder nicht weich und können mit Logwood gemischt werden. Viele kommerzielle Logwood-Extrakte enthalten als Verunreinigung Kastanienholzextrakt.

Anstelle des Färben im Bad wird besonders bei günstigeren Ledern wie Einlagen sowie bei gängigen, preiswerteren Farbledern sehr häufig die Farbe durch Bürsten aufgetragen – was gemeinhin als „Färben“ bezeichnet wird. Viele Farben, die jedoch mit der Zeit und bei Wärme gut färben, eignen sich für diese Methode nicht; nur solche Farben sollten verwendet werden, die eine starke Anziehungskraft auf das Leder haben und daher auch bei Kälte gut wirken. Wenn „säurehaltige“ Farben verwendet werden, ist es unerlässlich, solche auszuwählen, die in einer neutralen Lösung oder höchstens in Kombination mit einem milden organischen Säure wie Formaldehyd- oder Essigsäure verwendet werden können. Da das Leder nach dem Färben nicht gewaschen wird, würde die Schwefelsäure darin verbleiben und es letztendlich zerstören. Bei Ledern mit harter, abweisender Oberfläche ist die Zugabe eines kleinen Mengens Methylalkohol zur Farbe oft sehr nützlich. Die Farben werden in Lösungen mit einem Gehalt von 1/4 bis 1 Prozent verwendet; diese sollten klar sein und frei von Sedimenten. Schwierig lösliche Farben müssen in einer schwachen Lösung verwendet werden – oder die Farbe muss warm gehalten werden.

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Im Gebrauch. Farblösungen halten im Allgemeinen nicht über einen längeren Zeitraum ohne Veränderung. Vor dem Färben muss das Leder sorgfältig vorbereitet werden, d.h. so glatt wie möglich gemacht werden. Die Färbung erfolgt in der Regel nach Abschluss der meisten anderen Bearbeitungsschritte. Am besten beginnt man mit dem Färben, wenn das Leder leicht feucht ist; die Farbe wird anschließend mit einem weichen Pinsel in zwei oder drei Schichten gleichmäßig aufgetragen, wobei das Leder nach jeder Schicht leicht getrocknet wird. Im Allgemeinen gilt: Je mehr Schichten aufgetragen werden, desto gleichmäßiger ist das Ergebnis. Um Arbeitskosten zu sparen, wird bei billigen Produkten oft mit zwei Schichten auskommen – wobei die erste Schicht am besten mit einer schwächeren Lösung auf das trockene Leder aufgetragen wird. Wenn das Leder eine „schwache Faserrichtung“ hat, ist es manchmal vorteilhaft, es zunächst mit einer schwachen Lösung aus Gelatine, Gummi Tragacanth oder Leinsamenmucilagin zu behandeln. Ähnliche Lösungen werden oft verwendet, um die Farbe zu fixieren und einen höheren Glanz zu erzielen. Der auf Seite 401 erwähnte Stearingleichstrom kann ebenfalls zu diesem Zweck verwendet werden; eine schwache Lösung davon wird manchmal als Träger für säurehaltige Farben eingesetzt. Säuregelbe und -braune Farben können ebenfalls in dem unverdünnten Gleitstrom gelöst werden, wenn nur eine helle Farbe gewünscht ist – oder um die Farbe bereits gefärbten Leders zu intensivieren. Eine Liste geeigneter Farben für das Färben findet sich im Anhang auf Seite 486. Bei der Lederfärbung kommt es selten vor, dass die gewünschte Farbe durch die Anwendung eines einzigen Farbstoffs erzielt werden kann; die meisten heute benötigten Farbtöne entstehen durch Mischungen. Deshalb ist es notwendig, ein paar Worte zur Theorie der Farbkombinationen zu sagen. Weißes Licht setzt sich natürlich aus einer Mischung aller Spektralfarben zusammen und kann durch ein Prisma in diese zerlegt werden. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass das Auge nur drei verschiedene Farbempfindungen wahrnehmen kann – alle von uns wahrgenommenen Farben entstehen durch die unterschiedliche Aktivierung dieser Empfindungen. Die tatsächlichen Farbempfindungen sind Rot, Blaugrün und Violett.[179] Wenn man zwischen Auge und weißem Licht ein Stück gelbes Glas einsetzt, werden Violett und Blau absorbiert, während die verbleibenden roten und grünen Strahlen zusammenwirken und das Gefühl von Gelb hervorrufen. Wenn reines blaues Glas verwendet wird, wird Rot absorbiert – das Ergebnis ist Blau durch die verbleibende Mischung aus Grün und Violett. Rotes Glas absorbiert das gesamte Grün sowie das grünliche Blau, sodass Rot und ein Großteil des Violett durchdringen können. Wenn man also blaues und gelbes Glas kombiniert, darf nur das Grün durchdringen – ähnlich verhält es sich bei rotem und blauem Glas: Grün und Blau werden herausgefiltert, und nur…

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Violett bleibt erhalten. Rot, Gelb und Blau werden daher häufig als Primärfarben bezeichnet. Durch die Kombination aller drei Farben in gleichen Anteilen können alle anderen Farben erzeugt werden – dabei entsteht Schwarz oder Grau. Die Blau- und Violetttonen, die durch gelbes Glas blockiert werden, sind jene Farben, die das Gefühl von Violett-Blau hervorrufen würden; daher wird Letzteres als „Komplementärfarbe“ zu Gelb bezeichnet – und so weiter mit den übrigen Farben. Es sei darauf hingewiesen, dass alle Farben farbiger Objekte durch die Absorption eines Teils des Lichts entstehen. Deshalb sind farbige Körper immer dunkler als weiße. Wenn eine Farbe in geeigneten Proportionen mit ihrer Komplementärfarbe gemischt wird, werden alle Farben absorbiert und es entsteht Schwarz oder Grau.

[179] Das Thema Farbe ist zu komplex, um hier ausführlich behandelt zu werden. Für weitere Informationen werden die Leser auf Abneys „Colour Measurement and Mixture“, S.P.C.K., London, 1891, verwiesen. Es kann jedoch darauf hingewiesen werden, dass zwar die wahren Primärfarben zweifellos Rot, Blaugrün und Violett sind und durch die Mischung des Lichts dieser Farben alle anderen Farben, einschließlich Weiß, erzeugt werden können; die Primärfarbstoffe oder -farben sind jedoch Rot, Gelb und Blau. Im ersten Fall entsteht der gewünschte Effekt durch das Hinzufügen von Farben, im zweiten Fall durch deren Subtraktion. Farben, die durch die Mischung zweier Primärfarben entstehen, werden im Allgemeinen als „Sekundärfarben“ bezeichnet. Die matteren Töne, die durch das Hinzufügen von Schwarz oder einer Komplementärfarbe entstehen, werden als „Tertiärfarben“ bezeichnet. Jede Primärfarbe ist die Komplementärfarbe zur Sekundärfarbe, die durch die Mischung der anderen beiden Primärfarben entsteht – und umgekehrt. Die folgende tabellarische Übersicht zeigt sofort den Effekt der Farbmischung:

Primärfarbe – Sekundärfarbe – Tertiärfarbe
Rot – Orange mit Schwarz – Braun
Gelb – Grün – Oliv, Salbei
Blau – Lila (Violett) – Puce, Maroon

Theoretisch kann jede Farbe durch die Mischung der Primärfarben erzeugt werden. Dass dies bis zu einem großen Grad möglich ist, zeigt sich am Erfolg des modernen „Dreifarbendrucks“, bei dem Bilder in natürlichen Farben ausschließlich mit drei Primärfarben erzeugt werden können. In der Praxis sind jedoch nur wenige Farben wirklich rein. Wenn zwei sehr unterschiedliche Farben miteinander gemischt werden, ist es schwierig, die Entstehung von Tertiärfarben zu vermeiden. Die leuchtendsten Farben entstehen in der Regel durch Färben mit der nächstliegenden Farbe, die dem gewünschten Farbton am nächsten kommt.

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Und das Verdunkeln erfolgt durch die Verwendung eines anderen Farbstoffs, der in der Nähe ist – aber auf der anderen Seite der gewünschten Farbtönung. Wenn wir also bei der Färbung helle Töne erzielen wollen, müssen wir die Verwendung von Komplementärfarben vermeiden. Ein bläulich-roter Farbstoff gemischt mit einem rötlich-blauen ergibt einen hellen Violettton; doch wenn wir einen orangenroten Farbstoff mit einem grünlich-blauen mischen, gelangt Gelb in die Mischung, und je nach Verhältnis der anderen Farbstoffe entsteht ein trüber Maroon- oder Puce-Ton. Auf ähnliche Weise wird durch die Zugabe eines blauen Farbstoffs ein helles Orange zu Braun verdunkelt, und etwas Gelbfarbe macht ein helles Lila zu Maroon. Dieses Prinzip wird häufig genutzt, um die sanften Farbtöne zu erzeugen, die oft von den leuchtendsten Farbstoffen gefordert werden. Wenn man zu einem hellen Orange Schwarz oder einen blauen Farbstoff hinzufügt – dessen Komplementärfarbe Schwarz ist –, verwandelt sich das Orange in Braun. Verwenden wir statt Blau Grün zur Verdunkelung, erhält das Braun einen gelblicheren Ton, da Grün durch die Kombination mit dem Rot des Oranges Schwarz erzeugt. Ebenso ergibt die Verwendung von Violett ein rötlicheres Braun, da Violett in Kombination mit Gelb Schwarz erzeugt. Solches Verdunkeln, sofern es in geringem Maße erfolgt, geschieht oft durch die direkte Mischung eines geeigneten Farbstoffs; doch bei größeren Mengen ist es in der Regel besser, eine Farbe mit einer anderen zu überlagern. So erzeugt ein Blau, das mit einem intensiven Orange überlagert wird, einen Havanna-Braun-Ton. Bei dunklen Farben ist es oft praktisch, zunächst einen dunklen Grundton mit einem billigen Farbstoff wie Holzharz sowie Eisen- oder Chromfarbstoffen zu erzeugen und diesen anschließend mit einem hellen Ton der gewünschten Farbe zu überlagern. Auf diese Weise lassen sich billige dunkle Blautöne und Grüntöne leicht herstellen. Für Rottöne und Brauntöne können Mischungen aus Holzharz und Brasilholz oder Brasilholz und Fustik verwendet werden, wobei anschließend Kohlenölfarbstoffe hinzugefügt werden. Auch Gerbungsmittel wie Extrakte aus Quebracho und Mangroven, die zusammen mit Bichromat Brauntöne erzeugen, werden bei billigen Produkten eingesetzt. Es ist außerdem oft sinnvoll, mit einer basischen Farbe zu färben und anschließend mit einer säurehaltigen Farbe – oder umgekehrt – zu arbeiten; in vielen Fällen fixiert und verbindet sich eine Farbe mit der anderen, wodurch eine höhere Farbbeständigkeit erreicht wird. Marokkanisches Leder sowie viele andere farbige Ledersorten werden bearbeitet, indem die Oberfläche des getrockneten Leders mit einer sehr verdünnten Mischung aus Wasser, Milch, Blut oder Eiweiß benetzt wird, sodass das Leder fast vollständig trocknet. Anschließend wird es in einer Glättmaschine durch Reibung unter einem Zylinder aus Agat, Glas oder Holz poliert. Viele Ledersorten erhalten außerdem durch Drucken mit geprägten oder elektrotypischen Rollen, durch „Boarding“ oder eine Kombination beider Methoden eine Struktur. „Boarding“ besteht darin, eine Falte im Leder auf einem Tisch mit einer glatten Platte, die von unten raue Oberflächen hat oder mit Kork ausgelegt ist, voranzuschieben.

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Schwierig zu beschreiben – doch in geschickten Händen erzeugt es Falten oder „Strukturen“ auf der Haut in einem regelmäßigen Muster. Die Farbe einer gefärbten Haut wird stark durch das Finish sowie insbesondere durch das Glazieren verändert; dabei wird die Farbe stets dunkler und intensiver. Bei der Musterfärbung ist es nützlich, einen kleinen Teil der schnell trocknenden Haut durch Reibung mit einem glatten Stück Hartholz zum Vergleich zu glasieren; außerdem kann ein Teil des Musters auch befeuchtet werden, um es mit der feuchten Haut zu vergleichen. Farben, die im Färbewasser vollständig und gleichmäßig erscheinen, können beim Trocknen oft sehr enttäuschend aussehen – obwohl sie bis zu einem gewissen Grad durch das Finish wieder an Intensität gewinnen. Um den Färbewert von Farben zu vergleichen, ist der praktischste Weg, tatsächliche Färbeproben mit gleichen oder bekannten Mengen an Farbe und Wasser anzufertigen. Solche Tests können entweder durch Drehen der Proben in porzellanenen Behältern durchgeführt werden, die in einem Wasserbad warm gehalten werden (zu diesem Zweck kann eine spezielle Schale verwendet werden; die Behälter werden dabei etwas über dem Boden auf Halterungen aus Kupferdraht gestützt), oder das Leder kann an Glasstäben oder Haken aus Kupferdraht in Glasbehältern (quadratische Gefäße) aufgehängt werden, die ebenfalls in einem Wasserbad platziert werden. Die Lederproben sollten in jedem Fall eine gleich große Oberfläche haben; zur Aufhängung eignen sich besonders Stücke aus Schafshaut mit den Abmessungen 8 mal 4 Zoll bzw. 20 mal 10 cm. Diese können entweder gefaltet oder an beiden Enden mit einer kurzen Glasstange so befestigt werden, dass sie flach bleiben. Das für eine Probe mit den Abmessungen 8 mal 4 Zoll benötigte Farbmengen wird durch Multiplikation mit 54 mal der Fläche einer einzelnen Hautfläche in Quadratfuß etwa angegeben – doch dieser Wert wird stark vom Färbeverfahren sowie von der Menge des verwendeten Wassers beeinflusst. Bei der Massenfärbung sollten Eisen, Zink und sogar Kupfer vermieden werden; letzteres wirkt nämlich sehr schädlich auf viele Farben. Im Allgemeinen sind Holzbehälter vorzuziehen. Obwohl diese stark gefärbt werden, werden sie sehr hart – doch wenn man sie gründlich mit heißem Wasser und gelegentlich mit verdünnter Säure reinigt, können sie so gereinigt werden, dass sie bei späteren Färbungsverfahren keine Farbe abgeben. Natürlich ist es jedoch nicht wünschenswert, denselben Behälter für sehr unterschiedliche Farben zu verwenden. Zink färbt viele Farben schnell aus – insbesondere, wenn das Leder feucht und leicht sauer ist. Durch Drücken des feuchten Leders auf perforierte Zinkplatten können oft Muster erzeugt werden.

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KAPITEL XXVI.
EVAPORATION, ERWÄRMUNG UND TROCKNUNG.

Fragen der Evaporation – sei es zur Erzeugung von Dampf oder zur Konzentration von Gerbstoffextrakten sowie anderen Lösungen – sind in der Gerbereibranche von großer Bedeutung. Da dieselben natürlichen Gesetze, die auf diese Prozesse anwendbar sind, auch das Trocknen von Leder bestimmen, ist es praktischer, die Theorie des gesamten Themas in einem Kapitel zu behandeln, anstatt es aufzuteilen und jeden Teil in einem anderen Teil des Buches unterzubringen.

Die moderne Auffassung von Evaporation und Dampfdruck wurde auf Seite 75 beschrieben, doch es ist notwendig, sie kurz zusammenzufassen. Es ist allgemein bekannt, dass die meisten Flüssigkeiten, wenn sie in einem offenen Behälter gelassen werden, selbst bei normalen Temperaturen allmählich durch Evaporation in die Luft verschwinden. Wenn der Behälter ausreichend erhitzt wird, „kocht“ die Flüssigkeit – das heißt, es bilden sich Dampfblasen, die entweichen, wodurch die Evaporation viel schneller stattfindet. Um Komplikationen zu vermeiden, stellen wir uns zunächst eine Flüssigkeit vor, die in einem Glasfläschchen eingeschlossen ist, das kein Luft enthält, sondern nur teilweise mit der Flüssigkeit gefüllt ist. Es wurde darauf hingewiesen, dass die Wärmebewegung, durch die die Moleküle der Flüssigkeit in Bewegung geraten, es einigen von ihnen ermöglicht, sich aus der Anziehungskraft zu befreien, die die Flüssigkeitsmoleküle zusammenhält, und in Form von Gas oder Dampf überzugehen, wodurch der leere Teil des Fläschchens gefüllt wird. Diese Evaporation erreicht jedoch bald eine Grenze, da der Dampf nicht aus dem Fläschchen entweichen kann. Die fliegenden Dampfmoleküle erzeugen Druck, indem sie gegen die Wände des Fläschchens prallen, während ein Teil von ihnen die Oberfläche der Flüssigkeit trifft und dort wieder durch deren Anziehungskraft festgehalten wird. Mit steigendem Druck nimmt die Anzahl dieser Moleküle notwendigerweise zu, bis ein Punkt erreicht ist, an dem genauso viele Moleküle zurückfallen und festgehalten werden (oder „kondensieren“) wie jene, die verdampfen – dann bleibt der Druck konstant. Der Ausmaß des Drucks hängt von der Art der Flüssigkeit ab; je flüchtiger sie ist, desto größer ist der Druck – mit anderen Worten: je geringer die Kraft ihrer inneren Anziehungskraft ist. Der Druck steigt außerdem mit steigender Temperatur, da diese die Bewegungsgeschwindigkeit der Moleküle erhöht, was ihr Entweichen aus der Flüssigkeit erleichtert und ihre Wiederfangung erschwert.

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Es wird überhaupt nicht vom Volumen des Dampfes oder von der Größe des Flaschenkolbens beeinflusst; solange sich Flüssigkeit im Kolben befindet, hängt alles allein von der Art der Flüssigkeit sowie von der Temperatur ab. Ist der Kolben groß, verdunstet mehr Flüssigkeit, bis wieder derselbe Druck erreicht ist. Wenn der Kolben zu Beginn nicht leer ist, sondern mit Luft gefüllt ist, hat das keinen Einfluss auf den Druck oder die Menge des darin enthaltenen Dampfes – dieser wird einfach zum Druck der Luft hinzugefügt, egal wie hoch dieser auch sein mag. Wenn die Abdichtung des Kolbens beschädigt wird und er somit der Atmosphäre ausgesetzt ist, entweichen Luft und Dampf oder es strömt Luft herein, bis der Gesamtdruck dem atmosphärischen Druck außerhalb entspricht (etwa 15 Pfund pro Quadratzoll). Da der Dampf im Kolben jedoch ständig durch Verdunstung erneuert wird, sodass der volle Dampfdruck der Flüssigkeit aufrechterhalten bleibt, wird der „teilweise“ Druck der Luft im Kolben um den Betrag des Dampfdrucks geringer sein als der Druck der Außenatmosphäre – dieser Unterschied macht genau die Differenz aus. Sobald dieses Gleichgewicht erreicht ist, verläuft die Verdunstung im Kolben sehr langsam, da nur eine geringe Menge an Dampf ersetzt werden kann. Wenn jedoch der Dampf durch das Einblasen frischer Luft in den Kolben entfernt wird, wird er schnell wieder in derselben Menge durch neue Verdunstung ersetzt. Somit trocknen Gegenstände in einem abgeschlossenen Raum nur sehr langsam, selbst bei hoher Temperatur – es sei denn, die feuchte Luft wird durch trockenere Luft von außen mittels eines effektiven Lüftungssystems ersetzt. Ohne dies wird die Verdunstung erst dann schneller, wenn die Temperatur der Flüssigkeit auf ihren Siedepunkt erhöht wird, das heißt, wenn der Dampfdruck leicht über dem des umgebenden Luftdrucks liegt. Dadurch kann der neu entstandene Dampf den bereits im Kolben oder Behälter vorhandenen Dampf nach außen drücken, und gleichzeitig können durch den entweichenden Dampf Blasen im Inneren der Flüssigkeit entstehen. Da der Dampfdruck einer Flüssigkeit mit steigender Temperatur kontinuierlich ansteigt und ihr Siedepunkt als die Temperatur definiert wird, bei der ihr Dampfdruck dem des mit ihr in Kontakt stehenden Luft- (oder Dampf-)drucks entspricht, ist offensichtlich, dass der Siedepunkt vollständig vom Druck abhängen muss. Der Siedepunkt von Wasser in einem Kessel bei einem Druck von 55 Pfund pro Quadratzoll über dem atmosphärischen Druck beträgt daher 150 °C, während er bei einem Teilvakuum von 5,8 Zoll barometrischem Druck nur 60 °C beträgt. Dieser Umstand wird genutzt, um Extrakte und andere Flüssigkeiten bei niedriger Temperatur im Vakuumkocher zu konzentrieren. (Der atmosphärische Druck beträgt 30 Zoll bzw. 760 Millimeter des Barometers, also 14,7 Pfund pro Zoll oder 1,033 Kilogramm pro Quadratzentimeter.) Wenn ein Stück Eisen über einen leistungsstarken Gasbrenner gelegt wird, wird es immer wärmer, bis seine Temperatur fast oder ganz der Temperatur des Gases entspricht.

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Flamme. Andererseits wird ein Topf mit Wasser unter denselben Bedingungen, sobald es seinen Siedepunkt erreicht hat, nicht wärmer, bis das gesamte Wasser verdampft ist. Es ist offensichtlich, dass die gesamte verfügbare Wärme oder Energie der Gasflamme zur Umwandlung des Wassers in Dampf aufgebraucht wird. Wir könnten einen Teil dieser Energie in mechanische Arbeit umwandeln, indem wir den Dampf in einer Dampfmaschine nutzen; doch auch ohne das wird tatsächlich Arbeit geleistet – durch den entweichenden Dampf, der das Gewicht der Atmosphäre erhöht und die Anziehungskraft überwindet, die die Wassermoleküle in flüssiger Form zusammenhält. Es ist natürlich allen bekannt, dass Energie ihre Form ändern kann – von Wärme in Arbeit –, aber sie kann weder zerstört noch verringert noch erhöht werden. Daher wird die gesamte bei der Umwandlung des Wassers in Dampf erbrachte Arbeit wieder als Wärme zurückgewonnen, wenn der Dampf kondensiert. In diesem Zusammenhang muss eine klare Unterscheidung zwischen Wärmemenge und Temperatur gemacht werden, die im Alltag oft verwechselt werden. Es ist beispielsweise offensichtlich, dass, wenn man ein Pfund Wasser bei Siedetemperatur mit einem weiteren Pfund Wasser bei Gefrierpunkt mischt, die Temperatur auf 50 °C ansteigt, die Gesamtmenge an Wärme jedoch unverändert bleibt. Ebenso klar ist, dass keine Veränderung der Wärmemenge stattfindet, wenn 1 Pfund Quecksilber bei 100 °C mit 1 Pfund Wasser bei 0 °C gemischt wird – obwohl in diesem Fall aufgrund der geringen Wärmekapazität des Quecksilbers die gemeinsame Temperatur nur auf etwa 3 °C ansteigen würde. Wir müssen daher eine Maßeinheit für Wärme haben, die über die reinen Anzeigen des Thermometers hinausgeht; am gebräuchlichsten ist dabei die Menge an Wärme, die benötigt wird, um 1 Kilogramm Wasser um 1 °C zu erhitzen (Kilokalorie). In England wird ebenfalls als Maßeinheit die Wärme verwendet, die benötigt wird, um 1 Pfund Wasser um 1 °F zu erhitzen. Eine Kilokalorie entspricht ungefähr 3,97 – sehr grob gesagt 4 – Pfund·°F-Einheiten. Für unsere Zwecke kann man annehmen, dass 100 Kilokalorien an Wärme benötigt werden, um 1 Kilogramm oder Liter Wasser von der Gefrier- bis zur Siedetemperatur zu erhitzen. Wenn das Wasser jedoch tatsächlich gefroren ist, benötigt man lediglich 80 Kilokalorien, um das Kilogramm Eis zum Schmelzen zu bringen, ohne dessen Temperatur merklich zu erhöhen. Um das Wasser auf 100 °C zu erhitzen, sind weiterhin 536 Kalorien an Wärme notwendig, allein um es bei derselben Temperatur in Dampf umzuwandeln. Zum Schmelzen von 1 Pfund Eis sind 144 Pfund·°F-Einheiten erforderlich, um es auf den Siedepunkt zu bringen, weitere 180, und um es zu verdampfen, nochmals 965. Die für die eigentliche Verdunstung benötigte Wärmemenge variiert bei unterschiedlichen Temperaturen etwas – sie ist bei niedrigeren Temperaturen etwas größer –, doch die Gesamtmenge an Wärme, die benötigt wird, um Wasser vom Gefrierpunkt aus bei jedem Druck in Dampf umzuwandeln, bleibt nahezu konstant: Bei atmosphärischem Druck sind es 635 Kalorien, bei etwa 650 Kalorien bzw. 1180 Pfund·°F.

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F. Einheiten bei 50 Pfund pro Quadratzoll. Die Menge an Wärme, die bei der Verbrennung von 1 Pfund gutem Kohle entsteht, beträgt 13.000 bis 15.000 Pfund × F.-Einheiten; bei 1 Kilogramm sind es 7.200 bis 8.300 kcal. Beim Erhitzen von Dampf in einem guten Kessel kann Kohle jedoch nur das Zehnfache ihres Gewichts an Wasser bei 100° Celsius verdampfen (5.360 Kalorien oder 9.650 Pfund × F.-Einheiten); die übrige Wärme geht verloren. 1 Pferdestärke (33.000 Fuß-Pfund pro Minute) [181] erfordert in den besten Maschinen etwa 1½ Pfund Kohle bzw. 15 Pfund Dampf pro Stunde, während in Maschinen schlechterer Konstruktion diese Menge um ein Vielfaches überschritten werden kann. Da selbst theoretisch nicht mehr als 20 Prozent der gesamten Wärme in einer „perfekten“ Maschine, die bei 75 Pfund Druck arbeitet, in mechanische Arbeit umgewandelt werden können, ist es oft wirtschaftlich, Abwasserdampf zur Heizung oder Verdampfung zu verwenden. Wo dies rentabel möglich ist, sind die zusätzlichen Kosten für die mechanische Leistung sehr gering.

[180] Eine Gramm-Kalorie, die tausendstel der oben genannten Menge entspricht, wird ebenfalls für einige wissenschaftliche Zwecke verwendet, doch auf den folgenden Seiten wird ausschließlich die Kilogramm-Kalorie verwendet.

[181] Das entspricht 76,04 Kilometer pro Sekunde; in Frankreich und Deutschland wird jedoch die metrische Pferdestärke nur bei 75 Kilometern pro Sekunde angegeben.

Zur Verdampfung von Flüssigkeiten in offenen Behältern sind 536 Kalorien erforderlich, um 1 Kilogramm Wasser, das bereits auf Siedetemperatur gebracht wurde, zu verdampfen. Bei Salzlösungen sind noch mehr Kalorien nötig. Es macht im Vergleich kaum einen Unterschied, ob die Verdampfung bei 100° oder bei niedrigerer Temperatur erfolgt. Wenn die Verdampfung jedoch im Vakuum stattfindet, kann durch sogenannte Mehrfacheffekte erhebliche Einsparungen erzielt werden. Dabei wird der Dampf aus einem Vakuumbehälter verwendet, um einen zweiten Behälter unter reduziertem Druck zum Kochen zu bringen – somit bei niedrigerer Temperatur. Dieses Prinzip kann praktisch auf fünf bis sechs aufeinanderfolgende „Effekte“ angewandt werden. Die weniger konzentrierte Flüssigkeit wird in der Regel im ersten „Effekt“ bei höchster Temperatur und niedrigstem Vakuum durch den Abgasdampf der zur Antrieb der Vakuumpumpen verwendeten Maschine verdampft, während der Dampf aus dem ersten Effekt den Dampf der nächst stärker konzentrierten Flüssigkeit erwärmt usw. Im Yaryan-Verdampfer (S. 339) wird die kochende Flüssigkeit durch Schlangenrohre gesprüht, wodurch eine enorme Oberfläche zur Verdampfung entsteht. Die Konzentrierung eines beliebigen Flüssigkeitsanteils erfolgt während des Durchlaufs des Apparats – selbst bei Mehrfacheffekten dauert dieser Prozess nicht länger als 4 bis 5 Minuten, und die Temperatur der Flüssigkeit steigt dabei nie über 60° oder 70° C. Bei Flüssigkeiten wie Zucker- und Tanninlösungen, die durch kontinuierliches Erhitzen chemisch verändert werden könnten, ist die kurze Verweildauer ein großer Vorteil.

Die Anzahl der zu verwendenden Effekte hängt stark davon ab…

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Der Kraftstoffkosten im Vergleich zu den stark gestiegenen Kosten der Apparate. 1 Pfund Kohle, das zur Erzeugung von Dampf verwendet wird, verdunstet in einem Einwirkungsapparat 8½ Pfund, in einem Zweiwirkungsapparat 16 Pfund, in einem Dreiwirkungsapparat 23½ Pfund, in einem Vierwirkungsapparat 30½ Pfund und in einem Fünfwirkungsapparat 37 Pfund.

Wenn Flüssigkeiten bei Temperaturen unter dem Siedepunkt in der freien Luft verdampft werden, ist es ratsam, die Flüssigkeit auf einer dünnen Schicht zu verteilen, um eine große Oberfläche zu schaffen. Diese muss ständig durch Rühren entfernt werden, um die Bildung einer Schicht zu verhindern. Ein geeigneter Apparat für diesen Zweck ist der Chenalier-Verdampfer (Abb. 92), der aus dampfbeheizten Kupferdisken besteht, die sich in einer Mulde mit der Flüssigkeit drehen. Die Flüssigkeit wird mit Eimern, die an den Rändern der Diske befestigt sind, aufgefangen und auf deren beheizte Oberflächen gegossen. In anderen Konstruktionen läuft die Flüssigkeit über dampfbeheizte Rohre oder wellige Platten ab. Solche Verdampfer sollten in einen Luftstrom gebracht werden, damit die entstehenden Dämpfe schnell abtransportiert werden können. Ihre Verwendung ist für Flüssigkeiten wie Tanninlösungen, die durch Oxidation geschädigt werden, sehr problematisch – außerdem sind sie bei weitem nicht so wirtschaftlich wie Vakuumkessel.

Die Trocknung von Leder folgt denselben Gesetzen wie die Verdampfung von Flüssigkeiten, erfordert jedoch aufgrund der ganz anderen Temperaturen sowie der Wärmezufuhr besondere Berücksichtigung. Es ist wichtig zu bedenken, dass die Verdampfung nur dann stattfinden kann, wenn der Dampfdruck der zu verdampfenden Flüssigkeit höher ist als der des mit ihr in Kontakt stehenden Dampfs. Der Luftdruck hindert die Verdampfung nicht – wenn man also den stehenden Dampf mit trockener Luft wegbläst, kann die Verdampfung genauso schnell stattfinden wie im Vakuum, wobei die Flüssigkeit nicht sieden kann. Man muss auch berücksichtigen, dass die Verdampfung bei niedrigen Temperaturen genauso viel Wärme verbraucht wie in einem Dampfkessel – diese Wärme muss in der Regel aus der Umgebungsluft stammen, wodurch deren Temperatur sinkt.

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Abb. 92 – Chenalier-Verdampfer und Kühler für Klebstoffe.

Die Geschwindigkeit der Verdampfung sowie die Menge an Feuchtigkeit, die ein bestimmtes Luftvolumen aufnehmen kann, hängen vom Dampfdruck ab, der mit der Temperatur zunimmt. Der Zusammenhang zwischen diesen beiden Größen sowie das Gewicht des Wassers in Gramm pro Kubikmeter, das in trockener Luft gelöst werden kann, sind in der folgenden Tabelle angegeben. (Gramm pro Kubikmeter sind praktisch äquivalent zu Unzen pro 1000 Kubikfuß. Der Dampfdruck ist in Millimetern Quecksilber des Barometers angegeben, S. 422.)

Dampfdruck von Wasser

Temperatur, °C: -10 –5 0 5 10 15 20 25 30 35 40
„°F: 14 23 32 41 50 59 68 77 86 95 104
Druck, mm: 2,2 3,2 4,6 6,5 9,1 12,7 17,4 23,5 31,5 41,9 54,9
Gramm pro Kubikmeter: 2,4 3,4 4,9 6,8 9,3 12,8 17,2 22,8 30,1 39,2 …

Luft ist praktisch nie trocken; bei feuchtem Wetter ist sie häufig bis zum Maximum, das ihrer Temperatur entspricht, mit Feuchtigkeit gesättigt. In England beträgt die durchschnittliche Feuchtigkeitsmenge in der Luft im Laufe des Jahres 82 Prozent des möglichen Gesamtwerts – selbst bei dem trockensten Sommerwetter liegt sie niemals unter 58 Prozent. Solange das Wasser in Form von Dampf vorliegt,

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Die Luft bleibt ziemlich klar und fühlt sich nicht feucht an; bei Nebel ist die Luft nicht nur mit Feuchtigkeit gesättigt, sondern enthält auch kleine flüssige Partikel, die darin schweben. Natürlich hat die Luft, wenn sie wirklich mit Feuchtigkeit gesättigt ist, keinerlei Trocknungskraft mehr.

Wie aus der Tabelle hervorgeht, steigt die Menge an Wasser, die in einem bestimmten Volumen Luft gelöst werden kann, mit der Temperatur rapide an. Luft bei 0° C. kann nur 4,9 Gramm pro Kubikmeter aufnehmen – das sind etwas mehr als 20 Prozent dessen, was sie bei 25° C. aufnehmen kann. Daher nimmt ihre Trocknungskraft mit der Erwärmung schnell zu. In einem warmen, gut belüfteten Trockenraum im Winter ist die Luft daher in der Regel viel trockener und hat eine größere Fähigkeit, Feuchtigkeit aufzunehmen, als die Außenluft bei dem trockensten Sommerwetter. Das ist die Hauptursache für eine ungleichmäßige und unzureichende Trocknung durch künstliche Wärme; dies lässt sich durch eine ordnungsgemäße Luftzirkulation mit einem Ventilator beheben, ohne dass zu oft kalte Luft von außen eindringt. Andererseits kann der Einsatz einer geringen Menge künstlicher Wärme bei feuchtem Sommerwetter, wenn die Luft mit Feuchtigkeit gesättigt ist, genauso notwendig sein wie im Winter.

Die Menge an Feuchtigkeit in der Luft lässt sich am einfachsten mit einem Gerät ermitteln, das als „Feuchtkugel- und Trockenkugelthermometer“ bezeichnet wird. Dieses besteht aus zwei Thermometern, die auf einer Platte angebracht sind; bei einem davon ist die Kugel mit Musselin bedeckt und durch einen Lampenfaden, der in ein Gefäß mit Wasser getaucht ist, feucht gehalten. Die Temperatur der Feuchtkugel sinkt aufgrund der bei der Verdunstung verbrauchten Energie, und der Unterschied zwischen ihrer Temperatur und der des Trockenthermometers ist proportional zur Trocknungskraft der Luft. Diesen Wert kann man ungefähr in Gramm pro Kubikmeter berechnen, indem man den Unterschied mit 0,64 für Grad Celsius oder 0,35 für Grad Fahrenheit multipliziert. Wenn dieser Wert vom Gesamtfassungsvermögen für Feuchtigkeit abgezogen wird – wie es in Tabelle auf Seite 426 angegeben ist – erhält man die tatsächliche Feuchtigkeitsmenge in Gramm pro Kubikmeter Luft. Für praktische Zwecke reicht es jedoch aus, durch Erfahrung die Temperatur sowie den Unterschied zwischen Feuchtkugel und Trockenkugel herauszufinden, was die besten Ergebnisse für die gewünschte Trocknung liefert, und diesen Wert durch Regulierung der Heizung und Belüftung möglichst genau aufrechtzuerhalten. Günstige Versionen dieses Instruments werden in Baumwollspinnereien verwendet, wo ein bestimmter Feuchtigkeitsgrad aufrechterhalten werden muss; es kann auch aus zwei chemischen Thermometern improvisiert werden, die gut miteinander übereinstimmen. Zur Befeuchtung der Kugel sollte destilliertes Wasser (Regen- oder Dampfwasser) verwendet werden – andernfalls wird sie schnell mit Kaliumsalzen überzogen, und sie muss an einem luftigen Ort platziert werden, damit die Anzeigen genau sind.

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Es ist selbstverständlich offensichtlich, dass nicht nur der feuchte Thermometer, sondern auch feuchte Häute oder Lederteile durch Verdunstung abgekühlt werden. Sie kühlen wiederum die Luft, mit der sie in Berührung stehen – diese wird nicht nur feucht, sondern durch das Abkühlen auch weniger fähig, Feuchtigkeit aufzunehmen, und erreicht somit schnell einen Zustand, in dem sie keine weitere Feuchtigkeit mehr aufnehmen kann. Es ist daher notwendig, die Temperatur entweder durch künstliche Wärme aufrechtzuerhalten oder die Luft ständig durch frische Luft von außen zu ersetzen. Welches dieser Verfahren am wirtschaftlichsten ist, hängt von der Temperatur der Außenluft im Vergleich zur Temperatur ab, die aufrechterhalten werden muss. Wenn die Außenluft ausreichend warm ist und nicht mit Feuchtigkeit gesättigt ist, ist es in der Regel am besten, sie in großen Mengen ohne künstliche Wärme zu verwenden; der Wind liefert in der Regel die notwendige Antriebskraft für ihre Zirkulation. Feuchte Produkte können somit mit jeder nicht gesättigten Luft über dem Gefrierpunkt zu einem „getrockneten“ Zustand gebracht werden – allerdings verläuft das Trocknen oft langsam. Zum vollständigen Trocknen ist in der Regel künstliche Wärme erforderlich, da die Anziehungskraft der Fasern auf die letzten Reste an Feuchtigkeit sehr groß ist. Um diese Feuchtigkeit zu entfernen, muss die Trocknungskraft der Luft deutlich höher sein als die, die für die Verdunstung von freier Wasser benötigt wird.[182] Beim Trocknen von gefülltem Leder muss in der Regel eine Temperatur aufrechterhalten werden, die ausreicht, um die verwendeteten Fette teilweise flüssig zu halten und deren Aufnahme durch das Leder zu ermöglichen. Gleichzeitig muss das Trocknen schrittweise erfolgen, sonst kann das Wasser austrocknen, bevor die Fette Zeit haben, ihren Platz einzunehmen. Dies lässt sich am besten durch den Einsatz von künstlicher Wärme sowie durch Belüftung mittels eines Ventilators erreichen – wobei die Luft nicht allzu oft erneuert werden sollte, insbesondere bei kaltem Wetter. Oft kann Luft, die bereits erhitzt wurde und zum Trocknen von fertigen Produkten verwendet wurde und somit teilweise mit Feuchtigkeit gesättigt ist, vorteilhaft für feuchte Produkte oder für andere Zwecke eingesetzt werden, bei denen ein sanfteres Trocknen erforderlich ist. Wenn die Außentemperatur niedrig ist, kann die Menge an Wärme, die benötigt wird, um kalte Luft auf die erforderliche Temperatur zu erhitzen, sehr groß sein. Das Gewicht eines Kubikmeters Luft bei 0° C. und atmosphärischem Druck beträgt 1,293 Kilogramm, und seine spezifische Wärme bei konstantem Druck liegt bei 0,2375 der des Wassers. Um daher einen Kubikmeter Luft bei normaler Druck- und Temperaturbedingung um 1° C. zu erhitzen, ist dieselbe Menge an Wärme erforderlich wie zur Erhitzung von 0,3 Kilogramm Wasser um denselben Betrag – mit anderen Worten: 0,3 Kilokalorien. Wenn Dampfheizung verwendet wird, sollte 1 Kilogramm gutes Kohle unter dem Kessel etwa 1800 Kubikmeter Luft um 10° C. erhitzen können – oder 1 Pfund Kohle etwa 52.000 Kubikfuß Luft um 10° F. Diese Mengen erscheinen groß, doch wenn man bedenkt, dass ein 48-

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Ein Blackman-Lüfter kann 30.000 Kubikfuß pro Minute bewegen – wir müssen daher erkennen, dass die Kosten für Kohle zur Erwärmung der Luft keineswegs gering sind.
Kommerziell getrocknetes Leder enthält im Allgemeinen, sofern es nicht gefüllt ist, etwa 15 Prozent Restfeuchtigkeit. Diese Menge variiert je nach Wetterbedingungen und kann durch Trocknung bei hohen Temperaturen mehr oder weniger vollständig entfernt werden. Wenn das Leder übermäßig getrocknet wurde, gewinnt es bei Kontakt mit kalter Luft nur langsam wieder an Gewicht. Häufig entstehen kommerzielle Streitigkeiten bezüglich der Trockenheit des Leders. Nach Ansicht des Autors kann ein Kunde nur verlangen, dass das Leder ausreichend trocken ist, um bei Kontakt mit trockener Luft bei den üblichen Temperaturen sowie dem üblichen Feuchtigkeitsgrad in Lagerhäusern oder Fabriken kein Gewicht zu verlieren. Ansprüche, die auf erneuter Trocknung in heißen Trockenräumen beruhen, sind eindeutig betrügerisch.
Wir müssen nun die Energie betrachten, die für die tatsächliche Verdunstung des Wassers im Leder benötigt wird. Die Verdunstung von Wasser, das bereits auf 100 °C erhitzt wurde, erfordert 536 kKalorien. Doch die Verdunstung von Wasser, das zuvor nicht so weit erhitzt wurde, erfordert noch mehr Energie. Bei normalen Temperaturen kann man davon ausgehen, dass pro Kilogramm etwa 600 kKalorien bzw. 1080 lb·F-Einheiten pro Pfund benötigt werden. Wenn man kleine Bruchteile außer Acht lässt, entspricht dies der Abkühlung eines gleichgewichtigen Wassermengen in Heizrohren auf dieselbe Temperatur. Für diese Abkühlung wird, wie wir gesehen haben, etwa 1/10 des Gewichts an Kohle benötigt – und zwar für die Herstellung von Wasser, das bereits auf 100 °C erhitzt wurde.
Die Abkühlung findet zunächst im Leder statt; dessen Temperatur sinkt dabei genauso wie die eines feuchten Thermometers. Dadurch kühlt sich auch die mit dem Leder in Berührung stehende Luft ab. Beim Trocknen in der Luft ohne künstliche Wärme muss also die gesamte Energie vom Luftstrom bereitgestellt werden. Dadurch verringert sich die Feuchtigkeitsaufnahmefähigkeit der Luft, wodurch das erforderliche Volumen stark ansteigt. Dies spielt beim Trocknen im Freien keine große Rolle – schließlich liefert bereits eine leichte Brise eine enorme Menge an Luft. Eine mäßige Brise mit einer Geschwindigkeit von zehn Meilen pro Stunde bewegt die Luft mit etwa 15 Fuß bzw. 4,5 Metern pro Sekunde. Wenn jedoch die Luft durch Lüfter bewegt werden muss, wird die benötigte Leistung wichtig. Die Verdunstung von 1 Kilogramm Wasser bei sommerlichen Temperaturen kühlt etwa 2000 Kubikmeter Luft um 1 °C ab; die Verdunstung von 1 Pfund Wasser hingegen kühlt 32.000 Kubikfuß Luft um 1 °C ab.
Bei der Berechnung der für Trockenräume erforderlichen Belüftungs- und Heizleistung ist es in der Regel notwendig, die Bedarfswerte unter den ungünstigsten Bedingungen festzustellen und anschließend einen Puffer hinzuzufügen, um Fehler und Unfälle auszugleichen. Da die Berechnungen aufgrund der vielen variablen Bedingungen etwas komplex sind, kann es hilfreich sein, als Beispiele die Mengen an Luft und Energie anzugeben, die zur Verdunstung von 1 Kilogramm (2,205 Pfund) Wasser unter verschiedenen normalen Bedingungen benötigt werden. Diese können als Grundlage für die Berechnung der erforderlichen Trocknungsleistung für verschiedene Gerbereien dienen.

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1. Indifferente Trocknung im Freien – Luft bei 10° C (50° F.), Feuchtigkeitsmesswert des Tropfenballthermometers 7° C (44,3° F.), was auf eine Gesamtfähigkeit zur Aufnahme von Feuchtigkeit von etwa 2 g pro Kubikmeter hindeutet; die Luft darf nicht unter 7,75° C (46° F.) abgekühlt werden, sodass eine Restfeuchtigkeitsaufnahmefähigkeit von 0,5 g pro Kubikmeter bleibt. Jeder Kubikmeter kann daher 1,5 g Feuchtigkeit aufnehmen. Da 1 Kilogramm 1000 g enthält, sind 666 Kubikmeter pro Kilogramm erforderlich, um 1,5 · 600 = 900 g Feuchtigkeit aufzunehmen; zusätzlich sind 888 Kubikmeter bei einer Abkühlung um 2,25° erforderlich, um die für die Verdunstung benötigten 600 Kalorien bereitzustellen. Insgesamt werden 1554 Kubikmeter oder 54.900 Kubikfuß Luft verwendet.

2. Trocknung mit Wärme – Außenluft bei 10°, gesättigt mit Feuchtigkeit, wird auf 20° C (68° F.) erhitzt und erhält dadurch eine Feuchtigkeitsaufnahmefähigkeit von 7,9 g pro Kubikmeter. Wenn man annimmt, dass für die vollständige Trocknung eine Aufnahmefähigkeit von 2 g pro Kubikmeter erforderlich ist, beträgt die effektive Kapazität 5,9 g pro Kubikmeter. Das entspricht 170 Kubikmetern oder 6000 Kubikfuß. Zur Erhitzung dieser Luft um 10° C sind 510 Kalorien erforderlich. Die Verdunstung von 1 Kilogramm verbraucht 600 Kalorien. Insgesamt sind somit 1110 Kalorien nötig.

3. Trocknung mit Wärme – Außenluft bei 10° C, wie oben beschrieben, wird auf 25° C erhitzt, wodurch eine effektive Feuchtigkeitsaufnahmefähigkeit von 13,5 – 2,0 = 11,5 g pro Kubikmeter entsteht. Das entspricht 87 Kubikmetern oder 3070 Kubikfuß. Zur Erwärmung dieser Luft um 15° C sind 391 Kalorien erforderlich; zusätzlich sind 600 Kalorien für die Verdunstung nötig, was insgesamt 991 Kalorien ergibt. Im Vergleich zu den Methoden 2 und 3 zeigt sich, dass höhere Temperaturen, soweit möglich, ökonomischer sind als niedrigere – sowohl was die Luftmenge als auch die benötigte Wärme angeht – obwohl dies teilweise durch den größeren Wärmeverlust durch Abkühlung des Gebäudes usw. ausgeglichen wird.

4. Luft bei 0° C, die auf 20° C erhitzt wird, erfordert etwa 97 Kubikmeter oder 3430 Kubikfuß Luft sowie insgesamt 1180 Kalorien.

5. Luft bei 0° C, die auf 25° C erhitzt wird, erfordert 63 Kubikmeter oder 2230 Kubikfuß Luft sowie insgesamt 1075 Kalorien.

6. Luft bei -15° C (5° F.) benötigt 4,5 Kalorien pro Kubikmeter, um auf 0° C erhitzt zu werden, und hat anschließend eine Trocknungskapazität von etwa 2 g pro Kubikmeter. Diese Werte werden auf einen Trockenraum angewandt, der mit einem Schraubenventilator mit zentraler Aufteilung oder zwei Etagen ausgestattet ist, sodass die Luft zirkuliert werden kann.

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oder nach Belieben durch frische Luft von außen ersetzt werden (siehe Abb. 94, S. 435). Ein solcher Raum mit einer Länge von 100 Fuß, abzüglich des Platzes für Lüfter, Luftkanäle und Heizrohre, sowie einer Querschnittsgröße von 20 Fuß × 8 Fuß, sollte etwa 800 mittelgroße Stücke aufnehmen können, die jeweils etwa 12½ Kilogramm (27 Pfund) wiegen und bei Feuchtigkeit denselben Wassergewicht enthalten. Ein 48-Zoll-Blackman-Lüfter würde unter diesen Bedingungen voraussichtlich etwa 20.000 Kubikfuß (565 Kubikmeter) Luft pro Minute bewegen – bei einem Leistungsaufwand von 2 oder 2½ Pferdestärken. In einem Raum mit der genannten Querschnittsgröße ergibt sich dadurch eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 125 Fuß pro Minute, also etwas weniger als 1½ Meilen pro Stunde; das ist keineswegs zu viel, um eine freie Zirkulation der Luft zwischen den dicht angeordneten Lederteilen zu gewährleisten. Wenn man annimmt, dass diese Stücke innerhalb einer Woche (praktisch 10.000 Minuten) unter den Bedingungen Nr. 2 getrocknet werden sollen, benötigen die 10.000 Kilogramm Wasser, die sie enthalten, 1.700.000 Kubikmeter Luft – also etwa 170 Kubikmeter pro Minute. Dabei muss jedes Mal etwa 3/10 der Luft frisch sein, wenn sie durch den Lüfter strömt. 1 Kilogramm Wasser muss pro Minute mit 1110 Kalorien verdampft werden.

Unter den Bedingungen Nr. 4 wären nur 97 Kubikmeter Luft pro Minute erforderlich; etwa 5/6 davon könnten unverändert zirkuliert werden. Der gesamte erforderliche Wärmeeinsatz wäre jedoch ungefähr derselbe, nämlich 1180 Kalorien pro Minute. Unter den Bedingungen Nr. 4 und 6 wären etwa 1620 Kalorien pro Minute nötig. Es ist kaum notwendig, den vollen Wärmeeinsatz gemäß Nr. 6 vorzusehen, da solche Bedingungen in diesem Land nur selten auftreten und niemals länger als ein paar Tage anhalten. In solchen Perioden reicht bereits viel weniger Wärme aus, um das Trocknen in langsamerem Tempo fortzusetzen und Frost zu verhindern.

Neben der für das eigentliche Trocknen erforderlichen Wärme muss auch die Wärme berücksichtigt werden, die im kalten Wetter durch das Gebäude verloren geht – dies ist jedoch viel schwieriger zu berechnen. Wenn der Auslass für feuchte Luft auf der Druckseite des Lüfters angeordnet wird, kann der Innendruck im Gebäude etwas niedriger gehalten werden als der Außendruck. Dadurch kommt es zu keinem Verlust durch entweichende heiße Luft, da jegliches Leck nach innen führt und somit einen Teil des erforderlichen Luftaustauschs gewährleistet. In einem Ziegelgebäude mit Glasfenstern ist der Wärmeverlust deutlich geringer als in alten Holzbauten mit Lüftungssystemen. Wo die Lüftung ständig in Betrieb ist, ist ein Ziegelbau deutlich vorzuziehen. Häufige Fenster mit horizontal am Mittelpunkt gelagerten Flügeln liefern genügend Luft für günstige Bedingungen beim Trocknen. Bei schlechtem Wetter wird dann auf den Lüfter zurückgegriffen. Die meisten modernen Trockenräume im Leeds-Gebiet sind nach diesem Prinzip gebaut. Wenn für das Trocknen mit Lüftern Holzbauten verwendet werden müssen, sollten die Seiten so dicht wie möglich gestaltet werden.

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Im Winter kann man die Wände mit Stoffbahnen oder Segeltuch bedecken, wozu man in Hafenstädten alte Segel zu vernünftigen Preisen kaufen kann. An einigen Stellen werden nur Lüftungsflügel offen gelassen, damit Luft eindringen kann. Box gibt in seinem „Practical Treatise on Heat“[183] an, dass der Wärmeverlust durch Wände in Ziegelgebäuden bei einem Temperaturunterschied von 30° F. (16,6° C.) zwischen Innen- und Außentemperatur etwa den in der folgenden Tabelle angegebenen Werten entspricht.
[183] E. & F. N. Spon, Ltd., London.

Wärmeverlust durch Wände

Dicke der Wand – Kilo-Calorien pro Quadratfuß pro Stunde
in Zoll: 4,5 – 1,76; 9 – 1,44; 14 – 1,20; 18 – 1,06
Ziegelwände müssen etwa doppelt so dick sein, um die gleiche Wärme wie Ziegelwände zu liefern.
Der Wärmeverlust durch Glasfenster beträgt 3 bis 4 Kilo-Calorien pro Quadratfuß pro Stunde.

Wenn das Gebäude mehrere Stockwerke hat, muss man den Wärmeverlust durch die Decken der Zwischengeschosse in der Regel nicht berücksichtigen. Falls die Decke jedoch nicht dicht ist und zum Dach hin offen ist, kann der Wärmeverlust groß sein – doch er ist schwer zu schätzen. Wenn man den bereits beschriebenen Trockenraum betrachtet, beträgt die Gesamtfläche der Wände und Decken etwa 4000 Quadratfuß. Um die Temperatur dort um 30° F. über der Umgebungstemperatur zu halten, wären 4800 Kalorien pro Stunde bzw. 80 Kalorien pro Minute erforderlich – eine sehr geringe Menge im Vergleich zu der Energie, die beim Trocknen verbraucht wird. Die folgende Tabelle, die auf den von Box bereitgestellten Daten basiert, gibt einen Überblick darüber, wie viel Dampf- oder Warmwasserrohre für die Heizung benötigt werden. Die angegebenen Abmessungen beziehen sich auf den Innendurchmesser der Rohre; dabei wird bereits berücksichtigt, dass Rohre mit normaler Dicke eine größere Heatoberfläche haben. Kleine Rohre sind im Verhältnis zu ihrer Oberfläche deutlich effektiver als große Rohre. Für die Heizung unter hohem Druck werden 1½- oder 2-Zoll-Eisenrohre empfohlen – sie sind in vielerlei Hinsicht vorzuziehen gegenüber Gusseisen. Auch die derzeit häufig verwendeten gerippten Rohre sind vorteilhaft, da sie eine erheblich größere Heatoberfläche bieten.

Wärme, die durch Dampfrohre abgegeben wird

Dampfdruck, Temperatur – Kilo-Calorien pro Stunde, pro Quadratzoll Rohrdurchmesser, pro Fuß Länge des Rohres
in °F.: 2 Zoll – 300; 3 Zoll – 102; 4 Zoll – 137; 52 – 169

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35 280 92 121 148
21 260 81 106 130
10 240 68 92 113
2,5 220 59 81 97
210 54 72 89
200 49 66 81
190 45 60 74
180 40 54 67
170 36 49 60

Es wird angenommen, dass die Temperatur der zu erwärmenden Luft 60° F beträgt. Bei niedrigeren Temperaturen wäre die Menge an Wärme, die von den Rohren abgegeben wird, größer, bei höheren Temperaturen hingegen geringer. Die Menge an abgegebener Wärme ist dabei ungefähr proportional zur Temperaturdifferenz zwischen der Luft und den heißen Rohren. Es ist außerdem wichtig zu beachten, dass sich die Tabelle auf Dampfrohre in ruhiger Luft bezieht. Wenn diese Rohre in einen starken Luftstrom gebracht werden – wie unmittelbar vor oder hinter einem Ventilator – kann ihre Hebeleistung mindestens verdoppelt werden. Dies wurde in den folgenden Berechnungen nicht berücksichtigt.

Wenn man diese Werte auf die Schätzung von 1110 Kalorien pro Minute anwendet, die für das Trocknen in unserem Gebäude erforderlich sind, und davon ausgeht, dass durch die Wände 80 Kalorien pro Minute verloren gehen, ergibt sich insgesamt etwa 71.400 Kalorien pro Stunde. Um dies zu erreichen, wären 736 Fuß an 4-Zoll-Rohren bei einer Temperatur von 220° F nötig – diese Rohre sollten mit Abgasdampf beheizt werden – oder 700 Fuß an 2-Zoll-Rohren, die bei einer Temperatur von 300° F mit Dampf unter einem Druck von 52 lb beheizt werden.

Falls man von den Werten 1620 Kalorien für die Typen 5 und 6 ausgeht, wären jeweils 1050 bzw. 1000 Fuß dieser Rohre erforderlich. Das entspricht in etwa den schlimmsten Bedingungen. Man muss jedoch bedenken, dass diese Schätzungen für ein kontinuierliches Trocknen über 24 Stunden gemacht wurden. Wenn Ventilator und Dampf nur für einen Teil dieser Zeit eingesetzt werden, müssen sowohl die Luftzufuhr als auch die Dampfförderung entsprechend erhöht werden – oder die Trocknungszeit muss verlängert werden.

Es ist jedoch sehr wünschenswert, dass der Ventilator von einem kleinen, separaten Motor angetrieben wird. Der für diesen Motor benötigte Dampf macht nur einen kleinen Anteil des für die Heizung benötigten Dampfs aus. Zudem kann die gesamte Wärme dieses Dampfs wieder zurückgewonnen werden – schließlich wird auch die zur Antrieb des Ventilators verwendete Energie durch Reibung der Luft erneut in Wärme umgewandelt und kostet somit nichts. Diese Anordnung ermöglicht es, das Trocknen so lange fortzusetzen, wie der erforderliche Dampf vorhanden ist – was bei schlechtem Wetter leicht vom Nachtwächter gewährleistet werden kann. Es sei außerdem darauf hingewiesen, dass im größten Teil des Jahres…

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Die Ware kann ohne Wärme in einen „getrockneten“ Zustand gebracht werden – sei es im Freien oder, im Fall des Bearbeitens von Leder, indem ein erheblicher Teil des Wassers durch Drücken oder Auspressen entfernt wird, was zu weiteren Kosteneinsparungen führt.

Abb. 93 – Blackman-Lüfter.

Es bleibt dem Leser überlassen, denselben Berechnungsansatz auf andere Arten von Leder als Sohlen anzuwenden. Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass der entscheidende Faktor in Bezug auf Heizung und Belüftung das Gewicht des Wassers ist, das innerhalb einer bestimmten Zeit verdampft werden muss. Die tatsächliche Größe und Form des Trockenraums spielt keine Rolle, solange eine ausreichende Heizung sowie eine gute Luftzirkulation zwischen den Lederteilen gewährleistet sind. Diese Aussagen gelten auch für die Art des verwendeten Lüfters oder anderer Belüftungssysteme sowie für die Heizmethoden. Da die verbrauchte Wärmemenge sehr groß ist, ist es ratsam, nach Quellen für Abwärme zu suchen, die genutzt werden können, oder nach Möglichkeiten, um…

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Die Wärme des Brennstoffs kann direkter und vollständiger genutzt werden als bei der Erzeugung von Dampf. Somit kann man manchmal eine große Menge an Wärme erzielen, indem Luft durch Rohre oder „Economisatoren“, die in den Schornsteinrohren angebracht sind, geleitet wird;[184] oder es können Kielförmige Öfen bzw. „Kalorifere“ in einem separaten Raum verwendet werden, um die vom Ventilator angesaugte Luft direkt zu erwärmen.
[184] Diese Rohre sollten mit Bürstern ausgestattet sein, um Ruß zu entfernen – wie es beim Economisator von Green der Fall ist – andernfalls sinkt ihre Effizienz erheblich.

Abbildung 94: Querschnitt durch Trockenräume mit Ventilator.
Großer Querschnitt (150 kB)

Die Abbildungen 93 und 94, bereitgestellt von James Keith and Blackman Co., Ltd., geben einen guten Überblick über die Konstruktion von Schraubenventilatoren sowie die allgemeinen Prinzipien der Anordnung von Trockenräumen. In diesem Fall zirkuliert die Luft in entgegengesetzten Richtungen auf zwei Etagen, wobei das Ausmaß der Zirkulation durch Schieber an Stelle A usgerichtet wird. Die Anordnung der Rohre an den Enden der beiden Etagen ist im Allgemeinen eine gute Lösung – doch die Entfernung zwischen ihnen sollte nicht zu groß sein, sonst erfolgt die Trocknung in verschiedenen Bereichen des Raumes ungleichmäßig. Manchmal ist das vorteilhaft: Wenn die meiste Wärme der Luft zugeführt wird, die frisch von der Einlassöffnung im oberen Stockwerk kommt, kann die gedämpfte, kältere Luft des unteren Raumes kontinuierlich zur Trocknung feuchter Güter verwendet werden, während der obere Raum für die Trocknung des fertigen Leders reserviert bleibt. Ein Nachteil dieses Ansatzes ist, dass eine Trocknung im Freien nur selten möglich ist – außer in einem erhöht gebauten Gebäude. Selbst dann müssen Maßnahmen getroffen werden, um den unteren Raum bei kaltem Wetter zu heizen. Anstelle von zwei Etagen kann offensichtlich auch nur eine Etage verwendet werden.

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In zwei Kammern geteilt durch eine längs verlaufende Trennwand. Unabhängig davon, welche Rohre an den Enden des Gebäudes angeordnet sind, ist es ratsam, ausreichende Maßnahmen zu ergreifen, um Frost zu vermeiden – entweder an den Wänden oder auf die altmodische Weise auf den Böden unter dem Leder, allerdings nicht zu nahe daran. Die Rohre sollten außerdem durch ein Holzgitter geschützt werden, auf dem die Arbeiter stehen können; dadurch wird das Risiko von Unfällen durch herabfallendes feuchtes Leder auf die heißen Rohre vermieden. Der Raum hinter dem Gitter sollte an der Seite, die der Luftströmung zugewandt ist, offen sein, damit ein Teil der Luft angesaugt werden kann, sich erwärmt und nach oben steigt, während feuchte, kalte Luft vom Leder an ihre Stelle tritt und erneut aufgewärmt wird. Wasserdampf ist an sich leichter als Luft, doch die durch die Abkühlung bei der Verdunstung entstehende Kontraktion kompensiert dies mehr als ausreichend – weshalb feuchte Luft schwerer als trockene Luft ist. Die Anordnung der heißen Rohre in der Nähe der Decke eines Trockenraums, wie sie in einigen amerikanischen Gerbereien angewandt wird, ist grundsätzlich falsch – es sei denn, die Luft wird im oberen Teil des Raumes zugeführt oder die obere Ebene ist mit einem Gitter versehen. In anderen Fällen funktioniert diese Anordnung nur dann, wenn die Luft durch mechanische Belüftungsanlagen gründlich gemischt und zirkuliert wird. Rohre in der Nähe des Bodens sorgen selbst dann weiterhin für eine gewisse Luftzirkulation, wenn die Luftpumpe nicht in Betrieb ist. Bei der Schutz der Rohre mit Gittern muss darauf geachtet werden, sie nicht zu eng einzuschränken – sonst wird ihre Heizeffekt stark verringert. Bei der Trocknung mit Luftpumpen sollte das Leder so aufgehängt werden, dass es der Luftströmung entgegensteht, damit diese frei und gleichmäßig hindurchfließen kann. Im Fall von Ledersohlen lassen sich die Enden oder Biegungen bequem mit Messing- oder Eisendraht-Haken an Haken oder Nägeln in den Balken aufhängen. Falls zwischen den Lederstücken Gänge in Richtung der Luftströmung bleiben müssen, sollten diese in regelmäßigen Abständen entlang der Länge des Raumes mit Vorhängen oder Jalousien verschlossen werden, um die Luftströmung in Richtung des Leders zu lenken. Schraubenlüfter wie der Blackman können sowohl zum Saugen als auch zum Blasen von Luft verwendet werden – wobei das Saugen vorzuziehen ist, da es eine gleichmäßigere Luftzirkulation im Raum bewirkt. Auf der Ausblaseseite strömt die Luft mit erheblicher Geschwindigkeit in Form einer Art Kegel heraus; nur wenig Luft gelangt durch die Mitte des Lüfters, während die Luft in der Nähe der Ränder durch die Zentrifugalkraft schnell auseinanderstrebt. Dies ist vorteilhaft, wenn der Lüfter in einen offenen Raum bläst – doch es kommt zu Energieverschwendung, wenn die Luft in enge, quadratische Luftkanäle geleitet wird. Die Enden der Lüfterblätter des Blackman sind am Rand des Lüfters nach innen gebogen, um eine solche tangentielle Ausströmung zu verhindern. Doch es ist wahrscheinlich, dass es vorteilhafter wäre, einen Lüfter auf der Innenseite der Wand anzubringen – ohne gebogene Enden der Lüfterblätter –, damit…

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Der Luftstrom sollte so weit wie möglich verteilt werden. Ein mehr oder weniger ähnliches Ergebnis lässt sich mit einem Blackman-Lüfter erzielen, indem dieser in die entgegengesetzte Position zum vorgesehenen Einsatz gebracht und ebenfalls in umgekehrter Richtung betrieben wird – doch seine „Effizienz“ könnte dabei abnehmen.

Schraubenlüfter eignen sich gut dazu, große Mengen an Luft bei relativ niedrigen Geschwindigkeiten und bei geringem oder keinem Widerstand zu bewegen. Sie sind jedoch völlig ungeeignet, um Luft gegen hohen Widerstand oder durch enge Kanäle zu pressen. Zu diesem Zweck sind Zentrifugallüfter wie der Capel (Abb. 95) viel geeigneter und mechanisch effizienter. Auf jeden Fall kommt es beim Durchdringen enger Kanäle zu erheblichen Leistungsverlusten. Falls ein Schraubenlüfter dennoch verwendet werden muss, sollte der Kanal in seiner Querschnittsfläche so groß wie die Fläche des Lüfters sein, und alle spitzen Winkel im Laufweg sollten vermieden werden.

Es kommt zu großen Leistungsverlusten, wenn ein Luft- oder Wasserdurchfluss plötzlich von einem breiteren in einen engeren Kanal oder umgekehrt wechseln muss. In beiden Fällen kann der Widerstand verringert werden, indem die Vergrößerung oder Verkleinerung schrittweise erfolgt. Somit wird eine Rohrleitung, die Wasser unter einem bestimmten Druck in oder aus einem Reservoir leitet, eine viel größere Menge Wasser transportieren können, wenn ihre Enden kegelförmig gestaltet sind, anstatt abrupt abzuschließen. Aus denselben Gründen erfährt die Luft erheblichen Widerstand, wenn sie plötzlich in einen größeren Raum wie einen Trockenraum strömen muss. Unnötige Trennwände sowie andere plötzliche Dimensionenänderungen im Strömungsweg sollten vermieden werden. Kurven sollten ebenfalls möglichst anstelle von Winkeln verwendet werden.

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Abb. 95 – Zentrifugalventilator von Capel.

Systeme, in denen Luft durch einen Zentrifugalventilator in Heizrohrsysteme angesaugt oder hineingepresst wird und anschließend über relativ kleine Luftwege unter die zu trocknende Ware verteilt wird, sind in einigen Fällen praktisch und vorteilhaft. Dazu gehören beispielsweise die Systeme von Sturtevant sowie Seagrave-Bevington. Auf dem allgemeinen Prinzip der Erwärmung durch solche Luftverteilung kann kein gültiger Patentanspruch geltend gemacht werden – nur auf die speziellen Anordnungen oder Geräte, die in konkreten Fällen verwendet werden. Zentrifugalventilatoren sollten im Durchmesser deutlich größer sein als in der Länge; Ventilatoren mit langen, kleinen Laufrädern sind aufgrund unzureichender Luftzufuhr in die Mitte energieintensiv. Es gibt auch keinen Grund, warum in einigen Fällen Zentrifugalventilatoren nicht anstelle von Schraubenventilatoren im von mir beschriebenen Trocknungssystem eingesetzt werden sollten – insbesondere dann, wenn die Luft erheblichen Widerstand überwinden muss, beispielsweise beim Durchqueren eines Filters zur Entfernung von Staub. Einer der besten Filter für diesen Zweck ist ein Gitter aus Drahtgeflecht.

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Die Tiefe beträgt 3 bis 4 Zoll, wobei lose Wolle verwendet wird. Haare oder billigere faserige Materialien können anstelle der Wolle verwendet werden, sind aber weniger effektiv. Die Luft muss natürlich nach unten durch das Gaze gesaugt werden. Wenn die Wolle schmutzig wird, kann sie gewaschen werden – möglichst in einer Woll- oder Haarwaschmaschine – und anschließend wieder in feuchtem Zustand auf dem Tisch ausgebreitet werden, da sie durch den Luftstrom schnell trocknet. Flanell ist ebenfalls nützlich, wenn ein Wollefilter nicht praktikabel ist, erfordert jedoch häufiges Waschen.

Abgesehen vom Wind kann man sich bei der Trocknung in nennenswertem Umfang selten auf natürliche Belüftung verlassen. Geheizte Luft ist natürlich leichter als kalte Luft – das ist der Grund für den Schornsteinzug. Um jedoch eine gute Zirkulation auf diese Weise zu erreichen, sind hohe Höhen sowie hohe Temperaturen erforderlich. Dennoch wurde diese Methode in ihrer besten Form in Amerika häufig eingesetzt – in sogenannten „Türmtrocknern“, Gebäuden von sieben oder acht Stockwerken Höhe, die aus Holz gebaut sind und über gegliederte Böden verfügen. Sie werden von Damprohren an der Unterseite beheizt, wo die Luft eingeleitet wird. In unserem Land wird diese Methode wohl kaum verwendet werden, denn abgesehen von Kostenfragen, Brandgefahr sowie Schwierigkeiten beim Anheben und Senken des Leders entsteht nur dann ein guter Luftstrom, wenn die Außentemperatur im Vergleich zur Innentemperatur niedrig ist. In unserem milderen und feuchteren Klima sind die Bedingungen bei weitem nicht so günstig wie in den Vereinigten Staaten. Da die Luft durch die Abkühlung bei der Verdunstung stärker verdichtet wird als durch Wasserdampf erleichtert, neigt die Trocknung durch Aufwindbelüftung dazu, dass sich warme Luftströmungen bilden, während kalte und feuchte Luft nach unten sinkt. Aufgrund dieser unregelmäßigen Strömung ist es schwierig, die Luft gleichmäßig zu sättigen. Dies lässt sich durch Abwindbelüftung vermeiden – dabei wird warme Luft an der Oberseite des Trockenraums eingeleitet und kalte, feuchte Luft darf an der Unterseite entweichen. Dies legt nahe, dass bei der Verwendung von Trocknungssystemen wie dem Sturtevant-System es besser wäre, die Verteilungsrohre an der Oberseite statt an der Unterseite des Raumes anzubringen. In diesem Fall muss jedoch darauf geachtet werden, dass es keine Öffnungen gibt, durch die die Luft an der Oberseite des Raumes ohne Durchquerung des Leders entweichen kann. Wenn dies vermieden wird, wird die warme Luft auf der Oberfläche der kälteren und feuchteren Luft schweben und diese gleichmäßig nach unten und nach außen drücken. Ich glaube, dass Edward Wilson aus Exeter derjenige ist, der als Erster das Prinzip der Abwindbelüftung bei der Ledergetrocknung angewandt hat. Es ist notwendig, dass heiße Luft von oben eingeleitet wird oder kalte Luft von unten abgesaugt wird; allein das Platzieren von heißen Rohren in der Nähe der Oberseite des Raumes reicht nicht aus, um die gewünschte Wirkung zu erzielen.

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Zirkulation. Wilson platzierte seine Heizrohre in einem abgeteilten Raum an der Seite des Raumes, in dessen Unterseite kalte Luft von außen zugeführt wurde und an der Oberseite wieder in den Raum entwich. Da die Temperatur in diesem Seitenraum hoch war und die Luft dadurch leicht war, entstand dort eine Aufwärtsströmung – allerdings vermutlich nur unvollkommen, da die Höhe der Säule aus erhitzter Luft nur gering sein konnte. Mit Hilfe eines Ventilators, der einen Teil der Luft zirkulieren ließ, sollte diese Methode gute Ergebnisse liefern, insbesondere für zwei Stockwerke. Da die Luft auf ihrem Abwärtsweg nicht zufriedenstellend erhitzt werden konnte, eignete sich diese Methode nur für etwa zwei Stockwerke; außerdem erfolgte die Trocknung im unteren Raum auf kühlere und sanftere Weise.

Ein oder zwei Punkte bezüglich der praktischen Anordnung der Dampfrohre sollten erwähnt werden, da sie oft sogar von Fachingenieuren übersehen werden. Der Dampf muss stets am höchsten Punkt des Systems zugeführt werden, und es muss ein kontinuierlicher Abstieg ohne Hohlräume geben, in denen sich kondensierte Wasser ansammeln könnte, bis zum Dampfentlastungsventil, durch das das Wasser entfernt wird. In horizontalen Rohren reicht ein Abstieg von etwa 1 Zoll pro 100 aus. Wenn sich Wasser ansammelt, besteht nicht nur bei Frost ein ernsthares Risiko, sondern auch während der Nutzung kann durch die plötzliche Kondensation des Dampfs häufig ein Vakuum entstehen, in das das Wasser wie bei einem „Wasserschlag“ geschleudert wird – mit heftigen und lauten Erschütterungen sowie in manchen Fällen sogar Rissen in den Rohren oder Lockerung ihrer Verbindungen. Wenn Hochdruckdampf verwendet wird, reicht ein sehr kleiner Zuleitungsrohr, um ein beträchtliches System aus Heizrohren oder Radiatoren zu versorgen; bei Abgasdampf hingegen muss darauf geachtet werden, dass die Rohre ausreichend groß sind, um einen Rückdruck auf die Maschinen zu vermeiden. In beiden Fällen ist es oft praktischer, die Rohre nicht als durchgehende Linie anzordnen – bei der die Entwässerung in der Regel schwierig ist – sondern parallel zueinander, wie die Streben eines Gitterrohrs.

Bei Hochdruckdampf muss man keine Angst haben, dass der Dampf nicht zu allen Teilen der Rohre gelangt, solange die Rohre durch kleine Lüftungsventile frei von Luft gehalten werden – denn durch die Kondensation entsteht ein Vakuum, das proportional zur abgegebenen Wärme ist. Bei Abgasdampf ist kein Dampfentlastungsventil wünschenswert; jeder nicht kondensierte Dampf sollte frei in die Außenluft oder einen Schornstein entweichen können (nach Trennung des kondensierten Wassers). Es ist außerdem ratsam, den Widerstand in allen Rohren eines Gitterrohrs annähernd gleich zu machen – dies lässt sich erreichen, indem der Dampf an einer Ecke zugeführt und am gegenüberliegenden (diagonalen) Ende entweichen lässt. Bei der parallelen Anordnung der Dampfrohre muss stets berücksichtigt werden, ob eine Reparatur an einem Rohr oder einer Verbindung ohne Störung der anderen möglich ist.

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Es werden Eisengroßrohre verwendet; jedes Rohr muss mit einer verschraubten Flanschplatte ausgestattet sein, damit es geöffnet werden kann. Dabei muss man die Schwierigkeit berücksichtigen, die Längen der einzelnen Rohre genau anzupassen – insbesondere bei geriffelten Metallrohren – sowie ihre Ausdehnung beim Erwärmen, die je nach Temperatur des Dampfes und der Luft etwa 1 bis 2 Teile pro 1000 der Rohrlänge beträgt. Ausdehnungsverbindungen mit Dichtkästen sind kostspielig, problematisch und neigen zum Leckagen; in vielen Fällen können sie durch eine geeignete Anordnung der Rohre vermieden werden. Anstelle dessen, dass die Rohre an beiden Enden fest fixiert werden, kann ein Ende des Systems frei beweglich gelassen werden; jedes Rohr führt dann separat zu einem Austrittsrohr am selben Ende, das jedoch auf niedrigerem Niveau als die Zuleitung liegt. Oder es kann ein einziges Austrittsrohr verwendet werden, dessen Ausdehnung und Zusammenziehung praktisch der der Heizrohre entspricht. Bei mittleren Längen von Schmiedeeiserrohren kann oft ausreichend Entlastung durch die Biegung des Rohres erreicht werden, wenn es in einem Teil seines Verlaufs senkrecht zu seiner Hauptrichtung geführt wird – was aus anderen Gründen oft notwendig ist. Wenn die Rohre in großen Längen verlegt werden, sollte das freie Ende auf Rollen oder kurzen Rohlstücken abgestützt werden, um eine Bewegung der Stützen oder eine Belastung des Rohres durch Ausdehnung zu vermeiden.

Es ist sinnlos, versuchen zu wollen, die Temperatur von Niederdruckdampfrohren durch Herabregulierung des Dampfdrucks zu steuern – schließlich kann die Temperatur solange nicht unter 100° sinken, solange das Rohr mit ausreichend Dampf versorgt wird. Auch bei Hochdruckrohren ist die Möglichkeit zur Regulierung durch Änderung des Dampfdrucks sehr begrenzt. Es ist viel besser, die Rohre oder Radiatoren in Gruppen anzuordnen, von denen aus der Dampf vollständig abgeschaltet werden kann, wenn weniger Wärme benötigt wird. Man darf nicht vergessen, dass, wenn diese Rohre in einen gemeinsamen Dampfentlaster münden, auch deren Austrittsrohre sowie die Dampfzufuhr abgeschaltet werden müssen – sonst kehrt Dampf aus den anderen Rohren zurück und verhindert vermutlich das Entweichen des kondensierten Wassers. In einigen Fällen ist es praktischer, den einzelnen Abschnitten separate Austrittsrohre oder Dampfentlaster zur Verfügung zu stellen.

Derzeit gibt es viele gute Dampfentlaster auf dem Markt, die entweder auf der Ausdehnung und Zusammenziehung von Metallen oder auf Schwimmkörpern in einer geschlossenen Box beruhen – diese öffnen eine Ventil, sobald sich Wasser ansammelt. Dampfentlaster dieser Art mit geschlossenen Kupferkugeln sollten vermieden werden, da die Kugel letztendlich mit Wasser gefüllt wird. Es wurden mehrere Dampfentlaster entwickelt, bei denen ein offenes Behältnis als Schwimmkörper verwendet wird; dieses bleibt stets leer, da das Wasser durch ein in ihn eingetauchtes Rohr abgeleitet wird.

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Das kondensierte Wasser aus den Dampfrohren eignet sich selten für die Verwendung in der Gerberei – aufgrund des darin enthaltenen gelösten und suspendierten Eisensoxids, das nur durch Kochen und Filtern oder durch Behandlung mit Ausfällungsmitteln beseitigt werden kann (S. 95). Die geeignetste Verwendung ist in der Regel die Rückführung in den Kessel. Früher waren Systeme in Gebrauch, bei denen das Wasser nach seiner Kondensation direkt in den Kessel zurückgeleitet wurde; doch diese funktionierten nur dann, wenn der Druck in den Rohren dem im Kessel entsprach – was selten der Fall war. In der Regel muss das Wasser daher mit einer Zufuhrpumpe oder einem Injektor eingeleitet werden.

Warmes Wasser wird oft gegenüber Dampf zur Beheizung bevorzugt, ist jedoch teurer, da ein separater Kessel sowie eine viel größere Rohrfläche für denselben Effekt erforderlich sind. Sein einziger bedeutender Vorteil ist, dass die Rohre ihre Wärme eine Weile lang behalten, selbst wenn das Feuer erloschen ist, während Dampfrohre sofort abkühlen, wenn Dampf im Kessel abnimmt. In einer größeren Gerberei tritt dies jedoch selten oder nie auf – schließlich enthält ein Kessel bei gutem Dampfdruck nachts, wenn die Feuer heruntergefahren sind, bereits einen großen Wärmespeicher. Natürlich ist außerdem ein Betriebsdruck erforderlich, damit die Maschinen am Morgen anspringen können. Warmwassersysteme erfordern eine sorgfältige Planung, um eine zuverlässige und gleichmäßige Zirkulation zu gewährleisten.

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KAPITEL XXVII.
Bau und Wartung von Gerbereien.

Da nur wenige Architekten sich besonders mit dem Bau von Gerbereien beschäftigt haben und in den meisten Fällen die Anordnung stark vom Wissen des Gerbers selbst abhängt, ist ein kurzes Kapitel zu diesem Thema angebracht. Bei der Auswahl eines Standorts sollte man Ton- oder Lehmboden vor Kies- oder Sandboden bevorzugen, da dadurch das Risiko von Undichtigkeiten sowie von Verschwendung von Flüssigkeiten verringert wird. Vielleicht ist jedoch die wichtigste Überlegung überhaupt die Möglichkeit zur Entwässerung sowie zur Beseitigung der Abwasserflüssigkeiten und Waschwässer, denn heutzutage ist es nur selten möglich, diese ohne vorherige Behandlung in einen Fluss oder Bach zu leiten. In Kapitel XXVIII werden einige Informationen über die Methoden der teilweisen Reinigung gegeben, die dem Gerber zur Verfügung stehen; doch diese sind stets kostspielig und aufwendig. Die Möglichkeit, die Abwässer direkt in ein Abwassersystem oder einen Fluss zu leiten, ist daher von großem Vorteil. Gemäß dem Gesetz über die öffentliche Gesundheit sind die Behörden verpflichtet, Produktionsabfälle in ihre Abwassersysteme aufzunehmen, sofern diese ausreichend kapazitiv sind und die Abfälle weder die Abwassersysteme schädigen noch die von den Behörden angewandten Reinigungsverfahren stören. In vielen Gebieten wurde dieses Gesetz durch spezielle Gesetze ersetzt; doch Gerbereiabfälle werden im Allgemeinen in Abwassersysteme aufgenommen, sofern sie frei von festen Stoffen sind. Wenn sie mit anderen Abwässern vermischt werden, stören sie weder die Bewässerung noch die bakterielle Behandlung. Bei der Auswahl eines Standorts in einem abwassergeführten Gebiet muss darauf geachtet werden, dass keine störenden Gerüche entstehen, die die Umgebung belasten könnten. Eine ordnungsgemäß betriebene Gerberei sollte eigentlich keine wirklich schädlichen Gerüche verursachen; doch es ist schwierig, Gerüche zu vermeiden – ein einziger unzufriedener Nachbar kann unendliche Probleme und Kosten verursachen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Wasserversorgung, denn für die großen Mengen Wasser, die in einer Gerberei benötigt werden, ist städtisches Wasser in der Regel sehr teuer. Informationen zur Qualität und zu den Verunreinigungen des Wassers finden sich in Kapitel X; im Allgemeinen gilt jedoch: Je weicher und reiner die Wasserversorgung ist, desto besser. Ebenso vorteilhaft ist es, wenn die Quelle auf einer Höhe liegt, sodass das Wasser in den Gerbereibereich oder zumindest in das Gebäude fließen kann, ohne…

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Pumpen. Auch die Filtrierung wird bei Bedarf durch einen ausreichenden Wasserspiegel erheblich erleichtert.
Kommerzielle Faktoren wie die Nähe zu Märkten und Lieferquellen für Rohmaterialien sowie die Verfügbarkeit von Schienen- und Wassertransportmitteln sind mindestens genauso wichtig wie die bereits erwähnten Aspekte, fallen aber kaum in den Umfang dieser Arbeit.
Nachdem der Standort gewählt wurde, stellt sich die nächste Frage nach der Anordnung der Gebäude. Es ist äußerst fraglich, ob es sinnvoll ist, Trockenhallen über den Gruben zu errichten, sofern der Boden nicht unverhältnismäßig teuer ist. Im Falle eines Brandes entstehen durch Hitze und brennendes Holz sehr ernsthafte Schäden an Flüssigkeiten und Leder. Falls eine Turmform des Trockners gewählt wird, sind starke Fundamente erforderlich, und das Erdgeschoss oder Kellergeschoss wird mit Heizanlagen belegt; bei Lufttrocknung sind hohe Gebäude nicht nötig, und die Trockenräume können bequem über den Verarbeitungs- und Gerbwerken angeordnet werden. Andererseits kann die Gerberei einfach und günstig mit Schieferdächern sowie nahezu vertikalen Glasflächen – möglichst im Norden – bedeckt werden, ähnlich wie eine Weberei, wodurch ausreichend Licht für eine angenehme Arbeit und Sauberkeit zugeführt wird. Direkte Sonnenstrahlen sollten vermieden werden, doch meiner Ansicht nach spricht viel dafür, ausreichend Licht zur Verfügung zu stellen. Eisendächer sind ungeeignet, da sich auf ihnen Feuchtigkeit kondensiert und sie rosten lassen; außerdem fallen Oxidpartikel in die Flüssigkeiten und verursachen Eisenspuren.
Überall dort, wo Dampf oder heiße Flüssigkeiten verwendet werden, muss eine gute Belüftung entlang der Dachkante gewährleistet sein; andernfalls führt die kondensierte Feuchtigkeit schnell zum Verfall.
Bei der Planung des Gesamtlayouts der Gebäude hängt vieles von den örtlichen Gegebenheiten ab; doch soweit möglich müssen die Gebäude so angeordnet werden, dass die Lederbearbeitung ohne unnötiges Tragen oder Transportieren von einem Bereich in den anderen erfolgen kann. Die Gebäude, in denen Energie verbraucht wird, sollten in der Nähe des Motors liegen, um lange Leitungen zu vermeiden, die viel Energie verschwenden. Zudem sollten die verschiedenen Gebäude so voneinander getrennt sein, dass das Risiko eines vollständigen Ausfalls im Falle eines Brandes verringert wird.
Ein Kapitel über den Bau und die Instandhaltung von Gerbereien und Lederfabriken wäre unvollständig, wenn es nicht auch die sehr wichtige Frage der Feuerversicherung behandeln würde.[185] In gewissem Maße kann dies als fester Kostenfaktor für jedes Unternehmen angesehen werden, ähnlich wie lokale und staatliche Abgaben. Es darf jedoch nicht übersehen werden, dass der Betrag der Versicherungsprämie bis zu einem erheblichen Grad vom Versicherten selbst bestimmt wird. Wenn ein

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Man führt sein Geschäft in ungeeigneten und schlecht gebauten Gebäuden; wenn man den grundlegenden Gefahren, die mit einem Brandausbruch verbunden sind, keine Aufmerksamkeit schenkt, darf er die Versicherungsgesellschaften nicht dafür verantwortlich machen, dass sie eine Prämie fordern, die er als übermäßig ansieht. Wenn diese mangelhafte Bauweise sowie unzureichende Ausstattung der Gebäude in erheblichem Maße in einem bestimmten Gewerbe vorliegen, in dem der Arbeitsablauf mehr oder weniger gefährlich ist, ist es sinnlos, bei den Versicherungsgesellschaften – die letztendlich nur kommerzielle und keine wohltätigen Institutionen sind – um eine Senkung der Prämien zu bitten. Das einzige Kriterium, das die Versicherungsgesellschaften leiten sollte, ist das Schadensverhältnis; bei einem hohen Schadensverhältnis muss entsprechend hohe Prämien gezahlt werden.

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[185] Was die Feuerversicherung betrifft, so bin ich Herrn A. W. Bain aus Leeds für wertvolle Informationen sehr dankbar.
Dank der modernen Wissenschaft gibt es jedoch eine Methode, mit der der größte Teil der Brände bereits in ihrer Entstehungsphase eingedämmt werden kann: ein automatisch arbeitendes Gerät von bewährter Effizienz. Dieses Gerät wird als Sprinklersystem bezeichnet. Ein System aus Wasserrohren wird unter den Decken des zu schützenden Gebäudes angebracht; in regelmäßigen Abständen sind daran Sprinklerdüsen befestigt. Jede dieser Düsen wird durch eine Ventil geschlossen, die wiederum durch einen Verbund aus schmelzbarem Metall fixiert ist – dieses Metall gibt bei einer Temperaturerhöhung über einen bestimmten Wert nach. Es gibt zwei oder drei anerkannte Ausführungsarten, die nach gründlichen Untersuchungen und praktischen Tests vom Ausschuss der Feuerwehrbehörden genehmigt wurden. Diese Geräte werden in diesem Land bereits seit etwa fünfzehn Jahren eingesetzt. Einer der ersten Berufsgruppen, die deren Nutzen erkannten, waren die Baumwollspinnereibesitzer. Früher kam es im Baumwollhandel häufig zu schweren Bränden. Heute können zwar Brände genauso oft entstehen wie früher, doch sie werden in einem solchen Stadium gestoppt, dass erhebliche Verluste vermieden werden. Infolgedessen haben die Baumwollspinnereibesitzer, die einst als hochriskante Kunden galten und deren Risiken nur wenige Versicherungsgesellschaften versichern wollten, heute die Möglichkeit, ihre Geschäfte erfolgreich weiterzuführen – und erhalten zudem erhebliche Rabatte auf die Prämien, die sie einst zahlen mussten.
Noch wichtiger ist jedoch die Tatsache, dass ihre Geschäfte weniger gefährdet sind, durch Brände beeinträchtigt oder stillgelegt zu werden. Schätzungen zufolge sind derzeit mindestens 90 Prozent der Baumwollspinnereibesitzer dabei, ihre Betriebe mit Sprinklersystemen zu schützen. Andere gefährdete Branchen wie Mühlenbetreiber, Hersteller von Wolle und Worsted sowie Sägewerksbesitzer nutzen diese Geräte ebenfalls rege. Überraschenderweise haben bislang nur sehr wenige Gerbereien oder Kurierläden dies getan – soweit ich weiß, nicht mehr als zwölf. Infolgedessen bleibt das Verlustrisiko in der Gerbereibranche weiterhin hoch: Die Prämien für die Feuerversicherung sind erheblich gestiegen, wodurch die Gewinne der Gerber entsprechend geringer ausfallen. Angesichts des Umfangs und der Bedeutung vieler Risiken in der Gerbereibranche in ganz Großbritannien ist es erstaunlich, dass diese Geräte bisher nur so selten eingesetzt werden.
Der Bau einer neuen Gerberei erfordert aus versicherungstechnischer Sicht besondere Aufmerksamkeit. Der Dampfkesselraum sollte ein eigenständiges Gebäude sein;

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Die Zerkleinerung von Rinde und Myrobalanen sollte in Gebäuden durchgeführt werden, die von den übrigen Arbeitsbereichen getrennt sind. Tatsächlich kann einem Gerber weder bei dem Bau neuer Gebäude noch bei der Umgestaltung alter Gebäude besseren Rat gegeben werden, als sich an einen erfahrenen Versicherungsfachmann – sei es ein Beamter oder Makler – zu wenden, um herauszufinden, wie man am besten vorgeht, um die günstigsten Bedingungen zu erlangen.

Ein weiterer Punkt, der berücksichtigt werden sollte und oft übersehen wird, ist die Machbarkeit einer zukünftigen Erweiterung ohne größere Umstrukturierungen. Es ist möglich, dass kleine Gerbereien nicht rentabel betrieben werden können – und falls ein Betrieb erfolgreich ist, wird eine Erweiterung wünschenswert sein. In einem schlecht geplanten Gelände kann dies entweder eine sehr teure und umständliche vollständige Neubauweise erfordern oder die Trennung neuer Abteilungen, was wiederum zu erheblichen Kostensteigerungen führt. Eine gute Lösung ist ein langgestrecktes Gebäude, das den gesamten Bereich verbindet; dahinter können die verschiedenen Abteilungen rechtwinklig errichtet werden, sodass bei Bedarf Platz für weitere Erweiterungen vorhanden ist.

Was die erste dieser Voraussetzungen angeht: Wenn die verschiedenen Behandlungsschritte gut organisiert sind, ist es im Grunde nicht notwendig, mehr zu tun, als die Produkte während des gesamten Prozesses von einem Ort zum anderen zu transportieren. Zu den Behandlungsstationen müssen die Produkte in der Regel getragen oder per Wagen transportiert werden. In den Hallen – falls es sich um eine Gerberei für Ledersohlen handelt – sollten die Produkte zunächst in speziellen Räumen zur groben Trocknung untergebracht werden; anschließend in Räumen, die vor Zugluft geschützt sind, zur Weichmachung vor der weiteren Bearbeitung. Die Bearbeitungsmaschinen sollten sich in einem angrenzenden Raum oder direkt darunter befinden; danach folgt ein kleiner Raum zur Trocknung vor dem Rollen; anschließend der Raum mit den Rollmaschinen sowie ein warmer Ofen zur endgültigen Trocknung. Wenn zwei solcher Öfen zur Verfügung stehen und abwechselnd genutzt werden können, können die Produkte ohne Entnahme ausgetrocknet werden und anschließend sofort in das Lager gebracht werden – ohne das Risiko einer Übertrocknung, was besonders dann schwierig zu vermeiden ist, wenn das Leder direkt aus dem heißen Trockenraum geholt werden muss. Die gleichen Prinzipien lassen sich auch in Anlagen für leichteres Leder anwenden.

Um Verluste bei der Energieübertragung zu verringern, sollte der Motor in der Nähe des Zentrums der Hauptgebäude angeordnet werden – vielleicht mit der Zerkleinerungsmaschinerie auf der einen Seite und der Lederbearbeitung auf der anderen Seite. Allerdings könnte dies das Brandrisiko erhöhen. Ein sehr guter Plan wäre es, den Maschinenraum wie vorgeschlagen im Zentrum unterzubringen, aber von den Gebäuden getrennt.

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Jede Seite ist mit Ziegeldächern versehen; dahinter befindet sich das Kesselhaus, das unter einem separaten Dach steht – beispielsweise aus Wellblech. Wenn es nicht möglich ist, den Motor in der Nähe seiner Arbeitsstelle zu platzieren, ist es in den meisten Fällen besser, einen separaten Hochdruckmotor einzusetzen. Dieser kann hinter einer Glaswand angeordnet werden und den ganzen Tag über nahezu ohne weitere Aufmerksamkeit arbeiten. Der Leistungsverlust durch den Transport von Dampf über ausreichend große und gut isolierte Rohre über mittlere Entfernungen ist viel geringer als bei langen Antriebswellen. Der Autor kennt Fälle, in denen bereits die Hälfte der angegebenen Motorleistung auf Reibung im Motor, in den Antriebswellen sowie in den Bändern verbraucht wurde. Für die Nutzung in Gerbereien sind in der Regel Hochdruckmotoren vorzuziehen, da der Abgasdampf in der Regel zur Beheizung genutzt werden kann. Sowohl die Anschaffungskosten als auch die Wartungskosten sind dabei geringer. Wenn viel Brennstoff verbraucht wird, lohnt es sich sehr, gelegentlich die Leistung der Zylinder zu überprüfen – sowohl im Leerlauf als auch beim Antrieb der Maschinen. Auf diese Weise erhält man viele Informationen darüber, wie viel Energie für die verschiedenen Maschinen aufgewendet wird. Oft lässt sich durch eine richtige Einstellung der Ventile erhebliche Einsparung erzielen. Um wirtschaftlich arbeiten zu können, sollte ein Motor über ausreichende Leistung verfügen, um alle Aufgaben bewältigen zu können. Er sollte außerdem so eingestellt werden, dass er seine Arbeit erledigt – nicht indem man den Dampfdruck senkt oder ihn am Drosselventil zurückhält, sondern indem man die Schiebenventile so einstellt, dass der Dampf möglichst früh abgeleitet wird. Wie früh dies möglich ist, zeigt sofort ein Indikationsdiagramm. Wenn der gesamte Abgasdampf nutzbringend zur Beheizung verwendet werden kann, spielt die Wirtschaftlichkeit des Motors eine geringe Rolle. Andernfalls ist es jedoch unklug, aus Gründen geringerer Anschaffungskosten einen alten oder minderwertigen Motor einzusetzen – schließlich muss man dafür mit hohem Brennstoffverbrauch bezahlen. Bei der Auswahl eines Motors ist der Rat eines erfahrenen Ingenieurs wünschenswert, denn viele mechanisch gut hergestellte Motoren sind aufgrund fehlerhafter Konstruktionen nicht wirtschaftlich. In dieser Hinsicht ist der englische Motorenhersteller oft seinem besser ausgebildeten kontinentalen Konkurrenten unterlegen. Anstelle kleiner Dampfmotoren zur Leistungsverteilung sollte man auch elektrischen Antrieb in Betracht ziehen. Bei langen Antriebswegen ist der Leistungsverlust viel geringer als bei Antriebswellen. Durch die Konzentration der gesamten Leistung in einem großen und gut konstruierten Motor können die Kosten pro Pferdestärke erheblich gesenkt werden. Während große und gut konstruierte Motoren eine Pferdestärke bei einem Kohleverbrauch von 1½ Pfund pro Stunde erzeugen können, ist es nicht ungewöhnlich, für denselben Ausstoß 12 Pfund Kohle benötigen zu müssen. In Gerbereien macht die für die Produktion benötigte Leistung jedoch nur einen viel geringeren Anteil an den Gesamtkosten aus als in der Textilindustrie und vielen anderen Bereichen.

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Andere Berufe. Die Anfangskosten für die elektrische Antriebstechnik sind etwas hoch. In allen Bereichen, in denen die Motoren Feuchtigkeit oder Staub ausgesetzt sind, müssen Motoren vom „panzerierten“ oder eisernen Typ verwendet werden. Man muss bedenken, dass ein Elektromotor bei hoher Last nicht anspringt, da er erst bei hoher Drehzahl seine volle Leistung entwickelt. Wenn er bereits vor Erreichen dieser Geschwindigkeit dem vollen Stromdruck ausgesetzt wird, können seine Spulen wahrscheinlich verbrennen – es sei denn, der Sicherungsschalter schützt sie. Ein ähnliches Risiko besteht, wenn der Motor durch Überlastung während des Betriebs beschädigt wird. Deshalb ist es in der Regel notwendig, den Motor mit seiner Antriebsachse über eine Kette zu verbinden, die erst dann auf die Antriebsrolle aufgelegt wird, wenn diese ihre volle Geschwindigkeit erreicht hat.

In einigen Fällen ist der Einsatz von Verbrennungsmotoren praktisch und wirtschaftlich – denn obwohl Stadtgas ein teures Brennstoff ist, liefern die besten Verbrennungsmotoren eine höhere mechanische Effizienz als Dampfmaschinen, und sie erfordern kaum Wartung.

Bei der Planung der Antriebswellen sollten für die Hauptantriebswege mittlere Drehzahlen gewählt werden – etwa 100–150 Umdrehungen pro Minute. Wenn höhere Drehzahlen erforderlich sind, sollten diese durch leichte und gut ausbalancierte Gegenwellen sowie Rollen aus Schmiedeeisen oder Holz erreicht werden. (Vgl. S. 452.) Bei der Berechnung der Drehzahlen muss man bedenken, dass sie umgekehrt proportional zur Größe der Rollen variieren. Somit treibt eine 3-Fuß-Rolle, die mit 100 Umdrehungen pro Minute läuft, eine 2-Fuß-Rolle mit 150 Umdrehungen pro Minute an – und eine 12-Zoll-Rolle mit 300 Umdrehungen pro Minute. Natürlich überträgt eine Welle bei höherer Geschwindigkeit mehr Leistung – doch erhöhter Reibungswiderstand sowie Abnutzung begrenzen diesen Vorteil schnell. Die Geschwindigkeit einer Kette in Fuß pro Minute ergibt sich durch Multiplikation der Umdrehungen pro Minute mit dem Umfang der Rolle in Fuß oder mit ihrem Durchmesser multipliziert mit 31⁄7 – genauer gesagt mit 3·1416.

Rollen sollten immer ausreichend breit sein, um die Leistung zu übertragen, die sie bewältigen müssen. Es ist sowohl hinsichtlich der Leistung als auch der Kosten wirtschaftlicher, breite Einzelketten statt doppelter Ketten desselben Durchmessers zu verwenden. Falls eine Rolle keine Kette mit ausreichendem Durchmesser aufnehmen kann, kann laut Herrn J. Tullis eine zweite Kette auf der Oberseite der ersten angebracht werden – diese übernimmt dann ihren Anteil an der Arbeit. Ketten sollten gelegentlich mit Seife und lauwarmem Wasser gewaschen und mit Rizinus- oder Neatsfootöl eingefettet werden. Falls die Ketten ausreichend breit sind, ist es nicht notwendig, Rosin oder andere Klebstoffe zu verwenden, damit sie sich an der Rolle festhalten. Chromlederketten sollten stets gründlich eingefettet werden. Sie weisen eine viel größere Haftkraft auf als Lederketten aus pflanzlichen Gerbstoffen – und diese Haftkraft wird durch das Einreiben mit Öl noch weiter erhöht. Gute Chromlederketten sind viel widerstandsfähiger als Lederketten aus Rinde – und werden dadurch nicht beeinträchtigt.

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durch Feuchtigkeit oder Dampf – doch im Allgemeinen dehnt es sich etwas mehr aus. Hersteller von Maschinen machen oft den Fehler, ihre Antriebsflaschenbälge sowohl in der Breite als auch im Durchmesser zu klein zu konstruieren. Die Leistung, die ein Band übertragen kann, variiert natürlich stark je nach Umständen, kann aber ungefähr mit der Formel a·v berechnet werden, wobei a die Kontaktfläche des Bandes mit dem kleinsten Flaschenbalg und v seine Geschwindigkeit in Fuß pro Minute ist. Eine weitere Regel besagt, dass bei einer Geschwindigkeit von 1000 Fuß pro Minute jedes Zoll Breite des Bandes auf Metallflaschenbällgen 2½ Pferdestärken und auf Holzflaschenbällgen 5 Pferdestärken übertragen sollte – auf letzteren ist die Haftung größer. Die Haftung kann auch durch das Bedecken der Flaschenbälge mit Leder oder Indusrubber erhöht werden. Beide Regeln gehen davon aus, dass das Band ausreichend stark ist. Eine Pferdestärke würde durch ein Band übertragen, das mit einer Kraft von 33 lb pro Minute 1000 Fuß zurücklegt. Ein gutes Einzelband sollte bei weitaus geringerer Belastung als 1000 lb pro Zoll Breite nicht reißen und einer Arbeitsbelastung von etwa 1/10 standhalten. Die folgende Tabelle gibt die experimentell ermittelten Bruchbelastungen sowie Dehnungen einiger Ledersorten an. Es sei darauf hingewiesen, dass eine Querschnittsfläche von 1 Quadratzoll einer Bandbreite von 4 Zoll × einer Dicke von 1/4 Zoll entspricht; außerdem gilt: Kilogramm pro cm² × 14,22 = Pfund pro Quadratzoll.
Bruchbelastungen von Leder.[186]

— Kilogramm Pfund Dehnung
pro Quadratzentimeter pro Quadratzentimeter pro
Zentimeter. Meter.
Ledergürtel, Schichtsystem: 283 4.030 25,4
„“ Durio-System: 298 4.240 21
Gut gegerbtes Chromleder: 740 10.500 32,5
Übergerbtes Chromleder: 234 3.330 23
Gefülltes Aluminiumleder: 835 11.900 38,3
Aluminiumbehandeltes „Rohleder“: 921 13.100 31,4
[186] ‘Gerber,’ 1900, S. 73.

Gutes englisches, gegerbtes Ledergürtelleder reißt bei einer Bruchbelastung von 4.500 bis 5.500 Pfund pro Quadratzoll Querschnittsfläche. Übergerbte Ledersorten sind, egal ob sie pflanzlich oder mineralisch gegerbt wurden, weniger widerstandsfähig als那些, die nur leicht gegerbt wurden. Die Zugfestigkeit des Leders variiert erheblich je nachdem, aus welchem Teil des Tierkörpers es stammt – der Bereich rund um die Nieren ist in der Regel am stärksten. Selbst dicke

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Und hartes Leder reißt leicht, sobald eine Schnittstelle oder ein Kratzer entsteht. Zudem sollten alle Löcher, die zur Verbindung der Bänder verwendet werden, sorgfältig abgerundet sein. Glukose sowie der Einsatz von Säuren beim Bleichen verringern beide die Härte der Bänder – außerdem können sie durch die bei der Bewegung auf einer Rolle entstehende Wärme weich werden. Gegenwellenantriebe sowie Hochgeschwindigkeitsmaschinen wie Zerkleinerer oder Prüfmaschinen vom Typ Priestman sollten ohne erhebliche Vibrationen laufen. Wenn das der Fall ist, deutet dies in der Regel darauf hin, dass die beweglichen Teile nicht ausgewogen sind. In diesem Fall muss der Achsenkörper aus seinen Lagern genommen und auf zwei genau horizontale Geraden gestützt werden, auf denen er rollen wird, bis der schwerste Teil nach unten zeigt. Anschließend muss das Gewicht entweder reduziert oder erhöht werden, bis die Maschine in jeder Position ruhig steht. Auf diese Weise musste der Autor insgesamt 2 Pfund Eisen hinzufügen, um den Trommelteil einer Prüfmaschine auszugleichen und so störende Vibrationen zu verhindern. Natürlich sollten alle Maschinen möglichst fest abgestützt werden; falls die Umstände es zulassen, sind die meisten Maschinen im Erdgeschoss am besten aufgehoben. Bei der Platzierung von Rindenmühlen ist es jedoch oft praktischer, sie auf einer höheren Ebene anzubringen, damit das Material durch sein eigenes Gewicht an die gewünschten Stellen gelangen kann. Eine Alternative besteht darin, die Mühle direkt auf dem Boden über einem Loch zu platzieren und das Material mit einem Korbheber hochzuziehen. Dies lässt sich erfolgreich durchführen, indem das Material direkt von der Mühle in die Körbe fällt; ansonsten muss es mit einer Schaufel hineingebracht werden, da die Körbe selbst kein Rindenmaterial aufnehmen können – auch nicht aus einem Behälter. Auf jeden Fall neigen solche Heber dazu, Probleme zu verursachen. In einer von dem Autor entworfenen Mahlanlage wurde das noch nicht gemahlene Material auf dem Kellerboden in einen eisernen Wagen geladen, der anschließend in einen eisernen Schwenkarm gefahren wurde, der wie ein Hebezeug zwischen senkrechten Leitungen funktionierte. Durch Ziehen an einer Bremse wurde der Wagen in die oberste Etage des Gebäudes gehoben, und sein Inhalt wurde in einen großen Behälter geleert. Danach richtete sich der Wagen wieder auf und fuhr nach unten, um eine weitere Ladung aufzunehmen. Am Boden des Behälters befand sich ein Schieber, der das Material auf schwingende Siebe drückte, wodurch es je nach Bedarf entweder in einen Zerkleinerer oder in Zerkleinerungsrollen geleitet wurde. Beide Systeme leiteten das Material durch eiserne Ausläufe in große Behälter an der Außenseite eines Ziegelgiebelns – von dort konnten pulverförmige Materialien wie Myrobalan und Valonia direkt in Wagen oder Lastwagen umgeleitet werden. Es ist sehr wünschenswert, dass solche Behälter durch eine feuerfeste Trennwand vom Hauptgebäude getrennt sind. Brände können entstehen, wenn harte Substanzen zusammen mit der Rinde in die Zerkleinerer gelangen. Falls dies bei trockenem und staubigem Gerbstoffmaterial der Fall ist, ist es durchaus möglich, dass…

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Es kann zu einer Explosion kommen, wie es manchmal in Mehlmühlen der Fall ist – dabei breitet sich das Feuer schnell entlang der Auslassrohre sowie in Räume aus, die mit staubigem Luftgemisch gefüllt sind. Versicherungsgesellschaften verlangen in der Regel einen höheren Preis für solche Anlagen. Es ist daher sehr ratsam, das Mühlgebäude strukturell von anderen Gebäuden zu trennen – sei es durch eine eigentliche Trennung oder durch den Einsatz von Ziegeldächern, die die Dächer voneinander trennen. Im Allgemeinen sind jedoch Mühlen vom Typ Kaffeeverarbeiter genauso gefährlich wie solche Anlagen zur Zerkleinerung von Materialien; denn wenn diese teilweise verstopfen, entsteht durch Reibung eine große Hitze. In Amerika wird das Brandrisiko durch Mühlen oft verringert oder vermieden, indem ein Dampfstrahl in die Kammer oder das Auslassrohr eingeleitet wird – doch dies ist nur zulässig, wenn das zu verarbeitende Material sofort zu den weiteren Verarbeitungsstufen gebracht wird. Der Einsatz von Kettenförderern zur Handhabung von feuchtem und trockenem Material ist in Amerika praktisch allgegenwärtig, in England hingegen eher selten. Es werden verschiedene Arten von Ketten verwendet; die häufigste besteht aus Quadratlinken aus schmiedbaren Gusseisen, die ineinander greifen, sodass ein gebrochener Link sofort ersetzt werden kann (siehe S. 325). In regelmäßigen Abständen werden spezielle Links eingefügt, die in verschiedenen Formen erhältlich sind und zum Befestigen von Schabern oder Eimern dienen. Die endlose Kette läuft in einer Rinne mit rechteckiger oder V-förmiger Querschnittsform und wird von einem Zahnrad angetrieben; sie läuft dabei wie ein Band über dieses Rad. In einigen Fällen kann die zurückkehrende Hälfte der Kette dazu genutzt werden, das verbrauchte Material auf dem Weg zur Dampfkesselhalle zurückzubringen. Für trockene Materialien können oft Baumwoll- oder Lederbänder mit kurzen Holzstreben als Ersatz für Ketten verwendet werden. Zur Schmierung sind Mineralöle mit hoher Dichte nicht gefährlicher als tierische oder pflanzliche Öle – im Gegenteil: Obwohl sie möglicherweise leichter entflammbar sind und mehr Rauch erzeugen, bilden ihre Mischungen mit Baumwollabfällen und anderen porösen Materialien keine spontan entzündlichen Stoffe, wie es bei pflanzlichen und tierischen Ölen manchmal der Fall ist. Das Risiko einer spontanen Entzündung ist besonders groß, wenn Haufen von Lederspänen oder Schnitten, die Fischöle enthalten, in warmen Werkstätten angesammelt werden – insbesondere in der Nähe von Damp Rohren. Als Öle für Hochdruckmotoren sollten immer schwere Mineralöle verwendet werden, anstelle anderer Öle oder Talgs – schließlich werden sie vom Dampf nicht zersetzt und schaden auch nicht, wenn sie in das Speisewasser gelangen; vielmehr helfen sie dabei, Ablagerungen zu verhindern. Gewöhnliche Öle und Talg hingegen zerfallen unter dem Einfluss von Hochdruckdampf in Glycerin und Fettsäuren.

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(Siehe S. 351.) Letztere korrodieren die Ventilflächen sowie die Sitzflächen und können in „temporär hartem“ Wasser dazu führen, dass sich sehr gefährliche, poröse Ablagerungen in den Kesseln bilden – was oft zu einer Überhitzung der Rohre führt. Neben der Maschinerie erfordern die Gruben eine besondere Betrachtung. Das Kapitel zu diesem Thema im Buch von Herrn Jackson Schultz über die Lederverarbeitung ist aufmerksamer Lektüre wert, da es die amerikanischen Praktiken auf diesem Gebiet beschreibt. Die altmodische Methode zur Herstellung solcher Gruben besteht darin, sie aus Holz zu bauen und sie sorgfältig mit Lehm umzufüllen; der Lehm sollte vor der Verwendung gut zerkleinert werden. Es ist nutzlos, ihn in Klumpen hinzuzufügen und zu versuchen, ihn zwischen den Wänden der Grube zu verteilen – dadurch entstehen keine festen Strukturen, und der Lehm wird vermutlich durch den Druck verschoben. Solche Gruben, sofern sie aus hochwertigem Kiefernholz gefertigt sind und ständig in Gebrauch bleiben, sind sehr langlebig; einige der ursprünglichen Gruben in der Lowlights-Tannerie, die bereits 1765 gebaut wurden, wurden bis 1889 genutzt. Auch Lehm, der mit Wasser zu einer Konsistenz wie dünner Mörtel vermischt wird, kann verwendet werden; die Gruben werden dabei mit Wasser gefüllt, um sie stabil zu halten, während gleichzeitig der Lehm hineingefüllt wird. Wahrscheinlich eignen sich die großen Yorkshire-Platten am besten als Material für die Wände der Gruben. Falls diese nicht verfügbar sind, können sehr langlebige Gruben aus Ziegeln gebaut werden – entweder mit Lias-Kalk und Portland-Zement oder ausschließlich mit letzterem. Gewöhnlicher Kalk darf nicht verwendet werden, da er sowohl die Flüssigkeiten als auch das Leder zerstört; selbst Zemente mit einem zu hohen Anteil an Kalk sind unzulänglich. Ziegel und gewöhnlicher Mörtel eignen sich jedoch für Kalkgruben. Für solche Gruben ist außerdem der von Herrn C. E. Parker vorgeschlagene Aufbau – bei dem der Boden aus Zement besteht, die Enden sowie die schrägen Wände aus Ziegeln und die Seiten aus 3-Zoll-Brettern, die miteinander verbolzt werden – ebenfalls sehr geeignet (Abb. 96). Der Autor hat Holzgruben auf zwei Arten gebaut. Im ersten Fall wurden nach dem Ausheben der Grube Balken in einen gut verdichteten Lehmbett gelegt; darauf wurde ein Boden aus starkem, geriffeltem Holz verlegt, und daraufhin wurden die Wände der Grube aus demselben Holz wie der Boden errichtet und mit Lehm umgeben. Im zweiten Fall wurden die Gruben wie große Kisten über dem Boden errichtet; nach Fertigstellung wurden sie auf ein dafür vorbereitetes Lehmbett gesenkt und anschließend sowohl außen als auch dazwischen mit Lehm verdichtet. Möglicherweise lag das Problem im ersten Fall an mangelhafter Ausführung – doch die nach dem oben beschriebenen Plan errichteten Gruben, der seit sehr früher Zeit angewandt wird, erwiesen sich sicherlich als die festesten und zufriedenstellendsten. Herr Schultz beschreibt einen weiteren Ansatz als „Buffalo-Methode“: Dabei wird zunächst ein Boden wie beschrieben verlegt, anschließend werden mit einer Säge Rillen für die Wände angefertigt, die aus senkrecht stehenden Elementen bestehen.

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Bretter – wobei jede End- und Seitenkante schließlich durch das Einfügen eines „Keilbretts“ festgezogen wird. Aufgrund der senkrechten Anordnung der Seitenbretter wären solche Löcher im Fall einer Zerstörung an der Oberfläche nur schwer zu reparieren.

Abb. 96 – Die Konstruktion von Zementlöchern nach Herrn C. E. Parker.

Falls Ziegel verwendet werden, muss man besonders darauf achten, dass der Zement nicht nur so verlegt wird, dass er die Fugen zwischen den beiden Wandflächen ausfüllt – wie es bei modernen Maurern üblich ist –, sondern tatsächlich in alle Fugen eingebracht wird, damit die Wand eine einheitliche Masse bildet; andernfalls sind Undichtigkeiten kaum zu vermeiden. Am besten eignen sich fest gepresste Ziegel, und es sollte überprüft werden, ob sie Flüssigkeiten verfärben. Zementlöcher sind sehr gut – und obwohl das Material nicht besonders günstig ist und von bester Qualität sein muss, können sie von fähigen Arbeitern unter guter Überwachung leicht hergestellt werden. Der erste Schritt besteht darin, einen ebenen Boden aus hochwertigem Beton zu legen, in den glasierte Rohre zum Entleeren der Löcher eingebettet werden können; dabei muss auch darauf geachtet werden, dass alle Fugen vollständig dicht sind, da spätere Reparaturen dann unmöglich sind. Der nächste Schritt ist es, Rahmen herzustellen, die genau der Länge und Breite der benötigten Löcher entsprechen – vielleicht 15 Zoll tief. Diese werden auf dem Boden dort platziert, wo die Löcher entstehen sollen, und die dazwischenliegenden Bereiche werden mit Beton gefüllt – vermutlich in einem Verhältnis von 1 Teil Zement zu 3 oder 4 Teilen Zerkleinertem Gestein oder Ziegeln. Im Laufe der Arbeit können auch grobe Steine und Ziegel in den Beton eingefügt werden, um das Füllen zu erleichtern. Nachdem die erste Schicht ausgehärtet ist, können die Rahmen angehoben und eine zweite Schicht darauf gelegt werden – und so weiter. Die Arbeiten werden in der Regel dadurch abgeschlossen, dass…

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Während der Zement noch feucht ist, wird etwas reiner Zement hinzugefügt, um eine glatte Oberfläche zu erzielen. Vor der Verwendung sollte der Zement in kleinem Maßstab getestet werden, um sicherzustellen, dass er das Leder oder die Flüssigkeiten nicht verfärbt. Die Öffnungen sollten vor der eigentlichen Verwendung stets mit alten oder billigen Flüssigkeiten behandelt werden. Wenn möglich, sollten sowohl die Entlüftungsöffnungen als auch die Öffnungen zur Befüllung mit Stopfen sowie unterirdischen Rohren ausgestattet sein, die mit einem Behälter für Flüssigkeiten einige Fuß unterhalb des jeweiligen Niveaus verbunden sind. Glasierte Feuerlehmplatten eignen sich sehr gut für solche Rohre und Stopflochöffnungen, die in den Ecken der Öffnungen angebracht werden sollten. Falls Feuerlehmblöcke für die Stopflochöffnungen nicht erhältlich sind, können sie aus gutem Zement gegossen werden; dabei muss die Holzform mit heißer Paraffinwachs benetzt werden, um eine Anhaftung zu verhindern. Es müssen Mittel bereitstehen, um die Rohre schnell zu reinigen, wenn sie durch Gerbmaterialien verstopft sind. Ein guter Ansatz ist es, jede Rohrleitung in einen Behälter für Flüssigkeiten zu führen, der groß genug ist, damit ein Mensch hineinklettern kann. Da es fast unmöglich ist, Stopfen so anzubringen, dass kein Leck entsteht, ist es nicht ratsam, Öffnungen mit Flüssigkeiten unterschiedlicher Stärke in denselben Behälter zu führen. Stattdessen sollten die einzelnen Schichten sowie die verschiedenen Entlüftungsöffnungen jeweils ihre eigene Flüssigkeit haben, um eine Vermischung zu vermeiden. Ein gutes Mittel zur Reinigung der Rohre besteht aus einer Reihe von eisernen Stäben mit einer Länge von 3–4 Fuß, die durch Haken miteinander verbunden sind, wie in Abbildung 97 dargestellt. In engen Rohren oder Abflüssen können diese Stäbe jedoch nicht voneinander getrennt werden. Oft kann man die Rohre auch dadurch befreien, dass man ein starkes Schlauchsystem einer Dampfpumpe in eines der Stopflochöffnungen einsetzt. Wie Schultz betont, ist es fraglich, ob es vorteilhaft ist, unter den Gängen Holzrinnen anzulegen, um die Öffnungen mit Flüssigkeit zu versorgen – schließlich ist es fast unmöglich, diese vor Verfall zu schützen. Dasselbe Problem tritt jedoch nicht bei glasierten Rohren auf, die mit Teer oder Zement verbunden sind. Ein guter und günstiger praktischer Ansatz besteht darin, die Flüssigkeitspumpe oder einen erhöhten Behälter dafür so einzurichten, dass die Flüssigkeit in eine große, vollständig horizontale Rinne fließt, die etwa 6–7 Fuß über dem Bodenniveau liegt und in regelmäßigen Abständen mit Stopflochöffnungen versehen ist. Von dort aus kann die Flüssigkeit durch kurze Schläuche oder Segeltuchschläuche in die verschiedenen Öffnungen geleitet werden. Anstelle von Stopfen in der erhöhten Rinne kann vorteilhaft eine einfache und praktische Ventilvorrichtung verwendet werden, die vom Autor entwickelt wurde. Dabei wird ein Bleigewicht hergestellt, indem in eine halbkugelförmige Blechschale mit einem Durchmesser von etwa 5 Zoll und einer Tiefe von 2 Zoll in der Mitte ein Ring aus starkem Messingdraht eingegossen wird.

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Endet dabei in der Mitte hängend, sodass es im Blei fixiert wird. Um eine Anhaftung zu verhindern, muss das Zinn vorher abgebrannt werden, und die Schale muss gut mit Blei ausgefüllt werden. Dieses Gewicht bildet die Ventilklappe, die in Gebrauch auf einer 6-Zoll-dicken Dichtung aus hochwertigem Indienkautschuk mit einem 4-Zoll-Loch ruht. Diese Dichtung wird durch einen Holzblock gegen den Boden des Trichters gedrückt; in diesem Holzblock ist außerdem ein 5-Zoll-Loch geschnitten. Das Ventil wird mittels Hebel oder Seil angehoben und ist in Gebrauch völlig wasserdicht. Es ist in Ansicht in Abbildung 79, Seite 333, dargestellt.

In der Praxis ist es sehr vorteilhaft, anstelle eines direkten Pumpens in die Gruben, ein oder mehrere Tanks zu verwenden, in die die Flüssigkeit per Pumpen eingespeist werden kann. Diese Tanks müssen hoch genug liegen, damit die Flüssigkeit von dort in die bereits erwähnten horizontalen Verteiltrichter fließen kann. Dies ist insbesondere wichtig bei Flüssigkeiten für Leich- und Suspensionsverfahren, bei denen ein zirkulierendes System verwendet wird – schließlich fließt die Flüssigkeit dort nicht sehr schnell. Wenn die Pumpengeschwindigkeit nach dem Durchfluss der Flüssigkeit reguliert werden muss, geht viel Zeit beim Pumpen aus den Gruben verloren. Zudem ermöglicht dies es, die Flüssigkeit nachts oder während der Essenszeiten, wenn die Maschinen stillstehen, durch die Suspensions- und Rockergruben zu leiten. Auch am Morgen, wenn mit der Arbeit begonnen wird, ist es nützlich, einen leeren Tank zur Verfügung zu haben, in den die erste Flüssigkeit gepumpt werden kann.

Direktwirkende Dampfpumpen ohne Flügelräder sind für Gerbereien äußerst unzufriedenstellend – sie wirken in der Regel unzuverlässig, lassen sich schwer langsam betreiben und neigen dazu, „zu hämmern“. Zudem sind sie kostspielig im Dampfverbrauch, da dieser nicht effektiv genutzt werden kann. Dampfpumpen mit Flügelrädern, die das Dampfventil über einen Exzenter steuern, weisen diese Mängel nicht auf. Obwohl sie anfangs teurer sind, sparen sie durch geringere Reparaturkosten und einen geringeren Dampfverbrauch schnell das investierte Geld wieder. Pumpen mit einer Leistung von 8000 Gallonen pro Stunde eignen sich sehr gut und können mit Schlauchrohren im Durchmesser von 3 Zoll verwendet werden. Kleinere Modelle neigen deutlich stärker dazu, durch Gerbmaterialien verstopft zu werden. Gummiventile funktionieren zufriedenstellend und verstopfen selten – doch sie sind teuer und leicht durch heiße Flüssigkeiten beschädigt. Im Allgemeinen sind Messingventile am zufriedenstellendsten. Die Zapfen der Ventile sollten jedoch nicht ordentlich in kreisförmigen Halterungen sitzen, sondern in Faschen, damit der hintere Teil des Ventils um einen halben Zoll anheben kann. Dadurch können kleine, harte Steine sowie ähnliche Gegenstände entfernt werden, die unter einer enger sitzenden Verbindung das Schließen des Ventils verhindern würden und somit die Pumpe zum Stillstand bringen. Unabhängig von den verwendeten Ventilen müssen Möglichkeiten geschaffen werden, leicht Zugang zu erhalten, ohne zu viele Schrauben lösen zu müssen. Falls die verschiedenen Ventilkammern der Pumpe durch eine einzige Abdeckung verschlossen werden…

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Indienkautschuk-Dichtungen – die Zwischenräume zwischen ihnen, die für die Verbindung sorgen, sollten mit Messing oder Hartmetall ausgekleidet werden. Denn selbst bei minimaler Undichtigkeit führt die Reibung sowie die Wirkung der Flüssigkeiten dazu, dass das Metall allmählich abgenutzt wird und eine gute Verbindung nicht mehr möglich ist. Wenn Farbe von großer Bedeutung ist, ist es ratsam, die gesamte Pumpe aus Hartmetall herzustellen. Auf jeden Fall sollte der Arbeitszylinder mit Messing ausgekleidet sein, während Kolben, Stange sowie Ventile und Sitzflächen aus Messing oder Hartmetall bestehen sollten. Federringe sind weitaus besser als Pumpenleder und werden nicht von heißen Flüssigkeiten beeinträchtigt; Chromleder hingegen kann viel Hitze aushalten. Doppelwirkende Kraftpumpen haben praktisch die älteren Einwirkenden Doppelpumpen oder Dreipumpen ersetzt. Anstelle einer direkten Antriebstechnik mit einem Dampfkolben ist es manchmal vorteilhaft, die Pumpe über einen Riemen anzutreiben. Dennoch sollte mindestens eine Dampfpumpe vorhanden sein, damit das Pumpen auch dann möglich ist, wenn der Hauptmotor nicht läuft. Zudem kann die Geschwindigkeit der Pumpe auf die jeweilige Arbeit angepasst werden – was bei einer riementriebenen Pumpe nicht möglich ist. Dampfpumpen sind manchmal sehr nützlich, beispielsweise in Feuerwehrfahrzeugen.

Zentrifugalpumpen eignen sich sehr gut für die Gerberei, wo die Flüssigkeit aus einem Brunnen entnommen wird. Sie sind jedoch nicht geeignet für den Einsatz mit Saugrohren. Wenn die Variante mit vertikalem Wellenansatz verwendet wird, bei der die Welle unter der Flüssigkeit im Brunnen liegt, füllt sich die Pumpe selbst und benötigt keine Fußventil. Doch es sei denn, der Brunnen ist sehr groß oder es gibt eine praktische Möglichkeit, die Pumpe herauszuholen, ist Reparatur oder Reinigung schwierig. Bei der horizontalen Variante, bei der die Pumpe über dem Boden angebracht ist, sind Reparatur, Reinigung und Antrieb viel einfacher. Allerdings ist ein Fußventil erforderlich – was wiederum Probleme verursachen kann. Es sollten daher praktische Lösungen wie ein Rohr von einem erhöhten Tank bereitgestellt werden, um die Pumpe mit Flüssigkeit zu füllen. Im Gegensatz zu Saugpumpen starten Zentrifugalpumpen nur, wenn sie voll sind. Dennoch können sie große Mengen Flüssigkeit transportieren, und dank ihres konstanten Durchflusses liefern sie durch ein bestimmtes Rohr deutlich mehr Flüssigkeit als eine gewöhnliche Stoßpumpe mit derselben Leistung. Bei der Auswahl der Pumpe sollte darauf geachtet werden, dass sie nicht nur Zugang zum Fußventil, sondern auch zum Pumpenkörper ermöglicht.

Es ist selten zufriedenstellend, Windbohrungen oder Filter zur Verhinderung des Eindringens von Gerbereimaterialien in die Pumpe zu verwenden – diese verstopfen schnell. Es ist daher besser, nachdem alle möglichen Vorkehrungen getroffen wurden, eine Pumpe sowie Ventile in ausreichender Größe und mit geeigneter Konstruktion zu verwenden, damit alles, was mit der Flüssigkeit kommt, hindurchgelangen kann. Der Autor kennt Fälle, in denen eine solche Pumpe verwendet wurde, um Flüssigkeit zu pumpen und zu liefern.

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Ein 3-Zoll-Schlauch ohne Verstopfungen, verbunden mit einer Tangye-Flügelrad-Dampfpumpe mit Messingventilen, wie bereits erwähnt. Laut der Erfahrung des Autors haben Pulsometer in Gerbereien sich nicht als zufriedenstellend erwiesen – sie dienen dazu, die Flüssigkeit zu erhitzen und zu verdünnen, verbrauchen dabei jedoch viel mehr Dampf als eine Pumpe derselben Leistungsklasse und verstopfen außerdem leicht. Aus denselben Gründen sollten Dampfspritz-Wasserheber nur dann empfohlen werden, wenn das Heben des Wassers mit der Erwärmung kombiniert werden soll, wie es beispielsweise in einigen Auswaschvorrichtungen der Fall ist (S. 334).

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KAPITEL XXVIII.
Abfallprodukte und ihre Beseitigung

Die Produkte, die für den Lederhersteller und Gerber bei der Herstellung von Leder keinen direkten Wert haben, aber dennoch in ziemlich großen Mengen anfallen, weisen sehr unterschiedliche Eigenschaften auf. In diesem Kapitel werden die wichtigsten davon beschrieben sowie einige ihrer Verwendungsmöglichkeiten erwähnt.

Das Haar wird im Zuge der Enthaarung (S. 143) in Form einer feuchten Masse von der Tierhaut entfernt; diese Masse enthält eine beträchtliche Menge an Kalk, insbesondere dann, wenn die Haut bereits durch die Kalkbäder gegangen ist. Da weißes Haar wertvoller ist, muss bei der Enthaarung darauf geachtet werden, es vom farbigen Haar zu trennen. Zunächst wird das Haar mit reinem Wasser gewaschen, um so viel Kalk wie möglich zu entfernen, anschließend in Wasser mit etwas Säure. Zur Erreichung dieses Zwecks wird häufig Salzsäure verwendet, doch Schwefelsäure (S. 25) ist vorzuziehen, da sie eine leichte Bleichwirkung auf das Haar hat. Die Säure neutralisiert den noch im Haar vorhandenen Kalk und macht ihn löslich, sodass er durch Waschen mit Wasser leicht entfernt werden kann. In vielen Gerbereien werden Haarwaschmaschinen eingesetzt. Das gewaschene Haar wird entweder auf Gestellen ausgebreitet, um zu trocknen – oder besser noch: Zuerst wird der größte Teil des Wassers mithilfe eines Zentrifugentrockners oder durch Pressen entfernt, anschließend erfolgt die Trocknung in einem Trockenraum, dessen Temperatur einige Grad höher ist als die der Außenluft. Der Raum ist außerdem mit einem Ventilator oder einer anderen Vorrichtung zur mechanischen Belüftung ausgestattet. Am effektivsten sind Gitter aus Drahtgeflecht, auf denen das Haar ausgebreitet wird und durch die die warme Luft des Raumes mittels eines Zentrifugenventilators angesaugt wird.

Farbiges Haar wird manchmal wie weißes Haar gewaschen und behandelt, wird aber in der Regel direkt an Maurer verkauft. In diesem Fall besteht keine Notwendigkeit, den gesamten Kalk sowie andere Verunreinigungen zu entfernen. Eine beträchtliche Menge an Haar wird auch an Gussformhersteller verkauft, die es zur Herstellung von Kernstoffen sowie bei der Gussarbeit verwenden. Den festen Kalk kann man aus getrocknetem Haar effektiv entfernen, indem man es durch einen Zerkleinerer mit entfernter Gitterstufe leitet.

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Fleischreste und Klebstoffmaterialien – Die verschiedenen Fett- und Fleischreste, die mehr oder weniger frei von echtem Hautmaterial sind, werden in der Regel zu Klebstoff verarbeitet. Falls sie nicht zu einem angemessenen Preis verkauft werden können, lohnt es sich, sie zu kochen, um das darin enthaltene Fett zu gewinnen. Wenn dies geschehen soll, können die fettigen Teile einfach weggeworfen werden, anstatt wie üblich mit den Fleischresten vermischt zu werden. Vor dem Kochen wird das Fett mit Schwefel-, Säure- oder Salzsäure behandelt, in ausreichender Menge, um den darin enthaltenen Kalk zu neutralisieren. Das Kochen sollte sehr langsam erfolgen, damit das Fett aufsteigen kann, ohne mit der gallertartigen Masse zu emulgieren. Zur Erhitzung kann Dampf verwendet werden; in diesem Fall hat der entstehende Klebstoff jedoch nur geringen Wert. Andererseits kann man, wenn Schwefelsäure verwendet wird und ein hölzerner Tank mit einer Kupferdampfschleife zum Einsatz kommt, wirklich guten Klebstoff herstellen. Der geringe Anteil an Bissulfit, der dabei entstehen kann, verhindert dessen Verrottung. Außer unter besonderen Bedingungen lohnt es sich in England nicht, Klebstoff in kleinem Maßstab herzustellen – schließlich hängt sein Wert stark von seinem Aussehen ab, und die dafür benötigten Anlagen sind ziemlich teuer. An manchen Orten kann der Klebstoff jedoch zu einem guten Preis verkauft werden. Abbildung 98 zeigt eine Anlage zur Herstellung von Klebstoff. Nach der Trennung des Fetts durch Abschöpfen wird der klare Klebstoff aus dem Restmaterial in hölzerne Kühlbecken geleitet, die etwa 5 Fuß lang, 9 Zoll tief und 15 Zoll breit sind. Dort wird er zur Festigung gelassen (Abbildung 92, S. 425). Es ist äußerst wichtig, dass sowohl der Klebstoff als auch die Kühlbecken völlig sauber und frei von Verrottung sind. Die Kühlbecken werden daher häufig mit einer Lösung aus Schwefelsäure oder frischer Kalkmilch gewaschen. Der Klebstoff wird anschließend in Blöcke geschnitten und in Scheiben mit geeigneter Dicke, indem man eine Reihe von Rahmen über den Klebstoffblock legt und zwischen diese ein Draht oder eine dünne Klinge schiebt, um den Klebstoff in Scheiben zu schneiden. In einigen Fabriken wird dazu eine Maschine verwendet, bei der der Klebstoffblock gegen eine Reihe paralleler Klingen gedrückt wird. Die Scheiben werden anschließend von Mitarbeitern getrennt und zum Trocknen auf Netze gelegt, wo sie regelmäßig umgedreht werden. Wenn sie trocken sind, können die Scheiben mit warmem Wasser gewaschen werden, um eventuell haftenden Schmutz zu entfernen. Dadurch geht jedoch etwas Gewicht verloren. In vielen Fällen ist es besser, den Klebstoff im Ofen bis zur völligen Härte zu trocknen, ihn anschließend in einem Zerkleinerer zu mahlen und als „Klebstoffpulver“ zu verkaufen. Dabei spielt das Aussehen nur eine geringe Rolle, solange Farbe und Festigkeit des Klebstoffs gut sind.

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Abb. 98 – Kochen von Klebstoffen.

Fett – Das Fett, sei es das, das bei der Herstellung von Klebstoffen gewonnen wird, oder das durch das Kochen von Fleischresten und Spänen allein zur Gewinnung von Fett verwendet wird, wird von der Oberfläche der erhitzten Flüssigkeit abgeschöpft. Anschließend muss es durch Waschen mit heißem Wasser in einer Wanne von gelatineartigen Stoffen befreit werden; nachdem sich das Wasser abgesetzt hat, wird die obere Schicht abgegossen. Das so gewonnene Fett ist eine hell gefärbte, buttrige Masse.

Es gibt noch verschiedene weitere Quellen für Abfallfette, die hier berücksichtigt werden können. Wenn Klebstoff aus getrockneten Klebstoffmaterialien ohne vorherige Behandlung mit Säure hergestellt wird, ist das aus den Pfannen abgeschöpfte Fett zwar dunkel gefärbt, doch es hat eine neutrale oder alkalische Eigenschaft. Eine beträchtliche Menge an zusätzlichem Fett sowie freien Fettsäuren kann durch erneutes Kochen des Abfalls unter Einsatz von Dampf in Blechpfannen sowie unter Zugabe von Wasser und ausreichend Schwefelsäure gewonnen werden – dadurch wird die Zusammensetzung der Flüssigkeit deutlich sauer. Dieses Fett ist dunkel gefärbt und hat aufgrund der flüchtigen Fettsäuren einen unangenehmen Geruch. Seinen Geruch lässt sich jedoch in erheblichem Maße verbessern, indem Luft und Dampf durch das Fett geblasen werden, es mit Wasser gewaschen wird oder es für eine längere Zeit bei einer Temperatur etwas über dem Siedepunkt des Wassers erhitzt wird. Dasselbe Verfahren kann auch auf das aus Schafshäuten gepresste Fett sowie auf das Fett angewandt werden, das durch das Kochen von Lederspänen mit Wasser und etwas Säure gewonnen wird.

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Wiedergewonnene Fette können durch Schmelzen, langsames Abkühlen auf eine sämige Konsistenz zur Förderung der Kristallisation der härteren Fette sowie Durchpressen der Mischung durch Flanelltücher in einem Filterpress in einen recht festen Fettstoff umgewandelt werden, der als Ersatz für Talg in Currys verwendet werden kann, sowie in ein Öl, das dem Neatsfootöl ähnelt. Die Temperatur, bei der die Filtration stattfinden sollte, liegt in der Regel bei 20–25 °C. Das Öl ist natürlich „weich“ und neigt dazu, bei kaltem Wetter zu erstarren – je höher die Filtriertemperatur, desto stärker dieses Phänomen. Der Talg wird in Form von Kugeln gewonnen. Wenn er aus frischem Fleisch stammt, ist er weiß und hat kaum Geruch; doch der aus getrocknetem Material stammende Talg ist in der Regel braun und hat einen unangenehmen Geruch. Wiedergewonnene Fette aus Sägemehl oder anderen Abfällen sind immer dunkel gefärbt. Wenn das Fleisch feucht verkauft werden soll, muss es in einer süßen Limonadenlösung aufbewahrt werden; wenn es getrocknet werden soll, wird es sorgfältig in frischer Limonade gewaschen, auf Gestelle ausgebreitet und häufig umgedreht, damit es gleichmäßig und schnell trocknen kann. Wärme wird in den meisten Fällen nur am Ende des Trocknungsprozesses eingesetzt; einige Gerber trocknen das Material jedoch bereits von Anfang an in einem Raum mit etwas höherer Temperatur als normal, der außerdem gut belüftet ist. Für Hersteller von Klebstoffen sind die runden Stücke sowie größere Teile wertvoller als das feine Fleischmaterial und sollten daher von den Arbeitern mit entsprechender Sorgfalt behandelt werden. Bate-Sägemehl ist als Bindemittel sehr wertvoll. Es sollte gründlich mit Wasser oder einer sehr verdünnten Schwefelsäurelösung gewaschen werden, anschließend in dünnen Schichten zum Trocknen ausgelegt werden. Es kann auch teilweise durch Pressen zwischen Gitterplatten in einer Schrauben- oder Hydraulikpresse getrocknet werden; danach ist es am besten in Form von Kugeln weiterverarbeitet. Zur Herstellung von Schwefelsäure siehe Seite 25. Hörner werden in der Regel so aufbewahrt, bis die „Haut“, das Mark oder die inneren Knochen durch Trocknung und Zersetzung locker geworden sind und entfernt werden können. Wenn sie trocken aufbewahrt werden, ist praktisch keine weitere Zeit erforderlich – außerdem werden Geruch sowie andere Unannehmlichkeiten, die mit der Aufbewahrung an feuchten Orten einhergehen, vermieden. Die Haut kann durch Dämpfen entfernt werden, doch dadurch werden die Hörner etwas beschädigt. Die Haut wird hauptsächlich zu Knochenmehl zermahlen; ein Teil wird jedoch ohne Vorbehandlung oder nach Entkalkung mit verdünnter Salzsäure zum Herstellen von Klebstoffen gekocht. Das Horn selbst, das überhaupt nicht zum Herstellen von Klebstoffen geeignet ist, wird hauptsächlich zur Herstellung von Kämmen, Knöpfen und ähnlichen Produkten verwendet. Sein Wert…

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Die Qualität der Hörner hängt in erheblichem Maße von ihrer Größe ab – kleine Hörner sind für die Herstellung der oben genannten Produkte nicht nutzbar.
Verbrauchte Gerbstoffe – Die aus den Lösungsmitteln nach der Extraktion gewonnenen Gerbstoffe haben natürlich für den Gerber keinen Wert außer als Brennstoff. Verbrauchte Gerbstoffe können nicht rentabel als Dünger verkauft werden, da ihr Wert in dieser Hinsicht äußerst gering ist. An Orten, an denen Weißblei noch nach dem niederländischen Verfahren hergestellt wird, wird Eichenrinde verwendet, um die Tontöpfe zu bedecken – sie erzielt dabei einen guten Preis. Es ist jedoch unerlässlich, ausschließlich Eichenrinde zu verwenden, da viele andere Gerbstoffe Stoffe freisetzen, die die Farbe des Weißbleis beeinträchtigen. Die Mengen an Gerbstoffen, die für Heizzwecke sowie zur Lärmminderung auf den Straßen verwendet werden, sind so gering, dass sie bei der Entsorgung dieses Produkts keine praktische Bedeutung haben. Verbrauchte Gerbstoffe eignen sich bei weitem nicht so gut wie Holz für die Papierherstellung – Versuche, sie zu destillieren, um Pyroligninsäure und Holzalkohol zu gewinnen, waren nicht kommerziell erfolgreich. Auf dem Kontinent werden fein gemahlene Gerbstoffe in der Regel zu Briketten gepresst, um als Haushaltsbrennstoff verwendet zu werden – doch in England wäre es schwierig, einen Markt für solche Briketten zu finden.
Insgesamt ist verbrauchter Gerbstoff trotz seines niedrigen Heizwerts am besten als Brennstoff zu nutzen. Zu diesem Zweck sind speziell konstruierte Öfen erforderlich – aufgrund der Feuchtigkeit des Gerbstoffs sowie seines niedrigen Heizwerts, der je nach verwendeten Materialien variiert. Während Eichenrinde und Valonia nur schlechte Brennstoffe sind, sind Stechpalme und Myrobalan aufgrund der enthaltenen Resine und Lignine viel besser geeignet.
Die ersten erfolgreichen Öfen zur Erzeugung von Dampf mit feuchtem Gerbstoff wurden in den Vereinigten Staaten eingeführt. Sie bestanden aus großen, gebogenen Verbrennungsraum mit ausreichend großem Gitterbereich sowie vier oder sechs Zuführöffnungen im Ofenboden, auf dem der verbrauchte Gerbstoff ausgebreitet wurde und dort bis zu einem gewissen Grad durch die Abwärme getrocknet wurde. Die Flammen und Ofengase flossen unter die Kessel – der Schornstein war sehr groß und tief, um den leichteren Aschenanteil aufzunehmen, der in großen Mengen aus dem Ofen kam. Anschließend kehrten die Gase durch die Rohre des Kessels zurück, strömten anschließend an den Seiten hinab und gelangten schließlich in den Schornstein. Das feuchte Brennmaterial wurde abwechselnd durch die Zuführöffnungen zugeführt, sodass nur ein Teil des Gitterbereichs gleichzeitig mit feuchtem Brennmaterial bedeckt war. Dieses wurde schnell durch die Wärme aus anderen Teilen des Ofens, insbesondere aus dem gewölbten Bogen, entzündet.[187] Der große Gitterbereich war nicht nur aus diesem Grund notwendig, sondern auch wegen des geringen Gewichts des Brennstoffs sowie seiner niedrigen Heizleistung – was wiederum eine große Menge Brennstoff erforderte. Abbildung 99 zeigt einen solchen Ofen.

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Ein ähnliches Prinzip wurde von den Herren Huxham und Browns entwickelt. Öfen dieses Typs werden nach Ansicht des Autors in den Vereinigten Staaten noch weitgehend verwendet, in Deutschland hingegen werden heute „Stufenroste“, die von den Ofentüren in Richtung hinten abfallen, bevorzugt. Auf diesen Rosten liegt das brennbare Material auf den flachen Oberflächen, während die Luft durch die Zwischenräume der Stufen einströmt – wobei das Brennmaterial nicht hindurchfallen kann. Abbildung 100 zeigt einen nach diesem Prinzip konstruierten Ofen der Firma Moenus Co. aus Frankfurt. Detaillierte Zeichnungen und Angaben finden sich in Jackson Schultzes „Leather Manufacture in the United States“, New York, 1876.

Abbildung 99 – Ofen von Huxham und Browns.

Die wesentlichen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Verbrennung des Gerbstoffs sind eine ausreichend große Rostfläche, eine richtige und ausreichende Luftzufuhr sowie eine sehr hohe Temperatur im Verbrennungsraum. Es ist daher nicht möglich, Gerbstoff erfolgreich in einem gewöhnlichen Lancashire- oder Cornish-Kessel zu verbrennen – schließlich ist nicht nur der Rostraum zu begrenzt, sondern auch das Wasser im Kessel verhindert, dass der obere Teil des Ofens eine hohe Temperatur erreicht. Dadurch fällt es schwer, den feuchten Gerbstoff schnell in eine intensive Verbrennung zu bringen. Diese Schwierigkeit kann bis zu einem gewissen Grad überwunden werden, indem der Gerbstoff mit einer bestimmten Menge Kohle vermischt wird, der Aschekasten verschlossen wird und eine gezielte Luftzufuhr eingesetzt wird – sofern der Schornstein nicht besonders leistungsstark ist. Auf diese Weise können große Mengen an Gerbstoff verbrannt werden, ohne jedoch erhebliche Einsparungen bei der Kohlenverwendung zu erzielen. Die Heizleistung des Gerbstoffs kann durch das teilweise Entfernen des Wassers durch Pressen verbessert werden – was fast unerlässlich ist, wenn kein spezieller Ofen verwendet wird.

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Abb. 100 – Schichtofen mit Steigleiter.

Die Antwort auf die Frage, ob Tan in seinem feuchten Zustand, wie er bei der Auswaschung gewonnen wird, als Brennstoff verwendet werden soll oder ob er vorher gepresst werden muss, hängt von der Art und Menge des Tans ab. Wenn große Mengen eines recht guten Materials wie Zitterpappelrinde beseitigt werden müssen, ist die Kosten für das Pressen eine überflüssige Ausgabe; doch wenn es darauf ankommt, den höchstmöglichen Wert aus dem Brennstoff zu ziehen, oder wenn die Öfen nicht gut dafür geeignet sind, sehr feuchte Brennstoffe zu verbrennen, ist es vorteilhaft, den Tan zu pressen. Zu diesem Zweck wurden hydraulische Presse verwendet, doch die heute üblicherweise eingesetzten Presse bestehen aus leistungsstarken Rollen, die auf dieselbe Weise angeordnet sind wie die des Valonia-Zerkleinerers (S. 322). Der Druck wird durch Hebel erzeugt, die mit Gewichten belastet sind oder mit leistungsstarken Federn ausgestattet sind. Die Flüssigkeit, die fließt…

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Das Produkt dieser Presse hat nur geringen Wert, da es große Mengen an fein zerkleinertem Material enthält – es ist daher fast unmöglich, es zu filtern. Wenn dieses Material in die Lauge geleitet wird, verstopft es diese und hindert deren ordnungsgemäßen Fluss. Ein großer Teil der Kosten für das Pressen entsteht durch die Arbeit, das Material in die Presse zu befördern; dies kann durch den Einsatz mechanischer Transportmittel erheblich verringert werden (S. 325). Eine Gerbepresse ist in Abbildung 101 dargestellt.

Abbildung 101 – Gerbepresse.

Abwasser und andere Abfallflüssigkeiten – Die Abfallflüssigkeiten aus den verschiedenen Prozessen wie Verdünnung, Waschen, Gerben, Reinigen usw. sind zweifellos die problematischsten unter allen Nebenprodukten, die bei der Herstellung von Leder entstehen. Früher wurden sie einfach in den nächstgelegenen Fluss geleitet, doch heutzutage erlauben die verschiedenen Gesundheitsbehörden sowie ähnliche Organisationen nur, dass relativ reines Wasser in öffentliche Flüsse oder Gewässer eingeleitet wird.

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Es wurden zu verschiedenen Zeiten verschiedene Methoden vorgeschlagen, um die notwendige Reinigung der Abwässer aus Gerbereien zu bewirken – diese Methoden wurden mit unterschiedlichem Erfolg angewandt. Sie lassen sich in drei Kategorien einteilen: Ausfällung, gefolgt von Filtration oder Sedimentation zur Aufbereitung des Wassers, sowie bakterielle Reinigung.

Die erste Methode beruht auf der Fähigkeit bestimmter Stoffe wie Aluminiumoxid und Eisenoxid, organische Stoffe mit sich herabzusetzen, wenn sie in Lösungen, die diese Stoffe enthalten, ausgefällt werden. Die Methode besteht in der Regel darin, eine ausreichende Menge Kalk hinzuzufügen, um das Abwasser leicht alkalisch zu machen, und es anschließend mit einem Rohsalz aus Aluminium oder Eisen zu behandeln. Dadurch entsteht ein Niederschlag aus Aluminium- oder Eisenchloridhydrat, der einen erheblichen Anteil an den organischen Stoffen des Wassers enthält. Nachdem dieser Niederschlag auf den Boden des Ausfallbehälters gesunken ist, wird er als „Schlamm“ abgeführt. Verschiedene Chemikalien werden unter klangvollen Namen wie „Alumino-Ferric“ oder „Ferrozone“ verkauft; ihre Zusammensetzung unterscheidet sich nur geringfügig von der von Rohsulfaten des Eisens oder Aluminiumoxid. In einigen Fällen können Nebenprodukte, wie die Säurelösungen, die bei der Herstellung von Eisenwaren für die „Galvanisierung“ verwendet werden, vorteilhaft eingesetzt werden.

Im Fall der Abwässer aus Gerbereien kann die Verwendung dieser Chemikalien oft vermieden werden, wenn man sorgfältig darauf achtet, das Verhältnis der verschiedenen Flüssigkeiten, die miteinander vermischt und in den Ausfallbehälter geleitet werden sollen, richtig einzustellen. Da die Gerbstoffe mit Kalk sowie gelösten Tierhautbestandteilen zu einem schweren, braunen, unlöslichen Niederschlag verschmelzen, ist es offensichtlich, dass, wenn man darauf achtet, mehr Abwasser mit Kalk hinzuzufügen, als unbedingt nötig ist, um alle Gerbstoffe aus der Lösung zu entfernen, eine beträchtliche Menge an Reinigung des Abwassers stattfindet – ohne dass der Gerber dabei Kosten trägt. Wenn daher das Verhältnis des Abwassers mit Kalk im Vergleich zu den Gerbflüssigkeiten gering ist, kann eine zusätzliche Zugabe von Kalk erforderlich sein, um die Gerbstoffe auszufällen.

Die Ausfall- oder Sedimentationsbehälter sind in der Regel quadratische oder rechteckige Behälter oder Gruben; ihre Größe variiert je nach Menge des zu behandelnden Wassers, doch ihre Tiefe überschreitet selten sechs Fuß. Sie lassen sich in zwei Klassen einteilen: die „unterbrochenen“ und die „kontinuierlichen“ Behälter. Bei den unterbrochenen Behältern wird der Behälter mit den gemischten Abwässern gefüllt, wobei darauf geachtet wird, dass genügend Kalk vorhanden ist, sodass die Mischung für Phenolphthalein-Papier leicht alkalisch ist. Anschließend wird die Mischung ruhen gelassen, bis sich die suspendierten Stoffe auf den Boden des Behälters gesetzt haben; danach kann das klare, oder fast klare, Wasser abgeleitet werden.

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Der klare obere Flüssigkeitsanteil wird abgeleitet, der Rest bildet den „Schlamm“. Es müssen außerdem Maßnahmen ergriffen werden, um das Eindringen von Schaum sowie schwimmenden Stoffen zu verhindern. Im Falle des intermittierenden Verfahrens ist es ratsam, zwei Tanks zu verwenden – während einer gefüllt wird, setzt sich der andere ab oder wird entleert. Beim kontinuierlichen Verfahren fließen die Flüssigkeiten in den Tank in solchen Mengen, dass eine maximale Reinigung erreicht wird, wie oben beschrieben. Da sie jedoch sehr langsam einfließen, setzt sich das unlösbare Material schnell ab, sodass die Flüssigkeit kontinuierlich am anderen Ende des Tanks abgeleitet werden kann. Dieser Ansatz liefert zwar bei ungeschickten Arbeitern nicht immer gute Ergebnisse, ist aber in vielen Fällen nützlich, da nur ein Tank erforderlich ist. Es ist wünschenswert, dass die abgeleitete Flüssigkeit möglichst nahe an der Oberfläche entnommen wird – durch einen mit einem Schwimmer verbundenen Gelenkrohr oder ein ähnliches Gerät. Bei sinkendem Wasserstand muss darauf geachtet werden, dass kein Schlamm entweicht. Für das kontinuierliche Absetzen dienen die Tanks in der Regel als lange, etwas flache rechteckige Becken, in die die zuvor gut gemischte, zu sedimentierender Flüssigkeit durch ein hölzernes Rinne fließt, das an einem Ende befestigt ist und so lang wie die Breite des Tanks ist. Das Rinne weist Löcher auf, damit die Flüssigkeit gleichmäßig und geräuschlos einfließen kann. Schließlich entweicht sie durch ein ähnliches Rinne am gegenüberliegenden Ende des Tanks. Vor dem Auslassrinne muss eine „Schaumabsperrplatte“ angebracht werden – ein einfacher Balken, der leicht unter der Flüssigkeitsoberfläche liegt, um zu verhindern, dass Öl, Schaum oder andere schwimmende Stoffe zusammen mit der klaren Flüssigkeit aus dem Tank entweichen. Unabhängig davon, ob das intermittierende oder kontinuierliche System verwendet wird, sollte die abgeleitete Flüssigkeit in den meisten Fällen zunächst durch ein bakterielles Filterbett geleitet oder durch Bodenfiltration behandelt werden, bevor sie in einen Bach oder Fluss eingeleitet wird. Gerbereiabfälle werden in der Regel ohne weitere Behandlung als lediglich Mischen und Absetzen zur Entfernung fester Stoffe in die Kanalisation geleitet. Viele Behörden sind mit der Beseitigung nur dieser groben, schwebenden Stoffe zufrieden, die die Kanalisation verstopfen könnten. Wenn kontinuierliche Sedimentationsbecken verwendet werden, müssen diese in regelmäßigen Abständen entleert werden, und der Schlamm wird anschließend auf Zementfilter geleitet, um den größten Teil des Wassers zu entfernen. Diese Filter befinden sich in der Regel auf einer niedrigeren Ebene als die Sedimentationsbecken, und es ist in der Regel notwendig, die daraus stammende Flüssigkeit erneut zur weiteren Sedimentation zurückzuleiten. Herr Candy und andere haben mehrere Arten von kontinuierlichen Sedimentationsbecken mit Aufstromrichtung entwickelt, die besonders geeignet sind, wenn der Platz begrenzt ist; ansonsten reichen oft kostengünstigere Konstruktionen aus. Abgesehen von dieser Frage…

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Um einen Abwasserstrom zu erzeugen, der den Anforderungen der Gesundheitsbehörden entspricht, stellt die Behandlung des Schlammes eine der größten Herausforderungen bei der Reinigung von Abwässern dar. Der Schlamm ist in der Regel sehr voluminös, leicht verderblich und daher schwer zu trocknen; er hat nur geringen Wert als Dünger. Wenn er lange Zeit feucht bleibt, ist sein Geruch äußerst unangenehm.

Es wurde erwähnt, dass im Allgemeinen das Flüssigkeitsmaterial – und in jedem Fall der Schlamm – durch Filtration von festen, unlösbaren Stoffen befreit werden muss. Dies kann entweder mit offenen Filtern oder mit Filterpressen erfolgen. Offene Filter bestehen in der Regel aus einem Loch mit einem Ausgang am Boden für das gefilterte Flüssigkeitsmaterial. Dieses Loch wird entweder mit Steinen und Sand, Klinker, Asche oder Kokskohle gefüllt. Die meisten Lederhersteller verwenden Klinker und Asche, da diese nichts kosten; außerdem sollte das Material so angeordnet sein, dass die untersten Schichten sehr grob sind, während die Oberfläche des Filterbetts aus dem feinsten Material besteht. Sobald diese mit einer so dicken Schicht fester Stoffe bedeckt ist, dass die Filtrierung zu langsam voranschreitet, kann die Oberfläche des Filters mit einer Rechen entfernt werden – wobei darauf geachtet werden muss, möglichst wenig Asche oder Sand mitzunehmen – und anschließend verbrannt oder getrocknet und als Dünger verwendet werden. In einigen Fällen werden Filterpressen eingesetzt, die aus geriffelten oder perforierten Platten bestehen, zwischen denen Tücher liegen, durch die das Flüssigkeitsmaterial unter Druck geführt wird. Die festen Stoffe bleiben dabei in Form eines relativ trockenen „Kuchens“ zurück. Der Filterkuchen kann, falls gewünscht, getrocknet und als Dünger verkauft werden – wofür er in vielerlei Hinsicht sehr geeignet ist. Obwohl Filterpressen viel schneller arbeiten als offene Filter, verrotten die Tücher schnell und müssen ersetzt werden; daher ist der offene Aschenfilter insgesamt am praktischsten für die Nutzung durch Lederhersteller. Es ist leicht nachvollziehbar, dass solche Anlagen, obwohl sie im kleinen Maßstab sehr effizient sind, bei der täglichen Filtrierung vieler tausend Gallonen Flüssigkeit völlig ungeeignet sind und daher nur effektiv auf „Schlamm“ angewendet werden können.

Keines der Systeme der chemischen Ausfällung hat sich bisher als vollständig zufriedenstellend erwiesen. Zweifellos wird durch diese Methode eine große Menge an Reinigung erreicht, doch in den meisten Fällen ist das „gereinigte“ Flüssigkeitsmaterial immer noch zu unrein, um als Abwasser abgeleitet zu werden – obwohl die Behörden aus verschiedenen Gründen dies oft zulassen.

Ein großer Fortschritt bei der Reinigung von Abwässern wurde erzielt, als Hersteller gesetzlich verpflichtet wurden, das Abwasser aus dem Ausfalltank durch Land fließen zu lassen, das dazu bestimmt war. Auf diesem Land wurden bestimmte widerstandsfähige Getreidesorten angebaut, das Land wurde bewässert…

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so oft wie möglich zusammen mit den Abwässern. Diese wurden nachdem sie durch den Boden gesickert waren, in den nächstgelegenen Bach abgeleitet. Obwohl diese Behandlungsmethode in vieler Hinsicht zufriedenstellend war, hatte sie den Nachteil, sehr teuer zu sein – insbesondere in der Umgebung großer Städte, wo die Grundstückspreise hoch sind. Zudem wurden die für den Erfolg notwendigen Bedingungen bei weitem nicht richtig verstanden; dadurch wurde der Boden oft „Abwasserkrank“ oder überflutet und konnte die Abwässer nicht mehr reinigen. Erst als die Forschungen von Bakteriologen nachwiesen, dass die Reinigung durch Bodenfiltration hauptsächlich auf die Bakterien im Boden zurückzuführen ist, konnte eine wirklich zufriedenstellende Lösung des Problems gefunden werden. Die Frage wurde jedoch durch die Einführung der „bakteriellen Behandlung“ in erheblichem Maße vereinfacht. Bakterien werden aus Sicht ihrer Wirkung auf organische Substanzen oft als „anaerob“ und „aerob“ klassifiziert, obwohl viele Arten in beiden Bedingungen existieren können (vgl. L.I.L.B., Abschnitt XXIV.). Anaerobe Bakterien gedeihen nur in Abwesenheit von Luft; ihre chemische Wirkung besteht darin, die organischen Substanzen, von denen sie sich ernähren, durch Prozesse ohne Oxidation in einfachere, im Allgemeinen besser lösliche Formen umzuwandeln. Aerobe Bakterien hingegen benötigen Luft oder Sauerstoff für ihr Überleben; sie bewirken Veränderungen, die im Allgemeinen weniger komplex sind, aber zur vollständigen Oxidation und Umwandlung der organischen Substanzen in einfache Verbindungen wie Nitrate und Kohlensäure führen – Verbindungen, die völlig harmlos und unbedenklich sind. Die beiden Gruppen ergänzen sich daher in hohem Maße: Die anaeroben Bakterien wandeln tierische oder pflanzliche Stoffe in besser lösliche und einfachere Verbindungen um, die den Anforderungen der aeroben Bakterien entsprechen, welche schließlich die vollständige Zerstörung der organischen Substanzen bewirken. Im Einklang mit dem Gesagten gibt es zwei Arten der bakteriellen Behandlung von Abwässern. Jede dieser Arten kann einzeln oder in Kombination mit einem vorläufigen Sedimentationsprozess verwendet werden, wird aber in der Regel am besten nacheinander angewandt. Die älteste Form der bakteriellen Reinigung beruht hauptsächlich auf der Wirkung anaerober Bakterien und wird als „Sickergrube“ bezeichnet. Diese bestand ursprünglich aus einem Tank, der manchmal mit kleinen Kohlestücken gefüllt war, aber in der Regel nur Flüssigkeit enthielt. Der Tank war fest verschlossen, um den Zutritt von Luft und das Entweichen unangenehmer Gase zu verhindern. Es hat sich jedoch herausgestellt, dass tiefe Tanks (6 bis 10 Fuß) schnell durch Schaum und schwimmende Stoffe bedeckt werden, wodurch der Zutritt von Luft und Licht sowie ein ernsthaftes Entweichen von Gerüchen effektiv verhindert wird. Die Flüssigkeit…

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Das gereinigte Wasser darf sehr langsam durch einen Tank oder eine Reihe solcher Tanks fließen – es tritt etwa einen Fuß unter der Oberfläche durch ein Verteilrohr an einem Ende ein und fließt ähnlich am anderen Ende wieder heraus. Die Fließgeschwindigkeit ist so gewählt, dass sich der Inhalt des Tanks alle etwa 24 Stunden ändert. Wenn der Tank ordnungsgemäß funktioniert, wird das Wasser durch diesen Prozess stark gereinigt; der größte Teil der festen organischen Stoffe wird flüssig und verschwindet. Es kommt nicht selten vor, insbesondere dort, wo die Behandlung im Septiktank nicht sehr lange andauert, dass das austretende Wasser einen stärkeren und unangenehmeren Geruch hat als zu dem Zeitpunkt, als es in den Tank gelangte. Dennoch ist das Wasser tatsächlich reiner als zuvor – der verstärkte Geruch entsteht durch die flüchtigen Produkte der teilweise zersetzten organischen Stoffe. Durch Leiten des Wassers durch einen offenen Kohlefilter kann der Geruch wirksam beseitigt werden. In allen Fällen muss man bedenken, dass Septiktanks sowie bakterielle Filter von den Organismen abhängen, die sich in ihnen befinden. Deshalb muss Zeit eingeplant werden, damit diese Organismen sich entwickeln und ansammeln können, bevor gute Ergebnisse erzielt werden. In der Regel sind etwa sechs Wochen Nutzung erforderlich; danach können sie weiterhin unbegrenzt lange wirken, bis sie durch Sand und anorganische Stoffe verstopft werden.

Man sollte nicht annehmen, dass die Reaktion im Septiktank vollständig anaerob abläuft. Bei schwach verschmutztem Abwasser kann unter günstigen Bedingungen der größte Teil der organischen Stoffe allein auf diese Weise in Nitrate und Kohlensäure umgewandelt werden. Im Allgemeinen wird jedoch eine viel vollständigere Reinigung durch die anschließende Verwendung von „bakteriellen Filtern“ erreicht. Diese bestehen in ihrer einfachsten Form aus etwa 4 Fuß tiefen Tanks, die mit Kohle, zerbrochenen Ziegeln oder Klinkern gefüllt sind und an der Unterseite mit Entlüftungsrohren ausgestattet sind, sodass sie leicht entleert werden können. Diese Tanks, oft als „Kontaktbetten“ bezeichnet, werden mit Abwasser oder dem Ausfluss aus dem Septiktank gefüllt. Das Wasser darf dort zwei Stunden verweilen, anschließend wird der Tank entleert und für sechs Stunden zur Oxidation und Belüftung ruhen gelassen. In den meisten Fällen benötigt das Abwasser zwei solche Behandlungen – oft auch durch ein Bett mit feinerer Kohle – um vollständig von verrottbaren Stoffen befreit zu werden. Anstelle des intermittierenden Verfahrens, wie es bei den Kontaktbetten angewandt wird, wird oft eine kontinuierliche aerobe Filtrierung verwendet. Dabei ist das Bett so konstruiert, dass Luft von unten und an den Seiten ungehindert eindringen kann. Das zu reinigende Wasser wird dabei über eine Sprühanlage oder ein ähnliches Gerät auf der Oberfläche verteilt und darf dann langsam durch das Bett fließen. Das kontinuierliche Verfahren scheint das intermittierende ablösen zu können, da die Betten in der Lage sind, eine viel größere Menge an Abwasser zu behandeln.

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Die Menge des Abwassers hängt proportional zur Fläche ab – außerdem sind diese Systeme weniger anfällig für Verstopfungen. Es dauert etwa sechs Wochen, egal ob mit Kontaktböden oder kontinuierlichen Filtern, bis das Material in diesen Systemen mit der notwendigen bakteriellen Schicht überzogen ist und sie wieder voll funktionsfähig werden. Die Ergebnisse bezüglich des Abwassers sind durchaus zufriedenstellend. Die größten Schwierigkeiten und Kosten entstehen durch die langsame, aber unvermeidliche Verstopfung der Böden, was wiederum den Ersatz des porösen Materials erfordert. Dies wird durch die Verwendung von abgesetztem oder ausgefälltem Abwasser erheblich verzögert. In dieser Hinsicht erfüllt der Septiktank neben seiner bakteriologischen Funktion auch eine nützliche Aufgabe bei der Abscheidung unlöslicher Stoffe – diese können viel günstiger aus dem Septiktank als aus den Filterböden entfernt werden. Es ist offensichtlich, dass gewöhnliche Setzbecken, sofern sie tief genug sind, viele der Funktionen des Septiktanks übernehmen können. Beide Systeme führen dazu, dass aus den verschiedenen Abwässern, die in der Lederherstellung entstehen, eine viel gleichmäßigere Flüssigkeit gewonnen wird – was für die anschließende bakterielle Reinigung wichtig ist. Interessante Informationen zu diesen Themen finden sich in einem Artikel von Herrn W. H. Harrison mit dem Titel „Bakteriologische Behandlung von Abwasser“.[188]
[188] Journ. Soc. Chem. Ind., 1900, S. 511.

Es gibt zahlreiche Patente im Zusammenhang mit den verschiedenen Methoden zur Reinigung von Abwasser. Man muss vorsichtig sein, um diese nicht zu verletzen – doch die allgemeinen Prinzipien der Sedimentation und Filtration sowie die Zerstörung organischer Stoffe durch bakterielle Aktivität stehen natürlich allen zur Verfügung.

Im Allgemeinen sind die Abwässer aus Gerbereien oder Lederfärbereien äußerst unrein. Sie enthalten organische Stoffe (in einem stark verrotteten Zustand) aus den Waschprozessen; weitere organische Stoffe, ebenfalls mehr oder weniger verrottet, aus den Gerbereipfannen; Kalklösungen mit einem hohen Anteil an Kalk sowie gelösten Lederbestandteilen. Zudem enthalten sie verschiedene Farbstoffe und andere Chemikalien, die bei der Umwandlung des Rohleders in fertiges Leder verwendet wurden. Daher stellt ihre effektive Reinigung Herausforderungen dar, die in den meisten anderen Branchen nicht auftreten.

Die verschiedenen Abwässer sollten am besten in einen großen Tank geleitet werden. Nach gründlicher Vermischung sollen sie einige Stunden lang absetzen. Auf diese Weise bindet sich der größte Teil der Gerberstoffe zusammen mit dem vorhandenen Kalk zu einer schweren, braunen, unlöslichen Substanz. Ein Teil der Farbstoffe und anderer organischer Stoffe verfängt sich dabei und wird somit entfernt.

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Das klare Flüssigkeit wird anschließend in einen bakteriellen Filter geleitet – am besten in eine Septiktankanlage, gefolgt von einem offenen Kohlefilter – und danach in den nächstgelegenen Bach. Wenn die Gerberei in der Nähe einer Stadt liegt und die städtischen Abwassersysteme genutzt werden können, ist es wahrscheinlich möglich, einen aus gebrauchter Gerbereiabfall hergestellten Filter zu verwenden; dieses Material entfernt nicht nur alle überschüssigen Kalziumanteile aus der Flüssigkeit, sondern bindet auch einen großen Teil der Farbstoffe (Koenig). Der Gerbereiabfall enthält nach seiner Verwendung für diesen Zweck so viel Kalzium in seinen Poren, dass er als Dünger verwendet werden kann.

In Gerbereien, in denen große Mengen an Desinfektionsmitteln wie Quecksilberchlorid, Karbol usw. verwendet werden, muss die Mischflüssigkeit so viel Kalzium enthalten, dass sie deutlich alkalisch wird. Auf diese Weise werden die meisten Desinfektionsmittel entweder ausgefällt oder inaktiviert. Falls Arsen im Kalzium verwendet wird, ist es ratsam, etwas Eisensulfat hinzuzufügen, damit das Arsen ein unlösliches Verbindung mit dem Eisen bildet und somit zusammen mit dem Schlamm entfernt werden kann. Die durch die Wirkung der Eisensalze auf die Gerbereiflüssigkeiten entstehende Tinte wird vollständig vom bakteriellen Filter entfernt.

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Anhänge.

Anhang A.
Methode der Internationalen Vereinigung der Chemiker des Lederhandels zur Analyse von Gerbmaterialien.
Einschließlich der Änderungen, die auf der Konferenz in Leeds im Jahr 1902 vorgenommen wurden.

Abschnitt I.—Probenentnahme aus der Masse.[189]

[189] Siehe Londoner Bericht, S. 22–29 und 124.

1. Flüssige Extrakte.—Bei der Entnahme von Proben müssen mindestens 5 Prozent der Fässer entnommen werden; die ausgewählten Stücke sollten möglichst weit voneinander entfernt sein. Der Oberbereich der Fässer muss entfernt werden, und der Inhalt muss mit Hilfe eines geeigneten Kolbens gründlich vermischt werden. Dabei muss darauf geachtet werden, dass jeglicher Sediment, der an den Wänden oder dem Boden haftet, vollständig umgerührt wird. Alle Proben müssen in Gegenwart einer verantwortlichen Person entnommen werden.
2. Gambier- und Pastenextrakte.—Gambier- sowie Pastenextrakte sollten von mindestens 5 Prozent der Blöcke mit einem tubularen Probenentnahmewerkzeug entnommen werden; dieses Werkzeug muss siebenmal vollständig durch den Block geführt werden. Feststoffextrakte müssen zerbrochen werden, und eine ausreichende Anzahl von Proben muss sowohl aus den inneren als auch aus den äußeren Teilen der Blöcke entnommen werden, um eine gerechte Darstellung der Gesamtmasse zu gewährleisten. In beiden Fällen müssen die Proben schnell vermischt und unverzüglich in einen luftdichten Behälter oder Karton gegeben werden, der verschlossen und beschriftet wird.
3. Valonia, Algarobilla, Divi-divi sowie allgemeine Gerbmaterialien.
Valonia, Algarobilla sowie alle anderen Gerbmaterialien, die Staub oder Fasern enthalten, sollten möglichst dadurch probengenommen werden, dass mindestens 5 Prozent der Säcke in Schichten übereinander auf einem glatten Boden ausgebreitet werden und mehrere Proben vertikal vom Boden aus entnommen werden. Falls dies nicht möglich ist, müssen die Proben…

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Die Proben sollen aus dem Zentrum einer ausreichenden Anzahl von Säcken entnommen werden. Während Valonia sowie die meisten Materialien zur Mahlung ins Labor geschickt werden können, ist es vorzuziehen, dass Divi-Divi, Algarobilla sowie andere faserige Materialien ungemahlen bleiben. Rinde in Form von dicker Schicht sowie andere Materialien in Bündeln sollen durch Abschneiden eines kleinen Stücks aus der Mitte von 3 Prozent der Bündel mit einer Säge probengenommen werden.

4. Proben für mehr als einen Chemiker – Proben, die an mehr als einen Chemiker gesendet werden sollen, müssen als eine einzige Probe entnommen und gut vermischt werden; anschließend sollen sie in die erforderliche Anzahl von Teilen aufgeteilt werden – mindestens drei – und umgehend in geeignete Verpackungen gelegt, versiegelt und beschriftet werden.

Abschnitt II – Vorbereitung für die Analyse.[190]

[190] Siehe London Report, S. 40 ff.

1. Flüssige Extrakte – Flüssige Extrakte müssen unmittelbar vor dem Wiegen gründlich gerührt und gemischt werden; das Wiegen sollte schnell erfolgen, um ein Feuchtigkeitsverlust zu vermeiden. Dickflüssige Extrakte, die auf andere Weise nicht gemischt werden können, dürfen auf 50 °C erhitzt, anschließend gerührt und schnell abgekühlt werden, bevor sie gewogen werden; dabei muss im Bericht vermerkt werden, dass dies geschehen ist.

2. Feste Extrakte – Feste Extrakte müssen grob zermahlen und gut vermischt werden. Pastöse Extrakte sollen in einem Mörser schnell vermischt werden, und die erforderliche Menge soll mit möglichst geringer Exposition gewogen werden, um einen Feuchtigkeitsverlust zu vermeiden. Falls die Extrakte teilweise trocken und teilweise pastös sind, sodass weder diese Methoden anwendbar sind, soll die gesamte Probe gewogen und bei normaler Temperatur so lange getrocknet werden, bis sie zermahlen werden kann; anschließend soll sie erneut gewogen werden, wobei der Gewichtsverlust als Feuchtigkeit berücksichtigt wird. In Fällen wie beim Gambier, bei dem es nicht möglich ist, die Bestandteile der Probe durch Mahlen oder andere mechanische Mittel gründlich zu mischen, ist es zulässig, die gesamte Probe oder einen großen Teil davon in einer kleinen Menge heißem Wasser aufzulösen und unmittelbar nach gründlicher Vermischung einen Teil der starken Lösung zur Analyse abzuwiegen.

3. Rinden sowie andere feste Gerbmaterialien – Die gesamte Probe oder mindestens 250 Gramm davon müssen in einer Mühle gemahlen werden, bis sie durch ein Sieb mit 5 Drähten pro Zentimeter passen. Falls Materialien wie Rinden oder Divi-Divi faserige Bestandteile enthalten, die nicht zu Pulver gemahlen werden können, muss die gemahlene Probe gesiebt werden; die jeweiligen Teile, die durch das Sieb passen und die nicht durch das Sieb passen, sollen getrennt gewogen werden. Die Probe für die Analyse soll so gewogen werden, dass sie ähnliche Proportionen aufweist.

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Abschnitt III – Herstellung der Infusion

1. Stärke der Lösung – Die verwendete Tanninlösung soll 0,35 bis 0,45 Gramm pro 100 ccm an Gerbstoffen enthalten, die vom Leder aufgenommen werden. (Paris 1900.)

2. Herstellung der Flüssigextrakte – Eine ausreichende Menge des Extrakts wird in eine abgedeckte Schale oder einen Becher gewogen, von dort aus mit kochendem Wasser in einen Literflaschen umgewaschen und gut geschüttelt. Anschließend wird die Flasche bis zur Markierung mit kochendem Wasser gefüllt. Der Hals der Flasche wird mit einem kleinen Becher abgedeckt, danach wird die Flasche unter kaltem Wasserhahn oder auf andere Weise schnell auf eine Temperatur zwischen 15° und 20° C abgekühlt. Danach wird die Flasche genau bis zur Markierung aufgefüllt, gründlich gemischt und sofort gefiltert.

Hinweis: Tannininfusionen können durch das Hinzufügen von 3 bis 5 Tropfen Senföl pro Liter vor Gärung geschützt werden. (F. Kathreiner.)

3. Filterung – Die Filterung der Lösung zur Analyse kann durch jedes Papier erfolgen, das für den jeweiligen Fall am geeignetsten erscheint – mit oder ohne Verwendung von Kaolin. Die Absorption von Gerbstoffen, falls vorhanden, wird durch einen Wert korrigiert, der durch eine ähnliche Filterung einer klaren Lösung ermittelt wird. Vollkommen klare Lösungen müssen nicht gefiltert werden.

Um die Korrektur zu bestimmen, wird zunächst etwa 500 ccm der für die Analyse vorgesehenen Tanninlösung so weit verdünnt, dass sie vollkommen klar ist – am besten mit der Methode, die später zur Korrektur verwendet werden soll. Nach gründlichem Mischen werden 50 ccm verdampft, um den „Gesamtlöslichen Anteil Nr. 1“ zu ermitteln. Ein Teil des verbleibenden Lösungsmittels wird anschließend auf die gleiche Weise gefiltert, und 50 ccm des Filtrats werden verdampft, um den „Gesamtlöslichen Anteil Nr. 2“ zu ermitteln. Der Unterschied zwischen Nr. 1 und Nr. 2 ergibt die erforderliche Korrektur, die zum durch die Analyse ermittelten Gesamtlöslichen Anteil hinzugefügt werden muss. Es ist in der Regel ratsam, sowohl bei der Analyse als auch bei der zweiten Filterung zunächst 150 ccm zu filtern (die in der Analyse zur Bestimmung der Nicht-Tannine verwendet werden können) und anschließend die nächsten 50 ccm zur Verdampfung zu verwenden, wobei der Filter während des Vorgangs stets gefüllt bleiben muss. Unabhängig von der gewählten Methode muss diese in allen Analysen, bei denen eine Korrektur erforderlich ist, strikt eingehalten werden. Wenn Kaolin verwendet wird, muss eine konstante, gewogene Menge (1 oder 2 Gramm) verwendet werden. Diese wird zunächst mit 75 ccm der Lösung durch Dekantieren gewaschen und anschließend mit einer weiteren Menge der Lösung auf den Filter gebracht; davon werden 200 ccm wie oben beschrieben gefiltert.[191]

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[191] Es ist offensichtlich, dass zunächst eine Korrektur für jedes einzelne verwendete Material festgelegt werden muss. Doch bald wird man feststellen, dass diese Korrektur für große Gruppen von Gerbmaterialien praktisch konstant ist, sofern stets dieselbe Filtermethode strikt angewandt wird.

4. Feste Extrakte – Feste Extrakte sollen durch Rühren in einem Becher mit kochendem Wasser aufgelöst werden. Die ungelösten Bestandteile sollen absetzen, anschließend mit weiteren Mengen kochenden Wassers behandelt werden, wobei die entstandene Lösung in einen Literflaschen umgefüllt wird. Nachdem sich alles Lösbare aufgelöst hat, wird die Lösung ähnlich wie bei flüssigen Extrakten weiterverarbeitet.

5. Extraktion fester Materialien – Es sollen solche Mengen gewogen werden, die eine Infusion der bereits vorgeschriebenen Stärke ergeben. (Zubereitung der Infusion, Entscheidung 1.) Mindestens 500 ccm der Infusion sollen bei einer Temperatur von nicht mehr als 50° C extrahiert werden. Anschließend soll die Temperatur allmählich auf 100° C erhöht werden.[192] Die Extraktion soll fortgesetzt werden, bis das Perkolat frei von Tanninen ist und die Gesamtmenge auf einen Liter gebracht wurde. Falls nötig, sollen die schwächeren Teile der Lösung zunächst durch Verdampfung in einer Flasche konzentriert werden, in deren Hals ein Trichter angebracht ist.

[192] Bei Substanzen, die wie Canaigre eine große Menge an Stärke enthalten, sollte die Extraktion bei einer Temperatur von 50° C abgeschlossen werden. – H. R. P.

Abschnitt IV – Bestimmung von Gerbstoffen und Nicht-Tanninen usw.

1. Gesamtes Lösbare – 100 ccm[193] der klar gefilterten Gerb-Lösung, oder eine geringere Menge, falls das verwendete Waagegerät ausreichend präzise ist, sollen in einer offenen, gewichteten Schale aus Platin, Hartglas, Porzellan oder Nickel im Wasserbad verdampft werden. Anschließend soll die Schale in einem Ofen bei einer Temperatur von 100° bis 105° C oder im Vakuum bei einer Temperatur von nicht mehr als 100° C getrocknet werden, wobei darauf geachtet werden muss, dass durch Zersplittern des Rückstands keine Verluste entstehen. Der Einsatz eines Vakuumofens zur Trocknung der Rückstände wird bei Möglichkeit empfohlen.

[193] 50 ccm sind ausreichend und stellen die derzeit üblicherweise verwendete Menge dar.

2. Bestimmung von Nicht-Tanninen – Die Filtermethode soll bis zur nächsten Konferenz die offizielle Methode bleiben. Den Mitgliedern soll jedoch gestattet sein, bei Bedarf die vom American Association of Official Agricultural Chemists im Jahr 1901 vorgeschlagene Chrompulver-Methode anzuwenden (Anhang C). Dies soll im Bericht klar angegeben werden.

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Es wurde diese Methode angewandt und nicht die des I.A.L.T.C. (Leeds, 1902 – siehe Anmerkung, S. 480). Es soll die von Professor Procter beschriebene „Glockenform“ des Filters verwendet werden; es müssen mindestens 5 g der Lederpulver verwendet werden. Das Lederpulver sollte so in den Filter gefüllt werden, dass die enttannierte Flüssigkeit in einem Tempo von etwa einer Tropfe alle zwei Sekunden austritt. Der Filtrat muss verworfen werden, solange es mit einer klaren Gerbstofflösung Trübung verursacht. Das Filtrat kann zur Bestimmung von Nicht-Gerbstoffen verwendet werden, sofern es keine Reaktion mit einer gesalzenen Gelatine-Lösung zeigt.[195] Die ersten 30 bis 35 ccm sollten weggeworfen werden; die nächsten 50 ccm der enttannierten Lösung oder ein Teil davon sollen in einem gewogenen Behälter auf einem Wasserbad verdampft und anschließend in einem Ofen bei einer Temperatur von 100° bis 105° C oder im Vakuum bei nicht mehr als 100° C getrocknet werden.

[194] Offensichtlich müssen die genaue Form und Abmessungen des Filters an die Eigenschaften des verfügbaren Lederpulvers angepasst werden, da es erhebliche Unterschiede in der Absorptionsfähigkeit verschiedener Proben gibt.

[195] 8 bis 9 Gramm gute Gelatine werden in 500 ccm heißem Wasser aufgelöst, es werden 100 Gramm Salz hinzugefügt, und das Ganze wird abgekühlt und gefiltert.

3. Lederpulver – Das Lederpulver muss ausreichend saugfähig sein, um im Filter verwendet werden zu können. In einem Kontrollversuch mit destilliertem Wasser, durchgeführt auf dieselbe Weise wie bei der Analyse, darf der Rückstand nach dem Verdampfen von 50 ccm nicht mehr als 5 Milligramm betragen. Das von Mehner und Stransky hergestellte Freiberg-Lederpulver, das laut Cerych 10 bis 20 Prozent Zellulose enthält, wird von der Konferenz (Liège, 1901) empfohlen und eignet sich sehr gut für die Filtermethode. Allerdings darf das Pulver, wenn es nach der Kjeldahl-Methode analysiert wird und 18 Prozent Feuchtigkeit aufweist, nicht weniger als 11,5 Prozent Stickstoff enthalten (Leeds, 1902).

4. Bestimmung der Feuchtigkeit und der „gesamten Trockenmasse“ – Die Feuchtigkeit im Probenmaterial soll durch Trocknen eines kleinen Anteils bei der für die Bestimmung der „gesamten löslichen Stoffe“ verwendeten Temperatur ermittelt werden. In Extrakten, die trübe Lösungen ergeben, die vollständig gemischt werden können, ist es in der Regel besser, nach dem Mischen der Lösung und vor dem Filtern 50 ccm abzumessen und auf dieselbe Weise wie bei der Bestimmung der „gesamten löslichen Stoffe“ zur Bestimmung der gesamten Trockenmasse (und Feuchtigkeit) zu verdampfen.

5. Darstellung der Ergebnisse – Es wird empfohlen, bei einer vollständigen Analyse die Ergebnisse auf folgende Weise darzustellen:

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(1) Gerbende Stoffe, die vom Leder aufgenommen werden – Erhalten durch Abzug der „löslichen, nicht-gerbenden Stoffe“, die durch Verdampfung des Filtrats aus dem Lederpulver aus den „gesamten löslichen Stoffen“ ermittelt werden.
(2) Lösliche, nicht-gerbende Stoffe – Ermittelt durch Verdampfung des Filtrats aus dem Lederpulverfilter.
(3) Unlösliche Stoffe – Durch Abzug der „gesamten löslichen Stoffe“ von der „gesamten trockenen Masse“.
(4) Feuchtigkeit – Bestimmt durch Trocknen eines Teils bei der für die Bestimmung der „gesamten löslichen Stoffe“ verwendeten Temperatur. Falls weitere Bestimmungen angegeben werden, sollen diese als separate Angaben erfolgen.
Dichte – Die Angabe der Dichten von Extrakten usw. sollte in Form des spezifischen Gewichts erfolgen, anstelle von willkürlichen Einheiten wie Baumé oder Twaddell usw.
Abschnitt V – Farbmessung
Farbmessung – Es wird empfohlen, die von englischen Chemikern verwendete Methode anzuwenden, nämlich die Messung mit Lovibond’s Tintometer (wie von Professor Procter und Dr. Parker in Journ. Soc. Chem. Ind., 1895, 125 beschrieben). Die Ergebnisse sollten in Einheiten von Rot, Gelb und Schwarz angegeben werden. Die Messung kann an der zur Analyse verwendeten Lösung vorgenommen werden, muss jedoch auf eine Lösung mit 0,5 Prozent Gerbstoffen in einer Zellfläche von einem Zentimeter umgerechnet werden.
Analyse von verwendetem Gerbstofflösungsmittel
In Lüttich im Jahr 1901 sowie in Leeds im Jahr 1902[196] wurde entschieden, dass die „Shake-Methode“ mit verchromtem Lederpulver der American Association of Official Agricultural Chemists aus dem Jahr 1901 (A.O.A.C.) bei der Entgerbung von verwendetem Gerbstofflösungsmittel angewandt werden soll. Bei diesen Lösungen liefert die Filtermethode aufgrund des Gehalts an nicht flüchtigen Säuren oft zu hohe Ergebnisse. Die Methode der A.O.A.C. ist im Anhang C beschrieben.[196] Procter und Blockey führten auf der Konferenz in Leeds Experimente an, die zeigten, dass Gallussäure sowie einige andere nicht-gerbende Substanzen größtenteils vom Lederpulverfilter aufgenommen wurden – allerdings wahrscheinlich nicht dauerhaft im Leder zurückgehalten wurden. Der Fehler war zwar weiterhin erheblich, doch deutlich geringer, wenn die verchromte Lederpulver-Shake-Methode angewandt wurde. Wenn nur Gallotanninsäure und Gallussäure vorhanden sind – wie im Fall von Sumach sowie kommerziellen Gallotanninsäuren – lässt sich die genaueste quantitative Schätzung ermitteln.

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Wahrscheinlich mit der nach L.I.L.B., S. 123 beschriebenen Löwenthal-Methode – doch für deren Anwendung ist erhebliches Können erforderlich.

Analyse von verbrauchten Gerbstoffen

In Leeds im Jahr 1902 wurde entschieden, dass verbrauchte Gerbstoffe genauso analysiert werden müssen wie frische Gerbstoffmaterialien; falls die vorgeschriebene Konzentration der Lösung auf andere Weise nicht erreicht werden kann, ist es zulässig, die gesamte Lösung durch Verdunstung zu konzentrieren. Es ist ratsam, sofern geeignete Apparaturen vorhanden sind, im Vakuum zu konzentrieren; falls dies nicht möglich ist, kann ein gewöhnlicher Flaschenhals verwendet werden, in den ein Trichter eingefügt wird.

ANHANG B – DAS DEZIMALE SYSTEM

Das metrische Maßsystem sowie die Gradskala des Celsius-Thermometers wurden im gesamten Buch verwendet, da sie internationaler und wissenschaftlicher sind als die komplizierten Systeme, die leider immer noch in diesem Land in Gebrauch sind. Sie wurden ausführlich im „Laborbuch“ des Autors, S. 2, erklärt; da dieses jedoch nicht immer zur Hand ist, darf hier eine kurze Zusammenfassung gegeben werden.

Die Grundlage des metrischen Systems ist das „Meter“, das etwa 1/10.000.000 der Entfernung vom Erdpol bis zum Äquator beträgt und 39,3708 englische Zoll entspricht. Für viele praktische Zwecke kann es grob mit 40 Zoll angegeben werden. Das Meter ist in 10 Teile oder „Decimeter“, 100 Teile oder „Zentimeter“ sowie 1000 Teile oder „Millimeter“ unterteilt. Das Maß für das Volumen ist ein Würfel mit einem Seitenlänge von 1 Decimeter, also etwa 4 Zoll – dieser enthält somit 1000 Kubikzentimeter und wird als „Liter“ bezeichnet. Das Maß für das Gewicht ist 1 Kubikzentimeter Wasser (bei 4 °C), was als „Gramm“ bezeichnet wird. Somit wiegt 1 Liter Wasser 1 „Kilogramm“, also 1000 Gramm. 1 Kubikmeter Wasser enthält 1000 Liter und wiegt 1000 Kilogramm, also 1 metrisches Tonnenmaß (2200 englische Pfund). Zu Vereinfachungszwecken können folgende Werte angegeben werden:
1 Gramm = 15,431 Gran
1 avoirdupois-Pfund = 453,6 Gramm
1 Liter = 0,22 Gallone
1 Gallone = 4,543 Liter

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Eine tatsächliche Reduzierung ist jedoch im Allgemeinen nicht notwendig, wenn die Frage als Frage nach dem Verhältnis betrachtet wird. Eine Lösung von 1 Gramm pro Liter hat somit dieselbe Konzentration wie eine Lösung von 1 Pfund pro 100 Gallonen (1000 Pfund); sehr ungefährlich gesehen entspricht sie auch einer Lösung von 1 Unze Avogadro pro Kubikfuß. Im Fall von Behältern ist es oft am einfachsten, diese direkt mit einem Maßband zu messen – Länge, Breite und Tiefe werden in Dezimetern gemessen und miteinander multipliziert, wodurch die Menge in Litern sowie im Fall von Wasser das Gewicht in Kilogramm ermittelt wird. Das Gradmessgerät nach dem Centigrad- oder Celsius-System teilt den Unterschied zwischen dem Gefrierpunkt und dem Siedepunkt des Wassers in 100° auf. Die folgende Tabelle zeigt die Werte, bei denen die Skala dieses Systems ohne Bruchteile mit der Skala nach Fahrenheit übereinstimmt:

Vergleich der Centigrad- und Fahrenheit-Grade

°C °F
-20 -4
-15 +5
-10 14
-5 23
0 32
5 41
10 50
15 59
20 68
25 77
30 86
35 95
40 104
45 113
50 122
55 131
60 140
65 149
70 158
75 167
80 176
85 185
90 194
95 203
100 212
105 221
110 230
115 239

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Anhang C.
Offizielle Methode zur Analyse von Gerbstoffmaterialien,
verabschiedet auf der Achtzehnten Tagung
der American Association of Official Agricultural Chemists im Jahr 1901.

I. Zubereitung des Probenmaterials.
Rinde, Holz, Blätter, trockene Extrakte sowie ähnliche Gerbstoffmaterialien sollten so fein gemahlen werden, dass sie vollständig extrahiert werden können. Flüssige Extrakte müssen auf 50 °C erhitzt, gut geschüttelt und anschließend auf Raumtemperatur abgekühlt werden.

II. Menge des Materials.
Bei Rinde und ähnlichen Materialien sollte eine Menge verwendet werden, die etwa 0,35 bis 0,45 Gramm Gerbstoffe pro 100 ccm Lösung ergibt. Die Extraktion erfolgt mit dem Soxhlet-Apparat oder einem ähnlichen Gerät unter Dampfhitze – bei stärkefreien Materialien. Bei Canaigre sowie Substanzen mit ähnlich hohem Stärkegehalt wird eine Temperatur von 50 ° bis 55 °C verwendet, bis eine nahezu vollständige Extraktion erreicht ist; anschließend wird die Extraktion unter Dampfhitze abgeschlossen. Bei bereits vorhandenen Extrakten sollte eine Menge verwendet werden, die 0,35 bis 0,45 Gramm Gerbstoffe pro 100 ccm Lösung ergibt. Der Extrakt wird in 900 ccm Wasser bei 80 °C gelöst, zwölf Stunden lang stehen gelassen und anschließend auf 1000 ccm aufgefüllt.

III. Feuchtigkeit.
(a) Falls es sich um einen Extrakt handelt, werden 2 Gramm in eine flache Schale mit einem Durchmesser von mindestens 6 cm gegeben. Anschließend werden 25 ccm Wasser hinzugefügt; das Gemisch wird langsam erwärmt, bis alles gelöst ist. Danach setzt man die Verdunstung fort, bis das Material trocken ist.
(b) Alle notwendigen Trocknungsverfahren nach der Verdunstung im Wasserkocher oder auf andere Weise müssen mit einer der folgenden Methoden durchgeführt werden.

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Und die Nicht-Tannine werden unter ähnlichen, soweit möglich identischen Bedingungen getrocknet:
1. Acht Stunden bei der Temperatur kochenden Wassers in einem Dampfbad.
2. Sechs Stunden bei 100° C. in einem Luftbad.
3. Bis zu einem konstanten Gewicht im Vakuum bei 70° C.

IV. Gesamtfeste Stoffe

Schütteln Sie die Lösung und messen Sie ohne Filtern sofort 100 c.c. mit einer Pipette ab. Verdunsten Sie die Flüssigkeit in einer gewogenen Schale und trocknen Sie sie bis zu einem konstanten Gewicht bei der Temperatur kochenden Wassers. Die Schalen sollten flachbodig sein und einen Durchmesser von mindestens 6 cm haben.

V. Lösliche Feste Stoffe

Es soll Filterpapier mit doppelter Falzung (S. and S., Nr. 590, 15 cm) verwendet werden. Zu 2 Gramm Kaolin werden 75 c.c. der Gerbstofflösung hinzugefügt, umgerührt, fünfzehn Minuten stehen gelassen und anschließend so viel wie möglich abgegossen. Weitere 75 c.c. der Lösung werden hinzugefügt, das Ganze wird auf den Filter gegossen; der Filter soll voll bleiben. Die ersten 150 c.c. des Filtrats werden entfernt, die nächsten 100 c.c. verdunstet und anschließend getrocknet. Eine Verdunstung während des Filterns muss verhindert werden.

VI. Nicht-Tannine

Zubereiten Sie 20 Gramm Lederpulver, indem Sie das Leder 24 Stunden lang mit 500 c.c. Wasser behandeln und anschließend 0,6 Gramm Chromalum in Lösung hinzufügen. Diese Lösung wird wie folgt zugegeben: Die Hälfte zu Beginn und die andere Hälfte mindestens sechs Stunden vor Ende der Behandlung. Waschen Sie das Pulver durch Leinen aus; das Waschen setzt man fort, bis das Waschwasser kein Precipitat mit Bariumchlorid ergibt. Drücken Sie das Pulver gründlich mit der Hand aus und entfernen Sie so viel Wasser wie möglich mithilfe eines Pressens. Wiegen Sie das gepresste Leder und nehmen Sie etwa ein Viertel davon zur Bestimmung des Feuchtigkeitsgehalts. Wiegen Sie dieses Viertel sorgfältig ab und trocknen Sie es bis zu einem konstanten Gewicht. Wiegen Sie die verbleibenden drei Viertel ebenfalls sorgfältig ab und fügen Sie sie zu 200 c.c. der ursprünglichen Lösung hinzu. Schütteln Sie die Mischung zehn Minuten lang, gießen Sie sie in einen Trichter mit Baumwollstopfen und lassen Sie sie abtropfen, bis die Flüssigkeit klar ist. Verdunsten Sie anschließend 100 c.c. und trocknen Sie das Restprodukt. Das Gewicht dieses Rückstands muss korrigiert werden.

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Die Verdünnung durch das im gepressten Lederpulver enthaltene Wasser.[197]
Das Schütteln muss in einer Art mechanischem Schüttler erfolgen. Es wird der einfache Apparat empfohlen, den Apotheker verwenden – er wird als Milchschüttler bezeichnet. [197] Zur Korrekturmethode siehe Seite 313.

Vorläufige Methode: Zu 14 Gramm trockenem, verchromtem Lederpulver in einem Schüttelglas werden 200 ccm der Tanninlösung hinzugefügt. Die Mischung soll zwei Stunden lang stehen, dabei häufig umgerührt werden. Anschließend wird sie 15 Minuten lang geschüttelt. Danach wird ein Trichter mit Baumwollstopfen in den Hals des Trichters eingefügt, um das Flüssigkeitsüberschuss abzulassen. Das Lederpulver wird im Trichter festgedrückt. Der Filtrat wird wieder hinzugefügt, bis es klar ist, anschließend werden 100 ccm verdampft.

VII. Tannine
Die Menge an Tanninen ergibt sich aus dem Unterschied zwischen den löslichen Feststoffen und den korrigierten Nicht-Tanninen.

VIII. Prüfung von Lederpulver
(a) 10 Gramm Lederpulver werden mit 250 ccm Wasser fünf Minuten lang geschüttelt. Anschließend wird die Mischung durch Leinen gefiltert; der Filter wird anschließend von Hand gründlich ausgedrückt. Dieser Vorgang wird dreimal wiederholt. Der letzte Filtrat wird durch Papier (S. und S. Nr. 590, 15 cm) gefiltert, bis er klar ist. Anschließend werden 100 ccm verdampft und das Pulver getrocknet. Wenn die Menge des Rückstands mehr als 10 mg beträgt, muss das Leder abgelehnt werden.
(b) Eine Lösung aus reinem Gallotannin wird hergestellt, indem 6 Gramm Gallotannin in 1000 ccm Wasser gelöst werden. Die Gesamtmenge an Feststoffen wird ermittelt, indem 100 ccm dieser Lösung verdampft und bis zu einem konstanten Gewicht getrocknet werden. 200 ccm dieser Lösung werden genau wie in Absatz 6 beschrieben mit Lederpulver behandelt. Das Lederpulver muss mindestens 95 Prozent der vorhandenen Gesamtfeststoffe aufnehmen. Das verwendete Gallotannin muss vollständig in Wasser, Alkohol, Aceton und Essigsäureether löslich sein und darf nicht mehr als 1 Prozent an Stoffen enthalten, die bei der Behandlung mit überschüssigem gelbem Quecksilberoxid im Dampfbad über zwei Stunden nicht entfernt werden konnten.

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IX. Prüfung des nicht-tanninhaltigen Filters.

(a) Bei Tanninen: Prüfen Sie einen kleinen Teil des klaren, nicht-tanninhaltigen Filters mit einigen Tropfen einer 1-prozentigen Lösung von Nelsons Gelatine. Trübung deutet auf das Vorhandensein von Tanninen hin; in diesem Fall wiederholen Sie den unter VI. beschriebenen Vorgang, wobei 35 statt 20 Gramm Lederpulver verwendet werden sollen.

(b) Bei löslichem Leder: Fügen Sie einem kleinen Teil des klaren, nicht-tanninhaltigen Filters einige Tropfen der gefilterten Tanninlösung hinzu. Trübung deutet auf das Vorhandensein von löslichem Leder hin; in diesem Fall wiederholen Sie den unter VI. beschriebenen Vorgang und waschen das Lederpulver gründlicher. Die Temperatur der Lösungen sollte bei Messung oder Filtern zwischen 16° und 20° liegen. Alle Trocknungsverfahren sollten in flachen Behältern mit mindestens 6 cm Durchmesser durchgeführt werden. Für alle Filterungen soll Filterpapier der Sorte S. und S. Nr. 590 mit einer Länge von 15 cm verwendet werden.

ANHANG D.

Die folgenden Farblisten wurden von Herrn M. C. Lamb, Leiter der Abteilung für Lederfärbung am Herold’s Institute in London, bereitgestellt. Er hat viel Zeit damit verbracht, die verschiedenen Farbstoffe hinsichtlich ihrer Beständigkeit und Eignung für Leder zu prüfen. Viele dieser Farben wurden außerdem in der Abteilung für Lederbearbeitung des Yorkshire College getestet und als zufriedenstellend befunden. In den Listen werden folgende Abkürzungen für Herstellernamen verwendet:

B. Basler Chemische Fabrik, A. G., Basel, Schweiz.
B.A.S.F. Badische Anilin und Soda Fabrik, Ludwigshafen am Rhein, Deutschland.
Ber. Berlin Aniline Co., Berlin S.O., Deutschland.
B.S. Spl. Brooke, Simpson & Spiller, Atlas Dye Works, Hackney Wick, London, N.E.
By. Farbenfabriken, ehemals Bayer & Co., Elberfeld, Deutschland.
C. L. Cassella & Co., Frankfurt am Main, Deutschland.
C.A. French Aniline Colour Works, Vieux-Conde (Nordfrankreich), Frankreich.
C. & R. Claus & Rée, Clayton, in der Nähe von Manchester.
D. Dahl & Co., Barmen, Deutschland.
D. & H. Durand, Huguenin & Co., Basel, Schweiz.
G. R. Geigy & Co., Basel, Schweiz.
Ger. Gerber & Co., Basel, Schweiz.

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K. Kalle & Co., Bierbrich an der Rhein, Deutschland.
Leon. A. Leonhardt & Co., Muhlheim an der Main, Deutschland.
Leitch J. W. Leitch, Milnsbridge Chemical Works, Huddersfield.
Lev. Levinstein Ltd., 21 Minshull Street, Manchester.
M.L.B. Meister, Lucius & Bruning, Hoechst an der Main, Deutschland.
Mo. Gilliard, P. Monnet & Gartier, Lyon, Frankreich.
N. Noetzel, Istel & Co., Griesheim an der Main, Deutschland.
O. K. Oehler & Co., Offenbach an der Main, Deutschland.
P. St. Denis Dyestuff Co., ehemals Pourier, St. Denis, in der Nähe von Paris.
R. Sociéte Chimique des Usines du Rhone, Lyon, Frankreich.
R. H. & S. Read, Holliday & Sons, Huddersfield.
S.C. Ind. Society of Chemical Industry, Basel, Schweiz.
Uer. Chemische Fabriken, Uerdingen an der Rhein, Deutschland.
W. Bros. Williams Bros. & Co., Hounslow, Middlesex.

**Färbung**
Einfachsaure Farbstoffe, geeignet zur Färbung pflanzlich gegerbten Leders.

**Braune Farben**
Festes Braun. (M.L.B.)
Saureres Braun. (W. Bros.)
Brown A2. (B.S. Spl.)
Brown A1. (B.S. Spl.)
Mikado-Braun B. (Leon.)
Neues saures Braun. (B.S. Spl.)
Bronzesaures Braun. (By.)
Goldenes Braun Y. (C.), (By.)
Saureres Anthrachinobraun R. (By.)
Fastbraun N. (B.A.S.F.)
Nussbraun A. (C.)
Fastbraun. (By.)
Fastbraun G. (Ber.)
Resorcinbraun. (Ber.)
Resorcinbraun. (D.)
Saureres Braun. (Ber.)
Dunkles Nussbraun. (W. Bros.)
Saureres Braun R. (C.)
Saureres Braun R. (Uer.)
Saureres Braun R. (R. H. & S.)
Neues goldenes Braun A1. (C.)
Dunkles Braun. (C.)
Saureres Braun L. (B.A.S.F.)
Saureres Braun D. (C.)

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Gelbe Farben.
Azo-Gelb. (Uer.)
Phosphin-Substanz. (B.S. Spl.)
Chrysoin. (W. Bros.)
Azo-Säuregelb. (Ber.)
Neues Phosphin-G. (C.)
Cuba-Gelb 2072. (S.C. Ind.)
Cuba-Gelb (W. Bros.)
Azo-Flavin RS. (C.) sowie (B.A.S.F.)
Azo-Flavin 3R. (B.A.S.F.)
Indisches Gelb R. (By.)
Currygelb. (G.)
Festes Gelb G. (Leon.)
Festes Gelb B. (Leon.)
Indisches Gelb R. (C.)
Cuba-Gelb. (C.)
Naphtholgelb S. (By.), (C.), (B.A.S.F.)
Currygelb. (C.), (G.)
Fast-säuregelb. (C.A.)

Rote und orangefarbene Farben.
Scharlachrot R. (By.)
Crocein-Scharlachrot 3BN. (By.)
Orangefarben 2. (M.L.B.), (S.C. Ind.), (C.) sowie (B.A.S.F.)
Orangefarben 2B. (By.)
Mandarin G extra. (Ber.)
Brillantes Crocein M.O.O. (C.)
Bordeaux-Gelb. (By.)
Atlas-Orangefarben. (B.S. Spl.)
Bordeaux-Cov. (Ber.)
Fast-Rot 21528. (By.)
Fast-Rot A. (Leon.), (By.), (Ber.) sowie (B.A.S.F.)
Bordeaux-B. (M.L.B.)

Grüne Farben.
Säuregrün extra konzentriert. (C.)
Guinea-Grün B. (Ber.)
Guinea-Grün G. (Ber.)
Säuregrün GG. (By.)
Säuregrün BB. (By.)
Säuregrün B. (By.)
Säuregrün G. (By.)
Säuregrün 000. (Leon.)
Säuregrün extra. (By.)
Säuregrün (Uer.)
Säuregrün (R. H. & S.)
Hellgrün SF. (B.A.S.F.)

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Erioglaucin. (G.)

Violettfarben.
Acid Violet 4RS. (Ber.)
Acid Violet 7B. (Ber.)
Acid Violet 6B. (By.)
Formyl Violet S4B. (C.)

Blaufarben.
Bavarian Blue D.B. (Ber.)
Marine Blue o. (K.)
Solid Blue. (M.L.B.)
Blue 1. (Lev.)
Blue 2. (Lev.)
Blue 3. (Lev.)

Einfache Basenfarbstoffe
geeignet zur Färbung von pflanzlich gegerbtem Leder.

Braunfarben.
Bismark Brown GG. (C.)
Chrysoidin AG. (O.)
Bismark Brown 2B. (K.)
Bismark Brown (By.)
Bismark Brown R.C.E. (Lev.)
Bismark Brown M. (By.)
Vesuvine konzentriert. (M.L.B.)
Vesuvine konzentriert. (B.A.S.F.)
Bismark Brown C Extra. (Leon.)
Bismark Brown RS. (B.S. Spl.)
Bismark Brown 3762. (W. Bros.)
Rheonin A. (B.A.S.F.)
Rheonin N. (B.A.S.F.)
Brown R. (G.)
Brown G. (G.)
Manchester Brown. (C.)

Gelbfarben.
Acridin Yellow NC. (Leon.)
Phosphin N. (Ber.)
Patent Phosphin R. (S.C. Ind.)
Leather Yellow 6730. (C.A.)
Auramin 2. (By.)
Chrysoidin kristallin. (B.S. Spl.) und (By.)

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Chrysoidin-Diamantkristall (W. Bros.)
Ledergelb O. (M.L.B.)
Chrysoidin. (R. H. & S.)
Ledergelb G. (M.L.B.)
Ledergelb 6730. (C.A.)
Patentphosphin G. (S.C. Ind.)
Ledergelb DRR. (Ber.)
Xanthin. (O.)
Cannella G. (W. Bros.)
Reines Phosphin. (C.)
Neues Phosphin G. (C.)
Cori-Phosphin O. (By.)
Para-Phosphin R. (C.)
Para-Phosphin G. (C.)
Ledergelb 374. (D.)
Ledergelb 375. (D.)
Homo-Phosphin G. (Leon.)
Phosphin ABN. (Leon.)
Auramin 2 Patent. (S.C. Ind.)

**Grüne Farben:**
Methylgreen-Kristall (Ber.)
Methylengrün. (M.L.B.)
Festes Grün. (Leon.)
Malachitgrün. (Ber.), (M.L.B.), (P.), (C.A.), (S.C. Ind.), (R. H. & S.), (Lev.), (C.), (B.S. Spl.) und (K.)

**Rote Farben:**
Safranin. (M.L.B.), (B.A.S.F.), (S.C. Ind.) und (K.), (Ber.), (By.), (C.A.), (Leon.), (Uer.)
Russisches Rot. (By.) und (Ber.)

**Violette Farben:**
Methylviolett. (Ber.), (By.), (M.L.B.), (R. H. & S.), (B.S. Spl.), (C.) (S.C. Ind.), (P.) und (D.)

**Schwarze Farben:**
Corvolin B. (B.A.S.F.)
Corvolin G. (B.A.S.F.)

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Färben.

Einfarbige Säurefarbstoffe
geeignet zum Färben pflanzlich gegerbter Leder.[198]

[198] Zur Erklärung der römischen Zahlen siehe Ende von Anhang D.

Gelbtöne.
II. Naptholgelb S. (Ber.), (B.A.S.F.), (By.) und (C.).
VII. Chinolingelb. (Ber.), (By.) und (B.A.S.F.).
II. Citronin. (Leon.)
IV. Festes Gelb G. (Leon.)
IV. Festes Gelb B. (Leon.)
V. Indigogelb S.
V. Azo-Säuregelb.
IV. Indigogelb T. (C.)
VII. Indigogelb R. (By.) und (C.).
IV. Indigogelb G. (By.) und (C.)
IV. Kubagelb. (C.), (W. Bros.) und (S.C.Ind.).
V. Azo-Flavin RS. (B.A.S.F.) und (C.)
V. Azo-Flavin 3R. (B.A.S.F.) und (C.)
VI. Circumein Extra. (Ber.)
VII. Tartrazin. (B.A.S.F.)

Orangetöne.
V. Orange 2. (B.A.S.F.), (C.), (M.L.B.), (S.C. Ind.), (P.) (W. Bros.) und (By.).
V. Mandarin G Extra. (Ber.)
V. Crocein-Orange. (K.) und (By.).
VI. Ponceaux 10RB, 4R, Bo, 4RB, 6RB. (Ber.), (By.) und (D.).

Bordeaux-Töne.
VII. Azo-Bordeaux. (By.)
IV. Bordeaux B Extra. (By.)
VI. Bordeaux G. (By.)
V. Bordeaux Y. (W. Bros.)
V. Säure-Maroon. (M.L.B.) und (B.S. Spl.).
VIII. Chromatrop 6B. (M.L.B.)

Page 506

Rot.
V. Fast Red A. (Ber.), (By.), (B.A.S.F.), (B.S. Spl.) und (Leon.)
VIII. Fast Red S. (M.L.B.)
VI. Fast Red 21528. (By.)

Scharlachrot.
V. Crocein Scarlet R. (By.) und (K.)
V. Crocein Scarlet 2R. (By.)
VII. Fast Scarlet B. (B.A.S.F.), (W. Bros.) und (K.)

Braun.
IV. Acid Brown R. (C.)
V. Acid Brown L. (B.A.S.F.)
V. Acid Brown Y. (S.C. Ind.)
IV. Acid Brown D. (C.), (B.A.S.F.)
IV. Acid Brown (R.H. & S.)
IV. Acid Brown 4601. (B.S. Spl.)
V. Acid Brown D. (C.)
VII. Resorcin Brown. (Ber.)
V. Acid Brown. (Uer.)
IV. Acid Brown R. (Ber.)
VIII. Acid Brown Y. (M.L.B.)
VI. Solid Brown o. (M.L.B.)
V. Fast Brown. (By.)
V. Fast Brown. G. (Ber.)
V. Fast Brown. N. (B.A.S.F.)
IV. Fast Brown. 3B. (Ber.)
V. Bronze Acid Brown. (By.)
VIII. Acid Anthracine Brown R. (By.)
V. New Acid Brown. (B.S. Spl.)
VI. Dark Nut Brown. (Uer.)
IV. New Golden Brown A1. (C.)

Schwarz.
IV. Napthol Blue Black. (C.)
V. Napthylamine Black 4B. (C.)
V. Napthylamine Black 6B. (C.)
VII. Phenol Black S. (By.)
IV. Phenylamine Black 4B. (By.)
VII. Victoria Black B. (By.)

Page 507

Blaufarben.
VIII. Fast Blue R. (Ber.)
VIII. Bavarian Blue DB. (Ber.)
V. Erioglaucin. (G.)
IV. Cyanole Ext. (C.)
IV. Marine Blue. (K.)
VII. Water Blue N. (B.A.S.F.)
VIII. Water Blue 4 B. (Ber.)
VII. Cotton Blue II. (By.)
VII. Toluidine Blue. (B.A.S.F.) und (By.)
VII. Water Blue R. (Leon.)
VII. Water Blue 3R. (Leon.)
VII. Water Blue BTR. (B.A.S.F.)

Violettfarben.
Acid Violets (Lev.), (B.A.S.F.) und (By.)
IX. Acid Violets 4R. (B.A.S.F.)
V. Acid Violets R. (C.)
V. Acid Violets R. (B.A.S.F.)
VI. Acid Violets 3BA. (M.L.B.)
IV. Acid Violets 3BN. (Lev.)
II. Acid Violets 6B. (By.) und (C.)
III. Formyl Violet S4B. (C.)

Grünfarben.
IV. Acid Green Extra Conc. (C.)
IV. Guinea Green B und G. (Ber.)
IV. Acid Green Ext. (By.)
IV. Acid Green GG Ext. (By.)
IV. Acid Green 225. (By.)
IV. Acid Green BB. Ext. (By.)
IV. Acid Green o. (M.L.B.)
IV. Acid Green 5677. (B.S. Spl.)
V. Capri Green 2G. (Lev.)

Einzelne basische Farbstoffe, geeignet zum Färben pflanzlich gegerbter Leder.

Braunfarben.
IV. Vesuvine ooo Ext. (B.A.S.F.)
II. Vesuvine B. (B.A.S.F.)
II. Vesuvine (C.)

Page 508

III. Vesuvine conc. (M.L.B.)
III. Bismark brown ext. (Ber.) und (B.S. Spl.)
III. Bismark brown ext. M. (By.)
III. Bismark brown F. (By.)
IV. Bismark brown YS. (B.S. Spl.)
III. Bismark brown PS. (C.)
III. Bismark brown GG. (C.)
III. Bismark brown O. (L.)
III. Bismark brown G. (O.)
III. Bismark brown (S.C. Ind.)
III. Bismark brown NYY. (W. Bros.)
III. Bismark brown o. (M.L.B.)

II. Cannella. (B.S. Spl.)
II. Cannella. (B.A.S.F.)
II. Cannella. (C.)
V. Cannella. (S.C. Ind.)
II. Cannella S. (Ber.)
III. Cannella P. (W.)
IV. Nanking. (B.A.S.F.)
IV. Nanking. (R.H. & S.)
IV. Nanking. (S.C. Ind.)
III. Lavilliere’s 122. (By.)
II. Rheonine. (B.A.S.F.)
IV. Xanthine. (O.)

Gelbliche Orangetöne:
III. Chrysoidines, (Leitch); R, (R.H. & S.)
IV. Chrysoidines ext. (W.)
II. Chrysoidines (S.C. Ind.); GG, (C.)
III. Chrysoidines G. (Leon.)
II. Chrysoidines RE. (Lev.)
III. Chrysoidines YY. (C.)
III. Chrysoidines cryst. (B.S. Spl.)
III. Chrysoidines G. (By.)
V. Chrysoidines cryst. (C.A.)

Gelbtöne:
III. Auramine 2. (B.A.S.F.)
III. Auramine. (S.C. Ind.)
III. Auramine. (G.)
III. Auramine. (Ber.)
III. Auramine. (By.)
III. Auramine. (L.)

Page 509

III. Auramin. (W.)
III. Auramin. (C.)
III. Auramin. (W.)
V. Konzentriertes Auramin. (M.L.B.)
IV. Phosphin E. (B.A.S.F.)
IV. Phosphin L. (B.A.S.F.)
IV. Phosphin G. (Ber.)
IV. Phosphin. (O.)
IV. Phosphin. (C.)
IV. Verstärktes Phosphin. (M.L.B.)
IV. Stärkeres Phosphin B. (S.C. Ind.)
III. Phosphin III., II., I. (Leon.)
III. Phosphin N. (Ber.)
V. Cori-Phosphin. (By.)
V. Homo-Phosphin. (Leon.)
V. Para-Phosphin. (C.)

Grüne Farbstoffe:
III. Kristallines Methylgrün. (By.) D.
V. Unverdünntes Methylgrün. (M.L.B.)
II. Diamond Green B und G. (B.A.S.F.)
II. Benzalgrün. (O.)
II. Kristallines Brillantgrün. (M.L.B.)
II. Kristallines Brillantgrün. (By.)
II. Kristallines Brillantgrün. (O.)
II. Kristallines Brillantgrün. (L.)
II. Kristallines Brillantgrün. (Lev.)
II. Kristallines Brillantgrün. (Uer.)
II. Kristallines Brillantgrün. (S.C. Ind.)
II. Malachitgrün. (B.S. Spl.)
II. Malachitgrün. (Ber.)
II. Malachitgrün. (C.A.)
II. Malachitgrün. (K.)
II. Malachitgrün. (M.L.B.)
II. Malachitgrün. (Lev.)
II. Malachitgrün. (G.)
II. Malachitgrün. (O.)

Blaue Farbstoffe:
VII. Methylblau B, 2B und R. (Ber.)
VII. Methylblau. (B.A.S.F.)
VII. Methylblau. (M.L.B.)
VII. Methylblau. (Lev.)

Page 510

VII. Methyleneblau. (C.)
VII. Methyleneblau. (C. & R.)
VIII. Neues Methyleneblau. GG. (C.)
VIII. Neues Methyleneblau. BB. (C.)
IV. Neues Blau R. (Ber.)
V. Neues Blau R. (By.)
VI. Neues Patentblau 4B. (By.)

Violettfarben:
IV. Methylviolet 4B. (B.A.S.F.)
IV. Methylviolet 4R. (K.)
IV. Methylviolet 4R. (C.)
IV. Methylviolet 3B. (By.)
IV. Methylviolet 3B. (Ber.)
IV. Methylviolet 2B. (M.L.B.)
IV. Methylviolet (D.)
IV. Methylviolet 6B. (Leon.)
IV. Neutralviolet ext. (C.)

Bordeauxfarben:
IV. Magenta WB. (Leon.)
IV. Magenta 3B. (Ber.)
IV. Magenta RE. (Leon.)
IV. Magenta WBG. (Leon.)
IV. Magenta. (M.L.B.)
IV. Magenta. (K.)
IV. Magenta. (B.A.S.F.)
IV. Magenta 4128. (B.S. Spl.)

Rötliche Farben:
VIII. Rhodamin B extra. (Ber.)
VIII. Rhodamin B. (B.A.S.F.)
VIII. Rhodamin B. (By.)
VIII. Rhodamin (S.C. Ind.)
VIII. Rhodamin (M.L.B.)
VII. Safranin. (B.A.S.F.)
IV. Russian Red G. (B.A.S.F.)
IV. Russian Red B. (C.)
IV. Russian Red (Ber.)
IV. Russian Red (Uer.)
IV. Russian Red B. (B.A.S.F.)
IV. Russian Red G. (C.)

Page 511

IV. Russian Red (Ber.)
IV. Russian Red R. (By.)
IV. Cardinal 4B. (By.)
VIII. Rhoduline Red. (By.)
V. Safranine G Ext. (C.)
VII. Safranine BS. (By.)
Safranine G Ext. (Ber.)

Säuregemische, geeignet für Färben und Färben von Materialien
Pflanzlich gegerbte Leder.

Orange 2. (M.L.B.)
Azo-Gelb o. (M.L.B.)
Patentblau V. (M.L.B.)
Resorcinbraun. (Ber.)
Circumein Ext. (Ber.)
Nigrosin 105. (Ber.)
Säurebraun R. (C.)
Indischgelb G. (C.)
Reines lösliches Blau. (C.)
Neues Säurebraun. (B.S. Spl.)
Phosphinverbindungen (B.S. Spl.)
Indulin. (B.S. Spl.)
Säurebraun R. (C.)
Azo-Flavin R.S. (C.)
Naphtholblau-Schwarz. (C.)
Resorcinbraun. (Ber.)
Fastbraun G. (Ber.)
Naphthylamin-Schwarz D. (C.)
Fastbraun G. (Ber.)
Circumine Ext. (Ber.)
Nigrosin 105. (Ber.)
Fastbraun. (By.)
Indischgelb R. (By.)
Fastgrün-blauer Ton. (By.)
Säureanthrachinbraun. (By.)
Indischgelb R. (By.)
Fastgrün-blauer Ton. (By.)
Fastbraun N. (B.A.S.F.)
Azo-Flavin RS. (B.A.S.F.)
Hellgrün S.F. (B.A.S.F.)

Page 512

Dunkel-nussbraun. (Uer.)
Azo-gelb. (Uer.)
Säuregrün. (Uer.)
Säurebraun. (D.)
Crocein-Orange. (D.)
Cotton Blue 3R. (D.)
Resorcinbraun. (D.)
Cotton Blue 3R. (D.)
Säurebraun B. (S.C. Ind.)
Kuba-Gelb 2072. (S.C. Ind.)
Säuregrün. (S.C. Ind.)
Resorcinbraun. (W. Bros.)
Kuba-Gelb. (W. Bros.)
Säuregrün. (W. Bros.)
Naphtholbraun. (Leon.)
Citronine A. (Leon.)
Säuregrün 000. (Leon.)
Säurebraun R. (R.H. & S.)
Säuregelb. (R.H. & S.)
Nigrosin-Kristalle. (R.H. & S.)
Orange 2. (P.)
Gelb oS. (P.)
Säuregrün J3E. (P.)
Säurebraun. (C.A.)
Säuregelb S. (C.A.)
Reines Blau-Kristall. (C.A.)
Resorcinbraun. (Ber.)
Azo-säuregelb oder Circumine-Extrakt. (Ber.)
Bayerisches Blau DB oder Guinea-Grün G. (Ber.)
Indisches Gelb R. (C.)
Säurebraun R. (C.)
Reines lösliches Blau. (C.)
Azo-säuregelb konzentriert. (M.L.B.)
Festes Braun o. (M.L.B.)
Fast Blau o löslich. (M.L.B.)
Bronzefarbenes Säurebraun. (By.)
Indisches Gelb R. (By.)
Fast grünblaue Nuance. (By.)
Säureanthrazinbraun. (By.)
Indisches Gelb R. (By.)
Fast grünblaue Nuance. (By.)

Page 513

Orangefarben 11. (B.A.S.F.)
Scharlachrot GL. (B.A.S.F.)
Hellgrün SFYS. (B.A.S.F.)
Azo-Flavin RS. (B.A.S.F.)
Säurebraun L. (B.A.S.F.)
Hellgrün SFYS. (B.A.S.F.)
Schokoladenfarben. (Uer.)
Tartrazin, (B.A.S.F.); oder Azo-Gelb, (Uer.)

Grundmischungen für Färben und Bespritzen
Pflanzlich gegerbte Leder.

Bismarckbraun M. (By.)
Auramin 2. (By.)
Methylenblau BB. (By.)
Rheonin A. (B.A.S.F.)
Vesuvianin B2. (B.A.S.F.)
Diamantgrün G. (B.A.S.F.)
Bismarckbraun O. (Leon.)
Auramin 2. (Leon.)
Gelbgrün P. (Leon)
Bismarckbraun in konzentrierter Form (Ber.)
Philadelphia-Gelb R. (Ber.)
Malachitgrün in kristalliner Form (Ber.)
Neues Phosphin G. (C.)
Chrysoidin. (C.)
Neues Blau B. (C.)
Phosphin in konzentrierter Form (F.)
Chrysoidin in kristalliner Form (F.)
Leuchtendes Grün in konzentrierter Form (F.)
Bismarckbraun GG. (O.)
Anilin-Gelb in konzentrierter Form (O.)
Neutralviolett in konzentrierter Form (O.)
Dunkelbraun B. (By.)
Auramin 2. (By.)
Smaragdgrün in kristalliner Form (By.)
Phosphin 3RB. (Ber.)
Philadelphia-Gelb R. (Ber.)
Russisches Grün 36784. (Ber.)
Bismarckbraun RS. (B.S. Spl.)
Zimt. (B.S. Spl.)

Page 514

Malachitgrün. (B.S. Spl.)
Vesuvianconzentrat. (M.L.B.)
Auraminconzentrat. (M.L.B.)
Methylengrün. (M.L.B.)
Kutchbraun. (Leitch.)
Zitronengelb G. (Leitch.)
Russengrün 3 B. (Leitch.)
Bismarckbraun 2 B. (K.)
Gelb für Lederbehandlung. (K.)
Malachitgrünkristall. (K.)
Auramin. (G.)
Braun R. (G.)
Malachitgrün. (G.)
Auramin o. (Lev.)
Bismarckbraun R.C.E. (Lev.)
Glänzendes Grün. (Lev.)
Bismarckbraun Y40. (R.H. & S.)
Kanariengelb 2. (R.H. & S.)
Grünes Kristall Y. (R.H. & S.)
Lederbraun A. (S.C. Ind.)
Auramin 2. (S.C. Ind.)
Leder Schwarz 1. (S.C. Ind.)
Leder Schwarz R. (Uer.).
Gelb 4803. (Uer.)
Blauschwarz S. (Uer.)
Bismarckbraun NYY. (W. Bros.)
Kanellengelb G. (W. Bros.)
Braun für Leder 375. (D.)
Fast Gelb 168. (D.)
Methylengrün G – feine Variante für die Lederbehandlung. (D.)
Braun N. (D.)
Lederbraun P. (D.)
Parisviolett o. (D.)

**Chromleder**
Die folgenden Farbstoffe eignen sich zum Färben von Chromleder. Das Leder wird nach dem Gerben auf die übliche Weise mit Borax behandelt und anschließend durch Schwenken oder Rühren in einer Tanninlösung mordiert; für dunklere Töne werden 3 Prozent Gambier- sowie 3 Prozent Fustixextrakt verwendet (die Menge wird nach dem Gewicht berechnet).

Page 515

Leder, das nach Behandlung mit Borax gefärbt wurde, eignet sich dafür; für helle Töne wird 1½ Prozent verwendet. Gambier wird empfohlen. Das Leder wird nach der Mordantierung gefettet und gefärbt; dabei wird dem Färbewasser eine Menge an Natrium- oder Kaliumbisulfat zugefügt, die der Menge des Farbstoffs entspricht. Die folgende Liste ist keineswegs eine vollständige Auflistung der Farbstoffe, die Chromleder gut färben können – sie dient lediglich als Beispiele. Nach der Färbung sollten die Produkte in lauwarmem Wasser, in das etwas Kochsalz gegeben wurde, gründlich gewaschen werden; eine Menge von einer Pfund pro drei Dutzend Häuten ist hierfür geeignet. Nach dem Waschen werden die Produkte maschinell bearbeitet und sind anschließend bereit zum Glätten – sofern diese Bearbeitung vor der Färbung nicht bereits durchgeführt wurde. Danach werden die Häute flach, mit der Faserseite nach oben, auf Bretter genagelt; eine Mischung aus Glycerin und Wasser – 3 Pfund Glycerin gelöst in einem Gallon Wasser – wird gut auf die Faserseite aufgetragen. Anschließend werden die Produkte leicht mit Öl eingerieben (mit hochwertigem Leinsamenöl, Spermöl oder Mineralöl), bevor sie in den Trockenraum gebracht werden. Wenn sie vollständig trocken sind, werden sie von den Brettern genommen und mit Schichten feuchten Sägemehls zwischen den einzelnen Häuten für einige Stunden abgelegt, damit sie für das weitere Verarbeitungsverfahren richtig feucht werden. Die Häute sollten nun maschinell bearbeitet werden; dazu eignen sich die Maschinen Haley (England), Slocomb oder Vaughn (Amerika) (S. 192). Nach der Bearbeitung werden die Produkte mit einer dünnen Schicht eines schwachen Leinsamenmucilags behandelt; anschließend werden sie getrocknet und mit der folgenden Mischung behandelt: 10 bis 15 Unzen getrocknetes Eiweiß werden vier Stunden lang in einem Gallon kaltem Wasser eingeweicht, dabei gelegentlich umgerührt; unlösliche Stoffe werden abgefiltert und anschließend ein Gallon Milch hinzugefügt. Falls man möchte, dass die Oberfläche länger als zwei bis drei Tage erhalten bleibt, kann etwas Karbolsäure (Phenol) hinzugefügt werden – 1 Unze Phenol, zuvor in etwas Wasser gelöst, pro Gallon der Mischung ist dabei eine geeignete Menge. Etwas Farbstoff sollte ebenfalls zur Mischung hinzugefügt werden. Nach der Behandlung werden die Häute im Ofen getrocknet, zweimal glasiert und erneut mit der oben genannten Mischung, verdünnt mit gleichem Volumen Wasser, behandelt. Die Produkte werden erneut getrocknet und glasiert, anschließend leicht gestützt und schließlich vom Hals bis zum Schwanz mit Brettern versehen, um eine gerade Faserstruktur zu erzielen. Falls die Glasur zu hell ist, kann die Konzentration der Eiweißlösung auf die Hälfte reduziert werden.

Page 516

Nachdem die Ware glasiert wurde, wird sie auf der Faserrichtung mit einem leicht mit Leinsamenöl befeuchteten Flanelltuch abgerieben und ist anschließend zum Verkauf bereit.

Farbstoffe, die für das Färben von chromgegerbtem Leder geeignet sind.

Bräune:
Resorcinbraun. (Ber.)
Schokoladenbraun. (Uer.)
Fastbraun. (BY.)
Fastbraun. (Ber.)
Neues Goldbraun A.1. (C.)
Fastbraun. (B.A.S.F.)
Säurebraun Y. (S.C. Ind.)
Säurebraun B. (S.C. Ind.)
Goldbraun. (Leitch.)
Bronzesäurebraun. (By.)
Helles Nussbraun. (Uer.)
Resorcinbraun. (W. Bros.)
Säurebraun 5210. (W. Bros.)
Neues Säurebraun. (B.S. Spl.)
Helles Nussbraun. (R.)
Brown 2Y. (R.)
Azo-Phosphin. (Uer.)
Goldbraun Y. (W. Bros.)

Gelbliche Bräune und Gelbe:
Citronin. (Leon.)
Azo-Flavin RS. (B.A.S.F.)
Kuba-Gelb 2072. (S.C. Ind.)
Phosphinstoffwechselprodukt. (B.S. Spl.)
Konzentriertes Azo-Gelb. (M.L.B.)
Azo-Flavin. (R.)
Goldorange R. (Leitch.)
Circumein-Extrakt. (Ber.)
Indisches Gelb G. (By.)
Curcuma-Ersatzstoff (W. Bros.)
Azo-Gelb R. (M.L.B.)
Chrysophenin G. (Leon.)
Indisches Gelb T. (C.)
Quinolinengelb. (Ber.)
Kuba-Gelb. (C.) und (W. Bros.)
Indisches Gelb. G. (C.)
Chrysoin-Extrakt. (W. Bros.)
Azo-Flavin. (B.S. Spl.)
Curcumagelb B. (Leitch.)

Page 517

Azo-Gelb FY. (R.H. & S.)
Orangengelb 4. (R.H. & S.)
Naphtholgelb S. (B.A.S.F.)
Curcumengelb Y. (Leitch.)
Azo-Flavin 7032. (S.C. Ind.)
Curcumengelb. (G.)
Festes Gelb Y. (Leon.)
Festes Gelb B. (Leon.)
Mühlenbraun G. (Leon.)
Naphthamin-Gelb 3 G. (K.)
Orangengrün GG. (C.)
Resorcin-Gelb. (Ber.)

**Grüne Farben:**
Konzentriertes Säuregrün (M.L.B.)
Ooo-Säuregrün (Leon.)
Guinea-Grüne G und B. (Ber.)
Extrem konzentriertes Säuregrün (C.)
Schnell trocknendes Säuregrün BN. (C.)
Erioglaucin. (G.)
Säuregrün 5677. (W. Bros.)
Säuregrün (Uer.)
Hellgrün SF. (B.A.S.F.)
Extrem konzentriertes Säuregrün GG. (By.)

**Violette und blaue Farben:**
Bayerisches Blau DB. (Ber.)
Blau R. (Lev.)
Wasserblau TR. (B.A.S.F.)
Schnell trocknendes Blau O. (M.L.B.)
Wasserblau 4B. (Leon.)
Cyanole Extra. (C.)
Säureblau. (C.A.)
Säureviolete 3BN und 6BN. (Lev.)

**Oranžefarbene Farben:**
Orangengelb 2, (S.C. Ind.); C, (M.L.B.); B, (By.) und (B.A.S.F.).
Orangengelb A. (Leon.)
Orangengelb G. (R.H. & S.)
Ponceau-Farben. (Ber.) und (By.)
Crocein-Orangetöne. (K.) und (By.)
Mandarinenfarbe in extremer Konzentration (Ber.)
Atlas-Orangetöne. (B.S. Spl.)

Page 518

Scharlachrot und Rot.
Die meisten säurehaltigen Scharlach- und Rotfarbstoffe färben Chromleder gut unter Verwendung eines Mordants – zu den Details dazu wird oben bereits referenziert.

Schwarz.
Diese Farben werden direkt gefärbt, ohne Einsatz eines Mordants.
Leather Black V. (By.)
Leather Black 1. (S.C.Ind.)
Naphthylamin-Schwarze 4B und 6B. (C.)
Französisches Schwarz. (Uer.)
Chromleder-Schwarz. (C. & R.)
Coomassie-Schwarz 4BS. (Lev.)
Phenylamin-Schwarz 4B. (By.)

Titaniumsalze (Kaliumtitanatoxalat sowie Tannotitanatoxalat) können in Kombination mit Kohlenstofftarfarben zur Färbung von Chromleder verwendet werden. Im Vergleich zu herkömmlichen Mordanten weisen sie viele Vorteile auf: Die entstehende Farbe ist licht- und reibfestiger, hat intensivere Töne und neigt weniger zum „Grinsen“. Bei der Verwendung von Titanium-Mordanten sollte das Leder zunächst leicht mit einer Tanninlösung behandelt und anschließend im selben Bad mit dem Titaniumsalz sowie dem Farbstoff gefärbt werden – in diesem Fall dürfen nur „säurehaltige“ Farbstoffe verwendet werden. Falls gewünscht, kann das Leder zunächst mit dem Tannin-Mordant behandelt, anschließend mit den Titaniumsalzen bearbeitet, gewaschen und gefärbt werden. Da in diesem Fall Färben und Anwendung des Titanium-Mordants getrennt voneinander erfolgen, kann das Leder mit sowohl säurehaltigen als auch basischen Farbstoffen gefärbt werden. Die Titanium- und Tannin-Mordante können ebenfalls im selben Bad angewendet werden.

Färben von Kamelhaarleder.
Die folgenden Farben färben Kamelhaarleder gut, nachdem das Leder in einer schwachen Natronlösung gewaschen, mit einer 3-prozentigen Lösung an basischem Chromalum gefärbt und ohne weiteres Waschen in das Färbebad gegeben wurde. Zum Färbebad wird eine Menge Natronbissulfat hinzugefügt, die der Menge des Farbstoffs entspricht.

Basische Kohlenstofftarfarben.
Bismarckbraun Extra. (Ber.)
Philadelphia-Gelb R. (Ber.)

Page 519

Reines Phosphin. (C.)
Lederblau V. (G.)
Lederbraun Y. (S.C. Ind.)
Lederbraun A. (S.C. Ind.)
Philadelphia-Braun. (Ber.)

Säurehaltige Kohlenölfarben:
Circumine Extra. (Ber.)
Resorcinbraun. (Ber.)
Indulin NN. (B.A.S.F.)
Orangefarben 2. (M.L.B.)
Goldbraun. (Leitch.)
Fast Braun. (By.)
Azo-Gelb R. (M.L.B.)
Naphthylamin-Schwarz 4B. (C.)
Schokoladenbraun. (Uer.)
Azo-Flavin RS. (C.)
Azo-Phosphin. (Uer.)
Säurehaltiges Anthrazanbraun R. (By.)
Konzentriertes Säuregrün. (M.L.B.)
Säurehaltiges Braun Y. (S.C. Ind.)
Säurehaltiges Braun B. (S.C. Ind.)
Naphthylamin-Schwarz 4B. (O.)
Kristallines Jet-Schwarz. (C.)
Anthrazanbraun R. (By.)
Anthrazanbraun GG. (By.)
Anthrazanbraun W. (By.)
Dunkles Nussbraun. (Uer.)
Orangefarben 2. (M.L.B.)

Natürliche Farbstoffe:
Pfirsichholzextrakt.
Sapanextrakt.
Logwoodextrakt.
Fustixextrakt.
Curcumaextrakt.

Auf Kamelfell können verschiedene Schattierungen erzielt werden, indem man das Leder in einer 1-prozentigen Lösung der oben genannten Titansalze mordantiert und es anschließend ohne Waschen in die Färbelösung gibt – diese sollte am besten in einem Färbebehälter verwendet werden. Am besten geeignet sind die Alizarinfarbstoffe, Janusfarbstoffe sowie natürliche Farbstoffe.

Page 520

Alizarinfarben.

Alizarin schwarz ergibt hellen Schiefergrau.
Alizarin orange – leuchtendes Orange.
Alizarin blau – Blau.
Azo-Alizarin schwarz – braunrotes Maroon.
Azo-Alizarin braun – rötlich-violett.
Alizarin rot – leuchtendes Scharlachrot.
Azo-Alizarin blau – Schieferblau.
Coerulein – gelblich-grün.
Azo-Alizarin gelb – leuchtendes Gelb.
Anthracenbraun – Haselnussbraun.
Säureanthracenbraun G – braunorange.
Säureanthracenbraun R – matter Schokoladenbraun.
Anthracenblau – blassblau.
Mordantgelb – Zitronengelb.

Janusfarben.

Janusgelb G ergibt leuchtendes Orange.
Janusgelb R – rötlich-orange.
Janusrot – dunkles Maroon.
Janusclaretrot – bläuliches Maroon.
Janusbraun R – dunkelrötliches Schokoladenbraun.
Janusblau B – bläulich-schwarz.

Naturfarbstoffe.

Barwood ergibt Lachsfarben.
Logwood – matter rötlich-braun.
Fustic – leuchtendes Gelb.
Curcuma – Gelb.
Brasilholz – rötlich-braun.
Sapanholz – helles Nussbraun.
Sumach – buttergelb.
Persische Beeren – helloranges Gelb.
Madder – Rot.
Quercitron-Rinde – helloranges Gelb.
Cutch – Haselnussbraun.
Campeche – Kanariengelb.
Pfirsichholz – blassrötliche Tönung.
Divi-Divi – buttergelb.

Page 521

Das Leder wird bei einer Temperatur von etwa 45° bis 50° C für etwa eine halbe Stunde in die Farbstofflösung getaucht, anschließend gegebenenfalls leicht mit Fett versetzt und danach getrocknet. Neben den oben genannten Farbstoffen können nach der Behandlung mit Titan viele weitere Grundfarben verwendet werden; einige davon ergeben zusammen mit den Titanmordanten Farblakes. Was die Lichtbeständigkeit der verschiedenen Farben angeht, wird auf einen wichtigen Artikel von Herrn Lamb [199] verwiesen. In vielen Fällen wird die wahrscheinliche Lichtbeständigkeit durch eine Zahl angegeben, die dem Farbnamen vorangestellt ist – wobei I der geringsten und X der höchsten Lichtbeständigkeit entspricht. In der erwähnten Forschungsarbeit wurden etwa 1500 Proben aus Leder, das mit Kohlenstoffteerfarbstoffen gefärbt war, einer Reihe von „Zeiträumen“ ausgesetzt, wobei jeder dieser Zeiträume in Bezug auf seine aktinische Intensität neun Tagen des intensivsten Sommersonnenscheins entsprach. Die am schnellsten verblassenden Farben verfärbten sich bereits im ersten „Zeitraum“ vollständig, während die am langlebigsten haltenden Farben erst gegen Ende des zehnten Zeitrums verblassten. Die vorangestellten Zahlen geben an, in welchem dieser „Zeiträume“ die Farbe erhalten blieb.

Page 522

[199] Journal of Society of Chemical Industry, 1902, S. 156.

Page 523

INDEKS.

Abies, 246
Acacia, 288
– arabica, 165
Essigsäure, 154, 221, 410
Essigsäure, 154, 221, 410
– Amyloessigsäure, 61
– Capronsäure, 61
– Propionsäure, 61
– Succinsäure, 61
Arsensäure, 26
Aspartinsäure, 61
Benzoesäure, 29
Borsäure, 155, 162, 221, 229
Buttersäure, 61
Carbolsäure, 26, 295
Kohlensäure, 99, 105, 161
Chromsäure, 200
Cresolsäure, 29, 162
Digallussäure, 295
Ellagsäure, 231, 296
Ellagitaninsäure, 231, 297
Formigsäure, 154, 159, 410
Gallotanninsäure, 295
Salzsäure, 154, 157
Milchsäure, 154, 158, 221
Linolensäure, 355
Ölsäure, 240, 354, 360
Oxalsäure, 155, 221
Oxynaphthoinsäure, 30, 163
Perchromsäure, 200
Protokatechinsäure, 295
Pyroligninsäure, 154

Page 524

– Salicylsäure, 28, 295
– Stearsäure, 351
– Schwefelsäure, 114, 154, 157, 410
– Schwefelhaltige Stoffe, 23, 114, 338
– Xanthoproteine, 67
Säuren – Wirkung auf das Leder, 84
– Amidosäuren, 61, 66
– In Gerbflüssigkeiten, 20
– Mineralische Säuren, 23
– Verwendung zur Weichmachung, 114
Acrilinsäure, 163
Fettgewebe, 53
Æthalium septicum, 10
Afrikanischer Eichenbaum, 257
Alterung, 188
Ailantus, 272
Luft – Feuchtigkeitsaufnahmefähigkeit, 426
– Heizkosten, 428
– Luftfilter, 439
– Luftwege, 437
– Gewicht der Luft, 428
Alanin, 61
Albumin im Leder, 65
Albumine, 56, 66
Alkohol – Wirkung auf das Leder, 83
Alkoholische Gärung, 13, 16
Eberesche, 250
Allen, 366
Aleppopinie, 248
Algarobilla, 286, 293
Alizarinfarben, 403
Alkalien – Wirkung auf Gelatine, 89
– Wirkung auf das Leder, 84
Alkalische Carbonate, 138
Alnus, 250
Alsop, 313
Alum, 159, 339, 185

Page 525

Alumiinierte Leder, 2, 4, 9
– Färben, 402
Aluminiumoxid, 185
– in Wasser, 103
– Seife, 352
Aluminium, 185
Amido-Acessigsäure, 61
– –Säuren, 61, 66
– –Capronsäure, 61
– –Propionsäure, 61
– –Succinsäure, 61
Amine, 173
Amöbe, 10
Ammoniumchlorid, 157, 159
– Sulfat, 159, 184
Analyse von Gerbmaterialien, 300, 475, 482
Anacardiaceae, 269
Andreasch, 272
Angicabark, 293
Anhydride von Tanninen, 297
Anilinfarbstoffe, 394
Anion, 80
Anogeissus, 293
Antikalkmittel, 29, 157
Antiseptika, 21
A.O.A.C.-Methode, 300, 312, 482
Apocynaceae, 279
„Äpfel Sodoms“, 261
Arata, 269
Arbutus, 279
Archbutt und Deeley, 95
Arctostaphylos, 279
Arsen, 26
– Heilmittel, 39, 42
– –Lime, 194
– Sulfid, 139, 142
Arsenwasserstoffsäure, 26

Page 526

Aspartinsäure, 61
Aspidospermum, 279
Association of Official Agric. Chem., 300, 312, 482
Atmosphärendruck, 422
Anziehungskräfte zwischen Molekülen, 74
Affinität von Säuren, 81
Azo-Farbstoffe, 399
Bablah, 289
Babool, 165, 228, 288
Bacillus erodiens, 175
Bakterien, 14, 15
– aerob und anaerob, 471
Bakterienfilter, 469, 472
– Produkte, 18, 19
Bacterium furfuris, 166
Baumrinde der Bademanne, 282
Trocknung mit Säcken, 235
Baumrinde des Bakau-Baums, 283
Analytisches Gleichgewicht, 310
Balustraden, 285
Bali-babilan, 288
Balsamocarpon, 286
Maschine zur Zerspanung mit Bandmesser, 384, 387
Banksia, 268
Spuren von Stacheldraht, 43
Bariumchlorid, 391
– Sulfhydrat, 142
Rinde, 243, 244
Rindenmühlen, 316, 452
Baryt, 390
Basische Chromlösungen, 211, 241
– Salze, 187, 199
Bast, 243
Bastin, 244
Späne, 463

Page 527

— -Flecken, 176
Bäten, 8, 19, 152, 170, 233
— Einfluss von Wasser darauf, 107
Baudouins Test, 365
Bärenbeere, 279
Becker, 172, 174
Bedda-Nüsse, 282
Bienenwachs, 371
Käfer, die Leder angreifen, 42
„Bell“-Mühlen, 317
Tragriemen, 450
Benzol, 295
Benzo säure, 29
Bernardin, 242
Betelnuss, 248
Betula, 250
Betulaceae, 250
Chromat von Kalium, 201
Biernacki, 21
Heidelbeere, 280
Birke, 250
— -Tertpenöl, 32
Bistort, 266
Bisulfite, 25, 338
Biuret-Reaktion, 67
Schwarzfärben, 398, 399, 413
Bleunard, 57
Blutalbumin, 337
Blühen, 231, 297
Blauveredelung, 217
Verkleidung, 233
Ablagerungen in Kesseln, 99, 101
Siedepunkt, 75, 421
Knochenöl, 62
Leder für Buchbinderei, 234
Boral, 155
Borax, 156, 216

Page 528

Borgman, 181
Borsäure oder Borwasserstoffsaure, 156
Flaschenveredelung, 235
Bourgois, 57
Brabium, 268
Brandbehandlung, 166, 195
Brandbeschädigungen, 43
Brasilholz, 287, 413
Zerbrechungsbelastung von Leder, 451
Rasse – Einfluss auf die Haut, 45
Ziegelgruben, 455
Salzen der Häute, 38
Tanninbriketts, 464
Bronzefarben machen, 395, 404
Brunton, 61
Brusca, 272, 280
Bürstmaschine, 226
Gepolstertes Leder, 378
„Buffalo“-Methode, 129
Verbrennungen und Schäden an der Haut, 163
Butea, 285
Buttersäure, 61
Byrsonima, 269
C. T. Bate, 163
Calciumsulfhydrat, 140
Berechnung der Tanninanalyse, 314
Kalbshaut, 189
Kalorie, 422
Kambium, 243
Kamfer, 31
Canaigre, 264 – Wurzel, Extraktion, 348
Carbol-Säure, 26, 295
Carbolineum, 28
Kohlendisulfid, 30
Kohlensäure, 99, 105, 161

Page 529

Carboxyl, 295
Carrs Zerstäuber, 319
Carters Zerstäuber, 319
Cascalote, 286
Kasein, 68
Cassia, 235, 287, 299
Castanea, 251
Casuarina, 249
Katechine, 298
Katechol, 295
– Gerbstoffe, 234, 295
Katechu, 277, 289
Kaustische Alkalien, 22
– Natron, 114, 136
Cavallin, 202
Cavallo, 285
Cebil, 293
Zellen, 10
Zellulose, 12
Zentigrad-Thermometer, 481
Zentrifugenpumpen, 458
Ceriops, 283
Kettenförderer, 325, 453
Chamoisleder, 9, 378
– Färben von Chamoisleder, 496
Chamoisieren, 369, 378
Chemische Entlimerung, 153
Chenailier-Verdampfer, 424
Kastanie, 251
– Eichenholz, 254, 263
– Holzauszüge aus Kastanie, 222, 231
Chloride im Wasser, 104
Chondrin, 63
Chromalin, 212
Chromalum, 201
– Schwarze Farbstoffe, 402
– Kombinierte Gerbstoffe, 215

Page 530

— Eisenerz, 200
— Leder, 4, 9
— — Farbstoffe für Leder, 494
— Gerbereien, 200
Chromsäure, 200
Chrom, 185, 200
Rinde des Churco-Baums, 280
Clark, 95
Cleistanthus, 293
Kohlenöl oder C.T.-Bate, 29, 163
— — Farbstoffe, 394
Coccoloba, 267
Kokosnüsse, 249
Muscheln, 45
Cæsalpinia, 285
Kaffeerösterei, 317
Cohnsche Lösung, 177
Kolloide, 77, 396
Theorie der Farbe, 416
— — Messung der Farbe, 479
Färbestoffe, 299
Primäre Farben, 416
— Sekundäre Farben, 416
— Tertiäre Farben, 416
Kombinierte Gerbverfahren, 4, 236
Combretaceae, 280, 293
Konzentration von Extrakten, 339
Betonbehälter, 455
Kegelmühle, 317
Nadelbäume, 246
Bindegewebe, 50
Conocarpus, 283
Kontaktbetten, 472
Transportmittel, 325, 327, 453
Kupfer im Wasser, 104
— Sulfat, 26
Coriariaceae, 277

Page 531

Coriaria, 272, 277
Corium, 46
Coriin, 64
Kork, 244
Korkkambium, 243
Korkbaum, 257
Korrosives Sublimat, 25
Cortegia rossa, 248
Couperus, 277
Creasote, 28
Creolin, 28
Cresotinsäure, 29, 162
Kronenleder, 381
Kristallisation, 77
Kristalloide, 77
Cupuliferæ, 251
Rinde von Curtidor, 280
Rinde von Curupy, 293
Cutch, 289
Cutikula, 46
Cutis, 46
Zylindereier, 100
Dänisches Handschuhleder, 236, 238
Daphne, 267
Daphnoidæ, 267
Entfärbung von Extrakten, 337
Härtegrade, 94, 105
Dégras, 368, 380
„Dégras-Formmittel“, 370, 385
Entlimesierung mit Säuren, 154
– durch Waschen, 154, 160
De Lof, 242
Denaturiertes Salz, 23
Dennis, 163, 211
Entsäuerung, 91
Epilation, 7, 54, 119

Page 532

Ausschöpfung durch Puers und Bates, 91
Derma, 46
Dermestes vulpinus, 42
„Teufelszerstörer“, 318
Dextrose, 16
Diazokomplexe, 399
Digallensäure, 295
Diffusion, 78
Dippels Öl, 62
Diskmühle, 317
Desinfektionsmittel, 21, 474
Zerstörer, 318
Dissociation, 85
Destilliertes Fett, 359
Divi-divi, 285
Djaft, 263
Docks, 264
Hundekot, 174, 179, 181
„Hundshaut“, 197
Dongola, 197
– Imitationen, 241
– Leder, 236, 239
Doornbosch, 293
Tränkfermentation, 19
Tränken, 8, 20, 152, 166, 195, 233
Drepanocarpus, 285
Gerben von Bezugshäuten, 232
– Häute, 8
Trockner für Öle, 363
Befüllen von Trommeln, 388
Trommeln spielen, 234
Trommeln, 117
Trockene Häute, 110
Trocknung – Auswirkungen auf die Haut, 112
– Häute, 41
– Leder, 424
– Ofen, 308

Page 533

— Räume, 431
— Aus Vollleder, 232
Trockengesalztes Leder, 110
— Salzen, 38
Dschigh dschighe, 286
Überziehen mit Leder, 386
Staubverhütung, 325
Färgetests, 419
Färben von Aluminiumleder, 402
— Chromleder, 403, 493
— Kontinentale Methode, 408
— Mängel beim Färben, 404
— Färben in Trommeln, 408
— Färben mit Schaufeln, 407
— Färben in Tabletts, 406, 408
— Kalbleder, 196
— Ölleder, 404
— Auswahl der Produkte, 409
— Theorien zum Färben, 396
Säurefarbstoffe, 395, 412
— Basenfarbstoffe, 395, 411
— Listen von Farbstoffen für Leder, 486 und folgende
— Liste der Hersteller, 485
— Mischungen für Leder, 491
— Holzfarbstoffe, 412
Earp, W. R., 143
Häute aus Ostindien, 235, 238, 241
Eberle, 212
Kantensteine, 316
Abwässer, 467
Eiweiß, 67
— Eigelb, 68, 393
Eglinton Tanning Co., 203
Ägyptisches Leder, 2
Einbrennen, 390
Eitner, 105, 109, 112, 114, 131, 168, 205, 212, 216, 252, 366, 382, 392

Page 534

Elandsboschjes, 293
Elastische Fasern, 53, 69
Elektrische Antriebe, 449
Elektrolyte, 79
Elektrolytische Dissoziation, 79
Elephantorrhiza, 293
Ellagsäure, 231, 297
Ellagitaninsäure, 231, 297
Emulgieren, 240
Enzyme, 15, 16, 171, 173
Epidermis, 46, 68
Epithel, 46
– Zellen, 13
Erector pili, 50
Ericaceae, 279
„Erodin“, 174
Espinillo, 293
Ätherische Öle, 31
Eukalyptus, 284
Eudermin, 27
Euphorbiaceae, 293
Evaporation, 421
– zur Analyse, 307
– im Vakuum, 423
Evaporator, Yaryan, 339
Immergrüner Eichenbaum, 256
Zölle auf Leder, 3
Extraktion – optimale Temperatur, 344
Extrakte, flüssig – Analyse, 301, 305, 475, 476, 477
– fest – Analyse, 301, 305, 476, 477
– Verwendung, 342
Verblaschen der Farben, 405
Fahrion, 61
Faller-Stöcke, 116
Fan, Blackman, 428, 430, 434
– Capel, 437

Page 535

– Zentrifugalverfahren, 437, 439
– Trocknung durch Zentrifugalverfahren, 433
– Schraubenverfahren, 430, 434, 437
Fett, 461, 462
– Fettzellen, 52
– Fettdrüsen, 48
– Fettlösungen, 217, 237, 239, 393
– Fettlösungsmittel, 100
– Gegerbte Leder, 1, 4
Fette und Öle, 350
– Lösungsmittel für Fette und Öle, 353
Flüssige Fettsäuren, 354
– Gesättigte Fettsäuren, 354
– Ungesättigte Fettsäuren, 355
Pelzhandel, 34
Gärung, 13, 15
Eisen(III)-chlorid, 86
– Salze von Eisen(III)-chlorid, 198
Ferrocyanide, 339
Eisen(II)-Salze, 198
Fasergemeinschaften, 50
Elastische Fasern, 53
Fibrillen, 50
Rinde des Filao-Baums, 249
Filtermethode, 311, 478
Filterung zur Analyse, 307, 477, 483
– Filterung von Schlamm, 470
„Feinreinigung“, 180
Lederbehandlungsmittel, 401
Feuerversicherung, 325
Fischfett, 368
Häuten, 42
Entfleischen, 8, 146
– Maschinen zum Entfleischen, 147
Entfleischerprodukte, 461
Flückiger und Hanbury, 277
Fluoride, 26

Page 536

„Fußteile“, 356
Formaldehyd, 30, 380
Formalin, 31, 380
Essigsäure, 154, 159, 410
Frisieren, 378
Fuchsie, 284
Fuchsin, 395
Pilze, 15
Fusanus, 267
Eichelbaum mit Gallen, 261
Gallotanninsäure, 295
Gallen, 261, 280
Gambier, 222, 231, 277
– Extraktion, 349
Garcinia, 293
Brennkraftmaschine, 449
– Kalk, 141
Gasförmiger Aggregatzustand, 74
Gaultheria, 251, 373
Gelatine, 56, 58
– Wirkung von Bakterien darauf, 61
– Analysen, 57
– Chemische Zusammensetzung, 57
– Zersetzung, 60
– Bestimmung, 59, 60
– Eigenschaften, 58
– Reaktionen, 62
– Schwellen der Gelatine, 82
Glaeser-Mühle, 318
Glasartige Schicht, 50, 398
Verglasung, 418
Globulin, 67
Globig, 17
Kind im Handschuh, 194
Glukose, 13, 16, 177, 390
Klebstoff, 461

Page 537

Klebstoff, 461
Glutin, 56, 58
Glycerin, 351
„Goldlöffel“, 269
– braune Rinde, 248
Gonagra, 264
Körner, 233
– „gezogen“, 228
– Schicht, 51
– mikroskopische Untersuchung, 52, 55
– Muster der Körner, 52
Körner verschiedener Hüllen, 52
Granatgewächse, 285
Fett – Rückgewinnung, 462
– Raffination, 463
Fette, 357
„Grünes Leder“, 197, 239
Grevillia, 268
Griffith, 231
Mahlmaschinen, 452
– Proben, 303, 476
Entladung, 189
Guano, 177
Gummibaum, 284
Kleben, 20
Guttiferae, 293
Gunnera, 284
Gunneraceae, 284
Glycocine, 61
Glycocoll, 61
Hæmatoxylon, 286
Haare, 68, 460
– Haarballen, 49
– Haarschicht, 48, 49
– Haarmuskeln, 50
– Haarpapillen, 49

Page 538

– Struktur und Wachstum, 47
Manuelle Befüllung, 386
Behandler, 221
Bestimmung der Härte, 94
– Auswirkungen auf das Färben, 100
– Auswirkungen auf das Gerben, 98, 105
– Wasser als Faktor, 93
Harrison, 273, 473
Hauff, 157, 162, 163
Heal, 203
Wärmekapazität, 422
– Wärme, die bei Verdunstung verbraucht wird, 423, 428
– Wärme beim Schmelzen von Eis, 423
– Wärme, die durch Rohre übertragen wird, 432
– Wärmeverluste durch Wände, 431
– Maß für die Menge an Wärme, 422
– Wärme bei der Verbrennung von Kohle, 423
Heizen mit Warmwasser, 442
– Heizen mit Dampf, 432, 436, 440
Heath-Honeysuckle, 268
Heiden, 279
Hehner, 94
Heinzerling, 203
Helvetia-Leder, 381
Hemicollin, 60
Tannenrinde, 222
Hen-dung, 179, 181
Henry, 95
„Hickory“-Rinde, 291
Analyse von Lederfasern, 57
– Märkte für Lederprodukte, 33
– Lederfabriken, 117
– Pulver aus Lederfasern, 310, 312, 479, 484
– Filter für Lederpulver, 311, 478
– Chromiertes Lederpulver, 313, 483
Hocheffiziente Maschinen, 451
Hofmeister, 56, 57, 60

Page 539

Holbrook-System, 331
Holden-Fett, 359
Hörner, 464
Hornmulden, 464
hornartige Strukturen, 50
Pferdefett, 357
– Fleisch, 177
– Energiegehalt, 423
Hruschau, 214
Schale, 163, 165
Bienen, 203, 250, 285
Jagd, 188
Hyalinschicht, 50, 176, 398
Salzsäure, 86, 154, 157
Hydronaphthol, 30
Hypoderma bovis, 43
Natriumhyposulfit, 204
Hyphen, 14
I.A.L.T.C.-Methode, 300, 311, 475
Eis – Wärme zum Schmelzen, 423
Ilex, 256
Unmischbare Flüssigkeiten, 76
Inga, 293
Tinten, 402
„Unbedenklich“, 143
Internationale Vereinigung der Chemiker im Lederhandel, 300, 311, 475
Innendruck von Flüssigkeiten, 76
Invertase, 16
Jodwert, 353
Ionisierungsdruck, 81
Ionen, 80
Eisen-Aluminiumpulver, 199
– Rindenbäume, 284
– Schwarze Farbstoffe, 398, 413
– In Wasser, 102
– Flecken, 22, 38

Page 540

– Gerbereien, 198
Izal, 28
Rinde von Jamrosa, 282
Japan, 355
Jeye’s Fluid, 28
Gelatine, 77
Jensen, 241
Jones’ Fleischmaschine, 148
Wacholder, 248
Kaspin-Leder, 380
Kath, 289
Kathreiner, 301
Kationen, 80
Kent, 236
Keratin, 14, 56, 68
Kermes-Eiche, 258
Kindleder, 9
Kilogramm, 481
Einweichen, 113
Kjeldahlsche Methode, 70, 179
Klemm, 381
Knapp, 74, 188, 199, 202, 210, 382
Knoppern, 262
Geknotetes Holz, 268
Koch, 251
Koerner, 82, 91, 283
Krameria, 269
Spitzengewebe aus Leder, 197
Milchsäure, 154, 158, 221, 410
– Gärung, 18
Lamm, 218, 273, 405, 485
Bodenfiltration, 470
Lanolin, 359
Lanoseseife, 218
Lärche, 247

Page 541

Larix, 247
Lauraceae, 267
Schichten, 222, 231
Leach-Bottom, 329
Leaching, 328
Bleiweiß, 399
– im Wasser, 104
Laborbuch für die Lederindustrie, 5
Leguminosae, 288
Haarentfernungsmaschine von Leidgen, 145
Lentisque, 269
Leucadendron, 268
Leucin, 61
Leucospermum, 268
Levulose, 16
Lewkowitsch, 366
Lietzmann, 382
L.I.L.B., 5
Liliaceae, 248
Kalk, 21, 120
– Wirkung auf Leder, 125
– Analyse, 124
– „Verfügbarer“ Kalk, 125
– Verbrennung von Kalk, 121
– Analyse von Kalklösungen, 143
– Kalkkörner, 127, 455
– Verbrauchsmenge an Kalk, 129
– Löslichkeit im Wasser, 123
– Wasser mit Kalk, 123
Alter des Kalks, 130
– Bakterielle Wirkung beim Einsatz von Kalk, 134
– Aufpolsterung durch Kalk, 133
Kalkung, 126
– Verlust von Lederstoffen durch Kalkung, 132
– Pullmans Methode, 137
– Schafshäute, 34
– Temperatur bei der Kalkung, 129

Page 542

Linolsäure, 355
Lipowitz, 59
Flüssigkeitsleitungen, 456
Flüssigkeitszustand der Materie, 74
Flüssigkeitstanks, 332, 457
– Auffangbehälter, 333, 457
Liter, 481
Logwood, 286, 413, 398, 401
Loxopteryngium, 269
Schmierung, 453
Lufkin, Prof., 142
Lymphkörperchen, 10
Lysol, 28
McFadyen, 61
Madder, 239, 277
Maiden, 290
Magenta, 395
Magnesia, 95
Malpighia, 269
Malpighiaceae, 269
Mangan, 185
Mangifera, 277
Mangle, 283
Mango, 277
Mangostan, 293
Mangroven, 283
– Rinde, Extraktion, 348
Mangrutta, 269
Marktleder, 33, 108
„Markierung“, 406
– Gewicht des Leders, 33
Sumpf-Rosmarin, 268
Mather und Platt, 97
Maßliebchen, 394
Maynard, 114
„Abmilderung“ von Spirituosen, 82

Page 543

Sanftheit von Spirituosen, 229
Chlorid des Quecksilbers, 25
– Iodid, 26
Natriummetabisulfit, 25, 114, 160
Meter, 481
Metrisches System, 481
Milchschüttler, 313
Millons Reagenz, 67
Mühle für Proben, 303
Anordnung der Mühlräder, 452
– Konstruktion, 316
Mimose, 231, 290
– Extraktion, 346
Mimosengewächse, 288
Mineralische Säuren, 23
Moellon, 368, 380
Feuchtigkeit in Gerbmaterialien, 314, 315, 479, 482
Moleküle, 74
Färbemittel, 238
Mordante, 398
Schimmelpilze, 14, 15, 20
Berberitze, 285
Schleimschicht, 47
Schlamm, 102
Muir, John, 141
Mehrfachwirkung, 342, 423
Munkwitz, 145
Willkürliche Muskeln, 53
Mycoderma, 14, 20
Myrica, 250
Myricengewächse, 250
Myrobalan, 231, 280, 293
– Zerkleinerer, 322
– Extraktion, 345
Myrtengewächse, 284
Myrtus, 284

Page 544

Nancite, 269
Naphthalensulfonsäure, 29
Naphthole, 29
Nauclea, 277
Neb-neb, 289
Nesbitts Entfettungsverfahren, 161
„Neutralisierung“ von Chromleder, 216
Nihoul, 104
Nitrate und Nitrite im Wasser, 104
Berechnung des Stickstoffs, 70
„Nicht-Tannine“, 310, 478, 483
Nukleolus, 11
Kern, 11
Eichenrinde, 222, 253
– Extraktion, 344
– Zweige, 244
Eichenholz, 254
– Extrakt, 222, 231, 256
Eichen, 252
Œnothera, 284
Öl: Arktischer Hering, 371
– Birkenöl, 372
– Schwarzbirkenöl, 373
– gekochtes Leinöl, 363
– Flaschenhaiöl, 371
– Rizinusöl, 353, 355, 360
– Kabeljauleberöl, 365
– Baumwollkernöl, 364
– Eigelböl, 393
– Aus Fetten gewonnenes Öl, 463
– Heringöl, 368
– Japanisches Öl, 368
– Leinöl, 362
– Menhadenöl, 367
– Olivenöl, 359

Page 545

— Porgie, 367
— Russland, 372
— Sandelholz, 373
— Sardine, 368
— Sassafras, 373
— Robbe, 367
— Sesam, 364
— Haifischleber, 366
— Soda, 368, 380
— Sperma, 353, 371
— Meerengen, 367
— Three-Crown, 367
— Türkisrot, 361
— Vaseline, 375
— Wal, 367
— Wintergrün, 373
Öle und Fette in Currys, 384
— Verdunstete Öle, 355, 361
— Trocknende Öle, 353
— Ätherische Öle, 350, 372
— Festgelegte Öle, 350
— Schmieröle, 453
— Mineralöle, 374
— Nicht-trocknende Öle, 353
— Harze, 376
— Flüchtige Öle, 372
Ölsäure, 240, 354, 360
Olein, 359
Oleostearin, 356, 359
Onagraceae, 284
Chromveredelung im Einbadverfahren, 211
Gesteuerte Gärprozesse, 15
Ursprung der Lederherstellung, 1
Osmotischer Druck, 78
Osyris, 267
Ei, Entwicklung des Eies, 46
Oxalate, 159

Page 546

Oxalsäure, 155, 221
Oxalidaceae, 280
Oxalis, 280
Oxynaphthoinsäure, 30, 163
Ozokerit, 376
Paal, 57, 62, 66
Paessler, 56
Paarung, 407
Palmer, A. N., 167
Palmer, T., 176
Palmetto, 245
Palmæ, 248
Pancreatin, 172
Panniculus adiposus, 53
Schmetterlingsblütler, 285
Paraffin, 375
Paraform, 31
Parapeptone, 66
Parenchym, 243
Parker, J. G., 162
Parker, C. E., 455
Pars papillaris, 51
„Partielle“ Drucke, 76
Paypay, 293
Payne und Pullman, 137
Moortümpel, 106
Penicillium, 14
Pepsin, 171
Peptone, 60, 61, 62
Perching, 188
Perchromsäure, 200
Perkin, 250, 394
– und Allen, 276
– und Gunnell, 269
Dauerharte Wasser, 100
Persea, 267

Page 547

„Perser“, 235, 287, 299, 365
Phenol, 26
– zur Entfernung von Rost, 162
Phenole, 295
Phenolphthalein, 155
Phloem, 243
Phlobaphene, 231
Phloroglucol, 295, 297
Phosphate, 159
Phyllanthus, 293
Phyllocladus, 248
Einsalzen, 23, 89, 187
Taubendung, 178
Pilang, 290
Pinus, 246
Anordnung der Rohre, 436, 440
– Wärme durch Rohre, 432
Piptadenia, 293
Pistacia, 269, 272
Aufbau der Kerne, 454
Aushärten von indischen Kalksteinen, 39
Falten, 407
Plumbaginæ, 268
Podocarpus, 248
Giftiger Efeu, 274
Polygalaceæ, 269
Polygenetische Farben, 399, 403
Polygonaceæ, 264
Polygonum, 266
Polysulfide, 165, 211
„Polysulphin“, 139
Granatapfel, 285
Pappeln, 264
Popp, 172, 174
Porzellan, Markieren, 304
Porter-Clark, 98
Kaliumdichromat, 201

Page 548

– Hydratierung, 136
Potentilla, 285
Fälltanks, 468
Preller, 381
Druckextraktionen, 330
„Stechen“, 169
Primitiver Lederherstellungsprozess, 1, 73
Druckverfahren, 418
Protaceae, 268
Procter, 203
Procters Extraktionsmethode, 306
Prosopis, 286
Protea, 268
Protokatechus säure, 295
Protoplasma, 10
Pseudopodien, 11
Pterocarpus, 285
Puering, 8, 19, 152, 170, 233
Trommeln, 450
„Herunterziehen“, 157
Pullman, 380
Pullmans Methoden zur Kalkung, 137
Pulsometer, 459
Pumpen, 457
Punica, 285
Verrottung, 15, 19
Fauligkeitsbehandlung, 113, 137
Putz, Dr., 69
Pyrogallol, 295
– Gerbstoffgewinnung, 234
– Gerbstoffe, 295
Pyroligninsäure, 154
Pyrrol, 62
Pyrus, 285
Quebracho, 231, 269, 277
– Holz – Extraktion, 347

Page 549

Quercetin, 263
Quercus, 252
Kalk, 122
Rabinowitsch, 17
Rohe Lederhaut, 381
Realgar, 142
Rötung des Leders durch Licht, 405
„Reds“, 231, 297, 339
Reimer, 58, 64
Harz, 376
Rete malpighi, 47
Rhatany, 269
Rhizophoraceae, 283
Rhus, 270
Gürtel, 381
Roan-Pferde, 235
Rollet, 64
Rollmaschinen, 224
Römisches Leder, 2
Rosaceae, 285
Rosin, 376
Abrunden, 151
Rove, 261
Rubiaceae, 277
Rumex, 264
Rusma, 139
„Russisches“ Leder, 251
Sabal, 248
Saccharomyces, 14, 20
Saccharomyceten, 15
Behandlung mit Säure, 398
Salicaceae, 263
Salicylsäure, 28, 295
Speichelkörnchen, 10
Salix arenaria, 238, 263
— caprea, 239, 264

Page 550

Salomon, 178
Salz, 22
– und Säuren, Wirkung auf Gelatine, 88
– Farbstoffe, 22, 38
Salze, Wirkung auf Leder, 84, 92
Gesalztes Leder, 109
Salzen, 35
Probenahme von Gerbungsmaterialien, 301, 475
– Werkzeug zur Probenahme, 301
Santalaceae, 267
Saponifizierung, 351
Sappanholz, 287
Gesättigte Lösungen, 77
Saxifragaceae, 280
Schilling, 62
Schinia, 272
Schinus, 270
Schmeija-Mühle, 318
Schulze, 178
Schultz, A., 203, 204
– Jackson S., 112, 454, 456
Schutzenberger, 57
Scilla, 248
Scorza rossa, 248
Reinigen, 384
– Maschine zum Reinigen, 384
Sieben von Gerbungsmaterialien, 323
Scudding, 180
Meerlavendel, 268
Seagrave-Bevington-Trockner, 438
Seaside-Grape, 267
Gewürze, 418
Sebenschläuche, 48
Semiglutin, 60
Semipermeable Membranen, 78
Senna, 288
Septen, 14

Page 551

Fäkalientank, 472
Setzbecken, 468
Abwasser, 467
– Reinigung, 468
Schächte, 448, 450
Schüttelverfahren, 312, 483
Rasieren, 384
– Maschine, 384, 386
– Mühlung, 323
Schafshäute, 34
Shellackglasur, 401
Leise arbeitende Kochdüsen, 334, 343
Silizusäure im Wasser, 104
Silberfichte, 246
Skens, 272
Hautstruktur, 46
Alumiinierte Skiver, 197
Skutch, 462
Entkalkung von Kalk, 122
Maschine zur Befestigung von Slocomb, 192
Schlamm, 470
Gerauchte Leder, 2
Schlangenkraut, 266
Rinde des Snoubar-Baums, 248
Einweichen und Waschen, 7
– Von Häuten, 108
– Mit Natriumhydroxid, 114
Seifen, 351
– Kaltverfahren, 352
Seifentest, 94
Gesellschaft der Künste, 234
Natrium im Wasser, 103
Natriumbisulfat, 155
– Carbonat, 139
– Hydrat, 136
– Silikat, 216
– Sulfat, 23, 41

Page 552

– Sulfid, 114, 139
– Thiosulfat, 204, 213, 216
Gerben von Ledern mit Salzen, 220
Festlösung, 83, 396
– Aggregatzustand, 74
Löslichkeit von Flüssigkeiten, 76
Lösungsdruck, 76, 78
Lösliches Phenyl, 28
Sorbus, 285
Säuerung, 410
Verbrauchtes Gerbmittel, 329, 464
– Analyse von Gerbmitteln, 480
Spermacet, 371
Trennung, 384
Sprinkleranlagen, 446
– Auswaschverfahren, 336
Fichte, 246
Auswaschen, 20, 353, 355, 390
Skullion, 248
Färben, 415
– Für das Färben geeignete Farbstoffe, 486, 491
Farbflecken durch hartes Wasser, 99
– Auf Ledern, 227
Stützen, 188
– Maschinen zum Stützen, 192
Rostbildung, 34
Stanhope, 98
Statice, 268
Dampfmaschine, 423, 433, 448
– Anzeiger für Dampfmaschinen, 449
– Pumpen für Dampfmaschinen, 457
– Auffangvorrichtungen für Dampfmaschinen, 442
Stearinsäure, 351
Stearin, 351, 359
Stearinglasur, 401, 415
Stenhouse, 296
Sterilisierung, 18

Page 553

Stinco, 272
Stippen, 109
Stocking, 180
Stocks, 116
– zur Enthaarung, 145
Steinzellen, 245
– Poren, 454
Strikken, 223
– Maschine zum Stricken, 223
Baum mit fadenförmiger Rinde, 284
Struktur der Haut, 46
Füllmaterial, 386
– Trommel zum Befüllen, 388
Sturtevant-Trockner, 438
Schweißdrüsen, 49
Zuckerstrauch, 268
Natriumsulfat, 23
Sulfate im Wasser, 104
Natriumsulfid, 34, 132, 139, 165
Sulfide, 139
Schwefeldioxid, 23
– in Chromleder, 216
Sulfonierte Öle, 361
Salzsäure, 114, 154, 157, 410
Schwefelsäure, 23, 114, 338
Sumach, 234
– Kapsumach, 267
– Extraktion des Sumachs, 347
– Französischer Sumach, 277
– Sizilianischer Sumach, 270
– Venezianischer Sumach, 276
Amerikanischer Sumach, 273
Sumaching, 410, 411
Übersättigte Lösungen, 77
Oberflächenspannung, 76
Träger, 221, 227, 232
Laugebehälter zur Suspension, 128

Page 554

Schwan, 202
Schweißdrüsen, 49
– -Pit, 119
Schwitzen, 1, 19, 34, 119
Schwedisches Handschuhleder, 236, 238
Schwellungen, 82, 84
Rindertalg, 356
– Fischtalg, 368
Tamarix, 272, 280
Tamarisciniæ, 280
Tamwood, 269
Tan als Brennstoff, 464
– Öfen zum Verbrennen von Tan, 464
– Pressen zur Herstellung von Tan, 467
Rinde von Tanekahi, 248
Rinde von Tanghadi, 287
Tankabfälle, 141
Bau von Gerbereien, 445
– Erweiterung von Gerbereien, 447
– Brandgefahren in Gerbereien, 446, 452
– Auswahl des Standorts für Gerbereien, 444
Tanninfarbstoffe, 397
– Materialien sowie Extraktion von Tanninfarbstoffen, 305
– Probenentnahme, 302
„Die Gerbung ist wichtig“, 311, 478, 483
Tannine, 242, 294, 397
– Pathologische Tannine, 298
– Physiologische Tannine, 298
Tari-Samen, 286
Tartar-Emetikum, 411
Entfernung von Verunreinigungen, 191, 196
Temperatur, 422
– Bei der Auswaschung, 343
Vorläufige Härte, 94, 154, 411
Rinde von Tengah, 283
Teri-Samen, 286

Page 555

Terminalia, 280
Terra japonica, 277
Thannbaum, 282
Thermophile Bakterien, 17
Tinian-Kiefer, 249
Tintometer, 315, 479
Titan, 185, 218, 411, 495
Tjamara laut, 249
Topping, 406
Tormentilla, 285
Torula, 14
„Gesamtlösliches“ Material, 307, 477, 478
Sirup, 177
Tri-Formol, 31
Trimble, 263
Trioxymethylen, 31
Trypsin, 171, 172
Tsuga, 246
Tub-Leaches, 331
Tugwar, 293
Eichelholz, 255, 256
– Rotes Öl, 217, 240
Rinde des Tugwar-Baums, 235, 287
Türmendroger, 439
Zweibad-Chromverfahren, 204, 213, 216
Tyrosin, 66
Enthaaren, 7, 54, 143
– Maschinen, 144
Unorganisierte Fermente, 15, 16
Analyse von gebrauchten Flüssigkeiten, 480
Vacciniæ, 280
Vaccinium, 280
Vakuolen, 13
Vakuumofen, 308
– Formen, 342
Valdivia-Leder, 267

Page 556

Wallonien, 222, 231, 258
– Extraktion, 345, 346
Ventil, 457
– Für Likörbehälter, 333
Van Tieghem, 243
Dampfdruck, 75, 421
Vaseline, 375
Vaughn-Fleischmaschine, 145, 148
Aus Pflanzen gerbte Leder, 2, 3
Geschwindigkeit gasförmiger Moleküle, 75
Lüftung und Heizung, 429
– Nach unten, 440
Verbeek und Peckholdt, 310
Vibrationen, 452
Vitellin, 67
Vitis, 272
Von Höhnel, 242
– Schroeder, 56, 129, 134
Wagner, 298
Unregelmäßigkeiten, 43
Ward, H. Marshall, 243
Waschrad, 108, 118, 180
– Zum Enthaaren, 145
Waschen von Häuten, 108, 111
Abfallflüssigkeiten, 467
Kondensierte Wasser, 442
– Härte, 93
– Verunreinigungen, 93
– Ofen, 308
– Weichmacher, 95, 101
Wachse, Bienenwachs, 371
– Brasilianisches Wachs, 372
– Carnaubawachs, 372
– Japanisches Wachs, 372

Page 557

— Mineralien, 374
— Paraffin, 375
Wachse, 350, 353, 370
— Flüssige Wachse, 350, 353, 371
Schwaches Korn, 108
Abwiegen zur Analyse, 304
Weimannia, 280
Weiske, 63
„Feuchte- und Trockenbullen“-Thermometer, 426
„Weiße Rinde“, 293
— Leder, 197
— Oder gallertartige Fasern, 50
— Fichte, 247
Wichellow und Tebbutt, 241
Wildmandel, 268
Williams’ Patentzerkleinerer, 320
Weidenrinde, 238
Weiden, 263
Wilson, 223, 224, 440
Wind, 427, 439
Windbohrer, 459
Wood, J. T., 166, 171
Wollfett, 358
Wolliger Buttbäumchen, 284
„Arbeiten“, 180
Xanthoproteinsäure, 67
Yaryan-Evaporator, 339, 424
Hefe, 12
Hefen, 15
Gelbe Fasern, 53, 69
Eigelb, 68
Yorkshire-Fett, 359
Youl, 231
Junges Haar, 144
Zinkchlorid, 26

Page 558

— Sulfat, 26, 159
Zollickoffer, 160
Zymasen, 15, 16, 17, 61, 296

LONDON: GEDRUCKT VON WILLIAM CLOWES AND SONS, LIMITED,
GREAT WINDMILL STREET, W., UND DUKE STREET, STAMFORD STREET, S.E.

Page 559

Anmerkungen des Transkribers

Unregelmäßige sowie ungewöhnliche Schreibweisen, Trennungszeichen usw. – einschließlich solcher in Namen und Wörtern, die nicht aus dem Englischen stammen – wurden beibehalten, sofern nicht anders angegeben. Das Originalwerk enthält keine Abbildung 17.
Seite 199: „Es muss eindeutig verstanden werden …“ – der schließende Klammernzeichen fehlt im Originaldokument.
Seite 223: Das in Abbildung 29 dargestellte Werkzeug mit dreieckigem Querschnitt sollte vermutlich auf Abbildung 27 (oder 30) verweisen.
Seite 267: „kruppelboom“ sollte vermutlich „kreupelboom“ lauten.

Vorgenommene Änderungen:
Fußnoten, Illustrationen und Tabellen wurden außerhalb der Textabschnitte platziert. Die folgenden Ausdrücke wurden standardisiert: „C. T. bate“ sowie „C.T. bate to C.T. bate (cole-tar)“ zu „C.T. bate“; „c.c.“ sowie „cc.“ zu „c.c.“ (Kubikzentimeter); „Liége“ sowie „Liè“ zu „Liè“. „Pullman“ sowie „Pullmans“ zu „Pullman“; „Huxham and Brown“ sowie „Huxham and Browns“ zu „Huxham and Browns“; „Kjehldahl“ sowie „Kjeldahl“ zu „Kjeldahl“; „Körner“ sowie „Koerner“ zu „Koerner“.
Zur besseren Klarheit wurde in Literaturverweisen „Ibid.“ durch den tatsächlichen (abgekürzten) Titel ersetzt. Einige offensichtliche, geringfügige Druckfehler wurden stillschweigend korrigiert; Akzente in französischen und deutschen Wörtern wurden weder korrigiert noch hinzugefügt.
Seite 40: „In der re-renewal …“ wurde in „In der Renewal …“ geändert.
Seite 64: „Chrondrin“ wurde in „Chondrin“ geändert.
Seite 74: „Die Natur und Wesen …“ wurde in „Natur und Wesen …“ geändert.

Page 560

Seite 139: Na₂S,9OH₂ wurde in Na₂S·9OH₂ geändert.
Seite 248: Der Fußnotenanker nach „... by cork“ wurde entfernt – im Originalwerk gibt es keine Fußnote.
Seite 252: … und je mehr Farbstoff enthalten ist … wurde in … je mehr Farbstoff enthalten ist … geändert.
Seite 253: … und je besser die Rinde ist … wurde in … je besser die Rinde ist … geändert.
Seite 272: Ailantus gladulosa wurde in Ailantus glandulosa geändert.
Seite 310: Verbeck wurde in Verbeek geändert.
Seite 329: … wird in Abbildung 86 dargestellt wurde in … wird in Abbildung 77 dargestellt geändert.
Seite 361: Benedict wurde in Benedikt geändert.
Seite 400: Claus und Ree wurden in Claus und Rée geändert.
Seite 429: 44°3 F. wurde in 44·3° F. geändert.
Seite 451: Kilos pro cm² × 14·22 = Pfund pro Zoll wurde in Kilos pro cm² × 14·22 = Pfund pro Zoll² geändert.
Seite 486: Acid green B.B. wurde in Acid green BB. geändert.
Seite 501: Blue-backing wurde in Bluebacking geändert.
Seite 507: Oxalsäure, Seitenzahl 155 korrigiert.
Seite 508: Pay-pay wurde in Paypay geändert; Phylocladus wurde in Phyllocladus geändert; Protacæ wurde in Protaceæ geändert.
Seite 509: Schutzenberger wurde in Schützenberger geändert.
Seite 512, Zymasen: Seitenzahlen 17, 61, 296 hinzugefügt.
Index: Einige Einträge wurden an ihre richtige Stelle verschoben.

Page 561

*** ENDE DES PROJECT GUTENBERG-E-BOOKS „Die Prinzipien der Lederherstellung“ ***

Aktualisierte Ausgaben ersetzen die vorherigen – die alten Ausgaben werden umbenannt.

Durch die Erstellung dieser Werke auf der Grundlage von gedruckten Ausgaben, die nicht durch das US-Urheberrecht geschützt sind, gilt: Niemand besitzt in den Vereinigten Staaten ein Urheberrecht an diesen Werken. Daher kann die Stiftung – und auch Sie! – diese Werke in den Vereinigten Staaten ohne Genehmigung und ohne Zahlung von Urheberrechtsabgaben kopieren und verbreiten. Besondere Regeln, die im Abschnitt „Allgemeine Nutzungsbedingungen“ dieser Lizenz festgelegt sind, gelten für das Kopieren und Verbreiten der elektronischen Werke von Project Gutenberg™, um das Konzept sowie die Marke PROJECT GUTENBERG™ zu schützen. Project Gutenberg ist eine eingetragene Marke und darf nur verwendet werden, wenn man für das E-Book kein Entgelt verlangt – und zwar ausschließlich unter Einhaltung der Bedingungen der Markenlizenz, einschließlich der Zahlung von Gebühren für die Nutzung der Marke Project Gutenberg. Wenn man für Kopien dieses E-Books nichts verlangt, ist es sehr einfach, den Anforderungen der Markenlizenz nachzukommen. Man darf dieses E-Book für nahezu jeden Zweck verwenden – beispielsweise zur Erstellung von abgeleiteten Werken, Berichten, Aufführungen oder Forschungsarbeiten. Project Gutenberg-E-Books können modifiziert, gedruckt und weitergegeben werden – in den Vereinigten Staaten darf man mit E-Books, die nicht durch das US-Urheberrecht geschützt sind, praktisch ALLES tun. Die Weiterverbreitung unterliegt den Vorgaben der Markenlizenz, insbesondere bei kommerzieller Weiterverbreitung.

ANFANG: VOLLSTÄNDIGE LICENZ

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Die vollständige Project-Gutenberg™-Lizenz
Bitte lesen Sie diese vor der Verbreitung oder Nutzung dieses Werkes.

Um die Mission von Project Gutenberg™ – die Förderung der freien Verteilung elektronischer Werke – zu schützen, stimmen Sie durch die Nutzung oder Verbreitung dieses Werkes (oder jedes anderen Werkes, das in irgendeiner Weise mit dem Begriff „Project Gutenberg“ in Verbindung steht) zu, alle Bedingungen der vollständigen Project-Gutenberg-Lizenz einzuhalten. Diese Lizenz ist in dieser Datei enthalten oder kann online unter www.gutenberg.org/license abgerufen werden.

**Abschnitt 1: Allgemeine Nutzungsbedingungen und Wiederverteilung von Project-Gutenberg-Elektronikwerken**

1.A. Indem Sie einen Teil dieses Project-Gutenberg-Elektronikwerks lesen oder nutzen, geben Sie an, dass Sie alle Bedingungen dieser Lizenz sowie der Vereinbarung bezüglich des geistigen Eigentums (Markenrechte/Urheberrechte) gelesen, verstanden und akzeptiert haben. Wenn Sie nicht bereit sind, sich an alle Bedingungen dieser Vereinbarung zu halten, müssen Sie die Nutzung einstellen und alle Kopien der Project-Gutenberg-Elektronikwerke, die Sie besitzen, zurückgeben oder zerstören. Wenn Sie eine Gebühr für die Erhaltung einer Kopie oder den Zugang zu einem Project-Gutenberg-Elektronikwerk gezahlt haben und nicht bereit sind, sich an die Bedingungen dieser Vereinbarung zu binden, können Sie eine Rückerstattung von der Person oder Organisation erhalten, an die Sie die Gebühr gezahlt haben, wie in Absatz 1.E.8 beschrieben.

1.B. „Project Gutenberg“ ist eine eingetragene Marke. Sie darf nur von Personen verwendet werden, die sich an die Bedingungen dieser Vereinbarung binden. Es gibt einige Dinge, die Sie mit den meisten Project-Gutenberg-Elektronikwerken tun können, auch ohne sich vollständig an die Bedingungen dieser Vereinbarung zu halten. Siehe dazu Absatz 1.C unten. Es gibt viele Möglichkeiten, mit Project-Gutenberg-Elektronikwerken umzugehen, wenn Sie sich an die Bedingungen dieser Vereinbarung halten und dazu beitragen, dass auch in Zukunft frei auf Project-Gutenberg-Elektronikwerke zugegriffen werden kann. Siehe dazu Absatz 1.E unten.

1.C. Die Project Gutenberg Literary Archive Foundation („die Stiftung“ oder PGLAF) besitzt das Urheberrecht an der Zusammenstellung dieser Werke.

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Sammlung elektronischer Werke von Project Gutenberg. Fast alle Einzelwerke in dieser Sammlung gehören in den Vereinigten Staaten zum öffentlichen Eigentum. Wenn ein bestimmtes Werk in den Vereinigten Staaten nicht durch Urheberrechtsgesetze geschützt ist und Sie sich in den Vereinigten Staaten aufhalten, beanspruchen wir kein Recht, Sie daran zu hindern, dieses Werk zu kopieren, zu verbreiten, aufzuführen, anzuziehen oder darauf basierende abgeleitete Werke zu erstellen – vorausgesetzt, alle Verweise auf Project Gutenberg werden entfernt. Natürlich hoffen wir, dass Sie die Mission von Project Gutenberg unterstützen, indem Sie die Werke von Project Gutenberg gemäß den Bedingungen dieser Vereinbarung frei teilen, um den Namen Project Gutenberg mit diesen Werken in Verbindung zu halten. Sie können den Bedingungen dieser Vereinbarung leicht entsprechen, indem Sie das Werk im selben Format sowie mit der beigefügten vollständigen Project-Gutenberg-Lizenz weitergeben, wenn Sie es kostenlos an andere weiterleiten.

1.D. Die Urheberrechtsgesetze des Ortes, an dem Sie sich aufhalten, bestimmen außerdem, was Sie mit diesem Werk tun dürfen. Die Urheberrechtsgesetze in den meisten Ländern befinden sich ständig im Wandel. Wenn Sie sich außerhalb der Vereinigten Staaten aufhalten, sollten Sie vor dem Herunterladen, Kopieren, Anzeigen, Aufführen, Verbreiten oder Erstellen abgeleiteter Werke auf dieser Grundlage oder auf der Grundlage eines anderen Project-Gutenberg-Werks die Gesetze Ihres Landes zusätzlich zu den Bedingungen dieser Vereinbarung prüfen. Die Stiftung macht keine Angaben bezüglich des Urheberrechtstatus eines Werkes in einem Land außerhalb der Vereinigten Staaten.

1.E. Sofern Sie nicht alle Verweise auf Project Gutenberg entfernt haben:

1.E.1. Der folgende Satz mit aktiven Links zu oder anderem unmittelbaren Zugang zur vollständigen Project-Gutenberg-Lizenz muss stets deutlich sichtbar sein, jedes Mal, wenn auf eine Kopie eines Project-Gutenberg-Werks zugegriffen wird, dieses angezeigt, aufgeführt, angesehen, kopiert oder verteilt wird – also jedes Mal, wenn mit einem Werk, auf dem der Ausdruck „Project Gutenberg“ erscheint oder das mit diesem Ausdruck in Verbindung steht, gearbeitet wird:

Dieses E-Book ist für jeden und überall in den Vereinigten Staaten sowie in den meisten anderen Teilen der Welt kostenlos und nahezu ohne jegliche Einschränkungen nutzbar. Sie dürfen es kopieren, weitergeben oder unter den Bedingungen der mitgelieferten Project-Gutenberg™-Lizenz erneut verwenden.

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Dieses E-Book ist online unter www.gutenberg.org erhältlich. Wenn Sie sich nicht in den Vereinigten Staaten befinden, müssen Sie vor der Nutzung dieses E-Books die Gesetze des Landes prüfen, in dem Sie sich aufhalten.

1.E.2. Wenn ein einzelnes elektronisches Werk von Project Gutenberg aus Texten stammt, die nicht durch das US-Urheberrecht geschützt sind (und keine Angabe enthalten, dass es mit Genehmigung des Urheberrechtsinhabers veröffentlicht wurde), kann dieses Werk ohne Zahlung von Gebühren oder Kosten in den Vereinigten Staaten kopiert und an jeden weitergegeben werden. Wenn Sie ein Werk neu verbreiten oder Zugang dazu gewähren und dabei den Zusatz „Project Gutenberg“ verwenden oder darauf anzeigen, müssen Sie entweder den Anforderungen der Absätze 1.E.1 bis 1.E.7 entsprechen oder eine Genehmigung für die Nutzung des Werkes sowie der Marke Project Gutenberg gemäß den Absätzen 1.E.8 oder 1.E.9 einholen.

1.E.3. Wenn ein einzelnes elektronisches Werk von Project Gutenberg mit Genehmigung des Urheberrechtsinhabers veröffentlicht wird, muss Ihre Nutzung und Verbreitung sowohl den Anforderungen der Absätze 1.E.1 bis 1.E.7 als auch allen zusätzlichen Bedingungen entsprechen, die vom Urheberrechtsinhaber gestellt werden. Zusätzliche Bedingungen sind im Project Gutenberg-Lizenztext für alle Werke enthalten, die mit Genehmigung des Urheberrechtsinhabers veröffentlicht wurden; dieser Text befindet sich am Anfang dieses Werkes.

1.E.4. Entfernen Sie die vollständigen Bedingungen der Project Gutenberg-Lizenz nicht aus diesem Werk oder aus irgendwelchen Dateien, die einen Teil dieses Werkes oder eines anderen mit Project Gutenberg verbundenen Werkes enthalten.

1.E.5. Kopieren, anzeigen, aufführen, verbreiten oder weiterverwenden Sie dieses elektronische Werk oder irgendeinen Teil davon nicht, ohne die in Absatz 1.E.1 genannte Formulierung in auffälliger Weise anzugeben – zusammen mit aktiven Links oder direktem Zugang zu den vollständigen Bedingungen der Project Gutenberg-Lizenz.

1.E.6. Sie dürfen dieses Werk in jeder binären, komprimierten, markierten, nicht-exklusiven oder exklusiven Form umwandeln und verbreiten, einschließlich jeglicher Textverarbeitungs- oder Hypertextform. Wenn Sie jedoch Zugang zu Kopien eines Project-Gutenberg-Werks in einem Format außerhalb von „Plain Vanilla ASCII“ oder einem anderen im offiziellen Dokument verwendeten Format gewähren, müssen Sie dies tun.

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Die auf der offiziellen Website von Project Gutenberg (www.gutenberg.org) veröffentlichte Version muss dem Nutzer ohne zusätzliche Kosten, Gebühren oder Ausgaben eine Kopie des Werkes in seiner ursprünglichen „Plain Vanilla ASCII“-Form oder in einer anderen Form bereitstellen – entweder direkt oder als Möglichkeit zur Exportierung einer Kopie bzw. zur Erstellung einer Kopie auf Anfrage. Jedes alternative Format muss außerdem die vollständige Project-Gutenberg-Lizenz enthalten, wie in Absatz 1.E.1 festgelegt.

1.E.7. Erheben Sie keine Gebühren für den Zugang zu, die Ansicht, die Anzeige, die Aufführung, das Kopieren oder die Verteilung von Werken von Project Gutenberg, es sei denn, Sie halten sich an Absatz 1.E.8 oder 1.E.9.

1.E.8. Sie dürfen eine angemessene Gebühr für Kopien sowie für den Zugang zu oder die Verteilung elektronischer Werke von Project Gutenberg erheben, vorausgesetzt:

• Sie zahlen eine Tantiemengebühr in Höhe von 20 % des Bruttogewinns, den Sie durch die Nutzung der Werke von Project Gutenberg erzielen. Dieser Gewinn wird nach derselben Methode berechnet, die Sie bereits zur Berechnung Ihrer Steuern verwenden. Die Gebühr ist dem Inhaber der Project-Gutenberg-Marke geschuldet, doch dieser hat zugestimmt, die Tantiemen gemäß diesem Absatz der Project Gutenberg Literary Archive Foundation zu spenden. Die Tantiemenzahlungen müssen innerhalb von 60 Tagen nach jedem Datum erfolgen, an dem Sie Ihre periodischen Steuererklärungen erstellen (oder gesetzlich dazu verpflichtet sind). Die Zahlungen müssen deutlich als solche gekennzeichnet sein und an die Project Gutenberg Literary Archive Foundation an die in Abschnitt 4 „Informationen zu Spenden an die Project Gutenberg Literary Archive Foundation“ angegebene Adresse gesendet werden.

• Sie leisten eine vollständige Rückerstattung aller vom Nutzer gezahlten Beträge, sofern dieser Ihnen schriftlich (oder per E-Mail) innerhalb von 30 Tagen nach Erhalt mitteilt, dass er nicht mit den Bedingungen der vollständigen Project-Gutenberg™-Lizenz einverstanden ist. Sie müssen von einem solchen Nutzer verlangen, dass er alle auf physischem Medium vorhandenen Kopien der Werke zurückgibt oder zerstört sowie jegliche weitere Nutzung sowie jeden Zugang zu weiteren Kopien der Werke von Project Gutenberg™ einstellt.

• Sie leisten gemäß Absatz 1.F.3 eine vollständige Rückerstattung aller für ein Werk oder eine Ersatzkopie gezahlten Beträge, falls innerhalb von 90 Tagen nach Erhalt des Werks ein Mangel festgestellt und Ihnen mitgeteilt wird.

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• Sie halten alle anderen Bedingungen dieser Vereinbarung für die kostenlose Verbreitung von Werken von Project Gutenberg™ ein.

1.E.9. Wenn Sie eine Gebühr erheben oder ein elektronisches Werk oder eine Gruppe von Werken von Project Gutenberg™ unter anderen Bedingungen als denen, die in dieser Vereinbarung festgelegt sind, verbreiten möchten, müssen Sie schriftliche Genehmigung von der Project Gutenberg Literary Archive Foundation erhalten, dem Verwalter der Marke Project Gutenberg™. Wenden Sie sich an die Stiftung gemäß Abschnitt 3 unten.

1.F.

1.F.1. Freiwillige und Mitarbeiter von Project Gutenberg investieren erhebliche Anstrengungen, um Werke, die nicht durch das US-Urheberrecht geschützt sind, ausfindig zu machen, urheberrechtlich zu prüfen, abzuschreiben und zu korrigieren, um so die Sammlung von Project Gutenberg™ zu erstellen. Trotz dieser Bemühungen können die elektronischen Werke von Project Gutenberg™ sowie die Medien, auf denen sie gespeichert sein können, „Mängel“ aufweisen – beispielsweise unvollständige, ungenaue oder beschädigte Daten, Transkriptionsfehler, Verstöße gegen Urheberrechte oder andere geistige Eigentumsrechte, defekte oder beschädigte Datenträger oder andere Medien, Computerviren oder Computercodes, die Ihre Ausrüstung beschädigen oder unlesbar machen.

1.F.2. EINGESCHRÄNKTER GEWÄHRLEISTUNGSAUFGABE, AUFSCHLUSS HAFTUNG FÜR SCHÄDEN – Abgesehen vom „Recht auf Ersatz oder Rückerstattung“, wie es in Absatz 1.F.3 beschrieben ist, lehnt die Project Gutenberg Literary Archive Foundation, der Inhaber der Marke Project Gutenberg™, sowie jede andere Partei, die ein elektronisches Werk von Project Gutenberg™ gemäß dieser Vereinbarung verbreitet, jegliche Haftung gegenüber Ihnen für Schäden, Kosten und Ausgaben, einschließlich Anwaltskosten, ab. Sie stimmen zu, dass Sie keine Rechtsmittel gegen Fahrlässigkeit, strenge Haftung, Verletzung der Gewährleistung oder Vertragsbruch haben, außer denen, die in Absatz 1.F.3 vorgesehen sind. Sie stimmen außerdem zu, dass die Stiftung, der Markeninhaber sowie alle Vertriebspartner gemäß dieser Vereinbarung nicht für tatsächliche, direkte, indirekte, Folgeschäden, strafende Schäden oder zufällige Schäden haftbar sind.

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AUCH IRRGENDWIE, WENN SIE ÜBER DIE MÖGLICHKEIT SOLCHER SCHÄDEN BENACHRICHTIGEN.

1.F.3. BESCHRÄNKTES RECHT AUF ERSETZUNG ODER RÜCKGABE – Wenn Sie innerhalb von 90 Tagen nach Erhalt dieses elektronischen Werkes einen Mangel feststellen, können Sie den Betrag, den Sie dafür bezahlt haben (sofern vorhanden), zurückbekommen, indem Sie eine schriftliche Erklärung an die Person senden, von der Sie das Werk erhalten haben. Wenn Sie das Werk auf einem physischen Medium erhalten haben, müssen Sie dieses Medium zusammen mit Ihrer schriftlichen Erklärung zurücksenden. Die Person oder Einrichtung, die Ihnen das mangelhafte Werk zur Verfügung gestellt hat, kann sich entscheiden, anstelle einer Rückerstattung ein Ersatzexemplar zur Verfügung zu stellen. Wenn Sie das Werk elektronisch erhalten haben, kann die Person oder Einrichtung, die es Ihnen zur Verfügung stellt, Ihnen eine zweite Gelegenheit geben, das Werk elektronisch zu erhalten, anstelle einer Rückerstattung. Falls auch das zweite Exemplar mangelhaft ist, können Sie schriftlich eine Rückerstattung verlangen, ohne weitere Möglichkeiten zur Behebung des Problems.

1.F.4. Abgesehen vom in Absatz 1.F.3 genannten beschränkten Recht auf Ersetzung oder Rückerstattung wird dieses Werk „SO WIE ES IST“ ohne jegliche weiteren Garantien jeglicher Art, ausdrücklich oder stillschweigend, bereitgestellt – einschließlich, aber nicht beschränkt auf Garantien hinsichtlich Markttauglichkeit oder Eignung für einen bestimmten Zweck.

1.F.5. In einigen Bundesstaaten ist es nicht zulässig, bestimmte stillschweigende Garantien auszuschließen oder bestimmte Arten von Schäden einzuschränken. Falls eine in dieser Vereinbarung enthaltene Ausschlussklausel oder Beschränkung gegen das Recht des für diese Vereinbarung geltenden Bundesstaates verstößt, soll die Vereinbarung so interpretiert werden, dass die maximale Ausschlussklausel oder Beschränkung, die durch das geltende Landesrecht erlaubt ist, Anwendung findet. Die Ungültigkeit oder Unanwendbarkeit einer Bestimmung dieser Vereinbarung führt nicht dazu, dass die übrigen Bestimmungen ungültig werden.

1.F.6. HAFTUNGSBESCHRÄNKUNG – Sie stimmen zu, die Foundation, den Markeninhaber, alle Agenten oder Angestellten der Foundation, alle Personen, die elektronische Werke von Project Gutenberg™ gemäß dieser Vereinbarung bereitstellen, sowie alle Freiwilligen, die an der Erstellung, Förderung und Verbreitung elektronischer Werke von Project Gutenberg™ beteiligt sind, vor allen Haftungen, Kosten und Ausgaben – einschließlich Anwaltskosten – zu schützen, die direkt oder indirekt aus irgendetwas folgen, was Sie tun oder zu dem Sie Anlass geben: (a)

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(a) die Verteilung dieses oder eines beliebigen Werkes von Project Gutenberg, (b) Änderungen, Modifikationen sowie Ergänzungen oder Löschungen an einem Werk von Project Gutenberg und (c) alle Schäden, die Sie verursachen.

Abschnitt 2. Informationen zur Mission von Project Gutenberg

Project Gutenberg steht für die freie Verteilung elektronischer Werke in Formaten, die von der breitesten Palette an Computern gelesen werden können – einschließlich veralteter, alter, mittelalterlicher sowie neuer Computer. Es existiert dank der Bemühungen von Hunderten von Freiwilligen sowie Spenden von Menschen aus allen Gesellschaftsschichten.

Freiwillige sowie finanzielle Unterstützung, um den Freiwilligen die benötigte Hilfe zu bieten, sind entscheidend, um die Ziele von Project Gutenberg zu erreichen und sicherzustellen, dass die Sammlung von Project Gutenberg auch zukünftigen Generationen weiterhin kostenlos zur Verfügung steht. Im Jahr 2001 wurde die Project Gutenberg Literary Archive Foundation gegründet, um Project Gutenberg sowie zukünftigen Generationen eine sichere und dauerhafte Zukunft zu bieten. Weitere Informationen über die Project Gutenberg Literary Archive Foundation sowie darüber, wie Ihre Bemühungen und Spenden helfen können, finden Sie in den Abschnitten 3 und 4 sowie auf der Informationsseite der Stiftung unter www.gutenberg.org.

Abschnitt 3. Informationen über die Project Gutenberg Literary Archive Foundation

Die Project Gutenberg Literary Archive Foundation ist eine gemeinnützige Bildungseinrichtung nach dem Typ 501(c)(3), die nach den Gesetzen des Bundesstaates Mississippi organisiert ist und vom Internal Revenue Service als steuerbefreit anerkannt wurde. Die EIN, also die bundesweite Steuernummer der Stiftung, lautet 64-6221541. Spenden an die Project Gutenberg Literary Archive Foundation sind in dem Umfang steuerabsetzbar, wie es die US-amerikanischen Bundesgesetze sowie die Gesetze Ihres Bundesstaates zulassen.

Der Geschäftssitz der Stiftung befindet sich unter der Adresse 41 Watchung Plaza #516, Montclair NJ 07042, USA, Telefon: +1 (862) 621-9288. E-Mail-Kontakt:

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Aktuelle Kontaktdaten finden Sie auf der Website der Stiftung sowie auf der offiziellen Seite unter www.gutenberg.org/contact.

Abschnitt 4: Informationen zu Spenden für das Projekt
Gutenberg Literary Archive Foundation

Das Projekt Gutenberg™ ist von umfassender Unterstützung durch die Öffentlichkeit sowie von Spenden abhängig – ohne diese kann es seine Mission nicht erfüllen, die Anzahl der Werke im öffentlichen Besitz sowie lizenzierten Werke zu erhöhen, die in maschinenlesbarer Form frei verteilt werden können und somit für die breiteste Palette an Geräten, einschließlich veralteter Geräte, zugänglich sind. Viele kleine Spenden (von 1 bis 5.000 Dollar) sind besonders wichtig, um den steuerfreien Status bei der IRS beizubehalten.

Die Stiftung ist bestrebt, sich an die Gesetze zu halten, die Wohltätigkeitsorganisationen und Spenden in allen 50 Bundesstaaten der Vereinigten Staaten regeln. Die Anforderungen an die Einhaltung dieser Gesetze sind jedoch nicht einheitlich, und es erfordert erhebliche Anstrengungen, viel Papierkram sowie zahlreiche Gebühren, um diesen Anforderungen gerecht zu werden. Wir bitten nicht um Spenden in Gebieten, aus denen wir keine schriftliche Bestätigung der Einhaltung der Vorschriften erhalten haben. Um Spenden zu senden oder den Status der Einhaltung der Vorschriften für einen bestimmten Bundesstaat zu überprüfen, besuchen Sie bitte www.gutenberg.org/donate.

Obwohl wir nicht und werden auch keine Spenden aus Bundesstaaten annehmen, in denen wir die erforderlichen Voraussetzungen noch nicht erfüllt haben, kennen wir keine Verbote gegen die Annahme unveranlasster Spenden von Spendern aus solchen Bundesstaaten, die uns mit Spendenangeboten kontaktieren.

Internationale Spenden werden gerne entgegengenommen, doch wir können keine Aussagen zum steuerlichen Umgang mit Spenden machen, die aus dem Ausland stammen. Allein die US-Gesetze überlasten bereits unser kleines Personal.

Bitte prüfen Sie die Webseiten von Project Gutenberg nach aktuellen Spendemethoden und -adressen. Spenden können auch auf verschiedene andere Weise geleistet werden – beispielsweise per Scheck, Online-Zahlung oder Kreditkarte. Um zu spenden, besuchen Sie bitte: www.gutenberg.org/donate.

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Abschnitt 5: Allgemeine Informationen über Project Gutenberg – Elektronische Werke

Professor Michael S. Hart war der Begründer von Project Gutenberg – dem Konzept einer Bibliothek mit elektronischen Werken, die frei mit jedem geteilt werden können. Über vierzig Jahre lang produzierte und verteilte er Project-Gutenberg-E-Books mit Hilfe eines eher locker strukturierten Netzwerks aus Freiwilligen.

Project-Gutenberg-E-Books entstehen oft aus mehreren gedruckten Ausgaben, wobei alle davon als nicht urheberrechtlich geschützt gelten, sofern keine Urheberrechtsangabe enthalten ist. Daher müssen wir die E-Books nicht unbedingt den Vorgaben einer bestimmten gedruckten Ausgabe anpassen.

Die meisten Menschen beginnen auf unserer Website, die über die Hauptsuchfunktion für Project Gutenberg verfügt: www.gutenberg.org.

Diese Website enthält Informationen über Project Gutenberg – darunter auch Anleitungen dazu, wie man der Project Gutenberg Literary Archive Foundation Spenden zukommen lässt, wie man bei der Erstellung neuer E-Books hilft sowie wie man sich für unseren E-Mail-Newsletter anmeldet, um über neue E-Books informiert zu werden.

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