Page 1
Page 2
Page 3
Das Project-Gutenberg-E-Book „Moby Dick; oder, der Wal“
Dieses E-Book kann von jedem, überall in den Vereinigten Staaten sowie in den meisten anderen Teilen der Welt kostenlos und ohne nennenswerte Einschränkungen genutzt werden. Sie dürfen es kopieren, weitergeben oder unter den Bedingungen der mit diesem E-Book verbundenen Project-Gutenberg-Lizenz oder online unter www.gutenberg.org erneut verwenden. Wenn Sie sich nicht in den Vereinigten Staaten befinden, müssen Sie vor der Nutzung dieses E-Books die Gesetze des Landes prüfen, in dem Sie sich aufhalten.
Titel: Moby Dick; oder, der Wal
Autor: Herman Melville
Veröffentlichungsdatum: 1. Juli 2001 [E-Book #2701]
Zuletzt aktualisiert: 10. Februar 2026
Sprache: Englisch
Weitere Informationen und Formate: www.gutenberg.org/ebooks/2701
Dank an: Daniel Lazarus, Jonesey und David Widger
*** ANFANG DES PROJECT-GUTENBERG-EBUCHS „MOBY DICK; ODER, DER WAL“ ***
Dieses E-Book kann von jedem, überall in den Vereinigten Staaten sowie in den meisten anderen Teilen der Welt kostenlos und ohne nennenswerte Einschränkungen genutzt werden. Sie dürfen es kopieren, weitergeben oder unter den Bedingungen der mit diesem E-Book verbundenen Project-Gutenberg-Lizenz oder online unter www.gutenberg.org erneut verwenden. Wenn Sie sich nicht in den Vereinigten Staaten befinden, müssen Sie vor der Nutzung dieses E-Books die Gesetze des Landes prüfen, in dem Sie sich aufhalten.
Titel: Moby Dick; oder, der Wal
Autor: Herman Melville
Veröffentlichungsdatum: 1. Juli 2001 [E-Book #2701]
Zuletzt aktualisiert: 10. Februar 2026
Sprache: Englisch
Weitere Informationen und Formate: www.gutenberg.org/ebooks/2701
Dank an: Daniel Lazarus, Jonesey und David Widger
*** ANFANG DES PROJECT-GUTENBERG-EBUCHS „MOBY DICK; ODER, DER WAL“ ***
Page 4
Page 5
Von Herman Melville
INHALT
ETYMOLOGIE.
AUSZÜGE (bereitgestellt von einem Unterbibliothekar).
KAPITEL 1. Drohungen.
KAPITEL 2. Der Teppichträger.
KAPITEL 3. Die Schenke.
KAPITEL 4. Die Decke.
KAPITEL 5. Frühstück.
KAPITEL 6. Die Straße.
KAPITEL 7. Die Kapelle.
KAPITEL 8. Die Kanzel.
KAPITEL 9. Die Predigt.
KAPITEL 10. Ein Vertrauter.
KAPITEL 11. Nachthemd.
INHALT
ETYMOLOGIE.
AUSZÜGE (bereitgestellt von einem Unterbibliothekar).
KAPITEL 1. Drohungen.
KAPITEL 2. Der Teppichträger.
KAPITEL 3. Die Schenke.
KAPITEL 4. Die Decke.
KAPITEL 5. Frühstück.
KAPITEL 6. Die Straße.
KAPITEL 7. Die Kapelle.
KAPITEL 8. Die Kanzel.
KAPITEL 9. Die Predigt.
KAPITEL 10. Ein Vertrauter.
KAPITEL 11. Nachthemd.
Page 6
KAPITEL 12. Biografisch.
KAPITEL 13. Karre.
KAPITEL 14. Nantucket.
KAPITEL 15. Chowder.
KAPITEL 16. Das Schiff.
KAPITEL 17. Der Ramadan.
KAPITEL 18. Sein Zeichen.
KAPITEL 19. Der Prophet.
KAPITEL 20. Alles in Bewegung.
KAPITEL 21. An Bord gehen.
KAPITEL 22. Frohe Weihnachten.
KAPITEL 23. Die Lee-Küste.
KAPITEL 24. Der Verteidiger.
KAPITEL 25. Postskriptum.
KAPITEL 26. Ritter und Knappen.
KAPITEL 27. Ritter und Knappen.
KAPITEL 28. Ahab.
KAPITEL 29. Ahab tritt ein; an ihn, Stubb.
KAPITEL 30. Die Pfeife.
KAPITEL 31. Königin Mab.
KAPITEL 32. Cetologie.
KAPITEL 33. Der Specksnyder.
KAPITEL 34. Der Tisch in der Kabine.
KAPITEL 13. Karre.
KAPITEL 14. Nantucket.
KAPITEL 15. Chowder.
KAPITEL 16. Das Schiff.
KAPITEL 17. Der Ramadan.
KAPITEL 18. Sein Zeichen.
KAPITEL 19. Der Prophet.
KAPITEL 20. Alles in Bewegung.
KAPITEL 21. An Bord gehen.
KAPITEL 22. Frohe Weihnachten.
KAPITEL 23. Die Lee-Küste.
KAPITEL 24. Der Verteidiger.
KAPITEL 25. Postskriptum.
KAPITEL 26. Ritter und Knappen.
KAPITEL 27. Ritter und Knappen.
KAPITEL 28. Ahab.
KAPITEL 29. Ahab tritt ein; an ihn, Stubb.
KAPITEL 30. Die Pfeife.
KAPITEL 31. Königin Mab.
KAPITEL 32. Cetologie.
KAPITEL 33. Der Specksnyder.
KAPITEL 34. Der Tisch in der Kabine.
Page 7
KAPITEL 35. Der Mastkopf.
KAPITEL 36. Das Vorderdeck.
KAPITEL 37. Sonnenuntergang.
KAPITEL 38. Dämmerung.
KAPITEL 39. Die erste Nachtwache.
KAPITEL 40. Mitternacht, im Vorsteuerhaus.
KAPITEL 41. Moby Dick.
KAPITEL 42. Die Weißheit des Wals.
KAPITEL 43. Hört!
KAPITEL 44. Die Karte.
KAPITEL 45. Die Aussage.
KAPITEL 46. Vermutungen.
KAPITEL 47. Der Matratzenhersteller.
KAPITEL 48. Die erste Herablassung.
KAPITEL 49. Die Hyäne.
KAPITEL 50. Ahabs Boot und Besatzung – Fedallah.
KAPITEL 51. Der Geistsschwall.
KAPITEL 52. Der Albatros.
KAPITEL 53. Das Spiel.
KAPITEL 54. Die Geschichte der Town-Ho.
KAPITEL 55. Über die monströsen Darstellungen von Walen.
KAPITEL 56. Über die weniger fehlerhaften Darstellungen von Walen sowie die wahren Darstellungen von Walfangsszenen.
KAPITEL 36. Das Vorderdeck.
KAPITEL 37. Sonnenuntergang.
KAPITEL 38. Dämmerung.
KAPITEL 39. Die erste Nachtwache.
KAPITEL 40. Mitternacht, im Vorsteuerhaus.
KAPITEL 41. Moby Dick.
KAPITEL 42. Die Weißheit des Wals.
KAPITEL 43. Hört!
KAPITEL 44. Die Karte.
KAPITEL 45. Die Aussage.
KAPITEL 46. Vermutungen.
KAPITEL 47. Der Matratzenhersteller.
KAPITEL 48. Die erste Herablassung.
KAPITEL 49. Die Hyäne.
KAPITEL 50. Ahabs Boot und Besatzung – Fedallah.
KAPITEL 51. Der Geistsschwall.
KAPITEL 52. Der Albatros.
KAPITEL 53. Das Spiel.
KAPITEL 54. Die Geschichte der Town-Ho.
KAPITEL 55. Über die monströsen Darstellungen von Walen.
KAPITEL 56. Über die weniger fehlerhaften Darstellungen von Walen sowie die wahren Darstellungen von Walfangsszenen.
Page 8
KAPITEL 57. Von Walen in der Malerei; in Zähnen; in Holz; in Blech; in Stein; in Bergen; in Sternen.
KAPITEL 58. Brit.
KAPITEL 59. Tintenfisch.
KAPITEL 60. Die Leine.
KAPITEL 61. Stubb tötet einen Wal.
KAPITEL 62. Der Pfeil.
KAPITEL 63. Der „Crotch“.
KAPITEL 64. Stubbs Abendessen.
KAPITEL 65. Der Wal als Gericht.
KAPITEL 66. Das Hai-Massaker.
KAPITEL 67. Das Zuteilen des Fleisches.
KAPITEL 68. Die Decke.
KAPITEL 69. Die Beerdigung.
KAPITEL 70. Die Sphinx.
KAPITEL 71. Die Geschichte von Jerobeam.
KAPITEL 72. Die Affenleine.
KAPITEL 73. Stubb und Flask töten einen Schwertwal – und sprechen anschließend über ihn.
KAPITEL 74. Der Kopf des Spermwals – vergleichende Betrachtung.
KAPITEL 75. Der Kopf des Schwertwals – vergleichende Betrachtung.
KAPITEL 76. Die Ramme.
KAPITEL 77. Die große Heidelberger Trommel.
KAPITEL 58. Brit.
KAPITEL 59. Tintenfisch.
KAPITEL 60. Die Leine.
KAPITEL 61. Stubb tötet einen Wal.
KAPITEL 62. Der Pfeil.
KAPITEL 63. Der „Crotch“.
KAPITEL 64. Stubbs Abendessen.
KAPITEL 65. Der Wal als Gericht.
KAPITEL 66. Das Hai-Massaker.
KAPITEL 67. Das Zuteilen des Fleisches.
KAPITEL 68. Die Decke.
KAPITEL 69. Die Beerdigung.
KAPITEL 70. Die Sphinx.
KAPITEL 71. Die Geschichte von Jerobeam.
KAPITEL 72. Die Affenleine.
KAPITEL 73. Stubb und Flask töten einen Schwertwal – und sprechen anschließend über ihn.
KAPITEL 74. Der Kopf des Spermwals – vergleichende Betrachtung.
KAPITEL 75. Der Kopf des Schwertwals – vergleichende Betrachtung.
KAPITEL 76. Die Ramme.
KAPITEL 77. Die große Heidelberger Trommel.
Page 9
KAPITEL 78. Zisternen und Eimer.
KAPITEL 79. Die Prärie.
KAPITEL 80. Die Nuss.
KAPITEL 81. Der Pequod trifft die Jungfrau.
KAPITEL 82. Die Ehre und der Ruhm des Walfangs.
KAPITEL 83. Jonah aus historischer Sicht.
KAPITEL 84. Pitchpoling.
KAPITEL 85. Die Quelle.
KAPITEL 86. Der Schwanz.
KAPITEL 87. Die Große Armada.
KAPITEL 88. Schulen und Lehrer.
KAPITEL 89. Schnellfische und Langsamlinge.
KAPITEL 90. Kopf oder Zahl.
KAPITEL 91. Der Pequod trifft den Rosenknospen.
KAPITEL 92. Ambergris.
KAPITEL 93. Der Schiffbrüchige.
KAPITEL 94. Ein Händedruck.
KAPITEL 95. Der Rock.
KAPITEL 96. Die Probearbeiten.
KAPITEL 97. Die Lampe.
KAPITEL 98. Verstauen und Aufräumen.
KAPITEL 99. Der Doubloon.
KAPITEL 100. Bein und Arm.
KAPITEL 79. Die Prärie.
KAPITEL 80. Die Nuss.
KAPITEL 81. Der Pequod trifft die Jungfrau.
KAPITEL 82. Die Ehre und der Ruhm des Walfangs.
KAPITEL 83. Jonah aus historischer Sicht.
KAPITEL 84. Pitchpoling.
KAPITEL 85. Die Quelle.
KAPITEL 86. Der Schwanz.
KAPITEL 87. Die Große Armada.
KAPITEL 88. Schulen und Lehrer.
KAPITEL 89. Schnellfische und Langsamlinge.
KAPITEL 90. Kopf oder Zahl.
KAPITEL 91. Der Pequod trifft den Rosenknospen.
KAPITEL 92. Ambergris.
KAPITEL 93. Der Schiffbrüchige.
KAPITEL 94. Ein Händedruck.
KAPITEL 95. Der Rock.
KAPITEL 96. Die Probearbeiten.
KAPITEL 97. Die Lampe.
KAPITEL 98. Verstauen und Aufräumen.
KAPITEL 99. Der Doubloon.
KAPITEL 100. Bein und Arm.
Page 10
KAPITEL 101. Der Karafenhalter.
KAPITEL 102. Ein Pavillon bei den Arsakiden.
KAPITEL 103. Die Messung des Walskeletts.
KAPITEL 104. Der fossile Wal.
KAPITEL 105. Verringert sich die Größe des Wals? – Wird er zugrunde gehen?
KAPITEL 106. Ahabs Bein.
KAPITEL 107. Der Zimmermann.
KAPITEL 108. Ahab und der Zimmermann.
KAPITEL 109. Ahab und Starbuck in der Kabine.
KAPITEL 110. Queequeg in seinem Sarg.
KAPITEL 111. Der Pazifik.
KAPITEL 112. Der Schmied.
KAPITEL 113. Die Schmiede.
KAPITEL 114. Der Vergolder.
KAPITEL 115. Die Pequod trifft auf den Junggesellen.
KAPITEL 116. Der sterbende Wal.
KAPITEL 117. Das Walbeobachten.
KAPITEL 118. Der Quadrant.
KAPITEL 119. Die Kerzen.
KAPITEL 120. Die Decks während des ersten Nachtwachtdienstes.
KAPITEL 121. Mitternacht – Die Vortürme.
KAPITEL 102. Ein Pavillon bei den Arsakiden.
KAPITEL 103. Die Messung des Walskeletts.
KAPITEL 104. Der fossile Wal.
KAPITEL 105. Verringert sich die Größe des Wals? – Wird er zugrunde gehen?
KAPITEL 106. Ahabs Bein.
KAPITEL 107. Der Zimmermann.
KAPITEL 108. Ahab und der Zimmermann.
KAPITEL 109. Ahab und Starbuck in der Kabine.
KAPITEL 110. Queequeg in seinem Sarg.
KAPITEL 111. Der Pazifik.
KAPITEL 112. Der Schmied.
KAPITEL 113. Die Schmiede.
KAPITEL 114. Der Vergolder.
KAPITEL 115. Die Pequod trifft auf den Junggesellen.
KAPITEL 116. Der sterbende Wal.
KAPITEL 117. Das Walbeobachten.
KAPITEL 118. Der Quadrant.
KAPITEL 119. Die Kerzen.
KAPITEL 120. Die Decks während des ersten Nachtwachtdienstes.
KAPITEL 121. Mitternacht – Die Vortürme.
Page 11
KAPITEL 122. Mitternacht in der Luft – Donner und Blitz.
KAPITEL 123. Die Muskete.
KAPITEL 124. Die Nadel.
KAPITEL 125. Das Stück Holz und die Leine.
KAPITEL 126. Die Rettungsboje.
KAPITEL 127. Die Decks.
KAPITEL 128. Der Pequod trifft auf die Rachel.
KAPITEL 129. Die Kabine.
KAPITEL 130. Der Hut.
KAPITEL 131. Der Pequod trifft auf die Delight.
KAPITEL 132. Die Symphonie.
KAPITEL 133. Die Verfolgung – erster Tag.
KAPITEL 134. Die Verfolgung – zweiter Tag.
KAPITEL 135. Die Verfolgung – dritter Tag.
Epilog
Anmerkungen des ursprünglichen Transkriptors:
Dieser Text ist eine Kombination aus verschiedenen Textversionen – einer aus dem mittlerweile nicht mehr existierenden ERIS-Projekt an der Virginia Tech sowie einer aus den Archiven von Project Gutenberg. Die Lektorinnen und Lektoren dieser Version sind der Bibliothek der Universität Adelaide dankbar dafür, dass sie die Unterlagen der Virginia Tech erhalten hat.
KAPITEL 123. Die Muskete.
KAPITEL 124. Die Nadel.
KAPITEL 125. Das Stück Holz und die Leine.
KAPITEL 126. Die Rettungsboje.
KAPITEL 127. Die Decks.
KAPITEL 128. Der Pequod trifft auf die Rachel.
KAPITEL 129. Die Kabine.
KAPITEL 130. Der Hut.
KAPITEL 131. Der Pequod trifft auf die Delight.
KAPITEL 132. Die Symphonie.
KAPITEL 133. Die Verfolgung – erster Tag.
KAPITEL 134. Die Verfolgung – zweiter Tag.
KAPITEL 135. Die Verfolgung – dritter Tag.
Epilog
Anmerkungen des ursprünglichen Transkriptors:
Dieser Text ist eine Kombination aus verschiedenen Textversionen – einer aus dem mittlerweile nicht mehr existierenden ERIS-Projekt an der Virginia Tech sowie einer aus den Archiven von Project Gutenberg. Die Lektorinnen und Lektoren dieser Version sind der Bibliothek der Universität Adelaide dankbar dafür, dass sie die Unterlagen der Virginia Tech erhalten hat.
Page 12
Version. Der entstandene E-Text wurde mit einer im öffentlichen Bereich verfügbaren Druckausgabe des Textes verglichen.
Page 13
ETYMOLOGIE.
(Von einem kranken Pförtner einer Grammatikschule bereitgestellt.)
Der blass wirkende Pförtner – mit abgenutztem Mantel, Herz, Körper und Gehirn; ich sehe ihn jetzt vor mir. Er putzte ständig seine alten Wörterbücher und Grammatiken mit einem seltsamen Taschentuch, das spöttisch mit allen Farbenflaggen aller bekannten Völker der Welt verziert war. Er liebte es, seine alten Grammatiken zu putzen – das erinnerte ihn auf eine sanfte Weise an seine Sterblichkeit.
„Während ihr anderen Kinder zur Schule bringt und ihnen beibringt, wie man im Deutschen einen Walfisch nennt – wobei ihr aus Unwissenheit den Buchstaben H weglässt, der allein fast die Bedeutung des Wortes ausmacht – übermittelt ihr somit etwas, das nicht wahr ist.“ – Hackluyt.
„WAL. * * * Schwedisch und Dänisch: hval. Dieses Tier wird aufgrund seiner Rundheit oder Sehnenhaftigkeit so genannt; im Dänischen bedeutet hvalt nämlich „gewölbt“ oder „bogig“.“ – Webster’s Dictionary.
„WAL. * * * Ursprünglich vom Niederländischen und Deutschen Wallen; Althochdeutsch: Walw-ian, was „rollen“ oder „im Schlamm wälzen“ bedeutet.“ – Richardson’s Dictionary.
חו, Hebräisch.
κητος, Griechisch.
CETUS, Lateinisch.
WHŒL, Angelsächsisch.
HVALT, Dänisch.
WAL, Niederländisch.
HWAL, Schwedisch.
HVALUR, Isländisch.
WHALE, Englisch.
BALEINE, Französisch.
BALLENA, Spanisch.
PEKEE-NUEE-NUEE, Fegee.
PEHEE-NUEE-NUEE, Erromangoan.
(Von einem kranken Pförtner einer Grammatikschule bereitgestellt.)
Der blass wirkende Pförtner – mit abgenutztem Mantel, Herz, Körper und Gehirn; ich sehe ihn jetzt vor mir. Er putzte ständig seine alten Wörterbücher und Grammatiken mit einem seltsamen Taschentuch, das spöttisch mit allen Farbenflaggen aller bekannten Völker der Welt verziert war. Er liebte es, seine alten Grammatiken zu putzen – das erinnerte ihn auf eine sanfte Weise an seine Sterblichkeit.
„Während ihr anderen Kinder zur Schule bringt und ihnen beibringt, wie man im Deutschen einen Walfisch nennt – wobei ihr aus Unwissenheit den Buchstaben H weglässt, der allein fast die Bedeutung des Wortes ausmacht – übermittelt ihr somit etwas, das nicht wahr ist.“ – Hackluyt.
„WAL. * * * Schwedisch und Dänisch: hval. Dieses Tier wird aufgrund seiner Rundheit oder Sehnenhaftigkeit so genannt; im Dänischen bedeutet hvalt nämlich „gewölbt“ oder „bogig“.“ – Webster’s Dictionary.
„WAL. * * * Ursprünglich vom Niederländischen und Deutschen Wallen; Althochdeutsch: Walw-ian, was „rollen“ oder „im Schlamm wälzen“ bedeutet.“ – Richardson’s Dictionary.
חו, Hebräisch.
κητος, Griechisch.
CETUS, Lateinisch.
WHŒL, Angelsächsisch.
HVALT, Dänisch.
WAL, Niederländisch.
HWAL, Schwedisch.
HVALUR, Isländisch.
WHALE, Englisch.
BALEINE, Französisch.
BALLENA, Spanisch.
PEKEE-NUEE-NUEE, Fegee.
PEHEE-NUEE-NUEE, Erromangoan.
Page 14
Page 15
AUSZÜGE. (Zur Verfügung gestellt von einem Unter-Unterbibliothekar.)
Es wird deutlich, dass dieser armselige Kerl, ein bloßer, mühsamer Grabender und Wurm, durch alle Winkel der Welt gezogen ist – durch die langen Gänge des Vatikans sowie die Straßenstände –, um dort alle möglichen Anspielungen auf Wale zu finden, die er in irgendwelchen Büchern finden konnte, sei es heilige oder weltliche. Deshalb sollte man diese Auszüge keinesfalls als wahrhaftige „Gospel-Cetologie“ betrachten – egal wie authentisch die darin enthaltenen Aussagen auch sein mögen. Ganz im Gegenteil: Was die alten Autoren sowie die hier erwähnten Dichter angeht, so sind diese Auszüge lediglich wertvoll oder unterhaltsam, da sie einen Überblick darüber geben, was von vielen Völkern und Generationen über den Leviathan gesagt, gedacht, erfunden und gesungen wurde – einschließlich unserer eigenen.
Leb wohl also, armer Kerl – ich bin schließlich dein Kommentator. Du gehörst zu jenem hoffnungslosen Volk, das von keinem Wein dieser Welt erwärmt werden kann; für das selbst blasser Sherry zu stark wäre. Doch manchmal möchte man gerne mit solchen Menschen zusammen sitzen, sich ebenfalls elend fühlen, in Tränen schwelgen und ihnen dann offen sagen – mit feuchten Augen und leeren Gläsern, in einer nicht ganz unangenehmen Traurigkeit –: Gebt auf, ihr Armen! Je mehr Mühe ihr euch macht, die Welt zu gefallen, desto undankbarer werdet ihr für immer bleiben! Ich wünschte, ich könnte Hampton Court und die Tuilerien für euch räumen! Aber schluckt eure Tränen hinunter und steigt mit euren Herzen hinauf zum Königsmast – denn eure Freunde, die bereits gegangen sind, räumen den siebenstöckigen Himmel leer und machen aus den bisher verwöhnten Gabriel, Michael und Raphael Flüchtlinge vor eurem Kommen. Hier stoßt ihr nur auf zerbrochene Herzen – dort werdet ihr auf unzerbrechliche Gläser stoßen!
AUSZÜGE:
„Und Gott schuf große Wale.“ – Genesis.
„Der Leviathan bahnt sich einen Weg, der hinter ihm leuchtet; man könnte meinen, die Tiefen wären grau.“ – Hiob.
„Der Herr bereitete nun einen großen Fisch vor, um Jonas zu verschlingen.“ – Jonas.
Es wird deutlich, dass dieser armselige Kerl, ein bloßer, mühsamer Grabender und Wurm, durch alle Winkel der Welt gezogen ist – durch die langen Gänge des Vatikans sowie die Straßenstände –, um dort alle möglichen Anspielungen auf Wale zu finden, die er in irgendwelchen Büchern finden konnte, sei es heilige oder weltliche. Deshalb sollte man diese Auszüge keinesfalls als wahrhaftige „Gospel-Cetologie“ betrachten – egal wie authentisch die darin enthaltenen Aussagen auch sein mögen. Ganz im Gegenteil: Was die alten Autoren sowie die hier erwähnten Dichter angeht, so sind diese Auszüge lediglich wertvoll oder unterhaltsam, da sie einen Überblick darüber geben, was von vielen Völkern und Generationen über den Leviathan gesagt, gedacht, erfunden und gesungen wurde – einschließlich unserer eigenen.
Leb wohl also, armer Kerl – ich bin schließlich dein Kommentator. Du gehörst zu jenem hoffnungslosen Volk, das von keinem Wein dieser Welt erwärmt werden kann; für das selbst blasser Sherry zu stark wäre. Doch manchmal möchte man gerne mit solchen Menschen zusammen sitzen, sich ebenfalls elend fühlen, in Tränen schwelgen und ihnen dann offen sagen – mit feuchten Augen und leeren Gläsern, in einer nicht ganz unangenehmen Traurigkeit –: Gebt auf, ihr Armen! Je mehr Mühe ihr euch macht, die Welt zu gefallen, desto undankbarer werdet ihr für immer bleiben! Ich wünschte, ich könnte Hampton Court und die Tuilerien für euch räumen! Aber schluckt eure Tränen hinunter und steigt mit euren Herzen hinauf zum Königsmast – denn eure Freunde, die bereits gegangen sind, räumen den siebenstöckigen Himmel leer und machen aus den bisher verwöhnten Gabriel, Michael und Raphael Flüchtlinge vor eurem Kommen. Hier stoßt ihr nur auf zerbrochene Herzen – dort werdet ihr auf unzerbrechliche Gläser stoßen!
AUSZÜGE:
„Und Gott schuf große Wale.“ – Genesis.
„Der Leviathan bahnt sich einen Weg, der hinter ihm leuchtet; man könnte meinen, die Tiefen wären grau.“ – Hiob.
„Der Herr bereitete nun einen großen Fisch vor, um Jonas zu verschlingen.“ – Jonas.
Page 16
„Da gehen die Schiffe; da ist jener Leviathan, den du dazu gebracht hast, darin zu spielen.“ – Psalmen.
„An jenem Tag wird der Herr mit seinem schmerzhaften, großen und starken Schwert Leviathan, die durchbohrende Schlange, bestrafen – jene krumme Schlange – und er wird den Drachen töten, der im Meer ist.“ – Jesaja.
„Alles, was sonst noch in den Rachen dieses Monsters gelangt – sei es ein Tier, ein Boot oder ein Stein – fällt unverzüglich in diesen schrecklichen Schlund und verliert dort sein Leben.“ – Holland’s Plutarch’s Morals.
„Das Indische Meer bringt die meisten und größten Fische hervor; darunter nehmen die Wale sowie die sogenannten Balaene eine Länge ein, die vier Morgen Land entspricht.“ – Holland’s Pliny.
„Kaum waren wir zwei Tage auf See unterwegs, als bei Sonnenaufgang viele Wale sowie andere Meeresmonster auftauchten. Unter den Walen gab es einen von äußerst monströser Größe … Dieser kam auf uns zu, mit offenem Maul, hob die Wellen ringsum an und ließ das Meer vor sich zu Schaum werden.“ – Tooke’s Lucian. „Die wahre Geschichte.“
„Er besuchte dieses Land auch mit dem Ziel, Pferdewale zu fangen – deren Zähne von großem Wert sind; einige davon brachte er dem König. Die besten Wale wurden in seinem eigenen Land gefangen; einige davon waren 48, andere 50 Yards lang. Er sagte, er sei einer von sechs Männern gewesen, die in zwei Tagen insgesamt 60 Wale getötet hatten.“ – Mündliche Überlieferung, aufgezeichnet von König Alfred im Jahr 890 n. Chr.
„Während alle anderen Dinge, sei es Tiere oder Schiffe, die in den schrecklichen Schlund dieses Monsters gelangen, sofort verloren gehen und verschlungen werden, kann der Meerfisch dort sicher hineingehen und dort schlafen.“ – Montaigne. – Apologie für Raimond Sebond.
„Lasst uns fliegen! Wenn das nicht Leviathan ist, wie ihn der edle Prophet Mose in der Geschichte des geduldigen Hiob beschrieben hat!“ – Rabelais.
„Die Leber dieses Wals wog zwei Karrenladungen.“ – Stowe’s Annals.
„Der große Leviathan, der die Meere zum Kochen bringt wie einen kochenden Topf.“ – Lord Bacons Übersetzung der Psalmen.
„Was die monströse Größe des Wals angeht, haben wir keine genauen Angaben. Sie werden äußerst fett – bis zu einem unglaublichen Grad.“
„An jenem Tag wird der Herr mit seinem schmerzhaften, großen und starken Schwert Leviathan, die durchbohrende Schlange, bestrafen – jene krumme Schlange – und er wird den Drachen töten, der im Meer ist.“ – Jesaja.
„Alles, was sonst noch in den Rachen dieses Monsters gelangt – sei es ein Tier, ein Boot oder ein Stein – fällt unverzüglich in diesen schrecklichen Schlund und verliert dort sein Leben.“ – Holland’s Plutarch’s Morals.
„Das Indische Meer bringt die meisten und größten Fische hervor; darunter nehmen die Wale sowie die sogenannten Balaene eine Länge ein, die vier Morgen Land entspricht.“ – Holland’s Pliny.
„Kaum waren wir zwei Tage auf See unterwegs, als bei Sonnenaufgang viele Wale sowie andere Meeresmonster auftauchten. Unter den Walen gab es einen von äußerst monströser Größe … Dieser kam auf uns zu, mit offenem Maul, hob die Wellen ringsum an und ließ das Meer vor sich zu Schaum werden.“ – Tooke’s Lucian. „Die wahre Geschichte.“
„Er besuchte dieses Land auch mit dem Ziel, Pferdewale zu fangen – deren Zähne von großem Wert sind; einige davon brachte er dem König. Die besten Wale wurden in seinem eigenen Land gefangen; einige davon waren 48, andere 50 Yards lang. Er sagte, er sei einer von sechs Männern gewesen, die in zwei Tagen insgesamt 60 Wale getötet hatten.“ – Mündliche Überlieferung, aufgezeichnet von König Alfred im Jahr 890 n. Chr.
„Während alle anderen Dinge, sei es Tiere oder Schiffe, die in den schrecklichen Schlund dieses Monsters gelangen, sofort verloren gehen und verschlungen werden, kann der Meerfisch dort sicher hineingehen und dort schlafen.“ – Montaigne. – Apologie für Raimond Sebond.
„Lasst uns fliegen! Wenn das nicht Leviathan ist, wie ihn der edle Prophet Mose in der Geschichte des geduldigen Hiob beschrieben hat!“ – Rabelais.
„Die Leber dieses Wals wog zwei Karrenladungen.“ – Stowe’s Annals.
„Der große Leviathan, der die Meere zum Kochen bringt wie einen kochenden Topf.“ – Lord Bacons Übersetzung der Psalmen.
„Was die monströse Größe des Wals angeht, haben wir keine genauen Angaben. Sie werden äußerst fett – bis zu einem unglaublichen Grad.“
Page 17
„Die Menge an Öl, die aus einem Wal herausgepresst werden kann.“ – Ebd., „Geschichte des Lebens und des Todes“.
„Das Beste auf der Welt ist Spermacetti gegen innere Prellungen.“ – König Heinrich.
„Sehr ähnlich einem Wal.“ – Hamlet.
„Um das zu erreichen, nützt keine Fähigkeit der Heilkunst etwas; man muss zurückkehren zu demjenigen, der die Wunde verursacht hat – jenem, der mit seinem Pfeil seine Brust traf und so seinen unstillbaren Schmerz hervorrief – genauso wie der verletzte Wal an die Küste schwimmt.“ – Die Feenkönigin.
„Riesig wie Wale – deren gewaltige Körper selbst in ruhiger See das Meer zum Kochen bringen können.“ – Sir William Davenant, Vorwort zu Gondibert.
„Was Spermacetti eigentlich ist, könnte man zu Recht in Frage stellen; denn der gelehrte Hosmannus sagt in seinem dreißigjährigen Werk ausdrücklich: ‚Nescio quid sit.‘“ – Sir T. Browne, Über Sperma Ceti und den Wal, der Sperma Ceti produziert. Siehe seine Schriften.
„Wie Spencers Talus mit seinem modernen Knüppel droht er mit Zerstörung durch seinen massiven Schwanz. … In seiner Seite tragen sie ihre Pfeile – auf seinem Rücken erscheint ein Wald aus Speeren.“ – Wallers „Schlacht auf den Sommerinseln“.
„Durch Kunst entstand jener große Leviathan, der als Gemeinschaft oder Staat bezeichnet wird – (auf Lateinisch: Civitas) –, der im Grunde nur ein künstlicher Mensch ist.“ – Erste Zeile von Hobbes’ „Leviathan“.
„Der dumme Mansoul schluckte es, ohne es zu kauen – als wäre es ein Hering im Maul eines Wals.“ – „Pilgrim’s Progress“.
„Jenes Meeresungeheuer, der Leviathan – den Gott von all seinen Schöpfungen als größtes Wesen geschaffen hat, das in den Ozeanströmungen schwimmt.“ – „Paradise Lost“.
„Das Beste auf der Welt ist Spermacetti gegen innere Prellungen.“ – König Heinrich.
„Sehr ähnlich einem Wal.“ – Hamlet.
„Um das zu erreichen, nützt keine Fähigkeit der Heilkunst etwas; man muss zurückkehren zu demjenigen, der die Wunde verursacht hat – jenem, der mit seinem Pfeil seine Brust traf und so seinen unstillbaren Schmerz hervorrief – genauso wie der verletzte Wal an die Küste schwimmt.“ – Die Feenkönigin.
„Riesig wie Wale – deren gewaltige Körper selbst in ruhiger See das Meer zum Kochen bringen können.“ – Sir William Davenant, Vorwort zu Gondibert.
„Was Spermacetti eigentlich ist, könnte man zu Recht in Frage stellen; denn der gelehrte Hosmannus sagt in seinem dreißigjährigen Werk ausdrücklich: ‚Nescio quid sit.‘“ – Sir T. Browne, Über Sperma Ceti und den Wal, der Sperma Ceti produziert. Siehe seine Schriften.
„Wie Spencers Talus mit seinem modernen Knüppel droht er mit Zerstörung durch seinen massiven Schwanz. … In seiner Seite tragen sie ihre Pfeile – auf seinem Rücken erscheint ein Wald aus Speeren.“ – Wallers „Schlacht auf den Sommerinseln“.
„Durch Kunst entstand jener große Leviathan, der als Gemeinschaft oder Staat bezeichnet wird – (auf Lateinisch: Civitas) –, der im Grunde nur ein künstlicher Mensch ist.“ – Erste Zeile von Hobbes’ „Leviathan“.
„Der dumme Mansoul schluckte es, ohne es zu kauen – als wäre es ein Hering im Maul eines Wals.“ – „Pilgrim’s Progress“.
„Jenes Meeresungeheuer, der Leviathan – den Gott von all seinen Schöpfungen als größtes Wesen geschaffen hat, das in den Ozeanströmungen schwimmt.“ – „Paradise Lost“.
Page 18
„Da liegt der Leviathan,
das größte der Lebewesen – tief im Meer,
ausgestreckt wie ein Vorsprung, schläft oder schwimmt dort,
und wirkt wie ein bewegliches Land. An seinen Kiemen saugt er Wasser auf und durch seine Atemöffnungen spuckt er es wieder aus.“ – Ebd.
„Die mächtigen Wale, die in einem Meer aus Wasser schwimmen, haben in sich selbst ein Meer aus Öl.“ – Fuller’s Profane and Holy State.
„Ganz in der Nähe eines Vorsprungs lauert der riesige Leviathan, um seine Beute zu fangen; er lässt keine Chance zu und verschlingt einfach die Jungtiere, die durch ihre weit geöffneten Mäuler den Weg nicht erkennen können.“ – Dryden’s Annus Mirabilis.
„Während der Wal am Heck des Schiffes treibt, schneiden sie ihm den Kopf ab und ziehen ihn mit einem Boot so nah an das Ufer wie möglich heran – doch er läuft bereits in zwölf bis dreizehn Fuß Tiefe auf Grund.“ – Thomas Edge’s Ten Voyages to Spitzbergen, in Purchas.
„Auf ihrem Weg sahen sie viele Wale, die im Ozean herumschwammen und durch ihre Öffnungen im Körper das Wasser aufwirbelten – Öffnungen, die die Natur an ihren Schultern platziert hat.“ – Sir T. Herbert’s Voyages into Asia and Africa. Harris Coll.
„Hier sahen sie solch riesige Schwärme von Walen, dass sie vorsichtig vorgehen mussten, aus Angst, ihr Schiff könnte gegen sie prallen.“ – Schouten’s Sixth Circumnavigation.
„Wir segelten von der Elbe aus, mit Wind aus Nordost, auf dem Schiff namens The Jonas-in-the-Whale… Manche behaupten, der Wal könne seinen Mund nicht öffnen – aber das ist eine Legende… Sie klettern oft auf die Masten, um zu sehen, ob sie einen Wal entdecken können; der Erste, der einen Wal entdeckt, erhält einen Dukaten als Belohnung… Mir wurde von einem Wal erzählt, der in der Nähe der Shetlandinseln gefangen wurde – in seinem Bauch befanden sich mehr als ein Fass Heringe… Einer unserer Harpunenwerfer sagte mir, er habe einmal in Spitzbergen einen Wal gefangen, der ganz weiß war.“ – A Voyage to Greenland, A.D. 1671. Harris Coll.
„Im Jahr 1652 kamen mehrere Wale an diese Küste (Fife). Einer davon war 80 Fuß lang und gehörte zur Art der Walknochenwale; er lieferte, wie ich erfahren habe, neben einer großen Menge Öl auch 500 Pfund Barten.“
das größte der Lebewesen – tief im Meer,
ausgestreckt wie ein Vorsprung, schläft oder schwimmt dort,
und wirkt wie ein bewegliches Land. An seinen Kiemen saugt er Wasser auf und durch seine Atemöffnungen spuckt er es wieder aus.“ – Ebd.
„Die mächtigen Wale, die in einem Meer aus Wasser schwimmen, haben in sich selbst ein Meer aus Öl.“ – Fuller’s Profane and Holy State.
„Ganz in der Nähe eines Vorsprungs lauert der riesige Leviathan, um seine Beute zu fangen; er lässt keine Chance zu und verschlingt einfach die Jungtiere, die durch ihre weit geöffneten Mäuler den Weg nicht erkennen können.“ – Dryden’s Annus Mirabilis.
„Während der Wal am Heck des Schiffes treibt, schneiden sie ihm den Kopf ab und ziehen ihn mit einem Boot so nah an das Ufer wie möglich heran – doch er läuft bereits in zwölf bis dreizehn Fuß Tiefe auf Grund.“ – Thomas Edge’s Ten Voyages to Spitzbergen, in Purchas.
„Auf ihrem Weg sahen sie viele Wale, die im Ozean herumschwammen und durch ihre Öffnungen im Körper das Wasser aufwirbelten – Öffnungen, die die Natur an ihren Schultern platziert hat.“ – Sir T. Herbert’s Voyages into Asia and Africa. Harris Coll.
„Hier sahen sie solch riesige Schwärme von Walen, dass sie vorsichtig vorgehen mussten, aus Angst, ihr Schiff könnte gegen sie prallen.“ – Schouten’s Sixth Circumnavigation.
„Wir segelten von der Elbe aus, mit Wind aus Nordost, auf dem Schiff namens The Jonas-in-the-Whale… Manche behaupten, der Wal könne seinen Mund nicht öffnen – aber das ist eine Legende… Sie klettern oft auf die Masten, um zu sehen, ob sie einen Wal entdecken können; der Erste, der einen Wal entdeckt, erhält einen Dukaten als Belohnung… Mir wurde von einem Wal erzählt, der in der Nähe der Shetlandinseln gefangen wurde – in seinem Bauch befanden sich mehr als ein Fass Heringe… Einer unserer Harpunenwerfer sagte mir, er habe einmal in Spitzbergen einen Wal gefangen, der ganz weiß war.“ – A Voyage to Greenland, A.D. 1671. Harris Coll.
„Im Jahr 1652 kamen mehrere Wale an diese Küste (Fife). Einer davon war 80 Fuß lang und gehörte zur Art der Walknochenwale; er lieferte, wie ich erfahren habe, neben einer großen Menge Öl auch 500 Pfund Barten.“
Page 19
„Seine Kiefer stellen ein Tor im Garten von Pitferren dar.“ – Sibbalds Fife and Kinross.
„Ich habe zugestimmt, zu versuchen, ob ich diesen Sperma-ceti-Wal beherrschen und töten kann – denn ich habe noch nie von einem solchen Wal gehört, der von einem Menschen getötet wurde; seine Wildheit und Schnelligkeit sind einfach unermesslich.“ – Richard Straffords Brief aus den Bermudas. Phil. Trans. A.D. 1668.
„Die Wale im Meer gehorchen der Stimme Gottes.“ – N. E. Primer.
„Wir sahen auch viele große Wale – in diesen südlichen Meeren gibt es, sozusagen, hundertmal mehr davon als nördlich von uns.“ – Captain Cowleys Reise um die Welt, A.D. 1729.
„… und der Atem des Wals geht oft mit einem unerträglichen Gestank einher, der sogar zu Gehirnstörungen führen kann.“ – Ulloas Südamerika.
„Fünfzig ausgewählten, besonderen Wesen übertragen wir die wichtige Aufgabe, die Röcke zu tragen. Oft haben wir gesehen, dass diese ‚Siebenfach-Barriere‘ versagt – obwohl sie mit Ringen gefüllt und mit Walrippen ausgestattet ist.“ – Rape of the Lock.
„Wenn wir Landtiere in Bezug auf ihre Größe mit denen vergleichen, die in den Tiefen des Meeres leben, dann erweisen sich die Landtiere im Vergleich als lächerlich klein. Der Wal ist zweifellos das größte Tier in der Schöpfung.“ – Goldsmith, Nat. Hist.
„Wenn man eine Fabel für kleine Fische schreiben würde, würde man sie so darstellen, als würden sie wie große Wale sprechen.“ – Goldsmith an Johnson.
„Am Nachmittag sahen wir etwas, das für einen Felsen gehalten wurde – doch es handelte sich um einen toten Wal, den einige Asiaten getötet hatten und nun an Land ziehen wollten. Sie versuchten offenbar, sich hinter dem Wal zu verstecken, um nicht von uns gesehen zu werden.“ – Cooks Reisen.
„Die größeren Wale wagen sie selten anzugreifen. Sie fürchten einige dieser Wale so sehr, dass sie auf See sogar Angst haben, deren Namen auszusprechen. Deshalb bringen sie Dung, Kalkstein, Zypressenholz sowie andere ähnliche Gegenstände in ihren Booten mit, um die Wale abzuschrecken und zu verhindern, dass sie zu nahe kommen.“ – Uno Von Troils Briefe über Banks’ und Solanders Reise nach Island im Jahr 1772.
„Ich habe zugestimmt, zu versuchen, ob ich diesen Sperma-ceti-Wal beherrschen und töten kann – denn ich habe noch nie von einem solchen Wal gehört, der von einem Menschen getötet wurde; seine Wildheit und Schnelligkeit sind einfach unermesslich.“ – Richard Straffords Brief aus den Bermudas. Phil. Trans. A.D. 1668.
„Die Wale im Meer gehorchen der Stimme Gottes.“ – N. E. Primer.
„Wir sahen auch viele große Wale – in diesen südlichen Meeren gibt es, sozusagen, hundertmal mehr davon als nördlich von uns.“ – Captain Cowleys Reise um die Welt, A.D. 1729.
„… und der Atem des Wals geht oft mit einem unerträglichen Gestank einher, der sogar zu Gehirnstörungen führen kann.“ – Ulloas Südamerika.
„Fünfzig ausgewählten, besonderen Wesen übertragen wir die wichtige Aufgabe, die Röcke zu tragen. Oft haben wir gesehen, dass diese ‚Siebenfach-Barriere‘ versagt – obwohl sie mit Ringen gefüllt und mit Walrippen ausgestattet ist.“ – Rape of the Lock.
„Wenn wir Landtiere in Bezug auf ihre Größe mit denen vergleichen, die in den Tiefen des Meeres leben, dann erweisen sich die Landtiere im Vergleich als lächerlich klein. Der Wal ist zweifellos das größte Tier in der Schöpfung.“ – Goldsmith, Nat. Hist.
„Wenn man eine Fabel für kleine Fische schreiben würde, würde man sie so darstellen, als würden sie wie große Wale sprechen.“ – Goldsmith an Johnson.
„Am Nachmittag sahen wir etwas, das für einen Felsen gehalten wurde – doch es handelte sich um einen toten Wal, den einige Asiaten getötet hatten und nun an Land ziehen wollten. Sie versuchten offenbar, sich hinter dem Wal zu verstecken, um nicht von uns gesehen zu werden.“ – Cooks Reisen.
„Die größeren Wale wagen sie selten anzugreifen. Sie fürchten einige dieser Wale so sehr, dass sie auf See sogar Angst haben, deren Namen auszusprechen. Deshalb bringen sie Dung, Kalkstein, Zypressenholz sowie andere ähnliche Gegenstände in ihren Booten mit, um die Wale abzuschrecken und zu verhindern, dass sie zu nahe kommen.“ – Uno Von Troils Briefe über Banks’ und Solanders Reise nach Island im Jahr 1772.
Page 20
„Der Spermacetti-Wal, den die Bewohner von Nantucket entdeckten, ist ein aktives, wildes Tier – es erfordert von den Fischern große Geschicklichkeit und Mut.“ – Thomas Jeffersons Gedenkstein für Wale an den französischen Minister im Jahr 1778.
„Und bitte, Sir – was auf der Welt kann mit ihm verglichen werden?“ – Edmund Burkes Bemerkung im Parlament bezüglich der Walfangerei auf Nantucket.
„Spanien – ein großer Wal, der an den Ufern Europas gestrandet ist.“ – Edmund Burke. (Irgendwo.)
„Ein zehnter Bestandteil der regulären Einnahmen des Königs, der auf seiner Aufgabe beruht, die Meere vor Piraten und Räubern zu schützen, ist das Recht auf königliche Fische – nämlich Wale und Stör. Diese gehören dem König, wenn sie ans Ufer geworfen oder in Küstennähe gefangen werden.“ – Blackstone.
„Bald schon begeben sich die Besatzungen auf dieses „Spiel des Todes“: Rodmond hängt die stachelige Stahlklinge über seinen Kopf – bei jeder Bewegung wird sie eingesetzt.“ – Falconers „Shipwreck“.
„Die Dächer, Kuppeln und Türme strahlten hell; Raketen wurden automatisch abgeschossen, um ihr flüchtiges Licht um die Höhlung des Himmels zu verbreiten.“
„Feuer kann man mit Wasser vergleichen – das Meer dient dazu, Feuer in die Luft zu sprühen, um unbeschreibliche Freude auszudrücken.“ – Cowper, über den Besuch der Königin in London.
„Zehn bis fünfzehn Gallonen Blut werden bei jedem Schlag mit enormer Geschwindigkeit aus dem Herzen herausgeschleudert.“ – John Hunters Beschreibung der Obduktion eines Wals (eines kleinen Wals).
„Die Aorta eines Wals ist im Durchmesser größer als die Hauptleitung der Wasserversorgung in London Bridge – das Wasser, das durch diese Leitung strömt, hat weniger Druck und Geschwindigkeit als das Blut, das aus dem Herzen des Wals spritzt.“ – Paleys Theologie.
„Und bitte, Sir – was auf der Welt kann mit ihm verglichen werden?“ – Edmund Burkes Bemerkung im Parlament bezüglich der Walfangerei auf Nantucket.
„Spanien – ein großer Wal, der an den Ufern Europas gestrandet ist.“ – Edmund Burke. (Irgendwo.)
„Ein zehnter Bestandteil der regulären Einnahmen des Königs, der auf seiner Aufgabe beruht, die Meere vor Piraten und Räubern zu schützen, ist das Recht auf königliche Fische – nämlich Wale und Stör. Diese gehören dem König, wenn sie ans Ufer geworfen oder in Küstennähe gefangen werden.“ – Blackstone.
„Bald schon begeben sich die Besatzungen auf dieses „Spiel des Todes“: Rodmond hängt die stachelige Stahlklinge über seinen Kopf – bei jeder Bewegung wird sie eingesetzt.“ – Falconers „Shipwreck“.
„Die Dächer, Kuppeln und Türme strahlten hell; Raketen wurden automatisch abgeschossen, um ihr flüchtiges Licht um die Höhlung des Himmels zu verbreiten.“
„Feuer kann man mit Wasser vergleichen – das Meer dient dazu, Feuer in die Luft zu sprühen, um unbeschreibliche Freude auszudrücken.“ – Cowper, über den Besuch der Königin in London.
„Zehn bis fünfzehn Gallonen Blut werden bei jedem Schlag mit enormer Geschwindigkeit aus dem Herzen herausgeschleudert.“ – John Hunters Beschreibung der Obduktion eines Wals (eines kleinen Wals).
„Die Aorta eines Wals ist im Durchmesser größer als die Hauptleitung der Wasserversorgung in London Bridge – das Wasser, das durch diese Leitung strömt, hat weniger Druck und Geschwindigkeit als das Blut, das aus dem Herzen des Wals spritzt.“ – Paleys Theologie.
Page 21
„Der Wal ist ein Säugetier ohne Hinterbeine.“ – Baron Cuvier.
„Bei 40 Grad Süd sahen wir Spermacetiwale, nahmen aber keinen gefangen, bis zum 1. Mai – zu dieser Zeit war das Meer von ihnen bedeckt.“ – Colnetts Reise mit dem Ziel, die Fischerei nach Spermacetiwalen auszuweiten.
„Im freien Wasser unter mir schwammen, tauchten und spielten Fische jeder Farbe, Form und Art; solche, die keine Sprache beschreiben kann, und die kein Seemann je gesehen hatte – vom schrecklichen Leviathan bis hin zu Millionen von Insekten, die jede Welle bevölkerten. Sie sammelten sich in riesigen Schwärmen, wie schwebende Inseln, und wurden von geheimnisvollen Instinkten durch diese weite, unerforschte Gegend geführt – obwohl sie von allen Seiten von gierigen Feinden angegriffen wurden: Walen, Haien und Monstern, ausgestattet mit Schwertern, Sägen, spiralförmigen Hörnern oder gehackten Fangzähnen.“ – Montgomerys Welt vor der Sintflut.
„Io! Paean! Io! Singt dem König der Fischwelt. Es gibt keinen mächtigeren Wal im weiten Atlantik als ihn; keinen fetteren Fisch als ihn, der um das Polarmeer schwimmt.“ – Charles Lams Triumph des Wals.
„Im Jahr 1690 beobachteten einige Menschen von einem hohen Hügel aus, wie die Wale spritzten und miteinander spielten. Da sagte einer: Dort – er zeigte auf das Meer – gibt es eine grüne Weide, auf der die Enkelkinder unserer Kinder Brot suchen werden.“ – Obed Maces Geschichte von Nantucket.
„Ich baute ein Häuschen für Susan und mich und errichtete ein Tor in Form eines gotischen Bogens, indem ich Kieferknochen eines Wals verwendete.“ – Hawthornes Zweimal erzählte Geschichten.
„Sie kam, um um ein Denkmal für ihre erste Liebe zu bitten – jemanden, der vor nicht weniger als vierzig Jahren im Pazifischen Ozean von einem Wal getötet wurde.“ – Ebd.
„Bei 40 Grad Süd sahen wir Spermacetiwale, nahmen aber keinen gefangen, bis zum 1. Mai – zu dieser Zeit war das Meer von ihnen bedeckt.“ – Colnetts Reise mit dem Ziel, die Fischerei nach Spermacetiwalen auszuweiten.
„Im freien Wasser unter mir schwammen, tauchten und spielten Fische jeder Farbe, Form und Art; solche, die keine Sprache beschreiben kann, und die kein Seemann je gesehen hatte – vom schrecklichen Leviathan bis hin zu Millionen von Insekten, die jede Welle bevölkerten. Sie sammelten sich in riesigen Schwärmen, wie schwebende Inseln, und wurden von geheimnisvollen Instinkten durch diese weite, unerforschte Gegend geführt – obwohl sie von allen Seiten von gierigen Feinden angegriffen wurden: Walen, Haien und Monstern, ausgestattet mit Schwertern, Sägen, spiralförmigen Hörnern oder gehackten Fangzähnen.“ – Montgomerys Welt vor der Sintflut.
„Io! Paean! Io! Singt dem König der Fischwelt. Es gibt keinen mächtigeren Wal im weiten Atlantik als ihn; keinen fetteren Fisch als ihn, der um das Polarmeer schwimmt.“ – Charles Lams Triumph des Wals.
„Im Jahr 1690 beobachteten einige Menschen von einem hohen Hügel aus, wie die Wale spritzten und miteinander spielten. Da sagte einer: Dort – er zeigte auf das Meer – gibt es eine grüne Weide, auf der die Enkelkinder unserer Kinder Brot suchen werden.“ – Obed Maces Geschichte von Nantucket.
„Ich baute ein Häuschen für Susan und mich und errichtete ein Tor in Form eines gotischen Bogens, indem ich Kieferknochen eines Wals verwendete.“ – Hawthornes Zweimal erzählte Geschichten.
„Sie kam, um um ein Denkmal für ihre erste Liebe zu bitten – jemanden, der vor nicht weniger als vierzig Jahren im Pazifischen Ozean von einem Wal getötet wurde.“ – Ebd.
Page 22
„Nein, Sir – es handelt sich um einen Pottwal“, antwortete Tom. „Ich habe seinen Schwanz gesehen; er spuckte ein Paar wunderschöner Regenbögen aus, wie man sie sich nur wünschen kann. Das ist wirklich ein schrecklicher Kerl!“ – Cooper’s Pilot.
„Die Zeitungen wurden gebracht, und in der Berliner Gazette lasen wir, dass Wale dort auf die Bühne gebracht worden waren.“ – Eckermanns Gespräche mit Goethe.
„Mein Gott! Herr Chace, was ist passiert?“ Ich antwortete: „Wir wurden von einem Wal angegriffen.“ – „Bericht über den Untergang des Walfangs Schiffes Essex von Nantucket, das im Pazifischen Ozean von einem großen Spermawal angegriffen und schließlich zerstört wurde.“ Von Owen Chace aus Nantucket, Erster Offizier dieses Schiffes. New York, 1821.
„Eines Nachts saß ein Seemann in den Takeln. Der Wind wehte stark. Das Mondlicht war mal hell, mal schwach, und das Phosphoreszieren war im Kielwasser des Wals zu sehen, während dieser im Meer umherstrampelte.“ – Elizabeth Oakes Smith.
„Die Menge an Seil, die von den Booten, die damit beschäftigt waren, diesen Wal zu fangen, verwendet wurde, betrug insgesamt 10.440 Yards – das sind fast sechs englische Meilen...“
„Manchmal schüttelt der Wal seinen riesigen Schwanz in die Luft; dabei entsteht ein Geräusch, das wie ein Peitschenknall klingt und bis zu drei oder vier Meilen weit zu hören ist.“ – Scoresby.
„Von den Qualen, die er durch diese Angriffe erleidet, verrückt geworden, wälzt sich der wütende Spermawal immer wieder hin und her. Er hebt seinen riesigen Kopf und schnappt mit weit geöffnetem Maul nach allem um sich herum. Er stürmt mit seinem Kopf auf die Boote zu; diese werden mit großer Geschwindigkeit vor ihm weggeschleudert – manchmal sogar völlig zerstört... Es ist erstaunlich, dass bei Betrachtung der Gewohnheiten eines so interessanten und aus kommerzieller Sicht so wichtigen Tieres (wie des Spermawals) völlig vernachlässigt wurde – oder dass es bei den zahlreichen, und viele davon sehr kompetenten Beobachtern so wenig Neugierde hervorgerufen hat. In den letzten Jahren hätten sie doch die besten und günstigsten Möglichkeiten gehabt, etwas darüber herauszufinden.“
„Die Zeitungen wurden gebracht, und in der Berliner Gazette lasen wir, dass Wale dort auf die Bühne gebracht worden waren.“ – Eckermanns Gespräche mit Goethe.
„Mein Gott! Herr Chace, was ist passiert?“ Ich antwortete: „Wir wurden von einem Wal angegriffen.“ – „Bericht über den Untergang des Walfangs Schiffes Essex von Nantucket, das im Pazifischen Ozean von einem großen Spermawal angegriffen und schließlich zerstört wurde.“ Von Owen Chace aus Nantucket, Erster Offizier dieses Schiffes. New York, 1821.
„Eines Nachts saß ein Seemann in den Takeln. Der Wind wehte stark. Das Mondlicht war mal hell, mal schwach, und das Phosphoreszieren war im Kielwasser des Wals zu sehen, während dieser im Meer umherstrampelte.“ – Elizabeth Oakes Smith.
„Die Menge an Seil, die von den Booten, die damit beschäftigt waren, diesen Wal zu fangen, verwendet wurde, betrug insgesamt 10.440 Yards – das sind fast sechs englische Meilen...“
„Manchmal schüttelt der Wal seinen riesigen Schwanz in die Luft; dabei entsteht ein Geräusch, das wie ein Peitschenknall klingt und bis zu drei oder vier Meilen weit zu hören ist.“ – Scoresby.
„Von den Qualen, die er durch diese Angriffe erleidet, verrückt geworden, wälzt sich der wütende Spermawal immer wieder hin und her. Er hebt seinen riesigen Kopf und schnappt mit weit geöffnetem Maul nach allem um sich herum. Er stürmt mit seinem Kopf auf die Boote zu; diese werden mit großer Geschwindigkeit vor ihm weggeschleudert – manchmal sogar völlig zerstört... Es ist erstaunlich, dass bei Betrachtung der Gewohnheiten eines so interessanten und aus kommerzieller Sicht so wichtigen Tieres (wie des Spermawals) völlig vernachlässigt wurde – oder dass es bei den zahlreichen, und viele davon sehr kompetenten Beobachtern so wenig Neugierde hervorgerufen hat. In den letzten Jahren hätten sie doch die besten und günstigsten Möglichkeiten gehabt, etwas darüber herauszufinden.“
Page 23
„Man beobachtet ihre Gewohnheiten.“ – Thomas Beales Geschichte des Spermwalms, 1839.
„Der Cachalot ist nicht nur besser bewaffnet als der echte Wal (Grönlandwal oder Pottwal), da er an beiden Enden seines Körpers eine gefährliche Waffe besitzt, sondern zeigt auch häufig die Neigung, diese Waffen offensiv einzusetzen – auf eine Weise, die zugleich raffiniert, kühn und listig ist – wodurch er als die gefährlichste aller bekannten Walarten angesehen wird.“ – Frederick Debell Bennetts Walfahrten um die Welt, 1840.
13. Oktober: „Da bläst sie!“, wurde vom Mastkopf heruntergerufen.
„Wo genau?“, fragte der Kapitän.
„Drei Punkte hinter dem Bug, Sir.“
„Heben Sie das Ruder an. Gleichmäßig!“ „Gleichmäßig, Sir.“
„Mastkopf! Sehen Sie den Wal jetzt?“
„Ja, Sir! Eine Gruppe von Spermwalen! Da bläst sie! Da taucht sie auf!“
„Rufen Sie es jedes Mal aus!“
„Ja, Sir! Da bläst sie! Da – da – da bläst sie – Bug – Bo-o-os!“
„Wie weit entfernt?“
„Zwei Meilen und eine halbe.“
„Donner und Blitz! So nah! Rufen Sie alle Mann zusammen.“ – J. Ross Brownes Zeichnungen einer Walfahrt, 1846.
„Das Walfangschiff Globe, an Bord dessen sich die schrecklichen Vorfälle ereigneten, denen wir nun nachgehen wollen, gehörte zur Insel Nantucket.“ – „Bericht über den Meuterei auf der Globe“, von den Überlebenden Lay und Hussey, 1828.
Einst wurde er von einem Wal verfolgt, den er verletzt hatte. Er wehrte den Angriff eine Weile mit einer Lanze ab; doch das wütende Ungeheuer stürmte schließlich auf das Boot zu. Er selbst sowie seine Kameraden konnten nur gerettet werden, indem sie ins Wasser sprangen, als sie sahen, dass der Angriff unvermeidlich war. – Missionarsjournal von Tyerman und Bennett.
„Nantucket selbst“, sagte Herr Webster, „ist ein sehr bemerkenswertes und besonderes Stück des nationalen Interesses. Hier leben acht- oder neuntausend Menschen, die zum großen Teil jedes Jahr dazu beitragen…“
„Der Cachalot ist nicht nur besser bewaffnet als der echte Wal (Grönlandwal oder Pottwal), da er an beiden Enden seines Körpers eine gefährliche Waffe besitzt, sondern zeigt auch häufig die Neigung, diese Waffen offensiv einzusetzen – auf eine Weise, die zugleich raffiniert, kühn und listig ist – wodurch er als die gefährlichste aller bekannten Walarten angesehen wird.“ – Frederick Debell Bennetts Walfahrten um die Welt, 1840.
13. Oktober: „Da bläst sie!“, wurde vom Mastkopf heruntergerufen.
„Wo genau?“, fragte der Kapitän.
„Drei Punkte hinter dem Bug, Sir.“
„Heben Sie das Ruder an. Gleichmäßig!“ „Gleichmäßig, Sir.“
„Mastkopf! Sehen Sie den Wal jetzt?“
„Ja, Sir! Eine Gruppe von Spermwalen! Da bläst sie! Da taucht sie auf!“
„Rufen Sie es jedes Mal aus!“
„Ja, Sir! Da bläst sie! Da – da – da bläst sie – Bug – Bo-o-os!“
„Wie weit entfernt?“
„Zwei Meilen und eine halbe.“
„Donner und Blitz! So nah! Rufen Sie alle Mann zusammen.“ – J. Ross Brownes Zeichnungen einer Walfahrt, 1846.
„Das Walfangschiff Globe, an Bord dessen sich die schrecklichen Vorfälle ereigneten, denen wir nun nachgehen wollen, gehörte zur Insel Nantucket.“ – „Bericht über den Meuterei auf der Globe“, von den Überlebenden Lay und Hussey, 1828.
Einst wurde er von einem Wal verfolgt, den er verletzt hatte. Er wehrte den Angriff eine Weile mit einer Lanze ab; doch das wütende Ungeheuer stürmte schließlich auf das Boot zu. Er selbst sowie seine Kameraden konnten nur gerettet werden, indem sie ins Wasser sprangen, als sie sahen, dass der Angriff unvermeidlich war. – Missionarsjournal von Tyerman und Bennett.
„Nantucket selbst“, sagte Herr Webster, „ist ein sehr bemerkenswertes und besonderes Stück des nationalen Interesses. Hier leben acht- oder neuntausend Menschen, die zum großen Teil jedes Jahr dazu beitragen…“
Page 24
„Nationale Reichtümer durch die kühnste und ausdauerndste Industrie.“ – Bericht über die Rede von Daniel Webster im US-Senat bezüglich des Antrags auf Errichtung eines Wellenbrechers auf Nantucket. 1828.
„Der Wal fiel direkt auf ihn herab und tötete ihn vermutlich in einem Augenblick.“ – „Der Wal und seine Jäger, oder Die Abenteuer des Walfängers und die Biografie des Walbes, gesammelt während der Heimreise von Kommodore Preble.“ Von Reverend Henry T. Cheever.
„Wenn du auch nur den geringsten Lärm machst“, antwortete Samuel, „werde ich dich in die Hölle schicken.“ – Leben von Samuel Comstock (dem Meuterer), von seinem Bruder William Comstock. Eine weitere Version der Erzählung über das Walfangschiff Globe.
„Die Fahrten der Holländer und Engländer in den Nordatlantik, mit dem Ziel, möglichst einen Weg dorthin nach Indien zu finden – obwohl sie ihr Hauptziel nicht erreichten – öffneten den Weg zu den Aufenthaltsorten der Wale.“ – McCullochs Handelslexikon.
„Diese Dinge sind gegenseitig verbunden; der Ball prallt ab und springt anschließend wieder vorwärts; denn indem die Walfänger die Aufenthaltsorte der Wale entdeckten, scheinen sie indirekt neue Hinweise auf jenen geheimnisvollen Nordwest-Pass gefunden zu haben.“ – Aus „Something“, unveröffentlicht.
„Es ist unmöglich, auf dem Ozean ein Walfangschiff zu begegnen, ohne von seinem beeindruckenden Anblick beeindruckt zu werden. Das Schiff unter reduzierter Segelfläche, mit Beobachtern auf den Mastspitzen, die die weite Umgebung genau beobachten, hat eine völlig andere Atmosphäre als Schiffe, die auf regulären Reisen unterwegs sind.“ – Currents and Whaling. U.S. Ex. Ex.
„Fußgänger in der Umgebung Londons und anderswo erinnern sich vielleicht daran, große, gebogene Knochen im Boden stehen gesehen zu haben – entweder zur Bildung von Bögen über Eingängen oder zur Gestaltung von Nischen – und ihnen wurde vielleicht gesagt, dass es sich dabei um Walflossen handelt.“ – Geschichten eines Walfängers im Arktischen Ozean.
„Erst als die Boote von der Verfolgung dieser Wale zurückkehrten, sahen die Weißen, dass ihr Schiff in blutiger Hand der Wilden war, die zur Besatzung gehörten.“ – Zeitungsbericht über die Eroberung und Rückeroberung des Walfangschiffs Hobomack.
„Es ist allgemein bekannt, dass von den Besatzungen der Walfangschiffe (amerikanischer Herkunft) nur wenige jemals auf denselben Schiffen zurückkehren, mit denen sie aufgebrochen waren.“ – Kreuzfahrt in einem Walfangboot.
„Der Wal fiel direkt auf ihn herab und tötete ihn vermutlich in einem Augenblick.“ – „Der Wal und seine Jäger, oder Die Abenteuer des Walfängers und die Biografie des Walbes, gesammelt während der Heimreise von Kommodore Preble.“ Von Reverend Henry T. Cheever.
„Wenn du auch nur den geringsten Lärm machst“, antwortete Samuel, „werde ich dich in die Hölle schicken.“ – Leben von Samuel Comstock (dem Meuterer), von seinem Bruder William Comstock. Eine weitere Version der Erzählung über das Walfangschiff Globe.
„Die Fahrten der Holländer und Engländer in den Nordatlantik, mit dem Ziel, möglichst einen Weg dorthin nach Indien zu finden – obwohl sie ihr Hauptziel nicht erreichten – öffneten den Weg zu den Aufenthaltsorten der Wale.“ – McCullochs Handelslexikon.
„Diese Dinge sind gegenseitig verbunden; der Ball prallt ab und springt anschließend wieder vorwärts; denn indem die Walfänger die Aufenthaltsorte der Wale entdeckten, scheinen sie indirekt neue Hinweise auf jenen geheimnisvollen Nordwest-Pass gefunden zu haben.“ – Aus „Something“, unveröffentlicht.
„Es ist unmöglich, auf dem Ozean ein Walfangschiff zu begegnen, ohne von seinem beeindruckenden Anblick beeindruckt zu werden. Das Schiff unter reduzierter Segelfläche, mit Beobachtern auf den Mastspitzen, die die weite Umgebung genau beobachten, hat eine völlig andere Atmosphäre als Schiffe, die auf regulären Reisen unterwegs sind.“ – Currents and Whaling. U.S. Ex. Ex.
„Fußgänger in der Umgebung Londons und anderswo erinnern sich vielleicht daran, große, gebogene Knochen im Boden stehen gesehen zu haben – entweder zur Bildung von Bögen über Eingängen oder zur Gestaltung von Nischen – und ihnen wurde vielleicht gesagt, dass es sich dabei um Walflossen handelt.“ – Geschichten eines Walfängers im Arktischen Ozean.
„Erst als die Boote von der Verfolgung dieser Wale zurückkehrten, sahen die Weißen, dass ihr Schiff in blutiger Hand der Wilden war, die zur Besatzung gehörten.“ – Zeitungsbericht über die Eroberung und Rückeroberung des Walfangschiffs Hobomack.
„Es ist allgemein bekannt, dass von den Besatzungen der Walfangschiffe (amerikanischer Herkunft) nur wenige jemals auf denselben Schiffen zurückkehren, mit denen sie aufgebrochen waren.“ – Kreuzfahrt in einem Walfangboot.
Page 25
„Plötzlich tauchte eine mächtige Masse aus dem Wasser auf und schoss senkrecht in die Luft – es war der Wal.“ – Miriam Coffin oder der Walfänger.
„Der Wal wurde sicherlich mit einer Harpune getroffen; aber denken Sie nur daran, wie man mit einem kräftigen, ungebändigten Pferd umgehen würde, wenn man nur ein Seil an die Wurzel seines Schwanzes bindet.“ – Ein Kapitel über die Walfangerei in „Ribs and Trucks“.
„Einmal sah ich zwei dieser Monster (Wale) – vermutlich Männchen und Weibchen –, wie sie langsam, nacheinander, in weniger als Wurfweite der Küste schwammen“ (Terra Del Fuego); „über der die Buche ihre Äste ausstreckte.“ – Darwins Reise eines Naturforschers.
„‚Nach hinten, alle!‘ rief der Matrose, als er beim Umdrehen des Kopfes die geöffneten Kiefer eines großen Spermawals in der Nähe des Bootes sah, der es mit sofortiger Zerstörung bedrohte; ‚Nach hinten, um euer Leben zu retten!‘“ – Wharton, der Walfänger.
„Seid also fröhlich, meine Jungs – lasst eure Herzen niemals versagen, solange der mutige Harpunenschütze den Wal angreift!“ – Nantucket-Lied.
„Oh, der seltenen alte Wal – mitten im Sturm und in der Böe – wird in seinem ozeanischen Zuhause ein Riese der Kraft sein, wo Kraft das Maß ist, und König des unermesslichen Meeres.“ – Walsong.
„Der Wal wurde sicherlich mit einer Harpune getroffen; aber denken Sie nur daran, wie man mit einem kräftigen, ungebändigten Pferd umgehen würde, wenn man nur ein Seil an die Wurzel seines Schwanzes bindet.“ – Ein Kapitel über die Walfangerei in „Ribs and Trucks“.
„Einmal sah ich zwei dieser Monster (Wale) – vermutlich Männchen und Weibchen –, wie sie langsam, nacheinander, in weniger als Wurfweite der Küste schwammen“ (Terra Del Fuego); „über der die Buche ihre Äste ausstreckte.“ – Darwins Reise eines Naturforschers.
„‚Nach hinten, alle!‘ rief der Matrose, als er beim Umdrehen des Kopfes die geöffneten Kiefer eines großen Spermawals in der Nähe des Bootes sah, der es mit sofortiger Zerstörung bedrohte; ‚Nach hinten, um euer Leben zu retten!‘“ – Wharton, der Walfänger.
„Seid also fröhlich, meine Jungs – lasst eure Herzen niemals versagen, solange der mutige Harpunenschütze den Wal angreift!“ – Nantucket-Lied.
„Oh, der seltenen alte Wal – mitten im Sturm und in der Böe – wird in seinem ozeanischen Zuhause ein Riese der Kraft sein, wo Kraft das Maß ist, und König des unermesslichen Meeres.“ – Walsong.
Page 26
KAPITEL 1. Drohungen.
Nennen Sie mich Ishmael. Vor einigen Jahren – es spielt keine Rolle, wie lange genau – hatte ich kaum Geld bei mir und nichts Besonderes, was mich an Land interessiert hätte. Deshalb beschloss ich, ein wenig zu segeln und die wasserreichen Teile der Welt zu sehen. Das ist meine Art, die Melancholie zu vertreiben und den Blutkreislauf in Ordnung zu bringen. Immer dann, wenn ich mich düster fühle; immer dann, wenn es in meiner Seele ein feuchter, nasser November ist; immer dann, wenn ich unwillkürlich vor Leichenhäusern innehalte und mir alle Beerdigungen, denen ich begegne, vorstelle; und besonders dann, wenn meine Depressionen so stark werden, dass ich einen starken moralischen Grundsatz brauche, um davon abzuhalten, absichtlich auf die Straße zu gehen und den Menschen systematisch ihre Hüte vom Kopf zu schlagen – dann halte ich es für an der Zeit, so schnell wie möglich aufs Meer hinauszufahren. Das ist meine Alternative zur Pistole und den Kugeln. Mit philosophischer Geste stürzt sich Cato auf sein Schwert; ich besteige stillschweigend das Schiff. Daran gibt es nichts Überraschendes. Wenn sie es nur wüssten: Fast alle Menschen in ihrer Situation hegen irgendwann einmal ähnliche Gefühle gegenüber dem Ozean wie ich.
Da ist nun Ihre Inselstadt Manhattan, von Docks umgeben – genauso wie indische Inseln von Korallenriffen. Der Handel umgibt sie wie Wellen. Links und rechts führen die Straßen zum Wasser. Der äußerste Stadtteil ist die Batterie – dort wird jener „edle“ Wall von Wellen umspült und von Brisen gekühlt, obwohl diese Brisen noch wenige Stunden zuvor außer Sichtweite des Landes waren. Schauen Sie sich die Menschenmengen an, die dort das Wasser betrachten.
Umrunden Sie die Stadt an einem traumhaften Sonntagnachmittag. Gehen Sie von Corlears Hook nach Coenties Slip und von dort aus über Whitehall nach Norden. Was sehen Sie? Überall in der Stadt stehen Tausende von Menschen, die in Meeresträumen versunken sind – manche lehnen an den Pfählen, manche sitzen auf den Pierenden, manche blicken über die Reling chinesischer Schiffe, wieder andere befinden sich hoch oben in den Takeln, als wollten sie noch besser aufs Meer blicken. Doch das sind alles Landbewohner – an Werktagen eingesperrt zwischen Brettern und Putz, an Theken gefesselt, an Bänken festgenagelt, an Schreibtischen gebunden. Wie kommt das? Sind die grünen Felder verschwunden? Was machen sie hier?
Nennen Sie mich Ishmael. Vor einigen Jahren – es spielt keine Rolle, wie lange genau – hatte ich kaum Geld bei mir und nichts Besonderes, was mich an Land interessiert hätte. Deshalb beschloss ich, ein wenig zu segeln und die wasserreichen Teile der Welt zu sehen. Das ist meine Art, die Melancholie zu vertreiben und den Blutkreislauf in Ordnung zu bringen. Immer dann, wenn ich mich düster fühle; immer dann, wenn es in meiner Seele ein feuchter, nasser November ist; immer dann, wenn ich unwillkürlich vor Leichenhäusern innehalte und mir alle Beerdigungen, denen ich begegne, vorstelle; und besonders dann, wenn meine Depressionen so stark werden, dass ich einen starken moralischen Grundsatz brauche, um davon abzuhalten, absichtlich auf die Straße zu gehen und den Menschen systematisch ihre Hüte vom Kopf zu schlagen – dann halte ich es für an der Zeit, so schnell wie möglich aufs Meer hinauszufahren. Das ist meine Alternative zur Pistole und den Kugeln. Mit philosophischer Geste stürzt sich Cato auf sein Schwert; ich besteige stillschweigend das Schiff. Daran gibt es nichts Überraschendes. Wenn sie es nur wüssten: Fast alle Menschen in ihrer Situation hegen irgendwann einmal ähnliche Gefühle gegenüber dem Ozean wie ich.
Da ist nun Ihre Inselstadt Manhattan, von Docks umgeben – genauso wie indische Inseln von Korallenriffen. Der Handel umgibt sie wie Wellen. Links und rechts führen die Straßen zum Wasser. Der äußerste Stadtteil ist die Batterie – dort wird jener „edle“ Wall von Wellen umspült und von Brisen gekühlt, obwohl diese Brisen noch wenige Stunden zuvor außer Sichtweite des Landes waren. Schauen Sie sich die Menschenmengen an, die dort das Wasser betrachten.
Umrunden Sie die Stadt an einem traumhaften Sonntagnachmittag. Gehen Sie von Corlears Hook nach Coenties Slip und von dort aus über Whitehall nach Norden. Was sehen Sie? Überall in der Stadt stehen Tausende von Menschen, die in Meeresträumen versunken sind – manche lehnen an den Pfählen, manche sitzen auf den Pierenden, manche blicken über die Reling chinesischer Schiffe, wieder andere befinden sich hoch oben in den Takeln, als wollten sie noch besser aufs Meer blicken. Doch das sind alles Landbewohner – an Werktagen eingesperrt zwischen Brettern und Putz, an Theken gefesselt, an Bänken festgenagelt, an Schreibtischen gebunden. Wie kommt das? Sind die grünen Felder verschwunden? Was machen sie hier?
Page 27
Aber schauen Sie! Da kommen weitere Menschenmengen, die direkt auf das Wasser zusteuern – anscheinend mit der Absicht, hineinzuspringen. Seltsam! Nichts kann sie zufriedenstellen außer dem äußersten Rand des Landes; es reicht nicht aus, einfach im Schatten jener Lagerhäuser herumzulungern. Nein. Sie müssen so nah wie möglich ans Wasser gelangen, ohne hineinzufallen. Und da stehen sie – Meilen um Meilen von ihnen – in endlosen Reihen. Es sind alles Einheimische, die aus Gassen, Straßen und Alleen kommen – aus Norden, Osten, Süden und Westen. Doch hier vereinen sie sich alle. Sagen Sie mir: Zieht sie die magnetische Kraft der Kompassnadeln all dieser Schiffe dorthin?
Noch einmal: Nehmen wir an, Sie befinden sich auf dem Lande, in einer hoch gelegenen Gegend mit Seen. Wählen Sie einfach irgendeinen Weg – mit zehn zu eins führt er Sie in ein Tal, wo Sie schließlich am Ufer eines Baches landen. Darin steckt Magie. Selbst der abwesendste Mensch, der in tiefen Träumen versunken ist – wenn man ihn dazu bringt, weiterzugehen, wird er Sie unweigerlich zum Wasser führen, sofern es in dieser Gegend Wasser gibt. Falls Sie einmal in der großen amerikanischen Wüste Durst haben sollten, versuchen Sie dieses Experiment – vorausgesetzt, Ihre Karawane verfügt über einen Metaphysikprofessor. Ja, wie jeder weiß, sind Meditation und Wasser für immer miteinander verbunden.
Doch hier ist ein Künstler. Er möchte Ihnen den traumhaftesten, schattigsten, ruhigsten und bezauberndsten romantischen Landschaftsbildern im ganzen Saco-Tal malen. Welches ist das wichtigste Element, das er verwendet? Dort stehen seine Bäume, jeder mit einem hohlen Stamm – als ob darin ein Einsiedler oder ein Kreuz wäre; dort liegt sein Feld, und dort weiden seine Tiere; aus jenem Häuschen steigt Rauch auf. Tief in den fernen Wäldern windet sich ein verschlungener Pfad, der zu übereinanderliegenden Bergspitzen führt, die in ihrem blauen Licht daliegen. Doch obwohl das Bild so idyllisch erscheint und obwohl dieser Pinienbaum seine „Seufzer“ wie Blätter auf den Kopf des Schafhirten fallen lässt – all das wäre vergeblich, wenn der Blick des Schafhirten nicht auf den magischen Bach vor ihm gerichtet wäre. Besuchen Sie im Juni die Prärien – dort waten Sie meilenweit durch Wasserlilien bis zu den Knien – welcher Reiz fehlt dort? Wasser – es gibt keinen Tropfen Wasser! Wäre Niagara nur ein Sandfall, würden Sie dann tausend Meilen reisen, um ihn zu sehen? Warum zögerte der arme Dichter aus Tennessee, nachdem er plötzlich zwei Hände voll Silber erhalten hatte, darüber, ob er sich einen Mantel kaufen sollte, den er dringend brauchte, oder sein Geld in eine Reise nach Rockaway Beach investieren sollte? Warum ist fast jeder kräftige, gesunde Junge mit einem starken, gesunden Geist irgendwann verrückt danach, zur See zu fahren? Warum hatten Sie selbst bei Ihrer ersten Reise als Passagier ein solch mystisches Gefühl?
Noch einmal: Nehmen wir an, Sie befinden sich auf dem Lande, in einer hoch gelegenen Gegend mit Seen. Wählen Sie einfach irgendeinen Weg – mit zehn zu eins führt er Sie in ein Tal, wo Sie schließlich am Ufer eines Baches landen. Darin steckt Magie. Selbst der abwesendste Mensch, der in tiefen Träumen versunken ist – wenn man ihn dazu bringt, weiterzugehen, wird er Sie unweigerlich zum Wasser führen, sofern es in dieser Gegend Wasser gibt. Falls Sie einmal in der großen amerikanischen Wüste Durst haben sollten, versuchen Sie dieses Experiment – vorausgesetzt, Ihre Karawane verfügt über einen Metaphysikprofessor. Ja, wie jeder weiß, sind Meditation und Wasser für immer miteinander verbunden.
Doch hier ist ein Künstler. Er möchte Ihnen den traumhaftesten, schattigsten, ruhigsten und bezauberndsten romantischen Landschaftsbildern im ganzen Saco-Tal malen. Welches ist das wichtigste Element, das er verwendet? Dort stehen seine Bäume, jeder mit einem hohlen Stamm – als ob darin ein Einsiedler oder ein Kreuz wäre; dort liegt sein Feld, und dort weiden seine Tiere; aus jenem Häuschen steigt Rauch auf. Tief in den fernen Wäldern windet sich ein verschlungener Pfad, der zu übereinanderliegenden Bergspitzen führt, die in ihrem blauen Licht daliegen. Doch obwohl das Bild so idyllisch erscheint und obwohl dieser Pinienbaum seine „Seufzer“ wie Blätter auf den Kopf des Schafhirten fallen lässt – all das wäre vergeblich, wenn der Blick des Schafhirten nicht auf den magischen Bach vor ihm gerichtet wäre. Besuchen Sie im Juni die Prärien – dort waten Sie meilenweit durch Wasserlilien bis zu den Knien – welcher Reiz fehlt dort? Wasser – es gibt keinen Tropfen Wasser! Wäre Niagara nur ein Sandfall, würden Sie dann tausend Meilen reisen, um ihn zu sehen? Warum zögerte der arme Dichter aus Tennessee, nachdem er plötzlich zwei Hände voll Silber erhalten hatte, darüber, ob er sich einen Mantel kaufen sollte, den er dringend brauchte, oder sein Geld in eine Reise nach Rockaway Beach investieren sollte? Warum ist fast jeder kräftige, gesunde Junge mit einem starken, gesunden Geist irgendwann verrückt danach, zur See zu fahren? Warum hatten Sie selbst bei Ihrer ersten Reise als Passagier ein solch mystisches Gefühl?
Page 28
Vibration – als man Ihnen zum ersten Mal mitteilte, dass Sie und Ihr Schiff nun außer Sichtweite des Landes waren: Warum hielten die alten Perser das Meer für heilig? Warum gaben die Griechen ihm eine eigene Gottheit – einen eigenen Bruder des Jupiters? Sicherlich hat all das eine Bedeutung. Noch tiefer ist die Bedeutung der Geschichte von Narcissus, der, weil er das quälende, verschwommene Bild, das er im Brunnen sah, nicht erfassen konnte, hineinstürzte und ertrank. Doch genau dieses Bild sehen wir selbst in allen Flüssen und Ozeanen. Es ist das Bild des Unfassbaren, des „Phantoms des Lebens“ – und das ist der Schlüssel zu allem.
Wenn ich sage, dass ich es gewohnt bin, zur See zu fahren, sobald meine Sicht trüb wird und ich mir meiner Lungen allzu bewusst werde, dann meine ich damit keineswegs, dass ich jemals als Passagier zur See fahre. Denn um als Passagier zu reisen, braucht man ein Portemonnaie – und ein Portemonnaie ist nur ein Stück Stoff, solange man nichts darin hat. Außerdem werden Passagiere seekrank, werden mürrisch, können nachts nicht schlafen und haben im Allgemeinen keinen großen Spaß. Nein, ich fahre niemals als Passagier. Auch wenn ich etwas vom Seefahrerleben verstehe, fahre ich niemals als Kommodore, Kapitän oder Koch zur See. Ich überlasse die Ehre und den Ruhm solcher Ämter denen, die sie gerne haben. Was mich betrifft, so verabscheue ich alle ehrenvollen, respektablen Arbeiten, Prüfungen und Leiden jeglicher Art. Es ist schon genug, auf mich selbst aufzupassen – ohne mich um Schiffe, Boote usw. kümmern zu müssen. Was das Kochen angeht – obwohl ich zugebe, dass darin eine gewisse Ehre liegt, schließlich ist der Koch eine Art Offizier an Bord – so habe ich doch nie Lust gehabt, Geflügel zu braten. Doch wenn das Geflügel richtig gebraten, mit Butter bestrichen sowie salzen und pfeffern wurde, dann gibt es niemanden, der respektvoller – geschweige denn ehrfürchtiger – über ein solches Gericht sprechen würde als ich. Aus den götzendienerischen Bräuchen der alten Ägypter bezüglich gebratener Ibisse und gerösteter Flusspferde stammen die Mumien dieser Tiere in ihren riesigen Bäckereien – den Pyramiden.
Nein, wenn ich zur See fahre, dann tue ich das als einfacher Matrose – direkt vor dem Mast, tief im Vordeck oder hoch oben am Mastkopf. Zwar befehlen sie mir oft, hierhin und dorthin zu springen, wie ein Heuschrecken auf einer Wiese im Mai. Anfangs ist das ziemlich unangenehm – es berührt das Ehrgefühl eines Menschen, besonders wenn man aus einer alten, angesehenen Familie stammt, wie die Van Rensselaers, Randolphs oder Hardicanutes. Und am meisten, wenn man kurz bevor man mit der Arbeit beginnt noch als Lehrer auf dem Land gearbeitet hat und die größten Jungen vor einem Respekt hatten. Der Übergang ist wirklich schwierig, das versichere ich Ihnen.
Wenn ich sage, dass ich es gewohnt bin, zur See zu fahren, sobald meine Sicht trüb wird und ich mir meiner Lungen allzu bewusst werde, dann meine ich damit keineswegs, dass ich jemals als Passagier zur See fahre. Denn um als Passagier zu reisen, braucht man ein Portemonnaie – und ein Portemonnaie ist nur ein Stück Stoff, solange man nichts darin hat. Außerdem werden Passagiere seekrank, werden mürrisch, können nachts nicht schlafen und haben im Allgemeinen keinen großen Spaß. Nein, ich fahre niemals als Passagier. Auch wenn ich etwas vom Seefahrerleben verstehe, fahre ich niemals als Kommodore, Kapitän oder Koch zur See. Ich überlasse die Ehre und den Ruhm solcher Ämter denen, die sie gerne haben. Was mich betrifft, so verabscheue ich alle ehrenvollen, respektablen Arbeiten, Prüfungen und Leiden jeglicher Art. Es ist schon genug, auf mich selbst aufzupassen – ohne mich um Schiffe, Boote usw. kümmern zu müssen. Was das Kochen angeht – obwohl ich zugebe, dass darin eine gewisse Ehre liegt, schließlich ist der Koch eine Art Offizier an Bord – so habe ich doch nie Lust gehabt, Geflügel zu braten. Doch wenn das Geflügel richtig gebraten, mit Butter bestrichen sowie salzen und pfeffern wurde, dann gibt es niemanden, der respektvoller – geschweige denn ehrfürchtiger – über ein solches Gericht sprechen würde als ich. Aus den götzendienerischen Bräuchen der alten Ägypter bezüglich gebratener Ibisse und gerösteter Flusspferde stammen die Mumien dieser Tiere in ihren riesigen Bäckereien – den Pyramiden.
Nein, wenn ich zur See fahre, dann tue ich das als einfacher Matrose – direkt vor dem Mast, tief im Vordeck oder hoch oben am Mastkopf. Zwar befehlen sie mir oft, hierhin und dorthin zu springen, wie ein Heuschrecken auf einer Wiese im Mai. Anfangs ist das ziemlich unangenehm – es berührt das Ehrgefühl eines Menschen, besonders wenn man aus einer alten, angesehenen Familie stammt, wie die Van Rensselaers, Randolphs oder Hardicanutes. Und am meisten, wenn man kurz bevor man mit der Arbeit beginnt noch als Lehrer auf dem Land gearbeitet hat und die größten Jungen vor einem Respekt hatten. Der Übergang ist wirklich schwierig, das versichere ich Ihnen.
Page 29
Von einem Lehrer zu einem Seemann – dazu braucht man eine starke Tinktur aus den Schriften Senecas und der Stoiker, damit man es ertragen kann. Doch auch das wirkt mit der Zeit nach. Was macht es schon aus, wenn irgendwelche alten Seefahrerkapitäne von mir verlangen, einen Besen zu nehmen und die Decks zu fegen? Was bedeutet diese Demütigung im Vergleich zu dem, was im Neuen Testament beschrieben wird? Glauben Sie, dass der Erzengel Gabriel weniger von mir hält, nur weil ich in solchen Fällen sofort und respektvoll diesen alten Kerlen gehorche? Wer ist nicht Sklave? Sagen Sie es mir. Nun, egal wie sehr die alten Seefahrerkapitäne mich herumkommandieren – egal wie sie mich schlagen und treten – ich habe zumindest die Genugtuung zu wissen, dass alles in Ordnung ist; dass alle anderen auf die eine oder andere Weise genauso behandelt werden – sei es aus physischer oder metaphysischer Sicht. So geht die „allgemeine Misshandlung“ weiter, und alle sollten einander auf die Schultern klopfen und zufrieden sein.
Außerdem gehe ich immer als Seemann auf See, denn man zahlt mir für meine Arbeit, während Passagiere, soweit ich weiß, nie auch nur einen Pfennig erhalten. Im Gegenteil: Die Passagiere müssen selbst bezahlen. Und es gibt einen riesigen Unterschied zwischen Zahlen und Bezahlung. Das Handeln des Zahlens ist wohl die unangenehmste Last, die uns die beiden „Gartenräuber“ auferlegt haben. Doch bezahlt zu werden – was könnte sich damit vergleichen? Die höfliche Art und Weise, mit der ein Mensch Geld annimmt, ist wirklich erstaunlich – wenn man bedenkt, dass wir fest daran glauben, Geld sei die Wurzel aller irdischen Übel und dass ein reicher Mensch auf keinen Fall ins Paradies kommen kann. Ach! Wie fröhlich übergeben wir uns der Verdammnis!
Schließlich gehe ich immer als Seemann auf See – wegen der gesunden Bewegung und der reinen Luft auf dem Vordeck. Denn genauso wie auf dieser Welt Gegenwinde weitaus häufiger vorkommen als Winde von achtern (vorausgesetzt, man bricht nicht die pythagoreische Regel), so erhält der Kommodore auf dem Quarterdeck meist die Luft erst indirekt von den Seeleuten auf dem Vordeck. Er glaubt, er atme sie direkt ein – doch das ist nicht der Fall. Auf ähnliche Weise führen die einfachen Leute ihre Anführer in vielen Dingen an, ohne dass die Anführer es bemerken. Doch warum ich, nachdem ich bereits mehrmals als Handelsseemann das Meer erlebt hatte, nun beschloss, auf einer Walfangreise mitzugehen – darauf kann nur der unsichtbare Polizist des Schicksals antworten, der mich ständig beobachtet, heimlich verfolgt und auf unerklärliche Weise beeinflusst.
Außerdem gehe ich immer als Seemann auf See, denn man zahlt mir für meine Arbeit, während Passagiere, soweit ich weiß, nie auch nur einen Pfennig erhalten. Im Gegenteil: Die Passagiere müssen selbst bezahlen. Und es gibt einen riesigen Unterschied zwischen Zahlen und Bezahlung. Das Handeln des Zahlens ist wohl die unangenehmste Last, die uns die beiden „Gartenräuber“ auferlegt haben. Doch bezahlt zu werden – was könnte sich damit vergleichen? Die höfliche Art und Weise, mit der ein Mensch Geld annimmt, ist wirklich erstaunlich – wenn man bedenkt, dass wir fest daran glauben, Geld sei die Wurzel aller irdischen Übel und dass ein reicher Mensch auf keinen Fall ins Paradies kommen kann. Ach! Wie fröhlich übergeben wir uns der Verdammnis!
Schließlich gehe ich immer als Seemann auf See – wegen der gesunden Bewegung und der reinen Luft auf dem Vordeck. Denn genauso wie auf dieser Welt Gegenwinde weitaus häufiger vorkommen als Winde von achtern (vorausgesetzt, man bricht nicht die pythagoreische Regel), so erhält der Kommodore auf dem Quarterdeck meist die Luft erst indirekt von den Seeleuten auf dem Vordeck. Er glaubt, er atme sie direkt ein – doch das ist nicht der Fall. Auf ähnliche Weise führen die einfachen Leute ihre Anführer in vielen Dingen an, ohne dass die Anführer es bemerken. Doch warum ich, nachdem ich bereits mehrmals als Handelsseemann das Meer erlebt hatte, nun beschloss, auf einer Walfangreise mitzugehen – darauf kann nur der unsichtbare Polizist des Schicksals antworten, der mich ständig beobachtet, heimlich verfolgt und auf unerklärliche Weise beeinflusst.
Page 30
Gewiss war meine Teilnahme an dieser Walfangreise Teil des großen Plans der Vorsehung, der schon vor langer Zeit entworfen wurde. Sie stellte sozusagen eine kurze Pause sowie einen „Solo-Auftritt“ zwischen umfangreicheren Handlungen dar. Ich nehme an, dieser Teil des „Programms“ sah ungefähr so aus: „Große Wahl um das Präsidentenamt der Vereinigten Staaten – Walfangreise durch Ishmael – Blutige Schlachten in Afghanistan.“ Obwohl ich nicht sagen kann, warum gerade ich von diesen „Regisseuren“, den Schicksalen, für diese bescheidene Rolle bei der Walfangreise ausgewählt wurde, während andere für großartige Rollen in Tragödien, für kurze und einfache Rollen in Komödien oder für fröhliche Rollen in Farcen bestimmt wurden – obwohl ich nicht genau weiß, warum das so ist –, glaube ich doch, nachdem ich alle Umstände in Erinnerung gerufen habe, ein wenig erkennen zu können, welche Motive mich dazu veranlassten, die Rolle zu übernehmen, die ich spielte. Zudem wurde ich in dem Glauben gelassen, dass dies eine Entscheidung aufgrund meines eigenen unvoreingenommenen Willens und meiner urteilsfähigen Einschätzung sei. Der wichtigste dieser Motive war die Vorstellung vom großen Wal selbst. Ein solches, geheimnisvolles Ungeheuer weckte meine ganze Neugierde. Dann kamen noch die wilden, fernen Meere, in denen der Wal seine gewaltige Masse bewegte, sowie die unüberwindbaren, namenlosen Gefahren, die mit dem Wal verbunden waren. All das, zusammen mit all den wunderbaren Erscheinungen und Geräuschen der Patagonie, trug dazu bei, meinen Wunsch zu verstärken. Bei anderen Menschen wären solche Dinge vielleicht keine Anreize gewesen – doch ich leide unter einer ewigen Sehnsucht nach dem Fernen. Ich liebe es, in verbotenen Meeren zu segeln und an barbarischen Küsten anzulegen. Auch wenn ich das Gute nicht ignoriere, bin ich schnell bereit, Schrecken wahrzunehmen – und könnte trotzdem mit ihnen umgehen, falls man es mir erlaubt – schließlich ist es gut, in freundlichen Beziehungen zu allen Menschen zu stehen, unter denen man lebt. Aus diesen Gründen war die Walfangreise willkommen; die Tore zur Welt der Wunder öffneten sich, und in den wilden Vorstellungen, die mich zu meinem Ziel trieben, tauchten endlose Reihen von Walen in meiner Seele auf – und inmitten all dessen stand ein großes, maskiertes Phantom, wie ein Schneehügel in der Luft.
Page 31
KAPITEL 2. Die Teppichtasche
Ich stopfte ein oder zwei Hemden in meine alte Teppichtasche, klemmte sie mir unter den Arm und machte mich auf den Weg nach Kap Hoorn und zum Pazifik. Nachdem ich die gute Stadt Old Manhattan verlassen hatte, erreichte ich schließlich New Bedford. Es war ein Samstagabend im Dezember. Ich war sehr enttäuscht, als ich erfuhr, dass das kleine Schiff nach Nantucket bereits abgefahren war und es bis zum folgenden Montag keine Möglichkeit gab, dorthin zu gelangen.
Da die meisten jungen Männer, die bereit sind, die Mühen und Gefahren der Walfangerei auf sich zu nehmen, in New Bedford haltmachen, um von dort aus ihre Reise anzutreten, ist es wohl angebracht zu erwähnen, dass ich selbst keinerlei Absicht hatte, dies zu tun. Ich hatte nämlich beschlossen, nur mit einem Schiff von Nantucket aus zu fahren – denn an allem, was mit dieser berühmten Insel zusammenhing, lag etwas Wunderbares und Begeisterndes, das mir sehr gefiel. Zwar hat New Bedford in letzter Zeit allmählich den Walfangmonopol übernommen, und Nantucket liegt in dieser Hinsicht weit zurück, doch Nantucket war die Ursprungsstätte des Walfangs – der „Reifen“ dieser Karthago-Stadt; der Ort, an dem der erste tote amerikanische Wal an Land gespült wurde. Von wo sonst sollten die ursprünglichen Walfänger, die Roten Männer, erst einmal in Kanus hinausfahren, um den Leviathan zu jagen? Und von wo sonst sollte auch das erste abenteuerliche kleine Segelschiff aufbrechen – teilweise beladen mit importierten Kopfsteinen –, um diese gegen die Wale zu werfen, um herauszufinden, ob sie nahe genug waren, um einen Harpunenwurf zu wagen?
Da ich in New Bedford noch eine Nacht, einen Tag und wieder eine Nacht vor mir hatte, bevor ich meinen Bestimmungshafen erreichen konnte, wurde es wichtig, einen Ort zu finden, an dem ich in der Zwischenzeit essen und schlafen konnte. Es war eine äußerst düstere, ja sogar finstere Nacht – eiskalt und trostlos. Ich kannte niemanden in dieser Gegend. Mit besorgtem Blick durchsuchte ich meine Taschen – doch ich fand nur ein paar Silbermünzen. „Also“, sagte ich zu mir selbst, während ich mitten auf einer trostlosen Straße stand, meine Tasche über der Schulter, und die Dunkelheit im Norden mit der Dunkelheit im Süden verglich, „wo auch immer du deiner Weisheit gemäß für die Nacht Unterschlupf suchst, mein lieber Ishmael – frage unbedingt nach dem Preis und sei nicht zu wählerisch.“
Ich stopfte ein oder zwei Hemden in meine alte Teppichtasche, klemmte sie mir unter den Arm und machte mich auf den Weg nach Kap Hoorn und zum Pazifik. Nachdem ich die gute Stadt Old Manhattan verlassen hatte, erreichte ich schließlich New Bedford. Es war ein Samstagabend im Dezember. Ich war sehr enttäuscht, als ich erfuhr, dass das kleine Schiff nach Nantucket bereits abgefahren war und es bis zum folgenden Montag keine Möglichkeit gab, dorthin zu gelangen.
Da die meisten jungen Männer, die bereit sind, die Mühen und Gefahren der Walfangerei auf sich zu nehmen, in New Bedford haltmachen, um von dort aus ihre Reise anzutreten, ist es wohl angebracht zu erwähnen, dass ich selbst keinerlei Absicht hatte, dies zu tun. Ich hatte nämlich beschlossen, nur mit einem Schiff von Nantucket aus zu fahren – denn an allem, was mit dieser berühmten Insel zusammenhing, lag etwas Wunderbares und Begeisterndes, das mir sehr gefiel. Zwar hat New Bedford in letzter Zeit allmählich den Walfangmonopol übernommen, und Nantucket liegt in dieser Hinsicht weit zurück, doch Nantucket war die Ursprungsstätte des Walfangs – der „Reifen“ dieser Karthago-Stadt; der Ort, an dem der erste tote amerikanische Wal an Land gespült wurde. Von wo sonst sollten die ursprünglichen Walfänger, die Roten Männer, erst einmal in Kanus hinausfahren, um den Leviathan zu jagen? Und von wo sonst sollte auch das erste abenteuerliche kleine Segelschiff aufbrechen – teilweise beladen mit importierten Kopfsteinen –, um diese gegen die Wale zu werfen, um herauszufinden, ob sie nahe genug waren, um einen Harpunenwurf zu wagen?
Da ich in New Bedford noch eine Nacht, einen Tag und wieder eine Nacht vor mir hatte, bevor ich meinen Bestimmungshafen erreichen konnte, wurde es wichtig, einen Ort zu finden, an dem ich in der Zwischenzeit essen und schlafen konnte. Es war eine äußerst düstere, ja sogar finstere Nacht – eiskalt und trostlos. Ich kannte niemanden in dieser Gegend. Mit besorgtem Blick durchsuchte ich meine Taschen – doch ich fand nur ein paar Silbermünzen. „Also“, sagte ich zu mir selbst, während ich mitten auf einer trostlosen Straße stand, meine Tasche über der Schulter, und die Dunkelheit im Norden mit der Dunkelheit im Süden verglich, „wo auch immer du deiner Weisheit gemäß für die Nacht Unterschlupf suchst, mein lieber Ishmael – frage unbedingt nach dem Preis und sei nicht zu wählerisch.“
Page 32
Mit langsamen Schritten ging ich die Straßen entlang und kam am Schild „Die gekreuzten Harpunen“ vorbei – doch es wirkte dort zu teuer und zu fröhlich. Weiter entfernt strahlten aus den leuchtend roten Fenstern der „Schwertfisch-Taverne“ solch intensive Lichtstrahlen, dass es schien, als hätten sie den Schnee und das Eis vor dem Haus geschmolzen; denn an allen anderen Stellen lag der gefrorene Reif zehn Zoll dick auf dem harten Asphaltboden. Das war für mich ziemlich anstrengend, denn meine Stiefelsohlen waren durch die harte, unerbittliche Belastung in einem schrecklichen Zustand. Zu teuer und zu fröhlich, dachte ich wieder und blieb einen Moment stehen, um das helle Licht auf der Straße zu betrachten sowie die Geräusche der klirrenden Gläser im Inneren zu hören. Doch weiter, Ishmael, sagte ich schließlich; hörst du nicht? Geh weg von der Tür – deine geflickten Stiefel blockieren den Weg. Also ging ich weiter. Aus Instinkt folgte ich nun den Straßen, die zum Wasser führten – dort gab es sicherlich die günstigsten, wenn nicht sogar die fröhlichsten Gasthäuser.
Welche trostlosen Straßen! Auf beiden Seiten nur Blöcke der Dunkelheit – keine Häuser – und hier und da eine Kerze, wie eine Kerze, die sich in einem Grab bewegt. Zu dieser Stunde der Nacht, am letzten Tag der Woche, war dieses Viertel der Stadt fast menschenleer. Doch bald erreichte ich ein rauchiges Licht, das von einem niedrigen, breiten Gebäude ausging; dessen Tür stand einladend offen. Es hatte einen nachlässigen Eindruck, als wäre es für die Öffentlichkeit bestimmt. Als ich eintrat, stolperte ich zunächst über einen Aschenbecher auf der Veranda. Ha!, dachte ich, während die fliegenden Aschepartikel mich fast erstickten – sind das die Asche jener zerstörten Stadt, Gomorra? Doch „Die gekreuzten Harpunen“ und „Der Schwertfisch“ – das muss wohl das Schild von „Die Falle“ sein. Jedenfalls rappelte ich mich wieder auf und hörte eine laute Stimme im Inneren; daraufhin öffnete ich eine weitere Tür.
Es schien, als würde das große schwarze Parlament in Tophet tagen. Hundert schwarze Gesichter wandten sich in ihren Reihen um, um zuzusehen; und dahinter schlug ein schwarzer Engel des Untergangs mit einem Buch auf einer Kanzel. Es handelte sich um eine schwarze Kirche; der Prediger sprach über die Dunkelheit der Finsternis sowie über Weinen, Klagen und Zähneknirschen. Ha, Ishmael, murmelte ich und trat wieder heraus – elende Unterhaltung unter dem Schild „Die Falle“!
Weitergehend erreichte ich schließlich ein schwaches Licht in der Nähe der Docks und hörte ein verzweifeltes Knarren in der Luft; als ich aufsah, sah ich ein über der Tür schwingendes Schild mit einer weißen Malerei darauf, die vage eine hohe Gestalt darstellte.
Welche trostlosen Straßen! Auf beiden Seiten nur Blöcke der Dunkelheit – keine Häuser – und hier und da eine Kerze, wie eine Kerze, die sich in einem Grab bewegt. Zu dieser Stunde der Nacht, am letzten Tag der Woche, war dieses Viertel der Stadt fast menschenleer. Doch bald erreichte ich ein rauchiges Licht, das von einem niedrigen, breiten Gebäude ausging; dessen Tür stand einladend offen. Es hatte einen nachlässigen Eindruck, als wäre es für die Öffentlichkeit bestimmt. Als ich eintrat, stolperte ich zunächst über einen Aschenbecher auf der Veranda. Ha!, dachte ich, während die fliegenden Aschepartikel mich fast erstickten – sind das die Asche jener zerstörten Stadt, Gomorra? Doch „Die gekreuzten Harpunen“ und „Der Schwertfisch“ – das muss wohl das Schild von „Die Falle“ sein. Jedenfalls rappelte ich mich wieder auf und hörte eine laute Stimme im Inneren; daraufhin öffnete ich eine weitere Tür.
Es schien, als würde das große schwarze Parlament in Tophet tagen. Hundert schwarze Gesichter wandten sich in ihren Reihen um, um zuzusehen; und dahinter schlug ein schwarzer Engel des Untergangs mit einem Buch auf einer Kanzel. Es handelte sich um eine schwarze Kirche; der Prediger sprach über die Dunkelheit der Finsternis sowie über Weinen, Klagen und Zähneknirschen. Ha, Ishmael, murmelte ich und trat wieder heraus – elende Unterhaltung unter dem Schild „Die Falle“!
Weitergehend erreichte ich schließlich ein schwaches Licht in der Nähe der Docks und hörte ein verzweifeltes Knarren in der Luft; als ich aufsah, sah ich ein über der Tür schwingendes Schild mit einer weißen Malerei darauf, die vage eine hohe Gestalt darstellte.
Page 33
Ein gerader Strahl aus nebligem Sprühnebel – und darunter diese Worte: „The Spouter Inn: Peter Coffin.“ Coffin? Spouter? Das klingt in diesem Zusammenhang ziemlich unheilvoll, dachte ich. Doch es handelt sich dabei um einen häufigen Namen auf Nantucket, so wird gesagt. Ich nehme an, dieser Peter ist ein Einwanderer von dort. Da das Licht so trüb war, der Ort fürs Erste ziemlich ruhig wirkte und das heruntergekommene kleine Holzhaus selbst so aussah, als könnte es von den Ruinen irgendeiner niedergebrannten Gegend hierher transportiert worden sein – und da das schwankende Schild ein ärmliches, knarrendes Geräusch machte – dachte ich, dass dies genau der richtige Ort für billiges Unterkommen sowie den besten Erbsensud sei.
Es war ein seltsamer Ort – ein altes Haus mit Giebeln, dessen eine Seite gewissermaßen gelähmt zu sein schien und traurig zur Seite neigte. Es stand an einer scharfen, trostlosen Ecke, wo der stürmische Wind Euroclydon lauter heulte als je zuvor um das arme Boot des armen Paul. Der Euroclydon ist jedoch für jeden, der drinnen sitzt und seine Füße auf dem Herd hat, während er gemütlich etwas zum Essen zubereitet, ein sehr angenehmer Wind. „Bei der Beurteilung dieses stürmischen Windes namens Euroclydon“, sagt ein alter Schriftsteller – dessen Werke ich als einzige noch existierende Kopie besitze – „macht es einen großen Unterschied, ob man hinausblickt durch ein Fenster, bei dem der Frost ganz außen liegt, oder ob man ihn durch jenes fensterlose Fenster beobachtet, bei dem der Frost auf beiden Seiten ist – und dessen einziger Glaser der Tod ist.“ Richtig, dachte ich, als mir dieser Satz einfiel – alte Schrift, du denkst gut. Ja, diese Augen sind Fenster, und mein Körper ist das Haus. Schade nur, dass sie die Ritzen und Spalten nicht zugestopft haben und hier und da etwas Stoff hineingesteckt hätten. Aber jetzt ist es zu spät, noch irgendwelche Verbesserungen vorzunehmen. Das Universum ist fertig; der Abschlussstein ist bereits gelegt, und die Splitter wurden schon vor Millionen Jahren weggebracht. Der arme Lazarus da, der mit seinen Zähnen gegen den Pflasterstein kaut, um daraus ein Kissen zu machen, und dessen Lumpen im Zittern herunterfallen – selbst wenn er sich die Ohren mit Lumpen verstopfen und sich einen Maisschössling in den Mund stecken würde, würde das den stürmischen Euroclydon nicht abwehren können. Euroclydon! sagt der alte Dives in seinem roten Seidengewand – (später hatte er eines noch Rötlichere) Pah, pah! Was für eine wunderbare, frostige Nacht; wie Orion funkelt; was für Nordlichter! Sollen sie doch von ihren östlichen Sommerregionen mit den ewigen Gewächshäusern reden; gib mir das Privileg, meinen eigenen Sommer mit meinem eigenen Kohlefeuer zu schaffen.
Aber was denkt Lazarus? Kann er seine blauen Hände wärmen, indem er sie den prächtigen Nordlichtern entgegenhält? Würde Lazarus nicht lieber auf Sumatra sein?
Es war ein seltsamer Ort – ein altes Haus mit Giebeln, dessen eine Seite gewissermaßen gelähmt zu sein schien und traurig zur Seite neigte. Es stand an einer scharfen, trostlosen Ecke, wo der stürmische Wind Euroclydon lauter heulte als je zuvor um das arme Boot des armen Paul. Der Euroclydon ist jedoch für jeden, der drinnen sitzt und seine Füße auf dem Herd hat, während er gemütlich etwas zum Essen zubereitet, ein sehr angenehmer Wind. „Bei der Beurteilung dieses stürmischen Windes namens Euroclydon“, sagt ein alter Schriftsteller – dessen Werke ich als einzige noch existierende Kopie besitze – „macht es einen großen Unterschied, ob man hinausblickt durch ein Fenster, bei dem der Frost ganz außen liegt, oder ob man ihn durch jenes fensterlose Fenster beobachtet, bei dem der Frost auf beiden Seiten ist – und dessen einziger Glaser der Tod ist.“ Richtig, dachte ich, als mir dieser Satz einfiel – alte Schrift, du denkst gut. Ja, diese Augen sind Fenster, und mein Körper ist das Haus. Schade nur, dass sie die Ritzen und Spalten nicht zugestopft haben und hier und da etwas Stoff hineingesteckt hätten. Aber jetzt ist es zu spät, noch irgendwelche Verbesserungen vorzunehmen. Das Universum ist fertig; der Abschlussstein ist bereits gelegt, und die Splitter wurden schon vor Millionen Jahren weggebracht. Der arme Lazarus da, der mit seinen Zähnen gegen den Pflasterstein kaut, um daraus ein Kissen zu machen, und dessen Lumpen im Zittern herunterfallen – selbst wenn er sich die Ohren mit Lumpen verstopfen und sich einen Maisschössling in den Mund stecken würde, würde das den stürmischen Euroclydon nicht abwehren können. Euroclydon! sagt der alte Dives in seinem roten Seidengewand – (später hatte er eines noch Rötlichere) Pah, pah! Was für eine wunderbare, frostige Nacht; wie Orion funkelt; was für Nordlichter! Sollen sie doch von ihren östlichen Sommerregionen mit den ewigen Gewächshäusern reden; gib mir das Privileg, meinen eigenen Sommer mit meinem eigenen Kohlefeuer zu schaffen.
Aber was denkt Lazarus? Kann er seine blauen Hände wärmen, indem er sie den prächtigen Nordlichtern entgegenhält? Würde Lazarus nicht lieber auf Sumatra sein?
Page 34
Als hier? Würde er ihn nicht viel lieber längs der Äquatorlinie niederlegen? Ja, ihr Götter! Geht doch selbst in die feurige Grube, um diese Kälte abzuwehren!
Dass Lazarus nun dort auf dem Pflasterstein vor der Tür des Reichen liegen soll – das ist noch erstaunlicher, als wenn ein Eisberg an einer der Molukken anlegt. Doch der Reiche selbst lebt auch wie ein Zar in einem Eispalast, der aus gefrorenen Seufzern besteht. Als Vorsitzender einer Temperanzgesellschaft trinkt er nur die lauwarmen Tränen der Waisen.
Aber genug mit diesem Jammern – wir gehen jetzt Wale jagen, und da wird noch genug davon kommen. Lasst uns den Eispanzer von unseren gefrorenen Füßen schaben und sehen, was für ein Ort dieser „Spooter“ wohl ist.
Dass Lazarus nun dort auf dem Pflasterstein vor der Tür des Reichen liegen soll – das ist noch erstaunlicher, als wenn ein Eisberg an einer der Molukken anlegt. Doch der Reiche selbst lebt auch wie ein Zar in einem Eispalast, der aus gefrorenen Seufzern besteht. Als Vorsitzender einer Temperanzgesellschaft trinkt er nur die lauwarmen Tränen der Waisen.
Aber genug mit diesem Jammern – wir gehen jetzt Wale jagen, und da wird noch genug davon kommen. Lasst uns den Eispanzer von unseren gefrorenen Füßen schaben und sehen, was für ein Ort dieser „Spooter“ wohl ist.
Page 35
KAPITEL 3. Die Spouter-Inn.
Wenn man die Spouter-Inn mit ihren Giebelenden betrat, fand man sich in einem breiten, niedrigen Eingangsbereich wieder, dessen Wände mit altmodischen Verkleidungen versehen waren – sie erinnerten an die Relingwände eines verfallenen alten Schiffes. An einer Seite hing ein sehr großes Ölgemälde, das so stark von Rauch bedeckt und auf vielfältige Weise beschädigt war, dass man es nur durch gründliches Studium sowie wiederholte Besuche und sorgfältige Befragung der Umstehenden verstehen konnte. Es handelte sich dabei um eine Unmenge unerklärlicher Schatten und Töne – zunächst dachte man fast, ein ehrgeiziger junger Künstler habe versucht, den „verzauberten Chaos“ darzustellen. Doch nach viel ernsthafter Betrachtung und wiederholtem Nachdenken, insbesondere nachdem man das kleine Fenster im hinteren Teil des Eingangs geöffnet hatte, kam man zu dem Schluss, dass diese Idee, so abwegig sie auch erschien, vielleicht doch nicht völlig unbegründet war.
Was einen jedoch am meisten verwirrte, war eine lange, geschmeidige, düstere schwarze Masse, die sich in der Mitte des Gemäldes über drei blaue, trübe, senkrechte Linien befand – Linien, die in einer namenlosen Dunkelheit schwebten. Es handelte sich dabei um ein wirklich verwirrendes Gemälde, das einen nervösen Menschen sicherlich in Verwirrung stürzen würde. Dennoch hatte es etwas Unbestimmtes, Halbverwirklichtes, Unvorstellbares an sich – etwas, das einen förmlich festhielt, bis man sich unwillkürlich vornahm, herauszufinden, was dieses wunderbare Gemälde bedeutete. Von Zeit zu Zeit kam einem eine klare, aber leider irreführende Idee in den Sinn: Es sei das Schwarze Meer in einem Mitternachtsturm – oder der unnatürliche Kampf der vier Urkräfte – oder eine öde, trostlose Landschaft – oder eine winterliche Szene aus Hyperborea – oder das Zerbrechen des vom Eis bedeckten Flusses der Zeit. Doch letztendlich gaben all diese Vorstellungen dem einen düsteren Element in der Mitte des Gemäldes nach. Sobald man das herausgefunden hatte, wurde alles andere klar. Doch warte – weist das Gemälde nicht eine leichte Ähnlichkeit mit einem riesigen Fisch auf? Vielleicht sogar mit dem großen Leviathan selbst? Tatsächlich schien der Entwurf des Künstlers folgendermaßen zu sein: Eine eigene Theorie, die teilweise auf den Ansichten vieler älterer Menschen beruhte, mit denen ich über dieses Thema gesprochen hatte. Das Gemälde stellt einen Mann aus Cape Horn inmitten eines heftigen Hurrikans dar – das halb gesunkene Schiff, das dort treibt, zusammen mit seinen drei zerstörten…
Wenn man die Spouter-Inn mit ihren Giebelenden betrat, fand man sich in einem breiten, niedrigen Eingangsbereich wieder, dessen Wände mit altmodischen Verkleidungen versehen waren – sie erinnerten an die Relingwände eines verfallenen alten Schiffes. An einer Seite hing ein sehr großes Ölgemälde, das so stark von Rauch bedeckt und auf vielfältige Weise beschädigt war, dass man es nur durch gründliches Studium sowie wiederholte Besuche und sorgfältige Befragung der Umstehenden verstehen konnte. Es handelte sich dabei um eine Unmenge unerklärlicher Schatten und Töne – zunächst dachte man fast, ein ehrgeiziger junger Künstler habe versucht, den „verzauberten Chaos“ darzustellen. Doch nach viel ernsthafter Betrachtung und wiederholtem Nachdenken, insbesondere nachdem man das kleine Fenster im hinteren Teil des Eingangs geöffnet hatte, kam man zu dem Schluss, dass diese Idee, so abwegig sie auch erschien, vielleicht doch nicht völlig unbegründet war.
Was einen jedoch am meisten verwirrte, war eine lange, geschmeidige, düstere schwarze Masse, die sich in der Mitte des Gemäldes über drei blaue, trübe, senkrechte Linien befand – Linien, die in einer namenlosen Dunkelheit schwebten. Es handelte sich dabei um ein wirklich verwirrendes Gemälde, das einen nervösen Menschen sicherlich in Verwirrung stürzen würde. Dennoch hatte es etwas Unbestimmtes, Halbverwirklichtes, Unvorstellbares an sich – etwas, das einen förmlich festhielt, bis man sich unwillkürlich vornahm, herauszufinden, was dieses wunderbare Gemälde bedeutete. Von Zeit zu Zeit kam einem eine klare, aber leider irreführende Idee in den Sinn: Es sei das Schwarze Meer in einem Mitternachtsturm – oder der unnatürliche Kampf der vier Urkräfte – oder eine öde, trostlose Landschaft – oder eine winterliche Szene aus Hyperborea – oder das Zerbrechen des vom Eis bedeckten Flusses der Zeit. Doch letztendlich gaben all diese Vorstellungen dem einen düsteren Element in der Mitte des Gemäldes nach. Sobald man das herausgefunden hatte, wurde alles andere klar. Doch warte – weist das Gemälde nicht eine leichte Ähnlichkeit mit einem riesigen Fisch auf? Vielleicht sogar mit dem großen Leviathan selbst? Tatsächlich schien der Entwurf des Künstlers folgendermaßen zu sein: Eine eigene Theorie, die teilweise auf den Ansichten vieler älterer Menschen beruhte, mit denen ich über dieses Thema gesprochen hatte. Das Gemälde stellt einen Mann aus Cape Horn inmitten eines heftigen Hurrikans dar – das halb gesunkene Schiff, das dort treibt, zusammen mit seinen drei zerstörten…
Page 36
Nur die Masten sind zu sehen; und ein wütender Wal, der beabsichtigt, das Schiff zu zerstören, versucht gerade, sich mit seinen Körpern an den drei Mastspitzen aufzuspießen. Die gegenüberliegende Wand dieses Raumes war vollständig mit einer Menge monströser Keulen und Speere bedeckt. Einige davon waren mit glänzenden Zähnen versehen, die an Elfenbeinsägen erinnerten; andere waren mit Büscheln menschlicher Haare besetzt; wieder andere hatten eine Sichelform, wobei der Griff sehr lang war und wie die Spur aussah, die ein Mäher im frisch gemähten Gras hinterlässt. Man zitterte, wenn man hinschaute – und fragte sich, welcher monströse Kannibale oder Wilde jemals mit einem solchen, schrecklichen Werkzeug getötet haben könnte. Dazwischen befanden sich rostige, alte Walfanglanzen und Harpunen, alle kaputt und verdreht. Einige davon waren besonders bemerkenswerte Waffen. Mit dieser einst langen Lanze tötete Nathan Swain vor fünfzig Jahren zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang fünfzehn Wale. Und jene Harpune – die jetzt wie ein Korkenzieher aussieht – wurde in den Gewässern Javas geworfen und von einem Wal mitgenommen; dieser Wal wurde Jahre später vor Kap Blanco getötet. Die ursprüngliche Eisenklinge drang fast bis zum Schwanz des Wals ein und durchquerte insgesamt vierzig Fuß – schließlich fand man sie in der Rückenpartie des Wals vergraben. Wenn man diesen düsteren Raum durchquert und weiter durch den niedrig gewölbten Gang geht – der durch das hindurchführt, was einst eine große zentrale Schornsteineinheit mit Kaminen ringsherum war – gelangt man in den öffentlichen Raum. Es handelt sich dabei um einen noch düstereren Ort: Die Deckenbalken sind sehr niedrig und massiv, die Bodendielen alt und runzelig – man könnte fast meinen, man befinde sich im Cockpit eines alten Schiffes, besonders in einer solch stürmischen Nacht, wenn dieses alte Schiff so heftig schwankte. Auf einer Seite stand ein langer, niedriger Tisch, der mit zerbrochenen Glasvitrinen bedeckt war; diese enthielten staubige Seltenheiten aus den entlegensten Ecken der Welt. Aus einer anderen Ecke des Raumes ragte eine dunkel aussehende „Bude“ hervor – die Bar –, eine grobe Nachbildung des Kopfes eines Pottwals. Jedenfalls steht dort der riesige, gewölbte Knochen des Walenkiefers – so breit, dass darunter fast ein Wagen fahren könnte. Darin befinden sich einfache Regale, auf denen alte Karaffen, Flaschen und Fläschchen stehen. In diesen „Kiefern des schnellen Untergangs“ bewegt sich ein kleiner, vertrockneter alter Mann, der den Seeleuten gegen Bezahlung Wahnsinn und Tod verkauft. Abscheulich sind die Gläser, in die er sein Gift gießt – obwohl es sich um echte Zylinder handelt, täuschen die inneren, grünen Gläser doch.
Page 37
Er verjüngte sich nach unten zu einem spitz zulaufenden Boden. Parallele Meridiane waren grob in das Glas eingekerbt und umschlossen diese „Becher“. Füllen Sie es bis zu dieser Markierung – dann kostet Ihre Getränkemenge nur einen Penny; noch einen Penny dazu – und so weiter, bis das Glas voll ist – die sogenannte „Cape-Horn-Menge“, die man für einen Shilling trinken kann.
Als ich den Ort betrat, fand ich eine Anzahl junger Seeleute um einen Tisch versammelt, die bei schwachem Licht verschiedene Exemplare von Skrimshandern untersuchten. Ich suchte den Wirt auf und sagte ihm, dass ich ein Zimmer haben wolle. Als Antwort erhielt ich, dass sein Haus voll sei – kein Bett sei frei.
„Aber Moment“, fügte er hinzu und klopfte sich an die Stirn, „Sie haben doch kein Problem damit, die Decke eines Harpuniers zu teilen, oder? Ich nehme an, Sie wollen auf Walfang gehen – da sollten Sie sich besser daran gewöhnen.“
Ich sagte ihm, dass ich es nie mochte, in einem Bett mit jemand anderem zu schlafen; falls ich es doch tun würde, hinge das davon ab, wer der Harpunier war. Wenn er (der Wirt) wirklich keinen anderen Platz für mich hätte und der Harpunier nicht allzu abstoßend wäre, dann würde ich lieber die Hälfte der Decke eines anständigen Mannes in Kauf nehmen, anstatt in einer solch kalten Nacht weiterhin in einer fremden Stadt herumzuirren.
„Das dachte ich mir. Na gut, setzen Sie sich. Abendessen? Möchten Sie Abendessen? Es wird gleich fertig sein.“
Ich setzte mich auf einen alten Holzstuhl, der überall wie eine Bank verziert war. Am einen Ende arbeitete ein Mann weiterhin daran, den Stuhl mit seinem Taschenmesser zu verzieren – er beugte sich vor und arbeitete fleißig an dem Bereich zwischen seinen Beinen. Er versuchte, ein Schiff in voller Segelbesegelung darzustellen – doch ich glaube, er kam nicht besonders weit.
Schließlich wurden vier oder fünf von uns in einen angrenzenden Raum gerufen, um dort unser Essen einzunehmen. Es war eiskalt – es gab überhaupt kein Feuer; der Wirt sagte, er könne sich das nicht leisten. Es gab nur zwei armselige Talgkerzen, jeweils in einem Papierumschlag. Wir mussten unsere Mäntel fest zuknöpfen und mit unseren halb erfrorenen Fingern die Tassen mit dem siedend heißen Tee halten. Doch das Essen war von ausgezeichneter Qualität – nicht nur Fleisch und Kartoffeln, sondern auch Teigtaschen! Um Himmels willen – Teigtaschen zum Abendessen! Ein junger Mann in einem grünen Mantel behandelte diese Teigtaschen auf äußerst schreckliche Weise.
„Mein Junge“, sagte der Wirt, „dann werden Sie sicher Albträume bekommen.“
„Wirt“, flüsterte ich, „ist das nicht der Harpunier?“
Als ich den Ort betrat, fand ich eine Anzahl junger Seeleute um einen Tisch versammelt, die bei schwachem Licht verschiedene Exemplare von Skrimshandern untersuchten. Ich suchte den Wirt auf und sagte ihm, dass ich ein Zimmer haben wolle. Als Antwort erhielt ich, dass sein Haus voll sei – kein Bett sei frei.
„Aber Moment“, fügte er hinzu und klopfte sich an die Stirn, „Sie haben doch kein Problem damit, die Decke eines Harpuniers zu teilen, oder? Ich nehme an, Sie wollen auf Walfang gehen – da sollten Sie sich besser daran gewöhnen.“
Ich sagte ihm, dass ich es nie mochte, in einem Bett mit jemand anderem zu schlafen; falls ich es doch tun würde, hinge das davon ab, wer der Harpunier war. Wenn er (der Wirt) wirklich keinen anderen Platz für mich hätte und der Harpunier nicht allzu abstoßend wäre, dann würde ich lieber die Hälfte der Decke eines anständigen Mannes in Kauf nehmen, anstatt in einer solch kalten Nacht weiterhin in einer fremden Stadt herumzuirren.
„Das dachte ich mir. Na gut, setzen Sie sich. Abendessen? Möchten Sie Abendessen? Es wird gleich fertig sein.“
Ich setzte mich auf einen alten Holzstuhl, der überall wie eine Bank verziert war. Am einen Ende arbeitete ein Mann weiterhin daran, den Stuhl mit seinem Taschenmesser zu verzieren – er beugte sich vor und arbeitete fleißig an dem Bereich zwischen seinen Beinen. Er versuchte, ein Schiff in voller Segelbesegelung darzustellen – doch ich glaube, er kam nicht besonders weit.
Schließlich wurden vier oder fünf von uns in einen angrenzenden Raum gerufen, um dort unser Essen einzunehmen. Es war eiskalt – es gab überhaupt kein Feuer; der Wirt sagte, er könne sich das nicht leisten. Es gab nur zwei armselige Talgkerzen, jeweils in einem Papierumschlag. Wir mussten unsere Mäntel fest zuknöpfen und mit unseren halb erfrorenen Fingern die Tassen mit dem siedend heißen Tee halten. Doch das Essen war von ausgezeichneter Qualität – nicht nur Fleisch und Kartoffeln, sondern auch Teigtaschen! Um Himmels willen – Teigtaschen zum Abendessen! Ein junger Mann in einem grünen Mantel behandelte diese Teigtaschen auf äußerst schreckliche Weise.
„Mein Junge“, sagte der Wirt, „dann werden Sie sicher Albträume bekommen.“
„Wirt“, flüsterte ich, „ist das nicht der Harpunier?“
Page 38
„Oh, nein“, sagte er – mit einem irgendwie teuflisch lustigen Ausdruck im Gesicht –, „der Harpunenwerfer ist ein Mann mit dunkler Hautfarbe. Er isst niemals Teigtaschen – er isst nur Steaks, und zwar blutig.“
„Der Teufel soll ihn holen“, sagte ich. „Wo ist dieser Harpunenwerfer? Ist er hier?“
„Er wird bald hier sein“, lautete die Antwort.
Ich konnte nicht anders, als misstrauisch gegenüber diesem „Mann mit dunkler Hautfarbe“ zu werden. Jedenfalls beschloss ich, dass, falls wir tatsächlich zusammen schlafen müssten, er sich vor mir ausziehen und ins Bett gehen müsse.
Nach dem Abendessen kehrte die Gesellschaft in den Barraum zurück. Da ich nicht wusste, was ich sonst tun sollte, beschloss ich, den Rest des Abends einfach nur zuzusehen.
Plötzlich war draußen lautes Getöse zu hören. Der Wirt sprang auf und rief: „Das ist die Besatzung der Grampus. Ich habe heute Morgen gehört, dass sie in Sichtweite ist – eine dreijährige Reise, und das Schiff ist voll. Hurra, Jungs! Jetzt bekommen wir die neuesten Nachrichten von den Feegies.“
Es war das Geräusch von Seeschuhen zu hören; die Tür wurde aufgestoßen, und herein kamen eine Schar wilder Seeleute. Umhüllt in ihre dichten Mäntel, mit den Köpfen in Wolldecken verpackt, schmutzig und zerrissen, mit Bärten, die vor Eis erstarrt waren, sahen sie aus wie Bären, die aus Labrador gekommen waren. Sie waren gerade von ihrem Boot gestiegen, und dies war das erste Haus, in das sie kamen. Kein Wunder also, dass sie direkt zum „Mund des Wals“ – also zur Bar – stürmten. Der alte, runzelige Jonah, der dort arbeitete, schenkte ihnen sofort reichlich Alkohol ein. Einer beschwerte sich über einen starken Kopfschmerz; daraufhin mischte Jonah für ihn eine Art Trank aus Gin und Melasse zusammen – und behauptete, das sei die beste Heilung gegen alle Arten von Erkältungen, egal wie lange sie schon anhielten oder ob sie an der Küste Labradors oder auf der windabgewandten Seite einer Eisscholle aufgetreten waren.
Der Alkohol stieg schnell in ihren Köpfen – wie es normalerweise auch bei den stärksten Trinkern der Fall ist, die gerade vom Meer kommen. Sie begannen, sehr lärmend herumzutanzen.
Ich bemerkte jedoch, dass einer von ihnen etwas abseits stand. Obwohl er anscheinend nicht wollte, dass seine Kameraden durch sein nüchternes Verhalten die Stimmung verdarb, hielt er sich im Allgemeinen zurück und machte nicht so viel Lärm wie die anderen. Dieser Mann weckte sofort mein Interesse – und da die Meergötter…
„Der Teufel soll ihn holen“, sagte ich. „Wo ist dieser Harpunenwerfer? Ist er hier?“
„Er wird bald hier sein“, lautete die Antwort.
Ich konnte nicht anders, als misstrauisch gegenüber diesem „Mann mit dunkler Hautfarbe“ zu werden. Jedenfalls beschloss ich, dass, falls wir tatsächlich zusammen schlafen müssten, er sich vor mir ausziehen und ins Bett gehen müsse.
Nach dem Abendessen kehrte die Gesellschaft in den Barraum zurück. Da ich nicht wusste, was ich sonst tun sollte, beschloss ich, den Rest des Abends einfach nur zuzusehen.
Plötzlich war draußen lautes Getöse zu hören. Der Wirt sprang auf und rief: „Das ist die Besatzung der Grampus. Ich habe heute Morgen gehört, dass sie in Sichtweite ist – eine dreijährige Reise, und das Schiff ist voll. Hurra, Jungs! Jetzt bekommen wir die neuesten Nachrichten von den Feegies.“
Es war das Geräusch von Seeschuhen zu hören; die Tür wurde aufgestoßen, und herein kamen eine Schar wilder Seeleute. Umhüllt in ihre dichten Mäntel, mit den Köpfen in Wolldecken verpackt, schmutzig und zerrissen, mit Bärten, die vor Eis erstarrt waren, sahen sie aus wie Bären, die aus Labrador gekommen waren. Sie waren gerade von ihrem Boot gestiegen, und dies war das erste Haus, in das sie kamen. Kein Wunder also, dass sie direkt zum „Mund des Wals“ – also zur Bar – stürmten. Der alte, runzelige Jonah, der dort arbeitete, schenkte ihnen sofort reichlich Alkohol ein. Einer beschwerte sich über einen starken Kopfschmerz; daraufhin mischte Jonah für ihn eine Art Trank aus Gin und Melasse zusammen – und behauptete, das sei die beste Heilung gegen alle Arten von Erkältungen, egal wie lange sie schon anhielten oder ob sie an der Küste Labradors oder auf der windabgewandten Seite einer Eisscholle aufgetreten waren.
Der Alkohol stieg schnell in ihren Köpfen – wie es normalerweise auch bei den stärksten Trinkern der Fall ist, die gerade vom Meer kommen. Sie begannen, sehr lärmend herumzutanzen.
Ich bemerkte jedoch, dass einer von ihnen etwas abseits stand. Obwohl er anscheinend nicht wollte, dass seine Kameraden durch sein nüchternes Verhalten die Stimmung verdarb, hielt er sich im Allgemeinen zurück und machte nicht so viel Lärm wie die anderen. Dieser Mann weckte sofort mein Interesse – und da die Meergötter…
Page 39
Da beschlossen wurde, dass er bald mein Schiffskamerad werden sollte – wenn auch nur als Schlafpartner, soweit diese Erzählung betrifft – wage ich es hier, eine kurze Beschreibung von ihm zu geben. Er war ganze sechs Fuß groß, hatte edle Schultern und eine Brust wie ein Damm. So viel Kraft habe ich bei einem Mann selten gesehen. Sein Gesicht war dunkelbraun und gebräunt, wodurch seine weißen Zähne durch den Kontrast noch strahlender wirkten; in den tiefen Schatten seiner Augen schienen sich Erinnerungen zu befinden, die ihm offensichtlich keine große Freude bereiteten. Seine Stimme verriet sofort, dass er Einwohner des Südens war, und anhand seiner stattlichen Statur dachte ich, er müsse einer jener großen Bergbewohner aus dem Alleghany-Gebirge in Virginia sein. Als das Treiben seiner Kameraden seinen Höhepunkt erreichte, schlich dieser Mann unbemerkt davon, und ich sah ihn nicht mehr, bis er mein Gefährte auf See wurde. Doch schon nach wenigen Minuten wurde er von seinen Schiffskameraden vermisst. Da er anscheinend aus irgendeinem Grund bei ihnen sehr beliebt war, riefen sie: „Bulkington! Bulkington! Wo ist Bulkington?“ und eilten aus dem Haus, um ihn zu suchen.
Es war nun etwa neun Uhr, und der Raum wirkte nach diesen Orgien fast übernatürlich ruhig. Ich begann, mich für einen kleinen Plan zu beglückwünschen, der mir kurz vor dem Eintreffen der Seeleute eingefallen war. Kein Mensch möchte gerne zu zweit im Bett schlafen. Tatsächlich würde man lieber nicht einmal mit seinem eigenen Bruder zusammen schlafen. Ich weiß nicht, warum, aber die Leute möchten beim Schlafen ihre Privatsphäre haben. Und wenn es darum geht, mit einem unbekannten Fremden in einer fremden Herberge, in einer fremden Stadt zu schlafen – und dieser Fremde ist außerdem ein Harpunier – dann vermehren sich die Einwände endlos. Auch gab es keinen vernünftigen Grund dafür, dass ich als Seemann zu zweit im Bett schlafen müsste, im Gegensatz zu jedem anderen. Denn Seemänner schlafen auf See genauso wenig zu zweit im Bett wie ledige Männer an Land. Zwar schlafen sie alle zusammen in einer Unterkunft, aber man hat seine eigene Hängematte, deckt sich mit seiner eigenen Decke zu und schläft in seiner eigenen Haut.
Je mehr ich über diesen Harpunier nachdachte, desto mehr hasste ich den Gedanken, mit ihm schlafen zu müssen. Es war durchaus anzunehmen, dass seine Wäsche – sei es aus Leinen oder Wolle – keineswegs ordentlich sein würde, sicherlich auch nicht besonders gut. Ich begann am ganzen Körper zu zucken. Außerdem wurde es spät, und mein anständiger Harpunier sollte längst zu Hause sein und ins Bett gehen. Was, wenn er mitten in der Nacht plötzlich bei mir auftauchen würde – wie könnte ich da erkennen, aus welchem abscheulichen Loch er gekommen war?
Es war nun etwa neun Uhr, und der Raum wirkte nach diesen Orgien fast übernatürlich ruhig. Ich begann, mich für einen kleinen Plan zu beglückwünschen, der mir kurz vor dem Eintreffen der Seeleute eingefallen war. Kein Mensch möchte gerne zu zweit im Bett schlafen. Tatsächlich würde man lieber nicht einmal mit seinem eigenen Bruder zusammen schlafen. Ich weiß nicht, warum, aber die Leute möchten beim Schlafen ihre Privatsphäre haben. Und wenn es darum geht, mit einem unbekannten Fremden in einer fremden Herberge, in einer fremden Stadt zu schlafen – und dieser Fremde ist außerdem ein Harpunier – dann vermehren sich die Einwände endlos. Auch gab es keinen vernünftigen Grund dafür, dass ich als Seemann zu zweit im Bett schlafen müsste, im Gegensatz zu jedem anderen. Denn Seemänner schlafen auf See genauso wenig zu zweit im Bett wie ledige Männer an Land. Zwar schlafen sie alle zusammen in einer Unterkunft, aber man hat seine eigene Hängematte, deckt sich mit seiner eigenen Decke zu und schläft in seiner eigenen Haut.
Je mehr ich über diesen Harpunier nachdachte, desto mehr hasste ich den Gedanken, mit ihm schlafen zu müssen. Es war durchaus anzunehmen, dass seine Wäsche – sei es aus Leinen oder Wolle – keineswegs ordentlich sein würde, sicherlich auch nicht besonders gut. Ich begann am ganzen Körper zu zucken. Außerdem wurde es spät, und mein anständiger Harpunier sollte längst zu Hause sein und ins Bett gehen. Was, wenn er mitten in der Nacht plötzlich bei mir auftauchen würde – wie könnte ich da erkennen, aus welchem abscheulichen Loch er gekommen war?
Page 40
„Wirt! Ich habe meine Meinung über diesen Harpunenmann geändert – ich werde nicht mit ihm schlafen. Ich werde es hier auf der Bank versuchen.“
„Wie Sie wünschen; es tut mir leid, dass ich Ihnen kein Tuch für ein Matratzenpolster geben kann, und die Bank hier ist verdammt rau“ – man spürte die Knoten und Unebenheiten. „Aber warten Sie einen Moment, Skrimshander; ich habe da im Schrank eine Säge des Zimmermanns – warten Sie, ich mache es Ihnen so bequem wie möglich.“ Damit holte er die Säge und wischte zunächst mit seinem alten Seidentaschentuch die Bank ab, bevor er kräftig damit an meinem „Bett“ arbeitete, während er wie ein Affe grinste. Die Späne flogen in alle Richtungen; schließlich stieß die Säge auf einen unzerstörbaren Knoten. Der Wirt riskierte fast, sich den Handgelenk zu verstauchen, und ich bat ihn inständig, aufzuhören – das „Bett“ war bereits weich genug für mich, und ich verstand nicht, wie all das Sägen aus einem Kiefernholzbrett je Daunen machen könnte. Also sammelte er die Späne mit einem weiteren Grinsen ein und warf sie in den großen Ofen in der Mitte des Zimmers, danach machte er weiter mit seiner Arbeit und ließ mich in einem braunen Raum zurück.
Ich maß nun die Bank und stellte fest, dass sie einen Fuß zu kurz war; das ließ sich jedoch mit einem Stuhl beheben. Doch sie war auch einen Fuß zu schmal, und die andere Bank im Raum war etwa vier Zoll höher als die gesägte – daher ließ es sich nicht ermöglichen, sie miteinander zu verbinden. Ich stellte die erste Bank also längs entlang des einzigen freien Platzes an der Wand, wobei ich etwas Abstand ließ, damit mein Rücken darauf ruhen konnte. Doch bald stellte ich fest, dass kalte Luft unter dem Fensterrahmen auf mich zukam – dieser Plan funktionierte überhaupt nicht, besonders da eine weitere Strömung durch die wackelige Tür auf die vom Fenster zusammentraf und beide zusammen eine Reihe kleiner Wirbelwinde in der unmittelbaren Umgebung des Ortes erzeugten, an dem ich die Nacht verbringen wollte.
„Zum Teufel mit diesem Harpunenmann“, dachte ich. „Aber warte – könnte ich ihm nicht zuvorkommen? Seine Tür von innen verbarrikadieren und in sein Bett springen, damit mich selbst das heftigste Klopfen nicht wecken kann?“ Es schien keine schlechte Idee zu sein; doch nach reiflicher Überlegung verwarf ich sie wieder. Denn wer weiß – vielleicht stand der Harpunenmann bereits am nächsten Morgen im Eingangsbereich, bereit, mich niederzuschlagen!
Trotzdem sah ich mich noch einmal um und stellte fest, dass es keine Möglichkeit gab, eine erträgliche Nacht zu verbringen, es sei denn, in dem Bett einer anderen Person. Ich begann zu glauben, dass ich vielleicht unbegründete Vorurteile gegen diesen unbekannten Harpunenmann hegte. „Ich warte noch eine Weile“, dachte ich. „Er wird sicherlich bald auftauchen.“
„Wie Sie wünschen; es tut mir leid, dass ich Ihnen kein Tuch für ein Matratzenpolster geben kann, und die Bank hier ist verdammt rau“ – man spürte die Knoten und Unebenheiten. „Aber warten Sie einen Moment, Skrimshander; ich habe da im Schrank eine Säge des Zimmermanns – warten Sie, ich mache es Ihnen so bequem wie möglich.“ Damit holte er die Säge und wischte zunächst mit seinem alten Seidentaschentuch die Bank ab, bevor er kräftig damit an meinem „Bett“ arbeitete, während er wie ein Affe grinste. Die Späne flogen in alle Richtungen; schließlich stieß die Säge auf einen unzerstörbaren Knoten. Der Wirt riskierte fast, sich den Handgelenk zu verstauchen, und ich bat ihn inständig, aufzuhören – das „Bett“ war bereits weich genug für mich, und ich verstand nicht, wie all das Sägen aus einem Kiefernholzbrett je Daunen machen könnte. Also sammelte er die Späne mit einem weiteren Grinsen ein und warf sie in den großen Ofen in der Mitte des Zimmers, danach machte er weiter mit seiner Arbeit und ließ mich in einem braunen Raum zurück.
Ich maß nun die Bank und stellte fest, dass sie einen Fuß zu kurz war; das ließ sich jedoch mit einem Stuhl beheben. Doch sie war auch einen Fuß zu schmal, und die andere Bank im Raum war etwa vier Zoll höher als die gesägte – daher ließ es sich nicht ermöglichen, sie miteinander zu verbinden. Ich stellte die erste Bank also längs entlang des einzigen freien Platzes an der Wand, wobei ich etwas Abstand ließ, damit mein Rücken darauf ruhen konnte. Doch bald stellte ich fest, dass kalte Luft unter dem Fensterrahmen auf mich zukam – dieser Plan funktionierte überhaupt nicht, besonders da eine weitere Strömung durch die wackelige Tür auf die vom Fenster zusammentraf und beide zusammen eine Reihe kleiner Wirbelwinde in der unmittelbaren Umgebung des Ortes erzeugten, an dem ich die Nacht verbringen wollte.
„Zum Teufel mit diesem Harpunenmann“, dachte ich. „Aber warte – könnte ich ihm nicht zuvorkommen? Seine Tür von innen verbarrikadieren und in sein Bett springen, damit mich selbst das heftigste Klopfen nicht wecken kann?“ Es schien keine schlechte Idee zu sein; doch nach reiflicher Überlegung verwarf ich sie wieder. Denn wer weiß – vielleicht stand der Harpunenmann bereits am nächsten Morgen im Eingangsbereich, bereit, mich niederzuschlagen!
Trotzdem sah ich mich noch einmal um und stellte fest, dass es keine Möglichkeit gab, eine erträgliche Nacht zu verbringen, es sei denn, in dem Bett einer anderen Person. Ich begann zu glauben, dass ich vielleicht unbegründete Vorurteile gegen diesen unbekannten Harpunenmann hegte. „Ich warte noch eine Weile“, dachte ich. „Er wird sicherlich bald auftauchen.“
Page 41
Bald schon. Dann werde ich mir ihn genauer ansehen – vielleicht werden wir ja doch ziemlich gute Mitbewohner, wer weiß. Doch obwohl die anderen Gäste nacheinander kamen und ins Bett gingen, war von meinem Harpunenmann keine Spur zu sehen.
„Wirt!“, sagte ich, „was für ein Kerl ist er eigentlich – bleibt er immer bis spät in die Nacht wach?“ Es war bereits fast Mitternacht.
Der Wirt lachte wieder mit seinem leisen Lachen und schien über etwas, das mir unverständlich blieb, sehr amüsiert zu sein. „Nein“, antwortete er, „normalerweise ist er ein Frühaufsteher – geht früh ins Bett und steht früh auf – ja, er ist derjenige, der den Wurm fängt. Aber heute Abend ist er losgezogen, um etwas zu verkaufen. Ich sehe nicht, warum er so spät zurückkommt – es sei denn, er kann seinen Kopf einfach nicht verkaufen.“
„Seinen Kopf nicht verkaufen? Was für ein Unsinn ist das denn?“, wurde ich wütend. „Wollen Sie etwa behaupten, dass dieser Harpunenmann an diesem verdammten Samstagabend – oder besser gesagt Sonntagmorgen – damit beschäftigt ist, seinen Kopf in dieser Stadt zu verkaufen?“
„Genau das“, sagte der Wirt. „Ich habe ihm gesagt, dass er ihn hier nicht verkaufen kann – der Markt ist bereits überfüllt.“
„Mit was denn?“, schrie ich.
„Mit Köpfen, natürlich. Gibt es denn nicht schon zu viele Köpfe auf der Welt?“
„Ich sage Ihnen, was los ist, Wirt“, sagte ich ganz ruhig. „Es wäre besser, wenn Sie aufhören würden, solchen Unsinn zu erzählen – ich bin kein Dummkopf.“
„Vielleicht nicht“, sagte er und holte einen Stock hervor, um daraus eine Zahnstocher zu schnitzen. „Aber ich glaube, Sie werden bald tot sein, wenn dieser Harpunenmann hört, wie Sie seinen Kopf verleumden.“
„Ich werde ihn für ihn zerstören“, sagte ich und geriet wieder in Wut über diesen unsinnigen Unsinn des Wirts.
„Er ist bereits zerstört“, sagte er.
„Zerstört?“, fragte ich.
„Ja, und das ist wohl der Grund, warum er ihn nicht verkaufen kann.“
„Wirt“, sagte ich und ging auf ihn zu – ruhig wie der Berg Hecla im Schneesturm. „Wirt, hören Sie auf zu schnitzen. Wir müssen uns unbedingt verstehen – und zwar sofort. Ich komme zu Ihnen, weil ich ein Bett brauche; Sie sagen mir, Sie können mir nur die Hälfte geben – die andere Hälfte gehört einem bestimmten…“
„Wirt!“, sagte ich, „was für ein Kerl ist er eigentlich – bleibt er immer bis spät in die Nacht wach?“ Es war bereits fast Mitternacht.
Der Wirt lachte wieder mit seinem leisen Lachen und schien über etwas, das mir unverständlich blieb, sehr amüsiert zu sein. „Nein“, antwortete er, „normalerweise ist er ein Frühaufsteher – geht früh ins Bett und steht früh auf – ja, er ist derjenige, der den Wurm fängt. Aber heute Abend ist er losgezogen, um etwas zu verkaufen. Ich sehe nicht, warum er so spät zurückkommt – es sei denn, er kann seinen Kopf einfach nicht verkaufen.“
„Seinen Kopf nicht verkaufen? Was für ein Unsinn ist das denn?“, wurde ich wütend. „Wollen Sie etwa behaupten, dass dieser Harpunenmann an diesem verdammten Samstagabend – oder besser gesagt Sonntagmorgen – damit beschäftigt ist, seinen Kopf in dieser Stadt zu verkaufen?“
„Genau das“, sagte der Wirt. „Ich habe ihm gesagt, dass er ihn hier nicht verkaufen kann – der Markt ist bereits überfüllt.“
„Mit was denn?“, schrie ich.
„Mit Köpfen, natürlich. Gibt es denn nicht schon zu viele Köpfe auf der Welt?“
„Ich sage Ihnen, was los ist, Wirt“, sagte ich ganz ruhig. „Es wäre besser, wenn Sie aufhören würden, solchen Unsinn zu erzählen – ich bin kein Dummkopf.“
„Vielleicht nicht“, sagte er und holte einen Stock hervor, um daraus eine Zahnstocher zu schnitzen. „Aber ich glaube, Sie werden bald tot sein, wenn dieser Harpunenmann hört, wie Sie seinen Kopf verleumden.“
„Ich werde ihn für ihn zerstören“, sagte ich und geriet wieder in Wut über diesen unsinnigen Unsinn des Wirts.
„Er ist bereits zerstört“, sagte er.
„Zerstört?“, fragte ich.
„Ja, und das ist wohl der Grund, warum er ihn nicht verkaufen kann.“
„Wirt“, sagte ich und ging auf ihn zu – ruhig wie der Berg Hecla im Schneesturm. „Wirt, hören Sie auf zu schnitzen. Wir müssen uns unbedingt verstehen – und zwar sofort. Ich komme zu Ihnen, weil ich ein Bett brauche; Sie sagen mir, Sie können mir nur die Hälfte geben – die andere Hälfte gehört einem bestimmten…“
Page 42
Harpunenmann. Und über diesen Harpunenmann, den ich noch nicht gesehen habe, beharren Sie darauf, mir die verwirrendsten und ärgerlichsten Geschichten zu erzählen – Geschichten, die in mir ein unangenehmes Gefühl gegenüber dem Mann wecken, den Sie als meinen Mitbewohner vorschlagen. Es handelt sich dabei um eine Art Beziehung, Herr Wirt, eine äußerst intime und vertrauliche Beziehung. Ich verlange nun von Ihnen, dass Sie offen sprechen und mir sagen, wer und was dieser Harpunenmann ist – sowie ob es für mich sicher ist, die Nacht mit ihm zu verbringen. Zunächst sollten Sie bitte diese Geschichte von dem Verkauf seines Kopfes zurücknehmen. Wenn das wahr wäre, wäre das ein klares Zeichen dafür, dass dieser Harpunenmann völlig verrückt ist – und ich habe keinerlei Lust, mit einem Verrückten zu schlafen. Sie, Herr Wirt, indem Sie versuchen, mich dazu zu bringen, das zu tun, machen sich selbst strafbar.
„Wall“, sagte der Wirt und holte tief Luft, „das ist wirklich eine ziemlich lange Erklärung für jemanden, der ab und zu mal etwas Unsinn redet. Aber beruhigen Sie sich – dieser Harpunenmann, von dem ich Ihnen erzählt habe, ist gerade aus den Südmeeren angekommen. Dort hat er viele ‚balsamierte Neuseeländer-Köpfe‘ gekauft – wirklich interessante Kuriositäten, wissen Sie. Er hat sie alle verkauft, außer einen. Den versucht er heute Abend zu verkaufen – schließlich ist morgen Sonntag, und es wäre nicht angemessen, Menschenköpfe auf den Straßen zu verkaufen, wenn die Leute in die Kirche gehen. Letzten Sonntag wollte er es tun, aber ich habe ihn davon abgehalten, gerade als er mit vier Köpfen, auf einer Schnur aufgereiht, zur Tür hinausging.“
Diese Erklärung löste das sonst unerklärliche Rätsel – und zeigte, dass der Wirt eigentlich gar nicht vorhatte, mich zu täuschen. Doch was sollte ich von einem Harpunenmann halten, der einen Samstagabend einfach überspringt und stattdessen am heiligen Sabbat solche Kannibalenaktivitäten betreibt?
„Glauben Sie mir, Herr Wirt – dieser Harpunenmann ist ein gefährlicher Mann.“
„Er zahlt pünktlich“, antwortete der Wirt. „Aber kommen Sie, es wird schon ziemlich spät. Sie sollten sich besser aufs Ohr legen – es ist ein schönes Bett. Sal und ich haben in diesem Bett geschlafen, in der Nacht, in der wir zusammenkamen. In diesem Bett ist genug Platz für zwei Personen. Es ist wirklich ein riesiges Bett. Früher legte Sal unseren Sam und kleinen Johnny ans Fußende des Bettes. Doch eines Nachts habe ich im Schlaf herumgewälzt – dadurch fiel Sam auf den Boden und brach sich fast den Arm. Danach sagte Sal, das sei nicht in Ordnung. Kommen Sie, ich zeige Ihnen kurz das Bett.“ Er zündete eine Kerze an und hielt sie mir entgegen, um mir den Weg zu weisen. Doch ich blieb stehen.
„Wall“, sagte der Wirt und holte tief Luft, „das ist wirklich eine ziemlich lange Erklärung für jemanden, der ab und zu mal etwas Unsinn redet. Aber beruhigen Sie sich – dieser Harpunenmann, von dem ich Ihnen erzählt habe, ist gerade aus den Südmeeren angekommen. Dort hat er viele ‚balsamierte Neuseeländer-Köpfe‘ gekauft – wirklich interessante Kuriositäten, wissen Sie. Er hat sie alle verkauft, außer einen. Den versucht er heute Abend zu verkaufen – schließlich ist morgen Sonntag, und es wäre nicht angemessen, Menschenköpfe auf den Straßen zu verkaufen, wenn die Leute in die Kirche gehen. Letzten Sonntag wollte er es tun, aber ich habe ihn davon abgehalten, gerade als er mit vier Köpfen, auf einer Schnur aufgereiht, zur Tür hinausging.“
Diese Erklärung löste das sonst unerklärliche Rätsel – und zeigte, dass der Wirt eigentlich gar nicht vorhatte, mich zu täuschen. Doch was sollte ich von einem Harpunenmann halten, der einen Samstagabend einfach überspringt und stattdessen am heiligen Sabbat solche Kannibalenaktivitäten betreibt?
„Glauben Sie mir, Herr Wirt – dieser Harpunenmann ist ein gefährlicher Mann.“
„Er zahlt pünktlich“, antwortete der Wirt. „Aber kommen Sie, es wird schon ziemlich spät. Sie sollten sich besser aufs Ohr legen – es ist ein schönes Bett. Sal und ich haben in diesem Bett geschlafen, in der Nacht, in der wir zusammenkamen. In diesem Bett ist genug Platz für zwei Personen. Es ist wirklich ein riesiges Bett. Früher legte Sal unseren Sam und kleinen Johnny ans Fußende des Bettes. Doch eines Nachts habe ich im Schlaf herumgewälzt – dadurch fiel Sam auf den Boden und brach sich fast den Arm. Danach sagte Sal, das sei nicht in Ordnung. Kommen Sie, ich zeige Ihnen kurz das Bett.“ Er zündete eine Kerze an und hielt sie mir entgegen, um mir den Weg zu weisen. Doch ich blieb stehen.
Page 43
Unentschlossen – als er auf die Uhr in der Ecke blickte, rief er aus: „Ich schwöre, es ist Sonntag – du wirst diesen Harpunenmann heute Abend nicht sehen; er hat irgendwo angelegt. Komm schon, komm doch! Willst du denn nicht kommen?“ Ich überlegte einen Moment, dann gingen wir die Treppe hinauf. Man führte mich in ein kleines Zimmer, das eiskalt war und tatsächlich mit einem riesigen Bett ausgestattet war – groß genug, damit vier Harpunenmänner nebeneinander schlafen konnten.
„Da“, sagte der Wirt und stellte die Kerze auf einen alten, verrückt aussehenden Seesack, der gleichzeitig als Waschtisch und Mitteltisch diente. „Setz dich hierhin, mach es dir bequem – gute Nacht.“ Ich wandte mich vom Bett ab, doch er war bereits verschwunden.
Ich schlug die Decke zurück und beugte mich über das Bett. Obwohl es nicht besonders elegant war, hielt es einem genauen Blick durchaus stand. Dann sah ich mich im Raum um – abgesehen vom Bettgestell und dem Mitteltisch entdeckte ich keine weiteren Möbelstücke. Nur ein einfacher Regalbrett, die vier Wände sowie eine Tapete, die einen Mann darstellte, der einen Wal angreift. Zu den Gegenständen, die eigentlich nicht ins Zimmer gehörten, gehörte außerdem eine Hängematte, die in einer Ecke auf dem Boden lag, sowie eine große Seemannstasche, in der sich vermutlich die Kleidung des Harpunenmannes befand – wohl als Ersatz für einen Koffer. Auf dem Regal über dem Kamin lagen außerdem einige seltsame Haken aus Knochen, und am Kopfende des Bettes stand eine große Harpune.
Aber was ist das da auf dem Sack? Ich nahm ihn in die Hand, hielt ihn ans Licht, betastete ihn und roch daran – und versuchte auf jede mögliche Weise, zu einer zufriedenstellenden Erklärung zu gelangen. Ich konnte es nur mit einem großen Türteppich vergleichen, der an den Rändern mit kleinen, klingelnden Bändern verziert war – ähnlich wie die gefärbten Igelschwänze an indischen Mokassins. In der Mitte des Teppichs befand sich ein Loch oder eine Schlitz – so etwas sieht man auch bei südamerikanischen Ponchos. Aber könnte es möglich sein, dass ein vernünftiger Harpunenmann so etwas trägt und damit durch die Straßen einer christlichen Stadt spaziert? Ich probierte ihn an – er war unglaublich schwer und dicht, und ich hatte das Gefühl, dass er etwas feucht war, als hätte dieser geheimnisvolle Harpunenmann ihn an einem regnerischen Tag getragen. Ich ging damit zu einem Stück Glas, das an der Wand angebracht war – und sah in meinem Leben noch nie etwas Derartiges. Ich zog mich so schnell daraus heraus, dass ich mir den Hals verdrehte. Ich setzte mich auf die Bettkante und begann, über diesen verrückten Harpunenmann und seinen Türteppich nachzudenken. Nachdem ich eine Weile darüber nachgedacht hatte…
„Da“, sagte der Wirt und stellte die Kerze auf einen alten, verrückt aussehenden Seesack, der gleichzeitig als Waschtisch und Mitteltisch diente. „Setz dich hierhin, mach es dir bequem – gute Nacht.“ Ich wandte mich vom Bett ab, doch er war bereits verschwunden.
Ich schlug die Decke zurück und beugte mich über das Bett. Obwohl es nicht besonders elegant war, hielt es einem genauen Blick durchaus stand. Dann sah ich mich im Raum um – abgesehen vom Bettgestell und dem Mitteltisch entdeckte ich keine weiteren Möbelstücke. Nur ein einfacher Regalbrett, die vier Wände sowie eine Tapete, die einen Mann darstellte, der einen Wal angreift. Zu den Gegenständen, die eigentlich nicht ins Zimmer gehörten, gehörte außerdem eine Hängematte, die in einer Ecke auf dem Boden lag, sowie eine große Seemannstasche, in der sich vermutlich die Kleidung des Harpunenmannes befand – wohl als Ersatz für einen Koffer. Auf dem Regal über dem Kamin lagen außerdem einige seltsame Haken aus Knochen, und am Kopfende des Bettes stand eine große Harpune.
Aber was ist das da auf dem Sack? Ich nahm ihn in die Hand, hielt ihn ans Licht, betastete ihn und roch daran – und versuchte auf jede mögliche Weise, zu einer zufriedenstellenden Erklärung zu gelangen. Ich konnte es nur mit einem großen Türteppich vergleichen, der an den Rändern mit kleinen, klingelnden Bändern verziert war – ähnlich wie die gefärbten Igelschwänze an indischen Mokassins. In der Mitte des Teppichs befand sich ein Loch oder eine Schlitz – so etwas sieht man auch bei südamerikanischen Ponchos. Aber könnte es möglich sein, dass ein vernünftiger Harpunenmann so etwas trägt und damit durch die Straßen einer christlichen Stadt spaziert? Ich probierte ihn an – er war unglaublich schwer und dicht, und ich hatte das Gefühl, dass er etwas feucht war, als hätte dieser geheimnisvolle Harpunenmann ihn an einem regnerischen Tag getragen. Ich ging damit zu einem Stück Glas, das an der Wand angebracht war – und sah in meinem Leben noch nie etwas Derartiges. Ich zog mich so schnell daraus heraus, dass ich mir den Hals verdrehte. Ich setzte mich auf die Bettkante und begann, über diesen verrückten Harpunenmann und seinen Türteppich nachzudenken. Nachdem ich eine Weile darüber nachgedacht hatte…
Page 44
Am Bettstand stand ich auf, zog meine Jacke aus und blieb dann mitten im Zimmer stehen und dachte nach. Danach zog ich meinen Mantel aus und dachte weiterhin in meinen Hemdsärmeln nach. Doch da mir nun sehr kalt wurde – schließlich war ich halbnackt – und ich mich daran erinnerte, was der Vermieter über den Harpunenwerfer gesagt hatte: Er würde in dieser Nacht überhaupt nicht nach Hause kommen, weil es bereits sehr spät sei, machte ich keine weiteren Umstände mehr, sondern zog mir die Hosen und Stiefel aus, löschte das Licht und stürzte mich ins Bett, um mich Gottes Obhut anzuvertrauen.
Ob dieser Matratzen mit Maiskolben oder zerbrochenem Geschirr gefüllt war, das weiß man nicht. Ich wälzte mich lange hin und her und konnte lange Zeit nicht schlafen. Schließlich driftete ich in einen leichten Schlaf hinüber – und war fast schon auf dem Weg ins Land Nod –, als ich schwere Schritte im Flur hörte und ein Lichtschein durch die Tür ins Zimmer kam.
„Herr, rette mich!“, dachte ich. „Das muss der Harpunenwerfer sein, dieser verdammte Kerl.“ Doch ich lag völlig still da und beschloss, kein Wort zu sagen, bis man mit mir sprach. Der Fremde betrat das Zimmer, hielt in einer Hand eine Lampe und in der anderen jenen selben Kopf aus Neuseeland. Ohne zum Bett zu blicken, stellte er seine Kerze in einer Ecke des Zimmers auf den Boden, weit von mir entfernt, und begann anschließend, an den verknoteten Schnüren des großen Sacks zu arbeiten, von dem ich bereits gesprochen hatte. Ich war sehr neugierig, sein Gesicht zu sehen, doch er hielt es eine Weile abgewandt, während er damit beschäftigt war, den Sack zu öffnen. Als das erledigt war, drehte er sich um – und, bei Gott! Was für ein Anblick! Sein Gesicht hatte eine dunkle, purpurfarbene, gelbe Färbung; hier und da waren große, schwarze Flecken darauf. Ja, genau wie ich gedacht hatte: Er war ein schrecklicher Mitbewohner – er hatte in einem Kampf schreckliche Verletzungen erlitten und kam gerade vom Chirurgen. Doch in diesem Moment drehte er sein Gesicht zufällig zur Lichtquelle – und ich sah deutlich, dass es sich bei diesen schwarzen Flecken auf seinen Wangen keineswegs um Pflaster handelte. Es waren irgendwelche Flecken. Zuerst wusste ich nicht, was ich davon halten sollte; doch bald kam mir eine Ahnung der Wahrheit. Ich erinnerte mich an die Geschichte eines Weißen – auch ein Walfänger – der bei den Kannibalen in Gefangenschaft geriet und von ihnen tätowiert wurde. Ich kam zu dem Schluss, dass dieser Harpunenwerfer auf seinen weiten Reisen wohl eine ähnliche Erfahrung gemacht haben musste. Aber was bedeutet das letztendlich? Es ist nur sein Äußeres – ein Mensch kann in jeder Hautfarbe ehrlich sein. Doch was soll man von seiner unheimlichen Hautfarbe halten – also von jener Stelle, die völlig unabhängig von den Tätowierungen ist? Sicherlich…
Ob dieser Matratzen mit Maiskolben oder zerbrochenem Geschirr gefüllt war, das weiß man nicht. Ich wälzte mich lange hin und her und konnte lange Zeit nicht schlafen. Schließlich driftete ich in einen leichten Schlaf hinüber – und war fast schon auf dem Weg ins Land Nod –, als ich schwere Schritte im Flur hörte und ein Lichtschein durch die Tür ins Zimmer kam.
„Herr, rette mich!“, dachte ich. „Das muss der Harpunenwerfer sein, dieser verdammte Kerl.“ Doch ich lag völlig still da und beschloss, kein Wort zu sagen, bis man mit mir sprach. Der Fremde betrat das Zimmer, hielt in einer Hand eine Lampe und in der anderen jenen selben Kopf aus Neuseeland. Ohne zum Bett zu blicken, stellte er seine Kerze in einer Ecke des Zimmers auf den Boden, weit von mir entfernt, und begann anschließend, an den verknoteten Schnüren des großen Sacks zu arbeiten, von dem ich bereits gesprochen hatte. Ich war sehr neugierig, sein Gesicht zu sehen, doch er hielt es eine Weile abgewandt, während er damit beschäftigt war, den Sack zu öffnen. Als das erledigt war, drehte er sich um – und, bei Gott! Was für ein Anblick! Sein Gesicht hatte eine dunkle, purpurfarbene, gelbe Färbung; hier und da waren große, schwarze Flecken darauf. Ja, genau wie ich gedacht hatte: Er war ein schrecklicher Mitbewohner – er hatte in einem Kampf schreckliche Verletzungen erlitten und kam gerade vom Chirurgen. Doch in diesem Moment drehte er sein Gesicht zufällig zur Lichtquelle – und ich sah deutlich, dass es sich bei diesen schwarzen Flecken auf seinen Wangen keineswegs um Pflaster handelte. Es waren irgendwelche Flecken. Zuerst wusste ich nicht, was ich davon halten sollte; doch bald kam mir eine Ahnung der Wahrheit. Ich erinnerte mich an die Geschichte eines Weißen – auch ein Walfänger – der bei den Kannibalen in Gefangenschaft geriet und von ihnen tätowiert wurde. Ich kam zu dem Schluss, dass dieser Harpunenwerfer auf seinen weiten Reisen wohl eine ähnliche Erfahrung gemacht haben musste. Aber was bedeutet das letztendlich? Es ist nur sein Äußeres – ein Mensch kann in jeder Hautfarbe ehrlich sein. Doch was soll man von seiner unheimlichen Hautfarbe halten – also von jener Stelle, die völlig unabhängig von den Tätowierungen ist? Sicherlich…
Page 45
Es könnte einfach nur eine gute Portion tropischer Bräune sein – doch ich habe noch nie gehört, dass die heiße Sonne einen Weißen in eine purpurgelbe Farbe verwandeln könnte. Ich war jedoch noch nie in den Südseeinseln; vielleicht hatte die Sonne dort diese außergewöhnlichen Auswirkungen auf die Haut. Während all diese Gedanken wie Blitze durch meinen Kopf zuckten, bemerkte der Harpunenwerfer mich überhaupt nicht. Nach einigem Hin und Her gelang es ihm schließlich, seine Tasche zu öffnen; er kramte darin herum und holte schließlich eine Art Tomahawk sowie eine Brieftasche aus Robbenfell hervor. Er legte diese Gegenstände auf den alten Schrank in der Mitte des Zimmers und steckte anschließend den neuseeländischen Kopf – ein wirklich grauenhaftes Ding – in die Tasche. Dann nahm er seinen Hut ab – einen neuen Biberhut – und als ich näher kam, rief ich vor Überraschung aus. Auf seinem Kopf war kein Haar – zumindest keines sichtbaren – nur ein kleiner Knoten auf der Stirn. Sein kahler, purpurfarbener Kopf sah aus wie ein schimmelnder Schädel. Hätte der Fremde nicht zwischen mir und der Tür gestanden, wäre ich schneller davongelaufen als je zuvor. Auch so dachte ich daran, durch das Fenster zu entkommen – doch es war das zweite Stockwerk. Ich bin kein Feigling, aber was ich von diesem verrückten, purpurfarbenen Schurken halten sollte, ging mir völlig über den Verstand. Unwissenheit ist die Mutter der Angst – und da ich völlig ratlos und verunsichert war, muss ich zugeben, dass ich nun genauso große Angst vor ihm hatte, als wäre der Teufel selbst mitten in der Nacht in mein Zimmer eingedrungen. Tatsächlich hatte ich solche Angst vor ihm, dass ich nicht den Mut hatte, ihn anzusprechen und eine zufriedenstellende Erklärung für sein seltsames Verhalten zu fordern. In der Zwischenzeit setzte er sein Ausziehen fort und zeigte schließlich seine Brust und Arme. Bei meinem Leben – auch diese Körperteile waren mit denselben Quadraten bedeckt wie sein Gesicht; auch sein Rücken war voller solcher dunklen Quadrate. Es schien, als hätte er am Dreißigjährigen Krieg teilgenommen und sei gerade mit einem provisorischen Hemd daraus entkommen. Selbst seine Beine waren gezeichnet – als würden dunkelgrüne Frösche an den Stämmen junger Palmen hochklettern. Es war nun klar, dass er irgendein abscheulicher Wilder sein musste, der von einem Walfänger in den Südseeinseln an Bord gebracht worden war und so in dieses christliche Land gelangt war. Allein der Gedanke daran ließ mich zittern. Ein Kopfhändler obendrein – vielleicht die Köpfe seiner eigenen Brüder. Vielleicht würde er Interesse an meinem Kopf haben – Himmel! Schauen Sie sich nur diesen Tomahawk an!
Page 46
Doch es blieb keine Zeit zum Zittern – denn jetzt tat der Wilde etwas, das meine Aufmerksamkeit völlig in Anspruch nahm und mich davon überzeugte, dass er tatsächlich ein Heide sein musste. Er ging zu seinem schweren Umhang, den er zuvor auf einen Stuhl gehängt hatte, wühlte in den Taschen herum und holte schließlich eine seltsame, kleine, deformierte Figur hervor, die einen Buckel auf dem Rücken hatte und genau die Farbe eines drei Tage alten kongolesischen Babys hatte. Als ich an den konservierten Kopf dachte, glaubte ich zunächst, dieses schwarze Mannequin sei ein echtes Baby, das auf ähnliche Weise konserviert worden sei. Doch da es überhaupt nicht beweglich war und stark wie poliertes Ebenholz glänzte, kam ich zu dem Schluss, dass es sich um nichts anderes als einen Holzidol handeln musste – und tatsächlich stellte sich das auch heraus. Der Wilde ging nun zum leeren Kamin, entfernte die mit Papier beklebte Feuerplatte und stellte diese kleine, bucklige Figur zwischen die Ofengriffe. Die Kaminwände sowie alle Ziegel darin waren sehr rußig, weshalb ich dachte, dieser Kamin sei ein sehr geeigneter kleiner Schrein oder Altar für sein kongolesisches Idol. Ich konzentrierte meinen Blick auf die halb verdeckte Figur – während ich mich dabei sehr unwohl fühlte –, um zu sehen, was als Nächstes geschehen würde. Zuerst nahm er eine Handvoll Späne aus seiner Tasche und legte sie vorsichtig vor das Idol; anschließend legte er etwas Schiffsbiskuit darauf und entzündete die Späne mit der Flamme der Lampe. Nach vielen hastigen Zügen in das Feuer sowie noch hastigeren Zurückziehungen seiner Finger – wodurch es schien, als würde er sich die Finger ernsthaft verbrennen – gelang es ihm schließlich, das Biskuit herauszuholen. Danach blies er etwas Hitze und Asche weg und bot es dem kleinen Negern höflich an. Doch der kleine Teufel schien solch trockenes Essen überhaupt nicht zu mögen; er bewegte seine Lippen nicht einmal. All diese seltsamen Handlungen wurden von noch seltsameren, gurgelnden Lauten des Anhängers begleitet – der anscheinend im Singsang betete oder irgendeinen heidnischen Psalm sang, während sein Gesicht auf die unnatürlichste Weise zuckte. Schließlich löschte er das Feuer, nahm das Idol sehr ungezwungen in die Hand und steckte es wieder in seine Tasche – genauso achtlos, als wäre er ein Jäger, der einen toten Fasan einpackt. All diese seltsamen Vorgänge verstärkten mein Unbehagen. Als ich sah, dass er nun Anzeichen zeigte, seine Handlungen zu beenden und mit mir ins Bett zu gehen, dachte ich, es sei an der Zeit – jetzt oder nie, bevor das Licht ausgeblasen wurde –, den Bann zu brechen, unter dem ich schon so lange gefangen war.
Page 47
Doch die Zeit, die ich damit verbrachte, darüber nachzudenken, was ich sagen sollte, war entscheidend. Er nahm seinen Tomahawk vom Tisch, betrachtete für einen Moment seine Klinge und hielt ihn anschließend ins Licht. Mit dem Mund am Griff blies er große Wolken Tabakrauch aus. Im nächsten Moment wurde das Licht gelöscht – dieser wilde Kannibale, mit dem Tomahawk zwischen den Zähnen, sprang zu mir ins Bett. Ich schrie auf – ich konnte es nicht anders – und er begann, mich plötzlich zu berühren. Stotternd, ohne zu wissen, was ich sagte, rollte ich mich von ihm weg gegen die Wand und bat ihn, wer auch immer er sein mochte, still zu sein und mir zu erlauben, aufzustehen und die Lampe wieder anzuzünden. Doch seine kehligen Antworten zeigten mir sofort, dass er meinen Worten kaum folgen konnte. „Wer bist du?“, fragte er schließlich. „Du sprichst nicht – verdammt, ich töte dich!“ Und während er das sagte, schwang er den brennenden Tomahawk in der Dunkelheit umher. „Wirt, um Himmels willen, Peter Coffin!“, schrie ich. „Wirt! Pass auf! Coffin! Engel! Rettet mich!“ „Sprich! Sag mir, wer du bist – sonst verdammt, ich töte dich!“, knurrte der Kannibale erneut. Seine grausamen Bewegungen mit dem Tomahawk verteilten die heißen Tabakasche überall um mich herum – ich dachte schon, meine Kleidung würde in Flammen aufgehen. Doch Gott sei Dank kam in diesem Moment der Wirt mit einer Lampe in der Hand ins Zimmer. Ich sprang vom Bett auf und rannte zu ihm. „Hab keine Angst mehr“, sagte er und grinste wieder. „Queequeg wird dir kein Haar krümmen.“ „Hör auf zu grinsen!“, schrie ich. „Warum hast du mir nicht gesagt, dass dieser verdammte Harpunier ein Kannibale ist?“ „Ich dachte, du wüsstest es – habe ich dir nicht gesagt, dass er Köpfe in der Stadt verkauft? – Aber leg dich wieder hin und schlaf. Queequeg, hör zu: Du weißt, dass ich weiß – dass dieser Mann dich schlafen lässt – verstehst du?“ „Ich weiß genug“, brummte Queequeg, paffte an seiner Pfeife und setzte sich im Bett auf. „Komm rein“, fügte er hinzu, deutete mit seinem Tomahawk auf mich und warf die Kleidung beiseite. Er tat das nicht nur höflich, sondern auch wirklich freundlich und gütig. Ich stand da und sah ihn eine Weile an. Trotz all seiner Tätowierungen war er im Großen und Ganzen ein sauberer, ansprechender Kannibale. Was mache ich hier eigentlich für einen Aufstand?, dachte ich bei mir – der Mann ist doch…
Page 48
Ein Mensch – genauso wie ich: Er hat genauso viel Grund, Angst vor mir zu haben, wie ich Angst vor ihm haben muss. Es ist besser, mit einem nüchternen Kannibalen zu schlafen als mit einem betrunkenen Christen.
„Wirt“, sagte ich, „sagen Sie ihm, er soll seinen Tomahawk dort hinlegen – oder was auch immer das ist; sagen Sie ihm, er soll aufhören zu rauchen. Dann werde ich mit ihm ins Bett gehen. Aber ich möchte nicht, dass ein Mann neben mir im Bett raucht. Das ist gefährlich. Außerdem bin ich nicht versichert.“
Als das Queequeg gesagt wurde, kam er sofort nach und bat mich höflich, ins Bett zu kommen – er drehte sich zur Seite, als wolle er damit sagen: „Ich werde euch kein Haar krümmen.“
„Gute Nacht, Wirt“, sagte ich. „Sie können jetzt gehen.“
Ich legte mich ins Bett – und habe in meinem Leben nie besser geschlafen.
„Wirt“, sagte ich, „sagen Sie ihm, er soll seinen Tomahawk dort hinlegen – oder was auch immer das ist; sagen Sie ihm, er soll aufhören zu rauchen. Dann werde ich mit ihm ins Bett gehen. Aber ich möchte nicht, dass ein Mann neben mir im Bett raucht. Das ist gefährlich. Außerdem bin ich nicht versichert.“
Als das Queequeg gesagt wurde, kam er sofort nach und bat mich höflich, ins Bett zu kommen – er drehte sich zur Seite, als wolle er damit sagen: „Ich werde euch kein Haar krümmen.“
„Gute Nacht, Wirt“, sagte ich. „Sie können jetzt gehen.“
Ich legte mich ins Bett – und habe in meinem Leben nie besser geschlafen.
Page 49
KAPITEL 4. Die Bettdecke.
Als ich am nächsten Morgen bei Tagesanbruch aufwachte, fand ich Queequegs Arm auf mir liegen – auf die zärtlichste und liebevollste Weise. Man hätte fast meinen können, ich sei seine Frau. Die Bettdecke bestand aus Patchworkstoffen, war voller kleiner, farbiger Quadrate und Dreiecke; sein Arm war außerdem über und über mit einem endlosen, labyrinthartigen Muster tätowiert – keine zwei Teile dieses Musters hatten denselben Farbton. Das lag wohl daran, dass er seinen Arm ständig im Sonnen- und Schattenschein ließ sowie seine Hemdsärmel zu verschiedenen Zeiten unregelmäßig hochkrempelte. Dieser Arm sah genauso aus wie ein Stück jener Patchworkdecke. Tatsächlich konnte ich ihn, da er teilweise auf der Decke lag, kaum von dieser unterscheiden – ihre Farbtöne verschmolzen miteinander. Erst durch das Gefühl des Gewichts und der Druck konnte ich erkennen, dass Queequeg mich umarmte.
Meine Empfindungen waren seltsam. Lassen Sie mich versuchen, sie zu erklären. Als Kind erinnere ich mich gut an eine ähnliche Situation; ob es Wirklichkeit oder Traum war, konnte ich nie ganz klären. Es ging folgendermaßen: Ich hatte versucht, irgendein Tier zu fangen – ich glaube, es handelte sich um ein Tier, das versuchte, den Schornstein hinaufzuklettern, so wie ich es ein paar Tage zuvor bei einem kleinen Jungen gesehen hatte. Meine Stiefmutter schlug mich ständig oder schickte mich ohne Abendessen ins Bett. Meine Mutter zog mich an den Beinen aus dem Schornstein und schickte mich ins Bett – obwohl es erst zwei Uhr nachmittags am 21. Juni war, dem längsten Tag des Jahres in unserer Hemisphäre. Ich fühlte mich schrecklich. Doch es gab kein Entkommen. Also ging ich die Treppe hinauf in mein kleines Zimmer im dritten Stock, zog mich so langsam wie möglich aus, um die Zeit totzuschlagen, und legte mich mit einem bitteren Seufzer unter die Decke.
Ich lag dort und rechnete düster aus, dass sechzehn Stunden vergehen mussten, bevor ich wieder aufstehen konnte. Sechzehn Stunden im Bett! Allein der Gedanke daran ließ meinen Rücken schmerzen. Zudem war es sehr hell – die Sonne schien durch das Fenster, auf den Straßen ratterten Kutschen, und überall im Haus waren fröhliche Stimmen zu hören. Mir wurde immer schlechter – schließlich stand ich auf, zog mich an und schlich barfuß nach unten, um meine Stiefmutter zu suchen. Plötzlich warf ich mich zu ihren Füßen und bat sie inständig um einen guten Pantoffel als Strafe für mein schlechtes Verhalten – alles, nur nicht…
Als ich am nächsten Morgen bei Tagesanbruch aufwachte, fand ich Queequegs Arm auf mir liegen – auf die zärtlichste und liebevollste Weise. Man hätte fast meinen können, ich sei seine Frau. Die Bettdecke bestand aus Patchworkstoffen, war voller kleiner, farbiger Quadrate und Dreiecke; sein Arm war außerdem über und über mit einem endlosen, labyrinthartigen Muster tätowiert – keine zwei Teile dieses Musters hatten denselben Farbton. Das lag wohl daran, dass er seinen Arm ständig im Sonnen- und Schattenschein ließ sowie seine Hemdsärmel zu verschiedenen Zeiten unregelmäßig hochkrempelte. Dieser Arm sah genauso aus wie ein Stück jener Patchworkdecke. Tatsächlich konnte ich ihn, da er teilweise auf der Decke lag, kaum von dieser unterscheiden – ihre Farbtöne verschmolzen miteinander. Erst durch das Gefühl des Gewichts und der Druck konnte ich erkennen, dass Queequeg mich umarmte.
Meine Empfindungen waren seltsam. Lassen Sie mich versuchen, sie zu erklären. Als Kind erinnere ich mich gut an eine ähnliche Situation; ob es Wirklichkeit oder Traum war, konnte ich nie ganz klären. Es ging folgendermaßen: Ich hatte versucht, irgendein Tier zu fangen – ich glaube, es handelte sich um ein Tier, das versuchte, den Schornstein hinaufzuklettern, so wie ich es ein paar Tage zuvor bei einem kleinen Jungen gesehen hatte. Meine Stiefmutter schlug mich ständig oder schickte mich ohne Abendessen ins Bett. Meine Mutter zog mich an den Beinen aus dem Schornstein und schickte mich ins Bett – obwohl es erst zwei Uhr nachmittags am 21. Juni war, dem längsten Tag des Jahres in unserer Hemisphäre. Ich fühlte mich schrecklich. Doch es gab kein Entkommen. Also ging ich die Treppe hinauf in mein kleines Zimmer im dritten Stock, zog mich so langsam wie möglich aus, um die Zeit totzuschlagen, und legte mich mit einem bitteren Seufzer unter die Decke.
Ich lag dort und rechnete düster aus, dass sechzehn Stunden vergehen mussten, bevor ich wieder aufstehen konnte. Sechzehn Stunden im Bett! Allein der Gedanke daran ließ meinen Rücken schmerzen. Zudem war es sehr hell – die Sonne schien durch das Fenster, auf den Straßen ratterten Kutschen, und überall im Haus waren fröhliche Stimmen zu hören. Mir wurde immer schlechter – schließlich stand ich auf, zog mich an und schlich barfuß nach unten, um meine Stiefmutter zu suchen. Plötzlich warf ich mich zu ihren Füßen und bat sie inständig um einen guten Pantoffel als Strafe für mein schlechtes Verhalten – alles, nur nicht…
Page 50
Sie verurteilte mich dazu, eine unerträglich lange Zeit im Bett zu liegen. Doch sie war die beste und gewissenhafteste Stiefmutter – und ich musste wieder in mein Zimmer zurückkehren. Mehrere Stunden lag ich dort wach, fühlte mich schlimmer als je zuvor, selbst nach den größten Unglücken, die danach noch geschahen. Schließlich muss ich in einen traumhaften, unruhigen Dämmerzustand gefallen sein; langsam daraus erwachend – halb noch im Traum versunken – öffnete ich meine Augen: Der zuvor sonnendurchflutete Raum war nun in völlige Dunkelheit gehüllt. Sofort spürte ich einen Schock, der durch meinen ganzen Körper lief; nichts war zu sehen, nichts zu hören – doch es schien, als läge eine übernatürliche Hand in meiner. Mein Arm hing über der Bettdecke, und die namenlose, unvorstellbare, stille Gestalt oder der Geist, dem diese Hand gehörte, schien direkt neben meinem Bett zu sitzen. Für eine Ewigkeit lag ich dort, erstarrt vor entsetzlichen Ängsten, wagte es nicht, meine Hand wegzuziehen – doch dachte ständig daran, dass, wenn ich sie nur um einen einzigen Zentimeter bewegen könnte, der schreckliche Bann gebrochen werden würde. Ich weiß nicht, wie mir dieses Bewusstsein schließlich entglitt; doch als ich am Morgen aufwachte, erinnerte ich mich zitternd an alles, und tagelang, wochenlang, monatelang versuchte ich vergeblich, dieses Rätsel zu erklären. Bis heute beschäftigt es mich oft. Wenn man die schreckliche Angst weglässt, dann waren meine Empfindungen beim Fühlen dieser übernatürlichen Hand in meiner sehr ähnlich, in ihrer Seltsamkeit, jenen, die ich hatte, als ich aufwachte und Queequegs heidnischen Arm um mich sah. Doch schließlich kehrten alle Ereignisse der vergangenen Nacht nüchtern, einer nach dem anderen, in ihre reale Form zurück – und da war ich nur noch des komischen Dilemmas bewusst. Denn obwohl ich versuchte, seinen Arm zu bewegen, seine Umarmung zu lösen, hielt er mich im Schlaf weiter fest umschlungen, als könnte uns nur der Tod voneinander trennen. Ich versuchte, ihn zu wecken – „Queequeg!“ – doch seine einzige Antwort war ein Schnarchen. Dann drehte ich mich um; mein Hals fühlte sich an, als wäre er in einem Pferdekragen; plötzlich spürte ich ein leichtes Kratzen. Ich schlug die Bettdecke beiseite – da lag der Tomahawk, schlafend neben dem Wilden, als wäre es ein kleines Kind mit Axtgesicht. „Was für eine Situation“, dachte ich; hier im Bett in einem fremden Haus am helllichten Tag, zusammen mit einem Kannibalen und einem Tomahawk! „Queequeg! – Im Namen der Güte, Queequeg, wach auf!“ Schließlich gelang es mir, nach viel Wälzen und lautem, ununterbrochenem Ersuchen darüber, wie unangemessen es sei, einen anderen Mann auf diese Weise zu umarmen, ein Grunzen aus ihm herauszuholen. Bald darauf zog er seinen Arm zurück, schüttelte sich wie ein Neufundländer, der gerade aus dem Wasser kommt, setzte sich im Bett auf, steif wie ein Stock, sah mich an und rieb sich die Augen, als ob er…
Page 51
Ich erinnerte mich nicht ganz daran, wie ich dorthin gekommen war – doch allmählich keimte in ihm ein vager Bewusstseinsfunke auf, dass er etwas über mich wusste. In der Zwischenzeit lag ich ruhig da und beobachtete ihn; ich hatte nun keine ernsthaften Bedenken mehr und wollte dieses so seltsame Wesen genau betrachten. Als er schließlich eine Entscheidung bezüglich seines Mitbewohners getroffen zu haben schien und sich gewissermaßen mit dieser Tatsache abgefunden hatte, sprang er auf den Boden und gab mir durch bestimmte Zeichen und Geräusche zu verstehen, dass er, falls es mir gefiel, sich zunächst anziehen und mich anschließend allein lassen würde, sodass ich die ganze Wohnung für mich hatte. Ich denke, Queequeg – unter diesen Umständen ist das eine sehr zivilisierte Geste. Doch die Wahrheit ist: Diese Wilden besitzen ein angeborenes Gespür für Anstand, egal was man sagt; es ist erstaunlich, wie höflich sie im Grunde sind. Ich mache Queequeg diesen besonderen Kompliment, weil er mich mit so viel Höflichkeit und Rücksichtnahme behandelte, obwohl ich selbst äußerst unhöflich war – ich starrte ihn vom Bett aus an und beobachtete jede seiner Bewegungen beim Anziehen; meine Neugierde überwog damals meine Manieren. Dennoch sieht man keinen Mann wie Queequeg jeden Tag – er und seine Art waren wirklich bemerkenswert. Er begann damit, sich anzuziehen: Zuerst setzte er seinen Biberhut auf – übrigens einen sehr hohen Hut – danach suchte er nach seinen Stiefeln, noch immer ohne Hosen. Warum er das tat, kann ich nicht sagen; sein nächster Schritt bestand darin, sich – mit Stiefeln in der Hand und Hut auf dem Kopf – unter das Bett zu zwängen. Anhand verschiedener heftiger Atemzüge und Anstrengungen schloss ich, dass er dabei war, sich die Stiefel anzuziehen. Doch nach keinem mir bekannten Regel der Höflichkeit muss ein Mensch sich zurückhalten, wenn er sich die Stiefel anzieht. Doch Queequeg war ein Wesen in einer Übergangsphase – weder Raupen noch Schmetterling. Er war gerade erst so weit zivilisiert, dass er seine Seltsamkeiten auf die seltsamste mögliche Weise zur Schau stellen konnte. Seine Erziehung war noch nicht abgeschlossen – er war noch ein Student. Hätte er nicht ein wenig zivilisiert gewesen, hätte er sich wahrscheinlich überhaupt nicht die Mühe gemacht, Stiefel anzuziehen. Doch wäre er dann noch ein Wilder gewesen, hätte er niemals daran gedacht, sich unter das Bett zu begeben, um sie anzuziehen. Schließlich kam er wieder heraus – mit einem stark eingedrückten Hut, der ihm über die Augen ragte – und begann, mit knarrenden Schritten durch den Raum zu humpeln. Offenbar war er nicht an Stiefel gewöhnt; seine feuchten, zerknitterten Lederstiefel – vermutlich auch nicht maßgeschneidert – quälten ihn bereits am ersten Morgen in der Kälte. Da es am Fenster keine Vorhänge gab und die Straße sehr schmal war, hatte man einen klaren Blick ins gegenüberliegende Haus.
Page 52
Ich sah mir den peinlichen Anblick an, den Queequeg bot – er herumstolperte, bekleidet mit kaum mehr als Hut und Stiefeln. Ich bat ihn so gut ich konnte, sich etwas schneller zu waschen und besonders bald seine Hosen anzuziehen. Er willigte ein und begann anschließend, sich zu waschen. Zu dieser Tageszeit hätte jeder Christ sein Gesicht gewaschen; doch Queequeg beschränkte sich, zu meiner Überraschung, darauf, nur Brust, Arme und Hände zu waschen. Danach zog er seinen Westen an, nahm ein Stück hartes Seife vom Waschtisch, tauchte es ins Wasser und begann, sein Gesicht einzuseifen. Ich beobachtete, wo er seinen Rasierer aufbewahrte – da holte er plötzlich den Harpunenpfeil aus der Ecke des Bettes, zog den langen Holzgriff heraus, holte die Pfeilspitze hervor, schärfte sie etwas an seinem Stiefel und ging dann zum Spiegel an der Wand, um dort kräftig über seine Wangen zu reiben – oder besser gesagt: sie mit dem Harpunenpfeil zu bearbeiten. Ich dachte mir: Queequeg verwendet hier Rogers’ beste Werkzeuge – aus Rache. Später wunderte ich mich weniger über diese Handlung, als ich erfuhr, aus welchem hochwertigen Stahl die Pfeilspitzen bestehen und wie extrem scharf ihre langen, geraden Kanten stets gehalten werden. Den Rest seiner Morgentoilette erledigte er schnell, dann verließ er stolz das Zimmer, eingehüllt in seinen großen Mantel, und trug seine Harpune wie einen Marschallstab bei sich.
Page 53
KAPITEL 5. Frühstück.
Ich folgte ihm schnell und betrat den Schankraum, wo ich den grinsenden Wirt sehr freundlich ansprach. Ich hegte keine Feindseligkeit gegen ihn – obwohl er mich in Bezug auf meinen Mitreisenden ziemlich aufgezogen hatte. Doch ein guter Scherz ist etwas Wunderbares – und leider allzu selten; das ist bedauerlich. Wenn also jemand selbst etwas bietet, worüber man sich lustig machen kann, dann soll er nicht zögern, sondern sich gerne dazu hinreißen lassen, so zu handeln. Und wer etwas wirklich Lustiges an sich hat, der besitzt sicherlich mehr, als man vielleicht denkt.
Der Schankraum war nun voller Gäste, die in der vorherigen Nacht eingetroffen waren und die ich bisher noch nicht richtig betrachten konnte. Es waren fast ausschließlich Walfänger: Erste Offiziere, Zweite Offiziere, Dritte Offiziere, Seefahrtszimmerleute, Seefahrtsbauer, Seeschmiede sowie Harpunenwerfer. Es handelte sich um eine braune, kräftige Gruppe mit dichten Bärten; alle trugen „Affenjacken“ als Morgenkleidung. Man konnte ganz deutlich erkennen, wie lange jeder von ihnen bereits an Land war. Die gesunden Wangen dieses jungen Mannes hatten die Farbe einer sonnengetrockneten Birne – sie rochen fast nach Moschus. Er konnte kaum drei Tage seit seiner Reise nach Indien an Land sein. Der Mann neben ihm wirkte etwas heller gefärbt; man könnte sagen, in ihm stecke ein Hauch von Satinholz. Bei dem Dritten lag noch immer ein tropischer Teint vor – allerdings leicht verblasst; er hatte zweifellos ganze Wochen an Land verbracht. Doch wer konnte schon Wangen wie Queequeg haben? Seine Wangen zeigten verschiedene Farbtöne und erinnerten an den Westhang der Anden – sie zeigten in einem Anblick die unterschiedlichen Klimazonen.
„Essen!“, rief nun der Wirt und öffnete eine Tür. Wir gingen hinein, um zu frühstücken.
Man sagt, dass Menschen, die die Welt gesehen haben, in ihrem Umgang ganz gelassen und in Gesellschaft sehr selbstsicher werden. Nicht immer jedoch: Ledyard, der große Reisende aus Neuengland, und Mungo Park, der Schotte – von allen Menschen hatten sie am wenigsten Selbstvertrauen in Gesellschaft. Aber vielleicht…
Ich folgte ihm schnell und betrat den Schankraum, wo ich den grinsenden Wirt sehr freundlich ansprach. Ich hegte keine Feindseligkeit gegen ihn – obwohl er mich in Bezug auf meinen Mitreisenden ziemlich aufgezogen hatte. Doch ein guter Scherz ist etwas Wunderbares – und leider allzu selten; das ist bedauerlich. Wenn also jemand selbst etwas bietet, worüber man sich lustig machen kann, dann soll er nicht zögern, sondern sich gerne dazu hinreißen lassen, so zu handeln. Und wer etwas wirklich Lustiges an sich hat, der besitzt sicherlich mehr, als man vielleicht denkt.
Der Schankraum war nun voller Gäste, die in der vorherigen Nacht eingetroffen waren und die ich bisher noch nicht richtig betrachten konnte. Es waren fast ausschließlich Walfänger: Erste Offiziere, Zweite Offiziere, Dritte Offiziere, Seefahrtszimmerleute, Seefahrtsbauer, Seeschmiede sowie Harpunenwerfer. Es handelte sich um eine braune, kräftige Gruppe mit dichten Bärten; alle trugen „Affenjacken“ als Morgenkleidung. Man konnte ganz deutlich erkennen, wie lange jeder von ihnen bereits an Land war. Die gesunden Wangen dieses jungen Mannes hatten die Farbe einer sonnengetrockneten Birne – sie rochen fast nach Moschus. Er konnte kaum drei Tage seit seiner Reise nach Indien an Land sein. Der Mann neben ihm wirkte etwas heller gefärbt; man könnte sagen, in ihm stecke ein Hauch von Satinholz. Bei dem Dritten lag noch immer ein tropischer Teint vor – allerdings leicht verblasst; er hatte zweifellos ganze Wochen an Land verbracht. Doch wer konnte schon Wangen wie Queequeg haben? Seine Wangen zeigten verschiedene Farbtöne und erinnerten an den Westhang der Anden – sie zeigten in einem Anblick die unterschiedlichen Klimazonen.
„Essen!“, rief nun der Wirt und öffnete eine Tür. Wir gingen hinein, um zu frühstücken.
Man sagt, dass Menschen, die die Welt gesehen haben, in ihrem Umgang ganz gelassen und in Gesellschaft sehr selbstsicher werden. Nicht immer jedoch: Ledyard, der große Reisende aus Neuengland, und Mungo Park, der Schotte – von allen Menschen hatten sie am wenigsten Selbstvertrauen in Gesellschaft. Aber vielleicht…
Page 54
Einfach nur die Durchquerung Sibiriens in einem von Hunden gezogenen Schlitten, wie es Ledyard tat, oder ein langer, einsamer Spaziergang mit leerem Magen im Herzen Afrikas – das war das Beste, was der arme Mungo zu leisten imstande war. Solche Reisen sind, meine ich, vielleicht nicht die beste Art und Weise, um einen hohen gesellschaftlichen Stand zu erreichen. Dennoch ist so etwas meist überall möglich. Diese Überlegungen entstanden, nachdem wir alle am Tisch saßen und ich darauf wartete, einige gute Geschichten über die Walfangerei zu hören. Zu meiner großen Überraschung blieb fast jeder Mann stumm. Nicht nur das – sie wirkten sogar verlegen. Ja, da saßen diese Seefahrer, von denen viele ohne die geringste Schüchternheit große Wale auf hoher See angegriffen und getötet hatten – und doch saßen sie hier am Frühstückstisch, alle derselben Berufung angehörend, mit ähnlichen Vorlieben – und blickten sich schüchtern an, als wären sie noch nie außerhalb eines Schafstalls in den Grünen Bergen gewesen. Ein seltsamer Anblick – diese schüchternen Männer, diese zaghaften Walfänger! Was Queequeg betrifft – nun, er saß dort unter ihnen, sogar am Kopfende des Tisches, und blieb dabei völlig ruhig. Sicherlich kann ich viel über seine Erziehung nicht sagen. Selbst sein größter Bewunderer hätte es nicht gutheißen können, dass er seinen Harpunenstock zum Frühstück mitbrachte und ihn dort ohne Umschweife benutzte – indem er damit über den Tisch griff und dadurch viele Menschen in Gefahr brachte, während er sich die Rindfleischstücke nahm. Doch das tat er sicherlich sehr ruhig – und jeder weiß, dass man in den Augen der meisten Leute etwas, das ruhig getan wird, auch als höflich ansieht. Wir werden hier nicht über all die Besonderheiten von Queequeg sprechen – wie er Kaffee und warme Brötchen mied und seine volle Aufmerksamkeit auf medium gebratenes Rindfleisch richtete. Genug – als das Frühstück vorbei war, zog er sich wie die anderen in den Gemeinschaftsraum zurück, zündete seine Pfeife an und saß dort ruhig da, kaute und rauchte, immer noch seinen unverzichtbaren Hut auf dem Kopf, während ich zum Spaziergang ging.
Page 55
KAPITEL 6. Die Straßen.
Obwohl ich zunächst erstaunt war, einen so seltsamen Menschen wie Queequeg inmitten der kultivierten Gesellschaft einer zivilisierten Stadt zu sehen, verschwand dieses Erstaunen bald, als ich zum ersten Mal bei Tageslicht durch die Straßen von New Bedford spazierte.
In den Straßen in der Nähe der Docks bietet jedes bedeutende Hafenstädtchen häufig den Anblick der seltsamsten Gestalten aus dem Ausland. Selbst in den Straßen Broadway und Chestnut stoßen manchmal mediterrane Seeleute auf verängstigte Damen. Regent Street ist den Laskaren und Malayen nicht unbekannt; und in Bombay, im Apollo Green, haben Yankees oft die Einheimischen erschreckt. Doch New Bedford übertrifft alle anderen Orte wie Water Street und Wapping. In diesen letzten Orten sieht man nur Seeleute – in New Bedford hingegen stehen echte Kannibalen an den Straßenecken und plaudern; Wilde, von denen viele noch unreinen Fleisch auf ihren Knochen tragen. Das lässt jeden Fremden staunen.
Doch neben den Feegeeern, Tongatobooarrs, Erromanggoanern, Pannangianern und Brighggianern sowie neben den wilden Exemplaren der Walfangschiffe, die achtlos durch die Straßen ziehen, gibt es dort noch andere, noch merkwürdigere – sicherlich auch noch komischere – Erscheinungen. Wöchentlich kommen Dutzende junger Männer aus Vermont und New Hampshire in diese Stadt, alle durstig nach Gewinn und Ruhm im Fischfang. Sie sind meist jung und von kräftiger Statur; Leute, die bereits Wälder gefällt haben und nun versuchen, die Axt beiseitezulegen und stattdessen die Walfanglanze zu ergreifen. Viele von ihnen sind genauso unerfahren wie die grünen Berge, aus denen sie stammen. In mancher Hinsicht könnte man meinen, sie wären erst wenige Stunden alt. Schauen Sie da! Dieser Kerl da, der um die Ecke schlendert – er trägt einen Biberhut und einen Rock mit Schwanzfalte, ist mit einem Seemannsgürtel sowie einem Messer in der Scheide ausgestattet. Da kommt noch einer mit einem Südwestmantel und einem Bombazinumhang.
Kein Stadtmensch kann mit einem Landbewohner mithalten – ich meine einen echten Landproleten – einen Mann, der selbst in der Hitze des Sommers seine beiden Morgen Land in Lederhandschuhen mäht, aus Angst, sich die Hände zu verbrennen. Wenn nun so ein Landprolet sich dazu entschließt, einen guten Ruf zu erlangen und sich dem großen Walfang anzuschließen, dann sollte man sehen, welche komischen Dinge er im Hafen tut. Was seine Kleidung angeht, so bestellt er Knöpfe für seine Westen sowie Riemen für seine Leinenhosen. Ach, armer Kerl…
Obwohl ich zunächst erstaunt war, einen so seltsamen Menschen wie Queequeg inmitten der kultivierten Gesellschaft einer zivilisierten Stadt zu sehen, verschwand dieses Erstaunen bald, als ich zum ersten Mal bei Tageslicht durch die Straßen von New Bedford spazierte.
In den Straßen in der Nähe der Docks bietet jedes bedeutende Hafenstädtchen häufig den Anblick der seltsamsten Gestalten aus dem Ausland. Selbst in den Straßen Broadway und Chestnut stoßen manchmal mediterrane Seeleute auf verängstigte Damen. Regent Street ist den Laskaren und Malayen nicht unbekannt; und in Bombay, im Apollo Green, haben Yankees oft die Einheimischen erschreckt. Doch New Bedford übertrifft alle anderen Orte wie Water Street und Wapping. In diesen letzten Orten sieht man nur Seeleute – in New Bedford hingegen stehen echte Kannibalen an den Straßenecken und plaudern; Wilde, von denen viele noch unreinen Fleisch auf ihren Knochen tragen. Das lässt jeden Fremden staunen.
Doch neben den Feegeeern, Tongatobooarrs, Erromanggoanern, Pannangianern und Brighggianern sowie neben den wilden Exemplaren der Walfangschiffe, die achtlos durch die Straßen ziehen, gibt es dort noch andere, noch merkwürdigere – sicherlich auch noch komischere – Erscheinungen. Wöchentlich kommen Dutzende junger Männer aus Vermont und New Hampshire in diese Stadt, alle durstig nach Gewinn und Ruhm im Fischfang. Sie sind meist jung und von kräftiger Statur; Leute, die bereits Wälder gefällt haben und nun versuchen, die Axt beiseitezulegen und stattdessen die Walfanglanze zu ergreifen. Viele von ihnen sind genauso unerfahren wie die grünen Berge, aus denen sie stammen. In mancher Hinsicht könnte man meinen, sie wären erst wenige Stunden alt. Schauen Sie da! Dieser Kerl da, der um die Ecke schlendert – er trägt einen Biberhut und einen Rock mit Schwanzfalte, ist mit einem Seemannsgürtel sowie einem Messer in der Scheide ausgestattet. Da kommt noch einer mit einem Südwestmantel und einem Bombazinumhang.
Kein Stadtmensch kann mit einem Landbewohner mithalten – ich meine einen echten Landproleten – einen Mann, der selbst in der Hitze des Sommers seine beiden Morgen Land in Lederhandschuhen mäht, aus Angst, sich die Hände zu verbrennen. Wenn nun so ein Landprolet sich dazu entschließt, einen guten Ruf zu erlangen und sich dem großen Walfang anzuschließen, dann sollte man sehen, welche komischen Dinge er im Hafen tut. Was seine Kleidung angeht, so bestellt er Knöpfe für seine Westen sowie Riemen für seine Leinenhosen. Ach, armer Kerl…
Page 56
Hay-Seed! Wie bitter werden doch diese Bänder im ersten heulenden Sturm zerreißen, wenn du, Bänder, Knöpfe und alles andere, in den Rachen des Sturms hineingetrieben wirst. Doch glaubt nicht, dass diese berühmte Stadt ihren Besuchern nur Harpunenwerfer, Kannibalen und Landbewohner zu zeigen hat. Ganz und gar nicht. New Bedford ist dennoch ein seltsamer Ort. Hätten wir Walfänger es nicht gegeben, wäre dieses Land heute vielleicht genauso verwüstet wie die Küste Labradors. So wie es jetzt ist, sind bereits einige Teile des Landes innerhalb der Stadtgrenzen furchterregend – sie sehen einfach zu karg aus. Die Stadt selbst ist wohl der schönste Ort zum Leben in ganz Neuengland. Es ist zwar ein Land voller Öl – aber nicht wie Kanaan – zugleich auch ein Land von Mais und Wein. Die Straßen fließen nicht mit Milch, und im Frühjahr werden sie auch nicht mit frischen Eiern gepflastert. Dennoch findet man nirgendwo in Amerika adlig aussehende Häuser sowie prächtigere Parks und Gärten als in New Bedford. Woher kamen sie? Wie konnten sie auf diesem einst kargen, öden Land entstehen? Schaut euch die eisernen, symbolträchtigen Harpunen um jenes hohe Herrenhaus herum an – dann wird eure Frage beantwortet. Ja, all diese prächtigen Häuser und blühenden Gärten stammen vom Atlantik, Pazifik und Indischen Ozean. Sie wurden alle mit Harpunen gefangen und vom Meeresgrund hierhergezogen. Kann Herr Alexander eine solche Leistung vollbringen? In New Bedford, so heißt es, geben Väter ihren Töchtern Wale als Mitgift und teilen ihren Nichten jeweils ein paar Delfine zu. Man muss nach New Bedford gehen, um eine prächtige Hochzeit zu sehen – denn in jedem Haus gibt es angeblich Ölreservoire, und jede Nacht werden die Häuser rücksichtslos mit Spermacetkerzen beleuchtet. Im Sommer sieht die Stadt wunderschön aus – voller schöner Ahornbäume, langer Alleen aus Grün und Gold. Im August hängen hoch in der Luft die schönen, üppigen Kastanienbäume, die den Vorbeigehenden ihre spitz zulaufenden, blühenden Zapfen darbieten. So mächtig ist die Kunst – sie hat in vielen Gegenden von New Bedford aus den kargen Felsen, die am letzten Tag der Schöpfung zurückblieben, prächtige Blumenterrassen entstehen lassen. Und die Frauen von New Bedford blühen wie ihre roten Rosen. Doch Rosen blühen nur im Sommer – während die schönen Carnations auf ihren Wangen das ganze Jahr über blühen, wie das Sonnenlicht im siebten Himmel. An anderer Stelle findet man keine solche Pracht – außer in Salem, wo man mir erzählt, dass die jungen Mädchen einen solchen Duft verströmen, dass ihre Seemannsfreunde sie schon Meilen entfernt riechen können.
Page 57
obwohl sie den duftenden Molukken statt den puritanischen Stränden näherkamen.
Page 58
KAPITEL 7. Die Kapelle
In derselben Stadt New Bedford steht eine Kapelle für Walfänger – und es gibt nur wenige von den stürmischen Fischern, die bald in den Indischen oder Pazifischen Ozean aufbrechen, die nicht am Sonntag einen Besuch dort machen. Ich bin sicher, dass ich das nicht getan habe.
Nach meinem ersten Morgenspaziergang machte ich mich erneut auf den Weg, um diese besondere Aufgabe zu erledigen. Der Himmel hatte sich von klar und sonnig kalt in heftigen Schneeregen und Nebel verwandelt. Ich hüllte mich in meine dicke Jacke aus dem sogenannten Bärenfell und kämpfte mich gegen den sturen Sturm voran. Als ich eintrat, fand ich eine kleine, zerstreute Gemeinde aus Seeleuten sowie deren Ehefrauen und Witwen. Es herrschte eine dumpfe Stille, die nur gelegentlich vom Heulen des Sturms unterbrochen wurde. Jeder der stillen Gläubigen schien absichtlich für sich allein zu sitzen – als wäre jeder einzelne Schmerz isoliert und unverständlich für die anderen. Der Kaplan war noch nicht angekommen; und dort saßen diese stillen Gruppen von Männern und Frauen und blickten auf mehrere Marmortafeln mit schwarzen Randverzierungen, die in die Wand zu beiden Seiten des Podests eingemauert waren. Drei dieser Tafeln trugen folgende Inschriften – doch ich behaupte nicht, sie wörtlich zitieren zu können:
„Gewidmet der Erinnerung an John Talbot, der im Alter von achtzehn Jahren vor der Insel Desolation vor Patagonien über Bord ging, am 1. November 1836. Diese Tafel wurde zu seinem Gedenken von seiner Schwester errichtet.“
„Gewidmet der Erinnerung an Robert Long, Willis Ellery, Nathan Coleman, Walter Canny, Seth Macy und Samuel Gleig, die zur Besatzung des Schiffes ELIZA gehörten und am 31. Dezember 1839 vor der Küste des Pazifiks von einem Wal weggeschleppt wurden. Dieser Marmor wurde hier von ihren überlebenden Kameraden platziert.“
„Gewidmet der Erinnerung an den verstorbenen Kapitän Ezekiel Hardy, der am 3. August 1833 vor der Küste Japans am Bug seines Bootes von einem Pottwal getötet wurde. Diese Tafel wurde zu seinem Gedenken von seiner Witwe errichtet.“
Ich schüttelte den Schneeregen von meinem Hut und meiner Jacke ab, setzte mich in die Nähe der Tür – und war überrascht, Queequeg neben mir zu sehen.
In derselben Stadt New Bedford steht eine Kapelle für Walfänger – und es gibt nur wenige von den stürmischen Fischern, die bald in den Indischen oder Pazifischen Ozean aufbrechen, die nicht am Sonntag einen Besuch dort machen. Ich bin sicher, dass ich das nicht getan habe.
Nach meinem ersten Morgenspaziergang machte ich mich erneut auf den Weg, um diese besondere Aufgabe zu erledigen. Der Himmel hatte sich von klar und sonnig kalt in heftigen Schneeregen und Nebel verwandelt. Ich hüllte mich in meine dicke Jacke aus dem sogenannten Bärenfell und kämpfte mich gegen den sturen Sturm voran. Als ich eintrat, fand ich eine kleine, zerstreute Gemeinde aus Seeleuten sowie deren Ehefrauen und Witwen. Es herrschte eine dumpfe Stille, die nur gelegentlich vom Heulen des Sturms unterbrochen wurde. Jeder der stillen Gläubigen schien absichtlich für sich allein zu sitzen – als wäre jeder einzelne Schmerz isoliert und unverständlich für die anderen. Der Kaplan war noch nicht angekommen; und dort saßen diese stillen Gruppen von Männern und Frauen und blickten auf mehrere Marmortafeln mit schwarzen Randverzierungen, die in die Wand zu beiden Seiten des Podests eingemauert waren. Drei dieser Tafeln trugen folgende Inschriften – doch ich behaupte nicht, sie wörtlich zitieren zu können:
„Gewidmet der Erinnerung an John Talbot, der im Alter von achtzehn Jahren vor der Insel Desolation vor Patagonien über Bord ging, am 1. November 1836. Diese Tafel wurde zu seinem Gedenken von seiner Schwester errichtet.“
„Gewidmet der Erinnerung an Robert Long, Willis Ellery, Nathan Coleman, Walter Canny, Seth Macy und Samuel Gleig, die zur Besatzung des Schiffes ELIZA gehörten und am 31. Dezember 1839 vor der Küste des Pazifiks von einem Wal weggeschleppt wurden. Dieser Marmor wurde hier von ihren überlebenden Kameraden platziert.“
„Gewidmet der Erinnerung an den verstorbenen Kapitän Ezekiel Hardy, der am 3. August 1833 vor der Küste Japans am Bug seines Bootes von einem Pottwal getötet wurde. Diese Tafel wurde zu seinem Gedenken von seiner Witwe errichtet.“
Ich schüttelte den Schneeregen von meinem Hut und meiner Jacke ab, setzte mich in die Nähe der Tür – und war überrascht, Queequeg neben mir zu sehen.
Page 59
Beeinflusst von der Feierlichkeit der Szene lag in seinem Gesicht ein Blick voller ungläubiger Neugier. Dieser Wilde war die einzige Person im Raum, die meine Ankunft zu bemerken schien; denn er war der Einzige, der nicht lesen konnte und daher die kühlen Inschriften an der Wand nicht lesen konnte. Ob unter den Anwesenden einige der Verwandten der Seeleute waren, deren Namen dort standen, wusste ich nicht; doch es gibt so viele unverzeichnete Unglücke in der Fischerei, und mehrere der anwesenden Frauen zeigten so offensichtlich ein Gesicht, wenn auch nicht die Kleidung, eines unaufhörlichen Kummers, dass ich sicher bin: Vor mir versammelten sich jene, in deren unheilenden Herzen der Anblick jener trostlosen Tafeln die alten Wunden erneut zum Bluten brachte.
Oh! Ihr, deren Toten unter dem grünen Gras begraben liegen; ihr, die zwischen Blumen stehen und sagen könnt – hier liegt mein Geliebter –, ihr kennt die Verzweiflung, die in solchen Herzen lauert. Welche bitteren Leere in jenen schwarmrandigen Marmortafeln, die keine Asche bedecken! Welche Verzweiflung in jenen unbeweglichen Inschriften! Welche tödliche Leere und unwillkommene Ungläubigkeit in den Zeilen, die allem Glauben zu widersprechen scheinen und einer Wiedergeburt jener Wesen, die ohne Grab sinnlos umgekommen sind, eine Absage erteilen. Es wäre genauso möglich, dass diese Tafeln in der Höhle von Elephanta stehen wie hier.
In welcher Aufzählung der Lebenden werden die Toten der Menschheit aufgeführt? Warum sagt ein allgemeines Sprichwort über sie, sie erzählten keine Geschichten, obwohl sie mehr Geheimnisse enthalten als die Goodwin Sands? Warum fügen wir dem Namen dessen, der gestern in die andere Welt gegangen ist, ein so bedeutungsvolles und unglaubiges Wort vor, und tun dies doch nicht, wenn er nur in die entlegensten Teile dieser lebenden Erde aufbricht? Warum zahlen die Lebensversicherungsgesellschaften Entschädigungen für den Tod Unsterblicher? In welcher ewigen, regungslosen Lähmung, in welchem tödlichen, hoffnungslosen Zustand liegt doch der alte Adam, der vor sechzig vollen Jahrhunderten starb? Warum weigern wir uns immer noch, getröstet zu werden für jene, von denen wir dennoch glauben, dass sie in unbeschreiblichem Glück leben? Warum bemühen sich alle Lebenden so sehr, alle Toten zum Schweigen zu bringen? Warum erschreckt bereits das Gerücht von Klopfen in einem Grab eine ganze Stadt? All diese Dinge haben ihre Bedeutung.
Doch der Glaube, wie ein Schakal, ernährt sich unter den Gräbern – und selbst aus diesen toten Zweifeln schöpft er seine lebensnotwendigste Hoffnung.
Es bedarf kaum zu erwähnen, mit welchen Gefühlen ich am Vorabend einer Reise nach Nantucket auf jene Marmortafeln blickte – im trüben Licht jenes Ortes.
Oh! Ihr, deren Toten unter dem grünen Gras begraben liegen; ihr, die zwischen Blumen stehen und sagen könnt – hier liegt mein Geliebter –, ihr kennt die Verzweiflung, die in solchen Herzen lauert. Welche bitteren Leere in jenen schwarmrandigen Marmortafeln, die keine Asche bedecken! Welche Verzweiflung in jenen unbeweglichen Inschriften! Welche tödliche Leere und unwillkommene Ungläubigkeit in den Zeilen, die allem Glauben zu widersprechen scheinen und einer Wiedergeburt jener Wesen, die ohne Grab sinnlos umgekommen sind, eine Absage erteilen. Es wäre genauso möglich, dass diese Tafeln in der Höhle von Elephanta stehen wie hier.
In welcher Aufzählung der Lebenden werden die Toten der Menschheit aufgeführt? Warum sagt ein allgemeines Sprichwort über sie, sie erzählten keine Geschichten, obwohl sie mehr Geheimnisse enthalten als die Goodwin Sands? Warum fügen wir dem Namen dessen, der gestern in die andere Welt gegangen ist, ein so bedeutungsvolles und unglaubiges Wort vor, und tun dies doch nicht, wenn er nur in die entlegensten Teile dieser lebenden Erde aufbricht? Warum zahlen die Lebensversicherungsgesellschaften Entschädigungen für den Tod Unsterblicher? In welcher ewigen, regungslosen Lähmung, in welchem tödlichen, hoffnungslosen Zustand liegt doch der alte Adam, der vor sechzig vollen Jahrhunderten starb? Warum weigern wir uns immer noch, getröstet zu werden für jene, von denen wir dennoch glauben, dass sie in unbeschreiblichem Glück leben? Warum bemühen sich alle Lebenden so sehr, alle Toten zum Schweigen zu bringen? Warum erschreckt bereits das Gerücht von Klopfen in einem Grab eine ganze Stadt? All diese Dinge haben ihre Bedeutung.
Doch der Glaube, wie ein Schakal, ernährt sich unter den Gräbern – und selbst aus diesen toten Zweifeln schöpft er seine lebensnotwendigste Hoffnung.
Es bedarf kaum zu erwähnen, mit welchen Gefühlen ich am Vorabend einer Reise nach Nantucket auf jene Marmortafeln blickte – im trüben Licht jenes Ortes.
Page 60
Ein düsterer, trauriger Tag – er verkündete das Schicksal der Walfänger, die vor mir gegangen waren. Ja, Ishmael: Dasselbe Schicksal könnte auch dir drohen. Doch irgendwie wurde ich wieder fröhlich. Angenehme Anreize, an Bord zu gehen – eine gute Chance auf Beförderung, scheint es – ja, ein Ofenboot wird mich durch ein Patent unsterblich machen. Ja, im Walfangsgeschäft gibt es den Tod – ein stummes, schnelles, chaotisches Hineinwerfen eines Menschen in die Ewigkeit. Aber was dann? Ich glaube, wir haben diese Angelegenheit des Lebens und Todes völlig falsch verstanden. Ich glaube, dass das, was sie hier auf Erden meinen Schatten nennen, meine wahre Substanz ist. Ich glaube, dass wir bei der Betrachtung spiritueller Dinge zu sehr wie Austern sind, die die Sonne durch das Wasser beobachten und glauben, das dicke Wasser sei die dünnste Luft. Ich glaube, mein Körper ist nur das Trübste meines besseren Seins. Nehmt meinen Körper ruhig – wer will, der nehme ihn – aber er ist nicht ich. Und deshalb: Drei Hochrufe auf Nantucket! Und wenn ein Ofenboot und ein „Ofenkörper“ kommen wollen – so kann selbst Jupiter meine Seele nicht gefangen nehmen.
Page 61
KAPITEL 8. Die Kanzel.
Ich saß noch nicht lange da, als ein Mann von gewisser würdevoller Statur eintrat. Kaum hatte sich die vom Sturm heftig getroffene Tür hinter ihm geschlossen, warfen alle Anwesenden ihm einen schnellen, prüfenden Blick zu – das zeigte deutlich, dass es sich um den Kaplan handelte. Ja, es war der berühmte Vater Mapple, so genannt von den Walfängern, bei denen er sehr beliebt war. In seiner Jugend war er Seemann und Harpunier gewesen, doch seit vielen Jahren widmete er sein Leben dem priesterlichen Amt. Zu der Zeit, von der ich hier schreibe, befand sich Vater Mapple in einem kräftigen Winter des gesunden Alters – jenem Alter, in dem es scheint, als würde man in eine zweite Jugendzeit eintreten; denn zwischen all seinen Falten schimmerten sanfte Lichter eines neu entstehenden Glanzes – wie das Frühlingsgrün, das selbst unter dem Schnee im Februar hervorschaut. Da niemand zuvor seine Geschichte kannte, konnte man Vater Mapple zum ersten Mal mit größtem Interesse betrachten – denn er hatte bestimmte, durch sein abenteuerliches Seelenleben bedingte Eigenschaften. Als er eintrat, bemerkte ich, dass er keinen Regenschirm bei sich hatte und sicherlich nicht mit seiner Kutsche gekommen war; sein Planenhut war vom schmelzenden Schneeregen durchnässt, und seine große Jacke aus Segeltuch schien ihn wegen des Wassergehalts fast zu Boden zu ziehen. Doch Hut, Jacke und Stiefel wurden nacheinander abgenommen und in einer kleinen Ecke aufgehängt; anschließend näherte er sich in einem ordentlichen Anzug leise der Kanzel.
Wie die meisten altmodischen Kanzeln war auch diese sehr hoch. Da normale Treppen zu solcher Höhe aufgrund ihres großen Winkels zur Ebene den ohnehin schon kleinen Raum der Kapelle erheblich einschränken würden, hatte der Architekt offenbar auf den Vorschlag von Vater Mapple gehört und die Kanzel ohne Treppen gebaut, indem er stattdessen eine senkrechte Seitenleiter einbaute – ähnlich denen, die man zum Betreten eines Schiffes von einem Boot aus verwendet. Die Frau eines Walfangkapitäns hatte der Kapelle ein schönes Paar roter Wollseile für diese Leiter zur Verfügung gestellt. Da die Leiter selbst schön verziert und in Mahagonifarbe gefärbt war, wirkte das Ganze, angesichts der Art dieser Kapelle, keineswegs unpassend. Er hielt einen Moment am Fuß der Leiter inne und umklammerte mit beiden Händen die dekorativen Griffe der Leiter.
Ich saß noch nicht lange da, als ein Mann von gewisser würdevoller Statur eintrat. Kaum hatte sich die vom Sturm heftig getroffene Tür hinter ihm geschlossen, warfen alle Anwesenden ihm einen schnellen, prüfenden Blick zu – das zeigte deutlich, dass es sich um den Kaplan handelte. Ja, es war der berühmte Vater Mapple, so genannt von den Walfängern, bei denen er sehr beliebt war. In seiner Jugend war er Seemann und Harpunier gewesen, doch seit vielen Jahren widmete er sein Leben dem priesterlichen Amt. Zu der Zeit, von der ich hier schreibe, befand sich Vater Mapple in einem kräftigen Winter des gesunden Alters – jenem Alter, in dem es scheint, als würde man in eine zweite Jugendzeit eintreten; denn zwischen all seinen Falten schimmerten sanfte Lichter eines neu entstehenden Glanzes – wie das Frühlingsgrün, das selbst unter dem Schnee im Februar hervorschaut. Da niemand zuvor seine Geschichte kannte, konnte man Vater Mapple zum ersten Mal mit größtem Interesse betrachten – denn er hatte bestimmte, durch sein abenteuerliches Seelenleben bedingte Eigenschaften. Als er eintrat, bemerkte ich, dass er keinen Regenschirm bei sich hatte und sicherlich nicht mit seiner Kutsche gekommen war; sein Planenhut war vom schmelzenden Schneeregen durchnässt, und seine große Jacke aus Segeltuch schien ihn wegen des Wassergehalts fast zu Boden zu ziehen. Doch Hut, Jacke und Stiefel wurden nacheinander abgenommen und in einer kleinen Ecke aufgehängt; anschließend näherte er sich in einem ordentlichen Anzug leise der Kanzel.
Wie die meisten altmodischen Kanzeln war auch diese sehr hoch. Da normale Treppen zu solcher Höhe aufgrund ihres großen Winkels zur Ebene den ohnehin schon kleinen Raum der Kapelle erheblich einschränken würden, hatte der Architekt offenbar auf den Vorschlag von Vater Mapple gehört und die Kanzel ohne Treppen gebaut, indem er stattdessen eine senkrechte Seitenleiter einbaute – ähnlich denen, die man zum Betreten eines Schiffes von einem Boot aus verwendet. Die Frau eines Walfangkapitäns hatte der Kapelle ein schönes Paar roter Wollseile für diese Leiter zur Verfügung gestellt. Da die Leiter selbst schön verziert und in Mahagonifarbe gefärbt war, wirkte das Ganze, angesichts der Art dieser Kapelle, keineswegs unpassend. Er hielt einen Moment am Fuß der Leiter inne und umklammerte mit beiden Händen die dekorativen Griffe der Leiter.
Page 62
Seile – Pater Mapple blickte nach oben und kletterte dann mit einer wahrhaft seefahrerhaften, doch dennoch ehrfürchtigen Geschicklichkeit, Hand über Hand, die Stufen hinauf, als würde er den Hauptmast seines Schiffes erklimmen. Die senkrechten Teile dieser Seitenleiter bestanden, wie es bei schwingenden Leitern üblich ist, aus mit Stoff umhüllten Seilen; nur die runden Teile waren aus Holz, sodass bei jedem Schritt eine Verbindung entstand. Bei meinem ersten Blick auf die Kanzel fiel mir auf, dass diese Verbindungen, so praktisch sie für ein Schiff auch sein mochten, in diesem Fall unnötig erschienen. Ich war nämlich nicht darauf vorbereitet zu sehen, wie Pater Mapple nachdem er die Höhe erreicht hatte, sich langsam umdrehte, sich über die Kanzel beugte und die Leiter Schritt für Schritt nach oben zog, bis alles darin untergebracht war und er somit in seinem kleinen „Québec“ unangreifbar blieb. Ich dachte eine Weile nach, ohne den Grund dafür ganz zu verstehen. Pater Mapple genoss einen solch guten Ruf bezüglich seiner Aufrichtigkeit und Heiligkeit, dass ich ihn nicht deshalb verdächtigen konnte, durch irgendwelche Tricks Aufmerksamkeit zu erregen. Nein, dachte ich, es muss einen vernünftigen Grund dafür geben; außerdem muss das Ganze etwas Unsichtbares symbolisieren. Kann es sein, dass er mit dieser physischen Isolation seine spirituelle Abkehr von allen äußeren weltlichen Bindungen und Verbindungen zum Ausdruck bringt? Ja – für den gläubigen Mann Gottes, der mit dem „Fleisch und Wein des Wortes“ gestärkt wird, ist diese Kanzel offenbar eine selbstständige Festung – ein hoher Ehrenbreitstein mit einem ewig sprudelnden Brunnen innerhalb der Mauern. Doch die Seitenleiter war nicht das einzige Seltsame an diesem Ort, das aus den früheren Seefahrten des Kaplans stammte. Zwischen den Marmorkenotaphen zu beiden Seiten der Kanzel war die Wand, die ihr Rücken bildete, mit einem großen Gemälde verziert, das ein tapferes Schiff darstellte, das gegen einen schrecklichen Sturm vor einer Küste aus schwarzen Felsen und schneeweißen Wellen ankämpfte. Doch hoch über den wirbelnden Wolken schwebte eine kleine Insel aus Sonnenlicht, von der ein Engelsgesicht strahlte; dieses helle Gesicht warf einen deutlichen Lichtstrahl auf das von Wellen geschüttelte Deck des Schiffes – ähnlich jener silbernen Platte, die heute in das Deck des Schiffes eingebettet ist, wo Nelson fiel. „Ah, edles Schiff“, schien der Engel zu sagen, „kämpfe weiter, edles Schiff, halte stand – denn siehe! Die Sonne bricht durch; die Wolken ziehen davon – der klarste Himmel steht bevor.“ Auch die Kanzel selbst trug Spuren desselben „seehafte“ Stils, der auch die Leiter und das Gemälde prägte. Ihre geflieste Vorderseite sah aus wie…
Page 63
Der Bug eines Schiffes ist vorgereckt – und die Heilige Schrift ruhte auf einem hervorstehenden Teil aus Pergament, der nach dem vorgestreckten Schnabel eines Schiffes gestaltet war. Was könnte bedeutungsvoller sein? Denn die Kanzel ist stets der vordere Teil dieser Welt; alles andere kommt dahinter; die Kanzel führt die Welt an. Von dort aus wird zuerst der Sturm Gottes zorniger Wut wahrgenommen – und der Bug muss den ersten Schlag tragen. Von dort aus wird auch zuerst der Gott der guten oder schlechten Winde um günstige Winde angefleht. Ja, die Welt ist ein Schiff auf seiner Reise – und keine Reise ist bereits abgeschlossen; die Kanzel ist ihr Bug.
Page 64
Page 65
KAPITEL 9. Die Predigt
Pater Mapple stand auf und befahl mit einer sanften, bescheidenen Stimme den verstreuten Menschen, sich zu sammeln: „Rechte Gangway – dorthin! Nach Backbord – die rechte Gangway nach Backbord! In die Mitte! In die Mitte!“
Es war ein leises Geräusch von schweren Seeschuhen zu hören, sowie ein noch leiseres Rascheln von Frauenstiefeln. Alles wurde wieder ruhig – alle Blicke waren auf den Prediger gerichtet.
Er hielt kurz inne; dann kniete er vor dem Podium, faltete seine großen braunen Hände über der Brust, hob seine geschlossenen Augen und sprach ein so frommes Gebet, dass es schien, als würde er am Grund des Meeres knien und beten.
Nachdem dieses Gebet in feierlichen Tönen beendet worden war – wie das ständige Läuten einer Glocke an einem Schiff, das im Nebel auf dem Meer untergeht – begann er, das folgende Lied vorzulesen. Bei den letzten Strophen änderte er jedoch seinen Tonfall und brach in ausgelassene Freude aus:
„Die Rippen und Schrecken des Wals,
ein düsterer Schatten lastete über mir;
während all die von Gottes Sonne erleuchteten Wellen vorbeizogen
und mich immer tiefer ins Verderben stürzten.
„Ich sah den offenen Rachen der Hölle,
dort endlose Schmerzen und Leiden;
das können nur jene beschreiben, die es erlebt haben –
oh, ich versank in Verzweiflung.
„In tiefer Not rief ich meinen Gott an,
obwohl ich kaum glauben konnte, dass er mein Gott sei;
er hörte auf meine Klagen –
der Wal konnte mich nicht länger gefangen halten.
„Schnell kam er, um mir zu helfen,
als würde er auf einem strahlenden Delfin reiten.“
Pater Mapple stand auf und befahl mit einer sanften, bescheidenen Stimme den verstreuten Menschen, sich zu sammeln: „Rechte Gangway – dorthin! Nach Backbord – die rechte Gangway nach Backbord! In die Mitte! In die Mitte!“
Es war ein leises Geräusch von schweren Seeschuhen zu hören, sowie ein noch leiseres Rascheln von Frauenstiefeln. Alles wurde wieder ruhig – alle Blicke waren auf den Prediger gerichtet.
Er hielt kurz inne; dann kniete er vor dem Podium, faltete seine großen braunen Hände über der Brust, hob seine geschlossenen Augen und sprach ein so frommes Gebet, dass es schien, als würde er am Grund des Meeres knien und beten.
Nachdem dieses Gebet in feierlichen Tönen beendet worden war – wie das ständige Läuten einer Glocke an einem Schiff, das im Nebel auf dem Meer untergeht – begann er, das folgende Lied vorzulesen. Bei den letzten Strophen änderte er jedoch seinen Tonfall und brach in ausgelassene Freude aus:
„Die Rippen und Schrecken des Wals,
ein düsterer Schatten lastete über mir;
während all die von Gottes Sonne erleuchteten Wellen vorbeizogen
und mich immer tiefer ins Verderben stürzten.
„Ich sah den offenen Rachen der Hölle,
dort endlose Schmerzen und Leiden;
das können nur jene beschreiben, die es erlebt haben –
oh, ich versank in Verzweiflung.
„In tiefer Not rief ich meinen Gott an,
obwohl ich kaum glauben konnte, dass er mein Gott sei;
er hörte auf meine Klagen –
der Wal konnte mich nicht länger gefangen halten.
„Schnell kam er, um mir zu helfen,
als würde er auf einem strahlenden Delfin reiten.“
Page 66
Schrecklich – doch hell, wie das Licht des Blitzes,
war das Antlitz meines Erlösers, meines Gottes.
„Mein Lied wird für immer jene schreckliche, jene freudige Stunde festhalten;
ich bringe die Ehre meinem Gott,
all Seine Barmherzigkeit und Macht.“
Fast alle stimmten in das Singen dieses Hymnus ein; seine Klänge übertönten das Heulen des Sturms. Es folgte eine kurze Pause; der Prediger blätterte langsam durch die Seiten der Bibel und sagte schließlich, nachdem er seine Hand auf die richtige Seite gelegt hatte: „Liebe Schiffskameraden, betrachten wir den letzten Vers des ersten Kapitels von Jonas – ‚Und Gott bereitete einen großen Fisch vor, um Jonas zu verschlingen.‘“
„Schiffskameraden, dieses Buch, das nur vier Kapitel enthält – vier Erzählungen – ist eines der kleinsten Glieder im mächtigen Seil der Schrift. Doch welche Tiefen der Seele erreicht die Geschichte von Jonas! Welche bedeutungsvolle Lektion bietet uns dieser Prophet! Wie großartig ist dieses Lied im Bauch des Fisches! Wir spüren, wie die Fluten über uns hereinbrechen; wir dringen mit ihm bis zum Meeresgrund vor; Algen und aller Schleim des Meeres umgeben uns! Doch welche Lektion lehrt uns das Buch von Jonas? Schiffskameraden, es ist eine doppelte Lektion: eine Lektion für uns alle als sündige Menschen – und eine Lektion für mich als Führer des lebendigen Gottes. Als sündige Menschen ist es eine Lektion für uns alle, denn es handelt von Sünde, Herzlosigkeit, plötzlich erwachenden Ängsten, schneller Bestrafung, Reue, Gebeten – und schließlich von der Erlösung und Freude Jonas’. Wie bei allen Sündern unter den Menschen lag die Sünde dieses Sohnes Amittais in seiner absichtlichen Ungehorsamkeit gegen Gottes Gebot – es spielt jetzt keine Rolle, welches Gebot das war oder wie es übermittelt wurde – er hielt es für ein schwieriges Gebot. Doch alles, was Gott von uns verlangt, fällt uns schwer – denken Sie daran – deshalb befiehlt er uns oft eher, anstatt zu versuchen, uns zu überzeugen. Und wenn wir Gott gehorchen, müssen wir uns selbst widersprechen; und gerade in diesem Widerspruch gegen uns selbst liegt die Schwierigkeit beim Gehorsam gegen Gott.
„Mit dieser Sünde des Ungehorsams trotzte Jonas Gott noch weiter, indem er versuchte, vor Ihm zu fliehen. Er glaubte, ein von Menschen gebautes Schiff würde ihn in Länder bringen, in denen Gott nicht herrscht, sondern nur die Herrscher dieser Welt. Er schlich sich über die Docks von Joppe und suchte nach einem Schiff, das dorthin fuhr.“
war das Antlitz meines Erlösers, meines Gottes.
„Mein Lied wird für immer jene schreckliche, jene freudige Stunde festhalten;
ich bringe die Ehre meinem Gott,
all Seine Barmherzigkeit und Macht.“
Fast alle stimmten in das Singen dieses Hymnus ein; seine Klänge übertönten das Heulen des Sturms. Es folgte eine kurze Pause; der Prediger blätterte langsam durch die Seiten der Bibel und sagte schließlich, nachdem er seine Hand auf die richtige Seite gelegt hatte: „Liebe Schiffskameraden, betrachten wir den letzten Vers des ersten Kapitels von Jonas – ‚Und Gott bereitete einen großen Fisch vor, um Jonas zu verschlingen.‘“
„Schiffskameraden, dieses Buch, das nur vier Kapitel enthält – vier Erzählungen – ist eines der kleinsten Glieder im mächtigen Seil der Schrift. Doch welche Tiefen der Seele erreicht die Geschichte von Jonas! Welche bedeutungsvolle Lektion bietet uns dieser Prophet! Wie großartig ist dieses Lied im Bauch des Fisches! Wir spüren, wie die Fluten über uns hereinbrechen; wir dringen mit ihm bis zum Meeresgrund vor; Algen und aller Schleim des Meeres umgeben uns! Doch welche Lektion lehrt uns das Buch von Jonas? Schiffskameraden, es ist eine doppelte Lektion: eine Lektion für uns alle als sündige Menschen – und eine Lektion für mich als Führer des lebendigen Gottes. Als sündige Menschen ist es eine Lektion für uns alle, denn es handelt von Sünde, Herzlosigkeit, plötzlich erwachenden Ängsten, schneller Bestrafung, Reue, Gebeten – und schließlich von der Erlösung und Freude Jonas’. Wie bei allen Sündern unter den Menschen lag die Sünde dieses Sohnes Amittais in seiner absichtlichen Ungehorsamkeit gegen Gottes Gebot – es spielt jetzt keine Rolle, welches Gebot das war oder wie es übermittelt wurde – er hielt es für ein schwieriges Gebot. Doch alles, was Gott von uns verlangt, fällt uns schwer – denken Sie daran – deshalb befiehlt er uns oft eher, anstatt zu versuchen, uns zu überzeugen. Und wenn wir Gott gehorchen, müssen wir uns selbst widersprechen; und gerade in diesem Widerspruch gegen uns selbst liegt die Schwierigkeit beim Gehorsam gegen Gott.
„Mit dieser Sünde des Ungehorsams trotzte Jonas Gott noch weiter, indem er versuchte, vor Ihm zu fliehen. Er glaubte, ein von Menschen gebautes Schiff würde ihn in Länder bringen, in denen Gott nicht herrscht, sondern nur die Herrscher dieser Welt. Er schlich sich über die Docks von Joppe und suchte nach einem Schiff, das dorthin fuhr.“
Page 67
Tarsis. Vielleicht verbirgt sich hier eine bislang übersehene Bedeutung. Nach allen Ansichten konnte Tarsis keine andere Stadt sein als das heutige Cádiz. Das ist die Meinung der Gelehrten. Und wo liegt Cádiz, Kameraden? Cádiz liegt in Spanien – so weit vom Meer aus von Joppe entfernt, wie Jona in jenen alten Zeiten wohl segeln konnte, als der Atlantik noch ein fast unbekanntes Meer war. Denn Joppe, das heutige Jaffa, Kameraden, liegt an der östlichsten Küste des Mittelmeers, der syrischen Küste; Tarsis oder Cádiz hingegen liegt mehr als zweitausend Meilen westlich davon, direkt vor der Straße von Gibraltar. Seht ihr denn nicht, Kameraden, dass Jona versuchte, vor Gott auf der ganzen Welt zu fliehen? Elender Mensch! Oh! Am meisten verachtenswert und würdig aller Verachtung – mit gesenktem Hut und schuldvollem Blick, heimlich vor seinem Gott flüchtend, wie ein abscheulicher Dieb, der eilig die Meere überqueren will. Sein Ausdruck ist so verstört und selbstverurteilend, dass, wenn es damals Polizisten gegeben hätte, Jona allein schon aufgrund eines Verdachts festgenommen worden wäre, bevor er auch nur einen Fuß auf das Deck setzen konnte. Wie offensichtlich doch, dass er ein Flüchtiger ist! Kein Gepäck, keine Hutbox, kein Koffer oder Beutel – keine Freunde begleiten ihn zum Hafen, um sich von ihm zu verabschieden. Schließlich findet er nach viel Ausweichmanövern das Schiff nach Tarsis, das gerade die letzten Ladungen entgegennimmt; als er an Bord geht, um den Kapitän in der Kabine zu sehen, hören alle Matrosen vorübergehend auf, die Waren zu laden, um dem fremden Mann seine feindselige Haltung zu zeigen. Jona sieht das – doch vergeblich versucht er, gelassen und selbstsicher zu wirken; vergeblich bemüht er sich um ein armseliges Lächeln. Starke Intuitionen der Männer lassen die Seeleute glauben, dass er nicht unschuldig sein kann. Auf ihre spielerische, aber dennoch ernste Weise flüstert einer dem anderen zu: „Jack, er hat eine Witwe beraubt;“ oder: „Joe, pass auf ihn auf – er ist Bigamist;“ oder: „Harry, ich glaube, er ist der Ehebrecher, der aus der alten Gomorra entkommen ist, oder vielleicht einer der verschwundenen Mörder aus Sodom.“ Ein anderer eilt, den Zettel zu lesen, der am Pfahl am Hafen befestigt ist, an dem das Schiff angelegt hat – darauf steht eine Belohnung von fünfhundert Goldmünzen für die Ergreifung eines Vatermörders sowie eine Beschreibung seiner Erscheinung. Er liest und blickt abwechselnd von Jona zum Zettel; während all seine mitfühlenden Kameraden nun um Jona herumstehen und bereit sind, ihre Hände gegen ihn zu erheben. Verängstigt zittert Jona und sammelt all seinen Mut – doch dadurch wirkt er nur umso mehr wie ein Feigling. Er will nicht zugeben, verdächtigt zu werden – doch das ist bereits ein starker Verdacht. Also versucht er, die Situation zu meistern; und als die Matrosen erkennen, dass er nicht der gesuchte Mann ist, lassen sie ihn passieren, und er steigt in die Kabine hinab.
„Wer da?“, ruft der Kapitän an seinem Schreibtisch, während er eilig seine Papiere für die Zollbehörde fertigstellt – „Wer da?“ Oh! Wie harmlos diese Frage doch ist…
„Wer da?“, ruft der Kapitän an seinem Schreibtisch, während er eilig seine Papiere für die Zollbehörde fertigstellt – „Wer da?“ Oh! Wie harmlos diese Frage doch ist…
Page 68
Jonah wird misshandelt! Im selben Moment will er fast wieder fliehen – doch er fasst sich wieder.
„Ich suche eine Überfahrt mit diesem Schiff nach Tarsis – wann legt das Schiff ab, Herr?“ Bisher hatte der beschäftigte Kapitän Jonah nicht angesehen, obwohl dieser nun vor ihm stand; doch sobald er diese Stimme hörte, warf er einen prüfenden Blick auf ihn. „Wir legen mit der nächsten Flut ab“, antwortete er schließlich langsam und musterte ihn weiterhin aufmerksam. „Nicht früher, Herr?“ – „Früh genug für jeden ehrlichen Mann, der als Passagier reist.“ Ha! Jonah – das ist wieder ein Schlag gegen ihn. Doch er lenkt den Kapitän schnell von diesem Gedanken ab. „Ich werde mit euch fahren“, sagt er, „wie viel kostet die Überfahrt? Ich zahle jetzt.“ Denn es steht ausdrücklich geschrieben, meine Freunde – als wäre es etwas, was in dieser Geschichte nicht übersehen werden darf – dass er die Fahrkosten bereits vor dem Abfahren bezahlte. Im Zusammenhang mit dem Rest der Erzählung hat das eine große Bedeutung.
Der Kapitän von Jonah, meine Freunde, war jemand, dessen Scharfsinn Verbrechen bei jedem erkennen konnte – doch dessen Gier sie nur bei den Armen offenbarte. In dieser Welt können Sünden, die sich selbst tragen können, frei reisen – ohne Pass. Die Tugend hingegen wird an jeder Grenze aufgehalten, wenn sie arm ist. Deshalb wollte der Kapitän zunächst herausfinden, wie viel Geld Jonah hatte, bevor er ein Urteil über ihn fällte. Er verlangte dreimal so viel wie üblich – doch Jonah stimmte zu. Dann wusste der Kapitän, dass Jonah ein Flüchtling war – doch gleichzeitig beschloss er, jemandem zu helfen, der Gold mitbrachte. Doch als Jonah tatsächlich sein Geld hervorholte, plagten den Kapitän weiterhin misstrauische Gedanken. Er prüfte jede Münze auf Fälschungen. „Kein Fälscher“, murmelte er – und Jonah durfte mitfahren. „Zeigen Sie mir mein Zimmer, Herr“, sagte Jonah. „Ich bin müde vom Reisen – ich brauche Schlaf.“ „Du siehst auch so aus“, sagte der Kapitän. „Da ist dein Zimmer.“ Jonah betrat das Zimmer und wollte die Tür abschließen – doch es gab keinen Schlüssel. Als der Kapitän hörte, wie Jonah dort unsinnig herumfummelte, lachte er leise in sich hinein und murmelte etwas darüber, dass die Türen der Gefängniszellen niemals von innen verschlossen werden dürften. In seinem ganzen Staub und in seiner Kleidung warf sich Jonah auf sein Bett – und stellte fest, dass die Decke des Zimmers fast seine Stirn berührte. Die Luft war stickig – Jonah rang nach Atem. In diesem engen Raum, der außerdem unter der Wasserlinie des Schiffes lag, spürte Jonah bereits das Unheil, das kommen würde: Der Wal würde ihn in einem der kleinsten Räume seines Körpers gefangen halten.
In Jonahs Zimmer schwang eine Lampe leicht hin und her – sie war an ihrem Stiel am Rand des Raumes befestigt. Das Schiff neigte sich wegen des Gewichts der letzten Pakete zur Anlegestelle hinüber – doch die Lampe behielt trotz dieser Bewegung weiterhin eine feste Neigung zum Raum.
„Ich suche eine Überfahrt mit diesem Schiff nach Tarsis – wann legt das Schiff ab, Herr?“ Bisher hatte der beschäftigte Kapitän Jonah nicht angesehen, obwohl dieser nun vor ihm stand; doch sobald er diese Stimme hörte, warf er einen prüfenden Blick auf ihn. „Wir legen mit der nächsten Flut ab“, antwortete er schließlich langsam und musterte ihn weiterhin aufmerksam. „Nicht früher, Herr?“ – „Früh genug für jeden ehrlichen Mann, der als Passagier reist.“ Ha! Jonah – das ist wieder ein Schlag gegen ihn. Doch er lenkt den Kapitän schnell von diesem Gedanken ab. „Ich werde mit euch fahren“, sagt er, „wie viel kostet die Überfahrt? Ich zahle jetzt.“ Denn es steht ausdrücklich geschrieben, meine Freunde – als wäre es etwas, was in dieser Geschichte nicht übersehen werden darf – dass er die Fahrkosten bereits vor dem Abfahren bezahlte. Im Zusammenhang mit dem Rest der Erzählung hat das eine große Bedeutung.
Der Kapitän von Jonah, meine Freunde, war jemand, dessen Scharfsinn Verbrechen bei jedem erkennen konnte – doch dessen Gier sie nur bei den Armen offenbarte. In dieser Welt können Sünden, die sich selbst tragen können, frei reisen – ohne Pass. Die Tugend hingegen wird an jeder Grenze aufgehalten, wenn sie arm ist. Deshalb wollte der Kapitän zunächst herausfinden, wie viel Geld Jonah hatte, bevor er ein Urteil über ihn fällte. Er verlangte dreimal so viel wie üblich – doch Jonah stimmte zu. Dann wusste der Kapitän, dass Jonah ein Flüchtling war – doch gleichzeitig beschloss er, jemandem zu helfen, der Gold mitbrachte. Doch als Jonah tatsächlich sein Geld hervorholte, plagten den Kapitän weiterhin misstrauische Gedanken. Er prüfte jede Münze auf Fälschungen. „Kein Fälscher“, murmelte er – und Jonah durfte mitfahren. „Zeigen Sie mir mein Zimmer, Herr“, sagte Jonah. „Ich bin müde vom Reisen – ich brauche Schlaf.“ „Du siehst auch so aus“, sagte der Kapitän. „Da ist dein Zimmer.“ Jonah betrat das Zimmer und wollte die Tür abschließen – doch es gab keinen Schlüssel. Als der Kapitän hörte, wie Jonah dort unsinnig herumfummelte, lachte er leise in sich hinein und murmelte etwas darüber, dass die Türen der Gefängniszellen niemals von innen verschlossen werden dürften. In seinem ganzen Staub und in seiner Kleidung warf sich Jonah auf sein Bett – und stellte fest, dass die Decke des Zimmers fast seine Stirn berührte. Die Luft war stickig – Jonah rang nach Atem. In diesem engen Raum, der außerdem unter der Wasserlinie des Schiffes lag, spürte Jonah bereits das Unheil, das kommen würde: Der Wal würde ihn in einem der kleinsten Räume seines Körpers gefangen halten.
In Jonahs Zimmer schwang eine Lampe leicht hin und her – sie war an ihrem Stiel am Rand des Raumes befestigt. Das Schiff neigte sich wegen des Gewichts der letzten Pakete zur Anlegestelle hinüber – doch die Lampe behielt trotz dieser Bewegung weiterhin eine feste Neigung zum Raum.
Page 69
Doch in Wahrheit machte die Lampe, obwohl sie selbst unfehlbar gerade war, nur die falschen, lügnerischen Ebenen sichtbar, in denen sie hing. Die Lampe alarmiert und erschreckt Jonah; während er in seiner Koje liegt, rollen seine gequälten Augen umher – doch dieser bislang erfolgreiche Flüchtling findet keinen Zufluchtsort für seinen unruhigen Blick. Doch dieses Widerspruchliche an der Lampe erschreckt ihn immer mehr. Der Boden, die Decke und die Seiten – alles ist verdreht. „Oh! Meine Seele hängt also in mir!“, stöhnt er, „gerade nach oben, sodass sie brennt; doch die Kammern meiner Seele sind alle verdreht!“
„Wie jemand, der nach einer Nacht des Trunkenheitsrausches zu seinem Bett eilt, noch benommen, doch von der Gewissensbisse geplagt – genauso wie die Angriffe des römischen Rennpferdes seine Körperstellen noch stärker treffen; wie jemand, der in diesem elenden Zustand weiterhin in schwindelnder Qual umherirrt und Gott um Vernichtung fleht, bis der Anfall vorüber ist; und schließlich, mitten im Wirbel des Leids, spürt er, wie eine tiefe Benommenheit über ihn kommt – wie bei einem Mann, der verblutet stirbt, denn das Gewissen ist die Wunde, und es gibt nichts, um sie zu stillen. So zieht Jonahs schreckliches Leid ihn nach langem Kampf in den Schlaf.“
„Und nun ist die Gezeitenzeit gekommen; das Schiff löst seine Taue; und vom verlassenen Kai gleitet das unbesungene Schiff nach Tarsis hinaus aufs Meer. Dieses Schiff, meine Freunde, war das erste bekannte Schmugglerschiff! Der Schmuggelgut war Jonah. Doch das Meer rebelliert; es will diese böse Last nicht tragen. Eine schreckliche Sturm bricht aus, das Schiff droht zu zerbrechen. Doch als der Bootsmann alle dazu ruft, das Schiff zu entlasten; als Kisten, Bündel und Gefäße über Bord geworfen werden; als der Wind heult und die Männer schreien, und jede Planke unter den stampfenden Füßen direkt über Jonahs Kopf dröhnt – inmitten dieses tobenden Chaos schläft Jonah seinen schrecklichen Schlaf. Er sieht keinen dunklen Himmel und kein tosendes Meer, spürt die schwankenden Holzbalken nicht und hört kaum etwas vom fernen Angriff des mächtigen Wals, der bereits mit offenem Maul hinter ihm durch die Meere bricht. Ja, Kameraden, Jonah war in die Wände des Schiffes eingedrungen – in eine Koje in der Kabine, wie ich es verstanden habe – und schlief tief und fest. Doch der verängstigte Kapitän kommt zu ihm und schreit ihm ins Ohr: ‚Was tust du da, du Schlaffer! Steh auf!‘ Von diesem schrecklichen Schrei aus seiner Lethargie gerissen, taumelt Jonah auf die Beine, stolpert auf das Deck, ergreift ein Tuch, um aufs Meer zu blicken. Doch in diesem Moment wird er von einer Welle angegriffen, die über die Reling springt. Wellen für Wellen springen so ins Schiff und finden keinen schnellen Ausweg, wodurch sie vorne und hinten tosen – bis die Seeleute fast ertrinken, obwohl sie noch auf dem Wasser sind. Und immer wieder, wenn der weiße Mond sein Licht zeigt…“
„Wie jemand, der nach einer Nacht des Trunkenheitsrausches zu seinem Bett eilt, noch benommen, doch von der Gewissensbisse geplagt – genauso wie die Angriffe des römischen Rennpferdes seine Körperstellen noch stärker treffen; wie jemand, der in diesem elenden Zustand weiterhin in schwindelnder Qual umherirrt und Gott um Vernichtung fleht, bis der Anfall vorüber ist; und schließlich, mitten im Wirbel des Leids, spürt er, wie eine tiefe Benommenheit über ihn kommt – wie bei einem Mann, der verblutet stirbt, denn das Gewissen ist die Wunde, und es gibt nichts, um sie zu stillen. So zieht Jonahs schreckliches Leid ihn nach langem Kampf in den Schlaf.“
„Und nun ist die Gezeitenzeit gekommen; das Schiff löst seine Taue; und vom verlassenen Kai gleitet das unbesungene Schiff nach Tarsis hinaus aufs Meer. Dieses Schiff, meine Freunde, war das erste bekannte Schmugglerschiff! Der Schmuggelgut war Jonah. Doch das Meer rebelliert; es will diese böse Last nicht tragen. Eine schreckliche Sturm bricht aus, das Schiff droht zu zerbrechen. Doch als der Bootsmann alle dazu ruft, das Schiff zu entlasten; als Kisten, Bündel und Gefäße über Bord geworfen werden; als der Wind heult und die Männer schreien, und jede Planke unter den stampfenden Füßen direkt über Jonahs Kopf dröhnt – inmitten dieses tobenden Chaos schläft Jonah seinen schrecklichen Schlaf. Er sieht keinen dunklen Himmel und kein tosendes Meer, spürt die schwankenden Holzbalken nicht und hört kaum etwas vom fernen Angriff des mächtigen Wals, der bereits mit offenem Maul hinter ihm durch die Meere bricht. Ja, Kameraden, Jonah war in die Wände des Schiffes eingedrungen – in eine Koje in der Kabine, wie ich es verstanden habe – und schlief tief und fest. Doch der verängstigte Kapitän kommt zu ihm und schreit ihm ins Ohr: ‚Was tust du da, du Schlaffer! Steh auf!‘ Von diesem schrecklichen Schrei aus seiner Lethargie gerissen, taumelt Jonah auf die Beine, stolpert auf das Deck, ergreift ein Tuch, um aufs Meer zu blicken. Doch in diesem Moment wird er von einer Welle angegriffen, die über die Reling springt. Wellen für Wellen springen so ins Schiff und finden keinen schnellen Ausweg, wodurch sie vorne und hinten tosen – bis die Seeleute fast ertrinken, obwohl sie noch auf dem Wasser sind. Und immer wieder, wenn der weiße Mond sein Licht zeigt…“
Page 70
Ein entsetztes Gesicht aus den steilen Schluchten in der Dunkelheit über ihnen – voller Schrecken.
Jonah sieht den nach oben gerichteten Bugspriet, doch bald senkt er sich wieder nach unten, in die peinvolle Tiefe.
„Schrecken auf Schrecken rasen schreiend durch seine Seele. In all seiner ängstlichen Haltung ist der Gottflüchtling nun allzu deutlich zu erkennen. Die Seeleute beobachten ihn; ihr Misstrauen gegenüber ihm wird immer größer. Um die Wahrheit endgültig herauszufinden, wenden sie sich an den Himmel und ziehen Lose, um herauszufinden, wessen Schuld diese große Sturmflut ist. Das Los fällt auf Jonah. Als das bekannt wird, überhäufen sie ihn mit Fragen: ‚Was ist dein Beruf? Woher kommst du? Welches Land? Zu welchem Volk gehörst du?‘ Aber beachtet nun, meine Schiffskameraden, das Verhalten des armen Jonah. Die neugierigen Seeleute fragen ihn nur, wer er sei und woher er komme; doch er erhält nicht nur Antworten auf diese Fragen, sondern auch eine Antwort auf eine Frage, die sie gar nicht gestellt haben. Diese Antwort wird Jonah von Gottes strenger Hand abgezwungen.
‚Ich bin ein Hebräer‘, ruft er – und dann: ‚Ich fürchte den Herrn, den Gott des Himmels, der das Meer und das Land geschaffen hat!‘ Fürchtest du ihn, oh Jonah? Ja, du solltest den Herrn Gott wirklich fürchten! Sofort beginnt er, eine vollständige Beichte abzulegen. Dadurch werden die Seeleute immer entsetzter – doch sie bleiben dennoch mitleidig. Denn als Jonah noch nicht um Gnade bei Gott flehte, da er die Schwere seiner Sünden nur allzu gut kannte – als der arme Jonah sie anflehte, ihn ins Meer zu werfen, denn er wusste, dass wegen ihm diese große Sturmflut über sie hereinbrach – wandten sie sich aus Mitleid von ihm ab und versuchten auf andere Weise, das Schiff zu retten. Doch alles war vergeblich; der wütende Sturm heulte lauter. Dann packten sie Jonah mit einer Hand, während sie mit der anderen zum Himmel blickten und um Hilfe flehten.
Und nun: Jonah wird wie eine Ankerkette ins Meer geworfen. Sofort breitet sich eine ruhige Stille vom Osten her aus – das Meer wird still, denn Jonah nimmt den Sturm mit sich hinab und hinterlässt glatte Wasseroberflächen. Er taucht in das wilde Herz dieser Unruhe ein; er bemerkt kaum den Moment, in dem er in die gähnenden Mäuler fällt, die auf ihn warteten. Der Wal zeigt all seine elfenbeinfarbenen Zähne, wie viele weiße Pfeile, auf sein Gefängnis. Dann betete Jonah zum Herrn aus dem Bauch des Fisches. Betrachtet jedoch seinen Gebetsinhalt und lernt daraus eine wichtige Lektion. Denn obwohl er sündig ist, weint und klagt Jonah nicht um sofortige Befreiung. Er erkennt an, dass seine schreckliche Strafe gerecht ist. Er überlässt seine Rettung ganz Gott und ist zufrieden.“
Jonah sieht den nach oben gerichteten Bugspriet, doch bald senkt er sich wieder nach unten, in die peinvolle Tiefe.
„Schrecken auf Schrecken rasen schreiend durch seine Seele. In all seiner ängstlichen Haltung ist der Gottflüchtling nun allzu deutlich zu erkennen. Die Seeleute beobachten ihn; ihr Misstrauen gegenüber ihm wird immer größer. Um die Wahrheit endgültig herauszufinden, wenden sie sich an den Himmel und ziehen Lose, um herauszufinden, wessen Schuld diese große Sturmflut ist. Das Los fällt auf Jonah. Als das bekannt wird, überhäufen sie ihn mit Fragen: ‚Was ist dein Beruf? Woher kommst du? Welches Land? Zu welchem Volk gehörst du?‘ Aber beachtet nun, meine Schiffskameraden, das Verhalten des armen Jonah. Die neugierigen Seeleute fragen ihn nur, wer er sei und woher er komme; doch er erhält nicht nur Antworten auf diese Fragen, sondern auch eine Antwort auf eine Frage, die sie gar nicht gestellt haben. Diese Antwort wird Jonah von Gottes strenger Hand abgezwungen.
‚Ich bin ein Hebräer‘, ruft er – und dann: ‚Ich fürchte den Herrn, den Gott des Himmels, der das Meer und das Land geschaffen hat!‘ Fürchtest du ihn, oh Jonah? Ja, du solltest den Herrn Gott wirklich fürchten! Sofort beginnt er, eine vollständige Beichte abzulegen. Dadurch werden die Seeleute immer entsetzter – doch sie bleiben dennoch mitleidig. Denn als Jonah noch nicht um Gnade bei Gott flehte, da er die Schwere seiner Sünden nur allzu gut kannte – als der arme Jonah sie anflehte, ihn ins Meer zu werfen, denn er wusste, dass wegen ihm diese große Sturmflut über sie hereinbrach – wandten sie sich aus Mitleid von ihm ab und versuchten auf andere Weise, das Schiff zu retten. Doch alles war vergeblich; der wütende Sturm heulte lauter. Dann packten sie Jonah mit einer Hand, während sie mit der anderen zum Himmel blickten und um Hilfe flehten.
Und nun: Jonah wird wie eine Ankerkette ins Meer geworfen. Sofort breitet sich eine ruhige Stille vom Osten her aus – das Meer wird still, denn Jonah nimmt den Sturm mit sich hinab und hinterlässt glatte Wasseroberflächen. Er taucht in das wilde Herz dieser Unruhe ein; er bemerkt kaum den Moment, in dem er in die gähnenden Mäuler fällt, die auf ihn warteten. Der Wal zeigt all seine elfenbeinfarbenen Zähne, wie viele weiße Pfeile, auf sein Gefängnis. Dann betete Jonah zum Herrn aus dem Bauch des Fisches. Betrachtet jedoch seinen Gebetsinhalt und lernt daraus eine wichtige Lektion. Denn obwohl er sündig ist, weint und klagt Jonah nicht um sofortige Befreiung. Er erkennt an, dass seine schreckliche Strafe gerecht ist. Er überlässt seine Rettung ganz Gott und ist zufrieden.“
Page 71
Er tröstete sich damit, dass er trotz all seines Leids und Schmerzes dennoch zu Seinem heiligen Tempel blicken würde. Und hier, Kameraden, liegt wahre und aufrichtige Reue – keine Forderung nach Vergebung, sondern Dankbarkeit für die Strafe. Wie angenehm war diese Haltung bei Jonas Gott – das zeigt sich darin, dass er schließlich aus dem Meer und vom Wal befreit wurde. Kameraden, ich stelle euch Jonas nicht vor, damit ihr seine Sünden nachahmt, sondern als Vorbild für Reue. Sündigt nicht – doch falls ihr es tut, achtet darauf, wie Jonas Reue zu zeigen.
Während er diese Worte sprach, schien das Heulen des heftigen Sturms dem Prediger neue Kraft zu verleihen; beim Beschreiben von Jonas’ Sturm schien er selbst von einem Sturm hin und her geworfen zu werden. Seine breite Brust hob und senkte sich wie bei einer Wellenbewegung; seine wild bewegten Arme glichen den kämpfenden Elementen. Der Donner, der von seiner dunklen Stirn ausging, sowie das Licht, das aus seinen Augen strahlte, ließen alle einfachen Zuhörer ihn mit einer seltsamen Furcht anblicken.
Dann wurde sein Ausdruck ruhiger, als er still wieder die Seiten des Buches durchblätterte. Schließlich stand er regungslos da, mit geschlossenen Augen, und schien für einen Moment mit Gott und sich selbst im Gespräch zu sein. Doch wieder neigte er sich den Menschen zu, senkte demütig den Kopf und sprach mit der tiefsten, zugleich männlichsten Demut diese Worte:
„Kameraden, Gott hat nur eine Hand auf euch gelegt; beide Hände drücken auf mich. Ich habe versucht, im trüben Licht zu erkennen, welche Lektion Jonas allen Sündern erteilt – und daher auch euch, und noch mehr mir, denn ich bin ein größerer Sünder als ihr. Wie gerne würde ich jetzt von diesem Mast heruntersteigen und dort, wo ihr sitzt, sitzen und zuhören, während jemand von euch mir jene andere, noch schrecklichere Lektion vorliest, die Jonas mir als Führer des lebendigen Gottes erteilt. Als gesalbter Prophet und Sprecher der Wahrheit, und weil der Herr ihm befahl, diese unwillkommenen Wahrheiten den Ohren des bösen Ninive zu verkünden, floh Jonas vor der Feindseligkeit, die er hervorrufen würde, vor seiner Aufgabe und vor seinem Gott und suchte in Joppa ein Schiff zu ergreifen. Doch Gott ist überall; nach Tarsis kam er nie. Wie wir gesehen haben, kam Gott ihm im Wal entgegen, verschlang ihn und zog ihn in die Abgründe des Verderbens. Die Strömungen zogen ihn zehntausend Faden tief hinab; Algen umschlangen seinen Kopf – und die ganze Welt des Leids brach über ihn herein.“
Während er diese Worte sprach, schien das Heulen des heftigen Sturms dem Prediger neue Kraft zu verleihen; beim Beschreiben von Jonas’ Sturm schien er selbst von einem Sturm hin und her geworfen zu werden. Seine breite Brust hob und senkte sich wie bei einer Wellenbewegung; seine wild bewegten Arme glichen den kämpfenden Elementen. Der Donner, der von seiner dunklen Stirn ausging, sowie das Licht, das aus seinen Augen strahlte, ließen alle einfachen Zuhörer ihn mit einer seltsamen Furcht anblicken.
Dann wurde sein Ausdruck ruhiger, als er still wieder die Seiten des Buches durchblätterte. Schließlich stand er regungslos da, mit geschlossenen Augen, und schien für einen Moment mit Gott und sich selbst im Gespräch zu sein. Doch wieder neigte er sich den Menschen zu, senkte demütig den Kopf und sprach mit der tiefsten, zugleich männlichsten Demut diese Worte:
„Kameraden, Gott hat nur eine Hand auf euch gelegt; beide Hände drücken auf mich. Ich habe versucht, im trüben Licht zu erkennen, welche Lektion Jonas allen Sündern erteilt – und daher auch euch, und noch mehr mir, denn ich bin ein größerer Sünder als ihr. Wie gerne würde ich jetzt von diesem Mast heruntersteigen und dort, wo ihr sitzt, sitzen und zuhören, während jemand von euch mir jene andere, noch schrecklichere Lektion vorliest, die Jonas mir als Führer des lebendigen Gottes erteilt. Als gesalbter Prophet und Sprecher der Wahrheit, und weil der Herr ihm befahl, diese unwillkommenen Wahrheiten den Ohren des bösen Ninive zu verkünden, floh Jonas vor der Feindseligkeit, die er hervorrufen würde, vor seiner Aufgabe und vor seinem Gott und suchte in Joppa ein Schiff zu ergreifen. Doch Gott ist überall; nach Tarsis kam er nie. Wie wir gesehen haben, kam Gott ihm im Wal entgegen, verschlang ihn und zog ihn in die Abgründe des Verderbens. Die Strömungen zogen ihn zehntausend Faden tief hinab; Algen umschlangen seinen Kopf – und die ganze Welt des Leids brach über ihn herein.“
Page 72
ihn. Doch selbst dann, jenseits jeder Reichweite – „aus dem Bauch der Hölle“ – als der Wal auf den tiefsten Grund des Ozeans aufschlug, hörte Gott den verschlungenen, reuigen Propheten, als dieser rief. Dann sprach Gott zu dem Fisch; und aus der eiskalten, dunklen Tiefe des Meeres kam der Wal an die Oberfläche, zum warmen, angenehmen Sonnenlicht sowie zu all den Freuden von Luft und Erde; und er „erbrach Jonas auf das Trockene“. Als dann das Wort des Herrn ein zweites Mal kam, gehorchte Jonas, zerschlagen und gequält – seine Ohren, wie zwei Muscheln, murmelten weiterhin ununterbrochen vom Meer – dem Befehl des Allmächtigen. Und was war das, Kameraden? Die Wahrheit vor der Lüge zu predigen! Das war es!
„Das, Kameraden, das ist die andere Lektion; wehe dem Steuermann des lebendigen Gottes, der sie verachtet. Wehe ihm, den diese Welt von seiner Pflicht im Evangelium ablenkt! Wehe ihm, der versucht, Öl auf die Wellen zu gießen, obwohl Gott daraus einen Sturm gemacht hat! Wehe ihm, der eher gefallen will als erschrecken! Wehe ihm, dem sein guter Name wichtiger ist als die Güte selbst! Wehe ihm, der in dieser Welt keine Schande sucht! Wehe ihm, der nicht wahrhaftig sein will, selbst wenn Lüge die Rettung wäre! Ja, wehe ihm, der, wie der große Steuermann Paulus sagt, während er anderen predigt, selbst ein Verlorener ist!“
Er ließ für einen Moment alles hinter sich und hob anschließend wieder sein Gesicht zu ihnen empor; in seinen Augen lag tiefe Freude, als er mit himmlischem Enthusiasmus rief: „Aber oh, Kameraden! Auf der Rechten Seite jedes Leids gibt es eine gewisse Freude; und je höher der Gipfel dieser Freude ist, desto tiefer ist der Grund des Leids. Ist nicht der Hauptmast höher als der Kiel tief ist? Freude hat jener, der gegen die stolzen Götter und Herrscher dieser Erde immer sein eigenes unerschütterliches Ich zeigt. Freude hat jener, dessen starke Arme ihn noch stützen, wenn das Schiff dieser verwerflichen, verräterischen Welt unter ihm versinkt. Freude hat jener, der in der Wahrheit keinen Kompromiss macht und alle Sünden tötet, verbrennt und zerstört – selbst wenn er sie aus den Gewändern von Senatoren und Richtern hervorreißt. Freude – die größte aller Freuden – hat jener, der kein Gesetz oder keinen Herrn anerkennt außer dem Herrn, seinem Gott, und nur ein Patriot des Himmels ist. Freude hat jener, den all die Wellen der tobenden Menge niemals von diesem festen Fundament der Ewigkeit erschüttern können. Und ewige Freude und Seligkeit werden ihm zuteil, der, wenn er stirbt, mit seinem letzten Atem sagen kann: ‚Oh Vater!‘ – vor allem durch Deine Rute erkannt – sterblich oder unsterblich, hier sterbe ich. Ich habe mich bemüht, Dir zu gehören, mehr als dieser Welt.“
„Das, Kameraden, das ist die andere Lektion; wehe dem Steuermann des lebendigen Gottes, der sie verachtet. Wehe ihm, den diese Welt von seiner Pflicht im Evangelium ablenkt! Wehe ihm, der versucht, Öl auf die Wellen zu gießen, obwohl Gott daraus einen Sturm gemacht hat! Wehe ihm, der eher gefallen will als erschrecken! Wehe ihm, dem sein guter Name wichtiger ist als die Güte selbst! Wehe ihm, der in dieser Welt keine Schande sucht! Wehe ihm, der nicht wahrhaftig sein will, selbst wenn Lüge die Rettung wäre! Ja, wehe ihm, der, wie der große Steuermann Paulus sagt, während er anderen predigt, selbst ein Verlorener ist!“
Er ließ für einen Moment alles hinter sich und hob anschließend wieder sein Gesicht zu ihnen empor; in seinen Augen lag tiefe Freude, als er mit himmlischem Enthusiasmus rief: „Aber oh, Kameraden! Auf der Rechten Seite jedes Leids gibt es eine gewisse Freude; und je höher der Gipfel dieser Freude ist, desto tiefer ist der Grund des Leids. Ist nicht der Hauptmast höher als der Kiel tief ist? Freude hat jener, der gegen die stolzen Götter und Herrscher dieser Erde immer sein eigenes unerschütterliches Ich zeigt. Freude hat jener, dessen starke Arme ihn noch stützen, wenn das Schiff dieser verwerflichen, verräterischen Welt unter ihm versinkt. Freude hat jener, der in der Wahrheit keinen Kompromiss macht und alle Sünden tötet, verbrennt und zerstört – selbst wenn er sie aus den Gewändern von Senatoren und Richtern hervorreißt. Freude – die größte aller Freuden – hat jener, der kein Gesetz oder keinen Herrn anerkennt außer dem Herrn, seinem Gott, und nur ein Patriot des Himmels ist. Freude hat jener, den all die Wellen der tobenden Menge niemals von diesem festen Fundament der Ewigkeit erschüttern können. Und ewige Freude und Seligkeit werden ihm zuteil, der, wenn er stirbt, mit seinem letzten Atem sagen kann: ‚Oh Vater!‘ – vor allem durch Deine Rute erkannt – sterblich oder unsterblich, hier sterbe ich. Ich habe mich bemüht, Dir zu gehören, mehr als dieser Welt.“
Page 73
der Welt oder meiner eigenen. Doch das ist nichts: Ich überlasse die Ewigkeit Dir; denn was ist der Mensch, dass er das Leben seines Gottes vollenden sollte?“
Er sagte nichts mehr, sondern winkte langsam zum Segen, bedeckte sein Gesicht mit den Händen und blieb so kniend, bis alle Menschen gegangen waren und er allein an diesem Ort zurückblieb.
Er sagte nichts mehr, sondern winkte langsam zum Segen, bedeckte sein Gesicht mit den Händen und blieb so kniend, bis alle Menschen gegangen waren und er allein an diesem Ort zurückblieb.
Page 74
KAPITEL 10. Ein enger Freund.
Als ich von der Kapelle zurück zum Spouter-Inn kam, fand ich Queequeg dort ganz allein vor; er hatte die Kapelle bereits vor dem Segen verlassen. Er saß auf einer Bank vor dem Feuer, die Füße auf dem Herd, und hielt mit einer Hand jenes kleine schwarze Idol vor sein Gesicht; er betrachtete es aufmerksam und feilte mit einem Taschenmesser vorsichtig an seiner Nase herum, während er dabei auf seine heidnische Weise vor sich hin summte. Doch als er unterbrochen wurde, legte er das Idol beiseite. Kurz darauf ging er zum Tisch, nahm ein großes Buch und begann, es mit bedächtiger Regelmäßigkeit zu durchblättern. Alle fünfzig Seiten – so schien es mir – hielt er inne, blickte leer um sich und stieß einen langgezogenen, pfeifenden Laut des Erstaunens aus. Dann begann er wieder bei den nächsten fünfzig Seiten; es schien, als würde er jedes Mal bei eins anfangen, als könnte er nicht weiter zählen als bis fünfzig. Nur durch die Ansammlung vieler solcher Gruppen von fünfzig Seiten konnte sein Erstaunen über die große Anzahl der Seiten geweckt werden.
Mit großem Interesse beobachtete ich ihn. Obwohl er ein Wilder war und sein Gesicht – zumindest nach meinem Geschmack – entsetzlich entstellt war, hatte sein Ausdruck doch etwas, das keineswegs unangenehm war. Die Seele kann man nicht verbergen. Durch all seine ungewöhnlichen Tätowierungen glaubte ich die Spuren eines einfachen, ehrlichen Herzens zu erkennen; in seinen großen, tiefen Augen, feurig schwarz und kraftvoll, schienen Zeichen eines Geistes zu sein, der tausend Teufeln trotzen würde. Darüber hinaus hatte dieser Heide eine gewisse Würde an sich, die selbst seine Grobheit nicht ganz zerstören konnte. Er sah aus wie ein Mann, der niemals zurückgeschreckt war und keinen Gläubiger hatte. Ob auch sein rasiertes Haupt dazu führte, dass seine Stirn freier und deutlicher hervortrat und dadurch größer wirkte, wage ich nicht zu beurteilen; aber sicher ist, dass sein Kopf phrenologisch gesehen hervorragend war.
Es mag lächerlich erscheinen, aber es erinnerte mich an den Kopf von General Washington, wie er auf den beliebten Büsten dargestellt wird. Er hatte denselben langen, gleichmäßig abfallenden Verlauf oberhalb der sehr hervorstehenden Augenbrauen, die wie zwei lange, dicht bewaldete Landzungen aussahen. Queequeg war eine „kanibalisiertere“ Version von George Washington.
Als ich von der Kapelle zurück zum Spouter-Inn kam, fand ich Queequeg dort ganz allein vor; er hatte die Kapelle bereits vor dem Segen verlassen. Er saß auf einer Bank vor dem Feuer, die Füße auf dem Herd, und hielt mit einer Hand jenes kleine schwarze Idol vor sein Gesicht; er betrachtete es aufmerksam und feilte mit einem Taschenmesser vorsichtig an seiner Nase herum, während er dabei auf seine heidnische Weise vor sich hin summte. Doch als er unterbrochen wurde, legte er das Idol beiseite. Kurz darauf ging er zum Tisch, nahm ein großes Buch und begann, es mit bedächtiger Regelmäßigkeit zu durchblättern. Alle fünfzig Seiten – so schien es mir – hielt er inne, blickte leer um sich und stieß einen langgezogenen, pfeifenden Laut des Erstaunens aus. Dann begann er wieder bei den nächsten fünfzig Seiten; es schien, als würde er jedes Mal bei eins anfangen, als könnte er nicht weiter zählen als bis fünfzig. Nur durch die Ansammlung vieler solcher Gruppen von fünfzig Seiten konnte sein Erstaunen über die große Anzahl der Seiten geweckt werden.
Mit großem Interesse beobachtete ich ihn. Obwohl er ein Wilder war und sein Gesicht – zumindest nach meinem Geschmack – entsetzlich entstellt war, hatte sein Ausdruck doch etwas, das keineswegs unangenehm war. Die Seele kann man nicht verbergen. Durch all seine ungewöhnlichen Tätowierungen glaubte ich die Spuren eines einfachen, ehrlichen Herzens zu erkennen; in seinen großen, tiefen Augen, feurig schwarz und kraftvoll, schienen Zeichen eines Geistes zu sein, der tausend Teufeln trotzen würde. Darüber hinaus hatte dieser Heide eine gewisse Würde an sich, die selbst seine Grobheit nicht ganz zerstören konnte. Er sah aus wie ein Mann, der niemals zurückgeschreckt war und keinen Gläubiger hatte. Ob auch sein rasiertes Haupt dazu führte, dass seine Stirn freier und deutlicher hervortrat und dadurch größer wirkte, wage ich nicht zu beurteilen; aber sicher ist, dass sein Kopf phrenologisch gesehen hervorragend war.
Es mag lächerlich erscheinen, aber es erinnerte mich an den Kopf von General Washington, wie er auf den beliebten Büsten dargestellt wird. Er hatte denselben langen, gleichmäßig abfallenden Verlauf oberhalb der sehr hervorstehenden Augenbrauen, die wie zwei lange, dicht bewaldete Landzungen aussahen. Queequeg war eine „kanibalisiertere“ Version von George Washington.
Page 75
Während ich ihn so aufmerksam betrachtete – wobei ich vorgetäuschte, aus dem Fenster auf den Sturm zu schauen – bemerkte er meine Anwesenheit überhaupt nicht, kümmerte sich nicht einmal mit einem einzigen Blick um mich; vielmehr schien er völlig damit beschäftigt zu sein, die Seiten des wunderbaren Buches zu zählen. Angesichts der Tatsache, wie freundlich wir in der vorherigen Nacht zusammen geschlafen hatten – und insbesondere angesichts des liebevollen Arms, der am Morgen, als ich aufwachte, um mich lag – fand ich seine Gleichgültigkeit äußerst seltsam. Doch Wilde sind seltsame Wesen; man weiß manchmal nicht genau, wie man mit ihnen umgehen soll. Zuerst wirken sie einschüchternd; ihre ruhige, gelassene Einfachheit erscheint wie sokratische Weisheit. Ich hatte auch bemerkt, dass Queequeg überhaupt nicht oder nur sehr wenig mit den anderen Seeleuten in der Herberge verkehrte. Er unternahm keinerlei Annäherungsversuche und schien kein Verlangen zu haben, seinen Kreis von Bekannten zu erweitern. All das erschien mir äußerst seltsam – doch bei genauerem Nachdenken lag darin etwas Fast Erhabenes. Da war ein Mann, etwa zwanzigtausend Meilen von zu Hause entfernt, auf dem Weg um Kap Hoorn herum – das war schließlich der einzige Weg dorthin –, unter Menschen, die ihm genauso fremd waren, als wäre er auf dem Planeten Jupiter; und doch schien er völlig entspannt zu sein, bewahrte größte Gelassenheit, war mit seiner eigenen Gesellschaft zufrieden und blieb stets er selbst. Das war sicherlich ein Hauch von feiner Philosophie – obwohl er zweifellos noch nie von so etwas gehört hatte. Doch vielleicht sollten wir Sterbliche, um wahre Philosophen zu werden, uns nicht dieser Art des Lebens oder Strebens bewusst sein. Sobald ich höre, dass irgendein Mann sich als Philosoph ausgibt, komme ich zu dem Schluss, dass er, wie die dyspeptische alte Frau, wohl „seinen Verdauungstrakt zerstört“ hat. Während ich dort in diesem nun leeren Raum saß, das Feuer schwach brannte – in jenem sanften Stadium, in dem es nachdem es die Luft erwärmt hat, nur noch zum Anschauen glüht –, während abendliche Schatten und Phantome um die Fenster herumschlichen und auf uns beide, die still und allein da saßen, blickten, während draußen der Sturm mit feierlichen Wellen toste, begann ich seltsame Gefühle zu spüren. Ich fühlte, wie in mir etwas schmolz. Mein zersplittertes Herz und meine rasenden Hände waren nicht länger gegen diese „wolfartige“ Welt gerichtet. Dieser beruhigende Wilde hatte es erlöst. Dort saß er – seine Gleichgültigkeit zeugte von einer Natur, in der keine zivilisierten Heuchlereien und sanften Täuschungen lauerten. Er war wild – ein wirklich beeindruckender Anblick – doch ich begann, mich geheimnisvoll zu ihm hingezogen zu fühlen. Und genau diese Dinge, die die meisten anderen abgeschreckt hätten, waren es, die mich anzogen. „Ich werde es mit einem heidnischen Freund versuchen“, dachte ich, „da die christliche Güte sich als leere Höflichkeit erwiesen hat.“ Ich zog meinen Stuhl näher heran.
Page 76
Ich machte ihm freundliche Zeichen und Andeutungen und versuchte gleichzeitig, mit ihm zu sprechen. Zuerst bemerkte er diese Annäherungsversuche kaum; doch als ich auf seine Gastfreundschaft vom Vorabend anspielte, fragte er mich, ob wir wieder Zimmergenossen sein sollten. Ich sagte ja; daraufhin schien er zufrieden zu sein – vielleicht sogar ein wenig geschmeichelt. Dann blätterten wir gemeinsam im Buch, und ich versuchte, ihm den Zweck des Drucks sowie die Bedeutung der wenigen darin enthaltenen Bilder zu erklären. So weckte ich bald sein Interesse; danach plauderten wir so viel wie möglich über die verschiedenen Sehenswürdigkeiten dieser berühmten Stadt. Bald schlug ich vor, gemeinsam zu rauchen; er holte seine Tabakdose sowie seinen Tomahawk hervor und bot mir leise einen Zug an. Danach saßen wir da und tauschten Züge aus seiner „wilden“ Pfeife aus, wobei sie ständig zwischen uns hin- und hergereicht wurde. Falls noch etwas Gleichgültigkeit gegenüber mir in der Brust dieses Heiden vorhanden war, so schmolz dieses angenehme, freundschaftliche Rauchen sie schnell weg – und wir wurden Freunde. Er schien sich mir genauso natürlich und ungezwungen anzunähern wie ich ihm; als unser Rauchen vorbei war, drückte er seine Stirn gegen meine, umarmte mich um die Taille und sagte, dass wir von nun an verheiratet seien – mit anderen Worten: Wir seien enge Freunde; er würde gerne für mich sterben, falls nötig. Bei einem Landsmann hätte diese plötzliche Flut von Freundschaftsgefühlen viel zu früh erscheinen können – etwas, dem man misstrauen müsste – doch bei diesem einfachen Wilden galten diese alten Regeln nicht. Nach dem Abendessen, nach weiterem Gespräch und noch einmalem Rauchen, gingen wir gemeinsam in unser Zimmer. Er schenkte mir seinen konservierten Kopf; holte seine riesige Tabakdose hervor, suchte darunter und zog etwa dreißig Dollar in Silber hervor; dann legte er sie auf den Tisch, teilte sie mechanisch in zwei gleiche Teile und schob mir einen davon zu, indem er sagte, das sei mein. Ich wollte protestieren; doch er brachte mich zum Schweigen, indem er das Geld in meine Hosentaschen steckte. Ich ließ es dort. Danach verrichtete er seine Abendgebete, holte seinen Idol hervor und entfernte das Papier, das ihn bedeckte. Anhand bestimmter Zeichen und Symptome schien es mir, als wünschte er sich, dass ich mich ihm anschloss; doch da ich genau wusste, was folgen würde, überlegte ich einen Moment, ob ich auf seine Einladung eingehen sollte oder nicht. Ich war ein guter Christ – geboren und aufgewachsen in den Reihen der unfehlbaren presbyterianischen Kirche. Wie konnte ich da mit diesem wilden Götzendiener zusammenkommen, um sein Stück Holz anzubeten? Doch was ist Anbetung? dachte ich.
Page 77
Nun, Ishmael – nehmen wir an, der großzügige Gott des Himmels und der Erde – einschließlich der Heiden – könnte vielleicht eifersüchtig auf ein unbedeutendes Stückchen schwarzes Holz sein? Unmöglich! Aber was ist Anbetung? – Die Willensausführung Gottes – das ist Anbetung. Und was ist der Wille Gottes? – Dem Nächsten das zu tun, was ich selbst vom Nächsten verlangen würde – das ist der Wille Gottes. Nun, Queequeg ist mein Nächster. Und was wünsche ich mir, dass dieser Queequeg für mich tut? Dass er sich mit mir in meiner speziellen presbyterianischen Form der Anbetung vereint. Folglich muss ich mich dann auch mit ihm in seiner Form vereinen – also muss ich zum Götzendiener werden. Also entzündete ich die Späne, half dabei, das unschuldige kleine Idol zu stützen, bot ihm zusammen mit Queequeg gebrannten Kuchen an, verbeugte mich zweimal oder dreimal vor ihm, küsste seine Nase – und danach zogen wir uns aus und gingen schlafen, im Einklang mit unserem Gewissen und der ganzen Welt. Doch wir gingen nicht ohne ein wenig Plauderei zu Bett. Wie das geschieht, weiß ich nicht; aber es gibt keinen besseren Ort als das Bett für vertrauliche Gespräche zwischen Freunden. Mann und Frau, so sagt man, offenbaren dort dem anderen den tiefsten Kern ihrer Seele; und einige alte Paare liegen oft da und plaudern über vergangene Zeiten bis fast zum Morgen. So lagen also ich und Queequeg in unserer „Honeymoon-Zeit“ – ein gemütliches, liebevolles Paar.
Page 78
KAPITEL 11. Nachthemd.
Wir lagen so im Bett, plauderten und dösten abwechselnd, und Queequeg warf von Zeit zu Zeit liebevoll seine braun tätowierten Beine über meine und zog sie wieder zurück; wir waren so gesellig, frei und unbeschwert – bis schließlich durch unser Gespräch der letzte Rest Schläfrigkeit ganz verschwand und wir das Bedürfnis verspürten, wieder aufzustehen, obwohl die Dämmerung noch weit entfernt war.
Ja, wir wurden sehr wach; so sehr, dass unsere liegende Haltung allmählich lästig wurde, und nach und nach fanden wir uns sitzend wieder; die Kleidung fest um uns geschlungen, lehnten wir uns gegen das Kopfteil, mit den vier Knien eng zusammengezogen, und unsere beiden Nasen ragten darüber hinaus, als wären unsere Kniebeugen Wärmeschalen. Wir fühlten uns sehr wohl und gemütlich – umso mehr, da es draußen so kalt war; tatsächlich auch ohne Bettdecke, da es im Zimmer kein Feuer gab. Umso mehr, sage ich, denn um wahre Körperwärme zu genießen, muss ein kleiner Teil von einem kalt sein, denn es gibt in dieser Welt keine Eigenschaft, die nicht nur durch Kontrast existiert. Nichts existiert für sich selbst. Wenn man glaubt, überall wohl zu sein und schon lange so zu sein, dann kann man nicht mehr als wohl bezeichnet werden. Doch wenn, wie Queequeg und ich im Bett, die Spitze der Nase oder die Kopfhaut leicht kalt ist, dann fühlt man in der allgemeinen Wahrnehmung tatsächlich angenehm und unverkennbar Wärme. Aus diesem Grund sollte ein Schlafzimmer niemals mit einem Feuer ausgestattet sein – das ist einer der luxuriösen Unannehmlichkeiten der Reichen. Denn der Höhepunkt dieser Art von Wohlbehagen besteht darin, nur eine Decke zwischen sich und die Gemütlichkeit sowie die Kälte der Außenluft zu haben. Dann liegt man da wie die einzige warme Glut im Herzen eines arktischen Kristalls.
Wir saßen bereits eine Weile in dieser kauernden Haltung, als ich plötzlich beschloss, meine Augen zu öffnen; denn zwischen den Laken, egal ob Tag oder Nacht, ob schlafend oder wach, habe ich immer die Augen geschlossen, um die Gemütlichkeit des Liegens im Bett noch stärker zu spüren. Denn kein Mensch kann seine eigene Identität richtig erkennen, solange seine Augen offen sind; als wäre Dunkelheit tatsächlich das richtige Element unserer Essenz, obwohl Licht unserer irdischen Seite eher entspricht. Als ich die Augen öffnete…
Wir lagen so im Bett, plauderten und dösten abwechselnd, und Queequeg warf von Zeit zu Zeit liebevoll seine braun tätowierten Beine über meine und zog sie wieder zurück; wir waren so gesellig, frei und unbeschwert – bis schließlich durch unser Gespräch der letzte Rest Schläfrigkeit ganz verschwand und wir das Bedürfnis verspürten, wieder aufzustehen, obwohl die Dämmerung noch weit entfernt war.
Ja, wir wurden sehr wach; so sehr, dass unsere liegende Haltung allmählich lästig wurde, und nach und nach fanden wir uns sitzend wieder; die Kleidung fest um uns geschlungen, lehnten wir uns gegen das Kopfteil, mit den vier Knien eng zusammengezogen, und unsere beiden Nasen ragten darüber hinaus, als wären unsere Kniebeugen Wärmeschalen. Wir fühlten uns sehr wohl und gemütlich – umso mehr, da es draußen so kalt war; tatsächlich auch ohne Bettdecke, da es im Zimmer kein Feuer gab. Umso mehr, sage ich, denn um wahre Körperwärme zu genießen, muss ein kleiner Teil von einem kalt sein, denn es gibt in dieser Welt keine Eigenschaft, die nicht nur durch Kontrast existiert. Nichts existiert für sich selbst. Wenn man glaubt, überall wohl zu sein und schon lange so zu sein, dann kann man nicht mehr als wohl bezeichnet werden. Doch wenn, wie Queequeg und ich im Bett, die Spitze der Nase oder die Kopfhaut leicht kalt ist, dann fühlt man in der allgemeinen Wahrnehmung tatsächlich angenehm und unverkennbar Wärme. Aus diesem Grund sollte ein Schlafzimmer niemals mit einem Feuer ausgestattet sein – das ist einer der luxuriösen Unannehmlichkeiten der Reichen. Denn der Höhepunkt dieser Art von Wohlbehagen besteht darin, nur eine Decke zwischen sich und die Gemütlichkeit sowie die Kälte der Außenluft zu haben. Dann liegt man da wie die einzige warme Glut im Herzen eines arktischen Kristalls.
Wir saßen bereits eine Weile in dieser kauernden Haltung, als ich plötzlich beschloss, meine Augen zu öffnen; denn zwischen den Laken, egal ob Tag oder Nacht, ob schlafend oder wach, habe ich immer die Augen geschlossen, um die Gemütlichkeit des Liegens im Bett noch stärker zu spüren. Denn kein Mensch kann seine eigene Identität richtig erkennen, solange seine Augen offen sind; als wäre Dunkelheit tatsächlich das richtige Element unserer Essenz, obwohl Licht unserer irdischen Seite eher entspricht. Als ich die Augen öffnete…
Page 79
Dann öffneten sich meine Augen – ich kam aus meiner eigenen, angenehmen, selbstgeschaffenen Dunkelheit hervor in die aufgezwungene, grobe äußere Düsternis der unbeleuchteten Mitternacht – und empfand ein unangenehmes Widerstreben. Ich hatte auch keinerlei Einwände gegen Queequegs Vorschlag, dass es vielleicht am besten sei, ein Licht anzuzünden, da wir ja hellwach waren; außerdem verspürte er einen starken Wunsch, ein paar ruhige Züge von seiner Pfeife zu nehmen. Es sei gesagt: Obwohl ich in der vorherigen Nacht solch einen starken Widerwillen gegen sein Rauchen im Bett gehabt hatte, so zeigt sich doch, wie elastisch unsere starren Vorurteile werden, sobald die Liebe sie biegen will. Denn jetzt gefiel es mir nichts mehr, als dass Queequeg neben mir rauchte – sogar im Bett –, denn dann schien er voller solcher friedlicher, häuslicher Freude zu sein. Ich machte mir keine Sorgen mehr um die Versicherungspolitik des Vermieters. Ich war nur noch darauf bedacht, die angenehme Intimität zu genießen, die entsteht, wenn man mit einem wahren Freund eine Pfeife und eine Decke teilt. Mit unseren flauschigen Jacken um die Schultern reichten wir die Pfeife nun vom einen zum anderen weiter, bis allmählich eine blaue, rauchige Schicht über uns entstand, die vom Licht der neu angezündeten Lampe erhellt wurde. Ob dieser wellenförmige Rauch den Wilden in ferne Landschaften trug, weiß ich nicht – doch nun sprach er von seiner Heimatinsel. Da ich begierig darauf war, seine Geschichte zu hören, bat ich ihn, weiterzuerzählen. Er willigte gerne ein. Obwohl ich damals viele seiner Worte kaum verstand, ermöglichen mir spätere Erklärungen, nachdem ich mich besser mit seiner unvollkommenen Sprache vertraut gemacht hatte, nun, die ganze Geschichte in dem Umfang darzustellen, wie sie in dem hier gegebenen Überblick erscheint.
Page 80
KAPITEL 12. Biografische Angaben
Queequeg stammte aus Rokovoko, einer Insel weit im Westen und Süden. Sie ist auf keiner Karte eingezeichnet – echte Orte sind das nie.
Als ein frisch geschlüpfter Wilder durch die Wälder seiner Heimat streifte, verfolgt von den Ziegen, als wäre er ein junger Baumtrieb, lauerte bereits in Queequegs ehrgeiziger Seele der starke Wunsch, mehr vom Christentum zu sehen als nur ein oder zwei Walfangschiffe. Sein Vater war ein Hochstammesführer, ein König; sein Onkel ein Hoher Priester. Auf mütterlicher Seite hatte er Tanten, die Ehefrauen unbesiegbarer Krieger waren. In seinen Adern floss hervorragendes Blut – königliches Blut – doch leider, fürchte ich, verdorben durch die Kannibalenneigung, die er in seiner ungebildeten Jugend hegte.
Ein Schiff aus Sag Harbor besuchte die Bucht seines Vaters, und Queequeg suchte nach einer Gelegenheit, in christliche Länder zu gelangen. Doch das Schiff, das bereits über genügend Seeleute verfügte, lehnte seinen Antrag ab – und selbst der Einfluss seines Vaters als König reichte nicht aus. Doch Queequeg schwor einen Eid. Allein in seiner Kanoe paddelte er zu einer entfernten Meerenge, durch die das Schiff, wenn es die Insel verließ, unweigerlich fahren musste. Auf der einen Seite befand sich ein Korallenriff; auf der anderen eine niedrige Landzunge, bedeckt mit Mangrovenbüschen, die ins Wasser hineinreichten. Er versteckte seine noch schwimmende Kanoe unter diesen Büschen, mit der Bugseite zum Meer gerichtet, setzte sich in die Heckpartie und hielt das Paddel bereit. Als das Schiff vorbeiglitt, sprang er wie ein Blitz heraus, erreichte die Seite des Schiffes, kippte mit einem Tritt seine Kanoe um und kletterte an den Ketten hoch. Dann warf er sich ganz auf das Deck, packte einen Ringbolzen dort und schwor, ihn nicht loszulassen – selbst wenn er dabei in Stücke gehackt würde.
Vergeblich drohte der Kapitän, ihn über Bord zu werfen; er hielt ein Messer über Queequegs nackte Handgelenke – doch Queequeg war der Sohn eines Königs und rührte sich nicht. Von seinem verzweifelten Mut sowie seinem wilden Wunsch, das Christentum zu erleben, beeindruckt, gab der Kapitän schließlich nach und sagte ihm, er könne sich wie zu Hause fühlen. Doch dieser prächtige junge Wilde – dieser „Seeprinz von Wales“ – sah niemals die Kabine des Kapitäns. Man setzte ihn unter die Seeleute und machte ihn zu einem Walfänger. Doch genau wie Zar Peter, der bereit war, in den Werften fremder Städte zu arbeiten, verschmähte auch Queequeg keine scheinbare Schande, solange er dadurch die Macht erlangen konnte, seine ungebildeten Landsleute aufzuklären.
Queequeg stammte aus Rokovoko, einer Insel weit im Westen und Süden. Sie ist auf keiner Karte eingezeichnet – echte Orte sind das nie.
Als ein frisch geschlüpfter Wilder durch die Wälder seiner Heimat streifte, verfolgt von den Ziegen, als wäre er ein junger Baumtrieb, lauerte bereits in Queequegs ehrgeiziger Seele der starke Wunsch, mehr vom Christentum zu sehen als nur ein oder zwei Walfangschiffe. Sein Vater war ein Hochstammesführer, ein König; sein Onkel ein Hoher Priester. Auf mütterlicher Seite hatte er Tanten, die Ehefrauen unbesiegbarer Krieger waren. In seinen Adern floss hervorragendes Blut – königliches Blut – doch leider, fürchte ich, verdorben durch die Kannibalenneigung, die er in seiner ungebildeten Jugend hegte.
Ein Schiff aus Sag Harbor besuchte die Bucht seines Vaters, und Queequeg suchte nach einer Gelegenheit, in christliche Länder zu gelangen. Doch das Schiff, das bereits über genügend Seeleute verfügte, lehnte seinen Antrag ab – und selbst der Einfluss seines Vaters als König reichte nicht aus. Doch Queequeg schwor einen Eid. Allein in seiner Kanoe paddelte er zu einer entfernten Meerenge, durch die das Schiff, wenn es die Insel verließ, unweigerlich fahren musste. Auf der einen Seite befand sich ein Korallenriff; auf der anderen eine niedrige Landzunge, bedeckt mit Mangrovenbüschen, die ins Wasser hineinreichten. Er versteckte seine noch schwimmende Kanoe unter diesen Büschen, mit der Bugseite zum Meer gerichtet, setzte sich in die Heckpartie und hielt das Paddel bereit. Als das Schiff vorbeiglitt, sprang er wie ein Blitz heraus, erreichte die Seite des Schiffes, kippte mit einem Tritt seine Kanoe um und kletterte an den Ketten hoch. Dann warf er sich ganz auf das Deck, packte einen Ringbolzen dort und schwor, ihn nicht loszulassen – selbst wenn er dabei in Stücke gehackt würde.
Vergeblich drohte der Kapitän, ihn über Bord zu werfen; er hielt ein Messer über Queequegs nackte Handgelenke – doch Queequeg war der Sohn eines Königs und rührte sich nicht. Von seinem verzweifelten Mut sowie seinem wilden Wunsch, das Christentum zu erleben, beeindruckt, gab der Kapitän schließlich nach und sagte ihm, er könne sich wie zu Hause fühlen. Doch dieser prächtige junge Wilde – dieser „Seeprinz von Wales“ – sah niemals die Kabine des Kapitäns. Man setzte ihn unter die Seeleute und machte ihn zu einem Walfänger. Doch genau wie Zar Peter, der bereit war, in den Werften fremder Städte zu arbeiten, verschmähte auch Queequeg keine scheinbare Schande, solange er dadurch die Macht erlangen konnte, seine ungebildeten Landsleute aufzuklären.
Page 81
Landesgenossen. Denn im Grunde – so sagte er mir – wurde er von einem tiefen Wunsch angetrieben, bei den Christen die Künste zu erlernen, mit deren Hilfe er sein Volk noch glücklicher machen konnte als es bereits war; und mehr noch: noch besser als es bisher war. Doch leider überzeugten ihn die Praktiken der Walfänger bald davon, dass auch Christen elend und böse sein konnten – um ein Vielfaches mehr als all seine heidnischen Vorfahren. Schließlich erreichte er das alte Sag Harbor; sah, was die Seeleute dort taten; ging anschließend nach Nantucket und beobachtete, wie auch sie dort ihr Gehalt ausgaben. Der arme Queequeg gab schließlich auf und hielt alles für verloren. Er dachte: Es ist eine böse Welt in allen Breitengraden; ich werde als Heide sterben. Und so lebte er, obwohl er im Herzen ein alter Götzendiener war, unter diesen Christen, trug ihre Kleidung und versuchte, ihre Sprache zu sprechen. Deshalb hatte er solche seltsamen Verhaltensweisen – obwohl er nun schon eine Weile von zu Hause weg war. Indem ich Andeutungen machte, fragte ich ihn, ob er nicht vorhabe, zurückzukehren und gekrönt zu werden; schließlich könnte er jetzt seinen Vater für tot und fort halten, da dieser inzwischen sehr alt und schwach war. Er antwortete nein, noch nicht; und fügte hinzu, er fürchte, dass das Christentum – oder vielmehr die Christen – ihn für den Aufstieg auf den reinen, unverunreinigten Thron der dreißig vor ihm gewesenen heidnischen Könige ungeeignet gemacht habe. Doch irgendwann, sagte er, würde er zurückkehren – sobald er sich wieder taufen ließe. Fürs Erste jedoch wollte er umhersegeln und sein Leben in allen vier Ozeanen verbringen. Sie hatten aus ihm einen Harpunier gemacht – und dieses stachelige Eisen diente nun anstelle eines Zepters. Ich fragte ihn, welches sein unmittelbares Ziel bezüglich seiner zukünftigen Pläne sei. Er antwortete, wieder zur See zu fahren, in seinem alten Beruf. Daraufhin sagte ich ihm, dass die Walfangerei mein eigener Plan sei, und erzählte ihm von meiner Absicht, von Nantucket aus aufzubrechen – schließlich sei das der vielversprechendste Hafen für einen abenteuerlustigen Walfänger. Er beschloss sofort, mich auf diese Insel zu begleiten, auf dasselbe Schiff zu steigen, zur gleichen Wache, ins gleiche Boot, in dieselbe Kantine wie ich – kurz gesagt: alle meine Erfahrungen mit mir zu teilen; mit beiden Händen in die „Potluck“-Quellen beider Welten zu tauchen. Zu alledem stimmte ich fröhlich zu; denn abgesehen von der Zuneigung, die ich nun für Queequeg empfand, war er ein erfahrener Harpunier und konnte daher sicherlich von großem Nutzen für jemanden sein, der, wie ich, völlig unwissend über die Geheimnisse des Walfangs war – obwohl er sich gut mit dem Meer auskannte, wie es Handelsseeleute tun. Als seine Geschichte mit dem letzten Atemzug seiner Pfeife endete, umarmte Queequeg mich, presste seine Stirn gegen meine und löschte das Licht.
Page 82
Wir drehten uns umeinander, hierhin und dorthin, und schon bald schliefen wir.
Page 83
KAPITEL 13. Handkarre
Am nächsten Morgen, einem Montag, nachdem ich den konservierten Kopf ein Stück weit zu einem Friseur gebracht hatte, bezahlte ich meine eigenen Rechnungen sowie die meines Kameraden – wobei ich jedoch das Geld meines Kameraden benutzte. Der grinsende Vermieter sowie die Mieter schienen über die plötzliche Freundschaft zwischen mir und Queequeg äußerst amüsiert zu sein – besonders da Peters Coffins lächerliche Geschichten über ihn mich zuvor sehr beunruhigt hatten, was die Person betraf, mit der ich nun zusammen war.
Wir liehen uns eine Handkarre, luden unsere Sachen darauf – einschließlich meiner armseligen Tasche sowie Queequegs Leinensack und Hängematte – und machten uns auf den Weg zum „Moss“, dem kleinen Segelschiff von Nantucket, das am Hafen lag. Während wir vorbeigingen, starrten die Leute uns an – nicht so sehr Queequeg an, denn sie waren es gewohnt, Kannibalen wie ihn auf ihren Straßen zu sehen – sondern vielmehr daran, dass er und ich in so vertrauter Weise miteinander umgingen. Doch wir kümmerten uns nicht um sie, schoben abwechselnd die Karre und Queequeg hielt von Zeit zu Zeit an, um die Spitzen seines Harpuns zu justieren. Ich fragte ihn, warum er so etwas Unpraktisches mit an Land nahm, und ob alle Walfangschiffe nicht ihre eigenen Harpunen hätten. Darauf antwortete er im Grunde, dass zwar das, was ich sagte, zutraf, er aber eine besondere Zuneigung zu seinem eigenen Harpunen hatte – schließlich bestand sie aus hochwertigem Material, war in vielen Kampfen erprobt worden und kannte die Herzen der Wale gut. Kurz gesagt: Genau wie viele Landwirte, die mit ihren eigenen Sensen auf die Felder gehen – obwohl sie dazu keineswegs verpflichtet sind – zog auch Queequeg aus persönlichen Gründen seine eigene Harpune vor.
Nachdem er die Karre von meinen Händen in seine genommen hatte, erzählte er mir eine lustige Geschichte über die erste Handkarre, die er je gesehen hatte. Das war in Sag Harbor. Die Besitzer seines Schiffes hatten ihm offenbar eine Karre geliehen, damit er seinen schweren Koffer zu seiner Unterkunft tragen konnte. Um nicht unwissend zu erscheinen – obwohl er tatsächlich völlig keine Ahnung hatte, wie man die Karre richtig benutzt – legte Queequeg seinen Koffer darauf, band ihn fest und schulterte anschließend die Karre, um den Hafen entlangzugehen. „Warum“, sagte ich, „Queequeg, man hätte doch annehmen können, dass du es besser weißt. Haben die Leute nicht gelacht?“
Am nächsten Morgen, einem Montag, nachdem ich den konservierten Kopf ein Stück weit zu einem Friseur gebracht hatte, bezahlte ich meine eigenen Rechnungen sowie die meines Kameraden – wobei ich jedoch das Geld meines Kameraden benutzte. Der grinsende Vermieter sowie die Mieter schienen über die plötzliche Freundschaft zwischen mir und Queequeg äußerst amüsiert zu sein – besonders da Peters Coffins lächerliche Geschichten über ihn mich zuvor sehr beunruhigt hatten, was die Person betraf, mit der ich nun zusammen war.
Wir liehen uns eine Handkarre, luden unsere Sachen darauf – einschließlich meiner armseligen Tasche sowie Queequegs Leinensack und Hängematte – und machten uns auf den Weg zum „Moss“, dem kleinen Segelschiff von Nantucket, das am Hafen lag. Während wir vorbeigingen, starrten die Leute uns an – nicht so sehr Queequeg an, denn sie waren es gewohnt, Kannibalen wie ihn auf ihren Straßen zu sehen – sondern vielmehr daran, dass er und ich in so vertrauter Weise miteinander umgingen. Doch wir kümmerten uns nicht um sie, schoben abwechselnd die Karre und Queequeg hielt von Zeit zu Zeit an, um die Spitzen seines Harpuns zu justieren. Ich fragte ihn, warum er so etwas Unpraktisches mit an Land nahm, und ob alle Walfangschiffe nicht ihre eigenen Harpunen hätten. Darauf antwortete er im Grunde, dass zwar das, was ich sagte, zutraf, er aber eine besondere Zuneigung zu seinem eigenen Harpunen hatte – schließlich bestand sie aus hochwertigem Material, war in vielen Kampfen erprobt worden und kannte die Herzen der Wale gut. Kurz gesagt: Genau wie viele Landwirte, die mit ihren eigenen Sensen auf die Felder gehen – obwohl sie dazu keineswegs verpflichtet sind – zog auch Queequeg aus persönlichen Gründen seine eigene Harpune vor.
Nachdem er die Karre von meinen Händen in seine genommen hatte, erzählte er mir eine lustige Geschichte über die erste Handkarre, die er je gesehen hatte. Das war in Sag Harbor. Die Besitzer seines Schiffes hatten ihm offenbar eine Karre geliehen, damit er seinen schweren Koffer zu seiner Unterkunft tragen konnte. Um nicht unwissend zu erscheinen – obwohl er tatsächlich völlig keine Ahnung hatte, wie man die Karre richtig benutzt – legte Queequeg seinen Koffer darauf, band ihn fest und schulterte anschließend die Karre, um den Hafen entlangzugehen. „Warum“, sagte ich, „Queequeg, man hätte doch annehmen können, dass du es besser weißt. Haben die Leute nicht gelacht?“
Page 84
Daraufhin erzählte er mir eine weitere Geschichte. Die Menschen auf seiner Insel Rokovoko gießen bei ihren Hochzeitsfesten das duftende Wasser junger Kokosnüsse in einen großen, bemalten Kürbis – ähnlich wie in einen Becher für Getränke – und dieser Kürbis bildet stets die zentrale Verzierung auf dem geflochtenen Teppich, auf dem das Fest stattfindet. Eines Tages legte ein großes Handelsschiff in Rokovoko an, und sein Kommandant – scheinbar ein sehr würdevoller, pünktlicher Herr, zumindest für einen Seefahrer – wurde zu der Hochzeitsfeier von Queequegs Schwester eingeladen. Es handelte sich dabei um eine hübsche junge Prinzessin, die gerade zehn Jahre alt geworden war. Als alle Gäste im Bambushaus der Braut versammelt waren, betrat der Kapitän den Raum, erhielt den Ehrenplatz gegenüber dem Kürbis und setzte sich zwischen den Hohepriester sowie Queequegs Vater, den König. Nachdem die Gebete gesprochen worden waren – denn auch diese Leute haben ihre Gebete, genauso wie wir –, öffnete der Hohepriester das Bankett mit dem uralten Ritual der Insel: Er tauchte seine geweihten Finger in den Kürbis, bevor das gesegnete Getränk ausgeteilt wurde. Da der Kapitän neben dem Priester saß, das Ritual beobachtete und annahm, als Kapitän eines Schiffes einen klaren Vorrang vor einem einfachen Inselkönig zu haben – besonders noch im eigenen Haus des Königs –, wusch er ruhig seine Hände im Kürbis, wohl in der Annahme, es handele sich dabei um ein riesiges Glas. „Nun“, sagte Queequeg, „was denkst du jetzt? Haben unsere Leute nicht gelacht?“ Schließlich, nachdem die Überfahrt bezahlt und das Gepäck sicher verstaut war, standen wir an Bord der Schoner. Nachdem die Segel gehisst wurden, glitt das Schiff den Fluss Acushnet entlang. Auf der einen Seite erhob sich New Bedford in Reihen von Straßen; deren mit Eis bedeckten Bäume funkelten in der klaren, kalten Luft. Auf den Docks türmten sich riesige Haufen von Fässern, und nebeneinander lagen die weltumsegelnden Walfangschiffe still und sicher vertäut. Von anderen Stellen drangen Geräusche von Zimmerleuten und Fassmachern herüber, zusammen mit dem Lärm von Feuern und Schmieden zur Schmelzung von Teer – all das deutete darauf hin, dass neue Reisen begannen; dass eine besonders gefährliche und lange Reise zu Ende ging, nur um einer zweiten Platz zu machen; und eine zweite endete, nur um einer dritten Platz zu machen – und so weiter, für immer und ewig. So ist die Endlosigkeit – ja, die Unerträglichkeit – aller irdischen Anstrengungen. Als wir in offeneres Wasser kamen, wurde der kräftige Wind noch stärker; die kleine Moss schleuderte den Schaum von ihrer Bugspitze, genau wie ein junges Pferd seinen Schnauben.
Page 85
Wie ich diese „tatarische“ Luft verachtete! Wie ich diesen schmutzigen Weg verabscheute – diesen gewöhnlichen Straßenweg, der überall von den Spuren von Sklavensohlen und Hufen gezeichnet war! Stattdessen bewunderte ich die Großzügigkeit des Meeres, das keine Aufzeichnungen zulässt. An dieser Schaumquelle schien Queequeg zusammen mit mir zu trinken und sich zu drehen. Seine dunklen Nasenlöcher blähten sich auf; er zeigte seine gefeilten, spitzen Zähne. Immer weiter flogen wir vorwärts; je näher wir kamen, desto mehr zeigte das Schiff seinen Respekt vor dem Sturm – es neigte sich wie ein Sklave vor dem Sultan. Wir flogen seitlich dahin; jedes Seil vibrierte wie ein Draht; die beiden hohen Masten bogen sich wie indische Stöcke in Landtornados. Wir waren so sehr von dieser schwindelerregenden Szene in Anspruch genommen, dass wir eine Weile lang die spöttischen Blicke der Passagiere nicht bemerkten – einer Schar von Dummköpfen, die sich wunderten, dass zwei Menschen so gut miteinander auskamen; als wäre ein Weißer etwas Würdevolleres als ein gebleichter Schwarzer. Doch es gab auch einige Dorftrottel dort, deren intensive Grünfarbe darauf hindeutete, dass sie aus dem Herzen aller Grünlage stammten. Queequeg fing einen dieser jungen Bäume ab, der ihm heimlich nachspionierte. Ich dachte, die Stunde des Untergangs dieses Dorftrotts sei gekommen. Der kräftige Wilde ließ seinen Harpunenstock fallen, packte den Jungen in seine Arme und schleuderte ihn mit fast wundersamer Geschicklichkeit in die Luft; anschließend landete der Junge mit zerplatzenden Lungen wieder auf den Füßen, während Queequeg ihm den Rücken zukehrte, seine Tomahawk-Pfeife anzündete und sie mir zum Rauchen reichte. „Kapitän! Kapitän!“, schrie der Dorftrottel und rannte auf den Offizier zu. „Kapitän, da ist der Teufel!“ „Hallo, mein Herr“, rief der Kapitän, ein magerer Mann vom Meer, der auf Queequeg zuging, „was zum Teufel meinen Sie damit? Wissen Sie denn nicht, dass Sie diesen Kerl umbringen konnten?“ „Was sagt er?“, fragte Queequeg und wandte sich sanft mir zu. „Er sagt“, antwortete ich, „dass Sie fast diesen Mann getötet hätten“, und zeigte auf den immer noch zitternden Jungen. „Töten?“, rief Queequeg und verzog sein tätowiertes Gesicht zu einem Ausdruck des Verachtens. „Ah! Das ist doch nur ein kleiner Fisch. Queequeg tötet keine so kleinen Fische – Queequeg tötet große Wale!“ „Passen Sie auf!“, brüllte der Kapitän. „Ich werde Sie töten, Sie Kannibale, wenn Sie hier weiterhin solche Tricks versuchen. Achten Sie also gut auf sich.“
Page 86
Doch gerade in diesem Moment war es höchste Zeit, dass der Kapitän auf seine eigenen Angelegenheiten achtete. Die enorme Belastung auf dem Hauptsegel hatte das Segeltuch zerrissen, und der riesige Mastbaum flog nun von einer Seite zur anderen und streifte dabei den gesamten hinteren Teil des Decks. Der arme Kerl, den Queequeg so grob behandelt hatte, wurde über Bord gespült; alle waren in Panik – und es schien verrückt zu sein, versuchen zu wollen, den Mastbaum festzuhalten. Er flog von rechts nach links und wieder zurück, fast im Rhythmus eines Uhrschlags – und jeder Augenblick schien derjenige zu sein, in dem er in tausend Stücke brechen würde. Nichts wurde unternommen, und es schien nichts möglich zu sein. Die Leute auf dem Deck eilten zum Bug und starrten auf den Mastbaum, als wäre er der Unterkiefer eines wütenden Wals. Mitten in dieser Verzweiflung kniete Queequeg geschickt nieder, kroch unter den Mastbaum, packte ein Seil, befestigte eines seiner Enden an den Bulwarks und warf das andere Ende wie einen Lasso – es umschlang den Mastbaum, als dieser über seinen Kopf flog. Beim nächsten Ruck war der Mastbaum gefangen, und alles war in Sicherheit. Das Segelschiff wurde gegen den Wind gesteuert, und während die Leute das Heckboot wegschafften, sprang Queequeg, bis zur Taille nackt, mit einem weiten Satz vom Schiff weg. Drei Minuten lang oder länger sah man ihn wie einen Hund schwimmen, seine langen Arme vor sich ausstreckend – abwechselnd wurden seine kräftigen Schultern durch das eiskalte Wasser sichtbar. Ich blickte auf diesen großartigen, prächtigen Mann – doch ich sah niemanden, den man retten konnte. Der Anfänger war untergegangen. Queequeg sprang senkrecht aus dem Wasser, warf einen kurzen Blick um sich, schien zu erkennen, wie die Situation war, tauchte wieder hinab und verschwand. Ein paar Minuten später tauchte er erneut auf – mit einem Arm noch immer ausgestreckt, mit dem anderen zog er eine leblose Gestalt mit sich. Das Boot holte sie bald ein. Der arme Kerl wurde gerettet. Alle lobten Queequeg als heldenhaften Mann; der Kapitän bat um Vergebung. Von jenem Moment an hing ich an Queequeg wie eine Alge – ja, bis der arme Queequeg seinen letzten Sprung machte. Gab es jemals solche Gleichgültigkeit? Er schien nicht zu glauben, dass er überhaupt eine Medaille von den humanitären und großzügigen Gesellschaften verdiente. Er bat nur um Wasser – frisches Wasser – etwas, womit er das Salzwasser abwischen konnte. Danach zog er trockene Kleidung an, zündete seine Pfeife an, lehnte sich gegen die Bulwarks und blickte gelassen auf die Menschen um sich herum – als würde er zu sich selbst sagen: „Es ist eine gemeinsame Welt. Wir Kannibalen müssen diesen Christen helfen.“
Page 87
Page 88
KAPITEL 14. Nantucket.
Während der Überfahrt geschah nichts weiter, was erwähnenswert wäre; so kamen wir nach einer guten Reise sicher in Nantucket an.
Nantucket! Nehmen Sie Ihre Karte heraus und schauen Sie sie sich an. Sehen Sie, welchen „echten Winkel der Welt“ es einnimmt – wie es da draußen vor der Küste liegt, noch einsamer als der Leuchtturm von Eddystone. Schauen Sie nur: Es handelt sich dabei um einen kleinen Hügel sowie einen Streifen Sand; nur Strand, ohne Hintergrund. Dort gibt es mehr Sand, als man in zwanzig Jahren als Ersatz für Tupferpapier verwenden könnte. Einige Spaßvögel behaupten, sie müssten dort Unkräuter pflanzen – diese würden sonst nicht natürlich wachsen; sie importieren Kanadische Disteln; sie müssen über das Meer hinaus schicken, um ein Loch in einem Ölfass zu stopfen; Holzstücke auf Nantucket werden wie Reliquien herumgetragen; die Menschen dort pflanzen Pilze vor ihren Häusern, um im Sommer Schatten zu haben; ein einzelnes Grashalm bildet bereits eine Oase, drei Grashalme auf einem Tagesweg bilden eine Prärie; sie tragen Sandalen, ähnlich den Schneeschuhen der Lappen; sie sind so abgeschlossen, von allen Seiten umgeben vom Ozean – sogar an Stühlen und Tischen finden sich manchmal kleine Muscheln, als wären sie an den Rücken von Schildkröten geklebt. Doch all diese Exzesse zeigen nur, dass Nantucket kein Illinois ist.
Schauen Sie sich nun die wunderbare traditionelle Geschichte an, wie diese Insel von den Rothäuten besiedelt wurde. So lautet die Legende: In alten Zeiten stieß ein Adler herab auf die Küste Neuenglands und entriss mit seinen Krallen ein kleines indianisches Kind. Mit lauten Klagen sahen die Eltern, wie ihr Kind über die weiten Gewässer weggetragen wurde. Sie beschlossen, in derselben Richtung zu folgen. Mit ihren Kanus brachen sie auf – nach einer gefährlichen Überfahrt entdeckten sie die Insel. Dort fanden sie eine leere Elfenbeinkiste – das Skelett des armen kleinen Indianers.
Welch Wunder also, dass diese Menschen aus Nantucket, die auf einem Strand geboren wurden, zum Leben zum Meer gingen! Zuerst fingerten sie Krabben und Quohogs im Sand; mutiger geworden, gingen sie mit Netzen hinaus, um Makrelen zu fangen; erfahrener geworden, setzten sie sich in Boote und jagten Kabeljau; schließlich starteten sie eine Flotte großer Schiffe, um diese waterechte Welt zu erkunden; sie legten eine endlose Kette von Umsegelungen um sie herum; sie spähten durch die Beringstraße – und überall.
Während der Überfahrt geschah nichts weiter, was erwähnenswert wäre; so kamen wir nach einer guten Reise sicher in Nantucket an.
Nantucket! Nehmen Sie Ihre Karte heraus und schauen Sie sie sich an. Sehen Sie, welchen „echten Winkel der Welt“ es einnimmt – wie es da draußen vor der Küste liegt, noch einsamer als der Leuchtturm von Eddystone. Schauen Sie nur: Es handelt sich dabei um einen kleinen Hügel sowie einen Streifen Sand; nur Strand, ohne Hintergrund. Dort gibt es mehr Sand, als man in zwanzig Jahren als Ersatz für Tupferpapier verwenden könnte. Einige Spaßvögel behaupten, sie müssten dort Unkräuter pflanzen – diese würden sonst nicht natürlich wachsen; sie importieren Kanadische Disteln; sie müssen über das Meer hinaus schicken, um ein Loch in einem Ölfass zu stopfen; Holzstücke auf Nantucket werden wie Reliquien herumgetragen; die Menschen dort pflanzen Pilze vor ihren Häusern, um im Sommer Schatten zu haben; ein einzelnes Grashalm bildet bereits eine Oase, drei Grashalme auf einem Tagesweg bilden eine Prärie; sie tragen Sandalen, ähnlich den Schneeschuhen der Lappen; sie sind so abgeschlossen, von allen Seiten umgeben vom Ozean – sogar an Stühlen und Tischen finden sich manchmal kleine Muscheln, als wären sie an den Rücken von Schildkröten geklebt. Doch all diese Exzesse zeigen nur, dass Nantucket kein Illinois ist.
Schauen Sie sich nun die wunderbare traditionelle Geschichte an, wie diese Insel von den Rothäuten besiedelt wurde. So lautet die Legende: In alten Zeiten stieß ein Adler herab auf die Küste Neuenglands und entriss mit seinen Krallen ein kleines indianisches Kind. Mit lauten Klagen sahen die Eltern, wie ihr Kind über die weiten Gewässer weggetragen wurde. Sie beschlossen, in derselben Richtung zu folgen. Mit ihren Kanus brachen sie auf – nach einer gefährlichen Überfahrt entdeckten sie die Insel. Dort fanden sie eine leere Elfenbeinkiste – das Skelett des armen kleinen Indianers.
Welch Wunder also, dass diese Menschen aus Nantucket, die auf einem Strand geboren wurden, zum Leben zum Meer gingen! Zuerst fingerten sie Krabben und Quohogs im Sand; mutiger geworden, gingen sie mit Netzen hinaus, um Makrelen zu fangen; erfahrener geworden, setzten sie sich in Boote und jagten Kabeljau; schließlich starteten sie eine Flotte großer Schiffe, um diese waterechte Welt zu erkunden; sie legten eine endlose Kette von Umsegelungen um sie herum; sie spähten durch die Beringstraße – und überall.
Page 89
Die Jahreszeiten sowie alle Ozeane haben Krieg gegen die mächtigste, animierte Masse geführt, die die Flut überlebt hat – eine Masse, die besonders monströs und gewaltig ist! Dieser Himmalehan, das „Salzmeer-Mastodon“, ist von einer solchen Kraft der Unbewusstheit umhüllt, dass seine Paniken noch beängstigender sind als seine mutigsten und bösartigsten Angriffe! So haben diese nackten Nantucketer, diese Seeherrscher, aus ihren „Ameisenhügeln“ im Meer hervorkommend, die watere Welt erobert – wie viele Alexanders zuvor. Sie teilten sich den Atlantik, den Pazifik und den Indischen Ozean untereinander auf, genauso wie die drei Piratenmächte Polen aufteilten. Lassen wir Amerika Mexiko zu Texas hinzufügen und Kuba auf Kanada stapeln; lassen wir die Engländer ganz Indien überfluten und ihre Flagge über der Sonne hissen – zwei Drittel dieser irdischen Welt gehören den Nantucketern. Denn das Meer gehört ihnen; sie besitzen es, genauso wie Kaiser Reiche besitzen; andere Seeleute haben lediglich das Recht, darin vorbeizufahren. Handelsschiffe sind nichts weiter als Brücken; bewaffnete Schiffe sind nur schwimmende Festungen. Selbst Piraten und Kaper schlagen zwar wie Räuber auf dem Meer zu, doch sie plündern nur andere Schiffe sowie andere „Teile des Landes“, ohne versuchen zu wollen, ihren Lebensunterhalt direkt aus den unermesslichen Tiefen des Meeres zu beziehen. Der Nantucketer allein lebt und tobt auf dem Meer; er allein, in biblischen Worten ausgedrückt, fährt mit Schiffen hinaus aufs Meer, um es wie seinen eigenen Besitz zu nutzen. Dort ist sein Zuhause; dort liegt sein Geschäft – ein Geschäft, das selbst eine Sintflut nicht stören würde, selbst wenn sie alle Menschen in China überschwemmen würde. Er lebt auf dem Meer, wie Präriehähne in der Prärie; er versteckt sich zwischen den Wellen, klettert sie empor, wie Chamoisjäger die Alpen erklimmen. Jahrelang kennt er das Land nicht – daher riecht es für ihn, wenn er endlich dorthin kommt, wie eine andere Welt, noch seltsamer als der Mond für einen Menschen von der Erde. Wie die sturmvogelfreie Möwe, die bei Sonnenuntergang ihre Flügel zusammenfaltet und zwischen den Wellen einschläft, so legt auch der Nantucketer bei Einbruch der Nacht, außer Sichtweite des Landes, seine Segel nieder und ruht sich aus – während unter seinem Kissen Herden von Walrossen und Walen umherstreifen.
Page 90
KAPITEL 15. Suppe.
Es war bereits spät am Abend, als das kleine Boot sicher anlegte. Queequeg und ich gingen an Land – an diesem Tag konnten wir uns also um nichts anderes kümmern als um ein Abendessen und ein Bett. Der Wirt der Spouter-Inn hatte uns seinem Cousin Hosea Hussey vom Try Pots empfohlen; er behauptete, dieser sei der Besitzer eines der besten Hotels auf ganz Nantucket. Zudem versicherte er uns, dass Cousin Hosea für seine Suppen berühmt sei. Kurz gesagt: Er deutete an, dass wir es nicht besser haben könnten, als im Try Pots zu essen. Doch die Anweisungen, die er uns gab – nämlich, zunächst ein gelbes Lagerhaus auf der Steuerbordseite zu beachten, bis wir eine weiße Kirche auf Backbordseite fanden; anschließend dieses Lagerhaus weiterhin auf Backbordseite zu lassen, bis wir eine Ecke erreichten, die drei Punkte nach Steuerbord zeigte – und danach den ersten Menschen, dem wir begegneten, nach dem Weg zu fragen – verwirrten uns zunächst sehr. Vor allem, da Queequeg darauf bestand, dass das gelbe Lagerhaus – unser Ausgangspunkt – auf Backbordseite liegen müsse, während ich geglaubt hatte, Peter Coffin habe gesagt, es sei auf Steuerbordseite. Doch nachdem wir im Dunkeln ein wenig herumgestochert hatten und ab und zu einen friedlichen Einwohner aufgeweckt hatten, um nach dem Weg zu fragen, kamen wir schließlich zu etwas, woran kein Zweifel bestand: Zwei riesige Holzkessel, schwarz gestrichen und an Eselsohren aufgehängt, hingen von den Querstreben eines alten Obermastes, der vor einer alten Tür stand. Die Enden der Querstreben auf der anderen Seite waren abgesägt worden, sodass dieser alte Obermast ziemlich wie ein Galgen aussah. Vielleicht war ich damals zu empfindlich gegenüber solchen Eindrücken – aber ich konnte nicht umhin, diesen „Galgen“ mit einem vagen Unbehagen anzustarren. Mein Nacken war steif, als ich zu den beiden verbliebenen „Hörnern“ hinaufblickte – ja, zwei davon: eines für Queequeg und eines für mich. Das ist unheilvoll, dachte ich. Ein Sarg als Wirt, als ich in meinem ersten Walfanghafen ankam; Grabsteine, die mich in der Kapelle der Walfänger anstarrten – und hier ein Galgen! Und dazu noch ein Paar riesiger schwarzer Kessel! Deuten diese Dinge vielleicht auf Tophet hin?
Aus meinen Gedanken wurde ich durch den Anblick einer Frau mit Sommersprossen, gelben Haaren und einem gelben Kleid gerissen – sie stand in der Veranda der Herberge, unter…
Es war bereits spät am Abend, als das kleine Boot sicher anlegte. Queequeg und ich gingen an Land – an diesem Tag konnten wir uns also um nichts anderes kümmern als um ein Abendessen und ein Bett. Der Wirt der Spouter-Inn hatte uns seinem Cousin Hosea Hussey vom Try Pots empfohlen; er behauptete, dieser sei der Besitzer eines der besten Hotels auf ganz Nantucket. Zudem versicherte er uns, dass Cousin Hosea für seine Suppen berühmt sei. Kurz gesagt: Er deutete an, dass wir es nicht besser haben könnten, als im Try Pots zu essen. Doch die Anweisungen, die er uns gab – nämlich, zunächst ein gelbes Lagerhaus auf der Steuerbordseite zu beachten, bis wir eine weiße Kirche auf Backbordseite fanden; anschließend dieses Lagerhaus weiterhin auf Backbordseite zu lassen, bis wir eine Ecke erreichten, die drei Punkte nach Steuerbord zeigte – und danach den ersten Menschen, dem wir begegneten, nach dem Weg zu fragen – verwirrten uns zunächst sehr. Vor allem, da Queequeg darauf bestand, dass das gelbe Lagerhaus – unser Ausgangspunkt – auf Backbordseite liegen müsse, während ich geglaubt hatte, Peter Coffin habe gesagt, es sei auf Steuerbordseite. Doch nachdem wir im Dunkeln ein wenig herumgestochert hatten und ab und zu einen friedlichen Einwohner aufgeweckt hatten, um nach dem Weg zu fragen, kamen wir schließlich zu etwas, woran kein Zweifel bestand: Zwei riesige Holzkessel, schwarz gestrichen und an Eselsohren aufgehängt, hingen von den Querstreben eines alten Obermastes, der vor einer alten Tür stand. Die Enden der Querstreben auf der anderen Seite waren abgesägt worden, sodass dieser alte Obermast ziemlich wie ein Galgen aussah. Vielleicht war ich damals zu empfindlich gegenüber solchen Eindrücken – aber ich konnte nicht umhin, diesen „Galgen“ mit einem vagen Unbehagen anzustarren. Mein Nacken war steif, als ich zu den beiden verbliebenen „Hörnern“ hinaufblickte – ja, zwei davon: eines für Queequeg und eines für mich. Das ist unheilvoll, dachte ich. Ein Sarg als Wirt, als ich in meinem ersten Walfanghafen ankam; Grabsteine, die mich in der Kapelle der Walfänger anstarrten – und hier ein Galgen! Und dazu noch ein Paar riesiger schwarzer Kessel! Deuten diese Dinge vielleicht auf Tophet hin?
Aus meinen Gedanken wurde ich durch den Anblick einer Frau mit Sommersprossen, gelben Haaren und einem gelben Kleid gerissen – sie stand in der Veranda der Herberge, unter…
Page 91
Eine trübe rote Lampe hing dort – sie sah aus wie ein verletztes Auge. Die Frau schimpfte weiterhin heftig mit einem Mann in einem lila Wollhemd. „Geh endlich weg!“, sagte sie zu dem Mann. „Sonst werde ich dich durchkämmen!“ „Komm schon, Queequeg“, sagte ich. „Es ist alles in Ordnung. Da ist Frau Hussey.“ Tatsächlich war Herr Hosea Hussey zu Hause, ließ aber Frau Hussey vollkommen befugt, sich um all seine Angelegenheiten zu kümmern. Nachdem wir unseren Wunsch nach Abendessen und Unterkunft mitgeteilt hatten, schickte uns Frau Hussey vorerst weg, führte uns in ein kleines Zimmer und setzte uns an einen Tisch, der mit den Überresten eines gerade beendeten Mahls gedeckt war. Dann wandte sie sich uns zu und fragte: „Muscheln oder Kabeljau?“ „Was bedeutet das mit dem Kabeljau, gnädige Frau?“, fragte ich höflich. „Muscheln oder Kabeljau?“, wiederholte sie. „Muscheln zum Abendessen? Kalte Muscheln – meinen Sie das, Frau Hussey?“, fragte ich. „Aber das ist doch eine ziemlich kalte und unangenehme Art, im Winter zu essen, oder?“ Doch da sie es eilig hatte, wieder mit dem Mann im lila Hemd zu schimpfen – der draußen wartete – und anscheinend nur das Wort „Muscheln“ hörte, eilte Frau Hussey zur offenen Tür, die in die Küche führte, rief „Muscheln für zwei“ und verschwand. „Queequeg“, sagte ich, „glaubst du, wir können uns beide von einer einzigen Muschel ernähren?“ Doch Dampf aus der Küche zeigte, dass die Situation gar nicht so trostlos war. Als dann die Suppe serviert wurde, wurde das Rätsel erklärlich. Oh, liebe Freunde! Hört mir zu: Die Suppe bestand aus kleinen, saftigen Muscheln, kaum größer als Haselnüsse, gemischt mit zerkleinertem Schiffsbiskuit sowie gesalzenem Schweinefleisch in kleinen Stücken. Alles wurde mit Butter verfeinert und reichlich mit Pfeffer und Salz gewürzt. Unser Appetit war durch die kalte Reise gesteigert – besonders Queequeg, der sein Lieblingsfischgericht vor sich sah. Die Suppe war außergewöhnlich lecker, also aßen wir sie schnell auf. Als ich mich kurz zurücklehnte und an Frau Husseys Angebot von Muscheln oder Kabeljau dachte, beschloss ich, ein kleines Experiment zu wagen. Ich ging zur Küchentür, rief mit Nachdruck das Wort „Kabeljau“ und setzte mich wieder hin. Kurz darauf kam wieder Dampf heraus – diesmal mit einem anderen Geschmack – und bald stand eine köstliche Kabeljausuppe vor uns.
Page 92
Wir setzten unsere Mahlzeit fort; und während wir mit den Löffeln in der Schüssel herumstocherten, dachte ich bei mir: Ich frage mich, ob das hier irgendeine Wirkung auf den Kopf hat. Was ist das für ein dummes Sprichwort über Leute mit „Suppenkopf“? „Aber schau, Queequeg – ist das nicht eine lebende Aal in deiner Schüssel? Wo ist dein Harpunen?“
Der gefährlichste Ort von allen war das Try Pots – es verdiente seinen Namen wirklich; in den Kesseln kochte stets Suppe. Suppe zum Frühstück, Suppe zum Abendessen, Suppe zum Nachtessen – bis man anfing, Fischknochen durch die Kleidung spüren zu können. Der Bereich vor dem Haus war mit Muschelschalen gepflastert. Frau Hussey trug eine polierte Halskette aus Kabeljauwirbeln; Hosea Hussey hatte seine Bücher in hochwertiger alter Haifischhaut gebunden. Auch die Milch hatte einen fischigen Geschmack – den ich mir überhaupt nicht erklären konnte, bis ich eines Morgens zufällig am Strand zwischen einigen Fischerbooten spazieren ging und sah, wie Hoseas Kuh Fischreste fraß und mit jedem Fuß in einem enthaupteten Kabeljaukopf über den Sand stapfte – sie sah wirklich sehr wackelig aus, das versichere ich euch.
Nach dem Abendessen erhielten wir eine Lampe sowie Anweisungen von Frau Hussey bezüglich des kürzesten Weges ins Bett. Doch als Queequeg gerade vor mir die Treppe hinaufgehen wollte, streckte die Dame ihren Arm aus und verlangte seinen Harpunen – in ihren Räumen durfte keine Harpune sein. „Warum nicht?“, fragte ich. „Jeder echte Walfänger schläft mit seiner Harpune – aber warum nicht?“ „Weil es gefährlich ist“, sagte sie. „Seit jenem Unglück mit dem jungen Stiggs – er war vier Jahre und ein halbes Jahr lang unterwegs, kehrte nur mit drei Fässern Ille zurück und wurde tot in meinem hinteren Stockwerk aufgefunden, mit der Harpune im Bauch – seitdem erlaube ich keinen Gästen, solche gefährlichen Waffen nachts in ihre Zimmer zu bringen. Also, Herr Queequeg“ (denn sie kannte seinen Namen), „ich werde dieses Eisen einfach nehmen und es bis morgen für Sie aufbewahren. Aber die Suppe – Muschelsuppe oder Kabeljausuppe zum Frühstück, meine Herren?“
„Beides“, sagte ich. „Und lassen Sie uns zur Abwechslung auch ein paar geräucherte Heringe essen.“
Der gefährlichste Ort von allen war das Try Pots – es verdiente seinen Namen wirklich; in den Kesseln kochte stets Suppe. Suppe zum Frühstück, Suppe zum Abendessen, Suppe zum Nachtessen – bis man anfing, Fischknochen durch die Kleidung spüren zu können. Der Bereich vor dem Haus war mit Muschelschalen gepflastert. Frau Hussey trug eine polierte Halskette aus Kabeljauwirbeln; Hosea Hussey hatte seine Bücher in hochwertiger alter Haifischhaut gebunden. Auch die Milch hatte einen fischigen Geschmack – den ich mir überhaupt nicht erklären konnte, bis ich eines Morgens zufällig am Strand zwischen einigen Fischerbooten spazieren ging und sah, wie Hoseas Kuh Fischreste fraß und mit jedem Fuß in einem enthaupteten Kabeljaukopf über den Sand stapfte – sie sah wirklich sehr wackelig aus, das versichere ich euch.
Nach dem Abendessen erhielten wir eine Lampe sowie Anweisungen von Frau Hussey bezüglich des kürzesten Weges ins Bett. Doch als Queequeg gerade vor mir die Treppe hinaufgehen wollte, streckte die Dame ihren Arm aus und verlangte seinen Harpunen – in ihren Räumen durfte keine Harpune sein. „Warum nicht?“, fragte ich. „Jeder echte Walfänger schläft mit seiner Harpune – aber warum nicht?“ „Weil es gefährlich ist“, sagte sie. „Seit jenem Unglück mit dem jungen Stiggs – er war vier Jahre und ein halbes Jahr lang unterwegs, kehrte nur mit drei Fässern Ille zurück und wurde tot in meinem hinteren Stockwerk aufgefunden, mit der Harpune im Bauch – seitdem erlaube ich keinen Gästen, solche gefährlichen Waffen nachts in ihre Zimmer zu bringen. Also, Herr Queequeg“ (denn sie kannte seinen Namen), „ich werde dieses Eisen einfach nehmen und es bis morgen für Sie aufbewahren. Aber die Suppe – Muschelsuppe oder Kabeljausuppe zum Frühstück, meine Herren?“
„Beides“, sagte ich. „Und lassen Sie uns zur Abwechslung auch ein paar geräucherte Heringe essen.“
Page 93
KAPITEL 16. Das Schiff.
Im Bett schmiedeten wir unsere Pläne für den nächsten Tag. Doch zu meiner Überraschung und nicht geringen Besorgnis machte mir Queequeg nun klar, dass er sich sorgfältig mit Yojo beraten habe – dem Namen seines kleinen schwarzen Gottes – und dass Yojo ihm zweimal oder dreimal mit Nachdruck eingeschärft habe, dass wir statt gemeinsam zur Walfangflotte im Hafen zu gehen und dort gemeinsam unser Schiff auszuwählen, vielmehr die Auswahl des Schiffes ganz mir überlassen werden solle. Yojo wollte uns nämlich als Freunde gewinnen; dazu hatte er bereits ein bestimmtes Schiff ausgewählt, das ich, Ishmael, allein auf jeden Fall finden würde – als wäre es zufällig darauf hingewiesen worden. In diesem Schiff musste ich mich sofort einschiffen, vorerst ohne Rücksicht auf Queequeg.
Ich habe vergessen zu erwähnen, dass Queequeg in vielen Dingen großes Vertrauen in die Exzellenz von Yojos Urteilsvermögen sowie seine erstaunlichen Vorhersagen setzte und Yojo in hohem Ansehen hielt – als eine Art Gott, der im Großen und Ganzen wohl gute Absichten hatte, aber in allen Fällen bei seinen wohltätigen Plänen scheiterte.
Dieser Plan von Queequeg – oder besser gesagt von Yojo – bezüglich der Auswahl unseres Schiffes gefiel mir überhaupt nicht. Ich hatte großen Wert darauf gelegt, dass Queequeg mir mit seiner Weisheit zeigt, welches Walfangschiff am besten geeignet ist, um uns und unser Gepäck sicher zu transportieren. Da jedoch all meine Einwände bei Queequeg keine Wirkung zeigten, blieb mir nichts anderes übrig, als zuzustimmen. Also bereitete ich mich darauf vor, diese Angelegenheit mit entschlossener Energie und Kraft zu erledigen, damit diese lästige Sache schnell geklärt werden konnte. Am nächsten Morgen früh ließ ich Queequeg zusammen mit Yojo in unserem kleinen Schlafzimmer zurück – es schien an jenem Tag eine Art Fasten- oder Gebetszeit für Queequeg und Yojo zu sein; wie genau das funktionierte, konnte ich nie herausfinden, denn obwohl ich mich mehrmals darum bemühte, gelang es mir nie, ihre Rituale und Regeln zu verstehen. Nachdem ich Queequeg also beim Fasten zurückgelassen hatte und Yojo sich am Feuer aus Spänen wärmte, machte ich mich auf den Weg unter die Schiffe. Nach langem Herumwandern und vielen zufälligen Befragungen erfuhr ich, dass es drei Schiffe gab, die für dreijährige Reisen geeignet waren: Die Devil-dam, die Tit-bit und die Pequod. Die Devil-dam – nun, das weiß ich nicht…
Im Bett schmiedeten wir unsere Pläne für den nächsten Tag. Doch zu meiner Überraschung und nicht geringen Besorgnis machte mir Queequeg nun klar, dass er sich sorgfältig mit Yojo beraten habe – dem Namen seines kleinen schwarzen Gottes – und dass Yojo ihm zweimal oder dreimal mit Nachdruck eingeschärft habe, dass wir statt gemeinsam zur Walfangflotte im Hafen zu gehen und dort gemeinsam unser Schiff auszuwählen, vielmehr die Auswahl des Schiffes ganz mir überlassen werden solle. Yojo wollte uns nämlich als Freunde gewinnen; dazu hatte er bereits ein bestimmtes Schiff ausgewählt, das ich, Ishmael, allein auf jeden Fall finden würde – als wäre es zufällig darauf hingewiesen worden. In diesem Schiff musste ich mich sofort einschiffen, vorerst ohne Rücksicht auf Queequeg.
Ich habe vergessen zu erwähnen, dass Queequeg in vielen Dingen großes Vertrauen in die Exzellenz von Yojos Urteilsvermögen sowie seine erstaunlichen Vorhersagen setzte und Yojo in hohem Ansehen hielt – als eine Art Gott, der im Großen und Ganzen wohl gute Absichten hatte, aber in allen Fällen bei seinen wohltätigen Plänen scheiterte.
Dieser Plan von Queequeg – oder besser gesagt von Yojo – bezüglich der Auswahl unseres Schiffes gefiel mir überhaupt nicht. Ich hatte großen Wert darauf gelegt, dass Queequeg mir mit seiner Weisheit zeigt, welches Walfangschiff am besten geeignet ist, um uns und unser Gepäck sicher zu transportieren. Da jedoch all meine Einwände bei Queequeg keine Wirkung zeigten, blieb mir nichts anderes übrig, als zuzustimmen. Also bereitete ich mich darauf vor, diese Angelegenheit mit entschlossener Energie und Kraft zu erledigen, damit diese lästige Sache schnell geklärt werden konnte. Am nächsten Morgen früh ließ ich Queequeg zusammen mit Yojo in unserem kleinen Schlafzimmer zurück – es schien an jenem Tag eine Art Fasten- oder Gebetszeit für Queequeg und Yojo zu sein; wie genau das funktionierte, konnte ich nie herausfinden, denn obwohl ich mich mehrmals darum bemühte, gelang es mir nie, ihre Rituale und Regeln zu verstehen. Nachdem ich Queequeg also beim Fasten zurückgelassen hatte und Yojo sich am Feuer aus Spänen wärmte, machte ich mich auf den Weg unter die Schiffe. Nach langem Herumwandern und vielen zufälligen Befragungen erfuhr ich, dass es drei Schiffe gab, die für dreijährige Reisen geeignet waren: Die Devil-dam, die Tit-bit und die Pequod. Die Devil-dam – nun, das weiß ich nicht…
Page 94
Ich kannte den Ursprung dieses Schiffes; Tit-bit ist offensichtlich – Pequod, daran erinnern Sie sich sicher noch, war der Name eines berühmten Stammes von Indianern aus Massachusetts; dieser Stamm ist heute genauso ausgestorben wie die alten Meder. Ich schaute mich um das „Teufelswehr“ herum um, sprang anschließend zu Tit-bit über und stieg schließlich an Bord der Pequod. Nachdem ich mich kurz umgesehen hatte, entschied ich, dass dies genau das richtige Schiff für uns sei.
Sie haben in Ihrem Leben sicher schon viele seltsame Schiffe gesehen – Schiffe mit quadratischen Füßen, riesige japanische Junks, „Butterbox-Galliote“ und so weiter. Doch glauben Sie mir: Sie haben noch nie ein so seltenes, altes Schiff wie die Pequod gesehen. Es handelte sich dabei um ein Schiff der alten Schule – ziemlich klein, mit einem altmodischen Aussehen. Durch viele Jahre im Einsatz sowie durch Stürme in allen vier Ozeanen war ihre Außenhülle dunkel geworden – wie die eines französischen Soldaten, der sowohl in Ägypten als auch in Sibirien gekämpft hat. Ihre Bugpartien sahen aus, als hätten sie Bärte. Ihre Masten – irgendwo an der Küste Japans gefällt, nachdem die ursprünglichen Masten bei einem Sturm über Bord gefallen waren – standen steif da, wie die Rücken der drei alten Könige von Köln. Ihre alten Decks waren abgenutzt und zerfurcht – wie der von Pilgern verehrte Flaggenstein in der Kathedrale von Canterbury, wo Becket blutete.
Doch zu all diesen alten Merkmalen kamen noch neue, erstaunliche Eigenschaften hinzu – Eigenschaften, die auf die „wilden“ Aktivitäten zurückzuführen waren, denen das Schiff seit mehr als einem halben Jahrhundert nachging. Der alte Kapitän Peleg, viele Jahre lang ihr Erster Offizier, bevor er ein eigenes Schiff kommandierte – heute ein pensionierter Seemann und einer der Hauptbesitzer der Pequod – hatte während seiner Zeit als Erster Offizier die ursprüngliche Seltsamkeit des Schiffes noch verstärkt und es überall mit kunstvollen Verzierungen versehen – sowohl was Material als auch Design angeht. Solche Verzierungen gab es sonst nur bei Thorkill-Hakes geschnitztem Schild oder Bettgestell. Das Schiff sah aus wie ein primitiver äthiopischer Kaiser – sein Hals war mit Anhängern aus poliertem Elfenbein beladen. Es handelte sich dabei um ein „Trophäenschiff“. Ein Schiff, das sich mit den Knochen seiner Feinde schmückte. Überall an den offenen Relings waren die langen, scharfen Zähne des Wals als „Nadeln“ verwendet worden, um die alten Hanfseile festzuziehen. Diese Seile verliefen nicht durch Holzbalken, sondern über Bündel aus Meereselfenbein. Anstelle eines Steuerrads verwendete das Schiff einen Steuerknüppel – dieser Knüppel war aus dem langen, schmalen Unterkiefer ihres „erblichen Feindes“ geschnitzt worden. Der Steuermann, der das Schiff in Stürmen steuerte, fühlte sich wie ein Tatar, der sein feuerspeiendes Pferd zurückhält…
Sie haben in Ihrem Leben sicher schon viele seltsame Schiffe gesehen – Schiffe mit quadratischen Füßen, riesige japanische Junks, „Butterbox-Galliote“ und so weiter. Doch glauben Sie mir: Sie haben noch nie ein so seltenes, altes Schiff wie die Pequod gesehen. Es handelte sich dabei um ein Schiff der alten Schule – ziemlich klein, mit einem altmodischen Aussehen. Durch viele Jahre im Einsatz sowie durch Stürme in allen vier Ozeanen war ihre Außenhülle dunkel geworden – wie die eines französischen Soldaten, der sowohl in Ägypten als auch in Sibirien gekämpft hat. Ihre Bugpartien sahen aus, als hätten sie Bärte. Ihre Masten – irgendwo an der Küste Japans gefällt, nachdem die ursprünglichen Masten bei einem Sturm über Bord gefallen waren – standen steif da, wie die Rücken der drei alten Könige von Köln. Ihre alten Decks waren abgenutzt und zerfurcht – wie der von Pilgern verehrte Flaggenstein in der Kathedrale von Canterbury, wo Becket blutete.
Doch zu all diesen alten Merkmalen kamen noch neue, erstaunliche Eigenschaften hinzu – Eigenschaften, die auf die „wilden“ Aktivitäten zurückzuführen waren, denen das Schiff seit mehr als einem halben Jahrhundert nachging. Der alte Kapitän Peleg, viele Jahre lang ihr Erster Offizier, bevor er ein eigenes Schiff kommandierte – heute ein pensionierter Seemann und einer der Hauptbesitzer der Pequod – hatte während seiner Zeit als Erster Offizier die ursprüngliche Seltsamkeit des Schiffes noch verstärkt und es überall mit kunstvollen Verzierungen versehen – sowohl was Material als auch Design angeht. Solche Verzierungen gab es sonst nur bei Thorkill-Hakes geschnitztem Schild oder Bettgestell. Das Schiff sah aus wie ein primitiver äthiopischer Kaiser – sein Hals war mit Anhängern aus poliertem Elfenbein beladen. Es handelte sich dabei um ein „Trophäenschiff“. Ein Schiff, das sich mit den Knochen seiner Feinde schmückte. Überall an den offenen Relings waren die langen, scharfen Zähne des Wals als „Nadeln“ verwendet worden, um die alten Hanfseile festzuziehen. Diese Seile verliefen nicht durch Holzbalken, sondern über Bündel aus Meereselfenbein. Anstelle eines Steuerrads verwendete das Schiff einen Steuerknüppel – dieser Knüppel war aus dem langen, schmalen Unterkiefer ihres „erblichen Feindes“ geschnitzt worden. Der Steuermann, der das Schiff in Stürmen steuerte, fühlte sich wie ein Tatar, der sein feuerspeiendes Pferd zurückhält…
Page 95
Er umklammerte sein Kinn. Eine edle Kunst – doch irgendwie auch sehr melancholisch! Alle edlen Dinge sind davon betroffen.
Als ich mich nun auf dem Zwischendeck umsah, auf der Suche nach jemandem mit Autorität, um mich als Kandidat für die Reise vorzustellen, sah ich zunächst niemanden; doch ich konnte ein seltsames Zelt – oder besser gesagt eine Hütte –, das etwas hinter dem Hauptmast aufgestellt war, nicht übersehen. Es schien nur eine vorübergehende Konstruktion zu sein, die im Hafen verwendet wurde. Es hatte eine kegelförmige Gestalt und war etwa zehn Fuß hoch; es bestand aus langen, riesigen Platten aus elastischem schwarzen Knochen, die aus dem mittleren und höchsten Teil der Kiefer des Wals entnommen worden waren. Mit ihren breiten Enden auf dem Deck platziert, bildeten diese Platten einen Kreis, der miteinander verbunden war und sich gegeneinander neigte; an der Spitze vereinten sie sich zu einem spitzen Punkt, an dem die lockeren, behaarten Fasern hin und her schwankten, wie der Knoten auf dem Kopf eines alten Pottowottamie-Sachems. Eine dreieckige Öffnung zeigte in Richtung Bug des Schiffes, sodass derjenige, der darin saß, eine vollständige Sicht nach vorne hatte.
Halb versteckt in dieser seltsamen „Wohnstätte“ fand ich schließlich jemanden, der nach seinem Aussehen Autorität zu haben schien; und da es Mittag war und die Arbeit auf dem Schiff ruhte, konnte er gerade eine Pause vom Kommando machen.
Er saß auf einem altmodischen Eichensessel, der mit interessanten Verzierungen versehen war; der Sitz selbst bestand aus einer festen Verbindung derselben elastischen Substanz, aus der auch die Hütte gebaut war.
An dem Aussehen des alten Mannes gab es vielleicht nichts Besonderes: Er war braunhäutig und kräftig gebaut, wie die meisten alten Seeleute, und fest in blaues Tuch eingewickelt, das im Quäkerstil geschnitten war. Nur um seine Augen herum befand sich ein feines, fast mikroskopisches Netz aus winzigen Falten – Folge seiner ständigen Fahrten in starken Stürmen sowie seines ständigen Blicks in Richtung Wind; dadurch ziehen sich die Muskeln um die Augen zusammen. Solche Augenfalten tragen dazu bei, einen finsteren Gesichtsausdruck zu erzeugen.
„Ist das der Kapitän der Pequod?“, fragte ich und trat zur Tür der Hütte.
„Angenommen, es ist der Kapitän der Pequod – was willst du von ihm?“, fragte er.
„Ich denke darüber nach, mit dem Schiff zu fahren.“
„Ach ja? Ich sehe, du bist kein Nantucketer – warst du schon einmal in einem Boot?“
Als ich mich nun auf dem Zwischendeck umsah, auf der Suche nach jemandem mit Autorität, um mich als Kandidat für die Reise vorzustellen, sah ich zunächst niemanden; doch ich konnte ein seltsames Zelt – oder besser gesagt eine Hütte –, das etwas hinter dem Hauptmast aufgestellt war, nicht übersehen. Es schien nur eine vorübergehende Konstruktion zu sein, die im Hafen verwendet wurde. Es hatte eine kegelförmige Gestalt und war etwa zehn Fuß hoch; es bestand aus langen, riesigen Platten aus elastischem schwarzen Knochen, die aus dem mittleren und höchsten Teil der Kiefer des Wals entnommen worden waren. Mit ihren breiten Enden auf dem Deck platziert, bildeten diese Platten einen Kreis, der miteinander verbunden war und sich gegeneinander neigte; an der Spitze vereinten sie sich zu einem spitzen Punkt, an dem die lockeren, behaarten Fasern hin und her schwankten, wie der Knoten auf dem Kopf eines alten Pottowottamie-Sachems. Eine dreieckige Öffnung zeigte in Richtung Bug des Schiffes, sodass derjenige, der darin saß, eine vollständige Sicht nach vorne hatte.
Halb versteckt in dieser seltsamen „Wohnstätte“ fand ich schließlich jemanden, der nach seinem Aussehen Autorität zu haben schien; und da es Mittag war und die Arbeit auf dem Schiff ruhte, konnte er gerade eine Pause vom Kommando machen.
Er saß auf einem altmodischen Eichensessel, der mit interessanten Verzierungen versehen war; der Sitz selbst bestand aus einer festen Verbindung derselben elastischen Substanz, aus der auch die Hütte gebaut war.
An dem Aussehen des alten Mannes gab es vielleicht nichts Besonderes: Er war braunhäutig und kräftig gebaut, wie die meisten alten Seeleute, und fest in blaues Tuch eingewickelt, das im Quäkerstil geschnitten war. Nur um seine Augen herum befand sich ein feines, fast mikroskopisches Netz aus winzigen Falten – Folge seiner ständigen Fahrten in starken Stürmen sowie seines ständigen Blicks in Richtung Wind; dadurch ziehen sich die Muskeln um die Augen zusammen. Solche Augenfalten tragen dazu bei, einen finsteren Gesichtsausdruck zu erzeugen.
„Ist das der Kapitän der Pequod?“, fragte ich und trat zur Tür der Hütte.
„Angenommen, es ist der Kapitän der Pequod – was willst du von ihm?“, fragte er.
„Ich denke darüber nach, mit dem Schiff zu fahren.“
„Ach ja? Ich sehe, du bist kein Nantucketer – warst du schon einmal in einem Boot?“
Page 96
„Nein, Sir, das habe ich noch nie getan.“
„Sie wissen wohl überhaupt nichts über Walfang, nicht wahr?“
„Gar nichts, Sir – aber ich bin mir sicher, dass ich es bald lernen werde. Ich war bereits auf mehreren Reisen im Handelsschiffsdienst, und ich denke…“
„Der Handelsschiffsdienst – pah! Sprechen Sie nicht in solchem Jargon mit mir. Sehen Sie dieses Bein da? Ich werde Ihnen dieses Bein wegnehmen, wenn Sie jemals wieder vom Handelsschiffsdienst sprechen. Tatsächlich! Ich nehme an, Sie sind ziemlich stolz darauf, in solchen Handelsschiffen gedient zu haben. Aber, Mann – was bringt Sie dazu, Walfang zu betreiben? Das sieht doch etwas verdächtig aus, oder? Sie waren doch kein Pirat, oder? Sie haben Ihren letzten Kapitän doch nicht beraubt, oder? Denken Sie nicht daran, die Offiziere zu ermorden, sobald Sie auf See sind?“
Ich bestritt meine Schuld an diesen Dingen. Ich erkannte, dass dieser alte Seemann, als typischer Quäker aus Nantucket, unter dem Deckmantel dieser halb humorvollen Anspielungen voller Vorurteile war und allen Außenstehenden gegenüber misstrauisch war – es sei denn, sie kamen von Cape Cod oder den Vineyard-Inseln.
„Aber was bringt Sie dazu, Walfang zu betreiben? Ich möchte das wissen, bevor ich darüber nachdenke, Sie mitzunehmen.“
„Nun, Sir – ich möchte wissen, wie Walfang funktioniert. Ich möchte die Welt sehen.“
„Sie möchten wissen, wie Walfang funktioniert, ja? Haben Sie schon einmal Kapitän Ahab gesehen?“
„Wer ist Kapitän Ahab, Sir?“
„Ach, ich dachte es mir. Kapitän Ahab ist der Kapitän dieses Schiffes.“
„Dann habe ich mich geirrt. Ich dachte, ich spräche direkt mit dem Kapitän selbst.“
„Sie sprechen mit Kapitän Peleg – das ist der Mann, mit dem Sie sprechen, junger Mann. Es liegt an mir und Kapitän Bildad, dafür zu sorgen, dass die Pequod für die Reise bereit gemacht wird und über alles Notwendige verfügt – einschließlich Besatzung. Wir sind Miteigentümer und Agenten. Aber wie ich schon sagte: Wenn Sie wirklich wissen wollen, wie Walfang funktioniert, kann ich Ihnen helfen, es herauszufinden, bevor Sie sich festlegen – ohne später noch zurückweichen zu können. Schauen Sie sich Kapitän Ahab an, junger Mann – dann werden Sie feststellen, dass er nur ein Bein hat.“
„Was meinen Sie damit, Sir? Ist das andere Bein von einem Wal verloren gegangen?“
„Von einem Wal verloren gegangen! Junger Mann, kommen Sie näher: Es wurde verschlungen, zerkaut, zerdrückt von dem monströsesten Wal, den es je gegeben hat.“
„Sie wissen wohl überhaupt nichts über Walfang, nicht wahr?“
„Gar nichts, Sir – aber ich bin mir sicher, dass ich es bald lernen werde. Ich war bereits auf mehreren Reisen im Handelsschiffsdienst, und ich denke…“
„Der Handelsschiffsdienst – pah! Sprechen Sie nicht in solchem Jargon mit mir. Sehen Sie dieses Bein da? Ich werde Ihnen dieses Bein wegnehmen, wenn Sie jemals wieder vom Handelsschiffsdienst sprechen. Tatsächlich! Ich nehme an, Sie sind ziemlich stolz darauf, in solchen Handelsschiffen gedient zu haben. Aber, Mann – was bringt Sie dazu, Walfang zu betreiben? Das sieht doch etwas verdächtig aus, oder? Sie waren doch kein Pirat, oder? Sie haben Ihren letzten Kapitän doch nicht beraubt, oder? Denken Sie nicht daran, die Offiziere zu ermorden, sobald Sie auf See sind?“
Ich bestritt meine Schuld an diesen Dingen. Ich erkannte, dass dieser alte Seemann, als typischer Quäker aus Nantucket, unter dem Deckmantel dieser halb humorvollen Anspielungen voller Vorurteile war und allen Außenstehenden gegenüber misstrauisch war – es sei denn, sie kamen von Cape Cod oder den Vineyard-Inseln.
„Aber was bringt Sie dazu, Walfang zu betreiben? Ich möchte das wissen, bevor ich darüber nachdenke, Sie mitzunehmen.“
„Nun, Sir – ich möchte wissen, wie Walfang funktioniert. Ich möchte die Welt sehen.“
„Sie möchten wissen, wie Walfang funktioniert, ja? Haben Sie schon einmal Kapitän Ahab gesehen?“
„Wer ist Kapitän Ahab, Sir?“
„Ach, ich dachte es mir. Kapitän Ahab ist der Kapitän dieses Schiffes.“
„Dann habe ich mich geirrt. Ich dachte, ich spräche direkt mit dem Kapitän selbst.“
„Sie sprechen mit Kapitän Peleg – das ist der Mann, mit dem Sie sprechen, junger Mann. Es liegt an mir und Kapitän Bildad, dafür zu sorgen, dass die Pequod für die Reise bereit gemacht wird und über alles Notwendige verfügt – einschließlich Besatzung. Wir sind Miteigentümer und Agenten. Aber wie ich schon sagte: Wenn Sie wirklich wissen wollen, wie Walfang funktioniert, kann ich Ihnen helfen, es herauszufinden, bevor Sie sich festlegen – ohne später noch zurückweichen zu können. Schauen Sie sich Kapitän Ahab an, junger Mann – dann werden Sie feststellen, dass er nur ein Bein hat.“
„Was meinen Sie damit, Sir? Ist das andere Bein von einem Wal verloren gegangen?“
„Von einem Wal verloren gegangen! Junger Mann, kommen Sie näher: Es wurde verschlungen, zerkaut, zerdrückt von dem monströsesten Wal, den es je gegeben hat.“
Page 97
„Boot! – Ah, ah!“
Ich war etwas beunruhigt von seiner Energie – vielleicht auch ein wenig gerührt von der tiefen Trauer in seinem abschließenden Ausruf – doch ich sagte so ruhig wie möglich: „Was Sie sagen, ist zweifellos wahr, Sir; aber wie könnte ich wissen, ob in diesem bestimmten Wal eine besondere Grausamkeit steckte? Zwar könnte ich das aus dem einfachen Umstand des Unfalls schließen.“
„Schauen Sie mal, junger Mann: Ihre Lungen sind eine Art Weichheit, verstehen Sie? Sie sprechen überhaupt nicht wie jemand, der Erfahrung mit Haien hat. Sicherlich waren Sie schon einmal auf See – oder?“
„Sir“, sagte ich, „ich dachte, ich hätte Ihnen bereits gesagt, dass ich vier Reisen als Matrose gemacht habe…“
„Hören Sie auf damit! Denken Sie daran, was ich über die Arbeit als Matrose gesagt habe – reizen Sie mich nicht! Aber versuchen wir, uns zu verstehen. Ich habe Ihnen bereits einen Hinweis darauf gegeben, was Walfang bedeutet – haben Sie immer noch Interesse daran?“
„Ja, Sir.“
„Sehr gut. Sind Sie dann der Mann, der einen Harpunenpfeil in den Hals eines lebenden Wals werfen und anschließend hinterher springen kann? Antworten Sie schnell!“
„Ja, Sir – falls es wirklich unumgänglich ist; nicht, um der Sache aus dem Weg zu gehen – was ich jedoch nicht für notwendig halte.“
„Gut. Dann wollen Sie also nicht nur Walfang betreiben, um durch Erfahrung herauszufinden, was Walfang bedeutet, sondern auch, um die Welt zu sehen? War das nicht Ihr Wunsch? Ich dachte es mir. Nun, treten Sie bitte vor und schauen Sie über die Bugreling – danach kommen Sie wieder zu mir und erzählen mir, was Sie dort sehen.“
Einen Moment lang stand ich etwas verwirrt vor dieser seltsamen Bitte – ich wusste nicht genau, wie ich damit umgehen sollte, ob humorvoll oder ernsthaft. Doch Kapitän Peleg, der alle seine Falten in einem finsteren Gesichtsausdruck zusammenzog, befahl mir, die Aufgabe auszuführen.
Als ich nach vorne ging und über die Bugreling blickte, sah ich, dass das Schiff mit der Flut im Wind schwankte und nun schräg in Richtung offenes Meer zeigte. Die Aussicht war unbegrenzt – doch äußerst monoton und bedrohlich; ich konnte keinerlei Abwechslung erkennen.
„Nun, wie ist die Beurteilung?“, fragte Peleg, als ich zurückkam. „Was haben Sie gesehen?“
Ich war etwas beunruhigt von seiner Energie – vielleicht auch ein wenig gerührt von der tiefen Trauer in seinem abschließenden Ausruf – doch ich sagte so ruhig wie möglich: „Was Sie sagen, ist zweifellos wahr, Sir; aber wie könnte ich wissen, ob in diesem bestimmten Wal eine besondere Grausamkeit steckte? Zwar könnte ich das aus dem einfachen Umstand des Unfalls schließen.“
„Schauen Sie mal, junger Mann: Ihre Lungen sind eine Art Weichheit, verstehen Sie? Sie sprechen überhaupt nicht wie jemand, der Erfahrung mit Haien hat. Sicherlich waren Sie schon einmal auf See – oder?“
„Sir“, sagte ich, „ich dachte, ich hätte Ihnen bereits gesagt, dass ich vier Reisen als Matrose gemacht habe…“
„Hören Sie auf damit! Denken Sie daran, was ich über die Arbeit als Matrose gesagt habe – reizen Sie mich nicht! Aber versuchen wir, uns zu verstehen. Ich habe Ihnen bereits einen Hinweis darauf gegeben, was Walfang bedeutet – haben Sie immer noch Interesse daran?“
„Ja, Sir.“
„Sehr gut. Sind Sie dann der Mann, der einen Harpunenpfeil in den Hals eines lebenden Wals werfen und anschließend hinterher springen kann? Antworten Sie schnell!“
„Ja, Sir – falls es wirklich unumgänglich ist; nicht, um der Sache aus dem Weg zu gehen – was ich jedoch nicht für notwendig halte.“
„Gut. Dann wollen Sie also nicht nur Walfang betreiben, um durch Erfahrung herauszufinden, was Walfang bedeutet, sondern auch, um die Welt zu sehen? War das nicht Ihr Wunsch? Ich dachte es mir. Nun, treten Sie bitte vor und schauen Sie über die Bugreling – danach kommen Sie wieder zu mir und erzählen mir, was Sie dort sehen.“
Einen Moment lang stand ich etwas verwirrt vor dieser seltsamen Bitte – ich wusste nicht genau, wie ich damit umgehen sollte, ob humorvoll oder ernsthaft. Doch Kapitän Peleg, der alle seine Falten in einem finsteren Gesichtsausdruck zusammenzog, befahl mir, die Aufgabe auszuführen.
Als ich nach vorne ging und über die Bugreling blickte, sah ich, dass das Schiff mit der Flut im Wind schwankte und nun schräg in Richtung offenes Meer zeigte. Die Aussicht war unbegrenzt – doch äußerst monoton und bedrohlich; ich konnte keinerlei Abwechslung erkennen.
„Nun, wie ist die Beurteilung?“, fragte Peleg, als ich zurückkam. „Was haben Sie gesehen?“
Page 98
„Nicht viel“, antwortete ich – „nur Wasser; doch der Horizont ist ziemlich weit. Ich glaube, es kommt ein Sturm auf.“
„Nun, was hältst du davon, die Welt zu sehen? Möchtest du um Kap Hoorn segeln, um mehr von ihr zu sehen, ja? Kannst du die Welt nicht schon von dem Ort aus sehen, an dem du stehst?“
Ich war etwas überrascht, aber ich musste auf Walfang gehen – und das würde ich auch tun. Die Pequod war ein ebenso gutes Schiff wie jedes andere – ich hielt sie sogar für das beste. All das wiederholte ich nun gegenüber Peleg. Als er sah, wie entschlossen ich war, drückte er seine Bereitschaft aus, mich mitzunehmen.
„Du solltest besser gleich die Papiere unterschreiben“, fügte er hinzu – „komm mit mir.“ Damit führte er mich unter Deck in die Kabine. Auf dem Sitz saß eine Gestalt, die mir äußerst ungewöhnlich und überraschend vorkam. Es handelte sich um Kapitän Bildad, der zusammen mit Kapitän Peleg zu den größten Eigentümern des Schiffes gehörte. Die restlichen Anteile, wie es in solchen Häfen oft der Fall ist, wurden von einer Reihe von Alten, Witwen, waisen Kindern sowie anderen Personen gehalten – jeder besaß etwa den Wert eines Holzbretts oder eines Nagels an Bord. Die Menschen auf Nantucket investieren ihr Geld in Walfangschiffe, genauso wie man sein Geld in staatliche Anleihen investiert, die gute Zinsen bringen.
Bildad war, genau wie Peleg und viele andere Einwohner von Nantucket, Quäker – die Insel wurde ursprünglich von dieser Glaubensrichtung besiedelt. Bis heute bewahren ihre Bewohner im Allgemeinen die Besonderheiten der Quäker bei, nur dass diese durch ganz fremde und unterschiedliche Einflüsse in unterschiedlicher Weise verändert wurden. Denn einige dieser Quäker sind die blutrünstigsten Seeleute und Walfänger überhaupt. Sie sind kämpferische Quäker – Quäker mit Rachegefühlen.
Es gibt also Fälle, in denen Männer, die biblische Namen tragen – was auf der Insel äußerst üblich ist – und in ihrer Kindheit bereits die formellen Anreden der Quäker sprachen, in ihrem späteren Leben durch ihre kühnen, abenteuerlustigen Handlungen seltsamerweise mit diesen unveränderten Besonderheiten verschmelzen – mit tausend mutigen Eigenschaften, die durchaus einem skandinavischen Seekönig oder einem poetischen heidnischen Römer würdig wären. Und wenn all das bei einem Mann zusammenkommt, der über außergewöhnliche körperliche Kräfte verfügt, einen großen Gehirn und ein schweres Herz hat – und der außerdem durch die Stille und Abgeschiedenheit vieler langer Nachtwachen in den entlegensten Gewässern, unter Sternbildern, die hier im Norden nie zu sehen sind…
„Nun, was hältst du davon, die Welt zu sehen? Möchtest du um Kap Hoorn segeln, um mehr von ihr zu sehen, ja? Kannst du die Welt nicht schon von dem Ort aus sehen, an dem du stehst?“
Ich war etwas überrascht, aber ich musste auf Walfang gehen – und das würde ich auch tun. Die Pequod war ein ebenso gutes Schiff wie jedes andere – ich hielt sie sogar für das beste. All das wiederholte ich nun gegenüber Peleg. Als er sah, wie entschlossen ich war, drückte er seine Bereitschaft aus, mich mitzunehmen.
„Du solltest besser gleich die Papiere unterschreiben“, fügte er hinzu – „komm mit mir.“ Damit führte er mich unter Deck in die Kabine. Auf dem Sitz saß eine Gestalt, die mir äußerst ungewöhnlich und überraschend vorkam. Es handelte sich um Kapitän Bildad, der zusammen mit Kapitän Peleg zu den größten Eigentümern des Schiffes gehörte. Die restlichen Anteile, wie es in solchen Häfen oft der Fall ist, wurden von einer Reihe von Alten, Witwen, waisen Kindern sowie anderen Personen gehalten – jeder besaß etwa den Wert eines Holzbretts oder eines Nagels an Bord. Die Menschen auf Nantucket investieren ihr Geld in Walfangschiffe, genauso wie man sein Geld in staatliche Anleihen investiert, die gute Zinsen bringen.
Bildad war, genau wie Peleg und viele andere Einwohner von Nantucket, Quäker – die Insel wurde ursprünglich von dieser Glaubensrichtung besiedelt. Bis heute bewahren ihre Bewohner im Allgemeinen die Besonderheiten der Quäker bei, nur dass diese durch ganz fremde und unterschiedliche Einflüsse in unterschiedlicher Weise verändert wurden. Denn einige dieser Quäker sind die blutrünstigsten Seeleute und Walfänger überhaupt. Sie sind kämpferische Quäker – Quäker mit Rachegefühlen.
Es gibt also Fälle, in denen Männer, die biblische Namen tragen – was auf der Insel äußerst üblich ist – und in ihrer Kindheit bereits die formellen Anreden der Quäker sprachen, in ihrem späteren Leben durch ihre kühnen, abenteuerlustigen Handlungen seltsamerweise mit diesen unveränderten Besonderheiten verschmelzen – mit tausend mutigen Eigenschaften, die durchaus einem skandinavischen Seekönig oder einem poetischen heidnischen Römer würdig wären. Und wenn all das bei einem Mann zusammenkommt, der über außergewöhnliche körperliche Kräfte verfügt, einen großen Gehirn und ein schweres Herz hat – und der außerdem durch die Stille und Abgeschiedenheit vieler langer Nachtwachen in den entlegensten Gewässern, unter Sternbildern, die hier im Norden nie zu sehen sind…
Page 99
Er wurde dazu geführt, unkonventionell und unabhängig zu denken; er erhielt alle süßen oder wilden Eindrücke der Natur direkt aus seiner eigenen, reinen, freiwilligen und offenen Seele – und dadurch lernte er vor allem, eine kühne, prächtige Sprache zu verwenden – jene Sprache, die der Mensch in der Volkszählung einer ganzen Nation hervorbringt; ein mächtiges, prächtiges Wesen, geschaffen für edle Tragödien. Auch wenn er durch Geburt oder andere Umstände eine Art halb willentliche, pathologische Neigung in seinem Wesen hat, schmälert das seine dramatische Bedeutung keineswegs. Denn alle tragisch Großen werden durch eine gewisse Pathologie zu dem, was sie sind. Sei dir dessen sicher, o junge Ambition: Alle irdische Größe ist nichts anderes als Krankheit. Doch im Moment haben wir es nicht mit einem solchen Menschen zu tun, sondern mit einem ganz anderen – immer noch einem Mann, der, falls er wirklich eigenartig ist, dies nur aufgrund einer weiteren Facette des Quäkertums sowie individueller Umstände ist.
Wie Kapitän Peleg war auch Kapitän Bildad ein wohlhabender, pensionierter Walfänger. Doch im Gegensatz zu Kapitän Peleg – der sich überhaupt nicht um die sogenannten ernsten Dinge kümmerte und diese sogar für die geringfügigsten Kleinigkeiten hielt – wurde Kapitän Bildad nicht nur nach den strengsten Regeln des Nantucket-Quäkertums erzogen, sondern auch sein gesamtes späteres Leben auf hoher See sowie der Anblick vieler nackter, schöner Inselwesen rund um den Horn von Afrika bewegten diesen gebürtigen Quäker nicht im Geringsten – nicht einmal einen Winkel seines Rocks änderte sich dadurch. Trotz dieser Unveränderlichkeit fehlte es dem ehrenwerten Kapitän Bildad jedoch an Konstanz. Obwohl er aus Gewissensgründen ablehnte, Waffen gegen Landeinnehmer zu tragen, hatte er selbst doch unbegrenzt den Atlantik und Pazifik „invasiert“; und obwohl er ein entschiedener Feind des menschlichen Blutvergießens war, hatte er in seinem maßgeschneiderten Mantel Tonnen voller Blut des Leviathans vergossen. Wie der fromme Bildad in den nachdenklichen Abendstunden seines Lebens all dies in Erinnerung versöhnte, weiß ich nicht; aber es schien ihn nicht besonders zu interessieren – sehr wahrscheinlich war er bereits längst zu dem weisen und vernünftigen Schluss gekommen, dass die Religion eines Menschen eine Sache ist und diese praktische Welt eine ganz andere.
Diese Welt zahlt Dividenden. Von einem einfachen Jungen in schäbiger Kleidung aufsteigend bis zum Harpunier in einem weiten Westen; von dort zum Bootsführer, Ersten Offizier und schließlich zum Kapitän – und schließlich zum Schiffseigner – beendete Bildad, wie ich bereits erwähnte, seine abenteuerliche Karriere im stattlichen Alter von sechzig Jahren, indem er sich ganz aus dem aktiven Leben zurückzog und seine verbleibenden Tage damit verbrachte, seinen hart verdienten Verdienst ruhig anzunehmen.
Wie Kapitän Peleg war auch Kapitän Bildad ein wohlhabender, pensionierter Walfänger. Doch im Gegensatz zu Kapitän Peleg – der sich überhaupt nicht um die sogenannten ernsten Dinge kümmerte und diese sogar für die geringfügigsten Kleinigkeiten hielt – wurde Kapitän Bildad nicht nur nach den strengsten Regeln des Nantucket-Quäkertums erzogen, sondern auch sein gesamtes späteres Leben auf hoher See sowie der Anblick vieler nackter, schöner Inselwesen rund um den Horn von Afrika bewegten diesen gebürtigen Quäker nicht im Geringsten – nicht einmal einen Winkel seines Rocks änderte sich dadurch. Trotz dieser Unveränderlichkeit fehlte es dem ehrenwerten Kapitän Bildad jedoch an Konstanz. Obwohl er aus Gewissensgründen ablehnte, Waffen gegen Landeinnehmer zu tragen, hatte er selbst doch unbegrenzt den Atlantik und Pazifik „invasiert“; und obwohl er ein entschiedener Feind des menschlichen Blutvergießens war, hatte er in seinem maßgeschneiderten Mantel Tonnen voller Blut des Leviathans vergossen. Wie der fromme Bildad in den nachdenklichen Abendstunden seines Lebens all dies in Erinnerung versöhnte, weiß ich nicht; aber es schien ihn nicht besonders zu interessieren – sehr wahrscheinlich war er bereits längst zu dem weisen und vernünftigen Schluss gekommen, dass die Religion eines Menschen eine Sache ist und diese praktische Welt eine ganz andere.
Diese Welt zahlt Dividenden. Von einem einfachen Jungen in schäbiger Kleidung aufsteigend bis zum Harpunier in einem weiten Westen; von dort zum Bootsführer, Ersten Offizier und schließlich zum Kapitän – und schließlich zum Schiffseigner – beendete Bildad, wie ich bereits erwähnte, seine abenteuerliche Karriere im stattlichen Alter von sechzig Jahren, indem er sich ganz aus dem aktiven Leben zurückzog und seine verbleibenden Tage damit verbrachte, seinen hart verdienten Verdienst ruhig anzunehmen.
Page 100
Nun, Bildad – es tut mir leid, das sagen zu müssen – hatte den Ruf, ein unverbesserlicher alter Schurke zu sein. In seinen Tagen als Seemann war er außerdem ein harter, grausamer Vorgesetzter. In Nantucket wurde mir erzählt – obwohl es sicherlich eine seltsame Geschichte ist – dass seine Besatzung, nachdem sie mit dem alten Walfangschiff zurückgekehrt war, größtenteils völlig erschöpft und ausgebrannt ins Krankenhaus gebracht werden musste. Für einen frommen Mann – erst recht für einen Quäker – war er, gelinde gesagt, ziemlich herzlos. Er fluchte zwar nie, wie seine Leute sagten, doch irgendwie brachte er ihnen eine übermäßige Menge an grausamer, unerbittlicher Arbeit ab. Wenn Bildad Erster Offizier war, ließ dich sein starrer Blick völlig nervös werden – bis du etwas in die Hand nehmen konntest – einen Hammer oder einen Speer – und wie verrückt an irgendetwas arbeiten musstest, egal was. Trägheit und Untätigkeit starben vor ihm. Sein eigenes Erscheinungsbild war die vollkommene Verkörperung seines utilitaristischen Charakters: Auf seinem langen, mageren Körper gab es kein überschüssiges Fett, keinen überflüssigen Bart; sein Kinn hatte einen weichen, schmalen Haarschopf – genauso wie der abgenutzte Rand seines breitkrempigen Hutes.
So sah also der Mann aus, den ich sah, als ich Kapitän Peleg in die Kabine folgte. Der Raum zwischen den Decks war klein; dort saß der alte Bildad, immer aufrecht, niemals gebeugt – um die Enden seines Mantels zu schonen. Sein breitkrempiger Hut lag neben ihm; seine Beine waren steif übereinandergeschlagen; seine triste Kleidung war bis zum Kinn zugeknöpft; mit Brille auf der Nase schien er in das Lesen eines dicken Buches vertieft zu sein.
„Bildad“, rief Kapitän Peleg, „wieder dabei, Bildad, ja? Du hast in den letzten dreißig Jahren ununterbrochen diese Schriften studiert, soweit ich weiß. Wie weit bist du gekommen, Bildad?“
Als wäre er längst an solche respektlosen Worte seines alten Schiffskameraden gewöhnt, blickte Bildad, ohne seine Respektlosigkeit zu bemerken, ruhig auf. Als er mich sah, warf er einen fragenden Blick in Richtung Peleg.
„Er sagt, er sei der Richtige für uns, Bildad“, sagte Peleg. „Er möchte mitfahren.“
„Tust du das?“, fragte Bildad mit tonloser Stimme und wandte sich mir zu.
„Ja, das tue ich“, antwortete ich unbewusst – er war schließlich ein so intensiver Quäker.
„Was hältst du von ihm, Bildad?“, fragte Peleg.
„Er wird es schaffen“, sagte Bildad, musterte mich und fuhr dann in einem leise murmelnden Ton fort, in seinem Buch zu lesen.
So sah also der Mann aus, den ich sah, als ich Kapitän Peleg in die Kabine folgte. Der Raum zwischen den Decks war klein; dort saß der alte Bildad, immer aufrecht, niemals gebeugt – um die Enden seines Mantels zu schonen. Sein breitkrempiger Hut lag neben ihm; seine Beine waren steif übereinandergeschlagen; seine triste Kleidung war bis zum Kinn zugeknöpft; mit Brille auf der Nase schien er in das Lesen eines dicken Buches vertieft zu sein.
„Bildad“, rief Kapitän Peleg, „wieder dabei, Bildad, ja? Du hast in den letzten dreißig Jahren ununterbrochen diese Schriften studiert, soweit ich weiß. Wie weit bist du gekommen, Bildad?“
Als wäre er längst an solche respektlosen Worte seines alten Schiffskameraden gewöhnt, blickte Bildad, ohne seine Respektlosigkeit zu bemerken, ruhig auf. Als er mich sah, warf er einen fragenden Blick in Richtung Peleg.
„Er sagt, er sei der Richtige für uns, Bildad“, sagte Peleg. „Er möchte mitfahren.“
„Tust du das?“, fragte Bildad mit tonloser Stimme und wandte sich mir zu.
„Ja, das tue ich“, antwortete ich unbewusst – er war schließlich ein so intensiver Quäker.
„Was hältst du von ihm, Bildad?“, fragte Peleg.
„Er wird es schaffen“, sagte Bildad, musterte mich und fuhr dann in einem leise murmelnden Ton fort, in seinem Buch zu lesen.
Page 101
Ich hielt ihn für den seltsamsten alten Quäker, den ich je gesehen hatte – zumal Peleg, sein Freund und alter Schiffskamerad, wie ein großer Tölpel wirkte. Doch ich sagte nichts, sondern blickte mich nur scharf um. Peleg öffnete nun einen Schrank, holte die Schiffsvorschriften hervor, legte Stift und Tinte vor sich und setzte sich an einen kleinen Tisch. Ich begann zu überlegen, dass es höchste Zeit war, mir klarzumachen, unter welchen Bedingungen ich bereit wäre, an der Reise teilzunehmen. Ich wusste bereits, dass man im Walfanggeschäft keine Löhne zahlte; doch alle Besatzungsmitglieder, einschließlich des Kapitäns, erhielten bestimmte Anteile am Gewinn, die „Lays“ genannt wurden, und diese Anteile waren proportional zum Umfang der jeweiligen Aufgaben der Besatzung. Ich wusste auch, dass ich als Anfänger im Walfang keinen besonders großen Anteil erhalten würde; aber da ich an das Meer gewöhnt war, ein Schiff steuern, Seile verarbeiten und all das konnte, zweifelte ich nicht daran, dass man mir aufgrund dessen, was ich gehört hatte, zumindest den 275. Anteil anbieten würde – also den 275. Teil des Nettoertrags der Reise, egal wie hoch dieser letztendlich ausfallen mochte. Und obwohl der 275. Anteil als ziemlich gering angesehen wurde, war er immerhin besser als nichts; und bei einer glücklichen Reise könnte er wohl ausreichen, um die Kleidung zu bezahlen, die ich während der Reise verbrauchen würde – ganz zu schweigen von drei Jahren Essen und Unterkunft, für die ich keinen einzigen Stiver zahlen müsste.
Man könnte meinen, dass dies eine schlechte Art sei, ein großes Vermögen anzuhäufen – und tatsächlich war es das, eine wirklich sehr schlechte Art. Doch ich gehöre zu denen, die sich niemals große Reichtümer erhoffen und völlig zufrieden sind, wenn die Welt bereit ist, mir Unterkunft und Verpflegung zu bieten, während ich hier im „grimmigen Zeichen des Donnerwolken“ wohne. Im Großen und Ganzen hielt ich den 275. Anteil für angemessen; doch ich wäre nicht überrascht gewesen, wenn man mir den 200. Anteil angeboten hätte – schließlich war ich von kräftiger Statur.
Doch eines machte mich trotzdem etwas misstrauisch, was einen großzügigen Anteil am Gewinn betraf: An Land hatte ich etwas über Kapitän Peleg sowie seinen unerklärlichen alten Kumpan Bildad gehört; nämlich dass sie die Hauptbesitzer der Pequod waren und daher die anderen, weniger bedeutenden und verstreuten Eigentümer fast die gesamte Verwaltung der Schiffsgeschäfte diesen beiden überließen. Ich wusste nicht, ob der geizige alte Bildad vielleicht viel zu sagen hatte, was die Besatzungsmitglieder betraf – zumal ich nun feststellte, dass er an Bord der Pequod war, sich dort in der Kabine ganz zu Hause fühlte und seine Bibel las, als wäre er bei seinem eigenen Kamin. Während Peleg vergeblich versuchte, einen Stift mit seinem Taschenmesser zu reparieren, überraschte es mich ziemlich, dass der alte Bildad, angesichts seiner engen Verbindung zu diesen Angelegenheiten…
Man könnte meinen, dass dies eine schlechte Art sei, ein großes Vermögen anzuhäufen – und tatsächlich war es das, eine wirklich sehr schlechte Art. Doch ich gehöre zu denen, die sich niemals große Reichtümer erhoffen und völlig zufrieden sind, wenn die Welt bereit ist, mir Unterkunft und Verpflegung zu bieten, während ich hier im „grimmigen Zeichen des Donnerwolken“ wohne. Im Großen und Ganzen hielt ich den 275. Anteil für angemessen; doch ich wäre nicht überrascht gewesen, wenn man mir den 200. Anteil angeboten hätte – schließlich war ich von kräftiger Statur.
Doch eines machte mich trotzdem etwas misstrauisch, was einen großzügigen Anteil am Gewinn betraf: An Land hatte ich etwas über Kapitän Peleg sowie seinen unerklärlichen alten Kumpan Bildad gehört; nämlich dass sie die Hauptbesitzer der Pequod waren und daher die anderen, weniger bedeutenden und verstreuten Eigentümer fast die gesamte Verwaltung der Schiffsgeschäfte diesen beiden überließen. Ich wusste nicht, ob der geizige alte Bildad vielleicht viel zu sagen hatte, was die Besatzungsmitglieder betraf – zumal ich nun feststellte, dass er an Bord der Pequod war, sich dort in der Kabine ganz zu Hause fühlte und seine Bibel las, als wäre er bei seinem eigenen Kamin. Während Peleg vergeblich versuchte, einen Stift mit seinem Taschenmesser zu reparieren, überraschte es mich ziemlich, dass der alte Bildad, angesichts seiner engen Verbindung zu diesen Angelegenheiten…
Page 102
Verhandlungen: Bildad hörte uns niemals zu, sondern murmelte weiter vor sich hin aus seinem Buch: „Sammelt euch keine Schätze auf der Erde an, wo Motten und Rost alles zerstören –“
„Nun, Kapitän Bildad“, unterbrach Peleg, „was meinst du – welchen Lohn sollen wir diesem jungen Mann geben?“
„Du weißt es am besten“, kam die Antwort. „Siebenhundertsechzigundsiebzig wäre doch nicht zu viel, oder? – ‚Wo Motten und Rost alles zerstören, sammelt lieber –‘“
„Tatsächlich“, dachte ich, „ein solcher Lohn! Siebenhundertsechzigundsiebzig! Nun, alter Bildad – du bist fest entschlossen, dass ich hier unten keine großen Summen anhäufen darf, wo Motten und Rost alles zerstören. Es handelte sich dabei um einen äußerst hohen Betrag; und obwohl die Größe dieser Zahl einen Landbewohner zunächst täuschen könnte, zeigt schon eine kurze Überlegung, dass siebenhundertsechzigundsiebzig zwar eine ziemlich große Zahl ist – doch wenn man ein Zehntel davon nimmt, dann ist der Anteil von siebenhundertsechzigundsiebzig Teilen eines Farthings deutlich geringer als siebenhundertsechzigundsiebzig Golddublonen.“
„Um Himmels willen, Bildad!“, rief Peleg. „Du willst diesen jungen Mann doch nicht betrügen! Er muss mehr bekommen.“
„Siebenhundertsechzigundsiebzig“, wiederholte Bildad, ohne den Blick zu heben, und murmelte weiter: „Denn wo dein Schatz ist, wird auch dein Herz sein.“
„Ich werde ihm den dreihundertsten Lohn geben“, sagte Peleg. „Hörst du das, Bildad? Den dreihundertsten Lohn!“
Bildad legte sein Buch beiseite und wandte sich ihm feierlich zu: „Kapitän Peleg, du hast ein großzügiges Herz – doch du musst an deine Pflicht gegenüber den anderen Besitzern dieses Schiffes denken – Witwen und Waisen, viele von ihnen. Wenn wir dem jungen Mann übermäßig viel zahlen, könnten wir ihnen damit das Brot wegnehmen. Der siebenhundertsechzigundsiebte Lohn, Kapitän Peleg.“
„Du, Bildad!“, brüllte Peleg und sprang auf. „Verdammt nochmal, Kapitän Bildad – wenn ich in solchen Dingen deinen Rat befolgt hätte, hätte ich längst ein Gewissen, das schwer genug wäre, um das größte Schiff, das je um den Kap Hoorn gesegelt ist, zum Sinken zu bringen.“
„Nun, Kapitän Bildad“, unterbrach Peleg, „was meinst du – welchen Lohn sollen wir diesem jungen Mann geben?“
„Du weißt es am besten“, kam die Antwort. „Siebenhundertsechzigundsiebzig wäre doch nicht zu viel, oder? – ‚Wo Motten und Rost alles zerstören, sammelt lieber –‘“
„Tatsächlich“, dachte ich, „ein solcher Lohn! Siebenhundertsechzigundsiebzig! Nun, alter Bildad – du bist fest entschlossen, dass ich hier unten keine großen Summen anhäufen darf, wo Motten und Rost alles zerstören. Es handelte sich dabei um einen äußerst hohen Betrag; und obwohl die Größe dieser Zahl einen Landbewohner zunächst täuschen könnte, zeigt schon eine kurze Überlegung, dass siebenhundertsechzigundsiebzig zwar eine ziemlich große Zahl ist – doch wenn man ein Zehntel davon nimmt, dann ist der Anteil von siebenhundertsechzigundsiebzig Teilen eines Farthings deutlich geringer als siebenhundertsechzigundsiebzig Golddublonen.“
„Um Himmels willen, Bildad!“, rief Peleg. „Du willst diesen jungen Mann doch nicht betrügen! Er muss mehr bekommen.“
„Siebenhundertsechzigundsiebzig“, wiederholte Bildad, ohne den Blick zu heben, und murmelte weiter: „Denn wo dein Schatz ist, wird auch dein Herz sein.“
„Ich werde ihm den dreihundertsten Lohn geben“, sagte Peleg. „Hörst du das, Bildad? Den dreihundertsten Lohn!“
Bildad legte sein Buch beiseite und wandte sich ihm feierlich zu: „Kapitän Peleg, du hast ein großzügiges Herz – doch du musst an deine Pflicht gegenüber den anderen Besitzern dieses Schiffes denken – Witwen und Waisen, viele von ihnen. Wenn wir dem jungen Mann übermäßig viel zahlen, könnten wir ihnen damit das Brot wegnehmen. Der siebenhundertsechzigundsiebte Lohn, Kapitän Peleg.“
„Du, Bildad!“, brüllte Peleg und sprang auf. „Verdammt nochmal, Kapitän Bildad – wenn ich in solchen Dingen deinen Rat befolgt hätte, hätte ich längst ein Gewissen, das schwer genug wäre, um das größte Schiff, das je um den Kap Hoorn gesegelt ist, zum Sinken zu bringen.“
Page 103
„Kapitän Peleg“, sagte Bildad ruhig, „dein Gewissen mag zehn Zoll oder zehn Faden tief sein – das kann ich nicht sagen. Doch da du weiterhin ein unbußfertiger Mensch bist, Kapitän Peleg, fürchte ich sehr, dass dein Gewissen nur undicht ist. Am Ende wird es dich in den feurigen Abgrund stürzen, Kapitän Peleg.“
„Feuriger Abgrund! Feuriger Abgrund! Du beleidigst mich, Mann – das übersteigt jede Grenze des Anstands. Es ist eine schreckliche Beleidigung, irgendeinem Menschen zu sagen, er müsse in die Hölle. Bildad, sag das noch einmal zu mir – aber ich werde… ja, ich werde eine lebende Ziege mit all ihrem Fell und ihren Hörnern verschlingen. Raus aus der Kabine, du verdammter, langweilig gekleideter Sohn eines Holzschusses – verschwinde sofort!“
Während er das sagte, stürzte er sich auf Bildad. Doch mit erstaunlicher Geschwindigkeit gelang es Bildad, ihm auszuweichen.
Entsetzt über diesen schrecklichen Ausbruch zwischen den beiden wichtigsten und verantwortlichen Besitzern des Schiffes, und da ich nicht mehr weitersegeln wollte, solange das Schiff in solchen Händen war, trat ich zur Seite, damit Bildad entkommen konnte. Ich war mir sicher, dass er nur allzu gerne vor Pelegs wütendem Zorn fliehen wollte. Zu meiner Überraschung setzte er sich jedoch wieder ganz ruhig hin und schien keinerlei Absicht zu haben, zu gehen. Er schien sich bereits an den unbußfertigen Peleg und seine Art zu verhalten gewöhnt zu haben. Was Peleg betraf, so schien nach seinem Wutausbruch keine Kraft mehr in ihm zu sein. Auch er setzte sich wie ein Lamm hin – obwohl er leicht zuckte, als wäre er immer noch nervös. „Puh!“, pfiff er schließlich. „Der Sturm scheint sich in Richtung Lee bewegt zu haben. Bildad, du warst doch gut darin, Lanzen zu schärfen – repariere bitte diesen Stift. Mein Taschenmesser braucht eine Schleifsteine. Danke, Bildad. Nun, mein junger Mann – dein Name ist doch Ishmael, oder? Dann nimm Platz, Ishmael – es ist bereits die dreihundertste Wache.“
„Kapitän Peleg“, sagte ich, „ich habe einen Freund bei mir, der auch mitfahren möchte – soll ich ihn morgen mitbringen?“
„Sicherlich“, sagte Peleg. „Bring ihn her, dann werden wir uns ihn ansehen.“
„Welche Aufgabe soll er übernehmen?“, murmelte Bildad, ohne von dem Buch aufzusehen, in das er sich wieder vertieft hatte.
„Ach, kümmere dich nicht darum, Bildad“, sagte Peleg. „Hat er schon einmal Waljagd gemacht?“ Dabei wandte er sich an mich.
„Feuriger Abgrund! Feuriger Abgrund! Du beleidigst mich, Mann – das übersteigt jede Grenze des Anstands. Es ist eine schreckliche Beleidigung, irgendeinem Menschen zu sagen, er müsse in die Hölle. Bildad, sag das noch einmal zu mir – aber ich werde… ja, ich werde eine lebende Ziege mit all ihrem Fell und ihren Hörnern verschlingen. Raus aus der Kabine, du verdammter, langweilig gekleideter Sohn eines Holzschusses – verschwinde sofort!“
Während er das sagte, stürzte er sich auf Bildad. Doch mit erstaunlicher Geschwindigkeit gelang es Bildad, ihm auszuweichen.
Entsetzt über diesen schrecklichen Ausbruch zwischen den beiden wichtigsten und verantwortlichen Besitzern des Schiffes, und da ich nicht mehr weitersegeln wollte, solange das Schiff in solchen Händen war, trat ich zur Seite, damit Bildad entkommen konnte. Ich war mir sicher, dass er nur allzu gerne vor Pelegs wütendem Zorn fliehen wollte. Zu meiner Überraschung setzte er sich jedoch wieder ganz ruhig hin und schien keinerlei Absicht zu haben, zu gehen. Er schien sich bereits an den unbußfertigen Peleg und seine Art zu verhalten gewöhnt zu haben. Was Peleg betraf, so schien nach seinem Wutausbruch keine Kraft mehr in ihm zu sein. Auch er setzte sich wie ein Lamm hin – obwohl er leicht zuckte, als wäre er immer noch nervös. „Puh!“, pfiff er schließlich. „Der Sturm scheint sich in Richtung Lee bewegt zu haben. Bildad, du warst doch gut darin, Lanzen zu schärfen – repariere bitte diesen Stift. Mein Taschenmesser braucht eine Schleifsteine. Danke, Bildad. Nun, mein junger Mann – dein Name ist doch Ishmael, oder? Dann nimm Platz, Ishmael – es ist bereits die dreihundertste Wache.“
„Kapitän Peleg“, sagte ich, „ich habe einen Freund bei mir, der auch mitfahren möchte – soll ich ihn morgen mitbringen?“
„Sicherlich“, sagte Peleg. „Bring ihn her, dann werden wir uns ihn ansehen.“
„Welche Aufgabe soll er übernehmen?“, murmelte Bildad, ohne von dem Buch aufzusehen, in das er sich wieder vertieft hatte.
„Ach, kümmere dich nicht darum, Bildad“, sagte Peleg. „Hat er schon einmal Waljagd gemacht?“ Dabei wandte er sich an mich.
Page 104
„Ich habe mehr Wale getötet, als ich zählen kann, Kapitän Peleg.“
„Nun, dann bring ihn doch mit.“
Nachdem ich die Papiere unterschrieben hatte, machte ich mich auf den Weg – ohne jeden Zweifel daran, dass ich eine gute Arbeit geleistet hatte, und dass die Pequod genau das Schiff war, das Yojo zur Verfügung gestellt hatte, um Queequeg und mich um das Kap zu bringen. Doch ich war noch nicht weit gekommen, als mir klar wurde, dass der Kapitän, mit dem ich segeln sollte, immer noch nicht zu sehen war. Tatsächlich ist es bei vielen Walfangschiffen so, dass sie bereits vollständig ausgestattet sind und ihre gesamte Besatzung an Bord hat, bevor der Kapitän selbst erscheint, um das Kommando zu übernehmen. Denn manchmal sind diese Reisen so lang, und die Zeit am Festland so kurz, dass ein Kapitän, der eine Familie oder andere wichtige Verpflichtungen hat, sich kaum um sein Schiff kümmert, sondern es den Eigentümern überlässt, bis alles für die Abfahrt bereit ist. Dennoch ist es immer gut, sich den Kapitän vorher anzusehen, bevor man sich endgültig in seine Hände begibt. Ich drehte mich um und sprach Kapitän Peleg an und fragte, wo Kapitän Ahab zu finden sei.
„Und was willst du von Kapitän Ahab? Es ist schon in Ordnung – du bist schließlich an Bord.“
„Ja, aber ich würde ihn gerne sehen.“
„Aber ich glaube nicht, dass du das im Moment können wirst. Ich weiß nicht genau, was mit ihm los ist; aber er bleibt ständig im Haus – irgendwie krank, obwohl er nicht danach aussieht. Tatsächlich ist er nicht krank – aber auch nicht gesund. Jedenfalls wird er mich nicht immer sehen, also glaube ich auch nicht, dass er dich sehen wird. Er ist ein seltsamer Mann, Kapitän Ahab – so meinen zumindest einige – aber ein guter Mann. Oh, dir wird er schon gefallen; keine Sorge. Er ist ein großartiger, unglaublicher, gottgleicher Mann, Kapitän Ahab – er spricht nicht viel; aber wenn er spricht, dann solltest du gut zuhören. Merk dir: Ahab steht über dem Durchschnittlichen; er war in Colleges, genauso wie bei den Kannibalen; er ist an größere Wunder gewöhnt als die Wellen; er hat seine brennende Lanze gegen mächtigere, seltsamere Feinde eingesetzt als Wale. Seine Lanze! Ja, die schärfste und zuverlässigste von allen auf unserer Insel! Oh! Er ist nicht Kapitän Bildad – nein, und auch nicht Kapitän Peleg; er ist Ahab, Junge – und Ahab in alten Zeiten war, wie du weißt, ein gekrönter König!“
„Und ein sehr abscheulicher König. Als dieser böse König getötet wurde, leckten doch die Hunde sein Blut, oder?“
„Nun, dann bring ihn doch mit.“
Nachdem ich die Papiere unterschrieben hatte, machte ich mich auf den Weg – ohne jeden Zweifel daran, dass ich eine gute Arbeit geleistet hatte, und dass die Pequod genau das Schiff war, das Yojo zur Verfügung gestellt hatte, um Queequeg und mich um das Kap zu bringen. Doch ich war noch nicht weit gekommen, als mir klar wurde, dass der Kapitän, mit dem ich segeln sollte, immer noch nicht zu sehen war. Tatsächlich ist es bei vielen Walfangschiffen so, dass sie bereits vollständig ausgestattet sind und ihre gesamte Besatzung an Bord hat, bevor der Kapitän selbst erscheint, um das Kommando zu übernehmen. Denn manchmal sind diese Reisen so lang, und die Zeit am Festland so kurz, dass ein Kapitän, der eine Familie oder andere wichtige Verpflichtungen hat, sich kaum um sein Schiff kümmert, sondern es den Eigentümern überlässt, bis alles für die Abfahrt bereit ist. Dennoch ist es immer gut, sich den Kapitän vorher anzusehen, bevor man sich endgültig in seine Hände begibt. Ich drehte mich um und sprach Kapitän Peleg an und fragte, wo Kapitän Ahab zu finden sei.
„Und was willst du von Kapitän Ahab? Es ist schon in Ordnung – du bist schließlich an Bord.“
„Ja, aber ich würde ihn gerne sehen.“
„Aber ich glaube nicht, dass du das im Moment können wirst. Ich weiß nicht genau, was mit ihm los ist; aber er bleibt ständig im Haus – irgendwie krank, obwohl er nicht danach aussieht. Tatsächlich ist er nicht krank – aber auch nicht gesund. Jedenfalls wird er mich nicht immer sehen, also glaube ich auch nicht, dass er dich sehen wird. Er ist ein seltsamer Mann, Kapitän Ahab – so meinen zumindest einige – aber ein guter Mann. Oh, dir wird er schon gefallen; keine Sorge. Er ist ein großartiger, unglaublicher, gottgleicher Mann, Kapitän Ahab – er spricht nicht viel; aber wenn er spricht, dann solltest du gut zuhören. Merk dir: Ahab steht über dem Durchschnittlichen; er war in Colleges, genauso wie bei den Kannibalen; er ist an größere Wunder gewöhnt als die Wellen; er hat seine brennende Lanze gegen mächtigere, seltsamere Feinde eingesetzt als Wale. Seine Lanze! Ja, die schärfste und zuverlässigste von allen auf unserer Insel! Oh! Er ist nicht Kapitän Bildad – nein, und auch nicht Kapitän Peleg; er ist Ahab, Junge – und Ahab in alten Zeiten war, wie du weißt, ein gekrönter König!“
„Und ein sehr abscheulicher König. Als dieser böse König getötet wurde, leckten doch die Hunde sein Blut, oder?“
Page 105
„Komm zu mir – hierher, hierher“, sagte Peleg, und in seinem Blick lag eine Bedeutung, die mich fast erschreckte. „Hör zu, Junge: Sag das niemals an Bord der Pequod – und nirgendwo sonst. Kapitän Ahab hat sich keinen Namen gegeben. Es war der törichte, unwissende Wunsch seiner verrückten, verwitweten Mutter, die starb, als er erst zwölf Monate alt war. Doch die alte Frau Tistig in Gayhead behauptete, der Name würde auf irgendeine Weise prophetisch sein. Vielleicht werden dir auch andere Dummköpfe wie sie dasselbe sagen. Ich möchte dich warnen: Es ist eine Lüge. Ich kenne Kapitän Ahab gut; ich bin vor Jahren als Steuermann mit ihm gesegelt. Ich weiß, wer er ist – ein guter Mann – nicht ein frommer, guter Mann wie Bildad, sondern ein fluchender guter Mann – etwas wie ich – nur dass es bei ihm viel mehr davon gibt. Ja, ich weiß, dass er nie besonders fröhlich war; und ich weiß, dass er auf der Heimreise für eine Weile etwas verrückt wurde – doch das lag an den schrecklichen Schmerzen in seinem blutenden Stumpf, wie jeder sehen konnte. Ich weiß auch, dass er seit dem Verlust seines Beins auf der letzten Reise durch diesen verfluchten Wal eine Art launischer Mensch geworden ist – verzweifelt launisch und manchmal wild – aber das wird wieder vorbeigehen. Und um es endgültig klarzustellen: Es ist besser, mit einem launischen, aber guten Kapitän zu segeln, als mit einem lachenden, schlechten. Also Lebewohl – und übe Kapitän Ahab keinen Unrecht an, nur weil er zufällig einen bösen Namen hat. Außerdem hat er, mein Junge, eine Frau – seit drei Reisen verheiratet – ein liebes, gefasstes Mädchen. Denk daran: Durch dieses liebe Mädchen hat der alte Mann ein Kind. Kann da also wirklich irgendein absoluter, hoffnungsloser Schaden in Ahab stecken? Nein, nein, mein Junge – selbst wenn er getroffen und verflucht ist, hat Ahab doch seine Menschlichkeit!“
Während ich wegging, war ich tief in Gedanken versunken; das, was mir zufällig über Kapitän Ahab offenbart worden war, füllte mich mit einer Art wilder, schmerzhafter Unklarheit bezüglich ihm. Irgendwie empfand ich damals Sympathie und Trauer für ihn – aus Gründen, die ich nicht kannte, außer vielleicht wegen des grausamen Verlusts seines Beins. Gleichzeitig spürte ich auch eine seltsame Ehrfurcht vor ihm – doch diese Art von Ehrfurcht, die ich überhaupt nicht beschreiben kann, war nicht genau Ehrfurcht; ich weiß nicht, was es war. Aber ich spürte es – und es hielt mich nicht ab, Zuneigung zu ihm zu empfinden; obwohl ich ungeduldig wurde wegen des Rätsels, das er für mich darstellte, so unvollständig, wie ich ihn damals kannte. Doch schließlich wanderten meine Gedanken in andere Richtungen, sodass Ahab vorerst aus meinem Bewusstsein verschwand.
Während ich wegging, war ich tief in Gedanken versunken; das, was mir zufällig über Kapitän Ahab offenbart worden war, füllte mich mit einer Art wilder, schmerzhafter Unklarheit bezüglich ihm. Irgendwie empfand ich damals Sympathie und Trauer für ihn – aus Gründen, die ich nicht kannte, außer vielleicht wegen des grausamen Verlusts seines Beins. Gleichzeitig spürte ich auch eine seltsame Ehrfurcht vor ihm – doch diese Art von Ehrfurcht, die ich überhaupt nicht beschreiben kann, war nicht genau Ehrfurcht; ich weiß nicht, was es war. Aber ich spürte es – und es hielt mich nicht ab, Zuneigung zu ihm zu empfinden; obwohl ich ungeduldig wurde wegen des Rätsels, das er für mich darstellte, so unvollständig, wie ich ihn damals kannte. Doch schließlich wanderten meine Gedanken in andere Richtungen, sodass Ahab vorerst aus meinem Bewusstsein verschwand.
Page 106
KAPITEL 17. Der Ramadan.
Da Queequegs Ramadan – also die Zeit des Fastens und der Demütigung – den ganzen Tag andauern sollte, beschloss ich, ihn erst gegen Abend zu stören; denn ich hege größten Respekt vor den religiösen Pflichten jedes Menschen, egal wie lächerlich sie auch sein mögen. Ich konnte es einfach nicht übers Herz bringen, selbst eine Schar Ameisen, die einen Pilz anbeten, oder jene Kreaturen in bestimmten Teilen unserer Erde, die mit einer Art Dienergehorsam, der auf anderen Planeten völlig unbekannt ist, vor dem Rumpf eines verstorbenen Grundbesitzers niederfallen, nur wegen des übermäßigen Besitzes, der noch in seinem Namen gehalten oder vermietet wird, herabzuwürdigen.
Ich sage: Wir guten presbyterianischen Christen sollten in solchen Dingen großzügig sein und uns nicht für so weit überlegen gegenüber anderen Sterblichen, Heiden und dergleichen halten, nur wegen ihrer halb verrückten Vorstellungen in diesen Angelegenheiten. Queequeg hatte nun sicherlich die absurdesten Vorstellungen über Yojo und seinen Ramadan – aber was macht das schon? Ich nehme an, er glaubte zu wissen, was er tat; er schien zufrieden zu sein – dann ließ ich ihn in Ruhe. Alle unsere Argumente mit ihm wären nutzlos gewesen; lassen wir ihn in Frieden, sage ich. Und möge der Himmel Barmherzigkeit mit uns allen haben – sowohl mit Presbyterianern als auch mit Heiden – denn wir sind alle irgendwie schrecklich verrückt im Kopf und brauchen dringend Hilfe.
Gegen Abend, als ich sicher war, dass all seine Handlungen und Rituale beendet sein mussten, ging ich in sein Zimmer und klopfte an die Tür – doch es kam keine Antwort. Ich versuchte, die Tür zu öffnen, doch sie war von innen verschlossen. „Queequeg“, sagte ich leise durch das Schlüsselloch – alles still. „Ich sage, Queequeg! Warum sprichst du nicht? Ich bin’s – Ishmael.“ Doch alles blieb wie zuvor still. Ich begann, mir Sorgen zu machen. Ich hatte ihm genug Zeit gelassen; vielleicht hatte er einen Schlaganfall erlitten. Ich spähte durch das Schlüsselloch – doch da die Tür in eine seltsame Ecke des Zimmers führte, bot das Schlüsselloch nur einen verzerrten und unheimlichen Blick. Ich konnte nur einen Teil des Fußende des Bettes sowie einen Streifen der Wand sehen – nichts weiter. Überrascht stellte ich fest, dass gegen die Wand der hölzerne Schaft von Queequegs Harpunen lehnte – etwas, das die Wirtin am Vorabend, bevor wir ins Zimmer gingen, von ihm genommen hatte. Das ist seltsam, dachte ich – aber auf jeden Fall, da die Harpune dort steht…
Da Queequegs Ramadan – also die Zeit des Fastens und der Demütigung – den ganzen Tag andauern sollte, beschloss ich, ihn erst gegen Abend zu stören; denn ich hege größten Respekt vor den religiösen Pflichten jedes Menschen, egal wie lächerlich sie auch sein mögen. Ich konnte es einfach nicht übers Herz bringen, selbst eine Schar Ameisen, die einen Pilz anbeten, oder jene Kreaturen in bestimmten Teilen unserer Erde, die mit einer Art Dienergehorsam, der auf anderen Planeten völlig unbekannt ist, vor dem Rumpf eines verstorbenen Grundbesitzers niederfallen, nur wegen des übermäßigen Besitzes, der noch in seinem Namen gehalten oder vermietet wird, herabzuwürdigen.
Ich sage: Wir guten presbyterianischen Christen sollten in solchen Dingen großzügig sein und uns nicht für so weit überlegen gegenüber anderen Sterblichen, Heiden und dergleichen halten, nur wegen ihrer halb verrückten Vorstellungen in diesen Angelegenheiten. Queequeg hatte nun sicherlich die absurdesten Vorstellungen über Yojo und seinen Ramadan – aber was macht das schon? Ich nehme an, er glaubte zu wissen, was er tat; er schien zufrieden zu sein – dann ließ ich ihn in Ruhe. Alle unsere Argumente mit ihm wären nutzlos gewesen; lassen wir ihn in Frieden, sage ich. Und möge der Himmel Barmherzigkeit mit uns allen haben – sowohl mit Presbyterianern als auch mit Heiden – denn wir sind alle irgendwie schrecklich verrückt im Kopf und brauchen dringend Hilfe.
Gegen Abend, als ich sicher war, dass all seine Handlungen und Rituale beendet sein mussten, ging ich in sein Zimmer und klopfte an die Tür – doch es kam keine Antwort. Ich versuchte, die Tür zu öffnen, doch sie war von innen verschlossen. „Queequeg“, sagte ich leise durch das Schlüsselloch – alles still. „Ich sage, Queequeg! Warum sprichst du nicht? Ich bin’s – Ishmael.“ Doch alles blieb wie zuvor still. Ich begann, mir Sorgen zu machen. Ich hatte ihm genug Zeit gelassen; vielleicht hatte er einen Schlaganfall erlitten. Ich spähte durch das Schlüsselloch – doch da die Tür in eine seltsame Ecke des Zimmers führte, bot das Schlüsselloch nur einen verzerrten und unheimlichen Blick. Ich konnte nur einen Teil des Fußende des Bettes sowie einen Streifen der Wand sehen – nichts weiter. Überrascht stellte ich fest, dass gegen die Wand der hölzerne Schaft von Queequegs Harpunen lehnte – etwas, das die Wirtin am Vorabend, bevor wir ins Zimmer gingen, von ihm genommen hatte. Das ist seltsam, dachte ich – aber auf jeden Fall, da die Harpune dort steht…
Page 107
Und er geht selten oder nie ins Ausland ohne es – daher muss er hier drinnen sein. Kein Irrtum möglich.
„Queequeg! – Queequeg!“ – alles still. Irgendetwas muss passiert sein. Apoplexie! Ich versuchte, die Tür aufzubrechen – doch sie widerstand stur. Ich rannte die Treppe hinunter und schilderte meinen Verdacht sofort der ersten Person, der ich begegnete – der Zofe. „La! la!“, rief sie, „ich dachte schon, etwas müsse passiert sein. Nach dem Frühstück wollte ich das Bett machen – die Tür war verschlossen; nicht einmal ein Mäuschen war zu hören. Seitdem ist es immer noch so still. Aber ich dachte, vielleicht seid ihr beide weggegangen und habt euer Gepäck zur Sicherheit eingeschlossen. La! la, gnädige Frau! Mord! Frau Hussey! Apoplexie!“ – Mit diesen Rufen rannte sie in die Küche, und ich folgte ihr.
Frau Hussey erschien bald darauf – mit einer Senfflasche in der einen Hand und einer Essigflasche in der anderen. Sie hatte gerade ihre Arbeit mit den Rollen unterbrochen und gleichzeitig ihren kleinen schwarzen Jungen getadelt.
„Holzhaus!“, rief ich, „wie komme ich dorthin? Lauf um Himmels willen und hol etwas, um die Tür aufzubrechen – die Axt! Er hat einen Schlaganfall erlitten – da bin ich mir sicher!“ – Während ich das sagte, eilte ich wieder die Treppe hinauf, diesmal mit leeren Händen. Da stellte Frau Hussey die Senfflasche und die Essigflasche sowie ihr ganzes Gesichtsausdruck dazwischen.
„Was ist mit Ihnen, junger Mann?“
„Holen Sie die Axt! Um Himmels willen, laufen Sie zum Arzt, zu irgendjemandem – während ich versuche, die Tür aufzubrechen!“
„Sehen Sie mal“, sagte die Wirtin und stellte schnell die Essigflasche beiseite, um eine Hand frei zu haben; „sehen Sie mal – reden Sie davon, eine meiner Türen aufzubrechen?“ – Damit packte sie meinen Arm. „Was ist mit Ihnen? Was ist mit Ihnen, Schiffskamerad?“
So ruhig wie möglich, aber schnell, erklärte ich ihr die ganze Situation. Unbewusst schob sie die Essigflasche zur Seite und überlegte einen Moment lang – dann rief sie: „Nein! Ich habe es seitdem nicht mehr gesehen, seit ich es dort hingelegt habe.“ Sie rannte zu einem kleinen Schrank unter der Treppe, spähte hinein und kam zurück, um mir zu sagen, dass Queequegs Harpunen fehlte. „Er hat sich umgebracht“, rief sie. „Es ist wieder dieser arme Stiggs – da geht noch ein Teppich drauf – Gott möge seiner armen Mutter gnädig sein! Das wird das Ende meines Hauses bedeuten. Hat der arme Junge eine Schwester? Wo ist dieses Mädchen? – Da, Betty, geh zu Snarles dem Maler und sag ihm, er soll mir ein Schild malen – mit der Aufschrift: ‚Hier sind Selbstmorde nicht gestattet, und im Salon darf nicht geraucht werden‘.‘“
„Queequeg! – Queequeg!“ – alles still. Irgendetwas muss passiert sein. Apoplexie! Ich versuchte, die Tür aufzubrechen – doch sie widerstand stur. Ich rannte die Treppe hinunter und schilderte meinen Verdacht sofort der ersten Person, der ich begegnete – der Zofe. „La! la!“, rief sie, „ich dachte schon, etwas müsse passiert sein. Nach dem Frühstück wollte ich das Bett machen – die Tür war verschlossen; nicht einmal ein Mäuschen war zu hören. Seitdem ist es immer noch so still. Aber ich dachte, vielleicht seid ihr beide weggegangen und habt euer Gepäck zur Sicherheit eingeschlossen. La! la, gnädige Frau! Mord! Frau Hussey! Apoplexie!“ – Mit diesen Rufen rannte sie in die Küche, und ich folgte ihr.
Frau Hussey erschien bald darauf – mit einer Senfflasche in der einen Hand und einer Essigflasche in der anderen. Sie hatte gerade ihre Arbeit mit den Rollen unterbrochen und gleichzeitig ihren kleinen schwarzen Jungen getadelt.
„Holzhaus!“, rief ich, „wie komme ich dorthin? Lauf um Himmels willen und hol etwas, um die Tür aufzubrechen – die Axt! Er hat einen Schlaganfall erlitten – da bin ich mir sicher!“ – Während ich das sagte, eilte ich wieder die Treppe hinauf, diesmal mit leeren Händen. Da stellte Frau Hussey die Senfflasche und die Essigflasche sowie ihr ganzes Gesichtsausdruck dazwischen.
„Was ist mit Ihnen, junger Mann?“
„Holen Sie die Axt! Um Himmels willen, laufen Sie zum Arzt, zu irgendjemandem – während ich versuche, die Tür aufzubrechen!“
„Sehen Sie mal“, sagte die Wirtin und stellte schnell die Essigflasche beiseite, um eine Hand frei zu haben; „sehen Sie mal – reden Sie davon, eine meiner Türen aufzubrechen?“ – Damit packte sie meinen Arm. „Was ist mit Ihnen? Was ist mit Ihnen, Schiffskamerad?“
So ruhig wie möglich, aber schnell, erklärte ich ihr die ganze Situation. Unbewusst schob sie die Essigflasche zur Seite und überlegte einen Moment lang – dann rief sie: „Nein! Ich habe es seitdem nicht mehr gesehen, seit ich es dort hingelegt habe.“ Sie rannte zu einem kleinen Schrank unter der Treppe, spähte hinein und kam zurück, um mir zu sagen, dass Queequegs Harpunen fehlte. „Er hat sich umgebracht“, rief sie. „Es ist wieder dieser arme Stiggs – da geht noch ein Teppich drauf – Gott möge seiner armen Mutter gnädig sein! Das wird das Ende meines Hauses bedeuten. Hat der arme Junge eine Schwester? Wo ist dieses Mädchen? – Da, Betty, geh zu Snarles dem Maler und sag ihm, er soll mir ein Schild malen – mit der Aufschrift: ‚Hier sind Selbstmorde nicht gestattet, und im Salon darf nicht geraucht werden‘.‘“
Page 108
Nun, dann soll man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Töten? Der Herr möge seinem Geist gnädig sein! Was ist das für ein Lärm da? Du, junger Mann, halt an!“
Sie rannte mir nach und fing mich ab, als ich wieder versuchte, die Tür aufzubrechen.
„Das erlaube ich nicht; ich werde nicht zulassen, dass meine Räume zerstört werden. Geh zum Schlosser – es gibt einen etwa eine Meile von hier entfernt. Aber halt!“ Sie steckte ihre Hand in die Seitentasche. „Hier ist ein Schlüssel, der wohl passt; mal sehen.“ Damit drehte sie ihn im Schloss – doch leider blieb Queequegs zusätzlicher Riegel weiterhin eingeführt.
„Wir müssen die Tür aufbrechen“, sagte ich und rannte ein Stück den Eingang entlang, um einen guten Anfang zu haben – doch die Wirtin packte mich erneut und schwor, ich solle ihre Räume nicht zerstören. Doch ich riss mich los und stürmte mit voller Kraft gegen die Tür.
Mit einem gewaltigen Lärm flog die Tür auf; der Türgriff prallte gegen die Wand und ließ den Putz bis zur Decke fliegen. Und da saß er – Queequeg – völlig ruhig und gelassen, mitten im Raum, auf seinen Knien sitzend und Yojo auf dem Kopf haltend. Er blickte weder nach links noch nach rechts, sondern saß wie eine Statue, ohne jegliches Zeichen von Lebensaktivität.
„Queequeg“, sagte ich und ging auf ihn zu, „Queequeg, was ist mit dir?“
„Er hat den ganzen Tag über nicht so gesessen, oder?“, sagte die Wirtin.
Doch wir konnten kein Wort aus ihm herausbekommen; ich hatte fast das Bedürfnis, ihn umzustoßen, damit er sich bewegte – denn es war kaum auszuhalten, wie steif und unnatürlich er da saß. Wahrscheinlich hatte er bereits acht oder zehn Stunden lang so gesessen, ohne seine üblichen Mahlzeiten zu bekommen.
„Mrs. Hussey“, sagte ich, „er lebt jedenfalls noch; also lassen Sie uns bitte allein, und ich werde mich persönlich um diese seltsame Angelegenheit kümmern.“
Nachdem ich die Tür vor der Wirtin geschlossen hatte, versuchte ich, Queequeg dazu zu bringen, sich hinzusetzen – vergeblich. Er blieb einfach sitzen; trotz all meiner höflichen Bemühungen und Versuche, ihn zu überreden, rührte er sich nicht, sprach kein Wort, blickte mich nicht einmal an und nahm meine Anwesenheit überhaupt nicht wahr.
Sie rannte mir nach und fing mich ab, als ich wieder versuchte, die Tür aufzubrechen.
„Das erlaube ich nicht; ich werde nicht zulassen, dass meine Räume zerstört werden. Geh zum Schlosser – es gibt einen etwa eine Meile von hier entfernt. Aber halt!“ Sie steckte ihre Hand in die Seitentasche. „Hier ist ein Schlüssel, der wohl passt; mal sehen.“ Damit drehte sie ihn im Schloss – doch leider blieb Queequegs zusätzlicher Riegel weiterhin eingeführt.
„Wir müssen die Tür aufbrechen“, sagte ich und rannte ein Stück den Eingang entlang, um einen guten Anfang zu haben – doch die Wirtin packte mich erneut und schwor, ich solle ihre Räume nicht zerstören. Doch ich riss mich los und stürmte mit voller Kraft gegen die Tür.
Mit einem gewaltigen Lärm flog die Tür auf; der Türgriff prallte gegen die Wand und ließ den Putz bis zur Decke fliegen. Und da saß er – Queequeg – völlig ruhig und gelassen, mitten im Raum, auf seinen Knien sitzend und Yojo auf dem Kopf haltend. Er blickte weder nach links noch nach rechts, sondern saß wie eine Statue, ohne jegliches Zeichen von Lebensaktivität.
„Queequeg“, sagte ich und ging auf ihn zu, „Queequeg, was ist mit dir?“
„Er hat den ganzen Tag über nicht so gesessen, oder?“, sagte die Wirtin.
Doch wir konnten kein Wort aus ihm herausbekommen; ich hatte fast das Bedürfnis, ihn umzustoßen, damit er sich bewegte – denn es war kaum auszuhalten, wie steif und unnatürlich er da saß. Wahrscheinlich hatte er bereits acht oder zehn Stunden lang so gesessen, ohne seine üblichen Mahlzeiten zu bekommen.
„Mrs. Hussey“, sagte ich, „er lebt jedenfalls noch; also lassen Sie uns bitte allein, und ich werde mich persönlich um diese seltsame Angelegenheit kümmern.“
Nachdem ich die Tür vor der Wirtin geschlossen hatte, versuchte ich, Queequeg dazu zu bringen, sich hinzusetzen – vergeblich. Er blieb einfach sitzen; trotz all meiner höflichen Bemühungen und Versuche, ihn zu überreden, rührte er sich nicht, sprach kein Wort, blickte mich nicht einmal an und nahm meine Anwesenheit überhaupt nicht wahr.
Page 109
Ich fragte mich, ob das wohl Teil seines Ramadan sein könnte – fasten sie auf diese Weise auf ihrer Heimatinsel? Es muss so sein; ja, es gehört wohl zu ihrem Glauben. Nun, dann soll er ruhen; früher oder später wird er sicher aufstehen. Gott sei Dank kann das nicht ewig dauern, und sein Ramadan kommt nur einmal im Jahr – und ich glaube nicht, dass er dann besonders pünktlich ist.
Ich ging zum Abendessen hinunter. Nachdem ich lange Zeit den langen Geschichten einiger Seeleute zugehört hatte, die gerade von einer sogenannten „Plum-Pudding-Reise“ zurückgekehrt waren (also einer kurzen Walfangreise mit einer Schoner oder Brig, beschränkt auf den Norden des Äquators, nur im Atlantik), nachdem ich bis fast elf Uhr diesen Leuten zugehört hatte, ging ich die Treppe hinauf, um ins Bett zu gehen. Ich war mir sicher, dass Queequeg seinen Ramadan inzwischen beendet haben musste. Doch nein – er war genau da, wo ich ihn zurückgelassen hatte; er hatte sich keinen Zentimeter bewegt. Ich wurde allmählich verärgert über ihn – es schien völlig sinnlos und verrückt, den ganzen Tag und die halbe Nacht dort zu sitzen, in einem kalten Raum, mit einem Stück Holz auf dem Kopf.
„Um Himmels willen, Queequeg, steh auf und rühre dich! Iss etwas – sonst wirst du verhungern, du wirst dich selbst umbringen, Queequeg!“ Doch er antwortete kein Wort.
Da ich die Hoffnung aufgab, beschloss ich, ins Bett zu gehen und zu schlafen. Zweifellos würde er bald folgen. Doch bevor ich mich hinlegte, nahm ich meine schwere Bärenfelljacke und legte sie über ihn – es versprach nämlich eine sehr kalte Nacht zu werden. Er trug nur seine gewöhnliche runde Jacke.
Eine Weile lang konnte ich trotz aller Bemühungen keinen Schlaf finden. Ich hatte die Kerze ausgeblasen – allein der Gedanke an Queequeg, nur wenige Meter entfernt, wie er dort in dieser unbequemen Position saß, ganz allein in Kälte und Dunkelheit, machte mich wirklich unglücklich. Stellen Sie sich vor: die ganze Nacht im selben Raum mit einem wachen Heiden zu verbringen, während dieser seltsame Ramadan andauerte!
Aber irgendwann schlief ich doch ein und wusste bis zum Morgengrauen nichts mehr. Als ich dann zum Bett hinüberschaute, saß Queequeg da, als wäre er fest auf den Boden genagelt. Doch sobald das erste Licht der Sonne ins Fenster fiel, stand er auf – mit steifen, knarrenden Gliedern, aber mit fröhlichem Gesichtsausdruck. Er humpelte zu mir, drückte seine Stirn wieder gegen meine und sagte, sein Ramadan sei vorbei.
Wie ich bereits erwähnt habe, habe ich keinerlei Einwände gegen die Religion irgendeiner Person – egal, welche es auch sein mag – solange diese Person niemanden tötet oder beleidigt.
Ich ging zum Abendessen hinunter. Nachdem ich lange Zeit den langen Geschichten einiger Seeleute zugehört hatte, die gerade von einer sogenannten „Plum-Pudding-Reise“ zurückgekehrt waren (also einer kurzen Walfangreise mit einer Schoner oder Brig, beschränkt auf den Norden des Äquators, nur im Atlantik), nachdem ich bis fast elf Uhr diesen Leuten zugehört hatte, ging ich die Treppe hinauf, um ins Bett zu gehen. Ich war mir sicher, dass Queequeg seinen Ramadan inzwischen beendet haben musste. Doch nein – er war genau da, wo ich ihn zurückgelassen hatte; er hatte sich keinen Zentimeter bewegt. Ich wurde allmählich verärgert über ihn – es schien völlig sinnlos und verrückt, den ganzen Tag und die halbe Nacht dort zu sitzen, in einem kalten Raum, mit einem Stück Holz auf dem Kopf.
„Um Himmels willen, Queequeg, steh auf und rühre dich! Iss etwas – sonst wirst du verhungern, du wirst dich selbst umbringen, Queequeg!“ Doch er antwortete kein Wort.
Da ich die Hoffnung aufgab, beschloss ich, ins Bett zu gehen und zu schlafen. Zweifellos würde er bald folgen. Doch bevor ich mich hinlegte, nahm ich meine schwere Bärenfelljacke und legte sie über ihn – es versprach nämlich eine sehr kalte Nacht zu werden. Er trug nur seine gewöhnliche runde Jacke.
Eine Weile lang konnte ich trotz aller Bemühungen keinen Schlaf finden. Ich hatte die Kerze ausgeblasen – allein der Gedanke an Queequeg, nur wenige Meter entfernt, wie er dort in dieser unbequemen Position saß, ganz allein in Kälte und Dunkelheit, machte mich wirklich unglücklich. Stellen Sie sich vor: die ganze Nacht im selben Raum mit einem wachen Heiden zu verbringen, während dieser seltsame Ramadan andauerte!
Aber irgendwann schlief ich doch ein und wusste bis zum Morgengrauen nichts mehr. Als ich dann zum Bett hinüberschaute, saß Queequeg da, als wäre er fest auf den Boden genagelt. Doch sobald das erste Licht der Sonne ins Fenster fiel, stand er auf – mit steifen, knarrenden Gliedern, aber mit fröhlichem Gesichtsausdruck. Er humpelte zu mir, drückte seine Stirn wieder gegen meine und sagte, sein Ramadan sei vorbei.
Wie ich bereits erwähnt habe, habe ich keinerlei Einwände gegen die Religion irgendeiner Person – egal, welche es auch sein mag – solange diese Person niemanden tötet oder beleidigt.
Page 110
Denn auch die andere Person glaubt es nicht. Doch wenn eine Person Religion wirklich als Qual empfindet – wenn sie für sie zu einer echten Quelle des Leids wird und unsere Erde zu einem unangenehmen Aufenthaltsort macht – dann denke ich, es ist an der Zeit, diese Person beiseitezunehmen und mit ihr darüber zu diskutieren. Genau das habe ich nun mit Queequeg getan. „Queequeg“, sagte ich, „gehe jetzt ins Bett und lies mir zu.“ Dann begann ich mit der Entstehung und Entwicklung der primitiven Religionen und kam schließlich auf die verschiedenen Religionen der Gegenwart zu. Dabei versuchte ich Queequeg klarzumachen, dass all diese Fastenzeiten, Ramadane sowie das Verweilen in kalten, trostlosen Räumen völliger Unsinn sind – schlecht für die Gesundheit, nutzlos für die Seele und im Grunde genommen gegen die offensichtlichen Gesetze der Hygiene und des gesunden Menschenverstands. Ich sagte ihm auch, dass er in anderen Dingen ein äußerst vernünftiger und weiser Mensch sei – daher tat es mir sehr weh zu sehen, wie dumm er in Bezug auf diesen lächerlichen Ramadan handelte. Außerdem argumentierte ich, dass das Fasten dazu führt, dass der Körper zusammenbricht – folglich auch der Geist; alle Gedanken, die aus dem Fasten entstehen, sind notwendigerweise halb verhungert. Deshalb haben die meisten religiösen Menschen mit Verdauungsproblemen solch trübe Vorstellungen von ihrem Jenseits. Kurz gesagt, Queequeg, sagte ich, die Hölle ist eine Idee, die ursprünglich aus einem unverdauten Apfelkuchen entstand – und seitdem durch die durch Ramadane verursachten erblichen Verdauungsprobleme weitergeführt wird. Dann fragte ich Queequeg, ob er selbst jemals unter Verdauungsproblemen gelitten habe – ich drückte meine Frage so klar aus, damit er sie verstehen konnte. Er sagte nein – nur einmal, an einem unvergesslichen Tag. Es war nach einem großen Fest, das sein Vater, der König, zum Sieg in einer großen Schlacht veranstaltet hatte; dabei wurden bis etwa zwei Uhr nachmittags fünfzig Feinde getötet, und alles wurde noch am selben Abend gekocht und gegessen. „Genug, Queequeg“, sagte ich erschrocken; „das reicht.“ Ich kannte die Folgen bereits, ohne dass er sie mir weiter erklären musste. Ich hatte einen Seemann kennengelernt, der diese Insel besucht hatte; er erzählte mir, dass es dort üblich sei, nach einem großen Sieg alle Getöteten im Hof oder Garten des Siegers zu grillen. Anschließend wurden sie nacheinander in große Holzkisten gelegt und wie Pilaw mit Breadfruit und Kokosnüssen garniert – mit etwas Petersilie im Mund – und zusammen mit den Glückwünschen des Siegers an all seine Freunde verteilt, als wären es Weihnachtshühner.
Page 111
Im Grunde glaube ich nicht, dass meine Bemerkungen über die Religion einen großen Eindruck auf Queequeg gemacht haben. Erstens schien er in Bezug auf dieses wichtige Thema irgendwie taub zu sein – es sei denn, man betrachtete die Dinge aus seiner eigenen Sichtweise. Zweitens verstand er nicht einmal ein Drittel dessen, was ich sagte, und meine Ideen konnte er auch nicht einfach so verstehen, wie ich sie darlegte. Schließlich dachte er wohl, er wüsste viel mehr über die wahre Religion als ich. Er blickte mich mit einer Art herablassender Besorgnis und Mitgefühl an, als wäre es eine große Schande, dass ein so vernünftiger junger Mann der evangelischen Heidentumspietät so hoffnungslos verfallen war. Schließlich standen wir auf und zogen uns an. Queequeg nahm sich ein äußerst reichhaltiges Frühstück aus allen möglichen Suppen – damit die Wirtin wegen seines Ramadan keinen großen Gewinn machen konnte. Danach brachen wir auf, um an Bord der Pequod zu gehen. Dabei schlenderten wir herum und putzten uns mit Halibutknochen die Zähne.
Page 112
KAPITEL 18. Sein Zeichen
Während wir am Ende der Pier in Richtung des Schiffes gingen, rief uns Queequeg mit seinem Harpunen in der Hand sowie Kapitän Peleg mit seiner rauen Stimme laut aus seinem Wigwam zu. Er sagte, er habe nicht vermutet, dass mein Freund ein Kannibale sei, und kündigte außerdem an, dass er keine Kannibalen an Bord dieses Schiffes lassen würde, es sei denn, sie zeigten vorher ihre Papiere.
„Was meinen Sie damit, Kapitän Peleg?“, fragte ich, sprang auf die Reling und ließ meinen Gefährten auf der Pier stehen.
„Ich meine“, antwortete er, „er muss seine Papiere zeigen.“
„Ja“, sagte Kapitän Bildad mit seiner hallenden Stimme, während er seinen Kopf hinter Pelegs Kopf aus dem Wigwam herausstreckte. „Er muss zeigen, dass er konvertiert ist. Du Sohn der Dunkelheit“, fügte er an Queequeg gewandt hinzu, „bist du derzeit mit irgendeiner christlichen Kirche in Verbindung?“
„Nun“, sagte ich, „er ist Mitglied der Ersten Kongregationskirche.“ Es sei hier erwähnt, dass viele tätowierte Wilden, die auf Schiffen nach Nantucket segelten, schließlich in den Kirchen konvertierten.
„Die Erste Kongregationskirche? Was! Die, die in der Versammlungshalle von Diakon Deuteronomy Coleman beten?“, rief Bildad. Dann nahm er seine Brille heraus, reinigte sie mit seinem großen gelben Taschentuch und setzte sie sehr vorsichtig auf. Anschließend trat er aus dem Wigwam, beugte sich steif über die Reling und betrachtete Queequeg lange.
„Wie lange ist er schon Mitglied?“, fragte er anschließend mich. „Nicht sehr lange, denke ich, junger Mann.“
„Nein“, sagte Peleg, „und er wurde auch nicht richtig getauft – sonst wäre etwas von diesem teuflischen Blau von seinem Gesicht verschwunden.“
„Sagen Sie mir doch“, rief Bildad, „ist dieser Philister ein reguläres Mitglied der Versammlung von Diakon Deuteronomy? Ich habe ihn noch nie dorthin gehen sehen – und ich gehe jeden Sonntag dorthin.“
„Ich weiß nichts über Diakon Deuteronomy oder seine Versammlung“, sagte ich. „Alles, was ich weiß, ist, dass Queequeg hier ein geborenes Mitglied der Ersten Kongregationskirche ist. Er selbst ist sogar Diakon.“
Während wir am Ende der Pier in Richtung des Schiffes gingen, rief uns Queequeg mit seinem Harpunen in der Hand sowie Kapitän Peleg mit seiner rauen Stimme laut aus seinem Wigwam zu. Er sagte, er habe nicht vermutet, dass mein Freund ein Kannibale sei, und kündigte außerdem an, dass er keine Kannibalen an Bord dieses Schiffes lassen würde, es sei denn, sie zeigten vorher ihre Papiere.
„Was meinen Sie damit, Kapitän Peleg?“, fragte ich, sprang auf die Reling und ließ meinen Gefährten auf der Pier stehen.
„Ich meine“, antwortete er, „er muss seine Papiere zeigen.“
„Ja“, sagte Kapitän Bildad mit seiner hallenden Stimme, während er seinen Kopf hinter Pelegs Kopf aus dem Wigwam herausstreckte. „Er muss zeigen, dass er konvertiert ist. Du Sohn der Dunkelheit“, fügte er an Queequeg gewandt hinzu, „bist du derzeit mit irgendeiner christlichen Kirche in Verbindung?“
„Nun“, sagte ich, „er ist Mitglied der Ersten Kongregationskirche.“ Es sei hier erwähnt, dass viele tätowierte Wilden, die auf Schiffen nach Nantucket segelten, schließlich in den Kirchen konvertierten.
„Die Erste Kongregationskirche? Was! Die, die in der Versammlungshalle von Diakon Deuteronomy Coleman beten?“, rief Bildad. Dann nahm er seine Brille heraus, reinigte sie mit seinem großen gelben Taschentuch und setzte sie sehr vorsichtig auf. Anschließend trat er aus dem Wigwam, beugte sich steif über die Reling und betrachtete Queequeg lange.
„Wie lange ist er schon Mitglied?“, fragte er anschließend mich. „Nicht sehr lange, denke ich, junger Mann.“
„Nein“, sagte Peleg, „und er wurde auch nicht richtig getauft – sonst wäre etwas von diesem teuflischen Blau von seinem Gesicht verschwunden.“
„Sagen Sie mir doch“, rief Bildad, „ist dieser Philister ein reguläres Mitglied der Versammlung von Diakon Deuteronomy? Ich habe ihn noch nie dorthin gehen sehen – und ich gehe jeden Sonntag dorthin.“
„Ich weiß nichts über Diakon Deuteronomy oder seine Versammlung“, sagte ich. „Alles, was ich weiß, ist, dass Queequeg hier ein geborenes Mitglied der Ersten Kongregationskirche ist. Er selbst ist sogar Diakon.“
Page 113
„Junge“, sagte Bildad streng, „du machst dich über mich lustig – erkläre dich, du junger Hethiter. Welche Kirche meinst du? Antworte mir.“
Da ich so unter Druck gesetzt wurde, antwortete ich: „Ich meine, Herr, dieselbe alte katholische Kirche, zu der Sie und ich, sowie Kapitän Peleg dort, Queequeg hier und alle von uns gehören – die große und ewige erste Gemeinschaft dieser ganzen anbetenden Welt. Wir alle gehören dazu; nur einige von uns haben seltsame Vorstellungen, die nichts mit dem großen Glauben zu tun haben; in diesem Punkt sind wir jedoch alle einer Meinung.“
„Du meinst, wir sollen uns die Hände reichen“, rief Peleg und kam näher. „Junge, du solltest lieber als Missionar segeln, anstatt als Matrose am Vorstag; ich habe noch nie eine bessere Predigt gehört. Diakon Deuteronomium – selbst Pater Mapple hätte das nicht besser machen können, und der ist schließlich etwas Besonderes. Komm an Bord, kümmere dich nicht um die Papiere. Sag Quohog da drüben – wie nennst du ihn eigentlich? Sag Quohog, er soll herkommen. Bei der großen Anker – was für ein Harpunen hat er da! Das sieht nach einem guten Werkzeug aus; und er weiß, wie man damit umgeht. Sag mal, Quohog, oder wie auch immer dein Name ist – warst du schon einmal an der Spitze eines Walfangboots? Hast du schon einmal einen Fisch erlegt?“
Ohne ein Wort zu sagen, sprang Queequeg auf seine wilde Art auf die Reling, von dort in die Bugpartie eines der an der Seite hängenden Walfangboote; dann stützte er sein linkes Knie ab, richtete seine Harpune aus und rief in etwa folgendes:
„Kapitän, sehen Sie, wie er etwas Teer ins Wasser wirft? Sehen Sie es? Nun, nehmen wir an, das ist ein Walauge – dann!“ Mit präziser Zielerfassung schleuderte er die Harpune über Bildads breiten Hutrand, direkt über die Decks des Schiffes, und traf die glänzende Teerstelle, sodass sie aus dem Blickfeld verschwand.
„Nun“, sagte Queequeg und zog ruhig die Leine ein, „das war doch eine Walauge – nun, der Wal ist tot.“
„Schnell, Bildad“, sagte Peleg, sein Partner, der vor Schreck über die Nähe der fliegenden Harpune zurück zum Gangway der Kabine geflohen war. „Schnell, Bildad – hol die Papiere des Schiffes. Wir müssen Quohog in eines unserer Boote bringen. Hör zu, Quohog – wir werden dir den neunzigsten Anteil geben, und das ist mehr, als je zuvor einem Harpunier von Nantucket gegeben wurde.“
So gingen wir in die Kabine – und zu meiner großen Freude wurde Queequeg bald in derselben Mannschaft aufgenommen wie ich selbst.
Da ich so unter Druck gesetzt wurde, antwortete ich: „Ich meine, Herr, dieselbe alte katholische Kirche, zu der Sie und ich, sowie Kapitän Peleg dort, Queequeg hier und alle von uns gehören – die große und ewige erste Gemeinschaft dieser ganzen anbetenden Welt. Wir alle gehören dazu; nur einige von uns haben seltsame Vorstellungen, die nichts mit dem großen Glauben zu tun haben; in diesem Punkt sind wir jedoch alle einer Meinung.“
„Du meinst, wir sollen uns die Hände reichen“, rief Peleg und kam näher. „Junge, du solltest lieber als Missionar segeln, anstatt als Matrose am Vorstag; ich habe noch nie eine bessere Predigt gehört. Diakon Deuteronomium – selbst Pater Mapple hätte das nicht besser machen können, und der ist schließlich etwas Besonderes. Komm an Bord, kümmere dich nicht um die Papiere. Sag Quohog da drüben – wie nennst du ihn eigentlich? Sag Quohog, er soll herkommen. Bei der großen Anker – was für ein Harpunen hat er da! Das sieht nach einem guten Werkzeug aus; und er weiß, wie man damit umgeht. Sag mal, Quohog, oder wie auch immer dein Name ist – warst du schon einmal an der Spitze eines Walfangboots? Hast du schon einmal einen Fisch erlegt?“
Ohne ein Wort zu sagen, sprang Queequeg auf seine wilde Art auf die Reling, von dort in die Bugpartie eines der an der Seite hängenden Walfangboote; dann stützte er sein linkes Knie ab, richtete seine Harpune aus und rief in etwa folgendes:
„Kapitän, sehen Sie, wie er etwas Teer ins Wasser wirft? Sehen Sie es? Nun, nehmen wir an, das ist ein Walauge – dann!“ Mit präziser Zielerfassung schleuderte er die Harpune über Bildads breiten Hutrand, direkt über die Decks des Schiffes, und traf die glänzende Teerstelle, sodass sie aus dem Blickfeld verschwand.
„Nun“, sagte Queequeg und zog ruhig die Leine ein, „das war doch eine Walauge – nun, der Wal ist tot.“
„Schnell, Bildad“, sagte Peleg, sein Partner, der vor Schreck über die Nähe der fliegenden Harpune zurück zum Gangway der Kabine geflohen war. „Schnell, Bildad – hol die Papiere des Schiffes. Wir müssen Quohog in eines unserer Boote bringen. Hör zu, Quohog – wir werden dir den neunzigsten Anteil geben, und das ist mehr, als je zuvor einem Harpunier von Nantucket gegeben wurde.“
So gingen wir in die Kabine – und zu meiner großen Freude wurde Queequeg bald in derselben Mannschaft aufgenommen wie ich selbst.
Page 114
Als alle Vorbereitungen abgeschlossen waren und Peleg alles für die Unterschrift bereit hatte, wandte er sich an mich und sagte: „Ich nehme an, Quohog weiß nicht, wie man schreibt, oder? Na, Quohog – verdammt nochmal! Wirst du deinen Namen unterschreiben oder nur ein Zeichen machen?“
Doch auf diese Frage zeigte Queequeg, der bereits zweimal oder dreimal an ähnlichen Zeremonien teilgenommen hatte, keinerlei Verlegenheit. Stattdessen nahm er den ihm angebotenen Stift und zeichnete an der richtigen Stelle auf das Papier eine genaue Nachbildung der seltsamen, runden Figur, die auf seinem Arm tätowiert war. Dadurch sah es durch Pelegs sturen Fehler bezüglich seines Namens ungefähr so aus: Quohog – sein X-Zeichen.
In der Zwischenzeit saß Kapitän Bildad ernst und aufmerksam da und beobachtete Queequeg. Schließlich stand er feierlich auf, kramte in den riesigen Taschen seines grauen, weiten Mantels und holte einen Stapel Flugblätter hervor. Er wählte eines mit dem Titel „Das Kommen der letzten Tage – oder: Es bleibt keine Zeit zu verlieren“ aus, legte es in Queequegs Hände und ergriff anschließend mit beiden Händen seine Hände sowie das Buch. Dann blickte er ihm eindringlich in die Augen und sagte: „Sohn der Dunkelheit, ich muss meine Pflicht dir gegenüber erfüllen. Ich bin Miteigentümer dieses Schiffes und mache mir Sorgen um die Seelen aller Besatzungsmitglieder. Wenn du weiterhin an deinen heidnischen Glauben festhältst – was ich sehr bedauere – dann flehe ich dich an: Bleibe nicht für immer ein Sklave des Bösen. Verlass den Götzen Bell sowie den abscheulichen Drachen; wende dich von dem kommenden Zorn ab. Pass auf dich auf – oh, Gott im Himmel! Halte dich fern vom feurigen Abgrund!“
In den Worten des alten Bildad lag noch etwas vom Geruch des salzigen Meeres – gemischt mit biblischen und alltäglichen Ausdrücken.
„Hör auf damit, Bildad! Hör auf, unseren Harpunenmann zu ruinieren“, rief Peleg. „Fromme Harpunenmänner werden niemals gute Seeleute – das nimmt ihnen ihren Mut. Kein Harpunenmann ist auch nur einen Strich wert, wenn er nicht etwas mutig ist. Da war zum Beispiel der junge Nat Swaine – einst der mutigste Bootsführer auf Nantucket und den Vineyard-Inseln. Er nahm an diesen Versammlungen teil – doch es ging mit ihm bergab. Er hatte solche Angst vor seiner Seele, dass er vor den Walen zurückwich, aus Furcht vor Strafen, falls er ins Verderben geraten und zu Davy Jones gelangen würde.“
„Peleg! Peleg!“, sagte Bildad und hob seine Augen und Hände. „Du selbst, genauso wie ich, hast schon viele gefährliche Zeiten erlebt. Du weißt, Peleg, was es bedeutet, Angst vor dem Tod zu haben. Wie kannst du da in solch gottlosen Worten reden? Du belügst dein eigenes Herz, Peleg. Sag mir – wenn dieser Pequod hier…“
Doch auf diese Frage zeigte Queequeg, der bereits zweimal oder dreimal an ähnlichen Zeremonien teilgenommen hatte, keinerlei Verlegenheit. Stattdessen nahm er den ihm angebotenen Stift und zeichnete an der richtigen Stelle auf das Papier eine genaue Nachbildung der seltsamen, runden Figur, die auf seinem Arm tätowiert war. Dadurch sah es durch Pelegs sturen Fehler bezüglich seines Namens ungefähr so aus: Quohog – sein X-Zeichen.
In der Zwischenzeit saß Kapitän Bildad ernst und aufmerksam da und beobachtete Queequeg. Schließlich stand er feierlich auf, kramte in den riesigen Taschen seines grauen, weiten Mantels und holte einen Stapel Flugblätter hervor. Er wählte eines mit dem Titel „Das Kommen der letzten Tage – oder: Es bleibt keine Zeit zu verlieren“ aus, legte es in Queequegs Hände und ergriff anschließend mit beiden Händen seine Hände sowie das Buch. Dann blickte er ihm eindringlich in die Augen und sagte: „Sohn der Dunkelheit, ich muss meine Pflicht dir gegenüber erfüllen. Ich bin Miteigentümer dieses Schiffes und mache mir Sorgen um die Seelen aller Besatzungsmitglieder. Wenn du weiterhin an deinen heidnischen Glauben festhältst – was ich sehr bedauere – dann flehe ich dich an: Bleibe nicht für immer ein Sklave des Bösen. Verlass den Götzen Bell sowie den abscheulichen Drachen; wende dich von dem kommenden Zorn ab. Pass auf dich auf – oh, Gott im Himmel! Halte dich fern vom feurigen Abgrund!“
In den Worten des alten Bildad lag noch etwas vom Geruch des salzigen Meeres – gemischt mit biblischen und alltäglichen Ausdrücken.
„Hör auf damit, Bildad! Hör auf, unseren Harpunenmann zu ruinieren“, rief Peleg. „Fromme Harpunenmänner werden niemals gute Seeleute – das nimmt ihnen ihren Mut. Kein Harpunenmann ist auch nur einen Strich wert, wenn er nicht etwas mutig ist. Da war zum Beispiel der junge Nat Swaine – einst der mutigste Bootsführer auf Nantucket und den Vineyard-Inseln. Er nahm an diesen Versammlungen teil – doch es ging mit ihm bergab. Er hatte solche Angst vor seiner Seele, dass er vor den Walen zurückwich, aus Furcht vor Strafen, falls er ins Verderben geraten und zu Davy Jones gelangen würde.“
„Peleg! Peleg!“, sagte Bildad und hob seine Augen und Hände. „Du selbst, genauso wie ich, hast schon viele gefährliche Zeiten erlebt. Du weißt, Peleg, was es bedeutet, Angst vor dem Tod zu haben. Wie kannst du da in solch gottlosen Worten reden? Du belügst dein eigenes Herz, Peleg. Sag mir – wenn dieser Pequod hier…“
Page 115
„In jenem Taifun vor Japan gingen ihre drei Masten über Bord – bei derselben Reise, als du zum Stellvertreter von Kapitän Ahab wurdest. Hast du da nicht an den Tod und das Jüngste Gericht gedacht?“
„Hört ihn an, hört ihn jetzt!“, rief Peleg, ging durch die Kabine und steckte seine Hände tief in die Taschen. „Hört ihn alle an! Denkt daran: Jeden Moment dachten wir, das Schiff würde sinken! An den Tod und das Jüngste Gericht? Was? Mit allen drei Masten, die ständig gegen die Seiten des Schiffes schlugen – und mit den Wellen, die über uns hereinbrachen. An den Tod und das Jüngste Gericht? Nein! Damals gab es keine Zeit, an den Tod zu denken. Wir dachten nur an das Leben – an Kapitän Ahab und mich – und daran, wie man alle retten kann, wie man Ersatzmasten aufstellen kann, wie man in den nächstgelegenen Hafen gelangt. Daran habe ich gedacht.“
Bildad sagte nichts mehr, knöpfte seinen Mantel zu und ging aufs Deck, wohin wir ihm folgten. Dort stand er ganz ruhig da und beobachtete einige Segelmacher, die ein Obersegel reparierten. Von Zeit zu Zeit bückte er sich, um ein Stück Stoff oder ein Ende von teergetränktem Seil aufzuheben – Dinge, die sonst verschwendet worden wären.
„Hört ihn an, hört ihn jetzt!“, rief Peleg, ging durch die Kabine und steckte seine Hände tief in die Taschen. „Hört ihn alle an! Denkt daran: Jeden Moment dachten wir, das Schiff würde sinken! An den Tod und das Jüngste Gericht? Was? Mit allen drei Masten, die ständig gegen die Seiten des Schiffes schlugen – und mit den Wellen, die über uns hereinbrachen. An den Tod und das Jüngste Gericht? Nein! Damals gab es keine Zeit, an den Tod zu denken. Wir dachten nur an das Leben – an Kapitän Ahab und mich – und daran, wie man alle retten kann, wie man Ersatzmasten aufstellen kann, wie man in den nächstgelegenen Hafen gelangt. Daran habe ich gedacht.“
Bildad sagte nichts mehr, knöpfte seinen Mantel zu und ging aufs Deck, wohin wir ihm folgten. Dort stand er ganz ruhig da und beobachtete einige Segelmacher, die ein Obersegel reparierten. Von Zeit zu Zeit bückte er sich, um ein Stück Stoff oder ein Ende von teergetränktem Seil aufzuheben – Dinge, die sonst verschwendet worden wären.
Page 116
KAPITEL 19. Der Prophet.
„Kameraden, seid ihr mit diesem Schiff gefahren?“
Queequeg und ich hatten gerade die Pequod verlassen und gingen langsam vom Wasser weg – jeder war in Gedanken versunken –, als uns ein Fremder diese Worte entgegenbrachte. Er blieb vor uns stehen und richtete seinen dicken Zeigefinger auf das betreffende Schiff. Er trug nur einfache Kleidung: einen verblassten Mantel und geflickte Hosen; um den Hals hatte er ein schwarzes Tuch gewickelt. Narben von Pocken bedeckten sein Gesicht in alle Richtungen und ließen es wie das komplizierte Gitter eines Baches aussehen, nachdem das fließende Wasser versiegt ist.
„Seid ihr mit diesem Schiff gefahren?“, wiederholte er.
„Sie meinen wohl das Schiff Pequod“, sagte ich, in der Hoffnung, etwas mehr Zeit zu gewinnen, um ihn genauer betrachten zu können.
„Ja, die Pequod – dieses Schiff da“, sagte er, zog seinen Arm zurück und stieß ihn dann schnell nach vorne, wobei sein spitzer Zeigefinger direkt auf das Schiff zeigte.
„Ja“, sagte ich, „wir haben gerade die Vertragsbedingungen unterschrieben.“
„Gibt es dort unten etwas bezüglich eurer Seelen?“
„Bezüglich was?“
„Oh, vielleicht habt ihr gar keine Seelen“, sagte er schnell. „Aber das macht nichts – ich kenne viele Leute, die keine Seelen haben; ihnen geht es dadurch besser. Eine Seele ist so etwas wie ein überflüssiges Rad an einem Wagen.“
„Wovon reden Sie eigentlich, Kamerad?“, fragte ich.
„Er hat jedoch genug, um alle Mängel anderer Leute auszugleichen“, sagte der Fremde plötzlich und legte dabei besonderen Nachdruck auf das Wort „er“.
„Queequeg“, sagte ich, „lass uns gehen; dieser Mann ist irgendwoher entkommen; er spricht über Dinge und Personen, die wir nicht kennen.“
„Halt!“, rief der Fremde. „Ihr habt recht – ihr habt den Alten Donner noch nicht gesehen, oder?“
„Kameraden, seid ihr mit diesem Schiff gefahren?“
Queequeg und ich hatten gerade die Pequod verlassen und gingen langsam vom Wasser weg – jeder war in Gedanken versunken –, als uns ein Fremder diese Worte entgegenbrachte. Er blieb vor uns stehen und richtete seinen dicken Zeigefinger auf das betreffende Schiff. Er trug nur einfache Kleidung: einen verblassten Mantel und geflickte Hosen; um den Hals hatte er ein schwarzes Tuch gewickelt. Narben von Pocken bedeckten sein Gesicht in alle Richtungen und ließen es wie das komplizierte Gitter eines Baches aussehen, nachdem das fließende Wasser versiegt ist.
„Seid ihr mit diesem Schiff gefahren?“, wiederholte er.
„Sie meinen wohl das Schiff Pequod“, sagte ich, in der Hoffnung, etwas mehr Zeit zu gewinnen, um ihn genauer betrachten zu können.
„Ja, die Pequod – dieses Schiff da“, sagte er, zog seinen Arm zurück und stieß ihn dann schnell nach vorne, wobei sein spitzer Zeigefinger direkt auf das Schiff zeigte.
„Ja“, sagte ich, „wir haben gerade die Vertragsbedingungen unterschrieben.“
„Gibt es dort unten etwas bezüglich eurer Seelen?“
„Bezüglich was?“
„Oh, vielleicht habt ihr gar keine Seelen“, sagte er schnell. „Aber das macht nichts – ich kenne viele Leute, die keine Seelen haben; ihnen geht es dadurch besser. Eine Seele ist so etwas wie ein überflüssiges Rad an einem Wagen.“
„Wovon reden Sie eigentlich, Kamerad?“, fragte ich.
„Er hat jedoch genug, um alle Mängel anderer Leute auszugleichen“, sagte der Fremde plötzlich und legte dabei besonderen Nachdruck auf das Wort „er“.
„Queequeg“, sagte ich, „lass uns gehen; dieser Mann ist irgendwoher entkommen; er spricht über Dinge und Personen, die wir nicht kennen.“
„Halt!“, rief der Fremde. „Ihr habt recht – ihr habt den Alten Donner noch nicht gesehen, oder?“
Page 117
„Wer ist Old Thunder?“, fragte ich, wieder von der verrückten Ernsthaftigkeit seines Verhaltens fasziniert.
„Kapitän Ahab.“
„Was! Der Kapitän unseres Schiffes, der Pequod?“
„Ja, bei einigen von uns alten Seemännern trägt er diesen Namen. Ihr habt ihn noch nicht gesehen, oder?“
„Nein, das haben wir nicht. Man sagt, er sei krank, aber es geht ihm besser – bald wird es ihm wieder gut gehen.“
„Bald wird es ihm wieder gut gehen!“, lachte der Fremde mit einem ernsthaft spöttischen Lachen. „Hört zu: Wenn Kapitän Ahab wieder gesund ist, dann wird auch dieser linke Arm von mir wieder in Ordnung sein – aber nicht vorher.“
„Was wisst ihr über ihn?“
„Was haben sie euch über ihn erzählt? Sagt es!“
„Sie haben nicht viel über ihn erzählt; nur, dass er ein guter Walfänger und ein guter Kapitän für seine Mannschaft ist.“
„Das stimmt, das stimmt – ja, beides stimmt. Aber man muss sofort handeln, wenn er einen Befehl gibt: Vorwärts – und knurren; knurren – und weitergehen – das ist die Devise bei Kapitän Ahab. Aber nichts über das, was ihm vor langer Zeit vor Kap Hoorn zugestoßen ist, als er drei Tage und Nächte lang wie tot dalag; nichts über den tödlichen Kampf mit dem Spanier vor dem Altar in Santa – habt ihr davon nichts gehört, oder? Auch nichts über die Silberkalebasse, in die er gespuckt hat? Und nichts darüber, dass er auf der letzten Reise laut einer Prophezeiung sein Bein verloren hat. Habt ihr kein Wort darüber gehört, oder? Nein, ich glaube nicht; wie könntet ihr auch? Wer weiß das schon? Wahrscheinlich nicht alle Leute auf Nantucket. Aber vielleicht habt ihr schon davon gehört, wie er sein Bein verloren hat – ja, das habt ihr sicher schon gehört. Oh ja, das weiß jeder – ich meine, sie wissen, dass er nur ein Bein hat; und dass ein Parmacetti ihm das andere abgenommen hat.“
„Mein Freund“, sagte ich, „ich weiß nicht, wovon dieses Gerede eigentlich handelt – und es ist mir auch egal. Es scheint mir, als wärt ihr etwas im Kopf beschädigt. Aber wenn ihr von Kapitän Ahab und diesem Schiff, der Pequod, sprecht, dann sage ich euch: Ich weiß alles über den Verlust seines Beins.“
„Alles darüber, ja? – Wirklich? Alles?“
„Kapitän Ahab.“
„Was! Der Kapitän unseres Schiffes, der Pequod?“
„Ja, bei einigen von uns alten Seemännern trägt er diesen Namen. Ihr habt ihn noch nicht gesehen, oder?“
„Nein, das haben wir nicht. Man sagt, er sei krank, aber es geht ihm besser – bald wird es ihm wieder gut gehen.“
„Bald wird es ihm wieder gut gehen!“, lachte der Fremde mit einem ernsthaft spöttischen Lachen. „Hört zu: Wenn Kapitän Ahab wieder gesund ist, dann wird auch dieser linke Arm von mir wieder in Ordnung sein – aber nicht vorher.“
„Was wisst ihr über ihn?“
„Was haben sie euch über ihn erzählt? Sagt es!“
„Sie haben nicht viel über ihn erzählt; nur, dass er ein guter Walfänger und ein guter Kapitän für seine Mannschaft ist.“
„Das stimmt, das stimmt – ja, beides stimmt. Aber man muss sofort handeln, wenn er einen Befehl gibt: Vorwärts – und knurren; knurren – und weitergehen – das ist die Devise bei Kapitän Ahab. Aber nichts über das, was ihm vor langer Zeit vor Kap Hoorn zugestoßen ist, als er drei Tage und Nächte lang wie tot dalag; nichts über den tödlichen Kampf mit dem Spanier vor dem Altar in Santa – habt ihr davon nichts gehört, oder? Auch nichts über die Silberkalebasse, in die er gespuckt hat? Und nichts darüber, dass er auf der letzten Reise laut einer Prophezeiung sein Bein verloren hat. Habt ihr kein Wort darüber gehört, oder? Nein, ich glaube nicht; wie könntet ihr auch? Wer weiß das schon? Wahrscheinlich nicht alle Leute auf Nantucket. Aber vielleicht habt ihr schon davon gehört, wie er sein Bein verloren hat – ja, das habt ihr sicher schon gehört. Oh ja, das weiß jeder – ich meine, sie wissen, dass er nur ein Bein hat; und dass ein Parmacetti ihm das andere abgenommen hat.“
„Mein Freund“, sagte ich, „ich weiß nicht, wovon dieses Gerede eigentlich handelt – und es ist mir auch egal. Es scheint mir, als wärt ihr etwas im Kopf beschädigt. Aber wenn ihr von Kapitän Ahab und diesem Schiff, der Pequod, sprecht, dann sage ich euch: Ich weiß alles über den Verlust seines Beins.“
„Alles darüber, ja? – Wirklich? Alles?“
Page 118
„Ziemlich sicher.“
Mit ausgestrecktem Finger und Blick auf die Pequod stand der asketisch aussehende Fremde einen Moment lang da, als wäre er in Gedanken versunken; dann drehte er sich um und sagte: „Ihr seid bereits an Bord gegangen, nicht wahr? Eure Namen stehen auf den Papieren? Nun, was unterschrieben ist, ist unterschrieben – und was kommen wird, wird kommen; doch vielleicht wird es ja doch nicht passieren. Jedenfalls ist alles bereits geregelt; ich nehme an, einige Seeleute müssen mit ihm gehen – genauso gut diese wie jeder andere Mann, Gott möge ihnen gnädig sein! Guten Morgen, Kameraden – mögen die unbeschreiblichen Himmel euch segnen; es tut mir leid, dass ich euch aufgehalten habe.“
„Hören Sie, Freund“, sagte ich, „falls Sie uns etwas Wichtiges mitteilen wollen, dann sagen Sie es einfach; aber wenn Sie nur versuchen, uns zu täuschen, dann irren Sie sich in Ihrer Strategie – das ist alles, was ich zu sagen habe.“
„Das ist sehr gut gesagt – ich mag es, wenn jemand so spricht. Sie sind genau der Richtige für diese Aufgabe – Leute wie Sie. Guten Morgen, Kameraden! Oh! Wenn Sie dort ankommen, sagen Sie ihnen, dass ich beschlossen habe, nicht zu ihnen zu gehören.“
„Ah, mein lieber Freund – Sie können uns nicht auf diese Weise täuschen. Es ist das Einfachste der Welt für einen Menschen, so zu tun, als hätte er ein großes Geheimnis.“
„Guten Morgen, Kameraden.“
„Es ist tatsächlich Morgen“, sagte ich. „Komm, Queequeg – lass uns diesen verrückten Mann hinter uns lassen. Aber warten Sie – sagen Sie mir doch Ihren Namen, bitte?“
„Elijah.“
Elijah! dachte ich. Wir gingen weiter und kommentierten auf unsere Weise diesen abgerissenen alten Seemann; wir waren uns einig, dass er nichts weiter als ein Betrüger war, der versuchte, furchteinflößend zu wirken. Doch wir hatten wohl kaum hundert Yards zurückgelegt, als wir zufällig eine Ecke umbogen – und als ich zurückblickte, sah ich Elijah, der uns zwar aus der Ferne folgte. Irgendwie beeindruckte mich dieses Bild so sehr, dass ich Queequeg nichts von seiner Anwesenheit erzählte, sondern weiter mit meinem Gefährten ging, in der Hoffnung herauszufinden, ob der Fremde dieselbe Ecke nehmen würde wie wir. Das tat er – und es schien, als würde er uns verfolgen. Doch mit welchem Ziel, das konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Diese Umstände, zusammen mit seinem unklaren, halb angedeuteten, halb offengelegten Sprechen, weckten in mir alle möglichen vagen Vermutungen und Befürchtungen – und all das im Zusammenhang mit der Pequod.
Mit ausgestrecktem Finger und Blick auf die Pequod stand der asketisch aussehende Fremde einen Moment lang da, als wäre er in Gedanken versunken; dann drehte er sich um und sagte: „Ihr seid bereits an Bord gegangen, nicht wahr? Eure Namen stehen auf den Papieren? Nun, was unterschrieben ist, ist unterschrieben – und was kommen wird, wird kommen; doch vielleicht wird es ja doch nicht passieren. Jedenfalls ist alles bereits geregelt; ich nehme an, einige Seeleute müssen mit ihm gehen – genauso gut diese wie jeder andere Mann, Gott möge ihnen gnädig sein! Guten Morgen, Kameraden – mögen die unbeschreiblichen Himmel euch segnen; es tut mir leid, dass ich euch aufgehalten habe.“
„Hören Sie, Freund“, sagte ich, „falls Sie uns etwas Wichtiges mitteilen wollen, dann sagen Sie es einfach; aber wenn Sie nur versuchen, uns zu täuschen, dann irren Sie sich in Ihrer Strategie – das ist alles, was ich zu sagen habe.“
„Das ist sehr gut gesagt – ich mag es, wenn jemand so spricht. Sie sind genau der Richtige für diese Aufgabe – Leute wie Sie. Guten Morgen, Kameraden! Oh! Wenn Sie dort ankommen, sagen Sie ihnen, dass ich beschlossen habe, nicht zu ihnen zu gehören.“
„Ah, mein lieber Freund – Sie können uns nicht auf diese Weise täuschen. Es ist das Einfachste der Welt für einen Menschen, so zu tun, als hätte er ein großes Geheimnis.“
„Guten Morgen, Kameraden.“
„Es ist tatsächlich Morgen“, sagte ich. „Komm, Queequeg – lass uns diesen verrückten Mann hinter uns lassen. Aber warten Sie – sagen Sie mir doch Ihren Namen, bitte?“
„Elijah.“
Elijah! dachte ich. Wir gingen weiter und kommentierten auf unsere Weise diesen abgerissenen alten Seemann; wir waren uns einig, dass er nichts weiter als ein Betrüger war, der versuchte, furchteinflößend zu wirken. Doch wir hatten wohl kaum hundert Yards zurückgelegt, als wir zufällig eine Ecke umbogen – und als ich zurückblickte, sah ich Elijah, der uns zwar aus der Ferne folgte. Irgendwie beeindruckte mich dieses Bild so sehr, dass ich Queequeg nichts von seiner Anwesenheit erzählte, sondern weiter mit meinem Gefährten ging, in der Hoffnung herauszufinden, ob der Fremde dieselbe Ecke nehmen würde wie wir. Das tat er – und es schien, als würde er uns verfolgen. Doch mit welchem Ziel, das konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Diese Umstände, zusammen mit seinem unklaren, halb angedeuteten, halb offengelegten Sprechen, weckten in mir alle möglichen vagen Vermutungen und Befürchtungen – und all das im Zusammenhang mit der Pequod.
Page 119
Und Kapitän Ahab – und das Bein, das er verloren hatte – und die Reise um Kap Hoorn – und die silberne Kalebasse – und was Kapitän Peleg über ihn gesagt hatte, als ich am Vortag das Schiff verließ – und die Vorhersage der Squaw Tistig – und die Reise, auf der wir uns zum Segeln verpflichtet hatten – sowie hundert andere rätselhafte Dinge.
Ich war entschlossen, herauszufinden, ob dieser zerlumpte Elijah tatsächlich uns folgte oder nicht. Mit diesem Ziel ging ich zusammen mit Queequeg den Weg zurück. Doch Elijah ging weiter, ohne uns zu bemerken zu scheinen. Das beruhigte mich; und ein weiteres Mal, und schließlich, wie es mir vorkam, bezeichnete ich ihn in meinem Herzen als Betrüger.
Ich war entschlossen, herauszufinden, ob dieser zerlumpte Elijah tatsächlich uns folgte oder nicht. Mit diesem Ziel ging ich zusammen mit Queequeg den Weg zurück. Doch Elijah ging weiter, ohne uns zu bemerken zu scheinen. Das beruhigte mich; und ein weiteres Mal, und schließlich, wie es mir vorkam, bezeichnete ich ihn in meinem Herzen als Betrüger.
Page 120
KAPITEL 20. Alles in Bewegung
Ein oder zwei Tage vergingen, und an Bord der Pequod herrschte große Aktivität. Nicht nur wurden die alten Segel repariert, sondern es kamen auch neue Segel an Bord, sowie Bündel aus Leinwand und Rollen mit Seilen – kurz gesagt: Alles deutete darauf hin, dass die Vorbereitungen des Schiffes zügig abgeschlossen wurden. Kapitän Peleg ging selten oder nie an Land, sondern saß in seiner Hütte und beobachtete aufmerksam die Arbeiter. Bildad kümmerte sich um alle Einkäufe und Vorräte; die Männer, die im Laderaum und an den Seilen arbeiteten, waren bis weit nach Mitternacht beschäftigt.
Am Tag nachdem Queequeg die Vertragsbedingungen unterschrieben hatte, wurde in allen Gasthäusern, in denen die Besatzung des Schiffes übernachtete, bekanntgegeben, dass ihre Kisten vor Einbruch der Nacht an Bord gebracht werden müssten – schließlich war ungewiss, wann das Schiff auslaufen würde. Also packten Queequeg und ich unsere Sachen, entschlossen jedoch, bis zum letzten Moment an Land zu schlafen. Doch anscheinend wird in solchen Fällen immer recht früh Bescheid gegeben – das Schiff lief erst einige Tage später aus. Doch das ist kein Wunder: Es gab viel zu erledigen, und es ließen sich unzählige Dinge bedenken, bevor die Pequod vollständig ausgestattet war.
Jeder weiß, wie viele Dinge – Betten, Topfdeckel, Messer und Gabeln, Schaufeln und Zangen, Servietten, Nussknacker und vieles mehr – für den Haushalt unverzichtbar sind. Gleiches gilt für die Walfangarbeit: Dabei muss man drei Jahre lang auf hoher See leben, fernab von allen Ladenbesitzern, Ärzten, Bäckern und Bankiers. Auch Handelsschiffe sind davon betroffen – doch nicht in demselben Maße wie Walfangschiffe. Denn neben der großen Dauer der Walfangreise gibt es zahlreiche Gegenstände, die speziell für diese Tätigkeit benötigt werden, und es ist schwierig, sie in den abgelegenen Häfen, die üblicherweise aufgesucht werden, zu ersetzen. Zudem müssen Walfangschiffe stets damit rechnen, allen möglichen Unfällen ausgesetzt zu sein – insbesondere dem Verlust jener Dinge, von denen der Erfolg der Reise abhängt. Deshalb benötigen sie Ersatzboote, Ersatzteile, Ersatzseile und Harpunen – fast alles, außer einem Ersatzkapitän und einem Ersatzschiff.
Zu der Zeit unserer Ankunft auf der Insel war der größte Teil der Vorräte für die Pequod bereits eingelagert worden: Fleisch, Brot, Wasser, Brennstoff usw.
Ein oder zwei Tage vergingen, und an Bord der Pequod herrschte große Aktivität. Nicht nur wurden die alten Segel repariert, sondern es kamen auch neue Segel an Bord, sowie Bündel aus Leinwand und Rollen mit Seilen – kurz gesagt: Alles deutete darauf hin, dass die Vorbereitungen des Schiffes zügig abgeschlossen wurden. Kapitän Peleg ging selten oder nie an Land, sondern saß in seiner Hütte und beobachtete aufmerksam die Arbeiter. Bildad kümmerte sich um alle Einkäufe und Vorräte; die Männer, die im Laderaum und an den Seilen arbeiteten, waren bis weit nach Mitternacht beschäftigt.
Am Tag nachdem Queequeg die Vertragsbedingungen unterschrieben hatte, wurde in allen Gasthäusern, in denen die Besatzung des Schiffes übernachtete, bekanntgegeben, dass ihre Kisten vor Einbruch der Nacht an Bord gebracht werden müssten – schließlich war ungewiss, wann das Schiff auslaufen würde. Also packten Queequeg und ich unsere Sachen, entschlossen jedoch, bis zum letzten Moment an Land zu schlafen. Doch anscheinend wird in solchen Fällen immer recht früh Bescheid gegeben – das Schiff lief erst einige Tage später aus. Doch das ist kein Wunder: Es gab viel zu erledigen, und es ließen sich unzählige Dinge bedenken, bevor die Pequod vollständig ausgestattet war.
Jeder weiß, wie viele Dinge – Betten, Topfdeckel, Messer und Gabeln, Schaufeln und Zangen, Servietten, Nussknacker und vieles mehr – für den Haushalt unverzichtbar sind. Gleiches gilt für die Walfangarbeit: Dabei muss man drei Jahre lang auf hoher See leben, fernab von allen Ladenbesitzern, Ärzten, Bäckern und Bankiers. Auch Handelsschiffe sind davon betroffen – doch nicht in demselben Maße wie Walfangschiffe. Denn neben der großen Dauer der Walfangreise gibt es zahlreiche Gegenstände, die speziell für diese Tätigkeit benötigt werden, und es ist schwierig, sie in den abgelegenen Häfen, die üblicherweise aufgesucht werden, zu ersetzen. Zudem müssen Walfangschiffe stets damit rechnen, allen möglichen Unfällen ausgesetzt zu sein – insbesondere dem Verlust jener Dinge, von denen der Erfolg der Reise abhängt. Deshalb benötigen sie Ersatzboote, Ersatzteile, Ersatzseile und Harpunen – fast alles, außer einem Ersatzkapitän und einem Ersatzschiff.
Zu der Zeit unserer Ankunft auf der Insel war der größte Teil der Vorräte für die Pequod bereits eingelagert worden: Fleisch, Brot, Wasser, Brennstoff usw.
Page 121
und eiserne Ringe sowie Stäbe. Doch wie bereits angedeutet, gab es eine Weile lang ständiges Herbeibringen und Tragen verschiedenster Dinge an Bord – sowohl großer als auch kleiner Gegenstände. An vorderster Front bei diesem Herbeibringen und Tragen stand die Schwester von Kapitän Bildad: eine magere alte Dame mit einem äußerst entschlossenen und unermüdlichen Geist – doch zugleich sehr gütig. Sie schien fest entschlossen zu sein, dass auf der Pequod, sobald das Schiff endlich in See stach, nichts fehlen sollte. Mal kam sie mit einer Dose eingelegter Gemüse für die Vorratskammer des Stewards, mal mit einem Bündel Federn für den Schreibtisch des Ersten Offiziers, wo er sein Logbuch aufbewahrte; ein anderes Mal brachte sie ein Bündel Flanell für jemanden mit rheumatischem Rücken. Keine Frau verdiente ihren Namen – Charity – besser als sie; alle nannten sie Tante Charity. Wie eine Wohltäterin eilte diese gütige Tante hin und her, bereit, ihre Hände und ihr Herz jedem Einsatz zu widmen, der Sicherheit, Komfort und Trost für alle an Bord eines Schiffes bringen konnte – eines Schiffes, an dem ihr geliebter Bruder Bildad beteiligt war, und auf dem sie selbst ein paar Dollar besaß. Doch es war erstaunlich, zu sehen, wie diese außergewöhnlich gütige Quäkerin am letzten Tag an Bord kam – in der einen Hand einen langen Ölkrug, in der anderen eine noch längere Walfanglanze. Weder Bildad selbst noch Kapitän Peleg zögerten. Bildad trug eine lange Liste der benötigten Artikel bei sich; bei jeder neuen Lieferung setzte er einen Strich daneben. Von Zeit zu Zeit kam Peleg humpelnd aus seinem „Walfischknochenversteck“ heraus, brüllte den Männern unten an den Luken zu und rief den Matrosen auf den Masten zu – anschließend kehrte er wieder in sein Zelt zurück. Während dieser Vorbereitungszeit besuchten Queequeg und ich oft das Schiff. Oft fragte ich nach Kapitän Ahab, wie es ihm ging und wann er an Bord kommen würde. Darauf antworteten sie, er werde immer besser und sei jeden Tag erwartet; in der Zwischenzeit konnten die beiden Kapitäne, Peleg und Bildad, sich um alles kümmern, was notwendig war, um das Schiff für die Reise vorzubereiten. Hätte ich ehrlich zu mir selbst sein sollen, dann hätte ich deutlich erkennen müssen, dass ich eigentlich gar nicht daran interessiert war, auf eine so lange Reise geschickt zu werden, ohne den Mann, der ab dem Moment, in dem das Schiff in See stach, der absolute Herrscher sein würde, auch nur einmal zu sehen. Doch wenn ein Mensch etwas Böses vermutet…
Page 122
Manchmal kommt es vor, dass er, wenn er bereits in die Sache verwickelt ist, unbewusst versucht, seine Verdächtigungen sogar vor sich selbst zu verbergen. Bei mir war es auch so. Ich sagte nichts und versuchte, nicht daran zu denken. Schließlich wurde bekanntgegeben, dass das Schiff bald am nächsten Tag auslaufen würde. Also brachen Queequeg und ich am nächsten Morgen sehr früh auf.
Page 123
KAPITEL 21. An Bord gehen
Es war fast sechs Uhr – doch es herrschte nur ein grauer, trüber Dämmerungszustand –, als wir uns dem Hafen näherten.
„Da laufen einige Seeleute voraus, wenn ich mich nicht irre“, sagte ich zu Queequeg. „Das können keine Schatten sein; das Schiff wird wohl bei Tagesanbruch abfahren. Komm!“
„Halt!“, rief eine Stimme. Der Besitzer dieser Stimme kam gleichzeitig hinter uns her, legte eine Hand auf unsere Schultern und drängte sich anschließend zwischen uns. In dem ungewissen Dämmerlicht blickte er seltsam abwechselnd von Queequeg zu mir. Es war Elijah.
„Geht ihr an Bord?“
„Nehmen Sie Ihre Hand weg“, sagte ich.
„Schau mal hier“, sagte Queequeg und schüttelte sich. „Gehen Sie weg!“
„Dann geht ihr also nicht an Bord?“
„Doch, wir gehen an Bord“, sagte ich. „Aber was geht Sie das an? Wissen Sie, Herr Elijah, dass ich Sie für etwas unhöflich halte?“
„Nein, nein; das wusste ich nicht“, sagte Elijah. Langsam und verwundert blickte er abwechselnd von mir zu Queequeg.
„Elijah“, sagte ich, „Sie tun meinem Freund und mir einen Gefallen, wenn Sie sich zurückziehen. Wir begeben uns in die Indische und Pazifische Ozeane und möchten nicht aufgehalten werden.“
„Wirklich? Kommt ihr schon vor dem Frühstück zurück?“
„Er ist verrückt, Queequeg“, sagte ich. „Komm weiter.“
„Hallo!“, rief Elijah, der immer noch dort stand, als wir ein paar Schritte gegangen waren.
„Ignorieren Sie ihn“, sagte ich. „Queequeg, komm weiter.“
Doch er schlich wieder zu uns heran, legte plötzlich seine Hand auf meine Schulter und fragte: „Haben Sie vorhin jemanden gesehen, der wie ein Mensch aussah und in Richtung des Schiffes ging?“
Von dieser direkten Frage überrascht antwortete ich: „Ja, ich glaube, ich habe vier oder fünf Männer gesehen – aber es war zu dunkel, um sicher zu sein.“
Es war fast sechs Uhr – doch es herrschte nur ein grauer, trüber Dämmerungszustand –, als wir uns dem Hafen näherten.
„Da laufen einige Seeleute voraus, wenn ich mich nicht irre“, sagte ich zu Queequeg. „Das können keine Schatten sein; das Schiff wird wohl bei Tagesanbruch abfahren. Komm!“
„Halt!“, rief eine Stimme. Der Besitzer dieser Stimme kam gleichzeitig hinter uns her, legte eine Hand auf unsere Schultern und drängte sich anschließend zwischen uns. In dem ungewissen Dämmerlicht blickte er seltsam abwechselnd von Queequeg zu mir. Es war Elijah.
„Geht ihr an Bord?“
„Nehmen Sie Ihre Hand weg“, sagte ich.
„Schau mal hier“, sagte Queequeg und schüttelte sich. „Gehen Sie weg!“
„Dann geht ihr also nicht an Bord?“
„Doch, wir gehen an Bord“, sagte ich. „Aber was geht Sie das an? Wissen Sie, Herr Elijah, dass ich Sie für etwas unhöflich halte?“
„Nein, nein; das wusste ich nicht“, sagte Elijah. Langsam und verwundert blickte er abwechselnd von mir zu Queequeg.
„Elijah“, sagte ich, „Sie tun meinem Freund und mir einen Gefallen, wenn Sie sich zurückziehen. Wir begeben uns in die Indische und Pazifische Ozeane und möchten nicht aufgehalten werden.“
„Wirklich? Kommt ihr schon vor dem Frühstück zurück?“
„Er ist verrückt, Queequeg“, sagte ich. „Komm weiter.“
„Hallo!“, rief Elijah, der immer noch dort stand, als wir ein paar Schritte gegangen waren.
„Ignorieren Sie ihn“, sagte ich. „Queequeg, komm weiter.“
Doch er schlich wieder zu uns heran, legte plötzlich seine Hand auf meine Schulter und fragte: „Haben Sie vorhin jemanden gesehen, der wie ein Mensch aussah und in Richtung des Schiffes ging?“
Von dieser direkten Frage überrascht antwortete ich: „Ja, ich glaube, ich habe vier oder fünf Männer gesehen – aber es war zu dunkel, um sicher zu sein.“
Page 124
„Sehr dunkel, sehr dunkel“, sagte Elijah. „Guten Morgen.“
Wieder verließen wir ihn – doch wieder folgte er leise uns nach und berührte erneut meine Schulter, um zu sagen: „Versuchen Sie mal, sie jetzt zu finden, ja?“
„Wen finden?“
„Guten Morgen! Guten Morgen!“, erwiderte er und ging wieder weg. „Oh! Ich wollte Sie davor warnen – aber egal, es ist alles eins, es gehört alle zur Familie; heftiger Frost heute Morgen, nicht wahr? Auf Wiedersehen. Ich glaube, wir sehen uns bald nicht wieder – es sei denn, vor der Großen Jury.“
Mit diesen Worten ging er schließlich fort und ließ mich für einen Moment in großem Erstaunen über seine unverschämte Kühnheit zurück.
Endlich stiegen wir an Bord der Pequod – alles war in tiefem Schweigen, keine Seele regte sich. Der Eingang zur Kabine war verschlossen; die Luken waren alle geöffnet und mit Seilen beladen. Als wir zum Vorderturm gingen, stellten wir fest, dass die Luke offen war. Da wir Licht sahen, stiegen wir hinab und fanden dort nur einen alten Matrosen, in einen zerrissenen Mantel gehüllt. Er lag ausgestreckt auf zwei Kisten, das Gesicht nach unten, die Arme verschränkt. Er schlief tief und fest.
„Die Seeleute, die wir gesehen haben, Queequeg – wohin können sie nur gegangen sein?“, fragte ich und blickte zweifelnd auf den Schlafenden. Doch es schien, als hätte Queequeg am Kai überhaupt nicht bemerkt, worauf ich anspielte; daher hätte ich gedacht, ich sei in dieser Hinsicht optisch getäuscht worden, wäre da nicht Elijahs sonst unerklärliche Frage gewesen. Doch ich ignorierte das Ganze und deutete scherzhaft an, dass wir vielleicht besser bei dem Leichnam wachen sollten; ich bat ihn, sich entsprechend hinzusetzen.
Er legte seine Hand auf den Rücken des Schlafenden, als würde er prüfen, ob dieser weich genug sei – dann setzte er sich ohne weiteres dort hin.
„Mein Gott! Queequeg, setzen Sie sich da nicht hin!“, sagte ich.
„Oh! Das ist doch ein schöner Sitzplatz“, sagte Queequeg. „So wie es bei uns zu Hause üblich ist – seinem Gesicht wird das nichts anhaben.“
„Gesicht!“, sagte ich. „Nennen Sie das sein Gesicht? Dann hat er wirklich ein sehr gütiges Aussehen – aber wie schwer er atmet! Er windet sich; stehen Sie auf, Queequeg, Sie sind zu schwer – das drückt auf sein Gesicht. Stehen Sie auf, Queequeg! Schauen Sie, er wird Sie gleich wegschieben. Ich wundere mich, dass er nicht aufwacht.“
Queequeg zog sich etwas weiter weg und zündete seine Pfeife an. Ich setzte mich zu seinen Füßen. Wir ließen die Pfeife weitergehen…
Wieder verließen wir ihn – doch wieder folgte er leise uns nach und berührte erneut meine Schulter, um zu sagen: „Versuchen Sie mal, sie jetzt zu finden, ja?“
„Wen finden?“
„Guten Morgen! Guten Morgen!“, erwiderte er und ging wieder weg. „Oh! Ich wollte Sie davor warnen – aber egal, es ist alles eins, es gehört alle zur Familie; heftiger Frost heute Morgen, nicht wahr? Auf Wiedersehen. Ich glaube, wir sehen uns bald nicht wieder – es sei denn, vor der Großen Jury.“
Mit diesen Worten ging er schließlich fort und ließ mich für einen Moment in großem Erstaunen über seine unverschämte Kühnheit zurück.
Endlich stiegen wir an Bord der Pequod – alles war in tiefem Schweigen, keine Seele regte sich. Der Eingang zur Kabine war verschlossen; die Luken waren alle geöffnet und mit Seilen beladen. Als wir zum Vorderturm gingen, stellten wir fest, dass die Luke offen war. Da wir Licht sahen, stiegen wir hinab und fanden dort nur einen alten Matrosen, in einen zerrissenen Mantel gehüllt. Er lag ausgestreckt auf zwei Kisten, das Gesicht nach unten, die Arme verschränkt. Er schlief tief und fest.
„Die Seeleute, die wir gesehen haben, Queequeg – wohin können sie nur gegangen sein?“, fragte ich und blickte zweifelnd auf den Schlafenden. Doch es schien, als hätte Queequeg am Kai überhaupt nicht bemerkt, worauf ich anspielte; daher hätte ich gedacht, ich sei in dieser Hinsicht optisch getäuscht worden, wäre da nicht Elijahs sonst unerklärliche Frage gewesen. Doch ich ignorierte das Ganze und deutete scherzhaft an, dass wir vielleicht besser bei dem Leichnam wachen sollten; ich bat ihn, sich entsprechend hinzusetzen.
Er legte seine Hand auf den Rücken des Schlafenden, als würde er prüfen, ob dieser weich genug sei – dann setzte er sich ohne weiteres dort hin.
„Mein Gott! Queequeg, setzen Sie sich da nicht hin!“, sagte ich.
„Oh! Das ist doch ein schöner Sitzplatz“, sagte Queequeg. „So wie es bei uns zu Hause üblich ist – seinem Gesicht wird das nichts anhaben.“
„Gesicht!“, sagte ich. „Nennen Sie das sein Gesicht? Dann hat er wirklich ein sehr gütiges Aussehen – aber wie schwer er atmet! Er windet sich; stehen Sie auf, Queequeg, Sie sind zu schwer – das drückt auf sein Gesicht. Stehen Sie auf, Queequeg! Schauen Sie, er wird Sie gleich wegschieben. Ich wundere mich, dass er nicht aufwacht.“
Queequeg zog sich etwas weiter weg und zündete seine Pfeife an. Ich setzte mich zu seinen Füßen. Wir ließen die Pfeife weitergehen…
Page 125
Der Schlafende – von einem zum anderen. Während wir ihn auf seine eigene, unverständliche Weise befragten, machte Queequeg mir klar, dass es in seinem Land, aufgrund des Fehlens von Sesseln und Sofas aller Art, üblich sei, einige Menschen aus den unteren Schichten fett zu füttern, um daraus „Otomen“ zu machen; um ein Haus in dieser Hinsicht komfortabel einzurichten, müsse man einfach acht oder zehn faule Kerle kaufen und sie im Raum sowie in Nischen platzieren. Zudem sei das bei Ausflügen sehr praktisch – viel besser als diese Gartensessel, die sich in Gehstöcke umwandeln lassen können. Manchmal rief ein Stammesführer seinen Diener zu sich und bat ihn, unter einem ausladenden Baum – vielleicht an einem feuchten, sumpfigen Ort – einen „Sessel“ für sich selbst herzustellen. Während er all das erzählte, schwang Queequeg jedes Mal, wenn er mir den Tomahawk abnahm, die Klinge darüber hinweg, direkt über den Kopf des Schlafenden.
„Wozu das, Queequeg?“
„Beruhige dich, Perry – oh! Sei doch ruhig!“
Er fuhr fort, wilde Erinnerungen an seinen Tomahawk zu erzählen – offenbar diente dieser sowohl dazu, seine Feinde zu töten, als auch seine Seele zu beruhigen. In diesem Moment wurden wir wieder auf den schlafenden Matrosen aufmerksam. Der starke Dampf, der nun das Loch vollständig ausfüllte, begann, Auswirkungen auf ihn zu haben. Er atmete etwas gedämpft; dann schien er Nasenprobleme zu haben; anschließend drehte er sich ein- oder zweimal um; danach setzte er sich auf und rieb sich die Augen.
„Halloa!“, flüsterte er schließlich. „Wer seid ihr, ihr Raucher?“
„Wir sind Seeleute“, antwortete ich. „Wann legt das Schiff ab?“
„Ja, ja – ihr werdet mit ihm fahren, nicht wahr? Es legt heute ab. Der Kapitän kam gestern Nacht an Bord.“
„Welcher Kapitän? Ahab?“
„Wer sonst?“
Ich wollte ihm noch weitere Fragen über Ahab stellen, als wir Geräusche auf dem Deck hörten.
„Halloa! Starbuck ist wach“, sagte der Matrose. „Er ist ein lebhafter Erster Offizier – ein guter Mann und fromm dazu. Aber jetzt muss ich weitermachen.“ Mit diesen Worten ging er aufs Deck, und wir folgten ihm.
Es war bereits Tagesanbruch. Bald kamen die Besatzungsmitglieder paarweise oder zu dritt an Bord; die Matrosen machten sich bereit; die Offiziere waren fleißig beschäftigt.
„Wozu das, Queequeg?“
„Beruhige dich, Perry – oh! Sei doch ruhig!“
Er fuhr fort, wilde Erinnerungen an seinen Tomahawk zu erzählen – offenbar diente dieser sowohl dazu, seine Feinde zu töten, als auch seine Seele zu beruhigen. In diesem Moment wurden wir wieder auf den schlafenden Matrosen aufmerksam. Der starke Dampf, der nun das Loch vollständig ausfüllte, begann, Auswirkungen auf ihn zu haben. Er atmete etwas gedämpft; dann schien er Nasenprobleme zu haben; anschließend drehte er sich ein- oder zweimal um; danach setzte er sich auf und rieb sich die Augen.
„Halloa!“, flüsterte er schließlich. „Wer seid ihr, ihr Raucher?“
„Wir sind Seeleute“, antwortete ich. „Wann legt das Schiff ab?“
„Ja, ja – ihr werdet mit ihm fahren, nicht wahr? Es legt heute ab. Der Kapitän kam gestern Nacht an Bord.“
„Welcher Kapitän? Ahab?“
„Wer sonst?“
Ich wollte ihm noch weitere Fragen über Ahab stellen, als wir Geräusche auf dem Deck hörten.
„Halloa! Starbuck ist wach“, sagte der Matrose. „Er ist ein lebhafter Erster Offizier – ein guter Mann und fromm dazu. Aber jetzt muss ich weitermachen.“ Mit diesen Worten ging er aufs Deck, und wir folgten ihm.
Es war bereits Tagesanbruch. Bald kamen die Besatzungsmitglieder paarweise oder zu dritt an Bord; die Matrosen machten sich bereit; die Offiziere waren fleißig beschäftigt.
Page 126
Und mehrere der Leute an Land waren damit beschäftigt, verschiedene letzte Dinge an Bord zu bringen. In der Zwischenzeit blieb Kapitän Ahab unsichtbar in seiner Kabine.
Page 127
Page 128
KAPITEL 22. Frohe Weihnachten.
Endlich, gegen Mittag, nachdem die Matrosen des Schiffes entlassen worden waren und die Pequod vom Kai weggezogen worden war – und nachdem die stets bedachte Charity in einem Walfangboot abgefahren war, mit ihrem letzten Geschenk: einer Nachtmütze für Stubb, den Zweiten Offizier und ihren Schwager, sowie einer Ersatzbibel für den Steward – nun, da all das geschehen war, traten die beiden Kapitäne, Peleg und Bildad, aus der Kabine heraus. Peleg wandte sich an den Ersten Offizier und sagte:
„Nun, Herr Starbuck, sind Sie sicher, dass alles in Ordnung ist? Kapitän Ahab ist bereit – ich habe gerade mit ihm gesprochen – es gibt nichts mehr, was man von der Küste holen könnte, oder? Nun, dann rufen Sie alle Mann zusammen. Versammeln Sie sie hier hinten – los!“
„Es ist nicht nötig, profane Worte zu verwenden, egal wie dringend es auch sein mag, Peleg“, sagte Bildad. „Aber gehen Sie schon, Freund Starbuck, und erledigen Sie unsere Anweisungen.“
Wie seltsam! Gerade in dem Moment, in dem die Reise beginnen sollte, verhielten sich Kapitän Peleg und Kapitän Bildad auf dem Deck sehr autoritär, als wären sie gemeinsam die Kommandanten – sowohl auf See als auch im Hafen. Von Kapitän Ahab war jedoch noch keine Spur zu sehen; man sagte nur, er sei in der Kabine. Doch seine Anwesenheit war offenbar keineswegs notwendig, um das Schiff in See zu schicken und es gut zu steuern. Schließlich war das nicht seine Aufgabe, sondern die des Piloten. Zudem war er, so sagten sie, noch nicht vollständig genesen – deshalb blieb Kapitän Ahab unten. All das schien ganz normal zu sein; besonders, da in der Handelsflotte viele Kapitäne eine ganze Weile lang nicht auf dem Deck erscheinen, sondern weiterhin am Tisch in der Kabine sitzen und sich mit ihren Freunden an Land verabschieden, bevor sie endgültig zusammen mit dem Piloten das Schiff verlassen.
Doch es blieb kaum Zeit, über diese Dinge nachzudenken, denn Kapitän Peleg war jetzt sehr aktiv. Er schien die meiste Zeit zu sprechen und Befehle zu erteilen – nicht Bildad.
„Hierher, ihr ledigen Kerle!“, rief er, während die Matrosen noch am Hauptmast herumhingen. „Herr Starbuck, treiben Sie sie nach hinten!“
„Aufbauen Sie das Zelt dort!“, lautete der nächste Befehl. Wie ich bereits erwähnt habe, wurde dieses Zelt aus Walbeinknochen nur im Hafen aufgebaut; an Bord des Schiffes…
Endlich, gegen Mittag, nachdem die Matrosen des Schiffes entlassen worden waren und die Pequod vom Kai weggezogen worden war – und nachdem die stets bedachte Charity in einem Walfangboot abgefahren war, mit ihrem letzten Geschenk: einer Nachtmütze für Stubb, den Zweiten Offizier und ihren Schwager, sowie einer Ersatzbibel für den Steward – nun, da all das geschehen war, traten die beiden Kapitäne, Peleg und Bildad, aus der Kabine heraus. Peleg wandte sich an den Ersten Offizier und sagte:
„Nun, Herr Starbuck, sind Sie sicher, dass alles in Ordnung ist? Kapitän Ahab ist bereit – ich habe gerade mit ihm gesprochen – es gibt nichts mehr, was man von der Küste holen könnte, oder? Nun, dann rufen Sie alle Mann zusammen. Versammeln Sie sie hier hinten – los!“
„Es ist nicht nötig, profane Worte zu verwenden, egal wie dringend es auch sein mag, Peleg“, sagte Bildad. „Aber gehen Sie schon, Freund Starbuck, und erledigen Sie unsere Anweisungen.“
Wie seltsam! Gerade in dem Moment, in dem die Reise beginnen sollte, verhielten sich Kapitän Peleg und Kapitän Bildad auf dem Deck sehr autoritär, als wären sie gemeinsam die Kommandanten – sowohl auf See als auch im Hafen. Von Kapitän Ahab war jedoch noch keine Spur zu sehen; man sagte nur, er sei in der Kabine. Doch seine Anwesenheit war offenbar keineswegs notwendig, um das Schiff in See zu schicken und es gut zu steuern. Schließlich war das nicht seine Aufgabe, sondern die des Piloten. Zudem war er, so sagten sie, noch nicht vollständig genesen – deshalb blieb Kapitän Ahab unten. All das schien ganz normal zu sein; besonders, da in der Handelsflotte viele Kapitäne eine ganze Weile lang nicht auf dem Deck erscheinen, sondern weiterhin am Tisch in der Kabine sitzen und sich mit ihren Freunden an Land verabschieden, bevor sie endgültig zusammen mit dem Piloten das Schiff verlassen.
Doch es blieb kaum Zeit, über diese Dinge nachzudenken, denn Kapitän Peleg war jetzt sehr aktiv. Er schien die meiste Zeit zu sprechen und Befehle zu erteilen – nicht Bildad.
„Hierher, ihr ledigen Kerle!“, rief er, während die Matrosen noch am Hauptmast herumhingen. „Herr Starbuck, treiben Sie sie nach hinten!“
„Aufbauen Sie das Zelt dort!“, lautete der nächste Befehl. Wie ich bereits erwähnt habe, wurde dieses Zelt aus Walbeinknochen nur im Hafen aufgebaut; an Bord des Schiffes…
Page 129
Bei der Pequod war seit dreißig Jahren allgemein bekannt, dass der Befehl, das Zelt abzubauen, dem Befehl zur Hebung des Ankers gleichkam.
„Mann an den Kapstan! Um Himmels willen – springt!“ – das war der nächste Befehl, und die Besatzung eilte zu den Handstangen.
Beim Lösen der Anker war der Platz, den normalerweise der Pilot einnahm, der vordere Teil des Schiffes. Dort konnte man nun Bildad sehen – er war zusammen mit Peleg, wie man weiß, neben seinen anderen Offizieren einer der lizenzierten Piloten des Hafens. Man vermutete, dass er sich zum Piloten gemacht hatte, um allen Schiffen, für die er zuständig war, die Gebühren für einen Piloten zu ersparen – schließlich steuerte er nie ein anderes Schiff. Bildad war also damit beschäftigt, nach dem herannahenden Anker Ausschau zu halten und von Zeit zu Zeit etwas, das wie ein trauriger Psalm klang, zu singen, um die Männer am Windlass aufzumuntern. Diese wiederum sangen fröhlich Lieder über die Mädchen in Booble Alley. Doch erst drei Tage zuvor hatte Bildad ihnen gesagt, dass auf der Pequod keine profanen Lieder erlaubt seien – besonders nicht beim Lösen der Anker. Seine Schwester Charity hatte außerdem in jedem Matrosenbett eine kleine Ausgabe von Watts’ Gedichten platziert.
In der Zwischenzeit überwachte Kapitän Peleg den anderen Teil des Schiffes und fluchte dort auf die schrecklichste Weise. Ich dachte fast, er würde das Schiff versenken, bevor der Anker gehoben werden konnte. Unwillkürlich hielt ich inne und bat Queequeg, dasselbe zu tun – ich dachte an die Gefahren, denen wir beide ausgesetzt waren, da wir mit einem solchen Teufel als Pilot in See stachen. Ich tröstete mich jedoch damit, dass in dem frommen Bildad vielleicht doch noch Rettung zu finden sei – trotz seiner 777 Sünden. Plötzlich spürte ich einen heftigen Stoß in meinen Rücken. Als ich mich umdrehte, war ich entsetzt über das Erscheinen von Kapitän Peleg, der gerade sein Bein aus meiner unmittelbaren Nähe zurückzog. Das war mein erster Tritt.
„Ist das etwa die Art und Weise, wie man im Dienst vorgeht?“, brüllte er. „Springt, ihr Dummköpfe! Warum springt ihr nicht – springt! Quohog! Spring, du Kerl mit den roten Schnurrbart! Spring, du mit der Schottenmütze! Spring, du in den grünen Hosen! Springt, sage ich, und reißt euch die Augen heraus!“ Während er das sagte, bewegte er sich weiter am Windlass entlang und benutzte dabei sein Bein ganz nach Belieben. Unbeeindruckt setzte Bildad seine Gesänge fort. Ich glaube, Kapitän Peleg muss heute etwas getrunken haben.
„Mann an den Kapstan! Um Himmels willen – springt!“ – das war der nächste Befehl, und die Besatzung eilte zu den Handstangen.
Beim Lösen der Anker war der Platz, den normalerweise der Pilot einnahm, der vordere Teil des Schiffes. Dort konnte man nun Bildad sehen – er war zusammen mit Peleg, wie man weiß, neben seinen anderen Offizieren einer der lizenzierten Piloten des Hafens. Man vermutete, dass er sich zum Piloten gemacht hatte, um allen Schiffen, für die er zuständig war, die Gebühren für einen Piloten zu ersparen – schließlich steuerte er nie ein anderes Schiff. Bildad war also damit beschäftigt, nach dem herannahenden Anker Ausschau zu halten und von Zeit zu Zeit etwas, das wie ein trauriger Psalm klang, zu singen, um die Männer am Windlass aufzumuntern. Diese wiederum sangen fröhlich Lieder über die Mädchen in Booble Alley. Doch erst drei Tage zuvor hatte Bildad ihnen gesagt, dass auf der Pequod keine profanen Lieder erlaubt seien – besonders nicht beim Lösen der Anker. Seine Schwester Charity hatte außerdem in jedem Matrosenbett eine kleine Ausgabe von Watts’ Gedichten platziert.
In der Zwischenzeit überwachte Kapitän Peleg den anderen Teil des Schiffes und fluchte dort auf die schrecklichste Weise. Ich dachte fast, er würde das Schiff versenken, bevor der Anker gehoben werden konnte. Unwillkürlich hielt ich inne und bat Queequeg, dasselbe zu tun – ich dachte an die Gefahren, denen wir beide ausgesetzt waren, da wir mit einem solchen Teufel als Pilot in See stachen. Ich tröstete mich jedoch damit, dass in dem frommen Bildad vielleicht doch noch Rettung zu finden sei – trotz seiner 777 Sünden. Plötzlich spürte ich einen heftigen Stoß in meinen Rücken. Als ich mich umdrehte, war ich entsetzt über das Erscheinen von Kapitän Peleg, der gerade sein Bein aus meiner unmittelbaren Nähe zurückzog. Das war mein erster Tritt.
„Ist das etwa die Art und Weise, wie man im Dienst vorgeht?“, brüllte er. „Springt, ihr Dummköpfe! Warum springt ihr nicht – springt! Quohog! Spring, du Kerl mit den roten Schnurrbart! Spring, du mit der Schottenmütze! Spring, du in den grünen Hosen! Springt, sage ich, und reißt euch die Augen heraus!“ Während er das sagte, bewegte er sich weiter am Windlass entlang und benutzte dabei sein Bein ganz nach Belieben. Unbeeindruckt setzte Bildad seine Gesänge fort. Ich glaube, Kapitän Peleg muss heute etwas getrunken haben.
Page 130
Endlich wurde der Anker gehoben, die Segel gesetzt – und wir setzten unsere Reise fort. Es war ein kurzer, kalter Weihnachtszeitraum; und als der kurze Nächte im Norden in die Nacht überging, befanden wir uns mitten auf dem eisigen Ozean. Die eiskalten Spritzer bedeckten uns wie polierte Rüstungen. Die langen Reihen von Zähnen an den Relings glänzten im Mondlicht; und wie die weißen Elfenbeinzähne eines riesigen Elefanten hingen riesige, gebogene Eiszapfen vom Bug herab. Bildad, der als Pilot fungierte, leitete die erste Wache. Immer wieder, wenn das alte Schiff tief in die grünen Meereswellen eintauchte, während der Frost über das Schiff legte, der Wind heulte und die Seile knarrten, waren seine ruhigen Stimmen zu hören:
„Süße Felder jenseits der Wellen – sie stehen dort in lebendigem Grün. So sah das alte Kanaan für die Juden aus, während der Jordan dazwischen floss.“
Nie klangen diese schönen Worte für mich süßer als damals. Sie waren voller Hoffnung und Verheißung. Trotz dieser kalten Winternacht im stürmischen Atlantik, trotz meiner nassen Füße und noch nasseren Jacke schien es mir, dass es noch viele angenehme Orte gab – Wiesen und Lichtungen, die ewig frühlingshaft blieben, sodass das Gras, unberührt und unverwelkt, bis zum Sommersonnenwendeschein weiterwuchs.
Schließlich erreichten wir eine Stelle, an der die beiden Piloten nicht mehr benötigt wurden. Das starke Segelschiff, das uns begleitet hatte, fuhr nun neben uns her. Es war interessant – und nicht unangenehm – zu beobachten, wie Peleg und Bildad in diesem Moment reagierten, insbesondere Kapitän Bildad. Denn er wollte partout nicht gehen, wirklich nicht – niemals wieder ein Schiff verlassen, das auf einer so langen und gefährlichen Reise unterwegs war, jenseits der stürmischen Kapen; ein Schiff, in das er tausende von Dollar investiert hatte; ein Schiff, in dem ein alter Schiffskamerad als Kapitän fungierte – ein Mann, der fast genauso alt war wie er selbst, der erneut all die Gefahren des grausamen Ozeans bewältigen musste. Er wollte sich ungern von etwas verabschieden, das für ihn von so großer Bedeutung war. Der arme alte Bildad zögerte lange, ging unruhig auf dem Deck hin und her, ging in die Kabine, um dort noch einmal Abschied zu nehmen, kam anschließend wieder an Deck, blickte in Richtung Wind, in Richtung der weiten, endlosen Gewässer, die nur von den fernen, unsichtbaren östlichen Kontinenten begrenzt wurden; blickte in Richtung Land, nach oben, nach links und rechts.
„Süße Felder jenseits der Wellen – sie stehen dort in lebendigem Grün. So sah das alte Kanaan für die Juden aus, während der Jordan dazwischen floss.“
Nie klangen diese schönen Worte für mich süßer als damals. Sie waren voller Hoffnung und Verheißung. Trotz dieser kalten Winternacht im stürmischen Atlantik, trotz meiner nassen Füße und noch nasseren Jacke schien es mir, dass es noch viele angenehme Orte gab – Wiesen und Lichtungen, die ewig frühlingshaft blieben, sodass das Gras, unberührt und unverwelkt, bis zum Sommersonnenwendeschein weiterwuchs.
Schließlich erreichten wir eine Stelle, an der die beiden Piloten nicht mehr benötigt wurden. Das starke Segelschiff, das uns begleitet hatte, fuhr nun neben uns her. Es war interessant – und nicht unangenehm – zu beobachten, wie Peleg und Bildad in diesem Moment reagierten, insbesondere Kapitän Bildad. Denn er wollte partout nicht gehen, wirklich nicht – niemals wieder ein Schiff verlassen, das auf einer so langen und gefährlichen Reise unterwegs war, jenseits der stürmischen Kapen; ein Schiff, in das er tausende von Dollar investiert hatte; ein Schiff, in dem ein alter Schiffskamerad als Kapitän fungierte – ein Mann, der fast genauso alt war wie er selbst, der erneut all die Gefahren des grausamen Ozeans bewältigen musste. Er wollte sich ungern von etwas verabschieden, das für ihn von so großer Bedeutung war. Der arme alte Bildad zögerte lange, ging unruhig auf dem Deck hin und her, ging in die Kabine, um dort noch einmal Abschied zu nehmen, kam anschließend wieder an Deck, blickte in Richtung Wind, in Richtung der weiten, endlosen Gewässer, die nur von den fernen, unsichtbaren östlichen Kontinenten begrenzt wurden; blickte in Richtung Land, nach oben, nach links und rechts.
Page 131
Er suchte überall – und doch nirgends. Schließlich wickelte er mechanisch ein Seil um seinen Pflock, packte Peleg mit zitternder Hand am Arm, hielt eine Laterne hoch und blickte für einen Moment heldenhaft in dessen Gesicht – als wollte er sagen: „Dennoch, Freund Peleg, ich kann es ertragen; ja, das kann ich.“ Peleg selbst nahm die Situation eher philosophisch – doch trotz all seiner Philosophie glänzte eine Träne in seinem Auge, als die Laterne zu nahe kam. Auch er rannte hin und her zwischen Kajüte und Deck – mal sprach er etwas nach unten, mal mit Starbuck, dem Ersten Offizier. Doch schließlich wandte er sich an seinen Kameraden, warf noch einen letzten Blick um sich und sagte: „Kapitän Bildad – komm, alter Schiffskamerad, wir müssen gehen. Zieht den Hauptmast zurück! Das Boot ist da! Seid bereit, sofort anzulegen! Vorsichtig, vorsichtig! Komm schon, Bildad – sprich deine letzten Worte. Viel Glück, Starbuck – viel Glück, Herr Stubb – viel Glück, Herr Flask – Auf Wiedersehen und viel Glück euch allen! In drei Jahren werde ich für euch in Old Nantucket ein heißes Abendessen zubereiten. Hurra – ab!“ „Gott segne euch und bewahre euch in Seiner heiligen Obhut“, murmelte der alte Bildad fast unverständlich. „Ich hoffe, es wird jetzt gutes Wetter geben, damit Kapitän Ahab bald unter euch sein kann – nur die Sonne braucht er, und ihr werdet auf der Reise in die Tropen genug davon haben. Seid vorsichtig bei der Jagd, meine Freunde. Verwendet die Boote nicht unnötig, ihr Harpunenwerfer – gute weiße Zedernbretter werden innerhalb eines Jahres um drei Prozent teurer. Vergesst auch eure Gebete nicht. Herr Starbuck, pass darauf auf, dass der Koch die Ersatzbretter nicht verschwendet. Oh! Die Segelnadeln sind im grünen Schrank! Übertreibt es an Gottes Tagen nicht, meine Freunde – aber verpasst auch keine gute Gelegenheit, denn das wäre, Gottes Gaben abzulehnen. Achten Sie auf die Melasse, Herr Stubb – sie war etwas undicht, glaube ich. Wenn Sie die Inseln erreichen, Herr Flask, seien Sie vorsichtig vor Unzucht. Auf Wiedersehen! Lassen Sie den Käse nicht zu lange im Laderaum, Herr Starbuck – sonst geht er kaputt. Seien Sie vorsichtig mit der Butter – zwanzig Cent pro Pfund – und passen Sie auf, falls…“ „Kommen Sie, kommen Sie, Kapitän Bildad – hören Sie auf zu reden – ab!“ Mit diesen Worten drängte Peleg ihn über die Reling, und beide stiegen ins Boot. Schiff und Boot trennten sich; die kalte, feuchte Nachtwind wehte dazwischen; eine kreischende Möwe flog über ihnen; die beiden Rümpfe schwankten wild hin und her; wir riefen dreimal laut zum Abschied und stürzten wie vom Schicksal bestimmt in den einsamen Atlantik.
Page 132
Page 133
KAPITEL 23. Die Küste von Lee.
Einige Kapitel zuvor wurde von einem Mann namens Bulkington gesprochen – einem großen, erfahrenen Seemann, den man in New Bedford in einer Herberge antraf. In jener eisigen Winternacht, als die Pequod ihre Bugspitze in die kalten, feindseligen Wellen stieß – wer stand da am Ruder, wenn nicht Bulkington! Ich blickte mit mitleidiger Ehrfurcht und Furcht auf diesen Mann, der mitten im Winter gerade von einer vierjährigen, gefährlichen Reise zurückgekehrt war und doch erneut in einen weiteren stürmischen Aufenthalt auf See aufbrechen musste. Das Land schien für seine Füße wie glühend heiß zu sein. Die wunderbarsten Dinge sind oft die Unaussprechlichen; tiefe Erinnerungen lassen sich nicht in Worten fassen – dieses sechzehn Zentimeter lange Kapitel ist das „grab ohne Stein“ für Bulkington. Ich möchte nur sagen: Es erging ihm wie dem vom Sturm gepeitschten Schiff, das elend an der Landseite dahintreibt. Der Hafen würde gerne Hilfe bieten – doch der Hafen ist erbärmlich; im Hafen gibt es Sicherheit, Komfort, ein Feuer, Abendessen, warme Decken, Freunde – all das, was unseren Sterblichen guttut. Doch in diesem Sturm ist der Hafen, das Land, die größte Gefahr für dieses Schiff; es muss jede Form von Gastfreundschaft ablehnen – schon eine Berührung mit dem Land, selbst wenn sie nur die Kielrinne streift, lässt es bis ins Mark erschauern. Mit aller Kraft setzt es alle Segel gegen die Küste – dabei kämpft es gegen die Winde, die es gerne nach Hause wehen würden; es sucht wieder nach dem endlosen Meer – aus Verzweiflung stürzt es sich in Gefahr; sein einziger Freund ist zugleich sein schlimmster Feind! Verstehst du nun, Bulkington? Siehst du nun Andeutungen jener unerträglichen Wahrheit – dass jedes tiefe, ernsthafte Nachdenken nichts anderes ist als der mutige Versuch der Seele, ihre Unabhängigkeit zu bewahren – während die wildsten Winde des Himmels und der Erde versuchen, sie auf die gefährliche, knechtische Küste zu werfen? Doch da nur in der Endlosigkeit die höchste Wahrheit liegt – so ist es besser, in dieser heulenden Unendlichkeit zu vergehen, als beschämend an die Küste geschleudert zu werden – selbst wenn das Sicherheit bedeutet! Wer würde da wie ein Wurm feige ans Ufer kriechen? Ist all diese Qual umsonst? Hab Mut, o Bulkington! Trage deine Last tapfer – aufwärts, durch den Sprühnebel deines untergehenden Ozeans – direkt nach oben, dorthin, wo deine Apotheose stattfindet!
Einige Kapitel zuvor wurde von einem Mann namens Bulkington gesprochen – einem großen, erfahrenen Seemann, den man in New Bedford in einer Herberge antraf. In jener eisigen Winternacht, als die Pequod ihre Bugspitze in die kalten, feindseligen Wellen stieß – wer stand da am Ruder, wenn nicht Bulkington! Ich blickte mit mitleidiger Ehrfurcht und Furcht auf diesen Mann, der mitten im Winter gerade von einer vierjährigen, gefährlichen Reise zurückgekehrt war und doch erneut in einen weiteren stürmischen Aufenthalt auf See aufbrechen musste. Das Land schien für seine Füße wie glühend heiß zu sein. Die wunderbarsten Dinge sind oft die Unaussprechlichen; tiefe Erinnerungen lassen sich nicht in Worten fassen – dieses sechzehn Zentimeter lange Kapitel ist das „grab ohne Stein“ für Bulkington. Ich möchte nur sagen: Es erging ihm wie dem vom Sturm gepeitschten Schiff, das elend an der Landseite dahintreibt. Der Hafen würde gerne Hilfe bieten – doch der Hafen ist erbärmlich; im Hafen gibt es Sicherheit, Komfort, ein Feuer, Abendessen, warme Decken, Freunde – all das, was unseren Sterblichen guttut. Doch in diesem Sturm ist der Hafen, das Land, die größte Gefahr für dieses Schiff; es muss jede Form von Gastfreundschaft ablehnen – schon eine Berührung mit dem Land, selbst wenn sie nur die Kielrinne streift, lässt es bis ins Mark erschauern. Mit aller Kraft setzt es alle Segel gegen die Küste – dabei kämpft es gegen die Winde, die es gerne nach Hause wehen würden; es sucht wieder nach dem endlosen Meer – aus Verzweiflung stürzt es sich in Gefahr; sein einziger Freund ist zugleich sein schlimmster Feind! Verstehst du nun, Bulkington? Siehst du nun Andeutungen jener unerträglichen Wahrheit – dass jedes tiefe, ernsthafte Nachdenken nichts anderes ist als der mutige Versuch der Seele, ihre Unabhängigkeit zu bewahren – während die wildsten Winde des Himmels und der Erde versuchen, sie auf die gefährliche, knechtische Küste zu werfen? Doch da nur in der Endlosigkeit die höchste Wahrheit liegt – so ist es besser, in dieser heulenden Unendlichkeit zu vergehen, als beschämend an die Küste geschleudert zu werden – selbst wenn das Sicherheit bedeutet! Wer würde da wie ein Wurm feige ans Ufer kriechen? Ist all diese Qual umsonst? Hab Mut, o Bulkington! Trage deine Last tapfer – aufwärts, durch den Sprühnebel deines untergehenden Ozeans – direkt nach oben, dorthin, wo deine Apotheose stattfindet!
Page 134
Page 135
KAPITEL 24. Der Verteidiger
Da Queequeg und ich nunmehr voll und ganz in diesem Walfanggeschäft tätig sind – und da dieses Geschäft bei den Leuten an Land als etwas eher unpoesisches und zweifelhaftes Angewandtsein angesehen wird – bin ich sehr darum bemüht, euch, ihr Leute an Land, von der Ungerechtigkeit zu überzeugen, die uns Walfängern angetan wird.
Zunächst mag es fast überflüssig sein, festzustellen, dass das Walfanggeschäft bei den meisten Menschen nicht auf derselben Stufe wie die sogenannten freien Berufe steht. Wenn ein Fremder in eine beliebige Gesellschaft eingeführt würde, würde es seine Reputation nur geringfügig verbessern, wenn er dort als Harpunier vorgestellt würde; und wenn er in Nachahmung der Marineoffiziere die Initialen S.W.F. (Sperm Whale Fishery) auf seine Visitenkarte setzen würde, würde man das als äußerst anmaßend und lächerlich betrachten.
Ohne Zweifel ist einer der Hauptgründe dafür, warum die Welt uns Walfängern keine Anerkennung zollt, folgender: Sie halten unser Handwerk im besten Fall für eine Art Schlachterei; und sie glauben, dass wir beim Ausüben dieses Berufs mit allen möglichen Unreinheiten konfrontiert sind. Wir sind zwar Schlachter – aber auch die blutigsten Schlachter waren stets Militärführer, die die Welt stets gerne ehrt. Was die angebliche Unreinheit unseres Handwerks angeht, so werdet ihr bald mit bestimmten Fakten vertraut gemacht, die bisher weitgehend unbekannt waren; diese Fakten werden dazu führen, dass das Walfangschiff zumindest zu den saubersten Dingen auf dieser Erde gezählt wird. Doch selbst wenn die Anschuldigungen wahr wären – welche unordentlichen, rutschigen Decks eines Walfangschiffs können schon mit dem unbeschreiblichen Verwesungsmaterial jener Schlachtfelder verglichen werden, von denen so viele Soldaten zurückkehren und dabei alle Bewunderung der Frauen erhalten? Und wenn bereits der Gedanke an Gefahr das Ansehen des Soldatenberufs erhöht – so kann ich euch versichern, dass viele Veteranen, die bereitwillig auf eine Batterie zugegangen wären, vor dem Anblick des riesigen Schwanzes des Wals schnell zurückweichen würden, der die Luft über ihrem Kopf in Wirbel bringt. Denn was sind die begreiflichen Ängste des Menschen im Vergleich zu den miteinander verbundenen Schrecken und Wundern Gottes?
Da Queequeg und ich nunmehr voll und ganz in diesem Walfanggeschäft tätig sind – und da dieses Geschäft bei den Leuten an Land als etwas eher unpoesisches und zweifelhaftes Angewandtsein angesehen wird – bin ich sehr darum bemüht, euch, ihr Leute an Land, von der Ungerechtigkeit zu überzeugen, die uns Walfängern angetan wird.
Zunächst mag es fast überflüssig sein, festzustellen, dass das Walfanggeschäft bei den meisten Menschen nicht auf derselben Stufe wie die sogenannten freien Berufe steht. Wenn ein Fremder in eine beliebige Gesellschaft eingeführt würde, würde es seine Reputation nur geringfügig verbessern, wenn er dort als Harpunier vorgestellt würde; und wenn er in Nachahmung der Marineoffiziere die Initialen S.W.F. (Sperm Whale Fishery) auf seine Visitenkarte setzen würde, würde man das als äußerst anmaßend und lächerlich betrachten.
Ohne Zweifel ist einer der Hauptgründe dafür, warum die Welt uns Walfängern keine Anerkennung zollt, folgender: Sie halten unser Handwerk im besten Fall für eine Art Schlachterei; und sie glauben, dass wir beim Ausüben dieses Berufs mit allen möglichen Unreinheiten konfrontiert sind. Wir sind zwar Schlachter – aber auch die blutigsten Schlachter waren stets Militärführer, die die Welt stets gerne ehrt. Was die angebliche Unreinheit unseres Handwerks angeht, so werdet ihr bald mit bestimmten Fakten vertraut gemacht, die bisher weitgehend unbekannt waren; diese Fakten werden dazu führen, dass das Walfangschiff zumindest zu den saubersten Dingen auf dieser Erde gezählt wird. Doch selbst wenn die Anschuldigungen wahr wären – welche unordentlichen, rutschigen Decks eines Walfangschiffs können schon mit dem unbeschreiblichen Verwesungsmaterial jener Schlachtfelder verglichen werden, von denen so viele Soldaten zurückkehren und dabei alle Bewunderung der Frauen erhalten? Und wenn bereits der Gedanke an Gefahr das Ansehen des Soldatenberufs erhöht – so kann ich euch versichern, dass viele Veteranen, die bereitwillig auf eine Batterie zugegangen wären, vor dem Anblick des riesigen Schwanzes des Wals schnell zurückweichen würden, der die Luft über ihrem Kopf in Wirbel bringt. Denn was sind die begreiflichen Ängste des Menschen im Vergleich zu den miteinander verbundenen Schrecken und Wundern Gottes?
Page 136
Doch obwohl die Welt uns Walfangern misstrauisch zuschaut, zollt sie uns doch unbewusst die tiefste Ehrung – ja, eine überaus große Bewunderung! Denn fast alle Kerzen, Lampen und Lichter, die auf der ganzen Welt brennen, tun dies, genauso wie in zahlreichen Heiligtümern, zu unserer Ehre!
Aber betrachten wir diese Angelegenheit aus anderen Blickwinkeln; wägen wir sie auf allen möglichen Maßstäben ab; sehen wir, was wir Walfänger sind und gewesen sind.
Warum hatten die Niederländer zur Zeit von De Witt Admirale für ihre Walfangflotten? Warum ließ Ludwig XVI. von Frankreich auf eigene Kosten Walfangschiffe aus Dünkirchen ausrüsten und lud höflich einige Dutzend Familien von unserer Insel Nantucket in diese Stadt ein? Warum zahlte Großbritannien zwischen den Jahren 1750 und 1788 seinen Walfängern Prämien in Höhe von über 1.000.000 Pfund? Und schließlich: Wie kommt es, dass wir Amerikaner als Walfänger jetzt mehr sind als alle anderen Walfänger der Welt zusammen; dass wir eine Flotte von über siebenhundert Schiffen besitzen, die von achtzehntausend Männern bemannt werden; dass wir jährlich 4.000.000 Dollar ausgeben – wobei die Schiffe zum Zeitpunkt der Abfahrt einen Wert von 20.000.000 Dollar haben! Und jedes Jahr importieren wir in unsere Häfen einen Ertrag im Wert von 7.000.000 Dollar. Wie ist das möglich, wenn im Walfang nicht etwas Mächtiges steckt?
Aber das ist noch nicht alles; schauen wir noch einmal hin.
Ich behaupte frei heraus, dass der kosmopolitische Philosoph niemals auch nur einen einzigen friedlichen Einfluss nennen kann, der in den letzten sechzig Jahren potenziell stärker auf die ganze Welt gewirkt hat als das mächtige Geschäft des Walfangs. Auf die eine oder andere Weise hat der Walfang Ereignisse hervorgebracht, die an sich schon bemerkenswert sind und deren Folgen ständig von großer Bedeutung sind – daher kann man den Walfang durchaus als jene „ägyptische Mutter“ betrachten, die Nachkommen zur Welt brachte, die bereits in ihrem Mutterleib schwanger waren. Es wäre eine hoffnungslose, endlose Aufgabe, all diese Dinge aufzulisten. Ein paar Beispiele genügen. Seit vielen Jahren ist das Walfangsschiff der Pionier dabei, die entlegensten und am wenigsten bekannten Teile der Erde zu erkunden. Es hat Meere und Archipelagos erforscht, für die es keine Karten gab, wohin weder Cook noch Vancouver je gesegelt waren. Wenn amerikanische und europäische Kriegsschiffe heute friedlich in einst wilde Häfen einfahren, sollen sie Salut feuern zur Ehre und zum Ruhm des Walfangsschiffs, das ihnen ursprünglich den Weg zeigte und als Vermittler zwischen ihnen und den Eingeborenen fungierte. Sie können die Helden der Entdeckungsreisen nach Belieben feiern – ihre Cooks, ihre Krusensterns – aber ich sage: Dutzende anonymer Kapitäne haben ebenfalls gesegelt.
Aber betrachten wir diese Angelegenheit aus anderen Blickwinkeln; wägen wir sie auf allen möglichen Maßstäben ab; sehen wir, was wir Walfänger sind und gewesen sind.
Warum hatten die Niederländer zur Zeit von De Witt Admirale für ihre Walfangflotten? Warum ließ Ludwig XVI. von Frankreich auf eigene Kosten Walfangschiffe aus Dünkirchen ausrüsten und lud höflich einige Dutzend Familien von unserer Insel Nantucket in diese Stadt ein? Warum zahlte Großbritannien zwischen den Jahren 1750 und 1788 seinen Walfängern Prämien in Höhe von über 1.000.000 Pfund? Und schließlich: Wie kommt es, dass wir Amerikaner als Walfänger jetzt mehr sind als alle anderen Walfänger der Welt zusammen; dass wir eine Flotte von über siebenhundert Schiffen besitzen, die von achtzehntausend Männern bemannt werden; dass wir jährlich 4.000.000 Dollar ausgeben – wobei die Schiffe zum Zeitpunkt der Abfahrt einen Wert von 20.000.000 Dollar haben! Und jedes Jahr importieren wir in unsere Häfen einen Ertrag im Wert von 7.000.000 Dollar. Wie ist das möglich, wenn im Walfang nicht etwas Mächtiges steckt?
Aber das ist noch nicht alles; schauen wir noch einmal hin.
Ich behaupte frei heraus, dass der kosmopolitische Philosoph niemals auch nur einen einzigen friedlichen Einfluss nennen kann, der in den letzten sechzig Jahren potenziell stärker auf die ganze Welt gewirkt hat als das mächtige Geschäft des Walfangs. Auf die eine oder andere Weise hat der Walfang Ereignisse hervorgebracht, die an sich schon bemerkenswert sind und deren Folgen ständig von großer Bedeutung sind – daher kann man den Walfang durchaus als jene „ägyptische Mutter“ betrachten, die Nachkommen zur Welt brachte, die bereits in ihrem Mutterleib schwanger waren. Es wäre eine hoffnungslose, endlose Aufgabe, all diese Dinge aufzulisten. Ein paar Beispiele genügen. Seit vielen Jahren ist das Walfangsschiff der Pionier dabei, die entlegensten und am wenigsten bekannten Teile der Erde zu erkunden. Es hat Meere und Archipelagos erforscht, für die es keine Karten gab, wohin weder Cook noch Vancouver je gesegelt waren. Wenn amerikanische und europäische Kriegsschiffe heute friedlich in einst wilde Häfen einfahren, sollen sie Salut feuern zur Ehre und zum Ruhm des Walfangsschiffs, das ihnen ursprünglich den Weg zeigte und als Vermittler zwischen ihnen und den Eingeborenen fungierte. Sie können die Helden der Entdeckungsreisen nach Belieben feiern – ihre Cooks, ihre Krusensterns – aber ich sage: Dutzende anonymer Kapitäne haben ebenfalls gesegelt.
Page 137
Aus Nantucket kamen Schiffe, die genauso groß – ja sogar größer – als Cooks und Krusensterns Schiffe waren. In ihrer hilflosen Lage, mit leeren Händen, kämpften sie in den wilden, gefährlichen Gewässern sowie an den Stränden unbekannter Inseln gegen ursprüngliche Wunder und Schrecken – Dinge, wozu Cook mit all seinen Matrosen und Musketen niemals den Mut gehabt hätte. All das, was in den alten Berichten über die Südsee-Reisen so ausgeschmückt wird, war für unsere heldenhaften Männer aus Nantucket nur Alltag. Oft betrachteten sie Abenteuer, denen Vancouver drei Kapitel widmet, als nicht würdig, im Schiffstagebuch festgehalten zu werden. Ach, die Welt! Bis die Walfangschiffe um Kap Hoorn segelten, gab es zwischen Europa und den reichen spanischen Provinzen an der Pazifikküste kaum Handel außer kolonialer Art. Es waren die Walfänger, die als Erste durch die eifersüchtige Politik der spanischen Krone drangen und diese Kolonien erreichten. Wenn genug Platz wäre, ließe sich deutlich zeigen, wie aus diesen Walfängern schließlich die Befreiung Perus, Chiles und Boliviens vom Joch Spaniens sowie die Einführung einer dauerhaften Demokratie in diesen Regionen entstand. Australien, jenes große Land auf der anderen Seite der Erde, wurde ebenfalls von den Walfängern der aufgeklärten Welt zugänglich gemacht. Nach seiner ersten, durch Zufall erfolgten Entdeckung durch einen Holländer mieden alle anderen Schiffe diese Küsten aufgrund ihrer barbarischen Lebensbedingungen – doch die Walfangschiffe erreichten sie. Die Walfangschiffe sind somit die wahren „Mütter“ dieser heute mächtigen Kolonie. Zudem retteten die Walfangschiffe in der Anfangszeit der australischen Siedlungen die Einwanderer mehrfach vor dem Verhungern, indem sie glücklicherweise in deren Gewässern Anker warfen. Die unzähligen Inseln Polynesiens bestätigen dieselbe Wahrheit und erweisen den Walfangschiffen kommerziellen Respekt – schließlich ebneten sie den Weg für Missionare und Händler und brachten in vielen Fällen die primitiven Missionare zu ihren Bestimmungsorten. Wenn Japan jemals gastfreundlich werden soll, dann gebührt der Verdienst allein den Walfangschiffen – denn sie befinden sich bereits auf dem Weg dorthin. Doch wenn Sie trotz all dessen behaupten, dass der Walfang keine ästhetisch edlen Assoziationen mit sich bringt, dann bin ich bereit, fünfzig Mal gegen Sie zu kämpfen und Sie jedes Mal mit einem gespaltenen Helm zu besiegen. Der Wal hat keinen berühmten Autor – und der Walfang keinen berühmten Chronisten, werden Sie sagen.
Page 138
Gibt es keinen berühmten Autor über Wale – und keinen berühmten Chronisten der Walfangszüge? Wer schrieb die erste Beschreibung unseres Leviathans? Wer sonst als der mächtige Hiob! Und wer verfasste die erste Erzählung über eine Walfangreise? Wer sonst als kein Geringerer als Alfred der Große, der mit seinem eigenen königlichen Stift die Worte des norwegischen Walfängers jener Zeit aufzeichnete! Und wer hielt unsere lobenden Reden im Parlament? Wer sonst als Edmund Burke!
Zugegeben – aber die Walfänger selbst sind arme Teufel; in ihren Adern fließt kein gutes Blut.
Kein gutes Blut in ihren Adern? Sie haben etwas Besseres als königliches Blut. Die Großmutter von Benjamin Franklin war Mary Morrel; später, durch Heirat, Mary Folger, eine der ersten Siedlerinnen von Nantucket, und Vorfahrin einer langen Linie von Folgers und Harpunenfischern – alle Verwandte des edlen Benjamin, der heute die Stachelharpune von einem Ende der Welt zum anderen wirft.
Gut – aber alle geben zu, dass der Walfang irgendwie nicht respektabel ist.
Der Walfang nicht respektabel? Der Walfang ist kaiserlich! Nach altem englischem Gesetz gilt der Wal als „königlicher Fisch“.
Oh, das ist nur nominell! Der Wal selbst ist nie auf beeindruckende Weise in Erscheinung getreten.
Der Wal ist nie auf beeindruckende Weise in Erscheinung getreten? Bei einem der großen Triumphzüge für einen römischen General bei seiner Ankunft in der Weltstadt waren die Knochen eines Wals, die extra von der syrischen Küste herbeigeschafft wurden, das auffälligste Element in der Prozession.
Gebt es zu – schließlich zitiert ihr es ja. Aber egal, was man sagt: Im Walfang liegt keine wahre Würde.
Keine Würde im Walfang? Die Würde unseres Berufs wird sogar vom Himmel selbst bezeugt. Cetus ist ein Sternbild am Süden! Mehr nicht! Neigt euren Hut vor dem Zaren – und nehmt ihn vor Queequeg ab! Ich kenne einen Mann, der zu Lebzeiten dreihundertfünfzig Wale erlegt hat. Ich halte diesen Mann für ehrenhafter als jenen großen Feldherrn der Antike, der damit prahlte, so viele befestigte Städte erobert zu haben.
Und was mich betrifft – falls in mir vielleicht noch etwas Unentdecktes steckt; falls ich eines Tages wirklich Anerkennung verdient habe in diesem kleinen, aber…
Zugegeben – aber die Walfänger selbst sind arme Teufel; in ihren Adern fließt kein gutes Blut.
Kein gutes Blut in ihren Adern? Sie haben etwas Besseres als königliches Blut. Die Großmutter von Benjamin Franklin war Mary Morrel; später, durch Heirat, Mary Folger, eine der ersten Siedlerinnen von Nantucket, und Vorfahrin einer langen Linie von Folgers und Harpunenfischern – alle Verwandte des edlen Benjamin, der heute die Stachelharpune von einem Ende der Welt zum anderen wirft.
Gut – aber alle geben zu, dass der Walfang irgendwie nicht respektabel ist.
Der Walfang nicht respektabel? Der Walfang ist kaiserlich! Nach altem englischem Gesetz gilt der Wal als „königlicher Fisch“.
Oh, das ist nur nominell! Der Wal selbst ist nie auf beeindruckende Weise in Erscheinung getreten.
Der Wal ist nie auf beeindruckende Weise in Erscheinung getreten? Bei einem der großen Triumphzüge für einen römischen General bei seiner Ankunft in der Weltstadt waren die Knochen eines Wals, die extra von der syrischen Küste herbeigeschafft wurden, das auffälligste Element in der Prozession.
Gebt es zu – schließlich zitiert ihr es ja. Aber egal, was man sagt: Im Walfang liegt keine wahre Würde.
Keine Würde im Walfang? Die Würde unseres Berufs wird sogar vom Himmel selbst bezeugt. Cetus ist ein Sternbild am Süden! Mehr nicht! Neigt euren Hut vor dem Zaren – und nehmt ihn vor Queequeg ab! Ich kenne einen Mann, der zu Lebzeiten dreihundertfünfzig Wale erlegt hat. Ich halte diesen Mann für ehrenhafter als jenen großen Feldherrn der Antike, der damit prahlte, so viele befestigte Städte erobert zu haben.
Und was mich betrifft – falls in mir vielleicht noch etwas Unentdecktes steckt; falls ich eines Tages wirklich Anerkennung verdient habe in diesem kleinen, aber…
Page 139
Eine Welt voller Stille – in der ich durchaus unrealistisch ehrgeizig sein könnte; falls ich in Zukunft etwas tun werde, was ein Mensch im Allgemeinen lieber getan hätte, anstatt es ungetan zu lassen; falls meine Erben, oder genauer gesagt meine Gläubiger, bei meinem Tod in meinem Schreibtisch wertvolle Manuskripte finden, dann schreibe ich hiermit im Voraus alle Ehre und alle Ehrengedenken der Walfangszucht zu – denn das Walfangsschiff war mein Yale College und meine Harvard.
Page 140
KAPITEL 25. Postskriptum.
Im Namen der Würde des Walfangs möchte ich gerne nur belegte Fakten vorbringen. Doch ein Verteidiger, der eine durchaus vernünftige Vermutung – die vielleicht eindrucksvoll auf seine Sache hindeuten könnte – völlig ignorieren würde, wäre er da nicht verurteilenswert?
Es ist allgemein bekannt, dass bei der Krönung von Königen und Königinnen, sogar solcher aus der Gegenwart, ein bestimmter Prozess durchgeführt wird, um sie auf ihre Aufgaben vorzubereiten. Es gibt einen sogenannten Staatssalztopf – und möglicherweise auch einen Staatsrindebehälter. Wie genau sie das Salz verwenden – wer weiß das? Ich bin mir jedoch sicher, dass beim Krönungsakt der Kopf eines Königs feierlich eingecremt wird – genauso wie der Kopf einer Salatblatt. Kann es aber sein, dass sie ihn damit einreiben, damit seine „Innereien“ besser funktionieren, so wie man Maschinen einreibt? Über die wahre Würde dieses königlichen Rituals ließe sich viel nachdenken – denn im Alltag betrachten wir jemanden, der sein Haar einreibt und dabei stark nach dieser Creme riecht, als etwas Niedriges und Verachtenswertes. Tatsächlich hat ein erwachsener Mann, der Haaröl verwendet – es sei denn aus medizinischen Gründen – vermutlich irgendwo einen Fehler in sich. Im Allgemeinen kann so jemand nichts Großes erreichen.
Aber das Einzige, was hier bedacht werden muss, ist folgendes: Welches Öl wird bei Krönungen verwendet? Sicherlich kann es kein Olivenöl, kein Macassaröl, kein Rindenöl, kein Bärenöl, kein Walöl noch Lebertran sein. Was könnte es dann sein, wenn nicht Spermaöl in seinem unverarbeiteten, unverunreinigten Zustand – das süßeste aller Öle?
Denkt darüber nach, ihr treuen Briten! Wir Walfänger liefern euren Königen und Königinnen das Material für ihre Krönungen!
Im Namen der Würde des Walfangs möchte ich gerne nur belegte Fakten vorbringen. Doch ein Verteidiger, der eine durchaus vernünftige Vermutung – die vielleicht eindrucksvoll auf seine Sache hindeuten könnte – völlig ignorieren würde, wäre er da nicht verurteilenswert?
Es ist allgemein bekannt, dass bei der Krönung von Königen und Königinnen, sogar solcher aus der Gegenwart, ein bestimmter Prozess durchgeführt wird, um sie auf ihre Aufgaben vorzubereiten. Es gibt einen sogenannten Staatssalztopf – und möglicherweise auch einen Staatsrindebehälter. Wie genau sie das Salz verwenden – wer weiß das? Ich bin mir jedoch sicher, dass beim Krönungsakt der Kopf eines Königs feierlich eingecremt wird – genauso wie der Kopf einer Salatblatt. Kann es aber sein, dass sie ihn damit einreiben, damit seine „Innereien“ besser funktionieren, so wie man Maschinen einreibt? Über die wahre Würde dieses königlichen Rituals ließe sich viel nachdenken – denn im Alltag betrachten wir jemanden, der sein Haar einreibt und dabei stark nach dieser Creme riecht, als etwas Niedriges und Verachtenswertes. Tatsächlich hat ein erwachsener Mann, der Haaröl verwendet – es sei denn aus medizinischen Gründen – vermutlich irgendwo einen Fehler in sich. Im Allgemeinen kann so jemand nichts Großes erreichen.
Aber das Einzige, was hier bedacht werden muss, ist folgendes: Welches Öl wird bei Krönungen verwendet? Sicherlich kann es kein Olivenöl, kein Macassaröl, kein Rindenöl, kein Bärenöl, kein Walöl noch Lebertran sein. Was könnte es dann sein, wenn nicht Spermaöl in seinem unverarbeiteten, unverunreinigten Zustand – das süßeste aller Öle?
Denkt darüber nach, ihr treuen Briten! Wir Walfänger liefern euren Königen und Königinnen das Material für ihre Krönungen!
Page 141
KAPITEL 26. Ritter und Knappen
Der Erste Offizier der Pequod war Starbuck, ein Einwohner von Nantucket mit quäkerischem Hintergrund. Er war ein langer, ernster Mann – und obwohl er an einer eisigen Küste geboren wurde, schien er sich gut an heiße Breitengrade anzupassen; seine Haut war hart wie zweimal gebackener Keks. Als er in die Indischen Inseln gebracht wurde, verfiel sein Blut nicht, wie es bei vergorenen Getränken der Fall ist. Er muss zu einer Zeit geboren worden sein, in der es allgemein Dürre und Hungersnot gab – oder an einem jener Fastentage, für die sein Volk berühmt ist. Er hatte nur etwa dreißig trockene Sommer erlebt; diese Sommer hatten all das Überflüssige an seinem Körper entfernt. Doch diese Magerkeit war weder ein Zeichen von Sorgen und Ängsten noch ein Anzeichen für irgendwelche körperlichen Gebrechen. Es handelte sich einfach um die natürliche Erscheinungsform dieses Mannes. Er war keineswegs unschön – im Gegenteil. Seine glatte, straffe Haut passte perfekt zu ihm; eingehüllt in diese Haut und durch innere Gesundheit und Stärke „konserviert“, wirkte Starbuck wie ein wieder zum Leben erweckter Ägypter – als wäre er bereit, auch in den kommenden Zeiten weiterhin auszuhalten, genauso wie jetzt. Egal ob Polarwinter oder glühende Sonne – wie ein präzises Chronometer funktionierte seine innere Vitalität in allen Klimazonen einwandfrei. Wenn man in seine Augen blickte, schien man dort die Spuren all jener Gefahren zu sehen, denen er im Laufe seines Lebens ruhig getrotzt hatte. Er war ein ernster, standhafter Mann – dessen Leben größtenteils aus Handlungen bestand, nicht aus leeren Worten. Doch trotz seiner harten Besonnenheit und Entschlossenheit gab es in ihm bestimmte Eigenschaften, die manchmal alle anderen Eigenschaften überwogen. Als Seemann außergewöhnlich gewissenhaft und mit tiefer natürlicher Ehrfurcht ausgestattet, neigte er aufgrund der einsamen Lebensbedingungen stark zur Vorstellungskraft – allerdings zu einer Art von Aberglauben, der bei manchen Menschen eher aus Intelligenz als aus Unwissenheit entsteht. Äußere Zeichen und innere Ahnungen waren seine Welt. Und wenn diese Dinge manchmal den „gegossenen Stahl“ seiner Seele beeinflussten, so trugen seine Erinnerungen an seine Frau und Kinder in Kapstadt dazu bei, ihn noch weiter von seiner ursprünglichen Natur abzubringen – und ihn somit noch mehr diesen latenten Einflüssen zugänglich zu machen. Bei einigen ehrlichen Menschen hemmen diese Einflüsse oft den überschwänglichen Mut, den andere in den gefährlichen Situationen der Fischerei zeigen. „Ich werde…“
Der Erste Offizier der Pequod war Starbuck, ein Einwohner von Nantucket mit quäkerischem Hintergrund. Er war ein langer, ernster Mann – und obwohl er an einer eisigen Küste geboren wurde, schien er sich gut an heiße Breitengrade anzupassen; seine Haut war hart wie zweimal gebackener Keks. Als er in die Indischen Inseln gebracht wurde, verfiel sein Blut nicht, wie es bei vergorenen Getränken der Fall ist. Er muss zu einer Zeit geboren worden sein, in der es allgemein Dürre und Hungersnot gab – oder an einem jener Fastentage, für die sein Volk berühmt ist. Er hatte nur etwa dreißig trockene Sommer erlebt; diese Sommer hatten all das Überflüssige an seinem Körper entfernt. Doch diese Magerkeit war weder ein Zeichen von Sorgen und Ängsten noch ein Anzeichen für irgendwelche körperlichen Gebrechen. Es handelte sich einfach um die natürliche Erscheinungsform dieses Mannes. Er war keineswegs unschön – im Gegenteil. Seine glatte, straffe Haut passte perfekt zu ihm; eingehüllt in diese Haut und durch innere Gesundheit und Stärke „konserviert“, wirkte Starbuck wie ein wieder zum Leben erweckter Ägypter – als wäre er bereit, auch in den kommenden Zeiten weiterhin auszuhalten, genauso wie jetzt. Egal ob Polarwinter oder glühende Sonne – wie ein präzises Chronometer funktionierte seine innere Vitalität in allen Klimazonen einwandfrei. Wenn man in seine Augen blickte, schien man dort die Spuren all jener Gefahren zu sehen, denen er im Laufe seines Lebens ruhig getrotzt hatte. Er war ein ernster, standhafter Mann – dessen Leben größtenteils aus Handlungen bestand, nicht aus leeren Worten. Doch trotz seiner harten Besonnenheit und Entschlossenheit gab es in ihm bestimmte Eigenschaften, die manchmal alle anderen Eigenschaften überwogen. Als Seemann außergewöhnlich gewissenhaft und mit tiefer natürlicher Ehrfurcht ausgestattet, neigte er aufgrund der einsamen Lebensbedingungen stark zur Vorstellungskraft – allerdings zu einer Art von Aberglauben, der bei manchen Menschen eher aus Intelligenz als aus Unwissenheit entsteht. Äußere Zeichen und innere Ahnungen waren seine Welt. Und wenn diese Dinge manchmal den „gegossenen Stahl“ seiner Seele beeinflussten, so trugen seine Erinnerungen an seine Frau und Kinder in Kapstadt dazu bei, ihn noch weiter von seiner ursprünglichen Natur abzubringen – und ihn somit noch mehr diesen latenten Einflüssen zugänglich zu machen. Bei einigen ehrlichen Menschen hemmen diese Einflüsse oft den überschwänglichen Mut, den andere in den gefährlichen Situationen der Fischerei zeigen. „Ich werde…“
Page 142
„In meinem Boot gibt es keinen Mann“, sagte Starbuck, „der nicht vor Walen Angst hätte.“ Damit wollte er offenbar sagen, dass nicht nur der zuverlässigste und nützlichste Mut jener ist, der aus einer realistischen Einschätzung der drohenden Gefahr entsteht, sondern auch, dass ein völlig furchtloser Mensch ein weitaus gefährlicherer Gefährte ist als ein Feigling.
„Ja, ja“, sagte Stubb, der Zweite Offizier, „Starbuck ist der vorsichtigste Mann, den man in dieser Walfangbranche finden kann.“ Doch bald werden wir erfahren, was das Wort „vorsichtig“ genau bedeutet, wenn es von einem Mann wie Stubb – oder fast jedem anderen Walfänger – verwendet wird.
Starbuck war kein Mann, der nach Gefahren suchte; für ihn war Mut keine Emotion, sondern etwas, das ihm einfach nützlich war und in allen praktischen Situationen zur Hand stand. Außerdem dachte er wohl, dass im Walfang Mut zu den grundlegenden Voraussetzungen für das Überleben auf dem Schiff gehörte – genauso wie Fleisch und Brot – und nicht sinnlos verschwendet werden durfte. Deshalb hatte er keine Lust, nach Sonnenuntergang noch auf die Jagd nach Walen zu gehen – noch darauf, weiter gegen einen Wal zu kämpfen, der zu hartnäckig kämpfte. Denn, dachte Starbuck, ich bin hier in diesem gefährlichen Ozean, um Wale zu töten und meinen Lebensunterhalt zu verdienen – und nicht, von ihnen getötet zu werden. Er wusste nur zu gut, dass Hunderte von Männern so ums Leben gekommen waren. Welches Schicksal hatte sein eigener Vater erlitten? Wo, in den endlosen Tiefen, konnte er die zerrissenen Gliedmaßen seines Bruders finden?
Mit solchen Erinnerungen im Kopf – und außerdem durch seine gewisse Vorstellungskraft, wie bereits erwähnt – musste der Mut dieses Starbuck zwar extrem sein. Doch es lag nicht in der Natur eines Mannes mit seiner Vergangenheit und seinen schrecklichen Erfahrungen, dass diese Dinge nicht dazu führten, dass in ihm ein Element entstand, das unter geeigneten Umständen hervorbrechen und all seinen Mut zerstören würde. Und so tapfer er auch sein mochte, es war gerade diese Art von Tapferkeit, die bei einigen furchtlosen Männern zu beobachten ist – eine Tapferkeit, die zwar im Umgang mit Meeren, Winden, Walen oder anderen üblichen, irrationalen Gefahren bestehen bleibt, aber gegen jene noch schrecklicheren, geistigen Ängste nicht ankommt, die manchmal von der finsteren Miene eines wütenden, mächtigen Mannes ausgehen.
Doch wenn die folgende Erzählung jemals die völlige Zerstörung des Mutes des armen Starbuck zeigen sollte, dann hätte ich wohl kaum den Mut, sie niederzuschreiben – denn es ist etwas äußerst Trauriges, ja Schockierendes, den Niedergang des Mutes in der Seele offenzulegen. Menschen können genauso verabscheuungswürdig sein wie Aktiengesellschaften.
„Ja, ja“, sagte Stubb, der Zweite Offizier, „Starbuck ist der vorsichtigste Mann, den man in dieser Walfangbranche finden kann.“ Doch bald werden wir erfahren, was das Wort „vorsichtig“ genau bedeutet, wenn es von einem Mann wie Stubb – oder fast jedem anderen Walfänger – verwendet wird.
Starbuck war kein Mann, der nach Gefahren suchte; für ihn war Mut keine Emotion, sondern etwas, das ihm einfach nützlich war und in allen praktischen Situationen zur Hand stand. Außerdem dachte er wohl, dass im Walfang Mut zu den grundlegenden Voraussetzungen für das Überleben auf dem Schiff gehörte – genauso wie Fleisch und Brot – und nicht sinnlos verschwendet werden durfte. Deshalb hatte er keine Lust, nach Sonnenuntergang noch auf die Jagd nach Walen zu gehen – noch darauf, weiter gegen einen Wal zu kämpfen, der zu hartnäckig kämpfte. Denn, dachte Starbuck, ich bin hier in diesem gefährlichen Ozean, um Wale zu töten und meinen Lebensunterhalt zu verdienen – und nicht, von ihnen getötet zu werden. Er wusste nur zu gut, dass Hunderte von Männern so ums Leben gekommen waren. Welches Schicksal hatte sein eigener Vater erlitten? Wo, in den endlosen Tiefen, konnte er die zerrissenen Gliedmaßen seines Bruders finden?
Mit solchen Erinnerungen im Kopf – und außerdem durch seine gewisse Vorstellungskraft, wie bereits erwähnt – musste der Mut dieses Starbuck zwar extrem sein. Doch es lag nicht in der Natur eines Mannes mit seiner Vergangenheit und seinen schrecklichen Erfahrungen, dass diese Dinge nicht dazu führten, dass in ihm ein Element entstand, das unter geeigneten Umständen hervorbrechen und all seinen Mut zerstören würde. Und so tapfer er auch sein mochte, es war gerade diese Art von Tapferkeit, die bei einigen furchtlosen Männern zu beobachten ist – eine Tapferkeit, die zwar im Umgang mit Meeren, Winden, Walen oder anderen üblichen, irrationalen Gefahren bestehen bleibt, aber gegen jene noch schrecklicheren, geistigen Ängste nicht ankommt, die manchmal von der finsteren Miene eines wütenden, mächtigen Mannes ausgehen.
Doch wenn die folgende Erzählung jemals die völlige Zerstörung des Mutes des armen Starbuck zeigen sollte, dann hätte ich wohl kaum den Mut, sie niederzuschreiben – denn es ist etwas äußerst Trauriges, ja Schockierendes, den Niedergang des Mutes in der Seele offenzulegen. Menschen können genauso verabscheuungswürdig sein wie Aktiengesellschaften.
Page 143
Völker – darin mögen Schurken, Narren und Mörder sein; Menschen mögen hässliche und armselige Gesichter haben; doch der Mensch im Ideal ist so edel und strahlend, eine so großartige und leuchtende Kreatur, dass alle seine Mitmenschen bei jedem beschämenden Makel an ihm ihre kostbarsten Gewänder hingeben sollten. Diese makellose Männlichkeit spüren wir in uns selbst, tief in uns, sodass sie unversehrt bleibt, auch wenn das ganze äußere Wesen zu verschwinden scheint; sie leidet unter schmerzhaftem Schmerz beim Anblick eines durch Mutlosigkeit zerstörten Menschen. Auch die Frömmigkeit selbst kann angesichts eines solch beschämenden Anblicks ihre Tadel gegenüber denjenigen, die das zulassen, nicht vollständig unterdrücken. Doch diese erhabene Würde, von der ich spreche, ist nicht die Würde von Königen und Gewändern, sondern jene überaus reiche Würde, die keine äußeren Zeichen hat. Man wird sie leuchten sehen in dem Arm, der eine Hacke führt oder einen Pfahl einschlägt; jene demokratische Würde, die von Gott selbst ausging und in alle Richtungen strahlt! Der große, absolute Gott! Das Zentrum und die Grenze aller Demokratie! Seine Allgegenwart – unsere göttliche Gleichheit!
Wenn also ich den niedrigsten Seeleuten, Verrätern und Schiffbrüchigen künftig hohe Eigenschaften zuschreiben werde, auch wenn sie dunkel sind; wenn ich um sie herum tragische Gräzien weben werde; wenn sogar der traurigste, vielleicht der erniedrigteste unter ihnen manchmal auf höhere Ebenen aufsteigen wird; wenn ich den Arm des Arbeiters mit etwas Ätherischem erhellen werde; wenn ich einen Regenbogen über seinen katastrophalen Lebensweg legen werde – dann stütze mich dabei gegen alle irdischen Kritiker, du gerechter Geist der Gleichheit, der ein königliches Gewand der Menschlichkeit über alle meine Artgenossen ausgebreitet hast! Stütze mich dabei, du großer demokratischer Gott! Du, der dem dunklen Verurteilten Bunyan die „bleiche, poetische Perle“ gabst; Du, der den verstümmelten, armen Arm des alten Cervantes mit doppelt gehämmerten Blättern aus feinstem Gold bedecktest; Du, der Andrew Jackson aus dem Schlamm hobst, ihn auf ein Kriegspferd setztest und ihn höher als einen Thron erhobst! Du, der in all Deinen mächtigen, irdischen Handlungen stets Deine besten Kämpfer aus den einfachen Leuten wähltest – stütze mich dabei, o Gott!
Wenn also ich den niedrigsten Seeleuten, Verrätern und Schiffbrüchigen künftig hohe Eigenschaften zuschreiben werde, auch wenn sie dunkel sind; wenn ich um sie herum tragische Gräzien weben werde; wenn sogar der traurigste, vielleicht der erniedrigteste unter ihnen manchmal auf höhere Ebenen aufsteigen wird; wenn ich den Arm des Arbeiters mit etwas Ätherischem erhellen werde; wenn ich einen Regenbogen über seinen katastrophalen Lebensweg legen werde – dann stütze mich dabei gegen alle irdischen Kritiker, du gerechter Geist der Gleichheit, der ein königliches Gewand der Menschlichkeit über alle meine Artgenossen ausgebreitet hast! Stütze mich dabei, du großer demokratischer Gott! Du, der dem dunklen Verurteilten Bunyan die „bleiche, poetische Perle“ gabst; Du, der den verstümmelten, armen Arm des alten Cervantes mit doppelt gehämmerten Blättern aus feinstem Gold bedecktest; Du, der Andrew Jackson aus dem Schlamm hobst, ihn auf ein Kriegspferd setztest und ihn höher als einen Thron erhobst! Du, der in all Deinen mächtigen, irdischen Handlungen stets Deine besten Kämpfer aus den einfachen Leuten wähltest – stütze mich dabei, o Gott!
Page 144
KAPITEL 27. Ritter und Knappen
Stubb war der Zweite Offizier. Er stammte von Cape Cod und wurde daher nach lokaler Sitte als „Cape-Cod-Mann“ bezeichnet. Er war fröhlich und unbeschwert – weder feige noch mutig – und nahm die Gefahren gelassen hin. Selbst in den kritischsten Momenten der Jagd arbeitete er weiterhin ruhig und gelassen, wie ein Handwerker, der für ein Jahr engagiert ist. Gut gelaunt, entspannt und sorglos führte er sein Walfangboot, als wäre das gefährlichste Abenteuer nur ein gewöhnliches Essen – und seine Besatzung wären dazu eingeladene Gäste. Er achtete genauso darauf, dass sein Teil des Bootes bequem eingerichtet war, wie ein alter Kutscher auf die Bequemlichkeit seines Wagens. Wenn er dem Wal nahe war, im entscheidenden Kampfmoment, handhabte er seinen tödlichen Speer kühl und gelassen, wie ein Schmied seinen Hammer. Er summte dabei alte Melodien, während er gegen das wilde Ungeheuer kämpfte. Durch langjährige Erfahrung hatte Stubb aus den „Mäulern des Todes“ einen bequemen Sitz gemacht. Was er über den Tod selbst dachte, lässt sich nicht sagen. Ob er überhaupt jemals darüber nachdachte, ist fraglich. Doch falls er es nach einem gemütlichen Essen tat, dann betrachtete er den Tod sicherlich wie einen Aufruf, sich sofort an die Arbeit zu machen – und würde erst dann mehr erfahren, wenn er den Befehl befolgte.
Was wohl, neben anderen Dingen, Stubb zu einem so gelassenen, furchtlosen Mann machte – einem Mann, der fröhlich mit der Last des Lebens in einer Welt voller ernster Menschen umging – was wohl zu seinem fast gottlosen guten Humor beitrug, das musste seine Pfeife sein. Denn genauso wie seine Nase war auch seine kleine, schwarze Pfeife ein charakteristisches Merkmal seines Gesichts. Man hätte eher erwartet, dass er ohne seine Nase als ohne seine Pfeife aus seinem Bett steigt. Er hielt eine ganze Reihe von Pfeifen bereit – geladen und in einem Gestell, leicht zugänglich für seine Hand. Immer, wenn er ins Bett ging, rauchte er sie nacheinander aus, zündete eine von der anderen an – bis zum Ende des Kapitels. Danach lud er sie wieder auf, damit sie sofort wieder benutzt werden konnten. Denn wenn Stubb sich anzog, steckte er statt zuerst seine Beine in die Hosen zunächst seine Pfeife in den Mund.
Stubb war der Zweite Offizier. Er stammte von Cape Cod und wurde daher nach lokaler Sitte als „Cape-Cod-Mann“ bezeichnet. Er war fröhlich und unbeschwert – weder feige noch mutig – und nahm die Gefahren gelassen hin. Selbst in den kritischsten Momenten der Jagd arbeitete er weiterhin ruhig und gelassen, wie ein Handwerker, der für ein Jahr engagiert ist. Gut gelaunt, entspannt und sorglos führte er sein Walfangboot, als wäre das gefährlichste Abenteuer nur ein gewöhnliches Essen – und seine Besatzung wären dazu eingeladene Gäste. Er achtete genauso darauf, dass sein Teil des Bootes bequem eingerichtet war, wie ein alter Kutscher auf die Bequemlichkeit seines Wagens. Wenn er dem Wal nahe war, im entscheidenden Kampfmoment, handhabte er seinen tödlichen Speer kühl und gelassen, wie ein Schmied seinen Hammer. Er summte dabei alte Melodien, während er gegen das wilde Ungeheuer kämpfte. Durch langjährige Erfahrung hatte Stubb aus den „Mäulern des Todes“ einen bequemen Sitz gemacht. Was er über den Tod selbst dachte, lässt sich nicht sagen. Ob er überhaupt jemals darüber nachdachte, ist fraglich. Doch falls er es nach einem gemütlichen Essen tat, dann betrachtete er den Tod sicherlich wie einen Aufruf, sich sofort an die Arbeit zu machen – und würde erst dann mehr erfahren, wenn er den Befehl befolgte.
Was wohl, neben anderen Dingen, Stubb zu einem so gelassenen, furchtlosen Mann machte – einem Mann, der fröhlich mit der Last des Lebens in einer Welt voller ernster Menschen umging – was wohl zu seinem fast gottlosen guten Humor beitrug, das musste seine Pfeife sein. Denn genauso wie seine Nase war auch seine kleine, schwarze Pfeife ein charakteristisches Merkmal seines Gesichts. Man hätte eher erwartet, dass er ohne seine Nase als ohne seine Pfeife aus seinem Bett steigt. Er hielt eine ganze Reihe von Pfeifen bereit – geladen und in einem Gestell, leicht zugänglich für seine Hand. Immer, wenn er ins Bett ging, rauchte er sie nacheinander aus, zündete eine von der anderen an – bis zum Ende des Kapitels. Danach lud er sie wieder auf, damit sie sofort wieder benutzt werden konnten. Denn wenn Stubb sich anzog, steckte er statt zuerst seine Beine in die Hosen zunächst seine Pfeife in den Mund.
Page 145
Ich sage, dass dieses ständige Rauchen sicherlich mindestens eine Ursache für seine seltsame Veranlagung war; denn jeder weiß, dass diese irdische Luft, egal ob an Land oder auf See, schrecklich mit den namenlosen Leiden der unzähligen Sterblichen verunreinigt ist, die sie ausgestoßen haben; und so wie man in Zeiten der Cholera ein mit Kampfer getränktes Taschentuch vor den Mund hält, so konnte auch der Tabakrauch von Stubb gegen alle irdischen Leiden als eine Art Desinfektionsmittel wirken.
Der Dritte Offizier war Flask, ein Einheimischer aus Tisbury auf Martha’s Vineyard. Ein kleiner, kräftiger, rothaariger junger Mann, der sehr kämpferisch gegenüber Walen war und irgendwie zu glauben schien, dass die großen Leviathane ihn persönlich und erblich beleidigt hätten; daher galt es für ihn als eine Art Ehrensache, sie bei jedem Treffen zu vernichten. Er war völlig frei von jeglichem Respekt vor den vielen Wundern ihrer majestätischen Gestalt und geheimnisvollen Verhaltensweisen – und völlig unfähig, irgendeine Gefahr durch das Zusammentreffen mit ihnen einzuschätzen; in seiner armseligen Ansicht war der wunderbare Wal lediglich eine Art vergrößerte Maus oder zumindest Wasserratte, die nur etwas List sowie Zeit und Mühe erforderte, um sie zu töten und zu kochen. Diese unwissende, unbewusste Furchtlosigkeit machte ihn in Bezug auf Wale etwas scherzhaft; er verfolgte diese Tiere aus Spaß – und eine dreijährige Reise um Kap Hoorn war für ihn nur ein lustiger Scherz, der genau so lange andauerte. Wie Holznägel in Handwerksarbeit in geschmiedete und geschnittene Nägel unterteilt werden, so kann auch die Menschheit auf ähnliche Weise eingeteilt werden. Der kleine Flask gehörte zu den geschmiedeten Nägeln – solche, die fest zusammengehalten werden und lange halten. An Bord der Pequod nannten sie ihn King-Post; denn in seiner Erscheinung ließ er sich gut mit dem kurzen, quadratischen Holzstück vergleichen, das bei arktischen Walfängern unter diesem Namen bekannt ist und durch zahlreiche darin eingefügte seitliche Verstrebungen dazu dient, das Schiff gegen die eisigen Stöße dieser stürmischen Meere zu stärken.
Nun, diese drei Offiziere – Starbuck, Stubb und Flask – waren bedeutende Männer. Sie waren es, die gemäß allgemeiner Übung die drei Boote der Pequod als Bootsführer befehligten. In jener großen Kampfformation, in der Kapitän Ahab wahrscheinlich seine Truppen zum Angriff auf die Wale sammeln würde, galten diese drei Bootsführer als Kompaniechefen. Oder, da sie mit ihren langen, scharfen Walfangspießen bewaffnet waren, glichen sie einem ausgewählten Trio von Lanzenreitern – genauso wie die Harpunenwerfer Wurfspeerwerfer waren.
Und da in dieser berühmten Walfangszunft jeder Offizier oder Bootsführer, wie ein alter gotischer Ritter, stets von seinem Bootsführer oder Harpunenwerfer begleitet wird…
Der Dritte Offizier war Flask, ein Einheimischer aus Tisbury auf Martha’s Vineyard. Ein kleiner, kräftiger, rothaariger junger Mann, der sehr kämpferisch gegenüber Walen war und irgendwie zu glauben schien, dass die großen Leviathane ihn persönlich und erblich beleidigt hätten; daher galt es für ihn als eine Art Ehrensache, sie bei jedem Treffen zu vernichten. Er war völlig frei von jeglichem Respekt vor den vielen Wundern ihrer majestätischen Gestalt und geheimnisvollen Verhaltensweisen – und völlig unfähig, irgendeine Gefahr durch das Zusammentreffen mit ihnen einzuschätzen; in seiner armseligen Ansicht war der wunderbare Wal lediglich eine Art vergrößerte Maus oder zumindest Wasserratte, die nur etwas List sowie Zeit und Mühe erforderte, um sie zu töten und zu kochen. Diese unwissende, unbewusste Furchtlosigkeit machte ihn in Bezug auf Wale etwas scherzhaft; er verfolgte diese Tiere aus Spaß – und eine dreijährige Reise um Kap Hoorn war für ihn nur ein lustiger Scherz, der genau so lange andauerte. Wie Holznägel in Handwerksarbeit in geschmiedete und geschnittene Nägel unterteilt werden, so kann auch die Menschheit auf ähnliche Weise eingeteilt werden. Der kleine Flask gehörte zu den geschmiedeten Nägeln – solche, die fest zusammengehalten werden und lange halten. An Bord der Pequod nannten sie ihn King-Post; denn in seiner Erscheinung ließ er sich gut mit dem kurzen, quadratischen Holzstück vergleichen, das bei arktischen Walfängern unter diesem Namen bekannt ist und durch zahlreiche darin eingefügte seitliche Verstrebungen dazu dient, das Schiff gegen die eisigen Stöße dieser stürmischen Meere zu stärken.
Nun, diese drei Offiziere – Starbuck, Stubb und Flask – waren bedeutende Männer. Sie waren es, die gemäß allgemeiner Übung die drei Boote der Pequod als Bootsführer befehligten. In jener großen Kampfformation, in der Kapitän Ahab wahrscheinlich seine Truppen zum Angriff auf die Wale sammeln würde, galten diese drei Bootsführer als Kompaniechefen. Oder, da sie mit ihren langen, scharfen Walfangspießen bewaffnet waren, glichen sie einem ausgewählten Trio von Lanzenreitern – genauso wie die Harpunenwerfer Wurfspeerwerfer waren.
Und da in dieser berühmten Walfangszunft jeder Offizier oder Bootsführer, wie ein alter gotischer Ritter, stets von seinem Bootsführer oder Harpunenwerfer begleitet wird…
Page 146
Wer ihm in bestimmten Situationen eine neue Harpune zur Verfügung stellt, wenn die vorherige bei einem Angriff stark beschädigt wurde oder gebrochen ist; außerdem besteht zwischen den beiden in der Regel eine enge Vertrautheit und Freundschaft. Es ist daher nur angemessen, hier aufzuzählen, wer die Harpunenschützen der Pequod waren und zu welchem Anführer jeder von ihnen gehörte. Zuerst kam Queequeg, den Starbuck, der Erste Offizier, als seinen Gehilfen ausgewählt hatte. Doch Queequeg ist bereits bekannt. Danach kam Tashtego, ein reinblütiger Indianer aus Gay Head, dem westlichsten Vorgebirge von Martha’s Vineyard – dort existiert noch heute das letzte Überbleibsel eines Dorfes roter Menschen, das seit langem die benachbarte Insel Nantucket mit vielen ihrer mutigsten Harpunenschützen versorgte. Im Fischfang werden sie üblicherweise mit dem Sammelnamen „Gay-Headers“ bezeichnet. Tashtegos langes, dünnes, schiefergraues Haar, seine hohen Wangenknochen sowie seine schwarzen, runden Augen – für einen Indianer von orientalischer Größe, doch mit einem glänzenden Ausdruck, der eher an die Bewohner der Antarktis erinnert – zeigten deutlich, dass er ein Erbe des unverfälschten Blutes jener stolzen Kriegerjäger war, die auf der Suche nach den großen Elchen Neuenglands mit Bogen in den ursprünglichen Wäldern des Kontinents umherzogen. Doch anstatt weiterhin den Spuren der Wildtiere im Wald zu folgen, jagte Tashtego nun den großen Walen im Meer nach; die präzise Harpune des Sohnes ersetzte dabei die zuverlässige Pfeil der Väter. Wenn man seine braunen, muskulösen Gliedmaßen sah, könnte man fast den Aberglauben einiger früherer Puritaner glauben und meinen, dieser wilde Indianer sei ein Sohn des Fürsten der Luftherrscher. Tashtego war der Gehilfe des Zweiten Offiziers Stubb. Der Dritte unter den Harpunenschützen war Daggoo, ein riesiger, kohlschwarzer Negerbarbar mit einem löwenhaften Gang – ein wahrhaft beeindruckender Anblick. An seinen Ohren hingen zwei goldene Ringe, so groß, dass die Seeleute sie „Ringbolzen“ nannten und darüber sprachen, die Takelseile an sie zu befestigen. In seiner Jugend war Daggoo freiwillig auf ein Walfangschiff gegangen, das in einer einsamen Bucht an seiner Heimatküste lag. Er war nie anderswo auf der Welt gewesen als in Afrika, auf Nantucket sowie in den von Walfängern häufig besuchten heidnischen Häfen; nachdem er nun viele Jahre lang das gefährliche Leben auf den Schiffen von Eigentümern geführt hatte, die besonders darauf achteten, welche Art von Männern sie anheuerten, behielt Daggoo all seine barbarischen Eigenschaften bei. Er bewegte sich auf den Decks mit der Würde einer Giraffe – er war sechs Fuß fünf Zoll groß. Es war eine Art körperliche Demut, zu ihm aufzublicken; ein Weißer, der vor ihm stand, schien…
Page 147
Eine weiße Flagge wurde geschickt, um um Waffenstillstand für die Festung zu bitten. Interessanterweise war dieser imperiale Neger, Ahasuerus Daggoo, der Verwalter von Little Flask – der neben ihm wie ein Schachspielstein aussah. Was den Rest der Besatzung der Pequod angeht, so gilt: Heutzutage ist nicht einmal einer von zwei der vielen tausend Männer, die bei der amerikanischen Walfangindustrie tätig sind, in Amerika geboren – obwohl fast alle Offiziere es sind. Bei der amerikanischen Walfangindustrie verhält es sich genauso wie in der amerikanischen Armee sowie in den Handelsflotten und bei den Ingenieurtruppen, die an dem Bau der amerikanischen Kanäle und Eisenbahnen beteiligt sind. Ich sage: Es ist dasselbe, denn in all diesen Fällen stellt der einheimische Amerikaner großzügig das Gehirn bereit, während der Rest der Welt großzügig die Muskeln liefert. Eine beträchtliche Anzahl dieser Walfangmatrosen stammt von den Azoren – wo die Walfänger aus Nantucket häufig dort anlegen, um ihre Besatzungen mit den zähen Bauern jener felsigen Küsten zu verstärken. Ebenso legen die Walfänger aus Grönland, die von Hull oder London aus aufbrechen, in den Shetlandinseln an, um ihre Besatzung vollständig zusammenzustellen. Auf dem Rückweg lassen sie diese Männer wieder dort zurück. Wie das zustande kommt, weiß man nicht – aber es scheint, als wären die Insulaner die besten Walfänger. Fast alle an Bord der Pequod waren Insulaner – ich nenne sie „Isolaten“; sie erkennen keine gemeinsame Heimat auf dem Kontinent an, sondern jeder Isolat lebt auf seinem eigenen „Kontinent“. Doch nun, vereint unter einem Deck, was für eine Truppe waren diese Isolaten doch! Eine Delegation von Anacharsis Clootz aus allen Inseln des Meeres und aus allen Ecken der Erde, die Old Ahab auf der Pequod begleitete, um die Beschwerden der Welt vor jenen Richtern darzulegen – von denen nur wenige von ihnen je zurückkehren. Der schwarze kleine Pip – er hat es nie geschafft… Oh nein! Er ging schon früher. Armer Junge aus Alabama! Auf dem düsteren Vorderdeck der Pequod werdet ihr ihn bald sehen – wie er seine Trommel schlägt. Das ist ein Vorbote der Ewigkeit: Wenn er gerufen wird, auf das große Deck hinauf, soll er mit Engeln zusammen spielen und seine Trommel in Herrlichkeit schlagen. Hier wird er als Feigling bezeichnet, dort als Held gefeiert!
Page 148
KAPITEL 28. Ahab.
Einige Tage nach dem Verlassen von Nantucket war von Kapitän Ahab nichts über den Luken zu sehen. Die Offiziere wechselten sich regelmäßig bei den Wachen ab, und soweit man etwas erkennen konnte, schienen sie die einzigen Befehlshaber des Schiffes zu sein; nur kamen sie manchmal aus der Kabine mit so plötzlichen und entschiedenen Befehlen heraus, dass es offensichtlich war, dass sie nur stellvertretend befahlen. Ja, ihr oberster Herrscher und Diktator war dort – doch bisher hatte ihn kein Auge gesehen, dem es nicht gestattet war, in diesen nun heiligen Rückzugsort der Kabine einzudringen.
Jedes Mal, wenn ich von meinen Wachen unten an Deck stieg, blickte ich sofort nach hinten, um zu prüfen, ob ein fremdes Gesicht zu sehen war; denn meine erste vage Unruhe bezüglich des unbekannten Kapitäns, der nun in der Einsamkeit des Meeres war, wurde allmählich zu echter Besorgnis. Diese Besorgnis wurde manchmal noch verstärkt durch die teuflischen, unzusammenhängenden Reden des zerrütteten Elija, die mir auf unerklärliche Weise in den Sinn kamen – mit einer subtilen Kraft, wie ich sie zuvor nie für möglich gehalten hätte. Doch ich konnte ihnen kaum widerstehen; in anderen Momenten war ich sogar fast bereit, über die feierlichen, exzentrischen Einfälle dieses seltsamen Propheten zu lächeln. Doch egal, ob es nun Besorgnis oder Unruhe war – so könnte man es nennen –, immer wenn ich mich auf dem Schiff umsah, schien es gegen alle Vernunft, solche Gefühle zu hegen. Denn obwohl die Harpunenschützen zusammen mit dem größten Teil der Besatzung eine weitaus barbarischere, heidnischere und vielfältigere Gruppe darstellten als irgendeine der zivilisierten Handelsschiffe, mit denen ich durch frühere Erfahrungen vertraut geworden war, schrieb ich dies – und zu Recht – der wilden, einzigartigen Natur jener skandinavischen Berufung zu, in die ich mich so hingebungsvoll begeben hatte. Doch besonders das Auftreten der drei Hauptoffiziere des Schiffes, der Offiziere, trug dazu bei, diese unsinnigen Bedenken zu zerstreuen und Vertrauen sowie Fröhlichkeit in jede Phase der Reise zu bringen.
Drei bessere, geeignetere Seeoffiziere und Matrosen, jeder auf seine eigene Weise, hätten sich wohl kaum finden lassen – und sie waren alle Amerikaner: Ein Mann aus Nantucket, einer aus Vineyard und einer vom Kap. Da es zu Weihnachten war, als das Schiff den Hafen verließ, hatten wir eine Zeit lang extrem kaltes Polarklima – obwohl wir die ganze Zeit nach Süden flohen, um ihm zu entkommen.
Einige Tage nach dem Verlassen von Nantucket war von Kapitän Ahab nichts über den Luken zu sehen. Die Offiziere wechselten sich regelmäßig bei den Wachen ab, und soweit man etwas erkennen konnte, schienen sie die einzigen Befehlshaber des Schiffes zu sein; nur kamen sie manchmal aus der Kabine mit so plötzlichen und entschiedenen Befehlen heraus, dass es offensichtlich war, dass sie nur stellvertretend befahlen. Ja, ihr oberster Herrscher und Diktator war dort – doch bisher hatte ihn kein Auge gesehen, dem es nicht gestattet war, in diesen nun heiligen Rückzugsort der Kabine einzudringen.
Jedes Mal, wenn ich von meinen Wachen unten an Deck stieg, blickte ich sofort nach hinten, um zu prüfen, ob ein fremdes Gesicht zu sehen war; denn meine erste vage Unruhe bezüglich des unbekannten Kapitäns, der nun in der Einsamkeit des Meeres war, wurde allmählich zu echter Besorgnis. Diese Besorgnis wurde manchmal noch verstärkt durch die teuflischen, unzusammenhängenden Reden des zerrütteten Elija, die mir auf unerklärliche Weise in den Sinn kamen – mit einer subtilen Kraft, wie ich sie zuvor nie für möglich gehalten hätte. Doch ich konnte ihnen kaum widerstehen; in anderen Momenten war ich sogar fast bereit, über die feierlichen, exzentrischen Einfälle dieses seltsamen Propheten zu lächeln. Doch egal, ob es nun Besorgnis oder Unruhe war – so könnte man es nennen –, immer wenn ich mich auf dem Schiff umsah, schien es gegen alle Vernunft, solche Gefühle zu hegen. Denn obwohl die Harpunenschützen zusammen mit dem größten Teil der Besatzung eine weitaus barbarischere, heidnischere und vielfältigere Gruppe darstellten als irgendeine der zivilisierten Handelsschiffe, mit denen ich durch frühere Erfahrungen vertraut geworden war, schrieb ich dies – und zu Recht – der wilden, einzigartigen Natur jener skandinavischen Berufung zu, in die ich mich so hingebungsvoll begeben hatte. Doch besonders das Auftreten der drei Hauptoffiziere des Schiffes, der Offiziere, trug dazu bei, diese unsinnigen Bedenken zu zerstreuen und Vertrauen sowie Fröhlichkeit in jede Phase der Reise zu bringen.
Drei bessere, geeignetere Seeoffiziere und Matrosen, jeder auf seine eigene Weise, hätten sich wohl kaum finden lassen – und sie waren alle Amerikaner: Ein Mann aus Nantucket, einer aus Vineyard und einer vom Kap. Da es zu Weihnachten war, als das Schiff den Hafen verließ, hatten wir eine Zeit lang extrem kaltes Polarklima – obwohl wir die ganze Zeit nach Süden flohen, um ihm zu entkommen.
Page 149
Und mit jedem Grad und jeder Minute der Breite, die wir zurücklegten, ließen wir allmählich diesen erbarmungslosen Winter sowie sein unerträgliches Wetter hinter uns. Es war einer jener weniger düsteren, doch dennoch grauen und trostlosen Morgen der Übergangszeit – bei angemessener Windrichtung raste das Schiff durch das Wasser mit einer fast rachsüchtigen Geschwindigkeit. Als ich auf Ruf des Vormittagswachtpersonals aufs Deck stieg und meinen Blick zum Geländer richtete, überliefen mich bangende Schauer. Die Realität übertraf alle Befürchtungen: Kapitän Ahab stand auf dem Quarterdeck. An ihm schien kein Zeichen einer gewöhnlichen Krankheit zu sein, noch eines Genesungsprozesses. Er sah aus wie ein Mensch, der vom Scheiterhaufen gerettet worden war – das Feuer hatte zwar alle Gliedmaßen zerstört, doch nicht einen einzigen Teil ihrer festen, kräftigen Struktur beeinträchtigt. Seine ganze große, breite Gestalt schien aus massivem Bronze zu bestehen und in einem unveränderlichen Muster geformt zu sein – wie Perseus in Cellinis Skulptur. Zwischen seinen grauen Haaren verlief eine dünne, stäbchenartige Linie, bleichweiß gefärbt; sie erstreckte sich entlang einer Seite seines braunen, verbrannten Gesichts und Halses bis zu seinem Gewand. Sie erinnerte an die senkrechte Spur, die man manchmal im geraden Stamm eines großen Baumes sieht, wenn ein Blitz von oben herabfährt und ohne auch nur einen Zweig zu verbiegen die Rinde von oben bis unten abzieht – der Baum bleibt zwar grün und am Leben, doch trägt nun diese „Brandmarke“. Ob diese Markierung angeboren war oder eine Narbe von einer schrecklichen Verletzung stammte, konnte niemand mit Sicherheit sagen. Im Laufe der Reise wurde kaum je darauf angesprochen – besonders nicht von den Matrosen. Doch einmal behauptete ein alter Indianer namens Tashtego, dass Ahab erst im Alter von vierzig Jahren so gebrandmarkt wurde – und zwar nicht im Zuge eines menschlichen Kampfes, sondern während eines Sturms auf See. Diese wilde Vermutung wurde jedoch durch Andeutungen eines alten Mannes aus Manx widerlegt; dieser hatte noch nie außerhalb von Nantucket gesegelt und Ahab noch nie gesehen. Dennoch verliehen die alten Seefahrtsbräuche sowie die uralten Vorstellungen diesem alten Mann übernatürliche Fähigkeiten zur Erkennung solcher Dinge. Deshalb widersprach ihm kein weißer Seemann ernsthaft, als er sagte, dass, falls Kapitän Ahab eines Tages friedlich beigesetzt werden sollte – was wohl kaum geschehen würde – derjenige, der diese letzte Pflicht für den Toten erfüllte, eine Geburtsmarkierung von Kopf bis Fuß finden würde.
Page 150
So stark wirkte die ganze düstere Seite von Ahab auf mich ein – sowie das blutrote Mal, das ihn zeichnete –, dass ich in den ersten Momenten kaum bemerkte, dass ein nicht unerheblicher Teil dieser bedrückenden Düsternis auf dem barbarischen weißen Bein beruhte, auf dem er teilweise stand. Mir war bereits zuvor in den Sinn gekommen, dass dieses Elfenbeinbein auf See aus dem polierten Knochen des Walschädels gefertigt worden war.
„Ja, er verlor seinen Mast vor Japan“, sagte einst der alte Indianer Gay-Head; „doch genau wie sein Schiff ohne Mast weitersegelte, ließ er sich auch einen neuen Mast besorgen, ohne dafür nach Hause zurückzukehren. Er hat eine ganze Menge davon.“
Ich war von der seltsamen Haltung beeindruckt, die er einnahm. Auf jeder Seite des Quarterdecks der Pequod, ganz in der Nähe der Segeltücher, befand sich ein Loch, das etwa eine halbe Zoll tief in das Holz gebohrt worden war. Sein Knochenbein ragte in dieses Loch hinein; ein Arm war erhoben und hielt ein Segeltuch fest. Kapitän Ahab stand aufrecht da und blickte geradewegs über die ständig schwankende Bugspitze des Schiffes hinaus. In diesem festen, furchtlosen Blick lag eine unermessliche Entschlossenheit, ein entschlossener, unerschütterlicher Wille. Er sprach kein Wort; auch seine Offiziere sagten nichts zu ihm. Doch durch alle ihre kleinsten Gesten und Ausdrücke zeigten sie deutlich das unruhige, wenn nicht sogar schmerzhafte Bewusstsein, unter dem Blick eines problematischen Herrn zu stehen. Und nicht nur das: Ahab stand vor ihnen mit einem Ausdruck des Leids im Gesicht – in aller namenlosen, königlichen Überheblichkeit einer großen Trauer.
Bald zog er sich nach seinem ersten Aufenthalt an Deck wieder in seine Kabine zurück. Doch nach jenem Morgen war er jeden Tag für die Besatzung sichtbar – entweder stand er in seinem Loch oder saß auf einem Elfenbeinstuhl, den er hatte, oder ging schwerfällig über das Deck. Als der Himmel weniger düster wurde – ja, sogar etwas freundlicher –, wurde er immer weniger ein Einsiedler. Es schien, als hätte, seit das Schiff von zu Hause abgefahren war, nur die tote, kalte Kälte des Meeres ihn noch in Isolation gehalten. Nach und nach war er fast ständig an Deck – doch trotz all dessen, was er sagte oder tat, schien er dort genauso überflüssig zu sein wie ein weiterer Mast. Die Pequod befand sich jedoch nur auf Reise; sie fuhr nicht regelmäßig. Da fast alle Vorbereitungen für die Walfangfahrt von den Matrosen gut bewältigt werden konnten, gab es kaum etwas, womit man Ahab beschäftigen oder reizen konnte – und somit auch keine Möglichkeit, die Wolken, die sich immer wieder auf seiner Stirn ansammelten, für eine Weile zu vertreiben. Schließlich wählen alle Wolken immer die höchsten Gipfel, um sich dort anzusammeln.
„Ja, er verlor seinen Mast vor Japan“, sagte einst der alte Indianer Gay-Head; „doch genau wie sein Schiff ohne Mast weitersegelte, ließ er sich auch einen neuen Mast besorgen, ohne dafür nach Hause zurückzukehren. Er hat eine ganze Menge davon.“
Ich war von der seltsamen Haltung beeindruckt, die er einnahm. Auf jeder Seite des Quarterdecks der Pequod, ganz in der Nähe der Segeltücher, befand sich ein Loch, das etwa eine halbe Zoll tief in das Holz gebohrt worden war. Sein Knochenbein ragte in dieses Loch hinein; ein Arm war erhoben und hielt ein Segeltuch fest. Kapitän Ahab stand aufrecht da und blickte geradewegs über die ständig schwankende Bugspitze des Schiffes hinaus. In diesem festen, furchtlosen Blick lag eine unermessliche Entschlossenheit, ein entschlossener, unerschütterlicher Wille. Er sprach kein Wort; auch seine Offiziere sagten nichts zu ihm. Doch durch alle ihre kleinsten Gesten und Ausdrücke zeigten sie deutlich das unruhige, wenn nicht sogar schmerzhafte Bewusstsein, unter dem Blick eines problematischen Herrn zu stehen. Und nicht nur das: Ahab stand vor ihnen mit einem Ausdruck des Leids im Gesicht – in aller namenlosen, königlichen Überheblichkeit einer großen Trauer.
Bald zog er sich nach seinem ersten Aufenthalt an Deck wieder in seine Kabine zurück. Doch nach jenem Morgen war er jeden Tag für die Besatzung sichtbar – entweder stand er in seinem Loch oder saß auf einem Elfenbeinstuhl, den er hatte, oder ging schwerfällig über das Deck. Als der Himmel weniger düster wurde – ja, sogar etwas freundlicher –, wurde er immer weniger ein Einsiedler. Es schien, als hätte, seit das Schiff von zu Hause abgefahren war, nur die tote, kalte Kälte des Meeres ihn noch in Isolation gehalten. Nach und nach war er fast ständig an Deck – doch trotz all dessen, was er sagte oder tat, schien er dort genauso überflüssig zu sein wie ein weiterer Mast. Die Pequod befand sich jedoch nur auf Reise; sie fuhr nicht regelmäßig. Da fast alle Vorbereitungen für die Walfangfahrt von den Matrosen gut bewältigt werden konnten, gab es kaum etwas, womit man Ahab beschäftigen oder reizen konnte – und somit auch keine Möglichkeit, die Wolken, die sich immer wieder auf seiner Stirn ansammelten, für eine Weile zu vertreiben. Schließlich wählen alle Wolken immer die höchsten Gipfel, um sich dort anzusammeln.
Page 151
Dennoch schien die warme, verlockende Atmosphäre des angenehmen Ferienwetters allmählich seine schlechte Stimmung zu vertreiben. Denn genauso wie die rotwangigen, tanzenden Mädchen, April und Mai, nach den winterlichen, misanthropischen Wäldern zurückkehren – selbst der kahlste, rauhesten, vom Donner zerrissene alte Eichenbaum sendet wenigstens einige grüne Triebe aus, um solche fröhlichen Besucher willkommen zu heißen – so reagierte Ahab letztendlich doch ein wenig auf die verspielten Verlockungen dieser frühlingshaften Luft. Mehrmals zeigte er einen Hauch eines Lächelns – bei jedem anderen Mann wäre dieses Lächeln bald vollständig entfaltet worden.
Page 152
KAPITEL 29. Ahab tritt ein; an ihn wendet sich Stubb.
Einige Tage vergingen, und da Eis sowie Eisberge hinter ihnen lagen, fuhr die Pequod nun durch das klare Wasser des Quito-Strandes – ein Meerwasser, das auf See fast ständig am Eingang zum ewigen „August“ der Tropen herrscht. Die warm-kühlen, klaren, duftenden, üppigen Tage glichen kristallenen Bechern mit persischem Sorbet, bedeckt mit Schneeflocken aus Rosenschaum. Die sternübersäten, prächtigen Nächte wirkten wie stolze Damen in juwelenbesetztem Samt, die in einsamer Stolz an die Erinnerung an ihre abwesenden, erobernden „Grafen“ – die sonnenähnlichen Gestalten mit goldenen Helmen – dachten. Für den Schlafenden war es schwer, zwischen solch reizvollen Tagen und verführerischen Nächten zu wählen. Doch all die Zauberkräfte dieses unveränderlichen Wetters wirkten nicht nur auf die äußere Welt ein – sie beeinflussten auch die Seele, besonders wenn die ruhigen, milden Abendstunden anbrachen. Dann durchdrangen Erinnerungen die Seele, ähnlich wie klares Eis die verschiedenen Formen des lautlosen Dämmerlichts. All diese subtilen Einflüsse wirkten immer mehr auf Ahab ein.
Das Alter ist stets wachsam – als hätte der Mensch, je länger er mit dem Leben verbunden ist, umso weniger etwas mit dem Tod zu tun. Unter Seefahrern verlassen die alten Greise am häufigsten ihre Kojen, um das nachtschwarze Deck zu besuchen. So war es auch bei Ahab – nur schien er in letzter Zeit eher im Freien zu leben; tatsächlich besuchte er eher die Kabine, als dass er von dort zum Deck ging. „Es fühlt sich an, als würde man in sein eigenes Grab hinabsteigen“, murmelte er oft vor sich hin – „dass ein alter Kapitän wie ich diesen engen Gang hinuntergehen muss, um in meine Grabkammer zu gelangen.“
So geschah es fast alle 24 Stunden: Wenn die Nachtwachen eingesetzt wurden und die Männer an Deck Wache hielten, während die anderen schliefen; wenn ein Seil an die Bugseite gezogen werden musste, warfen die Matrosen es nicht grob herunter wie tagsüber, sondern ließen es vorsichtig an seinen Platz fallen, aus Angst, ihre schlafenden Kameraden zu stören. Wenn dann diese Art von ruhiger Stille einkehrte, beobachtete der stille Steuermann gewöhnlich den Eingang zur Kabine – bald darauf erschien der alte Mann, sich am eisernen Geländer festhaltend, um sich fortzubewegen. In ihm lag noch ein Hauch von Menschlichkeit – denn in solchen Momenten verzichtete er meist darauf, das Oberdeck zu patrouillieren, um seinen müden Kameraden Ruhe zu gönnen.
Einige Tage vergingen, und da Eis sowie Eisberge hinter ihnen lagen, fuhr die Pequod nun durch das klare Wasser des Quito-Strandes – ein Meerwasser, das auf See fast ständig am Eingang zum ewigen „August“ der Tropen herrscht. Die warm-kühlen, klaren, duftenden, üppigen Tage glichen kristallenen Bechern mit persischem Sorbet, bedeckt mit Schneeflocken aus Rosenschaum. Die sternübersäten, prächtigen Nächte wirkten wie stolze Damen in juwelenbesetztem Samt, die in einsamer Stolz an die Erinnerung an ihre abwesenden, erobernden „Grafen“ – die sonnenähnlichen Gestalten mit goldenen Helmen – dachten. Für den Schlafenden war es schwer, zwischen solch reizvollen Tagen und verführerischen Nächten zu wählen. Doch all die Zauberkräfte dieses unveränderlichen Wetters wirkten nicht nur auf die äußere Welt ein – sie beeinflussten auch die Seele, besonders wenn die ruhigen, milden Abendstunden anbrachen. Dann durchdrangen Erinnerungen die Seele, ähnlich wie klares Eis die verschiedenen Formen des lautlosen Dämmerlichts. All diese subtilen Einflüsse wirkten immer mehr auf Ahab ein.
Das Alter ist stets wachsam – als hätte der Mensch, je länger er mit dem Leben verbunden ist, umso weniger etwas mit dem Tod zu tun. Unter Seefahrern verlassen die alten Greise am häufigsten ihre Kojen, um das nachtschwarze Deck zu besuchen. So war es auch bei Ahab – nur schien er in letzter Zeit eher im Freien zu leben; tatsächlich besuchte er eher die Kabine, als dass er von dort zum Deck ging. „Es fühlt sich an, als würde man in sein eigenes Grab hinabsteigen“, murmelte er oft vor sich hin – „dass ein alter Kapitän wie ich diesen engen Gang hinuntergehen muss, um in meine Grabkammer zu gelangen.“
So geschah es fast alle 24 Stunden: Wenn die Nachtwachen eingesetzt wurden und die Männer an Deck Wache hielten, während die anderen schliefen; wenn ein Seil an die Bugseite gezogen werden musste, warfen die Matrosen es nicht grob herunter wie tagsüber, sondern ließen es vorsichtig an seinen Platz fallen, aus Angst, ihre schlafenden Kameraden zu stören. Wenn dann diese Art von ruhiger Stille einkehrte, beobachtete der stille Steuermann gewöhnlich den Eingang zur Kabine – bald darauf erschien der alte Mann, sich am eisernen Geländer festhaltend, um sich fortzubewegen. In ihm lag noch ein Hauch von Menschlichkeit – denn in solchen Momenten verzichtete er meist darauf, das Oberdeck zu patrouillieren, um seinen müden Kameraden Ruhe zu gönnen.
Page 153
Nur wenige Zoll von seinem Elfenbeinsporn entfernt – so groß wäre das dröhnende Geräusch dieses Schrittes gewesen, dass ihre Träume von dem Knirschen der Haifischzähne erfüllt worden wären. Doch einmal war seine Stimmung so düster, dass sie nicht mit gewöhnlichen Blicken erfasst werden konnte; und während er mit schwerem, stampfendem Schritt das Schiff von der Reling bis zum Hauptmast abmaß, kam Stubb, der alte Zweite Offizier, von unten herauf und deutete mit einer gewissen unsicheren, spöttischen Humorvollheit an, dass, falls Kapitän Ahab darauf bestünde, über das Deck zu gehen, niemand Nein sagen könne; es gäbe aber vielleicht eine Möglichkeit, den Lärm zu dämpfen – vage und zögernd erwähnte er etwas von einer Ballen aus Tau und davon, den Elfenbeinsporn hineinzustecken. Ach! Stubb, du kanntest Ahab damals noch nicht.
„Bin ich etwa eine Kanonenkugel, Stubb“, sagte Ahab, „dass du mich auf diese Weise einwickeln willst? Geh deines Weges; ich hatte es vergessen. Ab nach unten, in dein nächtliches Grab – dort schlafen solche wie ihr zwischen Tüchern, um schließlich dazu zu dienen, eines davon zu füllen. Ab, Hund, in dein Loch!“
Vor dem unerwarteten, plötzlich so verächtlichen Ausbruch des alten Mannes war Stubb einen Moment lang sprachlos; dann sagte er aufgeregt: „Ich bin es nicht gewohnt, so angesprochen zu werden, Sir; ich mag es nicht einmal im Geringsten.“
„Halt!“, knirschte Ahab zwischen zusammengebissenen Zähnen und entfernte sich heftig, als wolle er einer leidenschaftlichen Versuchung entgehen.
„Nein, Sir; noch nicht“, sagte Stubb, nun mutiger geworden. „Ich werde nicht einfach als Hund bezeichnet werden, Sir.“
„Dann nenne ich dich zehnmal Esel, Maultier und Ass – und verschwinde, sonst räume ich die Welt von dir!“
Während er das sagte, trat Ahab mit solch bedrohlichem Ausdruck auf ihn zu, dass Stubb unwillkürlich zurückwich.
„So wurde ich noch nie behandelt, ohne dass ich zurückgeschlagen habe“, murmelte Stubb, während er die Kajütentreppe hinunterstieg. „Das ist sehr seltsam. Stopp, Stubb – irgendwie weiß ich jetzt nicht mehr, ob ich zurückgehen und ihn schlagen soll oder – was ist das? – hier auf den Knien liegen und für ihn beten? Ja, das war der Gedanke, der mir kam; aber es wäre das erste Mal, dass ich bete. Seltsam; sehr seltsam – und er ist auch seltsam; ja, egal, ob man ihn vorne oder hinten betrachtet – er ist der seltsamste alte Mann, mit dem Stubb je gesegelt ist. Wie er mich anstarrte! Seine Augen wie Pulverbehälter! Ist er verrückt? Jedenfalls hat er etwas im Kopf – genauso sicher, wie es etwas auf einem Deck gibt, wenn es kracht. Er liegt auch nicht im Bett, mehr als drei Stunden von den vierundzwanzig Stunden lang – und dann schläft er auch nicht. Hat dieser Dough-Boy nicht…“
„Bin ich etwa eine Kanonenkugel, Stubb“, sagte Ahab, „dass du mich auf diese Weise einwickeln willst? Geh deines Weges; ich hatte es vergessen. Ab nach unten, in dein nächtliches Grab – dort schlafen solche wie ihr zwischen Tüchern, um schließlich dazu zu dienen, eines davon zu füllen. Ab, Hund, in dein Loch!“
Vor dem unerwarteten, plötzlich so verächtlichen Ausbruch des alten Mannes war Stubb einen Moment lang sprachlos; dann sagte er aufgeregt: „Ich bin es nicht gewohnt, so angesprochen zu werden, Sir; ich mag es nicht einmal im Geringsten.“
„Halt!“, knirschte Ahab zwischen zusammengebissenen Zähnen und entfernte sich heftig, als wolle er einer leidenschaftlichen Versuchung entgehen.
„Nein, Sir; noch nicht“, sagte Stubb, nun mutiger geworden. „Ich werde nicht einfach als Hund bezeichnet werden, Sir.“
„Dann nenne ich dich zehnmal Esel, Maultier und Ass – und verschwinde, sonst räume ich die Welt von dir!“
Während er das sagte, trat Ahab mit solch bedrohlichem Ausdruck auf ihn zu, dass Stubb unwillkürlich zurückwich.
„So wurde ich noch nie behandelt, ohne dass ich zurückgeschlagen habe“, murmelte Stubb, während er die Kajütentreppe hinunterstieg. „Das ist sehr seltsam. Stopp, Stubb – irgendwie weiß ich jetzt nicht mehr, ob ich zurückgehen und ihn schlagen soll oder – was ist das? – hier auf den Knien liegen und für ihn beten? Ja, das war der Gedanke, der mir kam; aber es wäre das erste Mal, dass ich bete. Seltsam; sehr seltsam – und er ist auch seltsam; ja, egal, ob man ihn vorne oder hinten betrachtet – er ist der seltsamste alte Mann, mit dem Stubb je gesegelt ist. Wie er mich anstarrte! Seine Augen wie Pulverbehälter! Ist er verrückt? Jedenfalls hat er etwas im Kopf – genauso sicher, wie es etwas auf einem Deck gibt, wenn es kracht. Er liegt auch nicht im Bett, mehr als drei Stunden von den vierundzwanzig Stunden lang – und dann schläft er auch nicht. Hat dieser Dough-Boy nicht…“
Page 154
Steward, sagen Sie mir – findet er nicht jeden Morgen die Hängematte des Alten in einem völlig zerwühlten Zustand vor, die Laken am Boden, die Decke fast zu Knoten gebunden, und das Kissen unglaublich heiß, als hätte jemand einen gebrannten Ziegel darauf gelegt? Ein heißer alter Mann! Ich vermute, er hat das, was einige Leute an Land als Gewissen bezeichnen; es ist eine Art Leiden, sagen sie – schlimmer noch als Zahnschmerzen. Nun, ich weiß nicht, was es ist, aber der Herr möge mich davor bewahren, es zu bekommen. Er ist voller Rätsel; ich frage mich, wozu er jede Nacht in den hinteren Laderaum geht, wie Dough-Boy vermutet – wofür ist das eigentlich? Wer hat dort Termine mit ihm? Ist das nicht seltsam? Aber man kann es nicht wissen – es ist eben dieses alte Spiel. Da geht’s wieder ins Bett. Verdammt, es lohnt sich schon, auf die Welt zu kommen, nur um endlich einschlafen zu können. Und wenn ich darüber nachdenke, dann ist das wohl das Erste, was Babys tun – auch das ist irgendwie seltsam. Verdammt, alles ist seltsam, wenn man darüber nachdenkt. Aber das widerspricht meinen Prinzipien. „Nicht denken“, ist mein elftes Gebot – und „Schlafen, wenn man kann“, mein zwölftes. Also, da geht’s wieder los. Aber wie kommt’s? Hat er mich nicht einen Hund genannt? Verdammt! Er nannte mich zehnmal Esel und fügte noch viele Beleidigungen hinzu! Er hätte genauso gut nach mir treten können und es dabei belassen. Vielleicht hat er tatsächlich nach mir getreten – ich habe es nur nicht bemerkt, weil ich von seinem Gesichtsausdruck so schockiert war. Es sah aus wie ein gebleichter Knochen. Was ist nur mit mir los? Ich kann richtig stehen. Auf diesen alten Mann zu stoßen, hat mich irgendwie durcheinandergebracht. Bei Gott, ich muss geträumt haben – Wie? Wie? Wie? – aber die einzige Lösung ist, es zu ignorieren; also zurück in die Hängematte. Morgen werde ich sehen, wie dieser verdammte Kerl bei Tageslicht handelt.
Page 155
KAPITEL 30. Die Pfeife
Nachdem Stubb gegangen war, stand Ahab eine Weile da und lehnte sich über die Reling. Dann rief er, wie es in letzter Zeit üblich war, einen Matrosen der Wache zu sich, um von ihm seinen Elfenbeinstuhl sowie seine Pfeife zu holen. Er zündete die Pfeife an der Lampe am Kompassstand an, stellte den Stuhl auf die windabgewandte Seite des Decks und setzte sich, um zu rauchen.
In der alten nordischen Zeit wurden, so die Überlieferung, die Thronen der meeresliebenden dänischen Könige aus den Stoßzähnen des Narwals gefertigt. Wie konnte man da Ahab betrachten, der auf diesem „Thron“ aus Knochen saß, ohne an die Königsherrschaft zu denken, die er symbolisierte? Denn Ahab war ein „Herrscher über das Meer“ – ein großer Fürst der Leviathanen.
Es vergingen einige Momente. Dabei strömte dichter Dampf aus seinem Mund – in schnellen, kontinuierlichen Wolken, die wieder in sein Gesicht wehten.
„Nun“, murmelte er schließlich, während er die Pfeife weglegte, „dieses Rauchen beruhigt mich nicht mehr. Oh, meine Pfeife! Es muss schlimm um mich stehen, wenn dein Zauber verschwunden ist! Ich habe unbewusst weiterhin geraucht – und zwar immer gegen den Wind, mit solch hektischen Zügen, als wären meine letzten Ausatmen, genau wie die eines sterbenden Wals, die stärksten und problematischsten. Was habe ich mit dieser Pfeife zu schaffen? Dieses Ding, das dazu da ist, Ruhe zu bringen, sanften weißen Dampf zwischen sanften weißen Haaren hervorzubringen – nicht zwischen meinen zerzausten, eisengrauen Haaren. Ich werde nicht mehr rauchen…“
Er warf die noch brennende Pfeife ins Meer. Das Feuer zischte in den Wellen; im selben Moment glitt das Schiff an der Blase vorbei, die die sinkende Pfeife hinterließ. Mit gesenktem Hut schritt Ahab unruhig über die Planken.
Nachdem Stubb gegangen war, stand Ahab eine Weile da und lehnte sich über die Reling. Dann rief er, wie es in letzter Zeit üblich war, einen Matrosen der Wache zu sich, um von ihm seinen Elfenbeinstuhl sowie seine Pfeife zu holen. Er zündete die Pfeife an der Lampe am Kompassstand an, stellte den Stuhl auf die windabgewandte Seite des Decks und setzte sich, um zu rauchen.
In der alten nordischen Zeit wurden, so die Überlieferung, die Thronen der meeresliebenden dänischen Könige aus den Stoßzähnen des Narwals gefertigt. Wie konnte man da Ahab betrachten, der auf diesem „Thron“ aus Knochen saß, ohne an die Königsherrschaft zu denken, die er symbolisierte? Denn Ahab war ein „Herrscher über das Meer“ – ein großer Fürst der Leviathanen.
Es vergingen einige Momente. Dabei strömte dichter Dampf aus seinem Mund – in schnellen, kontinuierlichen Wolken, die wieder in sein Gesicht wehten.
„Nun“, murmelte er schließlich, während er die Pfeife weglegte, „dieses Rauchen beruhigt mich nicht mehr. Oh, meine Pfeife! Es muss schlimm um mich stehen, wenn dein Zauber verschwunden ist! Ich habe unbewusst weiterhin geraucht – und zwar immer gegen den Wind, mit solch hektischen Zügen, als wären meine letzten Ausatmen, genau wie die eines sterbenden Wals, die stärksten und problematischsten. Was habe ich mit dieser Pfeife zu schaffen? Dieses Ding, das dazu da ist, Ruhe zu bringen, sanften weißen Dampf zwischen sanften weißen Haaren hervorzubringen – nicht zwischen meinen zerzausten, eisengrauen Haaren. Ich werde nicht mehr rauchen…“
Er warf die noch brennende Pfeife ins Meer. Das Feuer zischte in den Wellen; im selben Moment glitt das Schiff an der Blase vorbei, die die sinkende Pfeife hinterließ. Mit gesenktem Hut schritt Ahab unruhig über die Planken.
Page 156
KAPITEL 31. Königin Mab.
Am nächsten Morgen sprach Stubb mit Flask.
„Was für ein seltsamer Traum, King-Post – so einen hatte ich noch nie. Du kennst ja den alten Mann mit dem Elfenbeinbein; ich träumte, dass er mich damit trat. Als ich zurücktreten wollte, verdammt nochmal, habe ich mir dabei mein eigenes Bein abgetreten! Und dann – presto! Ahab sah aus wie eine Pyramide, und ich, wie ein verrückter Narr, trat weiterhin dagegen. Doch das Seltsamste war, Flask – du weißt ja, wie seltsam alle Träume sind – trotz all dieser Wut schien ich mir immer wieder einzureden, dass es eigentlich keine große Beleidigung war, von Ahab getreten zu werden. ‚Warum denn?‘ dachte ich. ‚Es ist doch kein echtes Bein, nur ein künstliches.‘ Es gibt einen großen Unterschied zwischen einem Schlag von einem lebenden Körperteil und einem Schlag von etwas Totem. Deshalb ist ein Schlag mit der Hand, Flask, fünfzigmal schlimmer zu ertragen als ein Schlag mit einem Stock. Ein lebender Körperteil bedeutet eine echte Beleidigung, mein Junge. Die ganze Zeit über dachte ich mir: ‚Sein Bein ist doch nur ein Stock – ein Walknochenstock. Ja, es war nur ein spielerischer Schlag – im Grunde nur ein Schlag mit einem Walknochen.‘ Außerdem: Schau dir das mal an – das Ende des Stocks, die Fußspitze – wie klein sie doch ist! Wenn mich ein Bauer mit breiten Füßen treten würde, wäre das eine wirklich schreckliche Beleidigung. Aber diese Beleidigung ist auf einen winzigen Punkt reduziert worden. Doch jetzt kommt der größte Witz des Traums, Flask. Während ich weiter gegen die Pyramide trat, packte mich ein alter Meermann mit Bärten und einer Kuhle auf dem Rücken an den Schultern und drehte mich um. ‚Was machst du da?‘ fragte er. Verdammt, ich hatte solche Angst! Doch schon im nächsten Moment hatte ich meine Furcht überwunden. ‚Was mache ich da?‘ fragte ich schließlich. ‚Und was geht Sie das an, Herr Buckel? Möchten Sie vielleicht einen Tritt?‘ Bei Gott, Flask, kaum hatte ich das gesagt, drehte er sich zu mir um, beugte sich vor und holte eine Menge Seegras, um damit zuzuschlagen – weißt du, was ich sah? Sein Rücken war voller Haifischzähne, deren Spitzen nach außen zeigten. Ich dachte mir dann: ‚Ich werde Sie wohl nicht treten, alter Kerl.‘ ‚Weiser Stubb‘, sagte er, ‚weiser Stubb‘ – und murmelte das die ganze Zeit vor sich hin.“
Am nächsten Morgen sprach Stubb mit Flask.
„Was für ein seltsamer Traum, King-Post – so einen hatte ich noch nie. Du kennst ja den alten Mann mit dem Elfenbeinbein; ich träumte, dass er mich damit trat. Als ich zurücktreten wollte, verdammt nochmal, habe ich mir dabei mein eigenes Bein abgetreten! Und dann – presto! Ahab sah aus wie eine Pyramide, und ich, wie ein verrückter Narr, trat weiterhin dagegen. Doch das Seltsamste war, Flask – du weißt ja, wie seltsam alle Träume sind – trotz all dieser Wut schien ich mir immer wieder einzureden, dass es eigentlich keine große Beleidigung war, von Ahab getreten zu werden. ‚Warum denn?‘ dachte ich. ‚Es ist doch kein echtes Bein, nur ein künstliches.‘ Es gibt einen großen Unterschied zwischen einem Schlag von einem lebenden Körperteil und einem Schlag von etwas Totem. Deshalb ist ein Schlag mit der Hand, Flask, fünfzigmal schlimmer zu ertragen als ein Schlag mit einem Stock. Ein lebender Körperteil bedeutet eine echte Beleidigung, mein Junge. Die ganze Zeit über dachte ich mir: ‚Sein Bein ist doch nur ein Stock – ein Walknochenstock. Ja, es war nur ein spielerischer Schlag – im Grunde nur ein Schlag mit einem Walknochen.‘ Außerdem: Schau dir das mal an – das Ende des Stocks, die Fußspitze – wie klein sie doch ist! Wenn mich ein Bauer mit breiten Füßen treten würde, wäre das eine wirklich schreckliche Beleidigung. Aber diese Beleidigung ist auf einen winzigen Punkt reduziert worden. Doch jetzt kommt der größte Witz des Traums, Flask. Während ich weiter gegen die Pyramide trat, packte mich ein alter Meermann mit Bärten und einer Kuhle auf dem Rücken an den Schultern und drehte mich um. ‚Was machst du da?‘ fragte er. Verdammt, ich hatte solche Angst! Doch schon im nächsten Moment hatte ich meine Furcht überwunden. ‚Was mache ich da?‘ fragte ich schließlich. ‚Und was geht Sie das an, Herr Buckel? Möchten Sie vielleicht einen Tritt?‘ Bei Gott, Flask, kaum hatte ich das gesagt, drehte er sich zu mir um, beugte sich vor und holte eine Menge Seegras, um damit zuzuschlagen – weißt du, was ich sah? Sein Rücken war voller Haifischzähne, deren Spitzen nach außen zeigten. Ich dachte mir dann: ‚Ich werde Sie wohl nicht treten, alter Kerl.‘ ‚Weiser Stubb‘, sagte er, ‚weiser Stubb‘ – und murmelte das die ganze Zeit vor sich hin.“
Page 157
Er fraß seine eigenen Zähne wie eine Hexe aus dem Schornstein. Da er nicht aufhörte, immer wieder „Weiser Stubb, weiser Stubb“ zu sagen, dachte ich, ich könnte genauso gut wieder anfangen, die Pyramide zu treten. Doch kaum hatte ich meinen Fuß gehoben, da brüllte er: „Hört auf mit dem Treten!“ „Halloa“, sagte ich, „was ist jetzt los, alter Kerl?“ „Schau her“, sagte er; „lass uns über diese Beleidigung streiten. Kapitän Ahab hat dich getreten, oder?“ „Ja, das hat er“, sagte ich – „genau hier.“ „Sehr gut“, sagte er – „er hat dabei sein Elfenbeinbein benutzt, oder?“ „Ja, das hat er“, sagte ich. „Nun dann“, sagte er, „weiser Stubb, wovon solltest du dich beschweren? Hat er nicht aus gutem Willen getreten? Es war schließlich kein gewöhnliches Kiefernbein, mit dem er getreten hat, oder? Nein, du wurdest von einem großen Mann getreten – und zwar mit einem wunderschönen Elfenbeinbein, Stubb. Das ist eine Ehre; ich betrachte das als Ehre. Hör zu, weiser Stubb: Im alten England halten die größten Adligen es für eine große Ehre, von einer Königin geschlagen zu werden und zum Ritter geschlagen zu werden. Aber sei stolz darauf, Stubb, dass dich der alte Ahab getreten hat und dich zu einem weisen Mann gemacht hat. Denk daran, was ich sage: Lass dich von ihm treten – betrachte seine Tritte als Ehren – und trete auf keinen Fall zurück; denn du kannst nichts dagegen tun, weiser Stubb. Siehst du diese Pyramide nicht?“ Mit diesen Worten schien er plötzlich auf seltsame Weise in die Luft zu schweben. Ich schnarchte weiter, drehte mich um – und da lag ich wieder in meiner Hängematte! Na, was hältst du von diesem Traum, Flask?“
„Ich weiß nicht; mir kommt er irgendwie dumm vor.“
„Vielleicht; vielleicht auch nicht. Aber er hat aus mir einen weisen Mann gemacht, Flask. Siehst du Ahab dort stehen, der zur Heckseite blickt? Nun, das Beste, was du tun kannst, Flask, ist, den Alten in Ruhe zu lassen – sprich niemals mit ihm, egal was er sagt. Halloa! Was ruft er da? Hört zu!“
„Mastkopf, da drüben! Seid wachsam, alle miteinander! Hier in der Gegend sind Wale! Wenn ihr einen weißen sieht, schreit so laut ihr könnt! Was hältst du jetzt davon, Flask? Ist da nicht etwas Seltsames dran, hm? Ein weißer Wal – hast du das bemerkt, Mann? Schaut – im Wind liegt etwas Besonderes. Seid bereit, Flask. Ahab hat etwas Verdammtes im Sinn. Aber, verdammt – er kommt in unsere Richtung.“
„Ich weiß nicht; mir kommt er irgendwie dumm vor.“
„Vielleicht; vielleicht auch nicht. Aber er hat aus mir einen weisen Mann gemacht, Flask. Siehst du Ahab dort stehen, der zur Heckseite blickt? Nun, das Beste, was du tun kannst, Flask, ist, den Alten in Ruhe zu lassen – sprich niemals mit ihm, egal was er sagt. Halloa! Was ruft er da? Hört zu!“
„Mastkopf, da drüben! Seid wachsam, alle miteinander! Hier in der Gegend sind Wale! Wenn ihr einen weißen sieht, schreit so laut ihr könnt! Was hältst du jetzt davon, Flask? Ist da nicht etwas Seltsames dran, hm? Ein weißer Wal – hast du das bemerkt, Mann? Schaut – im Wind liegt etwas Besonderes. Seid bereit, Flask. Ahab hat etwas Verdammtes im Sinn. Aber, verdammt – er kommt in unsere Richtung.“
Page 158
KAPITEL 32. Cetologie.
Schon jetzt begeben wir uns kühn in die Tiefen – doch bald werden wir in ihren grenzenlosen, hafenlosen Weiten verloren gehen. Bevor das eintritt, bevor der mit Algen bedeckte Rumpf der Pequod Seite an Seite mit den Rümpfen der Leviathane treibt, ist es gut, sich zunächst mit einer Angelegenheit zu beschäftigen, die für ein vollständiges Verständnis der folgenden, spezielleren Enthüllungen und Anspielungen auf die Leviathane fast unerlässlich ist.
Ich möchte Ihnen nun gerne eine systematische Darstellung der Wale in ihren Hauptgattungen vorstellen. Doch das ist keine leichte Aufgabe – es geht hier um die Klassifizierung der Bestandteile eines „Chaos“. Hören Sie, was die besten und neuesten Autoritäten dazu gesagt haben:
„Kein Zweig der Zoologie ist so kompliziert wie jener, der als Cetologie bezeichnet wird“, sagt Kapitän Scoresby im Jahr 1820.
„Es liegt nicht in meiner Absicht – selbst wenn ich die Macht dazu hätte –, mich mit der Frage nach der richtigen Methode zur Einteilung der Wale in Gruppen und Familien zu beschäftigen. Unter den Forschern dieses Tieres herrscht völliges Chaos“, sagt Chirurg Beale im Jahr 1839.
„Unfähigkeit, unsere Forschungen in den unergründlichen Gewässern fortzusetzen.“ „Ein undurchdringliches Veilchen, das unser Wissen über die Wale bedeckt.“ „Ein Feld voller Dornen.“ „All diese unvollständigen Angaben dienen nur dazu, uns Naturforschern Qualen zuzufügen.“
So sprechen über den Wal die großen Gelehrten der Zoologie und Anatomie wie Cuvier, John Hunter und Lesson. Dennoch gibt es zwar wenig echtes Wissen, aber viele Bücher – und somit auch in gewissem Maße bezüglich der Cetologie, der Wissenschaft vom Wal. Viele Menschen, große und kleine, alte und neue, Landbewohner und Seeleute, haben über den Wal ausführlich oder kurz geschrieben. Einige Beispiele: Die Autoren der Bibel; Aristoteles; Plinius; Aldrovandi; Sir Thomas Browne; Gesner; Ray; Linné; Rondeletius; Willoughby; Green; Artedi; Sibbald; Brisson; Marten; Lacépède; Bonneterre; Desmarest; Baron Cuvier; Frederick Cuvier; John Hunter; Owen; Scoresby; Beale; Bennett; J. Ross Browne; der Autor von Miriam Coffin; Olmstead sowie Reverend T. Cheever. Doch wozu führt das letztendlich?
Schon jetzt begeben wir uns kühn in die Tiefen – doch bald werden wir in ihren grenzenlosen, hafenlosen Weiten verloren gehen. Bevor das eintritt, bevor der mit Algen bedeckte Rumpf der Pequod Seite an Seite mit den Rümpfen der Leviathane treibt, ist es gut, sich zunächst mit einer Angelegenheit zu beschäftigen, die für ein vollständiges Verständnis der folgenden, spezielleren Enthüllungen und Anspielungen auf die Leviathane fast unerlässlich ist.
Ich möchte Ihnen nun gerne eine systematische Darstellung der Wale in ihren Hauptgattungen vorstellen. Doch das ist keine leichte Aufgabe – es geht hier um die Klassifizierung der Bestandteile eines „Chaos“. Hören Sie, was die besten und neuesten Autoritäten dazu gesagt haben:
„Kein Zweig der Zoologie ist so kompliziert wie jener, der als Cetologie bezeichnet wird“, sagt Kapitän Scoresby im Jahr 1820.
„Es liegt nicht in meiner Absicht – selbst wenn ich die Macht dazu hätte –, mich mit der Frage nach der richtigen Methode zur Einteilung der Wale in Gruppen und Familien zu beschäftigen. Unter den Forschern dieses Tieres herrscht völliges Chaos“, sagt Chirurg Beale im Jahr 1839.
„Unfähigkeit, unsere Forschungen in den unergründlichen Gewässern fortzusetzen.“ „Ein undurchdringliches Veilchen, das unser Wissen über die Wale bedeckt.“ „Ein Feld voller Dornen.“ „All diese unvollständigen Angaben dienen nur dazu, uns Naturforschern Qualen zuzufügen.“
So sprechen über den Wal die großen Gelehrten der Zoologie und Anatomie wie Cuvier, John Hunter und Lesson. Dennoch gibt es zwar wenig echtes Wissen, aber viele Bücher – und somit auch in gewissem Maße bezüglich der Cetologie, der Wissenschaft vom Wal. Viele Menschen, große und kleine, alte und neue, Landbewohner und Seeleute, haben über den Wal ausführlich oder kurz geschrieben. Einige Beispiele: Die Autoren der Bibel; Aristoteles; Plinius; Aldrovandi; Sir Thomas Browne; Gesner; Ray; Linné; Rondeletius; Willoughby; Green; Artedi; Sibbald; Brisson; Marten; Lacépède; Bonneterre; Desmarest; Baron Cuvier; Frederick Cuvier; John Hunter; Owen; Scoresby; Beale; Bennett; J. Ross Browne; der Autor von Miriam Coffin; Olmstead sowie Reverend T. Cheever. Doch wozu führt das letztendlich?
Page 159
All diese Schriften dienen einem allgemeinen Zweck – die oben zitierten Auszüge werden das zeigen. Von den Namen auf dieser Liste der Walforscher haben nur jene nach Owen jemals lebende Wale gesehen; und nur einer von ihnen war ein echter professioneller Harpunier und Walfänger – ich meine Kapitän Scoresby. Was den Grönlandwal betrifft, so ist er die beste verfügbare Autorität zu diesem Thema. Doch Scoresby wusste nichts über den großen Spermwal und sagte auch nichts darüber; im Vergleich dazu ist der Grönlandwal fast nicht einmal erwähnenswert. Es sei hier gesagt: Der Grönlandwal ist ein Usurpator auf dem Thron der Meere. Er ist keineswegs der größte Wal. Dennoch, aufgrund der langen Vorherrschaft seines „Rechts“ sowie der tiefen Unwissenheit bezüglich des damals noch legendären oder völlig unbekannten Spermwals – eine Unwissenheit, die bis heute in allen Bereichen außerhalb einiger wissenschaftlicher Zentren und Walfanghäfen weiterhin herrscht – ist diese Usurpation in jeder Hinsicht vollständig geworden. Ein Blick auf nahezu alle Anspielungen auf Riesenwale bei den großen Dichtern vergangener Zeiten wird Ihnen zeigen, dass der Grönlandwal für sie, ohne einen Konkurrenten, der König der Meere war. Doch endlich ist die Zeit für eine neue Ankündigung gekommen: Hier ist Charing Cross – hört ihr alle, gute Leute! Der Grönlandwal ist abgesetzt – jetzt herrscht der große Spermwal!
Es gibt nur zwei Bücher, die versuchen, Ihnen den lebenden Spermwal vorzustellen – und zwar nur in begrenztem Maße erfolgreich. Das sind die Bücher von Beale und Bennett; beide waren zu ihrer Zeit Chirurgen auf englischen Südsee-Walfängerschiffen und beide waren äußerst sorgfältige und zuverlässige Männer. Die ursprünglichen Informationen über den Spermwal in ihren Büchern sind notwendigerweise begrenzt; doch was vorhanden ist, ist von hervorragender Qualität – wenn auch meist auf wissenschaftliche Beschreibungen beschränkt. Bisher existiert der Spermwal, weder wissenschaftlich noch poetisch, in keiner Literatur in vollständiger Form. Weit über allen anderen gejagten Walen hinaus hat er ein unbeschriebenes Leben.
Die verschiedenen Walarten benötigen eine Art umfassende, populäre Klassifikation – zumindest vorerst eine einfache Übersicht, die später durch weitere Forscher in allen Details ergänzt werden kann. Da sich kein besserer Mensch findet, um sich dieser Aufgabe anzunehmen, biete ich hier meine eigenen bescheidenen Bemühungen an. Ich verspreche nichts Vollständiges – denn alles Menschliche, was als vollständig angesehen wird, muss aus diesem Grund unweigerlich fehlerhaft sein. Ich werde nicht versuchen, eine detaillierte anatomische Beschreibung der verschiedenen Arten zu geben – oder zumindest hier keine umfangreiche Beschreibung. Mein Ziel hier ist…
Es gibt nur zwei Bücher, die versuchen, Ihnen den lebenden Spermwal vorzustellen – und zwar nur in begrenztem Maße erfolgreich. Das sind die Bücher von Beale und Bennett; beide waren zu ihrer Zeit Chirurgen auf englischen Südsee-Walfängerschiffen und beide waren äußerst sorgfältige und zuverlässige Männer. Die ursprünglichen Informationen über den Spermwal in ihren Büchern sind notwendigerweise begrenzt; doch was vorhanden ist, ist von hervorragender Qualität – wenn auch meist auf wissenschaftliche Beschreibungen beschränkt. Bisher existiert der Spermwal, weder wissenschaftlich noch poetisch, in keiner Literatur in vollständiger Form. Weit über allen anderen gejagten Walen hinaus hat er ein unbeschriebenes Leben.
Die verschiedenen Walarten benötigen eine Art umfassende, populäre Klassifikation – zumindest vorerst eine einfache Übersicht, die später durch weitere Forscher in allen Details ergänzt werden kann. Da sich kein besserer Mensch findet, um sich dieser Aufgabe anzunehmen, biete ich hier meine eigenen bescheidenen Bemühungen an. Ich verspreche nichts Vollständiges – denn alles Menschliche, was als vollständig angesehen wird, muss aus diesem Grund unweigerlich fehlerhaft sein. Ich werde nicht versuchen, eine detaillierte anatomische Beschreibung der verschiedenen Arten zu geben – oder zumindest hier keine umfangreiche Beschreibung. Mein Ziel hier ist…
Page 160
Einfach nur, um den Entwurf einer Systematisierung der Cetologie vorzulegen. Ich bin der Architekt – nicht der Baumeister. Doch es ist eine schwierige Aufgabe; kein gewöhnlicher Briefsortierer bei der Post ist dazu in der Lage. In die Tiefen des Meeres hinabzutauchen, um nach ihnen zu suchen; die Hände in die undenkbaren Grundlagen, Rippen und sogar den Beckenknochen der Welt zu stecken – das ist etwas Furchterregendes. Was bin ich schon, dass ich versuchen sollte, die Nase dieses Leviathans zu fassen! Die schrecklichen Spottreden Hiobs könnten mich durchaus entsetzen. Wird er (der Leviathan) einen Bund mit dir schließen? Siehe, seine Hoffnung ist vergeblich! Doch ich habe durch Bibliotheken geschwommen und Ozeane durchquert; ich musste mit Walen mit diesen sichtbaren Händen umgehen; ich meine es ernst – und ich werde es versuchen. Es gibt einige Voraussetzungen, die geklärt werden müssen. Erstens: Der unsichere, unklare Zustand dieser Wissenschaft der Cetologie wird bereits im Eingangsbereich dadurch belegt, dass es in einigen Kreisen immer noch umstritten ist, ob ein Wal ein Fisch ist. In seinem „Systema Naturae“ aus dem Jahr 1776 erklärt Linnaeus: „Ich trenne hiermit die Wale von den Fischen.“ Doch aus meinem eigenen Wissen weiß ich, dass bis zum Jahr 1850 Haie und Schleien, Alewife und Heringe, gegen Linnaeus’ ausdrückliches Verbot, weiterhin gemeinsam mit dem Leviathan die Meere bewohnten. Die Gründe, mit denen Linnaeus die Wale gerne aus den Gewässern vertrieben hätte, nennt er wie folgt: „Wegen ihres warmen, zweikammernigen Herzens, ihrer Lungen, ihrer beweglichen Augenlider, ihrer hohlen Ohren sowie ‚penem intrantem feminam mammis lactantem‘ – und schließlich ‚ex lege naturae jure meritoque‘.“ Ich legte all das meinen Freunden Simeon Macey und Charley Coffin von Nantucket vor – beiden waren ich auf einer bestimmten Reise Schiffskameraden – und sie waren sich einig, dass die angeführten Gründe völlig unzureichend seien. Charley deutete respektlos an, es handele sich dabei um Unsinn. Es sei bekannt, dass ich alle Argumente beiseite lasse und stattdessen die alte, bewährte Ansicht vertrete, dass der Wal ein Fisch ist – und ich rufe den heiligen Jonas zu meiner Unterstützung auf. Sobald diese grundlegende Frage geklärt ist, geht es darum, inwiefern der Wal sich innerlich von anderen Fischen unterscheidet. Linnaeus hat bereits einige Punkte genannt. Kurz gesagt: Lungen und warmes Blut – während alle anderen Fische keine Lungen haben und kaltblütig sind. Als Nächstes: Wie sollen wir den Wal anhand seiner offensichtlichen äußeren Merkmale definieren, damit er für alle Zukunftzeit eindeutig identifiziert werden kann? Kurz gesagt: Ein Wal ist ein spritzender Fisch mit einem horizontalen Schwanz. Das ist es. So knapp gefasst, ist diese Definition das Ergebnis gründlicher Überlegung. Ein Walross…
Page 161
Er spritzt Wasser – genauso wie eine Walart – doch der Walross ist kein Fisch, denn er ist amphibisch. Der letzte Begriff der Definition ist jedoch noch überzeugender, wenn er mit dem ersten verbunden wird. Fast jeder muss bemerkt haben, dass alle Fische, die den Menschen bekannt sind, keinen flachen, sondern einen vertikalen, also auf- und abgerichteten Schwanz haben. Bei den Fischen, die Wasser spritzen, nimmt der Schwanz zwar ähnliche Formen an, befindet sich aber stets in einer horizontalen Position.
Durch diese Definition dessen, was ein Wal ist, schließe ich keineswegs irgendein Meerestier aus der Gruppe der Wale aus – auch dann nicht, wenn es von den bestinformierten Einwohnern von Nantucket bisher als Wal angesehen wurde. Andererseits verbinde ich auch keine Fische damit, die bisher als nicht zu den Walen gehörend angesehen wurden. Somit müssen alle kleineren, Wasser spritzenden Fische mit horizontalen Schwänzen in dieses Grundgerüst der Cetologie aufgenommen werden. Nun kommen also die großen Einteilungen der gesamten Walgruppe.
Ich weiß, dass bis heute viele Naturforscher die Fische der Gattungen Lamantinen und Dugongs zu den Walen zählen. Doch da es sich bei diesen Fischen um lärmende, verachtenswerte Tiere handelt, die meist in Flussmündungen leben und sich von feuchtem Heu ernähren – und vor allem weil sie kein Wasser spritzen – lehne ich ihre Zugehörigkeit zu den Walen ab. Ich habe ihnen daher „Pässe“ ausgehändigt, damit sie das Königreich der Cetologie verlassen können.
Erstens: Nach ihrer Größe teile ich die Wale in drei Hauptkategorien ein – diese wiederum lassen sich in Kapitel unterteilen. In diese Kategorien fallen alle Wale, sowohl kleine als auch große.
I. Der Folio-Wal; II. Der Oktav-Wal; III. Der Duodezim-Wal.
Als Beispiel für den Folio-Wal nenne ich den Spermawal; als Beispiel für den Oktav-Wal den Grampus; als Beispiel für den Duodezim-Wal den Delfin.
Zu den Folio-Walen gehören folgende Arten: I. Der Spermawal; II. Der Weiße Wal; III. Der Rückenflosswal; IV. Der Buckelwal; V. Der Rasierschwanzwal; VI. Der Schwefelbodenwal.
Buch I (Folio), Kapitel I (Spermawal): Dieser Wal, der bei den alten Engländern vage als Trumpa-Wal, Physeter-Wal oder Ambosskopf-Wal bekannt war, ist heute beim Französischen der Cachalot, beim Deutschen der Pottsfich und bei denjenigen, die gerne lange Wörter verwenden, der Macrocephalus. Er ist zweifellos der größte Bewohner der Erde, der gefährlichste aller Wale, den man antreffen kann – und zugleich der majestätischste in seinem Aussehen.
Durch diese Definition dessen, was ein Wal ist, schließe ich keineswegs irgendein Meerestier aus der Gruppe der Wale aus – auch dann nicht, wenn es von den bestinformierten Einwohnern von Nantucket bisher als Wal angesehen wurde. Andererseits verbinde ich auch keine Fische damit, die bisher als nicht zu den Walen gehörend angesehen wurden. Somit müssen alle kleineren, Wasser spritzenden Fische mit horizontalen Schwänzen in dieses Grundgerüst der Cetologie aufgenommen werden. Nun kommen also die großen Einteilungen der gesamten Walgruppe.
Ich weiß, dass bis heute viele Naturforscher die Fische der Gattungen Lamantinen und Dugongs zu den Walen zählen. Doch da es sich bei diesen Fischen um lärmende, verachtenswerte Tiere handelt, die meist in Flussmündungen leben und sich von feuchtem Heu ernähren – und vor allem weil sie kein Wasser spritzen – lehne ich ihre Zugehörigkeit zu den Walen ab. Ich habe ihnen daher „Pässe“ ausgehändigt, damit sie das Königreich der Cetologie verlassen können.
Erstens: Nach ihrer Größe teile ich die Wale in drei Hauptkategorien ein – diese wiederum lassen sich in Kapitel unterteilen. In diese Kategorien fallen alle Wale, sowohl kleine als auch große.
I. Der Folio-Wal; II. Der Oktav-Wal; III. Der Duodezim-Wal.
Als Beispiel für den Folio-Wal nenne ich den Spermawal; als Beispiel für den Oktav-Wal den Grampus; als Beispiel für den Duodezim-Wal den Delfin.
Zu den Folio-Walen gehören folgende Arten: I. Der Spermawal; II. Der Weiße Wal; III. Der Rückenflosswal; IV. Der Buckelwal; V. Der Rasierschwanzwal; VI. Der Schwefelbodenwal.
Buch I (Folio), Kapitel I (Spermawal): Dieser Wal, der bei den alten Engländern vage als Trumpa-Wal, Physeter-Wal oder Ambosskopf-Wal bekannt war, ist heute beim Französischen der Cachalot, beim Deutschen der Pottsfich und bei denjenigen, die gerne lange Wörter verwenden, der Macrocephalus. Er ist zweifellos der größte Bewohner der Erde, der gefährlichste aller Wale, den man antreffen kann – und zugleich der majestätischste in seinem Aussehen.
Page 162
Schließlich ist er bei weitem der wertvollste in der Handelswelt – schließlich ist er das einzige Lebewesen, aus dem jene wertvolle Substanz, das Spermacet, gewonnen wird. Alle seine Besonderheiten werden an vielen anderen Stellen ausführlicher erläutert. Vor allem mit seinem Namen habe ich es jetzt zu tun. Philologisch gesehen ist dieser Name absurd. Vor einigen Jahrhunderten, als der Schwertwal fast völlig unbekannt war und sein Öl nur zufällig aus an Land gespülten Fischen gewonnen werden konnte, ging man offenbar davon aus, dass das Spermacet von einem Lebewesen stamme, das mit dem damals in England als Grönlandwal oder Rechtwal bekannten Tier identisch sei. Man glaubte auch, dass dieses Spermacet genau jener „Lebenssaft“ des Grönlandwals sei, wie es die erste Silbe des Wortes buchstäblich ausdrückt. Zu jener Zeit war das Spermacet außerdem äußerst selten; es wurde nicht zur Beleuchtung verwendet, sondern nur als Salbe und Medikament. Man konnte es nur bei Apothekern kaufen – genauso wie man heute eine Unze Rhabarber kauft. Als im Laufe der Zeit die wahre Natur des Spermacets bekannt wurde, behielten die Händler seinen ursprünglichen Namen bei – zweifellos, um seinen Wert durch ein so merkwürdig bedeutungsvolles Bild seiner Seltenheit zu steigern. So kam der Name letztendlich auch dem Wal zu, aus dem dieses Spermacet tatsächlich stammte.
BUCH I. (Folio), KAPITEL II. (Rechtwal). – In einer Hinsicht ist dies der ehrenwerteste der Leviathane – schließlich wurde er als erster regelmäßig vom Menschen gejagt. Er liefert das Material, das gemeinhin als Walbein oder Baleen bekannt ist, sowie das Öl, das besonders als „Walöl“ bezeichnet wird – ein minderwertiges Produkt im Handel. Bei den Fischern wird er uneinheitlich mit allen folgenden Bezeichnungen bezeichnet: Der Wal; der Grönlandwal; der Schwarzwal; der Große Wal; der Wahre Wal; der Rechtwal. Es gibt viele Unklarheiten bezüglich der Identität der Arten, die auf diese Weise benannt wurden. Welcher Wal gehört also zu der zweiten Art in meinen Aufzeichnungen? Es ist der Große Mysticetus der englischen Naturforscher; der Grönlandwal der englischen Walfänger; die Baleine Ordinaire der französischen Walfänger; der Growlands Walfish der Schweden. Es ist der Wal, der seit mehr als zwei Jahrhunderten von Denen gejagt wird, die in den arktischen Meeren leben – von Niederländern und Engländern. Es ist auch der Wal, den die amerikanischen Fischer seit langem im Indischen Ozean, an den Küsten Brasiliens, an der Nordwestküste sowie in verschiedenen anderen Teilen der Welt jagen – Orte, die sie als Jagdgebiete für Rechtwale bezeichnen. Einige behaupten, einen Unterschied zwischen dem Grönlandwal der Engländer und dem Rechtwal der Amerikaner zu erkennen. Doch in Wirklichkeit stimmen sie völlig überein.
BUCH I. (Folio), KAPITEL II. (Rechtwal). – In einer Hinsicht ist dies der ehrenwerteste der Leviathane – schließlich wurde er als erster regelmäßig vom Menschen gejagt. Er liefert das Material, das gemeinhin als Walbein oder Baleen bekannt ist, sowie das Öl, das besonders als „Walöl“ bezeichnet wird – ein minderwertiges Produkt im Handel. Bei den Fischern wird er uneinheitlich mit allen folgenden Bezeichnungen bezeichnet: Der Wal; der Grönlandwal; der Schwarzwal; der Große Wal; der Wahre Wal; der Rechtwal. Es gibt viele Unklarheiten bezüglich der Identität der Arten, die auf diese Weise benannt wurden. Welcher Wal gehört also zu der zweiten Art in meinen Aufzeichnungen? Es ist der Große Mysticetus der englischen Naturforscher; der Grönlandwal der englischen Walfänger; die Baleine Ordinaire der französischen Walfänger; der Growlands Walfish der Schweden. Es ist der Wal, der seit mehr als zwei Jahrhunderten von Denen gejagt wird, die in den arktischen Meeren leben – von Niederländern und Engländern. Es ist auch der Wal, den die amerikanischen Fischer seit langem im Indischen Ozean, an den Küsten Brasiliens, an der Nordwestküste sowie in verschiedenen anderen Teilen der Welt jagen – Orte, die sie als Jagdgebiete für Rechtwale bezeichnen. Einige behaupten, einen Unterschied zwischen dem Grönlandwal der Engländer und dem Rechtwal der Amerikaner zu erkennen. Doch in Wirklichkeit stimmen sie völlig überein.
Page 163
Alle ihre bemerkenswerten Eigenschaften – es wurde bisher nicht einmal ein einziger entscheidender Faktor vorgelegt, auf dem eine klare Unterscheidung beruhen könnte. Durch endlose Unterteilungen auf der Grundlage der unentscheidendsten Unterschiede werden einige Bereiche der Naturgeschichte äußerst kompliziert. Der Pottwal wird an anderer Stelle ausführlich behandelt, im Zusammenhang mit der Erklärung des Walrosses.
BUCH I. (Folio), KAPITEL III. (Schwanzflosswal). Unter diesem Titel zähle ich ein Ungeheuer, das unter den verschiedenen Namen Schwanzflosswal, Hoher Schnabel und Langer John in fast jedem Meer gesichtet wurde und in der Regel jener Wal ist, dessen Spritzwasser von Passagieren auf den Transatlantikschiffen oft beobachtet wird. Was seine Länge sowie seine Barten angeht, ähnelt der Schwanzflosswal dem Pottwal – doch er hat einen geringeren Umfang und eine hellere Farbe, die an Oliv erinnert. Seine großen Lippen weisen ein kabelartiges Aussehen auf, das durch miteinander verflochtene, schräge Falten entsteht. Seine auffälligste Eigenschaft ist die Flosse, nach der er auch seinen Namen hat – sie ist oft deutlich sichtbar. Diese Flosse ist etwa drei bis vier Fuß lang, wächst vertikal vom hinteren Teil des Rückens heraus, hat eine kegelförmige Form sowie eine sehr scharfe Spitze. Selbst wenn kein anderer Teil des Tieres sichtbar ist, kann diese isolierte Flosse manchmal deutlich über der Wasseroberfläche erkennbar sein. Wenn das Meer mäßig ruhig ist und nur leicht wellig ist, und diese flossenartige Struktur emporragt und Schatten auf die wellige Oberfläche wirft, kann man leicht annehmen, dass der umgebende Wasserkreis einer Uhrzifferblatt ähnelt, auf dem Zeiger sowie wellenförmige Stundenlinien eingraviert sind. Auf diesem „Ahaz-Zifferblatt“ bewegt sich der Schatten oft zurück. Der Schwanzflosswal ist nicht gesellig – er scheint Wale zu hassen, genauso wie manche Menschen Menschen hassen. Er ist sehr schüchtern, immer allein unterwegs; plötzlich taucht er in den abgelegensten und düstersten Gewässern auf; sein gerader, hoher Spritzstrahl erhebt sich wie eine hohe, misanthrope Lanze auf einer kahlen Ebene. Er verfügt über eine erstaunliche Kraft und Geschwindigkeit beim Schwimmen, sodass jede Verfolgung durch Menschen unmöglich ist. Dieser Leviathan erscheint wie der verbannte, unbesiegbare Kain seiner Art – als Zeichen trägt er jenen „Zeiger“ auf seinem Rücken. Aufgrund der Barten in seinem Maul wird der Schwanzflosswal manchmal zusammen mit dem Pottwal zu den sogenannten „Walbeinwalen“ gezählt, also Walen mit Barten. Von diesen sogenannten Walbeinwalen gibt es offenbar mehrere Arten – doch die meisten davon sind kaum bekannt. Breitnasenwale und Schnabelwale; Hakenkopfwale; Büschelwale –
BUCH I. (Folio), KAPITEL III. (Schwanzflosswal). Unter diesem Titel zähle ich ein Ungeheuer, das unter den verschiedenen Namen Schwanzflosswal, Hoher Schnabel und Langer John in fast jedem Meer gesichtet wurde und in der Regel jener Wal ist, dessen Spritzwasser von Passagieren auf den Transatlantikschiffen oft beobachtet wird. Was seine Länge sowie seine Barten angeht, ähnelt der Schwanzflosswal dem Pottwal – doch er hat einen geringeren Umfang und eine hellere Farbe, die an Oliv erinnert. Seine großen Lippen weisen ein kabelartiges Aussehen auf, das durch miteinander verflochtene, schräge Falten entsteht. Seine auffälligste Eigenschaft ist die Flosse, nach der er auch seinen Namen hat – sie ist oft deutlich sichtbar. Diese Flosse ist etwa drei bis vier Fuß lang, wächst vertikal vom hinteren Teil des Rückens heraus, hat eine kegelförmige Form sowie eine sehr scharfe Spitze. Selbst wenn kein anderer Teil des Tieres sichtbar ist, kann diese isolierte Flosse manchmal deutlich über der Wasseroberfläche erkennbar sein. Wenn das Meer mäßig ruhig ist und nur leicht wellig ist, und diese flossenartige Struktur emporragt und Schatten auf die wellige Oberfläche wirft, kann man leicht annehmen, dass der umgebende Wasserkreis einer Uhrzifferblatt ähnelt, auf dem Zeiger sowie wellenförmige Stundenlinien eingraviert sind. Auf diesem „Ahaz-Zifferblatt“ bewegt sich der Schatten oft zurück. Der Schwanzflosswal ist nicht gesellig – er scheint Wale zu hassen, genauso wie manche Menschen Menschen hassen. Er ist sehr schüchtern, immer allein unterwegs; plötzlich taucht er in den abgelegensten und düstersten Gewässern auf; sein gerader, hoher Spritzstrahl erhebt sich wie eine hohe, misanthrope Lanze auf einer kahlen Ebene. Er verfügt über eine erstaunliche Kraft und Geschwindigkeit beim Schwimmen, sodass jede Verfolgung durch Menschen unmöglich ist. Dieser Leviathan erscheint wie der verbannte, unbesiegbare Kain seiner Art – als Zeichen trägt er jenen „Zeiger“ auf seinem Rücken. Aufgrund der Barten in seinem Maul wird der Schwanzflosswal manchmal zusammen mit dem Pottwal zu den sogenannten „Walbeinwalen“ gezählt, also Walen mit Barten. Von diesen sogenannten Walbeinwalen gibt es offenbar mehrere Arten – doch die meisten davon sind kaum bekannt. Breitnasenwale und Schnabelwale; Hakenkopfwale; Büschelwale –
Page 164
Kieferwale und Schnauzenwale sind die Bezeichnungen der Fischer für einige Arten. Im Zusammenhang mit dieser Bezeichnung „Walbeinkiele“ ist es von großer Bedeutung zu erwähnen, dass eine solche Nomenklatur zwar zur Erleichterung der Benennung bestimmter Walarten nützlich sein mag, doch vergeblich ist es, versuchen zu wollen, den Leviathan anhand seiner Barten, seines Buckels, seiner Flosse oder seiner Zähne eindeutig zu klassifizieren – obwohl diese auffälligen Merkmale offensichtlich besser geeignet scheinen, die Grundlage für ein ordentliches System der Walforschung zu bilden als alle anderen körperlichen Eigenschaften, die die Wale in ihren verschiedenen Arten aufweisen. Wie also? Die Barten, der Buckel, die Rückenflosse und die Zähne – das sind Dinge, deren Besonderheiten ununterschieden bei allen Walarten vorkommen, ohne Rücksicht darauf, wie ihre Struktur in anderen, wesentlicheren Aspekten aussieht. So hat beispielsweise der Walschweinwal und der Buckelwal jeweils einen Buckel – doch dort endet die Ähnlichkeit bereits. Auch der Buckelwal und der Grönlandwal besitzen jeweils Barten – doch auch hier endet die Ähnlichkeit. Gleiches gilt für die oben genannten anderen Teile. Bei den verschiedenen Walarten bilden sie solch unregelmäßige Kombinationen – oder, falls eines dieser Merkmale isoliert betrachtet wird, eine solch unregelmäßige Isolation – dass jede allgemeine Methodisierung auf dieser Grundlage völlig unmöglich wird. An diesem Punkt ist jeder Walforscher gescheitert. Doch man könnte meinen, dass man in den inneren Teilen des Wals, in seiner Anatomie, zumindest dort eine richtige Klassifizierung finden kann. Nein – was gibt es beispielsweise in der Anatomie des Grönlandwals, das auffälliger wäre als seine Barten? Dennoch haben wir gesehen, dass es aufgrund seiner Barten unmöglich ist, den Grönlandwal richtig zu klassifizieren. Und wenn man in die Eingeweide der verschiedenen Leviathane blickt, findet man dort keine Unterscheidungen, die dem Systematisierer auch nur im Geringsten nützlich wären – im Gegensatz zu den bereits aufgeführten äußeren Merkmalen. Was bleibt also übrig? Nichts anderes, als die Wale in ihrer Gesamtheit zu betrachten und sie auf diese Weise zu klassifizieren. Dies ist das hier angewandte bibliografische System – und es ist das einzige, das Erfolg haben kann, denn nur es ist praktikabel. Weiter geht’s.
BUCH I. (Folio) KAPITEL IV. (Buckelwal). – Dieser Wal wird oft an der nordamerikanischen Küste gesichtet. Er wurde dort häufig gefangen und in die Häfen gezogen. Er hat einen großen „Buckel“ auf dem Rücken – wie ein Händler.
BUCH I. (Folio) KAPITEL IV. (Buckelwal). – Dieser Wal wird oft an der nordamerikanischen Küste gesichtet. Er wurde dort häufig gefangen und in die Häfen gezogen. Er hat einen großen „Buckel“ auf dem Rücken – wie ein Händler.
Page 165
Nennt ihn den Wal von Elephant and Castle. Jedenfalls unterscheidet sich der gängige Name für ihn nicht ausreichend von anderen Namen, denn auch der Schwertwal hat eine Kuhle – wenn auch eine kleinere. Sein Öl ist nicht sehr wertvoll. Er besitzt Bartel. Er ist der verspielteste und unbeschwernteste aller Wale und erzeugt im Allgemeinen mehr Schaum sowie weißes Wasser als alle anderen Wale.
BUCH I. (Folio), KAPITEL V. (Razor Back) – Über diesen Wal ist nur wenig bekannt, außer seinem Namen. Ich habe ihn aus der Ferne vor Kap Hoorn gesehen. Er ist von zurückhaltender Natur und entkommt sowohl Jägern als auch Philosophen. Obwohl er kein Feigling ist, hat er bisher nur seinen Rücken gezeigt – einen langen, scharfen Kamm. Lassen wir ihn in Ruhe. Ich weiß kaum etwas mehr über ihn, genauso wenig wie irgendjemand sonst.
BUCH I. (Folio), KAPITEL VI. (Sulphur Bottom) – Ein weiterer zurückhaltender „Edelmann“ mit einem Schwefelbauch – vermutlich entstanden durch das Kratzen an den tatarischen Fliesen während seiner tiefsten Tauchgänge. Man sieht ihn selten; zumindest habe ich ihn nur in den entlegensten südlichen Meeren gesehen – und dann immer aus zu großer Entfernung, um sein Gesicht betrachten zu können. Er wird niemals gejagt; selbst mit Seilen könnte man ihm nicht nahe kommen. Von ihm werden Wunder erzählt. Lebewohl, Sulphur Bottom! Ich kann nichts Weiteres über dich sagen – genauso wenig wie der älteste Bewohner von Nantucket.
So endet BUCH I. (Folio); nun beginnt BUCH II. (Octavo).
OCTAVO-Bände* – Diese umfassen Wale mittlerer Größe. Dazu gehören: I. der Grampus; II. der Schwarze Fisch; III. der Narwal; IV. der Thrasher; V. der Killer.
*Warum dieses Buch über Wale nicht als Quarto bezeichnet wird, ist ganz klar: Zwar weisen die Wale dieser Gruppe, obwohl sie kleiner sind als die Wale der vorherigen Gruppe, dennoch eine proportionale Ähnlichkeit in ihrer Form auf. Doch das in Quarto-Format gebundene Buch bewahrt nicht die Form des Folio-Bands, während das Octavo-Format dies tut.
BUCH II. (Octavo), KAPITEL I. (Grampus) – Obwohl dieser Fisch, dessen lautes, klangvolles Atmen – oder besser gesagt Blasen – den Landbewohnern ein Sprichwort geliefert hat – als gut bekannter Bewohner der Tiefsee gilt, wird er doch nicht unter die Wale gezählt. Doch da er alle charakteristischen Merkmale eines Leviathans aufweist, haben die meisten Naturforscher ihn als solchen anerkannt. Er ist von mittlerer Octavo-Größe – seine Länge variiert zwischen fünfzehn und fünfundzwanzig Fuß, und seine Umfangsmaße entsprechen diesem Wert. Er schwimmt in Herden; er wird selten gejagt – obwohl sein Öl in beträchtlicher Menge vorhanden ist und ziemlich wertvoll ist.
BUCH I. (Folio), KAPITEL V. (Razor Back) – Über diesen Wal ist nur wenig bekannt, außer seinem Namen. Ich habe ihn aus der Ferne vor Kap Hoorn gesehen. Er ist von zurückhaltender Natur und entkommt sowohl Jägern als auch Philosophen. Obwohl er kein Feigling ist, hat er bisher nur seinen Rücken gezeigt – einen langen, scharfen Kamm. Lassen wir ihn in Ruhe. Ich weiß kaum etwas mehr über ihn, genauso wenig wie irgendjemand sonst.
BUCH I. (Folio), KAPITEL VI. (Sulphur Bottom) – Ein weiterer zurückhaltender „Edelmann“ mit einem Schwefelbauch – vermutlich entstanden durch das Kratzen an den tatarischen Fliesen während seiner tiefsten Tauchgänge. Man sieht ihn selten; zumindest habe ich ihn nur in den entlegensten südlichen Meeren gesehen – und dann immer aus zu großer Entfernung, um sein Gesicht betrachten zu können. Er wird niemals gejagt; selbst mit Seilen könnte man ihm nicht nahe kommen. Von ihm werden Wunder erzählt. Lebewohl, Sulphur Bottom! Ich kann nichts Weiteres über dich sagen – genauso wenig wie der älteste Bewohner von Nantucket.
So endet BUCH I. (Folio); nun beginnt BUCH II. (Octavo).
OCTAVO-Bände* – Diese umfassen Wale mittlerer Größe. Dazu gehören: I. der Grampus; II. der Schwarze Fisch; III. der Narwal; IV. der Thrasher; V. der Killer.
*Warum dieses Buch über Wale nicht als Quarto bezeichnet wird, ist ganz klar: Zwar weisen die Wale dieser Gruppe, obwohl sie kleiner sind als die Wale der vorherigen Gruppe, dennoch eine proportionale Ähnlichkeit in ihrer Form auf. Doch das in Quarto-Format gebundene Buch bewahrt nicht die Form des Folio-Bands, während das Octavo-Format dies tut.
BUCH II. (Octavo), KAPITEL I. (Grampus) – Obwohl dieser Fisch, dessen lautes, klangvolles Atmen – oder besser gesagt Blasen – den Landbewohnern ein Sprichwort geliefert hat – als gut bekannter Bewohner der Tiefsee gilt, wird er doch nicht unter die Wale gezählt. Doch da er alle charakteristischen Merkmale eines Leviathans aufweist, haben die meisten Naturforscher ihn als solchen anerkannt. Er ist von mittlerer Octavo-Größe – seine Länge variiert zwischen fünfzehn und fünfundzwanzig Fuß, und seine Umfangsmaße entsprechen diesem Wert. Er schwimmt in Herden; er wird selten gejagt – obwohl sein Öl in beträchtlicher Menge vorhanden ist und ziemlich wertvoll ist.
Page 166
Gut für das Licht. Von einigen Fischern wird sein Auftreten als Vorzeichen für den Vormarsch des großen Walschwans angesehen.
BUCH II. (Octavo), KAPITEL II. (Schwarzer Fisch) – Ich gebe die bei den Fischern gebräuchlichen Namen für all diese Fische an, denn im Allgemeinen sind das die besten Namen. Falls ein Name unklar oder unpräzise ist, werde ich das erwähnen und einen anderen vorschlagen. Das tue ich jetzt im Fall des sogenannten Schwarzen Fisches – schließlich ist Schwarzheit bei fast allen Walen die Regel. Nennen Sie ihn ruhig auch „Hyänenwal“. Seine Gier ist allgemein bekannt; außerdem weisen die inneren Ecken seiner Lippen nach oben, wodurch er ständig ein „mephistophelisches“ Grinsen zur Schau trägt. Dieser Wal ist im Durchschnitt etwa sechzehn bis achtzehn Fuß lang. Er kommt in fast allen Breitengraden vor. Er hat eine besondere Art, beim Schwimmen seine dorsale Hakenflosse zu zeigen – sie sieht etwas wie eine römische Nase aus. Wenn die Jäger des Walschwans keine besseren Möglichkeiten haben, fangen sie manchmal auch den Hyänenwal, um einen Nachschub an billigem Öl für den Haushalt zu haben – schließlich verbrennen einige sparsame Hausfrauen, wenn sie allein sind, unangenehmes Fett anstelle von duftender Wachs. Obwohl ihr Fett sehr dünn ist, können einige dieser Wale bis zu dreißig Gallonen Öl liefern.
BUCH II. (Octavo), KAPITEL III. (Narwal) – Ein weiteres Beispiel für einen seltsam benannten Wal; vermutlich wurde er so genannt, weil sein besonderer Horn ursprünglich für eine spitze Nase gehalten wurde. Die Länge dieses Tieres beträgt etwa sechzehn Fuß, während die Länge seines Horns im Durchschnitt fünf Fuß beträgt – doch manche Exemplare übertreffen diese Länge sogar und erreichen fünfzehn Fuß. Streng genommen handelt es sich bei diesem Horn um einen verlängerten Stoßzahn, der aus dem Kiefer herauswächst und in einer leicht vom Horizont abweichenden Linie verläuft. Es befindet sich jedoch nur auf der linken Seite – was dazu führt, dass der Besitzer einen etwas unbeholfenen Eindruck macht, ähnlich wie ein Linkshänder. Welchen genauen Zweck dieses Elfenbeinhorn erfüllt, lässt sich schwer sagen. Es scheint nicht wie die Klinge des Schwertfisches oder Schnabelfisches verwendet zu werden; doch einige Seeleute behaupten, der Narwal würde es dazu nutzen, den Meeresboden umzukehren, um Nahrung zu finden. Charley Coffin sagte, es würde zum Durchbrechen von Eis verwendet – der Narwal steigt nämlich an die Oberfläche des Polarmeeres, wo das Wasser mit Eis bedeckt ist, und stößt sein Horn hinein, um so durchzubrechen. Doch keines dieser Vermutungen lässt sich beweisen. Meiner Meinung nach wäre dieses einseitige Horn für den Narwal auf jeden Fall sehr nützlich – zum Falten von Flugblättern. Den Narwal habe ich auch als „Stoßzahnwal“, „Hornwal“ und „Einhornwal“ bezeichnet hören.
BUCH II. (Octavo), KAPITEL II. (Schwarzer Fisch) – Ich gebe die bei den Fischern gebräuchlichen Namen für all diese Fische an, denn im Allgemeinen sind das die besten Namen. Falls ein Name unklar oder unpräzise ist, werde ich das erwähnen und einen anderen vorschlagen. Das tue ich jetzt im Fall des sogenannten Schwarzen Fisches – schließlich ist Schwarzheit bei fast allen Walen die Regel. Nennen Sie ihn ruhig auch „Hyänenwal“. Seine Gier ist allgemein bekannt; außerdem weisen die inneren Ecken seiner Lippen nach oben, wodurch er ständig ein „mephistophelisches“ Grinsen zur Schau trägt. Dieser Wal ist im Durchschnitt etwa sechzehn bis achtzehn Fuß lang. Er kommt in fast allen Breitengraden vor. Er hat eine besondere Art, beim Schwimmen seine dorsale Hakenflosse zu zeigen – sie sieht etwas wie eine römische Nase aus. Wenn die Jäger des Walschwans keine besseren Möglichkeiten haben, fangen sie manchmal auch den Hyänenwal, um einen Nachschub an billigem Öl für den Haushalt zu haben – schließlich verbrennen einige sparsame Hausfrauen, wenn sie allein sind, unangenehmes Fett anstelle von duftender Wachs. Obwohl ihr Fett sehr dünn ist, können einige dieser Wale bis zu dreißig Gallonen Öl liefern.
BUCH II. (Octavo), KAPITEL III. (Narwal) – Ein weiteres Beispiel für einen seltsam benannten Wal; vermutlich wurde er so genannt, weil sein besonderer Horn ursprünglich für eine spitze Nase gehalten wurde. Die Länge dieses Tieres beträgt etwa sechzehn Fuß, während die Länge seines Horns im Durchschnitt fünf Fuß beträgt – doch manche Exemplare übertreffen diese Länge sogar und erreichen fünfzehn Fuß. Streng genommen handelt es sich bei diesem Horn um einen verlängerten Stoßzahn, der aus dem Kiefer herauswächst und in einer leicht vom Horizont abweichenden Linie verläuft. Es befindet sich jedoch nur auf der linken Seite – was dazu führt, dass der Besitzer einen etwas unbeholfenen Eindruck macht, ähnlich wie ein Linkshänder. Welchen genauen Zweck dieses Elfenbeinhorn erfüllt, lässt sich schwer sagen. Es scheint nicht wie die Klinge des Schwertfisches oder Schnabelfisches verwendet zu werden; doch einige Seeleute behaupten, der Narwal würde es dazu nutzen, den Meeresboden umzukehren, um Nahrung zu finden. Charley Coffin sagte, es würde zum Durchbrechen von Eis verwendet – der Narwal steigt nämlich an die Oberfläche des Polarmeeres, wo das Wasser mit Eis bedeckt ist, und stößt sein Horn hinein, um so durchzubrechen. Doch keines dieser Vermutungen lässt sich beweisen. Meiner Meinung nach wäre dieses einseitige Horn für den Narwal auf jeden Fall sehr nützlich – zum Falten von Flugblättern. Den Narwal habe ich auch als „Stoßzahnwal“, „Hornwal“ und „Einhornwal“ bezeichnet hören.
Page 167
Er ist sicherlich ein bemerkenswertes Beispiel für den Einhornismus, der in fast jedem Königreich der animierten Natur vorkommt. Von einigen zurückgezogen lebenden alten Autoren habe ich erfahren, dass das Horn dieses Meeres-Einhorns in uralten Zeiten als großes Gegenmittel gegen Gift galt und daher Präparate daraus hohe Preise erzielten. Es wurde auch zu flüchtigen Salzen destilliert, die für Damen verwendet wurden, die in Ohnmacht fielen – genauso wie die Hörner des männlichen Hirsches zu Hartshorn verarbeitet werden. Ursprünglich galt es bereits an sich als Gegenstand großer Neugierde. Black Letter berichtet, dass Sir Martin Frobisher bei seiner Rückkehr von dieser Reise, als Königin Bess ihm galant ihre juwelierte Hand aus einem Fenster des Greenwich-Palastes zuwinkte, während sein mutiges Schiff den Themse hinunterfuhr, „auf Knien einer Hoheit ein riesig langes Horn des Narwals überreichte, das lange Zeit im Schloss von Windsor hing.“ Ein irischer Autor behauptet, der Earl of Leicester habe ebenfalls auf Knien einer Hoheit ein weiteres Horn überreicht, das von einem Landtier einhornartiger Natur stammte.
Der Narwal hat ein sehr malerisches, leopardenähnliches Aussehen: Er ist milchweiß gefärbt und mit runden sowie länglichen schwarzen Flecken übersät. Sein Öl ist von sehr hoher Qualität – klar und fein – doch es gibt nur wenig davon, und der Narwal wird selten gejagt. Er kommt hauptsächlich in den zirkumpolaren Meeren vor.
BUCH II. (Octavo), KAPITEL IV. (Der Mörder) – Über diesen Wal wissen die Nantucketer nur wenig, und die professionellen Naturforscher gar nichts. Nach dem, was ich aus der Ferne gesehen habe, würde ich sagen, dass er etwa so groß wie ein Grampus war. Er ist sehr wild – eine Art „Feegee-Fisch“. Manchmal packt er die großen Folio-Wale am Maul und hängt dort wie eine Blutegel, bis das mächtige Tier vor Erschöpfung stirbt. Der Mörder wird niemals gejagt. Ich habe noch nie gehört, welche Art von Öl er besitzt. Eine Ausnahme könnte man aufgrund der Unklarheit des Namens machen – schließlich sind wir alle Mörder, sowohl an Land als auch auf See – einschließlich Bonapartes und Haie.
BUCH II. (Octavo), KAPITEL V. (Der Peiniger) – Dieser „Herr“ ist berühmt für seinen Schwanz, den er als Peitsche verwendet, um seine Feinde zu misshandeln. Er klettert auf den Rücken des Folio-Wals und peitscht ihn beim Schwimmen, genau wie einige Lehrer auf diese Weise ihren Lebensunterhalt verdienen. Über den Peiniger ist noch weniger bekannt als über den Mörder. Beide sind Gesetzlose – selbst in den gesetzlosen Meeren.
So endet BUCH II. (Octavo) und beginnt BUCH III. (Duodecimo).
Der Narwal hat ein sehr malerisches, leopardenähnliches Aussehen: Er ist milchweiß gefärbt und mit runden sowie länglichen schwarzen Flecken übersät. Sein Öl ist von sehr hoher Qualität – klar und fein – doch es gibt nur wenig davon, und der Narwal wird selten gejagt. Er kommt hauptsächlich in den zirkumpolaren Meeren vor.
BUCH II. (Octavo), KAPITEL IV. (Der Mörder) – Über diesen Wal wissen die Nantucketer nur wenig, und die professionellen Naturforscher gar nichts. Nach dem, was ich aus der Ferne gesehen habe, würde ich sagen, dass er etwa so groß wie ein Grampus war. Er ist sehr wild – eine Art „Feegee-Fisch“. Manchmal packt er die großen Folio-Wale am Maul und hängt dort wie eine Blutegel, bis das mächtige Tier vor Erschöpfung stirbt. Der Mörder wird niemals gejagt. Ich habe noch nie gehört, welche Art von Öl er besitzt. Eine Ausnahme könnte man aufgrund der Unklarheit des Namens machen – schließlich sind wir alle Mörder, sowohl an Land als auch auf See – einschließlich Bonapartes und Haie.
BUCH II. (Octavo), KAPITEL V. (Der Peiniger) – Dieser „Herr“ ist berühmt für seinen Schwanz, den er als Peitsche verwendet, um seine Feinde zu misshandeln. Er klettert auf den Rücken des Folio-Wals und peitscht ihn beim Schwimmen, genau wie einige Lehrer auf diese Weise ihren Lebensunterhalt verdienen. Über den Peiniger ist noch weniger bekannt als über den Mörder. Beide sind Gesetzlose – selbst in den gesetzlosen Meeren.
So endet BUCH II. (Octavo) und beginnt BUCH III. (Duodecimo).
Page 168
DUODECIMOES – Dazu gehören die kleineren Wale. I. Die Huzza-Delphinart. II. Der Algerische Delphin. III. Der Mealy-mouthed-Delphin.
Für diejenigen, die dieses Thema nicht besonders studiert haben, mag es seltsam erscheinen, dass Fische, die in der Regel nicht länger als vier oder fünf Fuß sind, zu den WALEN gezählt werden – ein Begriff, der im alltäglichen Sprachgebrauch stets die Vorstellung von Größe vermittelt. Doch die oben genannten Tiere sind nach meiner Definition eines Wals zweifellos Wale – also Fische, die Wasser spritzen und einen horizontalen Schwanz haben.
BUCH III. (Duodecimo), KAPITEL 1. (Huzza-Delphin). – Das ist der häufig vorkommende Delphin, der fast überall auf der Welt zu finden ist. Den Namen habe ich selbst vergeben; denn es gibt mehrere Arten von Delfinen, und man muss etwas tun, um sie voneinander zu unterscheiden. Ich nenne ihn so, weil er immer in fröhlichen Schwärmen schwimmt, die auf dem weiten Meer wie Mützen in einer Menschenmenge am 4. Juli in die Luft geworfen werden. Ihr Erscheinen wird in der Regel mit Freude vom Seemann begrüßt. Voller Lebensfreude kommen sie stets aus den windigen Wellen heran. Sie gelten als glückverheißendes Zeichen. Wenn Sie drei Mal „Hurra“ rufen können, sobald Sie diese lebhaften Fische sehen, dann helfe Ihnen Gott – in Ihnen steckt nicht der Geist des fröhlichen Spiels. Ein gut ernährter, fülliger Huzza-Delphin liefert Ihnen einen guten Liter hochwertiges Öl. Doch das feine, delikate Fluid, das aus seinem Maul gewonnen wird, ist äußerst wertvoll. Es ist bei Juwelieren und Uhrmachern begehrt. Seeleute tragen es auf ihre Messer auf. Delphinfleisch ist schmackhaft, wissen Sie. Ihnen ist vielleicht noch nie in den Sinn gekommen, dass ein Delphin Wasser spritzen kann. Tatsächlich ist sein Spritzstrahl so klein, dass er kaum erkennbar ist. Aber beim nächsten Mal, wenn Sie die Gelegenheit haben, beobachten Sie ihn – dann werden Sie den großen Walhai in Miniaturform sehen.
BUCH III. (Duodecimo), KAPITEL II. (Algerischer Delphin). – Ein Pirat – sehr wild. Er kommt, glaube ich, nur im Pazifik vor. Er ist etwas größer als der Huzza-Delphin, hat aber im Großen und Ganzen die gleiche Gestalt. Provozieren Sie ihn, und er wird sich einem Hai anschließen. Ich habe ihn bereits oft gesucht, doch bisher noch nie gefangen.
BUCH III. (Duodecimo), KAPITEL III. (Mealy-mouthed-Delphin). – Die größte Delphinart; bislang nur im Pazifik bekannt. Der einzige englische Name, unter dem er bisher bezeichnet wurde, stammt von den Fischern: Right-Whale-Delphin – aufgrund der Tatsache, dass er hauptsächlich in der Nähe dieser Gegend vorkommt. In seiner Form unterscheidet er sich in einigen Punkten…
Für diejenigen, die dieses Thema nicht besonders studiert haben, mag es seltsam erscheinen, dass Fische, die in der Regel nicht länger als vier oder fünf Fuß sind, zu den WALEN gezählt werden – ein Begriff, der im alltäglichen Sprachgebrauch stets die Vorstellung von Größe vermittelt. Doch die oben genannten Tiere sind nach meiner Definition eines Wals zweifellos Wale – also Fische, die Wasser spritzen und einen horizontalen Schwanz haben.
BUCH III. (Duodecimo), KAPITEL 1. (Huzza-Delphin). – Das ist der häufig vorkommende Delphin, der fast überall auf der Welt zu finden ist. Den Namen habe ich selbst vergeben; denn es gibt mehrere Arten von Delfinen, und man muss etwas tun, um sie voneinander zu unterscheiden. Ich nenne ihn so, weil er immer in fröhlichen Schwärmen schwimmt, die auf dem weiten Meer wie Mützen in einer Menschenmenge am 4. Juli in die Luft geworfen werden. Ihr Erscheinen wird in der Regel mit Freude vom Seemann begrüßt. Voller Lebensfreude kommen sie stets aus den windigen Wellen heran. Sie gelten als glückverheißendes Zeichen. Wenn Sie drei Mal „Hurra“ rufen können, sobald Sie diese lebhaften Fische sehen, dann helfe Ihnen Gott – in Ihnen steckt nicht der Geist des fröhlichen Spiels. Ein gut ernährter, fülliger Huzza-Delphin liefert Ihnen einen guten Liter hochwertiges Öl. Doch das feine, delikate Fluid, das aus seinem Maul gewonnen wird, ist äußerst wertvoll. Es ist bei Juwelieren und Uhrmachern begehrt. Seeleute tragen es auf ihre Messer auf. Delphinfleisch ist schmackhaft, wissen Sie. Ihnen ist vielleicht noch nie in den Sinn gekommen, dass ein Delphin Wasser spritzen kann. Tatsächlich ist sein Spritzstrahl so klein, dass er kaum erkennbar ist. Aber beim nächsten Mal, wenn Sie die Gelegenheit haben, beobachten Sie ihn – dann werden Sie den großen Walhai in Miniaturform sehen.
BUCH III. (Duodecimo), KAPITEL II. (Algerischer Delphin). – Ein Pirat – sehr wild. Er kommt, glaube ich, nur im Pazifik vor. Er ist etwas größer als der Huzza-Delphin, hat aber im Großen und Ganzen die gleiche Gestalt. Provozieren Sie ihn, und er wird sich einem Hai anschließen. Ich habe ihn bereits oft gesucht, doch bisher noch nie gefangen.
BUCH III. (Duodecimo), KAPITEL III. (Mealy-mouthed-Delphin). – Die größte Delphinart; bislang nur im Pazifik bekannt. Der einzige englische Name, unter dem er bisher bezeichnet wurde, stammt von den Fischern: Right-Whale-Delphin – aufgrund der Tatsache, dass er hauptsächlich in der Nähe dieser Gegend vorkommt. In seiner Form unterscheidet er sich in einigen Punkten…
Page 169
eine Abwandlung der Art Huzza-Delphin – mit weniger rundlicher, fröhlicher Statur; tatsächlich hat er eine ziemlich ordentliche, gentlemanhafte Erscheinung. Er besitzt keine Flossen auf dem Rücken (die meisten anderen Delfine haben sie), einen wunderschönen Schwanz sowie sentimentale, haselnussfarbene Augen. Doch sein mürrischer Gesichtsausdruck ruiniert alles. Obwohl sein ganzer Rücken bis zu den Seitenflossen dunkel schiefergrau ist, verläuft dort eine deutliche Trennlinie – ähnlich wie eine Markierung auf dem Rumpf eines Schiffes –, die ihn von Bug bis Heck in zwei verschiedene Farben teilt: schwarz oben und weiß unten. Das Weiß umfasst einen Teil seines Kopfes sowie seinen gesamten Mund, wodurch es so aussieht, als wäre er gerade aus einem „Esssack“ entkommen. Ein äußerst hässliches Aussehen! Sein Öl ähnelt stark dem des gewöhnlichen Delfins.
******
Jenseits des Duodecimo setzt dieses System nicht fort, denn der Delphin ist die kleinste der Wale. Darüber finden sich alle bekannten Leviathane. Es gibt jedoch auch eine Menge unsicherer, flüchtiger, halb-mythologischer Wale, von denen ich als amerikanischer Walfänger nur vom Hörensagen weiß, aber nicht persönlich. Ich werde sie nach ihren Bezeichnungen aufzählen; denn möglicherweise kann eine solche Liste für zukünftige Forscher nützlich sein, die das hier Von mir Anfängliche vervollständigen können. Sollte einer dieser Wale später gefangen und markiert werden, kann er leicht in dieses System eingefügt werden, entsprechend seiner Größe – ob Folio, Octavo oder Duodecimo: Die Flaschennasenwal, der Junkwal, der Puddingkopfwal, der Kapwal, der Führwal, der Kanonenwal, der Scraggwal, der Kupferwal, der Elefantenwal, der Eisbergwal, der Quogwal, der Blauwal usw. Aus isländischen, niederländischen und althochenglischen Quellen ließen sich weitere Listen unsicherer Wale zitieren, versehen mit allen möglichen groben Namen. Doch ich lasse sie aus – sie sind völlig veraltet; ich kann kaum umhin zu vermuten, dass es sich dabei um bloße Laute handelt, voller „Leviathanismus“, aber ohne Bedeutung.
Schließlich: Zu Beginn wurde bereits erwähnt, dass dieses System hier und sofort nicht perfektioniert werden würde. Man kann deutlich sehen, dass ich mein Wort gehalten habe. Doch ich lasse mein Zetologie-System nun unvollendet zurück – genauso wie die große Kathedrale von Köln, bei der der Kran noch immer auf der Spitze des unvollendeten Turms steht. Denn kleine Bauwerke können von ihren ursprünglichen Architekten fertiggestellt werden; große, wahre Bauwerke hinterlassen stets den Abschlussstein für die Nachwelt. Gott bewahre mich davor, jemals etwas zu vollenden. Dieses ganze Buch ist…
******
Jenseits des Duodecimo setzt dieses System nicht fort, denn der Delphin ist die kleinste der Wale. Darüber finden sich alle bekannten Leviathane. Es gibt jedoch auch eine Menge unsicherer, flüchtiger, halb-mythologischer Wale, von denen ich als amerikanischer Walfänger nur vom Hörensagen weiß, aber nicht persönlich. Ich werde sie nach ihren Bezeichnungen aufzählen; denn möglicherweise kann eine solche Liste für zukünftige Forscher nützlich sein, die das hier Von mir Anfängliche vervollständigen können. Sollte einer dieser Wale später gefangen und markiert werden, kann er leicht in dieses System eingefügt werden, entsprechend seiner Größe – ob Folio, Octavo oder Duodecimo: Die Flaschennasenwal, der Junkwal, der Puddingkopfwal, der Kapwal, der Führwal, der Kanonenwal, der Scraggwal, der Kupferwal, der Elefantenwal, der Eisbergwal, der Quogwal, der Blauwal usw. Aus isländischen, niederländischen und althochenglischen Quellen ließen sich weitere Listen unsicherer Wale zitieren, versehen mit allen möglichen groben Namen. Doch ich lasse sie aus – sie sind völlig veraltet; ich kann kaum umhin zu vermuten, dass es sich dabei um bloße Laute handelt, voller „Leviathanismus“, aber ohne Bedeutung.
Schließlich: Zu Beginn wurde bereits erwähnt, dass dieses System hier und sofort nicht perfektioniert werden würde. Man kann deutlich sehen, dass ich mein Wort gehalten habe. Doch ich lasse mein Zetologie-System nun unvollendet zurück – genauso wie die große Kathedrale von Köln, bei der der Kran noch immer auf der Spitze des unvollendeten Turms steht. Denn kleine Bauwerke können von ihren ursprünglichen Architekten fertiggestellt werden; große, wahre Bauwerke hinterlassen stets den Abschlussstein für die Nachwelt. Gott bewahre mich davor, jemals etwas zu vollenden. Dieses ganze Buch ist…
Page 170
Aber ein Zug – nein, vielmehr der Zug eines Zuges. Oh, Zeit, Kraft, Geld – und Geduld!
Page 171
KAPITEL 33. Der Specksnyder.
Was die Offiziere der Walfangschiffe betrifft, so scheint dies ein guter Ort zu sein, um eine kleine Besonderheit an Bord zu beschreiben – eine Besonderheit, die aus der Existenz der Klasse der Harpunenbeschützer entsteht, einer Klasse, die natürlich in keinem anderen Seefahrtsbereich außerhalb der Walfangflotten bekannt ist.
Die große Bedeutung, der der Beruf des Harpunenbeschützers beigemessen wird, zeigt sich daran, dass ursprünglich in der alten niederländischen Fischerei, vor zwei Jahrhunderten und länger, das Kommando über ein Walfangschiff nicht vollständig in den Händen der heute als Kapitän bezeichneten Person lag, sondern zwischen dieser und einem Offizier namens Specksnyder aufgeteilt war. Im wörtlichen Sinne bedeutet dieses Wort „Fettschneider“; im Laufe der Zeit wurde es jedoch mit „Oberster Harpunenbeschützer“ gleichgesetzt. Zu jener Zeit beschränkte sich die Autorität des Kapitäns auf die Navigation und die allgemeine Leitung des Schiffes; während der Specksnyder oder Oberste Harpunenbeschützer über den Walfang sowie alle damit verbundenen Angelegenheiten herrschte. In der britischen Grönlandfischerei wird dieser alte niederländische Beamte unter dem verdorbenen Titel „Specksioneer“ weiterhin beibehalten – doch seine ehemalige Würde ist bedauerlicherweise eingeschränkt. Heute gilt er lediglich als höherer Harpunenbeschützer und ist somit nur einer der untergeordneten Untergebenen des Kapitäns. Dennoch hängt der Erfolg einer Walfangreise größtenteils von dem guten Verhalten der Harpunenbeschützer ab – und da er in der amerikanischen Fischerei nicht nur ein wichtiger Offizier an Bord ist, sondern unter bestimmten Umständen (zum Beispiel bei Nachtwachen am Walfangort) auch das Kommando über das Deck des Schiffes innehat, verlangt das große politische Prinzip der Seefahrt, dass er nominell getrennt von den Männern an den Masten lebt und auf irgendeine Weise als ihr beruflicher Vorgesetzter hervorgehoben wird – obwohl er von ihnen stets als ihr sozialer Gleichgestellter angesehen wird.
Die große Unterscheidung zwischen Offizieren und Mannschaftsmitgliedern auf See besteht darin, dass die Ersteren im Heck und die Letzteren im Vorderteil des Schiffes leben. Deshalb haben die Matrosen auf Walfang- und Handelsschiffen ihre Unterkünfte zusammen mit dem Kapitän – genauso wohnen die Harpunenbeschützer auf den meisten amerikanischen Walfängerschiffen im hinteren Teil des Schiffes. Das bedeutet, sie essen in der Kabine des Kapitäns und schlafen an einem Ort, der indirekt mit dieser verbunden ist.
Obwohl die Dauer einer Walfangreise im Süden äußerst lang ist – weitaus länger als alle anderen Reisen, die je von Menschen unternommen wurden – sowie die besonderen Gefahren, die damit verbunden sind…
Was die Offiziere der Walfangschiffe betrifft, so scheint dies ein guter Ort zu sein, um eine kleine Besonderheit an Bord zu beschreiben – eine Besonderheit, die aus der Existenz der Klasse der Harpunenbeschützer entsteht, einer Klasse, die natürlich in keinem anderen Seefahrtsbereich außerhalb der Walfangflotten bekannt ist.
Die große Bedeutung, der der Beruf des Harpunenbeschützers beigemessen wird, zeigt sich daran, dass ursprünglich in der alten niederländischen Fischerei, vor zwei Jahrhunderten und länger, das Kommando über ein Walfangschiff nicht vollständig in den Händen der heute als Kapitän bezeichneten Person lag, sondern zwischen dieser und einem Offizier namens Specksnyder aufgeteilt war. Im wörtlichen Sinne bedeutet dieses Wort „Fettschneider“; im Laufe der Zeit wurde es jedoch mit „Oberster Harpunenbeschützer“ gleichgesetzt. Zu jener Zeit beschränkte sich die Autorität des Kapitäns auf die Navigation und die allgemeine Leitung des Schiffes; während der Specksnyder oder Oberste Harpunenbeschützer über den Walfang sowie alle damit verbundenen Angelegenheiten herrschte. In der britischen Grönlandfischerei wird dieser alte niederländische Beamte unter dem verdorbenen Titel „Specksioneer“ weiterhin beibehalten – doch seine ehemalige Würde ist bedauerlicherweise eingeschränkt. Heute gilt er lediglich als höherer Harpunenbeschützer und ist somit nur einer der untergeordneten Untergebenen des Kapitäns. Dennoch hängt der Erfolg einer Walfangreise größtenteils von dem guten Verhalten der Harpunenbeschützer ab – und da er in der amerikanischen Fischerei nicht nur ein wichtiger Offizier an Bord ist, sondern unter bestimmten Umständen (zum Beispiel bei Nachtwachen am Walfangort) auch das Kommando über das Deck des Schiffes innehat, verlangt das große politische Prinzip der Seefahrt, dass er nominell getrennt von den Männern an den Masten lebt und auf irgendeine Weise als ihr beruflicher Vorgesetzter hervorgehoben wird – obwohl er von ihnen stets als ihr sozialer Gleichgestellter angesehen wird.
Die große Unterscheidung zwischen Offizieren und Mannschaftsmitgliedern auf See besteht darin, dass die Ersteren im Heck und die Letzteren im Vorderteil des Schiffes leben. Deshalb haben die Matrosen auf Walfang- und Handelsschiffen ihre Unterkünfte zusammen mit dem Kapitän – genauso wohnen die Harpunenbeschützer auf den meisten amerikanischen Walfängerschiffen im hinteren Teil des Schiffes. Das bedeutet, sie essen in der Kabine des Kapitäns und schlafen an einem Ort, der indirekt mit dieser verbunden ist.
Obwohl die Dauer einer Walfangreise im Süden äußerst lang ist – weitaus länger als alle anderen Reisen, die je von Menschen unternommen wurden – sowie die besonderen Gefahren, die damit verbunden sind…
Page 172
Die unter den Besatzungsmitgliedern einer Firma vorherrschende Gemeinschaftsmentalität – bei denen alle, egal ob hochrangig oder niedriggestellt, ihren Gewinn nicht von festen Löhnen abhängig machen, sondern von ihrem gemeinsamen Glück sowie ihrer gemeinsamen Wachsamkeit, Kühnheit und harten Arbeit – führt zwar in einigen Fällen zu einer weniger strengen Disziplin als in Handelsschiffen im Allgemeinen; doch egal, wie sehr diese Walfänger in einigen primitiven Fällen wie alte mesopotamische Familien zusammenleben mögen – die äußeren Formen der Disziplin auf dem Quarterdeck werden zumindest selten erheblich gelockert, und in keinem Fall ganz aufgehoben. Tatsächlich gibt es auf vielen Schiffen aus Nantucket Kapitäne, bei denen man sieht, wie sie mit großer Pracht auf dem Quarterdeck umherstolzieren – eine Pracht, die in keiner Militärflotte übertroffen wird; ja, sie erzwingen fast genauso viel äußere Ehrerbietung, als trügen sie kaiserliches Purpur statt des schäbigsten Segeltuchs. Und obwohl der launische Kapitän der Pequod von allen Männern am wenigsten zu solchen oberflächlichen Gesten neigte; obwohl die einzige Ehrerbietung, die er je verlangte, bedingungslose, sofortige Gehorsamkeit war; obwohl er von niemandem verlangte, seine Schuhe auszuziehen, bevor man das Quarterdeck betrat; und obwohl es Zeiten gab, in denen er aufgrund besonderer Umstände, die später näher erläutert werden, in ungewöhnlichem Ton zu ihnen sprach – sei es aus Herablassung, zur Einschüchterung oder aus anderen Gründen – so war selbst Kapitän Ahab keineswegs untätig, was die wichtigsten Formen und Bräuche der Seefahrt betrifft. Vielleicht wird auch letztendlich erkennbar werden, dass er sich hinter diesen Formen und Bräuchen manchmal verbarg und sie gelegentlich für andere, privatere Zwecke nutzte, als sie ursprünglich dienen sollten. Jener „Sultanismus“ in seinem Geist, der sonst größtenteils unersichtlich blieb, wurde durch diese Formen zu einer unwiderstehlichen Diktatur. Denn egal, welche intellektuelle Überlegenheit ein Mensch auch haben mag – er kann niemals eine praktische, tatsächliche Herrschaft über andere Menschen ohne die Hilfe irgendwelcher äußerer Mittel und Strukturen erreichen, die stets mehr oder weniger unbedeutend und niederträchtig sind. Das ist es, was Gottes wahren Fürsten des Reiches für immer von den weltlichen Machtkämpfen fernhält – und die höchsten Ehren, die diese Welt zu vergeben hat, jenen Männern überlässt, die eher durch ihre unendliche Unterlegenheit gegenüber der ausgewählten Minderheit der Göttlich Bestimmten berühmt werden als durch ihre zweifellos große Überlegenheit gegenüber der Masse. In diesen kleinen Dingen liegt eine große Tugend verborgen – sobald extreme politische Vorurteile sie beeinflussen – sodass in einigen königlichen Fällen sogar Idiotie dazu führt…
Page 173
Er verlieh Macht. Doch wenn, wie im Fall von Zar Nikolaus, die Krone des geografischen Reiches ein kaiserliches Gehirn umgibt, dann kauern die einfachen Menschen demotisiert vor dieser gewaltigen Zentralisierung. Auch der tragische Dramatiker, der die ungebändigte Stärke des Menschen in ihrer vollen Ausprägung darstellen möchte, wird niemals einen Hinweis vergessen – einen Hinweis, der für seine Kunst von solcher Bedeutung ist, wie der hier angesprochene.
Doch Ahab, mein Kapitän, steht weiterhin vor mir in all seiner Grimmigkeit und Unordnung; und in diesem Episoden über Kaiser und Könige muss ich verschweigen, dass es sich bei ihm nur um einen armen alten Walfänger handelt. Deshalb werden mir alle äußeren Zeichen der Majestät vorenthalten. Oh, Ahab! Was an dir groß sein soll, muss aus dem Himmel gepflückt, in den Tiefen gesucht und in der luftleeren Luft dargestellt werden!
Doch Ahab, mein Kapitän, steht weiterhin vor mir in all seiner Grimmigkeit und Unordnung; und in diesem Episoden über Kaiser und Könige muss ich verschweigen, dass es sich bei ihm nur um einen armen alten Walfänger handelt. Deshalb werden mir alle äußeren Zeichen der Majestät vorenthalten. Oh, Ahab! Was an dir groß sein soll, muss aus dem Himmel gepflückt, in den Tiefen gesucht und in der luftleeren Luft dargestellt werden!
Page 174
KAPITEL 34. Der Tisch im Kabinenraum.
Es ist Mittag; Dough-Boy, der Steward, streckt sein blasses, brotartiges Gesicht aus dem Kabinenfenster und kündigt das Abendessen seinem Herrn an. Dieser sitzt in dem kleinen Boot am Heck und hat gerade die Sonne beobachtet; nun rechnet er stumm die Breitenlage auf der glatten, medalienförmigen Platte aus, die zu diesem Zweck oben an seinem Elfenbeinbein angebracht ist. Aufgrund seiner völligen Gleichgültigkeit gegenüber dieser Mitteilung könnte man meinen, der launische Ahab habe seinen Diener nicht gehört. Doch bald darauf ergreift er die Seile am Bug des Bootes, schwingt sich auf das Deck und sagt mit ruhiger, emotionsloser Stimme: „Abendessen, Herr Starbuck“, bevor er in die Kabine verschwindet.
Als das letzte Echo seiner Schritte verklungen ist und Starbuck, der erste Emir, allen Grund hat anzunehmen, dass Ahab bereits Platz genommen hat, erwacht er aus seiner Ruhe, geht ein paar Mal über das Deck und wirft einen ernsten Blick in das Kompassgehäuse. Anschließend sagt er mit etwas Fröhlichkeit in der Stimme: „Abendessen, Herr Stubb“, und steigt ebenfalls in die Kabine hinab. Der zweite Emir schlendert eine Weile herum, schüttelt anschließend leicht den Hauptmast, um zu prüfen, ob mit diesem wichtigen Seil alles in Ordnung ist, und nimmt dann ebenfalls seine Aufgabe in Angriff – mit dem Satz „Abendessen, Herr Flask“ folgt er seinen Vorgängern.
Doch der dritte Emir, der nun allein auf dem Heckdeck steht, scheint von irgendeiner seltsamen Beschränkung befreit zu sein. Er wirft allerlei bedeutungsvolle Blicke in alle Richtungen, zieht seine Schuhe aus und beginnt, lautlos einen schnellen Tanz über dem Kopf des Großtürken zu tanzen. Anschließend wirft er seinen Hut geschickt auf einen Haken am Bug des Bootes und tanzt weiter – zumindest solange er vom Deck aus noch sichtbar ist. Dabei kehrt er den üblichen Ablauf um und bringt Musik mit sich. Doch bevor er in die Kabinentür tritt, hält er inne, verändert sein Aussehen völlig – und dann tritt der unabhängige, fröhliche kleine Flask in Gegenwart von König Ahab auf, in der Rolle des Abjectus, also des Sklaven.
Es gehört zu den seltsamen Phänomenen, die durch die extrem künstlichen Bräuche auf See entstehen: Während einige Offiziere draußen auf dem Deck bei Provokationen recht mutig und herausfordernd gegenüber ihrem Kommandanten auftreten, tun genau diese Offiziere später oft das Gegenteil.
Es ist Mittag; Dough-Boy, der Steward, streckt sein blasses, brotartiges Gesicht aus dem Kabinenfenster und kündigt das Abendessen seinem Herrn an. Dieser sitzt in dem kleinen Boot am Heck und hat gerade die Sonne beobachtet; nun rechnet er stumm die Breitenlage auf der glatten, medalienförmigen Platte aus, die zu diesem Zweck oben an seinem Elfenbeinbein angebracht ist. Aufgrund seiner völligen Gleichgültigkeit gegenüber dieser Mitteilung könnte man meinen, der launische Ahab habe seinen Diener nicht gehört. Doch bald darauf ergreift er die Seile am Bug des Bootes, schwingt sich auf das Deck und sagt mit ruhiger, emotionsloser Stimme: „Abendessen, Herr Starbuck“, bevor er in die Kabine verschwindet.
Als das letzte Echo seiner Schritte verklungen ist und Starbuck, der erste Emir, allen Grund hat anzunehmen, dass Ahab bereits Platz genommen hat, erwacht er aus seiner Ruhe, geht ein paar Mal über das Deck und wirft einen ernsten Blick in das Kompassgehäuse. Anschließend sagt er mit etwas Fröhlichkeit in der Stimme: „Abendessen, Herr Stubb“, und steigt ebenfalls in die Kabine hinab. Der zweite Emir schlendert eine Weile herum, schüttelt anschließend leicht den Hauptmast, um zu prüfen, ob mit diesem wichtigen Seil alles in Ordnung ist, und nimmt dann ebenfalls seine Aufgabe in Angriff – mit dem Satz „Abendessen, Herr Flask“ folgt er seinen Vorgängern.
Doch der dritte Emir, der nun allein auf dem Heckdeck steht, scheint von irgendeiner seltsamen Beschränkung befreit zu sein. Er wirft allerlei bedeutungsvolle Blicke in alle Richtungen, zieht seine Schuhe aus und beginnt, lautlos einen schnellen Tanz über dem Kopf des Großtürken zu tanzen. Anschließend wirft er seinen Hut geschickt auf einen Haken am Bug des Bootes und tanzt weiter – zumindest solange er vom Deck aus noch sichtbar ist. Dabei kehrt er den üblichen Ablauf um und bringt Musik mit sich. Doch bevor er in die Kabinentür tritt, hält er inne, verändert sein Aussehen völlig – und dann tritt der unabhängige, fröhliche kleine Flask in Gegenwart von König Ahab auf, in der Rolle des Abjectus, also des Sklaven.
Es gehört zu den seltsamen Phänomenen, die durch die extrem künstlichen Bräuche auf See entstehen: Während einige Offiziere draußen auf dem Deck bei Provokationen recht mutig und herausfordernd gegenüber ihrem Kommandanten auftreten, tun genau diese Offiziere später oft das Gegenteil.
Page 175
Im nächsten Moment begaben sie sich zu ihrem üblichen Abendessen in derselben Offizierskabine. Sofort zeigten sie ihm gegenüber eine unschuldige, um nicht zu sagen demütige Haltung – während er am Kopfende des Tisches saß. Das ist erstaunlich, manchmal sogar sehr komisch. Warum dieser Unterschied? Ein Rätsel? Vielleicht nicht. Es muss etwas von weltlicher Größe dabei sein, Belshazzar, König von Babylon, gewesen zu sein – und zwar nicht stolz, sondern höflich. Doch derjenige, der in einem wahrhaft königlichen und klugen Geist sein eigenes Abendessen mit geladenen Gästen leitet, dessen unangefochtenes Machtgefühl und Einfluss für die Zeit – dessen königliche Würde übertrifft die von Belshazzar, denn Belshazzar war nicht der Größte. Wer hat schon einmal mit seinen Freunden gegessen und erfahren, was es bedeutet, Cäsar zu sein? Es handelt sich dabei um eine Art „Zauber“ des sozialen Zarenwesens, dem man nichts entgegensetzen kann. Wenn man nun zu dieser Überlegung noch die offizielle Überlegenheit eines Schiffskapitäns hinzufügt, dann kann man wohl den Grund für diese Besonderheit des Seelenlebens erkennen.
Über seinem mit Elfenbein verzierten Tisch saß Ahab wie ein stummer, behaarter Seelöwe auf dem weißen Korallenstrand, umgeben von seinen kriegerischen, doch dennoch respektvollen Untergebenen. Jeder Offizier wartete darauf, bedient zu werden. Sie waren vor Ahab wie kleine Kinder – doch in ihm schien keine Spur sozialer Arroganz zu liegen. Mit zusammengehaltener Aufmerksamkeit blickten alle auf das Messer des Alten, während dieser das Hauptgericht vor sich zubereitete. Ich glaube nicht, dass sie diesen Moment auch nur mit einem einzigen Kommentar gestört hätten – selbst nicht zu einem so neutralen Thema wie dem Wetter. Nein! Als Ahab mit seinem Messer und seiner Gabel, zwischen denen das Stück Fleisch lag, auf Starsucks Teller deutete, nahm dieser sein Fleisch, als würde er Almosen erhalten. Er schnitt es vorsichtig zurecht; zuckte leicht zusammen, falls das Messer versehentlich den Teller berührte; kaute leise und schluckte es vorsichtig hinunter. Denn genauso wie beim Krönungsbankett in Frankfurt, wo der deutsche Kaiser gemeinsam mit den sieben Kurfürsten speiste, waren auch diese Mahlzeiten in der Kabine irgendwie feierlich – in ehrfurchtgebietender Stille. Doch am Tisch verbot Ahab kein Gespräch; nur er selbst schwieg. Welch Erleichterung für den erstickenden Stubb, als plötzlich eine Ratte im Laderaum unten Lärm machte. Und der arme kleine Flask – er war der jüngste Sohn, das kleinste Kind in dieser müden Familie. Ihm gehörten die Oberschenkelknochen des salzigen Fleisches; seine wären wohl die Schenkelknochen gewesen. Dass Flask es wagte, sich selbst zu bedienen, musste für ihn gleichbedeutend mit Diebstahl ersten Grades sein. Hätte er sich an diesem Tisch selbst bedient, zweifellos…
Über seinem mit Elfenbein verzierten Tisch saß Ahab wie ein stummer, behaarter Seelöwe auf dem weißen Korallenstrand, umgeben von seinen kriegerischen, doch dennoch respektvollen Untergebenen. Jeder Offizier wartete darauf, bedient zu werden. Sie waren vor Ahab wie kleine Kinder – doch in ihm schien keine Spur sozialer Arroganz zu liegen. Mit zusammengehaltener Aufmerksamkeit blickten alle auf das Messer des Alten, während dieser das Hauptgericht vor sich zubereitete. Ich glaube nicht, dass sie diesen Moment auch nur mit einem einzigen Kommentar gestört hätten – selbst nicht zu einem so neutralen Thema wie dem Wetter. Nein! Als Ahab mit seinem Messer und seiner Gabel, zwischen denen das Stück Fleisch lag, auf Starsucks Teller deutete, nahm dieser sein Fleisch, als würde er Almosen erhalten. Er schnitt es vorsichtig zurecht; zuckte leicht zusammen, falls das Messer versehentlich den Teller berührte; kaute leise und schluckte es vorsichtig hinunter. Denn genauso wie beim Krönungsbankett in Frankfurt, wo der deutsche Kaiser gemeinsam mit den sieben Kurfürsten speiste, waren auch diese Mahlzeiten in der Kabine irgendwie feierlich – in ehrfurchtgebietender Stille. Doch am Tisch verbot Ahab kein Gespräch; nur er selbst schwieg. Welch Erleichterung für den erstickenden Stubb, als plötzlich eine Ratte im Laderaum unten Lärm machte. Und der arme kleine Flask – er war der jüngste Sohn, das kleinste Kind in dieser müden Familie. Ihm gehörten die Oberschenkelknochen des salzigen Fleisches; seine wären wohl die Schenkelknochen gewesen. Dass Flask es wagte, sich selbst zu bedienen, musste für ihn gleichbedeutend mit Diebstahl ersten Grades sein. Hätte er sich an diesem Tisch selbst bedient, zweifellos…
Page 176
Nie wieder hätte er in dieser ehrlichen Welt den Kopf hochtragen können; doch seltsamerweise verbot Ahab es ihm nie. Und selbst wenn Flask sich selbst bedient hätte, ist es gut möglich, dass Ahab es überhaupt nicht bemerkt hätte. Am allerwenigsten wagte es Flask, sich Butter zu nehmen. Ob er dachte, die Besitzer des Schiffes würden sie ihm verweigern, weil sie seine helle, sonnige Hautfarbe beeinträchtigen könnte – oder ob er meinte, bei einer so langen Reise in solchen wasserarmen Gewässern sei Butter etwas Kostbares und daher nicht für ihn, einen Untergebenen – wie auch immer: Leider hatte Flask keine Butter!
Noch eine Sache: Flask war der Letzte, der zum Abendessen ging, und zugleich der Erste, der wieder aufstand. Man stelle sich das vor! Flasks Abendessen war somit stark verzögert. Sowohl Starbuck als auch Stubb kamen ihm zuvor – und hatten dennoch das Privileg, später zu essen. Wenn sogar Stubb, der nur einen Rang über Flask stand, kaum Appetit hatte und bald Anzeichen zeigte, sein Mahl zu beenden, dann musste sich Flask beeilen – an diesem Tag würde er nicht mehr als drei Bissen bekommen; denn es galt als heiliger Brauch, dass Stubb nicht vor Flask auf das Deck ging. Deshalb gab Flask einmal privat zu, dass er seitdem, als er den Rang eines Offiziers erlangt hatte, nie wieder etwas anderes gekannt hatte als Hunger – mehr oder weniger. Denn das, was er aß, linderte seinen Hunger kaum, sondern hielt ihn vielmehr ewig am Leben. Frieden und Zufriedenheit, dachte Flask, haben für immer meinen Magen verlassen. Ich bin ein Offizier – aber wie sehr wünschte ich mir, im Vorschiff ein wenig Fleisch fangen zu können, wie ich es früher, bevor ich Offizier wurde, tat. Das sind die Früchte der Beförderung – das ist die Eitelkeit des Ruhms – das ist die Wahnsinnigkeit des Lebens! Außerdem: Falls irgendein gewöhnlicher Matrose der Pequod aus persönlichen Gründen gegen Flask war, musste dieser Matrose nur während des Essens nach hinten gehen und durch das Luk in der Kabine einen Blick auf Flask werfen – wie er dumm und verblüfft vor dem furchterregenden Ahab saß.
Ahab und seine drei Gefährten bildeten das sogenannte erste Tischgespann in der Kabine der Pequod. Nach ihrem Weggang, der in umgekehrter Reihenfolge zu ihrer Ankunft stattfand, wurde der Tisch abgeräumt – oder besser gesagt von dem blassen Steward wieder in eine halbwegs ordentliche Form gebracht. Dann wurden die drei Harpunenwerfer zum Festmahl eingeladen – sie waren schließlich die letzten Empfänger desselben. Aus der prächtigen Kabine wurde so eine Art vorübergehender Speisesaal für die Diener.
Noch eine Sache: Flask war der Letzte, der zum Abendessen ging, und zugleich der Erste, der wieder aufstand. Man stelle sich das vor! Flasks Abendessen war somit stark verzögert. Sowohl Starbuck als auch Stubb kamen ihm zuvor – und hatten dennoch das Privileg, später zu essen. Wenn sogar Stubb, der nur einen Rang über Flask stand, kaum Appetit hatte und bald Anzeichen zeigte, sein Mahl zu beenden, dann musste sich Flask beeilen – an diesem Tag würde er nicht mehr als drei Bissen bekommen; denn es galt als heiliger Brauch, dass Stubb nicht vor Flask auf das Deck ging. Deshalb gab Flask einmal privat zu, dass er seitdem, als er den Rang eines Offiziers erlangt hatte, nie wieder etwas anderes gekannt hatte als Hunger – mehr oder weniger. Denn das, was er aß, linderte seinen Hunger kaum, sondern hielt ihn vielmehr ewig am Leben. Frieden und Zufriedenheit, dachte Flask, haben für immer meinen Magen verlassen. Ich bin ein Offizier – aber wie sehr wünschte ich mir, im Vorschiff ein wenig Fleisch fangen zu können, wie ich es früher, bevor ich Offizier wurde, tat. Das sind die Früchte der Beförderung – das ist die Eitelkeit des Ruhms – das ist die Wahnsinnigkeit des Lebens! Außerdem: Falls irgendein gewöhnlicher Matrose der Pequod aus persönlichen Gründen gegen Flask war, musste dieser Matrose nur während des Essens nach hinten gehen und durch das Luk in der Kabine einen Blick auf Flask werfen – wie er dumm und verblüfft vor dem furchterregenden Ahab saß.
Ahab und seine drei Gefährten bildeten das sogenannte erste Tischgespann in der Kabine der Pequod. Nach ihrem Weggang, der in umgekehrter Reihenfolge zu ihrer Ankunft stattfand, wurde der Tisch abgeräumt – oder besser gesagt von dem blassen Steward wieder in eine halbwegs ordentliche Form gebracht. Dann wurden die drei Harpunenwerfer zum Festmahl eingeladen – sie waren schließlich die letzten Empfänger desselben. Aus der prächtigen Kabine wurde so eine Art vorübergehender Speisesaal für die Diener.
Page 177
Im seltsamen Kontrast zu den kaum erträglichen Beschränkungen sowie den namenlosen, unsichtbaren Unterdrückungen am Kapitänstisch stand die völlige Sorglosigkeit und Unbeschwertheit sowie die fast frenetische Demokratie dieser untergeordneten Kerle – der Harpunenwerfer. Während ihre Vorgesetzten, die Offiziere, vor dem Geräusch ihrer eigenen Kieferzähne Angst zu haben schienen, kauten die Harpunenwerfer ihr Essen mit solchem Genuss, dass man es hören konnte. Sie aßen wie Herren; sie füllten sich den Magen, als würden indische Schiffe den ganzen Tag über mit Gewürzen beladen. Queequeg und Tashtego hatten ein solches Appetit, dass der blasshäutige Dough-Boy oft bereit war, einen großen Vorrat an Salz zu bringen, um die Lücken nach dem vorherigen Mahl zu füllen. Wenn er nicht schnell genug war, wenn er nicht geschickt hüpfte und sprang, dann benutzte Tashtego eine unsanfte Methode, um ihn anzutreiben – indem er ihm mit einer Gabel in den Rücken stach. Einmal, von plötzlichem Humor ergriffen, half Daggoo Dough-Boy, indem er ihn hochhob und seinen Kopf in eine große, leere Holzschüssel steckte, während Tashtego mit einem Messer in der Hand damit begann, die Umgebung für das Entskalpieren vorzubereiten. Dough-Boy war von Natur aus ein sehr nervöser, zitternder kleiner Kerl – das Kind eines bankrotten Bäckers und einer Krankenschwester. Angesichts des schrecklichen Anblicks des schwarzen Ahab sowie der regelmäßigen, chaotischen Besuche dieser drei Wilden war Dough-Boys ganzes Leben ein ständiges Zittern. Meistens floh er, nachdem er gesehen hatte, dass den Harpunenwerfern alles gegeben wurde, was sie verlangten, in seine kleine Vorratskammer nebenan und spähte ängstlich durch die Jalousien der Tür zu ihnen hinaus, bis alles vorbei war. Es war ein Anblick, wenn Queequeg gegenüber von Tashtego saß und seine scharfen Zähne gegen die des Indern presste; quer dazu saß Daggoo auf dem Boden – denn ein Stuhl hätte seinen kopflangen Körper zu tief nach unten gebracht. Bei jeder Bewegung seiner riesigen Gliedmaßen bebte das Gestell der kleinen Kabine, genau wie bei einem afrikanischen Elefanten, der als Passagier auf einem Schiff reist. Trotz alledem war der große Neger erstaunlich maßvoll im Essen – um nicht zu sagen anspruchsvoll. Es schien kaum möglich, dass er mit solch kleinen Bissen seine Vitalität beibehalten konnte, wo doch sein Körper so groß und mächtig war. Doch zweifellos ernährte sich dieser edle Wilde stark und atmete tief die reichliche Luft ein; durch seine weit geöffneten Nasenlöcher sog er das „erhabene Leben der Welt“ ein. Nicht durch Rindfleisch oder Brot entstehen oder werden Riesen ernährt. Doch Queequeg hatte beim Essen einen grauenhaften, barbarischen Laut – ein wirklich hässlicher Laut – so sehr, dass der zitternde Dough-Boy…
Page 178
Er blickte fast immer nach, ob sich irgendwelche Zahnspuren auf seinen mageren Armen befanden. Und wenn er hörte, wie Tashtego ihn rief, damit er sich zeigte, damit seine Knochen ausgegraben werden konnten, dann zerstörte der einfältige Steward fast das ganze Geschirr, das im Vorratsraum hing, durch seine plötzlichen Anfälle von Lähmung. Auch die Schleifsteine, die die Harpunenwerfer in ihren Taschen bei sich trugen – für ihre Lanzen und andere Waffen – und mit denen sie beim Essen demonstrativ ihre Messer schärften – dieses quietschende Geräusch trug keineswegs dazu bei, den armen Dough-Boy zu beruhigen. Wie konnte er vergessen, dass Queequeg in seinen Tagen auf der Insel sicherlich zu irgendwelchen mörderischen Handlungen fähig gewesen war? Ach, Dough-Boy! Es ist hart für den weißen Kellner, der für Kannibalen bedient. Er sollte keinen Serviettenhalter am Arm tragen, sondern einen Schild. Glücklicherweise standen die drei Seefahrer bald auf und gingen – zu seiner großen Freude. Für seine leichtgläubigen, mythenschaffenden Ohren klang es, als würden bei jedem Schritt alle ihre Waffen klirren, wie maurische Schwerter in ihren Scheiden.
Doch obwohl diese Barbaren in der Kabine aßen und nominell dort lebten, waren sie doch keineswegs sesshaft. Sie befanden sich dort kaum je, außer zur Essenszeit und kurz vor dem Schlafengehen, wenn sie durch die Kabine zu ihren eigenen Räumen gingen. In dieser Hinsicht schien Ahab keine Ausnahme unter den meisten amerikanischen Walfangkapitänen zu sein – diese neigten dazu zu glauben, dass die Schiffskabine ihnen zustehe; nur aus Höflichkeit dürfe jemand anderes zu jeder Zeit dort sein. Tatsächlich könnte man sagen, dass die Matrosen und Harpunenwerfer der Pequod eher außerhalb der Kabine lebten als darin. Wenn sie denn einmal hineingingen, war es, als würde eine Haustür in ein Haus führen – sie betraten sie für einen Moment, wurden aber gleich wieder hinausgeschickt. Sie lebten also ständig draußen. Dadurch verloren sie nicht viel – in der Kabine gab es schließlich keine Gesellschaft; gesellschaftlich gesehen war Ahab unerreichbar. Obwohl er nominell zum christlichen Volk gehörte, blieb er doch ein Fremder darin. Er lebte in der Welt, wie der letzte Grizzlybär in Missouri. Und genauso wie dieser wilde Logan im Wald, der sich in einer Baumhöhle vergrub und dort den Winter verbrachte, indem er an seinen eigenen Pfoten saugte, so ernährte sich auch Abahs Seele in seinem grausamen, heulenden Alter in der „Höhle“ seines Körpers von der Dunkelheit selbst.
Doch obwohl diese Barbaren in der Kabine aßen und nominell dort lebten, waren sie doch keineswegs sesshaft. Sie befanden sich dort kaum je, außer zur Essenszeit und kurz vor dem Schlafengehen, wenn sie durch die Kabine zu ihren eigenen Räumen gingen. In dieser Hinsicht schien Ahab keine Ausnahme unter den meisten amerikanischen Walfangkapitänen zu sein – diese neigten dazu zu glauben, dass die Schiffskabine ihnen zustehe; nur aus Höflichkeit dürfe jemand anderes zu jeder Zeit dort sein. Tatsächlich könnte man sagen, dass die Matrosen und Harpunenwerfer der Pequod eher außerhalb der Kabine lebten als darin. Wenn sie denn einmal hineingingen, war es, als würde eine Haustür in ein Haus führen – sie betraten sie für einen Moment, wurden aber gleich wieder hinausgeschickt. Sie lebten also ständig draußen. Dadurch verloren sie nicht viel – in der Kabine gab es schließlich keine Gesellschaft; gesellschaftlich gesehen war Ahab unerreichbar. Obwohl er nominell zum christlichen Volk gehörte, blieb er doch ein Fremder darin. Er lebte in der Welt, wie der letzte Grizzlybär in Missouri. Und genauso wie dieser wilde Logan im Wald, der sich in einer Baumhöhle vergrub und dort den Winter verbrachte, indem er an seinen eigenen Pfoten saugte, so ernährte sich auch Abahs Seele in seinem grausamen, heulenden Alter in der „Höhle“ seines Körpers von der Dunkelheit selbst.
Page 179
Page 180
KAPITEL 35. Der Mastkopf.
Es war bei besserem Wetter, dass ich im Wechsel mit den anderen Seeleuten zum ersten Mal auf dem Mastkopf stand.
Bei den meisten amerikanischen Walfängerschiffen werden die Mastköpfe fast gleichzeitig besetzt, sobald das Schiff seinen Hafen verlässt – auch dann noch, wenn es bis zu seinem eigentlichen Einsatzgebiet noch fünfzehntausend Meilen oder mehr zurückzulegen hat. Und wenn nach einer dreijährigen, vierjährigen oder fünfjährigen Reise das Schiff mit leeren Händen nach Hause zurückkehrt – sagen wir, sogar mit einem leeren Fläschchen –, dann bleiben die Mastköpfe weiterhin besetzt. Erst wenn die Segelmasten zwischen den Türmen des Hafens auftauchen, gibt das Schiff ganz die Hoffnung auf, noch einen Wal zu fangen.
Da die Tätigkeit, auf dem Mastkopf zu stehen – egal ob an Land oder auf dem Meer – eine sehr alte und interessante Tätigkeit ist, wollen wir hier etwas dazu erläutern. Ich nehme an, dass die ersten Menschen, die auf dem Mastkopf standen, die alten Ägypter waren; denn in all meinen Forschungen habe ich keine früheren Beispiele gefunden. Zwar wollten ihre Vorfahren, die Baumeister von Babel, mit ihrem Turm zweifellos den höchsten Mastkopf in ganz Asien oder Afrika errichten – doch bevor der Bau abgeschlossen werden konnte, stürzte dieser große Steinmast wohl infolge des schrecklichen Sturms Gottes ein. Deshalb können wir diesen Baumeistern von Babel keinen Vorrang vor den Ägyptern geben. Dass die Ägypter ein Volk waren, das auf dem Mastkopf stand, geht auf die allgemeine Ansicht unter Archäologen zurück, dass die ersten Pyramiden zu astronomischen Zwecken erbaut wurden. Diese Theorie wird durch die besondere, treppenartige Struktur aller vier Seiten dieser Gebäude stark gestützt. Mit Hilfe dieser Struktur konnten die alten Astronomen mühelos auf die Spitze der Pyramiden gelangen und nach neuen Sternen Ausschau halten – genauso wie die Wächter auf modernen Schiffen nach Segeln oder Walen Ausschau halten. Bei dem berühmten christlichen Einsiedler der Antike, dem Heiligen Stylianos, der sich einen hohen Steinpfeiler in der Wüste baute und den größten Teil seines Lebens auf dessen Gipfel verbrachte, indem er sein Essen mit Hilfe von Seilen vom Boden hochholte, haben wir ein bemerkenswertes Beispiel für einen furchtlosen Mann, der nicht von Nebel, Frost, Regen, Hagel oder Schneeregen von seinem Posten vertrieben werden konnte – sondern alles tapfer bis zum Ende ertrug und buchstäblich an seinem Posten starb. Von modernen Männern, die auf dem Mastkopf stehen, haben wir nur wenige Beispiele.
Es war bei besserem Wetter, dass ich im Wechsel mit den anderen Seeleuten zum ersten Mal auf dem Mastkopf stand.
Bei den meisten amerikanischen Walfängerschiffen werden die Mastköpfe fast gleichzeitig besetzt, sobald das Schiff seinen Hafen verlässt – auch dann noch, wenn es bis zu seinem eigentlichen Einsatzgebiet noch fünfzehntausend Meilen oder mehr zurückzulegen hat. Und wenn nach einer dreijährigen, vierjährigen oder fünfjährigen Reise das Schiff mit leeren Händen nach Hause zurückkehrt – sagen wir, sogar mit einem leeren Fläschchen –, dann bleiben die Mastköpfe weiterhin besetzt. Erst wenn die Segelmasten zwischen den Türmen des Hafens auftauchen, gibt das Schiff ganz die Hoffnung auf, noch einen Wal zu fangen.
Da die Tätigkeit, auf dem Mastkopf zu stehen – egal ob an Land oder auf dem Meer – eine sehr alte und interessante Tätigkeit ist, wollen wir hier etwas dazu erläutern. Ich nehme an, dass die ersten Menschen, die auf dem Mastkopf standen, die alten Ägypter waren; denn in all meinen Forschungen habe ich keine früheren Beispiele gefunden. Zwar wollten ihre Vorfahren, die Baumeister von Babel, mit ihrem Turm zweifellos den höchsten Mastkopf in ganz Asien oder Afrika errichten – doch bevor der Bau abgeschlossen werden konnte, stürzte dieser große Steinmast wohl infolge des schrecklichen Sturms Gottes ein. Deshalb können wir diesen Baumeistern von Babel keinen Vorrang vor den Ägyptern geben. Dass die Ägypter ein Volk waren, das auf dem Mastkopf stand, geht auf die allgemeine Ansicht unter Archäologen zurück, dass die ersten Pyramiden zu astronomischen Zwecken erbaut wurden. Diese Theorie wird durch die besondere, treppenartige Struktur aller vier Seiten dieser Gebäude stark gestützt. Mit Hilfe dieser Struktur konnten die alten Astronomen mühelos auf die Spitze der Pyramiden gelangen und nach neuen Sternen Ausschau halten – genauso wie die Wächter auf modernen Schiffen nach Segeln oder Walen Ausschau halten. Bei dem berühmten christlichen Einsiedler der Antike, dem Heiligen Stylianos, der sich einen hohen Steinpfeiler in der Wüste baute und den größten Teil seines Lebens auf dessen Gipfel verbrachte, indem er sein Essen mit Hilfe von Seilen vom Boden hochholte, haben wir ein bemerkenswertes Beispiel für einen furchtlosen Mann, der nicht von Nebel, Frost, Regen, Hagel oder Schneeregen von seinem Posten vertrieben werden konnte – sondern alles tapfer bis zum Ende ertrug und buchstäblich an seinem Posten starb. Von modernen Männern, die auf dem Mastkopf stehen, haben wir nur wenige Beispiele.
Page 181
Leblose Statuen – nichts weiter als Männer aus Stein, Eisen und Bronze. Sie sind zwar in der Lage, einem starken Sturm standzuhalten, doch völlig unfähig, bei Entdeckung eines seltsamen Anblicks etwas zu unternehmen. Da ist Napoleon, der auf der Spitze des Vendôme-Säulens steht, die Arme verschränkt, etwa hundertfünfzig Fuß in der Luft. Gleichgültig regiert er die Decks darunter – egal ob es sich um Ludwig Philipp, Ludwig Blanc oder „Ludwig den Teufel“ handelt. Auch der große Washington steht hoch oben auf seinem mächtigen Hauptmast in Baltimore; wie einer von Herkules’ Säulen markiert seine Säule jenen Punkt menschlicher Größe, über den nur wenige Sterbliche hinausgehen können. Admiral Nelson steht ebenfalls auf einem Mastkopf aus Kanonenmetall auf dem Trafalgar Square. Immer, wenn er vom Rauch Londons verdeckt wird, gibt das doch ein Zeichen dafür, dass dort ein verborgener Held ist – denn wo Rauch ist, muss auch Feuer sein. Doch weder der große Washington noch Napoleon noch Nelson werden auf irgendeinen Ruf von unten antworten, egal wie verzweifelt man sie anfleht, den Decks Beistand zu leisten, auf die sie herabblicken. Man kann zwar vermuten, dass ihre Geister durch den dichten Nebel der Zukunft dringen und erkennen können, welche Untiefen und Felsen man meiden muss.
Es mag unangemessen erscheinen, die Mastköpfe an Land mit denen auf See zu vergleichen – doch das ist nicht der Fall, wie ein Bericht von Obed Macy, dem einzigen Historiker von Nantucket, deutlich zeigt. Der ehrenwerte Obed berichtet, dass in den Anfängen der Walfangindustrie, bevor Schiffe regelmäßig ausgesandt wurden, um Wale zu jagen, die Menschen auf dieser Insel hohe Masten entlang der Küste errichteten. Die Wächter stiegen mittels eingeschlagener Tritte an diese Masten hinauf – ähnlich wie Vögel in einen Hühnerstall klettern. Vor einigen Jahren wurde dieses Verfahren auch von den Walfängern in Neuseeland übernommen: Sie bemerkten die Wale und gaben den bereitstehenden Booten am Ufer Bescheid. Doch diese Sitte ist heute überholt. Wir wenden uns nun dem eigentlichen Mastkopf eines Walfangschoßes auf See zu. Die drei Mastköpfe werden von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang besetzt; die Seeleute wechseln sich in regelmäßigen Abständen ab – genauso wie am Ruder – und vertreten einander alle zwei Stunden. Bei ruhigem Wetter in den Tropen ist es auf dem Mastkopf äußerst angenehm – ja, für einen träumerischen, nachdenklichen Menschen sogar wunderbar. Dort steht man, hundert Fuß über den stillen Decks, und schreitet über das Meer, als wären die Masten riesige Stelzen. Unter einem und zwischen den Beinen schwimmen dabei die größten Meeresmonster – genauso wie einst Schiffe zwischen den Stiefeln des berühmten Kolosses auf der alten Insel Rhodos fuhren. Dort steht man, verloren in der endlosen Weite des Meeres – ohne dass etwas die Ruhe stört.
Es mag unangemessen erscheinen, die Mastköpfe an Land mit denen auf See zu vergleichen – doch das ist nicht der Fall, wie ein Bericht von Obed Macy, dem einzigen Historiker von Nantucket, deutlich zeigt. Der ehrenwerte Obed berichtet, dass in den Anfängen der Walfangindustrie, bevor Schiffe regelmäßig ausgesandt wurden, um Wale zu jagen, die Menschen auf dieser Insel hohe Masten entlang der Küste errichteten. Die Wächter stiegen mittels eingeschlagener Tritte an diese Masten hinauf – ähnlich wie Vögel in einen Hühnerstall klettern. Vor einigen Jahren wurde dieses Verfahren auch von den Walfängern in Neuseeland übernommen: Sie bemerkten die Wale und gaben den bereitstehenden Booten am Ufer Bescheid. Doch diese Sitte ist heute überholt. Wir wenden uns nun dem eigentlichen Mastkopf eines Walfangschoßes auf See zu. Die drei Mastköpfe werden von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang besetzt; die Seeleute wechseln sich in regelmäßigen Abständen ab – genauso wie am Ruder – und vertreten einander alle zwei Stunden. Bei ruhigem Wetter in den Tropen ist es auf dem Mastkopf äußerst angenehm – ja, für einen träumerischen, nachdenklichen Menschen sogar wunderbar. Dort steht man, hundert Fuß über den stillen Decks, und schreitet über das Meer, als wären die Masten riesige Stelzen. Unter einem und zwischen den Beinen schwimmen dabei die größten Meeresmonster – genauso wie einst Schiffe zwischen den Stiefeln des berühmten Kolosses auf der alten Insel Rhodos fuhren. Dort steht man, verloren in der endlosen Weite des Meeres – ohne dass etwas die Ruhe stört.
Page 182
Wellen. Das in Trance versetzte Schiff rollt träge hin und her; die schläfrigen Passatwinde wehen – alles verursacht in einem Müdigkeitsgefühl. Im Großen und Ganzen umgibt einen in diesem tropischen Walfangleben eine erhabene Unbeweglichkeit: Man hört keine Nachrichten, liest keine Zeitungen; Berichte über Alltägliches können einen nicht zu unnötiger Aufregung verleiten; man erfährt nichts von häuslichen Problemen oder vom Zusammenbruch von Wertpapieren. Man muss sich auch keine Sorgen darüber machen, was man zum Abendessen haben wird – denn alle Mahlzeiten für drei Jahre und länger sind sicher in Fässern aufbewahrt, und die Speisekarte ist unveränderlich. Bei einem der Walfänger im Süden, auf einer langen Reise von drei oder vier Jahren, beträgt die Gesamtzeit, die man am Mast verbringt, oft mehrere ganze Monate. Es ist sehr bedauerlich, dass der Ort, dem man einen so großen Teil seines Lebens widmet, völlig frei von allem ist, was einer gemütlichen Unterkunft ähnelt oder dazu geeignet wäre, ein angenehmes Gefühl von Behaglichkeit zu schaffen – wie es bei einem Bett, einer Hängematte, einer Wache, einem Podium oder irgendeinem anderen kleinen, gemütlichen Gerät der Fall ist, in dem sich Menschen vorübergehend isolieren können. Der übliche Aufenthaltsort ist der Kopf des Großmasts, wo man auf zwei dünnen, parallelen Stäben steht – etwas, das fast typisch für Walfänger ist. Hier, hin- und hergeworfen vom Meer, fühlt sich der Anfänger genauso unwohl, als stünde er auf den Hörnern eines Stiers. Zwar kann man bei kaltem Wetter seinen „Haus“ in Form eines Mantels mitnehmen – doch im Grunde genommen ist selbst der dickste Mantel kein echtes Zuhause, genauso wenig wie der nackte Körper. Denn die Seele ist in ihrem fleischlichen „Wohnraum“ gefangen und kann sich dort nicht frei bewegen, geschweige denn daraus herauskommen, ohne große Gefahr zu laufen, zu sterben – genauso wie ein unwissender Pilger, der im Winter durch die schneebedeckten Alpen reist. Ein Mantel ist also eher eine Art Hülle oder zusätzliche Hautschicht, die einen umhüllt. Man kann keinen Schrank oder eine Kommode in seinen Körper stecken – genauso wenig wie man aus seinem Mantel ein praktisches Versteck machen kann. Es ist sehr bedauerlich, dass die Mastspitzen der südlichen Walfangschiffe nicht mit diesen beneidenswerten kleinen „Zelten“ oder „Podien“ ausgestattet sind, die sogenannten Krähennester – in denen die Wächter auf Grönland-Walfangschiffen vor dem unfreundlichen Wetter der eisigen Meere geschützt sind. In der Erzählung von Kapitän Sleet mit dem Titel „Eine Reise unter den Eisbergen auf der Suche nach dem Grönlandwal – und nebenbei zur Wiederentdeckung der verlorenen isländischen Kolonien des alten Grönlands“ findet sich all dies.
Page 183
Die Halterungen für die Mastspitzen sind mit einer charmant detaillierten Beschreibung des damals neu erfundenen „Krahnennests“ der Glacier ausgestattet – so hieß das gute Schiff von Kapitän Sleet. Er nannte es „Sleets Krahnennest“ zu seinem eigenen Ruhm; schließlich war er der ursprüngliche Erfinder und Patentinhaber. Ohne jegliche lächerliche Zierlichkeit glaubte er, dass wir, wenn wir unsere eigenen Kinder nach unseren Namen benennen (da wir Väter die ursprünglichen Erfinder und Patentinhaber sind), genauso auch jedes andere Gerät, das wir entwickeln, nach uns selbst benennen sollten. In Form ähnelt das „Sleets Krahnennest“ einer großen Pfeife; oben ist es jedoch offen und dort befindet sich ein beweglicher Seitenvorhang, der vor dem Wind schützt, besonders in starken Stürmen. Es ist auf der Spitze des Mastes befestigt, und man gelangt hinein durch ein kleines Lukentor an der Unterseite. Auf der Rückseite, also auf der Seite neben dem Heck des Schiffes, gibt es einen bequemen Sitz sowie einen Schrank darunter für Regenschirme, Decken und Mäntel. Vorne befindet sich ein Ledergestell, in dem man seine Trillerpfeife, Pfeife, Teleskop sowie andere nautische Utensilien aufbewahren kann. Als Kapitän Sleet persönlich in diesem „Krahnennest“ stand, berichtet er, dass er stets ein Gewehr bei sich hatte – ebenfalls im Gestell untergebracht – zusammen mit Pulverflaschen und Kugeln, um die streunenden Narwale oder „meerischen Einhörner“, die diese Gewässer heimsuchten, zu erschießen. Denn vom Deck aus lässt sich aufgrund des Widerstands des Wassers nicht erfolgreich auf sie schießen; doch sie vom Himmel herabzuschießen, ist etwas ganz anderes. Es war offensichtlich eine Liebeleistung von Kapitän Sleet, alle kleinen, detaillierten Bequemlichkeiten seines „Krahnennests“ so genau zu beschreiben. Doch obwohl er viele davon ausführlich erläutert und uns außerdem eine sehr wissenschaftliche Beschreibung seiner Experimente in diesem „Krahnennest“ gibt – einschließlich eines kleinen Kompasses, den er dort zur Korrektur der durch die sogenannte „lokale Anziehungskraft“ aller Kompassmagnete entstehenden Fehler verwendete – Fehler, die auf die horizontale Nähe von Eisen in den Schiffsbrettern zurückzuführen sind; im Fall der Glacier vielleicht auch darauf, dass es unter der Besatzung so viele unfähige Schmiede gab – so weiß Kapitän Sleet sehr wohl, dass er zwar tief in seine magnetischen Untersuchungen vertieft war, aber dennoch gelegentlich von dieser gut gefüllten Flasche angezogen wurde, die schön auf einer Seite seines „Krahnennests“ platziert war und leicht zugänglich war. Obwohl ich den tapferen, ehrlichen und gebildeten Kapitän insgesamt sehr bewundere und sogar liebe, missfällt mir sehr, dass er so handelt.
Page 184
Er ignorierte einfach diese Flasche – schließlich war sie doch ein treuer Freund und Trostspender. Während er mit behandschuhten Fingern und unter dem Kapuzenmantel die Mathematik dort oben in diesem „Vogelnest“, etwa drei oder vier Sprossen über dem Mast, studierte… Doch obwohl wir südlichen Walfänger nicht so komfortabel untergebracht sind wie Captain Sleet und seine Grönlander, wird dieser Nachteil durch die außergewöhnliche Ruhe jener Meere mehr als ausgeglichen, in denen wir Südländer hauptsächlich fischen. Ich legte mich oft ganz entspannt in die Takelage, ruhte mich oben aus und plauderte mit Queequeg oder jedem anderen, der gerade frei hatte. Danach stieg ich etwas weiter nach oben, warf meinen Fuß über das Segeltuch und betrachtete zunächst die umliegenden Gewässer – bevor ich schließlich mein Endziel erreichte. Lassen Sie mich hier ehrlich zugeben, dass ich nur eine sehr schlechte Wache hielt. Mit den Problemen des Universums im Kopf – wie konnte ich da, völlig allein auf solch einer nachdenklichen Höhe, meine Pflichten vernachlässigen, alle Vorschriften für Walfangschiffe einzuhalten? „Halten Sie die Augen offen und geben Sie jedes Mal Alarm.“ Ich möchte Sie hier dringend warnen, ihr Schiffseigner von Nantucket! Hüten Sie sich davor, junge Männer mit dünnen Augenbrauen und leeren Augen in Ihre Flotten aufzunehmen – Männer, die dazu neigen, unpassend zu meditieren, und die lieber mit dem Phædon segeln würden, anstatt mit Bowditch. Hüten Sie sich vor solchen Menschen! Man muss die Wale erst sehen, bevor man sie töten kann – und dieser junger Platoniker mit seinen leeren Augen wird Sie um die ganze Welt führen, ohne dass Sie dadurch auch nur einen Tropfen Sperma mehr erhalten. Diese Warnungen sind keineswegs überflüssig. Heutzutage bietet die Walfangindustrie nämlich Zuflucht für viele romantische, melancholische und zerstreute junge Männer, die die weltlichen Sorgen verabscheuen und nach Gefühlen in Teer und Blubber suchen. Childe Harold setzt sich oft auf den Mastkopf eines unglücklichen, enttäuschten Walfangschiffs und ruft in düsteren Worten aus: „Rolle weiter, du tiefer, dunkelblauer Ozean! Zehntausend Blubberjäger durchstreifen dich vergeblich.“ Oft tadeln die Kapitäne dieser Schiffe diese zerstreuten jungen Philosophen dafür, dass sie kein ausreichendes „Interesse“ am Segeln zeigen – und deuten an, dass sie so hoffnungslos allen ehrenhaften Ambitionen verfallen sind, dass sie in ihrem Innersten lieber keine Wale sehen würden…
Page 185
Andernfalls – doch alles vergeblich. Diese jungen Platoniker haben die Vorstellung, dass ihre Vision unvollkommen sei; sie sind kurzsichtig. Welchen Sinn hat es da, den Sehnerv anzustrengen? Sie haben ihre Lesebrillen zu Hause gelassen.
„Na, du Affe“, sagte ein Harpunier zu einem dieser Jungen, „wir segeln bereits seit fast drei Jahren, und du hast noch keine Wale gefangen. Wale sind so selten wie Hühnerzähne, solange du hier oben bist.“ Vielleicht stimmte das – oder vielleicht gab es Schwärme von Walen am fernen Horizont. Doch dieser zerstreute junge Mann wird durch den harmonischen Rhythmus der Wellen sowie seiner Gedanken in einen opiumartigen Zustand der Trägheit versetzt; schließlich verliert er seine Identität. Er hält den mystischen Ozean zu seinen Füßen für das sichtbare Bild jener tiefen, blauen, bodenlosen Seele, die Menschheit und Natur durchdringt. Jedes seltsame, halb sichtbare, schöne Ding, das ihm entgeht – jede schwach erkennbare Flosse irgendeiner unbestimmbaren Kreatur – erscheint ihm als Verkörperung jener flüchtigen Gedanken, die die Seele ständig durchdringen. In diesem verzauberten Zustand verschwindet dein Geist dorthin, woher er kam; er verteilt sich im Zeit- und Raumgefüge – wie Cranmers pantheistische Asche, die schließlich Teil jeder Küste auf der ganzen Welt wird.
In dir gibt es nun kein Leben mehr, außer dem sanften Schwingen des Schiffes – dieses Leben, das vom Meer übernommen wurde, und vom Meer wiederum von den unergründlichen Gezeiten Gottes. Doch solange dieser Schlaf, dieser Traum anhält, bewegt man auch nur einen Zentimeter Fuß oder Hand – lässt los – und die eigene Identität kehrt in Schrecken zurück. Über kartesianischen Wirbeln schwebt man dahin. Und vielleicht, mitten am Tag, bei schönstem Wetter, stürzt man mit einem halb erstickten Schrei durch diese durchsichtige Luft ins Sommermeer – um nie wieder aufzutauchen. Achtet gut darauf, ihr Pantheisten!
„Na, du Affe“, sagte ein Harpunier zu einem dieser Jungen, „wir segeln bereits seit fast drei Jahren, und du hast noch keine Wale gefangen. Wale sind so selten wie Hühnerzähne, solange du hier oben bist.“ Vielleicht stimmte das – oder vielleicht gab es Schwärme von Walen am fernen Horizont. Doch dieser zerstreute junge Mann wird durch den harmonischen Rhythmus der Wellen sowie seiner Gedanken in einen opiumartigen Zustand der Trägheit versetzt; schließlich verliert er seine Identität. Er hält den mystischen Ozean zu seinen Füßen für das sichtbare Bild jener tiefen, blauen, bodenlosen Seele, die Menschheit und Natur durchdringt. Jedes seltsame, halb sichtbare, schöne Ding, das ihm entgeht – jede schwach erkennbare Flosse irgendeiner unbestimmbaren Kreatur – erscheint ihm als Verkörperung jener flüchtigen Gedanken, die die Seele ständig durchdringen. In diesem verzauberten Zustand verschwindet dein Geist dorthin, woher er kam; er verteilt sich im Zeit- und Raumgefüge – wie Cranmers pantheistische Asche, die schließlich Teil jeder Küste auf der ganzen Welt wird.
In dir gibt es nun kein Leben mehr, außer dem sanften Schwingen des Schiffes – dieses Leben, das vom Meer übernommen wurde, und vom Meer wiederum von den unergründlichen Gezeiten Gottes. Doch solange dieser Schlaf, dieser Traum anhält, bewegt man auch nur einen Zentimeter Fuß oder Hand – lässt los – und die eigene Identität kehrt in Schrecken zurück. Über kartesianischen Wirbeln schwebt man dahin. Und vielleicht, mitten am Tag, bei schönstem Wetter, stürzt man mit einem halb erstickten Schrei durch diese durchsichtige Luft ins Sommermeer – um nie wieder aufzutauchen. Achtet gut darauf, ihr Pantheisten!
Page 186
KAPITEL 36. Das Vorderdeck.
(Eintritt: Ahab – dann alle.)
Es verging nicht viel Zeit nach dem Vorfall mit der Pfeife, als Ahab eines Morgens, kurz nach dem Frühstück, wie gewohnt die Treppe zur Kabine hinauf auf das Deck stieg. Dort spazierten die Seefahrer in der Regel zu dieser Stunde umher – genauso wie Landadlige nach dem Essen ein paar Runden im Garten machen. Bald war sein gleichmäßiger, elfenbeinfarbener Schritt zu hören, während er seine üblichen Wege entlangschritt. Die Planken waren ihm so vertraut, dass sie durch seine Schritte voller Dellen waren – wie geologische Gesteine, die die Spuren seines Ganges trugen. Wenn man genau hinsah, konnte man auch auf dieser welligen, verdellten Oberfläche seltsame Fußabdrücke erkennen – die Abdrücke seiner unaufhörlich wandelnden Gedanken.
Doch an jenem Tag wirkten die Dellen noch tiefer – genauso wie sein nervöser Schritt an jenem Morgen tieferere Spuren hinterließ. Ahab war so sehr von seinen Gedanken in Anspruch genommen, dass man bei jedem seiner Schritte fast sehen konnte, wie diese Gedanken mit ihm mitgingen; sie beherrschten ihn völlig – es schien fast, als wären sie die innere Form aller äußeren Bewegungen.
„Beobachtest du ihn, Flask?“, flüsterte Stubb. „Das Küken in ihm pickt an der Schale – bald wird es herauskommen.“
Die Stunden vergingen; Ahab zog sich nun in seine Kabine zurück – oder wiederholte seine Runden auf dem Deck, mit derselben intensiven Entschlossenheit im Gesichtsausdruck. Es neigte sich dem Ende des Tages zu. Plötzlich blieb er am Bug stehen, steckte sein künstliches Bein in das Loch dort und befahl mit einer Hand, dass Starbuck alle nach hinten schicken sollte.
„Sir!“, sagte der Steuermann, überrascht über einen Befehl, der auf einem Schiff nur in außergewöhnlichen Fällen gegeben wurde.
„Schickt alle nach hinten“, wiederholte Ahab. „Auf den Mastköpfen – herunter!“
Als die gesamte Besatzung versammelt war und ihn mit neugierigen, nicht ganz unbekümmerten Gesichtern ansah – denn er sah aus wie der Horizont vor einem Sturm – befahl Ahab nach kurzer Überlegung…
(Eintritt: Ahab – dann alle.)
Es verging nicht viel Zeit nach dem Vorfall mit der Pfeife, als Ahab eines Morgens, kurz nach dem Frühstück, wie gewohnt die Treppe zur Kabine hinauf auf das Deck stieg. Dort spazierten die Seefahrer in der Regel zu dieser Stunde umher – genauso wie Landadlige nach dem Essen ein paar Runden im Garten machen. Bald war sein gleichmäßiger, elfenbeinfarbener Schritt zu hören, während er seine üblichen Wege entlangschritt. Die Planken waren ihm so vertraut, dass sie durch seine Schritte voller Dellen waren – wie geologische Gesteine, die die Spuren seines Ganges trugen. Wenn man genau hinsah, konnte man auch auf dieser welligen, verdellten Oberfläche seltsame Fußabdrücke erkennen – die Abdrücke seiner unaufhörlich wandelnden Gedanken.
Doch an jenem Tag wirkten die Dellen noch tiefer – genauso wie sein nervöser Schritt an jenem Morgen tieferere Spuren hinterließ. Ahab war so sehr von seinen Gedanken in Anspruch genommen, dass man bei jedem seiner Schritte fast sehen konnte, wie diese Gedanken mit ihm mitgingen; sie beherrschten ihn völlig – es schien fast, als wären sie die innere Form aller äußeren Bewegungen.
„Beobachtest du ihn, Flask?“, flüsterte Stubb. „Das Küken in ihm pickt an der Schale – bald wird es herauskommen.“
Die Stunden vergingen; Ahab zog sich nun in seine Kabine zurück – oder wiederholte seine Runden auf dem Deck, mit derselben intensiven Entschlossenheit im Gesichtsausdruck. Es neigte sich dem Ende des Tages zu. Plötzlich blieb er am Bug stehen, steckte sein künstliches Bein in das Loch dort und befahl mit einer Hand, dass Starbuck alle nach hinten schicken sollte.
„Sir!“, sagte der Steuermann, überrascht über einen Befehl, der auf einem Schiff nur in außergewöhnlichen Fällen gegeben wurde.
„Schickt alle nach hinten“, wiederholte Ahab. „Auf den Mastköpfen – herunter!“
Als die gesamte Besatzung versammelt war und ihn mit neugierigen, nicht ganz unbekümmerten Gesichtern ansah – denn er sah aus wie der Horizont vor einem Sturm – befahl Ahab nach kurzer Überlegung…
Page 187
Er warf einen Blick über die Brüstung und schweifte anschließend mit seinen Augen durch die Mannschaft – von seinem Standpunkt aus. Als wäre keine Seele in seiner Nähe, setzte er seine langsamen Schritte auf dem Deck fort, ohne auf das erstaunte Flüstern der Männer zu achten. Schließlich flüsterte Stubb vorsichtig zu Flask, dass Ahab sie sicherlich hierhergerufen hatte, damit sie ein akrobatisches Kunststück beobachten konnten. Doch das dauerte nicht lange. Plötzlich blieb er stehen und rief: „Was tut ihr, wenn ihr einen Wal seht, Leute?“ „Wir rufen nach ihm!“, kam die impulsive Antwort aus Dutzenden von Stimmen. „Gut!“, rief Ahab mit begeistertem Tonfall und bemerkte die Begeisterung, die seine unerwartete Frage bei ihnen hervorgerufen hatte. „Und was tut ihr dann, Leute?“ „Wir lassen das Boot hinunter und folgen ihm!“ „Und welche Melodie singt ihr dabei, Leute?“ „‚Toter Wal‘ oder ‚Kochboot‘!“ Mit jedem Ruf wurde das Gesicht des Alten immer seltsamer und begeisterter. Die Matrosen begannen sich neugierig anzusehen, als wären sie erstaunt darüber, wie sie selbst bei solch scheinbar sinnlosen Fragen so aufgeregt werden konnten. Doch sie waren wieder voller Eifer, als Ahab nun langsam in seiner Drehbewegung innehielt, mit einer Hand nach oben griff und etwas fest umklammerte. Dann wandte er sich an sie: „Ihr alle habt bereits gehört, wie ich Befehle bezüglich eines weißen Wals gegeben habe. Seht her! Seht ihr dieses spanische Goldstück?“ Er hielt eine breite, glänzende Münze in die Sonne – „Es handelt sich dabei um eine Münze im Wert von sechzehn Dollar. Seht ihr sie? Mr. Starbuck, geben Sie mir den Hammer da.“ Während der Steuermann den Hammer holte, rieb Ahab schweigend die Goldmünze an den Rändern seines Jacketts, als wolle er ihren Glanz verstärken. Gleichzeitig summte er leise vor sich hin – ein Geräusch, das so seltsam gedämpft und unverständlich war, dass es wie das mechanische Summen der „Räder seiner Vitalität“ erschien.
Page 188
Als er den Topmaul von Starbuck entgegennahm, rückte er mit dem Hammer in der einen Hand und dem Goldstück in der anderen auf den Hauptmast zu. Mit lauter Stimme rief er: „Wer von euch mir einen weißen Wal mit gerunzelter Stirn und krummem Kiefer bringt – wer mir diesen weißen Wal mit drei Löchern im rechten Schwanzflosse bringt – hört zu: Wer mir diesen weißen Wal bringt, der bekommt diese Goldunze, meine Jungs!“
„Huzza! Huzza!“, riefen die Seeleute, während sie mit schwingenden Planen die Handlung des Anbringens des Goldes am Mast begleiteten.
„Es ist ein weißer Wal“, fuhr Ahab fort, nachdem er den Topmaul niedergelegt hatte. „Sucht gut nach ihm – wenn ihr auch nur eine Blase seht, ruft sofort.“
Die ganze Zeit über hatten Tashtego, Daggoo und Queequeg mit noch größerem Interesse und Erstaunen zugeschaut als die anderen. Bei der Erwähnung der gerunzelten Stirn und des krummen Kiefers zuckten sie zusammen, als wäre jeder von ihnen von einer bestimmten Erinnerung getroffen worden.
„Kapitän Ahab“, sagte Tashtego, „dieser weiße Wal muss derselbe sein, den man Moby Dick nennt.“
„Moby Dick?“, rief Ahab. „Kennst du also den weißen Wal, Tash?“
„Schlägt er nicht vor dem Tauchen seinen Schwanz etwas seltsam aus, Sir?“, fragte Gay-Header absichtlich.
„Und hat er nicht auch einen seltsamen Schnabel?“, fügte Daggoo hinzu. „Sehr buschig – sogar für einen Pottwal – und äußerst schnell, Kapitän Ahab.“
„Und in seinem Fell gibt es ein, zwei, drei – oh! viele Eisenstücke, Kapitän“, rief Queequeg unzusammenhängend. „Alles ist verdreht, genau wie bei ihm – ihm –“ Er suchte verzweifelt nach dem richtigen Wort und drehte seine Hand immer wieder, als würde er eine Flasche öffnen – „genau wie bei ihm – ihm –“
„Korkenzieher!“, rief Ahab. „Ja, Queequeg – die Harpunen sind alle in seinem Körper verdreht und verbogen. Ja, Daggoo – sein Schnabel ist riesig, wie ein ganzer Haufen Weizen – und weiß wie ein Haufen unserer Wolle von Nantucket nach der großen jährlichen Schafschur. Ja, Tashtego – und er schlägt seinen Schwanz aus wie ein gespaltener Segelbaum im Sturm. Tod und Teufel! Männer – das ist Moby Dick, den ihr gesehen habt – Moby Dick – Moby Dick!“
„Kapitän Ahab“, sagte Starbuck. Er sowie Stubb und Flask hatten bis dahin ihren Vorgesetzten mit wachsendem Erstaunen beobachtet – doch nun schien er tief beeindruckt zu sein.
„Huzza! Huzza!“, riefen die Seeleute, während sie mit schwingenden Planen die Handlung des Anbringens des Goldes am Mast begleiteten.
„Es ist ein weißer Wal“, fuhr Ahab fort, nachdem er den Topmaul niedergelegt hatte. „Sucht gut nach ihm – wenn ihr auch nur eine Blase seht, ruft sofort.“
Die ganze Zeit über hatten Tashtego, Daggoo und Queequeg mit noch größerem Interesse und Erstaunen zugeschaut als die anderen. Bei der Erwähnung der gerunzelten Stirn und des krummen Kiefers zuckten sie zusammen, als wäre jeder von ihnen von einer bestimmten Erinnerung getroffen worden.
„Kapitän Ahab“, sagte Tashtego, „dieser weiße Wal muss derselbe sein, den man Moby Dick nennt.“
„Moby Dick?“, rief Ahab. „Kennst du also den weißen Wal, Tash?“
„Schlägt er nicht vor dem Tauchen seinen Schwanz etwas seltsam aus, Sir?“, fragte Gay-Header absichtlich.
„Und hat er nicht auch einen seltsamen Schnabel?“, fügte Daggoo hinzu. „Sehr buschig – sogar für einen Pottwal – und äußerst schnell, Kapitän Ahab.“
„Und in seinem Fell gibt es ein, zwei, drei – oh! viele Eisenstücke, Kapitän“, rief Queequeg unzusammenhängend. „Alles ist verdreht, genau wie bei ihm – ihm –“ Er suchte verzweifelt nach dem richtigen Wort und drehte seine Hand immer wieder, als würde er eine Flasche öffnen – „genau wie bei ihm – ihm –“
„Korkenzieher!“, rief Ahab. „Ja, Queequeg – die Harpunen sind alle in seinem Körper verdreht und verbogen. Ja, Daggoo – sein Schnabel ist riesig, wie ein ganzer Haufen Weizen – und weiß wie ein Haufen unserer Wolle von Nantucket nach der großen jährlichen Schafschur. Ja, Tashtego – und er schlägt seinen Schwanz aus wie ein gespaltener Segelbaum im Sturm. Tod und Teufel! Männer – das ist Moby Dick, den ihr gesehen habt – Moby Dick – Moby Dick!“
„Kapitän Ahab“, sagte Starbuck. Er sowie Stubb und Flask hatten bis dahin ihren Vorgesetzten mit wachsendem Erstaunen beobachtet – doch nun schien er tief beeindruckt zu sein.
Page 189
Mit einem Gedanken, der alles Erstaunliche irgendwie erklärte. „Kapitän Ahab, ich habe von Moby Dick gehört – aber es war doch nicht Moby Dick, der dir das Bein abgerissen hat?“
„Wer hat dir das gesagt?“, rief Ahab; dann hielt er inne und fuhr fort: „Ja, Starbuck – ja, ihr alle hier! Es war Moby Dick, der mir die Masten zerstörte; Moby Dick, der mich zu diesem toten Stumpf brachte, auf dem ich jetzt stehe. Ja, ja!“, schrie er mit einem entsetzlichen, lauten, tierischen Schluchzen, wie das eines verzweifelten Elchs; „Ja, ja! Es war dieser verfluchte weiße Wal, der mich zerstörte – und aus mir für immer einen elenden Matrosen machte!“ Dann warf er beide Arme in die Luft und schrie unter unzähligen Flüchen: „Ja, ja! Ich werde ihn um Kap der Guten Hoffnung herum, um den Horn von Afrika herum, um den Norwegischen Strudel herum und durch die Flammen der Verdammnis jagen, bevor ich aufgebe. Und das ist es, wofür ihr hierhergekommen seid, Männer! Den weißen Wal auf beiden Seiten des Landes, überall auf der Welt jagen, bis er schwarzes Blut spuckt und seine Flosse heraushält. Was sagt ihr, Männer – werdet ihr euch darauf einlassen? Ich finde, ihr wirkt ziemlich mutig.“
„Ja, ja!“, riefen die Harpunenwerfer und Seeleute und kamen dem aufgeregten alten Mann näher. „Ein scharfer Blick auf den weißen Wal – eine scharfe Lanze gegen Moby Dick!“
„Gott segne euch“, schien er halb zu schluchzen, halb zu schreien. „Gott segne euch, Männer. Steward! Hol den großen Vorrat an Rum. Aber warum diese lange Miene, Mr. Starbuck? Wollt ihr den weißen Wal nicht jagen? Seid ihr nicht bereit, gegen Moby Dick anzutreten?“
„Ich bin bereit, gegen sein verdrehtes Maul anzutreten – und auch gegen das Maul des Todes, Kapitän Ahab, wenn es uns im Weg steht. Doch ich bin hier, um Wale zu jagen – nicht, um die Rache meines Kommandanten zu vollziehen. Wie viele Fässer wird eure Rache euch einbringen, selbst wenn ihr sie erreicht, Kapitän Ahab? Auf unserem Markt in Nantucket wird das nicht viel wert sein.“
„Der Markt in Nantucket! Pah! Komm näher, Starbuck – du brauchst etwas mehr Rum. Wenn Geld maßgeblich ist, und die Buchhalter unseren Globus mit Guineen umgeben haben – eine pro drei Teilen eines Zolls – dann sage ich dir: Meine Rache wird hier einen hohen Preis bringen!“
„Er schlägt sich auf die Brust“, flüsterte Stubb. „Warum tut er das? Mir scheint, es klingt sehr laut – aber hohl.“
„Rache an einem dummen Tier!“, rief Starbuck. „Das dich einfach aus blinder Instinkt angegriffen hat! Wahnsinn! Sich über ein dummes Wesen aufzuregen, Kapitän…“
„Wer hat dir das gesagt?“, rief Ahab; dann hielt er inne und fuhr fort: „Ja, Starbuck – ja, ihr alle hier! Es war Moby Dick, der mir die Masten zerstörte; Moby Dick, der mich zu diesem toten Stumpf brachte, auf dem ich jetzt stehe. Ja, ja!“, schrie er mit einem entsetzlichen, lauten, tierischen Schluchzen, wie das eines verzweifelten Elchs; „Ja, ja! Es war dieser verfluchte weiße Wal, der mich zerstörte – und aus mir für immer einen elenden Matrosen machte!“ Dann warf er beide Arme in die Luft und schrie unter unzähligen Flüchen: „Ja, ja! Ich werde ihn um Kap der Guten Hoffnung herum, um den Horn von Afrika herum, um den Norwegischen Strudel herum und durch die Flammen der Verdammnis jagen, bevor ich aufgebe. Und das ist es, wofür ihr hierhergekommen seid, Männer! Den weißen Wal auf beiden Seiten des Landes, überall auf der Welt jagen, bis er schwarzes Blut spuckt und seine Flosse heraushält. Was sagt ihr, Männer – werdet ihr euch darauf einlassen? Ich finde, ihr wirkt ziemlich mutig.“
„Ja, ja!“, riefen die Harpunenwerfer und Seeleute und kamen dem aufgeregten alten Mann näher. „Ein scharfer Blick auf den weißen Wal – eine scharfe Lanze gegen Moby Dick!“
„Gott segne euch“, schien er halb zu schluchzen, halb zu schreien. „Gott segne euch, Männer. Steward! Hol den großen Vorrat an Rum. Aber warum diese lange Miene, Mr. Starbuck? Wollt ihr den weißen Wal nicht jagen? Seid ihr nicht bereit, gegen Moby Dick anzutreten?“
„Ich bin bereit, gegen sein verdrehtes Maul anzutreten – und auch gegen das Maul des Todes, Kapitän Ahab, wenn es uns im Weg steht. Doch ich bin hier, um Wale zu jagen – nicht, um die Rache meines Kommandanten zu vollziehen. Wie viele Fässer wird eure Rache euch einbringen, selbst wenn ihr sie erreicht, Kapitän Ahab? Auf unserem Markt in Nantucket wird das nicht viel wert sein.“
„Der Markt in Nantucket! Pah! Komm näher, Starbuck – du brauchst etwas mehr Rum. Wenn Geld maßgeblich ist, und die Buchhalter unseren Globus mit Guineen umgeben haben – eine pro drei Teilen eines Zolls – dann sage ich dir: Meine Rache wird hier einen hohen Preis bringen!“
„Er schlägt sich auf die Brust“, flüsterte Stubb. „Warum tut er das? Mir scheint, es klingt sehr laut – aber hohl.“
„Rache an einem dummen Tier!“, rief Starbuck. „Das dich einfach aus blinder Instinkt angegriffen hat! Wahnsinn! Sich über ein dummes Wesen aufzuregen, Kapitän…“
Page 190
„Ahab – das scheint gotteslästerlich zu sein.“
„Hört noch einmal zu: Die sichtbaren Objekte sind nichts weiter als Pappmasken. Doch in jedem Handeln, in jeder Tat – da setzt etwas Unbekanntes, aber dennoch Vernünftiges, seine Züge hinter dieser irrationalen Maske frei. Wenn der Mensch zuschlagen will, dann soll er durch die Maske schlagen! Wie kann der Gefangene nach draußen gelangen, wenn nicht indem er durch die Wand bricht? Für mich ist der Weiße Wal jene Wand, die mir nahegebracht wurde. Manchmal glaube ich, dass es dahinter nichts gibt. Doch das genügt. Er stellt mich auf die Probe; ich sehe in ihm eine ungeheure Kraft, durchzogen von einer unergründlichen Bosheit. Genau diese Unergründlichkeit ist es, was ich am meisten hasse; ob der Weiße Wal nun nur ein Mittelwerkzeug oder der eigentliche Urheber ist – ich werde diesen Hass an ihm auslassen. Sprich mir nicht von Gotteslästerung, Mensch! Ich würde sogar die Sonne schlagen, falls sie mich beleidigen würde. Denn wenn die Sonne das könnte, dann könnte ich es auch – schließlich gibt es hier eine Art Fairplay, über dem Neid herrscht. Doch mein Meister, Mensch, gehört nicht einmal zu diesem Fairplay. Wer hat Macht über mich? Die Wahrheit kennt keine Grenzen. Nimm deinen Blick weg! Noch unerträglicher als der Blick der Teufel ist der dumme, starrende Blick eines Narren! So, so – du rötest und bleichst zugleich; meine Hitze hat dich in einen Zustand der Wut versetzt. Doch sieh, Starbuck: Was im Zorn gesagt wird, nimmt man später wieder zurück. Es gibt Menschen, für die warme Worte nur eine kleine Beleidigung sind. Ich wollte dich nicht reizen. Lass es gut sein. Sieh dort drüben die türkischen Wangen mit ihren Flecken – lebende, atmende Bilder, gemalt vom Sonnenlicht. Die heidnischen Leoparden – diese rücksichtslosen, gottlosen Wesen, die leben und suchen, ohne Gründe für ihr hitziges Dasein anzugeben! Die Besatzung, Mensch – sind sie nicht alle mit Ahab verbunden, was den Weißen Wal angeht? Sieh Stubb – er lacht! Und der Chilene dort – er schnaubt, wenn er daran denkt. Steh inmitten dieses Orkans – dein kleiner Baum kann da nichts ausrichten, Starbuck! Und was ist es überhaupt? Überlege mal: Es geht doch nur darum, dabei zu helfen, eine Flosse zu treffen – keine große Leistung für Starbuck. Was noch? Bei dieser einzigen Jagd wird er sicherlich nicht zurückhalten, wenn jeder Matrose bereits einen Schleifstein in der Hand hält. Ah! Zwänge überwältigen dich – ich sehe es! Die Wellen heben dich hoch! Sprich, sprich endlich! Ja, ja – deine Stille spricht für dich. (Leise) Etwas ist aus meinen geöffneten Nasenlöchern geschossen – er hat es in seine Lungen eingeatmet. Starbuck gehört jetzt mir; er kann sich mir nicht mehr widersetzen, ohne rebellieren zu müssen.“
„Gott, beschütze mich! – Beschütze uns alle!“, flüsterte Starbuck leise.
Doch in seiner Freude über die stumme Zustimmung des Matrosen hörte Ahab weder seinen bangen Ruf noch das leise Lachen aus dem Laderaum.
„Hört noch einmal zu: Die sichtbaren Objekte sind nichts weiter als Pappmasken. Doch in jedem Handeln, in jeder Tat – da setzt etwas Unbekanntes, aber dennoch Vernünftiges, seine Züge hinter dieser irrationalen Maske frei. Wenn der Mensch zuschlagen will, dann soll er durch die Maske schlagen! Wie kann der Gefangene nach draußen gelangen, wenn nicht indem er durch die Wand bricht? Für mich ist der Weiße Wal jene Wand, die mir nahegebracht wurde. Manchmal glaube ich, dass es dahinter nichts gibt. Doch das genügt. Er stellt mich auf die Probe; ich sehe in ihm eine ungeheure Kraft, durchzogen von einer unergründlichen Bosheit. Genau diese Unergründlichkeit ist es, was ich am meisten hasse; ob der Weiße Wal nun nur ein Mittelwerkzeug oder der eigentliche Urheber ist – ich werde diesen Hass an ihm auslassen. Sprich mir nicht von Gotteslästerung, Mensch! Ich würde sogar die Sonne schlagen, falls sie mich beleidigen würde. Denn wenn die Sonne das könnte, dann könnte ich es auch – schließlich gibt es hier eine Art Fairplay, über dem Neid herrscht. Doch mein Meister, Mensch, gehört nicht einmal zu diesem Fairplay. Wer hat Macht über mich? Die Wahrheit kennt keine Grenzen. Nimm deinen Blick weg! Noch unerträglicher als der Blick der Teufel ist der dumme, starrende Blick eines Narren! So, so – du rötest und bleichst zugleich; meine Hitze hat dich in einen Zustand der Wut versetzt. Doch sieh, Starbuck: Was im Zorn gesagt wird, nimmt man später wieder zurück. Es gibt Menschen, für die warme Worte nur eine kleine Beleidigung sind. Ich wollte dich nicht reizen. Lass es gut sein. Sieh dort drüben die türkischen Wangen mit ihren Flecken – lebende, atmende Bilder, gemalt vom Sonnenlicht. Die heidnischen Leoparden – diese rücksichtslosen, gottlosen Wesen, die leben und suchen, ohne Gründe für ihr hitziges Dasein anzugeben! Die Besatzung, Mensch – sind sie nicht alle mit Ahab verbunden, was den Weißen Wal angeht? Sieh Stubb – er lacht! Und der Chilene dort – er schnaubt, wenn er daran denkt. Steh inmitten dieses Orkans – dein kleiner Baum kann da nichts ausrichten, Starbuck! Und was ist es überhaupt? Überlege mal: Es geht doch nur darum, dabei zu helfen, eine Flosse zu treffen – keine große Leistung für Starbuck. Was noch? Bei dieser einzigen Jagd wird er sicherlich nicht zurückhalten, wenn jeder Matrose bereits einen Schleifstein in der Hand hält. Ah! Zwänge überwältigen dich – ich sehe es! Die Wellen heben dich hoch! Sprich, sprich endlich! Ja, ja – deine Stille spricht für dich. (Leise) Etwas ist aus meinen geöffneten Nasenlöchern geschossen – er hat es in seine Lungen eingeatmet. Starbuck gehört jetzt mir; er kann sich mir nicht mehr widersetzen, ohne rebellieren zu müssen.“
„Gott, beschütze mich! – Beschütze uns alle!“, flüsterte Starbuck leise.
Doch in seiner Freude über die stumme Zustimmung des Matrosen hörte Ahab weder seinen bangen Ruf noch das leise Lachen aus dem Laderaum.
Page 191
Doch auch die Vorbotenvibrationen des Windes in den Seilen – und auch das leise Rascheln der Segel gegen die Masten – ließen ihre Herzen für einen Moment sinken. Doch wiederum leuchteten Starbucks gesenkte Augen auf durch den Stolz des Lebens; das unterirdische Lachen verstummte; der Wind wehte weiter; die Segel blähten sich auf; das Schiff schwankte und rollte wie zuvor. Ach, ihr Ermahnungen und Warnungen! Warum bleibt ihr nicht, wenn ihr kommt? Ihr seid eher Vorhersagen denn Warnungen, ihr Schatten! Doch es sind weniger Vorhersagen von außen als vielmehr Bestätigungen dessen, was bereits in uns ist. Denn da es kaum äußere Kräfte gibt, die uns zurückhalten, treiben uns die innersten Notwendigkeiten unseres Daseins weiter voran.
„Die Maßnahme! Die Maßnahme!“, rief Ahab. Er nahm den überlaufenden Messingkrug entgegen und wandte sich an die Harpunenwerfer; er befahl ihnen, ihre Waffen hervorzuholen. Dann stellte er sie vor sich neben den Kapstan, mit ihren Harpunen in den Händen, während seine drei Matrosen mit ihren Lanzen an seiner Seite standen und der Rest der Besatzung einen Kreis um die Gruppe bildete. Einen Moment lang betrachtete er prüfend jeden Mann seiner Mannschaft. Doch diese wilden Blicke trafen seinen Blick – wie die blutunterlaufenen Augen der Prärielöwen den Blick ihres Anführers treffen, bevor dieser an ihrer Spitze dem Bison hinterherstürmt – doch leider nur, um in die verborgene Falle der Indianer zu fallen.
„Trinkt und gebt weiter!“, rief er und reichte den schweren, gefüllten Krug dem nächsten Matrosen. „Nur die Besatzung trinkt jetzt. Herum damit, herum! Kurze Schlucke – große Züge, Männer; es ist heiß wie Satans Huf. So, so; es zirkuliert hervorragend. Es windet sich in euch; es teilt sich am ‚Schlangenzähmenden Auge‘ auf. Gut gemacht; fast leer. So ging es hin, so kommt es zurück. Gebt ihn mir – da ist eine Lücke! Männer, ihr scheint die Jahre zu verschlingen; das sprudelnde Leben wird gierig hinuntergestürzt und verschwindet. Koch, fülle nach!“
„Achtet nun, meine Tapferen. Ich habe euch alle um diesen Kapstan versammelt; und ihr Matrosen, stellt euch mit euren Lanzen zu meinen Seiten; und ihr Harpunenwerfer, steht dort mit euren Waffen; und ihr starken Seeleute, umringt mich, damit ich auf irgendeine Weise eine edle Sitte meiner Fischerväter wiederbeleben kann. Oh Männer, ihr werdet noch sehen, dass… Ha! Junge, komm zurück? Schlechte Münzen kommen nicht so schnell. Gib ihn mir. Na, dieser Messingkrug ist schon wieder überlaufend – bist du nicht der Teufel des Heiligen Vitus – weg, du Fieber!“
„Vorwärts, ihr Matrosen! Kreuzt eure Lanzen direkt vor mir. Gut gemacht! Lass mich die Achse berühren.“ Mit ausgestrecktem Arm griff er nach den drei horizontal angeordneten, sich kreuzenden Lanzen; dabei zuckte er plötzlich und nervös daran; gleichzeitig blickte er intensiv von Starbuck zu…
„Die Maßnahme! Die Maßnahme!“, rief Ahab. Er nahm den überlaufenden Messingkrug entgegen und wandte sich an die Harpunenwerfer; er befahl ihnen, ihre Waffen hervorzuholen. Dann stellte er sie vor sich neben den Kapstan, mit ihren Harpunen in den Händen, während seine drei Matrosen mit ihren Lanzen an seiner Seite standen und der Rest der Besatzung einen Kreis um die Gruppe bildete. Einen Moment lang betrachtete er prüfend jeden Mann seiner Mannschaft. Doch diese wilden Blicke trafen seinen Blick – wie die blutunterlaufenen Augen der Prärielöwen den Blick ihres Anführers treffen, bevor dieser an ihrer Spitze dem Bison hinterherstürmt – doch leider nur, um in die verborgene Falle der Indianer zu fallen.
„Trinkt und gebt weiter!“, rief er und reichte den schweren, gefüllten Krug dem nächsten Matrosen. „Nur die Besatzung trinkt jetzt. Herum damit, herum! Kurze Schlucke – große Züge, Männer; es ist heiß wie Satans Huf. So, so; es zirkuliert hervorragend. Es windet sich in euch; es teilt sich am ‚Schlangenzähmenden Auge‘ auf. Gut gemacht; fast leer. So ging es hin, so kommt es zurück. Gebt ihn mir – da ist eine Lücke! Männer, ihr scheint die Jahre zu verschlingen; das sprudelnde Leben wird gierig hinuntergestürzt und verschwindet. Koch, fülle nach!“
„Achtet nun, meine Tapferen. Ich habe euch alle um diesen Kapstan versammelt; und ihr Matrosen, stellt euch mit euren Lanzen zu meinen Seiten; und ihr Harpunenwerfer, steht dort mit euren Waffen; und ihr starken Seeleute, umringt mich, damit ich auf irgendeine Weise eine edle Sitte meiner Fischerväter wiederbeleben kann. Oh Männer, ihr werdet noch sehen, dass… Ha! Junge, komm zurück? Schlechte Münzen kommen nicht so schnell. Gib ihn mir. Na, dieser Messingkrug ist schon wieder überlaufend – bist du nicht der Teufel des Heiligen Vitus – weg, du Fieber!“
„Vorwärts, ihr Matrosen! Kreuzt eure Lanzen direkt vor mir. Gut gemacht! Lass mich die Achse berühren.“ Mit ausgestrecktem Arm griff er nach den drei horizontal angeordneten, sich kreuzenden Lanzen; dabei zuckte er plötzlich und nervös daran; gleichzeitig blickte er intensiv von Starbuck zu…
Page 192
Stubb – von Stubb zu Flask. Es schien, als wolle er durch irgendeinen namenlosen, inneren Willen jene gleiche feurige Emotion in sie hineinjagen, die sich in dem „Leyden-Flaschen“ seines eigenen „magnetischen Lebens“ angesammelt hatte. Die drei Matrosen zitterten vor seinem starken, beharrlichen und geheimnisvollen Wesen. Stubb und Flask blickten ihn von der Seite an; Starbucks ehrliches Auge senkte sich ganz nach unten.
„Umsonst!“, rief Ahab. „Aber vielleicht ist es gut so. Denn wenn ihr drei nur einmal den vollen Strom dieser Energie abbekämt, dann würde meine eigene elektrische Kraft, die vielleicht bereits aus mir entwichen ist, euch töten können. Vielleicht braucht ihr sie gar nicht. Her mit den Lanzen! Und nun, meine Freunde, ich ernenne euch drei zu Trägern der Becher für meine drei heidnischen Verwandten – jene drei ehrenhaftesten Herren und Adligen, meine tapferen Harpunenwerfer. Verachtet diese Aufgabe? Was, wenn der große Papst die Füße von Bettlern wäscht, indem er seine Tiara als Becher verwendet? Oh, meine lieben Kardinäle! Eure eigene Demut wird euch dazu bringen, diese Aufgabe zu übernehmen. Ich befehle es euch nicht – ihr werdet es tun. Schneidet die Spitzen ab und nehmt die Stangen in die Hand, ihr Harpunenwerfer!“
Schweigend gehorchten die drei Harpunenwerfer dem Befehl. Sie standen nun da mit dem etwa drei Fuß langen, eisernen Teil ihrer Harpunen, deren Stacheln nach oben zeigten.
„Stecht mich nicht mit diesem scharfen Stahl! Dreht die Öffnungen um! So, jetzt, ihr Träger der Becher – tritt vor. Nehmt die Eisenstangen und haltet sie fest, während ich sie fülle!“ Langsam ging er von einem Offizier zum anderen und füllte die Öffnungen der Harpunen mit dem feurigen Wasser aus dem Pewterbecher.
„Nun steht ihr zu dritt da. Übergebt diese mörderischen Becher! Gebt sie weiter, ihr, die ihr nun Teil dieses unauflöslichen Bundes seid. Ha! Starbuck – die Tat ist vollbracht! Jener Sonnenstrahl wartet nun darauf, darauf zu scheinen. Trinkt, ihr Harpunenwerfer! Trinkt und schwört, ihr Männer, die am Bug des tödlichen Walfangschiffs stehen – Tod dem Moby Dick! Gott möge uns alle strafen, wenn wir Moby Dick nicht bis zum Tod jagen!“ Die langen, stachelbewehrten Becher wurden erhoben; und unter Schreien und Flüchen gegen den weißen Wal wurden die Flüssigkeiten gleichzeitig hinuntergestürzt. Starbuck wurde blass, drehte sich um und zitterte. Ein weiteres Mal, und schließlich, wurde das wieder gefüllte Pewter unter der verrückten Besatzung herumgereicht; anschließend verteilten sie sich alle, und Ahab zog sich in seine Kabine zurück.
„Umsonst!“, rief Ahab. „Aber vielleicht ist es gut so. Denn wenn ihr drei nur einmal den vollen Strom dieser Energie abbekämt, dann würde meine eigene elektrische Kraft, die vielleicht bereits aus mir entwichen ist, euch töten können. Vielleicht braucht ihr sie gar nicht. Her mit den Lanzen! Und nun, meine Freunde, ich ernenne euch drei zu Trägern der Becher für meine drei heidnischen Verwandten – jene drei ehrenhaftesten Herren und Adligen, meine tapferen Harpunenwerfer. Verachtet diese Aufgabe? Was, wenn der große Papst die Füße von Bettlern wäscht, indem er seine Tiara als Becher verwendet? Oh, meine lieben Kardinäle! Eure eigene Demut wird euch dazu bringen, diese Aufgabe zu übernehmen. Ich befehle es euch nicht – ihr werdet es tun. Schneidet die Spitzen ab und nehmt die Stangen in die Hand, ihr Harpunenwerfer!“
Schweigend gehorchten die drei Harpunenwerfer dem Befehl. Sie standen nun da mit dem etwa drei Fuß langen, eisernen Teil ihrer Harpunen, deren Stacheln nach oben zeigten.
„Stecht mich nicht mit diesem scharfen Stahl! Dreht die Öffnungen um! So, jetzt, ihr Träger der Becher – tritt vor. Nehmt die Eisenstangen und haltet sie fest, während ich sie fülle!“ Langsam ging er von einem Offizier zum anderen und füllte die Öffnungen der Harpunen mit dem feurigen Wasser aus dem Pewterbecher.
„Nun steht ihr zu dritt da. Übergebt diese mörderischen Becher! Gebt sie weiter, ihr, die ihr nun Teil dieses unauflöslichen Bundes seid. Ha! Starbuck – die Tat ist vollbracht! Jener Sonnenstrahl wartet nun darauf, darauf zu scheinen. Trinkt, ihr Harpunenwerfer! Trinkt und schwört, ihr Männer, die am Bug des tödlichen Walfangschiffs stehen – Tod dem Moby Dick! Gott möge uns alle strafen, wenn wir Moby Dick nicht bis zum Tod jagen!“ Die langen, stachelbewehrten Becher wurden erhoben; und unter Schreien und Flüchen gegen den weißen Wal wurden die Flüssigkeiten gleichzeitig hinuntergestürzt. Starbuck wurde blass, drehte sich um und zitterte. Ein weiteres Mal, und schließlich, wurde das wieder gefüllte Pewter unter der verrückten Besatzung herumgereicht; anschließend verteilten sie sich alle, und Ahab zog sich in seine Kabine zurück.
Page 193
Page 194
KAPITEL 37. Sonnenuntergang.
Die Hütte – am Heckfenster – Ahab sitzt allein und blickt hinaus.
Ich hinterlasse eine weiße, trübe Spur; blasses Wasser, noch blassere Wangen, wohin auch immer ich segle. Die neidischen Wellen schwellen seitlich an, um meine Spur zu überlagern – lassen sie das; doch zuerst muss ich vorbei.
Dort drüben, am Rand des stets überfließenden „Bechers“, röten sich die warmen Wellen wie Wein. Die goldene Stirn taucht ins Blaue hinab. Die sinkende Sonne – langsam vom Mittagpunkt abgetaucht – geht unter; meine Seele steigt auf! Sie ermüdet von ihrem endlosen Aufstieg. Ist etwa die Krone, die ich trage, zu schwer? Diese eiserne Krone von Lombardien. Doch sie glänzt durch viele Edelsteine; ich, der Träger, sehe ihre fernen Funken nicht – doch ich spüre dunkel, dass ich dieses blendende Ding trage. Es ist Eisen – das weiß ich – kein Gold. Es ist außerdem gespalten – das spüre ich; die scharfen Kanten reizen mich so sehr, dass es scheint, als würde mein Gehirn gegen das feste Metall schlagen; ja, ein Stahlkopf – meiner! Eine Art, die im heftigsten Kampf keinen Helm braucht!
Trockene Hitze auf meiner Stirn? Oh! Es gab eine Zeit, da der Sonnenaufgang mich edel anspornte – so wie der Sonnenuntergang mich beruhigte. Nicht mehr. Dieses wunderschöne Licht erhellt mich nicht; jede Schönheit ist für mich Qual, denn ich kann sie niemals genießen. Mit der Fähigkeit zur tiefen Wahrnehmung ausgestattet, fehlt mir die einfache Fähigkeit zum Genießen – verdammt, auf die subtilste und bösartigste Weise! Verdammt mitten im Paradies! Gute Nacht – gute Nacht! (Er winkt mit der Hand und entfernt sich vom Fenster.)
Es war keine so schwierige Aufgabe. Ich dachte, ich müsste zumindest einen Sturen finden – doch mein einziger Zahnradkreis passt in alle ihren verschiedenen Räder, und sie drehen sich. Oder, wenn man so will: Wie viele Pulverhaufen stehen vor mir – und ich bin ihr Entzündungsmittel. Oh, wie schwer! Um andere in Brand zu setzen, muss das Entzündungsmittel selbst verbraucht werden! Was ich gewagt habe, das habe ich gewollt – und was ich gewollt habe, das werde ich tun! Sie halten mich für verrückt – Starbuck tut das; aber ich bin teuflisch, ich bin von Wahnsinn besessen! Jener wilde Wahnsinn, der nur dann ruhig wird, wenn er sich selbst begreift! Die Prophezeiung lautete, ich würde zerschmettert werden – und ja! Ich habe dieses Bein verloren. Nun prophezeie ich, dass ich meinen Zerschmetterer zerschmettern werde. Nun, dann sei ich zugleich Prophet und Vollstrecker. Das ist mehr, als ihr großen Götter je wart. Ich lache und spotte euch, ihr Cricketspieler, ihr Boxer, ihr taube Burkes und blinde Bendigoes! Ich werde nicht wie Schuljungen zu den Mobbern sagen – Nehmt doch einen von…
Die Hütte – am Heckfenster – Ahab sitzt allein und blickt hinaus.
Ich hinterlasse eine weiße, trübe Spur; blasses Wasser, noch blassere Wangen, wohin auch immer ich segle. Die neidischen Wellen schwellen seitlich an, um meine Spur zu überlagern – lassen sie das; doch zuerst muss ich vorbei.
Dort drüben, am Rand des stets überfließenden „Bechers“, röten sich die warmen Wellen wie Wein. Die goldene Stirn taucht ins Blaue hinab. Die sinkende Sonne – langsam vom Mittagpunkt abgetaucht – geht unter; meine Seele steigt auf! Sie ermüdet von ihrem endlosen Aufstieg. Ist etwa die Krone, die ich trage, zu schwer? Diese eiserne Krone von Lombardien. Doch sie glänzt durch viele Edelsteine; ich, der Träger, sehe ihre fernen Funken nicht – doch ich spüre dunkel, dass ich dieses blendende Ding trage. Es ist Eisen – das weiß ich – kein Gold. Es ist außerdem gespalten – das spüre ich; die scharfen Kanten reizen mich so sehr, dass es scheint, als würde mein Gehirn gegen das feste Metall schlagen; ja, ein Stahlkopf – meiner! Eine Art, die im heftigsten Kampf keinen Helm braucht!
Trockene Hitze auf meiner Stirn? Oh! Es gab eine Zeit, da der Sonnenaufgang mich edel anspornte – so wie der Sonnenuntergang mich beruhigte. Nicht mehr. Dieses wunderschöne Licht erhellt mich nicht; jede Schönheit ist für mich Qual, denn ich kann sie niemals genießen. Mit der Fähigkeit zur tiefen Wahrnehmung ausgestattet, fehlt mir die einfache Fähigkeit zum Genießen – verdammt, auf die subtilste und bösartigste Weise! Verdammt mitten im Paradies! Gute Nacht – gute Nacht! (Er winkt mit der Hand und entfernt sich vom Fenster.)
Es war keine so schwierige Aufgabe. Ich dachte, ich müsste zumindest einen Sturen finden – doch mein einziger Zahnradkreis passt in alle ihren verschiedenen Räder, und sie drehen sich. Oder, wenn man so will: Wie viele Pulverhaufen stehen vor mir – und ich bin ihr Entzündungsmittel. Oh, wie schwer! Um andere in Brand zu setzen, muss das Entzündungsmittel selbst verbraucht werden! Was ich gewagt habe, das habe ich gewollt – und was ich gewollt habe, das werde ich tun! Sie halten mich für verrückt – Starbuck tut das; aber ich bin teuflisch, ich bin von Wahnsinn besessen! Jener wilde Wahnsinn, der nur dann ruhig wird, wenn er sich selbst begreift! Die Prophezeiung lautete, ich würde zerschmettert werden – und ja! Ich habe dieses Bein verloren. Nun prophezeie ich, dass ich meinen Zerschmetterer zerschmettern werde. Nun, dann sei ich zugleich Prophet und Vollstrecker. Das ist mehr, als ihr großen Götter je wart. Ich lache und spotte euch, ihr Cricketspieler, ihr Boxer, ihr taube Burkes und blinde Bendigoes! Ich werde nicht wie Schuljungen zu den Mobbern sagen – Nehmt doch einen von…
Page 195
Ihre eigene Größe – quälen Sie mich nicht! Nein, Sie haben mich zu Boden geworfen, doch ich bin wieder auf den Beinen; aber Sie sind weggelaufen und versteckt haben sich. Kommen Sie heraus aus Ihrem Versteck hinter den Baumwollsäcken! Ich habe kein langes Gewehr, um Sie zu erreichen. Komm, Ahab übermittelt Ihnen seine Grüße; kommen Sie und sehen Sie, ob Sie mich ablenken können. Mich ablenken? Das können Sie nicht – sonst lenken Sie nur sich selbst ab! Da haben Sie mich. Mich ablenken? Der Weg zu meinem festgelegten Ziel ist mit Eisenbahnschienen ausgelegt, auf denen meine Seele ihren Lauf nimmt. Über unerforschte Schluchten, durch die „herzförmigen“ Berge, unter den Bächen – immer weiter stürme ich voran! Nichts ist ein Hindernis, keine Biegung auf diesem eisernen Weg!
Page 196
KAPITEL 38. Dämmerung.
Am Hauptmast – Starbuck lehnt daran.
Meine Seele ist überfordert; sie wird von zu vielen Menschen bedrängt – und das noch von einem Verrückten!
Unerträglich, dass die Vernunft in einem solchen Kampf keine Rolle spielen darf! Doch er drang tief in mich ein und zerstörte all meinen Verstand! Ich glaube, ich sehe sein gottloses Ende – doch ich spüre, dass ich ihm dabei helfen muss. Wird es so sein? Oder nicht? Dieses Unbeschreibliche hat mich an ihn gebunden; es zieht mich mit einem Seil, das ich nicht mit einem Messer durchschneiden kann.
Schrecklicher alter Mann! Wer hat die Macht über ihn?, ruft er – ja, er wäre ein Demokrat gegenüber allen oben – schau, wie er über alle unten herrscht! Oh! Ich sehe deutlich meine elende Pflicht: zu gehorchen, obwohl ich rebellieren möchte – und noch schlimmer: zu hassen, obwohl ich Mitleid empfinde! In seinen Augen sehe ich eine schreckliche Qual, die mich zerstören würde, falls ich sie erleben müsste. Doch es gibt Hoffnung. Zeit und Flut fließen weiter. Der verhasste Wal hat die ganze Welt zum Schwimmen zur Verfügung – genauso wie der kleine Goldfisch seine gläserne Welt. Sein himmelbeleidigendes Vorhaben möge Gott beiseite schieben. Ich würde Mut haben, wenn mein Herz nicht wie Blei wäre. Doch meine Uhr ist stehen geblieben; mein Herz ist das alleinige Gewicht – ich habe keinen Schlüssel, um es wieder in Bewegung zu setzen.
[Ein Lärm aus dem Vorschiff.]
Oh, Gott! Mit einer solchen heidnischen Besatzung segeln zu müssen – Leuten, die kaum etwas von menschlichen Müttern wissen! Sie wurden irgendwo am „Haifischmeer“ geboren. Der Weiße Wal ist ihr Dämon. Hört! Die teuflischen Orgien! Der Lärm kommt vom Vorschiff – während hinten völlige Stille herrscht! Das scheint das Leben darzustellen. Vorneweg durch das glitzernde Meer bewegt sich die fröhliche, kämpferische, scherzende Bugpartie – doch nur, um den dunklen Ahab mitzuziehen. Er brütet in seiner Kabine am Heck, über dem stillen Wasser des Kielwassers – und wird weiterhin von dessen wolfsartigem Gurgeln verfolgt. Der lange Heulton erschüttert mich! Friede, ihr Feiernden – und haltet Wache! Oh, Leben! Gerade in solchen Momenten, wenn die Seele niedergedrückt wird und zur Vernunft gezwungen wird – dann werden wilde, ungebildete Wesen gezwungen, zu überleben… Oh, Leben! Gerade jetzt spüre ich die verborgene Schrecklichkeit in dir! Doch das bin nicht ich – diese Schrecklichkeit stammt von außen! Und trotz des sanften Gefühls des Menschlichen in mir werde ich versuchen, gegen euch zu kämpfen, ihr grausamen, phantastischen Zukünfte! Steht mir bei, haltet mich fest, bindet mich – o ihr gesegneten Kräfte!
Am Hauptmast – Starbuck lehnt daran.
Meine Seele ist überfordert; sie wird von zu vielen Menschen bedrängt – und das noch von einem Verrückten!
Unerträglich, dass die Vernunft in einem solchen Kampf keine Rolle spielen darf! Doch er drang tief in mich ein und zerstörte all meinen Verstand! Ich glaube, ich sehe sein gottloses Ende – doch ich spüre, dass ich ihm dabei helfen muss. Wird es so sein? Oder nicht? Dieses Unbeschreibliche hat mich an ihn gebunden; es zieht mich mit einem Seil, das ich nicht mit einem Messer durchschneiden kann.
Schrecklicher alter Mann! Wer hat die Macht über ihn?, ruft er – ja, er wäre ein Demokrat gegenüber allen oben – schau, wie er über alle unten herrscht! Oh! Ich sehe deutlich meine elende Pflicht: zu gehorchen, obwohl ich rebellieren möchte – und noch schlimmer: zu hassen, obwohl ich Mitleid empfinde! In seinen Augen sehe ich eine schreckliche Qual, die mich zerstören würde, falls ich sie erleben müsste. Doch es gibt Hoffnung. Zeit und Flut fließen weiter. Der verhasste Wal hat die ganze Welt zum Schwimmen zur Verfügung – genauso wie der kleine Goldfisch seine gläserne Welt. Sein himmelbeleidigendes Vorhaben möge Gott beiseite schieben. Ich würde Mut haben, wenn mein Herz nicht wie Blei wäre. Doch meine Uhr ist stehen geblieben; mein Herz ist das alleinige Gewicht – ich habe keinen Schlüssel, um es wieder in Bewegung zu setzen.
[Ein Lärm aus dem Vorschiff.]
Oh, Gott! Mit einer solchen heidnischen Besatzung segeln zu müssen – Leuten, die kaum etwas von menschlichen Müttern wissen! Sie wurden irgendwo am „Haifischmeer“ geboren. Der Weiße Wal ist ihr Dämon. Hört! Die teuflischen Orgien! Der Lärm kommt vom Vorschiff – während hinten völlige Stille herrscht! Das scheint das Leben darzustellen. Vorneweg durch das glitzernde Meer bewegt sich die fröhliche, kämpferische, scherzende Bugpartie – doch nur, um den dunklen Ahab mitzuziehen. Er brütet in seiner Kabine am Heck, über dem stillen Wasser des Kielwassers – und wird weiterhin von dessen wolfsartigem Gurgeln verfolgt. Der lange Heulton erschüttert mich! Friede, ihr Feiernden – und haltet Wache! Oh, Leben! Gerade in solchen Momenten, wenn die Seele niedergedrückt wird und zur Vernunft gezwungen wird – dann werden wilde, ungebildete Wesen gezwungen, zu überleben… Oh, Leben! Gerade jetzt spüre ich die verborgene Schrecklichkeit in dir! Doch das bin nicht ich – diese Schrecklichkeit stammt von außen! Und trotz des sanften Gefühls des Menschlichen in mir werde ich versuchen, gegen euch zu kämpfen, ihr grausamen, phantastischen Zukünfte! Steht mir bei, haltet mich fest, bindet mich – o ihr gesegneten Kräfte!
Page 197
Page 198
KAPITEL 39. Die erste Nachtwache.
Vorsteven.
(Stubb allein – und repariert ein Seil.)
Ha! ha! ha! ha! Hm – ich muss mir den Hals freiräumen! Ich habe seitdem darüber nachgedacht – und dieses „Ha, ha“ ist die endgültige Folge. Warum? Weil das Lachen die klügste, einfachste Antwort auf alles Seltsame ist. Was auch immer passieren mag – es bleibt immer eine Trostquelle: nämlich die Gewissheit, dass alles vorherbestimmt ist. Ich habe nicht alles von seinem Gespräch mit Starbuck mitgehört; aber für meine armen Augen sah Starbuck damals genauso aus wie ich an jenem Abend. Sicherlich hat der alte Mogul auch ihn unter Kontrolle gebracht. Ich habe es erkannt – ich hatte dieses Talent, hätte es leicht voraussagen können – denn als ich seinen Schädel betrachtete, sah ich es. Nun, Stubb – weiser Stubb – das ist mein Titel – nun, Stubb, was soll’s? Hier liegt eine Leiche. Ich weiß nicht, was noch kommen mag – aber was auch immer es ist, ich werde damit lachend umgehen. Welche spöttische Freude verbirgt sich doch in all dem Schrecklichen! Mir ist zum Lachen zumute. Fa, la! Lirra, skirra! Was macht wohl meine süße kleine Frau zu Hause gerade? Weint sie sich die Augen aus? Oder gibt sie wohl einer Gruppe von Harpunenbootfahrern eine Party – fröhlich wie die Flagge eines Fregatts – und ich bin es auch – fa, la! Lirra, skirra! Oh…
Wir werden heute Abend mit leichtem Herzen trinken,
auf die Liebe – fröhlich und vergänglich,
wie Blasen, die auf dem Rand des Bechers schwimmen
und bei der Berührung zerplatzen.
Ein mutiger Mann – wer ruft da? Herr Starbuck? Ja, ja, Sir – (Leise zu sich selbst): Er ist mein Vorgesetzter – er hat auch seine eigenen Probleme, wenn ich mich nicht irre. Ja, ja, Sir – ich komme gleich, ich beende diese Arbeit.
Vorsteven.
(Stubb allein – und repariert ein Seil.)
Ha! ha! ha! ha! Hm – ich muss mir den Hals freiräumen! Ich habe seitdem darüber nachgedacht – und dieses „Ha, ha“ ist die endgültige Folge. Warum? Weil das Lachen die klügste, einfachste Antwort auf alles Seltsame ist. Was auch immer passieren mag – es bleibt immer eine Trostquelle: nämlich die Gewissheit, dass alles vorherbestimmt ist. Ich habe nicht alles von seinem Gespräch mit Starbuck mitgehört; aber für meine armen Augen sah Starbuck damals genauso aus wie ich an jenem Abend. Sicherlich hat der alte Mogul auch ihn unter Kontrolle gebracht. Ich habe es erkannt – ich hatte dieses Talent, hätte es leicht voraussagen können – denn als ich seinen Schädel betrachtete, sah ich es. Nun, Stubb – weiser Stubb – das ist mein Titel – nun, Stubb, was soll’s? Hier liegt eine Leiche. Ich weiß nicht, was noch kommen mag – aber was auch immer es ist, ich werde damit lachend umgehen. Welche spöttische Freude verbirgt sich doch in all dem Schrecklichen! Mir ist zum Lachen zumute. Fa, la! Lirra, skirra! Was macht wohl meine süße kleine Frau zu Hause gerade? Weint sie sich die Augen aus? Oder gibt sie wohl einer Gruppe von Harpunenbootfahrern eine Party – fröhlich wie die Flagge eines Fregatts – und ich bin es auch – fa, la! Lirra, skirra! Oh…
Wir werden heute Abend mit leichtem Herzen trinken,
auf die Liebe – fröhlich und vergänglich,
wie Blasen, die auf dem Rand des Bechers schwimmen
und bei der Berührung zerplatzen.
Ein mutiger Mann – wer ruft da? Herr Starbuck? Ja, ja, Sir – (Leise zu sich selbst): Er ist mein Vorgesetzter – er hat auch seine eigenen Probleme, wenn ich mich nicht irre. Ja, ja, Sir – ich komme gleich, ich beende diese Arbeit.
Page 199
KAPITEL 40. Mitternacht, Vorsteuerkastell.
Harpunenwerfer und Seeleute.
(Die Vorsegel werden gehisst – man sieht die Wachen in verschiedenen Haltungen: stehend, liegend usw.; alle singen im Chor.)
Lebewohl, spanische Damen!
Lebewohl, Damen Spaniens!
Unser Kapitän hat es befohlen.
ERSTER NANTUCKET-SEELEUTE: Oh, Jungs, seid nicht sentimental – das schadet der Verdauung! Nehmt ein Tonikum und folgt mir!
(Er singt, und alle folgen ihm.)
Unser Kapitän stand auf dem Deck,
mit einem Fernrohr in der Hand,
und beobachtete diese tapferen Wale,
die an allen Stränden auftauchten.
Oh, eure Boote – und wir werden einen dieser prächtigen Wale fangen!
Hände hoch, Jungs! Seid fröhlich, meine Freunde – mögen eure Herzen niemals versagen, solange der mutige Harpunenwerfer den Wal angreift!
STIMME DES OFFIZIERS VOM QUARTIERDECK: Acht Glockenschläge – vorwärts!
ZWEITER NANTUCKET-SEELEUTE: Aufhören mit dem Singen! Acht Glockenschläge – hört ihr das, Glockenjunge? Läutet die Glocke achtmal, du Dummkopf! Ich werde jetzt die Wachen rufen. Ich habe dazu genau den richtigen Mund – den „Fassmund“. Also, los!
(Nach unten rufend:) Star-bol-eens, a-hoy! Acht Glockenschläge da unten – kommt hoch!
NIEDERLÄNDER-SEELEUTE: Heute Nacht wird viel geschlafen, Kamerad – eine perfekte Nacht dafür. Ich notiere das in unserem alten Wein… Für manche ist das wirklich beruhigend.
Harpunenwerfer und Seeleute.
(Die Vorsegel werden gehisst – man sieht die Wachen in verschiedenen Haltungen: stehend, liegend usw.; alle singen im Chor.)
Lebewohl, spanische Damen!
Lebewohl, Damen Spaniens!
Unser Kapitän hat es befohlen.
ERSTER NANTUCKET-SEELEUTE: Oh, Jungs, seid nicht sentimental – das schadet der Verdauung! Nehmt ein Tonikum und folgt mir!
(Er singt, und alle folgen ihm.)
Unser Kapitän stand auf dem Deck,
mit einem Fernrohr in der Hand,
und beobachtete diese tapferen Wale,
die an allen Stränden auftauchten.
Oh, eure Boote – und wir werden einen dieser prächtigen Wale fangen!
Hände hoch, Jungs! Seid fröhlich, meine Freunde – mögen eure Herzen niemals versagen, solange der mutige Harpunenwerfer den Wal angreift!
STIMME DES OFFIZIERS VOM QUARTIERDECK: Acht Glockenschläge – vorwärts!
ZWEITER NANTUCKET-SEELEUTE: Aufhören mit dem Singen! Acht Glockenschläge – hört ihr das, Glockenjunge? Läutet die Glocke achtmal, du Dummkopf! Ich werde jetzt die Wachen rufen. Ich habe dazu genau den richtigen Mund – den „Fassmund“. Also, los!
(Nach unten rufend:) Star-bol-eens, a-hoy! Acht Glockenschläge da unten – kommt hoch!
NIEDERLÄNDER-SEELEUTE: Heute Nacht wird viel geschlafen, Kamerad – eine perfekte Nacht dafür. Ich notiere das in unserem alten Wein… Für manche ist das wirklich beruhigend.
Page 200
Andere belästigen. Wir singen; sie schlafen – ja, liegen da wie Bodenklötze. Noch einmal gegen sie! Hier, nimm diese Kupferpumpe und rufe sie damit an. Sag ihnen, sie sollen aufhören, von ihren Mädels zu träumen. Sag ihnen, es ist die Auferstehung; sie müssen ihre Liebsten küssen und vor das Gericht kommen. So ist’s – genau so; deine Kehle ist nicht durch das Essen von Amsterdamer Butter ruiniert worden.
FRANZÖSISCHER SEEMANN: Na los, Jungs! Lassen wir uns ein oder zwei Tänze gönnen, bevor wir in Blanket Bay Anker werfen. Was meint ihr? Da kommt die nächste Wache. Bereit machen! Pip! Kleiner Pip! Hurra, mit deiner Trommel!
PIP: (Mürrisch und schläfrig.) Ich weiß nicht, wo sie ist.
FRANZÖSISCHER SEEMANN: Dann klopf dir auf den Bauch und wedle mit den Ohren. Tanzt, Leute, ich sage es euch; fröhlich muss man sein – hurra! Verdammt, wollt ihr denn nicht tanzen? Formiert euch in einer Reihe und tanzt los! Los, Beine!
ISLÄNDERISCHER SEEMANN: Mir gefällt euer Boden nicht, Kumpel; er ist für meinen Geschmack zu elastisch. Ich bin an Eishöfe gewöhnt. Es tut mir leid, das Thema anzusprechen – aber entschuldigt mich.
MALTESER SEEMANN: Mir auch; wo sind eure Mädchen? Nur ein Idiot würde seine linke Hand mit der rechten halten und zu sich selbst sagen: Wie geht’s? Partner! Ich brauche Partner!
SIZILIENISCHER SEEMANN: Ja; Mädchen und etwas Grünzeug – dann werde ich mit euch tanzen; ja, wie ein Heuschrecke!
LONG-ISLAND-SEEMANN: Na gut, ihr Mürrischen – es gibt noch viele von uns. Man kann immer noch Mais ernten, sage ich. Alle Beine werden bald zum Ernten gebraucht. Ah! Da kommt die Musik; jetzt los!
AZORENER SEEMANN: (Steigt hinauf und wirft die Trommel nach oben.) Hier, Pip; und da sind die Windenhalterungen – steig rauf! Na los, Jungs! (Die Hälfte von ihnen tanzt zur Trommel; einige gehen nach unten; einige schlafen oder liegen zwischen den Seilen. Viele Flüche.)
AZORENER SEEMANN: (Tanzt) Mach weiter, Pip! Klopf drauf, Bursche! Tanze, beweg dich, mach Lärm, Bursche! Mach Glühwürmchen – zerstöre die Glöckchen!
PIP: Glöckchen, sagst du? – da fällt schon wieder eines herunter; so klopfe ich darauf.
CHINISCHER SEEMANN: Dann klappere mit den Zähnen und klopfe weiter; mach aus dir selbst eine Pagode.
FRANZÖSISCHER SEEMANN: Na los, Jungs! Lassen wir uns ein oder zwei Tänze gönnen, bevor wir in Blanket Bay Anker werfen. Was meint ihr? Da kommt die nächste Wache. Bereit machen! Pip! Kleiner Pip! Hurra, mit deiner Trommel!
PIP: (Mürrisch und schläfrig.) Ich weiß nicht, wo sie ist.
FRANZÖSISCHER SEEMANN: Dann klopf dir auf den Bauch und wedle mit den Ohren. Tanzt, Leute, ich sage es euch; fröhlich muss man sein – hurra! Verdammt, wollt ihr denn nicht tanzen? Formiert euch in einer Reihe und tanzt los! Los, Beine!
ISLÄNDERISCHER SEEMANN: Mir gefällt euer Boden nicht, Kumpel; er ist für meinen Geschmack zu elastisch. Ich bin an Eishöfe gewöhnt. Es tut mir leid, das Thema anzusprechen – aber entschuldigt mich.
MALTESER SEEMANN: Mir auch; wo sind eure Mädchen? Nur ein Idiot würde seine linke Hand mit der rechten halten und zu sich selbst sagen: Wie geht’s? Partner! Ich brauche Partner!
SIZILIENISCHER SEEMANN: Ja; Mädchen und etwas Grünzeug – dann werde ich mit euch tanzen; ja, wie ein Heuschrecke!
LONG-ISLAND-SEEMANN: Na gut, ihr Mürrischen – es gibt noch viele von uns. Man kann immer noch Mais ernten, sage ich. Alle Beine werden bald zum Ernten gebraucht. Ah! Da kommt die Musik; jetzt los!
AZORENER SEEMANN: (Steigt hinauf und wirft die Trommel nach oben.) Hier, Pip; und da sind die Windenhalterungen – steig rauf! Na los, Jungs! (Die Hälfte von ihnen tanzt zur Trommel; einige gehen nach unten; einige schlafen oder liegen zwischen den Seilen. Viele Flüche.)
AZORENER SEEMANN: (Tanzt) Mach weiter, Pip! Klopf drauf, Bursche! Tanze, beweg dich, mach Lärm, Bursche! Mach Glühwürmchen – zerstöre die Glöckchen!
PIP: Glöckchen, sagst du? – da fällt schon wieder eines herunter; so klopfe ich darauf.
CHINISCHER SEEMANN: Dann klappere mit den Zähnen und klopfe weiter; mach aus dir selbst eine Pagode.
Page 201
FRANZÖSISCHER SEEMANN: Verdammt nochmal! Halte deinen Ring hoch, Pip – bis ich dar durchspringe! Zerreißt die Segel!
TASHTEGO: (Leise rauchend.) Das ist ein Weißer; er nennt das Spaß – Humph! Ich spare meinen Schweiß.
ALTER MANX-SEEMANN: Ich frage mich, ob diese fröhlichen Jungs daran denken, über was sie da tanzen. Ich werde über eure Gräber tanzen – das ist die bitterste Drohung eurer Nachtwächterinnen… Oh Christus! Wenn man an die grünen Flotten und die Besatzungen mit den grünen Köpfen denkt! Nun, vielleicht ist die ganze Welt ja eine Kugel, wie ihr Gelehrten behauptet – dann ist es nur richtig, daraus einen Tanzsaal zu machen. Tanzt weiter, Jungs – ihr seid jung; ich war es auch einmal.
3D-NANTUCKET-SEEMANN: Verdammt! Das ist schlimmer als das Jagen auf Wale bei ruhigem Wetter – gib uns doch etwas zu rauchen, Tash.
(Sie hören auf zu tanzen und versammeln sich in Gruppen. In der Zwischenzeit verdunkelt sich der Himmel – der Wind wird stärker.)
LASCAR-SEEMANN: Bei Brahma! Jungs, bald wird es unmöglich sein zu segeln. Der Himmel selbst – der Ganges – verwandelt sich in Wind! Du zeigst deine schwarzen Augenbrauen, Seeva!
MALTESER SEEMANN: (Lehnend und seinen Hut schüttelnd.) Es sind die Wellen – die „Schneekappen“ der Wellen beginnen jetzt zu tanzen. Bald werden ihre Fransen wackeln. Wenn doch alle Wellen Frauen wären – dann würde ich ertrinken und für immer mit ihnen umherjagen! Es gibt nichts Süßeres auf der Welt – nicht einmal der Himmel kann damit mithalten! – als diese schnellen Blicke auf warme, wilde Brüste beim Tanzen, wenn die Arme solche reifen, prallen Früchte verbergen.
SIZILIENISCHER SEEMANN: (Lehnend.) Sag mir nichts davon! Hört zu, Junge – geschwindes Verflechten der Glieder, anmutige Bewegungen, kokette Gesten! Lippen! Herz! Hüften – alles berührt sich ständig! Kein Geschmack, versteht ihr – sonst kommt die Sättigung. Na, Pagan? (Stößt ihn an.)
TAHITANISCHER SEEMANN: (Auf einer Matte liegend.) Grüße, heilige Nacktheit unserer tanzenden Mädchen! Heeva-Heeva! Ah! Tahiti mit seinen niedrigen Schleiern und hohen Handflächen! Ich ruhe immer noch auf deiner Matte – doch der weiche Boden ist bereits verschwunden! Ich sah dich damals im Wald – grün am ersten Tag, als ich dich dorthin brachte; jetzt bist du abgenutzt und verwelkt. Ach! Weder du noch ich können diesen Wandel ertragen! Wie wäre es, wenn man dorthin in den Himmel versetzt würde? Höre ich das Rauschen der Ströme vom Gipfel von Pirohitee – wenn sie die Felsen hinunterstürzen und die Dörfer überschwemmen? Der Sturm! Auf, Rückgrat – steh dem entgegen! (Springt auf.)
TASHTEGO: (Leise rauchend.) Das ist ein Weißer; er nennt das Spaß – Humph! Ich spare meinen Schweiß.
ALTER MANX-SEEMANN: Ich frage mich, ob diese fröhlichen Jungs daran denken, über was sie da tanzen. Ich werde über eure Gräber tanzen – das ist die bitterste Drohung eurer Nachtwächterinnen… Oh Christus! Wenn man an die grünen Flotten und die Besatzungen mit den grünen Köpfen denkt! Nun, vielleicht ist die ganze Welt ja eine Kugel, wie ihr Gelehrten behauptet – dann ist es nur richtig, daraus einen Tanzsaal zu machen. Tanzt weiter, Jungs – ihr seid jung; ich war es auch einmal.
3D-NANTUCKET-SEEMANN: Verdammt! Das ist schlimmer als das Jagen auf Wale bei ruhigem Wetter – gib uns doch etwas zu rauchen, Tash.
(Sie hören auf zu tanzen und versammeln sich in Gruppen. In der Zwischenzeit verdunkelt sich der Himmel – der Wind wird stärker.)
LASCAR-SEEMANN: Bei Brahma! Jungs, bald wird es unmöglich sein zu segeln. Der Himmel selbst – der Ganges – verwandelt sich in Wind! Du zeigst deine schwarzen Augenbrauen, Seeva!
MALTESER SEEMANN: (Lehnend und seinen Hut schüttelnd.) Es sind die Wellen – die „Schneekappen“ der Wellen beginnen jetzt zu tanzen. Bald werden ihre Fransen wackeln. Wenn doch alle Wellen Frauen wären – dann würde ich ertrinken und für immer mit ihnen umherjagen! Es gibt nichts Süßeres auf der Welt – nicht einmal der Himmel kann damit mithalten! – als diese schnellen Blicke auf warme, wilde Brüste beim Tanzen, wenn die Arme solche reifen, prallen Früchte verbergen.
SIZILIENISCHER SEEMANN: (Lehnend.) Sag mir nichts davon! Hört zu, Junge – geschwindes Verflechten der Glieder, anmutige Bewegungen, kokette Gesten! Lippen! Herz! Hüften – alles berührt sich ständig! Kein Geschmack, versteht ihr – sonst kommt die Sättigung. Na, Pagan? (Stößt ihn an.)
TAHITANISCHER SEEMANN: (Auf einer Matte liegend.) Grüße, heilige Nacktheit unserer tanzenden Mädchen! Heeva-Heeva! Ah! Tahiti mit seinen niedrigen Schleiern und hohen Handflächen! Ich ruhe immer noch auf deiner Matte – doch der weiche Boden ist bereits verschwunden! Ich sah dich damals im Wald – grün am ersten Tag, als ich dich dorthin brachte; jetzt bist du abgenutzt und verwelkt. Ach! Weder du noch ich können diesen Wandel ertragen! Wie wäre es, wenn man dorthin in den Himmel versetzt würde? Höre ich das Rauschen der Ströme vom Gipfel von Pirohitee – wenn sie die Felsen hinunterstürzen und die Dörfer überschwemmen? Der Sturm! Auf, Rückgrat – steh dem entgegen! (Springt auf.)
Page 202
PORTUGIESISCHER SEEMANN: Wie das Meer gegen die Bordwand schlägt!
Bereitet euch darauf vor, die Segel einzuholen – der Wind weht immer stärker. Bald werden die Wellen über uns hereinbrechen.
DANISCHER SEEMANN: Krach, krach, altes Schiff! Solange du noch krachst, hältst du stand! Gut gemacht! Der Steuermann hält das Schiff fest im Griff. Er hat keine Angst – genauso wenig wie die Festung auf dem Kattegat, die mit ihren Kanonen gegen die Stürme kämpfen muss…
VIERTER NANTUCKET-SEEMANN: Er hat seine Befehle – denkt daran. Ich habe gehört, wie der alte Ahab ihm sagte, er müsse immer einen Sturm bekämpfen – so wie man einen Wasserstrudel mit einer Pistole zerstört: Man muss das Schiff direkt in den Sturm steuern!
ENGLISCHER SEEMANN: Verdammt! Aber dieser alte Mann ist wirklich ein tollkühner Kerl! Wir sind diejenigen, die ihn jagen werden…
ALLE: Ja!
ALTE MANX-SEEMANN: Wie die Kiefern dort zittern! Kiefern sind die schwierigsten Bäume, wenn man sie an einen anderen Ort pflanzt – hier gibt es nur diesen verfluchten Lehm. Gleichmäßig steuern, Steuermann! Das ist Wetter, bei dem mutige Menschen zusammenbrechen und Schiffe im Meer zerbrechen. Unser Kapitän hat sein Muttermal – schaut dorthin, Jungs: Da ist noch eines am Himmel – leuchtend rot, während alles andere pechschwarz ist.
DAGGOO: Was soll das? Wer Angst vor Schwarz hat, fürchtet sich auch vor mir! Ich habe keine Angst!
SPANISCHER SEEMANN: (Leise) Er will wohl Angst machen… Die alten Grollgefühle machen mich empfindlich. Ja, Harpunier – deine Rasse ist die unbestreitbare dunkle Seite der Menschheit – eine teuflische Dunkelheit. Keine Beleidigung.
DAGGOO (grimmig): Keine.
SEEMANN VON ST. JAGO: Der Spanier ist verrückt oder betrunken. Aber das kann nicht sein – sonst würden die Feuerwasser unseres alten Moguls schneller wirken.
FÜNFTER NANTUCKET-SEEMANN: Was habe ich da gesehen? Blitz? Ja.
SPANISCHER SEEMANN: Nein – Daggoo zeigt nur seine Zähne.
DAGGOO (springt vor): Schluck sie hinunter, du Idiot! Weiße Haut, weißer Leber!
SPANISCHER SEEMANN (tritt ihm entgegen): Ich werde dir das Herz herausreißen! Großer Körper, kleiner Geist!
Bereitet euch darauf vor, die Segel einzuholen – der Wind weht immer stärker. Bald werden die Wellen über uns hereinbrechen.
DANISCHER SEEMANN: Krach, krach, altes Schiff! Solange du noch krachst, hältst du stand! Gut gemacht! Der Steuermann hält das Schiff fest im Griff. Er hat keine Angst – genauso wenig wie die Festung auf dem Kattegat, die mit ihren Kanonen gegen die Stürme kämpfen muss…
VIERTER NANTUCKET-SEEMANN: Er hat seine Befehle – denkt daran. Ich habe gehört, wie der alte Ahab ihm sagte, er müsse immer einen Sturm bekämpfen – so wie man einen Wasserstrudel mit einer Pistole zerstört: Man muss das Schiff direkt in den Sturm steuern!
ENGLISCHER SEEMANN: Verdammt! Aber dieser alte Mann ist wirklich ein tollkühner Kerl! Wir sind diejenigen, die ihn jagen werden…
ALLE: Ja!
ALTE MANX-SEEMANN: Wie die Kiefern dort zittern! Kiefern sind die schwierigsten Bäume, wenn man sie an einen anderen Ort pflanzt – hier gibt es nur diesen verfluchten Lehm. Gleichmäßig steuern, Steuermann! Das ist Wetter, bei dem mutige Menschen zusammenbrechen und Schiffe im Meer zerbrechen. Unser Kapitän hat sein Muttermal – schaut dorthin, Jungs: Da ist noch eines am Himmel – leuchtend rot, während alles andere pechschwarz ist.
DAGGOO: Was soll das? Wer Angst vor Schwarz hat, fürchtet sich auch vor mir! Ich habe keine Angst!
SPANISCHER SEEMANN: (Leise) Er will wohl Angst machen… Die alten Grollgefühle machen mich empfindlich. Ja, Harpunier – deine Rasse ist die unbestreitbare dunkle Seite der Menschheit – eine teuflische Dunkelheit. Keine Beleidigung.
DAGGOO (grimmig): Keine.
SEEMANN VON ST. JAGO: Der Spanier ist verrückt oder betrunken. Aber das kann nicht sein – sonst würden die Feuerwasser unseres alten Moguls schneller wirken.
FÜNFTER NANTUCKET-SEEMANN: Was habe ich da gesehen? Blitz? Ja.
SPANISCHER SEEMANN: Nein – Daggoo zeigt nur seine Zähne.
DAGGOO (springt vor): Schluck sie hinunter, du Idiot! Weiße Haut, weißer Leber!
SPANISCHER SEEMANN (tritt ihm entgegen): Ich werde dir das Herz herausreißen! Großer Körper, kleiner Geist!
Page 203
ALLE: Rudern! Rudern! Rudern!
TASHTEGO (mit einem Seufzer): Rudern nach unten – und rudern nach oben – Götter und Menschen – beide Kämpfer! Humph!
BELFAST-SCHIFFBRÜDER: Rudern! Arrah, rudern! Die Jungfrau sei gesegnet – rudern! Steigt ein!
ENGLISCHER SCHIFFBRÜDER: Gute Arbeit! Nehmt dem Spanier das Messer weg! Ein Ring, ein Ring!
ALTER MANX-SCHIFFBRÜDER: Wir sind bereit. Da – der ringförmige Horizont. Dort schlug Kain auf Abel ein. Gute Arbeit, wirklich gute Arbeit! Nein? Warum hast du dann, Gott, diesen Ring geschaffen?
STIMME DES MATROSEN VOM QUARTIERDECK: Hände an die Taue! Setzt die oberen Segel! Bereitet euch darauf vor, die oberen Segel einzuholen!
ALLE: Der Sturm! Der Sturm! Springt, ihr Idioten! (Sie zerstreuen sich.)
PIP (versteckt unter dem Windrad): Idioten? Gott, hilf solchen Idioten! Krach, krach! Da geht das Besansegeltau kaputt! Blang-whang! Gott! Duck dich tiefer, Pip – da kommt das Haupttau! Es ist schlimmer als im wirbelnden Wald am letzten Tag des Jahres! Wer würde jetzt noch Kastanien sammeln wollen? Aber da gehen sie schon, alle fluchend – und ich nicht. Schöne Aussichten für sie – sie sind auf dem Weg in den Himmel. Halte dich fest! Jimmini, was für ein Sturm! Aber diese Kerle da sind noch schlimmer – das sind deine „weißen Stürme“. Weiße Stürme? Weißer Wal, shirr! shirr! Ich habe gerade ihr ganzes Gerede gehört – und vom weißen Wal – shirr! shirr! – nur einmal, und das erst heute Abend. Das lässt mich ganz zittern, wie eine Trommel – dieser alte Mann hat sie dazu verflucht, ihn zu jagen! Oh, du großer weißer Gott da oben in der Dunkelheit – hab Erbarmen mit diesem kleinen schwarzen Jungen hier unten; beschütze ihn vor allen Menschen, die keine Furcht kennen!
TASHTEGO (mit einem Seufzer): Rudern nach unten – und rudern nach oben – Götter und Menschen – beide Kämpfer! Humph!
BELFAST-SCHIFFBRÜDER: Rudern! Arrah, rudern! Die Jungfrau sei gesegnet – rudern! Steigt ein!
ENGLISCHER SCHIFFBRÜDER: Gute Arbeit! Nehmt dem Spanier das Messer weg! Ein Ring, ein Ring!
ALTER MANX-SCHIFFBRÜDER: Wir sind bereit. Da – der ringförmige Horizont. Dort schlug Kain auf Abel ein. Gute Arbeit, wirklich gute Arbeit! Nein? Warum hast du dann, Gott, diesen Ring geschaffen?
STIMME DES MATROSEN VOM QUARTIERDECK: Hände an die Taue! Setzt die oberen Segel! Bereitet euch darauf vor, die oberen Segel einzuholen!
ALLE: Der Sturm! Der Sturm! Springt, ihr Idioten! (Sie zerstreuen sich.)
PIP (versteckt unter dem Windrad): Idioten? Gott, hilf solchen Idioten! Krach, krach! Da geht das Besansegeltau kaputt! Blang-whang! Gott! Duck dich tiefer, Pip – da kommt das Haupttau! Es ist schlimmer als im wirbelnden Wald am letzten Tag des Jahres! Wer würde jetzt noch Kastanien sammeln wollen? Aber da gehen sie schon, alle fluchend – und ich nicht. Schöne Aussichten für sie – sie sind auf dem Weg in den Himmel. Halte dich fest! Jimmini, was für ein Sturm! Aber diese Kerle da sind noch schlimmer – das sind deine „weißen Stürme“. Weiße Stürme? Weißer Wal, shirr! shirr! Ich habe gerade ihr ganzes Gerede gehört – und vom weißen Wal – shirr! shirr! – nur einmal, und das erst heute Abend. Das lässt mich ganz zittern, wie eine Trommel – dieser alte Mann hat sie dazu verflucht, ihn zu jagen! Oh, du großer weißer Gott da oben in der Dunkelheit – hab Erbarmen mit diesem kleinen schwarzen Jungen hier unten; beschütze ihn vor allen Menschen, die keine Furcht kennen!
Page 204
KAPITEL 41. Moby Dick.
Ich, Ishmael, gehörte zu dieser Besatzung; meine Rufe wurden zusammen mit denen der anderen ausgestoßen; mein Schwur wurde mit ihren Schwüren verbunden. Umso lauter rief ich und umso entschlossener bekräftigte ich meinen Schwur – aufgrund der Furcht in meiner Seele. In mir herrschte ein wildes, mystisches, mitfühlendes Gefühl; Abahs unstillbares Verlangen nach Rache schien auch meins zu sein. Mit gierigen Ohren erfuhr ich die Geschichte dieses mörderischen Monsters, gegen das ich und alle anderen einen Schwur auf Gewalt und Rache abgelegt hatten.
Schon seit einiger Zeit, wenn auch nur gelegentlich, hatte der einsame, zurückgezogene Weiße Wal diese unzivilisierten Meere heimgesucht – Meere, die hauptsächlich von Walfängern besucht wurden. Doch nicht alle kannten seine Existenz; nur wenige hatten ihn tatsächlich gesehen; und diejenigen, die tatsächlich und bewusst gegen ihn gekämpft hatten, waren in der Tat sehr wenige. Denn aufgrund der großen Anzahl der Walfänger, deren Schiffe unregelmäßig über die gesamten Meeresgebiete verstreut waren, viele von ihnen auf abgelegenen Breitengraden unterwegs waren und daher selten oder nie für ganze zwölf Monate oder länger auf ein einziges Schiff stießen, das Neuigkeiten brachte; außerdem die übermäßige Länge jeder einzelnen Reise sowie die unregelmäßigen Abfahrtszeiten – all das sowie weitere, direkte und indirekte Umstände behinderten lange Zeit die Verbreitung der Nachrichten über Moby Dick in der gesamten weltweiten Walfangflotte. Es war kaum zu bezweifeln, dass mehrere Schiffe berichteten, zu einer bestimmten Zeit oder an einem bestimmten Meridian einen Walfisch von außergewöhnlicher Größe und Bösartigkeit getroffen zu haben – einen Walfisch, der seinen Angreifern große Schäden zufügte und anschließend vollständig entkam. Für manche war es keine unbegründete Annahme, dass es sich dabei um nichts anderes als Moby Dick handelte. Doch in jüngerer Zeit war die Walfangpraxis durch verschiedene, nicht selten auftretende Fälle großer Grausamkeit, List und Bösartigkeit beim angegriffenen Monster geprägt worden. Deshalb begnügten sich jene, die zufällig und unwissentlich gegen Moby Dick kämpften – vermutlich meist solche Jäger – damit, die besondere Furcht, die er hervorrief, eher den Gefahren des Walfangs im Allgemeinen zuzuschreiben als einer individuellen Ursache.
Ich, Ishmael, gehörte zu dieser Besatzung; meine Rufe wurden zusammen mit denen der anderen ausgestoßen; mein Schwur wurde mit ihren Schwüren verbunden. Umso lauter rief ich und umso entschlossener bekräftigte ich meinen Schwur – aufgrund der Furcht in meiner Seele. In mir herrschte ein wildes, mystisches, mitfühlendes Gefühl; Abahs unstillbares Verlangen nach Rache schien auch meins zu sein. Mit gierigen Ohren erfuhr ich die Geschichte dieses mörderischen Monsters, gegen das ich und alle anderen einen Schwur auf Gewalt und Rache abgelegt hatten.
Schon seit einiger Zeit, wenn auch nur gelegentlich, hatte der einsame, zurückgezogene Weiße Wal diese unzivilisierten Meere heimgesucht – Meere, die hauptsächlich von Walfängern besucht wurden. Doch nicht alle kannten seine Existenz; nur wenige hatten ihn tatsächlich gesehen; und diejenigen, die tatsächlich und bewusst gegen ihn gekämpft hatten, waren in der Tat sehr wenige. Denn aufgrund der großen Anzahl der Walfänger, deren Schiffe unregelmäßig über die gesamten Meeresgebiete verstreut waren, viele von ihnen auf abgelegenen Breitengraden unterwegs waren und daher selten oder nie für ganze zwölf Monate oder länger auf ein einziges Schiff stießen, das Neuigkeiten brachte; außerdem die übermäßige Länge jeder einzelnen Reise sowie die unregelmäßigen Abfahrtszeiten – all das sowie weitere, direkte und indirekte Umstände behinderten lange Zeit die Verbreitung der Nachrichten über Moby Dick in der gesamten weltweiten Walfangflotte. Es war kaum zu bezweifeln, dass mehrere Schiffe berichteten, zu einer bestimmten Zeit oder an einem bestimmten Meridian einen Walfisch von außergewöhnlicher Größe und Bösartigkeit getroffen zu haben – einen Walfisch, der seinen Angreifern große Schäden zufügte und anschließend vollständig entkam. Für manche war es keine unbegründete Annahme, dass es sich dabei um nichts anderes als Moby Dick handelte. Doch in jüngerer Zeit war die Walfangpraxis durch verschiedene, nicht selten auftretende Fälle großer Grausamkeit, List und Bösartigkeit beim angegriffenen Monster geprägt worden. Deshalb begnügten sich jene, die zufällig und unwissentlich gegen Moby Dick kämpften – vermutlich meist solche Jäger – damit, die besondere Furcht, die er hervorrief, eher den Gefahren des Walfangs im Allgemeinen zuzuschreiben als einer individuellen Ursache.
Page 205
Auf diese Weise wurde bislang in der Öffentlichkeit meist die katastrophale Begegnung zwischen Ahab und dem Wal dargestellt. Was jene betrifft, die zuvor bereits vom Weißen Wal gehört hatten und ihn zufällig zu Gesicht bekamen – anfangs wagte jeder von ihnen fast genauso kühn und furchtlos, sich ihm zu nähern, wie jedem anderen Wal dieser Art. Doch schließlich folgten auf diese Angriffe Katastrophen – nicht nur verstauchte Handgelenke und Knöchel, gebrochene Gliedmaßen oder grausame Amputationen, sondern auch tödliche Folgen. All diese wiederholten katastrophalen Erfahrungen trugen dazu bei, den Mut vieler tapferer Jäger zu erschüttern – jener Jäger, zu denen schließlich auch die Geschichte des Weißen Wals gelangte. Auch wilde Gerüchte aller Art trugen dazu bei, die wahren Geschichten dieser tödlichen Begegnungen noch mehr zu verschlimmern. Denn nicht nur entstehen aus allen erstaunlichen, schrecklichen Ereignissen natürlich fantastische Gerüchte – so wie ein beschädigtes Baumstamm Pilze hervorbringt –, sondern im Seehandel gibt es weitaus mehr solcher Gerüchte als auf dem Festland, wo immer eine Grundlage dafür vorhanden ist. Und da das Meer in dieser Hinsicht dem Land überlegen ist, so übertrifft auch die Walfangszucht alle anderen Formen des Seehandels in Bezug auf die Erstaunlichkeit und Schrecklichkeit der dort kursierenden Gerüchte. Denn nicht nur sind die Walfänger im Allgemeinen nicht frei von der Unwissenheit und dem Aberglauben, der allen Seeleuten eigen ist, sondern sie stehen unter allen Seeleuten am ehesten in direktem Kontakt mit allem, was im Meer erschreckend und erstaunlich ist. Sie sehen nicht nur die größten Wunder des Meeres mit eigenen Augen, sondern kämpfen auch direkt gegen sie. Allein in solchen abgelegenen Gewässern – wo man selbst nach tausend Meilen Segelfahrt und dem Passieren tausender Küsten keinen einzigen geeigneten Ort zum Aufenthalt findet – wird der Walfänger von Einflüssen umgeben, die seine Vorstellungskraft mit zahlreichen schrecklichen Bildern füllen. Kein Wunder also, dass die Gerüchte über den Weißen Wal im Laufe der Zeit immer weiter an Umfang gewannen und schließlich alle möglichen morbiden Andeutungen sowie halbformulierte Vorstellungen über übernatürliche Kräfte aufnahmen. Dadurch erhielt Moby Dick schließlich neue Schrecken, die nicht von irgendetwas Sichtbarem stammten. In vielen Fällen löste das schließlich Panik aus.
Page 206
Nur wenige hatten durch diese Gerüchte zumindest schon vom Weißen Wal gehört; nur wenige dieser Jäger waren bereit, den Gefahren seines Kiefers entgegenzutreten. Doch es gab noch andere, wichtigere praktische Faktoren, die eine Rolle spielten. Selbst heute ist der ursprüngliche Ruhm des Spermawals – der ihn von allen anderen Arten der Leviathane so deutlich unterschied – bei den Walfängern nicht vollständig aus den Köpfen verschwunden. Es gibt unter ihnen solche, die zwar intelligent und mutig genug sind, um sich dem Grönlandwal oder dem Gewöhnlichen Wal entgegenzustellen, aber vielleicht aus mangelnder Erfahrung, Inkompetenz oder Feigheit auf einen Kampf mit dem Spermawal verzichten würden. Auf jeden Fall gibt es viele Walfänger, insbesondere in jenen Ländern, die nicht unter der amerikanischen Flagge segeln, die noch nie feindlich mit dem Spermawal in Kontakt gekommen sind; ihr Wissen über diesen Leviathan beschränkt sich dabei auf das Bild des abscheulichen Monsters, das ursprünglich im Norden gejagt wurde. Sitzend an ihren Decks lauschen diese Männer mit kindlicher Neugier und Ehrfurcht den wilden, seltsamen Geschichten über die Walfangpraktiken im Süden. Die außergewöhnliche Größe des großen Spermawals wird nirgendwo besser verstanden als an Bord jener Schiffe, die ihn jagen. Und als ob die bereits bewiesene Stärke dieses Wals in früheren legendären Zeiten bereits ihren Schatten vorausgeworfen hätte, behaupten einige Naturforscher – Olassen und Povelson –, der Spermawal sei nicht nur eine Bedrohung für alle anderen Lebewesen im Meer, sondern auch so unglaublich grausam, dass er ständig nach menschlichem Blut dürste. Auch zu Cuviers Zeiten waren solche oder ähnliche Ansichten noch nicht verschwunden. In seiner „Natürlichen Geschichte“ betont der Baron selbst, dass alle Fische – einschließlich Haie – beim Anblick des Spermawals „von größter Angst ergriffen“ werden und „oft in ihrer Panik so heftig gegen die Felsen prallen, dass sie sofort sterben“. Wie auch immer die allgemeinen Erfahrungen im Walfang solche Berichte beeinflussen mögen – in ihrer vollen Schrecklichkeit, sogar bei Povelsons blutrünstigen Beschreibungen, wird der abergläubische Glaube an sie in manchen Situationen wieder in den Köpfen der Jäger lebendig. So wurden viele Fischer durch die Gerüchte und Vorzeichen bezüglich des Weißen Wals eingeschüchtert und erinnerten sich an die Anfänge der Spermawaljagd, als es oft schwierig war, erfahrene Gewöhnliche-Wal-Jäger dazu zu bringen, sich den Gefahren dieses neuen, kühnen Unterfangens auszusetzen.
Page 207
Solche Männer protestierten damit, dass zwar andere Riesenwale hoffentlich verfolgt werden könnten, doch es sei nicht imstande eines sterblichen Menschen, einer Erscheinung wie dem Samenwal nachzujagen und ihn mit der Lanze anzugreifen. Jeder Versuch in dieser Richtung würde unweigerlich dazu führen, dass man in eine ewige Qual gerissen würde. Zu diesem Thema gibt es einige bemerkenswerte Dokumente, die konsultiert werden können.
Dennoch gab es einige, die auch angesichts all dessen bereit waren, Moby Dick zu verfolgen; und noch mehrere, die zwar nur aus der Ferne und vage von ihm gehört hatten, ohne konkrete Details über irgendwelche Katastrophen oder abergläubische Begleitumstände, doch stark genug waren, vor der Schlacht nicht wegzulaufen, falls sie dazu aufgefordert würden.
Eine der seltsamen Vermutungen, die schließlich bei den abergläubisch gesinnten Menschen mit dem Weißen Wal in Verbindung gebracht wurden, war die unglaubliche Vorstellung, dass Moby Dick überall zugleich sein könnte – dass man ihn tatsächlich zu verschiedenen Zeiten an entgegengesetzten Breitengraden angetroffen habe.
Auch wenn solche Menschen sicherlich leichtgläubig waren, hatte diese Vorstellung doch einen gewissen Hauch von abergläubischer Plausibilität. Denn da die Geheimnisse der Meeresströmungen bis heute noch nicht enthüllt wurden – selbst den gelehrtesten Forschern nicht – bleiben auch die verborgenen Wege des Samenwals unter der Wasseroberfläche größtenteils unerklärlich für seine Verfolger. Dadurch entstanden immer wieder die merkwürdigsten und widersprüchlichsten Spekulationen bezüglich dieser Wege, insbesondere darüber, auf welche geheimnisvollen Weise der Wal nach dem Tauchen in große Tiefen mit solcher Geschwindigkeit zu den entlegensten Orten gelangen kann.
Es ist allen amerikanischen und englischen Walfangschiffen bekannt – und wurde bereits vor Jahren von Scoresby in autoritativen Aufzeichnungen festgehalten – dass einige Wale weit nördlich im Pazifik gefangen wurden, in deren Körpern Pfeile gefunden wurden, die in den Gewässern Grönlands abgeschossen worden waren. Auch lässt sich nicht leugnen, dass in einigen Fällen angegeben wurde, der Zeitraum zwischen den beiden Angriffen habe nicht mehr als wenige Tage betragen haben können. Daher glaubten einige Walfänger, dass der Nordwest-Passagierweg, der dem Menschen so lange ein Rätsel blieb, für den Wal niemals ein Problem darstellte.
So finden sich hier, in der wirklichen Erfahrung lebender Menschen, die Wundergeschichten aus alter Zeit vom Berg Strello in Portugal (an dessen Gipfel angeblich ein See lag, in dem Schiffswracks an die Oberfläche trieben) sowie die noch erstaunlichere Geschichte der Quelle Arethusa in der Nähe von Syrakus (ihre Wasser galten als…).
Dennoch gab es einige, die auch angesichts all dessen bereit waren, Moby Dick zu verfolgen; und noch mehrere, die zwar nur aus der Ferne und vage von ihm gehört hatten, ohne konkrete Details über irgendwelche Katastrophen oder abergläubische Begleitumstände, doch stark genug waren, vor der Schlacht nicht wegzulaufen, falls sie dazu aufgefordert würden.
Eine der seltsamen Vermutungen, die schließlich bei den abergläubisch gesinnten Menschen mit dem Weißen Wal in Verbindung gebracht wurden, war die unglaubliche Vorstellung, dass Moby Dick überall zugleich sein könnte – dass man ihn tatsächlich zu verschiedenen Zeiten an entgegengesetzten Breitengraden angetroffen habe.
Auch wenn solche Menschen sicherlich leichtgläubig waren, hatte diese Vorstellung doch einen gewissen Hauch von abergläubischer Plausibilität. Denn da die Geheimnisse der Meeresströmungen bis heute noch nicht enthüllt wurden – selbst den gelehrtesten Forschern nicht – bleiben auch die verborgenen Wege des Samenwals unter der Wasseroberfläche größtenteils unerklärlich für seine Verfolger. Dadurch entstanden immer wieder die merkwürdigsten und widersprüchlichsten Spekulationen bezüglich dieser Wege, insbesondere darüber, auf welche geheimnisvollen Weise der Wal nach dem Tauchen in große Tiefen mit solcher Geschwindigkeit zu den entlegensten Orten gelangen kann.
Es ist allen amerikanischen und englischen Walfangschiffen bekannt – und wurde bereits vor Jahren von Scoresby in autoritativen Aufzeichnungen festgehalten – dass einige Wale weit nördlich im Pazifik gefangen wurden, in deren Körpern Pfeile gefunden wurden, die in den Gewässern Grönlands abgeschossen worden waren. Auch lässt sich nicht leugnen, dass in einigen Fällen angegeben wurde, der Zeitraum zwischen den beiden Angriffen habe nicht mehr als wenige Tage betragen haben können. Daher glaubten einige Walfänger, dass der Nordwest-Passagierweg, der dem Menschen so lange ein Rätsel blieb, für den Wal niemals ein Problem darstellte.
So finden sich hier, in der wirklichen Erfahrung lebender Menschen, die Wundergeschichten aus alter Zeit vom Berg Strello in Portugal (an dessen Gipfel angeblich ein See lag, in dem Schiffswracks an die Oberfläche trieben) sowie die noch erstaunlichere Geschichte der Quelle Arethusa in der Nähe von Syrakus (ihre Wasser galten als…).
Page 208
aus dem Heiligen Land durch einen unterirdischen Gang); diese fantastischen Erzählungen werden fast vollständig von den Realitäten der Walfänger übertroffen. Da sie gezwungen waren, sich mit solchen Wundern vertraut zu machen – und wussten, dass die Weiße Wal nach wiederholten, kühnen Angriffen lebend entkommen war – ist es nicht weiter überraschend, dass einige Walfänger in ihren Aberglauben noch weiter gingen; sie behaupteten, Moby Dick sei nicht nur überall präsent, sondern auch unsterblich (denn Unsterblichkeit ist nichts anderes als Allgegenwärtigkeit im Laufe der Zeit); dass er selbst dann noch unversehrt davon schwimmen würde, wenn man ihm Dutzende von Speeren in die Flanken bohrte; oder dass ein Ausbruch von dickem Blut lediglich eine schreckliche Täuschung wäre – denn schon in hunderten Meilen Entfernung würde man wieder seinen makellosen weißen Körper sehen. Doch selbst ohne diese übernatürlichen Annahmen reichte das irdische Erscheinungsbild sowie der unbestreitbare Charakter des Monsters aus, um die Vorstellungskraft mit außergewöhnlicher Kraft zu beeindrucken. Denn es war weniger seine ungewöhnliche Größe, die ihn von anderen Pottwalen unterschied, sondern vielmehr – wie anderswo erwähnt – eine besondere, schneeweiße, gefurchte Stirn sowie ein hoher, pyramidenförmiger weißer Hügel. Das waren seine auffälligsten Merkmale; Anzeichen, durch die er selbst in den endlosen, unerkundeten Meeren aus der Ferne für diejenigen, die ihn kannten, seine Identität offenbarte. Der Rest seines Körpers war so gestreift, gefleckt und marmoriert mit derselben Farbe, dass er schließlich seinen charakteristischen Namen „Weißer Wal“ erhielt – einen Namen, der durch sein lebhaftes Erscheinungsbild buchstäblich gerechtfertigt wurde, wenn man ihn zur Mittagszeit durch das dunkelblaue Meer gleiten sah, wobei er eine milchige Spur aus cremefarbenem Schaum hinterließ, der mit goldenen Glanzpunkten übersät war. Weder seine ungewöhnliche Größe noch seine bemerkenswerte Färbung noch sein deformierter Unterkiefer verliehen dem Wal so sehr natürliche Furcht wie jene beispiellose, intelligente Bösartigkeit, die er laut konkreten Berichten immer wieder bei seinen Angriffen zeigte. Am meisten jedoch erschreckten seine hinterhältigen Fluchtmanöver – vielleicht mehr als alles andere. Denn wenn er vor seinen triumphierenden Verfolgern schwamm und alle Anzeichen von Panik zeigte, war es mehrmals vorgekommen, dass er plötzlich umkehrte, auf sie zustürmte und entweder ihre Boote in Stücke schlug oder sie in Panik zurück zu ihrem Schiff trieb. Schon mehrere Todesfälle hatten während der Jagd auf ihn stattgefunden. Doch obwohl ähnliche Katastrophen, so wenig sie auch an Land bekannt wurden, keineswegs ungewöhnlich waren…
Page 209
Fischerei – doch in den meisten Fällen schien es sich um die teuflische, grausame List der Weißen Wal zu handeln; jede Zerstörung oder jeder Tod, den er verursachte, wurde nicht ganz als Folge eines unintelligenten Akteurs angesehen. Man kann sich daher vorstellen, in welch extremer Wut und Verzweiflung die Geister seiner verzweifeltsten Jäger gerieten, als sie zwischen den Trümmern der zerstörten Boote sowie den untergehenden Gliedmaßen ihrer gefallenen Kameraden aus den „weißen Klumpen“ des schrecklichen Zorns des Wals ins ruhige, fast schon spöttische Sonnenlicht schwammen – ein Licht, das so aussah, als würde es auf eine Geburt oder eine Hochzeit herabschauen. Seine drei Boote umkreisten ihn; Ruder und Männer wirbelten in den Strudeln. Ein Kapitän griff nach dem Messer an der zerstörten Bugkonstruktion seines Bootes und stürmte auf den Wal zu – wie ein Duellant aus Arkansas gegen seinen Feind, der mit einer sechs Zoll langen Klinge versuchte, zum Leben des Wals vorzudringen. Dieser Kapitän war Ahab. Plötzlich schwang der Weiße Wal sein sickelförmiges Unterkieferblatt herunter und schnitt Ahabs Bein ab – wie ein Mäher, der ein Grasblatt im Feld abschneidet. Kein turbantragender Türke, kein angeheuerter Venezianer oder Malayer hätte ihn mit größerer Bosheit treffen können. Es gab also keinen Grund zu bezweifeln, dass Ahab seit diesem beinahe tödlichen Zusammentreffen eine wilde Rache gegen den Wal hegte – umso mehr, da er in seinem wahnsinnigen Leiden schließlich begann, sich mit dem Wal zu identifizieren – nicht nur mit all seinen körperlichen Leiden, sondern auch mit all seinen geistigen und seelischen Qualen. Der Weiße Wal erschien ihm als die verkörperte Manifestation all jener bösen Kräfte, die einige tiefgründige Menschen in sich spüren – bis sie nur noch mit halbem Herzen und halber Lunge weiterleben. Diese unsichtbare Bösartigkeit, die von Anfang an vorhanden war; deren Herrschaft selbst die modernen Christen einem Teil der Welt zuschreiben; die von den alten Ophiten im Osten in ihrer Dämonenstatue verehrt wurde – Ahab fiel nicht nieder, um sie anzubeten wie sie; stattdessen übertrug er diese Vorstellung auf den verhassten Weißen Wal und stellte sich, obwohl er selbst verstümmelt war, ihm entgegen. Alles, was den Menschen in den Wahnsinn treibt und quält; alles, was die negativen Kräfte in ihm weckt; alle Wahrheiten, die von Bosheit durchdrungen sind; alles, was die Sehnen zerreißt und das Gehirn beeinträchtigt; all die subtilen Teufeleien des Lebens und des Denkens – für den verrückten Ahab war all das sichtbar verkörpert und praktisch angreifbar in Moby Dick. Er lud die gesamte Wut und den Hass aller Menschen seit Adam auf den weißen Rücken des Wals – und dann, als wäre seine Brust ein Mörtelbehälter, brach er die Schale seines brennenden Herzens darüber.
Page 210
Es ist unwahrscheinlich, dass diese Monomanie in ihm genau zum Zeitpunkt seiner Körperzerstückelung plötzlich auftrat. Als er mit dem Messer in der Hand auf das Ungeheuer losstürmte, ließ er lediglich eine plötzliche, leidenschaftliche körperliche Feindseligkeit frei; und als er den Schlag erhielt, der ihn zerriss, spürte er wohl nur die quälenden Körperverletzungen – nichts weiter. Doch als er durch diesen Zusammenstoß gezwungen wurde, nach Hause zurückzukehren, und monatelang, tagelang und wochenlang, lag Ahab in Qualen zusammengekrümmt in derselben Hängematte, umgeben vom trostlosen, heulenden Kap der Patagonien mitten im Winter – da vermischten sich sein zerrissener Körper und seine zerschundene Seele miteinander; durch diese Vermischung wurde er verrückt. Dass erst auf der Heimreise, nach diesem Zusammentreffen, die endgültige Monomanie von ihm Besitz ergriff, scheint fast sicher zu sein – schließlich war er während der Reise immer wieder ein wahnsinniger Verrückter. Obwohl ihm ein Bein fehlte, verbarg sich in seiner „ägyptischen“ Brust noch große Kraft, die durch sein Delirium noch verstärkt wurde; deshalb mussten seine Gefährten ihn dort, während die Schiff segelte, fest fesseln, während er in seiner Hängematte delirierte. In einer Zwangsjacke schwankte er hin und her im wilden Wind. Als das Schiff in gemäßigtere Breitengrade gelangte, trieb es mit sanften Segeln durch die ruhigen Tropen – und scheinbar blieb das Delirium des Alten hinter den Wellen von Kap Hoorn zurück; er kam aus seinem dunklen Versteck ins gesegnete Licht und die frische Luft. Selbst dann zeigte er wieder dieses entschlossene, ruhige Gesicht – so blass es auch war – und erteilte erneut ruhige Befehle; seine Gefährten dankten Gott, dass die schreckliche Wahnsinnigkeit nun verschwunden war. Doch selbst dann fuhr Ahab in seinem verborgenen Inneren fort, zu delieren. Menschlicher Wahnsinn ist oft etwas Listiges und äußerst Verschlagenes. Wenn man glaubt, er sei verschwunden, hat er sich vielleicht nur in eine noch subtilere Form verwandelt. Abahs vollkommener Wahnsinn ließ nicht nach, sondern vertiefte sich – wie der ungebremste Hudson, der eng, doch unermesslich tief durch die Hochland-Schluchten fließt. Doch genauso wie in seiner eng gefassten Monomanie kein Hauch von Abahs ursprünglichem Wahnsinn zurückblieb, so starb in jenem umfassenden Wahnsinn auch kein Hauch seines großen natürlichen Intellekts. Jenes lebendige Element wurde nun zum lebendigen Instrument. Wenn man so sagen darf: Sein spezieller Wahnsinn überwältigte seinen allgemeinen Verstand und richtete alle Kräfte dieses Verstands gegen sein eigenes wahnsinniges Ziel – sodass Abah keineswegs an Kraft verlor, sondern für dieses eine Ziel nun tausendfach mehr Kraft besaß als je zuvor, wenn er bei klarem Verstand auf irgendein vernünftiges Ziel eingewirkt hatte. Das ist schon viel – doch Abahs größere, düstere, tiefere Seite bleibt unergründet. Doch es ist vergeblich, Tiefe populär zu machen – denn jede Wahrheit ist tiefgründig.
Page 211
Herab vom tiefsten Herzen dieses mit Spitzen verzierten Hotel de Cluny, wo wir hier stehen – so prächtig und wunderbar es auch sein mag – verlasst es nun! Geht euren Weg, ihr edleren, traurigeren Seelen, zu jenen riesigen römischen Bädern; dort, tief unter den fantastischen Türmen der oberen Welt des Menschen, liegt seine Wurzel der Größe, seine ganze schreckliche Essenz – begraben unter Antiquitäten, auf „Thronen“ aus Körpern! So verspotten die großen Götter mit ihrem zerbrochenen Thron diesen gefangenen König; er sitzt geduldig da wie eine Karyatide und trägt auf seiner erstarrten Stirn die Last der Zeitalter. Geht dorthin hinab, ihr stolzeren, traurigeren Seelen! Fragt diesen stolzen, traurigen König! Es gibt eine familiäre Ähnlichkeit – ja, er hat euch gezeugt, ihr jungen, verbannten Fürsten; und nur von eurem grausamen Vater kann das alte Staatsgeheimnis kommen.
In seinem Herzen hatte Ahab bereits einen Einblick in dies alles: All meine Mittel sind vernünftig – doch meine Motive und Ziele sind verrückt. Doch ohne die Macht, etwas zu töten, zu ändern oder der Realität auszuweichen, wusste er auch, dass er der Menschheit schon lange etwas vorgemacht hatte – und das tat er weiterhin. Doch dieses Verstellen lag allein in seiner Wahrnehmung, nicht in seinem Willen. Dennoch gelang es ihm so gut, sich zu verstellen, dass, als er schließlich mit seinem Elfenbeinbein an Land trat, kein Mensch von Nantucket annahm, er sei nicht einfach nur zutiefst betrübt über den schrecklichen Verlust, der ihn getroffen hatte.
Die Berichte über seinen unbestreitbaren Wahnsinn auf See wurden ebenfalls einer ähnlichen Ursache zugeschrieben. Auch die ständige Melancholie, die bis zum Tag der Abfahrt mit der Pequod auf dieser Reise auf seiner Stirn lastete, hatte ihre Ursache darin. Es ist auch nicht unwahrscheinlich, dass die klugen Menschen auf dieser Insel, anstatt an seiner Eignung für eine weitere Walfangreise wegen solcher düsteren Symptome zu zweifeln, eher der Ansicht waren, gerade aus diesen Gründen sei er umso besser geeignet für eine Jagd voller Wut und Wildheit wie die blutige Jagd auf Wale. Jemand, der von innen zerfressen und von außen verbrannt wird – von den unerbittlichen Zähnen einer unheilbaren Idee – wäre genau der Richtige, um mit Eisen und Lanze gegen das schrecklichste aller Tiere vorzugehen. Oder falls jemand aus körperlichen Gründen dazu nicht in der Lage wäre, wäre er dennoch bestens geeignet, seine Untergebenen zum Angriff anzufeuern. Wie auch immer – sicher ist, dass Ahab mit dem verrückten Geheimnis seines unstillbaren Zorns in sich absichtlich auf diese Reise aufbrach, mit dem einzigen, alles beherrschenden Ziel, den Weißen Wal zu jagen.
In seinem Herzen hatte Ahab bereits einen Einblick in dies alles: All meine Mittel sind vernünftig – doch meine Motive und Ziele sind verrückt. Doch ohne die Macht, etwas zu töten, zu ändern oder der Realität auszuweichen, wusste er auch, dass er der Menschheit schon lange etwas vorgemacht hatte – und das tat er weiterhin. Doch dieses Verstellen lag allein in seiner Wahrnehmung, nicht in seinem Willen. Dennoch gelang es ihm so gut, sich zu verstellen, dass, als er schließlich mit seinem Elfenbeinbein an Land trat, kein Mensch von Nantucket annahm, er sei nicht einfach nur zutiefst betrübt über den schrecklichen Verlust, der ihn getroffen hatte.
Die Berichte über seinen unbestreitbaren Wahnsinn auf See wurden ebenfalls einer ähnlichen Ursache zugeschrieben. Auch die ständige Melancholie, die bis zum Tag der Abfahrt mit der Pequod auf dieser Reise auf seiner Stirn lastete, hatte ihre Ursache darin. Es ist auch nicht unwahrscheinlich, dass die klugen Menschen auf dieser Insel, anstatt an seiner Eignung für eine weitere Walfangreise wegen solcher düsteren Symptome zu zweifeln, eher der Ansicht waren, gerade aus diesen Gründen sei er umso besser geeignet für eine Jagd voller Wut und Wildheit wie die blutige Jagd auf Wale. Jemand, der von innen zerfressen und von außen verbrannt wird – von den unerbittlichen Zähnen einer unheilbaren Idee – wäre genau der Richtige, um mit Eisen und Lanze gegen das schrecklichste aller Tiere vorzugehen. Oder falls jemand aus körperlichen Gründen dazu nicht in der Lage wäre, wäre er dennoch bestens geeignet, seine Untergebenen zum Angriff anzufeuern. Wie auch immer – sicher ist, dass Ahab mit dem verrückten Geheimnis seines unstillbaren Zorns in sich absichtlich auf diese Reise aufbrach, mit dem einzigen, alles beherrschenden Ziel, den Weißen Wal zu jagen.
Page 212
Einer seiner alten Bekannten an Land – doch er träumte halb davon, was in ihm lauerte. Wie schnell würden ihre entsetzten und gerechten Seelen das Schiff aus den Händen eines solchen Teufelsmenschen reißen! Sie strebten nach profitablen Reisen, wobei der Gewinn in Dollar ausgewiesen werden sollte. Er hingegen war fest entschlossen, Rache zu nehmen – eine kühne, unvermeidliche und übernatürliche Rache. Da war also dieser grauhaarige, gottlose alte Mann, der mit Flüchen einen „Walfisch wie den von Hiob“ um die Welt jagte – an der Spitze einer Besatzung, die hauptsächlich aus Mischlingen, Verrätern, Schiffbrüchigen und Kannibalen bestand. Zudem waren sie moralisch geschwächt durch die Inkompetenz einer reinen Tugend oder Rechtschaffenheit bei Starbuck, durch die unerschütterliche Gleichgültigkeit und Unbesonnenheit bei Stubb sowie durch die allgegenwärtige Mittelmäßigkeit bei Flask. Eine solche Besatzung, mit solchen Offizieren – es schien, als wäre sie extra von irgendeinem teuflischen Schicksal ausgewählt worden, um ihm bei seiner monomanischen Rache zu helfen. Wie konnten sie nur so bereitwillig auf den Zorn des Alten reagieren? Welcher böse Zauber hatte ihre Seelen ergriffen, dass sein Hass manchmal fast ihrer selbst zu sein schien? Der Weiße Wal war für sie genauso ein unerträglicher Feind wie für ihn – wie all das zustande kam, was der Weiße Wal für sie bedeutete – oder wie er in ihrem unbewussten Verständnis auf irgendeine vage, unerwartete Weise als der große Dämon der Meere des Lebens erscheinen konnte – all das zu erklären, würde bedeuten, tiefer einzutauchen, als Ishmael es kann. Der unterirdische Bergmann, der in uns allen arbeitet – wie kann man erkennen, wohin sein Schacht führt, anhand des ständig wechselnden, gedämpften Klangs seines Hackens? Wer spürt nicht diesen unwiderstehlichen Zug? Welches Boot kann neben einem 74-Kanonen-Schiff stillstehen? Ich selbst gab mich der Untätigkeit bezüglich Zeit und Ort hin – doch während alle darauf aus waren, dem Wal gegenüberzutreten, sah ich in diesem Tier nichts anderes als das tödlichste Übel.
Page 213
KAPITEL 42. Die Weiße des Wals
Was der weiße Wal für Ahab bedeutete, wurde bereits angedeutet; was er manchmal für mich bedeutete, bleibt jedoch ungesagt.
Abgesehen von den offensichtlicheren Aspekten bezüglich Moby Dick, die in jedem Menschen gelegentlich Unruhe hervorrufen konnten, gab es noch einen weiteren Gedanken – oder vielmehr eine vage, namenlose Furcht – bezüglich dieses Wals. Dieser Gedanke überwältigte manchmal mit seiner Intensität alles andere; doch er war so mystisch und fast unbeschreiblich, dass ich fast verzweifle, ihn in verständliche Worte zu fassen. Es war die Weiße des Wals, die mich vor allem entsetzte. Doch wie kann ich hier Erklärungen abgeben? Dennoch muss ich es auf irgendeine Weise tun – sonst wären all diese Kapitel nutzlos.
Obwohl bei vielen natürlichen Objekten die Weiße die Schönheit noch verstärkt, als würde sie eine besondere Eigenschaft verleihen – wie bei Marmoren, Chrysanthemen und Perlen – und obwohl verschiedene Völker dieser Farbe eine gewisse königliche Vorzüglichkeit zuschrieben; selbst die barbarischen Könige von Pegu setzten den Titel „Herr der weißen Elefanten“ über alle anderen prunkvollen Bezeichnungen ihrer Herrschaft; die modernen Könige von Siam verwendeten dieses schneeweiße Tier auf ihrem königlichen Banner; die Hanoveranische Flagge zeigte das Bild eines schneeweißen Pferdes; das große Österreichische Reich, das Erbe Roms, wählte dieselbe Farbe als kaiserliche Farbe – und obwohl diese Vorzüglichkeit auch auf die Menschheit selbst zutrifft und dem Weißen die ideale Herrschaft über alle dunkelhäutigen Stämme verleiht; und obwohl die Weiße außerdem mit Freude in Verbindung gebracht wird – bei den Römern markierte ein weißer Stein einen freudigen Tag – und obwohl in vielen anderen Symbolen diese Farbe zum Zeichen vieler rührender, edler Dinge dient: die Unschuld der Bräute, die Güte des Alters; obwohl bei den Rothäuten Amerikas die Überreichung des weißen Wampum-Gürtels das höchste Zeichen der Ehre war; obwohl in vielen Ländern die Weiße die Majestät der Gerechtigkeit symbolisiert – durch den Hermelinmantel des Richters – und dazu beiträgt, dass Könige und Königinnen auf milchweißen Pferden reiten; obwohl sogar in den höheren Mysterien der ehrenvollsten Religionen sie zum Symbol des Göttlichen gemacht wurde…
Was der weiße Wal für Ahab bedeutete, wurde bereits angedeutet; was er manchmal für mich bedeutete, bleibt jedoch ungesagt.
Abgesehen von den offensichtlicheren Aspekten bezüglich Moby Dick, die in jedem Menschen gelegentlich Unruhe hervorrufen konnten, gab es noch einen weiteren Gedanken – oder vielmehr eine vage, namenlose Furcht – bezüglich dieses Wals. Dieser Gedanke überwältigte manchmal mit seiner Intensität alles andere; doch er war so mystisch und fast unbeschreiblich, dass ich fast verzweifle, ihn in verständliche Worte zu fassen. Es war die Weiße des Wals, die mich vor allem entsetzte. Doch wie kann ich hier Erklärungen abgeben? Dennoch muss ich es auf irgendeine Weise tun – sonst wären all diese Kapitel nutzlos.
Obwohl bei vielen natürlichen Objekten die Weiße die Schönheit noch verstärkt, als würde sie eine besondere Eigenschaft verleihen – wie bei Marmoren, Chrysanthemen und Perlen – und obwohl verschiedene Völker dieser Farbe eine gewisse königliche Vorzüglichkeit zuschrieben; selbst die barbarischen Könige von Pegu setzten den Titel „Herr der weißen Elefanten“ über alle anderen prunkvollen Bezeichnungen ihrer Herrschaft; die modernen Könige von Siam verwendeten dieses schneeweiße Tier auf ihrem königlichen Banner; die Hanoveranische Flagge zeigte das Bild eines schneeweißen Pferdes; das große Österreichische Reich, das Erbe Roms, wählte dieselbe Farbe als kaiserliche Farbe – und obwohl diese Vorzüglichkeit auch auf die Menschheit selbst zutrifft und dem Weißen die ideale Herrschaft über alle dunkelhäutigen Stämme verleiht; und obwohl die Weiße außerdem mit Freude in Verbindung gebracht wird – bei den Römern markierte ein weißer Stein einen freudigen Tag – und obwohl in vielen anderen Symbolen diese Farbe zum Zeichen vieler rührender, edler Dinge dient: die Unschuld der Bräute, die Güte des Alters; obwohl bei den Rothäuten Amerikas die Überreichung des weißen Wampum-Gürtels das höchste Zeichen der Ehre war; obwohl in vielen Ländern die Weiße die Majestät der Gerechtigkeit symbolisiert – durch den Hermelinmantel des Richters – und dazu beiträgt, dass Könige und Königinnen auf milchweißen Pferden reiten; obwohl sogar in den höheren Mysterien der ehrenvollsten Religionen sie zum Symbol des Göttlichen gemacht wurde…
Page 214
Reinheit und Macht – bei den Anbetern des persischen Feuers galt die weiße, gefiederte Flamme als das Heiligste auf dem Altar; in der griechischen Mythologie verkörperte sich der große Jupiter selbst in einem schneeweißen Stier. Für die edlen Irokesen war das Opfer des heiligen Weißen Hundes um Weihnachten herum das heiligste Fest ihrer Theologie – dieses reinliche, treue Tier galt als der reine Bote, den sie zum Großen Geist schicken konnten, um ihm jährlich von ihrer eigenen Treue zu berichten. Auch wenn alle christlichen Priester den Namen für einen Bestandteil ihrer heiligen Gewänder – die Alb oder Tunika, die unter der Soutane getragen wird – direkt vom lateinischen Wort für Weiß ableiten, und obwohl im Rahmen der heiligen Zeremonien des römischen Glaubens Weiß besonders bei der Feier der Leidensgeschichte unseres Herrn verwendet wird – in der Vision des heiligen Johannes erhalten die Erlösten weiße Gewänder, die vierundzwanzig Ältesten stehen in Weiß gekleidet vor dem großen weißen Thron, und der Heilige, der dort sitzt, ist weiß wie Wolle – so lauert doch hinter all diesen Assoziationen mit dem Angenehmen, Ehrenvollen und Erhabenen etwas Unfassbares in der tiefsten Bedeutung dieser Farbe, das der Seele mehr Schrecken einflößt als die Röte, die Angst vor Blut hervorruft. Es ist gerade diese unfassbare Eigenschaft, die dazu führt, dass der Gedanke an Weiß, wenn er von freundlicheren Assoziationen getrennt wird und mit irgendetwas Schrecklichem verbunden wird, diesen Schrecken bis ins Unermessliche steigert. Man denke nur an den weißen Bären der Polargebiete und den weißen Hai der Tropen – was macht sie denn zu solchen entsetzlichen Kreaturen, wenn nicht ihre glatte, schuppige Weißheit? Es ist genau diese grauenhafte Weißheit, die ihrem Aussehen eine abscheuliche Sanftheit verleiht – etwas Noch Abscheulicheres als Schreckliches. Selbst der Tiger mit seinen scharfen Zähnen kann den Mut nicht so sehr erschüttern wie der in Weiß gehüllte Bär oder Hai.*
*Was den Eisbären betrifft, so könnte jemand, der noch tiefer in diese Angelegenheit eindringen möchte, argumentieren, dass es nicht die Weißheit an sich ist, die die unerträgliche Hässlichkeit dieses Tieres verstärkt; denn diese verstärkte Hässlichkeit entsteht wohl eher daraus, dass die verantwortungslose Grausamkeit des Tieres in einem „Fell“ aus himmlischer Unschuld und Liebe verborgen ist. Indem also zwei solch gegensätzliche Emotionen in unserem Geist zusammengebracht werden, erschreckt uns der Eisbär durch diesen unnatürlichen Kontrast. Doch selbst wenn all das wahr wäre – ohne die Weißheit gäbe es diesen intensivierten Schrecken nicht.*
*Was den Eisbären betrifft, so könnte jemand, der noch tiefer in diese Angelegenheit eindringen möchte, argumentieren, dass es nicht die Weißheit an sich ist, die die unerträgliche Hässlichkeit dieses Tieres verstärkt; denn diese verstärkte Hässlichkeit entsteht wohl eher daraus, dass die verantwortungslose Grausamkeit des Tieres in einem „Fell“ aus himmlischer Unschuld und Liebe verborgen ist. Indem also zwei solch gegensätzliche Emotionen in unserem Geist zusammengebracht werden, erschreckt uns der Eisbär durch diesen unnatürlichen Kontrast. Doch selbst wenn all das wahr wäre – ohne die Weißheit gäbe es diesen intensivierten Schrecken nicht.*
Page 215
Was den Weißen Hai betrifft, so stimmt die weiße, schwebende Erscheinung des Ruheszustands bei diesem Tier – wenn man es in seinem normalen Zustand betrachtet – seltsamerweise mit derselben Eigenschaft beim polaren Vierbeiner überein. Diese Besonderheit wird am deutlichsten durch die Franzosen in dem Namen zum Ausdruck gebracht, den sie diesem Fisch geben. Die römische Messe für die Toten beginnt mit „Requiem eternam“ (ewiger Ruhe); daher bezeichnet „Requiem“ sowohl die Messe selbst als auch jede andere Beerdigungsmusik. In Anlehnung an die weiße, stille Stille des Todes bei diesem Hai sowie an seine sanfte, tödliche Natur nennen die Franzosen ihn Requin.
Denk an den Albatros – woher kommen jene Wolken aus spirituellem Staunen und blasser Furcht, in denen dieses weiße Phantom in allen Vorstellungen segelt? Nicht Coleridge war es, der diesen Zauber wirkte; sondern Gottes großer, unprätentiöser Dichter: Die Natur.*
*I erinnere mich an den ersten Albatros, den ich je sah. Es war während eines anhaltenden Sturms, in Gewässern nahe den antarktischen Meeren. Von meiner Wache im Unterdeck aufsteigend, gelangte ich auf das von Wolken verhangene Deck; dort sah ich ein königliches, gefiedertes Wesen von makelloser Weißheit mit einem gekrümmten, „römischen“ Schnabel. Von Zeit zu Zeit breitete es seine riesigen Flügel aus, als wolle es eine heilige Arche umarmen. Wunderbare Zuckungen und Beben durchliefen es. Obwohl körperlich unverletzt, stieß es Laute aus, wie die eines Königsgeistes in übernatürlicher Not. Durch seine unbeschreiblichen, seltsamen Augen glaubte ich, in Geheimnisse einzublicken, die Gott betrafen. Wie Abraham vor den Engeln verneigte ich mich; das weiße Wesen war so weiß, seine Flügel so weit – und in diesen für immer verlassenen Gewässern verlor ich die elenden, verzerrten Erinnerungen an Traditionen und Städte. Lange starrte ich auf dieses Wunder der Federn. Ich kann nicht sagen, was damals durch meinen Kopf ging – nur andeuten. Doch schließlich erwachte ich und fragte einen Seemann, welches Vogel das sei. Ein Goney, antwortete er. Goney! Nie zuvor hatte ich diesen Namen gehört; ist es vorstellbar, dass dieses prächtige Wesen den Menschen an Land völlig unbekannt ist? Niemals! Doch später erfuhr ich, dass „Goney“ ein Name eines Seemanns für Albatros war. Somit konnte Coleridges wilde Ballade auf keinen Fall etwas mit jenen mystischen Eindrücken zu tun haben, die ich hatte, als ich diesen Vogel auf unserem Deck sah. Denn damals hatte ich weder die Ballade gelesen noch gewusst, dass es sich um einen Albatros handelte. Dennoch verschönere ich damit nur indirekt den edlen Wert des Gedichts und des Dichters.*
Ich behaupte also, dass gerade in der wunderbaren körperlichen Weißheit des Vogels das Geheimnis dieses „Zaubers“ liegt – eine Wahrheit, die dadurch umso deutlicher wird, dass…
Denk an den Albatros – woher kommen jene Wolken aus spirituellem Staunen und blasser Furcht, in denen dieses weiße Phantom in allen Vorstellungen segelt? Nicht Coleridge war es, der diesen Zauber wirkte; sondern Gottes großer, unprätentiöser Dichter: Die Natur.*
*I erinnere mich an den ersten Albatros, den ich je sah. Es war während eines anhaltenden Sturms, in Gewässern nahe den antarktischen Meeren. Von meiner Wache im Unterdeck aufsteigend, gelangte ich auf das von Wolken verhangene Deck; dort sah ich ein königliches, gefiedertes Wesen von makelloser Weißheit mit einem gekrümmten, „römischen“ Schnabel. Von Zeit zu Zeit breitete es seine riesigen Flügel aus, als wolle es eine heilige Arche umarmen. Wunderbare Zuckungen und Beben durchliefen es. Obwohl körperlich unverletzt, stieß es Laute aus, wie die eines Königsgeistes in übernatürlicher Not. Durch seine unbeschreiblichen, seltsamen Augen glaubte ich, in Geheimnisse einzublicken, die Gott betrafen. Wie Abraham vor den Engeln verneigte ich mich; das weiße Wesen war so weiß, seine Flügel so weit – und in diesen für immer verlassenen Gewässern verlor ich die elenden, verzerrten Erinnerungen an Traditionen und Städte. Lange starrte ich auf dieses Wunder der Federn. Ich kann nicht sagen, was damals durch meinen Kopf ging – nur andeuten. Doch schließlich erwachte ich und fragte einen Seemann, welches Vogel das sei. Ein Goney, antwortete er. Goney! Nie zuvor hatte ich diesen Namen gehört; ist es vorstellbar, dass dieses prächtige Wesen den Menschen an Land völlig unbekannt ist? Niemals! Doch später erfuhr ich, dass „Goney“ ein Name eines Seemanns für Albatros war. Somit konnte Coleridges wilde Ballade auf keinen Fall etwas mit jenen mystischen Eindrücken zu tun haben, die ich hatte, als ich diesen Vogel auf unserem Deck sah. Denn damals hatte ich weder die Ballade gelesen noch gewusst, dass es sich um einen Albatros handelte. Dennoch verschönere ich damit nur indirekt den edlen Wert des Gedichts und des Dichters.*
Ich behaupte also, dass gerade in der wunderbaren körperlichen Weißheit des Vogels das Geheimnis dieses „Zaubers“ liegt – eine Wahrheit, die dadurch umso deutlicher wird, dass…
Page 216
Es gibt Vögel, die als graue Albatrosse bezeichnet werden; diese habe ich oft gesehen – doch niemals mit solchen Emotionen wie beim Anblick des antarktischen Vogels. Doch wie wurde dieses geheimnisvolle Tier gefangen? Flüstert es nicht – ich werde es erzählen: Mit einem hinterhältigen Haken und einer Leine, als der Vogel auf dem Meer trieb. Schließlich machte der Kapitän daraus einen „Postboten“: Er band ein mit Buchstaben versehenes Lederband um seinen Hals, auf dem die Zeit und der Ort des Schiffes angegeben waren – danach ließ er ihn frei. Doch ich zweifle nicht daran, dass dieses für Menschen bestimmte Lederband im Himmel abgenommen wurde, als der weiße Vogel zu den schwebenden, betenden Cherubim flog! Am berühmtesten in unseren westlichen Annalen sowie indischen Traditionen ist das des Weißen Pferdes der Prärien – ein prächtiges, milchweißes Pferd mit großen Augen, kleinem Kopf, breiter Brust sowie der Würde von tausend Monarchen in seinem majestätischen Aussehen. Es war der „gewählte Xerxes“ riesiger Herden wilder Pferde, deren Weiden damals nur durch die Rocky Mountains und die Alleghenys begrenzt wurden. An ihrer flammenden Spitze zog es gen Westen – wie jener auserwählte Stern, der jeden Abend die Heerscharen des Lichts führt. Der funkelnde Schweif seines Mähnenflusses, der sich krümmende Schweif wie eine Komete – all das verlieh ihm Pracht, die selbst Gold- und Silberschmiede nicht hätten schaffen können. Es war ein wahrhaft kaiserliches, engelhaftes Wesen aus dieser unversehrten Welt des Westens – in den Augen der alten Jäger und Trapper erinnerte es an die Glanzzeiten jener ursprünglichen Zeiten, als Adam majestätisch wie ein Gott wandelte, mit breiten Augenbrauen und furchtlos – genau wie dieses mächtige Pferd. Egal ob es nun unter seinen Gefolgsleuten und Feldherren inmitten unzähliger Truppen über die Ebenen zog, oder ob seine Untertanen ringsum am Horizont weideten – das Weiße Pferd überblickte sie alle mit seinen warmen Nüstern, die durch seine milchweiße Färbung rot wurden. In jeder Gestalt, in der es sich zeigte, war es für die tapfersten Indianer stets Gegenstand zitternder Ehrfurcht und Entsetzen. Auch lässt sich aus den legendären Überlieferungen über dieses edle Pferd nicht bezweifeln, dass es vor allem seine spirituelle Weiße war, die es mit Göttlichkeit ausstattete – und dass diese Göttlichkeit etwas in sich trug, das zwar Anbetung forderte, zugleich aber auch eine namenlose Furcht hervorrief. Doch es gibt auch andere Fälle, in denen diese Weiße all jene zusätzliche, seltsame Pracht verliert, die sie beim Weißen Pferd und beim Albatros ausmacht. Was ist es, das beim Albino-Menschen so besonders abstoßend wirkt und oft schockiert – bis hin dazu, dass er manchmal von seinen eigenen Verwandten verabscheut wird? Es ist das…
Page 217
Die Weiße, die ihn umgibt – ein Merkmal, das durch den Namen, den er trägt, zum Ausdruck kommt. Der Albino ist genauso gut gebaut wie andere Männer; er weist keine wesentlichen Deformitäten auf. Doch gerade dieses Merkmal der allgegenwärtigen Weiße macht ihn seltsamerweise noch hässlicher als das hässlichste Monstrum. Warum ist das so? Auch in ganz anderen Bereichen versäumt es die Natur nicht, mit ihren weniger greifbaren, aber keineswegs weniger bösartigen Kräften dieses „krönende“ Attribut des Schrecklichen einzusetzen. Aufgrund seines schneeweißen Aussehens wurde der „Gespenst der Südmeere“ als „Weißer Sturm“ bezeichnet. Auch in einigen historischen Fällen hat die Kunst des menschlichen Bösen dieses mächtige Mittel nicht ausgelassen. Wie sehr sie die Wirkung jener Beschreibung bei Froissart verstärkt – wenn die verzweifelten „Weißen Kapuzen“ von Gent, verkleidet im schneeweißen Symbol ihrer Fraktion, ihren Vogt auf dem Marktplatz ermorden! Auch in manchen Dingen zeugt die allgemeine, erbliche Erfahrung der gesamten Menschheit vom Übernatürlichen dieser Farbe. Es lässt sich kaum bezweifeln, dass die sichtbare Eigenschaft am Aussehen der Toten, die den Betrachter am meisten erschreckt, die marmorne Blässe ist – als wäre diese Blässe ebenso ein Zeichen der Verzweiflung in der anderen Welt wie der Angst hier auf Erden. Von dieser Blässe der Toten leihen wir uns die Farbe des Tuchs, in das wir sie hüllen. Auch in unseren Aberglauben legen wir diesen „schneeweißen Mantel“ um unsere Phantome – alle Geister erscheinen in einer milchweißen Nebelwand. Ja, während uns diese Schrecken überwältigen, sollen wir hinzufügen, dass sogar der König der Schrecken, wenn er vom Evangelisten personifiziert wird, auf seinem blassen Pferd reitet. Daher symbolisiert die Weiße in ihren verschiedenen Erscheinungsformen alles Große oder Edle – doch niemand kann leugnen, dass sie in ihrer tiefsten, idealisierten Bedeutung eine besondere Erscheinung in der Seele hervorruft. Doch obwohl dieser Punkt uneingeschränkt anerkannt wird – wie kann der Sterbliche dies erklären? Eine Analyse scheint unmöglich. Können wir dann durch die Nennung einiger Beispiele, in denen diese Weiße – auch wenn sie vorübergehend vollständig oder größtenteils aller direkten Assoziationen beraubt ist, die ihr etwas Furchterregendes verleihen könnten – dennoch weiterhin dieselbe Magie auf uns ausübt, auch wenn diese Magie verändert ist – können wir so hoffen, einen Hinweis zu finden, der uns zur verborgenen Ursache führt? Versuchen wir es. Doch in einer solchen Angelegenheit setzt Feinheit auf Feinheit – und ohne Vorstellungskraft kann niemand einem anderen in diese „Säle“ folgen. Und obwohl zweifellos zumindest einige der kreativen Eindrücke, die nun folgen…
Page 218
Was hier beschrieben wird, mag von den meisten Männern geteilt worden sein – doch wohl nur wenige waren zu jener Zeit vollständig davon bewusst und können es sich daher heute nicht mehr erinnern. Warum ruft bei dem Mann mit ungebildeter Idealisierung, der nur oberflächlich mit den Besonderheiten seiner Zeit vertraut ist, allein schon die Erwähnung des Weißen Sonntags vorstellungen von langen, düsteren Prozessionen langsamen Pilger hervor – Pilger, die in ihren Mänteln unter dem frisch gefallenen Schnee dahinschreiten? Oder warum weckt bei dem ungebildeten Protestanten aus den zentralamerikanischen Staaten allein schon die Erwähnung eines weißen Mönchs oder einer weißen Nonne vorstellungen von einer „augenlosen Statue“ in der Seele? Was gibt es außer den Traditionen der Krieger und Könige – die das nicht vollständig erklären können –, was dazu führt, dass der Weiße Turm in London auf die Vorstellungskraft eines unerfahrenen Amerikaners viel stärker wirkt als all die anderen berühmten Bauwerke in seiner Umgebung – wie der Byward Tower oder sogar der Bloody Tower? Und was ist mit diesen noch erhabeneren „Weißen Bergen“ in New Hampshire? In solchen Momenten entsteht beim bloßen Gedanken an diesen Namen eine gewaltige Unheimlichkeit in der Seele – während der Gedanke an die Blue Ridge Mountains in Virginia eher eine sanfte, traumhafte Stimmung hervorruft. Warum übt der Name des Weißmeeres, unabhängig von Breiten- und Längengraden, eine solche Unheimlichkeit auf die Vorstellungskraft aus – während der Name des Gelben Meeres uns eher an lange, milde Nachmittage am Meer sowie an prächtige, doch auch träumerische Sonnenuntergänge erinnert? Oder, um ein rein imaginäres Beispiel zu nehmen: Warum ist der „hohe, blasse Mann“ aus den Wäldern des Harzes in den alten Märchen Mitteleuropas – dessen unveränderliche Blässe durch das Grün der Wälder schwebt – ein furchterregenderes Phantom als all die Teufel aus Blocksburg? Es liegt auch nicht allein an den Erinnerungen an die Erdbeben, die ihre Kathedralen zerstörten; nicht an den tosenden Meeren; nicht an den trockenen Himmeln, die niemals Regen bringen; nicht an dem Anblick der vielen schiefen Türme, der umgestürzten Steine und Kreuze – all das macht Lima zur seltsamsten, traurigsten Stadt, die man sich vorstellen kann. Denn Lima trägt ein „weißes Veil“ – und in dieser Weiße liegt eine noch größere Grausamkeit. So alt wie Pizarro ist diese Weiße – sie hält ihre Ruinen für immer „neu“.
Page 219
Die fröhliche Grünheit völliger Verfall – sie breitet sich über ihre zerstörten Mauern aus.
Die starre Blässe einer Apoplexie, die ihre eigenen Verzerrungen festhält.
Ich weiß, dass dieses Phänomen der Weißheit nach allgemeiner Auffassung nicht als Hauptursache dafür angesehen wird, dass die Schreckenhaftigkeit sonst schrecklicher Objekte noch verstärkt wird; auch dem unvorstellungsstarken Geist liegt in diesen Erscheinungen kein Schrecken zugrunde – deren Schrecklichkeit für einen anderen Geist fast ausschließlich in diesem einen Phänomen besteht, besonders dann, wenn es in irgendeiner Form dargestellt wird, die der Stille oder Allgegenwart nahekommt. Was ich mit diesen beiden Aussagen meine, kann vielleicht durch die folgenden Beispiele erläutert werden.
Erstens: Der Seemann, wenn er den Küsten fremder Länder naht und nachts das Dröhnen der Wellen hört, wird wachsam und verspürt genug Furcht, um alle seine Sinne zu schärfen. Doch unter genau ähnlichen Umständen – wenn er aus seinem Hängemattennest gerufen wird, um zu sehen, wie sein Schiff durch ein mittlerweile milchweißes Meer fährt – als würden von allen Seiten weiße „Bären“ um ihn herumschwimmen – dann verspürt er eine stille, abergläubische Angst. Das gespenstische Bild der weißen Wasseroberfläche erscheint ihm wie ein echter Geist; vergeblich versichert ihm das Bleigewicht, dass er sich noch außerhalb der Gefahrenzone befindet. Sein Herz und sein Steuerrad geraten in Panik – er ruht erst wieder, wenn wieder blaues Wasser unter ihm ist. Doch wo ist der Seemann, der dir sagen könnte: „Herr, es war weniger die Angst vor verborgenen Felsen als vielmehr die Angst vor dieser schrecklichen Weißheit, die mich so beunruhigte?“
Zweitens: Für den indigenen Indianer in Peru bedeutet das ständige Anblick der schneebedeckten Anden keinerlei Furcht – außer vielleicht in der Vorstellung von der ewigen, vereisten Ödnis auf solchen großen Höhen sowie in der natürlichen Angst davor, in solcher menschenfeindlichen Einsamkeit verloren zu gehen. Gleiches gilt für den Bewohner des Westens, der mit relativer Gleichgültigkeit eine endlose Prärie betrachtet, die mit Schnee bedeckt ist – ohne einen einzigen Baum oder Strauch, der die monotone Weißheit durchbrechen würde. Nicht so der Seemann, der die Landschaft der antarktischen Meere sieht: Manchmal, durch irgendeinen teuflischen Trick der Kälte und des Wetters, sieht er statt Regenbogen, die Hoffnung und Trost in seine Misere bringen würden, etwas, das wie ein endloser Friedhof aussieht – mit seinen knochigen Eismonumenten und zersplitterten Kreuzen.
Die starre Blässe einer Apoplexie, die ihre eigenen Verzerrungen festhält.
Ich weiß, dass dieses Phänomen der Weißheit nach allgemeiner Auffassung nicht als Hauptursache dafür angesehen wird, dass die Schreckenhaftigkeit sonst schrecklicher Objekte noch verstärkt wird; auch dem unvorstellungsstarken Geist liegt in diesen Erscheinungen kein Schrecken zugrunde – deren Schrecklichkeit für einen anderen Geist fast ausschließlich in diesem einen Phänomen besteht, besonders dann, wenn es in irgendeiner Form dargestellt wird, die der Stille oder Allgegenwart nahekommt. Was ich mit diesen beiden Aussagen meine, kann vielleicht durch die folgenden Beispiele erläutert werden.
Erstens: Der Seemann, wenn er den Küsten fremder Länder naht und nachts das Dröhnen der Wellen hört, wird wachsam und verspürt genug Furcht, um alle seine Sinne zu schärfen. Doch unter genau ähnlichen Umständen – wenn er aus seinem Hängemattennest gerufen wird, um zu sehen, wie sein Schiff durch ein mittlerweile milchweißes Meer fährt – als würden von allen Seiten weiße „Bären“ um ihn herumschwimmen – dann verspürt er eine stille, abergläubische Angst. Das gespenstische Bild der weißen Wasseroberfläche erscheint ihm wie ein echter Geist; vergeblich versichert ihm das Bleigewicht, dass er sich noch außerhalb der Gefahrenzone befindet. Sein Herz und sein Steuerrad geraten in Panik – er ruht erst wieder, wenn wieder blaues Wasser unter ihm ist. Doch wo ist der Seemann, der dir sagen könnte: „Herr, es war weniger die Angst vor verborgenen Felsen als vielmehr die Angst vor dieser schrecklichen Weißheit, die mich so beunruhigte?“
Zweitens: Für den indigenen Indianer in Peru bedeutet das ständige Anblick der schneebedeckten Anden keinerlei Furcht – außer vielleicht in der Vorstellung von der ewigen, vereisten Ödnis auf solchen großen Höhen sowie in der natürlichen Angst davor, in solcher menschenfeindlichen Einsamkeit verloren zu gehen. Gleiches gilt für den Bewohner des Westens, der mit relativer Gleichgültigkeit eine endlose Prärie betrachtet, die mit Schnee bedeckt ist – ohne einen einzigen Baum oder Strauch, der die monotone Weißheit durchbrechen würde. Nicht so der Seemann, der die Landschaft der antarktischen Meere sieht: Manchmal, durch irgendeinen teuflischen Trick der Kälte und des Wetters, sieht er statt Regenbogen, die Hoffnung und Trost in seine Misere bringen würden, etwas, das wie ein endloser Friedhof aussieht – mit seinen knochigen Eismonumenten und zersplitterten Kreuzen.
Page 220
Aber du sagst, ich glaube, dass dieses Kapitel über die Weiße nur eine weiße Flagge ist, die von einer feigen Seele gehisst wird; du gibst dich einer Hypothese hin, Ishmael.
Sag mir: Warum dieser starke junge Hengst, der in einem friedlichen Tal in Vermont geboren wurde, weit entfernt von allen Raubtieren – warum reagiert er an dem sonnigsten Tag, wenn man nur ein frisches Büffelgewand hinter ihm schüttelt, sodass er es nicht einmal sehen kann, sondern nur seinen wilden Tiergeruch wahrnimmt – warum startet er dann, schnaubt und tritt in Panik mit den Hufen auf den Boden? In ihm gibt es keine Erinnerung an Angriffe wilder Tiere in seinem grünen nördlichen Zuhause; daher kann der seltsame Geruch, den er wahrnimmt, ihm nichts an Erinnerungen an frühere Gefahren vermitteln. Denn was weiß dieser Hengst aus Neuengland schon von den schwarzen Bisons im fernen Oregon? Nein: Doch hier siehst du sogar bei einem stummen Tier den Instinkt, die Dämonie der Welt zu erkennen. Obwohl er tausende Meilen von Oregon entfernt ist, erscheinen ihm die heranstürmenden, angreifenden Bisonherden genauso gegenwärtig wie dem verlassenen Wildpferd auf den Prärien – Herden, die in diesem Moment gerade zu Staub zertreten werden könnten.
So sind also das gedämpfte Rauschen eines milchigen Meeres, das trostlose Rascheln der eisbedeckten Berge, die öden Bewegungen des vom Wind aufgehäuften Schnees auf den Prärien – all das ist für Ishmael genauso bedeutsam wie das Schütteln jenes Büffelgewandes vor dem verängstigten Hengst!
Obwohl weder er noch wir wissen, wo sich die namenlosen Dinge befinden, auf die die mystischen Zeichen hinweisen, müssen diese Dinge irgendwo existieren – genauso wie beim Hengst. Obwohl diese sichtbare Welt in vielerlei Hinsicht aus Liebe entstanden zu sein scheint, wurden die unsichtbaren Sphären aus Furcht geschaffen.
Doch wir haben noch nicht das Geheimnis dieser Weißen gelöst und herausgefunden, warum sie mit solcher Kraft auf die Seele wirkt. Noch seltsamer und viel bedeutsamer ist jedoch, dass sie zugleich das bedeutungsvollste Symbol für spirituelle Dinge ist – ja, sogar das „Vorhang“ der christlichen Gottheit – und doch gleichzeitig zum Verstärker der schrecklichsten Dinge für die Menschheit werden kann.
Liegt es daran, dass ihre Unbestimmtheit die herzlosen Leere und Unendlichkeiten des Universums andeutet und uns somit beim Anblick der weißen Tiefen der Milchstraße mit dem Gedanken an Vernichtung trifft? Oder liegt es daran, dass Weiße im Grunde weniger eine Farbe als vielmehr das sichtbare Fehlen von Farbe ist – und zugleich die Grundlage aller Farben? Aus diesen Gründen gibt es wohl diese stumme, doch bedeutungsvolle Leere in der Weite…
Sag mir: Warum dieser starke junge Hengst, der in einem friedlichen Tal in Vermont geboren wurde, weit entfernt von allen Raubtieren – warum reagiert er an dem sonnigsten Tag, wenn man nur ein frisches Büffelgewand hinter ihm schüttelt, sodass er es nicht einmal sehen kann, sondern nur seinen wilden Tiergeruch wahrnimmt – warum startet er dann, schnaubt und tritt in Panik mit den Hufen auf den Boden? In ihm gibt es keine Erinnerung an Angriffe wilder Tiere in seinem grünen nördlichen Zuhause; daher kann der seltsame Geruch, den er wahrnimmt, ihm nichts an Erinnerungen an frühere Gefahren vermitteln. Denn was weiß dieser Hengst aus Neuengland schon von den schwarzen Bisons im fernen Oregon? Nein: Doch hier siehst du sogar bei einem stummen Tier den Instinkt, die Dämonie der Welt zu erkennen. Obwohl er tausende Meilen von Oregon entfernt ist, erscheinen ihm die heranstürmenden, angreifenden Bisonherden genauso gegenwärtig wie dem verlassenen Wildpferd auf den Prärien – Herden, die in diesem Moment gerade zu Staub zertreten werden könnten.
So sind also das gedämpfte Rauschen eines milchigen Meeres, das trostlose Rascheln der eisbedeckten Berge, die öden Bewegungen des vom Wind aufgehäuften Schnees auf den Prärien – all das ist für Ishmael genauso bedeutsam wie das Schütteln jenes Büffelgewandes vor dem verängstigten Hengst!
Obwohl weder er noch wir wissen, wo sich die namenlosen Dinge befinden, auf die die mystischen Zeichen hinweisen, müssen diese Dinge irgendwo existieren – genauso wie beim Hengst. Obwohl diese sichtbare Welt in vielerlei Hinsicht aus Liebe entstanden zu sein scheint, wurden die unsichtbaren Sphären aus Furcht geschaffen.
Doch wir haben noch nicht das Geheimnis dieser Weißen gelöst und herausgefunden, warum sie mit solcher Kraft auf die Seele wirkt. Noch seltsamer und viel bedeutsamer ist jedoch, dass sie zugleich das bedeutungsvollste Symbol für spirituelle Dinge ist – ja, sogar das „Vorhang“ der christlichen Gottheit – und doch gleichzeitig zum Verstärker der schrecklichsten Dinge für die Menschheit werden kann.
Liegt es daran, dass ihre Unbestimmtheit die herzlosen Leere und Unendlichkeiten des Universums andeutet und uns somit beim Anblick der weißen Tiefen der Milchstraße mit dem Gedanken an Vernichtung trifft? Oder liegt es daran, dass Weiße im Grunde weniger eine Farbe als vielmehr das sichtbare Fehlen von Farbe ist – und zugleich die Grundlage aller Farben? Aus diesen Gründen gibt es wohl diese stumme, doch bedeutungsvolle Leere in der Weite…
Page 221
Eine Landschaft aus Schnee – farblos, die Farbe des Atheismus, vor der wir zurückweichen? Und wenn wir an jene andere Theorie der Naturphilosophen denken: dass alle anderen irdischen Farbtöne – jede prächtige oder reizvolle Färbung, die sanften Schattierungen der Sonnenuntergangshimmel und Wälder, ja auch die vergoldeten Samtfarben der Schmetterlinge sowie die „Schmetterlingswangen“ junger Mädchen – alles nichts weiter als feine Täuschungen sind, die nicht wirklich den Substanzen eigen sind, sondern nur von außen aufgetragen werden; sodass die „göttlich gewordene“ Natur genauso aussieht wie eine Hure, deren Verlockungen lediglich das Innere des Leichenhauses verbergen; und wenn wir noch weiter darüber nachdenken und bedenken, dass das mystische Prinzip, das all diese Farbtöne hervorbringt – das große Lichtprinzip – in sich selbst für immer weiß oder farblos bleibt und, falls es ohne Medium auf Materie einwirkt, alle Objekte, sogar Tulpen und Rosen, mit seinem eigenen farblosen Schimmer berühren würde – dann liegt uns dieses „lähmte Universum“ wie ein Aussätziger vor Augen. Und genauso wie willkürliche Reisende in Lappland, die sich weigern, farbige Brillen zu tragen, so blendet sich der elende Ungläubige selbst durch den monumentalen weißen Schleier, der die ganze Umgebung umgibt. Und von all diesen Dingen war der Albinowal ein Symbol. Wundert ihr euch dann noch über die „feurige Jagd“?
Page 222
KAPITEL 43. Hört zu!
„Hist! Hast du diesen Laut gehört, Cabaco?“
Es war die Mittelwache – helles Mondlicht; die Seeleute standen in einer Reihe, von einem der Süßwasserspeicher bis zum Eimer neben dem Geländer. Auf diese Weise reichten sie sich die Eimer, um den Eimer mit Wasser zu füllen. Sie standen größtenteils auf dem Deck und achteten darauf, weder zu sprechen noch mit den Füßen zu rascheln. Die Eimer wurden in völliger Stille von Hand zu Hand weitergereicht – nur gelegentlich unterbrochen vom Rascheln eines Segels oder vom stetigen Summen des unermüdlich voranschreitenden Rumpfes.
Inmitten dieser Ruhe flüsterte Archy, einer der Seeleute, dessen Posten in der Nähe der Heckluken lag, seinem Nachbarn, einem Cholo, die oben genannten Worte zu:
„Hist! Hast du diesen Laut gehört, Cabaco?“
„Nimm doch den Eimer, Archy – welchen Laut meinst du?“
„Da ist es wieder – unter den Luken – hörst du es nicht? Ein Husten – es klang wie ein Husten.“
„Zum Teufel mit dem Husten! Gib mir lieber den Eimer zurück.“
„Da ist es wieder – es klingt, als würden zwei oder drei Schlafende sich umdrehen.“
„Caramba! Hör auf damit, Kamerad – es sind nur die drei nassen Kekse, die du zum Abendessen gegessen hast, die da drinnen herumrollen – nichts weiter. Pass auf den Eimer auf!“
„Sag, was du willst, Kamerad – aber ich habe ein scharfes Ohr.“
„Ja, du bist wohl der Typ, der das Summen der Stricknadeln der alten Quäkerin bereits fünfzig Meilen vor der Küste von Nantucket hören konnte – du bist wirklich der Richtige.“
„Grins ruhig weiter – wir werden schon sehen, was passiert. Hör zu, Cabaco: Da unten im Heckraum gibt es jemanden, den man noch nicht auf dem Deck gesehen hat – und ich vermute, unser alter Mogul weiß auch etwas darüber. Ich habe gehört, wie Stubb eines Morgens Flask sagte, dass da so etwas in der Luft liegt.“
„Pst! Der Eimer!“
„Hist! Hast du diesen Laut gehört, Cabaco?“
Es war die Mittelwache – helles Mondlicht; die Seeleute standen in einer Reihe, von einem der Süßwasserspeicher bis zum Eimer neben dem Geländer. Auf diese Weise reichten sie sich die Eimer, um den Eimer mit Wasser zu füllen. Sie standen größtenteils auf dem Deck und achteten darauf, weder zu sprechen noch mit den Füßen zu rascheln. Die Eimer wurden in völliger Stille von Hand zu Hand weitergereicht – nur gelegentlich unterbrochen vom Rascheln eines Segels oder vom stetigen Summen des unermüdlich voranschreitenden Rumpfes.
Inmitten dieser Ruhe flüsterte Archy, einer der Seeleute, dessen Posten in der Nähe der Heckluken lag, seinem Nachbarn, einem Cholo, die oben genannten Worte zu:
„Hist! Hast du diesen Laut gehört, Cabaco?“
„Nimm doch den Eimer, Archy – welchen Laut meinst du?“
„Da ist es wieder – unter den Luken – hörst du es nicht? Ein Husten – es klang wie ein Husten.“
„Zum Teufel mit dem Husten! Gib mir lieber den Eimer zurück.“
„Da ist es wieder – es klingt, als würden zwei oder drei Schlafende sich umdrehen.“
„Caramba! Hör auf damit, Kamerad – es sind nur die drei nassen Kekse, die du zum Abendessen gegessen hast, die da drinnen herumrollen – nichts weiter. Pass auf den Eimer auf!“
„Sag, was du willst, Kamerad – aber ich habe ein scharfes Ohr.“
„Ja, du bist wohl der Typ, der das Summen der Stricknadeln der alten Quäkerin bereits fünfzig Meilen vor der Küste von Nantucket hören konnte – du bist wirklich der Richtige.“
„Grins ruhig weiter – wir werden schon sehen, was passiert. Hör zu, Cabaco: Da unten im Heckraum gibt es jemanden, den man noch nicht auf dem Deck gesehen hat – und ich vermute, unser alter Mogul weiß auch etwas darüber. Ich habe gehört, wie Stubb eines Morgens Flask sagte, dass da so etwas in der Luft liegt.“
„Pst! Der Eimer!“
Page 223
Page 224
KAPITEL 44. Die Karten.
Hätten Sie Kapitän Ahab nach dem Sturm, der in der Nacht folgte, in der er seinem Besatzung seinen Entschluss mitgeteilt hatte, in seine Kabine begleitet, hätten Sie gesehen, wie er zu einem Schrank am Heck ging, daraus ein großes, zerknittertes Bündel gelblicher Seekarten holte und sie auf seinem festgeschraubten Tisch ausbreitete. Dann setzte er sich davor und studierte aufmerksam die verschiedenen Linien und Schattierungen, die ihm ins Auge fielen; mit langsamen, aber bestimmten Strichen zeichnete er zusätzliche Kurse in die zuvor leeren Bereiche. Von Zeit zu Zeit blickte er auf die Stapel alter Logbücher neben sich, in denen die Jahreszeiten und Orte verzeichnet waren, an denen bei verschiedenen früheren Reisen verschiedener Schiffe Wale gefangen oder gesichtet worden waren.
Während er so beschäftigt war, schwankte die schwere Messinglampe, die an Ketten über seinem Kopf hing, ständig mit der Bewegung des Schiffes und warf immer wieder wechselnde Licht- und Schattenspiele auf seine zerknitterte Stirn – bis es fast schien, als würde, während er selbst Linien und Kurse auf den Karten zeichnete, ein unsichtbarer Stift ebenfalls Linien und Kurse auf die tief gezeichnete „Karte“ seiner Stirn zeichnen.
Doch es war nicht gerade in dieser Nacht, dass Ahab in der Einsamkeit seiner Kabine so über seine Karten nachdachte. Fast jede Nacht wurden sie hervorgeholt; fast jede Nacht wurden einige Striche gelöscht und andere ersetzt. Denn mit den Karten aller vier Ozeane vor sich durchquerte Ahab ein Labyrinth aus Strömungen und Wirbeln, um seinen monomanischen Plan endlich in die Tat umzusetzen.
Für jemanden, der sich nicht gut mit den Gewohnheiten der Wale auskannte, mag es wie eine absurde, hoffnungslose Aufgabe erscheinen, in den unermesslichen Ozeanen dieses Planeten nach einem einzigen Tier zu suchen. Doch für Ahab war das nicht der Fall – er kannte die Verläufe aller Gezeiten und Strömungen, konnte dadurch die Bewegungen der Nahrung der Wale berechnen und erinnerte sich außerdem an die regelmäßigen, bekannten Jahreszeiten, zu denen man in bestimmten Breitengraden auf die Jagd nach ihnen gehen konnte. So konnte er vernünftige Vermutungen anstellen – fast schon Gewissheiten – darüber, an welchem Tag man am besten an diesem oder jenem Ort nach seiner Beute suchen sollte.
Hätten Sie Kapitän Ahab nach dem Sturm, der in der Nacht folgte, in der er seinem Besatzung seinen Entschluss mitgeteilt hatte, in seine Kabine begleitet, hätten Sie gesehen, wie er zu einem Schrank am Heck ging, daraus ein großes, zerknittertes Bündel gelblicher Seekarten holte und sie auf seinem festgeschraubten Tisch ausbreitete. Dann setzte er sich davor und studierte aufmerksam die verschiedenen Linien und Schattierungen, die ihm ins Auge fielen; mit langsamen, aber bestimmten Strichen zeichnete er zusätzliche Kurse in die zuvor leeren Bereiche. Von Zeit zu Zeit blickte er auf die Stapel alter Logbücher neben sich, in denen die Jahreszeiten und Orte verzeichnet waren, an denen bei verschiedenen früheren Reisen verschiedener Schiffe Wale gefangen oder gesichtet worden waren.
Während er so beschäftigt war, schwankte die schwere Messinglampe, die an Ketten über seinem Kopf hing, ständig mit der Bewegung des Schiffes und warf immer wieder wechselnde Licht- und Schattenspiele auf seine zerknitterte Stirn – bis es fast schien, als würde, während er selbst Linien und Kurse auf den Karten zeichnete, ein unsichtbarer Stift ebenfalls Linien und Kurse auf die tief gezeichnete „Karte“ seiner Stirn zeichnen.
Doch es war nicht gerade in dieser Nacht, dass Ahab in der Einsamkeit seiner Kabine so über seine Karten nachdachte. Fast jede Nacht wurden sie hervorgeholt; fast jede Nacht wurden einige Striche gelöscht und andere ersetzt. Denn mit den Karten aller vier Ozeane vor sich durchquerte Ahab ein Labyrinth aus Strömungen und Wirbeln, um seinen monomanischen Plan endlich in die Tat umzusetzen.
Für jemanden, der sich nicht gut mit den Gewohnheiten der Wale auskannte, mag es wie eine absurde, hoffnungslose Aufgabe erscheinen, in den unermesslichen Ozeanen dieses Planeten nach einem einzigen Tier zu suchen. Doch für Ahab war das nicht der Fall – er kannte die Verläufe aller Gezeiten und Strömungen, konnte dadurch die Bewegungen der Nahrung der Wale berechnen und erinnerte sich außerdem an die regelmäßigen, bekannten Jahreszeiten, zu denen man in bestimmten Breitengraden auf die Jagd nach ihnen gehen konnte. So konnte er vernünftige Vermutungen anstellen – fast schon Gewissheiten – darüber, an welchem Tag man am besten an diesem oder jenem Ort nach seiner Beute suchen sollte.
Page 225
Tatsächlich ist die Periodizität der Rückkehr des Spermawals zu bestimmten Gewässern derart sicher, dass viele Jäger glauben, man könnte seine Bewegungen auf der ganzen Welt genau beobachten und untersuchen. Würden die Aufzeichnungen über eine Reise der gesamten Walflotte sorgfältig zusammengefasst, so würden sich die Migrationswege des Spermawals unveränderlich mit denen der Heringsschwärme oder der Schwalbenverbände übereinstimmen. Auf dieser Grundlage wurden Versuche unternommen, detaillierte Migrationskarten des Spermawals zu erstellen.
Seit dem Verfassen dieses Textes wird diese Aussage glücklicherweise durch eine offizielle Mitteilung bestätigt, die am 16. April 1851 von Leutnant Maury vom Nationalen Observatorium in Washington herausgegeben wurde. In dieser Mitteilung heißt es, dass eine solche Karte derzeit erstellt wird; Teile davon werden darin vorgestellt. „Diese Karte teilt den Ozean in Gebiete ein, die jeweils fünf Grad Breite und fünf Grad Länge umfassen; durch jedes dieser Gebiete verlaufen senkrecht zwölf Spalten für die zwölf Monate sowie horizontal drei Linien – eine, um die Anzahl der Tage anzuzeigen, die im jeweiligen Monat in jedem Gebiet verbracht wurden, und die beiden anderen, um die Anzahl der Tage anzugeben, an denen Sperma- oder Pottwale gesichtet wurden.“
Außerdem schwimmen die Spermawale bei ihrer Fortbewegung von einem Futtergebiet zum anderen, geleitet von irgendeinem untrüglichen Instinkt – oder besser gesagt, von einer geheimen Führungskraft aus der Gottheit – meist entlang sogenannter „Ströme“. Sie folgen dabei einer bestimmten Ozeanlinie mit solcher präzisen Genauigkeit, dass kein Schiff jemals mit Hilfe irgendeiner Karte mit auch nur einem Zehntel dieser erstaunlichen Präzision seinen Kurs halten konnte. Obwohl in diesen Fällen die Richtung, die ein einzelner Wal einschlägt, gerade wie eine Vermessungsparallele ist und die Fortbewegungsrichtung streng auf seine eigene, unvermeidliche Bahn beschränkt bleibt, umfasst der „Strang“, entlang dessen der Wal angeblich schwimmt, in der Regel einige Meilen Breite – mehr oder weniger, je nachdem, ob dieser „Strang“ sich ausdehnt oder zusammenzieht. Doch er überschreitet niemals den Sichtbereich der Mastspitzen des Walfangschiffs, wenn dieses vorsichtig durch diese „magische Zone“ gleitet. Kurz gesagt: Zu bestimmten Jahreszeiten können Migrantenwale innerhalb dieser Breite und entlang dieses Weges mit großer Sicherheit gesucht werden.
Seit dem Verfassen dieses Textes wird diese Aussage glücklicherweise durch eine offizielle Mitteilung bestätigt, die am 16. April 1851 von Leutnant Maury vom Nationalen Observatorium in Washington herausgegeben wurde. In dieser Mitteilung heißt es, dass eine solche Karte derzeit erstellt wird; Teile davon werden darin vorgestellt. „Diese Karte teilt den Ozean in Gebiete ein, die jeweils fünf Grad Breite und fünf Grad Länge umfassen; durch jedes dieser Gebiete verlaufen senkrecht zwölf Spalten für die zwölf Monate sowie horizontal drei Linien – eine, um die Anzahl der Tage anzuzeigen, die im jeweiligen Monat in jedem Gebiet verbracht wurden, und die beiden anderen, um die Anzahl der Tage anzugeben, an denen Sperma- oder Pottwale gesichtet wurden.“
Außerdem schwimmen die Spermawale bei ihrer Fortbewegung von einem Futtergebiet zum anderen, geleitet von irgendeinem untrüglichen Instinkt – oder besser gesagt, von einer geheimen Führungskraft aus der Gottheit – meist entlang sogenannter „Ströme“. Sie folgen dabei einer bestimmten Ozeanlinie mit solcher präzisen Genauigkeit, dass kein Schiff jemals mit Hilfe irgendeiner Karte mit auch nur einem Zehntel dieser erstaunlichen Präzision seinen Kurs halten konnte. Obwohl in diesen Fällen die Richtung, die ein einzelner Wal einschlägt, gerade wie eine Vermessungsparallele ist und die Fortbewegungsrichtung streng auf seine eigene, unvermeidliche Bahn beschränkt bleibt, umfasst der „Strang“, entlang dessen der Wal angeblich schwimmt, in der Regel einige Meilen Breite – mehr oder weniger, je nachdem, ob dieser „Strang“ sich ausdehnt oder zusammenzieht. Doch er überschreitet niemals den Sichtbereich der Mastspitzen des Walfangschiffs, wenn dieses vorsichtig durch diese „magische Zone“ gleitet. Kurz gesagt: Zu bestimmten Jahreszeiten können Migrantenwale innerhalb dieser Breite und entlang dieses Weges mit großer Sicherheit gesucht werden.
Page 226
Und daher konnte Ahab seine Beute nicht nur zu bestimmten Zeiten an bekannten, getrennten Futterplätzen antreffen; sondern auch beim Überqueren der weitesten Wasserflächen zwischen diesen Plätzen konnte er durch seine List den Zeitpunkt und Ort seines Aufenthalts so wählen, dass er dennoch nicht völlig ohne Aussicht auf ein Treffen war. Es gab eine Umstände, die auf den ersten Blick seinen wahnsinnigen, doch dennoch methodischen Plan zu erschweren schienen – doch in Wirklichkeit vielleicht nicht. Obwohl die geselligen Pottwale ihre regulären Zeiten für bestimmte Futterplätze haben, kann man im Allgemeinen nicht davon ausgehen, dass die Herden, die in diesem oder jenem Jahr an einer bestimmten Breite oder Länge anzutreffen waren, identisch mit denen sind, die in der vorangegangenen Saison dort zu finden waren – obwohl es auch besondere, unbestreitbare Fälle gibt, in denen das Gegenteil zutraf. Im Allgemeinen gilt derselbe Satz, nur in einem geringeren Umfang, auch für die einzelgängerischen Pottwale. So konnte es zwar sein, dass Moby Dick in einem früheren Jahr beispielsweise im sogenannten Seychellengebiet im Indischen Ozean oder in der Vulkanbucht an der japanischen Küste gesehen wurde – doch das bedeutete noch nicht, dass die Pequod, wenn sie in einer entsprechenden Saison eines dieser Orte aufsuchte, ihn dort unweigerlich antreffen würde. Dasselbe galt auch für einige andere Futterplätze, an denen er sich gelegentlich zeigte. Doch all das schien nur seine zufälligen Rastplätze zu sein – sozusagen seine „Ozeanherbergen“ – nicht Orte seines dauerhaften Aufenthalts. Und wo bisher von Ahabs Chancen gesprochen wurde, sein Ziel zu erreichen, wurde nur auf alle möglichen Voraussetzungen hingewiesen, die ihm vor Erreichen eines bestimmten Zeitpunkts oder Ortes zur Verfügung standen – dann würden alle Möglichkeiten zu Wahrscheinlichkeiten werden, und wie Ahab glaubte, jede Möglichkeit fast zur Gewissheit. Dieser bestimmte Zeitpunkt und Ort wurden in einem einzigen Fachbegriff zusammengefasst: die „Saison auf dem Spiel“. Denn dort und dann wurde Moby Dick über mehrere aufeinanderfolgende Jahre hinweg regelmäßig gesichtet – er verweilte eine Weile in diesen Gewässern, genauso wie die Sonne in ihrem jährlichen Lauf für einen bestimmten Zeitraum in einem bestimmten Tierkreiszeichen verweilt. Dort fanden auch die meisten tödlichen Begegnungen mit dem weißen Wal statt; dort waren die Wellen von seinen Taten geprägt; dort befand sich auch jener tragische Ort, an dem der monomanische Alte den schrecklichen Anlass für seine Rache fand. Doch mit der vorsichtigen Umsicht und wachsamen Aufmerksamkeit, mit der Ahab seine Seele dieser unermüdlichen Jagd widmete, gestattete er es sich nicht, all seine Hoffnungen auf dieses eine entscheidende Element zu setzen.
Page 227
Es wurde nicht erwähnt – egal wie schmeichelhaft es für diese Hoffnungen sein mag – und auch in der Schlaflosigkeit seines Schwurs konnte er sein unruhiges Herz nicht so beruhigen, dass er alle weiteren Unternehmungen aufschieben würde.
Die Pequod hatte bereits zu Beginn der Segelsaison von Nantucket abgelegt. Zu dieser Zeit konnte ihr Kommandant die lange Reise nach Süden, um Kap Hoorn herum und anschließend entlang von sechzig Grad Breite bis zum äquatorialen Pazifik, nicht rechtzeitig antreten, um dort zu kreuzen. Deshalb musste er auf die nächste Saison warten.
Doch die vorzeitige Abfahrt der Pequod war vielleicht von Ahab mit Blick auf genau diese Umstände richtig gewählt worden. Denn vor ihm lag eine Zeitspanne von dreihundertsechsundsechzig Tagen und Nächten – eine Zeitspanne, die er statt ungeduldig an Land zu verbringen, lieber in verschiedenen Jagdzügen nutzen würde, falls der Weiße Wal, der seine Ferien in Meeren fernab seiner üblichen Futtergebiete verbrachte, plötzlich aus dem Persischen Golf, der Bengalenbucht, dem Chinesischen Meer oder irgendeinem anderen Gewässer auftauchen sollte, in dem seine Art vorkommt. So könnten Monsune, Nordwestwinde, Harmattane oder andere Winde Moby Dick in den verschlungenen Kurs der Pequod treiben.
Aber selbst wenn all das zutrifft – scheint es doch, wenn man vernünftig und nüchtern darüber nachdenkt, nur eine verrückte Idee zu sein: dass man in dem weiten, endlosen Ozean eine einzelne Walart, selbst wenn man ihr begegnet, für erkennbar halten könnte – genauso wie einen weißbärtigen Mufti in den überfüllten Straßen Konstantinopels. Ja. Denn Moby Dicks besonders schneeweiße Stirn sowie sein schneeweißer Rückenkamm konnten zweifellos identifiziert werden. „Ich habe ihn bereits gezählt“, murmelte Ahab zu sich selbst, nachdem er lange nach Mitternacht noch seine Karten studiert hatte – „ich habe ihn gezählt – wird er entkommen?“ Seine breiten Flossen waren ausgehöhlt und wie die Ohren eines verlorenen Schafes geformt! Sein wahnsinniger Verstand arbeitete ununterbrochen weiter – bis ihn Müdigkeit und Schwäche überkamen; dann suchte er im Freien auf dem Deck nach Kräften. Ach, Gott! Welche Qualen muss ein Mensch ertragen, der von einem unerfüllten Rachebedürfnis verzehrt wird? Er schläft mit geballten Händen – und wacht mit seinen eigenen blutigen Fingernägeln in den Handflächen auf.
Oft wurde er aus seinem Hängemattenbett durch erschöpfende, unerträglich lebhafe Träume in der Nacht gerissen – Träume, die seine eigenen intensiven Gedanken wieder aufleben ließen.
Die Pequod hatte bereits zu Beginn der Segelsaison von Nantucket abgelegt. Zu dieser Zeit konnte ihr Kommandant die lange Reise nach Süden, um Kap Hoorn herum und anschließend entlang von sechzig Grad Breite bis zum äquatorialen Pazifik, nicht rechtzeitig antreten, um dort zu kreuzen. Deshalb musste er auf die nächste Saison warten.
Doch die vorzeitige Abfahrt der Pequod war vielleicht von Ahab mit Blick auf genau diese Umstände richtig gewählt worden. Denn vor ihm lag eine Zeitspanne von dreihundertsechsundsechzig Tagen und Nächten – eine Zeitspanne, die er statt ungeduldig an Land zu verbringen, lieber in verschiedenen Jagdzügen nutzen würde, falls der Weiße Wal, der seine Ferien in Meeren fernab seiner üblichen Futtergebiete verbrachte, plötzlich aus dem Persischen Golf, der Bengalenbucht, dem Chinesischen Meer oder irgendeinem anderen Gewässer auftauchen sollte, in dem seine Art vorkommt. So könnten Monsune, Nordwestwinde, Harmattane oder andere Winde Moby Dick in den verschlungenen Kurs der Pequod treiben.
Aber selbst wenn all das zutrifft – scheint es doch, wenn man vernünftig und nüchtern darüber nachdenkt, nur eine verrückte Idee zu sein: dass man in dem weiten, endlosen Ozean eine einzelne Walart, selbst wenn man ihr begegnet, für erkennbar halten könnte – genauso wie einen weißbärtigen Mufti in den überfüllten Straßen Konstantinopels. Ja. Denn Moby Dicks besonders schneeweiße Stirn sowie sein schneeweißer Rückenkamm konnten zweifellos identifiziert werden. „Ich habe ihn bereits gezählt“, murmelte Ahab zu sich selbst, nachdem er lange nach Mitternacht noch seine Karten studiert hatte – „ich habe ihn gezählt – wird er entkommen?“ Seine breiten Flossen waren ausgehöhlt und wie die Ohren eines verlorenen Schafes geformt! Sein wahnsinniger Verstand arbeitete ununterbrochen weiter – bis ihn Müdigkeit und Schwäche überkamen; dann suchte er im Freien auf dem Deck nach Kräften. Ach, Gott! Welche Qualen muss ein Mensch ertragen, der von einem unerfüllten Rachebedürfnis verzehrt wird? Er schläft mit geballten Händen – und wacht mit seinen eigenen blutigen Fingernägeln in den Handflächen auf.
Oft wurde er aus seinem Hängemattenbett durch erschöpfende, unerträglich lebhafe Träume in der Nacht gerissen – Träume, die seine eigenen intensiven Gedanken wieder aufleben ließen.
Page 228
Den ganzen Tag über trug er sie inmitten eines Sturms von Leidenschaften mit sich herum und wirbelte sie immer wieder in seinem brennenden Gehirn herum, bis das Pochen seines Lebenspunkts zu unerträglicher Qual wurde. Wenn dann, wie es manchmal der Fall war, diese geistigen Qualen sein Wesen aus seiner Grundlage hoben und es schien, als würde sich in ihm eine Kluft öffnen, aus der gespaltene Flammen und Blitze hervorschossen sowie verfluchte Dämonen ihn dazu aufriefen, hinabzuspringen – wenn also diese Hölle in ihm unter ihm aufbrach, war durch das Schiff ein wilder Schrei zu hören. Mit funkelnden Augen stürmte Ahab aus seinem Zimmer, als würde er vor einem brennenden Bett fliehen. Doch vielleicht waren das nicht die unkontrollierbaren Anzeichen irgendeiner verborgenen Schwäche oder Angst vor seinem eigenen Entschluss, sondern vielmehr die deutlichsten Zeichen für dessen Intensität. Denn in solchen Momenten war der verrückte Ahab, der listige, unermüdlich entschlossene Jäger des Weißen Wals – dieser Ahab, der in seinen Hängematten lag – nicht derjenige, der ihn in Panik wieder daraus hervorbrachte. Der wahre Urheber war das ewige, lebende Prinzip oder die Seele in ihm; im Schlaf, für eine Weile getrennt vom Geist, der sie sonst als Mittel oder Werkzeug nutzte, suchte sie spontan nach einem Ausweg aus der quälenden Nähe dieses Wahnsinns, von dem sie vorübergehend nicht mehr ein untrennbarer Bestandteil war. Doch da der Geist nur dann existiert, wenn er mit der Seele verbunden ist, muss es in Ahabs Fall so gewesen sein, dass er alle seine Gedanken und Vorstellungen seinem einzigen, höchsten Ziel unterordnete; dieses Ziel zwang durch seine eigene unbeugsame Willenskraft gegen Götter und Teufel einen selbstständigen, unabhängigen Existenzzustand hervor. Ja, es konnte grausam weiterleben und brennen, während die normale Lebenskraft, mit der es verbunden war, entsetzt vor dieser ungebetenen, unerklärlichen Entstehung floh. Daher war der gequälte Geist, der aus den körperlichen Augen hervorstarrte, wenn das, was wie Ahab aussah, aus seinem Zimmer stürmte, vorübergehend nur etwas Leeres, eine formlose somnambulische Existenz – zwar ein Strahl lebendigen Lichts, doch ohne Objekt, das es färben könnte, und daher an sich leer. Gott helfe dir, alter Mann – deine Gedanken haben in dir ein Wesen geschaffen; und wer durch sein intensives Denken zu einem Prometheus wird, dessen Herz wird für immer von einem Geier gefressen – jenem Geier, der genau das Wesen ist, das er selbst erschafft hat.
Page 229
KAPITEL 45. Die eidesstattliche Erklärung.
Soweit in diesem Buch eine Art Erzählung zu finden ist – und tatsächlich auch indirekt einige sehr interessante und bemerkenswerte Aspekte bezüglich der Gewohnheiten der Walschweine berührt wird – ist der vorangegangene Kapitelteil in seinem früheren Abschnitt genauso wichtig wie alle anderen Teile dieses Bandes. Doch das Hauptthema dieses Kapitels muss noch ausführlicher und detaillierter erläutert werden, damit es vollständig verstanden werden kann. Zudem soll dadurch jegliches Misstrauen beseitigt werden, das durch völliges Unwissen über dieses Thema in einigen Menschen entstehen könnte, was die natürliche Richtigkeit der wesentlichen Punkte dieser Angelegenheit betrifft.
Ich möchte diesen Teil meiner Aufgabe nicht methodisch erledigen; ich werde mich damit zufriedengeben, durch einzelne Beispiele, die mir als Walfänger praktisch oder zuverlässig bekannt sind, den gewünschten Eindruck zu erwecken. Aus diesen Beispielen wird sich dann von selbst die angestrebte Schlussfolgerung ergeben.
Erstens: Ich kenne persönlich drei Fälle, in denen ein Wal nachdem er von einem Harpunenpfeil getroffen worden war, vollständig entkommen konnte. Nach einer gewissen Zeit – in einem Fall drei Jahre später – wurde er erneut von derselben Person getroffen und getötet. Dabei wurden die beiden Harpunenpfeile, beide mit derselben Kennzeichnung versehen, aus dem Körper des Wals entfernt. Im Fall, in dem drei Jahre zwischen den beiden Angriffen lagen – ich glaube, es waren sogar mehr als drei Jahre – reiste der Mann, der die Harpunen geworfen hatte, in dieser Zeit mit einem Handelsschiff nach Afrika. Dort ging er an Land, schloss sich einer Entdeckungsgruppe an und drang tief ins Landesinnere vor. Dort reiste er fast zwei Jahre lang, wobei er ständig Gefahr durch Schlangen, Wilde, Tiger, giftige Dämpfe sowie alle anderen Gefahren lief, die mit dem Umherwandern in unbekannten Gebieten verbunden sind. In der Zwischenzeit musste auch der Wal, den er getroffen hatte, weiterziehen; zweifellos hatte er bereits dreimal die Welt umrundet und dabei alle Küsten Afrikas berührt – doch vergeblich. Dieser Mann und dieser Wal trafen wieder aufeinander, und der eine besiegte den anderen. Ich sage: Ich selbst kenne drei solcher Fälle. In zwei davon sah ich, wie die Wale getroffen wurden; beim zweiten Angriff sah ich die beiden Harpunenpfeile mit den entsprechenden Markierungen darauf, die später aus dem toten Wal entfernt wurden. Im Fall mit den drei Jahren war ich beide Male im Boot – beim ersten und letzten Mal – und beim letzten Mal ganz deutlich…
Soweit in diesem Buch eine Art Erzählung zu finden ist – und tatsächlich auch indirekt einige sehr interessante und bemerkenswerte Aspekte bezüglich der Gewohnheiten der Walschweine berührt wird – ist der vorangegangene Kapitelteil in seinem früheren Abschnitt genauso wichtig wie alle anderen Teile dieses Bandes. Doch das Hauptthema dieses Kapitels muss noch ausführlicher und detaillierter erläutert werden, damit es vollständig verstanden werden kann. Zudem soll dadurch jegliches Misstrauen beseitigt werden, das durch völliges Unwissen über dieses Thema in einigen Menschen entstehen könnte, was die natürliche Richtigkeit der wesentlichen Punkte dieser Angelegenheit betrifft.
Ich möchte diesen Teil meiner Aufgabe nicht methodisch erledigen; ich werde mich damit zufriedengeben, durch einzelne Beispiele, die mir als Walfänger praktisch oder zuverlässig bekannt sind, den gewünschten Eindruck zu erwecken. Aus diesen Beispielen wird sich dann von selbst die angestrebte Schlussfolgerung ergeben.
Erstens: Ich kenne persönlich drei Fälle, in denen ein Wal nachdem er von einem Harpunenpfeil getroffen worden war, vollständig entkommen konnte. Nach einer gewissen Zeit – in einem Fall drei Jahre später – wurde er erneut von derselben Person getroffen und getötet. Dabei wurden die beiden Harpunenpfeile, beide mit derselben Kennzeichnung versehen, aus dem Körper des Wals entfernt. Im Fall, in dem drei Jahre zwischen den beiden Angriffen lagen – ich glaube, es waren sogar mehr als drei Jahre – reiste der Mann, der die Harpunen geworfen hatte, in dieser Zeit mit einem Handelsschiff nach Afrika. Dort ging er an Land, schloss sich einer Entdeckungsgruppe an und drang tief ins Landesinnere vor. Dort reiste er fast zwei Jahre lang, wobei er ständig Gefahr durch Schlangen, Wilde, Tiger, giftige Dämpfe sowie alle anderen Gefahren lief, die mit dem Umherwandern in unbekannten Gebieten verbunden sind. In der Zwischenzeit musste auch der Wal, den er getroffen hatte, weiterziehen; zweifellos hatte er bereits dreimal die Welt umrundet und dabei alle Küsten Afrikas berührt – doch vergeblich. Dieser Mann und dieser Wal trafen wieder aufeinander, und der eine besiegte den anderen. Ich sage: Ich selbst kenne drei solcher Fälle. In zwei davon sah ich, wie die Wale getroffen wurden; beim zweiten Angriff sah ich die beiden Harpunenpfeile mit den entsprechenden Markierungen darauf, die später aus dem toten Wal entfernt wurden. Im Fall mit den drei Jahren war ich beide Male im Boot – beim ersten und letzten Mal – und beim letzten Mal ganz deutlich…
Page 230
Ich erkannte eine Art riesigen Fleck unter dem Auge des Wals – einen Fleck, den ich bereits drei Jahre zuvor dort beobachtet hatte. Ich sage drei Jahre, doch ich bin ziemlich sicher, dass es länger war. Hier sind also drei Fälle, deren Wahrheit ich persönlich kenne; doch ich habe von vielen weiteren Fällen gehört, von Personen, deren Glaubwürdigkeit in dieser Angelegenheit keinen Anlass zur Kritik bietet.
Zweitens: In der Walfangbranche ist es allgemein bekannt – egal wie unwissend die Menschen an Land darüber sein mögen –, dass es mehrere bemerkenswerte historische Fälle gab, in denen ein bestimmter Wal im Ozean zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten leicht wiedererkannt werden konnte. Der Grund dafür, dass ein solcher Wal so auffällig wurde, lag nicht ausschließlich an seinen körperlichen Besonderheiten, die ihn von anderen Walen unterschieden; denn egal wie seltsam ein beliebiger Wal in dieser Hinsicht auch sein mag, die Fischer beenden bald seine Besonderheiten, indem sie ihn töten und aus ihm ein besonders wertvolles Öl herstellen. Nein: Der Grund war folgender: Aufgrund der gefährlichen Erfahrungen im Walfang umgab einen solchen Wal ein schreckliches Image der Gefährlichkeit – genauso wie bei Rinaldo Rinaldini. Deshalb begnügten sich die meisten Fischer damit, ihn einfach durch Berühren ihrer Planen zu erkennen, wenn er in ihrer Nähe auf dem Meer trieb, anstatt versuchen zu wollen, eine engere Bekanntschaft mit ihm aufzubauen. Wie einige arme Teufel an Land, die zufällig einen launischen Großmann kennen, grüßen sie ihn aus der Ferne und unauffällig auf der Straße – aus Angst, bei weiterer Annäherung eine strenge Zurechtweisung für ihre Unverschämtheit zu erhalten.
Doch nicht nur diese berühmten Wale genossen große individuelle Berühmtheit – nein, man könnte es sogar als weltweite Bekanntheit bezeichnen. Sie waren nicht nur zu Lebzeiten berühmt, sondern sind auch nach ihrem Tod in den Erzählungen der Fischer unsterblich geblieben. Zudem hatten sie alle Rechte, Privilegien und Ehren, die mit einem Namen verbunden sind – sie hatten tatsächlich einen Namen, genauso wie Cambyses oder Caesar. War es nicht so, o Timor Tom! Du berühmter Leviathan, vernarbt wie ein Eisberg, der so lange in den östlichen Gewässern lauerte – dessen Spritzwasser oft vom Strand von Ombay aus gesehen werden konnte? War es nicht so, o New Zealand Jack! Du Schrecken aller Kreuzer, die in der Nähe der Tattoo-Land-Gegend vorbeifuhren? War es nicht so, o Morquan! König von Japan – dessen hoher Wasserstrahl manchmal wie ein schneeweißer Kreuz am Himmel aussah? War es nicht so, o Don Miguel! Du chilenischer Wal, gezeichnet wie eine alte Schildkröte mit mystischen Hieroglyphen auf dem Rücken! Einfach ausgedrückt: Das sind vier Wale, die den Forschern der Walfischgeschichte genauso bekannt sind wie Marius oder Sulla den Gelehrten der klassischen Literatur.
Zweitens: In der Walfangbranche ist es allgemein bekannt – egal wie unwissend die Menschen an Land darüber sein mögen –, dass es mehrere bemerkenswerte historische Fälle gab, in denen ein bestimmter Wal im Ozean zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten leicht wiedererkannt werden konnte. Der Grund dafür, dass ein solcher Wal so auffällig wurde, lag nicht ausschließlich an seinen körperlichen Besonderheiten, die ihn von anderen Walen unterschieden; denn egal wie seltsam ein beliebiger Wal in dieser Hinsicht auch sein mag, die Fischer beenden bald seine Besonderheiten, indem sie ihn töten und aus ihm ein besonders wertvolles Öl herstellen. Nein: Der Grund war folgender: Aufgrund der gefährlichen Erfahrungen im Walfang umgab einen solchen Wal ein schreckliches Image der Gefährlichkeit – genauso wie bei Rinaldo Rinaldini. Deshalb begnügten sich die meisten Fischer damit, ihn einfach durch Berühren ihrer Planen zu erkennen, wenn er in ihrer Nähe auf dem Meer trieb, anstatt versuchen zu wollen, eine engere Bekanntschaft mit ihm aufzubauen. Wie einige arme Teufel an Land, die zufällig einen launischen Großmann kennen, grüßen sie ihn aus der Ferne und unauffällig auf der Straße – aus Angst, bei weiterer Annäherung eine strenge Zurechtweisung für ihre Unverschämtheit zu erhalten.
Doch nicht nur diese berühmten Wale genossen große individuelle Berühmtheit – nein, man könnte es sogar als weltweite Bekanntheit bezeichnen. Sie waren nicht nur zu Lebzeiten berühmt, sondern sind auch nach ihrem Tod in den Erzählungen der Fischer unsterblich geblieben. Zudem hatten sie alle Rechte, Privilegien und Ehren, die mit einem Namen verbunden sind – sie hatten tatsächlich einen Namen, genauso wie Cambyses oder Caesar. War es nicht so, o Timor Tom! Du berühmter Leviathan, vernarbt wie ein Eisberg, der so lange in den östlichen Gewässern lauerte – dessen Spritzwasser oft vom Strand von Ombay aus gesehen werden konnte? War es nicht so, o New Zealand Jack! Du Schrecken aller Kreuzer, die in der Nähe der Tattoo-Land-Gegend vorbeifuhren? War es nicht so, o Morquan! König von Japan – dessen hoher Wasserstrahl manchmal wie ein schneeweißer Kreuz am Himmel aussah? War es nicht so, o Don Miguel! Du chilenischer Wal, gezeichnet wie eine alte Schildkröte mit mystischen Hieroglyphen auf dem Rücken! Einfach ausgedrückt: Das sind vier Wale, die den Forschern der Walfischgeschichte genauso bekannt sind wie Marius oder Sulla den Gelehrten der klassischen Literatur.
Page 231
Aber das ist noch nicht alles. New Zealand Tom und Don Miguel, die zu verschiedenen Zeiten große Unruhe unter den Booten verschiedener Schiffe verursachten, wurden schließlich aufgespürt, systematisch gejagt und von tapferen Walfangkapitänen getötet – diese Kapitäne warfen ihre Anker aus eben diesem Grund über Bord. Ebenso hatte der alte Kapitän Butler vor, den berüchtigten, mörderischen Wilden Annawon, den Anführer der Krieger des indischen Königs Philip, gefangen zu nehmen.
Ich weiß nicht, wo ich einen besseren Ort finden könnte als genau hier, um noch ein oder zwei weitere Dinge zu erwähnen, die mir wichtig erscheinen – nämlich die Aufzeichnung aller Aspekte der Geschichte des Weißen Wals, insbesondere der Katastrophe. Denn es handelt sich dabei um eines jener entmutigenden Fälle, in denen die Wahrheit genauso viel Stützung benötigt wie der Irrtum. Die meisten Landleute wissen so wenig über einige der offensichtlichsten und greifbarsten Wunder der Welt, dass sie ohne Hinweise auf die einfachen Fakten – historische oder andere – bezüglich des Walfangs Moby Dick vielleicht als monströse Fabel oder noch Schlimmeres, als abscheuliche und unerträgliche Allegorie betrachten würden.
Erstens: Obwohl die meisten Menschen eine vage Vorstellung von den allgemeinen Gefahren des Walfangs haben, besitzen sie keinerlei klare, deutliche Vorstellung von diesen Gefahren sowie von ihrer Häufigkeit. Ein Grund dafür mag sein, dass nur etwa eins von fünfzig tatsächlichen Unglücken und Todesfällen im Walfang jemals in irgendwelchen öffentlichen Aufzeichnungen festgehalten wird – egal wie kurzlebig und schnell diese Aufzeichnungen auch sein mögen. Glauben Sie etwa, dass der arme Kerl, der gerade vielleicht an der Küste Neuguineas von der Walfangleine erfasst wurde, vom riesigen Leviathan in die Tiefe des Meeres gezogen wird – glauben Sie, dass der Name dieses armen Mannes in der Todesanzeige erscheinen wird, die Sie morgen beim Frühstück lesen werden? Nein – denn der Postverkehr zwischen hier und Neuguinea ist äußerst unregelmäßig. Haben Sie jemals irgendwelche Nachrichten aus Neuguinea gehört, sei es direkt oder indirekt? Doch ich sage Ihnen: Bei einer bestimmten Reise, die ich in den Pazifik unternahm, sprachen wir mit insgesamt dreißig verschiedenen Schiffen – jedes davon hatte Opfer durch Wale gehabt; bei einigen sogar mehr als ein Opfer, und drei Schiffe hatten jeweils ihre gesamte Besatzung verloren. Um Himmels willen: Seien Sie sparsam mit Ihren Lampen und Kerzen! Jeder verbrauchte Gallon Brennstoff bedeutet, dass mindestens ein Tropfen Menschenblut dafür vergossen wurde.
Ich weiß nicht, wo ich einen besseren Ort finden könnte als genau hier, um noch ein oder zwei weitere Dinge zu erwähnen, die mir wichtig erscheinen – nämlich die Aufzeichnung aller Aspekte der Geschichte des Weißen Wals, insbesondere der Katastrophe. Denn es handelt sich dabei um eines jener entmutigenden Fälle, in denen die Wahrheit genauso viel Stützung benötigt wie der Irrtum. Die meisten Landleute wissen so wenig über einige der offensichtlichsten und greifbarsten Wunder der Welt, dass sie ohne Hinweise auf die einfachen Fakten – historische oder andere – bezüglich des Walfangs Moby Dick vielleicht als monströse Fabel oder noch Schlimmeres, als abscheuliche und unerträgliche Allegorie betrachten würden.
Erstens: Obwohl die meisten Menschen eine vage Vorstellung von den allgemeinen Gefahren des Walfangs haben, besitzen sie keinerlei klare, deutliche Vorstellung von diesen Gefahren sowie von ihrer Häufigkeit. Ein Grund dafür mag sein, dass nur etwa eins von fünfzig tatsächlichen Unglücken und Todesfällen im Walfang jemals in irgendwelchen öffentlichen Aufzeichnungen festgehalten wird – egal wie kurzlebig und schnell diese Aufzeichnungen auch sein mögen. Glauben Sie etwa, dass der arme Kerl, der gerade vielleicht an der Küste Neuguineas von der Walfangleine erfasst wurde, vom riesigen Leviathan in die Tiefe des Meeres gezogen wird – glauben Sie, dass der Name dieses armen Mannes in der Todesanzeige erscheinen wird, die Sie morgen beim Frühstück lesen werden? Nein – denn der Postverkehr zwischen hier und Neuguinea ist äußerst unregelmäßig. Haben Sie jemals irgendwelche Nachrichten aus Neuguinea gehört, sei es direkt oder indirekt? Doch ich sage Ihnen: Bei einer bestimmten Reise, die ich in den Pazifik unternahm, sprachen wir mit insgesamt dreißig verschiedenen Schiffen – jedes davon hatte Opfer durch Wale gehabt; bei einigen sogar mehr als ein Opfer, und drei Schiffe hatten jeweils ihre gesamte Besatzung verloren. Um Himmels willen: Seien Sie sparsam mit Ihren Lampen und Kerzen! Jeder verbrauchte Gallon Brennstoff bedeutet, dass mindestens ein Tropfen Menschenblut dafür vergossen wurde.
Page 232
Zweitens: Die Menschen an Land haben tatsächlich eine vage Vorstellung davon, dass ein Wal ein riesiges Wesen von enormer Kraft ist; doch ich habe immer festgestellt, dass sie mich, wenn ich ihnen ein konkretes Beispiel für diese doppelte Größe schilderte, stark für meine Schlagfertigkeit lobten – obwohl ich, bei meiner Seele, genauso wenig die Absicht hatte, scherzhaft zu sein wie Mose, als er die Geschichte der Plagen Ägyptens aufzeichnete. Glücklicherweise kann der Punkt, den ich hier herausarbeiten möchte, durch Zeugnisse bewiesen werden, die völlig unabhängig von meinen eigenen sind. Dieser Punkt lautet: Der Schwertwal ist in manchen Fällen ausreichend mächtig, klug und bösartig, um mit vorausgeplanter Absicht ein großes Schiff zu rammen, völlig zu zerstören und zum Sinken zu bringen – und tatsächlich hat der Schwertwal dies bereits getan.
Erstens: Im Jahr 1820 segelte das Schiff Essex unter Kapitän Pollard von Nantucket im Pazifischen Ozean. Eines Tages sah es Spritzwasser, setzte seine Boote zu Wasser und verfolgte eine Schar Schwertwale. Bald darauf wurden mehrere Wale verletzt; plötzlich brach ein sehr großer Wal aus der Schar hervor, steuerte direkt auf das Schiff zu und rammte es mit seiner Stirn gegen den Rumpf. Dadurch wurde das Schiff so stark beschädigt, dass es innerhalb von „weniger als zehn Minuten“ sank. Seitdem wurde kein einziger Bretterstück davon mehr gesehen. Nach dem schlimmsten Unglück erreichten einige Besatzungsmitglieder mit ihren Booten das Ufer. Als Kapitän Pollard schließlich nach Hause zurückkehrte, segelte er erneut in den Pazifik, diesmal an der Spitze eines anderen Schiffes – doch die Götter ließen ihn erneut auf unbekannten Felsen und Wellen stranden. Zum zweiten Mal ging sein Schiff verloren; daraufhin schwor er dem Meer ab und wagte es nie wieder, hinauszusegeln. Heute lebt Kapitän Pollard in Nantucket. Ich habe Owen Chace kennengelernt, der zum Zeitpunkt der Tragödie Erster Offizier der Essex war; ich habe seine klare und wahrheitsgetreue Schilderung gelesen, sowie mit seinem Sohn gesprochen – und all das in unmittelbarer Nähe zum Ort der Katastrophe.*
*Im Folgenden finden sich Auszüge aus Chaces Bericht: „Jeder Umstand schien mir zu bestätigen, dass seine Handlungen keineswegs zufällig waren; er führte zwei Angriffe auf das Schiff durch, in kurzer Abstände voneinander. Beide Angriffe waren, gemäß ihrer Richtung, darauf ausgelegt, uns größtmöglichen Schaden zuzufügen – indem sie von vorne erfolgten und somit die Geschwindigkeit beider Objekte für den Aufprall genutzt wurde. Dazu waren genau abgestimmte Manöver notwendig. Sein Aussehen war äußerst furchterregend und zeigte Groll und Wut. Er kam direkt aus der Schar, in die wir kurz zuvor eingedrungen waren und in der wir drei seiner Wale getroffen hatten.“*
Erstens: Im Jahr 1820 segelte das Schiff Essex unter Kapitän Pollard von Nantucket im Pazifischen Ozean. Eines Tages sah es Spritzwasser, setzte seine Boote zu Wasser und verfolgte eine Schar Schwertwale. Bald darauf wurden mehrere Wale verletzt; plötzlich brach ein sehr großer Wal aus der Schar hervor, steuerte direkt auf das Schiff zu und rammte es mit seiner Stirn gegen den Rumpf. Dadurch wurde das Schiff so stark beschädigt, dass es innerhalb von „weniger als zehn Minuten“ sank. Seitdem wurde kein einziger Bretterstück davon mehr gesehen. Nach dem schlimmsten Unglück erreichten einige Besatzungsmitglieder mit ihren Booten das Ufer. Als Kapitän Pollard schließlich nach Hause zurückkehrte, segelte er erneut in den Pazifik, diesmal an der Spitze eines anderen Schiffes – doch die Götter ließen ihn erneut auf unbekannten Felsen und Wellen stranden. Zum zweiten Mal ging sein Schiff verloren; daraufhin schwor er dem Meer ab und wagte es nie wieder, hinauszusegeln. Heute lebt Kapitän Pollard in Nantucket. Ich habe Owen Chace kennengelernt, der zum Zeitpunkt der Tragödie Erster Offizier der Essex war; ich habe seine klare und wahrheitsgetreue Schilderung gelesen, sowie mit seinem Sohn gesprochen – und all das in unmittelbarer Nähe zum Ort der Katastrophe.*
*Im Folgenden finden sich Auszüge aus Chaces Bericht: „Jeder Umstand schien mir zu bestätigen, dass seine Handlungen keineswegs zufällig waren; er führte zwei Angriffe auf das Schiff durch, in kurzer Abstände voneinander. Beide Angriffe waren, gemäß ihrer Richtung, darauf ausgelegt, uns größtmöglichen Schaden zuzufügen – indem sie von vorne erfolgten und somit die Geschwindigkeit beider Objekte für den Aufprall genutzt wurde. Dazu waren genau abgestimmte Manöver notwendig. Sein Aussehen war äußerst furchterregend und zeigte Groll und Wut. Er kam direkt aus der Schar, in die wir kurz zuvor eingedrungen waren und in der wir drei seiner Wale getroffen hatten.“*
Page 233
Gefährten – als wären sie von Rache für ihr Leid getrieben.“ Nochmals: „Auf jeden Fall, wenn man alle Umstände zusammen betrachtet, alles, was sich vor meinen eigenen Augen abspielte und damals in meinem Geist den Eindruck eines entschlossenen, berechnenden Bösewollens seitens des Wals hervorrief (viele dieser Eindrücke kann ich mir heute nicht mehr erinnern), lässt mich das zu der Überzeugung kommen, dass meine Ansicht richtig ist.“
Hier sind seine Gedanken einige Zeit nachdem er das Schiff verlassen hatte, in einer dunklen Nacht in einem offenen Boot, als er fast die Hoffnung aufgab, eine gastfreundliche Küste zu erreichen. „Der dunkle Ozean und die welligen Gewässer zählten nicht; die Angst, von irgendeiner schrecklichen Sturmflut verschlungen oder gegen verborgene Felsen geschleudert zu werden, sowie all die anderen üblichen Gründe für ängstliche Betrachtungen schienen kaum einen Moment des Nachdenkens zu verdienen; das trostlose Wrack sowie das grauenhafte Aussehen und die Rache des Wals beanspruchten ganz meine Gedanken, bis wieder Tag wurde.“
An einer anderen Stelle – S. 45 – spricht er vom „geheimnisvollen und tödlichen Angriff des Tieres“.
Zweitens: Das Schiff Union, ebenfalls aus Nantucket, ging im Jahr 1807 vor den Azoren aufgrund eines ähnlichen Angriffs völlig verloren, doch die genauen Umstände dieser Katastrophe bin ich nie zu Gesicht bekommen, obwohl ich von Walfängern gelegentlich beiläufige Andeutungen darüber gehört habe.
Drittens: Vor etwa achtzehn oder zwanzig Jahren befand sich Kommodore J——, der damals ein amerikanisches Kriegsschiff erster Klasse befehligte, zufällig beim Essen mit einer Gruppe von Walfangkapitänen an Bord eines Schiffes aus Nantucket im Hafen von Oahu auf den Sandwichinseln. Als das Gespräch auf Wale kam, zeigte der Kommodore Skepsis gegenüber der erstaunlichen Kraft, der ihnen die anwesenden Fachleute zuschrieben. Er leugnete beispielsweise entschieden, dass irgendein Wal sein robustes Kriegsschiff so stark treffen könnte, dass es auch nur einen Tropfen Wasser verliert. Sehr gut – aber es kommt noch mehr. Einige Wochen später segelte der Kommodore mit diesem unzerstörbaren Schiff nach Valparaiso. Doch auf dem Weg wurde er von einem stattlichen Schwertwal aufgehalten, der um ein paar Minuten für ein vertrauliches Gespräch bat. Dieses „Gespräch“ bestand darin, dass der Wal das Schiff des Kommodore so hart traf, dass dieses trotz aller Pumpen direkt zum nächstgelegenen Hafen fuhr, um dort zu ankern und repariert zu werden. Ich bin kein Mensch mit Aberglauben, aber ich halte das Treffen des Kommodore mit diesem Wal für providentiell. Wurde Saul von Tarsus nicht bekehrt?
Hier sind seine Gedanken einige Zeit nachdem er das Schiff verlassen hatte, in einer dunklen Nacht in einem offenen Boot, als er fast die Hoffnung aufgab, eine gastfreundliche Küste zu erreichen. „Der dunkle Ozean und die welligen Gewässer zählten nicht; die Angst, von irgendeiner schrecklichen Sturmflut verschlungen oder gegen verborgene Felsen geschleudert zu werden, sowie all die anderen üblichen Gründe für ängstliche Betrachtungen schienen kaum einen Moment des Nachdenkens zu verdienen; das trostlose Wrack sowie das grauenhafte Aussehen und die Rache des Wals beanspruchten ganz meine Gedanken, bis wieder Tag wurde.“
An einer anderen Stelle – S. 45 – spricht er vom „geheimnisvollen und tödlichen Angriff des Tieres“.
Zweitens: Das Schiff Union, ebenfalls aus Nantucket, ging im Jahr 1807 vor den Azoren aufgrund eines ähnlichen Angriffs völlig verloren, doch die genauen Umstände dieser Katastrophe bin ich nie zu Gesicht bekommen, obwohl ich von Walfängern gelegentlich beiläufige Andeutungen darüber gehört habe.
Drittens: Vor etwa achtzehn oder zwanzig Jahren befand sich Kommodore J——, der damals ein amerikanisches Kriegsschiff erster Klasse befehligte, zufällig beim Essen mit einer Gruppe von Walfangkapitänen an Bord eines Schiffes aus Nantucket im Hafen von Oahu auf den Sandwichinseln. Als das Gespräch auf Wale kam, zeigte der Kommodore Skepsis gegenüber der erstaunlichen Kraft, der ihnen die anwesenden Fachleute zuschrieben. Er leugnete beispielsweise entschieden, dass irgendein Wal sein robustes Kriegsschiff so stark treffen könnte, dass es auch nur einen Tropfen Wasser verliert. Sehr gut – aber es kommt noch mehr. Einige Wochen später segelte der Kommodore mit diesem unzerstörbaren Schiff nach Valparaiso. Doch auf dem Weg wurde er von einem stattlichen Schwertwal aufgehalten, der um ein paar Minuten für ein vertrauliches Gespräch bat. Dieses „Gespräch“ bestand darin, dass der Wal das Schiff des Kommodore so hart traf, dass dieses trotz aller Pumpen direkt zum nächstgelegenen Hafen fuhr, um dort zu ankern und repariert zu werden. Ich bin kein Mensch mit Aberglauben, aber ich halte das Treffen des Kommodore mit diesem Wal für providentiell. Wurde Saul von Tarsus nicht bekehrt?
Page 234
Von Unglauben durch eine ähnliche Furcht? Ich sage Ihnen: Der Pottwal duldet keinen Unsinn.
Ich verweise Sie nun auf Langsdorffs „Voyages“ bezüglich eines kleinen Details, der für den Verfasser dieses Textes besonders interessant ist. Langsdorff gehörte übrigens zu der berühmten Entdeckungsexpedition des russischen Admirals Krusenstern zu Beginn dieses Jahrhunderts.
Kapitän Langsdorff beginnt sein siebzehntes Kapitel folgendermaßen:
„Am 13. Mai war unser Schiff bereit zur Abfahrt, und am nächsten Tag befanden wir uns bereits auf hoher See auf dem Weg nach Ochotsch. Das Wetter war sehr klar und schön, doch unglaublich kalt – wir mussten daher unsere Pelzkleidung tragen. Einige Tage lang gab es kaum Wind; erst am 19. kam ein starker Sturm aus Nordwesten auf. Ein außergewöhnlich großer Wal, dessen Körper größer war als das Schiff selbst, lag fast an der Wasseroberfläche – doch niemand an Bord bemerkte ihn, bis das Schiff, das mit vollen Segeln fuhr, fast bei ihm war; es war daher unmöglich, einen Zusammenstoß zu vermeiden. Wir befanden uns somit in größter Gefahr, denn dieses riesige Tier hob das Schiff mindestens drei Fuß aus dem Wasser. Die Masten bogen sich, die Segel fielen ganz herab – wir, die wir unten waren, sprangen sofort auf das Deck und glaubten, gegen einen Felsen gestoßen zu sein. Stattdessen sahen wir, wie das Ungetüm mit größter Gelassenheit davonsegelte. Kapitän D’Wolf wandte sich sofort den Pumpen zu, um herauszufinden, ob das Schiff durch den Aufprall Schäden erlitten hatte – doch zum Glück blieb es völlig unbeschädigt.“
Der hier als Kommandant des betreffenden Schiffes erwähnte Kapitän D’Wolf ist ein Mann aus Neuengland. Nach einem Leben voller außergewöhnlicher Abenteuer als Seefahrer lebt er heute im Dorf Dorchester in der Nähe von Boston. Ich habe die Ehre, sein Neffe zu sein. Ich habe ihn insbesondere nach diesem Abschnitt aus Langsdorffs Werk befragt – er bestätigt jedes Wort. Das Schiff war jedoch keineswegs groß: Es handelte sich um ein russisches Schiff, das an der sibirischen Küste gebaut wurde und von meinem Onkel gekauft wurde, nachdem er das Schiff, mit dem er von zu Hause aus aufgebrochen war, gegen etwas anderes eingetauscht hatte.
In jenem Buch voller alter Abenteuergeschichten – auch voller ehrlicher Wunder –, nämlich der Reisebeschreibung von Lionel Wafer, einem alten Freund von Dampier, fand ich eine ähnliche Beschreibung wie die oben Zitierte.
Ich verweise Sie nun auf Langsdorffs „Voyages“ bezüglich eines kleinen Details, der für den Verfasser dieses Textes besonders interessant ist. Langsdorff gehörte übrigens zu der berühmten Entdeckungsexpedition des russischen Admirals Krusenstern zu Beginn dieses Jahrhunderts.
Kapitän Langsdorff beginnt sein siebzehntes Kapitel folgendermaßen:
„Am 13. Mai war unser Schiff bereit zur Abfahrt, und am nächsten Tag befanden wir uns bereits auf hoher See auf dem Weg nach Ochotsch. Das Wetter war sehr klar und schön, doch unglaublich kalt – wir mussten daher unsere Pelzkleidung tragen. Einige Tage lang gab es kaum Wind; erst am 19. kam ein starker Sturm aus Nordwesten auf. Ein außergewöhnlich großer Wal, dessen Körper größer war als das Schiff selbst, lag fast an der Wasseroberfläche – doch niemand an Bord bemerkte ihn, bis das Schiff, das mit vollen Segeln fuhr, fast bei ihm war; es war daher unmöglich, einen Zusammenstoß zu vermeiden. Wir befanden uns somit in größter Gefahr, denn dieses riesige Tier hob das Schiff mindestens drei Fuß aus dem Wasser. Die Masten bogen sich, die Segel fielen ganz herab – wir, die wir unten waren, sprangen sofort auf das Deck und glaubten, gegen einen Felsen gestoßen zu sein. Stattdessen sahen wir, wie das Ungetüm mit größter Gelassenheit davonsegelte. Kapitän D’Wolf wandte sich sofort den Pumpen zu, um herauszufinden, ob das Schiff durch den Aufprall Schäden erlitten hatte – doch zum Glück blieb es völlig unbeschädigt.“
Der hier als Kommandant des betreffenden Schiffes erwähnte Kapitän D’Wolf ist ein Mann aus Neuengland. Nach einem Leben voller außergewöhnlicher Abenteuer als Seefahrer lebt er heute im Dorf Dorchester in der Nähe von Boston. Ich habe die Ehre, sein Neffe zu sein. Ich habe ihn insbesondere nach diesem Abschnitt aus Langsdorffs Werk befragt – er bestätigt jedes Wort. Das Schiff war jedoch keineswegs groß: Es handelte sich um ein russisches Schiff, das an der sibirischen Küste gebaut wurde und von meinem Onkel gekauft wurde, nachdem er das Schiff, mit dem er von zu Hause aus aufgebrochen war, gegen etwas anderes eingetauscht hatte.
In jenem Buch voller alter Abenteuergeschichten – auch voller ehrlicher Wunder –, nämlich der Reisebeschreibung von Lionel Wafer, einem alten Freund von Dampier, fand ich eine ähnliche Beschreibung wie die oben Zitierte.
Page 235
Langsdorff – ich kann nicht umhin, ihn hier als Belegbeispiel einzufügen, falls eines benötigt wird.
Lionel war anscheinend auf dem Weg zu „John Ferdinando“, wie er den modernen Juan Fernandes nennt. „Auf unserem Weg dorthin“, sagt er, „um etwa vier Uhr morgens, als wir etwa hundertfünfzig Längen von der amerikanischen Küste entfernt waren, erlitt unser Schiff einen schrecklichen Stoß, der unsere Leute in solche Verzweiflung stürzte, dass sie kaum noch wussten, wo sie waren oder was sie tun sollten; jeder begann sich auf den Tod vorzubereiten. Tatsächlich war der Stoß so plötzlich und heftig, dass wir annahmen, das Schiff sei gegen einen Felsen geprallt; doch als die Überraschung nachließ, warfen wir Bleigewichte ins Wasser, um den Meeresgrund zu prüfen – doch es gab keinen Grund. * * * * * Die Plötzlichkeit des Stoßes ließ die Kanonen in ihren Halterungen hochspringen, und mehrere Männer wurden aus ihren Hängematten geschleudert. Kapitän Davis, der mit dem Kopf auf einer Kanone lag, wurde aus seiner Kabine geworfen!“ Lionel führt den Stoß anschließend auf ein Erdbeben zurück und scheint diese Annahme dadurch zu untermauern, dass er behauptet, zu dieser Zeit tatsächlich ein großes Erdbeben große Schäden entlang der spanischen Küste verursacht habe. Doch ich wäre nicht überrascht, wenn in der Dunkelheit jener frühen Morgenstunde der Stoß letztendlich durch einen unsichtbaren Wal verursacht wurde, der das Schiff von unten anstieß.
Ich könnte noch weitere Beispiele anführen – auf die eine oder andere Weise mir bekannte – für die große Kraft und Boshaftigkeit des Spermwals. In mehr als einem Fall ist bekannt, dass er nicht nur die angreifenden Boote zurück zu deren Schiffen jagte, sondern auch das Schiff selbst verfolgte und allen Lanzen standhielt, die von dessen Decks auf ihn geworfen wurden. Das englische Schiff Pusie Hall kann dazu eine Geschichte erzählen; was seine Stärke angeht, so gibt es Beispiele, in denen die Leinen, die an einem schwimmenden Spermwal befestigt waren, bei ruhigem Wetter auf das Schiff übertragen und dort festgemacht werden konnten; der Wal zog damit sein riesiges Schiff durchs Wasser, so wie ein Pferd einen Wagen zieht. Zudem wird sehr oft beobachtet, dass, wenn dem Spermwal nach einem Angriff Zeit gegeben wird, sich zu erholen, er dann nicht mehr aus blindem Zorn handelt, sondern mit absichtlichen, gezielten Plänen zur Zerstörung seiner Verfolger vorgeht. Auch ist es ein deutliches Zeichen seines Charakters, dass er beim Angriff oft seinen Mund öffnet und ihn mehrere Minuten lang in dieser furchterregenden Weise offen hält. Doch ich muss mich mit nur noch einem weiteren, abschließenden Beispiel zufriedengeben – einem bemerkenswerten und äußerst bedeutenden Beispiel, durch das Sie erkennen werden, dass nicht nur das erstaunlichste Ereignis in diesem Buch durch klare Tatsachen der Gegenwart bestätigt wird, sondern auch, dass diese Wunder…
Lionel war anscheinend auf dem Weg zu „John Ferdinando“, wie er den modernen Juan Fernandes nennt. „Auf unserem Weg dorthin“, sagt er, „um etwa vier Uhr morgens, als wir etwa hundertfünfzig Längen von der amerikanischen Küste entfernt waren, erlitt unser Schiff einen schrecklichen Stoß, der unsere Leute in solche Verzweiflung stürzte, dass sie kaum noch wussten, wo sie waren oder was sie tun sollten; jeder begann sich auf den Tod vorzubereiten. Tatsächlich war der Stoß so plötzlich und heftig, dass wir annahmen, das Schiff sei gegen einen Felsen geprallt; doch als die Überraschung nachließ, warfen wir Bleigewichte ins Wasser, um den Meeresgrund zu prüfen – doch es gab keinen Grund. * * * * * Die Plötzlichkeit des Stoßes ließ die Kanonen in ihren Halterungen hochspringen, und mehrere Männer wurden aus ihren Hängematten geschleudert. Kapitän Davis, der mit dem Kopf auf einer Kanone lag, wurde aus seiner Kabine geworfen!“ Lionel führt den Stoß anschließend auf ein Erdbeben zurück und scheint diese Annahme dadurch zu untermauern, dass er behauptet, zu dieser Zeit tatsächlich ein großes Erdbeben große Schäden entlang der spanischen Küste verursacht habe. Doch ich wäre nicht überrascht, wenn in der Dunkelheit jener frühen Morgenstunde der Stoß letztendlich durch einen unsichtbaren Wal verursacht wurde, der das Schiff von unten anstieß.
Ich könnte noch weitere Beispiele anführen – auf die eine oder andere Weise mir bekannte – für die große Kraft und Boshaftigkeit des Spermwals. In mehr als einem Fall ist bekannt, dass er nicht nur die angreifenden Boote zurück zu deren Schiffen jagte, sondern auch das Schiff selbst verfolgte und allen Lanzen standhielt, die von dessen Decks auf ihn geworfen wurden. Das englische Schiff Pusie Hall kann dazu eine Geschichte erzählen; was seine Stärke angeht, so gibt es Beispiele, in denen die Leinen, die an einem schwimmenden Spermwal befestigt waren, bei ruhigem Wetter auf das Schiff übertragen und dort festgemacht werden konnten; der Wal zog damit sein riesiges Schiff durchs Wasser, so wie ein Pferd einen Wagen zieht. Zudem wird sehr oft beobachtet, dass, wenn dem Spermwal nach einem Angriff Zeit gegeben wird, sich zu erholen, er dann nicht mehr aus blindem Zorn handelt, sondern mit absichtlichen, gezielten Plänen zur Zerstörung seiner Verfolger vorgeht. Auch ist es ein deutliches Zeichen seines Charakters, dass er beim Angriff oft seinen Mund öffnet und ihn mehrere Minuten lang in dieser furchterregenden Weise offen hält. Doch ich muss mich mit nur noch einem weiteren, abschließenden Beispiel zufriedengeben – einem bemerkenswerten und äußerst bedeutenden Beispiel, durch das Sie erkennen werden, dass nicht nur das erstaunlichste Ereignis in diesem Buch durch klare Tatsachen der Gegenwart bestätigt wird, sondern auch, dass diese Wunder…
Page 236
(ebenso wie alle Wunder) sind lediglich Wiederholungen der Vergangenheit; so dass wir zum millionsten Mal mit Salomo sagen: Wahrlich, es gibt nichts Neues unter der Sonne.
Im sechsten christlichen Jahrhundert lebte Prokopios, ein christlicher Beamter in Konstantinopel, zu Zeiten, als Justinian Kaiser und Belisarus General war. Wie viele wissen, schrieb er die Geschichte seiner Zeit – ein Werk von außergewöhnlichem Wert. Nach Ansicht der besten Autoritäten galt er stets als äußerst zuverlässiger und nicht übertriebener Historiker, abgesehen von ein oder zwei Details, die die hier zu besprechende Angelegenheit keineswegs betreffen.
In dieser Geschichte erwähnt Prokopios, dass während seiner Amtszeit in Konstantinopel ein großes Meeresungetüm im benachbarten Propontis, also im Marmarameer, gefangen wurde – nachdem es über einen Zeitraum von mehr als fünfzig Jahren immer wieder Schiffe in diesen Gewässern zerstört hatte. Ein solcher Umstand, der in einer seriösen Geschichtsschreibung festgehalten wird, lässt sich nicht leicht widerlegen. Es gibt auch keinen Grund dafür. Welche genaue Art dieses Meeresungetüms war, wird nicht erwähnt. Doch da es Schiffe zerstörte, muss es sich um einen Wal gehandelt haben – und ich neige stark dazu zu glauben, dass es sich um einen Pottwal handelte. Ich werde Ihnen erklären, warum. Lange Zeit dachte ich, der Pottwal sei im Mittelmeer sowie in den damit verbundenen Tiefgewässern stets unbekannt gewesen. Auch heute bin ich sicher, dass diese Meere bei der gegenwärtigen Situation weder ein Ort noch vielleicht jemals ein Ort für sein übliches Lebensgebiet sein können. Doch neuere Untersuchungen haben mir gezeigt, dass es in moderner Zeit vereinzelte Fälle des Vorkommens von Pottwalen im Mittelmeer gab. Mir wurde aus zuverlässiger Quelle mitgeteilt, dass der Kommodore Davis der britischen Marine an der Küste Barbariens das Skelett eines Pottwals fand. Da Kriegsschiffe mühelos durch die Dardanellen gelangen können, könnte ein Pottwal auf demselben Weg aus dem Mittelmeer ins Propontis gelangt sein.
Im Propontis findet man, soweit ich weiß, kein von dem Stoff namens „Brit“ – der Nahrung des Grönlandwals –, doch ich habe allen Grund zu glauben, dass die Nahrung des Pottwals, nämlich Tintenfische, am Meeresgrund zu finden ist, denn große Tiere, wenn auch keineswegs die größten dieser Art, wurden an der Oberfläche gefunden. Wenn man nun diese Aussagen richtig zusammenführt und darüber nachdenkt, wird man klar erkennen, dass nach allen menschlichen Überlegungen Prokopios’ Meeresungetüm…
Im sechsten christlichen Jahrhundert lebte Prokopios, ein christlicher Beamter in Konstantinopel, zu Zeiten, als Justinian Kaiser und Belisarus General war. Wie viele wissen, schrieb er die Geschichte seiner Zeit – ein Werk von außergewöhnlichem Wert. Nach Ansicht der besten Autoritäten galt er stets als äußerst zuverlässiger und nicht übertriebener Historiker, abgesehen von ein oder zwei Details, die die hier zu besprechende Angelegenheit keineswegs betreffen.
In dieser Geschichte erwähnt Prokopios, dass während seiner Amtszeit in Konstantinopel ein großes Meeresungetüm im benachbarten Propontis, also im Marmarameer, gefangen wurde – nachdem es über einen Zeitraum von mehr als fünfzig Jahren immer wieder Schiffe in diesen Gewässern zerstört hatte. Ein solcher Umstand, der in einer seriösen Geschichtsschreibung festgehalten wird, lässt sich nicht leicht widerlegen. Es gibt auch keinen Grund dafür. Welche genaue Art dieses Meeresungetüms war, wird nicht erwähnt. Doch da es Schiffe zerstörte, muss es sich um einen Wal gehandelt haben – und ich neige stark dazu zu glauben, dass es sich um einen Pottwal handelte. Ich werde Ihnen erklären, warum. Lange Zeit dachte ich, der Pottwal sei im Mittelmeer sowie in den damit verbundenen Tiefgewässern stets unbekannt gewesen. Auch heute bin ich sicher, dass diese Meere bei der gegenwärtigen Situation weder ein Ort noch vielleicht jemals ein Ort für sein übliches Lebensgebiet sein können. Doch neuere Untersuchungen haben mir gezeigt, dass es in moderner Zeit vereinzelte Fälle des Vorkommens von Pottwalen im Mittelmeer gab. Mir wurde aus zuverlässiger Quelle mitgeteilt, dass der Kommodore Davis der britischen Marine an der Küste Barbariens das Skelett eines Pottwals fand. Da Kriegsschiffe mühelos durch die Dardanellen gelangen können, könnte ein Pottwal auf demselben Weg aus dem Mittelmeer ins Propontis gelangt sein.
Im Propontis findet man, soweit ich weiß, kein von dem Stoff namens „Brit“ – der Nahrung des Grönlandwals –, doch ich habe allen Grund zu glauben, dass die Nahrung des Pottwals, nämlich Tintenfische, am Meeresgrund zu finden ist, denn große Tiere, wenn auch keineswegs die größten dieser Art, wurden an der Oberfläche gefunden. Wenn man nun diese Aussagen richtig zusammenführt und darüber nachdenkt, wird man klar erkennen, dass nach allen menschlichen Überlegungen Prokopios’ Meeresungetüm…
Page 237
Dass das Schiff, das ein halbes Jahrhundert lang die Schiffe eines römischen Kaisers antrieb, mit großer Wahrscheinlichkeit ein Walross war.
Page 238
KAPITEL 46. Vermutungen.
Obwohl Ahab von dem heißen Feuer seines Ziels verzehrt wurde und in allen seinen Gedanken und Handlungen stets die endgültige Ergreifung von Moby Dick im Blick hatte – obwohl er bereit schien, alle irdischen Interessen für diese Leidenschaft zu opfern –, könnte es dennoch sein, dass er durch seine Natur sowie langjährige Gewohnheiten zu sehr an die Wege eines „feurigen Walfängers“ gebunden war, um die weiteren Ziele der Reise aufzugeben. Oder zumindest: Falls dem nicht so wäre, gäbe es andere, weitaus einflussreichere Motive bei ihm. Es wäre vielleicht übertrieben, selbst unter Berücksichtigung seiner Monomanie anzudeuten, dass seine Rache gegen den Weißen Wal sich in gewissem Maße auch auf alle Wale ausdehnen könnte – und dass je mehr Monster er tötete, desto größer die Chancen wären, dass jeder anschließend begegnete Wal der verhasste Wal war, den er jagte. Doch selbst wenn eine solche Hypothese außergewöhnlich wäre, gab es immer noch weitere Überlegungen, die, auch wenn sie nicht ganz mit der Wildheit seiner beherrschenden Leidenschaft übereinstimmten, dennoch durchaus in der Lage waren, ihn zu beeinflussen.
Um sein Ziel zu erreichen, musste Ahab Werkzeuge verwenden – und von allen Werkzeugen, die im Schatten des Mondes eingesetzt werden, neigen Menschen am meisten dazu, auszufallen. Er wusste beispielsweise, dass seine Machtposition über Starbuck zwar in gewisser Hinsicht groß war, diese Macht jedoch den gesamten geistigen Menschen nicht umfasste – genauso wenig wie reine körperliche Überlegenheit intellektuelle Herrschaft bedeutet; denn für den rein Geistigen steht das Intellektuelle in einer Art körperlicher Beziehung. Starbucks Körper sowie sein gezwungener Wille gehörten Ahab, solange dieser seinen „Magnet“ auf Starbucks Gehirn richtete – doch er wusste auch, dass Starbuck in seinem Herzen die Jagd seines Kapitäns hasste und, könnte er es, gerne davon loskommen oder sie sogar vereiteln würde. Es könnte lange dauern, bis der Weiße Wal wieder sichtbar wurde. In dieser langen Zeit neigte Starbuck stets dazu, offen gegen die Führung seines Kapitäns zu rebellieren – es sei denn, irgendwelche gewöhnlichen, vorsichtigen Umstände würden auf ihn einwirken. Nicht nur das: Ahabs subtile Verrücktheit bezüglich Moby Dick zeigte sich am deutlichsten in seiner außergewöhnlichen Fähigkeit und Klugheit, vorauszusehen, dass die Jagd vorerst auf irgendeine Weise eingeschränkt werden müsse.
Obwohl Ahab von dem heißen Feuer seines Ziels verzehrt wurde und in allen seinen Gedanken und Handlungen stets die endgültige Ergreifung von Moby Dick im Blick hatte – obwohl er bereit schien, alle irdischen Interessen für diese Leidenschaft zu opfern –, könnte es dennoch sein, dass er durch seine Natur sowie langjährige Gewohnheiten zu sehr an die Wege eines „feurigen Walfängers“ gebunden war, um die weiteren Ziele der Reise aufzugeben. Oder zumindest: Falls dem nicht so wäre, gäbe es andere, weitaus einflussreichere Motive bei ihm. Es wäre vielleicht übertrieben, selbst unter Berücksichtigung seiner Monomanie anzudeuten, dass seine Rache gegen den Weißen Wal sich in gewissem Maße auch auf alle Wale ausdehnen könnte – und dass je mehr Monster er tötete, desto größer die Chancen wären, dass jeder anschließend begegnete Wal der verhasste Wal war, den er jagte. Doch selbst wenn eine solche Hypothese außergewöhnlich wäre, gab es immer noch weitere Überlegungen, die, auch wenn sie nicht ganz mit der Wildheit seiner beherrschenden Leidenschaft übereinstimmten, dennoch durchaus in der Lage waren, ihn zu beeinflussen.
Um sein Ziel zu erreichen, musste Ahab Werkzeuge verwenden – und von allen Werkzeugen, die im Schatten des Mondes eingesetzt werden, neigen Menschen am meisten dazu, auszufallen. Er wusste beispielsweise, dass seine Machtposition über Starbuck zwar in gewisser Hinsicht groß war, diese Macht jedoch den gesamten geistigen Menschen nicht umfasste – genauso wenig wie reine körperliche Überlegenheit intellektuelle Herrschaft bedeutet; denn für den rein Geistigen steht das Intellektuelle in einer Art körperlicher Beziehung. Starbucks Körper sowie sein gezwungener Wille gehörten Ahab, solange dieser seinen „Magnet“ auf Starbucks Gehirn richtete – doch er wusste auch, dass Starbuck in seinem Herzen die Jagd seines Kapitäns hasste und, könnte er es, gerne davon loskommen oder sie sogar vereiteln würde. Es könnte lange dauern, bis der Weiße Wal wieder sichtbar wurde. In dieser langen Zeit neigte Starbuck stets dazu, offen gegen die Führung seines Kapitäns zu rebellieren – es sei denn, irgendwelche gewöhnlichen, vorsichtigen Umstände würden auf ihn einwirken. Nicht nur das: Ahabs subtile Verrücktheit bezüglich Moby Dick zeigte sich am deutlichsten in seiner außergewöhnlichen Fähigkeit und Klugheit, vorauszusehen, dass die Jagd vorerst auf irgendeine Weise eingeschränkt werden müsse.
Page 239
jene seltsame, fantasievolle Gottlosigkeit, die ihm von Natur aus eigen war; dass die volle Furcht vor der Reise im dunklen Hintergrund bleiben musste – denn nur wenige Menschen haben den Mut, lange Zeit ohne Handlung nachzudenken; dass seine Offiziere und Mannschaften während der langen Nachtwachen wohl eher an etwas anderes denken mussten als an Moby Dick. Denn egal wie begierig und ungestüm die wilde Besatzung die Ankündigung seiner Expedition begrüßt hatte – alle Seefahrer sind mehr oder weniger launisch und unzuverlässig; sie leben in wechselhaftem Wetter und atmen dessen Unbeständigkeit ein – und wenn sie für ein fernes, unklares Ziel eingesetzt werden, egal wie vielversprechend das Leben und die Leidenschaft am Ende auch sein mögen, dann ist es umso wichtiger, dass vorübergehende Interessen und Aufgaben eingreifen und sie bis zum entscheidenden Schlag aufrecht erhalten. Auch Ahab dachte an etwas anderes. In Zeiten starker Emotionen verachten die Menschen alle niederen Überlegungen – doch solche Zeiten sind flüchtig. Die dauerhafte Verfassung des Menschen, so dachte Ahab, sei Niedrigkeit. Zugegeben, der Weiße Wal weckt in dieser wilden Besatzung große Begeisterung und fördert durch ihre Wildheit sogar eine Art edles Rittertum in ihnen – doch während sie aus Liebe zu ihm Moby Dick jagen, müssen sie auch Nahrung für ihre gewöhnlicheren, täglichen Bedürfnisse haben. Selbst die edlen Kreuzfahrer der alten Zeiten waren nicht bereit, zweitausend Meilen Landweg zurückzulegen, um für ihr heiliges Grab zu kämpfen, ohne unterwegs Raubzüge zu begehen, Taschen zu leeren und andere „fromme“ Vorteile zu erlangen. Hätten sie streng an ihr einziges, letztendliches und romantisches Ziel gebunden werden sollen – dieses letztendliche und romantische Ziel – hätten viele davon angewidert Abstand genommen. Ich werde diesen Männern nicht alle Hoffnungen auf Geld nehmen, dachte Ahab. Ja, Geld. Sie mögen jetzt Geld verachten – aber wenn einige Monate vergehen und keine Aussicht darauf besteht, wird dieses Geld plötzlich zu einem Problem für sie werden und Ahab zur Strecke bringen. Es fehlte auch noch ein weiterer vorsorglicher Grund, der persönlich mit Ahab zusammenhing. Da er wahrscheinlich impulsiv und vielleicht etwas voreilig das Hauptziel der Reise der Pequod preisgegeben hatte, war Ahab sich nun vollkommen bewusst, dass er dadurch indirekt der Anschuldigung der Usurpation ausgesetzt war; und mit völliger strafloser Immunität, sowohl moralisch als auch rechtlich, könnte seine Besatzung, falls sie dazu bereit und dazu fähig wäre, jegliche weitere Gehorsamkeit ihm gegenüber verweigern und ihm sogar gewaltsam das Kommando entreißen. Schon bei der geringsten Andeutung einer solchen Anschuldigung…
Page 240
Usurpation sowie die möglichen Folgen einer solchen Unterdrückung – Ahab musste natürlich sehr besorgt sein, sich selbst zu schützen. Diese Schutzmaßnahmen konnten nur darin bestehen, dass er mit seinem eigenen Verstand, Herzen und Willen handelte, unterstützt durch eine sorgfältige, genau berechnende Aufmerksamkeit gegenüber jeder noch so kleinen Einflussgröße, der seine Besatzung ausgesetzt sein könnte. Aus all diesen Gründen – und vielleicht auch aus anderen, die zu analytisch sind, um sie hier ausführlich zu erläutern – erkannte Ahab klar, dass er weiterhin in hohem Maße dem natürlichen, ursprünglichen Zweck der Reise der Pequod treu bleiben musste; er musste alle üblichen Bräuche einhalten – und nicht nur das: Er musste sich dazu zwingen, sein bekanntes, leidenschaftliches Interesse an seiner Arbeit zu zeigen. Trotz alledem war seine Stimme nun oft zu hören, wie er die drei Mastspitzen anwies, wachsam zu bleiben und selbst den kleinsten Delfin zu melden. Diese Wachsamkeit wurde bald belohnt.
Page 241
KAPITEL 47. Der Mattenmacher
Es war ein bewölkter, schwüler Nachmittag; die Seeleute lagen träge auf den Decks oder blickten gedankenlos in das bleigraue Wasser hinaus. Queequeg und ich waren damit beschäftigt, eine sogenannte Schwertmatte zu weben – als zusätzliche Verstärkung für unser Boot. Die ganze Szene war ruhig und gedämpft, doch zugleich schien sie etwas Vorwegnehmendes zu haben; in der Luft lag eine Art Trancezustand, sodass jeder stille Seemann wie in sich selbst versunken zu sein schien.
Ich war Queequegs Helfer, während wir mit der Matte beschäftigt waren. Während ich immer wieder das Füllmaterial zwischen den langen Fäden des Schussfadens schob, wobei ich meine eigene Hand als Schussfaden benutzte, und während Queequeg, der seitlich stand, von Zeit zu Zeit sein schweres Eichenschwert zwischen die Fäden schob und gedankenlos ins Wasser blickte, drückte er jeden Faden achtlos, aber gründlich fest. Es herrschte dort eine seltsame Traumhaftigkeit über dem ganzen Schiff und über dem ganzen Meer – unterbrochen nur vom gelegentlichen dumpfen Geräusch des Schwertes. Es schien, als wäre dies das Webstuhl der Zeit, und ich selbst wäre eine Schussfaden, die mechanisch das Schicksal webte. Die festen Fäden des Schussfadens unterlagen nur einer einzigen, immer wiederkehrenden, unveränderlichen Schwingung – gerade genug, um es anderen Fäden zu ermöglichen, sich mit ihnen zu vermischen. Dieser Schussfaden schien Notwendigkeit zu sein; und hier, dachte ich, benutze ich meine eigene Hand, um meinen eigenen Schussfaden zu bedienen und mein eigenes Schicksal in diese unveränderlichen Fäden zu weben. In der Zwischenzeit traf Queequegs impulsives, gleichgültiges Schwert manchmal den Schussfaden schräg, krumm, stark oder schwach – je nach Situation – und durch diese Unterschiede im Schlage entstand ein entsprechender Kontrast im Endergebnis des fertigen Stoffes. Dieses Schwert des Wilden, dachte ich, formt letztendlich sowohl den Schussfaden als auch den Füllfaden; dieses einfache, gleichgültige Schwert muss Zufall sein – ja, Zufall, freier Wille und Notwendigkeit – keineswegs unvereinbar – alle arbeiten miteinander zusammen. Der gerade Schussfaden der Notwendigkeit, der nicht von seinem endgültigen Weg abgebracht werden kann – seine jeweiligen Schwingungen dienen tatsächlich nur diesem Ziel; der freie Wille bleibt weiterhin frei, seinen Schussfaden zwischen den gegebenen Fäden zu bewegen; und der Zufall, obwohl er in seinen Bewegungen innerhalb der Grenzen der Notwendigkeit eingeschränkt ist, wird durch diese Grenzen gelenkt.
Es war ein bewölkter, schwüler Nachmittag; die Seeleute lagen träge auf den Decks oder blickten gedankenlos in das bleigraue Wasser hinaus. Queequeg und ich waren damit beschäftigt, eine sogenannte Schwertmatte zu weben – als zusätzliche Verstärkung für unser Boot. Die ganze Szene war ruhig und gedämpft, doch zugleich schien sie etwas Vorwegnehmendes zu haben; in der Luft lag eine Art Trancezustand, sodass jeder stille Seemann wie in sich selbst versunken zu sein schien.
Ich war Queequegs Helfer, während wir mit der Matte beschäftigt waren. Während ich immer wieder das Füllmaterial zwischen den langen Fäden des Schussfadens schob, wobei ich meine eigene Hand als Schussfaden benutzte, und während Queequeg, der seitlich stand, von Zeit zu Zeit sein schweres Eichenschwert zwischen die Fäden schob und gedankenlos ins Wasser blickte, drückte er jeden Faden achtlos, aber gründlich fest. Es herrschte dort eine seltsame Traumhaftigkeit über dem ganzen Schiff und über dem ganzen Meer – unterbrochen nur vom gelegentlichen dumpfen Geräusch des Schwertes. Es schien, als wäre dies das Webstuhl der Zeit, und ich selbst wäre eine Schussfaden, die mechanisch das Schicksal webte. Die festen Fäden des Schussfadens unterlagen nur einer einzigen, immer wiederkehrenden, unveränderlichen Schwingung – gerade genug, um es anderen Fäden zu ermöglichen, sich mit ihnen zu vermischen. Dieser Schussfaden schien Notwendigkeit zu sein; und hier, dachte ich, benutze ich meine eigene Hand, um meinen eigenen Schussfaden zu bedienen und mein eigenes Schicksal in diese unveränderlichen Fäden zu weben. In der Zwischenzeit traf Queequegs impulsives, gleichgültiges Schwert manchmal den Schussfaden schräg, krumm, stark oder schwach – je nach Situation – und durch diese Unterschiede im Schlage entstand ein entsprechender Kontrast im Endergebnis des fertigen Stoffes. Dieses Schwert des Wilden, dachte ich, formt letztendlich sowohl den Schussfaden als auch den Füllfaden; dieses einfache, gleichgültige Schwert muss Zufall sein – ja, Zufall, freier Wille und Notwendigkeit – keineswegs unvereinbar – alle arbeiten miteinander zusammen. Der gerade Schussfaden der Notwendigkeit, der nicht von seinem endgültigen Weg abgebracht werden kann – seine jeweiligen Schwingungen dienen tatsächlich nur diesem Ziel; der freie Wille bleibt weiterhin frei, seinen Schussfaden zwischen den gegebenen Fäden zu bewegen; und der Zufall, obwohl er in seinen Bewegungen innerhalb der Grenzen der Notwendigkeit eingeschränkt ist, wird durch diese Grenzen gelenkt.
Page 242
Der freie Wille – obwohl von beiden Seiten so vorgeschrieben – wird abwechselnd vom Zufall bestimmt, der schließlich den entscheidenden Einfluss auf die Ereignisse hat. So waren wir gerade dabei, weiterzumachen, als ich ein so seltsames, lang gezogenes, musikalisch wildes und unirdisches Geräusch hörte, dass der „Ball des freien Willens“ aus meiner Hand fiel. Ich stand da und blickte zu den Wolken empor, aus denen diese Stimme herabdrang. Hoch oben in den Bäumen dort oben befand sich jener verrückte Gay-Header, Tashtego. Sein Körper streckte sich sehnsüchtig nach vorne, seine Hand war ausgestreckt wie eine Zauberstange, und in kurzen Abständen setzte er sein Schreien fort. Sicherlich wurde in diesem Moment überall auf den Meeren dieses gleiche Geräusch gehört – von Hunderten von Walfängern, die hoch in der Luft saßen. Doch nur aus den Lungen von Tashtego konnte dieser gewohnte, alte Schrei eine solch wunderbare Kadenz erhalten. Als er dort oben in der Luft schwebte und gierig in Richtung Horizont blickte, hätte man meinen können, er sei ein Prophet oder Seher, der die Schatten des Schicksals betrachtet und durch seine wilden Schreie deren Ankunft ankündigt. „Da! Da bläst sie! Da! Da bläst sie!“ „Wo denn?“ „Auf der Lee-Seite, etwa zwei Meilen entfernt! Eine Schule von ihnen!“ Sofort entstand Unruhe. Der Wal bläst wie eine Uhr – mit derselben konstanten und zuverlässigen Regelmäßigkeit. Dadurch können die Walfänger diesen Fisch von anderen Arten seiner Gattung unterscheiden. „Da sind die Schwänze!“, rief nun Tashtego – und die Wale verschwanden. „Schnell, Steuermann!“, rief Ahab. „Zeit! Zeit!“ Dough-Boy eilte nach unten, warf einen Blick auf die Uhr und berichtete Ahab die genaue Minute. Das Schiff wurde nun vom Wind weggehalten und rollte sanft vor ihm dahin. Da Tashtego meldete, dass die Wale in Richtung Lee davongefahren seien, hofften wir, sie bald wieder direkt vor unserem Bug zu sehen. Denn diese besondere Fähigkeit des Wals – manchmal, wenn er mit dem Kopf in einer Richtung sucht, während er unter der Wasseroberfläche bleibt, dreht er sich um und schwimmt schnell in die entgegengesetzte Richtung – konnte jetzt nicht mehr zum Tragen kommen; denn es gab…
Page 243
Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass die Fische, die Tashtego sah, irgendwie beunruhigt waren oder überhaupt von unserer Anwesenheit wussten. Einer der Männer, die für die Bedienung des Schiffes ausgewählt worden waren – also jene, die nicht zu den Booten abgestellt worden waren – löste zu dieser Zeit den Indianer am Hauptmast ab. Die Seeleute an Bug und Heck waren bereits heruntergekommen; die Seiltrommeln waren an ihren Plätzen befestigt; die Kräne wurden herausgeschoben; das Hauptsegel wurde eingeholt, und die drei Boote hingen wie drei Körbe über dem Meer, hoch über den Klippen. Außerhalb der Schutzmauern klammerten sich ihre eifrigen Besatzungsmitglieder mit einer Hand an das Geländer, während ihr anderer Fuß erwartungsvoll auf dem Rand des Bootes ruhte. So sah also die lange Reihe der Seeleute aus, die kurz davor standen, an Bord eines feindlichen Schiffes zu springen. Doch in diesem kritischen Moment ertönte plötzlich ein Aufschrei, der alle Blicke vom Wal ablenkte. Alle starrten erschrocken auf den dunklen Ahab, der von fünf düsteren Gestalten umgeben war, die seemännisch gesehen gerade aus dem Nichts entstanden zu sein schienen.
Page 244
KAPITEL 48. Die erste Herablassung.
Die Erscheinungen – denn so schienen sie damals zu sein – flogen auf der anderen Seite des Decks umher und lösten mit lautloser Geschwindigkeit die Taue sowie Bänder des Bootes, das dort hing. Dieses Boot galt stets als eines der Ersatzboote, obwohl es technisch gesehen das des Kapitäns war, da es am rechten Bug des Schiffes hing. Die Gestalt, die nun am Bug dieses Bootes stand, war groß und dunkelhäutig; ein weißer Zahn ragte böse aus ihren stahlähnlichen Lippen hervor. Ein zerknittertes chinesisches Jackett aus schwarzem Baumwollstoff umhüllte ihn, zusammen mit weiten schwarzen Hosen aus demselben Stoff. Doch seltsamerweise krönte diese Dunkelheit ein glänzender weißer geflochtener Turban – das lebende Haar war zu Zöpfen geflochten und um den Kopf gewunden. Die Begleiter dieser Gestalt sahen weniger dunkelhäutig aus; sie hatten jene leuchtend gelbe Hautfarbe, die für einige der einheimischen Völker von Manila typisch ist – eine Rasse, die für ihre listige Boshaftigkeit berüchtigt ist. Ehrliche weiße Seeleute betrachteten sie als bezahlte Spione und geheime Agenten ihres „Herrn“, des Teufels, dessen Kontor sie irgendwo anders vermuteten.
Während die erstaunten Besatzungsmitglieder noch auf diese Fremden starrten, rief Ahab dem alten Mann mit dem weißen Turban zu: „Ist alles bereit, Fedallah?“
„Bereit“, kam die halblaut gemurmelte Antwort.
„Dann lasst das Boot herunter – hört ihr?“, rief er über das Deck. „Lasst es endlich herunter!“
Seine Stimme klang so donnernd, dass die Männer trotz ihrer Verwunderung sofort über die Reling sprangen; die Seile wirbelten in den Blocken herum – mit einem Platschen fielen die drei Boote ins Meer. Mit einer geschickten, kühnen Bewegung, wie man sie in keinem anderen Beruf findet, sprangen die Seeleute wie Ziegen den welligen Schiffsrumpf hinab in die unten befindlichen Boote.
Kaum hatten sie sich vom Heck des Schiffes entfernt, tauchte ein viertes Boot von der Windseite her unter das Heck auf – darin saßen fünf Fremde, die Ahab begleiteten. Ahab stand aufrecht im Heck und rief laut nach Starbuck, Stubb und Flask, damit sie sich weit verteilen sollten, um ein großes Stück Wasser abzudecken. Doch alle Blicke waren wieder auf …
Die Erscheinungen – denn so schienen sie damals zu sein – flogen auf der anderen Seite des Decks umher und lösten mit lautloser Geschwindigkeit die Taue sowie Bänder des Bootes, das dort hing. Dieses Boot galt stets als eines der Ersatzboote, obwohl es technisch gesehen das des Kapitäns war, da es am rechten Bug des Schiffes hing. Die Gestalt, die nun am Bug dieses Bootes stand, war groß und dunkelhäutig; ein weißer Zahn ragte böse aus ihren stahlähnlichen Lippen hervor. Ein zerknittertes chinesisches Jackett aus schwarzem Baumwollstoff umhüllte ihn, zusammen mit weiten schwarzen Hosen aus demselben Stoff. Doch seltsamerweise krönte diese Dunkelheit ein glänzender weißer geflochtener Turban – das lebende Haar war zu Zöpfen geflochten und um den Kopf gewunden. Die Begleiter dieser Gestalt sahen weniger dunkelhäutig aus; sie hatten jene leuchtend gelbe Hautfarbe, die für einige der einheimischen Völker von Manila typisch ist – eine Rasse, die für ihre listige Boshaftigkeit berüchtigt ist. Ehrliche weiße Seeleute betrachteten sie als bezahlte Spione und geheime Agenten ihres „Herrn“, des Teufels, dessen Kontor sie irgendwo anders vermuteten.
Während die erstaunten Besatzungsmitglieder noch auf diese Fremden starrten, rief Ahab dem alten Mann mit dem weißen Turban zu: „Ist alles bereit, Fedallah?“
„Bereit“, kam die halblaut gemurmelte Antwort.
„Dann lasst das Boot herunter – hört ihr?“, rief er über das Deck. „Lasst es endlich herunter!“
Seine Stimme klang so donnernd, dass die Männer trotz ihrer Verwunderung sofort über die Reling sprangen; die Seile wirbelten in den Blocken herum – mit einem Platschen fielen die drei Boote ins Meer. Mit einer geschickten, kühnen Bewegung, wie man sie in keinem anderen Beruf findet, sprangen die Seeleute wie Ziegen den welligen Schiffsrumpf hinab in die unten befindlichen Boote.
Kaum hatten sie sich vom Heck des Schiffes entfernt, tauchte ein viertes Boot von der Windseite her unter das Heck auf – darin saßen fünf Fremde, die Ahab begleiteten. Ahab stand aufrecht im Heck und rief laut nach Starbuck, Stubb und Flask, damit sie sich weit verteilen sollten, um ein großes Stück Wasser abzudecken. Doch alle Blicke waren wieder auf …
Page 245
Der schwarze Fedallah und seine Mannschaft – die Insassen der anderen Boote gehorchten dem Befehl nicht.
„Kapitän Ahab?“ sagte Starbuck.
„Verteilt euch“, rief Ahab; „weicht aus, alle vier Boote! Du, Flask, zieh dich weiter nach Lee!“
„Jawohl, Sir“, rief der kleine King-Post fröhlich, während er mit seinem großen Ruder um sich schlug. „Legt euch zurück! Da! Da wieder! Sie kommt direkt vor uns, Jungs! Legt euch zurück!“
„Achtet nie auf diese gelben Kerle, Archy.“
„Oh, mir machen sie nichts aus, Sir“, sagte Archy; „Ich wusste das schon vorher. Habe ich sie nicht bereits im Laderaum gehört? Und habe ich Cabaco nicht davon erzählt? Was meinst du, Cabaco? Das sind Schmuggler, Herr Flask.“
„Zieht an, meine lieben Leute; zieht an, meine Kinder; zieht an, meine Kleinen“, seufzte Stubb langsam und beruhigend zu seiner Mannschaft, von der einige immer noch Anzeichen von Unruhe zeigten. „Warum brecht ihr euch nicht den Rücken, meine Jungs? Worauf starrt ihr? Auf diese Typen im anderen Boot? Pah! Das sind nur fünf weitere Hände, die uns helfen – egal woher – je mehr, desto besser. Zieht also an, macht schon! Kümmert euch nicht um den Teufel – Teufel sind durchaus gute Kerle. So, so; jetzt habt ihr es geschafft – das ist ein Zug für tausend Pfund; das ist ein Zug, der die Pfähle wegfegt! Hurra für den goldenen Pokal aus Spermaöl, meine Helden! Drei Hochrufe, Männer – alle mit vollem Elan! Langsam, langsam; habt keine Eile – habt keine Eile. Warum brecht ihr eure Ruder nicht, ihr Schurken? Beißt etwas, ihr Hunde! So, so, so – sanft, sanft! Genau so! Lang und kräftig. Weicht aus, weicht aus! Verdammt sollt ihr sein, ihr Landstreicher; ihr schlaft alle. Hört auf zu schnarchen, ihr Schlafmützen, und zieht an. Zieht an, wollt ihr? Zieht an, könnt ihr nicht? Zieht an, wollt ihr nicht? Warum, im Namen aller Götter, zieht ihr nicht an? – Zieht an und brecht etwas! Zieht an und reißt euch die Augen auf! Hier!“ Er zog das scharfe Messer aus seinem Gürtel; „Jeder von euch soll sein Messer ziehen und mit der Klinge zwischen den Zähnen ziehen. Genau so! Jetzt tut endlich etwas – das sieht doch danach aus, meine Stahlzähne. Bringt das Boot in Bewegung – bringt es in Bewegung, meine Silberlöffel! Bringt es in Bewegung, ihr Spieße!“
Stubbs Ansprache an seine Mannschaft wird hier ausführlich wiedergegeben, denn er hatte im Allgemeinen eine besondere Art, mit ihnen zu sprechen – besonders wenn es darum ging, die Notwendigkeit des Ruderns zu betonen. Doch man sollte aus diesem Beispiel seiner Predigten nicht denken, dass er jemals völlig in Wut geriet.
„Kapitän Ahab?“ sagte Starbuck.
„Verteilt euch“, rief Ahab; „weicht aus, alle vier Boote! Du, Flask, zieh dich weiter nach Lee!“
„Jawohl, Sir“, rief der kleine King-Post fröhlich, während er mit seinem großen Ruder um sich schlug. „Legt euch zurück! Da! Da wieder! Sie kommt direkt vor uns, Jungs! Legt euch zurück!“
„Achtet nie auf diese gelben Kerle, Archy.“
„Oh, mir machen sie nichts aus, Sir“, sagte Archy; „Ich wusste das schon vorher. Habe ich sie nicht bereits im Laderaum gehört? Und habe ich Cabaco nicht davon erzählt? Was meinst du, Cabaco? Das sind Schmuggler, Herr Flask.“
„Zieht an, meine lieben Leute; zieht an, meine Kinder; zieht an, meine Kleinen“, seufzte Stubb langsam und beruhigend zu seiner Mannschaft, von der einige immer noch Anzeichen von Unruhe zeigten. „Warum brecht ihr euch nicht den Rücken, meine Jungs? Worauf starrt ihr? Auf diese Typen im anderen Boot? Pah! Das sind nur fünf weitere Hände, die uns helfen – egal woher – je mehr, desto besser. Zieht also an, macht schon! Kümmert euch nicht um den Teufel – Teufel sind durchaus gute Kerle. So, so; jetzt habt ihr es geschafft – das ist ein Zug für tausend Pfund; das ist ein Zug, der die Pfähle wegfegt! Hurra für den goldenen Pokal aus Spermaöl, meine Helden! Drei Hochrufe, Männer – alle mit vollem Elan! Langsam, langsam; habt keine Eile – habt keine Eile. Warum brecht ihr eure Ruder nicht, ihr Schurken? Beißt etwas, ihr Hunde! So, so, so – sanft, sanft! Genau so! Lang und kräftig. Weicht aus, weicht aus! Verdammt sollt ihr sein, ihr Landstreicher; ihr schlaft alle. Hört auf zu schnarchen, ihr Schlafmützen, und zieht an. Zieht an, wollt ihr? Zieht an, könnt ihr nicht? Zieht an, wollt ihr nicht? Warum, im Namen aller Götter, zieht ihr nicht an? – Zieht an und brecht etwas! Zieht an und reißt euch die Augen auf! Hier!“ Er zog das scharfe Messer aus seinem Gürtel; „Jeder von euch soll sein Messer ziehen und mit der Klinge zwischen den Zähnen ziehen. Genau so! Jetzt tut endlich etwas – das sieht doch danach aus, meine Stahlzähne. Bringt das Boot in Bewegung – bringt es in Bewegung, meine Silberlöffel! Bringt es in Bewegung, ihr Spieße!“
Stubbs Ansprache an seine Mannschaft wird hier ausführlich wiedergegeben, denn er hatte im Allgemeinen eine besondere Art, mit ihnen zu sprechen – besonders wenn es darum ging, die Notwendigkeit des Ruderns zu betonen. Doch man sollte aus diesem Beispiel seiner Predigten nicht denken, dass er jemals völlig in Wut geriet.
Page 246
Gesinde. Keineswegs – und darin bestand seine größte Besonderheit. Er sagte seinen Männern die schrecklichsten Dinge in einem Ton, der seltsam aus Spott und Wut bestand; die Wut schien nur dazu da zu sein, dem Spott mehr Schärfe zu verleihen. Kein Ruderer konnte solche seltsamen Äußerungen hören, ohne mit aller Kraft zu rudern – und zwar aus reiner Spaßlust. Zudem wirkte er selbst stets so gelassen und träge, manövrierte sein Steuerrohr lässig und grinste oft breit – manchmal sogar mit offenem Mund – sodass allein der Anblick eines solchen Kommandanten durch den starken Kontrast wie ein Zauber auf die Mannschaft wirkte. Stubb gehörte außerdem zu jenen seltsamen Humoristen, deren Heiterkeit manchmal so zweideutig ist, dass alle Untergebenen vorsichtig werden, wenn es darum geht, ihnen zu gehorchen.
Auf Ahabs Zeichen hin ruderte Starbuck nun schräg über Stubbs Bug. Als die beiden Boote für etwa eine Minute ziemlich nah beieinander waren, rief Stubb den Ersten Offizier an:
„Mr. Starbuck! Boot an Backbord, hallo! Ich möchte gerne kurz mit Ihnen sprechen, wenn es Ihnen recht ist!“
„Halloa!“, antwortete Starbuck, ohne sich auch nur um einen Zentimeter umzudrehen; er trieb weiterhin eifrig, aber leise seine Männer an. Sein Gesicht war vor Stubbs Augen wie Stein erstarrt.
„Was halten Sie von diesen gelben Jungen, Sir?“
„Sie wurden irgendwie an Bord geschmuggelt, bevor das Schiff ablegte. (Kraftvoll, Jungs!)“, flüsterte er seinen Männern zu, sprach dann wieder laut: „Das ist eine traurige Angelegenheit, Mr. Stubb! (Rudert, Jungs!) Aber machen Sie sich keine Sorgen, Mr. Stubb – alles wird gut. Lassen Sie Ihre Männer um jeden Preis kräftig rudern. (Anstrengen Sie sich, Jungs!) Vor uns liegen Fässer voller Sperma, Mr. Stubb – genau das sind wir doch hierhergekommen, um zu holen. (Rudert, Jungs!) Sperma – das ist das Ziel! Das ist zumindest Pflicht; Pflicht und Gewinn gehen Hand in Hand.“
„Ja, ja, das dachte ich mir auch“, murmelte Stubb, als die Boote sich voneinander trennten. „Sobald ich sie sah, wusste ich es. Ja, deshalb ging er so oft in den hinteren Laderaum – wie Dough-Boy schon lange vermutet hatte. Sie waren dort versteckt. Der Weiße Wal steckt dahinter. Nun, dann sei es so! Man kann nichts dagegen tun! In Ordnung! Weg da, Leute! Heute ist es nicht der Weiße Wal! Weg da!“
Der Auftritt dieser seltsamen Fremden in einem so kritischen Moment, wie dem Herunterlassen der Boote vom Deck, weckte bei einigen Besatzungsmitgliedern durchaus berechtigte, abergläubische Verwunderung.
Auf Ahabs Zeichen hin ruderte Starbuck nun schräg über Stubbs Bug. Als die beiden Boote für etwa eine Minute ziemlich nah beieinander waren, rief Stubb den Ersten Offizier an:
„Mr. Starbuck! Boot an Backbord, hallo! Ich möchte gerne kurz mit Ihnen sprechen, wenn es Ihnen recht ist!“
„Halloa!“, antwortete Starbuck, ohne sich auch nur um einen Zentimeter umzudrehen; er trieb weiterhin eifrig, aber leise seine Männer an. Sein Gesicht war vor Stubbs Augen wie Stein erstarrt.
„Was halten Sie von diesen gelben Jungen, Sir?“
„Sie wurden irgendwie an Bord geschmuggelt, bevor das Schiff ablegte. (Kraftvoll, Jungs!)“, flüsterte er seinen Männern zu, sprach dann wieder laut: „Das ist eine traurige Angelegenheit, Mr. Stubb! (Rudert, Jungs!) Aber machen Sie sich keine Sorgen, Mr. Stubb – alles wird gut. Lassen Sie Ihre Männer um jeden Preis kräftig rudern. (Anstrengen Sie sich, Jungs!) Vor uns liegen Fässer voller Sperma, Mr. Stubb – genau das sind wir doch hierhergekommen, um zu holen. (Rudert, Jungs!) Sperma – das ist das Ziel! Das ist zumindest Pflicht; Pflicht und Gewinn gehen Hand in Hand.“
„Ja, ja, das dachte ich mir auch“, murmelte Stubb, als die Boote sich voneinander trennten. „Sobald ich sie sah, wusste ich es. Ja, deshalb ging er so oft in den hinteren Laderaum – wie Dough-Boy schon lange vermutet hatte. Sie waren dort versteckt. Der Weiße Wal steckt dahinter. Nun, dann sei es so! Man kann nichts dagegen tun! In Ordnung! Weg da, Leute! Heute ist es nicht der Weiße Wal! Weg da!“
Der Auftritt dieser seltsamen Fremden in einem so kritischen Moment, wie dem Herunterlassen der Boote vom Deck, weckte bei einigen Besatzungsmitgliedern durchaus berechtigte, abergläubische Verwunderung.
Page 247
Doch Archys sogenannte Entdeckung hatte sich bereits vor einiger Zeit unter ihnen verbreitet – auch wenn sie damals noch nicht ernst genommen wurde – und hatte sie somit bis zu einem gewissen Grad auf dieses Ereignis vorbereitet. Dadurch nahm die extreme Verwunderung der Männer ab; und durch all das sowie Stubbs selbstsichere Erklärungen bezüglich ihres Erscheinens waren sie vorerst von abergläubischen Vermutungen befreit – obwohl die Angelegenheit weiterhin Raum für allerlei wilde Spekulationen über Ahabs genaue Rolle von Anfang an ließ. Ich erinnerte mich still an die geheimnisvollen Schatten, die ich bei der trüben Dämmerung auf Nantucket an Bord der Pequod gesehen hatte, sowie an die rätselhaften Andeutungen des unerklärlichen Elijah.
In der Zwischenzeit befand sich Ahab, außer Hörweite seiner Offiziere und am weitesten nach Lee gerichtet, weiterhin vor den anderen Booten – was darauf hindeutete, wie kraftvoll die Besatzung ihn vorantrieb. Seine tigergelben Krieger schienen aus Stahl und Walbein zu bestehen; wie fünf Hämmer hoben und senkten sie sich mit regelmäßigen, kräftigen Bewegungen, wodurch das Boot periodisch vorwärts geschoben wurde – wie eine horizontale Dampfpumpe an einem Dampfschiff des Mississippi. Was Fedallah betraf, der dabei war, das Harpunierruder zu bedienen, so hatte er seine schwarze Jacke abgelegt und seinen nackten Oberkörper sowie den gesamten Oberkörper oberhalb der Reling sichtbar gemacht; er zeichnete sich deutlich gegen die wechselnden Vertiefungen des Wassenhorizonts ab. Am anderen Ende des Bootes hielt Ahab mit einem Arm, der wie der eines Fechters halb nach hinten in die Luft gestreckt war, als wolle er jegliches Stolpern ausgleichen, ruhig das Steuerruder fest – genauso wie bei tausend anderen Fahrten, bevor der Weiße Wal ihn zerstört hatte. Plötzlich machte der ausgestreckte Arm eine seltsame Bewegung und blieb anschließend regungslos, während gleichzeitig alle fünf Ruder des Bootes nach oben gerichtet wurden. Boot und Besatzung lagen regungslos auf dem Meer. Sofort hielten die drei Boote im Heck inne. Die Wale hatten sich unregelmäßig ins Blaue hinabgesenkt, sodass keine erkennbaren Anzeichen ihrer Bewegung zu sehen waren – obwohl Ahab aus geringerer Entfernung diese Beobachtung hatte machen können.
„Jeder soll auf sein Ruder achten!“, rief Starbuck. „Du, Queequeg, steh auf!“
Geschickt sprang der Wilde auf die dreieckige Erhebung an der Bugseite, stand dort aufrecht und blickte mit intensiv gespannten Augen in die Richtung, in der die Jagd zuletzt gesehen worden war. Ebenso auf der äußersten Heckseite des Bootes, wo ebenfalls eine dreieckige Plattform auf Höhe der Reling vorhanden war, sah man Starbuck selbst, wie er ruhig und geschickt das Gleichgewicht hielt.
In der Zwischenzeit befand sich Ahab, außer Hörweite seiner Offiziere und am weitesten nach Lee gerichtet, weiterhin vor den anderen Booten – was darauf hindeutete, wie kraftvoll die Besatzung ihn vorantrieb. Seine tigergelben Krieger schienen aus Stahl und Walbein zu bestehen; wie fünf Hämmer hoben und senkten sie sich mit regelmäßigen, kräftigen Bewegungen, wodurch das Boot periodisch vorwärts geschoben wurde – wie eine horizontale Dampfpumpe an einem Dampfschiff des Mississippi. Was Fedallah betraf, der dabei war, das Harpunierruder zu bedienen, so hatte er seine schwarze Jacke abgelegt und seinen nackten Oberkörper sowie den gesamten Oberkörper oberhalb der Reling sichtbar gemacht; er zeichnete sich deutlich gegen die wechselnden Vertiefungen des Wassenhorizonts ab. Am anderen Ende des Bootes hielt Ahab mit einem Arm, der wie der eines Fechters halb nach hinten in die Luft gestreckt war, als wolle er jegliches Stolpern ausgleichen, ruhig das Steuerruder fest – genauso wie bei tausend anderen Fahrten, bevor der Weiße Wal ihn zerstört hatte. Plötzlich machte der ausgestreckte Arm eine seltsame Bewegung und blieb anschließend regungslos, während gleichzeitig alle fünf Ruder des Bootes nach oben gerichtet wurden. Boot und Besatzung lagen regungslos auf dem Meer. Sofort hielten die drei Boote im Heck inne. Die Wale hatten sich unregelmäßig ins Blaue hinabgesenkt, sodass keine erkennbaren Anzeichen ihrer Bewegung zu sehen waren – obwohl Ahab aus geringerer Entfernung diese Beobachtung hatte machen können.
„Jeder soll auf sein Ruder achten!“, rief Starbuck. „Du, Queequeg, steh auf!“
Geschickt sprang der Wilde auf die dreieckige Erhebung an der Bugseite, stand dort aufrecht und blickte mit intensiv gespannten Augen in die Richtung, in der die Jagd zuletzt gesehen worden war. Ebenso auf der äußersten Heckseite des Bootes, wo ebenfalls eine dreieckige Plattform auf Höhe der Reling vorhanden war, sah man Starbuck selbst, wie er ruhig und geschickt das Gleichgewicht hielt.
Page 248
Er warf seinen kleinen Bootsteil heftig hin und her und blickte stumm auf das weite blaue Auge des Meeres. Nicht allzu weit entfernt lag auch Flasks Boot regungslos da; sein Kommandant stand rücksichtslos auf der Spitze eines dicken Pfahls, der im Rumpf verankert war und etwa zwei Fuß über der Plattform am Heck aufragte. Dieser Pfahl diente dazu, die Walfangleine zu bedienen. Seine Oberfläche war nicht größer als die Handfläche eines Mannes – auf einer solchen Basis zu stehen, ließ Flask wie jemand erscheinen, der auf dem Mastkopf eines Schiffes steht, das bis auf seine Träger gesunken ist. Doch der kleine King-Post war klein und kurz – zugleich aber voller großer, hoher Ambitionen. Deshalb konnte diese Position auf dem Pfahl ihn keineswegs zufriedenstellen.
„Ich kann drei Meilen weit sehen – reichen Sie mir ein Ruder dort rüber, damit ich darauf steigen kann.“ Daraufhin glitt Daggoo, mit beiden Händen am Bootsrand, schnell nach hinten und bot anschließend seine breiten Schultern als Podest an. „Das ist ein ausgezeichneter Mastkopf, Sir. Möchten Sie darauf steigen?“ „Das werde ich tun – vielen Dank, mein guter Freund. Nur wünschte ich, er wäre fünfzig Fuß höher.“ Daggoo stellte seine Füße fest gegen zwei gegenüberliegende Planken des Bootes, beugte sich leicht vor, streckte seine flache Handfläche Flasks Füßen entgegen, legte anschließend Flasks Hand auf seinen Kopf und forderte ihn auf, hochzuspringen. Mit einer geschickten Bewegung setzte er den kleinen Mann sicher auf seine Schultern. Nun stand Flask dort, während Daggoo ihm mit einem erhobenen Arm einen Halt bot, an den er sich anlehnen konnte.
Für einen Anfänger ist es immer wieder eine seltsame Szene zu sehen, mit welcher erstaunlichen Geschicklichkeit ein Walfänger auch in den stürmischsten Wellen eine aufrechte Haltung beibehalten kann. Noch seltsamer ist es, ihn unter solchen Umständen auf dem Pfahl selbst zu sehen. Doch der Anblick von Flasks auf dem riesigen Daggoo war noch bemerkenswerter: Der edle Neger hielt ihn mit ruhiger, gelassener, müheloser Entschlossenheit fest – bei jedem Wellenschlag bewegte er seinen Körper harmonisch mit. Auf seinem breiten Rücken wirkte der blondhaarige Flask wie ein Schneeflocken. Der Träger wirkte edler als der Reiter. Obwohl der lebhafe, temperamentvolle kleine Flask ab und zu ungeduldig mit den Füßen stampfte, ließ er sich davon nicht beeinflussen.
„Ich kann drei Meilen weit sehen – reichen Sie mir ein Ruder dort rüber, damit ich darauf steigen kann.“ Daraufhin glitt Daggoo, mit beiden Händen am Bootsrand, schnell nach hinten und bot anschließend seine breiten Schultern als Podest an. „Das ist ein ausgezeichneter Mastkopf, Sir. Möchten Sie darauf steigen?“ „Das werde ich tun – vielen Dank, mein guter Freund. Nur wünschte ich, er wäre fünfzig Fuß höher.“ Daggoo stellte seine Füße fest gegen zwei gegenüberliegende Planken des Bootes, beugte sich leicht vor, streckte seine flache Handfläche Flasks Füßen entgegen, legte anschließend Flasks Hand auf seinen Kopf und forderte ihn auf, hochzuspringen. Mit einer geschickten Bewegung setzte er den kleinen Mann sicher auf seine Schultern. Nun stand Flask dort, während Daggoo ihm mit einem erhobenen Arm einen Halt bot, an den er sich anlehnen konnte.
Für einen Anfänger ist es immer wieder eine seltsame Szene zu sehen, mit welcher erstaunlichen Geschicklichkeit ein Walfänger auch in den stürmischsten Wellen eine aufrechte Haltung beibehalten kann. Noch seltsamer ist es, ihn unter solchen Umständen auf dem Pfahl selbst zu sehen. Doch der Anblick von Flasks auf dem riesigen Daggoo war noch bemerkenswerter: Der edle Neger hielt ihn mit ruhiger, gelassener, müheloser Entschlossenheit fest – bei jedem Wellenschlag bewegte er seinen Körper harmonisch mit. Auf seinem breiten Rücken wirkte der blondhaarige Flask wie ein Schneeflocken. Der Träger wirkte edler als der Reiter. Obwohl der lebhafe, temperamentvolle kleine Flask ab und zu ungeduldig mit den Füßen stampfte, ließ er sich davon nicht beeinflussen.
Page 249
Gab er damit dem schwarzen Mann seine „herrschaftliche Brust“? Ich habe auch schon Leidenschaft und Eitelkeit gesehen, wie sie die großzügige Erde bedrückten – doch die Erde änderte deswegen weder ihre Gezeiten noch ihre Jahreszeiten.
In der Zwischenzeit zeigte Stubb, der Dritte Offizier, keinerlei solche weitschweifigen Gedanken. Die Wale könnten eine ihrer üblichen Tauchgänge gemacht haben – und nicht nur aus Angst vorübergehend untergetaucht sein. Falls dem so war, dann war Stubb, wie es seine Gewohnheit in solchen Fällen zu sein schien, entschlossen, die langweilige Wartezeit mit seiner Pfeife zu überbrücken. Er holte sie aus dem Band seines Hutes hervor, wo er sie stets wie eine Feder trug. Er lud sie und drückte den Tabak mit dem Daumen fest hinein. Doch kaum hatte er sein Streichholz an der rauen Sandpapieroberfläche seiner Hand entzündet, da sank Tashtego, sein Harpunier, dessen Blicke wie zwei feste Sterne in Richtung Wind standen, plötzlich von seiner aufrechten Haltung auf seinen Sitz hinab und rief in großer Eile: „Runter, alle runter – macht Platz! Da sind sie!“
Für einen Landbewohner wäre zu diesem Zeitpunkt weder ein Wal noch irgendein Zeichen eines Heringes sichtbar gewesen – nur etwas unruhiges, grünlich-weißes Wasser sowie dünne, verstreute Dampfwolken, die darüber schwebten und nach Lee zu wehten schienen, wie verwirrter Schaum von weißen Wellen. Die Luft um sie herum vibrierte plötzlich, als wäre sie über stark erhitzten Eisenplatten. Unter diesen wellenden Bewegungen der Atmosphäre – und teilweise auch unter einer dünnen Wasserschicht – schwammen die Wale.
Als erstes Zeichen waren die von ihnen ausgestoßenen Dampfwolken zu sehen – sie wirkten wie ihre Vorboten. Alle vier Boote verfolgten nun eifrig diesen Punkt im Wasser und in der Luft. Doch dieser Punkt schien ihnen immer wieder entkommen zu wollen – er zog weiter, wie eine Masse aus miteinander vermischteten Blasen, die von einem schnellen Strom aus den Hügeln herabgetrieben wurden.
„Zieht an, meine guten Jungs“, sagte Starbuck mit möglichst leiser, aber intensiver Stimme zu seinen Männern. Sein scharfer Blick richtete sich direkt nach vorn – fast wie zwei sichtbare Nadeln in zwei präzisen Kompassen. Er sagte nicht viel zu seiner Besatzung, und diese sagte auch nichts zu ihm. Nur das Schweigen im Boot wurde gelegentlich von einem seiner besonderen Flüstertöne durchbrochen – mal hart und fordernd, mal sanft und bittend.
Wie anders doch der laute kleine King-Post… „Singt und sagt etwas, meine Freunde! Zieht an, meine Starken! Setzt mich auf ihre schwarzen Rücken – tut das für mich, und ich werde euch alles übergeben.“
In der Zwischenzeit zeigte Stubb, der Dritte Offizier, keinerlei solche weitschweifigen Gedanken. Die Wale könnten eine ihrer üblichen Tauchgänge gemacht haben – und nicht nur aus Angst vorübergehend untergetaucht sein. Falls dem so war, dann war Stubb, wie es seine Gewohnheit in solchen Fällen zu sein schien, entschlossen, die langweilige Wartezeit mit seiner Pfeife zu überbrücken. Er holte sie aus dem Band seines Hutes hervor, wo er sie stets wie eine Feder trug. Er lud sie und drückte den Tabak mit dem Daumen fest hinein. Doch kaum hatte er sein Streichholz an der rauen Sandpapieroberfläche seiner Hand entzündet, da sank Tashtego, sein Harpunier, dessen Blicke wie zwei feste Sterne in Richtung Wind standen, plötzlich von seiner aufrechten Haltung auf seinen Sitz hinab und rief in großer Eile: „Runter, alle runter – macht Platz! Da sind sie!“
Für einen Landbewohner wäre zu diesem Zeitpunkt weder ein Wal noch irgendein Zeichen eines Heringes sichtbar gewesen – nur etwas unruhiges, grünlich-weißes Wasser sowie dünne, verstreute Dampfwolken, die darüber schwebten und nach Lee zu wehten schienen, wie verwirrter Schaum von weißen Wellen. Die Luft um sie herum vibrierte plötzlich, als wäre sie über stark erhitzten Eisenplatten. Unter diesen wellenden Bewegungen der Atmosphäre – und teilweise auch unter einer dünnen Wasserschicht – schwammen die Wale.
Als erstes Zeichen waren die von ihnen ausgestoßenen Dampfwolken zu sehen – sie wirkten wie ihre Vorboten. Alle vier Boote verfolgten nun eifrig diesen Punkt im Wasser und in der Luft. Doch dieser Punkt schien ihnen immer wieder entkommen zu wollen – er zog weiter, wie eine Masse aus miteinander vermischteten Blasen, die von einem schnellen Strom aus den Hügeln herabgetrieben wurden.
„Zieht an, meine guten Jungs“, sagte Starbuck mit möglichst leiser, aber intensiver Stimme zu seinen Männern. Sein scharfer Blick richtete sich direkt nach vorn – fast wie zwei sichtbare Nadeln in zwei präzisen Kompassen. Er sagte nicht viel zu seiner Besatzung, und diese sagte auch nichts zu ihm. Nur das Schweigen im Boot wurde gelegentlich von einem seiner besonderen Flüstertöne durchbrochen – mal hart und fordernd, mal sanft und bittend.
Wie anders doch der laute kleine King-Post… „Singt und sagt etwas, meine Freunde! Zieht an, meine Starken! Setzt mich auf ihre schwarzen Rücken – tut das für mich, und ich werde euch alles übergeben.“
Page 250
Die Plantage auf Martha’s Vineyard – Jungs, einschließlich Ehefrau und Kindern. Legt mich hin – legt mich hin! Oh Herr, Herr! Aber ich werde verrückt werden! Seht doch das weiße Wasser! So schreiend zog er seinen Hut vom Kopf, trat darauf herum; dann hob er ihn auf und warf ihn weit hinaus aufs Meer; schließlich stürzte er sich wie ein wahnsinniges Fohlen von der Prärie auf die Heckseite des Bootes.
„Schaut euch diesen Kerl an“, sagte Stubb philosophisch. Er folgte in einigem Abstand, mit seiner unangezündeten Kurzpfeife mechanisch zwischen den Zähnen. „Der hat Anfälle, dieser Flask. Anfälle? Ja, gebt ihm Anfälle – das ist genau das richtige Wort. Fröhlich, fröhlich, voller Lebensfreude. Pudding zum Abendessen – Fröhlichkeit ist das richtige Wort. Zieht an, Jungs – zieht an, alle miteinander. Aber warum habt ihr es so eilig? Sanft, sanft und gleichmäßig, meine Leute. Nur ziehen – und weiterziehen. Nichts weiter. Brecht euch die Wirbelsäulen, beißt eure Messer in zwei – das ist alles. Nehmt es ruhig – warum nehmt ihr es nicht ruhig, sage ich, und zerstört eure Leber und Lungen!“
Doch was dieser unergründliche Ahab zu seiner „tigergelben“ Mannschaft sagte – das sind Worte, die hier besser unerwähnt bleiben. Denn man lebt im gesegneten Licht des evangelischen Landes. Nur die gottlosen Haie in den dreisten Meeren können solchen Worten lauschen, wenn Ahab mit finsterer Miene, roten Mordaugen und lippenbedeckter Schaumkrone hinter seiner Beute herjagt.
In der Zwischenzeit setzten alle Boote ihre Fahrt fort. Flasks wiederholte Anspielungen auf „diesen Wal“ – so nannte er das fiktive Ungeheuer, das seiner Ansicht nach ständig mit seinem Schwanz die Bugseite seines Bootes reizte – waren manchmal so lebhaft und realistisch, dass einige seiner Männer ängstlich über die Schulter blickten. Doch das verstieß gegen alle Regeln; denn die Ruderer durften ihre Augen bedecken und sich Spieße durch die Kehlen stechen lassen – es galt als Vorschrift, dass sie in diesen kritischen Momenten nur Ohren und Arme haben durften.
Es war ein Anblick voller Staunen und Ehrfurcht! Die gewaltigen Wellen des allmächtigen Meeres; das donnernde Dröhnen, das sie verursachten, als sie über die acht Bordwände rollten, wie riesige Schüsseln auf einem endlosen Spielfeld; die kurze, angespannte Lage des Bootes, wenn es für einen Moment auf dem scharfen Rand der Wellen balancierte – fast so, als würde es in zwei Teile gerissen werden; der plötzliche Absturz in die wassergefüllten Täler und Vertiefungen; die dringenden Anspornungen, den Gipfel des gegenüberliegenden Hügels zu erreichen; der rasanten, schlittenartigen Abstieg auf der anderen Seite – all das zusammen mit den Schreien der Männer…
„Schaut euch diesen Kerl an“, sagte Stubb philosophisch. Er folgte in einigem Abstand, mit seiner unangezündeten Kurzpfeife mechanisch zwischen den Zähnen. „Der hat Anfälle, dieser Flask. Anfälle? Ja, gebt ihm Anfälle – das ist genau das richtige Wort. Fröhlich, fröhlich, voller Lebensfreude. Pudding zum Abendessen – Fröhlichkeit ist das richtige Wort. Zieht an, Jungs – zieht an, alle miteinander. Aber warum habt ihr es so eilig? Sanft, sanft und gleichmäßig, meine Leute. Nur ziehen – und weiterziehen. Nichts weiter. Brecht euch die Wirbelsäulen, beißt eure Messer in zwei – das ist alles. Nehmt es ruhig – warum nehmt ihr es nicht ruhig, sage ich, und zerstört eure Leber und Lungen!“
Doch was dieser unergründliche Ahab zu seiner „tigergelben“ Mannschaft sagte – das sind Worte, die hier besser unerwähnt bleiben. Denn man lebt im gesegneten Licht des evangelischen Landes. Nur die gottlosen Haie in den dreisten Meeren können solchen Worten lauschen, wenn Ahab mit finsterer Miene, roten Mordaugen und lippenbedeckter Schaumkrone hinter seiner Beute herjagt.
In der Zwischenzeit setzten alle Boote ihre Fahrt fort. Flasks wiederholte Anspielungen auf „diesen Wal“ – so nannte er das fiktive Ungeheuer, das seiner Ansicht nach ständig mit seinem Schwanz die Bugseite seines Bootes reizte – waren manchmal so lebhaft und realistisch, dass einige seiner Männer ängstlich über die Schulter blickten. Doch das verstieß gegen alle Regeln; denn die Ruderer durften ihre Augen bedecken und sich Spieße durch die Kehlen stechen lassen – es galt als Vorschrift, dass sie in diesen kritischen Momenten nur Ohren und Arme haben durften.
Es war ein Anblick voller Staunen und Ehrfurcht! Die gewaltigen Wellen des allmächtigen Meeres; das donnernde Dröhnen, das sie verursachten, als sie über die acht Bordwände rollten, wie riesige Schüsseln auf einem endlosen Spielfeld; die kurze, angespannte Lage des Bootes, wenn es für einen Moment auf dem scharfen Rand der Wellen balancierte – fast so, als würde es in zwei Teile gerissen werden; der plötzliche Absturz in die wassergefüllten Täler und Vertiefungen; die dringenden Anspornungen, den Gipfel des gegenüberliegenden Hügels zu erreichen; der rasanten, schlittenartigen Abstieg auf der anderen Seite – all das zusammen mit den Schreien der Männer…
Page 251
Kopfjäger und Harpunenwerfer – sowie die zitternden Atemzüge der Ruderer – dazu das erstaunliche Schauspiel des elfenbeinfarbenen Pequod, der mit ausgespannten Segeln auf die Boote zusteuerte, wie eine wilde Henne hinter ihrem schreienden Küken – all das war atemberaubend.
Weder der unerfahrene Rekrut, der vom Schoß seiner Frau in die glühende Hitze seines ersten Kampfes tritt, noch der Geist eines Toten, der im Jenseits auf ein unbekanntes Phantom trifft – keiner von ihnen kann seltsamere und stärkere Emotionen empfinden als jener Mann, der zum ersten Mal in den verzauberten, wirbelnden Kreis des gejagten Wals gerät.
Das durch die Verfolgung entstehende weiße Wasser wurde immer sichtbarer – aufgrund der zunehmenden Dunkelheit der Wolkenschatten, die sich über das Meer legten. Die Dampfschwaden vermischten sich nicht mehr, sondern neigten sich überall nach rechts und links; es schien, als würden die Wale ihre Kielwasser voneinander trennen. Die Boote wurden weiter auseinandergezogen; Starbuck verfolgte drei Wale, die direkt gegen den Wind schwammen. Unsere Segel waren nun gesetzt, und mit dem immer stärker werdenden Wind rasten wir voran. Das Boot fuhr so rasend durch das Wasser, dass die Ruder kaum schnell genug bewegt werden konnten, um nicht aus den Halterungen gerissen zu werden.
Bald fuhren wir durch einen dichten Nebelschleier – weder Schiff noch Boot waren mehr zu sehen.
„Macht Platz, Leute“, flüsterte Starbuck und zog das Segeltuch noch weiter nach hinten. „Es ist noch Zeit, einen Fisch zu fangen, bevor der Sturm kommt. Da ist wieder weißes Wasser! Näher! Anpacken!“
Kurz darauf ertönten zwei Rufe nacheinander auf jeder Seite von uns – das Zeichen dafür, dass die anderen Boote näher kamen. Doch kaum waren diese Rufe zu hören, da sagte Starbuck mit blitzschneller Geschwindigkeit: „Steht auf!“ Und Queequeg, mit der Harpune in der Hand, sprang auf.
Obwohl kein einziger Ruderer dem unmittelbar vor ihnen liegenden Leben-und-Tod-Gefahr ins Auge blickte, wussten sie doch anhand des angespannten Gesichtsausdrucks des Bootsführers am Heck, dass der entscheidende Moment gekommen war. Sie hörten außerdem ein gewaltiges Geräusch, als würden fünfzig Elefanten in ihren Tragen herumwälzen. In der Zwischenzeit fuhr das Boot weiter durch den Nebel – die Wellen kräuselten sich und zischten um uns herum, wie die aufgerichteten Köpfe wütender Schlangen.
„Das ist seine Rückenwölbung. Da, gebt ihm etwas!“ flüsterte Starbuck.
Weder der unerfahrene Rekrut, der vom Schoß seiner Frau in die glühende Hitze seines ersten Kampfes tritt, noch der Geist eines Toten, der im Jenseits auf ein unbekanntes Phantom trifft – keiner von ihnen kann seltsamere und stärkere Emotionen empfinden als jener Mann, der zum ersten Mal in den verzauberten, wirbelnden Kreis des gejagten Wals gerät.
Das durch die Verfolgung entstehende weiße Wasser wurde immer sichtbarer – aufgrund der zunehmenden Dunkelheit der Wolkenschatten, die sich über das Meer legten. Die Dampfschwaden vermischten sich nicht mehr, sondern neigten sich überall nach rechts und links; es schien, als würden die Wale ihre Kielwasser voneinander trennen. Die Boote wurden weiter auseinandergezogen; Starbuck verfolgte drei Wale, die direkt gegen den Wind schwammen. Unsere Segel waren nun gesetzt, und mit dem immer stärker werdenden Wind rasten wir voran. Das Boot fuhr so rasend durch das Wasser, dass die Ruder kaum schnell genug bewegt werden konnten, um nicht aus den Halterungen gerissen zu werden.
Bald fuhren wir durch einen dichten Nebelschleier – weder Schiff noch Boot waren mehr zu sehen.
„Macht Platz, Leute“, flüsterte Starbuck und zog das Segeltuch noch weiter nach hinten. „Es ist noch Zeit, einen Fisch zu fangen, bevor der Sturm kommt. Da ist wieder weißes Wasser! Näher! Anpacken!“
Kurz darauf ertönten zwei Rufe nacheinander auf jeder Seite von uns – das Zeichen dafür, dass die anderen Boote näher kamen. Doch kaum waren diese Rufe zu hören, da sagte Starbuck mit blitzschneller Geschwindigkeit: „Steht auf!“ Und Queequeg, mit der Harpune in der Hand, sprang auf.
Obwohl kein einziger Ruderer dem unmittelbar vor ihnen liegenden Leben-und-Tod-Gefahr ins Auge blickte, wussten sie doch anhand des angespannten Gesichtsausdrucks des Bootsführers am Heck, dass der entscheidende Moment gekommen war. Sie hörten außerdem ein gewaltiges Geräusch, als würden fünfzig Elefanten in ihren Tragen herumwälzen. In der Zwischenzeit fuhr das Boot weiter durch den Nebel – die Wellen kräuselten sich und zischten um uns herum, wie die aufgerichteten Köpfe wütender Schlangen.
„Das ist seine Rückenwölbung. Da, gebt ihm etwas!“ flüsterte Starbuck.
Page 252
Ein kurzes, schnelles Geräusch ertönte aus dem Boot – es war das Klirren von Queequegs Eisenwerkzeugen. Dann kam plötzlich ein unsichtbarer Druck von hinten, während das Boot vorne gegen eine Felskante zu stoßen schien; die Segel brachen zusammen und explodierten; eine Welle aus siedendem Dampf schoss in der Nähe empor; irgendetwas rollte und stürzte wie bei einem Erdbeben unter uns. Die ganze Besatzung war halb erstickt, da sie durcheinander in die weiße, schaumige Masse des Sturms geworfen wurden. Sturm, Wal und Harpune hatten sich miteinander vermischt – der Wal, der nur leicht vom Eisen getroffen worden war, entkam.
Obwohl das Boot völlig überflutet war, blieb es fast unbeschädigt. Wir schwammen darum herum, hoben die treibenden Ruder auf, befestigten sie am Bootsrumpf und kletterten anschließend wieder auf unsere Plätze. Dort saßen wir bis zu den Knien im Meer – das Wasser bedeckte jede Planke und jeden Balken; für unsere nach unten gerichteten Blicke wirkte das Boot wie ein Korallenboot, das vom Meeresgrund zu uns emporgewachsen war.
Der Wind wurde immer heftiger; die Wellen krachten gegeneinander; der ganze Sturm heulte, zischte und knisterte um uns herum wie ein weißes Feuer auf der Prärie – in dem wir, unverbrannt, „verbrennten“; unsterblich in diesen „Mäulern des Todes“! Vergeblich riefen wir den anderen Booten zu – genauso sinnlos ist es, in die glühenden Kohlen im Schornstein eines brennenden Ofens zu rufen, wie in jenen Sturm hineinzurufen. In der Zwischenzeit wurde der peitschende Regen, der Nebel sowie die Dunkelheit der Nacht immer intensiver – von dem Schiff war keine Spur mehr zu sehen. Das steigende Meer machte alle Versuche, das Boot zu entleeren, unmöglich. Die Ruder waren als Antrieb nutzlos – sie dienten nun als Rettungsgeräte. Nach vielen Misserfolgen gelang es schließlich Starbuck, die Lampe im Laternenkasten anzuzünden; anschließend reichte er sie Queequeg als Symbol dieser verzweifelten Hoffnung. Dort saß er dann, hielt diese „Lampe“ inmitten dieser völligen Verzweiflung in die Höhe – er war das Zeichen und Symbol eines Mannes ohne Glauben, der verzweifelt Hoffnung inmitten der Verzweiflung hielt.
Nass, durchnässt und vor Kälte zitternd, ohne Hoffnung auf ein Schiff oder Boot, hoben wir unsere Augen, als der Morgen anbrach. Der Nebel lag weiterhin über dem Meer; die leere Laterne lag zerdrückt auf dem Boden des Bootes. Plötzlich stand Queequeg auf und hielt seine Hand ans Ohr. Wir hörten alle ein leises Knarren – offenbar von Seilen und Takeln, die bisher vom Sturm übertönt worden waren. Das Geräusch kam immer näher; der dichte Nebel lichtete sich etwas, und eine riesige, verschwommene Gestalt wurde sichtbar. Entsetzt sprangen wir alle ins Meer – endlich zeichnete sich das Schiff vor unserem Blick ab.
Obwohl das Boot völlig überflutet war, blieb es fast unbeschädigt. Wir schwammen darum herum, hoben die treibenden Ruder auf, befestigten sie am Bootsrumpf und kletterten anschließend wieder auf unsere Plätze. Dort saßen wir bis zu den Knien im Meer – das Wasser bedeckte jede Planke und jeden Balken; für unsere nach unten gerichteten Blicke wirkte das Boot wie ein Korallenboot, das vom Meeresgrund zu uns emporgewachsen war.
Der Wind wurde immer heftiger; die Wellen krachten gegeneinander; der ganze Sturm heulte, zischte und knisterte um uns herum wie ein weißes Feuer auf der Prärie – in dem wir, unverbrannt, „verbrennten“; unsterblich in diesen „Mäulern des Todes“! Vergeblich riefen wir den anderen Booten zu – genauso sinnlos ist es, in die glühenden Kohlen im Schornstein eines brennenden Ofens zu rufen, wie in jenen Sturm hineinzurufen. In der Zwischenzeit wurde der peitschende Regen, der Nebel sowie die Dunkelheit der Nacht immer intensiver – von dem Schiff war keine Spur mehr zu sehen. Das steigende Meer machte alle Versuche, das Boot zu entleeren, unmöglich. Die Ruder waren als Antrieb nutzlos – sie dienten nun als Rettungsgeräte. Nach vielen Misserfolgen gelang es schließlich Starbuck, die Lampe im Laternenkasten anzuzünden; anschließend reichte er sie Queequeg als Symbol dieser verzweifelten Hoffnung. Dort saß er dann, hielt diese „Lampe“ inmitten dieser völligen Verzweiflung in die Höhe – er war das Zeichen und Symbol eines Mannes ohne Glauben, der verzweifelt Hoffnung inmitten der Verzweiflung hielt.
Nass, durchnässt und vor Kälte zitternd, ohne Hoffnung auf ein Schiff oder Boot, hoben wir unsere Augen, als der Morgen anbrach. Der Nebel lag weiterhin über dem Meer; die leere Laterne lag zerdrückt auf dem Boden des Bootes. Plötzlich stand Queequeg auf und hielt seine Hand ans Ohr. Wir hörten alle ein leises Knarren – offenbar von Seilen und Takeln, die bisher vom Sturm übertönt worden waren. Das Geräusch kam immer näher; der dichte Nebel lichtete sich etwas, und eine riesige, verschwommene Gestalt wurde sichtbar. Entsetzt sprangen wir alle ins Meer – endlich zeichnete sich das Schiff vor unserem Blick ab.
Page 253
Wir sahen das verlassene Boot, das auf den Wellen trieb – für einen Moment tauchte es unter die Schiffsschnauze hinab, wie ein Stück Holz am Fuße eines Wasserfalls; dann rollte der riesige Rumpf des Schiffes darüber, und man sah das Boot nicht mehr, bis es schließlich wieder auftauchte. Wieder schwammen wir darauf zu, wurden jedoch von den Wellen dagegengeschleudert; schließlich wurden wir aufgenommen und sicher an Bord gebracht. Bevor der Sturm näher kam, hatten die anderen Boote ihre Fische losgelassen und rechtzeitig zum Schiff zurückgekehrt. Das Schiff hatte uns im Stich gelassen, fuhr aber weiter – in der Hoffnung, vielleicht etwas von unserem Untergang finden zu können: einen Ruderschaft oder einen Speerstiel.
Page 254
Page 255
KAPITEL 49. Die Hyäne
Es gibt bestimmte seltsame Zeiten und Umstände in diesem merkwürdigen, gemischten Ganzen, das wir Leben nennen – Zeiten, in denen ein Mensch das ganze Universum für einen riesigen Scherz hält, obwohl er dessen Sinn nur vage erkennen kann und eher vermutet, dass der Scherz nicht auf Kosten anderer, sondern nur auf seine eigene geht. Doch nichts entmutigt ihn, und nichts scheint es wert zu sein, darüber zu streiten. Er weist alle Ereignisse, alle Glaubensgrundsätze, Überzeugungen sowie alle sichtbaren und unsichtbaren Dinge zurück – egal wie schwierig sie auch sein mögen –, genauso wie ein Strauß mit einer starken Verdauung Kugeln und Schießsteine hinunterschluckt. Was kleine Schwierigkeiten und Sorgen, die Gefahr plötzlicher Katastrophen oder Lebensgefahr angeht – all das sowie der Tod selbst erscheinen ihm lediglich als listige, gutmütige Schläge, fröhliche Faustschläge in die Seite, die vom unsichtbaren und unerklärlichen alten Scherzkeks verabreicht werden. Diese seltsame, launische Stimmung tritt bei einem Menschen nur in Zeiten extremer Not auf – mitten in seiner Ernsthaftigkeit – sodass das, was gerade noch von größter Bedeutung schien, nun nur noch Teil des allgemeinen Scherzes zu sein scheint. Nichts fördert eine solch freie, gelassene, verzweifelte Philosophie so sehr wie die Gefahren der Walfangerei; und mit dieser Sichtweise betrachtete ich nun die gesamte Reise der Pequod sowie den großen Weißen Wal als ihr Ziel.
„Queequeg“, sagte ich, als sie mich, den letzten Mann, auf das Deck gezogen hatten und ich mich immer noch in meiner Jacke schüttelte, um das Wasser abzuschütteln, „Queequeg, mein guter Freund – passiert so etwas oft?“ Ohne große Emotionen, obwohl er genauso durchnässt war wie ich, machte er mir klar, dass solche Dinge tatsächlich oft vorkamen.
„Mr. Stubb“, sagte ich und wandte mich an diesen ehrenwerten Mann, der in seiner Öljacke steckte und nun ruhig im Regen seine Pfeife rauchte, „Mr. Stubb – ich glaube, ich habe Sie sagen hören, dass von allen Walfängern, denen Sie je begegnet sind, unser Erster Offizier, Mr. Starbuck, bei weitem der vorsichtigste und klügste ist. Dann nehme ich an, dass es die höchste Form der Vorsicht eines Walfängers ist, inmitten eines stürmischen Nebels mit gesetztem Segel auf einen fliegenden Wal zuzusteuern?“
„Sicherlich. Ich habe bereits von einem leckenden Schiff aus in einem Sturm vor Kap Hoorn nach Walen gesucht.“
Es gibt bestimmte seltsame Zeiten und Umstände in diesem merkwürdigen, gemischten Ganzen, das wir Leben nennen – Zeiten, in denen ein Mensch das ganze Universum für einen riesigen Scherz hält, obwohl er dessen Sinn nur vage erkennen kann und eher vermutet, dass der Scherz nicht auf Kosten anderer, sondern nur auf seine eigene geht. Doch nichts entmutigt ihn, und nichts scheint es wert zu sein, darüber zu streiten. Er weist alle Ereignisse, alle Glaubensgrundsätze, Überzeugungen sowie alle sichtbaren und unsichtbaren Dinge zurück – egal wie schwierig sie auch sein mögen –, genauso wie ein Strauß mit einer starken Verdauung Kugeln und Schießsteine hinunterschluckt. Was kleine Schwierigkeiten und Sorgen, die Gefahr plötzlicher Katastrophen oder Lebensgefahr angeht – all das sowie der Tod selbst erscheinen ihm lediglich als listige, gutmütige Schläge, fröhliche Faustschläge in die Seite, die vom unsichtbaren und unerklärlichen alten Scherzkeks verabreicht werden. Diese seltsame, launische Stimmung tritt bei einem Menschen nur in Zeiten extremer Not auf – mitten in seiner Ernsthaftigkeit – sodass das, was gerade noch von größter Bedeutung schien, nun nur noch Teil des allgemeinen Scherzes zu sein scheint. Nichts fördert eine solch freie, gelassene, verzweifelte Philosophie so sehr wie die Gefahren der Walfangerei; und mit dieser Sichtweise betrachtete ich nun die gesamte Reise der Pequod sowie den großen Weißen Wal als ihr Ziel.
„Queequeg“, sagte ich, als sie mich, den letzten Mann, auf das Deck gezogen hatten und ich mich immer noch in meiner Jacke schüttelte, um das Wasser abzuschütteln, „Queequeg, mein guter Freund – passiert so etwas oft?“ Ohne große Emotionen, obwohl er genauso durchnässt war wie ich, machte er mir klar, dass solche Dinge tatsächlich oft vorkamen.
„Mr. Stubb“, sagte ich und wandte mich an diesen ehrenwerten Mann, der in seiner Öljacke steckte und nun ruhig im Regen seine Pfeife rauchte, „Mr. Stubb – ich glaube, ich habe Sie sagen hören, dass von allen Walfängern, denen Sie je begegnet sind, unser Erster Offizier, Mr. Starbuck, bei weitem der vorsichtigste und klügste ist. Dann nehme ich an, dass es die höchste Form der Vorsicht eines Walfängers ist, inmitten eines stürmischen Nebels mit gesetztem Segel auf einen fliegenden Wal zuzusteuern?“
„Sicherlich. Ich habe bereits von einem leckenden Schiff aus in einem Sturm vor Kap Hoorn nach Walen gesucht.“
Page 256
„Herr Flask“, sagte ich und wandte mich an den kleinen King-Post, der in der Nähe stand, „Sie sind in solchen Dingen erfahren, ich hingegen nicht. Können Sie mir sagen, ob es in dieser Fischerei ein unveränderliches Gesetz gibt – dass ein Ruderer sich selbst das Rückgrat bricht, indem er sich mit aller Kraft zurückzieht, direkt in den Rachen des Todes?“
„Können Sie das kleinere nicht einfach drehen?“, fragte Flask. „Ja, das ist das Gesetz. Ich würde gerne sehen, wie die Besatzung eines Bootes gegen die Strömung zum Kopf eines Wals rudert. Ha, ha! Der Wal würde ihnen gleiche Gegenwehr entgegensetzen, darauf können Sie sich verlassen!“
So hatte ich von drei unparteiischen Zeugen eine klare Darstellung des gesamten Falls. Wenn man bedenkt, dass Stürme und Schiffbrüche auf dem Wasser sowie die daraus resultierenden Nächte auf hoher See in diesem Lebensstil ganz normale Erscheinungen waren; wenn man bedenkt, dass in dem äußerst kritischen Moment, in dem man zum Wal aufbrach, man sein Leben in die Hände dessen legen musste, der das Boot steuerte – oft jemand, der gerade in seinem Impuls dazu neigte, das Boot durch sein verzweifeltes Herumstapfen zum Sinken zu bringen; wenn man bedenkt, dass das spezielle Unglück unseres Bootes hauptsächlich auf Starbucks Entscheidung zurückzuführen war, fast mitten in einen Sturm zum Wal aufzubrechen; wenn man bedenkt, dass Starbucks trotzdem für seine große Sorgfalt bei der Fischerei bekannt war; wenn man bedenkt, dass ich zur Mannschaft dieses außergewöhnlich vorsichtigen Starbucks gehörte; und schließlich, wenn man bedenkt, in welche teuflische Jagd ich bezüglich des Weißen Wals verwickelt war – dann dachte ich, ich könnte genauso gut nach unten gehen und einen groben Entwurf meines Testaments erstellen. „Queequeg“, sagte ich, „komm mit – du wirst mein Anwalt, Vollstrecker und Erbe sein.“
Es mag seltsam erscheinen, dass gerade Seefahrer an ihren letzten Willen und Testament arbeiten, aber es gibt keine Menschen auf der Welt, die diese Beschäftigung mehr mögen. Es war das vierte Mal in meinem Seelenleben, dass ich das tat. Nachdem die Zeremonie beendet war, fühlte ich mich viel erleichtert – als wäre ein Stein von meinem Herzen gefallen. Außerdem würden alle Tage, die ich noch leben würde, genauso gut sein wie die Tage, die Lazarus nach seiner Auferstehung lebte – ein zusätzlicher Gewinn an Monaten oder Wochen, je nachdem. Ich überlebte mich selbst; mein Tod und meine Beerdigung waren in meiner Brust eingeschlossen. Ich blickte mich ruhig und zufrieden um, wie ein friedlicher Geist mit reinem Gewissen, der hinter Gittern eines gemütlichen Familiengrabes saß.
Nun denn, dachte ich, während ich unbewusst die Ärmel meines Rocks hochkrempelte – hier geht’s auf einen kühlen, gelassenen Tauchgang in den Tod und die Zerstörung…
„Können Sie das kleinere nicht einfach drehen?“, fragte Flask. „Ja, das ist das Gesetz. Ich würde gerne sehen, wie die Besatzung eines Bootes gegen die Strömung zum Kopf eines Wals rudert. Ha, ha! Der Wal würde ihnen gleiche Gegenwehr entgegensetzen, darauf können Sie sich verlassen!“
So hatte ich von drei unparteiischen Zeugen eine klare Darstellung des gesamten Falls. Wenn man bedenkt, dass Stürme und Schiffbrüche auf dem Wasser sowie die daraus resultierenden Nächte auf hoher See in diesem Lebensstil ganz normale Erscheinungen waren; wenn man bedenkt, dass in dem äußerst kritischen Moment, in dem man zum Wal aufbrach, man sein Leben in die Hände dessen legen musste, der das Boot steuerte – oft jemand, der gerade in seinem Impuls dazu neigte, das Boot durch sein verzweifeltes Herumstapfen zum Sinken zu bringen; wenn man bedenkt, dass das spezielle Unglück unseres Bootes hauptsächlich auf Starbucks Entscheidung zurückzuführen war, fast mitten in einen Sturm zum Wal aufzubrechen; wenn man bedenkt, dass Starbucks trotzdem für seine große Sorgfalt bei der Fischerei bekannt war; wenn man bedenkt, dass ich zur Mannschaft dieses außergewöhnlich vorsichtigen Starbucks gehörte; und schließlich, wenn man bedenkt, in welche teuflische Jagd ich bezüglich des Weißen Wals verwickelt war – dann dachte ich, ich könnte genauso gut nach unten gehen und einen groben Entwurf meines Testaments erstellen. „Queequeg“, sagte ich, „komm mit – du wirst mein Anwalt, Vollstrecker und Erbe sein.“
Es mag seltsam erscheinen, dass gerade Seefahrer an ihren letzten Willen und Testament arbeiten, aber es gibt keine Menschen auf der Welt, die diese Beschäftigung mehr mögen. Es war das vierte Mal in meinem Seelenleben, dass ich das tat. Nachdem die Zeremonie beendet war, fühlte ich mich viel erleichtert – als wäre ein Stein von meinem Herzen gefallen. Außerdem würden alle Tage, die ich noch leben würde, genauso gut sein wie die Tage, die Lazarus nach seiner Auferstehung lebte – ein zusätzlicher Gewinn an Monaten oder Wochen, je nachdem. Ich überlebte mich selbst; mein Tod und meine Beerdigung waren in meiner Brust eingeschlossen. Ich blickte mich ruhig und zufrieden um, wie ein friedlicher Geist mit reinem Gewissen, der hinter Gittern eines gemütlichen Familiengrabes saß.
Nun denn, dachte ich, während ich unbewusst die Ärmel meines Rocks hochkrempelte – hier geht’s auf einen kühlen, gelassenen Tauchgang in den Tod und die Zerstörung…
Page 257
Den hintersten holen.
Page 258
KAPITEL 50. Abahs Boot und Besatzung. Fedallah.
„Wer hätte das gedacht, Flask!“, rief Stubb. „Hätte ich nur ein Bein, könntest du mich nicht mit einem Boot fangen – es sei denn, um das Loch mit meinem Holzfuß zu verschließen. Oh! Er ist wirklich ein wunderbarer alter Mann!“
„Ich finde das eigentlich gar nicht so seltsam“, sagte Flask. „Wenn ihm das Bein bei der Hüfte abgeschnitten wäre, dann wäre das etwas anderes. Das würde ihn behindern; aber er hat noch ein Knie – und einen großen Teil des anderen Beins, weißt du.“
„Das weiß ich nicht, mein Kleiner; ich habe ihn noch nie knien sehen.“
Unter den Leuten, die sich mit Waljagd auskannten, wurde oft diskutiert, ob es richtig sei, dass ein Walkapitän sein Leben aufs Spiel setzt, wenn es um den Erfolg der Jagd geht – schließlich ist sein Leben von entscheidender Bedeutung für diesen Erfolg. So stritten auch Tamerlans Soldaten oft mit Tränen in den Augen darüber, ob dieses unschätzbare Leben in die heftigsten Kampfsituationen gebracht werden sollte.
Bei Ahab nahm die Frage jedoch eine andere Form an. Wenn man bedenkt, dass ein Mensch mit zwei Beinen in jeder Gefahrensituation nur ein lahmer Mensch ist; wenn man bedenkt, dass die Jagd auf Wale stets unter großen und außergewöhnlichen Schwierigkeiten stattfindet – dass jeder einzelne Moment tatsächlich eine Gefahr darstellt –, dann ist es da klug, dass ein behinderter Mensch überhaupt in ein Walboot steigt? Im Allgemeinen müssen die Miteigentümer der Pequod wohl davon ausgegangen sein, dass das nicht klug ist.
Ahab wusste genau, dass seine Freunde zu Hause seine Teilnahme an der Jagd in relativ harmlosen Situationen wohl kaum ernst nehmen würden – schließlich wollte er ja in der Nähe des Geschehens sein und persönlich Befehle geben. Doch dass dem Kapitän Ahab tatsächlich ein Boot als regulärer Anführer der Jagdgruppe zur Verfügung gestellt wurde – und dass ihm außerdem fünf weitere Männer als Besatzung dieses Bootes zur Verfügung gestellt wurden –, wusste Ahab genau: Solche großzügigen Entscheidungen kamen den Eigentümern der Pequod sicherlich nicht in den Sinn. Deshalb hatte er auch keine Besatzung von ihnen verlangt, noch irgendeine Andeutung in diese Richtung gemacht. Dennoch hatte er eigene Maßnahmen ergriffen. Bis zu Cabacos Entdeckung hatten die Seeleute das kaum vorhergesehen – obwohl sie sicherlich wussten, wann…
„Wer hätte das gedacht, Flask!“, rief Stubb. „Hätte ich nur ein Bein, könntest du mich nicht mit einem Boot fangen – es sei denn, um das Loch mit meinem Holzfuß zu verschließen. Oh! Er ist wirklich ein wunderbarer alter Mann!“
„Ich finde das eigentlich gar nicht so seltsam“, sagte Flask. „Wenn ihm das Bein bei der Hüfte abgeschnitten wäre, dann wäre das etwas anderes. Das würde ihn behindern; aber er hat noch ein Knie – und einen großen Teil des anderen Beins, weißt du.“
„Das weiß ich nicht, mein Kleiner; ich habe ihn noch nie knien sehen.“
Unter den Leuten, die sich mit Waljagd auskannten, wurde oft diskutiert, ob es richtig sei, dass ein Walkapitän sein Leben aufs Spiel setzt, wenn es um den Erfolg der Jagd geht – schließlich ist sein Leben von entscheidender Bedeutung für diesen Erfolg. So stritten auch Tamerlans Soldaten oft mit Tränen in den Augen darüber, ob dieses unschätzbare Leben in die heftigsten Kampfsituationen gebracht werden sollte.
Bei Ahab nahm die Frage jedoch eine andere Form an. Wenn man bedenkt, dass ein Mensch mit zwei Beinen in jeder Gefahrensituation nur ein lahmer Mensch ist; wenn man bedenkt, dass die Jagd auf Wale stets unter großen und außergewöhnlichen Schwierigkeiten stattfindet – dass jeder einzelne Moment tatsächlich eine Gefahr darstellt –, dann ist es da klug, dass ein behinderter Mensch überhaupt in ein Walboot steigt? Im Allgemeinen müssen die Miteigentümer der Pequod wohl davon ausgegangen sein, dass das nicht klug ist.
Ahab wusste genau, dass seine Freunde zu Hause seine Teilnahme an der Jagd in relativ harmlosen Situationen wohl kaum ernst nehmen würden – schließlich wollte er ja in der Nähe des Geschehens sein und persönlich Befehle geben. Doch dass dem Kapitän Ahab tatsächlich ein Boot als regulärer Anführer der Jagdgruppe zur Verfügung gestellt wurde – und dass ihm außerdem fünf weitere Männer als Besatzung dieses Bootes zur Verfügung gestellt wurden –, wusste Ahab genau: Solche großzügigen Entscheidungen kamen den Eigentümern der Pequod sicherlich nicht in den Sinn. Deshalb hatte er auch keine Besatzung von ihnen verlangt, noch irgendeine Andeutung in diese Richtung gemacht. Dennoch hatte er eigene Maßnahmen ergriffen. Bis zu Cabacos Entdeckung hatten die Seeleute das kaum vorhergesehen – obwohl sie sicherlich wussten, wann…
Page 259
Da das Schiff eine Weile außerhalb des Hafens war, hatten alle Besatzungsmitglieder die üblichen Arbeiten erledigt, um die Walfangboote für den Einsatz bereitzumachen. Kurz darauf wurde beobachtet, wie Ahab sich ab und zu darum kümmerte, mit eigenen Händen Stifte für die Löcher in den Booten herzustellen – vermutlich für eines der Ersatzboote. Zudem schnitt er sorgfältig die kleinen Holzstäbe zurecht, die bei auslaufender Leine über die Nut im Bug gesteckt werden. Auch seine Sorge darum, eine zusätzliche Schicht als Schutz für den Boden des Bootes anzubringen – offenbar, um ihn besser gegen den Druck seines Elfenbeinkörpers zu schützen – sowie seine Anstrengungen, das horizontale Element am Bug des Bootes genau in die richtige Form zu bringen, weckten großes Interesse. Oft stand er in diesem Boot da, mit seinem einzigen Knie in der halbkreisförmigen Vertiefung dieses Elements, und meißelte hier etwas heraus oder justierte es dort ein wenig. All das weckte damals viel Neugierde. Doch fast alle nahmen an, dass Ahabs besondere Vorbereitungen nur im Zusammenhang mit der endgültigen Jagd auf Moby Dick standen – schließlich hatte er bereits seine Absicht bekundet, dieses Ungeheuer persönlich zu jagen. Doch diese Annahme ließ keinerlei Verdacht darauf zu, dass einer der Bootsmänner für dieses Boot vorgesehen sei.
Was die „untergeordneten Phantome“ betrifft, so verschwand bald das Erstaunen darüber – bei Walfängerschiffen verschwinden Wunder schnell. Hinzu kamen gelegentlich solche seltsamen Gestalten aus unbekannten Ecken der Welt, die diesen „schwimmenden Gesetzlosen“ der Walfänger zur Seite standen. Die Schiffe selbst fanden oft solche seltsamen Überlebende, die auf dem offenen Meer trieben – auf Planken, Wrackteilen, Rudern, Walfangbooten, Kanus, abgetriebenen japanischen Schiffen und dergleichen. Selbst Beelzebub könnte an Bord kommen und mit dem Kapitän plaudern – ohne dass dadurch Unruhe entstünde.
Aber egal, was auch immer geschehen mag: Es ist sicher, dass die „untergeordneten Phantome“ zwar bald ihren Platz in der Besatzung fanden – wenn auch noch irgendwie von den anderen getrennt – doch Fedallah mit seinem Haarturban blieb bis zum Schluss ein rätselhafter Unbekannter. Woher er kam, welche unerklärlichen Verbindungen er zu Ahabs Schicksal hatte – ja, sogar ob er irgendeinen Einfluss ausübte – blieb ungeklärt.
Was die „untergeordneten Phantome“ betrifft, so verschwand bald das Erstaunen darüber – bei Walfängerschiffen verschwinden Wunder schnell. Hinzu kamen gelegentlich solche seltsamen Gestalten aus unbekannten Ecken der Welt, die diesen „schwimmenden Gesetzlosen“ der Walfänger zur Seite standen. Die Schiffe selbst fanden oft solche seltsamen Überlebende, die auf dem offenen Meer trieben – auf Planken, Wrackteilen, Rudern, Walfangbooten, Kanus, abgetriebenen japanischen Schiffen und dergleichen. Selbst Beelzebub könnte an Bord kommen und mit dem Kapitän plaudern – ohne dass dadurch Unruhe entstünde.
Aber egal, was auch immer geschehen mag: Es ist sicher, dass die „untergeordneten Phantome“ zwar bald ihren Platz in der Besatzung fanden – wenn auch noch irgendwie von den anderen getrennt – doch Fedallah mit seinem Haarturban blieb bis zum Schluss ein rätselhafter Unbekannter. Woher er kam, welche unerklärlichen Verbindungen er zu Ahabs Schicksal hatte – ja, sogar ob er irgendeinen Einfluss ausübte – blieb ungeklärt.
Page 260
Gott weiß es – aber es könnte sogar eine Art Herrschaft über ihn gewesen sein; davon wusste niemand etwas. Doch man kann gegenüber Fedallah keine Gleichgültigkeit zeigen. Er war ein Wesen, wie es zivilisierte, gebildete Menschen in der gemäßigten Zone nur in ihren Träumen sehen – und zwar nur vage. Solche Wesen finden sich gelegentlich unter den unveränderlichen asiatischen Gemeinschaften, insbesondere auf den östlichen Inseln des Kontinents – jenen abgeschlossenen, uralten, unveränderlichen Ländern, die auch in diesen modernen Zeiten noch viel von der ursprünglichen, „geistigen“ Natur der ursprünglichen Menschengenerationen bewahren. Damals war die Erinnerung an den ersten Menschen noch eine klare Erinnerung – alle Menschen waren seine Nachkommen. Sie wussten nicht, woher er kam, betrachteten einander als echte Geister und fragten die Sonne und den Mond, warum sie geschaffen wurden und zu welchem Zweck. Obwohl laut Genesis die Engel tatsächlich mit den Töchtern der Menschen zusammenkamen, gaben die nicht-kanonischen Rabbiner an, dass auch die Dämonen weltliche Liebesbeziehungen pflegten.
Page 261
KAPITEL 51. Der Geiststrahl.
Tage und Wochen vergingen, und unter leichtem Segel durchquerte das elfenbeinfarbene Pequod langsam vier verschiedene Segelgebiete: jenes vor den Azoren, jenes vor Kap de Verdes, die sogenannte Plattensee-Gegend – also das Gebiet vor der Mündung des Rio de la Plata – sowie das Carrol Ground, ein wasserreiches Gebiet südlich von St. Helena.
Es war in einer solchen ruhigen, vom Mondlicht erhellten Nacht, als alle Wellen wie silberne Bänder dahinflossen und durch ihr sanftes Gurgeln eine Art silbernes Schweigen schufen – keine Einsamkeit –, dass in weiter Ferne vor den weißen Blasen am Bug ein silberner Strahl sichtbar wurde. Im Mondlicht wirkte er himmlisch; es schien, als würde ein gefiederter, glänzender Gott aus dem Meer auftauchen. Fedallah war der Erste, der diesen Strahl beschrieb. In solchen Nächten hatte er nämlich die Gewohnheit, auf den Hauptmast zu steigen und dort Wache zu halten – mit derselben Präzision, als wäre es Tag. Doch obwohl nachts Walfangscharen zu sehen waren, wagte kein einziger Walfänger es, auszulaufen. Man kann sich vorstellen, mit welchen Gefühlen die Seeleute diesen alten Orientalen zu solch ungewöhnlichen Zeiten dort oben beobachteten – seinen Turban und den Mond, die gemeinsam am Himmel standen. Doch als er nach mehreren aufeinanderfolgenden Nächten ohne ein Wort dort oben verbracht hatte und schließlich seine unirdische Stimme ertönte, um diesen silbernen, vom Mondlicht erhellten Strahl anzukündigen, sprangen alle Seeleute auf – als wäre ein geflügelter Geist in die Takelage eingeflogen und hätte die sterbliche Besatzung begrüßt. „Da drüben bläst sie!“, riefen sie. Selbst wenn das Gerichtssignal ertönt wäre, hätten sie nicht heftiger zittern können – doch sie fühlten keine Angst, sondern eher Freude. Denn obwohl es eine äußerst ungewöhnliche Stunde war, war der Ruf doch so eindrucksvoll und aufregend, dass fast jeder an Bord instinktiv danach verlangte, auszulaufen.
Mit schnellen Schritten über das Deck gehend, befahl Ahab, die Toppsegel sowie alle anderen Segel zu setzen. Der beste Mann an Bord sollte das Ruder übernehmen. Dann, da jeder Mast besetzt war, glitt das Schiff im Wind dahin. Die seltsame, aufwirbelnde Kraft des Windes, der die Segel füllte, ließ das schwimmende Deck wie Luft unter den Füßen erscheinen – während das Schiff weiterhin…
Tage und Wochen vergingen, und unter leichtem Segel durchquerte das elfenbeinfarbene Pequod langsam vier verschiedene Segelgebiete: jenes vor den Azoren, jenes vor Kap de Verdes, die sogenannte Plattensee-Gegend – also das Gebiet vor der Mündung des Rio de la Plata – sowie das Carrol Ground, ein wasserreiches Gebiet südlich von St. Helena.
Es war in einer solchen ruhigen, vom Mondlicht erhellten Nacht, als alle Wellen wie silberne Bänder dahinflossen und durch ihr sanftes Gurgeln eine Art silbernes Schweigen schufen – keine Einsamkeit –, dass in weiter Ferne vor den weißen Blasen am Bug ein silberner Strahl sichtbar wurde. Im Mondlicht wirkte er himmlisch; es schien, als würde ein gefiederter, glänzender Gott aus dem Meer auftauchen. Fedallah war der Erste, der diesen Strahl beschrieb. In solchen Nächten hatte er nämlich die Gewohnheit, auf den Hauptmast zu steigen und dort Wache zu halten – mit derselben Präzision, als wäre es Tag. Doch obwohl nachts Walfangscharen zu sehen waren, wagte kein einziger Walfänger es, auszulaufen. Man kann sich vorstellen, mit welchen Gefühlen die Seeleute diesen alten Orientalen zu solch ungewöhnlichen Zeiten dort oben beobachteten – seinen Turban und den Mond, die gemeinsam am Himmel standen. Doch als er nach mehreren aufeinanderfolgenden Nächten ohne ein Wort dort oben verbracht hatte und schließlich seine unirdische Stimme ertönte, um diesen silbernen, vom Mondlicht erhellten Strahl anzukündigen, sprangen alle Seeleute auf – als wäre ein geflügelter Geist in die Takelage eingeflogen und hätte die sterbliche Besatzung begrüßt. „Da drüben bläst sie!“, riefen sie. Selbst wenn das Gerichtssignal ertönt wäre, hätten sie nicht heftiger zittern können – doch sie fühlten keine Angst, sondern eher Freude. Denn obwohl es eine äußerst ungewöhnliche Stunde war, war der Ruf doch so eindrucksvoll und aufregend, dass fast jeder an Bord instinktiv danach verlangte, auszulaufen.
Mit schnellen Schritten über das Deck gehend, befahl Ahab, die Toppsegel sowie alle anderen Segel zu setzen. Der beste Mann an Bord sollte das Ruder übernehmen. Dann, da jeder Mast besetzt war, glitt das Schiff im Wind dahin. Die seltsame, aufwirbelnde Kraft des Windes, der die Segel füllte, ließ das schwimmende Deck wie Luft unter den Füßen erscheinen – während das Schiff weiterhin…
Page 262
Es ging eilig voran – als würden zwei gegensätzliche Kräfte in ihr kämpfen: die eine wollte direkt zum Himmel aufsteigen, die andere trieb sie in eine horizontale Richtung. Hätten Sie in jener Nacht Ahabs Gesicht betrachtet, hätten Sie gedacht, dass auch in ihm zwei verschiedene Kräfte miteinander kämpften. Während sein einziges lebendes Bein laute Geräusche auf dem Deck verursachte, klang jeder Schlag seines toten Arms wie das Klopfen an einem Sarg. Auf Leben und Tod wanderte dieser alte Mann dahin. Doch obwohl das Schiff so schnell fuhr und aus allen Augen neugierige Blicke wie Pfeile abgeschossen wurden, wurde jenes silberne Sprudeln in jener Nacht nicht mehr gesehen. Jeder Seemann schwor, es einmal gesehen zu haben – aber nie ein zweites Mal.
Dieses nächtliche Sprudeln war fast in Vergessenheit geraten, als es einige Tage später, zur gleichen stummen Stunde, erneut auftauchte – wieder von allen beschrieben. Doch als wir ausliefen, um es einzuholen, verschwand es erneut, als hätte es nie existiert. So diente es uns Nacht für Nacht – bis niemand mehr darauf achtete, außer ihn zu bewundern. Geheimnisvoll tauchte es im klaren Mondlicht oder Sternenlicht auf, verschwand dann für einen ganzen Tag, zwei Tage oder drei Tage – und schien bei jedem Auftauchen immer weiter von uns entfernt zu werden. Dieses einsame Sprudeln schien uns ständig weiter anzulocken.
Auch die uralten Aberglauben ihrer Rasse sowie die scheinbar übernatürlichen Eigenschaften des Pequod führten dazu, dass einige Seeleute schworen, dass dieses unerklärliche Phänomen immer von derselben Walart verursacht wurde – nämlich von Moby Dick. Eine Zeit lang herrschte auch eine besondere Furcht vor diesem flüchtigen Erscheinungsbild – als würde es uns hinterhältig weiterlocken, damit das Ungeheuer sich schließlich gegen uns wenden und uns in den entlegensten, wildesten Meeren zerreißen könnte.
Diese vorübergehenden Ängste, so vage doch so schrecklich, gewannen durch die kontrastierende Ruhe des Wetters an Kraft. Unter dieser blauen, sanften Oberfläche glaubten einige, ein teuflischer Zauber lauere. Tage lang segelten wir durch Meere, die so ruhig und friedlich waren, dass der ganze Raum, im Widerspruch zu unserer rachsüchtigen Mission, vor unserem Bug zu sterben schien.
Doch schließlich, als wir nach Osten abbogen, begannen die Kapwinde um uns herum zu heulen. Der Pequod neigte sich stark dem Sturm entgegen –
Dieses nächtliche Sprudeln war fast in Vergessenheit geraten, als es einige Tage später, zur gleichen stummen Stunde, erneut auftauchte – wieder von allen beschrieben. Doch als wir ausliefen, um es einzuholen, verschwand es erneut, als hätte es nie existiert. So diente es uns Nacht für Nacht – bis niemand mehr darauf achtete, außer ihn zu bewundern. Geheimnisvoll tauchte es im klaren Mondlicht oder Sternenlicht auf, verschwand dann für einen ganzen Tag, zwei Tage oder drei Tage – und schien bei jedem Auftauchen immer weiter von uns entfernt zu werden. Dieses einsame Sprudeln schien uns ständig weiter anzulocken.
Auch die uralten Aberglauben ihrer Rasse sowie die scheinbar übernatürlichen Eigenschaften des Pequod führten dazu, dass einige Seeleute schworen, dass dieses unerklärliche Phänomen immer von derselben Walart verursacht wurde – nämlich von Moby Dick. Eine Zeit lang herrschte auch eine besondere Furcht vor diesem flüchtigen Erscheinungsbild – als würde es uns hinterhältig weiterlocken, damit das Ungeheuer sich schließlich gegen uns wenden und uns in den entlegensten, wildesten Meeren zerreißen könnte.
Diese vorübergehenden Ängste, so vage doch so schrecklich, gewannen durch die kontrastierende Ruhe des Wetters an Kraft. Unter dieser blauen, sanften Oberfläche glaubten einige, ein teuflischer Zauber lauere. Tage lang segelten wir durch Meere, die so ruhig und friedlich waren, dass der ganze Raum, im Widerspruch zu unserer rachsüchtigen Mission, vor unserem Bug zu sterben schien.
Doch schließlich, als wir nach Osten abbogen, begannen die Kapwinde um uns herum zu heulen. Der Pequod neigte sich stark dem Sturm entgegen –
Page 263
Dunkle Wellen in ihrem Wahnsinn – bis schließlich, wie Schauer aus silbernen Splittern, die Schaumflocken über ihre Schutzmauern flogen. Dann verschwand diese trostlose Leere des Lebens und machte Szenen Platz, die noch trostloser waren als zuvor. Nahe an unserer Bugspitze huschten seltsame Gestalten im Wasser hin und her; hinter uns flogen dichte Schwärme der unergründlichen Seereven. Jeden Morgen sah man Reihen dieser Vögel auf unseren Takeln sitzen; trotz unseres Rufs hielten sie sich lange Zeit stur am Hanf fest, als würden sie unser Schiff für ein treibendes, unbewohntes Fahrzeug halten – etwas, das der Verwüstung geweiht war und daher ein geeigneter Aufenthaltsort für ihre heimatlosen Seelen. Das schwarze Meer schwoll immer wieder an, unruhig und ungestüm – als wären seine gewaltigen Gezeiten eine Art Gewissen. Die große „weltliche Seele“ litt unter Qual und Reue wegen der langen Sünden und Leiden, die sie hervorgebracht hatte.
Kap der Guten Hoffnung – nennen sie es so? Eher Kap Tormentoso, wie es einst genannt wurde. Lange Zeit gelockt von den betrügerischen Stillephasen, die uns zuvor begleitet hatten, fanden wir uns in diesem gequälten Meer wieder. Schuldige Wesen, die zu diesen Vögeln und Fischen verwandelt worden waren, schienen dazu verdammt zu sein, ewig ohne Zufluchtsort zu schwimmen oder in dieser schwarzen Luft ohne Horizont umherzufliegen. Doch gelegentlich war der einsame Wasserstrahl zu sehen – ruhig, schneeweiß und unveränderlich; er richtete weiterhin seinen „Federschwall“ gen Himmel und lud uns immer wieder dazu ein, weiterzufahren.
Während all dieser Dunkelheit zeigte Ahab, obwohl er vorübergehend die Kontrolle über das durchnässte, gefährliche Deck übernahm, größte Zurückhaltung; er sprach nur noch seltener mit seinen Männern. In solchen stürmischen Zeiten, nachdem alles Oben und Umgebung gesichert ist, bleibt nichts anderes übrig, als passiv auf das Ende des Sturms zu warten. Dann werden Kapitän und Besatzung zu praktischen Fatalisten. So stand Ahab stundenlang da, mit seinem Elfenbeinbein im üblichen Loch und einer Hand, die fest einen Strick umklammerte; er blickte starr gegen den Wind, während gelegentliche Schneeschauer seine Wimpern fast zusammenfrieren ließen. In der Zwischenzeit stand die Besatzung, von den gefährlichen Wellen, die über die Bugspitze brachen, aus dem vorderen Teil des Schiffes vertrieben, in einer Reihe entlang der Schutzmauern. Um besser vor den springenden Wellen geschützt zu sein, hatte jeder Mann sich in eine Art Schlinge eingehakt, die an der Reling befestigt war – er schwang dabei wie in einem lockeren Gürtel. Kaum Worte wurden gesprochen; das stille Schiff, als wäre es von bemalten, wachsartigen Seeleuten bemannt, fuhr Tag für Tag durch all den rasenden Wahnsinn und die Freude…
Kap der Guten Hoffnung – nennen sie es so? Eher Kap Tormentoso, wie es einst genannt wurde. Lange Zeit gelockt von den betrügerischen Stillephasen, die uns zuvor begleitet hatten, fanden wir uns in diesem gequälten Meer wieder. Schuldige Wesen, die zu diesen Vögeln und Fischen verwandelt worden waren, schienen dazu verdammt zu sein, ewig ohne Zufluchtsort zu schwimmen oder in dieser schwarzen Luft ohne Horizont umherzufliegen. Doch gelegentlich war der einsame Wasserstrahl zu sehen – ruhig, schneeweiß und unveränderlich; er richtete weiterhin seinen „Federschwall“ gen Himmel und lud uns immer wieder dazu ein, weiterzufahren.
Während all dieser Dunkelheit zeigte Ahab, obwohl er vorübergehend die Kontrolle über das durchnässte, gefährliche Deck übernahm, größte Zurückhaltung; er sprach nur noch seltener mit seinen Männern. In solchen stürmischen Zeiten, nachdem alles Oben und Umgebung gesichert ist, bleibt nichts anderes übrig, als passiv auf das Ende des Sturms zu warten. Dann werden Kapitän und Besatzung zu praktischen Fatalisten. So stand Ahab stundenlang da, mit seinem Elfenbeinbein im üblichen Loch und einer Hand, die fest einen Strick umklammerte; er blickte starr gegen den Wind, während gelegentliche Schneeschauer seine Wimpern fast zusammenfrieren ließen. In der Zwischenzeit stand die Besatzung, von den gefährlichen Wellen, die über die Bugspitze brachen, aus dem vorderen Teil des Schiffes vertrieben, in einer Reihe entlang der Schutzmauern. Um besser vor den springenden Wellen geschützt zu sein, hatte jeder Mann sich in eine Art Schlinge eingehakt, die an der Reling befestigt war – er schwang dabei wie in einem lockeren Gürtel. Kaum Worte wurden gesprochen; das stille Schiff, als wäre es von bemalten, wachsartigen Seeleuten bemannt, fuhr Tag für Tag durch all den rasenden Wahnsinn und die Freude…
Page 264
Die teuflischen Wellen. Nachts herrschte dieselbe Stille der Menschheit vor den Schreien des Ozeans; weiterhin schwangen die Männer stumm in den Seilen; weiterhin stand Ahab wortlos dem Sturm entgegen. Selbst dann, wenn die müde Natur Ruhe verlangte, suchte er diese nicht in seiner Hängematte. Starbuck konnte das Aussehen des Alten niemals vergessen – eines Nachts, als er in die Kabine ging, um nach dem Barometerstand zu sehen, sah er ihn mit geschlossenen Augen aufrecht in seinem Stuhl sitzen; der Regen und der halb geschmolzene Schneeregen des Sturms, aus dem er kurz zuvor hervorgekommen war, tropfte weiterhin langsam von seinem noch nicht abgenommenen Hut und Mantel herab. Auf dem Tisch neben ihm lag ausgebreitet eine jener Karten der Gezeiten und Strömungen, von denen bereits die Rede war. Seine Laterne baumelte in seiner fest zusammengepressten Hand. Obwohl sein Körper aufrecht war, war sein Kopf zurückgeworfen, sodass seine geschlossenen Augen auf die Nadel des Kompasses zeigten, der an einer Deckenbalken hing.*
*Der Kompass in der Kabine wird „Tell-Tale“ genannt, denn ohne zum Kompass am Ruder gehen zu müssen, kann sich der Kapitän von unten aus über den Kurs des Schiffes informieren.*
„Schrecklicher alter Mann!“, dachte Starbuck mit einem Schauer – „er schläft in diesem Sturm, doch weiterhin verfolgt er unerschütterlich sein Ziel.“
*Der Kompass in der Kabine wird „Tell-Tale“ genannt, denn ohne zum Kompass am Ruder gehen zu müssen, kann sich der Kapitän von unten aus über den Kurs des Schiffes informieren.*
„Schrecklicher alter Mann!“, dachte Starbuck mit einem Schauer – „er schläft in diesem Sturm, doch weiterhin verfolgt er unerschütterlich sein Ziel.“
Page 265
KAPITEL 52. Der Albatros
Südöstlich vom Kap, vor den fernen Crozet-Inseln – einem guten Revier für Walfänger – tauchte vor uns ein Segelschiff auf; es hieß Goney (Albatros). Als es langsam näherkam, hatte ich von meinem hohen Posten auf dem Vorsteertop eine gute Sicht auf dieses bemerkenswerte Schauspiel für einen Anfänger in der Fischerei auf hoher See: ein Walfangschiff, das schon lange von zu Hause weg war.
Als wären die Wellen Weichspüler gewesen, war dieses Schiff weiß gebleicht wie der Knochenkörper eines an Land gespülten Walrosses. Entlang seiner Seiten waren lange Streifen aus rötlichem Rost zu sehen; alle Masten und Takelungen glichen dicken Baumästen, die mit Reif bedeckt waren. Nur die unteren Segel waren gesetzt. Es war ein seltsamer Anblick, die Männer mit den langen Bärten auf diesen drei Mastspitzen zu sehen. Sie schienen in Tierhäuten gekleidet zu sein – deren Kleidung so zerrissen und geflickt war, dass sie fast vier Jahre lang im Einsatz gewesen war. Sie standen in eisernen Ringen, die an den Masten befestigt waren, und schwankten über das endlose Meer. Obwohl wir sechs Männer in der Luft, als das Schiff langsam unter unseren Heckaufbauten vorbeiglitt, so nahe beieinander waren, dass wir fast von den Mastspitzen des einen Schiffes auf die des anderen springen konnten, sprachen diese verzweifelt aussehenden Fischer, während sie an uns vorbeigingen, kein Wort zu unseren Männern – obwohl von unten Rufe zu hören waren.
„Schiff da! Habt ihr den Weißen Wal gesehen?“
Doch als der seltsame Kapitän sich über die blassen Relings beugte, um seine Trompete an den Mund zu führen, fiel sie ihm irgendwie aus der Hand ins Meer. Da nun der Wind immer stärker wurde, versuchte er vergeblich, sich ohne sie verständlich zu machen. In der Zwischenzeit vergrößerte sein Schiff weiterhin den Abstand zwischen ihnen. Während die Matrosen der Pequod auf verschiedene Weise ihre Aufmerksamkeit für dieses unheilvolle Ereignis zeigten, sobald der Name des Weißen Wolfs in Bezug auf ein anderes Schiff erwähnt wurde, zögerte Ahab einen Moment. Es schien fast, als wolle er ein Boot hinunterlassen, um an Bord des fremden Schiffes zu gehen – doch der starke Wind ließ das nicht zu. Doch da er in einer günstigeren Windlage war, nahm er erneut seine Trompete in die Hand. Da er anhand des Aussehens des fremden Schiffes erkennen konnte, dass es sich um ein Schiff aus Nantucket handelte, das bald nach Hause segeln würde, rief er laut: „He da! Das ist die Pequod – auf dem Weg um die Welt!“
Südöstlich vom Kap, vor den fernen Crozet-Inseln – einem guten Revier für Walfänger – tauchte vor uns ein Segelschiff auf; es hieß Goney (Albatros). Als es langsam näherkam, hatte ich von meinem hohen Posten auf dem Vorsteertop eine gute Sicht auf dieses bemerkenswerte Schauspiel für einen Anfänger in der Fischerei auf hoher See: ein Walfangschiff, das schon lange von zu Hause weg war.
Als wären die Wellen Weichspüler gewesen, war dieses Schiff weiß gebleicht wie der Knochenkörper eines an Land gespülten Walrosses. Entlang seiner Seiten waren lange Streifen aus rötlichem Rost zu sehen; alle Masten und Takelungen glichen dicken Baumästen, die mit Reif bedeckt waren. Nur die unteren Segel waren gesetzt. Es war ein seltsamer Anblick, die Männer mit den langen Bärten auf diesen drei Mastspitzen zu sehen. Sie schienen in Tierhäuten gekleidet zu sein – deren Kleidung so zerrissen und geflickt war, dass sie fast vier Jahre lang im Einsatz gewesen war. Sie standen in eisernen Ringen, die an den Masten befestigt waren, und schwankten über das endlose Meer. Obwohl wir sechs Männer in der Luft, als das Schiff langsam unter unseren Heckaufbauten vorbeiglitt, so nahe beieinander waren, dass wir fast von den Mastspitzen des einen Schiffes auf die des anderen springen konnten, sprachen diese verzweifelt aussehenden Fischer, während sie an uns vorbeigingen, kein Wort zu unseren Männern – obwohl von unten Rufe zu hören waren.
„Schiff da! Habt ihr den Weißen Wal gesehen?“
Doch als der seltsame Kapitän sich über die blassen Relings beugte, um seine Trompete an den Mund zu führen, fiel sie ihm irgendwie aus der Hand ins Meer. Da nun der Wind immer stärker wurde, versuchte er vergeblich, sich ohne sie verständlich zu machen. In der Zwischenzeit vergrößerte sein Schiff weiterhin den Abstand zwischen ihnen. Während die Matrosen der Pequod auf verschiedene Weise ihre Aufmerksamkeit für dieses unheilvolle Ereignis zeigten, sobald der Name des Weißen Wolfs in Bezug auf ein anderes Schiff erwähnt wurde, zögerte Ahab einen Moment. Es schien fast, als wolle er ein Boot hinunterlassen, um an Bord des fremden Schiffes zu gehen – doch der starke Wind ließ das nicht zu. Doch da er in einer günstigeren Windlage war, nahm er erneut seine Trompete in die Hand. Da er anhand des Aussehens des fremden Schiffes erkennen konnte, dass es sich um ein Schiff aus Nantucket handelte, das bald nach Hause segeln würde, rief er laut: „He da! Das ist die Pequod – auf dem Weg um die Welt!“
Page 266
Sagen Sie ihnen, sie sollen alle zukünftigen Briefe an den Pazifischen Ozean richten! Und dieses Mal – falls ich nicht zu Hause bin – sollen sie sie an … richten.“ In diesem Moment kreuzten sich die beiden Wellenkämme, und sofort, gemäß ihren eigenen Gewohnheiten, flohen Schwärme kleiner, harmloser Fische, die seit einigen Tagen ruhig neben uns geschwommen waren, mit zitternden Flossen davon und ordneten sich vorne und hinten an den Seiten des fremden Schiffes an. Obwohl Ahab im Laufe seiner vielen Reisen sicherlich schon oft ähnliche Szenen beobachtet hatte, haben für jeden Monomannen selbst die geringsten Dinge willkürliche Bedeutungen. „Schwimmt weg von mir, nicht wahr?“, murmelte Ahab und blickte ins Wasser. In seinen Worten lag kaum etwas, doch der Ton drückte eine tiefe, hilflose Traurigkeit aus, wie sie der verrückte alte Mann noch nie zuvor gezeigt hatte. Doch dann wandte er sich an den Steuermann, der bis dahin das Schiff gegen den Wind gesteuert hatte, um seine Geschwindigkeit zu verringern, und rief mit seiner alten, löwenhaften Stimme: „Kurs halten! Bringt das Schiff um die Welt!“ Um die Welt! In diesem Ausdruck liegt viel, was stolze Gefühle wecken kann – doch wohin führt all diese Umsegelung? Nur durch unzählige Gefahren zurück zum Ausgangspunkt, wo diejenigen, die wir zurückgelassen haben, die ganze Zeit über vor uns waren. Wäre diese Welt eine endlose Ebene und könnten wir durch Seefahrt nach Osten für immer neue Entfernungen erreichen und Anblicke entdecken, die süßer und seltsamer sind als jede Kykladeninsel oder Insel König Salomons, dann gäbe es Hoffnung in der Reise. Doch im Streben nach jenen fernen Geheimnissen, von denen wir träumen, oder in der quälenden Verfolgung jenes Dämonenphantoms, das irgendwann in jedem menschlichen Herzen schwimmt – während wir solches auf dieser Erde verfolgen, führen uns diese Bemühungen entweder in leere Labyrinthe oder lassen uns auf halbem Weg untergehen.
Page 267
KAPITEL 53. Das Spiel.
Der offensichtliche Grund dafür, dass Ahab nicht an Bord des Walfangschiffs ging, über das wir gesprochen hatten, war folgender: Wind und Meer deuteten auf Stürme hin. Doch selbst wenn das nicht der Fall gewesen wäre, hätte er vermutlich dennoch nicht an Bord gegangen – zu urteilen nach seinem späteren Verhalten in ähnlichen Situationen. Wahrscheinlich hatte er durch sein Anrufen eine negative Antwort auf seine Frage erhalten. Denn letztendlich wollte er nicht einmal fünf Minuten lang mit irgendeinem fremden Kapitän zusammen sein, es sei denn, dieser konnte ihm einige der Informationen liefern, nach denen er so sehnsüchtig suchte. Doch all das könnte noch unzureichend bewertet werden, wenn man hier nichts über die besonderen Gepflogenheiten von Walfangschiffen bei Begegnungen in fremden Meeren – insbesondere in gemeinsamen Jagdgebieten – sagen würde.
Wenn zwei Fremde durch die Pine Barrens im US-Bundesstaat New York oder die ebenso öde Salisbury Plain in England ziehen und zufällig dort aufeinandertreffen, können sie es einfach nicht vermeiden, sich gegenseitig zu grüßen; sie halten kurz inne, um sich auszutauschen – vielleicht setzen sie sich sogar zusammen und ruhen sich aus. Wie viel natürlicher ist es da, dass auf den endlosen Meeresgebieten, wie den Pine Barrens und Salisbury Plains, zwei Walfangschiffe einander entdecken – etwa vor der einsamen Fanning’s Island oder der weit entfernten King’s Mills – und dass unter solchen Umständen diese Schiffe nicht nur miteinander kommunizieren, sondern auch engeren, freundlicheren und geselligeren Kontakt aufnehmen. Dies gilt umso mehr für Schiffe, die in derselben Hafenstadt gehören und deren Kapitäne, Offiziere sowie viele Besatzungsmitglieder einander persönlich kennen – sie haben somit allerlei persönliche Dinge, über die sie sprechen können.
Das lange abwesende Schiff, das auf Reise geht, hat vielleicht Briefe an Bord; auf jeden Fall wird es sicherlich einige Dokumente mitgeben, deren Datum ein oder zwei Jahre später liegt als das des letzten Dokuments in seinen abgenutzten Akten. Im Gegenzug erhält das auf Reise gehende Schiff die neuesten Informationen über die Jagdgebiete, wohin es unterwegs ist – etwas von größter Bedeutung für es. In gewissem Maße gilt all dies auch für Walfangschiffe, die sich auf ihren Reisen begegnen.
Der offensichtliche Grund dafür, dass Ahab nicht an Bord des Walfangschiffs ging, über das wir gesprochen hatten, war folgender: Wind und Meer deuteten auf Stürme hin. Doch selbst wenn das nicht der Fall gewesen wäre, hätte er vermutlich dennoch nicht an Bord gegangen – zu urteilen nach seinem späteren Verhalten in ähnlichen Situationen. Wahrscheinlich hatte er durch sein Anrufen eine negative Antwort auf seine Frage erhalten. Denn letztendlich wollte er nicht einmal fünf Minuten lang mit irgendeinem fremden Kapitän zusammen sein, es sei denn, dieser konnte ihm einige der Informationen liefern, nach denen er so sehnsüchtig suchte. Doch all das könnte noch unzureichend bewertet werden, wenn man hier nichts über die besonderen Gepflogenheiten von Walfangschiffen bei Begegnungen in fremden Meeren – insbesondere in gemeinsamen Jagdgebieten – sagen würde.
Wenn zwei Fremde durch die Pine Barrens im US-Bundesstaat New York oder die ebenso öde Salisbury Plain in England ziehen und zufällig dort aufeinandertreffen, können sie es einfach nicht vermeiden, sich gegenseitig zu grüßen; sie halten kurz inne, um sich auszutauschen – vielleicht setzen sie sich sogar zusammen und ruhen sich aus. Wie viel natürlicher ist es da, dass auf den endlosen Meeresgebieten, wie den Pine Barrens und Salisbury Plains, zwei Walfangschiffe einander entdecken – etwa vor der einsamen Fanning’s Island oder der weit entfernten King’s Mills – und dass unter solchen Umständen diese Schiffe nicht nur miteinander kommunizieren, sondern auch engeren, freundlicheren und geselligeren Kontakt aufnehmen. Dies gilt umso mehr für Schiffe, die in derselben Hafenstadt gehören und deren Kapitäne, Offiziere sowie viele Besatzungsmitglieder einander persönlich kennen – sie haben somit allerlei persönliche Dinge, über die sie sprechen können.
Das lange abwesende Schiff, das auf Reise geht, hat vielleicht Briefe an Bord; auf jeden Fall wird es sicherlich einige Dokumente mitgeben, deren Datum ein oder zwei Jahre später liegt als das des letzten Dokuments in seinen abgenutzten Akten. Im Gegenzug erhält das auf Reise gehende Schiff die neuesten Informationen über die Jagdgebiete, wohin es unterwegs ist – etwas von größter Bedeutung für es. In gewissem Maße gilt all dies auch für Walfangschiffe, die sich auf ihren Reisen begegnen.
Page 268
Das eigentliche Reisegebiet – obwohl sie genauso lange von zu Hause weg sind. Denn einer von ihnen könnte Briefe von jemand Drittem erhalten haben, von einem Schiff, das weit entfernt ist; und einige dieser Briefe könnten für die Leute des Schiffes bestimmt sein, dem sie nun begegnen. Außerdem würden sie sich über die Neuigkeiten bezüglich der Walfangaktivitäten austauschen und angeregt plaudern. Schließlich werden sie nicht nur auf die Sympathien der Seeleute stoßen, sondern auch auf alle jene Gemeinsamkeiten, die aus einer gemeinsamen Tätigkeit sowie gegenseitig geteilten Entbehrungen und Gefahren entstehen. Auch Unterschiede im Herkunftsland machen keinen wesentlichen Unterschied – vorausgesetzt, beide Seiten sprechen dieselbe Sprache, wie es bei Amerikanern und Engländern der Fall ist. Allerdings kommen solche Begegnungen aufgrund der geringen Anzahl englischer Walfänger nicht sehr oft vor; und wenn sie doch stattfinden, besteht oft eine Art Schüchternheit zwischen ihnen – denn der Engländer ist eher zurückhaltend, während der Yankee glaubt, solche Eigenschaften nur bei sich selbst zu finden. Zudem neigen englische Walfänger manchmal zu einer Art metropolitaner Überlegenheit gegenüber amerikanischen Walfängern; sie betrachten die großen, schlanken Männer aus Nantucket mit ihren unscheinbaren Provinzmerkmalen als eine Art Seebauern. Doch worin genau diese Überlegenheit der englischen Walfänger besteht, lässt sich schwer sagen – schließlich töten die Yankees an einem Tag gemeinsam mehr Wale als alle Engländer zusammen in zehn Jahren. Doch das ist ein harmloser kleiner Fehler bei den englischen Walfängern, den die Männer aus Nantucket nicht allzu ernst nehmen – vermutlich, weil sie wissen, dass auch sie selbst einige Schwächen haben. Wir sehen also, dass von allen Schiffen, die allein auf hoher See fahren, die Walfänger am meisten Grund haben, gesellig zu sein – und tatsächlich sind sie das auch. Im Gegensatz dazu ziehen einige Handelsschiffe, die sich im Mittelatlantik begegnen, oft einfach weiter, ohne ein Wort des Grußes zu wechseln; sie ignorieren einander auf hoher See, wie zwei Herren auf der Broadway-Bühne – und vielleicht kritisieren sie dabei noch gegenseitig ihre Ausrüstung. Was Kriegsschiffe angeht, so durchlaufen sie, wenn sie zufällig auf hoher See aufeinandertreffen, zunächst eine Reihe lächerlicher Verbeugungen und Gesten; es scheint dabei überhaupt keine echte Herzlichkeit oder brüderliche Zuneigung zu geben. Was Sklavenschiffe betrifft, so eilen sie in solcher Eile davon, dass sie so schnell wie möglich voneinander wegkommen. Und was Piraten angeht: Wenn sie zufällig aufeinandertreffen, lautet der erste Gruß – „Wie viele Schädel?“ – genauso wie beim Gruß der Walfänger: „Wie viele Fässer?“ Sobald diese Frage beantwortet ist, steuern die Piraten sofort ab.
Page 269
Denn es sind teuflische Schurken auf beiden Seiten – und sie möchten nicht allzu viel von den schurkischen Eigenschaften des anderen sehen. Doch schauen Sie sich den frommen, ehrlichen, bescheidenen, gastfreundlichen, geselligen, unbeschwerten Walfänger an! Was tut der Walfänger, wenn er bei anständigem Wetter auf einen anderen Walfänger trifft? Er hat ein „Gam“ – etwas, das allen anderen Schiffen völlig unbekannt ist; sie haben noch nie einmal den Namen davon gehört. Falls sie zufällig davon hören, grinsen sie nur und wiederholen lustige Ausdrücke wie „Spouters“ oder „Blubber-Boiler“ und ähnliches. Warum alle Handelsmatrosen sowie Piraten und Soldaten sowie Seeleute auf Sklavenschiffen eine solch verächtliche Haltung gegenüber Walfangschiffen haben, ist eine Frage, die schwer zu beantworten ist. Im Fall der Piraten möchte ich gerne wissen, ob ihr Beruf irgendeine besondere Pracht mit sich bringt. Manchmal endet er tatsächlich mit außergewöhnlicher Ehre – doch nur am Galgen. Außerdem hat jemand, der auf diese seltsame Weise erhoben wird, keine richtige Grundlage für seine Überlegenheit. Deshalb komme ich zu dem Schluss, dass der Pirat bei seiner Behauptung, er sei den Walfängern überlegen, keine solide Grundlage hat.
Aber was ist ein „Gam“? Man könnte seinen Zeigefinger abnutzen, indem man durch die Spalten der Wörterbücher blättert – und würde das Wort dennoch nicht finden. Dr. Johnson erreichte niemals eine solche Gelehrsamkeit; auch in Noah Websters „Arche“ findet sich dieses Wort nicht. Dennoch wird dieses ausdrucksstarke Wort seit vielen Jahren bei etwa fünfzehntausend echten Yankees ständig verwendet. Sicherlich braucht es eine Definition – und sollte in das Lexikon aufgenommen werden. Zu diesem Zweck möchte ich es hier gelehrt definieren:
**GAM** – Substantiv: Ein gesellschaftliches Treffen zweier (oder mehrerer) Walfangschiffe, meist an einem Jagdgebiet. Dabei tauschen die Besatzungen der Boote Grüße aus; die beiden Kapitäne bleiben vorerst an Bord eines Schiffes, während die beiden Ersten Offiziere das andere Schiff betreten.
Es gibt noch einen weiteren Punkt bezüglich des „Gamming“, den man hier nicht vergessen darf. Jeder Beruf hat seine eigenen kleinen Besonderheiten – auch die Walfangindustrie. Auf Piratenschiffen, Kriegsschiffen oder Sklavenschiffen sitzt der Kapitän, wenn er mit seinem Boot irgendwohin fährt, immer auf einem bequemen, manchmal gepolsterten Sitz im Heck des Bootes. Oft steuert er das Boot mit einem kleinen Ruder, das mit bunten Bändern verziert ist. Doch auf dem Walfangboot gibt es keinen Sitz im Heck, kein solches Sofa – und auch kein Ruder. Wirklich schöne Zeiten wären es, wenn die Walfangkapitäne auf Rädern über das Wasser gefahren würden…
Aber was ist ein „Gam“? Man könnte seinen Zeigefinger abnutzen, indem man durch die Spalten der Wörterbücher blättert – und würde das Wort dennoch nicht finden. Dr. Johnson erreichte niemals eine solche Gelehrsamkeit; auch in Noah Websters „Arche“ findet sich dieses Wort nicht. Dennoch wird dieses ausdrucksstarke Wort seit vielen Jahren bei etwa fünfzehntausend echten Yankees ständig verwendet. Sicherlich braucht es eine Definition – und sollte in das Lexikon aufgenommen werden. Zu diesem Zweck möchte ich es hier gelehrt definieren:
**GAM** – Substantiv: Ein gesellschaftliches Treffen zweier (oder mehrerer) Walfangschiffe, meist an einem Jagdgebiet. Dabei tauschen die Besatzungen der Boote Grüße aus; die beiden Kapitäne bleiben vorerst an Bord eines Schiffes, während die beiden Ersten Offiziere das andere Schiff betreten.
Es gibt noch einen weiteren Punkt bezüglich des „Gamming“, den man hier nicht vergessen darf. Jeder Beruf hat seine eigenen kleinen Besonderheiten – auch die Walfangindustrie. Auf Piratenschiffen, Kriegsschiffen oder Sklavenschiffen sitzt der Kapitän, wenn er mit seinem Boot irgendwohin fährt, immer auf einem bequemen, manchmal gepolsterten Sitz im Heck des Bootes. Oft steuert er das Boot mit einem kleinen Ruder, das mit bunten Bändern verziert ist. Doch auf dem Walfangboot gibt es keinen Sitz im Heck, kein solches Sofa – und auch kein Ruder. Wirklich schöne Zeiten wären es, wenn die Walfangkapitäne auf Rädern über das Wasser gefahren würden…
Page 270
Räder wie bei gichtgeplagten, alten Stadträten in gepolsterten Stühlen. Was den Ruderer angeht, so duldet das Walfangboot solche Weichlichkeit keineswegs; daher muss bei der Jagd die gesamte Besatzung das Schiff verlassen. Der Steuermann oder Harpunier gehört ebenfalls dazu – in solchen Fällen ist er der Ruderer. Der Kapitän hat keinen Sitzplatz und muss stehen bleiben, genau wie ein Pinienbaum. Oft wird man bemerken, dass dieser stehende Kapitän sich der Bedeutung bewusst ist, seine Würde zu wahren, indem er seine Beine stabil hält. Das ist jedoch keine leichte Aufgabe: Hinter ihm befindet sich das riesige Steuerruder, das ihn von Zeit zu Zeit in den unteren Rücken trifft; das hintere Ruder wiederum schlägt gegen seine Knie vorne. Er ist somit vorn und hinten vollständig eingeengt und kann sich nur seitwärts bewegen, indem er sich auf seine ausgestreckten Beine stützt. Doch ein plötzlicher, heftiger Schlag des Bootes kann ihn leicht umwerfen – schließlich nützt Länge ohne entsprechende Breite nichts. Man nehme einfach zwei Stangen in einem gewissen Winkel zueinander – sie lassen sich dann nicht aufstellen. Zudem wäre es in Gegenwart aller neugierigen Blicke niemals angemessen, wenn dieser Kapitän sich auch nur minimal festhalten würde, indem er mit den Händen nach etwas greift. Tatsächlich trägt er seine Hände meist in den Taschen seiner Hose – wohl als Zeichen seines vollkommenen Selbstbeherrschungsvermögens. Doch da seine Hände in der Regel sehr groß und schwer sind, verwendet er sie dort als Ballast. Dennoch gab es, und zwar gut belegte Fälle, in denen der Kapitän in einer besonders kritischen Situation – etwa während eines plötzlichen Sturms – die Haare des nächstgelegenen Ruderers packte und sich daran festhielt wie der Tod selbst.
Page 271
KAPITEL 54. Die Geschichte der Town-Ho.
(Gerichtet im Golden Inn.)
Die Kap der Guten Hoffnung sowie die gesamte umliegende Gewässerregion gleichen in vieler Hinsicht bestimmten wichtigen Knotenpunkten auf einer großen Straße – dort trifft man mehr Reisende als an jedem anderen Ort.
Kurz nachdem wir mit dem Schiff Goney gesprochen hatten, wurde ein weiteres Walfangschiff auf dem Heimweg, die Town-Ho*, entdeckt. An Bord dieser Schiff befanden sich fast ausschließlich Polynesier. Im kurzen Gespräch, das darauf folgte, erhielten wir wichtige Nachrichten über Moby Dick. Bei einigen wurde das allgemeine Interesse am Weißen Wal durch eine Besonderheit in der Geschichte der Town-Ho noch weiter angeheizt – diese Besonderheit schien in Zusammenhang mit dem Wal eine Art „umgekehrte“ Ausführung jener sogenannten Gottesstrafen zu stehen, von denen man sagt, dass sie manchmal einige Menschen heimsuchen. Diese letzte Besonderheit samt ihren Begleitumständen, die man als den „geheimen Teil“ der bald zu erzählenden Tragödie bezeichnen könnte, erreichte niemals die Ohren von Kapitän Ahab oder seinen Männern. Denn selbst der Kapitän der Town-Ho kannte diesen geheimen Teil der Geschichte nicht. Er gehörte zur Privatsphäre dreier weißer Seeleute dieses Schiffes; einer von ihnen übermittelte ihn offenbar an Tashtego unter strengen Geheimhaltungsauflagen. Doch in der folgenden Nacht redete Tashtego im Schlaf und verriet so viel davon, dass er, als er wieder aufwachte, den Rest nicht länger für sich behalten konnte. Dennoch hatte diese Angelegenheit einen so starken Einfluss auf die Seeleute der Pequod, die davon vollständig erfuhren, dass sie das Geheimnis untereinander hielten – sodass es niemals außerhalb des Hauptmastes der Pequod bekannt wurde. Indem ich diesen „dunkleren Faden“ an der richtigen Stelle in die öffentlich auf dem Schiff erzählte Geschichte einfüge, werde ich nun die ganze Geschichte dieses seltsamen Vorfalls dauerhaft festhalten.
*Der alte Ruf, der beim ersten Anblick eines Wals vom Mast aus ausgestoßen wird – er wird bis heute von Walfangschiffen bei der Jagd auf die berühmten Gallapagos-Schildkröten verwendet. Aus Spaß werde ich den Stil beibehalten, in dem ich diese Geschichte einst in Lima vor einer Gruppe meiner spanischen Freunde an einem Heiligenabend erzählt habe – während wir auf dem mit vergoldeten Fliesen ausgelegten Platz des Golden Inn rauchten. Von jenen wunderbaren…
(Gerichtet im Golden Inn.)
Die Kap der Guten Hoffnung sowie die gesamte umliegende Gewässerregion gleichen in vieler Hinsicht bestimmten wichtigen Knotenpunkten auf einer großen Straße – dort trifft man mehr Reisende als an jedem anderen Ort.
Kurz nachdem wir mit dem Schiff Goney gesprochen hatten, wurde ein weiteres Walfangschiff auf dem Heimweg, die Town-Ho*, entdeckt. An Bord dieser Schiff befanden sich fast ausschließlich Polynesier. Im kurzen Gespräch, das darauf folgte, erhielten wir wichtige Nachrichten über Moby Dick. Bei einigen wurde das allgemeine Interesse am Weißen Wal durch eine Besonderheit in der Geschichte der Town-Ho noch weiter angeheizt – diese Besonderheit schien in Zusammenhang mit dem Wal eine Art „umgekehrte“ Ausführung jener sogenannten Gottesstrafen zu stehen, von denen man sagt, dass sie manchmal einige Menschen heimsuchen. Diese letzte Besonderheit samt ihren Begleitumständen, die man als den „geheimen Teil“ der bald zu erzählenden Tragödie bezeichnen könnte, erreichte niemals die Ohren von Kapitän Ahab oder seinen Männern. Denn selbst der Kapitän der Town-Ho kannte diesen geheimen Teil der Geschichte nicht. Er gehörte zur Privatsphäre dreier weißer Seeleute dieses Schiffes; einer von ihnen übermittelte ihn offenbar an Tashtego unter strengen Geheimhaltungsauflagen. Doch in der folgenden Nacht redete Tashtego im Schlaf und verriet so viel davon, dass er, als er wieder aufwachte, den Rest nicht länger für sich behalten konnte. Dennoch hatte diese Angelegenheit einen so starken Einfluss auf die Seeleute der Pequod, die davon vollständig erfuhren, dass sie das Geheimnis untereinander hielten – sodass es niemals außerhalb des Hauptmastes der Pequod bekannt wurde. Indem ich diesen „dunkleren Faden“ an der richtigen Stelle in die öffentlich auf dem Schiff erzählte Geschichte einfüge, werde ich nun die ganze Geschichte dieses seltsamen Vorfalls dauerhaft festhalten.
*Der alte Ruf, der beim ersten Anblick eines Wals vom Mast aus ausgestoßen wird – er wird bis heute von Walfangschiffen bei der Jagd auf die berühmten Gallapagos-Schildkröten verwendet. Aus Spaß werde ich den Stil beibehalten, in dem ich diese Geschichte einst in Lima vor einer Gruppe meiner spanischen Freunde an einem Heiligenabend erzählt habe – während wir auf dem mit vergoldeten Fliesen ausgelegten Platz des Golden Inn rauchten. Von jenen wunderbaren…
Page 272
Die Ritter, die jungen Dons, Pedro und Sebastian, standen mir näher; deshalb stellten sie gelegentlich Zwischenfragen, die zur Stelle beantwortet wurden.
„Ungefähr zwei Jahre bevor ich zum ersten Mal von den Ereignissen erfuhr, die ich Ihnen nun schildern werde, fuhr die Town-Ho, ein Walfangschiff aus Nantucket, hier im Pazifik – nicht viele Seetage östlich von diesem guten Golden Inn. Sie befand sich irgendwo nördlich der Äquatorlinie. Eines Morgens, beim Bedienen der Pumpen wie üblich, wurde festgestellt, dass mehr Wasser in den Laderaum gelangte als sonst. Die Leute vermuteten, ein Schwertfisch habe das Schiff getroffen. Doch der Kapitän hatte einen ungewöhnlichen Grund zu glauben, dass ihm in diesen Breiten großes Glück bevorstand; deshalb wollte er diese Gegend auf keinen Fall verlassen. Da das Leck zu dieser Zeit überhaupt nicht als gefährlich angesehen wurde – obwohl sie es nach gründlicher Suche im Laderaum bei ziemlich schlechtem Wetter tatsächlich nicht finden konnten – setzte das Schiff seine Fahrt fort. Die Seeleute arbeiteten abwechselnd an den Pumpen; doch es kam kein Glück. Immer mehr Tage vergingen, und nicht nur blieb das Leck unentdeckt, sondern es wurde sogar immer schlimmer. Schließlich geriet der Kapitän in Panik, setzte alle Segel und steuerte auf den nächstgelegenen Hafen auf den Inseln zu, um dort das Schiff reparieren zu lassen.
Obwohl vor dem Schiff eine nicht unerhebliche Strecke lag, fürchtete er nicht, dass sein Schiff unterwegs sinken könnte – schließlich waren seine Pumpen von bester Qualität, und da die Männer abwechselnd daran arbeiteten, konnten die sechsunddreißig Mann an Bord das Schiff leicht trocken halten – selbst wenn das Leck sich verdoppelte. Tatsächlich wurde fast die gesamte Strecke von günstigen Winden begleitet, sodass die Town-Ho fast sicher und ohne jegliches Unglück in ihrem Hafen angekommen wäre – wären da nicht die brutale Herrschsucht von Radney, dem Steuermann aus Vineyard, sowie die erbitterte Rache von Steelkilt, einem Mann aus Buffalo und Verbrecher.
‚Mann aus Buffalo? Bitte, was ist ein Mann aus Buffalo – und wo liegt Buffalo?‘, fragte Don Sebastian, während er von seiner Mattratze aufstand.
‚An der Ostküste unseres Eriesee, Don – aber bitte haben Sie Geduld: Vielleicht erfahren Sie bald mehr darüber. Nun, meine Herren: Auf diesen Zweimaster- und Dreimaster-Schiffen, die fast genauso groß und robust sind wie alle Schiffe, die jemals von Ihrem alten Callao nach Manila fuhren – dieser Mann aus Buffalo…‘“
„Ungefähr zwei Jahre bevor ich zum ersten Mal von den Ereignissen erfuhr, die ich Ihnen nun schildern werde, fuhr die Town-Ho, ein Walfangschiff aus Nantucket, hier im Pazifik – nicht viele Seetage östlich von diesem guten Golden Inn. Sie befand sich irgendwo nördlich der Äquatorlinie. Eines Morgens, beim Bedienen der Pumpen wie üblich, wurde festgestellt, dass mehr Wasser in den Laderaum gelangte als sonst. Die Leute vermuteten, ein Schwertfisch habe das Schiff getroffen. Doch der Kapitän hatte einen ungewöhnlichen Grund zu glauben, dass ihm in diesen Breiten großes Glück bevorstand; deshalb wollte er diese Gegend auf keinen Fall verlassen. Da das Leck zu dieser Zeit überhaupt nicht als gefährlich angesehen wurde – obwohl sie es nach gründlicher Suche im Laderaum bei ziemlich schlechtem Wetter tatsächlich nicht finden konnten – setzte das Schiff seine Fahrt fort. Die Seeleute arbeiteten abwechselnd an den Pumpen; doch es kam kein Glück. Immer mehr Tage vergingen, und nicht nur blieb das Leck unentdeckt, sondern es wurde sogar immer schlimmer. Schließlich geriet der Kapitän in Panik, setzte alle Segel und steuerte auf den nächstgelegenen Hafen auf den Inseln zu, um dort das Schiff reparieren zu lassen.
Obwohl vor dem Schiff eine nicht unerhebliche Strecke lag, fürchtete er nicht, dass sein Schiff unterwegs sinken könnte – schließlich waren seine Pumpen von bester Qualität, und da die Männer abwechselnd daran arbeiteten, konnten die sechsunddreißig Mann an Bord das Schiff leicht trocken halten – selbst wenn das Leck sich verdoppelte. Tatsächlich wurde fast die gesamte Strecke von günstigen Winden begleitet, sodass die Town-Ho fast sicher und ohne jegliches Unglück in ihrem Hafen angekommen wäre – wären da nicht die brutale Herrschsucht von Radney, dem Steuermann aus Vineyard, sowie die erbitterte Rache von Steelkilt, einem Mann aus Buffalo und Verbrecher.
‚Mann aus Buffalo? Bitte, was ist ein Mann aus Buffalo – und wo liegt Buffalo?‘, fragte Don Sebastian, während er von seiner Mattratze aufstand.
‚An der Ostküste unseres Eriesee, Don – aber bitte haben Sie Geduld: Vielleicht erfahren Sie bald mehr darüber. Nun, meine Herren: Auf diesen Zweimaster- und Dreimaster-Schiffen, die fast genauso groß und robust sind wie alle Schiffe, die jemals von Ihrem alten Callao nach Manila fuhren – dieser Mann aus Buffalo…‘“
Page 273
Im abgelegenen Herzen unseres Amerikas wurde er noch von all jenen Eindrücken der Agrarwirtschaft geprägt, die mit dem offenen Ozean in Verbindung gebracht werden. Denn in ihrer Gesamtheit besitzen diese großen Süßwassermeer – Erie, Ontario, Huron, Superior und Michigan – eine ozeanartige Weite sowie viele der edelsten Eigenschaften des Ozeans; außerdem weisen sie viele verschiedene Völker und Klimazonen auf. Sie enthalten runde Archipeläge aus romantischen Inseln, genau wie die polynesischen Gewässer; größtenteils sind sie von zwei großen, gegensätzlichen Nationen umgeben, genauso wie der Atlantik; sie bieten lange Seewege zu unseren zahlreichen Kolonien im Osten, die überall entlang ihrer Ufer liegen; hier und da werden sie durch Batterien sowie die steilen, felsigen Waffen von Mackinaw bedroht; sie haben das Donnern von Seeschlachten gehört; gelegentlich überlassen sie ihre Strände wilden Barbaren, deren rot bemalte Gesichter aus ihren Pelzzelten hervorschauen; über Meilen hinweg sind sie von uralten, unberührten Wäldern umgeben, in denen die mageren Kiefern wie Reihen von Königen in gotischen Stammbäumen stehen; in diesen Wäldern leben wilde afrikanische Raubtiere sowie Tiere, deren exportierte Felle den tatarischen Kaisern Roben liefern; sie spiegeln die gepflasterten Städte Buffalo und Cleveland sowie die Dörfer der Winnebago wider; sie beherbergen sowohl voll ausgestattete Handelsschiffe als auch bewaffnete Kriegsschiffe des Staates, Dampfschiffe sowie Birkenkanus; sie werden von bösen Winden heimgesucht, die genauso schrecklich sind wie diejenigen, die die salzigen Wellen peitschen; sie kennen das Schicksal von Schiffbrüchen, denn fernab jeglicher Landmasse haben sie schon viele Schiffe samt ihrer schreienden Besatzungen untergehen lassen. So war Steelkilt, meine Herren, zwar ein Einheimischer, doch er wurde im wilden Ozean geboren und dort aufgezogen – er war genauso mutiger Seemann wie jeder andere. Und Radney: Obwohl er in seiner Kindheit vielleicht auf dem einsamen Strand von Nantucket zur Welt kam, um dort von der „Muttersee“ ernährt zu werden; obwohl er später lange Zeit unseren strengen Atlantik sowie Ihren nachdenklichen Pazifik bereiste – war er dennoch genauso rachsüchtig und voller sozialer Konflikte wie der Seemann aus den abgelegenen Gebieten, der gerade aus den Regionen mit Bowie-Messern kam. Doch dieser Mann aus Nantucket hatte auch einige gutherzige Eigenschaften; und dieser Mann vom Seeufer war zwar ein Seemann, der im Grunde ein Teufel war, doch durch unerschütterliche Entschlossenheit – gemildert nur durch die grundlegende Menschlichkeit, die selbst dem niedrigsten Sklaven zusteht – konnte er beherrscht werden. Auf diese Weise blieb Steelkilt lange Zeit harmlos und gehorsam. Jedenfalls hat er sich bis jetzt so verhalten; doch Radney war verdammt und wurde verrückt – und Steelkilt… nun, meine Herren, das werden Sie noch erfahren.
Page 274
Es vergingen höchstens ein oder zwei Tage, nachdem die Town-Ho Kurs auf ihre Insel-Fluchtburg genommen hatte, bis das Leck wieder zunahm – doch nur so sehr, dass täglich eine Stunde oder länger mit dem Pumpen verbracht werden musste. Man muss wissen, dass in einem ruhigen und zivilisierten Ozean wie unserem Atlantik beispielsweise einige Kapitäne es für überflüssig halten, während der ganzen Überfahrt zu pumpen; doch an einer stillen, ruhigen Nacht, falls der Offizier an Deck versehentlich seine Pflichten in dieser Hinsicht vergisst, ist es wahrscheinlich, dass er und seine Besatzungsmitglieder es niemals wieder in Erinnerung bringen werden – schließlich sinkt das Schiff allmählich zum Grund hinab. Auch in den einsamen, wilden Meeren weit im Westen, meine Herren, ist es keineswegs ungewöhnlich, dass Schiffe während einer ziemlich langen Reise weiterhin ununterbrochen mit den Pumpen arbeiten müssen – vorausgesetzt, sie fahren entlang einer recht zugänglichen Küste oder haben eine andere vernünftige Fluchtmöglichkeit. Erst wenn ein leckendes Schiff sich in einer wirklich abgelegenen Gegend dieser Gewässer befindet, in einer Gegend ohne jegliche Landmassen, beginnt sein Kapitän, sich etwas Sorgen zu machen.
Genau so war es auch mit der Town-Ho: Als festgestellt wurde, dass das Leck erneut zunahm, zeigten mehrere Besatzungsmitglieder tatsächlich etwas Besorgnis – insbesondere Radney, der Zweite Offizier. Er befahl, die oberen Segel ordnungsgemäß zu hissen, sie neu einzustellen und alles möglichst dem Wind auszusetzen. Nun, dieser Radney war, glaube ich, genauso wenig ein Feigling und genauso wenig geneigt zu irgendwelcher nervösen Besorgnis bezüglich seiner eigenen Person wie jedes furchtlose, unbedachte Wesen an Land oder auf See, das man sich vorstellen kann, meine Herren. Deshalb behaupteten einige Matrosen, seine Sorge um die Sicherheit des Schiffes rühre nur daher, dass er Miteigentümer sei. Während sie an jenem Abend mit den Pumpen arbeiteten, herrschte unter ihnen viel Scherz und Spott – schließlich standen sie da, mit Füßen, die ständig vom sprudelnden, klaren Wasser überspült wurden – so klar wie Quellwasser in den Bergen, meine Herren – das Wasser strömte über das Deck und floss in gleichmäßigen Strahlen durch die Ablasslöcher.
Nun, wie Sie wohl wissen, kommt es in unserer gewöhnlichen Welt – egal ob mit Wasser oder nicht – oft vor, dass eine Person, die das Kommando über ihre Mitmenschen hat, feststellt, dass einer von ihnen ihr in puncto männlichem Stolz deutlich überlegen ist. Sofort entwickelt sie gegen diesen Mann eine unwiderstehliche Abneigung und Bitterkeit; und wenn sie die Gelegenheit hat, wird sie dessen „Turm“ niederreißen und zu Staub zermahlen. Wie auch immer mein Stolz aussehen mag, meine Herren – Steelkilt war jedenfalls…
Genau so war es auch mit der Town-Ho: Als festgestellt wurde, dass das Leck erneut zunahm, zeigten mehrere Besatzungsmitglieder tatsächlich etwas Besorgnis – insbesondere Radney, der Zweite Offizier. Er befahl, die oberen Segel ordnungsgemäß zu hissen, sie neu einzustellen und alles möglichst dem Wind auszusetzen. Nun, dieser Radney war, glaube ich, genauso wenig ein Feigling und genauso wenig geneigt zu irgendwelcher nervösen Besorgnis bezüglich seiner eigenen Person wie jedes furchtlose, unbedachte Wesen an Land oder auf See, das man sich vorstellen kann, meine Herren. Deshalb behaupteten einige Matrosen, seine Sorge um die Sicherheit des Schiffes rühre nur daher, dass er Miteigentümer sei. Während sie an jenem Abend mit den Pumpen arbeiteten, herrschte unter ihnen viel Scherz und Spott – schließlich standen sie da, mit Füßen, die ständig vom sprudelnden, klaren Wasser überspült wurden – so klar wie Quellwasser in den Bergen, meine Herren – das Wasser strömte über das Deck und floss in gleichmäßigen Strahlen durch die Ablasslöcher.
Nun, wie Sie wohl wissen, kommt es in unserer gewöhnlichen Welt – egal ob mit Wasser oder nicht – oft vor, dass eine Person, die das Kommando über ihre Mitmenschen hat, feststellt, dass einer von ihnen ihr in puncto männlichem Stolz deutlich überlegen ist. Sofort entwickelt sie gegen diesen Mann eine unwiderstehliche Abneigung und Bitterkeit; und wenn sie die Gelegenheit hat, wird sie dessen „Turm“ niederreißen und zu Staub zermahlen. Wie auch immer mein Stolz aussehen mag, meine Herren – Steelkilt war jedenfalls…
Page 275
Ein großes, edles Tier mit einem Kopf wie der eines Römers und einem fließenden, goldenen Bart – ähnlich den geschmückten Verzierungen auf dem Pferd eures letzten Vizekönigs. In ihm steckten Gehirn, Herz und Seele, meine Herren – Eigenschaften, die aus Steelkilt einen Karl den Großen gemacht hätten, wäre er als Sohn von Karls Vater geboren worden. Doch Radney, der Bootsmann, war hässlich wie ein Maultier – doch ebenso zähe, stur und bösartig. Er liebte Steelkilt nicht, und Steelkilt wusste das.
Als er sah, dass der Bootsmann sich näherte, während er zusammen mit den anderen am Pumpen arbeitete, tat der Mann vom See so, als würde er ihn nicht bemerken, und fuhr unbeeindruckt mit seinen fröhlichen Scherzen fort.
„Ja, ja, meine fröhlichen Jungs – das ist wirklich eine schlimme Leckstelle. Haltet mal einen Krug bereit, einer von euch, damit wir daraus probieren können. Bei Gott, das ist etwas, das man in Flaschen abfüllen sollte! Ich sage euch: Old Rad muss sein Geld dafür ausgeben! Er sollte besser seinen Anteil am Rumpf abschneiden und ihn nach Hause ziehen. Tatsächlich haben diese Kerle erst angefangen – sie sind mit einer Bande von Schiffsbauern, Sägen und anderen Werkzeugen zurückgekehrt und arbeiten jetzt hart daran, am Rumpfboden herumzuschneiden – vermutlich, um Verbesserungen vorzunehmen. Wenn Old Rad jetzt hier wäre, würde ich ihm sagen, er solle ins Wasser springen und sie vertreiben. Sie spielen mit seinem Eigentum, das kann ich ihm sagen. Aber er ist ein einfacher alter Mann – und außerdem noch ein Schönling. Die Leute sagen, sein restliches Vermögen sei in Spiegel investiert. Ich frage mich, ob er einem armen Teufel wie mir das Modell seines Nasenschnitts geben würde.“
„Verdammt nochmal! Warum hört diese Pumpe auf zu arbeiten?“, brüllte Radney und tat so, als hätte er das Gerede der Matrosen nicht gehört. „Arbeitet weiter!“
„Ja, ja, Sir“, sagte Steelkilt fröhlich. „Los, Jungs, macht weiter!“ Und sofort begann die Pumpe zu arbeiten, als wären es fünfzig Feuerwehrmaschinen. Die Männer warfen ihre Hüte in die Luft – bald war dieses charakteristische Keuchen zu hören, das auf maximale Anstrengung hindeutet.
Schließlich hörte der Mann vom See mit dem Pumpen auf und setzte sich keuchend auf den Winden. Sein Gesicht war feuerrot, seine Augen blutunterlaufen – er wischte sich den Schweiß von der Stirn. Welcher teuflische Instinkt hatte Radney dazu gebracht, sich mit einem Mann in diesem extrem angespannten Zustand anzulegen? Ich weiß es nicht – aber so geschah es. Radney ging ungeduldig über das Deck und befahl ihm, einen Besen zu holen, um die Decksplanken zu fegen, sowie eine Schaufel, um den Dreck wegzuräumen, der dadurch entstanden war, dass ein Schwein frei herumlief.
Als er sah, dass der Bootsmann sich näherte, während er zusammen mit den anderen am Pumpen arbeitete, tat der Mann vom See so, als würde er ihn nicht bemerken, und fuhr unbeeindruckt mit seinen fröhlichen Scherzen fort.
„Ja, ja, meine fröhlichen Jungs – das ist wirklich eine schlimme Leckstelle. Haltet mal einen Krug bereit, einer von euch, damit wir daraus probieren können. Bei Gott, das ist etwas, das man in Flaschen abfüllen sollte! Ich sage euch: Old Rad muss sein Geld dafür ausgeben! Er sollte besser seinen Anteil am Rumpf abschneiden und ihn nach Hause ziehen. Tatsächlich haben diese Kerle erst angefangen – sie sind mit einer Bande von Schiffsbauern, Sägen und anderen Werkzeugen zurückgekehrt und arbeiten jetzt hart daran, am Rumpfboden herumzuschneiden – vermutlich, um Verbesserungen vorzunehmen. Wenn Old Rad jetzt hier wäre, würde ich ihm sagen, er solle ins Wasser springen und sie vertreiben. Sie spielen mit seinem Eigentum, das kann ich ihm sagen. Aber er ist ein einfacher alter Mann – und außerdem noch ein Schönling. Die Leute sagen, sein restliches Vermögen sei in Spiegel investiert. Ich frage mich, ob er einem armen Teufel wie mir das Modell seines Nasenschnitts geben würde.“
„Verdammt nochmal! Warum hört diese Pumpe auf zu arbeiten?“, brüllte Radney und tat so, als hätte er das Gerede der Matrosen nicht gehört. „Arbeitet weiter!“
„Ja, ja, Sir“, sagte Steelkilt fröhlich. „Los, Jungs, macht weiter!“ Und sofort begann die Pumpe zu arbeiten, als wären es fünfzig Feuerwehrmaschinen. Die Männer warfen ihre Hüte in die Luft – bald war dieses charakteristische Keuchen zu hören, das auf maximale Anstrengung hindeutet.
Schließlich hörte der Mann vom See mit dem Pumpen auf und setzte sich keuchend auf den Winden. Sein Gesicht war feuerrot, seine Augen blutunterlaufen – er wischte sich den Schweiß von der Stirn. Welcher teuflische Instinkt hatte Radney dazu gebracht, sich mit einem Mann in diesem extrem angespannten Zustand anzulegen? Ich weiß es nicht – aber so geschah es. Radney ging ungeduldig über das Deck und befahl ihm, einen Besen zu holen, um die Decksplanken zu fegen, sowie eine Schaufel, um den Dreck wegzuräumen, der dadurch entstanden war, dass ein Schwein frei herumlief.
Page 276
„Nun, meine Herren, das Fegen des Decks eines Schiffes auf See ist eine Hausarbeit, die zu allen Zeiten – außer bei heftigen Stürmen – jeden Abend erledigt wird; es ist sogar bekannt, dass dies auch dann geschieht, wenn das Schiff gerade untergeht. So groß ist also die Starrheit der Seefahrtsbräuche sowie die instinktive Liebe zur Sauberkeit bei den Seeleuten – einige von ihnen würden nicht freiwillig ertrinken, ohne sich vorher das Gesicht zu waschen. Auf allen Schiffen ist diese Arbeit jedoch Sache der Jungen, sofern es welche an Bord gibt. Zudem waren die kräftigeren Männer auf der Town-Ho in Gruppen eingeteilt worden, die abwechselnd an den Pumpen arbeiteten; und da Steelkilt der athletischste Seeemann unter ihnen war, wurde er regelmäßig zum Anführer einer dieser Gruppen ernannt. Folglich hätte er von allen trivialen Aufgaben befreit sein sollen, die nicht mit eigentlichen nautischen Pflichten zusammenhingen – genauso wie seine Kameraden. Ich erwähne all diese Einzelheiten, damit Sie genau verstehen können, wie die Dinge zwischen den beiden Männern standen.
Aber es gab noch mehr: Der Befehl bezüglich des Schaufels war offensichtlich dazu da, Steelkilt zu kränken und zu beleidigen – als hätte Radney ihm ins Gesicht gespuckt. Jeder, der schon einmal auf einem Walfangschiff als Matrose gearbeitet hat, wird das verstehen. All das – und zweifellos noch viel mehr – verstand der Lakeman vollkommen, als der Steuermann seinen Befehl aussprach. Doch während er einen Moment lang regungslos sitzen blieb, fest in die bösartigen Augen des Steuermanns blickte und die gestapelten Pulverfässer darin sowie das leise darauf zubrennende Streichholz wahrnahm – während er instinktiv all das erkannte – überkam Steelkilt jenes seltsame Gefühl der Zurückhaltung und Unwilligkeit, bereits empörte Menschen noch weiter zu reizen – ein Gefühl, das nur von wirklich tapferen Männern verspürt wird, selbst dann, wenn sie beleidigt sind. Dieses namenlose, unbeschreibliche Gefühl überkam Steelkilt.
Daher antwortete er in seinem gewohnten Tonfall – nur leicht durch seine vorübergehende körperliche Erschöpfung beeinträchtigt –, dass das Fegen des Decks nicht seine Aufgabe sei und er es nicht tun würde. Anschließend wies er, ohne überhaupt auf die Schaufel einzugehen, auf drei Jungen als die üblichen Feger hin; diese hatten, da sie nicht an den Pumpen arbeiteten, den ganzen Tag über kaum etwas getan. Daraufhin antwortete Radney mit einem Fluch und wiederholte auf äußerst herrische und beleidigende Weise bedingungslos seinen Befehl; zugleich näherte er sich dem immer noch sitzenden Lakeman mit einem erhobenen Hammerschlag, den er aus einem nahegelegenen Fass gerissen hatte.“
Aber es gab noch mehr: Der Befehl bezüglich des Schaufels war offensichtlich dazu da, Steelkilt zu kränken und zu beleidigen – als hätte Radney ihm ins Gesicht gespuckt. Jeder, der schon einmal auf einem Walfangschiff als Matrose gearbeitet hat, wird das verstehen. All das – und zweifellos noch viel mehr – verstand der Lakeman vollkommen, als der Steuermann seinen Befehl aussprach. Doch während er einen Moment lang regungslos sitzen blieb, fest in die bösartigen Augen des Steuermanns blickte und die gestapelten Pulverfässer darin sowie das leise darauf zubrennende Streichholz wahrnahm – während er instinktiv all das erkannte – überkam Steelkilt jenes seltsame Gefühl der Zurückhaltung und Unwilligkeit, bereits empörte Menschen noch weiter zu reizen – ein Gefühl, das nur von wirklich tapferen Männern verspürt wird, selbst dann, wenn sie beleidigt sind. Dieses namenlose, unbeschreibliche Gefühl überkam Steelkilt.
Daher antwortete er in seinem gewohnten Tonfall – nur leicht durch seine vorübergehende körperliche Erschöpfung beeinträchtigt –, dass das Fegen des Decks nicht seine Aufgabe sei und er es nicht tun würde. Anschließend wies er, ohne überhaupt auf die Schaufel einzugehen, auf drei Jungen als die üblichen Feger hin; diese hatten, da sie nicht an den Pumpen arbeiteten, den ganzen Tag über kaum etwas getan. Daraufhin antwortete Radney mit einem Fluch und wiederholte auf äußerst herrische und beleidigende Weise bedingungslos seinen Befehl; zugleich näherte er sich dem immer noch sitzenden Lakeman mit einem erhobenen Hammerschlag, den er aus einem nahegelegenen Fass gerissen hatte.“
Page 277
Er war wütend und verärgert über seine anstrengende Arbeit an den Pumpen – trotz all seiner Geduld konnte Steelkilt diese Art des Umgangsseins seitens des Offiziers kaum ertragen. Doch irgendwie gelang es ihm, die Wut in sich zu unterdrücken. Ohne ein Wort zu sagen, blieb er beharrlich an seinem Platz sitzen, bis schließlich der wütende Radney den Hammer nur wenige Zentimeter vor seinem Gesicht schwang und ihn wütend anwies, seinen Befehlen zu gehorchen.
Steelkilt stand auf und zog sich langsam um das Windrad zurück, während der Offizier mit seinem bedrohlichen Hammer ihm folgte. Er wiederholte absichtlich, dass er nicht gehorchen würde. Als er jedoch sah, dass seine Geduld keinerlei Wirkung zeigte, warnte er den törichten und verrückten Mann mit einer furchterregenden Geste mit seiner verdrehten Hand – doch es nützte nichts. So gingen die beiden einmal langsam um das Windrad herum. Schließlich entschloss sich Steelkilt, nicht mehr zurückzuweichen. Er dachte, er habe nun genug Nachsicht gezeigt. Da hielt er inne und sprach zum Offizier:
„Herr Radney, ich werde Ihnen nicht gehorchen. Nehmen Sie diesen Hammer weg – sonst passiert etwas mit Ihnen.“ Doch der Offizier kam immer näher und schwang den schweren Hammer nur wenige Zentimeter vor Steelkilts Gesicht, während er unaufhörlich Beleidigungen aussprach. Steelkilt wich keinen Millimeter zurück. Mit seinem durchdringenden Blick stach er dem Offizier in die Augen. Er ballte seine rechte Hand hinter dem Rücken und zog sie langsam zurück. Er sagte zu seinem Verfolger, dass er ihn umbringen würde, falls der Hammer seine Wange berühren sollte. Doch der Narr war bereits vom Schicksal zum Tode verurteilt worden. Kaum berührte der Hammer seine Wange, brach dem Offizier das Kinn – er fiel zu Boden und spritzte Blut wie ein Wal.
Bevor ein Schrei gehört werden konnte, schüttelte Steelkilt bereits eines der Seile, die hoch hinauf zu den Masten seiner Kameraden führten. Beide waren Kanaler.
„Kanaler!“, rief Don Pedro. „Wir haben viele Walfangschiffe in unseren Häfen gesehen, aber noch nie von euren Kanalern gehört. Verzeihen Sie – wer sind sie und was sind sie?“
„Kanaler, Don, sind die Bootsführer unseres großen Erie-Kanals. Sie müssen schon davon gehört haben.“
„Nein, Senor. In diesem tristen, warmen, faulen und erblichen Land wissen wir nur wenig über Ihren energischen Norden.“
Steelkilt stand auf und zog sich langsam um das Windrad zurück, während der Offizier mit seinem bedrohlichen Hammer ihm folgte. Er wiederholte absichtlich, dass er nicht gehorchen würde. Als er jedoch sah, dass seine Geduld keinerlei Wirkung zeigte, warnte er den törichten und verrückten Mann mit einer furchterregenden Geste mit seiner verdrehten Hand – doch es nützte nichts. So gingen die beiden einmal langsam um das Windrad herum. Schließlich entschloss sich Steelkilt, nicht mehr zurückzuweichen. Er dachte, er habe nun genug Nachsicht gezeigt. Da hielt er inne und sprach zum Offizier:
„Herr Radney, ich werde Ihnen nicht gehorchen. Nehmen Sie diesen Hammer weg – sonst passiert etwas mit Ihnen.“ Doch der Offizier kam immer näher und schwang den schweren Hammer nur wenige Zentimeter vor Steelkilts Gesicht, während er unaufhörlich Beleidigungen aussprach. Steelkilt wich keinen Millimeter zurück. Mit seinem durchdringenden Blick stach er dem Offizier in die Augen. Er ballte seine rechte Hand hinter dem Rücken und zog sie langsam zurück. Er sagte zu seinem Verfolger, dass er ihn umbringen würde, falls der Hammer seine Wange berühren sollte. Doch der Narr war bereits vom Schicksal zum Tode verurteilt worden. Kaum berührte der Hammer seine Wange, brach dem Offizier das Kinn – er fiel zu Boden und spritzte Blut wie ein Wal.
Bevor ein Schrei gehört werden konnte, schüttelte Steelkilt bereits eines der Seile, die hoch hinauf zu den Masten seiner Kameraden führten. Beide waren Kanaler.
„Kanaler!“, rief Don Pedro. „Wir haben viele Walfangschiffe in unseren Häfen gesehen, aber noch nie von euren Kanalern gehört. Verzeihen Sie – wer sind sie und was sind sie?“
„Kanaler, Don, sind die Bootsführer unseres großen Erie-Kanals. Sie müssen schon davon gehört haben.“
„Nein, Senor. In diesem tristen, warmen, faulen und erblichen Land wissen wir nur wenig über Ihren energischen Norden.“
Page 278
„‚Ach ja? Nun dann, Don – fülle meinen Becher wieder auf. Deine Chicha ist wirklich hervorragend. Bevor wir fortfahren, werde ich euch erzählen, wer unsere Canalleros sind; denn solche Informationen können Licht auf meine Geschichte werfen.‘
„Über dreihundertsechzig Meilen lang, meine Herren – durch den gesamten Bundesstaat New York; durch zahlreiche bevölkerte Städte und blühende Dörfer; durch lange, trostlose, unbewohnte Sümpfe sowie fruchtbare, kultivierte Felder, die in ihrer Fruchtbarkeit unübertroffen sind; durch Billardzimmer und Kneipen; durch die heiligen Wälder; über römische Bögen über indianischen Flüssen; durch Sonne und Schatten; durch glückliche oder gebrochene Herzen; durch die ganze Vielfalt der Gegensätze dieser edlen Mohawk-Countys – und insbesondere durch Reihen von schneeweißen Kapellen, deren Türme fast wie Wegweiser aufragen – fließt ein ständiger Strom eines korrupten, oft gesetzlosen Lebens im venezianischen Stil.
Das ist der wahre Ashantee, meine Herren – dort heulen eure Heiden; überall, wo man sie findet, direkt neben euch – im Schatten der Kirchen. Denn aus irgendeinem seltsamen Schicksal heraus, wie es oft bei euren Metropolen-Räubern der Fall ist, dass sie immer in der Nähe der Gerichtshöfe lagern, so gibt es auch unter den Sündigen, meine Herren, besonders viele in den heiligsten Gegenden.
‚Ist das ein Mönch, der da vorbeigeht?‘ fragte Don Pedro und blickte mit humorvoller Besorgnis hinunter auf den überfüllten Platz.
‚Nun, für unseren Freund aus dem Norden: Die Inquisition von Dame Isabella lässt in Lima nach,‘ lachte Don Sebastian. ‚Fahren Sie fort, Señor.‘
‚Einen Moment! Verzeihung!‘ rief ein anderer aus der Gruppe. ‚Im Namen all unserer Einwohner von Lima möchte ich Ihnen, Herr Seefahrer, nur sagen, dass wir Ihre Rücksichtnahme keineswegs übersehen haben – dass Sie in Ihrem korrupten Vergleich nicht das ferne Venedig gegen Lima eingetauscht haben. Oh! Verbeugen Sie sich nicht und tun Sie nicht so überrascht; Sie kennen doch das Sprichwort an dieser ganzen Küste – „Korrupt wie Lima“. Das bestätigt auch Ihre Aussage: Mehr Kirchen als Billardtische – und immer offen – „Korrupt wie Lima“. Auch Venedig ist so; ich war dort; die heilige Stadt des gesegneten Evangelisten, des Heiligen Markus! – Heiliger Dominikus, reinige sie! Ihren Becher! Danke: Hier fülle ich ihn wieder auf; jetzt gießen Sie wieder ein.‘
„In seiner eigenen Rolle frei dargestellt, meine Herren, wäre der Canallero ein ausgezeichneter dramatischer Held – so überaus und bildhaft böse ist er. Wie Mark Antonius treibt er tagelang entlang seines grün bewachsenen, blumenreichen Nils dahin, spielt offen mit seiner rotwangigen Kleopatra und brät seine Aprikosenhaut auf dem sonnigen Deck. Doch an Land verschwindet all diese Weichlichkeit. Die Banditenverkleidung, die der Canallero so stolz trägt –“
„Über dreihundertsechzig Meilen lang, meine Herren – durch den gesamten Bundesstaat New York; durch zahlreiche bevölkerte Städte und blühende Dörfer; durch lange, trostlose, unbewohnte Sümpfe sowie fruchtbare, kultivierte Felder, die in ihrer Fruchtbarkeit unübertroffen sind; durch Billardzimmer und Kneipen; durch die heiligen Wälder; über römische Bögen über indianischen Flüssen; durch Sonne und Schatten; durch glückliche oder gebrochene Herzen; durch die ganze Vielfalt der Gegensätze dieser edlen Mohawk-Countys – und insbesondere durch Reihen von schneeweißen Kapellen, deren Türme fast wie Wegweiser aufragen – fließt ein ständiger Strom eines korrupten, oft gesetzlosen Lebens im venezianischen Stil.
Das ist der wahre Ashantee, meine Herren – dort heulen eure Heiden; überall, wo man sie findet, direkt neben euch – im Schatten der Kirchen. Denn aus irgendeinem seltsamen Schicksal heraus, wie es oft bei euren Metropolen-Räubern der Fall ist, dass sie immer in der Nähe der Gerichtshöfe lagern, so gibt es auch unter den Sündigen, meine Herren, besonders viele in den heiligsten Gegenden.
‚Ist das ein Mönch, der da vorbeigeht?‘ fragte Don Pedro und blickte mit humorvoller Besorgnis hinunter auf den überfüllten Platz.
‚Nun, für unseren Freund aus dem Norden: Die Inquisition von Dame Isabella lässt in Lima nach,‘ lachte Don Sebastian. ‚Fahren Sie fort, Señor.‘
‚Einen Moment! Verzeihung!‘ rief ein anderer aus der Gruppe. ‚Im Namen all unserer Einwohner von Lima möchte ich Ihnen, Herr Seefahrer, nur sagen, dass wir Ihre Rücksichtnahme keineswegs übersehen haben – dass Sie in Ihrem korrupten Vergleich nicht das ferne Venedig gegen Lima eingetauscht haben. Oh! Verbeugen Sie sich nicht und tun Sie nicht so überrascht; Sie kennen doch das Sprichwort an dieser ganzen Küste – „Korrupt wie Lima“. Das bestätigt auch Ihre Aussage: Mehr Kirchen als Billardtische – und immer offen – „Korrupt wie Lima“. Auch Venedig ist so; ich war dort; die heilige Stadt des gesegneten Evangelisten, des Heiligen Markus! – Heiliger Dominikus, reinige sie! Ihren Becher! Danke: Hier fülle ich ihn wieder auf; jetzt gießen Sie wieder ein.‘
„In seiner eigenen Rolle frei dargestellt, meine Herren, wäre der Canallero ein ausgezeichneter dramatischer Held – so überaus und bildhaft böse ist er. Wie Mark Antonius treibt er tagelang entlang seines grün bewachsenen, blumenreichen Nils dahin, spielt offen mit seiner rotwangigen Kleopatra und brät seine Aprikosenhaut auf dem sonnigen Deck. Doch an Land verschwindet all diese Weichlichkeit. Die Banditenverkleidung, die der Canallero so stolz trägt –“
Page 279
Seine gebeugte Haltung sowie der Hut mit den fröhlichen Bändern zeigten seine imposanten Züge. Er war eine Bedrohung für die lächelnde Unschuld der Dörfer, durch die er zog; sein dunkles Gesicht und sein selbstbewusster Gang wurden auch in den Städten gemieden. Einst war ich selbst ein Vagabund auf diesem Kanal – ich habe von einem dieser Kanalräuber Gutes erfahren; ich danke ihm herzlich. Ich möchte gerne nicht undankbar sein – doch oft ist eine der wichtigsten Eigenschaften eines Gewalttäters gerade die, dass er manchmal genauso entschlossen handelt, um einen armen Fremden in Not zu unterstützen, wie um einen Reichen auszuplündern. Kurz gesagt: Meine Herren, wie wild dieses Leben auf dem Kanal wirklich ist, zeigt sich daran, dass unsere Walfangindustrie so viele ihrer „besten“ Vertreter hervorbringt – und dass kaum eine andere Menschengruppe, außer den Männern aus Sydney, so sehr von unseren Walfängerkapitänen misstraut wird. Auch die Tatsache, dass für Tausende unserer Landjungen und jungen Männer, die entlang dieses Kanals geboren wurden, das Probierleben auf dem Großen Kanal die einzige Übergangsphase zwischen dem ruhigen Arbeiten auf einem christlichen Feld und dem rücksichtslosen Fahren in den wildesten Meeren darstellt, verringert die Neugierde bezüglich dieser Angelegenheit keineswegs.
„Ich sehe! Ich sehe!“, rief Don Pedro impulsiv aus und verschüttete dabei seinen Chicha über seine silbernen Rüschen. „Es ist nicht nötig, zu reisen! Die Welt ist doch nur Lima. Ich dachte, in eurem gemäßigten Norden wären die Menschen kalt und fromm wie die Berge – aber die Geschichte…“
Ich hörte auf, meine Herren, genau dort auf, wo der Bootsmann den Hauptmast schüttelte. Kaum hatte er das getan, wurde er von den drei Unteroffizieren sowie den vier Harpuniers umringt, die ihn alle auf das Deck drängten. Doch die beiden Kanalräuber glitten wie böse Kometen an den Seilen herunter und stürzten in das Chaos, um ihren Mann aus der Menge heraus zum Vordeck zu ziehen. Andere Seeleute schlossen sich ihnen bei diesem Versuch an – es entstand ein heilloses Durcheinander. Während er außerhalb der Gefahr stand, tanzte der tapfere Kapitän mit einer Walfangspike auf und ab und forderte seine Offiziere auf, diesen abscheulichen Schurken gewaltsam festzuhalten und ihn zum Quarterdeck zu bringen. Von Zeit zu Zeit näherte er sich dem chaotischen Geschehen und versuchte mit seiner Pike, das Ziel seines Zorns ausfindig zu machen. Doch Steelkilt und seine Desperados waren ihnen allen überlegen – sie schafften es, das Vordeck zu erreichen, wo sie hastig drei oder vier große Fässer in Linie mit dem Winden aufstellten und sich hinter dieser Barrikade verschanzten.
„Kommt da raus, ihr Piraten!“, brüllte der Kapitän, der nun mit Pistolen in beiden Händen drohte – die ihm gerade vom Steward gebracht worden waren. „Kommt da raus!“
„Ich sehe! Ich sehe!“, rief Don Pedro impulsiv aus und verschüttete dabei seinen Chicha über seine silbernen Rüschen. „Es ist nicht nötig, zu reisen! Die Welt ist doch nur Lima. Ich dachte, in eurem gemäßigten Norden wären die Menschen kalt und fromm wie die Berge – aber die Geschichte…“
Ich hörte auf, meine Herren, genau dort auf, wo der Bootsmann den Hauptmast schüttelte. Kaum hatte er das getan, wurde er von den drei Unteroffizieren sowie den vier Harpuniers umringt, die ihn alle auf das Deck drängten. Doch die beiden Kanalräuber glitten wie böse Kometen an den Seilen herunter und stürzten in das Chaos, um ihren Mann aus der Menge heraus zum Vordeck zu ziehen. Andere Seeleute schlossen sich ihnen bei diesem Versuch an – es entstand ein heilloses Durcheinander. Während er außerhalb der Gefahr stand, tanzte der tapfere Kapitän mit einer Walfangspike auf und ab und forderte seine Offiziere auf, diesen abscheulichen Schurken gewaltsam festzuhalten und ihn zum Quarterdeck zu bringen. Von Zeit zu Zeit näherte er sich dem chaotischen Geschehen und versuchte mit seiner Pike, das Ziel seines Zorns ausfindig zu machen. Doch Steelkilt und seine Desperados waren ihnen allen überlegen – sie schafften es, das Vordeck zu erreichen, wo sie hastig drei oder vier große Fässer in Linie mit dem Winden aufstellten und sich hinter dieser Barrikade verschanzten.
„Kommt da raus, ihr Piraten!“, brüllte der Kapitän, der nun mit Pistolen in beiden Händen drohte – die ihm gerade vom Steward gebracht worden waren. „Kommt da raus!“
Page 280
„Ihr Mörder!“
Steelkilt sprang auf die Barrikade und ging dort auf und ab – er trotzte allem, was die Pistolen anrichten konnten. Doch er machte dem Kapitän klar, dass sein Tod das Signal für einen mörderischen Meutereifer seitens aller Besatzungsmitglieder sein würde. Aus Angst, dass dies tatsächlich eintreten könnte, zögerte der Kapitän etwas, befahl den Aufständischen aber dennoch, sofort zu ihren Pflichten zurückzukehren.
„Versprecht ihr, uns nicht anzufassen, wenn wir es tun?“, fragte ihr Anführer.
„Zurück! Zurück! Ich gebe kein Versprechen – zu euren Pflichten! Wollt ihr das Schiff zum Sinken bringen, in einer solchen Situation? Zurück!“, sagte er und hob erneut eine Pistole.
„Das Schiff zum Sinken bringen?“, rief Steelkilt. „Ja, lassen wir es sinken. Keiner von uns wird zurückkehren, es sei denn, ihr schwört, keine Waffe gegen uns zu erheben. Was sagt ihr, Leute?“, wandte er sich an seine Kameraden. Als Antwort ertönte ein lauter Jubelruf.
Der Mann patrouillierte weiterhin auf der Barrikade, behielt den Kapitän ständig im Auge und rief immer wieder solche Sätze aus: „Es ist nicht unsere Schuld; wir wollten das nicht. Ich habe ihm gesagt, er soll seinen Hammer weglegen – das war doch Kinderkram. Er hätte mich schon früher erkennen sollen. Ich habe ihm gesagt, er soll den Büffel nicht stechen. Ich glaube, ich habe mir hier einen Finger an seinem verdammten Kiefer gebrochen. Sind das nicht diese Messer da vorn im Vordeck, Leute? Passt auf diese Waffen auf, meine Freunde. Kapitän, bei Gott – passt auf euch auf! Sagt ein Wort – seid kein Narr, vergesst alles. Wir sind bereit, zurückzukehren; behandelt uns anständig, dann sind wir eure Leute. Aber wir werden nicht ausgepeitscht.“
„Zurück! Ich gebe keine Versprechen!“, schrie der Kapitän.
Steelkilt blickte sich kurz um und sagte dann: „Ich sage Ihnen jetzt, Kapitän: Anstatt Sie zu töten und dafür gehängt zu werden, werden wir keine Hand gegen Sie erheben – es sei denn, Sie greifen uns an. Aber bis Sie sagen, dass wir nicht ausgepeitscht werden, werden wir keine Arbeit verrichten.“
Steelkilt sprang auf die Barrikade und ging dort auf und ab – er trotzte allem, was die Pistolen anrichten konnten. Doch er machte dem Kapitän klar, dass sein Tod das Signal für einen mörderischen Meutereifer seitens aller Besatzungsmitglieder sein würde. Aus Angst, dass dies tatsächlich eintreten könnte, zögerte der Kapitän etwas, befahl den Aufständischen aber dennoch, sofort zu ihren Pflichten zurückzukehren.
„Versprecht ihr, uns nicht anzufassen, wenn wir es tun?“, fragte ihr Anführer.
„Zurück! Zurück! Ich gebe kein Versprechen – zu euren Pflichten! Wollt ihr das Schiff zum Sinken bringen, in einer solchen Situation? Zurück!“, sagte er und hob erneut eine Pistole.
„Das Schiff zum Sinken bringen?“, rief Steelkilt. „Ja, lassen wir es sinken. Keiner von uns wird zurückkehren, es sei denn, ihr schwört, keine Waffe gegen uns zu erheben. Was sagt ihr, Leute?“, wandte er sich an seine Kameraden. Als Antwort ertönte ein lauter Jubelruf.
Der Mann patrouillierte weiterhin auf der Barrikade, behielt den Kapitän ständig im Auge und rief immer wieder solche Sätze aus: „Es ist nicht unsere Schuld; wir wollten das nicht. Ich habe ihm gesagt, er soll seinen Hammer weglegen – das war doch Kinderkram. Er hätte mich schon früher erkennen sollen. Ich habe ihm gesagt, er soll den Büffel nicht stechen. Ich glaube, ich habe mir hier einen Finger an seinem verdammten Kiefer gebrochen. Sind das nicht diese Messer da vorn im Vordeck, Leute? Passt auf diese Waffen auf, meine Freunde. Kapitän, bei Gott – passt auf euch auf! Sagt ein Wort – seid kein Narr, vergesst alles. Wir sind bereit, zurückzukehren; behandelt uns anständig, dann sind wir eure Leute. Aber wir werden nicht ausgepeitscht.“
„Zurück! Ich gebe keine Versprechen!“, schrie der Kapitän.
Steelkilt blickte sich kurz um und sagte dann: „Ich sage Ihnen jetzt, Kapitän: Anstatt Sie zu töten und dafür gehängt zu werden, werden wir keine Hand gegen Sie erheben – es sei denn, Sie greifen uns an. Aber bis Sie sagen, dass wir nicht ausgepeitscht werden, werden wir keine Arbeit verrichten.“
Page 281
„Runter in die Vorpiek – runter mit euch! Ich werde euch dort festhalten, bis es euch zu viel wird. Runter mit euch!“
„Sollen wir?“, rief der Anführer seinen Männern zu. Die meisten waren dagegen; doch schließlich gehorchten sie Steelkilt und folgten ihm in ihre dunkle Höhle, verschwanden knurrend wie Bären in einer Höhle.
Als der nackte Kopf des Mannes etwa auf Höhe der Planken war, sprangen der Kapitän und seine Leute über die Barrikade, zogen schnell den Schlitz im Deck zu, stützten ihre Hände darauf und riefen laut nach dem Steward, damit dieser das schwere Messingschloss brachte, das zur Treppe gehörte. Dann öffneten sie den Schlitz ein wenig, flüsterten etwas hinein, schlossen ihn wieder und drehten den Schlüssel um – insgesamt zehn Männer wurden eingesperrt; auf dem Deck blieben etwa zwanzig weitere zurück, die bis dahin neutral geblieben waren.
Die ganze Nacht über hielten alle Offiziere Wache, sowohl vorne als auch hinten, besonders in der Nähe der Vorpiek und der vorderen Luke – man fürchtete, dass die Rebellen dort auftauchen könnten, nachdem sie die Wand darunter durchbrochen hatten. Doch die dunklen Stunden vergingen friedlich; die Männer, die weiterhin ihren Pflichten nachkamen, arbeiteten hart an den Pumpen – ihr Klirren hallte in der düsteren Nacht durch das Schiff.
Bei Sonnenaufgang ging der Kapitän nach vorne, klopfte auf das Deck und forderte die Gefangenen auf, zu arbeiten; doch sie lehnten mit einem Schrei ab. Daraufhin wurde Wasser zu ihnen heruntergelassen, sowie ein paar Hände voll Kekse; anschließend drehte der Kapitän erneut den Schlüssel um und steckte ihn ein, bevor er zurück auf das Hauptdeck ging. Dies wiederholte sich zweimal am Tag, drei Tage lang – doch am vierten Morgen waren laute Streitigkeiten zu hören, als die übliche Aufforderung ausgesprochen wurde; plötzlich stürmten vier Männer aus der Vorpiek und sagten, sie seien bereit, sich zu ergeben. Die üble Luftqualität, die Hunger und vielleicht auch Angst vor Vergeltung hatten sie dazu gebracht, freiwillig aufzugeben. Ermutigt durch dies wiederholte der Kapitän seine Forderung an die Übrigen – doch Steelkilt rief ihm zu, er solle aufhören zu reden und dorthin zurückkehren, wohin er gehöre. Am fünften Morgen flohen drei weitere Rebellen aus den verzweifelt versuchenden Händen der Männer, die sie festhalten wollten. Nur noch drei blieben übrig.
„Besser, ihr ergibt euch jetzt, oder?“, sagte der Kapitän mit herzloser Spott.
„Schließt uns wieder ein, verdammt!“, rief Steelkilt.
„Sollen wir?“, rief der Anführer seinen Männern zu. Die meisten waren dagegen; doch schließlich gehorchten sie Steelkilt und folgten ihm in ihre dunkle Höhle, verschwanden knurrend wie Bären in einer Höhle.
Als der nackte Kopf des Mannes etwa auf Höhe der Planken war, sprangen der Kapitän und seine Leute über die Barrikade, zogen schnell den Schlitz im Deck zu, stützten ihre Hände darauf und riefen laut nach dem Steward, damit dieser das schwere Messingschloss brachte, das zur Treppe gehörte. Dann öffneten sie den Schlitz ein wenig, flüsterten etwas hinein, schlossen ihn wieder und drehten den Schlüssel um – insgesamt zehn Männer wurden eingesperrt; auf dem Deck blieben etwa zwanzig weitere zurück, die bis dahin neutral geblieben waren.
Die ganze Nacht über hielten alle Offiziere Wache, sowohl vorne als auch hinten, besonders in der Nähe der Vorpiek und der vorderen Luke – man fürchtete, dass die Rebellen dort auftauchen könnten, nachdem sie die Wand darunter durchbrochen hatten. Doch die dunklen Stunden vergingen friedlich; die Männer, die weiterhin ihren Pflichten nachkamen, arbeiteten hart an den Pumpen – ihr Klirren hallte in der düsteren Nacht durch das Schiff.
Bei Sonnenaufgang ging der Kapitän nach vorne, klopfte auf das Deck und forderte die Gefangenen auf, zu arbeiten; doch sie lehnten mit einem Schrei ab. Daraufhin wurde Wasser zu ihnen heruntergelassen, sowie ein paar Hände voll Kekse; anschließend drehte der Kapitän erneut den Schlüssel um und steckte ihn ein, bevor er zurück auf das Hauptdeck ging. Dies wiederholte sich zweimal am Tag, drei Tage lang – doch am vierten Morgen waren laute Streitigkeiten zu hören, als die übliche Aufforderung ausgesprochen wurde; plötzlich stürmten vier Männer aus der Vorpiek und sagten, sie seien bereit, sich zu ergeben. Die üble Luftqualität, die Hunger und vielleicht auch Angst vor Vergeltung hatten sie dazu gebracht, freiwillig aufzugeben. Ermutigt durch dies wiederholte der Kapitän seine Forderung an die Übrigen – doch Steelkilt rief ihm zu, er solle aufhören zu reden und dorthin zurückkehren, wohin er gehöre. Am fünften Morgen flohen drei weitere Rebellen aus den verzweifelt versuchenden Händen der Männer, die sie festhalten wollten. Nur noch drei blieben übrig.
„Besser, ihr ergibt euch jetzt, oder?“, sagte der Kapitän mit herzloser Spott.
„Schließt uns wieder ein, verdammt!“, rief Steelkilt.
Page 282
„‚Oh, sicherlich‘, sagte der Kapitän – und der Schlüssel klickte.
Es war zu diesem Zeitpunkt, meine Herren, dass er, wütend über den Verrat von sieben seiner ehemaligen Komplizen, verletzt durch die spöttische Stimme, die ihn zuletzt angesprochen hatte, sowie verrückt vor Wut über seine lange Gefangenschaft an einem Ort so dunkel wie die Tiefen der Verzweiflung, Steelkilt den beiden Seeräubern vorschlug – die bis dahin offensichtlich seiner Meinung waren –, bei der nächsten Aufforderung der Garnison aus ihrem Versteck zu brechen; bewaffnet mit ihren scharfen Messern (langen, halbmondförmigen, schweren Werkzeugen mit Griffen an beiden Enden) sollten sie von der Bugspitze bis zum Takelwagen wüten und, falls es durch irgendeine teuflische Verzweiflung möglich wäre, das Schiff erobern. Er selbst würde das tun, sagte er, egal ob sie sich ihm anschlossen oder nicht. Das sollte die letzte Nacht sein, die er in diesem Versteck verbringen würde. Doch der Plan stieß bei den anderen beiden auf keinerlei Widerstand; sie schworen, bereit zu sein für das oder für irgendetwas anderes Verrücktes – kurz gesagt, für alles außer einer Kapitulation. Zudem bestand jeder von ihnen darauf, der Erste auf dem Deck zu sein, wenn es Zeit zum Angriff wäre. Dagegen lehnte ihr Anführer heftig auf, da er diese Priorität für sich selbst beanspruchte – besonders weil seine beiden Kameraden in dieser Angelegenheit nicht nachgeben wollten; und beide konnten nicht gleichzeitig der Erste sein, denn die Leiter ließ nur einen Mann auf einmal hinauf. Und hier, meine Herren, muss das schändliche Treiben dieser Schurken ans Licht kommen.
Als sie vom verrückten Plan ihres Anführers hörten, schien es, als würde in jeder einzelnen Seele plötzlich derselbe Gedanke aufkommen: nämlich als Erster auszubrechen, um der Erste von dreien – obwohl der Letzte von zehn – zu sein, der sich ergibt; und so jede noch so kleine Chance auf Gnade zu erlangen, die ein solches Verhalten vielleicht bringen könnte. Doch als Steelkilt bekanntgab, weiterhin entschlossen zu sein, sie bis zum Ende anzuführen, vermischten sie auf irgendeine Weise, durch irgendeine listige Boshaftigkeit, ihre bisher geheimen Verratspläne miteinander; und als ihr Anführer in einen Dämmerzustand fiel, offenbarten sie einander in drei Sätzen ihre Absichten; sie fesselten den Schlafenden mit Seilen und knebelten ihn; und riefen mitten in der Nacht nach dem Kapitän.
In der Annahme, ein Mord stehe unmittelbar bevor und im Dunkeln nach Blut suchend, stürmten er und alle seine bewaffneten Kameraden sowie Harpunenwerfer zum Vordeck. Innerhalb weniger Minuten wurde das Lukon öffnete, und der immer noch kämpfende Anführer wurde von seinen hinterhältigen Verbündeten, die sofort die Ehre beanspruchten, einen Mann festzunehmen, der bereits reif für den Mord war, gefesselt in die Luft geschoben. Doch all diese wurden gefasst und wie tote Tiere über das Deck geschleppt; und nebeneinander in die Mittelrahsegel gehängt.“
Es war zu diesem Zeitpunkt, meine Herren, dass er, wütend über den Verrat von sieben seiner ehemaligen Komplizen, verletzt durch die spöttische Stimme, die ihn zuletzt angesprochen hatte, sowie verrückt vor Wut über seine lange Gefangenschaft an einem Ort so dunkel wie die Tiefen der Verzweiflung, Steelkilt den beiden Seeräubern vorschlug – die bis dahin offensichtlich seiner Meinung waren –, bei der nächsten Aufforderung der Garnison aus ihrem Versteck zu brechen; bewaffnet mit ihren scharfen Messern (langen, halbmondförmigen, schweren Werkzeugen mit Griffen an beiden Enden) sollten sie von der Bugspitze bis zum Takelwagen wüten und, falls es durch irgendeine teuflische Verzweiflung möglich wäre, das Schiff erobern. Er selbst würde das tun, sagte er, egal ob sie sich ihm anschlossen oder nicht. Das sollte die letzte Nacht sein, die er in diesem Versteck verbringen würde. Doch der Plan stieß bei den anderen beiden auf keinerlei Widerstand; sie schworen, bereit zu sein für das oder für irgendetwas anderes Verrücktes – kurz gesagt, für alles außer einer Kapitulation. Zudem bestand jeder von ihnen darauf, der Erste auf dem Deck zu sein, wenn es Zeit zum Angriff wäre. Dagegen lehnte ihr Anführer heftig auf, da er diese Priorität für sich selbst beanspruchte – besonders weil seine beiden Kameraden in dieser Angelegenheit nicht nachgeben wollten; und beide konnten nicht gleichzeitig der Erste sein, denn die Leiter ließ nur einen Mann auf einmal hinauf. Und hier, meine Herren, muss das schändliche Treiben dieser Schurken ans Licht kommen.
Als sie vom verrückten Plan ihres Anführers hörten, schien es, als würde in jeder einzelnen Seele plötzlich derselbe Gedanke aufkommen: nämlich als Erster auszubrechen, um der Erste von dreien – obwohl der Letzte von zehn – zu sein, der sich ergibt; und so jede noch so kleine Chance auf Gnade zu erlangen, die ein solches Verhalten vielleicht bringen könnte. Doch als Steelkilt bekanntgab, weiterhin entschlossen zu sein, sie bis zum Ende anzuführen, vermischten sie auf irgendeine Weise, durch irgendeine listige Boshaftigkeit, ihre bisher geheimen Verratspläne miteinander; und als ihr Anführer in einen Dämmerzustand fiel, offenbarten sie einander in drei Sätzen ihre Absichten; sie fesselten den Schlafenden mit Seilen und knebelten ihn; und riefen mitten in der Nacht nach dem Kapitän.
In der Annahme, ein Mord stehe unmittelbar bevor und im Dunkeln nach Blut suchend, stürmten er und alle seine bewaffneten Kameraden sowie Harpunenwerfer zum Vordeck. Innerhalb weniger Minuten wurde das Lukon öffnete, und der immer noch kämpfende Anführer wurde von seinen hinterhältigen Verbündeten, die sofort die Ehre beanspruchten, einen Mann festzunehmen, der bereits reif für den Mord war, gefesselt in die Luft geschoben. Doch all diese wurden gefasst und wie tote Tiere über das Deck geschleppt; und nebeneinander in die Mittelrahsegel gehängt.“
Page 283
Drei Viertel Fleisch – und sie hingen dort bis zum Morgen. „Verdammte Kerle!“, rief der Kapitän und ging vor ihnen auf und ab. „Die Geier würden euch nicht anrühren, ihr Schurken!“
Bei Sonnenaufgang rief er alle zusammen; er trennte diejenigen, die rebelliert hatten, von denen, die nicht am Meuterei teilgenommen hatten, und sagte den Ersteren, er wolle sie alle auspeitschen – im Grunde dachte er daran, es tatsächlich zu tun; er müsste es tun – Gerechtigkeit verlangte es danach. Doch vorerst, angesichts ihrer rechtzeitigen Kapitulation, würde er sie mit einer Ermahnung gehen lassen, die er entsprechend in der Landessprache aussprach.
„Aber was euch betrifft, ihr Aasfresser“, wandte er sich an die drei Männer an der Takelage, „ihr werde ich in Stücke schneiden und zum Kochen verwenden.“ Er griff nach einem Seil und schlug mit aller Kraft auf den Rücken der beiden Verräter ein, bis diese nicht mehr schrien, sondern leblos ihre Köpfe zur Seite hängen ließen, wie es bei den gekreuzigten Dieben der Fall ist.
„Mein Handgelenk ist wegen euch verstaucht!“, rief er schließlich. „Aber es bleibt noch genug Seil für euch übrig, ihr sturen Kerle, die einfach nicht aufgeben wollten. Nehmt ihm den Knebel aus dem Mund – wir wollen hören, was er zu seiner Verteidigung sagen kann.“
Für einen Moment machte der erschöpfte Meuterer eine zitternde Bewegung mit seinem steifen Kiefer; dann drehte er seinen Kopf schmerzhaft hin und her und sagte in einer Art Zischen: „Was ich sage, ist Folgendes – und merkt es euch gut: Wenn ihr mich auspeitscht, werde ich euch umbringen!“
„Sagt ihr das? Dann zeigt mal, wie ihr mich erschrecken könnt!“, sagte der Kapitän und zog das Seil zurück, um zuzuschlagen.
„Besser nicht“, zischte der Matrose.
„Aber ich muss es tun!“, sagte der Kapitän und zog das Seil erneut zurück, um zuzuschlagen.
Steelkilt zischte etwas – nur der Kapitän konnte es hören. Zu aller Überraschung wich der Kapitän zurück, ging zwei oder drei Mal schnell über das Deck und warf dann plötzlich sein Seil zu Boden. „Ich werde es nicht tun – lasst ihn frei – tötet ihn! Versteht ihr?“
Doch als die Unteroffiziere eilig versuchten, den Befehl auszuführen, hielt ein blasser Mann mit verbundener Stirn sie auf – Radney, der Erste Offizier. Seit dem Schlag hatte er in seiner Koje gelegen; doch an diesem Morgen, als er den Lärm auf dem Deck hörte, war er leise herausgeschlichen und hatte die ganze Szene beobachtet. Sein Mund war in einem solchen Zustand, dass er kaum sprechen konnte; doch murmelnd, dass er bereit und in der Lage sei, das zu tun, was der Kapitän nicht wagen wollte, schnappte er sich das Seil und ging auf seinen gefangenen Feind zu.
Bei Sonnenaufgang rief er alle zusammen; er trennte diejenigen, die rebelliert hatten, von denen, die nicht am Meuterei teilgenommen hatten, und sagte den Ersteren, er wolle sie alle auspeitschen – im Grunde dachte er daran, es tatsächlich zu tun; er müsste es tun – Gerechtigkeit verlangte es danach. Doch vorerst, angesichts ihrer rechtzeitigen Kapitulation, würde er sie mit einer Ermahnung gehen lassen, die er entsprechend in der Landessprache aussprach.
„Aber was euch betrifft, ihr Aasfresser“, wandte er sich an die drei Männer an der Takelage, „ihr werde ich in Stücke schneiden und zum Kochen verwenden.“ Er griff nach einem Seil und schlug mit aller Kraft auf den Rücken der beiden Verräter ein, bis diese nicht mehr schrien, sondern leblos ihre Köpfe zur Seite hängen ließen, wie es bei den gekreuzigten Dieben der Fall ist.
„Mein Handgelenk ist wegen euch verstaucht!“, rief er schließlich. „Aber es bleibt noch genug Seil für euch übrig, ihr sturen Kerle, die einfach nicht aufgeben wollten. Nehmt ihm den Knebel aus dem Mund – wir wollen hören, was er zu seiner Verteidigung sagen kann.“
Für einen Moment machte der erschöpfte Meuterer eine zitternde Bewegung mit seinem steifen Kiefer; dann drehte er seinen Kopf schmerzhaft hin und her und sagte in einer Art Zischen: „Was ich sage, ist Folgendes – und merkt es euch gut: Wenn ihr mich auspeitscht, werde ich euch umbringen!“
„Sagt ihr das? Dann zeigt mal, wie ihr mich erschrecken könnt!“, sagte der Kapitän und zog das Seil zurück, um zuzuschlagen.
„Besser nicht“, zischte der Matrose.
„Aber ich muss es tun!“, sagte der Kapitän und zog das Seil erneut zurück, um zuzuschlagen.
Steelkilt zischte etwas – nur der Kapitän konnte es hören. Zu aller Überraschung wich der Kapitän zurück, ging zwei oder drei Mal schnell über das Deck und warf dann plötzlich sein Seil zu Boden. „Ich werde es nicht tun – lasst ihn frei – tötet ihn! Versteht ihr?“
Doch als die Unteroffiziere eilig versuchten, den Befehl auszuführen, hielt ein blasser Mann mit verbundener Stirn sie auf – Radney, der Erste Offizier. Seit dem Schlag hatte er in seiner Koje gelegen; doch an diesem Morgen, als er den Lärm auf dem Deck hörte, war er leise herausgeschlichen und hatte die ganze Szene beobachtet. Sein Mund war in einem solchen Zustand, dass er kaum sprechen konnte; doch murmelnd, dass er bereit und in der Lage sei, das zu tun, was der Kapitän nicht wagen wollte, schnappte er sich das Seil und ging auf seinen gefangenen Feind zu.
Page 284
„‚Du bist ein Feigling!‘ zischte der Lakeman.
‚Ja, das bin ich – aber nimm das!‘ Der Steuermann war gerade dabei zuzuschlagen, als ein weiteres Zischen seinen erhobenen Arm stoppte. Er hielt inne – und ohne weiter zu zögern, hielt er sein Wort, trotz von Steelkilts Drohungen, egal, was diese auch gewesen sein mochten. Die drei Männer wurden getötet, alle wurden eingesetzt, und unter der mürrischen Arbeit der launischen Seeleute klirrten die Eisentanks wie zuvor.
Kurz nach Einbruch der Dunkelheit jenes Tages, als eine Wache unter Deck gegangen war, wurde im Vordeck Lärm gehört; die beiden zitternden Verräter rannten herauf, belagerten die Kabinentür und sagten, sie wagten es nicht, sich mit der Besatzung abzugeben. Bitten, Fesseln und Tritte konnten sie nicht zurückdrängen, also wurden sie auf ihren eigenen Wunsch hin in den Schiffsschacht geworfen, um dort zu sterben. Dennoch zeigte sich bei den Übrigen kein Anzeichen für Meuterei. Im Gegenteil: Anscheinend hatten sie, hauptsächlich auf Steelkilts Anstiftung hin, beschlossen, größtmögliche Ruhe zu wahren, allen Befehlen bis zum Ende zu gehorchen und das Schiff bei Ankunft im Hafen gemeinsam zu verlassen. Um jedoch ein schnelles Ende der Reise zu gewährleisten, einigten sie sich auf etwas anderes – nämlich nicht nach Walen zu rufen, falls welche entdeckt würden. Denn trotz der Lecks und aller anderen Gefahren behielt die Town-Ho weiterhin ihre Mastspitzen, und ihr Kapitän war genauso bereit, in diesem Moment auf die Jagd nach einem Fisch zu gehen wie am Tag, an dem sein Schiff zum ersten Mal in die Jagdgebiete aufbrach; und Radney, der Steuermann, war genauso bereit, seinen Platz gegen ein Boot einzutauschen und mit seinem verbundenen Mund versuchen, dem Wal den Lebensnerv abzudrücken.
Doch obwohl der Lakeman die Seeleute dazu gebracht hatte, eine solche Passivität an den Tag zu legen, behielt er seine eigenen Pläne für Rache an dem Mann, der ihn in die Herzen seiner Gefühle gestochen hatte – zumindest bis alles vorbei war. Er war in Radneys Wache; und als wäre dieser verrückte Mann entschlossen, mehr als die Hälfte des Weges zu seinem Untergang zurückzulegen, bestand er gegen den ausdrücklichen Rat des Kapitäns darauf, nachts wieder die Leitung seiner Wache zu übernehmen. Aufgrund dessen sowie einiger anderer Umstände entwickelte Steelkilt systematisch seinen Racheplan.
In der Nacht saß Radney auf unseemannische Weise auf den Brüstungen des Vorderdecks und stützte seinen Arm auf den Rand des Bootes, das dort oben, etwas über der Schiffswand, aufgehängt war. In dieser Haltung döste er manchmal ein. Zwischen dem Boot und dem Schiff gab es eine beträchtliche Lücke – und darunter lag das Meer.
‚Ja, das bin ich – aber nimm das!‘ Der Steuermann war gerade dabei zuzuschlagen, als ein weiteres Zischen seinen erhobenen Arm stoppte. Er hielt inne – und ohne weiter zu zögern, hielt er sein Wort, trotz von Steelkilts Drohungen, egal, was diese auch gewesen sein mochten. Die drei Männer wurden getötet, alle wurden eingesetzt, und unter der mürrischen Arbeit der launischen Seeleute klirrten die Eisentanks wie zuvor.
Kurz nach Einbruch der Dunkelheit jenes Tages, als eine Wache unter Deck gegangen war, wurde im Vordeck Lärm gehört; die beiden zitternden Verräter rannten herauf, belagerten die Kabinentür und sagten, sie wagten es nicht, sich mit der Besatzung abzugeben. Bitten, Fesseln und Tritte konnten sie nicht zurückdrängen, also wurden sie auf ihren eigenen Wunsch hin in den Schiffsschacht geworfen, um dort zu sterben. Dennoch zeigte sich bei den Übrigen kein Anzeichen für Meuterei. Im Gegenteil: Anscheinend hatten sie, hauptsächlich auf Steelkilts Anstiftung hin, beschlossen, größtmögliche Ruhe zu wahren, allen Befehlen bis zum Ende zu gehorchen und das Schiff bei Ankunft im Hafen gemeinsam zu verlassen. Um jedoch ein schnelles Ende der Reise zu gewährleisten, einigten sie sich auf etwas anderes – nämlich nicht nach Walen zu rufen, falls welche entdeckt würden. Denn trotz der Lecks und aller anderen Gefahren behielt die Town-Ho weiterhin ihre Mastspitzen, und ihr Kapitän war genauso bereit, in diesem Moment auf die Jagd nach einem Fisch zu gehen wie am Tag, an dem sein Schiff zum ersten Mal in die Jagdgebiete aufbrach; und Radney, der Steuermann, war genauso bereit, seinen Platz gegen ein Boot einzutauschen und mit seinem verbundenen Mund versuchen, dem Wal den Lebensnerv abzudrücken.
Doch obwohl der Lakeman die Seeleute dazu gebracht hatte, eine solche Passivität an den Tag zu legen, behielt er seine eigenen Pläne für Rache an dem Mann, der ihn in die Herzen seiner Gefühle gestochen hatte – zumindest bis alles vorbei war. Er war in Radneys Wache; und als wäre dieser verrückte Mann entschlossen, mehr als die Hälfte des Weges zu seinem Untergang zurückzulegen, bestand er gegen den ausdrücklichen Rat des Kapitäns darauf, nachts wieder die Leitung seiner Wache zu übernehmen. Aufgrund dessen sowie einiger anderer Umstände entwickelte Steelkilt systematisch seinen Racheplan.
In der Nacht saß Radney auf unseemannische Weise auf den Brüstungen des Vorderdecks und stützte seinen Arm auf den Rand des Bootes, das dort oben, etwas über der Schiffswand, aufgehängt war. In dieser Haltung döste er manchmal ein. Zwischen dem Boot und dem Schiff gab es eine beträchtliche Lücke – und darunter lag das Meer.
Page 285
Steelkilt rechnete seine Zeit aus und stellte fest, dass sein nächster Trick am Ruder um zwei Uhr morgens am dritten Tag nach seiner Verräterei stattfinden würde. In seiner Freizeit nutzte er die Zeit, um etwas sehr sorgfältig in seinen Uhren zu flechten.
„Was machst du da?“, fragte ein Schiffskamerad.
„Was glaubst du? Wie sieht es aus?“
„Wie ein Trageriemen für deinen Beutel – aber er scheint mir ziemlich seltsam zu sein.“
„Ja, ziemlich seltsam“, sagte der Mann aus den Highlands und hielt ihn in Armhöhe vor sich; „aber ich denke, er wird taugen. Kamerad, ich habe nicht genug Schnur – hast du welche?“
Doch im Vordeck gab es keine.
„Dann muss ich mir welche von Old Rad holen“, sagte er und stand auf, um nach hinten zu gehen.
„Du willst doch nicht bei ihm betteln!“, rief ein Matrose.
„Warum nicht? Glaubst du, er wird mir nicht helfen, wenn es letztendlich ihm selbst nützt, Kamerad?“ Er ging zum Steuermann, blickte ihn ruhig an und bat um etwas Schnur, um seine Hängematte zu reparieren. Sie gaben sie ihm – weder die Schnur noch der Trageriemen wurden je wieder gesehen. Doch in der folgenden Nacht rollte eine eiserne Kugel, fest in ein Netz eingewickelt, teilweise aus der Tasche der Jacke des Mannes heraus, als dieser die Jacke als Kissen in seine Hängematte legte. 24 Stunden später sollte der tödliche Moment kommen – der Moment, in dem Steelkilts Plan in die Tat umgesetzt werden sollte. In der Vorhersehung seines Geistes lag der Steuermann bereits tot da, mit zerdrücktem Schädel.
Aber, meine Herren: Ein Narr rettete den Mörderdämon vor der blutigen Tat, die er geplant hatte. Dennoch erhielt er vollständige Rache – ohne selbst der Rächer zu sein. Denn durch ein geheimnisvolles Schicksal schien selbst der Himmel einzuschreiten, um das Verderben, das er hätte anrichten wollen, aus seinen Händen in seine eigenen zu nehmen.
Es war genau zwischen Morgengrauen und Sonnenaufgang am zweiten Tag, als sie die Decks reinigten, da rief plötzlich ein dummer Mann von Teneriffa, der Wasser mit den Hauptketten holte: „Da rollt sie! Da rollt sie!“ Jesus, was für ein Wal! Es war Moby Dick.
„Moby Dick!“, rief Don Sebastian. „Heiliger Dominikus! Meine Herren, haben Wale denn eine Taufe? Wen nennt ihr Moby Dick?“
„Was machst du da?“, fragte ein Schiffskamerad.
„Was glaubst du? Wie sieht es aus?“
„Wie ein Trageriemen für deinen Beutel – aber er scheint mir ziemlich seltsam zu sein.“
„Ja, ziemlich seltsam“, sagte der Mann aus den Highlands und hielt ihn in Armhöhe vor sich; „aber ich denke, er wird taugen. Kamerad, ich habe nicht genug Schnur – hast du welche?“
Doch im Vordeck gab es keine.
„Dann muss ich mir welche von Old Rad holen“, sagte er und stand auf, um nach hinten zu gehen.
„Du willst doch nicht bei ihm betteln!“, rief ein Matrose.
„Warum nicht? Glaubst du, er wird mir nicht helfen, wenn es letztendlich ihm selbst nützt, Kamerad?“ Er ging zum Steuermann, blickte ihn ruhig an und bat um etwas Schnur, um seine Hängematte zu reparieren. Sie gaben sie ihm – weder die Schnur noch der Trageriemen wurden je wieder gesehen. Doch in der folgenden Nacht rollte eine eiserne Kugel, fest in ein Netz eingewickelt, teilweise aus der Tasche der Jacke des Mannes heraus, als dieser die Jacke als Kissen in seine Hängematte legte. 24 Stunden später sollte der tödliche Moment kommen – der Moment, in dem Steelkilts Plan in die Tat umgesetzt werden sollte. In der Vorhersehung seines Geistes lag der Steuermann bereits tot da, mit zerdrücktem Schädel.
Aber, meine Herren: Ein Narr rettete den Mörderdämon vor der blutigen Tat, die er geplant hatte. Dennoch erhielt er vollständige Rache – ohne selbst der Rächer zu sein. Denn durch ein geheimnisvolles Schicksal schien selbst der Himmel einzuschreiten, um das Verderben, das er hätte anrichten wollen, aus seinen Händen in seine eigenen zu nehmen.
Es war genau zwischen Morgengrauen und Sonnenaufgang am zweiten Tag, als sie die Decks reinigten, da rief plötzlich ein dummer Mann von Teneriffa, der Wasser mit den Hauptketten holte: „Da rollt sie! Da rollt sie!“ Jesus, was für ein Wal! Es war Moby Dick.
„Moby Dick!“, rief Don Sebastian. „Heiliger Dominikus! Meine Herren, haben Wale denn eine Taufe? Wen nennt ihr Moby Dick?“
Page 286
„Ein sehr weißes, berühmtes und äußerst tödliches unsterbliches Ungeheuer, Don – aber das wäre eine zu lange Geschichte.“
„Wie? Wie?“, riefen alle jungen Spanier und drängten sich zusammen.
„Nein, Dons, nein! Ich kann das jetzt nicht erzählen. Lassen Sie mich erst etwas höher steigen, meine Herren.“
„Die Chicha! Die Chicha!“, rief Don Pedro. „Unser kräftiger Freund sieht blass aus – füllt sein leeres Glas!“
„Keine Notwendigkeit, meine Herren. Einen Moment noch, dann fahre ich fort. Nun, meine Herren: Plötzlich wurde die schneeweiße Walmasse nur noch fünfzig Yards vom Schiff entfernt entdeckt – in der Aufregung des Augenblicks vergaßen die Besatzungsmitglieder ihre Abmachungen. Der Mann von Teneriffa erhob instinktiv und unwillkürlich seine Stimme, um nach dem Ungeheuer zu rufen, obwohl es bereits seit einiger Zeit von den drei Mastspitzen aus deutlich zu sehen war. Alles war nun in Aufruhr. ‚Der Weiße Wal – der Weiße Wal!‘, riefen Kapitän, Offiziere und Harpunenwerfer. Sie ließen sich durch die schrecklichen Gerüchte nicht abschrecken und waren alle darauf aus, diesen berühmten und wertvollen Wal zu fangen. Währenddessen betrachteten die sturen Besatzungsmitglieder mit Verwünschungen die schreckliche Schönheit dieser riesigen, milchweißen Masse, die im Licht der horizontal stehenden Sonne wie ein lebender Opal auf dem blauen Morgenmeer glänzte. Meine Herren, eine seltsame Vorherbestimmung durchzieht den gesamten Verlauf dieser Ereignisse – als wäre alles tatsächlich schon vor der Entstehung der Welt festgelegt worden. Der Meuterer war der Bogenschütze des Offiziers; wenn sie einen Fisch gefangen hatten, war es seine Pflicht, neben ihm zu sitzen, während Radney mit seiner Lanze am Bug stand und auf Befehl das Seil anzog oder lockerte. Als die vier Boote ins Wasser gelassen wurden, hatte der Offizier den Vorsprung. Niemand jubelte vor Freude mehr als Steelkilt, als er an seinem Ruder zog. Nach einem kräftigen Zug hatte ihr Harpunenwerfer den Fisch gefangen; Radney sprang mit der Lanze in der Hand zum Bug. Er schien immer ein wütender Mensch im Boot zu sein. Sein Befehl lautete, ihn auf den obersten Rücken des Wals zu bringen. Ohne Zögern zog sein Bogenschütze ihn immer weiter nach oben – durch die blendende Gischt, die die beiden Weißheiten miteinander vermischte. Plötzlich prallte das Boot gegen einen versunkenen Felsen, kippte um und warf den Offizier ins Meer. In diesem Moment, als er auf den glatten Rücken des Wals fiel, richtete sich das Boot wieder auf und wurde von den Wellen zur Seite geschleudert. Radney wurde über Bord geworfen, auf die andere Seite des Wals. Er kämpfte sich durch die Gischt – für einen Moment war er durch diesen Schleier nur verschwommen zu erkennen, während er verzweifelt versuchte, dem Blick von Moby Dick zu entkommen. Doch der Wal drehte sich plötzlich in einem Strudel um und packte den Schwimmer zwischen…“
„Wie? Wie?“, riefen alle jungen Spanier und drängten sich zusammen.
„Nein, Dons, nein! Ich kann das jetzt nicht erzählen. Lassen Sie mich erst etwas höher steigen, meine Herren.“
„Die Chicha! Die Chicha!“, rief Don Pedro. „Unser kräftiger Freund sieht blass aus – füllt sein leeres Glas!“
„Keine Notwendigkeit, meine Herren. Einen Moment noch, dann fahre ich fort. Nun, meine Herren: Plötzlich wurde die schneeweiße Walmasse nur noch fünfzig Yards vom Schiff entfernt entdeckt – in der Aufregung des Augenblicks vergaßen die Besatzungsmitglieder ihre Abmachungen. Der Mann von Teneriffa erhob instinktiv und unwillkürlich seine Stimme, um nach dem Ungeheuer zu rufen, obwohl es bereits seit einiger Zeit von den drei Mastspitzen aus deutlich zu sehen war. Alles war nun in Aufruhr. ‚Der Weiße Wal – der Weiße Wal!‘, riefen Kapitän, Offiziere und Harpunenwerfer. Sie ließen sich durch die schrecklichen Gerüchte nicht abschrecken und waren alle darauf aus, diesen berühmten und wertvollen Wal zu fangen. Währenddessen betrachteten die sturen Besatzungsmitglieder mit Verwünschungen die schreckliche Schönheit dieser riesigen, milchweißen Masse, die im Licht der horizontal stehenden Sonne wie ein lebender Opal auf dem blauen Morgenmeer glänzte. Meine Herren, eine seltsame Vorherbestimmung durchzieht den gesamten Verlauf dieser Ereignisse – als wäre alles tatsächlich schon vor der Entstehung der Welt festgelegt worden. Der Meuterer war der Bogenschütze des Offiziers; wenn sie einen Fisch gefangen hatten, war es seine Pflicht, neben ihm zu sitzen, während Radney mit seiner Lanze am Bug stand und auf Befehl das Seil anzog oder lockerte. Als die vier Boote ins Wasser gelassen wurden, hatte der Offizier den Vorsprung. Niemand jubelte vor Freude mehr als Steelkilt, als er an seinem Ruder zog. Nach einem kräftigen Zug hatte ihr Harpunenwerfer den Fisch gefangen; Radney sprang mit der Lanze in der Hand zum Bug. Er schien immer ein wütender Mensch im Boot zu sein. Sein Befehl lautete, ihn auf den obersten Rücken des Wals zu bringen. Ohne Zögern zog sein Bogenschütze ihn immer weiter nach oben – durch die blendende Gischt, die die beiden Weißheiten miteinander vermischte. Plötzlich prallte das Boot gegen einen versunkenen Felsen, kippte um und warf den Offizier ins Meer. In diesem Moment, als er auf den glatten Rücken des Wals fiel, richtete sich das Boot wieder auf und wurde von den Wellen zur Seite geschleudert. Radney wurde über Bord geworfen, auf die andere Seite des Wals. Er kämpfte sich durch die Gischt – für einen Moment war er durch diesen Schleier nur verschwommen zu erkennen, während er verzweifelt versuchte, dem Blick von Moby Dick zu entkommen. Doch der Wal drehte sich plötzlich in einem Strudel um und packte den Schwimmer zwischen…“
Page 287
Seine Kiefer – und als das Boot hoch in die Luft gehoben wurde, stürzte es wieder kopfüber nach unten.
In der Zwischenzeit hatte der Mann vom Seeufer bereits bei der ersten Berührung des Bootsbodens die Leine gelockert, damit das Boot hinter dem Strudel zurückfallen konnte. Gelassen beobachtete er die Situation und dachte über seine eigenen Gedanken nach. Doch ein plötzlicher, heftiger Ruck des Bootes veranlasste ihn dazu, schnell sein Messer zur Leine zu nehmen. Er schnitt sie durch – und der Wal war frei. Doch in einiger Entfernung tauchte Moby Dick wieder auf; an seinen Zähnen hingen einige Fetzen von Radneys rotem Wollhemd. Alle vier Boote verfolgten ihn erneut – doch der Wal entkam ihnen und verschwand schließlich ganz.
Zum Glück erreichte die Town-Ho rechtzeitig ihren Hafen – einen wilden, abgelegenen Ort, an dem keine zivilisierten Menschen lebten. Dort verließen fast alle Besatzungsmitglieder außer fünf oder sechs Männern absichtlich das Schiff und versteckten sich unter den Palmen. Schließlich nahmen sie ein großes Kriegskanu der Eingeborenen und segelten in Richtung eines anderen Hafens.
Da die Besatzung nur noch aus wenigen Männern bestand, bat der Kapitän die Insulaner um Hilfe bei der Reparatur des Schiffes, um die Lecks zu stopfen. Doch diese kleine Gruppe von Weißen musste Tag und Nacht wachsam bleiben, um ihre gefährlichen „Verbündeten“ zu beschützen. Die Arbeit war äußerst anstrengend – als das Schiff wieder seetüchtig war, waren die Männer so geschwächt, dass der Kapitän es nicht wagte, mit ihnen in einem so schweren Schiff abzufahren. Nach Rücksprache mit seinen Offizieren ankerte er das Schiff so weit wie möglich vor der Küste, lud seine beiden Kanonen vorne an Bord und stapelte seine Musketen hinten. Er warnte die Insulaner davor, sich dem Schiff zu nähern – sonst würden sie es bereuen. Dann nahm er einen Mann mit sich, setzte die Segel seines besten Walfangboots und segelte direkt gegen den Wind in Richtung Tahiti, etwa 500 Meilen entfernt, um Verstärkung für seine Besatzung zu holen.
Am vierten Tag der Reise wurde ein großes Kanu gesichtet – es schien an einer niedrigen Koralleninsel angelegt zu haben. Der Kapitän steuerte davon weg – doch das Kanu der Eingeborenen kam immer näher. Bald rief Steelkilt ihm zu, er solle anhalten, sonst würde er das Boot unter Wasser drücken. Der Kapitän zeigte ihm eine Pistole. Der Mann vom Seeufer stand mit jedem Fuß auf einer der Kanusvorderseiten und lachte ihn aus; er versicherte ihm, dass er ihn in Blasen und Schaum begraben würde, falls die Pistole auch nur einmal losging.
„Was wollt ihr von mir?“, rief der Kapitän.
In der Zwischenzeit hatte der Mann vom Seeufer bereits bei der ersten Berührung des Bootsbodens die Leine gelockert, damit das Boot hinter dem Strudel zurückfallen konnte. Gelassen beobachtete er die Situation und dachte über seine eigenen Gedanken nach. Doch ein plötzlicher, heftiger Ruck des Bootes veranlasste ihn dazu, schnell sein Messer zur Leine zu nehmen. Er schnitt sie durch – und der Wal war frei. Doch in einiger Entfernung tauchte Moby Dick wieder auf; an seinen Zähnen hingen einige Fetzen von Radneys rotem Wollhemd. Alle vier Boote verfolgten ihn erneut – doch der Wal entkam ihnen und verschwand schließlich ganz.
Zum Glück erreichte die Town-Ho rechtzeitig ihren Hafen – einen wilden, abgelegenen Ort, an dem keine zivilisierten Menschen lebten. Dort verließen fast alle Besatzungsmitglieder außer fünf oder sechs Männern absichtlich das Schiff und versteckten sich unter den Palmen. Schließlich nahmen sie ein großes Kriegskanu der Eingeborenen und segelten in Richtung eines anderen Hafens.
Da die Besatzung nur noch aus wenigen Männern bestand, bat der Kapitän die Insulaner um Hilfe bei der Reparatur des Schiffes, um die Lecks zu stopfen. Doch diese kleine Gruppe von Weißen musste Tag und Nacht wachsam bleiben, um ihre gefährlichen „Verbündeten“ zu beschützen. Die Arbeit war äußerst anstrengend – als das Schiff wieder seetüchtig war, waren die Männer so geschwächt, dass der Kapitän es nicht wagte, mit ihnen in einem so schweren Schiff abzufahren. Nach Rücksprache mit seinen Offizieren ankerte er das Schiff so weit wie möglich vor der Küste, lud seine beiden Kanonen vorne an Bord und stapelte seine Musketen hinten. Er warnte die Insulaner davor, sich dem Schiff zu nähern – sonst würden sie es bereuen. Dann nahm er einen Mann mit sich, setzte die Segel seines besten Walfangboots und segelte direkt gegen den Wind in Richtung Tahiti, etwa 500 Meilen entfernt, um Verstärkung für seine Besatzung zu holen.
Am vierten Tag der Reise wurde ein großes Kanu gesichtet – es schien an einer niedrigen Koralleninsel angelegt zu haben. Der Kapitän steuerte davon weg – doch das Kanu der Eingeborenen kam immer näher. Bald rief Steelkilt ihm zu, er solle anhalten, sonst würde er das Boot unter Wasser drücken. Der Kapitän zeigte ihm eine Pistole. Der Mann vom Seeufer stand mit jedem Fuß auf einer der Kanusvorderseiten und lachte ihn aus; er versicherte ihm, dass er ihn in Blasen und Schaum begraben würde, falls die Pistole auch nur einmal losging.
„Was wollt ihr von mir?“, rief der Kapitän.
Page 288
„‚Wohin sind Sie unterwegs? Und wofür sind Sie unterwegs?‘, fragte Steelkilt. ‚Keine Lügen.‘
‚Ich bin auf dem Weg nach Tahiti, um mehr Männer zu holen.‘
‚Sehr gut. Lassen Sie mich einen Moment an Bord kommen – ich komme in Frieden.‘ Damit sprang er aus dem Kanu, schwamm zum Boot und kletterte an Bord, wo er dem Kapitän gegenüberstand.
‚Legen Sie die Arme übereinander, Sir – und neigen Sie den Kopf zurück. Wiederholen Sie jetzt nach mir: Sobald Steelkilt mich verlässt, schwöre ich, dieses Boot auf jenem Inselchen anzulegen und dort sechs Tage zu bleiben. Wenn ich das nicht tue, mögen Blitze mich treffen!‘
‚Ein richtiger Gelehrter,‘ lachte der Mann vom See. ‚Adios, Senor!‘ Dann sprang er ins Meer und schwamm zu seinen Kameraden zurück.
Nachdem er das Boot beobachtet hatte, bis es sicher an Land gezogen worden war, setzte Steelkilt wieder Segel und erreichte schließlich Tahiti, sein Ziel. Dort hatte er Glück: Zwei Schiffe waren gerade auf dem Weg nach Frankreich und brauchten dringend genau die Anzahl an Männern, die der Seemann anführte. Sie stiegen an Bord – und hatten somit für immer einen Vorsprung vor ihrem ehemaligen Kapitän, falls dieser überhaupt die Absicht gehabt hätte, Rache an ihnen zu nehmen.
Etwa zehn Tage nachdem die französischen Schiffe abgefahren waren, kam das Walfangboot an – und der Kapitän musste einige der zivilisierteren Tahitianer rekrutieren, die bereits etwas mit dem Meer vertraut waren. Er mietete ein kleines einheimisches Segelschiff und kehrte mit ihnen zu seinem Schiff zurück. Als er dort alles in Ordnung fand, setzte er seine Kreuzfahrten fort.
Wo Steelkilt jetzt ist, wissen die Herren nicht – doch auf der Insel Nantucket wendet sich die Witwe von Radney weiterhin dem Meer zu, das seine Toten nicht freigibt; in ihren Träumen sieht sie weiterhin den schrecklichen weißen Wal, der ihn zerstört hat.
***
‚Sind Sie fertig?‘, fragte Don Sebastian leise.
‚Ja, Don.‘
‚Dann bitte ich Sie: Sagen Sie mir, ob Ihrer Überzeugung nach diese Geschichte im Grunde genommen wahr ist. Sie ist wirklich erstaunlich! Haben Sie sie von einer zuverlässigen Quelle? Verzeihen Sie mir, wenn ich zu drängend erscheine.‘
‚Verzeihen Sie auch uns allen, Herr Seefahrer – denn wir alle unterstützen Don Sebastians Anliegen,‘ rief die Gesellschaft mit großem Interesse.
‚Ich bin auf dem Weg nach Tahiti, um mehr Männer zu holen.‘
‚Sehr gut. Lassen Sie mich einen Moment an Bord kommen – ich komme in Frieden.‘ Damit sprang er aus dem Kanu, schwamm zum Boot und kletterte an Bord, wo er dem Kapitän gegenüberstand.
‚Legen Sie die Arme übereinander, Sir – und neigen Sie den Kopf zurück. Wiederholen Sie jetzt nach mir: Sobald Steelkilt mich verlässt, schwöre ich, dieses Boot auf jenem Inselchen anzulegen und dort sechs Tage zu bleiben. Wenn ich das nicht tue, mögen Blitze mich treffen!‘
‚Ein richtiger Gelehrter,‘ lachte der Mann vom See. ‚Adios, Senor!‘ Dann sprang er ins Meer und schwamm zu seinen Kameraden zurück.
Nachdem er das Boot beobachtet hatte, bis es sicher an Land gezogen worden war, setzte Steelkilt wieder Segel und erreichte schließlich Tahiti, sein Ziel. Dort hatte er Glück: Zwei Schiffe waren gerade auf dem Weg nach Frankreich und brauchten dringend genau die Anzahl an Männern, die der Seemann anführte. Sie stiegen an Bord – und hatten somit für immer einen Vorsprung vor ihrem ehemaligen Kapitän, falls dieser überhaupt die Absicht gehabt hätte, Rache an ihnen zu nehmen.
Etwa zehn Tage nachdem die französischen Schiffe abgefahren waren, kam das Walfangboot an – und der Kapitän musste einige der zivilisierteren Tahitianer rekrutieren, die bereits etwas mit dem Meer vertraut waren. Er mietete ein kleines einheimisches Segelschiff und kehrte mit ihnen zu seinem Schiff zurück. Als er dort alles in Ordnung fand, setzte er seine Kreuzfahrten fort.
Wo Steelkilt jetzt ist, wissen die Herren nicht – doch auf der Insel Nantucket wendet sich die Witwe von Radney weiterhin dem Meer zu, das seine Toten nicht freigibt; in ihren Träumen sieht sie weiterhin den schrecklichen weißen Wal, der ihn zerstört hat.
***
‚Sind Sie fertig?‘, fragte Don Sebastian leise.
‚Ja, Don.‘
‚Dann bitte ich Sie: Sagen Sie mir, ob Ihrer Überzeugung nach diese Geschichte im Grunde genommen wahr ist. Sie ist wirklich erstaunlich! Haben Sie sie von einer zuverlässigen Quelle? Verzeihen Sie mir, wenn ich zu drängend erscheine.‘
‚Verzeihen Sie auch uns allen, Herr Seefahrer – denn wir alle unterstützen Don Sebastians Anliegen,‘ rief die Gesellschaft mit großem Interesse.
Page 289
„Gibt es eine Kopie der Heiligen Evangeliare im Goldenen Gasthaus, meine Herren?“
„Nein“, sagte Don Sebastian; „aber ich kenne einen würdigen Priester in der Nähe, der mir schnell eine besorgen wird. Ich gehe sie holen – aber ist das wirklich ratsam? Die Sache könnte zu ernst werden.“
„Wären Sie so freundlich, auch den Priester mitzubringen, Don?“
„Obwohl es in Lima jetzt keine Auto-da-Fés mehr gibt“, sagte einer der Männer zum anderen, „befürchte ich, dass unser Seemannsfreund Gefahr läuft, vom Erzbischof bestraft zu werden. Lassen Sie uns weiter aus dem Mondlicht treten – ich sehe keinen Grund dafür.“
„Verzeihen Sie, dass ich Ihnen hinterherlaufe, Don Sebastian – aber darf ich auch bitten, dass Sie darauf achten, die größtmöglichen Exemplare der Evangeliare zu besorgen?“
******
„Das ist der Priester – er bringt Ihnen die Evangeliare“, sagte Don Sebastian ernst und kehrte mit einer großen, würdevollen Gestalt zurück.
„Erlauben Sie, dass ich meinen Hut abnehme. Nun, verehrter Priester – treten Sie näher ins Licht und halten Sie das Heilige Buch vor mich, damit ich es berühren kann.“
„So hilf mir der Himmel – und bei meinem Ehrenwort: Die Geschichte, die ich Ihnen erzählt habe, meine Herren, ist im Großen und Ganzen wahr. Ich weiß, dass sie wahr ist; sie geschah auf diesem Ball; ich war an Bord des Schiffes; ich kannte die Besatzung; seit Radneys Tod habe ich Steelkilt gesehen und mit ihm gesprochen.“
„Nein“, sagte Don Sebastian; „aber ich kenne einen würdigen Priester in der Nähe, der mir schnell eine besorgen wird. Ich gehe sie holen – aber ist das wirklich ratsam? Die Sache könnte zu ernst werden.“
„Wären Sie so freundlich, auch den Priester mitzubringen, Don?“
„Obwohl es in Lima jetzt keine Auto-da-Fés mehr gibt“, sagte einer der Männer zum anderen, „befürchte ich, dass unser Seemannsfreund Gefahr läuft, vom Erzbischof bestraft zu werden. Lassen Sie uns weiter aus dem Mondlicht treten – ich sehe keinen Grund dafür.“
„Verzeihen Sie, dass ich Ihnen hinterherlaufe, Don Sebastian – aber darf ich auch bitten, dass Sie darauf achten, die größtmöglichen Exemplare der Evangeliare zu besorgen?“
******
„Das ist der Priester – er bringt Ihnen die Evangeliare“, sagte Don Sebastian ernst und kehrte mit einer großen, würdevollen Gestalt zurück.
„Erlauben Sie, dass ich meinen Hut abnehme. Nun, verehrter Priester – treten Sie näher ins Licht und halten Sie das Heilige Buch vor mich, damit ich es berühren kann.“
„So hilf mir der Himmel – und bei meinem Ehrenwort: Die Geschichte, die ich Ihnen erzählt habe, meine Herren, ist im Großen und Ganzen wahr. Ich weiß, dass sie wahr ist; sie geschah auf diesem Ball; ich war an Bord des Schiffes; ich kannte die Besatzung; seit Radneys Tod habe ich Steelkilt gesehen und mit ihm gesprochen.“
Page 290
KAPITEL 55. Über die monströsen Darstellungen von Walen
Bald werde ich Ihnen – so gut es ohne Leinwand möglich ist – etwas Ähnliches wie die wahre Gestalt des Wals zeigen, wie er dem Augenzeugen tatsächlich erscheint, wenn der Wal in seinem eigenen Körper neben dem Walfangschiff liegt und dort betreten werden kann. Es mag daher sinnvoll sein, zunächst auf jene seltsamen, imaginären Porträts des Wals einzugehen, die bis heute beharrlich den Glauben der Landbewohner in Frage stellen. Es ist an der Zeit, der Welt in dieser Angelegenheit Klarheit zu verschaffen, indem man nachweist, dass solche Darstellungen des Wals völlig falsch sind.
Die ursprüngliche Quelle all dieser irreführenden Darstellungen könnte in den ältesten hinduistischen, ägyptischen und griechischen Skulpturen zu finden sein. Schon seit jenen einfallsreichen, aber skrupellosen Zeiten, in denen auf den Marmorpaneelen von Tempeln, auf Sockeln von Statuen sowie auf Schilden, Medaillons, Bechern und Münzen der Delfin in Form von Kettenrüstung dargestellt wurde – ähnlich wie bei Saladin – und ein helmbedeckter Kopf wie bei St. Georg, herrscht seitdem eine ähnliche Willkür nicht nur in den meisten populären Darstellungen des Wals, sondern auch in vielen wissenschaftlichen Beschreibungen desselben.
Mit großer Wahrscheinlichkeit findet sich das älteste überlieferte Porträt, das angeblich einen Wal darstellt, in der berühmten Höhlenpagode von Elephanta in Indien. Die Brahmanen behaupten, dass in den nahezu endlosen Skulpturen jener uralten Pagode alle Berufe und Tätigkeiten sowie jede vorstellbare Beschäftigung des Menschen bereits Jahrhunderte vor ihrem tatsächlichen Entstehen dargestellt wurden. Kein Wunder also, dass auch unser edler Beruf des Walfangs dort irgendwie dargestellt wurde. Der hier erwähnte hinduistische Wal befindet sich in einem separaten Bereich der Wand und stellt die Verkörperung Vishnus in Form eines Leviathans dar – bekannt als Matse Avatar. Doch obwohl diese Skulptur zur Hälfte Mensch und zur Hälfte Wal ist, wobei lediglich der Schwanz des Wals dargestellt wird, ist auch dieser kleine Teil völlig falsch dargestellt. Er sieht eher wie der schmale Schwanz einer Anaconda aus als wie die breiten Flossenblätter eines echten, majestätischen Wals.
Bald werde ich Ihnen – so gut es ohne Leinwand möglich ist – etwas Ähnliches wie die wahre Gestalt des Wals zeigen, wie er dem Augenzeugen tatsächlich erscheint, wenn der Wal in seinem eigenen Körper neben dem Walfangschiff liegt und dort betreten werden kann. Es mag daher sinnvoll sein, zunächst auf jene seltsamen, imaginären Porträts des Wals einzugehen, die bis heute beharrlich den Glauben der Landbewohner in Frage stellen. Es ist an der Zeit, der Welt in dieser Angelegenheit Klarheit zu verschaffen, indem man nachweist, dass solche Darstellungen des Wals völlig falsch sind.
Die ursprüngliche Quelle all dieser irreführenden Darstellungen könnte in den ältesten hinduistischen, ägyptischen und griechischen Skulpturen zu finden sein. Schon seit jenen einfallsreichen, aber skrupellosen Zeiten, in denen auf den Marmorpaneelen von Tempeln, auf Sockeln von Statuen sowie auf Schilden, Medaillons, Bechern und Münzen der Delfin in Form von Kettenrüstung dargestellt wurde – ähnlich wie bei Saladin – und ein helmbedeckter Kopf wie bei St. Georg, herrscht seitdem eine ähnliche Willkür nicht nur in den meisten populären Darstellungen des Wals, sondern auch in vielen wissenschaftlichen Beschreibungen desselben.
Mit großer Wahrscheinlichkeit findet sich das älteste überlieferte Porträt, das angeblich einen Wal darstellt, in der berühmten Höhlenpagode von Elephanta in Indien. Die Brahmanen behaupten, dass in den nahezu endlosen Skulpturen jener uralten Pagode alle Berufe und Tätigkeiten sowie jede vorstellbare Beschäftigung des Menschen bereits Jahrhunderte vor ihrem tatsächlichen Entstehen dargestellt wurden. Kein Wunder also, dass auch unser edler Beruf des Walfangs dort irgendwie dargestellt wurde. Der hier erwähnte hinduistische Wal befindet sich in einem separaten Bereich der Wand und stellt die Verkörperung Vishnus in Form eines Leviathans dar – bekannt als Matse Avatar. Doch obwohl diese Skulptur zur Hälfte Mensch und zur Hälfte Wal ist, wobei lediglich der Schwanz des Wals dargestellt wird, ist auch dieser kleine Teil völlig falsch dargestellt. Er sieht eher wie der schmale Schwanz einer Anaconda aus als wie die breiten Flossenblätter eines echten, majestätischen Wals.
Page 291
Aber gehen Sie in die alten Galerien und betrachten Sie nun das Porträt dieses Fisches von einem großen christlichen Maler – denn er schafft es nicht besser als der vorzeitliche Hindu. Es ist Guidos Gemälde von Perseus, der Andromeda vom Meeremonster oder Wal rettet. Woher nahm Guido das Vorbild für ein solch seltsames Wesen? Auch Hogarth schafft es bei der Darstellung derselben Szene in seinem Werk „Perseus Descending“ keineswegs besser. Die riesige Masse dieses Hogarth’schen Monsters wellt sich auf der Wasseroberfläche – ohne auch nur einen Zoll Wasser zu bewegen. Auf seinem Rücken befindet sich eine Art Sitzgelegenheit; sein weit geöffneter Mund, in den die Wellen rollen, könnte man für das „Tor der Verräter“ halten, das vom Fluss Themse über das Wasser zur Tower führt. Dann gibt es noch die Wale aus den Werken des alten Schotten Sibbald sowie den Wal aus der Darstellung in alten Bibeln und Lehrbüchern. Was soll man über diese sagen? Was den Wal handelt, der wie ein Weinstock um den Stiel eines herabsinkenden Ankers gewunden ist – wie er auf den Rückseiten und Titelseiten vieler alter und neuer Bücher abgebildet ist – so handelt es sich dabei um ein sehr malerisches, aber rein fiktives Wesen, das vermutlich nach ähnlichen Darstellungen auf antiken Vasen nachgeahmt wurde. Obwohl dieser Wal allgemein als Delfin bezeichnet wird, nenne ich ihn doch einen Versuch, einen Wal darzustellen – denn so war es ursprünglich beabsichtigt, als dieses Motiv erstmals eingeführt wurde. Es wurde etwa im 15. Jahrhundert von einem alten italienischen Verleger während der Wiederbelebung des Wissens eingeführt; zu jener Zeit und sogar bis in eine relativ späte Periode hinein galt der Delfin allgemein als eine Art des Leviathans. In den Illustrationen und anderen Verzierungen einiger alter Bücher findet man manchmal sehr kuriose Darstellungen von Walen – dort schießen allerlei Fontänen, heiße Quellen und kalte Quellen aus ihrem „unerschöpflichen Gehirn“. Auf dem Titelblatt der Originalausgabe von „Advancement of Learning“ finden Sie einige interessante Darstellungen von Walen. Doch lassen wir all diese unprofessionellen Versuche beiseite und schauen uns stattdessen jene Darstellungen des Leviathans an, die als ernsthafte, wissenschaftliche Zeichnungen von Fachleuten angegeben werden. In Harris’ Sammlung von Reisebeschreibungen gibt es einige Abbildungen von Walen, entnommen einem niederländischen Reisebuch aus dem Jahr 1671 mit dem Titel „Eine Walfangreise nach Spitzbergen auf dem Schiff Jonas unter der Leitung von Peter Peterson aus Friesland“. Auf einer dieser Abbildungen sind die Wale wie große Holzflöße dargestellt, die zwischen Eisinseln liegen, während weiße Bären über ihre „lebenden“ Rücken laufen. Auf einer anderen Abbildung wird der Fehler begangen, den Wal mit senkrechten Flossen darzustellen.
Page 292
Ebenso gibt es ein imposantes Buch in Quartformat, verfasst von Kapitän Colnett, einem Postkapitän der englischen Marine, mit dem Titel „Eine Reise um den Kap Hoorn in die Südsee zum Zweck der Erweiterung der Walfangaktivitäten nach Spermacetiwalen“. In diesem Buch befindet sich ein Entwurf, der als „Abbildung eines Physeter- oder Spermacetiwals dargestellt sein soll – gezeichnet nach Maßstäben anhand eines auf der Küste Mexikos im August 1793 getöteten und an Deck gehobenen Wals“. Ich zweifle nicht daran, dass der Kapitän dieses genaue Bild zu Nutzen seiner Matrosen anfertigen ließ. Um nur eines zu erwähnen: Das Auge auf diesem Bild entspricht laut den beigefügten Maßstäben bei einem ausgewachsenen Spermacetiwal einem Fenster, das etwa fünf Fuß lang wäre. Ach, mein tapferer Kapitän – warum habt Ihr uns nicht Jonas herausblicken lassen aus diesem Auge!
Auch die sorgfältigsten Zusammenstellungen zur Naturgeschichte für junge Menschen sind nicht frei von solch abscheulichen Fehlern. Schauen Sie sich dieses populäre Werk „Goldsmith’s Animated Nature“ an. In der gekürzten Londoner Ausgabe von 1807 finden sich Abbildungen eines angeblichen „Wals“ sowie eines „Narwalen“. Ich möchte nicht unhöflich erscheinen, aber dieser hässliche Wal sieht sehr ähnlich aus wie eine amputierte Sau; und was den Narwal betrifft, so reicht bereits ein einziger Blick aus, um sich zu wundern, dass im neunzehnten Jahrhundert ein solches „Monstrum“ als echt einem intelligenten Publikum von Schuljungen vorgegaukelt werden konnte.
Im Jahr 1825 veröffentlichte Bernard Germain, Graf de Lacépède, ein großer Naturforscher, ein wissenschaftlich strukturiertes Buch über Wale, in dem mehrere Abbildungen der verschiedenen Arten des Leviathans zu finden sind. All diese Abbildungen sind nicht nur falsch, sondern auch die Darstellung des Mysticetus oder Grönlandwalens – also des Pottwalens – wird selbst von Scoresby, einem erfahrenen Experten für diese Art, als nicht in der Natur existierend bezeichnet.
Doch die Krönung all dieser Fehler lag in den Händen des Wissenschaftlers Frederick Cuvier, Bruder des berühmten Barons. Im Jahr 1836 veröffentlichte er eine „Naturgeschichte der Wale“, in der er eine sogenannte Abbildung des Spermacetiwals vorstellt. Bevor man dieses Bild irgendeinem Einwohner von Nantucket zeigt, sollte man besser einen Fluchtweg aus Nantucket bereithalten. Kurz gesagt: Fredericks Cuviers Spermacetiwal ist kein Spermacetiwal, sondern ein Unsinn. Natürlich hatte er niemals die Gelegenheit, an einer Walfangreise teilzunehmen (solche Leute haben das selten), aber woher er dieses Bild hatte – wer kann das sagen? Vielleicht erhielt er es genauso wie sein wissenschaftlicher Vorgänger im selben Bereich, Desmarest, eines seiner „echten Fehlbilder“ – also aus China.
Auch die sorgfältigsten Zusammenstellungen zur Naturgeschichte für junge Menschen sind nicht frei von solch abscheulichen Fehlern. Schauen Sie sich dieses populäre Werk „Goldsmith’s Animated Nature“ an. In der gekürzten Londoner Ausgabe von 1807 finden sich Abbildungen eines angeblichen „Wals“ sowie eines „Narwalen“. Ich möchte nicht unhöflich erscheinen, aber dieser hässliche Wal sieht sehr ähnlich aus wie eine amputierte Sau; und was den Narwal betrifft, so reicht bereits ein einziger Blick aus, um sich zu wundern, dass im neunzehnten Jahrhundert ein solches „Monstrum“ als echt einem intelligenten Publikum von Schuljungen vorgegaukelt werden konnte.
Im Jahr 1825 veröffentlichte Bernard Germain, Graf de Lacépède, ein großer Naturforscher, ein wissenschaftlich strukturiertes Buch über Wale, in dem mehrere Abbildungen der verschiedenen Arten des Leviathans zu finden sind. All diese Abbildungen sind nicht nur falsch, sondern auch die Darstellung des Mysticetus oder Grönlandwalens – also des Pottwalens – wird selbst von Scoresby, einem erfahrenen Experten für diese Art, als nicht in der Natur existierend bezeichnet.
Doch die Krönung all dieser Fehler lag in den Händen des Wissenschaftlers Frederick Cuvier, Bruder des berühmten Barons. Im Jahr 1836 veröffentlichte er eine „Naturgeschichte der Wale“, in der er eine sogenannte Abbildung des Spermacetiwals vorstellt. Bevor man dieses Bild irgendeinem Einwohner von Nantucket zeigt, sollte man besser einen Fluchtweg aus Nantucket bereithalten. Kurz gesagt: Fredericks Cuviers Spermacetiwal ist kein Spermacetiwal, sondern ein Unsinn. Natürlich hatte er niemals die Gelegenheit, an einer Walfangreise teilzunehmen (solche Leute haben das selten), aber woher er dieses Bild hatte – wer kann das sagen? Vielleicht erhielt er es genauso wie sein wissenschaftlicher Vorgänger im selben Bereich, Desmarest, eines seiner „echten Fehlbilder“ – also aus China.
Page 293
Zeichnungen. Und welche lebhaften Jungs mit dem Bleistift diese Chinesen doch sind – viele seltsame Tassen und Teller verraten uns das. Was die von den Schildermännern auf den Straßen über den Läden der Ölhändler angebrachten Wale angeht – was soll man darüber sagen? Es handelt sich dabei in der Regel um „Wale“ im Stil von Richard III., mit Kamelenhöckern und sehr wildem Aussehen; sie „frühstücken“ aus drei oder vier „Seemannstörtchen“, das heißt Walbooten voller Seeleute – ihre Deformitäten treiben in Meeren aus Blut und blauer Farbe. Doch diese vielfältigen Fehler bei der Darstellung des Wals sind letztendlich gar nicht so überraschend. Man bedenke: Die meisten wissenschaftlichen Zeichnungen wurden anhand von an Land gespülten Fischen angefertigt – und diese sind genauso korrekt wie eine Zeichnung eines gesunkenen Schiffes mit gebrochener Heckpartie, die das edle Tier in all seiner Pracht darstellen könnte. Obwohl Elefanten schon einmal in ihrer vollen Größe dargestellt wurden, hat der lebende Leviathan sich noch nie richtig für sein Porträt präsentiert. Den lebenden Wal in seiner vollen Majestät und Bedeutung kann man nur auf hoher See in unergründlichen Gewässern sehen; auf dem Wasser ist sein riesiger Körper außer Sichtweite, wie bei einem ausgelaufenen Kriegsschiff. Außerhalb dieses Elements ist es für einen Sterblichen ewig unmöglich, ihn physisch in die Luft zu heben, damit alle seine mächtigen Wellen und Bewegungen erhalten bleiben. Und ganz zu schweigen von dem äußerst wahrscheinlichen Unterschied in der Kontur zwischen einem jungen, säugenden Wal und einem ausgewachsenen „platonischen“ Leviathan – selbst im Fall eines solchen jungen Wals, der auf das Deck eines Schiffes gehoben wird, hat er eine derart seltsame, aalartige, flexible Form, dass selbst der Teufel seine genaue Gestalt nicht erfassen könnte. Man könnte meinen, dass man anhand des nackten Skeletts des an Land gespülten Wals genaue Hinweise auf seine wahre Form erhalten kann. Ganz und gar nicht. Denn eines der Merkwürdigsten am Leviathan ist, dass sein Skelett kaum eine Vorstellung von seiner Gesamtform vermittelt. Obwohl Jeremy Benthams Skelett, das in der Bibliothek eines seiner Erben als Kerzenhalter hängt, korrekt das Bild eines kräftig gebauten, buschbärtigen Utilitaristen alter Schule vermittelt – zusammen mit all den anderen charakteristischen Eigenschaften Jeremys –, lässt sich aus den Gliedmaßenknochen irgendeines Leviathans nichts Derartiges ableiten. Tatsächlich, wie der große Hunter sagt, steht das reine Skelett des Wals im Verhältnis zum vollständig ausgebildeten Tier genauso wie das Insekt zum Kokon, der es vollständig umhüllt. Diese Besonderheit zeigt sich besonders deutlich im Kopf, wie später in diesem Buch noch erwähnt werden wird. Ebenso wird sie auf interessante Weise an der Seitenflosse sichtbar – deren Knochen sind fast genau…
Page 294
Die Knochen der menschlichen Hand – abzüglich des Daumens. Diese „Flosse“ verfügt über vier normale Knochenfinger: Zeigefinger, Mittelfinger, Ringfinger und kleiner Finger. Doch all diese sind ständig in ihrer fleischigen Hülle eingebettet, genauso wie die menschlichen Finger in einer künstlichen Hülle. „So unvorsichtig der Wal uns manchmal auch dienen mag“, sagte der humorvolle Stubb eines Tages, „man kann niemals wirklich behaupten, dass er uns ohne Handschuhe berührt.“ Aus all diesen Gründen muss man zu dem Schluss kommen, dass der große Leviathan das einzige Lebewesen auf der Welt ist, das bis zum Ende unbeschrieben bleiben muss. Zwar kann ein Porträt dem Original schon näherkommen als ein anderes, doch keines kann es mit nennenswerter Genauigkeit darstellen. Es gibt also keine Möglichkeit, herauszufinden, wie der Wal wirklich aussieht. Die einzige Möglichkeit, zumindest eine annähernde Vorstellung von seinem Aussehen zu bekommen, besteht darin, selbst auf Walfang zu gehen – doch dabei läuft man ein großes Risiko, für immer von ihm verschlungen zu werden. Deshalb scheint es mir am besten zu sein, bei der Neugierde bezüglich dieses Leviathans nicht allzu wählerisch zu sein.
Page 295
KAPITEL 56. Über die weniger fehlerhaften Darstellungen von Walen sowie die richtigen Darstellungen von Walfangsszenen.
Im Zusammenhang mit den monströsen Darstellungen von Walen bin ich hier stark versucht, auf jene noch monströseren Geschichten über sie einzugehen, die in bestimmten Büchern – sowohl alten als auch modernen – zu finden sind, insbesondere bei Plinius, Purchas, Hackluyt, Harris, Cuvier usw. Doch ich lasse dieses Thema beiseite.
Ich kenne nur vier veröffentlichte Skizzen des großen Spermawals: die von Colnett, Huggins, Frederick Cuvier und Beale. Im vorherigen Kapitel wurden bereits Colnett und Cuvier erwähnt. Huggins’ Skizze ist weitaus besser als ihre; doch mit großem Abstand ist Beales die beste. Alle Zeichnungen von Beale dieses Wals sind gut – mit Ausnahme der mittleren Figur in der Darstellung von drei Walen in verschiedenen Posen, die das zweite Kapitel abschließt. Sein Titelbild, das Boote bei einem Angriff auf Spermawale zeigt, soll zwar zweifellos den skeptischen Zweifeln einiger Leute Nahrung geben, ist doch insgesamt hervorragend getroffen und lebensecht. Einige der Zeichnungen des Spermawals bei J. Ross Browne sind in ihren Umrissen ziemlich genau; doch sie sind miserabel gezeichnet. Das ist jedoch nicht seine Schuld.
Was den Pottwal betrifft, so befinden sich die besten Skizzen bei Scoresby; doch sie sind in zu kleiner Skala gezeichnet, um einen angemessenen Eindruck zu vermitteln. Er hat nur eine einzige Darstellung einer Walfangsszene – was eine bedauerliche Lücke darstellt, denn nur durch solche Darstellungen, sofern sie gut ausgeführt sind, kann man sich ein annähernd echtes Bild vom lebenden Wal machen, wie ihn seine Jäger sehen.
Aber insgesamt sind die beiden großen französischen Gravuren, die gut ausgeführt sind und von Gemälden eines gewissen Garnery stammen, die bisher besten Darstellungen von Walen und Walfangsszenen – auch wenn sie in einigen Details nicht ganz korrekt sind. Sie zeigen jeweils Angriffe auf den Sperma- und den Pottwal. In der ersten Gravur wird ein prächtiger Spermawal in voller Macht dargestellt – gerade aus den Tiefen des Ozeans unter dem Boot hervorgekommen, mit dem schrecklichen Wrack aus verbrannten Planken hoch auf seinem Rücken. Die Bugspitze des Bootes ist teilweise unversehrt und scheint genau auf dem Rückgrat des Monsters zu balancieren; und in dieser Bugspitze steht für diesen einen, unvorstellbar kurzen Augenblick ein Ruderer, halb verhüllt von…
Im Zusammenhang mit den monströsen Darstellungen von Walen bin ich hier stark versucht, auf jene noch monströseren Geschichten über sie einzugehen, die in bestimmten Büchern – sowohl alten als auch modernen – zu finden sind, insbesondere bei Plinius, Purchas, Hackluyt, Harris, Cuvier usw. Doch ich lasse dieses Thema beiseite.
Ich kenne nur vier veröffentlichte Skizzen des großen Spermawals: die von Colnett, Huggins, Frederick Cuvier und Beale. Im vorherigen Kapitel wurden bereits Colnett und Cuvier erwähnt. Huggins’ Skizze ist weitaus besser als ihre; doch mit großem Abstand ist Beales die beste. Alle Zeichnungen von Beale dieses Wals sind gut – mit Ausnahme der mittleren Figur in der Darstellung von drei Walen in verschiedenen Posen, die das zweite Kapitel abschließt. Sein Titelbild, das Boote bei einem Angriff auf Spermawale zeigt, soll zwar zweifellos den skeptischen Zweifeln einiger Leute Nahrung geben, ist doch insgesamt hervorragend getroffen und lebensecht. Einige der Zeichnungen des Spermawals bei J. Ross Browne sind in ihren Umrissen ziemlich genau; doch sie sind miserabel gezeichnet. Das ist jedoch nicht seine Schuld.
Was den Pottwal betrifft, so befinden sich die besten Skizzen bei Scoresby; doch sie sind in zu kleiner Skala gezeichnet, um einen angemessenen Eindruck zu vermitteln. Er hat nur eine einzige Darstellung einer Walfangsszene – was eine bedauerliche Lücke darstellt, denn nur durch solche Darstellungen, sofern sie gut ausgeführt sind, kann man sich ein annähernd echtes Bild vom lebenden Wal machen, wie ihn seine Jäger sehen.
Aber insgesamt sind die beiden großen französischen Gravuren, die gut ausgeführt sind und von Gemälden eines gewissen Garnery stammen, die bisher besten Darstellungen von Walen und Walfangsszenen – auch wenn sie in einigen Details nicht ganz korrekt sind. Sie zeigen jeweils Angriffe auf den Sperma- und den Pottwal. In der ersten Gravur wird ein prächtiger Spermawal in voller Macht dargestellt – gerade aus den Tiefen des Ozeans unter dem Boot hervorgekommen, mit dem schrecklichen Wrack aus verbrannten Planken hoch auf seinem Rücken. Die Bugspitze des Bootes ist teilweise unversehrt und scheint genau auf dem Rückgrat des Monsters zu balancieren; und in dieser Bugspitze steht für diesen einen, unvorstellbar kurzen Augenblick ein Ruderer, halb verhüllt von…
Page 296
Der empörte, sprudelnde Ausstoß des Wals – und im Moment des Sprungs, als würde er von einer Klippe springen. Die Darstellung insgesamt ist wunderbar gut und realistisch. Der halb leere Fischkorb treibt auf dem aufgewühlten Meer; die Holzstangen der verschütteten Harpunen schaukeln darin schräg hin und her; die Köpfe der Besatzungsmitglieder sind überall um den Wal verstreut und zeigen unterschiedliche Ausdrücke der Angst; während in der schwarzen, stürmischen Ferne das Schiff auf die Szene zusteuert. An den anatomischen Details dieses Wals ließen sich ernsthafte Mängel finden, aber das soll vorbeigehen – schließlich könnte ich selbst keinen so guten Wal zeichnen.
Auf der zweiten Abbildung liegt das Boot im Begriff, an die mit Algen bedeckte Flanke eines großen Pottwals anzulegen. Der Wal wälzt seinen schwarzen, moosbedeckten Körper im Meer wie einen Felsvorsprung aus den Klippen Patagoniens. Seine Wasserspritzer sind senkrecht, kräftig und schwarz wie Ruß; man könnte meinen, in seinen „Schornsteinen“ werde ein großes Mahl zubereitet. Meeresvögel picken an kleinen Krabben, Schalentieren sowie anderen Lebewesen, die der Pottwal manchmal auf seinem Rücken trägt. Und die ganze Zeit über rascht der riesige Wal durch die Tiefen, hinterlässt Tonnen von aufgewühltem weißem Schaum und lässt das kleine Boot in den Wellen schwanken – wie ein kleines Boot in der Nähe der Schrauben eines Ozeandampfers. Im Vordergrund herrscht also heilloses Chaos; doch im Hintergrund, in bemerkenswertem künstlerischem Kontrast, erstreckt sich das glatte Meer, die herabhängenden Segel des machtlosen Schiffes sowie die reglose Masse eines toten Wals – eine „eroberte Festung“, an deren Walpfahl, der in sein Ausstoßloch eingeführt wurde, träge die Eroberungsflagge hängt.
Wer Garnery, der Maler, war, weiß ich nicht. Doch ich bin mir sicher: Entweder kannte er sein Thema sehr gut oder wurde von einem erfahrenen Walfänger hervorragend unterrichtet. Die Franzosen sind die Besten im Malen von Action-Szenen. Schauen Sie sich all die Gemälde Europas an – wo finden Sie eine solche Galerie lebhafter, dynamischer Szenen auf Leinwand wie in diesem „Triumphsaal“ in Versailles? Dort muss man sich seinen Weg durch die zahlreichen Schlachten Frankreichs bahnen; dort wirkt jedes Schwert wie ein Blitz des Nordlichts, und die Könige und Kaiser eilen vorbei wie eine Angriffswelle gekrönter Zentauren. Auch diese Seeschlachtszenen von Garnery sind keineswegs unwürdig, in dieser Galerie zu stehen.
Die natürliche Begabung der Franzosen, die Malerische der Dinge einzufangen, zeigt sich besonders in den Gemälden und Abbildungen ihrer Walfangsszenen. Mit nicht einmal einem Zehntel der Erfahrung Englands…
Auf der zweiten Abbildung liegt das Boot im Begriff, an die mit Algen bedeckte Flanke eines großen Pottwals anzulegen. Der Wal wälzt seinen schwarzen, moosbedeckten Körper im Meer wie einen Felsvorsprung aus den Klippen Patagoniens. Seine Wasserspritzer sind senkrecht, kräftig und schwarz wie Ruß; man könnte meinen, in seinen „Schornsteinen“ werde ein großes Mahl zubereitet. Meeresvögel picken an kleinen Krabben, Schalentieren sowie anderen Lebewesen, die der Pottwal manchmal auf seinem Rücken trägt. Und die ganze Zeit über rascht der riesige Wal durch die Tiefen, hinterlässt Tonnen von aufgewühltem weißem Schaum und lässt das kleine Boot in den Wellen schwanken – wie ein kleines Boot in der Nähe der Schrauben eines Ozeandampfers. Im Vordergrund herrscht also heilloses Chaos; doch im Hintergrund, in bemerkenswertem künstlerischem Kontrast, erstreckt sich das glatte Meer, die herabhängenden Segel des machtlosen Schiffes sowie die reglose Masse eines toten Wals – eine „eroberte Festung“, an deren Walpfahl, der in sein Ausstoßloch eingeführt wurde, träge die Eroberungsflagge hängt.
Wer Garnery, der Maler, war, weiß ich nicht. Doch ich bin mir sicher: Entweder kannte er sein Thema sehr gut oder wurde von einem erfahrenen Walfänger hervorragend unterrichtet. Die Franzosen sind die Besten im Malen von Action-Szenen. Schauen Sie sich all die Gemälde Europas an – wo finden Sie eine solche Galerie lebhafter, dynamischer Szenen auf Leinwand wie in diesem „Triumphsaal“ in Versailles? Dort muss man sich seinen Weg durch die zahlreichen Schlachten Frankreichs bahnen; dort wirkt jedes Schwert wie ein Blitz des Nordlichts, und die Könige und Kaiser eilen vorbei wie eine Angriffswelle gekrönter Zentauren. Auch diese Seeschlachtszenen von Garnery sind keineswegs unwürdig, in dieser Galerie zu stehen.
Die natürliche Begabung der Franzosen, die Malerische der Dinge einzufangen, zeigt sich besonders in den Gemälden und Abbildungen ihrer Walfangsszenen. Mit nicht einmal einem Zehntel der Erfahrung Englands…
Page 297
Die Fischerei – und zwar nicht einmal ein Tausendstel dessen, was die Amerikaner betreiben – hat dennoch beiden Völkern die einzigen fertigen Skizzen geliefert, die überhaupt in der Lage sind, den wahren Geist der Walfangaktionen wiederzugeben. Im Allgemeinen scheinen die englischen und amerikanischen Walfängerskizzierer völlig zufrieden damit zu sein, lediglich die mechanische Struktur der Dinge darzustellen – wie zum Beispiel das Profil des Wals; was was die malerische Wirkung angeht, etwa dem Zeichnen des Profils einer Pyramide entspricht. Selbst Scoresby, der hochberühmte Walfänger, liefert uns nach einer detaillierten Darstellung des Grönlandwalms sowie drei oder vier feinen Miniaturen von Narwalen und Delfinen eine Reihe klassischer Gravuren von Bootshaken, Schlachtermessern und Greifhaken; außerdem präsentiert er mit der mikroskopischen Sorgfalt eines Leuwenhoek 96 Faksimiles vergrößerter arktischer Schneekristalle zur Betrachtung. Ich meine damit keineswegs, diesen hervorragenden Seefahrer herabzuwürdigen – ich ehre ihn als erfahrenen Mann –, aber in einer so wichtigen Angelegenheit war es sicherlich ein Versehen, für jeden Kristall keine schriftliche Bescheinigung vor einem grönlandischen Friedensrichter einzuholen.
Neben diesen hervorragenden Gravuren von Garnery gibt es noch zwei weitere französische Gravuren, die erwähnenswert sind; sie stammen von jemandem, der sich „H. Durand“ nennt. Eine davon ist zwar nicht direkt für unser Vorhaben geeignet, verdient dennoch aus anderen Gründen Erwähnung: Es handelt sich um eine ruhige Mittagsszene auf den Inseln des Pazifiks – ein französischer Walfänger liegt vor Anker, nimmt langsam Wasser auf; die losen Segel des Schiffes sowie die langen Palmblätter im Hintergrund hängen beide im windstillen Raum herab. Die Wirkung ist sehr schön, insbesondere wenn man bedenkt, dass sie die widerstandsfähigen Fischer in einem ihrer seltenen Momente des ruhigen Verweilens zeigt. Die andere Gravur ist ganz anders: Das Schiff liegt auf hoher See, mitten im „Leviathanischen Leben“ – neben ihm befindet sich ein Grönlandwal; das Schiff nähert sich dem Monster, als wäre es ein Kai; ein Boot, das eilig von dieser Aktivitätsszene ablegt, will nun die Wale in der Ferne verfolgen. Pfeile und Lanzen sind bereit zum Einsatz; drei Ruderer setzen gerade den Mast in seine Halterung; durch eine plötzliche Bewegung des Meeres steht das kleine Boot halb aus dem Wasser, wie ein aufspringendes Pferd. Von dem Schiff steigt der Rauch des kochenden Walms auf – wie der Rauch über einem Dorf voller Schmieden; und im Windrichtung steigt eine schwarze Wolke auf, die auf Stürme und Regen hindeutet – sie scheint die Aktivität der aufgeregten Seeleute noch zu verstärken.
Neben diesen hervorragenden Gravuren von Garnery gibt es noch zwei weitere französische Gravuren, die erwähnenswert sind; sie stammen von jemandem, der sich „H. Durand“ nennt. Eine davon ist zwar nicht direkt für unser Vorhaben geeignet, verdient dennoch aus anderen Gründen Erwähnung: Es handelt sich um eine ruhige Mittagsszene auf den Inseln des Pazifiks – ein französischer Walfänger liegt vor Anker, nimmt langsam Wasser auf; die losen Segel des Schiffes sowie die langen Palmblätter im Hintergrund hängen beide im windstillen Raum herab. Die Wirkung ist sehr schön, insbesondere wenn man bedenkt, dass sie die widerstandsfähigen Fischer in einem ihrer seltenen Momente des ruhigen Verweilens zeigt. Die andere Gravur ist ganz anders: Das Schiff liegt auf hoher See, mitten im „Leviathanischen Leben“ – neben ihm befindet sich ein Grönlandwal; das Schiff nähert sich dem Monster, als wäre es ein Kai; ein Boot, das eilig von dieser Aktivitätsszene ablegt, will nun die Wale in der Ferne verfolgen. Pfeile und Lanzen sind bereit zum Einsatz; drei Ruderer setzen gerade den Mast in seine Halterung; durch eine plötzliche Bewegung des Meeres steht das kleine Boot halb aus dem Wasser, wie ein aufspringendes Pferd. Von dem Schiff steigt der Rauch des kochenden Walms auf – wie der Rauch über einem Dorf voller Schmieden; und im Windrichtung steigt eine schwarze Wolke auf, die auf Stürme und Regen hindeutet – sie scheint die Aktivität der aufgeregten Seeleute noch zu verstärken.
Page 298
Page 299
KAPITEL 57. Über Wale in der Malerei; in Zähnen; in Holz; in Blech; in Stein; in Bergen; in Sternen.
Auf Tower Hill, auf dem Weg zu den Londoner Docks, kann man manchmal einen behinderten Bettler sehen – oder, wie die Seeleute sagen, „Kedger“ – der ein bemaltes Brett vor sich hält, das die tragische Szene darstellt, in der er sein Bein verlor. Auf dem Brett sind drei Wale und drei Boote abgebildet; eines der Boote (von dem angenommen wird, dass es das fehlende Bein in seiner ursprünglichen Form enthält) wird von den Kiefern des vordersten Wals zermalmt. In diesen zehn Jahren hat dieser Mann stets dieses Bild hochgehalten und seinen Stumpf der ungläubigen Welt gezeigt. Doch nun ist die Zeit für seine Rechtfertigung gekommen. Seine drei Wale sind zumindest genauso gut dargestellt wie alle Wale, die je in Wapping gezeichnet wurden; und sein Stumpf ist genauso unbestreitbar wie jeder andere Stumpf, den man in den westlichen Gebieten finden kann. Doch obwohl er für immer auf diesem Stumpf steht, hält der arme Walfänger niemals eine Rede über seinen Stumpf; vielmehr steht er mit gesenkten Augen da und betrachtet traurig seine eigene Amputation.
Im ganzen Pazifik sowie in Nantucket, New Bedford und Sag Harbor findet man lebendige Skizzen von Walen und Waljagdszenen – Skizzen, die von den Fischern selbst in Spermawalzzähnen oder aus Robbenknochen angefertigt wurden. Ebenso gibt es zahlreiche weitere kleine, einfallsreiche Geräte, die die Walfänger in ihrer Freizeit aus dem groben Material herstellen. Einige von ihnen besitzen kleine Kästchen mit gerätschaftlich aussehenden Werkzeugen, die speziell für diese Zwecke bestimmt sind. Im Allgemeinen arbeiten sie jedoch nur mit ihren Taschenmessern; mit diesem fast allmächtigen Werkzeug eines Seemanns können sie alles herstellen, was man sich vorstellen kann – entsprechend der Fantasie eines Seemanns.
Eine lange Verbannung aus dem Christentum und der Zivilisation führt unweigerlich dazu, dass ein Mensch wieder in den Zustand zurückkehrt, in den Gott ihn gestellt hat – also in das sogenannte Barbarentum. Ein echter Waljäger ist genauso ein Barbar wie ein Irokese. Ich selbst bin auch ein Barbar – ich erkenne nur die Herrschaft des Königs der Kannibalen an und bin jederzeit bereit, gegen ihn zu rebellieren.
Auf Tower Hill, auf dem Weg zu den Londoner Docks, kann man manchmal einen behinderten Bettler sehen – oder, wie die Seeleute sagen, „Kedger“ – der ein bemaltes Brett vor sich hält, das die tragische Szene darstellt, in der er sein Bein verlor. Auf dem Brett sind drei Wale und drei Boote abgebildet; eines der Boote (von dem angenommen wird, dass es das fehlende Bein in seiner ursprünglichen Form enthält) wird von den Kiefern des vordersten Wals zermalmt. In diesen zehn Jahren hat dieser Mann stets dieses Bild hochgehalten und seinen Stumpf der ungläubigen Welt gezeigt. Doch nun ist die Zeit für seine Rechtfertigung gekommen. Seine drei Wale sind zumindest genauso gut dargestellt wie alle Wale, die je in Wapping gezeichnet wurden; und sein Stumpf ist genauso unbestreitbar wie jeder andere Stumpf, den man in den westlichen Gebieten finden kann. Doch obwohl er für immer auf diesem Stumpf steht, hält der arme Walfänger niemals eine Rede über seinen Stumpf; vielmehr steht er mit gesenkten Augen da und betrachtet traurig seine eigene Amputation.
Im ganzen Pazifik sowie in Nantucket, New Bedford und Sag Harbor findet man lebendige Skizzen von Walen und Waljagdszenen – Skizzen, die von den Fischern selbst in Spermawalzzähnen oder aus Robbenknochen angefertigt wurden. Ebenso gibt es zahlreiche weitere kleine, einfallsreiche Geräte, die die Walfänger in ihrer Freizeit aus dem groben Material herstellen. Einige von ihnen besitzen kleine Kästchen mit gerätschaftlich aussehenden Werkzeugen, die speziell für diese Zwecke bestimmt sind. Im Allgemeinen arbeiten sie jedoch nur mit ihren Taschenmessern; mit diesem fast allmächtigen Werkzeug eines Seemanns können sie alles herstellen, was man sich vorstellen kann – entsprechend der Fantasie eines Seemanns.
Eine lange Verbannung aus dem Christentum und der Zivilisation führt unweigerlich dazu, dass ein Mensch wieder in den Zustand zurückkehrt, in den Gott ihn gestellt hat – also in das sogenannte Barbarentum. Ein echter Waljäger ist genauso ein Barbar wie ein Irokese. Ich selbst bin auch ein Barbar – ich erkenne nur die Herrschaft des Königs der Kannibalen an und bin jederzeit bereit, gegen ihn zu rebellieren.
Page 300
Eine der besonderen Eigenschaften des Wilden in seinen häuslichen Stunden ist seine erstaunliche Geduld bei der Arbeit. Ein alter hawaiianischer Kriegshammer oder Speer – mit all seiner Vielfalt an Verzierungen – ist ein ebenso großartiges Zeugnis menschlicher Ausdauer wie ein lateinisches Wörterbuch. Denn mit nur einem kleinen Stück zerbrochenem Muschelschalen oder einem Haizahn wurde diese wunderbare Komplexität aus Holzkonstruktionen geschaffen – und das erforderte jahrelange, konsequente Anstrengung. Genau wie beim hawaiianischen Wilden gilt das auch für den weißen Seefahrer-Wilden: Mit derselben erstaunlichen Geduld und mit demselben Haizahn sowie seinem einzigen armseligen Messer wird er Ihnen eine kleine Knochenskulptur schnitzen – vielleicht nicht ganz so meisterhaft, aber genauso kompliziert in ihrer Gestaltung wie Achillens Schild des griechischen Wilden – und voller barbarischen Geistes sowie Ausdruckskraft, wie die Werke jenes großartigen alten niederländischen Wilden, Albrecht Dürer.
Holzwale – oder Wale, die in Profilform aus den kleinen, dunklen Platten des edlen Südsee-Holzes geschnitzt wurden – sind in den Vordecks amerikanischer Walfänger häufig zu finden. Einige davon sind äußerst präzise gefertigt.
In einigen alten Landhäusern mit Giebeln sieht man manchmal Messingwale, die an ihrem Schwanz als Türklopfer an der Haustür hängen. Wenn der Diener schläfrig ist, eignet sich der Wal mit dem Ambosskopf am besten. Doch diese Türklopferwale sind selten wirklich bemerkenswert als gelungene Kunstwerke. Auf den Spitzen einiger altmodischer Kirchen sieht man Eisennägel in Form von Walen, die dort als Wetterfahnen dienen – doch sie befinden sich in solcher Höhe und außerdem sind sie überall mit „Hände weg!“ beschriftet, sodass man sie nicht genau genug betrachten kann, um ihr Können beurteilen zu können.
In gebirgigen Regionen der Erde, wo am Fuße hoher, zerbrochener Felsen Massen von Gestein in fantastischen Formationen auf der Ebene verstreut liegen, findet man oft Darstellungen von petrifizierten Formen des Leviathans – teilweise im Gras verborgen. An windigen Tagen brandet das Meer gegen diese Formationen an.
Auch in bergigen Ländern, wo der Reisende ständig von amphitheaterartigen Höhen umgeben ist, kann man von einem glücklichen Aussichtspunkt aus gelegentlich die Konturen von Walen erkennen, die entlang der welligen Bergrücken abgegrenzt sind. Doch man muss ein echter Walfangexperte sein, um solche Ansichten zu sehen – und nicht nur das: Wenn man zu einem solchen Ort zurückkehren möchte, muss man unbedingt die genauen Breiten- und Längengrade seines ursprünglichen Standorts notieren, denn solche Beobachtungen der Berge sind äußerst zufällig, sodass der genaue ursprüngliche Standort unbedingt bekannt sein muss.
Holzwale – oder Wale, die in Profilform aus den kleinen, dunklen Platten des edlen Südsee-Holzes geschnitzt wurden – sind in den Vordecks amerikanischer Walfänger häufig zu finden. Einige davon sind äußerst präzise gefertigt.
In einigen alten Landhäusern mit Giebeln sieht man manchmal Messingwale, die an ihrem Schwanz als Türklopfer an der Haustür hängen. Wenn der Diener schläfrig ist, eignet sich der Wal mit dem Ambosskopf am besten. Doch diese Türklopferwale sind selten wirklich bemerkenswert als gelungene Kunstwerke. Auf den Spitzen einiger altmodischer Kirchen sieht man Eisennägel in Form von Walen, die dort als Wetterfahnen dienen – doch sie befinden sich in solcher Höhe und außerdem sind sie überall mit „Hände weg!“ beschriftet, sodass man sie nicht genau genug betrachten kann, um ihr Können beurteilen zu können.
In gebirgigen Regionen der Erde, wo am Fuße hoher, zerbrochener Felsen Massen von Gestein in fantastischen Formationen auf der Ebene verstreut liegen, findet man oft Darstellungen von petrifizierten Formen des Leviathans – teilweise im Gras verborgen. An windigen Tagen brandet das Meer gegen diese Formationen an.
Auch in bergigen Ländern, wo der Reisende ständig von amphitheaterartigen Höhen umgeben ist, kann man von einem glücklichen Aussichtspunkt aus gelegentlich die Konturen von Walen erkennen, die entlang der welligen Bergrücken abgegrenzt sind. Doch man muss ein echter Walfangexperte sein, um solche Ansichten zu sehen – und nicht nur das: Wenn man zu einem solchen Ort zurückkehren möchte, muss man unbedingt die genauen Breiten- und Längengrade seines ursprünglichen Standorts notieren, denn solche Beobachtungen der Berge sind äußerst zufällig, sodass der genaue ursprüngliche Standort unbedingt bekannt sein muss.
Page 301
Mühsame Neuentdeckungen – wie die Soloma-Inseln, die bis heute unbekannt bleiben, obwohl einst der hochrangige Mendanna sie betrat und der alte Figuera sie beschrieb. Auch wenn man durch die Ausdehnung des Himmels hindurchblickt, kann man nicht umhin, große Wale im sternübersäten Himmel sowie Boote zu erkennen, die ihnen nachjagen – genauso wie die Völker des Ostens, die lange Zeit von Kriegsgedanken erfüllt waren, Armeen sahen, die zwischen den Wolken kämpften. So habe ich im Norden den Leviathan um den Pol herum verfolgt, mit Hilfe der hellen Sterne, die ihn mir zunächst zeigten. Unter dem strahlenden Antarktis-Himmel bin ich an Bord der Argo-Navis gestiegen und habe an der Verfolgung des sternübersäten Wals Cetus teilgenommen – weit jenseits von Hydrus und dem Fliegenden Fisch. Mit den Anker einer Fregatte als Zügel und Bündeln von Harpunen als Sporen – könnte ich doch nur auf diesen Wal steigen und in die höchsten Himmel aufsteigen, um zu sehen, ob die legendären Himmel mit all ihren unzähligen „Zelten“ tatsächlich jenseits meines irdischen Sichtfeldes liegen!
Page 302
KAPITEL 58. Brit
Von den Crozetts aus in Richtung Nordost segelnd, kamen wir auf weite Wiesen voller „Brit“ – jener feinen, gelben Substanz, von der sich die Pottwale in großem Maße ernähren. Über Meilen hinweg erstreckte sich diese Substanz um uns herum, sodass es schien, als würden wir durch endlose Felder reifen, goldenen Weizens segeln.
Am zweiten Tag wurden zahlreiche Pottwale gesichtet. Da sie vor Angriffen durch Walfangschiffe wie die Pequod sicher waren, schwammen sie mit geöffnetem Maul träge durch das „Brit“. Dieses haftete an den Fasern in ihrem Maul und wurde auf diese Weise vom Wasser getrennt, das anschließend aus ihren Mäulern austrat.
Genau wie Mäher, die Seite an Seite langsam und rhythmisch ihre Sensen durch das lange, feuchte Gras auf sumpfigen Wiesen führen, schwammen auch diese Monster und erzeugten dabei ein seltsames, grasartiges Geräusch. Hinterließen sie dabei endlose Streifen in Blau auf dem gelben Meer.*
*Der Teil des Meeres, der bei Walfängern als „Brasilianische Banken“ bekannt ist, trägt diesen Namen nicht wegen von Untiefen oder Messungen dort, sondern aufgrund dieses bemerkenswerten, wiesenartigen Erscheinungsbilds, das durch die großen Mengen an „Brit“, die ständig in diesen Breitengraden treiben, entsteht – Gebieten, in denen Pottwale oft gejagt werden.
Doch nur das Geräusch, das sie beim Durchdringen des „Brit“ machten, erinnerte an Mäher. Von den Mastspitzen aus gesehen, besonders wenn sie kurz innehielten und stillstanden, sahen ihre riesigen, schwarzen Gestalten eher wie leblose Felsmassen aus als wie etwas anderes. Genau wie in den großen Jagdgebieten Indiens manchmal ein Fremder aus der Ferne liegende Elefanten für bloße, verbrannte Erhebungen hält, so geschieht es oft auch mit denen, die zum ersten Mal diese Art der Meeresriesen sehen. Und selbst wenn sie schließlich erkannt werden, macht ihre enorme Größe es sehr schwer zu glauben, dass solche massiven Gebilde tatsächlich über das gleiche Leben verfügen wie Hunde oder Pferde.
Tatsächlich kann man in anderen Aspekten kaum irgendwelche Lebewesen der Tiefsee mit denselben Gefühlen betrachten wie die Lebewesen an Land. Denn obwohl einige alte…
Von den Crozetts aus in Richtung Nordost segelnd, kamen wir auf weite Wiesen voller „Brit“ – jener feinen, gelben Substanz, von der sich die Pottwale in großem Maße ernähren. Über Meilen hinweg erstreckte sich diese Substanz um uns herum, sodass es schien, als würden wir durch endlose Felder reifen, goldenen Weizens segeln.
Am zweiten Tag wurden zahlreiche Pottwale gesichtet. Da sie vor Angriffen durch Walfangschiffe wie die Pequod sicher waren, schwammen sie mit geöffnetem Maul träge durch das „Brit“. Dieses haftete an den Fasern in ihrem Maul und wurde auf diese Weise vom Wasser getrennt, das anschließend aus ihren Mäulern austrat.
Genau wie Mäher, die Seite an Seite langsam und rhythmisch ihre Sensen durch das lange, feuchte Gras auf sumpfigen Wiesen führen, schwammen auch diese Monster und erzeugten dabei ein seltsames, grasartiges Geräusch. Hinterließen sie dabei endlose Streifen in Blau auf dem gelben Meer.*
*Der Teil des Meeres, der bei Walfängern als „Brasilianische Banken“ bekannt ist, trägt diesen Namen nicht wegen von Untiefen oder Messungen dort, sondern aufgrund dieses bemerkenswerten, wiesenartigen Erscheinungsbilds, das durch die großen Mengen an „Brit“, die ständig in diesen Breitengraden treiben, entsteht – Gebieten, in denen Pottwale oft gejagt werden.
Doch nur das Geräusch, das sie beim Durchdringen des „Brit“ machten, erinnerte an Mäher. Von den Mastspitzen aus gesehen, besonders wenn sie kurz innehielten und stillstanden, sahen ihre riesigen, schwarzen Gestalten eher wie leblose Felsmassen aus als wie etwas anderes. Genau wie in den großen Jagdgebieten Indiens manchmal ein Fremder aus der Ferne liegende Elefanten für bloße, verbrannte Erhebungen hält, so geschieht es oft auch mit denen, die zum ersten Mal diese Art der Meeresriesen sehen. Und selbst wenn sie schließlich erkannt werden, macht ihre enorme Größe es sehr schwer zu glauben, dass solche massiven Gebilde tatsächlich über das gleiche Leben verfügen wie Hunde oder Pferde.
Tatsächlich kann man in anderen Aspekten kaum irgendwelche Lebewesen der Tiefsee mit denselben Gefühlen betrachten wie die Lebewesen an Land. Denn obwohl einige alte…
Page 303
Naturforscher haben behauptet, dass alle Lebewesen des Landes ihre Entsprechung im Meer hätten; und obwohl man die Sache aus einer allgemeinen Perspektive betrachtet, mag das durchaus zutreffen – doch wenn es um Spezialisierungen geht: Wo findet sich im Ozean ein Fisch, der in seinem Wesen der weisen Güte des Hundes entspricht? Nur der verfluchte Hai kann in irgendeiner Hinsicht als mit ihm vergleichbar angesehen werden.
Doch obwohl die Bewohner des Landes die Ureinwohner der Meere stets mit unbeschreiblich feindseligen und abstoßenden Gefühlen betrachtet haben; obwohl wir das Meer als eine ewige Terra incognita kennen – so dass Kolumbus zahllose unbekannte Welten überquerte, um seine einzige, oberflächliche „westliche“ Welt zu entdecken; obwohl mit großer Wahrscheinlichkeit die schrecklichsten Katastrophen seit Urzeiten und ohne Unterschied Zehntausende und Hunderttausende derer heimsuchten, die aufs Wasser hinausfuhren; obwohl schon ein kurzer Gedankengang zeigt, dass der Mensch, egal wie sehr er von seiner Wissenschaft und seinen Fähigkeiten prahlt und egal wie sehr diese in einer lobenswerten Zukunft noch zunehmen mögen, für immer und ewig vom Meer beleidigt und getötet werden wird – und selbst das prächtigste, stärkste Schiff, das er bauen kann, zerstört wird – so hat der Mensch durch die ständige Wiederholung dieser Eindrücke doch das Bewusstsein für die vollkommene Schrecklichkeit des Meeres verloren, das ursprünglich dazugehört.
Das erste Boot, von dem wir lesen, trieb auf einem Ozean, der durch portugiesische Rache eine ganze Welt verschlungen hatte, ohne auch nur eine Witwe zurückzulassen. Derselbe Ozean rollt noch heute; derselbe Ozean zerstörte letztes Jahr die gesunkenen Schiffe. Ja, törichte Sterbliche – Noachs Sintflut ist noch nicht zurückgegangen; zwei Drittel der schönen Welt sind noch immer von ihr bedeckt.
Inwiefern unterscheiden sich Meer und Land, dass ein Wunder am einen Ort kein Wunder am anderen ist? Über den Hebräern lasteten übernatürliche Schrecken, als unter den Füßen von Korah und seiner Gruppe der Boden aufbrach und sie für immer verschlang; doch kein moderner Sonnenuntergang vergeht, ohne dass auf genau dieselbe Weise das Meer Schiffe und Besatzungen verschlingt.
Doch das Meer ist nicht nur ein Feind für den Menschen, der ihm fremd ist, sondern auch ein Ungeheuer gegenüber seinen eigenen Kindern – schlimmer noch als die persischen Truppen, die ihre eigenen Gäste töteten, und es verschont nicht einmal die Lebewesen, die es selbst hervorgebracht hat. Wie eine wilde Tigerin, die in der Wildnis ihre eigenen Jungen zertritt, so schleudert das Meer selbst die mächtigsten Wale gegen die Felsen und lässt sie dort Seite an Seite mit den zerschellten Schiffswracks liegen. Keine Gnade, keine…
Doch obwohl die Bewohner des Landes die Ureinwohner der Meere stets mit unbeschreiblich feindseligen und abstoßenden Gefühlen betrachtet haben; obwohl wir das Meer als eine ewige Terra incognita kennen – so dass Kolumbus zahllose unbekannte Welten überquerte, um seine einzige, oberflächliche „westliche“ Welt zu entdecken; obwohl mit großer Wahrscheinlichkeit die schrecklichsten Katastrophen seit Urzeiten und ohne Unterschied Zehntausende und Hunderttausende derer heimsuchten, die aufs Wasser hinausfuhren; obwohl schon ein kurzer Gedankengang zeigt, dass der Mensch, egal wie sehr er von seiner Wissenschaft und seinen Fähigkeiten prahlt und egal wie sehr diese in einer lobenswerten Zukunft noch zunehmen mögen, für immer und ewig vom Meer beleidigt und getötet werden wird – und selbst das prächtigste, stärkste Schiff, das er bauen kann, zerstört wird – so hat der Mensch durch die ständige Wiederholung dieser Eindrücke doch das Bewusstsein für die vollkommene Schrecklichkeit des Meeres verloren, das ursprünglich dazugehört.
Das erste Boot, von dem wir lesen, trieb auf einem Ozean, der durch portugiesische Rache eine ganze Welt verschlungen hatte, ohne auch nur eine Witwe zurückzulassen. Derselbe Ozean rollt noch heute; derselbe Ozean zerstörte letztes Jahr die gesunkenen Schiffe. Ja, törichte Sterbliche – Noachs Sintflut ist noch nicht zurückgegangen; zwei Drittel der schönen Welt sind noch immer von ihr bedeckt.
Inwiefern unterscheiden sich Meer und Land, dass ein Wunder am einen Ort kein Wunder am anderen ist? Über den Hebräern lasteten übernatürliche Schrecken, als unter den Füßen von Korah und seiner Gruppe der Boden aufbrach und sie für immer verschlang; doch kein moderner Sonnenuntergang vergeht, ohne dass auf genau dieselbe Weise das Meer Schiffe und Besatzungen verschlingt.
Doch das Meer ist nicht nur ein Feind für den Menschen, der ihm fremd ist, sondern auch ein Ungeheuer gegenüber seinen eigenen Kindern – schlimmer noch als die persischen Truppen, die ihre eigenen Gäste töteten, und es verschont nicht einmal die Lebewesen, die es selbst hervorgebracht hat. Wie eine wilde Tigerin, die in der Wildnis ihre eigenen Jungen zertritt, so schleudert das Meer selbst die mächtigsten Wale gegen die Felsen und lässt sie dort Seite an Seite mit den zerschellten Schiffswracks liegen. Keine Gnade, keine…
Page 304
Es hat keine Macht – doch es wird von sich selbst gesteuert. Keuchend und schnaubend wie ein wahnsinniger Kampfross, der seinen Reiter verloren hat, überflutet das herrschlose Meer die Welt. Betrachte die Feinheit des Meeres: Wie seine furchterregendsten Lebewesen unter Wasser gleiten, meist unsichtbar und hinter den schönsten Azurtönen heimtückisch verborgen. Betrachte auch den teuflischen Glanz und die Schönheit vieler seiner grausamsten Arten sowie die zierlich verzierten Formen vieler Haifischarten. Betrachte erneut den universellen Kannibalismus des Meeres – alle seine Lebewesen jagen einander, führen seit Anfang der Welt einen ewigen Krieg. Betrachte all das – und wende dich dann dieser grünen, sanften und friedlichen Erde zu. Betrachte sowohl das Meer als auch das Land – findest du nicht eine seltsame Analogie zu etwas in dir selbst? Denn genauso wie dieses schreckliche Meer das grüne Land umgibt, so liegt in der Seele des Menschen eine „inselartige Tahiti“ – voller Frieden und Freude – doch umgeben von allen Schrecken des halb bekannten Lebens. Gott möge dich beschützen! Verlasse diese Insel nicht – du kannst niemals zurückkehren!
Page 305
KAPITEL 59. Kalmar.
Langsam durch die Grasflächen pflügend, hielt die Pequod weiterhin Kurs nach Nordosten in Richtung der Insel Java. Eine sanfte Brise trieb ihren Rumpf voran; in der umgebenden Stille schwankten ihre drei hohen, spitz zulaufenden Masten sanft im Wind – wie drei zarte Palmen auf einer Ebene. Immer wieder war in der silbernen Nacht dieser einsame, anziehende Schatten zu sehen.
Doch an einem durchsichtigen blauen Morgen, als eine fast übernatürliche Stille über das Meer lag – ohne jegliche Trägheit –, als das lange, glänzende Sonnenlicht auf der Wasseroberfläche wie ein goldener Finger wirkte, der zum Schweigen aufforderte, und als die Wellen leise aneinander vorbeistrichen – in dieser tiefen Stille wurde von Daggoo vom Hauptmast aus ein seltsames Phantom gesichtet.
In der Ferne stieg eine große weiße Masse träge empor; je höher sie stieg und sich immer mehr vom Azurhimmel löste, desto mehr glänzte sie schließlich vor unserer Bugspitze wie ein Schneebrett, das gerade von den Hügeln herabgerollt war. Einen Moment lang glänzte sie so, bevor sie langsam wieder versank. Dann tauchte sie erneut auf und glänzte still vor sich hin. Es schien keine Walart zu sein – doch war es vielleicht Moby Dick?, dachte Daggoo. Wieder verschwand das Phantom, doch als es erneut auftauchte und dabei einen schrillen Laut von sich gab, der jeden Mann aus seiner Ruhe riss, rief der Schwarze aus: „Da! Da wieder! Sie bricht durch die Wasseroberfläche – direkt vor uns! Der Weiße Wal, der Weiße Wal!“
Daraufhin eilten die Seeleute zu den Takeln – wie Bienen in der Blütezeit zu den Zweigen. Mit nacktem Kopf stand Ahab auf dem Bugspriet; mit einer Hand bereit, Befehle an den Steuermann zu geben, blickte er gespannt in die von Daggos ausgestrecktem Arm angezeigte Richtung.
Ob die ständige Beobachtung dieses stillen, einsamen Schattens allmählich darauf zurückzuführen war, dass Ahab nun bereit war, die Vorstellung von Sanftheit und Ruhe mit dem ersten Anblick des Wals in Verbindung zu bringen, den er verfolgte – oder ob seine Ungeduld ihn verraten hatte –, wie auch immer es sein mochte: Sobald er ihn deutlich erkennen konnte…
Langsam durch die Grasflächen pflügend, hielt die Pequod weiterhin Kurs nach Nordosten in Richtung der Insel Java. Eine sanfte Brise trieb ihren Rumpf voran; in der umgebenden Stille schwankten ihre drei hohen, spitz zulaufenden Masten sanft im Wind – wie drei zarte Palmen auf einer Ebene. Immer wieder war in der silbernen Nacht dieser einsame, anziehende Schatten zu sehen.
Doch an einem durchsichtigen blauen Morgen, als eine fast übernatürliche Stille über das Meer lag – ohne jegliche Trägheit –, als das lange, glänzende Sonnenlicht auf der Wasseroberfläche wie ein goldener Finger wirkte, der zum Schweigen aufforderte, und als die Wellen leise aneinander vorbeistrichen – in dieser tiefen Stille wurde von Daggoo vom Hauptmast aus ein seltsames Phantom gesichtet.
In der Ferne stieg eine große weiße Masse träge empor; je höher sie stieg und sich immer mehr vom Azurhimmel löste, desto mehr glänzte sie schließlich vor unserer Bugspitze wie ein Schneebrett, das gerade von den Hügeln herabgerollt war. Einen Moment lang glänzte sie so, bevor sie langsam wieder versank. Dann tauchte sie erneut auf und glänzte still vor sich hin. Es schien keine Walart zu sein – doch war es vielleicht Moby Dick?, dachte Daggoo. Wieder verschwand das Phantom, doch als es erneut auftauchte und dabei einen schrillen Laut von sich gab, der jeden Mann aus seiner Ruhe riss, rief der Schwarze aus: „Da! Da wieder! Sie bricht durch die Wasseroberfläche – direkt vor uns! Der Weiße Wal, der Weiße Wal!“
Daraufhin eilten die Seeleute zu den Takeln – wie Bienen in der Blütezeit zu den Zweigen. Mit nacktem Kopf stand Ahab auf dem Bugspriet; mit einer Hand bereit, Befehle an den Steuermann zu geben, blickte er gespannt in die von Daggos ausgestrecktem Arm angezeigte Richtung.
Ob die ständige Beobachtung dieses stillen, einsamen Schattens allmählich darauf zurückzuführen war, dass Ahab nun bereit war, die Vorstellung von Sanftheit und Ruhe mit dem ersten Anblick des Wals in Verbindung zu bringen, den er verfolgte – oder ob seine Ungeduld ihn verraten hatte –, wie auch immer es sein mochte: Sobald er ihn deutlich erkennen konnte…
Page 306
Eine weiße Masse – mit plötzlicher Intensität gab er sofort Befehl, sie ins Wasser zu lassen. Die vier Boote befanden sich bald auf dem Wasser; Abahabs Boot voran, alle zogen schnell auf ihre Beute zu. Bald sank die Masse unter Wasser; während wir mit den Rudern innehielten und auf ihr Wiederauftauchen warteten, tauchte sie an derselben Stelle wieder langsam auf. Für einen Moment vergaßen wir alle Gedanken an Moby Dick und blickten auf das erstaunlichste Phänomen, das die geheimen Meere bislang der Menschheit gezeigt hatten. Eine riesige, fleischige Masse, mehrere Meilen lang und breit, von einer cremefarbenen Farbe, trieb auf dem Wasser; unzählige lange Arme strahlten vom Zentrum aus und wanden sich wie ein Nest von Anacondas, als wollten sie blindlings nach jedem unglücklichen Objekt greifen, das in Reichweite war. Sie hatte kein sichtbares Gesicht oder eine Vorderseite; kein Anzeichen für Sinne oder Instinkte war zu erkennen; doch wellte sie sich auf den Wellen – ein übernatürliches, formloses, zufälliges Erscheinungsbild des Lebens. Mit einem leisen Sauggeräusch verschwand sie wieder langsam; Starbuck blickte weiterhin auf die aufgewühlten Gewässer, in denen sie versunken war, und rief mit wilder Stimme: „Ich hätte lieber Moby Dick gesehen und gegen ihn gekämpft, als dich zu sehen, du weißer Geist!“ „Was war das, Sir?“, fragte Flask. „Der große lebende Tintenfisch – von dem man sagt, dass nur wenige Walfangschiffe ihn je gesehen haben und anschließend in ihre Häfen zurückkehrten, um davon zu berichten.“ Doch Abahab sagte nichts; er drehte sein Boot um und segelte zurück zum Schiff; die anderen folgten ihm schweigend. Welche Aberglauben auch immer die Walfänger im Allgemeinen mit dem Anblick dieses Wesens verbinden – eines ist sicher: Ein solcher Anblick ist äußerst selten, wodurch dieses Phänomen stark mit Unheil verknüpft wird. Da es so selten gesehen wird, obwohl alle behaupten, es handele sich dabei um das größte lebende Wesen im Ozean, haben nur sehr wenige von ihnen eine andere Vorstellung als die vagesten Ideen bezüglich seiner wahren Natur und Form. Dennoch glauben sie, dass es die einzige Nahrung für den Spermawal darstellt. Denn während andere Walarten ihre Nahrung an der Oberfläche finden und vom Menschen beim Fressen beobachtet werden können, erhält der Spermawal seine gesamte Nahrung in unbekannten Zonen unter der Wasseroberfläche; nur durch Schlussfolgerungen kann man erraten, woraus diese Nahrung genau besteht. Manchmal, wenn er heftig verfolgt wird, spuckt er aus, was als abgetrennte Arme des Tintenfisches angesehen wird; einige davon waren mehr als zwanzig bis dreißig Fuß lang. Sie glauben…
Page 307
Dass das Ungeheuer, dem diese Arme gehörten, normalerweise mit ihnen am Meeresboden haftet; und dass der Walspitzmaulwal im Gegensatz zu anderen Arten über Zähne verfügt, um es anzugreifen und zu zerreißen. Es gibt Grund zu der Annahme, dass der große Krake von Bischof Pontoppidan letztendlich in eine Tintenfischart umgewandelt werden könnte. Die Art und Weise, wie der Bischof ihn beschreibt – als würde er abwechselnd auftauchen und untergehen – sowie einige weitere Details, die er schildert, stimmen in allem überein. Doch bei der unglaublichen Größe, die er ihm zuschreibt, muss man stark abmildern. Einige Naturforscher, die nur vage Gerüchte über dieses geheimnisvolle Wesen gehört haben, zählen es zur Klasse der Tintenfische – wozu es tatsächlich in gewissen äußeren Merkmalen zu gehören scheint – aber nur als „Anak“ dieser Gattung.
Page 308
KAPITEL 60. Die Walfangleine.
Im Zusammenhang mit der gleich zu beschreibenden Walfangszene sowie zur besseren Verständnis all dieser ähnlichen Szenen an anderen Orten muss ich hier von der magischen – manchmal sogar schrecklichen – Walfangleine sprechen.
Die ursprünglich für die Fischerei verwendete Leine bestand aus dem besten Hanf, der leicht mit Teer behandelt wurde – jedoch nicht damit durchtränkt wurde, wie es bei gewöhnlichen Seilen der Fall ist. Denn während Teer den Hanf für den Seilhersteller geschmeidiger macht und das Seil selbst für Seeleute im täglichen Schiffgebrauch praktischer macht, würde eine normale Menge an Teer die Walfangleine für die enge Aufwicklung, der sie unterzogen werden muss, viel zu steif machen. Zudem erhöht Teer, wie die meisten Seeleute inzwischen wissen, keineswegs die Haltbarkeit oder Stärke des Seils – egal, inwieweit er ihm Kompaktheit und Glanz verleiht.
In den letzten Jahren hat das Manilla-Seil in der amerikanischen Fischerei den Hanf als Material für Walfangleinen fast vollständig ersetzt. Obwohl es nicht so haltbar ist wie Hanf, ist es stärker und weicher sowie elastischer. Ich möchte hinzufügen – schließlich gibt es in allem etwas Ästhetisches – dass es außerdem viel schöner und passender für das Boot ist als Hanf. Hanf ist eher dunkel und „indianisch“ im Aussehen; das Manilla-Seil hingegen gleicht einem goldenhaarigen Kaukasier.
Die Walfangleine hat eine Dicke von nur zwei Dritteln eines Zoll. Auf den ersten Blick würde man nicht denken, dass sie so stark ist, wie sie tatsächlich ist. Durch Experimente hat sich gezeigt, dass jede der einhundertfünf Fäden eine Last von hundertzwanzig Pfund tragen kann; somit kann die gesamte Leine eine Belastung von fast drei Tonnen aushalten. In der Länge beträgt eine gewöhnliche Walfangleine etwas mehr als zweihundert Fadenlängen. Am Heck des Bootes wird sie spiralig in einer Halterung aufgewickelt – nicht wie ein Schlauch in einem Destillierapparat, sondern so, dass eine runde, käseförmige Masse entsteht, bestehend aus dicht angeordneten Schichten konzentrischer Spiralen. Es gibt dabei keine Hohlräume – außer dem „Herzen“, also dem winzigen vertikalen Rohr, das sich um die Achse dieser Struktur befindet. Da schon die geringste Verwicklung oder Krümmung beim Ausholen unweigerlich dazu führen würde, dass jemandem Arm, Bein oder sogar der ganze Körper abgetrennt wird, werden bei der Aufbewahrung der Leine äußerste Vorsichtsmaßnahmen ergriffen. Einige Harpunenwerfer verbringen fast einen ganzen Morgen damit, die Leine hochzuheben und sie anschließend wieder nach unten durch einen Block abzuwickeln.
Im Zusammenhang mit der gleich zu beschreibenden Walfangszene sowie zur besseren Verständnis all dieser ähnlichen Szenen an anderen Orten muss ich hier von der magischen – manchmal sogar schrecklichen – Walfangleine sprechen.
Die ursprünglich für die Fischerei verwendete Leine bestand aus dem besten Hanf, der leicht mit Teer behandelt wurde – jedoch nicht damit durchtränkt wurde, wie es bei gewöhnlichen Seilen der Fall ist. Denn während Teer den Hanf für den Seilhersteller geschmeidiger macht und das Seil selbst für Seeleute im täglichen Schiffgebrauch praktischer macht, würde eine normale Menge an Teer die Walfangleine für die enge Aufwicklung, der sie unterzogen werden muss, viel zu steif machen. Zudem erhöht Teer, wie die meisten Seeleute inzwischen wissen, keineswegs die Haltbarkeit oder Stärke des Seils – egal, inwieweit er ihm Kompaktheit und Glanz verleiht.
In den letzten Jahren hat das Manilla-Seil in der amerikanischen Fischerei den Hanf als Material für Walfangleinen fast vollständig ersetzt. Obwohl es nicht so haltbar ist wie Hanf, ist es stärker und weicher sowie elastischer. Ich möchte hinzufügen – schließlich gibt es in allem etwas Ästhetisches – dass es außerdem viel schöner und passender für das Boot ist als Hanf. Hanf ist eher dunkel und „indianisch“ im Aussehen; das Manilla-Seil hingegen gleicht einem goldenhaarigen Kaukasier.
Die Walfangleine hat eine Dicke von nur zwei Dritteln eines Zoll. Auf den ersten Blick würde man nicht denken, dass sie so stark ist, wie sie tatsächlich ist. Durch Experimente hat sich gezeigt, dass jede der einhundertfünf Fäden eine Last von hundertzwanzig Pfund tragen kann; somit kann die gesamte Leine eine Belastung von fast drei Tonnen aushalten. In der Länge beträgt eine gewöhnliche Walfangleine etwas mehr als zweihundert Fadenlängen. Am Heck des Bootes wird sie spiralig in einer Halterung aufgewickelt – nicht wie ein Schlauch in einem Destillierapparat, sondern so, dass eine runde, käseförmige Masse entsteht, bestehend aus dicht angeordneten Schichten konzentrischer Spiralen. Es gibt dabei keine Hohlräume – außer dem „Herzen“, also dem winzigen vertikalen Rohr, das sich um die Achse dieser Struktur befindet. Da schon die geringste Verwicklung oder Krümmung beim Ausholen unweigerlich dazu führen würde, dass jemandem Arm, Bein oder sogar der ganze Körper abgetrennt wird, werden bei der Aufbewahrung der Leine äußerste Vorsichtsmaßnahmen ergriffen. Einige Harpunenwerfer verbringen fast einen ganzen Morgen damit, die Leine hochzuheben und sie anschließend wieder nach unten durch einen Block abzuwickeln.
Page 309
In Richtung des Behälters – damit die Schnur darin aufgewickelt werden kann und somit alle möglichen Falten sowie Verwindungen vermieden werden.
In den englischen Booten werden statt eines Behälters zwei verwendet; die gleiche Schnur wird kontinuierlich in beiden Behältern aufgewickelt. Das hat einige Vorteile: Da diese doppelten Behälter so klein sind, passen sie leichter ins Boot und belasten es nicht so stark. Der amerikanische Behälter hingegen, mit einem Durchmesser von fast drei Fuß und entsprechender Tiefe, stellt eine ziemlich sperrige Last für ein Boot dar, dessen Planken nur eine halbe Zoll dick sind. Der Boden des Walfangboots ist wie Eis – er kann zwar ein beträchtliches, gleichmäßig verteiltes Gewicht tragen, aber nicht viel konzentriertes Gewicht. Wenn die bemalte Leinendecke über den amerikanischen Behälter gelegt wird, sieht das Boot aus, als würde es einen riesigen Hochzeitstorten transportieren, um ihn den Walen zu präsentieren.
Beide Enden der Schnur sind frei sichtbar; das untere Ende endet in einer Schlaufe, die vom Boden aus an der Seite des Behälters entlang nach oben führt und über dessen Rand hängt – völlig losgelöst von allem anderen. Diese Anordnung des unteren Endes ist aus zwei Gründen notwendig. Erstens: Um das Anbringen einer zusätzlichen Schnur von einem benachbarten Boot zu erleichtern, falls der getroffene Wal so tief taucht, dass er die ursprünglich am Harpunen befestigte Schnur mitreißen könnte. In solchen Fällen wird der Wal natürlich wie ein Krug Bier von einem Boot zum anderen transferiert – wobei das erste Boot stets in der Nähe bleibt, um zu helfen. Zweitens: Diese Anordnung ist aus Gründen der Sicherheit unerlässlich; denn wäre das untere Ende der Schnur irgendwie am Boot befestigt und würde der Wal die Schnur in nur wenigen Minuten bis zum Ende herausziehen – wie er es manchmal tut –, würde er nicht dort anhalten, denn das Boot würde unweigerlich mit ihm in die Tiefen des Meeres gezogen werden. In diesem Fall würde kein Mensch es je wiederfinden.
Bevor das Boot zur Jagd hinabgelassen wird, wird das obere Ende der Schnur vom Behälter aus nach hinten genommen, um den Rumpf herumgeführt und anschließend wieder über die gesamte Länge des Bootes getragen. Es ruht dabei quer auf dem Griff jedes Ruders – sodass es beim Rudern gegen das Handgelenk drückt – und durchquert außerdem die Reihen der Männer, die abwechselnd an den gegenüberliegenden Seiten des Bootes sitzen, bis zu den Keilen oder Furchen an der spitzen Bugspitze des Bootes. Dort verhindert ein Holzstift von der Größe einer gewöhnlichen Feder, dass die Schnur herausrutscht. Von dort hängt sie in Form eines leichten Schleiers über dem Bug und wird anschließend wieder ins Boot geführt.
In den englischen Booten werden statt eines Behälters zwei verwendet; die gleiche Schnur wird kontinuierlich in beiden Behältern aufgewickelt. Das hat einige Vorteile: Da diese doppelten Behälter so klein sind, passen sie leichter ins Boot und belasten es nicht so stark. Der amerikanische Behälter hingegen, mit einem Durchmesser von fast drei Fuß und entsprechender Tiefe, stellt eine ziemlich sperrige Last für ein Boot dar, dessen Planken nur eine halbe Zoll dick sind. Der Boden des Walfangboots ist wie Eis – er kann zwar ein beträchtliches, gleichmäßig verteiltes Gewicht tragen, aber nicht viel konzentriertes Gewicht. Wenn die bemalte Leinendecke über den amerikanischen Behälter gelegt wird, sieht das Boot aus, als würde es einen riesigen Hochzeitstorten transportieren, um ihn den Walen zu präsentieren.
Beide Enden der Schnur sind frei sichtbar; das untere Ende endet in einer Schlaufe, die vom Boden aus an der Seite des Behälters entlang nach oben führt und über dessen Rand hängt – völlig losgelöst von allem anderen. Diese Anordnung des unteren Endes ist aus zwei Gründen notwendig. Erstens: Um das Anbringen einer zusätzlichen Schnur von einem benachbarten Boot zu erleichtern, falls der getroffene Wal so tief taucht, dass er die ursprünglich am Harpunen befestigte Schnur mitreißen könnte. In solchen Fällen wird der Wal natürlich wie ein Krug Bier von einem Boot zum anderen transferiert – wobei das erste Boot stets in der Nähe bleibt, um zu helfen. Zweitens: Diese Anordnung ist aus Gründen der Sicherheit unerlässlich; denn wäre das untere Ende der Schnur irgendwie am Boot befestigt und würde der Wal die Schnur in nur wenigen Minuten bis zum Ende herausziehen – wie er es manchmal tut –, würde er nicht dort anhalten, denn das Boot würde unweigerlich mit ihm in die Tiefen des Meeres gezogen werden. In diesem Fall würde kein Mensch es je wiederfinden.
Bevor das Boot zur Jagd hinabgelassen wird, wird das obere Ende der Schnur vom Behälter aus nach hinten genommen, um den Rumpf herumgeführt und anschließend wieder über die gesamte Länge des Bootes getragen. Es ruht dabei quer auf dem Griff jedes Ruders – sodass es beim Rudern gegen das Handgelenk drückt – und durchquert außerdem die Reihen der Männer, die abwechselnd an den gegenüberliegenden Seiten des Bootes sitzen, bis zu den Keilen oder Furchen an der spitzen Bugspitze des Bootes. Dort verhindert ein Holzstift von der Größe einer gewöhnlichen Feder, dass die Schnur herausrutscht. Von dort hängt sie in Form eines leichten Schleiers über dem Bug und wird anschließend wieder ins Boot geführt.
Page 310
Zwanzig Faden Länge – die sogenannte „Box-Line“ – werden um das Gestell an der Bugseite gewickelt. Von dort aus führt sie weiter zum Heck und wird anschließend mit dem „Short-Warp“ verbunden – dem Seil, das direkt mit dem Harpunenpfeil verbunden ist. Doch bevor diese Verbindung hergestellt wird, durchläuft das Seil noch eine Reihe von komplizierten Verfahren, die zu beschreiben zu aufwendig wäre. So umschlingt die Walfangleine das ganze Boot in ihren komplizierten Windungen, windet sich dabei in fast alle Richtungen. Alle Ruderer sind von diesen gefährlichen Bewegungen betroffen; für das ängstliche Auge eines Landbewohners wirken sie wie indische Zauberer, deren Gliedmaßen von tödlichen Schlangen umschlungen werden. Kein Mensch kann zum ersten Mal inmitten dieser komplizierten Strukturen sitzen und beim Rudern nicht daran denken, dass jederzeit ein Harpunenpfeil abgeschossen werden könnte – und all diese schrecklichen Bewegungen in Gang gesetzt würden. Ohne Schauer kann man in solchen Situationen nicht bleiben; doch die Gewohnheit – was für ein seltsames Ding! Was kann die Gewohnheit nicht erreichen? Fröhlichere Gespräche, bessere Witze und lebhaftere Antworten – solche hat man niemals im Mahagoniboot gehört, sondern nur im Walfangboot aus weißem Zedernholz. Die sechs Männer der Besatzung ziehen, sozusagen, mit einem Strick um den Hals in den Rachen des Todes. Vielleicht kann etwas Nachdenken dazu beitragen, die wiederholten Katastrophen beim Walfang zu erklären – einige davon werden hier kurz beschrieben: Dabei wird ein Mensch von der Leine aus dem Boot gezogen und verloren. Denn wenn die Leine nach draußen geschleudert wird, ist es, als säße man mitten im Lärm einer Dampfmaschine – bei der alle beweglichen Teile einen berühren. Es ist sogar noch schlimmer: Man kann nicht regungslos inmitten dieser Gefahren sitzen, denn das Boot schwankt wie eine Wiege, und man wird ohne jede Vorwarnung hin und her geworfen. Nur durch eine bestimmte Selbstregulierung sowie gleichzeitige Handlungsfähigkeit kann man entkommen – an Orte, an die selbst die allsehende Sonne nicht vordringen kann. Auch die tiefe Ruhe, die scheinbar nur vor dem Sturm liegt und ihn ankündigt, ist vielleicht noch schlimmer als der Sturm selbst – denn die Ruhe ist lediglich die Hülle des Sturms.
Page 311
Es liegt an dem Gewehr selbst – schließlich enthält dieses scheinbar harmlose Gewehr tödliches Pulver sowie Kugeln und kann zur Explosion führen. Auch die anmutige Linie, die sich leise um die Ruderer windet, bevor sie tatsächlich eingesetzt wird – das ist etwas, das mehr wahre Angst hervorruft als jeder andere Aspekt dieser gefährlichen Angelegenheit. Doch warum noch mehr sagen? Alle Menschen leben inmitten von Walnetzen. Alle werden mit Schlingen um den Hals geboren; doch erst wenn sie in die schnellen, plötzlichen Wendungen des Todes geraten, erkennen die Sterblichen die stillen, subtilen, ständig vorhandenen Gefahren des Lebens. Und wenn man ein Philosoph ist, dann würde man, auch wenn man im Walboot sitzt, im Grunde genommen nicht mehr Angst haben als wenn man vor dem Abendfeuer sitzt, mit einem Schürhaken – und keinem Harpunen – neben sich.
Page 312
KAPITEL 61. Stubb tötet einen Wal.
Während für Starbuck das Erscheinen des Tintenfisches ein Omen war, galt für Queequeg etwas ganz anderes als Ursache dafür.
„Wenn man ihn ‚Quid‘ sieht“, sagte der Wilde und schärfte seinen Harpunenstachel am Bug seines Bootes, „dann sieht man bald auch den ‚Parm-Wal‘.“
Der nächste Tag war äußerst ruhig und schwül; da es nichts Besonderes gab, was die Besatzung der Pequod ablenken konnte, konnten sie kaum der Schlafsucht widerstehen, die von solch stillen Gewässern ausging. Denn dieser Teil des Indischen Ozeans, durch den wir damals segelten, gilt bei Walfängern nicht als besonders lebhaft – das heißt, es gibt hier weniger Gelegenheiten, Delfine, Flugfische sowie andere lebhafte Bewohner bewegterer Gewässer zu sehen als vor der Küste von Rio de la Plata oder vor der Küste Perus.
Es war meine Reihe, am Vorstag zu stehen; mit den Schultern gegen die gelockerten Takelungen gelehnt, schwankte ich hin und her – in einer Art verzauberter Atmosphäre. Keine Entschlossenheit konnte dem standhalten; in diesem traumhaften Zustand verlor ich schließlich das Bewusstsein – doch mein Körper schwang weiterhin wie ein Pendel, lange nachdem die Kraft, die ihn ursprünglich in Bewegung setzte, verschwunden war.
Bevor mich völlige Vergesslichkeit überkam, bemerkte ich, dass die Seeleute an den Haupt- und Backmasten bereits schläfrig waren. Schließlich schwangen wir alle drei regungslos an den Masten – bei jedem Schwung antwortete der schlafende Rudermeister mit einem Nicken von unten. Auch die Wellen nickten mit ihren träge wellenden Gipfeln; über die weite Fläche des Meeres nickte Ost nach West – und die Sonne über allem.
Plötzlich schienen Blasen unter meinen geschlossenen Augen zu platzen; meine Hände umklammerten wie im Fieber die Takelungen; irgendeine unsichtbare Macht rettete mich – mit einem Ruck kam ich wieder zu mir. Und siehe da! Ungefähr vierzig Faden entfernt, direkt unter unserem Heck, lag ein riesiger Spermawal im Wasser und wälzte sich dort wie das umgekippte Rumpfteil einer Fregatte. Sein breiter, glänzender Rücken, von äthiopischer Farbe, funkelte in den Sonnenstrahlen wie ein Spiegel. Doch der Wal, der träge in den Wellentälern schwankte und von Zeit zu Zeit ruhig seinen Dampfschwall ausstieß, sah aus wie ein beleibter Bürger, der an einem warmen Nachmittag seine Pfeife rauchte.
Während für Starbuck das Erscheinen des Tintenfisches ein Omen war, galt für Queequeg etwas ganz anderes als Ursache dafür.
„Wenn man ihn ‚Quid‘ sieht“, sagte der Wilde und schärfte seinen Harpunenstachel am Bug seines Bootes, „dann sieht man bald auch den ‚Parm-Wal‘.“
Der nächste Tag war äußerst ruhig und schwül; da es nichts Besonderes gab, was die Besatzung der Pequod ablenken konnte, konnten sie kaum der Schlafsucht widerstehen, die von solch stillen Gewässern ausging. Denn dieser Teil des Indischen Ozeans, durch den wir damals segelten, gilt bei Walfängern nicht als besonders lebhaft – das heißt, es gibt hier weniger Gelegenheiten, Delfine, Flugfische sowie andere lebhafte Bewohner bewegterer Gewässer zu sehen als vor der Küste von Rio de la Plata oder vor der Küste Perus.
Es war meine Reihe, am Vorstag zu stehen; mit den Schultern gegen die gelockerten Takelungen gelehnt, schwankte ich hin und her – in einer Art verzauberter Atmosphäre. Keine Entschlossenheit konnte dem standhalten; in diesem traumhaften Zustand verlor ich schließlich das Bewusstsein – doch mein Körper schwang weiterhin wie ein Pendel, lange nachdem die Kraft, die ihn ursprünglich in Bewegung setzte, verschwunden war.
Bevor mich völlige Vergesslichkeit überkam, bemerkte ich, dass die Seeleute an den Haupt- und Backmasten bereits schläfrig waren. Schließlich schwangen wir alle drei regungslos an den Masten – bei jedem Schwung antwortete der schlafende Rudermeister mit einem Nicken von unten. Auch die Wellen nickten mit ihren träge wellenden Gipfeln; über die weite Fläche des Meeres nickte Ost nach West – und die Sonne über allem.
Plötzlich schienen Blasen unter meinen geschlossenen Augen zu platzen; meine Hände umklammerten wie im Fieber die Takelungen; irgendeine unsichtbare Macht rettete mich – mit einem Ruck kam ich wieder zu mir. Und siehe da! Ungefähr vierzig Faden entfernt, direkt unter unserem Heck, lag ein riesiger Spermawal im Wasser und wälzte sich dort wie das umgekippte Rumpfteil einer Fregatte. Sein breiter, glänzender Rücken, von äthiopischer Farbe, funkelte in den Sonnenstrahlen wie ein Spiegel. Doch der Wal, der träge in den Wellentälern schwankte und von Zeit zu Zeit ruhig seinen Dampfschwall ausstieß, sah aus wie ein beleibter Bürger, der an einem warmen Nachmittag seine Pfeife rauchte.
Page 313
Pfeife – armer Wal – das war dein letztes. Als wäre er von einem Zauberstab getroffen worden, erwachte das schlafende Schiff sowie alle darin Schlafenden auf einmal; und mehr als zwanzig Stimmen aus allen Teilen des Schiffes riefen gleichzeitig mit den drei Tönen von oben den üblichen Ruf aus, während der große Fisch langsam und regelmäßig das sprudelnde Salzwasser in die Luft spuckte.
„Bereitet die Boote vor! Vorwärts!“, rief Ahab. Und er gehorchte seinem eigenen Befehl und stieß das Ruder nach unten, bevor der Steuermann etwas tun konnte. Die plötzlichen Rufe der Besatzung mussten den Wal beunruhigt haben; noch bevor die Boote ins Wasser gelassen werden konnten, schwamm er majestätisch in Richtung Lee davon – doch mit solcher Ruhe und so wenigen Wellen, dass Ahab annahm, der Wal sei vielleicht noch nicht wirklich beunruhigt. Deshalb befahl er, keine Ruder zu benutzen und dass niemand laut sprechen dürfe, sondern nur flüstern. So saßen wir wie Indianer vom Stamm der Ontario am Rand der Boote und ruderten schnell, aber leise weiter; die Ruhe auf dem Wasser ließ es nicht zu, die Segel ohne Lärm zu setzen. Plötzlich, während wir so weiterjagten, hob der Monster seinen Schwanz senkrecht vierzig Fuß in die Luft und verschwand anschließend aus dem Blickfeld, wie ein verschluckter Turm.
„Da sind die Schwanzflossen!“, rief jemand. Unmittelbar darauf zog Stubb sein Streichholz hervor und zündete seine Pfeife an – schließlich galt nun eine Pause. Nach Ablauf der vollen Zeit, in der der Wal unter Wasser blieb, tauchte er wieder auf. Da er nun vor dem Boot des Rauchers lag und diesem viel näher war als den anderen Booten, rechnete Stubb mit dem Ruhm der Gefangennahme. Es war offensichtlich, dass der Wal endlich von seinen Verfolgern bemerkt worden war. Alle Vorsichtsmaßnahmen waren daher nicht mehr notwendig. Die Ruder wurden eingesetzt, und es entstand lauter Lärm. Während Stubb weiterhin an seiner Pfeife zog, ermutigte er seine Besatzung zum Angriff.
Ja, im Wal hatte sich eine gewaltige Veränderung vollzogen. Er war sich seines drohenden Untergangs bewusst und versuchte, davonzuschwimmen – jener Teil seines Körpers, der schräg aus dem „Vorgewölbten“ herausragt, das er selbst erzeugt.*
*An anderer Stelle wird erklärt, aus welch leichtem Material der gesamte innere Bereich des riesigen Kopfes des Wals besteht. Obwohl dieser Teil scheinbar am massivsten ist, ist er doch bei weitem der am meisten schwimmfähige Teil des Körpers. Deshalb kann der Wal ihn mühelos in die Luft heben – und tut dies stets, wenn er mit maximaler Geschwindigkeit schwimmt. Zudem ist der obere Teil seines Kopfes so breit und der untere Teil so schmal gestaltet, dass er seinen Kopf schräg heben kann…
„Bereitet die Boote vor! Vorwärts!“, rief Ahab. Und er gehorchte seinem eigenen Befehl und stieß das Ruder nach unten, bevor der Steuermann etwas tun konnte. Die plötzlichen Rufe der Besatzung mussten den Wal beunruhigt haben; noch bevor die Boote ins Wasser gelassen werden konnten, schwamm er majestätisch in Richtung Lee davon – doch mit solcher Ruhe und so wenigen Wellen, dass Ahab annahm, der Wal sei vielleicht noch nicht wirklich beunruhigt. Deshalb befahl er, keine Ruder zu benutzen und dass niemand laut sprechen dürfe, sondern nur flüstern. So saßen wir wie Indianer vom Stamm der Ontario am Rand der Boote und ruderten schnell, aber leise weiter; die Ruhe auf dem Wasser ließ es nicht zu, die Segel ohne Lärm zu setzen. Plötzlich, während wir so weiterjagten, hob der Monster seinen Schwanz senkrecht vierzig Fuß in die Luft und verschwand anschließend aus dem Blickfeld, wie ein verschluckter Turm.
„Da sind die Schwanzflossen!“, rief jemand. Unmittelbar darauf zog Stubb sein Streichholz hervor und zündete seine Pfeife an – schließlich galt nun eine Pause. Nach Ablauf der vollen Zeit, in der der Wal unter Wasser blieb, tauchte er wieder auf. Da er nun vor dem Boot des Rauchers lag und diesem viel näher war als den anderen Booten, rechnete Stubb mit dem Ruhm der Gefangennahme. Es war offensichtlich, dass der Wal endlich von seinen Verfolgern bemerkt worden war. Alle Vorsichtsmaßnahmen waren daher nicht mehr notwendig. Die Ruder wurden eingesetzt, und es entstand lauter Lärm. Während Stubb weiterhin an seiner Pfeife zog, ermutigte er seine Besatzung zum Angriff.
Ja, im Wal hatte sich eine gewaltige Veränderung vollzogen. Er war sich seines drohenden Untergangs bewusst und versuchte, davonzuschwimmen – jener Teil seines Körpers, der schräg aus dem „Vorgewölbten“ herausragt, das er selbst erzeugt.*
*An anderer Stelle wird erklärt, aus welch leichtem Material der gesamte innere Bereich des riesigen Kopfes des Wals besteht. Obwohl dieser Teil scheinbar am massivsten ist, ist er doch bei weitem der am meisten schwimmfähige Teil des Körpers. Deshalb kann der Wal ihn mühelos in die Luft heben – und tut dies stets, wenn er mit maximaler Geschwindigkeit schwimmt. Zudem ist der obere Teil seines Kopfes so breit und der untere Teil so schmal gestaltet, dass er seinen Kopf schräg heben kann…
Page 314
Er sollte sich von einem träge dahintreibenden Schiff in ein schnelles Boot umwandeln – ein Boot, das wie ein Pilotboot aus New York aussah.
„Startet es, startet es, meine Leute! Eilt nicht – nehmt euch Zeit – aber startet es endlich! Startet es wie Donnerschläge, das ist alles“, rief Stubb, während er Rauch ausstieß. „Startet es jetzt – gebt ihnen einen kräftigen Schlag, Tashtego. Startet es, Tash – bleibt ruhig, bleibt ruhig… Nur startet es wie der Tod selbst, und hebt die Toten aus ihren Gräbern heraus – das ist alles.“
„Woo-hoo! Wa-hee!“, schrien die Männer als Antwort und stießen alte Kriegsschreie in die Luft. Jeder Ruderer im Boot wurde durch den kräftigen Schlag des Indianers unwillkürlich nach vorne geschleudert.
Doch auf seine wilden Schreie antworteten andere genauso wilde Schreie. „Kee-hee! Kee-hee!“, schrie Daggoo, während er auf seinem Sitz hin und her rutschte, wie ein Tiger in seinem Käfig.
„Ka-la! Koo-loo!“, heulte Queequeg, als würde er über einen Bissen Fleisch lachen. So durchschnitten die Ruder das Meer – begleitet von Schreien und Anstrengungen. In der Zwischenzeit ermutigte Stubb weiterhin seine Leute, während er Rauch aus dem Mund blies. Wie Verzweifelte zogen sie an den Rudern – bis endlich der erlösende Ruf ertönte: „Steh auf, Tashtego! Gib ihm alles!“ Der Harpunenpfeil wurde geworfen. Die Ruderer zogen gegen die Strömung – in diesem Moment strich etwas Heißes und Zischendes über ihre Handgelenke. Es war die Leine. Kurz zuvor hatte Stubb zwei weitere Windungen um den Kopf des Wals gelegt. Dadurch entstand blauer Rauch, der sich mit dem Rauch aus seiner Pfeife vermischte. Als die Leine immer wieder um den Kopf des Wals geschlungen wurde, durchbohrte sie auch Stubbs Hände – die Handschuhe, die man zu solchen Zeiten trug, waren versehentlich heruntergefallen. Es war, als würde man ein feindliches Schwert am Griff halten – und der Feind versuchte ständig, es einem aus der Hand zu reißen.
„Befeuchtet die Leine! Befeuchtet sie!“, rief Stubb dem Mann zu, der neben dem Eimer saß. Dieser nahm seinen Hut ab und goss Meerwasser hinein. Noch mehr Windungen wurden angelegt – dadurch hielt die Leine endlich fest. Das Boot fuhr nun schnell vorwärts.
„Startet es, startet es, meine Leute! Eilt nicht – nehmt euch Zeit – aber startet es endlich! Startet es wie Donnerschläge, das ist alles“, rief Stubb, während er Rauch ausstieß. „Startet es jetzt – gebt ihnen einen kräftigen Schlag, Tashtego. Startet es, Tash – bleibt ruhig, bleibt ruhig… Nur startet es wie der Tod selbst, und hebt die Toten aus ihren Gräbern heraus – das ist alles.“
„Woo-hoo! Wa-hee!“, schrien die Männer als Antwort und stießen alte Kriegsschreie in die Luft. Jeder Ruderer im Boot wurde durch den kräftigen Schlag des Indianers unwillkürlich nach vorne geschleudert.
Doch auf seine wilden Schreie antworteten andere genauso wilde Schreie. „Kee-hee! Kee-hee!“, schrie Daggoo, während er auf seinem Sitz hin und her rutschte, wie ein Tiger in seinem Käfig.
„Ka-la! Koo-loo!“, heulte Queequeg, als würde er über einen Bissen Fleisch lachen. So durchschnitten die Ruder das Meer – begleitet von Schreien und Anstrengungen. In der Zwischenzeit ermutigte Stubb weiterhin seine Leute, während er Rauch aus dem Mund blies. Wie Verzweifelte zogen sie an den Rudern – bis endlich der erlösende Ruf ertönte: „Steh auf, Tashtego! Gib ihm alles!“ Der Harpunenpfeil wurde geworfen. Die Ruderer zogen gegen die Strömung – in diesem Moment strich etwas Heißes und Zischendes über ihre Handgelenke. Es war die Leine. Kurz zuvor hatte Stubb zwei weitere Windungen um den Kopf des Wals gelegt. Dadurch entstand blauer Rauch, der sich mit dem Rauch aus seiner Pfeife vermischte. Als die Leine immer wieder um den Kopf des Wals geschlungen wurde, durchbohrte sie auch Stubbs Hände – die Handschuhe, die man zu solchen Zeiten trug, waren versehentlich heruntergefallen. Es war, als würde man ein feindliches Schwert am Griff halten – und der Feind versuchte ständig, es einem aus der Hand zu reißen.
„Befeuchtet die Leine! Befeuchtet sie!“, rief Stubb dem Mann zu, der neben dem Eimer saß. Dieser nahm seinen Hut ab und goss Meerwasser hinein. Noch mehr Windungen wurden angelegt – dadurch hielt die Leine endlich fest. Das Boot fuhr nun schnell vorwärts.
Page 315
Durch das kochende Wasser – wie ein Hai mit allen Flossen. Stubb und Tashtego tauschten hier die Plätze – vom Bug zum Heck –, was inmitten dieses heftigen Aufruhrs wirklich erstaunlich war.
*Um die Unverzichtbarkeit dieser Handlung zu zeigen, sei hier erwähnt, dass in der alten niederländischen Fischerei ein Schwamm verwendet wurde, um die Leine mit Wasser zu besprühen; auf vielen anderen Schiffen dient dazu ein hölzerner Eimer. Ihr Hut ist jedoch am praktischsten.*
Von der vibrierenden Leine, die die gesamte obere Hälfte des Bootes durchzog, und davon, dass sie nun straffer war als eine Harfensaite, hätte man meinen können, das Boot habe zwei Kiele – einen, der durch das Wasser fuhr, und einen anderen, der durch die Luft fuhr –, während das Boot gleichzeitig durch diese beiden entgegengesetzten Kräfte vorankam. Am Bug entstand ständig ein Wasserschwall; im Kielwasser bildete sich ein endloses Wirbeln. Bei der geringsten Bewegung von innen – selbst nur mit dem kleinen Finger – neigte sich das vibrierende, knarrende Boot über seine Bordwand ins Meer hinaus. So rasten sie voran; jeder Mann klammerte sich mit aller Kraft an seinen Sitz, um nicht in die Gischt geschleudert zu werden. Tashtego, der am Ruder stand, kauerte sich fast zusammen, um sein Schwerpunkt zu senken. Es schien, als würden ganze Atlantische und Pazifische Ozeane hinter ihnen zurückbleiben, bis der Wal schließlich etwas langsamer wurde.
„Zieht an – zieht an!“, rief Stubb dem Mann am Bug zu! Dann wandten sich alle dem Wal zu und begannen, das Boot zu ihm hinzuziehen, während es weiterhin gezogen wurde. Bald befand sich das Boot neben dem Wal. Stubb stemmte sein Knie fest in den hölzernen Halter und warf immer wieder Pfeile auf den Wal. Auf sein Kommando hin wich das Boot abwechselnd aus dem Weg des schrecklichen Strudels des Wals und näherte sich dann wieder ihm, um erneut zuzuschlagen.
Jetzt strömte das rote Blut aus allen Richtungen des Monsters heraus, wie Bäche einen Hügel hinunter. Sein gequälter Körper rollte nicht im Salzwasser, sondern im Blut, das in weiten Entfernungen hinter ihnen sprudelte und köchelte. Die schräg stehende Sonne spiegelte sich in diesem roten „Teich“ auf dem Meer wider und ließ alle Gesichter leuchten – sie sahen aus wie rote Menschen. Die ganze Zeit über stieß der Wal qualvoll weißen Rauch aus seinen Kiemen aus, und der aufgeregte Steuermann atmete heftig. Jedes Mal, wenn Stubb seinen gekrümmten Speer zurückzog (durch die daran befestigte Leine), richtete er ihn wieder mit ein paar schnellen Schlägen gegen die Bordwand aus und stieß ihn anschließend erneut in den Wal.
*Um die Unverzichtbarkeit dieser Handlung zu zeigen, sei hier erwähnt, dass in der alten niederländischen Fischerei ein Schwamm verwendet wurde, um die Leine mit Wasser zu besprühen; auf vielen anderen Schiffen dient dazu ein hölzerner Eimer. Ihr Hut ist jedoch am praktischsten.*
Von der vibrierenden Leine, die die gesamte obere Hälfte des Bootes durchzog, und davon, dass sie nun straffer war als eine Harfensaite, hätte man meinen können, das Boot habe zwei Kiele – einen, der durch das Wasser fuhr, und einen anderen, der durch die Luft fuhr –, während das Boot gleichzeitig durch diese beiden entgegengesetzten Kräfte vorankam. Am Bug entstand ständig ein Wasserschwall; im Kielwasser bildete sich ein endloses Wirbeln. Bei der geringsten Bewegung von innen – selbst nur mit dem kleinen Finger – neigte sich das vibrierende, knarrende Boot über seine Bordwand ins Meer hinaus. So rasten sie voran; jeder Mann klammerte sich mit aller Kraft an seinen Sitz, um nicht in die Gischt geschleudert zu werden. Tashtego, der am Ruder stand, kauerte sich fast zusammen, um sein Schwerpunkt zu senken. Es schien, als würden ganze Atlantische und Pazifische Ozeane hinter ihnen zurückbleiben, bis der Wal schließlich etwas langsamer wurde.
„Zieht an – zieht an!“, rief Stubb dem Mann am Bug zu! Dann wandten sich alle dem Wal zu und begannen, das Boot zu ihm hinzuziehen, während es weiterhin gezogen wurde. Bald befand sich das Boot neben dem Wal. Stubb stemmte sein Knie fest in den hölzernen Halter und warf immer wieder Pfeile auf den Wal. Auf sein Kommando hin wich das Boot abwechselnd aus dem Weg des schrecklichen Strudels des Wals und näherte sich dann wieder ihm, um erneut zuzuschlagen.
Jetzt strömte das rote Blut aus allen Richtungen des Monsters heraus, wie Bäche einen Hügel hinunter. Sein gequälter Körper rollte nicht im Salzwasser, sondern im Blut, das in weiten Entfernungen hinter ihnen sprudelte und köchelte. Die schräg stehende Sonne spiegelte sich in diesem roten „Teich“ auf dem Meer wider und ließ alle Gesichter leuchten – sie sahen aus wie rote Menschen. Die ganze Zeit über stieß der Wal qualvoll weißen Rauch aus seinen Kiemen aus, und der aufgeregte Steuermann atmete heftig. Jedes Mal, wenn Stubb seinen gekrümmten Speer zurückzog (durch die daran befestigte Leine), richtete er ihn wieder mit ein paar schnellen Schlägen gegen die Bordwand aus und stieß ihn anschließend erneut in den Wal.
Page 316
„Zieht an – zieht an!“, rief er nun dem Bogenschützen zu, während der Wal seinen Zorn etwas besänftigte. „Zieht an! – näher heran!“ Das Boot glitt an der Seite des Fisches entlang. Als es weit über die Bugkante hinausreichte, stieß Stubb langsam seine lange, scharfe Lanze in den Fisch und hielt sie dort fest, indem er sie vorsichtig hin und her bewegte – als würde er nach einer goldenen Uhr suchen, die der Wal vielleicht verschluckt hatte, und aus Angst, sie zu zerstören, bevor er sie herausfischen konnte. Doch diese „goldene Uhr“, nach der er suchte, war eigentlich das Leben selbst des Fisches. Nun wurde dieses Leben zerstört: Der Wal geriet in einen Zustand höchster Agitation, wälzte sich in seinem eigenen Blut, umhüllte sich mit undurchdringlichem, verrücktem Sprühnebel – sodass das in Gefahr befindliche Boot sofort zurückfiel und große Mühe hatte, sich aus diesem chaotischen Zustand ins klare Tageslicht zu befreien. Nach und nach beruhigte sich der Wal wieder; er wogte von einer Seite zur anderen, dehnte und zog seinen Schnauzenschlitz in krampfhaften Bewegungen zusammen, während er schmerzerfüllt atmete. Schließlich spritzten Strahl um Strahl von geronnenem, rotem Blut in die Luft – als wären es die lila Trübungen von Rotwein – und flossen anschließend wieder an seinen regungslosen Seiten ins Meer hinab. Sein Herz war geplatzt!
„Er ist tot, Herr Stubb“, sagte Daggoo.
„Ja; beide Rohre haben aufgehört zu rauchen!“, erwiderte Stubb. Er nahm sein eigenes Rohr vom Mund und streute die Asche des Toten über das Wasser. Einen Moment lang stand er nachdenklich da und blickte auf den riesigen Kadaver, den er geschaffen hatte.
„Er ist tot, Herr Stubb“, sagte Daggoo.
„Ja; beide Rohre haben aufgehört zu rauchen!“, erwiderte Stubb. Er nahm sein eigenes Rohr vom Mund und streute die Asche des Toten über das Wasser. Einen Moment lang stand er nachdenklich da und blickte auf den riesigen Kadaver, den er geschaffen hatte.
Page 317
Page 318
KAPITEL 62. Der Harpunenwurf
Ein Wort zu einem Vorfall im vorherigen Kapitel.
Gemäß der üblichen Vorgehensweise bei der Walfangfahrt löst sich das Walfangboot vom Schiff ab – der Bootsführer oder Walfänger übernimmt vorübergehend die Rolle des Steuermanns, während der Harpuner oder Walfangkämpfer den vordersten Ruderstock bedient. Es bedarf dabei eines starken, entschlossenen Arms, um die Harpune in den Wal zu werfen; oft muss dieses schwere Werkzeug nämlich aus einer Entfernung von zwanzig bis dreißig Fuß geworfen werden. Doch egal wie lang und anstrengend die Verfolgung auch sein mag, vom Harpuner wird erwartet, dass er weiterhin mit aller Kraft rudert. Tatsächlich soll er den anderen ein Beispiel für übermenschliche Anstrengungen geben – nicht nur durch sein unglaubliches Rudern, sondern auch durch wiederholte, laute und mutige Rufe. Was es bedeutet, mit voller Kraft zu schreien, während alle anderen Muskeln angespannt sind – das wissen nur diejenigen, die es bereits ausprobiert haben. Ich selbst kann zum Beispiel nicht gleichzeitig laut schreien und mit großer Kraft rudern. In diesem angespannten Zustand, mit dem Rücken zum Wal, hört der erschöpfte Harpuner plötzlich den dringenden Ruf: „Steh auf und wirf die Harpune!“ Nun muss er sein Ruder fallen lassen, sich halb umdrehen, seine Harpune greifen und mit der noch verbleibenden Kraft versuchen, sie irgendwie in den Wal zu werfen. Kein Wunder also, dass von fünfzig möglichen Gelegenheiten zum Harpunenwurf nur fünf erfolgreich sind; kein Wunder, dass so viele unglückliche Harpuner verflucht und verachtet werden; kein Wunder, dass einige von ihnen in dem Boot ihre Blutgefäße zerreißen; kein Wunder, dass einige Walfänger vier Jahre lang ohne Erfolg unterwegs sind; kein Wunder, dass für viele Schiffseigner die Walfangfahrt eine Verlustgeschäft ist – denn der Harpuner ist es, der die Reise bestimmt. Wenn man ihm die Luft nimmt, wie kann man dann erwarten, dass er gerade dann zur Stelle ist, wenn er am meisten gebraucht wird?
Falls der Harpunenwurf erfolgreich ist, beginnen im zweiten kritischen Moment – also dann, wenn der Wal anfängt zu fliehen – sowohl der Bootsführer als auch der Harpuner, hin und her zu rennen – zum eigenen und zum Risiko aller anderen. Dann tauschen sie die Plätze; der Bootsführer, der Leiter des kleinen Bootes, nimmt seinen Platz am Bug ein.
Ein Wort zu einem Vorfall im vorherigen Kapitel.
Gemäß der üblichen Vorgehensweise bei der Walfangfahrt löst sich das Walfangboot vom Schiff ab – der Bootsführer oder Walfänger übernimmt vorübergehend die Rolle des Steuermanns, während der Harpuner oder Walfangkämpfer den vordersten Ruderstock bedient. Es bedarf dabei eines starken, entschlossenen Arms, um die Harpune in den Wal zu werfen; oft muss dieses schwere Werkzeug nämlich aus einer Entfernung von zwanzig bis dreißig Fuß geworfen werden. Doch egal wie lang und anstrengend die Verfolgung auch sein mag, vom Harpuner wird erwartet, dass er weiterhin mit aller Kraft rudert. Tatsächlich soll er den anderen ein Beispiel für übermenschliche Anstrengungen geben – nicht nur durch sein unglaubliches Rudern, sondern auch durch wiederholte, laute und mutige Rufe. Was es bedeutet, mit voller Kraft zu schreien, während alle anderen Muskeln angespannt sind – das wissen nur diejenigen, die es bereits ausprobiert haben. Ich selbst kann zum Beispiel nicht gleichzeitig laut schreien und mit großer Kraft rudern. In diesem angespannten Zustand, mit dem Rücken zum Wal, hört der erschöpfte Harpuner plötzlich den dringenden Ruf: „Steh auf und wirf die Harpune!“ Nun muss er sein Ruder fallen lassen, sich halb umdrehen, seine Harpune greifen und mit der noch verbleibenden Kraft versuchen, sie irgendwie in den Wal zu werfen. Kein Wunder also, dass von fünfzig möglichen Gelegenheiten zum Harpunenwurf nur fünf erfolgreich sind; kein Wunder, dass so viele unglückliche Harpuner verflucht und verachtet werden; kein Wunder, dass einige von ihnen in dem Boot ihre Blutgefäße zerreißen; kein Wunder, dass einige Walfänger vier Jahre lang ohne Erfolg unterwegs sind; kein Wunder, dass für viele Schiffseigner die Walfangfahrt eine Verlustgeschäft ist – denn der Harpuner ist es, der die Reise bestimmt. Wenn man ihm die Luft nimmt, wie kann man dann erwarten, dass er gerade dann zur Stelle ist, wenn er am meisten gebraucht wird?
Falls der Harpunenwurf erfolgreich ist, beginnen im zweiten kritischen Moment – also dann, wenn der Wal anfängt zu fliehen – sowohl der Bootsführer als auch der Harpuner, hin und her zu rennen – zum eigenen und zum Risiko aller anderen. Dann tauschen sie die Plätze; der Bootsführer, der Leiter des kleinen Bootes, nimmt seinen Platz am Bug ein.
Page 319
Es ist mir egal, wer das Gegenteil behauptet – doch all das ist sowohl töricht als auch unnötig. Der Harpunenwerfer sollte von Anfang bis Ende im Bug bleiben; er soll sowohl die Harpune als auch den Speer einsetzen, und man sollte von ihm keinerlei Ruderarbeit erwarten – außer in Situationen, die jedem Fischer klar sind. Ich weiß, dass dies manchmal zu einem leichten Verlust an Geschwindigkeit bei der Verfolgung führt; doch langjährige Erfahrung mit Fischern verschiedener Nationen hat mich davon überzeugt, dass in der überwiegenden Mehrheit der Misserfolge in der Walfangindustrie nicht so sehr die Geschwindigkeit des Wals als vielmehr die zuvor beschriebene Erschöpfung des Harpunenwerfers die Ursache ist. Um die größtmögliche Effizienz beim Werfen der Harpune zu gewährleisten, müssen die Harpunenwerfer dieser Welt aus dem Ruhezustand heraus in Aktion treten – und nicht aus der Anstrengung.
Page 320
KAPITEL 63. Der Halter für die Harpunen.
Aus dem Stamm wachsen die Äste; aus diesen wiederum die Zweige. So wachsen auch bei produktiven Themen die Kapitel.
Der auf einer vorherigen Seite erwähnte Halter verdient eine eigene Erwähnung. Es handelt sich dabei um einen stacheligen Stock von besonderer Form, etwa zwei Fuß lang, der senkrecht in die rechte Bordwand in der Nähe des Bugs eingeführt wird. Sein Zweck ist es, eine Auflage für das hölzerne Ende der Harpune zu bieten – das andere, nackte, stachelige Ende der Harpune ragt dabei schräg aus dem Bug hervor. Dadurch liegt die Waffe stets griffbereit für den Werfer, der sie genauso leicht vom Halter nehmen kann, wie ein Jäger sein Gewehr von der Wand holt. Üblicherweise werden zwei Harpunen in diesem Halter aufbewahrt – sie werden jeweils als erste und zweite Harpune bezeichnet.
Doch diese beiden Harpunen sind jeweils mit einem eigenen Seil mit dem Draht verbunden. Der Zweck besteht darin, sie gegebenenfalls nacheinander in denselben Wal zu werfen; falls eine Harpune beim Ziehen herausgerissen wird, kann die andere weiterhin Halt finden. Damit werden die Chancen verdoppelt. Doch es kommt sehr oft vor, dass der Wal aufgrund seiner plötzlichen, heftigen Bewegungen nach dem Treffer durch die erste Harpune nicht mehr erfasst werden kann – egal wie schnell der Harpunenschütze handelt. Dennoch muss die zweite Harpune, da sie bereits mit dem Draht verbunden ist und dieser bereits gespannt ist, auf jeden Fall irgendwie aus dem Boot geworfen werden – sonst droht allen an Bord große Gefahr.
In solchen Fällen fällt die Harpune ins Wasser. Die Ersatzschlaufen des Drahts (die in einem vorherigen Kapitel erwähnt wurden), machen es in den meisten Fällen möglich, dies vorsichtig durchzuführen. Doch diese kritische Handlung geht nicht immer ohne die traurigsten und tödlichsten Folgen ab.
Außerdem: Man muss wissen, dass die zweite Harpune, sobald sie über Bord geworfen wird, zu einer gefährlichen Waffe mit scharfen Kanten wird, die um Boot und Wal herumschwirrt, die Drähte verfängt oder durchtrennt – und in alle Richtungen für große Unruhe sorgt. Im Allgemeinen ist es außerdem nicht möglich, sie wieder einzufangen, bevor der Wal endgültig gefangen und getötet wurde.
Aus dem Stamm wachsen die Äste; aus diesen wiederum die Zweige. So wachsen auch bei produktiven Themen die Kapitel.
Der auf einer vorherigen Seite erwähnte Halter verdient eine eigene Erwähnung. Es handelt sich dabei um einen stacheligen Stock von besonderer Form, etwa zwei Fuß lang, der senkrecht in die rechte Bordwand in der Nähe des Bugs eingeführt wird. Sein Zweck ist es, eine Auflage für das hölzerne Ende der Harpune zu bieten – das andere, nackte, stachelige Ende der Harpune ragt dabei schräg aus dem Bug hervor. Dadurch liegt die Waffe stets griffbereit für den Werfer, der sie genauso leicht vom Halter nehmen kann, wie ein Jäger sein Gewehr von der Wand holt. Üblicherweise werden zwei Harpunen in diesem Halter aufbewahrt – sie werden jeweils als erste und zweite Harpune bezeichnet.
Doch diese beiden Harpunen sind jeweils mit einem eigenen Seil mit dem Draht verbunden. Der Zweck besteht darin, sie gegebenenfalls nacheinander in denselben Wal zu werfen; falls eine Harpune beim Ziehen herausgerissen wird, kann die andere weiterhin Halt finden. Damit werden die Chancen verdoppelt. Doch es kommt sehr oft vor, dass der Wal aufgrund seiner plötzlichen, heftigen Bewegungen nach dem Treffer durch die erste Harpune nicht mehr erfasst werden kann – egal wie schnell der Harpunenschütze handelt. Dennoch muss die zweite Harpune, da sie bereits mit dem Draht verbunden ist und dieser bereits gespannt ist, auf jeden Fall irgendwie aus dem Boot geworfen werden – sonst droht allen an Bord große Gefahr.
In solchen Fällen fällt die Harpune ins Wasser. Die Ersatzschlaufen des Drahts (die in einem vorherigen Kapitel erwähnt wurden), machen es in den meisten Fällen möglich, dies vorsichtig durchzuführen. Doch diese kritische Handlung geht nicht immer ohne die traurigsten und tödlichsten Folgen ab.
Außerdem: Man muss wissen, dass die zweite Harpune, sobald sie über Bord geworfen wird, zu einer gefährlichen Waffe mit scharfen Kanten wird, die um Boot und Wal herumschwirrt, die Drähte verfängt oder durchtrennt – und in alle Richtungen für große Unruhe sorgt. Im Allgemeinen ist es außerdem nicht möglich, sie wieder einzufangen, bevor der Wal endgültig gefangen und getötet wurde.
Page 321
Betrachten wir nun, wie die Situation wohl aussehen muss, wenn vier Boote alle gegen einen außergewöhnlich starken, aktiven und klugen Wal vorgehen – wobei aufgrund dieser Eigenschaften dieses Wales sowie aufgrund der zahlreichen Umstände, die eine solch kühne Unternehmung mit sich bringt, acht oder zehn weitere Harpunen gleichzeitig um ihn herum schweben können. Jedes Boot ist natürlich mit mehreren Harpunen ausgestattet, die man im Falle, dass die erste Harpune wirkungslos abprallt und nicht wieder eingeholt werden kann, an die Leine binden kann. All diese Details werden hier getreu wiedergegeben, denn sie werden sicherlich dazu beitragen, einige der wichtigsten, wenn auch komplizierten Passagen in den später zu schildernden Szenen zu erhellen.
Page 322
KAPITEL 64. Stubbs Abendmahl.
Stubbs Wal war in einiger Entfernung vom Schiff getötet worden. Es herrschte Ruhe; daher bildeten wir drei Boote zu einer Gruppe und begannen mit der langwierigen Arbeit, den „Trophäenwal“ zum Pequod zu ziehen. Wir achtzehn Männer mit unseren sechsunddreißig Armen sowie hundertachtzig Daumen und Fingern arbeiteten stundenlang daran, diesen schwerfälligen Körper im Meer voranzubringen – doch er rührte sich kaum, außer in großen Abständen. Das zeigte deutlich, wie riesig die Masse war, die wir bewegen mussten. Denn auf dem großen Kanal Hang-Ho in China können vier oder fünf Arbeiter einen schwer beladenen Kahn mit einer Geschwindigkeit von einer Meile pro Stunde ziehen; doch dieser gewaltige Wal ließ sich nur sehr langsam vorantreiben, als wäre er mit Blei beladen.
Es wurde dunkel; doch drei Lichter an der Hauptsegelanlage des Pequod leuchteten schwach und wiesen uns den Weg. Als wir näher kamen, sahen wir, wie Ahab eine weitere Laterne über die Reling warf. Nachdem er einen Moment lang den schwankenden Wal betrachtet hatte, gab er die üblichen Befehle, um ihn für die Nacht zu sichern. Anschließend übergab er seine Laterne einem Matrosen, ging in seine Kabine und kam erst am Morgen wieder heraus.
Obwohl Kapitän Ahab bei der Verfolgung dieses Wals seine übliche Aktivität gezeigt hatte, schien nun, da das Tier tot war, eine Art Unzufriedenheit, Ungeduld oder Verzweiflung in ihm zu herrschen. Es schien, als erinnerte ihn der Anblick des toten Körpers daran, dass Moby Dick noch nicht getötet worden war. Auch wenn tausend andere Wale zu seinem Schiff gebracht würden, würde das seinen großartigen, manischen Zielvorstellungen keinen Deut näherbringen. Man hätte anhand der Geräusche auf den Decks des Pequod meinen können, alle Mann bereiteten sich darauf vor, im Meer anzulegen – denn schwere Ketten wurden über das Deck gezogen und durch die Luken gestoßen. Doch mit diesen klirrenden Ketten sollte der riesige Wal selbst, nicht das Schiff, vertäut werden. Der Wal war nun an Kopf und Schwanz mit dem Schiff verbunden; sein schwarzer Rumpf lag dicht am Schiff. Durch die Dunkelheit der Nacht, die die Masten und Segel verdeckte, wirkten Schiff und Wal wie riesige Ochsen, von denen einer liegend und der andere stehend war.
Stubbs Wal war in einiger Entfernung vom Schiff getötet worden. Es herrschte Ruhe; daher bildeten wir drei Boote zu einer Gruppe und begannen mit der langwierigen Arbeit, den „Trophäenwal“ zum Pequod zu ziehen. Wir achtzehn Männer mit unseren sechsunddreißig Armen sowie hundertachtzig Daumen und Fingern arbeiteten stundenlang daran, diesen schwerfälligen Körper im Meer voranzubringen – doch er rührte sich kaum, außer in großen Abständen. Das zeigte deutlich, wie riesig die Masse war, die wir bewegen mussten. Denn auf dem großen Kanal Hang-Ho in China können vier oder fünf Arbeiter einen schwer beladenen Kahn mit einer Geschwindigkeit von einer Meile pro Stunde ziehen; doch dieser gewaltige Wal ließ sich nur sehr langsam vorantreiben, als wäre er mit Blei beladen.
Es wurde dunkel; doch drei Lichter an der Hauptsegelanlage des Pequod leuchteten schwach und wiesen uns den Weg. Als wir näher kamen, sahen wir, wie Ahab eine weitere Laterne über die Reling warf. Nachdem er einen Moment lang den schwankenden Wal betrachtet hatte, gab er die üblichen Befehle, um ihn für die Nacht zu sichern. Anschließend übergab er seine Laterne einem Matrosen, ging in seine Kabine und kam erst am Morgen wieder heraus.
Obwohl Kapitän Ahab bei der Verfolgung dieses Wals seine übliche Aktivität gezeigt hatte, schien nun, da das Tier tot war, eine Art Unzufriedenheit, Ungeduld oder Verzweiflung in ihm zu herrschen. Es schien, als erinnerte ihn der Anblick des toten Körpers daran, dass Moby Dick noch nicht getötet worden war. Auch wenn tausend andere Wale zu seinem Schiff gebracht würden, würde das seinen großartigen, manischen Zielvorstellungen keinen Deut näherbringen. Man hätte anhand der Geräusche auf den Decks des Pequod meinen können, alle Mann bereiteten sich darauf vor, im Meer anzulegen – denn schwere Ketten wurden über das Deck gezogen und durch die Luken gestoßen. Doch mit diesen klirrenden Ketten sollte der riesige Wal selbst, nicht das Schiff, vertäut werden. Der Wal war nun an Kopf und Schwanz mit dem Schiff verbunden; sein schwarzer Rumpf lag dicht am Schiff. Durch die Dunkelheit der Nacht, die die Masten und Segel verdeckte, wirkten Schiff und Wal wie riesige Ochsen, von denen einer liegend und der andere stehend war.
Page 323
Ein kleiner Hinweis könnte hier ebenfalls relevant sein. Die stärkste und zuverlässigste Befestigungsmöglichkeit für das Schiff am Wal, wenn es daneben vertäut ist, besteht durch die Schwanzflossen des Wals; da dieser Teil aufgrund seiner höheren Dichte relativ schwerer ist als alle anderen Teile (mit Ausnahme der Seitenflossen), sorgt seine Flexibilität – auch nach dem Tod – dafür, dass er tief unter die Wasseroberfläche sinkt. Dadurch kann man ihn vom Boot aus nicht erreichen, um ihm eine Kette umzulegen. Doch diese Schwierigkeit wird geschickt überwunden: Es wird ein kleines, starkes Seil vorbereitet, an dessen äußertem Ende sich ein Holzschwimmer befindet und in der Mitte ein Gewicht; das andere Ende wird am Schiff befestigt. Durch geschicktes Handeln wird der Holzschwimmer auf die andere Seite des Wals gebracht, sodass die Kette nun leicht um den Wal gelegt werden kann. Sie gleitet entlang des Körpers und wird schließlich fest um den kleinsten Teil des Schwanzes, an der Stelle, wo er mit den breiten Schwanzflossen verbunden ist, verschlossen.
Wenn der launische Ahab nun völlig ruhig war – zumindest soweit es von der Brücke aus erkennbar war – zeigte Stubb, sein Erster Offizier, voller Siegesstolz eine ungewöhnliche, aber dennoch gutmütige Begeisterung. Er war so aufgeregt, dass der zurückhaltende Starbuck, sein Vorgesetzter, ihm vorübergehend die alleinige Leitung der Angelegenheiten überließ. Ein weiterer Grund für Stubbs Begeisterung wurde bald seltsamerweise offensichtlich: Stubb hatte einen großen Appetit – er mochte den Wal besonders gerne als Delikatesse für seinen Gaumen.
„Ein Steak, ein Steak, bevor ich einschlafe! Du, Daggoo! Spring ins Wasser und schneide mir eines von seinem Schwanz ab!“
Es sei darauf hingewiesen, dass diese wilden Fischer im Allgemeinen, gemäß dem großen militärischen Grundsatz, den Feind nicht dazu bringen, die Kriegskosten zu tragen – zumindest nicht, bevor sie die Einnahmen der Reise erhalten haben. Dennoch gibt es gelegentlich einige dieser Nantucket-Fischer, die eine echte Vorliebe für jenen bestimmten Teil des Wals haben, den Stubb meinte – nämlich das spitz zulaufende Ende des Körpers.
Gegen Mitternacht wurde das Steak zugeschnitten und zubereitet. Im Licht zweier Laternen, die mit Walfett betrieben wurden, stand Stubb entschlossen da und aß sein Abendessen – als wäre der Kapstan ein Tisch. Stubb war in jener Nacht nicht der einzige, der Fleisch vom Wal aß. Tausende von Haien, die um den toten Leviathan schwammen, genossen gierig sein Fett. Die wenigen, die unten in ihren Kojen schliefen, wurden oft durch das laute Schlagen ihrer Schwänze erschreckt.
Wenn der launische Ahab nun völlig ruhig war – zumindest soweit es von der Brücke aus erkennbar war – zeigte Stubb, sein Erster Offizier, voller Siegesstolz eine ungewöhnliche, aber dennoch gutmütige Begeisterung. Er war so aufgeregt, dass der zurückhaltende Starbuck, sein Vorgesetzter, ihm vorübergehend die alleinige Leitung der Angelegenheiten überließ. Ein weiterer Grund für Stubbs Begeisterung wurde bald seltsamerweise offensichtlich: Stubb hatte einen großen Appetit – er mochte den Wal besonders gerne als Delikatesse für seinen Gaumen.
„Ein Steak, ein Steak, bevor ich einschlafe! Du, Daggoo! Spring ins Wasser und schneide mir eines von seinem Schwanz ab!“
Es sei darauf hingewiesen, dass diese wilden Fischer im Allgemeinen, gemäß dem großen militärischen Grundsatz, den Feind nicht dazu bringen, die Kriegskosten zu tragen – zumindest nicht, bevor sie die Einnahmen der Reise erhalten haben. Dennoch gibt es gelegentlich einige dieser Nantucket-Fischer, die eine echte Vorliebe für jenen bestimmten Teil des Wals haben, den Stubb meinte – nämlich das spitz zulaufende Ende des Körpers.
Gegen Mitternacht wurde das Steak zugeschnitten und zubereitet. Im Licht zweier Laternen, die mit Walfett betrieben wurden, stand Stubb entschlossen da und aß sein Abendessen – als wäre der Kapstan ein Tisch. Stubb war in jener Nacht nicht der einzige, der Fleisch vom Wal aß. Tausende von Haien, die um den toten Leviathan schwammen, genossen gierig sein Fett. Die wenigen, die unten in ihren Kojen schliefen, wurden oft durch das laute Schlagen ihrer Schwänze erschreckt.
Page 324
Der Rumpf – nur wenige Zoll von den Herzen der Wale entfernt. Wenn man über die Seite spähte, konnte man sie gerade noch sehen – genauso wie man sie zuvor gehört hatte – wie sie in den düsteren, schwarzen Wassern herumwühlten und sich auf den Rücken drehten, um riesige, kugelförmige Stücke des Walkörpers abzutrennen, so groß wie ein menschlicher Kopf. Diese Leistung der Haie erscheint fast wie ein Wunder. Wie es ihnen gelingt, auf einer scheinbar unzugänglichen Oberfläche solch symmetrische Stücke herauszuschneiden, bleibt ein Teil des universellen Rätsels aller Dinge. Die Spuren, die sie damit am Wal hinterlassen, lassen sich am besten mit der Vertiefung vergleichen, die ein Tischler beim Einstechen eines Schraublochs macht.
Obwohl mitten im ganzen schrecklichen Chaos eines Seekampfs die Haie sehnsüchtig zu den Decks der Schiffe hinaufblicken – wie hungrige Hunde um einen Tisch, an dem rotes Fleisch zerteilt wird, bereit, jeden getöteten Mann zu verschlingen, der ihnen zugeworfen wird – und obwohl die tapferen „Metzger“ auf den Decks mit ihren vergoldeten, verzierten Messern das Fleisch der anderen fressen, während die Haie mit ihren „juwelenbesetzten“ Mäulern unter dem Tisch das tote Fleisch zerfleischen – und obwohl, selbst wenn man die ganze Situation umkehren würde, es im Grunde genommen immer noch dasselbe wäre, also eine schockierende Situation für alle Beteiligten – und obwohl Haie auch stets die Begleiter aller Sklavenschiffe sind, die den Atlantik überqueren, um bei Bedarf etwas transportieren oder einen toten Sklaven ordentlich begraben zu können – und obwohl man noch einige weitere Beispiele anführen könnte bezüglich der Zeiten, Orte und Anlässe, zu denen Haie am meisten zusammenkommen und fröhlich feiern – gibt es doch keinen Zeitpunkt oder Anlass, zu dem man sie in größerer Anzahl und in besserer Stimmung antreffen kann als um einen toten Schwertwal herum, der nachts vor einem Walsschiff auf hoher See vertäut ist. Wenn Sie diesen Anblick noch nie gesehen haben, dann verschieben Sie Ihre Entscheidung bezüglich der Angemessenheit des Teufelskults sowie der Zweckmäßigkeit, sich mit dem Teufel zu versöhnen.
Doch Stubb achtete weder auf die Gemurmel des Banketts, das ganz in seiner Nähe stattfand, noch auf die Geräusche, die seine eigenen Lippen machten. „Koch, Koch! – Wo ist dieser alte Fleece?“, rief er schließlich und spreizte seine Beine noch weiter, als wolle er eine sicherere Basis für sein Abendessen schaffen. Gleichzeitig stieß er seine Gabel in das Essen, als würde er mit einer Lanze stechen. „Koch, du Koch! – Komm hierher, Koch!“
Obwohl mitten im ganzen schrecklichen Chaos eines Seekampfs die Haie sehnsüchtig zu den Decks der Schiffe hinaufblicken – wie hungrige Hunde um einen Tisch, an dem rotes Fleisch zerteilt wird, bereit, jeden getöteten Mann zu verschlingen, der ihnen zugeworfen wird – und obwohl die tapferen „Metzger“ auf den Decks mit ihren vergoldeten, verzierten Messern das Fleisch der anderen fressen, während die Haie mit ihren „juwelenbesetzten“ Mäulern unter dem Tisch das tote Fleisch zerfleischen – und obwohl, selbst wenn man die ganze Situation umkehren würde, es im Grunde genommen immer noch dasselbe wäre, also eine schockierende Situation für alle Beteiligten – und obwohl Haie auch stets die Begleiter aller Sklavenschiffe sind, die den Atlantik überqueren, um bei Bedarf etwas transportieren oder einen toten Sklaven ordentlich begraben zu können – und obwohl man noch einige weitere Beispiele anführen könnte bezüglich der Zeiten, Orte und Anlässe, zu denen Haie am meisten zusammenkommen und fröhlich feiern – gibt es doch keinen Zeitpunkt oder Anlass, zu dem man sie in größerer Anzahl und in besserer Stimmung antreffen kann als um einen toten Schwertwal herum, der nachts vor einem Walsschiff auf hoher See vertäut ist. Wenn Sie diesen Anblick noch nie gesehen haben, dann verschieben Sie Ihre Entscheidung bezüglich der Angemessenheit des Teufelskults sowie der Zweckmäßigkeit, sich mit dem Teufel zu versöhnen.
Doch Stubb achtete weder auf die Gemurmel des Banketts, das ganz in seiner Nähe stattfand, noch auf die Geräusche, die seine eigenen Lippen machten. „Koch, Koch! – Wo ist dieser alte Fleece?“, rief er schließlich und spreizte seine Beine noch weiter, als wolle er eine sicherere Basis für sein Abendessen schaffen. Gleichzeitig stieß er seine Gabel in das Essen, als würde er mit einer Lanze stechen. „Koch, du Koch! – Komm hierher, Koch!“
Page 325
Der alte Schwarze, keineswegs erfreut darüber, zu einer völlig unpassenden Zeit aus seiner warmen Hängematte geweckt worden zu sein, kam schlurfend von seiner Küche herüber. Wie viele alte Schwarze hatte auch er Probleme mit seinen Knien – er reinigte sie nicht so gründlich wie seine anderen Gegenstände. Dieser alte Mann, den sie „Fleece“ nannten, humpelte vorwärts und stützte sich dabei mit seinen Zangen ab; diese Zangen bestanden aus geraden Eisenringen. Auf Befehl blieb er auf der gegenüberliegenden Seite von Stubs Sideboard stehen. Dann faltete er beide Hände vor sich und stützte sich auf seinen Zweigstock; dabei beugte er seinen Rücken noch weiter nach unten und neigte den Kopf zur Seite, damit sein besseres Ohr besser hören konnte.
„Koch“, sagte Stubb, während er schnell ein etwas rötliches Stück Fleisch in den Mund nahm, „findest du nicht, dass dieses Steak etwas zu durchgebraten ist? Du hast es zu lange gekocht – es ist zu zart. Sag ich nicht immer, dass ein guter Walsteak zäh sein muss? Da draußen sind doch Haie – sie bevorzugen doch ein zähes Steak, oder? Was für ein Lärm sie machen! Koch, geh und sprich mit ihnen. Sag ihnen, sie dürfen sich gerne bedienen – aber sie müssen ruhig bleiben. Verdammt, ich kann meine eigene Stimme kaum hören. Los, Koch, überbringe meine Botschaft. Hier, nimm diese Laterne“, sagte er und schnappte sich eine Laterne vom Sideboard. „Jetzt geh und predige ihnen!“
Mürrisch nahm der alte Fleece die angebotene Laterne und humpelte über das Deck zu den Relings. Mit einer Hand hielt er die Laterne so, dass er seine Zuhörer gut sehen konnte; mit der anderen Hand schwang er feierlich seine Zangen. Dann beugte er sich weit über die Reling und begann mit leiser Stimme zu den Haien zu sprechen. Stubb kroch leise hinterher und hörte alles mit.
„Liebe Mitgeschöpfe: Ich wurde hierher geschickt, um euch zu sagen, dass ihr diesen verdammten Lärm sofort beenden müsst. Versteht ihr? Hört auf, mit euren Kiefern zu klappern! Massa Stubb sagt, ihr dürft eure Mägen bis zum Rand füllen – aber verdammt nochmal, ihr müsst aufhören, so Lärm zu machen!“
„Koch“, unterbrach Stubb ihn und gab ihm gleichzeitig eine Ohrfeige, „warum zum Teufel fluchst du, wenn du predigst? So bringt man keine Sünder zur Umkehr, Koch!“
„Wer ist da? Dann predige du doch selbst an ihn“, sagte der Alte mürrisch und drehte sich um, um zu gehen.
„Koch“, sagte Stubb, während er schnell ein etwas rötliches Stück Fleisch in den Mund nahm, „findest du nicht, dass dieses Steak etwas zu durchgebraten ist? Du hast es zu lange gekocht – es ist zu zart. Sag ich nicht immer, dass ein guter Walsteak zäh sein muss? Da draußen sind doch Haie – sie bevorzugen doch ein zähes Steak, oder? Was für ein Lärm sie machen! Koch, geh und sprich mit ihnen. Sag ihnen, sie dürfen sich gerne bedienen – aber sie müssen ruhig bleiben. Verdammt, ich kann meine eigene Stimme kaum hören. Los, Koch, überbringe meine Botschaft. Hier, nimm diese Laterne“, sagte er und schnappte sich eine Laterne vom Sideboard. „Jetzt geh und predige ihnen!“
Mürrisch nahm der alte Fleece die angebotene Laterne und humpelte über das Deck zu den Relings. Mit einer Hand hielt er die Laterne so, dass er seine Zuhörer gut sehen konnte; mit der anderen Hand schwang er feierlich seine Zangen. Dann beugte er sich weit über die Reling und begann mit leiser Stimme zu den Haien zu sprechen. Stubb kroch leise hinterher und hörte alles mit.
„Liebe Mitgeschöpfe: Ich wurde hierher geschickt, um euch zu sagen, dass ihr diesen verdammten Lärm sofort beenden müsst. Versteht ihr? Hört auf, mit euren Kiefern zu klappern! Massa Stubb sagt, ihr dürft eure Mägen bis zum Rand füllen – aber verdammt nochmal, ihr müsst aufhören, so Lärm zu machen!“
„Koch“, unterbrach Stubb ihn und gab ihm gleichzeitig eine Ohrfeige, „warum zum Teufel fluchst du, wenn du predigst? So bringt man keine Sünder zur Umkehr, Koch!“
„Wer ist da? Dann predige du doch selbst an ihn“, sagte der Alte mürrisch und drehte sich um, um zu gehen.
Page 326
„Nein, Koch; mach weiter, nur weiter.“
„Nun denn, meine lieben Mitgeschöpfe…“
„Richtig!“, rief Stubb zustimmend. „Überredet sie dazu – versucht es!“ Und Fleece fuhr fort:
„Ihr seid doch alle Haie und von Natur aus sehr gierig. Doch ich sage euch, meine Lieben: Diese Gier – hört auf mit diesem ständigen Schlagen mit den Schwänzen! Wie wollt ihr etwas hören, wenn ihr so weitermacht und euch gegenseitig beißt?“
„Koch“, rief Stubb und packte ihn am Kragen, „ich will kein solches Schimpfen hören. Sprich mit ihnen anständig.“
Wieder setzte die Predigt ein:
„Eure Gier, meine Lieben, dafür mache ich euch nicht allzu viel Vorwürfe – das ist schließlich die Natur, dagegen kann man nichts tun. Aber diese böse Natur in sich zu beherrschen, das ist das Wichtige. Ihr seid zwar Haie, aber wenn ihr die Haie in euch beherrscht, dann seid ihr Engel – denn ein Engel ist nichts anderes als ein gut beherrschter Hai. Also, versucht doch, anständig zu sein und euch selbst vor dem Wal zu schützen. Zerreift nicht dem Nachbarn das Fett aus dem Maul, sage ich. Ist ein Hai dem anderen gegenüber dem Wal nicht gleichwertig? Und bei Gott – keiner von euch hat das Recht auf diesen Wal; der Wal gehört jemand anderem. Ich weiß, dass einige von euch sehr große Mäuler haben – aber manchmal haben diese großen Mäuler auch kleine Bäuche. Die Größe des Mauls dient also nicht dazu, mehr zu verschlingen, sondern dazu, das Fett für die kleineren Haie abzubeißen, die nicht selbst hineinkommen können, um sich zu helfen.“
„Gut gemacht, alter Fleece!“, rief Stubb. „Das ist Christentum – mach weiter.“
„Es hat keinen Sinn, weiterzumachen; diese Ungeheuer werden weiterhin einander angreifen, Massa Stubb. Sie hören kein Wort. Es ist sinnlos, zu solchen Gierigen zu predigen, bis ihre Mägen voll sind – und ihre Mägen sind schließlich unendlich. Wenn sie dann satt sind, hören sie einen sowieso nicht mehr – denn dann sinken sie ins Meer, schlafen auf den Korallen ein und können überhaupt nichts mehr hören, für immer.“
„Bei meiner Seele – ich bin derselben Meinung. Also sprich den Segen aus, Fleece – dann gehe ich zu meinem Abendessen.“
Daraufhin hob Fleece beide Hände über die Haie, erhob seine schrille Stimme und rief…
„Nun denn, meine lieben Mitgeschöpfe…“
„Richtig!“, rief Stubb zustimmend. „Überredet sie dazu – versucht es!“ Und Fleece fuhr fort:
„Ihr seid doch alle Haie und von Natur aus sehr gierig. Doch ich sage euch, meine Lieben: Diese Gier – hört auf mit diesem ständigen Schlagen mit den Schwänzen! Wie wollt ihr etwas hören, wenn ihr so weitermacht und euch gegenseitig beißt?“
„Koch“, rief Stubb und packte ihn am Kragen, „ich will kein solches Schimpfen hören. Sprich mit ihnen anständig.“
Wieder setzte die Predigt ein:
„Eure Gier, meine Lieben, dafür mache ich euch nicht allzu viel Vorwürfe – das ist schließlich die Natur, dagegen kann man nichts tun. Aber diese böse Natur in sich zu beherrschen, das ist das Wichtige. Ihr seid zwar Haie, aber wenn ihr die Haie in euch beherrscht, dann seid ihr Engel – denn ein Engel ist nichts anderes als ein gut beherrschter Hai. Also, versucht doch, anständig zu sein und euch selbst vor dem Wal zu schützen. Zerreift nicht dem Nachbarn das Fett aus dem Maul, sage ich. Ist ein Hai dem anderen gegenüber dem Wal nicht gleichwertig? Und bei Gott – keiner von euch hat das Recht auf diesen Wal; der Wal gehört jemand anderem. Ich weiß, dass einige von euch sehr große Mäuler haben – aber manchmal haben diese großen Mäuler auch kleine Bäuche. Die Größe des Mauls dient also nicht dazu, mehr zu verschlingen, sondern dazu, das Fett für die kleineren Haie abzubeißen, die nicht selbst hineinkommen können, um sich zu helfen.“
„Gut gemacht, alter Fleece!“, rief Stubb. „Das ist Christentum – mach weiter.“
„Es hat keinen Sinn, weiterzumachen; diese Ungeheuer werden weiterhin einander angreifen, Massa Stubb. Sie hören kein Wort. Es ist sinnlos, zu solchen Gierigen zu predigen, bis ihre Mägen voll sind – und ihre Mägen sind schließlich unendlich. Wenn sie dann satt sind, hören sie einen sowieso nicht mehr – denn dann sinken sie ins Meer, schlafen auf den Korallen ein und können überhaupt nichts mehr hören, für immer.“
„Bei meiner Seele – ich bin derselben Meinung. Also sprich den Segen aus, Fleece – dann gehe ich zu meinem Abendessen.“
Daraufhin hob Fleece beide Hände über die Haie, erhob seine schrille Stimme und rief…
Page 327
„Verdammte Kerle! Macht so viel Lärm wie nur möglich; füllt eure verdammten Mägen, bis sie platzen – und dann sterbt ihr.“
„Nun, Koch“, sagte Stubb und setzte sein Abendessen am Windenrad fort, „bleib genau da stehen, wo du vorhin standest, direkt gegenüber von mir, und achte gut auf.“
„Selbstverständlich“, sagte Fleece und beugte sich wieder mit seinen Zangen in die gewünschte Position.
„Nun“, sagte Stubb, während er weiterhin großzügig aß, „ich kehre nun zum Thema dieses Steaks zurück. Zunächst: Wie alt bist du, Koch?“
„Was hat das mit dem Steak zu tun?“, fragte der alte Schwarze gereizt.
„Schweigen! Wie alt bist du, Koch?“
„Ungefähr neunzig, sagen sie“, murmelte er düster.
„Und du lebst bereits seit fast hundert Jahren auf dieser Welt – und weißt immer noch nicht, wie man ein Walsteak zubereitet?“ Während er das sagte, schob er sich schnell noch einen Bissen in den Mund, sodass es schien, als wäre dieser Bissen eine Fortsetzung der Frage. „Wo bist du geboren, Koch?“
„Hinter dem Eingang, in einem Fährboot, auf dem Weg nach Roanoke.“
„In einem Fährboot geboren! Das ist auch seltsam. Aber ich möchte wissen, in welchem Land du geboren wurdest, Koch!“
„Habe ich nicht gesagt, im Land von Roanoke?“, rief er scharf.
„Nein, das hast du nicht, Koch. Aber ich sage dir, was ich meine: Du musst nach Hause gehen und noch einmal geboren werden – du weißt immer noch nicht, wie man ein Walsteak zubereitet.“
„Um Himmels willen, wenn ich noch nie ein Steak zubereitet habe…“, knurrte er wütend und drehte sich um, um zu gehen.
„Komm zurück, Koch! Gib mir diese Zangen – nimm jetzt dieses Stück Steak und sag mir, ob du meinst, es sei richtig zubereitet worden. Nimm es, ich sage es dir!“ Er hielt ihm die Zangen entgegen. „Probier es doch mal.“
Der alte Schwarze berührte kurz mit seinen vertrockneten Lippen das Steak und murmelte: „Das beste Steak, das ich je probiert habe – wirklich ausgezeichnet.“
„Koch“, sagte Stubb und richtete sich wieder auf, „gehörst du zur Kirche?“
„Ich bin einmal an einer Kirche in Cape-Down vorbeigekommen“, antwortete der alte Mann mürrisch.
„Nun, Koch“, sagte Stubb und setzte sein Abendessen am Windenrad fort, „bleib genau da stehen, wo du vorhin standest, direkt gegenüber von mir, und achte gut auf.“
„Selbstverständlich“, sagte Fleece und beugte sich wieder mit seinen Zangen in die gewünschte Position.
„Nun“, sagte Stubb, während er weiterhin großzügig aß, „ich kehre nun zum Thema dieses Steaks zurück. Zunächst: Wie alt bist du, Koch?“
„Was hat das mit dem Steak zu tun?“, fragte der alte Schwarze gereizt.
„Schweigen! Wie alt bist du, Koch?“
„Ungefähr neunzig, sagen sie“, murmelte er düster.
„Und du lebst bereits seit fast hundert Jahren auf dieser Welt – und weißt immer noch nicht, wie man ein Walsteak zubereitet?“ Während er das sagte, schob er sich schnell noch einen Bissen in den Mund, sodass es schien, als wäre dieser Bissen eine Fortsetzung der Frage. „Wo bist du geboren, Koch?“
„Hinter dem Eingang, in einem Fährboot, auf dem Weg nach Roanoke.“
„In einem Fährboot geboren! Das ist auch seltsam. Aber ich möchte wissen, in welchem Land du geboren wurdest, Koch!“
„Habe ich nicht gesagt, im Land von Roanoke?“, rief er scharf.
„Nein, das hast du nicht, Koch. Aber ich sage dir, was ich meine: Du musst nach Hause gehen und noch einmal geboren werden – du weißt immer noch nicht, wie man ein Walsteak zubereitet.“
„Um Himmels willen, wenn ich noch nie ein Steak zubereitet habe…“, knurrte er wütend und drehte sich um, um zu gehen.
„Komm zurück, Koch! Gib mir diese Zangen – nimm jetzt dieses Stück Steak und sag mir, ob du meinst, es sei richtig zubereitet worden. Nimm es, ich sage es dir!“ Er hielt ihm die Zangen entgegen. „Probier es doch mal.“
Der alte Schwarze berührte kurz mit seinen vertrockneten Lippen das Steak und murmelte: „Das beste Steak, das ich je probiert habe – wirklich ausgezeichnet.“
„Koch“, sagte Stubb und richtete sich wieder auf, „gehörst du zur Kirche?“
„Ich bin einmal an einer Kirche in Cape-Down vorbeigekommen“, antwortete der alte Mann mürrisch.
Page 328
„Und du bist einmal in deinem Leben an einer heiligen Kirche in Kapstadt vorbeigekommen – dort hast du sicherlich mitgehört, wie ein heiliger Priester seine Zuhörer als seine geliebten Mitgeschöpfe ansprach, nicht wahr, Koch? Und doch kommst du hierher und erzählst mir eine solch schreckliche Lüge wie gerade eben, ja?“ sagte Stubb. „Wohin glaubst du eigentlich zu gehen, Koch?“
„Schnell ins Bett, verdammt nochmal“, murmelte er, während er sich halb umdrehte.
„Halt! Ich meine, wenn du stirbst, Koch. Das ist eine schreckliche Frage. Was ist also deine Antwort?“
„Wenn dieser alte Narr stirbt“, sagte der Neger langsam und änderte dabei völlig seinen Tonfall sowie seine Haltung, „wird er selbst nirgendwo hingehen; aber irgendein Engel wird kommen und ihn holen.“
„Holen? Wie? In einer Kutsche, wie man es mit Elija gemacht hat? Und wohin bringen sie ihn?“
„Dorthin“, sagte Fleece und hielt seine Zange hoch über den Kopf, ganz ernsthaft.
„Also glaubst du, dass du nach deinem Tod auf das Hauptdeck kommen wirst, ja, Koch? Aber weißt du nicht, je höher man klettert, desto kälter wird es? Hauptdeck, eh?“
„Ich habe das nicht gesagt“, erwiderte Fleece wieder mürrisch.
„Du hast doch gesagt ‚dorthin‘, oder? Schau dir jetzt selbst an, wohin deine Zange zeigt. Vielleicht glaubst du, du kannst in den Himmel gelangen, indem du durch das Loch im Deck kriechst, Koch – aber nein, das geht nicht. Man muss den normalen Weg nehmen, über die Takelage. Es ist eine heikle Sache, aber man muss es tun – sonst klappt es nicht. Doch keiner von uns ist bisher im Himmel. Lass deine Zange fallen, Koch, und höre auf meine Befehle. Hast du gehört? Halte deinen Hut in einer Hand und leg die andere auf dein Herz, wenn ich Befehle gebe, Koch. Was! Das ist dein Herz? – Das ist doch dein Magen! Hoch! Hoch! – So, jetzt hast du es. Halte es dort und achte gut darauf.“
„Alles klar“, sagte der alte Schwarze und legte beide Hände dort hin, wo es verlangt wurde. Vergeblich versuchte er, seinen grauen Kopf zu drehen, als wolle er beide Ohren gleichzeitig nach vorne bringen.
„Nun, Koch – du siehst ja, dieses Walsteak von dir war so schlecht, dass ich es so schnell wie möglich aus den Augen bringen musste. Verstehst du das? Nun, in Zukunft, wenn du wieder ein Walsteak für meinen privaten Tisch hier zubereitest, werde ich dir sagen, was du tun sollst, damit es nicht durch Überkochen verdorben wird.“
„Schnell ins Bett, verdammt nochmal“, murmelte er, während er sich halb umdrehte.
„Halt! Ich meine, wenn du stirbst, Koch. Das ist eine schreckliche Frage. Was ist also deine Antwort?“
„Wenn dieser alte Narr stirbt“, sagte der Neger langsam und änderte dabei völlig seinen Tonfall sowie seine Haltung, „wird er selbst nirgendwo hingehen; aber irgendein Engel wird kommen und ihn holen.“
„Holen? Wie? In einer Kutsche, wie man es mit Elija gemacht hat? Und wohin bringen sie ihn?“
„Dorthin“, sagte Fleece und hielt seine Zange hoch über den Kopf, ganz ernsthaft.
„Also glaubst du, dass du nach deinem Tod auf das Hauptdeck kommen wirst, ja, Koch? Aber weißt du nicht, je höher man klettert, desto kälter wird es? Hauptdeck, eh?“
„Ich habe das nicht gesagt“, erwiderte Fleece wieder mürrisch.
„Du hast doch gesagt ‚dorthin‘, oder? Schau dir jetzt selbst an, wohin deine Zange zeigt. Vielleicht glaubst du, du kannst in den Himmel gelangen, indem du durch das Loch im Deck kriechst, Koch – aber nein, das geht nicht. Man muss den normalen Weg nehmen, über die Takelage. Es ist eine heikle Sache, aber man muss es tun – sonst klappt es nicht. Doch keiner von uns ist bisher im Himmel. Lass deine Zange fallen, Koch, und höre auf meine Befehle. Hast du gehört? Halte deinen Hut in einer Hand und leg die andere auf dein Herz, wenn ich Befehle gebe, Koch. Was! Das ist dein Herz? – Das ist doch dein Magen! Hoch! Hoch! – So, jetzt hast du es. Halte es dort und achte gut darauf.“
„Alles klar“, sagte der alte Schwarze und legte beide Hände dort hin, wo es verlangt wurde. Vergeblich versuchte er, seinen grauen Kopf zu drehen, als wolle er beide Ohren gleichzeitig nach vorne bringen.
„Nun, Koch – du siehst ja, dieses Walsteak von dir war so schlecht, dass ich es so schnell wie möglich aus den Augen bringen musste. Verstehst du das? Nun, in Zukunft, wenn du wieder ein Walsteak für meinen privaten Tisch hier zubereitest, werde ich dir sagen, was du tun sollst, damit es nicht durch Überkochen verdorben wird.“
Page 329
Halten Sie das Steak in einer Hand und zeigen Sie ihm mit der anderen eine glühende Kohle – danach servieren Sie es. Haben Sie verstanden? Und morgen, Koch, wenn wir den Fisch zerteilen, seien Sie darauf bedacht, die Spitzen seiner Flossen zu nehmen; legen Sie sie in Essig ein. Was die Enden der Flossen angeht, so sollen diese blanchiert werden. Nun können Sie gehen.“ Doch Fleece hatte kaum drei Schritte gemacht, als er zurückgerufen wurde. „Koch, bereiten Sie mir für morgen Abend zur Mittelwache Schnitzel zum Abendessen vor. Haben Sie verstanden? Gehen Sie jetzt – hallo! Stoppen Sie! Machen Sie eine Verbeugung, bevor Sie gehen. – Los, wieder anheben! Walkugeln zum Frühstück – vergessen Sie das nicht.“ „Verdammt nochmal! Möge der Wal ihn fressen, anstatt dass er den Wal frisst. Ich wette, er ist eher ein Hai als Massa Shark selbst“, murmelte der alte Mann, hinkend davon; mit diesem weisen Ausruf ging er zu seiner Hängematte.
Page 330
KAPITEL 65. Die Walfisch als Gericht
Dass ein Sterblicher von dem Lebewesen essen soll, das seine Lampe am Leuchten hält – und, wie Stubb, ihn im eigenen Licht essen soll, wenn man so will –, erscheint als etwas so Unglaubliches, dass man sich etwas mit der Geschichte und Philosophie dahinter beschäftigen muss.
Es ist belegt, dass vor drei Jahrhunderten die Zunge des Weißen Wals in Frankreich als Delikatesse galt und dort hohe Preise erzielte. Ebenso wird berichtet, dass zu Zeiten von Heinrich VIII. ein Koch am Hof eine beträchtliche Belohnung erhielt, weil er eine hervorragende Soße erfand, die zu gegrillten Delfinen serviert werden konnte – Delfine sind schließlich eine Art Wale. Tatsächlich gelten Delfinfleisch bis heute als köstliches Essen. Das Fleisch wird zu Bällen von der Größe von Billardkugeln geformt; nachdem es gut gewürzt wurde, könnte man sie für Schildkrötenbällchen oder Kalbfleischbällchen halten. Die alten Mönche von Dunfermline mochten sie sehr – sie erhielten vom König große Mengen an Delfinfleisch.
Tatsächlich würde der Wal unter seinen Jägern auf jeden Fall als edles Gericht angesehen werden, wären nicht so viele Teile davon vorhanden. Doch wenn man vor einem Fleischkuchen sitzt, der fast hundert Fuß lang ist, verliert man den Appetit. Nur die unvoreingenommensten Menschen wie Stubb essen heutzutage gekochten Walfleisch; die Eskimos sind jedoch nicht so anspruchsvoll. Wir alle wissen, wie sie vom Wal leben – und wie sie seltenes, altes Öl aus dem Walfett erhalten. Zogranda, einer ihrer berühmtesten Ärzte, empfiehlt Streifen aus Walfett für Säuglinge, da sie äußerst saftig und nahrhaft seien. Das erinnert mich daran, dass einige Engländer, die vor langer Zeit versehentlich von einem Walfangschiff in Grönland zurückgelassen wurden, tatsächlich mehrere Monate lang von schimmligen Resten des Walfetts lebten, die nach der Verarbeitung am Ufer zurückblieben. Bei den niederländischen Walfängern werden diese Reste „Fritters“ genannt – sie ähneln tatsächlich sehr diesen Fritters: braun und knusprig, und frisch duftend wie die Gebäckstücke der Amsterdamer Hausfrauen. Sie sehen so essbar aus, dass selbst der zurückhaltendste Fremde kaum widerstehen kann.
Dass ein Sterblicher von dem Lebewesen essen soll, das seine Lampe am Leuchten hält – und, wie Stubb, ihn im eigenen Licht essen soll, wenn man so will –, erscheint als etwas so Unglaubliches, dass man sich etwas mit der Geschichte und Philosophie dahinter beschäftigen muss.
Es ist belegt, dass vor drei Jahrhunderten die Zunge des Weißen Wals in Frankreich als Delikatesse galt und dort hohe Preise erzielte. Ebenso wird berichtet, dass zu Zeiten von Heinrich VIII. ein Koch am Hof eine beträchtliche Belohnung erhielt, weil er eine hervorragende Soße erfand, die zu gegrillten Delfinen serviert werden konnte – Delfine sind schließlich eine Art Wale. Tatsächlich gelten Delfinfleisch bis heute als köstliches Essen. Das Fleisch wird zu Bällen von der Größe von Billardkugeln geformt; nachdem es gut gewürzt wurde, könnte man sie für Schildkrötenbällchen oder Kalbfleischbällchen halten. Die alten Mönche von Dunfermline mochten sie sehr – sie erhielten vom König große Mengen an Delfinfleisch.
Tatsächlich würde der Wal unter seinen Jägern auf jeden Fall als edles Gericht angesehen werden, wären nicht so viele Teile davon vorhanden. Doch wenn man vor einem Fleischkuchen sitzt, der fast hundert Fuß lang ist, verliert man den Appetit. Nur die unvoreingenommensten Menschen wie Stubb essen heutzutage gekochten Walfleisch; die Eskimos sind jedoch nicht so anspruchsvoll. Wir alle wissen, wie sie vom Wal leben – und wie sie seltenes, altes Öl aus dem Walfett erhalten. Zogranda, einer ihrer berühmtesten Ärzte, empfiehlt Streifen aus Walfett für Säuglinge, da sie äußerst saftig und nahrhaft seien. Das erinnert mich daran, dass einige Engländer, die vor langer Zeit versehentlich von einem Walfangschiff in Grönland zurückgelassen wurden, tatsächlich mehrere Monate lang von schimmligen Resten des Walfetts lebten, die nach der Verarbeitung am Ufer zurückblieben. Bei den niederländischen Walfängern werden diese Reste „Fritters“ genannt – sie ähneln tatsächlich sehr diesen Fritters: braun und knusprig, und frisch duftend wie die Gebäckstücke der Amsterdamer Hausfrauen. Sie sehen so essbar aus, dass selbst der zurückhaltendste Fremde kaum widerstehen kann.
Page 331
Aber was die Walfleischspeise als zivilisiertes Gericht noch weiter herabwürdigt, ist seine übermäßige Fettigkeit. Er ist das „große Prachtstück“ des Meeres – zu fett, um wirklich köstlich zu sein. Schauen Sie sich seinen Buckel an: Er wäre genauso lecker wie der eines Buffels (der als seltenes Gericht gilt), wären da nicht diese massiven Fettpyramiden. Doch das Spermacet selbst – wie fade und cremig es doch ist! Es erinnert an das durchsichtige, halb gelartige weiße Fleisch einer Kokosnuss im dritten Wachstumsmonat – doch es ist viel zu fettig, um eine Alternative zur Butter zu bieten. Dennoch haben viele Walfänger eine Methode, das Spermacet in eine andere Substanz einzuarbeiten und sie anschließend zu essen. Während der langen Nachtwachen tauchen die Seeleute gerne ihre Schiffsbiskuits in die riesigen Öltonnen und lassen sie dort kurz braten. So habe ich schon viele gute Abende verbracht.
Bei kleinen Schwertwalen gelten die Gehirne als delikates Gericht. Der Schädel wird mit einer Axt aufgebrochen, die beiden fleischigen, weißen Gehirnlappen werden herausgenommen – sie ähneln genau zwei großen Puddings – und anschließend mit Mehl vermischt sowie zu einem äußerst köstlichen Gericht gekocht. Der Geschmack erinnert etwas an Kalbskopf, der bei einigen Feinschmeckern als Delikatesse gilt. Jeder weiß, dass einige Feinschmecker, indem sie ständig Kalbsgehirne essen, irgendwann auch eigene Gehirne entwickeln, um den Unterschied zwischen Kalbskopf und ihrem eigenen Kopf erkennen zu können – was tatsächlich außergewöhnliches Urteilsvermögen erfordert. Deshalb ist ein junger Feinschmecker, dem ein intelligent aussehender Kalbskopf gegenübersteht, wohl eines der traurigsten Anblicke überhaupt. Der Kopf scheint ihn fast vorwurfsvoll anzusehen – mit einem Ausdruck von „Et tu, Brute!“.
Vielleicht liegt es nicht ausschließlich daran, dass der Wal so übermäßig fettig ist, dass Landbewohner das Essen von Walfleisch mit Abscheu betrachten – das scheint vielmehr aus dem bereits erwähnten Grund zu resultieren: nämlich dass man etwas essen sollte, das gerade getötet wurde – und zwar im Licht desselben. Doch zweifellos wurde der erste Mensch, der jemals einen Ochsen tötete, als Mörder angesehen; vielleicht wurde er gehängt. Und wenn er vor Ochsen vor Gericht gestellt worden wäre, dann sicherlich – und er verdiente es, falls irgendein Mörder es verdient. Gehen Sie an einem Samstagabend auf den Fleischmarkt und sehen Sie sich die Menschenmengen an, die auf die langen Reihen der toten Tiere starren. Nimmt dieser Anblick dem Kannibalen nicht den Appetit? Kannibalen? Wer ist denn kein Kannibale? Ich sage Ihnen: Für den Fejee, der einen mageren Missionar in seinem Keller gegen eine drohende Hungersnot einlegte, wird es am Tag des Jüngsten Gerichts erträglicher sein als für…
Bei kleinen Schwertwalen gelten die Gehirne als delikates Gericht. Der Schädel wird mit einer Axt aufgebrochen, die beiden fleischigen, weißen Gehirnlappen werden herausgenommen – sie ähneln genau zwei großen Puddings – und anschließend mit Mehl vermischt sowie zu einem äußerst köstlichen Gericht gekocht. Der Geschmack erinnert etwas an Kalbskopf, der bei einigen Feinschmeckern als Delikatesse gilt. Jeder weiß, dass einige Feinschmecker, indem sie ständig Kalbsgehirne essen, irgendwann auch eigene Gehirne entwickeln, um den Unterschied zwischen Kalbskopf und ihrem eigenen Kopf erkennen zu können – was tatsächlich außergewöhnliches Urteilsvermögen erfordert. Deshalb ist ein junger Feinschmecker, dem ein intelligent aussehender Kalbskopf gegenübersteht, wohl eines der traurigsten Anblicke überhaupt. Der Kopf scheint ihn fast vorwurfsvoll anzusehen – mit einem Ausdruck von „Et tu, Brute!“.
Vielleicht liegt es nicht ausschließlich daran, dass der Wal so übermäßig fettig ist, dass Landbewohner das Essen von Walfleisch mit Abscheu betrachten – das scheint vielmehr aus dem bereits erwähnten Grund zu resultieren: nämlich dass man etwas essen sollte, das gerade getötet wurde – und zwar im Licht desselben. Doch zweifellos wurde der erste Mensch, der jemals einen Ochsen tötete, als Mörder angesehen; vielleicht wurde er gehängt. Und wenn er vor Ochsen vor Gericht gestellt worden wäre, dann sicherlich – und er verdiente es, falls irgendein Mörder es verdient. Gehen Sie an einem Samstagabend auf den Fleischmarkt und sehen Sie sich die Menschenmengen an, die auf die langen Reihen der toten Tiere starren. Nimmt dieser Anblick dem Kannibalen nicht den Appetit? Kannibalen? Wer ist denn kein Kannibale? Ich sage Ihnen: Für den Fejee, der einen mageren Missionar in seinem Keller gegen eine drohende Hungersnot einlegte, wird es am Tag des Jüngsten Gerichts erträglicher sein als für…
Page 332
Dir, zivilisiertem und aufgeklärtem Feinschmecker, der Gänse zu Boden schlägt und sich an ihren aufgedunsenen Lebern in deinem Paté de Foie Gras labt – aber Stubb isst den Wal doch mit seinem eigenen Licht, nicht wahr? Das ist doch eine Beleidigung obendrein, oder? Schau dir den Griff deines Messers an – aus was besteht er, du zivilisierter und aufgeklärter Feinschmecker, der von diesem Roastbeef isst? Aus nichts anderem als den Knochen des Bruders des Ochsen, den du gerade isst. Und womit putzt du dir die Zähne, nachdem du diese fette Gans verschlungen hast? Mit einer Feder derselben Vogelart. Und mit welcher Feder hat der Sekretär der Gesellschaft zur Beseitigung der Grausamkeit gegenüber Gänsen seine Bekanntmachungen formell verfasst? Erst im letzten Monat oder zwei hat diese Gesellschaft eine Resolution verabschiedet, wonach ausschließlich Stahlfedern verwendet werden sollen.
Page 333
KAPITEL 66. Das Hai-Massaker.
Wenn im Südlichen Fischereigebiet ein gefangener Spermawal nach langem und anstrengendem Kampf spät in der Nacht an Bord gebracht wird, ist es zumindest im Allgemeinen nicht üblich, sofort damit zu beginnen, ihn zu zerlegen. Denn diese Arbeit ist äußerst mühsam, wird nicht schnell erledigt und erfordert die Beteiligung aller Besatzungsmitglieder. Deshalb ist es üblich, alle Segel einzuziehen, das Ruder festzubinden und anschließend alle bis zum Morgengrauen in ihre Hängematten zu schicken – mit der Auflage, dass bis dahin Wachen eingesetzt werden, also zu zweit für eine Stunde, wobei die Besatzung abwechselnd auf das Deck geht, um sicherzustellen, dass alles in Ordnung ist.
Manchmal funktioniert dieses Vorgehen jedoch besonders auf der Pazifikroute überhaupt nicht; denn dann sammeln sich unzählige Haie um den vertäuten Kadaver, sodass, wenn dieser beispielsweise sechs Stunden lang unberührt liegen würde, bis zum Morgen kaum noch mehr als das Skelett sichtbar wäre. In den meisten anderen Teilen des Ozeans, wo diese Fische nicht in solchen Mengen vorkommen, kann ihre erstaunliche Gier manchmal erheblich verringert werden, indem man sie mit scharfen Walfangshaken aufregt – doch in einigen Fällen scheint dies sie nur noch aktiver zu machen. Doch im Fall der Haie der Pequod war das nicht der Fall; obwohl sicherlich jeder, der nicht an solche Anblicke gewöhnt war und in jener Nacht über die Seite des Schiffes blickte, fast glauben würde, das ganze Meer sei ein riesiger Käse und die Haie die Maden darin.
Trotzdem entstand große Unruhe unter den Haien, als Stubb nach dem Abendessen die Wachen einsetzte und Queequeg sowie ein Matrose an Deck kamen. Sofort wurden die Zerlegewerkzeuge über die Seite gehängt und drei Laternen heruntergelassen, sodass ihr Licht über das trübe Meer fiel. Die beiden Seeleute nutzten ihre langen Walfangshaken, um unaufhörlich die Haie zu töten – indem sie die scharfen Stahlklingen tief in ihre Schädel stießen, offenbar die einzige lebenswichtige Stelle bei ihnen. Doch in dem chaotischen Durcheinander konnten die Schützen nicht immer ins Ziel treffen – was wiederum die unglaubliche Grausamkeit der Feinde offenbarte. Die Haie griffen nicht nur gegenseitig an, sondern auch…
Wenn im Südlichen Fischereigebiet ein gefangener Spermawal nach langem und anstrengendem Kampf spät in der Nacht an Bord gebracht wird, ist es zumindest im Allgemeinen nicht üblich, sofort damit zu beginnen, ihn zu zerlegen. Denn diese Arbeit ist äußerst mühsam, wird nicht schnell erledigt und erfordert die Beteiligung aller Besatzungsmitglieder. Deshalb ist es üblich, alle Segel einzuziehen, das Ruder festzubinden und anschließend alle bis zum Morgengrauen in ihre Hängematten zu schicken – mit der Auflage, dass bis dahin Wachen eingesetzt werden, also zu zweit für eine Stunde, wobei die Besatzung abwechselnd auf das Deck geht, um sicherzustellen, dass alles in Ordnung ist.
Manchmal funktioniert dieses Vorgehen jedoch besonders auf der Pazifikroute überhaupt nicht; denn dann sammeln sich unzählige Haie um den vertäuten Kadaver, sodass, wenn dieser beispielsweise sechs Stunden lang unberührt liegen würde, bis zum Morgen kaum noch mehr als das Skelett sichtbar wäre. In den meisten anderen Teilen des Ozeans, wo diese Fische nicht in solchen Mengen vorkommen, kann ihre erstaunliche Gier manchmal erheblich verringert werden, indem man sie mit scharfen Walfangshaken aufregt – doch in einigen Fällen scheint dies sie nur noch aktiver zu machen. Doch im Fall der Haie der Pequod war das nicht der Fall; obwohl sicherlich jeder, der nicht an solche Anblicke gewöhnt war und in jener Nacht über die Seite des Schiffes blickte, fast glauben würde, das ganze Meer sei ein riesiger Käse und die Haie die Maden darin.
Trotzdem entstand große Unruhe unter den Haien, als Stubb nach dem Abendessen die Wachen einsetzte und Queequeg sowie ein Matrose an Deck kamen. Sofort wurden die Zerlegewerkzeuge über die Seite gehängt und drei Laternen heruntergelassen, sodass ihr Licht über das trübe Meer fiel. Die beiden Seeleute nutzten ihre langen Walfangshaken, um unaufhörlich die Haie zu töten – indem sie die scharfen Stahlklingen tief in ihre Schädel stießen, offenbar die einzige lebenswichtige Stelle bei ihnen. Doch in dem chaotischen Durcheinander konnten die Schützen nicht immer ins Ziel treffen – was wiederum die unglaubliche Grausamkeit der Feinde offenbarte. Die Haie griffen nicht nur gegenseitig an, sondern auch…
Page 334
Flexible Kiefer, die sich nach innen bogen und ihre eigenen Eingeweide zerfetzten – bis diese Eingeweide immer wieder von demselben Mund verschlungen zu werden schienen, um anschließend durch die offene Wunde wieder ausgeschieden zu werden. Doch das war noch nicht alles. Es war gefährlich, sich mit den Leichen und „Geistern“ dieser Kreaturen einzulassen. Eine Art allgemeine oder pantheistische Vitalität schien in ihren Gelenken und Knochen zu lauern, nachdem das sogenannte individuelle Leben vergangen war. Einer dieser Haie, der getötet und zum Zweck seiner Haut auf das Deck gehoben worden war, hätte dem armen Queequeg fast die Hand abgerissen, als dieser versuchte, den toten Kiefer des Monsters zu schließen.
Die zum Zerschneiden verwendete Waffe besteht aus dem besten Stahl; sie ist etwa so groß wie eine ausgestreckte menschliche Hand und hat im Großen und Ganzen die Form eines Gartengeräts, nach dem sie benannt ist – nur sind ihre Seiten völlig flach und ihr oberer Teil deutlich schmaler als der untere. Diese Waffe wird stets so scharf wie möglich gehalten; beim Gebrauch wird sie gelegentlich wie ein Rasiermesser geschliffen. In ihrer Halterung befindet sich außerdem ein steifer Stab, der zwanzig bis dreißig Fuß lang ist und als Griff dient.
„Queequeg kümmert es nicht, welcher Gott ihn zum Hai gemacht hat“, sagte der Wilde und hob seine Hand qualvoll auf und ab. „Egal ob es der Fejee-Gott oder der Nantucket-Gott ist – aber der Gott, der den Hai erschaffen hat, muss ein verfluchter Teufel sein.“
Die zum Zerschneiden verwendete Waffe besteht aus dem besten Stahl; sie ist etwa so groß wie eine ausgestreckte menschliche Hand und hat im Großen und Ganzen die Form eines Gartengeräts, nach dem sie benannt ist – nur sind ihre Seiten völlig flach und ihr oberer Teil deutlich schmaler als der untere. Diese Waffe wird stets so scharf wie möglich gehalten; beim Gebrauch wird sie gelegentlich wie ein Rasiermesser geschliffen. In ihrer Halterung befindet sich außerdem ein steifer Stab, der zwanzig bis dreißig Fuß lang ist und als Griff dient.
„Queequeg kümmert es nicht, welcher Gott ihn zum Hai gemacht hat“, sagte der Wilde und hob seine Hand qualvoll auf und ab. „Egal ob es der Fejee-Gott oder der Nantucket-Gott ist – aber der Gott, der den Hai erschaffen hat, muss ein verfluchter Teufel sein.“
Page 335
KAPITEL 67. Das Zuschneiden.
Es war ein Samstagabend – und welch ein Sabbat folgte darauf! Die sogenannten „Experten“ für das Brechen des Sabbats sind alle Walfänger. Das Schiff Pequod verwandelte sich in etwas, das wie ein Schlachthaus aussah; jeder Matrose wurde zu einem Metzger. Man hätte meinen können, wir würden zehntausend rote Ochsen den Meergöttern opfern.
Zunächst wurden die riesigen Schneidewerkzeuge sowie weitere schwere Gegenstände – darunter Blöcke, die in der Regel grün lackiert waren und die kein einzelner Mensch je heben könnte – nach oben zum Hauptmast gebracht und dort fest gebunden. Das Ende des seilartigen Drahtes, der durch all diese Geräte führte, wurde anschließend zum Windenapparat geführt. Der enorme untere Block der Schneidewerkzeuge wurde über den Wal gehoben; an diesen Block wurde der große Fetthaken befestigt, der etwa hundert Pfund wog. Starbuck und Stubb, die Matrosen, bewaffnet mit ihren langen Spaten, begannen nun, in den Körper des Wals ein Loch zu schneiden, damit der Haken genau über dem nächsten der beiden Seitenflossen eingeführt werden konnte. Nachdem dies erledigt war, wurde um das Loch herum eine breite, halbkreisförmige Linie eingeschnitten. Der Haken wurde eingeführt, und die Besatzung begann, gemeinsam am Windenapparat zu ziehen. Sofort kippte das ganze Schiff zur Seite; jeder Bolzen im Schiff bewegte sich, als wären es die Nägel eines alten Hauses bei Frostwetter. Das Schiff zitterte und neigte seine Mastspitzen ängstlich gen Himmel. Immer mehr neigte sich das Schiff zum Wal hinüber – bei jedem Zug am Windenapparat wurde dieser Zug von den Wellen unterstützt. Schließlich war ein schnelles, lautes Knirschen zu hören; mit einem großen Schwung rollte das Schiff weg vom Wal. Der triumphierende Haken wurde sichtbar, zusammen mit dem abgetrennten halbkreisförmigen Stück Fett. Da das Fett den Wal genauso umhüllt wie die Schale einer Orange, kann es genauso wie bei einer Orange abgezogen werden – indem man sie spiralförmig abzieht. Der ständige Druck des Windenapparats sorgt dafür, dass der Wal immer wieder im Wasser herumrollt. Das Fett wird dabei gleichmäßig entlang der sogenannten „Schleife“ abgezogen – diese Schleife wurde von Starbuck und Stubb mit ihren Spaten geschaffen. Und genauso schnell, wie das Fett abgezogen wird, wird es auch bereits entfernt.
Es war ein Samstagabend – und welch ein Sabbat folgte darauf! Die sogenannten „Experten“ für das Brechen des Sabbats sind alle Walfänger. Das Schiff Pequod verwandelte sich in etwas, das wie ein Schlachthaus aussah; jeder Matrose wurde zu einem Metzger. Man hätte meinen können, wir würden zehntausend rote Ochsen den Meergöttern opfern.
Zunächst wurden die riesigen Schneidewerkzeuge sowie weitere schwere Gegenstände – darunter Blöcke, die in der Regel grün lackiert waren und die kein einzelner Mensch je heben könnte – nach oben zum Hauptmast gebracht und dort fest gebunden. Das Ende des seilartigen Drahtes, der durch all diese Geräte führte, wurde anschließend zum Windenapparat geführt. Der enorme untere Block der Schneidewerkzeuge wurde über den Wal gehoben; an diesen Block wurde der große Fetthaken befestigt, der etwa hundert Pfund wog. Starbuck und Stubb, die Matrosen, bewaffnet mit ihren langen Spaten, begannen nun, in den Körper des Wals ein Loch zu schneiden, damit der Haken genau über dem nächsten der beiden Seitenflossen eingeführt werden konnte. Nachdem dies erledigt war, wurde um das Loch herum eine breite, halbkreisförmige Linie eingeschnitten. Der Haken wurde eingeführt, und die Besatzung begann, gemeinsam am Windenapparat zu ziehen. Sofort kippte das ganze Schiff zur Seite; jeder Bolzen im Schiff bewegte sich, als wären es die Nägel eines alten Hauses bei Frostwetter. Das Schiff zitterte und neigte seine Mastspitzen ängstlich gen Himmel. Immer mehr neigte sich das Schiff zum Wal hinüber – bei jedem Zug am Windenapparat wurde dieser Zug von den Wellen unterstützt. Schließlich war ein schnelles, lautes Knirschen zu hören; mit einem großen Schwung rollte das Schiff weg vom Wal. Der triumphierende Haken wurde sichtbar, zusammen mit dem abgetrennten halbkreisförmigen Stück Fett. Da das Fett den Wal genauso umhüllt wie die Schale einer Orange, kann es genauso wie bei einer Orange abgezogen werden – indem man sie spiralförmig abzieht. Der ständige Druck des Windenapparats sorgt dafür, dass der Wal immer wieder im Wasser herumrollt. Das Fett wird dabei gleichmäßig entlang der sogenannten „Schleife“ abgezogen – diese Schleife wurde von Starbuck und Stubb mit ihren Spaten geschaffen. Und genauso schnell, wie das Fett abgezogen wird, wird es auch bereits entfernt.
Page 336
Ständig wird es immer höher in die Luft gehoben, bis sein oberes Ende die Oberkante des Schiffes berührt. Die Männer am Windenstopfen hören dann auf zu ziehen – für einen Moment schwankt diese riesige, blutverschmierte Masse hin und her, als wäre sie vom Himmel herabgelassen worden. Jeder Anwesende muss darauf achten, ihr auszuweichen, sonst könnte sie ihm die Ohren zerstören oder ihn über Bord werfen. Einer der Harpunenwerfer tritt nun mit einer langen, scharfen Waffe vor, die als „Boarding-Sword“ bezeichnet wird, und schneidet geschickt ein großes Loch in den unteren Teil der schwankenden Masse. In dieses Loch wird anschließend das Ende des zweiten Seils eingehakt, damit man weiterhin Halt am Fettgewebe hat – bereit für das, was folgt. Der geschickte Schwertkämpfer warnt alle, Abstand zu halten, und greift erneut an. Mit ein paar schnellen, entschlossenen Schnitten teilt er die Masse vollständig in zwei Teile. Während der kleinere untere Teil noch festhängt, schwingt der längere obere Teil frei herum und ist bereit zum Herunterlassen. Die Männer am Windenstopfen fahren fort, zu ziehen – während eines Seils ein weiterer Streifen vom Wal heruntergeholt wird, wird das andere Seil allmählich gelockert. Der erste Streifen fällt durch die Hauptluke direkt nach unten in einen Raum ohne Einrichtung, den sogenannten Fettraum. In diesem Raum wickeln einige geschickte Hände den langen Streifen auf, als handelte es sich um eine Ansammlung von Schlangen. So geht die Arbeit weiter: Die beiden Seile heben und senken gleichzeitig ab; der Wal sowie der Windenstopfen werden weiterhin bewegt, die Männer am Windenstopfen singen, die Leute im Fettraum wickeln den Streifen auf, die Matrosen arbeiten unermüdlich – und alle fluchen gelegentlich, um die angespannte Situation etwas zu lindern.
Page 337
KAPITEL 68. Die Haut des Wals.
Ich habe diesem nicht unkomplizierten Thema – der Haut des Wals – große Aufmerksamkeit geschenkt. Ich hatte darüber Auseinandersetzungen mit erfahrenen Walfängern auf See sowie mit Naturwissenschaftlern an Land. Meine ursprüngliche Ansicht bleibt unverändert – doch es handelt sich dabei nur um eine Ansicht.
Die Frage ist: Was und wo befindet sich die Haut des Wals? Sie wissen bereits, was sein Fettgewebe ist. Dieses Fettgewebe hat eine Konsistenz, die der von festem, feinkörnigem Rindfleisch ähnelt – doch es ist zäher, elastischer und kompakter. Seine Dicke liegt zwischen acht oder zehn und zwölf bis fünfzehn Zoll.
So absurd es zunächst auch erscheinen mag, von der Haut irgendeines Lebewesens zu behaupten, dass sie eine solche Konsistenz und Dicke hat – tatsächlich sind das keine Argumente gegen eine solche Annahme. Denn vom Körper des Wals lässt sich keine andere dichte Hülle finden als genau dieses Fettgewebe. Die äußerste Hülle jedes Tieres – wenn sie ausreichend dicht ist – kann doch nichts anderes sein als die Haut. Zwar kann man vom unversehrten toten Körper des Wals mit der Hand eine äußerst dünne, durchsichtige Substanz abkratzen, die den dünnsten Streifen von Isinglass ähnelt – doch sie ist fast genauso flexibel und weich wie Satin. Das gilt allerdings erst vor dem Trocknen; danach zieht sie sich zusammen, wird dicker und zugleich härter und brüchiger. Ich habe einige solcher getrockneten Stücke, die ich zur Markierung in meinen Walbüchern verwende. Wie bereits erwähnt, ist diese Substanz durchsichtig; wenn man sie auf eine bedruckte Seite legt, habe ich manchmal das Gefühl, sie habe eine vergrößernde Wirkung.
Jedenfalls ist es angenehm, über Wale durch ihre eigene „Brille“ zu lesen – sozusagen. Doch was ich hier eigentlich sagen möchte, ist Folgendes: Diese äußerst dünne, isinglassartige Substanz, die, wie ich zugebe, den gesamten Körper des Wals umhüllt, sollte eher als die „Haut der Haut“ betrachtet werden – denn es wäre einfach lächerlich zu behaupten, dass die eigentliche Haut eines riesigen Wals dünner und zarter sei als die Haut eines Neugeborenen. Aber genug davon.
Wenn man annimmt, dass das Fettgewebe die Haut des Wals darstellt – dann liefert diese Haut, wie im Fall eines sehr großen Schwertwals, etwa hundert Fässer Öl. Wenn man bedenkt, dass dieses Öl in flüssigem Zustand nur drei Viertel des Gesamtgewichts ausmacht – und nicht das gesamte –…
Ich habe diesem nicht unkomplizierten Thema – der Haut des Wals – große Aufmerksamkeit geschenkt. Ich hatte darüber Auseinandersetzungen mit erfahrenen Walfängern auf See sowie mit Naturwissenschaftlern an Land. Meine ursprüngliche Ansicht bleibt unverändert – doch es handelt sich dabei nur um eine Ansicht.
Die Frage ist: Was und wo befindet sich die Haut des Wals? Sie wissen bereits, was sein Fettgewebe ist. Dieses Fettgewebe hat eine Konsistenz, die der von festem, feinkörnigem Rindfleisch ähnelt – doch es ist zäher, elastischer und kompakter. Seine Dicke liegt zwischen acht oder zehn und zwölf bis fünfzehn Zoll.
So absurd es zunächst auch erscheinen mag, von der Haut irgendeines Lebewesens zu behaupten, dass sie eine solche Konsistenz und Dicke hat – tatsächlich sind das keine Argumente gegen eine solche Annahme. Denn vom Körper des Wals lässt sich keine andere dichte Hülle finden als genau dieses Fettgewebe. Die äußerste Hülle jedes Tieres – wenn sie ausreichend dicht ist – kann doch nichts anderes sein als die Haut. Zwar kann man vom unversehrten toten Körper des Wals mit der Hand eine äußerst dünne, durchsichtige Substanz abkratzen, die den dünnsten Streifen von Isinglass ähnelt – doch sie ist fast genauso flexibel und weich wie Satin. Das gilt allerdings erst vor dem Trocknen; danach zieht sie sich zusammen, wird dicker und zugleich härter und brüchiger. Ich habe einige solcher getrockneten Stücke, die ich zur Markierung in meinen Walbüchern verwende. Wie bereits erwähnt, ist diese Substanz durchsichtig; wenn man sie auf eine bedruckte Seite legt, habe ich manchmal das Gefühl, sie habe eine vergrößernde Wirkung.
Jedenfalls ist es angenehm, über Wale durch ihre eigene „Brille“ zu lesen – sozusagen. Doch was ich hier eigentlich sagen möchte, ist Folgendes: Diese äußerst dünne, isinglassartige Substanz, die, wie ich zugebe, den gesamten Körper des Wals umhüllt, sollte eher als die „Haut der Haut“ betrachtet werden – denn es wäre einfach lächerlich zu behaupten, dass die eigentliche Haut eines riesigen Wals dünner und zarter sei als die Haut eines Neugeborenen. Aber genug davon.
Wenn man annimmt, dass das Fettgewebe die Haut des Wals darstellt – dann liefert diese Haut, wie im Fall eines sehr großen Schwertwals, etwa hundert Fässer Öl. Wenn man bedenkt, dass dieses Öl in flüssigem Zustand nur drei Viertel des Gesamtgewichts ausmacht – und nicht das gesamte –…
Page 338
Der Stoff der Haut des Wals – daraus lässt sich eine Vorstellung von der enormen Größe dieser „lebenden Masse“ gewinnen. Schon ein Teil allein dieser Haut erzeugt einen See aus Flüssigkeit. Wenn man zehn Fässer pro Tonne annimmt, dann entsprechen zehn Tonnen dem Nettogewicht von lediglich drei Vierteln des Materials der Walhaut. Im Leben ist die sichtbare Oberfläche des Schwertwals keineswegs das Geringste unter den vielen Wundern, die er aufweist. Fast immer ist sie mit unzähligen geraden Linien übersät, ähnlich wie in den feinsten italienischen Linolschnitten. Doch diese Markierungen scheinen nicht in dem oben erwähnten Isinglass-Material eingraviert zu sein, sondern scheinen durch dieses hindurch sichtbar zu sein, als wären sie direkt auf den Körper selbst eingraviert. Doch das ist noch nicht alles: Für das aufmerksame Auge bilden diese Linien, ähnlich wie bei einer echten Gravur, die Grundlage für weitere Muster. Es handelt sich dabei um Hieroglyphen – wenn man jene geheimnisvollen Zeichen an den Wänden der Pyramiden als Hieroglyphen bezeichnet, dann ist das auch das richtige Wort in diesem Zusammenhang. Durch meine gute Erinnerung an die Hieroglyphen auf einer bestimmten Schwertwal-Haut war ich sehr beeindruckt von einer Abbildung, die die alten indischen Schriftzeichen zeigt, die in die berühmten Hieroglyphenpalisaden an den Ufern des Oberen Mississippi eingraviert sind. Genau wie jene geheimnisvollen Felsen bleibt auch der Wal mit seinen mysteriösen Markierungen unentschlüsselbar. Dieser Bezug auf die indischen Felsen erinnert mich an etwas anderes: Neben all den anderen Merkmalen, die die Außenseite des Schwertwals aufweist, weisen dessen Rücken sowie insbesondere seine Flanken oft keine regelmäßigen Linienmuster mehr auf, da sie von zahlreichen groben Kratzern überzogen sind, die ganz und gar unregelmäßig aussehen. Ich würde sagen, dass jene Felsen an der Küste Neuenglands, von denen Agassiz annimmt, dass sie Spuren von heftigem Kontakt mit riesigen schwimmenden Eisbergen aufweisen, in dieser Hinsicht dem Schwertwal ziemlich ähneln müssen. Mir scheint außerdem, dass solche Kratzer am Wal wahrscheinlich durch Konflikte mit anderen Walen entstehen – denn ich habe sie am häufigsten bei großen, ausgewachsenen Männchen dieser Art festgestellt. Noch ein paar Worte zum Thema Haut oder Fettschicht des Wals: Wie bereits erwähnt, wird diese in langen Streifen vom Wal abgetrennt – man nennt sie „Fettschichtstreifen“. Wie die meisten Seebegriffe ist auch dieser Begriff sehr passend und aussagekräftig. Der Wal ist tatsächlich in seiner Fettschicht eingehüllt, wie in eine echte Decke oder einen Poncho – oder besser gesagt, wie in einen indischen Poncho, der über seinen Kopf gezogen und bis zu seinen Extremitäten herabreicht. Gerade wegen dieser „bequemen“ Bedeckung seines Körpers kann der Wal in jedem Wetter komfortabel leben.
Page 339
In allen Meeren, zu allen Zeiten und bei allen Gezeiten. Was würde aus einer Grönlandwal, sagen wir, in jenen eisigen Gewässern des Nordens werden, wenn sie nicht über ihre „bequeme“ Isolation verfügen würde? Zwar gibt es in diesen hyperboreischen Gewässern viele Fische – doch es handelt sich dabei um kaltblütige, lungenlose Tiere, deren Bauchteile wie Kühlschränke fungieren; solche Lebewesen wärmen sich im Schatten eines Eisschiffs auf, so wie ein Reisender im Winter vor dem Feuer einer Herberge sitzt. Der Wal hingegen besitzt, genau wie der Mensch, Lungen und warmes Blut. Wenn sein Blut gefriert, stirbt er. Wie wunderbar ist es also – abgesehen von der Erklärung dafür –, dass dieses große Ungetüm, für das körperliche Wärme genauso unverzichtbar ist wie für den Menschen, dort zu Hause ist, sein Leben lang bis zu den Lippen in diesen arktischen Gewässern. Wenn Seeleute über Bord fallen, werden sie manchmal Monate später völlig erstarrt in den Eismassen gefunden, so wie eine Fliege in Bernstein eingefangen wird. Noch erstaunlicher ist jedoch, dass durch Experimente nachgewiesen wurde, dass das Blut eines Polarmarsches wärmer ist als das eines Negers auf Borneo im Sommer. Mir scheint, dass wir hier die seltene Tugend einer starken individuellen Vitalität sowie die seltene Tugend dicker Wände und innerer Weite erkennen. Oh Mensch! Bewundere den Wal und ahme ihn nach! Bleibe auch du warm inmitten des Eises. Lebe auch du in dieser Welt, ohne wirklich dazu zu gehören. Sei kühl am Äquator – halte dein Blut flüssig am Pol. Wie die große Kuppel von St. Peter und wie der große Wal: Halte, o Mensch, in allen Jahreszeiten deine eigene Temperatur bei. Doch wie einfach – und doch wie hoffnungslos – ist es, diese wunderbaren Eigenschaften zu lehren! Von Gebäuden her: Wie wenige haben eine Kuppel wie St. Peter! Von Lebewesen her: Wie wenige sind so groß wie der Wal!
Page 340
KAPITEL 69. Die Beerdigung.
„Zieht die Ketten an! Lasst den Kadaver nach hinten treiben!“
Die riesigen Taue haben nun ihre Aufgabe erfüllt. Der entblößte, weiße Körper des enthaupteten Wals glänzt wie ein Marmorfriedhof; obwohl seine Farbe sich verändert hat, hat er an Umfang nicht merklich abgenommen – er bleibt weiterhin kolossal. Langsam treibt er immer weiter weg, das Wasser um ihn herum wird von den gierigen Haien aufgewühlt und aufspritzt, und die Luft über ihm ist erfüllt vom schrillen Gezeter der Vögel, deren Schnäbel wie zahlreiche beleidigende Dolche auf den Wal gerichtet sind. Das riesige, weiße, kopflose Phantom treibt immer weiter vom Schiff weg – und mit jedem Zentimeter, den es sich entfernt, wird das mörderische Getöse größer. Stundenlang kann man diese schreckliche Szene vom fast unbeweglichen Schiff aus sehen. Unter dem klaren, milden Azurhimmel, auf der sanften Oberfläche des Meeres, getragen von fröhlichen Brisen, treibt diese große Masse des Todes weiter und weiter, bis sie in der Unendlichkeit verschwindet.
Es handelt sich dabei um eine äußerst traurige – und zugleich spöttische – Beerdigung! Die Seeadler sind in frommem Kummer, die „Lufthaien“ tragen sorgfältig schwarze oder gefleckte Kleidung. Im Leben hätten wohl nur wenige von ihnen dem Wal geholfen, falls er dazu Bedarf gehabt hätte – doch bei seiner „Beerdigung“ stürzen sie sich mit großer Gier auf ihn. Oh, schrecklicher Aasgeiz der Menschen! Nicht einmal der mächtigste Wal ist davor sicher.
Und das ist noch nicht das Ende. Auch wenn der Körper entweiht wurde, überlebt ein rachsüchtiger „Geist“, der über ihm schwebt, um Angst zu machen. Wenn ein ängstlicher Seefahrer oder ein unvorsichtiges Forschungsschiff aus der Ferne diesen weißen Körper im Sonnenlicht sieht – zusammen mit dem weißen Spritzwasser, das gegen ihn geschleudert wird –, dann wird sofort der harmlose Leichnam des Wals notiert: Sandbänke, Felsen und Wellen hier in der Gegend – Vorsicht! Vielleicht meiden Schiffe diesen Ort jahrelang; sie springen darüber hinweg, wie dumme Schafe über ein Vakuum springen – weil ihr Anführer ursprünglich dort gesprungen ist, als noch ein Stock in der Hand war. Das ist also das Prinzip der Vorgängerbeispiele – das ist die Nützlichkeit der Traditionen. Das ist die Geschichte eurer hartnäckigen Beharrlichkeit bei alten Überzeugungen, die niemals auf einer realen Grundlage beruhten – und die jetzt nicht einmal mehr in der Luft schweben! Das ist die Orthodoxie.
„Zieht die Ketten an! Lasst den Kadaver nach hinten treiben!“
Die riesigen Taue haben nun ihre Aufgabe erfüllt. Der entblößte, weiße Körper des enthaupteten Wals glänzt wie ein Marmorfriedhof; obwohl seine Farbe sich verändert hat, hat er an Umfang nicht merklich abgenommen – er bleibt weiterhin kolossal. Langsam treibt er immer weiter weg, das Wasser um ihn herum wird von den gierigen Haien aufgewühlt und aufspritzt, und die Luft über ihm ist erfüllt vom schrillen Gezeter der Vögel, deren Schnäbel wie zahlreiche beleidigende Dolche auf den Wal gerichtet sind. Das riesige, weiße, kopflose Phantom treibt immer weiter vom Schiff weg – und mit jedem Zentimeter, den es sich entfernt, wird das mörderische Getöse größer. Stundenlang kann man diese schreckliche Szene vom fast unbeweglichen Schiff aus sehen. Unter dem klaren, milden Azurhimmel, auf der sanften Oberfläche des Meeres, getragen von fröhlichen Brisen, treibt diese große Masse des Todes weiter und weiter, bis sie in der Unendlichkeit verschwindet.
Es handelt sich dabei um eine äußerst traurige – und zugleich spöttische – Beerdigung! Die Seeadler sind in frommem Kummer, die „Lufthaien“ tragen sorgfältig schwarze oder gefleckte Kleidung. Im Leben hätten wohl nur wenige von ihnen dem Wal geholfen, falls er dazu Bedarf gehabt hätte – doch bei seiner „Beerdigung“ stürzen sie sich mit großer Gier auf ihn. Oh, schrecklicher Aasgeiz der Menschen! Nicht einmal der mächtigste Wal ist davor sicher.
Und das ist noch nicht das Ende. Auch wenn der Körper entweiht wurde, überlebt ein rachsüchtiger „Geist“, der über ihm schwebt, um Angst zu machen. Wenn ein ängstlicher Seefahrer oder ein unvorsichtiges Forschungsschiff aus der Ferne diesen weißen Körper im Sonnenlicht sieht – zusammen mit dem weißen Spritzwasser, das gegen ihn geschleudert wird –, dann wird sofort der harmlose Leichnam des Wals notiert: Sandbänke, Felsen und Wellen hier in der Gegend – Vorsicht! Vielleicht meiden Schiffe diesen Ort jahrelang; sie springen darüber hinweg, wie dumme Schafe über ein Vakuum springen – weil ihr Anführer ursprünglich dort gesprungen ist, als noch ein Stock in der Hand war. Das ist also das Prinzip der Vorgängerbeispiele – das ist die Nützlichkeit der Traditionen. Das ist die Geschichte eurer hartnäckigen Beharrlichkeit bei alten Überzeugungen, die niemals auf einer realen Grundlage beruhten – und die jetzt nicht einmal mehr in der Luft schweben! Das ist die Orthodoxie.
Page 341
So mag der Körper des großen Wals zu Lebzeiten für seine Feinde eine wahre Bedrohung gewesen sein – doch nach seinem Tod wird sein Geist für die Welt zu einer machtlosen Quelle der Panik. Glauben Sie an Geister, mein Freund? Es gibt andere Geister als den aus Cock Lane, und es gibt weitaus bedeutendere Menschen als Dr. Johnson, die an sie glauben.
Page 342
KAPITEL 70. Die Sphinxwalze
Es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass der Leviathan vor dem vollständigen Entkleiden seines Körpers enthauptet wurde. Die Enthauptung einer Spermwalze ist eine wissenschaftlich-anatomische Leistung, auf die erfahrene Walschirurgen großen Stolz haben – und zu Recht. Man bedenke, dass der Wal nichts hat, was man richtig als Hals bezeichnen könnte; im Gegenteil: An der Stelle, an der Kopf und Körper zusammenzukommen scheinen, befindet sich gerade der dickste Teil des Körpers. Zudem muss der Chirurg von oben operieren – etwa acht bis zehn Fuß trennen ihn von seinem Opfer, das außerdem fast völlig in einem verfärbten, welligen und oft stürmischen Meer verborgen ist. Man muss auch bedenken, dass er unter diesen ungünstigen Umständen mehrere Fuß tief in das Fleisch schneiden muss; dabei darf er ohne jeglichen Einblick in die ständig enger werdende Wunde geschickt alle umliegenden Bereiche meiden und die Wirbelsäule genau an einem kritischen Punkt direkt bei ihrer Einmündung in den Schädel durchtrennen. Wundert es Sie da nicht über Stubbs Prahlerei, dass er behauptete, nur zehn Minuten für die Enthauptung einer Spermwalze benötigt zu haben? Sobald der Kopf abgetrennt ist, wird er nach hinten geworfen und dort mit einem Seil festgehalten, bis der Körper entkleidet ist. Wenn es sich um einen kleinen Wal handelt, wird der Kopf an Deck gehoben, um ihn anschließend beseitigen zu können. Bei einem ausgewachsenen Leviathan ist das jedoch unmöglich – denn der Kopf einer Spermwalze macht fast ein Drittel ihres gesamten Körpervolumens aus. Solch ein Gewicht auch nur mit den mächtigen Hebevorrichtungen eines Walfängers zu heben, wäre genauso sinnlos wie versuchen, einen holländischen Scheunenbau auf Juwelierwaagen zu wiegen. Nachdem der Wal der Pequod enthauptet und sein Körper entkleidet worden war, wurde der Kopf gegen die Schiffswand gehoben – etwa auf halber Höhe aus dem Meer heraus, damit er noch größtenteils vom Wasser getragen werden konnte. Dort hing der blutverschmierte Kopf an der Seite der Pequod – genauso wie der Kopf des Riesen Holofernes an Judiths Gürtel.
Es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass der Leviathan vor dem vollständigen Entkleiden seines Körpers enthauptet wurde. Die Enthauptung einer Spermwalze ist eine wissenschaftlich-anatomische Leistung, auf die erfahrene Walschirurgen großen Stolz haben – und zu Recht. Man bedenke, dass der Wal nichts hat, was man richtig als Hals bezeichnen könnte; im Gegenteil: An der Stelle, an der Kopf und Körper zusammenzukommen scheinen, befindet sich gerade der dickste Teil des Körpers. Zudem muss der Chirurg von oben operieren – etwa acht bis zehn Fuß trennen ihn von seinem Opfer, das außerdem fast völlig in einem verfärbten, welligen und oft stürmischen Meer verborgen ist. Man muss auch bedenken, dass er unter diesen ungünstigen Umständen mehrere Fuß tief in das Fleisch schneiden muss; dabei darf er ohne jeglichen Einblick in die ständig enger werdende Wunde geschickt alle umliegenden Bereiche meiden und die Wirbelsäule genau an einem kritischen Punkt direkt bei ihrer Einmündung in den Schädel durchtrennen. Wundert es Sie da nicht über Stubbs Prahlerei, dass er behauptete, nur zehn Minuten für die Enthauptung einer Spermwalze benötigt zu haben? Sobald der Kopf abgetrennt ist, wird er nach hinten geworfen und dort mit einem Seil festgehalten, bis der Körper entkleidet ist. Wenn es sich um einen kleinen Wal handelt, wird der Kopf an Deck gehoben, um ihn anschließend beseitigen zu können. Bei einem ausgewachsenen Leviathan ist das jedoch unmöglich – denn der Kopf einer Spermwalze macht fast ein Drittel ihres gesamten Körpervolumens aus. Solch ein Gewicht auch nur mit den mächtigen Hebevorrichtungen eines Walfängers zu heben, wäre genauso sinnlos wie versuchen, einen holländischen Scheunenbau auf Juwelierwaagen zu wiegen. Nachdem der Wal der Pequod enthauptet und sein Körper entkleidet worden war, wurde der Kopf gegen die Schiffswand gehoben – etwa auf halber Höhe aus dem Meer heraus, damit er noch größtenteils vom Wasser getragen werden konnte. Dort hing der blutverschmierte Kopf an der Seite der Pequod – genauso wie der Kopf des Riesen Holofernes an Judiths Gürtel.
Page 343
Als diese letzte Aufgabe erledigt war, war es Mittag, und die Seeleute gingen nach unten, um zu essen. Stille herrschte auf dem einst turbulenten, nun aber verlassenen Deck. Eine intensive Ruhe, wie eine universelle gelbe Lotusblüte, entfaltete immer mehr ihre lautlosen, maßlosen „Blätter“ auf dem Meer. Kurze Zeit später kam Ahab allein aus seiner Kabine hervor. Er machte ein paar Runden auf dem Quarterdeck, blieb dann stehen, blickte über die Reling – anschließend nahm er Stubb’s lange Schaufel, die nach der Enthauptung des Wals noch dort lag, stieß sie in den unteren Teil der halb im Wasser hängenden Masse, klemmte das andere Ende unter einen Arm und stand so da, mit aufmerksamem Blick auf diesen Kopf gerichtet.
Es war ein schwarzer, mit einem „Kapuzen“ versehener Kopf; und inmitten dieser intensiven Ruhe wirkte er wie die Sphinx in der Wüste. „Sprich, du riesiger, ehrwürdiger Kopf“, murmelte Ahab, „der, obwohl er keinen Bart trägt, hier und da von Moosen bedeckt erscheint; sprich, mächtiger Kopf, und verrate uns das Geheimnis, das in dir verborgen ist. Von allen Menschen bist du am tiefsten getaucht. Jener Kopf, auf dem jetzt die Sonne scheint, hat sich inmitten der Grundlagen dieser Welt bewegt. Dort, wo unverzeichnete Namen und Schiffe rosten, wo unzählige Hoffnungen und Anker verrotten; dort, in diesem tödlichen Meer, wurde die Erde mit den Knochen Millionen Ertrunkener beschwert – dort war dein Zuhause. Du warst dort, wohin weder Glocken noch Taucher je vordrangen; du hast neben vielen Seeleuten geschlafen, dort, wo schlaflose Mütter ihr Leben gegeben hätten, um sie zur Ruhe zu legen. Du hast die Liebenden gesehen, als sie von ihrem brennenden Schiff sprangen; Herz an Herz sanken sie unter die Wellen; treu zueinander, während der Himmel ihnen falsch erschien. Du hast den ermordeten Matrosen gesehen, als ihn Piraten vom Deck warfen; stundenlang fiel er in die tiefe Dunkelheit dieses grausamen Meeres – während seine Mörder unversehrt weitersegelten. Oh Kopf! Du hast genug gesehen, um Planeten zu zerreißen und Abraham zum Ungläubigen zu machen – und doch gehört kein einziges Wort dir!“
„Segelt voran!“, rief eine triumphierende Stimme vom Hauptmast herab.
„Ja? Nun, das ist ermutigend“, rief Ahab und richtete sich plötzlich auf; ganze Donnerwolken schienen von seiner Stirn zu weichen. „Dieser lebhafe Ruf inmitten dieser tödlichen Ruhe könnte fast sogar einen besseren Mann bekehren – Wohin nun?“
Es war ein schwarzer, mit einem „Kapuzen“ versehener Kopf; und inmitten dieser intensiven Ruhe wirkte er wie die Sphinx in der Wüste. „Sprich, du riesiger, ehrwürdiger Kopf“, murmelte Ahab, „der, obwohl er keinen Bart trägt, hier und da von Moosen bedeckt erscheint; sprich, mächtiger Kopf, und verrate uns das Geheimnis, das in dir verborgen ist. Von allen Menschen bist du am tiefsten getaucht. Jener Kopf, auf dem jetzt die Sonne scheint, hat sich inmitten der Grundlagen dieser Welt bewegt. Dort, wo unverzeichnete Namen und Schiffe rosten, wo unzählige Hoffnungen und Anker verrotten; dort, in diesem tödlichen Meer, wurde die Erde mit den Knochen Millionen Ertrunkener beschwert – dort war dein Zuhause. Du warst dort, wohin weder Glocken noch Taucher je vordrangen; du hast neben vielen Seeleuten geschlafen, dort, wo schlaflose Mütter ihr Leben gegeben hätten, um sie zur Ruhe zu legen. Du hast die Liebenden gesehen, als sie von ihrem brennenden Schiff sprangen; Herz an Herz sanken sie unter die Wellen; treu zueinander, während der Himmel ihnen falsch erschien. Du hast den ermordeten Matrosen gesehen, als ihn Piraten vom Deck warfen; stundenlang fiel er in die tiefe Dunkelheit dieses grausamen Meeres – während seine Mörder unversehrt weitersegelten. Oh Kopf! Du hast genug gesehen, um Planeten zu zerreißen und Abraham zum Ungläubigen zu machen – und doch gehört kein einziges Wort dir!“
„Segelt voran!“, rief eine triumphierende Stimme vom Hauptmast herab.
„Ja? Nun, das ist ermutigend“, rief Ahab und richtete sich plötzlich auf; ganze Donnerwolken schienen von seiner Stirn zu weichen. „Dieser lebhafe Ruf inmitten dieser tödlichen Ruhe könnte fast sogar einen besseren Mann bekehren – Wohin nun?“
Page 344
„Drei Punkte auf der Steuerbordspitze, Sir – und sie bringen ihren Wind zu uns!“
„Immer besser, mein Mann. Wenn doch nur St. Paul diesen Weg nehmen würde und mir mit seinem Wind meine Windlosigkeit beseitigen könnte! Oh Natur, oh Seele des Menschen! Wie weit über allen Ausdruck hinausgehen eure miteinander verbundenen Analogien! Kein einziger Atom regt sich oder lebt in der Materie – doch es gibt für jedes von ihnen ein listiges Ebenbild im Geist.“
„Immer besser, mein Mann. Wenn doch nur St. Paul diesen Weg nehmen würde und mir mit seinem Wind meine Windlosigkeit beseitigen könnte! Oh Natur, oh Seele des Menschen! Wie weit über allen Ausdruck hinausgehen eure miteinander verbundenen Analogien! Kein einziger Atom regt sich oder lebt in der Materie – doch es gibt für jedes von ihnen ein listiges Ebenbild im Geist.“
Page 345
KAPITEL 71. Die Geschichte der Jeroboam.
Hand in Hand wehten Schiff und Wind – doch der Wind kam schneller als das Schiff, und bald begann die Pequod zu schwanken. Nach und nach zeigten durch das Glas die Boote des Fremdschiffs sowie die Besatzung an den Mastspitzen, dass es sich um ein Walfangschiff handelte. Da es jedoch weit vor dem Wind lag und offensichtlich auf dem Weg zu einem anderen Ort war, konnte die Pequod nicht hoffen, es einzuholen. Deshalb wurde ein Signal gesendet, um zu sehen, welche Reaktion darauf erfolgen würde.
Es sei hier erwähnt, dass die Schiffe der amerikanischen Walfangflotte, genauso wie die Schiffe der Marine, jeweils ein eigenes Signal haben. Alle diese Signale sind in einem Buch mit den Namen der jeweiligen Schiffe aufgeführt; jeder Kapitän erhält daher ein solches Buch. Dadurch können die Walfangkapitäne einander auch aus großer Entfernung mühelos erkennen.
Das Signal der Pequod wurde schließlich vom Fremdschiff mit seinem eigenen Signal beantwortet – dadurch wurde klar, dass es sich um die Jeroboam von Nantucket handelte. Das Schiff richtete seine Segel aus, fuhr parallel zur Pequod und ließ ein Boot zu Wasser. Dieses näherte sich schnell – doch als Starbuck auf Befehl eine Leiter zum Umgang mit dem besuchenden Kapitän herunterlassen ließ, winkte der Mann im Boot von hinten mit der Hand, um anzudeuten, dass dies völlig unnötig sei. Es stellte sich heraus, dass an Bord der Jeroboam eine gefährliche Epidemie herrschte, und ihr Kapitän Mayhew fürchtete, die Besatzung der Pequod anzustecken. Obwohl er selbst sowie die Besatzung seines Bootes unversehrt blieben und sein Schiff zwar nur etwa einen Gewehrschuss entfernt war und ein unberührtes Meer sowie Luft zwischen ihnen lagen, weigerte er sich aus Gründen der Quarantäne entschieden, direkten Kontakt mit der Pequod aufzunehmen.
Doch das hinderte keineswegs alle Kommunikationen. Indem das Boot der Jeroboam einen Abstand von einigen Metern zu dem anderen Schiff hielt und gelegentlich die Ruder benutzte, gelang es ihm, parallel zur Pequod zu bleiben – während diese mit voll gesetztem Hauptsegel durch das Meer pflügte (denn zu dieser Zeit wehte ein sehr starker Wind).
Hand in Hand wehten Schiff und Wind – doch der Wind kam schneller als das Schiff, und bald begann die Pequod zu schwanken. Nach und nach zeigten durch das Glas die Boote des Fremdschiffs sowie die Besatzung an den Mastspitzen, dass es sich um ein Walfangschiff handelte. Da es jedoch weit vor dem Wind lag und offensichtlich auf dem Weg zu einem anderen Ort war, konnte die Pequod nicht hoffen, es einzuholen. Deshalb wurde ein Signal gesendet, um zu sehen, welche Reaktion darauf erfolgen würde.
Es sei hier erwähnt, dass die Schiffe der amerikanischen Walfangflotte, genauso wie die Schiffe der Marine, jeweils ein eigenes Signal haben. Alle diese Signale sind in einem Buch mit den Namen der jeweiligen Schiffe aufgeführt; jeder Kapitän erhält daher ein solches Buch. Dadurch können die Walfangkapitäne einander auch aus großer Entfernung mühelos erkennen.
Das Signal der Pequod wurde schließlich vom Fremdschiff mit seinem eigenen Signal beantwortet – dadurch wurde klar, dass es sich um die Jeroboam von Nantucket handelte. Das Schiff richtete seine Segel aus, fuhr parallel zur Pequod und ließ ein Boot zu Wasser. Dieses näherte sich schnell – doch als Starbuck auf Befehl eine Leiter zum Umgang mit dem besuchenden Kapitän herunterlassen ließ, winkte der Mann im Boot von hinten mit der Hand, um anzudeuten, dass dies völlig unnötig sei. Es stellte sich heraus, dass an Bord der Jeroboam eine gefährliche Epidemie herrschte, und ihr Kapitän Mayhew fürchtete, die Besatzung der Pequod anzustecken. Obwohl er selbst sowie die Besatzung seines Bootes unversehrt blieben und sein Schiff zwar nur etwa einen Gewehrschuss entfernt war und ein unberührtes Meer sowie Luft zwischen ihnen lagen, weigerte er sich aus Gründen der Quarantäne entschieden, direkten Kontakt mit der Pequod aufzunehmen.
Doch das hinderte keineswegs alle Kommunikationen. Indem das Boot der Jeroboam einen Abstand von einigen Metern zu dem anderen Schiff hielt und gelegentlich die Ruder benutzte, gelang es ihm, parallel zur Pequod zu bleiben – während diese mit voll gesetztem Hauptsegel durch das Meer pflügte (denn zu dieser Zeit wehte ein sehr starker Wind).
Page 346
Durch eine große rollende Welle würde das Boot etwas nach vorne gedrückt werden; doch bald würde es geschickt wieder in die richtige Richtung gebracht werden. Abgesehen von diesen und anderen ähnlichen Unterbrechungen fand dennoch ein Gespräch zwischen den beiden Parteien statt – allerdings immer wieder unterbrochen durch weitere, ganz andere Störungen.
Der Mann, der im Boot der Jeroboam ruderte, hatte ein außergewöhnliches Aussehen – selbst in diesem wilden Walfangleben, in dem individuelle Besonderheiten alles ausmachen. Er war ein kleiner, kurzgewachsener, noch junger Mann, dessen Gesicht voller Sommersprossen war und der übermäßig viel gelbes Haar hatte. Ein langschönläufiger Mantel in einem verblassten Walnusston umhüllte ihn; die übereinanderliegenden Ärmel waren bis zu seinen Handgelenken hochgekrempelt. In seinen Augen lag ein tiefer, fanatischer Wahnsinn.
Sobald diese Gestalt zum ersten Mal erspäht wurde, rief Stubb aus: „Das ist er! Das ist er! Der langärmelige Schurke, von dem uns die Besatzung der Town-Ho erzählt hat!“ Stubb bezog sich hier auf eine seltsame Geschichte über die Jeroboam und einen bestimmten Mann an ihrer Besatzung, die bereits vor längerer Zeit erzählt worden war, als die Pequod mit der Town-Ho in Kontakt kam. Laut dieser Erzählung sowie dem, was später bekannt wurde, schien der betreffende Schurke eine erstaunliche Macht über fast alle an Bord der Jeroboam ausgeübt zu haben. Seine Geschichte lautete wie folgt:
Ursprünglich war er in der verrückten Gemeinschaft der Neskyeuna-Shakers aufgewachsen, wo er als großer Prophet galt. Bei ihren geheimen Versammlungen stieg er mehrmals durch eine Falltür vom Himmel herab und kündigte die baldige Öffnung des siebten Fläschchens an – welches er in seiner Westentasche trug. Anstelle von Schießpulver sollte es jedoch mit Laudanum gefüllt sein. Von einem seltsamen, apostolischen Impuls getrieben, verließ er Neskyeuna und ging nach Nantucket. Dort nahm er mit der List, die der Wahnsinn mit sich bringt, ein ruhiges, vernünftiges Aussehen an und bot sich als Anfänger für die Walfangreise der Jeroboam an. Sie nahmen ihn auf; doch sobald das Schiff Land aus den Augen verlor, brach sein Wahnsinn erneut aus. Er behauptete, der Erzengel Gabriel zu sein, und befahl dem Kapitän, über Bord zu springen. Er veröffentlichte ein Manifest, in dem er sich als Befreier der Meeresinseln und Generalvikar ganz Ozeaniens darstellte. Die unerschütterliche Ernsthaftigkeit, mit der er diese Dinge verkündete, das dunkle, kühne Spiel seiner schlaflosen, aufgeregten Vorstellungskraft sowie all die übernatürlichen Schrecken…
Der Mann, der im Boot der Jeroboam ruderte, hatte ein außergewöhnliches Aussehen – selbst in diesem wilden Walfangleben, in dem individuelle Besonderheiten alles ausmachen. Er war ein kleiner, kurzgewachsener, noch junger Mann, dessen Gesicht voller Sommersprossen war und der übermäßig viel gelbes Haar hatte. Ein langschönläufiger Mantel in einem verblassten Walnusston umhüllte ihn; die übereinanderliegenden Ärmel waren bis zu seinen Handgelenken hochgekrempelt. In seinen Augen lag ein tiefer, fanatischer Wahnsinn.
Sobald diese Gestalt zum ersten Mal erspäht wurde, rief Stubb aus: „Das ist er! Das ist er! Der langärmelige Schurke, von dem uns die Besatzung der Town-Ho erzählt hat!“ Stubb bezog sich hier auf eine seltsame Geschichte über die Jeroboam und einen bestimmten Mann an ihrer Besatzung, die bereits vor längerer Zeit erzählt worden war, als die Pequod mit der Town-Ho in Kontakt kam. Laut dieser Erzählung sowie dem, was später bekannt wurde, schien der betreffende Schurke eine erstaunliche Macht über fast alle an Bord der Jeroboam ausgeübt zu haben. Seine Geschichte lautete wie folgt:
Ursprünglich war er in der verrückten Gemeinschaft der Neskyeuna-Shakers aufgewachsen, wo er als großer Prophet galt. Bei ihren geheimen Versammlungen stieg er mehrmals durch eine Falltür vom Himmel herab und kündigte die baldige Öffnung des siebten Fläschchens an – welches er in seiner Westentasche trug. Anstelle von Schießpulver sollte es jedoch mit Laudanum gefüllt sein. Von einem seltsamen, apostolischen Impuls getrieben, verließ er Neskyeuna und ging nach Nantucket. Dort nahm er mit der List, die der Wahnsinn mit sich bringt, ein ruhiges, vernünftiges Aussehen an und bot sich als Anfänger für die Walfangreise der Jeroboam an. Sie nahmen ihn auf; doch sobald das Schiff Land aus den Augen verlor, brach sein Wahnsinn erneut aus. Er behauptete, der Erzengel Gabriel zu sein, und befahl dem Kapitän, über Bord zu springen. Er veröffentlichte ein Manifest, in dem er sich als Befreier der Meeresinseln und Generalvikar ganz Ozeaniens darstellte. Die unerschütterliche Ernsthaftigkeit, mit der er diese Dinge verkündete, das dunkle, kühne Spiel seiner schlaflosen, aufgeregten Vorstellungskraft sowie all die übernatürlichen Schrecken…
Page 347
Delirium – das wurde genutzt, um Gabriel in den Köpfen der meisten unwissenden Besatzungsmitglieder als etwas Heiliges darzustellen. Zudem hatten sie Angst vor ihm. Ein solcher Mann war jedoch auf dem Schiff kaum von praktischem Nutzen – besonders da er nur dann arbeiten wollte, wenn es ihm passte. Der ungläubige Kapitän hätte ihn am liebsten loswerden wollen; doch als er erfuhr, dass Gabriel die Absicht hatte, ihn im nächstgelegenen Hafen an Land zu bringen, öffnete der Erzengel sofort alle seine Siegel und Fläschchen – und verurteilte damit das Schiff sowie alle Besatzungsmitglieder zur bedingungslosen Verdammnis, falls dieser Plan in die Tat umgesetzt werden sollte. So stark wirkte er auf seine Anhänger unter der Besatzung ein, dass diese schließlich gemeinsam zum Kapitän gingen und ihm sagten: Wenn Gabriel vom Schiff vertrieben würde, würde keiner von ihnen übrig bleiben. Deshalb musste der Kapitain seinen Plan aufgeben. Sie ließen auch nicht zu, dass Gabriel irgendwie misshandelt wurde oder tun konnte, was er wollte – so hatte Gabriel schließlich völlige Freiheit auf dem Schiff. Die Folge all dessen war, dass dem Erzengel der Kapitän sowie die Matrosen kaum noch etwas bedeuteten. Da die Epidemie ausgebrochen war, hatte er mehr Macht denn je – er behauptete, die Seuche stehe allein unter seinem Befehl und könne nur nach seinem Willen gestoppt werden. Die Seeleute, meist arme Teufel, zitterten vor Angst; einige von ihnen schmeichelten ihm sogar, um seinen Befehlen zu gehorchen – manchmal brachten sie ihm sogar persönlichen Respekt entgegen, als wäre er ein Gott. Solche Dinge mögen unglaublich erscheinen – doch so seltsam sie auch sind, sie sind wahr. Auch die Geschichte der Fanatiker ist in Bezug auf die grenzenlose Selbsttäuschung des Fanatikers selbst nicht halb so beeindruckend wie seine grenzenlose Fähigkeit, viele andere zu täuschen und zu quälen. Doch es ist Zeit, zum Pequod zurückzukehren.
„Ich fürchte deine Epidemie nicht, Mann“, sagte Ahab von den Bugrelingen aus zu Kapitän Mayhew, der am Heck des Bootes stand. „Komm an Bord.“
Doch nun stand Gabriel auf.
„Denkt an die Fieber – gelbe und gallige Fieber! Hütet euch vor der schrecklichen Seuche!“
„Gabriel! Gabriel!“, rief Kapitän Mayhew. „Du musst entweder…“ Doch in diesem Moment schleuderte eine hohe Welle das Boot weit nach vorne – das Rauschen des Wassers übertönte alle Worte.
„Hast du den Weißen Wal gesehen?“, fragte Ahab, als das Boot wieder zurücktrieb.
„Denkt an euer Walboot – zerstört und gesunken! Hütet euch vor dem schrecklichen Schwanz!“
„Ich fürchte deine Epidemie nicht, Mann“, sagte Ahab von den Bugrelingen aus zu Kapitän Mayhew, der am Heck des Bootes stand. „Komm an Bord.“
Doch nun stand Gabriel auf.
„Denkt an die Fieber – gelbe und gallige Fieber! Hütet euch vor der schrecklichen Seuche!“
„Gabriel! Gabriel!“, rief Kapitän Mayhew. „Du musst entweder…“ Doch in diesem Moment schleuderte eine hohe Welle das Boot weit nach vorne – das Rauschen des Wassers übertönte alle Worte.
„Hast du den Weißen Wal gesehen?“, fragte Ahab, als das Boot wieder zurücktrieb.
„Denkt an euer Walboot – zerstört und gesunken! Hütet euch vor dem schrecklichen Schwanz!“
Page 348
„Ich sage es dir noch einmal, Gabriel –“ Doch wieder setzte sich das Boot rasant in Bewegung, als würde es von Dämonen gezogen. Für einige Momente sagte niemand etwas, während eine Abfolge gewaltiger Wellen vorbeizog; durch eines jener gelegentlichen Launen des Meeres rollten diese Wellen heran, anstatt das Boot hochzuheben. In der Zwischenzeit bewegte sich der gehobene Kopf des Wals sehr heftig hin und her, und man sah, wie Gabriel ihn mit einer gewissen Besorgnis betrachtete – mehr, als seine Natur als Erzengel eigentlich erforderte. Als diese Pause vorbei war, begann Kapitän Mayhew eine düstere Geschichte über Moby Dick; doch immer wieder wurde er von Gabriel unterbrochen, sobald dessen Name erwähnt wurde, sowie vom verrückten Meer, das anscheinend mit ihm verbündet war. Es schien, dass die Jeroboam noch nicht lange von zu Hause aufgebrochen war, als sie auf ein Walfangschiff stieß und deren Besatzung von der Existenz von Moby Dick sowie den Verwüstungen, die er angerichtet hatte, erfuhr. Gabriel nahm diese Informationen gierig auf und warnte den Kapitän eindringlich davor, den Weißen Wal anzugreifen, falls dieser sichtbar werden sollte; in seinem wahnsinnigen Delirium behauptete er, der Weiße Wal sei nichts Geringeres als die Verkörperung des Shaker-Gottes – jenes Gottes, dem die Bibel übergeben wurde. Doch ein oder zwei Jahre später, als Moby Dick tatsächlich von den Mastspitzen aus sichtbar wurde, brannte der Erste Offizier Macey darauf, ihm entgegenzutreten; und obwohl der Kapitän trotz aller Warnungen des Erzengels nicht abgeneigt war, ihm diese Gelegenheit zu geben, gelang es Macey, fünf Männer dazu zu überreden, sein Boot zu bemannen. Mit ihnen setzte er sich in Bewegung; nach viel mühsamem Rudern sowie vielen gefährlichen, erfolglosen Angriffen gelang es ihm schließlich, einen Haken am Wal anzubringen. In der Zwischenzeit stieg Gabriel auf die Spitze des Hauptmastes, schwang einen Arm in verzweifelten Gesten und verkündete Prophezeiungen über ein schnelles Verderben für die gotteslästerlichen Angreifer seiner Göttlichkeit. Während Macey, der Erste Offizier, im Bug seines Bootes stand und mit der ganzen unbesonnenen Energie seines Volkes wilde Schreie gegen den Wal ausstieß und versuchte, eine gute Chance für seinen Speer zu bekommen, erhob sich plötzlich ein breiter weißer Schatten aus dem Meer; durch seine schnellen, fächerartigen Bewegungen wurde den Ruderern vorübergehend der Atem geraubt. Im nächsten Moment wurde der unglückliche Offizier, voller wilder Energie, in die Luft geschleudert und fiel nach einem langen Bogen etwa fünfzig Yards entfernt ins Meer. Kein Stück des Bootes wurde beschädigt, kein Haar auf dem Kopf irgendeines Rudersmannes – doch der Offizier sank für immer. Es sei hier angemerkt, dass solche tödlichen Unfälle in der Walfangindustrie wohl genauso häufig vorkommen wie alle anderen. Manchmal…
Page 349
Nichts wird verletzt – außer dem Mann, der dadurch vernichtet wird. Oft wird die Bugspitze des Bootes abgerissen, oder das Podest, auf dem der Steuermann steht, reißt aus seiner Verankerung und folgt dem Körper ins Meer. Doch das Seltsamste von allem ist die Tatsache, dass in mehreren Fällen, nachdem der Körper geborgen wurde, kein einziger Anhaltspunkt für Gewalt zu erkennen war – der Mann war einfach tot.
Die ganze Katastrophe, einschließlich des Sturzes von Macey, konnte vom Schiff aus deutlich beobachtet werden. Mit einem durchdringenden Schrei rief Gabriel den vor Entsetzen erstarrten Besatzungskräften zu, aufzuhören, weiterhin nach dem Wal zu jagen. Dieses schreckliche Ereignis verlieh dem Erzengel noch mehr Einfluss – denn seine gläubigen Jünger glaubten, er habe es bereits im Voraus prophezeit, anstatt nur eine allgemeine Prophezeiung abzugeben, wie es jeder andere auch hätte tun können. So wurde er zu einer namenlosen Bedrohung für das Schiff.
Nachdem Mayhew seine Erzählung beendet hatte, stellte Ahab ihm solche Fragen, dass der fremde Kapitän nicht umhin konnte, zu fragen, ob er bei Gelegenheit den Weißen Wal jagen wolle. Darauf antwortete Ahab: „Ja.“ Sofort stand Gabriel wieder auf, starrte den Alten an und rief mit ausgestrecktem Finger nach unten: „Denkt daran, den Gottlosen – tot und dort unten! Hütet euch vor seinem Schicksal!“
Ahab wandte sich stumm ab und sagte zu Mayhew: „Kapitän, mir ist gerade meine Briefmappe eingefallen. Darin befindet sich ein Brief für einen Ihrer Offiziere, wenn ich mich nicht irre. Starbuck, überprüfen Sie die Mappe.“
Jedes Walfangschiff bringt eine beträchtliche Anzahl von Briefen für verschiedene Schiffe mit sich. Die Zustellung dieser Briefe an die Empfänger hängt allein davon ab, ob man sie in den vier Ozeanen zufällig trifft. Deshalb erreichen die meisten Briefe ihre Adressaten nie; viele werden erst nach zwei oder drei Jahren oder länger zugestellt.
Bald kehrte Starbuck mit einem Brief in der Hand zurück. Der Brief war stark zerknittert, feucht und mit einem trüben, fleckigen grünen Schimmel bedeckt – vermutlich weil er in einem dunklen Fach der Kabine aufbewahrt worden war. Von einem solchen Brief könnte selbst der Tod als Bote dienen.
„Können Sie ihn nicht lesen?“, rief Ahab. „Geben Sie ihn mir. Ja, es ist nur eine unleserliche Kritzelung – was steht da?“ Während er den Brief studierte, nahm Starbuck einen langen Spaten und spaltete mit seinem Messer leicht das Ende des Briefes, um ihn hineinzustecken.
Die ganze Katastrophe, einschließlich des Sturzes von Macey, konnte vom Schiff aus deutlich beobachtet werden. Mit einem durchdringenden Schrei rief Gabriel den vor Entsetzen erstarrten Besatzungskräften zu, aufzuhören, weiterhin nach dem Wal zu jagen. Dieses schreckliche Ereignis verlieh dem Erzengel noch mehr Einfluss – denn seine gläubigen Jünger glaubten, er habe es bereits im Voraus prophezeit, anstatt nur eine allgemeine Prophezeiung abzugeben, wie es jeder andere auch hätte tun können. So wurde er zu einer namenlosen Bedrohung für das Schiff.
Nachdem Mayhew seine Erzählung beendet hatte, stellte Ahab ihm solche Fragen, dass der fremde Kapitän nicht umhin konnte, zu fragen, ob er bei Gelegenheit den Weißen Wal jagen wolle. Darauf antwortete Ahab: „Ja.“ Sofort stand Gabriel wieder auf, starrte den Alten an und rief mit ausgestrecktem Finger nach unten: „Denkt daran, den Gottlosen – tot und dort unten! Hütet euch vor seinem Schicksal!“
Ahab wandte sich stumm ab und sagte zu Mayhew: „Kapitän, mir ist gerade meine Briefmappe eingefallen. Darin befindet sich ein Brief für einen Ihrer Offiziere, wenn ich mich nicht irre. Starbuck, überprüfen Sie die Mappe.“
Jedes Walfangschiff bringt eine beträchtliche Anzahl von Briefen für verschiedene Schiffe mit sich. Die Zustellung dieser Briefe an die Empfänger hängt allein davon ab, ob man sie in den vier Ozeanen zufällig trifft. Deshalb erreichen die meisten Briefe ihre Adressaten nie; viele werden erst nach zwei oder drei Jahren oder länger zugestellt.
Bald kehrte Starbuck mit einem Brief in der Hand zurück. Der Brief war stark zerknittert, feucht und mit einem trüben, fleckigen grünen Schimmel bedeckt – vermutlich weil er in einem dunklen Fach der Kabine aufbewahrt worden war. Von einem solchen Brief könnte selbst der Tod als Bote dienen.
„Können Sie ihn nicht lesen?“, rief Ahab. „Geben Sie ihn mir. Ja, es ist nur eine unleserliche Kritzelung – was steht da?“ Während er den Brief studierte, nahm Starbuck einen langen Spaten und spaltete mit seinem Messer leicht das Ende des Briefes, um ihn hineinzustecken.
Page 350
Ein Brief – und auf diese Weise konnte er ihn dem Boot überreichen, ohne dass dieses dem Schiff näher kam. In der Zwischenzeit murmelte Ahab, der den Brief in der Hand hielt: „Mr. Har – ja, Mr. Harry – (die Hand einer Frau – vermutlich die Frau des Mannes) – Ja, Mr. Harry Macey, vom Schiff Jeroboam; es ist Macey – und er ist tot!“
„Armer Kerl! Armer Kerl! Und von seiner Frau“, seufzte Mayhew; „aber geben Sie ihn mir.“
„Nein, behalte ihn selbst“, rief Gabriel zu Ahab; „du wirst bald dorthin gehen.“
„Verflucht seist du!“, schrie Ahab. „Kapitän Mayhew, seien Sie bereit, ihn entgegenzunehmen!“ Er nahm den tödlichen Brief aus Starbucks Händen, befestigte ihn am Stab und reichte ihn zum Boot hinüber. Doch in diesem Moment hörten die Ruderer auf zu rudern; das Boot trieb etwas näher zum Heck des Schiffes. So gelangte der Brief plötzlich, als wäre es Magie, in Gabriels wartende Hand. Er packte ihn sofort, griff nach dem Bootsmesser, spießte den Brief darauf auf und schickte ihn so zurück ins Schiff. Der Brief fiel zu Ahabs Füßen. Dann schrie Gabriel seinen Kameraden zu, mit den Rudern Platz zu machen – und so entfernte sich das meuternde Boot schnell vom Pequod.
Nach diesem Vorfall setzten die Seeleute ihre Arbeit am Wal fort – und es wurden viele seltsame Dinge bezüglich dieses verrückten Vorfalls erwähnt.
„Armer Kerl! Armer Kerl! Und von seiner Frau“, seufzte Mayhew; „aber geben Sie ihn mir.“
„Nein, behalte ihn selbst“, rief Gabriel zu Ahab; „du wirst bald dorthin gehen.“
„Verflucht seist du!“, schrie Ahab. „Kapitän Mayhew, seien Sie bereit, ihn entgegenzunehmen!“ Er nahm den tödlichen Brief aus Starbucks Händen, befestigte ihn am Stab und reichte ihn zum Boot hinüber. Doch in diesem Moment hörten die Ruderer auf zu rudern; das Boot trieb etwas näher zum Heck des Schiffes. So gelangte der Brief plötzlich, als wäre es Magie, in Gabriels wartende Hand. Er packte ihn sofort, griff nach dem Bootsmesser, spießte den Brief darauf auf und schickte ihn so zurück ins Schiff. Der Brief fiel zu Ahabs Füßen. Dann schrie Gabriel seinen Kameraden zu, mit den Rudern Platz zu machen – und so entfernte sich das meuternde Boot schnell vom Pequod.
Nach diesem Vorfall setzten die Seeleute ihre Arbeit am Wal fort – und es wurden viele seltsame Dinge bezüglich dieses verrückten Vorfalls erwähnt.
Page 351
KAPITEL 72. Die Affenleine.
Im hektischen Treiben beim Zerteilen und Bearbeiten eines Wals muss die Besatzung ständig hin und her laufen. Mal werden hier Hände benötigt, mal wieder dort. Es ist nicht möglich, an einem Ort zu bleiben – denn gleichzeitig muss überall etwas erledigt werden. Gleiches gilt für denjenigen, der versucht, diese Szene zu beschreiben. Wir müssen nun unseren Weg ein wenig zurückverfolgen. Es wurde bereits erwähnt, dass, sobald man zum ersten Mal eine Öffnung im Rücken des Wals schaffte, der Fetthaken in dieses Loch eingeführt wurde – ein Loch, das zuvor mit Schaufeln geschaffen worden war. Doch wie konnte ein so unhandliches und schweres Gerät wie dieser Haken in dieses Loch gebracht werden? Er wurde dort von meinem Freund Queequeg eingeführt – dessen Aufgabe es als Harpunier war, zu dem Monster hinaufzuklettern, um die genannte Aufgabe auszuführen. In vielen Fällen erfordern die Umstände jedoch, dass der Harpunier auf dem Wal bleibt, bis die gesamte Entfettungsarbeit abgeschlossen ist. Der Wal liegt dabei fast vollständig unter Wasser – mit Ausnahme der Bereiche, an denen gearbeitet wird. Also da unten, etwa zehn Fuß unterhalb der Decksfläche, kämpft sich der arme Harpunier vorwärts – halb auf dem Wal, halb im Wasser – während sich die riesige Masse wie ein Rad unter ihm dreht. Bei diesem Vorfall trug Queequeg einen Hochlandanzug – Hemd und Socken – und in meinen Augen sah er dadurch besonders gut aus. Niemand hatte bessere Chancen, ihn zu beobachten, wie gleich zu sehen sein wird.
Da ich der Bogenschütze des Wilden war – also die Person, die das Ruderboot steuerte (das zweite von vorn) – war es meine Pflicht, ihn während dieses schwierigen Unterfangens auf dem Rücken des toten Wals zu unterstützen. Man hat sicher schon italienische Organisten gesehen, die einen tanzenden Affen an einem langen Seil festhalten. Genau so hielt ich Queequeg vom steilen Schiffsrumpf aus im Meer fest – mit einer sogenannten Affenleine, die an einem starken Stück Segeltuch befestigt war, das um seine Taille gebunden war.
Es war eine humorvoll gefährliche Angelegenheit für uns beide. Denn bevor wir weitermachen, muss gesagt werden: Die Affenleine war an beiden Enden befestigt – an Queequegs breitem Segeltuchgürtel sowie an meinem schmalen Ledergürtel. So waren wir, zum Guten oder Schlechten, vorerst miteinander verbunden.
Im hektischen Treiben beim Zerteilen und Bearbeiten eines Wals muss die Besatzung ständig hin und her laufen. Mal werden hier Hände benötigt, mal wieder dort. Es ist nicht möglich, an einem Ort zu bleiben – denn gleichzeitig muss überall etwas erledigt werden. Gleiches gilt für denjenigen, der versucht, diese Szene zu beschreiben. Wir müssen nun unseren Weg ein wenig zurückverfolgen. Es wurde bereits erwähnt, dass, sobald man zum ersten Mal eine Öffnung im Rücken des Wals schaffte, der Fetthaken in dieses Loch eingeführt wurde – ein Loch, das zuvor mit Schaufeln geschaffen worden war. Doch wie konnte ein so unhandliches und schweres Gerät wie dieser Haken in dieses Loch gebracht werden? Er wurde dort von meinem Freund Queequeg eingeführt – dessen Aufgabe es als Harpunier war, zu dem Monster hinaufzuklettern, um die genannte Aufgabe auszuführen. In vielen Fällen erfordern die Umstände jedoch, dass der Harpunier auf dem Wal bleibt, bis die gesamte Entfettungsarbeit abgeschlossen ist. Der Wal liegt dabei fast vollständig unter Wasser – mit Ausnahme der Bereiche, an denen gearbeitet wird. Also da unten, etwa zehn Fuß unterhalb der Decksfläche, kämpft sich der arme Harpunier vorwärts – halb auf dem Wal, halb im Wasser – während sich die riesige Masse wie ein Rad unter ihm dreht. Bei diesem Vorfall trug Queequeg einen Hochlandanzug – Hemd und Socken – und in meinen Augen sah er dadurch besonders gut aus. Niemand hatte bessere Chancen, ihn zu beobachten, wie gleich zu sehen sein wird.
Da ich der Bogenschütze des Wilden war – also die Person, die das Ruderboot steuerte (das zweite von vorn) – war es meine Pflicht, ihn während dieses schwierigen Unterfangens auf dem Rücken des toten Wals zu unterstützen. Man hat sicher schon italienische Organisten gesehen, die einen tanzenden Affen an einem langen Seil festhalten. Genau so hielt ich Queequeg vom steilen Schiffsrumpf aus im Meer fest – mit einer sogenannten Affenleine, die an einem starken Stück Segeltuch befestigt war, das um seine Taille gebunden war.
Es war eine humorvoll gefährliche Angelegenheit für uns beide. Denn bevor wir weitermachen, muss gesagt werden: Die Affenleine war an beiden Enden befestigt – an Queequegs breitem Segeltuchgürtel sowie an meinem schmalen Ledergürtel. So waren wir, zum Guten oder Schlechten, vorerst miteinander verbunden.
Page 352
Der arme Queequeg sank immer tiefer und kam nicht mehr hoch. Da sowohl die Notwendigkeit als auch die Ehre es erforderten, dass ich statt des Seils von ihm mitgerissen wurde, verband uns eine Art verlängerte siamesische Verbindung. Queequeg war mein unzertrennlicher Zwillingsbruder – und ich konnte auf keine Weise den gefährlichen Risiken entkommen, die diese Verbindung mit sich brachte.
Ich sah meine Situation damals in einer sehr starken, fast metaphysischen Weise: Während ich seine Bewegungen aufmerksam beobachtete, hatte ich das deutliche Gefühl, dass meine eigene Individualität nun in eine „Gesellschaft zweier Personen“ übergegangen sei; dass mein freier Wille eine tödliche Verletzung erlitten habe – und dass der Fehler oder das Unglück eines anderen mich, den Unschuldigen, in unverdientes Unglück und Tod stürzen könnte.
Daher erschien mir dies wie eine Art Interregnum in der Vorsehung – denn ihre gerechte Gleichbehandlung hätte niemals eine solche Grausamkeit zulassen können. Doch nach weiterem Nachdenken – während ich ihn ab und zu aus der Gefahr zwischen Wal und Schiff herauszog – erkannte ich, dass meine Situation genau die jeder sterblichen Kreatur ist, die atmet. Nur in den meisten Fällen hat diese Person auf irgendeine Weise eine solche Verbindung mit mehreren anderen Sterblichen. Wenn Ihr Bankier versagt, seid Ihr ruiniert; wenn Euer Apotheker versehentlich Gift in Eure Pillen gibt, sterbt Ihr. Zwar könnt Ihr sagen, dass man durch übermäßige Vorsicht diesen sowie vielen anderen Lebensgefahren entgehen kann – doch selbst wenn ich vorsichtig mit Queequegs Seil umging, zog er es manchmal so stark, dass ich beinahe über Bord gerutscht wäre. Ich konnte auch nicht vergessen, dass ich, egal was ich tat, nur die Kontrolle über ein Ende des Seils hatte.
*Das „Affenseil“ kommt bei allen Walfängerschiffen vor – doch erst auf der Pequod wurden Affe und sein Träger miteinander verbunden. Diese Verbesserung gegenüber der ursprünglichen Nutzung wurde von nichts Geringerem als Stubb eingeführt, um dem in Gefahr befindlichen Harpunier die stärkste mögliche Garantie für die Treue und Wachsamkeit seines Trägers zu bieten.*
Ich habe bereits angedeutet, dass ich den armen Queequeg oft aus der Gefahr zwischen Wal und Schiff herauszog – wo er wegen des ständigen Rollens und Schwankens beider Objekte gelegentlich herunterfiel. Doch das war nicht die einzige Gefahr, der er ausgesetzt war. Unbeeindruckt vom Massaker, das in der Nacht an ihnen verübt worden war, lockten die Haie nun, angezogen vom frisch fließenden Blut aus dem Kadaver, noch intensiver – diese rasenden Kreaturen schwärmten um den Kadaver herum wie Bienen in einem Bienenstock.
Ich sah meine Situation damals in einer sehr starken, fast metaphysischen Weise: Während ich seine Bewegungen aufmerksam beobachtete, hatte ich das deutliche Gefühl, dass meine eigene Individualität nun in eine „Gesellschaft zweier Personen“ übergegangen sei; dass mein freier Wille eine tödliche Verletzung erlitten habe – und dass der Fehler oder das Unglück eines anderen mich, den Unschuldigen, in unverdientes Unglück und Tod stürzen könnte.
Daher erschien mir dies wie eine Art Interregnum in der Vorsehung – denn ihre gerechte Gleichbehandlung hätte niemals eine solche Grausamkeit zulassen können. Doch nach weiterem Nachdenken – während ich ihn ab und zu aus der Gefahr zwischen Wal und Schiff herauszog – erkannte ich, dass meine Situation genau die jeder sterblichen Kreatur ist, die atmet. Nur in den meisten Fällen hat diese Person auf irgendeine Weise eine solche Verbindung mit mehreren anderen Sterblichen. Wenn Ihr Bankier versagt, seid Ihr ruiniert; wenn Euer Apotheker versehentlich Gift in Eure Pillen gibt, sterbt Ihr. Zwar könnt Ihr sagen, dass man durch übermäßige Vorsicht diesen sowie vielen anderen Lebensgefahren entgehen kann – doch selbst wenn ich vorsichtig mit Queequegs Seil umging, zog er es manchmal so stark, dass ich beinahe über Bord gerutscht wäre. Ich konnte auch nicht vergessen, dass ich, egal was ich tat, nur die Kontrolle über ein Ende des Seils hatte.
*Das „Affenseil“ kommt bei allen Walfängerschiffen vor – doch erst auf der Pequod wurden Affe und sein Träger miteinander verbunden. Diese Verbesserung gegenüber der ursprünglichen Nutzung wurde von nichts Geringerem als Stubb eingeführt, um dem in Gefahr befindlichen Harpunier die stärkste mögliche Garantie für die Treue und Wachsamkeit seines Trägers zu bieten.*
Ich habe bereits angedeutet, dass ich den armen Queequeg oft aus der Gefahr zwischen Wal und Schiff herauszog – wo er wegen des ständigen Rollens und Schwankens beider Objekte gelegentlich herunterfiel. Doch das war nicht die einzige Gefahr, der er ausgesetzt war. Unbeeindruckt vom Massaker, das in der Nacht an ihnen verübt worden war, lockten die Haie nun, angezogen vom frisch fließenden Blut aus dem Kadaver, noch intensiver – diese rasenden Kreaturen schwärmten um den Kadaver herum wie Bienen in einem Bienenstock.
Page 353
Und mitten unter diesen Haien war Queequeg – der sie oft mit seinen zappelnden Füßen beiseiteschob. Es wäre völlig unglaublich, wenn nicht die Anziehungskraft von Beutetieren wie toten Walen dazu führte, dass der ansonsten vielfältig fleischfressende Hai selten einen Menschen anrührt. Dennoch kann man glauben, dass es klug ist, wachsam gegenüber ihnen zu sein, da sie so gierig sind. Deshalb wurde er neben dem Seil, mit dem ich ihn ab und zu aus zu großer Nähe zum Rachen eines besonders gefährlichen Hais wegzerren konnte, noch mit einer weiteren Schutzmaßnahme ausgestattet. Tashtego und Daggoo hingen über die Seite und schwangen ständig ein paar scharfe Walfangshaken über seinem Kopf, mit denen sie so viele Haie wie möglich töteten. Diese Handlungsweise war sicherlich sehr selbstlos und wohlwollend von ihnen – sie wollten schließlich Queequegs Bestes. Doch in ihrer eiligen Hast, ihm zu helfen, und weil er sowie die Haie manchmal vom blutverschmierten Wasser halb verdeckt wurden, konnten diese unvorsichtigen Haken eher ein Bein als einen Schwanz abschneiden. Der arme Queequeg – ich nehme an, er betete nur zu seinem Yojo und übergab sein Leben in die Hände seiner Götter.
„Nun, nun, mein lieber Gefährte und Zwillingsbruder“, dachte ich, während ich das Seil bei jedem Wellenschlag anzog und wieder lockerte – was macht das schon aus? Bist du nicht das Abbild all unserer Männer in dieser Walfangswelt? Dieser unermessliche Ozean, in den du keuchst, ist das Leben; diese Haie sind deine Feinde; diese Haken sind deine Freunde – und zwischen Haien und Haken befindest du dich in einer traurigen, gefährlichen Lage, armer Junge.
Aber Mut! Es erwartet dich gute Nachrichten, Queequeg. Denn jetzt, da der erschöpfte Wilde mit blauen Lippen und blutunterlaufenen Augen endlich die Ketten hochklettert und durchnässt sowie unkontrolliert zitternd über die Seite steht, tritt der Steuermann vor und reicht ihm mit einem wohlwollenden, tröstenden Blick – was? Einen Schluck heißen Cognac? Nein! Er reicht ihm, ihr Götter! Eine Tasse lauwarmen Ingwerwassers!
„Ingwer? Rieche ich hier Ingwer?“, fragte Stubb misstrauisch, als er näher kam.
„Ja, das muss Ingwer sein“, sagte er, indem er in die noch unberührte Tasse blickte. Dann stand er eine Weile ungläubig da, ging anschließend ruhig auf den erstaunten Steuermann zu und sagte langsam: „Ingwer? Ingwer? Und wollen Sie etwa…“
„Nun, nun, mein lieber Gefährte und Zwillingsbruder“, dachte ich, während ich das Seil bei jedem Wellenschlag anzog und wieder lockerte – was macht das schon aus? Bist du nicht das Abbild all unserer Männer in dieser Walfangswelt? Dieser unermessliche Ozean, in den du keuchst, ist das Leben; diese Haie sind deine Feinde; diese Haken sind deine Freunde – und zwischen Haien und Haken befindest du dich in einer traurigen, gefährlichen Lage, armer Junge.
Aber Mut! Es erwartet dich gute Nachrichten, Queequeg. Denn jetzt, da der erschöpfte Wilde mit blauen Lippen und blutunterlaufenen Augen endlich die Ketten hochklettert und durchnässt sowie unkontrolliert zitternd über die Seite steht, tritt der Steuermann vor und reicht ihm mit einem wohlwollenden, tröstenden Blick – was? Einen Schluck heißen Cognac? Nein! Er reicht ihm, ihr Götter! Eine Tasse lauwarmen Ingwerwassers!
„Ingwer? Rieche ich hier Ingwer?“, fragte Stubb misstrauisch, als er näher kam.
„Ja, das muss Ingwer sein“, sagte er, indem er in die noch unberührte Tasse blickte. Dann stand er eine Weile ungläubig da, ging anschließend ruhig auf den erstaunten Steuermann zu und sagte langsam: „Ingwer? Ingwer? Und wollen Sie etwa…“
Page 354
Nun sagen Sie mir doch, Herr Dough-Boy – wo liegt denn der Nutzen von Ingwer?
Ingwer! Ist Ingwer etwa das Brennmaterial, das man verwendet, um ein Feuer in diesem zitternden Kannibalen zu entfachen? Ingwer! Was zum Teufel ist eigentlich Ingwer? Meeresholz? Brennholz? – Lucifer-Zündhölzer? Zunder? Schießpulver? Was zum Teufel ist Ingwer, dass Sie ihm diesen Trunk anbieten?
„Es geht hier wohl um irgendeine heimliche Aktion der Temperanzgesellschaft“, fügte er plötzlich hinzu und näherte sich Starbuck, der gerade von vorne gekommen war. „Schauen Sie sich doch diesen Kannakin an, Sir – riechen Sie mal daran, wenn Sie wollen.“ Dann, nachdem er Starbucks Gesichtsausdruck beobachtet hatte, fügte er hinzu: „Der Steward, Herr Starbuck, hatte tatsächlich die Frechheit, Queequeg gerade eben nach dem Fang des Wals Calomel und Jalap anzubieten. Ist der Steward etwa Apotheker, Sir? Darf ich fragen, ob das die Art von Mitteln sind, mit denen er einem halb Ertrunkenen wieder Leben einhaucht?“
„Ich glaube nicht“, sagte Starbuck. „Es handelt sich dabei um ziemlich minderwertige Mittel.“
„Ja, ja, Steward“, rief Stubb. „Wir werden Ihnen beibringen, wie man einen Harpunier betäubt – hier gibt es keinen Platz für Ihre Apothekermedizin! Sie wollen uns doch vergiften, oder? Sie haben Versicherungen auf unser Leben abgeschlossen und wollen uns alle ermorden, um das Geld einzustreichen, nicht wahr?“
„Das war nicht ich“, rief Dough-Boy. „Es war Tante Charity, die den Ingwer an Bord brachte. Sie befahl mir, den Harpunieren niemals Alkohol zu geben, sondern nur diesen ‚Ingwer-Jub‘ – so nannte sie ihn.“
„Ingwer-Jub! Du elender Schurke! Nimm das und verschwinde mit deinen Kameraden in die Spinde – hol dir etwas Besseres. Ich hoffe, ich mache keinen Fehler, Herr Starbuck. Es sind schließlich die Befehle des Kapitäns: Grog für die Harpunier nach dem Fang eines Wals.“
„Genug“, antwortete Starbuck. „Schlagen Sie ihn nur nicht noch einmal – aber…“
„Oh, ich tue nie weh, wenn ich zuschlage – außer wenn ich auf einen Wal oder so etwas einschlage. Und dieser Kerl ist ein Schurke. Was wollten Sie noch sagen, Sir?“
„Nur dies: Gehen Sie mit ihm runter und holen Sie sich selbst, was Sie wollen.“
Als Stubb wieder auftauchte, hatte er in einer Hand eine dunkle Flasche und in der anderen eine Art Teekanne. In der ersten Flasche befand sich starker Alkohol, der Queequeg gegeben wurde; die zweite Kanne war ein Geschenk von Tante Charity – diese wurde einfach ins Meer geworfen.
Ingwer! Ist Ingwer etwa das Brennmaterial, das man verwendet, um ein Feuer in diesem zitternden Kannibalen zu entfachen? Ingwer! Was zum Teufel ist eigentlich Ingwer? Meeresholz? Brennholz? – Lucifer-Zündhölzer? Zunder? Schießpulver? Was zum Teufel ist Ingwer, dass Sie ihm diesen Trunk anbieten?
„Es geht hier wohl um irgendeine heimliche Aktion der Temperanzgesellschaft“, fügte er plötzlich hinzu und näherte sich Starbuck, der gerade von vorne gekommen war. „Schauen Sie sich doch diesen Kannakin an, Sir – riechen Sie mal daran, wenn Sie wollen.“ Dann, nachdem er Starbucks Gesichtsausdruck beobachtet hatte, fügte er hinzu: „Der Steward, Herr Starbuck, hatte tatsächlich die Frechheit, Queequeg gerade eben nach dem Fang des Wals Calomel und Jalap anzubieten. Ist der Steward etwa Apotheker, Sir? Darf ich fragen, ob das die Art von Mitteln sind, mit denen er einem halb Ertrunkenen wieder Leben einhaucht?“
„Ich glaube nicht“, sagte Starbuck. „Es handelt sich dabei um ziemlich minderwertige Mittel.“
„Ja, ja, Steward“, rief Stubb. „Wir werden Ihnen beibringen, wie man einen Harpunier betäubt – hier gibt es keinen Platz für Ihre Apothekermedizin! Sie wollen uns doch vergiften, oder? Sie haben Versicherungen auf unser Leben abgeschlossen und wollen uns alle ermorden, um das Geld einzustreichen, nicht wahr?“
„Das war nicht ich“, rief Dough-Boy. „Es war Tante Charity, die den Ingwer an Bord brachte. Sie befahl mir, den Harpunieren niemals Alkohol zu geben, sondern nur diesen ‚Ingwer-Jub‘ – so nannte sie ihn.“
„Ingwer-Jub! Du elender Schurke! Nimm das und verschwinde mit deinen Kameraden in die Spinde – hol dir etwas Besseres. Ich hoffe, ich mache keinen Fehler, Herr Starbuck. Es sind schließlich die Befehle des Kapitäns: Grog für die Harpunier nach dem Fang eines Wals.“
„Genug“, antwortete Starbuck. „Schlagen Sie ihn nur nicht noch einmal – aber…“
„Oh, ich tue nie weh, wenn ich zuschlage – außer wenn ich auf einen Wal oder so etwas einschlage. Und dieser Kerl ist ein Schurke. Was wollten Sie noch sagen, Sir?“
„Nur dies: Gehen Sie mit ihm runter und holen Sie sich selbst, was Sie wollen.“
Als Stubb wieder auftauchte, hatte er in einer Hand eine dunkle Flasche und in der anderen eine Art Teekanne. In der ersten Flasche befand sich starker Alkohol, der Queequeg gegeben wurde; die zweite Kanne war ein Geschenk von Tante Charity – diese wurde einfach ins Meer geworfen.
Page 355
Page 356
KAPITEL 73. Stubb und Flask töten einen Pottwal – und sprechen anschließend über ihn.
Man muss bedenken, dass die riesige Kopf eines Schwertwals die ganze Zeit über an der Seite der Pequod hing. Doch wir müssen ihn noch eine Weile dort hängen lassen, bis wir Gelegenheit haben, uns um ihn zu kümmern. Im Moment drängen andere Angelegenheiten – das Beste, was wir im Moment für diesen Kopf tun können, ist, zum Himmel zu beten, dass die Seile halten.
In der vergangenen Nacht und am Vormittag hatte sich die Pequod allmählich in ein Meer hineingetrieben, in dem durch gelegentliche gelbe Algenflecken Anzeichen auf die Nähe von Pottwalen zu erkennen waren. Es handelt sich dabei um eine Art des Leviathans – doch nur wenige glaubten, dass solche Tiere zu dieser Zeit in der Nähe sein könnten. Obwohl die Besatzung normalerweise die Jagd auf diese Tiere verachtete, obwohl die Pequod überhaupt nicht dazu bestimmt war, nach ihnen zu suchen, und obwohl sie zahlreiche Pottwale in der Nähe der Crozetinseln vorbeiziehen ließ, ohne ein Boot auszusenden – nun, da ein Schwertwal an Bord gebracht und enthauptet worden war, wurde überraschenderweise bekanntgegeben, dass an diesem Tag, falls sich die Gelegenheit ergab, auch ein Pottwal gefangen werden sollte.
Diese Gelegenheit trat bald ein: In Richtung Lee wurden hohe Fontänen sichtbar – zwei Boote, das von Stubb und das von Flask, wurden zur Verfolgung ausgeschickt. Je weiter sie sich entfernten, desto weniger waren sie für die Männer auf dem Mastkopf noch sichtbar. Plötzlich sahen sie in der Ferne eine große Menge aufgewühlten weißen Wassers – kurz darauf kam die Nachricht, dass eines oder beide Boote in Schwierigkeiten sein mussten. Nach einer Weile waren die Boote wieder deutlich sichtbar – sie wurden vom ziehenden Wal direkt auf das Schiff zu gezogen. Der Monster näherte sich dem Rumpf so nahe, dass es zunächst schien, als wolle er Schaden anrichten. Doch plötzlich versank er in einem Strudel, nur wenige Meter von den Planken entfernt – und verschwand vollständig aus dem Blickfeld, als würde er unter den Kiel tauchen. „Zieht an!“, rief es vom Schiff zu den Booten. Für einen Moment schien es, als würden die Boote mit großer Wucht gegen die Schiffswand geschleudert werden. Doch da noch genügend Seil in den Booten war und der Wal nicht besonders schnell schwamm, konnten sie viel Seil ablassen und gleichzeitig mit aller Kraft ziehen, um dem Schiff vorauszukommen. Ein paar Minuten lang ging der Kampf weiter…
Man muss bedenken, dass die riesige Kopf eines Schwertwals die ganze Zeit über an der Seite der Pequod hing. Doch wir müssen ihn noch eine Weile dort hängen lassen, bis wir Gelegenheit haben, uns um ihn zu kümmern. Im Moment drängen andere Angelegenheiten – das Beste, was wir im Moment für diesen Kopf tun können, ist, zum Himmel zu beten, dass die Seile halten.
In der vergangenen Nacht und am Vormittag hatte sich die Pequod allmählich in ein Meer hineingetrieben, in dem durch gelegentliche gelbe Algenflecken Anzeichen auf die Nähe von Pottwalen zu erkennen waren. Es handelt sich dabei um eine Art des Leviathans – doch nur wenige glaubten, dass solche Tiere zu dieser Zeit in der Nähe sein könnten. Obwohl die Besatzung normalerweise die Jagd auf diese Tiere verachtete, obwohl die Pequod überhaupt nicht dazu bestimmt war, nach ihnen zu suchen, und obwohl sie zahlreiche Pottwale in der Nähe der Crozetinseln vorbeiziehen ließ, ohne ein Boot auszusenden – nun, da ein Schwertwal an Bord gebracht und enthauptet worden war, wurde überraschenderweise bekanntgegeben, dass an diesem Tag, falls sich die Gelegenheit ergab, auch ein Pottwal gefangen werden sollte.
Diese Gelegenheit trat bald ein: In Richtung Lee wurden hohe Fontänen sichtbar – zwei Boote, das von Stubb und das von Flask, wurden zur Verfolgung ausgeschickt. Je weiter sie sich entfernten, desto weniger waren sie für die Männer auf dem Mastkopf noch sichtbar. Plötzlich sahen sie in der Ferne eine große Menge aufgewühlten weißen Wassers – kurz darauf kam die Nachricht, dass eines oder beide Boote in Schwierigkeiten sein mussten. Nach einer Weile waren die Boote wieder deutlich sichtbar – sie wurden vom ziehenden Wal direkt auf das Schiff zu gezogen. Der Monster näherte sich dem Rumpf so nahe, dass es zunächst schien, als wolle er Schaden anrichten. Doch plötzlich versank er in einem Strudel, nur wenige Meter von den Planken entfernt – und verschwand vollständig aus dem Blickfeld, als würde er unter den Kiel tauchen. „Zieht an!“, rief es vom Schiff zu den Booten. Für einen Moment schien es, als würden die Boote mit großer Wucht gegen die Schiffswand geschleudert werden. Doch da noch genügend Seil in den Booten war und der Wal nicht besonders schnell schwamm, konnten sie viel Seil ablassen und gleichzeitig mit aller Kraft ziehen, um dem Schiff vorauszukommen. Ein paar Minuten lang ging der Kampf weiter…
Page 357
Er war äußerst kritisch – denn während sie auf der einen Seite weiterhin an den gespannten Seilen zogen und auf der anderen Seite mit den Rudern arbeiteten, drohte die enorme Belastung, sie zu verschlingen. Doch sie versuchten nur, ein paar Fuß voranzukommen. Sie blieben dabei, bis es ihnen gelang. Plötzlich wurde ein schnelles Beben gespürt, das wie Blitzschlag entlang des Rumpfes lief – das gespannte Seil, das unter dem Schiff entlangschabte, tauchte plötzlich unter dem Bug des Schiffes auf, riss und zitterte; dabei wurden die Tropfen abgeschüttelt, die wie Glasscherben auf das Wasser fielen. Gleichzeitig tauchte auch der Wal wieder auf, und die Boote konnten erneut frei fahren. Doch der erschöpfte Wal verringerte seine Geschwindigkeit, änderte blindlings seinen Kurs und zog die beiden Boote hinter sich her, sodass sie eine volle Runde um das Schiff machten. In der Zwischenzeit zogen sie immer mehr an ihren Seilen, bis sie ihn von beiden Seiten umzingelt hatten. Stubb antwortete Flask mit Lanze gegen Lanze – so ging die Schlacht immer wieder um den Pequod herum. Die vielen Haie, die zuvor um den Körper des Wals geschwommen waren, stürzten sich nun auf das frische Blut, das vergossen worden war, und tranken gierig aus jeder neuen Wunde – genauso wie die eifrigen Israeliten aus den neu sprudelnden Quellen, die aus dem zerschlagenen Felsen flossen. Schließlich wurde sein Strahl dicker – mit einem schrecklichen Rollen und Erbrechen drehte er sich auf den Rücken und wurde zu einem Leichnam. Während die beiden Bootsführer damit beschäftigt waren, feste Seile an seine Schwänze zu binden und den Wal auf andere Weise für das Ziehen vorzubereiten, fand zwischen ihnen ein Gespräch statt. „Ich frage mich, was der Alte mit diesem Haufen widerlicher Fettmasse will“, sagte Stubb – nicht ohne Abscheu bei dem Gedanken, mit einem so abscheulichen Leviathan zu tun zu haben. „Was er damit will?“, sagte Flask, während er etwas zusätzliches Seil am Bug des Bootes aufrollte. „Hast du noch nie gehört, dass ein Schiff, das einmal den Kopf eines Wals auf seiner Steuerbordseite und gleichzeitig den Kopf eines Pottwals auf der Backbordseite hat, niemals umkippen kann?“ „Warum nicht?“ „Ich weiß es nicht – aber ich habe diesen Fedallah sagen hören, dass das so ist. Er scheint alles über die Zauberkräfte von Schiffen zu wissen. Aber manchmal glaube ich, dass er das Schiff letztendlich zum Scheitern bringen wird. Ich mag diesen Kerl wirklich nicht, Stubb.“
Page 358
„Hast du schon bemerkt, dass sein Stoßzahn irgendwie wie ein Schlangenkopf geformt ist, Stubb?“
„Versenkt ihn! Ich schaue ihm überhaupt nie ins Gesicht; aber wenn ich einmal die Gelegenheit habe – in einer dunklen Nacht, wenn er direkt am Bug steht und niemand in der Nähe ist – dann schau dorthin, Flask!“ Er zeigte mit beiden Händen in Richtung Meer. „Ja, das werde ich tun! Flask, ich halte diesen Fedallah für den Teufel in Verkleidung. Glaubst du an diese alberne Geschichte, dass er sich an Bord geschlichen hat? Er ist der Teufel, sage ich. Der Grund, warum man seinen Schwanz nicht sieht, ist, dass er ihn aus dem Blickfeld verbirgt; wahrscheinlich trägt er ihn zusammengerollt in seiner Tasche. Verdammt nochmal! Wenn ich jetzt darüber nachdenke: Er braucht ständig Leinenstoff, um damit die Zehen seiner Stiefel zu füllen.“
„Er schläft in seinen Stiefeln, nicht wahr? Er hat keine Hängematte; aber ich habe ihn manchmal nachts in einem Bündel von Seilen liegen sehen.“
„Sicherlich. Und das liegt an seinem verfluchten Schwanz – er rollt ihn einfach in das Seilbündel hinein.“
„Was hat der alte Mann eigentlich mit ihm zu schaffen?“
„Ich denke, er versucht, einen Handel mit ihm abzuschließen.“
„Einen Handel? Worum geht es dabei?“
„Nun, der alte Mann ist fest entschlossen, diese Weiße Wal zu fangen. Der Teufel versucht nun, ihn dazu zu bringen, seine Silberuhr oder seine Seele oder so etwas zu geben – dann würde er Moby Dick herausgeben.“
„Pah! Stubb, du machst Witze! Wie könnte Fedallah so etwas tun?“
„Ich weiß es nicht, Flask. Aber der Teufel ist ein seltsamer und böser Kerl, das sage ich dir. Man sagt, er sei einmal in das alte Flaggschiff spaziert, habe seinen Schwanz lässig hin und her bewegt und gefragt, ob der alte Gouverneur zu Hause sei. Nun, er war zu Hause und fragte den Teufel, was er wolle. Der Teufel antwortete: ‚Ich will John.‘ ‚Wozu?‘, fragte der alte Gouverneur. ‚Das geht dich nichts an‘, sagte der Teufel wütend. ‚Ich möchte ihn benutzen.‘ ‚Nimm ihn doch‘, sagte der Gouverneur. Bei Gott, Flask – wenn der Teufel John nicht vorher mit der asiatischen Cholera getötet hätte, würde ich diesen Wal in einem Bissen verschlingen. Aber passt auf – seid ihr alle bereit? Dann los, bringen wir den Wal an Bord.“
„Versenkt ihn! Ich schaue ihm überhaupt nie ins Gesicht; aber wenn ich einmal die Gelegenheit habe – in einer dunklen Nacht, wenn er direkt am Bug steht und niemand in der Nähe ist – dann schau dorthin, Flask!“ Er zeigte mit beiden Händen in Richtung Meer. „Ja, das werde ich tun! Flask, ich halte diesen Fedallah für den Teufel in Verkleidung. Glaubst du an diese alberne Geschichte, dass er sich an Bord geschlichen hat? Er ist der Teufel, sage ich. Der Grund, warum man seinen Schwanz nicht sieht, ist, dass er ihn aus dem Blickfeld verbirgt; wahrscheinlich trägt er ihn zusammengerollt in seiner Tasche. Verdammt nochmal! Wenn ich jetzt darüber nachdenke: Er braucht ständig Leinenstoff, um damit die Zehen seiner Stiefel zu füllen.“
„Er schläft in seinen Stiefeln, nicht wahr? Er hat keine Hängematte; aber ich habe ihn manchmal nachts in einem Bündel von Seilen liegen sehen.“
„Sicherlich. Und das liegt an seinem verfluchten Schwanz – er rollt ihn einfach in das Seilbündel hinein.“
„Was hat der alte Mann eigentlich mit ihm zu schaffen?“
„Ich denke, er versucht, einen Handel mit ihm abzuschließen.“
„Einen Handel? Worum geht es dabei?“
„Nun, der alte Mann ist fest entschlossen, diese Weiße Wal zu fangen. Der Teufel versucht nun, ihn dazu zu bringen, seine Silberuhr oder seine Seele oder so etwas zu geben – dann würde er Moby Dick herausgeben.“
„Pah! Stubb, du machst Witze! Wie könnte Fedallah so etwas tun?“
„Ich weiß es nicht, Flask. Aber der Teufel ist ein seltsamer und böser Kerl, das sage ich dir. Man sagt, er sei einmal in das alte Flaggschiff spaziert, habe seinen Schwanz lässig hin und her bewegt und gefragt, ob der alte Gouverneur zu Hause sei. Nun, er war zu Hause und fragte den Teufel, was er wolle. Der Teufel antwortete: ‚Ich will John.‘ ‚Wozu?‘, fragte der alte Gouverneur. ‚Das geht dich nichts an‘, sagte der Teufel wütend. ‚Ich möchte ihn benutzen.‘ ‚Nimm ihn doch‘, sagte der Gouverneur. Bei Gott, Flask – wenn der Teufel John nicht vorher mit der asiatischen Cholera getötet hätte, würde ich diesen Wal in einem Bissen verschlingen. Aber passt auf – seid ihr alle bereit? Dann los, bringen wir den Wal an Bord.“
Page 359
„Ich glaube, ich erinnere mich an eine ähnliche Geschichte, wie du sie erzählt hast“, sagte Flask, als die beiden Boote endlich mit ihrer Last langsam auf das Schiff zufuhren. „Aber ich kann mich nicht mehr daran erinnern, wo.“
„Drei Spanier? Die Abenteuer dieser dreien verdammten Soldaten? Hast du das dort gelesen, Flask? Ich nehme an, ja?“
„Nein – ich habe noch nie ein solches Buch gesehen; aber davon gehört habe ich schon. Aber nun sag mir, Stubb: Glaubst du, dass dieser Teufel, von dem du gerade gesprochen hast, derselbe ist, der angeblich jetzt an Bord der Pequod ist?“
„Bin ich etwa derselbe Mann, der dazu beigetragen hat, diesen Wal zu töten? Lebt der Teufel nicht ewig? Wer hat schon einmal gehört, dass der Teufel tot ist? Hast du jemals einen Priester gesehen, der um den Teufel trauert? Und wenn der Teufel einen Schlüssel hat, um in die Kajüte des Admirals zu gelangen – glaubst du nicht, dass er auch durch ein Bullauge kriechen kann? Sag mir das, Herr Flask!“
„Wie alt glaubst du, dass Fedallah ist, Stubb?“
„Siehst du diesen Hauptmast da?“ Er zeigte auf das Schiff. „Nun, das ist die Zahl eins. Nimm jetzt alle Ringe aus dem Laderaum der Pequod und reih sie neben diesen Mast auf – das würde immer noch nicht einmal annähernd Fedallahs Alter ausmachen. Selbst alle Tischler der Welt könnten nicht genug Ringe herstellen, um sein Alter anzugeben.“
„Aber hör mal, Stubb: Ich dachte, du hättest gerade etwas übertrieben, als du sagtest, du würdest Fedallah ins Meer werfen, falls du die Gelegenheit hättest. Wenn er wirklich so alt ist wie all diese Ringe – und wenn er ewig leben soll – was bringt es dann, ihn über Bord zu werfen? Sag mir das!“
„Gib ihm wenigstens eine ordentliche Tracht Prügel.“
„Aber er würde wieder zurückkriechen.“
„Prügle ihn noch einmal – und weiterhin.“
„Was, wenn er darauf kommt, dich ebenfalls zu prügeln – ja, und dich zu ertränken – was dann?“
„Ich würde gerne sehen, wie er es versucht. Ich würde ihm solche blaue Augen verpassen, dass er es nicht wagen würde, für lange Zeit wieder im Salon des Admirals aufzutauchen – geschweige denn unten im Unterdeck, wo er lebt, oder hier auf den oberen Decks, wo er ständig herumschleicht. Verdammt nochmal, Flask – glaubst du also, ich hätte Angst vor dem Teufel? Wer hat schon Angst vor ihm, außer dem alten Gouverneur, der es nicht wagt, ihn zu fangen und ihm die Strafe zuzumuten, die er verdient – sondern ihn stattdessen weiterhin frei herumlaufen lässt, um Menschen zu entführen? Ja, und er hat sogar eine Bürgschaft unterschrieben.“
„Drei Spanier? Die Abenteuer dieser dreien verdammten Soldaten? Hast du das dort gelesen, Flask? Ich nehme an, ja?“
„Nein – ich habe noch nie ein solches Buch gesehen; aber davon gehört habe ich schon. Aber nun sag mir, Stubb: Glaubst du, dass dieser Teufel, von dem du gerade gesprochen hast, derselbe ist, der angeblich jetzt an Bord der Pequod ist?“
„Bin ich etwa derselbe Mann, der dazu beigetragen hat, diesen Wal zu töten? Lebt der Teufel nicht ewig? Wer hat schon einmal gehört, dass der Teufel tot ist? Hast du jemals einen Priester gesehen, der um den Teufel trauert? Und wenn der Teufel einen Schlüssel hat, um in die Kajüte des Admirals zu gelangen – glaubst du nicht, dass er auch durch ein Bullauge kriechen kann? Sag mir das, Herr Flask!“
„Wie alt glaubst du, dass Fedallah ist, Stubb?“
„Siehst du diesen Hauptmast da?“ Er zeigte auf das Schiff. „Nun, das ist die Zahl eins. Nimm jetzt alle Ringe aus dem Laderaum der Pequod und reih sie neben diesen Mast auf – das würde immer noch nicht einmal annähernd Fedallahs Alter ausmachen. Selbst alle Tischler der Welt könnten nicht genug Ringe herstellen, um sein Alter anzugeben.“
„Aber hör mal, Stubb: Ich dachte, du hättest gerade etwas übertrieben, als du sagtest, du würdest Fedallah ins Meer werfen, falls du die Gelegenheit hättest. Wenn er wirklich so alt ist wie all diese Ringe – und wenn er ewig leben soll – was bringt es dann, ihn über Bord zu werfen? Sag mir das!“
„Gib ihm wenigstens eine ordentliche Tracht Prügel.“
„Aber er würde wieder zurückkriechen.“
„Prügle ihn noch einmal – und weiterhin.“
„Was, wenn er darauf kommt, dich ebenfalls zu prügeln – ja, und dich zu ertränken – was dann?“
„Ich würde gerne sehen, wie er es versucht. Ich würde ihm solche blaue Augen verpassen, dass er es nicht wagen würde, für lange Zeit wieder im Salon des Admirals aufzutauchen – geschweige denn unten im Unterdeck, wo er lebt, oder hier auf den oberen Decks, wo er ständig herumschleicht. Verdammt nochmal, Flask – glaubst du also, ich hätte Angst vor dem Teufel? Wer hat schon Angst vor ihm, außer dem alten Gouverneur, der es nicht wagt, ihn zu fangen und ihm die Strafe zuzumuten, die er verdient – sondern ihn stattdessen weiterhin frei herumlaufen lässt, um Menschen zu entführen? Ja, und er hat sogar eine Bürgschaft unterschrieben.“
Page 360
Mit ihm – dass er all die Menschen, die der Teufel entführt hat, für ihn rösten würde?
„Es gibt doch einen Gouverneur!“
„Glaubst du, Fedallah will Kapitän Ahab entführen?“
„Ob ich das glaube? Du wirst es bald erfahren, Flask. Aber ich werde jetzt darauf achten, ihn im Auge zu behalten; und wenn ich etwas sehr Verdächtiges sehe, dann packe ich ihn einfach am Nacken und sage: ‚Hör zu, Beelzebub – du tust das nicht!‘ Und wenn er Ärger macht, dann werde ich ihm in den Schoß fassen, seinen Schwanz nehmen, ihn zum Winden bringen und so stark daran ziehen, dass sein Schwanz abbricht – verstehst du? Dann wird er wohl verschwinden, ohne die geringste Befriedigung zu spüren, seinen Schwanz zwischen den Beinen zu haben.“
„Und was wirst du mit dem Schwanz machen, Stubb?“
„Mit ihm machen? Ich verkaufe ihn als Ochsenpeitsche, wenn wir nach Hause kommen – was sonst?“
„Meinst du wirklich das, was du sagst, Stubb?“
„Egal, ob ich es meine oder nicht – hier sind wir bereits beim Schiff.“
Die Boote wurden herbeigerufen, um den Wal auf der rechten Seite des Schiffes zu ziehen – dort waren bereits Ketten und andere Hilfsmittel bereit, um den Wal festzubinden.
„Habe ich es dir nicht gesagt?“, sagte Flask. „Ja, du wirst bald sehen, wie der Kopf dieses Wals gegenüber dem Parmacetti hochgehoben wird.“
Flasks Worte erwiesen sich als wahr. Wie zuvor neigte sich die Pequod stark zur Seite – doch durch das Gegengewicht beider Köpfe konnte das Schiff wieder seine Ausrichtung finden – allerdings unter großer Anstrengung. Wenn man auf einer Seite den Kopf des Wals hochhob, neigte sich das Schiff in diese Richtung; auf der anderen Seite, wenn man den Kopf des anderen Wals hochhob, neigte sich das Schiff wieder zurück – in einer ziemlich prekären Situation. Manche Leute kümmern sich ständig um solche Dinge. Oh, ihr Narren! Werft all diese „Donnerköpfe“ über Bord – dann werdet ihr leichter und besser schwimmen können.
Bei der Beseitigung des Körpers eines Wals, wenn dieser an das Schiff gebracht wird, finden normalerweise dieselben Vorbereitungen statt wie im Fall eines Spermwalms. Nur wird beim Spermwal der Kopf ganz abgeschnitten, während beim Wal hier die Lippen und Zunge separat entfernt und auf das Deck gehoben werden – zusammen mit allen bekannten schwarzen Knochen, die zum sogenannten Kronenteil gehören. Doch in diesem Fall wurde nichts dergleichen getan.
„Es gibt doch einen Gouverneur!“
„Glaubst du, Fedallah will Kapitän Ahab entführen?“
„Ob ich das glaube? Du wirst es bald erfahren, Flask. Aber ich werde jetzt darauf achten, ihn im Auge zu behalten; und wenn ich etwas sehr Verdächtiges sehe, dann packe ich ihn einfach am Nacken und sage: ‚Hör zu, Beelzebub – du tust das nicht!‘ Und wenn er Ärger macht, dann werde ich ihm in den Schoß fassen, seinen Schwanz nehmen, ihn zum Winden bringen und so stark daran ziehen, dass sein Schwanz abbricht – verstehst du? Dann wird er wohl verschwinden, ohne die geringste Befriedigung zu spüren, seinen Schwanz zwischen den Beinen zu haben.“
„Und was wirst du mit dem Schwanz machen, Stubb?“
„Mit ihm machen? Ich verkaufe ihn als Ochsenpeitsche, wenn wir nach Hause kommen – was sonst?“
„Meinst du wirklich das, was du sagst, Stubb?“
„Egal, ob ich es meine oder nicht – hier sind wir bereits beim Schiff.“
Die Boote wurden herbeigerufen, um den Wal auf der rechten Seite des Schiffes zu ziehen – dort waren bereits Ketten und andere Hilfsmittel bereit, um den Wal festzubinden.
„Habe ich es dir nicht gesagt?“, sagte Flask. „Ja, du wirst bald sehen, wie der Kopf dieses Wals gegenüber dem Parmacetti hochgehoben wird.“
Flasks Worte erwiesen sich als wahr. Wie zuvor neigte sich die Pequod stark zur Seite – doch durch das Gegengewicht beider Köpfe konnte das Schiff wieder seine Ausrichtung finden – allerdings unter großer Anstrengung. Wenn man auf einer Seite den Kopf des Wals hochhob, neigte sich das Schiff in diese Richtung; auf der anderen Seite, wenn man den Kopf des anderen Wals hochhob, neigte sich das Schiff wieder zurück – in einer ziemlich prekären Situation. Manche Leute kümmern sich ständig um solche Dinge. Oh, ihr Narren! Werft all diese „Donnerköpfe“ über Bord – dann werdet ihr leichter und besser schwimmen können.
Bei der Beseitigung des Körpers eines Wals, wenn dieser an das Schiff gebracht wird, finden normalerweise dieselben Vorbereitungen statt wie im Fall eines Spermwalms. Nur wird beim Spermwal der Kopf ganz abgeschnitten, während beim Wal hier die Lippen und Zunge separat entfernt und auf das Deck gehoben werden – zusammen mit allen bekannten schwarzen Knochen, die zum sogenannten Kronenteil gehören. Doch in diesem Fall wurde nichts dergleichen getan.
Page 361
Die Kadaver beider Wale waren nach achtern gefallen; das mit dem Kopf beladene Schiff glich nicht wenig einem Maultier, das ein Paar übermäßig schwerer Säcke trug. In der Zwischenzeit betrachtete Fedallah ruhig den Kopf des Weißen Wals und warf immer wieder Blicke von den tiefen Falten dort zu den Linien in seiner eigenen Hand. Ahab stand zufällig so, dass der Parsi seinen Schatten einnahm; falls überhaupt ein Schatten des Parsi da war, schien er sich nur mit Abahs Schatten zu vermischen und ihn zu verlängern. Während die Besatzung weiterarbeitete, wurden unter ihnen lappländische Spekulationen über all diese Vorgänge ausgetauscht.
Page 362
KAPITEL 74. Der Kopf des Spermawals – Ein kontrastierender Blick
Hier liegen zwei riesige Wale mit ihren Köpfen nebeneinander; lassen Sie uns uns zu ihnen gesellen und unsere eigenen Köpfe daneben legen.
Von der großen Ordnung der Leviathane sind der Spermawal und der Pottwal bei weitem die bemerkenswertesten. Sie sind die einzigen Wale, die regelmäßig vom Menschen gejagt werden. Für die Bewohner von Nantucket stellen sie die beiden Extreme aller bekannten Walarten dar. Da der äußere Unterschied zwischen ihnen hauptsächlich in ihren Köpfen zu erkennen ist – und da der Kopf jedes Wals gerade jetzt an der Seite der Pequod hängt – sowie wir einfach über das Deck gehen können, um von einem zum anderen zu gelangen: Wo sonst hätten Sie bessere Möglichkeiten, die Praktiken der Walforschung zu studieren als hier?
Zunächst fällt man dem Kontrast zwischen diesen Köpfen auf. Beide sind durchaus massiv – doch beim Spermawal gibt es eine gewisse mathematische Symmetrie, die dem Pottwal leider fehlt. Der Kopf des Spermawals weist mehr Ausdruckskraft auf. Wenn man ihn betrachtet, muss man unweigerlich seine enorme Überlegenheit in Bezug auf Würde anerkennen. In diesem Fall wird diese Würde noch durch die farbliche Färbung des Kopfes verstärkt – sie deutet auf ein hohes Alter und große Erfahrung hin. Kurz gesagt: Es handelt sich dabei um den von den Fischern technisch als „Graukopfwal“ bezeichneten Wal.
Betrachten wir nun das, was an diesen Köpfen am wenigsten unterschiedlich ist – nämlich die beiden wichtigsten Organe, das Auge und das Ohr. Tief im Bereich des Kopfes, ganz unten, nahe dem Kieferwinkel, kann man bei genauerem Hinsehen schließlich ein Auge erkennen – es sieht aus wie das Auge eines jungen Hengstes; es steht in völligem Unverhältnis zur Größe des Kopfes.
Aufgrund dieser besonderen Seitenposition der Augen des Wals ist klar, dass er niemals ein Objekt direkt vor sich sehen kann – genauso wenig wie eines direkt hinter sich. Mit anderen Worten: Die Position der Augen des Wals entspricht der der Ohren eines Menschen. Man kann sich leicht vorstellen, wie es für einen Menschen wäre, wenn er Objekte seitlich durch die Ohren betrachten müsste. Man würde feststellen, dass man nur etwa dreißig Grad Sicht nach vorne hat.
Hier liegen zwei riesige Wale mit ihren Köpfen nebeneinander; lassen Sie uns uns zu ihnen gesellen und unsere eigenen Köpfe daneben legen.
Von der großen Ordnung der Leviathane sind der Spermawal und der Pottwal bei weitem die bemerkenswertesten. Sie sind die einzigen Wale, die regelmäßig vom Menschen gejagt werden. Für die Bewohner von Nantucket stellen sie die beiden Extreme aller bekannten Walarten dar. Da der äußere Unterschied zwischen ihnen hauptsächlich in ihren Köpfen zu erkennen ist – und da der Kopf jedes Wals gerade jetzt an der Seite der Pequod hängt – sowie wir einfach über das Deck gehen können, um von einem zum anderen zu gelangen: Wo sonst hätten Sie bessere Möglichkeiten, die Praktiken der Walforschung zu studieren als hier?
Zunächst fällt man dem Kontrast zwischen diesen Köpfen auf. Beide sind durchaus massiv – doch beim Spermawal gibt es eine gewisse mathematische Symmetrie, die dem Pottwal leider fehlt. Der Kopf des Spermawals weist mehr Ausdruckskraft auf. Wenn man ihn betrachtet, muss man unweigerlich seine enorme Überlegenheit in Bezug auf Würde anerkennen. In diesem Fall wird diese Würde noch durch die farbliche Färbung des Kopfes verstärkt – sie deutet auf ein hohes Alter und große Erfahrung hin. Kurz gesagt: Es handelt sich dabei um den von den Fischern technisch als „Graukopfwal“ bezeichneten Wal.
Betrachten wir nun das, was an diesen Köpfen am wenigsten unterschiedlich ist – nämlich die beiden wichtigsten Organe, das Auge und das Ohr. Tief im Bereich des Kopfes, ganz unten, nahe dem Kieferwinkel, kann man bei genauerem Hinsehen schließlich ein Auge erkennen – es sieht aus wie das Auge eines jungen Hengstes; es steht in völligem Unverhältnis zur Größe des Kopfes.
Aufgrund dieser besonderen Seitenposition der Augen des Wals ist klar, dass er niemals ein Objekt direkt vor sich sehen kann – genauso wenig wie eines direkt hinter sich. Mit anderen Worten: Die Position der Augen des Wals entspricht der der Ohren eines Menschen. Man kann sich leicht vorstellen, wie es für einen Menschen wäre, wenn er Objekte seitlich durch die Ohren betrachten müsste. Man würde feststellen, dass man nur etwa dreißig Grad Sicht nach vorne hat.
Page 363
Auf der geraden Sichtlinie – und etwa dreißig weitere hinter ihr. Wenn Ihr schärfster Feind direkt auf Euch zukäme, mit dem Dolch erhoben, bei hellem Tageslicht, würdet Ihr ihn genauso wenig sehen können wie dann, wenn er sich von hinten an Euch heranschleichen würde. Kurz gesagt: Man hätte sozusagen zwei Rückseiten – aber gleichzeitig auch zwei Vorderseiten (Seitenvorderseiten). Denn was macht die Vorderseite eines Menschen aus – was sonst als seine Augen?
Außerdem sind bei den meisten anderen Tieren, an die ich mich jetzt erinnern kann, die Augen so angeordnet, dass ihre Sehkraft nahezu unbemerkt miteinander verschmilzt, sodass das Gehirn ein einziges Bild und nicht zwei erhält. Die besondere Position der Walsaugen hingegen – sie sind durch viele Kubikfuß feste Kopfhaut getrennt, die wie ein großer Berg zwischen ihnen aufragt und zwei Seen in Tälern voneinander trennt – führt natürlich dazu, dass die Eindrücke, die jedes einzelne Auge vermittelt, völlig getrennt bleiben. Der Wal muss daher auf dieser Seite ein klares Bild sehen und auf der anderen Seite ein weiteres klares Bild – während alles dazwischen für ihn tiefe Dunkelheit und Leere darstellt. Man kann sagen, der Mensch blickt auf die Welt von einem Wachhäuschen aus, dessen Fenster aus zwei zusammengefügten Scheiben bestehen. Beim Wal hingegen sind diese beiden „Scheiben“ getrennt angeordnet, was zwei eigenständige Fenster ergibt – doch dies beeinträchtigt bedauerlicherweise die Sicht. Diese Besonderheit der Walsaugen muss bei der Fischerei stets im Hinterkopf behalten werden – und vom Leser in späteren Szenen ebenfalls berücksichtigt werden.
Es könnte eine interessante und äußerst rätselhafte Frage bezüglich dieser Sehfähigkeit im Zusammenhang mit dem Leviathan gestellt werden. Doch ich muss mich mit einer Andeutung begnügen.
Solange eine Person bei Licht die Augen offen hat, ist das Sehen unbewusst – das heißt, sie kann nicht umhin, mechanisch alles zu sehen, was sich vor ihr befindet. Dennoch lehrt die Erfahrung jeden, dass er zwar mit einem Blick viele Dinge aufnehmen kann, es ihm jedoch völlig unmöglich ist, zwei Dinge – egal wie groß oder klein – gleichzeitig aufmerksam und vollständig zu betrachten – selbst dann nicht, wenn sie nebeneinander liegen und sich berühren. Wenn man diese beiden Objekte nun voneinander trennt und jedes mit einem Kreis aus tiefer Dunkelheit umgibt, dann wird, um eines der Objekte so sehen zu können, dass man sich darauf konzentrieren kann, das andere völlig aus dem eigenen Bewusstsein ausgeblendet. Wie ist es dann beim Wal? Zwar müssen seine beiden Augen gleichzeitig wirken – doch ist sein Gehirn so viel umfassender, kombinierender und feiner als das des Menschen, dass er im selben Moment zwei verschiedene Ansichten betrachten kann – eine auf einer Seite und die andere auf der genau gegenüberliegenden Seite.
Außerdem sind bei den meisten anderen Tieren, an die ich mich jetzt erinnern kann, die Augen so angeordnet, dass ihre Sehkraft nahezu unbemerkt miteinander verschmilzt, sodass das Gehirn ein einziges Bild und nicht zwei erhält. Die besondere Position der Walsaugen hingegen – sie sind durch viele Kubikfuß feste Kopfhaut getrennt, die wie ein großer Berg zwischen ihnen aufragt und zwei Seen in Tälern voneinander trennt – führt natürlich dazu, dass die Eindrücke, die jedes einzelne Auge vermittelt, völlig getrennt bleiben. Der Wal muss daher auf dieser Seite ein klares Bild sehen und auf der anderen Seite ein weiteres klares Bild – während alles dazwischen für ihn tiefe Dunkelheit und Leere darstellt. Man kann sagen, der Mensch blickt auf die Welt von einem Wachhäuschen aus, dessen Fenster aus zwei zusammengefügten Scheiben bestehen. Beim Wal hingegen sind diese beiden „Scheiben“ getrennt angeordnet, was zwei eigenständige Fenster ergibt – doch dies beeinträchtigt bedauerlicherweise die Sicht. Diese Besonderheit der Walsaugen muss bei der Fischerei stets im Hinterkopf behalten werden – und vom Leser in späteren Szenen ebenfalls berücksichtigt werden.
Es könnte eine interessante und äußerst rätselhafte Frage bezüglich dieser Sehfähigkeit im Zusammenhang mit dem Leviathan gestellt werden. Doch ich muss mich mit einer Andeutung begnügen.
Solange eine Person bei Licht die Augen offen hat, ist das Sehen unbewusst – das heißt, sie kann nicht umhin, mechanisch alles zu sehen, was sich vor ihr befindet. Dennoch lehrt die Erfahrung jeden, dass er zwar mit einem Blick viele Dinge aufnehmen kann, es ihm jedoch völlig unmöglich ist, zwei Dinge – egal wie groß oder klein – gleichzeitig aufmerksam und vollständig zu betrachten – selbst dann nicht, wenn sie nebeneinander liegen und sich berühren. Wenn man diese beiden Objekte nun voneinander trennt und jedes mit einem Kreis aus tiefer Dunkelheit umgibt, dann wird, um eines der Objekte so sehen zu können, dass man sich darauf konzentrieren kann, das andere völlig aus dem eigenen Bewusstsein ausgeblendet. Wie ist es dann beim Wal? Zwar müssen seine beiden Augen gleichzeitig wirken – doch ist sein Gehirn so viel umfassender, kombinierender und feiner als das des Menschen, dass er im selben Moment zwei verschiedene Ansichten betrachten kann – eine auf einer Seite und die andere auf der genau gegenüberliegenden Seite.
Page 364
Richtung? Wenn er das kann, dann ist das in ihm genauso erstaunlich, als könnte ein Mensch gleichzeitig die Beweisführungen zu zwei verschiedenen Problemen bei Euklid durchführen. Bei genauerer Betrachtung gibt es in dieser Vergleich auch keine Widersprüche.
Es mag nur ein bloßer Einfall sein, aber mir ist immer erschienen, dass die außergewöhnlichen Bewegungsunsicherheiten, die einige Wale zeigen, wenn sie von drei oder vier Booten bedrängt werden; ihre Schüchternheit sowie ihre Anfälligkeit für seltsame Ängste – all das rührt meiner Meinung nach indirekt von der hilflosen Verwirrung des Willens her, in die ihre geteilten und völlig entgegengesetzten Sehkräfte sie stürzen müssen.
Doch das Ohr des Wals ist genauso interessant wie sein Auge. Wenn man völlig fremd dieser Tierart ist, kann man stundenlang über diesen beiden Köpfen suchen, ohne dieses Organ jemals zu entdecken. Das Ohr hat keinerlei äußeren Teil; in das Loch selbst lässt sich kaum eine Feder stecken – es ist einfach unglaublich klein. Es befindet sich etwas hinter dem Auge. Was ihre Ohren betrifft, so gibt es einen wichtigen Unterschied zwischen dem Walross und dem Pottwal: Während das Ohr des Walrosses eine äußere Öffnung hat, ist das des Pottwals vollständig und gleichmäßig mit einer Membran bedeckt, sodass es von außen völlig unsichtbar ist.
Ist es nicht seltsam, dass ein so riesiges Wesen wie der Wal die Welt durch ein so kleines Auge sieht und den Donner durch ein Ohr hört, das noch kleiner ist als das eines Hasens? Doch selbst wenn seine Augen so groß wären wie die Linse von Herschels großem Teleskop und seine Ohren so geräumig wie die Portale von Kathedralen – würde das ihn dann besser sehen oder besser hören lassen? Überhaupt nicht. Warum versucht man dann, den eigenen Geist „zu vergrößern“? Man sollte ihn vielmehr verfeinern.
Lassen Sie uns nun mit allen Hebeln und Dampfmaschinen, die wir zur Verfügung haben, den Kopf des Walrosses anheben, damit er auf dem Bauch liegt; anschließend können wir über eine Leiter zum Gipfel klettern und in den Rachen hinunterschauen. Wenn der Körper nicht bereits vollständig davon getrennt wäre, könnten wir mit einer Laterne in die „große Kentucky-Mammuthöhle“ seines Magens hinabsteigen. Aber halten wir uns hier an diesem Zahn fest und schauen uns um – welch wunderschön und anmutig aussehender Rachen! Von Boden bis Decke ist er mit einer glänzenden weißen Membran ausgekleidet, glatt wie Brautseiden.
Aber kommen Sie jetzt heraus und schauen Sie sich dieses beeindruckende untere Kieferstück an – es sieht aus wie das lange, schmale Deckelstück eines riesigen Schnupftabakbehälters, mit der Scharnierstelle am einen Ende statt an einer Seite. Wenn man ihn anhebt, sodass er oben liegt, wird seine…
Es mag nur ein bloßer Einfall sein, aber mir ist immer erschienen, dass die außergewöhnlichen Bewegungsunsicherheiten, die einige Wale zeigen, wenn sie von drei oder vier Booten bedrängt werden; ihre Schüchternheit sowie ihre Anfälligkeit für seltsame Ängste – all das rührt meiner Meinung nach indirekt von der hilflosen Verwirrung des Willens her, in die ihre geteilten und völlig entgegengesetzten Sehkräfte sie stürzen müssen.
Doch das Ohr des Wals ist genauso interessant wie sein Auge. Wenn man völlig fremd dieser Tierart ist, kann man stundenlang über diesen beiden Köpfen suchen, ohne dieses Organ jemals zu entdecken. Das Ohr hat keinerlei äußeren Teil; in das Loch selbst lässt sich kaum eine Feder stecken – es ist einfach unglaublich klein. Es befindet sich etwas hinter dem Auge. Was ihre Ohren betrifft, so gibt es einen wichtigen Unterschied zwischen dem Walross und dem Pottwal: Während das Ohr des Walrosses eine äußere Öffnung hat, ist das des Pottwals vollständig und gleichmäßig mit einer Membran bedeckt, sodass es von außen völlig unsichtbar ist.
Ist es nicht seltsam, dass ein so riesiges Wesen wie der Wal die Welt durch ein so kleines Auge sieht und den Donner durch ein Ohr hört, das noch kleiner ist als das eines Hasens? Doch selbst wenn seine Augen so groß wären wie die Linse von Herschels großem Teleskop und seine Ohren so geräumig wie die Portale von Kathedralen – würde das ihn dann besser sehen oder besser hören lassen? Überhaupt nicht. Warum versucht man dann, den eigenen Geist „zu vergrößern“? Man sollte ihn vielmehr verfeinern.
Lassen Sie uns nun mit allen Hebeln und Dampfmaschinen, die wir zur Verfügung haben, den Kopf des Walrosses anheben, damit er auf dem Bauch liegt; anschließend können wir über eine Leiter zum Gipfel klettern und in den Rachen hinunterschauen. Wenn der Körper nicht bereits vollständig davon getrennt wäre, könnten wir mit einer Laterne in die „große Kentucky-Mammuthöhle“ seines Magens hinabsteigen. Aber halten wir uns hier an diesem Zahn fest und schauen uns um – welch wunderschön und anmutig aussehender Rachen! Von Boden bis Decke ist er mit einer glänzenden weißen Membran ausgekleidet, glatt wie Brautseiden.
Aber kommen Sie jetzt heraus und schauen Sie sich dieses beeindruckende untere Kieferstück an – es sieht aus wie das lange, schmale Deckelstück eines riesigen Schnupftabakbehälters, mit der Scharnierstelle am einen Ende statt an einer Seite. Wenn man ihn anhebt, sodass er oben liegt, wird seine…
Page 365
Reihen von Zähnen – es scheint sich um eine gewaltige Falltür zu handeln. Leider erweist sich das für viele Fischer als ein großer Nachteil: Die spitzen Zähne treffen mit großer Wucht auf sie. Noch schrecklicher ist es jedoch, wenn man tief im Meer eine solche Walart sieht – einen Wal, der dort treibend liegt, mit seinem riesigen Kiefer, der etwa fünfzehn Fuß lang ist und senkrecht zum Körper herabhängt – ganz wie der Mast eines Schiffes. Dieser Wal ist nicht tot; er ist nur geschwächt, vielleicht auch krankhaft besorgt. Seine Kiefergelenke haben nachgelassen, wodurch er in dieser unbeholfenen Haltung verharrt – eine Schande für seine Artgenossen, die sicherlich Flüche über ihn aussprechen werden.
In den meisten Fällen wird dieser untere Kiefer – der von einem erfahrenen Fachmann leicht gelöst werden kann – abgetrennt und an Deck gehoben, um die Elfenbeinzähne zu entfernen. Aus diesen harten weißen Walknochen fertigen die Fischer allerlei Gegenstände an – darunter Stöcke, Griffstücke für Regenschirme sowie Griffe für Reitpeitschen.
Mit viel Mühe wird der Kiefer an Bord gezogen, als wäre er ein Anker. Wenn die richtige Zeit gekommen ist – einige Tage nach den anderen Arbeiten – machen sich Queequeg, Daggoo und Tashtego, die alle erfahrene Zahnärzte sind, daran, die Zähne zu entfernen. Mit einer scharfen Schaufel durchtrennt Queequeg die Zahnfleischschichten. Anschließend wird der Kiefer mit Seilen festgebunden, und mit Hilfe von Seilwinden werden die Zähne herausgezogen – genauso wie Ochsen in Michigan Baumstümpfe aus den Wäldern ziehen. In der Regel gibt es insgesamt vierundvierzig Zähne; bei alten Walen sind diese zwar stark abgenutzt, aber nicht verrottet – und auch nicht auf unsere Art gefüllt worden. Danach wird der Kiefer in Platten gesägt und wie Baumstämme zur Hausbauweise aufgehäuft.
In den meisten Fällen wird dieser untere Kiefer – der von einem erfahrenen Fachmann leicht gelöst werden kann – abgetrennt und an Deck gehoben, um die Elfenbeinzähne zu entfernen. Aus diesen harten weißen Walknochen fertigen die Fischer allerlei Gegenstände an – darunter Stöcke, Griffstücke für Regenschirme sowie Griffe für Reitpeitschen.
Mit viel Mühe wird der Kiefer an Bord gezogen, als wäre er ein Anker. Wenn die richtige Zeit gekommen ist – einige Tage nach den anderen Arbeiten – machen sich Queequeg, Daggoo und Tashtego, die alle erfahrene Zahnärzte sind, daran, die Zähne zu entfernen. Mit einer scharfen Schaufel durchtrennt Queequeg die Zahnfleischschichten. Anschließend wird der Kiefer mit Seilen festgebunden, und mit Hilfe von Seilwinden werden die Zähne herausgezogen – genauso wie Ochsen in Michigan Baumstümpfe aus den Wäldern ziehen. In der Regel gibt es insgesamt vierundvierzig Zähne; bei alten Walen sind diese zwar stark abgenutzt, aber nicht verrottet – und auch nicht auf unsere Art gefüllt worden. Danach wird der Kiefer in Platten gesägt und wie Baumstämme zur Hausbauweise aufgehäuft.
Page 366
KAPITEL 75. Der Kopf der Pottwal – ein kontrastierender Blick.
Überqueren wir nun das Deck und werfen einen genauen Blick auf den Kopf des Pottwals.
In seiner Gesamtform lässt sich der Kopf des edlen Spermawals mit einem römischen Kriegswagen vergleichen – insbesondere im vorderen Bereich, wo er besonders breit abgerundet ist. Aus der Ferne ähnelt der Kopf des Pottwals daher eher einer riesigen Schuhform. Vor zweihundert Jahren verglich ein alter niederländischer Seefahrer seine Form mit der eines Schuhmachers. In diesem „Schuh“ könnte die alte Frau aus dem Märchen samt ihrer zahlreichen Nachkommen ganz bequem unterkommen.
Doch je näher man diesem großen Kopf kommt, desto mehr weisen verschiedene Aspekte darauf hin, wie er tatsächlich aussieht – je nachdem, von welcher Seite man ihn betrachtet. Wenn man auf seiner Spitze steht und auf diese beiden F-förmigen Öffnungen blickt, könnte man den ganzen Kopf für eine riesige Bassgeige halten – und diese Öffnungen als Löcher in der „Saitenplatte“ dieser Geige. Wenn man hingegen seinen Blick auf diese seltsame, krönchenartige Verzierung auf der Oberseite des Kopfes richtet – dieses grüne, mit Algen bedeckte Gebilde, das die Grönländer „Krone“ nennen und die Fischer im Süden „Hut“ des Pottwals – dann könnte man denken, es handele sich um den Stamm eines riesigen Eichbaums, in dessen Astgabel sich ein Vogelnest befindet. Auf jeden Fall wird einem, wenn man die lebenden Krabben betrachtet, die hier auf dieser „Krone“ leben, fast sicher dieser Gedanke kommen – es sei denn, man ist bereits durch den Fachbegriff „Krone“ beeinflusst; in diesem Fall wird man großes Interesse daran haben, herauszufinden, warum dieses mächtige Ungetüm eigentlich ein gekrönter König des Meeres ist, dessen grüne Krone auf wunderbare Weise für ihn geschaffen wurde. Doch wenn dieser Wal tatsächlich ein König ist, dann ist er ein ziemlich mürrisch aussehender Kerl, der eine Krone tragen muss. Schauen Sie sich nur diesen herabhängenden Unterlippenbart an! Was für eine riesige Mürrigkeit und Verärgerung – gemessen nach den Maßstäben eines Tischlers etwa zwanzig Fuß lang und fünf Fuß tief. Aus dieser „Mürrigkeit“ kann man etwa 500 Gallonen Öl gewinnen – und noch mehr.
Es ist wirklich schade, dass dieser unglückliche Wal Lippenfehler hat. Die Spalte ist etwa einen Fuß breit. Wahrscheinlich hat die Mutter während einer wichtigen Phase…
Überqueren wir nun das Deck und werfen einen genauen Blick auf den Kopf des Pottwals.
In seiner Gesamtform lässt sich der Kopf des edlen Spermawals mit einem römischen Kriegswagen vergleichen – insbesondere im vorderen Bereich, wo er besonders breit abgerundet ist. Aus der Ferne ähnelt der Kopf des Pottwals daher eher einer riesigen Schuhform. Vor zweihundert Jahren verglich ein alter niederländischer Seefahrer seine Form mit der eines Schuhmachers. In diesem „Schuh“ könnte die alte Frau aus dem Märchen samt ihrer zahlreichen Nachkommen ganz bequem unterkommen.
Doch je näher man diesem großen Kopf kommt, desto mehr weisen verschiedene Aspekte darauf hin, wie er tatsächlich aussieht – je nachdem, von welcher Seite man ihn betrachtet. Wenn man auf seiner Spitze steht und auf diese beiden F-förmigen Öffnungen blickt, könnte man den ganzen Kopf für eine riesige Bassgeige halten – und diese Öffnungen als Löcher in der „Saitenplatte“ dieser Geige. Wenn man hingegen seinen Blick auf diese seltsame, krönchenartige Verzierung auf der Oberseite des Kopfes richtet – dieses grüne, mit Algen bedeckte Gebilde, das die Grönländer „Krone“ nennen und die Fischer im Süden „Hut“ des Pottwals – dann könnte man denken, es handele sich um den Stamm eines riesigen Eichbaums, in dessen Astgabel sich ein Vogelnest befindet. Auf jeden Fall wird einem, wenn man die lebenden Krabben betrachtet, die hier auf dieser „Krone“ leben, fast sicher dieser Gedanke kommen – es sei denn, man ist bereits durch den Fachbegriff „Krone“ beeinflusst; in diesem Fall wird man großes Interesse daran haben, herauszufinden, warum dieses mächtige Ungetüm eigentlich ein gekrönter König des Meeres ist, dessen grüne Krone auf wunderbare Weise für ihn geschaffen wurde. Doch wenn dieser Wal tatsächlich ein König ist, dann ist er ein ziemlich mürrisch aussehender Kerl, der eine Krone tragen muss. Schauen Sie sich nur diesen herabhängenden Unterlippenbart an! Was für eine riesige Mürrigkeit und Verärgerung – gemessen nach den Maßstäben eines Tischlers etwa zwanzig Fuß lang und fünf Fuß tief. Aus dieser „Mürrigkeit“ kann man etwa 500 Gallonen Öl gewinnen – und noch mehr.
Es ist wirklich schade, dass dieser unglückliche Wal Lippenfehler hat. Die Spalte ist etwa einen Fuß breit. Wahrscheinlich hat die Mutter während einer wichtigen Phase…
Page 367
Das Schiff fuhr entlang der peruanischen Küste, als Erdbeben dazu führten, dass das Ufer aufbrach. Über diesen Rand – wie über einen rutschigen Schwelle – gleiten wir nun hinein in den „Mund“ des Meeres. Bei Gott! Wäre ich in Mackinaw, würde ich das für den Innenraum eines indianischen Wigwams halten. Mein Herr! Ist das etwa der Weg, den Jonas gegangen ist? Die Decke ist etwa zwölf Fuß hoch und bildet einen ziemlich steilen Winkel – als gäbe es dort einen regelmäßigen Stützpfeiler. Die gewölbten, behaarten Seiten weisen jene wunderbaren, halb vertikalen, schwertförmigen Platten aus Walbein auf – insgesamt etwa dreihundert pro Seite. Diese Platten hängen von dem oberen Teil des Schädels herab und bilden jene „Venedigjalousien“, von denen bereits an anderer Stelle kurz die Rede war. Die Ränder dieser Knochen sind mit behaarten Fasern besetzt; durch diese Fasern saugt der Pottwal das Wasser ein und hält dabei kleine Fische fest. Wenn er zum Fressen seinen Mund öffnet, bewegt er sich durch die Wassermassen. In den mittleren Knochenplatten gibt es bestimmte, merkwürdige Muster, Kurven, Vertiefungen und Rillen – anhand dieser kann man das Alter des Wals bestimmen, ähnlich wie man das Alter eines Eichenbaums anhand seiner Ringel abschätzt. Obwohl die Genauigkeit dieses Kriteriums keineswegs nachgewiesen werden kann, hat es doch etwas von einer analogischen Wahrscheinlichkeit. Jedenfalls müssen wir, wenn wir diesem Kriterium folgen, dem Pottwal ein weitaus höheres Alter zusprechen, als auf den ersten Blick vernünftig erscheint.
In alten Zeiten schienen die seltsamsten Vorstellungen bezüglich dieser „Jalousien“ zu herrschen. Ein Reisender in Purchas nannte sie die wunderbaren „Wimpern“ im Inneren des Walmauls; ein anderer sprach von „Schweineborsten“. Ein weiterer alter Herr in Hackluyt verwendete folgende elegante Formulierung: „Auf jeder Seite seines oberen Kiefers wachsen etwa zweihundertfünfzig Fortsätze, die sich über seine Zunge auf beiden Seiten seines Mauls spannen.“ Das erinnert uns daran, dass der Pottwal tatsächlich eine Art „Wimpern“ oder besser gesagt Schnurrbart besitzt – bestehend aus einigen verstreuten weißen Haaren am oberen Teil des äußeren Endes des Unterkiefers. Manchmal verleihen diese Haarbüschel seinem sonst ernsten Gesichtsausdruck einen eher banditenhaften Charakter.
Wie jeder weiß, dienen genau diese „Schweineborsten“, „Fortsätze“, „Wimpern“ oder wie auch immer man sie nennen will dazu, den Damen ihre Haarnetze sowie andere Verstärkungsmittel zu liefern. Doch in diesem Bereich ist die Nachfrage schon seit längerem rückläufig. Es war zur Zeit Königin Annes, als diese Knochen in Mode waren – damals war der Korsettalltag an der Tagesordnung. Und genauso wie diese alten Damen fröhlich umhergingen – wenn auch, sozusagen, in den Kiefern des Wals – so ist es auch heute noch.
In alten Zeiten schienen die seltsamsten Vorstellungen bezüglich dieser „Jalousien“ zu herrschen. Ein Reisender in Purchas nannte sie die wunderbaren „Wimpern“ im Inneren des Walmauls; ein anderer sprach von „Schweineborsten“. Ein weiterer alter Herr in Hackluyt verwendete folgende elegante Formulierung: „Auf jeder Seite seines oberen Kiefers wachsen etwa zweihundertfünfzig Fortsätze, die sich über seine Zunge auf beiden Seiten seines Mauls spannen.“ Das erinnert uns daran, dass der Pottwal tatsächlich eine Art „Wimpern“ oder besser gesagt Schnurrbart besitzt – bestehend aus einigen verstreuten weißen Haaren am oberen Teil des äußeren Endes des Unterkiefers. Manchmal verleihen diese Haarbüschel seinem sonst ernsten Gesichtsausdruck einen eher banditenhaften Charakter.
Wie jeder weiß, dienen genau diese „Schweineborsten“, „Fortsätze“, „Wimpern“ oder wie auch immer man sie nennen will dazu, den Damen ihre Haarnetze sowie andere Verstärkungsmittel zu liefern. Doch in diesem Bereich ist die Nachfrage schon seit längerem rückläufig. Es war zur Zeit Königin Annes, als diese Knochen in Mode waren – damals war der Korsettalltag an der Tagesordnung. Und genauso wie diese alten Damen fröhlich umhergingen – wenn auch, sozusagen, in den Kiefern des Wals – so ist es auch heute noch.
Page 368
Dusche – mit derselben Gedankenlosigkeit fliegen wir heutzutage unter denselben „Kiefern“ zum Schutz; der Regenschirm ist dabei wie ein Zelt, das über denselben Knochen gespannt wird. Doch vergessen wir für einen Moment alle diese Knochenstrukturen und stehen wir im Maul des Pottwals – schauen wir uns um. Wenn man all diese kolonnenartig angeordneten Knochen sieht, könnte man meinen, man befände sich innerhalb des großen Orgels aus Haarlem und blicke auf seine tausend Pfeifen. Als „Teppich“ für diesen „Orgel“ haben wir einen Teppich aus dem weichsten Türkischleder – die Zunge, die gewissermaßen am Boden des Mauls klebt. Sie ist sehr fett und zart und neigt dazu, in Stücke zu reißen, wenn sie an die Oberfläche geholt wird. Diese Zunge vor uns – auf den ersten Blick würde ich sagen, es handelt sich dabei um eine Zunge, aus der etwa sechs Tropfen Öl gewonnen werden können.
Bisher haben Sie sicherlich bereits erkannt, was ich von Anfang an meinte: Der Schwertwal und der Pottwal haben fast völlig unterschiedliche Köpfe. Zusammenfassend lässt sich sagen: Im Kopf des Pottwals gibt es keinen großen „Sperma-Quell“; es gibt überhaupt keine Elfenbeinzähne; auch kein langes, schmales Unterkieferknochen wie beim Schwertwal. Beim Schwertwal gibt es außerdem keine solchen Knochenstrukturen; kein riesiger Unterlippenknochen – und kaum eine Zunge. Der Pottwal hat außerdem zwei äußere Ausatmungslöcher, der Schwertwal nur eines.
Schauen Sie sich nun noch einmal diese „ehrwürdigen“, behaarten Köpfe an – solange sie noch zusammenliegen; denn einer von ihnen wird bald, unbemerkt, im Meer versinken; der andere wird nicht lange darauf folgen. Können Sie den Ausdruck des Schwertwal-Kopfs erkennen? Es ist derselbe Ausdruck, mit dem er starb – nur einige der längeren Falten auf der Stirn scheinen jetzt verschwunden zu sein. Ich denke, seine breite Stirn strahlt eine Art Ruhe aus, die aus Gleichgültigkeit gegenüber dem Tod entsteht. Doch beachten Sie den Ausdruck des anderen Kopfs. Sehen Sie diese erstaunliche Unterlippe, die zufällig gegen die Seite des Schiffes gedrückt wurde und somit den Kiefer fest umschließt. Scheint dieser ganze Kopf nicht von einer enormen Entschlossenheit zu zeugen, dem Tod entgegenzutreten? Ich nehme an, dieser Pottwal war ein Stoiker – der Schwertwal hingegen ein Platoniker, der in seinen späten Jahren vielleicht Spinoza studiert hätte.
Bisher haben Sie sicherlich bereits erkannt, was ich von Anfang an meinte: Der Schwertwal und der Pottwal haben fast völlig unterschiedliche Köpfe. Zusammenfassend lässt sich sagen: Im Kopf des Pottwals gibt es keinen großen „Sperma-Quell“; es gibt überhaupt keine Elfenbeinzähne; auch kein langes, schmales Unterkieferknochen wie beim Schwertwal. Beim Schwertwal gibt es außerdem keine solchen Knochenstrukturen; kein riesiger Unterlippenknochen – und kaum eine Zunge. Der Pottwal hat außerdem zwei äußere Ausatmungslöcher, der Schwertwal nur eines.
Schauen Sie sich nun noch einmal diese „ehrwürdigen“, behaarten Köpfe an – solange sie noch zusammenliegen; denn einer von ihnen wird bald, unbemerkt, im Meer versinken; der andere wird nicht lange darauf folgen. Können Sie den Ausdruck des Schwertwal-Kopfs erkennen? Es ist derselbe Ausdruck, mit dem er starb – nur einige der längeren Falten auf der Stirn scheinen jetzt verschwunden zu sein. Ich denke, seine breite Stirn strahlt eine Art Ruhe aus, die aus Gleichgültigkeit gegenüber dem Tod entsteht. Doch beachten Sie den Ausdruck des anderen Kopfs. Sehen Sie diese erstaunliche Unterlippe, die zufällig gegen die Seite des Schiffes gedrückt wurde und somit den Kiefer fest umschließt. Scheint dieser ganze Kopf nicht von einer enormen Entschlossenheit zu zeugen, dem Tod entgegenzutreten? Ich nehme an, dieser Pottwal war ein Stoiker – der Schwertwal hingegen ein Platoniker, der in seinen späten Jahren vielleicht Spinoza studiert hätte.
Page 369
KAPITEL 76. Der Rammbock.
Bevor ich vorerst den Kopf des Wals verlasse, möchte ich, dass Sie als vernünftiger Physiologe einfach – und besonders genau – dessen Vorderseite in all ihrer kompakten Struktur betrachten. Ich möchte, dass Sie sie nun untersuchen, mit dem einzigen Ziel, sich ein realistisches, fundiertes Bild davon zu machen, welche Rammkraft dort vorhanden sein könnte. Das ist ein entscheidender Punkt: Entweder klären Sie diese Angelegenheit für sich selbst zufriedenstellend auf – oder Sie bleiben für immer Ungläubiger bezüglich eines der schrecklichsten, doch dennoch wahren Ereignisse, die vielleicht in der gesamten aufgezeichneten Geschichte vorkommen.
Sie werden feststellen, dass der Vorderteil des Kopfes des Wals in seiner üblichen Schwimmposition fast vollständig senkrecht zur Wasseroberfläche steht. Der untere Teil dieses Vorderteils neigt sich erheblich nach hinten, um mehr Platz für die lange Höhle zu bieten, in der der keulenartige Unterkiefer sitzt. Der Mund befindet sich ganz unterhalb des Kopfes – genauso, wie Ihr eigener Mund ganz unter Ihrem Kinn liegt. Zudem hat der Wal keine äußere Nase; die sogenannte „Nasenöffnung“ befindet sich auf der Oberseite seines Kopfes. Seine Augen und Ohren liegen an den Seiten des Kopfes, etwa ein Drittel der Gesamtlänge vom Vorderteil entfernt. Somit müssen Sie jetzt erkannt haben, dass der Vorderteil des Kopfes des Wals eine leblose, blinde Wand ohne irgendein Organ oder irgendwelche empfindlichen Ausbuchtungen darstellt.
Außerdem sollten Sie bedenken, dass nur im äußersten, nach unten geneigten Teil des Vorderteils des Kopfes ein winziger Rest Knochen vorhanden ist. Erst wenn man sich etwa zwanzig Fuß vom Stirnbereich entfernt, erreicht man die vollständige Entwicklung des Schädels. Somit ist diese ganze riesige, knochenlose Masse wie ein zusammengeballter Klumpen. Schließlich umfasst ihr Inhalt zwar teilweise das feinste Fett – doch Sie sollen nun über die Natur der Substanz informiert werden, die all diese scheinbare „Zerbrechlichkeit“ ausmacht. An einer früheren Stelle habe ich Ihnen beschrieben, wie die Fettschicht den Körper des Wals umhüllt – genauso wie die Schale eine Orange umhüllt. Gleiches gilt für den Kopf – mit diesem Unterschied: Um den Kopf herum ist diese Hülle zwar nicht so dick, aber dennoch unglaublich widerstandsfähig; niemand, der sie nicht selbst berührt hat, kann ihren Wert richtig einschätzen. Selbst der härteste, spitzeste Harpunenpfeil…
Bevor ich vorerst den Kopf des Wals verlasse, möchte ich, dass Sie als vernünftiger Physiologe einfach – und besonders genau – dessen Vorderseite in all ihrer kompakten Struktur betrachten. Ich möchte, dass Sie sie nun untersuchen, mit dem einzigen Ziel, sich ein realistisches, fundiertes Bild davon zu machen, welche Rammkraft dort vorhanden sein könnte. Das ist ein entscheidender Punkt: Entweder klären Sie diese Angelegenheit für sich selbst zufriedenstellend auf – oder Sie bleiben für immer Ungläubiger bezüglich eines der schrecklichsten, doch dennoch wahren Ereignisse, die vielleicht in der gesamten aufgezeichneten Geschichte vorkommen.
Sie werden feststellen, dass der Vorderteil des Kopfes des Wals in seiner üblichen Schwimmposition fast vollständig senkrecht zur Wasseroberfläche steht. Der untere Teil dieses Vorderteils neigt sich erheblich nach hinten, um mehr Platz für die lange Höhle zu bieten, in der der keulenartige Unterkiefer sitzt. Der Mund befindet sich ganz unterhalb des Kopfes – genauso, wie Ihr eigener Mund ganz unter Ihrem Kinn liegt. Zudem hat der Wal keine äußere Nase; die sogenannte „Nasenöffnung“ befindet sich auf der Oberseite seines Kopfes. Seine Augen und Ohren liegen an den Seiten des Kopfes, etwa ein Drittel der Gesamtlänge vom Vorderteil entfernt. Somit müssen Sie jetzt erkannt haben, dass der Vorderteil des Kopfes des Wals eine leblose, blinde Wand ohne irgendein Organ oder irgendwelche empfindlichen Ausbuchtungen darstellt.
Außerdem sollten Sie bedenken, dass nur im äußersten, nach unten geneigten Teil des Vorderteils des Kopfes ein winziger Rest Knochen vorhanden ist. Erst wenn man sich etwa zwanzig Fuß vom Stirnbereich entfernt, erreicht man die vollständige Entwicklung des Schädels. Somit ist diese ganze riesige, knochenlose Masse wie ein zusammengeballter Klumpen. Schließlich umfasst ihr Inhalt zwar teilweise das feinste Fett – doch Sie sollen nun über die Natur der Substanz informiert werden, die all diese scheinbare „Zerbrechlichkeit“ ausmacht. An einer früheren Stelle habe ich Ihnen beschrieben, wie die Fettschicht den Körper des Wals umhüllt – genauso wie die Schale eine Orange umhüllt. Gleiches gilt für den Kopf – mit diesem Unterschied: Um den Kopf herum ist diese Hülle zwar nicht so dick, aber dennoch unglaublich widerstandsfähig; niemand, der sie nicht selbst berührt hat, kann ihren Wert richtig einschätzen. Selbst der härteste, spitzeste Harpunenpfeil…
Page 370
Der stärkste menschliche Arm prallt machtlos davon ab. Es ist, als wäre die Stirn des Spermwals mit Pferdehufen gepflastert. Ich glaube nicht, dass darin irgendeine Empfindung vorhanden ist.
Denken Sie auch an etwas anderes: Wenn zwei große, beladene Indiamen zufällig in den Docks aufeinanderzudrängen drohen, was tun dann die Seeleute? Sie hängen an der Stelle des Kontakts keine einfache, harte Substanz wie Eisen oder Holz auf. Nein, sie verwenden dort einen großen, runden Ball aus Tau und Kork, der in das dickste und widerstandsfähigste Ochsenleder eingewickelt ist. Dieser kann tapfer und unbeschädigt den Druck aushalten, der sonst alle ihren Eichenpfähle sowie Eisengreifstangen zerstört hätte. Allein das verdeutlicht bereits das offensichtliche Faktum, das ich betonen möchte. Doch zusätzlich ist mir hypothetisch der Gedanke gekommen, dass gewöhnliche Fische eine sogenannte Schwimmblase besitzen, die nach Belieben gedehnt oder zusammengezogen werden kann; während der Spermwal, soweit ich weiß, keine solche Struktur hat. Wenn man außerdem bedenkt, auf welche sonst unerklärliche Weise er seinen Kopf vollständig unter die Wasseroberfläche senkt und anschließend wieder hoch über dem Wasser schwimmt – sowie die ungehinderte Elastizität seiner Hülle und die einzigartige Struktur seines Kopfes – dann ist mir hypothetisch der Gedanke gekommen, dass diese „mystischen Lungenzellen“ möglicherweise eine bislang unbekannte und unvermutete Verbindung zur Außenluft haben könnten, sodass sie einer atmosphärischen Dehnung oder Zusammenziehung unterliegen können. Falls dem so ist, stellen Sie sich die Unwiderstehlichkeit dieser Kraft vor – einer Kraft, zu der das zerstörerischste aller Elemente beiträgt.
Nun: Unfehlbar treibt diese tote, unzerstörbare Wand sowie das äußerst schwimmfähige Innere dieses Monsters voran – dahinter schwimmt jedoch eine Masse enormen Lebens, die nur durch das Maßband richtig eingeschätzt werden kann, genauso wie gestapeltes Holz. Alles unterliegt dabei einem einzigen Willen, genauso wie das kleinste Insekt. Wenn ich Ihnen später alle Besonderheiten und Kräfte aufzeigen werde, die in diesem riesigen Lebewesen verborgen sind – wenn ich Ihnen einige seiner bemerkenswerteren Fähigkeiten zeigen werde – hoffe ich, dass Sie jede unwissende Ungläubigkeit aufgegeben haben und bereit sind, anzuerkennen, dass selbst wenn der Spermwal einen Weg durch den Isthmus von Darien bahnen und den Atlantik mit dem Pazifik verbinden würde, Sie nicht einmal eine Augenbraue heben würden. Denn wer den Wal nicht wirklich versteht, ist im Grunde nur ein Provinzler und Sentimentaler. Doch wahre Erkenntnis ist etwas, das nur Salamanderriesen vorbehalten ist.
Denken Sie auch an etwas anderes: Wenn zwei große, beladene Indiamen zufällig in den Docks aufeinanderzudrängen drohen, was tun dann die Seeleute? Sie hängen an der Stelle des Kontakts keine einfache, harte Substanz wie Eisen oder Holz auf. Nein, sie verwenden dort einen großen, runden Ball aus Tau und Kork, der in das dickste und widerstandsfähigste Ochsenleder eingewickelt ist. Dieser kann tapfer und unbeschädigt den Druck aushalten, der sonst alle ihren Eichenpfähle sowie Eisengreifstangen zerstört hätte. Allein das verdeutlicht bereits das offensichtliche Faktum, das ich betonen möchte. Doch zusätzlich ist mir hypothetisch der Gedanke gekommen, dass gewöhnliche Fische eine sogenannte Schwimmblase besitzen, die nach Belieben gedehnt oder zusammengezogen werden kann; während der Spermwal, soweit ich weiß, keine solche Struktur hat. Wenn man außerdem bedenkt, auf welche sonst unerklärliche Weise er seinen Kopf vollständig unter die Wasseroberfläche senkt und anschließend wieder hoch über dem Wasser schwimmt – sowie die ungehinderte Elastizität seiner Hülle und die einzigartige Struktur seines Kopfes – dann ist mir hypothetisch der Gedanke gekommen, dass diese „mystischen Lungenzellen“ möglicherweise eine bislang unbekannte und unvermutete Verbindung zur Außenluft haben könnten, sodass sie einer atmosphärischen Dehnung oder Zusammenziehung unterliegen können. Falls dem so ist, stellen Sie sich die Unwiderstehlichkeit dieser Kraft vor – einer Kraft, zu der das zerstörerischste aller Elemente beiträgt.
Nun: Unfehlbar treibt diese tote, unzerstörbare Wand sowie das äußerst schwimmfähige Innere dieses Monsters voran – dahinter schwimmt jedoch eine Masse enormen Lebens, die nur durch das Maßband richtig eingeschätzt werden kann, genauso wie gestapeltes Holz. Alles unterliegt dabei einem einzigen Willen, genauso wie das kleinste Insekt. Wenn ich Ihnen später alle Besonderheiten und Kräfte aufzeigen werde, die in diesem riesigen Lebewesen verborgen sind – wenn ich Ihnen einige seiner bemerkenswerteren Fähigkeiten zeigen werde – hoffe ich, dass Sie jede unwissende Ungläubigkeit aufgegeben haben und bereit sind, anzuerkennen, dass selbst wenn der Spermwal einen Weg durch den Isthmus von Darien bahnen und den Atlantik mit dem Pazifik verbinden würde, Sie nicht einmal eine Augenbraue heben würden. Denn wer den Wal nicht wirklich versteht, ist im Grunde nur ein Provinzler und Sentimentaler. Doch wahre Erkenntnis ist etwas, das nur Salamanderriesen vorbehalten ist.
Page 371
Zufällig darauf stoßen – wie gering sind dann die Chancen für die Provinzler? Was geschah mit dem schwachen Jungen, der im Lais das Veil der furchterregenden Göttin hob?
Page 372
KAPITEL 77. Der große „Heidelberger Fass“ des Wals.
Nun kommt die Verpackung dieses „Fasses“. Doch um sie richtig zu verstehen, muss man etwas über die seltsame innere Struktur dessen wissen, was verpackt wird.
Wenn man den Kopf des Walrosses als einen festen, länglichen Körper betrachtet, kann man ihn auf einer schrägen Ebene seitlich in zwei Teile teilen. Der untere Teil besteht aus der knöchernen Struktur, die das Schädeldach sowie die Kiefer bildet; der obere Teil hingegen ist eine ölige Masse, die völlig frei von Knochen ist. Sein breiter vorderer Teil bildet die vertikal erweiterte Stirn des Wals. In der Mitte dieser Stirn kann man den oberen Teil wiederum horizontal unterteilen – dann erhält man zwei fast gleich große Teile. Früher waren diese Teile durch eine innere Wand aus dickerem Sehnenmaterial voneinander getrennt.
*„Quoin“ ist kein euklidischer Begriff; er gehört zur reinen nautischen Mathematik. Ich kenne keine Definition dieses Begriffs. Ein „Quoin“ ist ein fester Körper, der sich von einer Keilform dadurch unterscheidet, dass seine scharfe Spitze durch die steile Neigung einer Seite entsteht – anstatt durch das gemeinsame Verdichten beider Seiten.*
Der untere, unterteilte Teil wird „Junk“ genannt und besteht aus einem riesigen „Bienenwaben-Strukturen“, die aus widerstandsfähigen, elastischen weißen Fasern bestehen. Der obere Teil, der als „Fass“ bezeichnet wird, kann als der „große Heidelberger Fass“ des Walrosses angesehen werden. Genau wie jenes berühmte Fass mystisch verziert ist, so bilden die gewaltigen, geflochtenen Strukturen auf der Stirn des Wals unzählige seltsame Formen, die dazu dienen, sein wunderbares „Fass“ symbolisch zu schmücken. Zudem wurde jenes Heidelberger Fass stets mit den besten Weinen aus den Rheintälern gefüllt – genauso enthält das „Fass“ des Wals die wertvollsten Öle, nämlich das äußerst kostbare Spermaceti, in seinem absolut reinen, klaren und duftenden Zustand. Diese wertvolle Substanz findet sich in keinem anderen Teil des Tieres in reiner Form. Obwohl sie im Leben vollkommen flüssig bleibt, beginnt sie nach dem Tod, sobald sie der Luft ausgesetzt wird, schnell zu erstarrten – dabei entstehen wunderschöne kristalline Strukturen, ähnlich wie beim Entstehen von dünnem Eis im Wasser. Das „Fass“ eines großen Wals liefert in der Regel etwa fünfhundert Gallonen Spermaceti – allerdings nur unter bestimmten Bedingungen.
Nun kommt die Verpackung dieses „Fasses“. Doch um sie richtig zu verstehen, muss man etwas über die seltsame innere Struktur dessen wissen, was verpackt wird.
Wenn man den Kopf des Walrosses als einen festen, länglichen Körper betrachtet, kann man ihn auf einer schrägen Ebene seitlich in zwei Teile teilen. Der untere Teil besteht aus der knöchernen Struktur, die das Schädeldach sowie die Kiefer bildet; der obere Teil hingegen ist eine ölige Masse, die völlig frei von Knochen ist. Sein breiter vorderer Teil bildet die vertikal erweiterte Stirn des Wals. In der Mitte dieser Stirn kann man den oberen Teil wiederum horizontal unterteilen – dann erhält man zwei fast gleich große Teile. Früher waren diese Teile durch eine innere Wand aus dickerem Sehnenmaterial voneinander getrennt.
*„Quoin“ ist kein euklidischer Begriff; er gehört zur reinen nautischen Mathematik. Ich kenne keine Definition dieses Begriffs. Ein „Quoin“ ist ein fester Körper, der sich von einer Keilform dadurch unterscheidet, dass seine scharfe Spitze durch die steile Neigung einer Seite entsteht – anstatt durch das gemeinsame Verdichten beider Seiten.*
Der untere, unterteilte Teil wird „Junk“ genannt und besteht aus einem riesigen „Bienenwaben-Strukturen“, die aus widerstandsfähigen, elastischen weißen Fasern bestehen. Der obere Teil, der als „Fass“ bezeichnet wird, kann als der „große Heidelberger Fass“ des Walrosses angesehen werden. Genau wie jenes berühmte Fass mystisch verziert ist, so bilden die gewaltigen, geflochtenen Strukturen auf der Stirn des Wals unzählige seltsame Formen, die dazu dienen, sein wunderbares „Fass“ symbolisch zu schmücken. Zudem wurde jenes Heidelberger Fass stets mit den besten Weinen aus den Rheintälern gefüllt – genauso enthält das „Fass“ des Wals die wertvollsten Öle, nämlich das äußerst kostbare Spermaceti, in seinem absolut reinen, klaren und duftenden Zustand. Diese wertvolle Substanz findet sich in keinem anderen Teil des Tieres in reiner Form. Obwohl sie im Leben vollkommen flüssig bleibt, beginnt sie nach dem Tod, sobald sie der Luft ausgesetzt wird, schnell zu erstarrten – dabei entstehen wunderschöne kristalline Strukturen, ähnlich wie beim Entstehen von dünnem Eis im Wasser. Das „Fass“ eines großen Wals liefert in der Regel etwa fünfhundert Gallonen Spermaceti – allerdings nur unter bestimmten Bedingungen.
Page 373
Unter diesen Umständen geht ein erheblicher Teil des Spermacets verloren – durch Auslaufen, Durchsickern oder auf andere Weise – oder geht unwiederbringlich verloren im schwierigen Versuch, das Erreichbare zu sichern. Ich weiß nicht, mit welchem feinen und kostbaren Material die Innenseite des Heidelberger Behälters beim Pottwal überzogen war; doch in ihrer Pracht konnte diese Beschichtung sicherlich nicht mit der seidig-perlenfarbenen Membran verglichen werden, die wie die Fütterung eines feinen Pelzes die Innenfläche des Behälters bildet. Es ist offensichtlich, dass der Heidelberger Behälter beim Pottwal die gesamte Länge des oberen Kopfbereichs umfasst; und da der Kopf – wie bereits anderswo erwähnt – ein Drittel der Gesamtlänge des Tieres ausmacht, ergibt sich bei einem gut gewachsenen Wal eine Länge von achtzig Fuß. Damit hat man mehr als zweiundzwanzig Fuß für die Tiefe des Behälters, wenn dieser längs an die Schiffswand gehoben wird. Beim Entkopfen des Wals wird das Werkzeug des Operators in die Nähe jener Stelle geführt, an der anschließend ein Eingang in den Spermacetbehälter geschaffen wird; daher muss er äußerst vorsichtig sein, damit kein unvorsichtiger, unzeitiger Schlag in diesen Bereich eindringt und den wertvollen Inhalt verschwendet. Auch dieses entkappte Ende des Kopfes wird schließlich aus dem Wasser gehoben und in dieser Position durch enorme Schneidewerkzeuge festgehalten; deren Hanfverbindungen ergeben auf der einen Seite ein regelrechtes Durcheinander aus Seilen in diesem Bereich. Nachdem nun so viel gesagt wurde, bitte ich Sie, nun der wunderbaren – und in diesem Fall fast tödlichen – Prozedur zuzuhören, bei der der große Heidelberger Behälter des Pottwals geöffnet wird.
Page 374
KAPITEL 78. Zisternen und Eimer.
Schnell wie eine Katze klettert Tashtego nach oben; ohne seine aufrechte Haltung zu verändern, läuft er direkt auf den überhängenden Arm des Mastes zu, dorthin, wo dieser genau über dem gehobenen Fass hinausragt. Er hat ein leichtes Werkzeug mitgenommen, das „Peitsche“ genannt wird und aus nur zwei Teilen besteht, die durch einen einzigen Block miteinander verbunden sind. Nachdem er diesen Block so befestigt hat, dass er vom Mastarm herabhängt, schwingt er eines der Enden des Seils, bis es von einer Hand auf dem Deck festgehalten wird. Anschließend lässt sich der Indianer Hand über Hand am anderen Ende des Seils nach unten gleiten, bis er geschickt auf der Oberfläche des Fasses landet. Dort – immer noch hoch über den übrigen Männern – ruft er laut zu ihnen hinüber; er wirkt wie ein türkischer Muezzin, der die Menschen von der Spitze eines Turms zum Gebet aufruft. Ein Spaten mit kurzem Griff wird ihm hinaufgereicht, und er sucht sorgfältig nach dem richtigen Ort, um mit dem Aufbrechen des Fasses zu beginnen. Dabei vorgeht er sehr vorsichtig, wie ein Schatzsucher in einem alten Haus, der die Wände abtastet, um herauszufinden, wo das Gold eingebaut ist. Wenn diese vorsichtige Suche beendet ist, ist an einem Ende der „Peitsche“ ein stabiler Eimer aus Eisen befestigt, genau wie ein Brunnen-Eimer; das andere Ende des Seils wird über das Deck gespannt und von zwei oder drei wachsamen Händen festgehalten. Diese heben nun den Eimer in die Reichweite des Indianers, dem jemand einen sehr langen Stab reicht. Tashtego führt den Stab in den Eimer ein und lässt ihn anschließend nach unten in das Fass gleiten, bis der Eimer vollständig verschwindet. Danach gibt er den Seeleuten am Seil ein Zeichen – der Eimer kommt wieder nach oben, voller Flüssigkeit, wie der Eimer einer Milchmagd mit frischem Milch. Vorsichtig wird der volle Eimer von oben herabgeholt und in eine große Schüssel geleert. Danach klettert Tashtego wieder nach oben, und der Vorgang wiederholt sich, bis die tiefe Zisterne nichts mehr hergibt. Gegen Ende muss Tashtego seinen langen Stab immer härter und tiefer in das Fass stoßen, bis etwa zwanzig Fuß des Stabs darin versunken sind. Inzwischen hatten die Leute der Pequod bereits eine Weile auf diese Weise gearbeitet; mehrere Schüsseln waren bereits mit dem duftenden Sperma gefüllt. Plötzlich ereignete sich jedoch ein seltsamer Unfall. Entweder war Tashtego, dieser wilde Indianer, so unvorsichtig und rücksichtslos, dass er für einen Moment seinen Halt mit einer Hand losließ…
Schnell wie eine Katze klettert Tashtego nach oben; ohne seine aufrechte Haltung zu verändern, läuft er direkt auf den überhängenden Arm des Mastes zu, dorthin, wo dieser genau über dem gehobenen Fass hinausragt. Er hat ein leichtes Werkzeug mitgenommen, das „Peitsche“ genannt wird und aus nur zwei Teilen besteht, die durch einen einzigen Block miteinander verbunden sind. Nachdem er diesen Block so befestigt hat, dass er vom Mastarm herabhängt, schwingt er eines der Enden des Seils, bis es von einer Hand auf dem Deck festgehalten wird. Anschließend lässt sich der Indianer Hand über Hand am anderen Ende des Seils nach unten gleiten, bis er geschickt auf der Oberfläche des Fasses landet. Dort – immer noch hoch über den übrigen Männern – ruft er laut zu ihnen hinüber; er wirkt wie ein türkischer Muezzin, der die Menschen von der Spitze eines Turms zum Gebet aufruft. Ein Spaten mit kurzem Griff wird ihm hinaufgereicht, und er sucht sorgfältig nach dem richtigen Ort, um mit dem Aufbrechen des Fasses zu beginnen. Dabei vorgeht er sehr vorsichtig, wie ein Schatzsucher in einem alten Haus, der die Wände abtastet, um herauszufinden, wo das Gold eingebaut ist. Wenn diese vorsichtige Suche beendet ist, ist an einem Ende der „Peitsche“ ein stabiler Eimer aus Eisen befestigt, genau wie ein Brunnen-Eimer; das andere Ende des Seils wird über das Deck gespannt und von zwei oder drei wachsamen Händen festgehalten. Diese heben nun den Eimer in die Reichweite des Indianers, dem jemand einen sehr langen Stab reicht. Tashtego führt den Stab in den Eimer ein und lässt ihn anschließend nach unten in das Fass gleiten, bis der Eimer vollständig verschwindet. Danach gibt er den Seeleuten am Seil ein Zeichen – der Eimer kommt wieder nach oben, voller Flüssigkeit, wie der Eimer einer Milchmagd mit frischem Milch. Vorsichtig wird der volle Eimer von oben herabgeholt und in eine große Schüssel geleert. Danach klettert Tashtego wieder nach oben, und der Vorgang wiederholt sich, bis die tiefe Zisterne nichts mehr hergibt. Gegen Ende muss Tashtego seinen langen Stab immer härter und tiefer in das Fass stoßen, bis etwa zwanzig Fuß des Stabs darin versunken sind. Inzwischen hatten die Leute der Pequod bereits eine Weile auf diese Weise gearbeitet; mehrere Schüsseln waren bereits mit dem duftenden Sperma gefüllt. Plötzlich ereignete sich jedoch ein seltsamer Unfall. Entweder war Tashtego, dieser wilde Indianer, so unvorsichtig und rücksichtslos, dass er für einen Moment seinen Halt mit einer Hand losließ…
Page 375
auf den großen Seilzugvorrichtungen, die den Kopf hielten – oder ob der Ort, an dem er stand, so gefährlich und schlüpfrig war – oder ob der Teufel selbst wollte, dass es so geschah, ohne seine konkreten Gründe anzugeben. Wie genau es passiert ist, kann man jetzt nicht mehr sagen. Doch plötzlich, als der achtzigste oder neunzigste Eimer nach oben gezogen wurde – mein Gott! armer Tashtego – fiel er wie ein Paar sich gegenseitig ersetzender Eimer in einem wahren Brunnen kopfüber in diesen riesigen Behälter in Heidelberg und verschwand mit einem schrecklichen, öligen Gurgeln aus dem Blickfeld!
„Mann über Bord!“, rief Daggoo, der inmitten der allgemeinen Verwirrung als Erster wieder zu Sinnen kam. „Zieht den Eimer hierher!“ Er setzte einen Fuß hinein, um besser Halt am Seil zu finden, und die Arbeiter zogen ihn hoch nach oben, fast bevor Tashtego den Boden des Behälters erreichen konnte. In der Zwischenzeit herrschte schreckliches Chaos. Wenn sie über den Rand blickten, sahen sie den zuvor leblos erscheinenden Kopf, der nun unter der Meeresoberfläche zuckte und sich bewegte, als wäre er in diesem Moment von einer wichtigen Idee ergriffen worden – doch in Wirklichkeit zeigte der arme Indianer nur unbewusst durch diese Bewegungen, in welche gefährliche Tiefe er gesunken war.
In diesem Moment, während Daggoo auf der Spitze des Behälters versuchte, das Seil zu befreien – das sich irgendwie verfangen hatte –, war ein lautes Knirschen zu hören. Zu entsetzlicher Furcht aller brach einer der beiden riesigen Haken, die den Kopf hielten, ab, und mit einer gewaltigen Vibration schwang die enorme Masse zur Seite, sodass das Schiff wie von einem Eisberg getroffen schwankte. Der einzige verbleibende Haken, auf dem nun alles lastete, schien jeden Moment nachzugeben – was durch die heftigen Bewegungen des Behälters noch wahrscheinlicher wurde.
„Kommt runter, kommt runter!“, schrien die Seeleute zu Daggoo. Doch dieser hielt mit einer Hand weiterhin fest am schweren Seil, damit er auch dann noch in der Luft bliebe, falls der Behälter herunterfallen sollte. Nachdem er das verfangene Seil befreit hatte, stieß er den Eimer in den nun zusammengebrochenen Behälter hinab, in der Hoffnung, dass der darin gefangene Harpunier ihn ergreifen und so herausgeholt werden könnte.
„Im Namen des Himmels, Mann“, rief Stubb, „versucht ihr etwa, ihm dort eine Kugel hineinzustopfen? – Hört auf! Wie soll das ihm helfen? Den eisernen Eimer auf seinen Kopf zu drücken? Hört auf damit!“
„Bleibt vom Seil weg!“, rief eine Stimme, als würde eine Rakete explodieren. Fast im selben Moment fiel die enorme Masse mit einem Donnerschlag ins Meer, wie der Table-Rock des Niagarafalls in den Strudel.
„Mann über Bord!“, rief Daggoo, der inmitten der allgemeinen Verwirrung als Erster wieder zu Sinnen kam. „Zieht den Eimer hierher!“ Er setzte einen Fuß hinein, um besser Halt am Seil zu finden, und die Arbeiter zogen ihn hoch nach oben, fast bevor Tashtego den Boden des Behälters erreichen konnte. In der Zwischenzeit herrschte schreckliches Chaos. Wenn sie über den Rand blickten, sahen sie den zuvor leblos erscheinenden Kopf, der nun unter der Meeresoberfläche zuckte und sich bewegte, als wäre er in diesem Moment von einer wichtigen Idee ergriffen worden – doch in Wirklichkeit zeigte der arme Indianer nur unbewusst durch diese Bewegungen, in welche gefährliche Tiefe er gesunken war.
In diesem Moment, während Daggoo auf der Spitze des Behälters versuchte, das Seil zu befreien – das sich irgendwie verfangen hatte –, war ein lautes Knirschen zu hören. Zu entsetzlicher Furcht aller brach einer der beiden riesigen Haken, die den Kopf hielten, ab, und mit einer gewaltigen Vibration schwang die enorme Masse zur Seite, sodass das Schiff wie von einem Eisberg getroffen schwankte. Der einzige verbleibende Haken, auf dem nun alles lastete, schien jeden Moment nachzugeben – was durch die heftigen Bewegungen des Behälters noch wahrscheinlicher wurde.
„Kommt runter, kommt runter!“, schrien die Seeleute zu Daggoo. Doch dieser hielt mit einer Hand weiterhin fest am schweren Seil, damit er auch dann noch in der Luft bliebe, falls der Behälter herunterfallen sollte. Nachdem er das verfangene Seil befreit hatte, stieß er den Eimer in den nun zusammengebrochenen Behälter hinab, in der Hoffnung, dass der darin gefangene Harpunier ihn ergreifen und so herausgeholt werden könnte.
„Im Namen des Himmels, Mann“, rief Stubb, „versucht ihr etwa, ihm dort eine Kugel hineinzustopfen? – Hört auf! Wie soll das ihm helfen? Den eisernen Eimer auf seinen Kopf zu drücken? Hört auf damit!“
„Bleibt vom Seil weg!“, rief eine Stimme, als würde eine Rakete explodieren. Fast im selben Moment fiel die enorme Masse mit einem Donnerschlag ins Meer, wie der Table-Rock des Niagarafalls in den Strudel.
Page 376
Plötzlich rollte das Boot weg von ihm – hinab in das glitzernde Kupferwasser. Alle hielten den Atem an: Daggoo war halb schwingend – mal über den Köpfen der Seeleute, mal über dem Wasser – und konnte durch den dichten Sprühnebel nur verschwommen gesehen werden; er klammerte sich an die Seile. Der arme Tashtego hingegen sank immer tiefer auf den Meeresgrund! Doch kaum hatte sich der blendende Nebel gelichtet, wurde für einen kurzen Moment eine nackte Gestalt mit einem Angriffs Schwert in der Hand über den Bug des Bootes gesichtet. Im nächsten Moment kündigte ein lautes Platschen davon an, dass mein tapferer Queequeg zum Retten eingetaucht war. Alle starrten auf die Wellen – doch weder von dem Versinkenden noch vom Taucher war etwas zu sehen. Einige sprangen in ein Boot nebenan und entfernten sich etwas vom Schiff.
„Ha! Ha!“, rief Daggoo plötzlich von seinem nun ruhigen Platz über dem Kopf. Wenn man weiter nach hinten blickte, sah man einen Arm, der aus den blauen Wellen emporragte – ein seltsamer Anblick, als würde ein Arm aus dem Gras über einem Grab herausragen.
„Beide! Beide! Es sind beide!“, rief Daggoo erneut fröhlich. Kurz darauf wurde Queequeg gesehen, wie er mit einer Hand kräftig zustieß und mit der anderen das lange Haar des Indern festhielt. Sie wurden ins wartende Boot gezogen und schnell auf das Deck gebracht. Doch Tashtego brauchte lange, um wieder zu Bewusstsein zu kommen – und Queequeg wirkte nicht besonders munter.
Wie also gelang diese edle Rettung? Queequeg tauchte hinter dem langsam sinkenden Kopf her, stieß mit seinem scharfen Schwert seitlich gegen den Boden des Wassers, um dort ein großes Loch zu schaffen. Danach ließ er sein Schwert fallen, streckte seinen langen Arm tief nach innen und nach oben und zog so den armen Tashtego am Kopf heraus. Er behauptete, beim ersten Versuch sei ein Bein zum Vorschein gekommen – doch da er wusste, dass das nicht richtig war und große Probleme verursachen könnte, schob er das Bein zurück und zog den Inder mit geschickten Bewegungen nach oben. Beim nächsten Versuch kam Tashtego schließlich auf die richtige Weise heraus – mit dem Kopf voran. Was den Kopf selbst angeht, so verlief alles so gut, wie es nur möglich war. Durch Queequegs Mut und seine große Geschicklichkeit gelang die Rettung – genauer gesagt die Rettung von Tashtego – trotz aller widrigen und scheinbar hoffnungslosen Hindernisse. Das ist eine Lektion, die man keinesfalls vergessen sollte.
„Ha! Ha!“, rief Daggoo plötzlich von seinem nun ruhigen Platz über dem Kopf. Wenn man weiter nach hinten blickte, sah man einen Arm, der aus den blauen Wellen emporragte – ein seltsamer Anblick, als würde ein Arm aus dem Gras über einem Grab herausragen.
„Beide! Beide! Es sind beide!“, rief Daggoo erneut fröhlich. Kurz darauf wurde Queequeg gesehen, wie er mit einer Hand kräftig zustieß und mit der anderen das lange Haar des Indern festhielt. Sie wurden ins wartende Boot gezogen und schnell auf das Deck gebracht. Doch Tashtego brauchte lange, um wieder zu Bewusstsein zu kommen – und Queequeg wirkte nicht besonders munter.
Wie also gelang diese edle Rettung? Queequeg tauchte hinter dem langsam sinkenden Kopf her, stieß mit seinem scharfen Schwert seitlich gegen den Boden des Wassers, um dort ein großes Loch zu schaffen. Danach ließ er sein Schwert fallen, streckte seinen langen Arm tief nach innen und nach oben und zog so den armen Tashtego am Kopf heraus. Er behauptete, beim ersten Versuch sei ein Bein zum Vorschein gekommen – doch da er wusste, dass das nicht richtig war und große Probleme verursachen könnte, schob er das Bein zurück und zog den Inder mit geschickten Bewegungen nach oben. Beim nächsten Versuch kam Tashtego schließlich auf die richtige Weise heraus – mit dem Kopf voran. Was den Kopf selbst angeht, so verlief alles so gut, wie es nur möglich war. Durch Queequegs Mut und seine große Geschicklichkeit gelang die Rettung – genauer gesagt die Rettung von Tashtego – trotz aller widrigen und scheinbar hoffnungslosen Hindernisse. Das ist eine Lektion, die man keinesfalls vergessen sollte.
Page 377
Die Geburtshilfe sollte im selben Kurs wie Fechten und Boxen, Reiten und Rudern unterrichtet werden. Ich weiß, dass dieses seltsame Abenteuer des Gay-Header sicherlich für einige Leute unglaublich erscheinen wird – obwohl sie selbst vielleicht schon einmal gesehen oder gehört haben, wie jemand in einen Brunnen gefallen ist; ein Unfall, der nicht selten vorkommt – und aus noch weniger vernünftigen Gründen als im Fall des Inders, wenn man bedenkt, wie extrem rutschig der Rand des Brunnens des Schwertwals ist. Doch man könnte vielleicht fragen: Wie ist das möglich? Wir dachten, der mit Gewebe ausgekleidete, durchlässige Kopf des Schwertwals sei der leichteste und korkartigste Teil seines Körpers – und doch lässt du ihn in einer Flüssigkeit versinken, deren Dichte weitaus größer ist als seine eigene. Ganz und gar nicht – denn zum Zeitpunkt, als der arme Tash hineinfiel, war der Brunnen bereits fast leer von seinen leichteren Inhalten; es blieb nur noch die dicke, sehnige Wand des Brunnens übrig – eine doppelt verschweißte, gehämmerte Struktur, die, wie ich bereits sagte, viel schwerer ist als Meerwasser, und ein solcher Klumpen sinkt darin fast wie Blei. Doch in diesem Fall wurde die Neigung zum schnellen Sinken durch die anderen Teile des Kopfes, die noch daran befestigt waren, erheblich gebremst; dadurch sank der Kopf sehr langsam und bedächtig – was Queequeg eine gute Chance gab, seine geschickte Geburtshilfe in Bewegung auszuüben, sozusagen. Ja, es handelte sich dabei um eine Geburt im Laufen. Hätte Tashtego in diesem Kopf ums Leben gekommen, wäre es ein sehr „wertvoller“ Tod gewesen – er wäre in dem reinsten, duftendsten Schwertwalfett erstickt worden, in einem „Sarg“ begraben worden und in der geheimen inneren Kammer des Wals beigesetzt worden. Nur ein noch süßerer Tod fällt einem ein – der köstliche Tod eines Honigsammlers aus Ohio, der in der Ritze eines hohlen Baumes nach Honig suchte, dort eine solch große Menge fand, dass er, als er zu weit vorbeugte, von dem Honig eingesaugt wurde und so konserviert starb. Wie viele, meint ihr, sind wohl ebenfalls in Platons Honigkopf gefallen und dort süß gestorben?
Page 378
KAPITEL 79. Die Prärie.
Die Züge seines Gesichts zu betrachten oder die Erhebungen auf dem Kopf dieses Leviathans zu spüren – das ist etwas, was bislang weder ein Physiognom noch ein Phrenologe unternommen hat. Ein solches Vorhaben erscheint fast genauso aussichtslos, als würde Lavater die Falten auf dem Felsen von Gibraltar untersuchen oder Gall eine Leiter hinaufklettern, um die Kuppel des Pantheons zu manipulieren. Dennoch behandelt Lavater in seinem berühmten Werk nicht nur die verschiedenen Gesichter der Menschen, sondern studiert auch aufmerksam die Gesichter von Pferden, Vögeln, Schlangen und Fischen und geht detailliert auf die darin erkennbaren Ausdrucksveränderungen ein. Auch Gall und sein Schüler Spurzheim haben Hinweise auf die phrenologischen Eigenschaften anderer Lebewesen als des Menschen gegeben. Deshalb werde ich, obwohl ich für die Anwendung dieser beiden Halbwissenschaften auf den Wal kaum qualifiziert bin, mein Bestes geben. Ich versuche alles – und erreiche das, was ich kann.
Aus physiognomischer Sicht ist der Schwertwal ein anomales Wesen. Er besitzt keine richtige Nase. Da die Nase das zentrale und auffälligste Merkmal ist – und da sie wohl am meisten die gemeinsame Ausdrucksweise der Gesichtszüge prägt und letztendlich kontrolliert – scheint ihr völliger Mangel als äußerliches Anhangsorgan den Gesamteindruck des Wals erheblich zu beeinflussen. So wie in der Landschaftsgestaltung ein Turm, eine Kuppel oder irgendeine Art von Monument fast unverzichtbar ist, um das Bild abzurunden, so kann kein Gesicht physiognomisch vollständig sein ohne die erhobene, offene Form der Nase. Entfernt man die Nase aus Phidias’ Marmorbildnis des Jupiters – was bleibt dann übrig? Doch der Leviathan ist von solch gewaltiger Größe, alle seine Proportionen sind so majestätisch, dass derselbe Mangel, der beim geschnitzten Jupiter hässlich gewirkt hätte, bei ihm keineswegs ein Makel ist – im Gegenteil: Es ist sogar eine zusätzliche Pracht. Eine Nase beim Wal wäre unangemessen gewesen. Während Sie auf Ihrer physiognomischen Reise mit Ihrem Boot um seinen riesigen Kopf segeln, werden Ihre edlen Vorstellungen von ihm niemals durch den Gedanken beleidigt, dass er eine Nase hätte, an der gezogen werden könnte. Das ist eine schädliche Arroganz – eine Arroganz, die oft darauf besteht, sich auch dann aufzudrängen, wenn man den mächtigsten König auf seinem Thron betrachtet.
In einigen Aspekten ist vielleicht der eindrucksvollste physiognomische Anblick des Schwertwals die gesamte Vorderseite seines Kopfes. Dieser Ansicht…
Die Züge seines Gesichts zu betrachten oder die Erhebungen auf dem Kopf dieses Leviathans zu spüren – das ist etwas, was bislang weder ein Physiognom noch ein Phrenologe unternommen hat. Ein solches Vorhaben erscheint fast genauso aussichtslos, als würde Lavater die Falten auf dem Felsen von Gibraltar untersuchen oder Gall eine Leiter hinaufklettern, um die Kuppel des Pantheons zu manipulieren. Dennoch behandelt Lavater in seinem berühmten Werk nicht nur die verschiedenen Gesichter der Menschen, sondern studiert auch aufmerksam die Gesichter von Pferden, Vögeln, Schlangen und Fischen und geht detailliert auf die darin erkennbaren Ausdrucksveränderungen ein. Auch Gall und sein Schüler Spurzheim haben Hinweise auf die phrenologischen Eigenschaften anderer Lebewesen als des Menschen gegeben. Deshalb werde ich, obwohl ich für die Anwendung dieser beiden Halbwissenschaften auf den Wal kaum qualifiziert bin, mein Bestes geben. Ich versuche alles – und erreiche das, was ich kann.
Aus physiognomischer Sicht ist der Schwertwal ein anomales Wesen. Er besitzt keine richtige Nase. Da die Nase das zentrale und auffälligste Merkmal ist – und da sie wohl am meisten die gemeinsame Ausdrucksweise der Gesichtszüge prägt und letztendlich kontrolliert – scheint ihr völliger Mangel als äußerliches Anhangsorgan den Gesamteindruck des Wals erheblich zu beeinflussen. So wie in der Landschaftsgestaltung ein Turm, eine Kuppel oder irgendeine Art von Monument fast unverzichtbar ist, um das Bild abzurunden, so kann kein Gesicht physiognomisch vollständig sein ohne die erhobene, offene Form der Nase. Entfernt man die Nase aus Phidias’ Marmorbildnis des Jupiters – was bleibt dann übrig? Doch der Leviathan ist von solch gewaltiger Größe, alle seine Proportionen sind so majestätisch, dass derselbe Mangel, der beim geschnitzten Jupiter hässlich gewirkt hätte, bei ihm keineswegs ein Makel ist – im Gegenteil: Es ist sogar eine zusätzliche Pracht. Eine Nase beim Wal wäre unangemessen gewesen. Während Sie auf Ihrer physiognomischen Reise mit Ihrem Boot um seinen riesigen Kopf segeln, werden Ihre edlen Vorstellungen von ihm niemals durch den Gedanken beleidigt, dass er eine Nase hätte, an der gezogen werden könnte. Das ist eine schädliche Arroganz – eine Arroganz, die oft darauf besteht, sich auch dann aufzudrängen, wenn man den mächtigsten König auf seinem Thron betrachtet.
In einigen Aspekten ist vielleicht der eindrucksvollste physiognomische Anblick des Schwertwals die gesamte Vorderseite seines Kopfes. Dieser Ansicht…
Page 379
Es ist erhaben. Im Denken gleicht die feine Stirn des Menschen dem Osten, wenn er vom Morgen heimgesucht wird. In der Ruhe der Weiden hat die gewellte Stirn des Stiers etwas Großartiges an sich. Wenn der Elefant schwere Kanonen über Gebirgspässe trägt, wirkt seine Stirn majestätisch. Ob Mensch oder Tier – die mystische Stirn gleicht jenem großen goldenen Siegel, das die deutschen Kaiser auf ihre Dekrete setzten. Es bedeutet: „Gott: Getan an diesem Tag durch meine Hand.“ Doch bei den meisten Lebewesen – ja sogar beim Menschen selbst – ist die Stirn oft nur ein schmaler Streifen Land entlang der Schneegrenze. Nur wenige Stirnen erheben sich wie die von Shakespeare oder Melanchthon so hoch und senken sich so tief, dass die Augen selbst wie klare, ewige, wellenlose Bergseen erscheinen; und in den Falten der Stirn scheint man die „hörnigen“ Gedanken verfolgen zu können, die dorthin kommen, um „zu trinken“, so wie die Hochlandjäger die Spuren der Hirsche im Schnee verfolgen. Doch beim großen Schwertwal wird diese hohe, mächtige, göttliche Würde, die in der Stirn liegt, so enorm verstärkt, dass man beim Betrachten dieser vollen Frontansicht die Göttlichkeit sowie die schrecklichen Kräfte stärker spürt als bei jedem anderen Objekt in der lebenden Natur. Denn man sieht keinen bestimmten Punkt; keine einzige deutliche Eigenschaft wird sichtbar – kein Nasen-, Augen-, Ohr- oder Mundteil; kein Gesicht; er besitzt keines wirklich; nur jenes weite, faltige „Himmelsgewölbe“ der Stirn, voller Rätsel; es senkt sich langsam herab – mit dem Untergang von Booten, Schiffen und Menschen. Auch im Profil nimmt diese wunderbare Stirn nicht an Größe ab; doch aus dieser Perspektive überragt ihre Pracht einen nicht so sehr. Im Profil erkennt man deutlich die horizontale, halbkreisförmige Vertiefung in der Mitte der Stirn – bei Menschen ist das Lavaters Zeichen für Genie. Aber wie? Genie beim Schwertwal? Hat der Schwertwal jemals ein Buch geschrieben oder eine Rede gehalten? Nein – sein großes Genie zeigt sich darin, dass er nichts Besonderes tut, um es zu beweisen. Es zeigt sich auch in seinem pyramidenförmigen Schweigen. Das erinnert mich daran: Hätte der große Schwertwal dem jungen orientalischen Welt bekannt werden können, wäre er durch ihre kindlichen, magischen Vorstellungen vergöttlicht worden. Sie vergötterten den Nilkrokodil, weil dieser keine Zunge hat – und der Schwertwal hat ebenfalls keine Zunge, oder zumindest ist sie so winzig, dass sie nicht hervorgetrieben werden kann. Wenn in Zukunft irgendeine hochkultivierte, poetische Nation die fröhlichen Götter der Vergangenheit wieder zu ihrem rechtmäßigen Platz zurückführen und sie erneut im nun egoistischen Himmel, auf den nun unberührten Hügeln krönen wird – dann wird der große Schwertwal, erhoben auf Jupiters hohem Thron, dort herrschen.
Page 380
Champollion entschlüsselte die in den Granit eingravierten Hieroglyphen. Doch es gibt keinen Champollion, der das „Gesicht“ jedes Menschen und jedes Lebewesens entschlüsseln könnte. Die Physiognomie ist, wie jede andere menschliche Wissenschaft, nur eine vorübergehende Fabel. Wenn also Sir William Jones, der dreißig Sprachen lesen konnte, das Gesicht eines einfachen Bauern nicht in seinen tiefgründigeren und subtileren Bedeutungen erkennen konnte – wie kann dann ein ungebildeter Ishmael hoffen, die „furchtbare“ Sprache der Stirn des Schwertwals zu verstehen? Ich stelle Ihnen diese Stirn nur vor. Lesen Sie sie, wenn Sie können.
Page 381
Page 382
KAPITEL 80. Die Nuss.
Wenn der Walschweinwal physisch gesehen einer Sphinx gleicht, dann erscheint sein Gehirn aus phrenologischer Sicht als jener geometrische Kreis, den es nicht möglich ist zu quadrieren. Bei einem ausgewachsenen Tier beträgt die Länge des Schädels mindestens zwanzig Fuß. Wenn man das Unterkiefergelenk löst, sieht die Seitenansicht dieses Schädels aus wie die eines mäßig geneigten Plans, der vollständig auf einer ebenen Basis ruht. Im Leben – wie wir an anderer Stelle bereits gesehen haben – wird dieser geneigte Plan durch die enorme Masse des Spermas und der anderen Bestandteile des Körpers stark abgeflacht, fast quadratisch geformt. Am oberen Ende bildet der Schädel eine Art Krater, in dem jener Teil der Masse ruht; unter dem langen „Boden“ dieses Kraters – in einer weiteren Höhle, die selten länger als zehn Zoll und genauso tief ist – befindet sich lediglich eine Handvoll des Gehirns dieses Monsters. Im Leben liegt das Gehirn mindestens zwanzig Fuß von der scheinbaren Stirn entfernt; es ist hinter diesen riesigen Strukturen verborgen, wie die innerste Festung innerhalb der erweiterten Befestigungsanlagen von Québec. Es ist wie ein wertvolles Schmuckkästchen in ihm verborgen – ich kenne sogar einige Walfänger, die entschieden leugnen, dass der Walschweinwal ein anderes Gehirn hat als jenes, das durch die Mengen an Sperma entsteht. Aufgrund seiner seltsamen Falten, Strukturen und Windungen scheint es nach ihrer Ansicht eher angemessen, diesen geheimnisvollen Teil seines Körpers als Sitz seiner Intelligenz anzusehen. Es ist also offensichtlich, dass der Kopf dieses Leviathans aus phrenologischer Sicht, im lebenden Zustand des Tieres, eine reine Täuschung ist. Was sein wahres Gehirn angeht, so gibt es keine Anzeichen dafür – man kann es auch nicht spüren. Der Wal trägt, wie alle mächtigen Wesen, für die Außenwelt eine „falsche Stirn“. Wenn man den Schädel von den Spermapaketen befreit und anschließend die hintere Seite betrachtet – also das obere Ende –, wird man von der Ähnlichkeit mit dem menschlichen Schädel überrascht, wenn man ihn aus derselben Perspektive betrachtet. Tatsächlich: Wenn man diesen umgedrehten Schädel (in menschlicher Größe) unter eine Ansammlung menschlicher Schädel legt, würde man ihn unwillkürlich mit ihnen verwechseln. Wenn man die Einkerbungen an einer Stelle des Schädels bemerkt, würde man aus phrenologischer Sicht sagen: Dieser Mensch hatte kein Selbstwertgefühl und keine Achtung vor sich selbst. Durch diese Negationen, zusammen mit der Tatsache seiner enormen Größe und Kraft, kann man sich am besten ein Bild machen…
Wenn der Walschweinwal physisch gesehen einer Sphinx gleicht, dann erscheint sein Gehirn aus phrenologischer Sicht als jener geometrische Kreis, den es nicht möglich ist zu quadrieren. Bei einem ausgewachsenen Tier beträgt die Länge des Schädels mindestens zwanzig Fuß. Wenn man das Unterkiefergelenk löst, sieht die Seitenansicht dieses Schädels aus wie die eines mäßig geneigten Plans, der vollständig auf einer ebenen Basis ruht. Im Leben – wie wir an anderer Stelle bereits gesehen haben – wird dieser geneigte Plan durch die enorme Masse des Spermas und der anderen Bestandteile des Körpers stark abgeflacht, fast quadratisch geformt. Am oberen Ende bildet der Schädel eine Art Krater, in dem jener Teil der Masse ruht; unter dem langen „Boden“ dieses Kraters – in einer weiteren Höhle, die selten länger als zehn Zoll und genauso tief ist – befindet sich lediglich eine Handvoll des Gehirns dieses Monsters. Im Leben liegt das Gehirn mindestens zwanzig Fuß von der scheinbaren Stirn entfernt; es ist hinter diesen riesigen Strukturen verborgen, wie die innerste Festung innerhalb der erweiterten Befestigungsanlagen von Québec. Es ist wie ein wertvolles Schmuckkästchen in ihm verborgen – ich kenne sogar einige Walfänger, die entschieden leugnen, dass der Walschweinwal ein anderes Gehirn hat als jenes, das durch die Mengen an Sperma entsteht. Aufgrund seiner seltsamen Falten, Strukturen und Windungen scheint es nach ihrer Ansicht eher angemessen, diesen geheimnisvollen Teil seines Körpers als Sitz seiner Intelligenz anzusehen. Es ist also offensichtlich, dass der Kopf dieses Leviathans aus phrenologischer Sicht, im lebenden Zustand des Tieres, eine reine Täuschung ist. Was sein wahres Gehirn angeht, so gibt es keine Anzeichen dafür – man kann es auch nicht spüren. Der Wal trägt, wie alle mächtigen Wesen, für die Außenwelt eine „falsche Stirn“. Wenn man den Schädel von den Spermapaketen befreit und anschließend die hintere Seite betrachtet – also das obere Ende –, wird man von der Ähnlichkeit mit dem menschlichen Schädel überrascht, wenn man ihn aus derselben Perspektive betrachtet. Tatsächlich: Wenn man diesen umgedrehten Schädel (in menschlicher Größe) unter eine Ansammlung menschlicher Schädel legt, würde man ihn unwillkürlich mit ihnen verwechseln. Wenn man die Einkerbungen an einer Stelle des Schädels bemerkt, würde man aus phrenologischer Sicht sagen: Dieser Mensch hatte kein Selbstwertgefühl und keine Achtung vor sich selbst. Durch diese Negationen, zusammen mit der Tatsache seiner enormen Größe und Kraft, kann man sich am besten ein Bild machen…
Page 383
Ihre Vorstellung ist zwar die wahrhaftigste – aber nicht die aufregendste – von dem, was eine „erhabene Potenz“ ausmacht. Doch wenn Sie anhand der vergleichenden Abmessungen des Gehirns der Wale davon ausgehen, dass es nicht angemessen dargestellt werden kann, dann habe ich noch eine Idee für Sie. Wenn Sie sich die Wirbelsäule fast jedes Vielfüßlers genau ansehen, werden Sie von der Ähnlichkeit seiner Wirbel mit einer Kette aus verkleinerten Schädeln überrascht sein – alle weisen eine rudimentäre Ähnlichkeit mit einem echten Schädel auf. Es handelt sich dabei um eine deutsche Annahme, dass die Wirbel im Grunde unentwickelte Schädel seien. Doch diese merkwürdige äußere Ähnlichkeit wurden, so glaube ich, nicht die Deutschen als Erste erkannt. Ein ausländischer Freund wies mich einmal darauf hin – beim Skelett eines Feindes, den er getötet hatte, und dessen Wirbel er dazu benutzte, die Schnauze seines Kanus in Form eines Basreliefs zu verziern. Ich halte es für wichtig, dass die Phrenologen ihre Untersuchungen nicht vom Kleinhirn aus über den Rückenmarkskanal fortsetzen – denn ich glaube, dass viel vom Charakter eines Menschen in seiner Wirbelsäule zum Ausdruck kommt. Ich würde lieber Ihre Wirbelsäule berühren als Ihren Schädel – egal wer Sie sind. Eine dünne Wirbelsäule hat noch nie eine vollkommene und edle Seele getragen. Ich freue mich an meiner Wirbelsäule – wie an dem festen, kühnen Stab jenes Flags, das ich halb in die Welt hinauswerfe. Wenden wir diese phrenologische Theorie auf den Schwertwal an: Seine Schädelhöhle ist mit dem ersten Halswirbel verbunden; in diesem Wirbel misst der Boden des Rückenmarkskanals zehn Zoll in der Breite und acht Zoll in der Höhe – er hat eine dreieckige Form mit der Basis nach unten. Im Laufe des Durchgangs durch die übrigen Wirbel wird der Kanal immer enger, bleibt aber über einen beträchtlichen Bereich hinweg weiterhin groß genug. Natürlich ist dieser Kanal mit derselben seltsam faserigen Substanz gefüllt – dem Rückenmark – wie das Gehirn; außerdem steht er in direktem Kontakt mit dem Gehirn. Noch bemerkenswerter ist, dass das Rückenmark auch nachdem es aus der Schädelhöhle hervorgetreten ist, weiterhin eine nahezu gleich große Dicke behält. Unter all diesen Umständen wäre es doch unvernünftig, die Wirbelsäule des Walbes nicht phrenologisch zu untersuchen – schließlich wird die erstaunliche relative Kleinheit seines Gehirns durch die erstaunliche relative Größe seines Rückenmarks mehr als ausgeglichen. Doch lassen wir diese Überlegung erst einmal bei den Phrenologen wirken – ich möchte nur vorübergehend die Wirbeltheorie im Zusammenhang mit der Wulst des Schwertwals annehmen. Diese prächtige Wulst erhebt sich, wenn ich mich nicht irre, über einem der größeren Wirbel – sie stellt somit gewissermaßen die äußere, konvexe Form dieses Wirbels dar.
Page 384
Angesichts seiner relativen Lage sollte ich diese hohe Erhebung als das Organ der Entschlossenheit oder Unbezwingbarkeit beim Schwertwal bezeichnen. Und dass dieses riesige Ungeheuer unbezwingbar ist, werden Sie noch zu Recht erfahren.
Page 385
KAPITEL 81. Die Pequod trifft auf die Jungfrau
Der vorgesehene Tag kam, und wir trafen wie vereinbart das Schiff Jungfrau, unter dem Kommando von Derick De Deer aus Bremen.
Einst waren die Niederländer und Deutschen die besten Walfänger der Welt – heute gehören sie jedoch zu den schlechtesten. Doch hier und da, in großen Entfernungen nach Breite und Länge, sieht man gelegentlich ihre Flagge im Pazifik.
Aus irgendeinem Grund schien die Jungfrau sehr daran interessiert zu sein, uns ihre Ehrerbietung zu erweisen. Noch in einiger Entfernung zur Pequod drehte sie ab, setzte ein Boot zu Wasser – und ihr Kapitän eilte ungeduldig auf uns zu, stand am Bug statt am Heck.
„Was hat er da in der Hand?“, rief Starbuck und zeigte auf etwas, das der Deutsche in der Hand hielt. „Unmöglich! Ein Lampenfutter!“
„Nicht das“, sagte Stubb. „Nein, nein – es ist eine Kaffeekanne, Herr Starbuck. Er will uns Kaffee machen. Sehen Sie denn nicht diese große Metallkanne neben ihm? Das ist sein kochendes Wasser. Oh! Der Mann ist in Ordnung.“
„Unsinn!“, rief Flask. „Es handelt sich um ein Lampenfutter sowie eine Ölkanne. Ihm ist das Öl ausgegangen – deshalb kommt er, um zu bitten.“
So seltsam es auch erscheinen mag, dass ein Ölschiff auf der Walfangstation Öl leihen muss – und so sehr es dem alten Sprichwort widerspricht, Kohle nach Newcastle zu bringen – so kommt es doch manchmal vor. In diesem Fall führte Kapitän Derick De Deer tatsächlich ein Lampenfutter mit sich, wie Flask behauptete.
Als er an Deck kam, sprach Ahab ihn plötzlich an, ohne auf das zu achten, was er in der Hand hatte. Doch in seiner gebrochenen Sprache zeigte der Deutsche schnell, dass er nichts über den Weißen Wal wusste. Er lenkte das Gespräch sofort auf sein Lampenfutter und seine Ölkanne und erwähnte, dass er nachts in völliger Dunkelheit in seiner Hängematte liegen müsse – schließlich war ihm das letzte Tropfen Öl aus Bremen ausgegangen, und er hatte noch keinen einzigen Fisch gefangen, um den Mangel auszugleichen. Zum Schluss deutete er an, dass sein Schiff…
Der vorgesehene Tag kam, und wir trafen wie vereinbart das Schiff Jungfrau, unter dem Kommando von Derick De Deer aus Bremen.
Einst waren die Niederländer und Deutschen die besten Walfänger der Welt – heute gehören sie jedoch zu den schlechtesten. Doch hier und da, in großen Entfernungen nach Breite und Länge, sieht man gelegentlich ihre Flagge im Pazifik.
Aus irgendeinem Grund schien die Jungfrau sehr daran interessiert zu sein, uns ihre Ehrerbietung zu erweisen. Noch in einiger Entfernung zur Pequod drehte sie ab, setzte ein Boot zu Wasser – und ihr Kapitän eilte ungeduldig auf uns zu, stand am Bug statt am Heck.
„Was hat er da in der Hand?“, rief Starbuck und zeigte auf etwas, das der Deutsche in der Hand hielt. „Unmöglich! Ein Lampenfutter!“
„Nicht das“, sagte Stubb. „Nein, nein – es ist eine Kaffeekanne, Herr Starbuck. Er will uns Kaffee machen. Sehen Sie denn nicht diese große Metallkanne neben ihm? Das ist sein kochendes Wasser. Oh! Der Mann ist in Ordnung.“
„Unsinn!“, rief Flask. „Es handelt sich um ein Lampenfutter sowie eine Ölkanne. Ihm ist das Öl ausgegangen – deshalb kommt er, um zu bitten.“
So seltsam es auch erscheinen mag, dass ein Ölschiff auf der Walfangstation Öl leihen muss – und so sehr es dem alten Sprichwort widerspricht, Kohle nach Newcastle zu bringen – so kommt es doch manchmal vor. In diesem Fall führte Kapitän Derick De Deer tatsächlich ein Lampenfutter mit sich, wie Flask behauptete.
Als er an Deck kam, sprach Ahab ihn plötzlich an, ohne auf das zu achten, was er in der Hand hatte. Doch in seiner gebrochenen Sprache zeigte der Deutsche schnell, dass er nichts über den Weißen Wal wusste. Er lenkte das Gespräch sofort auf sein Lampenfutter und seine Ölkanne und erwähnte, dass er nachts in völliger Dunkelheit in seiner Hängematte liegen müsse – schließlich war ihm das letzte Tropfen Öl aus Bremen ausgegangen, und er hatte noch keinen einzigen Fisch gefangen, um den Mangel auszugleichen. Zum Schluss deutete er an, dass sein Schiff…
Page 386
Tatsächlich ist das, was in der Fischerei technisch als „sauber“ bezeichnet wird – also etwas, das leer ist – durchaus würdig, den Namen Jungfrau oder Keuschheit zu tragen. Nachdem seine Bedürfnisse gedeckt waren, brach Derick auf; doch noch bevor er an Bord seines Schiffes gelangen konnte, tauchten fast gleichzeitig Wale aus den Mastspitzen beider Schiffe auf. Da Derick so sehr danach dürstete, die Jagd aufzunehmen, drehte er ohne zu zögern sein Boot um und verfolgte die Riesenwale. Da sich die Wale gegen den Wind bewegten, hatten er sowie die drei anderen deutschen Boote, die ihm bald folgten, einen erheblichen Vorsprung vor dem Pequod. Es handelte sich um acht Wale – eine durchschnittliche Gruppe. Bewusst ihrer Gefahr, bewegten sie sich mit großer Geschwindigkeit direkt vor dem Wind, wobei ihre Körper sich so eng aneinanderdrückten, als wären es Pferde im Geschirr. Sie hinterließen eine große, weite Wellenfurche, als würde ständig ein großes Pergament auf dem Meer entrollt. In dieser schnellen Wellenfurche, viele Fadenlängen dahinter, schwamm ein riesiger, gekrümmter alter Bullenwal. Aufgrund seiner relativ langsamen Fortbewegung sowie der ungewöhnlichen gelblichen Ablagerungen auf seinem Körper schien er an Gelbsucht oder einer anderen Krankheit zu leiden. Ob dieser Wal zur vorausfahrenden Gruppe gehörte, war fraglich – schließlich sind solche „ehrwürdigen“ Riesenwale normalerweise nicht gesellig. Dennoch blieb er in ihrer Wellenfurche, obwohl das zurückbleibende Wasser ihn sicherlich verlangsamte. Sein breiter Rachen zeigte eine unregelmäßige Form, ähnlich wie die Wellen, die entstehen, wenn zwei gegensätzliche Strömungen aufeinandertreffen. Sein Spritzwasser war kurz, langsam und mühsam – es kam in Form von Spritzern heraus und zerfiel anschließend in kleine Stücke. Zudem gab es seltsame Bewegungen in seinem Körper, die anscheinend am anderen Ende seines Körpers zum Vorschein kamen und dazu führten, dass das Wasser hinter ihm aufwallte. „Hat jemand Paregorik dabei?“, fragte Stubb. „Ich fürchte, er hat Bauchschmerzen. Mein Gott, stellt euch vor: Halb Morgen voller Bauchschmerzen! Der widrige Wind sorgt bei ihm für wahre Qualen. Das ist der erste schlechte Wind, den ich je von achtern kommen sah – aber schaut, hat jemals ein Wal so geschaukelt? Er muss seinen Steuerknüppel verloren haben.“ Genau wie ein überladenes Indiensschiff, das mit einer Ladung verängstigter Pferde entlang der Küste Hindustans fährt und dabei ins Schlingern gerät, so warf auch dieser alte Wal seinen alten Körper hin und her. Von Zeit zu Zeit drehte er sich teilweise um, sodass der Grund für seine seltsame Bewegung sichtbar wurde.
Page 387
Ein unnatürlich kurzer Stumpf an seiner rechten Flosse – ob er diese Flosse im Kampf verloren hatte oder ohne sie geboren worden war, ließ sich schwer sagen.
„Warte nur ein bisschen, alter Kerl – ich werde dir einen Schlinge für deinen verletzten Arm geben“, rief der grausame Flask und zeigte auf das Seil in seiner Nähe.
„Pass auf, dass er dich damit nicht erwürgt“, rief Starbuck. „Weicht aus – sonst bekommt der Deutsche ihn.“
Alle gegnerischen Boote waren auf dieses eine Tier ausgerichtet – schließlich war es nicht nur das größte und somit wertvollste Waltier, sondern auch am nächsten zu ihnen. Die anderen Wale bewegten sich außerdem mit solcher Geschwindigkeit, dass eine Verfolgung im Moment fast unmöglich war. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Pequod bereits die drei deutschen Boote überholt – doch dank ihres schnellen Starts führte immer noch Dericks Boot die Verfolgung an, obwohl seine Konkurrenten ständig näher kamen. Das Einzige, wovor sie Angst hatten, war, dass das Tier, da es bereits so nahe am Ziel war, noch rechtzeitig seine Eisen einsetzen könnte, bevor sie es vollständig einholen konnten. Derick schien ganz sicher zu sein, dass genau das passieren würde – ab und zu schwang er spöttisch seinen Lampenträger in Richtung der anderen Boote.
„Dieser undankbare, gemeine Hund!“, rief Starbuck. „Er verspottet mich mit dem Behälter, den ich ihm vor weniger als fünf Minuten gefüllt habe!“ Dann flüsterte er intensiv: „Weicht aus, Hunde! An die Arbeit!“
„Ich sage euch, Leute – es widerspricht meiner Religion, wütend zu werden; aber ich würde gerne diesen verdammten Yarman essen – Zieht an, oder was? Wollt ihr zulassen, dass dieser Schurke euch besiegt? Liebt ihr Brandy? Dann ein Fass Brandy für den Besten von euch. Komm schon – warum reißt keiner eine Blutgefäß auf? Wer wirft da ein Ankertau ins Wasser? Wir rühren uns keinen Zentimeter – wir sind stecken geblieben. Hallo – da wächst Gras am Boden des Bootes – und bei Gott, der Mast beginnt bereits zu sprießen. Das geht nicht, Jungs. Schaut euch diesen Yarman an! Kurz gesagt: Wollt ihr Feuer speien oder nicht?“
„Oh! Schaut nur die Schaumblasen, die er erzeugt!“, rief Flask und tanzte auf und ab. „Was für eine Welle – Oh, gebt mehr Fleisch dazu – er liegt da wie ein Baumstamm! Oh, Jungs, macht schon – Suppe aus Muscheln und Muffins, wisst ihr – gebackene Muscheln und Muffins – oh, macht schon, verliert ihn jetzt nicht – oh, nein! Schaut euch diesen Yarman an – Oh, wollt ihr nicht für eure Belohnung kämpfen, Jungs? Solch ein Idiot – liebt ihr Sperma nicht? Da geht schon wieder einer…“
„Warte nur ein bisschen, alter Kerl – ich werde dir einen Schlinge für deinen verletzten Arm geben“, rief der grausame Flask und zeigte auf das Seil in seiner Nähe.
„Pass auf, dass er dich damit nicht erwürgt“, rief Starbuck. „Weicht aus – sonst bekommt der Deutsche ihn.“
Alle gegnerischen Boote waren auf dieses eine Tier ausgerichtet – schließlich war es nicht nur das größte und somit wertvollste Waltier, sondern auch am nächsten zu ihnen. Die anderen Wale bewegten sich außerdem mit solcher Geschwindigkeit, dass eine Verfolgung im Moment fast unmöglich war. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Pequod bereits die drei deutschen Boote überholt – doch dank ihres schnellen Starts führte immer noch Dericks Boot die Verfolgung an, obwohl seine Konkurrenten ständig näher kamen. Das Einzige, wovor sie Angst hatten, war, dass das Tier, da es bereits so nahe am Ziel war, noch rechtzeitig seine Eisen einsetzen könnte, bevor sie es vollständig einholen konnten. Derick schien ganz sicher zu sein, dass genau das passieren würde – ab und zu schwang er spöttisch seinen Lampenträger in Richtung der anderen Boote.
„Dieser undankbare, gemeine Hund!“, rief Starbuck. „Er verspottet mich mit dem Behälter, den ich ihm vor weniger als fünf Minuten gefüllt habe!“ Dann flüsterte er intensiv: „Weicht aus, Hunde! An die Arbeit!“
„Ich sage euch, Leute – es widerspricht meiner Religion, wütend zu werden; aber ich würde gerne diesen verdammten Yarman essen – Zieht an, oder was? Wollt ihr zulassen, dass dieser Schurke euch besiegt? Liebt ihr Brandy? Dann ein Fass Brandy für den Besten von euch. Komm schon – warum reißt keiner eine Blutgefäß auf? Wer wirft da ein Ankertau ins Wasser? Wir rühren uns keinen Zentimeter – wir sind stecken geblieben. Hallo – da wächst Gras am Boden des Bootes – und bei Gott, der Mast beginnt bereits zu sprießen. Das geht nicht, Jungs. Schaut euch diesen Yarman an! Kurz gesagt: Wollt ihr Feuer speien oder nicht?“
„Oh! Schaut nur die Schaumblasen, die er erzeugt!“, rief Flask und tanzte auf und ab. „Was für eine Welle – Oh, gebt mehr Fleisch dazu – er liegt da wie ein Baumstamm! Oh, Jungs, macht schon – Suppe aus Muscheln und Muffins, wisst ihr – gebackene Muscheln und Muffins – oh, macht schon, verliert ihn jetzt nicht – oh, nein! Schaut euch diesen Yarman an – Oh, wollt ihr nicht für eure Belohnung kämpfen, Jungs? Solch ein Idiot – liebt ihr Sperma nicht? Da geht schon wieder einer…“
Page 388
Tausend Dollar, Leute! – Eine Bank! – Eine ganze Bank! Die Bank of England! –
Oh, macht schon, macht schon! – Was macht dieser Yarman jetzt wieder?“
In diesem Moment warf Derick seinen Lampenhalter sowie seine Ölkanne auf die heranrückenden Boote – vielleicht mit der Absicht, die Bewegung seiner Rivalen zu verlangsamen und gleichzeitig seine eigene Geschwindigkeit durch den kurzzeitigen Impuls des Wurfs zu erhöhen.
„Dieser unhöfliche holländische Hund!“ rief Stubb. „Zieht jetzt, Leute – wie fünfzigtausend Kriegsschiffe voller rothaariger Teufel! Was meinst du, Tashtego – bist du der Mann, der sein Rückgrat in zweiundzwanzig Stücke brechen würde für die Ehre von Old Gayhead? Was sagst du?“
„Ich sage: Zieht verdammt nochmal kräftig!“, rief der Indianer.
Unter der heftigen, aber gleichmäßigen Anspornung durch die Beleidigungen des Deutschen begannen die drei Boote der Pequod nun, fast nebeneinander zu fahren – und kamen dadurch vorübergehend ihm nahe. In dieser heldenhaften Haltung, die der Bootsführer einnimmt, wenn er seiner Beute näherkommt, standen die drei Matrosen stolz da und unterstützten gelegentlich den Ruderer am Heck mit einem begeisterten Ruf: „Da gleitet sie schon! Hurra für den Wind aus Weißasche! Nieder mit dem Yarman! Segelt über ihn hinweg!“
Doch Derick hatte einen solch entschlossenen Start hingelegt, dass er trotz all ihrer Anstrengungen der Sieger in diesem Wettrennen gewesen wäre – hätten nicht plötzlich Krabben das Ruder seines Bootes erfasst. Während dieser ungeschickte Kerl versuchte, sein Ruder zu befreien, und dadurch Das Boot von Derick fast kenterte, während er wütend auf seine Männer einbrüllte – das war die perfekte Gelegenheit für Starbuck, Stubb und Flask. Mit einem Schrei machten sie einen gewaltigen Satz nach vorn und positionierten sich schräg hinter das Boot des Deutschen. Noch einen Augenblick später befanden sich alle vier Boote diagonal direkt im Kielwasser des Wals – während auf beiden Seiten die schäumenden Wellen entstanden, die der Wal verursachte.
Es war ein schrecklicher, erbärmlicher und verzweifelnder Anblick. Der Wal fuhr nun mit dem Kopf voran und spuckte kontinuierlich Wasser aus; seine einzige Schwanzflosse schlug verzweifelt gegen seinen Körper. Mal nach links, mal nach rechts schwankte er in seinem flackernden Flug – und bei jedem Wellenberg, den er durchbrach, sank er krampfhaft ins Meer oder drehte seine einzige Schwanzflosse seitwärts in Richtung Himmel. So habe ich auch schon einen Vogel mit abgeschnittenen Flügeln gesehen, der verzweifelt Kreise in der Luft beschrieb, um den Raubvögeln zu entkommen. Doch der Vogel hat eine Stimme – und mit kläglichen Rufen kann er sich bemerkbar machen.
Oh, macht schon, macht schon! – Was macht dieser Yarman jetzt wieder?“
In diesem Moment warf Derick seinen Lampenhalter sowie seine Ölkanne auf die heranrückenden Boote – vielleicht mit der Absicht, die Bewegung seiner Rivalen zu verlangsamen und gleichzeitig seine eigene Geschwindigkeit durch den kurzzeitigen Impuls des Wurfs zu erhöhen.
„Dieser unhöfliche holländische Hund!“ rief Stubb. „Zieht jetzt, Leute – wie fünfzigtausend Kriegsschiffe voller rothaariger Teufel! Was meinst du, Tashtego – bist du der Mann, der sein Rückgrat in zweiundzwanzig Stücke brechen würde für die Ehre von Old Gayhead? Was sagst du?“
„Ich sage: Zieht verdammt nochmal kräftig!“, rief der Indianer.
Unter der heftigen, aber gleichmäßigen Anspornung durch die Beleidigungen des Deutschen begannen die drei Boote der Pequod nun, fast nebeneinander zu fahren – und kamen dadurch vorübergehend ihm nahe. In dieser heldenhaften Haltung, die der Bootsführer einnimmt, wenn er seiner Beute näherkommt, standen die drei Matrosen stolz da und unterstützten gelegentlich den Ruderer am Heck mit einem begeisterten Ruf: „Da gleitet sie schon! Hurra für den Wind aus Weißasche! Nieder mit dem Yarman! Segelt über ihn hinweg!“
Doch Derick hatte einen solch entschlossenen Start hingelegt, dass er trotz all ihrer Anstrengungen der Sieger in diesem Wettrennen gewesen wäre – hätten nicht plötzlich Krabben das Ruder seines Bootes erfasst. Während dieser ungeschickte Kerl versuchte, sein Ruder zu befreien, und dadurch Das Boot von Derick fast kenterte, während er wütend auf seine Männer einbrüllte – das war die perfekte Gelegenheit für Starbuck, Stubb und Flask. Mit einem Schrei machten sie einen gewaltigen Satz nach vorn und positionierten sich schräg hinter das Boot des Deutschen. Noch einen Augenblick später befanden sich alle vier Boote diagonal direkt im Kielwasser des Wals – während auf beiden Seiten die schäumenden Wellen entstanden, die der Wal verursachte.
Es war ein schrecklicher, erbärmlicher und verzweifelnder Anblick. Der Wal fuhr nun mit dem Kopf voran und spuckte kontinuierlich Wasser aus; seine einzige Schwanzflosse schlug verzweifelt gegen seinen Körper. Mal nach links, mal nach rechts schwankte er in seinem flackernden Flug – und bei jedem Wellenberg, den er durchbrach, sank er krampfhaft ins Meer oder drehte seine einzige Schwanzflosse seitwärts in Richtung Himmel. So habe ich auch schon einen Vogel mit abgeschnittenen Flügeln gesehen, der verzweifelt Kreise in der Luft beschrieb, um den Raubvögeln zu entkommen. Doch der Vogel hat eine Stimme – und mit kläglichen Rufen kann er sich bemerkbar machen.
Page 389
Seine Angst – doch die Furcht vor diesem riesigen, stummen Ungeheuer des Meeres war in ihm gefangen und unter Kontrolle gebracht worden. Er hatte keine Stimme, außer diesem erstickenden Atmen durch seine Kiemen – und das machte seinen Anblick unbeschreiblich erbärmlich. Dennoch reichten seine enorme Größe, sein mächtiger Kiefer sowie sein allmächtiger Schwanz aus, um selbst den mutigsten Mann in Entsetzen zu versetzen.
Da nur noch wenige Augenblicke vergehen mussten, bis die Boote der Pequod einen Vorteil erlangen würden, entschied sich Derick, das Risiko einzugehen – ein Risiko, das für ihn sicherlich als äußerst lang anmutend erschien –, bevor die letzte Chance für immer verstrich.
Doch kaum dass sein Harpunier zur Attacke bereitstand, sprangen alle drei „Tiger“ – Queequeg, Tashtego, Daggoo – instinktiv auf, stellten sich in einer diagonalen Reihe auf und richteten gleichzeitig ihre Harpunen aus. Sie flogen über den Kopf des deutschen Harpuniers hinweg, und ihre drei Harpunen drangen in den Wal ein. Blendende Dämpfe aus Schaum und weißem Feuer! In der ersten Wut des Walen wurden die drei Boote mit solcher Kraft zur Seite geschleudert, dass sowohl Derick als auch sein Harpunier herausgeschleudert wurden und von den drei Booten mitgenommen wurden.
„Habt keine Angst, meine Kleinen“, rief Stubb, während er an ihnen vorbeiflog und ihnen einen kurzen Blick zuwarf. „Ihr werdet bald wieder aufgefangen – ganz sicher. Ich habe ein paar Haie im Heck gesehen – St. Bernard-Hunde, wisst ihr – sie helfen bedrängten Reisenden. Hurra! So soll man segeln! Jedes Boot ist wie ein Sonnenstrahl! Hurra! Wir sind wie drei Blechkessel am Schwanz eines verrückten Pumas! Das erinnert mich daran, wie es ist, sich an einen Elefanten in einem Tilbury auf einer Ebene zu klammern – dann fliegen die Radspeichen durch die Luft, Jungs – und es besteht auch die Gefahr, herausgeschleudert zu werden, wenn man auf einen Hügel trifft. Hurra! So fühlt sich jemand, der zum Davy Jones fährt – ein endloser Abstieg eine abschüssige Bahn hinunter! Hurra! Dieser Wal trägt die ewige Post!“
Doch das Vorankommen des Monsters war nur von kurzer Dauer. Mit einem plötzlichen Atemzug begann der Wal heftig zu zucken. Mit einem schrillen Geräusch schnitten die drei Seile um die Rumpfbretter des Walen – mit solcher Kraft, dass tiefe Furchen entstanden. Die Harpunier hatten solche Angst, dass diese rasante Bewegung die Seile bald zerreißen könnte, daher nutzten sie all ihre Geschicklichkeit, um die Seile immer wieder festzuhalten. Schließlich – aufgrund des senkrechten Drucks durch die Gewichte in den Booten, wodurch die drei Seile direkt ins Wasser führten – lagen die Bugwände fast auf Höhe des Wassers, während die Heckteile hoch in die Luft ragten. Und der Wal…
Da nur noch wenige Augenblicke vergehen mussten, bis die Boote der Pequod einen Vorteil erlangen würden, entschied sich Derick, das Risiko einzugehen – ein Risiko, das für ihn sicherlich als äußerst lang anmutend erschien –, bevor die letzte Chance für immer verstrich.
Doch kaum dass sein Harpunier zur Attacke bereitstand, sprangen alle drei „Tiger“ – Queequeg, Tashtego, Daggoo – instinktiv auf, stellten sich in einer diagonalen Reihe auf und richteten gleichzeitig ihre Harpunen aus. Sie flogen über den Kopf des deutschen Harpuniers hinweg, und ihre drei Harpunen drangen in den Wal ein. Blendende Dämpfe aus Schaum und weißem Feuer! In der ersten Wut des Walen wurden die drei Boote mit solcher Kraft zur Seite geschleudert, dass sowohl Derick als auch sein Harpunier herausgeschleudert wurden und von den drei Booten mitgenommen wurden.
„Habt keine Angst, meine Kleinen“, rief Stubb, während er an ihnen vorbeiflog und ihnen einen kurzen Blick zuwarf. „Ihr werdet bald wieder aufgefangen – ganz sicher. Ich habe ein paar Haie im Heck gesehen – St. Bernard-Hunde, wisst ihr – sie helfen bedrängten Reisenden. Hurra! So soll man segeln! Jedes Boot ist wie ein Sonnenstrahl! Hurra! Wir sind wie drei Blechkessel am Schwanz eines verrückten Pumas! Das erinnert mich daran, wie es ist, sich an einen Elefanten in einem Tilbury auf einer Ebene zu klammern – dann fliegen die Radspeichen durch die Luft, Jungs – und es besteht auch die Gefahr, herausgeschleudert zu werden, wenn man auf einen Hügel trifft. Hurra! So fühlt sich jemand, der zum Davy Jones fährt – ein endloser Abstieg eine abschüssige Bahn hinunter! Hurra! Dieser Wal trägt die ewige Post!“
Doch das Vorankommen des Monsters war nur von kurzer Dauer. Mit einem plötzlichen Atemzug begann der Wal heftig zu zucken. Mit einem schrillen Geräusch schnitten die drei Seile um die Rumpfbretter des Walen – mit solcher Kraft, dass tiefe Furchen entstanden. Die Harpunier hatten solche Angst, dass diese rasante Bewegung die Seile bald zerreißen könnte, daher nutzten sie all ihre Geschicklichkeit, um die Seile immer wieder festzuhalten. Schließlich – aufgrund des senkrechten Drucks durch die Gewichte in den Booten, wodurch die drei Seile direkt ins Wasser führten – lagen die Bugwände fast auf Höhe des Wassers, während die Heckteile hoch in die Luft ragten. Und der Wal…
Page 390
Bald verstummte das Geräusch – eine Weile blieben sie in dieser Haltung, aus Angst, noch mehr Seil zu verbrauchen, obwohl die Situation etwas heikel war. Doch obwohl Schiffe auf diese Weise versenkt und verloren gegangen sind, ist es gerade dieses „Anklammern“, wie man es nennt – dieses Festhalten durch die scharfen Dornen seines lebenden Fleisches am Rücken –, was den Leviathan oft dazu zwingt, bald wieder aufzutauchen, um dem scharfen Speer seiner Feinde entgegenzutreten. Doch abgesehen von der Gefahr, die damit verbunden ist, bleibt fraglich, ob dieser Weg immer der beste ist; denn es ist durchaus vernünftig anzunehmen, dass je länger der getroffene Wal unter Wasser bleibt, desto mehr wird er erschöpft. Denn aufgrund seiner enormen Oberfläche – bei einem ausgewachsenen Schwertwal etwas weniger als 2000 Quadratfuß – ist der Wasserdruck immens. Wir alle wissen, welches erstaunliche Gewicht die Atmosphäre auf uns ausübt; selbst hier, an Land, in der Luft – wie groß muss dann die Last eines Wals sein, der auf seinem Rücken eine Säule aus zweihundert Faden Meerwasser trägt! Sie muss mindestens dem Gewicht von fünfzig Atmosphären entsprechen. Ein Walfänger schätzte sie auf das Gewicht von zwanzig Kriegsschiffen mit allen Kanonen, Vorräten und Besatzungsmitgliedern an Bord. Während die drei Boote dort auf dem sanft wellenden Meer lagen und in die ewige blaue Tiefe blickten – ohne dass ein einziger Stöhnlaut oder Schrei, ja nicht einmal eine Wellenkrone oder Blase aus den Tiefen emporkam –, wer von den Landbewohnern hätte gedacht, dass sich unter all dieser Stille und Ruhe das größte Ungeheuer der Meere in Qualen wand? An der Bugseite waren nicht einmal acht Zoll an senkrechtem Seil sichtbar. Es scheint glaubhaft, dass der große Leviathan durch drei solch dünne Fäden wie ein schweres Gewicht an einer Acht-Tage-Uhr aufgehängt war. Aufgehängt? Und wovon? Von drei Stücken Holz. Ist das wirklich das Wesen, von dem einst so triumphierend gesagt wurde: „Kannst du seine Haut mit stacheligen Eisen füllen? Oder seinen Kopf mit Fischspeeren? Das Schwert dessen, der gegen ihn kämpft, kann ihm nichts anhaben – weder Speer noch Pfeil noch Rüstung; er hält Eisen für Stroh; Pfeile können ihn nicht vertreiben; Pfeile gelten für Unwichtiges; er lacht über das Schwingen eines Speers!“ Dieses Wesen? Er? Oh! Dass die Propheten oft enttäuscht werden… Denn mit der Kraft von tausend Beinen in seinem Schwanz hatte der Leviathan seinen Kopf unter die Berge des Meeres geschoben, um sich vor den Fischspeeren der Pequod zu verstecken! Im schrägen Nachmittagslicht mussten die Schatten, die die drei Boote auf die Wasseroberfläche warfen, lang und breit genug sein, um die Hälfte von Xerxes’ Armee zu beschatten. Wer kann sagen, wie entsetzlich solche riesigen Schatten für den verletzten Wal gewesen sein müssen, die über seinem Kopf vorbeizogen!
Page 391
„Bleibt bereit, Männer – er regt sich!“, rief Starbuck, als die drei Seile plötzlich im Wasser zu vibrieren begannen und offensichtlich wie magnetische Leitungen die Lebens- und Todeszuckungen des Wals zu ihnen hinaufübertrugen, sodass jeder Ruderer sie in seinem Sitz spürte. Im nächsten Moment, weitgehend von dem nach unten wirkenden Druck am Bug befreit, sprangen die Boote plötzlich nach oben – genauso wie ein kleines Eisfeld, wenn eine große Herde weißer Bären daraus vertrieben wird.
„Zieht an! Zieht an!“, rief Starbuck erneut; „er kommt hoch.“ Die Seile, bei denen noch vor einem Augenblick kaum eine Handbreite gewonnen werden konnte, lagen nun in langen, schnellen Schlingen zurück in den Booten – durchnässt. Bald durchbrach der Wal die Wasseroberfläche in einer Entfernung von zwei Schiffslängen von den Jägern.
Seine Bewegungen zeigten deutlich seine extreme Erschöpfung. Bei den meisten Landtieren gibt es in ihren Adern bestimmte Ventile oder Schleusen, wodurch das Blut bei einer Verletzung zumindest teilweise sofort in bestimmten Richtungen abgehalten wird. Bei dem Wal ist das nicht der Fall; eine seiner Besonderheiten ist, dass seine Blutgefäße völlig ohne Ventile ausgestattet sind. Wenn er also auch nur durch einen so kleinen Gegenstand wie einen Harpunenpfeil verletzt wird, beginnt sofort ein tödlicher Blutverlust in seinem gesamten arteriellen System. Wenn dieser durch den außergewöhnlichen Wasserdruck in großer Tiefe unter der Oberfläche noch verstärkt wird, kann man sagen, dass sein Leben in ununterbrochenen Strömen aus ihm herausfließt. Doch die Menge an Blut in ihm ist so groß, und die Quellen dieses Blutes so zahlreich und weit verstreut, dass er weiterhin bluten wird – genauso wie ein Fluss während einer Dürre weiterfließt, dessen Quelle in fernen, unsichtbaren Hügeln liegt. Auch jetzt, als die Boote an diesem Wal zogen, gefährlich über seine schwankenden Flossen glitten und Pfeile in ihn geschleudert wurden, folgten auf diese Angriffe stetige Strahlen aus der neu entstandenen Wunde. Die natürliche Austrittsstelle an seinem Kopf hingegen sandte nur gelegentlich, allerdings sehr schnell, ihren „angsterfüllten“ Wasserdampf in die Luft. Aus dieser letzten Öffnung kam bisher noch kein Blut, denn bislang war kein lebenswichtiges Teil seines Körpers getroffen worden. Sein Leben, wie man es so nennt, war unversehrt.
Als die Boote ihn nun enger umringten, wurde der gesamte obere Teil seines Körpers – einschließlich des größten Teils dessen, der normalerweise unter Wasser liegt – deutlich sichtbar. Man konnte seine Augen sehen – oder vielmehr die Stellen, an denen seine Augen gewesen waren. So wie seltsame, missgebildete Massen sich in den Knotenstellen der edelsten Eichen bilden…
„Zieht an! Zieht an!“, rief Starbuck erneut; „er kommt hoch.“ Die Seile, bei denen noch vor einem Augenblick kaum eine Handbreite gewonnen werden konnte, lagen nun in langen, schnellen Schlingen zurück in den Booten – durchnässt. Bald durchbrach der Wal die Wasseroberfläche in einer Entfernung von zwei Schiffslängen von den Jägern.
Seine Bewegungen zeigten deutlich seine extreme Erschöpfung. Bei den meisten Landtieren gibt es in ihren Adern bestimmte Ventile oder Schleusen, wodurch das Blut bei einer Verletzung zumindest teilweise sofort in bestimmten Richtungen abgehalten wird. Bei dem Wal ist das nicht der Fall; eine seiner Besonderheiten ist, dass seine Blutgefäße völlig ohne Ventile ausgestattet sind. Wenn er also auch nur durch einen so kleinen Gegenstand wie einen Harpunenpfeil verletzt wird, beginnt sofort ein tödlicher Blutverlust in seinem gesamten arteriellen System. Wenn dieser durch den außergewöhnlichen Wasserdruck in großer Tiefe unter der Oberfläche noch verstärkt wird, kann man sagen, dass sein Leben in ununterbrochenen Strömen aus ihm herausfließt. Doch die Menge an Blut in ihm ist so groß, und die Quellen dieses Blutes so zahlreich und weit verstreut, dass er weiterhin bluten wird – genauso wie ein Fluss während einer Dürre weiterfließt, dessen Quelle in fernen, unsichtbaren Hügeln liegt. Auch jetzt, als die Boote an diesem Wal zogen, gefährlich über seine schwankenden Flossen glitten und Pfeile in ihn geschleudert wurden, folgten auf diese Angriffe stetige Strahlen aus der neu entstandenen Wunde. Die natürliche Austrittsstelle an seinem Kopf hingegen sandte nur gelegentlich, allerdings sehr schnell, ihren „angsterfüllten“ Wasserdampf in die Luft. Aus dieser letzten Öffnung kam bisher noch kein Blut, denn bislang war kein lebenswichtiges Teil seines Körpers getroffen worden. Sein Leben, wie man es so nennt, war unversehrt.
Als die Boote ihn nun enger umringten, wurde der gesamte obere Teil seines Körpers – einschließlich des größten Teils dessen, der normalerweise unter Wasser liegt – deutlich sichtbar. Man konnte seine Augen sehen – oder vielmehr die Stellen, an denen seine Augen gewesen waren. So wie seltsame, missgebildete Massen sich in den Knotenstellen der edelsten Eichen bilden…
Page 392
Am Boden liegend – an den Stellen, an denen einst die Augen des Wals gewesen waren – ragten nun blinde Augenkugeln hervor, ein schrecklich erbärmlicher Anblick. Doch Mitleid gab es nicht. Trotz seines hohen Alters, seines einen Arms und seiner blinden Augen musste er sterben – ermordet werden –, damit man die festlichen Feiern der Menschen erleuchten konnte sowie auch die feierlichen Kirchen, die von bedingungsloser Unschädlichkeit für alle predigen. Noch immer in seinem eigenen Blut liegend, zeigte er schließlich unten am Bauch eine seltsam verfärbte Ansammlung oder Ausbuchtung, etwa so groß wie ein Scheffel.
„Ein schöner Platz“, rief Flask; „lass mich ihn dort doch einmal stechen.“
„Halt!“, rief Starbuck. „Das ist nicht nötig!“
Doch der menschenfreundliche Starbuck kam zu spät. Im Moment des Stichs spritzte aus dieser grausamen Wunde ein ulzerierender Strahl heraus; dadurch in noch unerträglichere Qualen getrieben, spuckte der Wal dickes Blut aus und stürmte blindwütig auf die Schiffe zu, bespritzte die Besatzungen mit Blutströmen, kippte Flasks Boot um und beschädigte dessen Bug. Das war sein Todesstoß. Denn zu diesem Zeitpunkt war er durch den Blutverlust so geschwächt, dass er hilflos vom Wrack wegrollte, keuchend auf der Seite lag, mit seiner abgebrochenen Flosse nutzlos zappelte, dann langsam immer wieder herumrollte wie eine abnehmende Welt; schließlich wurden seine weißen Eingeweide sichtbar, er lag wie ein Baumstamm da und starb. Dieser letzte Atemzug des Wals war äußerst erbärmlich. Genauso wie wenn durch unsichtbare Hände allmählich das Wasser aus einer mächtigen Fontäne abgezogen wird und die Sprühkolonne mit halb ersticktem Gurgeln immer weiter nach unten sinkt – so auch der letzte, lange Atemzug des Wals.
Bald schon, während die Besatzungen auf die Ankunft des Schiffes warteten, zeigte der Kadaver Anzeichen dafür, dass er mit all seinen Schätzen unterging. Auf Starbucks Befehl wurden sofort Seile an verschiedenen Stellen am Kadaver befestigt, sodass bald jedes Boot zu einer Schwimmlage wurde; der versunkene Wal hing dabei einige Zoll unter ihnen durch die Seile. Durch sorgfältige Handhabung wurde der Wal, als das Schiff näherkam, auf die Seite des Schiffes gebracht und dort mit den stärksten Ketten festgebunden – denn es war klar, dass der Kadaver sonst sofort auf den Meeresgrund sinken würde.
Zufälligerweise fand man fast sofort nach dem ersten Einschlag mit der Schaufel die gesamte Länge eines verrosteten Harpunenpfeils in seinem Fleisch, im unteren Teil der zuvor beschriebenen Ansammlung. Doch da Harpunenstümpfe häufig in den Leichen gefangener Wale gefunden werden, wobei das Fleisch darum herum vollständig verheilt ist und keine Art von Erhebung erkennbar ist…
„Ein schöner Platz“, rief Flask; „lass mich ihn dort doch einmal stechen.“
„Halt!“, rief Starbuck. „Das ist nicht nötig!“
Doch der menschenfreundliche Starbuck kam zu spät. Im Moment des Stichs spritzte aus dieser grausamen Wunde ein ulzerierender Strahl heraus; dadurch in noch unerträglichere Qualen getrieben, spuckte der Wal dickes Blut aus und stürmte blindwütig auf die Schiffe zu, bespritzte die Besatzungen mit Blutströmen, kippte Flasks Boot um und beschädigte dessen Bug. Das war sein Todesstoß. Denn zu diesem Zeitpunkt war er durch den Blutverlust so geschwächt, dass er hilflos vom Wrack wegrollte, keuchend auf der Seite lag, mit seiner abgebrochenen Flosse nutzlos zappelte, dann langsam immer wieder herumrollte wie eine abnehmende Welt; schließlich wurden seine weißen Eingeweide sichtbar, er lag wie ein Baumstamm da und starb. Dieser letzte Atemzug des Wals war äußerst erbärmlich. Genauso wie wenn durch unsichtbare Hände allmählich das Wasser aus einer mächtigen Fontäne abgezogen wird und die Sprühkolonne mit halb ersticktem Gurgeln immer weiter nach unten sinkt – so auch der letzte, lange Atemzug des Wals.
Bald schon, während die Besatzungen auf die Ankunft des Schiffes warteten, zeigte der Kadaver Anzeichen dafür, dass er mit all seinen Schätzen unterging. Auf Starbucks Befehl wurden sofort Seile an verschiedenen Stellen am Kadaver befestigt, sodass bald jedes Boot zu einer Schwimmlage wurde; der versunkene Wal hing dabei einige Zoll unter ihnen durch die Seile. Durch sorgfältige Handhabung wurde der Wal, als das Schiff näherkam, auf die Seite des Schiffes gebracht und dort mit den stärksten Ketten festgebunden – denn es war klar, dass der Kadaver sonst sofort auf den Meeresgrund sinken würde.
Zufälligerweise fand man fast sofort nach dem ersten Einschlag mit der Schaufel die gesamte Länge eines verrosteten Harpunenpfeils in seinem Fleisch, im unteren Teil der zuvor beschriebenen Ansammlung. Doch da Harpunenstümpfe häufig in den Leichen gefangener Wale gefunden werden, wobei das Fleisch darum herum vollständig verheilt ist und keine Art von Erhebung erkennbar ist…
Page 393
Ihr Platz – daher muss es im gegenwärtigen Fall einen anderen, unbekannten Grund gegeben haben, der die erwähnte Ulzeration vollständig erklären könnte. Noch merkwürdiger war jedoch die Tatsache, dass in ihm ein steinerner Speerschaft gefunden wurde, nicht weit vom vergrabenen Eisen entfernt – das Fleisch darumher war völlig fest. Wer hatte diesen steinernen Speer geworfen? Und wann? Er könnte schon lange vor der Entdeckung Amerikas von einem Nordwestindianer geworfen worden sein. Welche weiteren Wunder noch aus diesem monströsen „Schrank“ hervorgeholt werden könnten, lässt sich nicht sagen. Doch weitere Entdeckungen wurden durch das beispiellose Schieben des Schiffes seitlich ins Meer gestoppt – aufgrund der immer stärker werdenden Neigung des Körpers zum Sinken. Starbuck, der für die Organisation zuständig war, hielt jedoch bis zum Schluss durch; er klammerte sich so entschlossen daran fest, dass das Schiff schließlich umgekippt wäre, wenn er weiterhin versucht hätte, sich mit dem Körper zu verbinden. Als schließlich der Befehl gegeben wurde, sich davon zu befreien, war der Druck auf die Holme, an denen die Ketten und Seile befestigt waren, so groß, dass es unmöglich war, sie loszumachen. In der Zwischenzeit war alles auf der Pequod schräg. Zum Übersetzen auf die andere Seite des Decks musste man wie auf dem steilen Dach eines Hauses klettern. Das Schiff stöhnte und keuchte. Viele der Elfenbeinverzierungen an den Bulwarks und Kabinen lösten sich durch diese unnatürliche Verformung aus ihren Halterungen. Vergeblich wurden Händeisen und Kräne eingesetzt, um die unbeweglichen Ketten von den Holmen zu lösen. Der Wal hatte sich nun so tief gesenkt, dass die unter Wasser liegenden Enden überhaupt nicht mehr erreicht werden konnten. Jeden Moment schienen ganze Tonnen an Gewicht hinzuzukommen – das Schiff schien kurz davor zu stehen, umzukippen.
„Haltet durch, haltet durch!“, rief Stubb dem Körper zu. „Habt doch keine Eile, abzusinken! Um Himmels willen, wir müssen etwas tun – sonst sind wir verloren. Es ist sinnlos, dort zu versuchen, die Ketten zu lösen. Los, nehmt eure Händeisen und schickt jemanden, der ein Gebetbuch sowie ein Messer holt, um die großen Ketten durchzuschneiden.“
„Messer? Ja, ja!“, rief Queequeg. Er griff nach dem schweren Beil des Zimmermanns, beugte sich aus einem Bullauge und begann, mit dem Stahl auf die größten Ketten einzuschlagen. Doch nach ein paar Schlägen, bei denen Funken sprühten, bewirkte der extreme Druck den Rest. Mit einem schrecklichen Knall lösten sich alle Befestigungen – das Schiff richtete sich wieder auf, der Kadaver sank weiter.
Dieses gelegentliche, unvermeidliche Sinken des kürzlich getöteten Wals ist wirklich sehr seltsam – und bisher hat kein Fischer dies richtig erklären können.
„Haltet durch, haltet durch!“, rief Stubb dem Körper zu. „Habt doch keine Eile, abzusinken! Um Himmels willen, wir müssen etwas tun – sonst sind wir verloren. Es ist sinnlos, dort zu versuchen, die Ketten zu lösen. Los, nehmt eure Händeisen und schickt jemanden, der ein Gebetbuch sowie ein Messer holt, um die großen Ketten durchzuschneiden.“
„Messer? Ja, ja!“, rief Queequeg. Er griff nach dem schweren Beil des Zimmermanns, beugte sich aus einem Bullauge und begann, mit dem Stahl auf die größten Ketten einzuschlagen. Doch nach ein paar Schlägen, bei denen Funken sprühten, bewirkte der extreme Druck den Rest. Mit einem schrecklichen Knall lösten sich alle Befestigungen – das Schiff richtete sich wieder auf, der Kadaver sank weiter.
Dieses gelegentliche, unvermeidliche Sinken des kürzlich getöteten Wals ist wirklich sehr seltsam – und bisher hat kein Fischer dies richtig erklären können.
Page 394
Dafür gibt es eine Erklärung. Normalerweise treibt der tote Schwertwal mit großer Auftriebskraft, wobei seine Seite oder sein Bauch deutlich über der Wasseroberfläche liegen. Wenn die einzigen Wale, die auf diese Weise sinken, alte, schwache und kraftlose Tiere wären, deren Fettvorräte gering sind und deren Knochen schwer und rheumatisch sind, dann könnte man zu Recht behaupten, dass dieses Sinken auf einen ungewöhnlichen spezifischen Gewicht der betreffenden Wale zurückzuführen ist – infolge des Fehlens von Auftriebsstoffen in ihrem Körper. Doch das ist nicht der Fall. Denn auch junge Wale, in bester Gesundheit und voller edler Bestrebungen, werden manchmal frühzeitig im Hochgefühl des Lebens getötet – selbst diese kräftigen, auftriebsstarken Tiere sinken manchmal.
Es sei jedoch gesagt, dass der Schwertwal weitaus weniger anfällig für dieses Unglück ist als jede andere Art. Wo ein solcher Wal untergeht, gehen zwanzig Pottwale unter. Dieser Unterschied zwischen den Arten lässt sich zweifellos zum großen Teil auf die größere Menge an Knochen beim Pottwal zurückführen – allein seine „Venedigjalousien“ wiegen manchmal mehr als eine Tonne. Vom Schwertwal hingegen ist man völlig frei von dieser Last. Es gibt jedoch Fälle, in denen der gesunkene Wal nach vielen Stunden oder Tagen wieder auftaucht – und zwar mit größerem Auftrieb als zu Lebzeiten. Der Grund dafür ist offensichtlich: Im Körper des Wals entstehen Gase; er schwillt auf riesige Größe an und wird zu einer Art Tierballon. Ein Kriegsschiff könnte ihn dann kaum noch unter Wasser halten. Bei der Küstenjagd, in den Buchten Neuseelands, befestigen die Jäger, wenn ein Pottwal Anzeichen von Untergang zeigt, Bojen an ihn – mit viel Seil –, damit sie wissen, wo sie suchen müssen, wenn der Wal wieder auftaucht.
Kurz nach dem Untergang des Wals wurde vom Mast des Pequod ein Ruf gehört, der ankündigte, dass die Jungfrau erneut ihre Boote ins Wasser ließ. Obwohl das einzige Spritzloch, das sichtbar war, das eines Rückenflossers war – einer Art von Wal, der aufgrund seiner unglaublichen Schwimmfähigkeit nicht gefangen werden kann –, ähnelte das Spritzloch des Rückenflossers doch so sehr dem des Schwertwals, dass es von ungeschickten Fischern oft mit diesem verwechselt wurde. Deshalb verfolgten Derick und all seine Männer nun mutig dieses unerschütterliche Ungetüm. Die Jungfrau setzte alle Segel und jagte ihren vier jungen Booten hinterher – und so verschwanden sie alle weit im Lee, weiterhin in mutiger, hoffnungsvoller Verfolgung.
Oh! Es gibt viele Rückenflosser – und viele Dericks, mein Freund.
Es sei jedoch gesagt, dass der Schwertwal weitaus weniger anfällig für dieses Unglück ist als jede andere Art. Wo ein solcher Wal untergeht, gehen zwanzig Pottwale unter. Dieser Unterschied zwischen den Arten lässt sich zweifellos zum großen Teil auf die größere Menge an Knochen beim Pottwal zurückführen – allein seine „Venedigjalousien“ wiegen manchmal mehr als eine Tonne. Vom Schwertwal hingegen ist man völlig frei von dieser Last. Es gibt jedoch Fälle, in denen der gesunkene Wal nach vielen Stunden oder Tagen wieder auftaucht – und zwar mit größerem Auftrieb als zu Lebzeiten. Der Grund dafür ist offensichtlich: Im Körper des Wals entstehen Gase; er schwillt auf riesige Größe an und wird zu einer Art Tierballon. Ein Kriegsschiff könnte ihn dann kaum noch unter Wasser halten. Bei der Küstenjagd, in den Buchten Neuseelands, befestigen die Jäger, wenn ein Pottwal Anzeichen von Untergang zeigt, Bojen an ihn – mit viel Seil –, damit sie wissen, wo sie suchen müssen, wenn der Wal wieder auftaucht.
Kurz nach dem Untergang des Wals wurde vom Mast des Pequod ein Ruf gehört, der ankündigte, dass die Jungfrau erneut ihre Boote ins Wasser ließ. Obwohl das einzige Spritzloch, das sichtbar war, das eines Rückenflossers war – einer Art von Wal, der aufgrund seiner unglaublichen Schwimmfähigkeit nicht gefangen werden kann –, ähnelte das Spritzloch des Rückenflossers doch so sehr dem des Schwertwals, dass es von ungeschickten Fischern oft mit diesem verwechselt wurde. Deshalb verfolgten Derick und all seine Männer nun mutig dieses unerschütterliche Ungetüm. Die Jungfrau setzte alle Segel und jagte ihren vier jungen Booten hinterher – und so verschwanden sie alle weit im Lee, weiterhin in mutiger, hoffnungsvoller Verfolgung.
Oh! Es gibt viele Rückenflosser – und viele Dericks, mein Freund.
Page 395
Page 396
KAPITEL 82. Die Ehre und der Ruhm des Walfangs.
Es gibt einige Unternehmungen, bei denen eine sorgfältig inszenierte Unordnung die wahre Methode ist.
Je mehr ich mich mit dem Walfang beschäftige und meine Forschungen bis zu seinen Ursprüngen vorantreibe, desto mehr binde ich von seiner großen Ehrenhaftigkeit und Antikkeit beeindruckt. Besonders dann, wenn ich so viele große Halbgötter und Helden sowie Propheten aller Art finde, die auf die eine oder andere Weise diesem Beruf Ehre verliehen haben, bin ich überwältigt bei dem Gedanken, dass auch ich, wenn auch in untergeordneter Position, zu einer solch ehrenvollen Gemeinschaft gehöre.
Der tapfere Perseus, ein Sohn des Jupiter, war der erste Walfänger. Zu ewiger Ehre unseres Berufs sei gesagt, dass der erste Wal, den unsere Bruderschaft angriff, nicht aus niederträchtigen Absichten getötet wurde. Das waren die ritterlichen Zeiten unseres Berufs – damals trugen wir Waffen nur, um den Bedrängten zu helfen, und nicht, um die Öllampen der Menschen zu füllen. Jeder kennt die schöne Geschichte von Perseus und Andromeda: Wie die schöne Andromeda, die Tochter eines Königs, an einem Felsen an der Küste festgebunden wurde – und als der Leviathan gerade dabei war, sie mitzunehmen, Perseus, der Fürst der Walfänger, mutig voranschritt, das Ungeheuer mit seinem Harpunenpfeil tötete und das Mädchen befreite und heiratete. Es war eine bewundernswerte künstlerische Leistung, die selbst von den besten Harpunenschützen der Gegenwart nur selten erreicht wird – schließlich wurde dieser Leviathan bereits mit dem ersten Pfeil getötet.
Und möge niemand an diese Geschichte zweifeln: In der alten Stadt Joppa, heute Jaffa an der syrischen Küste, stand in einem der heidnischen Tempel über viele Jahrhunderte hinweg das riesige Skelett eines Wals. Die Legenden der Stadt sowie alle Einwohner behaupteten, es handele sich dabei um die Knochen desselben Ungeheuers, das Perseus getötet hatte. Als die Römer Joppa eroberten, wurde dieses Skelett triumphierend nach Italien gebracht.
Was in dieser Geschichte am bemerkenswertesten und bedeutsamsten erscheint, ist folgendes: Von Joppa aus segelte Jonas ab.
Ähnlich wie die Geschichte von Perseus und Andromeda – tatsächlich von einigen als indirekt davon abgeleitet angesehen – ist auch die berühmte Geschichte von St. Georg und dem Drachen. Ich bin der Ansicht, dass es sich bei diesem Drachen um einen Wal handelte; denn in vielen alten Chroniken werden Wale und Drachen seltsamerweise miteinander vermischt dargestellt und oft füreinander gehalten. „Du bist wie ein Löwe der Gewässer und wie ein Drache des Meeres“, sagt Ezechiel – womit er offensichtlich einen Wal meint.
Es gibt einige Unternehmungen, bei denen eine sorgfältig inszenierte Unordnung die wahre Methode ist.
Je mehr ich mich mit dem Walfang beschäftige und meine Forschungen bis zu seinen Ursprüngen vorantreibe, desto mehr binde ich von seiner großen Ehrenhaftigkeit und Antikkeit beeindruckt. Besonders dann, wenn ich so viele große Halbgötter und Helden sowie Propheten aller Art finde, die auf die eine oder andere Weise diesem Beruf Ehre verliehen haben, bin ich überwältigt bei dem Gedanken, dass auch ich, wenn auch in untergeordneter Position, zu einer solch ehrenvollen Gemeinschaft gehöre.
Der tapfere Perseus, ein Sohn des Jupiter, war der erste Walfänger. Zu ewiger Ehre unseres Berufs sei gesagt, dass der erste Wal, den unsere Bruderschaft angriff, nicht aus niederträchtigen Absichten getötet wurde. Das waren die ritterlichen Zeiten unseres Berufs – damals trugen wir Waffen nur, um den Bedrängten zu helfen, und nicht, um die Öllampen der Menschen zu füllen. Jeder kennt die schöne Geschichte von Perseus und Andromeda: Wie die schöne Andromeda, die Tochter eines Königs, an einem Felsen an der Küste festgebunden wurde – und als der Leviathan gerade dabei war, sie mitzunehmen, Perseus, der Fürst der Walfänger, mutig voranschritt, das Ungeheuer mit seinem Harpunenpfeil tötete und das Mädchen befreite und heiratete. Es war eine bewundernswerte künstlerische Leistung, die selbst von den besten Harpunenschützen der Gegenwart nur selten erreicht wird – schließlich wurde dieser Leviathan bereits mit dem ersten Pfeil getötet.
Und möge niemand an diese Geschichte zweifeln: In der alten Stadt Joppa, heute Jaffa an der syrischen Küste, stand in einem der heidnischen Tempel über viele Jahrhunderte hinweg das riesige Skelett eines Wals. Die Legenden der Stadt sowie alle Einwohner behaupteten, es handele sich dabei um die Knochen desselben Ungeheuers, das Perseus getötet hatte. Als die Römer Joppa eroberten, wurde dieses Skelett triumphierend nach Italien gebracht.
Was in dieser Geschichte am bemerkenswertesten und bedeutsamsten erscheint, ist folgendes: Von Joppa aus segelte Jonas ab.
Ähnlich wie die Geschichte von Perseus und Andromeda – tatsächlich von einigen als indirekt davon abgeleitet angesehen – ist auch die berühmte Geschichte von St. Georg und dem Drachen. Ich bin der Ansicht, dass es sich bei diesem Drachen um einen Wal handelte; denn in vielen alten Chroniken werden Wale und Drachen seltsamerweise miteinander vermischt dargestellt und oft füreinander gehalten. „Du bist wie ein Löwe der Gewässer und wie ein Drache des Meeres“, sagt Ezechiel – womit er offensichtlich einen Wal meint.
Page 397
Einige Versionen der Bibel verwenden dieses Wort selbst. Zudem würde es der Größe dieses Unternehmens erheblich abträglich sein, wenn der Heilige Georg nur auf ein kriechendes Landreptil gestoßen wäre, anstatt gegen das große Ungeheuer aus den Tiefen zu kämpfen. Jeder Mensch kann eine Schlange töten – doch nur jemand wie Perseus oder der Heilige Georg hat den Mut, mutig auf einen Wal zuzugehen. Lassen wir uns nicht von den modernen Darstellungen dieser Szene täuschen: Obwohl das von jenem tapferen Walfänger aus alter Zeit angegriffene Wesen vage als griffenartig dargestellt wird und obwohl die Schlacht auf dem Land sowie der Heilige zu Pferd abgebildet sind – bedenkt man doch die große Unwissenheit jener Zeiten, als die wahre Form des Wals den Künstlern unbekannt war; bedenkt man außerdem, dass der Wal des Heiligen Georg genauso gut vom Meer aus auf den Strand gekrochen sein könnte; und bedenkt man, dass das Tier, auf dem der Heilige Georg ritt, vielleicht nur eine große Robbe oder ein Seepferdchen war – dann erscheint es keineswegs unvereinbar mit der heiligen Legende und den ältesten Darstellungen dieser Szene, diesen sogenannten Drachen als nichts anderes als den großen Leviathan selbst anzusehen. Tatsächlich wird diese ganze Geschichte vor der strengen und durchdringenden Wahrheit genauso enden wie jenes Götzenbild aus Fleisch und Fisch der Philister namens Dagon – dem, als es vor der Arche Israels platziert wurde, Kopf und beide Hände abfielen und nur noch der Stumpf bzw. der „fischähnliche“ Teil übrig blieb. Somit ist also einer von uns, ein Walfänger, der Schutzpatron Englands – und zu Recht sollten wir Harpunenwerfer von Nantucket in den edelsten Orden des Heiligen Georg aufgenommen werden. Lassen wir also die Ritter dieses ehrenvollen Ordens – von denen ich wage zu behaupten, dass keiner von ihnen je mit einem Wal zu tun hatte wie ihr großer Schutzpatron – niemals einen Mann aus Nantucket verächtlich ansehen, denn selbst in unseren Wollkleidern und teergefärbten Hosen haben wir mehr Anspruch auf die Auszeichnung des Heiligen Georg als sie. Ob man Herkules zu uns zählen soll oder nicht, darüber blieb ich lange unsicher: Denn obwohl laut der griechischen Mythologie jener antike „Crockett“ und „Kit Carson“ – jener kräftige Mann voller guten Taten – von einem Wal verschluckt und wieder ausgespuckt wurde, lässt sich fragen, ob das ihn wirklich zu einem Walfänger macht. Es wird nirgends erwähnt, dass er tatsächlich jemals seinen „Fisch“ mit der Harpune erlegt hat – es sei denn, von innen heraus. Dennoch kann man ihn als eine Art unfreiwilligen Walfänger betrachten; auf jeden Fall hat der Wal ihn gefangen, falls er ihn nicht selbst gefangen hat. Ich betrachte ihn als einen unserer eigenen.
Page 398
Doch nach Ansicht der zuverlässigsten Quellen gilt diese griechische Geschichte von Herkules und dem Wal als abgeleitet von der noch älteren hebräischen Geschichte von Jonas und dem Wal – und umgekehrt; sicherlich sind sie sehr ähnlich. Wenn ich also einen Halbgott annehme, warum dann nicht auch einen Propheten? Auch Helden, Heilige, Halbgötter und Propheten bilden nicht das ganze Spektrum unserer Gemeinschaft. Unser Großmeister muss noch benannt werden; denn genauso wie die Könige der alten Zeiten finden wir die Ursprünge unserer Bruderschaft bei den großen Göttern selbst. Diese wunderbare östliche Geschichte wird nun aus dem Shaster erzählt, der uns den furchterregenden Vishnu vorstellt – eine der drei Personen in der Göttlichkeit der Hindus – und diesen göttlichen Vishnu selbst zu unserem Herrn macht. Vishnu hat durch seine erste von zehn irdischen Inkarnationen den Wal für immer für sich beansprucht und geheiligt. Als Brahma, der Gott der Götter, laut dem Shaster beschloss, die Welt nach einer ihrer periodischen Zerstörungen neu zu erschaffen, schuf er Vishnu, damit dieser die Arbeit leitete. Doch die Veden, jene mystischen Bücher, deren Lektüre für Vishnu vor Beginn der Schöpfung unerlässlich gewesen sein muss und die daher sicherlich praktische Anleitungen für junge „Architekten“ enthalten haben, lagen am Grund des Wassers. Deshalb inkarnierte sich Vishnu in einem Wal und rettete die heiligen Schriften, indem er bis in die tiefsten Tiefen vordrang. War dieser Vishnu dann nicht ein Walfahrer? Genau wie ein Mann, der auf einem Pferd reitet, als Reiter bezeichnet wird… Perseus, St. Georg, Herkules, Jonas und Vishnu – da haben Sie ja eine Liste der Mitglieder! Welcher Verein außer dem der Walfahrer könnte so etwas bewirken?
Page 399
KAPITEL 83. Die historische Wahrnehmung von Jonas
Im vorherigen Kapitel wurde auf die historische Geschichte von Jonas und dem Wal Bezug genommen. Einige Bewohner von Nantucket misstrauen dieser historischen Erzählung jedoch. Doch es gab auch skeptische Griechen und Römer, die sich von den orthodoxen Heiden ihrer Zeit abhoben und ebenso an der Geschichte von Herkules und dem Wal sowie von Arion und dem Delfin zweifelten. Doch ihr Zweifel an diesen Überlieferungen machte diese keineswegs weniger zu Tatsachen.
Der Hauptgrund eines alten Walfängers aus Sag-Harbor, warum er der hebräischen Geschichte misstraute, war folgender: Er besaß eine dieser altmodischen Bibeln, die mit seltsamen, unsachlichen Abbildungen verziert waren. Auf einer dieser Abbildungen war Jonas’ Wal mit zwei Schnauzenköpfen dargestellt – eine Besonderheit, die nur für eine bestimmte Art des Leviathans gilt (den Pottwal sowie seine Verwandten). Über diese Tiere sagen die Fischer: „Ein Münzrollen würde ihn ersticken – sein Rachen ist einfach zu klein.“ Darauf hat Bischof Jebb bereits eine Antwort parat: Es sei nicht notwendig, anzunehmen, dass Jonas im Bauch des Wals begraben sei, sondern dass er vorübergehend irgendwo in dessen Maul untergekommen sei. Das scheint dem guten Bischof durchaus vernünftig zu erscheinen. Denn tatsächlich könnte der Rachen eines Pottwals mehrere Spielbretter aufnehmen – und alle Spieler bequem darin unterbringen. Möglicherweise hat sich Jonas auch in einem hohlen Zahn versteckt; doch bei genauerer Betrachtung ist der Pottwal zahnlos.
Ein weiterer Grund, den der Mann aus Sag-Harbor für seinen Mangel an Glauben an diese Geschichte anführte, bezog sich auf das Gefängnis seines Körpers sowie die Magensäfte des Wals. Doch auch dieses Argument ist unbegründet – denn ein deutscher Exeget vermutet, dass Jonas sich in dem treibenden Körper eines toten Wals in Sicherheit gebracht haben muss – genauso wie die französischen Soldaten während des Russlandfeldzugs ihre toten Pferde in Zelte verwandelten und darin schliefen. Zudem haben andere Kommentatoren vermutet, dass Jonas, nachdem er vom Schiff in Joppa ins Meer geworfen worden war, sofort zu einem anderen Schiff in der Nähe floh – einem Schiff, dessen Bugfigur ein Wal war. Vielleicht hieß dieses Schiff sogar „Der Wal“, wie manche Schiffe heutzutage benannt werden.
Im vorherigen Kapitel wurde auf die historische Geschichte von Jonas und dem Wal Bezug genommen. Einige Bewohner von Nantucket misstrauen dieser historischen Erzählung jedoch. Doch es gab auch skeptische Griechen und Römer, die sich von den orthodoxen Heiden ihrer Zeit abhoben und ebenso an der Geschichte von Herkules und dem Wal sowie von Arion und dem Delfin zweifelten. Doch ihr Zweifel an diesen Überlieferungen machte diese keineswegs weniger zu Tatsachen.
Der Hauptgrund eines alten Walfängers aus Sag-Harbor, warum er der hebräischen Geschichte misstraute, war folgender: Er besaß eine dieser altmodischen Bibeln, die mit seltsamen, unsachlichen Abbildungen verziert waren. Auf einer dieser Abbildungen war Jonas’ Wal mit zwei Schnauzenköpfen dargestellt – eine Besonderheit, die nur für eine bestimmte Art des Leviathans gilt (den Pottwal sowie seine Verwandten). Über diese Tiere sagen die Fischer: „Ein Münzrollen würde ihn ersticken – sein Rachen ist einfach zu klein.“ Darauf hat Bischof Jebb bereits eine Antwort parat: Es sei nicht notwendig, anzunehmen, dass Jonas im Bauch des Wals begraben sei, sondern dass er vorübergehend irgendwo in dessen Maul untergekommen sei. Das scheint dem guten Bischof durchaus vernünftig zu erscheinen. Denn tatsächlich könnte der Rachen eines Pottwals mehrere Spielbretter aufnehmen – und alle Spieler bequem darin unterbringen. Möglicherweise hat sich Jonas auch in einem hohlen Zahn versteckt; doch bei genauerer Betrachtung ist der Pottwal zahnlos.
Ein weiterer Grund, den der Mann aus Sag-Harbor für seinen Mangel an Glauben an diese Geschichte anführte, bezog sich auf das Gefängnis seines Körpers sowie die Magensäfte des Wals. Doch auch dieses Argument ist unbegründet – denn ein deutscher Exeget vermutet, dass Jonas sich in dem treibenden Körper eines toten Wals in Sicherheit gebracht haben muss – genauso wie die französischen Soldaten während des Russlandfeldzugs ihre toten Pferde in Zelte verwandelten und darin schliefen. Zudem haben andere Kommentatoren vermutet, dass Jonas, nachdem er vom Schiff in Joppa ins Meer geworfen worden war, sofort zu einem anderen Schiff in der Nähe floh – einem Schiff, dessen Bugfigur ein Wal war. Vielleicht hieß dieses Schiff sogar „Der Wal“, wie manche Schiffe heutzutage benannt werden.
Page 400
„Haifisch“, „Möwe“, „Adler“. Es gab auch gelehrte Exegeten, die meinten, der Wal, der im Buch Jonas erwähnt wird, beziehe sich lediglich auf ein Rettungsgerät – einen aufgeblasenen Sack mit Luft – zu dem der in Gefahr befindliche Prophet schwamm und so vor einem tödlichen Ende im Wasser gerettet wurde. Der arme Sag-Harbor scheint also in jeder Hinsicht unterlegen zu sein. Doch er hatte noch einen weiteren Grund für seinen Mangel an Glauben. Wenn ich mich richtig erinnere, war es folgender: Jonas wurde im Mittelmeer vom Wal verschlungen und nach drei Tagen wieder ausgespuckt, irgendwo in einer Entfernung von drei Tagen Reisezeit von Ninive, einer Stadt am Tigris – das ist weitaus mehr als drei Tage Reisezeit von dem nächstgelegenen Punkt an der Mittelmeerküste entfernt. Wie ist das möglich? Gab es denn keinen anderen Weg für den Wal, den Propheten in diese kurze Entfernung bis nach Ninive zu bringen? Ja. Er hätte ihn vielleicht über den Kap der Guten Hoffnung transportieren können. Doch abgesehen von der Durchquerung des gesamten Mittelmeers sowie eines weiteren Weges durch den Persischen Golf und das Rote Meer würde eine solche Annahme eine vollständige Umsegelung ganz Afrikas innerhalb von drei Tagen erfordern – ganz zu schweigen davon, dass die Gewässer des Tigris in der Nähe von Ninive zu flach sind, um von irgendeinem Wal durchquert werden zu können. Zudem würde diese Vorstellung, dass Jonas bereits zu jener frühen Zeit das Kap der Guten Hoffnung überwinden konnte, die Ehre der Entdeckung dieses großen Kapes von Bartholomäus Diaz, seinem angeblichen Entdecker, wegnehmen und damit die moderne Geschichte zur Lüge machen. Doch all diese törichten Argumente des alten Sag-Harbor zeigten nur seinen dummen Stolz auf seinen Verstand – etwas, das umso verwerflicher war, da er kaum Wissen besaß, außer dem, was er vom Sonnenlicht und vom Meer gelernt hatte. Ich sage nur, das zeigt seinen dummen, gottlosen Stolz sowie seine abscheuliche, teuflische Rebellion gegen das geistliche Amt. Denn durch einen portugiesischen katholischen Priester wurde genau diese Idee, dass Jonas über das Kap der Guten Hoffnung nach Ninive gelangte, als eine übertriebene Darstellung des Gesamtwunders vorgestellt. Und tatsächlich war es so. Zudem glauben die hochentwickelten Türken bis heute fest an die historische Geschichte von Jonas. Vor etwa drei Jahrhunderten berichtet ein englischer Reisender in Harris’ „Voyages“ von einer türkischen Moschee, die zu Ehren von Jonas erbaut wurde; in dieser Moschee befand sich eine wundersame Lampe, die ohne Öl brannte.
Page 401
KAPITEL 84: Pitchpoling
Um zu gewährleisten, dass die Wagenräder leicht und schnell laufen, werden sie eingerieben; aus demselben Grund führen einige Walfänger eine ähnliche Prozedur mit ihren Booten durch – sie fetten den Boden des Bootes ein. Es steht außer Frage, dass eine solche Maßnahme keinen Schaden anrichten kann und möglicherweise sogar Vorteile bringt; schließlich sind Öl und Wasser gegensätzlich zueinander, Öl ist rutschig – und das Ziel ist es, dass das Boot geschmeidig gleiten kann. Queequeg glaubte fest an die Notwendigkeit, sein Boot einzufetten. Eines Morgens, kurz nachdem das deutsche Schiff Jungfrau verschwunden war, widmete er dieser Aufgabe mehr Mühe als üblich: Er kroch unter den Bootsboden, wo dieser über die Seite hing, und rieb dort das Fett ein – als würde er damit versuchen, auf der kahlen Kieloberfläche Haare wachsen zu lassen. Es schien, als arbeite er aus einem bestimmten Vorahnung heraus. Und dieses Vorahnung erwies sich als berechtigt.
Gegen Mittag wurden die Wale sichtbar; doch sobald das Schiff auf sie zusteuerte, drehten sie sich um und flohen mit großer Geschwindigkeit – eine chaotische Flucht, ähnlich wie die Boote Kleopatras bei Actium. Dennoch setzten die Boote die Verfolgung fort, wobei Stubbs Boot an der Spitze war. Mit großer Anstrengung gelang es Tashtego schließlich, einen Eisennagel im Körper des Wals zu verankern. Doch der getroffene Wal setzte seine horizontale Flucht unvermindert fort – und zwar noch schneller. Solche ständigen Belastungen am eingebetteten Nagel würden früher oder später unweigerlich dazu führen, dass er herausgerissen wurde. Es wurde daher unumgänglich, den flüchtenden Wal mit einer Lanze zu durchbohren – oder sich damit abzufinden, ihn zu verlieren. Doch es war unmöglich, das Boot bis zu dessen Seite zu bringen – der Wal schwamm einfach zu schnell und heftig. Was blieb also übrig?
Von all den erstaunlichen Methoden und Fähigkeiten, zu denen erfahrene Walfänger oft gezwungen sind – von den Tricks und unzähligen Feinheiten – übertrifft keine diese ausgeklügelte Technik mit der Lanze, die „Pitchpoling“ genannt wird. Weder kleine noch große Schwerter können mit dieser Methode mithalten. Sie ist nur bei einem besonders flüchtigen Wal unverzichtbar. Ihr größter Vorteil besteht darin, dass die lange Lanze aus einem heftig schwankenden Boot heraus auf große Entfernungen präzise geworfen werden kann. Inklusive Stahl und Holz beträgt die Länge der gesamten Lanze etwa zehn bis zwölf Fuß; der Griff ist viel schlanker als der eines Harpuns und besteht außerdem aus einem leichteren Material – Kiefer.
Um zu gewährleisten, dass die Wagenräder leicht und schnell laufen, werden sie eingerieben; aus demselben Grund führen einige Walfänger eine ähnliche Prozedur mit ihren Booten durch – sie fetten den Boden des Bootes ein. Es steht außer Frage, dass eine solche Maßnahme keinen Schaden anrichten kann und möglicherweise sogar Vorteile bringt; schließlich sind Öl und Wasser gegensätzlich zueinander, Öl ist rutschig – und das Ziel ist es, dass das Boot geschmeidig gleiten kann. Queequeg glaubte fest an die Notwendigkeit, sein Boot einzufetten. Eines Morgens, kurz nachdem das deutsche Schiff Jungfrau verschwunden war, widmete er dieser Aufgabe mehr Mühe als üblich: Er kroch unter den Bootsboden, wo dieser über die Seite hing, und rieb dort das Fett ein – als würde er damit versuchen, auf der kahlen Kieloberfläche Haare wachsen zu lassen. Es schien, als arbeite er aus einem bestimmten Vorahnung heraus. Und dieses Vorahnung erwies sich als berechtigt.
Gegen Mittag wurden die Wale sichtbar; doch sobald das Schiff auf sie zusteuerte, drehten sie sich um und flohen mit großer Geschwindigkeit – eine chaotische Flucht, ähnlich wie die Boote Kleopatras bei Actium. Dennoch setzten die Boote die Verfolgung fort, wobei Stubbs Boot an der Spitze war. Mit großer Anstrengung gelang es Tashtego schließlich, einen Eisennagel im Körper des Wals zu verankern. Doch der getroffene Wal setzte seine horizontale Flucht unvermindert fort – und zwar noch schneller. Solche ständigen Belastungen am eingebetteten Nagel würden früher oder später unweigerlich dazu führen, dass er herausgerissen wurde. Es wurde daher unumgänglich, den flüchtenden Wal mit einer Lanze zu durchbohren – oder sich damit abzufinden, ihn zu verlieren. Doch es war unmöglich, das Boot bis zu dessen Seite zu bringen – der Wal schwamm einfach zu schnell und heftig. Was blieb also übrig?
Von all den erstaunlichen Methoden und Fähigkeiten, zu denen erfahrene Walfänger oft gezwungen sind – von den Tricks und unzähligen Feinheiten – übertrifft keine diese ausgeklügelte Technik mit der Lanze, die „Pitchpoling“ genannt wird. Weder kleine noch große Schwerter können mit dieser Methode mithalten. Sie ist nur bei einem besonders flüchtigen Wal unverzichtbar. Ihr größter Vorteil besteht darin, dass die lange Lanze aus einem heftig schwankenden Boot heraus auf große Entfernungen präzise geworfen werden kann. Inklusive Stahl und Holz beträgt die Länge der gesamten Lanze etwa zehn bis zwölf Fuß; der Griff ist viel schlanker als der eines Harpuns und besteht außerdem aus einem leichteren Material – Kiefer.
Page 402
Es ist mit einem kleinen Seil ausgestattet, das „Warp“ genannt wird und eine beträchtliche Länge hat; mit diesem kann das Seil nach dem Wurf wieder in die Hand gezogen werden. Doch bevor wir weitermachen, ist es wichtig zu erwähnen, dass zwar der Harpunenpfeil auf dieselbe Weise wie die Lanze eingesetzt werden kann, dies jedoch selten geschieht – und wenn es doch geschieht, ist es noch seltener erfolgreich, aufgrund des größeren Gewichts sowie der kürzeren Länge des Harpunenpfeils im Vergleich zur Lanze, was letztendlich ernsthafte Nachteile darstellt. Im Allgemeinen muss man daher zunächst einen Wal fest im Griff haben, bevor ein solcher Angriff möglich ist.
Schauen Sie sich nun Stubb an – einen Mann, der durch seine humorvolle, gelassene Ruhe in den schlimmsten Notlagen besonders geeignet war, beim Einsatz von Harpunenpfeilen hervorzustechen. Er steht aufrecht im schwankenden Bug des Bootes; umgeben von Schaumkronen liegt der gezogene Wal etwa vierzig Fuß vor ihm. Sanft führt er die lange Lanze in der Hand, prüft mehrmals, ob sie genau gerade ist, dann nimmt er mit einer Hand das Ende des Seils und hält es fest, sodass das freie Ende unbehindert bleibt. Anschließend hält er die Lanze direkt vor seiner Taille und richtet sie auf den Wal aus; anschließend drückt er langsam den hinteren Teil der Lanze nach unten, wodurch die Spitze angehoben wird, bis die Waffe gleichmäßig auf seiner Handfläche, etwa fünfzehn Fuß in der Luft, balanciert. Er wirkt dabei wie ein Zauberkünstler, der einen langen Stock auf seinem Kinn balanciert. Im nächsten Moment wird der glänzende Stahl mit einem schnellen, kraftvollen Schwung über die Entfernung geschleudert und bohrt sich in die empfindliche Stelle des Walms. Anstelle von sprudelndem Wasser spritzt nun rotes Blut heraus.
„Das hat ihm das Leben aus dem Leib getrieben!“, rief Stubb. „Heute ist der unsterbliche 4. Juli – heute müssen alle Quellen Wein sprudeln! Wenn doch nur alter Orleans-Whiskey oder alter Ohio-Whiskey da wäre – oder der unbeschreibliche alte Monongahela-Whiskey! Dann, Tashtego, Junge, würde ich wollen, dass du ein Gefäß zum Sprudel hältst, und wir würden daraus trinken! Ja, wirklich – wir würden dort, direkt am Sprudelloch des Walms, einen ausgezeichneten Punch brauen und aus diesem Becher trinken.“ Immer wieder wird dieser spielerische Akt wiederholt – der Pfeil kehrt wie ein geschickterweise geführter Windhund zu seinem Besitzer zurück. Der leidende Wal gerät in Panik; die Zugleine lockert sich, und der Mann, der die Harpune einsetzt, lässt sich nach hinten fallen, faltet die Hände und beobachtet stumm, wie das Ungeheuer stirbt.
Schauen Sie sich nun Stubb an – einen Mann, der durch seine humorvolle, gelassene Ruhe in den schlimmsten Notlagen besonders geeignet war, beim Einsatz von Harpunenpfeilen hervorzustechen. Er steht aufrecht im schwankenden Bug des Bootes; umgeben von Schaumkronen liegt der gezogene Wal etwa vierzig Fuß vor ihm. Sanft führt er die lange Lanze in der Hand, prüft mehrmals, ob sie genau gerade ist, dann nimmt er mit einer Hand das Ende des Seils und hält es fest, sodass das freie Ende unbehindert bleibt. Anschließend hält er die Lanze direkt vor seiner Taille und richtet sie auf den Wal aus; anschließend drückt er langsam den hinteren Teil der Lanze nach unten, wodurch die Spitze angehoben wird, bis die Waffe gleichmäßig auf seiner Handfläche, etwa fünfzehn Fuß in der Luft, balanciert. Er wirkt dabei wie ein Zauberkünstler, der einen langen Stock auf seinem Kinn balanciert. Im nächsten Moment wird der glänzende Stahl mit einem schnellen, kraftvollen Schwung über die Entfernung geschleudert und bohrt sich in die empfindliche Stelle des Walms. Anstelle von sprudelndem Wasser spritzt nun rotes Blut heraus.
„Das hat ihm das Leben aus dem Leib getrieben!“, rief Stubb. „Heute ist der unsterbliche 4. Juli – heute müssen alle Quellen Wein sprudeln! Wenn doch nur alter Orleans-Whiskey oder alter Ohio-Whiskey da wäre – oder der unbeschreibliche alte Monongahela-Whiskey! Dann, Tashtego, Junge, würde ich wollen, dass du ein Gefäß zum Sprudel hältst, und wir würden daraus trinken! Ja, wirklich – wir würden dort, direkt am Sprudelloch des Walms, einen ausgezeichneten Punch brauen und aus diesem Becher trinken.“ Immer wieder wird dieser spielerische Akt wiederholt – der Pfeil kehrt wie ein geschickterweise geführter Windhund zu seinem Besitzer zurück. Der leidende Wal gerät in Panik; die Zugleine lockert sich, und der Mann, der die Harpune einsetzt, lässt sich nach hinten fallen, faltet die Hände und beobachtet stumm, wie das Ungeheuer stirbt.
Page 403
Page 404
KAPITEL 85. Die Quelle.
Dass die großen Wale seit sechstausend Jahren – und wer weiß, wie viele Millionen von Zeitaltern davor – überall auf dem Meer Wasser spritzen und so die „Gärten der Tiefen“ besprühen und trüben, als wären es zahlreiche Sprüh- oder Nebelgeräte; und dass vor einigen Jahrhunderten Tausende von Jägern in der Nähe der „Quelle der Wale“ standen und dieses Spritzen beobachteten – all das ist zwar geschehen, doch bis zu diesem glücklichen Moment (15 Viertelminuten nach eins Uhr nachmittags am 16. Dezember des Jahres 1851 n. Chr.) bleibt weiterhin unklar, ob dieses Spritzen tatsächlich aus Wasser besteht oder nur aus Dampf – das ist sicherlich bemerkenswert.
Schauen wir uns also diese Angelegenheit sowie einige damit verbundene interessante Aspekte an. Jeder weiß, dass die Fischvölker dank der besonderen Struktur ihrer Kiemen die Luft atmen können, die stets mit dem Element vermischt ist, in dem sie schwimmen; daher kann eine Heringe oder ein Kabeljau ein Jahrhundert lang leben, ohne jemals seinen Kopf über die Wasseroberfläche zu heben. Der Wal hingegen verfügt dank seiner speziellen inneren Struktur über Lungen, ähnlich wie beim Menschen, und kann daher nur durch das Einatmen der Luft in der offenen Atmosphäre überleben. Deshalb muss er regelmäßig in die Oberwelt zurückkehren. Er kann jedoch keineswegs durch den Mund atmen, denn in seiner normalen Haltung befindet sich der Mund des Wals mindestens acht Fuß unter der Wasseroberfläche; außerdem ist seine Luftröhre nicht mit dem Mund verbunden. Nein, er atmet ausschließlich durch seine Kiemen – und diese befinden sich auf der Oberseite seines Kopfes.
Wenn ich sage, dass das Atmen bei jedem Lebewesen lediglich eine für das Überleben unverzichtbare Funktion ist, da dabei ein bestimmtes Element aus der Luft aufgenommen wird, das anschließend in Berührung mit dem Blut kommt und diesem somit sein lebensspendendes Prinzip verleiht, dann irre ich wohl nicht – auch wenn ich dabei vielleicht einige überflüssige wissenschaftliche Begriffe verwende. Nehmen wir an, dass das ganze Blut eines Menschen mit einem einzigen Atemzug belüftet werden könnte – dann könnte er seine Nasenlöcher verschließen und für eine beträchtliche Zeit keinen weiteren Atemzug mehr nehmen. Das bedeutet: Er könnte dann ohne Atmen leben. So seltsam es auch erscheinen mag – genau so ist es beim Wal, der systematisch in Abständen atmet.
Dass die großen Wale seit sechstausend Jahren – und wer weiß, wie viele Millionen von Zeitaltern davor – überall auf dem Meer Wasser spritzen und so die „Gärten der Tiefen“ besprühen und trüben, als wären es zahlreiche Sprüh- oder Nebelgeräte; und dass vor einigen Jahrhunderten Tausende von Jägern in der Nähe der „Quelle der Wale“ standen und dieses Spritzen beobachteten – all das ist zwar geschehen, doch bis zu diesem glücklichen Moment (15 Viertelminuten nach eins Uhr nachmittags am 16. Dezember des Jahres 1851 n. Chr.) bleibt weiterhin unklar, ob dieses Spritzen tatsächlich aus Wasser besteht oder nur aus Dampf – das ist sicherlich bemerkenswert.
Schauen wir uns also diese Angelegenheit sowie einige damit verbundene interessante Aspekte an. Jeder weiß, dass die Fischvölker dank der besonderen Struktur ihrer Kiemen die Luft atmen können, die stets mit dem Element vermischt ist, in dem sie schwimmen; daher kann eine Heringe oder ein Kabeljau ein Jahrhundert lang leben, ohne jemals seinen Kopf über die Wasseroberfläche zu heben. Der Wal hingegen verfügt dank seiner speziellen inneren Struktur über Lungen, ähnlich wie beim Menschen, und kann daher nur durch das Einatmen der Luft in der offenen Atmosphäre überleben. Deshalb muss er regelmäßig in die Oberwelt zurückkehren. Er kann jedoch keineswegs durch den Mund atmen, denn in seiner normalen Haltung befindet sich der Mund des Wals mindestens acht Fuß unter der Wasseroberfläche; außerdem ist seine Luftröhre nicht mit dem Mund verbunden. Nein, er atmet ausschließlich durch seine Kiemen – und diese befinden sich auf der Oberseite seines Kopfes.
Wenn ich sage, dass das Atmen bei jedem Lebewesen lediglich eine für das Überleben unverzichtbare Funktion ist, da dabei ein bestimmtes Element aus der Luft aufgenommen wird, das anschließend in Berührung mit dem Blut kommt und diesem somit sein lebensspendendes Prinzip verleiht, dann irre ich wohl nicht – auch wenn ich dabei vielleicht einige überflüssige wissenschaftliche Begriffe verwende. Nehmen wir an, dass das ganze Blut eines Menschen mit einem einzigen Atemzug belüftet werden könnte – dann könnte er seine Nasenlöcher verschließen und für eine beträchtliche Zeit keinen weiteren Atemzug mehr nehmen. Das bedeutet: Er könnte dann ohne Atmen leben. So seltsam es auch erscheinen mag – genau so ist es beim Wal, der systematisch in Abständen atmet.
Page 405
Eine Stunde oder länger – wenn er sich auf dem Meeresboden befindet – ohne auch nur einmal Luft zu holen, ohne auch nur einen Hauch von Luft einzuatmen; denn bedenken Sie: Er hat keine Kiemen. Wie ist das möglich? Zwischen seinen Rippen und auf jeder Seite seiner Wirbelsäule verfügt er über ein außergewöhnliches, komplexes Labyrinth aus spaghettiförmigen Gefäßen. Wenn er die Wasseroberfläche verlässt, sind diese Gefäße vollständig mit sauerstoffreichem Blut gefüllt. So trägt er eine Stunde lang – tausend Faden tief im Meer – einen Überschuss an Lebenskraft in sich, genauso wie der Kamel, der die wasserlose Wüste durchquert, einen Überschuss an Trinkwasser in seinen vier zusätzlichen Mägen mitführt. Die anatomische Existenz dieses Labyrinths ist unbestreitbar; und die darauf beruhende Annahme erscheint mir umso plausibler, wenn ich an die sonst unerklärliche Sturheit dieses Leviathans denke, stets wieder an die Oberfläche zu kommen – wie die Fischer es ausdrücken. Wenn der Schwertwal ungestört an die Oberfläche kommt, bleibt er dort für eine Zeit, die genau der gleiche ist wie bei allen anderen ungestörten Auftauchen. Angenommen, er bleibt elf Minuten lang und spritzt siebzig Mal Wasser aus – das bedeutet, er atmet siebzig Mal. Dann wird er beim nächsten Auftauchen wieder genau siebzig Mal atmen. Wenn man ihn nach ein paar Atemzügen stört, sodass er laut wird, wird er immer wieder an die Oberfläche kommen, um seine reguläre Luftmenge aufzunehmen. Erst nachdem er diese siebzig Atemzüge getan hat, wird er endlich wieder nach unten gehen, um dort die gesamte Zeit zu verbringen. Beachten Sie jedoch, dass diese Raten bei verschiedenen Individuen unterschiedlich sind; bei jedem einzelnen Tier sind sie jedoch gleich. Warum sollte der Wal also darauf bestehen, immer wieder an die Oberfläche zu kommen, wenn nicht, um seinen Luftvorrat aufzufüllen, bevor er endgültig nach unten geht? Es ist auch offensichtlich, dass diese Notwendigkeit, an die Oberfläche zu kommen, ihn allen tödlichen Gefahren der Jagd aussetzt. Denn mit Haken oder Netzen kann dieser riesige Leviathan nicht gefangen werden, wenn er tausend Faden tief unter der Sonne schwimmt. Es liegt also weniger an Ihrer Geschicklichkeit, o Jäger, als vielmehr an den großen Notwendigkeiten, die Ihnen den Sieg bringen!
Beim Menschen findet das Atmen ununterbrochen statt – ein Atemzug reicht nur für zwei oder drei Herzschläge. Egal, welche anderen Aufgaben er zu erledigen hat, ob wach oder schlafend, er muss atmen – sonst stirbt er. Der Schwertwal hingegen atmet nur etwa ein Siebtel seiner Zeit.
Es wurde gesagt, der Wal atme nur durch sein Spritzloch. Wenn man hinzufügen könnte, dass sein Spritzwasser mit Wasser vermischt ist, dann glaube ich, hätten wir damit auch die Erklärung dafür, warum sein Geruchssinn anscheinend nicht funktioniert – schließlich ist das Einzige an ihm, was seinem Geruchssinn entspricht…
Beim Menschen findet das Atmen ununterbrochen statt – ein Atemzug reicht nur für zwei oder drei Herzschläge. Egal, welche anderen Aufgaben er zu erledigen hat, ob wach oder schlafend, er muss atmen – sonst stirbt er. Der Schwertwal hingegen atmet nur etwa ein Siebtel seiner Zeit.
Es wurde gesagt, der Wal atme nur durch sein Spritzloch. Wenn man hinzufügen könnte, dass sein Spritzwasser mit Wasser vermischt ist, dann glaube ich, hätten wir damit auch die Erklärung dafür, warum sein Geruchssinn anscheinend nicht funktioniert – schließlich ist das Einzige an ihm, was seinem Geruchssinn entspricht…
Page 406
Die Nase ist nichts anderes als dieses Ausstoßloch; und da sie durch zwei Elemente verstopft ist, kann man nicht erwarten, dass sie die Fähigkeit zum Riechen besitzt. Doch aufgrund des Rätsels um das Ausstoßloch – ob es sich dabei um Wasser oder um Dampf handelt – lässt sich dazu bisher keine absolute Gewissheit erlangen. Sicher ist jedoch, dass der Walschweinwal keine richtigen Geruchsnerven hat. Aber wozu braucht er sie? Im Meer gibt es schließlich keine Rosen, keine Veilchen, kein Kölnwasser. Zudem öffnet sich seine Luftröhre ausschließlich in den Kanal seines Ausstoßkanals, und dieser lange Kanal – ähnlich wie der große Erie-Kanal – ist mit einer Art Schleusen ausgestattet (die sich öffnen und schließen), um Luft nach unten zu halten oder Wasser nach oben abzuhalten. Deshalb hat der Wal keine Stimme – es sei denn, man beleidigt ihn damit, zu behaupten, er spreche durch seine Nase, wenn er auf diese seltsame Weise brummt. Aber was hat der Wal schon zu sagen? Selten habe ich ein Wesen kennengelernt, das etwas zu dieser Welt zu sagen hatte – es sei denn, es war gezwungen, etwas stammelnd hervorzubringen, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Oh! Glücklich ist die Welt, denn sie ist ein so hervorragender Zuhörer!
Der Ausstoßkanal des Walschweinwals dient hauptsächlich dem Transport von Luft; er erstreckt sich über mehrere Fuß horizontal direkt unter der Oberfläche seines Kopfes, etwas zur Seite. Dieser seltsame Kanal ähnelt sehr einem Gasrohr, das in einer Stadt an einer Straßenseite verlegt ist. Doch die Frage bleibt: Ist dieses Gasrohr auch ein Wasserrohr? Mit anderen Worten: Ist das Ausstoßen beim Walschweinwal lediglich Dampf aus dem ausgeatmeten Atem, oder ist dieser Atem mit Wasser vermischt, das über den Mund aufgenommen wurde und anschließend durch das Spirakel ausgestoßen wird? Es ist sicher, dass der Mund indirekt mit dem Ausstoßkanal in Verbindung steht; doch es lässt sich nicht beweisen, dass dies dazu dient, Wasser durch das Spirakel auszustoßen. Denn die größte Notwendigkeit dafür würde wohl dann bestehen, wenn der Wal beim Fressen versehentlich Wasser aufnimmt. Doch die Nahrung des Walschweinwals befindet sich weit unter der Wasseroberfläche – dort kann er nicht ausstoßen, selbst wenn er wollte. Außerdem: Wenn man ihn genau betrachtet und mit einer Uhr die Zeit misst, stellt man fest, dass es bei ungestörtem Zustand eine konstante Abfolge zwischen den Ausstoßphasen und den normalen Atmungsphasen gibt.
Aber warum sollte man jemanden mit all diesen Überlegungen belästigen? Sagen Sie einfach, was Sie gesehen haben! Sie haben doch gesehen, wie er ausstößt – dann erklären Sie doch, was das Ausstoßen bedeutet! Können Sie denn nicht Wasser von Luft unterscheiden? Mein lieber Herr, in dieser Welt ist es nicht so einfach, solche offensichtlichen Dinge zu klären. Ich habe immer gefunden, dass Ihre „offensichtlichen“ Dinge die kompliziertesten von allen sind. Und was das angeht…
Der Ausstoßkanal des Walschweinwals dient hauptsächlich dem Transport von Luft; er erstreckt sich über mehrere Fuß horizontal direkt unter der Oberfläche seines Kopfes, etwas zur Seite. Dieser seltsame Kanal ähnelt sehr einem Gasrohr, das in einer Stadt an einer Straßenseite verlegt ist. Doch die Frage bleibt: Ist dieses Gasrohr auch ein Wasserrohr? Mit anderen Worten: Ist das Ausstoßen beim Walschweinwal lediglich Dampf aus dem ausgeatmeten Atem, oder ist dieser Atem mit Wasser vermischt, das über den Mund aufgenommen wurde und anschließend durch das Spirakel ausgestoßen wird? Es ist sicher, dass der Mund indirekt mit dem Ausstoßkanal in Verbindung steht; doch es lässt sich nicht beweisen, dass dies dazu dient, Wasser durch das Spirakel auszustoßen. Denn die größte Notwendigkeit dafür würde wohl dann bestehen, wenn der Wal beim Fressen versehentlich Wasser aufnimmt. Doch die Nahrung des Walschweinwals befindet sich weit unter der Wasseroberfläche – dort kann er nicht ausstoßen, selbst wenn er wollte. Außerdem: Wenn man ihn genau betrachtet und mit einer Uhr die Zeit misst, stellt man fest, dass es bei ungestörtem Zustand eine konstante Abfolge zwischen den Ausstoßphasen und den normalen Atmungsphasen gibt.
Aber warum sollte man jemanden mit all diesen Überlegungen belästigen? Sagen Sie einfach, was Sie gesehen haben! Sie haben doch gesehen, wie er ausstößt – dann erklären Sie doch, was das Ausstoßen bedeutet! Können Sie denn nicht Wasser von Luft unterscheiden? Mein lieber Herr, in dieser Welt ist es nicht so einfach, solche offensichtlichen Dinge zu klären. Ich habe immer gefunden, dass Ihre „offensichtlichen“ Dinge die kompliziertesten von allen sind. Und was das angeht…
Page 407
Diese Walstrahlung – man könnte fast darin stehen und dennoch unsicher sein, was es genau ist. Der zentrale Teil davon bleibt im schneeweißen, glitzernden Nebel verborgen, der ihn umgibt. Wie kann man mit Sicherheit erkennen, ob Wasser daraus fällt? Immer, wenn man nahe genug am Wal ist, um seinen Strahl genau zu betrachten, befindet sich der Wal in großer Unruhe – das Wasser spritzt überall um ihn herum. Und selbst wenn man zu solchen Zeiten glaubt, tatsächlich Tropfen von Feuchtigkeit im Strahl zu erkennen, wie weiß man dann, dass es sich nicht einfach um kondensierte Dämpfe handelt? Oder wie weiß man, dass es nicht dieselben Tropfen sind, die oberflächlich in der Spalte des Strahlohrs stecken, das in die Spitze des Walkopfs eingelassen ist? Denn selbst wenn der Wal ruhig durch das Meer schwimmt – mit seinem erhöhten Rücken, der wie bei einem Dromedar in der Wüste der Sonne ausgesetzt ist – trägt er immer eine kleine Menge Wasser auf seinem Kopf. Unter der brennenden Sonne sieht man manchmal eine Höhle in einem Felsen, die mit Regenwasser gefüllt ist.
Es ist auch keineswegs klug für den Jäger, allzu neugierig bezüglich der genauen Natur des Walstrahls zu sein. Es ist nicht richtig, hineinzuschauen oder sein Gesicht hineinzustecken. Man kann nicht mit einem Krug zu dieser „Quelle“ gehen, sie füllen und anschließend mitnehmen. Schon bei leichtem Kontakt mit den äußeren, dampfigen Teilen des Strahls – was oft vorkommt – wird die Haut durch die Bitterkeit dieses Stoffes stark reagieren. Ich kenne jemanden, dem bei noch engerem Kontakt mit dem Strahl – sei es aus wissenschaftlichen Gründen oder aus anderen Gründen, das kann ich nicht sagen – die Haut von Wange und Arm abgefallen ist. Deshalb gilt bei den Waljägern der Strahl als giftig; sie versuchen, ihm aus dem Weg zu gehen. Noch etwas: Ich habe gehört, dass, wenn der Strahl direkt in die Augen spritzt, man dadurch erblinden kann. Das Klügste, was ein Forscher in solchen Fällen tun kann, ist meiner Meinung nach, diesen tödlichen Strahl in Ruhe zu lassen.
Dennoch können wir Hypothesen aufstellen – auch wenn wir sie nicht beweisen können. Meine Hypothese lautet: Der Strahl ist nichts anderes als Nebel. Zu diesem Schluss bin ich unter anderem auch aufgrund der großen, angeborenen Würde und Erhabenheit des Samtwhals gelangt. Ich halte ihn nicht für ein gewöhnliches, oberflächliches Wesen – schließlich ist es unbestreitbar, dass man ihn niemals bei Messungen oder in der Nähe der Küsten findet; andere Wale hingegen schon. Der Samtwal ist sowohl massiv als auch tiefgründig. Ich bin überzeugt, dass aus den Köpfen aller massiven, tiefgründigen Wesen – wie Platon, Pyrrhon, der Teufel –
Es ist auch keineswegs klug für den Jäger, allzu neugierig bezüglich der genauen Natur des Walstrahls zu sein. Es ist nicht richtig, hineinzuschauen oder sein Gesicht hineinzustecken. Man kann nicht mit einem Krug zu dieser „Quelle“ gehen, sie füllen und anschließend mitnehmen. Schon bei leichtem Kontakt mit den äußeren, dampfigen Teilen des Strahls – was oft vorkommt – wird die Haut durch die Bitterkeit dieses Stoffes stark reagieren. Ich kenne jemanden, dem bei noch engerem Kontakt mit dem Strahl – sei es aus wissenschaftlichen Gründen oder aus anderen Gründen, das kann ich nicht sagen – die Haut von Wange und Arm abgefallen ist. Deshalb gilt bei den Waljägern der Strahl als giftig; sie versuchen, ihm aus dem Weg zu gehen. Noch etwas: Ich habe gehört, dass, wenn der Strahl direkt in die Augen spritzt, man dadurch erblinden kann. Das Klügste, was ein Forscher in solchen Fällen tun kann, ist meiner Meinung nach, diesen tödlichen Strahl in Ruhe zu lassen.
Dennoch können wir Hypothesen aufstellen – auch wenn wir sie nicht beweisen können. Meine Hypothese lautet: Der Strahl ist nichts anderes als Nebel. Zu diesem Schluss bin ich unter anderem auch aufgrund der großen, angeborenen Würde und Erhabenheit des Samtwhals gelangt. Ich halte ihn nicht für ein gewöhnliches, oberflächliches Wesen – schließlich ist es unbestreitbar, dass man ihn niemals bei Messungen oder in der Nähe der Küsten findet; andere Wale hingegen schon. Der Samtwal ist sowohl massiv als auch tiefgründig. Ich bin überzeugt, dass aus den Köpfen aller massiven, tiefgründigen Wesen – wie Platon, Pyrrhon, der Teufel –
Page 408
Jupiter, Dante und so weiter – bei ihnen steigt immer ein gewisser, halb sichtbarer Dampf auf, während sie tiefgründige Gedanken nachdenken. Als ich einen kleinen Traktat über die Ewigkeit verfasste, hatte ich die Neugierde, ein Spiegel vor mich zu stellen; bald darauf sah ich darin eine seltsame Bewegung und Wellenbildung in der Atmosphäre über meinem Kopf. Die ständige Feuchtigkeit meiner Haare, während ich in tiefes Nachdenken versunken war – nach sechs Tassen heißem Tee in meinem dünnen Dachstübchen an einem augustlichen Mittag – scheint ein weiterer Beweis für diese Annahme zu sein.
Und wie edel erhebt es doch unseren Stolz auf dieses mächtige, nebelhafte Ungeheuer, wenn wir es feierlich durch das ruhige tropische Meer segeln sehen; seinen riesigen, sanften Kopf, der von einem Vorhang aus Dampf umhüllt ist – Dampf, der durch seine unbeschreiblichen Betrachtungen entsteht – und dieser Dampf wird manchmal von einem Regenbogen verziert, als hätte der Himmel selbst seinen Stempel auf seine Gedanken gedrückt. Denn Regenbögen erscheinen nicht in klarer Luft; sie beleuchten nur Dampf. So dringen durch all den dichten Nebel der trüben Zweifel in meinem Geist von Zeit zu Zeit göttliche Intuitionen hindurch und erleuchten meinen „Nebel“ mit einem himmlischen Strahl. Dafür danke ich Gott; denn alle haben Zweifel; viele leugnen; doch neben Zweifeln oder Leugnungen gibt es nur wenige, die auch Intuitionen haben. Zweifel an allen irdischen Dingen und Intuitionen zu einigen himmlischen Dingen – diese Kombination macht weder einen Gläubigen noch einen Ungläubigen, sondern einen Menschen, der beides mit gleichem Blick betrachtet.
Und wie edel erhebt es doch unseren Stolz auf dieses mächtige, nebelhafte Ungeheuer, wenn wir es feierlich durch das ruhige tropische Meer segeln sehen; seinen riesigen, sanften Kopf, der von einem Vorhang aus Dampf umhüllt ist – Dampf, der durch seine unbeschreiblichen Betrachtungen entsteht – und dieser Dampf wird manchmal von einem Regenbogen verziert, als hätte der Himmel selbst seinen Stempel auf seine Gedanken gedrückt. Denn Regenbögen erscheinen nicht in klarer Luft; sie beleuchten nur Dampf. So dringen durch all den dichten Nebel der trüben Zweifel in meinem Geist von Zeit zu Zeit göttliche Intuitionen hindurch und erleuchten meinen „Nebel“ mit einem himmlischen Strahl. Dafür danke ich Gott; denn alle haben Zweifel; viele leugnen; doch neben Zweifeln oder Leugnungen gibt es nur wenige, die auch Intuitionen haben. Zweifel an allen irdischen Dingen und Intuitionen zu einigen himmlischen Dingen – diese Kombination macht weder einen Gläubigen noch einen Ungläubigen, sondern einen Menschen, der beides mit gleichem Blick betrachtet.
Page 409
KAPITEL 86. Der Schwanz
Andere Dichter haben die Schönheit des sanften Auges der Antilope sowie das wunderschöne Gefieder des Vogels gepriesen, der niemals landet; ich hingegen preise einen Schwanz – wenn auch weniger „himmlisch“.
Wenn man den Schwanz des größten Spermwalen von dem Punkt am Rüssel aus misst, an dem dieser auf etwa die Dicke eines Menschen schrumpft, umfasst allein seine obere Oberfläche eine Fläche von mindestens fünfzig Quadratfuß. Der kompakte, runde Körper des Schwanzes teilt sich in zwei breite, feste, flache Flügel auf, die allmählich dünner werden, bis sie weniger als einen Zoll dick sind. An der Verbindungstelle überlappen diese Flügel leicht, weiten sich dann seitlich voneinander wie Flügel aus und lassen dabei einen breiten Raum dazwischen. Bei keinem Lebewesen sind die Linien der Schönheit so fein abgegrenzt wie an den gebogenen Rändern dieser Flügel. Im voll entwickelten Wal überschreitet der Schwanz bei maximaler Ausdehnung deutlich die Breite von zwanzig Fuß.
Der gesamte Schwanz erscheint wie ein dichtes Netz aus miteinander verbundenen Sehnen; doch bei genauerer Betrachtung stellt man fest, dass er aus drei verschiedenen Schichten besteht: oberer, mittlerer und unterer Schicht. Die Fasern in den oberen und unteren Schichten sind lang und horizontal angeordnet; die Fasern in der mittleren Schicht hingegen sehr kurz und verlaufen quer zwischen den äußeren Schichten. Diese dreigliedrige Struktur verleiht dem Schwanz seine Kraft. Für denjenigen, der sich mit den alten römischen Mauern beschäftigt, bietet die mittlere Schicht eine interessante Parallele zu den dünnen Ziegelschichten, die immer abwechselnd mit Stein in diesen wunderbaren Relikten der Antike verwendet wurden – Schichten, die zweifellos maßgeblich zur großen Stärke der Mauerwerkstechnik beitragen.
Doch als wäre diese enorme Kraft des Schwanzes noch nicht genug, ist der ganze Körper des Wals außerdem mit Muskelfasern und -filamenten durchzogen. Diese erstrecken sich seitlich an den Hüften entlang und hinunter zu den Schwanzflügeln, vermischen sich dort allmählich mit ihnen und tragen maßgeblich zu ihrer Stärke bei. So scheint in dem Schwanz die ungeheure Kraft des gesamten Wals an einem Punkt konzentriert zu sein. Wenn der Materie Zerstörung drohen würde, wäre dies der Weg dazu.
Auch diese erstaunliche Stärke beeinträchtigt keineswegs die anmutige Beweglichkeit des Schwanzes; vielmehr sorgt sie dafür, dass seine Bewegungen weiterhin elegant bleiben.
Andere Dichter haben die Schönheit des sanften Auges der Antilope sowie das wunderschöne Gefieder des Vogels gepriesen, der niemals landet; ich hingegen preise einen Schwanz – wenn auch weniger „himmlisch“.
Wenn man den Schwanz des größten Spermwalen von dem Punkt am Rüssel aus misst, an dem dieser auf etwa die Dicke eines Menschen schrumpft, umfasst allein seine obere Oberfläche eine Fläche von mindestens fünfzig Quadratfuß. Der kompakte, runde Körper des Schwanzes teilt sich in zwei breite, feste, flache Flügel auf, die allmählich dünner werden, bis sie weniger als einen Zoll dick sind. An der Verbindungstelle überlappen diese Flügel leicht, weiten sich dann seitlich voneinander wie Flügel aus und lassen dabei einen breiten Raum dazwischen. Bei keinem Lebewesen sind die Linien der Schönheit so fein abgegrenzt wie an den gebogenen Rändern dieser Flügel. Im voll entwickelten Wal überschreitet der Schwanz bei maximaler Ausdehnung deutlich die Breite von zwanzig Fuß.
Der gesamte Schwanz erscheint wie ein dichtes Netz aus miteinander verbundenen Sehnen; doch bei genauerer Betrachtung stellt man fest, dass er aus drei verschiedenen Schichten besteht: oberer, mittlerer und unterer Schicht. Die Fasern in den oberen und unteren Schichten sind lang und horizontal angeordnet; die Fasern in der mittleren Schicht hingegen sehr kurz und verlaufen quer zwischen den äußeren Schichten. Diese dreigliedrige Struktur verleiht dem Schwanz seine Kraft. Für denjenigen, der sich mit den alten römischen Mauern beschäftigt, bietet die mittlere Schicht eine interessante Parallele zu den dünnen Ziegelschichten, die immer abwechselnd mit Stein in diesen wunderbaren Relikten der Antike verwendet wurden – Schichten, die zweifellos maßgeblich zur großen Stärke der Mauerwerkstechnik beitragen.
Doch als wäre diese enorme Kraft des Schwanzes noch nicht genug, ist der ganze Körper des Wals außerdem mit Muskelfasern und -filamenten durchzogen. Diese erstrecken sich seitlich an den Hüften entlang und hinunter zu den Schwanzflügeln, vermischen sich dort allmählich mit ihnen und tragen maßgeblich zu ihrer Stärke bei. So scheint in dem Schwanz die ungeheure Kraft des gesamten Wals an einem Punkt konzentriert zu sein. Wenn der Materie Zerstörung drohen würde, wäre dies der Weg dazu.
Auch diese erstaunliche Stärke beeinträchtigt keineswegs die anmutige Beweglichkeit des Schwanzes; vielmehr sorgt sie dafür, dass seine Bewegungen weiterhin elegant bleiben.
Page 410
Titanischer Machtwillen. Im Gegenteil: Diese Bewegungen schöpfen ihre erschreckendste Schönheit gerade daraus. Wahre Stärke schadet niemals der Schönheit oder Harmonie – im Gegenteil, sie verleiht ihnen oft diese Eigenschaften. In allem, was eindrucksvoll schön ist, spielt die Stärke eine große Rolle. Nehmen wir den gehärteten Sehnenstrang weg, der bei der Statue des gehauenen Herkules überall zu platzen scheint – dann wäre sein Charme verschwunden. Als der fromme Eckerman das Leinentuch vom nackten Körper Goethes hob, wurde er von der massiven Brust des Mannes überwältigt, die wie ein römisches Triumphbogen wirkte. Wenn Angelo sogar Gott den Vater in menschlicher Gestalt malt, so zeigt sich dort eine große Robustheit. Und was auch immer die weichen, geschwungenen, hermaphroditischen italienischen Gemälde über die göttliche Liebe im Sohn offenbaren – in diesen Gemälden, die völlig frei von jeder Robustheit sind, wird keinerlei Macht angedeutet; vielmehr wird nur die negative, weibliche Qualität der Unterwerfung und Ausdauer dargestellt – und diese gilt allgemein als die besonderen praktischen Tugenden seiner Lehren.
So groß ist die feine Elastizität des Organs, von dem ich spreche, dass es – egal ob im Sport, im Ernstfall oder in Wut – in jeder Situation durch außergewöhnliche Anmut gekennzeichnet ist. Dabei kann kein „Feenarm“ ihm gleichkommen.
Fünf große Bewegungsarten sind ihm eigen: Erstens, wenn er als Fortbewegungsmittel verwendet wird; zweitens, als Keule im Kampf; drittens, zum Schwingen; viertens, zum Schlagen mit den Schwanzflossen; fünftens, zum Anheben der Schwanzflossen.
Erstens: Da der Schwanz des Leviathans in seiner Position horizontal ist, wirkt er anders als die Schwänze aller anderen Meereslebewesen. Er windet sich niemals. Bei Menschen oder Fischen ist das Winden ein Zeichen von Minderwertigkeit. Für den Wal ist sein Schwanz das einzige Mittel zur Fortbewegung. Er windet sich vor dem Körper zusammen und springt anschließend schnell nach hinten – dadurch entsteht die besondere, schnelle Bewegung des Monsters beim wilden Schwimmen. Die Seitenflossen dienen nur dazu, die Richtung zu steuern.
Zweitens: Es ist bemerkenswert, dass ein Wal zwar nur mit Kopf und Kiefer gegen einen anderen Wal kämpft, doch in seinen Konflikten mit Menschen hauptsächlich und verächtlich seinen Schwanz einsetzt. Wenn er auf ein Boot einschlägt, biegt er seine Schwanzflossen schnell davon weg – der Schlag erfolgt erst durch den Rückstoß. Wenn dieser Schlag in der offenen Luft erfolgt, besonders wenn er sein Ziel trifft, dann ist er einfach unwiderstehlich. Weder Rippen eines Menschen noch eines Bootes können ihm standhalten. Die einzige Rettung besteht darin, ihm auszuweichen – doch wenn er seitlich kommt…
So groß ist die feine Elastizität des Organs, von dem ich spreche, dass es – egal ob im Sport, im Ernstfall oder in Wut – in jeder Situation durch außergewöhnliche Anmut gekennzeichnet ist. Dabei kann kein „Feenarm“ ihm gleichkommen.
Fünf große Bewegungsarten sind ihm eigen: Erstens, wenn er als Fortbewegungsmittel verwendet wird; zweitens, als Keule im Kampf; drittens, zum Schwingen; viertens, zum Schlagen mit den Schwanzflossen; fünftens, zum Anheben der Schwanzflossen.
Erstens: Da der Schwanz des Leviathans in seiner Position horizontal ist, wirkt er anders als die Schwänze aller anderen Meereslebewesen. Er windet sich niemals. Bei Menschen oder Fischen ist das Winden ein Zeichen von Minderwertigkeit. Für den Wal ist sein Schwanz das einzige Mittel zur Fortbewegung. Er windet sich vor dem Körper zusammen und springt anschließend schnell nach hinten – dadurch entsteht die besondere, schnelle Bewegung des Monsters beim wilden Schwimmen. Die Seitenflossen dienen nur dazu, die Richtung zu steuern.
Zweitens: Es ist bemerkenswert, dass ein Wal zwar nur mit Kopf und Kiefer gegen einen anderen Wal kämpft, doch in seinen Konflikten mit Menschen hauptsächlich und verächtlich seinen Schwanz einsetzt. Wenn er auf ein Boot einschlägt, biegt er seine Schwanzflossen schnell davon weg – der Schlag erfolgt erst durch den Rückstoß. Wenn dieser Schlag in der offenen Luft erfolgt, besonders wenn er sein Ziel trifft, dann ist er einfach unwiderstehlich. Weder Rippen eines Menschen noch eines Bootes können ihm standhalten. Die einzige Rettung besteht darin, ihm auszuweichen – doch wenn er seitlich kommt…
Page 411
Durch das gegenüberliegende Wasser – und teilweise auch aufgrund der geringen Schwimmfähigkeit des Walfischbootes sowie der Elastizität seiner Materialien – ist ein gebrochener Rippenknochen oder ein oder zwei zerbrochene Planken in der Regel die schwerwiegendste Folge. Solche Schäden am Rumpf treten in der Fischerei so häufig auf, dass sie als etwas Unbedeutendes angesehen werden. Jemand zieht einfach ein Kleidungsstück aus und stopft damit das Loch.
Drittens: Ich kann es nicht beweisen, aber es scheint mir, dass beim Wal das Tastsinn in dem Schwanz konzentriert ist; in dieser Hinsicht weist der Schwanz eine Feinheit auf, die nur durch die Zartheit des Elefantenrüssels übertroffen wird. Diese Feinheit zeigt sich vor allem bei der Bewegung des Schwanzes – mit zarter Sanftheit bewegt der Wal seine riesigen Schwanzflossen langsam von einer Seite zur anderen auf der Meeresoberfläche. Wenn er dabei auch nur einen Haarstrang eines Seemanns berührt, dann ist dem Seemann Pech – mit allen Haaren. Welche Zärtlichkeit liegt in dieser ersten Berührung! Hätte dieser Schwanz eine Greifkraft, würde ich sofort an Darmonodes’ Elefant denken – jenen Elefanten, der oft den Blumenmarkt besuchte, den Mädchen mit Blumengirlanden huldigte und anschließend ihre Taille streichelte. Aus mehreren Gründen ist es schade, dass der Wal diese Greifkraft in seinem Schwanz nicht besitzt; denn ich habe von einem weiteren Elefanten gehört, der, wenn er im Kampf verletzt wurde, seinen Rüssel bog und den Pfeil daraus herauszog.
Viertens: Wenn man den Wal unvorbereitet in der scheinbaren Sicherheit mitten auf dem Meer anfällt, findet man ihn in seiner gewaltigen Gestalt regungslos da – wie ein Kätzchen spielt er auf dem Ozean, als wäre es ein Ofen. Doch man erkennt trotzdem seine Kraft in diesen Spielen. Die breiten Flächen seines Schwanzes werden hoch in die Luft geschwungen; anschließend treffen sie auf die Meeresoberfläche – der donnernde Aufprall ist meilenweit zu hören. Man könnte fast meinen, eine große Kanone wäre abgefeuert worden. Wenn man außerdem den leichten Dampfring bemerkt, der aus den Kiemen am anderen Ende seines Körpers aufsteigt, könnte man meinen, das sei der Rauch aus dem Mündloch.
Fünftens: In der normalen Schwimmhaltung des Wals liegen die Schwanzflossen deutlich unterhalb der Höhe seines Rückens – daher sind sie vollständig unter der Wasseroberfläche verborgen. Doch wenn der Wal in die Tiefen tauchen will, werden seine gesamten Schwanzflossen zusammen mit mindestens dreißig Fuß seines Körpers in die Luft geschleudert. Sie bleiben dort für einen Moment in Bewegung, bevor sie wieder nach unten verschwinden. Abgesehen vom beeindruckenden Auftauchen des Wals – das an einer anderen Stelle beschrieben wird – ist dieses Hochschwingen der Schwanzflossen wohl das beeindruckendste Schauspiel in der ganzen Tierwelt. Aus den bodenlosen Tiefen scheint der gigantische Schwanz empor…
Drittens: Ich kann es nicht beweisen, aber es scheint mir, dass beim Wal das Tastsinn in dem Schwanz konzentriert ist; in dieser Hinsicht weist der Schwanz eine Feinheit auf, die nur durch die Zartheit des Elefantenrüssels übertroffen wird. Diese Feinheit zeigt sich vor allem bei der Bewegung des Schwanzes – mit zarter Sanftheit bewegt der Wal seine riesigen Schwanzflossen langsam von einer Seite zur anderen auf der Meeresoberfläche. Wenn er dabei auch nur einen Haarstrang eines Seemanns berührt, dann ist dem Seemann Pech – mit allen Haaren. Welche Zärtlichkeit liegt in dieser ersten Berührung! Hätte dieser Schwanz eine Greifkraft, würde ich sofort an Darmonodes’ Elefant denken – jenen Elefanten, der oft den Blumenmarkt besuchte, den Mädchen mit Blumengirlanden huldigte und anschließend ihre Taille streichelte. Aus mehreren Gründen ist es schade, dass der Wal diese Greifkraft in seinem Schwanz nicht besitzt; denn ich habe von einem weiteren Elefanten gehört, der, wenn er im Kampf verletzt wurde, seinen Rüssel bog und den Pfeil daraus herauszog.
Viertens: Wenn man den Wal unvorbereitet in der scheinbaren Sicherheit mitten auf dem Meer anfällt, findet man ihn in seiner gewaltigen Gestalt regungslos da – wie ein Kätzchen spielt er auf dem Ozean, als wäre es ein Ofen. Doch man erkennt trotzdem seine Kraft in diesen Spielen. Die breiten Flächen seines Schwanzes werden hoch in die Luft geschwungen; anschließend treffen sie auf die Meeresoberfläche – der donnernde Aufprall ist meilenweit zu hören. Man könnte fast meinen, eine große Kanone wäre abgefeuert worden. Wenn man außerdem den leichten Dampfring bemerkt, der aus den Kiemen am anderen Ende seines Körpers aufsteigt, könnte man meinen, das sei der Rauch aus dem Mündloch.
Fünftens: In der normalen Schwimmhaltung des Wals liegen die Schwanzflossen deutlich unterhalb der Höhe seines Rückens – daher sind sie vollständig unter der Wasseroberfläche verborgen. Doch wenn der Wal in die Tiefen tauchen will, werden seine gesamten Schwanzflossen zusammen mit mindestens dreißig Fuß seines Körpers in die Luft geschleudert. Sie bleiben dort für einen Moment in Bewegung, bevor sie wieder nach unten verschwinden. Abgesehen vom beeindruckenden Auftauchen des Wals – das an einer anderen Stelle beschrieben wird – ist dieses Hochschwingen der Schwanzflossen wohl das beeindruckendste Schauspiel in der ganzen Tierwelt. Aus den bodenlosen Tiefen scheint der gigantische Schwanz empor…
Page 412
Zuckend nach dem höchsten Himmel greifend – so habe ich in Träumen den majestätischen Satan gesehen, wie er seinen gequälten, kolossalen Klauen aus der Flammensee des Höllens Meeres hervorstieß. Doch beim Betrachten solcher Szenen hängt alles von der Stimmung ab, in der man sich befindet: Wenn man sich in einer dantesken Stimmung befindet, kommen einem die Teufel in den Sinn; wenn man sich in der Stimmung Jesajas befindet, dann die Erzengel. Als ich während eines Sonnenaufgangs, der Himmel und Meer in Rot tauchte, am Mast meines Schiffes stand, sah ich einmal eine große Herde Wale im Osten – alle zogen sie auf die Sonne zu und vibrierten für einen Moment im Einklang mit ihren Schwänzen. Meiner Ansicht nach wurde noch nie eine so großartige Darstellung der Anbetung der Götter gesehen – nicht einmal in Persien, dem Land der Feuergötzenanbeter. Wie Ptolemäus Philopator über den afrikanischen Elefanten aussagte, so bezeugte ich nun über den Wal, dass er das frommste aller Lebewesen sei. Denn laut König Juba begrüßten die Kriegselefanten der Antike oft den Morgen, indem sie ihre Rüssel in tiefstem Schweigen erhoben. Der Vergleich zwischen Wal und Elefant in diesem Kapitel – was einige Aspekte des Schwanzes des einen sowie des Rüssels des anderen betrifft – sollte nicht dazu dienen, diese beiden gegensätzlichen Organe auf eine Stufe zu stellen, geschweige denn die Lebewesen, denen sie jeweils angehören. Denn der mächtigste Elefant ist im Vergleich zu Leviathan nur ein Terrier – sein Rüssel ist im Vergleich zum Schwanz des Leviathans lediglich der Stiel einer Lilie. Der schlimmste Schlag mit dem Elefantenrüssel war im Vergleich zum unermesslichen Druck und Krachen der schweren Schwänze des Wals nur wie ein spielerisches Klopfen mit einem Fächer – wiederholt wurden ganze Boote samt Rudern und Besatzungen in die Luft geschleudert, genau wie ein indischer Jongleur seine Bälle wirft.*
*Obwohl jeder Vergleich bezüglich der Gesamtgröße zwischen Wal und Elefant unsinnig ist – schließlich steht der Elefant in dieser Hinsicht dem Wal in etwa so nahe wie ein Hund dem Elefanten – gibt es doch einige bemerkenswerte Ähnlichkeiten; darunter auch die „Spritzfontäne“. Es ist bekannt, dass der Elefant oft Wasser oder Staub in seinen Rüssel saugt und ihn anschließend in Form eines Strahls wieder ausspuckt. Je mehr ich diesen mächtigen Schwanz betrachte, desto mehr bedauere ich meine Unfähigkeit, ihn auszudrücken. Manchmal sind darin Gesten zu erkennen, die zwar die Hand des Menschen verschönern würden, aber völlig unerklärlich bleiben. In einer so großen Herde treten gelegentlich solche mystischen Gesten auf – ich habe Jäger gehört, die sie als ähnlich den Freimaurersymbolen bezeichneten.*
*Obwohl jeder Vergleich bezüglich der Gesamtgröße zwischen Wal und Elefant unsinnig ist – schließlich steht der Elefant in dieser Hinsicht dem Wal in etwa so nahe wie ein Hund dem Elefanten – gibt es doch einige bemerkenswerte Ähnlichkeiten; darunter auch die „Spritzfontäne“. Es ist bekannt, dass der Elefant oft Wasser oder Staub in seinen Rüssel saugt und ihn anschließend in Form eines Strahls wieder ausspuckt. Je mehr ich diesen mächtigen Schwanz betrachte, desto mehr bedauere ich meine Unfähigkeit, ihn auszudrücken. Manchmal sind darin Gesten zu erkennen, die zwar die Hand des Menschen verschönern würden, aber völlig unerklärlich bleiben. In einer so großen Herde treten gelegentlich solche mystischen Gesten auf – ich habe Jäger gehört, die sie als ähnlich den Freimaurersymbolen bezeichneten.*
Page 413
Symbole – der Wal führte tatsächlich auf diese Weise intelligente Gespräche mit der Welt. Auch andere Bewegungen des Wals in seinem ganzen Körper sind voller Seltsamkeit und unerklärlich für den erfahrensten Angreifer. So sehr ich ihn auch sezieren mag – ich komme nur bis zur Haut; ich kenne ihn nicht und werde ihn niemals kennen. Doch wenn ich nicht einmal den Schwanz dieses Wals kenne, wie soll ich dann seinen Kopf verstehen? Noch weniger kann ich sein Gesicht begreifen – schließlich hat er doch kein Gesicht. „Du wirst meine Rückenpartien, meinen Schwanz sehen“, scheint er zu sagen, „doch mein Gesicht wird nicht sichtbar sein.“ Doch ich kann seine Rückenpartien nicht vollständig erkennen; und egal, was er über sein Gesicht andeutet – ich sage wieder: Er hat kein Gesicht.
Page 414
KAPITEL 87. Die Große Armada
Die lange und schmale Halbinsel Malakka, die sich südöstlich von den Gebieten Birmas erstreckt, bildet den südlichsten Punkt ganz Asiens. In einer kontinuierlichen Linie von dieser Halbinsel aus erstrecken sich die großen Inseln Sumatra, Java, Bali und Timor; diese bilden zusammen mit vielen anderen Inseln eine Art Mauer oder Schutzwall, der Asien mit Australien verbindet und den endlosen Indischen Ozean von den dicht besetzten östlichen Archipelen trennt. Diese „Mauer“ weist mehrere Durchfahrten auf, die es Schiffen und Walen erleichtern, hindurchzukommen; besonders bemerkenswert sind dabei die Sunda- und Malakkastraße. Vor allem durch die Sundastraße gelangen Schiffe, die aus dem Westen nach China unterwegs sind, in die Chinesischen Meere.
Die engen Sundastraßen teilen Sumatra von Java ab; sie befinden sich mitten in diesem riesigen Inselwall und werden durch die grüne Landzunge gestützt, die von Seeleuten als „Java Head“ bezeichnet wird. Sie ähneln in gewisser Weise einem zentralen Eingang zu einem riesigen, von Mauern umgebenen Reich. Angesichts des unerschöpflichen Reichtums an Gewürzen, Seiden, Juwelen, Gold und Elfenbein, mit dem die tausend Inseln dieses östlichen Meeres gesegnet sind, scheint es ein bedeutender Entschluss der Natur zu sein, dass solche Schätze durch die Form der Landschaft zumindest den Anschein erwecken – auch wenn dieser Anschein nur trügerisch ist –, vor der gierigen westlichen Welt geschützt zu sein. An den Ufern der Sundastraße gibt es keine dominanten Festungen, wie sie die Eingänge zum Mittelmeer, zur Ostsee und zum Propontis schützen. Im Gegensatz zu den Dänen verlangen diese Orientalen nicht die unterwürfige Geste des Herunterlassen der Segel von den endlosen Schiffsreihen, die seit Jahrhunderten Tag und Nacht zwischen den Inseln Sumatra und Java unterwegs sind und wertvolle Frachten aus dem Osten transportieren. Doch obwohl sie auf solche Zeremonien verzichten, geben sie keineswegs ihre Forderung nach festlicher Tributzahlung auf.
Schon seit langem greifen die piratischen Boote der Malaien, die sich in den niedrigen, schattigen Buchten und Inseln Sumatras verstecken, die Schiffe an, die durch die Straße fahren, und fordern mit Drohungen Tribut. Obwohl sie durch wiederholte blutige Bestrafungen durch europäische Kriegsschiffe gezügelt wurden, bleibt die Dreistigkeit dieser Piraten weiterhin bestehen.
Die lange und schmale Halbinsel Malakka, die sich südöstlich von den Gebieten Birmas erstreckt, bildet den südlichsten Punkt ganz Asiens. In einer kontinuierlichen Linie von dieser Halbinsel aus erstrecken sich die großen Inseln Sumatra, Java, Bali und Timor; diese bilden zusammen mit vielen anderen Inseln eine Art Mauer oder Schutzwall, der Asien mit Australien verbindet und den endlosen Indischen Ozean von den dicht besetzten östlichen Archipelen trennt. Diese „Mauer“ weist mehrere Durchfahrten auf, die es Schiffen und Walen erleichtern, hindurchzukommen; besonders bemerkenswert sind dabei die Sunda- und Malakkastraße. Vor allem durch die Sundastraße gelangen Schiffe, die aus dem Westen nach China unterwegs sind, in die Chinesischen Meere.
Die engen Sundastraßen teilen Sumatra von Java ab; sie befinden sich mitten in diesem riesigen Inselwall und werden durch die grüne Landzunge gestützt, die von Seeleuten als „Java Head“ bezeichnet wird. Sie ähneln in gewisser Weise einem zentralen Eingang zu einem riesigen, von Mauern umgebenen Reich. Angesichts des unerschöpflichen Reichtums an Gewürzen, Seiden, Juwelen, Gold und Elfenbein, mit dem die tausend Inseln dieses östlichen Meeres gesegnet sind, scheint es ein bedeutender Entschluss der Natur zu sein, dass solche Schätze durch die Form der Landschaft zumindest den Anschein erwecken – auch wenn dieser Anschein nur trügerisch ist –, vor der gierigen westlichen Welt geschützt zu sein. An den Ufern der Sundastraße gibt es keine dominanten Festungen, wie sie die Eingänge zum Mittelmeer, zur Ostsee und zum Propontis schützen. Im Gegensatz zu den Dänen verlangen diese Orientalen nicht die unterwürfige Geste des Herunterlassen der Segel von den endlosen Schiffsreihen, die seit Jahrhunderten Tag und Nacht zwischen den Inseln Sumatra und Java unterwegs sind und wertvolle Frachten aus dem Osten transportieren. Doch obwohl sie auf solche Zeremonien verzichten, geben sie keineswegs ihre Forderung nach festlicher Tributzahlung auf.
Schon seit langem greifen die piratischen Boote der Malaien, die sich in den niedrigen, schattigen Buchten und Inseln Sumatras verstecken, die Schiffe an, die durch die Straße fahren, und fordern mit Drohungen Tribut. Obwohl sie durch wiederholte blutige Bestrafungen durch europäische Kriegsschiffe gezügelt wurden, bleibt die Dreistigkeit dieser Piraten weiterhin bestehen.
Page 415
war bis zu einem gewissen Grad unterdrückt worden; doch auch heute noch hören wir gelegentlich von englischen und amerikanischen Schiffen, die in diesen Gewässern rücksichtslos angegriffen und geplündert wurden. Mit einem kräftigen, frischen Wind näherte sich die Pequod nun diesen Meerengen; Ahab beabsichtigte, sie zu durchqueren, um ins Javasee zu gelangen, und von dort aus nach Norden zu segeln – über Gewässer, in denen bekanntermaßen immer wieder Schwertwale vorkamen. Anschließend sollte das Schiff an den Philippinen vorbei zur fernen Küste Japans gelangen, rechtzeitig für die große Walfangsaison dort. Auf diese Weise würde die Pequod fast alle bekannten Jagdgebiete für Schwertwale auf der Welt abfahren, bevor sie in den Pazifik gelangte. Dort hoffte Ahab, obwohl er anderswo bei seiner Jagd immer wieder gescheitert war, endlich gegen Moby Dick kämpfen zu können – im Meer, in dem dieser am häufigsten anzutreffen war – und zu einer Zeit, zu der man davon ausgehen konnte, dass er sich dort aufhielt. Doch wie ist es jetzt? Bei dieser umfangreichen Suche berührt Ahab kein Land? Trinkt seine Besatzung keine Luft? Sicherlich wird er anhalten, um Wasser zu holen. Nein. Schon seit langer Zeit bewegt sich die Sonne innerhalb ihres „feurigen Rings“ und benötigt keine Nahrung außer der, die in ihr selbst vorhanden ist. So auch Ahab. Merkt euch das auch bezüglich des Walfangschiffs: Während andere Schiffe mit fremden Gütern beladen sind, die auf ausländische Häfen transportiert werden müssen, trägt das um die Welt segelnde Walfangschiff nur sich selbst sowie seine Besatzung, ihre Waffen und ihre Bedürfnisse. In seinem geräumigen Laderaum befindet sich genug Wasser – klares, hochwertiges Wasser aus Nantucket. Nach drei Jahren auf See zieht es den Mann aus Nantucket im Pazifik vor, dieses Wasser zu trinken, anstatt salziges Wasser, das gestern in Fässern aus peruanischen oder indischen Flüssen herangeschafft wurde. Deshalb konnten andere Schiffe zwar von New York nach China fahren und wieder zurück, dabei an Dutzenden von Häfen anlegen – während das Walfangschiff in dieser Zeit keinen einzigen Bodenfleck zu sehen bekam; seine Besatzung sah keinen Menschen außer anderen Seeleuten, die genauso auf dem Meer unterwegs waren. Wenn man ihnen also mitteilte, dass wieder eine Flut gekommen sei, würden sie nur antworten: „Na, Jungs – da ist ja die Arche!“ Da viele Schwertwale vor der Westküste Javas, in der Nähe der Sundastraße, gefangen worden waren – und da das gesamte Gebiet in der Umgebung allgemein von den Fischern als hervorragender Ort für die Jagd angesehen wurde – wurden die Wächter auf der Pequod immer wieder dazu aufgefordert, besonders wachsam zu sein.
Page 416
Bleibt wachsam. Obwohl die grünen, palmengleichen Felsen des Landes bald am Steuerbord auftauchten und man mit Freude den frischen Zimtduft in der Luft wahrnahm, war kein einziger Wasserspritzer zu sehen. Fast schon bereit, auf die Hoffnung, hier auf Beutetiere zu stoßen, zu verzichten, hatte das Schiff bereits fast die Meerenge betreten, als von oben der übliche Jubelruf zu hören war – kurz darauf bot sich uns ein Anblick von außergewöhnlicher Pracht. Es sei jedoch vorweggenommen, dass die Spermwale aufgrund ihrer unermüdlichen Jagd über alle vier Ozeane in letzter Zeit statt in kleinen, getrennten Gruppen, wie früher, nun häufig in großen Herden anzutreffen sind; manchmal umfassen diese Herden eine solche Anzahl von Tieren, dass es fast so scheint, als hätten zahlreiche „Völker“ dieser Tiere einen feierlichen Pakt zur gegenseitigen Hilfe und Verteidigung geschlossen. Auf diese Ansammlung der Spermwale in solch riesigen Gruppen lässt sich zurückführen, dass man selbst in den besten Jagdgebieten manchmal wochen- oder monatelang segeln kann, ohne auf einen einzigen Wasserspritzer zu stoßen – nur um plötzlich von tausenden davon begrüßt zu werden. In einer Entfernung von etwa zwei bis drei Meilen, auf beiden Seiten des Schiffes und bildend einen großen Halbkreis, der die Hälfte des Horizonts einnahm, zeichnete sich eine endlose Kette von Wassersprüngen ab, die in der Mittagssonne funkelten. Im Gegensatz zu den senkrecht nach oben strebenden Wassersprüngen der Walrosse, die sich oben teilen und in zwei Richtungen abfallen, ähnlich den hängenden Zweigen eines Weidenbaums, bildet der einzelne, nach vorne geneigte Wasserspritz des Spermwals einen dicken, gewundenen Strahl aus weißem Nebel, der ständig nach Lee aufsteigt und wieder sinkt. Von der Brücke der Pequod aus, wo das Schiff wie auf einem hohen Hügel im Meer stand, sahen diese Dampfwasserspritzer, die einzeln in die Luft stiegen und durch eine blaue Dunstschicht sichtbar waren, aus wie die tausend fröhlichen Schornsteine einer großen Metropole, die an einem milden Herbstmorgen von einem Reiter auf einem Hügel aus gesehen werden. Genau wie Armeen, die sich einem feindlichen Durchgang in den Bergen nähern und ihren Marsch beschleunigen, um diesen gefährlichen Weg hinter sich zu lassen und anschließend wieder in relativer Sicherheit über die Ebene zu ziehen, schien auch diese riesige Flotte von Walen eilig durch die Meerenge zu eilen; allmählich verengten sie die „Flügel“ ihres Halbkreises und schwammen weiter, in einem einzigen, doch immer noch crescentförmigen Kern.
Page 417
Mit allen Segeln voll gesetzt, setzte die Pequod ihre Verfolgung fort; die Harpunenwerfer hielten ihre Waffen bereit und jubelten laut von den Spitzen ihrer noch im Wasser schwebenden Boote aus. Wenn nur der Wind anhielt, hatten sie kaum Zweifel daran, dass die riesige Flotte, die durch diese Sundastraße jagte, sich bald in den östlichen Meeren versammeln würde, um zu beobachten, wie viele von ihnen gefangen genommen wurden. Und wer konnte schon sagen, ob in dieser versammelten Flotte nicht sogar Moby Dick selbst vorübergehend schwimmen mochte – wie der verehrte weiße Elefant in der Krönungsprozession der Siamesen! So segelten wir weiter, mit immer mehr Segeln, und trieben diese Leviathane vor uns her; plötzlich war jedoch Tashtegos Stimme zu hören, der laut darauf aufmerksam machte, was sich hinter uns befand.
Gegenüber dem Halbmond vor uns sahen wir einen weiteren Halbmond hinter uns. Er schien aus weißen Dämpfen zu bestehen, die auf- und abstiegen – ähnlich wie die Ausstoßdüsen der Wale; nur verschwanden sie nicht ganz, sondern schwebten ständig dort, ohne endgültig zu verschwinden. Ahab richtete sein Teleskop auf diesen Anblick und drehte sich schnell um, während er rief: „Hoch da! Bereitet Peitschen und Eimer vor, um die Segel zu benetzen – Malayen, mir nach!“
Als hätten diese hinterhältigen Asiaten zu lange hinter den Landzungen gewartet, bis die Pequod endlich in die Straße einbog, verfolgten sie nun eifrig, um ihre übermäßige Vorsicht wiedergutzumachen. Doch als die schnelle Pequod mit frischem Wind selbst in die Verfolgung ging, war es wirklich nett von diesen „blassen Philanthropen“, ihr dabei zu helfen, ihren Weg fortzusetzen – schließlich waren es doch nur Peitschen und Ruder, die sie ihr zur Verfügung stellten. Mit dem Teleskop unter dem Arm lief Ahab auf dem Deck hin und her; beim Blick nach vorn sah er die Monster, die er verfolgte, und beim Blick nach hinten die blutrünstigen Piraten, die ihn verfolgten. Solche Gedanken gingen ihm durch den Kopf. Als er dann auf die grünen Wände des wasserreichen Engpasses blickte, durch den das Schiff gerade fuhr, und daran dachte, dass durch dieses Tor der Weg zu seiner Rache führte – und sah, dass er durch genau dieses Tor sowohl jagte als auch gejagt wurde, bis zum tödlichen Ende – und nicht nur das: eine Schar skrupelloser, wilder Piraten sowie unmenschlicher, atheistischer Teufel feuerten ihn mit ihren Flüchen an – da blieben Abahs Augenbrauen eingefallen und zerfurcht, wie der schwarze Sandstrand nach einem stürmischen Meeresschwung, der ihn zwar zerfressen hat, aber das Feste nicht aus seinem Platz reißen konnte.
Gegenüber dem Halbmond vor uns sahen wir einen weiteren Halbmond hinter uns. Er schien aus weißen Dämpfen zu bestehen, die auf- und abstiegen – ähnlich wie die Ausstoßdüsen der Wale; nur verschwanden sie nicht ganz, sondern schwebten ständig dort, ohne endgültig zu verschwinden. Ahab richtete sein Teleskop auf diesen Anblick und drehte sich schnell um, während er rief: „Hoch da! Bereitet Peitschen und Eimer vor, um die Segel zu benetzen – Malayen, mir nach!“
Als hätten diese hinterhältigen Asiaten zu lange hinter den Landzungen gewartet, bis die Pequod endlich in die Straße einbog, verfolgten sie nun eifrig, um ihre übermäßige Vorsicht wiedergutzumachen. Doch als die schnelle Pequod mit frischem Wind selbst in die Verfolgung ging, war es wirklich nett von diesen „blassen Philanthropen“, ihr dabei zu helfen, ihren Weg fortzusetzen – schließlich waren es doch nur Peitschen und Ruder, die sie ihr zur Verfügung stellten. Mit dem Teleskop unter dem Arm lief Ahab auf dem Deck hin und her; beim Blick nach vorn sah er die Monster, die er verfolgte, und beim Blick nach hinten die blutrünstigen Piraten, die ihn verfolgten. Solche Gedanken gingen ihm durch den Kopf. Als er dann auf die grünen Wände des wasserreichen Engpasses blickte, durch den das Schiff gerade fuhr, und daran dachte, dass durch dieses Tor der Weg zu seiner Rache führte – und sah, dass er durch genau dieses Tor sowohl jagte als auch gejagt wurde, bis zum tödlichen Ende – und nicht nur das: eine Schar skrupelloser, wilder Piraten sowie unmenschlicher, atheistischer Teufel feuerten ihn mit ihren Flüchen an – da blieben Abahs Augenbrauen eingefallen und zerfurcht, wie der schwarze Sandstrand nach einem stürmischen Meeresschwung, der ihn zwar zerfressen hat, aber das Feste nicht aus seinem Platz reißen konnte.
Page 418
Doch solche Gedanken beunruhigten nur sehr wenige der unbesonnenen Besatzungsmitglieder; und als die Pequod nach und nach die Piraten hinter sich ließ und schließlich an dem leuchtend grünen Cockatoo Point auf der Seite Sumatras vorbeifuhr und schließlich in die weiten Gewässer dahinter gelangte, schienen die Harpunenschützen eher traurig darüber zu sein, dass die schnellen Wale dem Schiff näher kamen, als froh darüber, dass das Schiff die Malaien so siegreich überwunden hatte. Doch obwohl sie weiterhin den Walen folgten, schienen diese allmählich an Geschwindigkeit zu verlieren; allmählich näherte sich das Schiff ihnen, und da der Wind nachließ, wurde der Befehl gegeben, in die Boote zu steigen. Doch kaum hatten die Wale durch irgendeinen seltsamen Instinkt des Spermawals von den drei Booten erfahren – obwohl diese noch eine Meile hinter ihnen waren –, sammelten sie sich wieder, bildeten enge Reihen und Züge, sodass ihre Fontänen wie Reihe um Reihe von Bajonetten aussahen, und setzten ihre Fahrt mit verdoppelter Geschwindigkeit fort.
Wir zogen uns bis auf Hemd und Unterhose aus, sprangen in die Boote und nach mehreren Stunden des Ruderns waren wir fast bereit, die Verfolgung aufzugeben – doch plötzliche Unruhe unter den Walen zeigte an, dass sie nun endlich von jener seltsamen Unentschlossenheit ergriffen wurden. Wenn Fischer dies bei einem Wal feststellen, sagen sie, er sei „verwirrt“. Die kompakten militärischen Formationen, in denen sie bisher schnell und gleichmäßig geschwommen waren, zerfielen nun in völliges Chaos; und wie König Porus’ Elefanten in der Schlacht gegen Alexander schienen auch sie vor Entsetzen verrückt zu werden. Sie breiteten sich in alle Richtungen aus, schwammen ziellos hin und her – durch ihre kurzen, dicken Fontänen zeigten sie deutlich ihre Panik. Noch seltsamer war das Verhalten einiger von ihnen, die völlig gelähmt zu sein schienen und hilflos wie gesunkene Schiffe auf dem Meer trieben. Wären diese Leviathanen nur eine Herde einfacher Schafe gewesen, die von drei wilden Wölfen durch die Weide gejagt wurden, hätten sie niemals eine solche Furcht zeigen können. Doch diese gelegentliche Feigheit ist typisch für fast alle Herdentiere. Auch die Löwenmähnigen Büffel des Westens fliehen vor einem einzelnen Reiter, obwohl sie in Zehntausenden zusammenleben. Seht auch alle Menschen an: Wenn sie im Theater in einer Herde zusammengepfercht sind, stürmen sie beim geringsten Anzeichen von Gefahr in Panik zu den Ausgängen, drängeln sich, treten aufeinander ein, quetschen sich gegenseitig und töten sich rücksichtslos. Deshalb solltet ihr keine Überraschung über die seltsam „verwirrten“ Wale vor uns zeigen – denn es gibt keine Dummheit, die…
Wir zogen uns bis auf Hemd und Unterhose aus, sprangen in die Boote und nach mehreren Stunden des Ruderns waren wir fast bereit, die Verfolgung aufzugeben – doch plötzliche Unruhe unter den Walen zeigte an, dass sie nun endlich von jener seltsamen Unentschlossenheit ergriffen wurden. Wenn Fischer dies bei einem Wal feststellen, sagen sie, er sei „verwirrt“. Die kompakten militärischen Formationen, in denen sie bisher schnell und gleichmäßig geschwommen waren, zerfielen nun in völliges Chaos; und wie König Porus’ Elefanten in der Schlacht gegen Alexander schienen auch sie vor Entsetzen verrückt zu werden. Sie breiteten sich in alle Richtungen aus, schwammen ziellos hin und her – durch ihre kurzen, dicken Fontänen zeigten sie deutlich ihre Panik. Noch seltsamer war das Verhalten einiger von ihnen, die völlig gelähmt zu sein schienen und hilflos wie gesunkene Schiffe auf dem Meer trieben. Wären diese Leviathanen nur eine Herde einfacher Schafe gewesen, die von drei wilden Wölfen durch die Weide gejagt wurden, hätten sie niemals eine solche Furcht zeigen können. Doch diese gelegentliche Feigheit ist typisch für fast alle Herdentiere. Auch die Löwenmähnigen Büffel des Westens fliehen vor einem einzelnen Reiter, obwohl sie in Zehntausenden zusammenleben. Seht auch alle Menschen an: Wenn sie im Theater in einer Herde zusammengepfercht sind, stürmen sie beim geringsten Anzeichen von Gefahr in Panik zu den Ausgängen, drängeln sich, treten aufeinander ein, quetschen sich gegenseitig und töten sich rücksichtslos. Deshalb solltet ihr keine Überraschung über die seltsam „verwirrten“ Wale vor uns zeigen – denn es gibt keine Dummheit, die…
Page 419
Die Tiere der Erde werden durch die Wahnsinnstaten der Menschen nicht unendlich übertroffen. Obwohl viele Wale, wie bereits erwähnt, sich heftig bewegten, ist zu beachten, dass die Herde insgesamt weder vorwärts noch rückwärts ging, sondern gemeinsam an einem Ort blieb. Wie es in solchen Fällen üblich ist, trennten sich die Boote sofort und steuerten jeweils auf einen einzelnen Wal am Rande der Herde zu. Nach etwa drei Minuten wurde Queequegs Harpunenpfeil geworfen; der getroffene Wal spritzte blendenden Schaum vor unsere Gesichter und floh anschließend mit großer Geschwindigkeit geradewegs ins Herz der Herde. Obwohl ein solches Verhalten des Wals unter solchen Umständen keineswegs neu ist – und tatsächlich fast immer mehr oder weniger erwartet wird – stellt es doch eine der gefährlichsten Situationen bei der Waljagd dar. Denn während das schnelle Ungeheuer einen immer tiefer in die wilde Herde zieht, muss man auf ein vorsichtiges Handeln verzichten und existiert nur noch in einem delirischen Zustand. Blind und taub stürmte der Wal vorwärts, als wolle er sich allein durch seine Geschwindigkeit von dem „eisernen Saugtier“ befreien, das sich an ihm festgebissen hatte. Während wir so eine weiße Spur im Meer hinterließen, waren wir von allen Seiten von den verrückt gewordenen Tieren bedroht, die um uns herum herumwirbelten. Unser umzingeltes Boot glich einem Schiff, das in einem Sturm von Eisinseln umgeben ist und versucht, sich durch ihre komplizierten Kanäle und Engpässe zu manövrieren – ohne zu wissen, in welchem Moment es eingeschlossen und zerdrückt werden könnte. Doch Queequeg ließ sich keineswegs entmutigen und steuerte mutig unser Boot; mal wich er diesem Monster direkt aus, das unseren Weg blockierte, mal entfernte er sich von jenem, dessen riesige Schwanzflossen über uns hingen. Die ganze Zeit über stand Starbuck am Bug, mit einer Lanze in der Hand, und stach mit kurzen Pfeilen alles weg, was er erreichen konnte – schließlich blieb keine Zeit für längere Pfeile. Auch die Ruderer waren nicht untätig, obwohl ihre übliche Aufgabe nun völlig überflüssig war. Sie kümmerten sich hauptsächlich um das Schreien. „Aus dem Weg, Kommodore!“, rief einer zu einem großen Wal, der plötzlich an die Oberfläche kam und kurz darauf drohte, uns zu ertränken. „Senk deinen Schwanz runter!“, rief ein anderer zu einem weiteren Wal, der ganz in der Nähe unseres Bootes zu sein schien und sich ruhig mit seinem fächerartigen Schwanzende abkühlte. Alle Walboote sind mit bestimmten, seltsamen Geräten ausgestattet, die ursprünglich von den Indianern von Nantucket erfunden wurden und „Druggs“ genannt werden. Zwei dicke Holzbretter gleicher Größe…
Page 420
Die Enden sind fest zusammengepresst, sodass sie sich in rechtem Winkel überschneiden; anschließend wird ein ziemlich langer Faden in die Mitte dieses Blocks befestigt. Das andere Ende des Fadens wird zu einem Loop gebogen und kann sofort an einen Harpunenpfeil befestigt werden. Dieses Gerät wird hauptsächlich bei Waljagden eingesetzt – schließlich befinden sich dann mehr Wale in der Nähe, als man auf einmal jagen kann. Bei Zwergwalen ist das jedoch nicht alltäglich; wenn man sie doch antreffen sollte, muss man so viele wie möglich töten. Falls man sie nicht alle auf einmal töten kann, muss man sie verletzen, damit man sie später in Ruhe erlegen kann. Deshalb wird in solchen Situationen dieses Gerät benötigt. Unser Boot war mit drei solchen Geräten ausgestattet. Der erste und zweite Pfeil wurden erfolgreich eingesetzt – wir sahen, wie die Wale unter dem enormen Widerstand der Ankerleine taumelnd davonliefen. Sie waren wie Verbrecher durch die Kette und den Ball gefesselt. Doch beim Werfen des dritten Pfeils, während der unhandliche Holzblock ins Wasser geworfen wurde, verfing sich dieser unter einem der Sitzplätze im Boot und riss ihn augenblicklich heraus – dadurch fiel der Ruderer auf den Boden des Bootes. Von beiden Seiten strömte Meerwasser in die beschädigten Planken ein, doch wir stopften zwei oder drei Schubladen sowie Hemden hinein und stoppten so vorübergehend die Lecks. Es wäre fast unmöglich gewesen, diese mit Gift präparierten Harpunen einzusetzen, wenn nicht unser Weg durch die Herde immer enger geworden wäre – außerdem schienen die schrecklichen Unruhen je weiter wir uns vom Zentrum der Bewegung entfernten, abzunehmen. Als schließlich der Harpunenpfeil gezogen wurde und der angebundene Wal seitwärts verschwand, glitten wir dank der nachlassenden Kraft seines Impulses zwischen zwei Walen in das Herz der Herde – als wären wir von einem Gebirgsbach in einen ruhigen Talsee gelangt. Hier waren die Stürme in den tobenden Bereichen zwischen den äußersten Walen zwar zu hören, aber nicht zu spüren. In diesem zentralen Bereich zeigte das Meer eine glatte, satinförmige Oberfläche – verursacht durch die feinen Feuchtigkeitströpfchen, die die Wale in ruhigeren Momenten abgeben. Ja, wir befanden uns nun in jener zauberhaften Ruhe, von der man sagt, sie lauere im Herzen jeder Unruhe. Im fernen Hintergrund sahen wir weiterhin die Unruhen in den äußeren Kreisen – Gruppen von acht bis zehn Walen, die schnell im Kreis fuhren, wie zahlreiche Pferde in einem Ring; sie standen so dicht beieinander, dass ein Zirkuskünstler mühelos über die mittleren Wale hinwegklettern und auf ihrem Rücken weiterfahren könnte. Aufgrund der Dichte der Wale, die direkt um die Achse der Herde herumstanden, war es…
Page 421
Die einzige mögliche Fluchtmöglichkeit stand uns derzeit zur Verfügung. Wir mussten nach einer Lücke in der lebenden Mauer Ausschau halten, die uns einengte – jener Mauer, die uns nur deshalb eingelassen hatte, um uns anschließend einzusperren. Indem wir uns im Zentrum des Sees aufhielten, wurden wir gelegentlich von kleinen, zahmen Kühen und Kalben besucht – den Frauen und Kindern dieser Herde.
Einschließlich der gelegentlichen großen Abstände zwischen den sich drehenden äußeren Kreisen sowie der Räume zwischen den verschiedenen Gruppen innerhalb dieser Kreise muss die gesamte Fläche an dieser Stelle, die von der ganzen Menge eingenommen wurde, mindestens zwei bis drei Quadratmeilen umfasst haben. Auf jeden Fall – obwohl ein solcher Test zu dieser Zeit täuschend sein könnte – konnten wir aus unserem niedrigen Boot heraus Ausbrüche von Wasser erkennen, die fast bis an den Horizont reichten. Ich erwähne diese Umstände, weil es schien, als wären die Kühe und Kalben absichtlich in diesem innersten Bereich eingesperrt worden; und als hätte die große Ausdehnung der Herde bisher verhindert, dass sie den genauen Grund für ihre Gefangenschaft erkannten. Oder vielleicht waren sie einfach noch zu jung, unerfahren und völlig unschuldig. Wie auch immer: Diese kleineren Wale, die von Zeit zu Zeit unser festgefahrenes Boot am Ufer des Sees besuchten, zeigten eine erstaunliche Furchtlosigkeit und Selbstvertrauen – oder aber eine noch größere Panik, vor der man nicht umhin konnte, Bewunderung zu empfinden. Wie Haushundewelpen kamen sie um uns herum, direkt bis zu unseren Bootswänden, und berührten sie – es schien fast, als hätte ein Zauber sie plötzlich zahm gemacht. Queequeg streichelte ihre Stirnen; Starbuck kratzte ihnen mit seiner Lanze den Rücken – doch aus Angst vor den Folgen verzichtete er vorerst darauf, damit zuzustechen.
Doch weit unter dieser wunderbaren Welt an der Oberfläche lag eine weitere, noch seltsamere Welt, die unser Blick erfasste, als wir über die Seite blickten. Denn in diesen wassergefüllten Räumen trieben die Körper der säugenden Mütter der Wale – sowie jener Tiere, die aufgrund ihrer enormen Größe bald Mütter werden würden. Der See war, wie ich bereits erwähnt habe, in beträchtlicher Tiefe äußerst durchsichtig. Genau wie menschliche Säuglinge beim Stillen ruhig und starr in eine andere Richtung blicken, als würden sie gleichzeitig zwei verschiedene Leben führen – und während sie noch irdische Nahrung zu sich nehmen, geistig bereits an etwas Überirdischem teilhaben – so schienen auch die Jungen dieser Wale zu uns aufzublicken, ohne uns wirklich wahrzunehmen, als wären wir in ihren neugeborenen Augen nur ein winziger Bestandteil der Umgebung. Die Mütter, die auf der Seite trieben, schienen uns ebenfalls ruhig zu beobachten. Eines dieser kleinen Jungtiere, das nach bestimmten Anzeichen kaum einen Tag alt zu sein schien, maß wohl etwa vierzehn Fuß Länge.
Einschließlich der gelegentlichen großen Abstände zwischen den sich drehenden äußeren Kreisen sowie der Räume zwischen den verschiedenen Gruppen innerhalb dieser Kreise muss die gesamte Fläche an dieser Stelle, die von der ganzen Menge eingenommen wurde, mindestens zwei bis drei Quadratmeilen umfasst haben. Auf jeden Fall – obwohl ein solcher Test zu dieser Zeit täuschend sein könnte – konnten wir aus unserem niedrigen Boot heraus Ausbrüche von Wasser erkennen, die fast bis an den Horizont reichten. Ich erwähne diese Umstände, weil es schien, als wären die Kühe und Kalben absichtlich in diesem innersten Bereich eingesperrt worden; und als hätte die große Ausdehnung der Herde bisher verhindert, dass sie den genauen Grund für ihre Gefangenschaft erkannten. Oder vielleicht waren sie einfach noch zu jung, unerfahren und völlig unschuldig. Wie auch immer: Diese kleineren Wale, die von Zeit zu Zeit unser festgefahrenes Boot am Ufer des Sees besuchten, zeigten eine erstaunliche Furchtlosigkeit und Selbstvertrauen – oder aber eine noch größere Panik, vor der man nicht umhin konnte, Bewunderung zu empfinden. Wie Haushundewelpen kamen sie um uns herum, direkt bis zu unseren Bootswänden, und berührten sie – es schien fast, als hätte ein Zauber sie plötzlich zahm gemacht. Queequeg streichelte ihre Stirnen; Starbuck kratzte ihnen mit seiner Lanze den Rücken – doch aus Angst vor den Folgen verzichtete er vorerst darauf, damit zuzustechen.
Doch weit unter dieser wunderbaren Welt an der Oberfläche lag eine weitere, noch seltsamere Welt, die unser Blick erfasste, als wir über die Seite blickten. Denn in diesen wassergefüllten Räumen trieben die Körper der säugenden Mütter der Wale – sowie jener Tiere, die aufgrund ihrer enormen Größe bald Mütter werden würden. Der See war, wie ich bereits erwähnt habe, in beträchtlicher Tiefe äußerst durchsichtig. Genau wie menschliche Säuglinge beim Stillen ruhig und starr in eine andere Richtung blicken, als würden sie gleichzeitig zwei verschiedene Leben führen – und während sie noch irdische Nahrung zu sich nehmen, geistig bereits an etwas Überirdischem teilhaben – so schienen auch die Jungen dieser Wale zu uns aufzublicken, ohne uns wirklich wahrzunehmen, als wären wir in ihren neugeborenen Augen nur ein winziger Bestandteil der Umgebung. Die Mütter, die auf der Seite trieben, schienen uns ebenfalls ruhig zu beobachten. Eines dieser kleinen Jungtiere, das nach bestimmten Anzeichen kaum einen Tag alt zu sein schien, maß wohl etwa vierzehn Fuß Länge.
Page 422
Und er hatte einen Umfang von etwa sechs Fuß. Er war etwas unruhig; doch schien sein Körper noch nicht ganz von dieser lästigen Position erholt zu sein, die er kürzlich noch im Mutterleib eingenommen hatte – dort lag der ungeborene Wal, Schwanz zum Kopf hin, bereit für den letzten Sprung, gebogen wie ein tatarischer Bogen. Die zarten Seitenflossen sowie die Flächen seiner Flosse behielten noch immer das geflochtene, zerknitterte Aussehen von Babys Ohren, die gerade aus fernen Ländern angekommen waren.
„Leine! Leine!“, rief Queequeg und blickte über die Reling. „Fasst ihn fest! Wer hat ihn getroffen? Zwei Wale – einer groß, einer klein!“
„Was ist los mit dir, Mann?“, rief Starbuck.
„Schaut hier“, sagte Queequeg und zeigte nach unten.
Genau wie der getroffene Wal, der Hunderte von Fadenlängen Seil aus dem Boot gezogen hat; genauso, wie er nach einer tiefen Messung wieder an die Oberfläche kommt und die lockere, sich windende Leine sichtbar wird, die nach oben spiralförmig steigt – so sah Starbuck nun lange Windungen des Nabelschnurstrangs von Madame Leviathan, an dem das junge Kalb offenbar noch mit seiner Mutter verbunden war. In den schnellen Veränderungen der Jagd verwickelt sich diese natürliche Leine, deren Mutterende locker ist, oft in die Hanfleine, wodurch das Kalb gefangen wird.
Einige der feinsten Geheimnisse der Meere schienen uns in diesem „verzauberten Teich“ offenbart zu werden. Wir sahen die Liebesbeziehungen des jungen Leviathans in den Tiefen.*
*Der Walspecht, wie alle anderen Arten der Leviathane, aber im Gegensatz zu den meisten anderen Fischen, brütet zu jeder Jahreszeit; nach einer Tragzeit von wohl neun Monaten bringt er jeweils nur ein Junges zur Welt; in einigen bekannten Fällen jedoch auch zwei – eine Situation, die durch zwei Zitzen, die seltsamerweise auf jeder Seite des Anus liegen, bewältigt wird; die Brüste selbst erstrecken sich von dort nach oben. Wenn zufällig diese wertvollen Teile bei einem säugenden Wal durch die Lanze des Jägers verletzt werden, färben das heraussprudelnde Milch und Blut das Meer über große Entfernungen hinweg. Die Milch ist sehr süß und reichhaltig; sie wurde bereits vom Menschen probiert; sie würde gut zu Erdbeeren passen. Wenn die Wale voller gegenseitiger Achtung sind, grüßen sie auf menschliche Weise.*
Und so, obwohl sie von Kreis um Kreis an Ängsten und Sorgen umgeben waren, genossen diese unergründlichen Kreaturen in ihrer Mitte frei und furchtlos alle friedlichen Freuden – ja, sie genossen ruhig die Zärtlichkeit und Freude. Doch selbst so, mitten im tobenden Atlantik meines Daseins, genieße ich weiterhin in stummer Ruhe das Leben – während die schweren Planeten…
„Leine! Leine!“, rief Queequeg und blickte über die Reling. „Fasst ihn fest! Wer hat ihn getroffen? Zwei Wale – einer groß, einer klein!“
„Was ist los mit dir, Mann?“, rief Starbuck.
„Schaut hier“, sagte Queequeg und zeigte nach unten.
Genau wie der getroffene Wal, der Hunderte von Fadenlängen Seil aus dem Boot gezogen hat; genauso, wie er nach einer tiefen Messung wieder an die Oberfläche kommt und die lockere, sich windende Leine sichtbar wird, die nach oben spiralförmig steigt – so sah Starbuck nun lange Windungen des Nabelschnurstrangs von Madame Leviathan, an dem das junge Kalb offenbar noch mit seiner Mutter verbunden war. In den schnellen Veränderungen der Jagd verwickelt sich diese natürliche Leine, deren Mutterende locker ist, oft in die Hanfleine, wodurch das Kalb gefangen wird.
Einige der feinsten Geheimnisse der Meere schienen uns in diesem „verzauberten Teich“ offenbart zu werden. Wir sahen die Liebesbeziehungen des jungen Leviathans in den Tiefen.*
*Der Walspecht, wie alle anderen Arten der Leviathane, aber im Gegensatz zu den meisten anderen Fischen, brütet zu jeder Jahreszeit; nach einer Tragzeit von wohl neun Monaten bringt er jeweils nur ein Junges zur Welt; in einigen bekannten Fällen jedoch auch zwei – eine Situation, die durch zwei Zitzen, die seltsamerweise auf jeder Seite des Anus liegen, bewältigt wird; die Brüste selbst erstrecken sich von dort nach oben. Wenn zufällig diese wertvollen Teile bei einem säugenden Wal durch die Lanze des Jägers verletzt werden, färben das heraussprudelnde Milch und Blut das Meer über große Entfernungen hinweg. Die Milch ist sehr süß und reichhaltig; sie wurde bereits vom Menschen probiert; sie würde gut zu Erdbeeren passen. Wenn die Wale voller gegenseitiger Achtung sind, grüßen sie auf menschliche Weise.*
Und so, obwohl sie von Kreis um Kreis an Ängsten und Sorgen umgeben waren, genossen diese unergründlichen Kreaturen in ihrer Mitte frei und furchtlos alle friedlichen Freuden – ja, sie genossen ruhig die Zärtlichkeit und Freude. Doch selbst so, mitten im tobenden Atlantik meines Daseins, genieße ich weiterhin in stummer Ruhe das Leben – während die schweren Planeten…
Page 423
Unendliches Leid umgibt mich – tief unten und im Inneren dort badete ich noch immer in ewiger Freude. Während wir so versunken waren, zeigten gelegentliche, plötzliche Szenen in der Ferne die Aktivitäten der anderen Boote: Sie versuchten weiterhin, die Wale am Rande des Rudels zu betäuben – oder führten vielleicht den Kampf bereits innerhalb des ersten Kreises, wo ihnen genügend Platz sowie geeignete Verstecke zur Verfügung standen. Doch das Bild der wütenden, betäubten Wale, die nun blindlings hin und her sprangen, war nichts im Vergleich zu dem, was uns schließlich geboten wurde. Manchmal ist es üblich, bei einem besonders starken und wachsamem Wal versuchen, ihn zu lähmen, indem man seine riesigen Schwanzsehnen durchtrennt oder verstümmelt. Dazu wird ein Spaten mit kurzer Handgriff verwendet, an dem ein Seil befestigt ist, um ihn wieder zurückziehen zu können. Ein Wal, der in diesem Bereich verletzt wurde – doch anscheinend nicht schwer genug –, hatte sich vom Boot losgerissen und dabei die Hälfte der Harpunenschnur mitgenommen. Infolge der extremen Schmerzen stürmte er nun wie der einsame, verzweifelte Krieger Arnold in der Schlacht von Saratoga durch die Kreise und säte überall Entsetzen. Doch so qualvoll diese Verletzung auch war und so schrecklich dieses Schauspiel auch erschien – der besondere Schrecken, den dieser Wal auf den Rest des Rudels ausübte, rührte von einem Grund her, der uns zunächst aufgrund der Entfernung verborgen blieb. Schließlich erkannten wir, dass dieser Wal durch einen unglaublichen Zufall der Fischerei in die Harpunenschnur geraten war, die er mit sich zog; außerdem hatte er den Spaten bei sich behalten. Während das freie Ende des Seils an diesem Werkzeug permanent in den Windungen der Harpunenschnur um seinen Schwanz hängen blieb, hatte sich der Spaten selbst aus seinem Fleisch gelöst. So wurde er in den Wahnsinn getrieben: Er wirbelte durch das Wasser, schwang wild mit seinem flexiblen Schwanz um sich und warf den scharfen Spaten umher, wodurch er seine eigenen Artgenossen verletzte und tötete. Dieses schreckliche Bild schien das ganze Rudel aus seiner Starre zu wecken. Zuerst begannen die Wale am Rand unseres „Sees“ sich etwas zu drängen und gegeneinander zu stoßen, als würden sie von Wellen aus der Ferne angehoben. Dann begann der See selbst leicht zu wellen und anzuschwellen; die unterseeischen „Bruthöhlen“ verschwanden. In immer enger werdenden Kreisen begannen die Wale in den zentraleren Bereichen immer schneller zu schwimmen.
Page 424
Cluster. Ja, die lange Ruhe ging zu Ende. Bald war ein leises, näher kommendes Summen zu hören; dann, wie bei den tobenden Massen aus Eisblöcken, wenn der große Fluss Hudson im Frühjahr zerspringt, stürmte die ganze Schar der Wale auf ihren gemeinsamen Mittelpunkt zu, als wollten sie sich zu einem einzigen Berg stapeln. Sofort tauschten Starbuck und Queequeg die Plätze; Starbuck übernahm das Ruder.
„Ruder! Ruder!“, flüsterte er eindringlich und ergriff das Steuer – „haltet eure Ruder fest und klammert euch an eure Seelen! Mein Gott, Männer, seid bereit! Stoßt ihn weg, du Queequeg – diesen Wal da! Stich zu! Schlag zu! Steht auf – bleibt so stehen! Zieht, Männer; kümmert euch nicht um ihre Rücken – reibt daran herum!“
Das Boot war nun fast zwischen zwei riesigen schwarzen Massen eingeklemmt, wodurch nur eine enge Lücke zwischen ihren langen Körpern blieb. Doch durch verzweifelte Anstrengungen schafften wir es schließlich, in eine vorübergehende Öffnung zu gelangen; anschließend gaben wir schnell wieder Gas und achteten gleichzeitig darauf, einen weiteren Ausweg zu finden. Nach vielen ähnlichen knappen Entkommenen glitten wir schließlich schnell in einen Bereich, der zuvor noch zu den äußeren Kreisen gehört hatte, doch jetzt von wild durcheinanderfliegenden Walen durchzogen war, die alle mit großer Geschwindigkeit auf einen gemeinsamen Punkt zustrebten. Diese glückliche Rettung wurde teuer erkauft: Queequegs Hut ging verloren – während er am Bug stand, um die fliehenden Wale anzustechen, wurde ihm sein Hut vom Luftstrom, der durch das plötzliche Aufwirbeln zweier breiter Flossen in der Nähe entstand, völlig vom Kopf gerissen.
So chaotisch und unordentlich die allgemeine Unruhe auch war, entwickelte sie sich bald zu einer scheinbar systematischen Bewegung; denn nachdem sie sich schließlich zu einem dichten Kollektiv zusammengeschlossen hatten, setzten sie ihren Flug mit noch größerer Geschwindigkeit fort. Eine weitere Verfolgung war nutzlos; doch die Boote blieben weiterhin in ihrer Spur, um eventuell betäubte Wale aufzufischen, die zurückgelassen worden waren, sowie um den Wal zu sichern, den Flask getötet hatte. Ein „Waif“ ist ein mit einer Flagge versehener Pfahl, von dem jedes Boot zwei oder drei besitzt; wenn sich weitere Beutetiere in der Nähe befinden, werden diese senkrecht in den schwimmenden Körper eines toten Wals gesteckt, sowohl um seinen Standort auf dem Meer zu markieren als auch als Zeichen des Vorbehaltsrechts, falls die Boote eines anderen Schiffes nahe kommen sollten.
Das Ergebnis dieser Bemühungen zeigte in gewisser Weise die weise Redewendung aus der Fischerei wider – je mehr Wale, desto weniger Fische. Von allen betäubten Walen wurde nur einer gefangen. Die Restlichen schafften es vorerst zu entkommen.
„Ruder! Ruder!“, flüsterte er eindringlich und ergriff das Steuer – „haltet eure Ruder fest und klammert euch an eure Seelen! Mein Gott, Männer, seid bereit! Stoßt ihn weg, du Queequeg – diesen Wal da! Stich zu! Schlag zu! Steht auf – bleibt so stehen! Zieht, Männer; kümmert euch nicht um ihre Rücken – reibt daran herum!“
Das Boot war nun fast zwischen zwei riesigen schwarzen Massen eingeklemmt, wodurch nur eine enge Lücke zwischen ihren langen Körpern blieb. Doch durch verzweifelte Anstrengungen schafften wir es schließlich, in eine vorübergehende Öffnung zu gelangen; anschließend gaben wir schnell wieder Gas und achteten gleichzeitig darauf, einen weiteren Ausweg zu finden. Nach vielen ähnlichen knappen Entkommenen glitten wir schließlich schnell in einen Bereich, der zuvor noch zu den äußeren Kreisen gehört hatte, doch jetzt von wild durcheinanderfliegenden Walen durchzogen war, die alle mit großer Geschwindigkeit auf einen gemeinsamen Punkt zustrebten. Diese glückliche Rettung wurde teuer erkauft: Queequegs Hut ging verloren – während er am Bug stand, um die fliehenden Wale anzustechen, wurde ihm sein Hut vom Luftstrom, der durch das plötzliche Aufwirbeln zweier breiter Flossen in der Nähe entstand, völlig vom Kopf gerissen.
So chaotisch und unordentlich die allgemeine Unruhe auch war, entwickelte sie sich bald zu einer scheinbar systematischen Bewegung; denn nachdem sie sich schließlich zu einem dichten Kollektiv zusammengeschlossen hatten, setzten sie ihren Flug mit noch größerer Geschwindigkeit fort. Eine weitere Verfolgung war nutzlos; doch die Boote blieben weiterhin in ihrer Spur, um eventuell betäubte Wale aufzufischen, die zurückgelassen worden waren, sowie um den Wal zu sichern, den Flask getötet hatte. Ein „Waif“ ist ein mit einer Flagge versehener Pfahl, von dem jedes Boot zwei oder drei besitzt; wenn sich weitere Beutetiere in der Nähe befinden, werden diese senkrecht in den schwimmenden Körper eines toten Wals gesteckt, sowohl um seinen Standort auf dem Meer zu markieren als auch als Zeichen des Vorbehaltsrechts, falls die Boote eines anderen Schiffes nahe kommen sollten.
Das Ergebnis dieser Bemühungen zeigte in gewisser Weise die weise Redewendung aus der Fischerei wider – je mehr Wale, desto weniger Fische. Von allen betäubten Walen wurde nur einer gefangen. Die Restlichen schafften es vorerst zu entkommen.
Page 425
nur von einem anderen Schiff als der Pequod aufgenommen werden zu können, wie später zu sehen sein wird.
Page 426
KAPITEL 88. Schulen und Lehrer der Wale
Im vorherigen Kapitel wurde von einer riesigen Ansammlung von Spermwalen berichtet, und es wurden auch die wahrscheinlichen Gründe für diese großen Gruppen genannt. Zwar treten solche großen Gruppen manchmal auf, doch wie bereits erwähnt, werden auch heute noch gelegentlich kleinere Gruppen beobachtet, die jeweils aus zwanzig bis fünfzig Tieren bestehen. Solche Gruppen werden als „Schulen“ bezeichnet. Im Allgemeinen gibt es zwei Arten solcher Schulen: solche, die fast ausschließlich aus Weibchen bestehen, sowie solche, die nur junge, kräftige Männchen umfassen. Bei solchen Gruppen von Weibchen ist stets ein vollwertig erwachsener, aber noch nicht alter Männchen dabei – dieser zeigt bei jeder Bedrohung seine Tapferkeit, indem er hinter den Weibchen schwimmt und deren Flucht schützt. Tatsächlich handelt es sich bei diesem Männchen um einen „luxuriösen Osmanen“, der in der Welt des Wassers schwimmt und dabei von allen Annehmlichkeiten des Harems umgeben ist. Der Kontrast zwischen diesem Männchen und seinen Konkubinen ist auffällig: während das Männchen stets die größten Abmessungen hat, sind die Weibchen selbst im vollen Wachstum nicht mehr als ein Drittel so groß wie ein durchschnittlich großer Männchen. Sie sind tatsächlich ziemlich zart – ich würde sagen, ihre Taille misst höchstens eine halbe Meile. Dennoch kann man nicht leugnen, dass sie insgesamt aufgrund ihrer Veranlagung ein attraktives Aussehen haben. Es ist sehr interessant, diesen Harem sowie seinen Anführer bei ihren trägen Wanderungen zu beobachten. Wie Modebewusste sind sie ständig auf der Suche nach Abwechslung. Man trifft sie in der Äquatorregion zur Blütezeit der Nahrungsbeschaffung – vielleicht gerade zurückgekehrt vom Sommer in den nördlichen Meeren, um so der Unannehmlichkeit der Hitze zu entgehen. Nachdem sie eine Weile entlang der Äquatorpromenade geschwommen sind, machen sie sich auf den Weg in die östlichen Gewässer, um der dortigen Kühle entgegenzukommen und so weiterer extrem hoher Temperaturen aus dem Weg zu gehen.
Im vorherigen Kapitel wurde von einer riesigen Ansammlung von Spermwalen berichtet, und es wurden auch die wahrscheinlichen Gründe für diese großen Gruppen genannt. Zwar treten solche großen Gruppen manchmal auf, doch wie bereits erwähnt, werden auch heute noch gelegentlich kleinere Gruppen beobachtet, die jeweils aus zwanzig bis fünfzig Tieren bestehen. Solche Gruppen werden als „Schulen“ bezeichnet. Im Allgemeinen gibt es zwei Arten solcher Schulen: solche, die fast ausschließlich aus Weibchen bestehen, sowie solche, die nur junge, kräftige Männchen umfassen. Bei solchen Gruppen von Weibchen ist stets ein vollwertig erwachsener, aber noch nicht alter Männchen dabei – dieser zeigt bei jeder Bedrohung seine Tapferkeit, indem er hinter den Weibchen schwimmt und deren Flucht schützt. Tatsächlich handelt es sich bei diesem Männchen um einen „luxuriösen Osmanen“, der in der Welt des Wassers schwimmt und dabei von allen Annehmlichkeiten des Harems umgeben ist. Der Kontrast zwischen diesem Männchen und seinen Konkubinen ist auffällig: während das Männchen stets die größten Abmessungen hat, sind die Weibchen selbst im vollen Wachstum nicht mehr als ein Drittel so groß wie ein durchschnittlich großer Männchen. Sie sind tatsächlich ziemlich zart – ich würde sagen, ihre Taille misst höchstens eine halbe Meile. Dennoch kann man nicht leugnen, dass sie insgesamt aufgrund ihrer Veranlagung ein attraktives Aussehen haben. Es ist sehr interessant, diesen Harem sowie seinen Anführer bei ihren trägen Wanderungen zu beobachten. Wie Modebewusste sind sie ständig auf der Suche nach Abwechslung. Man trifft sie in der Äquatorregion zur Blütezeit der Nahrungsbeschaffung – vielleicht gerade zurückgekehrt vom Sommer in den nördlichen Meeren, um so der Unannehmlichkeit der Hitze zu entgehen. Nachdem sie eine Weile entlang der Äquatorpromenade geschwommen sind, machen sie sich auf den Weg in die östlichen Gewässer, um der dortigen Kühle entgegenzukommen und so weiterer extrem hoher Temperaturen aus dem Weg zu gehen.
Page 427
Wenn er auf einem dieser Wege ruhig voranschreitet und seltsame, verdächtige Erscheinungen zu sehen sind, behält mein Herr Walfisch seine „interessante“ Familie wachsam im Auge. Sollte ein unverschämter junger Leviathan versuchen, heimlich einer der Damen nahezukommen, dann greift ihn der Bashaw mit gewaltiger Wut an und jagt ihn davon! Wahrhaft großartig – wenn solchen skrupellosen jungen Schurken erlaubt werden würde, die Heiligkeit des häuslichen Glücks zu stören. Doch egal, was der Bashaw auch tut: Er kann den berüchtigtsten Frauenhelden nicht davon abhalten, in sein Bett zu kommen – denn leider schlafen alle Fische gemeinsam. An Land verursachen die Damen oft schreckliche Duelle unter ihren rivalisierenden Bewunderern; genauso ist es auch bei den Walen, die manchmal zu tödlichen Kämpfen kommen – und das alles aus Liebe. Sie kämpfen mit ihren langen Unterkiefern, manchmal verschränken sie diese miteinander und kämpfen um die Vorherrschaft, wie Hirsche, die vorsichtig ihre Geweihe ineinander verschlingen. Viele werden gefangen genommen – mit tiefen Narben von diesen Kämpfen: gezeichnete Köpfe, gebrochene Zähne, beschädigte Flossen – und in einigen Fällen auch verdrehte oder ausgekugelte Mäuler. Doch wenn sich der Eindringling des häuslichen Glücks bereits beim ersten Angriff des Herrn des Harems zurückzieht, dann ist es sehr unterhaltsam, diesen Herrn zu beobachten. Sanft drängt er seinen riesigen Körper wieder zwischen sie und genießt dort eine Weile die Nähe zu dem jungen Frauenhelden – wie der fromme Salomo, der unter seinen tausend Konkubinen fromm betet. Selbst wenn andere Wale in Sicht sind, verfolgen die Fischer selten einen dieser „Großen Türken“ – denn diese verschwenden ihre Kraft zu sehr, weshalb ihre Angriffe nicht besonders wirksam sind. Was ihre Söhne und Töchter angeht – nun, die müssen schon selbst für sich sorgen, zumindest mit nur mütterlicher Hilfe. Denn wie einige andere allesfressende, umherstreifende Liebhaber hat mein Herr Walfisch kein Interesse am Kinderzimmer – aber durchaus Interesse am Schlafgemach. Als großer Reisender lässt er seine „anonymen“ Babys überall auf der Welt zurück – jedes Baby ist ein Exot. Mit der Zeit jedoch, wenn die Leidenschaft der Jugend nachlässt, wenn die Jahre zunehmen und die Reflexion ernsthafte Pausen bringt – kurz gesagt, wenn eine allgemeine Müdigkeit den sattgefressenen Türken überkommt – dann ersetzt die Liebe zum Komfort und zur Tugend die Liebe zu Jungfrauen. Unser Osmane tritt in die Phase des Impotenzgeplagten, Reumütigen und Ermahnenden ein, schwört ab, löst den Harem auf – und wird zu einer vorbildlichen, mürrischen alten Seele, die allein unter den Längengraden und Breitengraden umherwandert, betet und jeden jungen Leviathan vor seinen amourösen Fehlern warnt.
Page 428
Nun, da die Gruppe der Wale von den Fischern als „Schule“ bezeichnet wird, so wird auch der Anführer dieser Gruppe technisch gesehen als „Schullehrer“ bezeichnet. Es ist daher nicht im strengen Sinne – so bewundernswert satirisch das auch sein mag –, dass er, nachdem er selbst zur Schule gegangen ist, ins Ausland reist, um nicht das zu lehren, was er dort gelernt hat, sondern vielmehr die Torheit dessen. Sein Titel „Schullehrer“ scheint ganz natürlich vom Namen abzuleiten, der der Gruppe selbst gegeben wurde; doch manche vermuten, dass der Mann, der diesen Namen erstmals für diese Art von Wal verwendete, wohl die Memoiren von Vidocq gelesen hat und sich darüber informiert hat, welche Art von Schullehrer dieser berühmte Franzose in jungen Jahren war und welche Art von Lehren er seinen Schülern vermittelte.
Die gleiche Abgeschiedenheit und Isolation, in die sich der „Schullehrer-Wal“ in seinen späten Jahren zurückzieht, gilt für alle alten Pottwale. Fast immer handelt es sich bei einem solchen einzelnen Wal – wie ein solcher Leviathan genannt wird – um einen alten Wal. Wie der ehrwürdige Daniel Boone mit seinem Moosbart hat auch er niemanden in seiner Nähe außer der Natur selbst; und diese nimmt er zur Frau in der Wildnis der Gewässer – und sie ist die beste Ehefrau, obwohl sie so viele launische Geheimnisse bewahrt.
Die bereits erwähnten Gruppen, die ausschließlich junge und kräftige Männchen umfassen, bilden einen starken Kontrast zu den Haremsgruppen. Denn während die weiblichen Wale typischerweise schüchtern sind, sind die jungen Männchen – oder „Vierzig-Fass-Stiere“, wie man sie nennt – bei weitem die kampflustigsten aller Leviathane und gelten als besonders gefährlich, wenn man ihnen begegnet – mit Ausnahme jener wunderbaren, grauhaarigen, graubärtigen Wale, auf die man manchmal stößt; diese kämpfen wie grausame Dämonen, die durch schmerzhafte Gicht zur Raserei getrieben werden.
Die Gruppen der „Vierzig-Fass-Stiere“ sind größer als die Haremsgruppen. Wie eine Meute junger Studenten sind sie voller Kampfeslust, Spaß und Boshaftigkeit; sie treiben in der Welt umher, mit einer solchen Unbesonnenheit und Tollkühnheit, dass kein vernünftiger Versicherer sie versichern würde – genauso wenig wie einen rebellischen Jungen an Yale oder Harvard. Doch sie geben diese Unruhestiftung bald auf; wenn sie etwa drei Viertel ihrer Reife erreicht haben, zerfallen sie und suchen jeweils nach einem Wohnort – also einem Harem.
Ein weiterer Unterschied zwischen den Männchengruppen und den Weibchengruppen ist noch charakteristischer für die Geschlechter. Nehmen wir an, man trifft auf einen „Vierzig-Fass-Stier“ – armer Kerl! Alle seine Artgenossen verlassen ihn. Doch wenn man auf ein Mitglied der Haremsgruppe trifft…
Die gleiche Abgeschiedenheit und Isolation, in die sich der „Schullehrer-Wal“ in seinen späten Jahren zurückzieht, gilt für alle alten Pottwale. Fast immer handelt es sich bei einem solchen einzelnen Wal – wie ein solcher Leviathan genannt wird – um einen alten Wal. Wie der ehrwürdige Daniel Boone mit seinem Moosbart hat auch er niemanden in seiner Nähe außer der Natur selbst; und diese nimmt er zur Frau in der Wildnis der Gewässer – und sie ist die beste Ehefrau, obwohl sie so viele launische Geheimnisse bewahrt.
Die bereits erwähnten Gruppen, die ausschließlich junge und kräftige Männchen umfassen, bilden einen starken Kontrast zu den Haremsgruppen. Denn während die weiblichen Wale typischerweise schüchtern sind, sind die jungen Männchen – oder „Vierzig-Fass-Stiere“, wie man sie nennt – bei weitem die kampflustigsten aller Leviathane und gelten als besonders gefährlich, wenn man ihnen begegnet – mit Ausnahme jener wunderbaren, grauhaarigen, graubärtigen Wale, auf die man manchmal stößt; diese kämpfen wie grausame Dämonen, die durch schmerzhafte Gicht zur Raserei getrieben werden.
Die Gruppen der „Vierzig-Fass-Stiere“ sind größer als die Haremsgruppen. Wie eine Meute junger Studenten sind sie voller Kampfeslust, Spaß und Boshaftigkeit; sie treiben in der Welt umher, mit einer solchen Unbesonnenheit und Tollkühnheit, dass kein vernünftiger Versicherer sie versichern würde – genauso wenig wie einen rebellischen Jungen an Yale oder Harvard. Doch sie geben diese Unruhestiftung bald auf; wenn sie etwa drei Viertel ihrer Reife erreicht haben, zerfallen sie und suchen jeweils nach einem Wohnort – also einem Harem.
Ein weiterer Unterschied zwischen den Männchengruppen und den Weibchengruppen ist noch charakteristischer für die Geschlechter. Nehmen wir an, man trifft auf einen „Vierzig-Fass-Stier“ – armer Kerl! Alle seine Artgenossen verlassen ihn. Doch wenn man auf ein Mitglied der Haremsgruppe trifft…
Page 429
Und ihre Gefährten schwimmen um sie herum, voller Sorge – manchmal bleiben sie so nahe bei ihr und so lange, dass sie selbst zur Beute werden.
Page 430
KAPITEL 89. Festgebundener Fisch und freier Fisch
Die Anspielung auf die „Waif“-Geräte im vorletzten Kapitel erfordert eine Erklärung der Gesetze und Vorschriften der Walfangindustrie – wobei die „Waif“-Geräte als ihr wichtigstes Symbol gelten können. Oft kommt es vor, dass mehrere Schiffe gemeinsam unterwegs sind, ein Wal von einem Schiff getroffen wird, anschließend entkommt und schließlich von einem anderen Schiff getötet und gefangen wird. Dabei spielen indirekt viele kleinere Umstände eine Rolle, die alle diesem grundlegenden Prinzip entsprechen. Zum Beispiel kann nach einer anstrengenden und gefährlichen Jagd auf einen Wal dessen Leiche aufgrund eines heftigen Sturms vom Schiff losgerissen werden; sie treibt dann weit ab und wird schließlich von einem zweiten Walfangschiff wieder aufgefunden. Dieses zieht den Wal ohne Risiko für Leben oder Seile an das Schiff heran. Ohne irgendwelche schriftlichen oder ungeschriebenen, universell geltenden Gesetze würden zwischen den Fischern oft sehr schwierige und heftige Streitigkeiten entstehen. Vielleicht war das einzige formelle Walfanggesetz, das durch gesetzliche Verordnungen genehmigt wurde, das der Niederlande. Es wurde im Jahr 1695 von den Generalstaaten erlassen. Obwohl keine andere Nation jemals schriftliche Walfanggesetze hatte, waren die amerikanischen Fischer in dieser Hinsicht ihre eigenen Gesetzgeber und Rechtsgelehrten. Sie haben ein System entwickelt, das in seiner Kompaktheit sogar die Pandekten des Justinian sowie die Regeln der chinesischen Gesellschaft zur Unterdrückung von Eingriffen in die Angelegenheiten anderer Menschen übertrifft. Ja – diese Gesetze könnten sogar auf einer Münze oder auf der Spitze eines Harpuns eingraviert werden und um den Hals getragen werden, so klein sind sie.
I. Ein festgebundener Fisch gehört zu dem Schiff, an dem er befestigt ist.
II. Ein freier Fisch ist Beutegut für jeden, der ihn am schnellsten fangen kann.
Doch was diesem hervorragenden Code zum Verhängnis wird, ist seine bemerkenswerte Kürze – dadurch ist eine große Anzahl an Kommentaren erforderlich, um ihn zu erklären.
Zunächst: Was ist ein festgebundener Fisch? Ein Fisch ist technisch gesehen festgebunden, egal ob lebend oder tot, wenn er durch irgendein Mittel mit einem besetzten Schiff oder Boot verbunden ist – sei es ein Mast, ein Ruder, ein neun Zoll langes Kabel, ein Telegrafenkabel oder auch nur ein Faden aus Spinnweben. Ebenso gilt das für…
Die Anspielung auf die „Waif“-Geräte im vorletzten Kapitel erfordert eine Erklärung der Gesetze und Vorschriften der Walfangindustrie – wobei die „Waif“-Geräte als ihr wichtigstes Symbol gelten können. Oft kommt es vor, dass mehrere Schiffe gemeinsam unterwegs sind, ein Wal von einem Schiff getroffen wird, anschließend entkommt und schließlich von einem anderen Schiff getötet und gefangen wird. Dabei spielen indirekt viele kleinere Umstände eine Rolle, die alle diesem grundlegenden Prinzip entsprechen. Zum Beispiel kann nach einer anstrengenden und gefährlichen Jagd auf einen Wal dessen Leiche aufgrund eines heftigen Sturms vom Schiff losgerissen werden; sie treibt dann weit ab und wird schließlich von einem zweiten Walfangschiff wieder aufgefunden. Dieses zieht den Wal ohne Risiko für Leben oder Seile an das Schiff heran. Ohne irgendwelche schriftlichen oder ungeschriebenen, universell geltenden Gesetze würden zwischen den Fischern oft sehr schwierige und heftige Streitigkeiten entstehen. Vielleicht war das einzige formelle Walfanggesetz, das durch gesetzliche Verordnungen genehmigt wurde, das der Niederlande. Es wurde im Jahr 1695 von den Generalstaaten erlassen. Obwohl keine andere Nation jemals schriftliche Walfanggesetze hatte, waren die amerikanischen Fischer in dieser Hinsicht ihre eigenen Gesetzgeber und Rechtsgelehrten. Sie haben ein System entwickelt, das in seiner Kompaktheit sogar die Pandekten des Justinian sowie die Regeln der chinesischen Gesellschaft zur Unterdrückung von Eingriffen in die Angelegenheiten anderer Menschen übertrifft. Ja – diese Gesetze könnten sogar auf einer Münze oder auf der Spitze eines Harpuns eingraviert werden und um den Hals getragen werden, so klein sind sie.
I. Ein festgebundener Fisch gehört zu dem Schiff, an dem er befestigt ist.
II. Ein freier Fisch ist Beutegut für jeden, der ihn am schnellsten fangen kann.
Doch was diesem hervorragenden Code zum Verhängnis wird, ist seine bemerkenswerte Kürze – dadurch ist eine große Anzahl an Kommentaren erforderlich, um ihn zu erklären.
Zunächst: Was ist ein festgebundener Fisch? Ein Fisch ist technisch gesehen festgebunden, egal ob lebend oder tot, wenn er durch irgendein Mittel mit einem besetzten Schiff oder Boot verbunden ist – sei es ein Mast, ein Ruder, ein neun Zoll langes Kabel, ein Telegrafenkabel oder auch nur ein Faden aus Spinnweben. Ebenso gilt das für…
Page 431
Ein Wal ist technisch gesehen „schnell“, wenn er ein Zeichen der Besitzansprüche trägt – sei es ein solches Zeichen oder irgendein anderes anerkanntes Symbol. Voraussetzung ist jedoch, dass die Partei, die dieses Zeichen trägt, deutlich zeigt, dass sie jederzeit in der Lage ist, den Wal zu sichern, sowie dass sie dies auch beabsichtigt. Das sind wissenschaftliche Kommentare – doch die Kommentare der Walfänger selbst bestehen manchmal aus harten Worten und noch härteren Handlungen. Zwar machen die anständigeren und ehrenhafteren Walfänger immer Zugeständnisse in besonderen Fällen, in denen es eine unerträgliche moralische Ungerechtigkeit wäre, wenn eine Partei Anspruch auf einen Wal erheben würde, den bereits eine andere Partei gejagt oder getötet hatte. Doch andere sind keineswegs so skrupulös.
Vor etwa fünfzig Jahren gab es in England einen seltsamen Fall bezüglich des Besitzes von Walen. Die Kläger behaupteten, nach einer anstrengenden Jagd auf einen Wal in den Nordmeeren – und nachdem es ihnen tatsächlich gelungen war, den Wal mit Harpunen zu treffen – seien sie schließlich, aus Angst um ihr Leben, gezwungen gewesen, nicht nur ihre Netze, sondern auch ihr Boot aufzugeben. Schließlich kamen die Beklagten (die Besatzung eines anderen Schiffes) zum Wal, töteten ihn, nahmen ihn in Besitz und behielten ihn schließlich vor den Augen der Kläger. Als die Kläger gegen diese Handlungen protestierten, schnippte der Kapitän der Beklagten mit den Fingern vor den Augen der Kläger und versicherte ihnen, dass er als Lob für seine Tat nun ihre Netze, Harpunen und das Boot behalten würde – schließlich waren diese zum Zeitpunkt der Beschlagnahmung noch am Wal befestigt. Deshalb klagten die Kläger nun darauf, den Wert ihres Wals, ihrer Netze, Harpunen und ihres Bootes zurückzubekommen.
Herr Erskine war der Anwalt der Beklagten; Lord Ellenborough war der Richter. Im Laufe der Verteidigung nutzte der kluge Erskine eine aktuelle Strafsachen, um seine Position zu untermauern: In diesem Fall hatte ein Mann nach vergeblichen Versuchen, die Boshaftigkeit seiner Frau in Schach zu halten, schließlich aufgegeben und sie im „Meer des Lebens“ zurückgelassen. Im Laufe der Jahre bereute er diesen Schritt und klagte darauf, wieder Besitz von ihr zu erlangen. Erskine stand auf der Seite des Mannes und argumentierte, dass zwar dieser Mann ursprünglich die Frau mit Harpunen erwischt hatte und sie somit in seinem Besitz hatte – doch aufgrund ihrer extremen Boshaftigkeit musste er sie schließlich aufgeben. Dadurch wurde sie zu einem „freien Wal“. Wenn anschließend ein anderer Mann sie wieder mit einer Harpune traf, gehörte sie dann diesem anderen Mann – zusammen mit jeder Harpune, die noch in ihr steckte.
Vor etwa fünfzig Jahren gab es in England einen seltsamen Fall bezüglich des Besitzes von Walen. Die Kläger behaupteten, nach einer anstrengenden Jagd auf einen Wal in den Nordmeeren – und nachdem es ihnen tatsächlich gelungen war, den Wal mit Harpunen zu treffen – seien sie schließlich, aus Angst um ihr Leben, gezwungen gewesen, nicht nur ihre Netze, sondern auch ihr Boot aufzugeben. Schließlich kamen die Beklagten (die Besatzung eines anderen Schiffes) zum Wal, töteten ihn, nahmen ihn in Besitz und behielten ihn schließlich vor den Augen der Kläger. Als die Kläger gegen diese Handlungen protestierten, schnippte der Kapitän der Beklagten mit den Fingern vor den Augen der Kläger und versicherte ihnen, dass er als Lob für seine Tat nun ihre Netze, Harpunen und das Boot behalten würde – schließlich waren diese zum Zeitpunkt der Beschlagnahmung noch am Wal befestigt. Deshalb klagten die Kläger nun darauf, den Wert ihres Wals, ihrer Netze, Harpunen und ihres Bootes zurückzubekommen.
Herr Erskine war der Anwalt der Beklagten; Lord Ellenborough war der Richter. Im Laufe der Verteidigung nutzte der kluge Erskine eine aktuelle Strafsachen, um seine Position zu untermauern: In diesem Fall hatte ein Mann nach vergeblichen Versuchen, die Boshaftigkeit seiner Frau in Schach zu halten, schließlich aufgegeben und sie im „Meer des Lebens“ zurückgelassen. Im Laufe der Jahre bereute er diesen Schritt und klagte darauf, wieder Besitz von ihr zu erlangen. Erskine stand auf der Seite des Mannes und argumentierte, dass zwar dieser Mann ursprünglich die Frau mit Harpunen erwischt hatte und sie somit in seinem Besitz hatte – doch aufgrund ihrer extremen Boshaftigkeit musste er sie schließlich aufgeben. Dadurch wurde sie zu einem „freien Wal“. Wenn anschließend ein anderer Mann sie wieder mit einer Harpune traf, gehörte sie dann diesem anderen Mann – zusammen mit jeder Harpune, die noch in ihr steckte.
Page 432
Im vorliegenden Fall behauptete Erskine, dass die Beispiele mit dem Wal und der Dame sich gegenseitig ergänzten. Nachdem diese Einwände sowie die Gegeneinwände ordnungsgemäß angehört worden waren, entschied der hochgelehrte Richter in präzisen Worten wie folgt: Was das Boot betrifft, so sprach er es den Klägern zu, da diese es lediglich aufgegeben hatten, um ihr Leben zu retten; doch was den umstrittenen Wal, die Harpunen und das Seil angeht, so gehörten sie den Beklagten – der Wal, weil er zum Zeitpunkt der endgültigen Fangung ein „Freier Fisch“ war; die Harpunen und das Seil, weil das Tier, als es mit ihnen entkam, Eigentum an diesen Gegenständen erwarb; somit hatte jeder, der das Tier später fing, ein Recht darauf. Da die Beklagten anschließend das Tier fingen, gehörten die genannten Gegenstände ihnen. Ein gewöhnlicher Mensch könnte gegen diese Entscheidung des hochgelehrten Richters Einspruch erheben. Doch wenn man bis zum grundlegenden Prinzip der Sache vordringt – den beiden großen Grundsätzen, die in den zuvor zitierten Walfanggesetzen festgelegt wurden und von Lord Ellenborough im oben zitierten Fall angewandt und erläutert wurden – dann werden diese beiden Gesetze bezüglich „Fester Fische“ und „Freier Fische“, so meine ich, bei genauerem Nachdenken als Grundlagen aller menschlichen Rechtslehre erkannt werden. Denn trotz der komplizierten Struktur des „Tempels des Rechts“ hat dieser, genau wie der Tempel der Philister, nur zwei Stützen. Ist es nicht ein Sprichwort, das jeder kennt: „Besitz ist die Hälfte des Rechts“ – unabhängig davon, wie man an etwas gelangt ist? Doch oft ist der Besitz bereits das ganze Recht. Was sind denn die „Sehnen und Seele“ der russischen Leibeigenen und republikanischen Sklaven anderes als „Feste Fische“, bei denen der Besitz das ganze Recht darstellt? Was ist für den gierigen Grundbesitzer das letzte bisschen Geld der Witwe anderes als ein „Fester Fisch“? Was ist jenes unentdeckte Verbrecherschlösschen mit einer Türplatte statt eines Namensschildes anderes als ein „Fester Fisch“? Was ist der ruinöse Rabatt, den Mordecai, der Makler, vom armen, bankrotten Woebegone für einen Kredit erhält, um dessen Familie vor dem Verhungern zu bewahren – was ist dieser ruinöse Rabatt anderes als ein „Fester Fisch“? Was ist der Einkommensbetrag von 100.000 Pfund des Erzbischofs von Savesoul, der aus dem spärlichen Brot und Käse Hunderttausender armer Arbeiter stammt – alle, die ohne seine Hilfe sicherlich ins Paradies kommen würden – was ist dieses 100.000 Pfund anderes als ein „Fester Fisch“? Was sind die erblichen Städte und Dörfer des Herzogs von Dunder anderes als „Feste Fische“? Was ist für den berühmten Harpunier John Bull das arme Irland anderes als ein „Fester Fisch“?
Page 433
Der apostolische Lancer, Bruder Jonathan – ist er aus Texas und zugleich ein „Fast-Fish“? Und was all das angeht: Ist nicht die Besitzung das ganze Gesetz? Doch wenn die Lehre vom „Fast-Fish“ recht allgemein anwendbar ist, gilt die verwandte Lehre vom „Loose-Fish“ umso mehr. Sie ist international und universell anwendbar. Was war Amerika im Jahr 1492 anderes als ein „Loose-Fish“, in dem Kolumbus die spanische Flagge zerstörte, um sie seinem königlichen Herrn und Meister wegzunehmen? Was war Polen für den Zaren? Was Griechenland für den Türken? Was Indien für England? Was wird schließlich Mexiko für die Vereinigten Staaten sein? Alles „Loose-Fish“. Was sind die Rechte des Menschen und die Freiheiten der Welt anderes als „Loose-Fish“? Was sind die Gedanken und Meinungen aller Menschen anderes als „Loose-Fish“? Was ist das Prinzip des religiösen Glaubens darin anderes als ein „Loose-Fish“? Was sind für die prahlerischen Wortklaubereien die Gedanken der Denker anderes als „Loose-Fish“? Was ist der große Globus selbst anderes als ein „Loose-Fish“? Und was sind Sie, lieber Leser, anderes als ein „Loose-Fish“ – und zugleich auch ein „Fast-Fish“?
Page 434
KAPITEL 90. Kopf oder Schwanz.
„De balena vero sufficit, si rex habeat caput, et regina caudam.“ Bracton, l. 3, c. 3.
Dieser lateinische Satz aus den Gesetzbüchern Englands bedeutet im Zusammenhang damit, dass von allen Walen, die irgendjemand an der Küste dieses Landes fängt, der König als ehrenhalber ernannter Groß-Harpunier den Kopf erhalten muss, während der Königin respektvoll der Schwanz überreicht werden soll. Diese Aufteilung ist beim Wal ähnlich wie das Halbieren eines Apfels – es bleibt kein Zwischenrest übrig. Da dieses Gesetz in abgewandelter Form bis heute in England in Kraft ist und in vielerlei Hinsicht eine seltsame Abweichung vom allgemeinen Gesetz bezüglich erlaubter und verbotener Fische darstellt, wird es hier in einem eigenen Kapitel behandelt – aus demselben höflichen Grundsatz heraus, der dazu führt, dass die englischen Eisenbahnen einen separaten Waggon bereitstellen, der speziell für die Unterbringung der Königsfamilie reserviert ist. Zunächst möchte ich Ihnen als Beweis dafür, dass das oben genannte Gesetz noch immer in Kraft ist, eine Begebenheit vorstellen, die sich in den letzten zwei Jahren zugetragen hat.
Es scheint, dass einige ehrliche Seeleute aus Dover, Sandwich oder einem der Cinque Ports nach harter Verfolgung es geschafft haben, einen prächtigen Wal zu töten und an Land zu bringen – einen Wal, den sie ursprünglich aus der Ferne am Ufer entdeckt hatten. Die Cinque Ports stehen teilweise unter der Gerichtsbarkeit eines Art Polizisten oder Beamten, der Lord Warden genannt wird. Da dieser Posten direkt von der Krone vergeben wird, gehören alle Einnahmen, die mit den Gebieten der Cinque Ports verbunden sind, ihm. Einige Autoren bezeichnen diesen Posten als „Sinekure“ – doch das stimmt nicht. Denn der Lord Warden ist oft damit beschäftigt, seine Privilegien durch verschiedene Tricks zu erlangen; diese Privilegien gehören ihm eigentlich nur aufgrund dieser Tricks.
Nun, als diese armen, sonnenverbrannten Seeleute, barfuß und mit hochgekrempelten Hosen, ihren fetten Fisch mühsam an Land gezogen hatten und sich auf etwa 150 Pfund durch das wertvolle Öl und die Knochen freuten – und sich vorstellten, mit ihren Frauen teuren Tee sowie mit ihren Freunden guten Bier trinken zu können – trat ein sehr gebildeter, frommer und wohltätiger Herr auf, mit einer Ausgabe von Blackstone unter dem Arm. Er legte das Buch auf den Kopf des Wals und sagte…
„De balena vero sufficit, si rex habeat caput, et regina caudam.“ Bracton, l. 3, c. 3.
Dieser lateinische Satz aus den Gesetzbüchern Englands bedeutet im Zusammenhang damit, dass von allen Walen, die irgendjemand an der Küste dieses Landes fängt, der König als ehrenhalber ernannter Groß-Harpunier den Kopf erhalten muss, während der Königin respektvoll der Schwanz überreicht werden soll. Diese Aufteilung ist beim Wal ähnlich wie das Halbieren eines Apfels – es bleibt kein Zwischenrest übrig. Da dieses Gesetz in abgewandelter Form bis heute in England in Kraft ist und in vielerlei Hinsicht eine seltsame Abweichung vom allgemeinen Gesetz bezüglich erlaubter und verbotener Fische darstellt, wird es hier in einem eigenen Kapitel behandelt – aus demselben höflichen Grundsatz heraus, der dazu führt, dass die englischen Eisenbahnen einen separaten Waggon bereitstellen, der speziell für die Unterbringung der Königsfamilie reserviert ist. Zunächst möchte ich Ihnen als Beweis dafür, dass das oben genannte Gesetz noch immer in Kraft ist, eine Begebenheit vorstellen, die sich in den letzten zwei Jahren zugetragen hat.
Es scheint, dass einige ehrliche Seeleute aus Dover, Sandwich oder einem der Cinque Ports nach harter Verfolgung es geschafft haben, einen prächtigen Wal zu töten und an Land zu bringen – einen Wal, den sie ursprünglich aus der Ferne am Ufer entdeckt hatten. Die Cinque Ports stehen teilweise unter der Gerichtsbarkeit eines Art Polizisten oder Beamten, der Lord Warden genannt wird. Da dieser Posten direkt von der Krone vergeben wird, gehören alle Einnahmen, die mit den Gebieten der Cinque Ports verbunden sind, ihm. Einige Autoren bezeichnen diesen Posten als „Sinekure“ – doch das stimmt nicht. Denn der Lord Warden ist oft damit beschäftigt, seine Privilegien durch verschiedene Tricks zu erlangen; diese Privilegien gehören ihm eigentlich nur aufgrund dieser Tricks.
Nun, als diese armen, sonnenverbrannten Seeleute, barfuß und mit hochgekrempelten Hosen, ihren fetten Fisch mühsam an Land gezogen hatten und sich auf etwa 150 Pfund durch das wertvolle Öl und die Knochen freuten – und sich vorstellten, mit ihren Frauen teuren Tee sowie mit ihren Freunden guten Bier trinken zu können – trat ein sehr gebildeter, frommer und wohltätiger Herr auf, mit einer Ausgabe von Blackstone unter dem Arm. Er legte das Buch auf den Kopf des Wals und sagte…
Page 435
„Hände weg! Dieser Fisch, meine Herren, ist ein Fast-Fish. Ich nehme ihn als Eigentum des Lord Wardens in Besitz.“ Daraufhin die armen Seeleute – in ihrer respektvollen Verzweiflung, ganz typisch englisch –, die nicht wussten, was sie sagen sollten, begannen heftig an ihren Köpfen zu kratzen; dabei warfen sie bedauernd Blicke vom Wal auf den Fremden. Doch das verbesserte die Situation keineswegs und milderte auch das harte Herz des gelehrten Herrn mit seinem Blackstone-Kopien keineswegs. Schließlich wagte einer von ihnen, nach langem Überlegen, zu sprechen: „Bitte, Sir – wer ist der Lord Warden?“
„Der Herzog.“
„Aber der Herzog hat doch nichts damit zu tun, dass dieser Fisch gefangen wurde?“
„Er gehört ihm.“
„Wir haben große Mühen, Gefahren auf uns genommen und Kosten getragen – und das alles nur zum Vorteil des Herzogs. Wir bekommen für unsere Arbeit überhaupt nichts außer Blasen an den Händen.“
„Er gehört ihm.“
„Ist der Herzog denn so arm, dass er gezwungen ist, auf diese verzweifelte Weise seinen Lebensunterhalt zu verdienen?“
„Er gehört ihm.“
„Ich dachte, ich könnte meiner alten, bettlägerigen Mutter mit einem Teil meines Anteils an diesem Wal helfen.“
„Er gehört ihm.“
„Würde sich der Herzog nicht mit einem Viertel oder Halb zufriedengeben?“
„Er gehört ihm.“
Kurz gesagt: Der Wal wurde beschlagnahmt und verkauft, und Seine Gnaden, der Herzog von Wellington, erhielt das Geld. Ein ehrlicher Geistlicher aus der Stadt, der meinte, die Sache unter bestimmten Aspekten unter den Umständen vielleicht etwas hart erscheinen zu können, schrieb respektvoll einen Brief an Seine Gnaden und bat ihn, den Fall dieser unglücklichen Seeleute gründlich zu prüfen. Daraufhin antwortete mein Lord Herzog im Grunde genommen (beide Briefe wurden veröffentlicht), dass er dies bereits getan habe und das Geld erhalten habe, und er wäre dem ehrenwerten Herrn dankbar, wenn dieser künftig darauf verzichten würde, sich in die Angelegenheiten anderer Leute einzumischen. Ist das noch derselbe kämpferische alte Mann?
„Der Herzog.“
„Aber der Herzog hat doch nichts damit zu tun, dass dieser Fisch gefangen wurde?“
„Er gehört ihm.“
„Wir haben große Mühen, Gefahren auf uns genommen und Kosten getragen – und das alles nur zum Vorteil des Herzogs. Wir bekommen für unsere Arbeit überhaupt nichts außer Blasen an den Händen.“
„Er gehört ihm.“
„Ist der Herzog denn so arm, dass er gezwungen ist, auf diese verzweifelte Weise seinen Lebensunterhalt zu verdienen?“
„Er gehört ihm.“
„Ich dachte, ich könnte meiner alten, bettlägerigen Mutter mit einem Teil meines Anteils an diesem Wal helfen.“
„Er gehört ihm.“
„Würde sich der Herzog nicht mit einem Viertel oder Halb zufriedengeben?“
„Er gehört ihm.“
Kurz gesagt: Der Wal wurde beschlagnahmt und verkauft, und Seine Gnaden, der Herzog von Wellington, erhielt das Geld. Ein ehrlicher Geistlicher aus der Stadt, der meinte, die Sache unter bestimmten Aspekten unter den Umständen vielleicht etwas hart erscheinen zu können, schrieb respektvoll einen Brief an Seine Gnaden und bat ihn, den Fall dieser unglücklichen Seeleute gründlich zu prüfen. Daraufhin antwortete mein Lord Herzog im Grunde genommen (beide Briefe wurden veröffentlicht), dass er dies bereits getan habe und das Geld erhalten habe, und er wäre dem ehrenwerten Herrn dankbar, wenn dieser künftig darauf verzichten würde, sich in die Angelegenheiten anderer Leute einzumischen. Ist das noch derselbe kämpferische alte Mann?
Page 436
Steht man an den Ecken der drei Königreiche und zwingt überall die Bettler zur Almosengabe? Es wird leicht erkennbar sein, dass das angebliche Recht des Herzogs auf den Wal in diesem Fall ein vom Souverän übertragenes Recht war. Wir müssen daher herausfinden, nach welchem Prinzip der Souverän ursprünglich mit diesem Recht ausgestattet wurde. Das Gesetz selbst wurde bereits dargelegt. Doch Plowdon gibt uns den Grund dafür. Laut Plowdon gehört der so gefangene Wal dem König und der Königin – „wegen seiner überlegenen Qualität“. Die bedeutendsten Kommentatoren haben dies schon immer als überzeugenden Argument in solchen Fällen angesehen. Aber warum sollte der König den Kopf und die Königin den Schwanz erhalten? Ein Grund dafür, ihr Juristen! In seinem Traktat über „Königinsgold“ oder Königinsspendengeld schreibt ein Autor aus der Zeit des King’s Bench, William Prynne, Folgendes: „Der Schwanz gehört der Königin, damit deren Garderobe mit Walbeinknochen versorgt werden kann.“ Dies wurde zu einer Zeit geschrieben, als das schwarze, flexible Knochenmaterial des Grönlandwalms häufig in Damenkleidern verwendet wurde. Doch dieser Knochen befindet sich nicht im Schwanz, sondern im Kopf – was für einen weisen Juristen wie Prynne ein bedauerlicher Fehler ist. Ist die Königin etwa eine Meerjungfrau, der ein Schwanz überreicht werden soll? Hier könnte eine allegorische Bedeutung stecken. Es gibt zwei königliche Fische, die von englischen Rechtsgelehrten so bezeichnet werden – den Wal und den Stör; beide sind unter bestimmten Beschränkungen königliches Eigentum und stellen nominell den zehnten Teil der üblichen Einnahmen der Krone dar. Ich kenne keinen anderen Autor, der auf dieses Thema hingewiesen hat; doch durch Schlussfolgerung scheint es mir, dass auch der Stör auf dieselbe Weise aufgeteilt werden muss wie der Wal – der König erhält dabei den besonders dichten und elastischen Kopf dieses Fisches, der symbolisch gesehen vielleicht auf irgendeiner vermuteten Ähnlichkeit beruht. So scheint in allen Dingen, sogar im Recht, ein Grund zu bestehen.
Page 437
KAPITEL 91. Die Pequod trifft auf den Rosenknospenwal.
„Es war vergeblich, nach Ambergriese im Bauch dieses Leviathans zu suchen – ein unerträglicher Gestank machte jede Suche zunichte.“ Sir T. Browne, V.E.
Es war eine Woche oder zwei nach der beschriebenen Walfangszene, und als wir langsam über das ruhige, neblige Meer segelten, erwiesen sich die vielen Nasen auf dem Deck der Pequod als wachsamere Entdecker als die drei Augenpaare oben an Bord. Im Meer lag ein seltsamer, nicht sehr angenehmer Geruch in der Luft.
„Ich wette etwas“, sagte Stubb, „dass es hier in der Gegend einige dieser mit Drogen betäubten Wale gibt, die wir neulich gestört haben. Ich dachte, sie würden bald auftauchen.“
Bald darauf lichteten sich die Nebelschwaden – in der Ferne lag ein Schiff, dessen eingefaltete Segel darauf hindeuteten, dass in der Nähe ein Wal sein musste. Als wir näher kamen, zeigte das Schiff französische Flaggen; anhand der Schwärme von Seevögeln, die um das Schiff kreisten, war klar, dass es sich um einen sogenannten „verfluchten Wal“ handelte – also einen Wal, der ungestört im Meer gestorben war und nun als Leiche trieb. Man kann sich leicht vorstellen, welchen üblen Geruch eine solche Leiche verströmt – schlimmer noch als eine assyrische Stadt während einer Seuche, wenn die Lebenden nicht in der Lage sind, die Toten zu begraben. Einige halten diesen Geruch für so unerträglich, dass keine Gier sie dazu bringen könnte, neben einem solchen Wal anzulegen. Dennoch gibt es solche, die es trotzdem tun – obwohl das aus solchen Walen gewonnene Öl von sehr schlechter Qualität ist und keineswegs der Art eines Rosenöls ist.
Als wir mit dem nachlassenden Wind immer näher kamen, sahen wir, dass der Franzose einen zweiten Wal in seiner Nähe hatte – und dieser zweite Wal schien noch schlimmer zu sein als der erste. Tatsächlich handelte es sich dabei um einen dieser problematischen Wale, die anscheinend an einer Art schwerer Verdauungsstörung sterben und deren Leichen fast völlig frei von Öl sind. Dennoch werden wir an der richtigen Stelle sehen, dass kein erfahrener Fischer jemals die Nase rümpfen wird, wenn es um einen solchen Wal geht – egal wie sehr er generell solche „verfluchten“ Wale meidet.
„Es war vergeblich, nach Ambergriese im Bauch dieses Leviathans zu suchen – ein unerträglicher Gestank machte jede Suche zunichte.“ Sir T. Browne, V.E.
Es war eine Woche oder zwei nach der beschriebenen Walfangszene, und als wir langsam über das ruhige, neblige Meer segelten, erwiesen sich die vielen Nasen auf dem Deck der Pequod als wachsamere Entdecker als die drei Augenpaare oben an Bord. Im Meer lag ein seltsamer, nicht sehr angenehmer Geruch in der Luft.
„Ich wette etwas“, sagte Stubb, „dass es hier in der Gegend einige dieser mit Drogen betäubten Wale gibt, die wir neulich gestört haben. Ich dachte, sie würden bald auftauchen.“
Bald darauf lichteten sich die Nebelschwaden – in der Ferne lag ein Schiff, dessen eingefaltete Segel darauf hindeuteten, dass in der Nähe ein Wal sein musste. Als wir näher kamen, zeigte das Schiff französische Flaggen; anhand der Schwärme von Seevögeln, die um das Schiff kreisten, war klar, dass es sich um einen sogenannten „verfluchten Wal“ handelte – also einen Wal, der ungestört im Meer gestorben war und nun als Leiche trieb. Man kann sich leicht vorstellen, welchen üblen Geruch eine solche Leiche verströmt – schlimmer noch als eine assyrische Stadt während einer Seuche, wenn die Lebenden nicht in der Lage sind, die Toten zu begraben. Einige halten diesen Geruch für so unerträglich, dass keine Gier sie dazu bringen könnte, neben einem solchen Wal anzulegen. Dennoch gibt es solche, die es trotzdem tun – obwohl das aus solchen Walen gewonnene Öl von sehr schlechter Qualität ist und keineswegs der Art eines Rosenöls ist.
Als wir mit dem nachlassenden Wind immer näher kamen, sahen wir, dass der Franzose einen zweiten Wal in seiner Nähe hatte – und dieser zweite Wal schien noch schlimmer zu sein als der erste. Tatsächlich handelte es sich dabei um einen dieser problematischen Wale, die anscheinend an einer Art schwerer Verdauungsstörung sterben und deren Leichen fast völlig frei von Öl sind. Dennoch werden wir an der richtigen Stelle sehen, dass kein erfahrener Fischer jemals die Nase rümpfen wird, wenn es um einen solchen Wal geht – egal wie sehr er generell solche „verfluchten“ Wale meidet.
Page 438
Die Pequod hatte sich nun so nahe an das fremde Schiff herangewagt, dass Stubb schwor, seinen Spatenstock, der in den Schnüren verfangen war, die um den Schwanz eines dieser Wale gebunden waren, wiederzuerkennen.
„Da haben wir ja einen netten Kerl“, lachte er scherzhaft, während er am Bug des Schiffes stand. „Das ist ja ein richtiger Schakal für euch! Ich weiß genau, dass diese Franzosen in der Fischerei nur elende Würstchen sind; manchmal lassen sie ihre Boote in die Wellen hinab, in der Annahme, es handele sich dabei um Ausstoßungen von Pottwalen – ja, und manchmal segeln sie mit ihren Laderäumen voller Kisten mit Talgkerzen und Streichholzschachteln ab, in der Erwartung, dass das ganze Öl, das sie bekommen, nicht ausreichen wird, um den Docht des Kapitäns damit zu benetzen. Ja, wir alle kennen solche Dinge. Aber seht nur: Da haben wir einen Franzosen, der sich mit unseren Überresten zufriedengibt – ich meine den betäubten Wal da. Ja, und er ist auch zufrieden damit, die trockenen Knochen dieses anderen ‚wertvollen‘ Fisches zu durchsuchen. Armer Teufel! Ich sage, jemand soll einen Hut herumreichen – lasst uns ihm aus reiner Barmherzigkeit etwas Öl schenken. Denn das Öl, das er von diesem betäubten Wal bekommt, eignet sich nicht einmal dazu, in einem Gefängnis verbrannt zu werden – nein, nicht einmal in einer Verurteiltenzelle. Was den anderen Wal angeht – nun, ich bin bereit, mehr Öl zu bekommen, indem ich unsere drei Masten zerschneide, als er aus diesem Haufen Knochen bekommen wird. Obwohl – wenn ich darüber nachdenke – darin vielleicht etwas zu finden ist, das viel mehr wert ist als Öl: ja, Ambra. Ich frage mich, ob unser alter Mann daran gedacht hat. Es lohnt sich, es zu versuchen. Ja, ich bin dafür!“ Mit diesen Worten machte er sich auf den Weg zum Quarterdeck.
Zu dieser Zeit hatte sich die leichte Brise in völlige Ruhe verwandelt; die Pequod war somit völlig in diesen Geruch eingehüllt, ohne Aussicht auf Flucht – es sei denn, sie würde wieder ablegen. Aus der Kabine kommend rief Stubb seine Bootsmannschaft zusammen und fuhr zum fremden Schiff. Als er am Bug desselben ankam, stellte er fest, dass der obere Teil des Ruders im Einklang mit dem fantasievollen französischen Geschmack in Form eines riesigen, hängenden Stiels geschnitzt war, grün angestrichen war und hier und da kupferne Spitzen als Dornen hatte; das Ganze endete in einer symmetrisch geformten, leuchtend roten Blase. Auf den Seitenwänden des Schiffes las er in großen vergoldeten Buchstaben: „Bouton de Rose“ – Rosenknospe; das war der romantische Name dieses duftenden Schiffes.
Obwohl Stubb den Teil des Inschriftentextes, der „Bouton“ lautete, nicht verstand, erklärten ihm das Wort „Rose“ sowie die blasenförmige Figur am Bug ausreichend alles.
„Da haben wir ja einen netten Kerl“, lachte er scherzhaft, während er am Bug des Schiffes stand. „Das ist ja ein richtiger Schakal für euch! Ich weiß genau, dass diese Franzosen in der Fischerei nur elende Würstchen sind; manchmal lassen sie ihre Boote in die Wellen hinab, in der Annahme, es handele sich dabei um Ausstoßungen von Pottwalen – ja, und manchmal segeln sie mit ihren Laderäumen voller Kisten mit Talgkerzen und Streichholzschachteln ab, in der Erwartung, dass das ganze Öl, das sie bekommen, nicht ausreichen wird, um den Docht des Kapitäns damit zu benetzen. Ja, wir alle kennen solche Dinge. Aber seht nur: Da haben wir einen Franzosen, der sich mit unseren Überresten zufriedengibt – ich meine den betäubten Wal da. Ja, und er ist auch zufrieden damit, die trockenen Knochen dieses anderen ‚wertvollen‘ Fisches zu durchsuchen. Armer Teufel! Ich sage, jemand soll einen Hut herumreichen – lasst uns ihm aus reiner Barmherzigkeit etwas Öl schenken. Denn das Öl, das er von diesem betäubten Wal bekommt, eignet sich nicht einmal dazu, in einem Gefängnis verbrannt zu werden – nein, nicht einmal in einer Verurteiltenzelle. Was den anderen Wal angeht – nun, ich bin bereit, mehr Öl zu bekommen, indem ich unsere drei Masten zerschneide, als er aus diesem Haufen Knochen bekommen wird. Obwohl – wenn ich darüber nachdenke – darin vielleicht etwas zu finden ist, das viel mehr wert ist als Öl: ja, Ambra. Ich frage mich, ob unser alter Mann daran gedacht hat. Es lohnt sich, es zu versuchen. Ja, ich bin dafür!“ Mit diesen Worten machte er sich auf den Weg zum Quarterdeck.
Zu dieser Zeit hatte sich die leichte Brise in völlige Ruhe verwandelt; die Pequod war somit völlig in diesen Geruch eingehüllt, ohne Aussicht auf Flucht – es sei denn, sie würde wieder ablegen. Aus der Kabine kommend rief Stubb seine Bootsmannschaft zusammen und fuhr zum fremden Schiff. Als er am Bug desselben ankam, stellte er fest, dass der obere Teil des Ruders im Einklang mit dem fantasievollen französischen Geschmack in Form eines riesigen, hängenden Stiels geschnitzt war, grün angestrichen war und hier und da kupferne Spitzen als Dornen hatte; das Ganze endete in einer symmetrisch geformten, leuchtend roten Blase. Auf den Seitenwänden des Schiffes las er in großen vergoldeten Buchstaben: „Bouton de Rose“ – Rosenknospe; das war der romantische Name dieses duftenden Schiffes.
Obwohl Stubb den Teil des Inschriftentextes, der „Bouton“ lautete, nicht verstand, erklärten ihm das Wort „Rose“ sowie die blasenförmige Figur am Bug ausreichend alles.
Page 439
„Ein hölzerner Rosenknospen – äh?“, rief er und hielt sich die Hand vor die Nase. „Das wird sehr gut funktionieren; aber wie sehr erinnert das an den Geruch aller Schöpfung!“
Um direkten Kontakt mit den Leuten auf dem Deck zu haben, musste er um die Bugspitze zur Steuerbordseite fahren, damit er in die Nähe des getöteten Wals kam und mit ihnen sprechen konnte.
Als er schließlich an diesem Ort ankam, mit der Hand immer noch vor der Nase, rief er: „Bouton-de-Rose, hallo! Gibt es unter euch Bouton-de-Roses, die Englisch sprechen?“
„Ja“, antwortete ein Mann aus Guernsey von den Relings – es handelte sich dabei um den Ersten Offizier.
„Nun dann, mein Bouton-de-Rose – habt ihr den Weißen Wal gesehen?“
„Welchen Wal?“
„Den Weißen Wal – einen Walspitzwal – Moby Dick. Habt ihr ihn gesehen?“
„Ich habe noch nie von einem solchen Wal gehört. Cachalot Blanche! Weißer Wal – nein.“
„Sehr gut. Dann auf Wiedersehen – ich rufe in ein paar Minuten wieder an.“
Dann zog er sich schnell zurück zum Pequod. Als er sah, dass Ahab über das Geländer auf dem Quarterdeck stand und auf seinen Bericht wartete, formte er seine Hände zu einer Trompete und rief: „Nein, Sir! Nein!“ Daraufhin zog sich Ahab zurück, und Stubb kehrte zum Franzosen zurück.
Jetzt bemerkte er, dass der Mann aus Guernsey, der gerade dabei war, mit einer Spitzhacke zu arbeiten, seine Nase in eine Art Tasche gesteckt hatte.
„Was ist mit deiner Nase los?“, fragte Stubb. „Ist sie gebrochen?“
„Ich wünschte, sie wäre gebrochen – oder dass ich überhaupt keine Nase hätte!“, antwortete der Mann aus Guernsey. Er schien die Arbeit, die er verrichten musste, nicht besonders zu mögen.
„Aber wofür hältst du deine Nase fest?“
„Oh, für nichts! Es handelt sich um eine Wachsnase – ich muss sie festhalten. Schöner Tag, nicht wahr? Die Luft ist ziemlich blumig – werft uns doch einen Strauß Blumen zu, Bouton-de-Rose.“
„Was zum Teufel willst du hier?“, brüllte der Mann aus Guernsey und geriet plötzlich in Wut.
„Oh! Bleib ruhig – ruhig? Ja, genau! Warum packt ihr die Wale nicht einfach in Eis, während ihr mit ihnen arbeitet? Aber im Ernst – weißt du, Rose-bud, dass es völliger Unsinn ist, versuchen zu wollen, Öl aus solchen Walen herauszuholen?“
Um direkten Kontakt mit den Leuten auf dem Deck zu haben, musste er um die Bugspitze zur Steuerbordseite fahren, damit er in die Nähe des getöteten Wals kam und mit ihnen sprechen konnte.
Als er schließlich an diesem Ort ankam, mit der Hand immer noch vor der Nase, rief er: „Bouton-de-Rose, hallo! Gibt es unter euch Bouton-de-Roses, die Englisch sprechen?“
„Ja“, antwortete ein Mann aus Guernsey von den Relings – es handelte sich dabei um den Ersten Offizier.
„Nun dann, mein Bouton-de-Rose – habt ihr den Weißen Wal gesehen?“
„Welchen Wal?“
„Den Weißen Wal – einen Walspitzwal – Moby Dick. Habt ihr ihn gesehen?“
„Ich habe noch nie von einem solchen Wal gehört. Cachalot Blanche! Weißer Wal – nein.“
„Sehr gut. Dann auf Wiedersehen – ich rufe in ein paar Minuten wieder an.“
Dann zog er sich schnell zurück zum Pequod. Als er sah, dass Ahab über das Geländer auf dem Quarterdeck stand und auf seinen Bericht wartete, formte er seine Hände zu einer Trompete und rief: „Nein, Sir! Nein!“ Daraufhin zog sich Ahab zurück, und Stubb kehrte zum Franzosen zurück.
Jetzt bemerkte er, dass der Mann aus Guernsey, der gerade dabei war, mit einer Spitzhacke zu arbeiten, seine Nase in eine Art Tasche gesteckt hatte.
„Was ist mit deiner Nase los?“, fragte Stubb. „Ist sie gebrochen?“
„Ich wünschte, sie wäre gebrochen – oder dass ich überhaupt keine Nase hätte!“, antwortete der Mann aus Guernsey. Er schien die Arbeit, die er verrichten musste, nicht besonders zu mögen.
„Aber wofür hältst du deine Nase fest?“
„Oh, für nichts! Es handelt sich um eine Wachsnase – ich muss sie festhalten. Schöner Tag, nicht wahr? Die Luft ist ziemlich blumig – werft uns doch einen Strauß Blumen zu, Bouton-de-Rose.“
„Was zum Teufel willst du hier?“, brüllte der Mann aus Guernsey und geriet plötzlich in Wut.
„Oh! Bleib ruhig – ruhig? Ja, genau! Warum packt ihr die Wale nicht einfach in Eis, während ihr mit ihnen arbeitet? Aber im Ernst – weißt du, Rose-bud, dass es völliger Unsinn ist, versuchen zu wollen, Öl aus solchen Walen herauszuholen?“
Page 440
Wale? Was diesen ausgetrockneten angeht – der hat in seinem ganzen Körper keine Kiemen.“
„Das weiß ich nur zu gut; aber sehen Sie, der Kapitän hier wird es nicht glauben; es ist seine erste Reise; früher war er Hersteller in Köln. Aber kommen Sie an Bord – vielleicht glaubt er Ihnen, wenn er mir nicht glaubt; dann komme ich aus dieser schrecklichen Situation heraus.“
„Alles, um Ihnen zu helfen, mein lieber, angenehmer Freund“, erwiderte Stubb, und schon stieg er auf das Deck. Dort bot sich ein seltsamer Anblick: Die Matrosen, mit roten Wollmützen geschmückt, bereiteten die schweren Geräte für die Jagd auf Wale vor. Doch sie arbeiteten ziemlich langsam und sprachen sehr schnell; außerdem schienen sie keineswegs gut gelaunt zu sein. Alle ihre Nasen ragten nach oben aus ihren Gesichtern hervor. Von Zeit zu Zeit ließen einige von ihnen ihre Arbeit liegen und eilten zum Mastkopf, um frische Luft zu schnappen. Einige glaubten, sie könnten die Pest bekommen, und tauchten Leinen in Kohlenöl, um dieses ab und zu an ihre Nasen zu halten. Andere hatten die Stängel ihrer Pfeifen fast ganz abgebrochen und bliesen kräftig Tabakrauch aus – dadurch wurde ihre Nase ständig mit Rauch gefüllt.
Stubb wurde von Schreien und Flüchen aus dem runden Raum des Kapitäns hinter ihm überrascht; als er in diese Richtung blickte, sah er ein feuriges Gesicht, das hinter der Tür hervorschoss – die von innen einen Spalt offen stand. Das war der gequälte Chirurg, der nach vergeblichen Versuchen, gegen das Vorgehen des Tages zu protestieren, in den runden Raum des Kapitäns geflohen war, um der Plage zu entkommen – doch trotzdem konnte er nicht umhin, von Zeit zu Zeit seine Bitten und Empörungen auszusprechen.
Stubb berücksichtigte all das und verteidigte seinen Plan gut. Dann wandte er sich an den Mann aus Guernsey und führte ein kurzes Gespräch mit ihm. Dabei drückte der fremde Matrose seine Verachtung für seinen Kapitän aus – einen eingebildeten Ignoranten, der sie alle in eine so unangenehme und nutzlose Situation gebracht hatte. Nachdem Stubb ihn sorgfältig befragt hatte, stellte er fest, dass der Mann aus Guernsey keinerlei Ahnung von Ambergris hatte. Deshalb schwieg er in dieser Hinsicht, war aber ansonsten äußerst offen und ehrlich zu ihm. So entwickelten die beiden schnell einen kleinen Plan, wie sie den Kapitän umgehen und verspotten konnten, ohne dass er je Verdacht schöpfte.
Laut diesem Plan sollte der Mann aus Guernsey unter dem Vorwand einer Übersetzungstätigkeit dem Kapitän sagen, was immer er wollte – allerdings so, als käme das von…
„Das weiß ich nur zu gut; aber sehen Sie, der Kapitän hier wird es nicht glauben; es ist seine erste Reise; früher war er Hersteller in Köln. Aber kommen Sie an Bord – vielleicht glaubt er Ihnen, wenn er mir nicht glaubt; dann komme ich aus dieser schrecklichen Situation heraus.“
„Alles, um Ihnen zu helfen, mein lieber, angenehmer Freund“, erwiderte Stubb, und schon stieg er auf das Deck. Dort bot sich ein seltsamer Anblick: Die Matrosen, mit roten Wollmützen geschmückt, bereiteten die schweren Geräte für die Jagd auf Wale vor. Doch sie arbeiteten ziemlich langsam und sprachen sehr schnell; außerdem schienen sie keineswegs gut gelaunt zu sein. Alle ihre Nasen ragten nach oben aus ihren Gesichtern hervor. Von Zeit zu Zeit ließen einige von ihnen ihre Arbeit liegen und eilten zum Mastkopf, um frische Luft zu schnappen. Einige glaubten, sie könnten die Pest bekommen, und tauchten Leinen in Kohlenöl, um dieses ab und zu an ihre Nasen zu halten. Andere hatten die Stängel ihrer Pfeifen fast ganz abgebrochen und bliesen kräftig Tabakrauch aus – dadurch wurde ihre Nase ständig mit Rauch gefüllt.
Stubb wurde von Schreien und Flüchen aus dem runden Raum des Kapitäns hinter ihm überrascht; als er in diese Richtung blickte, sah er ein feuriges Gesicht, das hinter der Tür hervorschoss – die von innen einen Spalt offen stand. Das war der gequälte Chirurg, der nach vergeblichen Versuchen, gegen das Vorgehen des Tages zu protestieren, in den runden Raum des Kapitäns geflohen war, um der Plage zu entkommen – doch trotzdem konnte er nicht umhin, von Zeit zu Zeit seine Bitten und Empörungen auszusprechen.
Stubb berücksichtigte all das und verteidigte seinen Plan gut. Dann wandte er sich an den Mann aus Guernsey und führte ein kurzes Gespräch mit ihm. Dabei drückte der fremde Matrose seine Verachtung für seinen Kapitän aus – einen eingebildeten Ignoranten, der sie alle in eine so unangenehme und nutzlose Situation gebracht hatte. Nachdem Stubb ihn sorgfältig befragt hatte, stellte er fest, dass der Mann aus Guernsey keinerlei Ahnung von Ambergris hatte. Deshalb schwieg er in dieser Hinsicht, war aber ansonsten äußerst offen und ehrlich zu ihm. So entwickelten die beiden schnell einen kleinen Plan, wie sie den Kapitän umgehen und verspotten konnten, ohne dass er je Verdacht schöpfte.
Laut diesem Plan sollte der Mann aus Guernsey unter dem Vorwand einer Übersetzungstätigkeit dem Kapitän sagen, was immer er wollte – allerdings so, als käme das von…
Page 441
Von Stubb – und was Stubb betraf, so sollte er einfach jeden Unsinn aussprechen, der ihm während des Gesprächs in den Sinn kam.
Zu dieser Zeit erschien ihr auserwähltes Opfer aus seiner Kabine. Er war ein kleiner, dunkelhäutiger Mann – für einen Seekapitän eher zierlich gebaut – mit großen Schnurrbartstücken. Er trug eine rote Baumwollsamtweste sowie Uhranhänger an der Seite. Diesem Herrn wurde Stubb nun höflich vom Mann von Guernsey vorgestellt; dieser tat sofort so, als würde er zwischen ihnen übersetzen.
„Was soll ich ihm zuerst sagen?“, fragte er.
„Nun“, sagte Stubb und betrachtete die Samtweste sowie die Uhr und Anhänger, „Sie können genauso gut damit anfangen, ihm zu sagen, dass er mir irgendwie kindlich erscheint – obwohl ich nicht behaupte, ein Experte zu sein.“
„Er sagt, Monsieur“, erwiderte der Mann von Guernsey auf Französisch und wandte sich an seinen Kapitän, „dass erst gestern sein Schiff auf ein anderes Schiff stieß, dessen Kapitän, Erster Offizier sowie sechs Matrosen alle an einer Fieberkrankheit gestorben sind, die sie durch einen verdammten Wal bekommen hatten.“
Daraufhin wurde der Kapitän unruhig und wollte unbedingt mehr erfahren.
„Und jetzt?“, fragte der Mann von Guernsey Stubb.
„Nun, da er es so leicht nimmt, sagen Sie ihm, dass ich ihn jetzt genau betrachtet habe und fest davon überzeugt bin, dass er nicht besser geeignet ist, ein Walfangschiff zu führen, als ein St. Jago-Affe. Sagen Sie ihm außerdem von mir aus, dass er ein Babuin ist.“
„Er schwört und erklärt, Monsieur, dass der andere Wal, der getrocknete, weitaus tödlicher ist als dieser verdammte Wal. Kurz gesagt, Monsieur, er bittet uns inständig, von diesen Walen wegzukommen – schließlich schätzen wir doch unser Leben.“
Sofort eilte der Kapitän vorwärts und befahl mit lauter Stimme seiner Besatzung, aufzuhören, die Geräte zum Fang der Wale zu benutzen, und sofort die Seile und Ketten loszumachen, mit denen die Wale am Schiff festgebunden waren.
„Und jetzt?“, fragte der Mann von Guernsey, als der Kapitän wieder zu ihnen zurückkam.
„Nun, lassen Sie mich nachdenken… Ja, Sie können ihm jetzt sagen, dass ich ihn hereingelegt habe – und vielleicht auch jemand anderen.“
„Er sagt, Monsieur, dass er sehr glücklich ist, uns irgendwie helfen zu können.“
Zu dieser Zeit erschien ihr auserwähltes Opfer aus seiner Kabine. Er war ein kleiner, dunkelhäutiger Mann – für einen Seekapitän eher zierlich gebaut – mit großen Schnurrbartstücken. Er trug eine rote Baumwollsamtweste sowie Uhranhänger an der Seite. Diesem Herrn wurde Stubb nun höflich vom Mann von Guernsey vorgestellt; dieser tat sofort so, als würde er zwischen ihnen übersetzen.
„Was soll ich ihm zuerst sagen?“, fragte er.
„Nun“, sagte Stubb und betrachtete die Samtweste sowie die Uhr und Anhänger, „Sie können genauso gut damit anfangen, ihm zu sagen, dass er mir irgendwie kindlich erscheint – obwohl ich nicht behaupte, ein Experte zu sein.“
„Er sagt, Monsieur“, erwiderte der Mann von Guernsey auf Französisch und wandte sich an seinen Kapitän, „dass erst gestern sein Schiff auf ein anderes Schiff stieß, dessen Kapitän, Erster Offizier sowie sechs Matrosen alle an einer Fieberkrankheit gestorben sind, die sie durch einen verdammten Wal bekommen hatten.“
Daraufhin wurde der Kapitän unruhig und wollte unbedingt mehr erfahren.
„Und jetzt?“, fragte der Mann von Guernsey Stubb.
„Nun, da er es so leicht nimmt, sagen Sie ihm, dass ich ihn jetzt genau betrachtet habe und fest davon überzeugt bin, dass er nicht besser geeignet ist, ein Walfangschiff zu führen, als ein St. Jago-Affe. Sagen Sie ihm außerdem von mir aus, dass er ein Babuin ist.“
„Er schwört und erklärt, Monsieur, dass der andere Wal, der getrocknete, weitaus tödlicher ist als dieser verdammte Wal. Kurz gesagt, Monsieur, er bittet uns inständig, von diesen Walen wegzukommen – schließlich schätzen wir doch unser Leben.“
Sofort eilte der Kapitän vorwärts und befahl mit lauter Stimme seiner Besatzung, aufzuhören, die Geräte zum Fang der Wale zu benutzen, und sofort die Seile und Ketten loszumachen, mit denen die Wale am Schiff festgebunden waren.
„Und jetzt?“, fragte der Mann von Guernsey, als der Kapitän wieder zu ihnen zurückkam.
„Nun, lassen Sie mich nachdenken… Ja, Sie können ihm jetzt sagen, dass ich ihn hereingelegt habe – und vielleicht auch jemand anderen.“
„Er sagt, Monsieur, dass er sehr glücklich ist, uns irgendwie helfen zu können.“
Page 442
Als er das hörte, schwor der Kapitän, dass sie die Dankbaren seien – also er selbst und sein Gehilfe – und schloss damit ab, indem er Stubb einlud, in seine Kabine zu kommen, um eine Flasche Bordeaux zu trinken.
„Er möchte, dass Sie ein Glas Wein mit ihm trinken“, sagte der Übersetzer.
„Danke ihm herzlich – aber sagen Sie ihm, es widerspricht meinen Prinzipien, mit dem Mann zu trinken, den ich betrogen habe. Tatsächlich: Sagen Sie ihm, ich muss gehen.“
„Er sagt, Monsieur, seine Prinzipien erlauben es ihm nicht zu trinken; aber wenn Monsieur noch einen Tag lang trinken möchte, dann sollte er besser alle vier Boote loslassen und das Schiff von diesen Walen wegführen – denn es ist so ruhig, dass sie nicht treiben werden.“
Zu dieser Zeit war Stubb bereits über die Reling gestiegen und stieg in sein Boot. Er rief dem Mann von Guernsey zu, dass er mit seiner langen Zugleine alles tun würde, um ihnen zu helfen, indem er den leichteren der beiden Wale vom Schiff wegziehen würde. Während die Boote des Franzosen das Schiff in eine Richtung zogen, zog Stubb freundlicherweise seinen Wal in die entgegengesetzte Richtung – wobei er absichtlich eine außergewöhnlich lange Zugleine benutzte.
Bald darauf wehte ein Lufthauch auf; Stubb tat so, als würde er sich vom Wal lösen. Als er seine Boote hochhievte, vergrößerte der Franzose schnell Abstand – während die Pequod zwischen ihn und Stubbs Wal glitt. Daraufhin zog Stubb schnell zum schwimmenden Wal und rief der Pequod zu, um seine Absichten mitzuteilen. Dann begann er, die Früchte seiner ungerechten List zu ernten. Mit seiner scharfen Bootsschaufel begann er, etwas hinter der Seitenflosse im Körper des Wals zu graben. Man hätte fast meinen können, er würde dort im Meer einen Keller ausheben. Als seine Schaufel schließlich auf die knochigen Rippen stieß, war es, als würde man alte römische Ziegel und Keramikstücke aus fettem englischem Lehm hervorholen. Die Besatzung seines Bootes war äußerst aufgeregt und half ihrem Anführer eifrig – und sah dabei genauso besorgt aus wie Goldsucher.
Die ganze Zeit über tauchten unzählige Vögel auf, duckten sich, schrien und kämpften um sie herum. Stubb begann enttäuscht auszusehen – besonders, da der schreckliche Gestank immer stärker wurde. Plötzlich drang aus dem Herzen dieses „Übels“ ein schwacher Duftstrahl hervor, der durch die Wolke des üblen Geruchs strömte, ohne von ihr aufgenommen zu werden – so wie ein Fluss in einen anderen fließt, ohne sich vorübergehend mit ihm zu vermischen.
„Ich hab’s, ich hab’s!“, rief Stubb freudig und schlug gegen etwas in den unterirdischen Regionen des Wals. „Eine Börse! Eine Börse!“
„Er möchte, dass Sie ein Glas Wein mit ihm trinken“, sagte der Übersetzer.
„Danke ihm herzlich – aber sagen Sie ihm, es widerspricht meinen Prinzipien, mit dem Mann zu trinken, den ich betrogen habe. Tatsächlich: Sagen Sie ihm, ich muss gehen.“
„Er sagt, Monsieur, seine Prinzipien erlauben es ihm nicht zu trinken; aber wenn Monsieur noch einen Tag lang trinken möchte, dann sollte er besser alle vier Boote loslassen und das Schiff von diesen Walen wegführen – denn es ist so ruhig, dass sie nicht treiben werden.“
Zu dieser Zeit war Stubb bereits über die Reling gestiegen und stieg in sein Boot. Er rief dem Mann von Guernsey zu, dass er mit seiner langen Zugleine alles tun würde, um ihnen zu helfen, indem er den leichteren der beiden Wale vom Schiff wegziehen würde. Während die Boote des Franzosen das Schiff in eine Richtung zogen, zog Stubb freundlicherweise seinen Wal in die entgegengesetzte Richtung – wobei er absichtlich eine außergewöhnlich lange Zugleine benutzte.
Bald darauf wehte ein Lufthauch auf; Stubb tat so, als würde er sich vom Wal lösen. Als er seine Boote hochhievte, vergrößerte der Franzose schnell Abstand – während die Pequod zwischen ihn und Stubbs Wal glitt. Daraufhin zog Stubb schnell zum schwimmenden Wal und rief der Pequod zu, um seine Absichten mitzuteilen. Dann begann er, die Früchte seiner ungerechten List zu ernten. Mit seiner scharfen Bootsschaufel begann er, etwas hinter der Seitenflosse im Körper des Wals zu graben. Man hätte fast meinen können, er würde dort im Meer einen Keller ausheben. Als seine Schaufel schließlich auf die knochigen Rippen stieß, war es, als würde man alte römische Ziegel und Keramikstücke aus fettem englischem Lehm hervorholen. Die Besatzung seines Bootes war äußerst aufgeregt und half ihrem Anführer eifrig – und sah dabei genauso besorgt aus wie Goldsucher.
Die ganze Zeit über tauchten unzählige Vögel auf, duckten sich, schrien und kämpften um sie herum. Stubb begann enttäuscht auszusehen – besonders, da der schreckliche Gestank immer stärker wurde. Plötzlich drang aus dem Herzen dieses „Übels“ ein schwacher Duftstrahl hervor, der durch die Wolke des üblen Geruchs strömte, ohne von ihr aufgenommen zu werden – so wie ein Fluss in einen anderen fließt, ohne sich vorübergehend mit ihm zu vermischen.
„Ich hab’s, ich hab’s!“, rief Stubb freudig und schlug gegen etwas in den unterirdischen Regionen des Wals. „Eine Börse! Eine Börse!“
Page 443
Er ließ seinen Spaten fallen, steckte beide Hände hinein und zog Handvoll davon heraus – es sah aus wie reifer Windsor-Seife oder wie reicher, gefleckter alter Käse; außerdem war es sehr fettig und würzig. Man konnte es leicht mit dem Daumen eindrücken; seine Farbe lag zwischen Gelb und Aschfarbe. Und das, meine guten Freunde, ist Ambergris – für jeden Apotheker wertvoll, ein Unze kostet dabei eine Goldguinee. Es konnten etwa sechs Handvoll geborgen werden; doch mehr ging unweigerlich im Meer verloren. Noch mehr hätte vielleicht gerettet werden können, wären Ahabs ungeduldige, lauten Befehle an Stubb nicht gewesen, aufzuhören und an Bord zu kommen – sonst würde das Schiff sich von ihnen verabschieden.
Page 444
Page 445
KAPITEL 92. Ambra.
Diese Ambra ist eine sehr seltsame Substanz – und als Handelsgut von solcher Bedeutung, dass im Jahr 1791 ein gewisser Captain Coffin aus Nantucket vor dem englischen Unterhaus zu diesem Thema befragt wurde. Denn zu jener Zeit – und tatsächlich bis in relativ späte Zeiten hinein – blieb die genaue Herkunft der Ambra, genauso wie des Ambers selbst, ein Rätsel für die Gelehrten. Obwohl das Wort „Ambra“ lediglich die französische Bezeichnung für graues Bernstein ist, sind die beiden Substanzen doch völlig unterschiedlich. Der Bernstein findet zwar manchmal an den Küsten, wird aber auch in einigen Böden tief im Land gefunden; die Ambra hingegen kommt niemals anderswo als im Meer vor. Zudem ist der Bernstein eine harte, durchsichtige, brüchige, geruchlose Substanz, die zur Herstellung von Mundstücken für Pfeifen sowie für Perlen und Verzierungen verwendet wird; die Ambra hingegen ist weich, wachsartig und äußerst duftend sowie würzig, weshalb sie häufig in der Parfümerie, in Pastillen, wertvollen Kerzen, Haarpudern und Pomaden verwendet wird. Die Türken nutzen sie beim Kochen und bringen sie auch nach Mekka – aus demselben Grund, aus dem Weihrauch nach St. Peter in Rom gebracht wird. Einige Weinhändler geben einige Körner davon in Rotwein, um ihn zu aromatisieren.
Wer hätte gedacht, dass solche feinen Damen und Herren sich mit einer Essenz erfreuen, die sich in den „unehrenhaften Eingeweiden“ eines kranken Wals befindet! Doch so ist es. Manche glauben, die Ambra sei die Ursache, andere wiederum das Ergebnis der Verdauungsstörungen beim Wal. Wie man eine solche Verdauungsstörung heilen könnte, lässt sich schwer sagen – es sei denn, man gibt drei oder vier Bootsladungen von Brandreths Pillen ein und zieht sich anschließend in Sicherheit, wie es die Arbeiter bei der Sprengung von Felsen tun.
Ich habe vergessen zu erwähnen, dass in dieser Ambra bestimmte harte, runde, knöcherne Platten gefunden wurden. Zuerst dachte Stubb, es könnten Knöpfe für Matrosenhosen sein; später stellte sich jedoch heraus, dass es sich dabei nur um kleine Tintenfischknochen handelte, die auf diese Weise konserviert worden waren.
Dass die Unvergänglichkeit dieser äußerst duftenden Ambra gerade im Herzen solcher Verwesung zu finden ist – ist das nichts? Denke an das Zitat des Heiligen Paulus in den Korintherbriefen über Verwesung und Unvergänglichkeit; darin heißt es, wir werden in Schande gesät, aber in Herrlichkeit auferweckt. Denke auch an das Zitat von Paracelsus darüber, was den besten Moschus ausmacht. Und vergiss nicht…
Diese Ambra ist eine sehr seltsame Substanz – und als Handelsgut von solcher Bedeutung, dass im Jahr 1791 ein gewisser Captain Coffin aus Nantucket vor dem englischen Unterhaus zu diesem Thema befragt wurde. Denn zu jener Zeit – und tatsächlich bis in relativ späte Zeiten hinein – blieb die genaue Herkunft der Ambra, genauso wie des Ambers selbst, ein Rätsel für die Gelehrten. Obwohl das Wort „Ambra“ lediglich die französische Bezeichnung für graues Bernstein ist, sind die beiden Substanzen doch völlig unterschiedlich. Der Bernstein findet zwar manchmal an den Küsten, wird aber auch in einigen Böden tief im Land gefunden; die Ambra hingegen kommt niemals anderswo als im Meer vor. Zudem ist der Bernstein eine harte, durchsichtige, brüchige, geruchlose Substanz, die zur Herstellung von Mundstücken für Pfeifen sowie für Perlen und Verzierungen verwendet wird; die Ambra hingegen ist weich, wachsartig und äußerst duftend sowie würzig, weshalb sie häufig in der Parfümerie, in Pastillen, wertvollen Kerzen, Haarpudern und Pomaden verwendet wird. Die Türken nutzen sie beim Kochen und bringen sie auch nach Mekka – aus demselben Grund, aus dem Weihrauch nach St. Peter in Rom gebracht wird. Einige Weinhändler geben einige Körner davon in Rotwein, um ihn zu aromatisieren.
Wer hätte gedacht, dass solche feinen Damen und Herren sich mit einer Essenz erfreuen, die sich in den „unehrenhaften Eingeweiden“ eines kranken Wals befindet! Doch so ist es. Manche glauben, die Ambra sei die Ursache, andere wiederum das Ergebnis der Verdauungsstörungen beim Wal. Wie man eine solche Verdauungsstörung heilen könnte, lässt sich schwer sagen – es sei denn, man gibt drei oder vier Bootsladungen von Brandreths Pillen ein und zieht sich anschließend in Sicherheit, wie es die Arbeiter bei der Sprengung von Felsen tun.
Ich habe vergessen zu erwähnen, dass in dieser Ambra bestimmte harte, runde, knöcherne Platten gefunden wurden. Zuerst dachte Stubb, es könnten Knöpfe für Matrosenhosen sein; später stellte sich jedoch heraus, dass es sich dabei nur um kleine Tintenfischknochen handelte, die auf diese Weise konserviert worden waren.
Dass die Unvergänglichkeit dieser äußerst duftenden Ambra gerade im Herzen solcher Verwesung zu finden ist – ist das nichts? Denke an das Zitat des Heiligen Paulus in den Korintherbriefen über Verwesung und Unvergänglichkeit; darin heißt es, wir werden in Schande gesät, aber in Herrlichkeit auferweckt. Denke auch an das Zitat von Paracelsus darüber, was den besten Moschus ausmacht. Und vergiss nicht…
Page 446
Es ist nicht verwunderlich, dass von allen Dingen mit unangenehmem Geruch gerade Kölnwasser in seinen ersten Produktionsstadien der schlimmste ist. Ich möchte dieses Kapitel mit diesem Appell abschließen – doch ich kann es nicht, weil ich vermeiden möchte, eine häufig gegen Walfänger erhobene Anschuldigung zu widerlegen. Nach Ansicht einiger voreingenommener Menschen könnte diese Anschuldigung durch das Gesagte über die beiden Wale des Franzosen indirekt bestätigt werden. An anderer Stelle in diesem Band wurde bereits die verleumderische Behauptung widerlegt, dass die Walfangtätigkeit per se eine schmutzige und unordentliche Angelegenheit sei. Doch es gibt noch etwas, was widerlegt werden muss: Man behauptet, alle Wale würden immer schlecht riechen. Woher stammt dieses abscheuliche Vorurteil? Ich bin der Ansicht, dass es auf den ersten Aufenthalt der grönlandischen Walfangschiffe in London vor mehr als zwei Jahrhunderten zurückzuführen ist. Denn diese Walfänger versuchten damals – und tun es auch heute nicht –, ihr Öl wie die Schiffe aus dem Süden stets auf See zu prüfen; stattdessen schnitten sie das frische Fett in kleine Stücke, steckten sie durch die Löcher großer Fässer und brachten es auf diese Weise nach Hause. Die kurze Wintersaison in diesen eisigen Meeren sowie die plötzlichen, heftigen Stürme erlaubten keine andere Vorgehensweise. Infolgedessen entsteht, wenn man die Laderäume dieser „Walfriedhöfe“ in den grönlandischen Häfen öffnet, ein Geruch, der dem ähnelt, der entsteht, wenn man auf einem alten Friedhof Gruben für Krankenhäuser aushebt. Ich vermute außerdem, dass diese böse Anschuldigung gegen Walfänger auch auf das Vorhandensein eines niederländischen Dorfes an der Küste Grönlands zurückzuführen sein könnte – dieses Dorf hieß einst Schmerenburgh oder Smeerenberg; letzterer Name wird vom gelehrten Fogo Von Slack in seinem umfangreichen Werk über Gerüche verwendet. Wie der Name schon sagt („smeer“ bedeutet Fett, „berg“ bedeutet lagern), wurde dieses Dorf gegründet, um einen Ort zur Prüfung des Fetts der niederländischen Walfangflotte bereitzustellen – ohne dass dieses Fett dazu nach Holland gebracht werden musste. Es handelte sich dabei um eine Ansammlung von Öfen, Fettkesseln und Öllagerhallen; und wenn dort gearbeitet wurde, entstand sicherlich kein besonders angenehmer Geruch. Bei einem Walfänger aus den Südmeeren ist das jedoch ganz anders: Nach einer vierjährigen Reise, in der das Schiff seinen Laderaum vollständig mit Öl gefüllt hat, benötigt es vielleicht nur fünfzig Tage, um das Öl zu destillieren; in diesem Zustand ist das Öl fast geruchlos. Tatsächlich sind Wale, egal ob lebend oder tot, sofern sie ordentlich behandelt werden, keineswegs Tiere mit unangenehmem Geruch – und Walfänger können auch nicht als solche betrachtet werden.
Page 447
Die Menschen im Mittelalter versuchten, anhand der Nase herauszufinden, ob sich ein Jude in der Gesellschaft befand. Auch der Wal kann wohl kaum anders als duftend sein – schließlich genießt er im Allgemeinen eine ausgezeichnete Gesundheit, treibt viel Sport und verbringt die meiste Zeit draußen – wenn auch selten im Freien. Ich sage: Die Bewegung der Flossen des Schwertwals über der Wasseroberfläche erzeugt einen Duft, ähnlich wie wenn eine duftende Dame ihr Kleid in einem warmen Raum raschelt. Womit soll ich also den Schwertwal hinsichtlich seines Duftes vergleichen, angesichts seiner Größe? Muss es nicht jenes berühmte Elefant mit juwelenbesetzten Stoßzähnen sein, das mit Myrrenduft aus einer indischen Stadt geführt wurde, um Alexander dem Großen Ehre zu erweisen?
Page 448
KAPITEL 93. Der Schiffbrüchige
Es waren nur wenige Tage vergangen, seit sie dem Franzosen begegnet waren, als dem unbedeutendsten Mitglied der Besatzung der Pequod ein äußerst bedeutendes Ereignis widerfuhr – ein äußerst bedauerliches Ereignis, das dazu führte, dass dieses manchmal verrückt fröhliche und vorherbestimmte Schiff eine lebendige, stets begleitende „Prophezeiung“ darüber erhielt, welche zerstörerischen Folgen es noch erleben würde.
Auf einem Walfangschiff geht nicht jeder in die Boote. Einige wenige Männer werden als Bootswächter ausgewählt; ihre Aufgabe ist es, das Schiff zu steuern, während die Boote nach dem Wal suchen. Im Allgemeinen sind diese Bootswächter genauso zähe Kerle wie die Männer in den Bootsmannschaften. Doch wenn sich zufällig jemand im Schiff findet, der besonders dünn, ungeschickt oder feige ist, dann wird dieser Mensch sicherlich zum Bootswächter gemacht. So war es auch auf der Pequod mit dem kleinen Schwarzen namens Pippin – kurz Pip genannt. Armer Pip! Ihr habt schon von ihm gehört; ihr erinnert euch sicher an seine Trommel in jener dramatischen Mitternacht, so düster-fröhlich.
Äußerlich glichen Pip und Dough-Boy einander – wie ein schwarzes und ein weißes Pferd, von gleicher Statur, doch unterschiedlicher Farbe, zusammengeführt durch einen gemeinsamen Zügel. Doch während der unglückliche Dough-Boy von Natur aus träge und geistig langsam war, war Pip, obwohl er ein sehr sanftmütiger Mensch war, im Grunde sehr klug – mit jener angenehmen, fröhlichen Intelligenz, die seiner Rasse eigen ist. Eine Rasse, die alle Feiertage und Feste mit größerer Freude und Lebendigkeit feiert als jede andere Rasse. Für die Schwarzen sollte das Kalenderjahr nur 365 Fourth-of-July-Feiertage sowie Neujahrsfeiern zeigen. Lächelt nicht so, während ich das schreibe – dieser kleine Schwarze war doch brillant! Denn selbst die Dunkelheit hat ihre Brillanz; seht doch diesen glänzenden Ebenholz, der in Königschränken verwendet wird.
Doch Pip liebte das Leben und all die friedlichen Sicherheiten des Lebens. Deshalb trübte die schreckliche Situation, in der er sich unerklärlicherweise befand, seine Brillanz auf tragische Weise. Doch wie bald zeigen wird, sollte das, was in ihm vorübergehend unterdrückt wurde, letztendlich von seltsamen, wilden Flammen hell erleuchtet werden – Flammen, die ihm ein zehnfach größeres natürliches Glanz verliehen, als er es einst in seinem Heimatort Tolland County in Connecticut hatte, wo er viele Musiker bei ihren Spielen auf der Wiese zum Leben erweckte – und bei melodischen Abendstunden mit seinem fröhlichen „Ha-ha!“ die Stimmung erhöhte.
Es waren nur wenige Tage vergangen, seit sie dem Franzosen begegnet waren, als dem unbedeutendsten Mitglied der Besatzung der Pequod ein äußerst bedeutendes Ereignis widerfuhr – ein äußerst bedauerliches Ereignis, das dazu führte, dass dieses manchmal verrückt fröhliche und vorherbestimmte Schiff eine lebendige, stets begleitende „Prophezeiung“ darüber erhielt, welche zerstörerischen Folgen es noch erleben würde.
Auf einem Walfangschiff geht nicht jeder in die Boote. Einige wenige Männer werden als Bootswächter ausgewählt; ihre Aufgabe ist es, das Schiff zu steuern, während die Boote nach dem Wal suchen. Im Allgemeinen sind diese Bootswächter genauso zähe Kerle wie die Männer in den Bootsmannschaften. Doch wenn sich zufällig jemand im Schiff findet, der besonders dünn, ungeschickt oder feige ist, dann wird dieser Mensch sicherlich zum Bootswächter gemacht. So war es auch auf der Pequod mit dem kleinen Schwarzen namens Pippin – kurz Pip genannt. Armer Pip! Ihr habt schon von ihm gehört; ihr erinnert euch sicher an seine Trommel in jener dramatischen Mitternacht, so düster-fröhlich.
Äußerlich glichen Pip und Dough-Boy einander – wie ein schwarzes und ein weißes Pferd, von gleicher Statur, doch unterschiedlicher Farbe, zusammengeführt durch einen gemeinsamen Zügel. Doch während der unglückliche Dough-Boy von Natur aus träge und geistig langsam war, war Pip, obwohl er ein sehr sanftmütiger Mensch war, im Grunde sehr klug – mit jener angenehmen, fröhlichen Intelligenz, die seiner Rasse eigen ist. Eine Rasse, die alle Feiertage und Feste mit größerer Freude und Lebendigkeit feiert als jede andere Rasse. Für die Schwarzen sollte das Kalenderjahr nur 365 Fourth-of-July-Feiertage sowie Neujahrsfeiern zeigen. Lächelt nicht so, während ich das schreibe – dieser kleine Schwarze war doch brillant! Denn selbst die Dunkelheit hat ihre Brillanz; seht doch diesen glänzenden Ebenholz, der in Königschränken verwendet wird.
Doch Pip liebte das Leben und all die friedlichen Sicherheiten des Lebens. Deshalb trübte die schreckliche Situation, in der er sich unerklärlicherweise befand, seine Brillanz auf tragische Weise. Doch wie bald zeigen wird, sollte das, was in ihm vorübergehend unterdrückt wurde, letztendlich von seltsamen, wilden Flammen hell erleuchtet werden – Flammen, die ihm ein zehnfach größeres natürliches Glanz verliehen, als er es einst in seinem Heimatort Tolland County in Connecticut hatte, wo er viele Musiker bei ihren Spielen auf der Wiese zum Leben erweckte – und bei melodischen Abendstunden mit seinem fröhlichen „Ha-ha!“ die Stimmung erhöhte.
Page 449
Der Horizont verwandelt sich in eine Trommel mit Sternenmuster. So wird zwar der Diamant mit reinem Wasser im klaren Tageslicht, an einem blau geäderten Hintergrund, in hellem Glanz erstrahlen; doch wenn der geschickte Juwelier Ihnen den Diamanten in seinem beeindruckendsten Glanz zeigen will, legt er ihn auf einen dunklen Untergrund und beleuchtet ihn dann – nicht durch die Sonne, sondern durch künstliche Gase. Dann entstehen jene flammenden Erscheinungen, höllisch prächtig; der einst göttlichste Symbol des kristallklaren Himmels wirkt dann wie ein Kronenschmuck, der dem König der Hölle gestohlen wurde. Doch kehren wir zur Geschichte zurück. Es geschah, dass Stubb beim Kampf mit dem Walbullen dessen Ruderer versehentlich die Hand verstauchte, sodass dieser für eine Weile völlig hilflos war; vorübergehend wurde Pip an seine Stelle gesetzt. Beim ersten Mal, als Stubb mit ihm ins Wasser ging, zeigte Pip große Nervosität; glücklicherweise vermied er diesmal einen direkten Kontakt mit dem Wal und kam daher nicht völlig beschämend davon – obwohl Stubb ihn beobachtete und danach darauf achtete, ihn dazu zu ermutigen, seinen Mut bis zum Äußersten zu bewahren, denn er könnte ihn oft brauchen. Beim zweiten Mal ruderte das Boot auf den Wal zu; als der Wal den geworfenen Eisenpfeil erhielt, gab er sein übliches Geräusch von sich – in diesem Fall genau unter Pips Sitz. Die unwillkürliche Panik ließ ihn mit dem Ruder in der Hand aus dem Boot springen; dabei drückte sich ein Teil der schlaffen Walleine gegen seine Brust, und er wurde zusammen mit ihr über Bord gezogen und verfing sich darin, als er schließlich ins Wasser fiel. In diesem Moment startete der getroffene Wal mit großer Geschwindigkeit los, die Leine straffte sich schnell – und schon kam der arme Pip, Schaum vor dem Mund, bis zu den Rudern des Bootes, gnadenlos von der Leine dorthin gezerrt, die sich mehrmals um seine Brust und seinen Hals gewickelt hatte. Tashtego stand am Bug. Er war voller Jagdfieber. Er hasste Pip wegen seiner Feigheit. Er riss das Bootsmesser aus der Scheide, hielt seine scharfe Klinge über die Leine und wandte sich an Stubb mit der Frage: „Soll ich durchschneiden?“ In der Zwischenzeit sah Pips blaues, entsetztes Gesicht deutlich aus: „Tu es, um Gottes willen!“ Alles geschah in einem Augenblick. In weniger als einer halben Minute war das ganze Geschehen vorbei. „Verdammt nochmal, schneid durch!“, brüllte Stubb – und so ging der Wal verloren, während Pip gerettet wurde. Sobald er sich wieder erholt hatte, wurde der arme kleine Schwarze von Schreien und Flüchen der Besatzung heimgesucht. Gelassen ließ er diese Unruhen über sich ergehen.
Page 450
Die Flüche verflogen – dann verfluchte Stubb Pip auf eine nüchterne, geschäftsmäßige, aber dennoch halb humorvolle Weise offiziell; danach gab er ihm inoffiziell viele gute Ratschläge. Im Grunde lautete der Rat: „Spring niemals aus dem Boot, Pip – außer in solchen Fällen…“ Doch alles Weitere blieb vage, wie es bei den besten Ratschlägen üblich ist. Im Allgemeinen gilt: Bleib im Boot – das ist dein wahres Motto beim Walfang. Doch es kommen manchmal Situationen vor, in denen es besser ist, aus dem Boot zu springen. Zudem schien Stubb endlich zu erkennen, dass er Pip, wenn er ihm ehrliche Ratschläge geben würde, zu viel Freiraum ließe, um in Zukunft wieder ins Boot zu springen. Deshalb hörte er plötzlich auf, Ratschläge zu geben, und beendete seine Ansprache mit einem entschiedenen Befehl: „Bleib im Boot, Pip – sonst werde ich dich nicht retten, wenn du springst. Denk daran. Wir können es uns nicht leisten, Wale wegen Leuten wie dir zu verlieren. Ein Wal würde in Alabama dreißigmal so viel einbringen wie du, Pip. Halte das im Hinterkopf und spring nicht mehr.“ Damit deutete Stubb vielleicht indirekt an, dass der Mensch zwar seinen Mitmenschen liebt, doch letztlich ein geldgieriges Wesen ist – eine Neigung, die allzu oft seiner Güte im Weg steht. Doch wir sind alle in den Händen der Götter – und Pip sprang erneut ins Meer. Es waren ähnliche Umstände wie beim ersten Mal; doch diesmal ließ er das Seil nicht los. Als der Wal anfing zu schwimmen, blieb Pip zurück im Meer, wie ein Gepäckstück eines hastigen Reisenden. Ach! Stubb hielt sein Wort. Es war ein schöner, sonniger Tag; das Meer war ruhig und kühl und erstreckte sich bis zum Horizont, wie gehämmtes Goldpapier. Im Auf und Ab des Meeres zeigte Pips dunkle Kopfform sich wie die einer Nelke. Als er so schnell zurückblieb, wurde kein Bootsmesser gezogen. Stubbs unerbittlicher Rücken war ihm zugewandt – und der Wal schwamm davon. Innerhalb von drei Minuten lag eine ganze Meile kahler Ozean zwischen Pip und Stubb. Aus der Mitte des Meeres wandte der arme Pip seinen schwarzen Kopf der Sonne zu – ein weiterer einsamer Schiffbrüchiger, obwohl er der edelste und strahlendste war. Bei ruhigem Wetter ist es für einen geübten Schwimmer genauso einfach, im offenen Meer zu schwimmen, wie in einer Kutsche ans Ufer zu fahren. Doch die schreckliche Einsamkeit ist unerträglich. Die intensive Konzentration auf sich selbst inmitten dieser herzlosen Weite – mein Gott! Wer kann das beschreiben? Man sieht ja, wie Seeleute bei völliger Windstille im offenen Meer baden – sie halten sich eng an ihr Schiff und schwimmen nur entlang seiner Seiten. Aber hatte Stubb den armen kleinen Schwarzen wirklich seinem Schicksal überlassen? Nein – zumindest hatte er das nicht vor. Denn es gab zwei Boote hinter ihm, und er…
Page 451
Man nahm wohl an, dass sie natürlich sehr schnell zu Pip kommen und ihn retten würden; doch solche Rücksichten auf die Ruderer – die durch ihre eigene Feigheit gefährdet waren – werden von den Jägern nicht immer in allen ähnlichen Fällen gezeigt; und solche Fälle kommen durchaus häufig vor. Fast immer wird im Fischfang ein sogenannter Feigling mit derselben rücksichtslosen Verachtung behandelt, wie sie in Militärflotten und Armeen üblich ist. Doch es geschah, dass diese Boote, ohne Pip zu sehen, plötzlich Wale in ihrer Nähe entdeckten, umdrehten und ihnen nachjagten. Stubbs Boot war inzwischen so weit entfernt, und er sowie seine ganze Besatzung waren so sehr auf ihre Fische konzentriert, dass sich der Horizont um Pip traurigerweise immer weiter ausdehnte. Nur durch Zufall rettete schließlich das Schiff selbst ihn; doch ab jenem Moment wanderte der kleine Neger wie ein Idiot über das Deck – zumindest sagten sie das. Das Meer hielt seinen irdischen Körper spöttisch am Leben, doch seine unendliche Seele ertrank. Nicht ganz jedoch – vielmehr wurde er lebend in wunderbare Tiefen getragen, wo seltsame Formen der unverfälschten Urwelt vor seinen passiven Augen hin- und herglitten; und der „arme Meermann“, Weisheit, offenbarte seine gesammelten Schätze. Unter den fröhlichen, herzlosen, ewig jugendlichen Ewigkeiten sah Pip die zahlreichen, allgegenwärtigen Koralleninsekten, die aus dem Firmament der Gewässer riesige Kugeln hervorbrachten. Er sah Gottes Fuß auf dem Pedal des Webstuhls und sprach davon – deshalb nannten seine Schiffskameraden ihn verrückt. So ist die Wahnsinnigkeit des Menschen die Vernunft des Himmels; und indem der Mensch alle irdischen Vernunftgrundsätze hinter sich lässt, gelangt er schließlich zu jenem himmlischen Gedanken, der für die Vernunft absurd und wahnsinnig erscheint; und sei es Glück oder Leid – er empfindet es unbeeinflusst, gleichgültig wie sein Gott. Ansonsten soll man Stubb nicht allzu streng verurteilen. Solches Verhalten ist in diesem Fischfang üblich; und im weiteren Verlauf der Erzählung wird man sehen, welche Art von Verlassenheit auch mich ereilte.
Page 452
KAPITEL 94. Das Drücken der Hand.
Der Wal von Stubb, der zu einem hohen Preis erworben worden war, wurde schließlich an die Seite der Pequod gebracht. Dort wurden alle zuvor beschriebenen Bearbeitungs- und Hebevorgänge durchgeführt – sogar das Verpacken des Spermas in spezielle Behälter. Während einige damit beschäftigt waren, wurden andere damit beauftragt, die größeren Behälter wegzuziehen, sobald sie mit Sperma gefüllt waren. Wenn dann die richtige Zeit gekommen war, wurde dieses Sperma sorgfältig bearbeitet, bevor es in die Prüfanlagen gebracht wurde. Es hatte sich bereits so weit abgekühlt und kristallisiert, dass ich, zusammen mit einigen anderen, vor einer großen Badewanne voll damit saß und feststellte, dass das Sperma zu Klumpen erstarrt war, die hier und da im flüssigen Teil schwammen. Unsere Aufgabe bestand darin, diese Klumpen wieder in eine flüssige Form zu bringen. Was für eine angenehme Aufgabe! Kein Wunder, dass dieses Sperma in alten Zeiten ein beliebtes Kosmetikprodukt war – ein solcher Weichmacher, Verdünner und Geschmacksveredler! Nachdem meine Hände nur wenige Minuten lang darin gewesen waren, fühlten sich meine Finger an wie Aale und begannen, sich zu winden und zu spiralisieren. Ich saß dort entspannt, mit verschränkten Beinen auf dem Deck – nach der anstrengenden Arbeit am Winden – unter einem blauen, ruhigen Himmel. Das Schiff segelte sanft dahin. Ich badete meine Hände in diesen weichen, zarten Klumpen aus Sperma. Sie zerfielen leicht zwischen meinen Fingern und gaben ihren „Reichtum“ frei – wie vollreife Trauben, die ihren Wein abgeben. Ich atmete diesen unverfälschten Duft ein – buchstäblich wie der Duft von Frühlingsveilchen. Ich kann Ihnen sagen: In diesem Moment fühlte ich mich, als lebte ich in einer duftenden Wiese. Ich vergaß völlig unser schreckliches Gelübde. In diesem Sperma wusch ich meine Hände – und auch mein Herz – davon rein. Ich begann fast, der alten Paracelsus’schen Vorstellung Glauben zu schenken, dass Sperma eine besondere Wirkung bei der Linderung von Zorn hat. Während ich in dieser Badewanne saß, fühlte ich mich göttlich frei von jeglicher Bosheit, Unruhe oder Böswilligkeit. Ich drückte und drückte – den ganzen Morgen lang. Ich drückte das Sperma, bis ich fast selbst darin verschmolz. Ich drückte es, bis eine seltsame Art von Wahnsinn über mich kam. Ich merkte nicht einmal, dass ich dabei meine eigenen Hände drückte…
Der Wal von Stubb, der zu einem hohen Preis erworben worden war, wurde schließlich an die Seite der Pequod gebracht. Dort wurden alle zuvor beschriebenen Bearbeitungs- und Hebevorgänge durchgeführt – sogar das Verpacken des Spermas in spezielle Behälter. Während einige damit beschäftigt waren, wurden andere damit beauftragt, die größeren Behälter wegzuziehen, sobald sie mit Sperma gefüllt waren. Wenn dann die richtige Zeit gekommen war, wurde dieses Sperma sorgfältig bearbeitet, bevor es in die Prüfanlagen gebracht wurde. Es hatte sich bereits so weit abgekühlt und kristallisiert, dass ich, zusammen mit einigen anderen, vor einer großen Badewanne voll damit saß und feststellte, dass das Sperma zu Klumpen erstarrt war, die hier und da im flüssigen Teil schwammen. Unsere Aufgabe bestand darin, diese Klumpen wieder in eine flüssige Form zu bringen. Was für eine angenehme Aufgabe! Kein Wunder, dass dieses Sperma in alten Zeiten ein beliebtes Kosmetikprodukt war – ein solcher Weichmacher, Verdünner und Geschmacksveredler! Nachdem meine Hände nur wenige Minuten lang darin gewesen waren, fühlten sich meine Finger an wie Aale und begannen, sich zu winden und zu spiralisieren. Ich saß dort entspannt, mit verschränkten Beinen auf dem Deck – nach der anstrengenden Arbeit am Winden – unter einem blauen, ruhigen Himmel. Das Schiff segelte sanft dahin. Ich badete meine Hände in diesen weichen, zarten Klumpen aus Sperma. Sie zerfielen leicht zwischen meinen Fingern und gaben ihren „Reichtum“ frei – wie vollreife Trauben, die ihren Wein abgeben. Ich atmete diesen unverfälschten Duft ein – buchstäblich wie der Duft von Frühlingsveilchen. Ich kann Ihnen sagen: In diesem Moment fühlte ich mich, als lebte ich in einer duftenden Wiese. Ich vergaß völlig unser schreckliches Gelübde. In diesem Sperma wusch ich meine Hände – und auch mein Herz – davon rein. Ich begann fast, der alten Paracelsus’schen Vorstellung Glauben zu schenken, dass Sperma eine besondere Wirkung bei der Linderung von Zorn hat. Während ich in dieser Badewanne saß, fühlte ich mich göttlich frei von jeglicher Bosheit, Unruhe oder Böswilligkeit. Ich drückte und drückte – den ganzen Morgen lang. Ich drückte das Sperma, bis ich fast selbst darin verschmolz. Ich drückte es, bis eine seltsame Art von Wahnsinn über mich kam. Ich merkte nicht einmal, dass ich dabei meine eigenen Hände drückte…
Page 453
Die Hände der Arbeiter waren daran beteiligt – man hielt ihre Hände für diese zarten Kugeln. Diese Beschäftigung weckte ein so überaus reichhaltiges, liebevolles, freundliches und herzliches Gefühl, dass ich schließlich ständig ihre Hände drückte und ihnen mit Rührung in die Augen blickte – als wollte ich sagen: „Oh! Meine lieben Mitmenschen, warum sollten wir weiterhin irgendwelche sozialen Bitterkeiten hegen oder auch nur den geringsten Groll oder Neid kennen? Kommt, lasst uns alle Hände schütteln – nein, lasst uns alle ineinander verschmelzen; lasst uns uns vollständig in die Milch und das Sperma der Güte hineinversetzen.“ Ach, könnte ich dieses „Sperma“ doch für immer festhalten! Denn nach vielen langwierigen, wiederholten Erfahrungen habe ich erkannt, dass der Mensch in jedem Fall letztendlich seine Vorstellung von erreichbarer Glückseligkeit senken oder zumindest verändern muss – nicht im Intellekt oder in der Fantasie, sondern in der Ehefrau, im Herzen, im Bett, am Tisch, auf dem Sattel, am Kaminfeuer, auf dem Lande. Nun, da ich all das erkannt habe, bin ich bereit, ewig Hände zu drücken. In Träumen sah ich lange Reihen von Engeln im Paradies – jeder mit seinen Händen in einem Glas voll Spermaceti.
Nun, da wir vom Sperma sprechen, ist es angebracht, auch über andere Dinge zu sprechen, die damit verwandt sind – insbesondere bei der Vorbereitung des Wals auf die Verarbeitung. Zunächst kommt das sogenannte „Weiße Pferd“, das aus dem spitz zulaufenden Teil des Fisches sowie aus den dickeren Teilen seiner Schwanzflossen gewonnen wird. Es ist zäh und enthält erstarrte Sehnen – im Grunde ein Muskelklumpen – doch es enthält trotzdem etwas Öl. Nachdem es vom Wal abgetrennt wurde, wird das „Weiße Pferd“ zunächst in tragbare, längliche Stücke geschnitten, bevor es zur Zerkleinerung gebracht wird. Sie sehen sehr ähnlich aus wie Blöcke aus Berkshire-Marmor.
„Pflaumenkuchen“ ist der Name für bestimmte, fragmentarische Teile des Walfleisches, die hier und da am Fettschicht angehaftet sind und oft in erheblichem Maße an deren Fettigkeit teilhaben. Es handelt sich dabei um etwas äußerst Erfrischendes, Angenehmes und Schönes zum Anblick. Wie der Name schon sagt, hat es eine außergewöhnlich reiche, gemusterte Farbe – mit schneeweißen und goldenen Flecken, durchsetzt mit Punkten in tiefstem Karmesinrot und Lila. Es sind wie Pflaumen aus Rubinen, inmitten von Zitronenmustern. Trotz aller Vernunft fällt es schwer, sich davon abzuhalten, es zu essen. Ich gebe zu: Einmal schlich ich mich hinter den Bugmast, um es auszuprobieren. Es schmeckte etwa so, wie ich mir eine königliche Schnitzel aus dem Oberschenkel von Ludwig dem Großen vorstelle – vorausgesetzt, er wäre am ersten Tag nach der Jagdsaison getötet worden, und diese Jagdsaison fiel zeitgleich mit einer außergewöhnlich guten Weinlese in den Champagneranbaugebieten.
Nun, da wir vom Sperma sprechen, ist es angebracht, auch über andere Dinge zu sprechen, die damit verwandt sind – insbesondere bei der Vorbereitung des Wals auf die Verarbeitung. Zunächst kommt das sogenannte „Weiße Pferd“, das aus dem spitz zulaufenden Teil des Fisches sowie aus den dickeren Teilen seiner Schwanzflossen gewonnen wird. Es ist zäh und enthält erstarrte Sehnen – im Grunde ein Muskelklumpen – doch es enthält trotzdem etwas Öl. Nachdem es vom Wal abgetrennt wurde, wird das „Weiße Pferd“ zunächst in tragbare, längliche Stücke geschnitten, bevor es zur Zerkleinerung gebracht wird. Sie sehen sehr ähnlich aus wie Blöcke aus Berkshire-Marmor.
„Pflaumenkuchen“ ist der Name für bestimmte, fragmentarische Teile des Walfleisches, die hier und da am Fettschicht angehaftet sind und oft in erheblichem Maße an deren Fettigkeit teilhaben. Es handelt sich dabei um etwas äußerst Erfrischendes, Angenehmes und Schönes zum Anblick. Wie der Name schon sagt, hat es eine außergewöhnlich reiche, gemusterte Farbe – mit schneeweißen und goldenen Flecken, durchsetzt mit Punkten in tiefstem Karmesinrot und Lila. Es sind wie Pflaumen aus Rubinen, inmitten von Zitronenmustern. Trotz aller Vernunft fällt es schwer, sich davon abzuhalten, es zu essen. Ich gebe zu: Einmal schlich ich mich hinter den Bugmast, um es auszuprobieren. Es schmeckte etwa so, wie ich mir eine königliche Schnitzel aus dem Oberschenkel von Ludwig dem Großen vorstelle – vorausgesetzt, er wäre am ersten Tag nach der Jagdsaison getötet worden, und diese Jagdsaison fiel zeitgleich mit einer außergewöhnlich guten Weinlese in den Champagneranbaugebieten.
Page 454
Es gibt noch eine weitere Substanz – eine äußerst seltsame –, die im Verlauf dieser Tätigkeiten auftaucht, doch ich halte es für äußerst schwierig, sie angemessen zu beschreiben. Sie wird Slobgollion genannt; ein Begriff, der bei den Walfängern entstanden ist, genauso wie die Natur dieser Substanz selbst. Es handelt sich um eine unbeschreiblich schleimige, fadenartige Masse, die am häufigsten in den Behältern mit Sperma nach längerem Auspressen und anschließendem Abgießen gefunden wird. Ich halte sie für die erstaunlich dünnen, zerbrochenen Membranen der Schale, die sich zusammengefügt haben.
Gurry – so genannt – ist ein Begriff, der ursprünglich den Walfängern der Pottwale zugehört, wird aber manchmal auch von den Spermawalfängern verwendet. Er bezeichnet die dunkle, klebrige Substanz, die von dem Rücken der Grönland- oder Pottwal gewischt wird; viel davon bedeckt außerdem die Decks jener Menschen, die diesen abscheulichen Leviathan jagen.
„Nippers“ – streng genommen gehört dieses Wort nicht zum Wortschatz der Wale. Doch durch die Verwendung durch die Walfänger wird es dazu. Ein „Nipper“ eines Walfängers ist ein kurzer, fester Streifen aus Sehnenmaterial, der aus dem schmaler werdenden Teil des Schwanzes des Leviathans geschnitten wird. Er ist in der Regel etwa einen Zoll dick und hat in etwa die Größe des eisernen Teils einer Hacke. Wenn er entlang des öligen Decks bewegt wird, funktioniert er wie ein Lederschwamm; durch namenlose „Zauberkünste“ lockt er alle Unreinheiten mit sich.
Um alles über diese geheimnisvollen Dinge zu erfahren, ist der beste Weg, sofort in den Fettraum hinabzusteigen und dort lange mit seinen Bewohnern zu sprechen. Dieser Raum wurde bereits erwähnt als Ort, an dem die Fettschichten aufbewahrt werden, nachdem sie vom Wal abgenommen wurden. Wenn es soweit ist, den Inhalt dieses Raumes zu zerteilen, wird dieser Ort zu einem Ort des Entsetzens für alle Anfänger – besonders nachts. Auf der einen Seite, beleuchtet von einer trüben Lampe, ist ein Bereich frei gelassen worden für die Arbeiter. Sie arbeiten in Paaren – ein Mann mit Harpune und Gaffel sowie ein Mann mit Spaten. Die Walfangsharpe ähnelt der Bordwaffe derselben Bezeichnung auf Kriegsschiffen. Die Gaffel gleicht einem Bootshaken. Mit seiner Gaffel hakt der Mann ein Stück Fett fest und versucht, es davon abzuhalten, wegzurutschen, während das Schiff hin und her schwankt. In der Zwischenzeit steht der Mann mit dem Spaten direkt auf dem Fettstück und schneidet es in transportable Stücke. Der Spaten ist so scharf wie nur möglich; der Mann trägt keine Schuhe. Das Material, auf dem er steht, rutscht manchmal unwiderstehlich von ihm weg – wie ein Schlitten. Würden Sie sehr überrascht sein, wenn er sich selbst oder einem seiner Helfer einen Zeh abschneidet? Zehen sind bei erfahrenen Arbeitern im Fettraum eher selten.
Gurry – so genannt – ist ein Begriff, der ursprünglich den Walfängern der Pottwale zugehört, wird aber manchmal auch von den Spermawalfängern verwendet. Er bezeichnet die dunkle, klebrige Substanz, die von dem Rücken der Grönland- oder Pottwal gewischt wird; viel davon bedeckt außerdem die Decks jener Menschen, die diesen abscheulichen Leviathan jagen.
„Nippers“ – streng genommen gehört dieses Wort nicht zum Wortschatz der Wale. Doch durch die Verwendung durch die Walfänger wird es dazu. Ein „Nipper“ eines Walfängers ist ein kurzer, fester Streifen aus Sehnenmaterial, der aus dem schmaler werdenden Teil des Schwanzes des Leviathans geschnitten wird. Er ist in der Regel etwa einen Zoll dick und hat in etwa die Größe des eisernen Teils einer Hacke. Wenn er entlang des öligen Decks bewegt wird, funktioniert er wie ein Lederschwamm; durch namenlose „Zauberkünste“ lockt er alle Unreinheiten mit sich.
Um alles über diese geheimnisvollen Dinge zu erfahren, ist der beste Weg, sofort in den Fettraum hinabzusteigen und dort lange mit seinen Bewohnern zu sprechen. Dieser Raum wurde bereits erwähnt als Ort, an dem die Fettschichten aufbewahrt werden, nachdem sie vom Wal abgenommen wurden. Wenn es soweit ist, den Inhalt dieses Raumes zu zerteilen, wird dieser Ort zu einem Ort des Entsetzens für alle Anfänger – besonders nachts. Auf der einen Seite, beleuchtet von einer trüben Lampe, ist ein Bereich frei gelassen worden für die Arbeiter. Sie arbeiten in Paaren – ein Mann mit Harpune und Gaffel sowie ein Mann mit Spaten. Die Walfangsharpe ähnelt der Bordwaffe derselben Bezeichnung auf Kriegsschiffen. Die Gaffel gleicht einem Bootshaken. Mit seiner Gaffel hakt der Mann ein Stück Fett fest und versucht, es davon abzuhalten, wegzurutschen, während das Schiff hin und her schwankt. In der Zwischenzeit steht der Mann mit dem Spaten direkt auf dem Fettstück und schneidet es in transportable Stücke. Der Spaten ist so scharf wie nur möglich; der Mann trägt keine Schuhe. Das Material, auf dem er steht, rutscht manchmal unwiderstehlich von ihm weg – wie ein Schlitten. Würden Sie sehr überrascht sein, wenn er sich selbst oder einem seiner Helfer einen Zeh abschneidet? Zehen sind bei erfahrenen Arbeitern im Fettraum eher selten.
Page 455
Page 456
KAPITEL 95. Der Umhang.
Hätten Sie zu einem bestimmten Zeitpunkt während dieser Untersuchung des Wals an Bord der Pequod gestiegen und wären Sie in die Nähe des Windlasses gegangen, so bin ich mir sicher, dass Sie mit großem Interesse jenes sehr seltsame, rätselhafte Objekt betrachtet hätten, das dort längs in den Ablauföffnungen lag. Weder der wunderbare Behälter im riesigen Kopf des Wals noch das Wunder seines locker sitzenden Unterkiefers noch das Wunder seines symmetrischen Schwanzes hätten Sie so sehr überrascht wie ein flüchtiger Blick auf diesen unerklärlichen Kegel – länger als ein Mann aus Kentucky groß, an der Basis fast einen Fuß im Durchmesser und pechschwarz wie Yojo, der Ebenholzidol von Queequeg.
Und tatsächlich ist es ein Idol – oder vielmehr war es in alten Zeiten eines. Ein solches Idol fand man in den geheimen Hainen von Königin Maachah in Judäa; um dieses Idol zu verehren, setzte ihr Sohn, König Asa, sie ab, zerstörte das Idol und verbrannte es als Abscheulichkeit am Bach Kedron, wie es im 15. Kapitel des Ersten Buches der Könige detailliert beschrieben wird.
Schauen Sie sich den Seemann an, den man „Den Zerhacker“ nennt – er kommt nun heran und wird von zwei Helfern unterstützt, um das, was die Seeleute „den größten Gegenstand“ nennen, mühsam fortzutragen. Mit gesenkten Schultern wankt er damit davon, als wäre er ein Grenadier, der einen toten Kameraden vom Schlachtfeld trägt. Nachdem er den Gegenstand auf das Vordeck gelegt hat, entfernt er vorsichtig seine dunkle Hülle – genauso wie ein afrikanischer Jäger die Haut einer Boa entfernt. Danach dreht er die Hülle innen nach außen, dehnt sie stark aus, sodass ihr Durchmesser fast verdoppelt wird, und hängt sie schließlich ordentlich aufgefächert in den Takeln zum Trocknen auf. Bald darauf wird sie wieder heruntergeholt; dabei werden etwa drei Fuß von ihrem Ende entfernt, und am anderen Ende werden zwei Schlitze für die Arme angefertigt. Anschließend schlüpft der „Zerhacker“ selbst längs in diese Hülle hinein. Nun steht er vor Ihnen – in voller Ausrüstung für seine Aufgabe. Seit Urzeiten ist diese Ausrüstung für alle Angehörigen seines Berufsstands üblich; sie wird ihn ausreichend schützen, während er seine besonderen Pflichten erfüllt.
Diese Pflicht besteht darin, das Fett des Wals in kleine Stücke zu zerkleinern – eine Arbeit, die an einem besonderen Holzgestell durchgeführt wird, das senkrecht gegen die Reling gestellt ist und unter dem ein großes Gefäß befindet, in das die zerkleinerten Stücke fallen, schnell wie Blätter vom Schreibtisch eines Redners.
Hätten Sie zu einem bestimmten Zeitpunkt während dieser Untersuchung des Wals an Bord der Pequod gestiegen und wären Sie in die Nähe des Windlasses gegangen, so bin ich mir sicher, dass Sie mit großem Interesse jenes sehr seltsame, rätselhafte Objekt betrachtet hätten, das dort längs in den Ablauföffnungen lag. Weder der wunderbare Behälter im riesigen Kopf des Wals noch das Wunder seines locker sitzenden Unterkiefers noch das Wunder seines symmetrischen Schwanzes hätten Sie so sehr überrascht wie ein flüchtiger Blick auf diesen unerklärlichen Kegel – länger als ein Mann aus Kentucky groß, an der Basis fast einen Fuß im Durchmesser und pechschwarz wie Yojo, der Ebenholzidol von Queequeg.
Und tatsächlich ist es ein Idol – oder vielmehr war es in alten Zeiten eines. Ein solches Idol fand man in den geheimen Hainen von Königin Maachah in Judäa; um dieses Idol zu verehren, setzte ihr Sohn, König Asa, sie ab, zerstörte das Idol und verbrannte es als Abscheulichkeit am Bach Kedron, wie es im 15. Kapitel des Ersten Buches der Könige detailliert beschrieben wird.
Schauen Sie sich den Seemann an, den man „Den Zerhacker“ nennt – er kommt nun heran und wird von zwei Helfern unterstützt, um das, was die Seeleute „den größten Gegenstand“ nennen, mühsam fortzutragen. Mit gesenkten Schultern wankt er damit davon, als wäre er ein Grenadier, der einen toten Kameraden vom Schlachtfeld trägt. Nachdem er den Gegenstand auf das Vordeck gelegt hat, entfernt er vorsichtig seine dunkle Hülle – genauso wie ein afrikanischer Jäger die Haut einer Boa entfernt. Danach dreht er die Hülle innen nach außen, dehnt sie stark aus, sodass ihr Durchmesser fast verdoppelt wird, und hängt sie schließlich ordentlich aufgefächert in den Takeln zum Trocknen auf. Bald darauf wird sie wieder heruntergeholt; dabei werden etwa drei Fuß von ihrem Ende entfernt, und am anderen Ende werden zwei Schlitze für die Arme angefertigt. Anschließend schlüpft der „Zerhacker“ selbst längs in diese Hülle hinein. Nun steht er vor Ihnen – in voller Ausrüstung für seine Aufgabe. Seit Urzeiten ist diese Ausrüstung für alle Angehörigen seines Berufsstands üblich; sie wird ihn ausreichend schützen, während er seine besonderen Pflichten erfüllt.
Diese Pflicht besteht darin, das Fett des Wals in kleine Stücke zu zerkleinern – eine Arbeit, die an einem besonderen Holzgestell durchgeführt wird, das senkrecht gegen die Reling gestellt ist und unter dem ein großes Gefäß befindet, in das die zerkleinerten Stücke fallen, schnell wie Blätter vom Schreibtisch eines Redners.
Page 457
In ordentlichem Schwarz gekleidet, auf einem auffälligen Podest stehend – mit dem Fokus auf die Bibelblätter. Was für ein Kandidat für ein Erzbistum, was für ein Junge für den Papst wäre dieser Fleischer!*
*Bibelblätter! Bibelblätter! Das ist der unveränderliche Ausruf der Kollegen an den Fleischer. Er fordert ihn auf, vorsichtig zu sein und seine Arbeit in möglichst dünne Scheiben zu schneiden – denn dadurch wird der Prozess des Auspressens des Öls erheblich beschleunigt, seine Menge deutlich erhöht – und vielleicht auch seine Qualität verbessert.*
*Bibelblätter! Bibelblätter! Das ist der unveränderliche Ausruf der Kollegen an den Fleischer. Er fordert ihn auf, vorsichtig zu sein und seine Arbeit in möglichst dünne Scheiben zu schneiden – denn dadurch wird der Prozess des Auspressens des Öls erheblich beschleunigt, seine Menge deutlich erhöht – und vielleicht auch seine Qualität verbessert.*
Page 458
KAPITEL 96. Die Schmelzöfen.
Abgesehen von den gehobenen Booten zeichnet sich ein amerikanischer Walfangschiff außerdem durch seine Schmelzöfen aus. Es zeigt sich hier die seltsame Besonderheit, dass die festesten Mauerwerksstrukturen zusammen mit Eichenholz und Hanf zur Bildung des Schiffes verwendet werden. Es ist, als wäre ein Ziegelofen direkt vom offenen Feld auf die Planken des Schiffes gebracht worden.
Die Schmelzöfen befinden sich zwischen dem Vormast und dem Hauptmast – dem geräumigsten Teil des Decks. Die darunterliegenden Holzbalken sind von besonderer Stärke und geeignet, das Gewicht einer nahezu massiven Masse aus Ziegeln und Mörtel zu tragen; diese Masse hat etwa zehn Fuß im Quadrat und fünf Fuß in der Höhe. Die Fundamente dringen nicht in das Deck ein, doch das Mauerwerk wird von schweren Eisenverstrebungen an allen Seiten fest am Boden gehalten und dort festgeschraubt. An den Seiten ist es mit Holz umhüllt, und oben wird es vollständig von einem großen, schrägen Lukenverschluss bedeckt. Wenn dieser Verschluss entfernt wird, kommen die großen Schmelzöfen zum Vorschein – insgesamt zwei, wobei jeder eine Fassungsvermögen von mehreren Fässern hat. Wenn sie nicht in Gebrauch sind, werden sie äußerst sauber gehalten. Manchmal werden sie mit Seifenstein und Sand poliert, bis sie innen wie silberne Schalen glänzen.
Während der Nachtwachen kriechen einige zynische alte Seeleute in diese Öfen und schlafen dort ein. Während sie poliert werden – jeweils ein Mann in jedem Ofen – finden viele vertrauliche Gespräche über die eisernen Öffnungen statt. Es handelt sich dabei auch um einen Ort für tiefgründige mathematische Betrachtungen. Es war im linken Schmelzofen der Pequod, während ich mit dem Seifenstein sorgfältig daran arbeitete, dass ich erstmals indirekt auf die bemerkenswerte Tatsache aufmerksam wurde: In der Geometrie sinken alle Körper, die entlang einer Zykloidbahn bewegt werden – mein Seifenstein zum Beispiel – von jedem Punkt aus genau in derselben Zeit nach unten.
Wenn man die Feuerplatte vorne am Schmelzofen entfernt, kommt das nackte Mauerwerk dieser Seite zum Vorschein; darin befinden sich die beiden eisernen Öffnungen der Öfen, direkt unterhalb der Öfen selbst. Diese Öffnungen sind mit schweren Eisentüren versehen. Die intensive Hitze des Feuers wird dadurch verhindert, auf das Deck überzugreifen – durch einen flachen Behälter, der sich unter der gesamten Oberfläche des Schmelzofens erstreckt. Über einen Tunnel im hinteren Bereich wird dieser Behälter so schnell wie möglich wieder mit Wasser gefüllt, sobald das Wasser verdunstet ist. Es gibt keine…
Abgesehen von den gehobenen Booten zeichnet sich ein amerikanischer Walfangschiff außerdem durch seine Schmelzöfen aus. Es zeigt sich hier die seltsame Besonderheit, dass die festesten Mauerwerksstrukturen zusammen mit Eichenholz und Hanf zur Bildung des Schiffes verwendet werden. Es ist, als wäre ein Ziegelofen direkt vom offenen Feld auf die Planken des Schiffes gebracht worden.
Die Schmelzöfen befinden sich zwischen dem Vormast und dem Hauptmast – dem geräumigsten Teil des Decks. Die darunterliegenden Holzbalken sind von besonderer Stärke und geeignet, das Gewicht einer nahezu massiven Masse aus Ziegeln und Mörtel zu tragen; diese Masse hat etwa zehn Fuß im Quadrat und fünf Fuß in der Höhe. Die Fundamente dringen nicht in das Deck ein, doch das Mauerwerk wird von schweren Eisenverstrebungen an allen Seiten fest am Boden gehalten und dort festgeschraubt. An den Seiten ist es mit Holz umhüllt, und oben wird es vollständig von einem großen, schrägen Lukenverschluss bedeckt. Wenn dieser Verschluss entfernt wird, kommen die großen Schmelzöfen zum Vorschein – insgesamt zwei, wobei jeder eine Fassungsvermögen von mehreren Fässern hat. Wenn sie nicht in Gebrauch sind, werden sie äußerst sauber gehalten. Manchmal werden sie mit Seifenstein und Sand poliert, bis sie innen wie silberne Schalen glänzen.
Während der Nachtwachen kriechen einige zynische alte Seeleute in diese Öfen und schlafen dort ein. Während sie poliert werden – jeweils ein Mann in jedem Ofen – finden viele vertrauliche Gespräche über die eisernen Öffnungen statt. Es handelt sich dabei auch um einen Ort für tiefgründige mathematische Betrachtungen. Es war im linken Schmelzofen der Pequod, während ich mit dem Seifenstein sorgfältig daran arbeitete, dass ich erstmals indirekt auf die bemerkenswerte Tatsache aufmerksam wurde: In der Geometrie sinken alle Körper, die entlang einer Zykloidbahn bewegt werden – mein Seifenstein zum Beispiel – von jedem Punkt aus genau in derselben Zeit nach unten.
Wenn man die Feuerplatte vorne am Schmelzofen entfernt, kommt das nackte Mauerwerk dieser Seite zum Vorschein; darin befinden sich die beiden eisernen Öffnungen der Öfen, direkt unterhalb der Öfen selbst. Diese Öffnungen sind mit schweren Eisentüren versehen. Die intensive Hitze des Feuers wird dadurch verhindert, auf das Deck überzugreifen – durch einen flachen Behälter, der sich unter der gesamten Oberfläche des Schmelzofens erstreckt. Über einen Tunnel im hinteren Bereich wird dieser Behälter so schnell wie möglich wieder mit Wasser gefüllt, sobald das Wasser verdunstet ist. Es gibt keine…
Page 459
Externe Schornsteine – sie öffnen sich direkt an der Rückwand. Und hier kehren wir für einen Moment zurück.
Es war gegen neun Uhr abends, als die Öfen des Pequod auf dieser Reise zum ersten Mal in Betrieb genommen wurden. Es lag an Stubb, darauf zu achten, dass alles ordnungsgemäß funktionierte.
„Ist alles bereit? Dann heraus mit dem Öl und startet die Öfen. Ihr seid für das Kochen und Anzünden zuständig.“ Das war eine einfache Aufgabe – schließlich hatte der Tischler während der ganzen Reise bereits Späne in den Ofen gegeben. Man sollte wissen, dass bei einer Walfangreise das erste Feuer in den Öfen eine Weile mit Holz befeuert werden muss. Danach wird kein Holz mehr verwendet – außer als Mittel zur schnellen Entzündung des Hauptbrennstoffs. Kurz gesagt: Nachdem das Blut des Wals verarbeitet wurde, enthält es immer noch erhebliche Mengen an öligen Substanzen. Diese Substanzen versorgen die Flammen mit Brennstoff. Wie ein „brennender Märtyrer“ liefert der Wal nach der Entzündung seinen eigenen Brennstoff und verbrennt durch seinen eigenen Körper. Wenn doch nur der Rauch des Wals verschwinden würde! Denn sein Rauch ist schrecklich zum Einatmen – und man muss ihn einatmen, nicht nur das, sondern man muss auch eine Zeit lang in ihm leben. Der Rauch hat einen unbeschreiblichen, wilden Geruch – wie der Geruch, der in der Nähe von Bestattungsfeuern herrscht. Es riecht wie das „linke Flügel des Jüngsten Gerichts“ – das ist ein Argument für die Hölle.
Um Mitternacht waren die Öfen vollständig in Betrieb. Wir hatten uns vom Wrack entfernt; die Segel waren gesetzt; der Wind wurde stärker; die Dunkelheit auf dem Meer war intensiv. Doch diese Dunkelheit wurde von den heftigen Flammen überwunden – Flammen, die ab und zu aus den schmutzigen Schornsteinen hervorkamen und jeden Seilstrang im Takelwerk beleuchteten, als wären es die berühmten griechischen Flammen. Das brennende Schiff fuhr weiter – als wäre es dazu bestimmt, grausame Taten zu begehen. So griffen auch die Briggchen des mutigen Hydrioten Canaris, beladen mit Teer und Schwefel, aus ihren Häfen heraus an – mit großen Flammen als „Segeln“ – und zerstörten die türkischen Fregatten in Flammen.
Das Loch oben an den Öfen bot nun einen breiten Bereich vor ihnen. Dort standen die „tartarischen“ Gestalten der heidnischen Harpunenwerfer – immerhin die Schornsteinfeger auf dem Walfangschiff. Mit riesigen Stangen warfen sie zischende Massen von Blut in die kochenden Töpfe oder rührten das Feuer darunter um – bis die Flammen aus den Öffnungen hervorschossen und das Blut erfassten. Der Rauch rollte in dichten Wolken davon. Mit jedem Stoß des Schiffes stieg auch das kochende Öl auf – es schien nur darauf aus zu sein, den Menschen ins Gesicht zu spritzen. Gegenüber dem Eingang der Öfen, auf der anderen Seite des breiten Holzofens, befand sich das Windrad. Dieses diente dazu…
Es war gegen neun Uhr abends, als die Öfen des Pequod auf dieser Reise zum ersten Mal in Betrieb genommen wurden. Es lag an Stubb, darauf zu achten, dass alles ordnungsgemäß funktionierte.
„Ist alles bereit? Dann heraus mit dem Öl und startet die Öfen. Ihr seid für das Kochen und Anzünden zuständig.“ Das war eine einfache Aufgabe – schließlich hatte der Tischler während der ganzen Reise bereits Späne in den Ofen gegeben. Man sollte wissen, dass bei einer Walfangreise das erste Feuer in den Öfen eine Weile mit Holz befeuert werden muss. Danach wird kein Holz mehr verwendet – außer als Mittel zur schnellen Entzündung des Hauptbrennstoffs. Kurz gesagt: Nachdem das Blut des Wals verarbeitet wurde, enthält es immer noch erhebliche Mengen an öligen Substanzen. Diese Substanzen versorgen die Flammen mit Brennstoff. Wie ein „brennender Märtyrer“ liefert der Wal nach der Entzündung seinen eigenen Brennstoff und verbrennt durch seinen eigenen Körper. Wenn doch nur der Rauch des Wals verschwinden würde! Denn sein Rauch ist schrecklich zum Einatmen – und man muss ihn einatmen, nicht nur das, sondern man muss auch eine Zeit lang in ihm leben. Der Rauch hat einen unbeschreiblichen, wilden Geruch – wie der Geruch, der in der Nähe von Bestattungsfeuern herrscht. Es riecht wie das „linke Flügel des Jüngsten Gerichts“ – das ist ein Argument für die Hölle.
Um Mitternacht waren die Öfen vollständig in Betrieb. Wir hatten uns vom Wrack entfernt; die Segel waren gesetzt; der Wind wurde stärker; die Dunkelheit auf dem Meer war intensiv. Doch diese Dunkelheit wurde von den heftigen Flammen überwunden – Flammen, die ab und zu aus den schmutzigen Schornsteinen hervorkamen und jeden Seilstrang im Takelwerk beleuchteten, als wären es die berühmten griechischen Flammen. Das brennende Schiff fuhr weiter – als wäre es dazu bestimmt, grausame Taten zu begehen. So griffen auch die Briggchen des mutigen Hydrioten Canaris, beladen mit Teer und Schwefel, aus ihren Häfen heraus an – mit großen Flammen als „Segeln“ – und zerstörten die türkischen Fregatten in Flammen.
Das Loch oben an den Öfen bot nun einen breiten Bereich vor ihnen. Dort standen die „tartarischen“ Gestalten der heidnischen Harpunenwerfer – immerhin die Schornsteinfeger auf dem Walfangschiff. Mit riesigen Stangen warfen sie zischende Massen von Blut in die kochenden Töpfe oder rührten das Feuer darunter um – bis die Flammen aus den Öffnungen hervorschossen und das Blut erfassten. Der Rauch rollte in dichten Wolken davon. Mit jedem Stoß des Schiffes stieg auch das kochende Öl auf – es schien nur darauf aus zu sein, den Menschen ins Gesicht zu spritzen. Gegenüber dem Eingang der Öfen, auf der anderen Seite des breiten Holzofens, befand sich das Windrad. Dieses diente dazu…
Page 460
Das Seesofa – dort ruhten sie aus, wenn sie nicht gerade anderweitig beschäftigt waren, und starrten in die rote Hitze des Feuers, bis ihre Augen zu brennen schienen. Ihre braunen Gesichter, nun ganz mit Rauch und Schweiß bedeckt, ihre verfilzten Bärte sowie der kontrastierende, „barbare“ Glanz ihrer Zähne – all das wurde auf seltsame Weise durch die launischen Muster der Flammen sichtbar. Während sie einander von ihren teuflischen Abenteuern erzählten, ihre Schauergeschichten in scherzhaften Worten darboten; während ihr unzivilisiertes Lachen wie Flammen aus dem Ofen emporstieg; während die Harpunenwerfer vor ihnen wild mit ihren riesigen Haken gestikulierten; während der Wind heulte, das Meer sprang und das Schiff stöhnte und tauchte – und dennoch unermüdlich weiter in die Dunkelheit des Meeres und der Nacht vordrang, verächtlich an den weißen Knochen in ihrem Maul knabberte und wütend in alle Richtungen spuckte – da schien das rasende Pequod, beladen mit Wilden, voller Feuer, das einen Leichnam verbrannte, und in diese Dunkelheit eintauchend, das materielle Gegenstück zur Seele ihres monomanischen Kommandanten zu sein.
So erschien es mir, als ich am Ruder stand und stundenlang schweigend den Weg dieses feuergefüllten Schiffes auf dem Meer lenkte. In dieser Zeit, selbst in Dunkelheit gehüllt, konnte ich umso besser die Röte, den Wahnsinn und die Grausamkeit der anderen erkennen. Der ständige Anblick der teuflischen Gestalten vor mir, halb im Rauch, halb im Feuer, brachte schließlich ähnliche Visionen in meine Seele, sobald ich der unerklärlichen Müdigkeit nachgab, die mich immer wieder mitten in der Nacht am Ruder überkam.
Doch in jener Nacht geschah etwas Seltsames – und seitdem Unerklärliches. Aus einem kurzen Schlaf erwachend, wurde mir schrecklich bewusst, dass etwas Fatales nicht in Ordnung war. Das Ruder traf meine Seite, an die ich mich lehnte; in meinen Ohren war das leise Summen der Segel, die gerade im Wind zu zittern begannen; ich glaubte, meine Augen seien offen; ich war mir halb bewusst, meine Finger auf die Lider zu legen und sie mechanisch weiter auseinanderzuziehen. Doch trotz alledem sah ich kein Kompass vor mir, an dem ich mich orientieren könnte; obwohl es nur wenige Minuten her zu sein schien, seit ich das Kompassbrett unter dem Licht der Lampe beobachtet hatte. Vor mir gab es nur undurchdringliche Dunkelheit, gelegentlich unterbrochen von grauenhaften Rotlichtblitzen. Am stärksten war das Gefühl, dass das schnelle, rasende Ding, auf dem ich stand, weniger dazu bestimmt war, in irgendeinen Hafen vor uns einzulaufen, sondern vielmehr aus allen Häfen hinter uns floh. Ein schmerzhaftes, verwirrendes Gefühl, wie beim Tod, überkam mich. Krampfhaft umklammerte ich das Ruder – mit der verrückten Vorstellung, dass das Ruder irgendwie…
So erschien es mir, als ich am Ruder stand und stundenlang schweigend den Weg dieses feuergefüllten Schiffes auf dem Meer lenkte. In dieser Zeit, selbst in Dunkelheit gehüllt, konnte ich umso besser die Röte, den Wahnsinn und die Grausamkeit der anderen erkennen. Der ständige Anblick der teuflischen Gestalten vor mir, halb im Rauch, halb im Feuer, brachte schließlich ähnliche Visionen in meine Seele, sobald ich der unerklärlichen Müdigkeit nachgab, die mich immer wieder mitten in der Nacht am Ruder überkam.
Doch in jener Nacht geschah etwas Seltsames – und seitdem Unerklärliches. Aus einem kurzen Schlaf erwachend, wurde mir schrecklich bewusst, dass etwas Fatales nicht in Ordnung war. Das Ruder traf meine Seite, an die ich mich lehnte; in meinen Ohren war das leise Summen der Segel, die gerade im Wind zu zittern begannen; ich glaubte, meine Augen seien offen; ich war mir halb bewusst, meine Finger auf die Lider zu legen und sie mechanisch weiter auseinanderzuziehen. Doch trotz alledem sah ich kein Kompass vor mir, an dem ich mich orientieren könnte; obwohl es nur wenige Minuten her zu sein schien, seit ich das Kompassbrett unter dem Licht der Lampe beobachtet hatte. Vor mir gab es nur undurchdringliche Dunkelheit, gelegentlich unterbrochen von grauenhaften Rotlichtblitzen. Am stärksten war das Gefühl, dass das schnelle, rasende Ding, auf dem ich stand, weniger dazu bestimmt war, in irgendeinen Hafen vor uns einzulaufen, sondern vielmehr aus allen Häfen hinter uns floh. Ein schmerzhaftes, verwirrendes Gefühl, wie beim Tod, überkam mich. Krampfhaft umklammerte ich das Ruder – mit der verrückten Vorstellung, dass das Ruder irgendwie…
Page 461
Auf irgendeine verzauberte Weise – verkehrt herum. Mein Gott! Was ist nur mit mir los?
Ich dachte: Siehe da! Im kurzen Schlaf hatte ich mich umgedreht und stand nun mit dem Gesicht zur Heckseite des Schiffes, mit dem Rücken zum Bug und zum Kompass. Im Nu drehte ich mich wieder um – gerade rechtzeitig, um zu verhindern, dass das Schiff gegen den Wind getrieben wurde und höchstwahrscheinlich kenterte. Wie glücklich und dankbar war ich über die Befreiung von dieser unnatürlichen Halluzination der Nacht sowie von der tödlichen Gefahr, durch den Winddruck ins Meer getrieben zu werden!
Schau nicht zu lange ins Feuer, o Mensch! Träume niemals, während deine Hand am Steuer liegt! Wendet euren Rücken nicht dem Kompass zu; nehmt die ersten Anzeichen für Störungen im Steuerrad wahr; glaubt nicht dem künstlichen Licht – wenn seine Röte alles furchterregend erscheinen lässt. Morgen, im natürlichen Sonnenlicht, wird der Himmel hell sein; diejenigen, die wie Teufel in den flackernden Flammen leuchteten, werden am Morgen in einem völlig anderen, zumindest sanfteren Licht erscheinen – das prächtige, goldene, freudvolle Sonnenlicht, die einzige wahre Lampe – alle anderen sind Lügner!
Doch die Sonne verbirgt weder Virginias düstere Sümpfe noch Roms verfluchte Campagna, noch die weite Sahara, noch all die Millionen Meilen an Wüsten und Leiden unter dem Mond. Die Sonne verbirgt auch nicht den Ozean – die dunkle Seite dieser Erde, die zwei Drittel dieser Erde ausmacht. Deshalb kann ein Sterblicher, der mehr Freude als Kummer in sich trägt, nicht wahrhaftig sein – weder wahrhaftig noch vollständig entwickelt. Dasselbe gilt für Bücher. Der wahrhaftigste aller Menschen war der Mann der Leiden – und das wahrhaftigste aller Bücher ist das Buch Salomos; der Prediger ist wie fein gehämmertes Stahl aus Kummer. „Alles ist Eitelkeit.“ ALLES. Diese weltliche Welt hat noch nicht die unchristliche Weisheit Salomos ergriffen. Doch wer Krankenhäuser und Gefängnisse meidet, schnell über Friedhöfe geht und lieber über Opern als über die Hölle spricht; wer Cowper, Young, Pascal, Rousseau alle als arme Kranke bezeichnet und sein sorgloses Leben lang Rabelais als weise – und daher fröhlich – betrachtet – dieser Mensch eignet sich nicht dazu, auf Grabsteinen zu sitzen und den grünen, feuchten Schimmel mit der unermesslich wunderbaren Weisheit Salomos zu zerstören.
Doch selbst Salomo sagte: „Der Mensch, der vom Weg des Verständnisses abweicht, bleibt“ – also bereits zu Lebzeiten – „in der Gemeinschaft der Toten.“ Gebt euch also nicht dem Feuer hin, damit es euch verkehrt herum macht, euch lähmt – so wie es mir ergangen ist. Es gibt eine Weisheit, die aus Kummer besteht – doch es gibt auch einen Kummer, der Wahnsinn ist. In einigen Seelen gibt es einen „Catskill-Adler“, der sowohl in die dunkelsten Schluchten tauchen als auch wieder daraus emporsteigen und in den sonnigen Räumen unsichtbar werden kann. Und selbst wenn er für immer in der Schlucht bleibt…
Ich dachte: Siehe da! Im kurzen Schlaf hatte ich mich umgedreht und stand nun mit dem Gesicht zur Heckseite des Schiffes, mit dem Rücken zum Bug und zum Kompass. Im Nu drehte ich mich wieder um – gerade rechtzeitig, um zu verhindern, dass das Schiff gegen den Wind getrieben wurde und höchstwahrscheinlich kenterte. Wie glücklich und dankbar war ich über die Befreiung von dieser unnatürlichen Halluzination der Nacht sowie von der tödlichen Gefahr, durch den Winddruck ins Meer getrieben zu werden!
Schau nicht zu lange ins Feuer, o Mensch! Träume niemals, während deine Hand am Steuer liegt! Wendet euren Rücken nicht dem Kompass zu; nehmt die ersten Anzeichen für Störungen im Steuerrad wahr; glaubt nicht dem künstlichen Licht – wenn seine Röte alles furchterregend erscheinen lässt. Morgen, im natürlichen Sonnenlicht, wird der Himmel hell sein; diejenigen, die wie Teufel in den flackernden Flammen leuchteten, werden am Morgen in einem völlig anderen, zumindest sanfteren Licht erscheinen – das prächtige, goldene, freudvolle Sonnenlicht, die einzige wahre Lampe – alle anderen sind Lügner!
Doch die Sonne verbirgt weder Virginias düstere Sümpfe noch Roms verfluchte Campagna, noch die weite Sahara, noch all die Millionen Meilen an Wüsten und Leiden unter dem Mond. Die Sonne verbirgt auch nicht den Ozean – die dunkle Seite dieser Erde, die zwei Drittel dieser Erde ausmacht. Deshalb kann ein Sterblicher, der mehr Freude als Kummer in sich trägt, nicht wahrhaftig sein – weder wahrhaftig noch vollständig entwickelt. Dasselbe gilt für Bücher. Der wahrhaftigste aller Menschen war der Mann der Leiden – und das wahrhaftigste aller Bücher ist das Buch Salomos; der Prediger ist wie fein gehämmertes Stahl aus Kummer. „Alles ist Eitelkeit.“ ALLES. Diese weltliche Welt hat noch nicht die unchristliche Weisheit Salomos ergriffen. Doch wer Krankenhäuser und Gefängnisse meidet, schnell über Friedhöfe geht und lieber über Opern als über die Hölle spricht; wer Cowper, Young, Pascal, Rousseau alle als arme Kranke bezeichnet und sein sorgloses Leben lang Rabelais als weise – und daher fröhlich – betrachtet – dieser Mensch eignet sich nicht dazu, auf Grabsteinen zu sitzen und den grünen, feuchten Schimmel mit der unermesslich wunderbaren Weisheit Salomos zu zerstören.
Doch selbst Salomo sagte: „Der Mensch, der vom Weg des Verständnisses abweicht, bleibt“ – also bereits zu Lebzeiten – „in der Gemeinschaft der Toten.“ Gebt euch also nicht dem Feuer hin, damit es euch verkehrt herum macht, euch lähmt – so wie es mir ergangen ist. Es gibt eine Weisheit, die aus Kummer besteht – doch es gibt auch einen Kummer, der Wahnsinn ist. In einigen Seelen gibt es einen „Catskill-Adler“, der sowohl in die dunkelsten Schluchten tauchen als auch wieder daraus emporsteigen und in den sonnigen Räumen unsichtbar werden kann. Und selbst wenn er für immer in der Schlucht bleibt…
Page 462
Diese Schlucht befindet sich in den Bergen; daher ist der Gebirgseagle selbst in seinem tiefsten Sturzflug immer noch höher als andere Vögel auf der Ebene – auch dann, wenn diese in die Höhe steigen.
Page 463
KAPITEL 97. Die Lampe.
Hätten Sie auch nur für einen Moment von den Werkstätten der Pequod in den Vorderturm des Schiffes hinabgestiegen, wo die nicht im Dienst stehenden Matrosen schliefen, hätten Sie fast den Eindruck gehabt, in einem erleuchteten Heiligtum verehrter Könige und Berater zu stehen. Dort lagen sie in ihren dreieckigen Eichenkammern – jeder Matrose wie eine aus Stein gemeißelte Gestalt; Dutzende von Lampen beleuchteten ihre mit Kapuzen bedeckten Augen.
Auf Handelsschiffen ist Öl für die Matrosen seltener als die Milch von Königinnen. Im Dunkeln kleiden, im Dunkeln essen und im Dunkeln zu seinem Schlafplatz stolpern – das ist sein übliches Schicksal. Der Walfänger hingegen, da er nach dem „Nahrungsmittel des Lichts“ sucht, lebt im Licht. Er macht aus seinem Schlafplatz eine Art „Aladin-Lampe“ und legt sich dort hinein; sodass selbst in der dunkelsten Nacht der schwarze Rumpf des Schiffes noch erhellt bleibt.
Sehen Sie, mit welcher völligen Freiheit der Walfänger seine Lampen – oft alte Flaschen und Gefäße – in die Kupferkühlanlage in den Werkstätten bringt und sie dort auffüllt, genauso wie man Bier in Krügen füllt. Er verwendet außerdem das reinste Öl, in seinem unverarbeiteten, somit unverfälschten Zustand – ein Fluid, das an Land durch keine Sonnen-, Mond- oder astronomischen Mittel erzeugt werden kann. Es ist süß wie Butter aus frischem Gras im April. Er geht auf die Suche nach diesem Öl, um sicherzustellen, dass es frisch und echt ist – genauso wie der Reisende auf der Prärie auf die Jagd nach seiner eigenen Nahrung geht.
Hätten Sie auch nur für einen Moment von den Werkstätten der Pequod in den Vorderturm des Schiffes hinabgestiegen, wo die nicht im Dienst stehenden Matrosen schliefen, hätten Sie fast den Eindruck gehabt, in einem erleuchteten Heiligtum verehrter Könige und Berater zu stehen. Dort lagen sie in ihren dreieckigen Eichenkammern – jeder Matrose wie eine aus Stein gemeißelte Gestalt; Dutzende von Lampen beleuchteten ihre mit Kapuzen bedeckten Augen.
Auf Handelsschiffen ist Öl für die Matrosen seltener als die Milch von Königinnen. Im Dunkeln kleiden, im Dunkeln essen und im Dunkeln zu seinem Schlafplatz stolpern – das ist sein übliches Schicksal. Der Walfänger hingegen, da er nach dem „Nahrungsmittel des Lichts“ sucht, lebt im Licht. Er macht aus seinem Schlafplatz eine Art „Aladin-Lampe“ und legt sich dort hinein; sodass selbst in der dunkelsten Nacht der schwarze Rumpf des Schiffes noch erhellt bleibt.
Sehen Sie, mit welcher völligen Freiheit der Walfänger seine Lampen – oft alte Flaschen und Gefäße – in die Kupferkühlanlage in den Werkstätten bringt und sie dort auffüllt, genauso wie man Bier in Krügen füllt. Er verwendet außerdem das reinste Öl, in seinem unverarbeiteten, somit unverfälschten Zustand – ein Fluid, das an Land durch keine Sonnen-, Mond- oder astronomischen Mittel erzeugt werden kann. Es ist süß wie Butter aus frischem Gras im April. Er geht auf die Suche nach diesem Öl, um sicherzustellen, dass es frisch und echt ist – genauso wie der Reisende auf der Prärie auf die Jagd nach seiner eigenen Nahrung geht.
Page 464
KAPITEL 98. Verstauen und Aufräumen
Es wurde bereits erzählt, wie der große Leviathan aus der Mastspitze in der Ferne erspäht wird; wie er über die wasserreichen Flächen verfolgt und in den Tälern der Tiefen getötet wird; wie er anschließend an das Schiff gezogen und enthauptet wird; und wie – nach dem Prinzip, das dem Henker in alten Zeiten das Gewand des Gehenkten einbrachte – sein prächtiger, gepolsterter Mantel zum Eigentum des Henkers wird. Mit der Zeit wird er in Kessel geworfen, und wie Schadrach, Meschach und Abednego bleiben auch sein Speckstein, Öl und Knochen unversehrt vom Feuer verschont. Doch nun bleibt es noch, das letzte Kapitel dieses Abschnitts abzuschließen – indem ich, wenn ich so sagen darf, den romantischen Vorgang schildere, bei dem das Öl in Fässer abgegossen und diese anschließend ins Schiffslager hinabgelassen werden. Dort kehrt der Leviathan wieder in seine ursprünglichen Tiefen zurück und gleitet wie zuvor unter der Wasseroberfläche dahin – doch leider wird er nie wieder auftauchen und blasen.
Während das Öl noch warm ist, wird es wie heißer Punsch in die sechs-Fass-Fässer gefüllt. Während das Schiff vielleicht im Mitternachtsmeer hin und her schwankt, werden die riesigen Fässer gedreht und von einer Seite auf die andere gebracht; manchmal rutschen sie gefährlich über das glatte Deck, wie zahlreiche Erdrutsche – bis sie schließlich von Menschenhand gestoppt werden. Um die Fässer herum schlagen zahlreiche Hämmer darauf, denn jetzt ist jeder Seemann per Definition ein Fassbinder.
Schließlich, wenn die letzte Portion Öl in die Fässer gefüllt ist und alles abgekühlt ist, werden die großen Luken geöffnet, die Innenseiten des Schiffes freigelegt – und die Fässer gelangen in ihren endgültigen Ruheplatz im Meer. Danach werden die Luken wieder geschlossen und luftdicht versiegelt, wie ein eingemauerter Raum.
In der Walfangerei ist dies wohl eines der bemerkenswertesten Ereignisse in der gesamten Walfangpraxis. Eines Tages sind die Decks mit Blut- und Ölflecken bedeckt; auf dem Deck stapeln sich riesige Mengen an Walsköpfen; überall liegen große, rostige Fässer, wie auf einem Brauereigelände; der Rauch aus den Verarbeitungsanlagen hat alle Relings verschmutzt; die Seeleute sind von Öl bedeckt; das ganze Schiff wirkt wie der große Leviathan selbst – und überall herrscht ohrenbetäubender Lärm.
Es wurde bereits erzählt, wie der große Leviathan aus der Mastspitze in der Ferne erspäht wird; wie er über die wasserreichen Flächen verfolgt und in den Tälern der Tiefen getötet wird; wie er anschließend an das Schiff gezogen und enthauptet wird; und wie – nach dem Prinzip, das dem Henker in alten Zeiten das Gewand des Gehenkten einbrachte – sein prächtiger, gepolsterter Mantel zum Eigentum des Henkers wird. Mit der Zeit wird er in Kessel geworfen, und wie Schadrach, Meschach und Abednego bleiben auch sein Speckstein, Öl und Knochen unversehrt vom Feuer verschont. Doch nun bleibt es noch, das letzte Kapitel dieses Abschnitts abzuschließen – indem ich, wenn ich so sagen darf, den romantischen Vorgang schildere, bei dem das Öl in Fässer abgegossen und diese anschließend ins Schiffslager hinabgelassen werden. Dort kehrt der Leviathan wieder in seine ursprünglichen Tiefen zurück und gleitet wie zuvor unter der Wasseroberfläche dahin – doch leider wird er nie wieder auftauchen und blasen.
Während das Öl noch warm ist, wird es wie heißer Punsch in die sechs-Fass-Fässer gefüllt. Während das Schiff vielleicht im Mitternachtsmeer hin und her schwankt, werden die riesigen Fässer gedreht und von einer Seite auf die andere gebracht; manchmal rutschen sie gefährlich über das glatte Deck, wie zahlreiche Erdrutsche – bis sie schließlich von Menschenhand gestoppt werden. Um die Fässer herum schlagen zahlreiche Hämmer darauf, denn jetzt ist jeder Seemann per Definition ein Fassbinder.
Schließlich, wenn die letzte Portion Öl in die Fässer gefüllt ist und alles abgekühlt ist, werden die großen Luken geöffnet, die Innenseiten des Schiffes freigelegt – und die Fässer gelangen in ihren endgültigen Ruheplatz im Meer. Danach werden die Luken wieder geschlossen und luftdicht versiegelt, wie ein eingemauerter Raum.
In der Walfangerei ist dies wohl eines der bemerkenswertesten Ereignisse in der gesamten Walfangpraxis. Eines Tages sind die Decks mit Blut- und Ölflecken bedeckt; auf dem Deck stapeln sich riesige Mengen an Walsköpfen; überall liegen große, rostige Fässer, wie auf einem Brauereigelände; der Rauch aus den Verarbeitungsanlagen hat alle Relings verschmutzt; die Seeleute sind von Öl bedeckt; das ganze Schiff wirkt wie der große Leviathan selbst – und überall herrscht ohrenbetäubender Lärm.
Page 465
Aber ein oder zwei Tage später blickt man sich um und lauscht aufmerksam an Bord dieses Schiffes – und wären da nicht die verräterischen Boote sowie die Reinigungsgeräte, würde man fast schwören, an Bord eines stillen Handelsschiffes zu sein, mit einem äußerst sorgfältigen Kommandanten. Unverarbeitetes Robbenöl besitzt eine außergewöhnlich reinigende Wirkung. Deshalb sehen die Decks niemals so weiß aus wie direkt nach dem sogenannten Ölreinigungsprozess. Zudem lässt sich aus den Aschen der verbrannten Walreste leicht eine starke Lauge herstellen; und sobald noch irgendeine Klebrigkeit vom Walkörper an den Decks haftet, vernichtet diese Lauge sie schnell. Die Männer arbeiten fleißig entlang der Reling und bringen die Decks mit Eimern voll Wasser sowie Lappen wieder in Ordnung. Der Ruß wird von den unteren Takeln entfernt. Alle zahlreichen Werkzeuge, die verwendet wurden, werden ebenfalls gründlich gereinigt und weggelegt. Das große Luk wird geschrubbt und auf die Reinigungsgeräte gestellt – dadurch werden die Behälter vollständig verdeckt; jeder Fass ist aus dem Blickfeld verschwunden; alle Seile sind in unsichtbaren Ecken aufgewickelt. Wenn schließlich durch die gemeinsamen Anstrengungen fast des gesamten Besatzungsmitgliedschafts dieser gewissenhafte Auftrag erledigt ist, begeben sich die Matrosen selbst zur Reinigung; sie waschen sich von Kopf bis Fuß und treten schließlich auf das makellos saubere Deck hinaus – frisch und strahlend, wie Bräutigame, die gerade aus dem feinsten Holland gekommen sind. Nun gehen sie mit fröhlichen Schritten zu zweit oder zu dritt über die Planken und sprechen humorvoll über Salons, Sofas, Teppiche und feine Stoffe; sie schlagen vor, das Deck mit Matten zu bedecken, überlegen, ob man im Mondlicht auf der Vordeckterrasse Tee trinken könnte. Solche Matrosen, die nur an Öl, Knochen und Fett denken, anzusprechen, wäre nahezu dreist – sie kennen ja nicht das, worauf man anspielt. Weg damit – bringt uns Servietten! Doch beachten Sie: Dort oben, auf den drei Mastspitzen, stehen drei Männer, die darauf achten, weitere Wale zu entdecken. Falls diese gefangen werden, werden sie unweigerlich wieder die alten Eichenmöbel verschmutzen und mindestens einen kleinen Fettfleck hinterlassen. Ja – oft, nach äußerst anstrengender Arbeit, die keine Nächte kennt und die 96 Stunden lang andauert; oft steigen sie vom Boot aus, wo sie den ganzen Tag lang gerudert haben, nur auf das Deck, um riesige Ketten zu tragen, schwere Winden zu bedienen sowie zu schneiden und zu hacken – und dabei werden sie sogar vom kombinierten Feuer der Äquatorsonne sowie der Reinigungsgeräte weiterhin gequält. Nach all dem bemühen sie sich schließlich, das Schiff zu reinigen und daraus einen makellos sauberen Raum zu machen. Oft jedoch können diese armen Kerle ihre sauberen Hemden kaum zuknöpfen…
Page 466
Die Wale werden durch den Schrei „Da bläst sie!“ erschreckt und fliegen davon, um gegen einen anderen Wal zu kämpfen – und durchlaufen damit wieder das ganze mühsame Verfahren. Ach! Meine Freunde, das ist doch Mord an Menschen! Doch es ist auch das Leben. Denn kaum haben wir Sterblichen nach langem Kampf aus dem riesigen Umfang dieser Welt ihren kleinen, aber wertvollen Samen gewonnen; und dann reinigen wir uns mit mühsamer Geduld von ihren Verunreinigungen und lernen, hier in sauberen „Wohnstätten der Seele“ zu leben. Kaum ist das geschehen – da bläst sie! – wird der „Geist“ wieder ausgespuckt, und wir segeln weiter, um gegen einen anderen „Weltenfeind“ zu kämpfen, und durchlaufen erneut die alten Rituale des jungen Lebens.
Ach! Die Metempsychose! Ach! Pythagoras – der vor zweitausend Jahren in dem strahlenden Griechenland starb, so gut, so weise, so sanftmütig. Ich segelte auf meiner letzten Reise mit dir entlang der peruanischen Küste – und obwohl ich dumm bin, lehrte ich dich, einen jungen, naiven Jungen, wie man ein Seil verbindet!
Ach! Die Metempsychose! Ach! Pythagoras – der vor zweitausend Jahren in dem strahlenden Griechenland starb, so gut, so weise, so sanftmütig. Ich segelte auf meiner letzten Reise mit dir entlang der peruanischen Küste – und obwohl ich dumm bin, lehrte ich dich, einen jungen, naiven Jungen, wie man ein Seil verbindet!
Page 467
KAPITEL 99. Der Doppelgulden.
Bisher wurde bereits erzählt, wie Ahab gewohnt war, auf dem Vorderdeck auf und ab zu gehen, abwechselnd an den Enden – am Kompasshäuschen und am Hauptmast – zu verweilen. Doch in der Fülle anderer Dinge, die berichtet werden mussten, wurde nicht erwähnt, dass er bei diesen Spaziergängen, wenn er besonders in Gedanken versunken war, gelegentlich an jedem Ort innehielt und dort seltsam auf den Gegenstand vor sich starrte. Wenn er vor dem Kompasshäuschen stehen blieb und seinen Blick auf die spitze Nadel des Kompasses richtete, dann strahlte dieser Blick mit der Intensität seines Ziels wie eine Speerspitze. Wenn er seinen Weg fortsetzte und erneut vor dem Hauptmast anhielt, dann fixierte sein Blick weiterhin die dort befindliche goldene Münze – mit derselben entschlossenen Miene, nur unterbrochen von einem gewissen wilden Verlangen, wenn schon nicht von Hoffnung.
Eines Morgens jedoch, als er an dem Doppelgulden vorbeiging, schien er erneut von den seltsamen Mustern und Inschriften darauf angezogen zu werden, als würde er nun zum ersten Mal versuchen, auf irgendeine manische Weise die Bedeutung dahinter zu verstehen. In allen Dingen verbirgt sich nämlich eine bestimmte Bedeutung – sonst wären alle Dinge kaum von Wert, und die ganze Welt wäre nichts weiter als ein leerer Code, der nur dazu dient, sie in großen Mengen zu verkaufen, wie es mit den Hügeln um Boston geschieht, um damit irgendwelche Lücken im Milchstraßensystem zu füllen.
Dieser Doppelgulden bestand aus reinstem, unverfälschtem Gold, das irgendwo aus dem Herzen prächtiger Hügel gewonnen worden war – von dort fließen östlich und westlich über goldene Strände die Quellen vieler Flüsse. Obwohl er nun zwischen rostigen Eisenbolzen und grünspanbedeckten Kupferstiften lag, blieb er doch unberührt und rein – und behielt seinen Glanz bei. Auch wenn er unter einer grausamen Besatzung lag und jede Stunde von rauen Händen berührt wurde, sowie durch die langen Nächte, die in dichter Dunkelheit gehüllt waren, fand jeder Sonnenaufgang den Doppelgulden genau dort wieder, wo ihn der Sonnenuntergang zurückgelassen hatte. Denn er war für einen ehrfurchtgebietenden Zweck auserwählt und geweiht worden. Und egal wie wild ihre Seemannsbräuche auch sein mochten, verehrten alle Seeleute ihn als Talisman des Weißen Wals.
Manchmal sprachen sie nachts während der langen Wache darüber, wer er letztendlich bekommen würde – und ob dieser Mensch überhaupt lange genug leben würde, um ihn auszugeben.
Bisher wurde bereits erzählt, wie Ahab gewohnt war, auf dem Vorderdeck auf und ab zu gehen, abwechselnd an den Enden – am Kompasshäuschen und am Hauptmast – zu verweilen. Doch in der Fülle anderer Dinge, die berichtet werden mussten, wurde nicht erwähnt, dass er bei diesen Spaziergängen, wenn er besonders in Gedanken versunken war, gelegentlich an jedem Ort innehielt und dort seltsam auf den Gegenstand vor sich starrte. Wenn er vor dem Kompasshäuschen stehen blieb und seinen Blick auf die spitze Nadel des Kompasses richtete, dann strahlte dieser Blick mit der Intensität seines Ziels wie eine Speerspitze. Wenn er seinen Weg fortsetzte und erneut vor dem Hauptmast anhielt, dann fixierte sein Blick weiterhin die dort befindliche goldene Münze – mit derselben entschlossenen Miene, nur unterbrochen von einem gewissen wilden Verlangen, wenn schon nicht von Hoffnung.
Eines Morgens jedoch, als er an dem Doppelgulden vorbeiging, schien er erneut von den seltsamen Mustern und Inschriften darauf angezogen zu werden, als würde er nun zum ersten Mal versuchen, auf irgendeine manische Weise die Bedeutung dahinter zu verstehen. In allen Dingen verbirgt sich nämlich eine bestimmte Bedeutung – sonst wären alle Dinge kaum von Wert, und die ganze Welt wäre nichts weiter als ein leerer Code, der nur dazu dient, sie in großen Mengen zu verkaufen, wie es mit den Hügeln um Boston geschieht, um damit irgendwelche Lücken im Milchstraßensystem zu füllen.
Dieser Doppelgulden bestand aus reinstem, unverfälschtem Gold, das irgendwo aus dem Herzen prächtiger Hügel gewonnen worden war – von dort fließen östlich und westlich über goldene Strände die Quellen vieler Flüsse. Obwohl er nun zwischen rostigen Eisenbolzen und grünspanbedeckten Kupferstiften lag, blieb er doch unberührt und rein – und behielt seinen Glanz bei. Auch wenn er unter einer grausamen Besatzung lag und jede Stunde von rauen Händen berührt wurde, sowie durch die langen Nächte, die in dichter Dunkelheit gehüllt waren, fand jeder Sonnenaufgang den Doppelgulden genau dort wieder, wo ihn der Sonnenuntergang zurückgelassen hatte. Denn er war für einen ehrfurchtgebietenden Zweck auserwählt und geweiht worden. Und egal wie wild ihre Seemannsbräuche auch sein mochten, verehrten alle Seeleute ihn als Talisman des Weißen Wals.
Manchmal sprachen sie nachts während der langen Wache darüber, wer er letztendlich bekommen würde – und ob dieser Mensch überhaupt lange genug leben würde, um ihn auszugeben.
Page 468
Nun sind jene edlen goldenen Münzen Südamerikas wie Medaillen der Sonne und Zeichen der Tropen. Hier sind Palmen, Alpakas und Vulkane; Sonnenscheiben und Sterne; die Ekliptik, Hörner des Überflusses sowie prächtige Banner, die in üppiger Fülle darauf abgebildet sind. Dadurch scheint das kostbare Gold durch diese kunstvoll gestalteten Münzen, die so spanisch-poetisch sind, eine zusätzliche Kostbarkeit sowie noch größere Pracht zu erlangen. Es kam so, dass der Doubloon der Pequod ein besonders prächtiges Beispiel für solche Münzen war. Auf seinem runden Rand standen die Buchstaben: REPUBLICA DEL ECUADOR: QUITO. Diese leuchtende Münze stammte also aus einem Land, das mitten auf der Welt, unter dem großen Äquator liegt und nach ihm benannt ist. Sie wurde inmitten der Anden geprägt – in einem klimatischen Bereich, der keinen Herbst kennt. Zwischen diesen Buchstaben waren die Umrisse von drei Andengipfeln zu erkennen: Auf einem davon eine Flamme, auf einem anderen ein Turm, auf dem dritten ein krähender Hahn. Über allem befand sich außerdem ein Segment des in Abschnitte unterteilten Tierkreises; die Tierzeichen waren alle mit ihren üblichen Symbolen versehen, und die Sonne befand sich im Gleichgewichtspunkt im Zeichen Waage. Vor dieser äquatorialen Münze verharrte Ahab nun – nicht unbemerkt von den anderen. „An Berggipfeln, Türmen und allen anderen großartigen, erhabenen Dingen ist immer etwas Egoistisches – schaut hier: Drei Gipfel, stolz wie Luzifer. Der feste Turm – das ist Ahab; der Vulkan – das ist Ahab; das mutige, unerschrockene und siegreiche Tier – das ist ebenfalls Ahab. Alles ist Ahab. Und dieses runde Gold ist nur das Abbild der noch runderen Erde, die, wie ein Zauberglas, jedem Menschen nacheinander sein eigenes geheimnisvolles Ich widerspiegelt. Große Anstrengungen, geringe Gewinne für diejenigen, die von der Welt erwarten, dass sie ihre Probleme löst – doch die Welt kann sich selbst nicht lösen. Mir scheint, diese gegossene Sonne hat ein rötliches Gesicht – aber seht! Ja, sie tritt ins Zeichen der Stürme ein, ins Gleichgewichtspunkt! Und erst vor sechs Monaten kam sie aus dem vorherigen Gleichgewichtspunkt im Zeichen Widder hervor! Von Sturm zu Sturm! So sei es denn. Wer in Schmerzen geboren wird, der soll auch in Schmerzen leben und sterben! So sei es denn! Hier gibt es Material für Leid.“ „Keine feenhaften Finger konnten das Gold formen – nur Teufelskrallen müssen seit gestern ihre Spuren hinterlassen haben“, murmelte Starbuck vor sich hin, während er sich gegen die Reling lehnte. „Der alte Mann scheint die schrecklichen Inschriften zu lesen. Ich habe die Münze noch nie genau betrachtet. Er geht nach unten – lass mich lesen. Ein dunkler Tal zwischen drei mächtigen, himmelstrebenden Gipfeln, die fast wie die Dreifaltigkeit in irgendeinem schwachen irdischen Symbol erscheinen. So also in diesem Tal…“
Page 469
Der Tod umgibt uns von allen Seiten; und über all unserer Dunkelheit scheint die Sonne der Gerechtigkeit weiterhin als Leuchtturm und Hoffnung. Wenn wir unsere Blicke senken, zeigt das dunkle Tal seinen modrigen Boden; doch wenn wir sie heben, trifft uns die helle Sonne auf halbem Weg, um uns zu erfreuen. Doch ach – die große Sonne ist nicht dauerhaft vorhanden; und wenn wir um Mitternacht gerne etwas Süßes von ihr erhalten würden, dann blicken wir vergeblich zu ihr hin! Diese Münze spricht zu mir weise, sanft, wahrhaftig – aber dennoch traurig. Ich werde sie beiseitelegen, damit die Wahrheit mich nicht falsch führt.
„Da ist ja der alte Mogul“, murmelte Stubb bei den Prüfständen vor sich hin, „er hat schon die ganze Zeit daran herumgespielt; und da kommt auch Starbuck von dort – beide mit Gesichtern, die, würde ich sagen, mindestens neun Faden lang sein müssen. Und das alles nur wegen eines Stücks Golds – hätte ich es jetzt auf Negro Hill oder in Corlaer’s Hook, würde ich es nicht lange anschauen, bevor ich es ausgebe. Humph! Meiner armen, unbedeutenden Meinung nach ist das seltsam. Ich habe bereits zuvor während meiner Reisen Doubloons gesehen: eure Doubloons aus Altspanien, aus Peru, aus Chile, aus Bolivien, aus Popayan – zusammen mit vielen Goldmoidoren, Pistolen sowie anderen Münzen. Was könnte also an diesem Doubloon des Äquators so außergewöhnlich sein? Bei Golconda! Lass mich ihn einmal lesen. Halloa! Hier sind wirklich Zeichen und Wunder! Das ist es, was der alte Bowditch in seinem Epitome als Zodiak bezeichnet – und was mein Almanach genauso nennt. Ich hole den Almanach – und da ich gehört habe, dass man mit Dabolls Arithmetik Teufel herbeirufen kann, werde ich versuchen, mit dem Kalender von Massachusetts einen Sinn aus diesen seltsamen Kurven herauszulesen. Da ist das Buch. Schauen wir mal. Zeichen und Wunder – und die Sonne ist immer dabei. Hem, hem, hem – da sind sie: Widder, Stier – und hier sind die Zwillinge. Ja, die Sonne bewegt sich zwischen ihnen. Auf der Münze überschreitet sie gerade die Schwelle zwischen zwei von zwölf Räumen, die alle in einem Kreis angeordnet sind. Buch! Du liegst einfach da – eigentlich müsst ihr Bücher eure Platz kennen. Gebt uns einfach die nackten Worte und Fakten, wir übernehmen dann die Gedanken. Das ist meine bescheidene Erfahrung, soweit es den Kalender von Massachusetts, Bowditchs Navigator sowie Dabolls Arithmetik betrifft. Zeichen und Wunder, eh? Schade, wenn in den Zeichen nichts Wunderbares und in den Wundern nichts Bedeutungsvolles wäre! Irgendwo muss ein Hinweis sein – warte mal… Hört! Bei Jupiter, ich hab’s! Sieh mal, Doubloon – dein Zodiak ist das Leben des Menschen in einem einzigen Kapitel; und jetzt lese ich es direkt aus dem Buch vor. Komm, Almanach! Zuerst: Widder – dieser lüsterne Hund, er zeugt uns; dann der Stier – er stößt…“
„Da ist ja der alte Mogul“, murmelte Stubb bei den Prüfständen vor sich hin, „er hat schon die ganze Zeit daran herumgespielt; und da kommt auch Starbuck von dort – beide mit Gesichtern, die, würde ich sagen, mindestens neun Faden lang sein müssen. Und das alles nur wegen eines Stücks Golds – hätte ich es jetzt auf Negro Hill oder in Corlaer’s Hook, würde ich es nicht lange anschauen, bevor ich es ausgebe. Humph! Meiner armen, unbedeutenden Meinung nach ist das seltsam. Ich habe bereits zuvor während meiner Reisen Doubloons gesehen: eure Doubloons aus Altspanien, aus Peru, aus Chile, aus Bolivien, aus Popayan – zusammen mit vielen Goldmoidoren, Pistolen sowie anderen Münzen. Was könnte also an diesem Doubloon des Äquators so außergewöhnlich sein? Bei Golconda! Lass mich ihn einmal lesen. Halloa! Hier sind wirklich Zeichen und Wunder! Das ist es, was der alte Bowditch in seinem Epitome als Zodiak bezeichnet – und was mein Almanach genauso nennt. Ich hole den Almanach – und da ich gehört habe, dass man mit Dabolls Arithmetik Teufel herbeirufen kann, werde ich versuchen, mit dem Kalender von Massachusetts einen Sinn aus diesen seltsamen Kurven herauszulesen. Da ist das Buch. Schauen wir mal. Zeichen und Wunder – und die Sonne ist immer dabei. Hem, hem, hem – da sind sie: Widder, Stier – und hier sind die Zwillinge. Ja, die Sonne bewegt sich zwischen ihnen. Auf der Münze überschreitet sie gerade die Schwelle zwischen zwei von zwölf Räumen, die alle in einem Kreis angeordnet sind. Buch! Du liegst einfach da – eigentlich müsst ihr Bücher eure Platz kennen. Gebt uns einfach die nackten Worte und Fakten, wir übernehmen dann die Gedanken. Das ist meine bescheidene Erfahrung, soweit es den Kalender von Massachusetts, Bowditchs Navigator sowie Dabolls Arithmetik betrifft. Zeichen und Wunder, eh? Schade, wenn in den Zeichen nichts Wunderbares und in den Wundern nichts Bedeutungsvolles wäre! Irgendwo muss ein Hinweis sein – warte mal… Hört! Bei Jupiter, ich hab’s! Sieh mal, Doubloon – dein Zodiak ist das Leben des Menschen in einem einzigen Kapitel; und jetzt lese ich es direkt aus dem Buch vor. Komm, Almanach! Zuerst: Widder – dieser lüsterne Hund, er zeugt uns; dann der Stier – er stößt…“
Page 470
Zuerst kommen wir – dann Gemini, also die Zwillinge, das heißt Tugend und Laster; wir versuchen, zur Tugend zu gelangen, da kommt schon Krebs, der Krebsfisch, und zieht uns zurück. Von dort aus liegt auf unserem Weg Löwe, ein brüllender Löwe – er beißt uns mehrmals heftig und schlägt mit seiner Pfote zu; wir entkommen und rufen nach Jungfrau, der Jungfrau! Das ist unsere erste Liebe; wir heiraten und glauben, für immer glücklich zu sein – da kommt schon Waage, die Waage – das Glück wird gewogen und als unzureichend befunden. Während wir deswegen sehr traurig sind, oh Herr! wie springen wir plötzlich hoch, als Skorpion, der Skorpion, uns von hinten sticht. Wir versuchen, die Wunde zu heilen – da kommen schon Pfeile von allen Seiten; Schütze, der Bogenschütze, amüsiert sich. Während wir die Pfeilschäfte herausziehen, da kommt schon Steinbock, das Ziegenbock – mit voller Kraft stürmt er heran, und wir werden umgeworfen. Dann gießt Wassermann, der Wassermann, seinen ganzen Sturm aus und ertränkt uns. Zum Schluss kommen Fische, die Fische – wir schlafen. Da gibt es eine Predigt, geschrieben im hohen Himmel, und die Sonne durchquert sie jedes Jahr – und kommt dennoch lebendig und kräftig daraus hervor. Fröhlich dreht sie sich dort oben durch Mühsal und Leid – und hier unten tut Stubb dasselbe. Oh, „fröhlich“ ist das richtige Wort! Auf Wiedersehen, Doubloon! Aber warte – da kommt kleiner King-Post; wir müssen uns um die Prüfungen herumdrücken, und hören mal, was er zu sagen hat. Da – er steht davor; er wird gleich etwas sagen. So, so – er beginnt bereits.
„Ich sehe hier nichts weiter als einen runden Gegenstand aus Gold – wer eine bestimmte Walart fängt, dem gehört dieser runde Gegenstand. Was war das ganze Starren also? Er ist wahrhaftig sechzehn Dollar wert; und à zwei Cent pro Zigarre sind das neunhundertsechszig Zigarren. Ich rauche keine schmutzigen Pfeifen wie Stubb, aber ich mag Zigarren – hier sind also neunhundertsechzig davon; also geht Flask hoch, um sie zu inspizieren.“
„Soll ich das nun weise oder dumm nennen? Wenn es wirklich weise ist, sieht es dumm aus; doch wenn es wirklich dumm ist, dann hat es wiederum etwas Weises an sich. Aber pass auf – da kommt unser alter Manxman – der alte Leichenkarrenfahrer, das muss er gewesen sein, bevor er aufs Meer ging. Er kommt vor den Doubloon – halloa – und geht um den Mast herum; da ist ja ein Hufeisen an dieser Seite befestigt; jetzt ist er wieder zurück – was bedeutet das? Hört! Er murmelt – seine Stimme klingt wie eine alte, abgenutzte Kaffeemühle. Spitzt die Ohren und lauscht!“
„Wenn der Weiße Wal gefangen wird, muss das in einem Monat und einem Tag geschehen, wenn die Sonne in einem dieser Zeichen steht. Ich habe die Zeichen studiert und kenne sie.“
„Ich sehe hier nichts weiter als einen runden Gegenstand aus Gold – wer eine bestimmte Walart fängt, dem gehört dieser runde Gegenstand. Was war das ganze Starren also? Er ist wahrhaftig sechzehn Dollar wert; und à zwei Cent pro Zigarre sind das neunhundertsechszig Zigarren. Ich rauche keine schmutzigen Pfeifen wie Stubb, aber ich mag Zigarren – hier sind also neunhundertsechzig davon; also geht Flask hoch, um sie zu inspizieren.“
„Soll ich das nun weise oder dumm nennen? Wenn es wirklich weise ist, sieht es dumm aus; doch wenn es wirklich dumm ist, dann hat es wiederum etwas Weises an sich. Aber pass auf – da kommt unser alter Manxman – der alte Leichenkarrenfahrer, das muss er gewesen sein, bevor er aufs Meer ging. Er kommt vor den Doubloon – halloa – und geht um den Mast herum; da ist ja ein Hufeisen an dieser Seite befestigt; jetzt ist er wieder zurück – was bedeutet das? Hört! Er murmelt – seine Stimme klingt wie eine alte, abgenutzte Kaffeemühle. Spitzt die Ohren und lauscht!“
„Wenn der Weiße Wal gefangen wird, muss das in einem Monat und einem Tag geschehen, wenn die Sonne in einem dieser Zeichen steht. Ich habe die Zeichen studiert und kenne sie.“
Page 471
Zeichen – sie wurden mir vor zwei Jahrzehnten von der alten Hexe in Kopenhagen beigebracht. Nun, in welchem Zeichen wird dann die Sonne sein? Im Hufeisenzeichen – denn da ist es, direkt gegenüber vom Gold. Und was ist das Hufeisenzeichen? Der Löwe ist das Hufeisenzeichen – der brüllende, verschlingende Löwe. Schiff, altes Schiff! Mein alter Kopf zittert, wenn ich an dich denke.
Es gibt noch eine andere Übersetzung – aber immer noch derselbe Text. Alle möglichen Menschen in einer einzigen Welt, verstehst du. Wieder ausweichen! Da kommt Queequeg – er tätowiert weiter – es sieht aus wie die Zeichen des Tierkreises selbst. Was sagt der Kannibale? Bei meinem Leben, er vergleicht etwas – schaut sich seinen Oberschenkelknochen an; ich denke, er glaubt, die Sonne sei im Oberschenkel, oder im Wadenmuskel, oder wohl in den Eingeweiden, wie die alten Frauen sagen. Chirurgische Astronomie in den abgelegenen Gebieten. Und bei Jupiter – er hat dort in der Gegend seines Oberschenkels etwas gefunden – ich schätze, es ist Schütze, oder der Bogenschütze. Nein: Er weiß nicht, was er mit dem Doubloon anfangen soll; er hält ihn für einen alten Knopf von irgendwelchen Königshosen. Aber, wieder zur Seite! Da kommt dieser Teufel Fedallah; sein Schwanz ist wie gewohnt verborgen, in den Zehen seiner Schuhe liegt wie gewohnt Stopfwolle. Was sagt er mit diesem Gesichtsausdruck? Ach, er macht nur ein Zeichen in Richtung des Symbols und verbeugt sich; auf der Münze ist eine Sonne – ein Feuergläubiger, da bin ich mir sicher. Ho! Immer mehr. Hier kommt Pip – armer Junge! Hätte er doch sterben sollen, oder ich – er ist mir halbwegs unheimlich. Auch er hat all diese Übersetzer beobachtet – mich eingeschlossen – und jetzt kommt er, um zu lesen, mit diesem unheimlichen, idiotischen Gesichtsausdruck. Treten Sie wieder zurück und hören Sie ihm zu. Hören Sie!
Ich schaue, Sie schauen, er schaut; wir schauen, ihr schaut, sie schauen.
Bei meiner Seele, er studiert Murrys Grammatik! Er verbessert seinen Verstand, armer Kerl! Aber was sagt er jetzt – hist!
Ich schaue, Sie schauen, er schaut; wir schauen, ihr schaut, sie schauen.
Er lernt es sich sogar auswendig – hist! wieder.
Ich schaue, Sie schauen, er schaut; wir schauen, ihr schaut, sie schauen.
Nun, das ist lustig.
Und ich, Sie und er – sowie wir, ihr und sie – sind alle Fledermäuse; und ich bin ein Rabe, besonders, wenn ich oben auf diesem Kiefernbaum stehe. Krächz! Krächz! Krächz! Krächz! Krächz! Krächz! Bin ich nicht ein Rabe? Und wo ist der Vogelscheuch? Da steht er; zwei Knochen stecken in einem Paar alter Hosen, und zwei weitere in den Ärmeln eines alten Jacketts.
Es gibt noch eine andere Übersetzung – aber immer noch derselbe Text. Alle möglichen Menschen in einer einzigen Welt, verstehst du. Wieder ausweichen! Da kommt Queequeg – er tätowiert weiter – es sieht aus wie die Zeichen des Tierkreises selbst. Was sagt der Kannibale? Bei meinem Leben, er vergleicht etwas – schaut sich seinen Oberschenkelknochen an; ich denke, er glaubt, die Sonne sei im Oberschenkel, oder im Wadenmuskel, oder wohl in den Eingeweiden, wie die alten Frauen sagen. Chirurgische Astronomie in den abgelegenen Gebieten. Und bei Jupiter – er hat dort in der Gegend seines Oberschenkels etwas gefunden – ich schätze, es ist Schütze, oder der Bogenschütze. Nein: Er weiß nicht, was er mit dem Doubloon anfangen soll; er hält ihn für einen alten Knopf von irgendwelchen Königshosen. Aber, wieder zur Seite! Da kommt dieser Teufel Fedallah; sein Schwanz ist wie gewohnt verborgen, in den Zehen seiner Schuhe liegt wie gewohnt Stopfwolle. Was sagt er mit diesem Gesichtsausdruck? Ach, er macht nur ein Zeichen in Richtung des Symbols und verbeugt sich; auf der Münze ist eine Sonne – ein Feuergläubiger, da bin ich mir sicher. Ho! Immer mehr. Hier kommt Pip – armer Junge! Hätte er doch sterben sollen, oder ich – er ist mir halbwegs unheimlich. Auch er hat all diese Übersetzer beobachtet – mich eingeschlossen – und jetzt kommt er, um zu lesen, mit diesem unheimlichen, idiotischen Gesichtsausdruck. Treten Sie wieder zurück und hören Sie ihm zu. Hören Sie!
Ich schaue, Sie schauen, er schaut; wir schauen, ihr schaut, sie schauen.
Bei meiner Seele, er studiert Murrys Grammatik! Er verbessert seinen Verstand, armer Kerl! Aber was sagt er jetzt – hist!
Ich schaue, Sie schauen, er schaut; wir schauen, ihr schaut, sie schauen.
Er lernt es sich sogar auswendig – hist! wieder.
Ich schaue, Sie schauen, er schaut; wir schauen, ihr schaut, sie schauen.
Nun, das ist lustig.
Und ich, Sie und er – sowie wir, ihr und sie – sind alle Fledermäuse; und ich bin ein Rabe, besonders, wenn ich oben auf diesem Kiefernbaum stehe. Krächz! Krächz! Krächz! Krächz! Krächz! Krächz! Bin ich nicht ein Rabe? Und wo ist der Vogelscheuch? Da steht er; zwei Knochen stecken in einem Paar alter Hosen, und zwei weitere in den Ärmeln eines alten Jacketts.
Page 472
„Ich frage mich, ob er mich meint – ein Kompliment! Armer Kerl! Ich könnte mich erhängen. Jedenfalls werde ich vorerst die Gegenwart von Pip verlassen. Den Rest kann ich ertragen, denn sie haben einen einfachen Verstand; aber er ist zu verrückt klug für meine Geistesgesundheit. Also, ich lasse ihn murmelnd zurück.“
„Hier ist der Nabel des Schiffes – dieser Doubloon hier – und alle sind begierig darauf, ihn herauszudrehen. Aber wenn man seinen eigenen Nabel herausdreht, was ist dann die Folge? Andererseits ist es auch hässlich, wenn etwas am Mast befestigt bleibt – schließlich ist das ein Zeichen dafür, dass die Situation verzweifelt wird. Ha, ha! Alter Ahab! Der Weiße Wal – er wird dich festnageln! Das ist ein Kiefernbaum. Mein Vater hat einmal im alten Tolland County einen Kiefernbaum gefällt und darin einen Silberring gefunden – den Ehering irgendeines alten Schwarzen. Wie kam der dorthin? Und so werden sie bei der Auferstehung sagen, wenn sie diesen alten Mast herausholen und darin einen Doubloon sowie Muscheln als „Polster“ für die rauhe Rinde finden: Oh, das Gold! Das kostbare, kostbare Gold! Der grüne Geizhals wird es bald horten! Hish! Hish! Gott geht unter den Welten und sammelt Brombeeren. Koch! Ho, Koch! Koch uns etwas! Jenny! Hey, hey, hey, hey, hey, Jenny, Jenny! Und mach deinen Kuchen fertig!“
„Hier ist der Nabel des Schiffes – dieser Doubloon hier – und alle sind begierig darauf, ihn herauszudrehen. Aber wenn man seinen eigenen Nabel herausdreht, was ist dann die Folge? Andererseits ist es auch hässlich, wenn etwas am Mast befestigt bleibt – schließlich ist das ein Zeichen dafür, dass die Situation verzweifelt wird. Ha, ha! Alter Ahab! Der Weiße Wal – er wird dich festnageln! Das ist ein Kiefernbaum. Mein Vater hat einmal im alten Tolland County einen Kiefernbaum gefällt und darin einen Silberring gefunden – den Ehering irgendeines alten Schwarzen. Wie kam der dorthin? Und so werden sie bei der Auferstehung sagen, wenn sie diesen alten Mast herausholen und darin einen Doubloon sowie Muscheln als „Polster“ für die rauhe Rinde finden: Oh, das Gold! Das kostbare, kostbare Gold! Der grüne Geizhals wird es bald horten! Hish! Hish! Gott geht unter den Welten und sammelt Brombeeren. Koch! Ho, Koch! Koch uns etwas! Jenny! Hey, hey, hey, hey, hey, Jenny, Jenny! Und mach deinen Kuchen fertig!“
Page 473
KAPITEL 100. Bein und Arm
Die Pequod aus Nantucket trifft auf die Samuel Enderby aus London.
„Schiff da! Hast du den Weißen Wal gesehen?“
So rief Ahab und grüßte erneut ein Schiff mit englischen Farben, das sich von hinten näherte. Mit der Trompete am Mund stand der alte Mann in seinem Boot – sein Elfenbeinbein war dem fremden Kapitän deutlich sichtbar, der lässig im Bug seines eigenen Bootes saß. Es handelte sich um einen dunkel gebrannten, kräftigen, gutmütigen und attraktiven Mann von etwa sechzig Jahren. Er trug einen weiten Umhang, der in blauen Stoffbahnen um seinen Körper hing; ein leerer Ärmel dieses Umhangs wehte hinter ihm her, wie der bestickte Ärmel eines Husarenmantels.
„Hast du den Weißen Wal gesehen?“
„Siehst du das?“ Er zog den weißen Arm aus den Falten hervor, in denen er versteckt gewesen war – es handelte sich dabei um einen Arm aus Walskelett, der an einem hölzernen Ende endete, das wie ein Schläger aussah.
„Männer, ins Boot!“ rief Ahab impulsiv und warf die Ruder in seine Richtung. „Seid bereit, hinunterzuklettern!“
In weniger als einer Minute wurden er und seine Besatzung ins Wasser gelassen – bald schon befanden sie sich neben dem fremden Schiff. Doch nun trat ein seltsames Problem auf: In der Aufregung des Moments hatte Ahab vergessen, dass er seit dem Verlust seines Beins noch nie an Bord eines anderen Schiffes gewesen war – außer an Bord seiner eigenen Pequod. Dabei wurde er stets mit einem clever konstruierten Mechanismus unterstützt, der nur auf der Pequod vorhanden war und nicht sofort auf jedem anderen Schiff eingerichtet werden konnte. Für jeden anderen Menschen – außer für diejenigen, die daran fast stündlich gewöhnt sind, wie die Walfänger – ist es nämlich nicht einfach, vom Boot aus an die Seite eines Schiffes im offenen Meer zu klettern; denn die großen Wellen heben das Boot hoch zu den Bordwänden und lassen es anschließend wieder schnell nach unten sinken. Da Ahab also ein Bein fehlte und das fremde Schiff natürlich über keinen solchen Mechanismus verfügte, fand er sich in einer äußerst schwierigen Situation wieder.
Die Pequod aus Nantucket trifft auf die Samuel Enderby aus London.
„Schiff da! Hast du den Weißen Wal gesehen?“
So rief Ahab und grüßte erneut ein Schiff mit englischen Farben, das sich von hinten näherte. Mit der Trompete am Mund stand der alte Mann in seinem Boot – sein Elfenbeinbein war dem fremden Kapitän deutlich sichtbar, der lässig im Bug seines eigenen Bootes saß. Es handelte sich um einen dunkel gebrannten, kräftigen, gutmütigen und attraktiven Mann von etwa sechzig Jahren. Er trug einen weiten Umhang, der in blauen Stoffbahnen um seinen Körper hing; ein leerer Ärmel dieses Umhangs wehte hinter ihm her, wie der bestickte Ärmel eines Husarenmantels.
„Hast du den Weißen Wal gesehen?“
„Siehst du das?“ Er zog den weißen Arm aus den Falten hervor, in denen er versteckt gewesen war – es handelte sich dabei um einen Arm aus Walskelett, der an einem hölzernen Ende endete, das wie ein Schläger aussah.
„Männer, ins Boot!“ rief Ahab impulsiv und warf die Ruder in seine Richtung. „Seid bereit, hinunterzuklettern!“
In weniger als einer Minute wurden er und seine Besatzung ins Wasser gelassen – bald schon befanden sie sich neben dem fremden Schiff. Doch nun trat ein seltsames Problem auf: In der Aufregung des Moments hatte Ahab vergessen, dass er seit dem Verlust seines Beins noch nie an Bord eines anderen Schiffes gewesen war – außer an Bord seiner eigenen Pequod. Dabei wurde er stets mit einem clever konstruierten Mechanismus unterstützt, der nur auf der Pequod vorhanden war und nicht sofort auf jedem anderen Schiff eingerichtet werden konnte. Für jeden anderen Menschen – außer für diejenigen, die daran fast stündlich gewöhnt sind, wie die Walfänger – ist es nämlich nicht einfach, vom Boot aus an die Seite eines Schiffes im offenen Meer zu klettern; denn die großen Wellen heben das Boot hoch zu den Bordwänden und lassen es anschließend wieder schnell nach unten sinken. Da Ahab also ein Bein fehlte und das fremde Schiff natürlich über keinen solchen Mechanismus verfügte, fand er sich in einer äußerst schwierigen Situation wieder.
Page 474
Er war wieder auf einen ungeschickten Landbewohner reduziert; hoffnungslos starrte er auf die ungewisse, wechselhafte Höhe, die er kaum erreichen konnte. Vielleicht wurde bereits angedeutet, dass jede kleine Unannehmlichkeit, die ihm widerfuhr und indirekt aus seinem unglücklichen Unglück resultierte, Ahab fast immer verärgerte oder erboste. In diesem Fall wurde all das noch verstärkt durch den Anblick der beiden Offiziere des fremden Schiffes, die über die Reling gebeugt standen, neben der senkrecht angebrachten Leiter, und ihm ein Paar kunstvoll verzierte Seilhalter entgegenhielten; denn zunächst schienen sie nicht zu bedenken, dass ein Einbeiniger viel zu behindert sein musste, um ihre Seilhalter benutzen zu können. Doch diese Verlegenheit währte nur einen Moment, denn der fremde Kapitän erkannte auf den ersten Blick die Situation und rief: „Ich sehe, ich sehe! Hört auf damit – springt, Jungs, und schwungt euch über die Ausrüstung!“ Glücklicherweise hatten sie ein oder zwei Tage zuvor bereits einen Wal gefangen, und die großen Ausrüstungsgegenstände hingen noch dort; der massive, gebogene Fetshaken, nun sauber und trocken, war immer noch am Ende befestigt. Dieser wurde schnell zu Ahab heruntergelassen. Er verstand sofort, was zu tun war, schob seinen einzigen Oberschenkel in die Kurve des Hakens (es war, als würde er auf dem Schwanz einer Anker oder im Ast eines Apfelbaums sitzen), hielt sich fest und half gleichzeitig dabei, sein eigenes Gewicht nach oben zu ziehen, indem er an einem der Seile zog. Bald wurde er vorsichtig in die hohen Schutzmauern geschwungen und landete sanft auf dem Kapstan. Der andere Kapitän trat mit ausgestrecktem Elfenbeinarm vor, um ihn willkommen zu heißen. Ahab streckte seinen Elfenbeinarm sowie seinen Elfenbeinbein aus (wie zwei Schwertfischklingen) und rief auf seine eigene Weise: „Ja, ja, mein Freund! Lass uns unsere Knochen gegeneinander schlagen! – Ein Arm und ein Bein! – Ein Arm, der niemals zurückweichen kann, wie du siehst; und ein Bein, das niemals laufen kann. Wo hast du den Weißen Wal gesehen? – Vor wie langer Zeit?“
„Den Weißen Wal“, sagte der Engländer und zeigte mit seinem Elfenbeinarm nach Osten, während er in diese Richtung blickte, als wäre es ein Teleskop; „dort habe ich ihn letzte Saison gesehen.“
„Und er hat dir diesen Arm abgenommen, nicht wahr?“, fragte Ahab, während er vom Kapstan herunterrutschte und sich dabei auf die Schulter des Engländers stützte.
„Ja, er war zumindest der Grund dafür – und auch dieses Bein?“
„Erzähl mir davon“, sagte Ahab; „wie ist es passiert?“
„Den Weißen Wal“, sagte der Engländer und zeigte mit seinem Elfenbeinarm nach Osten, während er in diese Richtung blickte, als wäre es ein Teleskop; „dort habe ich ihn letzte Saison gesehen.“
„Und er hat dir diesen Arm abgenommen, nicht wahr?“, fragte Ahab, während er vom Kapstan herunterrutschte und sich dabei auf die Schulter des Engländers stützte.
„Ja, er war zumindest der Grund dafür – und auch dieses Bein?“
„Erzähl mir davon“, sagte Ahab; „wie ist es passiert?“
Page 475
„Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich auf der Linie segelte“, begann der Engländer. „Zu dieser Zeit wusste ich nichts über den Weißen Wal. Eines Tages ließen wir uns zu einer Gruppe von vier oder fünf Walen hinab, und mein Boot wurde an einen von ihnen gebunden; er war auch wie ein Zirkuspferd – er drehte sich ständig im Kreis, sodass die Besatzung meines Bootes nur noch damit beschäftigt war, sich festzuhalten, indem sie alle auf dem äußeren Rand des Bootes saßen. Plötzlich tauchte aus dem Meergrund ein riesiger Wal auf – mit einem milchweißen Kopf und Rückenkamm sowie zahlreichen Falten.“
„Das war er, das war er!“, rief Ahab und ließ endlich den angehaltenen Atem entweichen.
„Und Harpunen steckten in seiner rechten Schwanzflosse.“
„Ja, ja – das waren meine Harpunen – meine Waffen!“, rief Ahab triumphierend. „Aber weiter!“
„Geben Sie mir dann eine Chance“, sagte der Engländer gut gelaunt. „Nun, dieser alte Wal mit dem weißen Kopf und dem Rückenkamm rannte voller Schaum in die Gruppe der Wale und begann wütend an der Leine zu ziehen, mit der mein Boot gebunden war!
„Ja, ich verstehe! Er wollte die Leine durchbeißen, um das Boot zu befreien – ein alter Trick – ich kenne ihn.“
„Wie genau das geschah, weiß ich nicht“, fuhr der einarmige Kommandant fort. „Aber bei dem Biss verfing sich die Leine in seinen Zähnen; doch das merkten wir damals nicht. Als wir später an der Leine zogen, landeten wir direkt auf seinem Rückenkamm – anstatt auf dem des anderen Wals, der in Richtung Wind abdrehte und wild mit den Flossen schlug. Als ich sah, um was für einen prächtigen Wal es sich handelte – den edelsten und größten, den ich je gesehen habe – beschloss ich, ihn trotz seines offensichtlichen Zorns zu fangen. Ich dachte, die Leine könnte sich lösen, oder der Zahn, an dem sie hing, könnte nachgeben – schließlich habe ich eine hervorragende Besatzung, die bei der Arbeit mit der Leine hilft. Nachdem ich das alles bedacht hatte, sprang ich in das Boot meines Ersten Offiziers – Mr. Mounttop ist hier (übrigens, Kapitän – Mounttop; Mounttop – der Kapitän). Wie gesagt, ich sprang in Mounttops Boot, das damals Seite an Seite mit meinem Boot lag. Ich schnappte mir die erste Harpune und schoss sie auf diesen alten Wal ab. Doch, Herr im Himmel – im nächsten Moment war ich völlig blind – beide Augen zerstört – alles von schwarzem Schaum bedeckt. Der Schwanz des Wals ragte senkrecht in die Luft, wie ein Marmorstumpf. Es war sinnlos, weiterzukämpfen. Ich tastete mich im strahlenden Sonnenlicht voran…“
„Das war er, das war er!“, rief Ahab und ließ endlich den angehaltenen Atem entweichen.
„Und Harpunen steckten in seiner rechten Schwanzflosse.“
„Ja, ja – das waren meine Harpunen – meine Waffen!“, rief Ahab triumphierend. „Aber weiter!“
„Geben Sie mir dann eine Chance“, sagte der Engländer gut gelaunt. „Nun, dieser alte Wal mit dem weißen Kopf und dem Rückenkamm rannte voller Schaum in die Gruppe der Wale und begann wütend an der Leine zu ziehen, mit der mein Boot gebunden war!
„Ja, ich verstehe! Er wollte die Leine durchbeißen, um das Boot zu befreien – ein alter Trick – ich kenne ihn.“
„Wie genau das geschah, weiß ich nicht“, fuhr der einarmige Kommandant fort. „Aber bei dem Biss verfing sich die Leine in seinen Zähnen; doch das merkten wir damals nicht. Als wir später an der Leine zogen, landeten wir direkt auf seinem Rückenkamm – anstatt auf dem des anderen Wals, der in Richtung Wind abdrehte und wild mit den Flossen schlug. Als ich sah, um was für einen prächtigen Wal es sich handelte – den edelsten und größten, den ich je gesehen habe – beschloss ich, ihn trotz seines offensichtlichen Zorns zu fangen. Ich dachte, die Leine könnte sich lösen, oder der Zahn, an dem sie hing, könnte nachgeben – schließlich habe ich eine hervorragende Besatzung, die bei der Arbeit mit der Leine hilft. Nachdem ich das alles bedacht hatte, sprang ich in das Boot meines Ersten Offiziers – Mr. Mounttop ist hier (übrigens, Kapitän – Mounttop; Mounttop – der Kapitän). Wie gesagt, ich sprang in Mounttops Boot, das damals Seite an Seite mit meinem Boot lag. Ich schnappte mir die erste Harpune und schoss sie auf diesen alten Wal ab. Doch, Herr im Himmel – im nächsten Moment war ich völlig blind – beide Augen zerstört – alles von schwarzem Schaum bedeckt. Der Schwanz des Wals ragte senkrecht in die Luft, wie ein Marmorstumpf. Es war sinnlos, weiterzukämpfen. Ich tastete mich im strahlenden Sonnenlicht voran…“
Page 476
Kronenschmuck – während ich nach dem zweiten Eisen tastete, um es über Bord zu werfen, kam der Schwanz wie ein Turm herunter und teilte mein Boot in zwei Hälften, wodurch jede Hälfte in Splitter zerfiel. Zuerst kam der weiße Rücken des Fisches durch die Trümmer, als wären sie nur noch Scherben. Wir alle versuchten, zu entkommen. Um seinen schrecklichen Bewegungen zu entgehen, griff ich nach meinem Harpunenstock, der im Fisch steckte, und hielt mich einen Moment lang daran fest wie ein Fisch, der an der Oberfläche schwimmt. Doch das wellenreiche Meer schleuderte mich weg. Im selben Moment stürzte der Fisch mit einem kräftigen Sprung nach unten. Die Stacheln dieses verdammten zweiten Eisens, das in meiner Nähe trieb, packten mich hier“ (er klopfte sich auf die Stelle direkt unter der Schulter); „ja, genau hier packten sie mich – und zogen mich in die Flammen der Hölle, dachte ich. Doch plötzlich, Gott sei Dank, rissen die Stacheln sich durch das Fleisch – entlang der gesamten Länge meines Arms – und kamen fast bis zu meinem Handgelenk. Dann trieb ich wieder nach oben. Der Herr dort wird Ihnen den Rest erzählen.“ (Übrigens, Kapitän – Dr. Bunger, Schiffsschneider: Bunger, mein Junge – der Kapitän.) Nun, Bunger, erzählen Sie Ihren Teil der Geschichte.“ Der professionelle Mann, der so vertraut darauf hinwies, stand die ganze Zeit in ihrer Nähe – ohne dass etwas Besonderes zu erkennen war, das seinen Stand an Bord angezeigt hätte. Sein Gesicht war äußerst rund, aber ernst. Er trug ein verblichenes blaues Wollhemd sowie geflickte Hosen. Bisher hatte er seine Aufmerksamkeit zwischen einer Harpune in der einen Hand und einer Pillendose in der anderen aufgeteilt, während er gelegentlich einen kritischen Blick auf die „Elfenbeinknochen“ der beiden verletzten Kapitäne warf. Doch als sein Vorgesetzter ihn Ahab vorstellte, verbeugte er sich höflich und begann sofort, den Befehlen des Kapitäns nachzukommen. „Es war eine schreckliche Verletzung“, begann der Walfischschneider. „Wenn er auf meinen Rat gehört hätte, Kapitän Boomer, dann hätten wir unseren alten Sammy retten können…“ „Samuel Enderby ist der Name meines Schiffes“, unterbrach der einarmige Kapitän und wandte sich an Ahab. „Fahren Sie fort, Junge.“ „Wir brachten unseren alten Sammy nach Norden, um dem schrecklichen heißen Wetter dort zu entkommen. Doch es nützte nichts – ich tat, was ich konnte; ich blieb nachts bei ihm wach, war sehr streng mit ihm, was seine Ernährung anging…“ „Oh, sehr streng!“, fiel der Patient selbst ein. Dann änderte er plötzlich seine Stimme: „Jede Nacht trank er mit mir heißen Rum-Toddys, bis er nicht mehr sehen konnte, wie er die Verbände anlegen sollte. Und dann schickte er mich um drei Uhr morgens ins Bett – mitten aufs Meer. Oh, ihr Sterne! Er blieb tatsächlich bei mir wach und war sehr streng, was meine Ernährung anging. Oh! Ein großer Beobachter – und sehr streng, was die Ernährung angeht.“
Page 477
Schlimm ist es, das ist Dr. Bunger. (Bunger, du Hund, lach doch! Warum tust du das nicht? Du weißt doch, dass du ein wunderbar fröhlicher Schurke bist.) Aber mach weiter, Junge – ich würde lieber von dir getötet werden, als von irgendeinem anderen Mann am Leben gehalten werden.“
„Mein Kapitän, Sie müssen es bereits bemerkt haben, verehrter Herr“, sagte der unerschütterliche, fromm aussehende Bunger und verbeugte sich leicht vor Ahab, „er neigt manchmal dazu, scherzhaft zu sein; er erfindet ständig solche klugen Geschichten. Doch ich kann genauso gut sagen – en passant, wie die Franzosen sagen – dass ich selbst, also Jack Bunger, ehemaliges Mitglied des geistlichen Standes, ein Mann strengster Enthaltsamkeit bin; ich trinke niemals…“
„Wasser!“, rief der Kapitän. „Er trinkt nie Wasser – das verursacht bei ihm eine Art Anfall; klares Wasser löst bei ihm Hydrophobie aus. Aber mach weiter mit der Geschichte vom Arm.“
„Ja, das kann ich genauso gut tun“, sagte der Chirurg ruhig. „Ich wollte gerade sagen, Sir, bevor Kapitän Boomer mich unterbrach, dass die Wunde trotz all meiner Bemühungen immer schlimmer wurde; tatsächlich war es die hässlichste Wunde, die ein Chirurg je gesehen hat – länger als zwei Fuß und einige Zoll. Ich maß sie mit einer Bleilinie. Kurz gesagt: Die Wunde wurde immer dunkler; ich wusste, was drohte, und handelte entsprechend. Doch ich hatte nichts damit zu tun, diesen Elfenbeinarm herzustellen – das verstößt gegen alle Regeln“, sagte er und zeigte darauf mit dem Marlingspike. „Das ist die Arbeit des Kapitäns, nicht meine; er befahl dem Tischler, ihn herzustellen; er ließ an das Ende dieses Hammers einen Kopf anfertigen, um damit jemandem den Schädel einzuschlagen – vermutlich versuchte er das einmal mit mir. Manchmal gerät er in teuflische Wut. Sehen Sie diese Einbuchtung hier, Sir?“ Er nahm seinen Hut ab, strich sich die Haare aus dem Gesicht und zeigte eine schalenförmige Vertiefung in seinem Schädel – doch dort war keine Spur einer Wunde zu sehen. „Nun, der Kapitän wird Ihnen erklären, wie das entstanden ist; er weiß es.“
„Nein, das weiß ich nicht“, sagte der Kapitän. „Aber seine Mutter wusste es; er wurde damit geboren. Oh, du ernster Schurke, du – du Bunger! Gibt es auf dieser Welt noch einen anderen Bunger? Bunger, wenn du stirbst, solltest du in Essig eingelegt sterben, du Hund; du solltest für zukünftige Zeiten konserviert werden, du Schurke.“
„Was ist aus dem Weißen Wal geworden?“, rief nun Ahab, der bis dahin ungeduldig diesem Gespräch zwischen den beiden Engländern zugehört hatte.
„Oh!“, rief der einarmige Kapitän. „Oh, ja! Nun, nachdem wir ihn geortet hatten, sahen wir ihn eine Weile lang nicht mehr; tatsächlich wusste ich damals nicht, um welchen Wal es sich handelte, der mir diesen Streich gespielt hatte – bis zu einem bestimmten Zeitpunkt.“
„Mein Kapitän, Sie müssen es bereits bemerkt haben, verehrter Herr“, sagte der unerschütterliche, fromm aussehende Bunger und verbeugte sich leicht vor Ahab, „er neigt manchmal dazu, scherzhaft zu sein; er erfindet ständig solche klugen Geschichten. Doch ich kann genauso gut sagen – en passant, wie die Franzosen sagen – dass ich selbst, also Jack Bunger, ehemaliges Mitglied des geistlichen Standes, ein Mann strengster Enthaltsamkeit bin; ich trinke niemals…“
„Wasser!“, rief der Kapitän. „Er trinkt nie Wasser – das verursacht bei ihm eine Art Anfall; klares Wasser löst bei ihm Hydrophobie aus. Aber mach weiter mit der Geschichte vom Arm.“
„Ja, das kann ich genauso gut tun“, sagte der Chirurg ruhig. „Ich wollte gerade sagen, Sir, bevor Kapitän Boomer mich unterbrach, dass die Wunde trotz all meiner Bemühungen immer schlimmer wurde; tatsächlich war es die hässlichste Wunde, die ein Chirurg je gesehen hat – länger als zwei Fuß und einige Zoll. Ich maß sie mit einer Bleilinie. Kurz gesagt: Die Wunde wurde immer dunkler; ich wusste, was drohte, und handelte entsprechend. Doch ich hatte nichts damit zu tun, diesen Elfenbeinarm herzustellen – das verstößt gegen alle Regeln“, sagte er und zeigte darauf mit dem Marlingspike. „Das ist die Arbeit des Kapitäns, nicht meine; er befahl dem Tischler, ihn herzustellen; er ließ an das Ende dieses Hammers einen Kopf anfertigen, um damit jemandem den Schädel einzuschlagen – vermutlich versuchte er das einmal mit mir. Manchmal gerät er in teuflische Wut. Sehen Sie diese Einbuchtung hier, Sir?“ Er nahm seinen Hut ab, strich sich die Haare aus dem Gesicht und zeigte eine schalenförmige Vertiefung in seinem Schädel – doch dort war keine Spur einer Wunde zu sehen. „Nun, der Kapitän wird Ihnen erklären, wie das entstanden ist; er weiß es.“
„Nein, das weiß ich nicht“, sagte der Kapitän. „Aber seine Mutter wusste es; er wurde damit geboren. Oh, du ernster Schurke, du – du Bunger! Gibt es auf dieser Welt noch einen anderen Bunger? Bunger, wenn du stirbst, solltest du in Essig eingelegt sterben, du Hund; du solltest für zukünftige Zeiten konserviert werden, du Schurke.“
„Was ist aus dem Weißen Wal geworden?“, rief nun Ahab, der bis dahin ungeduldig diesem Gespräch zwischen den beiden Engländern zugehört hatte.
„Oh!“, rief der einarmige Kapitän. „Oh, ja! Nun, nachdem wir ihn geortet hatten, sahen wir ihn eine Weile lang nicht mehr; tatsächlich wusste ich damals nicht, um welchen Wal es sich handelte, der mir diesen Streich gespielt hatte – bis zu einem bestimmten Zeitpunkt.“
Page 478
Später, als wir zur Linie zurückkehrten, hörten wir von Moby Dick – wie man ihn nennt – und da wusste ich, dass er es war.
„Hast du seinen Kielwasserstrom noch einmal durchquert?“
„Zweimal.“
„Aber konntest du dich nicht festhalten?“
„Ich wollte es nicht versuchen: Reicht ein Arm denn nicht aus? Was sollte ich ohne den anderen Arm tun? Und ich denke, Moby Dick beißt eher selten, sondern verschlingt einfach.“
„Nun dann“, unterbrach Bunger, „geb ihm deinen linken Arm als Köder, um den rechten zu bekommen. Wisst ihr, meine Herren“ – er verbeugte sich sehr ernsthaft und mathematisch vor jedem Kapitän nacheinander – „wisst ihr, meine Herren, dass die Verdauungsorgane des Wals von göttlicher Vorsehung auf so unergründliche Weise konstruiert sind, dass es für ihn völlig unmöglich ist, selbst einen menschlichen Arm vollständig zu verdauen? Und das weiß er auch. Was ihr also für die Bosheit des Weißen Wals haltet, ist in Wirklichkeit nur seine Unbeholfenheit. Denn er hat nie die Absicht, irgendeinen Körperteil zu verschlingen; er will nur durch Täuschungen erschrecken. Doch manchmal ist er wie jener alte Jongleur, einst mein Patient auf Ceylon, der vorgab, Messer zu verschlucken – eines Tages ließ ich tatsächlich eines in ihn fallen, und es blieb dort zwölf Monate lang oder länger; als ich ihm ein Erbrechungsmittel gab, spuckte er es in Form kleiner Stücke wieder aus, seht ihr. Es gibt keine Möglichkeit für ihn, dieses Messer zu verdauen und es vollständig in sein Körpersystem aufzunehmen. Ja, Kapitän Boomer, wenn du schnell genug bist und bereit bist, einen Arm zu opfern, um das Privileg zu haben, den anderen ordentlich zu begraben, dann gehört der Arm dir – aber gib dem Wal bald wieder eine Chance, das ist alles.“
„Nein, danke, Bunger“, sagte der englische Kapitän, „er kann den Arm behalten, den er schon hat – schließlich kann ich nichts dagegen tun, und ich kannte ihn damals auch noch nicht; aber keinen weiteren. Keine weißen Wale mehr für mich; ich bin bereits einmal für ihn hinabgestiegen, und das hat mich zufriedengestellt. Es wäre große Ehre, ihn zu töten, das weiß ich; und in ihm befindet sich eine Schiffsladung wertvollem Sperma – aber hört zu: Es ist am besten, ihn in Ruhe zu lassen; findet ihr nicht auch, Kapitän?“ – er blickte auf das Elfenbeinbein.
„Ja. Aber trotzdem wird er weiterhin gejagt. Was am besten in Ruhe gelassen wird, ist nicht immer das, was am wenigsten verlockend ist. Er ist wie ein Magnet! Wie lange ist es her, seit du ihn zuletzt gesehen hast? In welche Richtung segelt ihr?“
„Hast du seinen Kielwasserstrom noch einmal durchquert?“
„Zweimal.“
„Aber konntest du dich nicht festhalten?“
„Ich wollte es nicht versuchen: Reicht ein Arm denn nicht aus? Was sollte ich ohne den anderen Arm tun? Und ich denke, Moby Dick beißt eher selten, sondern verschlingt einfach.“
„Nun dann“, unterbrach Bunger, „geb ihm deinen linken Arm als Köder, um den rechten zu bekommen. Wisst ihr, meine Herren“ – er verbeugte sich sehr ernsthaft und mathematisch vor jedem Kapitän nacheinander – „wisst ihr, meine Herren, dass die Verdauungsorgane des Wals von göttlicher Vorsehung auf so unergründliche Weise konstruiert sind, dass es für ihn völlig unmöglich ist, selbst einen menschlichen Arm vollständig zu verdauen? Und das weiß er auch. Was ihr also für die Bosheit des Weißen Wals haltet, ist in Wirklichkeit nur seine Unbeholfenheit. Denn er hat nie die Absicht, irgendeinen Körperteil zu verschlingen; er will nur durch Täuschungen erschrecken. Doch manchmal ist er wie jener alte Jongleur, einst mein Patient auf Ceylon, der vorgab, Messer zu verschlucken – eines Tages ließ ich tatsächlich eines in ihn fallen, und es blieb dort zwölf Monate lang oder länger; als ich ihm ein Erbrechungsmittel gab, spuckte er es in Form kleiner Stücke wieder aus, seht ihr. Es gibt keine Möglichkeit für ihn, dieses Messer zu verdauen und es vollständig in sein Körpersystem aufzunehmen. Ja, Kapitän Boomer, wenn du schnell genug bist und bereit bist, einen Arm zu opfern, um das Privileg zu haben, den anderen ordentlich zu begraben, dann gehört der Arm dir – aber gib dem Wal bald wieder eine Chance, das ist alles.“
„Nein, danke, Bunger“, sagte der englische Kapitän, „er kann den Arm behalten, den er schon hat – schließlich kann ich nichts dagegen tun, und ich kannte ihn damals auch noch nicht; aber keinen weiteren. Keine weißen Wale mehr für mich; ich bin bereits einmal für ihn hinabgestiegen, und das hat mich zufriedengestellt. Es wäre große Ehre, ihn zu töten, das weiß ich; und in ihm befindet sich eine Schiffsladung wertvollem Sperma – aber hört zu: Es ist am besten, ihn in Ruhe zu lassen; findet ihr nicht auch, Kapitän?“ – er blickte auf das Elfenbeinbein.
„Ja. Aber trotzdem wird er weiterhin gejagt. Was am besten in Ruhe gelassen wird, ist nicht immer das, was am wenigsten verlockend ist. Er ist wie ein Magnet! Wie lange ist es her, seit du ihn zuletzt gesehen hast? In welche Richtung segelt ihr?“
Page 479
„Segnet meine Seele – und verflucht den abscheulichen Teufel!“, rief Bunger, während er sich kriechend um Ahab herumbewegte und wie ein Hund seltsam schnüffelte. „Das Blut dieses Mannes – bringt den Thermometer! Es ist bereits im Siedepunkt! Sein Puls lässt diese Planken erzittern! Sir!“ Er nahm eine Lanze aus seiner Tasche und näherte sich Ahabs Arm.
„Halt!“, brüllte Ahab und stieß ihn gegen die Reling. „Mann an das Boot! Welchen Kurs nehmen wir?“
„Guter Gott!“, rief der englische Kapitän, dem diese Frage gestellt wurde. „Was ist los? Ich glaube, er steuerte nach Osten. Ist euer Kapitän verrückt?“ flüsterte Fedallah.
Doch Fedallah legte einen Finger auf seine Lippen, glitt über die Reling, um das Ruder des Bootes zu übernehmen. Ahab schwang das Beil in seine Richtung und befahl den Matrosen, bereit zu sein, das Boot ins Wasser zu lassen. Im Nu stand er am Heck des Bootes, und die Männer von Manilla griffen zu ihren Rudern. Vergeblich rief der englische Kapitän ihm zu. Mit dem Rücken zum fremden Schiff und mit entschlossenem Gesichtsausdruck stand Ahab aufrecht da, bis das Boot neben der Pequod war.
„Halt!“, brüllte Ahab und stieß ihn gegen die Reling. „Mann an das Boot! Welchen Kurs nehmen wir?“
„Guter Gott!“, rief der englische Kapitän, dem diese Frage gestellt wurde. „Was ist los? Ich glaube, er steuerte nach Osten. Ist euer Kapitän verrückt?“ flüsterte Fedallah.
Doch Fedallah legte einen Finger auf seine Lippen, glitt über die Reling, um das Ruder des Bootes zu übernehmen. Ahab schwang das Beil in seine Richtung und befahl den Matrosen, bereit zu sein, das Boot ins Wasser zu lassen. Im Nu stand er am Heck des Bootes, und die Männer von Manilla griffen zu ihren Rudern. Vergeblich rief der englische Kapitän ihm zu. Mit dem Rücken zum fremden Schiff und mit entschlossenem Gesichtsausdruck stand Ahab aufrecht da, bis das Boot neben der Pequod war.
Page 480
KAPITEL 101. Der Dekanter.
Bevor das englische Schiff aus dem Blickfeld verschwindet, sei hier festgehalten, dass es aus London stammte und nach dem verstorbenen Samuel Enderby benannt war – einem Händler aus dieser Stadt, dem Begründer des berühmten Walfangunternehmens Enderby & Sons. Meiner Ansicht als einfacher Walfänger steht dieses Unternehmen in puncto historischem Wert kaum hinter den königlichen Häusern der Tudor- und Bourbon-Dynastien. Wie lange dieses große Walfangunternehmen bereits vor dem Jahr 1775 existierte, geht aus meinen zahlreichen Unterlagen nicht hervor. Im Jahr 1775 jedoch rüstete es die ersten englischen Schiffe aus, die regelmäßig Walrosse jagten. Schon seit einigen Jahrzehnten zuvor – seit 1726 – hatten unsere tapferen Fischer von Nantucket und den Vineyard Islands mit großen Flotten diesen „Leviathan“ gejagt – allerdings nur im Nord- und Südatlantik, nicht anderswo. Es sei hier deutlich festgehalten, dass die Menschen von Nantucket die Ersten waren, die den großen Walross mit zivilisiertem Stahl harpunierten – und dass sie ein halbes Jahrhundert lang die einzigen Menschen auf der ganzen Welt waren, die dies taten.
Im Jahr 1778 wurde ein gutes Schiff namens Amelia zu diesem Zweck ausgerüstet – ausschließlich auf Kosten der energischen Enderbys. Es umrundete mutig Kap Hoorn und war das erste Schiff unter allen Nationen, das ein Boot zum Jagen von Walrossen in den weiten Südmeeren einsetzte. Die Reise verlief erfolgreich; zurückkehrend mit Laderäumen voller wertvollen Spermaöl folgten bald andere Schiffe, sowohl englische als auch amerikanische. So wurden die riesigen Gebiete zum Jagen von Walrossen im Pazifik erschlossen. Doch mit dieser Leistung zufrieden zu sein, war den unermüdlichen Enderbys nicht vergönnt: Samuel und all seine Söhne – wie viele es genau waren, weiß nur ihre Mutter – brachten es schließlich fertig, die britische Regierung dazu zu bringen, das Kriegsschiff Rattler auf eine Entdeckungsreise in die Südmeere zu schicken. Unter dem Kommando eines Marineoffiziers unternahm die Rattler eine erfolgreiche Reise und leistete damit wertvolle Dienste – doch in welchem Umfang, das ist unbekannt. Doch das ist noch nicht alles: Im Jahr 1819 rüstete derselbe Konzern ein eigenes Schiff für Entdeckungsfahrten in die entlegenen Gewässer Japans aus. Dieses Schiff – treffend „Syren“ genannt – unternahm eine großartige Erkundungsfahrt; so wurden schließlich die großen japanischen Walfanggebiete erschlossen.
Bevor das englische Schiff aus dem Blickfeld verschwindet, sei hier festgehalten, dass es aus London stammte und nach dem verstorbenen Samuel Enderby benannt war – einem Händler aus dieser Stadt, dem Begründer des berühmten Walfangunternehmens Enderby & Sons. Meiner Ansicht als einfacher Walfänger steht dieses Unternehmen in puncto historischem Wert kaum hinter den königlichen Häusern der Tudor- und Bourbon-Dynastien. Wie lange dieses große Walfangunternehmen bereits vor dem Jahr 1775 existierte, geht aus meinen zahlreichen Unterlagen nicht hervor. Im Jahr 1775 jedoch rüstete es die ersten englischen Schiffe aus, die regelmäßig Walrosse jagten. Schon seit einigen Jahrzehnten zuvor – seit 1726 – hatten unsere tapferen Fischer von Nantucket und den Vineyard Islands mit großen Flotten diesen „Leviathan“ gejagt – allerdings nur im Nord- und Südatlantik, nicht anderswo. Es sei hier deutlich festgehalten, dass die Menschen von Nantucket die Ersten waren, die den großen Walross mit zivilisiertem Stahl harpunierten – und dass sie ein halbes Jahrhundert lang die einzigen Menschen auf der ganzen Welt waren, die dies taten.
Im Jahr 1778 wurde ein gutes Schiff namens Amelia zu diesem Zweck ausgerüstet – ausschließlich auf Kosten der energischen Enderbys. Es umrundete mutig Kap Hoorn und war das erste Schiff unter allen Nationen, das ein Boot zum Jagen von Walrossen in den weiten Südmeeren einsetzte. Die Reise verlief erfolgreich; zurückkehrend mit Laderäumen voller wertvollen Spermaöl folgten bald andere Schiffe, sowohl englische als auch amerikanische. So wurden die riesigen Gebiete zum Jagen von Walrossen im Pazifik erschlossen. Doch mit dieser Leistung zufrieden zu sein, war den unermüdlichen Enderbys nicht vergönnt: Samuel und all seine Söhne – wie viele es genau waren, weiß nur ihre Mutter – brachten es schließlich fertig, die britische Regierung dazu zu bringen, das Kriegsschiff Rattler auf eine Entdeckungsreise in die Südmeere zu schicken. Unter dem Kommando eines Marineoffiziers unternahm die Rattler eine erfolgreiche Reise und leistete damit wertvolle Dienste – doch in welchem Umfang, das ist unbekannt. Doch das ist noch nicht alles: Im Jahr 1819 rüstete derselbe Konzern ein eigenes Schiff für Entdeckungsfahrten in die entlegenen Gewässer Japans aus. Dieses Schiff – treffend „Syren“ genannt – unternahm eine großartige Erkundungsfahrt; so wurden schließlich die großen japanischen Walfanggebiete erschlossen.
Page 481
Das Schiff wurde allmählich allgemein bekannt. Die „Syren“ auf dieser berühmten Reise wurde von Kapitän Coffin kommandiert, einem Mann aus Nantucket. Allen Ehren also den Enderbys – deren Haus, glaube ich, bis heute existiert; obwohl der ursprüngliche Samuel sicher schon vor langer Zeit in die weiten Südmeere der anderen Welt abgefahren ist. Das nach ihm benannte Schiff war dieser Ehre würdig: Es war ein sehr schnelles Segelschiff und in jeder Hinsicht ein prächtiges Schiff. Einmal stieg ich mitten in der Nacht irgendwo vor der Küste Patagoniens an Bord und trank dort guten Schnaps im Vorderdeck. Es war eine großartige Party – alle an Bord waren erstklassig. Ihr Leben war kurz, doch ihr Tod war fröhlich. Und diese großartige Party – lange, sehr lange nachdem der alte Ahab mit seinem Elfenbeinknöchel ihre Planken berührt hatte – erinnert mich an die edle, solide sächsische Gastfreundschaft dieses Schiffes. Möge mein Pfarrer mich vergessen und der Teufel sich an mich erinnern, falls ich das je vergesse. Schnaps? Hab ich gesagt, wir hatten Schnaps? Ja – und wir tranken ihn in einer Geschwindigkeit von zehn Gallonen pro Stunde. Als der Sturm kam (denn in der Gegend um Patagonien gibt es oft Stürme) und alle Besatzungsmitglieder sowie Gäste dazu aufgefordert wurden, die Obersegel einzuholen, waren wir so schwer beladen, dass wir uns gegenseitig mit Seilen nach oben ziehen mussten. Wir wickelten außerdem ungeschickt die Ärmel unserer Jacken um die Segel – so hingen wir dort fest im heulenden Sturm, als Warnung für alle betrunkenen Kerle. Die Masten fielen jedoch nicht über Bord. Nach einer Weile kletterten wir wieder nach unten – so nüchtern, dass wir den Schnaps erneut trinken mussten. Doch der wilde Salzwassernebel, der durch die Luken im Vorderdeck hereinwehte, verdünnte den Schnaps stark – er schmeckte mir dann nicht mehr. Das Rindfleisch war gut – zäh, aber saftig. Manche sagten, es sei Stierfleisch; andere meinten, es sei Kamelfleisch. Ich weiß jedoch nicht genau, wie das war. Sie hatten auch Knödel – klein, aber solide, symmetrisch geformt und unzerstörbar. Ich hatte das Gefühl, man könnte sie spüren – und sie im Körper herumrollen lassen, nachdem man sie verschluckt hatte. Wenn man sich zu weit nach vorne beugte, bestand die Gefahr, dass sie wie Billardkugeln herausfielen. Das Brot – da konnte man nichts machen; außerdem hatte es eine scorbuthemmende Wirkung. Kurz gesagt: Das Brot enthielt das einzige Frischfleisch, das sie hatten. Doch das Vorderdeck war nicht besonders hell – und es war sehr einfach, beim Essen in eine dunkle Ecke zu treten. Aber insgesamt gesehen – von der Ladung bis zum Steuerrad, unter Berücksichtigung der Abmessungen der Kochkessel, einschließlich seiner eigenen Pergamentkessel – war die „Samuel Enderby“ ein großartiges Schiff: mit gutem Essen und…
Page 482
In Fülle – kräftig und robust; alle waren tüchtige Kerle, von den Absätzen der Stiefel bis zum Hutband erstklassig.
Aber warum, fragt ihr euch, waren die Samuel Enderby sowie einige andere englische Walfangschiffe, die ich kenne – wenn auch nicht alle – solch berühmte, gastfreundliche Schiffe? Sie teilten das Fleisch, das Brot, die Dosen sowie die Witze miteinander und wurden nie müde vom Essen, Trinken und Lachen. Ich werde es euch sagen: Die überaus fröhliche Stimmung dieser englischen Walfänger ist Gegenstand historischer Forschung. Auch ich habe bei Bedarf keinerlei Kostbarkeiten bei der historischen Erforschung des Walfangs verschont.
Den Engländern gingen bei der Walfangpraxis die Holländer, Zeeländer und Dänen voraus; von ihnen übernahmen sie viele Begriffe, die bis heute im Walfang verwendet werden. Noch wichtiger ist jedoch, dass sie ihre alten Bräuche bezüglich reichlicher Verpflegung übernahmen. Im Allgemeinen spart das englische Handelsschiff an seiner Besatzung, doch das englische Walfangschiff tut das nicht. Deshalb ist diese fröhliche Stimmung bei den Engländern kein Normalzustand, sondern etwas Besonderes – sie muss daher eine besondere Herkunft haben, die hier angegeben wird und noch weiter erläutert werden wird.
Während meiner Forschungen in den Geschichten über die Walfangschiffe stieß ich auf ein altes niederländisches Buch. Am strengen Geruch nach Walfang erkannte ich, dass es sich um ein Buch über Walfänger handeln musste. Der Titel lautete „Dan Coopman“. Daher schloss ich, dass es sich um die wertvollen Memoiren irgendeines Amsterdamer Händlers aus dem Walfangbereich handeln musste – schließlich musste jedes Walfangschiff einen Händler an Bord haben. Meine Annahme wurde bestätigt, als ich sah, dass das Buch von „Fitz Swackhammer“ verfasst worden war. Doch mein Freund Dr. Snodhead, ein sehr gelehrter Mann, Professor für Niederländisch und Hochdeutsch am College of Santa Claus and St. Pott’s, dem ich das Buch zur Übersetzung gab und ihm dazu eine Schachtel mit Kerzen schenkte – dieser Dr. Snodhead versicherte mir sogleich, dass „Dan Coopman“ nicht „der Händler“ bedeutete, sondern „der Kaufmann“. Kurz gesagt: Dieses alte, gelehrte niederländische Buch handelte vom Handel der Niederlande und enthielt unter anderem eine sehr interessante Beschreibung ihres Walfangwesens. In diesem Kapitel, das den Titel „Smeer“ oder „Fett“ trug, fand ich eine lange, detaillierte Liste der Vorräte für die Speicher und Keller von 180 niederländischen Walfängerschiffen. Aus dieser Liste, übersetzt von Dr. Snodhead, übertrage ich Folgendes:
400.000 Pfund Rindfleisch. 60.000 Pfund Friesland-Schweinefleisch. 150.000 Pfund Stockfisch. 550.000 Pfund Biskuit. 72.000 Pfund Weißbrot. 2.800 Firkins…
Aber warum, fragt ihr euch, waren die Samuel Enderby sowie einige andere englische Walfangschiffe, die ich kenne – wenn auch nicht alle – solch berühmte, gastfreundliche Schiffe? Sie teilten das Fleisch, das Brot, die Dosen sowie die Witze miteinander und wurden nie müde vom Essen, Trinken und Lachen. Ich werde es euch sagen: Die überaus fröhliche Stimmung dieser englischen Walfänger ist Gegenstand historischer Forschung. Auch ich habe bei Bedarf keinerlei Kostbarkeiten bei der historischen Erforschung des Walfangs verschont.
Den Engländern gingen bei der Walfangpraxis die Holländer, Zeeländer und Dänen voraus; von ihnen übernahmen sie viele Begriffe, die bis heute im Walfang verwendet werden. Noch wichtiger ist jedoch, dass sie ihre alten Bräuche bezüglich reichlicher Verpflegung übernahmen. Im Allgemeinen spart das englische Handelsschiff an seiner Besatzung, doch das englische Walfangschiff tut das nicht. Deshalb ist diese fröhliche Stimmung bei den Engländern kein Normalzustand, sondern etwas Besonderes – sie muss daher eine besondere Herkunft haben, die hier angegeben wird und noch weiter erläutert werden wird.
Während meiner Forschungen in den Geschichten über die Walfangschiffe stieß ich auf ein altes niederländisches Buch. Am strengen Geruch nach Walfang erkannte ich, dass es sich um ein Buch über Walfänger handeln musste. Der Titel lautete „Dan Coopman“. Daher schloss ich, dass es sich um die wertvollen Memoiren irgendeines Amsterdamer Händlers aus dem Walfangbereich handeln musste – schließlich musste jedes Walfangschiff einen Händler an Bord haben. Meine Annahme wurde bestätigt, als ich sah, dass das Buch von „Fitz Swackhammer“ verfasst worden war. Doch mein Freund Dr. Snodhead, ein sehr gelehrter Mann, Professor für Niederländisch und Hochdeutsch am College of Santa Claus and St. Pott’s, dem ich das Buch zur Übersetzung gab und ihm dazu eine Schachtel mit Kerzen schenkte – dieser Dr. Snodhead versicherte mir sogleich, dass „Dan Coopman“ nicht „der Händler“ bedeutete, sondern „der Kaufmann“. Kurz gesagt: Dieses alte, gelehrte niederländische Buch handelte vom Handel der Niederlande und enthielt unter anderem eine sehr interessante Beschreibung ihres Walfangwesens. In diesem Kapitel, das den Titel „Smeer“ oder „Fett“ trug, fand ich eine lange, detaillierte Liste der Vorräte für die Speicher und Keller von 180 niederländischen Walfängerschiffen. Aus dieser Liste, übersetzt von Dr. Snodhead, übertrage ich Folgendes:
400.000 Pfund Rindfleisch. 60.000 Pfund Friesland-Schweinefleisch. 150.000 Pfund Stockfisch. 550.000 Pfund Biskuit. 72.000 Pfund Weißbrot. 2.800 Firkins…
Page 483
Butter: 20.000 Pfund. Käse aus Texel und Leyden: 144.000 Pfund – vermutlich minderwertiger Käse. 550 Fässer Gin aus Genf. 10.800 Fässer Bier. Die meisten Statistiktabellen sind äußerst trocken und langweilig zu lesen; doch in diesem Fall nicht, denn der Leser wird mit Mengenangaben in Form von Fässern, Quartgläsern usw. überflutet – Angaben zu guten Gin-Produkten sowie zur Stimmung unter den Menschen. Damals widmete ich drei Tage dem sorgfältigen Verarbeiten all dieses Biers, Fleisches und Brotes; dabei kamen mir viele tiefgründige Gedanken in den Sinn, die eine transzendentale sowie platonische Anwendung finden könnten. Zudem erstellte ich eigene Zusatztabellen bezüglich der wahrscheinlichen Menge an Fisch, die jeder niederländische Walfänger in jenen alten Walfanggebieten in Grönland und Spitzbergen konsumierte. Zunächst scheint die Menge an Butter sowie an Käse aus Texel und Leyden erstaunlich zu sein. Ich schreibe dies jedoch ihrer natürlichen Fettigkeit zu – eine Fettigkeit, die durch ihre Tätigkeit sowie durch das Fangen von Walen in den eisigen Polarmeeren noch verstärkt wird. In diesen Gebieten leben die Eingeborenen, die einander mit Öl bespritzen, um ihre Freundschaft zu bekunden. Auch die Menge an Bier ist sehr groß – 10.800 Fässer. Da die polaren Walfanggebiete nur während des kurzen Sommers in diesem Klima befahren werden konnten, betrug die gesamte Dauer einer Reise eines dieser niederländischen Walfänger, einschließlich der kurzen Fahrten nach Spitzbergen, etwa drei Monate. Bei 30 Männern pro Schiff aus einer Flotte von 180 Schiffen ergibt sich insgesamt 5.400 niederländische Seeleute. Das bedeutet also genau zwei Fässer Bier pro Mann für einen Zeitraum von zwölf Wochen – ohne dabei die angemessene Menge an Gin mit einzubeziehen. Ob diese Walfänger, so betrunken sie auch gewesen sein mögen, wirklich die richtigen Leute waren, um von der Bugseite des Bootes aus auf fliegende Wale zu schießen, erscheint eher unwahrscheinlich. Doch sie schossen tatsächlich auf sie – und trafen auch. Doch das war weit im Norden, wo Bier gut mit der Körpertemperatur übereinstimmt. Am Äquator, in unseren südlichen Walfanggebieten, würde Bier dazu führen, dass die Walfänger schläfrig am Mast sitzen oder betrunken im Boot sind – was für Nantucket und New Bedford schwerwiegende Verluste bedeuten könnte. Doch genug davon – es wurde bereits genug gesagt, um zu zeigen, dass die alten niederländischen Walfänger vor zwei oder drei Jahrhunderten wirklich Trinker waren. Die englischen Walfänger haben dieses hervorragende Vorbild ebenfalls nicht ignoriert.
Page 484
Ein leeres Schiff – wenn man aus der Welt nichts Besseres bekommen kann, sollte man zumindest ein gutes Abendessen daraus machen. Und das leert den Krug.
Page 485
KAPITEL 102. Ein Gewächshaus bei den Arsakiden.
Bis jetzt habe ich bei der beschreibenden Behandlung des Schwertwals hauptsächlich auf die Wunder seines äußeren Erscheinungsbildes eingegangen – oder einzeln und ausführlich auf einige wenige innere Strukturmerkmale. Doch um ihn in seiner Gesamtheit vollständig zu verstehen, muss ich ihn nun noch weiter „entkleiden“: Ich muss die Verschlüsse seiner „Hosen“ öffnen, seine Bänder lösen sowie die Haken und Verbindungen seiner innersten Knochen lockern, damit er in seiner endgültigen Form vor euch steht – das heißt, in seinem unbedingten Skelett.
Aber wie ist das möglich, Ishmael? Wie kannst du, ein einfacher Ruderer auf dem Fischfangsschiff, vorgeben, etwas über die unterirdischen Teile des Wals zu wissen? Hat der gelehrte Stubb etwa von deinem Windenapparat aus Vorträge über die Anatomie der Wale gehalten und mit Hilfe des Windens einen Rippenknochen zur Besichtigung hochgehoben? Erkläre dich, Ishmael! Kannst du einen ausgewachsenen Wal auf dein Deck bringen, um ihn zu untersuchen – so wie ein Koch ein Schwein brät? Sicherlich nicht. Du warst bis jetzt nur ein Zeuge, Ishmael – aber sei vorsichtig, wenn du dir das Privileg aneignest, das nur Jonah hatte: das Privileg, über die Balken, Träger, Sparren und Fundamente zu sprechen, aus denen der Leviathan besteht – sowie vielleicht auch über die Talgbehälter, Milchräume, Butterkammern und Käseräume in seinen Eingeweiden.
Ich gebe zu, dass seit Jonah nur wenige Walfänger sehr tief unter die Haut eines ausgewachsenen Wals vorgedrungen sind. Dennoch hatte ich das Glück, einen solchen Wal in Miniaturform zu sezieren. Auf dem Schiff, dem ich angehörte, wurde einmal ein kleiner Schwertwal ganz nach oben aufs Deck geholt – um daraus Hüllen für die Harpunenspitzen sowie für die Lanzenköpfe herzustellen. Glaubst du, ich hätte diese Gelegenheit ungenutzt gelassen, ohne meinen Bootshacken und mein Messer zu benutzen, um das Siegel zu brechen und den gesamten Inhalt dieses jungen Wals zu untersuchen?
Was meine genaue Kenntnis der Knochen des Leviathans in ihrer riesigen, ausgewachsenen Form angeht, so verdanke ich dieses seltene Wissen meinem verstorbenen königlichen Freund Tranquo, König von Tranque, einem der Arsakiden. Vor Jahren, als ich auf dem Handelsschiff Dey von Algier diente, wurde ich eingeladen, einen Teil der Feiertage bei den Arsakiden mit dem Herrscher zu verbringen.
Bis jetzt habe ich bei der beschreibenden Behandlung des Schwertwals hauptsächlich auf die Wunder seines äußeren Erscheinungsbildes eingegangen – oder einzeln und ausführlich auf einige wenige innere Strukturmerkmale. Doch um ihn in seiner Gesamtheit vollständig zu verstehen, muss ich ihn nun noch weiter „entkleiden“: Ich muss die Verschlüsse seiner „Hosen“ öffnen, seine Bänder lösen sowie die Haken und Verbindungen seiner innersten Knochen lockern, damit er in seiner endgültigen Form vor euch steht – das heißt, in seinem unbedingten Skelett.
Aber wie ist das möglich, Ishmael? Wie kannst du, ein einfacher Ruderer auf dem Fischfangsschiff, vorgeben, etwas über die unterirdischen Teile des Wals zu wissen? Hat der gelehrte Stubb etwa von deinem Windenapparat aus Vorträge über die Anatomie der Wale gehalten und mit Hilfe des Windens einen Rippenknochen zur Besichtigung hochgehoben? Erkläre dich, Ishmael! Kannst du einen ausgewachsenen Wal auf dein Deck bringen, um ihn zu untersuchen – so wie ein Koch ein Schwein brät? Sicherlich nicht. Du warst bis jetzt nur ein Zeuge, Ishmael – aber sei vorsichtig, wenn du dir das Privileg aneignest, das nur Jonah hatte: das Privileg, über die Balken, Träger, Sparren und Fundamente zu sprechen, aus denen der Leviathan besteht – sowie vielleicht auch über die Talgbehälter, Milchräume, Butterkammern und Käseräume in seinen Eingeweiden.
Ich gebe zu, dass seit Jonah nur wenige Walfänger sehr tief unter die Haut eines ausgewachsenen Wals vorgedrungen sind. Dennoch hatte ich das Glück, einen solchen Wal in Miniaturform zu sezieren. Auf dem Schiff, dem ich angehörte, wurde einmal ein kleiner Schwertwal ganz nach oben aufs Deck geholt – um daraus Hüllen für die Harpunenspitzen sowie für die Lanzenköpfe herzustellen. Glaubst du, ich hätte diese Gelegenheit ungenutzt gelassen, ohne meinen Bootshacken und mein Messer zu benutzen, um das Siegel zu brechen und den gesamten Inhalt dieses jungen Wals zu untersuchen?
Was meine genaue Kenntnis der Knochen des Leviathans in ihrer riesigen, ausgewachsenen Form angeht, so verdanke ich dieses seltene Wissen meinem verstorbenen königlichen Freund Tranquo, König von Tranque, einem der Arsakiden. Vor Jahren, als ich auf dem Handelsschiff Dey von Algier diente, wurde ich eingeladen, einen Teil der Feiertage bei den Arsakiden mit dem Herrscher zu verbringen.
Page 486
von Tranque, in seiner ruhigen Palmenvilla in Pupella – einem Meeresarm, der nicht allzu weit von dem entfernt lag, was unsere Seeleute als „Bambusstadt“ bezeichneten, seine Hauptstadt. Unter vielen anderen hervorragenden Eigenschaften besaß mein königlicher Freund Tranquo eine tiefe Liebe zu allen Dingen, die mit „barbarischer Tugend“ zusammenhingen. In Pupella sammelte er all jene seltenen Gegenstände, die die klügsten Mitglieder seines Volkes ersinnen konnten: vor allem kunstvoll geschnitztes Holz, ausgeschnittene Muscheln, mit Edelsteinen verzierte Speere, wertvolle Ruder sowie duftende Kanus. All diese Gegenstände wurden an den Orten verteilt, an die die Wellen allerlei Wunderdinge an seine Küste spülten.
Am wichtigsten unter diesen Wunderdingen war ein großer Schwertwal. Nach einem außergewöhnlich lang anhaltenden Sturm wurde er tot und an Land gespült – sein Kopf lehnte an einem Kakaonussbaum. Die federartigen Auswüchse dieses Baumes glichen dem grünen Fell des Walbes. Als der riesige Körper schließlich von seinen Schichten befreit wurde und die Knochen in der Sonne zu Staub wurden, wurde das Skelett vorsichtig in den Talgrund von Pupella gebracht, wo es nun in einem prächtigen Tempel aus Palmen geschützt wurde.
Die Rippen wurden mit Trophäen geschmückt; die Wirbel waren mit Inschriften in seltsamen Hieroglyphen verziert. Im Schädel hielt man eine ewig brennende, duftende Flamme am Leben – damit der „mystische Kopf“ wieder Dampf ausstoßen konnte. Der riesige Unterkiefer hing an einem Ast und vibrierte vor den Augen der Gläubigen – wie das Schwert, das Damokles bedrohte.
Es war ein wunderbarer Anblick. Das Holz war grün wie das Moos im Eiskalten Tal; die Bäume standen hoch und stolz da, voller Lebenskraft. Der fruchtbare Boden glich einem Webstuhl – darauf lag ein prächtiger Teppich, dessen Fasern aus Ranken bestanden, während die Blumen die Muster bildeten. Alle Bäume mit ihren beladenen Ästen, alle Sträucher, Farne und Gräser – alles war in Bewegung. Durch die Blätter hindurch schien die Sonne wie ein fliegender Schussfaden, der die unermüdliche Grünheit webte. Oh, fleißiger Weber! Unsichtbarer Weber! – Pause! Ein Wort noch! Wohin fließt der Stoff? Welches Schloss kann er schmücken? Warum all diese ununterbrochenen Bemühungen? Sprich, Weber! Halte deine Hand still! Nur ein einziges Wort mit dir! Doch der Schussfaden fliegt weiter – die Muster verschwinden, der Teppich gleitet für immer davon. Der Gott-Weber webt – doch durch dieses Weben wird er taub, sodass er keine menschlichen Stimmen hört. Und durch dieses Summen werden auch wir, die wir auf den Webstuhl blicken, taub.
Am wichtigsten unter diesen Wunderdingen war ein großer Schwertwal. Nach einem außergewöhnlich lang anhaltenden Sturm wurde er tot und an Land gespült – sein Kopf lehnte an einem Kakaonussbaum. Die federartigen Auswüchse dieses Baumes glichen dem grünen Fell des Walbes. Als der riesige Körper schließlich von seinen Schichten befreit wurde und die Knochen in der Sonne zu Staub wurden, wurde das Skelett vorsichtig in den Talgrund von Pupella gebracht, wo es nun in einem prächtigen Tempel aus Palmen geschützt wurde.
Die Rippen wurden mit Trophäen geschmückt; die Wirbel waren mit Inschriften in seltsamen Hieroglyphen verziert. Im Schädel hielt man eine ewig brennende, duftende Flamme am Leben – damit der „mystische Kopf“ wieder Dampf ausstoßen konnte. Der riesige Unterkiefer hing an einem Ast und vibrierte vor den Augen der Gläubigen – wie das Schwert, das Damokles bedrohte.
Es war ein wunderbarer Anblick. Das Holz war grün wie das Moos im Eiskalten Tal; die Bäume standen hoch und stolz da, voller Lebenskraft. Der fruchtbare Boden glich einem Webstuhl – darauf lag ein prächtiger Teppich, dessen Fasern aus Ranken bestanden, während die Blumen die Muster bildeten. Alle Bäume mit ihren beladenen Ästen, alle Sträucher, Farne und Gräser – alles war in Bewegung. Durch die Blätter hindurch schien die Sonne wie ein fliegender Schussfaden, der die unermüdliche Grünheit webte. Oh, fleißiger Weber! Unsichtbarer Weber! – Pause! Ein Wort noch! Wohin fließt der Stoff? Welches Schloss kann er schmücken? Warum all diese ununterbrochenen Bemühungen? Sprich, Weber! Halte deine Hand still! Nur ein einziges Wort mit dir! Doch der Schussfaden fliegt weiter – die Muster verschwinden, der Teppich gleitet für immer davon. Der Gott-Weber webt – doch durch dieses Weben wird er taub, sodass er keine menschlichen Stimmen hört. Und durch dieses Summen werden auch wir, die wir auf den Webstuhl blicken, taub.
Page 487
Taub geworden – und erst wenn wir ihm entkommen, werden wir die tausend Stimmen hören, die durch ihn sprechen. Denn so ist es in allen materiellen Fabriken: Die gesprochenen Worte, die zwischen den sich drehenden Spindeln unhörbar sind, werden ohne die Wände deutlich gehört – sie dringen aus den geöffneten Fenstern hervor. So wurden Verbrechen aufgedeckt. Ach, Sterblicher! Sei vorsichtig – denn so können auch deine feinsten Gedanken in dem Lärm dieser großen Welt überall gehört werden.
Nun, mitten im grünen, leblosen „Webstuhl“ dieses Arsacidischen Waldes lag das große, weiße, verehrte Skelett – ein riesiger Faulpelz! Doch während das ständig gewebte, grüne Gewebe um ihn herum summte, schien dieser mächtige Faulpelz der listige Weber zu sein; er selbst war ganz mit Ranken überzogen, nahm jeden Monat eine grünere, frischere Färbung an – doch er blieb ein Skelett. Das Leben faltete sich um den Tod; der Tod bildete Gitter aus dem Leben; der grausame Gott lebte mit dem jungen Leben zusammen und zeugte daraus prächtige Geschöpfe.
Als ich mit dem königlichen Tranquo diesen wunderbaren „Walfisch“ besuchte und sah, wie der Schädel zu einem Altar wurde und künstlicher Rauch von dort aufstieg, wo echter Dampf hervorkam, wunderte ich mich, dass der König eine Kapelle als Objekt der Tugend betrachtete. Er lachte. Noch mehr wunderte ich mich darüber, dass die Priester schworen, sein rauchender Dampf sei echt. Ich ging hin und her vor diesem Skelett – strich die Ranken beiseite, brach durch die Rippen – und mit einem Bündel Arsacidischer Schnüre wanderte ich lange durch seine vielen gewundenen, schattigen Säulengänge und Lauben. Doch bald war meine Schnur zu Ende; indem ich ihr folgte, kam ich wieder aus dem Eingang heraus, durch den ich eingetreten war. Drinnen sah ich kein Lebewesen – nur Knochen.
Ich schnitt mir einen grünen Maßstab zurecht und tauchte erneut ins Skelett ein. Durch die Pupillenlöcher im Schädel beobachteten die Priester, wie ich die Länge der letzten Rippe maß. „Wie nun!“, riefen sie. „Wagst du es, unseren Gott zu messen? Das gehört uns!“ „Ja, Priester – wie lang macht ihr ihn denn?“ Doch daraufhin entbrannte unter ihnen ein heftiger Streit über Fuß und Zoll; sie schlugen mit ihren Maßstäben aufeinander ein – der große Schädel hallte wider – und ich nutzte diese günstige Gelegenheit, um schnell meine eigenen Messungen vorzunehmen.
Diese Messungen möchte ich nun Ihnen vorlegen. Doch zunächst sei festgehalten: In dieser Angelegenheit bin ich nicht frei, beliebige, erfundene Maße anzugeben. Denn es gibt autoritative Quellen bezüglich Skelette, auf die man sich beziehen kann, um meine Genauigkeit zu überprüfen. Es gibt laut ihnen ein Leviathanisches Museum in Hull, England.
Nun, mitten im grünen, leblosen „Webstuhl“ dieses Arsacidischen Waldes lag das große, weiße, verehrte Skelett – ein riesiger Faulpelz! Doch während das ständig gewebte, grüne Gewebe um ihn herum summte, schien dieser mächtige Faulpelz der listige Weber zu sein; er selbst war ganz mit Ranken überzogen, nahm jeden Monat eine grünere, frischere Färbung an – doch er blieb ein Skelett. Das Leben faltete sich um den Tod; der Tod bildete Gitter aus dem Leben; der grausame Gott lebte mit dem jungen Leben zusammen und zeugte daraus prächtige Geschöpfe.
Als ich mit dem königlichen Tranquo diesen wunderbaren „Walfisch“ besuchte und sah, wie der Schädel zu einem Altar wurde und künstlicher Rauch von dort aufstieg, wo echter Dampf hervorkam, wunderte ich mich, dass der König eine Kapelle als Objekt der Tugend betrachtete. Er lachte. Noch mehr wunderte ich mich darüber, dass die Priester schworen, sein rauchender Dampf sei echt. Ich ging hin und her vor diesem Skelett – strich die Ranken beiseite, brach durch die Rippen – und mit einem Bündel Arsacidischer Schnüre wanderte ich lange durch seine vielen gewundenen, schattigen Säulengänge und Lauben. Doch bald war meine Schnur zu Ende; indem ich ihr folgte, kam ich wieder aus dem Eingang heraus, durch den ich eingetreten war. Drinnen sah ich kein Lebewesen – nur Knochen.
Ich schnitt mir einen grünen Maßstab zurecht und tauchte erneut ins Skelett ein. Durch die Pupillenlöcher im Schädel beobachteten die Priester, wie ich die Länge der letzten Rippe maß. „Wie nun!“, riefen sie. „Wagst du es, unseren Gott zu messen? Das gehört uns!“ „Ja, Priester – wie lang macht ihr ihn denn?“ Doch daraufhin entbrannte unter ihnen ein heftiger Streit über Fuß und Zoll; sie schlugen mit ihren Maßstäben aufeinander ein – der große Schädel hallte wider – und ich nutzte diese günstige Gelegenheit, um schnell meine eigenen Messungen vorzunehmen.
Diese Messungen möchte ich nun Ihnen vorlegen. Doch zunächst sei festgehalten: In dieser Angelegenheit bin ich nicht frei, beliebige, erfundene Maße anzugeben. Denn es gibt autoritative Quellen bezüglich Skelette, auf die man sich beziehen kann, um meine Genauigkeit zu überprüfen. Es gibt laut ihnen ein Leviathanisches Museum in Hull, England.
Page 488
Einer der Walfanghäfen dieses Landes – dort gibt es einige hervorragende Exemplare von Schwanzwalen und anderen Walarten. Ich habe außerdem gehört, dass im Museum in Manchester, New Hampshire, das, was die Besitzer als „das einzige perfekte Exemplar eines Grönland- oder Flusswals in den Vereinigten Staaten“ bezeichnen, aufbewahrt wird. Zudem besitzt ein gewisser Sir Clifford Constable in Burton Constable, England, das Skelett eines Spermawals – allerdings nur mittlerer Größe, keineswegs in der vollständigen Größe wie das meines Freundes King Tranquo. In beiden Fällen wurden die an Land gespülten Wale, zu denen diese Skelette gehörten, ursprünglich von ihren Besitzern aus ähnlichen Gründen beansprucht: King Tranquo nahm ihn sich, weil er ihn haben wollte; Sir Clifford, weil er der Herr über die Gebiete in dieser Gegend war. Sir Cliffords Wal ist vollständig zusammengesetzt – man kann ihn also wie einen großen Schrank öffnen und schließen, alle Knochenhöhlen betrachten, seine Rippen wie einen riesigen Fächer ausbreiten sowie seinen Unterkiefer den ganzen Tag hin und her bewegen. An einigen seiner „Türen“ und „Läden“ sollen Schlösser angebracht werden; ein Diener wird zukünftige Besucher mit einem Bund Schlüssel herumführen. Sir Clifford denkt daran, zwei Pence für einen Blick in die „Flüstergalerie“ in der Wirbelsäule zu verlangen, drei Pence dafür, den Echoeffekt in der Höhle seines Kleinhirns zu hören, und sechs Pence für den unvergleichlichen Ausblick von seiner Stirn aus. Die Abmessungen des Skeletts, die ich nun angeben werde, sind wortwörtlich von meinem rechten Arm abgeschrieben – dort hatte ich sie tätowieren lassen. Da ich zu dieser Zeit auf engem Raum lebte und wollte, dass die anderen Teile meines Körpers weiterhin eine „leere Seite“ für ein Gedicht blieben, das ich gerade verfasste – zumindest die ungetätowten Teile –, machte ich mir keine Mühe mit den genauen Zollangaben. Tatsächlich sollten Zoll überhaupt nicht bei einer angemessenen Messung eines Wals berücksichtigt werden.
Page 489
KAPITEL 103: Messung des Skeletts der Wale
Zunächst möchte ich Ihnen eine klare, präzise Aussage über das Lebendgewicht dieses Riesen vorlegen – dessen Skelett wir hier kurz zeigen werden. Eine solche Aussage kann hier nützlich sein.
Laut meinen sorgfältigen Berechnungen, die teilweise auf der Schätzung von Kapitän Scoresby beruhen – wonach der größte Grönlandwal eine Länge von sechzig Fuß hat und damit etwa siebzig Tonnen wiegt – wird ein Spermawal der größten Größe, mit einer Länge von achtzig bis neunzig Fuß sowie einer maximalen Umfangsgröße von etwas weniger als vierzig Fuß, mindestens neunzig Tonnen wiegen. Wenn man davon ausgeht, dass dreizehn Männer eine Tonne wiegen, dann überwiegt der Gewicht dieser Kreatur bei weitem die Gesamtbevölkerung eines Dorfes mit tausendhundert Einwohnern.
Glauben Sie denn nicht, dass man für diesen Riesen Gehirne einsetzen sollte – ähnlich wie bei Pflügen –, um seine Vorstellungskraft zu wecken? Da ich Ihnen bereits auf verschiedene Weise seinen Schädel, die Schnauze, die Kiefer, die Zähne, den Schwanz, die Stirn, die Flossen sowie weitere Körperteile gezeigt habe, werde ich nun einfach darauf hinweisen, was an der Gesamtstruktur seines Skeletts am interessantesten ist.
Da der riesige Schädel einen sehr großen Anteil am gesamten Skelett ausmacht, da er bei weitem der komplizierteste Teil ist und da in diesem Kapitel nichts weiter dazu gesagt werden muss, sollten Sie ihn unbedingt im Gedächtnis behalten – sonst erhalten Sie kein vollständiges Bild von der Struktur, die wir uns ansehen werden.
In der Länge betrug das Skelett des Spermawals in Tranque siebzig zwei Fuß; daher muss er im lebenden Zustand eine Länge von neunzig Fuß gehabt haben. Denn beim Wal ist das Skelett im Vergleich zum lebenden Körper etwa um ein Fünftel kürzer. Von diesen siebzig zwei Fuß entfielen etwa zwanzig Fuß auf den Schädel und die Kiefer; die restlichen fünfzig Fuß machten die Wirbelsäule aus. An diese Wirbelsäule war, für etwas weniger als ein Drittel ihrer Länge, der mächtige Kreis aus Rippen angebracht – Rippen, die einst seine inneren Organe umschlossen.
Zunächst möchte ich Ihnen eine klare, präzise Aussage über das Lebendgewicht dieses Riesen vorlegen – dessen Skelett wir hier kurz zeigen werden. Eine solche Aussage kann hier nützlich sein.
Laut meinen sorgfältigen Berechnungen, die teilweise auf der Schätzung von Kapitän Scoresby beruhen – wonach der größte Grönlandwal eine Länge von sechzig Fuß hat und damit etwa siebzig Tonnen wiegt – wird ein Spermawal der größten Größe, mit einer Länge von achtzig bis neunzig Fuß sowie einer maximalen Umfangsgröße von etwas weniger als vierzig Fuß, mindestens neunzig Tonnen wiegen. Wenn man davon ausgeht, dass dreizehn Männer eine Tonne wiegen, dann überwiegt der Gewicht dieser Kreatur bei weitem die Gesamtbevölkerung eines Dorfes mit tausendhundert Einwohnern.
Glauben Sie denn nicht, dass man für diesen Riesen Gehirne einsetzen sollte – ähnlich wie bei Pflügen –, um seine Vorstellungskraft zu wecken? Da ich Ihnen bereits auf verschiedene Weise seinen Schädel, die Schnauze, die Kiefer, die Zähne, den Schwanz, die Stirn, die Flossen sowie weitere Körperteile gezeigt habe, werde ich nun einfach darauf hinweisen, was an der Gesamtstruktur seines Skeletts am interessantesten ist.
Da der riesige Schädel einen sehr großen Anteil am gesamten Skelett ausmacht, da er bei weitem der komplizierteste Teil ist und da in diesem Kapitel nichts weiter dazu gesagt werden muss, sollten Sie ihn unbedingt im Gedächtnis behalten – sonst erhalten Sie kein vollständiges Bild von der Struktur, die wir uns ansehen werden.
In der Länge betrug das Skelett des Spermawals in Tranque siebzig zwei Fuß; daher muss er im lebenden Zustand eine Länge von neunzig Fuß gehabt haben. Denn beim Wal ist das Skelett im Vergleich zum lebenden Körper etwa um ein Fünftel kürzer. Von diesen siebzig zwei Fuß entfielen etwa zwanzig Fuß auf den Schädel und die Kiefer; die restlichen fünfzig Fuß machten die Wirbelsäule aus. An diese Wirbelsäule war, für etwas weniger als ein Drittel ihrer Länge, der mächtige Kreis aus Rippen angebracht – Rippen, die einst seine inneren Organe umschlossen.
Page 490
Für mich glich dieser riesige, mit Elfenbeinrippen versehene Körper mit der langen, ununterbrochenen Wirbelsäule, die in gerader Linie weit davon entfernt verlief, ziemlich dem Rumpf eines großen Schiffes, das gerade auf Kiel gelegt wurde – zu diesem Zeitpunkt waren nur etwa zwanzig der „Rippen“ am Bug eingefügt, während die Kiellinie noch lediglich aus einem langen, unverbindlichen Stück Holz bestand. Es gab insgesamt zehn Rippen pro Seite. Die erste, gerechnet vom „Hals“ des Körpers an, war fast sechs Fuß lang; die zweite, dritte und vierte waren jeweils länger, bis schließlich die fünfte Rippe, eine der mittleren, acht Fuß und einige Zoll maß. Von dort an wurden die übrigen Rippen kürzer, bis die zehnte und letzte nur noch fünf Fuß und einige Zoll lang war. Im Allgemeinen entsprach ihre Dicke ihrem Länge. Die mittleren Rippen waren am stärksten gewölbt. Bei einigen Arten der Arsakiden wurden sie als Balken verwendet, auf denen Brücken über kleine Bäche gebaut werden konnten. Beim Betrachten dieser Rippen musste ich erneut daran denken, wie oft in diesem Buch betont wird, dass der Skelett des Wals keineswegs ein Abbild seiner lebenden Gestalt ist. Die größte der Rippen, eine der mittleren, nahm jenen Teil des Körpers ein, der im Leben am tiefsten war. Die größte Tiefe des Körpers dieses Wals muss mindestens sechzehn Fuß betragen haben – doch die entsprechende Rippe maß nur etwas mehr als acht Fuß. Somit drückte diese Rippe nur die Hälfte der tatsächlichen Größe dieses Körperteils aus. Außerdem gab es dort, wo ich nun nur noch eine nackte Wirbelsäule sah, einst alles, was mit Tonnen an Fleisch, Muskeln, Blut und Eingeweiden umhüllt war. Zudem sah ich anstelle der großen, majestätischen Flossen nur einige unordentliche Gelenke – und anstelle der schweren, prächtigen Flossen nichts weiter als Leere! Wie sinnlos und töricht ist es also, dachte ich, für einen feigen, unerfahrenen Menschen, zu versuchen, diesen wunderbaren Wal richtig zu verstehen, indem man sich nur sein totes, abgemagertes Skelett ansieht, das hier in diesem friedlichen Wald liegt. Nein – nur im Herzen der größten Gefahren, nur mitten im Wirbel seiner wütenden Flossen, nur auf dem weiten, unermesslichen Meer kann der vollständig ausgestattete Wal wirklich und lebendig erkannt werden. Doch die Wirbelsäule – dazu ist der beste Weg, sie mit einer Krane hoch aufzustapeln. Keine schnelle Aufgabe. Doch jetzt, da es erledigt ist, sieht sie ziemlich wie Pompys Säule aus.
Page 491
Insgesamt gibt es etwas mehr als vierzig Wirbel, die im Skelett nicht miteinander verbunden sind. Sie liegen meist wie große, knopfartige Blöcke auf einer gotischen Spitze und bilden solide Reihen aus massivem Mauerwerk. Der größte Wirbel, ein mittlerer Wirbel, ist in der Breite etwas weniger als drei Fuß und in der Tiefe mehr als vier Fuß groß. Der kleinste Wirbel, dort, wo die Wirbelsäule in den Schwanz übergeht, ist nur zwei Zoll breit und sieht aus wie eine weiße Billardkugel. Mir wurde gesagt, dass es noch kleinere Wirbel gäbe, doch diese seien von einigen kleinen, kanibalen Kindern – den Kindern des Priesters – gestohlen worden, um damit Kugellabyrinth zu spielen. So sehen wir also, wie selbst die Wirbelsäule des größten Lebewesens letztendlich in etwas Simpleres übergeht – in ein kindliches Spielzeug.
Page 492
KAPITEL 104. Der fossile Wal.
Anhand seiner gewaltigen Größe bietet der Wal ein äußerst geeignetes Thema, um darüber ausführlich zu schreiben und zu erläutern. Man könnte ihn einfach nicht komprimieren – zu Recht sollte er nur in einem riesigen Format behandelt werden. Es genügt nicht, seine Länge von den Kiemen bis zum Schwanz sowie seine Umfangsmaße in der Taille zu erwähnen; man muss vielmehr an die gigantischen Windungen seiner Därme denken – sie liegen dort wie große Kabel und Taue, aufgewickelt auf dem „Unterdeck“ eines Schlachtschiffs.
Da ich mich dazu entschlossen habe, diesen Leviathan zu beschreiben, ist es meine Pflicht, dabei umfassend und vollständig vorzugehen – ohne auch nur das kleinste Element seines Körpers auszulassen. Nachdem ich bereits die meisten seiner gegenwärtigen Anatomie- und Lebensweise-Eigenschaften beschrieben habe, bleibt nun noch, ihn aus archäologischer, fossiler sowie prähistorischer Sicht zu betrachten.
Würde man solche prächtigen Ausdrücke auf irgendein anderes Lebewesen als den Leviathan anwenden – auf eine Ameise oder eine Fliege –, wären sie wohl als übertrieben zu betrachten. Doch wenn es um den Leviathan geht, ändert sich die Situation. Ich möchte gerne mit den mächtigsten Worten des Wörterbuchs dieses Unterfangen beschreiben. Ich muss hier sagen: Immer, wenn es während dieser Abhandlungen notwendig war, ein Wörterbuch zu konsultieren, habe ich stets eine riesige Quarto-Ausgabe von Johnson verwendet – speziell zu diesem Zweck gekauft. Denn die außergewöhnliche Größe dieses berühmten Lexikographen machte ihn besser geeignet, ein Wörterbuch zu erstellen, das von einem Autor wie mir verwendet werden kann.
Man hört oft von Schriftstellern, deren Stil mit ihrem Thema wächst – auch wenn dieses Thema eigentlich ganz gewöhnlich erscheint. Wie ist es dann bei mir, der ich über diesen Leviathan schreibe? Unbewusst wird meine Schrift immer größer und prächtiger. Gebt mir einen Federkiel eines Condors! Gebt mir den Krater des Vesuvs als Tintenfass! Freunde, haltet meine Arme fest! Denn allein schon beim Schreiben meiner Gedanken über diesen Leviathan werden sie mich müde machen – ihre umfassende Reichweite scheint alles umfassen zu wollen: den gesamten Bereich der Wissenschaften, alle Generationen von Walen, Menschen und Mastodonten, Vergangenes, Gegenwart und Zukunft, sowie alle „Panoramen“ des Reiches auf der Erde und im ganzen Universum – ohne Ausnahme. So ist es.
Anhand seiner gewaltigen Größe bietet der Wal ein äußerst geeignetes Thema, um darüber ausführlich zu schreiben und zu erläutern. Man könnte ihn einfach nicht komprimieren – zu Recht sollte er nur in einem riesigen Format behandelt werden. Es genügt nicht, seine Länge von den Kiemen bis zum Schwanz sowie seine Umfangsmaße in der Taille zu erwähnen; man muss vielmehr an die gigantischen Windungen seiner Därme denken – sie liegen dort wie große Kabel und Taue, aufgewickelt auf dem „Unterdeck“ eines Schlachtschiffs.
Da ich mich dazu entschlossen habe, diesen Leviathan zu beschreiben, ist es meine Pflicht, dabei umfassend und vollständig vorzugehen – ohne auch nur das kleinste Element seines Körpers auszulassen. Nachdem ich bereits die meisten seiner gegenwärtigen Anatomie- und Lebensweise-Eigenschaften beschrieben habe, bleibt nun noch, ihn aus archäologischer, fossiler sowie prähistorischer Sicht zu betrachten.
Würde man solche prächtigen Ausdrücke auf irgendein anderes Lebewesen als den Leviathan anwenden – auf eine Ameise oder eine Fliege –, wären sie wohl als übertrieben zu betrachten. Doch wenn es um den Leviathan geht, ändert sich die Situation. Ich möchte gerne mit den mächtigsten Worten des Wörterbuchs dieses Unterfangen beschreiben. Ich muss hier sagen: Immer, wenn es während dieser Abhandlungen notwendig war, ein Wörterbuch zu konsultieren, habe ich stets eine riesige Quarto-Ausgabe von Johnson verwendet – speziell zu diesem Zweck gekauft. Denn die außergewöhnliche Größe dieses berühmten Lexikographen machte ihn besser geeignet, ein Wörterbuch zu erstellen, das von einem Autor wie mir verwendet werden kann.
Man hört oft von Schriftstellern, deren Stil mit ihrem Thema wächst – auch wenn dieses Thema eigentlich ganz gewöhnlich erscheint. Wie ist es dann bei mir, der ich über diesen Leviathan schreibe? Unbewusst wird meine Schrift immer größer und prächtiger. Gebt mir einen Federkiel eines Condors! Gebt mir den Krater des Vesuvs als Tintenfass! Freunde, haltet meine Arme fest! Denn allein schon beim Schreiben meiner Gedanken über diesen Leviathan werden sie mich müde machen – ihre umfassende Reichweite scheint alles umfassen zu wollen: den gesamten Bereich der Wissenschaften, alle Generationen von Walen, Menschen und Mastodonten, Vergangenes, Gegenwart und Zukunft, sowie alle „Panoramen“ des Reiches auf der Erde und im ganzen Universum – ohne Ausnahme. So ist es.
Page 493
Die Vergrößerung – das ist die Tugend eines umfangreichen und großzügigen Themas! Wir erweitern uns bis zu seinem Umfang. Um ein bedeutendes Buch zu schreiben, muss man sich ein bedeutendes Thema aussuchen. Ein großartiges und dauerhaftes Werk über die Flohe kann niemals entstehen – obwohl viele versucht haben, es zu tun.
Bevor ich das Thema der fossilen Wale behandele, möchte ich meine Qualifikationen als Geologe vorstellen, indem ich sage, dass ich in meiner Freizeit Steinmetz war sowie außerdem ein geschickter Grabender von Gräben, Kanälen und Brunnen sowie Weinkellern, Kellern und Zisternen aller Art. Ebenso möchte ich dem Leser vorab daran erinnern, dass in den früheren geologischen Schichten Fossilien von Monstern gefunden werden, die heute fast vollständig ausgestorben sind; die anschließend in den sogenannten Tertiärformationen entdeckten Überreste scheinen die verbindenden – oder zumindest unterbrechenden – Glieder zwischen diesen urzeitlichen Lebewesen und jenen zu sein, deren entfernte Nachkommen angeblich in die Arche eingestiegen sind. Alle bisher entdeckten Fossilien von Walen gehören zur Tertiärzeit, die die letzte Zeit vor den oberflächlichen Formationen ist. Und obwohl keines davon genau einer bekannten heutigen Art entspricht, ähneln sie diesen doch in allgemeiner Hinsicht genug, um als Fossilien von Walfischen betrachtet zu werden.
Getrennte, zerbrochene Fossilien von voradamitischen Walen, Fragmente ihrer Knochen und Skelette, wurden in den letzten dreißig Jahren zu verschiedenen Zeiten am Fuße der Alpen, in der Lombardei, in Frankreich, in England, in Schottland sowie in den Bundesstaaten Louisiana, Mississippi und Alabama gefunden. Zu den bemerkenswertesten dieser Überreste gehört ein Teil eines Schädels, der im Jahr 1779 in der Rue Dauphine in Paris ausgegraben wurde – einer kurzen Straße, die fast direkt auf den Palast der Tuilerien führt – sowie Knochen, die während der Ausgrabungen der großen Häfen in Antwerpen zur Zeit Napoleons freigelegt wurden. Cuvier erklärte, diese Fragmente gehörten zu einer völlig unbekannten, leviathanartigen Art.
Doch bei weitem das Wunderbarste unter allen Überresten von Walfischen war das fast vollständige, riesige Skelett eines ausgestorbenen Monsters, das im Jahr 1842 auf der Plantage von Richter Creagh in Alabama gefunden wurde. Die ehrfürchtigen, leichtgläubigen Sklaven in der Umgebung hielten es für die Knochen eines gefallenen Engels. Die Ärzte in Alabama bezeichneten es als einen riesigen Reptilien und gaben ihm den Namen Basilosaurus. Doch als einige Knochenproben dieses Tieres über das Meer zu Owen, dem englischen Anatom, gebracht wurden, stellte sich heraus, dass dieses sogenannte Reptil in Wirklichkeit ein Wal war – wenn auch einer ausgestorbenen Art. Eine bedeutende Illustration dieser Tatsache…
Bevor ich das Thema der fossilen Wale behandele, möchte ich meine Qualifikationen als Geologe vorstellen, indem ich sage, dass ich in meiner Freizeit Steinmetz war sowie außerdem ein geschickter Grabender von Gräben, Kanälen und Brunnen sowie Weinkellern, Kellern und Zisternen aller Art. Ebenso möchte ich dem Leser vorab daran erinnern, dass in den früheren geologischen Schichten Fossilien von Monstern gefunden werden, die heute fast vollständig ausgestorben sind; die anschließend in den sogenannten Tertiärformationen entdeckten Überreste scheinen die verbindenden – oder zumindest unterbrechenden – Glieder zwischen diesen urzeitlichen Lebewesen und jenen zu sein, deren entfernte Nachkommen angeblich in die Arche eingestiegen sind. Alle bisher entdeckten Fossilien von Walen gehören zur Tertiärzeit, die die letzte Zeit vor den oberflächlichen Formationen ist. Und obwohl keines davon genau einer bekannten heutigen Art entspricht, ähneln sie diesen doch in allgemeiner Hinsicht genug, um als Fossilien von Walfischen betrachtet zu werden.
Getrennte, zerbrochene Fossilien von voradamitischen Walen, Fragmente ihrer Knochen und Skelette, wurden in den letzten dreißig Jahren zu verschiedenen Zeiten am Fuße der Alpen, in der Lombardei, in Frankreich, in England, in Schottland sowie in den Bundesstaaten Louisiana, Mississippi und Alabama gefunden. Zu den bemerkenswertesten dieser Überreste gehört ein Teil eines Schädels, der im Jahr 1779 in der Rue Dauphine in Paris ausgegraben wurde – einer kurzen Straße, die fast direkt auf den Palast der Tuilerien führt – sowie Knochen, die während der Ausgrabungen der großen Häfen in Antwerpen zur Zeit Napoleons freigelegt wurden. Cuvier erklärte, diese Fragmente gehörten zu einer völlig unbekannten, leviathanartigen Art.
Doch bei weitem das Wunderbarste unter allen Überresten von Walfischen war das fast vollständige, riesige Skelett eines ausgestorbenen Monsters, das im Jahr 1842 auf der Plantage von Richter Creagh in Alabama gefunden wurde. Die ehrfürchtigen, leichtgläubigen Sklaven in der Umgebung hielten es für die Knochen eines gefallenen Engels. Die Ärzte in Alabama bezeichneten es als einen riesigen Reptilien und gaben ihm den Namen Basilosaurus. Doch als einige Knochenproben dieses Tieres über das Meer zu Owen, dem englischen Anatom, gebracht wurden, stellte sich heraus, dass dieses sogenannte Reptil in Wirklichkeit ein Wal war – wenn auch einer ausgestorbenen Art. Eine bedeutende Illustration dieser Tatsache…
Page 494
Immer wieder wird in diesem Buch betont, dass der Knochenbau des Wals nur wenige Hinweise auf die Form seines vollständig ausgebildeten Körpers liefert. Deshalb gab Owen dem Ungeheuer den Namen Zeuglodon; und in seiner Vorlesung vor der London Geological Society bezeichnete er es im Grunde als eines der außergewöhnlichsten Lebewesen, die durch die Veränderungen der Erde ausgelöscht wurden.
Wenn ich zwischen diesen mächtigen Skeletten von Leviathansen stehe – Schädeln, Stoßzähnen, Kiefern, Rippen und Wirbeln –, die alle teilweise Ähnlichkeiten mit den heute lebenden Meeresmonstern aufweisen, aber zugleich auch Ähnlichkeiten mit den längst verschwundenen, „antichronischen“ Leviathansen haben, ihren unermesslich älteren Vorfahren – dann werde ich wie von einer Flut in jene wunderbare Zeit zurückgetragen, in der man noch nicht einmal von einem Anfang der Zeit sprechen kann; denn die Zeit begann mit dem Menschen. Hier rollt Saturns grauer Chaos über mich hinweg, und ich erhalte vage, erschütternde Blicke in jene polaren Ewigkeiten – als eiserne Eisfestungen auf das drückten, was heute die Tropen sind; und auf allen 25.000 Meilen Umfang dieser Welt war kein Stück Land zu sehen, das bewohnbar gewesen wäre. Damals gehörte die ganze Welt dem Wal; und als König der Schöpfung hinterließ er seine Spuren entlang der heutigen Linien der Anden und des Himalaya. Wer kann schon einen Stammbaum wie den des Leviathans vorweisen? Ahabs Harpune hatte bereits älteres Blut vergossen als das des Pharaos – Methuselah erscheint da wie ein Schuljunge. Ich schaue mich um, um Shem die Hand zu reichen. Ich bin entsetzt über diese „prämosaische“, unbekannte Existenz der unsagbaren Schrecken des Wals – Wesen, die bereits vor aller Zeit existierten und auch nachdem alle menschlichen Zeitalter vorbei sind, weiterhin existieren müssen.
Doch nicht nur dieser Leviathan hat seine präadamitischen Spuren in den Naturabdrücken hinterlassen sowie in Kalkstein und Mergel sein altes Abbild verewigt; auch auf ägyptischen Tafeln, deren Alter sie fast fossilen Charakter verleiht, finden wir den unverkennbaren Abdruck seiner Flosse. Vor etwa fünfzig Jahren wurde in einem Raum des großen Tempels von Denderah an der Granitdecke eine geschnitzte und bemalte Himmelskugel entdeckt – voller Zentauren, Greife und Delfine, ähnlich den grotesken Figuren auf den Himmelskugeln der Neuzeit. Darin schwamm der alte Leviathan, wie einst – bereits Jahrhunderte bevor Salomo geboren wurde.
Auch ein weiterer seltsamer Beleg für die Antike des Wals darf nicht unerwähnt bleiben – nämlich seine eigene knochenhafte Existenz nach der Sintflut, wie sie vom ehrenwerten John Leo, dem alten Reisenden aus Barbary, beschrieben wurde.
Wenn ich zwischen diesen mächtigen Skeletten von Leviathansen stehe – Schädeln, Stoßzähnen, Kiefern, Rippen und Wirbeln –, die alle teilweise Ähnlichkeiten mit den heute lebenden Meeresmonstern aufweisen, aber zugleich auch Ähnlichkeiten mit den längst verschwundenen, „antichronischen“ Leviathansen haben, ihren unermesslich älteren Vorfahren – dann werde ich wie von einer Flut in jene wunderbare Zeit zurückgetragen, in der man noch nicht einmal von einem Anfang der Zeit sprechen kann; denn die Zeit begann mit dem Menschen. Hier rollt Saturns grauer Chaos über mich hinweg, und ich erhalte vage, erschütternde Blicke in jene polaren Ewigkeiten – als eiserne Eisfestungen auf das drückten, was heute die Tropen sind; und auf allen 25.000 Meilen Umfang dieser Welt war kein Stück Land zu sehen, das bewohnbar gewesen wäre. Damals gehörte die ganze Welt dem Wal; und als König der Schöpfung hinterließ er seine Spuren entlang der heutigen Linien der Anden und des Himalaya. Wer kann schon einen Stammbaum wie den des Leviathans vorweisen? Ahabs Harpune hatte bereits älteres Blut vergossen als das des Pharaos – Methuselah erscheint da wie ein Schuljunge. Ich schaue mich um, um Shem die Hand zu reichen. Ich bin entsetzt über diese „prämosaische“, unbekannte Existenz der unsagbaren Schrecken des Wals – Wesen, die bereits vor aller Zeit existierten und auch nachdem alle menschlichen Zeitalter vorbei sind, weiterhin existieren müssen.
Doch nicht nur dieser Leviathan hat seine präadamitischen Spuren in den Naturabdrücken hinterlassen sowie in Kalkstein und Mergel sein altes Abbild verewigt; auch auf ägyptischen Tafeln, deren Alter sie fast fossilen Charakter verleiht, finden wir den unverkennbaren Abdruck seiner Flosse. Vor etwa fünfzig Jahren wurde in einem Raum des großen Tempels von Denderah an der Granitdecke eine geschnitzte und bemalte Himmelskugel entdeckt – voller Zentauren, Greife und Delfine, ähnlich den grotesken Figuren auf den Himmelskugeln der Neuzeit. Darin schwamm der alte Leviathan, wie einst – bereits Jahrhunderte bevor Salomo geboren wurde.
Auch ein weiterer seltsamer Beleg für die Antike des Wals darf nicht unerwähnt bleiben – nämlich seine eigene knochenhafte Existenz nach der Sintflut, wie sie vom ehrenwerten John Leo, dem alten Reisenden aus Barbary, beschrieben wurde.
Page 495
„Nicht weit vom Meerufer entfernt gibt es dort einen Tempel, dessen Dachbalken und Träger aus Walenknochen bestehen; denn Wale von monströser Größe werden oft tot an jenes Ufer gespült. Die einfachen Leute glauben, dass durch eine geheime Kraft, die Gott dem Tempel verliehen hat, kein Wal daran vorbeikommen kann, ohne sofort zu sterben. Doch die Wahrheit ist, dass es zu beiden Seiten des Tempels Felsen gibt, die zwei Meilen ins Meer ragen und die Wale verletzen, wenn sie dagegen prallen. Sie bewahren eine unglaublich lange Walripp als Wunder auf – sie liegt auf dem Boden mit der gewölbten Seite nach oben und bildet eine Bogenform, deren Spitze ein Mensch auf dem Rücken eines Kamels nicht erreichen kann. Diese Rippe (so sagt John Leo) soll bereits hundert Jahre dort gelegen haben, bevor ich sie sah. Ihre Historiker behaupten, dass ein Prophet, der über Mohammed prophezeite, aus diesem Tempel stammte; einige gehen sogar davon aus, dass der Prophet Jonas von einem Wal am Fuße des Tempels ausgespuckt wurde.“
In diesem afrikanischen Waltempel lasse ich Sie nun zurück, lieber Leser – und wenn Sie ein Einwohner von Nantucket sind und Waljäger, werden Sie dort in Stille beten.
In diesem afrikanischen Waltempel lasse ich Sie nun zurück, lieber Leser – und wenn Sie ein Einwohner von Nantucket sind und Waljäger, werden Sie dort in Stille beten.
Page 496
KAPITEL 105: Nimmt die Größe der Wale ab? – Wird er zugrunde gehen?
Da dieser Leviathan aus den Quellen der Ewigkeit auf uns zukommt, ist es angebracht zu fragen, ob er im Laufe seiner Generationen nicht von der ursprünglichen Größe seiner Vorfahren abgenommen hat.
Doch bei genauerer Untersuchung stellen wir fest, dass nicht nur die Wale der Gegenwart größer sind als jene, deren Fossile im Tertiärsystem gefunden werden (einem eigenständigen geologischen Zeitalter vor dem Menschen), sondern auch unter den Walen dieses Tertiärsystems diejenigen, die zu den späteren Formationen gehören, größer sind als diejenigen der früheren Formationen.
Von allen bisher ausgegrabenen präadamitischen Walen ist mit Abstand der größte der in Kapitel 104 erwähnte Wal aus Alabama – sein Skelett maß weniger als siebzig Fuß Länge. Wir haben bereits gesehen, dass ein Maßband für das Skelett eines großen modernen Wals eine Länge von siebzig zwei Fuß angibt. Zudem habe ich von Walfängern gehört, dass Schwertwale zum Zeitpunkt ihrer Fangung eine Länge von fast hundert Fuß erreichten.
Aber könnte es nicht sein, dass die Wale der Gegenwart zwar größer sind als die Wale aller vorangegangenen geologischen Perioden, aber seit Adams Zeiten wieder kleiner geworden sind? Sicherlich müssen wir zu diesem Schluss kommen, wenn wir den Berichten von Männern wie Plinius sowie den antiken Naturforschern Glauben schenken wollen. Denn Plinius berichtet von Walen, deren Leibesumfang ganze Flächen einnahm, und Aldrovandus von anderen, die eine Länge von achthundert Fuß hatten – „Seilwege“ und „Thames-Tunnel“ aus Walen! Auch in den Zeiten von Banks und Solander, Cooks Naturforschern, finden wir einen dänischen Mitglied der Akademie der Wissenschaften, der bestimmte isländische Wale (reydan-siskur oder „gefaltete Bäuche“) auf hundertzweiundzwanzig Yards, also dreihundertsiebzig Fuß, schätzte. Der französische Naturforscher Lacépède gibt in seiner ausführlichen Geschichte der Wale bereits zu Beginn seines Werkes (Seite 3) an, dass der Pottwal eine Länge von hundert Metern, also dreihundertdreiundzwanzig Fuß, hat. Dieses Werk wurde erst im Jahr 1825 veröffentlicht.
Da dieser Leviathan aus den Quellen der Ewigkeit auf uns zukommt, ist es angebracht zu fragen, ob er im Laufe seiner Generationen nicht von der ursprünglichen Größe seiner Vorfahren abgenommen hat.
Doch bei genauerer Untersuchung stellen wir fest, dass nicht nur die Wale der Gegenwart größer sind als jene, deren Fossile im Tertiärsystem gefunden werden (einem eigenständigen geologischen Zeitalter vor dem Menschen), sondern auch unter den Walen dieses Tertiärsystems diejenigen, die zu den späteren Formationen gehören, größer sind als diejenigen der früheren Formationen.
Von allen bisher ausgegrabenen präadamitischen Walen ist mit Abstand der größte der in Kapitel 104 erwähnte Wal aus Alabama – sein Skelett maß weniger als siebzig Fuß Länge. Wir haben bereits gesehen, dass ein Maßband für das Skelett eines großen modernen Wals eine Länge von siebzig zwei Fuß angibt. Zudem habe ich von Walfängern gehört, dass Schwertwale zum Zeitpunkt ihrer Fangung eine Länge von fast hundert Fuß erreichten.
Aber könnte es nicht sein, dass die Wale der Gegenwart zwar größer sind als die Wale aller vorangegangenen geologischen Perioden, aber seit Adams Zeiten wieder kleiner geworden sind? Sicherlich müssen wir zu diesem Schluss kommen, wenn wir den Berichten von Männern wie Plinius sowie den antiken Naturforschern Glauben schenken wollen. Denn Plinius berichtet von Walen, deren Leibesumfang ganze Flächen einnahm, und Aldrovandus von anderen, die eine Länge von achthundert Fuß hatten – „Seilwege“ und „Thames-Tunnel“ aus Walen! Auch in den Zeiten von Banks und Solander, Cooks Naturforschern, finden wir einen dänischen Mitglied der Akademie der Wissenschaften, der bestimmte isländische Wale (reydan-siskur oder „gefaltete Bäuche“) auf hundertzweiundzwanzig Yards, also dreihundertsiebzig Fuß, schätzte. Der französische Naturforscher Lacépède gibt in seiner ausführlichen Geschichte der Wale bereits zu Beginn seines Werkes (Seite 3) an, dass der Pottwal eine Länge von hundert Metern, also dreihundertdreiundzwanzig Fuß, hat. Dieses Werk wurde erst im Jahr 1825 veröffentlicht.
Page 497
Aber wird ein Walfänger diesen Geschichten Glauben schenken? Nein. Der Wal von heute ist genauso groß wie seine Vorfahren zur Zeit des Plinius. Und wenn ich jemals dorthin gehe, wohin Plinius war, dann werde ich, ein Walfänger – noch besser ausgestattet als er – es wagen, ihm das zu sagen. Denn ich verstehe nicht, wie es möglich ist, dass die ägyptischen Mumien, die tausende Jahre vor der Geburt des Plinius begraben wurden, in ihren Särgen nicht einmal so groß sind wie ein moderner Bewohner von Kentucky in seinen Socken; und dass die Rinder und anderen Tiere, die auf den ältesten ägyptischen und neubabylonischen Tafeln dargestellt sind, durch ihre Proportionen eindeutig zeigen, dass die hochgezüchteten Rinder aus Smithfield nicht nur den fettesten Tieren des Pharaos ebenbürtig sind, sondern sie sogar bei weitem übertreffen; angesichts all dessen werde ich nicht zugeben, dass aus allen Tieren allein der Wal degeneriert sein soll.
Doch es bleibt noch eine weitere Frage – eine Frage, die oft von den eingewandteren Bewohnern von Nantucket aufgeworfen wird. Ob es an den nahezu allwissenden Wächtern auf den Mastspitzen der Walfangschiffe liegt, die heute sogar durch die Beringstraße vordringen und in die entlegensten Ecken der Welt gelangen; sowie an den tausenden Harpunen und Lanzen, die entlang aller Kontinentalküsten geschleudert werden – die Frage ist, ob der Leviathan einer solch umfassenden Jagd und einem so rücksichtslosen Untergang lange standhalten kann; ob er nicht letztendlich aus den Gewässern ausgerottet werden muss, und ob der letzte Wal, wie der letzte Mensch, seine letzte Pfeife raucht und anschließend im letzten Atemzug verschwindet.
Wenn man die gewellten Herden von Walen mit den gewellten Herden von Büffeln vergleicht – Herden, die vor nicht einmal vierzig Jahren Zehntausende zählten und die Prärien von Illinois und Missouri bedeckten, deren eiserne Mähnen und finstere Blicke auf die bevölkerten Flussstädte gerichtet waren – wo heute der höfliche Makler Land für einen Dollar pro Quadratzoll verkauft – dann scheint es ein unwiderstehliches Argument zu geben, das zeigt, dass der gejagte Wal nun einem schnellen Aussterben nicht entkommen kann.
Doch man muss diese Angelegenheit aus allen Blickwinkeln betrachten. Obwohl vor gar nicht langer Zeit – noch nicht einmal einer Lebenszeit – die Anzahl der Büffel in Illinois die Anzahl der Menschen in London überstieg, und obwohl heute in dieser ganzen Region kein einziges Horn oder Huf mehr zu finden ist; und obwohl die Ursache dieses erstaunlichen Aussterbens die Speere des Menschen waren – so verbietet doch die völlig andere Natur der Walfangjagd ein so beschämendes Ende für den Leviathan.
Vierzig Männer auf einem Schiff, die vierundvierzig Monate lang Spermawale jagen, halten es bereits für eine große Leistung – und danken Gott, wenn sie schließlich Erfolg haben.
Doch es bleibt noch eine weitere Frage – eine Frage, die oft von den eingewandteren Bewohnern von Nantucket aufgeworfen wird. Ob es an den nahezu allwissenden Wächtern auf den Mastspitzen der Walfangschiffe liegt, die heute sogar durch die Beringstraße vordringen und in die entlegensten Ecken der Welt gelangen; sowie an den tausenden Harpunen und Lanzen, die entlang aller Kontinentalküsten geschleudert werden – die Frage ist, ob der Leviathan einer solch umfassenden Jagd und einem so rücksichtslosen Untergang lange standhalten kann; ob er nicht letztendlich aus den Gewässern ausgerottet werden muss, und ob der letzte Wal, wie der letzte Mensch, seine letzte Pfeife raucht und anschließend im letzten Atemzug verschwindet.
Wenn man die gewellten Herden von Walen mit den gewellten Herden von Büffeln vergleicht – Herden, die vor nicht einmal vierzig Jahren Zehntausende zählten und die Prärien von Illinois und Missouri bedeckten, deren eiserne Mähnen und finstere Blicke auf die bevölkerten Flussstädte gerichtet waren – wo heute der höfliche Makler Land für einen Dollar pro Quadratzoll verkauft – dann scheint es ein unwiderstehliches Argument zu geben, das zeigt, dass der gejagte Wal nun einem schnellen Aussterben nicht entkommen kann.
Doch man muss diese Angelegenheit aus allen Blickwinkeln betrachten. Obwohl vor gar nicht langer Zeit – noch nicht einmal einer Lebenszeit – die Anzahl der Büffel in Illinois die Anzahl der Menschen in London überstieg, und obwohl heute in dieser ganzen Region kein einziges Horn oder Huf mehr zu finden ist; und obwohl die Ursache dieses erstaunlichen Aussterbens die Speere des Menschen waren – so verbietet doch die völlig andere Natur der Walfangjagd ein so beschämendes Ende für den Leviathan.
Vierzig Männer auf einem Schiff, die vierundvierzig Monate lang Spermawale jagen, halten es bereits für eine große Leistung – und danken Gott, wenn sie schließlich Erfolg haben.
Page 498
Zu Hause – das Öl von vierzig Fischen. Während in den Tagen der alten kanadischen und indianischen Jäger sowie Fallensteller im Westen, als der ferne Westen noch eine Wildnis und Unberührtheit war, dieselbe Anzahl von Männern, für dieselbe Anzahl von Monaten, zu Pferd statt mit Schiffen reitend, nicht vierzig, sondern viertausend und mehr Büffel getötet hätten – ein Umstand, der bei Bedarf statistisch nachgewiesen werden könnte – scheint dies auch keineswegs ein Argument zugunsten des schrittweisen Aussterbens des Zwergwals zu sein. Schließlich wurden diese Leviathanen in früheren Jahren (zum Beispiel in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts) viel häufiger in kleinen Gruppen angetroffen als heute; dadurch waren die Reisen nicht so langwierig und außerdem viel ertragreicher. Denn wie bereits anderswo bemerkt wurde, schwimmen diese Wale aus Sicherheitsgründen nun in riesigen Karawanen über die Meere – wodurch die einst verstreuten Einzelwale, Paare, Gruppen und Schwärme nun zu großen, aber weit voneinander entfernten Verbänden zusammengefasst sind. Das ist alles. Ebenso irreführend erscheint die Annahme, dass die sogenannten Walknochenwale wegen ihres Fehlens in einst von ihnen übervölkerten Gebieten zurückgehen und daher auch diese Art im Rückgang begriffen sei. Tatsächlich werden sie nur von einem Ort zum anderen vertrieben; wenn eine Küste nicht mehr von ihren Fontänen belebt wird, dann wurde sicherlich irgendwo anders, an einer weiter entfernten Küste, kürzlich durch dieses ungewohnte Schauspiel Aufsehen erregt. Zudem besitzen diese Leviathanen zwei feste Festungen, die mit großer Wahrscheinlichkeit für immer uneinnehmbar bleiben werden. Genau wie die frostigen Schweizer bei der Invasion ihrer Täler in ihre Berge flohen, können auch die Walknochenwale, wenn sie aus den Savannen und Lichtungen der mittleren Meere vertrieben werden, sich schließlich in ihren polaren Festungen in Sicherheit bringen. Dort tauchen sie unter den undurchdringlichen Barrieren und Wänden auf und kommen wieder an eisbedeckten Flächen und Eisfeldern heraus – und in einem ewigen Dezemberkreis lehnen sie alle Verfolgung durch den Menschen ab. Doch da vielleicht fünfzig dieser Walknochenwale für einen Kachalok harpuniert werden, haben einige Philosophen geschlossen, dass diese Zerstörungswut bereits ihre Populationen erheblich reduziert hat. Doch obwohl in letzter Zeit jährlich nicht weniger als 13.000 dieser Wale allein an der Nordwestküste von den Amerikanern getötet werden, gibt es Gründe, die diese Tatsache als kaum oder gar kein Gegenargument in dieser Angelegenheit erscheinen lassen.
Page 499
Es ist zwar verständlich, dass man bezüglich der Überzahl der größten Lebewesen der Welt etwas skeptisch ist – doch was sollen wir sagen zu Harto, dem Historiker von Goa, der berichtet, dass der König von Siam bei einer Jagd 4.000 Elefanten erbeutete? In diesen Regionen sind Elefanten genauso zahlreich wie Herden von Rindern in den gemäßigten Klimazonen. Es scheint keinen Grund zu geben, daran zu zweifeln, dass, wenn diese Elefanten, die seit Tausenden von Jahren von Semiramis, Porus, Hannibal sowie allen nachfolgenden Herrschern des Ostens gejagt wurden, dort immer noch in großer Zahl existieren, umso eher der riesige Wal allen Jägern überdauern kann – schließlich hat er eine Weidefläche zur Verfügung, die genau doppelt so groß ist wie ganz Asien, beide Amerikas, Europa und Afrika, Neuholland sowie alle Meeresinseln zusammen.
Außerdem müssen wir bedenken, dass Wale aufgrund ihrer vermuteten langen Lebensdauer, bei der sie wahrscheinlich ein Jahrhundert oder länger leben, zu jedem Zeitpunkt mehrere erwachsene Generationen gleichzeitig haben müssen. Eine Vorstellung davon können wir uns leicht machen, wenn wir uns vorstellen, wie alle Friedhöfe, Begräbnisstätten und Familiengräber aller Zeiten die lebenden Körper all jener Männer, Frauen und Kinder freigeben, die vor siebzigfünf Jahren lebten – und diese unzähligen Menschen der heutigen Weltbevölkerung hinzufügen.
Deshalb halten wir den Wal in seiner Art für unsterblich – auch wenn seine einzelnen Exemplare vergänglich sind. Er schwamm bereits in den Meeren, bevor die Kontinente entstanden; er schwamm einst über dem Standort der Tuilerien, des Windsor-Schlosses und des Kremls. Bei Noachs Sintflut verachtete er Noachs Arche; und falls die Welt wieder überflutet wird, um ihre Ratten auszurotten – wie es in den Niederlanden der Fall war –, dann wird der ewige Wal weiterhin überleben und von der höchsten Welle der equatorialen Flut aus seinen Schaum spritzen als Zeichen seines Trotzes gegen den Himmel.
Außerdem müssen wir bedenken, dass Wale aufgrund ihrer vermuteten langen Lebensdauer, bei der sie wahrscheinlich ein Jahrhundert oder länger leben, zu jedem Zeitpunkt mehrere erwachsene Generationen gleichzeitig haben müssen. Eine Vorstellung davon können wir uns leicht machen, wenn wir uns vorstellen, wie alle Friedhöfe, Begräbnisstätten und Familiengräber aller Zeiten die lebenden Körper all jener Männer, Frauen und Kinder freigeben, die vor siebzigfünf Jahren lebten – und diese unzähligen Menschen der heutigen Weltbevölkerung hinzufügen.
Deshalb halten wir den Wal in seiner Art für unsterblich – auch wenn seine einzelnen Exemplare vergänglich sind. Er schwamm bereits in den Meeren, bevor die Kontinente entstanden; er schwamm einst über dem Standort der Tuilerien, des Windsor-Schlosses und des Kremls. Bei Noachs Sintflut verachtete er Noachs Arche; und falls die Welt wieder überflutet wird, um ihre Ratten auszurotten – wie es in den Niederlanden der Fall war –, dann wird der ewige Wal weiterhin überleben und von der höchsten Welle der equatorialen Flut aus seinen Schaum spritzen als Zeichen seines Trotzes gegen den Himmel.
Page 500
KAPITEL 106. Abahs Bein
Die überstürzte Art und Weise, wie Kapitän Abah das Schiff „Samuel Enderby“ in London verließ, ging nicht ohne einige Gewalttaten gegen seinen eigenen Körper einher. Er schlug mit solcher Wucht auf einen Pfosten seines Bootes, dass sein Elfenbeinbein halb zerbrochen wurde. Als er anschließend wieder auf seinem eigenen Deck war und dem Steuermann einen dringenden Befehl erteilte – es ging, wie immer, darum, dass dieser nicht entschlossen genug steuerte – erhielt das bereits beschädigte Elfenbeinbein noch einen zusätzlichen Stoß. Obwohl es weiterhin intakt zu sein schien, hielt Abah es dennoch für nicht vollständig vertrauenswürdig.
Es ist tatsächlich nicht verwunderlich, dass Abah trotz seiner durchgehenden, verrückten Unbesonnenheit manchmal sorgfältig auf den Zustand dieses toten Knochen achtete, auf dem er teilweise stand. Schon kurz vor der Abfahrt der „Pequod“ von Nantucket wurde er eines Nachts bewusstlos auf dem Boden gefunden. Durch irgendeinen unbekannten, scheinbar unerklärlichen Unfall war sein Elfenbeinbein so heftig verdreht worden, dass es seine Leiste fast durchbohrte. Es kostete große Anstrengungen, diese schmerzhafte Wunde vollständig zu heilen.
Zudem kam ihm damals in den Sinn, dass all der Schmerz, den er damals erlitt, direkt aus einer früheren Katastrophe resultierte. Er erkannte deutlich, dass genauso wie das giftigste Reptil im Sumpf seine Art unweigerlich fortpflanzt – genauso wie der schönste Sänger im Wald – auch alle unglücklichen Ereignisse natürlich weitere Unglücke hervorbringen. Ja, sogar noch stärker, dachte Abah – denn sowohl die Vorfahren als auch die Nachkommen des Leids reichen weiter als die Vorfahren und Nachkommen der Freude. Denn es sei hier nicht einmal erwähnt, dass aus bestimmten kirchlichen Lehren hervorgeht, dass einige natürliche Freuden im Jenseits keine Nachkommen haben werden, sondern im Gegenteil von der Freudenlosigkeit der Hölle begleitet werden werden. Während andere, sündhafte Leiden weiterhin eine endlose Reihe von Leiden hervorbringen werden.
Die überstürzte Art und Weise, wie Kapitän Abah das Schiff „Samuel Enderby“ in London verließ, ging nicht ohne einige Gewalttaten gegen seinen eigenen Körper einher. Er schlug mit solcher Wucht auf einen Pfosten seines Bootes, dass sein Elfenbeinbein halb zerbrochen wurde. Als er anschließend wieder auf seinem eigenen Deck war und dem Steuermann einen dringenden Befehl erteilte – es ging, wie immer, darum, dass dieser nicht entschlossen genug steuerte – erhielt das bereits beschädigte Elfenbeinbein noch einen zusätzlichen Stoß. Obwohl es weiterhin intakt zu sein schien, hielt Abah es dennoch für nicht vollständig vertrauenswürdig.
Es ist tatsächlich nicht verwunderlich, dass Abah trotz seiner durchgehenden, verrückten Unbesonnenheit manchmal sorgfältig auf den Zustand dieses toten Knochen achtete, auf dem er teilweise stand. Schon kurz vor der Abfahrt der „Pequod“ von Nantucket wurde er eines Nachts bewusstlos auf dem Boden gefunden. Durch irgendeinen unbekannten, scheinbar unerklärlichen Unfall war sein Elfenbeinbein so heftig verdreht worden, dass es seine Leiste fast durchbohrte. Es kostete große Anstrengungen, diese schmerzhafte Wunde vollständig zu heilen.
Zudem kam ihm damals in den Sinn, dass all der Schmerz, den er damals erlitt, direkt aus einer früheren Katastrophe resultierte. Er erkannte deutlich, dass genauso wie das giftigste Reptil im Sumpf seine Art unweigerlich fortpflanzt – genauso wie der schönste Sänger im Wald – auch alle unglücklichen Ereignisse natürlich weitere Unglücke hervorbringen. Ja, sogar noch stärker, dachte Abah – denn sowohl die Vorfahren als auch die Nachkommen des Leids reichen weiter als die Vorfahren und Nachkommen der Freude. Denn es sei hier nicht einmal erwähnt, dass aus bestimmten kirchlichen Lehren hervorgeht, dass einige natürliche Freuden im Jenseits keine Nachkommen haben werden, sondern im Gegenteil von der Freudenlosigkeit der Hölle begleitet werden werden. Während andere, sündhafte Leiden weiterhin eine endlose Reihe von Leiden hervorbringen werden.
Page 501
Es scheint bei einer tieferen Analyse der Sache eine Ungleichheit zu geben. Denn, dachte Ahab, während selbst die höchsten irdischen Glückseligkeiten stets eine gewisse unbedeutende Kleinlichkeit in sich bergen – doch im Grunde haben alle Herzeleiden eine mystische Bedeutung und bei manchen Menschen sogar eine erhabene Größe – so widerlegen ihre sorgfältigen Untersuchungen doch nicht die offensichtliche Schlussfolgerung. Die Nachforschung über die Ursprünge dieser großen irdischen Leiden führt uns schließlich zu den quelllosen „Erstgeborenen“ der Götter; sodass wir angesichts all der fröhlichen Sonnen, des sanften Klanges der Zimbeln um die Erntemonde gezwungen sind zuzugeben: Auch die Götter sind nicht für immer fröhlich. Das unauslöschliche, traurige Mal auf der Stirn des Menschen ist nichts anderes als das Zeichen der Trauer in den Gesichtern der Menschen.
Unbewusst wurde hier ein Geheimnis preisgegeben, das vielleicht besser auf angemessene Weise bereits früher enthüllt worden wäre. Zusammen mit vielen anderen Details bezüglich Ahab blieb es für einige immer ein Rätsel, warum er für eine bestimmte Zeit, sowohl vor als auch nach der Abfahrt der Pequod, sich in solcher Exklusivität zurückzog – und warum er in jener Zeit, sozusagen, sprachlos Zuflucht bei den „Marmorsenaten der Toten“ suchte. Der von Kapitän Peleg angegebene Grund dafür schien keineswegs ausreichend zu sein; tatsächlich hatte jede Enthüllung bezüglich Ahabs tieferer Natur eher etwas Dunkles als etwas Erklärendes an sich. Doch am Ende kam alles ans Licht – zumindest diese eine Sache. Dieses schreckliche Unglück war der Grund für seine vorübergehende Einsamkeit. Und nicht nur das: Jene immer enger werdende Gruppe von Menschen an Land, die aus irgendeinem Grund das Privileg hatten, ihm näher zu kommen, wurde durch dieses Unglück – das von Ahab weiterhin unerklärlich blieb – mit Schrecken erfüllt; Schrecken, der nicht ganz aus der Welt der Geister und Klagen stammte. Aus Eifer für ihn versuchten sie also alle, soweit es in ihrer Macht stand, das Wissen um diese Angelegenheit vor anderen zu verbergen; deshalb wurde erst nach längerer Zeit davon auf den Decks der Pequod erfahren.
Doch wie auch immer: Egal, ob jenes unsichtbare, unklare „Synod“ in der Luft oder die rachsüchtigen Fürsten und Mächtigen des Feuers etwas mit dem irdischen Ahab zu tun haben oder nicht – in Bezug auf sein Bein nahm er klare, praktische Maßnahmen: Er rief den Tischler herbei. Als dieser vor ihm erschien, befahl er ihm, ohne Verzögerung mit der Herstellung eines neuen Beins zu beginnen, und wies die Matrosen an, ihm dabei zu helfen.
Unbewusst wurde hier ein Geheimnis preisgegeben, das vielleicht besser auf angemessene Weise bereits früher enthüllt worden wäre. Zusammen mit vielen anderen Details bezüglich Ahab blieb es für einige immer ein Rätsel, warum er für eine bestimmte Zeit, sowohl vor als auch nach der Abfahrt der Pequod, sich in solcher Exklusivität zurückzog – und warum er in jener Zeit, sozusagen, sprachlos Zuflucht bei den „Marmorsenaten der Toten“ suchte. Der von Kapitän Peleg angegebene Grund dafür schien keineswegs ausreichend zu sein; tatsächlich hatte jede Enthüllung bezüglich Ahabs tieferer Natur eher etwas Dunkles als etwas Erklärendes an sich. Doch am Ende kam alles ans Licht – zumindest diese eine Sache. Dieses schreckliche Unglück war der Grund für seine vorübergehende Einsamkeit. Und nicht nur das: Jene immer enger werdende Gruppe von Menschen an Land, die aus irgendeinem Grund das Privileg hatten, ihm näher zu kommen, wurde durch dieses Unglück – das von Ahab weiterhin unerklärlich blieb – mit Schrecken erfüllt; Schrecken, der nicht ganz aus der Welt der Geister und Klagen stammte. Aus Eifer für ihn versuchten sie also alle, soweit es in ihrer Macht stand, das Wissen um diese Angelegenheit vor anderen zu verbergen; deshalb wurde erst nach längerer Zeit davon auf den Decks der Pequod erfahren.
Doch wie auch immer: Egal, ob jenes unsichtbare, unklare „Synod“ in der Luft oder die rachsüchtigen Fürsten und Mächtigen des Feuers etwas mit dem irdischen Ahab zu tun haben oder nicht – in Bezug auf sein Bein nahm er klare, praktische Maßnahmen: Er rief den Tischler herbei. Als dieser vor ihm erschien, befahl er ihm, ohne Verzögerung mit der Herstellung eines neuen Beins zu beginnen, und wies die Matrosen an, ihm dabei zu helfen.
Page 502
Es wurden alle Nägel und Balken aus Walrosszahn (Wals) geliefert, die bis dahin während der Reise angesammelt worden waren, damit eine sorgfältige Auswahl des stärksten, am klarsten strukturierten Materials gewährleistet werden konnte. Nachdem dies erledigt war, erhielt der Tischler den Befehl, das Bein noch in derselben Nacht fertigzustellen sowie alle notwendigen Verbindungsstücke dafür bereitzustellen – unabhängig von denen, die für das bisher verwendete, unzuverlässige Teil benötigt wurden. Zudem wurde befohlen, die Schiffsschmiede aus ihrem vorübergehenden Inaktivitätszustand im Laderaum zu holen; um die Arbeit zu beschleunigen, erhielt der Schmied den Befehl, umgehend mit der Herstellung aller notwendigen eisernen Geräte zu beginnen.
Page 503
KAPITEL 107. Der Zimmermann
Setze dich kaiserlich unter die Monde des Saturns und betrachte den Menschen in seiner Abstraktion – er erscheint dann als Wunder, als Pracht und zugleich als Leid. Doch wenn man die Menschheit insgesamt betrachtet, erscheinen die meisten Menschen als eine Menge unnötiger Duplikate – sowohl zeitgenössischer als auch erblicher Art. Doch obwohl der Zimmermann der Pequod äußerst bescheiden war und keineswegs ein Beispiel für hohe, menschliche Abstraktion darstellte, war er keineswegs eine Duplikatur anderer Menschen; daher tritt er nun persönlich auf diese Bühne.
Wie alle Zimmerleute auf Seeschiffen – insbesondere jene, die auf Walfangschiffen arbeiten – war auch er in gewissem Maße erfahren in zahlreichen Handwerken und Berufen, die mit seinem eigenen Fachgebiet zusammenhingen. Das Zimmermertum stellt schließlich den ursprünglichen Ausgangspunkt all jener zahlreichen Handwerke dar, die mehr oder weniger mit Holz als Hilfsmaterial zu tun haben. Doch abgesehen von dieser allgemeinen Eigenschaft war dieser Zimmermann der Pequod außergewöhnlich geschickt in all jenen tausend namenlosen mechanischen Notfällen, die während einer dreijährigen oder vierjährigen Reise auf unbewohnten, fernen Meeren ständig auftreten.
Ganz zu schweigen von seiner Geschicklichkeit bei den üblichen Aufgaben: das Reparieren von Booten, das Nachbessern von Ruderblättern, das Einfügen neuer Nägel in die Planken des Decks – sowie all den anderen Dingen, die direkt mit seinem Beruf zusammenhingen. Zudem war er ohne Zögern geschickt in allen möglichen Fähigkeiten, sei es nützliche oder willkürliche.
Die Bühne, auf der er all seine verschiedenen Aufgaben ausführte, war sein Arbeitstisch – ein langer, grober Tisch, ausgestattet mit mehreren Schraubstöcken unterschiedlicher Größe, sowohl aus Eisen als auch aus Holz. Immer, außer wenn Wale im Hafen lagen, war dieser Tisch fest gegen die Rückseite des Schiffes gesichert.
Ein Bolzen ist zu groß, um leicht in sein Loch eingeführt werden zu können – der Zimmermann setzt ihn in einen seiner Schraubstöcke und feilt ihn sofort kleiner. Ein seltsam gefiederter Vogel gerät an Bord und wird gefangen genommen; aus sauber geschliffenen Stäben aus Walbein sowie Querbalken aus Walrosszahn fertigt der Zimmermann ein Käfig im Stil einer Pagode an.
Setze dich kaiserlich unter die Monde des Saturns und betrachte den Menschen in seiner Abstraktion – er erscheint dann als Wunder, als Pracht und zugleich als Leid. Doch wenn man die Menschheit insgesamt betrachtet, erscheinen die meisten Menschen als eine Menge unnötiger Duplikate – sowohl zeitgenössischer als auch erblicher Art. Doch obwohl der Zimmermann der Pequod äußerst bescheiden war und keineswegs ein Beispiel für hohe, menschliche Abstraktion darstellte, war er keineswegs eine Duplikatur anderer Menschen; daher tritt er nun persönlich auf diese Bühne.
Wie alle Zimmerleute auf Seeschiffen – insbesondere jene, die auf Walfangschiffen arbeiten – war auch er in gewissem Maße erfahren in zahlreichen Handwerken und Berufen, die mit seinem eigenen Fachgebiet zusammenhingen. Das Zimmermertum stellt schließlich den ursprünglichen Ausgangspunkt all jener zahlreichen Handwerke dar, die mehr oder weniger mit Holz als Hilfsmaterial zu tun haben. Doch abgesehen von dieser allgemeinen Eigenschaft war dieser Zimmermann der Pequod außergewöhnlich geschickt in all jenen tausend namenlosen mechanischen Notfällen, die während einer dreijährigen oder vierjährigen Reise auf unbewohnten, fernen Meeren ständig auftreten.
Ganz zu schweigen von seiner Geschicklichkeit bei den üblichen Aufgaben: das Reparieren von Booten, das Nachbessern von Ruderblättern, das Einfügen neuer Nägel in die Planken des Decks – sowie all den anderen Dingen, die direkt mit seinem Beruf zusammenhingen. Zudem war er ohne Zögern geschickt in allen möglichen Fähigkeiten, sei es nützliche oder willkürliche.
Die Bühne, auf der er all seine verschiedenen Aufgaben ausführte, war sein Arbeitstisch – ein langer, grober Tisch, ausgestattet mit mehreren Schraubstöcken unterschiedlicher Größe, sowohl aus Eisen als auch aus Holz. Immer, außer wenn Wale im Hafen lagen, war dieser Tisch fest gegen die Rückseite des Schiffes gesichert.
Ein Bolzen ist zu groß, um leicht in sein Loch eingeführt werden zu können – der Zimmermann setzt ihn in einen seiner Schraubstöcke und feilt ihn sofort kleiner. Ein seltsam gefiederter Vogel gerät an Bord und wird gefangen genommen; aus sauber geschliffenen Stäben aus Walbein sowie Querbalken aus Walrosszahn fertigt der Zimmermann ein Käfig im Stil einer Pagode an.
Page 504
Der Ruderer verstaucht sich das Handgelenk: Der Tischler bereitet eine beruhigende Lotion zu. Stubb wünschte sich, dass auf die Schneiden seiner Ruder scharlachrote Sterne gemalt würden; indem er jedes Ruder in seine große Holzzange schraubte, gestaltete der Tischler symmetrisch die jeweiligen Sternbilder. Ein Seemann möchte Ohrringe aus Haizähnen tragen – der Tischler bohrt ihm Löcher in die Ohren. Ein anderer hat Zahnschmerzen: Der Tischler holt Zangen hervor und bittet ihn, sich auf die Bank zu setzen; doch der arme Kerl zuckt unkontrolliert unter der noch nicht abgeschlossenen Behandlung zusammen. Der Tischler dreht an dem Griff seiner Holzzange und bedeutet ihm, den Mund geschlossen zu halten, wenn er will, dass er ihm den Zahn zieht.
So war dieser Tischler in jeder Hinsicht vorbereitet – doch gleichgültig und respektlos gegenüber allem. Zähne betrachtete er als Stücke Elfenbein; Köpfe hielt er für bloße Blöcke; die Menschen selbst ansah er lediglich als Hebel. Doch obwohl er auf so vielfältige Weise tätig war und dabei große Geschicklichkeit zeigte, würde man meinen, dies deute auf eine außergewöhnliche Intelligenz hin. Doch dem war nicht so. Denn nichts an diesem Mann war bemerkenswerter als eine gewisse unpersönliche Steifheit – unpersönlich, meine ich; denn sie verschmolz mit der Unendlichkeit der Dinge um ihn herum, sodass es schien, als gehöre sie zur allgemeinen Steifheit, die in der gesamten sichtbaren Welt zu erkennen ist. Diese Welt ist zwar unaufhörlich in zahlreichen Bereichen aktiv, bewahrt doch ewig ihren Frieden und ignoriert einen – auch dann, wenn man Fundamente für Kathedralen gräbt.
Doch diese halb furchtbare Steifheit in ihm schien zugleich eine völlig herzlose Gleichgültigkeit zu beinhalten – doch gelegentlich wurde sie durch eine alte, hölzern wirkende, humorvolle Art unterbrochen, die manchmal von einer gewissen schroffen Witzigkeit durchzogen war; eine Art Humor, der wohl dazu dienen konnte, die Zeit während der Nachtwache auf der Bartdecke von Noachs Arche zu überbrücken.
Lag es daran, dass dieser alte Tischler ein lebenslanger Wanderer war, dessen ständiges Umherwandern nicht nur verhinderte, dass Moos an ihm wuchs, sondern auch alle kleinen äußeren Bindungen entfernte, die ursprünglich zu ihm gehört hatten? Er war eine reine Abstraktion – ein ungeteiltes Ganzes; unversöhnlich wie ein Neugeborenes; er lebte ohne vorherige Planung bezüglich dieser oder jener Welt. Man könnte fast sagen, dass diese seltsame Unversöhnlichkeit in ihm eine Art Unintelligenz bedeutete; denn in seinen zahlreichen Berufen schien er nicht so sehr aus Vernunft oder Instinkt heraus zu handeln, noch weil er dazu unterrichtet worden war, oder durch eine Mischung all dessen – sondern einfach durch einen Art tauben, stummen, spontanen Prozess. Er war ein reiner Manipulator; sein Gehirn, falls er überhaupt eines hatte, muss frühzeitig in die Muskeln seiner Finger übergegangen sein. Er war wie…
So war dieser Tischler in jeder Hinsicht vorbereitet – doch gleichgültig und respektlos gegenüber allem. Zähne betrachtete er als Stücke Elfenbein; Köpfe hielt er für bloße Blöcke; die Menschen selbst ansah er lediglich als Hebel. Doch obwohl er auf so vielfältige Weise tätig war und dabei große Geschicklichkeit zeigte, würde man meinen, dies deute auf eine außergewöhnliche Intelligenz hin. Doch dem war nicht so. Denn nichts an diesem Mann war bemerkenswerter als eine gewisse unpersönliche Steifheit – unpersönlich, meine ich; denn sie verschmolz mit der Unendlichkeit der Dinge um ihn herum, sodass es schien, als gehöre sie zur allgemeinen Steifheit, die in der gesamten sichtbaren Welt zu erkennen ist. Diese Welt ist zwar unaufhörlich in zahlreichen Bereichen aktiv, bewahrt doch ewig ihren Frieden und ignoriert einen – auch dann, wenn man Fundamente für Kathedralen gräbt.
Doch diese halb furchtbare Steifheit in ihm schien zugleich eine völlig herzlose Gleichgültigkeit zu beinhalten – doch gelegentlich wurde sie durch eine alte, hölzern wirkende, humorvolle Art unterbrochen, die manchmal von einer gewissen schroffen Witzigkeit durchzogen war; eine Art Humor, der wohl dazu dienen konnte, die Zeit während der Nachtwache auf der Bartdecke von Noachs Arche zu überbrücken.
Lag es daran, dass dieser alte Tischler ein lebenslanger Wanderer war, dessen ständiges Umherwandern nicht nur verhinderte, dass Moos an ihm wuchs, sondern auch alle kleinen äußeren Bindungen entfernte, die ursprünglich zu ihm gehört hatten? Er war eine reine Abstraktion – ein ungeteiltes Ganzes; unversöhnlich wie ein Neugeborenes; er lebte ohne vorherige Planung bezüglich dieser oder jener Welt. Man könnte fast sagen, dass diese seltsame Unversöhnlichkeit in ihm eine Art Unintelligenz bedeutete; denn in seinen zahlreichen Berufen schien er nicht so sehr aus Vernunft oder Instinkt heraus zu handeln, noch weil er dazu unterrichtet worden war, oder durch eine Mischung all dessen – sondern einfach durch einen Art tauben, stummen, spontanen Prozess. Er war ein reiner Manipulator; sein Gehirn, falls er überhaupt eines hatte, muss frühzeitig in die Muskeln seiner Finger übergegangen sein. Er war wie…
Page 505
Eines dieser unvernünftigen, aber dennoch äußerst nützlichen Geräte – „Multum in parvo“ – aus Sheffield: Es hat die äußere Form eines gewöhnlichen Taschenmessers – allerdings etwas aufgebläht –, enthält jedoch nicht nur Klingen in verschiedenen Größen, sondern auch Schraubendreher, Korkenzieher, Pinzetten, Stifte, Lineale, Nagelfeilen sowie Einschlagzangen. Wenn seine Vorgesetzten ihn also als Schraubendreher verwenden wollten, mussten sie lediglich diesen Teil von ihm öffnen – schon war der Schraubendreher bereit. Für Pinzetten genügte es, ihn an den Beinen zu packen – schon hatte man sie. Doch wie bereits angedeutet, war dieses vielseitige Gerät letztendlich kein bloßer Automat. Auch wenn er keine „gewöhnliche Seele“ besaß, hatte er doch etwas Besonderes in sich, das auf seltsame Weise seine Funktion erfüllte. Was das genau war – ob es sich um die Essenz von Quecksilber oder um ein paar Tropfen Hirschhorn handelte – ist unbekannt. Doch dieses Etwas existierte tatsächlich und blieb seit etwa sechzig Jahren oder länger in ihm. Und gerade dieses unerklärliche, listige Lebensprinzip in ihm sorgte dafür, dass er den größten Teil der Zeit vor sich hin murmelte – allerdings wie eine unvernünftige Maschine, die ebenfalls summend vor sich hin redet. Oder besser gesagt: Sein Körper war wie eine Wachstube, und dieser „Murmler“ stand dort Wache und sprach ständig, um wach zu bleiben.
Page 506
KAPITEL 108. Ahab und der Tischler.
Die Decks – erste Nachtwache.
(Der Tischler steht vor seiner Schraubbank und feilt im Licht zweier Laternen eifrig die Elfenbeinstange für das Bein – diese Stange ist fest im Schraubstock befestigt. Auf der Bank liegen Elfenbeinscheiben, Lederschlaufen, Polster, Schrauben sowie allerlei Werkzeuge. Vorne ist die rote Flamme der Esse zu sehen, dort arbeitet der Schmied.)
Verdammt nochmal dieses Feilzeug – und verdammt nochmal dieses Knochenmaterial! Was hart sein sollte, ist weich – und was weich sein sollte, ist hart. Wir müssen also alte Kieferknochen und Schienbeinknochen bearbeiten. Versuchen wir es mit einem anderen Stück. Ja, jetzt funktioniert es besser (Niesen). Hallo – dieser Knochenstaub… (Niesen) – warum nur… (Niesen) – ja, wirklich… (Niesen) – Verdammt, ich kann nicht sprechen! Das ist die Folge davon, wenn man mit totem Holz arbeitet. Wenn man ein lebendes Baumstück verwendet, bekommt man keinen solchen Staub; wenn man einen lebenden Knochen amputiert, ebenfalls nicht (Niesen). Komm schon, alter Dummkopf – hilf mir mal! Ich brauche diese Verbindungsstücke und Schrauben; ich werde sie gleich fertig haben. Glücklicherweise muss ich hier keine Kniegelenke anfertigen – das wäre etwas schwierig. Aber ein einfaches Schienbein – das ist doch genauso einfach wie das Herstellen von Hopfenzweigen. Ich möchte nur noch eine gute Oberflächenbehandlung vornehmen. Zeit, Zeit – wenn ich nur mehr Zeit hätte, könnte ich ihm jetzt ein so schönes Bein anfertigen wie noch nie zuvor (Niesen). Die Beine und Waden, die ich in Schaufenstern gesehen habe, können da gar nicht mithalten. Sie saugen Wasser auf – natürlich werden sie auch rheumatisch und müssen mit Bädern und Lotionen behandelt werden, genau wie lebende Beine. Nun – bevor ich weitermache, muss ich erst die Länge überprüfen; ich denke, es ist vielleicht etwas zu kurz. Ha! Das ist der Absatz – wir haben Glück. Da kommt er – oder es ist jemand anderes, das ist sicher.
AHAB (tritt näher). (Während der folgenden Szene niest der Tischler immer wieder.)
Nun, Meister!
Gerade rechtzeitig, Sir. Wenn der Kapitän es erlaubt, werde ich jetzt die Länge markieren. Erlauben Sie mir, zu messen, Sir.
Die Decks – erste Nachtwache.
(Der Tischler steht vor seiner Schraubbank und feilt im Licht zweier Laternen eifrig die Elfenbeinstange für das Bein – diese Stange ist fest im Schraubstock befestigt. Auf der Bank liegen Elfenbeinscheiben, Lederschlaufen, Polster, Schrauben sowie allerlei Werkzeuge. Vorne ist die rote Flamme der Esse zu sehen, dort arbeitet der Schmied.)
Verdammt nochmal dieses Feilzeug – und verdammt nochmal dieses Knochenmaterial! Was hart sein sollte, ist weich – und was weich sein sollte, ist hart. Wir müssen also alte Kieferknochen und Schienbeinknochen bearbeiten. Versuchen wir es mit einem anderen Stück. Ja, jetzt funktioniert es besser (Niesen). Hallo – dieser Knochenstaub… (Niesen) – warum nur… (Niesen) – ja, wirklich… (Niesen) – Verdammt, ich kann nicht sprechen! Das ist die Folge davon, wenn man mit totem Holz arbeitet. Wenn man ein lebendes Baumstück verwendet, bekommt man keinen solchen Staub; wenn man einen lebenden Knochen amputiert, ebenfalls nicht (Niesen). Komm schon, alter Dummkopf – hilf mir mal! Ich brauche diese Verbindungsstücke und Schrauben; ich werde sie gleich fertig haben. Glücklicherweise muss ich hier keine Kniegelenke anfertigen – das wäre etwas schwierig. Aber ein einfaches Schienbein – das ist doch genauso einfach wie das Herstellen von Hopfenzweigen. Ich möchte nur noch eine gute Oberflächenbehandlung vornehmen. Zeit, Zeit – wenn ich nur mehr Zeit hätte, könnte ich ihm jetzt ein so schönes Bein anfertigen wie noch nie zuvor (Niesen). Die Beine und Waden, die ich in Schaufenstern gesehen habe, können da gar nicht mithalten. Sie saugen Wasser auf – natürlich werden sie auch rheumatisch und müssen mit Bädern und Lotionen behandelt werden, genau wie lebende Beine. Nun – bevor ich weitermache, muss ich erst die Länge überprüfen; ich denke, es ist vielleicht etwas zu kurz. Ha! Das ist der Absatz – wir haben Glück. Da kommt er – oder es ist jemand anderes, das ist sicher.
AHAB (tritt näher). (Während der folgenden Szene niest der Tischler immer wieder.)
Nun, Meister!
Gerade rechtzeitig, Sir. Wenn der Kapitän es erlaubt, werde ich jetzt die Länge markieren. Erlauben Sie mir, zu messen, Sir.
Page 507
Für ein Bein gemessen! Gut. Nun, es ist nicht das erste Mal. Halten Sie Ihren Finger darauf – das ist wirklich ein solider Griff, den Sie da haben, Zimmermann; lassen Sie mich mal fühlen, wie stark er hält. Ja, er zieht tatsächlich ziemlich fest zu.
Oh, Herr, das wird Knochen brechen – seien Sie vorsichtig!
Keine Sorge; ich mag einen guten Halt. In dieser rutschigen Welt möchte ich gerne etwas spüren, das wirklich halten kann. Was macht Prometheus da drüben? Ich meine den Schmied – was treibt er da?
Er muss gerade den Verschlussschrauben herstellen, Herr.
Richtig. Es handelt sich dabei um eine Partnerschaft: Er liefert den „muskulösen“ Teil. Dort entsteht eine wilde, rote Flamme!
Ja, Herr; für diese feine Arbeit braucht man wohl extreme Hitze.
Hmm. Dann muss das wohl so sein. Ich finde es wirklich bemerkenswert, dass jener alte Grieche, Prometheus, der angeblich die Menschen erschuf, ein Schmied war und sie mit Feuer belebte – denn was im Feuer geschaffen wird, gehört eigentlich zum Feuer. Und daher ist die Hölle wahrscheinlich. Wie der Ruß fliegt! Das muss wohl der Rest sein, den der Grieche den Afrikanern hinterlassen hat. Zimmermann, wenn er mit dem Verschluss fertig ist, sagen Sie ihm, er soll ein Paar Stahlklingen für die Schultern herstellen – es gibt einen Händler an Bord mit einem riesigen Gepäck.
Herr?
Warten Sie – während Prometheus damit beschäftigt ist, werde ich einen vollständigen Menschen nach einem wünschenswerten Muster in Auftrag geben. Zunächst fünfzig Fuß groß, dann eine Brust, die nach dem Thames-Tunnel gestaltet ist; anschließend Beine mit Wurzeln, damit sie an einem Ort bleiben können; Arme, die drei Fuß dick sind; kein Herz, eine Messingstirn – und etwa ein Viertel Acre an „feinem Gehirn“. Soll ich Augen bestellen, damit er nach außen sehen kann? Nein, sondern ein Licht oben auf seinem Kopf, das nach innen leuchtet. Nehmen Sie den Auftrag mit und gehen Sie.
Was redet er da eigentlich, und mit wem spricht er? Soll ich hier weiterstehen? (leise)
Es handelt sich dabei nur um banale Architektur – hier ist eine solche Kuppel. Nein, nein, ich brauche eine Lampe.
Ho, ho! Da sind zwei, Herr – eine reicht für mich aus.
Warum schieben Sie mir diesen „Diebstahlsfänger“ ins Gesicht, Mann? Licht, das man mir vor die Nase hält, ist schlimmer als Pistolen, die man mir zeigt.
Ich dachte, Herr, Sie sprechen mit dem Zimmermann.
Oh, Herr, das wird Knochen brechen – seien Sie vorsichtig!
Keine Sorge; ich mag einen guten Halt. In dieser rutschigen Welt möchte ich gerne etwas spüren, das wirklich halten kann. Was macht Prometheus da drüben? Ich meine den Schmied – was treibt er da?
Er muss gerade den Verschlussschrauben herstellen, Herr.
Richtig. Es handelt sich dabei um eine Partnerschaft: Er liefert den „muskulösen“ Teil. Dort entsteht eine wilde, rote Flamme!
Ja, Herr; für diese feine Arbeit braucht man wohl extreme Hitze.
Hmm. Dann muss das wohl so sein. Ich finde es wirklich bemerkenswert, dass jener alte Grieche, Prometheus, der angeblich die Menschen erschuf, ein Schmied war und sie mit Feuer belebte – denn was im Feuer geschaffen wird, gehört eigentlich zum Feuer. Und daher ist die Hölle wahrscheinlich. Wie der Ruß fliegt! Das muss wohl der Rest sein, den der Grieche den Afrikanern hinterlassen hat. Zimmermann, wenn er mit dem Verschluss fertig ist, sagen Sie ihm, er soll ein Paar Stahlklingen für die Schultern herstellen – es gibt einen Händler an Bord mit einem riesigen Gepäck.
Herr?
Warten Sie – während Prometheus damit beschäftigt ist, werde ich einen vollständigen Menschen nach einem wünschenswerten Muster in Auftrag geben. Zunächst fünfzig Fuß groß, dann eine Brust, die nach dem Thames-Tunnel gestaltet ist; anschließend Beine mit Wurzeln, damit sie an einem Ort bleiben können; Arme, die drei Fuß dick sind; kein Herz, eine Messingstirn – und etwa ein Viertel Acre an „feinem Gehirn“. Soll ich Augen bestellen, damit er nach außen sehen kann? Nein, sondern ein Licht oben auf seinem Kopf, das nach innen leuchtet. Nehmen Sie den Auftrag mit und gehen Sie.
Was redet er da eigentlich, und mit wem spricht er? Soll ich hier weiterstehen? (leise)
Es handelt sich dabei nur um banale Architektur – hier ist eine solche Kuppel. Nein, nein, ich brauche eine Lampe.
Ho, ho! Da sind zwei, Herr – eine reicht für mich aus.
Warum schieben Sie mir diesen „Diebstahlsfänger“ ins Gesicht, Mann? Licht, das man mir vor die Nase hält, ist schlimmer als Pistolen, die man mir zeigt.
Ich dachte, Herr, Sie sprechen mit dem Zimmermann.
Page 508
Schreiner? Warum – aber nein; das ist doch ein sehr ordentlicher und, ich muss sagen, äußerst kavalierhafter Beruf, den du da ausübst, Schreiner – oder würdest du lieber mit Ton arbeiten?
Sir? Ton? Ton, Sir? Das ist Schlamm; den überlassen wir den Gräbern, Sir.
Der Kerl ist gotteslästerlich! Worauf niest du da?
Knochen sind ziemlich staubig, Sir.
Nimm also die Warnung an – und wenn du tot bist, begrabe dich niemals direkt vor der Nase lebender Menschen.
Sir? – Oh! Ah! – Ich schätze schon; ja – oh, lieber Himmel!
Hör zu, Schreiner: Ich nehme an, du bezeichnest dich selbst als einen wirklich guten Handwerker, nicht wahr? Nun, wird das dann wirklich gut für deine Arbeit sprechen, wenn ich, wenn ich dieses von dir gefertigte Bein einsetze, dennoch ein weiteres Bein an derselben Stelle spüre – nämlich mein altes, verlorenes Bein, meine ich. Kannst du diesen alten „Adam“ nicht vertreiben?
Wirklich, Sir, jetzt fange ich allmählich etwas zu verstehen an. Ja, ich habe schon etwas Interessantes darüber gehört, Sir: Dass ein Mann, dem ein Mast abhandengekommen ist, nie völlig das Gefühl für seinen alten Mast verliert – er wird ihn immer wieder spüren. Darf ich höflich fragen, ob das wirklich so ist, Sir?
Ja, das ist so, Mensch. Sieh mal: Setze dein lebendiges Bein an die Stelle, wo meins einmal war. Jetzt sieht man nur ein Bein, doch im Geiste gibt es zwei. Wo du ein Kribbeln spürst – genau dort spüre ich es auch, bis ins kleinste Detail. Ist das kein Rätsel?
Ich würde das eher als eine Fangfrage bezeichnen, Sir.
Hm. Wie kannst du wissen, dass nicht irgendetwas Lebendiges, Denkendes unsichtbar und undurchdringlich genau dort steht, wo du jetzt stehst – ja, und das ausgerechnet gegen deinen Willen? Hast du in deinen einsamsten Momenten keine Angst vor Lauschern? Halte, sprich nicht! Und wenn ich immer noch den Schmerz meines zerschmetterten Beins spüre, obwohl es längst zerfallen ist – warum kannst du dann nicht, Schreiner, für immer die qualvollen Schmerzen der Hölle ohne Körper spüren? Ha!
Guter Herr! Wirklich, Sir – wenn es soweit kommt, muss ich noch einmal nachrechnen. Ich glaube, ich hatte nicht gerade eine kleine Figur, Sir.
Sir? Ton? Ton, Sir? Das ist Schlamm; den überlassen wir den Gräbern, Sir.
Der Kerl ist gotteslästerlich! Worauf niest du da?
Knochen sind ziemlich staubig, Sir.
Nimm also die Warnung an – und wenn du tot bist, begrabe dich niemals direkt vor der Nase lebender Menschen.
Sir? – Oh! Ah! – Ich schätze schon; ja – oh, lieber Himmel!
Hör zu, Schreiner: Ich nehme an, du bezeichnest dich selbst als einen wirklich guten Handwerker, nicht wahr? Nun, wird das dann wirklich gut für deine Arbeit sprechen, wenn ich, wenn ich dieses von dir gefertigte Bein einsetze, dennoch ein weiteres Bein an derselben Stelle spüre – nämlich mein altes, verlorenes Bein, meine ich. Kannst du diesen alten „Adam“ nicht vertreiben?
Wirklich, Sir, jetzt fange ich allmählich etwas zu verstehen an. Ja, ich habe schon etwas Interessantes darüber gehört, Sir: Dass ein Mann, dem ein Mast abhandengekommen ist, nie völlig das Gefühl für seinen alten Mast verliert – er wird ihn immer wieder spüren. Darf ich höflich fragen, ob das wirklich so ist, Sir?
Ja, das ist so, Mensch. Sieh mal: Setze dein lebendiges Bein an die Stelle, wo meins einmal war. Jetzt sieht man nur ein Bein, doch im Geiste gibt es zwei. Wo du ein Kribbeln spürst – genau dort spüre ich es auch, bis ins kleinste Detail. Ist das kein Rätsel?
Ich würde das eher als eine Fangfrage bezeichnen, Sir.
Hm. Wie kannst du wissen, dass nicht irgendetwas Lebendiges, Denkendes unsichtbar und undurchdringlich genau dort steht, wo du jetzt stehst – ja, und das ausgerechnet gegen deinen Willen? Hast du in deinen einsamsten Momenten keine Angst vor Lauschern? Halte, sprich nicht! Und wenn ich immer noch den Schmerz meines zerschmetterten Beins spüre, obwohl es längst zerfallen ist – warum kannst du dann nicht, Schreiner, für immer die qualvollen Schmerzen der Hölle ohne Körper spüren? Ha!
Guter Herr! Wirklich, Sir – wenn es soweit kommt, muss ich noch einmal nachrechnen. Ich glaube, ich hatte nicht gerade eine kleine Figur, Sir.
Page 509
Seht nur – Dummköpfe sollten niemals etwas verleihen. Wie lange wird es noch dauern, bis das Bein fertig ist? Vielleicht eine Stunde, Sir. Dann macht schnell weiter und bringt es mir (dreht sich um, um zu gehen). Ach, Leben! Hier bin ich, stolz wie ein griechischer Gott – und doch schulde ich diesem Idioten etwas, auf dem ich stehen kann! Verflucht sei diese ewige Verschuldung, die die Bücher nicht verschwinden lässt. Ich wäre frei wie die Luft – doch ich stehe in den Büchern der ganzen Welt. Ich bin so reich, dass ich bei der Auktion des Römischen Reiches (das ja die ganze Welt war) mit den reichsten Prätorianern hätte mitbieten können – und doch schulde ich Geld für das Fleisch in meiner Zunge, mit dem ich prahle. Bei den Göttern! Ich werde einen Tiegel nehmen und mich darin auflösen, bis ich nur noch ein kleines, kompaktes Wirbelkorn bin. So.
CARPENTER (nimmt seine Arbeit wieder auf): Nun, nun, nun! Stubb kennt ihn am besten – und Stubb sagt immer, er sei seltsam. Er sagt nur dieses eine Wort: seltsam. Er ist seltsam, sagt Stubb; seltsam, seltsam – und er redet ständig damit auf Mr. Starbuck ein: seltsam, Sir – seltsam, sehr seltsam. Und da ist sein Bein! Ja, jetzt, wo ich dran denke – da ist auch sein Gefährte! Der hat einen Walzknochen als Frau! Und das ist sein Bein – darauf wird er stehen. Was war das noch mal mit einem Bein, das an drei Orten steht – und alle drei Orte befinden sich in der Hölle? Oh! Kein Wunder, dass er mich so verächtlich ansah! Man sagt, ich hätte manchmal seltsame Gedanken – aber das ist nur zufällig. Ein kleiner, alter Mensch wie ich sollte niemals versuchen, mit großen, hochgewachsenen Kapitänen in tiefes Wasser zu gehen – das Wasser wirft einen schnell unter das Kinn, und dann wird laut nach Rettungsbooten gerufen. Und da ist das Bein des Reiher – lang und schlank, wirklich! Für die meisten Menschen reicht ein Paar Beine ein Leben lang – das liegt wohl daran, dass sie sie sparsam benutzen, wie eine gütige alte Dame ihre dicken Pferde. Aber Ahab – oh, der ist ein harter Fahrer. Schauen Sie: Ein Bein wurde zum Tod gequält, das andere bleibt lebenslang behindert – und jetzt zerstört er seine Knochenbeine. Halloa, du Dummkopf! Hilf mir mit diesen Schrauben – lass uns es fertigstellen, bevor der Kerl mit seiner Trompete kommt, um alle Beine abzuholen, egal ob echt oder falsch – so wie die Brauereibesitzer herumkommen, um alte Bierfässer zu sammeln, um sie wieder zu füllen. Was für ein Bein das ist! Es sieht aus wie ein echtes Bein – nur noch das Kernstück übrig. Morgen wird er darauf stehen – er wird darauf Höhen messen. Halloa!
CARPENTER (nimmt seine Arbeit wieder auf): Nun, nun, nun! Stubb kennt ihn am besten – und Stubb sagt immer, er sei seltsam. Er sagt nur dieses eine Wort: seltsam. Er ist seltsam, sagt Stubb; seltsam, seltsam – und er redet ständig damit auf Mr. Starbuck ein: seltsam, Sir – seltsam, sehr seltsam. Und da ist sein Bein! Ja, jetzt, wo ich dran denke – da ist auch sein Gefährte! Der hat einen Walzknochen als Frau! Und das ist sein Bein – darauf wird er stehen. Was war das noch mal mit einem Bein, das an drei Orten steht – und alle drei Orte befinden sich in der Hölle? Oh! Kein Wunder, dass er mich so verächtlich ansah! Man sagt, ich hätte manchmal seltsame Gedanken – aber das ist nur zufällig. Ein kleiner, alter Mensch wie ich sollte niemals versuchen, mit großen, hochgewachsenen Kapitänen in tiefes Wasser zu gehen – das Wasser wirft einen schnell unter das Kinn, und dann wird laut nach Rettungsbooten gerufen. Und da ist das Bein des Reiher – lang und schlank, wirklich! Für die meisten Menschen reicht ein Paar Beine ein Leben lang – das liegt wohl daran, dass sie sie sparsam benutzen, wie eine gütige alte Dame ihre dicken Pferde. Aber Ahab – oh, der ist ein harter Fahrer. Schauen Sie: Ein Bein wurde zum Tod gequält, das andere bleibt lebenslang behindert – und jetzt zerstört er seine Knochenbeine. Halloa, du Dummkopf! Hilf mir mit diesen Schrauben – lass uns es fertigstellen, bevor der Kerl mit seiner Trompete kommt, um alle Beine abzuholen, egal ob echt oder falsch – so wie die Brauereibesitzer herumkommen, um alte Bierfässer zu sammeln, um sie wieder zu füllen. Was für ein Bein das ist! Es sieht aus wie ein echtes Bein – nur noch das Kernstück übrig. Morgen wird er darauf stehen – er wird darauf Höhen messen. Halloa!
Page 510
Fast hätte ich die kleine ovale Schieferplatte vergessen – glattes Elfenbeinfarben – auf der er die Breitengrade einzeichnet. Na gut; Meißel, Feile und Schleifpapier, jetzt!
Page 511
Page 512
KAPITEL 109. Ahab und Starbuck in der Kabine.
Wie üblich pumpten sie am nächsten Morgen das Schiff aus – und siehe da: Mit dem Wasser kam eine beträchtliche Menge Öl an die Oberfläche; die Fässer im Laderaum mussten stark undicht sein. Es entstand große Besorgnis; Starbuck ging in die Kabine, um von diesem ungünstigen Zustand Bericht zu erstatten.
*Bei Walfangschiffen, die eine erhebliche Menge Öl an Bord haben, ist es zur regelmäßigen halbwöchentlichen Pflicht, ein Schlauch in den Laderaum zu führen und die Fässer mit Meerwasser zu übergießen. Dieses Wasser wird anschließend in unregelmäßigen Abständen mit den Pumpen des Schiffes abgepumpt. Auf diese Weise sollen die Fässer feucht, aber dicht gehalten werden; durch die Veränderung der Eigenschaften des abgepumpten Wassers können die Seeleute leicht feststellen, ob es zu ernsthaften Leckagen im wertvollen Ladegut kommt.*
Nun näherte sich die Pequod von Süden und Westen Formosa sowie den Bashee-Inseln – zwischen diesen liegt einer der tropischen Ausgänge aus den chinesischen Gewässern in den Pazifik. Starbuck fand Ahab vor, mit einer umfassenden Karte der östlichen Inselgruppen vor sich sowie einer weiteren Karte, die die langen Ostküsten der japanischen Inseln – Niphon, Matsmai und Sikoke – darstellte. Mit seinem schneeweißen neuen Elfenbeinbein, das gegen das geschraubte Bein des Tisches gestützt war, sowie mit einem langen Messer in der Hand stand der seltsame alte Mann mit dem Rücken zur Tür und runzelte die Stirn, während er seine alten Routen nochmals betrachtete.
„Wer da?“ Als er die Schritte an der Tür hörte, drehte er sich nicht um. „Aufs Deck! Verschwindet!“
„Kapitän Ahab, Sie irren sich – ich bin’s. Das Öl im Laderaum leckt, Sir. Wir müssen Burtons holen und das Schiff reparieren.“
„Burtons holen und das Schiff reparieren? Jetzt, wo wir Japan näherkommen – sollen wir hier eine Woche lang an alten Problemen arbeiten?“
„Entweder tun wir das, Sir, oder wir verlieren innerhalb eines Tages mehr Öl, als wir in einem Jahr wieder ersetzen können. Was wir zwanzigtausend Meilen weit gereist sind, um zu bekommen, ist es wert, geschont zu werden, Sir.“
„Ja, das stimmt – vorausgesetzt, wir schaffen es.“
„Ich sprach vom Öl im Laderaum, Sir.“
Wie üblich pumpten sie am nächsten Morgen das Schiff aus – und siehe da: Mit dem Wasser kam eine beträchtliche Menge Öl an die Oberfläche; die Fässer im Laderaum mussten stark undicht sein. Es entstand große Besorgnis; Starbuck ging in die Kabine, um von diesem ungünstigen Zustand Bericht zu erstatten.
*Bei Walfangschiffen, die eine erhebliche Menge Öl an Bord haben, ist es zur regelmäßigen halbwöchentlichen Pflicht, ein Schlauch in den Laderaum zu führen und die Fässer mit Meerwasser zu übergießen. Dieses Wasser wird anschließend in unregelmäßigen Abständen mit den Pumpen des Schiffes abgepumpt. Auf diese Weise sollen die Fässer feucht, aber dicht gehalten werden; durch die Veränderung der Eigenschaften des abgepumpten Wassers können die Seeleute leicht feststellen, ob es zu ernsthaften Leckagen im wertvollen Ladegut kommt.*
Nun näherte sich die Pequod von Süden und Westen Formosa sowie den Bashee-Inseln – zwischen diesen liegt einer der tropischen Ausgänge aus den chinesischen Gewässern in den Pazifik. Starbuck fand Ahab vor, mit einer umfassenden Karte der östlichen Inselgruppen vor sich sowie einer weiteren Karte, die die langen Ostküsten der japanischen Inseln – Niphon, Matsmai und Sikoke – darstellte. Mit seinem schneeweißen neuen Elfenbeinbein, das gegen das geschraubte Bein des Tisches gestützt war, sowie mit einem langen Messer in der Hand stand der seltsame alte Mann mit dem Rücken zur Tür und runzelte die Stirn, während er seine alten Routen nochmals betrachtete.
„Wer da?“ Als er die Schritte an der Tür hörte, drehte er sich nicht um. „Aufs Deck! Verschwindet!“
„Kapitän Ahab, Sie irren sich – ich bin’s. Das Öl im Laderaum leckt, Sir. Wir müssen Burtons holen und das Schiff reparieren.“
„Burtons holen und das Schiff reparieren? Jetzt, wo wir Japan näherkommen – sollen wir hier eine Woche lang an alten Problemen arbeiten?“
„Entweder tun wir das, Sir, oder wir verlieren innerhalb eines Tages mehr Öl, als wir in einem Jahr wieder ersetzen können. Was wir zwanzigtausend Meilen weit gereist sind, um zu bekommen, ist es wert, geschont zu werden, Sir.“
„Ja, das stimmt – vorausgesetzt, wir schaffen es.“
„Ich sprach vom Öl im Laderaum, Sir.“
Page 513
„Und ich habe weder daran gesprochen noch daran gedacht. Geh weg! Lass es doch undichten! Ich selbst bin ja auch voller Undichtigkeiten. Ja! Immer wieder Undichtigkeiten – nicht nur Fässer, die undicken, sondern diese undichten Fässer befinden sich auf einem undichten Schiff; und das ist eine weitaus schlimmere Lage als die des Pequod, mein Freund. Doch ich halte nicht inne, um meine Undichtigkeiten zu stopfen; denn wer kann sie im tief beladenen Rumpf finden – und wie soll man sie stopfen, selbst wenn man sie findet, in diesem heulenden Sturm des Lebens? Starbuck! Ich werde nicht zulassen, dass die Burtons gehisst werden.“
„Was werden die Eigentümer sagen, Sir?“
„Sollen die Eigentümer am Strand von Nantucket stehen und gegen die Taifune anschreien. Was kümmert es Ahab? Eigentümer, Eigentümer? Du redest ständig mit mir über diese geizigen Eigentümer, als wären sie meine Gewissen. Aber sieh her: Der einzige wahre Besitzer von irgendetwas ist sein Kommandant; und hör zu: Mein Gewissen liegt im Kiel dieses Schiffes. – Aufs Deck!“
„Kapitän Ahab“, sagte der rot werdende Matrose, der weiter in die Kabine trat – mit einer seltsam respektvollen und vorsichtigen Kühnheit, die fast so aussah, als würde er versuchen, jede äußere Manifestation seiner Gefühle zu vermeiden, und innerlich sogar mehr als misstrauisch gegenüber sich selbst zu sein; „Ein besserer Mann als ich würde bei Ihnen das übergehen, was er bei einem jüngeren Mann schnell als Beleidigung empfinden würde – ja, und bei einem glücklicheren Mann, Kapitän Ahab.“
„Teufel! Wagst du es etwa, kritisch über mich nachzudenken? – Aufs Deck!“
„Nein, Sir, noch nicht; ich bitte darum. Und ich wage es, Sir – nachsichtig zu sein! Können wir uns nicht besser verstehen als bisher, Kapitän Ahab?“
Ahab griff nach einem geladenen Musketen vom Gestell (das zur Ausstattung der meisten Seefahrerkabinen gehört) und richtete sie auf Starbuck. „Es gibt einen Gott, der über die Erde herrscht, und einen Kapitän, der über den Pequod herrscht. – Aufs Deck!“
Für einen Moment schien es, als hätte der Matrose tatsächlich den Strahl der Muskete abbekommen – anhand seines leuchtenden Blicks und seiner geröteten Wangen. Doch er beherrschte seine Emotionen, stand halb ruhig auf und sagte, bevor er die Kabine verließ: „Sie haben mich nicht beleidigt, Sir, sondern nur empört; deshalb bitte ich Sie, sich vor Starbuck nicht in Acht zu nehmen – Sie würden nur lachen. Aber Ahab soll sich vor Ahab in Acht nehmen; passen Sie auf sich auf, alter Mann.“
„Er wird mutiger – aber gehorcht trotzdem. Was für eine vorsichtige Mutigkeit!“, murmelte Ahab, als Starbuck verschwand. „Was hat er da gesagt – Ahab?“
„Was werden die Eigentümer sagen, Sir?“
„Sollen die Eigentümer am Strand von Nantucket stehen und gegen die Taifune anschreien. Was kümmert es Ahab? Eigentümer, Eigentümer? Du redest ständig mit mir über diese geizigen Eigentümer, als wären sie meine Gewissen. Aber sieh her: Der einzige wahre Besitzer von irgendetwas ist sein Kommandant; und hör zu: Mein Gewissen liegt im Kiel dieses Schiffes. – Aufs Deck!“
„Kapitän Ahab“, sagte der rot werdende Matrose, der weiter in die Kabine trat – mit einer seltsam respektvollen und vorsichtigen Kühnheit, die fast so aussah, als würde er versuchen, jede äußere Manifestation seiner Gefühle zu vermeiden, und innerlich sogar mehr als misstrauisch gegenüber sich selbst zu sein; „Ein besserer Mann als ich würde bei Ihnen das übergehen, was er bei einem jüngeren Mann schnell als Beleidigung empfinden würde – ja, und bei einem glücklicheren Mann, Kapitän Ahab.“
„Teufel! Wagst du es etwa, kritisch über mich nachzudenken? – Aufs Deck!“
„Nein, Sir, noch nicht; ich bitte darum. Und ich wage es, Sir – nachsichtig zu sein! Können wir uns nicht besser verstehen als bisher, Kapitän Ahab?“
Ahab griff nach einem geladenen Musketen vom Gestell (das zur Ausstattung der meisten Seefahrerkabinen gehört) und richtete sie auf Starbuck. „Es gibt einen Gott, der über die Erde herrscht, und einen Kapitän, der über den Pequod herrscht. – Aufs Deck!“
Für einen Moment schien es, als hätte der Matrose tatsächlich den Strahl der Muskete abbekommen – anhand seines leuchtenden Blicks und seiner geröteten Wangen. Doch er beherrschte seine Emotionen, stand halb ruhig auf und sagte, bevor er die Kabine verließ: „Sie haben mich nicht beleidigt, Sir, sondern nur empört; deshalb bitte ich Sie, sich vor Starbuck nicht in Acht zu nehmen – Sie würden nur lachen. Aber Ahab soll sich vor Ahab in Acht nehmen; passen Sie auf sich auf, alter Mann.“
„Er wird mutiger – aber gehorcht trotzdem. Was für eine vorsichtige Mutigkeit!“, murmelte Ahab, als Starbuck verschwand. „Was hat er da gesagt – Ahab?“
Page 514
Hütet euch vor Ahab – da ist etwas!“ Dann benutzte er unbewusst das Musketenrohr als Stab und schritt mit finsterer Miene im kleinen Kabinenraum hin und her; doch bald entspannten sich die dicken Zöpfe auf seiner Stirn, er legte die Waffe zurück an den Haken und ging auf das Deck.
„Du bist wirklich ein zu guter Mensch, Starbuck“, sagte er leise zum Bootsmann; anschließend erhob er seine Stimme an die Besatzung: „Holt die Focksegel ein und setzt die Großsegel vorne und hinten enger; zieht das Hauptsegel zurück; hebt die Burton-Segel hoch und bringt sie in den Laderaum.“
Es mag vergeblich sein, genau zu erraten, warum Ahab sich gegenüber Starbuck so verhielt. Es könnte ein Funke Ehrlichkeit in ihm gewesen sein – oder einfach nur eine vorsichtige Politik, die unter diesen Umständen jegliches Anzeichen offener Unzufriedenheit, egal wie kurzlebig, beim wichtigsten Offizier seines Schiffes strikt verbot. Wie auch immer, seine Befehle wurden ausgeführt; die Burton-Segel wurden gehisst.
„Du bist wirklich ein zu guter Mensch, Starbuck“, sagte er leise zum Bootsmann; anschließend erhob er seine Stimme an die Besatzung: „Holt die Focksegel ein und setzt die Großsegel vorne und hinten enger; zieht das Hauptsegel zurück; hebt die Burton-Segel hoch und bringt sie in den Laderaum.“
Es mag vergeblich sein, genau zu erraten, warum Ahab sich gegenüber Starbuck so verhielt. Es könnte ein Funke Ehrlichkeit in ihm gewesen sein – oder einfach nur eine vorsichtige Politik, die unter diesen Umständen jegliches Anzeichen offener Unzufriedenheit, egal wie kurzlebig, beim wichtigsten Offizier seines Schiffes strikt verbot. Wie auch immer, seine Befehle wurden ausgeführt; die Burton-Segel wurden gehisst.
Page 515
KAPITEL 110. Queequeg in seinem Sarg.
Bei der Untersuchung stellte sich heraus, dass die Fässer, die zuletzt in den Laderaum gebracht worden waren, völlig intakt waren und dass das Leck weiter entfernt liegen musste. Da das Wetter ruhig war, tauchten sie immer tiefer hinab und störten damit den Schlaf der riesigen Fässer; aus dieser Dunkelheit holten sie diese gigantischen Behälter ans Tageslicht. So tief gingen sie hinab – und die untersten Fässer sahen so alt, verrostet und morsch aus, dass man fast erwartete, dort irgendwelche schimmeligen Fässer mit Münzen von Kapitän Noah zu finden, zusammen mit Abschriften der Aushänge, die vergeblich die Menschen der alten Welt vor der Flut warnten. Ebene für Ebene wurden Wasser, Brot, Rindfleisch sowie Eisenbündel nach oben geholt, bis schließlich die Decks so überladen waren, dass man sich kaum noch darauf bewegen konnte; das hohle Rumpfinnere hallte unter den Schritten wider, als würde man über leere Katakomben gehen – und das Schiff tanzte und rollte auf dem Meer wie ein mit Luft gefüllter Krug. Das Schiff war vornüber geneigt – wie ein studierender Junge ohne Essen, dem aber alle Kenntnisse des Aristoteles im Kopf steckten. Glücklicherweise kamen zu dieser Zeit keine Taifune.
In dieser Tätigkeit des Walfangs gibt es keine bequemen Positionen; Würde und Gefahr gehen Hand in Hand. Erst wenn man Kapitän wird, wird es leichter – je höher man aufsteigt, desto härter muss man arbeiten. So erging es auch dem armen Queequeg: Als Harpunier musste er nicht nur dem Zorn des lebenden Wals trotzen, sondern – wie wir bereits gesehen haben – auch auf dessen totem Körper inmitten der Wellen klettern; schließlich musste er in die Dunkelheit des Laderaums hinabsteigen, den ganzen Tag lang in dieser unterirdischen Enge schwitzen und dabei die unhandlichsten Fässer bewegen und lagern. Kurz gesagt: Unter den Walfängern sind die Harpunier diejenigen, die die schwierigsten Arbeiten verrichten.
Armer Queequeg! Als das Schiff bereits zur Hälfte entleert war, hätte man über die Luke hinweg nach unten schauen sollen – dort kroch der tätowierte Wilde, nur in seine Wollunterwäsche gekleidet, durch Feuchtigkeit und Schleim, wie eine grün gefleckte Eidechse am Grund eines Brunnens. Und für ihn war das tatsächlich wie ein Brunnen – oder ein Eisladen.
Bei der Untersuchung stellte sich heraus, dass die Fässer, die zuletzt in den Laderaum gebracht worden waren, völlig intakt waren und dass das Leck weiter entfernt liegen musste. Da das Wetter ruhig war, tauchten sie immer tiefer hinab und störten damit den Schlaf der riesigen Fässer; aus dieser Dunkelheit holten sie diese gigantischen Behälter ans Tageslicht. So tief gingen sie hinab – und die untersten Fässer sahen so alt, verrostet und morsch aus, dass man fast erwartete, dort irgendwelche schimmeligen Fässer mit Münzen von Kapitän Noah zu finden, zusammen mit Abschriften der Aushänge, die vergeblich die Menschen der alten Welt vor der Flut warnten. Ebene für Ebene wurden Wasser, Brot, Rindfleisch sowie Eisenbündel nach oben geholt, bis schließlich die Decks so überladen waren, dass man sich kaum noch darauf bewegen konnte; das hohle Rumpfinnere hallte unter den Schritten wider, als würde man über leere Katakomben gehen – und das Schiff tanzte und rollte auf dem Meer wie ein mit Luft gefüllter Krug. Das Schiff war vornüber geneigt – wie ein studierender Junge ohne Essen, dem aber alle Kenntnisse des Aristoteles im Kopf steckten. Glücklicherweise kamen zu dieser Zeit keine Taifune.
In dieser Tätigkeit des Walfangs gibt es keine bequemen Positionen; Würde und Gefahr gehen Hand in Hand. Erst wenn man Kapitän wird, wird es leichter – je höher man aufsteigt, desto härter muss man arbeiten. So erging es auch dem armen Queequeg: Als Harpunier musste er nicht nur dem Zorn des lebenden Wals trotzen, sondern – wie wir bereits gesehen haben – auch auf dessen totem Körper inmitten der Wellen klettern; schließlich musste er in die Dunkelheit des Laderaums hinabsteigen, den ganzen Tag lang in dieser unterirdischen Enge schwitzen und dabei die unhandlichsten Fässer bewegen und lagern. Kurz gesagt: Unter den Walfängern sind die Harpunier diejenigen, die die schwierigsten Arbeiten verrichten.
Armer Queequeg! Als das Schiff bereits zur Hälfte entleert war, hätte man über die Luke hinweg nach unten schauen sollen – dort kroch der tätowierte Wilde, nur in seine Wollunterwäsche gekleidet, durch Feuchtigkeit und Schleim, wie eine grün gefleckte Eidechse am Grund eines Brunnens. Und für ihn war das tatsächlich wie ein Brunnen – oder ein Eisladen.
Page 516
Armer Heide – seltsamerweise erkrankte er trotz seines starken Schwitzens an einer schrecklichen Erkältung, die sich in Fieber verwandelte. Schließlich, nach einigen Tagen des Leidens, wurde er in seine Hängematte gelegt – direkt vor der „Tür des Todes“. Wie sehr er in diesen langen Tagen abmagerte, bis von ihm kaum noch etwas übrig blieb außer seinem Körper und den Tätowierungen. Doch während alles andere an ihm schwächer wurde und seine Wangenknochen spitzer wurden, schienen seine Augen immer voller zu werden; sie erhielten einen seltsam sanften Glanz. Aus seinem Krankenzustand heraus blickten sie sanft, aber tief auf einen herab – ein wunderbares Zeugnis für die unsterbliche Gesundheit in ihm, die nicht sterben oder geschwächt werden konnte. Wie Kreise auf dem Wasser, die je schwächer werden, desto größer werden, so schienen auch seine Augen immer runder zu werden – wie Ringe der Ewigkeit. Eine namenlose Ehrfurcht überkam einen, wenn man neben diesem dahinsiechenden Wilden saß und die seltsamen Merkmale in seinem Gesicht sah – genauso wie jene, die Zeugen des Todes Zoroasters waren. Denn alles, was wirklich wunderbar und furchterregend am Menschen ist, wurde noch nie in Worte oder Bücher gefasst. Der nahende Tod gleicht alle aus und hinterlässt bei allen eine letzte Offenbarung – eine Offenbarung, die nur ein Autor aus dem Jenseits angemessen beschreiben könnte. Also: Kein sterbender Chaldäer oder Grieche hatte höhere und heiligere Gedanken als jene, deren geheimnisvolle Schatten man auf dem Gesicht des armen Queequeg sah, während er ruhig in seiner Hängematte lag. Das wellende Meer schien ihn sanft in seinen letzten Ruhestand zu wiegen, und die unsichtbaren Flutwellen des Ozeans hoben ihn immer höher hinauf zu seinem bestimmtem Himmel. Kein Mann an Bord gab auf; was Queequeg selbst über seine Situation dachte, zeigte sich durch eine seltsame Bitte, die er äußerte. In der grauen Morgenwache, als gerade der Tag anbrach, rief er jemanden zu sich, nahm dessen Hand und sagte, dass er in Nantucket zufällig einige kleine Kanus aus dunklem Holz gesehen habe – ähnlich dem wertvollen Kriegsholz seiner Heimatinsel. Bei weiteren Nachfragen erfuhr er, dass alle Walfänger, die in Nantucket starben, in genau solchen dunklen Kanus beigesetzt wurden. Die Vorstellung, auf diese Weise beigesetzt zu werden, gefiel ihm sehr – denn das ähnelte der Sitte seines eigenen Volkes, das einen toten Krieger nach der Einbalsamierung in sein Kanu legte und ihn so treiben ließ, bis er zu den sternübersäten Inseln gelangte. Sie glauben nämlich nicht nur, dass die Sterne Inseln sind, sondern auch, dass jenseits aller sichtbaren Horizonte ihre eigenen sanften Meere mit dem blauen Himmel zusammenfließen – und so die weißen Wellen der Milchstraße bilden. Er fügte hinzu, dass ihn der Gedanke daran erschaudern ließ, in seiner Hängematte begraben zu werden…
Page 517
Die üblichen Seefahrtskisten – wie etwas Abscheuliches den tödlich gierigen Haien zum Fraß vorgeworfen. Nein: Er wünschte sich eine Kanoe wie jene von Nantucket, die für einen Walfänger umso geeigneter war; schließlich besaßen diese „Sargkanus“, genauso wie Walfangboote, keinen Kiel – was zwar eine unzuverlässige Steuerung bedeutete, aber auch dazu führte, dass die Kanue weit über die Zeiten hinaus treiben konnte.
Als diese seltsame Anforderung an Bord bekannt wurde, wurde dem Tischler sofort befohlen, Queequegs Befehle auszuführen – egal, was sie auch sein mochten. An Bord befand sich etwas heidnisches, sargfarbenes Holz, das bei einer früheren Reise aus den ursprünglichen Wäldern der Lackaday-Inseln geschnitten worden war; aus diesen dunklen Brettern sollte der Sarg hergestellt werden. Kaum hatte der Tischler den Befehl erhalten, nahm er sofort seinen Maßstab und maß mit der ihm eigenen Geschwindigkeit Queequegs Körpergröße – dabei zeichnete er regelmäßig Queequegs Konturen nach.
„Ah! Armer Kerl! Jetzt muss er wohl sterben“, rief der Seemann von Long Island.
Um es später leichter haben zu können, maß der Tischler zunächst die genaue Länge des Sarges auf einem Hilfsmaßstab ab und markierte anschließend die Enden des Sarges mit zwei Einkerbungen. Danach sammelte er die Bretter sowie seine Werkzeuge zusammen, um mit der Arbeit zu beginnen.
Als der letzte Nagel eingeschlagen und der Deckel ordnungsgemäß gefertigt und eingebaut war, nahm der Tischler den Sarg auf seine Schultern und ging damit nach vorne, um zu fragen, ob man dort bereits bereit sei.
Als Queequeg die empörten, doch halb humorvollen Rufe der Leute auf dem Deck hörte, befahl er zu aller Verwunderung, dass der Sarg sofort zu ihm gebracht werden solle – niemand wagte es, ihm dieses zu verweigern. Schließlich sind unter allen Sterblichen gerade die Sterbenden oft am tyrannischsten; und da sie uns bald nicht mehr stören werden, sollten diese armen Kerle doch entgegenkommen.
Queequeg beugte sich in seiner Hängematte vor und betrachtete den Sarg lange und aufmerksam. Dann bat er um seinen Harpunenstock, ließ den hölzernen Teil herausziehen und platzierte den eisernen Teil zusammen mit einem der Ruder seiner Kanoe in den Sarg. Auf seinen eigenen Wunsch hin wurden außerdem Kekse ringsum im Sarg platziert; eine Flasche frisches Wasser wurde ans Kopfende gestellt, und ein kleiner Beutel mit Holzerde wurde ans Fußende gelegt.
Als diese seltsame Anforderung an Bord bekannt wurde, wurde dem Tischler sofort befohlen, Queequegs Befehle auszuführen – egal, was sie auch sein mochten. An Bord befand sich etwas heidnisches, sargfarbenes Holz, das bei einer früheren Reise aus den ursprünglichen Wäldern der Lackaday-Inseln geschnitten worden war; aus diesen dunklen Brettern sollte der Sarg hergestellt werden. Kaum hatte der Tischler den Befehl erhalten, nahm er sofort seinen Maßstab und maß mit der ihm eigenen Geschwindigkeit Queequegs Körpergröße – dabei zeichnete er regelmäßig Queequegs Konturen nach.
„Ah! Armer Kerl! Jetzt muss er wohl sterben“, rief der Seemann von Long Island.
Um es später leichter haben zu können, maß der Tischler zunächst die genaue Länge des Sarges auf einem Hilfsmaßstab ab und markierte anschließend die Enden des Sarges mit zwei Einkerbungen. Danach sammelte er die Bretter sowie seine Werkzeuge zusammen, um mit der Arbeit zu beginnen.
Als der letzte Nagel eingeschlagen und der Deckel ordnungsgemäß gefertigt und eingebaut war, nahm der Tischler den Sarg auf seine Schultern und ging damit nach vorne, um zu fragen, ob man dort bereits bereit sei.
Als Queequeg die empörten, doch halb humorvollen Rufe der Leute auf dem Deck hörte, befahl er zu aller Verwunderung, dass der Sarg sofort zu ihm gebracht werden solle – niemand wagte es, ihm dieses zu verweigern. Schließlich sind unter allen Sterblichen gerade die Sterbenden oft am tyrannischsten; und da sie uns bald nicht mehr stören werden, sollten diese armen Kerle doch entgegenkommen.
Queequeg beugte sich in seiner Hängematte vor und betrachtete den Sarg lange und aufmerksam. Dann bat er um seinen Harpunenstock, ließ den hölzernen Teil herausziehen und platzierte den eisernen Teil zusammen mit einem der Ruder seiner Kanoe in den Sarg. Auf seinen eigenen Wunsch hin wurden außerdem Kekse ringsum im Sarg platziert; eine Flasche frisches Wasser wurde ans Kopfende gestellt, und ein kleiner Beutel mit Holzerde wurde ans Fußende gelegt.
Page 518
Ein Stück Segeltuch, das zu einem Kissen gerollt wurde. Queequeg bat nun darum, in sein letztes Bett gehoben zu werden, damit er die Bequemlichkeiten desselben ausprobieren konnte – falls es solche überhaupt gab. Er lag einige Minuten lang regungslos da, dann befahl er jemandem, zu seinem Bündel zu gehen und seinen kleinen Gott Yojo herauszubringen. Anschließend verschränkte er die Arme vor der Brust, mit Yojo dazwischen, und bat darum, dass der Sargdeckel (er nannte ihn „Luke“) über ihn gelegt werden sollte. Der Kopfteil des Sarges drehte sich durch eine Lederverbindung, und da lag Queequeg in seinem Sarg – sichtbar war nur noch sein ruhiges Gesichtsausdruck. „Rarmai“ (es wird schon gehen; es ist einfach), murmelte er schließlich und signalisierte, dass man ihn wieder in seine Hängematte legen solle.
Doch bevor das geschehen konnte, näherte sich Pip, der die ganze Zeit heimlich in der Nähe gewartet hatte, dem Liegenden und nahm ihn mit leisem Weinen bei der Hand; in der anderen Hand hielt er seine Trommel. „Armer Wanderer! Wirst du denn nie aufhören, ständig umherzuwandern? Wohin gehst du jetzt? Aber wenn die Strömungen dich zu jenen schönen Antillen bringen, wo die Strände nur von Wasserlilien bedeckt sind – wirst du dann eine kleine Aufgabe für mich erledigen? Such nach einem Pip, der seit langer Zeit verschwunden ist. Ich glaube, er ist in jenen fernen Antillen. Wenn du ihn findest, tröste ihn – er muss sehr traurig sein. Schau! Er hat seine Trommel zurückgelassen – ich habe sie gefunden. Rig-a-dig, dig, dig! Nun, Queequeg, stirb – und ich werde zum Takt deines Todesmarsches spielen.“
„Ich habe gehört“, murmelte Starbuck, während er durch das Loch nach unten blickte, „dass Menschen im Fieber, völlig unwissend, in alten Sprachen sprachen; und wenn man das Geheimnis erforscht, stellt sich immer heraus, dass in ihrer längst vergessenen Kindheit diese alten Sprachen tatsächlich von irgendwelchen weisen Gelehrten vor ihren Ohren gesprochen wurden. Also glaube ich fest daran, dass der arme Pip in seiner seltsamen Verwirrung himmlische Zeugnisse all unserer himmlischen Heimatorte mitbringt. Wo hat er das gelernt – dort? Hör! Er spricht wieder – aber jetzt noch wilder.“
„Bildet Zwei-Gruppen! Lasst uns einen General aus ihm machen! Ho, wo ist sein Harpunen? Leg sie hierhin. Rig-a-dig, dig, dig! Huzzah! Ach, ein Hahn wäre jetzt schön, der auf seinem Kopf sitzen und krähen könnte! Queequeg stirbt wie ein Held! Achtet darauf – Queequeg stirbt wie ein Held! Ich sage: Held, Held, Held! Aber du elender kleiner Pip – er starb als Feigling, zitternd vor Angst! Aus mit Pip! Hört zu: Wenn ihr Pip findet, sagt allen in den Antillen, er sei ein Flüchtling – ein Feigling, ein Feigling, ein Feigling! Sagt ihnen, er sei von einem Walfangboot gesprungen! Ich würde niemals zur Musik meiner Trommel für diesen elenden Pip spielen und ihn zum General ernennen, selbst wenn er hier wieder sterben würde. Nein, nein! Schande über alle Feiglinge!“
Doch bevor das geschehen konnte, näherte sich Pip, der die ganze Zeit heimlich in der Nähe gewartet hatte, dem Liegenden und nahm ihn mit leisem Weinen bei der Hand; in der anderen Hand hielt er seine Trommel. „Armer Wanderer! Wirst du denn nie aufhören, ständig umherzuwandern? Wohin gehst du jetzt? Aber wenn die Strömungen dich zu jenen schönen Antillen bringen, wo die Strände nur von Wasserlilien bedeckt sind – wirst du dann eine kleine Aufgabe für mich erledigen? Such nach einem Pip, der seit langer Zeit verschwunden ist. Ich glaube, er ist in jenen fernen Antillen. Wenn du ihn findest, tröste ihn – er muss sehr traurig sein. Schau! Er hat seine Trommel zurückgelassen – ich habe sie gefunden. Rig-a-dig, dig, dig! Nun, Queequeg, stirb – und ich werde zum Takt deines Todesmarsches spielen.“
„Ich habe gehört“, murmelte Starbuck, während er durch das Loch nach unten blickte, „dass Menschen im Fieber, völlig unwissend, in alten Sprachen sprachen; und wenn man das Geheimnis erforscht, stellt sich immer heraus, dass in ihrer längst vergessenen Kindheit diese alten Sprachen tatsächlich von irgendwelchen weisen Gelehrten vor ihren Ohren gesprochen wurden. Also glaube ich fest daran, dass der arme Pip in seiner seltsamen Verwirrung himmlische Zeugnisse all unserer himmlischen Heimatorte mitbringt. Wo hat er das gelernt – dort? Hör! Er spricht wieder – aber jetzt noch wilder.“
„Bildet Zwei-Gruppen! Lasst uns einen General aus ihm machen! Ho, wo ist sein Harpunen? Leg sie hierhin. Rig-a-dig, dig, dig! Huzzah! Ach, ein Hahn wäre jetzt schön, der auf seinem Kopf sitzen und krähen könnte! Queequeg stirbt wie ein Held! Achtet darauf – Queequeg stirbt wie ein Held! Ich sage: Held, Held, Held! Aber du elender kleiner Pip – er starb als Feigling, zitternd vor Angst! Aus mit Pip! Hört zu: Wenn ihr Pip findet, sagt allen in den Antillen, er sei ein Flüchtling – ein Feigling, ein Feigling, ein Feigling! Sagt ihnen, er sei von einem Walfangboot gesprungen! Ich würde niemals zur Musik meiner Trommel für diesen elenden Pip spielen und ihn zum General ernennen, selbst wenn er hier wieder sterben würde. Nein, nein! Schande über alle Feiglinge!“
Page 519
„Schande über sie! Lassen Sie sie wie Pip ertrinken – der von einem Walfangboot sprang. Schande!“
Währenddessen lag Queequeg mit geschlossenen Augen da, als wäre er im Traum. Pip wurde weggeführt, und der Kranke wurde wieder in seine Hängematte gelegt.
Doch nun, da er offensichtlich alle Vorbereitungen für den Tod getroffen hatte; nun, da sein Sarg als passend erwiesen war, erholte sich Queequeg plötzlich wieder; bald schien es keinen Bedarf mehr an dem „Tischlerkasten“ zu geben. Als einige ihre Freude darüber ausdrückten, sagte er im Grunde, dass der Grund für seine plötzliche Genesung folgender sei: In einem kritischen Moment erinnerte er sich an eine kleine Pflicht an Land, die er bisher vernachlässigt hatte; deshalb änderte er seine Meinung bezüglich seines Todes: Er könne noch nicht sterben, behauptete er. Sie fragten ihn dann, ob das Leben oder der Tod eine Angelegenheit seines eigenen Willens und seiner Entscheidung sei. Er antwortete: Natürlich. Kurz gesagt: Es war Queequegs Stolz – wenn ein Mensch beschloss zu leben, konnte ihn allein die Krankheit nicht töten: Nur ein Wal, ein Sturm oder irgendeine andere gewaltige, unkontrollierbare Kraft konnte ihn töten.
Es gibt einen bemerkenswerten Unterschied zwischen Wilden und Zivilisierten: Während ein kranker Zivilist in der Regel sechs Monate zur Genesung braucht, ist ein kranker Wilder meist schon nach einem Tag fast wieder gesund. So gewann mein Queequeg rechtzeitig wieder Kraft; nachdem er einige Tage lang träge am Windrad saß (aber mit großem Appetit aß), sprang er plötzlich auf, streckte Arme und Beine aus, dehnte sich gut, gähnte etwas und sprang anschließend in die Kabine seines Bootes, nahm einen Harpunenpfeil in die Hand und erklärte, er sei bereit zum Kampf.
Mit wilder Fantasie benutzte er nun seinen Sarg als Truhenart; er leerte seinen Stoffbeutel mit Kleidung hinein und ordnete sie dort an. Viele Stunden verbrachte er damit, die Deckel mit allen möglichen grotesken Figuren und Zeichnungen zu verziern; es schien, als versuche er auf seine grobe Weise, Teile der verschlungenen Tätowierungen auf seinem Körper nachzuahmen. Diese Tätowierungen waren das Werk eines verstorbenen Propheten und Sehers seiner Insel, der durch diese Hieroglyphen eine vollständige Theorie über Himmel und Erde sowie ein mystisches Werk über die Kunst, die Wahrheit zu erlangen, auf seinen Körper geschrieben hatte. So war Queequeg an sich selbst ein Rätsel – ein wunderbares Werk in einem Band – doch dessen Geheimnisse konnte nicht einmal er selbst entschlüsseln, obwohl sein eigenes Herz dagegen schlug; daher waren diese Geheimnisse letztendlich dazu bestimmt, zusammen mit dem „lebenden Pergament“ zu verfallen.
Währenddessen lag Queequeg mit geschlossenen Augen da, als wäre er im Traum. Pip wurde weggeführt, und der Kranke wurde wieder in seine Hängematte gelegt.
Doch nun, da er offensichtlich alle Vorbereitungen für den Tod getroffen hatte; nun, da sein Sarg als passend erwiesen war, erholte sich Queequeg plötzlich wieder; bald schien es keinen Bedarf mehr an dem „Tischlerkasten“ zu geben. Als einige ihre Freude darüber ausdrückten, sagte er im Grunde, dass der Grund für seine plötzliche Genesung folgender sei: In einem kritischen Moment erinnerte er sich an eine kleine Pflicht an Land, die er bisher vernachlässigt hatte; deshalb änderte er seine Meinung bezüglich seines Todes: Er könne noch nicht sterben, behauptete er. Sie fragten ihn dann, ob das Leben oder der Tod eine Angelegenheit seines eigenen Willens und seiner Entscheidung sei. Er antwortete: Natürlich. Kurz gesagt: Es war Queequegs Stolz – wenn ein Mensch beschloss zu leben, konnte ihn allein die Krankheit nicht töten: Nur ein Wal, ein Sturm oder irgendeine andere gewaltige, unkontrollierbare Kraft konnte ihn töten.
Es gibt einen bemerkenswerten Unterschied zwischen Wilden und Zivilisierten: Während ein kranker Zivilist in der Regel sechs Monate zur Genesung braucht, ist ein kranker Wilder meist schon nach einem Tag fast wieder gesund. So gewann mein Queequeg rechtzeitig wieder Kraft; nachdem er einige Tage lang träge am Windrad saß (aber mit großem Appetit aß), sprang er plötzlich auf, streckte Arme und Beine aus, dehnte sich gut, gähnte etwas und sprang anschließend in die Kabine seines Bootes, nahm einen Harpunenpfeil in die Hand und erklärte, er sei bereit zum Kampf.
Mit wilder Fantasie benutzte er nun seinen Sarg als Truhenart; er leerte seinen Stoffbeutel mit Kleidung hinein und ordnete sie dort an. Viele Stunden verbrachte er damit, die Deckel mit allen möglichen grotesken Figuren und Zeichnungen zu verziern; es schien, als versuche er auf seine grobe Weise, Teile der verschlungenen Tätowierungen auf seinem Körper nachzuahmen. Diese Tätowierungen waren das Werk eines verstorbenen Propheten und Sehers seiner Insel, der durch diese Hieroglyphen eine vollständige Theorie über Himmel und Erde sowie ein mystisches Werk über die Kunst, die Wahrheit zu erlangen, auf seinen Körper geschrieben hatte. So war Queequeg an sich selbst ein Rätsel – ein wunderbares Werk in einem Band – doch dessen Geheimnisse konnte nicht einmal er selbst entschlüsseln, obwohl sein eigenes Herz dagegen schlug; daher waren diese Geheimnisse letztendlich dazu bestimmt, zusammen mit dem „lebenden Pergament“ zu verfallen.
Page 520
auf denen sie eingraviert waren, und so bis zum letzten Moment ungelöst bleiben sollten. Und wohl genau dieser Gedanke war es, der Ahab jenen wilden Ausruf entlockte, als er eines Morgens von der Betrachtung des armen Queequeg abließ – „Oh, teuflische Versuchung der Götter!“
Page 521
KAPITEL 111. Der Pazifik.
Als wir an den Bashee-Inseln vorbeiglitten, kamen wir schließlich zum großen Südmeer. Wären da nicht andere Dinge gewesen, hätte ich meinen geliebten Pazifik mit unzähligen Dankesworten begrüßt – denn nun war das lange Verlangen meiner Jugend erfüllt worden. Dieses ruhige Meer erstreckte sich vor mir über tausend Meilen hinweg in Blau.
An diesem Meer liegt ein geheimnisvoller Reiz, dessen sanfte, doch zugleich furchterregende Wellenbewegungen似乎 von einer verborgenen Seele darunter zeugen – wie jene legendären Wellen auf dem Boden von Ephesus über dem begrabenen Evangelisten Johannes. Es ist nur angemessen, dass auf diesen „meerischen Weiden“, diesen weiten, welligen Wasserprairien sowie den „Töpferfeldern“ aller vier Kontinente die Wellen unaufhörlich auf- und absteigen, fluten und zurückweichen. Denn hier liegen Millionen von Schattierungen und Schatten, ertrunkene Träume, Somnambulismus, Tagträume – all das, was wir Leben und Seelen nennen – und träumen weiter, wie Schlafende in ihren Betten; die ständig rollenden Wellen entstehen durch ihre Unruhe.
Für jeden nachdenklichen Wanderer muss dieser ruhige Pazifik, einmal gesehen, für immer das Meer seiner Zugehörigkeit sein. Er umfasst die mittleren Gewässer der Welt – der Indische Ozean und der Atlantik sind lediglich seine „Arme“. D dieselben Wellen waschen die Küsten der neu erbauten kalifornischen Städte, die erst gestern von den neuesten Völkern gegründet wurden, sowie die verblassten, doch immer noch prächtigen Küsten asiatischer Länder, die älter sind als Abraham. Zwischen ihnen treiben milchweiße Koralleninseln sowie niedrig liegende, endlose, unbekannte Archipelagos sowie undurchdringliches Japan. So umgibt dieser geheimnisvolle, göttliche Pazifik die gesamte Welt – alle Küsten werden zu einem einzigen Meerbecken; er scheint das pulsierende Herz der Erde zu sein. Getragen von diesen ewigen Wellen muss man den verführerischen Gott anerkennen und seinem Pan den Kopf neigen.
Doch nur wenige Gedanken an Pan regten Ahabs Geist – er stand wie eine eiserne Statue an seinem üblichen Platz neben dem Mizensegel. Mit einer Nase sog er unbewusst den süßen Duft der Bashee-Inseln ein (in deren süßen Wäldern sicherlich zarte Liebende spazierten), während er mit der anderen Nase bewusst den salzigen Atem des neu entdeckten Meeres einatmete – jenes Meeres, in dem zu dieser Zeit auch der verhasste Weiße Wal schwimmen musste. Endlich auf diesen fast letzten Gewässern unterwegs, glitt das Schiff in Richtung der japanischen Jagdgebiete.
Als wir an den Bashee-Inseln vorbeiglitten, kamen wir schließlich zum großen Südmeer. Wären da nicht andere Dinge gewesen, hätte ich meinen geliebten Pazifik mit unzähligen Dankesworten begrüßt – denn nun war das lange Verlangen meiner Jugend erfüllt worden. Dieses ruhige Meer erstreckte sich vor mir über tausend Meilen hinweg in Blau.
An diesem Meer liegt ein geheimnisvoller Reiz, dessen sanfte, doch zugleich furchterregende Wellenbewegungen似乎 von einer verborgenen Seele darunter zeugen – wie jene legendären Wellen auf dem Boden von Ephesus über dem begrabenen Evangelisten Johannes. Es ist nur angemessen, dass auf diesen „meerischen Weiden“, diesen weiten, welligen Wasserprairien sowie den „Töpferfeldern“ aller vier Kontinente die Wellen unaufhörlich auf- und absteigen, fluten und zurückweichen. Denn hier liegen Millionen von Schattierungen und Schatten, ertrunkene Träume, Somnambulismus, Tagträume – all das, was wir Leben und Seelen nennen – und träumen weiter, wie Schlafende in ihren Betten; die ständig rollenden Wellen entstehen durch ihre Unruhe.
Für jeden nachdenklichen Wanderer muss dieser ruhige Pazifik, einmal gesehen, für immer das Meer seiner Zugehörigkeit sein. Er umfasst die mittleren Gewässer der Welt – der Indische Ozean und der Atlantik sind lediglich seine „Arme“. D dieselben Wellen waschen die Küsten der neu erbauten kalifornischen Städte, die erst gestern von den neuesten Völkern gegründet wurden, sowie die verblassten, doch immer noch prächtigen Küsten asiatischer Länder, die älter sind als Abraham. Zwischen ihnen treiben milchweiße Koralleninseln sowie niedrig liegende, endlose, unbekannte Archipelagos sowie undurchdringliches Japan. So umgibt dieser geheimnisvolle, göttliche Pazifik die gesamte Welt – alle Küsten werden zu einem einzigen Meerbecken; er scheint das pulsierende Herz der Erde zu sein. Getragen von diesen ewigen Wellen muss man den verführerischen Gott anerkennen und seinem Pan den Kopf neigen.
Doch nur wenige Gedanken an Pan regten Ahabs Geist – er stand wie eine eiserne Statue an seinem üblichen Platz neben dem Mizensegel. Mit einer Nase sog er unbewusst den süßen Duft der Bashee-Inseln ein (in deren süßen Wäldern sicherlich zarte Liebende spazierten), während er mit der anderen Nase bewusst den salzigen Atem des neu entdeckten Meeres einatmete – jenes Meeres, in dem zu dieser Zeit auch der verhasste Weiße Wal schwimmen musste. Endlich auf diesen fast letzten Gewässern unterwegs, glitt das Schiff in Richtung der japanischen Jagdgebiete.
Page 522
Der Zweck des alten Mannes wurde immer dringender. Seine festen Lippen pressten sich zusammen wie die Lippen einer Schraubzwinge; die Adern auf seiner Stirn schwollen an wie überlastete Bäche; selbst im Schlaf hallte sein lauter Schrei durch das gewölbte Innere: „Alle an die Ruder! Der Weiße Wal spuckt dicken Blut!“
Page 523
KAPITEL 112. Der Schmied
Da das Wetter in diesen Breitengraden jetzt mild und sommerlich kühl war und er sich auf die bald bevorstehenden, besonders anspruchsvollen Arbeiten vorbereiten musste, hatte Perth, der schmutzbedeckte, von Blasen übersäte alte Schmied, nachdem er seine Arbeit für Abahs Bein beendet hatte, seine tragbare Esse nicht wieder in den Laderaum gebracht, sondern sie weiterhin auf dem Deck gelassen – fest mit Ringbolzen am Vormast gebunden. Die Bootsführer, Harpunenschützen und Bogenschützen riefen ihn nun fast ununterbrochen zu sich, damit er kleine Arbeiten für sie erledigte: ihre verschiedenen Waffen sowie Bootsausstattungen reparierte oder neu formte. Oft war er von einer Schar eifriger Menschen umgeben, die alle darauf warteten, bedient zu werden; sie hielten Bootshaken, Speerspitzen, Harpunen und Lanzen in den Händen und beobachteten neidisch jede seiner Bewegungen, während er arbeitete. Dennoch war es der Hammer eines geduldigen Mannes, der von einem ebenso geduldigen Arm geführt wurde. Von ihm kam weder Murmel noch Ungeduld noch Gereiztheit. Stumm, langsam und ernsthaft beugte er seinen chronisch kranken Rücken noch weiter und arbeitete weiter, als wäre die Arbeit selbst das Leben – und das tiefe Schlagen seines Hammers das Schlagen seines Herzens. So war es auch – äußerst elend!
Ein seltsames Gehen dieses alten Mannes, ein leichter, doch schmerzhafter Schwank in seinem Gang, hatte bereits früh in der Reisezeit die Neugier der Seeleute geweckt. Auf ihre beharrlichen Fragen gab er schließlich nach – und so erfuhr jeder schließlich die beschämende Geschichte seines elenden Schicksals.
In einer kalten Winternacht, auf einem Weg zwischen zwei Landstädten, spürte der Schmied halb betäubt, wie eine tödliche Taubheit von ihm Besitz ergriff, und suchte Zuflucht in einer morschen Scheune. Das Ergebnis war der Verlust beider Fußgliedmaßen. Aus dieser Tragödie entstanden allmählich die vier Akte der Freude sowie der eine lange, bislang noch nicht katastrophale fünfte Akt des Leids in der Dramaturgie seines Lebens.
Er war ein alter Mann, der im Alter von fast sechzig Jahren erst spät mit jenem Phänomen konfrontiert wurde, das in der Sprache des Leids als Ruin bezeichnet wird. Er war ein Meisterhandwerker von herausragender Qualität, hatte viel zu tun, besaß ein Haus und einen Garten, eine junge, liebevolle Ehefrau sowie drei fröhliche Kinder.
Da das Wetter in diesen Breitengraden jetzt mild und sommerlich kühl war und er sich auf die bald bevorstehenden, besonders anspruchsvollen Arbeiten vorbereiten musste, hatte Perth, der schmutzbedeckte, von Blasen übersäte alte Schmied, nachdem er seine Arbeit für Abahs Bein beendet hatte, seine tragbare Esse nicht wieder in den Laderaum gebracht, sondern sie weiterhin auf dem Deck gelassen – fest mit Ringbolzen am Vormast gebunden. Die Bootsführer, Harpunenschützen und Bogenschützen riefen ihn nun fast ununterbrochen zu sich, damit er kleine Arbeiten für sie erledigte: ihre verschiedenen Waffen sowie Bootsausstattungen reparierte oder neu formte. Oft war er von einer Schar eifriger Menschen umgeben, die alle darauf warteten, bedient zu werden; sie hielten Bootshaken, Speerspitzen, Harpunen und Lanzen in den Händen und beobachteten neidisch jede seiner Bewegungen, während er arbeitete. Dennoch war es der Hammer eines geduldigen Mannes, der von einem ebenso geduldigen Arm geführt wurde. Von ihm kam weder Murmel noch Ungeduld noch Gereiztheit. Stumm, langsam und ernsthaft beugte er seinen chronisch kranken Rücken noch weiter und arbeitete weiter, als wäre die Arbeit selbst das Leben – und das tiefe Schlagen seines Hammers das Schlagen seines Herzens. So war es auch – äußerst elend!
Ein seltsames Gehen dieses alten Mannes, ein leichter, doch schmerzhafter Schwank in seinem Gang, hatte bereits früh in der Reisezeit die Neugier der Seeleute geweckt. Auf ihre beharrlichen Fragen gab er schließlich nach – und so erfuhr jeder schließlich die beschämende Geschichte seines elenden Schicksals.
In einer kalten Winternacht, auf einem Weg zwischen zwei Landstädten, spürte der Schmied halb betäubt, wie eine tödliche Taubheit von ihm Besitz ergriff, und suchte Zuflucht in einer morschen Scheune. Das Ergebnis war der Verlust beider Fußgliedmaßen. Aus dieser Tragödie entstanden allmählich die vier Akte der Freude sowie der eine lange, bislang noch nicht katastrophale fünfte Akt des Leids in der Dramaturgie seines Lebens.
Er war ein alter Mann, der im Alter von fast sechzig Jahren erst spät mit jenem Phänomen konfrontiert wurde, das in der Sprache des Leids als Ruin bezeichnet wird. Er war ein Meisterhandwerker von herausragender Qualität, hatte viel zu tun, besaß ein Haus und einen Garten, eine junge, liebevolle Ehefrau sowie drei fröhliche Kinder.
Page 524
Rote Kinder – jeden Sonntag gingen sie in eine fröhlich aussehende Kirche, die sich in einem Waldstück befand. Doch eines Nachts, im Schutz der Dunkelheit und unter einer äußerst raffinierten Verkleidung, schlich sich ein verzweifelter Einbrecher in ihr glückliches Zuhause ein und raubte ihnen alles. Noch schlimmer: Der Schmied selbst führte diesen Einbrecher unwissentlich in das Herz seiner Familie. Es war der Flaschenzauberer! Als der tödliche Korken geöffnet wurde, brach der Teufel hervor und zerstörte sein Zuhause. Aus vorsichtigen, weisen und sparsamen Gründen befand sich die Schmiede im Keller seines Hauses – mit einem separaten Eingang. So konnte die junge, liebevolle und gesunde Ehefrau stets ohne unglückliche Nervosität, sondern mit fröhlicher Freude dem kräftigen Schlagen des Hammers ihres alten Mannes lauschen. Die Echos dieses Schlagens, gedämpft durch Boden und Wände, erreichten sie in ihrem Kinderzimmer – und so wurden die Kinder des Schmiedes durch dieses „Eisenlied der harten Arbeit“ in den Schlaf gewiegt.
Oh, Wehe über Wehe! Oh, Tod – warum kannst du nicht manchmal rechtzeitig kommen? Hättest du diesen alten Schmied schon vor seinem völligen Untergang zu dir genommen, dann hätte die junge Witwe einen erträglichen Kummer gehabt, und ihre Waisenkinder hätten in ihren späteren Jahren einen wirklich ehrenwerten, legendären Vater zum Träumen gehabt. Doch der Tod nahm einen tugendhaften älteren Bruder mit sich – auf dessen täglicher Arbeit alle Verantwortungen für eine andere Familie beruhten – und ließ den nutzlosen alten Mann zurück, bis die schreckliche Verwesung des Lebens es einfacher machte, ihn zu holen.
Warum alles erzählen? Die Schläge des Hammers im Keller wurden von Tag zu Tag schwächer; die Frau saß regungslos am Fenster, mit tränenlosen Augen, und blickte in die weinenden Gesichter ihrer Kinder. Die Blasebälge versagten, die Esse wurde von Asche verstopft, das Haus wurde verkauft. Die Mutter stürzte sich ins lange Gras des Kirchhofs – ihre Kinder folgten ihr zweimal dorthin. Der obdachlose, familienlose alte Mann taumelte als Landstreicher dahin; all sein Leid blieb unberücksichtigt, sein graues Haar wurde verspottet…
Der Tod scheint die einzige mögliche Folge für ein solches Schicksal zu sein – doch der Tod ist nur der Beginn eines Weges in die Welt des Unbekannten, des Unerschlossenen. Er ist lediglich der erste Gruß an die Möglichkeiten dessen, was unermesslich weit, wild und unkontrollierbar ist. Deshalb breitet sich vor den sehnsüchtigen Augen solcher Menschen, die noch etwas innere Skrupel gegenüber dem Selbstmord haben, der allumfassende Ozean verlockend über seine ganze Weite aus.
Oh, Wehe über Wehe! Oh, Tod – warum kannst du nicht manchmal rechtzeitig kommen? Hättest du diesen alten Schmied schon vor seinem völligen Untergang zu dir genommen, dann hätte die junge Witwe einen erträglichen Kummer gehabt, und ihre Waisenkinder hätten in ihren späteren Jahren einen wirklich ehrenwerten, legendären Vater zum Träumen gehabt. Doch der Tod nahm einen tugendhaften älteren Bruder mit sich – auf dessen täglicher Arbeit alle Verantwortungen für eine andere Familie beruhten – und ließ den nutzlosen alten Mann zurück, bis die schreckliche Verwesung des Lebens es einfacher machte, ihn zu holen.
Warum alles erzählen? Die Schläge des Hammers im Keller wurden von Tag zu Tag schwächer; die Frau saß regungslos am Fenster, mit tränenlosen Augen, und blickte in die weinenden Gesichter ihrer Kinder. Die Blasebälge versagten, die Esse wurde von Asche verstopft, das Haus wurde verkauft. Die Mutter stürzte sich ins lange Gras des Kirchhofs – ihre Kinder folgten ihr zweimal dorthin. Der obdachlose, familienlose alte Mann taumelte als Landstreicher dahin; all sein Leid blieb unberücksichtigt, sein graues Haar wurde verspottet…
Der Tod scheint die einzige mögliche Folge für ein solches Schicksal zu sein – doch der Tod ist nur der Beginn eines Weges in die Welt des Unbekannten, des Unerschlossenen. Er ist lediglich der erste Gruß an die Möglichkeiten dessen, was unermesslich weit, wild und unkontrollierbar ist. Deshalb breitet sich vor den sehnsüchtigen Augen solcher Menschen, die noch etwas innere Skrupel gegenüber dem Selbstmord haben, der allumfassende Ozean verlockend über seine ganze Weite aus.
Page 525
Von unvorstellbaren Schrecken und wunderbaren Abenteuern des neuen Lebens – und aus den Tiefen des unendlichen Pazifiks singen die tausend Meerjungfrauen ihnen zu: „Kommt her, Herzbrüchige! Hier gibt es ein neues Leben ohne die Schuld des Zwischensterbens; hier gibt es übernatürliche Wunder – ohne dafür sterben zu müssen. Kommt her! Vergräbt euch in einem Leben, das für eure nun gleichermaßen verhasste Welt mehr wie der Tod ist. Kommt her! Stellt auch euren Grabstein auf den Friedhof – und kommt her, bis wir euch heiraten!“ Auf diese Rufe hin antwortete die Seele des Schmieds, im Osten wie im Westen, bei Tagesanbruch und bei Einbruch der Dämmerung: „Ja, ich komme!“ Und so zog Perth zur Walfangfahrt.
Page 526
KAPITEL 113. Die Schmiede.
Mit einem verfilzten Bart und in einem borstigen, haifischledernen Schürzenrock stand Perth gegen Mittag zwischen seiner Schmiede und dem Amboss – dieser wiederum auf einem eisenholzernen Stamm platziert. Mit einer Hand hielt er einen Speerschaft aus den Kohlen, mit der anderen umklammerte er die Zange seiner Schmiede. In diesem Moment kam Kapitän Ahab daher, in der Hand trug er eine kleine, rostig aussehende Ledertasche. Noch etwas entfernt von der Schmiede blieb der düstere Ahab stehen; schließlich zog Perth seinen Eisengegenstand aus dem Feuer und begann, darauf auf den Amboss zu schlagen – dabei sprühten dicke Funken in die Luft, einige davon flogen sogar in die Nähe von Ahab.
„Sind das deine ‚Mutter-Karey-Hühner‘, Perth? Sie fliegen stets hinter dir her; es sind auch Vögel gutes Omen – aber nicht für alle. Sieh nur: Sie brennen – doch du lebst unter ihnen, ohne verbrannt zu werden.“
„Weil ich bereits überall verbrannt bin, Kapitän Ahab“, antwortete Perth und legte für einen Moment die Zange beiseite. „Ich bin bereits zu sehr verbrannt – man kann keine Narben mehr leicht verbrennen.“
„Nun gut, genug. Deine Stimme klingt zu ruhig, zu vernünftig – für mich. Selbst im Paradies kann ich jede Art von Leid bei anderen nicht ertragen, solange es nicht wahnsinnig ist. Du solltest verrückt werden, Schmied – warum wirst du nicht verrückt? Wie kannst du es aushalten, ohne verrückt zu werden? Hassen dich die Himmel etwa immer noch so sehr, dass du nicht verrückt werden kannst? Was hast du da gemacht?“
„Ich habe einen alten Speerschaft verschweißen wollen, Sir – er hatte Risse und Dellen.“
„Und kannst du ihn nach solcher Belastung wieder glatt machen, Schmied?“
„Ich denke schon, Sir.“
„Ich nehme an, du kannst fast alle Risse und Dellen glätten – egal wie hart das Metall ist, oder?“
„Ja, Sir, ich glaube schon – alle Risse und Dellen außer einem.“
„Dann sieh mal her!“, rief Ahab und trat leidenschaftlich vor, stützte beide Hände auf Perths Schultern. „Kannst du einen solchen Riss glätten, Schmied?“, fragte er und strich mit einer Hand über seine gerunzelte Stirn. „Wenn du es könntest, Schmied, dann würde ich gerne meine…“
Mit einem verfilzten Bart und in einem borstigen, haifischledernen Schürzenrock stand Perth gegen Mittag zwischen seiner Schmiede und dem Amboss – dieser wiederum auf einem eisenholzernen Stamm platziert. Mit einer Hand hielt er einen Speerschaft aus den Kohlen, mit der anderen umklammerte er die Zange seiner Schmiede. In diesem Moment kam Kapitän Ahab daher, in der Hand trug er eine kleine, rostig aussehende Ledertasche. Noch etwas entfernt von der Schmiede blieb der düstere Ahab stehen; schließlich zog Perth seinen Eisengegenstand aus dem Feuer und begann, darauf auf den Amboss zu schlagen – dabei sprühten dicke Funken in die Luft, einige davon flogen sogar in die Nähe von Ahab.
„Sind das deine ‚Mutter-Karey-Hühner‘, Perth? Sie fliegen stets hinter dir her; es sind auch Vögel gutes Omen – aber nicht für alle. Sieh nur: Sie brennen – doch du lebst unter ihnen, ohne verbrannt zu werden.“
„Weil ich bereits überall verbrannt bin, Kapitän Ahab“, antwortete Perth und legte für einen Moment die Zange beiseite. „Ich bin bereits zu sehr verbrannt – man kann keine Narben mehr leicht verbrennen.“
„Nun gut, genug. Deine Stimme klingt zu ruhig, zu vernünftig – für mich. Selbst im Paradies kann ich jede Art von Leid bei anderen nicht ertragen, solange es nicht wahnsinnig ist. Du solltest verrückt werden, Schmied – warum wirst du nicht verrückt? Wie kannst du es aushalten, ohne verrückt zu werden? Hassen dich die Himmel etwa immer noch so sehr, dass du nicht verrückt werden kannst? Was hast du da gemacht?“
„Ich habe einen alten Speerschaft verschweißen wollen, Sir – er hatte Risse und Dellen.“
„Und kannst du ihn nach solcher Belastung wieder glatt machen, Schmied?“
„Ich denke schon, Sir.“
„Ich nehme an, du kannst fast alle Risse und Dellen glätten – egal wie hart das Metall ist, oder?“
„Ja, Sir, ich glaube schon – alle Risse und Dellen außer einem.“
„Dann sieh mal her!“, rief Ahab und trat leidenschaftlich vor, stützte beide Hände auf Perths Schultern. „Kannst du einen solchen Riss glätten, Schmied?“, fragte er und strich mit einer Hand über seine gerunzelte Stirn. „Wenn du es könntest, Schmied, dann würde ich gerne meine…“
Page 527
„Leg deinen Kopf auf die Ambossplatte – und spüre meinen schwersten Hammer zwischen deinen Augen. Antworte! Kannst du diese Naht glätten?“
„Oh! Das ist es, Herr! Habe ich nicht gesagt, dass alle Fugen und Unebenheiten nur eine sind?“
„Ja, Schmied – es ist tatsächlich die eine. Ja, Mann – sie lässt sich nicht glätten. Denn obwohl du sie hier nur in meinem Fleisch siehst, hat sie sich bereits bis in den Knochen meines Schädels fortgefressen – das sind alles Falten! Aber genug mit Kinderspielen; heute keine weiteren Tricks mehr. Schau her!“ Er ließ die Ledertasche klingen, als wäre sie voller Goldmünzen. „Auch ich möchte einen Harpunenstachel haben – einen, den tausend Dämonen nicht voneinander trennen könnten, Perth. Etwas, das in einen Wal wie sein eigener Finnenknochen eindringt. Da ist das Material“, sagte er und warf die Tasche auf den Amboss. „Schau, Schmied – das sind die abgebrochenen Nägel von den Hufeisen rennender Pferde.“
„Hufeisenreste, Herr? Nun, Kapitän Ahab – dann haben Sie hier das beste und zäheste Material, mit dem wir Schmiede je gearbeitet haben.“
„Ich weiß es, alter Mann. Diese Reste werden wie Klebstoff durch die geschmolzenen Knochen von Mördern miteinander verschmolzen. Schnell! Schmiede mir die Harpunenstange. Zuerst sollst du zwölf Stäbe für ihren Schaft herstellen; anschließend sollst du diese zwölf Stäbe wie Fäden zu einer einzigen Stange verbinden. Schnell! Ich werde das Feuer anfachen.“
Als schließlich die zwölf Stäbe fertig waren, prüfte Ahab sie nacheinander, indem er sie mit eigenen Händen um einen langen, schweren Eisennagel wand. „Ein Mangel!“, sagte er und lehnte den letzten Stab ab. „Arbeite daran noch einmal, Perth.“
Nachdem dies erledigt war, wollte Perth die zwölf Stäbe miteinander verschmelzen – doch Ahab hielt ihn zurück und sagte, er wolle den Eisenstab selbst verschmelzen. Während er mit regelmäßigen Schlägen auf den Amboss hämmerte, reichte Perth ihm die glühenden Stäbe nacheinander. Aus der Esse schossen intensive Flammen empor. Der Parsi ging leise davon, neigte seinen Kopf zum Feuer und schien einen Fluch oder ein Gebet über diese Arbeit auszusprechen. Doch als Ahab aufblickte, zog sich der Parsi zur Seite.
„Was macht denn diese Gruppe von Kerlen da herum?“, murmelte Stubb, der vom Vordeck aus zusah. „Der Parsi riecht Feuer – genau wie ein Zündholz. Und er selbst riecht auch nach Feuer, wie ein heißer Musketenpulverbehälter.“
Schließlich wurde der Schaft in einer einzigen, vollständigen Stange endgültig erhitzt. Als Perth ihn, um ihn abzukühlen, mit einem Zischen in den nahegelegenen Wassereimer tauchte, schoss dampfender Dampf in Ahabs Gesicht.
„Oh! Das ist es, Herr! Habe ich nicht gesagt, dass alle Fugen und Unebenheiten nur eine sind?“
„Ja, Schmied – es ist tatsächlich die eine. Ja, Mann – sie lässt sich nicht glätten. Denn obwohl du sie hier nur in meinem Fleisch siehst, hat sie sich bereits bis in den Knochen meines Schädels fortgefressen – das sind alles Falten! Aber genug mit Kinderspielen; heute keine weiteren Tricks mehr. Schau her!“ Er ließ die Ledertasche klingen, als wäre sie voller Goldmünzen. „Auch ich möchte einen Harpunenstachel haben – einen, den tausend Dämonen nicht voneinander trennen könnten, Perth. Etwas, das in einen Wal wie sein eigener Finnenknochen eindringt. Da ist das Material“, sagte er und warf die Tasche auf den Amboss. „Schau, Schmied – das sind die abgebrochenen Nägel von den Hufeisen rennender Pferde.“
„Hufeisenreste, Herr? Nun, Kapitän Ahab – dann haben Sie hier das beste und zäheste Material, mit dem wir Schmiede je gearbeitet haben.“
„Ich weiß es, alter Mann. Diese Reste werden wie Klebstoff durch die geschmolzenen Knochen von Mördern miteinander verschmolzen. Schnell! Schmiede mir die Harpunenstange. Zuerst sollst du zwölf Stäbe für ihren Schaft herstellen; anschließend sollst du diese zwölf Stäbe wie Fäden zu einer einzigen Stange verbinden. Schnell! Ich werde das Feuer anfachen.“
Als schließlich die zwölf Stäbe fertig waren, prüfte Ahab sie nacheinander, indem er sie mit eigenen Händen um einen langen, schweren Eisennagel wand. „Ein Mangel!“, sagte er und lehnte den letzten Stab ab. „Arbeite daran noch einmal, Perth.“
Nachdem dies erledigt war, wollte Perth die zwölf Stäbe miteinander verschmelzen – doch Ahab hielt ihn zurück und sagte, er wolle den Eisenstab selbst verschmelzen. Während er mit regelmäßigen Schlägen auf den Amboss hämmerte, reichte Perth ihm die glühenden Stäbe nacheinander. Aus der Esse schossen intensive Flammen empor. Der Parsi ging leise davon, neigte seinen Kopf zum Feuer und schien einen Fluch oder ein Gebet über diese Arbeit auszusprechen. Doch als Ahab aufblickte, zog sich der Parsi zur Seite.
„Was macht denn diese Gruppe von Kerlen da herum?“, murmelte Stubb, der vom Vordeck aus zusah. „Der Parsi riecht Feuer – genau wie ein Zündholz. Und er selbst riecht auch nach Feuer, wie ein heißer Musketenpulverbehälter.“
Schließlich wurde der Schaft in einer einzigen, vollständigen Stange endgültig erhitzt. Als Perth ihn, um ihn abzukühlen, mit einem Zischen in den nahegelegenen Wassereimer tauchte, schoss dampfender Dampf in Ahabs Gesicht.
Page 528
„Würdest du mich brandmarken, Perth?“, fragte er und zuckte vor Schmerz zusammen. „Habe ich etwa selbst das Brandeisen hergestellt?“ „Gott bewahre – doch ich fürchte etwas, Kapitän Ahab. Ist dieses Harpunenende nicht für den Weißen Wal?“ „Für den weißen Teufel! Aber nun zu den Stacheln – du musst sie selbst herstellen, Mann. Hier sind meine Rasiermesser – aus dem besten Stahl. Mach die Stacheln scharf wie die Nadeln des eisigen Meeres.“ Für einen Moment betrachtete der alte Schmied die Rasiermesser, als würde er sie am liebsten nicht benutzen. „Nimm sie, Mann – ich brauche sie nicht mehr. Ich rasiere mich nicht mehr, esse nicht mehr und bete auch nicht mehr – aber hier: An die Arbeit!“ Schließlich wurde das Metall in Form einer Pfeilspitze gebracht und von Perth am Schaft befestigt. Als der Schmied gerade die Stacheln noch einmal erhitzen wollte, bevor er sie härten ließ, rief er Ahab zu, den Wasserschlauch in die Nähe zu bringen. „Nein, kein Wasser dafür – ich brauche die wahre Todeshärte. He, Tashtego, Queequeg, Daggoo! Was sagt ihr, Heiden? Wollt ihr mir genug Blut geben, um diese Stacheln zu bedecken?“ Er hielt sie hoch in die Luft. Eine Reihe von dunklen Nicken antwortete mit „Ja“. Drei Stiche wurden in das Fleisch der Heiden gemacht – und so wurden die Stacheln des Weißen Wals gehärtet. „Ego non baptizo te in nomine patris, sed in nomine diaboli!“, heulte Ahab delirierend, während das bösartige Metall das Blut verschlang. Nun sammelte Ahab die übrigen Stangen vom Boden auf und wählte eine aus Hickoryholz, deren Rinde noch daran haftete. Er setzte das eine Ende dieser Stange in die Öffnung des Eisens. Anschließend wurde ein neuer Seilstrang entrollt, einige Meter davon zum Windenapparat gebracht und bis zur maximalen Spannung gezogen. Ahab drückte seinen Fuß darauf, bis das Seil wie eine Harfensaite summte. Dann beugte er sich eifrig darüber – und als er keine Knoten feststecken sah, rief er: „Gut! Und nun zu den Befestigungen.“ Am einen Ende wurde das Seil entwirrt, die einzelnen Fäden wurden geflochten und um die Öffnung der Harpune gewickelt. Anschließend wurde die Stange fest in die Öffnung gedrückt. Vom unteren Ende aus wurde das Seil die Hälfte der Länge der Stange entlang geführt und dort mit Zwirn festgebunden. Nun blieben Stange, Eisen und Seil – wie die Drei Schicksalsgöttinnen – untrennbar zusammen. Ahab ging düster mit der Waffe davon.
Page 529
Sein elfenbeinfarbenes Bein – sowie das Geräusch des Hickorystocks, das in allen Planken nachhallte – doch bevor er seine Kabine betrat, war ein helles, unnatürliches, halb spöttisches, doch zugleich äußerst herzzerreißendes Geräusch zu hören. Oh, Pip! Dein elender Lachen, dein untätiger, doch unruhiger Blick – all deine seltsamen Possen vermischten sich auf bedeutsame Weise mit der düsteren Tragödie des melancholischen Schiffes und verspotteten sie!
Page 530
KAPITEL 114. Der Vergolder.
Je weiter die Pequod in das Herz der japanischen Walfanggebiete vordrang, desto mehr wurde sie zum Zentrum des Fischfangs. Oft, bei mildem, angenehmem Wetter, arbeiteten die Männer zwölf, fünfzehn, achtzehn oder sogar zwanzig Stunden lang ununterbrochen – entweder ruderten sie, segelten oder verfolgten die Wale, oder sie warteten in Ruhe etwa sechzig bis siebzig Minuten lang darauf, dass diese wieder an die Oberfläche kamen – doch mit nur geringem Erfolg.
In solchen Momenten, bei schwächer werdendem Sonnenlicht, auf dem Wasser auf glatten, sanft wellenden Wellen, saß man in dem leicht wie eine Birkenkanoe gebauten Boot und vermischte sich so harmonisch mit den sanften Wellen, dass sie wie Katzen an der Bordwand „maunzten“. Das waren Zeiten traumhafter Stille – in denen man bei Anblick der ruhigen Schönheit und Pracht der Meeresoberfläche das „Tigerherz“ vergaß, das darunter schlug; man wollte nicht daran erinnert werden, dass unter dieser „Samtpranke“ ein gnadenloser Fang verborgen war.
In solchen Momenten spürte der Mann im Walfangboot ein gewisses, kindliches, selbstbewusstes Gefühl gegenüber dem Meer – er betrachtete es als etwas Ähnliches wie fruchtbaren Boden. Das ferne Schiff, dessen Mastspitzen nur zu sehen waren, schien nicht durch hohe Wellen, sondern durch hohes Gras auf einer weiten Prärie voranzukommen – genauso wie die Pferde der westlichen Einwanderer, deren Ohren sichtbar waren, während ihr Körper im üppigen Gras unterwegs war.
Die langgezogenen, unberührten Täler, die sanft blauen Hügel – darüber legte sich Stille, ein leises Summen. Man hätte fast meinen können, dass spielende Kinder in diesen einsamen Orten schliefen, an einem fröhlichen Mai-Tag, wenn die Blumen im Wald gepflückt wurden. All das vermischte sich mit der mystischsten Stimmung – Fakt und Fantasie trafen sich zur Hälfte, durchdrangen einander und bildeten ein nahtloses Ganzes.
Auch solche beruhigenden Szenen, so vorübergehend sie auch sein mochten, hatten zumindest einen ebenso vorübergehenden Effekt auf Ahab. Doch obwohl diese „geheimen goldenen Schlüssel“ in ihm seine eigenen geheimen „goldenen Schätze“ zu öffnen schienen, erwies sich sein Einfluss darauf doch nur als zerstörerisch.
Je weiter die Pequod in das Herz der japanischen Walfanggebiete vordrang, desto mehr wurde sie zum Zentrum des Fischfangs. Oft, bei mildem, angenehmem Wetter, arbeiteten die Männer zwölf, fünfzehn, achtzehn oder sogar zwanzig Stunden lang ununterbrochen – entweder ruderten sie, segelten oder verfolgten die Wale, oder sie warteten in Ruhe etwa sechzig bis siebzig Minuten lang darauf, dass diese wieder an die Oberfläche kamen – doch mit nur geringem Erfolg.
In solchen Momenten, bei schwächer werdendem Sonnenlicht, auf dem Wasser auf glatten, sanft wellenden Wellen, saß man in dem leicht wie eine Birkenkanoe gebauten Boot und vermischte sich so harmonisch mit den sanften Wellen, dass sie wie Katzen an der Bordwand „maunzten“. Das waren Zeiten traumhafter Stille – in denen man bei Anblick der ruhigen Schönheit und Pracht der Meeresoberfläche das „Tigerherz“ vergaß, das darunter schlug; man wollte nicht daran erinnert werden, dass unter dieser „Samtpranke“ ein gnadenloser Fang verborgen war.
In solchen Momenten spürte der Mann im Walfangboot ein gewisses, kindliches, selbstbewusstes Gefühl gegenüber dem Meer – er betrachtete es als etwas Ähnliches wie fruchtbaren Boden. Das ferne Schiff, dessen Mastspitzen nur zu sehen waren, schien nicht durch hohe Wellen, sondern durch hohes Gras auf einer weiten Prärie voranzukommen – genauso wie die Pferde der westlichen Einwanderer, deren Ohren sichtbar waren, während ihr Körper im üppigen Gras unterwegs war.
Die langgezogenen, unberührten Täler, die sanft blauen Hügel – darüber legte sich Stille, ein leises Summen. Man hätte fast meinen können, dass spielende Kinder in diesen einsamen Orten schliefen, an einem fröhlichen Mai-Tag, wenn die Blumen im Wald gepflückt wurden. All das vermischte sich mit der mystischsten Stimmung – Fakt und Fantasie trafen sich zur Hälfte, durchdrangen einander und bildeten ein nahtloses Ganzes.
Auch solche beruhigenden Szenen, so vorübergehend sie auch sein mochten, hatten zumindest einen ebenso vorübergehenden Effekt auf Ahab. Doch obwohl diese „geheimen goldenen Schlüssel“ in ihm seine eigenen geheimen „goldenen Schätze“ zu öffnen schienen, erwies sich sein Einfluss darauf doch nur als zerstörerisch.
Page 531
Oh, grasbewachsene Lichtungen! Oh, ewig frühlingshafte, endlose Landschaften in der Seele – in ihnen können die Menschen, auch wenn sie lange Zeit unter der trockenen Dürre des irdischen Lebens litten, wie junge Pferde im neuen Morgentau grasen und für einige flüchtige Momente den kühlen Tau des unsterblichen Lebens auf sich spüren. Möge Gott doch wollen, dass diese gesegneten Ruhezeiten andauern würden. Doch die miteinander verflochtenen Fäden des Lebens sind aus Schuss- und Zwirnfäden gewoben: Ruhezeiten, durchbrochen von Stürmen – ein Sturm für jede Ruhezeit. In diesem Leben gibt es keinen stetigen, unumkehrbaren Fortschritt; wir machen keine Fortschritte durch feste Stufen, und schließlich halten wir inne – durch den unbewussten Zauber der Kindheit, den gedankenlosen Glauben der Jugend, den Zweifel der Adoleszenz (das gemeinsame Schicksal), dann den Skeptizismus, schließlich das Nachdenken des Erwachsenenalters. Doch einmal durchgemacht, gehen wir den Kreislauf erneut durch – und sind ewig Kinder, Jungen, Erwachsene. Wo liegt der endgültige Hafen, von dem aus wir nicht mehr ablegen? In welchem himmlischen Raum segelt die Welt, von der selbst der Müdeste niemals müde wird? Wo ist der Vater des Findlings verborgen? Unsere Seelen sind wie die Waisenkinder, deren unverheiratete Mütter bei der Geburt sterben – das Geheimnis unserer Abstammung liegt in ihrem Grab, und dorthin müssen wir gehen, um es zu erfahren.
Und an jenemselben Tag blickte Starbuck vom Rande seines Bootes tief in das goldene Meer hinein und flüsterte demütig:
„Unergründliche Schönheit – wie jeder Liebende sie in den Augen seiner jungen Braut sah! Sag mir nichts von deinen zahnreichen Haien oder deinen grausamen Kannibalenmethoden. Lass den Glauben die Wirklichkeit verdrängen; lass die Fantasie die Erinnerung verdrängen – ich blicke tief hinein und glaube daran.“
Und Stubb, wie ein Fisch mit glänzenden Schuppen, sprang in diesem goldenen Licht empor:
„Ich bin Stubb – und Stubb hat seine Geschichte. Doch hier schwört Stubb, dass er immer fröhlich war!“
Und an jenemselben Tag blickte Starbuck vom Rande seines Bootes tief in das goldene Meer hinein und flüsterte demütig:
„Unergründliche Schönheit – wie jeder Liebende sie in den Augen seiner jungen Braut sah! Sag mir nichts von deinen zahnreichen Haien oder deinen grausamen Kannibalenmethoden. Lass den Glauben die Wirklichkeit verdrängen; lass die Fantasie die Erinnerung verdrängen – ich blicke tief hinein und glaube daran.“
Und Stubb, wie ein Fisch mit glänzenden Schuppen, sprang in diesem goldenen Licht empor:
„Ich bin Stubb – und Stubb hat seine Geschichte. Doch hier schwört Stubb, dass er immer fröhlich war!“
Page 532
KAPITEL 115: Die Pequod trifft auf die Bachelor
Einige Wochen nachdem Abahabs Harpunen angefertigt worden waren, kamen fröhliche Anblicke und Geräusche mit dem Wind heran. Es handelte sich um das Schiff aus Nantucket – die Bachelor –, das gerade seinen letzten Fass Öl geladen hatte und seine Luken verschlossen hatte. Nun segelte es in fröhlicher Feiertagskleidung, zwar etwas prahlerisch, aber dennoch fröhlich, zwischen den weit voneinander entfernten Schiffen umher, bevor es Kurs auf Heimat nahm.
Die drei Männer an der Mastspitze trugen lange Bänder aus schmalen roten Flaggen an ihren Hüten; vom Heck her hing ein Walboot kopfüber herab; an der Bugspitze baumelte der lange Unterkiefer des letzten getöteten Wals. Von allen Seiten wehten Signale, Flaggen und andere Symbole in allen Farben von ihrem Segeltuch. An jedem der drei oberen Aufbauten waren zwei Fässer mit Sperma befestigt; darüber, in den Querstreben des Hauptmastes, sah man weitere Behälter mit diesem wertvollen Stoff. An dem Hauptmast war außerdem eine Bronzelampe befestigt.
Wie später herauskam, hatte die Bachelor außergewöhnlichen Erfolg gehabt – umso erstaunlicher, da zahlreiche andere Schiffe in denselben Gewässern monatelang ohne einen einzigen Fang auskamen. Nicht nur wurden Fässer mit Fleisch und Brot verschenkt, um Platz für das viel wertvollere Sperma zu schaffen, sondern auch zusätzliche Fässer wurden gegen Waren von anderen Schiffen eingetauscht. Diese wurden auf dem Deck sowie in den Kabinen des Kapitäns und der Offiziere gelagert. Selbst der Tisch in der Kabine wurde zu Brennholz zerschlagen; die Besatzung aß von dem Ölbehälter, der am Boden festgebunden war. Im Vorschiff hatten die Seeleute ihre Truhen abgedichtet und mit Sperma gefüllt. Es wurde sogar scherzhaft erwähnt, dass der Koch seinem größten Kessel einen Deckel aufgesetzt und ihn gefüllt hatte; der Steward hatte seinen Ersatzkaffeebecher verschlossen und ihn gefüllt; die Harpunenschützen hatten die Öffnungen ihrer Harpunen gefüllt. Tatsächlich war alles mit Sperma gefüllt – außer den Taschen der Kapitänshose, die er für sich selbst reservierte, um damit seine vollkommene Zufriedenheit zu zeigen.
Einige Wochen nachdem Abahabs Harpunen angefertigt worden waren, kamen fröhliche Anblicke und Geräusche mit dem Wind heran. Es handelte sich um das Schiff aus Nantucket – die Bachelor –, das gerade seinen letzten Fass Öl geladen hatte und seine Luken verschlossen hatte. Nun segelte es in fröhlicher Feiertagskleidung, zwar etwas prahlerisch, aber dennoch fröhlich, zwischen den weit voneinander entfernten Schiffen umher, bevor es Kurs auf Heimat nahm.
Die drei Männer an der Mastspitze trugen lange Bänder aus schmalen roten Flaggen an ihren Hüten; vom Heck her hing ein Walboot kopfüber herab; an der Bugspitze baumelte der lange Unterkiefer des letzten getöteten Wals. Von allen Seiten wehten Signale, Flaggen und andere Symbole in allen Farben von ihrem Segeltuch. An jedem der drei oberen Aufbauten waren zwei Fässer mit Sperma befestigt; darüber, in den Querstreben des Hauptmastes, sah man weitere Behälter mit diesem wertvollen Stoff. An dem Hauptmast war außerdem eine Bronzelampe befestigt.
Wie später herauskam, hatte die Bachelor außergewöhnlichen Erfolg gehabt – umso erstaunlicher, da zahlreiche andere Schiffe in denselben Gewässern monatelang ohne einen einzigen Fang auskamen. Nicht nur wurden Fässer mit Fleisch und Brot verschenkt, um Platz für das viel wertvollere Sperma zu schaffen, sondern auch zusätzliche Fässer wurden gegen Waren von anderen Schiffen eingetauscht. Diese wurden auf dem Deck sowie in den Kabinen des Kapitäns und der Offiziere gelagert. Selbst der Tisch in der Kabine wurde zu Brennholz zerschlagen; die Besatzung aß von dem Ölbehälter, der am Boden festgebunden war. Im Vorschiff hatten die Seeleute ihre Truhen abgedichtet und mit Sperma gefüllt. Es wurde sogar scherzhaft erwähnt, dass der Koch seinem größten Kessel einen Deckel aufgesetzt und ihn gefüllt hatte; der Steward hatte seinen Ersatzkaffeebecher verschlossen und ihn gefüllt; die Harpunenschützen hatten die Öffnungen ihrer Harpunen gefüllt. Tatsächlich war alles mit Sperma gefüllt – außer den Taschen der Kapitänshose, die er für sich selbst reservierte, um damit seine vollkommene Zufriedenheit zu zeigen.
Page 533
Während dieses glückbringende Schiff auf den düsteren Pequod zusteuerte, drang vom Vorderdeck desselben der barbarische Klang riesiger Trommeln herüber. Als das Schiff noch näher kam, wurde eine Gruppe seiner Besatzungsmitglieder sichtbar, die um die riesigen Kessel standen. Diese Kessel waren mit der pergamentartigen Haut der schwarzen Fische bedeckt und stießen bei jedem Schlag der Hände der Besatzung laute Geräusche aus. Auf dem Quarterdeck tanzten die Matrosen sowie die Harpunenwerfer mit den olivhäutigen Mädchen, die mit ihnen von den polynesischen Inseln geflohen waren. In einem geschmückten Boot, fest zwischen dem Vor- und Hauptmast befestigt, überwachten drei Schwarze aus Long Island, deren Geigenbögen aus Walrosszahn funkelten, den fröhlichen Tanz. In der Zwischenzeit waren andere Besatzungsmitglieder damit beschäftigt, die Mauern der Anlagen abzureißen, aus denen die riesigen Kessel entfernt worden waren. Man hätte fast meinen können, sie würden die verfluchte Bastille einreißen – so wilde Schreie stießen sie aus, während der nun nutzlose Ziegelstein und Mörtel ins Meer geworfen wurden.
Der Kapitän stand aufrecht auf dem erhöhten Quarterdeck des Schiffes und hatte somit das ganze Fest vor Augen. Es schien, als wäre all das nur zu seinem eigenen Vergnügen inszeniert worden. Auch Ahab stand auf seinem Quarterdeck – unrasiert, dunkelhäutig und von grimmiger Stimmung erfüllt. Während die beiden Schiffe aneinander vorbeifuhren – eines voller Freude über das Vergangene, das andere voller Befürchtungen bezüglich der Zukunft – verkörperten ihre Kapitäne den ganzen Kontrast dieser Szene.
„Komm an Bord!“, rief der fröhliche Kommandant und hob ein Glas sowie eine Flasche in die Luft.
„Hast du den Weißen Wal gesehen?“, fragte Ahab grimmig.
„Nein; ich habe nur davon gehört. Aber ich glaube überhaupt nicht daran“, antwortete der andere gutgelaunt. „Komm an Bord!“
„Du bist viel zu fröhlich. Setz die Reise fort. Hast du Männer verloren?“
„Nicht genug, um darüber zu sprechen – nur zwei Insulaner. Aber komm an Bord, alter Freund. Ich werde dir bald diese Sorgen von der Stirn nehmen. Komm schon – es ist doch eine Freude! Das Schiff ist voll und auf dem Heimweg.“
„Wie seltsam vertraut ein Narr doch sein kann!“, murmelte Ahab. Dann laut: „Du sagst, das Schiff sei voll und auf dem Heimweg – na gut, dann nenne mich doch leer.“
Der Kapitän stand aufrecht auf dem erhöhten Quarterdeck des Schiffes und hatte somit das ganze Fest vor Augen. Es schien, als wäre all das nur zu seinem eigenen Vergnügen inszeniert worden. Auch Ahab stand auf seinem Quarterdeck – unrasiert, dunkelhäutig und von grimmiger Stimmung erfüllt. Während die beiden Schiffe aneinander vorbeifuhren – eines voller Freude über das Vergangene, das andere voller Befürchtungen bezüglich der Zukunft – verkörperten ihre Kapitäne den ganzen Kontrast dieser Szene.
„Komm an Bord!“, rief der fröhliche Kommandant und hob ein Glas sowie eine Flasche in die Luft.
„Hast du den Weißen Wal gesehen?“, fragte Ahab grimmig.
„Nein; ich habe nur davon gehört. Aber ich glaube überhaupt nicht daran“, antwortete der andere gutgelaunt. „Komm an Bord!“
„Du bist viel zu fröhlich. Setz die Reise fort. Hast du Männer verloren?“
„Nicht genug, um darüber zu sprechen – nur zwei Insulaner. Aber komm an Bord, alter Freund. Ich werde dir bald diese Sorgen von der Stirn nehmen. Komm schon – es ist doch eine Freude! Das Schiff ist voll und auf dem Heimweg.“
„Wie seltsam vertraut ein Narr doch sein kann!“, murmelte Ahab. Dann laut: „Du sagst, das Schiff sei voll und auf dem Heimweg – na gut, dann nenne mich doch leer.“
Page 534
„In See – und nach draußen! Also geh deinen Weg, und ich werde meinen gehen. Vorwärts!“
„Setzt alle Segel und haltet euch im Wind!“
Und so segelte, während das eine Schiff fröhlich mit der Brise vorankam, das andere stur dagegen an; so trennten sich die beiden Schiffe. Die Besatzung der Pequod blickte mit ernsten, nachdenklichen Blicken auf das sich entfernende Schiff – doch die Männer des anderen Schiffes achteten gar nicht auf ihre Blicke, da sie sich in ausgelassener Feierstimmung befanden. Während Ahab über die Reling gebeugt das nach Hause segelnde Schiff beobachtete, holte er eine kleine Phiole mit Sand aus seiner Tasche. Dann blickte er abwechselnd vom Schiff zur Phiole – als wolle er damit zwei weit voneinander entfernte Dinge miteinander verbinden. Denn diese Phiole war mit Proben vom Meeresboden von Nantucket gefüllt.
„Setzt alle Segel und haltet euch im Wind!“
Und so segelte, während das eine Schiff fröhlich mit der Brise vorankam, das andere stur dagegen an; so trennten sich die beiden Schiffe. Die Besatzung der Pequod blickte mit ernsten, nachdenklichen Blicken auf das sich entfernende Schiff – doch die Männer des anderen Schiffes achteten gar nicht auf ihre Blicke, da sie sich in ausgelassener Feierstimmung befanden. Während Ahab über die Reling gebeugt das nach Hause segelnde Schiff beobachtete, holte er eine kleine Phiole mit Sand aus seiner Tasche. Dann blickte er abwechselnd vom Schiff zur Phiole – als wolle er damit zwei weit voneinander entfernte Dinge miteinander verbinden. Denn diese Phiole war mit Proben vom Meeresboden von Nantucket gefüllt.
Page 535
KAPITEL 116. Der sterbende Wal.
Oft schon im Leben, wenn auf der rechten Seite die Begünstigten des Schicksals in unserer Nähe segeln, können wir, obwohl wir alle gesenkt sind, etwas von dem wehenden Wind spüren und freudig feststellen, wie sich unsere Segel füllen. So war es auch mit der Pequod. Denn am Tag nach dem Zusammentreffen mit dem „fröhlichen Junggesellen“ wurden Wale gesichtet, und vier davon wurden getötet – einer davon von Ahab.
Es war bereits spät am Nachmittag; als alle Angriffe beendet waren und Sonne sowie Wal gemeinsam im schönen Abendlicht des Meeres und Himmels still starben, herrschte dort eine solche Zärtlichkeit und Melancholie, solche Gebete, die in der rosigen Luft schwebten, dass es fast schien, als wäre aus den tiefgrünen Tälern der Manilla-Inseln der spanische Landwind, der sich in einen Seefahrer verwandelt hatte, mit diesen Abendliedern hinaus aufs Meer gefahren.
Ahab, der sich vom Wal entfernt hatte, saß nun in der nun ruhigen Bootsluke und beobachtete aufmerksam dessen letzten Zuckungen. Denn dieses seltsame Phänomen, das bei allen sterbenden Schwertwalen zu beobachten ist – nämlich dass der Kopf zum Sonnenlicht gedreht wird, bevor der Wal stirbt – verlieh diesem friedlichen Abend für Ahab eine bisher unbekannte Wunderbarkeit.
„Er dreht seinen Kopf immer wieder dorthin – so langsam, aber doch so entschlossen, mit seinen letzten Bewegungen. Auch er verehrt das Feuer; der treueste, edelste Diener der Sonne! Oh, wenn doch diese zu gnädigen Augen diese zu gnädigen Anblicke sehen könnten. Sieh! Hier, weit ab von allen menschlichen Sorgen und Freuden; in diesen reinen und unparteiischen Meeren, wo keine Felsen als Zeugen dienen; wo seit langen chinesischen Zeiten die Wellen weiterrollen, stumm und unausgesprochen, wie Sterne, die über der unbekannten Quelle des Niger leuchten – hier stirbt auch das Leben voller Glauben, gerichtet zum Sonnenlicht. Doch sieh! Kaum ist der Wal tot, schon dreht sich der Tod um den Kadaver – und der Kopf zeigt in eine andere Richtung.“
„Oh, du dunkle Hälfte der Natur, du, die aus ertrunkenen Knochen deinen Thron irgendwo im Herzen dieser kahlen Meere errichtet hast – du bist eine Ungläubige, du Königin. Und doch sprichst du zu mir wahrhaftig.“
Oft schon im Leben, wenn auf der rechten Seite die Begünstigten des Schicksals in unserer Nähe segeln, können wir, obwohl wir alle gesenkt sind, etwas von dem wehenden Wind spüren und freudig feststellen, wie sich unsere Segel füllen. So war es auch mit der Pequod. Denn am Tag nach dem Zusammentreffen mit dem „fröhlichen Junggesellen“ wurden Wale gesichtet, und vier davon wurden getötet – einer davon von Ahab.
Es war bereits spät am Nachmittag; als alle Angriffe beendet waren und Sonne sowie Wal gemeinsam im schönen Abendlicht des Meeres und Himmels still starben, herrschte dort eine solche Zärtlichkeit und Melancholie, solche Gebete, die in der rosigen Luft schwebten, dass es fast schien, als wäre aus den tiefgrünen Tälern der Manilla-Inseln der spanische Landwind, der sich in einen Seefahrer verwandelt hatte, mit diesen Abendliedern hinaus aufs Meer gefahren.
Ahab, der sich vom Wal entfernt hatte, saß nun in der nun ruhigen Bootsluke und beobachtete aufmerksam dessen letzten Zuckungen. Denn dieses seltsame Phänomen, das bei allen sterbenden Schwertwalen zu beobachten ist – nämlich dass der Kopf zum Sonnenlicht gedreht wird, bevor der Wal stirbt – verlieh diesem friedlichen Abend für Ahab eine bisher unbekannte Wunderbarkeit.
„Er dreht seinen Kopf immer wieder dorthin – so langsam, aber doch so entschlossen, mit seinen letzten Bewegungen. Auch er verehrt das Feuer; der treueste, edelste Diener der Sonne! Oh, wenn doch diese zu gnädigen Augen diese zu gnädigen Anblicke sehen könnten. Sieh! Hier, weit ab von allen menschlichen Sorgen und Freuden; in diesen reinen und unparteiischen Meeren, wo keine Felsen als Zeugen dienen; wo seit langen chinesischen Zeiten die Wellen weiterrollen, stumm und unausgesprochen, wie Sterne, die über der unbekannten Quelle des Niger leuchten – hier stirbt auch das Leben voller Glauben, gerichtet zum Sonnenlicht. Doch sieh! Kaum ist der Wal tot, schon dreht sich der Tod um den Kadaver – und der Kopf zeigt in eine andere Richtung.“
„Oh, du dunkle Hälfte der Natur, du, die aus ertrunkenen Knochen deinen Thron irgendwo im Herzen dieser kahlen Meere errichtet hast – du bist eine Ungläubige, du Königin. Und doch sprichst du zu mir wahrhaftig.“
Page 536
Der gewaltige Taifun – und die stille Beerdigung seines nachfolgenden Friedens. Auch dein Wal hat sein sterbendes Haupt nicht gen Sonnenrichtung gewandt, um anschließend wieder zurückzukehren – ohne mir eine Lektion mitzugeben.
„Oh, dreifach umschlossener, mächtiger Leib! Oh, hoher, ehrgeiziger, regenbogenhafter Strahl! – Um das eine kämpfst du, um diesen anderen strahlst du vergeblich! Vergeblich suchst du, oh Wal, Fürsprache bei jenem ewig belebenden Sonnenlicht, das zwar Leben hervorruft, es aber nicht wieder gibt. Doch du, dunklere Hälfte, wiegst mich mit einem stolzeren, wenn auch düstereren Glauben. All deine namenlosen Wesen schwimmen hier unter mir; ich werde von Atemzügen einst lebender Wesen getragen – Atemzügen, die einst als Luft ausgestoßen wurden, nun aber Wasser sind.
„Dann sei willkommen, für immer willkommen, o Meer, in dessen ewigen Wellenbewegungen der wilde Vogel seinen einzigen Ruheplatz findet. Aus Erde geboren, doch vom Meer gesäugt; obwohl Hügel und Täler mich großgezogen haben, seid ihr Wellen meine Stiefbrüder!“
„Oh, dreifach umschlossener, mächtiger Leib! Oh, hoher, ehrgeiziger, regenbogenhafter Strahl! – Um das eine kämpfst du, um diesen anderen strahlst du vergeblich! Vergeblich suchst du, oh Wal, Fürsprache bei jenem ewig belebenden Sonnenlicht, das zwar Leben hervorruft, es aber nicht wieder gibt. Doch du, dunklere Hälfte, wiegst mich mit einem stolzeren, wenn auch düstereren Glauben. All deine namenlosen Wesen schwimmen hier unter mir; ich werde von Atemzügen einst lebender Wesen getragen – Atemzügen, die einst als Luft ausgestoßen wurden, nun aber Wasser sind.
„Dann sei willkommen, für immer willkommen, o Meer, in dessen ewigen Wellenbewegungen der wilde Vogel seinen einzigen Ruheplatz findet. Aus Erde geboren, doch vom Meer gesäugt; obwohl Hügel und Täler mich großgezogen haben, seid ihr Wellen meine Stiefbrüder!“
Page 537
KAPITEL 117. Die Walfangexpedition
Die vier Wale, die an jenem Abend getötet wurden, lagen weit voneinander entfernt – einer weit im Windrichtung, einer etwas näher im Lee, einer vorne und einer hinten. Diese letzten drei konnten vor Einbruch der Nacht herangeholt werden; doch den Wal im Windrichtung konnte man erst am Morgen erreichen. Das Boot, das ihn getötet hatte, blieb die ganze Nacht über neben ihm liegen – und dieses Boot gehörte Ahab.
Der Leitpfahl wurde senkrecht in das Schnauzenloch des toten Wals gestoßen; die Lampe, die an seiner Spitze hing, warf ein flackerndes Licht auf den schwarzen, glänzenden Rücken des Wals sowie auf die Wellen in der Mitte der Nacht, die sanft gegen die breiten Flanken des Wals schlugen – wie sanfte Wellen an einem Strand.
Ahab und alle Besatzungsmitglieder des Bootes schienen zu schlafen – außer dem Parsen. Er kauerte im Bug und beobachtete die Haie, die um den Wal herumschwammen und mit ihren Schwänzen gegen die hellen Zedernbretter schlugen. Ein Geräusch, ähnlich dem Stöhnen unvergessener Geister aus Gomorra, hallte durch die Luft.
Als Ahab aus seinem Schlaf erwachte, sah er dem Parsen direkt ins Gesicht. Umhüllt von der Dunkelheit der Nacht wirkten sie wie die letzten Menschen in einer überfluteten Welt. „Ich habe es wieder geträumt“, sagte er.
„Von den Sargkarren? Habe ich dir nicht gesagt, alter Mann, dass weder Sargkarren noch Särge dir gehören können?“
„Und wer wird in Sargkarren transportiert, wenn er auf See stirbt?“
„Aber ich sagte doch, alter Mann: Bevor du auf dieser Reise sterben kannst, musst du auf See zwei Sargkarren sehen – den ersten nicht von menschlichen Händen gefertigt; und das sichtbare Holz des zweiten muss in Amerika gewachsen sein.“
„Ja, ja! Ein seltsamer Anblick – ein Sargkarren samt seinen Verzierungen, der auf den Wellen über dem Ozean treibt. Ha! So etwas werden wir bald nicht mehr sehen.“
„Glaube es oder nicht – du kannst erst sterben, wenn du das gesehen hast, alter Mann.“
„Und was stand da über dich selbst?“
„Auch wenn es so weit kommt, werde ich trotzdem vor dir gehen – als dein Führer.“
Die vier Wale, die an jenem Abend getötet wurden, lagen weit voneinander entfernt – einer weit im Windrichtung, einer etwas näher im Lee, einer vorne und einer hinten. Diese letzten drei konnten vor Einbruch der Nacht herangeholt werden; doch den Wal im Windrichtung konnte man erst am Morgen erreichen. Das Boot, das ihn getötet hatte, blieb die ganze Nacht über neben ihm liegen – und dieses Boot gehörte Ahab.
Der Leitpfahl wurde senkrecht in das Schnauzenloch des toten Wals gestoßen; die Lampe, die an seiner Spitze hing, warf ein flackerndes Licht auf den schwarzen, glänzenden Rücken des Wals sowie auf die Wellen in der Mitte der Nacht, die sanft gegen die breiten Flanken des Wals schlugen – wie sanfte Wellen an einem Strand.
Ahab und alle Besatzungsmitglieder des Bootes schienen zu schlafen – außer dem Parsen. Er kauerte im Bug und beobachtete die Haie, die um den Wal herumschwammen und mit ihren Schwänzen gegen die hellen Zedernbretter schlugen. Ein Geräusch, ähnlich dem Stöhnen unvergessener Geister aus Gomorra, hallte durch die Luft.
Als Ahab aus seinem Schlaf erwachte, sah er dem Parsen direkt ins Gesicht. Umhüllt von der Dunkelheit der Nacht wirkten sie wie die letzten Menschen in einer überfluteten Welt. „Ich habe es wieder geträumt“, sagte er.
„Von den Sargkarren? Habe ich dir nicht gesagt, alter Mann, dass weder Sargkarren noch Särge dir gehören können?“
„Und wer wird in Sargkarren transportiert, wenn er auf See stirbt?“
„Aber ich sagte doch, alter Mann: Bevor du auf dieser Reise sterben kannst, musst du auf See zwei Sargkarren sehen – den ersten nicht von menschlichen Händen gefertigt; und das sichtbare Holz des zweiten muss in Amerika gewachsen sein.“
„Ja, ja! Ein seltsamer Anblick – ein Sargkarren samt seinen Verzierungen, der auf den Wellen über dem Ozean treibt. Ha! So etwas werden wir bald nicht mehr sehen.“
„Glaube es oder nicht – du kannst erst sterben, wenn du das gesehen hast, alter Mann.“
„Und was stand da über dich selbst?“
„Auch wenn es so weit kommt, werde ich trotzdem vor dir gehen – als dein Führer.“
Page 538
„Und wenn du dann so vor mir gehst – falls das jemals geschieht –, dann musst du mir doch noch erscheinen, um mich weiterzuführen, oder? War es nicht so? Nun, habe ich dann alles geglaubt, was ihr sagt, oh mein Führer! Ich habe hier zwei Schwüre: Ich werde Moby Dick trotzdem töten und überleben.“
„Nimm einen weiteren Schwur, alter Mann“, sagte der Parsi, während seine Augen im Dunkel wie Glühwürmchen leuchteten – „Nur Hanf kann dich töten.“
„Die Galgen meinst du – Ich bin also unsterblich, an Land und auf See!“, rief Ahab mit spöttischem Lachen – „Unsterblich an Land und auf See!“
Beide schwiegen wieder, wie ein Mann. Der graue Morgen brach an, die schlafende Besatzung erhob sich vom Bootsboden, und noch vor Mittag wurde der tote Wal zum Schiff gebracht.
„Nimm einen weiteren Schwur, alter Mann“, sagte der Parsi, während seine Augen im Dunkel wie Glühwürmchen leuchteten – „Nur Hanf kann dich töten.“
„Die Galgen meinst du – Ich bin also unsterblich, an Land und auf See!“, rief Ahab mit spöttischem Lachen – „Unsterblich an Land und auf See!“
Beide schwiegen wieder, wie ein Mann. Der graue Morgen brach an, die schlafende Besatzung erhob sich vom Bootsboden, und noch vor Mittag wurde der tote Wal zum Schiff gebracht.
Page 539
KAPITEL 118. Der Quadrant
Die Zeit für die Messungen rückte immer näher; und jeden Tag, wenn Ahab aus seiner Kabine kam und nach oben blickte, bediente der wachsame Rudermeister demonstrativ seine Ruderpinne, während die eifrigen Seeleute schnell zu den Seilen eilten und dort standen, mit allen Augen auf den daran befestigten Doubloon gerichtet – ungeduldig auf den Befehl wartend, das Schiff auf Kurs zum Äquator zu bringen. Schon bald kam der Befehl. Es war kurz vor Mittag; Ahab saß im Bug seines hochgehobenen Bootes und wollte wie gewohnt täglich die Sonne beobachten, um seine Breitengradposition zu bestimmen.
In jenem japanischen Meer sind die Sommertage von strahlender Helligkeit geprägt. Die unverwandt leuchtende japanische Sonne scheint der glühende Mittelpunkt des glasartigen, endlos weiten Ozeans zu sein. Der Himmel wirkt lackiert; es gibt keine Wolken; der Horizont schwebt scheinbar in der Luft – und diese ungebremste Helligkeit gleicht den unerträglichen Prachtlichtern Gottes Throns. Glücklicherweise war Abahs Quadrant mit farbigen Linsen ausgestattet, durch die er dieses Sonnenfeuer betrachten konnte. So neigte er seinen Körper mit den Schwankungen des Schiffes und hielt das astrolabiumähnliche Instrument vor sein Auge; er blieb einige Momente in dieser Haltung, um den genauen Moment zu erfassen, in dem die Sonne ihren Meridian erreichen würde. Während seine ganze Aufmerksamkeit darauf gerichtet war, kniete der Parsi unter ihm auf dem Deck des Schiffes und blickte mit erhobenem Gesicht, genau wie Ahab, zur Sonne hinauf; nur waren seine Augenlider halb gesenkt, und sein wildes Gesicht zeigte eine weltliche Gleichgültigkeit. Schließlich wurde die gewünschte Beobachtung vorgenommen; mit seinem Bleistift auf seinem Elfenbeinstab berechnete Ahab schnell, welche Breitengradposition er zu diesem genauen Moment hatte. Dann versank er für einen Moment in Gedanken, blickte wieder zur Sonne auf und murmelte zu sich selbst: „Du Meilenstein! Du mächtiger Führer! Du sagst mir wahrhaftig, wo ich bin – aber kannst du auch den geringsten Hinweis darauf geben, wo ich sein werde? Oder kannst du sagen, ob noch etwas anderes außer mir in diesem Moment lebt? Wo ist Moby Dick? In diesem Augenblick musst du ihn betrachten. Meine Augen blicken in genau jenes Auge, das ihn gerade jetzt sieht – ja, und in jenes Auge, das ebenso die Objekte auf der unbekannten Seite jenseits von dir betrachtet, o du Sonne!“
Die Zeit für die Messungen rückte immer näher; und jeden Tag, wenn Ahab aus seiner Kabine kam und nach oben blickte, bediente der wachsame Rudermeister demonstrativ seine Ruderpinne, während die eifrigen Seeleute schnell zu den Seilen eilten und dort standen, mit allen Augen auf den daran befestigten Doubloon gerichtet – ungeduldig auf den Befehl wartend, das Schiff auf Kurs zum Äquator zu bringen. Schon bald kam der Befehl. Es war kurz vor Mittag; Ahab saß im Bug seines hochgehobenen Bootes und wollte wie gewohnt täglich die Sonne beobachten, um seine Breitengradposition zu bestimmen.
In jenem japanischen Meer sind die Sommertage von strahlender Helligkeit geprägt. Die unverwandt leuchtende japanische Sonne scheint der glühende Mittelpunkt des glasartigen, endlos weiten Ozeans zu sein. Der Himmel wirkt lackiert; es gibt keine Wolken; der Horizont schwebt scheinbar in der Luft – und diese ungebremste Helligkeit gleicht den unerträglichen Prachtlichtern Gottes Throns. Glücklicherweise war Abahs Quadrant mit farbigen Linsen ausgestattet, durch die er dieses Sonnenfeuer betrachten konnte. So neigte er seinen Körper mit den Schwankungen des Schiffes und hielt das astrolabiumähnliche Instrument vor sein Auge; er blieb einige Momente in dieser Haltung, um den genauen Moment zu erfassen, in dem die Sonne ihren Meridian erreichen würde. Während seine ganze Aufmerksamkeit darauf gerichtet war, kniete der Parsi unter ihm auf dem Deck des Schiffes und blickte mit erhobenem Gesicht, genau wie Ahab, zur Sonne hinauf; nur waren seine Augenlider halb gesenkt, und sein wildes Gesicht zeigte eine weltliche Gleichgültigkeit. Schließlich wurde die gewünschte Beobachtung vorgenommen; mit seinem Bleistift auf seinem Elfenbeinstab berechnete Ahab schnell, welche Breitengradposition er zu diesem genauen Moment hatte. Dann versank er für einen Moment in Gedanken, blickte wieder zur Sonne auf und murmelte zu sich selbst: „Du Meilenstein! Du mächtiger Führer! Du sagst mir wahrhaftig, wo ich bin – aber kannst du auch den geringsten Hinweis darauf geben, wo ich sein werde? Oder kannst du sagen, ob noch etwas anderes außer mir in diesem Moment lebt? Wo ist Moby Dick? In diesem Augenblick musst du ihn betrachten. Meine Augen blicken in genau jenes Auge, das ihn gerade jetzt sieht – ja, und in jenes Auge, das ebenso die Objekte auf der unbekannten Seite jenseits von dir betrachtet, o du Sonne!“
Page 540
Dann blickte er auf seinen Quadranten und bediente nacheinander seine zahlreichen kabbalistischen Vorrichtungen. Er dachte nach und murmelte: „Dummer Spielzeug! Kinderspielzeug stolzer Admirale, Kommodore und Kapitäne! Die Welt rühmt dich, deine List und Macht – doch was kannst du letztendlich tun? Nur den armen, elenden Punkt angeben, an dem du dich auf diesem weiten Planeten befindest, sowie die Hand, die dich hält. Nein! Nicht das Geringste mehr! Du kannst nicht sagen, wo morgen zur Mittagszeit ein Tropfen Wasser oder ein Korn Sand sein wird – und doch beleidigst du mit deiner Machtlosigkeit die Sonne! Wissenschaft! Verflucht seist du, du nutzloses Spielzeug! Verflucht seien all jene Dinge, die den Menschen dazu bringen, zum Himmel aufzublicken – dessen lebhafter Glanz ihn nur verbrennt, so wie diese alten Augen jetzt bereits von deinem Licht verbrannt werden, o Sonne! Die Blicke des Menschen sind von Natur aus auf den Horizont dieser Erde gerichtet – nicht von der Spitze seines Kopfes aus, als hätte Gott beabsichtigt, dass er in den Himmel blickt. Verflucht seist du, du Quadrant!“ Er warf ihn auf das Deck und sagte: „Nicht länger werde ich meinen irdischen Weg durch dich lenken lassen. Der kompakte Kompass des Schiffes sowie die Berechnungen anhand von Logbuch und Lineal – das wird mich führen und mir meinen Platz auf dem Meer zeigen. Ja!“ Er zündete eine Lampe an und trat damit auf den Quadranten zu. „So trete ich auf dich ein, du geringwertiges Ding, das schwach nach oben zeigt! So zerstöre ich dich!“
Während der verrückte alte Mann so sprach und mit seinen Füßen auf den Quadranten trat, zeigte sich auf dem ausdruckslosen, regungslosen Gesicht des Parsen ein spöttischer Triumph, der offenbar für Ahab bestimmt war, sowie eine fatalistische Verzweiflung, die ihm selbst galt. Unbeobachtet stand er auf und verschwand. Während die Seeleute vom Vorderdeck aus vor Ehrfurcht vor ihrem Kommandanten zusammenstanden, ging Ahab unruhig auf dem Deck auf und ab und rief: „Zu den Brassen! Steuer hoch! Geradeaus!“ Im Nu drehten sich die Segel – und als das Schiff sich halb um seine Achse drehte, wirkten seine drei stabilen Masten, die auf dem langen, gerippten Rumpf aufragten, wie die drei Horatier, die auf einem einzigen Pferd pirouettierten.
Zwischen den Mastspitzen stehend beobachtete Starbuck den unruhigen Kurs der Pequod sowie auch den von Ahab, der ungleichmäßig über das Deck schritt. „Ich habe vor dem hellen Kohlenfeuer gesessen und zugesehen, wie es in seinem qualvollen Flammenschein leuchtete – und ich sah, wie es schließlich erlosch, immer weiter nach unten, bis es zu Staub wurde. Alter Mann der Ozeane! Von all diesem flammenden Leben wirst am Ende nur noch ein kleiner Haufen Asche übrig bleiben!“
Während der verrückte alte Mann so sprach und mit seinen Füßen auf den Quadranten trat, zeigte sich auf dem ausdruckslosen, regungslosen Gesicht des Parsen ein spöttischer Triumph, der offenbar für Ahab bestimmt war, sowie eine fatalistische Verzweiflung, die ihm selbst galt. Unbeobachtet stand er auf und verschwand. Während die Seeleute vom Vorderdeck aus vor Ehrfurcht vor ihrem Kommandanten zusammenstanden, ging Ahab unruhig auf dem Deck auf und ab und rief: „Zu den Brassen! Steuer hoch! Geradeaus!“ Im Nu drehten sich die Segel – und als das Schiff sich halb um seine Achse drehte, wirkten seine drei stabilen Masten, die auf dem langen, gerippten Rumpf aufragten, wie die drei Horatier, die auf einem einzigen Pferd pirouettierten.
Zwischen den Mastspitzen stehend beobachtete Starbuck den unruhigen Kurs der Pequod sowie auch den von Ahab, der ungleichmäßig über das Deck schritt. „Ich habe vor dem hellen Kohlenfeuer gesessen und zugesehen, wie es in seinem qualvollen Flammenschein leuchtete – und ich sah, wie es schließlich erlosch, immer weiter nach unten, bis es zu Staub wurde. Alter Mann der Ozeane! Von all diesem flammenden Leben wirst am Ende nur noch ein kleiner Haufen Asche übrig bleiben!“
Page 541
„Ja“, rief Stubb, „aber Asche von Seekohle – denken Sie daran, Herr Starbuck: Seekohle, nicht Ihr gewöhnliches Holzkohle. Nun, nun; ich hörte, wie Ahab murmelte: ‚Jemand drückt mir diese Karten in diese alten Hände; er schwört, dass ich unbedingt damit spielen muss und mit nichts anderem.‘ Verdammt nochmal, Ahab – Sie handeln richtig: Leben Sie im Spiel und sterben Sie darin!“
Page 542
KAPITEL 119. Die Kerzen.
Die wärmsten Klimazonen beherbergen oft die grausamsten Bestien: Der Tiger von Bengalen lauert in duftenden Wäldern voller ewiger Frische. Die strahlendsten Himmel bringen die tödlichsten Donnerschläge hervor: Das wunderschöne Kuba kennt Tornados, die niemals die zivilisierten nördlichen Länder heimsuchten. Ebenso trifft der Seefahrer in diesen prächtigen japanischen Gewässern auf den schlimmsten aller Stürme – den Taifun. Manchmal bricht er aus dem wolkenlosen Himmel hervor, wie eine explodierende Bombe auf einer benommenen, schlafenden Stadt.
Am Abend desselben Tages wurde die Pequod ihrer Segel beraubt und musste ohne Segel gegen einen Taifun kämpfen, der sie direkt vor sich hatte. Als die Dunkelheit hereinbrach, donnerten Himmel und Meer, Blitze zuckten auf und zeigten, wie die beschädigten Masten hier und da im Wind flatterten – zusammen mit den Resten, die der erste Ansturm des Sturms zurückgelassen hatte.
Starbuck stand auf dem Quarterdeck und hielt sich an einem Seil fest; bei jedem Blitzschlag blickte er nach oben, um zu sehen, welche weiteren Katastrophen das Schiff getroffen hatten. Stubb und Flask wiederum leiteten die Männer an, die Boote höher zu hieven und fester zu sichern. Doch all ihre Bemühungen schienen vergeblich zu sein. Obwohl das Boot von Ahab bis ganz nach oben gehoben wurde, entkam es dem Sturm nicht. Die gewaltigen Wellen schlugen gegen die Seiten des schwankenden Schiffes und drückten den Boden des Bootes im Heck zusammen – anschließend ließen sie das Boot wieder los; es war völlig durchnässt.
„Schlechte Arbeit, Mr. Starbuck“, sagte Stubb und blickte auf die Ruine des Bootes. „Aber das Meer wird seinen Willen durchsetzen. Ich selbst kann dagegen nichts ausrichten. Sie sehen, Mr. Starbuck: Eine Welle hat einen langen Weg vor sich, bevor sie spritzt – sie läuft um die ganze Welt, und erst dann kommt der Sprung! Bei mir ist der ganze Weg, den ich zurücklegen muss, nur der über das Deck hier. Aber macht euch keine Sorgen – es ist alles nur Spaß, wie das alte Lied sagt.“ – (Er singt.)
Oh! Wie fröhlich ist der Sturm,
und wie lustig der Wal,
der mit seinem Schwanz wedelt –
Der Ozean ist wirklich ein lustiger, verspielter, alberner, scherzhafter Kerl, oh!
Die wärmsten Klimazonen beherbergen oft die grausamsten Bestien: Der Tiger von Bengalen lauert in duftenden Wäldern voller ewiger Frische. Die strahlendsten Himmel bringen die tödlichsten Donnerschläge hervor: Das wunderschöne Kuba kennt Tornados, die niemals die zivilisierten nördlichen Länder heimsuchten. Ebenso trifft der Seefahrer in diesen prächtigen japanischen Gewässern auf den schlimmsten aller Stürme – den Taifun. Manchmal bricht er aus dem wolkenlosen Himmel hervor, wie eine explodierende Bombe auf einer benommenen, schlafenden Stadt.
Am Abend desselben Tages wurde die Pequod ihrer Segel beraubt und musste ohne Segel gegen einen Taifun kämpfen, der sie direkt vor sich hatte. Als die Dunkelheit hereinbrach, donnerten Himmel und Meer, Blitze zuckten auf und zeigten, wie die beschädigten Masten hier und da im Wind flatterten – zusammen mit den Resten, die der erste Ansturm des Sturms zurückgelassen hatte.
Starbuck stand auf dem Quarterdeck und hielt sich an einem Seil fest; bei jedem Blitzschlag blickte er nach oben, um zu sehen, welche weiteren Katastrophen das Schiff getroffen hatten. Stubb und Flask wiederum leiteten die Männer an, die Boote höher zu hieven und fester zu sichern. Doch all ihre Bemühungen schienen vergeblich zu sein. Obwohl das Boot von Ahab bis ganz nach oben gehoben wurde, entkam es dem Sturm nicht. Die gewaltigen Wellen schlugen gegen die Seiten des schwankenden Schiffes und drückten den Boden des Bootes im Heck zusammen – anschließend ließen sie das Boot wieder los; es war völlig durchnässt.
„Schlechte Arbeit, Mr. Starbuck“, sagte Stubb und blickte auf die Ruine des Bootes. „Aber das Meer wird seinen Willen durchsetzen. Ich selbst kann dagegen nichts ausrichten. Sie sehen, Mr. Starbuck: Eine Welle hat einen langen Weg vor sich, bevor sie spritzt – sie läuft um die ganze Welt, und erst dann kommt der Sprung! Bei mir ist der ganze Weg, den ich zurücklegen muss, nur der über das Deck hier. Aber macht euch keine Sorgen – es ist alles nur Spaß, wie das alte Lied sagt.“ – (Er singt.)
Oh! Wie fröhlich ist der Sturm,
und wie lustig der Wal,
der mit seinem Schwanz wedelt –
Der Ozean ist wirklich ein lustiger, verspielter, alberner, scherzhafter Kerl, oh!
Page 543
Der Sturm tobt überall – das ist nur sein „Flip“, der Schaum, der entsteht; wenn er sich im Wind bewegt… Was für ein lustiger, sportlicher, scherzhafter, witziger Junge doch der Ozean ist, oh!
Donner zerreißt die Schiffe – doch er schlägt nur mit den Lippen zusammen, probiert diesen „Flip“ aus… Was für ein lustiger, sportlicher, scherzhafter, witziger Junge doch der Ozean ist, oh!
„Halt, Stubb!“, rief Starbuck. „Lass den Taifun singen und seine Harfe hier in unserem Segeltuch spielen – aber wenn du ein mutiger Mann bist, wirst du schweigen.“
„Aber ich bin kein mutiger Mann; ich habe nie gesagt, dass ich einer bin. Ich bin ein Feigling – und ich singe, um meinen Mut zu bewahren. Ich sage Ihnen, Mr. Starbuck: Es gibt keine Möglichkeit, mein Singen in dieser Welt zu stoppen – außer indem man mir die Kehle durchschneidet. Und wenn das geschehen ist, werde ich sicherlich noch eine Hymne für Sie singen.“
„Verrückter! Schau durch meine Augen, wenn du keine eigenen hast.“
„Was! Wie kannst du in einer dunklen Nacht besser sehen als alle anderen – egal wie dumm das auch sein mag?“
„Hier!“, rief Starbuck, packte Stubb an der Schulter und zeigte mit der Hand in Richtung Bug. „Siehst du nicht, dass der Sturm aus Osten kommt – genau in die Richtung, in die Ahab segeln will, um Moby Dick zu finden? Genau in die Richtung, in die er bis heute Mittag gesegelt ist. Sieh dir sein Boot dort an – wo ist der Ofen? Im Heck, Mann – dort steht er immer. Jetzt spring ins Wasser und sing weiter, wenn du unbedingt willst!“
„Ich verstehe dich überhaupt nicht – was ist los?“
„Ja, ja – um den Kap der Guten Hoffnung herum ist der kürzeste Weg nach Nantucket“, murmelte Starbuck plötzlich, ohne auf Stubbs Frage zu achten. „Den Sturm, der uns jetzt bedrängt, können wir in einen günstigen Wind verwandeln, der uns nach Hause trägt. Dort drüben, im Windrichtung, herrscht nur Dunkelheit – aber im Lee, nach Hause zu – sehe ich, dass es dort heller wird – allerdings nicht durch Blitze.“
In diesem Moment, in einer der Pausen tiefer Dunkelheit nach den Blitzen, wurde neben ihm eine Stimme gehört – und fast gleichzeitig rollte ein Donnerschlag über ihnen hinweg.
Donner zerreißt die Schiffe – doch er schlägt nur mit den Lippen zusammen, probiert diesen „Flip“ aus… Was für ein lustiger, sportlicher, scherzhafter, witziger Junge doch der Ozean ist, oh!
„Halt, Stubb!“, rief Starbuck. „Lass den Taifun singen und seine Harfe hier in unserem Segeltuch spielen – aber wenn du ein mutiger Mann bist, wirst du schweigen.“
„Aber ich bin kein mutiger Mann; ich habe nie gesagt, dass ich einer bin. Ich bin ein Feigling – und ich singe, um meinen Mut zu bewahren. Ich sage Ihnen, Mr. Starbuck: Es gibt keine Möglichkeit, mein Singen in dieser Welt zu stoppen – außer indem man mir die Kehle durchschneidet. Und wenn das geschehen ist, werde ich sicherlich noch eine Hymne für Sie singen.“
„Verrückter! Schau durch meine Augen, wenn du keine eigenen hast.“
„Was! Wie kannst du in einer dunklen Nacht besser sehen als alle anderen – egal wie dumm das auch sein mag?“
„Hier!“, rief Starbuck, packte Stubb an der Schulter und zeigte mit der Hand in Richtung Bug. „Siehst du nicht, dass der Sturm aus Osten kommt – genau in die Richtung, in die Ahab segeln will, um Moby Dick zu finden? Genau in die Richtung, in die er bis heute Mittag gesegelt ist. Sieh dir sein Boot dort an – wo ist der Ofen? Im Heck, Mann – dort steht er immer. Jetzt spring ins Wasser und sing weiter, wenn du unbedingt willst!“
„Ich verstehe dich überhaupt nicht – was ist los?“
„Ja, ja – um den Kap der Guten Hoffnung herum ist der kürzeste Weg nach Nantucket“, murmelte Starbuck plötzlich, ohne auf Stubbs Frage zu achten. „Den Sturm, der uns jetzt bedrängt, können wir in einen günstigen Wind verwandeln, der uns nach Hause trägt. Dort drüben, im Windrichtung, herrscht nur Dunkelheit – aber im Lee, nach Hause zu – sehe ich, dass es dort heller wird – allerdings nicht durch Blitze.“
In diesem Moment, in einer der Pausen tiefer Dunkelheit nach den Blitzen, wurde neben ihm eine Stimme gehört – und fast gleichzeitig rollte ein Donnerschlag über ihnen hinweg.
Page 544
„Wer ist da?“
„Alter Donner!“, sagte Ahab und tastete sich entlang der Reling zu seinem Posten vor. Plötzlich wurde ihm der Weg durch flammende Lichtstrahlen gezeigt.
Genau wie der Blitzableiter auf einem Turm an Land dazu dient, das gefährliche Elektrizität in den Boden abzuleiten, so dient auch der ähnliche Blitzableiter, den einige Schiffe auf See an jedem Mast tragen, dazu, die Elektrizität ins Wasser zu leiten. Doch dieser Leiter muss bis in beträchtliche Tiefe reichen, damit sein Ende keinen Kontakt mit dem Rumpf hat. Zudem könnte er bei ständiger Nutzung vielen Unfällen ausgesetzt sein – außerdem würde er die Takelage beeinträchtigen und das Vorankommen des Schiffes im Wasser mehr oder weniger behindern. Deshalb sind die unteren Teile der Blitzableiter eines Schiffes nicht immer über Bord; sie bestehen in der Regel aus langen, dünnen Gliedern, damit sie je nach Bedarf leichter nach oben gezogen oder ins Meer geworfen werden können.
„Die Blitzableiter! Die Blitzableiter!“, rief Starbuck den Männern zu. Das grelle Licht des Blitzes hatte sie plötzlich zur Wachsamkeit gezwungen. „Sind sie über Bord? Werft sie hinunter, vorne und hinten – schnell!“
„Halt!“, rief Ahab. „Wir sollen fair kämpfen, auch wenn wir die schwächere Seite sind. Doch ich werde dazu beitragen, die Blitzableiter auf den Himalaya und den Anden zu installieren, damit die ganze Welt geschützt wird. Aber ohne Privilegien! Lassen wir es dabei bewenden.“
„Schaut nach oben!“, rief Starbuck. „Die Blitzableiter! Die Blitzableiter!“
An allen Mastspitzen loderte blasses Licht – an jedem dreispitzigen Ende des Blitzableiters brannten drei schmale weiße Flammen. Jeder der drei hohen Masten brannte leise in dieser schwefelhaltigen Luft, wie drei riesige Kerzen vor einem Altar.
„Verdammt nochmal! Lassen Sie das Boot los!“, rief Stubb in diesem Moment. Die Wellen hoben sein kleines Boot so stark an, dass die Reling seine Hand fest drückte, als er gerade an einem Seil vorbeiging. „Verdammt!“ Doch als er rückwärts auf dem Deck ausrutschte, fielen seine Blicke auf die Flammen – sofort änderte er seinen Ton und rief: „Mögen die Blitzableiter uns allen Gnade erweisen!“
Für Seeleute sind Flüche alltäglich – sie fluchen in ruhigen Momenten genauso wie inmitten von Stürmen. Sie fluchen von den Mastspitzen aus, während das Boot im tosenden Meer schwankt. Doch in allen Situationen…
„Alter Donner!“, sagte Ahab und tastete sich entlang der Reling zu seinem Posten vor. Plötzlich wurde ihm der Weg durch flammende Lichtstrahlen gezeigt.
Genau wie der Blitzableiter auf einem Turm an Land dazu dient, das gefährliche Elektrizität in den Boden abzuleiten, so dient auch der ähnliche Blitzableiter, den einige Schiffe auf See an jedem Mast tragen, dazu, die Elektrizität ins Wasser zu leiten. Doch dieser Leiter muss bis in beträchtliche Tiefe reichen, damit sein Ende keinen Kontakt mit dem Rumpf hat. Zudem könnte er bei ständiger Nutzung vielen Unfällen ausgesetzt sein – außerdem würde er die Takelage beeinträchtigen und das Vorankommen des Schiffes im Wasser mehr oder weniger behindern. Deshalb sind die unteren Teile der Blitzableiter eines Schiffes nicht immer über Bord; sie bestehen in der Regel aus langen, dünnen Gliedern, damit sie je nach Bedarf leichter nach oben gezogen oder ins Meer geworfen werden können.
„Die Blitzableiter! Die Blitzableiter!“, rief Starbuck den Männern zu. Das grelle Licht des Blitzes hatte sie plötzlich zur Wachsamkeit gezwungen. „Sind sie über Bord? Werft sie hinunter, vorne und hinten – schnell!“
„Halt!“, rief Ahab. „Wir sollen fair kämpfen, auch wenn wir die schwächere Seite sind. Doch ich werde dazu beitragen, die Blitzableiter auf den Himalaya und den Anden zu installieren, damit die ganze Welt geschützt wird. Aber ohne Privilegien! Lassen wir es dabei bewenden.“
„Schaut nach oben!“, rief Starbuck. „Die Blitzableiter! Die Blitzableiter!“
An allen Mastspitzen loderte blasses Licht – an jedem dreispitzigen Ende des Blitzableiters brannten drei schmale weiße Flammen. Jeder der drei hohen Masten brannte leise in dieser schwefelhaltigen Luft, wie drei riesige Kerzen vor einem Altar.
„Verdammt nochmal! Lassen Sie das Boot los!“, rief Stubb in diesem Moment. Die Wellen hoben sein kleines Boot so stark an, dass die Reling seine Hand fest drückte, als er gerade an einem Seil vorbeiging. „Verdammt!“ Doch als er rückwärts auf dem Deck ausrutschte, fielen seine Blicke auf die Flammen – sofort änderte er seinen Ton und rief: „Mögen die Blitzableiter uns allen Gnade erweisen!“
Für Seeleute sind Flüche alltäglich – sie fluchen in ruhigen Momenten genauso wie inmitten von Stürmen. Sie fluchen von den Mastspitzen aus, während das Boot im tosenden Meer schwankt. Doch in allen Situationen…
Page 545
Bei meinen Reisen habe ich nur selten ein gewöhnliches Schwurwort gehört, wenn Gottes brennender Finger auf das Schiff gelegt wurde – wenn Seine Worte „Mene, Mene, Tekel, Upharsin“ in die Segeltücher und Taue eingewoben wurden. Während diese blasse Helligkeit am Himmel brannte, waren nur wenige Worte von der verzauberten Besatzung zu hören; sie standen in einer dichten Gruppe auf dem Vordeck, alle ihre Augen leuchteten in jener blassen Phosphoreszenz, wie eine ferne Sternkonstellation. Im Kontrast zu diesem unheimlichen Licht wirkte der riesige Neger Daggoo dreimal so groß wie in Wirklichkeit – er glich einem schwarzen Wolkenballon, aus dem der Donner gekommen war. Tashtegos geöffneter Mund zeigte seine haifischweißen Zähne, die seltsam glänzten, als wären auch sie mit Korpusanten überzogen; während Queequegs Tätowierungen im übernatürlichen Licht wie satanische blaue Flammen auf seinem Körper leuchteten. Schließlich verschwand dieses Bild mit der blassen Helligkeit am Himmel – wiederum war die Pequod sowie jede Seele an ihren Decks in Dunkelheit gehüllt. Ein oder zwei Momente vergingen, dann stieß Starbuck nach vorne und berührte jemanden – es war Stubb. „Was denkst du jetzt, Mann? Ich habe deinen Schrei gehört – er klang nicht wie im Lied.“ „Nein, das stimmt nicht; ich bat um Gnade für uns alle – und ich hoffe, dass sie uns gnädig sein werden. Aber haben sie nur Mitleid mit Menschen mit langen Gesichtern? Haben sie kein Gefühl für Humor? Und sehen Sie, Herr Starbuck – es ist zu dunkel, um etwas zu erkennen. Hören Sie mir zu: Ich halte die Flamme auf dem Mastkopf für ein Zeichen des Glücks – schließlich sind diese Masten in einem Raum verankert, der voller Spermiöl sein wird. All dieses Spermiöl wird in die Masten strömen, wie Saft in einem Baum. Ja, unsere drei Masten werden wieder wie drei Kerzen aus Spermiöl aussehen – das ist das gute Zeichen, das wir gesehen haben.“ In diesem Moment sah Starbuck, wie Stubbs Gesicht allmählich sichtbar wurde. Er blickte nach oben und rief: „Sehen Sie! Sehen Sie!“ Wieder wurden die hohen, spitz zulaufenden Flammen sichtbar – in ihrer Blässe wirkten sie noch übernatürlicher. „Die Korpusanten mögen uns allen gnädig sein“, rief Stubb erneut. Am Fuß des Hauptmastes, direkt unter dem Doubloon und der Flamme, kniete der Parsi vor Ahab – doch mit gesenktem Kopf, weg von ihm. In der Nähe, unter der gewölbten Takelage, wo sie gerade dabei waren, ein Segel zu befestigen, versammelten sich einige Seeleute, die vom grellen Licht geblendet wurden – sie hingen dort herab, wie ein Bündel betäuberter Wespen an einem herabhängenden Ast. In verschiedenen, verzauberten Posen…
Page 546
Die stehenden, gehenden oder laufenden Skelette in Herculaneum – andere blieben am Deck verankert; doch alle hatten ihre Augen nach oben gerichtet.
„Ja, ja, Männer!“, rief Ahab. „Schaut hinauf! Merkt es euch gut ein: Die weiße Flamme weist den Weg zur Weißen Wal! Gebt mir diesen Hauptmast da links – ich möchte diesen Puls spüren und meinen eigenen Puls dagegen schlagen lassen; Blut gegen Feuer! So.“
Dann drehte er sich um – den letzten Ring hielt er fest in seiner linken Hand –, setzte seinen Fuß auf den Parsen und stand mit starren, nach oben gerichteten Augen sowie ausgestrecktem rechtem Arm vor der erhabenen Dreifaltigkeit aus Flammen.
„Oh! Du klarer Geist des klaren Feuers – den ich einst als Perser auf diesen Meeren verehrte, bis ich durch dich so sehr verbrannt wurde, dass ich bis heute die Narbe trage. Jetzt kenne ich dich, du klarer Geist – und ich weiß nun, dass deine wahre Verehrung darin besteht, dich zu trotzen. Weder Liebe noch Ehrfurcht kannst du gewähren; selbst für Hass kannst du nur töten – und alle werden getötet. Kein furchtloser Narr tritt nun dir entgegen. Ich erkenne deine stumme, allgegenwärtige Macht an – doch bis zum letzten Atemzug meines Lebens werde ich gegen ihre bedingungslose, vollständige Herrschaft über mich kämpfen.
Mitten im Personifizierten-Impersonifizierten steht hier eine Persönlichkeit. Auch wenn sie bestenfalls nur ein Punkt ist – egal, woher ich komme, wohin ich gehe – solange ich auf dieser Erde lebe, lebt diese königliche Persönlichkeit in mir und fühlt ihre königlichen Rechte. Doch Krieg bedeutet Schmerz, Hass bedeutet Leid. Komm in deiner niedrigsten Form der Liebe – dann werde ich niederknien und dich küssen. Doch in deiner höchsten Form, als reine himmlische Macht – selbst wenn du Flotten voller Welten aussendest – bleibt da etwas in mir, das weiterhin gleichgültig bleibt. Oh, du klarer Geist – mit deinem Feuer hast du mich erschaffen, und wie ein wahrer Kind des Feuers atme ich es dir zurück.“
[Plötzliche, wiederholte Blitze; die neun Flammen springen auf das Dreifache ihrer ursprünglichen Höhe. Ahab und die anderen schließen ihre Augen, seine rechte Hand presst sich fest darauf.]
„Ich erkenne deine stumme, allgegenwärtige Macht an – habe ich das nicht gesagt? Es wurde mir nicht abgerungen; und ich werde diese Ringe jetzt auch nicht loslassen. Du kannst blenden – doch dann kann ich tasten. Du kannst zerstören – doch dann kann ich zu Asche werden. Nimm die Huldigung dieser armen Augen und dieser geschlossenen Hände an – doch ich möchte sie nicht annehmen. Die Blitze durchzucken meinen Schädel; meine Augäpfel schmerzen unerträglich; mein ganzer Gehirn scheint enthauptet zu sein und auf irgendeinem betäubenden Boden zu liegen. Oh, oh! Doch auch mit verbundenen Augen werde ich mit dir sprechen. Auch wenn du hell bist, sprichst du aus der Dunkelheit hervor – doch ich bin die Dunkelheit, die aus dem Licht, aus dir hervorspringt! Die Speere hören auf – öffnet die Augen! Seht ihr es oder nicht? Da brennen die Flammen! Oh, du…“
„Ja, ja, Männer!“, rief Ahab. „Schaut hinauf! Merkt es euch gut ein: Die weiße Flamme weist den Weg zur Weißen Wal! Gebt mir diesen Hauptmast da links – ich möchte diesen Puls spüren und meinen eigenen Puls dagegen schlagen lassen; Blut gegen Feuer! So.“
Dann drehte er sich um – den letzten Ring hielt er fest in seiner linken Hand –, setzte seinen Fuß auf den Parsen und stand mit starren, nach oben gerichteten Augen sowie ausgestrecktem rechtem Arm vor der erhabenen Dreifaltigkeit aus Flammen.
„Oh! Du klarer Geist des klaren Feuers – den ich einst als Perser auf diesen Meeren verehrte, bis ich durch dich so sehr verbrannt wurde, dass ich bis heute die Narbe trage. Jetzt kenne ich dich, du klarer Geist – und ich weiß nun, dass deine wahre Verehrung darin besteht, dich zu trotzen. Weder Liebe noch Ehrfurcht kannst du gewähren; selbst für Hass kannst du nur töten – und alle werden getötet. Kein furchtloser Narr tritt nun dir entgegen. Ich erkenne deine stumme, allgegenwärtige Macht an – doch bis zum letzten Atemzug meines Lebens werde ich gegen ihre bedingungslose, vollständige Herrschaft über mich kämpfen.
Mitten im Personifizierten-Impersonifizierten steht hier eine Persönlichkeit. Auch wenn sie bestenfalls nur ein Punkt ist – egal, woher ich komme, wohin ich gehe – solange ich auf dieser Erde lebe, lebt diese königliche Persönlichkeit in mir und fühlt ihre königlichen Rechte. Doch Krieg bedeutet Schmerz, Hass bedeutet Leid. Komm in deiner niedrigsten Form der Liebe – dann werde ich niederknien und dich küssen. Doch in deiner höchsten Form, als reine himmlische Macht – selbst wenn du Flotten voller Welten aussendest – bleibt da etwas in mir, das weiterhin gleichgültig bleibt. Oh, du klarer Geist – mit deinem Feuer hast du mich erschaffen, und wie ein wahrer Kind des Feuers atme ich es dir zurück.“
[Plötzliche, wiederholte Blitze; die neun Flammen springen auf das Dreifache ihrer ursprünglichen Höhe. Ahab und die anderen schließen ihre Augen, seine rechte Hand presst sich fest darauf.]
„Ich erkenne deine stumme, allgegenwärtige Macht an – habe ich das nicht gesagt? Es wurde mir nicht abgerungen; und ich werde diese Ringe jetzt auch nicht loslassen. Du kannst blenden – doch dann kann ich tasten. Du kannst zerstören – doch dann kann ich zu Asche werden. Nimm die Huldigung dieser armen Augen und dieser geschlossenen Hände an – doch ich möchte sie nicht annehmen. Die Blitze durchzucken meinen Schädel; meine Augäpfel schmerzen unerträglich; mein ganzer Gehirn scheint enthauptet zu sein und auf irgendeinem betäubenden Boden zu liegen. Oh, oh! Doch auch mit verbundenen Augen werde ich mit dir sprechen. Auch wenn du hell bist, sprichst du aus der Dunkelheit hervor – doch ich bin die Dunkelheit, die aus dem Licht, aus dir hervorspringt! Die Speere hören auf – öffnet die Augen! Seht ihr es oder nicht? Da brennen die Flammen! Oh, du…“
Page 547
Großzügig! Jetzt rühme ich mich meiner Abstammung. Doch du bist nur mein feuriger Vater – meine liebe Mutter kenne ich nicht. Oh, grausam! Was hast du mit ihr gemacht? Da liegt mein Rätsel – doch deines ist größer. Du weißt nicht, wie ihr entstanden seid, deshalb nennst du dich ungeboren; sicherlich kennst du auch nicht deine Ursprünge, deshalb nennst du dich unentstanden. Ich kenne das über mich, was du selbst nicht über dich kennst – oh, du Allmächtiger. Es gibt etwas Jenseitiges jenseits von dir, du klarer Geist – für den all deine Ewigkeit nur Zeit ist und all deine Kreativität mechanisch. Durch dich, durch dein flammendes Selbst, können meine verbrannten Augen es nur schwach erkennen. Oh, du Waisenfeuer, du uralter Einsiedler – auch du hast dein unverständliches Rätsel, deine ungeteilte Trauer. Wieder einmal lese ich mit stolzer Qual von meinem Vater. Spring! Spring hoch und lecke den Himmel! Ich springe mit dir; ich brenne mit dir; ich möchte gerne mit dir verschmolzen werden; trotzig verehre ich dich!
„Das Boot! Das Boot!“, rief Starbuck. „Schau auf dein Boot, alter Mann!“ Ahabs Harpunen, die im Feuer von Perth geschmiedet worden waren, war weiterhin fest an ihrem Platz befestigt – sie ragte über die Bugspitze seines Walfangboots hinaus. Doch das Meer hatte den Boden des Bootes beschädigt, wodurch der lose Lederschutz abfiel. Von der scharfen Stahlspitze strahlte nun eine Flamme aus – eine blasser, gefiederte Flamme. Während die stille Harpunenflamme dort wie eine Schlangenzunge brannte, packte Starbuck Ahab am Arm: „Gott, Gott ist gegen dich, alter Mann! Hör auf! Es ist eine schlechte Reise – schlecht begonnen, schlecht fortgesetzt. Lass mich die Segel justieren, solange wir noch können, alter Mann – damit wir mit gutem Wind nach Hause segeln können und eine bessere Reise antreten können.“ Als die Besatzung Starbucks Worte hörte, eilten sie sofort zu den Segeln – obwohl kein einziges Segel mehr gehisst war. Für einen Moment schienen alle Gedanken des entsetzten Matrosen ihre eigenen zu sein; sie stießen halb rebellische Rufe aus. Doch Ahab warf die brennende Harpunenflamme wie eine Fackel unter ihnen herum und schwor, jeden Seemann zu durchbohren, der auch nur ein Seilende lockern würde. Entsetzt vor seinem Anblick und noch mehr vor der flammenden Waffe in seiner Hand, zogen sich die Männer zurück. Ahab sprach erneut: „Alle euren Schwüre, den Weißen Wal zu jagen, sind genauso bindend wie meine eigenen. Herz, Seele, Körper, Lungen und Leben – der alte Ahab ist gebunden. Und damit ihr wisst, in welchem Rhythmus dieses Herz schlägt – schaut her: So lösch ich die letzte Angst aus!“ Mit einem Atemzug löschte er die Flamme.
„Das Boot! Das Boot!“, rief Starbuck. „Schau auf dein Boot, alter Mann!“ Ahabs Harpunen, die im Feuer von Perth geschmiedet worden waren, war weiterhin fest an ihrem Platz befestigt – sie ragte über die Bugspitze seines Walfangboots hinaus. Doch das Meer hatte den Boden des Bootes beschädigt, wodurch der lose Lederschutz abfiel. Von der scharfen Stahlspitze strahlte nun eine Flamme aus – eine blasser, gefiederte Flamme. Während die stille Harpunenflamme dort wie eine Schlangenzunge brannte, packte Starbuck Ahab am Arm: „Gott, Gott ist gegen dich, alter Mann! Hör auf! Es ist eine schlechte Reise – schlecht begonnen, schlecht fortgesetzt. Lass mich die Segel justieren, solange wir noch können, alter Mann – damit wir mit gutem Wind nach Hause segeln können und eine bessere Reise antreten können.“ Als die Besatzung Starbucks Worte hörte, eilten sie sofort zu den Segeln – obwohl kein einziges Segel mehr gehisst war. Für einen Moment schienen alle Gedanken des entsetzten Matrosen ihre eigenen zu sein; sie stießen halb rebellische Rufe aus. Doch Ahab warf die brennende Harpunenflamme wie eine Fackel unter ihnen herum und schwor, jeden Seemann zu durchbohren, der auch nur ein Seilende lockern würde. Entsetzt vor seinem Anblick und noch mehr vor der flammenden Waffe in seiner Hand, zogen sich die Männer zurück. Ahab sprach erneut: „Alle euren Schwüre, den Weißen Wal zu jagen, sind genauso bindend wie meine eigenen. Herz, Seele, Körper, Lungen und Leben – der alte Ahab ist gebunden. Und damit ihr wisst, in welchem Rhythmus dieses Herz schlägt – schaut her: So lösch ich die letzte Angst aus!“ Mit einem Atemzug löschte er die Flamme.
Page 548
Wie der Hurrikan, der die Ebene verwüstet, so flohen auch die Männer aus der Umgebung eines einsamen, riesigen Ulmenbaums – dessen enorme Höhe und Stärke ihn umso unsicherer machten, denn er war dadurch umso mehr ein Ziel für Blitze. Bei diesen letzten Worten Abahs flohen viele der Seeleute in großer Furcht vor ihm.
Page 549
KAPITEL 120: Das Deck gegen Ende der ersten Wache
Ahab steht am Ruder. Starbuck nähert sich ihm.
„Wir müssen den Mast des Hauptsegels herunterlassen, Sir. Die Taue sind locker und das Leeseil ist teilweise gerissen. Soll ich es durchtrennen, Sir?“
„Durchtrennen Sie nichts – binden Sie alles fest. Hätte ich Maststangen, würde ich sie jetzt hochziehen.“
„Sir! Um Gottes willen! Sir?“
„Nun.“
„Die Anker funktionieren, Sir. Soll ich sie einholen?“
„Durchtrennen Sie nichts und rühren Sie nichts an – binden Sie nur alles fest. Der Wind wird stärker, aber er hat noch nicht meine Inseln erreicht. Beeilen Sie sich! Bei allen Masten und Kieln – er hält mich wohl für den gebeugten Kapitän irgendeines Küstenschiffs. Lassen Sie den Mast des Hauptsegels herunter! Oh, diese Masten wurden doch für die stärksten Winde gebaut – und mein Mast segelt nun mitten im Wolkenbruch. Soll ich ihn durchtrennen? Nur Feiglinge lassen ihre Masten in Sturmzeiten herunter. Was für ein Lärm da oben! Ich würde es sogar für etwas Erhabenes halten, wüsste ich nicht, dass Koliken eine lästige Krankheit sind. Oh, nehmen Sie doch Medizin ein!“
Ahab steht am Ruder. Starbuck nähert sich ihm.
„Wir müssen den Mast des Hauptsegels herunterlassen, Sir. Die Taue sind locker und das Leeseil ist teilweise gerissen. Soll ich es durchtrennen, Sir?“
„Durchtrennen Sie nichts – binden Sie alles fest. Hätte ich Maststangen, würde ich sie jetzt hochziehen.“
„Sir! Um Gottes willen! Sir?“
„Nun.“
„Die Anker funktionieren, Sir. Soll ich sie einholen?“
„Durchtrennen Sie nichts und rühren Sie nichts an – binden Sie nur alles fest. Der Wind wird stärker, aber er hat noch nicht meine Inseln erreicht. Beeilen Sie sich! Bei allen Masten und Kieln – er hält mich wohl für den gebeugten Kapitän irgendeines Küstenschiffs. Lassen Sie den Mast des Hauptsegels herunter! Oh, diese Masten wurden doch für die stärksten Winde gebaut – und mein Mast segelt nun mitten im Wolkenbruch. Soll ich ihn durchtrennen? Nur Feiglinge lassen ihre Masten in Sturmzeiten herunter. Was für ein Lärm da oben! Ich würde es sogar für etwas Erhabenes halten, wüsste ich nicht, dass Koliken eine lästige Krankheit sind. Oh, nehmen Sie doch Medizin ein!“
Page 550
KAPITEL 121. Mitternacht – Die Vorburg
Die Bollwerke. Stubb und Flask stiegen darauf und legten zusätzliche Seile um die dort hängenden Anker.
„Nein, Stubb – du kannst an diesem Knoten so lange herumhämmern, wie du willst, aber du wirst mir niemals einreden können, was du gerade gesagt hast. Und wie lange ist es her, seit du das Gegenteil behauptet hast? Hast du nicht einmal gesagt, dass jedes Schiff, mit dem Ahab segelt, eine höhere Versicherungsprämie zahlen muss – als wäre es hinten mit Pulverfässern und vorne mit Streichhölzern beladen? Hör auf – hast du das nicht gesagt?“
„Nun, angenommen, ich habe es gesagt – na und? Seitdem habe ich mich körperlich verändert – warum sollte sich dann mein Verstand nicht auch verändern? Außerdem: Selbst wenn wir hinten mit Pulverfässern und vorne mit Streichhölzern beladen wären – wie könnten die Streichhölzer in diesem strömenden Regen Feuer fangen? Mein Junge, du hast zwar rotes Haar – aber du könntest trotzdem nicht in Flammen aufgehen. Schüttle dich doch – du bist Aquarius, der Wasserspender, Flask – du könntest Wasser aus deinem Mantelkragen schöpfen. Siehst du denn nicht, dass die Seeversicherungsgesellschaften für diese zusätzlichen Risiken zusätzliche Garantien bieten? Hier sind die Hydranten, Flask. Aber hör zu – ich werde dir die andere Frage beantworten. Nimm erst mal deinen Fuß vom Ankerkopf weg, damit ich das Seil hindurchlegen kann. Jetzt hör zu: Was ist der große Unterschied zwischen dem Tragen eines Blitzableiters am Mast im Sturm und dem Stehen in der Nähe eines Masts, der überhaupt keinen Blitzableiter hat? Siehst du denn nicht, du Dummkopf, dass demjenigen, der den Blitzableiter trägt, nichts passieren kann – es sei denn, der Mast wird zuerst getroffen? Wovon redest du eigentlich? Kein einziges Schiff von hundert besitzt einen solchen Blitzableiter – und Ahab, ja, wir alle, waren meiner Meinung nach genauso sicher wie alle Besatzungen der zehntausend Schiffe, die jetzt auf hoher See fahren. Du, King-Post – du würdest wohl wollen, dass jeder Mensch auf der Welt einen kleinen Blitzableiter bei sich trägt, der wie eine Feder an der Ecke seines Hutes hängt und hinter ihm herweht. Warum bist du nicht vernünftig, Flask? Es ist doch einfach, vernünftig zu sein – warum tust du es dann nicht? Jeder Mensch mit einem Funken Verstand kann vernünftig sein.“
„Ich weiß es nicht, Stubb. Manchmal fällt es ziemlich schwer.“
Die Bollwerke. Stubb und Flask stiegen darauf und legten zusätzliche Seile um die dort hängenden Anker.
„Nein, Stubb – du kannst an diesem Knoten so lange herumhämmern, wie du willst, aber du wirst mir niemals einreden können, was du gerade gesagt hast. Und wie lange ist es her, seit du das Gegenteil behauptet hast? Hast du nicht einmal gesagt, dass jedes Schiff, mit dem Ahab segelt, eine höhere Versicherungsprämie zahlen muss – als wäre es hinten mit Pulverfässern und vorne mit Streichhölzern beladen? Hör auf – hast du das nicht gesagt?“
„Nun, angenommen, ich habe es gesagt – na und? Seitdem habe ich mich körperlich verändert – warum sollte sich dann mein Verstand nicht auch verändern? Außerdem: Selbst wenn wir hinten mit Pulverfässern und vorne mit Streichhölzern beladen wären – wie könnten die Streichhölzer in diesem strömenden Regen Feuer fangen? Mein Junge, du hast zwar rotes Haar – aber du könntest trotzdem nicht in Flammen aufgehen. Schüttle dich doch – du bist Aquarius, der Wasserspender, Flask – du könntest Wasser aus deinem Mantelkragen schöpfen. Siehst du denn nicht, dass die Seeversicherungsgesellschaften für diese zusätzlichen Risiken zusätzliche Garantien bieten? Hier sind die Hydranten, Flask. Aber hör zu – ich werde dir die andere Frage beantworten. Nimm erst mal deinen Fuß vom Ankerkopf weg, damit ich das Seil hindurchlegen kann. Jetzt hör zu: Was ist der große Unterschied zwischen dem Tragen eines Blitzableiters am Mast im Sturm und dem Stehen in der Nähe eines Masts, der überhaupt keinen Blitzableiter hat? Siehst du denn nicht, du Dummkopf, dass demjenigen, der den Blitzableiter trägt, nichts passieren kann – es sei denn, der Mast wird zuerst getroffen? Wovon redest du eigentlich? Kein einziges Schiff von hundert besitzt einen solchen Blitzableiter – und Ahab, ja, wir alle, waren meiner Meinung nach genauso sicher wie alle Besatzungen der zehntausend Schiffe, die jetzt auf hoher See fahren. Du, King-Post – du würdest wohl wollen, dass jeder Mensch auf der Welt einen kleinen Blitzableiter bei sich trägt, der wie eine Feder an der Ecke seines Hutes hängt und hinter ihm herweht. Warum bist du nicht vernünftig, Flask? Es ist doch einfach, vernünftig zu sein – warum tust du es dann nicht? Jeder Mensch mit einem Funken Verstand kann vernünftig sein.“
„Ich weiß es nicht, Stubb. Manchmal fällt es ziemlich schwer.“
Page 551
„Ja, wenn man völlig durchnässt ist, fällt es schwer, vernünftig zu sein – das ist eine Tatsache. Ich bin auch völlig durchgeweicht von diesem Sprühnebel. Egal; biegen wir dort ab und lassen es hinter uns. Es scheint mir, als würden wir diese Anker jetzt festmachen, als würden sie nie wieder verwendet werden. Diese beiden Anker hier zu binden, Flask, ist, als würde man einem Mann die Hände hinter dem Rücken fesseln. Und was für große, „großzügige“ Hände das doch sind – wirklich. Das sind ja deine eisernen Fäuste, oder? Was für einen festen Halt sie haben! Ich frage mich, Flask, ob die Welt überhaupt irgendwo verankert ist; falls ja, dann sicherlich mit einem außergewöhnlich langen Seil. Da – schlag den Knoten fest, dann sind wir fertig. Nächst dem Land erreichen zu können, ist das Anzünden des Feuers auf dem Deck das Zufriedenstellendste. Könntest du bitte meine Jackensaum ausdrücken? Danke. Sie lachen über lange Mäntel, Flask – aber mir scheint, dass man in allen Stürmen auf See immer einen Mantel mit langem Saum tragen sollte. Die Saumenden leiten das Wasser ab, verstehst du? Dasselbe gilt für Hüte mit spitzen Enden – diese bilden sozusagen Regenrinnen, Flask. Keine Monkey-Jackets und Planen mehr für mich; ich muss mir einen Mantel mit Schwanzfalte besorgen. Halloa! Puh! Meine Plane ist ins Meer gefallen; Herr im Himmel, warum müssen die Winde vom Himmel nur so unhöflich sein! Das ist eine schreckliche Nacht, Junge.“
Page 552
KAPITEL 122. Mitternacht in der Luft – Donner und Blitz.
Der Hauptsegeltakel – Tashtego befestigt neue Seile daran.
„Umm, umm, umm. Hört auf mit dem Donner! Es gibt hier schon zu viel Donner. Welchen Sinn hat der Donner? Umm, umm, umm. Wir wollen keinen Donner – wir wollen Rum! Gebt uns ein Glas Rum. Umm, umm, umm!“
Der Hauptsegeltakel – Tashtego befestigt neue Seile daran.
„Umm, umm, umm. Hört auf mit dem Donner! Es gibt hier schon zu viel Donner. Welchen Sinn hat der Donner? Umm, umm, umm. Wir wollen keinen Donner – wir wollen Rum! Gebt uns ein Glas Rum. Umm, umm, umm!“
Page 553
KAPITEL 123. Die Muskete.
Während der heftigsten Stürme des Taifuns wurde der Mann am Ruder des Pequod immer wieder durch die spastischen Bewegungen des Ruders auf das Deck geschleudert – obwohl bereits Sicherungsseile daran befestigt waren; doch diese waren locker, denn ein gewisser Spielraum am Ruder war unvermeidlich. In einem solchen heftigen Sturm, in dem das Schiff wie ein hin- und hergeworfener Shuttlecock den Winden ausgeliefert ist, ist es keineswegs ungewöhnlich, dass die Nadeln der Kompasse von Zeit zu Zeit im Kreis rotieren. So war es auch mit dem Pequod: Bei fast jedem Stoß bemerkte der Steuermann die rasante Geschwindigkeit, mit der die Nadeln sich drehten; das ist ein Anblick, den kaum jemand ohne eine Art ungewöhnliche Emotion ertragen kann.
Einige Stunden nach Mitternacht ließ der Taifun so sehr nach, dass durch die intensiven Bemühungen von Starbuck und Stubb – der eine vorne und der andere hinten – die zerrütteten Überreste der Besan-, Vor- und Hauptsegel von den Masten getrennt wurden und wie die Federn eines Albatros abtrieben, die manchmal im Wind treiben, wenn dieses vom Sturm gepeinigte Tier fliegt. Die drei neuen Segel wurden nun gebogen und eingekürzt, und ein Sturmsegel wurde weiter hinten gesetzt; dadurch konnte das Schiff bald wieder recht präzise durchs Wasser fahren. Der Kurs – vorerst Südost – wurde dem Steuermann erneut überlassen, falls das möglich war. Denn während der Heftigkeit des Sturms hatte er nur entsprechend den Schwankungen des Windes gesteuert. Doch da er das Schiff nun so nah wie möglich auf seinen Kurs brachte und dabei den Kompass im Auge behielt – siehe da! Ein gutes Zeichen: Der Wind schien von achtern zu kommen; ja, der böse Wind wurde zum günstigen Wind! Sofort wurden die Segel justiert, begleitet vom fröhlichen Lied „Ho! Der günstige Wind! Oh-ye-ho, Freunde!“ Die Besatzung sang vor Freude, dass ein so vielversprechender Umstand so schnell die vorangegangenen schlechten Vorzeichen überwand.
Gemäß dem Befehl seines Kommandanten – sofort und zu jeder Tageszeit Bericht über jede wesentliche Veränderung an Deck zu erstatten – justierte Starbuck die Segel umgehend.
Während der heftigsten Stürme des Taifuns wurde der Mann am Ruder des Pequod immer wieder durch die spastischen Bewegungen des Ruders auf das Deck geschleudert – obwohl bereits Sicherungsseile daran befestigt waren; doch diese waren locker, denn ein gewisser Spielraum am Ruder war unvermeidlich. In einem solchen heftigen Sturm, in dem das Schiff wie ein hin- und hergeworfener Shuttlecock den Winden ausgeliefert ist, ist es keineswegs ungewöhnlich, dass die Nadeln der Kompasse von Zeit zu Zeit im Kreis rotieren. So war es auch mit dem Pequod: Bei fast jedem Stoß bemerkte der Steuermann die rasante Geschwindigkeit, mit der die Nadeln sich drehten; das ist ein Anblick, den kaum jemand ohne eine Art ungewöhnliche Emotion ertragen kann.
Einige Stunden nach Mitternacht ließ der Taifun so sehr nach, dass durch die intensiven Bemühungen von Starbuck und Stubb – der eine vorne und der andere hinten – die zerrütteten Überreste der Besan-, Vor- und Hauptsegel von den Masten getrennt wurden und wie die Federn eines Albatros abtrieben, die manchmal im Wind treiben, wenn dieses vom Sturm gepeinigte Tier fliegt. Die drei neuen Segel wurden nun gebogen und eingekürzt, und ein Sturmsegel wurde weiter hinten gesetzt; dadurch konnte das Schiff bald wieder recht präzise durchs Wasser fahren. Der Kurs – vorerst Südost – wurde dem Steuermann erneut überlassen, falls das möglich war. Denn während der Heftigkeit des Sturms hatte er nur entsprechend den Schwankungen des Windes gesteuert. Doch da er das Schiff nun so nah wie möglich auf seinen Kurs brachte und dabei den Kompass im Auge behielt – siehe da! Ein gutes Zeichen: Der Wind schien von achtern zu kommen; ja, der böse Wind wurde zum günstigen Wind! Sofort wurden die Segel justiert, begleitet vom fröhlichen Lied „Ho! Der günstige Wind! Oh-ye-ho, Freunde!“ Die Besatzung sang vor Freude, dass ein so vielversprechender Umstand so schnell die vorangegangenen schlechten Vorzeichen überwand.
Gemäß dem Befehl seines Kommandanten – sofort und zu jeder Tageszeit Bericht über jede wesentliche Veränderung an Deck zu erstatten – justierte Starbuck die Segel umgehend.
Page 554
Er ging – so widerwillig und düster auch immer – mechanisch nach unten, um Kapitän Ahab von der Situation in Kenntnis zu setzen. Bevor er an seine Kabine klopfte, hielt er unwillkürlich einen Moment inne. Die Lampe in der Kabine flackerte hin und her und warf unregelmäßige Schatten auf die verschlossene Tür des Alten – eine dünne Tür mit fest eingebauten Jalousien anstelle von oberen Paneelen. Die abgeschlossene Unterweltartigkeit der Kabine sorgte für eine Art summendes Schweigen, obwohl sie von dem Toben der Elemente umgeben war. Die geladenen Musketen im Gestell waren deutlich zu sehen, da sie senkrecht an der vorderen Wand standen. Starbuck war ein ehrlicher, aufrichtiger Mann; doch in diesem Moment, als er die Musketen sah, kam seltsamerweise ein böser Gedanke in ihm auf – doch dieser war so mit neutralen oder guten Aspekten vermischt, dass er ihn zunächst kaum als solchen erkannte.
„Er hätte mich einmal erschießen wollen“, murmelte er. „Ja, das ist genau die Muskete, mit der er auf mich gezielt hat – jene mit dem beschlagenen Kolben. Lass mich sie berühren – sie hochheben. Seltsam, dass ich, der ich schon so viele tödliche Waffen in den Händen hatte, jetzt so zittere. Geladen? Ich muss nachsehen. Ja, und Pulver im Lauf – das ist nicht gut. Soll ich es verschütten? Warte. Ich werde mich davon befreien. Ich werde die Muskete mutig halten, während ich nachdenke. Ich komme, um ihm von einem günstigen Wind zu berichten. Doch wie günstig? Ein Wind, der zum Tod und zur Vernichtung führt – das ist ein günstiger Wind für Moby Dick. Es ist ein Wind, der nur für diesen verfluchten Fisch günstig ist. Genau die Muskete, mit der er auf mich gezielt hat! Ich halte sie hier in den Händen – er hätte mich mit genau dem Ding getötet, das ich jetzt in den Händen halte. Ja, und er würde gerne alle seine Besatzungsmitglieder töten. Sagt er nicht, er werde seine Masten bei keinem Sturm senken? Hat er nicht seinen astronomischen Quadranten zerstört? Und in diesen gefährlichen Meeren findet er seinen Weg nur durch reine Schätzung, basierend auf dem fehleranfälligen Logbuch. Und in diesem Taifun schwor er, keine Blitzableiter zu haben. Doch soll dieser verrückte alte Mann einfach gewähren lassen werden, dass er die ganze Besatzung mit sich in den Untergang zieht? Ja, dann wäre er der absichtliche Mörder von dreißig Männern und mehr, falls dieses Schiff Schaden nimmt – und mein Gewissen schwört, dass das Schiff Schaden nehmen wird, wenn Ahab seinen Willen bekommt. Wenn er also in diesem Moment… Nun, dieses Verbrechen wäre dann nicht sein Werk. Ha! Flüstert er im Schlaf? Ja, genau dort – er schläft. Schläft? Ja, aber immer noch am Leben – und bald wieder wach. Dann kann ich dir nicht widerstehen, alter Mann. Weder Vernunft noch Ermahnungen noch Bitten wirst du hören; all das verachtest du. Nur blinder Gehorsam gegenüber deinen eigenen Befehlen – das ist alles, was dir wichtig ist. Ja, und du sagst, die Männer hätten deinen Schwur übernommen.“
„Er hätte mich einmal erschießen wollen“, murmelte er. „Ja, das ist genau die Muskete, mit der er auf mich gezielt hat – jene mit dem beschlagenen Kolben. Lass mich sie berühren – sie hochheben. Seltsam, dass ich, der ich schon so viele tödliche Waffen in den Händen hatte, jetzt so zittere. Geladen? Ich muss nachsehen. Ja, und Pulver im Lauf – das ist nicht gut. Soll ich es verschütten? Warte. Ich werde mich davon befreien. Ich werde die Muskete mutig halten, während ich nachdenke. Ich komme, um ihm von einem günstigen Wind zu berichten. Doch wie günstig? Ein Wind, der zum Tod und zur Vernichtung führt – das ist ein günstiger Wind für Moby Dick. Es ist ein Wind, der nur für diesen verfluchten Fisch günstig ist. Genau die Muskete, mit der er auf mich gezielt hat! Ich halte sie hier in den Händen – er hätte mich mit genau dem Ding getötet, das ich jetzt in den Händen halte. Ja, und er würde gerne alle seine Besatzungsmitglieder töten. Sagt er nicht, er werde seine Masten bei keinem Sturm senken? Hat er nicht seinen astronomischen Quadranten zerstört? Und in diesen gefährlichen Meeren findet er seinen Weg nur durch reine Schätzung, basierend auf dem fehleranfälligen Logbuch. Und in diesem Taifun schwor er, keine Blitzableiter zu haben. Doch soll dieser verrückte alte Mann einfach gewähren lassen werden, dass er die ganze Besatzung mit sich in den Untergang zieht? Ja, dann wäre er der absichtliche Mörder von dreißig Männern und mehr, falls dieses Schiff Schaden nimmt – und mein Gewissen schwört, dass das Schiff Schaden nehmen wird, wenn Ahab seinen Willen bekommt. Wenn er also in diesem Moment… Nun, dieses Verbrechen wäre dann nicht sein Werk. Ha! Flüstert er im Schlaf? Ja, genau dort – er schläft. Schläft? Ja, aber immer noch am Leben – und bald wieder wach. Dann kann ich dir nicht widerstehen, alter Mann. Weder Vernunft noch Ermahnungen noch Bitten wirst du hören; all das verachtest du. Nur blinder Gehorsam gegenüber deinen eigenen Befehlen – das ist alles, was dir wichtig ist. Ja, und du sagst, die Männer hätten deinen Schwur übernommen.“
Page 555
„Sagt Ihr, wir wären alle Ahabs? Um Himmels willen, nein! – Aber gibt es keinen anderen Weg? Keinen gesetzlichen Weg? Soll man ihn gefangen nehmen und nach Hause bringen? Was! Hoffen, die Lebenskraft dieses alten Mannes aus seinen eigenen Händen zu reißen? Nur ein Narr würde das versuchen. Selbst wenn er gefesselt wäre – mit Seilen und Taue überall gebunden, an den Boden der Kabine gekettet – wäre er dann nicht noch schrecklicher als ein in einen Käfig gesperrter Tiger? Ich könnte diesen Anblick nicht ertragen; ich könnte seine Schreie nicht ertragen; jeglicher Trost, selbst der Schlaf, jede Vernunft würden mich auf dieser unerträglichen Reise verlassen. Was bleibt also übrig? Das Land liegt Hunderte von Meilen entfernt – Japan ist der nächste Ort. Ich stehe hier allein auf hoher See, mit zwei Ozeanen und einem ganzen Kontinent zwischen mir und dem Gesetz. Ja, so ist es. Ist der Himmel ein Mörder, wenn sein Blitz einen Mördervorhabenden in seinem Bett trifft und Laken und Haut miteinander verbindet? Und wäre ich dann ein Mörder, wenn…“ Langsam, heimlich, dabei halb zur Seite blickend, legte er die geladene Muskete gegen die Tür. „Auf dieser Ebene hängt Ahabs Hängematte; sein Kopf ist in diese Richtung. Ein einziger Schuss – und Starbuck könnte überleben, um seine Frau und sein Kind wieder in die Arme zu schließen. Oh Mary! Mary! Junge! Junge! Junge! Doch wenn ich dich nicht zum Tod wecke, alter Mann – wer kann sagen, in welche unermesslichen Tiefen Starsucks Körper zusammen mit der ganzen Besatzung noch in dieser Woche sinken wird? Um Himmels willen, wo bist Du? Soll ich es tun? Der Wind hat nachgelassen und gedreht, Sir; die Vor- und Hauptsegel sind eingeholt worden; das Schiff nimmt Kurs.“ „Alles in Ordnung! Oh Moby Dick, endlich halte ich dein Herz in meinen Händen!“ So klangen die Geräusche, die nun aus dem gequälten Schlaf des alten Mannes drangen – als hätte Starsucks Stimme den langen, stummen Traum zum Sprechen gebracht. Die immer noch auf die Tür gerichtete Muskete zitterte wie der Arm eines Betrunkenen; es schien, als kämpfe Starbuck mit einem Engel. Doch nachdem er sich von der Tür abgewandt hatte, legte er die tödliche Waffe zurück an ihren Platz und verließ den Raum. „Er schläft zu fest, Mr. Stubb; gehen Sie hinunter, wecken Sie ihn und erzählen Sie ihm alles. Ich muss mich hier um das Deck kümmern. Sie wissen, was zu sagen ist.“
Page 556
KAPITEL 124. Die Nadel.
Am nächsten Morgen rollte das noch nicht zur Ruhe gekommene Meer in langen, langsamen Wellen heran – Wellen von gewaltiger Größe. Sie drängten gegen den Kurs der Pequod an, als wären es die ausgestreckten Hände riesiger Wesen. Der starke, unermüdliche Wind wehte so stark, dass Himmel und Luft wie riesige Segel erschienen; die ganze Welt schien dem Wind zu gehorchen. Im hellen Morgenlicht war die unsichtbare Sonne nur anhand der Intensität ihres Lichts erkennbar; ihre Strahlen bewegten sich in Reihen vorwärts. Über allem lag ein Glanz, als wären dort gekrönte babylonische Könige und Königinnen zu sehen. Das Meer glich einem Schmelztiegel aus flüssigem Gold, das vor Licht und Wärme sprudelte.
Ahab stand eine Weile in betörender Stille da. Jedes Mal, wenn das Schiff wegen der Wellen nach unten sank, wandte er sich um, um die Strahlen der Sonne zu betrachten. Wenn das Schiff wieder ruhiger wurde, blickte er nach hinten und sah, wie die gelben Sonnenstrahlen mit seinem Kielwasser verschmolzen.
„Ha, ha, mein Schiff! Man könnte dich jetzt leicht für den Sonnenwagen halten. Ho, ho! Ihr alle Völker vor meinem Bug – ich bringe euch die Sonne! An die Zügel der Wellen – hallo! Ich lenke das Meer!“
Doch plötzlich hielt er inne, eilte zum Ruder und fragte barsch, in welche Richtung das Schiff fuhr.
„Ost-südost, Sir“, antwortete der verängstigte Steuermann.
„Du lügst!“, schrie Ahab und schlug ihn mit der Faust. „In dieser Morgenstunde nach Osten – und die Sonne hinter uns?“
Alle waren verwirrt; denn das Phänomen, das Ahab gerade beobachtet hatte, war allen anderen entgangen – doch wohl gerade seine überdeutliche Wahrnehmbarkeit war der Grund dafür.
Ahab steckte seinen Kopf halb in das Ruderhaus und warf einen Blick auf die Kompassen. Sein erhobener Arm sank langsam herab; für einen Moment schien er zu taumeln. Starbuck, der hinter ihm stand, sah, dass beide Kompassnadeln nach Osten zeigten – doch die Pequod fuhr unweigerlich nach Westen.
Bevor unter der Besatzung Panik ausbrechen konnte, rief der alte Mann mit einem kalten Lachen: „Ich habe es! Das ist schon einmal passiert.“
Am nächsten Morgen rollte das noch nicht zur Ruhe gekommene Meer in langen, langsamen Wellen heran – Wellen von gewaltiger Größe. Sie drängten gegen den Kurs der Pequod an, als wären es die ausgestreckten Hände riesiger Wesen. Der starke, unermüdliche Wind wehte so stark, dass Himmel und Luft wie riesige Segel erschienen; die ganze Welt schien dem Wind zu gehorchen. Im hellen Morgenlicht war die unsichtbare Sonne nur anhand der Intensität ihres Lichts erkennbar; ihre Strahlen bewegten sich in Reihen vorwärts. Über allem lag ein Glanz, als wären dort gekrönte babylonische Könige und Königinnen zu sehen. Das Meer glich einem Schmelztiegel aus flüssigem Gold, das vor Licht und Wärme sprudelte.
Ahab stand eine Weile in betörender Stille da. Jedes Mal, wenn das Schiff wegen der Wellen nach unten sank, wandte er sich um, um die Strahlen der Sonne zu betrachten. Wenn das Schiff wieder ruhiger wurde, blickte er nach hinten und sah, wie die gelben Sonnenstrahlen mit seinem Kielwasser verschmolzen.
„Ha, ha, mein Schiff! Man könnte dich jetzt leicht für den Sonnenwagen halten. Ho, ho! Ihr alle Völker vor meinem Bug – ich bringe euch die Sonne! An die Zügel der Wellen – hallo! Ich lenke das Meer!“
Doch plötzlich hielt er inne, eilte zum Ruder und fragte barsch, in welche Richtung das Schiff fuhr.
„Ost-südost, Sir“, antwortete der verängstigte Steuermann.
„Du lügst!“, schrie Ahab und schlug ihn mit der Faust. „In dieser Morgenstunde nach Osten – und die Sonne hinter uns?“
Alle waren verwirrt; denn das Phänomen, das Ahab gerade beobachtet hatte, war allen anderen entgangen – doch wohl gerade seine überdeutliche Wahrnehmbarkeit war der Grund dafür.
Ahab steckte seinen Kopf halb in das Ruderhaus und warf einen Blick auf die Kompassen. Sein erhobener Arm sank langsam herab; für einen Moment schien er zu taumeln. Starbuck, der hinter ihm stand, sah, dass beide Kompassnadeln nach Osten zeigten – doch die Pequod fuhr unweigerlich nach Westen.
Bevor unter der Besatzung Panik ausbrechen konnte, rief der alte Mann mit einem kalten Lachen: „Ich habe es! Das ist schon einmal passiert.“
Page 557
„Starbuck – der Donner von letzter Nacht hat unsere Kompassnadeln durcheinandergebracht, das ist alles. Ich nehme an, du hast schon einmal von so etwas gehört.“
„Ja; aber noch nie ist mir so etwas widerfahren, Sir“, sagte der blasse Matrose düster.
Es muss hier gesagt werden, dass solche Vorfälle in mehr als einem Fall Schiffen in heftigen Stürmen widerfahren sind. Die magnetische Energie, wie sie in der Kompassnadel zum Ausdruck kommt, ist, wie alle wissen, im Grunde genommen identisch mit der Elektrizität, die am Himmel zu beobachten ist; daher ist es nicht weiter erstaunlich, dass solche Dinge geschehen. In Fällen, in denen der Blitz tatsächlich das Schiff traf und einige Masten sowie Takelung zerstörte, war die Wirkung auf die Kompassnadel manchmal sogar noch verheerender: Ihre magnetischen Eigenschaften wurden völlig zerstört, sodass das einst magnetische Stahlteil genauso nutzlos wurde wie eine alte Stricknadel. Doch in jedem Fall erholt sich die Nadel niemals von selbst wieder von dieser Schädigung oder diesem Verlust ihrer Eigenschaften; und wenn die Kompassnadeln im Kompasshäuschen betroffen sind, trifft dasselbe Schicksal alle anderen Kompassnadeln an Bord – selbst dann, wenn die tiefste davon im Rumpf des Schiffes angebracht ist.
Der alte Mann stand absichtlich vor dem Kompasshäuschen und betrachtete die Kompassnadeln. Mit der Spitze seines ausgestreckten Arms bestimmte er anschließend genau die Richtung der Sonne und stellte fest, dass die Nadeln genau umgekehrt standen. Daraufhin gab er Befehle, den Kurs des Schiffes entsprechend zu ändern. Die Segel wurden straff gezogen – und wieder stieß die Pequod ihren unerschrockenen Bug gegen den Gegenwind, denn der sogenannte günstige Wind hatte sie nur getäuscht.
Währenddessen sagte Starbuck nichts über seine eigenen Gedanken, sondern erteilte ruhig alle notwendigen Befehle. Stubb und Flask – die zu diesem Zeitpunkt anscheinend bis zu einem gewissen Grad seine Gefühle teilten – stimmten ebenfalls schweigend zu. Was die Männer anging, so hatten zwar einige von ihnen Bedenken, doch ihre Furcht vor Ahab war größer als ihre Furcht vor dem Schicksal. Doch wie immer blieben die heidnischen Harpunenwerfer fast völlig unbeeindruckt – oder falls doch, dann nur durch jene Art von „Magnetismus“, der aus dem unerschütterlichen Charakter von Ahab in ihre Herzen drang.
Für eine Weile wanderte der alte Mann nachdenklich über das Deck. Doch als er versehentlich mit seinem Elfenbeinhorn ausrutschte, sah er die zerstörten Kupferrohre des Quadranten, die er am Vortag auf das Deck geworfen hatte.
„Du armer, stolzer Himmelsbeobachter und Sonnenführer! Gestern habe ich dich zerstört – heute wollten die Kompassnadeln mich zerstören. So ist das eben.“
„Ja; aber noch nie ist mir so etwas widerfahren, Sir“, sagte der blasse Matrose düster.
Es muss hier gesagt werden, dass solche Vorfälle in mehr als einem Fall Schiffen in heftigen Stürmen widerfahren sind. Die magnetische Energie, wie sie in der Kompassnadel zum Ausdruck kommt, ist, wie alle wissen, im Grunde genommen identisch mit der Elektrizität, die am Himmel zu beobachten ist; daher ist es nicht weiter erstaunlich, dass solche Dinge geschehen. In Fällen, in denen der Blitz tatsächlich das Schiff traf und einige Masten sowie Takelung zerstörte, war die Wirkung auf die Kompassnadel manchmal sogar noch verheerender: Ihre magnetischen Eigenschaften wurden völlig zerstört, sodass das einst magnetische Stahlteil genauso nutzlos wurde wie eine alte Stricknadel. Doch in jedem Fall erholt sich die Nadel niemals von selbst wieder von dieser Schädigung oder diesem Verlust ihrer Eigenschaften; und wenn die Kompassnadeln im Kompasshäuschen betroffen sind, trifft dasselbe Schicksal alle anderen Kompassnadeln an Bord – selbst dann, wenn die tiefste davon im Rumpf des Schiffes angebracht ist.
Der alte Mann stand absichtlich vor dem Kompasshäuschen und betrachtete die Kompassnadeln. Mit der Spitze seines ausgestreckten Arms bestimmte er anschließend genau die Richtung der Sonne und stellte fest, dass die Nadeln genau umgekehrt standen. Daraufhin gab er Befehle, den Kurs des Schiffes entsprechend zu ändern. Die Segel wurden straff gezogen – und wieder stieß die Pequod ihren unerschrockenen Bug gegen den Gegenwind, denn der sogenannte günstige Wind hatte sie nur getäuscht.
Währenddessen sagte Starbuck nichts über seine eigenen Gedanken, sondern erteilte ruhig alle notwendigen Befehle. Stubb und Flask – die zu diesem Zeitpunkt anscheinend bis zu einem gewissen Grad seine Gefühle teilten – stimmten ebenfalls schweigend zu. Was die Männer anging, so hatten zwar einige von ihnen Bedenken, doch ihre Furcht vor Ahab war größer als ihre Furcht vor dem Schicksal. Doch wie immer blieben die heidnischen Harpunenwerfer fast völlig unbeeindruckt – oder falls doch, dann nur durch jene Art von „Magnetismus“, der aus dem unerschütterlichen Charakter von Ahab in ihre Herzen drang.
Für eine Weile wanderte der alte Mann nachdenklich über das Deck. Doch als er versehentlich mit seinem Elfenbeinhorn ausrutschte, sah er die zerstörten Kupferrohre des Quadranten, die er am Vortag auf das Deck geworfen hatte.
„Du armer, stolzer Himmelsbeobachter und Sonnenführer! Gestern habe ich dich zerstört – heute wollten die Kompassnadeln mich zerstören. So ist das eben.“
Page 558
Ahab ist weiterhin der Herr über den Kompass aus Magnetstein. Herr Starbuck – ein Speer ohne Stiel; ein Hammer sowie die kleinste der Nadeln des Segelmachers. Schnell!“
Vielleicht waren es besonnene Motive, die seinen Impuls, das zu tun, was er nun vorhatte, begleiteten – Motive, deren Ziel darin bestehen mochte, durch seine raffinierte Fähigkeit den Mut seiner Mannschaft wiederzubeleben, in einer so erstaunlichen Angelegenheit wie der umgekehrten Kompassnadeln. Zudem wusste der alte Mann nur zu gut, dass das Steuern mit umgekehrten Nadeln, auch wenn es ungeschickt möglich war, von abergläubischen Seeleuten nicht einfach hingenommen werden konnte, ohne Schaudern und böse Vorzeichen.
„Männer“, sagte er und wandte sich entschlossen an die Mannschaft, während der Bootsmann ihm die von ihm verlangten Gegenstände reichte, „meine Männer – der Donner hat Ahabs Nadeln verdreht; doch aus diesem Stück Stahl kann Ahab eine eigene Nadel herstellen, die genauso genau zeigt wie jede andere.“
Als das gesagt wurde, wechselten die Seeleute beschämte Blicke voller ehrfürchtiger Bewunderung; mit faszinierten Augen warteten sie auf das magische Ergebnis. Doch Starbuck wandte den Blick ab.
Mit einem Schlag des Hammers schlug Ahab den Stahlkopf des Speers ab, reichte dem Bootsmann den verbleibenden langen Eisenstab und befahl ihm, ihn aufrecht zu halten, ohne dass er den Boden berührte. Anschließend schlug er mit dem Hammer wiederholt auf das obere Ende dieses Eisenstabs, setzte die abgeschrägte Nadel senkrecht darauf und klopfte sie noch einige Male leicht, während der Bootsmann den Stab weiterhin festhielt. Danach führte er einige seltsame Bewegungen mit dem Stab aus – ob das zur Magnetisierung des Stahls notwendig war oder lediglich dazu diente, die Ehrfurcht der Mannschaft zu steigern, ist ungewiss – danach bat er um Leinenschnur. Er ging zum Kompasspult, holte die beiden umgekehrten Nadeln heraus und hängte die Segelnadel waagerecht in der Mitte über eines der Kompasskarten auf. Zuerst drehte sich die Nadel im Kreis, zitternd und vibrierend an beiden Enden; doch schließlich beruhigte sie sich in ihrer Position. Da trat Ahab, der dies aufmerksam beobachtet hatte, selbstbewusst vom Kompasspult zurück, streckte seinen Arm aus und rief: „Seht selbst, ob Ahab nicht der Herr des Kompasses aus Magnetstein ist! Die Sonne steht im Osten – und dieser Kompass belegt es!“
Einer nach dem anderen blickten sie hinüber – denn nur ihre eigenen Augen konnten ihre Unwissenheit überwinden – und einer nach dem anderen zogen sie sich zurück. In seinen feurigen Augen voller Spott und Triumph sah man Ahab in all seinem tödlichen Stolz.
Vielleicht waren es besonnene Motive, die seinen Impuls, das zu tun, was er nun vorhatte, begleiteten – Motive, deren Ziel darin bestehen mochte, durch seine raffinierte Fähigkeit den Mut seiner Mannschaft wiederzubeleben, in einer so erstaunlichen Angelegenheit wie der umgekehrten Kompassnadeln. Zudem wusste der alte Mann nur zu gut, dass das Steuern mit umgekehrten Nadeln, auch wenn es ungeschickt möglich war, von abergläubischen Seeleuten nicht einfach hingenommen werden konnte, ohne Schaudern und böse Vorzeichen.
„Männer“, sagte er und wandte sich entschlossen an die Mannschaft, während der Bootsmann ihm die von ihm verlangten Gegenstände reichte, „meine Männer – der Donner hat Ahabs Nadeln verdreht; doch aus diesem Stück Stahl kann Ahab eine eigene Nadel herstellen, die genauso genau zeigt wie jede andere.“
Als das gesagt wurde, wechselten die Seeleute beschämte Blicke voller ehrfürchtiger Bewunderung; mit faszinierten Augen warteten sie auf das magische Ergebnis. Doch Starbuck wandte den Blick ab.
Mit einem Schlag des Hammers schlug Ahab den Stahlkopf des Speers ab, reichte dem Bootsmann den verbleibenden langen Eisenstab und befahl ihm, ihn aufrecht zu halten, ohne dass er den Boden berührte. Anschließend schlug er mit dem Hammer wiederholt auf das obere Ende dieses Eisenstabs, setzte die abgeschrägte Nadel senkrecht darauf und klopfte sie noch einige Male leicht, während der Bootsmann den Stab weiterhin festhielt. Danach führte er einige seltsame Bewegungen mit dem Stab aus – ob das zur Magnetisierung des Stahls notwendig war oder lediglich dazu diente, die Ehrfurcht der Mannschaft zu steigern, ist ungewiss – danach bat er um Leinenschnur. Er ging zum Kompasspult, holte die beiden umgekehrten Nadeln heraus und hängte die Segelnadel waagerecht in der Mitte über eines der Kompasskarten auf. Zuerst drehte sich die Nadel im Kreis, zitternd und vibrierend an beiden Enden; doch schließlich beruhigte sie sich in ihrer Position. Da trat Ahab, der dies aufmerksam beobachtet hatte, selbstbewusst vom Kompasspult zurück, streckte seinen Arm aus und rief: „Seht selbst, ob Ahab nicht der Herr des Kompasses aus Magnetstein ist! Die Sonne steht im Osten – und dieser Kompass belegt es!“
Einer nach dem anderen blickten sie hinüber – denn nur ihre eigenen Augen konnten ihre Unwissenheit überwinden – und einer nach dem anderen zogen sie sich zurück. In seinen feurigen Augen voller Spott und Triumph sah man Ahab in all seinem tödlichen Stolz.
Page 559
Page 560
KAPITEL 125. Das Logbuch und die Schnur.
Obwohl das Schicksal des Pequod bereits seit langer Zeit diese Reise unternahm, wurden das Logbuch sowie die Schnur nur sehr selten verwendet. Aufgrund des Vertrauens in andere Methoden zur Bestimmung der Schiffslage vernachlässigten einige Handelsschiffe sowie viele Walfänger – insbesondere bei der Kreuzfahrt – völlig das Benutzen des Logbuchs. Gleichzeitig wurden jedoch regelmäßig, meist eher aus Formgründen als aus anderen Gründen, Kurs und geschätzte Durchschnittsgeschwindigkeit des Schiffes auf das übliche Blatt notiert. So war es auch beim Pequod. Der hölzerne Rollemechanismus sowie das daran befestigte Logbuch hingen lange Zeit unberührt direkt unter dem Geländer der achteren Reling. Regen und Gischt hatten sie durchnässt; Sonne und Wind hatten sie verformt – alle Elemente zusammen führten dazu, dass dieses nutzlose Gerät verrottete. Doch Ahab kümmerte sich nicht um all das. Kurz nach dem Vorfall mit dem Magnet blickte er zufällig auf den Rollemechanismus und erinnerte sich daran, dass sein Quadrant nicht mehr vorhanden war – sowie an seinen verzweifelten Schwur bezüglich des Logbuchs und der Schnur. Das Schiff segelte mit hoher Geschwindigkeit; hinter ihm türmten sich die Wellen.
„Los, holt das Logbuch her!“
Zwei Seeleute kamen herbei – der goldhäutige Tahitianer und der grauhaarige Mannxmann.
„Einer von euch nimmt den Rollemechanismus – ich werde das Logbuch herausholen.“
Sie gingen zum äußersten Heck, auf die leewärtige Seite des Schiffes, wo das Deck aufgrund der starken Windböen fast in das schaumige Meer hineinragte. Der Mannxmann nahm den Rollemechanismus und hielt ihn hoch, an den herausstehenden Griffen des Spulenkörpers, um den sich die Schnur wand. Das Logbuch hing dabei nach unten. Ahab trat zu ihm. Er wickelte etwa dreißig bis vierzig Umdrehungen ab, um eine vorläufige Schlaufe zu bilden, die anschließend über Bord geworfen werden sollte. In diesem Moment wagte der alte Mannxmann, der ihn sowie die Schnur genau beobachtet hatte, zu sprechen:
„Sir, ich traue dem nicht – diese Schnur ist offensichtlich schon stark beschädigt; Hitze und Feuchtigkeit haben sie ruiniert.“
Obwohl das Schicksal des Pequod bereits seit langer Zeit diese Reise unternahm, wurden das Logbuch sowie die Schnur nur sehr selten verwendet. Aufgrund des Vertrauens in andere Methoden zur Bestimmung der Schiffslage vernachlässigten einige Handelsschiffe sowie viele Walfänger – insbesondere bei der Kreuzfahrt – völlig das Benutzen des Logbuchs. Gleichzeitig wurden jedoch regelmäßig, meist eher aus Formgründen als aus anderen Gründen, Kurs und geschätzte Durchschnittsgeschwindigkeit des Schiffes auf das übliche Blatt notiert. So war es auch beim Pequod. Der hölzerne Rollemechanismus sowie das daran befestigte Logbuch hingen lange Zeit unberührt direkt unter dem Geländer der achteren Reling. Regen und Gischt hatten sie durchnässt; Sonne und Wind hatten sie verformt – alle Elemente zusammen führten dazu, dass dieses nutzlose Gerät verrottete. Doch Ahab kümmerte sich nicht um all das. Kurz nach dem Vorfall mit dem Magnet blickte er zufällig auf den Rollemechanismus und erinnerte sich daran, dass sein Quadrant nicht mehr vorhanden war – sowie an seinen verzweifelten Schwur bezüglich des Logbuchs und der Schnur. Das Schiff segelte mit hoher Geschwindigkeit; hinter ihm türmten sich die Wellen.
„Los, holt das Logbuch her!“
Zwei Seeleute kamen herbei – der goldhäutige Tahitianer und der grauhaarige Mannxmann.
„Einer von euch nimmt den Rollemechanismus – ich werde das Logbuch herausholen.“
Sie gingen zum äußersten Heck, auf die leewärtige Seite des Schiffes, wo das Deck aufgrund der starken Windböen fast in das schaumige Meer hineinragte. Der Mannxmann nahm den Rollemechanismus und hielt ihn hoch, an den herausstehenden Griffen des Spulenkörpers, um den sich die Schnur wand. Das Logbuch hing dabei nach unten. Ahab trat zu ihm. Er wickelte etwa dreißig bis vierzig Umdrehungen ab, um eine vorläufige Schlaufe zu bilden, die anschließend über Bord geworfen werden sollte. In diesem Moment wagte der alte Mannxmann, der ihn sowie die Schnur genau beobachtet hatte, zu sprechen:
„Sir, ich traue dem nicht – diese Schnur ist offensichtlich schon stark beschädigt; Hitze und Feuchtigkeit haben sie ruiniert.“
Page 561
„Es wird halten, alter Herr. Hat die anhaltende Hitze und Feuchtigkeit Sie ruiniert? Es scheint, als könnten Sie noch durchhalten – oder genauer gesagt: Das Leben hält Sie am Leben, nicht Sie selbst.“
„Ich halte den Spulenkopf fest, Sir. Aber wie mein Kapitän sagt: Mit diesen grauen Haaren lohnt es sich nicht zu streiten – besonders nicht mit einem Vorgesetzten, der niemals zugeben wird.“
„Was ist das? Da haben wir ja einen ‚gepatchten‘ Professor an der von Granit gegründeten Hochschule der Naturgöttin – doch er scheint mir zu unterwürfig zu sein. Wo sind Sie geboren?“
„Auf der kleinen felsigen Insel Man, Sir.“
„Ausgezeichnet! Damit haben Sie die Welt bereits kennengelernt.“
„Ich weiß es nicht, Sir – aber ich wurde dort geboren.“
„Auf der Insel Man, ha? Nun, das ist gut. Hier haben wir einen Mann von Man – einen Mann, der auf einer einst unabhängigen Insel geboren wurde und nun von dieser Insel weggespült wurde. Was zieht ihn da hin? Los, mit der Spule! Die tote, blinde Wand stoppt schließlich alle neugierigen Köpfe. Los!“
Der Baumstamm wurde hochgehoben. Die losen Windungen richteten sich schnell zu einer langen Linie aus, und sofort begann die Spule sich zu drehen. Durch die Bewegungen der Wellen wurde der alte Spulenträger seltsam ins Wanken gebracht.
„Halten Sie fest!“
Knall! Die überdehnte Leine sank in einer langen Schleife herab – der Baumstamm war verschwunden.
„Ich zerstöre den Quadranten, der Donner lässt die Nadeln rotieren – und nun teilt das wilde Meer die Leine. Doch Ahab kann alles reparieren. Ziehen Sie an, Tahitianer! Und Sie, Mann von Man – reparieren Sie die Leine. Kümmern Sie sich darum.“
„Da geht er schon wieder – ihm ist nichts passiert; aber mir scheint es, als würde die Leine immer lockerer werden. Ziehen Sie an, Tahitianer! Die Leinen laufen ganz durch – und kommen dann gebrochen und langsam zurück. Ha, Pip? Komm und hilf mir, eh, Pip?“
„Pip? Wen nennen Sie Pip? Pip ist vom Walboot gesprungen. Pip ist verschwunden. Mal sehen, ob Sie ihn nicht hierher gefischt haben, Fischer. Es zieht stark – ich glaube, er hält noch fest. Ziehen Sie daran, Tahiti! Wir ziehen hier keine Feiglinge hoch. Ho! Da bricht gerade sein Arm durch die Wasseroberfläche. Ein Beil! Ein Beil! Schneiden Sie ihn ab!“
„Ich halte den Spulenkopf fest, Sir. Aber wie mein Kapitän sagt: Mit diesen grauen Haaren lohnt es sich nicht zu streiten – besonders nicht mit einem Vorgesetzten, der niemals zugeben wird.“
„Was ist das? Da haben wir ja einen ‚gepatchten‘ Professor an der von Granit gegründeten Hochschule der Naturgöttin – doch er scheint mir zu unterwürfig zu sein. Wo sind Sie geboren?“
„Auf der kleinen felsigen Insel Man, Sir.“
„Ausgezeichnet! Damit haben Sie die Welt bereits kennengelernt.“
„Ich weiß es nicht, Sir – aber ich wurde dort geboren.“
„Auf der Insel Man, ha? Nun, das ist gut. Hier haben wir einen Mann von Man – einen Mann, der auf einer einst unabhängigen Insel geboren wurde und nun von dieser Insel weggespült wurde. Was zieht ihn da hin? Los, mit der Spule! Die tote, blinde Wand stoppt schließlich alle neugierigen Köpfe. Los!“
Der Baumstamm wurde hochgehoben. Die losen Windungen richteten sich schnell zu einer langen Linie aus, und sofort begann die Spule sich zu drehen. Durch die Bewegungen der Wellen wurde der alte Spulenträger seltsam ins Wanken gebracht.
„Halten Sie fest!“
Knall! Die überdehnte Leine sank in einer langen Schleife herab – der Baumstamm war verschwunden.
„Ich zerstöre den Quadranten, der Donner lässt die Nadeln rotieren – und nun teilt das wilde Meer die Leine. Doch Ahab kann alles reparieren. Ziehen Sie an, Tahitianer! Und Sie, Mann von Man – reparieren Sie die Leine. Kümmern Sie sich darum.“
„Da geht er schon wieder – ihm ist nichts passiert; aber mir scheint es, als würde die Leine immer lockerer werden. Ziehen Sie an, Tahitianer! Die Leinen laufen ganz durch – und kommen dann gebrochen und langsam zurück. Ha, Pip? Komm und hilf mir, eh, Pip?“
„Pip? Wen nennen Sie Pip? Pip ist vom Walboot gesprungen. Pip ist verschwunden. Mal sehen, ob Sie ihn nicht hierher gefischt haben, Fischer. Es zieht stark – ich glaube, er hält noch fest. Ziehen Sie daran, Tahiti! Wir ziehen hier keine Feiglinge hoch. Ho! Da bricht gerade sein Arm durch die Wasseroberfläche. Ein Beil! Ein Beil! Schneiden Sie ihn ab!“
Page 562
„Wir nehmen hier keine Feiglinge auf. Kapitän Ahab! Sir, Sir! Da ist Pip – er versucht wieder an Bord zu kommen.“
„Ruhe, du verrückter Narr!“, rief der Mann von den Isle of Man und packte ihn am Arm. „Geh vom Quarterdeck weg!“
„Der größere Idiot tadeln den kleineren“, murmelte Ahab und trat vor. „Lass diese Heiligkeit in Ruhe! Wo hast du gesagt, dass Pip ist, Junge?“
„Dort hinten, Sir, dort hinten! Sehen Sie!“
„Und wer bist du, Junge? Ich sehe mein Spiegelbild nicht in deinen leeren Augen. Oh Gott! Ein solcher Mensch sollte doch etwas sein, das unsterbliche Seelen durchsieben müssen! Wer bist du, Junge?“
„Diener, Sir; Schiffsknabe; Ding, Dong, Ding! Pip! Pip! Pip! Hundert Pfund Belohnung für Pip; fünf Fuß groß – sieht feige aus – man erkennt ihn am schnellsten daran! Ding, Dong, Ding! Wer hat den Feigling Pip gesehen?“
„Über der Schneegrenze kann es keine Herzen geben. Oh, ihr gefrorenen Himmel! Schaut herunter. Ihr habt dieses unglückliche Kind gezeugt und es verlassen, ihr kreativen Libertinen. Hier, Junge – Ahabs Kajüte wird von nun an Pips Zuhause sein, solange Ahab lebt. Du berührst meinen innersten Kern, Junge; du bist mit Fäden aus meinen Herzsträngen an mich gebunden. Komm, lass uns nach unten gehen.“
„Was ist das? Hier ist Samt – Haifischhaut“, sagte er und betrachtete Ahabs Hand genau sowie berührte sie. „Ah, wenn der arme Pip nur so etwas Angenehmes spüren könnte – vielleicht wäre er dann nie verloren gegangen! Das sieht für mich wie ein Seil aus; etwas, an dem schwache Seelen sich festhalten können. Oh, Sir – lassen Sie den alten Perth kommen und diese beiden Hände zusammenfügen: die schwarze mit der weißen – denn ich werde sie nicht loslassen.“
„Oh, Junge – ich auch nicht, es sei denn, ich würde dich damit in noch schlimmere Schrecken ziehen als diese hier. Komm also in meine Kajüte. Seht ihr, ihr Gläubigen, die ihr Gott alles Gute und dem Menschen alles Böse zuschreibt – seht, wie die allwissenden Götter das leidende Menschenkind ignorieren; und der Mensch, obwohl dumm und nicht wissend, was er tut, ist doch voller süßer Gefühle der Liebe und Dankbarkeit. Komm! Ich fühle mich stolzer, wenn ich dich an deiner schwarzen Hand führe, als wenn ich die eines Kaisers halten würde!“
„Da gehen jetzt zwei Verrückte“, murmelte der alte Mann von den Isle of Man. „Einer verrückt wegen seiner Stärke, der andere wegen seiner Schwäche. Aber das ist das Ende des kaputten Seils – außerdem tropft es noch. Repariert es, ja? Ich denke, wir sollten lieber ein neues Seil haben. Ich werde mit Herrn Stubb darüber sprechen.“
„Ruhe, du verrückter Narr!“, rief der Mann von den Isle of Man und packte ihn am Arm. „Geh vom Quarterdeck weg!“
„Der größere Idiot tadeln den kleineren“, murmelte Ahab und trat vor. „Lass diese Heiligkeit in Ruhe! Wo hast du gesagt, dass Pip ist, Junge?“
„Dort hinten, Sir, dort hinten! Sehen Sie!“
„Und wer bist du, Junge? Ich sehe mein Spiegelbild nicht in deinen leeren Augen. Oh Gott! Ein solcher Mensch sollte doch etwas sein, das unsterbliche Seelen durchsieben müssen! Wer bist du, Junge?“
„Diener, Sir; Schiffsknabe; Ding, Dong, Ding! Pip! Pip! Pip! Hundert Pfund Belohnung für Pip; fünf Fuß groß – sieht feige aus – man erkennt ihn am schnellsten daran! Ding, Dong, Ding! Wer hat den Feigling Pip gesehen?“
„Über der Schneegrenze kann es keine Herzen geben. Oh, ihr gefrorenen Himmel! Schaut herunter. Ihr habt dieses unglückliche Kind gezeugt und es verlassen, ihr kreativen Libertinen. Hier, Junge – Ahabs Kajüte wird von nun an Pips Zuhause sein, solange Ahab lebt. Du berührst meinen innersten Kern, Junge; du bist mit Fäden aus meinen Herzsträngen an mich gebunden. Komm, lass uns nach unten gehen.“
„Was ist das? Hier ist Samt – Haifischhaut“, sagte er und betrachtete Ahabs Hand genau sowie berührte sie. „Ah, wenn der arme Pip nur so etwas Angenehmes spüren könnte – vielleicht wäre er dann nie verloren gegangen! Das sieht für mich wie ein Seil aus; etwas, an dem schwache Seelen sich festhalten können. Oh, Sir – lassen Sie den alten Perth kommen und diese beiden Hände zusammenfügen: die schwarze mit der weißen – denn ich werde sie nicht loslassen.“
„Oh, Junge – ich auch nicht, es sei denn, ich würde dich damit in noch schlimmere Schrecken ziehen als diese hier. Komm also in meine Kajüte. Seht ihr, ihr Gläubigen, die ihr Gott alles Gute und dem Menschen alles Böse zuschreibt – seht, wie die allwissenden Götter das leidende Menschenkind ignorieren; und der Mensch, obwohl dumm und nicht wissend, was er tut, ist doch voller süßer Gefühle der Liebe und Dankbarkeit. Komm! Ich fühle mich stolzer, wenn ich dich an deiner schwarzen Hand führe, als wenn ich die eines Kaisers halten würde!“
„Da gehen jetzt zwei Verrückte“, murmelte der alte Mann von den Isle of Man. „Einer verrückt wegen seiner Stärke, der andere wegen seiner Schwäche. Aber das ist das Ende des kaputten Seils – außerdem tropft es noch. Repariert es, ja? Ich denke, wir sollten lieber ein neues Seil haben. Ich werde mit Herrn Stubb darüber sprechen.“
Page 563
Page 564
KAPITEL 126. Die Rettungsboje.
Die Pequod steuerte nun nach Südosten – gesteuert durch Ahabs Präzisionsinstrumente – und ihre Geschwindigkeit wurde ausschließlich durch Ahabs Messgeräte bestimmt. Das Schiff hielt seinen Kurs auf den Äquator. Auf dieser langen Reise durch so unbewohnte Gewässer, ohne auf andere Schiffe zu stoßen, und bald darauf auch noch von den konstant wehenden Passatwinden in Richtung der sanften Wellen gedrängt – all das schien wie ein seltsamer Frieden, der eine wilde und verzweifelte Szene vorwegnahm.
Schließlich, als das Schiff sich den Rändern des äquatorialen Fischgebiets näherte, segelte es in der tiefen Dunkelheit vor der Dämmerung an einer Gruppe felsiger Inseln vorbei. Die Wache – damals unter der Führung von Flask – wurde durch einen schrecklich wilden und unheimlichen Schrei erschreckt – wie halb artikulierte Klagen der Geister all jener unschuldigen Menschen, die von Herodes getötet wurden. Alle sprangen aus ihren Träumen auf und standen oder saßen regungslos da und lauschten, wie gemeißelte römische Sklaven, solange dieser wilde Schrei noch zu hören war. Der christliche oder zivilisierte Teil der Besatzung meinte, es seien Meerjungfrauen, und erschauderte; doch die heidnischen Harpunenwerfer blieben unbeeindruckt. Der graue Mannxmann – der älteste Seemann überhaupt – behauptete jedoch, dass die gehört wordenen Geräusche die Stimmen neuerlich Ertrunkener im Meer seien.
Unten in seiner Hängematte hörte Ahab nichts davon, bis die Dämmerung anbrach und er an Deck kam. Da wurde ihm die Geschichte von Flask erzählt – begleitet von Andeutungen düsterer Bedeutungen. Er lachte spöttisch und erklärte so dieses Phänomen.
Die felsigen Inseln, an denen das Schiff vorbeigefahren war, waren ein Zufluchtsort für viele Robben. Einige junge Robben, die ihre Mütter verloren hatten, oder einige Mütter, die ihre Jungen verloren hatten, mussten in der Nähe des Schiffes auftauchen und es begleiten, wobei sie mit ihren menschenähnlichen Klagen um sich warfen. Doch gerade das beeindruckte einige der Seeleute umso mehr – denn die meisten Seeleute hegen eine sehr abergläubische Einstellung gegenüber Robben. Dies rührt nicht nur von ihren besonderen Lauten in Notzeiten her, sondern auch vom menschenähnlichen Aussehen ihrer runden Köpfe und halbintelligenten Gesichter, die aus dem Wasser auftauchen. Im Meer werden Robben unter bestimmten Umständen mehrfach mit Menschen verwechselt.
Die Pequod steuerte nun nach Südosten – gesteuert durch Ahabs Präzisionsinstrumente – und ihre Geschwindigkeit wurde ausschließlich durch Ahabs Messgeräte bestimmt. Das Schiff hielt seinen Kurs auf den Äquator. Auf dieser langen Reise durch so unbewohnte Gewässer, ohne auf andere Schiffe zu stoßen, und bald darauf auch noch von den konstant wehenden Passatwinden in Richtung der sanften Wellen gedrängt – all das schien wie ein seltsamer Frieden, der eine wilde und verzweifelte Szene vorwegnahm.
Schließlich, als das Schiff sich den Rändern des äquatorialen Fischgebiets näherte, segelte es in der tiefen Dunkelheit vor der Dämmerung an einer Gruppe felsiger Inseln vorbei. Die Wache – damals unter der Führung von Flask – wurde durch einen schrecklich wilden und unheimlichen Schrei erschreckt – wie halb artikulierte Klagen der Geister all jener unschuldigen Menschen, die von Herodes getötet wurden. Alle sprangen aus ihren Träumen auf und standen oder saßen regungslos da und lauschten, wie gemeißelte römische Sklaven, solange dieser wilde Schrei noch zu hören war. Der christliche oder zivilisierte Teil der Besatzung meinte, es seien Meerjungfrauen, und erschauderte; doch die heidnischen Harpunenwerfer blieben unbeeindruckt. Der graue Mannxmann – der älteste Seemann überhaupt – behauptete jedoch, dass die gehört wordenen Geräusche die Stimmen neuerlich Ertrunkener im Meer seien.
Unten in seiner Hängematte hörte Ahab nichts davon, bis die Dämmerung anbrach und er an Deck kam. Da wurde ihm die Geschichte von Flask erzählt – begleitet von Andeutungen düsterer Bedeutungen. Er lachte spöttisch und erklärte so dieses Phänomen.
Die felsigen Inseln, an denen das Schiff vorbeigefahren war, waren ein Zufluchtsort für viele Robben. Einige junge Robben, die ihre Mütter verloren hatten, oder einige Mütter, die ihre Jungen verloren hatten, mussten in der Nähe des Schiffes auftauchen und es begleiten, wobei sie mit ihren menschenähnlichen Klagen um sich warfen. Doch gerade das beeindruckte einige der Seeleute umso mehr – denn die meisten Seeleute hegen eine sehr abergläubische Einstellung gegenüber Robben. Dies rührt nicht nur von ihren besonderen Lauten in Notzeiten her, sondern auch vom menschenähnlichen Aussehen ihrer runden Köpfe und halbintelligenten Gesichter, die aus dem Wasser auftauchen. Im Meer werden Robben unter bestimmten Umständen mehrfach mit Menschen verwechselt.
Page 565
Doch die Besatzung sollte an jenem Morgen eine äußerst glaubwürdige Bestätigung für das Schicksal eines ihrer Männer erhalten. Bei Sonnenaufgang ging dieser Mann von seiner Hängematte zum Mastkopf an der Bugseite; ob er noch nicht ganz aus dem Schlaf erwacht war (denn Seeleute gehen manchmal in einem halbbewussten Zustand an Deck), lässt sich heute nicht mehr sagen. Jedenfalls hatte er noch nicht lange auf seinem Posten gestanden, als ein Schrei zu hören war – ein Schrei und ein Rauschen – und als sie nach oben blickten, sahen sie ein fallendes „Phantom“ in der Luft; und wenn sie nach unten schauten, sahen sie einen kleinen Haufen weißer Blasen im Blau des Meeres.
Die Rettungsboje – ein langer, schlanker Fasskörper – wurde vom Heck herabgelassen, wo sie stets an einer geschickten Feder hing. Doch keine Hand streckte sich aus, um sie zu fassen. Die Sonne hatte das Fass längst erhitzt, sodass es geschrumpft war; dadurch füllte es sich langsam mit Wasser, und auch das trockene Holz füllte sich in allen Poren mit Wasser. Das mit Eisen beschlagene Fass folgte dem Seemann auf den Meeresgrund – als wolle es ihm ein Kissen bieten, obwohl es in Wirklichkeit nur ein hartes Kissen war.
So wurde der erste Mann der Pequod, der auf den Mast gestiegen war, um nach dem Weißen Wal Ausschau zu halten – mitten auf dem Gebiet des Weißen Wolfs selbst – in die Tiefen verschlungen. Doch wohl nur wenige dachten damals daran. Tatsächlich waren sie über dieses Ereignis zumindest nicht traurig – denn sie betrachteten es nicht als Vorzeichen für Unheil in der Zukunft, sondern als Erfüllung eines bereits angekündigten Übels. Sie behaupteten, nun den Grund für die wilden Schreie zu kennen, die sie in der Nacht zuvor gehört hatten. Doch wieder sagte der alte Mannxmann nein.
Die verlorene Rettungsboje musste ersetzt werden; Starbuck wurde beauftragt, sich darum zu kümmern. Doch da kein ausreichend leichtes Fass gefunden werden konnte und in der fiebrigen Ungeduld angesichts der drohenden Krise der Reise alle nur ungeduldig auf jede Arbeit warteten, die direkt mit dem Endziel der Reise zusammenhing – egal, was dieses auch sein mochte – wollten sie das Heck des Schiffes ohne Rettungsboje lassen. Doch durch bestimmte seltsame Zeichen und Andeutungen deutete Queequeg auf seinen Sarg hin.
„Eine Rettungsboje aus einem Sarg!“, rief Starbuck erschrocken.
„Das ist schon ziemlich seltsam“, sagte Stubb.
„Es wird schon eine gute Rettungsboje abgeben“, sagte Flask. „Der Zimmermann hier kann das leicht arrangieren.“
„Bringen wir ihn herauf – es bleibt uns nichts anderes übrig“, sagte Starbuck nach einer melancholischen Pause. „Bereite ihn vor, Zimmermann – schau mich nicht so an – der Sarg…“
Die Rettungsboje – ein langer, schlanker Fasskörper – wurde vom Heck herabgelassen, wo sie stets an einer geschickten Feder hing. Doch keine Hand streckte sich aus, um sie zu fassen. Die Sonne hatte das Fass längst erhitzt, sodass es geschrumpft war; dadurch füllte es sich langsam mit Wasser, und auch das trockene Holz füllte sich in allen Poren mit Wasser. Das mit Eisen beschlagene Fass folgte dem Seemann auf den Meeresgrund – als wolle es ihm ein Kissen bieten, obwohl es in Wirklichkeit nur ein hartes Kissen war.
So wurde der erste Mann der Pequod, der auf den Mast gestiegen war, um nach dem Weißen Wal Ausschau zu halten – mitten auf dem Gebiet des Weißen Wolfs selbst – in die Tiefen verschlungen. Doch wohl nur wenige dachten damals daran. Tatsächlich waren sie über dieses Ereignis zumindest nicht traurig – denn sie betrachteten es nicht als Vorzeichen für Unheil in der Zukunft, sondern als Erfüllung eines bereits angekündigten Übels. Sie behaupteten, nun den Grund für die wilden Schreie zu kennen, die sie in der Nacht zuvor gehört hatten. Doch wieder sagte der alte Mannxmann nein.
Die verlorene Rettungsboje musste ersetzt werden; Starbuck wurde beauftragt, sich darum zu kümmern. Doch da kein ausreichend leichtes Fass gefunden werden konnte und in der fiebrigen Ungeduld angesichts der drohenden Krise der Reise alle nur ungeduldig auf jede Arbeit warteten, die direkt mit dem Endziel der Reise zusammenhing – egal, was dieses auch sein mochte – wollten sie das Heck des Schiffes ohne Rettungsboje lassen. Doch durch bestimmte seltsame Zeichen und Andeutungen deutete Queequeg auf seinen Sarg hin.
„Eine Rettungsboje aus einem Sarg!“, rief Starbuck erschrocken.
„Das ist schon ziemlich seltsam“, sagte Stubb.
„Es wird schon eine gute Rettungsboje abgeben“, sagte Flask. „Der Zimmermann hier kann das leicht arrangieren.“
„Bringen wir ihn herauf – es bleibt uns nichts anderes übrig“, sagte Starbuck nach einer melancholischen Pause. „Bereite ihn vor, Zimmermann – schau mich nicht so an – der Sarg…“
Page 566
„Meinst du das ernst? Hörst du mich? Mach es fertig.“
„Soll ich den Deckel festnageln, Sir?“ – dabei bewegte er seine Hand, als würde er mit einem Hammer arbeiten.
„Ja.“
„Und soll ich die Nähte abdichten, Sir?“ – dabei bewegte er seine Hand, als würde er mit einem Dichtwerkzeug arbeiten.
„Ja.“
„Und soll ich alles dann noch mit Teer überziehen, Sir?“ – dabei bewegte er seine Hand, als würde er mit einem Teerpott arbeiten.
„Hör auf! Was treibt dich dazu? Mach aus dem Sarg ein Rettungsboot – und nichts weiter. Herr Stubb, Herr Flask, kommen Sie mit mir.“
„Er geht wütend weg. Alles kann er ertragen – nur bei bestimmten Aufgaben zögert er. Das gefällt mir nicht. Ich mache einen Stock für Kapitän Ahab – und er trägt ihn wie ein Gentleman. Doch für Queequeg mache ich eine Art Schachtel – und er will seinen Kopf nicht hineinstecken. Sind all meine Bemühungen umsonst wegen dieses Sarges? Und jetzt soll ich daraus ein Rettungsboot machen. Das ist, als würde man einen alten Mantel umdrehen – man versucht, das Fleisch auf die andere Seite zu bringen. Ich mag diese Art von Arbeit nicht – überhaupt nicht. Es ist unwürdig; das ist nicht meine Aufgabe. Lassen Sie die Handwerkerkinder ihre Arbeit machen – wir sind besser als sie. Ich möchte nur saubere, ordentliche mathematische Aufgaben bearbeiten – etwas, das regelmäßig am Anfang beginnt, in der Mitte seinen Höhepunkt erreicht und am Ende endet. Nicht so wie bei dieser Arbeit eines Schusters – die erst in der Mitte endet und am Anfang bereits am Ende ist. Das sind alte Weiberraffinessen, solche Arbeiten anzubieten. Mein Gott! Welche Zuneigung haben alle alten Frauen zu Handwerkern. Ich kenne eine 65-jährige Frau, die einmal mit einem kahlköpfigen jungen Handwerker durchgebrannt ist. Deshalb habe ich nie für einsame alte Witwen an Land gearbeitet, als ich meine Werkstatt in Vineyard hatte – sie hätten vielleicht den verrückten Gedanken gehabt, mit mir durchzubrennen. Aber hey-ho! Auf See gibt es keine anderen „Kappen“ als Schneekappen. Mal sehen: Den Deckel festnageln, die Nähte abdichten, alles mit Teer überziehen, alles festzurren und den Sarg anschließend mit einer Feder über die Schiffsspitze hängen. Wurde so etwas schon einmal mit einem Sarg gemacht? Einige abergläubische alte Zimmerleute würden sich vor der Ausführung dieser Arbeit erst einmal in die Takelage binden lassen. Aber ich bin aus festem Aroostook-Hemlockholz – ich bewege mich nicht. Mit einem Sarg segeln! Mit einem „Grabtisch“ herumsegeln! Aber egal. Wir, die wir im Holzbereich arbeiten, fertigen nicht nur Särge und Leichenwagen an, sondern auch Hochzeitsbetten und Kartentische. Wir arbeiten nach Monat, nach Auftrag oder nach Gewinn – wir fragen nicht nach dem Warum.“
„Soll ich den Deckel festnageln, Sir?“ – dabei bewegte er seine Hand, als würde er mit einem Hammer arbeiten.
„Ja.“
„Und soll ich die Nähte abdichten, Sir?“ – dabei bewegte er seine Hand, als würde er mit einem Dichtwerkzeug arbeiten.
„Ja.“
„Und soll ich alles dann noch mit Teer überziehen, Sir?“ – dabei bewegte er seine Hand, als würde er mit einem Teerpott arbeiten.
„Hör auf! Was treibt dich dazu? Mach aus dem Sarg ein Rettungsboot – und nichts weiter. Herr Stubb, Herr Flask, kommen Sie mit mir.“
„Er geht wütend weg. Alles kann er ertragen – nur bei bestimmten Aufgaben zögert er. Das gefällt mir nicht. Ich mache einen Stock für Kapitän Ahab – und er trägt ihn wie ein Gentleman. Doch für Queequeg mache ich eine Art Schachtel – und er will seinen Kopf nicht hineinstecken. Sind all meine Bemühungen umsonst wegen dieses Sarges? Und jetzt soll ich daraus ein Rettungsboot machen. Das ist, als würde man einen alten Mantel umdrehen – man versucht, das Fleisch auf die andere Seite zu bringen. Ich mag diese Art von Arbeit nicht – überhaupt nicht. Es ist unwürdig; das ist nicht meine Aufgabe. Lassen Sie die Handwerkerkinder ihre Arbeit machen – wir sind besser als sie. Ich möchte nur saubere, ordentliche mathematische Aufgaben bearbeiten – etwas, das regelmäßig am Anfang beginnt, in der Mitte seinen Höhepunkt erreicht und am Ende endet. Nicht so wie bei dieser Arbeit eines Schusters – die erst in der Mitte endet und am Anfang bereits am Ende ist. Das sind alte Weiberraffinessen, solche Arbeiten anzubieten. Mein Gott! Welche Zuneigung haben alle alten Frauen zu Handwerkern. Ich kenne eine 65-jährige Frau, die einmal mit einem kahlköpfigen jungen Handwerker durchgebrannt ist. Deshalb habe ich nie für einsame alte Witwen an Land gearbeitet, als ich meine Werkstatt in Vineyard hatte – sie hätten vielleicht den verrückten Gedanken gehabt, mit mir durchzubrennen. Aber hey-ho! Auf See gibt es keine anderen „Kappen“ als Schneekappen. Mal sehen: Den Deckel festnageln, die Nähte abdichten, alles mit Teer überziehen, alles festzurren und den Sarg anschließend mit einer Feder über die Schiffsspitze hängen. Wurde so etwas schon einmal mit einem Sarg gemacht? Einige abergläubische alte Zimmerleute würden sich vor der Ausführung dieser Arbeit erst einmal in die Takelage binden lassen. Aber ich bin aus festem Aroostook-Hemlockholz – ich bewege mich nicht. Mit einem Sarg segeln! Mit einem „Grabtisch“ herumsegeln! Aber egal. Wir, die wir im Holzbereich arbeiten, fertigen nicht nur Särge und Leichenwagen an, sondern auch Hochzeitsbetten und Kartentische. Wir arbeiten nach Monat, nach Auftrag oder nach Gewinn – wir fragen nicht nach dem Warum.“
Page 567
Daher: Bei unserer Arbeit – es sei denn, es handelt sich um zu komplizierte Arbeiten; dann verstecken wir sie, wenn es geht. Hm! Ich werde die Arbeit jetzt vorsichtig erledigen. Wie viele Personen gibt es insgesamt an Bord? Aber ich habe es vergessen. Jedenfalls werde ich dreißig separate Rettungsleinen anfertigen – jeweils drei Fuß lang – und diese um den Sarg hängen. Wenn dann das Schiff untergeht, werden dreißig Leute um einen einzigen Sarg kämpfen – ein Anblick, den man selten unter der Sonne zu sehen bekommt! Her mit dem Hammer, dem Dichtmetall, dem Pechtopf und den Spießen zum Verbinden! Los, an die Arbeit!
Page 568
KAPITEL 127. Das Sargbett.
Der Sarg lag auf zwei Holzbrettern, zwischen der Werkbank und dem offenen Lukenverschlag; der Tischler versiegelte die Nähte des Sarges; ein Strang aus gedrehtem Kork wurde langsam von einem großen Rollen abgewickelt, der in seiner Jackentasche lag. Ahab kam langsam vom Gang zur Kabine und hörte, wie Pip ihm folgte.
„Zurück, Junge – ich bin gleich wieder bei dir.“ Er ging weiter. „Diese Hand gehorcht meinem Willen nicht so bereitwillig wie die des Jungen.“ – „Mittlere Gasse einer Kirche! Was ist hier?“
„Ein Rettungsring, Sir. Auf Befehl von Herrn Starbuck. Oh, schauen Sie, Sir! Passen Sie auf den Lukenverschlag auf!“
„Danke, Mann. Dein Sarg liegt ganz in der Nähe.“
„Sir? Der Lukenverschlag? Oh, ja, Sir.“
„Bist du nicht der Beinmacher? Schau – stammt dieser Stumpf nicht aus deiner Werkstatt?“
„Ich glaube schon, Sir. Passt die Verzierung dazu?“
„Es geht so. Aber bist du nicht auch der Bestatter?“
„Ja, Sir. Ich habe dieses Ding hier als Sarg für Queequeg hergestellt – doch jetzt sollen daraus wieder andere Dinge gemacht werden.“
„Sag mir dann: Bist du nicht ein schamloser, eingebildeter, neugieriger, monopolisierender alter Schurke, der eines Tages Beine herstellt, am nächsten Tag Särge daraus macht und anschließend wieder Rettungsringe aus denselben Särgen herstellt? Du bist genauso prinzipienlos wie die Götter – und ein Alleskönner obendrein.“
„Aber ich meine es nicht böse, Sir. Ich tue einfach, was ich tue.“
„Die Götter schon wieder. Hast du nie beim Arbeiten an einem Sarg gesungen? Die Titanen sollen, so heißt es, Lieder gesummt haben, während sie Krater für Vulkane aushoben; und der Grabenarbeiter im Stück singt mit der Schaufel in der Hand. Tuest du das nie?“
„Singen, Sir? Ich? Oh, das ist mir völlig egal, Sir. Der Grund, warum der Grabenarbeiter Musik machte, muss darin liegen, dass es in seiner Schaufel keine Musik gab, Sir. Doch der Versiegelungshammer ist voll davon. Hören Sie mal.“
Der Sarg lag auf zwei Holzbrettern, zwischen der Werkbank und dem offenen Lukenverschlag; der Tischler versiegelte die Nähte des Sarges; ein Strang aus gedrehtem Kork wurde langsam von einem großen Rollen abgewickelt, der in seiner Jackentasche lag. Ahab kam langsam vom Gang zur Kabine und hörte, wie Pip ihm folgte.
„Zurück, Junge – ich bin gleich wieder bei dir.“ Er ging weiter. „Diese Hand gehorcht meinem Willen nicht so bereitwillig wie die des Jungen.“ – „Mittlere Gasse einer Kirche! Was ist hier?“
„Ein Rettungsring, Sir. Auf Befehl von Herrn Starbuck. Oh, schauen Sie, Sir! Passen Sie auf den Lukenverschlag auf!“
„Danke, Mann. Dein Sarg liegt ganz in der Nähe.“
„Sir? Der Lukenverschlag? Oh, ja, Sir.“
„Bist du nicht der Beinmacher? Schau – stammt dieser Stumpf nicht aus deiner Werkstatt?“
„Ich glaube schon, Sir. Passt die Verzierung dazu?“
„Es geht so. Aber bist du nicht auch der Bestatter?“
„Ja, Sir. Ich habe dieses Ding hier als Sarg für Queequeg hergestellt – doch jetzt sollen daraus wieder andere Dinge gemacht werden.“
„Sag mir dann: Bist du nicht ein schamloser, eingebildeter, neugieriger, monopolisierender alter Schurke, der eines Tages Beine herstellt, am nächsten Tag Särge daraus macht und anschließend wieder Rettungsringe aus denselben Särgen herstellt? Du bist genauso prinzipienlos wie die Götter – und ein Alleskönner obendrein.“
„Aber ich meine es nicht böse, Sir. Ich tue einfach, was ich tue.“
„Die Götter schon wieder. Hast du nie beim Arbeiten an einem Sarg gesungen? Die Titanen sollen, so heißt es, Lieder gesummt haben, während sie Krater für Vulkane aushoben; und der Grabenarbeiter im Stück singt mit der Schaufel in der Hand. Tuest du das nie?“
„Singen, Sir? Ich? Oh, das ist mir völlig egal, Sir. Der Grund, warum der Grabenarbeiter Musik machte, muss darin liegen, dass es in seiner Schaufel keine Musik gab, Sir. Doch der Versiegelungshammer ist voll davon. Hören Sie mal.“
Page 569
„Ja – und das liegt daran, dass der Deckel dort eine Resonanzplatte ist. Was eine Resonanzplatte ausmacht, ist Folgendes: Darunter gibt es nichts. Doch ein Sarg mit einer Leiche darin klingt im Grunde genauso, Carpenter. Hast du jemals dabei geholfen, einen Sarg zu tragen, und gehört, wie der Sarg gegen das Tor des Friedhofs stieß, als er hineingebracht wurde?“
„Gott, Sir, ich habe –“
„Gott? Was ist das?“
„Nun, Sir, das ist nur so eine Art Ausruf – das ist alles, Sir.“
„Mhm; sprich weiter.“
„Ich wollte sagen, Sir, dass –“
„Bist du ein Seidenraupen? Spinnst du dir dein eigenes Tuch aus dir selbst? Schau auf deine Brust! Beeil dich und bring diese Geräte aus dem Blickfeld!“
„Er geht nach hinten. Das war plötzlich – aber Stürme kommen in den heißen Breitengraden plötzlich. Ich habe gehört, dass die Insel Albemarle, eine der Galapagos-Inseln, genau in der Mitte vom Äquator durchschnitten wird. Mir scheint, als würde auch dieser alte Mann genau in der Mitte vom Äquator durchschnitten werden. Er befindet sich stets unter der Linie – unglaublich heiß, sage ich euch! Er schaut in diese Richtung – komm, Kork; schnell. Da geht’s wieder los. Dieser Holzhammer ist die Resonanzplatte, und ich bin der Professor für Musikinstrumente – Tap, Tap!“
(Ahab zu sich selbst.)
„Da ist ein Anblick! Da ist ein Geräusch! Der grauhaarige Specht, der gegen den hohlen Baum klopft! Blinde und Stumme könnten jetzt wirklich Neid haben. Sieh! Das Ding ruht auf zwei Behältern, gefüllt mit Taue. Was für ein hinterhältiger Kerl, dieser Bursche. Rat-tat! So vergehen die Sekunden eines Menschen! Oh! Wie unbedeutend sind doch alle materiellen Dinge! Was gibt es wirklich, außer schwer fassbaren Gedanken? Hier haben wir nun das gefürchtete Symbol des grausamen Todes – doch durch Zufall zum Zeichen der Hilfe und Hoffnung für das am meisten bedrohte Leben geworden. Ein Rettungsring in Form eines Sarges! Gibt es noch mehr? Kann es sein, dass der Sarg in gewissem spirituellem Sinne letztendlich nichts anderes ist als ein Bewahrer der Unsterblichkeit? Ich werde darüber nachdenken. Aber nein. Ich bin so tief im dunklen Teil der Erde, dass ihre andere Seite, die theoretisch helle Seite, mir wie ein ungewisses Zwielicht erscheint. Wirst du denn nie aufhören mit diesem verfluchten Geräusch, Carpenter? Ich gehe nach unten; lass mich dieses Ding hier nicht wieder sehen, wenn ich zurückkehre. Nun, Pip, wir werden das besprechen; ich ziehe wirklich wunderbare Philosophien aus dir heraus! Irgendeine unbekannte Verbindung aus den unbekannten Welten muss in dich fließen!“
„Gott, Sir, ich habe –“
„Gott? Was ist das?“
„Nun, Sir, das ist nur so eine Art Ausruf – das ist alles, Sir.“
„Mhm; sprich weiter.“
„Ich wollte sagen, Sir, dass –“
„Bist du ein Seidenraupen? Spinnst du dir dein eigenes Tuch aus dir selbst? Schau auf deine Brust! Beeil dich und bring diese Geräte aus dem Blickfeld!“
„Er geht nach hinten. Das war plötzlich – aber Stürme kommen in den heißen Breitengraden plötzlich. Ich habe gehört, dass die Insel Albemarle, eine der Galapagos-Inseln, genau in der Mitte vom Äquator durchschnitten wird. Mir scheint, als würde auch dieser alte Mann genau in der Mitte vom Äquator durchschnitten werden. Er befindet sich stets unter der Linie – unglaublich heiß, sage ich euch! Er schaut in diese Richtung – komm, Kork; schnell. Da geht’s wieder los. Dieser Holzhammer ist die Resonanzplatte, und ich bin der Professor für Musikinstrumente – Tap, Tap!“
(Ahab zu sich selbst.)
„Da ist ein Anblick! Da ist ein Geräusch! Der grauhaarige Specht, der gegen den hohlen Baum klopft! Blinde und Stumme könnten jetzt wirklich Neid haben. Sieh! Das Ding ruht auf zwei Behältern, gefüllt mit Taue. Was für ein hinterhältiger Kerl, dieser Bursche. Rat-tat! So vergehen die Sekunden eines Menschen! Oh! Wie unbedeutend sind doch alle materiellen Dinge! Was gibt es wirklich, außer schwer fassbaren Gedanken? Hier haben wir nun das gefürchtete Symbol des grausamen Todes – doch durch Zufall zum Zeichen der Hilfe und Hoffnung für das am meisten bedrohte Leben geworden. Ein Rettungsring in Form eines Sarges! Gibt es noch mehr? Kann es sein, dass der Sarg in gewissem spirituellem Sinne letztendlich nichts anderes ist als ein Bewahrer der Unsterblichkeit? Ich werde darüber nachdenken. Aber nein. Ich bin so tief im dunklen Teil der Erde, dass ihre andere Seite, die theoretisch helle Seite, mir wie ein ungewisses Zwielicht erscheint. Wirst du denn nie aufhören mit diesem verfluchten Geräusch, Carpenter? Ich gehe nach unten; lass mich dieses Ding hier nicht wieder sehen, wenn ich zurückkehre. Nun, Pip, wir werden das besprechen; ich ziehe wirklich wunderbare Philosophien aus dir heraus! Irgendeine unbekannte Verbindung aus den unbekannten Welten muss in dich fließen!“
Page 570
Page 571
KAPITEL 128. Der Pequod trifft auf die Rachel.
Am nächsten Tag wurde ein großes Schiff namens Rachel gesichtet – es fuhr direkt auf den Pequod zu, und alle Masten waren mit Männern besetzt. Zu dieser Zeit bewegte sich der Pequod mit großer Geschwindigkeit durch das Wasser; doch als das fremde Schiff näher kam, sanken alle Segel in sich zusammen wie geplatzte Blasen, und alle Menschen flohen vom getroffenen Schiff.
„Schlechte Nachrichten – sie bringt schlechte Nachrichten“, murmelte der alte Mann aus Manx. Doch bevor ihr Kommandant, der mit einer Trompete in der Hand in seinem Boot stand, etwas rufen konnte, war Abahs Stimme zu hören:
„Hast du den Weißen Wal gesehen?“
„Ja, gestern. Hast du ein Walfangboot treiben sehen?“
Abah antwortete auf diese unerwartete Frage verneinend; er wollte gerne an Bord des fremden Schiffes gehen, doch der Kapitän des fremden Schiffes stieg selbst an Bord des Pequod. Nach einigen kräftigen Zügen hatte sein Bootshaken bereits die Hauptketten des Pequod erfasst – er sprang sofort auf das Deck. Abah erkannte ihn sofort als einen Mann aus Nantucket, den er kannte. Doch es wurden keine formellen Begrüßungen ausgetauscht.
„Wo war er? – Nicht getötet! – Nicht getötet!“, rief Abah und trat näher. „Wie ist das passiert?“
Es schien, dass gegen Ende des Vortags drei der Boote des fremden Schiffes mit einer Gruppe von Walen beschäftigt waren; diese hatten sie etwa vier oder fünf Meilen vom Schiff entfernt geführt. Während sie weiterhin schnell vorankamen, tauchte plötzlich der weiße Rücken und Kopf von Moby Dick aus dem Wasser auf – nicht weit abseits. Daraufhin wurde sofort das vierte Boot zum Verfolgen heruntergelassen. Nach einem schnellen Vorankommen schien dieses Boot – das schnellste von allen – Erfolg zu haben – zumindest soweit der Mann am Mast etwas erkennen konnte. In der Ferne sah er das immer kleiner werdende Boot – dann einen schnellen Lichtblitz aus weißem Wasser – danach nichts mehr. Damit wurde geschlossen, dass der Wal seine Verfolger endgültig abgeschüttelt hatte, wie es oft vorkommt. Es gab einige Besorgnis, aber noch keinen wirklichen Alarm.
Am nächsten Tag wurde ein großes Schiff namens Rachel gesichtet – es fuhr direkt auf den Pequod zu, und alle Masten waren mit Männern besetzt. Zu dieser Zeit bewegte sich der Pequod mit großer Geschwindigkeit durch das Wasser; doch als das fremde Schiff näher kam, sanken alle Segel in sich zusammen wie geplatzte Blasen, und alle Menschen flohen vom getroffenen Schiff.
„Schlechte Nachrichten – sie bringt schlechte Nachrichten“, murmelte der alte Mann aus Manx. Doch bevor ihr Kommandant, der mit einer Trompete in der Hand in seinem Boot stand, etwas rufen konnte, war Abahs Stimme zu hören:
„Hast du den Weißen Wal gesehen?“
„Ja, gestern. Hast du ein Walfangboot treiben sehen?“
Abah antwortete auf diese unerwartete Frage verneinend; er wollte gerne an Bord des fremden Schiffes gehen, doch der Kapitän des fremden Schiffes stieg selbst an Bord des Pequod. Nach einigen kräftigen Zügen hatte sein Bootshaken bereits die Hauptketten des Pequod erfasst – er sprang sofort auf das Deck. Abah erkannte ihn sofort als einen Mann aus Nantucket, den er kannte. Doch es wurden keine formellen Begrüßungen ausgetauscht.
„Wo war er? – Nicht getötet! – Nicht getötet!“, rief Abah und trat näher. „Wie ist das passiert?“
Es schien, dass gegen Ende des Vortags drei der Boote des fremden Schiffes mit einer Gruppe von Walen beschäftigt waren; diese hatten sie etwa vier oder fünf Meilen vom Schiff entfernt geführt. Während sie weiterhin schnell vorankamen, tauchte plötzlich der weiße Rücken und Kopf von Moby Dick aus dem Wasser auf – nicht weit abseits. Daraufhin wurde sofort das vierte Boot zum Verfolgen heruntergelassen. Nach einem schnellen Vorankommen schien dieses Boot – das schnellste von allen – Erfolg zu haben – zumindest soweit der Mann am Mast etwas erkennen konnte. In der Ferne sah er das immer kleiner werdende Boot – dann einen schnellen Lichtblitz aus weißem Wasser – danach nichts mehr. Damit wurde geschlossen, dass der Wal seine Verfolger endgültig abgeschüttelt hatte, wie es oft vorkommt. Es gab einige Besorgnis, aber noch keinen wirklichen Alarm.
Page 572
Signale wurden im Takelwerk angebracht; es wurde dunkel – und das Schiff musste seine drei Boote, die weit im Wind standen, einsammeln. Um anschließend nach dem vierten Boot in genau entgegengesetzter Richtung zu suchen, musste das Schiff nicht nur dieses Boot bis fast Mitternacht seinem Schicksal überlassen, sondern auch zunächst Abstand zu ihm halten. Doch als schließlich der Rest der Besatzung sicher an Bord war, setzte das Schiff alle Segel – ein Segel nach dem anderen – in Bewegung, um dem fehlenden Boot zu folgen. Zudem wurde ein Feuer in den Kesseln entzündet, um als Leuchtturm zu dienen; außerdem standen ständig Männer auf dem Deck, um Ausschau zu halten. Doch obwohl das Schiff eine ausreichende Entfernung zurückgelegt hatte, um den vermuteten Standort des fehlenden Bootes zu erreichen, hielt es inne, um seine Ersatzboote ins Wasser zu lassen, um die Gegend abzusuchen. Doch da nichts gefunden wurde, setzte das Schiff seine Suche fort – immer wieder hielt es an, ließ die Boote ins Wasser, doch auch dann wurde kein Anzeichen des fehlenden Bootes entdeckt.
Nachdem die Geschichte erzählt worden war, enthüllte der fremde Kapitän sofort seinen Zweck, an Bord der Pequod zu kommen. Er wünschte, dass dieses Schiff sich seiner eigenen Flotte bei der Suche anschließe – indem sie etwa vier oder fünf Meilen voneinander entfernt, auf parallelen Linien, über das Meer segelten und so sozusagen einen doppelten Horizont abdeckten.
„Ich wette etwas“, flüsterte Stubb zu Flask, „dass jemand in diesem fehlenden Boot dem Kapitän seinen besten Mantel gestohlen hat – vielleicht auch seine Uhr. Er ist ja so verzweifelt darauf bedacht, sie zurückzubekommen. Wer hat schon davon gehört, dass zwei Walfangschiffe mitten in der Walfangsaison nach einem fehlenden Boot suchen? Sieh nur, wie blass er aussieht – blass bis in die Augen hinein. Es war nicht der Mantel – es muss etwas anderes gewesen sein…“
„Mein Sohn – mein eigener Sohn ist unter ihnen. Um Himmels willen – ich bitte dich, ich flehe dich an!“, rief der fremde Kapitän an Ahab gerichtet, der bisher seine Bitten nur kühl ignoriert hatte. „Lass mich dein Schiff für achtundvierzig Stunden mieten – ich werde gerne dafür bezahlen, und zwar gut bezahlen. Wenn es keinen anderen Weg gibt – nur für achtundvierzig Stunden. Du musst es tun, oh, du musst es unbedingt tun.“
„Sein Sohn!“, rief Stubb. „Oh, er hat seinen Sohn verloren! Ich nehme den Mantel und die Uhr zurück – was sagt Ahab? Wir müssen diesen Jungen retten.“
„Er ist letzte Nacht zusammen mit den anderen ertrunken“, sagte der alte Mannx-Seemann, der hinter ihnen stand. „Ich habe es gehört – ihr alle habt ihre Seelen gehört.“
Wie sich bald herausstellte, machte die Tatsache, dass nicht nur einer der Söhne des Kapitäns zur Besatzung des fehlenden Bootes gehörte, diese Angelegenheit umso trauriger.
Nachdem die Geschichte erzählt worden war, enthüllte der fremde Kapitän sofort seinen Zweck, an Bord der Pequod zu kommen. Er wünschte, dass dieses Schiff sich seiner eigenen Flotte bei der Suche anschließe – indem sie etwa vier oder fünf Meilen voneinander entfernt, auf parallelen Linien, über das Meer segelten und so sozusagen einen doppelten Horizont abdeckten.
„Ich wette etwas“, flüsterte Stubb zu Flask, „dass jemand in diesem fehlenden Boot dem Kapitän seinen besten Mantel gestohlen hat – vielleicht auch seine Uhr. Er ist ja so verzweifelt darauf bedacht, sie zurückzubekommen. Wer hat schon davon gehört, dass zwei Walfangschiffe mitten in der Walfangsaison nach einem fehlenden Boot suchen? Sieh nur, wie blass er aussieht – blass bis in die Augen hinein. Es war nicht der Mantel – es muss etwas anderes gewesen sein…“
„Mein Sohn – mein eigener Sohn ist unter ihnen. Um Himmels willen – ich bitte dich, ich flehe dich an!“, rief der fremde Kapitän an Ahab gerichtet, der bisher seine Bitten nur kühl ignoriert hatte. „Lass mich dein Schiff für achtundvierzig Stunden mieten – ich werde gerne dafür bezahlen, und zwar gut bezahlen. Wenn es keinen anderen Weg gibt – nur für achtundvierzig Stunden. Du musst es tun, oh, du musst es unbedingt tun.“
„Sein Sohn!“, rief Stubb. „Oh, er hat seinen Sohn verloren! Ich nehme den Mantel und die Uhr zurück – was sagt Ahab? Wir müssen diesen Jungen retten.“
„Er ist letzte Nacht zusammen mit den anderen ertrunken“, sagte der alte Mannx-Seemann, der hinter ihnen stand. „Ich habe es gehört – ihr alle habt ihre Seelen gehört.“
Wie sich bald herausstellte, machte die Tatsache, dass nicht nur einer der Söhne des Kapitäns zur Besatzung des fehlenden Bootes gehörte, diese Angelegenheit umso trauriger.
Page 573
Die Anzahl der Besatzungsmitglieder des anderen Bootes – währenddessen, aber andererseits getrennt vom Schiff inmitten der dunklen Widrigkeiten der Verfolgungsjagd – betrug ebenfalls eine bestimmte Zahl. Es gab noch einen weiteren Sohn; für eine Weile war der arme Vater in das tiefste Dilemma gestürzt. Dieses Dilemma wurde erst gelöst, als sein Erster Offizier instinktiv die übliche Vorgehensweise eines Walfangschiffs in solchen Notfällen anwandte – nämlich, wenn mehrere Boote in Gefahr sind und getrennt sind, immer zuerst die Mehrheit zu retten. Doch der Kapitän hatte aus irgendeinem unbekannten Grund darauf verzichtet, all dies zu erwähnen. Erst unter dem Druck von Ahabs Kaltschnäuzigkeit deutete er auf seinen einzigen noch fehlenden Sohn hin – einen kleinen Jungen von zwölf Jahren. Der Vater hatte mit der ernsten, doch unerschütterlichen Entschlossenheit der väterlichen Liebe eines Mannes von Nantucket versucht, ihn bereits früh mit den Gefahren und Wundern eines Berufs vertraut zu machen, der seit jeher das Schicksal aller seiner Vorfahren gewesen war. Es kommt auch häufig vor, dass Kapitäne von Nantucket ihre Söhne im zarten Alter für eine dreijährige oder vierjährige Reise auf einem anderen Schiff als ihrem eigenen schicken – damit ihre erste Erfahrung mit dem Leben eines Walfängers nicht durch irgendwelche Anzeichen natürlicher, aber unzeitgemäßer Vorlieben oder übermäßige Sorgen des Vaters beeinträchtigt wird.
In der Zwischenzeit bat der Fremde weiterhin inständig um Ahabs Zustimmung; Ahab stand weiterhin regungslos da, allen Angriffen standhaltend, ohne auch nur das Geringste zu zeigen.
„Ich werde nicht gehen“, sagte der Fremde, „bis Sie mir zustimmen. Handeln Sie mir gegenüber so, wie Sie es selbst von mir erwarteten würden. Auch Sie haben doch einen Sohn, Kapitän Ahab – zwar noch ein Kind, das sicher zu Hause ist – ein Kind Ihres fortgeschrittenen Alters. Ja, ja, Sie geben nach – ich sehe es. Laufen Sie, Männer, und bereiten Sie sich darauf vor, das Schiff wieder in Bewegung zu setzen.“
„Halt!“, rief Ahab. „Berührt keinen Seilstrang!“ Dann, mit einer Stimme, die jedes Wort langsam aussprach: „Kapitän Gardiner, ich werde es nicht tun. Ich verschwende bereits Zeit. Lebewohl. Gott segne Sie, Mann. Ich muss jetzt gehen. Mr. Starbuck, schauen Sie auf die Uhr im Steuerhaus und warnen Sie in drei Minuten alle Fremden ab. Dann bringen Sie das Schiff wieder in Fahrt.“
Schnell drehte er sich um, wandte das Gesicht ab und ging in seine Kabine. Der fremde Kapitän blieb wie erstarrt zurück – vor diesem bedingungslosen und völligen Ablehnen seines eindringlichen Antrags. Doch Gardiner kam aus seiner Erstarrung heraus, eilte schweigend zum Boot, stieg hinein und kehrte zu seinem Schiff zurück.
In der Zwischenzeit bat der Fremde weiterhin inständig um Ahabs Zustimmung; Ahab stand weiterhin regungslos da, allen Angriffen standhaltend, ohne auch nur das Geringste zu zeigen.
„Ich werde nicht gehen“, sagte der Fremde, „bis Sie mir zustimmen. Handeln Sie mir gegenüber so, wie Sie es selbst von mir erwarteten würden. Auch Sie haben doch einen Sohn, Kapitän Ahab – zwar noch ein Kind, das sicher zu Hause ist – ein Kind Ihres fortgeschrittenen Alters. Ja, ja, Sie geben nach – ich sehe es. Laufen Sie, Männer, und bereiten Sie sich darauf vor, das Schiff wieder in Bewegung zu setzen.“
„Halt!“, rief Ahab. „Berührt keinen Seilstrang!“ Dann, mit einer Stimme, die jedes Wort langsam aussprach: „Kapitän Gardiner, ich werde es nicht tun. Ich verschwende bereits Zeit. Lebewohl. Gott segne Sie, Mann. Ich muss jetzt gehen. Mr. Starbuck, schauen Sie auf die Uhr im Steuerhaus und warnen Sie in drei Minuten alle Fremden ab. Dann bringen Sie das Schiff wieder in Fahrt.“
Schnell drehte er sich um, wandte das Gesicht ab und ging in seine Kabine. Der fremde Kapitän blieb wie erstarrt zurück – vor diesem bedingungslosen und völligen Ablehnen seines eindringlichen Antrags. Doch Gardiner kam aus seiner Erstarrung heraus, eilte schweigend zum Boot, stieg hinein und kehrte zu seinem Schiff zurück.
Page 574
Bald trennten sich die Kielwasser der beiden Schiffe voneinander; und solange das seltsame Schiff sichtbar war, konnte man sehen, wie es bei jedem dunklen Punkt auf dem Meer – egal wie klein er auch war – hin und her schwankte. Seine Masten wurden immer wieder in verschiedene Richtungen gedreht; mal steuerte es nach rechts, mal nach links. Mal kämpfte es gegen die Wellen an, mal wurden sie von ihnen vorangetrieben. Die ganze Zeit über waren ihre Masten und Takelungen dicht mit Männern besetzt – wie drei hohe Kirschbäume, wenn Jungen unter ihren Ästen Kirschen pflücken. Doch an ihrem weiterhin zögerlichen, gewundenen Kurs konnte man deutlich erkennen, dass dieses Schiff, das so stark vom Gischt getroffen wurde, weiterhin ohne Trost blieb. Es war Rachel, die um ihre Kinder weinte – weil sie nicht da waren.
Page 575
KAPITEL 129. Die Kabine.
(Ahab will an Deck gehen; Pip packt ihn am Arm und will mitgehen.)
„Junge, ich sage dir: Du darfst Ahab jetzt nicht folgen. Die Stunde naht, in der Ahab dich weder von sich fernhalten noch bei sich haben wird. In dir gibt es etwas, armer Junge – etwas, das meiner Krankheit zu guter Letzt helfen könnte. Ähnliches heilt Ähnliches; und für diese Jagd wird meine Krankheit zur gewünschten Gesundheit. Bleib hier unten, wo man dir dienen wird, als wärst du der Kapitän. Ja, Junge, du wirst hier in meinem eigenen Stuhl sitzen; man muss noch einen Schraubmechanismus hinzufügen, damit du darin sitzen kannst.“
„Nein, nein, nein! Sie haben doch keinen ganzen Körper, Herr – nutzen Sie mich doch einfach als Ersatz für Ihr verlorenes Bein; treten Sie nur auf mich, Herr – ich bitte um nichts weiter, dann bleibe ich ein Teil von Ihnen.“
„Oh! Trotz aller Schurken macht mich das zu einem Fanatiker der unvergänglichen Treue des Menschen! – Und zu einem Verrückten! Doch ich glaube, dass auch bei ihm ‚Ähnliches heilt Ähnliches‘ gilt; er wird wieder vernünftig werden.“
„Man sagt mir, Herr, dass Stubb einst den armen kleinen Pip im Stich ließ – dessen ertrunkene Knochen nun weiß sind, trotz der Dunkelheit seiner lebenden Haut. Aber ich werde Sie niemals im Stich lassen, Herr, wie Stubb es mit ihm getan hat. Herr, ich muss mit Ihnen gehen.“
„Wenn du weiterhin so mit mir sprichst, wird Ahabs Entschluss noch fester werden. Ich sage dir: Das ist unmöglich.“
„Oh, guter Meister, Meister, Meister!“
„Weine nicht so – sonst werde ich dich töten! Sei vorsichtig, denn auch Ahab ist verrückt. Hör zu: Oft wirst du meinen Elfenbeinstab auf dem Deck hören – dann weißt du, dass ich da bin. Nun verlasse ich dich. Deine Hand! – Gefunden! Du bist wirklich echt, Junge, wie der Umfang zum Mittelpunkt. Gott segne dich für immer; und falls es soweit kommt – möge Gott dich für immer retten, egal was geschieht.“
(Ahab geht; Pip tritt einen Schritt vor.)
„Hier stand er gerade eben; ich stehe in seinem Raum – aber ich bin allein. Selbst wenn der arme Pip hier wäre, könnte ich es ertragen – doch er ist nicht da. Pip! Pip! Ding, dong, ding! Wer hat Pip gesehen? Er muss hier oben sein; versuchen wir, die Tür zu öffnen. Was? Kein Schloss, kein Riegel, keine Barriere – und doch lässt sie sich nicht öffnen. Es muss der Zauber sein; er…“
(Ahab will an Deck gehen; Pip packt ihn am Arm und will mitgehen.)
„Junge, ich sage dir: Du darfst Ahab jetzt nicht folgen. Die Stunde naht, in der Ahab dich weder von sich fernhalten noch bei sich haben wird. In dir gibt es etwas, armer Junge – etwas, das meiner Krankheit zu guter Letzt helfen könnte. Ähnliches heilt Ähnliches; und für diese Jagd wird meine Krankheit zur gewünschten Gesundheit. Bleib hier unten, wo man dir dienen wird, als wärst du der Kapitän. Ja, Junge, du wirst hier in meinem eigenen Stuhl sitzen; man muss noch einen Schraubmechanismus hinzufügen, damit du darin sitzen kannst.“
„Nein, nein, nein! Sie haben doch keinen ganzen Körper, Herr – nutzen Sie mich doch einfach als Ersatz für Ihr verlorenes Bein; treten Sie nur auf mich, Herr – ich bitte um nichts weiter, dann bleibe ich ein Teil von Ihnen.“
„Oh! Trotz aller Schurken macht mich das zu einem Fanatiker der unvergänglichen Treue des Menschen! – Und zu einem Verrückten! Doch ich glaube, dass auch bei ihm ‚Ähnliches heilt Ähnliches‘ gilt; er wird wieder vernünftig werden.“
„Man sagt mir, Herr, dass Stubb einst den armen kleinen Pip im Stich ließ – dessen ertrunkene Knochen nun weiß sind, trotz der Dunkelheit seiner lebenden Haut. Aber ich werde Sie niemals im Stich lassen, Herr, wie Stubb es mit ihm getan hat. Herr, ich muss mit Ihnen gehen.“
„Wenn du weiterhin so mit mir sprichst, wird Ahabs Entschluss noch fester werden. Ich sage dir: Das ist unmöglich.“
„Oh, guter Meister, Meister, Meister!“
„Weine nicht so – sonst werde ich dich töten! Sei vorsichtig, denn auch Ahab ist verrückt. Hör zu: Oft wirst du meinen Elfenbeinstab auf dem Deck hören – dann weißt du, dass ich da bin. Nun verlasse ich dich. Deine Hand! – Gefunden! Du bist wirklich echt, Junge, wie der Umfang zum Mittelpunkt. Gott segne dich für immer; und falls es soweit kommt – möge Gott dich für immer retten, egal was geschieht.“
(Ahab geht; Pip tritt einen Schritt vor.)
„Hier stand er gerade eben; ich stehe in seinem Raum – aber ich bin allein. Selbst wenn der arme Pip hier wäre, könnte ich es ertragen – doch er ist nicht da. Pip! Pip! Ding, dong, ding! Wer hat Pip gesehen? Er muss hier oben sein; versuchen wir, die Tür zu öffnen. Was? Kein Schloss, kein Riegel, keine Barriere – und doch lässt sie sich nicht öffnen. Es muss der Zauber sein; er…“
Page 576
Er sagte mir, ich solle hier bleiben: Ja, und er sagte mir, dieser kaputte Stuhl gehöre mir. Hier also werde ich mich niederlassen – gegen das Geländer, mitten im Schiff, mit der Kiellinie sowie den drei Masten direkt vor mir. Hier, so sagen unsere alten Seeleute, setzen sich manchmal die großen Admiräle an den Tisch und herrschen über Reihen von Kapitänen und Leutnants. Ha! Was ist das? Schulterklappen! Überall Schulterklappen! Gebt die Karaffen herum; schön, euch zu sehen! Füllt nach, meine Herren! Was für ein seltsames Gefühl – wenn ein schwarzer Junge die Gastgeberrolle für weiße Männer übernimmt, deren Mäntel mit goldenem Spitzenstoff verziert sind! Meine Herren, habt ihr einen Pip gesehen? Einen kleinen schwarzen Jungen, etwa fünf Fuß groß, mit traurigem Ausdruck und feige. Einmal ist er aus einem Walfangboot gesprungen – habt ihr ihn gesehen? Nein! Nun, füllt wieder nach, Kapitäne – und trinken wir auf alle Feiglinge! Ich nenne keine Namen. Schande über sie! Legt einen Fuß auf den Tisch. Schande über alle Feiglinge. Hist! Da oben – ich höre Elfenbein… Oh, Herr! Herr! Ich bin wirklich niedergeschlagen, wenn Sie über mich hinweggehen. Aber ich bleibe hier – auch wenn das Heck gegen Felsen stößt; die Felsen dringen durch – und Austern kommen, um sich mir anzuschließen.
Page 577
KAPITEL 130. Der Hut.
Und nun, zur rechten Zeit und am rechten Ort – nach einer so langen und weiten Vorphase – schien Ahab, der alle anderen Walfanggebiete bereits durchquert hatte, seinen Feind in eine Meeresbucht getrieben zu haben, um ihn dort sicherer töten zu können. Nun befand er sich in der Nähe genau jener Breite und Länge, an der ihm die quälende Wunde zugefügt worden war. Nun war ein Schiff bekannt geworden, das am Vortag tatsächlich auf Moby Dick gestoßen war – und nun zeigten all seine bisherigen Begegnungen mit verschiedenen Schiffen eindeutig die teuflische Gleichgültigkeit, mit der der weiße Wal seine Jäger zerfetzte, egal ob diese gesündigt hatten oder nicht. In den Augen des Alten lauerte nun etwas, das schwache Seelen kaum ertragen konnten. Wie der unveränderliche Polstern, der während der langen, arktischen sechsmonatigen Nacht seinen durchdringenden, festen Blick beibehält, so strahlte auch Abahs Entschlossenheit nun unverwandt auf die düstere Besatzung herab. Sie beherrschte sie dermaßen, dass all ihre Ängste, Zweifel und Befürchtungen lieber unter ihren Seelen verborgen blieben, anstatt hervorzukommen.
Auch in dieser vorhersehbaren Zeit verschwand jeglicher Humor – sei er erzwungen oder natürlich. Stubb versuchte nicht mehr, ein Lächeln zu zeigen; Starbuck versuchte nicht mehr, eines zu unterdrücken. Sowohl Freude als auch Trauer, Hoffnung und Angst schienen zu feinem Staub zermahlen und vorerst im „Mörser“ von Abahs eiserner Seele aufbewahrt zu werden. Wie Maschinen bewegten sie sich stumm über das Deck, stets bewusst, dass der despotische Blick des Alten auf ihnen ruhte.
Doch wenn man ihn in seinen geheimsten Momenten genauer betrachtete – wenn er glaubte, nur ein einziger Blick sei auf ihn gerichtet – dann würde man erkennen, dass geradeso wie Abahs Augen die Besatzung einschüchterten, auch der unergründliche Blick des Parsen ihn einschüchterte – oder zumindest manchmal auf seltsame Weise darauf einwirkte. Eine solche zusätzliche, unheimliche Ausstrahlung begann nun auch Fedallah zu umgeben; ununterbrochene Zitterungen ergriffen ihn, sodass die Männer misstrauisch wurden – halb unsicher, ob er wirklich aus Fleisch und Blut war oder nur ein zitternder Schatten, der vom Körper irgendeines unsichtbaren Wesens auf das Deck geworfen wurde. Und dieser Schatten schwebte stets dort. Denn selbst nachts war nie sicher bekannt geworden, dass Fedallah schlief oder unter Deck ging. Er würde…
Und nun, zur rechten Zeit und am rechten Ort – nach einer so langen und weiten Vorphase – schien Ahab, der alle anderen Walfanggebiete bereits durchquert hatte, seinen Feind in eine Meeresbucht getrieben zu haben, um ihn dort sicherer töten zu können. Nun befand er sich in der Nähe genau jener Breite und Länge, an der ihm die quälende Wunde zugefügt worden war. Nun war ein Schiff bekannt geworden, das am Vortag tatsächlich auf Moby Dick gestoßen war – und nun zeigten all seine bisherigen Begegnungen mit verschiedenen Schiffen eindeutig die teuflische Gleichgültigkeit, mit der der weiße Wal seine Jäger zerfetzte, egal ob diese gesündigt hatten oder nicht. In den Augen des Alten lauerte nun etwas, das schwache Seelen kaum ertragen konnten. Wie der unveränderliche Polstern, der während der langen, arktischen sechsmonatigen Nacht seinen durchdringenden, festen Blick beibehält, so strahlte auch Abahs Entschlossenheit nun unverwandt auf die düstere Besatzung herab. Sie beherrschte sie dermaßen, dass all ihre Ängste, Zweifel und Befürchtungen lieber unter ihren Seelen verborgen blieben, anstatt hervorzukommen.
Auch in dieser vorhersehbaren Zeit verschwand jeglicher Humor – sei er erzwungen oder natürlich. Stubb versuchte nicht mehr, ein Lächeln zu zeigen; Starbuck versuchte nicht mehr, eines zu unterdrücken. Sowohl Freude als auch Trauer, Hoffnung und Angst schienen zu feinem Staub zermahlen und vorerst im „Mörser“ von Abahs eiserner Seele aufbewahrt zu werden. Wie Maschinen bewegten sie sich stumm über das Deck, stets bewusst, dass der despotische Blick des Alten auf ihnen ruhte.
Doch wenn man ihn in seinen geheimsten Momenten genauer betrachtete – wenn er glaubte, nur ein einziger Blick sei auf ihn gerichtet – dann würde man erkennen, dass geradeso wie Abahs Augen die Besatzung einschüchterten, auch der unergründliche Blick des Parsen ihn einschüchterte – oder zumindest manchmal auf seltsame Weise darauf einwirkte. Eine solche zusätzliche, unheimliche Ausstrahlung begann nun auch Fedallah zu umgeben; ununterbrochene Zitterungen ergriffen ihn, sodass die Männer misstrauisch wurden – halb unsicher, ob er wirklich aus Fleisch und Blut war oder nur ein zitternder Schatten, der vom Körper irgendeines unsichtbaren Wesens auf das Deck geworfen wurde. Und dieser Schatten schwebte stets dort. Denn selbst nachts war nie sicher bekannt geworden, dass Fedallah schlief oder unter Deck ging. Er würde…
Page 578
Stundenlang regungslos stehen – doch niemals sitzen oder sich neigen; seine blassen, doch wunderbaren Augen sagten deutlich: „Wir beiden Wächter ruhen niemals.“ Auch zu keiner Zeit, weder bei Tag noch bei Nacht, konnten die Seeleute nun auf das Deck treten, es sei denn, Ahab war vor ihnen – entweder stehend in seinem Aussichtsfenster oder genau auf und ab gehend zwischen zwei festgelegten Grenzen: dem Hauptmast und dem Fockmast. Oder sie sahen ihn im Kabinenausschnitt stehen – sein Fuß schien auf das Deck zuzutreten, als wolle er darauf treten; sein Hut hing tief über seinen Augen. So unbeweglich er auch stand, so sehr sich die Tage und Nächte häuften – er schwang sich nicht in seiner Hängematte. Doch verborgen unter diesem tief hängenden Hut konnten sie nie mit Sicherheit erkennen, ob seine Augen gelegentlich wirklich geschlossen waren – oder ob er weiterhin aufmerksam alles beobachtete. Egal – selbst wenn er stundenlang dort stand, während die unbeachtete Nachtwäsche Tautropfen auf seinem steinernen Mantel und Hut bildete. Die vom Regen durchnässten Kleider trockneten am nächsten Tag in der Sonne – und so ging es Tag für Tag, Nacht für Nacht. Er ging nicht mehr unter die Decksplanken; was immer er aus der Kabine brauchte, ließ er holen. Er aß ebenfalls im Freien – nämlich seine beiden Mahlzeiten: Frühstück und Abendessen. Zum Abendessen griff er nie zu; auch strich er sich nicht den Bart. Dieser wuchs dunkel und verdreht, wie umgestürzte Baumwurzeln, die weiterhin an ihrer nackten Basis wachsen, obwohl der obere Teil bereits verdorrt ist. Doch obwohl sein ganzes Leben nun darin bestand, auf dem Deck Wache zu halten – und obwohl die mystische Wache des Parsen genauso ununterbrochen war wie seine eigene – schienen die beiden niemals miteinander zu sprechen – außer in seltenen Fällen, wenn irgendeine unbedeutende Angelegenheit es erforderlich machte. Obwohl eine Art mächtiger Zauber die beiden scheinbar miteinander verband – schienen sie vor der ehrfürchtigen Besatzung doch völlig getrennt zu sein. Wenn sie tagsüber zufällig ein Wort wechselten, waren sie nachts beide stumm – was jeglichen verbalen Austausch betraf. Manchmal standen sie stundenlang voneinander entfernt im Sternenlicht – Ahab in seinem Aussichtsfenster, der Parsi am Hauptmast – doch sie blickten weiterhin unverwandt einander an; als sähe Ahab im Parsi seinen eigenen verdrängten Schatten, und der Parsi in Ahab seine eigene verlassene Existenz. Und doch schien Ahab – in seiner eigenen Persönlichkeit, die ihm täglich, stündlich und jederzeit offenbart wurde – ein unabhängiger Herrscher zu sein; der Parsi nur sein Sklave. Dennoch schienen die beiden wiederum miteinander verbunden zu sein, von einem unsichtbaren Tyrannen angetrieben – der magere Schatten.
Page 579
Er stützte sich auf die feste Rippe des Schiffes. Egal, wer dieser Parsee auch sein mochte – alles an dem Schiff war fest gebaut, genau wie bei Ahab.
Bei dem ersten schwachen Schimmer der Dämmerung war seine eiserne Stimme von achtern zu hören: „Mann an die Mastspitzen!“ Und den ganzen Tag über, bis nach Sonnenuntergang und Dämmerung, war immer wieder dieselbe Stimme zu hören – jedes Mal, wenn die Glocke des Rudergängers geläutet wurde: „Was seht ihr? Schnell! Schnell!“
Doch nachdem drei oder vier Tage vergangen waren, ohne dass man auch nur einen Ausbruch des Wassers gesehen hatte, schien der monomanische Alte der Loyalität seiner Besatzung misstrauisch zu sein – zumindest gegenüber fast allen außer den heidnischen Harpuniers. Er zweifelte sogar daran, ob Stubb und Flask nicht absichtlich das übersehen könnten, wonach er suchte. Doch falls diese Verdächtigungen wirklich seine eigenen waren, so hielt er klugerweise davon ab, sie auszusprechen – egal, wie seine Handlungen darauf hindeuten mochten.
„Ich werde selbst den ersten Blick auf den Wal werfen“, sagte er. „Ja! Ahab muss den Doubloon bekommen!“ Mit eigenen Händen bereitete er ein Gestell aus Korbseilen vor; anschließend schickte er jemanden nach oben, um mit einem einzigen Block das Seil am Mastkopf zu befestigen. Er nahm die beiden Enden des Seils entgegen, befestigte eines am Gestell und bereitete das andere Ende für die Befestigung am Geländer vor. Danach stand er da, das Seil noch in der Hand, und blickte seine Besatzung an – von einem zum anderen. Sein Blick verweilte lange bei Daggoo, Queequeg und Tashtego; doch er mied Fedallah. Schließlich richtete er seinen entschlossenen Blick auf den Ersten Offizier und sagte: „Nehmen Sie das Seil, Sir – ich übergebe es in Ihre Hände, Starbuck.“ Anschließend setzte er sich in das Gestell, und Starbuck war es, der das Seil schließlich festband. Danach stand er in der Nähe. So blickte Ahab mit einer Hand umklammert am Hauptmast in die Weiten des Meeres – nach vorn, nach hinten, zur einen und anderen Seite – innerhalb des weiten Kreises, den er von solcher Höhe aus überblicken konnte.
Wenn ein Seemann an einem sehr hohen, fast isolierten Ort in der Takelage arbeitet, wo es keine Stelle zum Stehen gibt, wird er mit dem Seil nach oben gehoben und dort festgehalten. In solchen Fällen wird das am Deck befestigte Ende des Seils stets streng einem bestimmten Mann anvertraut, der dafür verantwortlich ist. Denn in dieser Wildnis aus Seilen, deren verschiedenen Verbindungen von oben nicht immer eindeutig erkannt werden können, wenn man nur vom Deck aus zusieht…
Bei dem ersten schwachen Schimmer der Dämmerung war seine eiserne Stimme von achtern zu hören: „Mann an die Mastspitzen!“ Und den ganzen Tag über, bis nach Sonnenuntergang und Dämmerung, war immer wieder dieselbe Stimme zu hören – jedes Mal, wenn die Glocke des Rudergängers geläutet wurde: „Was seht ihr? Schnell! Schnell!“
Doch nachdem drei oder vier Tage vergangen waren, ohne dass man auch nur einen Ausbruch des Wassers gesehen hatte, schien der monomanische Alte der Loyalität seiner Besatzung misstrauisch zu sein – zumindest gegenüber fast allen außer den heidnischen Harpuniers. Er zweifelte sogar daran, ob Stubb und Flask nicht absichtlich das übersehen könnten, wonach er suchte. Doch falls diese Verdächtigungen wirklich seine eigenen waren, so hielt er klugerweise davon ab, sie auszusprechen – egal, wie seine Handlungen darauf hindeuten mochten.
„Ich werde selbst den ersten Blick auf den Wal werfen“, sagte er. „Ja! Ahab muss den Doubloon bekommen!“ Mit eigenen Händen bereitete er ein Gestell aus Korbseilen vor; anschließend schickte er jemanden nach oben, um mit einem einzigen Block das Seil am Mastkopf zu befestigen. Er nahm die beiden Enden des Seils entgegen, befestigte eines am Gestell und bereitete das andere Ende für die Befestigung am Geländer vor. Danach stand er da, das Seil noch in der Hand, und blickte seine Besatzung an – von einem zum anderen. Sein Blick verweilte lange bei Daggoo, Queequeg und Tashtego; doch er mied Fedallah. Schließlich richtete er seinen entschlossenen Blick auf den Ersten Offizier und sagte: „Nehmen Sie das Seil, Sir – ich übergebe es in Ihre Hände, Starbuck.“ Anschließend setzte er sich in das Gestell, und Starbuck war es, der das Seil schließlich festband. Danach stand er in der Nähe. So blickte Ahab mit einer Hand umklammert am Hauptmast in die Weiten des Meeres – nach vorn, nach hinten, zur einen und anderen Seite – innerhalb des weiten Kreises, den er von solcher Höhe aus überblicken konnte.
Wenn ein Seemann an einem sehr hohen, fast isolierten Ort in der Takelage arbeitet, wo es keine Stelle zum Stehen gibt, wird er mit dem Seil nach oben gehoben und dort festgehalten. In solchen Fällen wird das am Deck befestigte Ende des Seils stets streng einem bestimmten Mann anvertraut, der dafür verantwortlich ist. Denn in dieser Wildnis aus Seilen, deren verschiedenen Verbindungen von oben nicht immer eindeutig erkannt werden können, wenn man nur vom Deck aus zusieht…
Page 580
Diese Seile werden alle paar Minuten von den Befestigungen herabgelassen. Es wäre nur eine natürliche Folge, wenn der Seemann, der dort oben ist, aufgrund von Nachlässigkeit der Besatzung ins Meer stürzen würde – ohne dass jemand ihn bewacht. Ahabs Vorgehen in dieser Angelegenheit war also nicht ungewöhnlich. Das Einzige Seltsame daran schien zu sein, dass Starbuck – fast der einzige Mann, der es je gewagt hatte, ihm Widerstand entgegenzusetzen – einer jener Männer war, deren Loyalität Ahab etwas in Frage gestellt hatte. Es war seltsam, dass gerade er zum Wächter ausgewählt wurde; Ahab übergab somit sein ganzes Leben in die Hände eines Mannes, dem er sonst misstraute.
Beim ersten Mal, als Ahab dort oben stand – noch keine zehn Minuten lang – kam einer jener rohäugigen, wilden Seeadler, die in diesen Breitengraden oft in unangenehmer Nähe um die Mastspitzen der Walfänger fliegen. Einer dieser Vögel kreiste mit schrillem Geschrei um seinen Kopf. Dann stieg er tausend Fuß in die Luft, sank anschließend wieder nach unten und kreiste erneut um seinen Kopf.
Doch Ahab, dessen Blick auf den fernen Horizont gerichtet war, schien diesen wilden Vogel nicht wahrzunehmen. Tatsächlich hätte wohl auch niemand sonst ihn besonders beachtet – schließlich handelte es sich dabei um nichts Ungewöhnliches. Doch jetzt schien selbst das aufmerksamste Auge in jedem Anblick irgendeine Art von Bedeutung zu erkennen.
„Ihr Hut, Sir!“, rief plötzlich der sizilianische Seemann, der am achteren Mast stand und direkt hinter Ahab war – allerdings etwas tiefer als dieser, wobei ein großer Abstand zwischen ihnen lag. Doch bereits war der schwarze Vogel vor den Augen des Alten; mit einem Schrei flog der schwarze Adler davon, zusammen mit Ahabs Hut.
Ein Adler flog dreimal um Tarquins Kopf, nahm ihm den Hut ab und setzte ihn wieder auf. Daraufhin erklärte seine Frau Tanaquil, dass Tarquin König von Rom werden würde. Doch erst durch das Wiederaufsetzen des Hutes galt dieses Omen als günstig. Ahabs Hut wurde nie wieder gefunden; der wilde Adler flog weiter, weit voraus am Bug – bis er schließlich verschwand. Von dem Ort seines Verschwindens aus konnte man einen kleinen schwarzen Punkt erkennen, der aus dieser großen Höhe ins Meer fiel.
Beim ersten Mal, als Ahab dort oben stand – noch keine zehn Minuten lang – kam einer jener rohäugigen, wilden Seeadler, die in diesen Breitengraden oft in unangenehmer Nähe um die Mastspitzen der Walfänger fliegen. Einer dieser Vögel kreiste mit schrillem Geschrei um seinen Kopf. Dann stieg er tausend Fuß in die Luft, sank anschließend wieder nach unten und kreiste erneut um seinen Kopf.
Doch Ahab, dessen Blick auf den fernen Horizont gerichtet war, schien diesen wilden Vogel nicht wahrzunehmen. Tatsächlich hätte wohl auch niemand sonst ihn besonders beachtet – schließlich handelte es sich dabei um nichts Ungewöhnliches. Doch jetzt schien selbst das aufmerksamste Auge in jedem Anblick irgendeine Art von Bedeutung zu erkennen.
„Ihr Hut, Sir!“, rief plötzlich der sizilianische Seemann, der am achteren Mast stand und direkt hinter Ahab war – allerdings etwas tiefer als dieser, wobei ein großer Abstand zwischen ihnen lag. Doch bereits war der schwarze Vogel vor den Augen des Alten; mit einem Schrei flog der schwarze Adler davon, zusammen mit Ahabs Hut.
Ein Adler flog dreimal um Tarquins Kopf, nahm ihm den Hut ab und setzte ihn wieder auf. Daraufhin erklärte seine Frau Tanaquil, dass Tarquin König von Rom werden würde. Doch erst durch das Wiederaufsetzen des Hutes galt dieses Omen als günstig. Ahabs Hut wurde nie wieder gefunden; der wilde Adler flog weiter, weit voraus am Bug – bis er schließlich verschwand. Von dem Ort seines Verschwindens aus konnte man einen kleinen schwarzen Punkt erkennen, der aus dieser großen Höhe ins Meer fiel.
Page 581
Page 582
KAPITEL 131: Der Pequod trifft auf die Delight
Der eilige Pequod segelte weiter; die wellenreichen Meere und die Tage vergingen; der Rettungsbootkasten schwang weiterhin sanft hin und her. Dann wurde ein weiteres Schiff sichtbar – ein Schiff mit dem äußerst unpassenden Namen „Delight“. Als es näher kam, richteten sich alle Blicke auf seine breiten Trägerkonstruktionen, die bei einigen Walfangschiffen in einer Höhe von acht bis neun Fuß über dem Deck angebracht sind und dazu dienen, Ersatzboote oder beschädigte Boote zu tragen.
Auf diesen Trägern des fremden Schiffes waren zerbrochene, weiße Rippen sowie einige zersplitterte Planken zu erkennen – Überreste eines ehemaligen Walfangbootes. Doch durch dieses Wrack konnte man genauso klar sehen wie durch den abgepelzten, halb auseinandergebrochenen Knochenkörper eines Pferdes.
„Hast du den Weißen Wal gesehen?“
„Schau!“, antwortete der Kapitän mit den hohlen Wangen vom Geländer aus und zeigte mit seiner Trompete auf das Wrack.
„Hast du ihn getötet?“
„Es gibt noch keinen Harpunenstachel, der dazu in der Lage wäre“, antwortete der andere und warf einen traurigen Blick auf eine runde Hängematte auf dem Deck, an der einige stille Seeleute damit beschäftigt waren, sie zusammenzunähen.
„Noch nicht geschmiedet!“, rief Ahab und entriss Perth das erhobene Eisenwerkzeug. Er hielt es hoch und sagte: „Seht her, Leute von Nantucket! In dieser Hand halte ich seinen Tod! Diese Stacheln wurden im Blut und im Blitz gehärtet – und ich schwöre, sie dreifach in jenem heißen Ort hinter der Finne zu härten, wo der Weiße Wal am meisten seinen verfluchten Lebensschmerz spürt!“
„Dann möge Gott dich beschützen, alter Mann – siehst du das da?“ Er zeigte auf die Hängematte. „Ich begrabe nur einen von fünf kräftigen Männern, die gestern noch am Leben waren – doch bereits in der Nacht gestorben sind. Nur diesen einen begrabe ich; die anderen wurden bereits vor ihrem Tod begraben. Ihr segelt auf ihren Gräbern.“ Dann wandte er sich an seine Besatzung: „Seid ihr bereit? Legt die Planke auf das Geländer und hebt den Körper hoch! Oh, Gott!“ Er trat mit erhobenen Händen auf die Hängematte zu. „Möge die Auferstehung und das Leben…“
„Vorwärts! Steuern nach vorn!“, rief Ahab wie der Blitz seinen Männern zu.
Der eilige Pequod segelte weiter; die wellenreichen Meere und die Tage vergingen; der Rettungsbootkasten schwang weiterhin sanft hin und her. Dann wurde ein weiteres Schiff sichtbar – ein Schiff mit dem äußerst unpassenden Namen „Delight“. Als es näher kam, richteten sich alle Blicke auf seine breiten Trägerkonstruktionen, die bei einigen Walfangschiffen in einer Höhe von acht bis neun Fuß über dem Deck angebracht sind und dazu dienen, Ersatzboote oder beschädigte Boote zu tragen.
Auf diesen Trägern des fremden Schiffes waren zerbrochene, weiße Rippen sowie einige zersplitterte Planken zu erkennen – Überreste eines ehemaligen Walfangbootes. Doch durch dieses Wrack konnte man genauso klar sehen wie durch den abgepelzten, halb auseinandergebrochenen Knochenkörper eines Pferdes.
„Hast du den Weißen Wal gesehen?“
„Schau!“, antwortete der Kapitän mit den hohlen Wangen vom Geländer aus und zeigte mit seiner Trompete auf das Wrack.
„Hast du ihn getötet?“
„Es gibt noch keinen Harpunenstachel, der dazu in der Lage wäre“, antwortete der andere und warf einen traurigen Blick auf eine runde Hängematte auf dem Deck, an der einige stille Seeleute damit beschäftigt waren, sie zusammenzunähen.
„Noch nicht geschmiedet!“, rief Ahab und entriss Perth das erhobene Eisenwerkzeug. Er hielt es hoch und sagte: „Seht her, Leute von Nantucket! In dieser Hand halte ich seinen Tod! Diese Stacheln wurden im Blut und im Blitz gehärtet – und ich schwöre, sie dreifach in jenem heißen Ort hinter der Finne zu härten, wo der Weiße Wal am meisten seinen verfluchten Lebensschmerz spürt!“
„Dann möge Gott dich beschützen, alter Mann – siehst du das da?“ Er zeigte auf die Hängematte. „Ich begrabe nur einen von fünf kräftigen Männern, die gestern noch am Leben waren – doch bereits in der Nacht gestorben sind. Nur diesen einen begrabe ich; die anderen wurden bereits vor ihrem Tod begraben. Ihr segelt auf ihren Gräbern.“ Dann wandte er sich an seine Besatzung: „Seid ihr bereit? Legt die Planke auf das Geländer und hebt den Körper hoch! Oh, Gott!“ Er trat mit erhobenen Händen auf die Hängematte zu. „Möge die Auferstehung und das Leben…“
„Vorwärts! Steuern nach vorn!“, rief Ahab wie der Blitz seinen Männern zu.
Page 583
Doch der plötzlich in Bewegung gesetzte Pequod war nicht schnell genug, um dem Geräusch des Aufpralls zu entkommen, den die Leiche bald beim Aufschlag auf das Meer verursachte; nicht schnell genug, sodass einige der sprühenden Blasen ihr Rumpf mit ihrem „geistlichen Taufwasser“ besprühen konnten.
Während Ahab nun vom verzweifelten Delight wegglitt, kam die seltsame Rettungsboje, die am Heck des Pequod hing, besonders ins Blickfeld.
„Ha! Dort drüben! Schaut dorthin, Männer!“, rief eine warnende Stimme hinter ihnen.
„Umsonst, oh, ihr Fremden – ihr fliegt unseren traurigen Bestattungszug; ihr zeigt uns nur eure Reling, um uns euren Sarg zu zeigen!“
Während Ahab nun vom verzweifelten Delight wegglitt, kam die seltsame Rettungsboje, die am Heck des Pequod hing, besonders ins Blickfeld.
„Ha! Dort drüben! Schaut dorthin, Männer!“, rief eine warnende Stimme hinter ihnen.
„Umsonst, oh, ihr Fremden – ihr fliegt unseren traurigen Bestattungszug; ihr zeigt uns nur eure Reling, um uns euren Sarg zu zeigen!“
Page 584
KAPITEL 132. Die Symphonie.
Es war ein klarer, stahlblauer Tag. Der Himmel über Luft und Meer war in jenem allgegenwärtigen Azur kaum zu unterscheiden; nur die nachdenkliche Luft war durchsichtig rein und sanft, mit einem weiblichen Ausdruck, während das kräftige, männlich anmutende Meer mit langen, starken Wellen schwoll – wie Samsons Brust im Schlaf.
Hierhin und dorthin glitten hoch oben die schneeweißen Flügel kleiner, fleckloser Vögel; das waren die sanften Gedanken der weiblichen Luft. Doch hin und her in den Tiefen, tief unten im bodenlosen Blau, rasten mächtige Leviathane, Schwertfische und Haie – das waren die starken, unruhigen, mörderischen Gedanken des männlichen Meeres.
Doch obwohl es innerlich solche Gegensätze gab, bestanden diese nur in Nuancen und Schatten von außen; die beiden schienen eins zu sein; nur das Geschlecht unterschied sie, sozusagen.
Hoch oben, wie ein königlicher Zar und König, schien die Sonne dieser sanften Luft dieses kühnen, welligen Meeres zu verleihen – wie eine Braut ihrem Bräutigam. An der Linie des Horizonts zeigte sich eine sanfte, zitternde Bewegung – besonders deutlich am Äquator –, die das zärtliche, pochende Vertrauen sowie die liebevollen Sorgen darstellte, mit denen die arme Braut ihr Herz hingab.
Gebunden und verdreht, runzelig und knotig; hager und unerschütterlich; seine Augen glühten wie Kohlen, die noch in den Aschen der Zerstörung leuchten – unerschütterlich stand Ahab in der Klarheit des Morgens da und hob seine gespaltenen Augenbrauen zum schönen Gesicht des Mädchens empor.
Oh, unsterbliche Kindheit und Unschuld des Azurs! Unsichtbare, geflügelte Wesen, die um uns herum spielen! Süße Kindheit der Luft und des Himmels! Wie unbekümmert wart ihr um das tief verborgene Leid des alten Ahab! Doch auch ich habe kleine Miriam und Martha gesehen – lachende Elfen –, die sorglos um ihren alten Vater herumsprangen und mit den verkohlten Haaren spielten, die am Rande seines zerstörten Gehirns wuchsen.
Langsam überquerte Ahab das Deck und beugte sich über die Reling, um zu beobachten, wie sein Schatten im Wasser immer tiefer sank – je mehr er versuchte, die Tiefe zu durchdringen. Doch die lieblichen Düfte in dieser zauberhaften Luft schienen schließlich für einen Moment die „kranke“ Atmosphäre zu vertreiben.
Es war ein klarer, stahlblauer Tag. Der Himmel über Luft und Meer war in jenem allgegenwärtigen Azur kaum zu unterscheiden; nur die nachdenkliche Luft war durchsichtig rein und sanft, mit einem weiblichen Ausdruck, während das kräftige, männlich anmutende Meer mit langen, starken Wellen schwoll – wie Samsons Brust im Schlaf.
Hierhin und dorthin glitten hoch oben die schneeweißen Flügel kleiner, fleckloser Vögel; das waren die sanften Gedanken der weiblichen Luft. Doch hin und her in den Tiefen, tief unten im bodenlosen Blau, rasten mächtige Leviathane, Schwertfische und Haie – das waren die starken, unruhigen, mörderischen Gedanken des männlichen Meeres.
Doch obwohl es innerlich solche Gegensätze gab, bestanden diese nur in Nuancen und Schatten von außen; die beiden schienen eins zu sein; nur das Geschlecht unterschied sie, sozusagen.
Hoch oben, wie ein königlicher Zar und König, schien die Sonne dieser sanften Luft dieses kühnen, welligen Meeres zu verleihen – wie eine Braut ihrem Bräutigam. An der Linie des Horizonts zeigte sich eine sanfte, zitternde Bewegung – besonders deutlich am Äquator –, die das zärtliche, pochende Vertrauen sowie die liebevollen Sorgen darstellte, mit denen die arme Braut ihr Herz hingab.
Gebunden und verdreht, runzelig und knotig; hager und unerschütterlich; seine Augen glühten wie Kohlen, die noch in den Aschen der Zerstörung leuchten – unerschütterlich stand Ahab in der Klarheit des Morgens da und hob seine gespaltenen Augenbrauen zum schönen Gesicht des Mädchens empor.
Oh, unsterbliche Kindheit und Unschuld des Azurs! Unsichtbare, geflügelte Wesen, die um uns herum spielen! Süße Kindheit der Luft und des Himmels! Wie unbekümmert wart ihr um das tief verborgene Leid des alten Ahab! Doch auch ich habe kleine Miriam und Martha gesehen – lachende Elfen –, die sorglos um ihren alten Vater herumsprangen und mit den verkohlten Haaren spielten, die am Rande seines zerstörten Gehirns wuchsen.
Langsam überquerte Ahab das Deck und beugte sich über die Reling, um zu beobachten, wie sein Schatten im Wasser immer tiefer sank – je mehr er versuchte, die Tiefe zu durchdringen. Doch die lieblichen Düfte in dieser zauberhaften Luft schienen schließlich für einen Moment die „kranke“ Atmosphäre zu vertreiben.
Page 585
Etwas in seiner Seele… Diese fröhliche, glückliche Atmosphäre, dieser reizvolle Himmel – sie berührten und streichelten ihn endlich; die Welt der Stiefmutter, die so lange grausam und abweisend gewesen war, schlang nun liebevolle Arme um seinen sturen Hals und schien fröhlich um ihn zu weinen, als wäre er jemand, den sie trotz aller Sturheit und Fehler noch retten und segnen konnte. Unter seinem tief ins Gesicht gezogenen Hut ließ Ahab eine Träne ins Meer fallen; doch der gesamte Pazifik enthielt nicht so viel Wert wie diese eine kleine Träne.
Starbuck sah den alten Mann; er sah, wie dieser schwer über die Reling gebeugt stand; es schien, als würde er in seinem eigenen Herzen das unermessliche Weinen hören, das aus der Stille um ihn herum drang. Sorgfältig darauf bedacht, ihn nicht zu berühren oder von ihm bemerkt zu werden, näherte er sich ihm doch und blieb dort stehen.
Ahab drehte sich um.
„Starbuck!“
„Sir.“
„Oh, Starbuck! Es weht ein sanfter Wind, und der Himmel sieht ebenfalls sanft aus. An einem solchen Tag – an einem Tag voller Süße wie heute – habe ich meinen ersten Wal erlegt – einen achtzehnjährigen Jungen-Harpunier! Vierzig – vierzig – vierzig Jahre her! Vierzig Jahre voller Walfang! Vierzig Jahre voller Entbehrungen, Gefahren und Stürme! Vierzig Jahre auf dem erbarmungslosen Meer! Seit vierzig Jahren hat Ahab das friedliche Land verlassen, um gegen die Schrecken der Tiefsee Krieg zu führen! Ja, Starbuck, in diesen vierzig Jahren war ich nur dreimal an Land. Wenn ich an dieses Leben denke, das ich geführt habe – an die Einsamkeit, an die abgeschlossene Welt eines Kapitäns, die kaum Raum für Mitgefühl von außen lässt – oh, Müdigkeit! Schwere! Die Sklaverei des einsamen Kommandos! Wenn ich daran denke – Dinge, die ich vorher nur halb ahnte – und daran, wie ich vierzig Jahre lang nur trockenes, gesalzenes Essen hatte – ein passendes Symbol für die „trockene Nahrung“ meines Lebens! Während der ärmsten Landbewohner täglich frisches Obst hatten und mir das frische Brot der Welt gaben – weit weg von jener jungen Frau, die ich über fünfzig Jahre alt heiratete, und am nächsten Tag nach Kap Hoorn segelte, ohne auch nur eine Spur in meinem Ehekissen zu hinterlassen – Ehefrau? Eher eine Witwe mit einem lebenden Ehemann! Ja, ich machte dieses arme Mädchen zur Witwe, als ich sie heiratete, Starbuck; danach kam die Raserei, der Wahnsinn, das kochende Blut und die glühende Stirn – mit denen der alte Ahab tausendmal wütend und spuckend seine Beute verfolgte – mehr ein Dämon als ein Mensch! Ja, was für ein Narr ich in diesen vierzig Jahren war!“
Starbuck sah den alten Mann; er sah, wie dieser schwer über die Reling gebeugt stand; es schien, als würde er in seinem eigenen Herzen das unermessliche Weinen hören, das aus der Stille um ihn herum drang. Sorgfältig darauf bedacht, ihn nicht zu berühren oder von ihm bemerkt zu werden, näherte er sich ihm doch und blieb dort stehen.
Ahab drehte sich um.
„Starbuck!“
„Sir.“
„Oh, Starbuck! Es weht ein sanfter Wind, und der Himmel sieht ebenfalls sanft aus. An einem solchen Tag – an einem Tag voller Süße wie heute – habe ich meinen ersten Wal erlegt – einen achtzehnjährigen Jungen-Harpunier! Vierzig – vierzig – vierzig Jahre her! Vierzig Jahre voller Walfang! Vierzig Jahre voller Entbehrungen, Gefahren und Stürme! Vierzig Jahre auf dem erbarmungslosen Meer! Seit vierzig Jahren hat Ahab das friedliche Land verlassen, um gegen die Schrecken der Tiefsee Krieg zu führen! Ja, Starbuck, in diesen vierzig Jahren war ich nur dreimal an Land. Wenn ich an dieses Leben denke, das ich geführt habe – an die Einsamkeit, an die abgeschlossene Welt eines Kapitäns, die kaum Raum für Mitgefühl von außen lässt – oh, Müdigkeit! Schwere! Die Sklaverei des einsamen Kommandos! Wenn ich daran denke – Dinge, die ich vorher nur halb ahnte – und daran, wie ich vierzig Jahre lang nur trockenes, gesalzenes Essen hatte – ein passendes Symbol für die „trockene Nahrung“ meines Lebens! Während der ärmsten Landbewohner täglich frisches Obst hatten und mir das frische Brot der Welt gaben – weit weg von jener jungen Frau, die ich über fünfzig Jahre alt heiratete, und am nächsten Tag nach Kap Hoorn segelte, ohne auch nur eine Spur in meinem Ehekissen zu hinterlassen – Ehefrau? Eher eine Witwe mit einem lebenden Ehemann! Ja, ich machte dieses arme Mädchen zur Witwe, als ich sie heiratete, Starbuck; danach kam die Raserei, der Wahnsinn, das kochende Blut und die glühende Stirn – mit denen der alte Ahab tausendmal wütend und spuckend seine Beute verfolgte – mehr ein Dämon als ein Mensch! Ja, was für ein Narr ich in diesen vierzig Jahren war!“
Page 586
Alter Narr – war Ahab nicht schon immer ein alter Narr? Warum dieser Kampf um die Jagd? Warum diese Müdigkeit, warum schmerzen Arm und Ruder sowie das Schwert und der Speer? Wie reicher oder besser ist Ahab jetzt? Sieh nur… Oh, Starbuck! Ist es nicht hart, dass ich unter dieser Last leide – und dass mir ein Bein geraubt worden wäre? Hier, streiche dieses alte Haar beiseite; es blendet mich, sodass ich zu weinen glaube. Solch graues Haar wächst nur aus Asche! Aber sehe ich wirklich sehr alt aus, so unglaublich alt, Starbuck? Ich fühle mich todesmüde, gebeugt und krumm – als wäre ich Adam, der unter den Jahrhunderten seit dem Paradies taumelt. Gott! Gott! Gott! – Zerschmettere mein Herz! Zerstöre meinen Verstand! Spott! Bitterer, quälender Spott über dieses graue Haar – habe ich genug Freude im Leben gehabt, um es tragen zu dürfen – und muss doch so unerträglich alt aussehen und mich so fühlen? Komm näher, Starbuck – lass mich in ein menschliches Auge blicken; das ist besser als in das Meer oder den Himmel zu schauen – besser sogar als in Gott hineinzublicken. Bei dem grünen Land, bei dem hellen Herdstein! Das ist ein magisches Glas – ich sehe meine Frau und mein Kind in deinem Auge. Nein, nein – bleib auf dem Schiff! Lass es nicht sinken, wenn Ahab mit Moby Dick jagt. Dieses Risiko darfst du nicht eingehen. Nein, nein! Nicht, solange ich in diesem Auge mein fernes Zuhause sehe!
„Oh, mein Kapitän! Mein Kapitän! Edle Seele, großes altes Herz – warum sollte jemand dieser verhassten Fisch jagen? Lasst uns von hier fliehen! Lasst uns nach Hause zurückkehren! Ehefrau und Kind gehören auch Starbuck – sie sind die Kinder seiner brüderlichen, schwesternlichen Jugendfreunde; genauso wie deine Ehefrau und dein Kind die Kinder deiner liebevollen, sehnsüchtigen, väterlichen Alterszeit sind! Komm, lasst uns aufbrechen! Lass mich sofort den Kurs ändern! Wie fröhlich, wie herrlich wäre es doch, wieder nach Nantucket zurückzukehren! Ich glaube, Sir, dort gibt es solche milden, blauen Tage wie heute.“
„Ja, das gibt es. Ich habe sie gesehen – einige Sommertage am Morgen. Um diese Zeit – ja, jetzt ist es seine Mittagsruhe – wacht der Junge lebhaft auf, setzt sich im Bett auf – und seine Mutter erzählt ihm von mir, vom grausamen alten Ich; davon, dass ich auf hoher See bin, aber doch zurückkehren werde, um wieder mit ihm zu spielen.“
„Das ist meine Mary, meine eigene Mary! Sie versprach, dass mein Sohn jeden Morgen auf den Hügel gebracht werden soll, um den ersten Blick auf das Segel seines Vaters zu werfen! Ja, ja! Genug! Wir machen uns auf den Weg nach Nantucket! Komm, mein Kapitän – berechne den Kurs, und lass uns aufbrechen! Sieh, sieh! Das Gesicht des Jungen am Fenster! Die Hand des Jungen auf dem Hügel!“
„Oh, mein Kapitän! Mein Kapitän! Edle Seele, großes altes Herz – warum sollte jemand dieser verhassten Fisch jagen? Lasst uns von hier fliehen! Lasst uns nach Hause zurückkehren! Ehefrau und Kind gehören auch Starbuck – sie sind die Kinder seiner brüderlichen, schwesternlichen Jugendfreunde; genauso wie deine Ehefrau und dein Kind die Kinder deiner liebevollen, sehnsüchtigen, väterlichen Alterszeit sind! Komm, lasst uns aufbrechen! Lass mich sofort den Kurs ändern! Wie fröhlich, wie herrlich wäre es doch, wieder nach Nantucket zurückzukehren! Ich glaube, Sir, dort gibt es solche milden, blauen Tage wie heute.“
„Ja, das gibt es. Ich habe sie gesehen – einige Sommertage am Morgen. Um diese Zeit – ja, jetzt ist es seine Mittagsruhe – wacht der Junge lebhaft auf, setzt sich im Bett auf – und seine Mutter erzählt ihm von mir, vom grausamen alten Ich; davon, dass ich auf hoher See bin, aber doch zurückkehren werde, um wieder mit ihm zu spielen.“
„Das ist meine Mary, meine eigene Mary! Sie versprach, dass mein Sohn jeden Morgen auf den Hügel gebracht werden soll, um den ersten Blick auf das Segel seines Vaters zu werfen! Ja, ja! Genug! Wir machen uns auf den Weg nach Nantucket! Komm, mein Kapitän – berechne den Kurs, und lass uns aufbrechen! Sieh, sieh! Das Gesicht des Jungen am Fenster! Die Hand des Jungen auf dem Hügel!“
Page 587
Doch Abahs Blick wurde abgewandt; wie ein verdorrter Obstbaum zitterte er und warf seinen letzten, verkohlten Apfel auf den Boden.
„Was ist es – welches namenlose, unergründliche, übernatürliche Ding ist es? Welcher listige, verborgene Herrscher und Meister, welcher grausame, rücksichtslose Kaiser befiehlt mir, gegen alle natürlichen Zuneigungen und Sehnsüchte ständig voranzudringen, mich immer wieder hineinzudrängen – und leichtsinnig bereit zu sein, das zu tun, wozu ich in meinem eigenen, natürlichen Herzen nicht einmal den Mut hätte? Ist es Abah? Bin ich es, Gott – oder wer sonst –, der diesen Arm hebt? Doch wenn die große Sonne sich nicht von selbst bewegt, sondern wie ein Bote im Himmel ist; und kein einziger Stern sich drehen kann, ohne eine unsichtbare Kraft – wie kann dann dieses kleine Herz schlagen, dieses kleine Gehirn Gedanken denken – es sei denn, Gott lässt dieses Schlagen, dieses Denken, dieses Leben geschehen – und nicht ich? Bei Gott, Mensch – wir drehen uns in dieser Welt immer wieder im Kreis, wie jenes Windrad dort, und das Schicksal ist der Handhebel. Und die ganze Zeit über – sieh doch! Dieser lächelnde Himmel und dieses unermessliche Meer! Sieh! Dort drüben der Albicore – wer hat ihm eingegeben, jenen Fliegfisch zu verfolgen? Wohin gehen Mörder, Mensch! Wer soll richten, wenn der Richter selbst vor Gericht gezerrt wird? Doch es weht ein sanfter Wind, der Himmel sieht sanft aus – die Luft duftet, als käme sie von einem fernen Feld; sie haben irgendwo am Fuß der Anden Heu gemacht, Starbuck – und die Mäher schlafen unter dem frisch gemähten Heu. Schlafen? Ja – egal wie sehr wir arbeiten, am Ende schlafen wir alle auf dem Feld. Schlafen? Ja – und rosten inmitten der Grünen; wie die Sicheln vom letzten Jahr, die dort liegen bleiben – Starbuck!“
Doch der Matrose, bleich wie ein Leichnam vor Verzweiflung, hatte sich heimlich entfernt. Abah überquerte das Deck, um auf die andere Seite zu blicken – doch er erschrak bei zwei reflektierten, starren Augen im Wasser. Fedallah lehnte regungslos über demselben Geländer.
„Was ist es – welches namenlose, unergründliche, übernatürliche Ding ist es? Welcher listige, verborgene Herrscher und Meister, welcher grausame, rücksichtslose Kaiser befiehlt mir, gegen alle natürlichen Zuneigungen und Sehnsüchte ständig voranzudringen, mich immer wieder hineinzudrängen – und leichtsinnig bereit zu sein, das zu tun, wozu ich in meinem eigenen, natürlichen Herzen nicht einmal den Mut hätte? Ist es Abah? Bin ich es, Gott – oder wer sonst –, der diesen Arm hebt? Doch wenn die große Sonne sich nicht von selbst bewegt, sondern wie ein Bote im Himmel ist; und kein einziger Stern sich drehen kann, ohne eine unsichtbare Kraft – wie kann dann dieses kleine Herz schlagen, dieses kleine Gehirn Gedanken denken – es sei denn, Gott lässt dieses Schlagen, dieses Denken, dieses Leben geschehen – und nicht ich? Bei Gott, Mensch – wir drehen uns in dieser Welt immer wieder im Kreis, wie jenes Windrad dort, und das Schicksal ist der Handhebel. Und die ganze Zeit über – sieh doch! Dieser lächelnde Himmel und dieses unermessliche Meer! Sieh! Dort drüben der Albicore – wer hat ihm eingegeben, jenen Fliegfisch zu verfolgen? Wohin gehen Mörder, Mensch! Wer soll richten, wenn der Richter selbst vor Gericht gezerrt wird? Doch es weht ein sanfter Wind, der Himmel sieht sanft aus – die Luft duftet, als käme sie von einem fernen Feld; sie haben irgendwo am Fuß der Anden Heu gemacht, Starbuck – und die Mäher schlafen unter dem frisch gemähten Heu. Schlafen? Ja – egal wie sehr wir arbeiten, am Ende schlafen wir alle auf dem Feld. Schlafen? Ja – und rosten inmitten der Grünen; wie die Sicheln vom letzten Jahr, die dort liegen bleiben – Starbuck!“
Doch der Matrose, bleich wie ein Leichnam vor Verzweiflung, hatte sich heimlich entfernt. Abah überquerte das Deck, um auf die andere Seite zu blicken – doch er erschrak bei zwei reflektierten, starren Augen im Wasser. Fedallah lehnte regungslos über demselben Geländer.
Page 588
KAPITEL 133. Die Verfolgung – Erster Tag
In jener Nacht, während der Mittelwache, als der Alte – wie es seine Gewohnheit war – aus dem Loch hervorkam, in dem er sich aufhielt, und zu seinem Beobachtungsort ging, streckte er plötzlich sein Gesicht weit vor und schnupperte an der Meeresluft – genauso wie ein kluger Schiffs Hund, wenn er einer wilden Insel nahekommt. Er behauptete, dass in der Nähe ein Wal sein müsse. Bald schon war dieser besondere Geruch, den der lebende Schwertwal manchmal aus großer Entfernung abgibt, für alle Wachen wahrnehmbar. Kein Seemann war überrascht, als Ahab nachdem er den Kompass sowie den Windmesser überprüft hatte und anschließend die genaue Richtung des Geruchs ermittelt hatte, sofort befahl, den Kurs des Schiffes leicht zu ändern und die Segel einzuschränken.
Die kluge Strategie, die hinter diesen Handlungen stand, wurde bei Tagesanbruch durch den Anblick eines langen, glatten Objekts auf dem Meer direkt vor ihnen bestätigt – es sah aus wie Öl und glich in den wellenförmigen Strukturen an seinen Rändern den polierten, metallischen Spuren, die an der Mündung eines tiefen, schnell fließenden Flusses entstehen.
„Männer an die Mastspitzen! Ruft alle herbei!“
Mit lautem Klopfen der drei Stangen auf das Vordeck weckte Daggoo die Schlafenden – so schnell kamen sie mit ihren Kleidern in den Händen zum Vorschein.
„Was seht ihr?“, rief Ahab und hielt sein Gesicht in den Himmel.
„Nichts, nichts, Sir!“, kam die Antwort von unten.
„Alle Segel setzen! Hoch mit ihnen, auf beiden Seiten!“
Sobald alle Segel gesetzt waren, ließ er das Lebenseisen los, das dazu diente, ihn zur Spitze des Hauptmastes zu ziehen. In wenigen Momenten wurde er dorthin gehoben. Als er erst zwei Drittel des Weges nach oben geklettert war und durch die Lücke zwischen dem Hauptsegel und dem oberen Segel nach vorn spähte, stieß er einen Schrei aus: „Da ist sie! Da ist sie! Eine Erhebung wie ein Schneehügel – es ist Moby Dick!“
Angetrieben von diesem Schrei, den gleichzeitig auch die drei Wächter ausstießen, eilten die Männer an Deck, um den berühmten Wal zu sehen.
In jener Nacht, während der Mittelwache, als der Alte – wie es seine Gewohnheit war – aus dem Loch hervorkam, in dem er sich aufhielt, und zu seinem Beobachtungsort ging, streckte er plötzlich sein Gesicht weit vor und schnupperte an der Meeresluft – genauso wie ein kluger Schiffs Hund, wenn er einer wilden Insel nahekommt. Er behauptete, dass in der Nähe ein Wal sein müsse. Bald schon war dieser besondere Geruch, den der lebende Schwertwal manchmal aus großer Entfernung abgibt, für alle Wachen wahrnehmbar. Kein Seemann war überrascht, als Ahab nachdem er den Kompass sowie den Windmesser überprüft hatte und anschließend die genaue Richtung des Geruchs ermittelt hatte, sofort befahl, den Kurs des Schiffes leicht zu ändern und die Segel einzuschränken.
Die kluge Strategie, die hinter diesen Handlungen stand, wurde bei Tagesanbruch durch den Anblick eines langen, glatten Objekts auf dem Meer direkt vor ihnen bestätigt – es sah aus wie Öl und glich in den wellenförmigen Strukturen an seinen Rändern den polierten, metallischen Spuren, die an der Mündung eines tiefen, schnell fließenden Flusses entstehen.
„Männer an die Mastspitzen! Ruft alle herbei!“
Mit lautem Klopfen der drei Stangen auf das Vordeck weckte Daggoo die Schlafenden – so schnell kamen sie mit ihren Kleidern in den Händen zum Vorschein.
„Was seht ihr?“, rief Ahab und hielt sein Gesicht in den Himmel.
„Nichts, nichts, Sir!“, kam die Antwort von unten.
„Alle Segel setzen! Hoch mit ihnen, auf beiden Seiten!“
Sobald alle Segel gesetzt waren, ließ er das Lebenseisen los, das dazu diente, ihn zur Spitze des Hauptmastes zu ziehen. In wenigen Momenten wurde er dorthin gehoben. Als er erst zwei Drittel des Weges nach oben geklettert war und durch die Lücke zwischen dem Hauptsegel und dem oberen Segel nach vorn spähte, stieß er einen Schrei aus: „Da ist sie! Da ist sie! Eine Erhebung wie ein Schneehügel – es ist Moby Dick!“
Angetrieben von diesem Schrei, den gleichzeitig auch die drei Wächter ausstießen, eilten die Männer an Deck, um den berühmten Wal zu sehen.
Page 589
den Wal, den sie schon so lange verfolgt hatten. Ahab hatte nun seine endgültige Position eingenommen – einige Fuß über den anderen Wächtern. Tashtego stand direkt unter ihm auf der Spitze des Fockmastes, sodass der Kopf des Inders fast auf derselben Höhe wie Ahabs Ferse war. Von dieser Höhe aus war der Wal nun etwa eine Meile voraus zu sehen; bei jedem Wellenschlag zeigte sich sein hoher, glänzender Rücken, und regelmäßig stieß er seinen lautlosen Wasserschwall in die Luft. Für die leichtgläubigen Seeleute schien es derselbe lautlose Wasserschwall zu sein, den sie vor langer Zeit in den vom Mond erleuchteten Atlantik- und Indischen Ozeanen gesehen hatten.
„Und hat denn keiner von euch ihn zuvor gesehen?“, rief Ahab und wandte sich an die Männer um sich herum.
„Ich sah ihn fast im selben Moment wie Kapitän Ahab, Sir – und ich rief es aus“, sagte Tashtego.
„Nicht im selben Moment – nein, der Doppeldollar gehört mir. Das Schicksal hat ihn für mich aufgehoben. Nur ich – keiner von euch hätte den Weißen Wal zuerst entdecken können. Da! Er bläst wieder! Da! Und noch einmal!“ Er rief dies in langgezogenen, rhythmischen Tönen, die zum langsamen Ausdehnen der sichtbaren Wasserschwalme des Wals passten. „Er wird bald tauchen! Runter mit den Segeln! Bereitet die Boote vor! Mr. Starbuck, bleiben Sie an Bord und halten Sie das Schiff unter Kontrolle. Steuern Sie dort hin! So – ruhig, Mann, ruhig! Da sind die Schwanzflossen! Nein, nein – nur schwarzes Wasser! Sind alle Boote bereit? Bereitet euch vor! Lassen Sie mich runter, Mr. Starbuck – schneller, noch schneller!“ Dann glitt er durch die Luft auf das Deck hinab.
„Er steuert direkt nach Lee, Sir“, rief Stubb. „Ganz weg von uns – er kann das Schiff noch nicht gesehen haben.“
„Sei still, Mann! Halten Sie die Seile fest! Steuern Sie kräftig nach Lee! So – gut! Boote, los!“
Bald wurden alle Boote außer Starbucks Boot ins Wasser gelassen; alle Segel wurden gesetzt – alle Ruder bewegt. Mit rasender Geschwindigkeit glitten die Boote nach Lee, während Ahab die Attacke anführte. Fedallahs eingefallene Augen leuchteten in einem blassen, tödlichen Licht; eine grauenhafte Bewegung verzerrte seinen Mund.
Wie lautlose Nautilus-Schalen glitten ihre hell erleuchteten Bugteile durch das Meer – doch nur langsam näherten sie sich dem Feind. Je näher sie kamen, desto ruhiger wurde das Meer; es schien, als würde es einen Teppich über seine Wellen legen – wie ein friedliches Mittagsfeld, das so ruhig dalag. Schließlich kam der atemlose Jäger so nahe an seine scheinbar ahnungslose Beute heran, dass sein ganzer strahlender Rücken sichtbar wurde.
„Und hat denn keiner von euch ihn zuvor gesehen?“, rief Ahab und wandte sich an die Männer um sich herum.
„Ich sah ihn fast im selben Moment wie Kapitän Ahab, Sir – und ich rief es aus“, sagte Tashtego.
„Nicht im selben Moment – nein, der Doppeldollar gehört mir. Das Schicksal hat ihn für mich aufgehoben. Nur ich – keiner von euch hätte den Weißen Wal zuerst entdecken können. Da! Er bläst wieder! Da! Und noch einmal!“ Er rief dies in langgezogenen, rhythmischen Tönen, die zum langsamen Ausdehnen der sichtbaren Wasserschwalme des Wals passten. „Er wird bald tauchen! Runter mit den Segeln! Bereitet die Boote vor! Mr. Starbuck, bleiben Sie an Bord und halten Sie das Schiff unter Kontrolle. Steuern Sie dort hin! So – ruhig, Mann, ruhig! Da sind die Schwanzflossen! Nein, nein – nur schwarzes Wasser! Sind alle Boote bereit? Bereitet euch vor! Lassen Sie mich runter, Mr. Starbuck – schneller, noch schneller!“ Dann glitt er durch die Luft auf das Deck hinab.
„Er steuert direkt nach Lee, Sir“, rief Stubb. „Ganz weg von uns – er kann das Schiff noch nicht gesehen haben.“
„Sei still, Mann! Halten Sie die Seile fest! Steuern Sie kräftig nach Lee! So – gut! Boote, los!“
Bald wurden alle Boote außer Starbucks Boot ins Wasser gelassen; alle Segel wurden gesetzt – alle Ruder bewegt. Mit rasender Geschwindigkeit glitten die Boote nach Lee, während Ahab die Attacke anführte. Fedallahs eingefallene Augen leuchteten in einem blassen, tödlichen Licht; eine grauenhafte Bewegung verzerrte seinen Mund.
Wie lautlose Nautilus-Schalen glitten ihre hell erleuchteten Bugteile durch das Meer – doch nur langsam näherten sie sich dem Feind. Je näher sie kamen, desto ruhiger wurde das Meer; es schien, als würde es einen Teppich über seine Wellen legen – wie ein friedliches Mittagsfeld, das so ruhig dalag. Schließlich kam der atemlose Jäger so nahe an seine scheinbar ahnungslose Beute heran, dass sein ganzer strahlender Rücken sichtbar wurde.
Page 590
Deutlich sichtbar glitt er über das Meer, als wäre er etwas Isoliertes, und war ständig von einem wirbelnden Ring aus feinster, flauschiger, grünlicher Schaum umgeben. Er sah die weiten, ausgeprägten Falten des leicht hervorstehenden Kopfes dahinter. Vor ihm, weit draußen auf den sanften, welligen Gewässern, zeichnete sich der glänzende weiße Schatten seines breiten, milchweißen Foreheads ab – begleitet von einem musikalischen, spielerischen Wellenspiel. Hinter ihm flossen die blauen Gewässer abwechselnd in das sich bewegende „Tal“ seiner Wellen. Auf beiden Seiten stiegen helle Blasen auf und tanzten an seiner Seite. Doch diese wurden wieder durch die „leichten Füße“ von Hunderten von Vögeln unterbrochen, die sanft über das Meer flogen. Wie ein Flaggenmast, der aus dem lackierten Rumpf eines Schiffes ragt, ragte auch der hohe, aber gebrochene Stab einer Lanze aus dem Rücken des weißen Wals. Von Zeit zu Zeit landete einer der Vögel auf diesem Stab, der still darauf saß und schwankte; die langen Schwanzfedern wehten dabei wie Fahnen.
Eine sanfte, fröhliche Stimmung – eine große Gelassenheit in der Schnelligkeit – umgab den gleitenden Wal. Es war nicht der weiße Stier Jupiter, der mit der entführten Europa an seinen anmutigen Hörnern davon schwamm; seine lieblichen, lüsternen Blicke waren auf das Mädchen gerichtet, während er mit geschmeidiger Geschwindigkeit auf das Hochzeitszimmer auf Kreta zusteuerte. Nicht Jupiter, nicht diese große, erhabene Majestät konnte dem prächtigen Weißen Wal gleichkommen, wenn er so göttlich schwamm.
Auf jeder Seite seines Körpers – genau dort, wo die Wellen sich teilten – ließ der Wal Verlockungen hinter sich. Kein Wunder, dass einige der Jäger, von dieser Ruhe verführt, versuchten, ihn anzugreifen – doch sie stellten fest, dass diese Ruhe nur die Fassade von Stürmen war. Doch du, ruhiger, verlockender Wal! Du glittest weiter – für alle, die dich zum ersten Mal sehen, egal, wie viele du bereits zuvor getäuscht und zerstört hast.
So bewegte sich Moby Dick durch die friedlichen Gewässer des Tropenmeeres, zwischen Wellen, deren Geräusche durch übermäßige Freude zum Schweigen kamen. Er verbarg weiterhin die schrecklichen Züge seines unter Wasser liegenden Körpers sowie die hässliche Form seines Kiefers. Doch bald erhob sich der vordere Teil seines Körpers langsam aus dem Wasser. Für einen Moment bildete sein ganzes, marmoriertes Körper eine hohe Brücke – wie die Natural Bridge in Virginia. Dann zeigte der „große Gott“ sich, winkte mit seinen Flossen in der Luft und verschwand wieder aus dem Blickfeld.
Eine sanfte, fröhliche Stimmung – eine große Gelassenheit in der Schnelligkeit – umgab den gleitenden Wal. Es war nicht der weiße Stier Jupiter, der mit der entführten Europa an seinen anmutigen Hörnern davon schwamm; seine lieblichen, lüsternen Blicke waren auf das Mädchen gerichtet, während er mit geschmeidiger Geschwindigkeit auf das Hochzeitszimmer auf Kreta zusteuerte. Nicht Jupiter, nicht diese große, erhabene Majestät konnte dem prächtigen Weißen Wal gleichkommen, wenn er so göttlich schwamm.
Auf jeder Seite seines Körpers – genau dort, wo die Wellen sich teilten – ließ der Wal Verlockungen hinter sich. Kein Wunder, dass einige der Jäger, von dieser Ruhe verführt, versuchten, ihn anzugreifen – doch sie stellten fest, dass diese Ruhe nur die Fassade von Stürmen war. Doch du, ruhiger, verlockender Wal! Du glittest weiter – für alle, die dich zum ersten Mal sehen, egal, wie viele du bereits zuvor getäuscht und zerstört hast.
So bewegte sich Moby Dick durch die friedlichen Gewässer des Tropenmeeres, zwischen Wellen, deren Geräusche durch übermäßige Freude zum Schweigen kamen. Er verbarg weiterhin die schrecklichen Züge seines unter Wasser liegenden Körpers sowie die hässliche Form seines Kiefers. Doch bald erhob sich der vordere Teil seines Körpers langsam aus dem Wasser. Für einen Moment bildete sein ganzes, marmoriertes Körper eine hohe Brücke – wie die Natural Bridge in Virginia. Dann zeigte der „große Gott“ sich, winkte mit seinen Flossen in der Luft und verschwand wieder aus dem Blickfeld.
Page 591
Die weißen Seevögel verharrten sehnsüchtig über dem unruhigen Wasser, das er hinterlassen hatte. Mit ausgelegten Rudern und treibenden Segeln trieben die drei Boote nun still dahin und warteten auf das Wiederauftauchen von Moby Dick.
„Eine Stunde“, sagte Ahab, der regungslos am Heck seines Bootes stand. Er blickte jenseits der Stelle, an der sich die Wal erstreckte, in die dunkelblauen Weiten des Meeres. Es war nur ein Augenblick – schon drehten sich seine Augen wieder hin und her, während er den Wasserkreis musterte. Der Wind wurde stärker; das Meer begann sich zu wellen.
„Die Vögel! Die Vögel!“, rief Tashtego. In einer langen Reihe flogen die weißen Vögel nun alle auf Abahs Boot zu. Bereits wenige Meter entfernt flatterten sie über dem Wasser, drehten sich im Kreis und stießen fröhliche, erwartungsvolle Rufe aus. Ihr Sehvermögen war schärfer als das eines Menschen; Ahab konnte jedoch kein Zeichen auf dem Meer erkennen. Plötzlich sah er tief in die Wasserschichten hinein – dort erschien ein weißer Punkt, nicht größer als eine weiße Spitzmaus. Mit erstaunlicher Geschwindigkeit stieg dieser Punkt empor und wurde dabei immer größer. Schließlich wurden zwei lange, gekrümmte Reihen weißer, glänzender Zähne sichtbar – sie stammten vom Grund des Meeres. Es war Moby Dicks offener Mund sowie sein unterer Kiefer; sein riesiger, schattiger Körper verschmolz noch immer teilweise mit dem Blau des Meeres. Der glänzende Mund gähnte wie ein offener Marmortempel unter dem Boot. Ahab lenkte das Boot mit seinem Ruder beiseite, weg von diesem gewaltigen Wesen. Anschließend bat er Fedallah, seinen Platz einzunehmen, ging nach vorne und nahm Perths Harpunen in die Hand. Er befahl seiner Mannschaft, die Ruder bereitzuhalten und am Heck zu bleiben.
Durch diese rechtzeitige Drehung des Bootes zeigte dessen Bug bereits vorher in Richtung des Walkopfes – der noch unter Wasser war. Doch als hätte Moby Dick diesen Trick durchschaut, bewegte er sich in einem Augenblick seitwärts und schob seinen Kopf längs unter das Boot. Der Wal lag dabei auf dem Rücken, wie ein Hai, und nahm langsam und vorsichtig den Bug des Bootes in seinen Mund. Dabei krümmte sich sein langer, schmaler Unterkiefer hoch in die Luft – einer der Zähne blieb dabei stecken. Die bläulich-pearlweiße Farbe des Inneren des Mauls…
„Eine Stunde“, sagte Ahab, der regungslos am Heck seines Bootes stand. Er blickte jenseits der Stelle, an der sich die Wal erstreckte, in die dunkelblauen Weiten des Meeres. Es war nur ein Augenblick – schon drehten sich seine Augen wieder hin und her, während er den Wasserkreis musterte. Der Wind wurde stärker; das Meer begann sich zu wellen.
„Die Vögel! Die Vögel!“, rief Tashtego. In einer langen Reihe flogen die weißen Vögel nun alle auf Abahs Boot zu. Bereits wenige Meter entfernt flatterten sie über dem Wasser, drehten sich im Kreis und stießen fröhliche, erwartungsvolle Rufe aus. Ihr Sehvermögen war schärfer als das eines Menschen; Ahab konnte jedoch kein Zeichen auf dem Meer erkennen. Plötzlich sah er tief in die Wasserschichten hinein – dort erschien ein weißer Punkt, nicht größer als eine weiße Spitzmaus. Mit erstaunlicher Geschwindigkeit stieg dieser Punkt empor und wurde dabei immer größer. Schließlich wurden zwei lange, gekrümmte Reihen weißer, glänzender Zähne sichtbar – sie stammten vom Grund des Meeres. Es war Moby Dicks offener Mund sowie sein unterer Kiefer; sein riesiger, schattiger Körper verschmolz noch immer teilweise mit dem Blau des Meeres. Der glänzende Mund gähnte wie ein offener Marmortempel unter dem Boot. Ahab lenkte das Boot mit seinem Ruder beiseite, weg von diesem gewaltigen Wesen. Anschließend bat er Fedallah, seinen Platz einzunehmen, ging nach vorne und nahm Perths Harpunen in die Hand. Er befahl seiner Mannschaft, die Ruder bereitzuhalten und am Heck zu bleiben.
Durch diese rechtzeitige Drehung des Bootes zeigte dessen Bug bereits vorher in Richtung des Walkopfes – der noch unter Wasser war. Doch als hätte Moby Dick diesen Trick durchschaut, bewegte er sich in einem Augenblick seitwärts und schob seinen Kopf längs unter das Boot. Der Wal lag dabei auf dem Rücken, wie ein Hai, und nahm langsam und vorsichtig den Bug des Bootes in seinen Mund. Dabei krümmte sich sein langer, schmaler Unterkiefer hoch in die Luft – einer der Zähne blieb dabei stecken. Die bläulich-pearlweiße Farbe des Inneren des Mauls…
Page 592
Der Kiefer des Weißen Wals befand sich nur wenige Zoll von Ahabs Kopf entfernt – und reichte sogar noch weiter nach oben. In dieser Haltung schüttelte der Weiße Wal das kleine Boot nun wie eine leicht grausame Katze ihre Maus. Fedallah blickte mit unerschüttertem Blick zu und verschränkte die Arme; doch die Mannschaft in ihren tigergelben Kleidern stürzten übereinander, um an den äußersten Bug zu gelangen.
Während die elastischen Ränder des Bootes immer wieder in- und ausfederten, da der Wal das verurteilte Boot auf diese teuflische Weise quälte, konnte man ihn vom Bug aus nicht angreifen – schließlich befanden sich die Bugteile praktisch bereits innerhalb seines Körpers. Während die anderen Boote unwillkürlich innehielten, als stünden sie vor einer unüberwindbaren Krise, da in diesem Moment der monomanische Ahab, wütend über diese verführerische Nähe seines Feindes, der ihn lebendig und hilflos genau in die Kiefer brachte, die er hasste, in Raserei geriet. Er packte mit bloßen Händen den langen Knochen und versuchte verzweifelt, ihn aus dem Griff des Wals zu reißen. Während er so vergeblich kämpfte, rutschte der Kiefer des Wals aus seinem Griff; die schwachen Ränder des Bootes bogen sich, brachen zusammen und gaben nach. Die beiden Kiefer des Wals, wie riesige Scheren, glitten weiter nach hinten und teilten das Boot vollständig in zwei Hälften – anschließend verschlossen sie sich wieder im Meer, genau zwischen den beiden treibenden Wracks. Diese trieben auseinander, die gebrochenen Enden hingen herab, während die Mannschaft am Heck des Wracks sich an den Rändern festklammerte und versuchte, sich mit den Rudern festzuhalten.
In diesem Moment, bevor das Boot endgültig zerbrach, war Ahab der Erste, der die Absichten des Wals erkannte – anhand der listigen Bewegung seines Kopfes, durch die der Druck auf das Boot vorübergehend nachließ. In diesem Augenblick unternahm er einen letzten Versuch, das Boot aus dem Griff des Wals zu befreien. Doch das Boot rutschte nur noch tiefer in den Mund des Wals und kippte dabei zur Seite; dadurch wurde Ahab aus dem Boot geschleudert, und er fiel mit dem Gesicht nach unten ins Meer.
Moby Dick zog sich nun von seiner Beute zurück und lag in einiger Entfernung. Sein langer, weißer Kopf bewegte sich rhythmisch auf und ab in den Wellen; gleichzeitig drehte er seinen ganzen Körper langsam. Wenn seine riesige, faltige Stirn etwa zwanzig Fuß über der Wasseroberfläche auftauchte, brachen die aufkommenden Wellen mit all ihren Wellenkämmen blendend gegen sie – und warfen ihren sprühenden Gischt noch höher in die Luft. So weichen auch die Wellen des Kanals bei Sturm nur von der Basis der Eddystone-Insel zurück, um triumphierend über ihren Gipfel hinauszuspringen.
Während die elastischen Ränder des Bootes immer wieder in- und ausfederten, da der Wal das verurteilte Boot auf diese teuflische Weise quälte, konnte man ihn vom Bug aus nicht angreifen – schließlich befanden sich die Bugteile praktisch bereits innerhalb seines Körpers. Während die anderen Boote unwillkürlich innehielten, als stünden sie vor einer unüberwindbaren Krise, da in diesem Moment der monomanische Ahab, wütend über diese verführerische Nähe seines Feindes, der ihn lebendig und hilflos genau in die Kiefer brachte, die er hasste, in Raserei geriet. Er packte mit bloßen Händen den langen Knochen und versuchte verzweifelt, ihn aus dem Griff des Wals zu reißen. Während er so vergeblich kämpfte, rutschte der Kiefer des Wals aus seinem Griff; die schwachen Ränder des Bootes bogen sich, brachen zusammen und gaben nach. Die beiden Kiefer des Wals, wie riesige Scheren, glitten weiter nach hinten und teilten das Boot vollständig in zwei Hälften – anschließend verschlossen sie sich wieder im Meer, genau zwischen den beiden treibenden Wracks. Diese trieben auseinander, die gebrochenen Enden hingen herab, während die Mannschaft am Heck des Wracks sich an den Rändern festklammerte und versuchte, sich mit den Rudern festzuhalten.
In diesem Moment, bevor das Boot endgültig zerbrach, war Ahab der Erste, der die Absichten des Wals erkannte – anhand der listigen Bewegung seines Kopfes, durch die der Druck auf das Boot vorübergehend nachließ. In diesem Augenblick unternahm er einen letzten Versuch, das Boot aus dem Griff des Wals zu befreien. Doch das Boot rutschte nur noch tiefer in den Mund des Wals und kippte dabei zur Seite; dadurch wurde Ahab aus dem Boot geschleudert, und er fiel mit dem Gesicht nach unten ins Meer.
Moby Dick zog sich nun von seiner Beute zurück und lag in einiger Entfernung. Sein langer, weißer Kopf bewegte sich rhythmisch auf und ab in den Wellen; gleichzeitig drehte er seinen ganzen Körper langsam. Wenn seine riesige, faltige Stirn etwa zwanzig Fuß über der Wasseroberfläche auftauchte, brachen die aufkommenden Wellen mit all ihren Wellenkämmen blendend gegen sie – und warfen ihren sprühenden Gischt noch höher in die Luft. So weichen auch die Wellen des Kanals bei Sturm nur von der Basis der Eddystone-Insel zurück, um triumphierend über ihren Gipfel hinauszuspringen.
Page 593
*Diese Bewegung ist dem Walross eigen. Ihren Namen („Pitchpoling“) erhält sie dadurch, dass sie mit der vorher beschriebenen anfänglichen Auf- und Abbewegung der Walfanglanze verglichen wird. Durch diese Bewegung muss der Wal die um ihn herum befindlichen Objekte am besten und umfassendsten betrachten können. Doch bald nahm Moby Dick wieder seine horizontale Haltung ein und schwamm schnell um das zerstörte Schiff herum; dabei wirbelte er das Wasser zur Seite, als wolle er sich für einen weiteren, noch tödlicheren Angriff bereitmachen. Der Anblick des zersplitterten Bootes schien ihn zu rasend machen – genauso wie das Blut von Reben und Maulbeeren, das vor den Elefanten Antiochus’ im Buch der Makkabäer ausgeschüttet wurde. In der Zwischenzeit war Ahab halb erstickt in der Schaumkrone des dreisten Walsschwanzes und zu schwach zum Schwimmen – obwohl er immer noch auf dem Wasser bleiben konnte, selbst mitten in einem solchen Strudel. Sein hilfloses Haupt war zu sehen, wie eine Blase, die bei der geringsten Erschütterung platzen könnte. Von der zerstörten Heckpartie des Bootes aus beobachtete Fedallah ihn neugierig und gelassen; die Besatzungsmitglieder am anderen Ende konnten ihm nicht helfen – es reichte ihnen völlig aus, sich um sich selbst zu kümmern. Denn das Aussehen des Weißen Wals war so furchterregend und seine kreisförmigen Bewegungen so schnell, dass es schien, als würde er horizontal auf sie zustürzen. Obwohl die anderen Boote, unversehrt, in der Nähe blieben, wagten sie es nicht, in den Strudel einzudringen, um anzugreifen – aus Angst, dass dies das Signal für die sofortige Vernichtung aller in Gefahr befindlichen Menschen wäre, einschließlich Ahab; auch dann könnten sie selbst nicht entkommen. Mit angespannten Augen blieben sie daher am äußeren Rand dieser schrecklichen Zone, deren Zentrum nun Ahabs Kopf war. In der Zwischenzeit hatte man all das bereits vom Mast des Schiffes aus beobachtet; das Schiff steuerte direkt auf den Ort des Geschehens zu – und war nun so nahe, dass Ahab im Wasser nach ihm rief: „Fahrt weiter!“ Doch in diesem Moment schlug eine Welle von Moby Dick gegen ihn und ertränkte ihn vorübergehend. Doch nachdem er sich wieder befreit hatte und zufällig auf einer hohen Welle auftauchte, rief er: „Fahrt weiter auf den Wal zu! Vertreibt ihn!“ Die Bugspitzen des Pequod waren gerichtet; indem sie den „verzauberten“ Kreis durchbrachen, trennten sie den Weißen Wal effektiv von seinem Opfer. Als dieser missmutig davon schwamm, eilten die Boote zur Rettung. Ahab wurde mit blutunterlaufenen, blinden Augen in Stubb’s Boot gezogen; Salzwasser verkrustete seine Falten. Die anhaltende Anspannung seiner körperlichen Kräfte brach schließlich zusammen.*
Page 594
Und hilflos ergab er sich dem Schicksal seines Körpers: Eine Weile lag er zermalmt am Boden von Stubbs Boot, wie von Elefantenherden zertrampelt. Aus der Ferne kamen von ihm namenlose Schreie – trostlose Laute aus tiefen Schluchten. Doch diese Intensität seiner körperlichen Niedergeschlagenheit verkürzte seine Leiden nur umso mehr. In einem Augenblick können große Herzen zu einem einzigen tiefen Schmerz zusammengefasst werden – dem Zusammenfassung all jener geringfügigen Schmerzen, die im Laufe eines schwächeren Menschenlebens verteilt auftreten. Solche Herzen leiden zwar in jedem einzelnen Fall kurzzeitig, doch wenn die Götter es so bestimmen, bilden sie im Laufe ihres Lebens eine ganze Epoche des Leids – eine Epoche, die ausschließlich aus solchen augenblicklichen Intensitäten besteht. Denn selbst in ihren scheinbar bedeutungslosen Momenten enthalten diese edlen Naturen die gesamte Komplexität der minderwertigeren Seelen.
„Der Harpunenpfeil“, sagte Ahab, während er sich halb erhob und sich auf einen gebogenen Arm stützte, „ist er sicher?“
„Ja, Sir – denn er wurde nicht geworfen; das ist er“, sagte Stubb und zeigte ihn ihm.
„Leg ihn vor mich – fehlen irgendwelche Männer?“
„Einer, zwei, drei, vier, fünf – es waren fünf Ruderer, Sir, und hier sind fünf Männer.“
„Das ist gut. Hilf mir, Mann – ich möchte stehen. Da! Ich sehe ihn! Er schwimmt immer noch nach Lee – was für ein Spritzwasser! Hände weg von mir! Die ewige Kraft strömt wieder in Abhabs Knochen! Setzt die Segel; rudert los!“
Oft ist es so, dass, wenn ein Boot beschädigt wird, seine Besatzung von einem anderen Boot aufgenommen wird und dabei zur Hilfe kommt – dadurch kann die Verfolgung mit sogenannten doppelten Rudern fortgesetzt werden. So war es auch diesmal. Doch die zusätzliche Kraft des Bootes reichte nicht aus, um der Kraft des Wals gleichzukommen – schließlich schien der Wal jede seiner Flossen dreifach ausgestattet zu haben; er schwamm mit einer Geschwindigkeit, die deutlich zeigte, dass die Verfolgung unter diesen Umständen endlos dauern würde – falls sie überhaupt erfolgreich sein sollte. Keine Besatzung könnte so lange Zeit eine solche anhaltende, intensive Anstrengung aushalten – etwas, das nur in kurzen Momenten erträglich ist. Das Schiff selbst bot daher, wie es manchmal vorkommt, die vielversprechendste Möglichkeit, den Wal einzuholen. Deshalb steuerten die Boote nun auf das Schiff zu, wurden bald an dessen Kräne gehoben – die beiden Teile des zerstörten Bootes waren bereits zuvor vom Schiff festgemacht worden – und anschließend wurde alles auf das Schiff gehievt.
„Der Harpunenpfeil“, sagte Ahab, während er sich halb erhob und sich auf einen gebogenen Arm stützte, „ist er sicher?“
„Ja, Sir – denn er wurde nicht geworfen; das ist er“, sagte Stubb und zeigte ihn ihm.
„Leg ihn vor mich – fehlen irgendwelche Männer?“
„Einer, zwei, drei, vier, fünf – es waren fünf Ruderer, Sir, und hier sind fünf Männer.“
„Das ist gut. Hilf mir, Mann – ich möchte stehen. Da! Ich sehe ihn! Er schwimmt immer noch nach Lee – was für ein Spritzwasser! Hände weg von mir! Die ewige Kraft strömt wieder in Abhabs Knochen! Setzt die Segel; rudert los!“
Oft ist es so, dass, wenn ein Boot beschädigt wird, seine Besatzung von einem anderen Boot aufgenommen wird und dabei zur Hilfe kommt – dadurch kann die Verfolgung mit sogenannten doppelten Rudern fortgesetzt werden. So war es auch diesmal. Doch die zusätzliche Kraft des Bootes reichte nicht aus, um der Kraft des Wals gleichzukommen – schließlich schien der Wal jede seiner Flossen dreifach ausgestattet zu haben; er schwamm mit einer Geschwindigkeit, die deutlich zeigte, dass die Verfolgung unter diesen Umständen endlos dauern würde – falls sie überhaupt erfolgreich sein sollte. Keine Besatzung könnte so lange Zeit eine solche anhaltende, intensive Anstrengung aushalten – etwas, das nur in kurzen Momenten erträglich ist. Das Schiff selbst bot daher, wie es manchmal vorkommt, die vielversprechendste Möglichkeit, den Wal einzuholen. Deshalb steuerten die Boote nun auf das Schiff zu, wurden bald an dessen Kräne gehoben – die beiden Teile des zerstörten Bootes waren bereits zuvor vom Schiff festgemacht worden – und anschließend wurde alles auf das Schiff gehievt.
Page 595
Er streckte es seitwärts aus, mithilfe von Betäubungssegeln – wie die zweigelenkten Flügel eines Albatros. Die Pequod fuhr in der Lee-Welle von Moby-Dick voran. In regelmäßigen, bekannten Abständen wurde der glänzende Wasserspritz des Wals von den Männern auf den Mastspitzen gemeldet. Wenn gemeldet wurde, dass der Wal gerade untergetaucht sei, nahm Ahab sich Zeit, auf dem Deck auf und ab zu gehen, die Uhr in der Hand. Sobald die letzte Sekunde der vorgesehenen Stunde verstrichen war, war seine Stimme zu hören: „Wem gehört jetzt der Doubloon? Seht ihr ihn?“ Wenn die Antwort lautete: „Nein, Sir!“, befahl er sofort, ihn an seinen Platz zu heben. So verging der Tag – Ahab mal oben, regungslos; mal unruhig auf dem Deck auf und ab gehend. Während er so ging, ohne ein Wort zu sagen, außer um die Männer oben anzurufen oder ihnen zu befehlen, ein Segel noch höher zu hissen oder eines in größerer Breite auszubreiten – so ging er hin und her, unter seinem tief ins Gesicht gezogenen Hut. Bei jeder Wendung kam er an seinem eigenen zerstörten Boot vorbei, das auf dem Quarterdeck lag – mit gebrochener Bugseite und zerschmettertem Heck. Schließlich blieb er davor stehen. Wie manchmal neue Wolkenfelder über einem bereits bewölkten Himmel ziehen, so legte sich nun auch eine weitere Dunkelheit auf das Gesicht des alten Mannes. Stubb sah, dass er innehielt. Vielleicht wollte er, nicht zu Unrecht, seine eigene Unerschrockenheit zeigen und so in den Augen seines Kapitäns weiterhin einen tapferen Platz einnehmen. Er trat vor, blickte auf das Wrack und rief: „Der Distelstrauch, den der Esel ablehnte – er stach ihm viel zu stark in den Mund, Sir! Ha! Ha!“ „Was für eine herzlose Kreatur lacht vor einem Wrack? Mensch, Mensch! Hätte ich nicht gewusst, dass du so mutig bist wie das Feuer – und genauso mechanisch –, könnte ich schwören, du wärst ein Feigling. Weder Stöhnen noch Lachen sollte man vor einem Wrack hören.“ „Ja, Sir“, sagte Starbuck, der näher kam, „es ist ein ernster Anblick – ein Omen, und zwar ein schlechtes.“ „Omen? Das Wörterbuch! Wenn die Götter mit dem Menschen offen sprechen wollen, dann werden sie es ehrenhaft tun – nicht mit Kopfschütteln und dunklen Andeutungen wie alte Weiber. Geht weg! Ihr beide seid die entgegengesetzten Pole desselben Dinges; Starbuck ist das Gegenteil von Stubb – und Stubb ist das Gegenteil von Starbuck. Und ihr beide seid die ganze Menschheit. Ahab steht allein unter den Millionen von Menschen auf dieser Erde – ohne Götter und ohne Menschen als Nachbarn! Kalt, kalt – ich zittere! Na, da oben! Seht ihr ihn? Ruft bei jedem Wasserspritz – auch wenn er zehnmal pro Sekunde spritzt!“
Page 596
Der Tag neigte sich dem Ende zu; nur der Saum seines goldenen Gewandes raschelte noch. Bald war es fast dunkel, doch die Wachen blieben weiterhin wach.
„Man kann den Schornstein jetzt nicht sehen, Sir – es ist zu dunkel“, rief eine Stimme von oben.
„In welche Richtung steuerte er zuletzt?“
„Wie zuvor, Sir – direkt gegen den Wind.“
„Gut! Jetzt wird er langsamer fahren, da es Nacht ist. Senken Sie die Segel, Mr. Starbuck. Wir dürfen ihn vor Tagesanbruch nicht überholen; er macht gerade Fahrt und wird wohl für eine Weile anhalten. Steuerbord! Halten Sie das Schiff voll im Wind! – Hoch da! Runter! – Mr. Stubb, schicken Sie jemanden zum Vormast und sorgen Sie dafür, dass dort bis zum Morgen jemand Wache hält.“ Dann wandte er sich dem Doubloon am Hauptmast zu: „Leute, dieses Gold gehört mir, denn ich habe es verdient; aber ich werde es hier lassen, bis der Weiße Wal tot ist. Dann gehört es demjenigen von euch, der ihn zuerst erlegt – am Tag, an dem er getötet wird. Und falls ich ihn an diesem Tag wieder erlege, dann wird das Zehnfache davon unter euch allen aufgeteilt! Los jetzt! – Das Deck gehört Ihnen, Sir!“
Nachdem er das gesagt hatte, stellte er sich in die Mitte des Decks, setzte seinen Hut in die Stirn und blieb dort bis zum Morgengrauen stehen – abgesehen von den gelegentlichen Momenten, in denen er aufstand, um zu sehen, wie die Nacht voranschritt.
„Man kann den Schornstein jetzt nicht sehen, Sir – es ist zu dunkel“, rief eine Stimme von oben.
„In welche Richtung steuerte er zuletzt?“
„Wie zuvor, Sir – direkt gegen den Wind.“
„Gut! Jetzt wird er langsamer fahren, da es Nacht ist. Senken Sie die Segel, Mr. Starbuck. Wir dürfen ihn vor Tagesanbruch nicht überholen; er macht gerade Fahrt und wird wohl für eine Weile anhalten. Steuerbord! Halten Sie das Schiff voll im Wind! – Hoch da! Runter! – Mr. Stubb, schicken Sie jemanden zum Vormast und sorgen Sie dafür, dass dort bis zum Morgen jemand Wache hält.“ Dann wandte er sich dem Doubloon am Hauptmast zu: „Leute, dieses Gold gehört mir, denn ich habe es verdient; aber ich werde es hier lassen, bis der Weiße Wal tot ist. Dann gehört es demjenigen von euch, der ihn zuerst erlegt – am Tag, an dem er getötet wird. Und falls ich ihn an diesem Tag wieder erlege, dann wird das Zehnfache davon unter euch allen aufgeteilt! Los jetzt! – Das Deck gehört Ihnen, Sir!“
Nachdem er das gesagt hatte, stellte er sich in die Mitte des Decks, setzte seinen Hut in die Stirn und blieb dort bis zum Morgengrauen stehen – abgesehen von den gelegentlichen Momenten, in denen er aufstand, um zu sehen, wie die Nacht voranschritt.
Page 597
KAPITEL 134. Die Verfolgung – zweiter Tag
Bei Tagesanbruch waren die drei Mastspitzen pünktlich wieder bemannt.
„Seht ihr ihn?“, rief Ahab, nachdem er etwas Zeit gelassen hatte, damit das Licht sich ausbreiten konnte.
„Ich sehe nichts, Sir.“
„Alle Mann an die Arbeit – wir segeln ab! Er bewegt sich schneller, als ich dachte – die oberen Segel! Ja, sie hätten die ganze Nacht über gehisst werden sollen. Aber das macht nichts – es ist nur eine Pause vor dem nächsten Angriff.“
Es sei hier erwähnt, dass diese beharrliche Verfolgung eines bestimmten Wals, die Tag für Tag und Nacht für Nacht andauert, in der Fischerei im Südpazifik keineswegs etwas Ungewöhnliches ist. Denn einige der erfahrenen Kapitäne von Nantucket besitzen eine erstaunliche Fähigkeit, Weitsicht sowie unerschütterliches Vertrauen – durch ihre natürlichen Gaben können sie anhand der Beobachtungen des Wals, wenn dieser zuletzt gesehen wurde, unter bestimmten Umständen recht genau voraussagen, in welche Richtung er für eine Weile schwimmen wird, während er außer Sichtweite ist, sowie seine wahrscheinliche Geschwindigkeit in dieser Zeit. In solchen Fällen handelt es sich dabei fast wie bei einem Piloten, der kurz davor steht, eine Küste aus den Augen zu verlieren, deren allgemeine Ausrichtung er gut kennt und zu der er bald wieder zurückkehren möchte – doch an einer anderen Stelle. Der Pilot beobachtet dabei seinen Kompass und bestimmt die genaue Richtung des gerade sichtbaren Kapitels, um so sicherer das entfernte, unsichtbare Land zu erreichen. Ebenso handelt es sich beim Fischer mit seinem Kompass gegenüber dem Wal: Nachdem der Wal mehrere Stunden lang verfolgt und genau beobachtet wurde, ist für den klugen Jäger die zukünftige Bahn des Wals in der Dunkelheit fast genauso klar erkennbar wie die Küstenlinie für den Piloten. Für die erstaunliche Fähigkeit dieses Jägers ist also die sogenannte „Spur“ des Wals, also die hinterlassene Bahn im Wasser, zu allen gewünschten Zwecken nahezu genauso zuverlässig wie das feste Land. Und genauso wie der mächtige „Eisen-Leviathan“ der modernen Eisenbahnen in jedem seiner Schritte genau bekannt ist – sodass Menschen mit Uhr in der Hand seine Geschwindigkeit messen können, wie Ärzte den Puls eines Babys messen –, so kann man leicht sagen, welcher Zug an welchem Ort ankommt.
Bei Tagesanbruch waren die drei Mastspitzen pünktlich wieder bemannt.
„Seht ihr ihn?“, rief Ahab, nachdem er etwas Zeit gelassen hatte, damit das Licht sich ausbreiten konnte.
„Ich sehe nichts, Sir.“
„Alle Mann an die Arbeit – wir segeln ab! Er bewegt sich schneller, als ich dachte – die oberen Segel! Ja, sie hätten die ganze Nacht über gehisst werden sollen. Aber das macht nichts – es ist nur eine Pause vor dem nächsten Angriff.“
Es sei hier erwähnt, dass diese beharrliche Verfolgung eines bestimmten Wals, die Tag für Tag und Nacht für Nacht andauert, in der Fischerei im Südpazifik keineswegs etwas Ungewöhnliches ist. Denn einige der erfahrenen Kapitäne von Nantucket besitzen eine erstaunliche Fähigkeit, Weitsicht sowie unerschütterliches Vertrauen – durch ihre natürlichen Gaben können sie anhand der Beobachtungen des Wals, wenn dieser zuletzt gesehen wurde, unter bestimmten Umständen recht genau voraussagen, in welche Richtung er für eine Weile schwimmen wird, während er außer Sichtweite ist, sowie seine wahrscheinliche Geschwindigkeit in dieser Zeit. In solchen Fällen handelt es sich dabei fast wie bei einem Piloten, der kurz davor steht, eine Küste aus den Augen zu verlieren, deren allgemeine Ausrichtung er gut kennt und zu der er bald wieder zurückkehren möchte – doch an einer anderen Stelle. Der Pilot beobachtet dabei seinen Kompass und bestimmt die genaue Richtung des gerade sichtbaren Kapitels, um so sicherer das entfernte, unsichtbare Land zu erreichen. Ebenso handelt es sich beim Fischer mit seinem Kompass gegenüber dem Wal: Nachdem der Wal mehrere Stunden lang verfolgt und genau beobachtet wurde, ist für den klugen Jäger die zukünftige Bahn des Wals in der Dunkelheit fast genauso klar erkennbar wie die Küstenlinie für den Piloten. Für die erstaunliche Fähigkeit dieses Jägers ist also die sogenannte „Spur“ des Wals, also die hinterlassene Bahn im Wasser, zu allen gewünschten Zwecken nahezu genauso zuverlässig wie das feste Land. Und genauso wie der mächtige „Eisen-Leviathan“ der modernen Eisenbahnen in jedem seiner Schritte genau bekannt ist – sodass Menschen mit Uhr in der Hand seine Geschwindigkeit messen können, wie Ärzte den Puls eines Babys messen –, so kann man leicht sagen, welcher Zug an welchem Ort ankommt.
Page 598
Stunde für Stunde – und doch gibt es Situationen, in denen die Bewohner von Nantucket die Geschwindigkeit dieses „Leviathans der Tiefsee“ anhand seiner Bewegungen abschätzen und sich sagen: In einigen Stunden wird dieser Wal bereits zweihundert Meilen zurückgelegt haben, wird etwa diesen oder jenen Breitengrad bzw. Längengrad erreicht haben. Doch damit diese Schätzungen letztendlich erfolgreich sind, müssen Wind und Meer auf der Seite des Walfängers sein; denn was nützt einem Schiffbrüchigen oder einem Mann, der vom Wind festgehalten wird, die Fähigkeit, genau zu wissen, wie weit er noch von seinem Hafen entfernt ist? Aus diesen Aussagen lassen sich viele weitere, feine Aspekte bezüglich der Waljagd ableiten.
Das Schiff fuhr weiter – es hinterließ im Meer eine Spur, ähnlich wie eine verfehlte Kanonenkugel, die zu einer Pflugschar wird und das flache Feld aufwirbelt.
„Bei Salz und Hanf!“, rief Stubb. „Diese schnelle Bewegung des Decks lässt einen Gänsehaut bekommen – dieses Schiff und ich sind wirklich zwei tapfere Kerle! Ha, ha! Jemand soll mich hochheben und mich mit dem Rücken voran ins Meer werfen – denn bei allen Lebenden! Mein Rücken ist wie ein Rumpf. Ha, ha! Wir bewegen uns so, dass kein Staub zurückbleibt!“
„Da bläst sie – sie bläst! – direkt vor uns!“, rief nun jemand vom Mast aus.
„Ja, ja!“, rief Stubb. „Ich wusste es – du kannst nicht entkommen! Blase weiter, du Wal! Der wahnsinnige Teufel selbst jagt dir nach! Blase weiter – deine Lungen werden platzen! Ahab wird dein Blut abstellen, wie ein Müller seine Schleuse vor dem Fluss schließt!“
Stubb sprach hier nur für fast die ganze Besatzung. Die Raserei der Jagd hatte sie inzwischen dazu gebracht, wie alter Wein, der wieder zum Leben erwacht, zu kochen. Alle blassen Ängste und Befürchtungen, die einige von ihnen vielleicht zuvor gehabt hatten, wurden nicht nur durch die wachsende Ehrfurcht vor Ahab verdrängt, sondern auch zerstört – wie feige Präriehasen, die vor den springenden Bisonen fliehen. Die Hand des Schicksals hatte alle ihre Seelen ergriffen; durch die Gefahren des Vortags, durch die Anspannung der vergangenen Nacht sowie durch den entschlossenen, furchtlosen, blinden und unvorsichtigen Weg, auf dem ihr Schiff auf sein Ziel zusteuerte – durch all das wurden ihre Herzen unter Druck gesetzt. Der Wind, der ihre Segel blähte und das Schiff mit unsichtbaren Kräften vorantrieb, schien das Symbol jener unsichtbaren Macht zu sein, die sie der Jagd unterwarf.
Das Schiff fuhr weiter – es hinterließ im Meer eine Spur, ähnlich wie eine verfehlte Kanonenkugel, die zu einer Pflugschar wird und das flache Feld aufwirbelt.
„Bei Salz und Hanf!“, rief Stubb. „Diese schnelle Bewegung des Decks lässt einen Gänsehaut bekommen – dieses Schiff und ich sind wirklich zwei tapfere Kerle! Ha, ha! Jemand soll mich hochheben und mich mit dem Rücken voran ins Meer werfen – denn bei allen Lebenden! Mein Rücken ist wie ein Rumpf. Ha, ha! Wir bewegen uns so, dass kein Staub zurückbleibt!“
„Da bläst sie – sie bläst! – direkt vor uns!“, rief nun jemand vom Mast aus.
„Ja, ja!“, rief Stubb. „Ich wusste es – du kannst nicht entkommen! Blase weiter, du Wal! Der wahnsinnige Teufel selbst jagt dir nach! Blase weiter – deine Lungen werden platzen! Ahab wird dein Blut abstellen, wie ein Müller seine Schleuse vor dem Fluss schließt!“
Stubb sprach hier nur für fast die ganze Besatzung. Die Raserei der Jagd hatte sie inzwischen dazu gebracht, wie alter Wein, der wieder zum Leben erwacht, zu kochen. Alle blassen Ängste und Befürchtungen, die einige von ihnen vielleicht zuvor gehabt hatten, wurden nicht nur durch die wachsende Ehrfurcht vor Ahab verdrängt, sondern auch zerstört – wie feige Präriehasen, die vor den springenden Bisonen fliehen. Die Hand des Schicksals hatte alle ihre Seelen ergriffen; durch die Gefahren des Vortags, durch die Anspannung der vergangenen Nacht sowie durch den entschlossenen, furchtlosen, blinden und unvorsichtigen Weg, auf dem ihr Schiff auf sein Ziel zusteuerte – durch all das wurden ihre Herzen unter Druck gesetzt. Der Wind, der ihre Segel blähte und das Schiff mit unsichtbaren Kräften vorantrieb, schien das Symbol jener unsichtbaren Macht zu sein, die sie der Jagd unterwarf.
Page 599
Es waren nur ein Mann – nicht dreißig. Denn es gab nur ein Schiff, das sie alle beherbergte; obwohl es aus allen möglichen Materialien zusammengesetzt war – Eichen-, Ahorn- und Kiefernholz; Eisen, Teer und Hanf – verschmolzen all diese Elemente doch zu einem einzigen Rumpf, der vorwärts glitt, gesteuert durch den langen mittleren Kielspalt. Ebenso wurden alle Individualitäten der Besatzung – der Mut dieses Mannes, die Furcht jenes anderen; Schuldgefühle und Schuld – zu einer Einheit verschmolzen und alle waren auf jenes fatale Ziel ausgerichtet, auf das Ahab, ihr gemeinsamer Herr und Anführer, zeigte.
Die Takelage war voller Leben. Die Mastspitzen, wie die oberen Enden hoher Palmen, waren mit Armen und Beinen versehen. Einige hielten sich mit einer Hand an einem Mast fest und streckten die andere Hand ungeduldig aus; andere saßen weit draußen auf den schwankenden Decksplatten und schützten ihre Augen vor dem grellen Sonnenlicht. Alle Masten waren bereit für ihr Schicksal. Ah! Wie sie weiterhin in dieser endlosen Bläue nach dem suchten, was sie zerstören könnte!
„Warum ruft ihr nicht für ihn, wenn ihr ihn seht?“, rief Ahab, nachdem einige Minuten vergangen waren und keine weiteren Rufe mehr zu hören waren. „Holt mich hoch, Männer! Ihr werdet getäuscht – es ist nicht Moby Dick, der da einen Sprühnebel aussendet und dann verschwindet.“
Tatsächlich hatten die Männer in ihrer ungestümen Eile etwas anderes für den Walstrahl gehalten – wie sich bald herausstellte. Kaum hatte Ahab seinen Platz erreicht und die Leine am Deck befestigt, ertönte ein Ton, der die Luft zum Vibrieren brachte, als würden Gewehre gleichzeitig abgefeuert. Der triumphierende Ruf von dreißig Männern war zu hören – denn viel näher am Schiff als der Ort des imaginären Strahls, weniger als eine Meile entfernt, tauchte Moby Dick plötzlich auf!
Denn nicht durch ruhige, langsame Ausstoßungen – nicht durch das sanfte Sprudeln jener „mystischen Quelle“ in seinem Kopf – zeigte der Weiße Wal nun seine Anwesenheit. Stattdessen tat er das weitaus Erstaunlichere: Er stieg mit maximaler Geschwindigkeit aus den tiefsten Tiefen empor, brachte seinen ganzen Körper in die reine Luft und bildete dabei einen Berg aus blendendem Schaum – dadurch wurde seine Position bereits aus einer Entfernung von sieben Meilen und mehr sichtbar.
In diesen Momenten wirkten die aufgewühlten, wütenden Wellen wie sein Schweif; in manchen Fällen war dieses Auftauchen auch ein Akt des Protests.
„Da bricht er durch! Da bricht er durch!“, riefen die Männer, während der Weiße Wal in seiner unermesslichen Kühnheit wie ein Lachs aus dem Wasser sprang.
Die Takelage war voller Leben. Die Mastspitzen, wie die oberen Enden hoher Palmen, waren mit Armen und Beinen versehen. Einige hielten sich mit einer Hand an einem Mast fest und streckten die andere Hand ungeduldig aus; andere saßen weit draußen auf den schwankenden Decksplatten und schützten ihre Augen vor dem grellen Sonnenlicht. Alle Masten waren bereit für ihr Schicksal. Ah! Wie sie weiterhin in dieser endlosen Bläue nach dem suchten, was sie zerstören könnte!
„Warum ruft ihr nicht für ihn, wenn ihr ihn seht?“, rief Ahab, nachdem einige Minuten vergangen waren und keine weiteren Rufe mehr zu hören waren. „Holt mich hoch, Männer! Ihr werdet getäuscht – es ist nicht Moby Dick, der da einen Sprühnebel aussendet und dann verschwindet.“
Tatsächlich hatten die Männer in ihrer ungestümen Eile etwas anderes für den Walstrahl gehalten – wie sich bald herausstellte. Kaum hatte Ahab seinen Platz erreicht und die Leine am Deck befestigt, ertönte ein Ton, der die Luft zum Vibrieren brachte, als würden Gewehre gleichzeitig abgefeuert. Der triumphierende Ruf von dreißig Männern war zu hören – denn viel näher am Schiff als der Ort des imaginären Strahls, weniger als eine Meile entfernt, tauchte Moby Dick plötzlich auf!
Denn nicht durch ruhige, langsame Ausstoßungen – nicht durch das sanfte Sprudeln jener „mystischen Quelle“ in seinem Kopf – zeigte der Weiße Wal nun seine Anwesenheit. Stattdessen tat er das weitaus Erstaunlichere: Er stieg mit maximaler Geschwindigkeit aus den tiefsten Tiefen empor, brachte seinen ganzen Körper in die reine Luft und bildete dabei einen Berg aus blendendem Schaum – dadurch wurde seine Position bereits aus einer Entfernung von sieben Meilen und mehr sichtbar.
In diesen Momenten wirkten die aufgewühlten, wütenden Wellen wie sein Schweif; in manchen Fällen war dieses Auftauchen auch ein Akt des Protests.
„Da bricht er durch! Da bricht er durch!“, riefen die Männer, während der Weiße Wal in seiner unermesslichen Kühnheit wie ein Lachs aus dem Wasser sprang.
Page 600
Himmel. Plötzlich war er zu sehen auf der blauen Weite des Meeres, abgegrenzt vom noch blaueren Himmel – der Sprühnebel, den er aufwirbelte, funkelte und glänzte für einen Moment unerträglich wie ein Gletscher; allmählich verblasste er und verlor seine anfängliche Leuchtkraft, bis er zu dem trüben Nebel einer heranziehenden Regenfront wurde.
„Ja, brich durch zum Sonnenlicht, Moby Dick!“, rief Ahab. „Deine Stunde und dein Harpunen ist gekommen! – Herunter mit euch allen, außer einem Mann an der Spitze. Die Boote – seid bereit!“
Unbeirrt von den langwierigen Seilleitern glitten die Männer wie Sternschnuppen über die Reling, entlang der einzelnen Stützbalken und Taue; Ahab hingegen wurde, wenn auch nicht so geschwind, doch immerhin schnell von seinem Platz herabgelassen.
„Herunter damit!“, rief er, sobald er sein Boot erreicht hatte – ein Ersatzboot, das am Vormittag vorbereitet worden war. „Mr. Starbuck, das Schiff gehört Ihnen – halten Sie Abstand zu den Booten, bleiben Sie aber in ihrer Nähe. Herunter mit allen!“
Als wolle er ihnen nun, da er selbst der erste Angreifer war, große Furcht einjagen, drehte sich Moby Dick um und kam nun auf die drei Besatzungen zu. Abahs Boot befand sich in der Mitte; er ermutigte seine Männer und sagte ihnen, er werde dem Wal direkt entgegentreten – also bis auf Augenhöhe an ihn herankommen – was nichts Ungewöhnliches war; denn innerhalb eines bestimmten Bereichs verhinderte diese Vorgehensweise, dass der Wal die Angreifer aus dem Seitenblick wahrnehmen konnte. Doch bevor dieser enge Bereich erreicht wurde, und solange alle drei Boote für ihn noch so klar sichtbar waren wie die drei Masten des Schiffes, erreichte der Weiße Wal eine rasende Geschwindigkeit, stürmte fast im Nu mit geöffnetem Rachen und peitschendem Schwanz zwischen die Boote und führte auf allen Seiten schreckliche Angriffe. Unbeeindruckt von den Eisenstangen, die aus allen Booten auf ihn geworfen wurden, schien er nur darauf aus zu sein, jede einzelne Planke der Boote zu zerstören. Doch durch geschicktes Manövrieren, indem die Boote ständig wie ausgebildete Angriffstiere im Kampffeld herumwirbelten, konnten sie ihm für eine Weile entkommen – wenn auch manchmal nur um die Breite einer Planke. Die ganze Zeit über übertönte Abahs unheimlicher Ruf alle anderen Rufe.
Doch schließlich vermischte der Weiße Wal in seinen unvorhersehbaren Bewegungen die drei Leinen, die nun an ihm befestigt waren, auf tausend Arten miteinander, sodass sie kürzer wurden und die Boote von selbst in Richtung der auf ihn gerichteten Eisenstangen gezogen wurden. Für einen Moment zog der Wal sich jedoch etwas zurück, als wolle er sich für einen noch heftigeren Angriff sammeln. Ahab nutzte diese Gelegenheit, spannte mehr Leine aus und zog dann schnell daran.
„Ja, brich durch zum Sonnenlicht, Moby Dick!“, rief Ahab. „Deine Stunde und dein Harpunen ist gekommen! – Herunter mit euch allen, außer einem Mann an der Spitze. Die Boote – seid bereit!“
Unbeirrt von den langwierigen Seilleitern glitten die Männer wie Sternschnuppen über die Reling, entlang der einzelnen Stützbalken und Taue; Ahab hingegen wurde, wenn auch nicht so geschwind, doch immerhin schnell von seinem Platz herabgelassen.
„Herunter damit!“, rief er, sobald er sein Boot erreicht hatte – ein Ersatzboot, das am Vormittag vorbereitet worden war. „Mr. Starbuck, das Schiff gehört Ihnen – halten Sie Abstand zu den Booten, bleiben Sie aber in ihrer Nähe. Herunter mit allen!“
Als wolle er ihnen nun, da er selbst der erste Angreifer war, große Furcht einjagen, drehte sich Moby Dick um und kam nun auf die drei Besatzungen zu. Abahs Boot befand sich in der Mitte; er ermutigte seine Männer und sagte ihnen, er werde dem Wal direkt entgegentreten – also bis auf Augenhöhe an ihn herankommen – was nichts Ungewöhnliches war; denn innerhalb eines bestimmten Bereichs verhinderte diese Vorgehensweise, dass der Wal die Angreifer aus dem Seitenblick wahrnehmen konnte. Doch bevor dieser enge Bereich erreicht wurde, und solange alle drei Boote für ihn noch so klar sichtbar waren wie die drei Masten des Schiffes, erreichte der Weiße Wal eine rasende Geschwindigkeit, stürmte fast im Nu mit geöffnetem Rachen und peitschendem Schwanz zwischen die Boote und führte auf allen Seiten schreckliche Angriffe. Unbeeindruckt von den Eisenstangen, die aus allen Booten auf ihn geworfen wurden, schien er nur darauf aus zu sein, jede einzelne Planke der Boote zu zerstören. Doch durch geschicktes Manövrieren, indem die Boote ständig wie ausgebildete Angriffstiere im Kampffeld herumwirbelten, konnten sie ihm für eine Weile entkommen – wenn auch manchmal nur um die Breite einer Planke. Die ganze Zeit über übertönte Abahs unheimlicher Ruf alle anderen Rufe.
Doch schließlich vermischte der Weiße Wal in seinen unvorhersehbaren Bewegungen die drei Leinen, die nun an ihm befestigt waren, auf tausend Arten miteinander, sodass sie kürzer wurden und die Boote von selbst in Richtung der auf ihn gerichteten Eisenstangen gezogen wurden. Für einen Moment zog der Wal sich jedoch etwas zurück, als wolle er sich für einen noch heftigeren Angriff sammeln. Ahab nutzte diese Gelegenheit, spannte mehr Leine aus und zog dann schnell daran.
Page 601
Plötzlich stürzte er wieder darauf zu – in der Hoffnung, so die Verwicklungen zu lösen. Doch da! Ein Anblick, noch grausamer als die gefletschten Zähne der Haie! Die Schnüre und Harpunen, mit all ihren spitzen Dornen, wanden sich in den Labyrinthen der Leinen – sie blitzten auf und tropften bis zu den Halterungen am Bug von Ahabs Boot. Es gab nur eine Möglichkeit: Er griff nach dem Bootsmesser, tauchte es vorsichtig hinein – und zog anschließend die Leine heraus, reichte sie dem Mann am Bug und durchtrennte zweimal das Seil in der Nähe der Halterungen. Dann warf er den Haufen aus Stahl ins Meer – und alles war wieder fest. In diesem Moment stürmte der Weiße Wal plötzlich zwischen die verbliebenen Verwicklungen der anderen Leinen; dadurch wurden Stubbs und Flasks Boote unwiderstehlich zu seinen Flossen gezogen. Sie wurden wie zwei umherrollende Schalen an einem vom Meer gepeitschten Strand zusammengeprallt – anschließend tauchte der Weiße Wal ins Meer ab und verschwand in einem kochenden Strudel. Für einen Moment tanzten die duftenden Zedernspäne der Wracks dort herum, wie gemahlener Muskatnuss in einer schnell gerührten Punchschüssel. Während die beiden Besatzungen noch im Wasser herumkreisten, versuchten sie, nach den sich drehenden Leinen, Rudern und anderen schwimmenden Gegenständen zu greifen. Der kleine Flask trieb auf und ab wie eine leere Phiole, während er mit den Beinen versuchte, den schrecklichen Kiefern der Haie zu entkommen. Stubb rief laut nach jemandem, der ihn herausziehen sollte. Während die Leine des Alten sich nun teilte und es ihm ermöglichte, in das „cremefarbene“ Wasser zu gelangen, um so viele Menschen wie möglich zu retten – in dieser wilden, gleichzeitigen Situation tausender Gefahren – schien Ahabs noch unbeschädigtes Boot von unsichtbaren Fäden zum Himmel gezogen zu werden. Der Weiße Wal stieß mit seiner breiten Stirn senkrecht vom Meer aus gegen das Boot – und ließ es immer wieder in die Luft fliegen, bis es schließlich wieder nach unten fiel. Ahab und seine Männer kämpften sich daraus hervor, wie Robben aus einer Höhle am Meerufer. Der erste Auftrieb des Walms veränderte seine Richtung – dadurch wurde Ahab etwas vom Zentrum der Zerstörung weggetrieben. Mit dem Rücken zu diesem Zentrum lag er eine Weile da und tastete mit seinen Flossen von Seite zu Seite. Jedes Mal, wenn ein Ruder, ein Stück Holz oder ein kleiner Splitter vom Boot seine Haut berührte, zog er seinen Schwanz schnell zurück und schlug damit auf das Meer. Doch bald, als wäre seine Arbeit fürs Erste erledigt, drückte er…
Page 602
Seine gefaltete Stirn durchquerte den Ozean – und hinter ihm zogen sich die verflochtenen Linien her. Er setzte seinen Weg gegen den Wind in einem methodischen Tempo fort. Wie zuvor kam das aufmerksame Schiff, nachdem es den gesamten Kampf beobachtet hatte, erneut zur Rettung und warf ein Boot zu Wasser, um die schwimmenden Seeleute, Ruder sowie alles andere, was gerettet werden konnte, an Bord zu holen. Einige hatten verstauchte Schultern, Handgelenke und Knöchel; bläuliche Prellungen; gebrochene Harpunen und Lanzen; unentwirrbare Knoten in den Seilen; zerbrochene Ruder und Planken – all das war vorhanden. Doch es schien niemandem etwas Lebensbedrohliches oder gar Schlimmes zugestoßen zu sein. Genau wie bei Fedallah am Vortag klammerte sich auch Ahab nun verbissen an die zerbrochene Hälfte seines Bootes, die ihm eine relativ einfache Schwimmmöglichkeit bot; außerdem hatte ihn das Unglück des Vortags nicht so sehr erschöpft. Doch als man ihm auf das Deck half, richteten sich alle Blicke auf ihn – denn anstatt allein zu stehen, hing er immer noch halb über der Schulter von Starbuck, der bis dahin der Erste gewesen war, der ihm half. Sein Elfenbeinbein war abgebrochen; nur ein kurzer, spitzer Splitter blieb übrig.
„Ja, ja, Starbuck – es ist angenehm, sich manchmal anzulehnen, egal an wen. Hätte der alte Ahab öfter angelehnt, wäre das besser gewesen.“
„Die Verbindung ist nicht gehalten, Sir“, sagte der Zimmermann, der nun herbeikam. „Ich habe gute Arbeit bei diesem Bein geleistet.“
„Aber ich hoffe, keine Knochen sind gebrochen, Sir“, sagte Stubb besorgt.
„Ja! Alles ist in Stücke zerbrochen, Stubb! Siehen Sie doch… Aber selbst mit einem gebrochenen Knochen bleibt der alte Ahab unversehrt. Ich betrachte kein einziges meiner lebenden Knochen als mehr wert als diesen toten Knochen, den ich verloren habe. Weder der Weiße Wal noch ein Mensch noch ein Dämon kann den alten Ahab in seinem eigenen, unzugänglichen Wesen berühren. Kann irgendein Pfeil den Boden dort unten treffen, irgendein Mast das Dach dort oben? Nach oben! In welche Richtung?“
„Gegen den Wind, Sir.“
„Dann voll auf Kurs! Setzt die Segel wieder aus, Leute! Bringt die restlichen Boote herunter und rüstet sie aus – Mr. Starbuck, gehen Sie und sammeln Sie die Besatzungen der Boote.“
„Lassen Sie mich Ihnen erst helfen, zum Bug zu gelangen, Sir.“
„Oh, oh, oh! Wie sehr sticht dieser Splitter jetzt! Verfluchtes Schicksal! Dass der unbesiegbare Kapitän in seiner Seele einen solch feigen Gefährten haben muss!“
„Sir?“
„Ja, ja, Starbuck – es ist angenehm, sich manchmal anzulehnen, egal an wen. Hätte der alte Ahab öfter angelehnt, wäre das besser gewesen.“
„Die Verbindung ist nicht gehalten, Sir“, sagte der Zimmermann, der nun herbeikam. „Ich habe gute Arbeit bei diesem Bein geleistet.“
„Aber ich hoffe, keine Knochen sind gebrochen, Sir“, sagte Stubb besorgt.
„Ja! Alles ist in Stücke zerbrochen, Stubb! Siehen Sie doch… Aber selbst mit einem gebrochenen Knochen bleibt der alte Ahab unversehrt. Ich betrachte kein einziges meiner lebenden Knochen als mehr wert als diesen toten Knochen, den ich verloren habe. Weder der Weiße Wal noch ein Mensch noch ein Dämon kann den alten Ahab in seinem eigenen, unzugänglichen Wesen berühren. Kann irgendein Pfeil den Boden dort unten treffen, irgendein Mast das Dach dort oben? Nach oben! In welche Richtung?“
„Gegen den Wind, Sir.“
„Dann voll auf Kurs! Setzt die Segel wieder aus, Leute! Bringt die restlichen Boote herunter und rüstet sie aus – Mr. Starbuck, gehen Sie und sammeln Sie die Besatzungen der Boote.“
„Lassen Sie mich Ihnen erst helfen, zum Bug zu gelangen, Sir.“
„Oh, oh, oh! Wie sehr sticht dieser Splitter jetzt! Verfluchtes Schicksal! Dass der unbesiegbare Kapitän in seiner Seele einen solch feigen Gefährten haben muss!“
„Sir?“
Page 603
„Mein Körper, Mann – nicht deiner. Gib mir etwas zum Stützen – da, diese zitternde Lanze wird genügen. Zählt die Männer – ich habe ihn sicherlich noch nicht gesehen. Um Himmels willen, das kann doch nicht sein! – Verschwunden? – Schnell! Ruft sie alle herbei.“ Der alte Mann hatte recht: Als die Männer versammelt wurden, war der Parsi nicht da.
„Der Parsi!“, rief Stubb – „er muss in den Netzen gefangen worden sein …“
„Der schwarze Brechreiz soll dich packen! – Lauft alle nach oben, nach unten, in die Kabinen, ins Vorschiff – findet ihn – er ist nicht weg!“ Doch bald kehrten sie mit der Nachricht zurück, dass der Parsi nirgends zu finden war.
„Ja, Sir“, sagte Stubb – „er steckt in den Verwirrungen Ihrer Netze – ich glaubte, ihn darunter ziehen zu sehen.“
„Meine Netze! Meine Netze? Weg? – Was bedeutet dieses kleine Wort? Welches Todesläuten liegt darin – Ahab zittert, als wäre er der Glockenturm selbst. Auch der Harpunenpfeil! – Werft ihn über die Trage dort – seht ihr ihn? – Das gefälschte Eisen, Männer – des weißen Wals … Nein, nein, nein! – Dummkopf! Diese Hand hat ihn geworfen! – Er ist im Fisch! – Hoch damit! Halten wir ihn fest – Schnell! Alle an die Bootsausrüstung – sammelt die Ruder – Harpunenschützen! Die Eisen – höher mit den Segeln! Zieht an allen Seilen! Steuert fest – um euer Leben! Ich werde die unermessliche Welt zehnmal durchqueren – ja, ich werde direkt hindurchtauchen – aber ich werde ihn trotzdem töten!“
„Großer Gott! Zeige dich wenigstens für einen Augenblick!“, rief Starbuck – „Nie, niemals wirst du ihn fangen, alter Mann – Im Namen Jesu, hör auf damit – das ist schlimmer als teuflische Wahnsinnigkeit. Zwei Tage lang Verfolgung – zweimal zerstört – dein Bein wurde dir wieder entrissen – dein böser Schatten ist verschwunden – alle guten Engel warnen dich – was willst du noch? Sollen wir weiterhin diesen mörderischen Fisch jagen, bis er den letzten Menschen ertränkt? Sollen wir von ihm in die Tiefen des Meeres gezogen werden? Sollen wir von ihm in die Hölle geschleppt werden? Oh, oh – Gotteslästerung und Unverschämtheit, ihn weiter zu jagen!“
„Starbuck, in letzter Zeit fühle ich mich seltsam zu dir hingezogen – seit jenem Moment, als wir beide in den Augen des anderen sahen – du weißt, was ich meine. Aber in dieser Angelegenheit mit dem Wal – sei mir gegenüber so gleichgültig wie die Handfläche dieser Hand – ohne Ausdruck, leer. Ahab bleibt für immer Ahab, Mann. Dieses ganze Geschehen ist unveränderlich vorherbestimmt. Es wurde bereits vor einer Milliarde Jahren von dir und mir geplant.“
„Der Parsi!“, rief Stubb – „er muss in den Netzen gefangen worden sein …“
„Der schwarze Brechreiz soll dich packen! – Lauft alle nach oben, nach unten, in die Kabinen, ins Vorschiff – findet ihn – er ist nicht weg!“ Doch bald kehrten sie mit der Nachricht zurück, dass der Parsi nirgends zu finden war.
„Ja, Sir“, sagte Stubb – „er steckt in den Verwirrungen Ihrer Netze – ich glaubte, ihn darunter ziehen zu sehen.“
„Meine Netze! Meine Netze? Weg? – Was bedeutet dieses kleine Wort? Welches Todesläuten liegt darin – Ahab zittert, als wäre er der Glockenturm selbst. Auch der Harpunenpfeil! – Werft ihn über die Trage dort – seht ihr ihn? – Das gefälschte Eisen, Männer – des weißen Wals … Nein, nein, nein! – Dummkopf! Diese Hand hat ihn geworfen! – Er ist im Fisch! – Hoch damit! Halten wir ihn fest – Schnell! Alle an die Bootsausrüstung – sammelt die Ruder – Harpunenschützen! Die Eisen – höher mit den Segeln! Zieht an allen Seilen! Steuert fest – um euer Leben! Ich werde die unermessliche Welt zehnmal durchqueren – ja, ich werde direkt hindurchtauchen – aber ich werde ihn trotzdem töten!“
„Großer Gott! Zeige dich wenigstens für einen Augenblick!“, rief Starbuck – „Nie, niemals wirst du ihn fangen, alter Mann – Im Namen Jesu, hör auf damit – das ist schlimmer als teuflische Wahnsinnigkeit. Zwei Tage lang Verfolgung – zweimal zerstört – dein Bein wurde dir wieder entrissen – dein böser Schatten ist verschwunden – alle guten Engel warnen dich – was willst du noch? Sollen wir weiterhin diesen mörderischen Fisch jagen, bis er den letzten Menschen ertränkt? Sollen wir von ihm in die Tiefen des Meeres gezogen werden? Sollen wir von ihm in die Hölle geschleppt werden? Oh, oh – Gotteslästerung und Unverschämtheit, ihn weiter zu jagen!“
„Starbuck, in letzter Zeit fühle ich mich seltsam zu dir hingezogen – seit jenem Moment, als wir beide in den Augen des anderen sahen – du weißt, was ich meine. Aber in dieser Angelegenheit mit dem Wal – sei mir gegenüber so gleichgültig wie die Handfläche dieser Hand – ohne Ausdruck, leer. Ahab bleibt für immer Ahab, Mann. Dieses ganze Geschehen ist unveränderlich vorherbestimmt. Es wurde bereits vor einer Milliarde Jahren von dir und mir geplant.“
Page 604
Dieser Ozean wogte. Narr! Ich bin der Stellvertreter des Schicksals – ich handele nach Befehlen. Sieh zu, du Untergebener! dass du meinen Befehlen gehorchst. Steht um mich herum, Männer. Ihr seht einen alten Mann, der auf einen zitternden Speer gestützt ist und auf einem Bein steht. Es ist Ahab – sein Körper ist zerstört; doch Ahabs Seele ist wie eine Hundertfüßerin, die auf hundert Beinen bewegt sich. Ich fühle mich angespannt, halb erdrückt – wie Seile, die zerstörte Schiffe in einem Sturm ziehen; und so sehe ich auch aus. Doch bevor ich zerbreche, werdet ihr hören, wie ich knirsche; und bis ihr das hört, wisst, dass Ahabs Entschluss noch immer gilt. Glaubt ihr, Männer, an die sogenannten Omen? Dann lacht laut und ruft „Encore!“ Denn bevor sie untergehen, werden die ertrinkenden Dinge zweimal an die Oberfläche kommen – dann wieder aufsteigen, um für immer zu versinken. So ist es auch mit Moby Dick – seit zwei Tagen treibt er auf dem Wasser; morgen wird es der dritte Tag sein. Ja, Männer, er wird noch einmal auftauchen – doch nur, um seinen letzten Atem auszustoßen! Fühlt ihr euch mutig, Männer? „Wie furchtloses Feuer“, rief Stubb. „Und wie mechanisch“, murmelte Ahab. Als die Männer weiterarbeiteten, murmelte er weiter: „Die sogenannten Omen! Gestern habe ich mit Starbuck über mein zerstörtes Boot gesprochen. Oh! Wie tapfer versuche ich, aus den Herzen anderer das hinauszudrängen, was in meinem eigenen Herz so fest verankert ist! Der Parsi – der Parsi! – weg, verschwunden? Er sollte eigentlich vor mir gehen – doch ich sollte ihn noch einmal sehen, bevor ich zugrunde gehe. Wie seltsam! Das ist ein Rätsel, das alle Anwälte, unterstützt von den Geistern aller Richter, verwirren könnte – wie der Schnabel eines Habichts pickt es in mein Gehirn. Ich werde es schon lösen!“ Als die Dämmerung hereinbrach, war der Wal immer noch im Sichtfeld. Also wurde das Segel erneut verkürzt – und alles verlief fast genauso wie in der vorherigen Nacht. Nur waren bis fast zum Morgengrauen das Geräusch der Hämmere sowie das Summen des Schleifsteins zu hören, während die Männer bei Kerzenlicht die Ersatzboote sorgfältig bereit machten und ihre Waffen für den nächsten Tag schärften. In der Zwischenzeit fertigte der Zimmermann für Ahabs zerstörtes Boot ein neues Bein an. Wie in der vorherigen Nacht stand Ahab weiterhin regungslos in seiner Kabine; sein Blick war nach Osten gerichtet, auf die ersten Sonnenstrahlen wartend.
Page 605
KAPITEL 135. Die Verfolgung – Der dritte Tag.
Der Morgen des dritten Tages brach klar und frisch an. Wieder einmal wurde der einsame Wächter auf dem Vorsteertopf von den Wachen des Tages abgelöst – sie befanden sich auf jedem Mast und fast auf jedem Sparren.
„Seht ihr ihn?“ rief Ahab – doch der Wal war noch nicht in Sicht.
„Aber wir sind auf seinem unfehlbaren Kielwasser – folgt einfach diesem Kielwasser. Halte das Ruder fest, so wie du es bisher getan hast. Was für ein wunderschöner Tag! Wäre es eine neu geschaffene Welt, geschaffen als Sommerresidenz für die Engel – und wäre heute der erste Tag, an dem sie sie betreten dürfen – dann könnte es keinen schöneren Tag geben. Das ist etwas, über das man nachdenken könnte, wenn Ahab Zeit zum Nachdenken hätte – aber Ahab denkt nie; er fühlt nur, immer wieder fühlt. Das reicht schon aus für einen Sterblichen! Zu denken, das ist Anmaßung. Nur Gott hat dieses Recht und diese Privilegien. Denken bedeutet Kühle und Ruhe – doch unsere armen Herzen pochen, und unser armer Verstand schlägt zu heftig dafür. Doch manchmal hatte ich das Gefühl, mein Verstand sei sehr ruhig – eiskalt ruhig. Mein alter Schädel knackt dabei, wie Glas, dessen Inhalt zu Eis geworden ist. Und doch wächst hier weiterhin Haar – in diesem Moment gerade. Wärme muss es hervorbringen – aber nein, es ist wie dieses gewöhnliche Gras, das überall wachsen kann – zwischen den Rissen im grönländischen Eis oder in der Lava des Vesuvs. Wie die wilden Winde es wehen lassen – sie peitschen es um mich herum, genau wie die zerrissenen Reste von Segeln das schwankende Schiff treffen. Ein abscheulicher Wind – zweifellos hat er schon einmal durch Gefängnisgänge und Zellen geweht, durch Krankensäle – und jetzt weht er hierher, als wäre er unschuldig. Weg mit ihm! Er ist verdorben. Wäre ich der Wind, würde ich nicht mehr auf einer solch bösen, elenden Welt wehen. Ich würde irgendwo in eine Höhle kriechen und dort bleiben. Doch der Wind ist etwas Edles, Heroisches! Wer hat ihn jemals bezwungen? In jedem Kampf trifft er den letzten, bittersten Schlag. Wenn man gegen ihn anrennt, läuft man nur hindurch. Ha! Ein feiger Wind – er greift nackte Menschen an, aber er kann keinen einzigen Schlag einstecken. Selbst Ahab ist mutiger – edler als dieser Wind. Wenn der Wind doch nur einen Körper hätte… Doch all die Dinge, die den Sterblichen am meisten erbosen und empören, sind körperlos – allerdings nur als Objekte, nicht als Akteure. Es gibt da einen ganz besonderen, einen sehr listigen, oh, einen äußerst bösartigen Unterschied! Doch ich sage es noch einmal – und schwöre es jetzt: Es gibt etwas…“
Der Morgen des dritten Tages brach klar und frisch an. Wieder einmal wurde der einsame Wächter auf dem Vorsteertopf von den Wachen des Tages abgelöst – sie befanden sich auf jedem Mast und fast auf jedem Sparren.
„Seht ihr ihn?“ rief Ahab – doch der Wal war noch nicht in Sicht.
„Aber wir sind auf seinem unfehlbaren Kielwasser – folgt einfach diesem Kielwasser. Halte das Ruder fest, so wie du es bisher getan hast. Was für ein wunderschöner Tag! Wäre es eine neu geschaffene Welt, geschaffen als Sommerresidenz für die Engel – und wäre heute der erste Tag, an dem sie sie betreten dürfen – dann könnte es keinen schöneren Tag geben. Das ist etwas, über das man nachdenken könnte, wenn Ahab Zeit zum Nachdenken hätte – aber Ahab denkt nie; er fühlt nur, immer wieder fühlt. Das reicht schon aus für einen Sterblichen! Zu denken, das ist Anmaßung. Nur Gott hat dieses Recht und diese Privilegien. Denken bedeutet Kühle und Ruhe – doch unsere armen Herzen pochen, und unser armer Verstand schlägt zu heftig dafür. Doch manchmal hatte ich das Gefühl, mein Verstand sei sehr ruhig – eiskalt ruhig. Mein alter Schädel knackt dabei, wie Glas, dessen Inhalt zu Eis geworden ist. Und doch wächst hier weiterhin Haar – in diesem Moment gerade. Wärme muss es hervorbringen – aber nein, es ist wie dieses gewöhnliche Gras, das überall wachsen kann – zwischen den Rissen im grönländischen Eis oder in der Lava des Vesuvs. Wie die wilden Winde es wehen lassen – sie peitschen es um mich herum, genau wie die zerrissenen Reste von Segeln das schwankende Schiff treffen. Ein abscheulicher Wind – zweifellos hat er schon einmal durch Gefängnisgänge und Zellen geweht, durch Krankensäle – und jetzt weht er hierher, als wäre er unschuldig. Weg mit ihm! Er ist verdorben. Wäre ich der Wind, würde ich nicht mehr auf einer solch bösen, elenden Welt wehen. Ich würde irgendwo in eine Höhle kriechen und dort bleiben. Doch der Wind ist etwas Edles, Heroisches! Wer hat ihn jemals bezwungen? In jedem Kampf trifft er den letzten, bittersten Schlag. Wenn man gegen ihn anrennt, läuft man nur hindurch. Ha! Ein feiger Wind – er greift nackte Menschen an, aber er kann keinen einzigen Schlag einstecken. Selbst Ahab ist mutiger – edler als dieser Wind. Wenn der Wind doch nur einen Körper hätte… Doch all die Dinge, die den Sterblichen am meisten erbosen und empören, sind körperlos – allerdings nur als Objekte, nicht als Akteure. Es gibt da einen ganz besonderen, einen sehr listigen, oh, einen äußerst bösartigen Unterschied! Doch ich sage es noch einmal – und schwöre es jetzt: Es gibt etwas…“
Page 606
Prächtig und gnädig weht der Wind. Zumindest diese warmen Passatwinde, die am klaren Himmel geradewegs wehen – mit starker, beständiger Kraft und sanfter Wärme – und nicht von ihrem Kurs abweichen, egal wie sich die niedrigeren Meeresströmungen drehen mögen oder wie die mächtigen Flüsse auf dem Land schnell umherirren, ohne zu wissen, wohin sie letztendlich fließen sollen. Bei den ewigen Polen! Genau diese Passatwinde, die mein gutes Schiff so direkt vorantreiben – diese Winde oder etwas Ähnliches – etwas so Unveränderliches und doch ebenso Kraftvolles – treiben auch meine Seele voran! Dorthin! Hoch da! Was seht ihr?“
„Nichts, Sir.“
„Nichts! Und schon Mittag! Der Doppelgulden wird knapp! Seht die Sonne! Ja, so muss es sein. Ich habe ihn überholt. Wie, habe ich den Vorsprung gewonnen? Ja, er verfolgt mich jetzt – nicht ich ihn – das ist schlecht; das hätte ich auch ahnen können. Narr! Die Leinen – die Harpunen, die er zieht. Ja, ja, ich bin ihm letzte Nacht entkommen. Herum! Herum! Kommt alle herunter, außer den Wachen! Stellt die Takelung fest!“
Da der Wind weiterhin aus derselben Richtung wehte wie zuvor, segelte die Pequod nun mit voller Kraft gegen den Wind, während sie ihre weiße Bugwelle hinterließ.
„Gegen den Wind steuert er nun auf das offene Meer zu“, murmelte Starbuck vor sich hin, während er das neu gespannte Haupttau um das Geländer wickelte. „Gott, beschütze uns – doch bereits fühlen meine Knochen Feuchtigkeit in sich, und von innen durchnässt das meine Haut. Ich fürchte, ich missachte meinen Gott, indem ich ihm gehorche!“
„Seid bereit, mich hochzuziehen!“, rief Ahab und ging zum Hanfkorb. „Wir werden ihn bald treffen.“
„Ja, Sir“, und sofort befolgte Starbuck Abahs Befehl – und wieder schwang sich Ahab in die Höhe.
Eine ganze Stunde verging; die Zeit schien stillzustehen. Doch endlich, etwa drei Punkte vor dem Bug, entdeckte Ahab erneut den Wasserspritz. Sofort ertönten von den drei Mastspitzen drei Schreie, als wären es Flammen, die sie hervorbrachten.
„Gesicht an Gesicht treffe ich dich diesmal zum dritten Mal, Moby Dick! Auf das Deck dort! Spannt die Takelung fester an – drückt das Schiff in die Windrichtung. Er ist noch zu weit entfernt, um bereits das Segel zu senken, Mr. Starbuck. Die Segel zittern! Halten Sie diesen Steuermann mit einem Keulenschlag in Schach! So, so – er bewegt sich schnell, und ich muss nach unten. Aber gebt mir noch eine Chance.“
„Nichts, Sir.“
„Nichts! Und schon Mittag! Der Doppelgulden wird knapp! Seht die Sonne! Ja, so muss es sein. Ich habe ihn überholt. Wie, habe ich den Vorsprung gewonnen? Ja, er verfolgt mich jetzt – nicht ich ihn – das ist schlecht; das hätte ich auch ahnen können. Narr! Die Leinen – die Harpunen, die er zieht. Ja, ja, ich bin ihm letzte Nacht entkommen. Herum! Herum! Kommt alle herunter, außer den Wachen! Stellt die Takelung fest!“
Da der Wind weiterhin aus derselben Richtung wehte wie zuvor, segelte die Pequod nun mit voller Kraft gegen den Wind, während sie ihre weiße Bugwelle hinterließ.
„Gegen den Wind steuert er nun auf das offene Meer zu“, murmelte Starbuck vor sich hin, während er das neu gespannte Haupttau um das Geländer wickelte. „Gott, beschütze uns – doch bereits fühlen meine Knochen Feuchtigkeit in sich, und von innen durchnässt das meine Haut. Ich fürchte, ich missachte meinen Gott, indem ich ihm gehorche!“
„Seid bereit, mich hochzuziehen!“, rief Ahab und ging zum Hanfkorb. „Wir werden ihn bald treffen.“
„Ja, Sir“, und sofort befolgte Starbuck Abahs Befehl – und wieder schwang sich Ahab in die Höhe.
Eine ganze Stunde verging; die Zeit schien stillzustehen. Doch endlich, etwa drei Punkte vor dem Bug, entdeckte Ahab erneut den Wasserspritz. Sofort ertönten von den drei Mastspitzen drei Schreie, als wären es Flammen, die sie hervorbrachten.
„Gesicht an Gesicht treffe ich dich diesmal zum dritten Mal, Moby Dick! Auf das Deck dort! Spannt die Takelung fester an – drückt das Schiff in die Windrichtung. Er ist noch zu weit entfernt, um bereits das Segel zu senken, Mr. Starbuck. Die Segel zittern! Halten Sie diesen Steuermann mit einem Keulenschlag in Schach! So, so – er bewegt sich schnell, und ich muss nach unten. Aber gebt mir noch eine Chance.“
Page 607
Noch ein schöner Ausblick nach oben, über das Meer – dafür ist noch Zeit. Ein uralter Anblick – und doch irgendwie so jung; ja, er hat sich seitdem, als ich ihn zum ersten Mal sah, als Junge von den Sandhügeln von Nantucket, nicht im Geringsten verändert! Derselbe Anblick – für Noah genauso wie für mich. Es gibt einen sanften Regen aus Lee. Was für wunderbare Winde aus Lee! Sie müssen irgendwohin führen – zu etwas anderem als zu gewöhnlichem Land, zu etwas, das noch üppiger ist als Palmen. Aus Lee! Der Weiße Wal geht dorthin; schau also nach Windward – umso besser, wenn der Wind stärker weht. Aber Lebewohl, alter Mastkopf! Was ist das? Grün? Ja, kleine Moose in diesen verzogenen Spalten. Auf Ahabs Kopf gibt es keine solchen grünen Flecken! Das ist nun der Unterschied zwischen dem Alter des Menschen und dem Alter der Materie. Doch ja, alter Mast – wir werden beide gemeinsam alt; aber sind unsere Rümpfe nicht intakt, mein Schiff? Ja, nur ein Bein fehlt, das ist alles. Bei Gott – dieses tote Holz hat in jeder Hinsicht die Oberhand über mein lebendiges Fleisch. Ich kann damit nicht mithalten; und ich habe schon Schiffe aus toten Bäumen kennengelernt, die länger bestehen als Menschen, die aus dem lebensspendendsten Stoff geboren wurden. Was hat er gesagt? Er soll immer noch vor mir weiterfahren, mein Pilot – und doch wieder gesehen werden? Aber wo? Werde ich am Grund des Meeres Augen haben, falls ich diese endlosen Stufen hinabsteige? Die ganze Nacht über bin ich von ihm weggesegelt, wohin auch immer er gesunken ist. Ja, ja – wie bei vielen anderen hast du auch hier eine schreckliche Wahrheit über dich selbst erzählt, o Parsi; aber, Ahab – da hast du danebengetroffen. Lebewohl, Mastkopf – pass gut auf den Wal auf, solange ich weg bin. Wir werden morgen sprechen – nein, heute Nacht, wenn der Weiße Wal dort unten liegt, an Kopf und Schwanz gefesselt.“
Er gab das Zeichen – und während er weiterhin um sich blickte, wurde er langsam durch die blaue Luft nach unten zum Deck hinabgelassen.
Zur rechten Zeit wurden die Boote heruntergelassen; doch da Ahab am Heck seines Bootes stand und gerade im Begriff war, hinabzusteigen, winkte er dem Steuermann zu – der eines der Seile auf dem Deck hielt – und bat ihn, innezuhalten.
„Starbuck!“
„Sir?“
„Zum dritten Mal bricht das Schiff meiner Seele zu dieser Reise auf, Starbuck.“
„Ja, Sir – so wollen Sie es.“
„Manche Schiffe segeln von ihren Häfen ab – und bleiben danach für immer verschwunden, Starbuck!“
„Wahrheit, Sir – die traurigste Wahrheit.“
Er gab das Zeichen – und während er weiterhin um sich blickte, wurde er langsam durch die blaue Luft nach unten zum Deck hinabgelassen.
Zur rechten Zeit wurden die Boote heruntergelassen; doch da Ahab am Heck seines Bootes stand und gerade im Begriff war, hinabzusteigen, winkte er dem Steuermann zu – der eines der Seile auf dem Deck hielt – und bat ihn, innezuhalten.
„Starbuck!“
„Sir?“
„Zum dritten Mal bricht das Schiff meiner Seele zu dieser Reise auf, Starbuck.“
„Ja, Sir – so wollen Sie es.“
„Manche Schiffe segeln von ihren Häfen ab – und bleiben danach für immer verschwunden, Starbuck!“
„Wahrheit, Sir – die traurigste Wahrheit.“
Page 608
„Manche Männer sterben bei Ebbe; manche bei Niedrigwasser; manche während der Flut – und ich fühle mich jetzt wie eine Welle, deren Kamm aus einem einzigen Glied besteht, Starbuck. Ich bin alt – schüttle mir die Hand, Mann.“
Ihre Hände trafen sich; ihre Blicke verhakten sich; Starbucks Tränen dienten als Klebstoff.
„Oh, mein Kapitän, mein Kapitän! Edles Herz – geh nicht – geh nicht! Sieh, es ist ein tapferer Mann, der weint; wie groß muss da die Qual des Überredens sein!“
„Runter mit dem Boot!“ schrie Ahab und stieß den Arm des Steuermanns von sich. „Bleibt bei der Besatzung!“
Im Nu zog das Boot sich dicht unter den Heckbereich des Schiffes zurück.
„Die Haie! Die Haie!“ rief eine Stimme vom Fenster der Kabine her; „Oh Herr, mein Herr, kehrt zurück!“
Doch Ahab hörte nichts; denn seine eigene Stimme war in diesem Moment sehr laut – und das Boot setzte seine Fahrt fort.
Doch die Stimme hatte recht; denn kaum hatte er das Schiff verlassen, da griffen zahlreiche Haie, die anscheinend aus den dunklen Wassern unter dem Rumpf auftauchten, bösartig nach den Rudern, jedes Mal, wenn diese ins Wasser tauchten – und begleiteten das Boot auf diese Weise mit ihren Bissen. Das ist etwas, das den Walfangbooten in diesen bevölkerten Meeren nicht selten widerfährt; die Haie folgen ihnen manchmal auf dieselbe Weise, wie Geier über den Truppenzügen im Osten kreisen.
Doch dies waren die ersten Haie, die die Pequod seit dem ersten Entdecken des Weißen Walzes beobachtet hatte; und ob es daran lag, dass Ahabs Besatzung aus solchen „tigergelben Barbaren“ bestand und daher ihr Fleisch für die Haie besonders verlockend roch – eine Tatsache, die manchmal bekannt ist und die die Haie anzieht – jedenfalls schienen sie dieses eine Boot zu verfolgen, ohne die anderen zu belästigen.
„Herz aus Stahl!“ murmelte Starbuck, blickte über die Reling und verfolgte mit seinen Augen das sich entfernende Boot – „Kannst du noch mutig auf dieses Schauspiel reagieren? Dein Kiel sinkt inmitten von hungrigen Haien – und du wirst von ihnen verfolgt, mit offenen Mäulern, bereit zum Angriff – und das bereits am entscheidenden dritten Tag? Denn wenn drei Tage ineinanderfließen, dann ist der erste Tag der Morgen, der zweite der Mittag und der dritte der Abend – und das Ende dieser Jagd – egal, was dieses Ende auch sein mag. Oh! Mein Gott! Was ist das, das durch mich strömt und mich doch so ruhig lässt – und dennoch voller Erwartung – gefangen in einem Zittern! Zukünftige Dinge schwimmen vor meinen Augen, wie in leeren Umrissen…“
Ihre Hände trafen sich; ihre Blicke verhakten sich; Starbucks Tränen dienten als Klebstoff.
„Oh, mein Kapitän, mein Kapitän! Edles Herz – geh nicht – geh nicht! Sieh, es ist ein tapferer Mann, der weint; wie groß muss da die Qual des Überredens sein!“
„Runter mit dem Boot!“ schrie Ahab und stieß den Arm des Steuermanns von sich. „Bleibt bei der Besatzung!“
Im Nu zog das Boot sich dicht unter den Heckbereich des Schiffes zurück.
„Die Haie! Die Haie!“ rief eine Stimme vom Fenster der Kabine her; „Oh Herr, mein Herr, kehrt zurück!“
Doch Ahab hörte nichts; denn seine eigene Stimme war in diesem Moment sehr laut – und das Boot setzte seine Fahrt fort.
Doch die Stimme hatte recht; denn kaum hatte er das Schiff verlassen, da griffen zahlreiche Haie, die anscheinend aus den dunklen Wassern unter dem Rumpf auftauchten, bösartig nach den Rudern, jedes Mal, wenn diese ins Wasser tauchten – und begleiteten das Boot auf diese Weise mit ihren Bissen. Das ist etwas, das den Walfangbooten in diesen bevölkerten Meeren nicht selten widerfährt; die Haie folgen ihnen manchmal auf dieselbe Weise, wie Geier über den Truppenzügen im Osten kreisen.
Doch dies waren die ersten Haie, die die Pequod seit dem ersten Entdecken des Weißen Walzes beobachtet hatte; und ob es daran lag, dass Ahabs Besatzung aus solchen „tigergelben Barbaren“ bestand und daher ihr Fleisch für die Haie besonders verlockend roch – eine Tatsache, die manchmal bekannt ist und die die Haie anzieht – jedenfalls schienen sie dieses eine Boot zu verfolgen, ohne die anderen zu belästigen.
„Herz aus Stahl!“ murmelte Starbuck, blickte über die Reling und verfolgte mit seinen Augen das sich entfernende Boot – „Kannst du noch mutig auf dieses Schauspiel reagieren? Dein Kiel sinkt inmitten von hungrigen Haien – und du wirst von ihnen verfolgt, mit offenen Mäulern, bereit zum Angriff – und das bereits am entscheidenden dritten Tag? Denn wenn drei Tage ineinanderfließen, dann ist der erste Tag der Morgen, der zweite der Mittag und der dritte der Abend – und das Ende dieser Jagd – egal, was dieses Ende auch sein mag. Oh! Mein Gott! Was ist das, das durch mich strömt und mich doch so ruhig lässt – und dennoch voller Erwartung – gefangen in einem Zittern! Zukünftige Dinge schwimmen vor meinen Augen, wie in leeren Umrissen…“
Page 609
Knochenfragmente – die ganze Vergangenheit erscheint irgendwie verblichen. Mary, Mädchen! Du verschwindest in blassen Glanzlichtern hinter mir; Junge! Ich sehe nur noch deine Augen, die wunderbar blau geworden sind. Die seltsamsten Probleme des Lebens scheinen sich zu klären – doch Wolken schieben sich dazwischen… Kommt das Ende meiner Reise? Meine Beine sind schwach – wie bei jemandem, der den ganzen Tag gelaufen ist. Fühle dein Herz – schlägt es noch? Weck dich, Starbuck! Halte stand – beweg dich, sprich laut! Da oben am Mast! Seht ihr die Hand meines Jungen auf dem Hügel? Verrückt – da oben! Halte dein scharfes Auge auf die Boote gerichtet – achte gut auf den Wal! Ho! Noch einmal! Vertreibt diesen Adler! Seht! Er pickt – er reißt den Windfang ab“ – er zeigte auf die rote Flagge am Hauptmast – „Ha! Er fliegt damit davon! Wo ist der alte Mann jetzt? Siehst du das, oh Ahab! Zittere, zittere!“
Die Boote waren noch nicht weit gekommen, als Ahab durch ein Signal von den Masten – ein Arm, der nach unten zeigte – erkannte, dass der Wal an die Oberfläche gekommen war. Doch da er beabsichtigte, beim nächsten Auftauchen in seiner Nähe zu sein, fuhr er etwas seitlich vom Schiff weg. Die Besatzung hielt absolutes Schweigen, während die Wellen gegen die Bugwand schlugen.
„Drückt zu, oh Wellen! Drückt sie bis zum Äußersten in die Tiefe! Ihr trefft nur auf etwas ohne Deckel – und weder Sarg noch Leichenkarren können mir gehören: Nur Hanf kann mich töten! Ha! Ha!“
Plötzlich schwollen die Gewässer um sie herum langsam zu großen Kreisen an; dann stiegen sie schnell an die Oberfläche, als würden sie von einem unter Wasser liegenden Eissberg weggeschoben. Ein tiefes Grollen war zu hören – ein unterirdisches Summen. Dann hielten alle den Atem an: Eine riesige Gestalt, umgeben von Seilen, Harpunen und Lanzen, tauchte schräg aus dem Meer auf. In einem dünnen Nebelschleier schwebte sie einen Moment lang in der Luft – dann versank sie wieder in der Tiefe. Das Wasser spritzte in alle Richtungen, und um den „Marmorkörper“ des Wals bildete sich eine schaumige Schicht wie frische Milch.
„Weicht aus!“, rief Ahab den Ruderern zu – die Boote eilten vorwärts, um anzugreifen. Doch Moby Dick, verrückt vor Wut wegen der Eisen, die in ihm fraßen, schien von allen Engeln besessen zu sein, die vom Himmel gefallen waren. Die breiten Sehnen auf seiner weißen Stirn wirkten, als wären sie miteinander verbunden. Er kam direkt auf die Boote zu, schlug mit seinem Schwanz um sich – und traf sie erneut.
Die Boote waren noch nicht weit gekommen, als Ahab durch ein Signal von den Masten – ein Arm, der nach unten zeigte – erkannte, dass der Wal an die Oberfläche gekommen war. Doch da er beabsichtigte, beim nächsten Auftauchen in seiner Nähe zu sein, fuhr er etwas seitlich vom Schiff weg. Die Besatzung hielt absolutes Schweigen, während die Wellen gegen die Bugwand schlugen.
„Drückt zu, oh Wellen! Drückt sie bis zum Äußersten in die Tiefe! Ihr trefft nur auf etwas ohne Deckel – und weder Sarg noch Leichenkarren können mir gehören: Nur Hanf kann mich töten! Ha! Ha!“
Plötzlich schwollen die Gewässer um sie herum langsam zu großen Kreisen an; dann stiegen sie schnell an die Oberfläche, als würden sie von einem unter Wasser liegenden Eissberg weggeschoben. Ein tiefes Grollen war zu hören – ein unterirdisches Summen. Dann hielten alle den Atem an: Eine riesige Gestalt, umgeben von Seilen, Harpunen und Lanzen, tauchte schräg aus dem Meer auf. In einem dünnen Nebelschleier schwebte sie einen Moment lang in der Luft – dann versank sie wieder in der Tiefe. Das Wasser spritzte in alle Richtungen, und um den „Marmorkörper“ des Wals bildete sich eine schaumige Schicht wie frische Milch.
„Weicht aus!“, rief Ahab den Ruderern zu – die Boote eilten vorwärts, um anzugreifen. Doch Moby Dick, verrückt vor Wut wegen der Eisen, die in ihm fraßen, schien von allen Engeln besessen zu sein, die vom Himmel gefallen waren. Die breiten Sehnen auf seiner weißen Stirn wirkten, als wären sie miteinander verbunden. Er kam direkt auf die Boote zu, schlug mit seinem Schwanz um sich – und traf sie erneut.
Page 610
Getrennt voneinander wurden die Eisenspitzen und Lanzen aus den Booten der beiden Matrosen ausgebracht, und man griff von einer Seite des oberen Teils ihrer Bugwände an – doch Abahs Boot blieb fast unversehrt. Während Daggoo und Queequeg versuchten, die beschädigten Planken zu reparieren, drehte sich der Wal, der gerade von ihnen weggeschwommen war, um und zeigte dabei seine gesamte Flanke, als er erneut an ihnen vorbeischoss. In diesem Moment ertönte ein lauter Schrei. Um den Rücken des Wals gewickelt, in den Windungen gefangen, in denen der Wal in der vergangenen Nacht die Seile um sich herum gewickelt hatte, wurde der halb zerrissene Körper des Parsen sichtbar; seine schwarze Kleidung war in Fetzen gerissen; seine aufgerissenen Augen waren fest auf den alten Abah gerichtet. Der Harpunenpfeil fiel aus seiner Hand. „Getäuscht, getäuscht!“, sagte er und atmete tief durch. „Ja, Parsi! Ich sehe dich wieder. Ja, du gehst voraus – und das hier ist wohl der Leichenwagen, den du versprochen hast. Doch ich halte dich an dein letztes Wort. Wo ist der zweite Leichenwagen? Los, Männer, zum Schiff! Diese Boote sind jetzt nutzlos; repariert sie, wenn ihr es rechtzeitig schafft, und kehrt zu mir zurück. Wenn nicht – dann reicht Abah allein aus, um zu sterben. Herunter, Männer! Jedes Wesen, das versucht, aus diesem Boot zu springen, werde ich mit meiner Harpune treffen. Ihr seid nicht andere Menschen, sondern meine Arme und Beine – also gehorcht mir! Wo ist der Wal? Ist er wieder untergetaucht?“ Doch er blickte zu nahe auf das Boot; denn als ob der Wal versuchen würde, mit der Leiche, die er trug, zu entkommen, und als ob der Ort des letzten Zusammentreffens nur eine Etappe auf seiner Reise gewesen wäre, schwamm Moby Dick nun wieder zügig vorwärts – und hatte das Schiff fast bereits passiert. Das Schiff hatte bis dahin in entgegengesetzter Richtung zu ihm gesegelt, doch nun war seine Fahrt gestoppt worden. Es schien, als würde der Wal mit maximaler Geschwindigkeit schwimmen und nur darauf aus sein, seinen eigenen Weg auf dem Meer fortzusetzen. „Oh! Abah“, rief Starbuck, „es ist noch nicht zu spät – selbst jetzt, am dritten Tag –, um aufzuhören. Sieh! Moby Dick sucht dich nicht. Du bist es, der ihn verrückt jagt!“ Mit dem aufkommenden Wind wurde das einsame Boot schnell nach Lee getrieben, sowohl durch die Ruder als auch durch das Segel. Schließlich, als Abah an dem Schiff vorbeisch glitt, so nah, dass man Starbucks Gesicht deutlich erkennen konnte, da dieser über die Reling gebeugt war, rief er ihm zu, das Schiff umzudrehen und ihm in angemessenem Abstand zu folgen. Als er nach oben blickte, sah er Tashtego, Queequeg und Daggoo, wie sie eifrig auf die drei Mastspitzen kletterten; während die Ruderer in den beiden Booten saßen, die gerade erst…
Page 611
Er wurde zur Seite geschoben, und die Männer waren damit beschäftigt, ihn zu reparieren. Einer nach dem anderen sah er durch die Luken, während er voranschoss, auch Stubb und Flask, die sich auf dem Deck mit Bündeln neuer Eisenwerkzeuge und Lanzen beschäftigten. Als er all das sah – als er den Hämmern in den kaputten Booten lauschte – schien es, als würden andere Hämmereisen in sein Herz treiben. Doch er fasste sich wieder. Und nun, da er bemerkte, dass die Flagge vom Mastkopf verschwunden war, rief er Tashtego zu, der gerade diesen Platz erreicht hatte, wieder hinunterzukommen, um eine weitere Flagge sowie einen Hammer und Nägel zu holen, um sie am Mast anzubringen.
Ob es an der Erschöpfung nach drei Tagen des Verfolgens sowie an der Anstrengung beim Schwimmen in dem verdrehten Boot lag – oder ob es an einer verborgenen List und Bosheit in ihm lag – egal was der Grund war: Der Weiße Wal schien nun langsamer zu werden, da das Boot ihm wieder schnell näherkam; obwohl der letzte Angriff des Wals nicht so lange gedauert hatte wie zuvor. Während Ahab über die Wellen glitt, begleiteten ihn die erbarmungslosen Haie; sie klammerten sich beharrlich am Boot fest und bissen ständig auf die Ruder ein, sodass die Blätter zerbrachen und bei fast jedem Tauchvorgang kleine Splitter ins Meer warfen.
„Achtet nicht auf sie! Ihre Zähne geben nur neue Ruderblätter für eure Ruder. Zieht weiter! Es ist besser, im Kiefer eines Hais zu ruhen, als im weichen Wasser.“
„Aber bei jedem Biss, Sir, werden die dünnen Ruderblätter immer kleiner!“
„Sie werden lange genug halten! Zieht weiter! – Aber wer kann schon sagen“, murmelte er, „ob diese Haie hier sind, um den Wal oder Ahab zu fressen? – Aber zieht weiter! Ja, wir sind jetzt ganz nah dran. Steuern! Übernehmt das Steuer! Lasst mich vorbei!“ Und so halfen ihm zwei der Ruderer, zum Bug des noch fliegenden Bootes vorzudringen.
Schließlich, als das Boot zur Seite geschoben wurde und längs an der Flanke des Weißen Wolfs entlangfuhr, schien Ahab seltsamerweise nichts von dessen Annäherung mitzubekommen – wie es der Wal manchmal tut. Ahab befand sich bereits mitten im rauchigen Nebel, der aus dem Schnabel des Wals aufstieg und sich um seine große, monolithische Gestalt wand. Er war ihm so nahe, als er seinen Körper nach hinten bog und beide Arme hoch erhob, um seinen tödlichen Eisenstab sowie seinen noch tödlicheren Fluch auf den verhassten Wal zu schleudern. Als sowohl der Stab als auch der Fluch im Fleisch des Wals versanken, als wären sie in einen Sumpf gesogen worden, wand sich Moby Dick seitwärts; er rollte krampfhaft seine Flanke gegen den Bug des Bootes – und ohne ein Loch hineinzubohren, kippte er das Boot plötzlich um. Hätte Ahab nicht den erhöhten Teil des Bootsrands, an den er sich klammern konnte, wäre er erneut…
Ob es an der Erschöpfung nach drei Tagen des Verfolgens sowie an der Anstrengung beim Schwimmen in dem verdrehten Boot lag – oder ob es an einer verborgenen List und Bosheit in ihm lag – egal was der Grund war: Der Weiße Wal schien nun langsamer zu werden, da das Boot ihm wieder schnell näherkam; obwohl der letzte Angriff des Wals nicht so lange gedauert hatte wie zuvor. Während Ahab über die Wellen glitt, begleiteten ihn die erbarmungslosen Haie; sie klammerten sich beharrlich am Boot fest und bissen ständig auf die Ruder ein, sodass die Blätter zerbrachen und bei fast jedem Tauchvorgang kleine Splitter ins Meer warfen.
„Achtet nicht auf sie! Ihre Zähne geben nur neue Ruderblätter für eure Ruder. Zieht weiter! Es ist besser, im Kiefer eines Hais zu ruhen, als im weichen Wasser.“
„Aber bei jedem Biss, Sir, werden die dünnen Ruderblätter immer kleiner!“
„Sie werden lange genug halten! Zieht weiter! – Aber wer kann schon sagen“, murmelte er, „ob diese Haie hier sind, um den Wal oder Ahab zu fressen? – Aber zieht weiter! Ja, wir sind jetzt ganz nah dran. Steuern! Übernehmt das Steuer! Lasst mich vorbei!“ Und so halfen ihm zwei der Ruderer, zum Bug des noch fliegenden Bootes vorzudringen.
Schließlich, als das Boot zur Seite geschoben wurde und längs an der Flanke des Weißen Wolfs entlangfuhr, schien Ahab seltsamerweise nichts von dessen Annäherung mitzubekommen – wie es der Wal manchmal tut. Ahab befand sich bereits mitten im rauchigen Nebel, der aus dem Schnabel des Wals aufstieg und sich um seine große, monolithische Gestalt wand. Er war ihm so nahe, als er seinen Körper nach hinten bog und beide Arme hoch erhob, um seinen tödlichen Eisenstab sowie seinen noch tödlicheren Fluch auf den verhassten Wal zu schleudern. Als sowohl der Stab als auch der Fluch im Fleisch des Wals versanken, als wären sie in einen Sumpf gesogen worden, wand sich Moby Dick seitwärts; er rollte krampfhaft seine Flanke gegen den Bug des Bootes – und ohne ein Loch hineinzubohren, kippte er das Boot plötzlich um. Hätte Ahab nicht den erhöhten Teil des Bootsrands, an den er sich klammern konnte, wäre er erneut…
Page 612
Sie wurden ins Meer geworfen. Drei der Ruderer – die den genauen Zeitpunkt des Angriffs nicht kannten und daher auf seine Auswirkungen unvorbereitet waren – wurden hinausgeschleudert; doch sie fielen so, dass zwei von ihnen sofort wieder das Bootsholz ergriffen und sich auf einer Welle wieder ins Boot hievten; der dritte Mann fiel hilflos nach hinten, blieb aber noch auf dem Wasser und schwamm.
Fast gleichzeitig durchstieß der Weiße Wal mit atemberaubender Geschwindigkeit das tosende Meer. Doch als Ahab dem Steuermann befahl, neue Richtungen einzuschlagen und das Seil festzuhalten, sowie der Besatzung befahl, sich umzudrehen und das Boot zum Ziel zu ziehen, riss das gefährliche Seil unter diesem doppelten Zug in der Luft!
„Was ist in mir gebrochen? Ein Sehnen ist gerissen! – Es ist wieder in Ordnung; Ruder! Ruder! Angreift ihn!“
Als der Wal das gewaltige Dröhnen des Bootes hörte, drehte er sich um, um seine leere Stirn dem Angriff entgegenzustrecken; doch bei dieser Bewegung sah er den näher kommenden schwarzen Rumpf des Schiffes – offenbar die Quelle all seiner Verfolgungen. Er dachte, es könnte ein größerer und edlerer Feind sein – plötzlich stürzte er sich auf die voranschreitende Bugspitze des Schiffes und schlug mit seinen Kiefern inmitten feuriger Schaumfontänen zu.
Ahab taumelte; seine Hand schlug gegen seine Stirn. „Ich werde blind; Hände! Streckt sie vor mich, damit ich noch meinen Weg ertasten kann. Ist es Nacht?“
„Der Wal! Das Schiff!“, riefen die zitternden Ruderer.
„Ruder! Ruder! Neigt euch nach unten, ihr Meere, damit Ahab noch einmal, zum letzten Mal, zum Ziel gelangen kann! Ich sehe es: das Schiff! Das Schiff! Vorwärts, meine Leute! Wollt ihr mein Schiff nicht retten?“
Doch während die Ruderer das Boot mit aller Kraft durch die tosenden Wellen steuerten, brachen die zuvor vom Wal getroffenen Enden zweier Planken durch – fast im selben Moment lag das vorübergehend beschädigte Boot fast auf gleicher Höhe mit den Wellen; seine halb im Wasser stehende, spritzende Besatzung versuchte verzweifelt, die Lücke zu schließen und das eindringende Wasser abzupumpen.
In der Zwischenzeit blieb Tashtegos Masthammer für diesen einen Augenblick in seiner Hand hängen; die rote Flagge, die ihn wie ein Muster umhüllte, streckte sich anschließend gerade von ihm weg, als wäre sie Teil seiner eigenen Ausstattung.
Fast gleichzeitig durchstieß der Weiße Wal mit atemberaubender Geschwindigkeit das tosende Meer. Doch als Ahab dem Steuermann befahl, neue Richtungen einzuschlagen und das Seil festzuhalten, sowie der Besatzung befahl, sich umzudrehen und das Boot zum Ziel zu ziehen, riss das gefährliche Seil unter diesem doppelten Zug in der Luft!
„Was ist in mir gebrochen? Ein Sehnen ist gerissen! – Es ist wieder in Ordnung; Ruder! Ruder! Angreift ihn!“
Als der Wal das gewaltige Dröhnen des Bootes hörte, drehte er sich um, um seine leere Stirn dem Angriff entgegenzustrecken; doch bei dieser Bewegung sah er den näher kommenden schwarzen Rumpf des Schiffes – offenbar die Quelle all seiner Verfolgungen. Er dachte, es könnte ein größerer und edlerer Feind sein – plötzlich stürzte er sich auf die voranschreitende Bugspitze des Schiffes und schlug mit seinen Kiefern inmitten feuriger Schaumfontänen zu.
Ahab taumelte; seine Hand schlug gegen seine Stirn. „Ich werde blind; Hände! Streckt sie vor mich, damit ich noch meinen Weg ertasten kann. Ist es Nacht?“
„Der Wal! Das Schiff!“, riefen die zitternden Ruderer.
„Ruder! Ruder! Neigt euch nach unten, ihr Meere, damit Ahab noch einmal, zum letzten Mal, zum Ziel gelangen kann! Ich sehe es: das Schiff! Das Schiff! Vorwärts, meine Leute! Wollt ihr mein Schiff nicht retten?“
Doch während die Ruderer das Boot mit aller Kraft durch die tosenden Wellen steuerten, brachen die zuvor vom Wal getroffenen Enden zweier Planken durch – fast im selben Moment lag das vorübergehend beschädigte Boot fast auf gleicher Höhe mit den Wellen; seine halb im Wasser stehende, spritzende Besatzung versuchte verzweifelt, die Lücke zu schließen und das eindringende Wasser abzupumpen.
In der Zwischenzeit blieb Tashtegos Masthammer für diesen einen Augenblick in seiner Hand hängen; die rote Flagge, die ihn wie ein Muster umhüllte, streckte sich anschließend gerade von ihm weg, als wäre sie Teil seiner eigenen Ausstattung.
Page 613
Ein „fließendes Herz“ – während Starbuck und Stubb auf dem Bugspriet standen, sahen sie das heranrasende Ungeheuer genauso früh wie er.
„Der Wal, der Wal! Hoch mit dem Ruder! Oh, all ihr süßen Kräfte der Luft – umarmt mich jetzt fest! Lasset Starbuck nicht sterben, falls er denn sterben muss – durch einen Ohnmachtsanfall einer Frau. Hoch mit dem Ruder, sage ich! Ihr Narren – das Kinn! Ist das das Ende all meiner Gebete, all meiner lebenslangen Treue? Oh, Ahab, Ahab – sieh, das ist dein Werk. Gleichmäßig, Rudermann, gleichmäßig! Nein, nein! Wieder hoch mit dem Ruder! Er dreht sich um, um uns entgegenzukommen! Oh, seine unerbittliche Miene richtet sich gegen jemanden, dem seine Pflicht vorschreibt, nicht wegzugehen. Mein Gott, steh mir jetzt bei!“
„Steh mir nicht bei – sondern steh unter mir, wer auch immer du bist, der Stubb jetzt helfen will; denn auch Stubb bleibt hier. Ich grinse dich an, du grinsender Wal! Wer hat Stubb je geholfen oder ihn wach gehalten – außer Stubbs eigenem unblinzelnden Auge? Und nun geht der arme Stubb auf ein viel zu weiches Lager – wäre es doch nur mit Zweigen gefüllt! Ich grinse dich an, du grinsender Wal! Seht her, Sonne, Mond und Sterne! Ich bezeichne euch als Mörder eines so guten Menschen wie es ihn nur gibt. Trotzdem würde ich gerne mit euch anstoßen – wenn ihr mir nur den Becher reichen würdet! Oh, oh! Du grinsender Wal – bald wird es viel zu schlucken geben! Warum fliegst du nicht weg, o Ahab? Für mich: Schuhe und Jacke ab – lassen wir Stubb in seinen Unterhosen sterben! Ein äußerst feuchter und übermäßig salziger Tod… Kirschen! Kirschen! Oh, Flask – eine rote Kirsche, bevor wir sterben!“
„Kirschen? Ich wünschte nur, wir wären dort, wo sie wachsen. Oh, Stubb – ich hoffe, meine arme Mutter hat bis jetzt schon meinen Anteil erhalten; sonst wird sie bald kaum noch etwas bekommen, denn die Reise ist vorbei.“
Vom Bug des Schiffes aus hingen fast alle Seeleute regungslos da; Hämmer, Holzstücke, Lanzen und Harpunen hielten sie mechanisch in ihren Händen – genau so, wie sie sie von ihren verschiedenen Aufgaben weggenommen hatten. Alle ihre Blicke waren auf den Wal gerichtet, der seinen Kopf seltsam hin und her bewegte und dabei eine breite Schicht halbkreisförmiger Schaumkronen vor sich herschickte. Rache, schnelle Vergeltung, ewige Bosheit – all das zeigte sich in seinem Aussehen. Trotz allem, was ein Mensch tun konnte, traf die feste weiße Stirn des Wals den rechten Bug des Schiffes – sodass Männer und Holzbalken ins Wanken gerieten. Einige fielen mit dem Gesicht nach unten. Wie lose hängende Lasten schwankten die Köpfe der Harpunenschützen auf ihren stierartigen Hälsen. Durch die Öffnung hörten sie das Wasser hereinströmen – wie Bergbäche in einem Kanal.
„Der Wal, der Wal! Hoch mit dem Ruder! Oh, all ihr süßen Kräfte der Luft – umarmt mich jetzt fest! Lasset Starbuck nicht sterben, falls er denn sterben muss – durch einen Ohnmachtsanfall einer Frau. Hoch mit dem Ruder, sage ich! Ihr Narren – das Kinn! Ist das das Ende all meiner Gebete, all meiner lebenslangen Treue? Oh, Ahab, Ahab – sieh, das ist dein Werk. Gleichmäßig, Rudermann, gleichmäßig! Nein, nein! Wieder hoch mit dem Ruder! Er dreht sich um, um uns entgegenzukommen! Oh, seine unerbittliche Miene richtet sich gegen jemanden, dem seine Pflicht vorschreibt, nicht wegzugehen. Mein Gott, steh mir jetzt bei!“
„Steh mir nicht bei – sondern steh unter mir, wer auch immer du bist, der Stubb jetzt helfen will; denn auch Stubb bleibt hier. Ich grinse dich an, du grinsender Wal! Wer hat Stubb je geholfen oder ihn wach gehalten – außer Stubbs eigenem unblinzelnden Auge? Und nun geht der arme Stubb auf ein viel zu weiches Lager – wäre es doch nur mit Zweigen gefüllt! Ich grinse dich an, du grinsender Wal! Seht her, Sonne, Mond und Sterne! Ich bezeichne euch als Mörder eines so guten Menschen wie es ihn nur gibt. Trotzdem würde ich gerne mit euch anstoßen – wenn ihr mir nur den Becher reichen würdet! Oh, oh! Du grinsender Wal – bald wird es viel zu schlucken geben! Warum fliegst du nicht weg, o Ahab? Für mich: Schuhe und Jacke ab – lassen wir Stubb in seinen Unterhosen sterben! Ein äußerst feuchter und übermäßig salziger Tod… Kirschen! Kirschen! Oh, Flask – eine rote Kirsche, bevor wir sterben!“
„Kirschen? Ich wünschte nur, wir wären dort, wo sie wachsen. Oh, Stubb – ich hoffe, meine arme Mutter hat bis jetzt schon meinen Anteil erhalten; sonst wird sie bald kaum noch etwas bekommen, denn die Reise ist vorbei.“
Vom Bug des Schiffes aus hingen fast alle Seeleute regungslos da; Hämmer, Holzstücke, Lanzen und Harpunen hielten sie mechanisch in ihren Händen – genau so, wie sie sie von ihren verschiedenen Aufgaben weggenommen hatten. Alle ihre Blicke waren auf den Wal gerichtet, der seinen Kopf seltsam hin und her bewegte und dabei eine breite Schicht halbkreisförmiger Schaumkronen vor sich herschickte. Rache, schnelle Vergeltung, ewige Bosheit – all das zeigte sich in seinem Aussehen. Trotz allem, was ein Mensch tun konnte, traf die feste weiße Stirn des Wals den rechten Bug des Schiffes – sodass Männer und Holzbalken ins Wanken gerieten. Einige fielen mit dem Gesicht nach unten. Wie lose hängende Lasten schwankten die Köpfe der Harpunenschützen auf ihren stierartigen Hälsen. Durch die Öffnung hörten sie das Wasser hereinströmen – wie Bergbäche in einem Kanal.
Page 614
„Das Schiff! Der Sarg – der zweite Sarg!“, rief Ahab vom Boot aus; „sein Holz kann nur amerikanisches sein!“
Unter dem sinkenden Schiff tauchte der Wal hinab und glitt zitternd entlang seiner Kiellinie; doch er drehte sich unter Wasser um und schoß schnell wieder an die Oberfläche – weit entfernt vom anderen Bug, aber nur wenige Yards von Abahs Boot entfernt. Dort lag er eine Weile regungslos da.
„Ich wende meinen Körper von der Sonne ab. He, Tashtego! Lass mich deinen Hammer hören. Oh! Ihr drei unzerstörbaren Türme meines Schiffes; du, unversehrte Kiellinie; du, Rumpf, der nur von Gott gestärkt wird; du, fester Deck, stolzer Steuerbalken sowie Bug mit Pfahlspitze – du glorreicher Todesschiff! Muss es denn zugrunde gehen – ohne mich? Bin ich von dem letzten Stolz der elendesten Schiffbrüchigen abgeschnitten? Oh, einsame Tod in einem einsamen Leben! Jetzt spüre ich, dass meine größte Größe in meinem tiefsten Schmerz liegt. Ho, ho! Aus allen euren fernsten Bereichen – strömt nun herein, ihr kühnen Wellen meines ganzen vergangenen Lebens – und überflutet diesen Haufen meiner Todessorgen! Zu dir rolle ich hinüber, du alles zerstörende, doch unbesiegbare Wal; bis zum Ende kämpfe ich gegen dich; aus dem Herzen der Hölle stiche ich auf dich ein; aus Hass heraus speie ich meinen letzten Atem auf dich. Lasst alle Särge und alle Särge zu einem gemeinsamen See werden! Und da keiner von ihnen mir gehören kann, lasst mich doch in Stücke gerissen werden, während ich weiterhin hinter dir herjage – obwohl ich an dich gebunden bin, du verfluchter Wal! So gebe ich den Speer auf!“
Der Harpunenpfeil wurde geschleudert; der getroffene Wal schoss nach vorne; mit rasender Geschwindigkeit glitt die Leine durch die Fasern des Rumpfs – doch sie verhakte sich. Ahab beugte sich hinunter, um sie zu befreien; es gelang ihm – doch die sich drehende Leine packte ihn am Hals, und bevor die Besatzung bemerkte, dass er fort war, wurde er aus dem Boot geschleudert. Im nächsten Moment flog das schwere Ende der Leine aus dem leeren Boot, warf einen Ruderer zu Boden und verschwand anschließend im Meer.
Für einen Augenblick stand die Besatzung des Bootes regungslos da; dann drehten sie sich um. „Das Schiff? Großer Gott, wo ist das Schiff?“ Bald sahen sie durch das trübe, verwirrende Medium dessen schräg verschwindendes Phantom – wie in einer gasartigen Fata Morgana; nur die obersten Masten ragten noch aus dem Wasser. Die heidnischen Harpunenschützen hielten weiterhin ihre Wache auf dem Meer – festgehalten durch Verblendung, Treue oder Schicksal. Nun umschlossen konzentrische Kreise das einsame Boot samt seiner gesamten Besatzung, jedem schwimmenden Ruder, jedem Speerstiel – alles drehte sich im Kreis, lebendig und untot, bis auch der kleinste Teil der Pequod aus dem Blickfeld verschwand.
Unter dem sinkenden Schiff tauchte der Wal hinab und glitt zitternd entlang seiner Kiellinie; doch er drehte sich unter Wasser um und schoß schnell wieder an die Oberfläche – weit entfernt vom anderen Bug, aber nur wenige Yards von Abahs Boot entfernt. Dort lag er eine Weile regungslos da.
„Ich wende meinen Körper von der Sonne ab. He, Tashtego! Lass mich deinen Hammer hören. Oh! Ihr drei unzerstörbaren Türme meines Schiffes; du, unversehrte Kiellinie; du, Rumpf, der nur von Gott gestärkt wird; du, fester Deck, stolzer Steuerbalken sowie Bug mit Pfahlspitze – du glorreicher Todesschiff! Muss es denn zugrunde gehen – ohne mich? Bin ich von dem letzten Stolz der elendesten Schiffbrüchigen abgeschnitten? Oh, einsame Tod in einem einsamen Leben! Jetzt spüre ich, dass meine größte Größe in meinem tiefsten Schmerz liegt. Ho, ho! Aus allen euren fernsten Bereichen – strömt nun herein, ihr kühnen Wellen meines ganzen vergangenen Lebens – und überflutet diesen Haufen meiner Todessorgen! Zu dir rolle ich hinüber, du alles zerstörende, doch unbesiegbare Wal; bis zum Ende kämpfe ich gegen dich; aus dem Herzen der Hölle stiche ich auf dich ein; aus Hass heraus speie ich meinen letzten Atem auf dich. Lasst alle Särge und alle Särge zu einem gemeinsamen See werden! Und da keiner von ihnen mir gehören kann, lasst mich doch in Stücke gerissen werden, während ich weiterhin hinter dir herjage – obwohl ich an dich gebunden bin, du verfluchter Wal! So gebe ich den Speer auf!“
Der Harpunenpfeil wurde geschleudert; der getroffene Wal schoss nach vorne; mit rasender Geschwindigkeit glitt die Leine durch die Fasern des Rumpfs – doch sie verhakte sich. Ahab beugte sich hinunter, um sie zu befreien; es gelang ihm – doch die sich drehende Leine packte ihn am Hals, und bevor die Besatzung bemerkte, dass er fort war, wurde er aus dem Boot geschleudert. Im nächsten Moment flog das schwere Ende der Leine aus dem leeren Boot, warf einen Ruderer zu Boden und verschwand anschließend im Meer.
Für einen Augenblick stand die Besatzung des Bootes regungslos da; dann drehten sie sich um. „Das Schiff? Großer Gott, wo ist das Schiff?“ Bald sahen sie durch das trübe, verwirrende Medium dessen schräg verschwindendes Phantom – wie in einer gasartigen Fata Morgana; nur die obersten Masten ragten noch aus dem Wasser. Die heidnischen Harpunenschützen hielten weiterhin ihre Wache auf dem Meer – festgehalten durch Verblendung, Treue oder Schicksal. Nun umschlossen konzentrische Kreise das einsame Boot samt seiner gesamten Besatzung, jedem schwimmenden Ruder, jedem Speerstiel – alles drehte sich im Kreis, lebendig und untot, bis auch der kleinste Teil der Pequod aus dem Blickfeld verschwand.
Page 615
Doch als die letzten Wellen sich über den gesunkenen Kopf des Indern am Hauptmast ergossen und nur noch ein paar Zentimeter des aufrechten Mastes sichtbar ließen – zusammen mit den langen, wehenden Flaggenstreifen, die ruhig über den zerstörerischen Wellen schaukelten –, in ironischem Zufall fast diese Wellen berührend, da schwebte in diesem Moment ein roter Arm samt Hammer in der Luft, bereit, die Flagge immer schneller an den immer weiter sinkenden Mast zu nageln. Ein Himmelshawk, der spöttisch dem Hauptmast von seinem natürlichen Zuhause unter den Sternen gefolgt war, die Flagge anpickte und Tashtego damit belästigte, fing nun zufällig mit seinem breiten, flatternden Flügel zwischen Hammer und Holz ein; gleichzeitig hielt der unter Wasser liegende Wilde in seinem Todesröcheln seinen Hammer dort fest; so stürzte der Himmelsvogel mit engelhaften Schreien, seinem kaiserlichen Schnabel nach oben gerichtet und seinem ganzen Körper, der in Abahabs Flagge eingehüllt war, zusammen mit seinem Schiff unter – ein Schiff, das, wie Satan, nicht in die Hölle sinken würde, bevor es einen lebendigen Teil des Himmels mit sich in die Tiefe zog und sich damit krönte. Nun flogen kleine Vögel schreiend über die noch offene Schlucht; graue, weiße Wellen schlugen gegen ihre steilen Wände; dann brach alles zusammen, und der große Meereshimmel rollte weiter, wie er es bereits vor fünftausend Jahren getan hatte.
Page 616
Epilog
„Und ich bin allein entkommen, um es dir zu sagen“, sagt Hiob.
Das Drama ist vorbei. Warum tritt dann jemand hervor? – Weil jemand den Untergang überlebt hat.
Es geschah so, dass ich nach dem Verschwinden des Parsen derjenige wurde, den das Schicksal dazu bestimmt hatte, die Stelle des Bogenschützen Abahabs einzunehmen, als dieser die freie Position einnahm. Ich war auch derjenige, der am letzten Tag, als die drei Männer aus dem schwankenden Boot geworfen wurden, nach hinten geschleudert wurde. So trieb ich auf der Oberfläche des Meeres und hatte alles im Blick – als die schwache Strömung des gesunkenen Schiffes mich erreichte, wurde ich langsam in Richtung des zentralen Wirbels gezogen. Als ich ihn erreichte, hatte sich dieser bereits zu einem „cremefarbenen“ Pool verwandelt. Immer wieder drehte ich mich um, immer enger um die schwarze Blase an der Achse dieses langsam rotierenden Kreises – wie ein weiterer Ixion. Schließlich erreichte ich dieses zentrale Punkt: Die schwarze Blase platzte nach oben. Nun, befreit durch ihre „listige“ Federkraft und dank ihrer großen Schwimmfähigkeit, stieg die Leichenboje mit großer Kraft aus dem Meer empor, kippte um und trieb neben mir. Getragen von dieser Leichenboje trieb ich fast einen ganzen Tag und eine ganze Nacht lang auf dem weichen Meerwasser. Die harmlosen Haie glitten an mir vorbei, als hätten sie Schlossvorhängeschlösser im Maul; die wilden Seeadler flogen mit eingezogenen Schnäbeln dahin. Am zweiten Tag näherte sich ein Segelschiff – immer näher – und holte mich schließlich ab. Es war das listige Schiff Rachel, das bei seiner Suche nach seinen vermissten Kindern nur noch ein weiteres Waisenkind fand.
„Und ich bin allein entkommen, um es dir zu sagen“, sagt Hiob.
Das Drama ist vorbei. Warum tritt dann jemand hervor? – Weil jemand den Untergang überlebt hat.
Es geschah so, dass ich nach dem Verschwinden des Parsen derjenige wurde, den das Schicksal dazu bestimmt hatte, die Stelle des Bogenschützen Abahabs einzunehmen, als dieser die freie Position einnahm. Ich war auch derjenige, der am letzten Tag, als die drei Männer aus dem schwankenden Boot geworfen wurden, nach hinten geschleudert wurde. So trieb ich auf der Oberfläche des Meeres und hatte alles im Blick – als die schwache Strömung des gesunkenen Schiffes mich erreichte, wurde ich langsam in Richtung des zentralen Wirbels gezogen. Als ich ihn erreichte, hatte sich dieser bereits zu einem „cremefarbenen“ Pool verwandelt. Immer wieder drehte ich mich um, immer enger um die schwarze Blase an der Achse dieses langsam rotierenden Kreises – wie ein weiterer Ixion. Schließlich erreichte ich dieses zentrale Punkt: Die schwarze Blase platzte nach oben. Nun, befreit durch ihre „listige“ Federkraft und dank ihrer großen Schwimmfähigkeit, stieg die Leichenboje mit großer Kraft aus dem Meer empor, kippte um und trieb neben mir. Getragen von dieser Leichenboje trieb ich fast einen ganzen Tag und eine ganze Nacht lang auf dem weichen Meerwasser. Die harmlosen Haie glitten an mir vorbei, als hätten sie Schlossvorhängeschlösser im Maul; die wilden Seeadler flogen mit eingezogenen Schnäbeln dahin. Am zweiten Tag näherte sich ein Segelschiff – immer näher – und holte mich schließlich ab. Es war das listige Schiff Rachel, das bei seiner Suche nach seinen vermissten Kindern nur noch ein weiteres Waisenkind fand.
Page 617
*** ENDE DES PROJECT GUTENBERG-E-BOOKS „MOBY DICK“; ODER,
DER WAL ***
Aktualisierte Ausgaben ersetzen die vorherigen – die alten Ausgaben werden umbenannt.
Durch die Erstellung der Werke auf der Grundlage von Druckausgaben, die nicht durch das US-Urheberrecht geschützt sind, gilt: Niemand besitzt in den Vereinigten Staaten ein Urheberrecht an diesen Werken. Daher kann die Stiftung – und auch Sie! – diese Werke in den Vereinigten Staaten ohne Genehmigung und ohne Zahlung von Urheberrechtsabgaben kopieren und verbreiten. Besondere Regeln, die im Abschnitt „Allgemeine Nutzungsbedingungen“ dieser Lizenz festgelegt sind, gelten für das Kopieren und Verbreiten der elektronischen Werke von Project Gutenberg™, um das Konzept sowie die Marke PROJECT GUTENBERG™ zu schützen. Project Gutenberg ist eine eingetragene Marke und darf nicht verwendet werden, wenn man für ein E-Book Gebühren verlangt – es sei denn, man hält sich an die Bedingungen der Markenlizenz, einschließlich der Zahlung von Gebühren für die Nutzung der Marke Project Gutenberg. Wenn man für Kopien dieses E-Books keine Gebühren verlangt, ist es sehr einfach, sich an die Markenlizenz zu halten. Man darf dieses E-Book für nahezu jeden Zweck verwenden – beispielsweise zur Erstellung von abgeleiteten Werken, Berichten, Aufführungen oder Forschungsarbeiten. Project Gutenberg-E-Books können modifiziert, gedruckt und weitergegeben werden – in den Vereinigten Staaten darf man mit E-Books, die nicht durch das US-Urheberrecht geschützt sind, praktisch ALLES tun. Die Weiterverbreitung unterliegt der Markenlizenz – insbesondere die kommerzielle Weiterverbreitung.
ANFANG: VOLLSTÄNDIGE LIZENZ
DER WAL ***
Aktualisierte Ausgaben ersetzen die vorherigen – die alten Ausgaben werden umbenannt.
Durch die Erstellung der Werke auf der Grundlage von Druckausgaben, die nicht durch das US-Urheberrecht geschützt sind, gilt: Niemand besitzt in den Vereinigten Staaten ein Urheberrecht an diesen Werken. Daher kann die Stiftung – und auch Sie! – diese Werke in den Vereinigten Staaten ohne Genehmigung und ohne Zahlung von Urheberrechtsabgaben kopieren und verbreiten. Besondere Regeln, die im Abschnitt „Allgemeine Nutzungsbedingungen“ dieser Lizenz festgelegt sind, gelten für das Kopieren und Verbreiten der elektronischen Werke von Project Gutenberg™, um das Konzept sowie die Marke PROJECT GUTENBERG™ zu schützen. Project Gutenberg ist eine eingetragene Marke und darf nicht verwendet werden, wenn man für ein E-Book Gebühren verlangt – es sei denn, man hält sich an die Bedingungen der Markenlizenz, einschließlich der Zahlung von Gebühren für die Nutzung der Marke Project Gutenberg. Wenn man für Kopien dieses E-Books keine Gebühren verlangt, ist es sehr einfach, sich an die Markenlizenz zu halten. Man darf dieses E-Book für nahezu jeden Zweck verwenden – beispielsweise zur Erstellung von abgeleiteten Werken, Berichten, Aufführungen oder Forschungsarbeiten. Project Gutenberg-E-Books können modifiziert, gedruckt und weitergegeben werden – in den Vereinigten Staaten darf man mit E-Books, die nicht durch das US-Urheberrecht geschützt sind, praktisch ALLES tun. Die Weiterverbreitung unterliegt der Markenlizenz – insbesondere die kommerzielle Weiterverbreitung.
ANFANG: VOLLSTÄNDIGE LIZENZ
Page 618
Die vollständige Project-Gutenberg™-Lizenz
Bitte lesen Sie diese vor der Verbreitung oder Nutzung dieses Werkes.
Um die Mission von Project Gutenberg™ – die Förderung der freien Verteilung elektronischer Werke – zu schützen, stimmen Sie durch die Nutzung oder Verbreitung dieses Werkes (oder jedes anderen Werkes, das in irgendeiner Weise mit dem Begriff „Project Gutenberg“ in Verbindung steht) zu, alle Bedingungen der vollständigen Project-Gutenberg-Lizenz einzuhalten. Diese Lizenz ist in dieser Datei enthalten oder kann online unter www.gutenberg.org/license abgerufen werden.
**Abschnitt 1: Allgemeine Nutzungsbedingungen und Wiederverteilung von Project-Gutenberg-Elektronikwerken**
1.A. Indem Sie einen Teil dieses Project-Gutenberg-Elektronikwerks lesen oder nutzen, geben Sie an, dass Sie alle Bedingungen dieser Lizenz sowie der Vereinbarung bezüglich des geistigen Eigentums (Markenrechte/Urheberrechte) gelesen, verstanden und akzeptiert haben. Wenn Sie nicht bereit sind, sich an alle Bedingungen dieser Vereinbarung zu halten, müssen Sie die Nutzung einstellen und alle Kopien der Project-Gutenberg-Elektronikwerke, die Sie in Ihrem Besitz haben, zurückgeben oder zerstören. Wenn Sie eine Gebühr für die Erhaltung einer Kopie oder den Zugang zu einem Project-Gutenberg-Elektronikwerk gezahlt haben und nicht bereit sind, sich an die Bedingungen dieser Vereinbarung zu binden, können Sie eine Rückerstattung von der Person oder Organisation erhalten, an die Sie die Gebühr gezahlt haben, wie in Absatz 1.E.8 beschrieben.
1.B. „Project Gutenberg“ ist eine eingetragene Marke. Sie darf nur von Personen verwendet werden, die sich an die Bedingungen dieser Vereinbarung binden. Es gibt einige Dinge, die Sie mit den meisten Project-Gutenberg-Elektronikwerken tun können, auch ohne sich vollständig an die Bedingungen dieser Vereinbarung zu halten. Siehe dazu Absatz 1.C unten. Es gibt viele Möglichkeiten, mit Project-Gutenberg-Elektronikwerken umzugehen, wenn Sie sich an die Bedingungen dieser Vereinbarung halten und dazu beitragen, dass künftig weiterhin frei auf Project-Gutenberg-Elektronikwerke zugegriffen werden kann. Siehe dazu Absatz 1.E unten.
1.C. Die Project Gutenberg Literary Archive Foundation („die Stiftung“ oder PGLAF) besitzt das Urheberrecht an der Zusammenstellung dieser Werke.
Bitte lesen Sie diese vor der Verbreitung oder Nutzung dieses Werkes.
Um die Mission von Project Gutenberg™ – die Förderung der freien Verteilung elektronischer Werke – zu schützen, stimmen Sie durch die Nutzung oder Verbreitung dieses Werkes (oder jedes anderen Werkes, das in irgendeiner Weise mit dem Begriff „Project Gutenberg“ in Verbindung steht) zu, alle Bedingungen der vollständigen Project-Gutenberg-Lizenz einzuhalten. Diese Lizenz ist in dieser Datei enthalten oder kann online unter www.gutenberg.org/license abgerufen werden.
**Abschnitt 1: Allgemeine Nutzungsbedingungen und Wiederverteilung von Project-Gutenberg-Elektronikwerken**
1.A. Indem Sie einen Teil dieses Project-Gutenberg-Elektronikwerks lesen oder nutzen, geben Sie an, dass Sie alle Bedingungen dieser Lizenz sowie der Vereinbarung bezüglich des geistigen Eigentums (Markenrechte/Urheberrechte) gelesen, verstanden und akzeptiert haben. Wenn Sie nicht bereit sind, sich an alle Bedingungen dieser Vereinbarung zu halten, müssen Sie die Nutzung einstellen und alle Kopien der Project-Gutenberg-Elektronikwerke, die Sie in Ihrem Besitz haben, zurückgeben oder zerstören. Wenn Sie eine Gebühr für die Erhaltung einer Kopie oder den Zugang zu einem Project-Gutenberg-Elektronikwerk gezahlt haben und nicht bereit sind, sich an die Bedingungen dieser Vereinbarung zu binden, können Sie eine Rückerstattung von der Person oder Organisation erhalten, an die Sie die Gebühr gezahlt haben, wie in Absatz 1.E.8 beschrieben.
1.B. „Project Gutenberg“ ist eine eingetragene Marke. Sie darf nur von Personen verwendet werden, die sich an die Bedingungen dieser Vereinbarung binden. Es gibt einige Dinge, die Sie mit den meisten Project-Gutenberg-Elektronikwerken tun können, auch ohne sich vollständig an die Bedingungen dieser Vereinbarung zu halten. Siehe dazu Absatz 1.C unten. Es gibt viele Möglichkeiten, mit Project-Gutenberg-Elektronikwerken umzugehen, wenn Sie sich an die Bedingungen dieser Vereinbarung halten und dazu beitragen, dass künftig weiterhin frei auf Project-Gutenberg-Elektronikwerke zugegriffen werden kann. Siehe dazu Absatz 1.E unten.
1.C. Die Project Gutenberg Literary Archive Foundation („die Stiftung“ oder PGLAF) besitzt das Urheberrecht an der Zusammenstellung dieser Werke.
Page 619
Sammlung von elektronischen Werken von Project Gutenberg. Fast alle Einzelwerke in dieser Sammlung stehen in den Vereinigten Staaten im öffentlichen Besitz. Wenn ein bestimmtes Werk in den Vereinigten Staaten nicht durch Urheberrechtsgesetze geschützt ist und Sie sich in den Vereinigten Staaten aufhalten, beanspruchen wir kein Recht, Sie daran zu hindern, das Werk zu kopieren, zu verbreiten, aufzuführen, anzuziehen oder abgeleitete Werke darauf basierend zu erstellen – vorausgesetzt, alle Verweise auf Project Gutenberg werden entfernt. Natürlich hoffen wir, dass Sie die Mission von Project Gutenberg unterstützen, indem Sie die Werke von Project Gutenberg gemäß den Bedingungen dieser Vereinbarung frei teilen, um den Namen Project Gutenberg mit diesen Werken in Verbindung zu halten. Die Bedingungen dieser Vereinbarung können Sie leicht erfüllen, indem Sie das Werk im selben Format sowie mit der beiliegenden vollständigen Project-Gutenberg-Lizenz weitergeben, wenn Sie es kostenlos an andere weitergeben.
1.D. Die Urheberrechtsgesetze des Ortes, an dem Sie sich befinden, bestimmen ebenfalls, was Sie mit diesem Werk tun dürfen. Die Urheberrechtsgesetze in den meisten Ländern sind ständig im Wandel. Wenn Sie sich außerhalb der Vereinigten Staaten befinden, sollten Sie vor dem Herunterladen, Kopieren, Anzeigen, Aufführen, Verbreiten oder Erstellen abgeleiteter Werke auf dieser Grundlage oder auf der Grundlage eines anderen Project-Gutenberg-Werks die Gesetze Ihres Landes zusätzlich zu den Bedingungen dieser Vereinbarung prüfen. Die Stiftung macht keine Angaben bezüglich des Urheberrechtstatus eines Werkes in einem Land außerhalb der Vereinigten Staaten.
1.E. Sofern Sie nicht alle Verweise auf Project Gutenberg entfernt haben:
1.E.1. Der folgende Satz mit aktiven Links zu oder anderem unmittelbaren Zugang zur vollständigen Project-Gutenberg-Lizenz muss stets deutlich sichtbar sein, sobald eine Kopie eines Project-Gutenberg-Werks (jedes Werk, auf dem der Ausdruck „Project Gutenberg“ erscheint oder mit dem der Ausdruck „Project Gutenberg“ in Verbindung steht) angezeigt, aufgeführt, angesehen, kopiert oder verbreitet wird:
Dieses E-Book ist für die Nutzung durch jeden Menschen überall in den Vereinigten Staaten und in den meisten anderen Teilen der Welt kostenlos und nahezu ohne jegliche Einschränkungen erhältlich. Sie dürfen es kopieren, weitergeben oder unter den Bedingungen der mit diesem E-Book oder online bereitgestellten Project-Gutenberg™-Lizenz erneut verwenden.
1.D. Die Urheberrechtsgesetze des Ortes, an dem Sie sich befinden, bestimmen ebenfalls, was Sie mit diesem Werk tun dürfen. Die Urheberrechtsgesetze in den meisten Ländern sind ständig im Wandel. Wenn Sie sich außerhalb der Vereinigten Staaten befinden, sollten Sie vor dem Herunterladen, Kopieren, Anzeigen, Aufführen, Verbreiten oder Erstellen abgeleiteter Werke auf dieser Grundlage oder auf der Grundlage eines anderen Project-Gutenberg-Werks die Gesetze Ihres Landes zusätzlich zu den Bedingungen dieser Vereinbarung prüfen. Die Stiftung macht keine Angaben bezüglich des Urheberrechtstatus eines Werkes in einem Land außerhalb der Vereinigten Staaten.
1.E. Sofern Sie nicht alle Verweise auf Project Gutenberg entfernt haben:
1.E.1. Der folgende Satz mit aktiven Links zu oder anderem unmittelbaren Zugang zur vollständigen Project-Gutenberg-Lizenz muss stets deutlich sichtbar sein, sobald eine Kopie eines Project-Gutenberg-Werks (jedes Werk, auf dem der Ausdruck „Project Gutenberg“ erscheint oder mit dem der Ausdruck „Project Gutenberg“ in Verbindung steht) angezeigt, aufgeführt, angesehen, kopiert oder verbreitet wird:
Dieses E-Book ist für die Nutzung durch jeden Menschen überall in den Vereinigten Staaten und in den meisten anderen Teilen der Welt kostenlos und nahezu ohne jegliche Einschränkungen erhältlich. Sie dürfen es kopieren, weitergeben oder unter den Bedingungen der mit diesem E-Book oder online bereitgestellten Project-Gutenberg™-Lizenz erneut verwenden.
Page 620
auf www.gutenberg.org. Wenn Sie sich nicht in den Vereinigten Staaten befinden, müssen Sie vor der Nutzung dieses E-Books die Gesetze des Landes prüfen, in dem Sie sich aufhalten.
1.E.2. Wenn ein einzelnes elektronisches Werk von Project Gutenberg aus Texten stammt, die nicht durch das US-Urheberrecht geschützt sind (es enthält keine Angabe, dass es mit Genehmigung des Urheberrechtsinhabers veröffentlicht wurde), kann das Werk ohne Zahlung von Gebühren oder Kosten in den Vereinigten Staaten kopiert und an jeden weitergegeben werden. Wenn Sie ein Werk neu verbreiten oder Zugang dazu gewähren und dabei den Zusatz „Project Gutenberg“ verwenden oder darauf anzeigen lassen, müssen Sie entweder den Anforderungen der Absätze 1.E.1 bis 1.E.7 entsprechen oder eine Genehmigung für die Nutzung des Werks sowie der Marke Project Gutenberg gemäß den Absätzen 1.E.8 oder 1.E.9 einholen.
1.E.3. Wenn ein einzelnes elektronisches Werk von Project Gutenberg mit Genehmigung des Urheberrechtsinhabers veröffentlicht wird, muss Ihre Nutzung und Verbreitung sowohl den Anforderungen der Absätze 1.E.1 bis 1.E.7 als auch allen zusätzlichen Bedingungen entsprechen, die vom Urheberrechtsinhaber gestellt werden. Zusätzliche Bedingungen sind im Project Gutenberg-Lizenztext für alle Werke enthalten, die mit Genehmigung des Urheberrechtsinhabers veröffentlicht wurden; dieser findet sich am Anfang dieses Werks.
1.E.4. Entfernen Sie die vollständigen Bedingungen der Project Gutenberg-Lizenz nicht aus diesem Werk oder aus irgendwelchen Dateien, die einen Teil dieses Werks oder ein anderes mit Project Gutenberg verbundenes Werk enthalten.
1.E.5. Kopieren, anzeigen, aufführen, verbreiten oder weiterverwenden Sie dieses elektronische Werk oder irgendeinen Teil davon nicht, ohne die in Absatz 1.E.1 genannte Formulierung deutlich anzugeben und aktive Links sowie direkten Zugang zu den vollständigen Bedingungen der Project Gutenberg-Lizenz bereitzustellen.
1.E.6. Sie dürfen dieses Werk in jede binäre, komprimierte, markierte, gemeinfrei oder urheberrechtlich geschützte Form umwandeln und verbreiten, einschließlich jeder Textverarbeitungs- oder Hypertextform. Wenn Sie jedoch Zugang zu Kopien eines Project-Gutenberg-Werks in einem Format außerhalb von „Plain Vanilla ASCII“ oder einem anderen im offiziellen Dokument verwendeten Format gewähren,
1.E.2. Wenn ein einzelnes elektronisches Werk von Project Gutenberg aus Texten stammt, die nicht durch das US-Urheberrecht geschützt sind (es enthält keine Angabe, dass es mit Genehmigung des Urheberrechtsinhabers veröffentlicht wurde), kann das Werk ohne Zahlung von Gebühren oder Kosten in den Vereinigten Staaten kopiert und an jeden weitergegeben werden. Wenn Sie ein Werk neu verbreiten oder Zugang dazu gewähren und dabei den Zusatz „Project Gutenberg“ verwenden oder darauf anzeigen lassen, müssen Sie entweder den Anforderungen der Absätze 1.E.1 bis 1.E.7 entsprechen oder eine Genehmigung für die Nutzung des Werks sowie der Marke Project Gutenberg gemäß den Absätzen 1.E.8 oder 1.E.9 einholen.
1.E.3. Wenn ein einzelnes elektronisches Werk von Project Gutenberg mit Genehmigung des Urheberrechtsinhabers veröffentlicht wird, muss Ihre Nutzung und Verbreitung sowohl den Anforderungen der Absätze 1.E.1 bis 1.E.7 als auch allen zusätzlichen Bedingungen entsprechen, die vom Urheberrechtsinhaber gestellt werden. Zusätzliche Bedingungen sind im Project Gutenberg-Lizenztext für alle Werke enthalten, die mit Genehmigung des Urheberrechtsinhabers veröffentlicht wurden; dieser findet sich am Anfang dieses Werks.
1.E.4. Entfernen Sie die vollständigen Bedingungen der Project Gutenberg-Lizenz nicht aus diesem Werk oder aus irgendwelchen Dateien, die einen Teil dieses Werks oder ein anderes mit Project Gutenberg verbundenes Werk enthalten.
1.E.5. Kopieren, anzeigen, aufführen, verbreiten oder weiterverwenden Sie dieses elektronische Werk oder irgendeinen Teil davon nicht, ohne die in Absatz 1.E.1 genannte Formulierung deutlich anzugeben und aktive Links sowie direkten Zugang zu den vollständigen Bedingungen der Project Gutenberg-Lizenz bereitzustellen.
1.E.6. Sie dürfen dieses Werk in jede binäre, komprimierte, markierte, gemeinfrei oder urheberrechtlich geschützte Form umwandeln und verbreiten, einschließlich jeder Textverarbeitungs- oder Hypertextform. Wenn Sie jedoch Zugang zu Kopien eines Project-Gutenberg-Werks in einem Format außerhalb von „Plain Vanilla ASCII“ oder einem anderen im offiziellen Dokument verwendeten Format gewähren,
Page 621
Die auf der offiziellen Website von Project Gutenberg (www.gutenberg.org) veröffentlichte Version muss dem Nutzer ohne zusätzliche Kosten, Gebühren oder Ausgaben eine Kopie des Werkes in seiner ursprünglichen „Plain Vanilla ASCII“-Form oder in einer anderen Form bereitstellen – entweder direkt oder als Möglichkeit zur Exportierung einer Kopie bzw. zur Erhaltung einer Kopie auf Anfrage. Jedes alternative Format muss außerdem die vollständige Project-Gutenberg-Lizenz enthalten, wie in Absatz 1.E.1 festgelegt.
1.E.7. Erheben Sie keine Gebühren für den Zugang zu, die Ansicht, die Darstellung, die Aufführung, das Kopieren oder die Verteilung von Werken von Project Gutenberg, es sei denn, Sie halten sich an Absatz 1.E.8 oder 1.E.9.
1.E.8. Sie dürfen eine angemessene Gebühr für Kopien sowie für den Zugang zu oder die Verteilung elektronischer Werke von Project Gutenberg erheben, vorausgesetzt:
• Sie zahlen eine Tantiemengebühr in Höhe von 20 % des Bruttogewinns, den Sie aus der Nutzung der Werke von Project Gutenberg erzielen, wobei die Berechnung nach der Methode erfolgt, die Sie bereits zur Berechnung Ihrer Steuern verwenden. Die Gebühr ist dem Inhaber der Project-Gutenberg-Marke geschuldet, doch dieser hat zugestimmt, die Tantiemen gemäß diesem Absatz der Project Gutenberg Literary Archive Foundation zu spenden. Die Tantiemenzahlungen müssen innerhalb von 60 Tagen nach jedem Datum geleistet werden, an dem Sie Ihre periodischen Steuererklärungen erstellen (oder gesetzlich dazu verpflichtet sind). Die Zahlungen müssen deutlich als solche gekennzeichnet sein und an die Project Gutenberg Literary Archive Foundation an die in Abschnitt 4 „Informationen zu Spenden an die Project Gutenberg Literary Archive Foundation“ angegebene Adresse gesendet werden.
• Sie leisten eine vollständige Rückerstattung aller vom Nutzer gezahlten Beträge, sofern dieser Ihnen schriftlich (oder per E-Mail) innerhalb von 30 Tagen nach Erhalt mitteilt, dass er den Bedingungen der vollständigen Project-Gutenberg™-Lizenz nicht zustimmt. Sie müssen von einem solchen Nutzer verlangen, dass er alle auf physischem Medium vorhandenen Kopien der Werke zurückgibt oder zerstört sowie jegliche weitere Nutzung und jeden Zugang zu weiteren Kopien der Werke von Project Gutenberg™ einstellt.
• Sie leisten gemäß Absatz 1.F.3 eine vollständige Rückerstattung aller für ein Werk oder eine Ersatzkopie gezahlten Beträge, falls innerhalb von 90 Tagen nach Erhalt des Werks ein Mangel festgestellt und Ihnen mitgeteilt wird.
1.E.7. Erheben Sie keine Gebühren für den Zugang zu, die Ansicht, die Darstellung, die Aufführung, das Kopieren oder die Verteilung von Werken von Project Gutenberg, es sei denn, Sie halten sich an Absatz 1.E.8 oder 1.E.9.
1.E.8. Sie dürfen eine angemessene Gebühr für Kopien sowie für den Zugang zu oder die Verteilung elektronischer Werke von Project Gutenberg erheben, vorausgesetzt:
• Sie zahlen eine Tantiemengebühr in Höhe von 20 % des Bruttogewinns, den Sie aus der Nutzung der Werke von Project Gutenberg erzielen, wobei die Berechnung nach der Methode erfolgt, die Sie bereits zur Berechnung Ihrer Steuern verwenden. Die Gebühr ist dem Inhaber der Project-Gutenberg-Marke geschuldet, doch dieser hat zugestimmt, die Tantiemen gemäß diesem Absatz der Project Gutenberg Literary Archive Foundation zu spenden. Die Tantiemenzahlungen müssen innerhalb von 60 Tagen nach jedem Datum geleistet werden, an dem Sie Ihre periodischen Steuererklärungen erstellen (oder gesetzlich dazu verpflichtet sind). Die Zahlungen müssen deutlich als solche gekennzeichnet sein und an die Project Gutenberg Literary Archive Foundation an die in Abschnitt 4 „Informationen zu Spenden an die Project Gutenberg Literary Archive Foundation“ angegebene Adresse gesendet werden.
• Sie leisten eine vollständige Rückerstattung aller vom Nutzer gezahlten Beträge, sofern dieser Ihnen schriftlich (oder per E-Mail) innerhalb von 30 Tagen nach Erhalt mitteilt, dass er den Bedingungen der vollständigen Project-Gutenberg™-Lizenz nicht zustimmt. Sie müssen von einem solchen Nutzer verlangen, dass er alle auf physischem Medium vorhandenen Kopien der Werke zurückgibt oder zerstört sowie jegliche weitere Nutzung und jeden Zugang zu weiteren Kopien der Werke von Project Gutenberg™ einstellt.
• Sie leisten gemäß Absatz 1.F.3 eine vollständige Rückerstattung aller für ein Werk oder eine Ersatzkopie gezahlten Beträge, falls innerhalb von 90 Tagen nach Erhalt des Werks ein Mangel festgestellt und Ihnen mitgeteilt wird.
Page 622
• Sie halten alle anderen Bedingungen dieser Vereinbarung für die kostenlose Verbreitung von Werken von Project Gutenberg™ ein.
1.E.9. Wenn Sie eine Gebühr erheben oder ein elektronisches Werk oder eine Gruppe von Werken von Project Gutenberg™ unter anderen Bedingungen als denen, die in dieser Vereinbarung festgelegt sind, verbreiten möchten, müssen Sie schriftliche Genehmigung von der Project Gutenberg Literary Archive Foundation erhalten, dem Betreiber der Marke Project Gutenberg™. Kontaktieren Sie die Stiftung gemäß Abschnitt 3 unten.
1.F.
1.F.1. Freiwillige und Mitarbeiter von Project Gutenberg investieren erhebliche Anstrengungen, um Werke, die nicht durch das US-Urheberrecht geschützt sind, ausfindig zu machen, urheberrechtlich zu prüfen, abzuschreiben und zu korrigieren, um so die Sammlung von Project Gutenberg™ zu erstellen. Trotz dieser Bemühungen können die elektronischen Werke von Project Gutenberg™ sowie die Medien, auf denen sie gespeichert sein können, „Mängel“ aufweisen – beispielsweise unvollständige, ungenaue oder beschädigte Daten, Transkriptionsfehler, Verstöße gegen Urheberrechte oder andere geistige Eigentumsrechte, defekte oder beschädigte Datenträger oder andere Medien, Computerviren oder Computercodes, die Ihre Ausrüstung beschädigen oder unlesbar machen.
1.F.2. EINGESCHRÄNKTER GEWÄHRLEISTUNGSAUFGABE, AUFSCHLUSS HAFTUNG FÜR SCHÄDEN – Abgesehen vom „Recht auf Ersatz oder Rückerstattung“, wie es in Absatz 1.F.3 beschrieben ist, lehnt die Project Gutenberg Literary Archive Foundation, der Inhaber der Marke Project Gutenberg™, sowie jede andere Partei, die ein elektronisches Werk von Project Gutenberg™ gemäß dieser Vereinbarung verbreitet, jegliche Haftung gegenüber Ihnen für Schäden, Kosten und Ausgaben, einschließlich Rechtskosten, ab. Sie stimmen zu, dass Sie keine Rechtsmittel gegen Fahrlässigkeit, strenge Haftung, Verletzung der Gewährleistung oder Vertragsverletzung haben, außer denen, die in Absatz 1.F.3 vorgesehen sind. Sie stimmen außerdem zu, dass die Stiftung, der Markeninhaber sowie alle Vertriebspartner gemäß dieser Vereinbarung nicht für tatsächliche, direkte, indirekte, Folgeschäden, strafende Schäden oder zufällige Schäden haftbar sind.
1.E.9. Wenn Sie eine Gebühr erheben oder ein elektronisches Werk oder eine Gruppe von Werken von Project Gutenberg™ unter anderen Bedingungen als denen, die in dieser Vereinbarung festgelegt sind, verbreiten möchten, müssen Sie schriftliche Genehmigung von der Project Gutenberg Literary Archive Foundation erhalten, dem Betreiber der Marke Project Gutenberg™. Kontaktieren Sie die Stiftung gemäß Abschnitt 3 unten.
1.F.
1.F.1. Freiwillige und Mitarbeiter von Project Gutenberg investieren erhebliche Anstrengungen, um Werke, die nicht durch das US-Urheberrecht geschützt sind, ausfindig zu machen, urheberrechtlich zu prüfen, abzuschreiben und zu korrigieren, um so die Sammlung von Project Gutenberg™ zu erstellen. Trotz dieser Bemühungen können die elektronischen Werke von Project Gutenberg™ sowie die Medien, auf denen sie gespeichert sein können, „Mängel“ aufweisen – beispielsweise unvollständige, ungenaue oder beschädigte Daten, Transkriptionsfehler, Verstöße gegen Urheberrechte oder andere geistige Eigentumsrechte, defekte oder beschädigte Datenträger oder andere Medien, Computerviren oder Computercodes, die Ihre Ausrüstung beschädigen oder unlesbar machen.
1.F.2. EINGESCHRÄNKTER GEWÄHRLEISTUNGSAUFGABE, AUFSCHLUSS HAFTUNG FÜR SCHÄDEN – Abgesehen vom „Recht auf Ersatz oder Rückerstattung“, wie es in Absatz 1.F.3 beschrieben ist, lehnt die Project Gutenberg Literary Archive Foundation, der Inhaber der Marke Project Gutenberg™, sowie jede andere Partei, die ein elektronisches Werk von Project Gutenberg™ gemäß dieser Vereinbarung verbreitet, jegliche Haftung gegenüber Ihnen für Schäden, Kosten und Ausgaben, einschließlich Rechtskosten, ab. Sie stimmen zu, dass Sie keine Rechtsmittel gegen Fahrlässigkeit, strenge Haftung, Verletzung der Gewährleistung oder Vertragsverletzung haben, außer denen, die in Absatz 1.F.3 vorgesehen sind. Sie stimmen außerdem zu, dass die Stiftung, der Markeninhaber sowie alle Vertriebspartner gemäß dieser Vereinbarung nicht für tatsächliche, direkte, indirekte, Folgeschäden, strafende Schäden oder zufällige Schäden haftbar sind.
Page 623
AUCH IRRGENDWIE, WENN SIE ÜBER DIE MÖGLICHKEIT SOLCHER SCHÄDEN BENACHRICHTIGEN.
1.F.3. BESCHRÄNKTES RECHT AUF ERSETZUNG ODER RÜCKGABE – Wenn Sie innerhalb von 90 Tagen nach Erhalt dieses elektronischen Werkes einen Mangel feststellen, können Sie den Betrag, den Sie dafür gezahlt haben (sofern vorhanden), zurückbekommen, indem Sie eine schriftliche Erklärung an die Person senden, von der Sie das Werk erhalten haben. Wenn Sie das Werk auf einem physischen Medium erhalten haben, müssen Sie dieses Medium zusammen mit Ihrer schriftlichen Erklärung zurücksenden. Die Person oder Einrichtung, die Ihnen das mangelhafte Werk zur Verfügung gestellt hat, kann sich entscheiden, anstelle einer Rückerstattung ein Ersatzexemplar bereitzustellen. Wenn Sie das Werk elektronisch erhalten haben, kann die Person oder Einrichtung, die es Ihnen zur Verfügung stellt, sich entscheiden, Ihnen eine weitere Gelegenheit zu geben, das Werk elektronisch zu erhalten, anstelle einer Rückerstattung. Falls auch das zweite Exemplar mangelhaft ist, können Sie schriftlich eine Rückerstattung verlangen, ohne weitere Möglichkeiten zur Behebung des Problems.
1.F.4. Abgesehen vom in Absatz 1.F.3 genannten beschränkten Recht auf Ersetzung oder Rückerstattung wird dieses Werk „SO WIE ES IST“ ohne weitere Gewährleistungen jeglicher Art, weder ausdrücklich noch stillschweigend, einschließlich, aber nicht beschränkt auf Gewährleistungen der Marktgängigkeit oder Eignung für einen bestimmten Zweck, bereitgestellt.
1.F.5. In einigen Bundesstaaten ist es nicht zulässig, bestimmte stillschweigende Gewährleistungen auszuschließen oder bestimmte Arten von Schäden einzuschränken. Falls eine in dieser Vereinbarung enthaltene Ausschlussklausel oder Beschränkung gegen das Recht des auf diese Vereinbarung anwendbaren Bundesstaates verstößt, soll die Vereinbarung so interpretiert werden, dass die maximale Ausschlussklausel oder Beschränkung, die durch das geltende Staatsrecht erlaubt ist, gewährt wird. Die Ungültigkeit oder Unanwendbarkeit irgendeiner Bestimmung dieser Vereinbarung führt nicht dazu, dass die übrigen Bestimmungen ungültig werden.
1.F.6. HAFTUNGSBESCHRÄNKUNG – Sie vereinbaren, die Foundation, den Markeninhaber, alle Agenten oder Angestellten der Foundation, alle Personen, die elektronische Werke von Project Gutenberg™ gemäß dieser Vereinbarung bereitstellen, sowie alle Freiwilligen, die an der Erstellung, Förderung und Verbreitung elektronischer Werke von Project Gutenberg™ beteiligt sind, vor allen Haftungen, Kosten und Ausgaben – einschließlich Anwaltskosten – zu schützen, die direkt oder indirekt aus etwas entstehen, was Sie tun oder zu dem Sie Anlass geben: (a)
1.F.3. BESCHRÄNKTES RECHT AUF ERSETZUNG ODER RÜCKGABE – Wenn Sie innerhalb von 90 Tagen nach Erhalt dieses elektronischen Werkes einen Mangel feststellen, können Sie den Betrag, den Sie dafür gezahlt haben (sofern vorhanden), zurückbekommen, indem Sie eine schriftliche Erklärung an die Person senden, von der Sie das Werk erhalten haben. Wenn Sie das Werk auf einem physischen Medium erhalten haben, müssen Sie dieses Medium zusammen mit Ihrer schriftlichen Erklärung zurücksenden. Die Person oder Einrichtung, die Ihnen das mangelhafte Werk zur Verfügung gestellt hat, kann sich entscheiden, anstelle einer Rückerstattung ein Ersatzexemplar bereitzustellen. Wenn Sie das Werk elektronisch erhalten haben, kann die Person oder Einrichtung, die es Ihnen zur Verfügung stellt, sich entscheiden, Ihnen eine weitere Gelegenheit zu geben, das Werk elektronisch zu erhalten, anstelle einer Rückerstattung. Falls auch das zweite Exemplar mangelhaft ist, können Sie schriftlich eine Rückerstattung verlangen, ohne weitere Möglichkeiten zur Behebung des Problems.
1.F.4. Abgesehen vom in Absatz 1.F.3 genannten beschränkten Recht auf Ersetzung oder Rückerstattung wird dieses Werk „SO WIE ES IST“ ohne weitere Gewährleistungen jeglicher Art, weder ausdrücklich noch stillschweigend, einschließlich, aber nicht beschränkt auf Gewährleistungen der Marktgängigkeit oder Eignung für einen bestimmten Zweck, bereitgestellt.
1.F.5. In einigen Bundesstaaten ist es nicht zulässig, bestimmte stillschweigende Gewährleistungen auszuschließen oder bestimmte Arten von Schäden einzuschränken. Falls eine in dieser Vereinbarung enthaltene Ausschlussklausel oder Beschränkung gegen das Recht des auf diese Vereinbarung anwendbaren Bundesstaates verstößt, soll die Vereinbarung so interpretiert werden, dass die maximale Ausschlussklausel oder Beschränkung, die durch das geltende Staatsrecht erlaubt ist, gewährt wird. Die Ungültigkeit oder Unanwendbarkeit irgendeiner Bestimmung dieser Vereinbarung führt nicht dazu, dass die übrigen Bestimmungen ungültig werden.
1.F.6. HAFTUNGSBESCHRÄNKUNG – Sie vereinbaren, die Foundation, den Markeninhaber, alle Agenten oder Angestellten der Foundation, alle Personen, die elektronische Werke von Project Gutenberg™ gemäß dieser Vereinbarung bereitstellen, sowie alle Freiwilligen, die an der Erstellung, Förderung und Verbreitung elektronischer Werke von Project Gutenberg™ beteiligt sind, vor allen Haftungen, Kosten und Ausgaben – einschließlich Anwaltskosten – zu schützen, die direkt oder indirekt aus etwas entstehen, was Sie tun oder zu dem Sie Anlass geben: (a)
Page 624
(a) die Verteilung dieses oder eines beliebigen Werkes von Project Gutenberg, (b) Änderungen, Modifikationen sowie Ergänzungen oder Löschungen an einem Werk von Project Gutenberg und (c) alle Mängel, die Sie verursachen.
Abschnitt 2. Informationen zur Mission von Project Gutenberg
Project Gutenberg steht für die freie Verteilung elektronischer Werke in Formaten, die von der breitesten Palette an Computern gelesen werden können – einschließlich veralteter, alter, mittelalterlicher sowie neuer Computer. Es existiert dank der Bemühungen von Hunderten von Freiwilligen sowie Spenden von Menschen aus allen Gesellschaftsschichten.
Freiwillige sowie finanzielle Unterstützung, um den Freiwilligen die benötigte Hilfe zu bieten, sind entscheidend, um die Ziele von Project Gutenberg zu erreichen und sicherzustellen, dass die Sammlung von Project Gutenberg auch zukünftigen Generationen weiterhin frei zugänglich bleibt. Im Jahr 2001 wurde die Project Gutenberg Literary Archive Foundation gegründet, um Project Gutenberg sowie zukünftigen Generationen eine sichere und dauerhafte Zukunft zu bieten. Weitere Informationen über die Project Gutenberg Literary Archive Foundation sowie darüber, wie Ihre Bemühungen und Spenden helfen können, finden Sie in den Abschnitten 3 und 4 sowie auf der Informationsseite der Stiftung unter www.gutenberg.org.
Abschnitt 3. Informationen über die Project Gutenberg Literary Archive Foundation
Die Project Gutenberg Literary Archive Foundation ist eine gemeinnützige Bildungseinrichtung nach dem Typ 501(c)(3), die nach den Gesetzen des Bundesstaates Mississippi organisiert ist und vom Internal Revenue Service als steuerbefreit anerkannt wurde. Die EIN, also die bundesweite Steuernummer der Stiftung, lautet 64-6221541. Spenden an die Project Gutenberg Literary Archive Foundation sind in dem Umfang steuerabzugsfähig, wie es die US-amerikanischen Bundesgesetze sowie die Gesetze Ihres Bundesstaates erlauben.
Der Geschäftssitz der Stiftung befindet sich bei 41 Watchung Plaza #516, Montclair NJ 07042, USA, Telefon: +1 (862) 621-9288. E-Mail-Kontakt:
Abschnitt 2. Informationen zur Mission von Project Gutenberg
Project Gutenberg steht für die freie Verteilung elektronischer Werke in Formaten, die von der breitesten Palette an Computern gelesen werden können – einschließlich veralteter, alter, mittelalterlicher sowie neuer Computer. Es existiert dank der Bemühungen von Hunderten von Freiwilligen sowie Spenden von Menschen aus allen Gesellschaftsschichten.
Freiwillige sowie finanzielle Unterstützung, um den Freiwilligen die benötigte Hilfe zu bieten, sind entscheidend, um die Ziele von Project Gutenberg zu erreichen und sicherzustellen, dass die Sammlung von Project Gutenberg auch zukünftigen Generationen weiterhin frei zugänglich bleibt. Im Jahr 2001 wurde die Project Gutenberg Literary Archive Foundation gegründet, um Project Gutenberg sowie zukünftigen Generationen eine sichere und dauerhafte Zukunft zu bieten. Weitere Informationen über die Project Gutenberg Literary Archive Foundation sowie darüber, wie Ihre Bemühungen und Spenden helfen können, finden Sie in den Abschnitten 3 und 4 sowie auf der Informationsseite der Stiftung unter www.gutenberg.org.
Abschnitt 3. Informationen über die Project Gutenberg Literary Archive Foundation
Die Project Gutenberg Literary Archive Foundation ist eine gemeinnützige Bildungseinrichtung nach dem Typ 501(c)(3), die nach den Gesetzen des Bundesstaates Mississippi organisiert ist und vom Internal Revenue Service als steuerbefreit anerkannt wurde. Die EIN, also die bundesweite Steuernummer der Stiftung, lautet 64-6221541. Spenden an die Project Gutenberg Literary Archive Foundation sind in dem Umfang steuerabzugsfähig, wie es die US-amerikanischen Bundesgesetze sowie die Gesetze Ihres Bundesstaates erlauben.
Der Geschäftssitz der Stiftung befindet sich bei 41 Watchung Plaza #516, Montclair NJ 07042, USA, Telefon: +1 (862) 621-9288. E-Mail-Kontakt:
Page 625
Aktuelle Kontaktdaten finden Sie auf der Website der Stiftung sowie auf der offiziellen Seite unter www.gutenberg.org/contact.
**Abschnitt 4: Informationen zu Spenden für das Projekt**
**Gutenberg Literary Archive Foundation**
Das Projekt Gutenberg™ ist von umfassender Unterstützung durch die Öffentlichkeit sowie von Spenden abhängig – ohne diese kann es seine Mission nicht erfüllen, die Anzahl der Werke im öffentlichen Bereich sowie lizenzierten Werke zu erhöhen, die in maschinenlesbarer Form frei verteilt werden können und somit für eine breite Palette von Geräten, einschließlich veralteter Geräte, zugänglich sind. Viele kleine Spenden (von 1 bis 5.000 Dollar) sind besonders wichtig, um den steuerfreien Status beim IRS beizubehalten.
Die Stiftung ist bestrebt, den Gesetzen zur Regulierung von Wohltätigkeitsorganisationen und Spenden in allen 50 Bundesstaaten der Vereinigten Staaten zu entsprechen. Die Anforderungen an die Einhaltung dieser Gesetze sind jedoch nicht einheitlich, und es erfordert erhebliche Anstrengungen, viel Papierkram sowie zahlreiche Gebühren, um diesen Anforderungen nachzukommen. Wir bitten nicht um Spenden aus Gebieten, aus denen wir keine schriftliche Bestätigung der Einhaltung der Vorschriften erhalten haben. Um Spenden zu senden oder den Status der Einhaltung der Vorschriften für einen bestimmten Bundesstaat zu überprüfen, besuchen Sie bitte www.gutenberg.org/donate.
Obwohl wir nicht und werden auch keine Spenden aus Gebieten annehmen, in denen wir die entsprechenden Anforderungen noch nicht erfüllt haben, kennen wir keine Verbote gegen die Annahme unverlangter Spenden von Spendern aus solchen Gebieten, die uns mit Spendenangeboten kontaktieren.
Internationale Spenden werden gerne entgegengenommen, doch wir können keine Aussagen zum steuerlichen Umgang mit Spenden aus dem Ausland machen. Allein die US-Gesetze überlasten bereits unser kleines Personal.
Bitte prüfen Sie die Webseiten von Project Gutenberg, um aktuelle Methoden und Adressen für Spenden zu erfahren. Spenden können auch auf verschiedene andere Weise geleistet werden – beispielsweise per Scheck, Online-Zahlung oder Kreditkarte. Um zu spenden, besuchen Sie bitte: www.gutenberg.org/donate.
**Abschnitt 4: Informationen zu Spenden für das Projekt**
**Gutenberg Literary Archive Foundation**
Das Projekt Gutenberg™ ist von umfassender Unterstützung durch die Öffentlichkeit sowie von Spenden abhängig – ohne diese kann es seine Mission nicht erfüllen, die Anzahl der Werke im öffentlichen Bereich sowie lizenzierten Werke zu erhöhen, die in maschinenlesbarer Form frei verteilt werden können und somit für eine breite Palette von Geräten, einschließlich veralteter Geräte, zugänglich sind. Viele kleine Spenden (von 1 bis 5.000 Dollar) sind besonders wichtig, um den steuerfreien Status beim IRS beizubehalten.
Die Stiftung ist bestrebt, den Gesetzen zur Regulierung von Wohltätigkeitsorganisationen und Spenden in allen 50 Bundesstaaten der Vereinigten Staaten zu entsprechen. Die Anforderungen an die Einhaltung dieser Gesetze sind jedoch nicht einheitlich, und es erfordert erhebliche Anstrengungen, viel Papierkram sowie zahlreiche Gebühren, um diesen Anforderungen nachzukommen. Wir bitten nicht um Spenden aus Gebieten, aus denen wir keine schriftliche Bestätigung der Einhaltung der Vorschriften erhalten haben. Um Spenden zu senden oder den Status der Einhaltung der Vorschriften für einen bestimmten Bundesstaat zu überprüfen, besuchen Sie bitte www.gutenberg.org/donate.
Obwohl wir nicht und werden auch keine Spenden aus Gebieten annehmen, in denen wir die entsprechenden Anforderungen noch nicht erfüllt haben, kennen wir keine Verbote gegen die Annahme unverlangter Spenden von Spendern aus solchen Gebieten, die uns mit Spendenangeboten kontaktieren.
Internationale Spenden werden gerne entgegengenommen, doch wir können keine Aussagen zum steuerlichen Umgang mit Spenden aus dem Ausland machen. Allein die US-Gesetze überlasten bereits unser kleines Personal.
Bitte prüfen Sie die Webseiten von Project Gutenberg, um aktuelle Methoden und Adressen für Spenden zu erfahren. Spenden können auch auf verschiedene andere Weise geleistet werden – beispielsweise per Scheck, Online-Zahlung oder Kreditkarte. Um zu spenden, besuchen Sie bitte: www.gutenberg.org/donate.
Page 626
Abschnitt 5: Allgemeine Informationen über Project Gutenberg
Elektronische Werke
Professor Michael S. Hart war der Begründer des Konzepts von Project Gutenberg – einer Bibliothek mit elektronischen Werken, die frei mit jedem geteilt werden können. Über vierzig Jahre lang erstellte und verteilte er Project-Gutenberg-E-Books mit Hilfe eines nur schwach ausgeprägten Netzwerks aus Freiwilligen.
Project-Gutenberg-E-Books entstehen oft aus mehreren gedruckten Ausgaben, wobei alle davon als nicht urheberrechtlich geschützt gelten, sofern keine Urheberrechtsangabe enthalten ist. Daher halten wir die E-Books nicht unbedingt in Übereinstimmung mit einer bestimmten gedruckten Ausgabe.
Die meisten Menschen beginnen auf unserer Website, die über die Hauptsuchfunktion für Project Gutenberg verfügt: www.gutenberg.org.
Auf dieser Website finden Sie Informationen über Project Gutenberg – darunter auch Anleitungen dazu, wie man der Project Gutenberg Literary Archive Foundation Spenden zukommen lässt, wie man bei der Erstellung neuer E-Books hilft sowie wie man sich für unseren E-Mail-Newsletter anmelden kann, um über neue E-Books informiert zu werden.
Elektronische Werke
Professor Michael S. Hart war der Begründer des Konzepts von Project Gutenberg – einer Bibliothek mit elektronischen Werken, die frei mit jedem geteilt werden können. Über vierzig Jahre lang erstellte und verteilte er Project-Gutenberg-E-Books mit Hilfe eines nur schwach ausgeprägten Netzwerks aus Freiwilligen.
Project-Gutenberg-E-Books entstehen oft aus mehreren gedruckten Ausgaben, wobei alle davon als nicht urheberrechtlich geschützt gelten, sofern keine Urheberrechtsangabe enthalten ist. Daher halten wir die E-Books nicht unbedingt in Übereinstimmung mit einer bestimmten gedruckten Ausgabe.
Die meisten Menschen beginnen auf unserer Website, die über die Hauptsuchfunktion für Project Gutenberg verfügt: www.gutenberg.org.
Auf dieser Website finden Sie Informationen über Project Gutenberg – darunter auch Anleitungen dazu, wie man der Project Gutenberg Literary Archive Foundation Spenden zukommen lässt, wie man bei der Erstellung neuer E-Books hilft sowie wie man sich für unseren E-Mail-Newsletter anmelden kann, um über neue E-Books informiert zu werden.