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Das Project-Gutenberg-E-Book „Um die Welt in achtzig Tagen“
Dieses E-Book kann von jedem, überall in den Vereinigten Staaten und in den meisten anderen Teilen der Welt, kostenlos und ohne nennenswerte Einschränkungen genutzt werden. Sie dürfen es unter den Bedingungen der mit diesem E-Book verbundenen Project-Gutenberg-Lizenz oder online unter www.gutenberg.org kopieren, weitergeben oder erneut verwenden. Wenn Sie sich nicht in den Vereinigten Staaten befinden, müssen Sie vor der Nutzung dieses E-Books die Gesetze des Landes prüfen, in dem Sie sich aufhalten.
Titel: Um die Welt in achtzig Tagen
Autor: Jules Verne
Übersetzer: George M. Towle
Erscheinungsdatum: 1. Januar 1994 [E-Book #103]
Zuletzt aktualisiert: 29. Oktober 2024
Sprache: Englisch
Weitere Informationen und Formate: www.gutenberg.org/ebooks/103
*** ANFANG DES PROJECT-GUTENBERG-EBUCHS „UM DIE WELT IN ACHTZIG TAGE“ ***
Dieses E-Book kann von jedem, überall in den Vereinigten Staaten und in den meisten anderen Teilen der Welt, kostenlos und ohne nennenswerte Einschränkungen genutzt werden. Sie dürfen es unter den Bedingungen der mit diesem E-Book verbundenen Project-Gutenberg-Lizenz oder online unter www.gutenberg.org kopieren, weitergeben oder erneut verwenden. Wenn Sie sich nicht in den Vereinigten Staaten befinden, müssen Sie vor der Nutzung dieses E-Books die Gesetze des Landes prüfen, in dem Sie sich aufhalten.
Titel: Um die Welt in achtzig Tagen
Autor: Jules Verne
Übersetzer: George M. Towle
Erscheinungsdatum: 1. Januar 1994 [E-Book #103]
Zuletzt aktualisiert: 29. Oktober 2024
Sprache: Englisch
Weitere Informationen und Formate: www.gutenberg.org/ebooks/103
*** ANFANG DES PROJECT-GUTENBERG-EBUCHS „UM DIE WELT IN ACHTZIG TAGE“ ***
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Um die Welt in achtzig Tagen
von Jules Verne
von Jules Verne
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Inhalt
KAPITEL I. In dem Phileas Fogg und Passpartout einander annehmen – der eine als Herr, der andere als Diener
KAPITEL II. In dem Passpartout überzeugt ist, endlich sein Ideal gefunden zu haben
KAPITEL III. In dem ein Gespräch stattfindet, das Phileas Fogg wohl teuer zu stehen kommen wird
KAPITEL IV. In dem Phileas Fogg seinen Diener Passpartout verblüfft
KAPITEL V. In dem eine neue Art von Zahlungsmittel auftaucht, die den Reichen unbekannt ist
KAPITEL VI. In dem der Detektiv Fix eine sehr natürliche Ungeduld zeigt
KAPITEL VII. In dem erneut gezeigt wird, wie nutzlos Pässe als Hilfsmittel für Detektive sind
KAPITEL VIII. In dem Passpartout vielleicht etwas zu viel redet
KAPITEL IX. In dem das Rote Meer und der Indische Ozean den Plänen Phileas Fogg zugutekommen
KAPITEL X. In dem Passpartout nur allzu froh darüber ist, mit dem Verlust seiner Schuhe auszukommen
KAPITEL XI. In dem Phileas Fogg ein seltsames Transportmittel zu einem fantastischen Preis erhält
KAPITEL XII. In dem Phileas Fogg und seine Begleiter sich in die indischen Wälder begeben – und was daraus folgt
KAPITEL XIII. In dem Passpartout einen weiteren Beweis dafür erhält, dass das Glück den Mutigen hold ist
KAPITEL I. In dem Phileas Fogg und Passpartout einander annehmen – der eine als Herr, der andere als Diener
KAPITEL II. In dem Passpartout überzeugt ist, endlich sein Ideal gefunden zu haben
KAPITEL III. In dem ein Gespräch stattfindet, das Phileas Fogg wohl teuer zu stehen kommen wird
KAPITEL IV. In dem Phileas Fogg seinen Diener Passpartout verblüfft
KAPITEL V. In dem eine neue Art von Zahlungsmittel auftaucht, die den Reichen unbekannt ist
KAPITEL VI. In dem der Detektiv Fix eine sehr natürliche Ungeduld zeigt
KAPITEL VII. In dem erneut gezeigt wird, wie nutzlos Pässe als Hilfsmittel für Detektive sind
KAPITEL VIII. In dem Passpartout vielleicht etwas zu viel redet
KAPITEL IX. In dem das Rote Meer und der Indische Ozean den Plänen Phileas Fogg zugutekommen
KAPITEL X. In dem Passpartout nur allzu froh darüber ist, mit dem Verlust seiner Schuhe auszukommen
KAPITEL XI. In dem Phileas Fogg ein seltsames Transportmittel zu einem fantastischen Preis erhält
KAPITEL XII. In dem Phileas Fogg und seine Begleiter sich in die indischen Wälder begeben – und was daraus folgt
KAPITEL XIII. In dem Passpartout einen weiteren Beweis dafür erhält, dass das Glück den Mutigen hold ist
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KAPITEL XIV. IN DEM PHILEAS FOGG DIE GANZE LÄNGE DES SCHÖNEN TALS DES GANGES HERABFÄHRT, OHNE JEMALS DARAN ZU DENKEN, ES ZU SEHEN
KAPITEL XV. IN DEM DIE BRIEFBUTTE NOCH ETWA EINIGE TAUSEND PFUND ZU FÜRSEN HAT
KAPITEL XVI. IN DEM FIX OFFENSICHTLICH KEINE AHNUNG HAT, WAS IHN GESAGT WIRD
KAPITEL XVII. WIE ES WURDE, WÄHREND DER REISE VON SINGAPUR NACH HONGKONG
KAPITEL XVIII. IN DEM PHILEAS FOGG, PASSEPARTOUT UND FIX JEDER SEINEN WEGE GEHT
KAPITEL XIX. IN DEM PASSEPARTOUT EIN ZU GRÖSSES INTERESSE AN SEINEM MEISTER ENTWICKELT – UND WAS DARAUS ENTSTEHT
KAPITEL XX. IN DEM FIX GEGENÜBER PHILEAS FOGG STAND
KAPITEL XXI. IN DEM DER EIGENTÜMER DES „TANKADERE“ EIN ENORMES RISIKO EINGEHET, DIE PRÄMIER VON ZWEIHUNDERT PFUND ZU VERLIEREN
KAPITEL XXII. IN DEM PASSEPARTOUT ERFAHRT, DASS MAN SELBST AM ANTIPODEN AM BESTEN ETWAS GELD IN DER TASCHE HAT
KAPITEL XXIII. IN DEM PASSEPARTOUTS NASE UNGLAUBLICH LANG WIRD
KAPITEL XXIV. WÄHREND DEM HERR FOGG UND SEINE GESELLSCHAFT DEN PAZIFISCHEN OZEAN ÜBERQUEREN
KAPITEL XXV. IN DEM EIN KURZER BLICK AUF SAN FRANCISCO ERHALTEN WIRD
KAPITEL XXVI. IN DEM PHILEAS FOGG UND SEINE GESELLSCHAFT MIT DER PAZIFISCHEN EISEBAHN REISEN
KAPITEL XXVII. IN DEM PASSEPARTOUT MIT EINER GESCHWINDIGKEIT VON ZWANZIG MEILEN PRO STUNDE EINE KURSUS IN MORMON-GESCHICHTE MITMACHT
KAPITEL XXVIII. IN DEM PASSEPARTOUT ES NICHT SCHAFFT, JEMANDEN ZU BEWEGEN, AUF LOGIK ZU HÖREN
KAPITEL XV. IN DEM DIE BRIEFBUTTE NOCH ETWA EINIGE TAUSEND PFUND ZU FÜRSEN HAT
KAPITEL XVI. IN DEM FIX OFFENSICHTLICH KEINE AHNUNG HAT, WAS IHN GESAGT WIRD
KAPITEL XVII. WIE ES WURDE, WÄHREND DER REISE VON SINGAPUR NACH HONGKONG
KAPITEL XVIII. IN DEM PHILEAS FOGG, PASSEPARTOUT UND FIX JEDER SEINEN WEGE GEHT
KAPITEL XIX. IN DEM PASSEPARTOUT EIN ZU GRÖSSES INTERESSE AN SEINEM MEISTER ENTWICKELT – UND WAS DARAUS ENTSTEHT
KAPITEL XX. IN DEM FIX GEGENÜBER PHILEAS FOGG STAND
KAPITEL XXI. IN DEM DER EIGENTÜMER DES „TANKADERE“ EIN ENORMES RISIKO EINGEHET, DIE PRÄMIER VON ZWEIHUNDERT PFUND ZU VERLIEREN
KAPITEL XXII. IN DEM PASSEPARTOUT ERFAHRT, DASS MAN SELBST AM ANTIPODEN AM BESTEN ETWAS GELD IN DER TASCHE HAT
KAPITEL XXIII. IN DEM PASSEPARTOUTS NASE UNGLAUBLICH LANG WIRD
KAPITEL XXIV. WÄHREND DEM HERR FOGG UND SEINE GESELLSCHAFT DEN PAZIFISCHEN OZEAN ÜBERQUEREN
KAPITEL XXV. IN DEM EIN KURZER BLICK AUF SAN FRANCISCO ERHALTEN WIRD
KAPITEL XXVI. IN DEM PHILEAS FOGG UND SEINE GESELLSCHAFT MIT DER PAZIFISCHEN EISEBAHN REISEN
KAPITEL XXVII. IN DEM PASSEPARTOUT MIT EINER GESCHWINDIGKEIT VON ZWANZIG MEILEN PRO STUNDE EINE KURSUS IN MORMON-GESCHICHTE MITMACHT
KAPITEL XXVIII. IN DEM PASSEPARTOUT ES NICHT SCHAFFT, JEMANDEN ZU BEWEGEN, AUF LOGIK ZU HÖREN
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KAPITEL XXIX. IN DEM BESTIMMTE EREIGNISSE ERZÄHLT WERDEN,
DIE NUR AUF AMERIKANISCHEN EISENBAHNEN VORKOMMEN
KAPITEL XXX. IN DEM PHILEAS FOGG EINFACH SEINE PFLICHT ERFÜLLT
KAPITEL XXXI. IN DEM FIX, DER DETEKTIV, DIE INTERESSEN VON PHILEAS FOGG ERHEBlich FÖRDERT
KAPITEL XXXII. IN DEM PHILEAS FOGG EINEN EINEN STRITT MIT DEM ÜBELN GLÜCK FÜHRT
KAPITEL XXXIII. IN DEM PHILEAS FOGG SICH ALS GLEICHWERTIG MIT DER LAGE ERWEIST
KAPITEL XXXIV. IN DEM PHILEAS FOGG SCHLIESSLICH LONDON ERREICHT
KAPITEL XXXV. IN DEM PHILEAS FOGG SEINE ANWEISUNGEN FÜR PASSÉPARTOUT NICHT ZWEIMAL WIEDERHOLEN MUSS
KAPITEL XXXVI. IN DEM DER NAME VON PHILEAS FOGG NOCHMAL FÜR EIN PRÄMIUM GEBOTEN WIRD
KAPITEL XXXVII. IN DEM GEZEIGT WIRD, DASS PHILEAS FOGG VON SEINER WELTREISE NICHTS ERHALTEN HAT, AUSSER GLÜCK
DIE NUR AUF AMERIKANISCHEN EISENBAHNEN VORKOMMEN
KAPITEL XXX. IN DEM PHILEAS FOGG EINFACH SEINE PFLICHT ERFÜLLT
KAPITEL XXXI. IN DEM FIX, DER DETEKTIV, DIE INTERESSEN VON PHILEAS FOGG ERHEBlich FÖRDERT
KAPITEL XXXII. IN DEM PHILEAS FOGG EINEN EINEN STRITT MIT DEM ÜBELN GLÜCK FÜHRT
KAPITEL XXXIII. IN DEM PHILEAS FOGG SICH ALS GLEICHWERTIG MIT DER LAGE ERWEIST
KAPITEL XXXIV. IN DEM PHILEAS FOGG SCHLIESSLICH LONDON ERREICHT
KAPITEL XXXV. IN DEM PHILEAS FOGG SEINE ANWEISUNGEN FÜR PASSÉPARTOUT NICHT ZWEIMAL WIEDERHOLEN MUSS
KAPITEL XXXVI. IN DEM DER NAME VON PHILEAS FOGG NOCHMAL FÜR EIN PRÄMIUM GEBOTEN WIRD
KAPITEL XXXVII. IN DEM GEZEIGT WIRD, DASS PHILEAS FOGG VON SEINER WELTREISE NICHTS ERHALTEN HAT, AUSSER GLÜCK
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KAPITEL I.
In dem Phileas Fogg und Passepartout einander akzeptieren – der eine als Herr, der andere als Mensch.
Im Jahr 1872 wohnte Herr Phileas Fogg unter der Nummer 7 in Saville Row, Burlington Gardens – im Haus, in dem Sheridan im Jahr 1814 starb. Er gehörte zu den bemerkenswertesten Mitgliedern des Reform Clubs, obwohl er stets versuchte, Aufmerksamkeit zu vermeiden. Er war eine rätselhafte Persönlichkeit, über die nur wenig bekannt war – außer dass er ein weltgewandter Mann war. Die Leute sagten, er ähnele Byron – zumindest sei sein Kopf byronhaft; doch er war ein bärtiger, ruhiger Byron, der tausend Jahre lang alt bleiben könnte, ohne zu altern. Sicherlich war er Engländer – doch ob Phileas Fogg Einwohner Londons war, blieb fraglich. Man sah ihn nie auf dem Finanzmarkt, auch nicht in den Bankräumen der „City“; keine Schiffe, deren Eigentümer er gewesen wäre, legten in den Londoner Häfen an; er hatte keinen öffentlichen Beruf; er wurde niemals in irgendeinem der Rechtsinstitute – sei es das Temple, Lincoln’s Inn oder Gray’s Inn – eingetragen; auch seine Stimme hallte niemals im Gerichtshof der Chancery, im Finanzministerium, am Königlichen Gerichtshof oder in den kirchlichen Gerichten wider. Er war sicherlich kein Industrieller – noch Händler oder Gutsbesitzer. Sein Name war den wissenschaftlichen und gelehrten Gesellschaften unbekannt, und es wurde nie berichtet, dass er an den weisen Beratungen der Royal Institution oder der London Institution, der Handwerkerschaft oder der Institution für Kunst und Wissenschaft teilgenommen hätte. Tatsächlich gehörte er keiner der zahlreichen Gesellschaften an, die in der englischen Hauptstadt existierten – von den Harmoniekreisen bis hin zu denen der Entomologen, die hauptsächlich mit dem Ziel gegründet wurden, schädliche Insekten auszurotten.
Phileas Fogg war Mitglied des Reform Clubs – und das war’s.
In dem Phileas Fogg und Passepartout einander akzeptieren – der eine als Herr, der andere als Mensch.
Im Jahr 1872 wohnte Herr Phileas Fogg unter der Nummer 7 in Saville Row, Burlington Gardens – im Haus, in dem Sheridan im Jahr 1814 starb. Er gehörte zu den bemerkenswertesten Mitgliedern des Reform Clubs, obwohl er stets versuchte, Aufmerksamkeit zu vermeiden. Er war eine rätselhafte Persönlichkeit, über die nur wenig bekannt war – außer dass er ein weltgewandter Mann war. Die Leute sagten, er ähnele Byron – zumindest sei sein Kopf byronhaft; doch er war ein bärtiger, ruhiger Byron, der tausend Jahre lang alt bleiben könnte, ohne zu altern. Sicherlich war er Engländer – doch ob Phileas Fogg Einwohner Londons war, blieb fraglich. Man sah ihn nie auf dem Finanzmarkt, auch nicht in den Bankräumen der „City“; keine Schiffe, deren Eigentümer er gewesen wäre, legten in den Londoner Häfen an; er hatte keinen öffentlichen Beruf; er wurde niemals in irgendeinem der Rechtsinstitute – sei es das Temple, Lincoln’s Inn oder Gray’s Inn – eingetragen; auch seine Stimme hallte niemals im Gerichtshof der Chancery, im Finanzministerium, am Königlichen Gerichtshof oder in den kirchlichen Gerichten wider. Er war sicherlich kein Industrieller – noch Händler oder Gutsbesitzer. Sein Name war den wissenschaftlichen und gelehrten Gesellschaften unbekannt, und es wurde nie berichtet, dass er an den weisen Beratungen der Royal Institution oder der London Institution, der Handwerkerschaft oder der Institution für Kunst und Wissenschaft teilgenommen hätte. Tatsächlich gehörte er keiner der zahlreichen Gesellschaften an, die in der englischen Hauptstadt existierten – von den Harmoniekreisen bis hin zu denen der Entomologen, die hauptsächlich mit dem Ziel gegründet wurden, schädliche Insekten auszurotten.
Phileas Fogg war Mitglied des Reform Clubs – und das war’s.
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Die Art und Weise, wie er Zutritt zu diesem exklusiven Club erhielt, war durchaus einfach. Er wurde von den Barings empfohlen, mit denen er ein offenes Kreditverhältnis hatte. Seine Schecks wurden regelmäßig auf Rechnung aus seinem Girokonto ausgezahlt – dieses Konto war stets gut gefüllt. War Phileas Fogg reich? Zweifellos. Doch diejenigen, die ihn am besten kannten, konnten sich nicht vorstellen, wie er seinen Reichtum erworben hatte. Herr Fogg war außerdem die letzte Person, an die man sich um Informationen wenden konnte. Er war weder verschwenderisch noch, im Gegenteil, gierig; denn immer dann, wenn er erkannte, dass Geld für einen edlen, nützlichen oder wohltätigen Zweck benötigt wurde, stellte er es stillschweigend – manchmal sogar anonym – zur Verfügung. Kurz gesagt: Er war der zurückhaltendste Mensch überhaupt. Er sprach sehr wenig und wirkte durch sein schweigsames Verhalten umso geheimnisvoller. Seine täglichen Gewohnheiten waren leicht beobachtbar – doch alles, was er tat, war genau das Gleiche wie immer zuvor, sodass die Neugierigen völlig ratlos waren. Hatte er gereist? Wahrscheinlich, denn niemand schien die Welt besser zu kennen; es gab keinen abgelegenen Ort, mit dem er nicht vertraut zu sein schien. Oft korrigierte er mit wenigen klaren Worten die zahlreichen Vermutungen der Clubmitglieder bezüglich verlorener oder unbekannter Reisender, wies auf die wahrscheinlichen Lösungen hin und schien eine Art zweites Gesicht zu haben – denn oft bestätigten sich seine Vorhersagen. Er muss überall gewesen sein – zumindest im Geiste. Es war zumindest sicher, dass Phileas Fogg seit vielen Jahren London nicht verlassen hatte. Diejenigen, die ihm näherstanden als die anderen, behaupteten, niemand könne vorgeben, ihn jemals anderswo gesehen zu haben. Seine einzigen Hobbys waren das Lesen von Zeitungen und das Spielen des Whists. Oft gewann er bei diesem Spiel – da es ein stilles Spiel war, passte es zu seiner Natur. Doch seine Gewinne kamen nie in seine eigene Tasche, sondern wurden als Fund für wohltätige Zwecke verwendet. Herr Fogg spielte nicht, um zu gewinnen, sondern aus Liebe zum Spiel selbst. Für ihn war das Spiel ein Wettstreit, ein Kampf gegen eine Herausforderung – doch ein stiller, unermüdlicher Kampf, der zu seinen Vorlieben passte. Phileas Fogg hatte weder Ehefrau noch Kinder – was den ehrlichsten Menschen passieren kann – noch Verwandte oder enge Freunde, was sicherlich ungewöhnlicher ist. Er lebte allein in seinem Haus in Saville Row, in das niemand eindrang. Eine einzige Haushälterin reichte aus, um ihn zu bedienen. Er frühstückte und aß im Club, zu mathematisch festgelegten Zeiten, im selben Raum.
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Derselbe Tisch – er aß niemals mit anderen Mitgliedern zusammen, geschweige denn brachte er Gäste mit sich; er ging genau um Mitternacht nach Hause und legte sich sogleich ins Bett. Er benutzte niemals die gemütlichen Räume, die der Club seinen bevorzugten Mitgliedern zur Verfügung stellt. Zwanzig Stunden von vierundzwanzig verbrachte er in Saville Row – entweder schlafend oder sich zu waschen. Wenn er spazieren ging, dann war das entweder im Eingangssaal mit seinem Mosaikboden oder in der kreisförmigen Galerie mit ihrer Kuppel, die von zwanzig roten Porphyrstempeln gestützt wurde und durch blau bemalte Fenster beleuchtet wurde. Beim Frühstück oder Abendessen kamen alle Ressourcen des Clubs – seine Küchen und Vorratsräume, seine Butter- und Milchlager – zum Einsatz, um seinen Tisch mit den köstlichsten Speisen zu füllen; ihm dienten die ernsthaftesten Kellner in Frackjacken und Schuhen mit Schwanschalensohlen, die die Gerichte in speziellem Porzellan und auf feinstem Leinen servierten. Clubflaschen aus einem einzigartigen Formenverfahren enthielten seinen Sherry, seinen Portwein sowie seinen Zimtgewürzten Rotwein; seine Getränke wurden außerdem mit Eis gekühlt, das zu hohem Preis aus amerikanischen Seen importiert wurde. Wenn es als exzentrisch gilt, auf diese Weise zu leben, muss man zugeben, dass an Exzentrizität etwas Gutes ist. Das Anwesen in Saville Row war zwar nicht prunkvoll, aber äußerst komfortabel. Die Gewohnheiten seines Bewohners erforderten nur wenig vom einzigen Hausangestellten – doch Phileas Fogg verlangte von ihm, nahezu übermenschlich schnell und pünktlich zu sein. Genau am 2. Oktober hatte er James Forster entlassen, weil dieser unglückliche junge Mann ihm Rasierschaum bei 84 Grad Fahrenheit statt bei 86 Grad Fahrenheit gebracht hatte; er wartete nun auf seinen Nachfolger, der zwischen elf und halb zwölf eintreffen sollte. Phileas Fogg saß kerzengerade in seinem Sessel, die Füße eng zusammen wie die eines Grenadiers bei einer Parade, die Hände auf den Knien, der Körper gerade, der Kopf erhoben; er beobachtete aufmerksam eine komplexe Uhr, die Stunden, Minuten, Sekunden, Tage, Monate und Jahre anzeigte. Genau um halb zwölf würde Herr Fogg, wie es seine tägliche Gewohnheit war, Saville Row verlassen und zum Reform Club aufbrechen. In diesem Moment klopfte es an der Tür der gemütlichen Wohnung, in der Phileas Fogg saß – James Forster, der entlassene Diener, erschien. „Der neue Diener“, sagte er. Ein etwa dreißigjähriger junger Mann trat vor und verbeugte sich.
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„Sie sind Franzose, glaube ich“, fragte Phileas Fogg, „und Ihr Name ist John?“
„Jean, wenn es dem Herrn gefällt“, antwortete der Neuankömmling. „Jean Passepartout – ein Nachname, der mir geblieben ist, weil ich eine natürliche Begabung dafür habe, von einem Beruf in den nächsten zu wechseln. Ich bin ehrlich, mein Herr, aber um offen zu sein: Ich habe bereits verschiedene Berufe ausgeübt. Ich war Wander-Sänger, Zirkusakrobat – ich sprang wie Leotard und tanzte auf einer Schnur wie Blondin. Später wurde ich Gymnastiklehrer, um meine Talente besser nutzen zu können. Danach war ich Feuerwehrsergeant in Paris und half bei vielen großen Bränden. Doch vor fünf Jahren verließ ich Frankreich und wollte, um die Freuden des Familienlebens zu erleben, hier in England als Diener arbeiten. Da ich mich fehl am Platz fühlte und hörte, dass Monsieur Phileas Fogg der pünktlichste und zuverlässigste Gentleman im Vereinigten Königreich sei, kam ich zu ihm in der Hoffnung, ein ruhiges Leben mit ihm zu führen – und sogar den Namen Passepartout zu vergessen.“
„Passepartout passt mir“, erwiderte Herr Fogg. „Man hat mir Gutes über Sie berichtet. Kennen Sie meine Bedingungen?“
„Ja, mein Herr.“
„Gut! Wie spät ist es?“
„Zweiundzwanzig Minuten nach elf“, antwortete Passepartout und zog eine riesige Silberuhr aus der Tiefen seiner Tasche.
„Sie sind zu langsam“, sagte Herr Fogg.
„Verzeihen Sie, mein Herr – es ist unmöglich…“
„Sie sind vier Minuten zu langsam. Egal; es reicht, den Fehler zu erwähnen. Ab diesem Moment, neunundzwanzig Minuten nach elf Uhr morgens, an diesem Mittwoch, dem 2. Oktober, stehen Sie in meinen Diensten.“
Phileas Fogg stand auf, nahm seinen Hut in die linke Hand, setzte ihn sich mit einer automatischen Bewegung auf den Kopf und ging ohne ein Wort weg.
Passepartout hörte, wie die Haustür einmal ins Schloss fiel – sein neuer Herr ging hinaus. Er hörte sie wieder ins Schloss fallen – sein Vorgänger, James Forster, verließ ebenfalls das Haus. Passepartout blieb allein im Haus in Saville Row zurück.
„Jean, wenn es dem Herrn gefällt“, antwortete der Neuankömmling. „Jean Passepartout – ein Nachname, der mir geblieben ist, weil ich eine natürliche Begabung dafür habe, von einem Beruf in den nächsten zu wechseln. Ich bin ehrlich, mein Herr, aber um offen zu sein: Ich habe bereits verschiedene Berufe ausgeübt. Ich war Wander-Sänger, Zirkusakrobat – ich sprang wie Leotard und tanzte auf einer Schnur wie Blondin. Später wurde ich Gymnastiklehrer, um meine Talente besser nutzen zu können. Danach war ich Feuerwehrsergeant in Paris und half bei vielen großen Bränden. Doch vor fünf Jahren verließ ich Frankreich und wollte, um die Freuden des Familienlebens zu erleben, hier in England als Diener arbeiten. Da ich mich fehl am Platz fühlte und hörte, dass Monsieur Phileas Fogg der pünktlichste und zuverlässigste Gentleman im Vereinigten Königreich sei, kam ich zu ihm in der Hoffnung, ein ruhiges Leben mit ihm zu führen – und sogar den Namen Passepartout zu vergessen.“
„Passepartout passt mir“, erwiderte Herr Fogg. „Man hat mir Gutes über Sie berichtet. Kennen Sie meine Bedingungen?“
„Ja, mein Herr.“
„Gut! Wie spät ist es?“
„Zweiundzwanzig Minuten nach elf“, antwortete Passepartout und zog eine riesige Silberuhr aus der Tiefen seiner Tasche.
„Sie sind zu langsam“, sagte Herr Fogg.
„Verzeihen Sie, mein Herr – es ist unmöglich…“
„Sie sind vier Minuten zu langsam. Egal; es reicht, den Fehler zu erwähnen. Ab diesem Moment, neunundzwanzig Minuten nach elf Uhr morgens, an diesem Mittwoch, dem 2. Oktober, stehen Sie in meinen Diensten.“
Phileas Fogg stand auf, nahm seinen Hut in die linke Hand, setzte ihn sich mit einer automatischen Bewegung auf den Kopf und ging ohne ein Wort weg.
Passepartout hörte, wie die Haustür einmal ins Schloss fiel – sein neuer Herr ging hinaus. Er hörte sie wieder ins Schloss fallen – sein Vorgänger, James Forster, verließ ebenfalls das Haus. Passepartout blieb allein im Haus in Saville Row zurück.
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KAPITEL II.
In dem Passepartout überzeugt wird,
dass er endlich sein Ideal gefunden hat
„Glaube“, murmelte Passepartout etwas aufgeregt, „ich habe bei Madame Tussaud Leute gesehen, die genauso lebhaft waren wie mein neuer Herr!“
Die „Leute“ bei Madame Tussaud bestehen, wie man weiß, aus Wachs und werden in London sehr häufig besucht; nur Sprache fehlt ihnen, um menschlich zu wirken.
Während seines kurzen Gesprächs mit Herrn Fogg hatte Passepartout ihn sorgfältig beobachtet. Er schien ein Mann von etwa vierzig Jahren zu sein, mit feinen, attraktiven Zügen sowie einer großen, gut geformten Statur; sein Haar und seine Schnurrbart waren hell, seine Stirn glatt und faltenlos, sein Gesicht eher blass, seine Zähne prächtig. Sein Gesicht zeigte in höchstem Maße das, was Physiognomiker „Ruhe in der Handlung“ nennen – eine Eigenschaft derer, die eher handeln als reden. Ruhig und gelassen, mit klarem Blick, schien Herr Fogg das perfekte Vorbild jener englischen Gelassenheit zu sein, die Angelica Kauffmann so meisterhaft auf Leinwand festgehalten hat. In den verschiedenen Phasen seines täglichen Lebens wirkte er äußerst ausgeglichen, genauso präzise reguliert wie ein Leroy-Chronometer. Phileas Fogg war tatsächlich die Verkörperung der Präzision – und das zeigte sich bereits in der Ausdrucksweise seiner Hände und Füße; denn bei Menschen wie auch bei Tieren drücken gerade die Gliedmaßen die Leidenschaften aus.
Er war so präzise, dass er niemals in Eile war, stets bereit war und sowohl bei seinen Schritten als auch bei seinen Bewegungen sparsam vorging. Er machte nie einen überflüssigen Schritt und ging immer den kürzesten Weg zu seinem Ziel; er machte keine unnötigen Gesten und wirkte niemals bewegt oder aufgeregt. Er war die bedächtigste Person der Welt – und erreichte doch stets genau zum richtigen Zeitpunkt sein Ziel.
In dem Passepartout überzeugt wird,
dass er endlich sein Ideal gefunden hat
„Glaube“, murmelte Passepartout etwas aufgeregt, „ich habe bei Madame Tussaud Leute gesehen, die genauso lebhaft waren wie mein neuer Herr!“
Die „Leute“ bei Madame Tussaud bestehen, wie man weiß, aus Wachs und werden in London sehr häufig besucht; nur Sprache fehlt ihnen, um menschlich zu wirken.
Während seines kurzen Gesprächs mit Herrn Fogg hatte Passepartout ihn sorgfältig beobachtet. Er schien ein Mann von etwa vierzig Jahren zu sein, mit feinen, attraktiven Zügen sowie einer großen, gut geformten Statur; sein Haar und seine Schnurrbart waren hell, seine Stirn glatt und faltenlos, sein Gesicht eher blass, seine Zähne prächtig. Sein Gesicht zeigte in höchstem Maße das, was Physiognomiker „Ruhe in der Handlung“ nennen – eine Eigenschaft derer, die eher handeln als reden. Ruhig und gelassen, mit klarem Blick, schien Herr Fogg das perfekte Vorbild jener englischen Gelassenheit zu sein, die Angelica Kauffmann so meisterhaft auf Leinwand festgehalten hat. In den verschiedenen Phasen seines täglichen Lebens wirkte er äußerst ausgeglichen, genauso präzise reguliert wie ein Leroy-Chronometer. Phileas Fogg war tatsächlich die Verkörperung der Präzision – und das zeigte sich bereits in der Ausdrucksweise seiner Hände und Füße; denn bei Menschen wie auch bei Tieren drücken gerade die Gliedmaßen die Leidenschaften aus.
Er war so präzise, dass er niemals in Eile war, stets bereit war und sowohl bei seinen Schritten als auch bei seinen Bewegungen sparsam vorging. Er machte nie einen überflüssigen Schritt und ging immer den kürzesten Weg zu seinem Ziel; er machte keine unnötigen Gesten und wirkte niemals bewegt oder aufgeregt. Er war die bedächtigste Person der Welt – und erreichte doch stets genau zum richtigen Zeitpunkt sein Ziel.
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Er lebte allein – und, sozusagen, außerhalb jeder sozialen Beziehung. Da er wusste, dass man in dieser Welt Rücksicht auf Reibungen nehmen muss und dass Reibungen alles verlangsamen, rieb er sich niemals mit jemandem zusammen. Was Passepartout betrifft, so war er ein echter Pariser aus Paris. Seit er sein eigenes Land für England verlassen hatte, um als Diener zu arbeiten, hatte er vergeblich nach einem Herrn gesucht, der seinem Herzen entsprach. Passepartout gehörte keineswegs zu jenen frechen Dummköpfen, wie sie von Molière mit einem kühnen Blick und einer hoch erhobenen Nase dargestellt werden; er war ein ehrlicher Kerl mit einem angenehmen Gesicht, leicht vorgeschobenen Lippen, sanftmütig und hilfsbereit – mit einem schönen, runden Kopf, wie man ihn gerne auf den Schultern eines Freundes sieht. Seine Augen waren blau, seine Haut rötlich, seine Statur fast kräftig und gut gebaut; sein Körper war muskulös, und seine körperlichen Fähigkeiten waren durch die Übungen in seiner Jugend vollständig entwickelt worden. Seine braunen Haare waren etwas zerzaust; während nämlich die alten Bildhauer angeblich achtzehn Methoden kannten, um Minervas Haare zu frisieren, kannte Passepartout nur eine Methode, um seine eigenen Haare zu ordnen – drei Striche mit einer Kamm mit großen Zähnen genügten für seine Frisur. Es wäre unklug, vorherzusagen, wie Passepartouts lebhafter Charakter mit dem von Herrn Fogg übereinstimmen würde. Es war unmöglich zu sagen, ob der neue Diener genauso methodisch sein würde, wie es sein Herr verlangte; nur die Erfahrung konnte diese Frage beantworten. In seinen jungen Jahren war Passepartout eine Art Vagabund gewesen und sehnte sich nun nach Ruhe – doch bislang hatte er sie nicht finden können, obwohl er bereits in zehn englischen Häusern gearbeitet hatte. Er konnte sich in keinem dieser Häuser niederlassen; zu seinem Ärger stellte er fest, dass seine Arbeitgeber stets launisch und unregelmäßig waren, ständig im Land herumreisten oder auf Abenteuer aus waren. Sein letzter Arbeitgeber, der junge Lord Longferry, Abgeordneter im Parlament, wurde nachts oft in den Tavernen am Haymarket verbracht und morgens auf den Schultern von Polizisten nach Hause gebracht. Passepartout, der den Mann, dem er diente, respektieren wollte, wagte eine sanfte Rüge gegen dieses Verhalten – doch diese wurde schlecht aufgenommen, woraufhin er kündigte. Als er hörte, dass Herr Phileas Fogg nach einem Diener suchte und dass sein Leben von ununterbrochener Regelmäßigkeit geprägt war – er reiste weder noch blieb er über Nacht weg von zu Hause –, war er sicher, dass dies der Ort sei, nach dem er suchte. Er stellte sich vor und wurde, wie bereits erwähnt, aufgenommen. Um halb zwölf befand sich Passepartout also allein im Haus in Saville Row. Ohne Verzug begann er damit, das Haus zu inspizieren – von Keller bis Dachboden. Ein so sauberes, ordentliches, würdevolles Anwesen gefiel ihm sehr.
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Es schien ihm wie eine Schneckenhülle zu sein – erleuchtet und erwärmt durch Gas, was für beide Zwecke ausreichte. Als Passepartout das zweite Stockwerk erreichte, erkannte er sofort den Raum, in dem er wohnen sollte, und war damit sehr zufrieden. Elektrische Glocken sowie Sprechrohre ermöglichten die Kommunikation mit den unteren Stockwerken; auf dem Kaminsims stand eine elektrische Uhr, genau wie die in Mr. Fogges Schlafzimmer – beide zeigten zur gleichen Zeit die gleiche Sekunde an. „Das ist gut, das wird reichen“, sagte Passepartout zu sich selbst.
Plötzlich bemerkte er über der Uhr ein Kärtchen, das bei genauerem Hinsehen als Plan des täglichen Ablaufs im Haus herauskam. Darin waren alle Aufgaben des Dienstboten aufgeführt – von acht Uhr morgens an, genau zu der Stunde, zu der Phileas Fogg aufstand, bis halb zwölf, wenn er das Haus zum Reform Club verließ. Es wurden alle Details des Dienstes aufgeführt: Tee und Toast um 23 Minuten nach acht, Rasierschaum um 37 Minuten nach neun sowie die Toilette 20 Minuten vor zehn. Alles war geregelt und vorgesehen – von halb elf Uhr morgens bis Mitternacht, der Stunde, zu der der methodische Herr das Haus verließ.
Mr. Fogges Garderobe war reichhaltig ausgestattet und vom besten Geschmack. Jede Hose, jedes Jackett und jede Weste trug eine Nummer, die anzeigte, zu welcher Jahreszeit und zu welchem Zeitpunkt sie getragen werden sollten; derselbe System wurde auch bei den Schuhen des Hausherrn angewandt. Kurz gesagt: Das Haus in Saville Row, das unter dem berühmten, doch leichtsinnigen Sheridan sicherlich ein Ort des Chaos und der Unordnung gewesen war, verkörperte nun Gemütlichkeit, Komfort und Ordnung in idealer Form. Es gab kein Arbeitszimmer, auch keine Bücher – was für Mr. Fogg völlig nutzlos gewesen wäre; denn im Reform Club standen zwei Bibliotheken zur Verfügung, eine mit Allgemeinliteratur und die andere mit Rechts- und Politikbüchern. In seinem Schlafzimmer stand eine mittelgroße Safe, die sowohl gegen Feuer als auch gegen Einbrecher geschützt war; doch Passepartout fand nirgends Waffen oder Jagdutensilien – alles deutete auf die ruhigsten und friedlichsten Gewohnheiten hin.
Nachdem er das Haus von oben bis unten untersucht hatte, rieb er sich die Hände, ein breites Lächeln erschien auf seinem Gesicht, und er sagte fröhlich: „Das ist genau das, was ich wollte! Ah, wir werden gut miteinander auskommen, Mr. Fogg und ich! Was für ein ordentlicher und regelmäßiger Herr! Eine echte Maschine – nun, ich habe nichts dagegen, einer Maschine zu dienen.“
Plötzlich bemerkte er über der Uhr ein Kärtchen, das bei genauerem Hinsehen als Plan des täglichen Ablaufs im Haus herauskam. Darin waren alle Aufgaben des Dienstboten aufgeführt – von acht Uhr morgens an, genau zu der Stunde, zu der Phileas Fogg aufstand, bis halb zwölf, wenn er das Haus zum Reform Club verließ. Es wurden alle Details des Dienstes aufgeführt: Tee und Toast um 23 Minuten nach acht, Rasierschaum um 37 Minuten nach neun sowie die Toilette 20 Minuten vor zehn. Alles war geregelt und vorgesehen – von halb elf Uhr morgens bis Mitternacht, der Stunde, zu der der methodische Herr das Haus verließ.
Mr. Fogges Garderobe war reichhaltig ausgestattet und vom besten Geschmack. Jede Hose, jedes Jackett und jede Weste trug eine Nummer, die anzeigte, zu welcher Jahreszeit und zu welchem Zeitpunkt sie getragen werden sollten; derselbe System wurde auch bei den Schuhen des Hausherrn angewandt. Kurz gesagt: Das Haus in Saville Row, das unter dem berühmten, doch leichtsinnigen Sheridan sicherlich ein Ort des Chaos und der Unordnung gewesen war, verkörperte nun Gemütlichkeit, Komfort und Ordnung in idealer Form. Es gab kein Arbeitszimmer, auch keine Bücher – was für Mr. Fogg völlig nutzlos gewesen wäre; denn im Reform Club standen zwei Bibliotheken zur Verfügung, eine mit Allgemeinliteratur und die andere mit Rechts- und Politikbüchern. In seinem Schlafzimmer stand eine mittelgroße Safe, die sowohl gegen Feuer als auch gegen Einbrecher geschützt war; doch Passepartout fand nirgends Waffen oder Jagdutensilien – alles deutete auf die ruhigsten und friedlichsten Gewohnheiten hin.
Nachdem er das Haus von oben bis unten untersucht hatte, rieb er sich die Hände, ein breites Lächeln erschien auf seinem Gesicht, und er sagte fröhlich: „Das ist genau das, was ich wollte! Ah, wir werden gut miteinander auskommen, Mr. Fogg und ich! Was für ein ordentlicher und regelmäßiger Herr! Eine echte Maschine – nun, ich habe nichts dagegen, einer Maschine zu dienen.“
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KAPITEL III.
IN DEM EIN GESPRÄCH FÜHRTE
WELCHES PHILEAS FOGG VERMOGLICH TEURE KOSTEN WIRD
Phileas Fogg schloss um halb zwölf die Tür seines Hauses, setzte seinen rechten Fuß fünfhundertfünfundsiebzig Mal vor den linken und seinen linken Fuß fünfhundertsechsundsiebzig Mal vor den rechten, und erreichte anschließend den Reform Club – ein imposantes Gebäude in Pall Mall, das sicherlich nicht weniger als drei Millionen gekostet hatte. Er begab sich sofort in das Esszimmer, dessen neun Fenster auf einen ansprechend gestalteten Garten hinausgingen; die Bäume dort waren bereits in herbstlichen Farben gehüllt. Er nahm an seinem üblichen Tisch Platz, auf dem bereits das Geschirr für ihn bereitstand. Sein Frühstück bestand aus einem Beilagengericht, einem gebratenen Fisch mit Reading-Sauce, einem roten Stück Rindfleisch, garniert mit Pilzen, einem Tart aus Rhabarber und Holunderbeeren sowie einem kleinen Stück Cheshire-Käse. All das wurde mit mehreren Tassen Tee hinuntergespült – für den der Reform Club berühmt ist. Um 13 Minuten nach eins stand er auf und ging in den großen Saal, eine prächtige Wohnung, die mit kunstvoll gerahmten Gemälden geschmückt war. Ein Diener reichte ihm eine ungeöffnete Ausgabe der Times; er begann, sie mit großer Geschicklichkeit zu falten – was auf Erfahrung in dieser Aufgabe hindeutete. Die Lektüre dieser Zeitung beschäftigte Phileas Fogg bis Viertel vor vier; danach widmete er sich der Zeitung „Standard“, bis es Zeit zum Abendessen war. Das Abendessen verlief genauso wie das Frühstück. Um 20 Minuten vor sechs kehrte Herr Fogg ins Lesezimmer zurück und setzte sich, um die Zeitung „Pall Mall“ zu lesen. Eine halbe Stunde später kamen mehrere Mitglieder des Reform Clubs herein und versammelten sich um den Kamin, in dem ein Kohlefeuer ruhig brannte. Es handelte sich um Herrn Fogg’s übliche Whist-Partner: Andrew Stuart, ein Ingenieur; John Sullivan und Samuel Fallentin, Bankiers; Thomas Flanagan, ein Brauer; sowie Gauthier Ralph, einer der Direktoren der Bank of England – alle reiche Leute.
IN DEM EIN GESPRÄCH FÜHRTE
WELCHES PHILEAS FOGG VERMOGLICH TEURE KOSTEN WIRD
Phileas Fogg schloss um halb zwölf die Tür seines Hauses, setzte seinen rechten Fuß fünfhundertfünfundsiebzig Mal vor den linken und seinen linken Fuß fünfhundertsechsundsiebzig Mal vor den rechten, und erreichte anschließend den Reform Club – ein imposantes Gebäude in Pall Mall, das sicherlich nicht weniger als drei Millionen gekostet hatte. Er begab sich sofort in das Esszimmer, dessen neun Fenster auf einen ansprechend gestalteten Garten hinausgingen; die Bäume dort waren bereits in herbstlichen Farben gehüllt. Er nahm an seinem üblichen Tisch Platz, auf dem bereits das Geschirr für ihn bereitstand. Sein Frühstück bestand aus einem Beilagengericht, einem gebratenen Fisch mit Reading-Sauce, einem roten Stück Rindfleisch, garniert mit Pilzen, einem Tart aus Rhabarber und Holunderbeeren sowie einem kleinen Stück Cheshire-Käse. All das wurde mit mehreren Tassen Tee hinuntergespült – für den der Reform Club berühmt ist. Um 13 Minuten nach eins stand er auf und ging in den großen Saal, eine prächtige Wohnung, die mit kunstvoll gerahmten Gemälden geschmückt war. Ein Diener reichte ihm eine ungeöffnete Ausgabe der Times; er begann, sie mit großer Geschicklichkeit zu falten – was auf Erfahrung in dieser Aufgabe hindeutete. Die Lektüre dieser Zeitung beschäftigte Phileas Fogg bis Viertel vor vier; danach widmete er sich der Zeitung „Standard“, bis es Zeit zum Abendessen war. Das Abendessen verlief genauso wie das Frühstück. Um 20 Minuten vor sechs kehrte Herr Fogg ins Lesezimmer zurück und setzte sich, um die Zeitung „Pall Mall“ zu lesen. Eine halbe Stunde später kamen mehrere Mitglieder des Reform Clubs herein und versammelten sich um den Kamin, in dem ein Kohlefeuer ruhig brannte. Es handelte sich um Herrn Fogg’s übliche Whist-Partner: Andrew Stuart, ein Ingenieur; John Sullivan und Samuel Fallentin, Bankiers; Thomas Flanagan, ein Brauer; sowie Gauthier Ralph, einer der Direktoren der Bank of England – alle reiche Leute.
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Sehr angesehene Persönlichkeiten – selbst in einem Club, der aus den Prinzen des englischen Handels und der Finanzwelt besteht.
„Nun, Ralph“, sagte Thomas Flanagan, „was ist mit diesem Raubüberfall?“
„Oh“, antwortete Stuart, „die Bank wird das Geld verlieren.“
„Im Gegenteil“, warf Ralph ein, „ich hoffe, wir können den Räuber fassen. Geschickte Detektive wurden in alle wichtigen Häfen Amerikas und des Kontinents geschickt – er muss schon ein kluger Bursche sein, wenn er ihnen entkommen will.“
„Aber haben Sie eine Beschreibung des Räubers?“, fragte Stuart.
„Zunächst einmal ist er überhaupt kein Räuber“, antwortete Ralph entschieden.
„Was! Ein Mann, der fünfundfünfzigtausend Pfund mitnimmt – kein Räuber?“
„Nein.“
„Vielleicht ist er dann ein Fabrikant.“
„Die Daily Telegraph behauptet, er sei ein Gentleman.“
Es war Phileas Fogg, dessen Kopf nun hinter seinen Zeitungen hervorkam, der diese Bemerkung machte. Er verbeugte sich vor seinen Freunden und schloss sich dem Gespräch an. Das Thema des Gesprächs, über das in der Stadt gesprochen wurde, hatte sich drei Tage zuvor bei der Bank of England zugetragen. Ein Bündel Banknoten im Wert von fünfundfünfzigtausend Pfund war vom Schalter des Leitkassiers gestohlen worden – dieser war zu diesem Zeitpunkt damit beschäftigt, den Empfang von drei Shilling und sechs Pence zu registrieren. Natürlich konnte er nicht überall zugleich hinschauen. Es sei darauf hingewiesen, dass die Bank of England großes Vertrauen in die Ehrlichkeit der Öffentlichkeit setzt. Es gibt weder Wachen noch Gitter, um ihre Schätze zu schützen; Gold, Silber und Banknoten liegen ungeschützt da, den Launen jedermanns ausgeliefert. Ein aufmerksamer Beobachter englischer Bräuche berichtet, dass er eines Tages in einem der Räume der Bank die Neugier hatte, einen Goldbarren zu untersuchen, der etwa sieben oder acht Pfund wog. Er nahm ihn in die Hand, betrachtete ihn genau, gab ihn an seinen Nachbarn weiter – und so weiter, bis der Barren von Hand zu Hand ging und schließlich am Ende eines dunklen Ganges landete; er kehrte erst nach einer halben Stunde an seinen Platz zurück. In diesem Fall verliefen die Dinge jedoch nicht so reibungslos. Als um fünf Uhr die Glocke im „Schalterraum“ läutete, war das Bündel mit den Banknoten immer noch nicht gefunden worden – der Betrag wurde daher als Gewinn verbucht.
„Nun, Ralph“, sagte Thomas Flanagan, „was ist mit diesem Raubüberfall?“
„Oh“, antwortete Stuart, „die Bank wird das Geld verlieren.“
„Im Gegenteil“, warf Ralph ein, „ich hoffe, wir können den Räuber fassen. Geschickte Detektive wurden in alle wichtigen Häfen Amerikas und des Kontinents geschickt – er muss schon ein kluger Bursche sein, wenn er ihnen entkommen will.“
„Aber haben Sie eine Beschreibung des Räubers?“, fragte Stuart.
„Zunächst einmal ist er überhaupt kein Räuber“, antwortete Ralph entschieden.
„Was! Ein Mann, der fünfundfünfzigtausend Pfund mitnimmt – kein Räuber?“
„Nein.“
„Vielleicht ist er dann ein Fabrikant.“
„Die Daily Telegraph behauptet, er sei ein Gentleman.“
Es war Phileas Fogg, dessen Kopf nun hinter seinen Zeitungen hervorkam, der diese Bemerkung machte. Er verbeugte sich vor seinen Freunden und schloss sich dem Gespräch an. Das Thema des Gesprächs, über das in der Stadt gesprochen wurde, hatte sich drei Tage zuvor bei der Bank of England zugetragen. Ein Bündel Banknoten im Wert von fünfundfünfzigtausend Pfund war vom Schalter des Leitkassiers gestohlen worden – dieser war zu diesem Zeitpunkt damit beschäftigt, den Empfang von drei Shilling und sechs Pence zu registrieren. Natürlich konnte er nicht überall zugleich hinschauen. Es sei darauf hingewiesen, dass die Bank of England großes Vertrauen in die Ehrlichkeit der Öffentlichkeit setzt. Es gibt weder Wachen noch Gitter, um ihre Schätze zu schützen; Gold, Silber und Banknoten liegen ungeschützt da, den Launen jedermanns ausgeliefert. Ein aufmerksamer Beobachter englischer Bräuche berichtet, dass er eines Tages in einem der Räume der Bank die Neugier hatte, einen Goldbarren zu untersuchen, der etwa sieben oder acht Pfund wog. Er nahm ihn in die Hand, betrachtete ihn genau, gab ihn an seinen Nachbarn weiter – und so weiter, bis der Barren von Hand zu Hand ging und schließlich am Ende eines dunklen Ganges landete; er kehrte erst nach einer halben Stunde an seinen Platz zurück. In diesem Fall verliefen die Dinge jedoch nicht so reibungslos. Als um fünf Uhr die Glocke im „Schalterraum“ läutete, war das Bündel mit den Banknoten immer noch nicht gefunden worden – der Betrag wurde daher als Gewinn verbucht.
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Verlust. Sobald der Raub entdeckt wurde, eilten die Detektive unter dem Anreiz einer Belohnung von zweitausend Pfund sowie fünf Prozent vom möglicherweise zurückgefundenen Betrag nach Liverpool, Glasgow, Le Havre, Suez, Brindisi, New York und anderen Häfen. Den Detektiven wurde außerdem die Aufgabe übertragen, diejenigen genau im Auge zu behalten, die mit dem Zug nach London kamen oder es verließen, und es wurde umgehend eine gerichtliche Untersuchung eingeleitet. Es gab tatsächlich Gründe anzunehmen – wie die Daily Telegraph berichtete – dass der Dieb nicht zu einer professionellen Bande gehörte. Am Tag des Raubes wurde ein gut gekleideter Herr mit gepflegten Manieren und einem wohlhabenden Erscheinungsbild beobachtet, der in dem Raum, in dem der Raub verübt wurde, hin und her ging. Eine Beschreibung von ihm konnte leicht beschafft und den Detektiven zugesandt werden; einige Optimisten, zu denen auch Ralph gehörte, verloren die Hoffnung nicht, ihn fassen zu können. Zeitungen und Clubs waren voller Berichte über den Fall, und überall diskutierten die Menschen über die Chancen auf einen erfolgreichen Fahndungserfolg; insbesondere der Reform Club war aufgeregt, da mehrere seiner Mitglieder Bankangestellte waren. Ralph wollte nicht zugeben, dass die Arbeit der Detektive vergeblich sein könnte, denn er glaubte, dass die ausgeschriebene Belohnung ihren Eifer und ihre Aktivität stark anregen würde. Doch Stuart teilte diese Zuversicht keineswegs; und während sie am Whist-Tisch saßen, stritten sie weiter darüber. Stuart und Flanagan spielten zusammen, während Phileas Fogg Fallentin als Partner hatte. Im Laufe des Spiels verstummte das Gespräch, außer zwischen den Runden, wenn es wieder aufgenommen wurde. „Ich behaupte“, sagte Stuart, „dass die Chancen für den Dieb stehen – er muss ein gerissener Kerl sein.“ „Nun, aber wohin kann er fliehen?“, fragte Ralph. „Kein Land ist für ihn sicher.“ „Pah!“ „Wohin könnte er dann gehen?“ „Oh, das weiß ich nicht. Die Welt ist groß genug.“ „Früher schon“, sagte Phileas Fogg leise. „Cut, Sir“, fügte er hinzu und reichte die Karten an Thomas Flanagan weiter. Die Diskussion verstummte während der Runde, danach nahm Stuart sie wieder auf. „Was meinen Sie mit ‚früher‘? Ist die Welt kleiner geworden?“
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„Sicherlich“, erwiderte Ralph. „Ich stimme Herrn Fogg zu. Die Welt ist kleiner geworden – schließlich kann man sie jetzt zehnmal schneller umrunden als vor hundert Jahren. Und deshalb hat die Suche nach diesem Dieb größere Chancen auf Erfolg.“
„Und auch deshalb kann der Dieb leichter entkommen.“
„Bitte spielen Sie weiter, Herr Stuart“, sagte Phileas Fogg.
Doch der ungläubige Stuart war nicht überzeugt. Als das Spiel beendet war, sagte er eifrig: „Sie haben eine seltsame Art und Weise, Ralph, um zu beweisen, dass die Welt kleiner geworden ist. Nur weil man sie in drei Monaten umrunden kann –“
„In achtzig Tagen“, unterbrach ihn Phileas Fogg.
„Das stimmt, meine Herren“, fügte John Sullivan hinzu. „Nur achtzig Tage – seitdem der Abschnitt zwischen Rothal und Allahabad an der Great Indian Peninsula Railway eröffnet wurde. Hier ist die Schätzung der Daily Telegraph:
Von London nach Suez über Mont Cenis und Brindisi, per Bahn und Dampfschiff ................. 7 Tage
Von Suez nach Bombay, per Dampfschiff .................... 13 Tage
Von Bombay nach Kalkutta, per Bahn ................... 3 Tage
Von Kalkutta nach Hongkong, per Dampfschiff ............. 13 Tage
Von Hongkong nach Yokohama (Japan), per Dampfschiff ..... 6 Tage
Von Yokohama nach San Francisco, per Dampfschiff ......... 22 Tage
Von San Francisco nach New York, per Bahn ............. 7 Tage
Von New York nach London, per Dampfschiff und Bahn ........ 9 Tage
-------
Gesamt ............................................ 80 Tage.“
„Ja, in achtzig Tagen!“, rief Stuart aus. In seiner Aufregung machte er einen falschen Zug. „Aber das berücksichtigt nicht schlechtes Wetter, Gegenwinde, Schiffbrüche, Eisenbahnunfälle und so weiter.“
„Alles ist bereits eingerechnet“, erwiderte Phileas Fogg und spielte weiter, trotz der Diskussion.
„Aber nehmen wir an, die Inder zerstören die Eisenbahnschienen“, entgegnete Stuart. „Nehmen wir an, sie stoppen die Züge, plündern die Gepäckwagen und scheren den Passagieren die Köpfe ab!“
„Und auch deshalb kann der Dieb leichter entkommen.“
„Bitte spielen Sie weiter, Herr Stuart“, sagte Phileas Fogg.
Doch der ungläubige Stuart war nicht überzeugt. Als das Spiel beendet war, sagte er eifrig: „Sie haben eine seltsame Art und Weise, Ralph, um zu beweisen, dass die Welt kleiner geworden ist. Nur weil man sie in drei Monaten umrunden kann –“
„In achtzig Tagen“, unterbrach ihn Phileas Fogg.
„Das stimmt, meine Herren“, fügte John Sullivan hinzu. „Nur achtzig Tage – seitdem der Abschnitt zwischen Rothal und Allahabad an der Great Indian Peninsula Railway eröffnet wurde. Hier ist die Schätzung der Daily Telegraph:
Von London nach Suez über Mont Cenis und Brindisi, per Bahn und Dampfschiff ................. 7 Tage
Von Suez nach Bombay, per Dampfschiff .................... 13 Tage
Von Bombay nach Kalkutta, per Bahn ................... 3 Tage
Von Kalkutta nach Hongkong, per Dampfschiff ............. 13 Tage
Von Hongkong nach Yokohama (Japan), per Dampfschiff ..... 6 Tage
Von Yokohama nach San Francisco, per Dampfschiff ......... 22 Tage
Von San Francisco nach New York, per Bahn ............. 7 Tage
Von New York nach London, per Dampfschiff und Bahn ........ 9 Tage
-------
Gesamt ............................................ 80 Tage.“
„Ja, in achtzig Tagen!“, rief Stuart aus. In seiner Aufregung machte er einen falschen Zug. „Aber das berücksichtigt nicht schlechtes Wetter, Gegenwinde, Schiffbrüche, Eisenbahnunfälle und so weiter.“
„Alles ist bereits eingerechnet“, erwiderte Phileas Fogg und spielte weiter, trotz der Diskussion.
„Aber nehmen wir an, die Inder zerstören die Eisenbahnschienen“, entgegnete Stuart. „Nehmen wir an, sie stoppen die Züge, plündern die Gepäckwagen und scheren den Passagieren die Köpfe ab!“
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„Alles inklusive“, erwiderte Fogg ruhig und fügte hinzu, während er die Karten auf den Tisch warf: „Zwei Trümpfe.“
Stuart, dem es nun zustand, zu mischen, sammelte die Karten ein und fuhr fort: „Theoretisch haben Sie recht, Herr Fogg – aber in der Praxis…“
„Auch in der Praxis, Herr Stuart.“
„Ich würde gerne sehen, wie Sie das in achtzig Tagen schaffen.“
„Das hängt von Ihnen ab. Sollen wir gehen?“
„Um Himmels willen! Aber ich würde viertausend Pfund wetten, dass eine solche Reise unter diesen Bedingungen unmöglich ist.“
„Im Gegenteil, das ist durchaus möglich“, entgegnete Herr Fogg.
„Nun, dann tun Sie es doch!“
„Die Reise um die Welt in achtzig Tagen?“
„Ja.“
„Ich könnte nichts Besseres wollen.“
„Wann?“
„Sofort. Nur warne ich Sie: Ich werde es auf Ihre Kosten tun.“
„Das ist absurd!“, rief Stuart, der allmählich wegen der Beharrlichkeit seines Freundes verärgert wurde. „Kommen Sie, wir machen weiter mit dem Spiel.“
„Dann mischen wir noch einmal“, sagte Phileas Fogg. „Es gab einen Fehler beim Mischen.“
Stuart nahm den Kartensatz mit zitternder Hand in die Hand – legte ihn aber sofort wieder hin.
„Nun, Herr Fogg“, sagte er, „es soll sein: Ich wette die viertausend Pfund darauf.“
„Beruhigen Sie sich, mein lieber Stuart“, sagte Fallentin. „Es ist nur ein Scherz.“
„Wenn ich sage, ich wette, meine ich das auch so“, erwiderte Stuart.
„In Ordnung“, sagte Herr Fogg. An die anderen gewandt, fuhr er fort: „Ich habe zwanzigtausend Pfund bei Baring’s als Einsatz – die bin ich gerne bereit zu riskieren.“
„Zwanzigtausend Pfund!“, rief Sullivan. „Zwanzigtausend Pfund, die Sie durch eine einzige unvorhergesehene Verzögerung verlieren könnten!“
„Unvorhergesehenes gibt es nicht“, antwortete Phileas Fogg ruhig.
Stuart, dem es nun zustand, zu mischen, sammelte die Karten ein und fuhr fort: „Theoretisch haben Sie recht, Herr Fogg – aber in der Praxis…“
„Auch in der Praxis, Herr Stuart.“
„Ich würde gerne sehen, wie Sie das in achtzig Tagen schaffen.“
„Das hängt von Ihnen ab. Sollen wir gehen?“
„Um Himmels willen! Aber ich würde viertausend Pfund wetten, dass eine solche Reise unter diesen Bedingungen unmöglich ist.“
„Im Gegenteil, das ist durchaus möglich“, entgegnete Herr Fogg.
„Nun, dann tun Sie es doch!“
„Die Reise um die Welt in achtzig Tagen?“
„Ja.“
„Ich könnte nichts Besseres wollen.“
„Wann?“
„Sofort. Nur warne ich Sie: Ich werde es auf Ihre Kosten tun.“
„Das ist absurd!“, rief Stuart, der allmählich wegen der Beharrlichkeit seines Freundes verärgert wurde. „Kommen Sie, wir machen weiter mit dem Spiel.“
„Dann mischen wir noch einmal“, sagte Phileas Fogg. „Es gab einen Fehler beim Mischen.“
Stuart nahm den Kartensatz mit zitternder Hand in die Hand – legte ihn aber sofort wieder hin.
„Nun, Herr Fogg“, sagte er, „es soll sein: Ich wette die viertausend Pfund darauf.“
„Beruhigen Sie sich, mein lieber Stuart“, sagte Fallentin. „Es ist nur ein Scherz.“
„Wenn ich sage, ich wette, meine ich das auch so“, erwiderte Stuart.
„In Ordnung“, sagte Herr Fogg. An die anderen gewandt, fuhr er fort: „Ich habe zwanzigtausend Pfund bei Baring’s als Einsatz – die bin ich gerne bereit zu riskieren.“
„Zwanzigtausend Pfund!“, rief Sullivan. „Zwanzigtausend Pfund, die Sie durch eine einzige unvorhergesehene Verzögerung verlieren könnten!“
„Unvorhergesehenes gibt es nicht“, antwortete Phileas Fogg ruhig.
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„Aber, Herr Fogg – achtzig Tage sind nur eine Schätzung für die kürzeste mögliche Zeit, in der die Reise unternommen werden kann.“
„Ein gut festgelegtes Minimum reicht für alles aus.“
„Aber um dieses Minimum nicht zu überschreiten, muss man mathematisch von den Zügen auf die Dampfschiffe und wieder von den Dampfschiffen auf die Züge wechseln.“
„Ich werde es tun – mathematisch gesehen.“
„Sie scherzen.“
„Ein echter Engländer scherzt nicht, wenn es um etwas So Ernstes wie ein Wettversprechen geht“, antwortete Phileas Fogg ernst. „Ich wette zwanzigtausend Pfund gegen jeden, der glaubt, ich würde die Welt in achtzig Tagen oder weniger – also in neuntausendsiebenhundertzwanzig Stunden bzw. hundertfünfzehntausend zweihundert Minuten – umrunden. Nehmen Sie an?“
„Wir nehmen an“, antworteten die Herren Stuart, Fallentin, Sullivan, Flanagan und Ralph nach gegenseitiger Beratung.
„Gut“, sagte Herr Fogg. „Der Zug nach Dover fährt um Viertel vor neun ab. Ich werde ihn nehmen.“
„Schon heute Abend?“, fragte Stuart.
„Schon heute Abend“, erwiderte Phileas Fogg. Er holte ein Taschenkalender hervor und fügte hinzu: „Da heute Mittwoch, der 2. Oktober ist, werde ich am Samstag, dem 21. Dezember, um Viertel vor neun abends in diesem Raum des Reform Clubs in London eintreffen – oder sonst gehören die zwanzigtausend Pfund, die derzeit zu meinem Namen bei Baring’s hinterlegt sind, Ihnen, meine Herren. Hier ist ein Scheck über diesen Betrag.“
Sofort wurde eine Vereinbarung zum Wettversprechen aufgestellt und von allen sechs Parteien unterschrieben. Dabei bewahrte Phileas Fogg eine stoische Gelassenheit. Er setzte sicherlich nicht darauf, zu gewinnen, sondern hatte nur die zwanzigtausend Pfund, die Hälfte seines Vermögens, eingesetzt, weil er voraussah, dass er die andere Hälfte benötigen könnte, um dieses schwierige – wenn nicht sogar unmögliche – Vorhaben durchzuführen. Was seine Gegner betraf, so schienen sie sehr beunruhigt zu sein – weniger wegen des Wertes ihres Einsatzes als vielmehr wegen ihrer Bedenken, unter solch schwierigen Bedingungen gegen ihren Freund zu wetten.
Die Uhr schlug sieben, und die Gruppe schlug vor, das Spiel vorübergehend auszusetzen, damit Herr Fogg sich auf die Abreise vorbereiten konnte.
„Ein gut festgelegtes Minimum reicht für alles aus.“
„Aber um dieses Minimum nicht zu überschreiten, muss man mathematisch von den Zügen auf die Dampfschiffe und wieder von den Dampfschiffen auf die Züge wechseln.“
„Ich werde es tun – mathematisch gesehen.“
„Sie scherzen.“
„Ein echter Engländer scherzt nicht, wenn es um etwas So Ernstes wie ein Wettversprechen geht“, antwortete Phileas Fogg ernst. „Ich wette zwanzigtausend Pfund gegen jeden, der glaubt, ich würde die Welt in achtzig Tagen oder weniger – also in neuntausendsiebenhundertzwanzig Stunden bzw. hundertfünfzehntausend zweihundert Minuten – umrunden. Nehmen Sie an?“
„Wir nehmen an“, antworteten die Herren Stuart, Fallentin, Sullivan, Flanagan und Ralph nach gegenseitiger Beratung.
„Gut“, sagte Herr Fogg. „Der Zug nach Dover fährt um Viertel vor neun ab. Ich werde ihn nehmen.“
„Schon heute Abend?“, fragte Stuart.
„Schon heute Abend“, erwiderte Phileas Fogg. Er holte ein Taschenkalender hervor und fügte hinzu: „Da heute Mittwoch, der 2. Oktober ist, werde ich am Samstag, dem 21. Dezember, um Viertel vor neun abends in diesem Raum des Reform Clubs in London eintreffen – oder sonst gehören die zwanzigtausend Pfund, die derzeit zu meinem Namen bei Baring’s hinterlegt sind, Ihnen, meine Herren. Hier ist ein Scheck über diesen Betrag.“
Sofort wurde eine Vereinbarung zum Wettversprechen aufgestellt und von allen sechs Parteien unterschrieben. Dabei bewahrte Phileas Fogg eine stoische Gelassenheit. Er setzte sicherlich nicht darauf, zu gewinnen, sondern hatte nur die zwanzigtausend Pfund, die Hälfte seines Vermögens, eingesetzt, weil er voraussah, dass er die andere Hälfte benötigen könnte, um dieses schwierige – wenn nicht sogar unmögliche – Vorhaben durchzuführen. Was seine Gegner betraf, so schienen sie sehr beunruhigt zu sein – weniger wegen des Wertes ihres Einsatzes als vielmehr wegen ihrer Bedenken, unter solch schwierigen Bedingungen gegen ihren Freund zu wetten.
Die Uhr schlug sieben, und die Gruppe schlug vor, das Spiel vorübergehend auszusetzen, damit Herr Fogg sich auf die Abreise vorbereiten konnte.
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„Ich bin jetzt vollkommen bereit“, lautete seine ruhige Antwort. „Diamanten sind Trumpfkarten – seien Sie so freundlich und spielen Sie, meine Herren.“
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KAPITEL IV.
In dem Phileas Fogg Passepourout, seinen Diener, verblüfft
Nachdem er beim Whist zwanzig Guineen gewonnen hatte und sich von seinen Freunden verabschiedet hatte, verließ Phileas Fogg um 25 Minuten nach sieben den Reform Club. Passepourout, der sich sorgfältig mit der Aufgabenliste seines Herrn vertraut gemacht hatte, war mehr als überrascht, zu sehen, dass sein Herr diese ungewöhnliche Zeit wählte, um zu erscheinen – schließlich sollte er laut Regeln erst genau um Mitternacht in Saville Row ankommen.
Herr Fogg ging in sein Schlafzimmer und rief: „Passepourout!“
Passepourout antwortete nicht. Es konnte nicht er sein, der gerufen wurde – es war einfach noch nicht die richtige Zeit.
„Passepourout!“, wiederholte Herr Fogg, ohne seine Stimme zu heben.
Endlich erschien Passepourout.
„Ich habe Sie zweimal gerufen“, bemerkte sein Herr.
„Aber es ist noch nicht Mitternacht“, entgegnete der andere und zeigte auf seine Uhr.
„Das weiß ich; ich mache Ihnen keinen Vorwurf. In zehn Minuten brechen wir nach Dover und Calais auf.“
Ein verwirrtes Lächeln erschien auf Passepourouts rundem Gesicht – offensichtlich hatte er seinen Herrn nicht verstanden.
„Monsieur will das Haus verlassen?“
„Ja“, antwortete Phileas Fogg. „Wir machen eine Weltreise.“
Passepourout riss die Augen auf, hob die Augenbrauen, streckte die Hände aus – er schien kurz davor zu sein, zusammenzubrechen, so überwältigt war er von seiner Verwunderung.
„Eine Weltreise!“, murmelte er.
In dem Phileas Fogg Passepourout, seinen Diener, verblüfft
Nachdem er beim Whist zwanzig Guineen gewonnen hatte und sich von seinen Freunden verabschiedet hatte, verließ Phileas Fogg um 25 Minuten nach sieben den Reform Club. Passepourout, der sich sorgfältig mit der Aufgabenliste seines Herrn vertraut gemacht hatte, war mehr als überrascht, zu sehen, dass sein Herr diese ungewöhnliche Zeit wählte, um zu erscheinen – schließlich sollte er laut Regeln erst genau um Mitternacht in Saville Row ankommen.
Herr Fogg ging in sein Schlafzimmer und rief: „Passepourout!“
Passepourout antwortete nicht. Es konnte nicht er sein, der gerufen wurde – es war einfach noch nicht die richtige Zeit.
„Passepourout!“, wiederholte Herr Fogg, ohne seine Stimme zu heben.
Endlich erschien Passepourout.
„Ich habe Sie zweimal gerufen“, bemerkte sein Herr.
„Aber es ist noch nicht Mitternacht“, entgegnete der andere und zeigte auf seine Uhr.
„Das weiß ich; ich mache Ihnen keinen Vorwurf. In zehn Minuten brechen wir nach Dover und Calais auf.“
Ein verwirrtes Lächeln erschien auf Passepourouts rundem Gesicht – offensichtlich hatte er seinen Herrn nicht verstanden.
„Monsieur will das Haus verlassen?“
„Ja“, antwortete Phileas Fogg. „Wir machen eine Weltreise.“
Passepourout riss die Augen auf, hob die Augenbrauen, streckte die Hände aus – er schien kurz davor zu sein, zusammenzubrechen, so überwältigt war er von seiner Verwunderung.
„Eine Weltreise!“, murmelte er.
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„In achtzig Tagen“, antwortete Herr Fogg. „Wir haben also keinen Moment zu verlieren.“
„Aber die Koffer?“, keuchte Passepartout und schwang unbewusst den Kopf von rechts nach links.
„Wir werden keine Koffer haben; nur einen Teppichbeutel – mit zwei Hemden und drei Paar Strümpfen für mich sowie das Gleiche für Sie. Wir kaufen uns unterwegs neue Kleidung. Bringen Sie meinen Regenmantel und Reisemantel sowie einige robuste Schuhe herunter – auch wenn wir kaum laufen werden. Beeilen Sie sich!“
Passepartout versuchte zu antworten, konnte aber nicht. Er ging hinaus, stieg in sein eigenes Zimmer, ließ sich in einen Stuhl fallen und murmelte: „Das ist ja großartig! Und ich, der ich doch ruhig bleiben wollte!“
Mechanisch machte er sich daran, die Abreise vorzubereiten. Um die Welt in achtzig Tagen! War sein Herr ein Narr? Nein. War es dann ein Scherz?
Sie würden nach Dover fahren – gut! Nach Calais – wieder gut! Schließlich würde Passepartout, der fünf Jahre lang nicht in Frankreich gewesen war, gerne wieder seinen Heimatboden betreten. Vielleicht würden sie sogar bis nach Paris fahren – es würde seinen Augen guttun, Paris noch einmal zu sehen. Doch sicherlich würde ein Mann, der so vorsichtig mit seinen Schritten war, dort anhalten – zweifellos. Doch trotzdem blieb die Tatsache bestehen, dass dieser bisher so häusliche Mensch nun abreisen würde!
Um acht Uhr hatte Passepartout den bescheidenen Teppichbeutel gepackt, in dem sich die Kleidung seines Herrn und seine eigene befand. Noch immer beunruhigt, schloss er sorgfältig die Tür seines Zimmers und ging zu Herrn Fogg hinunter.
Herr Fogg war bereits fertig. Unter seinem Arm konnte man ein in Rot gebundenes Exemplar von Bradshaws „Continental Railway Steam Transit and General Guide“ erkennen – mit den Fahrplänen für die Ankunft und Abfahrt von Dampfschiffen und Zügen. Er nahm den Teppichbeutel, öffnete ihn und legte eine beträchtliche Menge an Banknoten der Bank of England hinein – Geld, das überall gültig wäre, wohin auch immer er gehen würde.
„Haben Sie nichts vergessen?“, fragte er.
„Nichts, Monsieur.“
„Meinen Regenmantel und meinen Mantel?“
„Hier sind sie.“
„Gut! Nehmen Sie diesen Teppichbeutel“, sagte er und reichte ihn Passepartout. „Passen Sie gut darauf auf – darin sind zwanzigtausend Pfund.“
„Aber die Koffer?“, keuchte Passepartout und schwang unbewusst den Kopf von rechts nach links.
„Wir werden keine Koffer haben; nur einen Teppichbeutel – mit zwei Hemden und drei Paar Strümpfen für mich sowie das Gleiche für Sie. Wir kaufen uns unterwegs neue Kleidung. Bringen Sie meinen Regenmantel und Reisemantel sowie einige robuste Schuhe herunter – auch wenn wir kaum laufen werden. Beeilen Sie sich!“
Passepartout versuchte zu antworten, konnte aber nicht. Er ging hinaus, stieg in sein eigenes Zimmer, ließ sich in einen Stuhl fallen und murmelte: „Das ist ja großartig! Und ich, der ich doch ruhig bleiben wollte!“
Mechanisch machte er sich daran, die Abreise vorzubereiten. Um die Welt in achtzig Tagen! War sein Herr ein Narr? Nein. War es dann ein Scherz?
Sie würden nach Dover fahren – gut! Nach Calais – wieder gut! Schließlich würde Passepartout, der fünf Jahre lang nicht in Frankreich gewesen war, gerne wieder seinen Heimatboden betreten. Vielleicht würden sie sogar bis nach Paris fahren – es würde seinen Augen guttun, Paris noch einmal zu sehen. Doch sicherlich würde ein Mann, der so vorsichtig mit seinen Schritten war, dort anhalten – zweifellos. Doch trotzdem blieb die Tatsache bestehen, dass dieser bisher so häusliche Mensch nun abreisen würde!
Um acht Uhr hatte Passepartout den bescheidenen Teppichbeutel gepackt, in dem sich die Kleidung seines Herrn und seine eigene befand. Noch immer beunruhigt, schloss er sorgfältig die Tür seines Zimmers und ging zu Herrn Fogg hinunter.
Herr Fogg war bereits fertig. Unter seinem Arm konnte man ein in Rot gebundenes Exemplar von Bradshaws „Continental Railway Steam Transit and General Guide“ erkennen – mit den Fahrplänen für die Ankunft und Abfahrt von Dampfschiffen und Zügen. Er nahm den Teppichbeutel, öffnete ihn und legte eine beträchtliche Menge an Banknoten der Bank of England hinein – Geld, das überall gültig wäre, wohin auch immer er gehen würde.
„Haben Sie nichts vergessen?“, fragte er.
„Nichts, Monsieur.“
„Meinen Regenmantel und meinen Mantel?“
„Hier sind sie.“
„Gut! Nehmen Sie diesen Teppichbeutel“, sagte er und reichte ihn Passepartout. „Passen Sie gut darauf auf – darin sind zwanzigtausend Pfund.“
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Passepartout ließ fast die Tasche fallen – als wären die zwanzigtausend Pfund aus Gold und würden ihn niederdrücken. Dann stiegen Meister und Diener hinab; die Haustür war doppelt verschlossen. Am Ende von Saville Row nahmen sie ein Taxi und fuhren schnell nach Charing Cross. Das Taxi hielt zwanzig Minuten nach acht vor dem Bahnhof an. Passepartout sprang aus dem Wagen und folgte seinem Meister. Dieser bezahlte den Taxifahrer und wollte gerade den Bahnhof betreten, als eine arme Bettlerin mit einem Kind auf dem Arm herankam. Ihre nackten Füße waren mit Schlamm bedeckt, ihr Kopf mit einem erbärmlichen Hut bedeckt, an dem eine zerrissene Feder hing; ihre Schultern waren mit einem zerrissenen Schal bedeckt. Traurig bat sie um Almosen. Herr Fogg holte die zwanzig Guineen hervor, die er gerade beim Whist gewonnen hatte, und reichte sie der Bettlerin, indem er sagte: „Hier, meine gute Frau. Ich bin froh, Ihnen begegnet zu sein.“ Dann ging er weiter. Passepartout hatte feuchte Augen – die Handlung seines Meisters hatte sein sensibles Herz berührt. Nachdem zwei Erste-Klasse-Tickets nach Paris schnell gekauft worden waren, überquerte Herr Fogg den Bahnhof, um zum Zug zu gelangen. Dabei bemerkte er seine fünf Freunde von der Reformbewegung. „Nun, meine Herren“, sagte er, „ich muss jetzt los. Wenn Sie meinen Reisepass prüfen, wenn ich zurückkehre, können Sie beurteilen, ob ich die vereinbarte Reise hinter mich gebracht habe.“ „Oh, das wäre völlig unnötig, Herr Fogg“, sagte Ralph höflich. „Wir werden Ihrem Wort als ehrenhaftem Mann vertrauen.“ „Vergessen Sie nicht, wann Sie wieder in London ankommen müssen?“, fragte Stuart. „In achtzig Tagen – am Samstag, den 21. Dezember 1872, um Viertel vor neun abends. Auf Wiedersehen, meine Herren.“ Phileas Fogg und sein Diener setzten sich um Viertel vor neun in einen Waggon erster Klasse. Fünf Minuten später ertönte der Pfiff – der Zug rollte langsam vom Bahnhof weg. Es war Nacht, und es regnete leicht und ununterbrochen. Phileas Fogg saß gemütlich in seiner Ecke und sagte kein Wort. Passepartout, noch nicht von seiner Verwirrung erholt, klammerte sich mechanisch an die Tasche mit ihrem riesigen Schatz.
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Gerade als der Zug durch Sydenham raste, stieß Passepartout plötzlich einen Schrei der Verzweiflung aus.
„Was ist los?“, fragte Herr Fogg.
„Ach! In meiner Eile – ich habe vergessen –“
„Was?“
„Den Gaszug in meinem Zimmer abzuschalten!“
„Nun gut, junger Mann“, erwiderte Herr Fogg ruhig; „es wird brennen – auf Ihre Kosten.“
„Was ist los?“, fragte Herr Fogg.
„Ach! In meiner Eile – ich habe vergessen –“
„Was?“
„Den Gaszug in meinem Zimmer abzuschalten!“
„Nun gut, junger Mann“, erwiderte Herr Fogg ruhig; „es wird brennen – auf Ihre Kosten.“
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KAPITEL V.
In dem eine neue Art von Fahrkarten auftaucht – unbekannt den Reichen – auf dem Wechselmarkt
Phileas Fogg vermutete zu Recht, dass sein Aufbruch aus London im West End für großes Aufsehen sorgen würde. Die Nachricht vom Wettbewerb verbreitete sich im Reform Club und bot seinen Mitgliedern ein spannendes Gesprächsthema. Von dort gelangte die Nachricht bald in die Zeitungen ganz Englands. Die behauptete „Weltumrundung“ wurde diskutiert, in Frage gestellt und mit derselben Leidenschaft debattiert, als handele es sich um einen weiteren Anspruch auf Land in Alabama. Einige stellten sich auf die Seite von Phileas Fogg, doch die überwiegende Mehrheit schüttelte den Kopf und sprach sich gegen ihn aus; es sei absurd und unmöglich, die Welt in so kurzer Zeit und mit den vorhandenen Reisemitteln zu umrunden – außer theoretisch und auf dem Papier. Die Times, Standard, Morning Post, Daily News sowie zwanzig weitere hoch angesehene Zeitungen betrachteten Mr. Fogg’s Projekt als Wahnsinn; nur die Daily Telegraph unterstützte ihn zögernd. Die Menschen im Allgemeinen hielten ihn für einen Verrückten und machten seine Freunde aus dem Reform Club dafür verantwortlich, dass sie ein Wettangebot angenommen hatten, das die geistige Störung des Vorschlagenden offenbarte.
Es erschienen Artikel, die genauso leidenschaftlich wie logisch waren – schließlich ist Geografie eines der Lieblingsthemen der Engländer –, und die Kolumnen, die Phileas Fogg’s Unternehmung widmeten, wurden von Lesern aller Schichten gierig gelesen. Zunächst unterstützten einige unbesonnene Personen, hauptsächlich vom weiblichen Geschlecht, seine Sache; diese Unterstützung wurde noch größer, als die Illustrated London News sein Porträt veröffentlichte, das von einem Foto im Reform Club abgeschrieben worden war. Einige Leser der Daily Telegraph wagten sogar zu sagen: „Warum eigentlich nicht? Seltsamere Dinge sind schon geschehen.“
In dem eine neue Art von Fahrkarten auftaucht – unbekannt den Reichen – auf dem Wechselmarkt
Phileas Fogg vermutete zu Recht, dass sein Aufbruch aus London im West End für großes Aufsehen sorgen würde. Die Nachricht vom Wettbewerb verbreitete sich im Reform Club und bot seinen Mitgliedern ein spannendes Gesprächsthema. Von dort gelangte die Nachricht bald in die Zeitungen ganz Englands. Die behauptete „Weltumrundung“ wurde diskutiert, in Frage gestellt und mit derselben Leidenschaft debattiert, als handele es sich um einen weiteren Anspruch auf Land in Alabama. Einige stellten sich auf die Seite von Phileas Fogg, doch die überwiegende Mehrheit schüttelte den Kopf und sprach sich gegen ihn aus; es sei absurd und unmöglich, die Welt in so kurzer Zeit und mit den vorhandenen Reisemitteln zu umrunden – außer theoretisch und auf dem Papier. Die Times, Standard, Morning Post, Daily News sowie zwanzig weitere hoch angesehene Zeitungen betrachteten Mr. Fogg’s Projekt als Wahnsinn; nur die Daily Telegraph unterstützte ihn zögernd. Die Menschen im Allgemeinen hielten ihn für einen Verrückten und machten seine Freunde aus dem Reform Club dafür verantwortlich, dass sie ein Wettangebot angenommen hatten, das die geistige Störung des Vorschlagenden offenbarte.
Es erschienen Artikel, die genauso leidenschaftlich wie logisch waren – schließlich ist Geografie eines der Lieblingsthemen der Engländer –, und die Kolumnen, die Phileas Fogg’s Unternehmung widmeten, wurden von Lesern aller Schichten gierig gelesen. Zunächst unterstützten einige unbesonnene Personen, hauptsächlich vom weiblichen Geschlecht, seine Sache; diese Unterstützung wurde noch größer, als die Illustrated London News sein Porträt veröffentlichte, das von einem Foto im Reform Club abgeschrieben worden war. Einige Leser der Daily Telegraph wagten sogar zu sagen: „Warum eigentlich nicht? Seltsamere Dinge sind schon geschehen.“
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Endlich erschien am 7. Oktober in der Zeitschrift der Royal Geographical Society ein langer Artikel, der die Frage aus allen Blickwinkeln betrachtete und die völlige Unsinnigkeit dieses Unternehmens aufzeigte. Alles, so hieß es darin, sei gegen die Reisenden – jedes Hindernis stamme sowohl vom Menschen als auch von der Natur. Eine wundersame Übereinstimmung der Abfahrts- und Ankunftszeiten, die eigentlich unmöglich war, galt als absolut notwendig für seinen Erfolg. Vielleicht konnte er auf die pünktliche Ankunft der Züge in Europa zählen, wo die Entfernungen relativ gering waren; doch wenn er davon ausging, Indien in drei Tagen und die Vereinigten Staaten in sieben Tagen zu durchqueren, konnte er dann wirklich darauf vertrauen, seine Aufgabe zu erfüllen? Es gab Maschinenschäden, das Risiko, dass Züge von den Schienen abkamen, Kollisionen, schlechtes Wetter sowie Schneeverwehungen – standen all das nicht gegen Phileas Fogg? Würde er bei einer Reise mit Dampfschiff im Winter nicht den Winden und Nebeln ausgeliefert sein? Ist es nicht üblich, dass die besten Ozeandampfschiffe zwei oder drei Tage im Verzug sind? Doch bereits eine einzige Verzögerung würde ausreichen, um die Kommunikationskette endgültig zu unterbrechen; sollte Phileas Fogg auch nur eine Stunde zu spät kommen, müsste er auf das nächste Schiff warten – und das würde seinen Versuch endgültig zunichte machen.
Dieser Artikel sorgte für großes Aufsehen; da er in allen Zeitungen abgedruckt wurde, dämpfte er die Begeisterung der Befürworter dieses unbesonnenen Reisenden erheblich. Jeder weiß, dass England das Land der Wettpioniere ist – Menschen, die einer höheren Klasse angehören als gewöhnliche Spieler; zu wetten liegt im englischen Temperament. Nicht nur die Mitglieder der Reformpartei, sondern auch die Allgemeinheit wagten hohe Einsätze für oder gegen Phileas Fogg, der in den Wettbüchern wie ein Rennpferd eingetragen wurde. Anleihen wurden ausgegeben und auf den Börsen gehandelt; „Phileas Fogg-Anleihen“ wurden zum Nennwert oder zu einem Aufschlag angeboten, und damit wurde viel Geld verdient. Doch fünf Tage nach Erscheinen des Artikels in der Zeitschrift der Geographical Society begann die Nachfrage nachzulassen: Die „Phileas Fogg-Anleihen“ verloren an Wert. Zuerst wurden sie in Paketen à fünf, dann à zehn angeboten – bis schließlich niemand mehr weniger als zwanzig, fünfzig oder hundert davon haben wollte!
Lord Albemarle, ein alter, gelähmter Herr, war nun der einzige noch verbleibende Befürworter von Phileas Fogg. Dieser edle Lord, der an seinem Stuhl gefesselt war, hätte sein ganzes Vermögen gegeben, um die Weltreise antreten zu können – selbst wenn das zehn Jahre dauern würde; er setzte fünftausend Pfund auf Phileas Fogg. Als ihm die Unsinnigkeit sowie Nutzlosigkeit dieser Unternehmung klar gemacht wurde…
Dieser Artikel sorgte für großes Aufsehen; da er in allen Zeitungen abgedruckt wurde, dämpfte er die Begeisterung der Befürworter dieses unbesonnenen Reisenden erheblich. Jeder weiß, dass England das Land der Wettpioniere ist – Menschen, die einer höheren Klasse angehören als gewöhnliche Spieler; zu wetten liegt im englischen Temperament. Nicht nur die Mitglieder der Reformpartei, sondern auch die Allgemeinheit wagten hohe Einsätze für oder gegen Phileas Fogg, der in den Wettbüchern wie ein Rennpferd eingetragen wurde. Anleihen wurden ausgegeben und auf den Börsen gehandelt; „Phileas Fogg-Anleihen“ wurden zum Nennwert oder zu einem Aufschlag angeboten, und damit wurde viel Geld verdient. Doch fünf Tage nach Erscheinen des Artikels in der Zeitschrift der Geographical Society begann die Nachfrage nachzulassen: Die „Phileas Fogg-Anleihen“ verloren an Wert. Zuerst wurden sie in Paketen à fünf, dann à zehn angeboten – bis schließlich niemand mehr weniger als zwanzig, fünfzig oder hundert davon haben wollte!
Lord Albemarle, ein alter, gelähmter Herr, war nun der einzige noch verbleibende Befürworter von Phileas Fogg. Dieser edle Lord, der an seinem Stuhl gefesselt war, hätte sein ganzes Vermögen gegeben, um die Weltreise antreten zu können – selbst wenn das zehn Jahre dauern würde; er setzte fünftausend Pfund auf Phileas Fogg. Als ihm die Unsinnigkeit sowie Nutzlosigkeit dieser Unternehmung klar gemacht wurde…
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Er begnügte sich damit zu antworten: „Wenn die Sache machbar ist, sollte der Erste, der sie ausführt, ein Engländer sein.“ Fogges Gruppe wurde immer kleiner – alle wandten sich gegen ihn – und die Wetten standen bei hundertfünfzig zu zweihundert gegen eins. Eine Woche nach seiner Abreise ereignete sich ein Vorfall, der ihm jede Unterstützung kostete.
Um neun Uhr abends saß der Polizeikommissar in seinem Büro, als ihm folgender Telegramm überreicht wurde:
Suez nach London:
ROWAN, POLIZEIKOMMISSAR, SCOTLAND YARD:
Ich habe den Bankräuber gefunden – Phileas Fogg. Schicken Sie umgehend einen Haftbefehl nach Bombay.
FIX, Detektiv.
Die Wirkung dieses Telegramms war sofortig. Der distinguierte Herr verschwand und machte dem Bankräuber Platz. Sein Foto, das zusammen mit den Fotos der anderen Mitglieder im Reform Club hing, wurde genau untersucht – und zeigte Detail für Detail die Beschreibung des Räubers, die der Polizei vorlag. Die geheimnisvollen Gewohnheiten Phileas Fogg wurden in Erinnerung gerufen – seine einsamen Wege, sein plötzlicher Aufbruch. Es schien klar zu sein, dass er mit seiner Weltreise unter dem Vorwand eines Wettbewerbs nur das Ziel hatte, den Detektiven zu entkommen und sie von seiner Spur abzulenken.
Um neun Uhr abends saß der Polizeikommissar in seinem Büro, als ihm folgender Telegramm überreicht wurde:
Suez nach London:
ROWAN, POLIZEIKOMMISSAR, SCOTLAND YARD:
Ich habe den Bankräuber gefunden – Phileas Fogg. Schicken Sie umgehend einen Haftbefehl nach Bombay.
FIX, Detektiv.
Die Wirkung dieses Telegramms war sofortig. Der distinguierte Herr verschwand und machte dem Bankräuber Platz. Sein Foto, das zusammen mit den Fotos der anderen Mitglieder im Reform Club hing, wurde genau untersucht – und zeigte Detail für Detail die Beschreibung des Räubers, die der Polizei vorlag. Die geheimnisvollen Gewohnheiten Phileas Fogg wurden in Erinnerung gerufen – seine einsamen Wege, sein plötzlicher Aufbruch. Es schien klar zu sein, dass er mit seiner Weltreise unter dem Vorwand eines Wettbewerbs nur das Ziel hatte, den Detektiven zu entkommen und sie von seiner Spur abzulenken.
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KAPITEL VI.
In dem Fix, der Detektiv, eine sehr natürliche Ungeduld zeigt
Die Umstände, unter denen diese telegrafische Nachricht über Phileas Fogg gesendet wurde, waren wie folgt:
Das Dampfschiff „Mongolia“, das zur Peninsular and Oriental Company gehörte, war aus Eisen gebaut, wog 2.800 Tonnen und hatte eine Leistung von 500 Pferdestärken. Es sollte am Mittwoch, den 9. Oktober, um 11 Uhr vormittags in Suez ankommen. Die „Mongolia“ fuhr regelmäßig zwischen Brindisi und Bombay über den Suezkanal und gehörte zu den schnellsten Dampfschiffen der Gesellschaft – sie erreichte zwischen Brindisi und Suez immer eine Geschwindigkeit von mehr als zehn Knoten, zwischen Suez und Bombay hingegen neunhalb Knoten.
Zwei Männer gingen auf und ab entlang der Anlegestellen, unter der Menge der Einheimischen und Fremden, die sich in diesem einst verödeten Dorf aufhielten – heute, dank des Unternehmertums von Herrn Lesseps, eine rasch wachsende Stadt. Einer von ihnen war der britische Konsul in Suez. Trotz der Prophezeiungen der englischen Regierung sowie der ungünstigen Prognosen von Stephenson hatte er die Gewohnheit, täglich vom Fenster seines Büros aus englische Schiffe zu beobachten, die auf dem großen Kanal hin- und herfuhren. Dadurch wurde die alte Umwege-Route von England nach Indien über den Kap der Guten Hoffnung um mindestens die Hälfte verkürzt. Der andere Mann war eine kleine, zierlich gebaute Person mit einem nervösen, intelligenten Gesicht sowie leuchtenden Augen, die unter ständig zuckenden Augenbrauen hervorschauten. Er zeigte unverkennbare Anzeichen von Ungeduld – er ging nervös auf und ab und konnte keinen Moment stillstehen. Das war Fix, einer der Detektive, die aus England geschickt worden waren, um den Bankräuber zu finden. Seine Aufgabe bestand darin, jeden Passagier, der in Suez ankam, genau im Auge zu behalten und alle Personen zu verfolgen, die verdächtig erschienen oder der Beschreibung des Verbrechers entsprachen.
In dem Fix, der Detektiv, eine sehr natürliche Ungeduld zeigt
Die Umstände, unter denen diese telegrafische Nachricht über Phileas Fogg gesendet wurde, waren wie folgt:
Das Dampfschiff „Mongolia“, das zur Peninsular and Oriental Company gehörte, war aus Eisen gebaut, wog 2.800 Tonnen und hatte eine Leistung von 500 Pferdestärken. Es sollte am Mittwoch, den 9. Oktober, um 11 Uhr vormittags in Suez ankommen. Die „Mongolia“ fuhr regelmäßig zwischen Brindisi und Bombay über den Suezkanal und gehörte zu den schnellsten Dampfschiffen der Gesellschaft – sie erreichte zwischen Brindisi und Suez immer eine Geschwindigkeit von mehr als zehn Knoten, zwischen Suez und Bombay hingegen neunhalb Knoten.
Zwei Männer gingen auf und ab entlang der Anlegestellen, unter der Menge der Einheimischen und Fremden, die sich in diesem einst verödeten Dorf aufhielten – heute, dank des Unternehmertums von Herrn Lesseps, eine rasch wachsende Stadt. Einer von ihnen war der britische Konsul in Suez. Trotz der Prophezeiungen der englischen Regierung sowie der ungünstigen Prognosen von Stephenson hatte er die Gewohnheit, täglich vom Fenster seines Büros aus englische Schiffe zu beobachten, die auf dem großen Kanal hin- und herfuhren. Dadurch wurde die alte Umwege-Route von England nach Indien über den Kap der Guten Hoffnung um mindestens die Hälfte verkürzt. Der andere Mann war eine kleine, zierlich gebaute Person mit einem nervösen, intelligenten Gesicht sowie leuchtenden Augen, die unter ständig zuckenden Augenbrauen hervorschauten. Er zeigte unverkennbare Anzeichen von Ungeduld – er ging nervös auf und ab und konnte keinen Moment stillstehen. Das war Fix, einer der Detektive, die aus England geschickt worden waren, um den Bankräuber zu finden. Seine Aufgabe bestand darin, jeden Passagier, der in Suez ankam, genau im Auge zu behalten und alle Personen zu verfolgen, die verdächtig erschienen oder der Beschreibung des Verbrechers entsprachen.
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Er hatte es zwei Tage zuvor vom Polizeihauptquartier in London erhalten.
Der Detektiv wurde offensichtlich von der Hoffnung angetrieben, die prächtige Belohnung zu erhalten, die als Preis für den Erfolg ausgeschrieben war, und wartete mit leicht verständlicher Ungeduld auf die Ankunft des Dampfers „Mongolia“.
„Sie sagen also, Herr Konsul“, fragte er zum zwanzigsten Mal, „dass dieser Dampfer niemals zu spät kommt?“
„Nein, Herr Fix“, antwortete der Konsul. „Er wurde gestern in Port Said gesehen, und der Rest der Strecke ist für ein solches Schiff unbedeutend. Ich wiederhole: Die ‚Mongolia‘ ist bereits vor der von den Gesellschaftsregeln vorgeschriebenen Zeit eingetroffen und hat somit die für übermäßige Geschwindigkeit ausgeschriebene Prämie erhalten.“
„Kommt sie direkt aus Brindisi?“
„Direkt aus Brindisi; dort holt sie die indischen Postsendungen ab. Sie ist am Samstag um fünf Uhr nachmittags dorthin aufgebrochen. Haben Sie Geduld, Herr Fix – sie wird nicht zu spät kommen. Aber ehrlich gesagt sehe ich nicht, wie Sie Ihren Mann anhand der Beschreibung erkennen können, selbst wenn er an Bord der ‚Mongolia‘ ist.“
„Ein Mensch spürt eher die Anwesenheit dieser Kerle, Herr Konsul, als dass er sie erkennt. Man muss einfach ein Gespür für sie haben – und ein Gespür ist wie ein sechster Sinn, der Hören, Sehen und Riechen miteinander verbindet. Ich habe im Laufe meiner Karriere schon mehrere dieser Gentlemen festgenommen. Wenn mein Dieb an Bord ist, werde ich dafür sorgen, dass er mir nicht entkommt.“
„Ich hoffe das, Herr Fix – schließlich handelte es sich um einen schweren Raub.“
„Einen großartigen Raub, Herr Konsul – fünfundfünfzigtausend Pfund! Solche Glücksfälle haben wir nicht oft. Heutzutage werden Diebe immer verachtenswerter! Ein Mensch wird schon wegen eines Haufens Schillinge gehängt!“
„Herr Fix“, sagte der Konsul, „mir gefällt Ihre Art zu sprechen – und ich hoffe, Sie werden Erfolg haben. Doch ich fürchte, es wird alles andere als einfach sein. Sie sehen doch, dass die Beschreibung, die Sie haben, einer ehrlichen Person ziemlich ähnelt.“
„Konsul“, bemerkte der Detektiv dogmatisch, „große Diebe sehen immer aus wie ehrliche Leute. Leute mit schurkischen Gesichtern haben nur einen Weg: ehrlich zu bleiben – sonst würden sie sofort festgenommen. Das Kunstvolle besteht darin, ehrliche Gesichter zu entlarven. Es ist keine leichte Aufgabe, das gebe ich zu – aber es ist eine wahre Kunst.“
Herr Fix schien offensichtlich nicht an einem Hauch von Selbstüberschätzung zu mangeln.
Der Detektiv wurde offensichtlich von der Hoffnung angetrieben, die prächtige Belohnung zu erhalten, die als Preis für den Erfolg ausgeschrieben war, und wartete mit leicht verständlicher Ungeduld auf die Ankunft des Dampfers „Mongolia“.
„Sie sagen also, Herr Konsul“, fragte er zum zwanzigsten Mal, „dass dieser Dampfer niemals zu spät kommt?“
„Nein, Herr Fix“, antwortete der Konsul. „Er wurde gestern in Port Said gesehen, und der Rest der Strecke ist für ein solches Schiff unbedeutend. Ich wiederhole: Die ‚Mongolia‘ ist bereits vor der von den Gesellschaftsregeln vorgeschriebenen Zeit eingetroffen und hat somit die für übermäßige Geschwindigkeit ausgeschriebene Prämie erhalten.“
„Kommt sie direkt aus Brindisi?“
„Direkt aus Brindisi; dort holt sie die indischen Postsendungen ab. Sie ist am Samstag um fünf Uhr nachmittags dorthin aufgebrochen. Haben Sie Geduld, Herr Fix – sie wird nicht zu spät kommen. Aber ehrlich gesagt sehe ich nicht, wie Sie Ihren Mann anhand der Beschreibung erkennen können, selbst wenn er an Bord der ‚Mongolia‘ ist.“
„Ein Mensch spürt eher die Anwesenheit dieser Kerle, Herr Konsul, als dass er sie erkennt. Man muss einfach ein Gespür für sie haben – und ein Gespür ist wie ein sechster Sinn, der Hören, Sehen und Riechen miteinander verbindet. Ich habe im Laufe meiner Karriere schon mehrere dieser Gentlemen festgenommen. Wenn mein Dieb an Bord ist, werde ich dafür sorgen, dass er mir nicht entkommt.“
„Ich hoffe das, Herr Fix – schließlich handelte es sich um einen schweren Raub.“
„Einen großartigen Raub, Herr Konsul – fünfundfünfzigtausend Pfund! Solche Glücksfälle haben wir nicht oft. Heutzutage werden Diebe immer verachtenswerter! Ein Mensch wird schon wegen eines Haufens Schillinge gehängt!“
„Herr Fix“, sagte der Konsul, „mir gefällt Ihre Art zu sprechen – und ich hoffe, Sie werden Erfolg haben. Doch ich fürchte, es wird alles andere als einfach sein. Sie sehen doch, dass die Beschreibung, die Sie haben, einer ehrlichen Person ziemlich ähnelt.“
„Konsul“, bemerkte der Detektiv dogmatisch, „große Diebe sehen immer aus wie ehrliche Leute. Leute mit schurkischen Gesichtern haben nur einen Weg: ehrlich zu bleiben – sonst würden sie sofort festgenommen. Das Kunstvolle besteht darin, ehrliche Gesichter zu entlarven. Es ist keine leichte Aufgabe, das gebe ich zu – aber es ist eine wahre Kunst.“
Herr Fix schien offensichtlich nicht an einem Hauch von Selbstüberschätzung zu mangeln.
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Allmählich wurde die Szene am Kai lebhafter; Seeleute verschiedener Nationen, Händler, Schifffahrtsmakler, Träger und Bauern eilten hin und her, als würde das Dampfschiff bereits erwartet. Das Wetter war klar und etwas kühl. Die Minarette der Stadt ragten in den blassen Sonnenstrahlen über den Häusern auf. Ein Kai, etwa zweitausend Yards lang, erstreckte sich ins Hafengebiet hinein. Im Roten Meer waren mehrere Fischerboote sowie Küstenschiffe zu erkennen – einige von ihnen noch im Stil alter Galeeren gehalten.
Während er sich durch die geschäftige Menge bewegte, musterte Fix wie gewohnt die Vorbeigehenden mit einem scharfen, schnellen Blick.
Es war jetzt halb elf.
„Das Dampfschiff kommt nicht!“, rief er, als die Hafenuhr schlug.
„Es kann jetzt nicht mehr weit sein“, antwortete sein Begleiter.
„Wie lange bleibt es in Suez?“
„Vier Stunden – lange genug, um Kohle aufzunehmen. Von Suez bis Aden, am anderen Ende des Roten Meeres, sind es dreizehnhundert Meilen, und das Schiff muss neue Kohle laden.“
„Und fährt es von Suez direkt nach Bombay?“
„Ohne irgendwo anzuhalten.“
„Gut!“, sagte Fix. „Wenn der Räuber an Bord ist, wird er sicherlich in Suez aussteigen, um über einen anderen Weg die niederländischen oder französischen Kolonien in Asien zu erreichen. Er sollte wissen, dass er in Indien, das englisches Gebiet ist, keine Stunde lang sicher wäre.“
„Es sei denn“, wandte der Konsul ein, „er ist außergewöhnlich klug. Ein englischer Verbrecher lässt sich, wissen Sie, immer besser in London verstecken als anderswo.“
Diese Bemerkung gab dem Detektiv Stoff zum Nachdenken. In der Zwischenzeit ging der Konsul in sein Büro. Fix, nun allein, war ungeduldiger denn je – er hatte das Gefühl, dass der Räuber an Bord der „Mongolia“ war. Wenn er tatsächlich London verlassen hatte, um in die Neue Welt zu gelangen, würde er natürlich den Weg über Indien nehmen, der weniger überwacht und schwieriger zu überwachen war als der über den Atlantik. Doch Fix’ Gedanken wurden bald durch eine Reihe lauter Pfeiftöne unterbrochen – das Zeichen für die Ankunft der „Mongolia“. Die Träger und Bauern eilten den Kai entlang, und ein Dutzend Boote lösten sich vom Ufer, um dem Dampfschiff entgegenzufahren. Bald schon…
Während er sich durch die geschäftige Menge bewegte, musterte Fix wie gewohnt die Vorbeigehenden mit einem scharfen, schnellen Blick.
Es war jetzt halb elf.
„Das Dampfschiff kommt nicht!“, rief er, als die Hafenuhr schlug.
„Es kann jetzt nicht mehr weit sein“, antwortete sein Begleiter.
„Wie lange bleibt es in Suez?“
„Vier Stunden – lange genug, um Kohle aufzunehmen. Von Suez bis Aden, am anderen Ende des Roten Meeres, sind es dreizehnhundert Meilen, und das Schiff muss neue Kohle laden.“
„Und fährt es von Suez direkt nach Bombay?“
„Ohne irgendwo anzuhalten.“
„Gut!“, sagte Fix. „Wenn der Räuber an Bord ist, wird er sicherlich in Suez aussteigen, um über einen anderen Weg die niederländischen oder französischen Kolonien in Asien zu erreichen. Er sollte wissen, dass er in Indien, das englisches Gebiet ist, keine Stunde lang sicher wäre.“
„Es sei denn“, wandte der Konsul ein, „er ist außergewöhnlich klug. Ein englischer Verbrecher lässt sich, wissen Sie, immer besser in London verstecken als anderswo.“
Diese Bemerkung gab dem Detektiv Stoff zum Nachdenken. In der Zwischenzeit ging der Konsul in sein Büro. Fix, nun allein, war ungeduldiger denn je – er hatte das Gefühl, dass der Räuber an Bord der „Mongolia“ war. Wenn er tatsächlich London verlassen hatte, um in die Neue Welt zu gelangen, würde er natürlich den Weg über Indien nehmen, der weniger überwacht und schwieriger zu überwachen war als der über den Atlantik. Doch Fix’ Gedanken wurden bald durch eine Reihe lauter Pfeiftöne unterbrochen – das Zeichen für die Ankunft der „Mongolia“. Die Träger und Bauern eilten den Kai entlang, und ein Dutzend Boote lösten sich vom Ufer, um dem Dampfschiff entgegenzufahren. Bald schon…
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Ein riesiges Schiff tauchte auf und fuhr zwischen den Ufern hindurch; es war elf Uhr, als es anlegte. Es brachte eine ungewöhnlich große Anzahl von Passagieren mit sich – einige blieben auf dem Deck, um die malerische Aussicht auf die Stadt zu betrachten, während der größte Teil in Booten an Land ging.
Fix nahm Stellung ein und betrachtete sorgfältig jedes Gesicht und jede Gestalt, die auftauchte. Schließlich kam einer der Passagiere, nachdem er sich energisch durch die drängelnde Menge der Träger gekämpft hatte, auf ihn zu und fragte höflich, ob er ihm das englische Konsulat zeigen könne. Gleichzeitig zeigte er einen Reisepass, den er visiert haben wollte. Fix nahm instinktiv den Pass und überflog hastig die Angaben zum Inhaber. Ein unwillkürlicher Ausdruck des Erstaunens entwich ihm – denn die Beschreibung im Pass entsprach genau der des Bankräubers, die er von Scotland Yard erhalten hatte.
„Ist das Ihr Reisepass?“, fragte er.
„Nein, das ist der meines Herrn.“
„Und Ihr Herr ist…“
„Er ist noch an Bord.“
„Aber er muss persönlich zum Konsulat gehen, um seine Identität nachweisen zu können.“
„Oh, ist das wirklich notwendig?“
„Ganz unverzichtbar.“
„Und wo befindet sich das Konsulat?“
„Dort, auf der Ecke des Platzes“, sagte Fix und zeigte auf ein Haus, das etwa zweihundert Schritte entfernt lag.
„Ich werde meinen Herrn holen – doch er wird sicherlich nicht erfreut sein, gestört zu werden.“
Der Passagier verbeugte sich vor Fix und kehrte zum Dampfschiff zurück.
Fix nahm Stellung ein und betrachtete sorgfältig jedes Gesicht und jede Gestalt, die auftauchte. Schließlich kam einer der Passagiere, nachdem er sich energisch durch die drängelnde Menge der Träger gekämpft hatte, auf ihn zu und fragte höflich, ob er ihm das englische Konsulat zeigen könne. Gleichzeitig zeigte er einen Reisepass, den er visiert haben wollte. Fix nahm instinktiv den Pass und überflog hastig die Angaben zum Inhaber. Ein unwillkürlicher Ausdruck des Erstaunens entwich ihm – denn die Beschreibung im Pass entsprach genau der des Bankräubers, die er von Scotland Yard erhalten hatte.
„Ist das Ihr Reisepass?“, fragte er.
„Nein, das ist der meines Herrn.“
„Und Ihr Herr ist…“
„Er ist noch an Bord.“
„Aber er muss persönlich zum Konsulat gehen, um seine Identität nachweisen zu können.“
„Oh, ist das wirklich notwendig?“
„Ganz unverzichtbar.“
„Und wo befindet sich das Konsulat?“
„Dort, auf der Ecke des Platzes“, sagte Fix und zeigte auf ein Haus, das etwa zweihundert Schritte entfernt lag.
„Ich werde meinen Herrn holen – doch er wird sicherlich nicht erfreut sein, gestört zu werden.“
Der Passagier verbeugte sich vor Fix und kehrte zum Dampfschiff zurück.
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KAPITEL VII.
DAS NOCHMAL DIE UNNUTZLICHKEIT VON PASSPAPIEREN ALS HILFSMITTEL FÜR DETEKTIVE DARSTELLT
Der Detektiv ging den Kai entlang und eilte zum Konsulat, wo er sogleich vor diesen Beamten vorgelassen wurde.
„Konsul“, sagte er ohne Umschweife, „ich habe starke Gründe zu der Annahme, dass mein Mann ein Passagier auf der ‚Mongolia‘ ist.“ Dann berichtete er von dem, was gerade bezüglich des Passes geschehen war.
„Nun, Herr Fix“, antwortete der Konsul, „ich werde es nicht bedauern, das Gesicht dieses Schurken zu sehen – aber vielleicht kommt er nicht hierher, nämlich falls er tatsächlich die Person ist, für die Sie ihn halten. Ein Räuber möchte schließlich keine Spuren seines Fluchts hinterlassen; außerdem ist er nicht verpflichtet, seinen Pass gegenzeichnen zu lassen.“
„Wenn er so schlau ist, wie ich glaube, Konsul, dann wird er kommen.“
„Um seinen Pass visieren zu lassen?“
„Ja. Pässe sind nur dazu da, ehrliche Leute zu belästigen und Dieben bei ihrer Flucht zu helfen. Ich versichere Ihnen, das wäre genau das Richtige für ihn – aber ich hoffe, Sie werden den Pass nicht visieren.“
„Warum nicht? Wenn der Pass echt ist, habe ich kein Recht, abzulehnen.“
„Trotzdem muss ich diesen Mann hier behalten, bis ich einen Haftbefehl aus London erhalten kann.“
„Ah, das ist Ihr Problem. Aber ich kann nicht –“
Der Konsul beendete seinen Satz nicht, denn während er sprach, wurde an die Tür geklopft, und zwei Fremde traten ein; einer von ihnen war der Diener, der…
DAS NOCHMAL DIE UNNUTZLICHKEIT VON PASSPAPIEREN ALS HILFSMITTEL FÜR DETEKTIVE DARSTELLT
Der Detektiv ging den Kai entlang und eilte zum Konsulat, wo er sogleich vor diesen Beamten vorgelassen wurde.
„Konsul“, sagte er ohne Umschweife, „ich habe starke Gründe zu der Annahme, dass mein Mann ein Passagier auf der ‚Mongolia‘ ist.“ Dann berichtete er von dem, was gerade bezüglich des Passes geschehen war.
„Nun, Herr Fix“, antwortete der Konsul, „ich werde es nicht bedauern, das Gesicht dieses Schurken zu sehen – aber vielleicht kommt er nicht hierher, nämlich falls er tatsächlich die Person ist, für die Sie ihn halten. Ein Räuber möchte schließlich keine Spuren seines Fluchts hinterlassen; außerdem ist er nicht verpflichtet, seinen Pass gegenzeichnen zu lassen.“
„Wenn er so schlau ist, wie ich glaube, Konsul, dann wird er kommen.“
„Um seinen Pass visieren zu lassen?“
„Ja. Pässe sind nur dazu da, ehrliche Leute zu belästigen und Dieben bei ihrer Flucht zu helfen. Ich versichere Ihnen, das wäre genau das Richtige für ihn – aber ich hoffe, Sie werden den Pass nicht visieren.“
„Warum nicht? Wenn der Pass echt ist, habe ich kein Recht, abzulehnen.“
„Trotzdem muss ich diesen Mann hier behalten, bis ich einen Haftbefehl aus London erhalten kann.“
„Ah, das ist Ihr Problem. Aber ich kann nicht –“
Der Konsul beendete seinen Satz nicht, denn während er sprach, wurde an die Tür geklopft, und zwei Fremde traten ein; einer von ihnen war der Diener, der…
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Fix hatte sich am Kai getroffen. Der andere, der sein Herr war, reichte ihm seinen Pass und bat darum, dass der Konsul ihm die Ehre erweisen möge, ihn zu visieren. Der Konsul nahm das Dokument und las es sorgfältig durch, während Fix den Fremden aus einer Ecke des Raumes mit seinen Augen beobachtete – oder vielmehr fixierte.
„Sie sind Herr Phileas Fogg?“, fragte der Konsul, nachdem er den Pass gelesen hatte.
„Ja, das bin ich.“
„Und dieser Mann ist Ihr Diener?“
„Ja, er ist Franzose und heißt Passepartout.“
„Sie kommen aus London?“
„Ja.“
„Und Sie wollen –“
„Nach Bombay.“
„Sehr gut, Sir. Sie wissen doch, dass ein Visum nutzlos ist und kein Pass erforderlich ist?“
„Das weiß ich, Sir“, antwortete Phileas Fogg; „aber ich möchte durch Ihr Visum beweisen, dass ich über Suez gekommen bin.“
„Sehr gut, Sir.“
Der Konsul unterschrieb und datierte den Pass und setzte anschließend sein offizielles Siegel darauf. Herr Fogg zahlte die übliche Gebühr, verbeugte sich kühl und ging hinaus, gefolgt von seinem Diener.
„Nun?“, fragte der Detektiv.
„Nun, er sieht und handelt wie ein völlig ehrlicher Mann“, antwortete der Konsul.
„Möglicherweise; aber das ist nicht die Frage. Glauben Sie, Herr Konsul, dass dieser gelassene Herr von Gesicht zu Gesicht dem Räuber ähnelt, dessen Beschreibung ich erhalten habe?“
„Das gebe ich zu; aber Sie wissen ja, alle Beschreibungen –“
„Ich werde es herausfinden“, unterbrach Fix. „Der Diener scheint mir weniger rätselhaft als der Herr; außerdem ist er Franzose und kann nicht umhin zu reden. Entschuldigen Sie mich für einen Moment, Herr Konsul.“
Fix machte sich auf die Suche nach Passepartout.
In der Zwischenzeit begab sich Herr Fogg, nachdem er das Konsulat verlassen hatte, wieder zum Kai, gab Passepartout einige Anweisungen, fuhr mit einem Boot zur „Mongolia“ und
„Sie sind Herr Phileas Fogg?“, fragte der Konsul, nachdem er den Pass gelesen hatte.
„Ja, das bin ich.“
„Und dieser Mann ist Ihr Diener?“
„Ja, er ist Franzose und heißt Passepartout.“
„Sie kommen aus London?“
„Ja.“
„Und Sie wollen –“
„Nach Bombay.“
„Sehr gut, Sir. Sie wissen doch, dass ein Visum nutzlos ist und kein Pass erforderlich ist?“
„Das weiß ich, Sir“, antwortete Phileas Fogg; „aber ich möchte durch Ihr Visum beweisen, dass ich über Suez gekommen bin.“
„Sehr gut, Sir.“
Der Konsul unterschrieb und datierte den Pass und setzte anschließend sein offizielles Siegel darauf. Herr Fogg zahlte die übliche Gebühr, verbeugte sich kühl und ging hinaus, gefolgt von seinem Diener.
„Nun?“, fragte der Detektiv.
„Nun, er sieht und handelt wie ein völlig ehrlicher Mann“, antwortete der Konsul.
„Möglicherweise; aber das ist nicht die Frage. Glauben Sie, Herr Konsul, dass dieser gelassene Herr von Gesicht zu Gesicht dem Räuber ähnelt, dessen Beschreibung ich erhalten habe?“
„Das gebe ich zu; aber Sie wissen ja, alle Beschreibungen –“
„Ich werde es herausfinden“, unterbrach Fix. „Der Diener scheint mir weniger rätselhaft als der Herr; außerdem ist er Franzose und kann nicht umhin zu reden. Entschuldigen Sie mich für einen Moment, Herr Konsul.“
Fix machte sich auf die Suche nach Passepartout.
In der Zwischenzeit begab sich Herr Fogg, nachdem er das Konsulat verlassen hatte, wieder zum Kai, gab Passepartout einige Anweisungen, fuhr mit einem Boot zur „Mongolia“ und
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Er ging in seine Kabine. Er nahm sein Notizbuch zur Hand, in dem sich die folgenden Einträge befanden:
„London verlassen am Mittwoch, den 2. Oktober, um 20.45 Uhr.“
„Paris erreicht am Donnerstag, den 3. Oktober, um 7.20 Uhr morgens.“
„Paris verlassen am Donnerstag um 8.40 Uhr morgens.“
„Turin über Mont Cenis erreicht am Freitag, den 4. Oktober, um 6.35 Uhr morgens.“
„Turin verlassen am Freitag um 7.20 Uhr morgens.“
„In Brindisi angekommen am Samstag, den 5. Oktober, um 16.00 Uhr.“
„Mit der ‚Mongolia‘ weitergefahren am Samstag um 17.00 Uhr.“
„Suez erreicht am Mittwoch, den 9. Oktober, um 11.00 Uhr vormittags.“
„Gesamtanzahl der verbrachten Stunden: 158½; das entspricht sechs Tagen und einer halben Woche.“
Diese Daten waren in einem Itinerar eingetragen, das in Spalten unterteilt war und Monat, Tag des Monats sowie den geplanten und tatsächlichen Ankunftszeitpunkt an jedem wichtigen Ort – Paris, Brindisi, Suez, Bombay, Kalkutta, Singapur, Hongkong, Yokohama, San Francisco, New York und London – vom 2. Oktober bis zum 21. Dezember anzeigte. Zudem gab es einen Platz, um die beim Ankommen an jedem Ort erzielten Gewinne oder erlittenen Verluste einzutragen. Diese systematische Aufzeichnung enthielt somit alle notwendigen Informationen, und Herr Fogg wusste stets, ob er im Rückstand oder im Voraus war. An diesem Freitag, dem 9. Oktober, notierte er seine Ankunft in Suez und stellte fest, dass er bisher weder Gewinn noch Verlust erlitten hatte. Er setzte sich ruhig in seiner Kabine zum Frühstück hin, ohne auch nur daran zu denken, die Stadt zu besichtigen – schließlich gehörte er zu jenen Engländern, die dazu neigen, ausländische Länder durch die Augen ihrer Diener zu betrachten.
„London verlassen am Mittwoch, den 2. Oktober, um 20.45 Uhr.“
„Paris erreicht am Donnerstag, den 3. Oktober, um 7.20 Uhr morgens.“
„Paris verlassen am Donnerstag um 8.40 Uhr morgens.“
„Turin über Mont Cenis erreicht am Freitag, den 4. Oktober, um 6.35 Uhr morgens.“
„Turin verlassen am Freitag um 7.20 Uhr morgens.“
„In Brindisi angekommen am Samstag, den 5. Oktober, um 16.00 Uhr.“
„Mit der ‚Mongolia‘ weitergefahren am Samstag um 17.00 Uhr.“
„Suez erreicht am Mittwoch, den 9. Oktober, um 11.00 Uhr vormittags.“
„Gesamtanzahl der verbrachten Stunden: 158½; das entspricht sechs Tagen und einer halben Woche.“
Diese Daten waren in einem Itinerar eingetragen, das in Spalten unterteilt war und Monat, Tag des Monats sowie den geplanten und tatsächlichen Ankunftszeitpunkt an jedem wichtigen Ort – Paris, Brindisi, Suez, Bombay, Kalkutta, Singapur, Hongkong, Yokohama, San Francisco, New York und London – vom 2. Oktober bis zum 21. Dezember anzeigte. Zudem gab es einen Platz, um die beim Ankommen an jedem Ort erzielten Gewinne oder erlittenen Verluste einzutragen. Diese systematische Aufzeichnung enthielt somit alle notwendigen Informationen, und Herr Fogg wusste stets, ob er im Rückstand oder im Voraus war. An diesem Freitag, dem 9. Oktober, notierte er seine Ankunft in Suez und stellte fest, dass er bisher weder Gewinn noch Verlust erlitten hatte. Er setzte sich ruhig in seiner Kabine zum Frühstück hin, ohne auch nur daran zu denken, die Stadt zu besichtigen – schließlich gehörte er zu jenen Engländern, die dazu neigen, ausländische Länder durch die Augen ihrer Diener zu betrachten.
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KAPITEL VIII.
In dem Passepartout vielleicht etwas zu viel redet – als wäre das klug.
Fix traf bald wieder auf Passepartout, der auf dem Kai herumlümmelte und sich umsah, als würde er nicht das Gefühl haben, zumindest nicht etwas sehen zu müssen.
„Nun, mein Freund“, sagte der Detektiv, als er zu ihm kam, „ist Ihr Reisepass bereits gestempelt?“
„Ah, Sie sind es, Monsieur? Danke, ja – der Reisepass ist in Ordnung.“
„Und Sie schauen sich um?“
„Ja; aber wir reisen so schnell, dass es mir vorkommt, als würde ich in einem Traum reisen. Ist das also Suez?“
„Ja.“
„In Ägypten?“
„Sicherlich, in Ägypten.“
„Und in Afrika?“
„In Afrika.“
„In Afrika!“, wiederholte Passepartout. „Stellen Sie sich vor, Monsieur – ich hatte keine Ahnung, dass wir weiter als bis Paris reisen würden! Alles, was ich von Paris gesehen habe, war zwischen halb acht und Viertel vor neun morgens, zwischen den Bahnhöfen Nord und Lyon – durch die Fenster eines Wagens, und bei strömendem Regen! Wie sehr bedaure ich, Père la Chaise sowie den Zirkus auf den Champs-Élysées nicht noch einmal gesehen zu haben!“
„Dann haben Sie es also sehr eilig?“
In dem Passepartout vielleicht etwas zu viel redet – als wäre das klug.
Fix traf bald wieder auf Passepartout, der auf dem Kai herumlümmelte und sich umsah, als würde er nicht das Gefühl haben, zumindest nicht etwas sehen zu müssen.
„Nun, mein Freund“, sagte der Detektiv, als er zu ihm kam, „ist Ihr Reisepass bereits gestempelt?“
„Ah, Sie sind es, Monsieur? Danke, ja – der Reisepass ist in Ordnung.“
„Und Sie schauen sich um?“
„Ja; aber wir reisen so schnell, dass es mir vorkommt, als würde ich in einem Traum reisen. Ist das also Suez?“
„Ja.“
„In Ägypten?“
„Sicherlich, in Ägypten.“
„Und in Afrika?“
„In Afrika.“
„In Afrika!“, wiederholte Passepartout. „Stellen Sie sich vor, Monsieur – ich hatte keine Ahnung, dass wir weiter als bis Paris reisen würden! Alles, was ich von Paris gesehen habe, war zwischen halb acht und Viertel vor neun morgens, zwischen den Bahnhöfen Nord und Lyon – durch die Fenster eines Wagens, und bei strömendem Regen! Wie sehr bedaure ich, Père la Chaise sowie den Zirkus auf den Champs-Élysées nicht noch einmal gesehen zu haben!“
„Dann haben Sie es also sehr eilig?“
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„Ich nicht, aber mein Herr schon. Übrigens muss ich mir Schuhe und Hemden kaufen. Wir sind ohne Koffer losgefahren, nur mit einer Reisetasche.“
„Ich zeige Ihnen einen hervorragenden Laden, in dem Sie das bekommen können, was Sie wollen.“
„Wirklich, Monsieur, Sie sind sehr freundlich.“
Und sie gingen zusammen weiter, wobei Passepartout ununterbrochen plapperte.
„Vor allem“, sagte er, „lassen Sie mich den Dampfer nicht verpassen.“
„Sie haben noch genug Zeit; es ist erst zwölf Uhr.“
Passepartout zog seine große Uhr hervor. „Zwölf!“, rief er. „Es sind doch erst acht Minuten vor zehn.“
„Ihre Uhr geht zurück.“
„Meine Uhr? Das ist eine Familienuhr, Monsieur – sie stammt von meinem Urgroßvater! Sie geht im ganzen Jahr nicht einmal um fünf Minuten falsch. Es handelt sich dabei um ein perfektes Chronometer, sehen Sie nur.“
„Ich verstehe“, sagte Fix. „Sie halten die Londoner Zeit, die zwei Stunden hinter der Zeit in Suez liegt. Sie sollten Ihre Uhr jeden Tag zur Mittagszeit auf die Ortszeit einstellen.“
„Ich soll meine Uhr einstellen? Niemals!“
„Nun, dann wird sie nicht mit der Sonne übereinstimmen.“
„Umso schlimmer für die Sonne, Monsieur. Dann hat die Sonne eben unrecht!“
Und der gute Mann steckte die Uhr mit einer trotzig wirkenden Geste wieder in ihren Behälter. Nach ein paar Minuten Stille fuhr Fix fort: „Sie sind also eilig aus London abgereist?“
„Das denke ich schon! Letzten Freitag um acht Uhr abends kam Monsieur Fogg aus seinem Club nach Hause, und drei Viertelstunden später brachen wir auf.“
„Aber wohin reist Ihr Herr?“
„Immer geradeaus. Er will die Welt umrunden.“
„Die Welt umrunden?“, rief Fix.
„Ja – und das in achtzig Tagen! Er sagt, es sei wegen eines Wettbewerbs; aber zwischen uns gesagt: Ich glaube kein Wort davon. Das wäre doch kein gesunder Menschenverstand. Da steckt etwas anderes dahinter.“
„Ah! Monsieur Fogg ist wirklich ein bemerkenswerter Mann, nicht wahr?“
„Ich zeige Ihnen einen hervorragenden Laden, in dem Sie das bekommen können, was Sie wollen.“
„Wirklich, Monsieur, Sie sind sehr freundlich.“
Und sie gingen zusammen weiter, wobei Passepartout ununterbrochen plapperte.
„Vor allem“, sagte er, „lassen Sie mich den Dampfer nicht verpassen.“
„Sie haben noch genug Zeit; es ist erst zwölf Uhr.“
Passepartout zog seine große Uhr hervor. „Zwölf!“, rief er. „Es sind doch erst acht Minuten vor zehn.“
„Ihre Uhr geht zurück.“
„Meine Uhr? Das ist eine Familienuhr, Monsieur – sie stammt von meinem Urgroßvater! Sie geht im ganzen Jahr nicht einmal um fünf Minuten falsch. Es handelt sich dabei um ein perfektes Chronometer, sehen Sie nur.“
„Ich verstehe“, sagte Fix. „Sie halten die Londoner Zeit, die zwei Stunden hinter der Zeit in Suez liegt. Sie sollten Ihre Uhr jeden Tag zur Mittagszeit auf die Ortszeit einstellen.“
„Ich soll meine Uhr einstellen? Niemals!“
„Nun, dann wird sie nicht mit der Sonne übereinstimmen.“
„Umso schlimmer für die Sonne, Monsieur. Dann hat die Sonne eben unrecht!“
Und der gute Mann steckte die Uhr mit einer trotzig wirkenden Geste wieder in ihren Behälter. Nach ein paar Minuten Stille fuhr Fix fort: „Sie sind also eilig aus London abgereist?“
„Das denke ich schon! Letzten Freitag um acht Uhr abends kam Monsieur Fogg aus seinem Club nach Hause, und drei Viertelstunden später brachen wir auf.“
„Aber wohin reist Ihr Herr?“
„Immer geradeaus. Er will die Welt umrunden.“
„Die Welt umrunden?“, rief Fix.
„Ja – und das in achtzig Tagen! Er sagt, es sei wegen eines Wettbewerbs; aber zwischen uns gesagt: Ich glaube kein Wort davon. Das wäre doch kein gesunder Menschenverstand. Da steckt etwas anderes dahinter.“
„Ah! Monsieur Fogg ist wirklich ein bemerkenswerter Mann, nicht wahr?“
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„Ich würde sagen, ja.“
„Ist er reich?“
„Ohne Zweifel – schließlich trägt er eine enorme Summe in brandneuen Banknoten bei sich. Und er spart auch unterwegs kein Geld: Er hat dem Ingenieur der ‚Mongolia‘ eine hohe Belohnung versprochen, falls dieser uns weit vor der geplanten Zeit nach Bombay bringt.“
„Und Sie kennen Ihren Herrn schon lange?“
„Nein, ganz und gar nicht; ich trat in seinen Dienst am selben Tag, an dem wir London verließen.“
Man kann sich die Wirkung dieser Antworten auf den bereits misstrauischen und aufgeregten Detektiv vorstellen. Der hastige Aufbruch aus London kurz nach dem Raub; die große Summe, die Herr Fogg bei sich hatte; sein Eifer, in ferne Länder zu gelangen; der Vorwand einer exzentrischen und leichtsinnigen Wette – all das bestärkte Fix in seiner Theorie. Er fragte weiterhin den armen Passepartout aus und erfuhr, dass dieser tatsächlich kaum etwas oder gar nichts über seinen Herrn wusste. Dieser lebte ein zurückgezogenes Leben in London, galt als reich – obwohl niemand wusste, woher sein Reichtum stammte – und war in seinen Angelegenheiten sowie Gewohnheiten geheimnisvoll und unergründlich. Fix war sicher, dass Phileas Fogg nicht in Suez anlanden würde, sondern tatsächlich nach Bombay weiterreisen würde.
„Ist Bombay weit von hier entfernt?“, fragte Passepartout.
„Ziemlich weit. Es ist eine zehntägige Seereise.“
„Und in welchem Land liegt Bombay?“
„In Indien.“
„In Asien?“
„Sicherlich.“
„Verdammt! Ich wollte Ihnen noch etwas sagen, was mich beunruhigt – mein Gasherd!“
„Welcher Gasherd?“
„Mein Gasherd, den ich vergessen habe auszuschalten. Im Moment brennt er auf meine Kosten weiter. Ich habe berechnet, Monsieur, dass ich alle vierundzwanzig Stunden zwei Shilling verliere – genau sechs Pence mehr, als ich verdiene. Sie verstehen sicher, je länger unsere Reise dauert …“
Achtete Fix überhaupt auf Passepartouts Probleme wegen des Gasherdes? Das ist unwahrscheinlich. Er hörte nicht zu, sondern dachte über einen Plan nach. Passepartout und er hatten inzwischen den Laden erreicht, wo Fix seinen …
„Ist er reich?“
„Ohne Zweifel – schließlich trägt er eine enorme Summe in brandneuen Banknoten bei sich. Und er spart auch unterwegs kein Geld: Er hat dem Ingenieur der ‚Mongolia‘ eine hohe Belohnung versprochen, falls dieser uns weit vor der geplanten Zeit nach Bombay bringt.“
„Und Sie kennen Ihren Herrn schon lange?“
„Nein, ganz und gar nicht; ich trat in seinen Dienst am selben Tag, an dem wir London verließen.“
Man kann sich die Wirkung dieser Antworten auf den bereits misstrauischen und aufgeregten Detektiv vorstellen. Der hastige Aufbruch aus London kurz nach dem Raub; die große Summe, die Herr Fogg bei sich hatte; sein Eifer, in ferne Länder zu gelangen; der Vorwand einer exzentrischen und leichtsinnigen Wette – all das bestärkte Fix in seiner Theorie. Er fragte weiterhin den armen Passepartout aus und erfuhr, dass dieser tatsächlich kaum etwas oder gar nichts über seinen Herrn wusste. Dieser lebte ein zurückgezogenes Leben in London, galt als reich – obwohl niemand wusste, woher sein Reichtum stammte – und war in seinen Angelegenheiten sowie Gewohnheiten geheimnisvoll und unergründlich. Fix war sicher, dass Phileas Fogg nicht in Suez anlanden würde, sondern tatsächlich nach Bombay weiterreisen würde.
„Ist Bombay weit von hier entfernt?“, fragte Passepartout.
„Ziemlich weit. Es ist eine zehntägige Seereise.“
„Und in welchem Land liegt Bombay?“
„In Indien.“
„In Asien?“
„Sicherlich.“
„Verdammt! Ich wollte Ihnen noch etwas sagen, was mich beunruhigt – mein Gasherd!“
„Welcher Gasherd?“
„Mein Gasherd, den ich vergessen habe auszuschalten. Im Moment brennt er auf meine Kosten weiter. Ich habe berechnet, Monsieur, dass ich alle vierundzwanzig Stunden zwei Shilling verliere – genau sechs Pence mehr, als ich verdiene. Sie verstehen sicher, je länger unsere Reise dauert …“
Achtete Fix überhaupt auf Passepartouts Probleme wegen des Gasherdes? Das ist unwahrscheinlich. Er hörte nicht zu, sondern dachte über einen Plan nach. Passepartout und er hatten inzwischen den Laden erreicht, wo Fix seinen …
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Ein Begleiter, der ihm bei den Einkäufen helfen sollte – nachdem man ihm geraten hatte, den Dampfer nicht zu verpassen –, eilte zurück zum Konsulat. Jetzt, da er völlig überzeugt war, hatte Fix seine Gelassenheit wiedererlangt.
„Konsul“, sagte er, „ich habe keine Zweifel mehr. Ich habe meinen Mann gefunden. Er gibt vor, ein seltsamer Kerl zu sein, der die Welt in achtzig Tagen umrunden will.“
„Dann ist er ein schlauer Bursche“, erwiderte der Konsul, „und hofft, nachdem er die Polizei beider Länder abgelenkt hat, nach London zurückkehren zu können.“
„Wir werden sehen“, antwortete Fix.
„Aber irren Sie sich nicht?“
„Ich irre mich nicht.“
„Warum bestand dieser Räuber darauf, mit dem Visum zu beweisen, dass er durch Suez gekommen war?“
„Warum? Das weiß ich nicht; aber hören Sie mir zu.“
Er berichtete in wenigen Worten über die wichtigsten Teile seines Gesprächs mit Passepartout.
„Kurz gesagt“, sagte der Konsul, „die Umstände sprechen alles gegen diesen Mann. Was werden Sie tun?“
„Ich werde ein Telegramm nach London schicken, damit ein Haftbefehl sofort nach Bombay geschickt wird. Dann nehme ich an Bord der ‚Mongolia‘ und folge meinem Schurken nach Indien. Dort, auf englischem Boden, werde ich ihn höflich festnehmen – mit meinem Haftbefehl in der Hand und meiner Hand auf seiner Schulter.“
Nachdem er diese Worte mit ruhiger, gelassener Miene ausgesprochen hatte, verabschiedete sich der Detektiv vom Konsul und begab sich ins Telegrafenbüro, von wo aus er das Telegramm an die Polizeistelle in London schickte. Ein Viertelstunde später sah man Fix mit einer kleinen Tasche in der Hand an Bord der „Mongolia“. Kurz darauf setzte sich der prächtige Dampfer mit voller Geschwindigkeit in See auf den Gewässern des Roten Meeres.
„Konsul“, sagte er, „ich habe keine Zweifel mehr. Ich habe meinen Mann gefunden. Er gibt vor, ein seltsamer Kerl zu sein, der die Welt in achtzig Tagen umrunden will.“
„Dann ist er ein schlauer Bursche“, erwiderte der Konsul, „und hofft, nachdem er die Polizei beider Länder abgelenkt hat, nach London zurückkehren zu können.“
„Wir werden sehen“, antwortete Fix.
„Aber irren Sie sich nicht?“
„Ich irre mich nicht.“
„Warum bestand dieser Räuber darauf, mit dem Visum zu beweisen, dass er durch Suez gekommen war?“
„Warum? Das weiß ich nicht; aber hören Sie mir zu.“
Er berichtete in wenigen Worten über die wichtigsten Teile seines Gesprächs mit Passepartout.
„Kurz gesagt“, sagte der Konsul, „die Umstände sprechen alles gegen diesen Mann. Was werden Sie tun?“
„Ich werde ein Telegramm nach London schicken, damit ein Haftbefehl sofort nach Bombay geschickt wird. Dann nehme ich an Bord der ‚Mongolia‘ und folge meinem Schurken nach Indien. Dort, auf englischem Boden, werde ich ihn höflich festnehmen – mit meinem Haftbefehl in der Hand und meiner Hand auf seiner Schulter.“
Nachdem er diese Worte mit ruhiger, gelassener Miene ausgesprochen hatte, verabschiedete sich der Detektiv vom Konsul und begab sich ins Telegrafenbüro, von wo aus er das Telegramm an die Polizeistelle in London schickte. Ein Viertelstunde später sah man Fix mit einer kleinen Tasche in der Hand an Bord der „Mongolia“. Kurz darauf setzte sich der prächtige Dampfer mit voller Geschwindigkeit in See auf den Gewässern des Roten Meeres.
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KAPITEL IX.
In dem das Rote Meer und der Indische Ozean den Plänen von Phileas Fogg günstig sind
Die Entfernung zwischen Suez und Aden beträgt genau dreizehnhundertzehn Meilen. Die Vorschriften der Reederei erlauben den Dampfschiffen, diese Strecke in 138 Stunden zurückzulegen. Dank der intensiven Bemühungen des Ingenieurs schien die „Mongolia“ aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit in der Lage zu sein, ihr Ziel bereits innerhalb dieser Zeit zu erreichen. Der größte Teil der Passagiere aus Brindisi war auf dem Weg nach Indien – einige nach Bombay, andere über Bombay nach Kalkutta, dem kürzesten Weg dorthin, seit eine Eisenbahn die indische Halbinsel durchquert. Unter den Passagieren befanden sich zahlreiche Beamte sowie Militäroffiziere verschiedener Ränge. Letztere waren entweder den regulären britischen Streitkräften zugeordnet oder befehligten die Sepoysoldaten und erhielten hohe Gehälter, seit die Zentralregierung die Befugnisse der Ostindien-Kompanie übernommen hatte: Leutnants erhielten 280 Pfund, Brigadegeneräle 2.400 Pfund und Divisionsgeneräle 4.000 Pfund. Zusammen mit den Militärmännern, einer Anzahl reicher junger Engländer auf Reisen sowie den gastfreundlichen Bemühungen des Schiffsverwalters verging die Zeit an Bord der „Mongolia“ schnell. Zum Frühstück, Mittagessen, Abendessen sowie zum Abendessen um acht Uhr wurde das Beste serviert. Die Damen wechselten zweimal am Tag sorgfältig ihre Kleidung; wenn das Meer ruhig war, vergingen die Stunden mit Musik, Tanzen und Spielen. Doch das Rote Meer ist voller Launen und oft stürmisch – wie die meisten langen und schmalen Meeresarme. Wenn der Wind von der afrikanischen oder asiatischen Küste kam, rollte die „Mongolia“ mit ihrem langen Rumpf gefährlich hin und her. Dann verschwanden die Damen schnell nach unten; die Klaviere schwiegen, Gesang und Tanz hörten plötzlich auf. Dennoch fuhr das gute Schiff weiter geradeaus, unbeeinträchtigt vom Wind oder…
In dem das Rote Meer und der Indische Ozean den Plänen von Phileas Fogg günstig sind
Die Entfernung zwischen Suez und Aden beträgt genau dreizehnhundertzehn Meilen. Die Vorschriften der Reederei erlauben den Dampfschiffen, diese Strecke in 138 Stunden zurückzulegen. Dank der intensiven Bemühungen des Ingenieurs schien die „Mongolia“ aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit in der Lage zu sein, ihr Ziel bereits innerhalb dieser Zeit zu erreichen. Der größte Teil der Passagiere aus Brindisi war auf dem Weg nach Indien – einige nach Bombay, andere über Bombay nach Kalkutta, dem kürzesten Weg dorthin, seit eine Eisenbahn die indische Halbinsel durchquert. Unter den Passagieren befanden sich zahlreiche Beamte sowie Militäroffiziere verschiedener Ränge. Letztere waren entweder den regulären britischen Streitkräften zugeordnet oder befehligten die Sepoysoldaten und erhielten hohe Gehälter, seit die Zentralregierung die Befugnisse der Ostindien-Kompanie übernommen hatte: Leutnants erhielten 280 Pfund, Brigadegeneräle 2.400 Pfund und Divisionsgeneräle 4.000 Pfund. Zusammen mit den Militärmännern, einer Anzahl reicher junger Engländer auf Reisen sowie den gastfreundlichen Bemühungen des Schiffsverwalters verging die Zeit an Bord der „Mongolia“ schnell. Zum Frühstück, Mittagessen, Abendessen sowie zum Abendessen um acht Uhr wurde das Beste serviert. Die Damen wechselten zweimal am Tag sorgfältig ihre Kleidung; wenn das Meer ruhig war, vergingen die Stunden mit Musik, Tanzen und Spielen. Doch das Rote Meer ist voller Launen und oft stürmisch – wie die meisten langen und schmalen Meeresarme. Wenn der Wind von der afrikanischen oder asiatischen Küste kam, rollte die „Mongolia“ mit ihrem langen Rumpf gefährlich hin und her. Dann verschwanden die Damen schnell nach unten; die Klaviere schwiegen, Gesang und Tanz hörten plötzlich auf. Dennoch fuhr das gute Schiff weiter geradeaus, unbeeinträchtigt vom Wind oder…
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In Richtung der Straße von Bab-el-Mandeb. Was tat Phileas Fogg die ganze Zeit über? Man könnte meinen, dass er in seiner Unruhe ständig den Windverlauf sowie das wilde Treiben der Wellen beobachtete – kurz gesagt, jede Möglichkeit, die dazu führen könnte, dass die „Mongolia“ ihre Geschwindigkeit verringert und damit seine Reise unterbricht. Doch selbst wenn er an diese Möglichkeiten dachte, zeigte er dies durch kein äußeres Zeichen. Immer noch derselbe unerschütterliche Mitglied des Reform Clubs – niemandes Ereignisse konnten ihn überraschen; genauso unveränderlich wie die Chronometer des Schiffes. Selten hatte er sogar das Interesse, auf das Deck zu gehen. Er durchquerte die bemerkenswerten Landschaften des Roten Meeres mit kalter Gleichgültigkeit; es kümmerte ihn nicht, die historischen Städte und Dörfer zu erkennen, deren malerische Umrisse sich gegen den Himmel abhoben. Auch zeigte er keine Angst vor den Gefahren des Arabischen Golfs, von denen die alten Historiker immer mit Entsetzen sprachen und bei denen die alten Seefahrer niemals ohne umfangreiche Opfergaben an die Götter aufbrachen. Wie verbrachte dieser exzentrische Mann seine Zeit auf der „Mongolia“? Er aß jeden Tag seine vier Mahlzeiten, ungeachtet der ständigen Bewegungen des Schiffes. Außerdem spielte er unermüdlich Whist – schließlich fand er Mitspieler, die genauso begeistert waren wie er selbst. Ein Steuereintreiber auf dem Weg zu seinem Posten in Goa, Reverend Decimus Smith, der zu seiner Pfarrei in Bombay zurückkehrte, sowie ein Brigadegeneral der englischen Armee, der zu seiner Brigade in Benares zurückkehren wollte, bildeten seine Spielgefährten. Zusammen mit Herrn Fogg spielten sie stundenlang Whist in tiefem Schweigen. Was Passepartout betrifft: Auch er blieb frei von Seekrankheit und aß gewissenhaft in der Vorderkabine. Er genoss die Reise, denn er wurde gut ernährt und hatte eine angenehme Unterkunft. Er zeigte großes Interesse an den Landschaften, an denen sie vorbeikamen, und tröstete sich mit der Vorstellung, dass der Wunsch seines Herrn in Bombay enden würde. Am Tag nach dem Verlassen von Suez freute er sich, auf dem Deck wieder den freundlichen Mann zu treffen, mit dem er auf den Docks spazieren gegangen und geplaudert hatte. „Falls ich mich nicht irre“, sagte er, während er mit seinem freundlichsten Lächeln auf diesen Mann zuging, „sind Sie doch der Herr, der so freundlich war, mir in Suez als Führer zur Seite zu stehen?“ „Ah! Ich erkenne Sie wieder. Sie sind der Diener des seltsamen Engländer.“ „Genau, Monsieur.“
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„Fix.“
„Monsieur Fix“, fuhr Passepartout fort, „ich bin sehr erfreut, Sie an Bord zu finden. Wohin sind Sie unterwegs?“
„Wie Sie auch, nach Bombay.“
„Das ist großartig! Haben Sie diese Reise schon einmal unternommen?“
„Mehrmals. Ich gehöre zu den Agenten der Peninsular Company.“
„Dann kennen Sie Indien also?“
„Ja, natürlich“, antwortete Fix vorsichtig.
„Ist Indien ein seltsamer Ort?“
„Oh, sehr seltsam. Moscheen, Minarette, Tempel, Fakire, Pagoden, Tiger, Schlangen, Elefanten! Ich hoffe, Sie haben genügend Zeit, die Sehenswürdigkeiten zu besichtigen.“
„Das hoffe ich auch, Monsieur Fix. Ein vernünftiger Mensch sollte schließlich nicht sein Leben damit verbringen, von einem Dampfschiff auf einen Eisenbahnzug und wieder zurück zu springen, nur um so zu tun, als würde er die Welt in achtzig Tagen umrunden! Nein – all diese Akrobatik wird, da können Sie sicher sein, in Bombay enden.“
„Und wie geht es Mr. Fogg?“, fragte Fix im allernatürlichsten Tonfall.
„Sehr gut – und mir auch. Ich esse wie ein ausgehungerter Oger; das liegt wohl am Meeresschaum.“
„Aber ich sehe Ihren Herrn nie auf dem Deck.“
„Nie; er hat überhaupt kein Interesse daran.“
„Wissen Sie, Mr. Passepartout, dass diese sogenannte Reise in achtzig Tagen vielleicht ein geheimes Vorhaben verbirgt – vielleicht eine diplomatische Mission?“
„Glauben Sie mir, Monsieur Fix, ich weiß davon nichts – und ich würde nicht einmal eine halbe Krone dafür geben, es herauszufinden.“
Nach diesem Treffen gewöhnten sich Passepartout und Fix daran, miteinander zu plaudern. Fix bemühte sich dabei, das Vertrauen des braven Mannes zu gewinnen. Oft bot er ihm in der Bar des Dampfschiffs ein Glas Whiskey oder Pale Ale an – was Passepartout stets mit großer Freude annahm und im Stillen Fix für den besten der Männer hielt.
In der Zwischenzeit fuhr die „Mongolia“ schnell voran. Am 13. wurde Mocha sichtbar – umgeben von seinen zerstörten Mauern, auf denen Dattelbäume wuchsen. Auf den Bergen dahinter waren riesige Kaffeeplantagen zu erkennen.
„Monsieur Fix“, fuhr Passepartout fort, „ich bin sehr erfreut, Sie an Bord zu finden. Wohin sind Sie unterwegs?“
„Wie Sie auch, nach Bombay.“
„Das ist großartig! Haben Sie diese Reise schon einmal unternommen?“
„Mehrmals. Ich gehöre zu den Agenten der Peninsular Company.“
„Dann kennen Sie Indien also?“
„Ja, natürlich“, antwortete Fix vorsichtig.
„Ist Indien ein seltsamer Ort?“
„Oh, sehr seltsam. Moscheen, Minarette, Tempel, Fakire, Pagoden, Tiger, Schlangen, Elefanten! Ich hoffe, Sie haben genügend Zeit, die Sehenswürdigkeiten zu besichtigen.“
„Das hoffe ich auch, Monsieur Fix. Ein vernünftiger Mensch sollte schließlich nicht sein Leben damit verbringen, von einem Dampfschiff auf einen Eisenbahnzug und wieder zurück zu springen, nur um so zu tun, als würde er die Welt in achtzig Tagen umrunden! Nein – all diese Akrobatik wird, da können Sie sicher sein, in Bombay enden.“
„Und wie geht es Mr. Fogg?“, fragte Fix im allernatürlichsten Tonfall.
„Sehr gut – und mir auch. Ich esse wie ein ausgehungerter Oger; das liegt wohl am Meeresschaum.“
„Aber ich sehe Ihren Herrn nie auf dem Deck.“
„Nie; er hat überhaupt kein Interesse daran.“
„Wissen Sie, Mr. Passepartout, dass diese sogenannte Reise in achtzig Tagen vielleicht ein geheimes Vorhaben verbirgt – vielleicht eine diplomatische Mission?“
„Glauben Sie mir, Monsieur Fix, ich weiß davon nichts – und ich würde nicht einmal eine halbe Krone dafür geben, es herauszufinden.“
Nach diesem Treffen gewöhnten sich Passepartout und Fix daran, miteinander zu plaudern. Fix bemühte sich dabei, das Vertrauen des braven Mannes zu gewinnen. Oft bot er ihm in der Bar des Dampfschiffs ein Glas Whiskey oder Pale Ale an – was Passepartout stets mit großer Freude annahm und im Stillen Fix für den besten der Männer hielt.
In der Zwischenzeit fuhr die „Mongolia“ schnell voran. Am 13. wurde Mocha sichtbar – umgeben von seinen zerstörten Mauern, auf denen Dattelbäume wuchsen. Auf den Bergen dahinter waren riesige Kaffeeplantagen zu erkennen.
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Passepartout war begeistert, diesen berühmten Ort zu sehen, und fand, dass er mit seinen kreisförmigen Mauern und dem abgerissenen Fort wie eine riesige Kaffeetasse mit Untertasse aussah. In der folgenden Nacht passierten sie die Meerenge von Bab-el-Mandeb, was auf Arabisch „Brücke der Tränen“ bedeutet, und am nächsten Tag legten sie in Steamer Point, nordwestlich des Hafens von Aden, an, um Kohle aufzunehmen. Die Versorgung der Dampfschiffe mit Brennstoff ist bei solcher Entfernung von den Kohlebergwerken eine ernste Angelegenheit; sie kostet die Peninsular Company jährlich etwa achthunderttausend Pfund. In diesen entlegenen Meeren beträgt der Preis für Kohle drei bis vier Pfund Sterling pro Tonne.
Die „Mongolia“ hatte noch sechzehnhundertfünfzig Meilen zurückzulegen, bevor sie Bombay erreichen konnte, und musste daher vier Stunden in Steamer Point bleiben, um Kohle aufzunehmen. Doch diese Verzögerung beeinträchtigte, wie erwartet, Phileas Fogg’s Zeitplan nicht; außerdem erreichte die „Mongolia“ Aden nicht am Morgen des 15., wie geplant, sondern am Abend des 14. – das waren fünfzehn Stunden Ersparnis.
Herr Fogg und sein Diener gingen in Aden an Land, um den Pass erneut visieren zu lassen; Fix folgte ihnen unbemerkt. Nachdem das Visum besorgt worden war, kehrte Herr Fogg an Bord zurück, um seine gewohnten Tätigkeiten wieder aufzunehmen; während Passepartout, wie üblich, unter der gemischten Bevölkerung aus Somalern, Banyanen, Parsen, Juden, Arabern und Europäern umherwanderte, die die fünfundzwanzigtausend Einwohner von Aden ausmachen. Er blickte voller Bewunderung auf die Befestigungsanlagen, die diesen Ort zum „Gibraltar des Indischen Ozeans“ machen, sowie auf die riesigen Zisternen, an denen die englischen Ingenieure auch zweitausend Jahre nach den Ingenieuren Salomos noch arbeiteten.
„Sehr interessant, sehr interessant“, sagte Passepartout zu sich selbst, als er zum Dampfschiff zurückkehrte. „Ich sehe, es ist keineswegs nutzlos, zu reisen, wenn man etwas Neues sehen möchte.“ Um sechs Uhr abends verließ die „Mongolia“ langsam den Hafen und befand sich bald wieder im Indischen Ozean. Sie hatte hundertsechsundsechzig Stunden Zeit, um Bombay zu erreichen; das Wetter war günstig – der Wind wehte aus Nordwesten, und alle Segel unterstützten den Antrieb. Das Schiff schwankte kaum, die Damen erschienen in frischen Kleidern wieder auf dem Deck, und Gesang sowie Tanz setzten sich fort. Die Reise verlief äußerst erfolgreich, und Passepartout war begeistert von dem angenehmen Begleiter, den ihm das Schicksal in Person des entzückenden Fix beschert hatte. Am Sonntag, dem 20. Oktober, gegen Mittag kamen sie in Sichtweite der indischen Küste; zwei Stunden später kam der Lotse an Bord. Eine Reihe von Hügeln…
Die „Mongolia“ hatte noch sechzehnhundertfünfzig Meilen zurückzulegen, bevor sie Bombay erreichen konnte, und musste daher vier Stunden in Steamer Point bleiben, um Kohle aufzunehmen. Doch diese Verzögerung beeinträchtigte, wie erwartet, Phileas Fogg’s Zeitplan nicht; außerdem erreichte die „Mongolia“ Aden nicht am Morgen des 15., wie geplant, sondern am Abend des 14. – das waren fünfzehn Stunden Ersparnis.
Herr Fogg und sein Diener gingen in Aden an Land, um den Pass erneut visieren zu lassen; Fix folgte ihnen unbemerkt. Nachdem das Visum besorgt worden war, kehrte Herr Fogg an Bord zurück, um seine gewohnten Tätigkeiten wieder aufzunehmen; während Passepartout, wie üblich, unter der gemischten Bevölkerung aus Somalern, Banyanen, Parsen, Juden, Arabern und Europäern umherwanderte, die die fünfundzwanzigtausend Einwohner von Aden ausmachen. Er blickte voller Bewunderung auf die Befestigungsanlagen, die diesen Ort zum „Gibraltar des Indischen Ozeans“ machen, sowie auf die riesigen Zisternen, an denen die englischen Ingenieure auch zweitausend Jahre nach den Ingenieuren Salomos noch arbeiteten.
„Sehr interessant, sehr interessant“, sagte Passepartout zu sich selbst, als er zum Dampfschiff zurückkehrte. „Ich sehe, es ist keineswegs nutzlos, zu reisen, wenn man etwas Neues sehen möchte.“ Um sechs Uhr abends verließ die „Mongolia“ langsam den Hafen und befand sich bald wieder im Indischen Ozean. Sie hatte hundertsechsundsechzig Stunden Zeit, um Bombay zu erreichen; das Wetter war günstig – der Wind wehte aus Nordwesten, und alle Segel unterstützten den Antrieb. Das Schiff schwankte kaum, die Damen erschienen in frischen Kleidern wieder auf dem Deck, und Gesang sowie Tanz setzten sich fort. Die Reise verlief äußerst erfolgreich, und Passepartout war begeistert von dem angenehmen Begleiter, den ihm das Schicksal in Person des entzückenden Fix beschert hatte. Am Sonntag, dem 20. Oktober, gegen Mittag kamen sie in Sichtweite der indischen Küste; zwei Stunden später kam der Lotse an Bord. Eine Reihe von Hügeln…
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Am Horizont erstreckten sich die Gebäude gegen den Himmel, und bald wurden die Reihen von Palmen, die Bombay schmückten, deutlich sichtbar. Das Dampfschiff fuhr in die von den Inseln in der Bucht gebildete Wasserstraße ein und legte um halb fünf in den Häfen von Bombay an.
Phileas Fogg war gerade dabei, die 33. Runde dieser Reise abzuschließen. Er und sein Partner hatten durch einen kühnen Zug alle 13 Tricks für sich gewonnen und somit diese großartige Reise mit einem brillanten Sieg beendet.
Die „Mongolia“ sollte am 22. in Bombay ankommen – sie erreichte das Ziel jedoch bereits am 20. Das bedeutete für Phileas Fogg einen Zeitvorteil von zwei Tagen seit seiner Abreise aus London. Gelassen trug er diesen Vorteil in das Reiseprotokoll ein, in die Spalte der Gewinne.
Phileas Fogg war gerade dabei, die 33. Runde dieser Reise abzuschließen. Er und sein Partner hatten durch einen kühnen Zug alle 13 Tricks für sich gewonnen und somit diese großartige Reise mit einem brillanten Sieg beendet.
Die „Mongolia“ sollte am 22. in Bombay ankommen – sie erreichte das Ziel jedoch bereits am 20. Das bedeutete für Phileas Fogg einen Zeitvorteil von zwei Tagen seit seiner Abreise aus London. Gelassen trug er diesen Vorteil in das Reiseprotokoll ein, in die Spalte der Gewinne.
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KAPITEL X.
In dem Passpartout nur allzu gerne mit dem Verlust seiner Schuhe auskommt
Jeder weiß, dass das große umgekehrte Dreieck aus Land, dessen Basis im Norden und dessen Spitze im Süden liegt und Indien genannt wird, eine Fläche von vierzehn Millionen Quadratmeilen umfasst. Auf diesem Gebiet lebt uneinheitlich verteilt eine Bevölkerung von hundertachtzig Millionen Menschen. Die britische Krone übt eine wirkliche und despotische Herrschaft über den größten Teil dieses riesigen Landes aus; sie hat einen Generalgouverneur in Kalkutta, Gouverneure in Madras, Bombay und Bengalen sowie einen Vizegouverneur in Agra. Doch das sogenannte Britisch-Indien umfasst lediglich siebenhunderttausend Quadratmeilen und eine Bevölkerung von hundert bis hundertzehn Millionen Einwohnern. Ein erheblicher Teil Indiens ist noch frei von britischer Herrschaft; es gibt dort einige wilde Rajas im Binnenland, die völlig unabhängig sind. Die berühmte Ostindien-Kompanie war von 1756 an, als die Engländer erstmals einen Fuß auf dem Gebiet errichteten, auf dem heute die Stadt Madras steht, bis zur Zeit des großen Sepoy-Aufstands allmächtig. Sie annektierte allmählich Provinz für Provinz, kaufte sie von den einheimischen Stämmen – wofür sie selten bezahlte – und ernannte den Generalgouverneur sowie seine zivilen und militärischen Untergebenen. Doch die Ostindien-Kompanie existiert heute nicht mehr; die britischen Besitzungen in Indien stehen nun direkt unter der Kontrolle der Krone. Das Erscheinungsbild des Landes sowie die Sitten und Rassenunterschiede ändern sich täglich. Früher musste man in Indien auf die alten, umständlichen Weisen reisen – zu Fuß oder zu Pferd, in Palankinen oder unhandlichen Kutschen; heute
In dem Passpartout nur allzu gerne mit dem Verlust seiner Schuhe auskommt
Jeder weiß, dass das große umgekehrte Dreieck aus Land, dessen Basis im Norden und dessen Spitze im Süden liegt und Indien genannt wird, eine Fläche von vierzehn Millionen Quadratmeilen umfasst. Auf diesem Gebiet lebt uneinheitlich verteilt eine Bevölkerung von hundertachtzig Millionen Menschen. Die britische Krone übt eine wirkliche und despotische Herrschaft über den größten Teil dieses riesigen Landes aus; sie hat einen Generalgouverneur in Kalkutta, Gouverneure in Madras, Bombay und Bengalen sowie einen Vizegouverneur in Agra. Doch das sogenannte Britisch-Indien umfasst lediglich siebenhunderttausend Quadratmeilen und eine Bevölkerung von hundert bis hundertzehn Millionen Einwohnern. Ein erheblicher Teil Indiens ist noch frei von britischer Herrschaft; es gibt dort einige wilde Rajas im Binnenland, die völlig unabhängig sind. Die berühmte Ostindien-Kompanie war von 1756 an, als die Engländer erstmals einen Fuß auf dem Gebiet errichteten, auf dem heute die Stadt Madras steht, bis zur Zeit des großen Sepoy-Aufstands allmächtig. Sie annektierte allmählich Provinz für Provinz, kaufte sie von den einheimischen Stämmen – wofür sie selten bezahlte – und ernannte den Generalgouverneur sowie seine zivilen und militärischen Untergebenen. Doch die Ostindien-Kompanie existiert heute nicht mehr; die britischen Besitzungen in Indien stehen nun direkt unter der Kontrolle der Krone. Das Erscheinungsbild des Landes sowie die Sitten und Rassenunterschiede ändern sich täglich. Früher musste man in Indien auf die alten, umständlichen Weisen reisen – zu Fuß oder zu Pferd, in Palankinen oder unhandlichen Kutschen; heute
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Fast alle Dampfschiffe fahren auf dem Indus und dem Ganges, und eine große Eisenbahnlinie mit Nebenstrecken, die an vielen Stellen entlang der Hauptstrecke angeschlossen sind, durchquert die Halbinsel von Bombay nach Kalkutta in drei Tagen. Diese Eisenbahnlinie verläuft nicht in gerader Linie durch Indien. Die Entfernung zwischen Bombay und Kalkutta, wie sie vom Vogelflug aus gemessen wird, beträgt nur tausend bis elfhundert Meilen; doch durch die Umwege wird diese Entfernung um mehr als ein Drittel vergrößert. Der allgemeine Verlauf der Great Indian Peninsula Railway ist wie folgt: Von Bombay aus führt sie durch Salcette, überquert gegenüber von Tannah den Kontinent, überwindet anschließend die Westghats, verläuft dann nordöstlich bis nach Burhampoor, umrundet das fast unabhängige Gebiet Bundelkund, steigt nach Allahabad auf, wendet sich dort nach Osten, trifft am Benares auf den Ganges, entfernt sich anschließend etwas vom Fluss und erreicht schließlich nach einem Abstieg südöstlich über Burdivan und die französische Stadt Chandernagor Kalkutta.
Die Passagiere der „Mongolia“ gingen um halb fünf Uhr nachmittags an Land; genau um acht Uhr sollte der Zug nach Kalkutta abfahren. Herr Fogg verabschiedete sich von seinen Whist-Partnern, verließ das Dampfschiff, gab seinem Diener einige Aufträge, drängte ihn, pünktlich um acht Uhr am Bahnhof zu sein, und ging mit seinem regelmäßigen Schritt, der wie eine astronomische Uhr im Takt schlug, zum Passamt. Was die Wunder Bombays angeht – sein berühmtes Rathaus, seine prächtige Bibliothek, seine Festungen und Häfen, seine Basare, Moscheen, Synagogen, seine armenischen Kirchen sowie der prächtige Pagode auf dem Malabar Hill mit seinen beiden polygonalen Türmen – so interessierten sie ihn überhaupt nicht. Er weigerte sich sogar, die Meisterwerke von Elephanta oder die geheimnisvollen Hypogeen, die südöstlich der Häfen liegen, sowie die wunderbaren Überreste der buddhistischen Architektur, die Kanheri-Höhlen auf der Insel Salcette, zu besichtigen.
Nachdem er seine Angelegenheiten beim Passamt erledigt hatte, begab sich Phileas Fogg ruhig zum Bahnhof, wo er sich etwas zu essen bestellen ließ. Unter den Gerichten, die ihm serviert wurden, empfahl der Wirt besonders ein bestimmtes Gericht aus „einheimischem Kaninchen“, auf das er besonders stolz war. Herr Fogg probierte das Gericht also, fand es jedoch trotz der gewürzten Soße keineswegs schmackhaft. Er rief den Wirt herbei und sagte, nachdem dieser erschienen war, und blickte ihm mit klaren Augen ins Gesicht: „Ist das Kaninchen, Sir?“ „Ja, mein Herr“, antwortete der Schurke dreist, „Kaninchen aus den Dschungeln.“ „Und dieses Kaninchen hat nicht gekreucht, als es getötet wurde?“
Die Passagiere der „Mongolia“ gingen um halb fünf Uhr nachmittags an Land; genau um acht Uhr sollte der Zug nach Kalkutta abfahren. Herr Fogg verabschiedete sich von seinen Whist-Partnern, verließ das Dampfschiff, gab seinem Diener einige Aufträge, drängte ihn, pünktlich um acht Uhr am Bahnhof zu sein, und ging mit seinem regelmäßigen Schritt, der wie eine astronomische Uhr im Takt schlug, zum Passamt. Was die Wunder Bombays angeht – sein berühmtes Rathaus, seine prächtige Bibliothek, seine Festungen und Häfen, seine Basare, Moscheen, Synagogen, seine armenischen Kirchen sowie der prächtige Pagode auf dem Malabar Hill mit seinen beiden polygonalen Türmen – so interessierten sie ihn überhaupt nicht. Er weigerte sich sogar, die Meisterwerke von Elephanta oder die geheimnisvollen Hypogeen, die südöstlich der Häfen liegen, sowie die wunderbaren Überreste der buddhistischen Architektur, die Kanheri-Höhlen auf der Insel Salcette, zu besichtigen.
Nachdem er seine Angelegenheiten beim Passamt erledigt hatte, begab sich Phileas Fogg ruhig zum Bahnhof, wo er sich etwas zu essen bestellen ließ. Unter den Gerichten, die ihm serviert wurden, empfahl der Wirt besonders ein bestimmtes Gericht aus „einheimischem Kaninchen“, auf das er besonders stolz war. Herr Fogg probierte das Gericht also, fand es jedoch trotz der gewürzten Soße keineswegs schmackhaft. Er rief den Wirt herbei und sagte, nachdem dieser erschienen war, und blickte ihm mit klaren Augen ins Gesicht: „Ist das Kaninchen, Sir?“ „Ja, mein Herr“, antwortete der Schurke dreist, „Kaninchen aus den Dschungeln.“ „Und dieses Kaninchen hat nicht gekreucht, als es getötet wurde?“
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„Miau, mein Herr! Was, ein Kaninchen miaut! Ich schwöre Ihnen–“
„Seien Sie so gut, Herr Vermieter, und schwören Sie nicht. Denken Sie stattdessen daran: In Indien galten Katzen einst als heilige Tiere. Das war eine gute Zeit.“
„Für die Katzen, mein Herr?“
„Vielleicht auch für die Reisenden!“
Danach setzte Herr Fogg ruhig sein Abendessen fort. Fix war kurz nach Herrn Fogg an Land gegangen; sein erstes Ziel war das Hauptquartier der Polizei in Bombay. Er stellte sich als Londoner Detektiv vor, erklärte seine Angelegenheiten in Bombay sowie die Situation bezüglich des vermeintlichen Räubers und fragte nervös, ob bereits ein Haftbefehl aus London eingetroffen sei. Dieser war noch nicht im Büro angekommen – tatsächlich hatte es noch keine Zeit dafür gegeben. Fix war zutiefst enttäuscht und versuchte, vom Leiter der Polizei in Bombay einen Haftbefehl zu erhalten. Dieser lehnte ab, da die Angelegenheit das Londoner Büro betraf, welches allein rechtlich befugt war, den Haftbefehl auszustellen. Fix bestand nicht weiter darauf und war bereit, auf die Ankunft des wichtigen Dokuments zu warten; doch er war entschlossen, den geheimnisvollen Schurken solange nicht aus den Augen zu verlieren, wie er in Bombay blieb. Er zweifelte keinen Moment daran – genauso wenig wie Passepartout – dass Phileas Fogg dort bleiben würde, zumindest bis der Haftbefehl eintraf.
Passepartout hingegen sah sogleich, nachdem er die Anweisungen seines Herrn bezüglich des Verlassens der „Mongolia“ gehört hatte, dass sie Bombay genauso verlassen würden wie Suez und Paris – und dass die Reise mindestens bis Kalkutta, vielleicht sogar darüber hinaus, andauern würde. Er begann sich zu fragen, ob das Wettrennen, von dem Herr Fogg sprach, wirklich ernst gemeint war – und ob sein Schicksal ihn tatsächlich, trotz seiner Liebe zum Ruhestand, dazu zwang, in achtzig Tagen um die Welt zu reisen!
Nachdem er die übliche Menge an Hemden und Schuhen gekauft hatte, unternahm er einen gemütlichen Spaziergang durch die Straßen, wo sich Menschen verschiedener Nationalitäten versammelt hatten – Europäer, Perser mit spitzen Hüten, Banyas mit runden Turbanen, Sindes mit quadratischen Hüten, Parsen mit schwarzen Mitren sowie armenische Männer in langen Roben. Zufälligerweise war es der Tag eines persischen Festes. Diese Nachkommen der Zoroastristen – die sparsamsten, zivilisiertesten, intelligentesten und strengsten Ostindier, zu denen auch die reichsten einheimischen Händler Bombays gehören – feierten eine Art religiösen Karneval mit Prozessionen und Vorführungen, bei denen indische Tänzerinnen in rosafarbenem Gaze-Stoff, verziert mit Gold und Silber, auftraten.
„Seien Sie so gut, Herr Vermieter, und schwören Sie nicht. Denken Sie stattdessen daran: In Indien galten Katzen einst als heilige Tiere. Das war eine gute Zeit.“
„Für die Katzen, mein Herr?“
„Vielleicht auch für die Reisenden!“
Danach setzte Herr Fogg ruhig sein Abendessen fort. Fix war kurz nach Herrn Fogg an Land gegangen; sein erstes Ziel war das Hauptquartier der Polizei in Bombay. Er stellte sich als Londoner Detektiv vor, erklärte seine Angelegenheiten in Bombay sowie die Situation bezüglich des vermeintlichen Räubers und fragte nervös, ob bereits ein Haftbefehl aus London eingetroffen sei. Dieser war noch nicht im Büro angekommen – tatsächlich hatte es noch keine Zeit dafür gegeben. Fix war zutiefst enttäuscht und versuchte, vom Leiter der Polizei in Bombay einen Haftbefehl zu erhalten. Dieser lehnte ab, da die Angelegenheit das Londoner Büro betraf, welches allein rechtlich befugt war, den Haftbefehl auszustellen. Fix bestand nicht weiter darauf und war bereit, auf die Ankunft des wichtigen Dokuments zu warten; doch er war entschlossen, den geheimnisvollen Schurken solange nicht aus den Augen zu verlieren, wie er in Bombay blieb. Er zweifelte keinen Moment daran – genauso wenig wie Passepartout – dass Phileas Fogg dort bleiben würde, zumindest bis der Haftbefehl eintraf.
Passepartout hingegen sah sogleich, nachdem er die Anweisungen seines Herrn bezüglich des Verlassens der „Mongolia“ gehört hatte, dass sie Bombay genauso verlassen würden wie Suez und Paris – und dass die Reise mindestens bis Kalkutta, vielleicht sogar darüber hinaus, andauern würde. Er begann sich zu fragen, ob das Wettrennen, von dem Herr Fogg sprach, wirklich ernst gemeint war – und ob sein Schicksal ihn tatsächlich, trotz seiner Liebe zum Ruhestand, dazu zwang, in achtzig Tagen um die Welt zu reisen!
Nachdem er die übliche Menge an Hemden und Schuhen gekauft hatte, unternahm er einen gemütlichen Spaziergang durch die Straßen, wo sich Menschen verschiedener Nationalitäten versammelt hatten – Europäer, Perser mit spitzen Hüten, Banyas mit runden Turbanen, Sindes mit quadratischen Hüten, Parsen mit schwarzen Mitren sowie armenische Männer in langen Roben. Zufälligerweise war es der Tag eines persischen Festes. Diese Nachkommen der Zoroastristen – die sparsamsten, zivilisiertesten, intelligentesten und strengsten Ostindier, zu denen auch die reichsten einheimischen Händler Bombays gehören – feierten eine Art religiösen Karneval mit Prozessionen und Vorführungen, bei denen indische Tänzerinnen in rosafarbenem Gaze-Stoff, verziert mit Gold und Silber, auftraten.
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Er tanzte leichtfüßig – doch mit vollkommener Bescheidenheit – zum Klang der Laute und des Klirrens der Tamburine. Es versteht sich von selbst, dass Passepartout diese seltsamen Zeremonien mit starrenden Augen und offenem Mund beobachtete; sein Gesichtsausdruck glich dem eines völlig verdutzten Dummkopfs. Zu seinem Unglück – sowie zu dem seines Herrn – führte seine Neugier ihn unbewusst weiter weg, als er ursprünglich beabsichtigt hatte. Schließlich, nachdem er gesehen hatte, wie das Parsi-Karneval in der Ferne verschwand, wandte er sich in Richtung Bahnhof – da entdeckte er zufällig die prächtige Pagode auf Malabar Hill und wurde von einem unwiderstehlichen Verlangen ergriffen, deren Inneres zu sehen. Er wusste überhaupt nicht, dass Christen den Zutritt zu bestimmten indischen Tempeln verboten ist – und dass selbst Gläubige ohne vorheriges Ausziehen ihrer Schuhe vor der Tür nicht eintreten dürfen. Man kann hier sagen, dass die weise Politik der britischen Regierung jegliches Missachten der Bräuche der einheimischen Religionen streng bestraft. Passepartout jedoch dachte, es sei nichts Schlimmes dabei, und betrat den Tempel wie ein gewöhnlicher Tourist. Bald schon war er von der prächtigen Brahmanen-Ornamentik beeindruckt – doch plötzlich lag er auf dem heiligen Boden. Als er aufsah, sah er drei wütende Priester, die sofort auf ihn losgingen, ihm die Schuhe auszogen und ihn mit lauten, grausamen Rufen schlugen. Der geschickte Franzose stand bald wieder auf und zögerte nicht, zwei seiner Gegner mit Fäusten sowie seinen Zehen niederzuschlagen. Dann rannte er so schnell er konnte aus der Pagode hinaus und entkam dem dritten Priester, indem er sich unter die Menschenmenge auf den Straßen mischte. Fünf Minuten vor acht stürmte Passepartout, ohne Hut und ohne Schuhe – und nachdem er im Streit seine Kleidungsstücke und Schuhe verloren hatte – atemlos zum Bahnhof. Fix, der Mr. Fogg zum Bahnhof gefolgt war und sah, dass dieser tatsächlich Bombay verlassen wollte, befand sich ebenfalls auf dem Bahnsteig. Er hatte beschlossen, dem vermeintlichen Räuber bis nach Kalkutta – und falls nötig sogar weiter – zu folgen. Passepartout bemerkte den Detektiv, der in einer abgelegenen Ecke stand, nicht – doch Fix hörte, wie Passepartout in wenigen Worten seinen Abenteuern Mr. Fogg schilderte. „Ich hoffe, das wird sich nicht wiederholen“, sagte Phileas Fogg kühl, als er in den Zug stieg. Der arme Passepartout, völlig niedergeschlagen, folgte seinem Herrn schweigend. Fix wollte gerade in einen anderen Waggon steigen, als ihm eine Idee kam, die ihn dazu veranlasste, seinen Plan zu ändern.
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„Nein, ich bleibe“, murmelte er. „Auf indischem Boden wurde ein Verbrechen begangen. Ich habe meinen Mann.“ In diesem Moment gab die Lokomotive einen lauten Schrei von sich, und der Zug verschwand in der Dunkelheit der Nacht.
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KAPITEL XI.
In dem Phileas Fogg ein seltsames Transportmittel zu einem phantastischen Preis erwirbt
Der Zug war pünktlich abgefahren. Unter den Passagieren befanden sich mehrere Offiziere, Regierungsbeamte sowie Händler für Opium und Indigo – deren Geschäfte sie an die Ostküste führten. Passepartout reiste im selben Waggon wie sein Herr, und ein dritter Passagier nahm den Platz gegenüber von ihnen ein. Es handelte sich um Sir Francis Cromarty, einen der Whist-Partner von Herrn Fogg auf der „Mongolia“; er war nun auf dem Weg, sich seinem Trupp in Benares anzuschließen. Sir Francis war ein großer, blonder Mann von fünfzig Jahren, der sich bei dem letzten Sepoy-Aufstand besonders hervorgetan hatte. Er machte Indien zu seinem Zuhause und besuchte England nur gelegentlich für kurze Zeit; er kannte die Bräuche, die Geschichte sowie den Charakter Indiens und seiner Menschen fast genauso gut wie ein Einheimischer. Doch Phileas Fogg, der nicht reiste, sondern lediglich eine Kreisbahn um die Erde beschrieb, machte sich keine Mühe, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen; er war vielmehr ein „festes Objekt“, das gemäß den Gesetzen der rationalen Mechanik eine Umlaufbahn um die Erde beschritt. In diesem Moment berechnete er im Kopf die Anzahl der Stunden, seit seinem Aufbruch aus London vergangen waren – und hätte, wäre es seine Natur gewesen, nutzlose Demonstrationen zu machen, vor Zufriedenheit seine Hände gerieben. Sir Francis Cromarty hatte die Seltsamkeit seines Reisebegleiters bemerkt – obwohl er nur während des Kartenspiels sowie zwischen zwei Partien Gelegenheit hatte, ihn zu beobachten – und fragte sich, ob unter dieser kalten Fassade wirklich ein menschliches Herz schlug und ob Phileas Fogg überhaupt ein Gespür für die Schönheiten der Natur hatte. Der Brigadegeneral musste sich eingestehen, dass von allen exzentrischen Personen, denen er je begegnet war, keine mit diesem Produkt der exakten Wissenschaften vergleichbar war.
In dem Phileas Fogg ein seltsames Transportmittel zu einem phantastischen Preis erwirbt
Der Zug war pünktlich abgefahren. Unter den Passagieren befanden sich mehrere Offiziere, Regierungsbeamte sowie Händler für Opium und Indigo – deren Geschäfte sie an die Ostküste führten. Passepartout reiste im selben Waggon wie sein Herr, und ein dritter Passagier nahm den Platz gegenüber von ihnen ein. Es handelte sich um Sir Francis Cromarty, einen der Whist-Partner von Herrn Fogg auf der „Mongolia“; er war nun auf dem Weg, sich seinem Trupp in Benares anzuschließen. Sir Francis war ein großer, blonder Mann von fünfzig Jahren, der sich bei dem letzten Sepoy-Aufstand besonders hervorgetan hatte. Er machte Indien zu seinem Zuhause und besuchte England nur gelegentlich für kurze Zeit; er kannte die Bräuche, die Geschichte sowie den Charakter Indiens und seiner Menschen fast genauso gut wie ein Einheimischer. Doch Phileas Fogg, der nicht reiste, sondern lediglich eine Kreisbahn um die Erde beschrieb, machte sich keine Mühe, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen; er war vielmehr ein „festes Objekt“, das gemäß den Gesetzen der rationalen Mechanik eine Umlaufbahn um die Erde beschritt. In diesem Moment berechnete er im Kopf die Anzahl der Stunden, seit seinem Aufbruch aus London vergangen waren – und hätte, wäre es seine Natur gewesen, nutzlose Demonstrationen zu machen, vor Zufriedenheit seine Hände gerieben. Sir Francis Cromarty hatte die Seltsamkeit seines Reisebegleiters bemerkt – obwohl er nur während des Kartenspiels sowie zwischen zwei Partien Gelegenheit hatte, ihn zu beobachten – und fragte sich, ob unter dieser kalten Fassade wirklich ein menschliches Herz schlug und ob Phileas Fogg überhaupt ein Gespür für die Schönheiten der Natur hatte. Der Brigadegeneral musste sich eingestehen, dass von allen exzentrischen Personen, denen er je begegnet war, keine mit diesem Produkt der exakten Wissenschaften vergleichbar war.
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Phileas Fogg hatte Sir Francis weder seinen Plan, die Welt zu umrunden, noch die Umstände, unter denen er aufbrach, vorenthalten. Der General sah in diesem Wettbewerb lediglich eine nutzlose Exzentrik sowie einen Mangel an gesundem Menschenverstand. Auf diese Weise würde dieser seltsame Herr die Welt verlassen, ohne etwas Gutes für sich selbst oder andere zu tun. Eine Stunde nach dem Verlassen von Bombay passierte der Zug die Viadukte und die Insel Salcette und gelangte in das offene Land. In Callyan erreichten sie die Kreuzung der Nebenstrecke, die in südöstlicher Richtung durch Kandallah und Pounah führt. Nachdem sie Pauwell passiert hatten, betraten sie die Gebirgspässe mit ihren Basaltbasisen und Gipfeln, die von dichten, grünen Wäldern bedeckt waren. Phileas Fogg und Sir Francis Cromarty wechselten von Zeit zu Zeit ein paar Worte miteinander. Nun brachte Sir Francis das Gespräch wieder in Gang und sagte: „Vor einigen Jahren, Herr Fogg, hätten Sie an diesem Punkt auf Verzögerungen stoßen müssen, die Ihnen wahrscheinlich den Sieg im Wettbewerb gekostet hätten.“ „Wie das, Sir Francis?“ „Weil die Eisenbahn am Fuße dieser Berge endete – die Passagiere mussten daher in Palankinen oder auf Ponys nach Kandallah auf der anderen Seite gelangen.“ „Eine solche Verzögerung hätte meine Pläne keineswegs gestört“, sagte Herr Fogg. „Ich habe stets mit bestimmten Hindernissen gerechnet.“ „Aber, Herr Fogg“, fuhr Sir Francis fort, „Sie laufen das Risiko, bei dem Abenteuer dieses Mannes in der Pagode auf Schwierigkeiten zu stoßen.“ Passepartout, dessen Füße bequem in seiner Reisedecke eingewickelt waren, schlief tief und träumte nicht einmal daran, dass über ihn gesprochen wurde. „Die Regierung ist gegen solche Vergehen sehr streng. Sie achtet besonders darauf, dass die religiösen Bräuche der Inder respektiert werden. Wenn Ihr Diener erwischt würde…“ „Nun gut, Sir Francis“, antwortete Fogg. „Wenn er erwischt worden wäre, wäre er verurteilt und bestraft worden – anschließend wäre er ruhig nach Europa zurückgekehrt. Ich sehe nicht, wie diese Angelegenheit seinen Herrn hätte aufhalten können.“ Das Gespräch verstummte wieder. In der Nacht ließ der Zug die Berge hinter sich und passierte Nassik. Am nächsten Tag fuhr er durch das flache, gut kultivierte Land der Khandeish mit seinen verstreuten Dörfern – darüber ragten die Minarette der Pagoden empor. Dieses fruchtbare Gebiet wird von Wasser versorgt.
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Zahlreiche kleine Flüsse und klare Bäche, meist Nebenflüsse des Godavery.
Als Passepartout aufwachte und nach draußen blickte, konnte er nicht erkennen, dass er tatsächlich mit einem Eisenbahnzug durch Indien reiste. Die Lokomotive, von einem englischen Ingenieur gesteuert und mit englischem Kohle betrieben, stieß ihren Rauch über Baumwoll-, Kaffee-, Muskatnuss-, Nelken- und Pfefferplantagen aus; der Dampf wand sich in Spiralen um Gruppen von Palmen, in deren Mitte malerische Bungalows, Viharas (eine Art verlassener Klöster) sowie wunderbare Tempel zu sehen waren, die durch die unerschöpfliche Ornamentik der indischen Architektur bereichert wurden. Dann kamen sie auf weite Gebiete, die bis zum Horizont reichten, mit Dschungeln, in denen Schlangen und Tiger lebten, die beim Geräusch des Zuges flohen; darauf folgten Wälder, die von der Eisenbahn durchzogen wurden und weiterhin von Elefanten bewohnt wurden, die mit nachdenklichen Augen dem vorbeifahrenden Zug zusahen. Die Reisenden überquerten jenseits von Milligaum das tödliche Land, das so oft vom Blut der Anhänger der Göttin Kali befleckt wurde. Nicht weit entfernt erhob sich Ellora mit seinen anmutigen Pagoden sowie das berühmte Aurangabad, die Hauptstadt des grausamen Aureng-Zeb – heute die wichtigste Stadt einer der Provinzen des Königreichs des Nizam. In dieser Gegend herrschte Feringhea, der Anführer der Thugges, der „König der Erwürger“. Diese Schurken, durch ein geheimes Band verbunden, erwürgten Opfer jeden Alters zu Ehren der Göttin des Todes – ohne jemals Blut zu vergießen. Es gab eine Zeit, in der man durch dieses Land kaum reisen konnte, ohne überall Leichen zu finden. Die britische Regierung ist es gelungen, diese Morde erheblich zu verringern – obwohl die Thugges immer noch existieren und ihre schrecklichen Rituale fortsetzen.
Um halb ein Uhr hielt der Zug in Burhampoor an, wo Passepartout einige indische Hausschuhe kaufen konnte, die mit falschen Perlen verziert waren. Mit offensichtlicher Eitelkeit steckte er seine Füße hinein. Die Reisenden nahmen ein hastiges Frühstück zu sich und machten sich auf den Weg nach Assurghur, nachdem sie kurz die Ufer des kleinen Flusses Tapty umrundet hatten, der in der Nähe von Surat in den Golf von Cambray mündet.
Passepartout war nun in tiefe Träumerei versunken. Bis zu seiner Ankunft in Bombay hatte er gehofft, dass ihre Reise dort enden würde; doch da sie nun offensichtlich mit hoher Geschwindigkeit durch Indien fuhren, änderte sich plötzlich der Charakter seiner Träume. Seine alte wanderlustige Natur kehrte zurück; die fantastischen Ideen seiner Jugend bemächtigten sich erneut seines Geistes.
Als Passepartout aufwachte und nach draußen blickte, konnte er nicht erkennen, dass er tatsächlich mit einem Eisenbahnzug durch Indien reiste. Die Lokomotive, von einem englischen Ingenieur gesteuert und mit englischem Kohle betrieben, stieß ihren Rauch über Baumwoll-, Kaffee-, Muskatnuss-, Nelken- und Pfefferplantagen aus; der Dampf wand sich in Spiralen um Gruppen von Palmen, in deren Mitte malerische Bungalows, Viharas (eine Art verlassener Klöster) sowie wunderbare Tempel zu sehen waren, die durch die unerschöpfliche Ornamentik der indischen Architektur bereichert wurden. Dann kamen sie auf weite Gebiete, die bis zum Horizont reichten, mit Dschungeln, in denen Schlangen und Tiger lebten, die beim Geräusch des Zuges flohen; darauf folgten Wälder, die von der Eisenbahn durchzogen wurden und weiterhin von Elefanten bewohnt wurden, die mit nachdenklichen Augen dem vorbeifahrenden Zug zusahen. Die Reisenden überquerten jenseits von Milligaum das tödliche Land, das so oft vom Blut der Anhänger der Göttin Kali befleckt wurde. Nicht weit entfernt erhob sich Ellora mit seinen anmutigen Pagoden sowie das berühmte Aurangabad, die Hauptstadt des grausamen Aureng-Zeb – heute die wichtigste Stadt einer der Provinzen des Königreichs des Nizam. In dieser Gegend herrschte Feringhea, der Anführer der Thugges, der „König der Erwürger“. Diese Schurken, durch ein geheimes Band verbunden, erwürgten Opfer jeden Alters zu Ehren der Göttin des Todes – ohne jemals Blut zu vergießen. Es gab eine Zeit, in der man durch dieses Land kaum reisen konnte, ohne überall Leichen zu finden. Die britische Regierung ist es gelungen, diese Morde erheblich zu verringern – obwohl die Thugges immer noch existieren und ihre schrecklichen Rituale fortsetzen.
Um halb ein Uhr hielt der Zug in Burhampoor an, wo Passepartout einige indische Hausschuhe kaufen konnte, die mit falschen Perlen verziert waren. Mit offensichtlicher Eitelkeit steckte er seine Füße hinein. Die Reisenden nahmen ein hastiges Frühstück zu sich und machten sich auf den Weg nach Assurghur, nachdem sie kurz die Ufer des kleinen Flusses Tapty umrundet hatten, der in der Nähe von Surat in den Golf von Cambray mündet.
Passepartout war nun in tiefe Träumerei versunken. Bis zu seiner Ankunft in Bombay hatte er gehofft, dass ihre Reise dort enden würde; doch da sie nun offensichtlich mit hoher Geschwindigkeit durch Indien fuhren, änderte sich plötzlich der Charakter seiner Träume. Seine alte wanderlustige Natur kehrte zurück; die fantastischen Ideen seiner Jugend bemächtigten sich erneut seines Geistes.
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Er begann, das Projekt seines Herrn als ernst gemeint anzusehen, glaubte an die Gültigkeit des Wettbewerbs – und somit auch an die Weltreise sowie an die Notwendigkeit, diese unbedingt innerhalb der vorgegebenen Frist zu absolvieren. Schon bald machte er sich Sorgen wegen möglicher Verzögerungen oder Unfällen auf dem Weg. Er erkannte, dass er persönlich an diesem Wettbewerb interessiert war, und zitterte bei dem Gedanken, dass seine unverzeihliche Dummheit vom Vortag dazu führen könnte, dass sie verloren hätten. Da er weitaus weniger ruhig blieb als Herr Fogg, war er viel unruhiger, zählte immer wieder die vergangenen Tage, fluchte, wenn der Zug anhielt, und machte dem Zug Vorwürfe wegen seiner Langsamkeit. Zudem machte er Herrn Fogg dafür verantwortlich, dass dieser den Lokführer nicht bestochen hatte. Der gute Mann wusste nicht, dass es zwar möglich war, auf diese Weise die Geschwindigkeit eines Dampfers zu erhöhen, dies jedoch auf der Eisenbahn nicht möglich war.
Gegen Abend gelangte der Zug in die Schluchten der Sutpour-Berge, die Khandeish von Bundelkund trennen. Am nächsten Tag fragte Sir Francis Cromarty Passepartout, wie spät es sei. Nachdem dieser auf seine Uhr geschaut hatte, antwortete er, es sei drei Uhr morgens. Diese berühmte Uhr, die stets nach dem Meridian von Greenwich justiert wurde – der sich zu dieser Zeit etwa siebenundsiebzig Grad westlich befand –, war mindestens vier Stunden langsam. Sir Francis korrigierte Passepartouts Zeitangabe. Daraufhin machte dieser denselben Kommentar wie gegenüber Fix. Als alle darauf bestanden, dass die Uhr bei jedem neuen Meridian justiert werden müsse, da er ständig nach Osten reiste, also entgegen der Sonne – wodurch die Tage um vier Minuten kürzer wurden, je ein Grad weiter man kam – weigerte sich Passepartout stur, seine Uhr zu ändern; er hielt sie weiterhin auf Londoner Zeit. Es handelte sich dabei um eine harmlose Täuschung, die niemandem schaden konnte.
Um acht Uhr hielt der Zug mitten in einer Lichtung etwa fünfzehn Meilen hinter Rothal an. Dort gab es mehrere Bungalows sowie Arbeiterhütten. Der Schaffner ging durch die Waggons und rief: „Die Passagiere müssen hier aussteigen!“ Phileas Fogg blickte Sir Francis Cromarty um eine Erklärung an – doch der General wusste nicht, was es mit dieser Haltestelle mitten in diesem Wald aus Dattelpalmen und Akazien auf sich hatte. Passepartout, ebenfalls überrascht, rannte hinaus und kehrte schnell zurück, während er rief: „Monsieur, es gibt keinen weiteren Eisenbahnweg mehr!“ „Was meinen Sie damit?“, fragte Sir Francis.
Gegen Abend gelangte der Zug in die Schluchten der Sutpour-Berge, die Khandeish von Bundelkund trennen. Am nächsten Tag fragte Sir Francis Cromarty Passepartout, wie spät es sei. Nachdem dieser auf seine Uhr geschaut hatte, antwortete er, es sei drei Uhr morgens. Diese berühmte Uhr, die stets nach dem Meridian von Greenwich justiert wurde – der sich zu dieser Zeit etwa siebenundsiebzig Grad westlich befand –, war mindestens vier Stunden langsam. Sir Francis korrigierte Passepartouts Zeitangabe. Daraufhin machte dieser denselben Kommentar wie gegenüber Fix. Als alle darauf bestanden, dass die Uhr bei jedem neuen Meridian justiert werden müsse, da er ständig nach Osten reiste, also entgegen der Sonne – wodurch die Tage um vier Minuten kürzer wurden, je ein Grad weiter man kam – weigerte sich Passepartout stur, seine Uhr zu ändern; er hielt sie weiterhin auf Londoner Zeit. Es handelte sich dabei um eine harmlose Täuschung, die niemandem schaden konnte.
Um acht Uhr hielt der Zug mitten in einer Lichtung etwa fünfzehn Meilen hinter Rothal an. Dort gab es mehrere Bungalows sowie Arbeiterhütten. Der Schaffner ging durch die Waggons und rief: „Die Passagiere müssen hier aussteigen!“ Phileas Fogg blickte Sir Francis Cromarty um eine Erklärung an – doch der General wusste nicht, was es mit dieser Haltestelle mitten in diesem Wald aus Dattelpalmen und Akazien auf sich hatte. Passepartout, ebenfalls überrascht, rannte hinaus und kehrte schnell zurück, während er rief: „Monsieur, es gibt keinen weiteren Eisenbahnweg mehr!“ „Was meinen Sie damit?“, fragte Sir Francis.
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„Ich meine, der Zug fährt nicht weiter.“ Der General stieg sofort aus, während Phileas Fogg ihm ruhig folgte. Gemeinsam gingen sie zum Schaffner. „Wo sind wir?“, fragte Sir Francis. „Im Dorf Kholby.“ „Halten wir hier an?“ „Sicherlich. Die Eisenbahnstrecke ist noch nicht fertiggestellt.“ „Was! Noch nicht fertig?“ „Nein. Es müssen noch etwa fünfzig Meilen von hier bis Allahabad verlegt werden, wo die Strecke wieder beginnt.“ „Aber in den Zeitungen stand, die Eisenbahn sei überall fertiggestellt.“ „Was wünschen Sie denn, Herr Offizier? Die Zeitungen haben sich geirrt.“ „Doch Sie verkaufen Tickets von Bombay nach Kalkutta“, entgegnete Sir Francis, der immer wütender wurde. „Gewiss“, antwortete der Schaffner; „aber die Passagiere wissen, dass sie selbst ein Transportmittel von Kholby nach Allahabad besorgen müssen.“ Sir Francis war außer sich. Passepartout hätte den Schaffner am liebsten zu Boden geschlagen und wagte es nicht, seinen Herrn anzusehen. „Sir Francis“, sagte Herr Fogg ruhig, „wir werden, wenn Sie erlauben, nach einem Transportmittel nach Allahabad suchen.“ „Herr Fogg, das ist eine Verzögerung, die Ihnen sehr schadet.“ „Nein, Sir Francis; das war vorhersehbar.“ „Was! Sie wussten, dass es Probleme geben würde…“ „Überhaupt nicht; aber ich wusste, dass früher oder später irgendein Hindernis auf meinem Weg auftauchen würde. Deshalb ist nichts verloren. Ich habe zwei Tage, die ich bereits gewonnen habe, um zu opfern. Ein Dampfschiff verlässt Kalkutta um Mittag am 25. Heute ist der 22., und wir werden rechtzeitig in Kalkutta ankommen.“ Gegen eine so selbstsichere Antwort gab es nichts einzuwenden. Es stimmte tatsächlich, dass die Eisenbahnstrecke an dieser Stelle endete. Die Zeitungen waren wie Uhren, die manchmal zu schnell laufen – sie hatten die Fertigstellung der Strecke voreilig angekündigt. Die meisten Reisenden waren sich dieser Unterbrechung bewusst.
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Nachdem sie den Zug verlassen hatten, begannen sie, sich mit den Fahrzeugen zu beschäftigen, die das Dorf bieten konnte: vierrädrige Palkigharis, Wagen, die von Zebusen gezogen wurden, Kutschen, die wie umherwandernde Pagoden aussahen, Tragbahren, Ponys und vieles mehr. Herr Fogg und Sir Francis Cromarty durchsuchten das Dorf von Ende zu Ende, kamen aber ohne Ergebnis zurück.
„Ich werde zu Fuß gehen“, sagte Phileas Fogg.
Passepartout, der nun wieder zu seinem Herrn gestoßen war, machte ein spöttisches Gesicht, als er an seine prächtigen, doch zu zerbrechlichen indischen Schuhe dachte. Glücklicherweise hatte auch er sich umgesehen und sagte nach kurzem Zögern: „Monsieur, ich glaube, ich habe eine Transportmöglichkeit gefunden.“
„Was?“
„Ein Elefant! Ein Elefant, der einem Inder gehört, der nur hundert Schritte von hier entfernt wohnt.“
„Lassen Sie uns den Elefanten anschauen“, antwortete Herr Fogg.
Bald erreichten sie eine kleine Hütte, in der Nähe derer sich das Tier innerhalb hoher Zäune befand. Ein Inder kam aus der Hütte und führte sie auf ihr Verlangen in den Zaunbereich. Der Elefant, den sein Besitzer nicht als Lasttier, sondern für kriegerische Zwecke gezüchtet hatte, war halb domestiziert. Der Inder hatte bereits damit begonnen, ihn durch ständige Reize sowie durch das Füttern mit Zucker und Butter alle drei Monate eine Wildheit in ihm hervorzurufen, die nicht zu seiner Natur gehörte – eine Methode, die oft von denen angewandt wird, die indische Elefanten für den Kampf ausbilden. Glücklicherweise für Herrn Fogg war die Ausbildung des Tieres in diese Richtung jedoch nicht weit fortgeschritten, und der Elefant behielt seine natürliche Sanftmut bei. Kiouni – so hieß das Tier – konnte zweifellos lange Zeit schnell reisen. Da es keine anderen Transportmittel gab, beschloss Herr Fogg, ihn zu mieten. Doch Elefanten sind in Indien keineswegs billig; sie werden immer seltener, und die Männchen, die allein für Zirkusvorstellungen geeignet sind, sind besonders begehrt – schließlich sind nur wenige von ihnen domestiziert. Als Herr Fogg dem Inder daher vorschlug, Kiouni zu mieten, lehnte dieser rundheraus ab. Herr Fogg bestand darauf und bot sogar die exorbitante Summe von zehn Pfund pro Stunde für die Vermietung des Tieres nach Allahabad an. Abgelehnt. Zwanzig Pfund? Auch abgelehnt. Vierzig Pfund? Immer noch abgelehnt. Passepartout war bei jedem Angebot begeistert – doch der Inder ließ sich nicht verführen. Dennoch war das Angebot verlockend: Wenn man davon ausging, dass der Elefant fünfzehn Stunden bis nach Allahabad brauchte, würde sein Besitzer nicht weniger als sechshundert Pfund Sterling erhalten.
„Ich werde zu Fuß gehen“, sagte Phileas Fogg.
Passepartout, der nun wieder zu seinem Herrn gestoßen war, machte ein spöttisches Gesicht, als er an seine prächtigen, doch zu zerbrechlichen indischen Schuhe dachte. Glücklicherweise hatte auch er sich umgesehen und sagte nach kurzem Zögern: „Monsieur, ich glaube, ich habe eine Transportmöglichkeit gefunden.“
„Was?“
„Ein Elefant! Ein Elefant, der einem Inder gehört, der nur hundert Schritte von hier entfernt wohnt.“
„Lassen Sie uns den Elefanten anschauen“, antwortete Herr Fogg.
Bald erreichten sie eine kleine Hütte, in der Nähe derer sich das Tier innerhalb hoher Zäune befand. Ein Inder kam aus der Hütte und führte sie auf ihr Verlangen in den Zaunbereich. Der Elefant, den sein Besitzer nicht als Lasttier, sondern für kriegerische Zwecke gezüchtet hatte, war halb domestiziert. Der Inder hatte bereits damit begonnen, ihn durch ständige Reize sowie durch das Füttern mit Zucker und Butter alle drei Monate eine Wildheit in ihm hervorzurufen, die nicht zu seiner Natur gehörte – eine Methode, die oft von denen angewandt wird, die indische Elefanten für den Kampf ausbilden. Glücklicherweise für Herrn Fogg war die Ausbildung des Tieres in diese Richtung jedoch nicht weit fortgeschritten, und der Elefant behielt seine natürliche Sanftmut bei. Kiouni – so hieß das Tier – konnte zweifellos lange Zeit schnell reisen. Da es keine anderen Transportmittel gab, beschloss Herr Fogg, ihn zu mieten. Doch Elefanten sind in Indien keineswegs billig; sie werden immer seltener, und die Männchen, die allein für Zirkusvorstellungen geeignet sind, sind besonders begehrt – schließlich sind nur wenige von ihnen domestiziert. Als Herr Fogg dem Inder daher vorschlug, Kiouni zu mieten, lehnte dieser rundheraus ab. Herr Fogg bestand darauf und bot sogar die exorbitante Summe von zehn Pfund pro Stunde für die Vermietung des Tieres nach Allahabad an. Abgelehnt. Zwanzig Pfund? Auch abgelehnt. Vierzig Pfund? Immer noch abgelehnt. Passepartout war bei jedem Angebot begeistert – doch der Inder ließ sich nicht verführen. Dennoch war das Angebot verlockend: Wenn man davon ausging, dass der Elefant fünfzehn Stunden bis nach Allahabad brauchte, würde sein Besitzer nicht weniger als sechshundert Pfund Sterling erhalten.
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Phileas Fogg, ohne auch nur im Geringsten in Panik zu geraten, schlug vor, das Tier direkt zu kaufen, und bot zunächst tausend Pfund dafür an. Der Inder, der wohl dachte, einen guten Deal machen zu können, lehnte weiterhin ab. Sir Francis Cromarty nahm Herrn Fogg beiseite und bat ihn, vor weiteren Schritten noch einmal nachzudenken; darauf antwortete dieser, er habe nicht die Angewohnheit, unüberlegt zu handeln, dass ein Einsatz von zwanzigtausend Pfund auf dem Spiel stünde, das Elefant für ihn absolut notwendig sei – und dass er es sich trotzdem beschaffen würde, selbst wenn er zwanzigmal so viel bezahlen müsste. Er wandte sich wieder dem Inder zu; dessen kleine, scharfe Augen, die vor Gier glänzten, verrieten, dass es für ihn nur darum ging, welchen Preis er erzielen konnte. Herr Fogg bot zunächst zweitausendzweihundert, dann zweitausendfünfhundert, zweitausendachthundert sowie zweitausend Pfund an. Passepartout, der normalerweise so rosig im Gesicht war, war vor Aufregung ganz blass geworden. Bei zweitausend Pfund gab der Inder nach. „Was für ein Preis, um Himmels willen!“, rief Passepartout. „Für ein Elefant!“ Nun blieb nur noch, einen Führer zu finden – was relativ einfach war. Ein junger Parsi mit intelligentem Gesicht bot seine Dienste an, die Herr Fogg annahm und mit einer so großzügigen Belohnung versprach, dass dies seinen Eifer erheblich steigern würde. Das Elefant wurde herausgeführt und ausgestattet. Der Parsi, der ein erfahrener Elefantenführer war, bedeckte seinen Rücken mit einer Art Satteldecke und befestigte an jeder Seite des Tieres einige äußerst unbequeme Reitkörbe. Phileas Fogg zahlte dem Inder mit einigen Banknoten, die er aus seiner berühmten Teppertasche holte – eine Handlung, die den armen Passepartout sichtlich erschütterte. Danach bot er an, Sir Francis nach Allahabad zu bringen, was der Brigadegeneral dankbar annahm – schließlich würde ein weiterer Reisender das riesige Tier wohl kaum ermüden. Vorräte wurden in Kholby gekauft, und während Sir Francis und Herr Fogg in den Reitkörben auf beiden Seiten saßen, setzte sich Passepartout auf die Satteldecke zwischen ihnen. Der Parsi kletterte auf den Hals des Elefanten, und um neun Uhr brachen sie vom Dorf auf – das Tier zog durch den dichten Palmenwald auf dem kürzesten Weg voran.
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KAPITEL XII.
In dem Phileas Fogg und seine Begleiter sich durch die indischen Wälder wagen und was daraus folgte
Um die Reise zu verkürzen, bog der Führer nach links ab – dorthin, wo die Eisenbahn noch im Bau war. Aufgrund der launischen Windungen der Vindhya-Berge verlief diese Strecke nicht in gerader Linie. Der Parsi, der sich bestens mit den Wegen und Pfaden in der Gegend auskannte, behauptete, sie könnten zwanzig Meilen sparen, wenn sie direkt durch den Wald reisten.
Phileas Fogg und Sir Francis Cromarty saßen bis zum Hals in den dafür vorgesehenen Traggestellen und wurden durch das schnelle Traben des Elefanten, der von dem geschickten Parsi angetrieben wurde, heftig durchgeschüttelt. Doch sie ertrugen diese Unbequemlichkeiten mit typisch britischer Gelassenheit – sie sprachen wenig und konnten sich kaum gegenseitig sehen. Was Passepartout betrifft, so saß er auf dem Rücken des Tieres und musste jede Erschütterung direkt spüren. Gemäß dem Rat seines Herrn achtete er sorgfältig darauf, seine Zunge nicht zwischen die Zähne zu nehmen – sonst wäre sie sonst abgebissen worden. Der brave Kerl hüpfte vom Hals des Elefanten auf seinen Hintern und sprang dabei wie ein Clown auf einem Sprungbrett. Dennoch lachte er während des Hüpfens und holte von Zeit zu Zeit ein Stück Zucker aus seiner Tasche, um es Kiounis Rüssel zu geben. Der Elefant nahm es entgegen, ohne sein gleichmäßiges Traben auch nur im Geringsten zu verlangsamen.
Nach zwei Stunden hielt der Führer den Elefanten an und gab ihm eine Stunde Ruhe. Während dieser Zeit stillte Kiouni seinen Durst an einer nahegelegenen Quelle und begann anschließend, die Äste und Sträucher in seiner Umgebung zu fressen. Weder Sir Francis noch Herr Fogg bedauerten die Verzögerung – beide stiegen ab.
In dem Phileas Fogg und seine Begleiter sich durch die indischen Wälder wagen und was daraus folgte
Um die Reise zu verkürzen, bog der Führer nach links ab – dorthin, wo die Eisenbahn noch im Bau war. Aufgrund der launischen Windungen der Vindhya-Berge verlief diese Strecke nicht in gerader Linie. Der Parsi, der sich bestens mit den Wegen und Pfaden in der Gegend auskannte, behauptete, sie könnten zwanzig Meilen sparen, wenn sie direkt durch den Wald reisten.
Phileas Fogg und Sir Francis Cromarty saßen bis zum Hals in den dafür vorgesehenen Traggestellen und wurden durch das schnelle Traben des Elefanten, der von dem geschickten Parsi angetrieben wurde, heftig durchgeschüttelt. Doch sie ertrugen diese Unbequemlichkeiten mit typisch britischer Gelassenheit – sie sprachen wenig und konnten sich kaum gegenseitig sehen. Was Passepartout betrifft, so saß er auf dem Rücken des Tieres und musste jede Erschütterung direkt spüren. Gemäß dem Rat seines Herrn achtete er sorgfältig darauf, seine Zunge nicht zwischen die Zähne zu nehmen – sonst wäre sie sonst abgebissen worden. Der brave Kerl hüpfte vom Hals des Elefanten auf seinen Hintern und sprang dabei wie ein Clown auf einem Sprungbrett. Dennoch lachte er während des Hüpfens und holte von Zeit zu Zeit ein Stück Zucker aus seiner Tasche, um es Kiounis Rüssel zu geben. Der Elefant nahm es entgegen, ohne sein gleichmäßiges Traben auch nur im Geringsten zu verlangsamen.
Nach zwei Stunden hielt der Führer den Elefanten an und gab ihm eine Stunde Ruhe. Während dieser Zeit stillte Kiouni seinen Durst an einer nahegelegenen Quelle und begann anschließend, die Äste und Sträucher in seiner Umgebung zu fressen. Weder Sir Francis noch Herr Fogg bedauerten die Verzögerung – beide stiegen ab.
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Gefühl der Erleichterung. „Wie, er ist aus Eisen!“ rief der General aus und blickte bewundernd auf Kiouni.
„Aus geschmiedetem Eisen“, antwortete Passepartout, während er damit begann, ein hastiges Frühstück zuzubereiten.
Um Mittag gab der Parsi das Zeichen zum Aufbruch. Das Land zeigte bald ein sehr wildes Aussehen: Dattelpalmen- und Zwergpalmenhaine folgten auf die dichten Wälder; dann weite, trockene Ebenen, gesprenkelt mit spärlichen Büschen und übersät mit großen Syenitblöcken. Dieser Teil von Bundelkund, der nur selten von Reisenden besucht wird, wird von einer fanatischen Bevölkerung bewohnt, die an den schrecklichsten Praktiken des Hinduismus gewöhnt ist. Die Engländer konnten keine vollständige Herrschaft über dieses Gebiet erringen – es steht unter dem Einfluss von Rajahs, die in ihren unzugänglichen Bergfestungen kaum zu erreichen sind. Die Reisenden sahen mehrmals Banden wilder Inder, die, als sie den Elefanten über das Land ziehen sahen, wütende und bedrohliche Gesten machten. Der Parsi mied sie, so weit es möglich war. Auf dem Weg wurden nur wenige Tiere beobachtet; selbst die Affen eilten mit Verrenkungen und Grimassen von ihrem Weg weg, was Passepartout zum Lachen brachte.
Mitten in seiner Heiterkeit beunruhigte ihn jedoch ein Gedanke: Was würde Herr Fogg mit dem Elefanten anstellen, wenn er in Allahabad ankam? Würde er ihn mitnehmen? Unmöglich! Die Transportkosten wären enorm hoch. Würde er ihn verkaufen oder freilassen? Das edle Tier verdiente sicherlich einige Rücksichtnahme. Falls Herr Fogg beschließen sollte, ihm, Passepartout, Kiouni als Geschenk zu machen, wäre er sehr verlegen – und diese Gedanken beunruhigten ihn lange Zeit.
Am Abend wurde die Hauptkette der Vindhyas überquert, und es wurde erneut an einem zerfallenen Bungalow am Nordhang Halt gemacht. Sie hatten an diesem Tag fast fünfundzwanzig Meilen zurückgelegt – noch immer trennte sie eine ähnliche Entfernung von der Station in Allahabad.
Die Nacht war kalt. Der Parsi entzündete im Bungalow ein Feuer mit einigen trockenen Zweigen; die Wärme war sehr willkommen. Die in Kholby gekauften Vorräte reichten für das Abendessen aus, und die Reisenden aßen gierig. Das Gespräch, das mit ein paar unzusammenhängenden Sätzen begann, wich bald lautem, gleichmäßigem Schnarchen. Der Führer beobachtete Kiouni, der stehend schlief und sich gegen den Stamm eines großen Baumes lehnte. Es ereignete sich nichts weiter.
„Aus geschmiedetem Eisen“, antwortete Passepartout, während er damit begann, ein hastiges Frühstück zuzubereiten.
Um Mittag gab der Parsi das Zeichen zum Aufbruch. Das Land zeigte bald ein sehr wildes Aussehen: Dattelpalmen- und Zwergpalmenhaine folgten auf die dichten Wälder; dann weite, trockene Ebenen, gesprenkelt mit spärlichen Büschen und übersät mit großen Syenitblöcken. Dieser Teil von Bundelkund, der nur selten von Reisenden besucht wird, wird von einer fanatischen Bevölkerung bewohnt, die an den schrecklichsten Praktiken des Hinduismus gewöhnt ist. Die Engländer konnten keine vollständige Herrschaft über dieses Gebiet erringen – es steht unter dem Einfluss von Rajahs, die in ihren unzugänglichen Bergfestungen kaum zu erreichen sind. Die Reisenden sahen mehrmals Banden wilder Inder, die, als sie den Elefanten über das Land ziehen sahen, wütende und bedrohliche Gesten machten. Der Parsi mied sie, so weit es möglich war. Auf dem Weg wurden nur wenige Tiere beobachtet; selbst die Affen eilten mit Verrenkungen und Grimassen von ihrem Weg weg, was Passepartout zum Lachen brachte.
Mitten in seiner Heiterkeit beunruhigte ihn jedoch ein Gedanke: Was würde Herr Fogg mit dem Elefanten anstellen, wenn er in Allahabad ankam? Würde er ihn mitnehmen? Unmöglich! Die Transportkosten wären enorm hoch. Würde er ihn verkaufen oder freilassen? Das edle Tier verdiente sicherlich einige Rücksichtnahme. Falls Herr Fogg beschließen sollte, ihm, Passepartout, Kiouni als Geschenk zu machen, wäre er sehr verlegen – und diese Gedanken beunruhigten ihn lange Zeit.
Am Abend wurde die Hauptkette der Vindhyas überquert, und es wurde erneut an einem zerfallenen Bungalow am Nordhang Halt gemacht. Sie hatten an diesem Tag fast fünfundzwanzig Meilen zurückgelegt – noch immer trennte sie eine ähnliche Entfernung von der Station in Allahabad.
Die Nacht war kalt. Der Parsi entzündete im Bungalow ein Feuer mit einigen trockenen Zweigen; die Wärme war sehr willkommen. Die in Kholby gekauften Vorräte reichten für das Abendessen aus, und die Reisenden aßen gierig. Das Gespräch, das mit ein paar unzusammenhängenden Sätzen begann, wich bald lautem, gleichmäßigem Schnarchen. Der Führer beobachtete Kiouni, der stehend schlief und sich gegen den Stamm eines großen Baumes lehnte. Es ereignete sich nichts weiter.
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In der Nacht störte nichts den Schlaf der Menschen – obwohl gelegentliche Knurren von Panthern sowie das Geplapper von Affen die Stille durchbrachen. Die gefährlicheren Tiere gaben keinen Laut von sich und zeigten keine feindseligen Reaktionen gegenüber den Bewohnern des Bungalows. Sir Francis schlief tief und fest, wie ein ehrlicher Soldat, der von Müdigkeit überwältigt war. Passepartout wurde von unruhigen Träumen über die Ereignisse des Vortags heimgesucht. Was Herr Fogg betraf, so schlief er genauso ruhig, als wäre er in seinem friedlichen Haus in Saville Row.
Die Reise wurde um sechs Uhr morgens fortgesetzt; der Führer hoffte, bis zum Abend Allahabad zu erreichen. Dann würde Herr Fogg nur einen Teil der vierundvierzig Stunden einbüßen, die seit Beginn der Reise gespart worden waren. Kiouni setzte seinen schnellen Schritt fort und erreichte bald die unteren Ausläufer der Vindhyas. Gegen Mittag kamen sie am Dorf Kallenger vorbei, das am Fluss Cani liegt – einem der Nebenflüsse des Ganges. Der Führer mied bewohnte Orte und hielt es für sicherer, durch die offene Landschaft entlang der ersten Senken des Beckens des großen Flusses zu reisen. Allahabad lag nun nur noch zwölf Meilen nordöstlich. Sie machten Rast unter einer Bananenpflanzung; deren Früchte, die genauso nahrhaft wie Brot und genauso saftig wie Sahne waren, wurden in großem Maße verzehrt und geschätzt.
Um zwei Uhr betrat der Führer einen dichten Wald, der sich über mehrere Meilen erstreckte. Er zog es vor, im Schutz des Waldes weiterzureisen. Bisher hatten sie keine unangenehmen Begegnungen gehabt, und es schien, als könnte die Reise erfolgreich abgeschlossen werden – doch plötzlich wurde der Elefant unruhig und blieb stehen.
Es war nun vier Uhr.
„Was ist los?“, fragte Sir Francis und streckte den Kopf heraus.
„Ich weiß es nicht, Herr“, antwortete der Parsi und lauschte aufmerksam einem verworrenen Gemurmel, das durch die dichten Äste drang. Das Gemurmel wurde allmählich deutlicher; es klang wie ein fernes Konzert menschlicher Stimmen, begleitet von Blasinstrumenten. Passepartout war ganz Ohr. Herr Fogg wartete geduldig, ohne ein Wort zu sagen. Der Parsi sprang zu Boden, band den Elefanten an einen Baum und tauchte in das Gestrüpp ein. Bald kehrte er zurück und sagte: „Eine Prozession von Brahmanen kommt in diese Richtung. Wir müssen verhindern, dass sie uns sehen, wenn möglich.“
Der Führer ließ den Elefanten los und führte ihn in das Gestrüpp, während er die Reisenden bat, sich nicht zu rühren. Er blieb bereit, auf den Elefanten zu steigen.
Die Reise wurde um sechs Uhr morgens fortgesetzt; der Führer hoffte, bis zum Abend Allahabad zu erreichen. Dann würde Herr Fogg nur einen Teil der vierundvierzig Stunden einbüßen, die seit Beginn der Reise gespart worden waren. Kiouni setzte seinen schnellen Schritt fort und erreichte bald die unteren Ausläufer der Vindhyas. Gegen Mittag kamen sie am Dorf Kallenger vorbei, das am Fluss Cani liegt – einem der Nebenflüsse des Ganges. Der Führer mied bewohnte Orte und hielt es für sicherer, durch die offene Landschaft entlang der ersten Senken des Beckens des großen Flusses zu reisen. Allahabad lag nun nur noch zwölf Meilen nordöstlich. Sie machten Rast unter einer Bananenpflanzung; deren Früchte, die genauso nahrhaft wie Brot und genauso saftig wie Sahne waren, wurden in großem Maße verzehrt und geschätzt.
Um zwei Uhr betrat der Führer einen dichten Wald, der sich über mehrere Meilen erstreckte. Er zog es vor, im Schutz des Waldes weiterzureisen. Bisher hatten sie keine unangenehmen Begegnungen gehabt, und es schien, als könnte die Reise erfolgreich abgeschlossen werden – doch plötzlich wurde der Elefant unruhig und blieb stehen.
Es war nun vier Uhr.
„Was ist los?“, fragte Sir Francis und streckte den Kopf heraus.
„Ich weiß es nicht, Herr“, antwortete der Parsi und lauschte aufmerksam einem verworrenen Gemurmel, das durch die dichten Äste drang. Das Gemurmel wurde allmählich deutlicher; es klang wie ein fernes Konzert menschlicher Stimmen, begleitet von Blasinstrumenten. Passepartout war ganz Ohr. Herr Fogg wartete geduldig, ohne ein Wort zu sagen. Der Parsi sprang zu Boden, band den Elefanten an einen Baum und tauchte in das Gestrüpp ein. Bald kehrte er zurück und sagte: „Eine Prozession von Brahmanen kommt in diese Richtung. Wir müssen verhindern, dass sie uns sehen, wenn möglich.“
Der Führer ließ den Elefanten los und führte ihn in das Gestrüpp, während er die Reisenden bat, sich nicht zu rühren. Er blieb bereit, auf den Elefanten zu steigen.
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Ein Tier sollte jederzeit bereitstehen, falls eine Flucht notwendig werden sollte; doch offensichtlich dachte er, dass der Zug der Gläubigen an ihnen vorbeiziehen würde, ohne sie in dem dichten Gestrüpp wahrzunehmen, in dem sie völlig verborgen waren. Die dissonanten Töne der Stimmen und Instrumente kamen näher – nun vermischten sich dröhnende Lieder mit dem Klang von Trommeln und Zimbeln. Bald erschien der Anführer des Zuges unter den Bäumen, etwa hundert Schritte entfernt; die seltsamen Gestalten, die das religiöse Ritual durchführten, waren durch die Äste hindurch leicht zu erkennen. Zuerst kamen die Priester, mit Mitren auf dem Kopf und in langen Spitzenroben gekleidet. Sie wurden von Männern, Frauen und Kindern umgeben, die eine Art düsteren Psalm sangen – unterbrochen von Zeit zu Zeit durch das Geräusch von Trommeln und Zimbeln. Hinter ihnen wurde ein Wagen mit großen Rädern gezogen; die Speichen dieser Räder stellten ineinander verschlungene Schlangen dar. Auf diesem Wagen, der von vier prächtig geschmückten Zebras gezogen wurde, stand eine hässliche Statue mit vier Armen. Der Körper war dunkelrot gefärbt, die Augen eingefallen, das Haar unordentlich, die Zunge herausgestreckt und die Lippen mit Betel gefärbt. Die Statue stand aufrecht auf der Figur eines niedergerissenen, kopflosen Riesen. Sir Francis erkannte die Statue und flüsterte: „Die Göttin Kali – die Göttin der Liebe und des Todes.“ „Vielleicht des Todes“, murmelte Passepartout zurück, „aber der Liebe? Diese hässliche alte Hexe? Niemals!“ Der Parsi machte eine Geste, um zum Schweigen aufzufordern. Eine Gruppe alter Fakire tummelte sich um die Statue und veranstaltete ein wildes Treiben; sie waren mit Ocker bemalt und mit Schnitten übersät, aus denen Blut tropfte – dumme Fanatiker, die bei den großen indischen Zeremonien immer noch sich selbst unter die Räder von Juggernaut werfen. Einige Brahmanen, in prächtigen orientalischen Gewändern gekleidet und begleitet von einer Frau, die bei jedem Schritt schwankte, folgten ihnen. Diese Frau war jung und so schön wie eine Europäerin. Ihr Kopf, Hals, Schultern, Ohren, Arme, Hände und Füße waren mit Juwelen und Edelsteinen bedeckt – Armreifen, Ohrringe und Ringe. Eine mit Gold verzierte Tunika sowie ein leichter Musselinkleid ließen ihre Figur erkennen. Die Wachen, die der jungen Frau folgten, bildeten einen starken Kontrast zu ihr – bewaffnet mit blanken Säbeln an ihren Gürteln sowie langen, damaszenernen Pistolen, und trugen außerdem eine Leiche auf einem Tragegestell. Es handelte sich um den Körper von…
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Ein alter Mann, prächtig in die Kleidung eines Rajahs gekleidet – er trug, wie zu Lebzeiten, einen Turban, der mit Perlen verziert war, einen Umhang aus Seide und Gold, ein Tuch aus Kaschmir, das mit Diamanten bestickt war, sowie die prächtigen Waffen eines hinduistischen Prinzen. Danach kamen die Musiker sowie eine Gruppe fröhlicher Fakire; deren Rufe übertönten manchmal den Lärm der Instrumente. Sie bildeten das Ende des Zuges.
Sir Francis beobachtete den Zug mit traurigem Gesichtsausdruck. An den Führer gewandt sagte er: „Eine Sutti.“ Der Parsi nickte und legte sich den Finger auf die Lippen. Der Zug schlängelte sich langsam unter den Bäumen entlang – bald verschwanden seine letzten Reihen in der Tiefe des Waldes. Die Lieder verstummten allmählich; gelegentlich waren in der Ferne Rufe zu hören – bis schließlich wieder Stille herrschte.
Phileas Fogg hatte gehört, was Sir Francis gesagt hatte. Sobald der Zug verschwunden war, fragte er: „Was ist eine Sutti?“
„Eine Sutti“, antwortete der General, „ist ein Menschenopfer – allerdings ein freiwilliges. Die Frau, die Sie gerade gesehen haben, wird morgen bei Tagesanbruch verbrannt werden.“
„Oh, diese Schurken!“, rief Passepartout, der seine Empörung nicht unterdrücken konnte.
„Und die Leiche?“, fragte Herr Fogg.
„Das ist die des Prinzen, ihres Ehemanns“, sagte der Führer. „Ein unabhängiger Rajah von Bundelkund.“
„Ist es möglich“, fuhr Phileas Fogg fort, wobei seine Stimme keinerlei Emotionen verriet, „dass solche barbarischen Bräuche in Indien noch existieren und dass die Engländer nicht in der Lage sind, ihnen Einhalt zu gebieten?“
„Solche Opfer finden im größten Teil Indiens nicht statt“, antwortete Sir Francis. „Aber wir haben keine Macht über diese wilden Gebiete – besonders hier in Bundelkund. Das ganze Gebiet nördlich der Vindhya-Berge ist ein Ort ständiger Morde und Plünderungen.“
„Der arme Mensch!“, rief Passepartout. „Lebend verbrennen zu müssen!“
„Ja“, erwiderte Sir Francis. „Lebend verbrennen. Und selbst wenn das nicht der Fall wäre, können Sie sich nicht vorstellen, welchem Schicksal sie von ihren Verwandten ausgesetzt wäre. Sie würden ihr die Haare abschneiden, sie mit einer spärlichen Menge Reis ernähren, sie verachten – sie würde als unreines Wesen angesehen werden und in irgendeiner Ecke wie ein elender Hund sterben. Die Aussicht darauf…“
Sir Francis beobachtete den Zug mit traurigem Gesichtsausdruck. An den Führer gewandt sagte er: „Eine Sutti.“ Der Parsi nickte und legte sich den Finger auf die Lippen. Der Zug schlängelte sich langsam unter den Bäumen entlang – bald verschwanden seine letzten Reihen in der Tiefe des Waldes. Die Lieder verstummten allmählich; gelegentlich waren in der Ferne Rufe zu hören – bis schließlich wieder Stille herrschte.
Phileas Fogg hatte gehört, was Sir Francis gesagt hatte. Sobald der Zug verschwunden war, fragte er: „Was ist eine Sutti?“
„Eine Sutti“, antwortete der General, „ist ein Menschenopfer – allerdings ein freiwilliges. Die Frau, die Sie gerade gesehen haben, wird morgen bei Tagesanbruch verbrannt werden.“
„Oh, diese Schurken!“, rief Passepartout, der seine Empörung nicht unterdrücken konnte.
„Und die Leiche?“, fragte Herr Fogg.
„Das ist die des Prinzen, ihres Ehemanns“, sagte der Führer. „Ein unabhängiger Rajah von Bundelkund.“
„Ist es möglich“, fuhr Phileas Fogg fort, wobei seine Stimme keinerlei Emotionen verriet, „dass solche barbarischen Bräuche in Indien noch existieren und dass die Engländer nicht in der Lage sind, ihnen Einhalt zu gebieten?“
„Solche Opfer finden im größten Teil Indiens nicht statt“, antwortete Sir Francis. „Aber wir haben keine Macht über diese wilden Gebiete – besonders hier in Bundelkund. Das ganze Gebiet nördlich der Vindhya-Berge ist ein Ort ständiger Morde und Plünderungen.“
„Der arme Mensch!“, rief Passepartout. „Lebend verbrennen zu müssen!“
„Ja“, erwiderte Sir Francis. „Lebend verbrennen. Und selbst wenn das nicht der Fall wäre, können Sie sich nicht vorstellen, welchem Schicksal sie von ihren Verwandten ausgesetzt wäre. Sie würden ihr die Haare abschneiden, sie mit einer spärlichen Menge Reis ernähren, sie verachten – sie würde als unreines Wesen angesehen werden und in irgendeiner Ecke wie ein elender Hund sterben. Die Aussicht darauf…“
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Eine so schreckliche Existenz treibt diese armen Kreaturen zum Opfer – viel mehr als Liebe oder religiöser Fanatismus. Manchmal ist das Opfer jedoch wirklich freiwillig, und es bedarf der aktiven Einmischung der Regierung, um es zu verhindern. Vor einigen Jahren, als ich in Bombay lebte, bat eine junge Witwe den Gouverneur um Erlaubnis, zusammen mit dem Körper ihres Mannes verbrannt zu werden; doch, wie Sie sich vorstellen können, lehnte er ab. Die Frau verließ die Stadt, suchte Zuflucht bei einem unabhängigen Rajah und setzte dort ihren selbstlosen Entschluss in die Tat um.
Während Sir Francis sprach, schüttelte der Führer mehrmals den Kopf und sagte dann: „Das Opfer, das morgen bei Tagesanbruch stattfinden wird, ist nicht freiwillig.“
„Wie wissen Sie das?“
„Jeder in Bundelkund kennt diese Angelegenheit.“
„Aber die arme Frau schien keinen Widerstand zu leisten“, bemerkte Sir Francis.
„Das lag daran, dass sie mit Dämpfen aus Hanf und Opium betäubt worden war.“
„Aber wohin bringen sie sie?“
„Zum Pagoden von Pillaji, zwei Meilen von hier entfernt; sie wird dort die Nacht verbringen.“
„Und das Opfer findet statt –“
„Morgen, im ersten Licht der Dämmerung.“
Der Führer führte nun den Elefanten aus dem Dickicht hinaus und sprang auf seinen Hals. Gerade in dem Moment, als er Kiouni mit einem besonderen Pfiff antreiben wollte, hielt ihn Herr Fogg zurück und wandte sich an Sir Francis Cromarty: „Nehmen wir an, wir retten diese Frau.“
„Retten Sie die Frau, Herr Fogg!“
„Ich habe noch zwölf Stunden Zeit; ich kann sie dafür verwenden.“
„Sie sind wirklich ein Mann mit Herz!“
„Manchmal“, antwortete Phileas Fogg leise, „wenn ich Zeit habe.“
Während Sir Francis sprach, schüttelte der Führer mehrmals den Kopf und sagte dann: „Das Opfer, das morgen bei Tagesanbruch stattfinden wird, ist nicht freiwillig.“
„Wie wissen Sie das?“
„Jeder in Bundelkund kennt diese Angelegenheit.“
„Aber die arme Frau schien keinen Widerstand zu leisten“, bemerkte Sir Francis.
„Das lag daran, dass sie mit Dämpfen aus Hanf und Opium betäubt worden war.“
„Aber wohin bringen sie sie?“
„Zum Pagoden von Pillaji, zwei Meilen von hier entfernt; sie wird dort die Nacht verbringen.“
„Und das Opfer findet statt –“
„Morgen, im ersten Licht der Dämmerung.“
Der Führer führte nun den Elefanten aus dem Dickicht hinaus und sprang auf seinen Hals. Gerade in dem Moment, als er Kiouni mit einem besonderen Pfiff antreiben wollte, hielt ihn Herr Fogg zurück und wandte sich an Sir Francis Cromarty: „Nehmen wir an, wir retten diese Frau.“
„Retten Sie die Frau, Herr Fogg!“
„Ich habe noch zwölf Stunden Zeit; ich kann sie dafür verwenden.“
„Sie sind wirklich ein Mann mit Herz!“
„Manchmal“, antwortete Phileas Fogg leise, „wenn ich Zeit habe.“
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KAPITEL XIII.
In dem Passepartout einen neuen Beweis dafür erhält, dass das Glück den Mutigen hold ist
Es handelte sich um ein kühnes Vorhaben – voller Schwierigkeiten, vielleicht sogar undurchführbar. Herr Fogg war bereit, sein Leben – oder zumindest seine Freiheit – aufs Spiel zu setzen, und damit auch den Erfolg seiner Reise. Doch er zögerte nicht und fand in Sir Francis Cromarty einen begeisterten Verbündeten.
Was Passepartout betraf, so war er bereit für alles, was vorgeschlagen werden könnte. Die Idee seines Herrn begeisterte ihn; er erkannte unter dieser eisigen Fassade ein Herz, eine Seele. Er begann, Phileas Fogg zu lieben.
Übrig blieb noch der Führer: Welchen Weg würde er einschlagen? Würde er sich den Indern anschließen? Ohne seine Hilfe musste man sicherstellen, dass er neutral blieb.
Sir Francis stellte ihm die Frage offen.
„Herrn“, antwortete der Führer, „ich bin Parsi, und diese Frau ist ebenfalls Parsi. Gebieten Sie mir, was Sie wollen.“
„Ausgezeichnet!“, sagte Herr Fogg.
„Allerdings“, fuhr der Führer fort, „ist es nicht nur sicher, dass wir unser Leben aufs Spiel setzen werden, sondern auch schreckliche Qualen erleiden, falls wir gefangen genommen werden.“
„Das ist vorherzusehen“, erwiderte Herr Fogg. „Ich denke, wir müssen bis zur Nacht warten, bevor wir handeln.“
„Ich auch“, sagte der Führer.
Der ehrliche Inder gab anschließend einige Informationen über das Opfer – sie sei, so sagte er, eine berühmte Schönheit des persischen Volkes und die Tochter eines reichen Händlers aus Bombay. In dieser Stadt hatte sie eine rein englische Erziehung erhalten; anhand ihrer Manieren und ihres Verstands könnte man sie für eine Europäerin halten. Ihr Name war Aouda. Als Waise geblieben, wurde sie gegen ihren Willen verheiratet.
In dem Passepartout einen neuen Beweis dafür erhält, dass das Glück den Mutigen hold ist
Es handelte sich um ein kühnes Vorhaben – voller Schwierigkeiten, vielleicht sogar undurchführbar. Herr Fogg war bereit, sein Leben – oder zumindest seine Freiheit – aufs Spiel zu setzen, und damit auch den Erfolg seiner Reise. Doch er zögerte nicht und fand in Sir Francis Cromarty einen begeisterten Verbündeten.
Was Passepartout betraf, so war er bereit für alles, was vorgeschlagen werden könnte. Die Idee seines Herrn begeisterte ihn; er erkannte unter dieser eisigen Fassade ein Herz, eine Seele. Er begann, Phileas Fogg zu lieben.
Übrig blieb noch der Führer: Welchen Weg würde er einschlagen? Würde er sich den Indern anschließen? Ohne seine Hilfe musste man sicherstellen, dass er neutral blieb.
Sir Francis stellte ihm die Frage offen.
„Herrn“, antwortete der Führer, „ich bin Parsi, und diese Frau ist ebenfalls Parsi. Gebieten Sie mir, was Sie wollen.“
„Ausgezeichnet!“, sagte Herr Fogg.
„Allerdings“, fuhr der Führer fort, „ist es nicht nur sicher, dass wir unser Leben aufs Spiel setzen werden, sondern auch schreckliche Qualen erleiden, falls wir gefangen genommen werden.“
„Das ist vorherzusehen“, erwiderte Herr Fogg. „Ich denke, wir müssen bis zur Nacht warten, bevor wir handeln.“
„Ich auch“, sagte der Führer.
Der ehrliche Inder gab anschließend einige Informationen über das Opfer – sie sei, so sagte er, eine berühmte Schönheit des persischen Volkes und die Tochter eines reichen Händlers aus Bombay. In dieser Stadt hatte sie eine rein englische Erziehung erhalten; anhand ihrer Manieren und ihres Verstands könnte man sie für eine Europäerin halten. Ihr Name war Aouda. Als Waise geblieben, wurde sie gegen ihren Willen verheiratet.
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Ihren Willen gab sie dem alten Rajah von Bundelkund; und da sie das Schicksal kannte, das sie erwartete, floh sie – wurde jedoch wieder gefangen genommen und von den Verwandten des Rajahs, die ein Interesse an ihrem Tod hatten, dem Opferdienst übergeben, aus dem es schien, als könnte sie nicht entkommen.
Die Erzählung des Parsen bestätigte nur Mr. Fogg und seine Begleiter in ihrem großzügigen Plan. Es wurde beschlossen, dass der Führer den Elefanten auf die Pagode von Pillaji zulenken sollte, wohin dieser entsprechend so schnell wie möglich vordrang. Eine halbe Stunde später hielten sie in einem Gehölz etwa fünfhundert Fuß von der Pagode entfernt an, wo sie gut versteckt waren; doch sie konnten die Stöhnen und Schreie der Fakire deutlich hören.
Dann besprachen sie die Möglichkeiten, an das Opfer heranzukommen. Der Führer kannte die Pagode von Pillaji gut; darin, so behauptete er, sei die junge Frau eingesperrt. Konnten sie durch eine der Türen eindringen, während die ganze Gruppe der Inder in einem betrunkenen Schlaf lag, oder war es sicherer, versuchen, ein Loch in die Wände zu bohren? Das ließ sich erst vor Ort entscheiden; doch es stand fest, dass die Entführung in derselben Nacht stattfinden musste – und nicht, wenn am Morgen das Opfer zur Scheiterhaufenfeier geführt wurde. Dann konnte keine menschliche Intervention sie mehr retten.
Sobald es dunkel wurde, gegen sechs Uhr, beschlossen sie, die Umgebung der Pagode zu erkunden. Die Schreie der Fakire verstummten gerade; die Inder waren dabei, sich in den durch flüssiges Opium gemischt mit Hanf verursachten Rausch zu stürzen – es könnte also möglich sein, sich unbemerkt zwischen ihnen zum Tempel selbst vorzuschleichen.
Der Pars, der die anderen anführte, schlich leise durch das Gehölz; nach zehn Minuten befanden sie sich am Ufer eines kleinen Baches. Im Licht der Rosentorchen sahen sie einen Holzstoß, auf dem die konservierte Leiche des Rajahs lag – sie sollte zusammen mit seiner Frau verbrannt werden. Die Pagode, deren Minarette im zunehmenden Dämmerlicht über den Bäumen aufragten, lag hundert Schritte entfernt.
„Kommen!“, flüsterte der Führer.
Er schlich vorsichtiger denn je durch das Gestrüpp, gefolgt von seinen Begleitern; die Stille um sie herum wurde nur vom leisen Rascheln des Windes in den Ästen unterbrochen.
Bald blieb der Pars am Rande der Lichtung stehen, die von den Torchen erhellt wurde. Der Boden war mit Gruppen von Indern bedeckt, die regungslos dalagen.
Die Erzählung des Parsen bestätigte nur Mr. Fogg und seine Begleiter in ihrem großzügigen Plan. Es wurde beschlossen, dass der Führer den Elefanten auf die Pagode von Pillaji zulenken sollte, wohin dieser entsprechend so schnell wie möglich vordrang. Eine halbe Stunde später hielten sie in einem Gehölz etwa fünfhundert Fuß von der Pagode entfernt an, wo sie gut versteckt waren; doch sie konnten die Stöhnen und Schreie der Fakire deutlich hören.
Dann besprachen sie die Möglichkeiten, an das Opfer heranzukommen. Der Führer kannte die Pagode von Pillaji gut; darin, so behauptete er, sei die junge Frau eingesperrt. Konnten sie durch eine der Türen eindringen, während die ganze Gruppe der Inder in einem betrunkenen Schlaf lag, oder war es sicherer, versuchen, ein Loch in die Wände zu bohren? Das ließ sich erst vor Ort entscheiden; doch es stand fest, dass die Entführung in derselben Nacht stattfinden musste – und nicht, wenn am Morgen das Opfer zur Scheiterhaufenfeier geführt wurde. Dann konnte keine menschliche Intervention sie mehr retten.
Sobald es dunkel wurde, gegen sechs Uhr, beschlossen sie, die Umgebung der Pagode zu erkunden. Die Schreie der Fakire verstummten gerade; die Inder waren dabei, sich in den durch flüssiges Opium gemischt mit Hanf verursachten Rausch zu stürzen – es könnte also möglich sein, sich unbemerkt zwischen ihnen zum Tempel selbst vorzuschleichen.
Der Pars, der die anderen anführte, schlich leise durch das Gehölz; nach zehn Minuten befanden sie sich am Ufer eines kleinen Baches. Im Licht der Rosentorchen sahen sie einen Holzstoß, auf dem die konservierte Leiche des Rajahs lag – sie sollte zusammen mit seiner Frau verbrannt werden. Die Pagode, deren Minarette im zunehmenden Dämmerlicht über den Bäumen aufragten, lag hundert Schritte entfernt.
„Kommen!“, flüsterte der Führer.
Er schlich vorsichtiger denn je durch das Gestrüpp, gefolgt von seinen Begleitern; die Stille um sie herum wurde nur vom leisen Rascheln des Windes in den Ästen unterbrochen.
Bald blieb der Pars am Rande der Lichtung stehen, die von den Torchen erhellt wurde. Der Boden war mit Gruppen von Indern bedeckt, die regungslos dalagen.
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Ihr betrunkener Schlaf – es sah aus wie ein Schlachtfeld, übersät mit Toten. Männer, Frauen und Kinder lagen dort zusammen. Im Hintergrund, zwischen den Bäumen, ragte die Pagode von Pillaji deutlich hervor. Zu groß war die Enttäuschung des Führers: Die Wachen des Rajahs, beleuchtet von Fackeln, beobachteten die Türen und marschierten mit blanken Säbeln hin und her; vermutlich beobachteten auch die Priester von innen. Der Parsi, nun überzeugt, dass es unmöglich sei, in den Tempel einzudringen, ging nicht weiter, sondern führte seine Begleiter zurück. Auch Phileas Fogg und Sir Francis Cromarty erkannten, dass man in diese Richtung nichts unternehmen konnte. Sie blieben stehen und führten ein leises Gespräch. „Es ist erst acht Uhr“, sagte der Brigadegeneral, „und diese Wachen könnten auch einschlafen.“ „Das ist nicht ausgeschlossen“, erwiderte der Parsi. Sie legten sich am Fuße eines Baumes nieder und warteten. Die Zeit schien endlos zu vergehen; der Führer verließ sie immer wieder, um vom Rand des Waldes aus zu beobachten, doch die Wachen hielten weiterhin Wache im Schein der Fackeln, und ein schwaches Licht drang durch die Fenster der Pagode. Sie warteten bis Mitternacht – doch bei den Wachen änderte sich nichts, und es wurde klar, dass man nicht davon ausgehen konnte, dass sie einschlafen würden. Der andere Plan musste umgesetzt werden: Es musste eine Öffnung in den Wänden der Pagode geschaffen werden. Es blieb noch zu klären, ob die Priester genauso aufmerksam neben ihrem Opfer Wache hielten wie die Soldaten an der Tür. Nach einer letzten Beratung kündigte der Führer an, bereit für den Versuch zu sein, und ging voran, gefolgt von den anderen. Sie nahmen einen Umweg, um von hinten zur Pagode zu gelangen. Gegen halb ein Uhr nachts erreichten sie die Mauern, ohne jemandem begegnet zu sein; hier gab es weder Wachen noch Fenster oder Türen. Die Nacht war dunkel. Der abnehmende Mond tauchte kaum über dem Horizont auf und war von dichten Wolken bedeckt; die Höhe der Bäume verstärkte die Dunkelheit. Es reichte nicht aus, nur die Mauern zu erreichen – es musste eine Öffnung in ihnen geschaffen werden. Zu diesem Zweck hatten die Männer nur ihre Taschenmesser. Glücklicherweise waren die Tempelwände aus Ziegeln und Holz gebaut, was…
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konnte mit geringem Aufwand durchbrochen werden; nachdem ein Ziegelstein entfernt worden war, gab der Rest leicht nach.
Sie machten sich leise an die Arbeit – der Parsi auf der einen Seite und Passepartout auf der anderen begannen, die Ziegelsteine zu lockern, um eine Öffnung von zwei Fuß Breite zu schaffen. Sie kamen schnell voran, als plötzlich ein Schrei aus dem Inneren des Tempels zu hören war, dem fast sofort weitere Schreie von außen folgten. Passepartout und der Führer hielten inne. Wurden sie gehört? Wurde Alarm gegeben? Die Vernunft riet ihnen, sich zurückzuziehen – und das taten sie, gefolgt von Phileas Fogg und Sir Francis. Sie versteckten sich erneut im Wald und warteten, bis die Unruhe, was auch immer sie verursacht hatte, nachließ, bereit, ohne Verzögerung ihren Versuch fortzusetzen.
Doch leider tauchten nun Wachen am hinteren Teil des Tempels auf und postierten sich dort, um einen Überraschungsangriff zu verhindern.
Es wäre schwierig, die Enttäuschung der Gruppe zu beschreiben, die so in ihrer Arbeit unterbrochen wurde. Sie konnten jetzt nicht mehr zur Opferin gelangen – wie sollten sie sie also retten? Sir Francis ballte die Fäuste, Passepartout war außer sich, und der Führer knirschte vor Wut mit den Zähnen. Der ruhige Fogg wartete, ohne irgendeine Emotion zu zeigen.
„Wir haben nichts anderes zu tun, als wegzugehen“, flüsterte Sir Francis.
„Nichts anderes, als wegzugehen“, wiederholte der Führer.
„Halt“, sagte Fogg. „Ich muss erst morgen vor Mittag in Allahabad sein.“
„Aber was können Sie denn noch erreichen?“, fragte Sir Francis. „In ein paar Stunden wird es Tag sein –“
„Die Chance, die jetzt verloren zu scheinen scheint, könnte sich im letzten Moment ergeben.“
Sir Francis hätte gerne in Phileas Fogges Augen geblickt. Was dachte dieser kalte Engländer? Plante er, genau in dem Moment, in dem das Opfer dargebracht werden sollte, loszustürmen und das Mädchen mutig seinen Henkern zu entreißen?
Das wäre völliger Unsinn – und es fiel schwer zu glauben, dass Fogg ein solcher Narr war. Sir Francis stimmte jedoch zu, bis zum Ende dieses schrecklichen Dramas zu bleiben. Der Führer führte sie in den hinteren Teil der Lichtung, von wo aus sie die schlafenden Gruppen beobachten konnten.
In der Zwischenzeit überlegte Passepartout, der sich auf die unteren Äste eines Baumes gesetzt hatte, einer Idee nach, die ihm ursprünglich wie ein Blitz in den Sinn gekommen war.
Sie machten sich leise an die Arbeit – der Parsi auf der einen Seite und Passepartout auf der anderen begannen, die Ziegelsteine zu lockern, um eine Öffnung von zwei Fuß Breite zu schaffen. Sie kamen schnell voran, als plötzlich ein Schrei aus dem Inneren des Tempels zu hören war, dem fast sofort weitere Schreie von außen folgten. Passepartout und der Führer hielten inne. Wurden sie gehört? Wurde Alarm gegeben? Die Vernunft riet ihnen, sich zurückzuziehen – und das taten sie, gefolgt von Phileas Fogg und Sir Francis. Sie versteckten sich erneut im Wald und warteten, bis die Unruhe, was auch immer sie verursacht hatte, nachließ, bereit, ohne Verzögerung ihren Versuch fortzusetzen.
Doch leider tauchten nun Wachen am hinteren Teil des Tempels auf und postierten sich dort, um einen Überraschungsangriff zu verhindern.
Es wäre schwierig, die Enttäuschung der Gruppe zu beschreiben, die so in ihrer Arbeit unterbrochen wurde. Sie konnten jetzt nicht mehr zur Opferin gelangen – wie sollten sie sie also retten? Sir Francis ballte die Fäuste, Passepartout war außer sich, und der Führer knirschte vor Wut mit den Zähnen. Der ruhige Fogg wartete, ohne irgendeine Emotion zu zeigen.
„Wir haben nichts anderes zu tun, als wegzugehen“, flüsterte Sir Francis.
„Nichts anderes, als wegzugehen“, wiederholte der Führer.
„Halt“, sagte Fogg. „Ich muss erst morgen vor Mittag in Allahabad sein.“
„Aber was können Sie denn noch erreichen?“, fragte Sir Francis. „In ein paar Stunden wird es Tag sein –“
„Die Chance, die jetzt verloren zu scheinen scheint, könnte sich im letzten Moment ergeben.“
Sir Francis hätte gerne in Phileas Fogges Augen geblickt. Was dachte dieser kalte Engländer? Plante er, genau in dem Moment, in dem das Opfer dargebracht werden sollte, loszustürmen und das Mädchen mutig seinen Henkern zu entreißen?
Das wäre völliger Unsinn – und es fiel schwer zu glauben, dass Fogg ein solcher Narr war. Sir Francis stimmte jedoch zu, bis zum Ende dieses schrecklichen Dramas zu bleiben. Der Führer führte sie in den hinteren Teil der Lichtung, von wo aus sie die schlafenden Gruppen beobachten konnten.
In der Zwischenzeit überlegte Passepartout, der sich auf die unteren Äste eines Baumes gesetzt hatte, einer Idee nach, die ihm ursprünglich wie ein Blitz in den Sinn gekommen war.
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Und das hatte sich nun fest in seinem Gehirn eingenistet. Zuerst sagte er zu sich selbst: „Was für eine Dummheit!“ Dann wiederholte er: „Warum eigentlich nicht? Es ist eine Chance – vielleicht die einzige – und mit solchen Idioten!“ Während er so dachte, glitt er mit der Geschmeidigkeit einer Schlange zu den niedrigsten Ästen, deren Enden fast bis zum Boden reichten. Die Stunden vergingen, und die helleren Schatten kündigten den Aufgang des Tages an – obwohl es noch nicht hell war. Das war der Moment. Die schlafende Menge wurde lebendig, Trommeln ertönten, Lieder und Rufe erhoben sich; die Stunde des Opfers war gekommen. Die Türen der Pagode schwangen auf, und ein helles Licht strömte aus ihrem Inneren hervor. Inmitten dieses Lichts entdeckten Herr Fogg und Sir Francis das Opfer. Sie schien, nachdem sie den Rausch überwunden hatte, versuchen zu wollen, ihrem Henker zu entkommen. Sir Franciscs Herz pochte heftig; er packte in einem Anfall von Panik Herrn Fogg am Arm und fand dort ein offenes Messer. Genau in diesem Moment begann die Menge sich zu bewegen. Die junge Frau war erneut in einen durch Hanfgerüche verursachten Zustand der Benommenheit gefallen und ging zwischen den Fakiren hindurch, die sie mit ihren wilden, religiösen Rufen begleiteten. Phileas Fogg und seine Begleiter mischten sich in die hinteren Reihen der Menge ein und folgten ihnen. In zwei Minuten erreichten sie das Ufer des Baches und blieben fünfzig Schritte von dem Scheiterhaufen entfernt stehen, auf dem immer noch die Leiche des Rajahs lag. In der Halbdunkelheit sahen sie das Opfer, völlig bewusstlos, neben der Leiche ihres Mannes liegen. Dann wurde eine Fackel gebracht, und das mit Öl getränkte Holz fing sofort Feuer. In diesem Moment packten Sir Francis und der Führer Phileas Fogg – der in einem Anfall verrückter Großzügigkeit gerade losstürmen wollte, um sich dem Scheiterhaufen zu nähern. Doch er stieß sie schnell beiseite, als sich die ganze Szene plötzlich änderte. Ein Schrei des Entsetzens ertönte. Die gesamte Menge warf sich entsetzt zu Boden. Der alte Rajah war also nicht tot – denn er stand plötzlich auf, wie ein Gespenst, nahm seine Frau in die Arme und stieg vom Scheiterhaufen herab, umgeben von Rauchwolken, die sein gespenstisches Aussehen nur noch verstärkten. Fakire, Soldaten und Priester, von plötzlichem Entsetzen ergriffen, lagen mit dem Gesicht nach unten da und wagten es nicht, ihre Augen zu heben, um ein solches Wunder zu betrachten.
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Das leblose Opfer wurde von kräftigen Armen getragen, die sie stützten – und sie schien diese Arme keineswegs zu belasten. Herr Fogg und Sir Francis standen aufrecht da, der Parsi senkte den Kopf, und Passepartout war zweifellos kaum weniger verblüfft.
Der wiederbelebte Rajah näherte sich Sir Francis und Herrn Fogg und sagte in einem schroffen Ton: „Lassen Sie uns aufbrechen!“
Es war Passepartout selbst, der auf dem Scheiterhaufen inmitten des Rauchs ausgerutscht war und unter Ausnutzung der noch herrschenden Dunkelheit das junge Mädchen vom Tod rettete! Es war Passepartout, der mit glücklicher Kühnheit seine Rolle spielte und sich durch die Menge hindurchdrängte, während alle in Panik waren.
Kurz darauf verschwanden alle vier in den Wäldern, und der Elefant trug sie in schnellem Tempo fort. Doch Schreie und Lärm sowie eine Kugel, die an Phileas Fogg’s Hut vorbeizischte, machten ihnen klar, dass der Trick entdeckt worden war.
Tatsächlich erschien nun der Körper des alten Rajahs auf dem brennenden Scheiterhaufen; die Priester, die aus ihrer Panik erwacht waren, erkannten, dass es zu einer Entführung gekommen war. Sie eilten in den Wald, gefolgt von den Soldaten, die auf die Flüchtlinge schossen. Doch diese vergrößerten schnell den Abstand zwischen sich und sich bald außerhalb der Reichweite von Kugeln und Pfeilen befunden.
Der wiederbelebte Rajah näherte sich Sir Francis und Herrn Fogg und sagte in einem schroffen Ton: „Lassen Sie uns aufbrechen!“
Es war Passepartout selbst, der auf dem Scheiterhaufen inmitten des Rauchs ausgerutscht war und unter Ausnutzung der noch herrschenden Dunkelheit das junge Mädchen vom Tod rettete! Es war Passepartout, der mit glücklicher Kühnheit seine Rolle spielte und sich durch die Menge hindurchdrängte, während alle in Panik waren.
Kurz darauf verschwanden alle vier in den Wäldern, und der Elefant trug sie in schnellem Tempo fort. Doch Schreie und Lärm sowie eine Kugel, die an Phileas Fogg’s Hut vorbeizischte, machten ihnen klar, dass der Trick entdeckt worden war.
Tatsächlich erschien nun der Körper des alten Rajahs auf dem brennenden Scheiterhaufen; die Priester, die aus ihrer Panik erwacht waren, erkannten, dass es zu einer Entführung gekommen war. Sie eilten in den Wald, gefolgt von den Soldaten, die auf die Flüchtlinge schossen. Doch diese vergrößerten schnell den Abstand zwischen sich und sich bald außerhalb der Reichweite von Kugeln und Pfeilen befunden.
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KAPITEL XIV.
In dem Phileas Fogg die gesamte Länge des wunderschönen Ganges-Tals hinabsteigt, ohne auch nur daran zu denken, es zu sehen.
Der kühne Unterfangen war gelungen; eine Stunde lang lachte Passepartout fröhlich über seinen Erfolg. Sir Francis drückte die Hand des braven Mannes, und sein Herr sagte: „Gut gemacht!“ – was von ihm aus eine hohe Anerkennung bedeutete. Darauf antwortete Passepartout, dass der ganze Ruhm diesem Herrn Fogg zustünde. Er selbst sei nur von einer „seltsamen“ Idee geleitet worden; er lachte bei dem Gedanken, dass er, Passepartout, ehemaliger Turner, ehemaliger Feuerwehrsergeant, für kurze Zeit der Ehemann einer bezaubernden Frau, eines ehrenwerten, konservierten Rajahs gewesen sei! Was die junge Inderin betraf, so war sie die ganze Zeit über nicht bei Bewusstsein und ruhte nun, in eine Reisedecke gehüllt, in einem der Howdahs. Der Elefant voranschreitend, dank der geschickten Führung des Parsen, durch den noch dunklen Wald, hatte er eine Stunde nach dem Verlassen der Pagode bereits eine weite Ebene überquert. Um sieben Uhr machten sie Halt – die junge Frau befand sich immer noch in einem Zustand völliger Erschöpfung. Der Führer ließ sie etwas Brandy mit Wasser trinken, doch die Benommenheit, die sie befallen hatte, ließ sich noch nicht beseitigen. Sir Francis, der mit den Auswirkungen der durch Hanf-Dämpfe verursachten Betrunkenheit vertraut war, beruhigte seine Begleiter bezüglich ihrer Verfassung. Doch er machte sich mehr Sorgen um ihr zukünftiges Schicksal. Er sagte zu Phileas Fogg, dass Aouda, falls sie in Indien bleiben würde, unweigerlich wieder in die Hände ihrer Henker fallen würde. Diese Fanatiker waren im ganzen Land verstreut und würden trotzdem…
In dem Phileas Fogg die gesamte Länge des wunderschönen Ganges-Tals hinabsteigt, ohne auch nur daran zu denken, es zu sehen.
Der kühne Unterfangen war gelungen; eine Stunde lang lachte Passepartout fröhlich über seinen Erfolg. Sir Francis drückte die Hand des braven Mannes, und sein Herr sagte: „Gut gemacht!“ – was von ihm aus eine hohe Anerkennung bedeutete. Darauf antwortete Passepartout, dass der ganze Ruhm diesem Herrn Fogg zustünde. Er selbst sei nur von einer „seltsamen“ Idee geleitet worden; er lachte bei dem Gedanken, dass er, Passepartout, ehemaliger Turner, ehemaliger Feuerwehrsergeant, für kurze Zeit der Ehemann einer bezaubernden Frau, eines ehrenwerten, konservierten Rajahs gewesen sei! Was die junge Inderin betraf, so war sie die ganze Zeit über nicht bei Bewusstsein und ruhte nun, in eine Reisedecke gehüllt, in einem der Howdahs. Der Elefant voranschreitend, dank der geschickten Führung des Parsen, durch den noch dunklen Wald, hatte er eine Stunde nach dem Verlassen der Pagode bereits eine weite Ebene überquert. Um sieben Uhr machten sie Halt – die junge Frau befand sich immer noch in einem Zustand völliger Erschöpfung. Der Führer ließ sie etwas Brandy mit Wasser trinken, doch die Benommenheit, die sie befallen hatte, ließ sich noch nicht beseitigen. Sir Francis, der mit den Auswirkungen der durch Hanf-Dämpfe verursachten Betrunkenheit vertraut war, beruhigte seine Begleiter bezüglich ihrer Verfassung. Doch er machte sich mehr Sorgen um ihr zukünftiges Schicksal. Er sagte zu Phileas Fogg, dass Aouda, falls sie in Indien bleiben würde, unweigerlich wieder in die Hände ihrer Henker fallen würde. Diese Fanatiker waren im ganzen Land verstreut und würden trotzdem…
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Die englische Polizei konnte ihre Opfer weder in Madras noch in Bombay oder Kalkutta finden. Sie wäre nur dann sicher, wenn sie Indien für immer verlassen würde. Phileas Fogg antwortete, er werde über die Sache nachdenken. Die Station in Allahabad wurde gegen zehn Uhr erreicht. Da die unterbrochene Eisenbahnstrecke wieder in Betrieb genommen werden konnte, konnten sie in weniger als 24 Stunden Kalkutta erreichen. So könnte Phileas Fogg rechtzeitig ankommen, um das Dampfschiff zu nehmen, das am nächsten Tag, dem 25. Oktober, um Mittag von Kalkutta nach Hongkong abfuhr. Die junge Frau wurde in einem der Wartezimmer der Station untergebracht, während Passepartout damit beauftragt wurde, für sie verschiedene Toilettenartikel, ein Kleid, einen Schal sowie einige Pelze zu kaufen. Sein Herr gab ihm dafür unbegrenztes Kreditlimit. Passepartout machte sich sofort auf den Weg und befand sich bald in den Straßen von Allahabad – der Stadt Gottes, einer der am meisten verehrten Städte Indiens. Sie liegt an der Mündung der beiden heiligen Flüsse Ganges und Jumna, deren Gewässer Pilger aus allen Teilen der Halbinsel anziehen. Laut den Legenden des Ramayana entspringt der Ganges im Himmel, wo er auf Befehl von Brahma auf die Erde herabfließt. Während er einkaufte, achtete Passepartout darauf, sich die Stadt genau anzusehen. Früher wurde die Stadt von einer prächtigen Festung geschützt, die heute zu einem Staatsgefängnis geworden ist. Der Handel in der Stadt ist zurückgegangen, und Passepartout suchte vergeblich nach einem Markt wie dem, den er früher in der Regent Street besucht hatte. Schließlich fand er einen alten, knorrigen Juden, der Gebrauchsgegenstände verkaufte. Von ihm kaufte er ein Kleid aus schottischem Stoff, einen großen Mantel sowie eine feine Otterfellpelisse. Für diese Artikel zögerte er nicht, 75 Pfund zu bezahlen. Anschließend kehrte er triumphierend zur Station zurück. Der Einfluss, den die Priester von Pillaji auf Aouda ausgeübt hatten, begann allmählich nachzulassen – sie wurde wieder mehr sie selbst, und ihre schönen Augen erhielten wieder ihren sanften, indischen Ausdruck. Wenn der Dichterkönig Ucaf Uddaul die Reize der Königin von Ahmehnagara besingt, sagt er Folgendes: „Ihre glänzenden Haare, in zwei Teile geteilt, umrahmen die harmonischen Konturen ihrer weißen, zarten Wangen – strahlend und frisch. Ihre dunklen Augenbrauen haben die Form und den Charme des Bogens von Kama, dem Gott der Liebe. Unter ihren langen, seidenen Wimpern schwimmen die reinsten Reflexe sowie ein himmlisches Licht in den schwarzen Pupillen ihrer großen, klaren Augen – wie in den heiligen Seen des Himalaya. Ihre Zähne sind fein, gleichmäßig und weiß – sie glänzen.“
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Zwischen ihren lächelnden Lippen – wie Tautropfen auf dem halbgeöffneten Blütenkelch einer Passionsblume. Ihre zart geformten Ohren, ihre rosenroten Hände, ihre kleinen Füße – geschwungen und zart wie Lotusknospen – glänzen im Schein der schönsten Perlen von Ceylon, der strahlendsten Diamanten von Golconda. Ihre schmale, flexible Taille, die man mit einer Hand umfassen kann, unterstreicht die Konturen ihrer runden Figur sowie die Schönheit ihrer Brüste, wo die Jugend in voller Pracht ihre Schätze zeigt; und unter den seidigen Falten ihrer Tunika scheint sie von der göttlichen Hand des unsterblichen Bildhauers Vicvarcarma aus reinem Silber geformt worden zu sein.
Es genügt zu sagen – ohne diese poetische Rhapsodie auf Aouda anzuwenden – dass sie eine bezaubernde Frau war, im vollen europäischen Sinne des Wortes. Sie sprach Englisch mit großer Reinheit, und der Führer hatte nicht übertrieben, als er sagte, die junge Parsin sei durch ihre Erziehung verändert worden. Der Zug sollte bald von Allahabad abfahren, und Herr Fogg zahlte dem Führer den vereinbarten Preis für seine Dienste – keinen Pfennig mehr. Das überraschte Passepartout, der sich daran erinnerte, wie viel sein Herr der Hingabe des Führers verdankte. Der Führer hatte bei der Abenteuer in Pillaji tatsächlich sein Leben aufs Spiel gesetzt; falls er anschließend von den Indern gefangen genommen würde, könnte er nur mit Mühe ihrer Rache entkommen. Auch Kiouni musste irgendwie beseitigt werden. Was sollte mit dem Elefanten geschehen, der doch so teuer gekauft worden war? Phileas Fogg hatte diese Frage bereits entschieden.
„Parsi“, sagte er zum Führer, „Sie waren nützlich und hingebungsvoll. Ich habe für Ihre Dienste bezahlt – aber nicht für Ihre Hingabe. Möchten Sie diesen Elefanten haben? Er gehört Ihnen.“
Die Augen des Führers leuchteten auf. „Ihr Ehren geben mir ein Vermögen!“, rief er aus.
„Nehmen Sie ihn, Führer“, antwortete Herr Fogg. „Ich werde Ihnen weiterhin etwas schulden.“
„Gut!“, rief Passepartout. „Nehmen Sie ihn, Freund. Kiouni ist ein tapferes und treues Tier.“ Er ging zum Elefanten, gab ihm einige Zuckerstücke und sagte: „Hier, Kiouni, hier.“ Der Elefant brummte zufrieden und hob Passepartout mit seinem Rüssel hoch bis zu seiner Stirn. Passepartout, keineswegs beunruhigt, streichelte das Tier, das ihn sanft wieder auf den Boden setzte.
Es genügt zu sagen – ohne diese poetische Rhapsodie auf Aouda anzuwenden – dass sie eine bezaubernde Frau war, im vollen europäischen Sinne des Wortes. Sie sprach Englisch mit großer Reinheit, und der Führer hatte nicht übertrieben, als er sagte, die junge Parsin sei durch ihre Erziehung verändert worden. Der Zug sollte bald von Allahabad abfahren, und Herr Fogg zahlte dem Führer den vereinbarten Preis für seine Dienste – keinen Pfennig mehr. Das überraschte Passepartout, der sich daran erinnerte, wie viel sein Herr der Hingabe des Führers verdankte. Der Führer hatte bei der Abenteuer in Pillaji tatsächlich sein Leben aufs Spiel gesetzt; falls er anschließend von den Indern gefangen genommen würde, könnte er nur mit Mühe ihrer Rache entkommen. Auch Kiouni musste irgendwie beseitigt werden. Was sollte mit dem Elefanten geschehen, der doch so teuer gekauft worden war? Phileas Fogg hatte diese Frage bereits entschieden.
„Parsi“, sagte er zum Führer, „Sie waren nützlich und hingebungsvoll. Ich habe für Ihre Dienste bezahlt – aber nicht für Ihre Hingabe. Möchten Sie diesen Elefanten haben? Er gehört Ihnen.“
Die Augen des Führers leuchteten auf. „Ihr Ehren geben mir ein Vermögen!“, rief er aus.
„Nehmen Sie ihn, Führer“, antwortete Herr Fogg. „Ich werde Ihnen weiterhin etwas schulden.“
„Gut!“, rief Passepartout. „Nehmen Sie ihn, Freund. Kiouni ist ein tapferes und treues Tier.“ Er ging zum Elefanten, gab ihm einige Zuckerstücke und sagte: „Hier, Kiouni, hier.“ Der Elefant brummte zufrieden und hob Passepartout mit seinem Rüssel hoch bis zu seiner Stirn. Passepartout, keineswegs beunruhigt, streichelte das Tier, das ihn sanft wieder auf den Boden setzte.
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Kurz darauf saßen Phileas Fogg, Sir Francis Cromarty und Passepartout zusammen mit Aouda – die den besten Sitzplatz hatte – in einer Kutsche und rasten mit voller Geschwindigkeit nach Benares. Es war eine Strecke von achtzig Meilen, die in zwei Stunden zurückgelegt wurde. Während der Reise erholte sich die junge Frau vollständig. Zu ihrer großen Verwunderung fand sie sich in dieser Kutsche auf der Eisenbahn wieder, gekleidet in europäische Kleidung, zusammen mit Reisenden, die ihr völlig fremd waren! Zunächst versuchten ihre Begleiter, sie mit etwas Alkohol wieder zu Bewusstsein zu bringen, anschließend erzählte Sir Francis ihr, was geschehen war, betonte den Mut, mit dem Phileas Fogg nicht gezögert hatte, sein Leben zu riskieren, um sie zu retten, und schilderte das glückliche Ende dieses Abenteuers – das Ergebnis von Passepartouts unüberlegtem Einfall. Herr Fogg sagte nichts; während Passepartout, beschämt, immer wieder betonte, „es sei nicht der Rede wert“. Aouda dankte ihren Rettern auf herzzerreißende Weise – eher mit Tränen als mit Worten; ihre schönen Augen drückten ihre Dankbarkeit besser aus als ihre Lippen. Dann, als ihre Gedanken wieder zu dem Ort des Opfers zurückkehrten und sie sich an die Gefahren erinnerte, die ihr immer noch drohten, zitterte sie vor Entsetzen. Phileas Fogg verstand, was in Aoudas Kopf vorging, und bot an, um sie zu beruhigen, sie nach Hongkong zu begleiten, wo sie sicher bleiben könnte, bis die Angelegenheit sich gelegt hatte – ein Angebot, das sie eifrig und dankbar annahm. Offenbar hatte sie einen Verwandten aus Parsi, der einer der wichtigsten Händler in Hongkong war; Hongkong ist zwar eine englische Stadt, liegt aber auf einer Insel an der chinesischen Küste. Um halb eins hielt der Zug in Benares an. Die Brahmanenlegenden behaupten, diese Stadt sei auf dem Standort der alten Casi erbaut worden, die, wie das Grab Mohammeds, einst zwischen Himmel und Erde schwebte; doch das heutige Benares, das von den Orientalisten als die „Athen Indiens“ bezeichnet wird, steht ganz ohne Poesie auf festem Boden. Als der Zug in die Stadt einfuhr, erhaschte Passepartout Blicke auf ihre Ziegelhäuser und Lehmhütten, die dem Ort ein trostloses Aussehen verliehen. Benares war das Ziel von Sir Francis Cromarty – die Truppen, zu denen er zurückkehren wollte, lagen einige Meilen nördlich der Stadt. Er verabschiedete sich von Phileas Fogg, wünschte ihm viel Erfolg und drückte die Hoffnung aus, dass er eines Tages auf eine weniger originelle, aber profitablere Weise dorthin zurückkehren würde. Herr Fogg drückte ihm leicht die Hand. Der Abschied von Aouda, die nicht vergaß, was sie Sir Francis zu verdanken hatte, zeigte mehr Wärme; und was Passepartout betrifft…
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Passepartout erhielt von dem tapferen General eine herzliche Handdruck.
Die Eisenbahn führte bei der Abfahrt aus Benares eine Weile entlang des Ganges-Tals. Durch die Fenster ihres Waggons konnten die Reisenden Blicke auf die vielfältige Landschaft von Bihar werfen: auf die mit Grün bedeckten Berge, die Felder mit Gerste, Weizen und Mais, die Dschungel, in denen grüne Alligatoren lebten, die ordentlichen Dörfer sowie die noch dicht bewaldeten Gebiete. Elefanten badeten in den Gewässern des heiligen Flusses, und Gruppen von Indern vollzogen trotz der fortgeschrittenen Jahreszeit und der kalten Luft feierlich ihre frommen Waschungen. Es handelte sich dabei um fromme Brahmanen, die erbittertsten Feinde des Buddhismus – deren Götter Vishnu, der Sonnengott, Shiva, die göttliche Verkörperung der Naturkräfte, sowie Brahma, der höchste Herrscher über Priester und Gesetzgeber, waren. Was würden diese Götter wohl von Indien halten – einem Land, das heute stark anglikisiert ist, mit Dampfschiffen, die am Ufer des Ganges vorbeifahren und die auf seiner Oberfläche schwimmenden Möwen erschrecken, mit Schildkröten, die an seinen Ufern leben, sowie mit Gläubigen, die an seinen Rändern wohnen?
Das Panorama zog wie ein Blitz an ihren Augen vorbei – es sei denn, der Dampf verdeckte es zeitweise. Die Reisenden konnten kaum die Festung Chupinen erkennen, die zwanzig Meilen südwestlich von Benares lag und einst die Festungsstadt der Rajahs von Bihar war; genauso wenig Ghazipur mit seinen berühmten Rosenwasserfabriken oder das Grab von Lord Cornwallis, das sich am linken Ufer des Ganges befand. Auch die befestigte Stadt Buxar oder Patna, ein großes Handels- und Industriezentrum, in dem der wichtigste Opiummarkt Indiens liegt, blieben ihnen verborgen. Ebenso Monghir – eine Stadt, die eher europäisch aussieht als die Städte Manchester oder Birmingham; dort gibt es Eisengießereien, Werkstätten für Werkzeuge sowie hohe Schornsteine, aus denen schwarzer Rauch in den Himmel stieg.
Es wurde Nacht; der Zug fuhr weiter mit hoher Geschwindigkeit, mitten im Gebrüll von Tigern, Bären und Wölfen, die vor der Lokomotive flohen. Die Wunder Bengals – die zerstörte Stadt Golconda, Gaur, Murshedabad, die alte Hauptstadt, Burdwan, Hugli sowie die französische Stadt Chandernagor, wo Passepartout stolz gewesen wäre, die Flagge seines Landes wehen zu sehen – blieben in der Dunkelheit vor ihren Augen verborgen.
Kalkutta wurde um sieben Uhr morgens erreicht; das Schiff nach Hongkong brach mittags auf. Somit hatte Phileas Fogg fünf Stunden Zeit. Laut seinem Tagebuch sollte er am 25. Oktober in Kalkutta ankommen – und das war tatsächlich das Datum seiner Ankunft. Er war also weder…
Die Eisenbahn führte bei der Abfahrt aus Benares eine Weile entlang des Ganges-Tals. Durch die Fenster ihres Waggons konnten die Reisenden Blicke auf die vielfältige Landschaft von Bihar werfen: auf die mit Grün bedeckten Berge, die Felder mit Gerste, Weizen und Mais, die Dschungel, in denen grüne Alligatoren lebten, die ordentlichen Dörfer sowie die noch dicht bewaldeten Gebiete. Elefanten badeten in den Gewässern des heiligen Flusses, und Gruppen von Indern vollzogen trotz der fortgeschrittenen Jahreszeit und der kalten Luft feierlich ihre frommen Waschungen. Es handelte sich dabei um fromme Brahmanen, die erbittertsten Feinde des Buddhismus – deren Götter Vishnu, der Sonnengott, Shiva, die göttliche Verkörperung der Naturkräfte, sowie Brahma, der höchste Herrscher über Priester und Gesetzgeber, waren. Was würden diese Götter wohl von Indien halten – einem Land, das heute stark anglikisiert ist, mit Dampfschiffen, die am Ufer des Ganges vorbeifahren und die auf seiner Oberfläche schwimmenden Möwen erschrecken, mit Schildkröten, die an seinen Ufern leben, sowie mit Gläubigen, die an seinen Rändern wohnen?
Das Panorama zog wie ein Blitz an ihren Augen vorbei – es sei denn, der Dampf verdeckte es zeitweise. Die Reisenden konnten kaum die Festung Chupinen erkennen, die zwanzig Meilen südwestlich von Benares lag und einst die Festungsstadt der Rajahs von Bihar war; genauso wenig Ghazipur mit seinen berühmten Rosenwasserfabriken oder das Grab von Lord Cornwallis, das sich am linken Ufer des Ganges befand. Auch die befestigte Stadt Buxar oder Patna, ein großes Handels- und Industriezentrum, in dem der wichtigste Opiummarkt Indiens liegt, blieben ihnen verborgen. Ebenso Monghir – eine Stadt, die eher europäisch aussieht als die Städte Manchester oder Birmingham; dort gibt es Eisengießereien, Werkstätten für Werkzeuge sowie hohe Schornsteine, aus denen schwarzer Rauch in den Himmel stieg.
Es wurde Nacht; der Zug fuhr weiter mit hoher Geschwindigkeit, mitten im Gebrüll von Tigern, Bären und Wölfen, die vor der Lokomotive flohen. Die Wunder Bengals – die zerstörte Stadt Golconda, Gaur, Murshedabad, die alte Hauptstadt, Burdwan, Hugli sowie die französische Stadt Chandernagor, wo Passepartout stolz gewesen wäre, die Flagge seines Landes wehen zu sehen – blieben in der Dunkelheit vor ihren Augen verborgen.
Kalkutta wurde um sieben Uhr morgens erreicht; das Schiff nach Hongkong brach mittags auf. Somit hatte Phileas Fogg fünf Stunden Zeit. Laut seinem Tagebuch sollte er am 25. Oktober in Kalkutta ankommen – und das war tatsächlich das Datum seiner Ankunft. Er war also weder…
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Weder im Nachhinein noch im Voraus. Die beiden Tage, die zwischen London und Bombay gewonnen wurden, waren, wie bereits gesehen, auf der Reise durch Indien wieder verloren gegangen. Doch man sollte nicht annehmen, dass Phileas Fogg sie bedauerte.
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KAPITEL XV.
In dem die Brieftasche mehrere Tausend Pfund ausspuckt
Der Zug erreichte den Bahnhof. Passepartout sprang als Erster heraus, gefolgt von Herrn Fogg, der seiner schönen Begleiterin beim Heruntersteigen half. Phileas Fogg beabsichtigte, sofort zum Dampfschiff nach Hongkong aufzubrechen, um dafür zu sorgen, dass Aouda die Reise bequem antreten konnte. Er wollte sie nicht zurücklassen, solange sie sich noch in einer gefährlichen Gegend befanden.
Gerade als er den Bahnhof verlassen wollte, kam ein Polizist auf ihn zu und fragte: „Herr Phileas Fogg?“
„Das bin ich.“
„Ist dieser Mann Ihr Diener?“, fügte der Polizist hinzu und zeigte auf Passepartout.
„Ja.“
„Wären Sie so freundlich, beide mir zu folgen?“
Herr Fogg zeigte keinerlei Überraschung. Der Polizist war schließlich ein Vertreter des Gesetzes – und das Gesetz ist für einen Engländer heilig. Passepartout versuchte, mit dem Polizisten zu verhandeln, doch dieser tippte ihm mit seinem Stock zu, und Herr Fogg gab ihm ein Zeichen, zu gehorchen.
„Darf diese junge Dame mit uns kommen?“, fragte er.
„Das darf sie“, antwortete der Polizist.
Herr Fogg, Aouda und Passepartout wurden zu einem Palkigahri gebracht – einer Art vierrädriges Gefährt, das von zwei Pferden gezogen wurde. Sie setzten sich hinein und wurden weggefahren. Während der zwanzig Minuten, bis sie ihr Ziel erreichten, sprach niemand. Zuerst fuhren sie an…
In dem die Brieftasche mehrere Tausend Pfund ausspuckt
Der Zug erreichte den Bahnhof. Passepartout sprang als Erster heraus, gefolgt von Herrn Fogg, der seiner schönen Begleiterin beim Heruntersteigen half. Phileas Fogg beabsichtigte, sofort zum Dampfschiff nach Hongkong aufzubrechen, um dafür zu sorgen, dass Aouda die Reise bequem antreten konnte. Er wollte sie nicht zurücklassen, solange sie sich noch in einer gefährlichen Gegend befanden.
Gerade als er den Bahnhof verlassen wollte, kam ein Polizist auf ihn zu und fragte: „Herr Phileas Fogg?“
„Das bin ich.“
„Ist dieser Mann Ihr Diener?“, fügte der Polizist hinzu und zeigte auf Passepartout.
„Ja.“
„Wären Sie so freundlich, beide mir zu folgen?“
Herr Fogg zeigte keinerlei Überraschung. Der Polizist war schließlich ein Vertreter des Gesetzes – und das Gesetz ist für einen Engländer heilig. Passepartout versuchte, mit dem Polizisten zu verhandeln, doch dieser tippte ihm mit seinem Stock zu, und Herr Fogg gab ihm ein Zeichen, zu gehorchen.
„Darf diese junge Dame mit uns kommen?“, fragte er.
„Das darf sie“, antwortete der Polizist.
Herr Fogg, Aouda und Passepartout wurden zu einem Palkigahri gebracht – einer Art vierrädriges Gefährt, das von zwei Pferden gezogen wurde. Sie setzten sich hinein und wurden weggefahren. Während der zwanzig Minuten, bis sie ihr Ziel erreichten, sprach niemand. Zuerst fuhren sie an…
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Durch die „schwarze Stadt“ mit ihren engen Straßen, ihren elenden, schmutzigen Hütten und der abscheulichen Bevölkerung – dann durch die „europäische Stadt“, die durch ihre hellen Ziegelbauten, die von Kokospalmen beschattet wurden und an denen zahlreiche Masten standen, einen erfrischenden Kontrast bot. Obwohl es noch früh am Morgen war, fuhren dort elegant gekleidete Reiter sowie prächtige Kutschen hin und her. Die Kutsche hielt vor einem bescheiden aussehenden Haus an – doch dieses hatte nicht den Anschein eines Privathauses. Der Polizist bat seine „Gefangenen“ – so konnte man sie tatsächlich nennen – auszusteigen, führte sie in einen Raum mit vergitterten Fenstern und sagte: „Sie werden um halb neun vor Richter Obadiah erscheinen.“ Anschließend zog er sich zurück und schloss die Tür. „Aber wir sind doch Gefangene!“, rief Passepartout und ließ sich in einen Stuhl fallen. Aouda, die versuchte, ihre Emotionen zu verbergen, sagte zu Herrn Fogg: „Sir, Sie müssen mich meinem Schicksal überlassen! Wegen mir müssen Sie diese Behandlung ertragen – weil Sie mich gerettet haben!“ Phileas Fogg beschränkte sich darauf zu sagen, dass das unmöglich sei. Es sei äußerst unwahrscheinlich, dass er wegen der Verhinderung eines Suttee festgenommen werden würde. Die Ankläger würden es nicht wagen, eine solche Anklage zu erheben. Es musste sich um einen Fehler handeln. Außerdem würde er Aouda auf keinen Fall im Stich lassen, sondern sie nach Hongkong begleiten. „Aber der Dampfer legt um Mittag ab!“, bemerkte Passepartout nervös. „Wir werden bis Mittag an Bord sein“, antwortete sein Herr ruhig. Er sagte das so bestimmt, dass Passepartout nicht umhin konnte, leise vor sich hin zu murmeln: „Parbleu, das ist sicher! Vor Mittag werden wir an Bord sein.“ Doch er war keineswegs beruhigt. Um halb neun öffnete sich die Tür, der Polizist erschien und führte sie in einen angrenzenden Saal. Es handelte sich offensichtlich um einen Gerichtssaal – bereits eine Menge Europäer und Eingeborener befand sich dort. Herr Fogg und seine beiden Begleiter nahmen Platz auf einer Bank gegenüber den Schreibtischen des Richters und seines Schreibers. Kurz darauf betrat Richter Obadiah, ein dicker, rundlicher Mann, gefolgt vom Schreiber, den Saal. Er nahm eine Perücke, die an einem Nagel hing, und setzte sie hastig auf seinen Kopf. „Der erste Fall“, sagte er. Dann legte er seine Hand auf den Kopf und rief: „Heh! Das ist nicht meine Perücke!“
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„Nein, Euer Ehren“, erwiderte der Schreiber, „es gehört mir.“
„Mein lieber Herr Oysterpuff – wie kann ein Richter ein weises Urteil fällen, wenn er eine Schreiberperücke trägt?“
Die Perücken wurden ausgetauscht.
Passepartout wurde unruhig, denn die Zeiger auf der großen Uhr über dem Richter schienen mit entsetzlicher Geschwindigkeit voranzuschreiten.
„Der erste Fall“, wiederholte Richter Obadiah.
„Phileas Fogg?“, fragte Oysterpuff.
„Ich bin hier“, antwortete Herr Fogg.
„Passepartout?“
„Zugegen“, erwiderte Passepartout.
„Gut“, sagte der Richter. „Ihr werdet seit zwei Tagen in den Zügen von Bombay gesucht, Gefangene.“
„Aber wofür werden wir angeklagt?“, fragte Passepartout ungeduldig.
„Das werden Sie gleich erfahren.“
„Ich bin britischer Staatsbürger, Sir“, sagte Herr Fogg, „und ich habe das Recht –“
„Wurden Sie misshandelt?“
„Überhaupt nicht.“
„Sehr gut; lassen Sie die Ankläger eintreten.“
Auf Befehl des Richters wurde eine Tür geöffnet, und drei indische Priester traten ein.
„Das sind sie“, murmelte Passepartout; „das sind die Schurken, die unsere junge Dame verbrennen wollten.“
Die Priester nahmen ihre Plätze vor dem Richter ein, und der Schreiber begann laut einen Antrag auf Anklage wegen Gotteslästerung gegen Phileas Fogg und seinen Diener vorzulesen. Ihnen wurde vorgeworfen, einen vom Brahmanentum geweihten Ort entweiht zu haben.
„Hören Sie die Anschuldigungen?“, fragte der Richter.
„Ja, Sir“, antwortete Herr Fogg und blickte auf seine Uhr. „Und ich gebe sie zu.“
„Sie geben sie zu?“
„Ich gebe sie zu – und ich möchte, dass diese Priester ihrerseits zugeben, was sie im Tempel von Pillaji vorhatten.“
„Mein lieber Herr Oysterpuff – wie kann ein Richter ein weises Urteil fällen, wenn er eine Schreiberperücke trägt?“
Die Perücken wurden ausgetauscht.
Passepartout wurde unruhig, denn die Zeiger auf der großen Uhr über dem Richter schienen mit entsetzlicher Geschwindigkeit voranzuschreiten.
„Der erste Fall“, wiederholte Richter Obadiah.
„Phileas Fogg?“, fragte Oysterpuff.
„Ich bin hier“, antwortete Herr Fogg.
„Passepartout?“
„Zugegen“, erwiderte Passepartout.
„Gut“, sagte der Richter. „Ihr werdet seit zwei Tagen in den Zügen von Bombay gesucht, Gefangene.“
„Aber wofür werden wir angeklagt?“, fragte Passepartout ungeduldig.
„Das werden Sie gleich erfahren.“
„Ich bin britischer Staatsbürger, Sir“, sagte Herr Fogg, „und ich habe das Recht –“
„Wurden Sie misshandelt?“
„Überhaupt nicht.“
„Sehr gut; lassen Sie die Ankläger eintreten.“
Auf Befehl des Richters wurde eine Tür geöffnet, und drei indische Priester traten ein.
„Das sind sie“, murmelte Passepartout; „das sind die Schurken, die unsere junge Dame verbrennen wollten.“
Die Priester nahmen ihre Plätze vor dem Richter ein, und der Schreiber begann laut einen Antrag auf Anklage wegen Gotteslästerung gegen Phileas Fogg und seinen Diener vorzulesen. Ihnen wurde vorgeworfen, einen vom Brahmanentum geweihten Ort entweiht zu haben.
„Hören Sie die Anschuldigungen?“, fragte der Richter.
„Ja, Sir“, antwortete Herr Fogg und blickte auf seine Uhr. „Und ich gebe sie zu.“
„Sie geben sie zu?“
„Ich gebe sie zu – und ich möchte, dass diese Priester ihrerseits zugeben, was sie im Tempel von Pillaji vorhatten.“
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Die Priester sahen sich an; sie schienen nicht zu verstehen, was gesagt wurde.
„Ja“, rief Passepartout warmherzig, „bei der Pagode von Pillaji, wo sie kurz davor standen, ihr Opfer zu verbrennen.“
Der Richter starrte erstaunt, und die Priester waren fassungslos.
„Welches Opfer?“, fragte Richter Obadiah. „Wen sollen sie verbrennen? In Bombay selbst?“
„Bombay?“, rief Passepartout.
„Sicherlich. Wir sprechen nicht von der Pagode von Pillaji, sondern von der Pagode auf Malabar Hill in Bombay.“
„Und als Beweis“, fügte der Schreiber hinzu, „hier sind die Schuhe des Entweihers, die er zurückgelassen hat.“
Daraufhin legte er ein Paar Schuhe auf seinen Schreibtisch.
„Meine Schuhe!“, rief Passepartout – in seiner Überraschung entfuhr ihm dieser unbedachte Ausruf.
Die Verwirrung des Meisters und seines Dieners, die völlig vergessen hatten, weshalb sie eigentlich in Kalkutta festgehalten wurden, ist vorstellbar.
Der Detektiv Fix hatte den Vorteil vorausgesehen, den Passepartouts Eskapade ihm bringen würde. Er verzögerte seine Abreise um zwölf Stunden und konsultierte die Priester von Malabar Hill. Da er wusste, dass die englischen Behörden solche Vergehen sehr streng bestraften, versprach er ihnen eine beträchtliche Summe als Entschädigung und schickte sie mit dem nächsten Zug nach Kalkutta. Aufgrund der Verzögerung durch die Rettung der jungen Witwe erreichten Fix und die Priester die indische Hauptstadt vor Herrn Fogg und seinem Diener. Die Magistrate waren bereits per Nachricht gewarnt worden, sie bei ihrer Ankunft festzunehmen. Fix’ Enttäuschung, als er erfuhr, dass Phileas Fogg in Kalkutta nicht aufgetaucht war, ist vorstellbar. Er kam zu dem Schluss, dass der Räuber irgendwo auf dem Weg haltgemacht und sich in den südlichen Provinzen versteckt hatte. Zwanzig Stunden lang beobachtete Fix die Station in äußerster Unruhe; schließlich wurde er belohnt, als er sah, wie Herr Fogg und Passepartout zusammen mit einer jungen Frau eintrafen – deren Anwesenheit er sich überhaupt nicht erklären konnte. Er eilte einen Polizisten zu holen; so wurden die Männer festgenommen und vor Richter Obadiah gebracht.
Hätte Passepartout etwas weniger abgelenkt gewesen, hätte er den Detektiv bemerken können, der sich in einer Ecke des Gerichtssaals versteckt hatte und beobachtete…
„Ja“, rief Passepartout warmherzig, „bei der Pagode von Pillaji, wo sie kurz davor standen, ihr Opfer zu verbrennen.“
Der Richter starrte erstaunt, und die Priester waren fassungslos.
„Welches Opfer?“, fragte Richter Obadiah. „Wen sollen sie verbrennen? In Bombay selbst?“
„Bombay?“, rief Passepartout.
„Sicherlich. Wir sprechen nicht von der Pagode von Pillaji, sondern von der Pagode auf Malabar Hill in Bombay.“
„Und als Beweis“, fügte der Schreiber hinzu, „hier sind die Schuhe des Entweihers, die er zurückgelassen hat.“
Daraufhin legte er ein Paar Schuhe auf seinen Schreibtisch.
„Meine Schuhe!“, rief Passepartout – in seiner Überraschung entfuhr ihm dieser unbedachte Ausruf.
Die Verwirrung des Meisters und seines Dieners, die völlig vergessen hatten, weshalb sie eigentlich in Kalkutta festgehalten wurden, ist vorstellbar.
Der Detektiv Fix hatte den Vorteil vorausgesehen, den Passepartouts Eskapade ihm bringen würde. Er verzögerte seine Abreise um zwölf Stunden und konsultierte die Priester von Malabar Hill. Da er wusste, dass die englischen Behörden solche Vergehen sehr streng bestraften, versprach er ihnen eine beträchtliche Summe als Entschädigung und schickte sie mit dem nächsten Zug nach Kalkutta. Aufgrund der Verzögerung durch die Rettung der jungen Witwe erreichten Fix und die Priester die indische Hauptstadt vor Herrn Fogg und seinem Diener. Die Magistrate waren bereits per Nachricht gewarnt worden, sie bei ihrer Ankunft festzunehmen. Fix’ Enttäuschung, als er erfuhr, dass Phileas Fogg in Kalkutta nicht aufgetaucht war, ist vorstellbar. Er kam zu dem Schluss, dass der Räuber irgendwo auf dem Weg haltgemacht und sich in den südlichen Provinzen versteckt hatte. Zwanzig Stunden lang beobachtete Fix die Station in äußerster Unruhe; schließlich wurde er belohnt, als er sah, wie Herr Fogg und Passepartout zusammen mit einer jungen Frau eintrafen – deren Anwesenheit er sich überhaupt nicht erklären konnte. Er eilte einen Polizisten zu holen; so wurden die Männer festgenommen und vor Richter Obadiah gebracht.
Hätte Passepartout etwas weniger abgelenkt gewesen, hätte er den Detektiv bemerken können, der sich in einer Ecke des Gerichtssaals versteckt hatte und beobachtete…
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Der Ablauf der Verhandlung war leicht verständlich; denn der Haftbefehl hatte ihn in Kalkutta nicht erreicht, genauso wenig wie in Bombay und Suez. Leider hatte Richter Obadiah Passepartouts unbedachtes Ausrufen mitgehört – einen Ausruf, den der arme Kerl um alles in der Welt rückgängig machen würde wollen.
„Sind die Fakten anerkannt?“, fragte der Richter.
„Anerkannt“, antwortete Herr Fogg kühl.
„Da das englische Recht die Religionen des indischen Volkes gleichermaßen und streng schützt und da Passepartout zugegeben hat, am 20. Oktober in Bombay den heiligen Tempel auf dem Malabar Hill zerstört zu haben, verurteile ich diesen Passepartout zu fünfzehn Tagen Gefängnis sowie einer Geldstrafe von dreihundert Pfund.“
„Dreihundert Pfund!“, rief Passepartout entsetzt über die hohe Summe.
„Schweigen!“, schrie der Polizist.
„Und da nicht bewiesen werden kann, dass diese Tat nicht mit Wissen des Herrn durch den Diener begangen wurde – und da der Herr in jedem Fall für die Handlungen seines bezahlten Dieners verantwortlich gemacht werden muss – verurteile ich Phileas Fogg zu einer Woche Gefängnis sowie einer Geldstrafe von hundertfünfzig Pfund.“
Fix rieb sich zufrieden die Hände; wenn Phileas Fogg eine Woche lang in Kalkutta festgehalten werden könnte, wäre es längst Zeit, dass der Haftbefehl eintraf. Passepartout war fassungslos. Dieses Urteil ruinierte seinen Herrn – ein Wettschein im Wert von zwanzigtausend Pfund war verloren, nur weil er wie ein dummer Narr in diesen abscheulichen Tempel gegangen war!
Phileas Fogg blieb so gelassen, als würde das Urteil ihn überhaupt nicht betreffen; er hob während der Verkündung nicht einmal die Augenbrauen. Gerade als der Schreiber zum nächsten Fall übergehen wollte, stand er auf und sagte: „Ich biete Kaution an.“
„Sie haben dieses Recht“, erwiderte der Richter.
Fixs Blut gefror in den Adern – doch er fasste sich wieder, als er hörte, dass die Kaution für jeden Gefangenen tausend Pfund betragen sollte.
„Ich werde sie sofort zahlen“, sagte Herr Fogg, nahm einen Bündel Banknoten aus der Tasche, die Passepartout bei sich hatte, und legte sie auf den Schreibtisch des Schreibers.
„Sind die Fakten anerkannt?“, fragte der Richter.
„Anerkannt“, antwortete Herr Fogg kühl.
„Da das englische Recht die Religionen des indischen Volkes gleichermaßen und streng schützt und da Passepartout zugegeben hat, am 20. Oktober in Bombay den heiligen Tempel auf dem Malabar Hill zerstört zu haben, verurteile ich diesen Passepartout zu fünfzehn Tagen Gefängnis sowie einer Geldstrafe von dreihundert Pfund.“
„Dreihundert Pfund!“, rief Passepartout entsetzt über die hohe Summe.
„Schweigen!“, schrie der Polizist.
„Und da nicht bewiesen werden kann, dass diese Tat nicht mit Wissen des Herrn durch den Diener begangen wurde – und da der Herr in jedem Fall für die Handlungen seines bezahlten Dieners verantwortlich gemacht werden muss – verurteile ich Phileas Fogg zu einer Woche Gefängnis sowie einer Geldstrafe von hundertfünfzig Pfund.“
Fix rieb sich zufrieden die Hände; wenn Phileas Fogg eine Woche lang in Kalkutta festgehalten werden könnte, wäre es längst Zeit, dass der Haftbefehl eintraf. Passepartout war fassungslos. Dieses Urteil ruinierte seinen Herrn – ein Wettschein im Wert von zwanzigtausend Pfund war verloren, nur weil er wie ein dummer Narr in diesen abscheulichen Tempel gegangen war!
Phileas Fogg blieb so gelassen, als würde das Urteil ihn überhaupt nicht betreffen; er hob während der Verkündung nicht einmal die Augenbrauen. Gerade als der Schreiber zum nächsten Fall übergehen wollte, stand er auf und sagte: „Ich biete Kaution an.“
„Sie haben dieses Recht“, erwiderte der Richter.
Fixs Blut gefror in den Adern – doch er fasste sich wieder, als er hörte, dass die Kaution für jeden Gefangenen tausend Pfund betragen sollte.
„Ich werde sie sofort zahlen“, sagte Herr Fogg, nahm einen Bündel Banknoten aus der Tasche, die Passepartout bei sich hatte, und legte sie auf den Schreibtisch des Schreibers.
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„Dieses Geld wird Ihnen bei Ihrer Entlassung aus dem Gefängnis zurückgegeben“, sagte der Richter. „In der Zwischenzeit werden Sie auf Kaution freigelassen.“
„Kommen Sie!“, sagte Phileas Fogg zu seinem Diener.
„Aber lassen Sie mich wenigstens meine Schuhe zurückbekommen!“, rief Passepartout wütend.
„Ah, das sind wirklich teure Schuhe!“, murmelte er, als sie ihm überreicht wurden. „Mehr als tausend Pfund pro Stück – außerdem drücken sie mir die Füße.“
Mr. Fogg bot Aouda seinen Arm an und verließ dann den Ort, gefolgt vom enttäuschten Passepartout. Fix hegte weiterhin die Hoffnung, dass der Räuber die zweitausend Pfund doch nicht zurücklassen würde, sondern beschließen würde, seine Haftstrafe abzusitzen. Er machte sich auf die Spur von Mr. Fogg. Der Gentleman nahm eine Kutsche, und bald erreichten sie einen der Anlegeplätze.
Die „Rangoon“ lag eine halbe Meile entfernt im Hafen vor Anker; das Abfahrtssignal wehte bereits am Mast. Es war elf Uhr – Mr. Fogg war eine Stunde früher da. Fix sah, wie sie die Kutsche verließen und mit einem Boot zum Dampfer fuhren, und stampfte frustriert mit den Füßen.
„Der Schurke ist tatsächlich weg!“, rief er. „Zweitausend Pfund sind verloren! Er ist genauso verschwenderisch wie ein Dieb! Ich werde ihn, wenn nötig, bis ans Ende der Welt verfolgen – aber bei diesem Tempo wird das gestohlene Geld bald aufgebraucht sein.“
Der Detektiv lag mit dieser Vermutung nicht ganz falsch. Seit dem Verlassen Londons hatten Mr. Fogg bereits mehr als fünftausend Pfund für Reisekosten, Bestechungsgelder, den Kauf des Elefanten sowie Kautionen und Strafen ausgegeben. Der Anteil des Geldes, das von dem Bankräuber den Detektiven versprochen worden war, verringerte sich zusehends.
„Kommen Sie!“, sagte Phileas Fogg zu seinem Diener.
„Aber lassen Sie mich wenigstens meine Schuhe zurückbekommen!“, rief Passepartout wütend.
„Ah, das sind wirklich teure Schuhe!“, murmelte er, als sie ihm überreicht wurden. „Mehr als tausend Pfund pro Stück – außerdem drücken sie mir die Füße.“
Mr. Fogg bot Aouda seinen Arm an und verließ dann den Ort, gefolgt vom enttäuschten Passepartout. Fix hegte weiterhin die Hoffnung, dass der Räuber die zweitausend Pfund doch nicht zurücklassen würde, sondern beschließen würde, seine Haftstrafe abzusitzen. Er machte sich auf die Spur von Mr. Fogg. Der Gentleman nahm eine Kutsche, und bald erreichten sie einen der Anlegeplätze.
Die „Rangoon“ lag eine halbe Meile entfernt im Hafen vor Anker; das Abfahrtssignal wehte bereits am Mast. Es war elf Uhr – Mr. Fogg war eine Stunde früher da. Fix sah, wie sie die Kutsche verließen und mit einem Boot zum Dampfer fuhren, und stampfte frustriert mit den Füßen.
„Der Schurke ist tatsächlich weg!“, rief er. „Zweitausend Pfund sind verloren! Er ist genauso verschwenderisch wie ein Dieb! Ich werde ihn, wenn nötig, bis ans Ende der Welt verfolgen – aber bei diesem Tempo wird das gestohlene Geld bald aufgebraucht sein.“
Der Detektiv lag mit dieser Vermutung nicht ganz falsch. Seit dem Verlassen Londons hatten Mr. Fogg bereits mehr als fünftausend Pfund für Reisekosten, Bestechungsgelder, den Kauf des Elefanten sowie Kautionen und Strafen ausgegeben. Der Anteil des Geldes, das von dem Bankräuber den Detektiven versprochen worden war, verringerte sich zusehends.
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KAPITEL XVI.
In dem Fix offensichtlich überhaupt nicht versteht, was zu ihm gesagt wird
Die „Rangoon“ – eines der Schiffe der Peninsular and Oriental Company, die in den chinesischen und japanischen Gewässern fuhren – war ein Dampfschiff aus Eisen, das etwa 1770 Tonnen wog und über Maschinen mit einer Leistung von 400 Pferdestärken verfügte. Es war genauso schnell wie die „Mongolia“, doch nicht so gut ausgestattet; außerdem hatte Aouda an Bord nicht die gleiche Bequemlichkeit, wie Phileas Fogg es sich gewünscht hätte. Die Reise von Kalkutta nach Hongkong betrug jedoch nur etwa 3500 Meilen und dauerte zehn bis zwölf Tage. Die junge Frau war daher nicht schwer zufriedenzustellen.
In den ersten Tagen der Reise lernte Aouda ihren Beschützer besser kennen und zeigte ständig ihre tiefe Dankbarkeit für das, was er getan hatte. Der phlegmatische Herr hörte ihr zu – zumindest scheinbar – kühl; weder seine Stimme noch sein Verhalten verrieten die geringste Emotion. Doch er schien stets darauf bedacht zu sein, dass Aouda an nichts mangelte. Er besuchte sie regelmäßig zu bestimmten Zeiten – weniger, um selbst zu sprechen, sondern um einfach da zu sitzen und ihr zuzuhören. Er behandelte sie mit größter Höflichkeit, doch auf eine Art und Weise, als wäre er ein Automat, dessen Bewegungen dafür vorgesehen waren. Aouda wusste nicht recht, was sie von ihm halten sollte – obwohl Passepartout ihr bereits einige Hinweise auf die Exzentrik seines Herrn gegeben hatte und sie zum Lächeln brachte, indem er von der Wette erzählte, die ihn um die Welt schickte. Schließlich verdankte sie Phileas Fogg ihr Leben – und betrachtete ihn stets durch das prägende Element ihrer Dankbarkeit.
In dem Fix offensichtlich überhaupt nicht versteht, was zu ihm gesagt wird
Die „Rangoon“ – eines der Schiffe der Peninsular and Oriental Company, die in den chinesischen und japanischen Gewässern fuhren – war ein Dampfschiff aus Eisen, das etwa 1770 Tonnen wog und über Maschinen mit einer Leistung von 400 Pferdestärken verfügte. Es war genauso schnell wie die „Mongolia“, doch nicht so gut ausgestattet; außerdem hatte Aouda an Bord nicht die gleiche Bequemlichkeit, wie Phileas Fogg es sich gewünscht hätte. Die Reise von Kalkutta nach Hongkong betrug jedoch nur etwa 3500 Meilen und dauerte zehn bis zwölf Tage. Die junge Frau war daher nicht schwer zufriedenzustellen.
In den ersten Tagen der Reise lernte Aouda ihren Beschützer besser kennen und zeigte ständig ihre tiefe Dankbarkeit für das, was er getan hatte. Der phlegmatische Herr hörte ihr zu – zumindest scheinbar – kühl; weder seine Stimme noch sein Verhalten verrieten die geringste Emotion. Doch er schien stets darauf bedacht zu sein, dass Aouda an nichts mangelte. Er besuchte sie regelmäßig zu bestimmten Zeiten – weniger, um selbst zu sprechen, sondern um einfach da zu sitzen und ihr zuzuhören. Er behandelte sie mit größter Höflichkeit, doch auf eine Art und Weise, als wäre er ein Automat, dessen Bewegungen dafür vorgesehen waren. Aouda wusste nicht recht, was sie von ihm halten sollte – obwohl Passepartout ihr bereits einige Hinweise auf die Exzentrik seines Herrn gegeben hatte und sie zum Lächeln brachte, indem er von der Wette erzählte, die ihn um die Welt schickte. Schließlich verdankte sie Phileas Fogg ihr Leben – und betrachtete ihn stets durch das prägende Element ihrer Dankbarkeit.
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Aouda bestätigte die Erzählung des Parsenführers über ihre bewegende Geschichte. Tatsächlich gehörte sie zu den edelsten einheimischen Völkern Indiens. Viele Parsenhändler hatten dort durch den Handel mit Baumwolle großen Reichtum erworben; einer von ihnen, Sir Jametsee Jeejeebhoy, wurde von der englischen Regierung zum Baronet ernannt. Aouda war eine Verwandte dieses großen Mannes – und es war sein Cousin Jeejeeh, dem sie in Hongkong beitreten hoffte. Ob sie in ihm einen Beschützer finden würde, konnte sie nicht sagen; doch Herr Fogg versuchte, ihre Ängste zu beruhigen und ihr zu versichern, dass alles – er benutzte tatsächlich dieses Wort – perfekt geregelt werden würde. Aouda richtete ihre großen Augen, „klar wie die heiligen Seen des Himalaya“, auf ihn; doch der sture Fogg, wie immer zurückhaltend, schien keineswegs geneigt zu sein, sich in diese „Seen“ zu stürzen. Die ersten Tage der Reise verliefen gut – bei günstigem Wetter und frühlingshaften Winden – und bald kamen sie in Sichtweite der großen Andamaneninseln, der größten Inseln in der Bucht von Bengalen. Mit ihrem malerischen Saddle Peak, der 2.400 Fuß hoch ist, ragte sie über das Wasser empor. Das Dampfschiff fuhr in der Nähe der Küsten entlang, doch die wilden Papuasen, die zur niedrigsten Stufe der Menschheit gehören – obwohl sie, wie behauptet wird, keine Kannibalen sind – zeigten sich nicht. Das Panorama der Inseln, während das Schiff daran vorbeifuhr, war atemberaubend: Weite Wälder aus Palmen, Areken, Bambus, Teakholz sowie riesige Mimosen und farnartige Bäume bedeckten den Vordergrund, während im Hintergrund die anmutigen Umrisse der Berge gegen den Himmel abzeichneten. Entlang der Küsten schwärmten Tausende von wertvollen Schwalben – deren Nester auf den Tischen des Kaiserreichs als Delikatesse dienen. Doch das vielfältige Landschaftsbild der Andamaneninseln wurde bald hinter sich gelassen, und die „Rangoon“ näherte sich rasch den Malakkastraßen, die Zugang zu den Chinesischen Meeren boten. Was tat der Detektiv Fix, der so unglücklicherweise von Land zu Land geschleppt wurde, die ganze Zeit über? Er hatte es geschafft, in Kalkutta an Bord der „Rangoon“ zu gelangen, ohne von Passepartout gesehen zu werden. Zuvor hatte er Anweisungen hinterlassen, dass, falls ein Haftbefehl eintraf, dieser ihm in Hongkong zugesandt werden sollte. Er hoffte, seine Anwesenheit bis zum Ende der Reise geheim halten zu können. Es wäre schwierig gewesen, zu erklären, warum er an Bord war, ohne Passepartouts Misstrauen zu wecken – schließlich glaubte dieser, er sei noch in Bombay. Doch Notwendigkeit zwang ihn dennoch, erneut Kontakt mit dem braven Diener aufzunehmen, wie später zu sehen sein wird.
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Alle Hoffnungen und Wünsche des Detektivs konzentrierten sich nun auf Hongkong – schließlich würde der Aufenthalt des Dampfers in Singapur zu kurz sein, um dort irgendwelche Schritte unternehmen zu können. Die Verhaftung musste in Hongkong stattfinden, sonst würde der Räuber ihm wahrscheinlich für immer entkommen. Hongkong war der letzte englische Ort, auf den er seinen Fuß setzen würde; jenseits davon boten China, Japan und Amerika Fogg einen fast sicheren Zufluchtsort. Sollte das Haftbefehl endlich in Hongkong eintreffen, könnte Fix ihn verhaften und ihm ausliefern – dann gäbe es keine weiteren Probleme mehr. Doch jenseits von Hongkong wäre ein einfacher Haftbefehl nutzlos; es wäre ein Auslieferungsbeschluss erforderlich – und das würde zu Verzögerungen und Hindernissen führen, die der Schurke nutzen würde, um der Gerechtigkeit zu entgehen.
Fix dachte über diese Möglichkeiten während der langen Stunden nach, die er in seiner Kabine verbrachte. Immer wieder sagte er zu sich selbst: „Entweder wird der Haftbefehl in Hongkong sein – dann werde ich meinen Mann verhaften – oder er wird nicht dort sein. Diesmal ist es absolut notwendig, dass ich seine Abreise verzögere. Ich habe in Bombay versagt und auch in Kalkutta – wenn ich auch in Hongkong versage, ist meine Reputation ruiniert. Was auch immer der Preis sein mag – ich muss Erfolg haben! Aber wie soll ich seine Abreise verhindern, falls das meine letzte Möglichkeit ist?“
Fix beschloss, dass er im schlimmsten Fall Passepartout als Vertrauten gewinnen und ihm erzählen würde, was für ein Mensch sein Herr wirklich war. Er war sich sicher, dass Passepartout nicht Fogg’s Komplize war. Der Diener, durch seine Enthüllungen aufgeklärt und aus Angst, selbst in den Verdacht des Verbrechens gezogen zu werden, würde zweifellos zum Verbündeten des Detektivs werden. Doch diese Methode war gefährlich und sollte nur angewandt werden, wenn alles andere gescheitert war. Ein Wort von Passepartout an seinen Herrn würde alles zerstören. Der Detektiv befand sich daher in einer schwierigen Lage. Doch plötzlich kam ihm eine neue Idee. Die Anwesenheit von Aouda auf dem „Rangoon“ zusammen mit Phileas Fogg gab ihm neue Anhaltspunkte für seine Überlegungen. Wer war diese Frau? Welche Umstände hatten dazu geführt, dass sie Fogg’s Reisebegleiterin wurde? Offensichtlich hatten sie sich irgendwo zwischen Bombay und Kalkutta getroffen – aber wo? Haben sie zufällig zusammengetroffen, oder war Fogg absichtlich in das Innere des Landes gegangen, um dieses bezaubernde Mädchen zu finden? Fix war ziemlich ratlos. Er fragte sich, ob es nicht zu einer bösen Heirat gekommen sei – und diese Vorstellung prägte sich so stark in seinem Kopf ein, dass er beschloss, diese vermeintliche Intrige auszunutzen. Egal, ob die junge Frau verheiratet war oder nicht – er würde sicherlich solche Schwierigkeiten schaffen…
Fix dachte über diese Möglichkeiten während der langen Stunden nach, die er in seiner Kabine verbrachte. Immer wieder sagte er zu sich selbst: „Entweder wird der Haftbefehl in Hongkong sein – dann werde ich meinen Mann verhaften – oder er wird nicht dort sein. Diesmal ist es absolut notwendig, dass ich seine Abreise verzögere. Ich habe in Bombay versagt und auch in Kalkutta – wenn ich auch in Hongkong versage, ist meine Reputation ruiniert. Was auch immer der Preis sein mag – ich muss Erfolg haben! Aber wie soll ich seine Abreise verhindern, falls das meine letzte Möglichkeit ist?“
Fix beschloss, dass er im schlimmsten Fall Passepartout als Vertrauten gewinnen und ihm erzählen würde, was für ein Mensch sein Herr wirklich war. Er war sich sicher, dass Passepartout nicht Fogg’s Komplize war. Der Diener, durch seine Enthüllungen aufgeklärt und aus Angst, selbst in den Verdacht des Verbrechens gezogen zu werden, würde zweifellos zum Verbündeten des Detektivs werden. Doch diese Methode war gefährlich und sollte nur angewandt werden, wenn alles andere gescheitert war. Ein Wort von Passepartout an seinen Herrn würde alles zerstören. Der Detektiv befand sich daher in einer schwierigen Lage. Doch plötzlich kam ihm eine neue Idee. Die Anwesenheit von Aouda auf dem „Rangoon“ zusammen mit Phileas Fogg gab ihm neue Anhaltspunkte für seine Überlegungen. Wer war diese Frau? Welche Umstände hatten dazu geführt, dass sie Fogg’s Reisebegleiterin wurde? Offensichtlich hatten sie sich irgendwo zwischen Bombay und Kalkutta getroffen – aber wo? Haben sie zufällig zusammengetroffen, oder war Fogg absichtlich in das Innere des Landes gegangen, um dieses bezaubernde Mädchen zu finden? Fix war ziemlich ratlos. Er fragte sich, ob es nicht zu einer bösen Heirat gekommen sei – und diese Vorstellung prägte sich so stark in seinem Kopf ein, dass er beschloss, diese vermeintliche Intrige auszunutzen. Egal, ob die junge Frau verheiratet war oder nicht – er würde sicherlich solche Schwierigkeiten schaffen…
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Herr Fogg in Hongkong – er konnte nicht entkommen, egal wie viel Geld er auch zahlte. Doch konnte er überhaupt bis zur Ankunft in Hongkong warten? Fogg hatte eine schreckliche Art, von einem Boot zum anderen zu springen; bevor irgendetwas unternommen werden konnte, könnte das Schiff bereits wieder nach Yokohama aufbrechen. Fix beschloss, die englischen Behörden zu warnen und dem „Rangoon“ vor seiner Ankunft ein Signal zu geben. Das war einfach zu bewerkstelligen, denn das Dampfschiff machte in Singapur Halt, von wo aus es ein Telegrafenkabel nach Hongkong gab. Zudem entschied er sich, bevor er weitere Schritte unternahm, erst einmal mit Passepartout zu sprechen. Es würde nicht schwierig sein, ihn zum Reden zu bringen – und da keine Zeit zu verlieren war, bereitete sich Fix darauf vor, sich zu erkennen zu geben. Es war nun der 30. Oktober, und am nächsten Tag sollte der „Rangoon“ in Singapur ankommen. Fix verließ seine Kabine und ging aufs Deck. Passepartout spazierte im vorderen Teil des Schiffes auf und ab. Der Detektiv eilte mit sichtlicher Überraschung heran und rief: „Sie hier auf dem ‚Rangoon‘?“ „Was, Monsieur Fix, sind Sie an Bord?“, erwiderte der wirklich überraschte Passepartout, der seinen Bekannten vom „Mongolia“ wiedererkannte. „Ich habe Sie doch in Bombay zurückgelassen – und jetzt sind Sie auf dem Weg nach Hongkong! Werden Sie auch um die Welt reisen?“ „Nein, nein“, antwortete Fix; „ich werde in Hongkong anhalten – zumindest für einige Tage.“ „Hmm!“, sagte Passepartout, der für einen Moment verwirrt zu sein schien. „Aber wie kommt es, dass ich Sie seit unserem Aufbruch aus Kalkutta nicht mehr an Bord gesehen habe?“ „Oh, ein wenig Seekrankheit – ich bin in meiner Koje geblieben. Der Bengalische Golf gefällt mir nicht so gut wie der Indische Ozean. Und wie geht es Herrn Fogg?“ „So gut wie immer – pünktlich, keinen Tag zu spät! Aber, Monsieur Fix, Sie wissen wohl nicht, dass wir eine junge Dame bei uns haben.“ „Eine junge Dame?“, erwiderte der Detektiv, als würde er nicht verstehen, was gesagt wurde. Daraufhin erzählte Passepartout die Geschichte von Aouda, den Vorfall im Pagoden in Bombay, den Kauf des Elefanten für zweitausend Pfund, die Rettung, die Verhaftung sowie das Urteil des Gerichts in Kalkutta – und schließlich ihre Wiederherstellung.
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Herr Fogg und er selbst wurden gegen Kaution freigelassen. Fix, der mit den jüngsten Ereignissen vertraut war, schien genauso unwissend über alles zu sein, was Passepartout berichtete; und dieser war begeistert, einen so aufmerksamen Zuhörer zu finden.
„Aber beabsichtigt Ihr Herr, dieses junge Mädchen nach Europa mitzunehmen?“
„Ganz und gar nicht. Wir werden sie einfach unter den Schutz eines ihrer Verwandten bringen – eines reichen Händlers in Hongkong.“
„Da kann man nichts tun“, sagte Fix zu sich selbst und verbarg seine Enttäuschung. „Ein Glas Gin, Herr Passepartout?“
„Gerne, Monsieur Fix. Wir müssen wenigstens ein freundliches Glas an Bord der ‚Rangoon‘ trinken.“
„Aber beabsichtigt Ihr Herr, dieses junge Mädchen nach Europa mitzunehmen?“
„Ganz und gar nicht. Wir werden sie einfach unter den Schutz eines ihrer Verwandten bringen – eines reichen Händlers in Hongkong.“
„Da kann man nichts tun“, sagte Fix zu sich selbst und verbarg seine Enttäuschung. „Ein Glas Gin, Herr Passepartout?“
„Gerne, Monsieur Fix. Wir müssen wenigstens ein freundliches Glas an Bord der ‚Rangoon‘ trinken.“
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KAPITEL XVII.
Was auf der Reise von Singapur nach Hongkong geschah
Nach diesem Gespräch trafen sich der Detektiv und Passepartout oft auf dem Deck – obwohl Fix zurückhaltend war und nicht versuchte, seinen Begleiter dazu zu bringen, weitere Informationen über Herrn Fogg preiszugeben. Ein- oder zweimal erhaschte er einen Blick auf diesen geheimnisvollen Herrn; doch Herr Fogg blieb meist in seiner Kabine, wo er Aouda Gesellschaft leistete oder, wie es seine alte Gewohnheit war, beim Whist mitspielte.
Passepartout begann ernsthaft darüber nachzudenken, welche seltsame Umstände dazu führten, dass Fix weiterhin auf dem Weg blieb, den sein Herr eingeschlagen hatte. Es lohnte sich wirklich, darüber nachzudenken, warum dieser offensichtlich sehr freundliche und selbstzufriedene Mann, den er zunächst in Suez getroffen hatte, anschließend an Bord der „Mongolia“ wieder auftauchte, in Bombay ausstieg – wobei er dieses als sein Ziel angab – und nun so unerwartet auf der „Rangoon“ erschien. Was war Fix’ Ziel? Passepartout war bereit, darauf zu wetten – mit seinen indischen Schuhen, die er sorgfältig aufbewahrte – dass Fix ebenfalls zur gleichen Zeit wie sie Hongkong verlassen würde, vermutlich sogar mit derselben Dampfer.
Passepartout hätte sein Gehirn auch ein Jahrhundert lang zermartern können, ohne das wahre Ziel des Detektivs herauszufinden. Er hätte niemals gedacht, dass Phileas Fogg als Räuber auf der ganzen Welt verfolgt wurde. Doch da es zur menschlichen Natur gehört, nach einer Lösung für jedes Rätsel zu suchen, fand Passepartout plötzlich eine Erklärung für Fix’ Handlungen – eine Erklärung, die eigentlich keineswegs unsinnig war. Fix könne nur ein Agent der Freunde von Herrn Fogg im Reform Club sein, der geschickt worden sei, ihn zu beobachten und sicherzustellen, dass er tatsächlich die Welt umrundete, wie vereinbart.
Was auf der Reise von Singapur nach Hongkong geschah
Nach diesem Gespräch trafen sich der Detektiv und Passepartout oft auf dem Deck – obwohl Fix zurückhaltend war und nicht versuchte, seinen Begleiter dazu zu bringen, weitere Informationen über Herrn Fogg preiszugeben. Ein- oder zweimal erhaschte er einen Blick auf diesen geheimnisvollen Herrn; doch Herr Fogg blieb meist in seiner Kabine, wo er Aouda Gesellschaft leistete oder, wie es seine alte Gewohnheit war, beim Whist mitspielte.
Passepartout begann ernsthaft darüber nachzudenken, welche seltsame Umstände dazu führten, dass Fix weiterhin auf dem Weg blieb, den sein Herr eingeschlagen hatte. Es lohnte sich wirklich, darüber nachzudenken, warum dieser offensichtlich sehr freundliche und selbstzufriedene Mann, den er zunächst in Suez getroffen hatte, anschließend an Bord der „Mongolia“ wieder auftauchte, in Bombay ausstieg – wobei er dieses als sein Ziel angab – und nun so unerwartet auf der „Rangoon“ erschien. Was war Fix’ Ziel? Passepartout war bereit, darauf zu wetten – mit seinen indischen Schuhen, die er sorgfältig aufbewahrte – dass Fix ebenfalls zur gleichen Zeit wie sie Hongkong verlassen würde, vermutlich sogar mit derselben Dampfer.
Passepartout hätte sein Gehirn auch ein Jahrhundert lang zermartern können, ohne das wahre Ziel des Detektivs herauszufinden. Er hätte niemals gedacht, dass Phileas Fogg als Räuber auf der ganzen Welt verfolgt wurde. Doch da es zur menschlichen Natur gehört, nach einer Lösung für jedes Rätsel zu suchen, fand Passepartout plötzlich eine Erklärung für Fix’ Handlungen – eine Erklärung, die eigentlich keineswegs unsinnig war. Fix könne nur ein Agent der Freunde von Herrn Fogg im Reform Club sein, der geschickt worden sei, ihn zu beobachten und sicherzustellen, dass er tatsächlich die Welt umrundete, wie vereinbart.
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„Es ist klar!“, wiederholte der würdige Diener zu sich selbst, stolz auf seine Klugheit. „Er ist ein Spion, der dazu geschickt wurde, uns im Auge zu behalten! Das ist auch nicht gerade angemessen – Mr. Fogg auszuspionieren, der doch ein so ehrenhafter Mann ist! Ah, Herren der Reformbewegung, das wird euch teuer zu stehen kommen!“
Passepartout, begeistert von seiner Entdeckung, beschloss, seinem Herrn nichts zu sagen, damit dieser nicht zu Recht verärgert wurde über dieses Misstrauen seitens seiner Gegner. Doch er wollte Fix, wenn sich die Gelegenheit ergab, mit geheimnisvollen Andeutungen ärgern – ohne dabei seine wahren Verdächtigungen preiszugeben.
Am Nachmittag des Mittwochs, den 30. Oktober, betrat die „Rangoon“ die Straße von Malakka, die die gleichnamige Halbinsel von Sumatra trennt. Die bergigen und felsigen Inseln versperrten den Reisenden die Sicht auf die Schönheiten dieser prächtigen Insel. Am nächsten Tag um vier Uhr morgens legte die „Rangoon“ in Singapur Anker, um Kohle aufzunehmen – sie hatte die vorgesehene Ankunftszeit um einen halben Tag übertroffen. Phileas Fogg notierte diesen Vorsprung in seinem Tagebuch und stieg anschließend zusammen mit Aouda, die Lust hatte, an Land zu gehen, an Land.
Fix, der jeden Schritt von Mr. Fogg beobachtete, folgte ihnen vorsichtig, ohne selbst entdeckt zu werden. Währenddessen lachte Passepartout in sich hinein über Fix’ Manöver und erledigte seine üblichen Aufgaben.
Die Insel Singapur wirkt von außen nicht besonders beeindruckend, da es dort keine Berge gibt – doch ihr Aussehen hat seinen Reiz. Es handelt sich dabei um einen Park, durchzogen von schönen Straßen und Alleen. Ein prächtiges Gefährt, gezogen von einem Paar schlanker New-Holland-Pferde, brachte Phileas Fogg und Aouda inmitten von Palmenreihen mit leuchtendem Laub sowie Nelkenbäumen – deren Nelken das Herz einer halb geöffneten Blüte bilden. Pfefferpflanzen ersetzten die stacheligen Hecken auf europäischen Feldern; Sago-Büsche sowie große Farne mit prächtigen Ästen bereicherten das Erscheinungsbild dieses tropischen Klimas. Muskatbäume mit vollem Laub erfüllten die Luft mit ihrem intensiven Duft. Geschickte, grinsende Affentrupps sprangen in den Bäumen herum – und in den Dschungeln gab es auch Tiger.
Nach einer zweistündigen Fahrt durch die Gegend kehrten Aouda und Mr. Fogg in die Stadt zurück – eine Ansammlung von schwer wirkenden, unregelmäßigen Häusern, umgeben von bezaubernden Gärten voller tropischer Früchte und Pflanzen. Um zehn Uhr stiegen sie wieder an Bord – dicht gefolgt vom Detektiv, der sie die ganze Zeit im Auge behielt.
Passepartout, begeistert von seiner Entdeckung, beschloss, seinem Herrn nichts zu sagen, damit dieser nicht zu Recht verärgert wurde über dieses Misstrauen seitens seiner Gegner. Doch er wollte Fix, wenn sich die Gelegenheit ergab, mit geheimnisvollen Andeutungen ärgern – ohne dabei seine wahren Verdächtigungen preiszugeben.
Am Nachmittag des Mittwochs, den 30. Oktober, betrat die „Rangoon“ die Straße von Malakka, die die gleichnamige Halbinsel von Sumatra trennt. Die bergigen und felsigen Inseln versperrten den Reisenden die Sicht auf die Schönheiten dieser prächtigen Insel. Am nächsten Tag um vier Uhr morgens legte die „Rangoon“ in Singapur Anker, um Kohle aufzunehmen – sie hatte die vorgesehene Ankunftszeit um einen halben Tag übertroffen. Phileas Fogg notierte diesen Vorsprung in seinem Tagebuch und stieg anschließend zusammen mit Aouda, die Lust hatte, an Land zu gehen, an Land.
Fix, der jeden Schritt von Mr. Fogg beobachtete, folgte ihnen vorsichtig, ohne selbst entdeckt zu werden. Währenddessen lachte Passepartout in sich hinein über Fix’ Manöver und erledigte seine üblichen Aufgaben.
Die Insel Singapur wirkt von außen nicht besonders beeindruckend, da es dort keine Berge gibt – doch ihr Aussehen hat seinen Reiz. Es handelt sich dabei um einen Park, durchzogen von schönen Straßen und Alleen. Ein prächtiges Gefährt, gezogen von einem Paar schlanker New-Holland-Pferde, brachte Phileas Fogg und Aouda inmitten von Palmenreihen mit leuchtendem Laub sowie Nelkenbäumen – deren Nelken das Herz einer halb geöffneten Blüte bilden. Pfefferpflanzen ersetzten die stacheligen Hecken auf europäischen Feldern; Sago-Büsche sowie große Farne mit prächtigen Ästen bereicherten das Erscheinungsbild dieses tropischen Klimas. Muskatbäume mit vollem Laub erfüllten die Luft mit ihrem intensiven Duft. Geschickte, grinsende Affentrupps sprangen in den Bäumen herum – und in den Dschungeln gab es auch Tiger.
Nach einer zweistündigen Fahrt durch die Gegend kehrten Aouda und Mr. Fogg in die Stadt zurück – eine Ansammlung von schwer wirkenden, unregelmäßigen Häusern, umgeben von bezaubernden Gärten voller tropischer Früchte und Pflanzen. Um zehn Uhr stiegen sie wieder an Bord – dicht gefolgt vom Detektiv, der sie die ganze Zeit im Auge behielt.
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Passepartout, der bereits Dutzende von Mangos gekauft hatte – Früchte, die so groß wie große Äpfel waren, außen dunkelbraun und innen leuchtend rot; deren weiße Fruchtfleischmasse im Mund zerging und Feinschmeckern ein köstliches Gefühl bereitete – wartete auf dem Deck auf sie. Er war nur allzu gerne bereit, Aouda einige Mangos anzubieten, die ihm dafür sehr höflich dankte.
Um elf Uhr verließ die „Rangoon“ den Hafen von Singapur. Bereits nach wenigen Stunden waren die hohen Berge von Malakka mit ihren Wäldern, in denen die schön gefärbtesten Tiger der Welt lebten, aus dem Blickfeld verschwunden. Singapur liegt etwa dreizehnhundert Meilen von der Insel Hongkong entfernt – einer kleinen englischen Kolonie an der chinesischen Küste. Phileas Fogg hoffte, die Reise in sechs Tagen hinter sich zu bringen, um rechtzeitig zum Dampfschiff zu gelangen, das am 6. November nach Yokohama, dem wichtigsten japanischen Hafen, abfahren würde.
Die „Rangoon“ hatte eine große Anzahl von Passagieren an Bord; viele von ihnen stiegen in Singapur aus, darunter Inder, Ceyloner, Chinesen, Malaien und Portugiesen – meist Reisende zweiter Klasse.
Das Wetter, das bis dahin gut gewesen war, änderte sich mit dem letzten Viertel des Mondes. Das Meer war sehr unruhig, und der Wind erreichte zeitweise fast Sturmstärke. Glücklicherweise wehte er aus Südwesten und trug somit zur Fortbewegung des Dampfschiffs bei. Der Kapitän setzte so oft wie möglich die Segel, und unter dem Doppelantrieb durch Dampf und Segel machte das Schiff schnelle Fortschritte entlang der Küsten von Annam und Cochinchina. Aufgrund der mangelhaften Konstruktion der „Rangoon“ waren jedoch bei ungünstigem Wetter ungewöhnliche Vorsichtsmaßnahmen notwendig. Die dadurch entstehenden Zeitverluste brachten Passepartout fast um den Verstand – doch sein Herr schien davon überhaupt nicht betroffen zu sein. Passepartout machte dem Kapitän, dem Ingenieur sowie der Besatzung Vorwürfe und verfluchte alle, die mit dem Schiff zu tun hatten, und wünschte ihnen, sie würden dorthin geschickt, wo Pfeffer wächst. Vielleicht hatte der Gedanke an das Gas, das in Saville Row gnadenlos auf seine Kosten brannte, etwas mit seiner heftigen Ungeduld zu tun.
„Sie haben es also sehr eilig, nach Hongkong zu kommen?“, fragte ihn eines Tages Fix.
„Sehr, sehr eilig!“
„Mr. Fogg möchte wohl unbedingt das Dampfschiff nach Yokohama erwischen, oder?“
„Äußerst dringend.“
Um elf Uhr verließ die „Rangoon“ den Hafen von Singapur. Bereits nach wenigen Stunden waren die hohen Berge von Malakka mit ihren Wäldern, in denen die schön gefärbtesten Tiger der Welt lebten, aus dem Blickfeld verschwunden. Singapur liegt etwa dreizehnhundert Meilen von der Insel Hongkong entfernt – einer kleinen englischen Kolonie an der chinesischen Küste. Phileas Fogg hoffte, die Reise in sechs Tagen hinter sich zu bringen, um rechtzeitig zum Dampfschiff zu gelangen, das am 6. November nach Yokohama, dem wichtigsten japanischen Hafen, abfahren würde.
Die „Rangoon“ hatte eine große Anzahl von Passagieren an Bord; viele von ihnen stiegen in Singapur aus, darunter Inder, Ceyloner, Chinesen, Malaien und Portugiesen – meist Reisende zweiter Klasse.
Das Wetter, das bis dahin gut gewesen war, änderte sich mit dem letzten Viertel des Mondes. Das Meer war sehr unruhig, und der Wind erreichte zeitweise fast Sturmstärke. Glücklicherweise wehte er aus Südwesten und trug somit zur Fortbewegung des Dampfschiffs bei. Der Kapitän setzte so oft wie möglich die Segel, und unter dem Doppelantrieb durch Dampf und Segel machte das Schiff schnelle Fortschritte entlang der Küsten von Annam und Cochinchina. Aufgrund der mangelhaften Konstruktion der „Rangoon“ waren jedoch bei ungünstigem Wetter ungewöhnliche Vorsichtsmaßnahmen notwendig. Die dadurch entstehenden Zeitverluste brachten Passepartout fast um den Verstand – doch sein Herr schien davon überhaupt nicht betroffen zu sein. Passepartout machte dem Kapitän, dem Ingenieur sowie der Besatzung Vorwürfe und verfluchte alle, die mit dem Schiff zu tun hatten, und wünschte ihnen, sie würden dorthin geschickt, wo Pfeffer wächst. Vielleicht hatte der Gedanke an das Gas, das in Saville Row gnadenlos auf seine Kosten brannte, etwas mit seiner heftigen Ungeduld zu tun.
„Sie haben es also sehr eilig, nach Hongkong zu kommen?“, fragte ihn eines Tages Fix.
„Sehr, sehr eilig!“
„Mr. Fogg möchte wohl unbedingt das Dampfschiff nach Yokohama erwischen, oder?“
„Äußerst dringend.“
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„Sie glauben also an diese Reise um die Welt?“
„Absolut. Oder nicht, Herr Fix?“
„Ich? Ich glaube kein Wort davon.“
„Sie sind ein schlauer Kerl!“, sagte Passepartout und zwinkerte ihm zu.
Dieser Ausdruck beunruhigte Fix, ohne dass er wusste, warum. Hatte der Franzose seinen wahren Zweck erraten? Er wusste nicht, was er denken sollte. Doch wie konnte Passepartout herausgefunden haben, dass er ein Detektiv war? Dennoch meinte der Mann mit seinen Worten offensichtlich mehr, als er aussprach.
Am nächsten Tag ging Passepartout noch weiter; er konnte sich nicht zurückhalten.
„Herr Fix“, sagte er in scherzhaftem Ton, „werden wir das Pech haben, Sie in Hongkong zu verlieren?“
„Nun“, antwortete Fix etwas verlegen, „ich weiß es nicht; vielleicht…“
„Ah, wenn Sie nur mit uns weiterreisen würden! Ein Agent der Peninsular Company kann doch unterwegs nicht anhalten! Sie wollten doch nur nach Bombay – und jetzt sind Sie schon in China. Amerika ist nicht weit entfernt, und von Amerika nach Europa ist es nur ein Schritt.“
Fix blickte seinen Begleiter aufmerksam an, dessen Gesichtsausdruck so ruhig wie möglich war, und lachte mit ihm. Doch Passepartout ließ nicht locker und fragte ihn, ob er mit seiner jetzigen Tätigkeit viel verdiente.
„Ja und nein“, antwortete Fix; „bei solchen Dingen gibt es Glück und Pech. Aber Sie müssen verstehen, dass ich nicht auf eigene Kosten reise.“
„Oh, da bin ich mir ganz sicher!“, rief Passepartout und lachte herzlich.
Fix, ziemlich verwirrt, ging in seine Kabine und gab sich seinen Gedanken hin. Offensichtlich wurde er verdächtigt; irgendwie hatte der Franzose herausgefunden, dass er ein Detektiv war. Aber hatte er es seinem Herrn erzählt? Welche Rolle spielte er in all dem: War er Komplize oder nicht? War das Spiel dann vorbei? Fix verbrachte mehrere Stunden damit, über diese Dinge nachzudenken – mal dachte er, alles sei verloren, dann überzeugte er sich selbst davon, dass Fogg von seiner Anwesenheit nichts wusste, und wiederum war er unsicher, welchen Weg er einschlagen sollte.
Trotzdem behielt er seine Ruhe und beschloss schließlich, offen mit Passepartout umzugehen. Wenn es ihm nicht möglich wäre, Fogg in Hongkong festzunehmen – und wenn Fogg Vorkehrungen traf, um diesen letzten Stützpunkt englischen Territoriums zu verlassen – dann würde er, Fix, Passepartout alles erzählen. Entweder…
„Absolut. Oder nicht, Herr Fix?“
„Ich? Ich glaube kein Wort davon.“
„Sie sind ein schlauer Kerl!“, sagte Passepartout und zwinkerte ihm zu.
Dieser Ausdruck beunruhigte Fix, ohne dass er wusste, warum. Hatte der Franzose seinen wahren Zweck erraten? Er wusste nicht, was er denken sollte. Doch wie konnte Passepartout herausgefunden haben, dass er ein Detektiv war? Dennoch meinte der Mann mit seinen Worten offensichtlich mehr, als er aussprach.
Am nächsten Tag ging Passepartout noch weiter; er konnte sich nicht zurückhalten.
„Herr Fix“, sagte er in scherzhaftem Ton, „werden wir das Pech haben, Sie in Hongkong zu verlieren?“
„Nun“, antwortete Fix etwas verlegen, „ich weiß es nicht; vielleicht…“
„Ah, wenn Sie nur mit uns weiterreisen würden! Ein Agent der Peninsular Company kann doch unterwegs nicht anhalten! Sie wollten doch nur nach Bombay – und jetzt sind Sie schon in China. Amerika ist nicht weit entfernt, und von Amerika nach Europa ist es nur ein Schritt.“
Fix blickte seinen Begleiter aufmerksam an, dessen Gesichtsausdruck so ruhig wie möglich war, und lachte mit ihm. Doch Passepartout ließ nicht locker und fragte ihn, ob er mit seiner jetzigen Tätigkeit viel verdiente.
„Ja und nein“, antwortete Fix; „bei solchen Dingen gibt es Glück und Pech. Aber Sie müssen verstehen, dass ich nicht auf eigene Kosten reise.“
„Oh, da bin ich mir ganz sicher!“, rief Passepartout und lachte herzlich.
Fix, ziemlich verwirrt, ging in seine Kabine und gab sich seinen Gedanken hin. Offensichtlich wurde er verdächtigt; irgendwie hatte der Franzose herausgefunden, dass er ein Detektiv war. Aber hatte er es seinem Herrn erzählt? Welche Rolle spielte er in all dem: War er Komplize oder nicht? War das Spiel dann vorbei? Fix verbrachte mehrere Stunden damit, über diese Dinge nachzudenken – mal dachte er, alles sei verloren, dann überzeugte er sich selbst davon, dass Fogg von seiner Anwesenheit nichts wusste, und wiederum war er unsicher, welchen Weg er einschlagen sollte.
Trotzdem behielt er seine Ruhe und beschloss schließlich, offen mit Passepartout umzugehen. Wenn es ihm nicht möglich wäre, Fogg in Hongkong festzunehmen – und wenn Fogg Vorkehrungen traf, um diesen letzten Stützpunkt englischen Territoriums zu verlassen – dann würde er, Fix, Passepartout alles erzählen. Entweder…
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Der Diener war der Komplize seines Herrn – in diesem Fall wusste der Herr von seinen Handlungen und würde versagen; oder der Diener wusste nichts vom Raub, dann wäre es in seinem Interesse, den Räuber im Stich zu lassen. So lag die Situation zwischen Fix und Passepartout. In der Zwischenzeit bewegte sich Phileas Fogg über ihnen mit größter Würde und völliger Gleichgültigkeit. Er durchquerte methodisch seine Umlaufbahn um die Welt, ohne Rücksicht auf die kleineren „Sterne“, die ihn umkreisten. Doch in der Nähe befand sich etwas, was Astronomen als störenden Stern bezeichnet hätten – etwas, das Unruhe im Herzen dieses Herrn hervorrufen könnte. Doch nein! Die Reize von Aouda hatten keine Wirkung – zu Passepartouts großem Erstaunen. Falls es überhaupt Unruhen gab, so waren diese schwerer vorherzusagen als diejenigen, die zur Entdeckung Neptuns führten. Für Passepartout war es jeden Tag ein weiteres Wunder – er las in Aoudas Augen die Tiefe ihrer Dankbarkeit gegenüber seinem Herrn. Phileas Fogg war zwar mutig und tapfer, doch er musste, dachte er, völlig herzlos sein. Was die Gefühle anging, die diese Reise in ihm wecken könnte – davon war offensichtlich keine Spur zu erkennen; während der arme Passepartout ständig in Träumereien versunken war. Eines Tages lehnte er sich über die Reling des Maschinenraums und beobachtete die Maschine, als plötzlich eine Bewegung des Dampfschiffs dazu führte, dass der Propeller aus dem Wasser gerissen wurde. Dampf strömte zischend aus den Ventilen – das machte Passepartout wütend. „Die Ventile sind nicht richtig belastet!“, rief er. „Wir kommen nicht voran. Oh, diese Engländer! Wäre es ein amerikanisches Schiff, würden wir vielleicht sogar explodieren – aber zumindest würden wir schneller fahren!“
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KAPITEL XVIII.
In dem Phileas Fogg, Passepartout und Fix jeweils ihren eigenen Weg gehen
Das Wetter war in den letzten Tagen der Reise schlecht. Der Wind blieb hartnäckig aus Nordwesten und wehte in starken Böen, wodurch die Dampfmaschine langsamer vorankam. Die „Rangoon“ schwankte heftig, und die Passagiere wurden ungeduldig wegen der langen, gewaltigen Wellen, die der Wind vor ihnen aufwarf. Am 3. November entstand eine Art Sturm – der Sturm warf das Schiff wild hin und her, und die Wellen wurden immer höher. Die „Rangoon“ setzte alle Segel ein, doch selbst das Takelwerk hielt dem nicht stand; es quietschte und vibrierte im Sturm. Das Schiff musste sehr langsam vorankommen, und der Kapitän schätzte, dass es Hongkong zwanzig Stunden später erreichen würde – oder noch später, falls der Sturm anhielt.
Phileas Fogg blickte mit seiner üblichen Gelassenheit auf das stürmische Meer, das anscheinend besonders darauf aus war, ihn aufzuhalten. Sein Gesichtsausdruck änderte sich keinen Moment lang – obwohl eine Verzögerung von zwanzig Stunden dazu führen könnte, dass er den Zug nach Yokohama verpasste und somit fast unweigerlich das Wettrennen verlor. Doch dieser mutige Mann zeigte weder Ungeduld noch Ärger; es schien, als wäre der Sturm Teil seines Plans und bereits vorausgesehen worden. Aouda war erstaunt, dass er genauso ruhig blieb wie von Anfang an.
Fix sah die Situation jedoch ganz anders. Der Sturm gefiel ihm sehr. Seine Zufriedenheit wäre vollkommen gewesen, wenn die „Rangoon“ aufgrund der heftigen Winde und Wellen gezwungen worden wäre, umzukehren. Jede Verzögerung gab ihm neue Hoffnung – schließlich wurde es immer wahrscheinlicher, dass Fogg gezwungen sein würde, einige Tage in Hongkong zu bleiben. Nun wurden sogar die Naturgewalten zu seinen Verbündeten – mit ihren Böen und Stürmen. Es spielte keine Rolle, dass diese ihn seekrank machten – er kümmerte sich nicht um diese Unannehmlichkeit.
In dem Phileas Fogg, Passepartout und Fix jeweils ihren eigenen Weg gehen
Das Wetter war in den letzten Tagen der Reise schlecht. Der Wind blieb hartnäckig aus Nordwesten und wehte in starken Böen, wodurch die Dampfmaschine langsamer vorankam. Die „Rangoon“ schwankte heftig, und die Passagiere wurden ungeduldig wegen der langen, gewaltigen Wellen, die der Wind vor ihnen aufwarf. Am 3. November entstand eine Art Sturm – der Sturm warf das Schiff wild hin und her, und die Wellen wurden immer höher. Die „Rangoon“ setzte alle Segel ein, doch selbst das Takelwerk hielt dem nicht stand; es quietschte und vibrierte im Sturm. Das Schiff musste sehr langsam vorankommen, und der Kapitän schätzte, dass es Hongkong zwanzig Stunden später erreichen würde – oder noch später, falls der Sturm anhielt.
Phileas Fogg blickte mit seiner üblichen Gelassenheit auf das stürmische Meer, das anscheinend besonders darauf aus war, ihn aufzuhalten. Sein Gesichtsausdruck änderte sich keinen Moment lang – obwohl eine Verzögerung von zwanzig Stunden dazu führen könnte, dass er den Zug nach Yokohama verpasste und somit fast unweigerlich das Wettrennen verlor. Doch dieser mutige Mann zeigte weder Ungeduld noch Ärger; es schien, als wäre der Sturm Teil seines Plans und bereits vorausgesehen worden. Aouda war erstaunt, dass er genauso ruhig blieb wie von Anfang an.
Fix sah die Situation jedoch ganz anders. Der Sturm gefiel ihm sehr. Seine Zufriedenheit wäre vollkommen gewesen, wenn die „Rangoon“ aufgrund der heftigen Winde und Wellen gezwungen worden wäre, umzukehren. Jede Verzögerung gab ihm neue Hoffnung – schließlich wurde es immer wahrscheinlicher, dass Fogg gezwungen sein würde, einige Tage in Hongkong zu bleiben. Nun wurden sogar die Naturgewalten zu seinen Verbündeten – mit ihren Böen und Stürmen. Es spielte keine Rolle, dass diese ihn seekrank machten – er kümmerte sich nicht um diese Unannehmlichkeit.
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Während sein Körper unter ihren Auswirkungen zuckte, schwebte seine Seele in hoffnungsvoller Freude.
Passepartout war vor Wut über das ungünstige Wetter außer sich. Bis jetzt hatte alles so gut geklappt! Erde und Meer schienen dem Willen seines Herrn zu dienen; Dampfschiffe und Eisenbahnen gehorchten ihm; Wind und Dampf trugen dazu bei, seine Reise zu beschleunigen. War nun die Stunde der Not gekommen?
Passepartout war genauso aufgeregt, als würden die zwanzigtausend Pfund aus seiner eigenen Tasche kommen. Der Sturm machte ihn wütend, der Orkan ließ ihn rasend werden – er sehnte sich danach, das sture Meer zur Gehorsamkeit zu zwingen. Armer Kerl!
Fix verbarg seine eigene Zufriedenheit sorgfältig vor ihm – denn hätte er sie verraten, hätte Passepartout sich kaum zurückhalten können, persönliche Gewalt anzuwenden.
Passepartout blieb so lange auf dem Deck, wie der Sturm anhielt, da er unten nicht ruhig bleiben konnte. Er beschloss, dem Schiff bei seiner Fahrt zu helfen, indem er den Besatzungsmitgliedern zur Hand ging. Mit allen möglichen Fragen überhäufte er Kapitän, Offiziere und Matrosen, die über seine Ungeduld lachen mussten. Er wollte genau wissen, wie lange der Sturm noch anhalten würde – darauf wurde er auf den Barometer verwiesen, der offensichtlich keine Anstalten machte, anzusteigen. Passepartout schüttelte ihn, doch ohne sichtbaren Erfolg – weder Schütteln noch Flüche konnten ihn dazu bringen, seine Meinung zu ändern.
Am 4. beruhigte sich das Meer jedoch etwas, und der Sturm nahm an Intensität ab. Der Wind drehte nach Süden und war wieder günstig. Passepartout atmete erleichtert auf. Einige Segel wurden gesetzt, und die „Rangoon“ erreichte wieder ihre höchste Geschwindigkeit. Die verlorene Zeit ließ sich jedoch nicht mehr aufholen. Land wurde erst um fünf Uhr morgens am 6. sichtbar – das Dampfschiff sollte eigentlich bereits am 5. ankommen. Phileas Fogg lag vierundzwanzig Stunden im Rückstand, und das Dampfschiff nach Yokohama würde natürlich verpasst werden.
Um sechs Uhr kam der Lotse an Bord und nahm seinen Platz auf dem Brückendeck ein, um die „Rangoon“ durch die Kanäle zum Hafen von Hongkong zu führen. Passepartout wollte ihn fragen, ob das Dampfschiff bereits nach Yokohama aufgebrochen sei – doch er wagte es nicht, denn er wollte den letzten Funken Hoffnung bis zum letzten Moment bewahren. Er hatte seine Sorgen Fix anvertraut – dieser listige Schurke versuchte, ihn zu trösten, indem er sagte, Mr. Fogg würde rechtzeitig ankommen, wenn er das nächste Boot nehme – doch das machte Passepartout nur noch wütender.
Passepartout war vor Wut über das ungünstige Wetter außer sich. Bis jetzt hatte alles so gut geklappt! Erde und Meer schienen dem Willen seines Herrn zu dienen; Dampfschiffe und Eisenbahnen gehorchten ihm; Wind und Dampf trugen dazu bei, seine Reise zu beschleunigen. War nun die Stunde der Not gekommen?
Passepartout war genauso aufgeregt, als würden die zwanzigtausend Pfund aus seiner eigenen Tasche kommen. Der Sturm machte ihn wütend, der Orkan ließ ihn rasend werden – er sehnte sich danach, das sture Meer zur Gehorsamkeit zu zwingen. Armer Kerl!
Fix verbarg seine eigene Zufriedenheit sorgfältig vor ihm – denn hätte er sie verraten, hätte Passepartout sich kaum zurückhalten können, persönliche Gewalt anzuwenden.
Passepartout blieb so lange auf dem Deck, wie der Sturm anhielt, da er unten nicht ruhig bleiben konnte. Er beschloss, dem Schiff bei seiner Fahrt zu helfen, indem er den Besatzungsmitgliedern zur Hand ging. Mit allen möglichen Fragen überhäufte er Kapitän, Offiziere und Matrosen, die über seine Ungeduld lachen mussten. Er wollte genau wissen, wie lange der Sturm noch anhalten würde – darauf wurde er auf den Barometer verwiesen, der offensichtlich keine Anstalten machte, anzusteigen. Passepartout schüttelte ihn, doch ohne sichtbaren Erfolg – weder Schütteln noch Flüche konnten ihn dazu bringen, seine Meinung zu ändern.
Am 4. beruhigte sich das Meer jedoch etwas, und der Sturm nahm an Intensität ab. Der Wind drehte nach Süden und war wieder günstig. Passepartout atmete erleichtert auf. Einige Segel wurden gesetzt, und die „Rangoon“ erreichte wieder ihre höchste Geschwindigkeit. Die verlorene Zeit ließ sich jedoch nicht mehr aufholen. Land wurde erst um fünf Uhr morgens am 6. sichtbar – das Dampfschiff sollte eigentlich bereits am 5. ankommen. Phileas Fogg lag vierundzwanzig Stunden im Rückstand, und das Dampfschiff nach Yokohama würde natürlich verpasst werden.
Um sechs Uhr kam der Lotse an Bord und nahm seinen Platz auf dem Brückendeck ein, um die „Rangoon“ durch die Kanäle zum Hafen von Hongkong zu führen. Passepartout wollte ihn fragen, ob das Dampfschiff bereits nach Yokohama aufgebrochen sei – doch er wagte es nicht, denn er wollte den letzten Funken Hoffnung bis zum letzten Moment bewahren. Er hatte seine Sorgen Fix anvertraut – dieser listige Schurke versuchte, ihn zu trösten, indem er sagte, Mr. Fogg würde rechtzeitig ankommen, wenn er das nächste Boot nehme – doch das machte Passepartout nur noch wütender.
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Herr Fogg, mutiger als sein Diener, zögerte nicht, auf den Piloten zuzugehen und ihn ruhig zu fragen, ob er wisse, wann ein Dampfer Hongkong in Richtung Yokohama verlassen würde.
„Bei Hochwasser morgen früh“, antwortete der Pilot.
„Ah!“, sagte Herr Fogg, ohne irgendeine Überraschung zu zeigen.
Passepartout, der mitgehört hatte, hätte den Piloten am liebsten umarmt, während Fix froh gewesen wäre, ihm den Hals umzudrehen.
„Wie heißt der Dampfer?“, fragte Herr Fogg.
„Die ‚Carnatic‘.“
„Hätte sie nicht schon gestern abfahren sollen?“
„Ja, Sir; aber man musste einen ihrer Kessel reparieren, deshalb wurde die Abfahrt auf morgen verschoben.“
„Danke“, erwiderte Herr Fogg und ging anschließend zurück ins Salon.
Passepartout drückte dem Piloten herzlich die Hand und rief aus: „Pilot, Sie sind wirklich der beste Mensch!“
Der Pilot weiß wohl bis heute nicht, warum seine Antworten ihm diese begeisterte Begrüßung einbrachten. Er kehrte auf die Brücke zurück und steuerte den Dampfer durch die Flotte von Junks, Tankas und Fischerbooten, die den Hafen von Hongkong bevölkern.
Um ein Uhr erreichte die „Rangoon“ den Anleger, und die Passagiere gingen an Land.
Das Schicksal hatte Phileas Fogg seltsamerweise begünstigt – denn wenn die „Carnatic“ nicht wegen Reparaturen hatte warten müssen, wäre sie am 6. November abgefahren, und die Passagiere nach Japan hätten eine Woche lang auf die Abfahrt des nächsten Dampfers warten müssen. Zwar lag Herr Fogg 24 Stunden im Rückstand, doch das konnte den Rest seiner Reise nicht ernsthaft gefährden.
Der Dampfer, der den Pazifik von Yokohama nach San Francisco überquerte, hatte eine direkte Verbindung zum Dampfer aus Hongkong – doch dieser konnte erst abfahren, nachdem der Dampfer aus Hongkong Yokohama erreicht hatte. Falls Herr Fogg 24 Stunden später in Yokohama ankam, konnte diese Zeit zweifellos während der 22-tägigen Überfahrt über den Pazifik wieder aufgeholt werden. Er befand sich somit etwa 24 Stunden im Rückstand – 35 Tage nach seinem Aufbruch aus London.
„Bei Hochwasser morgen früh“, antwortete der Pilot.
„Ah!“, sagte Herr Fogg, ohne irgendeine Überraschung zu zeigen.
Passepartout, der mitgehört hatte, hätte den Piloten am liebsten umarmt, während Fix froh gewesen wäre, ihm den Hals umzudrehen.
„Wie heißt der Dampfer?“, fragte Herr Fogg.
„Die ‚Carnatic‘.“
„Hätte sie nicht schon gestern abfahren sollen?“
„Ja, Sir; aber man musste einen ihrer Kessel reparieren, deshalb wurde die Abfahrt auf morgen verschoben.“
„Danke“, erwiderte Herr Fogg und ging anschließend zurück ins Salon.
Passepartout drückte dem Piloten herzlich die Hand und rief aus: „Pilot, Sie sind wirklich der beste Mensch!“
Der Pilot weiß wohl bis heute nicht, warum seine Antworten ihm diese begeisterte Begrüßung einbrachten. Er kehrte auf die Brücke zurück und steuerte den Dampfer durch die Flotte von Junks, Tankas und Fischerbooten, die den Hafen von Hongkong bevölkern.
Um ein Uhr erreichte die „Rangoon“ den Anleger, und die Passagiere gingen an Land.
Das Schicksal hatte Phileas Fogg seltsamerweise begünstigt – denn wenn die „Carnatic“ nicht wegen Reparaturen hatte warten müssen, wäre sie am 6. November abgefahren, und die Passagiere nach Japan hätten eine Woche lang auf die Abfahrt des nächsten Dampfers warten müssen. Zwar lag Herr Fogg 24 Stunden im Rückstand, doch das konnte den Rest seiner Reise nicht ernsthaft gefährden.
Der Dampfer, der den Pazifik von Yokohama nach San Francisco überquerte, hatte eine direkte Verbindung zum Dampfer aus Hongkong – doch dieser konnte erst abfahren, nachdem der Dampfer aus Hongkong Yokohama erreicht hatte. Falls Herr Fogg 24 Stunden später in Yokohama ankam, konnte diese Zeit zweifellos während der 22-tägigen Überfahrt über den Pazifik wieder aufgeholt werden. Er befand sich somit etwa 24 Stunden im Rückstand – 35 Tage nach seinem Aufbruch aus London.
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Das Schiff „Carnatic“ sollte am nächsten Morgen um fünf Uhr Hongkong verlassen. Herr Fogg hatte sechzehn Stunden Zeit, sich dort um seine Angelegenheiten zu kümmern – konkret musste er Aouda sicher bei ihrem reichen Verwandten unterbringen. Bei der Landung führte er sie zu einem Palankin, mit dem sie ins Club Hotel gelangten. Für die junge Frau wurde ein Zimmer reserviert. Nachdem Herr Fogg sich vergewissert hatte, dass es ihr an nichts mangelte, machte er sich auf die Suche nach ihrem Cousin Jeejeeh. Er wies Passepartout an, im Hotel zu bleiben, bis er zurückkehrte, damit Aouda nicht völlig allein blieb.
Herr Fogg begab sich zum Börsenhaus – dort, so glaubte er, würde jeder eine so wohlhabende und bedeutende Persönlichkeit wie den Parsenhändler kennen. Er sprach mit einem Makler und erfuhr, dass Jeejeeh vor zwei Jahren China verlassen hatte und mit einem riesigen Vermögen aus dem Geschäftsleben ausgeschieden war, um sich in Europa niederzulassen – vermutlich in Holland, da er hauptsächlich mit Händlern aus diesem Land gehandelt hatte.
Phileas Fogg kehrte ins Hotel zurück, bat um einen Moment des Gesprächs mit Aouda und teilte ihr ohne Umschweife mit, dass Jeejeeh nicht mehr in Hongkong sei, sondern wahrscheinlich in Holland.
Aouda sagte zunächst nichts. Sie strich sich über die Stirn und dachte einen Moment nach. Dann sagte sie mit ihrer sanften, zarten Stimme: „Was soll ich tun, Herr Fogg?“
„Es ist ganz einfach“, antwortete der Gentleman. „Reisen Sie nach Europa.“
„Aber ich darf doch nicht einfach so eindringen –“
„Sie dringen nicht ein, und Sie stören mein Vorhaben keineswegs. Passepartout!“
„Monsieur.“
„Gehen Sie zum ‚Carnatic‘ und buchen Sie drei Kabinen.“
Passepartout, froh darüber, dass die junge Frau, die ihm sehr freundlich gegenüberstand, die Reise mit ihnen fortsetzen würde, eilte los, um den Befehl seines Herrn auszuführen.
Herr Fogg begab sich zum Börsenhaus – dort, so glaubte er, würde jeder eine so wohlhabende und bedeutende Persönlichkeit wie den Parsenhändler kennen. Er sprach mit einem Makler und erfuhr, dass Jeejeeh vor zwei Jahren China verlassen hatte und mit einem riesigen Vermögen aus dem Geschäftsleben ausgeschieden war, um sich in Europa niederzulassen – vermutlich in Holland, da er hauptsächlich mit Händlern aus diesem Land gehandelt hatte.
Phileas Fogg kehrte ins Hotel zurück, bat um einen Moment des Gesprächs mit Aouda und teilte ihr ohne Umschweife mit, dass Jeejeeh nicht mehr in Hongkong sei, sondern wahrscheinlich in Holland.
Aouda sagte zunächst nichts. Sie strich sich über die Stirn und dachte einen Moment nach. Dann sagte sie mit ihrer sanften, zarten Stimme: „Was soll ich tun, Herr Fogg?“
„Es ist ganz einfach“, antwortete der Gentleman. „Reisen Sie nach Europa.“
„Aber ich darf doch nicht einfach so eindringen –“
„Sie dringen nicht ein, und Sie stören mein Vorhaben keineswegs. Passepartout!“
„Monsieur.“
„Gehen Sie zum ‚Carnatic‘ und buchen Sie drei Kabinen.“
Passepartout, froh darüber, dass die junge Frau, die ihm sehr freundlich gegenüberstand, die Reise mit ihnen fortsetzen würde, eilte los, um den Befehl seines Herrn auszuführen.
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KAPITEL XIX.
In dem Passepartout zu großes Interesse an seinem Herrn zeigt – und was daraus wird
Hongkong ist eine Insel, die nach dem Krieg von 1842 durch den Vertrag von Nanking in den Besitz der Engländer gelangte. Das kolonisatorische Genie der Engländer schuf dort eine wichtige Stadt sowie einen hervorragenden Hafen. Die Insel liegt an der Mündung des Perlfluss und ist etwa sechzig Meilen von der portugiesischen Stadt Macau auf der gegenüberliegenden Küste entfernt. Hongkong hat im Wettbewerb um den chinesischen Handel Macau übertrumpft – heute findet der größte Teil des Transports chinesischer Waren hier statt. Docks, Krankenhäuser, Anlegestellen, eine gotische Kathedrale, ein Regierungsgebäude sowie gepflasterte Straßen verleihen Hongkong das Aussehen einer Stadt aus Kent oder Surrey, die durch irgendeine seltsame Magie an die Antipoden versetzt wurde.
Passepartout schlenderte mit den Händen in den Taschen in Richtung des Hafens von Victoria. Dabei betrachtete er die seltsamen Tragbahren sowie andere Transportmittel sowie die Gruppen von Chinesen, Japanern und Europäern, die auf den Straßen hin- und hergingen. Hongkong erschien ihm nicht viel anders als Bombay, Kalkutta und Singapur – schließlich zeigte es, genau wie diese Städte, überall Spuren der englischen Vorherrschaft. Am Hafen von Victoria fand er eine verwirrende Ansammlung von Schiffen aller Nationen: englische, französische, amerikanische und niederländische Schiffe, Kriegsschiffe und Handelsschiffe, japanische und chinesische Dschunken, Sempas, Tankas sowie Blumenschiffe – all das bildete sozusagen viele „schwimmende Blumenbeete“. Passepartout bemerkte in der Menge einige Einheimische, die sehr alt zu sein schienen und gelbe Kleidung trugen. Als er in einen Friseursalon ging, um sich rasieren zu lassen, erfuhr er, dass diese alten Männer alle mindestens achtzig Jahre alt waren – im Alter, in dem sie…
In dem Passepartout zu großes Interesse an seinem Herrn zeigt – und was daraus wird
Hongkong ist eine Insel, die nach dem Krieg von 1842 durch den Vertrag von Nanking in den Besitz der Engländer gelangte. Das kolonisatorische Genie der Engländer schuf dort eine wichtige Stadt sowie einen hervorragenden Hafen. Die Insel liegt an der Mündung des Perlfluss und ist etwa sechzig Meilen von der portugiesischen Stadt Macau auf der gegenüberliegenden Küste entfernt. Hongkong hat im Wettbewerb um den chinesischen Handel Macau übertrumpft – heute findet der größte Teil des Transports chinesischer Waren hier statt. Docks, Krankenhäuser, Anlegestellen, eine gotische Kathedrale, ein Regierungsgebäude sowie gepflasterte Straßen verleihen Hongkong das Aussehen einer Stadt aus Kent oder Surrey, die durch irgendeine seltsame Magie an die Antipoden versetzt wurde.
Passepartout schlenderte mit den Händen in den Taschen in Richtung des Hafens von Victoria. Dabei betrachtete er die seltsamen Tragbahren sowie andere Transportmittel sowie die Gruppen von Chinesen, Japanern und Europäern, die auf den Straßen hin- und hergingen. Hongkong erschien ihm nicht viel anders als Bombay, Kalkutta und Singapur – schließlich zeigte es, genau wie diese Städte, überall Spuren der englischen Vorherrschaft. Am Hafen von Victoria fand er eine verwirrende Ansammlung von Schiffen aller Nationen: englische, französische, amerikanische und niederländische Schiffe, Kriegsschiffe und Handelsschiffe, japanische und chinesische Dschunken, Sempas, Tankas sowie Blumenschiffe – all das bildete sozusagen viele „schwimmende Blumenbeete“. Passepartout bemerkte in der Menge einige Einheimische, die sehr alt zu sein schienen und gelbe Kleidung trugen. Als er in einen Friseursalon ging, um sich rasieren zu lassen, erfuhr er, dass diese alten Männer alle mindestens achtzig Jahre alt waren – im Alter, in dem sie…
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Es war ihnen erlaubt, Gelb zu tragen – die kaiserliche Farbe. Passepartout fand das aus irgendeinem Grund sehr lustig. Als sie den Anlegeplatz erreichten, von dem aus sie an Bord der „Carnatic“ gehen sollten, wunderte er sich nicht, Fix dort auf und ab gehen zu sehen. Der Detektiv schien sehr beunruhigt und enttäuscht zu sein.
„Das ist schlecht“, murmelte Passepartout, „für die Herren vom Reformclub!“ Er sprach Fix mit einem fröhlichen Lächeln an, als hätte er die Verärgerung des Mannes nicht bemerkt. Der Detektiv hatte tatsächlich gute Gründe, sich über das Pech zu beschweren, das ihm folgte. Der Haftbefehl war noch nicht eingetroffen! Er war sicherlich unterwegs, aber es war ebenso sicher, dass er in den nächsten Tagen nicht in Hongkong ankommen würde. Da dies das letzte englische Territorium auf Mr. Fogg’s Route war, würde der Räuber entkommen, es sei denn, es gelang ihm, ihn aufzuhalten.
„Nun, Monsieur Fix“, sagte Passepartout, „haben Sie sich entschieden, uns bis nach Amerika zu begleiten?“
„Ja“, antwortete Fix durch zusammengebissene Zähne.
„Gut!“, rief Passepartout lachend. „Ich wusste, dass Sie sich nicht dazu durchringen können, sich von uns zu trennen. Kommen Sie, nehmen Sie sich ein Bett.“
Sie betraten das Büro des Dampfers und buchten Kabinen für vier Personen. Der Angestellte teilte ihnen mit, dass die Reparaturen an der „Carnatic“ abgeschlossen seien und das Schiff bereits an diesem Abend abfahren würde – und nicht am nächsten Morgen, wie ursprünglich angekündigt.
„Das passt meinem Herrn umso besser“, sagte Passepartout. „Ich werde ihn informieren.“
Fix beschloss nun, einen mutigen Schritt zu wagen; er wollte Passepartout alles erzählen. Es schien die einzige Möglichkeit zu sein, Phileas Fogg noch einige Tage in Hongkong zu halten. Deshalb lud er seinen Begleiter in eine Kneipe ein, die ihm am Anlegeplatz ins Auge gefallen war. Beim Eintreten befanden sie sich in einem großzügig eingerichteten Raum; am Ende des Raumes stand ein großes Feldbett mit Kissen. Mehrere Personen lagen auf diesem Bett und schliefen tief. An den kleinen Tischen im Raum tranken etwa dreißig Gäste englisches Bier, Porter, Gin und Brandy; dabei rauchten sie lange rote Tonpfeifen, die mit kleinen Bällchen aus Opium gemischt mit Rosenessenz gefüllt waren. Von Zeit zu Zeit rutschte einer der Raucher, überwältigt vom Betäubungsmittel, unter den Tisch.
„Das ist schlecht“, murmelte Passepartout, „für die Herren vom Reformclub!“ Er sprach Fix mit einem fröhlichen Lächeln an, als hätte er die Verärgerung des Mannes nicht bemerkt. Der Detektiv hatte tatsächlich gute Gründe, sich über das Pech zu beschweren, das ihm folgte. Der Haftbefehl war noch nicht eingetroffen! Er war sicherlich unterwegs, aber es war ebenso sicher, dass er in den nächsten Tagen nicht in Hongkong ankommen würde. Da dies das letzte englische Territorium auf Mr. Fogg’s Route war, würde der Räuber entkommen, es sei denn, es gelang ihm, ihn aufzuhalten.
„Nun, Monsieur Fix“, sagte Passepartout, „haben Sie sich entschieden, uns bis nach Amerika zu begleiten?“
„Ja“, antwortete Fix durch zusammengebissene Zähne.
„Gut!“, rief Passepartout lachend. „Ich wusste, dass Sie sich nicht dazu durchringen können, sich von uns zu trennen. Kommen Sie, nehmen Sie sich ein Bett.“
Sie betraten das Büro des Dampfers und buchten Kabinen für vier Personen. Der Angestellte teilte ihnen mit, dass die Reparaturen an der „Carnatic“ abgeschlossen seien und das Schiff bereits an diesem Abend abfahren würde – und nicht am nächsten Morgen, wie ursprünglich angekündigt.
„Das passt meinem Herrn umso besser“, sagte Passepartout. „Ich werde ihn informieren.“
Fix beschloss nun, einen mutigen Schritt zu wagen; er wollte Passepartout alles erzählen. Es schien die einzige Möglichkeit zu sein, Phileas Fogg noch einige Tage in Hongkong zu halten. Deshalb lud er seinen Begleiter in eine Kneipe ein, die ihm am Anlegeplatz ins Auge gefallen war. Beim Eintreten befanden sie sich in einem großzügig eingerichteten Raum; am Ende des Raumes stand ein großes Feldbett mit Kissen. Mehrere Personen lagen auf diesem Bett und schliefen tief. An den kleinen Tischen im Raum tranken etwa dreißig Gäste englisches Bier, Porter, Gin und Brandy; dabei rauchten sie lange rote Tonpfeifen, die mit kleinen Bällchen aus Opium gemischt mit Rosenessenz gefüllt waren. Von Zeit zu Zeit rutschte einer der Raucher, überwältigt vom Betäubungsmittel, unter den Tisch.
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Die Kellner nahmen ihn an Kopf und Füßen und trugen ihn auf das Bett. Das Bett bot bereits Platz für zwanzig dieser betäubten Idioten. Fix und Passepartout sahen, dass sie sich in einer Opiumhöhle befanden – einem Ort, der von diesen elenden, krankhaft veranlagten, idiotischen Kreaturen heimgesucht wurde. Den englischen Händlern gelang es jedes Jahr, ihnen diese schreckliche Droge namens Opium im Wert von einer Million vierhunderttausend Pfund zu verkaufen – Tausende von Pfund, die für eines der abscheulichsten Laster verwendet werden, die die Menschheit plagen! Die chinesische Regierung hat vergeblich versucht, dieses Übel mit strengen Gesetzen in den Griff zu bekommen. Das Opium breitete sich allmählich von den Reichen aus, denen es ursprünglich ausschließlich vorbehalten war, auf die unteren Schichten aus – und dann konnten seine zerstörerischen Auswirkungen nicht mehr aufgehalten werden. Im Chinesischen Reich wird überall und zu jeder Zeit von Männern und Frauen Opium geraucht. Wer einmal daran gewöhnt ist, kann ohne es nicht auskommen – es sei denn, er muss schreckliche körperliche Qualen ertragen. Ein starker Raucher kann bis zu acht Pfeifen am Tag rauchen – doch er stirbt nach fünf Jahren. In einer solchen Opiumhöhle fanden sich Fix und Passepartout wieder, auf der Suche nach einem Glas Wein. Passepartout hatte kein Geld, nahm aber gerne Fix’ Angebot an in der Hoffnung, die Gefälligkeit irgendwann zurückzuzahlen. Sie bestellten zwei Flaschen Portwein. Der Franzose trank ihn in großen Zügen, während Fix ihn genau beobachtete. Sie unterhielten sich über die Reise – Passepartout war besonders froh darüber, dass Fix mit ihnen weiterreisen würde. Als die Flaschen jedoch leer waren, stand er auf, um seinem Herrn von der Änderung des Abfahrtsdatums der „Carnatic“ zu berichten. Fix packte ihn am Arm und sagte: „Warten Sie einen Moment.“ „Warum, Herr Fix?“ „Ich möchte ernst mit Ihnen sprechen.“ „Ernst sprechen!“ rief Passepartout und trank den letzten Rest Wein aus seinem Glas. „Nun, wir werden morgen darüber sprechen – ich habe jetzt keine Zeit.“ „Bleiben Sie! Was ich zu sagen habe, betrifft Ihren Herrn.“ Daraufhin blickte Passepartout seinen Begleiter aufmerksam an. Fix’ Gesichtsausdruck schien seltsam zu sein. Er setzte sich wieder hin. „Was wollen Sie denn sagen?“ Fix legte seine Hand auf Passepartouts Arm und sagte mit leiser Stimme: „Haben Sie schon erraten, wer ich bin?“
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„Parbleu!“, sagte Passepartout lächelnd.
„Dann werde ich Ihnen alles erzählen –“
„Jetzt, da ich alles weiß, mein Freund! Ah! Das ist sehr gut. Aber fahren Sie fort. Zuerst möchte ich Ihnen jedoch sagen, dass diese Herren sich unnötige Mühen gemacht haben.“
„Unnötig!“, sagte Fix. „Sie sprechen selbstsicher. Offensichtlich wissen Sie nicht, wie groß die Summe ist.“
„Natürlich weiß ich das“, erwiderte Passepartout. „Zwanzigtausend Pfund.“
„Fünfundfünfzigtausend!“, antwortete Fix und drückte die Hand seines Begleiters.
„Was!“, rief der Franzose. „Hat Monsieur Fogg es gewagt – fünfundfünfzigtausend Pfund! Nun, umso mehr Grund, keinen Augenblick zu verlieren“, fuhr er fort und stand hastig auf.
Fix schob Passepartout wieder in seinen Stuhl und fuhr fort: „Fünfundfünfzigtausend Pfund; und wenn ich Erfolg habe, bekomme ich zweitausend Pfund. Wenn Sie mir helfen, gebe ich Ihnen fünfhundert davon.“
„Ihnen helfen?“, rief Passepartout, dessen Augen weit aufgerissen waren.
„Ja; helfen Sie mir, Monsieur Fogg hier zwei oder drei Tage festzuhalten.“
„Was sagen Sie da? Diese Herren sind nicht einmal damit zufrieden, meinem Herrn nachzuspüren und sein Ansehen in Frage zu stellen – nein, sie müssen auch noch Hindernisse in seinen Weg legen! Mir wird für sie peinlich!“
„Was meinen Sie damit?“
„Ich meine, das ist eine schändliche List. Sie könnten genauso gut Monsieur Fogg überfallen und sein Geld in ihre Taschen stecken!“
„Genau das haben wir vor.“
„Das ist also eine Verschwörung“, rief Passepartout, der immer aufgeregter wurde, je mehr Alkohol in seinem Kopf war – schließlich trank er, ohne es zu merken. „Eine echte Verschwörung! Und dazu noch Herren. Bah!“
Fix wurde verwirrt.
„Mitglieder des Reform Clubs!“, fuhr Passepartout fort. „Sie müssen wissen, Monsieur Fix, dass mein Herr ein ehrlicher Mann ist – und dass er, wenn er wettet, versucht, fair zu gewinnen!“
„Aber wer glauben Sie denn, dass ich bin?“, fragte Fix und blickte ihn intensiv an.
„Dann werde ich Ihnen alles erzählen –“
„Jetzt, da ich alles weiß, mein Freund! Ah! Das ist sehr gut. Aber fahren Sie fort. Zuerst möchte ich Ihnen jedoch sagen, dass diese Herren sich unnötige Mühen gemacht haben.“
„Unnötig!“, sagte Fix. „Sie sprechen selbstsicher. Offensichtlich wissen Sie nicht, wie groß die Summe ist.“
„Natürlich weiß ich das“, erwiderte Passepartout. „Zwanzigtausend Pfund.“
„Fünfundfünfzigtausend!“, antwortete Fix und drückte die Hand seines Begleiters.
„Was!“, rief der Franzose. „Hat Monsieur Fogg es gewagt – fünfundfünfzigtausend Pfund! Nun, umso mehr Grund, keinen Augenblick zu verlieren“, fuhr er fort und stand hastig auf.
Fix schob Passepartout wieder in seinen Stuhl und fuhr fort: „Fünfundfünfzigtausend Pfund; und wenn ich Erfolg habe, bekomme ich zweitausend Pfund. Wenn Sie mir helfen, gebe ich Ihnen fünfhundert davon.“
„Ihnen helfen?“, rief Passepartout, dessen Augen weit aufgerissen waren.
„Ja; helfen Sie mir, Monsieur Fogg hier zwei oder drei Tage festzuhalten.“
„Was sagen Sie da? Diese Herren sind nicht einmal damit zufrieden, meinem Herrn nachzuspüren und sein Ansehen in Frage zu stellen – nein, sie müssen auch noch Hindernisse in seinen Weg legen! Mir wird für sie peinlich!“
„Was meinen Sie damit?“
„Ich meine, das ist eine schändliche List. Sie könnten genauso gut Monsieur Fogg überfallen und sein Geld in ihre Taschen stecken!“
„Genau das haben wir vor.“
„Das ist also eine Verschwörung“, rief Passepartout, der immer aufgeregter wurde, je mehr Alkohol in seinem Kopf war – schließlich trank er, ohne es zu merken. „Eine echte Verschwörung! Und dazu noch Herren. Bah!“
Fix wurde verwirrt.
„Mitglieder des Reform Clubs!“, fuhr Passepartout fort. „Sie müssen wissen, Monsieur Fix, dass mein Herr ein ehrlicher Mann ist – und dass er, wenn er wettet, versucht, fair zu gewinnen!“
„Aber wer glauben Sie denn, dass ich bin?“, fragte Fix und blickte ihn intensiv an.
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„Parbleu! Ein Agent der Mitglieder des Reform Clubs – geschickt, um die Reise meines Herrn zu stören. Doch obwohl ich Sie bereits vor längerer Zeit entdeckt habe, habe ich sorgfältig darauf geachtet, Herrn Fogg nichts davon zu sagen.“
„Er weiß also nichts?“
„Nichts“, antwortete Passepartout und leerte erneut sein Glas.
Der Detektiv strich sich über die Stirn und zögerte, bevor er wieder sprach. Was sollte er tun? Passepartouts Fehler schien aufrichtig zu sein – doch dadurch wurde sein Plan schwieriger. Es war offensichtlich, dass der Diener nicht der Komplize seines Herrn war, wie Fix vermutet hatte.
„Nun“, sagte der Detektiv zu sich selbst, „da er kein Komplize ist, wird er mir helfen.“
Er hatte keine Zeit zu verlieren: Fogg musste in Hongkong aufgehalten werden – daher beschloss er, endlich die Wahrheit preiszugeben.
„Hören Sie mir zu“, sagte Fix plötzlich. „Ich bin nicht, wie Sie denken, ein Agent der Mitglieder des Reform Clubs –“
„Bah!“, erwiderte Passepartout spöttisch.
„Ich bin ein Polizeidetektiv, der vom Londoner Büro hierhergeschickt wurde.“
„Sie, ein Detektiv?“
„Ich werde es beweisen. Hier ist meine Vollmacht.“
Passepartout war vor Erstaunen sprachlos, als Fix dieses Dokument zeigte – dessen Echtheit nicht in Frage stand.
„Herrn Foggens Wette“, fuhr Fix fort, „ist nur ein Vorwand; Sie und die Herren vom Reform Club sind Opfer dieses Tricks. Er hatte einen Grund, Ihre ‚unschuldige‘ Beteiligung zu sichern.“
„Aber warum?“
„Hören Sie. Am 28. letzten Septembers wurde bei der Bank of England ein Raub in Höhe von fünfundfünfzigtausend Pfund verübt – von einer Person, deren Beschreibung glücklicherweise festgestellt werden konnte. Hier ist diese Beschreibung; sie stimmt genau mit der von Herrn Phileas Fogg überein.“
„Was für Unsinn!“, rief Passepartout und schlug mit der Faust auf den Tisch. „Mein Herr ist der ehrenhafteste Mensch!“
„Wie können Sie das wissen? Sie wissen kaum etwas über ihn. Sie kamen erst an dem Tag zu ihm, an dem er abreiste – und er reiste ab, weil er etwas Dummes getan hatte.“
„Er weiß also nichts?“
„Nichts“, antwortete Passepartout und leerte erneut sein Glas.
Der Detektiv strich sich über die Stirn und zögerte, bevor er wieder sprach. Was sollte er tun? Passepartouts Fehler schien aufrichtig zu sein – doch dadurch wurde sein Plan schwieriger. Es war offensichtlich, dass der Diener nicht der Komplize seines Herrn war, wie Fix vermutet hatte.
„Nun“, sagte der Detektiv zu sich selbst, „da er kein Komplize ist, wird er mir helfen.“
Er hatte keine Zeit zu verlieren: Fogg musste in Hongkong aufgehalten werden – daher beschloss er, endlich die Wahrheit preiszugeben.
„Hören Sie mir zu“, sagte Fix plötzlich. „Ich bin nicht, wie Sie denken, ein Agent der Mitglieder des Reform Clubs –“
„Bah!“, erwiderte Passepartout spöttisch.
„Ich bin ein Polizeidetektiv, der vom Londoner Büro hierhergeschickt wurde.“
„Sie, ein Detektiv?“
„Ich werde es beweisen. Hier ist meine Vollmacht.“
Passepartout war vor Erstaunen sprachlos, als Fix dieses Dokument zeigte – dessen Echtheit nicht in Frage stand.
„Herrn Foggens Wette“, fuhr Fix fort, „ist nur ein Vorwand; Sie und die Herren vom Reform Club sind Opfer dieses Tricks. Er hatte einen Grund, Ihre ‚unschuldige‘ Beteiligung zu sichern.“
„Aber warum?“
„Hören Sie. Am 28. letzten Septembers wurde bei der Bank of England ein Raub in Höhe von fünfundfünfzigtausend Pfund verübt – von einer Person, deren Beschreibung glücklicherweise festgestellt werden konnte. Hier ist diese Beschreibung; sie stimmt genau mit der von Herrn Phileas Fogg überein.“
„Was für Unsinn!“, rief Passepartout und schlug mit der Faust auf den Tisch. „Mein Herr ist der ehrenhafteste Mensch!“
„Wie können Sie das wissen? Sie wissen kaum etwas über ihn. Sie kamen erst an dem Tag zu ihm, an dem er abreiste – und er reiste ab, weil er etwas Dummes getan hatte.“
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„Unter einem Vorwand, ohne Koffer – und mit einer großen Menge an Banknoten bei sich. Und doch habt Ihr den Mut zu behaupten, er sei ein ehrlicher Mann!“
„Ja, ja“, wiederholte der arme Kerl mechanisch.
„Möchtet Ihr als sein Komplize verhaftet werden?“
Passepartout, überwältigt von dem, was er gehört hatte, hielt sich den Kopf zwischen die Hände und wagte es nicht, den Detektiv anzusehen. Phileas Fogg, der Retter von Aouda, dieser mutige und großzügige Mann – ein Räuber! Doch wie viele Verdachtsmomente gab es gegen ihn! Passepartout versuchte, die Verdächtigungen abzuschütteln, die ihm in den Sinn kamen; er wollte nicht glauben, dass sein Herr schuldig war.
„Nun, was wollt Ihr von mir?“, sagte er schließlich mit Anstrengung.
„Sehen Sie“, antwortete Fix, „ich habe Herrn Fogg bis an diesen Ort verfolgt, doch bisher habe ich noch keine Haftanordnung erhalten, um die ich nach London geschickt habe. Sie müssen mir helfen, ihn hier in Hongkong festzuhalten –“
„Ich! Aber ich –“
„Ich werde mir die zweitausend Pfund Belohnung, die von der Bank of England ausgesetzt wurden, mit Ihnen teilen.“
„Nie!“, antwortete Passepartout. Er versuchte aufzustehen, fiel aber erschöpft zurück.
„Herr Fix“, stammelte er, „selbst wenn das, was Sie sagen, wahr wäre – falls mein Herr tatsächlich der Räuber ist, den Sie suchen – was ich leugne – so habe ich doch stets in seinen Diensten gestanden; ich habe seine Großzügigkeit und Güte gesehen; und ich werde ihn niemals verraten – nicht für all das Gold der Welt. Ich komme aus einem Dorf, wo man solches Brot nicht isst!“
„Sie weigern sich?“
„Ich weigere mich.“
„Betrachten Sie es als, als hätte ich nichts gesagt“, sagte Fix. „Und trinken wir.“
„Ja; trinken wir!“
Passepartout spürte, wie er immer mehr den Auswirkungen des Alkohols unterlag. Fix, der sah, dass er um jeden Preis von seinem Herrn getrennt werden musste, wollte ihn vollständig überwältigen. Auf dem Tisch lagen einige Pfeifen voll Opium. Fix schob eine in Passepartouts Hand. Dieser nahm sie, steckte sie sich zwischen die Lippen, zündete sie an, zog mehrmals daran – und sein Kopf, unter dem Einfluss des Betäubungsmittels schwer geworden, sank auf den Tisch.
„Ja, ja“, wiederholte der arme Kerl mechanisch.
„Möchtet Ihr als sein Komplize verhaftet werden?“
Passepartout, überwältigt von dem, was er gehört hatte, hielt sich den Kopf zwischen die Hände und wagte es nicht, den Detektiv anzusehen. Phileas Fogg, der Retter von Aouda, dieser mutige und großzügige Mann – ein Räuber! Doch wie viele Verdachtsmomente gab es gegen ihn! Passepartout versuchte, die Verdächtigungen abzuschütteln, die ihm in den Sinn kamen; er wollte nicht glauben, dass sein Herr schuldig war.
„Nun, was wollt Ihr von mir?“, sagte er schließlich mit Anstrengung.
„Sehen Sie“, antwortete Fix, „ich habe Herrn Fogg bis an diesen Ort verfolgt, doch bisher habe ich noch keine Haftanordnung erhalten, um die ich nach London geschickt habe. Sie müssen mir helfen, ihn hier in Hongkong festzuhalten –“
„Ich! Aber ich –“
„Ich werde mir die zweitausend Pfund Belohnung, die von der Bank of England ausgesetzt wurden, mit Ihnen teilen.“
„Nie!“, antwortete Passepartout. Er versuchte aufzustehen, fiel aber erschöpft zurück.
„Herr Fix“, stammelte er, „selbst wenn das, was Sie sagen, wahr wäre – falls mein Herr tatsächlich der Räuber ist, den Sie suchen – was ich leugne – so habe ich doch stets in seinen Diensten gestanden; ich habe seine Großzügigkeit und Güte gesehen; und ich werde ihn niemals verraten – nicht für all das Gold der Welt. Ich komme aus einem Dorf, wo man solches Brot nicht isst!“
„Sie weigern sich?“
„Ich weigere mich.“
„Betrachten Sie es als, als hätte ich nichts gesagt“, sagte Fix. „Und trinken wir.“
„Ja; trinken wir!“
Passepartout spürte, wie er immer mehr den Auswirkungen des Alkohols unterlag. Fix, der sah, dass er um jeden Preis von seinem Herrn getrennt werden musste, wollte ihn vollständig überwältigen. Auf dem Tisch lagen einige Pfeifen voll Opium. Fix schob eine in Passepartouts Hand. Dieser nahm sie, steckte sie sich zwischen die Lippen, zündete sie an, zog mehrmals daran – und sein Kopf, unter dem Einfluss des Betäubungsmittels schwer geworden, sank auf den Tisch.
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„Endlich!“, sagte Fix, als er sah, dass Passepartout bewusstlos war. „Herr Fogg wird nicht von der Abfahrt der ‚Carnatic‘ erfahren; und selbst wenn er es erfährt, muss er ohne diesen verfluchten Franzosen weiterreisen!“ Nachdem er seine Rechnung bezahlt hatte, verließ Fix die Taverne.
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KAPITEL XX.
In dem Fix Phileas Fogg gegenübertritt
Während all diese Ereignisse im Opiumhaus stattfanden, begleitete Herr Fogg, ohne sich der Gefahr bewusst zu sein, das Dampfschiff zu verpassen, ruhig Aouda durch die Straßen des englischen Viertels und erledigte die notwendigen Einkäufe für die lange Reise, die vor ihnen lag. Für einen Engländer wie Herrn Fogg war es durchaus möglich, die Welt mit einem Reisesack zu bereisen; von einer Dame konnte man jedoch nicht erwarten, dass sie unter solchen Bedingungen komfortabel reisen konnte. Er erledigte seine Aufgaben mit charakteristischer Gelassenheit und antwortete stets auf die Einwände seiner schönen Begleiterin, die von seiner Geduld und Großzügigkeit verwirrt war:
„Es dient meinem Reiseziel – es ist Teil meines Plans.“
Nach den Einkäufen kehrten sie ins Hotel zurück, wo sie an einem prächtig gedeckten Tisch aßen. Danach verabschiedete sich Aouda auf englische Art von ihrem Beschützer und zog sich in ihr Zimmer zur Ruhe zurück. Herr Fogg widmete den ganzen Abend dem Lesen der Times und des Illustrated London News.
Hätte er überhaupt zu Überraschungen fähig sein können, dann wäre es wohl die Tatsache gewesen, dass sein Diener zum Zeitpunkt des Schlafengehens nicht zurückkehrte. Doch da er wusste, dass das Dampfschiff erst am nächsten Morgen nach Yokohama abfahren würde, machte er sich deswegen keine Sorgen. Als Passepartout am nächsten Morgen nicht erschien, um an der Glocke seines Herrn zu antworten, zeigte Herr Fogg keinerlei Unruhe. Er nahm einfach seinen Reisesack, rief Aouda zu sich und ließ einen Palankin holen.
Es war bereits acht Uhr; um halb zehn, zu dieser Zeit Hochwasser, sollte die „Carnatic“ den Hafen verlassen. Herr Fogg und Aouda stiegen in den Palankin; ihr Gepäck wurde anschließend auf einem Handwagen gebracht.
In dem Fix Phileas Fogg gegenübertritt
Während all diese Ereignisse im Opiumhaus stattfanden, begleitete Herr Fogg, ohne sich der Gefahr bewusst zu sein, das Dampfschiff zu verpassen, ruhig Aouda durch die Straßen des englischen Viertels und erledigte die notwendigen Einkäufe für die lange Reise, die vor ihnen lag. Für einen Engländer wie Herrn Fogg war es durchaus möglich, die Welt mit einem Reisesack zu bereisen; von einer Dame konnte man jedoch nicht erwarten, dass sie unter solchen Bedingungen komfortabel reisen konnte. Er erledigte seine Aufgaben mit charakteristischer Gelassenheit und antwortete stets auf die Einwände seiner schönen Begleiterin, die von seiner Geduld und Großzügigkeit verwirrt war:
„Es dient meinem Reiseziel – es ist Teil meines Plans.“
Nach den Einkäufen kehrten sie ins Hotel zurück, wo sie an einem prächtig gedeckten Tisch aßen. Danach verabschiedete sich Aouda auf englische Art von ihrem Beschützer und zog sich in ihr Zimmer zur Ruhe zurück. Herr Fogg widmete den ganzen Abend dem Lesen der Times und des Illustrated London News.
Hätte er überhaupt zu Überraschungen fähig sein können, dann wäre es wohl die Tatsache gewesen, dass sein Diener zum Zeitpunkt des Schlafengehens nicht zurückkehrte. Doch da er wusste, dass das Dampfschiff erst am nächsten Morgen nach Yokohama abfahren würde, machte er sich deswegen keine Sorgen. Als Passepartout am nächsten Morgen nicht erschien, um an der Glocke seines Herrn zu antworten, zeigte Herr Fogg keinerlei Unruhe. Er nahm einfach seinen Reisesack, rief Aouda zu sich und ließ einen Palankin holen.
Es war bereits acht Uhr; um halb zehn, zu dieser Zeit Hochwasser, sollte die „Carnatic“ den Hafen verlassen. Herr Fogg und Aouda stiegen in den Palankin; ihr Gepäck wurde anschließend auf einem Handwagen gebracht.
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Eine Stunde später betrat er den Kai, von wo aus sie abfahren sollten. Herr Fogg erfuhr daraufhin, dass die „Carnatic“ bereits am Vorabend abgefahren war. Er hatte erwartet, nicht nur das Dampfschiff, sondern auch seinen Diener vorzufinden, und musste auf beides verzichten; doch auf seinem Gesicht zeigte sich kein Anzeichen von Enttäuschung. Er sagte lediglich zu Aouda: „Es ist ein Zufall, Madame – nichts weiter.“ In diesem Moment näherte sich ein Mann, der ihn aufmerksam beobachtet hatte. Es war Fix, der sich verbeugte und Herrn Fogg ansprach: „Waren Sie nicht, wie ich, Sir, Passagier auf der ‚Rangoon‘, die gestern ankam?“ „Das war ich, Sir“, antwortete Herr Fogg kühl. „Aber ich habe nicht die Ehre –“ „Verzeihen Sie; ich dachte, ich würde Ihren Diener hier finden.“ „Wissen Sie, wo er ist, Sir?“, fragte Aouda besorgt. „Was!“, erwiderte Fix und tat überrascht. „Ist er nicht bei Ihnen?“ „Nein“, sagte Aouda. „Er ist seit gestern nicht mehr aufgetaucht. Kann er ohne uns an Bord der ‚Carnatic‘ gegangen sein?“ „Ohne Sie, Madame?“, antwortete der Detektiv. „Entschuldigen Sie – wollten Sie etwa mit der ‚Carnatic‘ fahren?“ „Ja, Sir.“ „Ich auch, Madame – und ich bin äußerst enttäuscht. Die ‚Carnatic‘, nachdem ihre Reparaturen abgeschlossen waren, verließ Hongkong zwölf Stunden früher als geplant, ohne irgendwelche Ankündigung; und wir müssen nun eine Woche auf ein anderes Dampfschiff warten.“ Als er „eine Woche“ sagte, spürte Fix, wie sein Herz vor Freude hochsprang. Fogg blieb also eine Woche in Hongkong! Es würde Zeit genug geben, bis der Haftbefehl eintraf – und endlich begünstigte das Schicksal den Vertreter des Gesetzes. Seine Verzweiflung lässt sich vorstellen, als er hörte, wie Herr Fogg mit ruhiger Stimme sagte: „Aber es gibt offenbar neben der ‚Carnatic‘ noch andere Schiffe im Hafen von Hongkong.“ Und indem er Aouda seinen Arm anbot, wandte er sich in Richtung der Docks, um nach einem Schiff zu suchen, das gerade abfahren würde. Fix folgte ihm fassungslos – es schien, als wäre er durch einen unsichtbaren Faden an Herrn Fogg gebunden. Doch das Schicksal schien den Mann, dem es bisher so gut gedient hatte, tatsächlich im Stich gelassen zu haben. Drei Stunden lang wanderte Phileas Fogg über die Docks, fest entschlossen, falls nötig, ein Schiff zu mieten, das ihn nach Yokohama brachte; doch er fand nur Schiffe, die gerade beladen oder entladen wurden und daher nicht abfahren konnten. Fix begann wieder Hoffnung zu schöpfen.
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Doch Herr Fogg ließ sich keineswegs entmutigen und setzte seine Suche fort, fest entschlossen, nicht aufzugeben – selbst wenn er dazu nach Macao gehen müsste. In diesem Moment wurde er von einem Seemann auf einem der Docks angesprochen.
„Suchen Sie ein Boot, Herr?“
„Haben Sie ein Boot, das sofort abfahren kann?“
„Ja, Herr – ein Lotsenboot, Nummer 43 – das Beste im Hafen.“
„Fährt es schnell?“
„Zwischen acht und neun Knoten pro Stunde. Möchten Sie es sich ansehen?“
„Ja.“
„Sie werden mit ihm zufrieden sein. Ist es für eine Seefahrt?“
„Nein – für eine Reise.“
„Eine Reise?“
„Ja. Wären Sie bereit, mich nach Yokohama zu bringen?“
Der Seemann lehnte sich über die Reling, riss die Augen auf und sagte: „Machen Sie Witze, Herr?“
„Nein. Ich habe den ‚Carnatic‘ verpasst und muss spätestens am 14. in Yokohama ankommen, um das Boot nach San Francisco zu nehmen.“
„Es tut mir leid“, sagte der Seemann, „aber das ist unmöglich.“
„Ich biete Ihnen hundert Pfund pro Tag sowie eine zusätzliche Belohnung von zweihundert Pfund, falls ich rechtzeitig in Yokohama ankomme.“
„Sprechen Sie ernst?“
„Sehr ernst.“
Der Lotse ging ein Stück weg und blickte aufs Meer hinaus – offensichtlich hin- und hergerissen zwischen dem Verlangen, viel Geld zu verdienen, und der Angst, so weit zu fahren. Fix war in großer Unruhe.
Herr Fogg wandte sich an Aouda und fragte sie: „Sie haben doch keine Angst, oder, Madame?“
„Nicht, solange ich bei Ihnen bin, Herr Fogg“, antwortete sie.
Der Lotse kehrte nun zurück und spielte nervös mit seinem Hut.
„Nun, Lotse?“, sagte Herr Fogg.
„Nun, Herr“, antwortete er, „ich könnte weder mich selbst, meine Leute noch mein kleines Boot mit kaum zwanzig Tonnen auf eine so lange Reise zu dieser Jahreszeit riskieren.“
„Suchen Sie ein Boot, Herr?“
„Haben Sie ein Boot, das sofort abfahren kann?“
„Ja, Herr – ein Lotsenboot, Nummer 43 – das Beste im Hafen.“
„Fährt es schnell?“
„Zwischen acht und neun Knoten pro Stunde. Möchten Sie es sich ansehen?“
„Ja.“
„Sie werden mit ihm zufrieden sein. Ist es für eine Seefahrt?“
„Nein – für eine Reise.“
„Eine Reise?“
„Ja. Wären Sie bereit, mich nach Yokohama zu bringen?“
Der Seemann lehnte sich über die Reling, riss die Augen auf und sagte: „Machen Sie Witze, Herr?“
„Nein. Ich habe den ‚Carnatic‘ verpasst und muss spätestens am 14. in Yokohama ankommen, um das Boot nach San Francisco zu nehmen.“
„Es tut mir leid“, sagte der Seemann, „aber das ist unmöglich.“
„Ich biete Ihnen hundert Pfund pro Tag sowie eine zusätzliche Belohnung von zweihundert Pfund, falls ich rechtzeitig in Yokohama ankomme.“
„Sprechen Sie ernst?“
„Sehr ernst.“
Der Lotse ging ein Stück weg und blickte aufs Meer hinaus – offensichtlich hin- und hergerissen zwischen dem Verlangen, viel Geld zu verdienen, und der Angst, so weit zu fahren. Fix war in großer Unruhe.
Herr Fogg wandte sich an Aouda und fragte sie: „Sie haben doch keine Angst, oder, Madame?“
„Nicht, solange ich bei Ihnen bin, Herr Fogg“, antwortete sie.
Der Lotse kehrte nun zurück und spielte nervös mit seinem Hut.
„Nun, Lotse?“, sagte Herr Fogg.
„Nun, Herr“, antwortete er, „ich könnte weder mich selbst, meine Leute noch mein kleines Boot mit kaum zwanzig Tonnen auf eine so lange Reise zu dieser Jahreszeit riskieren.“
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Außerdem konnten wir Yokohama nicht rechtzeitig erreichen, denn es liegt 1660 Meilen von Hongkong entfernt.
„Nur 1600 Meilen“, sagte Herr Fogg.
„Das ist doch dasselbe.“
Fix atmete wieder freier.
„Aber“, fügte der Pilot hinzu, „es ließe sich auch auf eine andere Weise regeln.“
Fix hörte ganz auf zu atmen.
„Wie?“, fragte Herr Fogg.
„Indem wir nach Nagasaki fahren, am äußersten Süden Japans – oder sogar nach Shanghai, das nur 800 Meilen von hier entfernt ist. Wenn wir nach Shanghai fahren, müssen wir nicht weit um die chinesische Küste herumsegeln – das wäre ein großer Vorteil, denn die Strömungen fließen nach Norden und würden uns helfen.“
„Pilot“, sagte Herr Fogg, „ich muss das amerikanische Dampfschiff in Yokohama nehmen – und nicht in Shanghai oder Nagasaki.“
„Warum nicht?“, erwiderte der Pilot. „Das Dampfschiff aus San Francisco startet nicht von Yokohama aus. Es legt zwar in Yokohama und Nagasaki an, aber es startet von Shanghai aus.“
„Sind Sie sich da sicher?“
„Vollkommen.“
„Und wann legt das Schiff in Shanghai ab?“
„Am 11. um sieben Uhr abends. Wir haben also vier Tage vor uns – das sind 96 Stunden. In dieser Zeit könnten wir, wenn wir Glück haben und einen Südwestwind sowie ruhige See haben, die 800 Meilen bis Shanghai zurücklegen.“
„Und Sie könnten aufbrechen –“
„In einer Stunde; sobald die Vorräte an Bord gebracht und die Segel gesetzt sind.“
„Das ist ein guter Deal. Sind Sie der Kapitän des Schiffes?“
„Ja; John Bunsby, Kapitän der ‚Tankadere‘.“
„Möchten Sie etwas Anzahlung?“
„Wenn das Ihre Ehre nicht beeinträchtigt…“
„Nur 1600 Meilen“, sagte Herr Fogg.
„Das ist doch dasselbe.“
Fix atmete wieder freier.
„Aber“, fügte der Pilot hinzu, „es ließe sich auch auf eine andere Weise regeln.“
Fix hörte ganz auf zu atmen.
„Wie?“, fragte Herr Fogg.
„Indem wir nach Nagasaki fahren, am äußersten Süden Japans – oder sogar nach Shanghai, das nur 800 Meilen von hier entfernt ist. Wenn wir nach Shanghai fahren, müssen wir nicht weit um die chinesische Küste herumsegeln – das wäre ein großer Vorteil, denn die Strömungen fließen nach Norden und würden uns helfen.“
„Pilot“, sagte Herr Fogg, „ich muss das amerikanische Dampfschiff in Yokohama nehmen – und nicht in Shanghai oder Nagasaki.“
„Warum nicht?“, erwiderte der Pilot. „Das Dampfschiff aus San Francisco startet nicht von Yokohama aus. Es legt zwar in Yokohama und Nagasaki an, aber es startet von Shanghai aus.“
„Sind Sie sich da sicher?“
„Vollkommen.“
„Und wann legt das Schiff in Shanghai ab?“
„Am 11. um sieben Uhr abends. Wir haben also vier Tage vor uns – das sind 96 Stunden. In dieser Zeit könnten wir, wenn wir Glück haben und einen Südwestwind sowie ruhige See haben, die 800 Meilen bis Shanghai zurücklegen.“
„Und Sie könnten aufbrechen –“
„In einer Stunde; sobald die Vorräte an Bord gebracht und die Segel gesetzt sind.“
„Das ist ein guter Deal. Sind Sie der Kapitän des Schiffes?“
„Ja; John Bunsby, Kapitän der ‚Tankadere‘.“
„Möchten Sie etwas Anzahlung?“
„Wenn das Ihre Ehre nicht beeinträchtigt…“
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„Hier sind zweihundert Pfund als Vorauszahlung, Sir“, fügte Phileas Fogg hinzu und wandte sich an Fix: „Falls Sie davon Gebrauch machen möchten …“
„Danke, Sir – ich wollte gerade darum bitten.“
„Sehr gut. In einer halben Stunde steigen wir an Bord.“
„Aber der arme Passepartout?“, drängte Aouda, die sehr beunruhigt über das Verschwinden des Dieners war.
„Ich werde alles tun, um ihn zu finden“, antwortete Phileas Fogg.
Während Fix in einem fiebrigen, nervösen Zustand zum Lotsenboot zurückkehrte, steuerten die anderen das Polizeirevier in Hongkong an. Dort gab Phileas Fogg eine Beschreibung von Passepartout ab und hinterließ einen Geldbetrag für die Suche nach ihm. Nachdem die gleichen Formalitäten beim französischen Konsulat erledigt worden waren und der Palankin im Hotel wegen des Gepäcks angehalten hatte, das dorthin zurückgeschickt worden war, kehrten sie zum Hafen zurück.
Es war jetzt drei Uhr; das Lotsenboot Nummer 43 mit seiner Besatzung an Bord sowie den Vorräten war bereit zur Abfahrt.
Die „Tankadere“ war ein kleines, ordentlich gebautes Boot von zwanzig Tonnen – so elegant konstruiert, als wäre es ein Rennjacht. Ihre glänzende Kupferbeschichtung, ihre verzinkten Eisenkonstruktionen sowie ihr Deck, weiß wie Elfenbein, zeigten, wie stolz John Bunsby darauf war, das Boot in einem präsentablen Zustand zu halten. Ihre beiden Masten neigten sich etwas nach hinten; sie verfügte über eine Brigantine, eine Vorsteuersegel, ein Sturmsegel sowie ein Auftriebssegel und war somit hervorragend für das Segeln gegen den Wind ausgestattet. Sie schien in der Lage zu sein, hohe Geschwindigkeiten zu erreichen – was sie tatsächlich bereits durch mehrere Siege in Lotsenbootrennen bewiesen hatte. Die Besatzung der „Tankadere“ bestand aus John Bunsby, dem Kapitän, sowie vier zähen Seeleuten, die sich mit den chinesischen Gewässern auskannten.
John Bunsby selbst war ein Mann von etwa vierundvierzig Jahren – kräftig, sonnengebräunt, mit lebhaften Augen und einem energischen, selbstbewussten Ausdruck. Er hätte selbst dem ängstlichsten Menschen Vertrauen eingeflößt.
Phileas Fogg und Aouda gingen an Bord, wo sie feststellten, dass Fix bereits dort war. Unter Deck befand sich eine quadratische Kabine, deren Wände in Form von Liegen ausgeformt waren; darüber lag ein rundes Sofa. In der Mitte stand ein Tisch mit einer schwingenden Lampe. Die Unterkunft war eng, aber ordentlich.
„Es tut mir leid, dass ich Ihnen nichts Besseres anbieten kann“, sagte Herr Fogg zu Fix, der ohne Antwort nur den Kopf neigte.
Der Detektiv fühlte sich fast gedemütigt, von der Güte von Herrn Fogg profitieren zu müssen.
„Danke, Sir – ich wollte gerade darum bitten.“
„Sehr gut. In einer halben Stunde steigen wir an Bord.“
„Aber der arme Passepartout?“, drängte Aouda, die sehr beunruhigt über das Verschwinden des Dieners war.
„Ich werde alles tun, um ihn zu finden“, antwortete Phileas Fogg.
Während Fix in einem fiebrigen, nervösen Zustand zum Lotsenboot zurückkehrte, steuerten die anderen das Polizeirevier in Hongkong an. Dort gab Phileas Fogg eine Beschreibung von Passepartout ab und hinterließ einen Geldbetrag für die Suche nach ihm. Nachdem die gleichen Formalitäten beim französischen Konsulat erledigt worden waren und der Palankin im Hotel wegen des Gepäcks angehalten hatte, das dorthin zurückgeschickt worden war, kehrten sie zum Hafen zurück.
Es war jetzt drei Uhr; das Lotsenboot Nummer 43 mit seiner Besatzung an Bord sowie den Vorräten war bereit zur Abfahrt.
Die „Tankadere“ war ein kleines, ordentlich gebautes Boot von zwanzig Tonnen – so elegant konstruiert, als wäre es ein Rennjacht. Ihre glänzende Kupferbeschichtung, ihre verzinkten Eisenkonstruktionen sowie ihr Deck, weiß wie Elfenbein, zeigten, wie stolz John Bunsby darauf war, das Boot in einem präsentablen Zustand zu halten. Ihre beiden Masten neigten sich etwas nach hinten; sie verfügte über eine Brigantine, eine Vorsteuersegel, ein Sturmsegel sowie ein Auftriebssegel und war somit hervorragend für das Segeln gegen den Wind ausgestattet. Sie schien in der Lage zu sein, hohe Geschwindigkeiten zu erreichen – was sie tatsächlich bereits durch mehrere Siege in Lotsenbootrennen bewiesen hatte. Die Besatzung der „Tankadere“ bestand aus John Bunsby, dem Kapitän, sowie vier zähen Seeleuten, die sich mit den chinesischen Gewässern auskannten.
John Bunsby selbst war ein Mann von etwa vierundvierzig Jahren – kräftig, sonnengebräunt, mit lebhaften Augen und einem energischen, selbstbewussten Ausdruck. Er hätte selbst dem ängstlichsten Menschen Vertrauen eingeflößt.
Phileas Fogg und Aouda gingen an Bord, wo sie feststellten, dass Fix bereits dort war. Unter Deck befand sich eine quadratische Kabine, deren Wände in Form von Liegen ausgeformt waren; darüber lag ein rundes Sofa. In der Mitte stand ein Tisch mit einer schwingenden Lampe. Die Unterkunft war eng, aber ordentlich.
„Es tut mir leid, dass ich Ihnen nichts Besseres anbieten kann“, sagte Herr Fogg zu Fix, der ohne Antwort nur den Kopf neigte.
Der Detektiv fühlte sich fast gedemütigt, von der Güte von Herrn Fogg profitieren zu müssen.
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„Es ist sicher“, dachte er, „obwohl er ein Schurke ist, ist er doch höflich!“
Um zehn Minuten nach drei wurden die Segel sowie die englische Flagge gehisst. Herr Fogg und Aouda, die auf dem Deck saßen, warfen einen letzten Blick auf den Kai in der Hoffnung, Passepartout zu entdecken. Fix hatte ebenfalls seine Befürchtungen – dass der unglückliche Diener, den er so schlecht behandelt hatte, zufällig in diese Richtung gehen könnte; in diesem Fall wäre eine Erklärung entstanden, die für den Detektiv keineswegs zufriedenstellend gewesen wäre. Doch der Franzose tauchte nicht auf – zweifellos lag er noch unter dem betäubenden Einfluss des Opiums.
Schließlich gab John Bunsby, der Kapitän, den Befehl zum Abfahren. Die „Tankadere“ nahm Kurs, und mit Hilfe ihrer Brigantine-, Vorsegel- sowie Stagsegel glitt sie geschwind über die Wellen.
Um zehn Minuten nach drei wurden die Segel sowie die englische Flagge gehisst. Herr Fogg und Aouda, die auf dem Deck saßen, warfen einen letzten Blick auf den Kai in der Hoffnung, Passepartout zu entdecken. Fix hatte ebenfalls seine Befürchtungen – dass der unglückliche Diener, den er so schlecht behandelt hatte, zufällig in diese Richtung gehen könnte; in diesem Fall wäre eine Erklärung entstanden, die für den Detektiv keineswegs zufriedenstellend gewesen wäre. Doch der Franzose tauchte nicht auf – zweifellos lag er noch unter dem betäubenden Einfluss des Opiums.
Schließlich gab John Bunsby, der Kapitän, den Befehl zum Abfahren. Die „Tankadere“ nahm Kurs, und mit Hilfe ihrer Brigantine-, Vorsegel- sowie Stagsegel glitt sie geschwind über die Wellen.
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KAPITEL XXI.
In dem der Kapitän des „Tankadere“ ein großes Risiko eingeht, eine Belohnung von zweihundert Pfund zu verlieren
Diese Reise über achthundert Meilen war ein gefährliches Unterfangen mit einem Schiff von zwanzig Tonnen – und das zu dieser Jahreszeit. Die chinesischen Meere sind in der Regel stürmisch, von heftigen Windböen geprägt, besonders während der Tag- und Nachtgleiche; es war bereits früher November. Es wäre offensichtlich im Interesse des Kapitäns gewesen, seine Passagiere nach Yokohama zu bringen, da er für jeden Tag eine bestimmte Summe bekam; doch es wäre unvorsichtig gewesen, eine solche Reise zu wagen – und sogar unklug, versuchen zu wollen, Shanghai zu erreichen. Doch John Bunsby glaubte an den „Tankadere“, der wie eine Möwe auf den Wellen dahinflog; vielleicht hatte er recht. Gegen Abend passierten sie die launischen Gewässer von Hongkong, und der „Tankadere“ führte sich, angetrieben von günstigen Winden, hervorragend.
„Ich muss Ihnen nicht raten, Pilot“, sagte Phileas Fogg, als sie ins offene Meer kamen, „alle möglichen Geschwindigkeiten einzusetzen.“
„Vertrauen Sie mir, Herr. Wir setzen alle Segel ein, die der Wind zulässt. Die Stagsegel würden nichts nützen und werden nur verwendet, wenn wir in einen Hafen einfahren.“
„Das ist Ihr Beruf, nicht meiner, Pilot – ich vertraue Ihnen.“
Phileas Fogg stand mit geradem Körper und gespreizten Beinen da, wie ein Seemann, und blickte ohne Zögern auf die wellenden Wassermassen. Die junge Frau, die hinten saß, war zutiefst bewegt, als sie auf das Meer blickte, das nun im Dämmerlicht dunkler wurde – in dieses Meer hatte sie sich in einem so zerbrechlichen Boot begeben.
In dem der Kapitän des „Tankadere“ ein großes Risiko eingeht, eine Belohnung von zweihundert Pfund zu verlieren
Diese Reise über achthundert Meilen war ein gefährliches Unterfangen mit einem Schiff von zwanzig Tonnen – und das zu dieser Jahreszeit. Die chinesischen Meere sind in der Regel stürmisch, von heftigen Windböen geprägt, besonders während der Tag- und Nachtgleiche; es war bereits früher November. Es wäre offensichtlich im Interesse des Kapitäns gewesen, seine Passagiere nach Yokohama zu bringen, da er für jeden Tag eine bestimmte Summe bekam; doch es wäre unvorsichtig gewesen, eine solche Reise zu wagen – und sogar unklug, versuchen zu wollen, Shanghai zu erreichen. Doch John Bunsby glaubte an den „Tankadere“, der wie eine Möwe auf den Wellen dahinflog; vielleicht hatte er recht. Gegen Abend passierten sie die launischen Gewässer von Hongkong, und der „Tankadere“ führte sich, angetrieben von günstigen Winden, hervorragend.
„Ich muss Ihnen nicht raten, Pilot“, sagte Phileas Fogg, als sie ins offene Meer kamen, „alle möglichen Geschwindigkeiten einzusetzen.“
„Vertrauen Sie mir, Herr. Wir setzen alle Segel ein, die der Wind zulässt. Die Stagsegel würden nichts nützen und werden nur verwendet, wenn wir in einen Hafen einfahren.“
„Das ist Ihr Beruf, nicht meiner, Pilot – ich vertraue Ihnen.“
Phileas Fogg stand mit geradem Körper und gespreizten Beinen da, wie ein Seemann, und blickte ohne Zögern auf die wellenden Wassermassen. Die junge Frau, die hinten saß, war zutiefst bewegt, als sie auf das Meer blickte, das nun im Dämmerlicht dunkler wurde – in dieses Meer hatte sie sich in einem so zerbrechlichen Boot begeben.
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Das Schiff. Über ihrem Kopf raschelten die weißen Segel, die wie große weiße Flügel aussahen. Das Boot, vom Wind vorangetrieben, schien in der Luft zu fliegen.
Die Nacht brach an. Der Mond befand sich im ersten Viertel und sein unzureichendes Licht würde bald in dem Nebel am Horizont verschwinden. Wolken stiegen aus dem Osten auf und verdunkelten bereits einen Teil des Himmels.
Der Steuermann hatte seine Lichter angebracht – was in diesen von Schiffen, die ins Landesinnere fuhren, überfüllten Gewässern sehr notwendig war; denn Kollisionen kamen nicht selten vor, und bei der Geschwindigkeit, mit der das Boot fuhr, würde schon der geringste Stoß das kleine Boot zerstören.
Fix, der im Bug saß, widmete sich seinen Gedanken. Er hielt Abstand zu seinen Mitreisenden, da er die zurückhaltende Art von Herrn Fogg kannte; außerdem mochte er es nicht besonders, mit dem Mann zu sprechen, dessen Gunst er erhalten hatte. Er dachte auch an die Zukunft. Es schien sicher, dass Fogg nicht in Yokohama anhalten würde, sondern sofort mit dem Boot nach San Francisco aufbrechen würde; und die weite Ausdehnung Amerikas würde ihm Schutz und Sicherheit bieten. Foggens Plan erschien ihm als der einfachste der Welt. Anstatt direkt von England in die Vereinigten Staaten zu segeln, wie ein gewöhnlicher Verbrecher, hatte er drei Viertel der Erde umrundet, um den amerikanischen Kontinent sicherer erreichen zu können; und dort würde er, nachdem er der Polizei entkommen wäre, in Ruhe das von der Bank gestohlene Vermögen genießen können. Doch was sollte er, Fix, einmal in den Vereinigten Staaten tun? Sollte er diesen Mann im Stich lassen? Nein, hundertmal nein! Bis seine Auslieferung gesichert war, würde er ihn keine Stunde lang aus den Augen verlieren. Es war seine Pflicht – und er würde sie bis zum Ende erfüllen. Jedenfalls gab es eines, wofür man dankbar sein konnte: Passepartout war nicht bei seinem Herrn; und nach den Enthüllungen, die Fix ihm gemacht hatte, war es von größter Wichtigkeit, dass der Diener niemals mit seinem Herrn sprechen durfte.
Auch Phileas Fogg dachte an Passepartout, der so seltsam verschwunden war. Wenn man die Sache von allen Seiten betrachtete, schien es ihm nicht unmöglich, dass der Mann aus irrtümlicherweise in letzter Minute an Bord der „Carnatic“ gegangen war; das war auch Aoudas Meinung – sie bedauerte sehr den Verlust dieses braven Mannes, dem sie so viel zu verdanken hatte. Dann könnten sie ihn vielleicht in Yokohama finden; denn wenn die „Carnatic“ ihn dorthin brachte, wäre es einfach, herauszufinden, ob er an Bord gewesen war.
Gegen zehn Uhr kam ein kräftiger Wind auf; doch obwohl es klug gewesen wäre, die Segel einzuholen, ließ der Steuermann, nachdem er den Himmel sorgfältig untersucht hatte, sie weiterhin ausgefahren.
Die Nacht brach an. Der Mond befand sich im ersten Viertel und sein unzureichendes Licht würde bald in dem Nebel am Horizont verschwinden. Wolken stiegen aus dem Osten auf und verdunkelten bereits einen Teil des Himmels.
Der Steuermann hatte seine Lichter angebracht – was in diesen von Schiffen, die ins Landesinnere fuhren, überfüllten Gewässern sehr notwendig war; denn Kollisionen kamen nicht selten vor, und bei der Geschwindigkeit, mit der das Boot fuhr, würde schon der geringste Stoß das kleine Boot zerstören.
Fix, der im Bug saß, widmete sich seinen Gedanken. Er hielt Abstand zu seinen Mitreisenden, da er die zurückhaltende Art von Herrn Fogg kannte; außerdem mochte er es nicht besonders, mit dem Mann zu sprechen, dessen Gunst er erhalten hatte. Er dachte auch an die Zukunft. Es schien sicher, dass Fogg nicht in Yokohama anhalten würde, sondern sofort mit dem Boot nach San Francisco aufbrechen würde; und die weite Ausdehnung Amerikas würde ihm Schutz und Sicherheit bieten. Foggens Plan erschien ihm als der einfachste der Welt. Anstatt direkt von England in die Vereinigten Staaten zu segeln, wie ein gewöhnlicher Verbrecher, hatte er drei Viertel der Erde umrundet, um den amerikanischen Kontinent sicherer erreichen zu können; und dort würde er, nachdem er der Polizei entkommen wäre, in Ruhe das von der Bank gestohlene Vermögen genießen können. Doch was sollte er, Fix, einmal in den Vereinigten Staaten tun? Sollte er diesen Mann im Stich lassen? Nein, hundertmal nein! Bis seine Auslieferung gesichert war, würde er ihn keine Stunde lang aus den Augen verlieren. Es war seine Pflicht – und er würde sie bis zum Ende erfüllen. Jedenfalls gab es eines, wofür man dankbar sein konnte: Passepartout war nicht bei seinem Herrn; und nach den Enthüllungen, die Fix ihm gemacht hatte, war es von größter Wichtigkeit, dass der Diener niemals mit seinem Herrn sprechen durfte.
Auch Phileas Fogg dachte an Passepartout, der so seltsam verschwunden war. Wenn man die Sache von allen Seiten betrachtete, schien es ihm nicht unmöglich, dass der Mann aus irrtümlicherweise in letzter Minute an Bord der „Carnatic“ gegangen war; das war auch Aoudas Meinung – sie bedauerte sehr den Verlust dieses braven Mannes, dem sie so viel zu verdanken hatte. Dann könnten sie ihn vielleicht in Yokohama finden; denn wenn die „Carnatic“ ihn dorthin brachte, wäre es einfach, herauszufinden, ob er an Bord gewesen war.
Gegen zehn Uhr kam ein kräftiger Wind auf; doch obwohl es klug gewesen wäre, die Segel einzuholen, ließ der Steuermann, nachdem er den Himmel sorgfältig untersucht hatte, sie weiterhin ausgefahren.
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Das Schiff blieb wie zuvor ausgerüstet. Die „Tankadere“ segelte hervorragend – sie nahm zwar viel Wasser auf, doch alles war für hohe Geschwindigkeit im Falle eines Sturms vorbereitet.
Herr Fogg und Aouda stiegen um Mitternacht in die Kabine hinab; bereits zuvor war Fix dort gewesen und hatte sich auf eines der Betten gelegt. Der Pilot sowie die Besatzung blieben die ganze Nacht über auf dem Deck.
Bei Sonnenaufgang am nächsten Tag, dem 8. November, hatte das Boot bereits mehr als hundert Meilen zurückgelegt. Das Logbuch zeigte eine durchschnittliche Geschwindigkeit von acht bis neun Meilen an. Die „Tankadere“ trug weiterhin alle Segel und erreichte damit ihre maximale Geschwindigkeit. Wenn der Wind so blieb, lagen die Chancen auf ihrer Seite. Tagsüber hielt das Boot sich entlang der Küste, wo die Strömungen günstig waren. Die Küste, deren Konturen unregelmäßig waren und manchmal durch Lücken sichtbar wurde, lag maximal fünf Meilen entfernt. Das Meer war weniger wellig, da der Wind vom Land kam – eine glückliche Umständ für das Boot, das aufgrund seiner geringen Tonnage unter starken Wellen leiden würde.
Gegen Mittag ließ der Wind etwas nach und wehte nun aus Südwesten. Der Pilot setzte die Masten hoch, nahm sie jedoch bereits nach zwei Stunden wieder herunter, da der Wind erneut an Stärke zunahm.
Herr Fogg und Aouda, die glücklicherweise nicht von der Unruhe des Meeres beeinträchtigt wurden, aßen mit gutem Appetit. Fix wurde eingeladen, an ihrem Mahl teilzunehmen – was er mit heimlichem Ärger annahm. Auf Kosten dieses Mannes zu reisen und von dessen Vorräten zu leben, gefiel ihm nicht. Dennoch musste er essen – also aß er.
Nach dem Essen zog er Herrn Fogg beiseite und sagte: „Sir“ – dieses Wort brannte auf seinen Lippen; er musste sich beherrschen, um diesen „Herrn“ nicht anzuschreien – „Sir, es war sehr freundlich von Ihnen, mir eine Überfahrt auf diesem Boot anzubieten. Doch obwohl meine Mittel es mir nicht erlauben, sie so frei auszugeben wie Sie, muss ich darum bitten, meinen Anteil zu bezahlen…“
„Lassen wir das, Sir“, antwortete Herr Fogg.
„Aber wenn ich darauf bestehe…“
„Nein, Sir“, wiederholte Herr Fogg in einem Ton, der keine weitere Antwort zuließ. „Das gehört zu meinen allgemeinen Ausgaben.“
Fix hatte beim Verbeugen ein Gefühl der Bitterkeit; anschließend zog er sich an einen Ort zurück, an dem er den Rest des Tages kein Wort mehr sprach.
Herr Fogg und Aouda stiegen um Mitternacht in die Kabine hinab; bereits zuvor war Fix dort gewesen und hatte sich auf eines der Betten gelegt. Der Pilot sowie die Besatzung blieben die ganze Nacht über auf dem Deck.
Bei Sonnenaufgang am nächsten Tag, dem 8. November, hatte das Boot bereits mehr als hundert Meilen zurückgelegt. Das Logbuch zeigte eine durchschnittliche Geschwindigkeit von acht bis neun Meilen an. Die „Tankadere“ trug weiterhin alle Segel und erreichte damit ihre maximale Geschwindigkeit. Wenn der Wind so blieb, lagen die Chancen auf ihrer Seite. Tagsüber hielt das Boot sich entlang der Küste, wo die Strömungen günstig waren. Die Küste, deren Konturen unregelmäßig waren und manchmal durch Lücken sichtbar wurde, lag maximal fünf Meilen entfernt. Das Meer war weniger wellig, da der Wind vom Land kam – eine glückliche Umständ für das Boot, das aufgrund seiner geringen Tonnage unter starken Wellen leiden würde.
Gegen Mittag ließ der Wind etwas nach und wehte nun aus Südwesten. Der Pilot setzte die Masten hoch, nahm sie jedoch bereits nach zwei Stunden wieder herunter, da der Wind erneut an Stärke zunahm.
Herr Fogg und Aouda, die glücklicherweise nicht von der Unruhe des Meeres beeinträchtigt wurden, aßen mit gutem Appetit. Fix wurde eingeladen, an ihrem Mahl teilzunehmen – was er mit heimlichem Ärger annahm. Auf Kosten dieses Mannes zu reisen und von dessen Vorräten zu leben, gefiel ihm nicht. Dennoch musste er essen – also aß er.
Nach dem Essen zog er Herrn Fogg beiseite und sagte: „Sir“ – dieses Wort brannte auf seinen Lippen; er musste sich beherrschen, um diesen „Herrn“ nicht anzuschreien – „Sir, es war sehr freundlich von Ihnen, mir eine Überfahrt auf diesem Boot anzubieten. Doch obwohl meine Mittel es mir nicht erlauben, sie so frei auszugeben wie Sie, muss ich darum bitten, meinen Anteil zu bezahlen…“
„Lassen wir das, Sir“, antwortete Herr Fogg.
„Aber wenn ich darauf bestehe…“
„Nein, Sir“, wiederholte Herr Fogg in einem Ton, der keine weitere Antwort zuließ. „Das gehört zu meinen allgemeinen Ausgaben.“
Fix hatte beim Verbeugen ein Gefühl der Bitterkeit; anschließend zog er sich an einen Ort zurück, an dem er den Rest des Tages kein Wort mehr sprach.
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In der Zwischenzeit machten sie bemerkenswerte Fortschritte, und John Bunsby hatte große Hoffnungen. Er versicherte Herrn Fogg mehrmals, dass sie rechtzeitig in Shanghai ankommen würden; darauf antwortete jener, er rechne damit. Die Besatzung arbeitete mit großer Entschlossenheit – angetrieben vom Versprechen einer Belohnung. Kein Segel wurde vernachlässigt, keine Takelung nicht sorgfältig behandelt; dem Steuermann konnte man keinen Fehler nachweisen. Sie arbeiteten so verbissen, als würden sie an einer Königlichen Yachtregatta teilnehmen.
Am Abend zeigte das Logbuch, dass bereits 220 Meilen von Hongkong zurückgelegt worden waren. Herr Fogg konnte hoffen, Yokohama ohne Verzögerungen erreichen zu können; in diesem Fall würden die vielen Unfälle, die ihm seit seinem Aufbruch aus London widerfahren waren, seine Reise nicht ernsthaft beeinträchtigen.
Die „Tankadere“ betrat in den frühen Morgenstunden die Straße von Fo-Kien, die die Insel Formosa von der chinesischen Küste trennt, und überquerte den Krebstropik. Das Meer in dieser Straße war sehr unruhig – voller Strudel, die durch Gegenströmungen entstanden. Die hohen Wellen störten die Fahrt, und es wurde sehr schwierig, auf dem Deck zu stehen.
Bei Tagesanbruch begann der Wind wieder stark zu wehen, und es schien, als würde ein Sturm bevorstehen. Der Barometer zeigte eine schnelle Veränderung an – der Quecksilberspiegel stieg und fiel unregelmäßig. Auch im Südosten bildeten sich hohe Wellen, was auf einen Sturm hindeutete. Am Vorabend war die Sonne in einem roten Nebel untergegangen, umgeben von phosphoreszierenden Funken des Ozeans.
John Bunsby betrachtete lange Zeit den bedrohlichen Himmel und murmelte unverständliche Worte vor sich hin. Schließlich sagte er leise zu Herrn Fogg: „Soll ich offen sprechen?“
„Natürlich.“
„Nun, wir werden einen Sturm bekommen.“
„Weht der Wind aus Norden oder Süden?“, fragte Herr Fogg leise.
„Aus Süden. Sehen Sie! Ein Taifun nähert sich.“
„Gut, dass es ein Taifun aus dem Süden ist – er wird uns vorantreiben.“
„Oh, wenn Sie es so sehen“, sagte John Bunsby, „habe ich nichts mehr zu sagen.“ Johns Befürchtungen bestätigten sich. Zu einer anderen Jahreszeit hätte der Taifun, laut einem berühmten Meteorologen, wie eine leuchtende Kaskade aus elektrischem Feuer vorbeiziehen können – doch im Winter…
Am Abend zeigte das Logbuch, dass bereits 220 Meilen von Hongkong zurückgelegt worden waren. Herr Fogg konnte hoffen, Yokohama ohne Verzögerungen erreichen zu können; in diesem Fall würden die vielen Unfälle, die ihm seit seinem Aufbruch aus London widerfahren waren, seine Reise nicht ernsthaft beeinträchtigen.
Die „Tankadere“ betrat in den frühen Morgenstunden die Straße von Fo-Kien, die die Insel Formosa von der chinesischen Küste trennt, und überquerte den Krebstropik. Das Meer in dieser Straße war sehr unruhig – voller Strudel, die durch Gegenströmungen entstanden. Die hohen Wellen störten die Fahrt, und es wurde sehr schwierig, auf dem Deck zu stehen.
Bei Tagesanbruch begann der Wind wieder stark zu wehen, und es schien, als würde ein Sturm bevorstehen. Der Barometer zeigte eine schnelle Veränderung an – der Quecksilberspiegel stieg und fiel unregelmäßig. Auch im Südosten bildeten sich hohe Wellen, was auf einen Sturm hindeutete. Am Vorabend war die Sonne in einem roten Nebel untergegangen, umgeben von phosphoreszierenden Funken des Ozeans.
John Bunsby betrachtete lange Zeit den bedrohlichen Himmel und murmelte unverständliche Worte vor sich hin. Schließlich sagte er leise zu Herrn Fogg: „Soll ich offen sprechen?“
„Natürlich.“
„Nun, wir werden einen Sturm bekommen.“
„Weht der Wind aus Norden oder Süden?“, fragte Herr Fogg leise.
„Aus Süden. Sehen Sie! Ein Taifun nähert sich.“
„Gut, dass es ein Taifun aus dem Süden ist – er wird uns vorantreiben.“
„Oh, wenn Sie es so sehen“, sagte John Bunsby, „habe ich nichts mehr zu sagen.“ Johns Befürchtungen bestätigten sich. Zu einer anderen Jahreszeit hätte der Taifun, laut einem berühmten Meteorologen, wie eine leuchtende Kaskade aus elektrischem Feuer vorbeiziehen können – doch im Winter…
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Man fürchtete, dass der Äquinox mit großer Gewalt über sie hereinbrechen würde. Der Pilot traf im Voraus alle Vorsichtsmaßnahmen: Er setzte alle Segel ein, die Masten wurden entfernt; alle Besatzungsmitglieder gingen nach vorne an die Bugseite. Ein einzelnes dreieckiges Segel aus robustem Stoff wurde als Sturmsegel gesetzt, um den Wind von hinten abzuwehren. Dann warteten sie.
John Bunsby bat seine Passagiere, unter Deck zu gehen – doch diese Enge, das schlechte Klima sowie das Hin- und Herwerfen des Bootes im Sturm waren alles andere als angenehm. Weder Herr Fogg noch Fix noch Aouda wollten das Deck verlassen.
Gegen acht Uhr brach der Sturm mit Regen und Wind über sie herein. Mit nur diesem kleinen Segel wurde die „Tankadere“ vom Wind wie eine Feder emporgehoben – man kann sich kaum vorstellen, wie heftig dieser Wind war. Ihre Geschwindigkeit zu beschreiben als viermal so hoch wie die einer Lokomotive bei voller Dampfkraft wäre eine Untertreibung.
Das Boot trieb den ganzen Tag über nach Norden, getragen von riesigen Wellen – glücklicherweise behielt es stets eine Geschwindigkeit, die der der Wellen entsprach. Zwanzigmal schien es, als würde das Boot von diesen Wassermassen verschlungen werden; doch die geschickte Handhabung des Piloten rettete es. Die Passagiere wurden oft von Gischt überschüttet, doch sie ertrugen dies gelassen. Fix verfluchte den Sturm – doch Aouda, deren Augen auf ihren Beschützer gerichtet waren, dessen Gelassenheit sie bewunderte, erwies sich als würdig seiner und überstand den Sturm tapfer. Was Phileas Fogg betraf, so schien es, als wäre der Taifun einfach Teil seines Plans.
Bis dahin hatte die „Tankadere“ stets Kurs nach Norden gehalten – doch gegen Abend änderte der Wind seine Richtung und wehte nun aus Nordwesten. Das Boot, das nun in den Tälern zwischen den Wellen lag, bebte und rollte entsetzlich; das Meer traf es mit schrecklicher Wucht. In der Nacht nahm der Sturm an Heftigkeit zu. John Bunsby sah mit großer Sorge der Dunkelheit und dem zunehmenden Sturm entgegen. Nach kurzem Nachdenken fragte er seine Besatzung, ob es nicht an der Zeit sei, die Geschwindigkeit zu verringern. Nach Beratung wandte er sich an Herrn Fogg und sagte: „Ich denke, mein Herr, wir sollten besser eines der Häfen an der Küste ansteuern.“
„Ich auch“, antwortete Herr Fogg.
„Ah!“, sagte der Pilot. „Aber welchen?“
John Bunsby bat seine Passagiere, unter Deck zu gehen – doch diese Enge, das schlechte Klima sowie das Hin- und Herwerfen des Bootes im Sturm waren alles andere als angenehm. Weder Herr Fogg noch Fix noch Aouda wollten das Deck verlassen.
Gegen acht Uhr brach der Sturm mit Regen und Wind über sie herein. Mit nur diesem kleinen Segel wurde die „Tankadere“ vom Wind wie eine Feder emporgehoben – man kann sich kaum vorstellen, wie heftig dieser Wind war. Ihre Geschwindigkeit zu beschreiben als viermal so hoch wie die einer Lokomotive bei voller Dampfkraft wäre eine Untertreibung.
Das Boot trieb den ganzen Tag über nach Norden, getragen von riesigen Wellen – glücklicherweise behielt es stets eine Geschwindigkeit, die der der Wellen entsprach. Zwanzigmal schien es, als würde das Boot von diesen Wassermassen verschlungen werden; doch die geschickte Handhabung des Piloten rettete es. Die Passagiere wurden oft von Gischt überschüttet, doch sie ertrugen dies gelassen. Fix verfluchte den Sturm – doch Aouda, deren Augen auf ihren Beschützer gerichtet waren, dessen Gelassenheit sie bewunderte, erwies sich als würdig seiner und überstand den Sturm tapfer. Was Phileas Fogg betraf, so schien es, als wäre der Taifun einfach Teil seines Plans.
Bis dahin hatte die „Tankadere“ stets Kurs nach Norden gehalten – doch gegen Abend änderte der Wind seine Richtung und wehte nun aus Nordwesten. Das Boot, das nun in den Tälern zwischen den Wellen lag, bebte und rollte entsetzlich; das Meer traf es mit schrecklicher Wucht. In der Nacht nahm der Sturm an Heftigkeit zu. John Bunsby sah mit großer Sorge der Dunkelheit und dem zunehmenden Sturm entgegen. Nach kurzem Nachdenken fragte er seine Besatzung, ob es nicht an der Zeit sei, die Geschwindigkeit zu verringern. Nach Beratung wandte er sich an Herrn Fogg und sagte: „Ich denke, mein Herr, wir sollten besser eines der Häfen an der Küste ansteuern.“
„Ich auch“, antwortete Herr Fogg.
„Ah!“, sagte der Pilot. „Aber welchen?“
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„Ich kenne nur einen“, erwiderte Herr Fogg ruhig.
„Und das ist –“
„Shanghai.“
Der Pilot schien zunächst nicht zu verstehen; er konnte kaum so viel Entschlossenheit und Ausdauer begreifen. Dann rief er: „Nun – ja! Sie haben recht. Nach Shanghai!“
So setzte die „Tankadere“ ihren Kurs nach Norden fort.
Die Nacht war wirklich schrecklich; es wäre ein Wunder gewesen, wenn das Schiff nicht gesunken wäre. Zweimal hätte alles vorbei sein können, wenn die Besatzung nicht ständig wach geblieben wäre. Aouda war erschöpft, doch sie beschwerte sich nicht. Mehrmals eilte Herr Fogg herbei, um sie vor der Gewalt der Wellen zu schützen.
Es wurde Tag. Der Sturm tobte weiterhin mit unverminderter Heftigkeit; doch der Wind wehte nun wieder aus Südost. Das war eine günstige Veränderung – die „Tankadere“ konnte wieder vorwärtsfahren, obwohl die Wellen aufeinanderprallten und Erschütterungen verursachten, die ein weniger stabiles Schiff zerstört hätten. Von Zeit zu Zeit war die Küste durch den zerstreuten Nebel sichtbar – doch es war kein Schiff in Sicht. Die „Tankadere“ war allein auf dem Meer.
Um Mittag zeigten sich Anzeichen für Ruhe – diese wurden immer deutlicher, je mehr die Sonne zum Horizont sank. Der Sturm war genauso kurz wie schrecklich gewesen. Die Passagiere, völlig erschöpft, konnten nun etwas essen und sich ausruhen.
Die Nacht verlief relativ ruhig. Einige Segel wurden wieder gehisst – die Geschwindigkeit des Schiffes war sehr gut. Am nächsten Morgen bei Tagesanbruch entdeckten sie die Küste. John Bunsby konnte behaupten, dass sie nicht einmal hundert Meilen von Shanghai entfernt seien. Hundert Meilen – und nur ein Tag, um diese Strecke zurückzulegen! Genau an diesem Abend sollte Herr Fogg in Shanghai ankommen, falls er den Dampfer nach Yokohama nicht verpassen wollte. Hätte es keinen Sturm gegeben, bei dem mehrere Stunden verloren gingen, wären sie jetzt bereits innerhalb von dreißig Meilen ihres Ziels.
Der Wind wurde deutlich ruhiger – glücklicherweise beruhigte sich auch das Meer. Alle Segel wurden nun gehisst – um Mittag lag die „Tankadere“ nur noch vierzigfünf Meilen von Shanghai entfernt. Es blieben noch sechs Stunden, um diese Strecke zurückzulegen. Alle an Bord fürchteten, dass es nicht möglich sein würde – doch jeder…
„Und das ist –“
„Shanghai.“
Der Pilot schien zunächst nicht zu verstehen; er konnte kaum so viel Entschlossenheit und Ausdauer begreifen. Dann rief er: „Nun – ja! Sie haben recht. Nach Shanghai!“
So setzte die „Tankadere“ ihren Kurs nach Norden fort.
Die Nacht war wirklich schrecklich; es wäre ein Wunder gewesen, wenn das Schiff nicht gesunken wäre. Zweimal hätte alles vorbei sein können, wenn die Besatzung nicht ständig wach geblieben wäre. Aouda war erschöpft, doch sie beschwerte sich nicht. Mehrmals eilte Herr Fogg herbei, um sie vor der Gewalt der Wellen zu schützen.
Es wurde Tag. Der Sturm tobte weiterhin mit unverminderter Heftigkeit; doch der Wind wehte nun wieder aus Südost. Das war eine günstige Veränderung – die „Tankadere“ konnte wieder vorwärtsfahren, obwohl die Wellen aufeinanderprallten und Erschütterungen verursachten, die ein weniger stabiles Schiff zerstört hätten. Von Zeit zu Zeit war die Küste durch den zerstreuten Nebel sichtbar – doch es war kein Schiff in Sicht. Die „Tankadere“ war allein auf dem Meer.
Um Mittag zeigten sich Anzeichen für Ruhe – diese wurden immer deutlicher, je mehr die Sonne zum Horizont sank. Der Sturm war genauso kurz wie schrecklich gewesen. Die Passagiere, völlig erschöpft, konnten nun etwas essen und sich ausruhen.
Die Nacht verlief relativ ruhig. Einige Segel wurden wieder gehisst – die Geschwindigkeit des Schiffes war sehr gut. Am nächsten Morgen bei Tagesanbruch entdeckten sie die Küste. John Bunsby konnte behaupten, dass sie nicht einmal hundert Meilen von Shanghai entfernt seien. Hundert Meilen – und nur ein Tag, um diese Strecke zurückzulegen! Genau an diesem Abend sollte Herr Fogg in Shanghai ankommen, falls er den Dampfer nach Yokohama nicht verpassen wollte. Hätte es keinen Sturm gegeben, bei dem mehrere Stunden verloren gingen, wären sie jetzt bereits innerhalb von dreißig Meilen ihres Ziels.
Der Wind wurde deutlich ruhiger – glücklicherweise beruhigte sich auch das Meer. Alle Segel wurden nun gehisst – um Mittag lag die „Tankadere“ nur noch vierzigfünf Meilen von Shanghai entfernt. Es blieben noch sechs Stunden, um diese Strecke zurückzulegen. Alle an Bord fürchteten, dass es nicht möglich sein würde – doch jeder…
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Phileas Fogg natürlich ausgenommen – spürte, wie sein Herz vor Ungeduld pochte. Das Boot musste eine Durchschnittsgeschwindigkeit von neun Meilen pro Stunde halten, und der Wind wurde von Moment zu Moment ruhiger! Es handelte sich um einen launischen Wind, der von der Küste kam; nachdem er vorbeigezogen war, wurde die See glatt. Dennoch war die „Tankadere“ so leicht, und ihre feinen Segel nutzten die wechselhaften Brisen so gut aus, dass John Bunsby mit Hilfe der Strömungen um sechs Uhr nicht mehr als zehn Meilen von der Mündung des Jangtse-Flusses entfernt war. Shanghai selbst liegt mindestens zwölf Meilen flussaufwärts. Um sieben Uhr waren sie immer noch drei Meilen von Shanghai entfernt. Der Pilot schwor wütend; die Belohnung von zweihundert Pfund schien ihm offensichtlich zu entgleiten. Er blickte zu Herrn Fogg hinüber. Herr Fogg blieb völlig ruhig – obwohl in diesem Moment sein ganzes Vermögen auf dem Spiel stand.
In diesem Moment tauchte am Horizont ein langer schwarzer Schornstein auf, der von Rauchwolken umkränzt war. Es handelte sich um das amerikanische Dampfschiff, das zur vereinbarten Zeit nach Yokohama aufbrach.
„Verdammt nochmal!“, rief John Bunsby und stieß das Ruder mit einem verzweifelten Ruck zurück.
„Senden Sie ein Signal!“, sagte Phileas Fogg ruhig.
Auf dem Vorderdeck der „Tankadere“ befand sich eine kleine Messingkanone zum Senden von Signalen im Nebel. Sie war bereits geladen; doch gerade als der Pilot dabei war, ein glühendes Kohlestück an den Zünder zu setzen, sagte Herr Fogg: „Hissen Sie die Flagge!“
Die Flagge wurde halb gesenkt – und da dies ein Notsignal war, hoffte man, dass das amerikanische Dampfschiff es bemerken und seinen Kurs etwas ändern würde, um dem Boot zu helfen.
„Feuern!“, sagte Herr Fogg. Und das Dröhnen der kleinen Kanone hallte durch die Luft.
In diesem Moment tauchte am Horizont ein langer schwarzer Schornstein auf, der von Rauchwolken umkränzt war. Es handelte sich um das amerikanische Dampfschiff, das zur vereinbarten Zeit nach Yokohama aufbrach.
„Verdammt nochmal!“, rief John Bunsby und stieß das Ruder mit einem verzweifelten Ruck zurück.
„Senden Sie ein Signal!“, sagte Phileas Fogg ruhig.
Auf dem Vorderdeck der „Tankadere“ befand sich eine kleine Messingkanone zum Senden von Signalen im Nebel. Sie war bereits geladen; doch gerade als der Pilot dabei war, ein glühendes Kohlestück an den Zünder zu setzen, sagte Herr Fogg: „Hissen Sie die Flagge!“
Die Flagge wurde halb gesenkt – und da dies ein Notsignal war, hoffte man, dass das amerikanische Dampfschiff es bemerken und seinen Kurs etwas ändern würde, um dem Boot zu helfen.
„Feuern!“, sagte Herr Fogg. Und das Dröhnen der kleinen Kanone hallte durch die Luft.
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KAPITEL XXII.
In dem Passepartout herausfindet, dass
selbst am Antipoden es nützlich ist,
einen kleinen Geldbetrag in der Tasche zu haben.
Die „Carnatic“ legte am 7. November um halb sieben von Hongkong aus ab und steuerte mit voller Geschwindigkeit auf Japan zu. Sie transportierte eine große Ladung sowie viele Passagiere. Zwei Kabinen im Heck waren jedoch unbesetzt – jene, die Phileas Fogg gebucht hatte.
Am nächsten Tag wurde ein Passagier mit halb geschlossenen Augen, unsicheren Schritten und zerzaustem Haar gesehen, wie er aus der zweiten Kabine kam und taumelnd zu einem Sitzplatz auf dem Deck ging. Es war Passepartout. Was ihm zugestoßen war, war folgendes:
Kurz nachdem Fix den Opiumladen verlassen hatte, hoben zwei Kellner den bewusstlosen Passepartout hoch und trugen ihn zum Bett, das für Raucher vorgesehen war. Drei Stunden später wachte der arme Mann auf – verfolgt selbst in seinen Träumen von einem festen Gedanken – und kämpfte gegen die betäubende Wirkung des Betäubungsmittels an. Der Gedanke an eine unerfüllte Pflicht ließ ihn aus seiner Lethargie erwachen. Er eilte aus diesem Ort des Rausches hinaus. Taumelnd, sich an den Wänden stützend, wieder hinfallend und anschließend wieder aufstehend, rief er immer wieder: „Die ‚Carnatic!‘ Die ‚Carnatic!‘“
Das Dampfschiff lag bereits neben dem Kai und stand kurz davor, abzulegen. Passepartout hatte nur noch wenige Schritte vor sich; er rannte auf die Planke, überquerte sie und fiel bewusstlos auf das Deck – genau in dem Moment, als die „Carnatic“ abfuhr. Einige Seeleute, die offensichtlich an solche Szenen gewöhnt waren, trugen den armen Franzosen in die zweite Kabine.
In dem Passepartout herausfindet, dass
selbst am Antipoden es nützlich ist,
einen kleinen Geldbetrag in der Tasche zu haben.
Die „Carnatic“ legte am 7. November um halb sieben von Hongkong aus ab und steuerte mit voller Geschwindigkeit auf Japan zu. Sie transportierte eine große Ladung sowie viele Passagiere. Zwei Kabinen im Heck waren jedoch unbesetzt – jene, die Phileas Fogg gebucht hatte.
Am nächsten Tag wurde ein Passagier mit halb geschlossenen Augen, unsicheren Schritten und zerzaustem Haar gesehen, wie er aus der zweiten Kabine kam und taumelnd zu einem Sitzplatz auf dem Deck ging. Es war Passepartout. Was ihm zugestoßen war, war folgendes:
Kurz nachdem Fix den Opiumladen verlassen hatte, hoben zwei Kellner den bewusstlosen Passepartout hoch und trugen ihn zum Bett, das für Raucher vorgesehen war. Drei Stunden später wachte der arme Mann auf – verfolgt selbst in seinen Träumen von einem festen Gedanken – und kämpfte gegen die betäubende Wirkung des Betäubungsmittels an. Der Gedanke an eine unerfüllte Pflicht ließ ihn aus seiner Lethargie erwachen. Er eilte aus diesem Ort des Rausches hinaus. Taumelnd, sich an den Wänden stützend, wieder hinfallend und anschließend wieder aufstehend, rief er immer wieder: „Die ‚Carnatic!‘ Die ‚Carnatic!‘“
Das Dampfschiff lag bereits neben dem Kai und stand kurz davor, abzulegen. Passepartout hatte nur noch wenige Schritte vor sich; er rannte auf die Planke, überquerte sie und fiel bewusstlos auf das Deck – genau in dem Moment, als die „Carnatic“ abfuhr. Einige Seeleute, die offensichtlich an solche Szenen gewöhnt waren, trugen den armen Franzosen in die zweite Kabine.
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Passepartout wachte erst auf, als sie hundertfünfzig Meilen von China entfernt waren. So fand er sich am nächsten Morgen auf dem Deck der „Carnatic“ wieder und atmete gierig die erfrischende Seeluft ein. Die reine Luft klärte seinen Verstand. Er versuchte, seine Sinne wieder zu sammeln – was ihm jedoch schwerfiel. Schließlich erinnerte er sich an die Ereignisse des Vorabends, an Fix’ Enthüllungen sowie an das Opiumhaus.
„Es ist offensichtlich“, sagte er zu sich selbst, „dass ich schrecklich betrunken war! Was wird Herr Fogg sagen? Zumindest habe ich den Dampfer nicht verpasst – das ist das Wichtigste.“ Dann fiel ihm Fix ein: „Was diesen Schurken angeht, so hoffe ich, wir sind endlich von ihm befreit – und dass er es nicht gewagt hat, uns wie vorgeschlagen an Bord der ‚Carnatic‘ zu folgen. Ein Detektiv, der Herrn Fogg verfolgt – wegen des Vorwurfs, die Bank of England ausgeraubt zu haben! Pah! Herr Fogg ist kein Räuber – genauso wenig wie ich ein Mörder bin.“
Sollte er seinem Herrn Fix’ wahren Auftrag verraten? Würde es helfen, von der Rolle zu erzählen, die der Detektiv spielte? Wäre es nicht besser, bis Herr Fogg wieder in London ankam zu warten, um ihm dann mitzuteilen, dass ein Agent der Metropolitan Police ihn um die Welt verfolgt hatte – und darüber gemeinsam zu lachen? Zweifellos – zumindest lohnte es sich, darüber nachzudenken. Das Wichtigste war zunächst, Herrn Fogg zu finden und sich für sein seltsames Verhalten zu entschuldigen.
Passepartout stand auf und ging, so gut es mit den Schwankungen des Dampfers möglich war, auf das Heckdeck. Er sah niemanden, der seinem Herrn oder Aouda ähnelte. „Gut!“, murmelte er. „Aouda ist noch nicht aufgestanden – und Herr Fogg hat wahrscheinlich bereits Partner zum Whist gefunden.“
Er stieg in den Salon hinunter. Herr Fogg war dort nicht. Passepartout musste den Schiffskaufmann nur nach der Nummer des Kabinenraums seines Herrn fragen. Der Kaufmann antwortete, er kenne keinen Passagier namens Fogg.
„Verzeihen Sie“, sagte Passepartout beharrlich. „Es handelt sich um einen großen, ruhigen Herrn, der nicht sehr gesprächig ist – und er hat eine junge Dame bei sich…“
„Es gibt keine junge Dame an Bord“, unterbrach ihn der Kaufmann. „Hier ist eine Liste der Passagiere – Sie können selbst nachsehen.“
Passepartout überflog die Liste – doch der Name seines Herrn stand darauf nicht. Plötzlich kam ihm eine Idee.
„Ah! Bin ich wirklich auf der ‚Carnatic‘?“
„Ja.“
„Es ist offensichtlich“, sagte er zu sich selbst, „dass ich schrecklich betrunken war! Was wird Herr Fogg sagen? Zumindest habe ich den Dampfer nicht verpasst – das ist das Wichtigste.“ Dann fiel ihm Fix ein: „Was diesen Schurken angeht, so hoffe ich, wir sind endlich von ihm befreit – und dass er es nicht gewagt hat, uns wie vorgeschlagen an Bord der ‚Carnatic‘ zu folgen. Ein Detektiv, der Herrn Fogg verfolgt – wegen des Vorwurfs, die Bank of England ausgeraubt zu haben! Pah! Herr Fogg ist kein Räuber – genauso wenig wie ich ein Mörder bin.“
Sollte er seinem Herrn Fix’ wahren Auftrag verraten? Würde es helfen, von der Rolle zu erzählen, die der Detektiv spielte? Wäre es nicht besser, bis Herr Fogg wieder in London ankam zu warten, um ihm dann mitzuteilen, dass ein Agent der Metropolitan Police ihn um die Welt verfolgt hatte – und darüber gemeinsam zu lachen? Zweifellos – zumindest lohnte es sich, darüber nachzudenken. Das Wichtigste war zunächst, Herrn Fogg zu finden und sich für sein seltsames Verhalten zu entschuldigen.
Passepartout stand auf und ging, so gut es mit den Schwankungen des Dampfers möglich war, auf das Heckdeck. Er sah niemanden, der seinem Herrn oder Aouda ähnelte. „Gut!“, murmelte er. „Aouda ist noch nicht aufgestanden – und Herr Fogg hat wahrscheinlich bereits Partner zum Whist gefunden.“
Er stieg in den Salon hinunter. Herr Fogg war dort nicht. Passepartout musste den Schiffskaufmann nur nach der Nummer des Kabinenraums seines Herrn fragen. Der Kaufmann antwortete, er kenne keinen Passagier namens Fogg.
„Verzeihen Sie“, sagte Passepartout beharrlich. „Es handelt sich um einen großen, ruhigen Herrn, der nicht sehr gesprächig ist – und er hat eine junge Dame bei sich…“
„Es gibt keine junge Dame an Bord“, unterbrach ihn der Kaufmann. „Hier ist eine Liste der Passagiere – Sie können selbst nachsehen.“
Passepartout überflog die Liste – doch der Name seines Herrn stand darauf nicht. Plötzlich kam ihm eine Idee.
„Ah! Bin ich wirklich auf der ‚Carnatic‘?“
„Ja.“
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„Auf dem Weg nach Yokohama?“
„Sicherlich.“
Für einen Moment fürchtete Passepartout, er sei auf dem falschen Schiff; doch obwohl er tatsächlich auf der „Carnatic“ war, war sein Herr nicht dort. Er sank wie vom Donner getroffen auf einen Stuhl. Jetzt verstand er alles. Er erinnerte sich daran, dass die Abfahrtszeit geändert worden war, dass er seinen Herrn darüber informieren sollte hatte – und dass er es nicht getan hatte. Es war also seine Schuld, dass Mr. Fogg und Aouda den Dampfer verpasst hatten. Ja, aber noch mehr war es die Schuld des Verräters, der ihn dazu verleitet hatte, sich zu betrinken, um ihn von seinem Herrn zu trennen und diesen in Hongkong festzuhalten! Jetzt durchschaute er den Trick des Detektivs; in diesem Moment war Mr. Fogg sicherlich ruiniert, sein Wettgewinn verloren – und er selbst vielleicht verhaftet und ins Gefängnis geworfen! Bei diesem Gedanken riss sich Passepartout die Haare aus. Ach, wenn nur Fix jemals in seine Reichweite käme – dann gäbe es eine ordentliche Abrechnung!
Nach seiner ersten Verzweiflung wurde Passepartout ruhiger und begann, seine Situation zu überdenken. Sie war sicherlich nicht beneidenswert. Er befand sich auf dem Weg nach Japan – was sollte er dort tun? Seine Taschen waren leer; er hatte keinen einzigen Shilling, nicht einmal einen Penny. Glücklicherweise war seine Reise bereits im Voraus bezahlt worden; er hatte fünf oder sechs Tage Zeit, um über seine weitere Zukunft zu entscheiden. Beim Essen aß er mit großem Appetit – für Mr. Fogg, Aouda und sich selbst. Er nahm sich so großzügig, als wäre Japan eine Wüste, in der man nichts zu essen finden würde.
Am Morgen des 13. betrat die „Carnatic“ den Hafen von Yokohama. Dies ist ein wichtiger Anlegeplatz im Pazifik, an dem alle Postdampfer sowie diejenigen, die Reisende zwischen Nordamerika, China, Japan und den östlichen Inseln transportieren, anlegen. Er liegt in der Bucht von Yeddo, in unmittelbarer Nähe zur zweiten Hauptstadt des japanischen Reiches sowie zum Wohnsitz des Zaren, des weltlichen Kaisers – bevor der spirituelle Kaiser, der Mikado, dessen Aufgaben in seine eigenen aufnahm. Die „Carnatic“ legte am Kai in der Nähe der Zollbehörde an, umgeben von einer Menge von Schiffen mit den Flaggen aller Nationen.
Passepartout ging zögernd an Land in diesem so seltsamen Gebiet der Söhne der Sonne. Er hatte nichts Besseres zu tun, als sein Glück als Führer zu versuchen und ziellos durch die Straßen von Yokohama zu wandern. Zuerst befand er sich in einem rein europäischen Viertel – die Häuser hatten niedrige Fassaden und…
„Sicherlich.“
Für einen Moment fürchtete Passepartout, er sei auf dem falschen Schiff; doch obwohl er tatsächlich auf der „Carnatic“ war, war sein Herr nicht dort. Er sank wie vom Donner getroffen auf einen Stuhl. Jetzt verstand er alles. Er erinnerte sich daran, dass die Abfahrtszeit geändert worden war, dass er seinen Herrn darüber informieren sollte hatte – und dass er es nicht getan hatte. Es war also seine Schuld, dass Mr. Fogg und Aouda den Dampfer verpasst hatten. Ja, aber noch mehr war es die Schuld des Verräters, der ihn dazu verleitet hatte, sich zu betrinken, um ihn von seinem Herrn zu trennen und diesen in Hongkong festzuhalten! Jetzt durchschaute er den Trick des Detektivs; in diesem Moment war Mr. Fogg sicherlich ruiniert, sein Wettgewinn verloren – und er selbst vielleicht verhaftet und ins Gefängnis geworfen! Bei diesem Gedanken riss sich Passepartout die Haare aus. Ach, wenn nur Fix jemals in seine Reichweite käme – dann gäbe es eine ordentliche Abrechnung!
Nach seiner ersten Verzweiflung wurde Passepartout ruhiger und begann, seine Situation zu überdenken. Sie war sicherlich nicht beneidenswert. Er befand sich auf dem Weg nach Japan – was sollte er dort tun? Seine Taschen waren leer; er hatte keinen einzigen Shilling, nicht einmal einen Penny. Glücklicherweise war seine Reise bereits im Voraus bezahlt worden; er hatte fünf oder sechs Tage Zeit, um über seine weitere Zukunft zu entscheiden. Beim Essen aß er mit großem Appetit – für Mr. Fogg, Aouda und sich selbst. Er nahm sich so großzügig, als wäre Japan eine Wüste, in der man nichts zu essen finden würde.
Am Morgen des 13. betrat die „Carnatic“ den Hafen von Yokohama. Dies ist ein wichtiger Anlegeplatz im Pazifik, an dem alle Postdampfer sowie diejenigen, die Reisende zwischen Nordamerika, China, Japan und den östlichen Inseln transportieren, anlegen. Er liegt in der Bucht von Yeddo, in unmittelbarer Nähe zur zweiten Hauptstadt des japanischen Reiches sowie zum Wohnsitz des Zaren, des weltlichen Kaisers – bevor der spirituelle Kaiser, der Mikado, dessen Aufgaben in seine eigenen aufnahm. Die „Carnatic“ legte am Kai in der Nähe der Zollbehörde an, umgeben von einer Menge von Schiffen mit den Flaggen aller Nationen.
Passepartout ging zögernd an Land in diesem so seltsamen Gebiet der Söhne der Sonne. Er hatte nichts Besseres zu tun, als sein Glück als Führer zu versuchen und ziellos durch die Straßen von Yokohama zu wandern. Zuerst befand er sich in einem rein europäischen Viertel – die Häuser hatten niedrige Fassaden und…
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Überzogen mit Veranden, unter denen er einen Blick auf ordentliche Peristyle werfen konnte. Dieses Viertel nahm mit seinen Straßen, Plätzen, Docks und Lagerhäusern den gesamten Raum zwischen dem „Vorsprung des Vertrags“ und dem Fluss ein. Hier, wie auch in Hongkong und Kalkutta, befanden sich gemischte Menschenmengen aller Rassen – Amerikaner und Engländer, Chinesen und Niederländer, meist Händler, die bereit waren, alles zu kaufen oder zu verkaufen. Der Franzose fühlte sich unter ihnen genauso allein, als wäre er mitten unter Hottentotten gelandet. Er hatte zumindest eine Möglichkeit – er konnte die französischen und englischen Konsuln in Yokohama um Hilfe bitten. Doch er zögerte, von seinen Abenteuern zu erzählen, da diese eng mit denen seines Herrn verbunden waren; daher beschloss er, zunächst alle anderen Hilfsmittel auszuprobieren. Da das Schicksal ihm im europäischen Viertel nicht hold war, drang er in das von den einheimischen Japanern bewohnte Viertel ein, entschlossen, falls nötig, weiter nach Edo vorzudringen. Das japanische Viertel von Yokohama wird Benten genannt – nach der Meeresgöttin, die auf den umliegenden Inseln verehrt wird. Dort sah Passepartout wunderschöne Fichten- und Zedernwälder, heilige Tore von außergewöhnlicher Architektur, Brücken, halb versteckt zwischen Bambus und Schilf, Tempel, die von riesigen Zedernbäumen überschattet wurden, heilige Orte, an denen buddhistische Priester und Anhänger Konfuzius Schutz fanden, sowie endlose Straßen, auf denen man eine Unmenge von Kindern mit rosafarbenem Teint und roten Wangen sehen konnte – Kinder, die aussahen, als wären sie aus japanischen Bildschirmen ausgeschnitten worden, und die mitten unter kurznasigen Pudeln und gelblichen Katzen spielten. Die Straßen waren voller Menschen. Priester zogen in Prozessionen vorbei und schlugen auf ihre düster klingenden Trommeln; Polizisten und Zollbeamte mit spitz zulaufenden Hüten, verziert mit Lack, trugen zwei Säbel an ihren Gürteln; Soldaten in blauer Baumwolle mit weißen Streifen, bewaffnet mit Gewehren; die Wachen des Mikado, eingehüllt in Seidenröcke, Helme und Rüstungen; sowie zahlreiche Militärs aller Ränge – denn der Militärberuf wird in Japan genauso respektiert wie in China verachtet – gingen in Gruppen und Paaren hin und her. Passepartout sah auch bettelnde Mönche, pilgernde Männer in langen Roben sowie einfache Zivilisten mit verdrehtem, pechschwarzem Haar, großen Köpfen, langen Oberkörpern, schlanken Beinen, kleiner Statur sowie Hautfarben, die von kupferfarben bis zu totenweiß reichten – niemals jedoch gelb, wie bei den Chinesen, von denen die Japaner sich stark unterscheiden. Er bemerkte auch die seltsamen Transportmittel – Kutschen und Palankine, Karren mit Segeln sowie Tragen aus Bambus – sowie die Frauen – von denen er dachte…
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Besonders attraktiv – sie machten kleine Schritte mit ihren kleinen Füßen, an denen sie Leinenschuhe, Strohsandalen sowie Holzschuhe trugen. Sie hatten eng stehende Augen, flache Brüste, Zähne, die modisch schwarz gefärbt waren, sowie Kleider, die mit Seidenschals verziert waren und hinten in einem riesigen Knoten gebunden wurden – hinter einem Schmuckstück, das die modernen Pariserinnen anscheinend von den Damen Japans übernommen haben.
Passepartout wanderte mehrere Stunden lang inmitten dieser bunt gemischten Menge umher, schaute in die Fenster der reichen und interessanten Läden, in die Juweliergeschäfte, die mit exotischen japanischen Verzierungen glänzten, in die Restaurants, die mit Bannern und Girlanden geschmückt waren, in die Teestuben, wo man den duftenden Tee zusammen mit „Saki“ trank – einem aus Reis fermentierten Getränk – sowie in die gemütlichen Rauchzimmer, in denen man nicht Opium rauchte, das in Japan fast unbekannt ist, sondern einen sehr feinen, fadenartigen Tabak. Er ging weiter, bis er sich schließlich auf den Feldern befand, mitten in riesigen Reisplantagen. Dort sah er prächtige Kamelien, deren Blüten ihre letzten Farben und Düfte abgaben – nicht auf Sträuchern, sondern auf Bäumen. In Bambuszaunen wuchsen Kirsch-, Pflaumen- und Apfelbäume, die die Japaner eher wegen ihrer Blüten als wegen ihrer Früchte anbauen. Sie wurden von seltsam geformten, grinsenden Vogelscheuchen vor Spatzen, Tauben, Raben und anderen gierigen Vögeln geschützt. Auf den Ästen der Zedern saßen große Adler; zwischen den Blättern der Weiden standen Reiher, die ernsthaft auf einem Bein verharrten. Überall gab es Krähen, Enten, Falken, Wildvögel sowie zahlreiche Kraniche, die die Japaner für heilig halten und die in ihren Augen Langlebigkeit und Wohlstand symbolisieren.
Während er spazierenging, entdeckte Passepartout einige Veilchen unter den Sträuchern.
„Gut!“, sagte er. „Ich werde etwas zu essen bekommen.“ Doch als er sie roch, stellte er fest, dass sie geruchlos waren.
„Keine Chance“, dachte er.
Der gute Mann hatte sicherlich darauf geachtet, vor dem Verlassen des „Carnatic“ ein möglichst sättigendes Frühstück zu essen. Doch da er den ganzen Tag lang herumgelaufen war, wurden die Hungergefühle immer dringender. Er bemerkte, dass die Metzgereiläden weder Lamm-, Ziegen- noch Schweinefleisch enthielten. Da er außerdem wusste, dass es eine Sünde ist, Rinder zu töten, die ausschließlich zur Landwirtschaft verwendet werden, beschloss er, dass Fleisch bei weitem nicht verfügbar sei.
Passepartout wanderte mehrere Stunden lang inmitten dieser bunt gemischten Menge umher, schaute in die Fenster der reichen und interessanten Läden, in die Juweliergeschäfte, die mit exotischen japanischen Verzierungen glänzten, in die Restaurants, die mit Bannern und Girlanden geschmückt waren, in die Teestuben, wo man den duftenden Tee zusammen mit „Saki“ trank – einem aus Reis fermentierten Getränk – sowie in die gemütlichen Rauchzimmer, in denen man nicht Opium rauchte, das in Japan fast unbekannt ist, sondern einen sehr feinen, fadenartigen Tabak. Er ging weiter, bis er sich schließlich auf den Feldern befand, mitten in riesigen Reisplantagen. Dort sah er prächtige Kamelien, deren Blüten ihre letzten Farben und Düfte abgaben – nicht auf Sträuchern, sondern auf Bäumen. In Bambuszaunen wuchsen Kirsch-, Pflaumen- und Apfelbäume, die die Japaner eher wegen ihrer Blüten als wegen ihrer Früchte anbauen. Sie wurden von seltsam geformten, grinsenden Vogelscheuchen vor Spatzen, Tauben, Raben und anderen gierigen Vögeln geschützt. Auf den Ästen der Zedern saßen große Adler; zwischen den Blättern der Weiden standen Reiher, die ernsthaft auf einem Bein verharrten. Überall gab es Krähen, Enten, Falken, Wildvögel sowie zahlreiche Kraniche, die die Japaner für heilig halten und die in ihren Augen Langlebigkeit und Wohlstand symbolisieren.
Während er spazierenging, entdeckte Passepartout einige Veilchen unter den Sträuchern.
„Gut!“, sagte er. „Ich werde etwas zu essen bekommen.“ Doch als er sie roch, stellte er fest, dass sie geruchlos waren.
„Keine Chance“, dachte er.
Der gute Mann hatte sicherlich darauf geachtet, vor dem Verlassen des „Carnatic“ ein möglichst sättigendes Frühstück zu essen. Doch da er den ganzen Tag lang herumgelaufen war, wurden die Hungergefühle immer dringender. Er bemerkte, dass die Metzgereiläden weder Lamm-, Ziegen- noch Schweinefleisch enthielten. Da er außerdem wusste, dass es eine Sünde ist, Rinder zu töten, die ausschließlich zur Landwirtschaft verwendet werden, beschloss er, dass Fleisch bei weitem nicht verfügbar sei.
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In Yokohama war das Fleisch reichlich vorhanden – und er lag nicht falsch. Da es kein Metzgerfleisch gab, hätte er sich gerne ein Stück Wildschwein oder Hirsch, eine Fasanente oder einige Wachteln, sowie Wild oder Fisch gewünscht – Dinge, die die Japaner zusammen mit Reis fast ausschließlich essen. Doch er musste Mut bewahren und das Essen, nach dem er sich sehnte, auf den nächsten Morgen verschieben. Die Nacht brach an, und Passepartout betrat erneut das chinesische Viertel. Dort wanderte er durch die von bunten Laternen erleuchteten Straßen, beobachtete die Tänzer, die geschickte Schritte ausführten, sowie die Astrologen, die im Freien mit ihren Teleskopen standen. Anschließend kam er zum Hafen, der von den Resinentfachen der Fischer erleuchtet wurde, die von ihren Booten aus fischten. Schließlich wurden die Straßen ruhig, und die Patrouille – deren Beamte in prächtigen Uniformen und umgeben von ihren Begleitern, die Passepartout wie Botschafter vorkamen – trat an die Stelle der geschäftigen Menge. Jedes Mal, wenn eine Gruppe vorbeizog, lachte Passepartout und sagte zu sich selbst: „Gut! Noch eine japanische Delegation auf dem Weg nach Europa!“
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KAPITEL XXIII.
In dem Passepartsous Nase unglaublich lang wird
Am nächsten Morgen sagte der arme, erschöpfte und hungrige Passepartout zu sich selbst, dass er um jeden Preis etwas zu essen finden müsse – und je schneller, desto besser. Er könnte zwar seine Uhr verkaufen; doch dann würde er ersticken vor Hunger. Jetzt oder nie musste er seine kräftige, wenn auch nicht besonders melodiöse Stimme einsetzen, die ihm die Natur geschenkt hatte. Er kannte einige französische und englische Lieder und beschloss, sie bei den Japanern auszuprobieren – schließlich mussten sie Musikliebhaber sein, da sie ständig auf ihre Zimbeln, Tamtams und Trommeln schlugen und das europäische Talent sicherlich zu schätzen wussten.
Es war vielleicht noch ziemlich früh am Morgen, um ein Konzert zu veranstalten – die Zuhörer, die aus ihrem Schlaf geweckt wurden, würden wohl kaum ihrem Künstler Münzen mit dem Abbild des Mikado geben. Deshalb beschloss Passepartout, noch einige Stunden zu warten. Während er so dahinschlenderte, kam ihm der Gedanke, dass er für einen wandernden Künstler wohl etwas zu gut gekleidet aussah. Ihm fiel ein, seine Kleidung gegen etwas zu tauschen, das besser zu seinem Plan passte – so könnte er außerdem etwas Geld bekommen, um seinen sofortigen Hunger zu stillen. Nachdem er diese Entscheidung getroffen hatte, blieb nur noch, sie in die Tat umzusetzen.
Erst nach langer Suche fand Passepartout einen einheimischen Händler für alte Kleidung, bei dem er um einen Tausch bat. Dem Mann gefiel der europäische Anzug, und bald schon verließ Passepartout den Laden, gekleidet in einen alten japanischen Mantel sowie eine Art einseitigen Turban, der durch langjährige Nutzung verblichen war. Außerdem klimperten einige kleine Silberstücke in seiner Tasche.
„Gut!“, dachte er. „Ich werde so tun, als wäre ich beim Karneval!“
Seine erste Sorge, nachdem er nun „japanisiert“ war, bestand darin, ein Teehaus von bescheidener Ausstrahlung aufzusuchen. Dort aß er zusammen mit einem halben Vogel und etwas Reis zu Frühstück – wie ein echter Japaner.
In dem Passepartsous Nase unglaublich lang wird
Am nächsten Morgen sagte der arme, erschöpfte und hungrige Passepartout zu sich selbst, dass er um jeden Preis etwas zu essen finden müsse – und je schneller, desto besser. Er könnte zwar seine Uhr verkaufen; doch dann würde er ersticken vor Hunger. Jetzt oder nie musste er seine kräftige, wenn auch nicht besonders melodiöse Stimme einsetzen, die ihm die Natur geschenkt hatte. Er kannte einige französische und englische Lieder und beschloss, sie bei den Japanern auszuprobieren – schließlich mussten sie Musikliebhaber sein, da sie ständig auf ihre Zimbeln, Tamtams und Trommeln schlugen und das europäische Talent sicherlich zu schätzen wussten.
Es war vielleicht noch ziemlich früh am Morgen, um ein Konzert zu veranstalten – die Zuhörer, die aus ihrem Schlaf geweckt wurden, würden wohl kaum ihrem Künstler Münzen mit dem Abbild des Mikado geben. Deshalb beschloss Passepartout, noch einige Stunden zu warten. Während er so dahinschlenderte, kam ihm der Gedanke, dass er für einen wandernden Künstler wohl etwas zu gut gekleidet aussah. Ihm fiel ein, seine Kleidung gegen etwas zu tauschen, das besser zu seinem Plan passte – so könnte er außerdem etwas Geld bekommen, um seinen sofortigen Hunger zu stillen. Nachdem er diese Entscheidung getroffen hatte, blieb nur noch, sie in die Tat umzusetzen.
Erst nach langer Suche fand Passepartout einen einheimischen Händler für alte Kleidung, bei dem er um einen Tausch bat. Dem Mann gefiel der europäische Anzug, und bald schon verließ Passepartout den Laden, gekleidet in einen alten japanischen Mantel sowie eine Art einseitigen Turban, der durch langjährige Nutzung verblichen war. Außerdem klimperten einige kleine Silberstücke in seiner Tasche.
„Gut!“, dachte er. „Ich werde so tun, als wäre ich beim Karneval!“
Seine erste Sorge, nachdem er nun „japanisiert“ war, bestand darin, ein Teehaus von bescheidener Ausstrahlung aufzusuchen. Dort aß er zusammen mit einem halben Vogel und etwas Reis zu Frühstück – wie ein echter Japaner.
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Ein Mann, für den das Abendessen noch ein Problem war, das gelöst werden musste.
„Jetzt“, dachte er, nachdem er ordentlich gegessen hatte, „darf ich nicht den Verstand verlieren. Ich kann dieses Kostüm nicht wieder gegen noch mehr Geld verkaufen. Ich muss darüber nachdenken, wie ich dieses Land der Sonne so schnell wie möglich verlassen kann – von dem ich keine angenehmen Erinnerungen behalten werde.“ Ihm kam der Gedanke, die Dampfschiffe aufzusuchen, die nach Amerika abfahren wollten. Er würde sich als Koch oder Diener anbieten, um seine Reisekosten und Verpflegung zu decken. In San Francisco würde er dann einen Weg finden, weiterzukommen. Das Problem war jedoch, wie er die viertausendsiebenhundert Meilen des Pazifiks zwischen Japan und der Neuen Welt überbrücken sollte.
Passepartout war nicht der Typ, der eine Idee einfach aufgeben würde. Er machte sich auf den Weg zu den Docks. Doch je näher er ihnen kam, desto schwieriger erschien ihm sein Plan, der anfangs noch so einfach gewirkt hatte. Welchen Bedarf hätten sie schon an einem Koch oder Diener auf einem amerikanischen Dampfschiff? Und welches Vertrauen würden sie ihm entgegenbringen, in seinem jetzigen Aufzug? Welche Referenzen könnte er vorweisen?
Während er so nachdachte, fielen seine Augen auf ein riesiges Plakat, das ein Art Clown durch die Straßen trug. Dieses Plakat, das auf Englisch geschrieben war, lautete wie folgt:
**Akrobatische japanische Truppe,**
**Ehrwürdiger William Batulcar, Besitzer,**
**Letzte Aufführungen,**
**vor ihrer Abreise in die Vereinigten Staaten,**
**von den „Langnasen“! Langnasen!**
**Unter der Schirmherrschaft des Gottes Tingou!**
**Große Attraktion!**
„Die Vereinigten Staaten!“, sagte Passepartout. „Das ist genau das, was ich will!“ Er folgte dem Clown und fand sich bald wieder im japanischen Viertel wieder. Eine Viertelstunde später blieb er vor einer großen Hütte stehen, die mit mehreren Bändern geschmückt war. Die Außenwände waren in leuchtenden Farben gestaltet und zeigten, ohne Perspektive, eine Gruppe von Jongleuren.
„Jetzt“, dachte er, nachdem er ordentlich gegessen hatte, „darf ich nicht den Verstand verlieren. Ich kann dieses Kostüm nicht wieder gegen noch mehr Geld verkaufen. Ich muss darüber nachdenken, wie ich dieses Land der Sonne so schnell wie möglich verlassen kann – von dem ich keine angenehmen Erinnerungen behalten werde.“ Ihm kam der Gedanke, die Dampfschiffe aufzusuchen, die nach Amerika abfahren wollten. Er würde sich als Koch oder Diener anbieten, um seine Reisekosten und Verpflegung zu decken. In San Francisco würde er dann einen Weg finden, weiterzukommen. Das Problem war jedoch, wie er die viertausendsiebenhundert Meilen des Pazifiks zwischen Japan und der Neuen Welt überbrücken sollte.
Passepartout war nicht der Typ, der eine Idee einfach aufgeben würde. Er machte sich auf den Weg zu den Docks. Doch je näher er ihnen kam, desto schwieriger erschien ihm sein Plan, der anfangs noch so einfach gewirkt hatte. Welchen Bedarf hätten sie schon an einem Koch oder Diener auf einem amerikanischen Dampfschiff? Und welches Vertrauen würden sie ihm entgegenbringen, in seinem jetzigen Aufzug? Welche Referenzen könnte er vorweisen?
Während er so nachdachte, fielen seine Augen auf ein riesiges Plakat, das ein Art Clown durch die Straßen trug. Dieses Plakat, das auf Englisch geschrieben war, lautete wie folgt:
**Akrobatische japanische Truppe,**
**Ehrwürdiger William Batulcar, Besitzer,**
**Letzte Aufführungen,**
**vor ihrer Abreise in die Vereinigten Staaten,**
**von den „Langnasen“! Langnasen!**
**Unter der Schirmherrschaft des Gottes Tingou!**
**Große Attraktion!**
„Die Vereinigten Staaten!“, sagte Passepartout. „Das ist genau das, was ich will!“ Er folgte dem Clown und fand sich bald wieder im japanischen Viertel wieder. Eine Viertelstunde später blieb er vor einer großen Hütte stehen, die mit mehreren Bändern geschmückt war. Die Außenwände waren in leuchtenden Farben gestaltet und zeigten, ohne Perspektive, eine Gruppe von Jongleuren.
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Das war das Etablissement des ehrenwerten William Batulcar. Dieser Herr war eine Art Barnum – der Leiter einer Truppe von Betrügern, Jongleuren, Clowns, Akrobaten, Gleichgewichtskünstlern und Gymnasten. Laut dem Plakat gab er seine letzten Aufführungen, bevor er das Reich der Sonne für die Vereinigten Staaten verließ.
Passepartout trat ein und bat um Herrn Batulcar, der sogleich persönlich erschien.
„Was wollen Sie?“, fragte er Passepartout, den er zunächst für einen Einheimischen hielt.
„Möchten Sie einen Diener, Sir?“, fragte Passepartout.
„Einen Diener!“, rief Herr Batulcar und strich sich über den dichten grauen Bart, der von seinem Kinn hing. „Ich habe bereits zwei, die gehorsam und treu sind, mich nie verlassen haben und mich aus eigenem Antrieb bedienen – hier sind sie“, fügte er hinzu und streckte seine kräftigen Arme aus, deren Adern so dick wie die Saiten einer Bassgeige waren.
„Dann kann ich Ihnen also nicht dienen?“
„Überhaupt nicht.“
„Verdammt! Ich würde so gerne mit Ihnen über den Pazifik reisen!“
„Ah!“, sagte der ehrenwerte Herr Batulcar. „Sie sind genauso wenig Japaner wie ich ein Affe! Wer sind Sie eigentlich – warum sind Sie so gekleidet?“
„Ein Mensch kleidet sich, wie er kann.“
„Das stimmt. Sie sind Franzose, nicht wahr?“
„Ja – ein Pariser aus Paris.“
„Dann sollten Sie doch wissen, wie man Grimassen macht, oder?“
„Nun“, antwortete Passepartout, etwas verärgert darüber, dass seine Nationalität diese Frage auslöste, „wir Franzosen wissen zwar, wie man Grimassen macht – aber nicht besser als die Amerikaner.“
„Richtig. Nun, wenn ich Sie nicht als Diener nehmen kann, kann ich Sie wenigstens als Clown nehmen. Wissen Sie, mein Freund: In Frankreich werden ausländische Clowns vorgeführt – und in anderen Ländern französische Clowns.“
„Ah!“
„Sie sind ziemlich stark, ja?“
„Besonders nach einem guten Essen.“
Passepartout trat ein und bat um Herrn Batulcar, der sogleich persönlich erschien.
„Was wollen Sie?“, fragte er Passepartout, den er zunächst für einen Einheimischen hielt.
„Möchten Sie einen Diener, Sir?“, fragte Passepartout.
„Einen Diener!“, rief Herr Batulcar und strich sich über den dichten grauen Bart, der von seinem Kinn hing. „Ich habe bereits zwei, die gehorsam und treu sind, mich nie verlassen haben und mich aus eigenem Antrieb bedienen – hier sind sie“, fügte er hinzu und streckte seine kräftigen Arme aus, deren Adern so dick wie die Saiten einer Bassgeige waren.
„Dann kann ich Ihnen also nicht dienen?“
„Überhaupt nicht.“
„Verdammt! Ich würde so gerne mit Ihnen über den Pazifik reisen!“
„Ah!“, sagte der ehrenwerte Herr Batulcar. „Sie sind genauso wenig Japaner wie ich ein Affe! Wer sind Sie eigentlich – warum sind Sie so gekleidet?“
„Ein Mensch kleidet sich, wie er kann.“
„Das stimmt. Sie sind Franzose, nicht wahr?“
„Ja – ein Pariser aus Paris.“
„Dann sollten Sie doch wissen, wie man Grimassen macht, oder?“
„Nun“, antwortete Passepartout, etwas verärgert darüber, dass seine Nationalität diese Frage auslöste, „wir Franzosen wissen zwar, wie man Grimassen macht – aber nicht besser als die Amerikaner.“
„Richtig. Nun, wenn ich Sie nicht als Diener nehmen kann, kann ich Sie wenigstens als Clown nehmen. Wissen Sie, mein Freund: In Frankreich werden ausländische Clowns vorgeführt – und in anderen Ländern französische Clowns.“
„Ah!“
„Sie sind ziemlich stark, ja?“
„Besonders nach einem guten Essen.“
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„Und du kannst singen?“
„Ja“, antwortete Passepartout, der früher gerne auf den Straßen gesungen hatte.
„Aber kannst du singen, wenn du auf dem Kopf stehst, mit einem Kreisel auf dem linken Fuß und einem Säbel auf dem rechten?“
„Hm! Ich glaube schon“, erwiderte Passepartout und erinnerte sich an die Übungen aus seiner Jugend.
„Nun, das reicht“, sagte der ehrenwerte William Batulcar. Der Vertrag wurde auf der Stelle geschlossen.
Passepartout hatte endlich etwas zu tun. Er sollte in der berühmten japanischen Truppe auftreten. Es war keine besonders ehrenvolle Position – doch bereits innerhalb einer Woche sollte er nach San Francisco aufbrechen.
Die Aufführung, die vom ehrenwerten Herrn Batulcar so lautstark angekündigt worden war, sollte um drei Uhr beginnen. Bald schon ertönten die ohrenbetäubenden Klänge eines japanischen Orchesters vor der Tür. Obwohl Passepartout keine Rolle hatte üben können, sollte er mit seinen kräftigen Schultern zur Darstellung der „menschlichen Pyramide“ beitragen – eine Darbietung, die von den Anhängern des Gottes Tingou ausgeführt werden sollte. Diese „große Attraktion“ sollte die Aufführung abschließen.
Noch vor drei Uhr strömten Zuschauer in die große Halle – Europäer und Einheimische, Chinesen und Japaner, Männer, Frauen und Kinder. Sie drängten sich auf die schmalen Bänke sowie in die Logen gegenüber der Bühne. Die Musiker nahmen ihre Plätze im Inneren ein und spielten energisch auf ihren Gongen, Tam-Tams, Flöten, Trommeln und riesigen Drums.
Die Aufführung ähnelte allen akrobatischen Darbietungen – doch man muss zugeben, dass die Japaner die besten Gleichgewichtskünstler der Welt sind. Einer von ihnen führte mit einem Fächer sowie einigen Papierstücken die anmutige Darbietung von Schmetterlingen und Blumen auf; ein anderer zeichnete mit dem duftenden Rauch seines Pfeifens eine Reihe blauer Worte in die Luft – es handelte sich dabei um Komplimente an das Publikum. Wieder ein anderer jonglierte mit brennenden Kerzen; er löschte sie nacheinander, sobald sie seine Lippen berührten, und zündete sie sofort wieder an – ohne seine Jongliererei auch nur für einen Moment zu unterbrechen. Ein weiterer führte die seltsamsten Kombinationen mit einem Kreisel vor; in seinen Händen schienen die sich drehenden Kreisel ein eigenes Leben zu führen.
„Ja“, antwortete Passepartout, der früher gerne auf den Straßen gesungen hatte.
„Aber kannst du singen, wenn du auf dem Kopf stehst, mit einem Kreisel auf dem linken Fuß und einem Säbel auf dem rechten?“
„Hm! Ich glaube schon“, erwiderte Passepartout und erinnerte sich an die Übungen aus seiner Jugend.
„Nun, das reicht“, sagte der ehrenwerte William Batulcar. Der Vertrag wurde auf der Stelle geschlossen.
Passepartout hatte endlich etwas zu tun. Er sollte in der berühmten japanischen Truppe auftreten. Es war keine besonders ehrenvolle Position – doch bereits innerhalb einer Woche sollte er nach San Francisco aufbrechen.
Die Aufführung, die vom ehrenwerten Herrn Batulcar so lautstark angekündigt worden war, sollte um drei Uhr beginnen. Bald schon ertönten die ohrenbetäubenden Klänge eines japanischen Orchesters vor der Tür. Obwohl Passepartout keine Rolle hatte üben können, sollte er mit seinen kräftigen Schultern zur Darstellung der „menschlichen Pyramide“ beitragen – eine Darbietung, die von den Anhängern des Gottes Tingou ausgeführt werden sollte. Diese „große Attraktion“ sollte die Aufführung abschließen.
Noch vor drei Uhr strömten Zuschauer in die große Halle – Europäer und Einheimische, Chinesen und Japaner, Männer, Frauen und Kinder. Sie drängten sich auf die schmalen Bänke sowie in die Logen gegenüber der Bühne. Die Musiker nahmen ihre Plätze im Inneren ein und spielten energisch auf ihren Gongen, Tam-Tams, Flöten, Trommeln und riesigen Drums.
Die Aufführung ähnelte allen akrobatischen Darbietungen – doch man muss zugeben, dass die Japaner die besten Gleichgewichtskünstler der Welt sind. Einer von ihnen führte mit einem Fächer sowie einigen Papierstücken die anmutige Darbietung von Schmetterlingen und Blumen auf; ein anderer zeichnete mit dem duftenden Rauch seines Pfeifens eine Reihe blauer Worte in die Luft – es handelte sich dabei um Komplimente an das Publikum. Wieder ein anderer jonglierte mit brennenden Kerzen; er löschte sie nacheinander, sobald sie seine Lippen berührten, und zündete sie sofort wieder an – ohne seine Jongliererei auch nur für einen Moment zu unterbrechen. Ein weiterer führte die seltsamsten Kombinationen mit einem Kreisel vor; in seinen Händen schienen die sich drehenden Kreisel ein eigenes Leben zu führen.
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Sie wirbelten herum – sie rannten über Rohrstämme, die Kanten von Säbeln, Drähte und sogar Haare, die über die Bühne gespannt waren; sie drehten sich auf den Rändern großer Gläser, überquerten Bambusleitern, verteilten sich in alle Ecken und erzeugten durch die Kombination ihrer verschiedenen Tonhöhen seltsame musikalische Effekte. Die Jongleure warfen sie in die Luft, schleuderten sie wie Schmetterballen mit hölzernen Wurfgeschossen – doch sie drehten sich weiterhin. Sie steckten sie in ihre Taschen und holten sie wieder heraus – immer noch im Wirbeln wie zuvor.
Es ist sinnlos, die erstaunlichen Darbietungen der Akrobaten und Turner zu beschreiben. Das Drehen auf Leitern, Stangen, Bällen, Fässern usw. wurde mit erstaunlicher Präzision ausgeführt.
Doch die Hauptattraktion war die Vorstellung der „Langnasigen“ – eine Show, mit der Europa bislang noch nicht vertraut ist.
Die Langnasigen bilden eine besondere Gruppe, die unter dem direkten Schutz des Gottes Tingou steht. Sie trugen Kleidung im Stil des Mittelalters und hatten auf ihren Schultern ein prächtiges Paar Flügel. Doch was sie besonders auszeichnete, waren ihre langen Nasen, die an ihren Gesichtern befestigt waren – sowie die Art und Weise, wie sie diese Nasen einsetzten. Diese Nasen bestanden aus Bambus und waren fünf, sechs oder sogar zehn Fuß lang; einige waren gerade, andere gebogen, wieder andere hatten Bänder oder künstliche Warzen darauf. Auf diesen Anhängen, die fest an ihren echten Nasen befestigt waren, führten sie ihre gymnastischen Übungen aus. Ein Dutzend dieser Anhänger von Tingou lag auf dem Rücken, während andere, gekleidet wie Blitze, auf ihren Nasen herumliefen, von einer zur anderen sprangen und die geschicktesten Sprünge und Saltoleisten vollführten.
Als letzte Darbietung wurde eine „menschliche Pyramide“ angekündigt – dabei sollten fünfzig Langnasige das „Wagen des Juggernaut“ darstellen. Doch anstatt eine Pyramide zu bilden, indem sie sich auf den Schultern der anderen stellten, sollten die Künstler sich auf den Nasen versammeln. Es stellte sich heraus, dass der Künstler, der bisher die Basis des „Wagens“ gebildet hatte, die Truppe verlassen hatte. Da für diese Rolle nur Kraft und Geschicklichkeit erforderlich waren, wurde Passepartout ausgewählt, um seinen Platz einzunehmen.
Der arme Kerl fühlte sich wirklich traurig, als er – in melancholischer Erinnerung an seine Jugend! – seine Kostüm mit bunten Flügeln anzog und sich eine falsche Nase von sechs Fuß Länge an sein echtes Gesicht befestigte. Doch er wurde fröhlich, als ihm klar wurde, dass diese Nase ihm etwas zu essen einbringen würde.
Es ist sinnlos, die erstaunlichen Darbietungen der Akrobaten und Turner zu beschreiben. Das Drehen auf Leitern, Stangen, Bällen, Fässern usw. wurde mit erstaunlicher Präzision ausgeführt.
Doch die Hauptattraktion war die Vorstellung der „Langnasigen“ – eine Show, mit der Europa bislang noch nicht vertraut ist.
Die Langnasigen bilden eine besondere Gruppe, die unter dem direkten Schutz des Gottes Tingou steht. Sie trugen Kleidung im Stil des Mittelalters und hatten auf ihren Schultern ein prächtiges Paar Flügel. Doch was sie besonders auszeichnete, waren ihre langen Nasen, die an ihren Gesichtern befestigt waren – sowie die Art und Weise, wie sie diese Nasen einsetzten. Diese Nasen bestanden aus Bambus und waren fünf, sechs oder sogar zehn Fuß lang; einige waren gerade, andere gebogen, wieder andere hatten Bänder oder künstliche Warzen darauf. Auf diesen Anhängen, die fest an ihren echten Nasen befestigt waren, führten sie ihre gymnastischen Übungen aus. Ein Dutzend dieser Anhänger von Tingou lag auf dem Rücken, während andere, gekleidet wie Blitze, auf ihren Nasen herumliefen, von einer zur anderen sprangen und die geschicktesten Sprünge und Saltoleisten vollführten.
Als letzte Darbietung wurde eine „menschliche Pyramide“ angekündigt – dabei sollten fünfzig Langnasige das „Wagen des Juggernaut“ darstellen. Doch anstatt eine Pyramide zu bilden, indem sie sich auf den Schultern der anderen stellten, sollten die Künstler sich auf den Nasen versammeln. Es stellte sich heraus, dass der Künstler, der bisher die Basis des „Wagens“ gebildet hatte, die Truppe verlassen hatte. Da für diese Rolle nur Kraft und Geschicklichkeit erforderlich waren, wurde Passepartout ausgewählt, um seinen Platz einzunehmen.
Der arme Kerl fühlte sich wirklich traurig, als er – in melancholischer Erinnerung an seine Jugend! – seine Kostüm mit bunten Flügeln anzog und sich eine falsche Nase von sechs Fuß Länge an sein echtes Gesicht befestigte. Doch er wurde fröhlich, als ihm klar wurde, dass diese Nase ihm etwas zu essen einbringen würde.
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Er betrat die Bühne und nahm seinen Platz neben den anderen ein, die die Grundlage für das „Wagenwerk des Juggernaut“ bilden sollten. Sie legten sich alle auf den Boden, wobei ihre Nasen zur Decke zeigten. Eine zweite Gruppe von Künstlern positionierte sich auf diesen langen Auswüchsen, dann eine dritte darüber – bis schließlich ein menschliches Monument entstand, das bis zu den Zierleisten des Theaters reichte. Dies rief lauten Beifall hervor; mitten darin begann das Orchester gerade, einen ohrenbetäubenden Ton anzuspielen, als die Pyramide ins Wanken geriet, das Gleichgewicht verloren ging, eine der unteren „Nasen“ aus der Pyramide verschwand – und das menschliche Monument in Stücke brach, wie ein aus Karten gebautes Schloss!
Es war Passepartouts Schuld. Er verließ seinen Platz, kletterte ohne Hilfe seiner Flügel nach oben in die rechte Galerie – und fiel schließlich zu Füßen eines Zuschauers, wobei er rief: „Ah, mein Herr! Mein Herr!“
„Du bist hier?“
„Ja, ich selbst.“
„Sehr gut; dann lass uns zum Dampfschiff gehen, junger Mann!“
Mr. Fogg, Aouda und Passepartout gingen durch die Lobby des Theaters nach draußen, wo sie den wütenden Herrn Batulcar trafen. Er forderte Schadensersatz für die „Zerstörung“ der Pyramide; Phileas Fogg beruhigte ihn, indem er ihm einige Banknoten gab.
Um halb sieben, genau zur Abfahrtszeit, stiegen Mr. Fogg und Aouda, gefolgt von Passepartout – der in seiner Eile seine Flügel sowie seine sechs Fuß lange Nase behalten hatte – an Bord des amerikanischen Dampfschiffs.
Es war Passepartouts Schuld. Er verließ seinen Platz, kletterte ohne Hilfe seiner Flügel nach oben in die rechte Galerie – und fiel schließlich zu Füßen eines Zuschauers, wobei er rief: „Ah, mein Herr! Mein Herr!“
„Du bist hier?“
„Ja, ich selbst.“
„Sehr gut; dann lass uns zum Dampfschiff gehen, junger Mann!“
Mr. Fogg, Aouda und Passepartout gingen durch die Lobby des Theaters nach draußen, wo sie den wütenden Herrn Batulcar trafen. Er forderte Schadensersatz für die „Zerstörung“ der Pyramide; Phileas Fogg beruhigte ihn, indem er ihm einige Banknoten gab.
Um halb sieben, genau zur Abfahrtszeit, stiegen Mr. Fogg und Aouda, gefolgt von Passepartout – der in seiner Eile seine Flügel sowie seine sechs Fuß lange Nase behalten hatte – an Bord des amerikanischen Dampfschiffs.
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KAPITEL XXIV.
Während dessen Herr Fogg und seine Begleiter
den Pazifischen Ozean überqueren
Was geschah, als das Patrouillenschiff Shanghai in Sicht bekam, lässt sich leicht erraten. Die Signale, die von der „Tankadere“ gesendet wurden, wurden vom Kapitän des Dampfers aus Yokohama gesehen. Als er die Flagge auf Halbmast bemerkte, lenkte er sein Schiff in Richtung des kleinen Bootes. Phileas Fogg zahlte John Busby den vereinbarten Betrag für seine Überfahrt und belohnte ihn außerdem mit weiteren fünfhundertfünfzig Pfund. Anschließend stieg er zusammen mit Aouda und Fix an Bord des Dampfers – und sie brachen sofort auf nach Nagasaki und Yokohama.
Sie erreichten ihr Ziel am Morgen des 14. November. Phileas Fogg verlor keine Zeit und ging an Bord der „Carnatic“. Zu Aoudas großer Freude – und vielleicht auch zu seiner eigenen, obwohl er keine Emotionen zeigte – erfuhr er dort, dass Passepartout, ein Franzose, tatsächlich bereits am Vortag dort angekommen war. Der Dampfer aus San Francisco sollte an diesem Abend abfahren – daher war es notwendig, Passepartout möglichst schnell zu finden. Herr Fogg wandte sich vergeblich an die französischen und englischen Konsuln. Nachdem er lange Zeit durch die Straßen irrte, begann er, die Hoffnung aufzugeben, seinen verschwundenen Diener finden zu können. Zufall – oder vielleicht ein gewisser Vorahnung – führte ihn schließlich ins Theater des ehrenwerten Herrn Batulcar. Er hätte Passepartout in der seltsamen Verkleidung des Betrügers sicherlich nicht wiedererkannt; doch Passepartout, der auf dem Rücken lag, bemerkte seinen Herrn in der Galerie. Er konnte nicht anders, als zusammenzuzucken – dadurch veränderte sich die Position seines Nasens so sehr, dass die „Pyramide“ auf die Bühne fiel.
All das erfuhr Passepartout von Aouda, die ihm erzählte, was auf der Reise von Hongkong nach Shanghai geschehen war.
Während dessen Herr Fogg und seine Begleiter
den Pazifischen Ozean überqueren
Was geschah, als das Patrouillenschiff Shanghai in Sicht bekam, lässt sich leicht erraten. Die Signale, die von der „Tankadere“ gesendet wurden, wurden vom Kapitän des Dampfers aus Yokohama gesehen. Als er die Flagge auf Halbmast bemerkte, lenkte er sein Schiff in Richtung des kleinen Bootes. Phileas Fogg zahlte John Busby den vereinbarten Betrag für seine Überfahrt und belohnte ihn außerdem mit weiteren fünfhundertfünfzig Pfund. Anschließend stieg er zusammen mit Aouda und Fix an Bord des Dampfers – und sie brachen sofort auf nach Nagasaki und Yokohama.
Sie erreichten ihr Ziel am Morgen des 14. November. Phileas Fogg verlor keine Zeit und ging an Bord der „Carnatic“. Zu Aoudas großer Freude – und vielleicht auch zu seiner eigenen, obwohl er keine Emotionen zeigte – erfuhr er dort, dass Passepartout, ein Franzose, tatsächlich bereits am Vortag dort angekommen war. Der Dampfer aus San Francisco sollte an diesem Abend abfahren – daher war es notwendig, Passepartout möglichst schnell zu finden. Herr Fogg wandte sich vergeblich an die französischen und englischen Konsuln. Nachdem er lange Zeit durch die Straßen irrte, begann er, die Hoffnung aufzugeben, seinen verschwundenen Diener finden zu können. Zufall – oder vielleicht ein gewisser Vorahnung – führte ihn schließlich ins Theater des ehrenwerten Herrn Batulcar. Er hätte Passepartout in der seltsamen Verkleidung des Betrügers sicherlich nicht wiedererkannt; doch Passepartout, der auf dem Rücken lag, bemerkte seinen Herrn in der Galerie. Er konnte nicht anders, als zusammenzuzucken – dadurch veränderte sich die Position seines Nasens so sehr, dass die „Pyramide“ auf die Bühne fiel.
All das erfuhr Passepartout von Aouda, die ihm erzählte, was auf der Reise von Hongkong nach Shanghai geschehen war.
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„Tankadere“ – zusammen mit einem Herrn namens Fix.
Passepartout zeigte keine Veränderung in seinem Gesichtsausdruck, als er diesen Namen hörte. Er glaubte, es sei noch nicht an der Zeit, seinem Herrn mitzuteilen, was zwischen dem Detektiv und ihm vorgefallen war; in seiner Erklärung für seine Abwesenheit entschuldigte er sich einfach damit, von Trunkenheit überwältigt worden zu sein, nachdem er in einer Taverne in Hongkong Opium geraucht hatte.
Herr Fogg hörte diese Erzählung kühl und ohne ein Wort an; anschließend stellte er seinem Diener das nötige Geld zur Verfügung, um sich Kleidung anzuschaffen, die besser zu seinem Status passte. Innerhalb einer Stunde hatte der Franzose sich die Nase abschneiden lassen und auch seine „Flügel“ abgelegt – er trug nun nichts mehr, was an einen Anhänger des Gottes Tingou erinnerte.
Das Dampfschiff, das von Yokohama nach San Francisco aufbrechen sollte, gehörte zur Pacific Mail Steamship Company und hieß „General Grant“. Es handelte sich um ein großes Schaufelraddampfschiff mit einer Gewichtsklasse von 2.500 Tonnen; es war gut ausgestattet und sehr schnell. Die riesigen Schaufelräder hoben und senkten sich über dem Deck; am einen Ende bewegte sich eine Kolbenstange auf und ab; am anderen Ende befand sich eine Verbindungsstange, die die geradlinige Bewegung in eine kreisförmige umwandelte und direkt mit dem Schaft der Schaufelräder verbunden war. Die „General Grant“ hatte drei Masten, wodurch sie über viel Segelfläche verfügte – was der Dampfkraft erheblich zugutekam. Mit einer Geschwindigkeit von zwölf Meilen pro Stunde würde sie den Ozean in 21 Tagen überqueren. Phileas Fogg hatte daher allen Grund zu hoffen, am 2. Dezember in San Francisco, am 11. in New York und am 20. in London anzukommen – somit würde er dem fatalen Datum des 21. Dezembers um mehrere Stunden voraus sein.
An Bord befand sich die volle Passagierzahl: Engländer, viele Amerikaner, zahlreiche Arbeiter, die nach Kalifornien reisten, sowie einige Offiziere aus Ostindien, die ihre Ferien damit verbrachten, die Welt zu bereisen. Während der Reise geschah nichts Besonderes; das Dampfschiff schwankte kaum, da es von seinen großen Schaufelrädern getragen wurde – und die „Pacific“ erfüllte fast ihren Namen. Herr Fogg blieb wie immer ruhig und wortkarg. Seine junge Begleiterin fühlte sich durch andere Bindungen als nur Dankbarkeit immer mehr zu ihm hingezogen; seine stille, aber großzügige Natur beeindruckte sie mehr, als sie dachte – und fast unbewusst gab sie ihren Gefühlen nach, die offensichtlich keinerlei Auswirkung auf ihren Beschützer hatten.
Aouda zeigte großes Interesse an seinen Plänen und wurde ungeduldig, wenn irgendetwas ihre Reise verzögern könnte.
Passepartout zeigte keine Veränderung in seinem Gesichtsausdruck, als er diesen Namen hörte. Er glaubte, es sei noch nicht an der Zeit, seinem Herrn mitzuteilen, was zwischen dem Detektiv und ihm vorgefallen war; in seiner Erklärung für seine Abwesenheit entschuldigte er sich einfach damit, von Trunkenheit überwältigt worden zu sein, nachdem er in einer Taverne in Hongkong Opium geraucht hatte.
Herr Fogg hörte diese Erzählung kühl und ohne ein Wort an; anschließend stellte er seinem Diener das nötige Geld zur Verfügung, um sich Kleidung anzuschaffen, die besser zu seinem Status passte. Innerhalb einer Stunde hatte der Franzose sich die Nase abschneiden lassen und auch seine „Flügel“ abgelegt – er trug nun nichts mehr, was an einen Anhänger des Gottes Tingou erinnerte.
Das Dampfschiff, das von Yokohama nach San Francisco aufbrechen sollte, gehörte zur Pacific Mail Steamship Company und hieß „General Grant“. Es handelte sich um ein großes Schaufelraddampfschiff mit einer Gewichtsklasse von 2.500 Tonnen; es war gut ausgestattet und sehr schnell. Die riesigen Schaufelräder hoben und senkten sich über dem Deck; am einen Ende bewegte sich eine Kolbenstange auf und ab; am anderen Ende befand sich eine Verbindungsstange, die die geradlinige Bewegung in eine kreisförmige umwandelte und direkt mit dem Schaft der Schaufelräder verbunden war. Die „General Grant“ hatte drei Masten, wodurch sie über viel Segelfläche verfügte – was der Dampfkraft erheblich zugutekam. Mit einer Geschwindigkeit von zwölf Meilen pro Stunde würde sie den Ozean in 21 Tagen überqueren. Phileas Fogg hatte daher allen Grund zu hoffen, am 2. Dezember in San Francisco, am 11. in New York und am 20. in London anzukommen – somit würde er dem fatalen Datum des 21. Dezembers um mehrere Stunden voraus sein.
An Bord befand sich die volle Passagierzahl: Engländer, viele Amerikaner, zahlreiche Arbeiter, die nach Kalifornien reisten, sowie einige Offiziere aus Ostindien, die ihre Ferien damit verbrachten, die Welt zu bereisen. Während der Reise geschah nichts Besonderes; das Dampfschiff schwankte kaum, da es von seinen großen Schaufelrädern getragen wurde – und die „Pacific“ erfüllte fast ihren Namen. Herr Fogg blieb wie immer ruhig und wortkarg. Seine junge Begleiterin fühlte sich durch andere Bindungen als nur Dankbarkeit immer mehr zu ihm hingezogen; seine stille, aber großzügige Natur beeindruckte sie mehr, als sie dachte – und fast unbewusst gab sie ihren Gefühlen nach, die offensichtlich keinerlei Auswirkung auf ihren Beschützer hatten.
Aouda zeigte großes Interesse an seinen Plänen und wurde ungeduldig, wenn irgendetwas ihre Reise verzögern könnte.
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Sie plauderte oft mit Passepartout, der die Stimmung der Dame durchaus wahrnahm; und da er der treueste Diener war, überschätzte er niemals die Tugenden von Phileas Fogg – seine Ehrlichkeit, Großzügigkeit und Hingabe. Er bemühte sich, Audas Zweifel hinsichtlich eines erfolgreichen Abschlusses der Reise zu zerstreuen, indem er ihr sagte, dass der schwierigste Teil bereits hinter ihnen liege, sie nun jenseits der fantastischen Länder Japan und China seien und auf dem Weg zurück in zivilisierte Gebiete. Ein Eisenbahnzug von San Francisco nach New York sowie ein transatlantischer Dampfer von New York nach Liverpool würden sie zweifellos innerhalb der vereinbarten Frist ans Ziel dieser unmöglichen Weltumrundung bringen.
Am neunten Tag nach dem Verlassen von Yokohama hatte Phileas Fogg genau die Hälfte des Erdumfangs zurückgelegt. Die „General Grant“ passierte am 23. November den 180. Meridian und befand sich somit genau auf der gegenüberliegenden Seite der Erde von London. Zwar hatte Herr Fogg bereits fünfundfünfzig der achtzig Tage aufgebraucht, die er für die Beendigung der Reise zur Verfügung hatte – es blieben also nur noch achtundzwanzig Tage – doch obwohl er nur zur Hälfte des Meridianweges gekommen war, hatte er tatsächlich bereits zwei Drittel der gesamten Strecke zurückgelegt; schließlich hatte er lange Umwege von London nach Aden, von Aden nach Bombay, von Kalkutta nach Singapur und von Singapur nach Yokohama in Kauf nehmen müssen.
Hätte er ohne Abweichungen dem fünfzigsten Breitengrad folgen können – dem von London –, wäre die Gesamtdistanz nur etwa zwölftausend Meilen gewesen; doch aufgrund der unregelmäßigen Fortbewegungsweisen musste er insgesamt zwanzigtausendsechshundert Meilen zurücklegen, von denen er am 23. November bereits siebzehntausendfünfhundert zurückgelegt hatte. Und nun war der Weg gerade, und Fix war nicht mehr da, um ihnen Hindernisse in den Weg zu legen!
Auch am 23. November machte Passepartout eine freudige Entdeckung. Man erinnere sich: Der sture Kerl hatte darauf bestanden, seine berühmte Familientaschenuhr nach der Zeit in London einzustellen und die Uhren der Länder, durch die er gekommen war, als völlig falsch und unzuverlässig abzutun. An diesem Tag stellte er fest, dass seine Uhr genau mit den Chronometern des Schiffes übereinstimmte – obwohl er die Zeiger nicht umgestellt hatte. Sein Triumph war großartig. Er hätte gerne gewusst, was Fix gesagt hätte, wenn er an Bord gewesen wäre!
„Der Schurke hat mir viele Geschichten erzählt“, wiederholte Passepartout, „über die Meridiane, die Sonne und den Mond! Den Mond – wirklich! Wahrscheinlicher ist doch Mondlicht!“
Am neunten Tag nach dem Verlassen von Yokohama hatte Phileas Fogg genau die Hälfte des Erdumfangs zurückgelegt. Die „General Grant“ passierte am 23. November den 180. Meridian und befand sich somit genau auf der gegenüberliegenden Seite der Erde von London. Zwar hatte Herr Fogg bereits fünfundfünfzig der achtzig Tage aufgebraucht, die er für die Beendigung der Reise zur Verfügung hatte – es blieben also nur noch achtundzwanzig Tage – doch obwohl er nur zur Hälfte des Meridianweges gekommen war, hatte er tatsächlich bereits zwei Drittel der gesamten Strecke zurückgelegt; schließlich hatte er lange Umwege von London nach Aden, von Aden nach Bombay, von Kalkutta nach Singapur und von Singapur nach Yokohama in Kauf nehmen müssen.
Hätte er ohne Abweichungen dem fünfzigsten Breitengrad folgen können – dem von London –, wäre die Gesamtdistanz nur etwa zwölftausend Meilen gewesen; doch aufgrund der unregelmäßigen Fortbewegungsweisen musste er insgesamt zwanzigtausendsechshundert Meilen zurücklegen, von denen er am 23. November bereits siebzehntausendfünfhundert zurückgelegt hatte. Und nun war der Weg gerade, und Fix war nicht mehr da, um ihnen Hindernisse in den Weg zu legen!
Auch am 23. November machte Passepartout eine freudige Entdeckung. Man erinnere sich: Der sture Kerl hatte darauf bestanden, seine berühmte Familientaschenuhr nach der Zeit in London einzustellen und die Uhren der Länder, durch die er gekommen war, als völlig falsch und unzuverlässig abzutun. An diesem Tag stellte er fest, dass seine Uhr genau mit den Chronometern des Schiffes übereinstimmte – obwohl er die Zeiger nicht umgestellt hatte. Sein Triumph war großartig. Er hätte gerne gewusst, was Fix gesagt hätte, wenn er an Bord gewesen wäre!
„Der Schurke hat mir viele Geschichten erzählt“, wiederholte Passepartout, „über die Meridiane, die Sonne und den Mond! Den Mond – wirklich! Wahrscheinlicher ist doch Mondlicht!“
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Man sollte auf solche Leute hören – das wäre wirklich eine schreckliche Zeit! Ich war mir sicher, dass die Sonne sich eines Tages durch meine Uhr selbst regulieren würde!
Passepartout wusste nicht, dass, wenn das Zifferblatt seiner Uhr in zweiundzwanzig Stunden unterteilt worden wäre, wie es bei italienischen Uhren der Fall ist, er keinen Grund zur Freude gehabt hätte; denn dann hätten die Zeiger seiner Uhr statt neun Uhr morgens neun Uhr abends anzuzeigen, also genau die einundzwanzigste Stunde nach Mitternacht – das ist der Unterschied zwischen der Zeit in London und der Zeit am hundertachtzigsten Längengrad. Doch wenn Fix diesen rein physikalischen Effekt hätte erklären können, hätte Passepartout ihn trotzdem nicht anerkannt, selbst wenn er ihn verstanden hätte. Außerdem: Hätte der Detektiv zu diesem Zeitpunkt an Bord gewesen, hätte Passepartout mit ihm über ein völlig anderes Thema und auf eine ganz andere Weise gestritten.
Wo war Fix zu diesem Zeitpunkt? Er befand sich tatsächlich an Bord der „General Grant“. Als er in Yokohama ankam, verließ der Detektiv Herrn Fogg, von dem er annahm, ihn noch am selben Tag wiederzusehen, und eilte sofort zum englischen Konsulat, wo er schließlich den Haftbefehl fand. Dieser war ihm bereits aus Bombay gefolgt und war mit dem Dampfer „Carnatic“ gekommen – auf dem er selbst eigentlich sein sollte. Fix’ Enttäuschung ist vorstellbar, als ihm klar wurde, dass der Haftbefehl nun nutzlos war. Herr Fogg hatte bereits englisches Gebiet verlassen, und es war nun notwendig, seine Auslieferung zu bewirken!
„Nun“, dachte Fix nach einem Moment des Zorns, „mein Haftbefehl ist hier zwar nutzlos, aber in England wird er gültig sein. Der Schurke will offensichtlich in sein eigenes Land zurückkehren, in der Annahme, er habe der Polizei entkommen. Gut! Ich werde ihm über den Atlantik folgen. Was das Geld angeht – möge Gott geben, dass noch etwas übrig ist! Aber der Kerl hat bereits für Reisen, Belohnungen, Prozesse, Kautionen, Elefanten und allerlei andere Ausgaben mehr als fünftausend Pfund ausgegeben. Doch letztendlich ist die Bank doch reich!“
Nachdem er seine Entscheidung getroffen hatte, stieg er an Bord der „General Grant“ und war dort, als Herr Fogg und Aouda ankamen. Zu seinem großen Erstaunen erkannte er Passepartout trotz dessen theatralischer Verkleidung. Er verbarg sich schnell in seiner Kabine, um einer peinlichen Erklärung aus dem Weg zu gehen, und hoffte – dank der vielen Passagiere –, von Herrn Foggens Diener nicht entdeckt zu werden.
Doch an diesemselben Tag traf er Passepartout face to face auf dem Vorderdeck. Dieser stürmte ohne ein Wort auf ihn zu, packte ihn…
Passepartout wusste nicht, dass, wenn das Zifferblatt seiner Uhr in zweiundzwanzig Stunden unterteilt worden wäre, wie es bei italienischen Uhren der Fall ist, er keinen Grund zur Freude gehabt hätte; denn dann hätten die Zeiger seiner Uhr statt neun Uhr morgens neun Uhr abends anzuzeigen, also genau die einundzwanzigste Stunde nach Mitternacht – das ist der Unterschied zwischen der Zeit in London und der Zeit am hundertachtzigsten Längengrad. Doch wenn Fix diesen rein physikalischen Effekt hätte erklären können, hätte Passepartout ihn trotzdem nicht anerkannt, selbst wenn er ihn verstanden hätte. Außerdem: Hätte der Detektiv zu diesem Zeitpunkt an Bord gewesen, hätte Passepartout mit ihm über ein völlig anderes Thema und auf eine ganz andere Weise gestritten.
Wo war Fix zu diesem Zeitpunkt? Er befand sich tatsächlich an Bord der „General Grant“. Als er in Yokohama ankam, verließ der Detektiv Herrn Fogg, von dem er annahm, ihn noch am selben Tag wiederzusehen, und eilte sofort zum englischen Konsulat, wo er schließlich den Haftbefehl fand. Dieser war ihm bereits aus Bombay gefolgt und war mit dem Dampfer „Carnatic“ gekommen – auf dem er selbst eigentlich sein sollte. Fix’ Enttäuschung ist vorstellbar, als ihm klar wurde, dass der Haftbefehl nun nutzlos war. Herr Fogg hatte bereits englisches Gebiet verlassen, und es war nun notwendig, seine Auslieferung zu bewirken!
„Nun“, dachte Fix nach einem Moment des Zorns, „mein Haftbefehl ist hier zwar nutzlos, aber in England wird er gültig sein. Der Schurke will offensichtlich in sein eigenes Land zurückkehren, in der Annahme, er habe der Polizei entkommen. Gut! Ich werde ihm über den Atlantik folgen. Was das Geld angeht – möge Gott geben, dass noch etwas übrig ist! Aber der Kerl hat bereits für Reisen, Belohnungen, Prozesse, Kautionen, Elefanten und allerlei andere Ausgaben mehr als fünftausend Pfund ausgegeben. Doch letztendlich ist die Bank doch reich!“
Nachdem er seine Entscheidung getroffen hatte, stieg er an Bord der „General Grant“ und war dort, als Herr Fogg und Aouda ankamen. Zu seinem großen Erstaunen erkannte er Passepartout trotz dessen theatralischer Verkleidung. Er verbarg sich schnell in seiner Kabine, um einer peinlichen Erklärung aus dem Weg zu gehen, und hoffte – dank der vielen Passagiere –, von Herrn Foggens Diener nicht entdeckt zu werden.
Doch an diesemselben Tag traf er Passepartout face to face auf dem Vorderdeck. Dieser stürmte ohne ein Wort auf ihn zu, packte ihn…
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Er packte ihn am Hals und versetzte dem Detektiv eine Reihe von Schlägen – zu großem Vergnügen einer Gruppe von Amerikanern, die sofort anfingen, auf ihn zu wetten. Dadurch wurde die überlegene Kampfkunst der Franzosen im Vergleich zu den Engländern bewiesen. Als Passepartout fertig war, fühlte er sich erleichtert und getröstet. Fix stand etwas zerzaust auf, blickte seinen Gegner an und sagte kalt: „Haben Sie es geschafft?“ „Für dieses Mal – ja.“ „Dann möchte ich mit Ihnen sprechen.“ „Aber ich –“ „Im Interesse Ihres Herrn.“ Passepartout schien von Fix’ Kaltschnäuzigkeit überwältigt zu sein; er folgte ihm schweigend, und sie setzten sich abseits von den anderen Passagieren hin. „Sie haben mich verprügelt“, sagte Fix. „Gut, das habe ich erwartet. Jetzt hören Sie mir zu: Bisher war ich Mr. Foggs Gegner. Jetzt spiele ich in seinem Spiel mit.“ „Aha!“, rief Passepartout. „Sie sind also überzeugt, dass er ein ehrlicher Mann ist?“ „Nein“, antwortete Fix kühl. „Ich halte ihn für einen Schurken. Sch! Bewegen Sie sich nicht und lassen Sie mich reden. Solange Mr. Fogg auf englischem Boden war, lag es in meinem Interesse, ihn dort festzuhalten, bis mein Haftbefehl eintraf. Ich habe alles getan, um ihn aufzuhalten: Ich schickte die Priester aus Bombay hinter ihm her, ließ Sie in Hongkong betrunken werden, trennte Sie von ihm und sorgte dafür, dass er den Dampfer nach Yokohama verpasste.“ Passepartout hörte zu, die Fäuste geballt. „Nun“, fuhr Fix fort, „es scheint, als würde Mr. Fogg nach England zurückkehren. Nun, ich werde ihm dorthin folgen. Aber von nun an werde ich alles tun, um Hindernisse aus dem Weg zu räumen – genauso wie bisher, um sie ihm in den Weg zu legen. Ich habe mein Spiel geändert – einfach weil es in meinem Interesse lag. Ihr Interesse ist dasselbe wie meins; denn nur in England können Sie herausfinden, ob Sie einem Verbrecher oder einem ehrlichen Mann dienen.“ Passepartout hörte Fix sehr aufmerksam zu und war überzeugt, dass er aus voller Aufrichtigkeit sprach. „Sind wir Freunde?“, fragte der Detektiv.
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„Freunde? – Nein“, antwortete Passepartout; „aber vielleicht Verbündete. Bei dem geringsten Anzeichen von Verrat werde ich Ihnen jedoch den Hals umdrehen.“
„Abgemacht“, sagte der Detektiv leise.
Elf Tage später, am 3. Dezember, betrat die „General Grant“ die Bucht von Golden Gate und erreichte San Francisco.
Herr Fogg hatte weder einen Tag gewonnen noch verloren.
„Abgemacht“, sagte der Detektiv leise.
Elf Tage später, am 3. Dezember, betrat die „General Grant“ die Bucht von Golden Gate und erreichte San Francisco.
Herr Fogg hatte weder einen Tag gewonnen noch verloren.
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KAPITEL XXV.
IN DEM EIN KURZER BLIICK AUF SAN FRANCISCO GEWERFT WIRD
Es war sieben Uhr morgens, als Herr Fogg, Aouda und Passepartout den amerikanischen Kontinent betraten – wenn man diesem schwimmenden Kai, auf dem sie anlandeten, überhaupt diesen Namen geben kann. Diese Kais heben und senken sich mit der Flut und erleichtern so das Be- und Entladen der Schiffe. Daneben lagen Schiffe aller Größen, Dampfschiffe aller Nationalitäten sowie Dampfer mit mehreren Decks übereinander, die auf dem Sacramento und seinen Nebenflüssen verkehren. Auch die Produkte eines Handels, der bis nach Mexiko, Chile, Peru, Brasilien, Europa, Asien und alle pazifischen Inseln reicht, lagen dort gestapelt.
Passepartout, überglücklich darüber, endlich den amerikanischen Kontinent erreicht zu haben, wollte dies durch einen kühnen Sprung zur Schau stellen – doch er stolperte über einige wurmzerfressene Planken und fiel hindurch. Enttäuscht über die Art und Weise, wie er so „auf der Neuen Welt ankam“, stieß er einen lauten Schrei aus, der die unzähligen Kormorane und Pelikane, die stets auf diesen schwimmenden Kais saßen, so erschreckte, dass sie lautstark davonflogen.
Herr Fogg erkundigte sich, zu welcher Stunde der erste Zug nach New York abfuhr – es war sechs Uhr abends. Er hatte daher einen ganzen Tag Zeit, um in der kalifornischen Hauptstadt zu verbringen. Für drei Dollar nahmen er und Aouda eine Kutsche, während Passepartout auf dem Bock neben dem Kutscher Platz nahm. Gemeinsam machten sie sich auf den Weg zum International Hotel.
Von seiner erhöhten Position aus beobachtete Passepartout mit großem Interesse die breiten Straßen, die niedrigen, gleichmäßig angeordneten Häuser, die angelsächsisch-gotischen Kirchen, die großen Docks sowie die prächtigen Holz- und Ziegelwarenhäuser.
IN DEM EIN KURZER BLIICK AUF SAN FRANCISCO GEWERFT WIRD
Es war sieben Uhr morgens, als Herr Fogg, Aouda und Passepartout den amerikanischen Kontinent betraten – wenn man diesem schwimmenden Kai, auf dem sie anlandeten, überhaupt diesen Namen geben kann. Diese Kais heben und senken sich mit der Flut und erleichtern so das Be- und Entladen der Schiffe. Daneben lagen Schiffe aller Größen, Dampfschiffe aller Nationalitäten sowie Dampfer mit mehreren Decks übereinander, die auf dem Sacramento und seinen Nebenflüssen verkehren. Auch die Produkte eines Handels, der bis nach Mexiko, Chile, Peru, Brasilien, Europa, Asien und alle pazifischen Inseln reicht, lagen dort gestapelt.
Passepartout, überglücklich darüber, endlich den amerikanischen Kontinent erreicht zu haben, wollte dies durch einen kühnen Sprung zur Schau stellen – doch er stolperte über einige wurmzerfressene Planken und fiel hindurch. Enttäuscht über die Art und Weise, wie er so „auf der Neuen Welt ankam“, stieß er einen lauten Schrei aus, der die unzähligen Kormorane und Pelikane, die stets auf diesen schwimmenden Kais saßen, so erschreckte, dass sie lautstark davonflogen.
Herr Fogg erkundigte sich, zu welcher Stunde der erste Zug nach New York abfuhr – es war sechs Uhr abends. Er hatte daher einen ganzen Tag Zeit, um in der kalifornischen Hauptstadt zu verbringen. Für drei Dollar nahmen er und Aouda eine Kutsche, während Passepartout auf dem Bock neben dem Kutscher Platz nahm. Gemeinsam machten sie sich auf den Weg zum International Hotel.
Von seiner erhöhten Position aus beobachtete Passepartout mit großem Interesse die breiten Straßen, die niedrigen, gleichmäßig angeordneten Häuser, die angelsächsisch-gotischen Kirchen, die großen Docks sowie die prächtigen Holz- und Ziegelwarenhäuser.
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Zahlreiche Fahrzeuge, Omnibusse, Kutschen – und auf den Bürgersteigen nicht nur Amerikaner und Europäer, sondern auch Chinesen und Inder. Passepartout war über alles erstaunt, was er sah. San Francisco war nicht mehr die legendäre Stadt von 1849 – eine Stadt von Banditen, Mördern und Brandstiftern, die in Scharen hierherkamen, um Beute zu machen; ein Paradies für Gesetzlose, in dem sie mit Goldstaub spielten, mit einem Revolver in der einen Hand und einem Bowiemesser in der anderen. Jetzt war es ein großes Handelszentrum. Der hohe Turm des Rathauses blickte über das gesamte Panorama der Straßen und Alleen hinweg, die sich rechtwinklig kreuzten; inmitten davon befanden sich angenehme, grüne Plätze. Jenseits davon lag das chinesische Viertel, das wie aus dem Kaiserreich importiert schien. Sombreros, rote Hemden sowie Indianer mit Federn waren selten zu sehen; stattdessen trugen zahlreiche nervös aktive, gentlemanhaft aussehende Männer Seidenhüte und schwarze Mäntel. Einige Straßen – insbesondere Montgomery Street, die für San Francisco das ist, was Regent Street für London, der Boulevard des Italiens für Paris und Broadway für New York ist – waren mit prächtigen, geräumigen Geschäften gesäumt, deren Fenster die Produkte der ganzen Welt zeigten. Als Passepartout das International Hotel erreichte, hatte er das Gefühl, England überhaupt nicht verlassen zu haben. Im Erdgeschoss des Hotels befand sich eine große Bar, eine Art Restaurant, das allen Passanten offenstand. Sie konnten getrocknetes Rindfleisch, Austernsuppe, Kekse und Käse essen, ohne ihre Brieftaschen herausziehen zu müssen. Man musste nur für das Bier, den Porter oder den Sherry bezahlen, den man trank. Das erschien Passepartout „sehr amerikanisch“. Die Aufenthaltsräume des Hotels waren komfortabel. Herr Fogg und Aouda setzten sich an einen Tisch und wurden von Männern dunkler Hautfarbe auf kleinen Tellern reichlich bedient. Nach dem Frühstück machte sich Herr Fogg in Begleitung von Aouda auf den Weg zum englischen Konsulat, um seinen Pass visieren zu lassen. Auf dem Weg dorthin traf er auf Passepartout, der ihn fragte, ob es nicht gut wäre, bevor sie den Zug nahmen, einige Dutzend Enfield-Gewehre sowie Colt-Revolver zu kaufen. Er hatte Geschichten über Angriffe der Sioux und Pawnees auf Züge gehört. Herr Fogg hielt das für eine sinnlose Vorsichtsmaßnahme, sagte ihm aber, er solle tun, was er für richtig hielt, und ging weiter zum Konsulat. Doch er hatte noch keine zweihundert Schritte zurückgelegt, als er „durch das größte Glück der Welt“ auf Fix stieß. Der Detektiv schien völlig…
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Überrascht. Was! Hatte Herr Fogg zusammen mit ihm den Pazifik überquert – und sie sich nicht auf dem Dampfschiff getroffen! Zumindest fühlte sich Fix geehrt, den Mann, dem er so viel zu verdanken hatte, noch einmal zu sehen. Da seine Geschäfte ihn nach Europa zurückriefen, würde er es sicherlich begrüßen, die Reise in solcher angenehmer Gesellschaft fortzusetzen.
Herr Fogg antwortete, dass es ihm eine Ehre sei. Der Detektiv – der entschlossen war, ihn nicht aus den Augen zu verlieren – bat darum, sie bei ihrem Spaziergang durch San Francisco begleiten zu dürfen. Diesen Wunsch gewährte Herr Fogg gerne.
Bald befanden sie sich in der Montgomery Street, wo sich eine große Menschenmenge versammelt hatte. Die Bürgersteige, die Straße, die Gleise der Pferdekutschen, die Ladenfenster, die Fenster der Häuser – sogar die Dächer – waren voller Menschen. Männer trugen große Plakate herum, und Flaggen sowie Bannern wehten im Wind. Überall waren laute Rufe zu hören:
„Hurra für Camerfield!“
„Hurra für Mandiboy!“
Es handelte sich um ein politisches Treffen – zumindest vermutete das Fix. Er sagte zu Herrn Fogg: „Vielleicht sollten wir uns besser nicht unter die Menge mischen. Es könnte gefährlich sein.“
„Ja“, erwiderte Herr Fogg. „Und Schläge, auch wenn sie politischer Natur sind, bleiben trotzdem Schläge.“
Fix lächelte über diese Bemerkung. Um sehen zu können, ohne von der Menge bedrängt zu werden, nahmen sie Platz auf der obersten Stufe einer Treppe am oberen Ende der Montgomery Street. Gegenüber, auf der anderen Seite der Straße, zwischen einem Kohlenkai und einem Petroleumlagerhaus, war eine große Plattform im Freien errichtet worden – dorthin schien sich der Strom der Menschen zu bewegen.
Wozu diente dieses Treffen? Welches war der Anlass für diese aufgeregte Versammlung? Phileas Fogg konnte es sich nicht vorstellen. Sollte dort vielleicht ein hoher Beamter – ein Gouverneur oder ein Kongressabgeordneter – ernannt werden? Das war nicht unwahrscheinlich, denn die Menge vor ihnen war äußerst aufgeregt.
In diesem Moment entstand in der Menschenmenge Unruhe. Alle Hände wurden in die Luft gehoben. Einige, fest geschlossen, schienen plötzlich mitten im Lärm zu verschwinden – zweifellos eine energische Art, abzustimmen. Die Menge schwankte, die Banner und Flaggen flatterten und verschwanden schließlich.
Herr Fogg antwortete, dass es ihm eine Ehre sei. Der Detektiv – der entschlossen war, ihn nicht aus den Augen zu verlieren – bat darum, sie bei ihrem Spaziergang durch San Francisco begleiten zu dürfen. Diesen Wunsch gewährte Herr Fogg gerne.
Bald befanden sie sich in der Montgomery Street, wo sich eine große Menschenmenge versammelt hatte. Die Bürgersteige, die Straße, die Gleise der Pferdekutschen, die Ladenfenster, die Fenster der Häuser – sogar die Dächer – waren voller Menschen. Männer trugen große Plakate herum, und Flaggen sowie Bannern wehten im Wind. Überall waren laute Rufe zu hören:
„Hurra für Camerfield!“
„Hurra für Mandiboy!“
Es handelte sich um ein politisches Treffen – zumindest vermutete das Fix. Er sagte zu Herrn Fogg: „Vielleicht sollten wir uns besser nicht unter die Menge mischen. Es könnte gefährlich sein.“
„Ja“, erwiderte Herr Fogg. „Und Schläge, auch wenn sie politischer Natur sind, bleiben trotzdem Schläge.“
Fix lächelte über diese Bemerkung. Um sehen zu können, ohne von der Menge bedrängt zu werden, nahmen sie Platz auf der obersten Stufe einer Treppe am oberen Ende der Montgomery Street. Gegenüber, auf der anderen Seite der Straße, zwischen einem Kohlenkai und einem Petroleumlagerhaus, war eine große Plattform im Freien errichtet worden – dorthin schien sich der Strom der Menschen zu bewegen.
Wozu diente dieses Treffen? Welches war der Anlass für diese aufgeregte Versammlung? Phileas Fogg konnte es sich nicht vorstellen. Sollte dort vielleicht ein hoher Beamter – ein Gouverneur oder ein Kongressabgeordneter – ernannt werden? Das war nicht unwahrscheinlich, denn die Menge vor ihnen war äußerst aufgeregt.
In diesem Moment entstand in der Menschenmenge Unruhe. Alle Hände wurden in die Luft gehoben. Einige, fest geschlossen, schienen plötzlich mitten im Lärm zu verschwinden – zweifellos eine energische Art, abzustimmen. Die Menge schwankte, die Banner und Flaggen flatterten und verschwanden schließlich.
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Im nächsten Moment erschien er wieder – doch in zerrissenen Kleidern. Die Wellen der Menschenmenge erreichten die Stufen, während alle Köpfe auf der Oberfläche herumwirbelten, wie das Meer bei einem Sturm. Viele der schwarzen Hüte verschwanden, und es schien, als wäre der größte Teil der Menge kleiner geworden.
„Es handelt sich offensichtlich um ein Treffen“, sagte Fix. „Und sein Zweck muss etwas Aufregendes sein. Ich wundere mich nicht, wenn es um die ‚Alabama‘ geht – obwohl diese Angelegenheit bereits geklärt ist.“
„Vielleicht“, antwortete Herr Fogg einfach.
„Jedenfalls stehen sich hier zwei Gegner gegenüber: der ehrenwerte Herr Camerfield und der ehrenwerte Herr Mandiboy.“
Aouda, die sich auf den Arm von Herrn Fogg stützte, beobachtete die chaotische Szene mit Erstaunen. Fix fragte einen Mann in seiner Nähe nach dem Grund für dieses Chaos.
Bevor der Mann antworten konnte, entstand erneut Unruhe; es wurden Jubelrufe und aufgeregte Schreie gehört. Die Stäbe der Banner wurden als Waffen eingesetzt, und Fäuste flogen in alle Richtungen. Von den Dächern der Kutschen und Omnibusse, die in der Menge stecken geblieben waren, wurden Schläge ausgeführt. Stiefel und Schuhe flogen durch die Luft. Herr Fogg glaubte sogar, das Geräusch von Revolvern im Lärm zu hören. Die Flut der Menschen näherte sich den Stufen und strömte über sie hinweg. Eine der Gruppen wurde offensichtlich zurückgeschlagen – doch die Zuschauer konnten nicht erkennen, ob Mandiboy oder Camerfield die Oberhand gewonnen hatte.
„Es wäre klug, wenn wir uns zurückziehen würden“, sagte Fix. Er wollte unbedingt verhindern, dass Herr Fogg verletzt wurde – zumindest bis sie wieder in London waren.
„Wenn es hier irgendetwas mit England zu tun hat und wir erkannt werden, fürchte ich, wird es für uns schlecht ausgehen.“
„Ein englischer Bürger…“, begann Herr Fogg.
Er beendete seinen Satz nicht – denn auf der Terrasse hinter den Stufen, auf denen sie standen, entstand nun ein schreckliches Getöse. Es wurden verzweifelte Rufe laut: „Hurra für Mandiboy! Hip, hip, hurra!“
Es handelte sich um eine Gruppe von Anhängern, die ihren Verbündeten zu Hilfe kamen und die Truppen von Camerfield von der Seite angriffen. Herr Fogg, Aouda und Fix befanden sich zwischen zwei Fronten – es war bereits zu spät, um zu fliehen. Der Strom der Männer, bewaffnet mit geladenen Stöcken, war unwiderstehlich. Phileas Fogg und Fix wurden grob beiseitegestoßen, als sie versuchten, ihre Begleiterin zu schützen. Der前者 versuchte, ruhig wie immer, sich mit den Waffen zu verteidigen, die ihm die Natur gegeben hatte.
„Es handelt sich offensichtlich um ein Treffen“, sagte Fix. „Und sein Zweck muss etwas Aufregendes sein. Ich wundere mich nicht, wenn es um die ‚Alabama‘ geht – obwohl diese Angelegenheit bereits geklärt ist.“
„Vielleicht“, antwortete Herr Fogg einfach.
„Jedenfalls stehen sich hier zwei Gegner gegenüber: der ehrenwerte Herr Camerfield und der ehrenwerte Herr Mandiboy.“
Aouda, die sich auf den Arm von Herrn Fogg stützte, beobachtete die chaotische Szene mit Erstaunen. Fix fragte einen Mann in seiner Nähe nach dem Grund für dieses Chaos.
Bevor der Mann antworten konnte, entstand erneut Unruhe; es wurden Jubelrufe und aufgeregte Schreie gehört. Die Stäbe der Banner wurden als Waffen eingesetzt, und Fäuste flogen in alle Richtungen. Von den Dächern der Kutschen und Omnibusse, die in der Menge stecken geblieben waren, wurden Schläge ausgeführt. Stiefel und Schuhe flogen durch die Luft. Herr Fogg glaubte sogar, das Geräusch von Revolvern im Lärm zu hören. Die Flut der Menschen näherte sich den Stufen und strömte über sie hinweg. Eine der Gruppen wurde offensichtlich zurückgeschlagen – doch die Zuschauer konnten nicht erkennen, ob Mandiboy oder Camerfield die Oberhand gewonnen hatte.
„Es wäre klug, wenn wir uns zurückziehen würden“, sagte Fix. Er wollte unbedingt verhindern, dass Herr Fogg verletzt wurde – zumindest bis sie wieder in London waren.
„Wenn es hier irgendetwas mit England zu tun hat und wir erkannt werden, fürchte ich, wird es für uns schlecht ausgehen.“
„Ein englischer Bürger…“, begann Herr Fogg.
Er beendete seinen Satz nicht – denn auf der Terrasse hinter den Stufen, auf denen sie standen, entstand nun ein schreckliches Getöse. Es wurden verzweifelte Rufe laut: „Hurra für Mandiboy! Hip, hip, hurra!“
Es handelte sich um eine Gruppe von Anhängern, die ihren Verbündeten zu Hilfe kamen und die Truppen von Camerfield von der Seite angriffen. Herr Fogg, Aouda und Fix befanden sich zwischen zwei Fronten – es war bereits zu spät, um zu fliehen. Der Strom der Männer, bewaffnet mit geladenen Stöcken, war unwiderstehlich. Phileas Fogg und Fix wurden grob beiseitegestoßen, als sie versuchten, ihre Begleiterin zu schützen. Der前者 versuchte, ruhig wie immer, sich mit den Waffen zu verteidigen, die ihm die Natur gegeben hatte.
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Am Ende des Arms jedes Engländer – doch vergeblich. Ein großer, kräftiger Mann mit rotem Bart, gerötetem Gesicht und breiten Schultern, der anscheinend der Anführer der Bande war, hob seine geballte Faust, um Herrn Fogg zu schlagen. Er hätte ihm einen vernichtenden Schlag versetzt, hätten Fix nicht eingegriffen und den Schlag stattdessen abbekommen. Sofort erschien unter dem Seidenhut des Detektivs ein riesiger Bluterguss – der Hut war völlig zerstört.
„Yankee!“, rief Herr Fogg und warf dem Schurken einen verächtlichen Blick zu.
„Engländer!“, erwiderte der andere. „Wir werden uns wiedersehen!“
„Wann immer Sie wollen.“
„Wie heißen Sie?“
„Phileas Fogg. Und Sie?“
„Colonel Stamp Proctor.“
Die Menschenmenge strömte weiter – nachdem Fix zu Boden geworfen worden war. Er kam zwar schnell wieder auf die Beine, doch seine Kleidung war zerrissen. Glücklicherweise war er nicht ernsthaft verletzt. Sein Reisemantel war in zwei ungleiche Teile gerissen, und seine Hosen sahen aus wie die einiger Indianer – sie passten nicht besonders gut und waren außerdem schwer anzuziehen. Aouda war unverletzt entkommen; nur Fix trug Spuren des Kampfes in Form von blauen Flecken.
„Danke“, sagte Herr Fogg zum Detektiv, sobald sie aus der Menge herauskamen.
„Es gibt keinen Grund zur Dankbarkeit“, antwortete Fix. „Aber lassen Sie uns gehen.“
„Wohin?“
„Zu einem Schneider.“
Ein solcher Besuch war tatsächlich angebracht. Die Kleidung sowohl von Herrn Fogg als auch von Fix war in Fetzen – als wären sie selbst aktiv am Kampf zwischen Camerfield und Mandiboy beteiligt gewesen. Eine Stunde später waren sie wieder ordentlich gekleidet und kehrten zusammen mit Aouda ins International Hotel zurück.
Passepartout wartete auf seinen Herrn – bewaffnet mit einem Dutzend sechsläufiger Revolver. Als er Fix sah, runzelte er die Stirn. Doch nachdem Aouda ihm in wenigen Worten von ihrem Abenteuer erzählt hatte, nahm sein Gesicht wieder einen ruhigen Ausdruck an. Offensichtlich war Fix nicht mehr ein Feind, sondern ein Verbündeter – er hielt sein Versprechen treu.
„Yankee!“, rief Herr Fogg und warf dem Schurken einen verächtlichen Blick zu.
„Engländer!“, erwiderte der andere. „Wir werden uns wiedersehen!“
„Wann immer Sie wollen.“
„Wie heißen Sie?“
„Phileas Fogg. Und Sie?“
„Colonel Stamp Proctor.“
Die Menschenmenge strömte weiter – nachdem Fix zu Boden geworfen worden war. Er kam zwar schnell wieder auf die Beine, doch seine Kleidung war zerrissen. Glücklicherweise war er nicht ernsthaft verletzt. Sein Reisemantel war in zwei ungleiche Teile gerissen, und seine Hosen sahen aus wie die einiger Indianer – sie passten nicht besonders gut und waren außerdem schwer anzuziehen. Aouda war unverletzt entkommen; nur Fix trug Spuren des Kampfes in Form von blauen Flecken.
„Danke“, sagte Herr Fogg zum Detektiv, sobald sie aus der Menge herauskamen.
„Es gibt keinen Grund zur Dankbarkeit“, antwortete Fix. „Aber lassen Sie uns gehen.“
„Wohin?“
„Zu einem Schneider.“
Ein solcher Besuch war tatsächlich angebracht. Die Kleidung sowohl von Herrn Fogg als auch von Fix war in Fetzen – als wären sie selbst aktiv am Kampf zwischen Camerfield und Mandiboy beteiligt gewesen. Eine Stunde später waren sie wieder ordentlich gekleidet und kehrten zusammen mit Aouda ins International Hotel zurück.
Passepartout wartete auf seinen Herrn – bewaffnet mit einem Dutzend sechsläufiger Revolver. Als er Fix sah, runzelte er die Stirn. Doch nachdem Aouda ihm in wenigen Worten von ihrem Abenteuer erzählt hatte, nahm sein Gesicht wieder einen ruhigen Ausdruck an. Offensichtlich war Fix nicht mehr ein Feind, sondern ein Verbündeter – er hielt sein Versprechen treu.
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Das Abendessen war vorbei. Der Wagen, der die Passagiere sowie ihr Gepäck zum Bahnhof bringen sollte, hielt vor der Tür an. Als er einstieg, sagte Herr Fogg zu Fix: „Haben Sie diesen Colonel Proctor seitdem nicht wieder gesehen?“
„Nein.“
„Ich werde nach Amerika zurückkehren, um ihn zu finden“, sagte Phileas Fogg ruhig. „Es wäre nicht richtig, wenn ein Engländer es zuließe, auf diese Weise behandelt zu werden, ohne sich zu wehren.“
Der Detektiv lächelte, antwortete aber nicht. Es war klar, dass Herr Fogg zu jenen Engländern gehörte, die zwar Duelle im eigenen Land nicht dulden, aber im Ausland kämpfen, wenn ihre Ehre angegriffen wird.
Viertel vor sechs erreichten die Reisenden den Bahnhof und stellten fest, dass der Zug bereits bereit zum Abfahren war. Als er gerade einsteigen wollte, rief Herr Fogg einen Portier herbei und fragte ihn: „Mein Freund, gab es heute in San Francisco nicht irgendwelche Unruhen?“
„Es handelte sich um eine politische Versammlung, Sir“, antwortete der Portier.
„Aber ich dachte, es gäbe große Unruhen auf den Straßen.“
„Es war nur eine Versammlung zur Wahl.“
„Zur Wahl eines Oberbefehlshabers, ohne Zweifel?“, fragte Herr Fogg.
„Nein, Sir; es ging um die Wahl eines Friedensrichters.“
Phileas Fogg stieg in den Zug, der mit voller Geschwindigkeit abfuhr.
„Nein.“
„Ich werde nach Amerika zurückkehren, um ihn zu finden“, sagte Phileas Fogg ruhig. „Es wäre nicht richtig, wenn ein Engländer es zuließe, auf diese Weise behandelt zu werden, ohne sich zu wehren.“
Der Detektiv lächelte, antwortete aber nicht. Es war klar, dass Herr Fogg zu jenen Engländern gehörte, die zwar Duelle im eigenen Land nicht dulden, aber im Ausland kämpfen, wenn ihre Ehre angegriffen wird.
Viertel vor sechs erreichten die Reisenden den Bahnhof und stellten fest, dass der Zug bereits bereit zum Abfahren war. Als er gerade einsteigen wollte, rief Herr Fogg einen Portier herbei und fragte ihn: „Mein Freund, gab es heute in San Francisco nicht irgendwelche Unruhen?“
„Es handelte sich um eine politische Versammlung, Sir“, antwortete der Portier.
„Aber ich dachte, es gäbe große Unruhen auf den Straßen.“
„Es war nur eine Versammlung zur Wahl.“
„Zur Wahl eines Oberbefehlshabers, ohne Zweifel?“, fragte Herr Fogg.
„Nein, Sir; es ging um die Wahl eines Friedensrichters.“
Phileas Fogg stieg in den Zug, der mit voller Geschwindigkeit abfuhr.
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KAPITEL XXVI.
In dem Phileas Fogg und seine Begleiter
mit der Pazifischen Eisenbahn reisen
„Von Ozean zu Ozean“ – so sagen die Amerikaner; und diese vier Worte bilden die allgemeine Bezeichnung für die „große Hauptstrecke“, die die gesamte Breite der Vereinigten Staaten durchquert. Die Pazifische Eisenbahn ist jedoch tatsächlich in zwei separate Strecken unterteilt: die Central Pacific zwischen San Francisco und Ogden sowie die Union Pacific zwischen Ogden und Omaha. Fünf Hauptstrecken verbinden Omaha mit New York.
New York und San Francisco sind somit durch ein ununterbrochenes Metallband miteinander verbunden, das eine Länge von mindestens dreitausend siebenhundertachtzig Seilen hat. Zwischen Omaha und dem Pazifik durchquert die Eisenbahn ein Gebiet, das noch von Indianern und wilden Tieren bewohnt wird, sowie ein großes Areal, das die Mormonen nach ihrer Vertreibung aus Illinois im Jahr 1845 zu kolonisieren begannen.
Die Reise von New York nach San Francisco dauerte früher, unter den günstigsten Bedingungen, mindestens sechs Monate. Heute kann sie in sieben Tagen zurückgelegt werden.
Im Jahr 1862 wurde, trotz der Abgeordneten des Südens, die eine südlichere Strecke wünschten, beschlossen, die Bahnstrecke zwischen dem 41. und 42. Breitengrad zu bauen. Präsident Lincoln selbst legte das Ende der Strecke in Omaha, Nebraska, fest. Die Arbeiten wurden umgehend aufgenommen und mit wahrhaft amerikanischer Energie fortgesetzt; die Geschwindigkeit, mit der die Arbeiten voranschritten, beeinträchtigte ihre Qualität nicht. Auf den Prärien wurde täglich eineinhalb Meilen der Bahnstrecke gebaut. Eine Lokomotive, die auf den am Vortag gelegten Schienen fuhr, brachte die Schienen für den nächsten Tag und bewegte sich so schnell wie möglich darauf vorwärts.
In dem Phileas Fogg und seine Begleiter
mit der Pazifischen Eisenbahn reisen
„Von Ozean zu Ozean“ – so sagen die Amerikaner; und diese vier Worte bilden die allgemeine Bezeichnung für die „große Hauptstrecke“, die die gesamte Breite der Vereinigten Staaten durchquert. Die Pazifische Eisenbahn ist jedoch tatsächlich in zwei separate Strecken unterteilt: die Central Pacific zwischen San Francisco und Ogden sowie die Union Pacific zwischen Ogden und Omaha. Fünf Hauptstrecken verbinden Omaha mit New York.
New York und San Francisco sind somit durch ein ununterbrochenes Metallband miteinander verbunden, das eine Länge von mindestens dreitausend siebenhundertachtzig Seilen hat. Zwischen Omaha und dem Pazifik durchquert die Eisenbahn ein Gebiet, das noch von Indianern und wilden Tieren bewohnt wird, sowie ein großes Areal, das die Mormonen nach ihrer Vertreibung aus Illinois im Jahr 1845 zu kolonisieren begannen.
Die Reise von New York nach San Francisco dauerte früher, unter den günstigsten Bedingungen, mindestens sechs Monate. Heute kann sie in sieben Tagen zurückgelegt werden.
Im Jahr 1862 wurde, trotz der Abgeordneten des Südens, die eine südlichere Strecke wünschten, beschlossen, die Bahnstrecke zwischen dem 41. und 42. Breitengrad zu bauen. Präsident Lincoln selbst legte das Ende der Strecke in Omaha, Nebraska, fest. Die Arbeiten wurden umgehend aufgenommen und mit wahrhaft amerikanischer Energie fortgesetzt; die Geschwindigkeit, mit der die Arbeiten voranschritten, beeinträchtigte ihre Qualität nicht. Auf den Prärien wurde täglich eineinhalb Meilen der Bahnstrecke gebaut. Eine Lokomotive, die auf den am Vortag gelegten Schienen fuhr, brachte die Schienen für den nächsten Tag und bewegte sich so schnell wie möglich darauf vorwärts.
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Die Pacific Railroad wird in Iowa, Kansas, Colorado und Oregon durch mehrere Nebenstrecken ergänzt. Nach dem Verlassen von Omaha verläuft sie entlang des linken Ufers des Platte River bis zur Kreuzung mit ihrer nördlichen Nebenstrecke, folgt anschließend dieser südlichen Nebenstrecke, durchquert das Gebiet von Laramie sowie die Wahsatch-Berge, umrundet den Großen Salzsee und erreicht schließlich Salt Lake City, die Hauptstadt der Mormonen. Danach führt die Strecke ins Tuilla-Tal, über die amerikanische Wüste, die Cedar- und Humboldt-Berge sowie die Sierra Nevada – und gelangt schließlich über Sacramento zum Pazifik. Selbst in den Rocky Mountains überschreitet die Steigung nie 112 Fuß pro Meile.
Das war also die Strecke, die in sieben Tagen zurückgelegt werden sollte – eine Strecke, die Phileas Fogg zumindest hoffte, ihm ermöglichen zu können, am 11. den Ozeanliner in New York zu besteigen, um nach Liverpool zu reisen.
Der Waggon, in dem er saß, war eine Art langer Omnibus mit acht Rädern, ohne innere Abteile. Er verfügte über zwei Reihen von Sitzen, die senkrecht zur Fahrtrichtung angeordnet waren, jeweils auf einer Seite eines Ganges, der zu den vorderen und hinteren Bahnsteigen führte. Solche Bahnsteige gab es im ganzen Zug, sodass die Passagiere von einem Ende des Zuges zum anderen gelangen konnten. Der Zug hatte außerdem Salonwagen, Balkonwagen, Restaurants sowie Raucherräume; nur Theaterwagen fehlten – doch diese würden irgendwann hinzukommen.
Buch- und Zeitungsverkäufer sowie Händler für Essbares, Trinkbares und Zigarren, die offensichtlich viele Kunden hatten, bewegten sich ständig durch die Gänge.
Der Zug verließ den Bahnhof von Oakland um sechs Uhr. Es war bereits Nacht – kalt und düster; der Himmel war mit Wolken bedeckt, die nach Schnee aussahen. Der Zug fuhr nicht besonders schnell; einschließlich der Stopps legte er nicht mehr als 20 Meilen pro Stunde zurück – doch das war eine ausreichende Geschwindigkeit, um rechtzeitig in Omaha anzukommen.
Im Waggon herrschte kaum Gesprächsstoff, und bald wurden viele Passagiere vom Schlaf übermannt. Passepartout befand sich neben dem Detektiv – doch er sprach nicht mit ihm. Nach den jüngsten Ereignissen waren ihre Beziehungen etwas abgekühlt; es konnte keine gegenseitige Sympathie oder Intimität mehr zwischen ihnen bestehen. Fixs Verhalten hatte sich nicht geändert – doch Passepartout war sehr zurückhaltend und bereit, seinen ehemaligen Freund bei der geringsten Provokation zu erwürgen.
Das war also die Strecke, die in sieben Tagen zurückgelegt werden sollte – eine Strecke, die Phileas Fogg zumindest hoffte, ihm ermöglichen zu können, am 11. den Ozeanliner in New York zu besteigen, um nach Liverpool zu reisen.
Der Waggon, in dem er saß, war eine Art langer Omnibus mit acht Rädern, ohne innere Abteile. Er verfügte über zwei Reihen von Sitzen, die senkrecht zur Fahrtrichtung angeordnet waren, jeweils auf einer Seite eines Ganges, der zu den vorderen und hinteren Bahnsteigen führte. Solche Bahnsteige gab es im ganzen Zug, sodass die Passagiere von einem Ende des Zuges zum anderen gelangen konnten. Der Zug hatte außerdem Salonwagen, Balkonwagen, Restaurants sowie Raucherräume; nur Theaterwagen fehlten – doch diese würden irgendwann hinzukommen.
Buch- und Zeitungsverkäufer sowie Händler für Essbares, Trinkbares und Zigarren, die offensichtlich viele Kunden hatten, bewegten sich ständig durch die Gänge.
Der Zug verließ den Bahnhof von Oakland um sechs Uhr. Es war bereits Nacht – kalt und düster; der Himmel war mit Wolken bedeckt, die nach Schnee aussahen. Der Zug fuhr nicht besonders schnell; einschließlich der Stopps legte er nicht mehr als 20 Meilen pro Stunde zurück – doch das war eine ausreichende Geschwindigkeit, um rechtzeitig in Omaha anzukommen.
Im Waggon herrschte kaum Gesprächsstoff, und bald wurden viele Passagiere vom Schlaf übermannt. Passepartout befand sich neben dem Detektiv – doch er sprach nicht mit ihm. Nach den jüngsten Ereignissen waren ihre Beziehungen etwas abgekühlt; es konnte keine gegenseitige Sympathie oder Intimität mehr zwischen ihnen bestehen. Fixs Verhalten hatte sich nicht geändert – doch Passepartout war sehr zurückhaltend und bereit, seinen ehemaligen Freund bei der geringsten Provokation zu erwürgen.
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Eine Stunde nach dem Aufbruch begann es zu schneien – feiner Schnee zwar, der glücklicherweise den Zug nicht behindern konnte. Von den Fenstern aus war nichts zu sehen außer einer weiten, weißen Fläche; gegen diese wirkte der Rauch der Lokomotive grau. Um acht Uhr kam ein Schaffner ins Abteil und verkündete, dass es Zeit sei, ins Bett zu gehen. Innerhalb weniger Minuten verwandelte sich das Abteil in ein Schlafsaal. Die Rückenlehnen der Sitze wurden nach hinten geklappt, durch ein einfallsreiches System wurden sorgfältig verpackte Betten herausgefahren, plötzlich entstanden Schlafplätze – und jeder Reisende hatte bald ein bequemes Bett zur Verfügung, das durch dicke Vorhänge vor neugierigen Blicken geschützt war. Die Laken waren sauber und die Kissen weich. Es blieb nur noch, ins Bett zu gehen und zu schlafen – was alle taten – während der Zug weiter durch den Bundesstaat Kalifornien raste.
Das Gebiet zwischen San Francisco und Sacramento ist nicht sehr hügelig. Die Central Pacific-Bahn, deren Ausgangspunkt Sacramento ist, erstreckt sich nach Osten, um dort auf die Bahnstrecke von Omaha zu treffen. Die Strecke von San Francisco nach Sacramento verläuft in nordöstlicher Richtung entlang des American River, der in die San Pablo Bay mündet. Die 120 Meilen zwischen diesen Städten wurden in sechs Stunden zurückgelegt. Gegen Mitternacht, während die Reisenden tief schliefen, passierte der Zug Sacramento – sie sahen also nichts von diesem wichtigen Ort, dem Sitz der Staatsregierung, mit seinen schönen Anlegestellen, breiten Straßen, prächtigen Hotels, Plätzen und Kirchen.
Nachdem der Zug Sacramento verlassen hatte und die Bahnkreuzungen Roclin, Auburn und Colfax passiert hatte, gelangte er in das Gebirge der Sierra Nevada. Um sieben Uhr morgens erreichten sie Cisco. Eine Stunde später wurde der Schlafsaal wieder zu einem normalen Abteil – die Reisenden konnten nun die malerischen Schönheiten der Bergregion betrachten, durch die der Zug fuhr. Die Eisenbahnstrecke schlängelte sich zwischen den Pässen hindurch – mal näherte sie sich den Berghängen, mal hing sie über Abgründen. Durch kühne Kurven wurden steile Winkel umgangen; der Zug tauchte in enge Schluchten ein, die scheinbar keinen Ausgang hatten. Die Lokomotive, mit ihrem großen Schornstein, der ein seltsames Licht abgab, ihrem lauten Glockenton sowie ihrem Ausleger, der wie ein Sporn aussah, vermischte ihre Geräusche mit dem Lärm von Wasserfällen und Strömen – ihr Rauch wand sich zwischen den Ästen der riesigen Kiefern.
Auf der Strecke gab es kaum Brücken oder Tunnel. Die Eisenbahn umrundete die Berge – anstatt versuchen zu wollen, die Natur zu durchbrechen.
Das Gebiet zwischen San Francisco und Sacramento ist nicht sehr hügelig. Die Central Pacific-Bahn, deren Ausgangspunkt Sacramento ist, erstreckt sich nach Osten, um dort auf die Bahnstrecke von Omaha zu treffen. Die Strecke von San Francisco nach Sacramento verläuft in nordöstlicher Richtung entlang des American River, der in die San Pablo Bay mündet. Die 120 Meilen zwischen diesen Städten wurden in sechs Stunden zurückgelegt. Gegen Mitternacht, während die Reisenden tief schliefen, passierte der Zug Sacramento – sie sahen also nichts von diesem wichtigen Ort, dem Sitz der Staatsregierung, mit seinen schönen Anlegestellen, breiten Straßen, prächtigen Hotels, Plätzen und Kirchen.
Nachdem der Zug Sacramento verlassen hatte und die Bahnkreuzungen Roclin, Auburn und Colfax passiert hatte, gelangte er in das Gebirge der Sierra Nevada. Um sieben Uhr morgens erreichten sie Cisco. Eine Stunde später wurde der Schlafsaal wieder zu einem normalen Abteil – die Reisenden konnten nun die malerischen Schönheiten der Bergregion betrachten, durch die der Zug fuhr. Die Eisenbahnstrecke schlängelte sich zwischen den Pässen hindurch – mal näherte sie sich den Berghängen, mal hing sie über Abgründen. Durch kühne Kurven wurden steile Winkel umgangen; der Zug tauchte in enge Schluchten ein, die scheinbar keinen Ausgang hatten. Die Lokomotive, mit ihrem großen Schornstein, der ein seltsames Licht abgab, ihrem lauten Glockenton sowie ihrem Ausleger, der wie ein Sporn aussah, vermischte ihre Geräusche mit dem Lärm von Wasserfällen und Strömen – ihr Rauch wand sich zwischen den Ästen der riesigen Kiefern.
Auf der Strecke gab es kaum Brücken oder Tunnel. Die Eisenbahn umrundete die Berge – anstatt versuchen zu wollen, die Natur zu durchbrechen.
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Den kürzesten Weg von einem Punkt zum anderen nehmen.
Der Zug erreichte gegen neun Uhr den Bundesstaat Nevada über das Carson Valley und fuhr stets in nordöstlicher Richtung weiter. Um Mittag kam er in Reno an, wo es einen Zwischenstopp von zwanzig Minuten wegen des Frühstücks gab. Von dort aus führte die Straße entlang des Humboldt River mehrere Meilen parallel zu dessen Ufern nach Norden; anschließend bog sie nach Osten ab und blieb bis zu den Humboldt Mountains entlang des Flusses – fast am äußersten östlichen Rand Nevadas.
Nach dem Frühstück nahmen Herr Fogg und seine Begleiter wieder ihre Plätze im Waggon ein und beobachteten die vielfältige Landschaft, die sich ihnen bot: die weiten Prärien, die Berge am Horizont sowie die Bäche mit ihren schäumenden Strömen. Manchmal sah man große Herden von Büffeln, die sich in der Ferne versammelten und wie eine bewegliche Mauer wirkten. Diese unzähligen Herden von Wiederkäuern stellen oft ein unüberwindbares Hindernis für den Zugverkehr dar; Tausende von ihnen wurden bereits dabei beobachtet, wie sie stundenlang in dichten Reihen über die Schienen zogen. Der Lokomotivführer musste dann anhalten und warten, bis der Weg wieder frei war.
Das geschah tatsächlich mit dem Zug, in dem Herr Fogg reiste. Gegen zwölf Uhr blockierten zehn- oder zwölftausend Büffel die Schienen. Die Lokomotive verlangsamte ihre Geschwindigkeit und versuchte, mit ihrem Fanggerät den Weg freizumachen – doch die Menge der Tiere war einfach zu groß. Die Büffel zogen in ruhigem Tempo vorwärts und stießen gelegentlich laute Brülllaute aus. Es war sinnlos, sie zu stören – denn sobald sie einmal eine bestimmte Richtung eingeschlagen hatten, konnte nichts ihren Weg ändern; es handelte sich dabei um einen „Strom aus lebendigem Fleisch“, den keine Mauer aufhalten konnte.
Die Reisenden betrachteten dieses seltsame Schauspiel von den Bahnsteigen aus – doch Phileas Fogg, der mehr als alle anderen Grund hatte, es eilig zu haben, blieb auf seinem Sitz und wartete gelassen ab, bis es den Büffeln passte, aus dem Weg zu gehen.
Passepartout war wütend über die Verzögerung, die diese Tiere verursachten, und wollte am liebsten sein ganzes Revolverarsenal auf sie abfeuern.
„Was für ein Land!“, rief er. „Einfache Rinder blockieren die Züge und ziehen in Prozession vorbei, als würden sie den Verkehr nicht behindern! Verdammt! Ich frage mich, ob Herr Fogg dieses Problem bereits in seinem Plan vorausgesehen hat! Und hier ist ein Ingenieur, der es nicht wagt, die Lokomotive in diese Herde von Tieren zu lenken!“
Der Zug erreichte gegen neun Uhr den Bundesstaat Nevada über das Carson Valley und fuhr stets in nordöstlicher Richtung weiter. Um Mittag kam er in Reno an, wo es einen Zwischenstopp von zwanzig Minuten wegen des Frühstücks gab. Von dort aus führte die Straße entlang des Humboldt River mehrere Meilen parallel zu dessen Ufern nach Norden; anschließend bog sie nach Osten ab und blieb bis zu den Humboldt Mountains entlang des Flusses – fast am äußersten östlichen Rand Nevadas.
Nach dem Frühstück nahmen Herr Fogg und seine Begleiter wieder ihre Plätze im Waggon ein und beobachteten die vielfältige Landschaft, die sich ihnen bot: die weiten Prärien, die Berge am Horizont sowie die Bäche mit ihren schäumenden Strömen. Manchmal sah man große Herden von Büffeln, die sich in der Ferne versammelten und wie eine bewegliche Mauer wirkten. Diese unzähligen Herden von Wiederkäuern stellen oft ein unüberwindbares Hindernis für den Zugverkehr dar; Tausende von ihnen wurden bereits dabei beobachtet, wie sie stundenlang in dichten Reihen über die Schienen zogen. Der Lokomotivführer musste dann anhalten und warten, bis der Weg wieder frei war.
Das geschah tatsächlich mit dem Zug, in dem Herr Fogg reiste. Gegen zwölf Uhr blockierten zehn- oder zwölftausend Büffel die Schienen. Die Lokomotive verlangsamte ihre Geschwindigkeit und versuchte, mit ihrem Fanggerät den Weg freizumachen – doch die Menge der Tiere war einfach zu groß. Die Büffel zogen in ruhigem Tempo vorwärts und stießen gelegentlich laute Brülllaute aus. Es war sinnlos, sie zu stören – denn sobald sie einmal eine bestimmte Richtung eingeschlagen hatten, konnte nichts ihren Weg ändern; es handelte sich dabei um einen „Strom aus lebendigem Fleisch“, den keine Mauer aufhalten konnte.
Die Reisenden betrachteten dieses seltsame Schauspiel von den Bahnsteigen aus – doch Phileas Fogg, der mehr als alle anderen Grund hatte, es eilig zu haben, blieb auf seinem Sitz und wartete gelassen ab, bis es den Büffeln passte, aus dem Weg zu gehen.
Passepartout war wütend über die Verzögerung, die diese Tiere verursachten, und wollte am liebsten sein ganzes Revolverarsenal auf sie abfeuern.
„Was für ein Land!“, rief er. „Einfache Rinder blockieren die Züge und ziehen in Prozession vorbei, als würden sie den Verkehr nicht behindern! Verdammt! Ich frage mich, ob Herr Fogg dieses Problem bereits in seinem Plan vorausgesehen hat! Und hier ist ein Ingenieur, der es nicht wagt, die Lokomotive in diese Herde von Tieren zu lenken!“
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Der Ingenieur versuchte nicht, das Hindernis zu überwinden – und das war weise von ihm. Zweifellos hätte er die ersten Büffel mit dem Büffelfänger zerquetscht; doch die Lokomotive, so leistungsstark sie auch war, wäre bald zum Stillstand gekommen, der Zug wäre unweigerlich von den Schienen geraten und dann hilflos gewesen. Der beste Weg bestand darin, geduldig abzuwarten und den verlorenen Zeitraum durch größere Geschwindigkeit wieder wettzumachen, sobald das Hindernis beseitigt war. Die Kolonne der Büffel zog sich über drei volle Stunden hin – erst in der Nacht wurde die Strecke wieder frei. Die letzten Reihen der Herde überquerten gerade die Schienen, während die ersten bereits unter dem südlichen Horizont verschwunden waren. Es war acht Uhr, als der Zug die Pässe des Humboldt-Gebirges durchquerte, und halb zehn, als er Utah erreichte – die Region des Großen Salzsees sowie die besondere Siedlung der Mormonen.
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KAPITEL XXVII.
In dem Passepartout mit einer Geschwindigkeit von zwanzig Meilen pro Stunde eine Einführung in die Geschichte der Mormonen erhält
In der Nacht zum 5. Dezember fuhr der Zug in südöstlicher Richtung etwa fünfzig Meilen weit; anschließend stieg er über eine gleich lange Strecke in nordöstlicher Richtung auf, in Richtung des Großen Salzsees.
Gegen neun Uhr ging Passepartout auf den Bahnsteig, um frische Luft zu schnappen. Das Wetter war kalt, der Himmel grau – es schneite jedoch nicht. Die Sonne, durch den Nebel vergrößert, wirkte wie ein riesiger goldener Ring. Passepartout beschäftigte sich damit, ihren Wert in Pfund Sterling auszurechnen, als ihn eine seltsam aussehende Person vom Bahnsteig her ablenkte.
Diese Person, die in Elko in den Zug gestiegen war, war groß und dunkelhäutig, trug einen schwarzen Schnurrbart, schwarze Strümpfe, einen schwarzen Seidenhut, eine schwarze Weste, schwarze Hosen, eine weiße Krawatte sowie Handschuhe aus Hundehaut. Man hätte ihn für einen Geistlichen halten können. Er ging von einem Ende des Zuges zum anderen und heftete an jede Tür eines Wagens ein handgeschriebenes Schild.
Passepartout trat näher und las eines dieser Schilder. Darin stand, dass der Mormonenmissionar Elder William Hitch, unter Ausnutzung seines Aufenthalts im Zug Nr. 48, von elf bis zwölf Uhr in Waggon Nr. 117 einen Vortrag über den Mormonismus halten würde; er lud alle ein, die etwas über die Geheimnisse der Religion der „Heiligen der Letzten Tage“ erfahren wollten, dazu ein.
„Ich werde hingehen“, sagte Passepartout zu sich selbst. Er wusste nichts über den Mormonismus – außer vom Brauch der Polygamie, der seine Grundlage bildet.
In dem Passepartout mit einer Geschwindigkeit von zwanzig Meilen pro Stunde eine Einführung in die Geschichte der Mormonen erhält
In der Nacht zum 5. Dezember fuhr der Zug in südöstlicher Richtung etwa fünfzig Meilen weit; anschließend stieg er über eine gleich lange Strecke in nordöstlicher Richtung auf, in Richtung des Großen Salzsees.
Gegen neun Uhr ging Passepartout auf den Bahnsteig, um frische Luft zu schnappen. Das Wetter war kalt, der Himmel grau – es schneite jedoch nicht. Die Sonne, durch den Nebel vergrößert, wirkte wie ein riesiger goldener Ring. Passepartout beschäftigte sich damit, ihren Wert in Pfund Sterling auszurechnen, als ihn eine seltsam aussehende Person vom Bahnsteig her ablenkte.
Diese Person, die in Elko in den Zug gestiegen war, war groß und dunkelhäutig, trug einen schwarzen Schnurrbart, schwarze Strümpfe, einen schwarzen Seidenhut, eine schwarze Weste, schwarze Hosen, eine weiße Krawatte sowie Handschuhe aus Hundehaut. Man hätte ihn für einen Geistlichen halten können. Er ging von einem Ende des Zuges zum anderen und heftete an jede Tür eines Wagens ein handgeschriebenes Schild.
Passepartout trat näher und las eines dieser Schilder. Darin stand, dass der Mormonenmissionar Elder William Hitch, unter Ausnutzung seines Aufenthalts im Zug Nr. 48, von elf bis zwölf Uhr in Waggon Nr. 117 einen Vortrag über den Mormonismus halten würde; er lud alle ein, die etwas über die Geheimnisse der Religion der „Heiligen der Letzten Tage“ erfahren wollten, dazu ein.
„Ich werde hingehen“, sagte Passepartout zu sich selbst. Er wusste nichts über den Mormonismus – außer vom Brauch der Polygamie, der seine Grundlage bildet.
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Die Nachricht verbreitete sich schnell im Zug, der etwa hundert Passagiere beförderte. Von diesen suchten sich höchstens dreißig, angezogen von der Ankündigung, einen Platz im Waggon Nummer 117. Passepartout nahm einen der vorderen Plätze ein. Weder Herr Fogg noch Fix hatten die Lust, zuzuhören.
Zur festgelegten Zeit stand Ältester William Hitch auf und sagte mit gereizter Stimme, als wäre er bereits widersprochen worden: „Ich sage Ihnen, dass Joe Smith ein Märtyrer ist, dass sein Bruder Hiram ein Märtyrer ist – und dass die Verfolgungen durch die Regierung der Vereinigten Staaten gegen die Propheten auch Brigham Young zum Märtyrer machen werden. Wer wagt es, etwas anderes zu behaupten?“
Niemand wagte es, dem Missionar zu widersprechen. Sein aufgeregter Tonfall stand seltsam im Kontrast zu seinem sonst ruhigen Gesichtsausdruck. Zweifellos rührte seine Wut von den Schwierigkeiten her, denen die Mormonen tatsächlich ausgesetzt waren. Die Regierung hatte mit einiger Mühe es geschafft, diese unabhängigen Fanatiker unter ihre Herrschaft zu bringen. Sie hatte Utah unter ihre Kontrolle gebracht und dieses Gebiet den Gesetzen der Union unterworfen, nachdem sie Brigham Young wegen Rebellion und Polygamie ins Gefängnis geworfen hatte. Seitdem verdoppelten die Anhänger des Propheten ihre Bemühungen und leisteten zumindest mit Worten Widerstand gegen die Autorität des Kongresses. Ältester Hitch versuchte offensichtlich, gerade in den Eisenbahnzügen neue Anhänger zu gewinnen.
Dann betonte er mit lauter Stimme und häufigen Gesten die Geschichte der Mormonen seit biblischer Zeit: Wie in Israel ein mormonischer Prophet aus dem Stamm Joseph die Annalen der neuen Religion verfasste und sie seinem Sohn Mormon hinterließ; wie viele Jahrhunderte später eine Übersetzung dieses wertvollen Buches, das in ägyptischer Sprache geschrieben war, von Joseph Smith junior, einem Bauern aus Vermont, erstellt wurde – er offenbarte sich 1825 als mystischer Prophet –; und wie schließlich der himmlische Bote ihm in einem erleuchteten Wald erschien und ihm die Annalen des Herrn überreichte.
Mehrere Zuhörer, die nicht besonders an der Erzählung des Missionars interessiert waren, verließen den Waggon. Doch Ältester Hitch setzte seinen Vortrag fort und erzählte, wie Smith junior zusammen mit seinem Vater, zwei Brüdern sowie einigen Anhängern die Kirche der „Heiligen der Letzten Tage“ gründete. Diese Kirche wird nicht nur in Amerika, sondern auch in England, Norwegen, Schweden und Deutschland praktiziert und zählt zahlreiche Handwerker sowie Angehörige freier Berufe zu ihren Mitgliedern. In Ohio wurde eine Kolonie gegründet, dort wurde ein Tempel zum Preis von zweihunderttausend Dollar errichtet sowie eine Stadt in Kirkland gebaut.
Zur festgelegten Zeit stand Ältester William Hitch auf und sagte mit gereizter Stimme, als wäre er bereits widersprochen worden: „Ich sage Ihnen, dass Joe Smith ein Märtyrer ist, dass sein Bruder Hiram ein Märtyrer ist – und dass die Verfolgungen durch die Regierung der Vereinigten Staaten gegen die Propheten auch Brigham Young zum Märtyrer machen werden. Wer wagt es, etwas anderes zu behaupten?“
Niemand wagte es, dem Missionar zu widersprechen. Sein aufgeregter Tonfall stand seltsam im Kontrast zu seinem sonst ruhigen Gesichtsausdruck. Zweifellos rührte seine Wut von den Schwierigkeiten her, denen die Mormonen tatsächlich ausgesetzt waren. Die Regierung hatte mit einiger Mühe es geschafft, diese unabhängigen Fanatiker unter ihre Herrschaft zu bringen. Sie hatte Utah unter ihre Kontrolle gebracht und dieses Gebiet den Gesetzen der Union unterworfen, nachdem sie Brigham Young wegen Rebellion und Polygamie ins Gefängnis geworfen hatte. Seitdem verdoppelten die Anhänger des Propheten ihre Bemühungen und leisteten zumindest mit Worten Widerstand gegen die Autorität des Kongresses. Ältester Hitch versuchte offensichtlich, gerade in den Eisenbahnzügen neue Anhänger zu gewinnen.
Dann betonte er mit lauter Stimme und häufigen Gesten die Geschichte der Mormonen seit biblischer Zeit: Wie in Israel ein mormonischer Prophet aus dem Stamm Joseph die Annalen der neuen Religion verfasste und sie seinem Sohn Mormon hinterließ; wie viele Jahrhunderte später eine Übersetzung dieses wertvollen Buches, das in ägyptischer Sprache geschrieben war, von Joseph Smith junior, einem Bauern aus Vermont, erstellt wurde – er offenbarte sich 1825 als mystischer Prophet –; und wie schließlich der himmlische Bote ihm in einem erleuchteten Wald erschien und ihm die Annalen des Herrn überreichte.
Mehrere Zuhörer, die nicht besonders an der Erzählung des Missionars interessiert waren, verließen den Waggon. Doch Ältester Hitch setzte seinen Vortrag fort und erzählte, wie Smith junior zusammen mit seinem Vater, zwei Brüdern sowie einigen Anhängern die Kirche der „Heiligen der Letzten Tage“ gründete. Diese Kirche wird nicht nur in Amerika, sondern auch in England, Norwegen, Schweden und Deutschland praktiziert und zählt zahlreiche Handwerker sowie Angehörige freier Berufe zu ihren Mitgliedern. In Ohio wurde eine Kolonie gegründet, dort wurde ein Tempel zum Preis von zweihunderttausend Dollar errichtet sowie eine Stadt in Kirkland gebaut.
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Smith wurde zu einem unternehmungslustigen Bankier und erhielt von einem einfachen Zirkusmann einen Papyrusrollen, auf der die Geschichten von Abraham sowie mehreren berühmten Ägyptern geschrieben standen. Die Geschichten des Alten wurden allmählich langweilig, und sein Publikum verringerte sich stetig – bis nur noch zwanzig Zuhörer übrig waren. Doch das beunruhigte den Enthusiasten nicht; er fuhr mit der Erzählung über Smiths Insolvenz im Jahr 1837 fort, darüber, wie seine ruinierten Gläubiger ihm ein Kleid aus Teer und Federn anzogen; über seine Wiederauftauchen einige Jahre später – ehrenvoller denn je – in Independence, Missouri, als Anführer einer blühenden Kolonie von dreitausend Anhängern; sowie über die Verfolgung durch wütende Heiden und seinen Rückzug in den fernen Westen. Nun waren nur noch zehn Zuhörer übrig, darunter der ehrliche Passepartout, der aufmerksam zuhörte. So erfuhr er, dass Smith nach langen Verfolgungen wieder in Illinois auftauchte und 1839 in Nauvoo am Mississippi eine Gemeinschaft gründete, die aus fünfundzwanzigtausend Menschen bestand; Smith wurde deren Bürgermeister, Oberster Richter und Oberbefehlshaber. Im Jahr 1843 erklärte er sich zum Kandidaten für das Präsidentenamt der Vereinigten Staaten. Schließlich geriet er in eine Falle in Carthage, wurde ins Gefängnis geworfen und von einer Gruppe maskierter Männer ermordet. Passepartout war nun die einzige Person im Wagen. Der Alte blickte ihm direkt ins Gesicht und erinnerte ihn daran, dass zwei Jahre nach der Ermordung des inspirierten Propheten Joseph Smith sein Nachfolger Brigham Young Nauvoo verließ und an die Ufer des Großen Salzsees zog. In dieser fruchtbaren Gegend, direkt auf dem Weg der Emigranten, die über Utah nach Kalifornien reisten, blühte die neue Kolonie dank der von den Mormonen praktizierten Polygamie über alle Erwartungen hinaus. „Und das“, fügte Elder William Hitch hinzu, „ist der Grund dafür, warum beim Kongress Neid auf uns entstanden ist! Warum haben die Soldaten der Union das Land Utah überfallen? Warum wurde unser Anführer Brigham Young gegen alle Gerechtigkeit ins Gefängnis geworfen? Sollen wir uns der Gewalt beugen? Niemals! Aus Vermont vertrieben, aus Illinois vertrieben, aus Ohio vertrieben, aus Missouri vertrieben, aus Utah vertrieben – wir werden trotzdem ein unabhängiges Gebiet finden, auf dem wir unsere Zelte aufschlagen können. Und Sie, mein Bruder“, fuhr der Alte fort und richtete seinen wütenden Blick auf seinen einzigen Zuhörer, „werden Sie Ihr Zelt auch dort aufschlagen, im Schatten unserer Flagge?“
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„Nein!“, antwortete Passepartout mutig und zog sich ebenfalls aus dem Wagen zurück, sodass der Ältere allein weiterpredigen konnte. Während der Fahrt kam der Zug gut voran, und gegen halb ein Uhr erreichte er die Nordwestgrenze des Großen Salzsees. Von dort aus konnten die Passagiere die weite Ausdehnung dieses Binnensees betrachten – er wird auch Totenmeer genannt – in den der amerikanische Jordan mündet. Es handelt sich um eine malerische Landschaft, eingefasst von hohen Felsen; der See ist mit weißem Salz bedeckt. Früher war er größer als heute – im Laufe der Zeit rückten seine Ufer näher zusammen, wodurch seine Breite abnahm und seine Tiefe zunahm. Der Salzsee ist siebzig Meilen lang und fünfunddreißig Meilen breit; er liegt drei Meilen achthundert Fuß über dem Meeresspiegel. Im Gegensatz zum Asphaltitsee, dessen Tiefe zwölfhundert Fuß unter dem Meeresspiegel liegt, enthält der Salzsee viel Salz – ein Viertel des Gewichts seines Wassers besteht aus fester Substanz. Seine Dichte beträgt 1.170, nach Destillation 1.000. Fische können natürlich nicht darin leben; diejenigen, die durch den Jordan, den Weber sowie andere Flüsse in den See gelangen, sterben bald. Die Gegend um den See war gut bewirtschaftet – schließlich sind die Mormonen größtenteils Landwirte. Sechs Monate später hätten man dort Ranches und Gehege für domestizierte Tiere, Felder mit Weizen, Mais und anderen Getreidesorten sowie üppige Prärien sehen können. Der Boden war nun mit einer dünnen Schicht Schnee bedeckt. Um zwei Uhr erreichte der Zug Ogden, wo er sechs Stunden lang Rast machte. Herr Fogg und seine Begleiter hatten Zeit, Salt Lake City zu besuchen – es ist über eine Nebenstraße mit Ogden verbunden. Sie verbrachten zwei Stunden in dieser auffällig amerikanischen Stadt, die nach dem Vorbild anderer Städte der Union erbaut wurde – „mit der düsteren Traurigkeit der rechten Winkel“, wie Victor Hugo es ausdrückt. Der Gründer der Stadt der Heiligen konnte dem Hang zur Symmetrie, der die Angelsachsen auszeichnet, nicht entkommen. In diesem seltsamen Land, dessen Menschen sicherlich nicht dem Niveau ihrer Institutionen entsprechen, wird alles „gerade“ gemacht – Städte, Häuser und sogar Unsinnigkeiten. Um drei Uhr spazierten die Reisenden also durch die Straßen der Stadt, die zwischen den Ufern des Jordans und den Ausläufern der Wahsatch-Berge lag. Sie sahen kaum oder gar keine Kirchen, aber das Haus des Propheten, das Gerichtsgebäude sowie das Arsenal. Es gab blaue Ziegelhäuser mit Veranden und Vordächern, umgeben von Gärten, die von Akazien, Palmen und Weiden gesäumt waren.
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Eine aus Lehm und Kies errichtete Mauer, die im Jahr 1853 gebaut wurde, umgab die Stadt; in der Hauptstraße befanden sich der Markt sowie mehrere Hotels, die mit Pavillons geschmückt waren. Der Ort schien nicht besonders dicht besiedelt zu sein. Die Straßen waren fast verlassen – außer in der Nähe des Tempels, den man erst erreichen konnte, nachdem man mehrere von Palisaden umgebene Viertel durchquert hatte. Es gab viele Frauen, was sich leicht durch die „besondere Institution“ der Mormonen erklären ließ; doch man sollte nicht annehmen, dass alle Mormonen Polygamisten sind. Sie dürfen frei entscheiden, ob sie heiraten wollen oder nicht; doch es ist bemerkenswert, dass vor allem die weiblichen Bürgerinnen Utahs heiraten möchten, denn nach der mormonischen Religion dürfen unverheiratete Frauen nicht an den höchsten Freuden teilhaben. Diese armen Frauen schienen weder wohlhabend noch glücklich zu sein. Einige – zweifellos die besser Gestellten – trugen kurze, offene schwarze Seidenkleider unter einem Schleier oder einer bescheidenen Schärpe; andere waren in indianischer Kleidung gekleidet.
Passepartout konnte diese Frauen, die in Gruppen damit beschäftigt waren, einem einzigen Mormonen Glück zu bringen, nicht ohne gewisse Furcht betrachten. Sein gesunder Menschenverstand hatte vor allem Mitleid mit dem Ehemann – es schien ihm eine schreckliche Sache zu sein, so viele Ehefrauen gleichzeitig durch die Höhen und Tiefen des Lebens führen zu müssen und sie, sozusagen als Gruppe, ins mormonische Paradies zu bringen, in der Hoffnung, sie für alle Ewigkeit in Begleitung des glorreichen Smith zu sehen, der zweifellos die Hauptzierde dieses wunderbaren Ortes war. Er fühlte sich von einer solchen Berufung entschieden abgestoßen und stellte sich vor – vielleicht lag er falsch – dass die schönen Frauen von Salt Lake City ihm eher beunruhigende Blicke zuwarfen. Glücklicherweise war sein Aufenthalt dort nur kurz. Um vier Uhr befanden sich die Reisenden wieder am Bahnhof, nahmen ihre Plätze im Zug ein – und es ertönte das Signal zum Abfahren. Gerade in dem Moment, als die Räder der Lokomotive sich in Bewegung setzten, wurden Rufe wie „Anhalten! Anhalten!“ gehört.
Züge halten, genauso wie Zeit und Gezeiten, für niemanden. Der Mann, der diese Rufe ausstieß, war offensichtlich ein spät kommender Mormon. Er war vom Laufen außer Atem. Glücklicherweise hatte der Bahnhof weder Tore noch Barrieren. Er rannte entlang der Gleise, sprang auf das hintere Bahnsteigteil des Zuges und fiel erschöpft in einen der Sitze.
Passepartout, der diesen Amateurgymnasten aufmerksam beobachtet hatte, näherte sich ihm mit großem Interesse und erfuhr, dass dieser nach einer unangenehmen häuslichen Auseinandersetzung geflohen war.
Passepartout konnte diese Frauen, die in Gruppen damit beschäftigt waren, einem einzigen Mormonen Glück zu bringen, nicht ohne gewisse Furcht betrachten. Sein gesunder Menschenverstand hatte vor allem Mitleid mit dem Ehemann – es schien ihm eine schreckliche Sache zu sein, so viele Ehefrauen gleichzeitig durch die Höhen und Tiefen des Lebens führen zu müssen und sie, sozusagen als Gruppe, ins mormonische Paradies zu bringen, in der Hoffnung, sie für alle Ewigkeit in Begleitung des glorreichen Smith zu sehen, der zweifellos die Hauptzierde dieses wunderbaren Ortes war. Er fühlte sich von einer solchen Berufung entschieden abgestoßen und stellte sich vor – vielleicht lag er falsch – dass die schönen Frauen von Salt Lake City ihm eher beunruhigende Blicke zuwarfen. Glücklicherweise war sein Aufenthalt dort nur kurz. Um vier Uhr befanden sich die Reisenden wieder am Bahnhof, nahmen ihre Plätze im Zug ein – und es ertönte das Signal zum Abfahren. Gerade in dem Moment, als die Räder der Lokomotive sich in Bewegung setzten, wurden Rufe wie „Anhalten! Anhalten!“ gehört.
Züge halten, genauso wie Zeit und Gezeiten, für niemanden. Der Mann, der diese Rufe ausstieß, war offensichtlich ein spät kommender Mormon. Er war vom Laufen außer Atem. Glücklicherweise hatte der Bahnhof weder Tore noch Barrieren. Er rannte entlang der Gleise, sprang auf das hintere Bahnsteigteil des Zuges und fiel erschöpft in einen der Sitze.
Passepartout, der diesen Amateurgymnasten aufmerksam beobachtet hatte, näherte sich ihm mit großem Interesse und erfuhr, dass dieser nach einer unangenehmen häuslichen Auseinandersetzung geflohen war.
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Als der Mormon wieder zu Atem gekommen war, wagte es Passepartout, ihn höflich zu fragen, wie viele Frauen er habe; denn anhand der Art und Weise, wie er davongelaufen war, könnte man meinen, er hätte mindestens zwanzig.
„Eine, Sir“, antwortete der Mormon und hob die Arme gen Himmel – „eine, und das reicht!“
„Eine, Sir“, antwortete der Mormon und hob die Arme gen Himmel – „eine, und das reicht!“
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KAPITEL XXVIII.
In dem Passepartout es nicht schafft, jemanden dazu zu bringen, auf Vernunft zu hören
Der Zug verließ den Great Salt Lake bei Ogden und fuhr eine Stunde lang nach Norden bis zum Weber River – insgesamt waren es fast neunhundert Meilen seit San Francisco. Von dort aus nahm er eine östliche Richtung in Richtung der zerklüfteten Wahsatch-Berge. In dem Gebiet zwischen diesen Bergen und den Rocky Mountains stießen die amerikanischen Ingenieure auf die größten Schwierigkeiten bei der Errichtung der Eisenbahnstrecke. Deshalb gewährte die Regierung einen Zuschuss von vierundvierzigtausend Dollar pro Meile – anstatt der üblichen sechzehntausend Dollar für Arbeiten auf den Ebenen. Doch anstatt der Natur zu widersprechen, umgingen die Ingenieure ihre Schwierigkeiten, indem sie kurvenreiche Wege wählten, anstatt in die Felsen vorzudringen. Nur ein einziger Tunnel, vierzehntausend Fuß lang, wurde gegraben, um zum großen Becken zu gelangen.
Die Eisenbahnstrecke hatte bis dahin ihre höchste Höhe am Great Salt Lake erreicht. Von dort aus beschrieb sie eine lange Kurve nach unten in Richtung des Bitter Creek Valley, um anschließend wieder auf den Wasserscheidegrat zwischen Atlantik und Pazifik anzusteigen. In dieser bergigen Gegend gab es viele Bäche; es war notwendig, den Muddy Creek, den Green Creek sowie weitere Bäche über Unterführungen zu überqueren.
Je weiter sie fuhren, desto ungeduldiger wurde Passepartout. Fix hingegen wollte so schnell wie möglich aus dieser schwierigen Gegend herauskommen und war noch besorgter als Phileas Fogg selbst darum, den Gefahren von Verzögerungen und Unfällen zu entkommen und endlich englisches Boden zu betreten.
Um zehn Uhr abends hielt der Zug an der Station Fort Bridger. Zwanzig Minuten später betrat er das Territorium von Wyoming, indem er dem Tal folgte.
In dem Passepartout es nicht schafft, jemanden dazu zu bringen, auf Vernunft zu hören
Der Zug verließ den Great Salt Lake bei Ogden und fuhr eine Stunde lang nach Norden bis zum Weber River – insgesamt waren es fast neunhundert Meilen seit San Francisco. Von dort aus nahm er eine östliche Richtung in Richtung der zerklüfteten Wahsatch-Berge. In dem Gebiet zwischen diesen Bergen und den Rocky Mountains stießen die amerikanischen Ingenieure auf die größten Schwierigkeiten bei der Errichtung der Eisenbahnstrecke. Deshalb gewährte die Regierung einen Zuschuss von vierundvierzigtausend Dollar pro Meile – anstatt der üblichen sechzehntausend Dollar für Arbeiten auf den Ebenen. Doch anstatt der Natur zu widersprechen, umgingen die Ingenieure ihre Schwierigkeiten, indem sie kurvenreiche Wege wählten, anstatt in die Felsen vorzudringen. Nur ein einziger Tunnel, vierzehntausend Fuß lang, wurde gegraben, um zum großen Becken zu gelangen.
Die Eisenbahnstrecke hatte bis dahin ihre höchste Höhe am Great Salt Lake erreicht. Von dort aus beschrieb sie eine lange Kurve nach unten in Richtung des Bitter Creek Valley, um anschließend wieder auf den Wasserscheidegrat zwischen Atlantik und Pazifik anzusteigen. In dieser bergigen Gegend gab es viele Bäche; es war notwendig, den Muddy Creek, den Green Creek sowie weitere Bäche über Unterführungen zu überqueren.
Je weiter sie fuhren, desto ungeduldiger wurde Passepartout. Fix hingegen wollte so schnell wie möglich aus dieser schwierigen Gegend herauskommen und war noch besorgter als Phileas Fogg selbst darum, den Gefahren von Verzögerungen und Unfällen zu entkommen und endlich englisches Boden zu betreten.
Um zehn Uhr abends hielt der Zug an der Station Fort Bridger. Zwanzig Minuten später betrat er das Territorium von Wyoming, indem er dem Tal folgte.
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Überall Bitter Creek. Am nächsten Tag, dem 7. Dezember, hielten sie eine Viertelstunde lang am Bahnhof Green River an. In der Nacht hatte es reichlich Schnee gegeben, doch da dieser mit Regen vermischt war, war er zur Hälfte geschmolzen und störte ihre Reise nicht. Das schlechte Wetter ärgerte jedoch Passepartout; denn die Ansammlung von Schnee, die die Räder der Wagen blockierte, hätte Mr. Foggss Reise sicherlich zum Scheitern gebracht.
„Was für eine Idee!“, sagte er zu sich selbst. „Warum unternimmt mein Herr diese Reise im Winter? Konnte er nicht bis zur guten Jahreszeit warten, um seine Chancen zu erhöhen?“
Während der ehrliche Franzose sich mit dem Wetter und der niedrigen Temperatur beschäftigte, hatte Aouda Ängste aus einem völlig anderen Grund.
Mehrere Passagiere waren in Green River ausgestiegen und gingen auf den Bahnsteigen hin und her; unter ihnen erkannte Aouda Colonel Stamp Proctor – denselben Mann, der Phileas Fogg bei der Versammlung in San Francisco so grob beleidigt hatte. Da sie nicht erkannt werden wollte, zog sich die junge Frau vom Fenster zurück und war über ihre Entdeckung sehr beunruhigt. Sie war diesem Mann zugetan, der ihr zwar kühl, aber täglich Zeichen der größten Hingabe zeigte. Vielleicht verstand sie nicht die Tiefe der Gefühle, mit denen ihr Beschützer sie erfüllte – Gefühle, die sie als Dankbarkeit bezeichnete, obwohl es sich, ohne dass sie es bemerkte, eigentlich um mehr handelte. Ihr Herz sank, als sie den Mann erkannte, den Mr. Fogg früher oder später zur Rechenschaft ziehen wollte. Offensichtlich hatte allein Zufall Colonel Proctor in diesen Zug gebracht; doch er war da, und es war unbedingt notwendig, dass Phileas Fogg seinen Gegner auf keinen Fall entdeckte.
Aouda nutzte einen Moment, in dem Mr. Fogg schlief, um Fix und Passepartout mitzuteilen, wen sie gesehen hatte.
„Dieser Proctor in diesem Zug!“, rief Fix. „Nun, beruhigen Sie sich, Madame; bevor er sich mit Mr. Fogg auseinandersetzen kann, muss er erst mit mir fertigwerden! Mir scheint, ich bin derjenige von uns beiden, der mehr beleidigt wurde.“
„Und außerdem“, fügte Passepartout hinzu, „werde ich mich um ihn kümmern – auch wenn er ein Colonel ist.“
„Mr. Fix“, fuhr Aouda fort, „Mr. Fogg wird es niemandem erlauben, ihn zu rächen. Er sagte, er würde nach Amerika zurückkehren, um diesen Mann zu finden. Sollte er…“
„Was für eine Idee!“, sagte er zu sich selbst. „Warum unternimmt mein Herr diese Reise im Winter? Konnte er nicht bis zur guten Jahreszeit warten, um seine Chancen zu erhöhen?“
Während der ehrliche Franzose sich mit dem Wetter und der niedrigen Temperatur beschäftigte, hatte Aouda Ängste aus einem völlig anderen Grund.
Mehrere Passagiere waren in Green River ausgestiegen und gingen auf den Bahnsteigen hin und her; unter ihnen erkannte Aouda Colonel Stamp Proctor – denselben Mann, der Phileas Fogg bei der Versammlung in San Francisco so grob beleidigt hatte. Da sie nicht erkannt werden wollte, zog sich die junge Frau vom Fenster zurück und war über ihre Entdeckung sehr beunruhigt. Sie war diesem Mann zugetan, der ihr zwar kühl, aber täglich Zeichen der größten Hingabe zeigte. Vielleicht verstand sie nicht die Tiefe der Gefühle, mit denen ihr Beschützer sie erfüllte – Gefühle, die sie als Dankbarkeit bezeichnete, obwohl es sich, ohne dass sie es bemerkte, eigentlich um mehr handelte. Ihr Herz sank, als sie den Mann erkannte, den Mr. Fogg früher oder später zur Rechenschaft ziehen wollte. Offensichtlich hatte allein Zufall Colonel Proctor in diesen Zug gebracht; doch er war da, und es war unbedingt notwendig, dass Phileas Fogg seinen Gegner auf keinen Fall entdeckte.
Aouda nutzte einen Moment, in dem Mr. Fogg schlief, um Fix und Passepartout mitzuteilen, wen sie gesehen hatte.
„Dieser Proctor in diesem Zug!“, rief Fix. „Nun, beruhigen Sie sich, Madame; bevor er sich mit Mr. Fogg auseinandersetzen kann, muss er erst mit mir fertigwerden! Mir scheint, ich bin derjenige von uns beiden, der mehr beleidigt wurde.“
„Und außerdem“, fügte Passepartout hinzu, „werde ich mich um ihn kümmern – auch wenn er ein Colonel ist.“
„Mr. Fix“, fuhr Aouda fort, „Mr. Fogg wird es niemandem erlauben, ihn zu rächen. Er sagte, er würde nach Amerika zurückkehren, um diesen Mann zu finden. Sollte er…“
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„Laut Colonel Proctor konnten wir einen Zusammenstoß nicht verhindern, der schreckliche Folgen haben könnte. Er darf ihn auf keinen Fall sehen.“
„Sie haben recht, Madame“, antwortete Fix. „Ein Treffen zwischen ihnen könnte alles zerstören. Egal, ob er siegt oder besiegt wird – Herr Fogg wird aufgehalten werden.“
„Und“, fügte Passepartout hinzu, „dann würden die Herren vom Reform Club gewinnen. In vier Tagen sind wir in New York. Wenn mein Herr in diesen vier Tagen das Abteil nicht verlässt, können wir hoffen, dass Zufall ihn nicht diesem verdammten Amerikaner gegenüberbringt. Wir müssen, wenn möglich, verhindern, dass er das Abteil verlässt.“
Das Gespräch verstummte. Herr Fogg war gerade aufgewacht und blickte aus dem Fenster. Kurz darauf flüsterte Passepartout, ohne dass sein Herr oder Aouda es hören konnten, dem Detektiv zu: „Würden Sie wirklich für ihn kämpfen?“
„Ich würde alles tun“, antwortete Fix in einem Ton, der Entschlossenheit verriet, „um ihn lebend nach Europa zurückzubringen!“
Passepartout spürte, wie ein Schauer durch seinen Körper ging – doch sein Vertrauen in seinen Herrn blieb unerschüttert.
Ging es irgendwie, Herrn Fogg im Abteil festzuhalten, um ein Treffen mit dem Colonel zu vermeiden? Das sollte keine schwierige Aufgabe sein – schließlich war dieser Mann von Natur aus ruhig und nicht besonders neugierig. Der Detektiv schien zumindest eine Lösung gefunden zu haben; denn nach kurzer Zeit sagte er zu Herrn Fogg: „Es sind lange und langweilige Stunden, die wir hier im Zug verbringen, Sir.“
„Ja“, antwortete Herr Fogg. „Aber sie vergehen.“
„Sie hatten die Angewohnheit, auf den Dampfschiffen Whist zu spielen“, fuhr Fix fort.
„Ja – aber hier wäre das schwierig. Ich habe weder Karten noch Partner.“
„Oh, aber wir können leicht welche kaufen – sie werden in allen amerikanischen Zügen verkauft. Und was die Partner angeht: Wenn Madame mitspielt…“
„Sicherlich, Sir“, antwortete Aouda schnell. „Ich kenne Whist. Es gehört zur englischen Erziehung dazu.“
„Ich selbst beherrsche das Spiel auch recht gut. Nun, wir sind zu dritt – plus ein Dummy.“
„Sie haben recht, Madame“, antwortete Fix. „Ein Treffen zwischen ihnen könnte alles zerstören. Egal, ob er siegt oder besiegt wird – Herr Fogg wird aufgehalten werden.“
„Und“, fügte Passepartout hinzu, „dann würden die Herren vom Reform Club gewinnen. In vier Tagen sind wir in New York. Wenn mein Herr in diesen vier Tagen das Abteil nicht verlässt, können wir hoffen, dass Zufall ihn nicht diesem verdammten Amerikaner gegenüberbringt. Wir müssen, wenn möglich, verhindern, dass er das Abteil verlässt.“
Das Gespräch verstummte. Herr Fogg war gerade aufgewacht und blickte aus dem Fenster. Kurz darauf flüsterte Passepartout, ohne dass sein Herr oder Aouda es hören konnten, dem Detektiv zu: „Würden Sie wirklich für ihn kämpfen?“
„Ich würde alles tun“, antwortete Fix in einem Ton, der Entschlossenheit verriet, „um ihn lebend nach Europa zurückzubringen!“
Passepartout spürte, wie ein Schauer durch seinen Körper ging – doch sein Vertrauen in seinen Herrn blieb unerschüttert.
Ging es irgendwie, Herrn Fogg im Abteil festzuhalten, um ein Treffen mit dem Colonel zu vermeiden? Das sollte keine schwierige Aufgabe sein – schließlich war dieser Mann von Natur aus ruhig und nicht besonders neugierig. Der Detektiv schien zumindest eine Lösung gefunden zu haben; denn nach kurzer Zeit sagte er zu Herrn Fogg: „Es sind lange und langweilige Stunden, die wir hier im Zug verbringen, Sir.“
„Ja“, antwortete Herr Fogg. „Aber sie vergehen.“
„Sie hatten die Angewohnheit, auf den Dampfschiffen Whist zu spielen“, fuhr Fix fort.
„Ja – aber hier wäre das schwierig. Ich habe weder Karten noch Partner.“
„Oh, aber wir können leicht welche kaufen – sie werden in allen amerikanischen Zügen verkauft. Und was die Partner angeht: Wenn Madame mitspielt…“
„Sicherlich, Sir“, antwortete Aouda schnell. „Ich kenne Whist. Es gehört zur englischen Erziehung dazu.“
„Ich selbst beherrsche das Spiel auch recht gut. Nun, wir sind zu dritt – plus ein Dummy.“
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„Wie Sie wünschen, Sir“, antwortete Phileas Fogg – überglücklich, auch im Zug wieder seine Lieblingsbeschäftigung ausüben zu können. Passepartout wurde losgeschickt, um den Schaffner zu suchen, und kehrte bald mit zwei Spielkartenpacken, einigen Stecknadeln, Würfeln sowie einem mit Stoff bedeckten Regal zurück. Das Spiel begann. Aouda verstand Whist gut genug – und erhielt sogar Komplimente für ihr Spiel von Herrn Fogg. Was den Detektiv betraf, so war er ein Meister seines Fachs und durchaus würdig, gegen seinen gegenwärtigen Gegner anzutreten. „Jetzt“, dachte Passepartout, „haben wir ihn. Er wird sich nicht rühren.“ Um elf Uhr morgens erreichte der Zug die Wasserscheide bei Bridger Pass – 7.524 Fuß über dem Meeresspiegel. Das war einer der höchsten Punkte, die die Bahn auf ihrem Weg durch die Rocky Mountains erreichte. Nach etwa zweihundert Meilen befanden sich die Reisenden schließlich auf einer dieser weiten Ebenen, die bis zum Atlantik reichen und von der Natur besonders gut für den Bau von Eisenbahnen geeignet sind. Am Hang des Atlantikbeckens tauchten bereits die ersten Bäche auf – Nebenflüsse des North Platte River. Der gesamte nördliche und östliche Horizont wurde von dem riesigen halbkreisförmigen Gebirgszug gebildet, der aus dem südlichen Teil der Rocky Mountains besteht; der höchste Gipfel war der Laramie Peak. Zwischen diesem Gebirgszug und der Bahn erstreckten sich weite, gut bewässerte Ebenen. Rechts erhoben sich die niedrigeren Ausläufer des Gebirges, das sich nach Süden bis zu den Quellen des Arkansas River erstreckte – eines der großen Nebenflüsse des Missouri. Um halb ein Uhr nachmittags sahen die Reisenden für einen Moment Fort Halleck, das diese Gegend beherrscht; in wenigen Stunden wurden die Rocky Mountains überquert. Es gab also Grund zu der Hoffnung, dass die Reise durch dieses schwierige Gebiet ohne Unfälle verlaufen würde. Der Schnee hatte aufgehört zu fallen, und die Luft wurde kühl und frisch. Große Vögel, die von der Lokomotive erschreckt wurden, flogen in die Ferne. Auf den Ebenen zeigte sich kein wildes Tier – es war eine öde, kahle Landschaft. Nach einem angenehmen Frühstück, das im Waggon serviert wurde, nahmen Herr Fogg und seine Begleiter gerade wieder das Spiel auf, als ein lautes Pfeifen zu hören war und der Zug anhielt. Passepartout steckte seinen Kopf aus der Tür – doch er sah nichts, was die Verzögerung verursacht haben könnte; keine Station war in Sicht.
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Aouda und Fix fürchteten, dass Herr Fogg auf die Idee kommen könnte, auszusteigen; doch der Gentleman begnügte sich damit, zu seinem Diener zu sagen: „Sehen Sie mal, was los ist.“ Passepartout stürmte aus dem Wagen. Schon dreißig oder vierzig Passagiere waren ausgestiegen, darunter Colonel Stamp Proctor. Der Zug hatte vor einer roten Signalanlage angehalten, die den Weg blockierte. Der Maschinist und der Schaffner sprachen aufgeregt mit einem Signalwärter, den der Bahnhofsvorsteher in Medicine Bow, der nächste Halt, vorausgeschickt hatte. Die Passagiere versammelten sich um und nahmen an der Diskussion teil – dabei fiel Colonel Proctor mit seinem unhöflichen Verhalten besonders auf. Passepartout, der sich der Gruppe anschloss, hörte, wie der Signalwärter sagte: „Nein! Sie können nicht durchfahren. Die Brücke in Medicine Bow ist instabil und würde das Gewicht des Zuges nicht aushalten.“ Es handelte sich dabei um eine Hängebrücke, die über einige Strudel führte – etwa eine Meile von ihrem aktuellen Standort entfernt. Laut dem Signalwärter war die Brücke in einem katastrophalen Zustand; mehrere Eisendrähte waren gebrochen, sodass ein Durchfahren unmöglich war. Er übertrieb den Zustand der Brücke keineswegs. Man kann davon ausgehen, dass die Amerikaner zwar oft unvorsichtig sind – doch wenn sie vorsichtig handeln, hat das gute Gründe. Passepartout wagte es nicht, seinem Herrn mitzuteilen, was er gehört hatte, und lauschte mit zusammengebissenen Zähnen, regungslos wie eine Statue. „Hm!“, rief Colonel Proctor. „Aber wir werden wohl nicht hier bleiben und uns im Schnee niederlassen, oder?“ „Colonel“, antwortete der Schaffner, „wir haben nach Omaha telegrafiert, um einen Zug zu holen – aber es ist unwahrscheinlich, dass dieser in weniger als sechs Stunden in Medicine Bow ankommt.“ „Sechs Stunden!“, rief Passepartout. „Sicherlich“, erwiderte der Schaffner. „Außerdem würde es genauso lange dauern, bis wir zu Fuß in Medicine Bow ankommen.“ „Aber es ist nur eine Meile von hier entfernt“, sagte einer der Passagiere. „Ja, aber es liegt auf der anderen Seite des Flusses.“ „Und können wir den Fluss nicht mit einem Boot überqueren?“, fragte der Colonel. „Das ist unmöglich. Der Bach ist durch den Regen angeschwollen. Es handelt sich um Strudel – wir müssten einen Umweg von zehn Meilen nach Norden machen, um einen Übergang zu finden.“
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Der Colonel fluchte ausgiebig und verurteilte die Eisenbahngesellschaft sowie den Schaffner; Passepartout, der außer sich vor Wut war, zögerte nicht, sich ihm anzuschließen. Es handelte sich dabei tatsächlich um ein Hindernis, das alle Banknoten seines Herrn nicht beseitigen konnten. Unter den Passagieren herrschte allgemeine Enttäuschung – sie sahen sich gezwungen, trotz der Verzögerung fünfzehn Meilen über eine mit Schnee bedeckte Ebene zu wandern. Sie murrten und protestierten; sicherlich hätten sie so die Aufmerksamkeit von Phileas Fogg auf sich gezogen, wenn er nicht völlig in sein Spiel vertieft gewesen wäre. Passepartout stellte fest, dass er seinem Herrn unbedingt mitteilen musste, was geschehen war. Mit gesenktem Kopf wandte er sich gerade dem Waggon zu, als der Ingenieur, ein echter Yankee namens Forster, rief: „Meine Herren, vielleicht gibt es doch einen Weg, um hindurchzukommen.“ „Über die Brücke?“, fragte ein Passagier. „Über die Brücke.“ „Mit unserem Zug?“ „Mit unserem Zug.“ Passepartout blieb stehen und lauschte aufmerksam dem Ingenieur. „Aber die Brücke ist unsicher“, wandte der Schaffner ein. „Egal“, antwortete Forster; „ich glaube, wenn wir die höchstmögliche Geschwindigkeit erreichen, haben wir eine Chance, hindurchzukommen.“ „Verdammt!“, murmelte Passepartout. Doch mehrere Passagiere waren sofort von dem Vorschlag des Ingenieurs angetan – insbesondere Colonel Proctor fand den Plan sehr durchführbar. Er erzählte Geschichten von Ingenieuren, die ihre Züge ohne Brücken über Flüsse brachten, indem sie volle Geschwindigkeit erreichten; viele der Anwesenden stimmten der Ansicht des Ingenieurs zu. „Wir haben fünfzig Chancen von hundert, hindurchzukommen“, sagte einer. „Achtzig! Neunzig!“ Passepartout war verblüfft. Obwohl er bereit war, alles zu versuchen, um Medicine Creek zu überqueren, erschien ihm der vorgeschlagene Versuch etwas zu amerikanisch. „Außerdem“, dachte er, „gibt es noch eine einfachere Methode – und das fällt diesen Leuten überhaupt nicht ein! Sir“, sagte er laut zu einem der Passagiere, „der Plan des Ingenieurs scheint mir etwas gefährlich zu sein, aber–“
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„Achtzig Chancen!“, antwortete der Passagier und wandte ihm den Rücken zu.
„Ich weiß es“, sagte Passepartout und wandte sich an einen anderen Passagier, „aber es gibt eine einfache Lösung –“
„Ideen sind nutzlos“, erwiderte der Amerikaner und zuckte mit den Schultern. „Der Maschinist versichert uns schließlich, dass wir durchkommen können.“
„Sicherlich“, drängte Passepartout, „wir können durchkommen – aber vielleicht wäre es vorsichtiger –“
„Was! Vorsichtig!“, rief Colonel Proctor, den dieses Wort offensichtlich sehr erregte. „Mit voller Geschwindigkeit, verstehen Sie denn nicht? Mit voller Geschwindigkeit!“
„Ich weiß – ich verstehe“, wiederholte Passepartout. „Aber es wäre, wenn das Wort Ihnen nicht gefällt, zumindest natürlicher –“
„Wer! Was! Was ist los mit diesem Kerl?“, riefen mehrere Leute. Der arme Kerl wusste nicht, an wen er sich wenden sollte.
„Haben Sie Angst?“, fragte Colonel Proctor.
„Angst? Na gut – ich werde diesen Leuten zeigen, dass ein Franzose genauso amerikanisch sein kann wie sie!“
„Alle einsteigen!“, rief der Schaffner.
„Ja, alle einsteigen!“, wiederholte Passepartout sofort. „Aber sie können mich nicht davon abhalten zu glauben, dass es natürlicher wäre, die Brücke zu Fuß zu überqueren und den Zug anschließend kommen zu lassen!“
Doch niemand hörte diese weise Überlegung – und niemand hätte ihre Richtigkeit anerkannt. Die Passagiere nahmen wieder ihre Plätze in den Wagen ein. Passepartout setzte sich ohne Erklärung hin. Die Spieler waren ganz in ihr Spiel vertieft.
Die Lokomotive pfiff laut; der Maschinist lenkte den Dampf um und brachte den Zug fast eine Meile zurück – als würde er zurückspringen, um einen längeren Sprung zu machen. Dann begann er mit einem weiteren Pfiff wieder vorwärtszufahren; die Geschwindigkeit des Zuges stieg, und bald wurde sie erschreckend hoch. Aus der Lokomotive ertönte ein anhaltender Schrei; der Kolben bewegte sich zwanzig Mal pro Sekunde auf und ab. Sie bemerkten, dass der ganze Zug, der mit einer Geschwindigkeit von hundert Meilen pro Stunde voranschoss, kaum noch auf den Schienen lag.
Und sie kamen durch! Es war wie ein Blitz. Niemand sah die Brücke. Der Zug sprang, sozusagen, von einem Ufer zum anderen – und der Maschinist konnte ihn erst anhalten, nachdem er fünf Meilen hinter dem Bahnhof war. Doch kaum hatte…
„Ich weiß es“, sagte Passepartout und wandte sich an einen anderen Passagier, „aber es gibt eine einfache Lösung –“
„Ideen sind nutzlos“, erwiderte der Amerikaner und zuckte mit den Schultern. „Der Maschinist versichert uns schließlich, dass wir durchkommen können.“
„Sicherlich“, drängte Passepartout, „wir können durchkommen – aber vielleicht wäre es vorsichtiger –“
„Was! Vorsichtig!“, rief Colonel Proctor, den dieses Wort offensichtlich sehr erregte. „Mit voller Geschwindigkeit, verstehen Sie denn nicht? Mit voller Geschwindigkeit!“
„Ich weiß – ich verstehe“, wiederholte Passepartout. „Aber es wäre, wenn das Wort Ihnen nicht gefällt, zumindest natürlicher –“
„Wer! Was! Was ist los mit diesem Kerl?“, riefen mehrere Leute. Der arme Kerl wusste nicht, an wen er sich wenden sollte.
„Haben Sie Angst?“, fragte Colonel Proctor.
„Angst? Na gut – ich werde diesen Leuten zeigen, dass ein Franzose genauso amerikanisch sein kann wie sie!“
„Alle einsteigen!“, rief der Schaffner.
„Ja, alle einsteigen!“, wiederholte Passepartout sofort. „Aber sie können mich nicht davon abhalten zu glauben, dass es natürlicher wäre, die Brücke zu Fuß zu überqueren und den Zug anschließend kommen zu lassen!“
Doch niemand hörte diese weise Überlegung – und niemand hätte ihre Richtigkeit anerkannt. Die Passagiere nahmen wieder ihre Plätze in den Wagen ein. Passepartout setzte sich ohne Erklärung hin. Die Spieler waren ganz in ihr Spiel vertieft.
Die Lokomotive pfiff laut; der Maschinist lenkte den Dampf um und brachte den Zug fast eine Meile zurück – als würde er zurückspringen, um einen längeren Sprung zu machen. Dann begann er mit einem weiteren Pfiff wieder vorwärtszufahren; die Geschwindigkeit des Zuges stieg, und bald wurde sie erschreckend hoch. Aus der Lokomotive ertönte ein anhaltender Schrei; der Kolben bewegte sich zwanzig Mal pro Sekunde auf und ab. Sie bemerkten, dass der ganze Zug, der mit einer Geschwindigkeit von hundert Meilen pro Stunde voranschoss, kaum noch auf den Schienen lag.
Und sie kamen durch! Es war wie ein Blitz. Niemand sah die Brücke. Der Zug sprang, sozusagen, von einem Ufer zum anderen – und der Maschinist konnte ihn erst anhalten, nachdem er fünf Meilen hinter dem Bahnhof war. Doch kaum hatte…
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Der Zug überquerte den Fluss, als die Brücke, völlig zerstört, mit einem lauten Krach in die Strudel des Medicine Bow stürzte.
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KAPITEL XXIX.
In dem einige Vorfälle beschrieben werden, die man nur auf amerikanischen Eisenbahnen erleben kann.
Der Zug setzte an jenem Abend seinen Weg ununterbrochen fort, passierte Fort Saunders, überquerte Cheyne Pass und erreichte schließlich Evans Pass. Hier erreichte die Strecke ihre höchste Höhe – achttausendneunzigzwei Fuß über dem Meeresspiegel. Die Reisenden mussten nun nur noch über endlose Ebenen hinab zum Atlantik gelangen, die von der Natur eben gemacht worden waren. Ein Zweig der „Grand Trunk“ führte nach Süden nach Denver, der Hauptstadt von Colorado. Die Gegend um diese Stadt ist reich an Gold und Silber; bereits mehr als fünfzigtausend Einwohner leben dort.
Von San Francisco aus waren in drei Tagen und Nächten dreizehnhundertachtzig Meilen zurückgelegt worden; wahrscheinlich würden vier weitere Tage und Nächte benötigt, um New York zu erreichen. Phileas Fogg lag noch nicht im Rückstand.
In der Nacht wurde Camp Walbach links liegen gelassen; Lodge Pole Creek floss parallel zur Straße und markierte die Grenze zwischen den Gebieten von Wyoming und Colorado. Um elf Uhr betraten sie Nebraska, kamen in der Nähe von Sedgwick vorbei und erreichten schließlich Julesburg am südlichen Arm des Platte River.
Hier wurde am 23. Oktober 1867 von dem Chefingenieur General Dodge die Union Pacific Railroad eingeweiht. Zwei leistungsstarke Lokomotiven, die neun Waggons mit eingeladenen Gästen transportierten – darunter Thomas C. Durant, der Vizepräsident der Eisenbahngesellschaft – hielten hier an. Es gab Jubelrufe, die Sioux und Pawnees führten eine Nachahmung eines Indianerkampfs auf, es wurden Feuerwerke abgebrannt – und es erschien die erste Ausgabe der Zeitschrift Railway Pioneer.
In dem einige Vorfälle beschrieben werden, die man nur auf amerikanischen Eisenbahnen erleben kann.
Der Zug setzte an jenem Abend seinen Weg ununterbrochen fort, passierte Fort Saunders, überquerte Cheyne Pass und erreichte schließlich Evans Pass. Hier erreichte die Strecke ihre höchste Höhe – achttausendneunzigzwei Fuß über dem Meeresspiegel. Die Reisenden mussten nun nur noch über endlose Ebenen hinab zum Atlantik gelangen, die von der Natur eben gemacht worden waren. Ein Zweig der „Grand Trunk“ führte nach Süden nach Denver, der Hauptstadt von Colorado. Die Gegend um diese Stadt ist reich an Gold und Silber; bereits mehr als fünfzigtausend Einwohner leben dort.
Von San Francisco aus waren in drei Tagen und Nächten dreizehnhundertachtzig Meilen zurückgelegt worden; wahrscheinlich würden vier weitere Tage und Nächte benötigt, um New York zu erreichen. Phileas Fogg lag noch nicht im Rückstand.
In der Nacht wurde Camp Walbach links liegen gelassen; Lodge Pole Creek floss parallel zur Straße und markierte die Grenze zwischen den Gebieten von Wyoming und Colorado. Um elf Uhr betraten sie Nebraska, kamen in der Nähe von Sedgwick vorbei und erreichten schließlich Julesburg am südlichen Arm des Platte River.
Hier wurde am 23. Oktober 1867 von dem Chefingenieur General Dodge die Union Pacific Railroad eingeweiht. Zwei leistungsstarke Lokomotiven, die neun Waggons mit eingeladenen Gästen transportierten – darunter Thomas C. Durant, der Vizepräsident der Eisenbahngesellschaft – hielten hier an. Es gab Jubelrufe, die Sioux und Pawnees führten eine Nachahmung eines Indianerkampfs auf, es wurden Feuerwerke abgebrannt – und es erschien die erste Ausgabe der Zeitschrift Railway Pioneer.
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Gedruckt mit einer Druckerpresse, die im Zug mitgeführt wurde. So wurde die Einweihung dieser großartigen Eisenbahn gefeiert – eines mächtigen Instruments des Fortschritts und der Zivilisation, das durch die Wüste führte und dazu bestimmt war, Städte und Dörfer miteinander zu verbinden, die noch nicht existierten. Das Pfeifen der Lokomotive, mächtiger als Amphions Lyra, sollte sie dazu bringen, den amerikanischen Boden zu verlassen.
Fort McPherson wurde um acht Uhr morgens hinter sich gelassen; es blieben noch 357 Meilen bis Omaha zurückzulegen. Die Strecke folgte den launischen Windungen des südlichen Arms des Platte-Flusses, auf dessen linkem Ufer sie verlief. Um neun Uhr hielt der Zug in der wichtigen Stadt North Platte an, die zwischen den beiden Flussarmen liegt, die sich dort wieder vereinen und einen einzigen großen Nebenfluss bilden, dessen Wasser etwas oberhalb von Omaha in den Missouri mündet.
Der 101. Längengrad wurde überschritten.
Herr Fogg und seine Begleiter setzten ihr Spiel fort; niemand – nicht einmal der „Dummy“ – beschwerte sich über die Länge der Reise. Fix hatte zunächst einige Guineas gewonnen, doch es schien wahrscheinlich, dass er sie wieder verlieren würde; dennoch zeigte er sich als ebenso eifriger Whist-Spieler wie Herr Fogg. Am Morgen hatte das Glück eindeutig diesen Herrn begünstigt – Trümpfe und hohe Werte fielen ständig in seine Hände.
Einmal, nachdem er sich für einen kühnen Zug entschieden hatte, stand er kurz davor, einen Buben auszuspielen, als eine Stimme hinter ihm sagte: „Ich würde einen Diamanten ausspielen.“
Herr Fogg, Aouda und Fix hoben den Kopf und sahen Colonel Proctor. Stamp Proctor und Phileas Fogg erkannten sich sofort.
„Ah! Es sind Sie, nicht wahr, Engländer?“, rief der Colonel. „Sie sind es also, der einen Buben ausspielen will!“
„Und wer spielt ihn dann?“, antwortete Phileas Fogg ruhig und legte den Zehn-Buben ab.
„Nun, ich möchte lieber einen Diamanten haben“, antwortete Colonel Proctor in einem dreisten Tonfall.
Er machte eine Bewegung, als wolle er die gerade ausgegebene Karte nehmen, und fügte hinzu: „Sie verstehen nichts vom Whist.“
„Vielleicht verstehe ich genauso viel wie jeder andere“, sagte Phileas Fogg und stand auf.
„Dann versuchen Sie es doch, Sohn des John Bull“, antwortete der Colonel.
Fort McPherson wurde um acht Uhr morgens hinter sich gelassen; es blieben noch 357 Meilen bis Omaha zurückzulegen. Die Strecke folgte den launischen Windungen des südlichen Arms des Platte-Flusses, auf dessen linkem Ufer sie verlief. Um neun Uhr hielt der Zug in der wichtigen Stadt North Platte an, die zwischen den beiden Flussarmen liegt, die sich dort wieder vereinen und einen einzigen großen Nebenfluss bilden, dessen Wasser etwas oberhalb von Omaha in den Missouri mündet.
Der 101. Längengrad wurde überschritten.
Herr Fogg und seine Begleiter setzten ihr Spiel fort; niemand – nicht einmal der „Dummy“ – beschwerte sich über die Länge der Reise. Fix hatte zunächst einige Guineas gewonnen, doch es schien wahrscheinlich, dass er sie wieder verlieren würde; dennoch zeigte er sich als ebenso eifriger Whist-Spieler wie Herr Fogg. Am Morgen hatte das Glück eindeutig diesen Herrn begünstigt – Trümpfe und hohe Werte fielen ständig in seine Hände.
Einmal, nachdem er sich für einen kühnen Zug entschieden hatte, stand er kurz davor, einen Buben auszuspielen, als eine Stimme hinter ihm sagte: „Ich würde einen Diamanten ausspielen.“
Herr Fogg, Aouda und Fix hoben den Kopf und sahen Colonel Proctor. Stamp Proctor und Phileas Fogg erkannten sich sofort.
„Ah! Es sind Sie, nicht wahr, Engländer?“, rief der Colonel. „Sie sind es also, der einen Buben ausspielen will!“
„Und wer spielt ihn dann?“, antwortete Phileas Fogg ruhig und legte den Zehn-Buben ab.
„Nun, ich möchte lieber einen Diamanten haben“, antwortete Colonel Proctor in einem dreisten Tonfall.
Er machte eine Bewegung, als wolle er die gerade ausgegebene Karte nehmen, und fügte hinzu: „Sie verstehen nichts vom Whist.“
„Vielleicht verstehe ich genauso viel wie jeder andere“, sagte Phileas Fogg und stand auf.
„Dann versuchen Sie es doch, Sohn des John Bull“, antwortete der Colonel.
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Aouda wurde blass, und ihr Blut gefror in den Adern. Sie ergriff Mr. Foggs Arm und zog ihn sanft zurück. Passepartout war bereit, sich auf den Amerikaner zu stürzen, der seinen Gegner dreist anstarrte. Doch Fix stand auf und sagte zum Colonel Proctor: „Sie vergessen, dass ich es bin, mit dem Sie es zu tun haben, Sir – denn ich bin es, den Sie nicht nur beleidigt, sondern auch geschlagen haben!“
„Mr. Fix“, sagte Mr. Fogg, „verzeihen Sie mir, aber diese Angelegenheit betrifft nur mich. Der Colonel hat mich erneut beleidigt, indem er darauf bestand, dass ich keine Bubenkarte spielen darf – er wird mir dafür Genugtuung verschaffen müssen.“
„Wann und wo Sie wollen“, antwortete der Amerikaner, „und mit welcher Waffe auch immer Sie wählen.“
Aouda versuchte vergeblich, Mr. Fogg zurückzuhalten; genauso vergeblich versuchte der Detektiv, den Streit für sich zu nutzen. Passepartout wollte den Colonel aus dem Fenster werfen, doch ein Zeichen seines Herrn hielt ihn zurück. Phileas Fogg verließ den Waggon, und der Amerikaner folgte ihm auf den Bahnsteig. „Sir“, sagte Mr. Fogg zu seinem Gegner, „ich habe große Eile, nach Europa zurückzukehren – jede Verzögerung würde mir sehr schaden.“
„Nun, was geht mich das an?“, erwiderte Colonel Proctor.
„Sir“, sagte Mr. Fogg sehr höflich, „nach unserem Treffen in San Francisco habe ich beschlossen, nach Amerika zurückzukehren und Sie so schnell wie möglich aufzusuchen, sobald ich die Angelegenheit, die mich nach England geführt hat, erledigt habe.“
„Wirklich?“
„Werden Sie ein Treffen in sechs Monaten vereinbaren?“
„Warum nicht in zehn Jahren?“
„Ich sage sechs Monate“, entgegnete Phileas Fogg; „und ich werde pünktlich am Treffpunkt sein.“
„Das ist alles nur Ausweichmanöver! Jetzt oder nie!“, rief Colonel Proctor.
„Sehr gut. Werden Sie nach New York gehen?“
„Nein.“
„Nach Chicago?“
„Nein.“
„Nach Omaha?“
„Was macht das für einen Unterschied für Sie? Kennen Sie Plum Creek?“
„Nein“, antwortete Mr. Fogg.
„Mr. Fix“, sagte Mr. Fogg, „verzeihen Sie mir, aber diese Angelegenheit betrifft nur mich. Der Colonel hat mich erneut beleidigt, indem er darauf bestand, dass ich keine Bubenkarte spielen darf – er wird mir dafür Genugtuung verschaffen müssen.“
„Wann und wo Sie wollen“, antwortete der Amerikaner, „und mit welcher Waffe auch immer Sie wählen.“
Aouda versuchte vergeblich, Mr. Fogg zurückzuhalten; genauso vergeblich versuchte der Detektiv, den Streit für sich zu nutzen. Passepartout wollte den Colonel aus dem Fenster werfen, doch ein Zeichen seines Herrn hielt ihn zurück. Phileas Fogg verließ den Waggon, und der Amerikaner folgte ihm auf den Bahnsteig. „Sir“, sagte Mr. Fogg zu seinem Gegner, „ich habe große Eile, nach Europa zurückzukehren – jede Verzögerung würde mir sehr schaden.“
„Nun, was geht mich das an?“, erwiderte Colonel Proctor.
„Sir“, sagte Mr. Fogg sehr höflich, „nach unserem Treffen in San Francisco habe ich beschlossen, nach Amerika zurückzukehren und Sie so schnell wie möglich aufzusuchen, sobald ich die Angelegenheit, die mich nach England geführt hat, erledigt habe.“
„Wirklich?“
„Werden Sie ein Treffen in sechs Monaten vereinbaren?“
„Warum nicht in zehn Jahren?“
„Ich sage sechs Monate“, entgegnete Phileas Fogg; „und ich werde pünktlich am Treffpunkt sein.“
„Das ist alles nur Ausweichmanöver! Jetzt oder nie!“, rief Colonel Proctor.
„Sehr gut. Werden Sie nach New York gehen?“
„Nein.“
„Nach Chicago?“
„Nein.“
„Nach Omaha?“
„Was macht das für einen Unterschied für Sie? Kennen Sie Plum Creek?“
„Nein“, antwortete Mr. Fogg.
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„Das ist der nächste Bahnhof. Der Zug wird in einer Stunde dort ankommen und zehn Minuten lang halten. In diesen zehn Minuten könnten mehrere Schüsse aus Revolvern ausgetauscht werden.“
„Sehr gut“, sagte Herr Fogg. „Ich werde in Plum Creek anhalten.“
„Und ich nehme an, Sie bleiben auch dort“, fügte der Amerikaner unhöflich hinzu.
„Wer weiß?“, antwortete Herr Fogg und kehrte so ruhig wie gewohnt ins Abteil zurück. Er versuchte, Aouda zu beruhigen, indem er ihr sagte, dass man sich vor Großspurigen niemals fürchten müsse, und bat Fix, sein Beistand im bevorstehenden Duell zu sein – eine Bitte, der der Detektiv nicht abschlagen konnte. Herr Fogg setzte das unterbrochene Spiel mit vollkommener Gelassenheit fort.
Um elf Uhr kündigte das Signal der Lokomotive an, dass sie den Bahnhof Plum Creek näherten. Herr Fogg stand auf und folgte, begleitet von Fix, auf den Bahnsteig. Passepartout begleitete ihn und trug ein Paar Revolver bei sich. Aouda blieb im Abteil – blass wie der Tod.
Die Tür des nächsten Abteils öffnete sich, und Colonel Proctor erschien auf dem Bahnsteig, begleitet von einem Mann seines Schlages als seinem Beistand. Doch gerade als die Kampfenden vom Zug steigen wollten, eilte der Schaffner herbei und rief: „Sie können nicht aussteigen, meine Herren!“
„Warum nicht?“, fragte der Colonel.
„Wir sind zwanzig Minuten zu spät – wir werden nicht anhalten.“
„Aber ich möchte doch mit diesem Herrn duellieren.“
„Es tut mir leid“, sagte der Schaffner, „aber wir fahren sofort weiter. Der Glockenton ertönt bereits.“
Der Zug setzte sich in Bewegung.
„Es tut mir wirklich sehr leid, meine Herren“, sagte der Schaffner. „Unter anderen Umständen hätte ich Ihnen gerne geholfen. Aber da Sie ja keine Zeit mehr haben, hier zu kämpfen – warum kämpfen Sie nicht einfach, während wir unterwegs sind?“
„Das wäre vielleicht nicht praktisch für diesen Herrn“, sagte der Colonel spöttisch.
„Doch, das wäre durchaus möglich“, antwortete Phileas Fogg.
„Nun, wir sind tatsächlich in Amerika“, dachte Passepartout. „Und der Schaffner ist ein Gentleman ersten Ranges!“
Während er das murmelte, folgte er seinem Herrn.
„Sehr gut“, sagte Herr Fogg. „Ich werde in Plum Creek anhalten.“
„Und ich nehme an, Sie bleiben auch dort“, fügte der Amerikaner unhöflich hinzu.
„Wer weiß?“, antwortete Herr Fogg und kehrte so ruhig wie gewohnt ins Abteil zurück. Er versuchte, Aouda zu beruhigen, indem er ihr sagte, dass man sich vor Großspurigen niemals fürchten müsse, und bat Fix, sein Beistand im bevorstehenden Duell zu sein – eine Bitte, der der Detektiv nicht abschlagen konnte. Herr Fogg setzte das unterbrochene Spiel mit vollkommener Gelassenheit fort.
Um elf Uhr kündigte das Signal der Lokomotive an, dass sie den Bahnhof Plum Creek näherten. Herr Fogg stand auf und folgte, begleitet von Fix, auf den Bahnsteig. Passepartout begleitete ihn und trug ein Paar Revolver bei sich. Aouda blieb im Abteil – blass wie der Tod.
Die Tür des nächsten Abteils öffnete sich, und Colonel Proctor erschien auf dem Bahnsteig, begleitet von einem Mann seines Schlages als seinem Beistand. Doch gerade als die Kampfenden vom Zug steigen wollten, eilte der Schaffner herbei und rief: „Sie können nicht aussteigen, meine Herren!“
„Warum nicht?“, fragte der Colonel.
„Wir sind zwanzig Minuten zu spät – wir werden nicht anhalten.“
„Aber ich möchte doch mit diesem Herrn duellieren.“
„Es tut mir leid“, sagte der Schaffner, „aber wir fahren sofort weiter. Der Glockenton ertönt bereits.“
Der Zug setzte sich in Bewegung.
„Es tut mir wirklich sehr leid, meine Herren“, sagte der Schaffner. „Unter anderen Umständen hätte ich Ihnen gerne geholfen. Aber da Sie ja keine Zeit mehr haben, hier zu kämpfen – warum kämpfen Sie nicht einfach, während wir unterwegs sind?“
„Das wäre vielleicht nicht praktisch für diesen Herrn“, sagte der Colonel spöttisch.
„Doch, das wäre durchaus möglich“, antwortete Phileas Fogg.
„Nun, wir sind tatsächlich in Amerika“, dachte Passepartout. „Und der Schaffner ist ein Gentleman ersten Ranges!“
Während er das murmelte, folgte er seinem Herrn.
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Die beiden Kampfenden, ihre Beistände sowie der Schaffner gingen durch die Wagen zum hinteren Teil des Zuges. Der letzte Waggon wurde nur von einem Dutzend Passagieren bewohnt. Der Schaffner bat sie höflich, ob sie nicht so freundlich wären, ihn für einige Momente frei zu lassen – schließlich hatten zwei Herren eine Ehrensache zu klären. Die Passagiere willigten sofort ein und verschwanden anschließend auf dem Bahnsteig.
Der Waggon, der etwa fünfzig Fuß lang war, eignete sich hervorragend für ihren Zweck. Die Gegner konnten sich im Gang gegenüberstehen und ungehindert schießen. Noch nie war ein Duell so einfach arrangiert worden. Herr Fogg und Colonel Proctor, jeder mit zwei sechsläufigen Revolvern ausgestattet, betraten den Waggon. Die Beistände blieben draußen und sperrten sie ein. Sie sollten bei dem ersten Pfeifen der Lokomotive mit dem Schießen beginnen. Nach einer Pause von zwei Minuten sollte das, was von den beiden Herren übrig blieb, aus dem Waggon geholt werden.
Nichts konnte einfacher sein. Tatsächlich war alles so einfach, dass Fix und Passepartout das Gefühl hatten, ihr Herz würde zerspringen. Sie lauschten dem vereinbarten Pfeifen – da ertönten plötzlich wilde Schreie in der Luft, begleitet von Schüssen, die sicherlich nicht aus dem Waggon kamen, in dem sich die Duellanten befanden. Die Schüsse setzten sich entlang der gesamten Länge des Zuges fort. Aus den Waggons drangen Schreie des Entsetzens.
Colonel Proctor und Herr Fogg verließen eilig, mit Revolvern in der Hand, ihre „Gefängniszelle“ und eilten dorthin, wo der Lärm am größten war. Dort stellten sie fest, dass der Zug von einer Bande Sioux angegriffen wurde.
Es war nicht der erste Versuch dieser kühnen Indianer – bereits mehrmals hatten sie Züge auf der Strecke überfallen. Wie üblich sprangen hundert von ihnen ohne Anhalt des Zuges auf die Trittbretter, genauso mühelos, wie ein Clown auf ein galoppierendes Pferd steigt.
Die Sioux waren mit Gewehren bewaffnet; aus diesen kamen die Schüsse. Die Passagiere, die fast alle bewaffnet waren, antworteten mit Schüssen aus ihren Revolvern. Die Indianer waren zunächst auf die Lokomotive geklettert und hatten den Maschinisten sowie den Heizer mit Schlägen aus ihren Musketen halb betäubt. Ein Sioux-Häuptling, der den Zug anhalten wollte, wusste jedoch nicht, wie man den Dampfregler bedient – er öffnete stattdessen die Dampftür vollständig, sodass die Lokomotive mit großer Geschwindigkeit vorwärts raste.
Gleichzeitig drangen die Sioux in die Waggons ein – sie sprangen wie wütende Affen über die Dächer, stießen die Türen auf und kämpften Hand an Hand.
Der Waggon, der etwa fünfzig Fuß lang war, eignete sich hervorragend für ihren Zweck. Die Gegner konnten sich im Gang gegenüberstehen und ungehindert schießen. Noch nie war ein Duell so einfach arrangiert worden. Herr Fogg und Colonel Proctor, jeder mit zwei sechsläufigen Revolvern ausgestattet, betraten den Waggon. Die Beistände blieben draußen und sperrten sie ein. Sie sollten bei dem ersten Pfeifen der Lokomotive mit dem Schießen beginnen. Nach einer Pause von zwei Minuten sollte das, was von den beiden Herren übrig blieb, aus dem Waggon geholt werden.
Nichts konnte einfacher sein. Tatsächlich war alles so einfach, dass Fix und Passepartout das Gefühl hatten, ihr Herz würde zerspringen. Sie lauschten dem vereinbarten Pfeifen – da ertönten plötzlich wilde Schreie in der Luft, begleitet von Schüssen, die sicherlich nicht aus dem Waggon kamen, in dem sich die Duellanten befanden. Die Schüsse setzten sich entlang der gesamten Länge des Zuges fort. Aus den Waggons drangen Schreie des Entsetzens.
Colonel Proctor und Herr Fogg verließen eilig, mit Revolvern in der Hand, ihre „Gefängniszelle“ und eilten dorthin, wo der Lärm am größten war. Dort stellten sie fest, dass der Zug von einer Bande Sioux angegriffen wurde.
Es war nicht der erste Versuch dieser kühnen Indianer – bereits mehrmals hatten sie Züge auf der Strecke überfallen. Wie üblich sprangen hundert von ihnen ohne Anhalt des Zuges auf die Trittbretter, genauso mühelos, wie ein Clown auf ein galoppierendes Pferd steigt.
Die Sioux waren mit Gewehren bewaffnet; aus diesen kamen die Schüsse. Die Passagiere, die fast alle bewaffnet waren, antworteten mit Schüssen aus ihren Revolvern. Die Indianer waren zunächst auf die Lokomotive geklettert und hatten den Maschinisten sowie den Heizer mit Schlägen aus ihren Musketen halb betäubt. Ein Sioux-Häuptling, der den Zug anhalten wollte, wusste jedoch nicht, wie man den Dampfregler bedient – er öffnete stattdessen die Dampftür vollständig, sodass die Lokomotive mit großer Geschwindigkeit vorwärts raste.
Gleichzeitig drangen die Sioux in die Waggons ein – sie sprangen wie wütende Affen über die Dächer, stießen die Türen auf und kämpften Hand an Hand.
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Mit den Passagieren. Sie drangen in den Gepäckwagen ein, plünderten ihn und warfen die Koffer aus dem Zug. Schreie und Schüsse waren ständig zu hören. Die Reisenden verteidigten sich tapfer; einige Wagen wurden abgeriegelt und ertrugen eine Belagerung – wie bewegliche Festungen, die mit einer Geschwindigkeit von hundert Meilen pro Stunde vorankamen.
Aouda verhielt sich von Anfang an mutig. Sie verteidigte sich wie eine wahre Heldin mit einem Revolver – sie schoss durch die zerbrochenen Fenster, sobald ein Wilder auftauchte. Zwanzig Sioux lagen tödlich verwundet auf dem Boden; die Räder zermalmten diejenigen, die auf die Schienen fielen, als wären es Würmer. Mehrere Passagiere lagen, erschossen oder betäubt, auf den Sitzen.
Es war notwendig, den Kampf zu beenden – er hatte bereits zehn Minuten gedauert, und wäre der Zug nicht gestoppt worden, hätten die Sioux gesiegt. Der Bahnhof Fort Kearney, an dem eine Garnison stationiert war, lag nur zwei Meilen entfernt; doch sobald dieser Bahnhof hinter ihnen lag, würden die Sioux den Zug zwischen Fort Kearney und dem nächsten Bahnhof unter ihre Kontrolle bringen.
Der Schaffner kämpfte neben Herrn Fogg – doch dann wurde er angeschossen und fiel. In diesem Moment rief er: „Wenn der Zug nicht innerhalb von fünf Minuten gestoppt wird, sind wir verloren!“
„Er wird gestoppt“, sagte Phileas Fogg und bereitete sich darauf vor, aus dem Waggon zu springen.
„Bleiben Sie, Monsieur“, rief Passepartout; „ich werde gehen.“
Herr Fogg hatte keine Zeit, den mutigen Mann aufzuhalten. Dieser öffnete unauffällig für die Indianer eine Tür und schaffte es, unter den Waggon zu kriechen. Während der Kampf weiterging und Kugeln über seinem Kopf vorbeiflogen, nutzte er seine Erfahrungen als Akrobat und bewegte sich mit erstaunlicher Geschicklichkeit unter den Waggons. Er hielt sich an den Ketten fest, nutzte die Bremsen sowie die Ränder der Fenster als Halt und kroch mit erstaunlicher Behändigkeit von einem Waggon zum anderen – so gelangte er an das vordere Ende des Zuges.
Dort hing er mit einer Hand zwischen dem Gepäckwagen und dem Tender; mit der anderen Hand löste er die Sicherheitsketten. Doch aufgrund der Anziehungskraft hätte er die Verbindungsstange niemals lösen können – wäre da nicht eine heftige Erschütterung gewesen, die diese Stange herausriss. Der Zug blieb nun etwas zurück, während die Lokomotive mit noch größerer Geschwindigkeit voranschoss.
Aouda verhielt sich von Anfang an mutig. Sie verteidigte sich wie eine wahre Heldin mit einem Revolver – sie schoss durch die zerbrochenen Fenster, sobald ein Wilder auftauchte. Zwanzig Sioux lagen tödlich verwundet auf dem Boden; die Räder zermalmten diejenigen, die auf die Schienen fielen, als wären es Würmer. Mehrere Passagiere lagen, erschossen oder betäubt, auf den Sitzen.
Es war notwendig, den Kampf zu beenden – er hatte bereits zehn Minuten gedauert, und wäre der Zug nicht gestoppt worden, hätten die Sioux gesiegt. Der Bahnhof Fort Kearney, an dem eine Garnison stationiert war, lag nur zwei Meilen entfernt; doch sobald dieser Bahnhof hinter ihnen lag, würden die Sioux den Zug zwischen Fort Kearney und dem nächsten Bahnhof unter ihre Kontrolle bringen.
Der Schaffner kämpfte neben Herrn Fogg – doch dann wurde er angeschossen und fiel. In diesem Moment rief er: „Wenn der Zug nicht innerhalb von fünf Minuten gestoppt wird, sind wir verloren!“
„Er wird gestoppt“, sagte Phileas Fogg und bereitete sich darauf vor, aus dem Waggon zu springen.
„Bleiben Sie, Monsieur“, rief Passepartout; „ich werde gehen.“
Herr Fogg hatte keine Zeit, den mutigen Mann aufzuhalten. Dieser öffnete unauffällig für die Indianer eine Tür und schaffte es, unter den Waggon zu kriechen. Während der Kampf weiterging und Kugeln über seinem Kopf vorbeiflogen, nutzte er seine Erfahrungen als Akrobat und bewegte sich mit erstaunlicher Geschicklichkeit unter den Waggons. Er hielt sich an den Ketten fest, nutzte die Bremsen sowie die Ränder der Fenster als Halt und kroch mit erstaunlicher Behändigkeit von einem Waggon zum anderen – so gelangte er an das vordere Ende des Zuges.
Dort hing er mit einer Hand zwischen dem Gepäckwagen und dem Tender; mit der anderen Hand löste er die Sicherheitsketten. Doch aufgrund der Anziehungskraft hätte er die Verbindungsstange niemals lösen können – wäre da nicht eine heftige Erschütterung gewesen, die diese Stange herausriss. Der Zug blieb nun etwas zurück, während die Lokomotive mit noch größerer Geschwindigkeit voranschoss.
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Angetrieben von der bereits gewonnenen Geschwindigkeit bewegte sich der Zug noch einige Minuten lang weiter; doch die Bremsen wurden betätigt, und schließlich kamen sie weniger als hundert Fuß von der Station Kearney zum Stillstand.
Die Soldaten der Festung, angezogen von den Schüssen, eilten herbei; die Sioux hatten sie nicht erwartet und zogen sich in großer Zahl zurück, bevor der Zug vollständig zum Stehen kam.
Doch als die Passagiere sich auf dem Bahnsteig zählten, fehlten mehrere Personen – darunter der mutige Franzose, dessen Entschlossenheit sie gerade gerettet hatte.
Die Soldaten der Festung, angezogen von den Schüssen, eilten herbei; die Sioux hatten sie nicht erwartet und zogen sich in großer Zahl zurück, bevor der Zug vollständig zum Stehen kam.
Doch als die Passagiere sich auf dem Bahnsteig zählten, fehlten mehrere Personen – darunter der mutige Franzose, dessen Entschlossenheit sie gerade gerettet hatte.
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KAPITEL XXX.
In dem Phileas Fogg einfach seine Pflicht erfüllt
Drei Passagiere, einschließlich Passepartout, waren verschwunden. Waren sie im Kampf getötet worden? Wurden sie von den Sioux gefangen genommen? Es war unmöglich, das herauszufinden.
Es gab viele Verletzte, aber keinen, der lebensgefährlich verletzt war. Colonel Proctor gehörte zu den am schwersten Verletzten; er hatte tapfer gekämpft, und eine Kugel hatte ihn in die Leiste getroffen. Er wurde zusammen mit den anderen verletzten Passagieren in die Station gebracht, um dort die notwendige Behandlung zu erhalten.
Aouda war in Sicherheit; und Phileas Fogg, der mitten im Kampf gewesen war, hatte nicht einmal eine Schramme abbekommen. Fix war leicht am Arm verletzt. Doch Passepartout ließ sich nirgends finden, und Tränen liefen über Aoudas Wangen.
Alle Passagiere hatten den Zug verlassen; dessen Räder waren mit Blut befleckt. Von den Reifen und Speichen hingen zerrissene Fleischstücke herab. Soweit das Auge reichte, waren auf der weißen Ebene rote Spuren zu sehen. Die letzten Sioux verschwanden im Süden, entlang des Ufers des Republican River.
Herr Fogg stand mit verschränkten Armen regungslos da. Er musste eine wichtige Entscheidung treffen. Aouda, die neben ihm stand, sah ihn schweigend an – er verstand ihren Blick. Wenn sein Diener gefangen war, sollte er dann nicht alles riskieren, um ihn aus den Händen der Indianer zu befreien? „Ich werde ihn finden, lebend oder tot“, sagte er leise zu Aouda.
„Ah, Herr – Herr Fogg!“, rief sie, nahm seine Hände und bedeckte sie mit Tränen.
„Lebend“, fügte Herr Fogg hinzu, „wenn wir keine Zeit verlieren.“
In dem Phileas Fogg einfach seine Pflicht erfüllt
Drei Passagiere, einschließlich Passepartout, waren verschwunden. Waren sie im Kampf getötet worden? Wurden sie von den Sioux gefangen genommen? Es war unmöglich, das herauszufinden.
Es gab viele Verletzte, aber keinen, der lebensgefährlich verletzt war. Colonel Proctor gehörte zu den am schwersten Verletzten; er hatte tapfer gekämpft, und eine Kugel hatte ihn in die Leiste getroffen. Er wurde zusammen mit den anderen verletzten Passagieren in die Station gebracht, um dort die notwendige Behandlung zu erhalten.
Aouda war in Sicherheit; und Phileas Fogg, der mitten im Kampf gewesen war, hatte nicht einmal eine Schramme abbekommen. Fix war leicht am Arm verletzt. Doch Passepartout ließ sich nirgends finden, und Tränen liefen über Aoudas Wangen.
Alle Passagiere hatten den Zug verlassen; dessen Räder waren mit Blut befleckt. Von den Reifen und Speichen hingen zerrissene Fleischstücke herab. Soweit das Auge reichte, waren auf der weißen Ebene rote Spuren zu sehen. Die letzten Sioux verschwanden im Süden, entlang des Ufers des Republican River.
Herr Fogg stand mit verschränkten Armen regungslos da. Er musste eine wichtige Entscheidung treffen. Aouda, die neben ihm stand, sah ihn schweigend an – er verstand ihren Blick. Wenn sein Diener gefangen war, sollte er dann nicht alles riskieren, um ihn aus den Händen der Indianer zu befreien? „Ich werde ihn finden, lebend oder tot“, sagte er leise zu Aouda.
„Ah, Herr – Herr Fogg!“, rief sie, nahm seine Hände und bedeckte sie mit Tränen.
„Lebend“, fügte Herr Fogg hinzu, „wenn wir keine Zeit verlieren.“
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Durch diese Entscheidung opferte Phileas Fogg unweigerlich sich selbst – er besiegelte sein eigenes Schicksal. Eine Verzögerung von nur einem Tag würde dazu führen, dass er den Dampfer in New York verpasste, und sein Wettversuch wäre sicherlich verloren. Doch da er dachte: „Es ist meine Pflicht“, zögerte er nicht.
Der Kommandant von Fort Kearney war dort. Hundert seiner Soldaten hatten sich in Stellung gebracht, um die Festung zu verteidigen, falls die Sioux sie angreifen sollten.
„Sir“, sagte Herr Fogg zum Captain, „drei Passagiere sind verschwunden.“
„Tot?“, fragte der Captain.
„Tot oder gefangen – das ist die Unsicherheit, die beseitigt werden muss. Beabsichtigen Sie, den Sioux nachzujagen?“
„Das ist eine ernste Entscheidung, Sir“, antwortete der Captain. „Diese Indianer könnten sich jenseits des Arkansas zurückziehen, und ich kann die Festung nicht ungeschützt lassen.“
„Es geht um das Leben von drei Männern, Sir“, sagte Phileas Fogg.
„Zweifellos – aber kann ich das Leben von fünfzig Männern aufs Spiel setzen, um drei zu retten?“
„Ich weiß nicht, ob Sie das können, Sir – aber Sie sollten es tun.“
„Niemand hier“, erwiderte der andere, „hat das Recht, mir meine Pflicht zu erklären.“
„Sehr gut“, sagte Herr Fogg kalt. „Ich werde allein gehen.“
„Sie, Sir!“, rief Fix, der herbeikam. „Sie wollen allein den Indianern nachjagen?“
„Wollen Sie, dass ich diesen armen Mann dem Tod überlasse – den Mann, dem alle Anwesenden ihr Leben verdanken? Ich werde gehen.“
„Nein, Sir, Sie werden nicht allein gehen“, rief der Captain, der trotz sich selbst gerührt war. „Nein! Sie sind ein tapferer Mann. Dreißig Freiwillige!“, fügte er hinzu und wandte sich an die Soldaten.
Die ganze Truppe setzte sich sofort in Bewegung. Der Captain musste nur seine Männer auswählen. Dreißig wurden ausgewählt, und ein alter Sergeant wurde an ihre Spitze gestellt.
„Danke, Captain“, sagte Herr Fogg.
„Darf ich mit Ihnen kommen?“, fragte Fix.
„Tun Sie, was Sie wollen, Sir. Aber wenn Sie mir einen Gefallen tun wollen, bleiben Sie bei Aouda. Falls mir etwas zustoßen sollte –“
Plötzlich überzog eine Blässe das Gesicht des Detektivs. Sich von dem Mann trennen, dem er so beharrlich Schritt für Schritt gefolgt war! Ihn seinem Schicksal überlassen…
Der Kommandant von Fort Kearney war dort. Hundert seiner Soldaten hatten sich in Stellung gebracht, um die Festung zu verteidigen, falls die Sioux sie angreifen sollten.
„Sir“, sagte Herr Fogg zum Captain, „drei Passagiere sind verschwunden.“
„Tot?“, fragte der Captain.
„Tot oder gefangen – das ist die Unsicherheit, die beseitigt werden muss. Beabsichtigen Sie, den Sioux nachzujagen?“
„Das ist eine ernste Entscheidung, Sir“, antwortete der Captain. „Diese Indianer könnten sich jenseits des Arkansas zurückziehen, und ich kann die Festung nicht ungeschützt lassen.“
„Es geht um das Leben von drei Männern, Sir“, sagte Phileas Fogg.
„Zweifellos – aber kann ich das Leben von fünfzig Männern aufs Spiel setzen, um drei zu retten?“
„Ich weiß nicht, ob Sie das können, Sir – aber Sie sollten es tun.“
„Niemand hier“, erwiderte der andere, „hat das Recht, mir meine Pflicht zu erklären.“
„Sehr gut“, sagte Herr Fogg kalt. „Ich werde allein gehen.“
„Sie, Sir!“, rief Fix, der herbeikam. „Sie wollen allein den Indianern nachjagen?“
„Wollen Sie, dass ich diesen armen Mann dem Tod überlasse – den Mann, dem alle Anwesenden ihr Leben verdanken? Ich werde gehen.“
„Nein, Sir, Sie werden nicht allein gehen“, rief der Captain, der trotz sich selbst gerührt war. „Nein! Sie sind ein tapferer Mann. Dreißig Freiwillige!“, fügte er hinzu und wandte sich an die Soldaten.
Die ganze Truppe setzte sich sofort in Bewegung. Der Captain musste nur seine Männer auswählen. Dreißig wurden ausgewählt, und ein alter Sergeant wurde an ihre Spitze gestellt.
„Danke, Captain“, sagte Herr Fogg.
„Darf ich mit Ihnen kommen?“, fragte Fix.
„Tun Sie, was Sie wollen, Sir. Aber wenn Sie mir einen Gefallen tun wollen, bleiben Sie bei Aouda. Falls mir etwas zustoßen sollte –“
Plötzlich überzog eine Blässe das Gesicht des Detektivs. Sich von dem Mann trennen, dem er so beharrlich Schritt für Schritt gefolgt war! Ihn seinem Schicksal überlassen…
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Herumwandern in dieser Wüste! Fix blickte Mr. Fogg aufmerksam an – und trotz seiner Verdächtigungen sowie des inneren Kampfes senkte er seinen Blick vor diesem ruhigen, aufrichtigen Blick.
„Ich werde bleiben“, sagte er.
Kurz darauf drückte Mr. Fogg die Hand der jungen Frau, übergab ihr seinen wertvollen Teppichbeutel und ging dann mit dem Sergeant sowie seiner kleinen Truppe weg. Doch bevor er ging, sagte er zu den Soldaten: „Meine Freunde, ich werde fünftausend Dollar unter euch aufteilen, wenn wir die Gefangenen retten.“
Es war gerade etwas nach Mittag.
Aouda zog sich in einen Wartesaal zurück und wartete dort allein, während sie an die einfache, edle Großzügigkeit sowie den ruhigen Mut von Phileas Fogg dachte. Er hatte sein Vermögen geopfert und nun auch noch sein Leben aufs Spiel gesetzt – alles ohne Zögern, aus Pflichtgefühl, in Stille.
Fix hatte nicht dieselben Gedanken und konnte seine Unruhe kaum verbergen. Er lief fiebrig auf und ab, doch bald gewann er wieder seine Fassung zurück. Nun erkannte er die Dummheit, die er begangen hatte, indem er Fogg allein gehen ließ. Wie konnte es sein, dass dieser Mann, den er gerade um die Welt verfolgt hatte, nun von ihm getrennt werden durfte! Er begann, sich selbst anzuklagen und zu beschimpfen – und als wäre er Polizeidirektor, hielt er sich selbst eine strenge Standpauke wegen seiner Unreife.
„Ich war ein Idiot!“, dachte er. „Und dieser Mann wird es sehen. Er ist gegangen – und wird nicht zurückkommen! Aber wie ist es möglich, dass ich, Fix, der doch einen Haftbefehl gegen ihn bei sich hat, so von ihm fasziniert war? Zweifellos bin ich nichts weiter als ein Esel!“
So überlegte der Detektiv, während die Stunden viel zu langsam vergingen. Er wusste nicht, was er tun sollte. Manchmal verspürte er den Drang, Aouda alles zu erzählen – doch er konnte sich vorstellen, wie die junge Frau seine Enthüllungen aufnehmen würde.
Welchen Weg sollte er einschlagen? Er dachte daran, Fogg über die weiten weißen Ebenen zu verfolgen – es schien nicht unmöglich, ihn einzuholen. Auf dem Schnee hinterließen Fußspuren leicht Spuren – doch bald würden diese unter einer neuen Schneeschicht verschwinden.
Fix wurde entmutigt. Er verspürte ein fast übermächtiges Verlangen, das ganze Unterfangen ganz aufzugeben. Er könnte jetzt den Bahnhof Fort Kearney verlassen und in Ruhe seine Heimreise antreten.
„Ich werde bleiben“, sagte er.
Kurz darauf drückte Mr. Fogg die Hand der jungen Frau, übergab ihr seinen wertvollen Teppichbeutel und ging dann mit dem Sergeant sowie seiner kleinen Truppe weg. Doch bevor er ging, sagte er zu den Soldaten: „Meine Freunde, ich werde fünftausend Dollar unter euch aufteilen, wenn wir die Gefangenen retten.“
Es war gerade etwas nach Mittag.
Aouda zog sich in einen Wartesaal zurück und wartete dort allein, während sie an die einfache, edle Großzügigkeit sowie den ruhigen Mut von Phileas Fogg dachte. Er hatte sein Vermögen geopfert und nun auch noch sein Leben aufs Spiel gesetzt – alles ohne Zögern, aus Pflichtgefühl, in Stille.
Fix hatte nicht dieselben Gedanken und konnte seine Unruhe kaum verbergen. Er lief fiebrig auf und ab, doch bald gewann er wieder seine Fassung zurück. Nun erkannte er die Dummheit, die er begangen hatte, indem er Fogg allein gehen ließ. Wie konnte es sein, dass dieser Mann, den er gerade um die Welt verfolgt hatte, nun von ihm getrennt werden durfte! Er begann, sich selbst anzuklagen und zu beschimpfen – und als wäre er Polizeidirektor, hielt er sich selbst eine strenge Standpauke wegen seiner Unreife.
„Ich war ein Idiot!“, dachte er. „Und dieser Mann wird es sehen. Er ist gegangen – und wird nicht zurückkommen! Aber wie ist es möglich, dass ich, Fix, der doch einen Haftbefehl gegen ihn bei sich hat, so von ihm fasziniert war? Zweifellos bin ich nichts weiter als ein Esel!“
So überlegte der Detektiv, während die Stunden viel zu langsam vergingen. Er wusste nicht, was er tun sollte. Manchmal verspürte er den Drang, Aouda alles zu erzählen – doch er konnte sich vorstellen, wie die junge Frau seine Enthüllungen aufnehmen würde.
Welchen Weg sollte er einschlagen? Er dachte daran, Fogg über die weiten weißen Ebenen zu verfolgen – es schien nicht unmöglich, ihn einzuholen. Auf dem Schnee hinterließen Fußspuren leicht Spuren – doch bald würden diese unter einer neuen Schneeschicht verschwinden.
Fix wurde entmutigt. Er verspürte ein fast übermächtiges Verlangen, das ganze Unterfangen ganz aufzugeben. Er könnte jetzt den Bahnhof Fort Kearney verlassen und in Ruhe seine Heimreise antreten.
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Gegen zwei Uhr nachmittags, während es stark schneite, waren aus dem Osten laute Pfeiftöne zu hören. Ein großer Schatten, begleitet von einem seltsamen Licht, näherte sich langsam – durch den Nebel wirkte er noch größer und dadurch fast fantastisch. Von Osten aus war kein Zug erwartet worden, und auch die per Telegramm angeforderte Hilfe hatte noch nicht eintreffen können; der Zug von Omaha nach San Francisco sollte erst am nächsten Tag ankommen. Das Rätsel wurde bald gelöst.
Die Lokomotive, die mit ohrenbetäubendem Pfeifen langsam näherkam, war jene, die sich vom Zug getrennt hatte und mit atemberaubender Geschwindigkeit weitergefahren war – dabei wurden der bewusstlose Maschinist sowie der Heizer mitgenommen. Sie fuhr mehrere Meilen, bis aufgrund mangelnder Brennstoffe die Hitze im Kessel nachließ und der Dampf nachließ; schließlich kam sie eine Stunde später, etwa zwanzig Meilen hinter Fort Kearney, zum Stehen. Weder der Maschinist noch der Heizer waren tot – nachdem sie eine Weile bewusstlos gewesen waren, kamen sie wieder zu sich. In der Zwischenzeit war der Zug ebenfalls stehen geblieben. Als der Maschinist feststellte, dass er sich in der Wüste befand und die Lokomotive ohne Waggons da war, verstand er, was geschehen war. Er konnte sich nicht erklären, wie die Lokomotive vom Zug getrennt werden konnte – doch er zweifelte nicht daran, dass der zurückgebliebene Zug in Not war. Er zögerte nicht lange – es wäre klug gewesen, weiter nach Omaha zu fahren, denn es wäre gefährlich gewesen, zum Zug zurückzukehren, den die Indianer möglicherweise noch plünderten. Dennoch begann er, das Feuer im Kessel wieder anzuzünden; der Druck stieg erneut an, und die Lokomotive kehrte rückwärts nach Fort Kearney zurück. Das war es also, das im Nebel pfiff.
Die Reisenden freuten sich, dass die Lokomotive wieder ihren Platz an der Spitze des Zuges einnahm. Nun konnten sie ihre so schrecklich unterbrochene Reise fortsetzen.
Aouda, als sie sah, wie die Lokomotive herankam, eilte aus dem Bahnhof und fragte den Schaffner: „Werden Sie jetzt abfahren?“
„Sofort, gnädige Frau.“
„Aber die Gefangenen, unsere unglücklichen Reisegefährten…“
„Ich kann die Fahrt nicht unterbrechen“, antwortete der Schaffner. „Wir sind bereits drei Stunden im Verzug.“
„Und wann wird ein weiterer Zug von San Francisco hier vorbeikommen?“
„Morgen Abend, gnädige Frau.“
Die Lokomotive, die mit ohrenbetäubendem Pfeifen langsam näherkam, war jene, die sich vom Zug getrennt hatte und mit atemberaubender Geschwindigkeit weitergefahren war – dabei wurden der bewusstlose Maschinist sowie der Heizer mitgenommen. Sie fuhr mehrere Meilen, bis aufgrund mangelnder Brennstoffe die Hitze im Kessel nachließ und der Dampf nachließ; schließlich kam sie eine Stunde später, etwa zwanzig Meilen hinter Fort Kearney, zum Stehen. Weder der Maschinist noch der Heizer waren tot – nachdem sie eine Weile bewusstlos gewesen waren, kamen sie wieder zu sich. In der Zwischenzeit war der Zug ebenfalls stehen geblieben. Als der Maschinist feststellte, dass er sich in der Wüste befand und die Lokomotive ohne Waggons da war, verstand er, was geschehen war. Er konnte sich nicht erklären, wie die Lokomotive vom Zug getrennt werden konnte – doch er zweifelte nicht daran, dass der zurückgebliebene Zug in Not war. Er zögerte nicht lange – es wäre klug gewesen, weiter nach Omaha zu fahren, denn es wäre gefährlich gewesen, zum Zug zurückzukehren, den die Indianer möglicherweise noch plünderten. Dennoch begann er, das Feuer im Kessel wieder anzuzünden; der Druck stieg erneut an, und die Lokomotive kehrte rückwärts nach Fort Kearney zurück. Das war es also, das im Nebel pfiff.
Die Reisenden freuten sich, dass die Lokomotive wieder ihren Platz an der Spitze des Zuges einnahm. Nun konnten sie ihre so schrecklich unterbrochene Reise fortsetzen.
Aouda, als sie sah, wie die Lokomotive herankam, eilte aus dem Bahnhof und fragte den Schaffner: „Werden Sie jetzt abfahren?“
„Sofort, gnädige Frau.“
„Aber die Gefangenen, unsere unglücklichen Reisegefährten…“
„Ich kann die Fahrt nicht unterbrechen“, antwortete der Schaffner. „Wir sind bereits drei Stunden im Verzug.“
„Und wann wird ein weiterer Zug von San Francisco hier vorbeikommen?“
„Morgen Abend, gnädige Frau.“
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„Morgen Abend! Aber dann wird es zu spät sein! Wir müssen warten–“
„Das ist unmöglich“, antwortete der Schaffner. „Wenn Sie fahren möchten, bitte steigen Sie ein.“
„Ich werde nicht fahren“, sagte Aouda.
Fix hatte dieses Gespräch mitgehört. Kurz zuvor, als keine Aussicht auf eine Fortsetzung der Reise bestand, hatte er beschlossen, Fort Kearney zu verlassen; doch jetzt, da der Zug bereit zum Abfahren war und er nur noch seinen Platz im Waggon einnehmen musste, hielt eine unwiderstehliche Kraft ihn zurück. Der Bahnsteig brannte ihm unter den Füßen, und er konnte sich nicht rühren. Der Kampf in seinem Inneren begann erneut; Wut und Frust überwältigten ihn. Er wollte bis zum Ende durchhalten.
In der Zwischenzeit hatten die Passagiere sowie einige Verletzte, darunter Colonel Proctor mit schweren Verletzungen, ihre Plätze im Zug eingenommen. Man hörte das Summen des überhitzten Kessels – Dampf entwich aus den Ventilen. Der Lokführer pfiff, der Zug setzte sich in Bewegung und verschwand bald darauf, wobei sein weißer Rauch sich mit den wirbelnden Schneeflocken vermischte.
Der Detektiv blieb zurück.
Mehrere Stunden vergingen. Das Wetter war düster und sehr kalt. Fix saß regungslos auf einer Bank am Bahnhof; man hätte meinen können, er schliefe. Aouda verließ trotz des Sturms immer wieder den Warteraum, ging zum Ende des Bahnsteigs und spähte durch den Schneesturm, als wolle sie den Nebel durchdringen, der ihren Horizont einschränkte, und falls möglich, irgendein willkommenes Geräusch hören. Doch sie hörte und sah nichts. Dann kehrte sie zurück, völlig durchgefroren, und versuchte es nach einigen Momenten erneut – doch stets vergeblich.
Es wurde Abend, und die kleine Gruppe war noch nicht zurückgekehrt. Wo konnten sie nur sein? Hatten sie die Indianer gefunden und kämpften gerade mit ihnen, oder irrten sie immer noch im Nebel umher? Der Kommandant der Festung war besorgt, obwohl er versuchte, seine Sorgen zu verbergen. Mit dem Nahen der Nacht fiel weniger Schnee, doch es wurde extrem kalt. Absolute Stille herrschte auf den Ebenen. Weder das Flug einer Vogelart noch das Vorbeikommen eines Tieres störte diese vollkommene Ruhe.
Die ganze Nacht über wanderte Aouda, von traurigen Ahnungen erfüllt und mit einem Herz, das vor Qualen erdrückt wurde, am Rande der Ebenen umher. Ihre Vorstellungskraft…
„Das ist unmöglich“, antwortete der Schaffner. „Wenn Sie fahren möchten, bitte steigen Sie ein.“
„Ich werde nicht fahren“, sagte Aouda.
Fix hatte dieses Gespräch mitgehört. Kurz zuvor, als keine Aussicht auf eine Fortsetzung der Reise bestand, hatte er beschlossen, Fort Kearney zu verlassen; doch jetzt, da der Zug bereit zum Abfahren war und er nur noch seinen Platz im Waggon einnehmen musste, hielt eine unwiderstehliche Kraft ihn zurück. Der Bahnsteig brannte ihm unter den Füßen, und er konnte sich nicht rühren. Der Kampf in seinem Inneren begann erneut; Wut und Frust überwältigten ihn. Er wollte bis zum Ende durchhalten.
In der Zwischenzeit hatten die Passagiere sowie einige Verletzte, darunter Colonel Proctor mit schweren Verletzungen, ihre Plätze im Zug eingenommen. Man hörte das Summen des überhitzten Kessels – Dampf entwich aus den Ventilen. Der Lokführer pfiff, der Zug setzte sich in Bewegung und verschwand bald darauf, wobei sein weißer Rauch sich mit den wirbelnden Schneeflocken vermischte.
Der Detektiv blieb zurück.
Mehrere Stunden vergingen. Das Wetter war düster und sehr kalt. Fix saß regungslos auf einer Bank am Bahnhof; man hätte meinen können, er schliefe. Aouda verließ trotz des Sturms immer wieder den Warteraum, ging zum Ende des Bahnsteigs und spähte durch den Schneesturm, als wolle sie den Nebel durchdringen, der ihren Horizont einschränkte, und falls möglich, irgendein willkommenes Geräusch hören. Doch sie hörte und sah nichts. Dann kehrte sie zurück, völlig durchgefroren, und versuchte es nach einigen Momenten erneut – doch stets vergeblich.
Es wurde Abend, und die kleine Gruppe war noch nicht zurückgekehrt. Wo konnten sie nur sein? Hatten sie die Indianer gefunden und kämpften gerade mit ihnen, oder irrten sie immer noch im Nebel umher? Der Kommandant der Festung war besorgt, obwohl er versuchte, seine Sorgen zu verbergen. Mit dem Nahen der Nacht fiel weniger Schnee, doch es wurde extrem kalt. Absolute Stille herrschte auf den Ebenen. Weder das Flug einer Vogelart noch das Vorbeikommen eines Tieres störte diese vollkommene Ruhe.
Die ganze Nacht über wanderte Aouda, von traurigen Ahnungen erfüllt und mit einem Herz, das vor Qualen erdrückt wurde, am Rande der Ebenen umher. Ihre Vorstellungskraft…
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Er trug sie weit weg und zeigte ihr unzählige Gefahren. Was sie während der langen Stunden ertragen musste, wäre unmöglich zu beschreiben.
Fix blieb an derselben Stelle stehen, schlief aber nicht. Einmal näherte sich ein Mann und sprach mit ihm – der Detektiv antwortete lediglich mit einem Kopfschütteln.
So verging die Nacht. Bei Tagesanbruch stieg der halb erloschene Sonnenschein über den nebligen Horizont auf; nun war es möglich, Objekte in zwei Meilen Entfernung zu erkennen. Phileas Fogg und seine Gruppe waren nach Süden aufgebrochen; im Süden herrschte weiterhin Leere. Es war jetzt sieben Uhr.
Der Kapitän, der wirklich beunruhigt war, wusste nicht, welchen Weg er einschlagen sollte. Sollte er eine weitere Truppe zum Retten der ersten Gruppe schicken? Sollte er weitere Männer opfern, obwohl die Chancen, die bereits Opfer gewordenen zu retten, so gering waren?
Seine Zögern dauerten jedoch nicht lange. Er rief einen seiner Leutnants zu sich und wollte gerade einen Aufklärungseinsatz anordnen, als Schüsse zu hören waren. War das ein Signal? Die Soldaten stürmten aus der Festung – in einer halben Meile Entfernung sahen sie eine kleine Gruppe, die in geordneten Reihen zurückkehrte.
Herr Fogg ging an ihrer Spitze; direkt hinter ihm befanden sich Passepartout sowie die beiden anderen Reisenden, die von den Sioux gerettet worden waren. Sie hatten zehn Meilen südlich von Fort Kearney auf die Indianer getroffen und gekämpft.
Kurz bevor die Truppe eintraf, begannen Passepartout und seine Begleiter, gegen ihre Entführer zu kämpfen. Drei von ihnen besiegte der Franzose mit seinen Fäusten – in diesem Moment eilten sein Herr und die Soldaten zu ihrer Rettung herbei.
Alle wurden mit freudigen Rufen begrüßt. Phileas Fogg verteilte die Belohnungen, die er den Soldaten versprochen hatte, während Passepartout, nicht ohne Grund, murmelte: „Man muss zugeben, dass ich meinem Herrn viel gekostet habe!“
Fix sagte kein Wort, blickte nur Herrn Fogg an – es wäre schwierig gewesen, die Gedanken zu analysieren, die in ihm tobten. Was Aouda betraf, so nahm sie die Hand ihres Beschützers und drückte sie in ihre eigene – zu bewegt, um zu sprechen.
In der Zwischenzeit suchte Passepartout nach dem Zug. Er glaubte, ihn dort vorzufinden, bereit, nach Omaha abzureisen – und hoffte, dass die verlorene Zeit wieder aufgeholt werden könnte.
„Der Zug! Der Zug!“, rief er.
Fix blieb an derselben Stelle stehen, schlief aber nicht. Einmal näherte sich ein Mann und sprach mit ihm – der Detektiv antwortete lediglich mit einem Kopfschütteln.
So verging die Nacht. Bei Tagesanbruch stieg der halb erloschene Sonnenschein über den nebligen Horizont auf; nun war es möglich, Objekte in zwei Meilen Entfernung zu erkennen. Phileas Fogg und seine Gruppe waren nach Süden aufgebrochen; im Süden herrschte weiterhin Leere. Es war jetzt sieben Uhr.
Der Kapitän, der wirklich beunruhigt war, wusste nicht, welchen Weg er einschlagen sollte. Sollte er eine weitere Truppe zum Retten der ersten Gruppe schicken? Sollte er weitere Männer opfern, obwohl die Chancen, die bereits Opfer gewordenen zu retten, so gering waren?
Seine Zögern dauerten jedoch nicht lange. Er rief einen seiner Leutnants zu sich und wollte gerade einen Aufklärungseinsatz anordnen, als Schüsse zu hören waren. War das ein Signal? Die Soldaten stürmten aus der Festung – in einer halben Meile Entfernung sahen sie eine kleine Gruppe, die in geordneten Reihen zurückkehrte.
Herr Fogg ging an ihrer Spitze; direkt hinter ihm befanden sich Passepartout sowie die beiden anderen Reisenden, die von den Sioux gerettet worden waren. Sie hatten zehn Meilen südlich von Fort Kearney auf die Indianer getroffen und gekämpft.
Kurz bevor die Truppe eintraf, begannen Passepartout und seine Begleiter, gegen ihre Entführer zu kämpfen. Drei von ihnen besiegte der Franzose mit seinen Fäusten – in diesem Moment eilten sein Herr und die Soldaten zu ihrer Rettung herbei.
Alle wurden mit freudigen Rufen begrüßt. Phileas Fogg verteilte die Belohnungen, die er den Soldaten versprochen hatte, während Passepartout, nicht ohne Grund, murmelte: „Man muss zugeben, dass ich meinem Herrn viel gekostet habe!“
Fix sagte kein Wort, blickte nur Herrn Fogg an – es wäre schwierig gewesen, die Gedanken zu analysieren, die in ihm tobten. Was Aouda betraf, so nahm sie die Hand ihres Beschützers und drückte sie in ihre eigene – zu bewegt, um zu sprechen.
In der Zwischenzeit suchte Passepartout nach dem Zug. Er glaubte, ihn dort vorzufinden, bereit, nach Omaha abzureisen – und hoffte, dass die verlorene Zeit wieder aufgeholt werden könnte.
„Der Zug! Der Zug!“, rief er.
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„Fort“, antwortete Fix.
„Und wann fährt der nächste Zug hier vorbei?“, fragte Phileas Fogg.
„Nicht vor diesem Abend.“
„Ah!“, erwiderte der unerschütterliche Herr leise.
„Und wann fährt der nächste Zug hier vorbei?“, fragte Phileas Fogg.
„Nicht vor diesem Abend.“
„Ah!“, erwiderte der unerschütterliche Herr leise.
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KAPITEL XXXI.
In dem der Detektiv Fix die Interessen von Phileas Fogg erheblich weiter fördert
Phileas Fogg stellte fest, dass er zwanzig Stunden im Verzug war. Passepartout, der ungewollte Ursache für diese Verzögerung, war verzweifelt – er hatte seinen Herrn ruiniert! In diesem Moment näherte sich der Detektiv Herrn Fogg, blickte ihm eindringlich ins Gesicht und sagte:
„Sind Sie wirklich in großer Eile, Sir?“
„Ganz sicher.“
„Ich habe einen Grund dafür, das zu fragen“, fuhr Fix fort. „Ist es absolut notwendig, dass Sie am 11. vor neun Uhr abends in New York ankommen – zur Zeit, zu der das Dampfschiff nach Liverpool abfährt?“
„Es ist absolut notwendig.“
„Und wenn Ihre Reise nicht durch diese Indianer unterbrochen worden wäre, wären Sie dann am Morgen des 11. in New York angekommen?“
„Ja; mit elf Stunden Puffer vor Abfahrt des Dampfschiffs.“
„Gut! Dann sind Sie also zwanzig Stunden im Verzug. Zwölf minus zwanzig ergibt acht. Sie müssen also acht Stunden wieder aufholen. Möchten Sie es versuchen?“
„zu Fuß?“, fragte Herr Fogg.
„Nein; mit einem Schlitten“, antwortete Fix. „Mit einem Schlitten, der Segel hat. Ein Mann hat mir eine solche Methode vorgeschlagen.“
Es war derselbe Mann, der in der Nacht mit Fix gesprochen hatte – dessen Angebot er abgelehnt hatte.
In dem der Detektiv Fix die Interessen von Phileas Fogg erheblich weiter fördert
Phileas Fogg stellte fest, dass er zwanzig Stunden im Verzug war. Passepartout, der ungewollte Ursache für diese Verzögerung, war verzweifelt – er hatte seinen Herrn ruiniert! In diesem Moment näherte sich der Detektiv Herrn Fogg, blickte ihm eindringlich ins Gesicht und sagte:
„Sind Sie wirklich in großer Eile, Sir?“
„Ganz sicher.“
„Ich habe einen Grund dafür, das zu fragen“, fuhr Fix fort. „Ist es absolut notwendig, dass Sie am 11. vor neun Uhr abends in New York ankommen – zur Zeit, zu der das Dampfschiff nach Liverpool abfährt?“
„Es ist absolut notwendig.“
„Und wenn Ihre Reise nicht durch diese Indianer unterbrochen worden wäre, wären Sie dann am Morgen des 11. in New York angekommen?“
„Ja; mit elf Stunden Puffer vor Abfahrt des Dampfschiffs.“
„Gut! Dann sind Sie also zwanzig Stunden im Verzug. Zwölf minus zwanzig ergibt acht. Sie müssen also acht Stunden wieder aufholen. Möchten Sie es versuchen?“
„zu Fuß?“, fragte Herr Fogg.
„Nein; mit einem Schlitten“, antwortete Fix. „Mit einem Schlitten, der Segel hat. Ein Mann hat mir eine solche Methode vorgeschlagen.“
Es war derselbe Mann, der in der Nacht mit Fix gesprochen hatte – dessen Angebot er abgelehnt hatte.
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Phileas Fogg antwortete nicht sofort; doch nachdem Fix auf den Mann hingewiesen hatte, der vor dem Bahnhof auf und ab ging, ging Herr Fogg zu ihm. Kurz darauf betraten Herr Fogg und der Amerikaner, dessen Name Mudge war, eine Hütte, die direkt unterhalb der Festung errichtet worden war. Dort untersuchte Herr Fogg ein seltsames Fahrzeug – eine Art Rahmen auf zwei langen Balken, der vorne etwas angehoben war, ähnlich wie die Schlittenräder, und auf dem Platz für fünf oder sechs Personen vorhanden war. Auf dem Rahmen war ein hoher Mast befestigt, der fest mit metallenen Bändern gehalten wurde; daran war ein großes Brigantinsegel befestigt. Dieser Mast trug außerdem einen eisernen Stützbalken, an dem ein Besansegel gehisst werden konnte. Hinten diente eine Art Ruder dazu, das Fahrzeug zu steuern. Kurz gesagt: Es handelte sich um einen Schlitten, der wie eine Schaluppe ausgestattet war. Im Winter, wenn die Züge durch Schnee blockiert sind, ermöglichen diese Schlitten äußerst schnelle Reisen über die gefrorenen Ebenen von einem Bahnhof zum anderen. Da sie mehr Segel hatten als ein Kutter und der Wind ihnen zugutekam, glitten sie über die Oberfläche der Prärien mit einer Geschwindigkeit, die der der Expresszüge gleichkam – wenn nicht sogar größer war.
Herr Fogg schloss bereitwillig einen Handel mit dem Besitzer dieses Landfahrzeugs ab. Der Wind stand günstig – er wehte frisch aus westlicher Richtung. Der Schnee war bereits hart geworden, und Mudge war zuversichtlich, dass er Herrn Fogg in wenigen Stunden nach Omaha bringen könnte. Von dort aus fuhren Züge häufig nach Osten nach Chicago und New York. Es war nicht ausgeschlossen, dass die verlorene Zeit noch wiedergutgemacht werden konnte – und eine solche Gelegenheit durfte man nicht ungenutzt lassen.
Da er Aouda nicht den Unannehmlichkeiten einer Reise im Freien aussetzen wollte, schlug Herr Fogg vor, sie bei Passepartout in Fort Kearney zurückzulassen. Der Diener sollte sie dann auf einem besseren Weg und unter günstigeren Bedingungen nach Europa begleiten. Doch Aouda weigerte sich, sich von Herrn Fogg zu trennen – und Passepartout freute sich über ihre Entscheidung; denn nichts konnte ihn dazu bringen, seinen Herrn zu verlassen, solange Fix bei ihm war.
Es wäre schwierig, die Gedanken des Detektivs zu erraten. War seine Überzeugung durch die Rückkehr von Phileas Fogg ins Wanken geraten – oder betrachtete er ihn immer noch als einen äußerst listigen Schurken, der, nachdem er seine Weltreise beendet hatte, glaubte, in England völlig sicher zu sein? Vielleicht hatte sich Fix’ Meinung über Phileas Fogg etwas geändert – doch er war dennoch entschlossen, seine Pflicht zu erfüllen und die Rückkehr der ganzen Gruppe nach England so schnell wie möglich zu beschleunigen.
Um acht Uhr war der Schlitten bereit zum Aufbruch. Die Passagiere nahmen ihre Plätze darauf ein und hüllten sich fest in ihre Reiseumhänge.
Herr Fogg schloss bereitwillig einen Handel mit dem Besitzer dieses Landfahrzeugs ab. Der Wind stand günstig – er wehte frisch aus westlicher Richtung. Der Schnee war bereits hart geworden, und Mudge war zuversichtlich, dass er Herrn Fogg in wenigen Stunden nach Omaha bringen könnte. Von dort aus fuhren Züge häufig nach Osten nach Chicago und New York. Es war nicht ausgeschlossen, dass die verlorene Zeit noch wiedergutgemacht werden konnte – und eine solche Gelegenheit durfte man nicht ungenutzt lassen.
Da er Aouda nicht den Unannehmlichkeiten einer Reise im Freien aussetzen wollte, schlug Herr Fogg vor, sie bei Passepartout in Fort Kearney zurückzulassen. Der Diener sollte sie dann auf einem besseren Weg und unter günstigeren Bedingungen nach Europa begleiten. Doch Aouda weigerte sich, sich von Herrn Fogg zu trennen – und Passepartout freute sich über ihre Entscheidung; denn nichts konnte ihn dazu bringen, seinen Herrn zu verlassen, solange Fix bei ihm war.
Es wäre schwierig, die Gedanken des Detektivs zu erraten. War seine Überzeugung durch die Rückkehr von Phileas Fogg ins Wanken geraten – oder betrachtete er ihn immer noch als einen äußerst listigen Schurken, der, nachdem er seine Weltreise beendet hatte, glaubte, in England völlig sicher zu sein? Vielleicht hatte sich Fix’ Meinung über Phileas Fogg etwas geändert – doch er war dennoch entschlossen, seine Pflicht zu erfüllen und die Rückkehr der ganzen Gruppe nach England so schnell wie möglich zu beschleunigen.
Um acht Uhr war der Schlitten bereit zum Aufbruch. Die Passagiere nahmen ihre Plätze darauf ein und hüllten sich fest in ihre Reiseumhänge.
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Die beiden großen Segel wurden gehisst, und unter dem Druck des Windes glitt der Schlitten mit einer Geschwindigkeit von vierzig Meilen pro Stunde über den gefrorenen Schnee. Die Entfernung zwischen Fort Kearney und Omaha, wie sie von Vögeln zurückgelegt wird, beträgt höchstens zweihundert Meilen. Wenn der Wind günstig blieb, konnte die Strecke in fünf Stunden zurückgelegt werden; falls kein Unfall geschah, könnte der Schlitten um ein Uhr in Omaha ankommen. Was für eine Reise! Die Reisenden, die dicht beieinander kauerten, konnten wegen der Kälte, die durch die hohe Geschwindigkeit noch verstärkt wurde, nicht sprechen. Der Schlitten fuhr so leicht dahin wie ein Boot auf den Wellen. Wenn eine Brise über die Erde strich, schien es, als würde der Schlitten durch seine Segel vom Boden erhoben. Mudge, der am Ruder stand, hielt die Richtung bei und korrigierte mit einer Handbewegung die Schwankungen, die das Fahrzeug hatte. Alle Segel waren gesetzt, und das Vorstag war so angeordnet, dass er das Hauptsegel nicht verdeckte. Ein Obermast wurde gehisst, und ein weiterer Vorstag, der dem Wind entgegengestellt war, verstärkte die Kraft der anderen Segel. Obwohl die Geschwindigkeit nicht genau geschätzt werden konnte, konnte der Schlitten sicherlich nicht schneller als vierzig Meilen pro Stunde fahren. „Wenn nichts kaputtgeht“, sagte Mudge, „werden wir es schaffen!“ Herr Fogg hatte es zu Muddges Vorteil gemacht, innerhalb der vereinbarten Zeit in Omaha anzukommen – und zwar durch das Versprechen einer stattlichen Belohnung. Die Prärie, durch die der Schlitten in gerader Linie fuhr, war genauso flach wie das Meer. Sie wirkte wie ein riesiger gefrorener See. Die Eisenbahn, die durch dieses Gebiet führte, verlief von Südwesten nach Nordwesten über Great Island, Columbus – eine wichtige Stadt in Nebraska – Schuyler und Fremont bis nach Omaha. Sie folgte dabei stets dem rechten Ufer des Platte-Flusses. Der Schlitten nahm einen Weg, der kürzer war als dieser, und folgte somit einem Bogenabschnitt der von der Eisenbahn beschriebenen Bahnlinie. Mudge hatte keine Angst davor, vom Platte-Fluss aufgehalten zu werden – schließlich war dieser gefroren. Der Weg war also völlig frei von Hindernissen. Phileas Fogg musste sich nur vor zwei Dingen fürchten: einem Unfall mit dem Schlitten sowie einer Veränderung oder Abschwächung des Windes. Doch der Wind ließ keineswegs nach – im Gegenteil: Er wehte so stark, dass es schien, als wolle er den Mast verbiegen. Die metallenen Befestigungen hielten den Mast jedoch fest. Diese Befestigungen erzeugten Geräusche, als würden sie von einem Geigenbogen in Schwingung versetzt. Der Schlitten glitt voran, umgeben von einer intensiven, melancholischen Melodie. „Diese Saiten erzeugen die Quinte und die Oktave“, sagte Herr Fogg.
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Das waren die einzigen Worte, die er während der Reise aussprach. Aouda, gemütlich in Felle und Mäntel gehüllt, war so gut wie möglich vor den Angriffen des eisigen Windes geschützt. Was Passepartout betraf, so war sein Gesicht so rot wie der Sonnenball, wenn er im Nebel untergeht, und er atmete mit Mühe die beißende Luft ein. Mit seiner natürlichen Fröhlichkeit begann er wieder Hoffnung zu schöpfen. Sie würden am Abend – falls nicht schon am Morgen – des 11. in New York ankommen, und es bestanden immer noch einige Chancen, dass dies vor dem Auslaufen des Dampfers nach Liverpool geschah. Passepartout verspürte sogar den starken Wunsch, seinen Verbündeten Fix bei der Hand zu nehmen. Er erinnerte sich daran, dass es der Detektiv gewesen war, der den Schlitten beschafft hatte – das einzige Mittel, um rechtzeitig nach Omaha zu gelangen. Doch aus irgendeinem Vorahnung heraus blieb er zurückhaltend. Eines jedoch würde Passepartout niemals vergessen: den Opfergang, den Herr Fogg ohne Zögern auf sich genommen hatte, um ihn aus den Händen der Sioux zu retten. Herr Fogg hatte sein Vermögen und sein Leben aufs Spiel gesetzt. Nein! Sein Diener würde das niemals vergessen! Während jeder der Reisenden in solch unterschiedlichen Gedanken versunken war, raste der Schlitten über den weiten Schneefeldern dahin. Die Bäche, über die er hinwegfuhr, waren nicht zu erkennen. Felder und Bäche verschwanden unter der einheitlichen Weißheit. Die Ebene war völlig verlassen. Zwischen der Union Pacific-Bahnstrecke und der Strecke, die Kearney mit Saint Joseph verbindet, bildete sie eine große, unbewohnte Insel. Weder Dörfer noch Bahnhöfe noch Festungen waren zu sehen. Von Zeit zu Zeit flogen sie an irgendwelchen, phantomsartigen Bäumen vorbei, deren weiße Skelette im Wind knarrten. Manchmal stiegen Schwärme wilder Vögel auf, oder Gruppen von mageren, ausgehungerten, grausamen Präriewolfen jagten heulend hinter dem Schlitten her. Passepartout, mit Revolver in der Hand, war bereit, auf diejenigen zu schießen, die zu nahe kamen. Falls dem Schlitten dann ein Unfall zustieße, wären die Reisenden, angegriffen von diesen Tieren, in größter Gefahr gewesen. Doch der Schlitten hielt seinen Kurs bei, überholte bald die Wölfe und ließ die heulende Meute bald in sicherer Entfernung zurück. Gegen Mittag erkannte Mudge an bestimmten Orientierungspunkten, dass er den Platte River überquerte. Er sagte nichts, doch er war sich sicher, nun innerhalb von zwanzig Meilen von Omaha zu sein. Innerhalb weniger Stunden legte er das Ruder beiseite und rollte die Segel ein, während der Schlitten, von der großen Kraft des Windes vorangetrieben, noch eine halbe Meile weiterfuhr, ohne Segel zu haben. Schließlich kam er zum Stillstand, und Mudge zeigte auf eine Ansammlung von Dächern, die vom Schnee weiß waren, und sagte: „Wir sind da!“
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Angekommen! Sie hatten den Bahnhof erreicht, der täglich durch zahlreiche Züge mit der Atlantikküste in Verbindung steht! Passepartout und Fix stiegen aus, streckten ihre steif gewordenen Glieder aus und halfen Herrn Fogg sowie der jungen Frau, vom Schlitten herunterzukommen. Phileas Fogg belohnte Mudge großzügig; Passepartout ergriff dessen Hand herzlich. Anschließend machten sie sich auf den Weg zum Bahnhof von Omaha. Die Pacific Railroad endet in dieser wichtigen Stadt in Nebraska. Omaha ist über die Chicago and Rock Island Railroad mit Chicago verbunden – diese Bahnstrecke verläuft direkt nach Osten und passiert fünfzig Bahnhöfe. Als Herr Fogg und seine Begleiter den Bahnhof erreichten, war bereits ein Zug bereit zum Abfahren; sie hatten nur noch Zeit, in die Waggons einzusteigen. Sie hatten nichts von Omaha gesehen; doch Passepartout gestand sich ein, dass das kein Grund zur Trauer sei, schließlich reisten sie nicht, um Sehenswürdigkeiten zu besichtigen. Der Zug durchquerte schnell den Bundesstaat Iowa – dabei kamen Council Bluffs, Des Moines und Iowa City vorbei. In der Nacht überquerte er den Mississippi bei Davenport und gelangte über Rock Island nach Illinois. Am nächsten Tag, dem 10., um vier Uhr nachmittags, erreichte er Chicago – die Stadt hatte sich bereits von ihren Ruinen erholt und thronte stolzer denn je am Ufer ihres wunderschönen Michigansees. Neunhundert Meilen trennten Chicago von New York – doch in Chicago mangelte es nicht an Zügen. Herr Fogg wechselte sofort von einem Zug zum anderen; die Lokomotive der Pittsburgh, Fort Wayne and Chicago Railroad setzte sich mit voller Geschwindigkeit in Bewegung – als würde sie genau verstehen, dass dieser Herr keine Zeit verlieren konnte. Der Zug durchquerte Indiana, Ohio, Pennsylvania und New Jersey wie im Flug – dabei raste er durch Städte mit altmodischen Namen; einige dieser Städte hatten zwar Straßen und Eisenbahnschienen, aber noch keine Häuser. Schließlich kam der Hudson in Sicht; um Viertel nach elf abends des 11. hielt der Zug am Bahnhof auf der rechten Uferseite des Flusses – direkt vor dem Pier der Cunard-Linie. Die „China“, die nach Liverpool fuhr, war bereits drei Viertelstunde zuvor abgefahren!
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KAPITEL XXXII.
In dem Phileas Fogg in einen direkten Kampf mit dem Pech tritt
Die „China“ schien bei ihrer Abfahrt Phileas Fogg die letzte Hoffnung genommen zu haben. Kein anderes Dampfschiff konnte seinen Plänen dienen. Die „Pereire“ der französischen Transatlantikgesellschaft – deren hervorragende Dampfschiffe in Bezug auf Geschwindigkeit und Komfort allen anderen ebenbürtig sind – legte erst am 14. ab; die Hamburger Schiffe fuhren nicht direkt nach Liverpool oder London, sondern nach Le Havre; die zusätzliche Reise von Le Havre nach Southampton hätte Phileas Foggs letzten Bemühungen nichts genützt. Das Dampfschiff „Inman“ brach erst am nächsten Tag auf und konnte den Atlantik nicht rechtzeitig überqueren, um das Wettrennen zu gewinnen.
Herr Fogg erfuhr all dies, indem er seinen „Bradshaw“ konsultierte, der ihm die täglichen Abfahrtszeiten der transatlantischen Dampfschiffe angab.
Passepartout war verzweifelt; es überwältigte ihn, dass sie das Schiff um drei Viertelstunden verpasst hatten. Es war seine Schuld, denn anstatt seinem Herrn zu helfen, hatte er ständig Hindernisse in dessen Weg gelegt! Und als er an alle Vorfälle der Reise dachte, als er die Summen addierte, die ausschließlich als Verluste angefallen waren – und zwar auf sein eigenes Konto –, als er daran dachte, dass das enorme Einsatzkapital zusammen mit den hohen Kosten dieser nutzlosen Reise Herrn Fogg völlig ruinieren würde, überwältigte er sich selbst mit bitteren Selbstvorwürfen. Herr Fogg tadelte ihn jedoch nicht; und als sie den Cunard-Pier verließen, sagte er nur: „Wir werden morgen besprechen, was am besten ist. Komm.“
Die Gruppe überquerte den Hudson mit der Fähre von Jersey City und fuhr anschließend mit einer Kutsche zum St. Nicholas Hotel in der Broadway Street. Zimmer wurden gebucht, und die Nacht verging für Phileas Fogg kurz, da er tief schlief; für Aouda und die anderen hingegen sehr lang, denn ihre Unruhe ließ ihnen keine Ruhe.
Der nächste Tag war der 12. Dezember. Von sieben Uhr morgens am 12. bis eine Viertelstunde vor neun Uhr abends am 21. gab es insgesamt neun…
In dem Phileas Fogg in einen direkten Kampf mit dem Pech tritt
Die „China“ schien bei ihrer Abfahrt Phileas Fogg die letzte Hoffnung genommen zu haben. Kein anderes Dampfschiff konnte seinen Plänen dienen. Die „Pereire“ der französischen Transatlantikgesellschaft – deren hervorragende Dampfschiffe in Bezug auf Geschwindigkeit und Komfort allen anderen ebenbürtig sind – legte erst am 14. ab; die Hamburger Schiffe fuhren nicht direkt nach Liverpool oder London, sondern nach Le Havre; die zusätzliche Reise von Le Havre nach Southampton hätte Phileas Foggs letzten Bemühungen nichts genützt. Das Dampfschiff „Inman“ brach erst am nächsten Tag auf und konnte den Atlantik nicht rechtzeitig überqueren, um das Wettrennen zu gewinnen.
Herr Fogg erfuhr all dies, indem er seinen „Bradshaw“ konsultierte, der ihm die täglichen Abfahrtszeiten der transatlantischen Dampfschiffe angab.
Passepartout war verzweifelt; es überwältigte ihn, dass sie das Schiff um drei Viertelstunden verpasst hatten. Es war seine Schuld, denn anstatt seinem Herrn zu helfen, hatte er ständig Hindernisse in dessen Weg gelegt! Und als er an alle Vorfälle der Reise dachte, als er die Summen addierte, die ausschließlich als Verluste angefallen waren – und zwar auf sein eigenes Konto –, als er daran dachte, dass das enorme Einsatzkapital zusammen mit den hohen Kosten dieser nutzlosen Reise Herrn Fogg völlig ruinieren würde, überwältigte er sich selbst mit bitteren Selbstvorwürfen. Herr Fogg tadelte ihn jedoch nicht; und als sie den Cunard-Pier verließen, sagte er nur: „Wir werden morgen besprechen, was am besten ist. Komm.“
Die Gruppe überquerte den Hudson mit der Fähre von Jersey City und fuhr anschließend mit einer Kutsche zum St. Nicholas Hotel in der Broadway Street. Zimmer wurden gebucht, und die Nacht verging für Phileas Fogg kurz, da er tief schlief; für Aouda und die anderen hingegen sehr lang, denn ihre Unruhe ließ ihnen keine Ruhe.
Der nächste Tag war der 12. Dezember. Von sieben Uhr morgens am 12. bis eine Viertelstunde vor neun Uhr abends am 21. gab es insgesamt neun…
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Tage, dreizehn Stunden und vierundvierzig Minuten. Hätte Phileas Fogg mit der „China“ abgereist – einem der schnellsten Dampfschiffe im Atlantik –, dann hätte er innerhalb der vereinbarten Frist Liverpool und anschließend London erreicht.
Herr Fogg verließ das Hotel allein, nachdem er Passepartout Anweisungen gegeben hatte, auf seine Rückkehr zu warten und Aouda zu sagen, sie solle jederzeit bereit sein. Er begab sich an die Ufer des Hudson und suchte unter den im Fluss vertäuten oder angelegten Schiffen nach einem, das bald abfahren würde. Mehrere Schiffe zeigten Anzeichen dafür, dass sie bei Ebbe in See stechen wollten; denn in diesem riesigen und bemerkenswerten Hafen gibt es keinen Tag, an dem nicht Schiffe in alle Teile der Welt aufbrechen. Doch es handelte sich meist um Segelschiffe, die Phileas Fogg natürlich nicht nutzen konnte.
Er schien alle Hoffnung aufgeben zu wollen, als er in der Nähe der Battery, höchstens eine Kabellänge entfernt, ein Handelsschiff mit Schraantrieb entdeckte – ein gut gebautes Schiff, dessen Schornstein Rauch ausstieß, was darauf hindeutete, dass es sich auf die Abreise vorbereitete.
Phileas Fogg rief ein Boot herbei, stieg hinein und befand sich bald an Bord der „Henrietta“ – ein Schiff mit eisernem Rumpf und hölzernem Oberbau. Er ging auf das Deck und bat um den Kapitän, der sogleich erschien. Es war ein Mann von fünfzig Jahren, eine Art Seewolf mit großen Augen, einer kupferfarbenen Haut, roten Haaren, dicker Kehle und einer grollenden Stimme.
„Der Kapitän?“, fragte Herr Fogg.
„Ich bin der Kapitän.“
„Ich bin Phileas Fogg aus London.“
„Und ich bin Andrew Speedy aus Cardiff.“
„Sie werden in See stechen?“
„In einer Stunde.“
„Wohin fahren Sie?“
„Nach Bordeaux.“
„Und Ihr Frachtgut?“
„Keine Fracht. Das Schiff fährt mit Ballast.“
„Haben Sie Passagiere?“
„Keine Passagiere. Nie Passagiere. Das ist zu umständlich.“
„Ist Ihr Schiff schnell?“
Herr Fogg verließ das Hotel allein, nachdem er Passepartout Anweisungen gegeben hatte, auf seine Rückkehr zu warten und Aouda zu sagen, sie solle jederzeit bereit sein. Er begab sich an die Ufer des Hudson und suchte unter den im Fluss vertäuten oder angelegten Schiffen nach einem, das bald abfahren würde. Mehrere Schiffe zeigten Anzeichen dafür, dass sie bei Ebbe in See stechen wollten; denn in diesem riesigen und bemerkenswerten Hafen gibt es keinen Tag, an dem nicht Schiffe in alle Teile der Welt aufbrechen. Doch es handelte sich meist um Segelschiffe, die Phileas Fogg natürlich nicht nutzen konnte.
Er schien alle Hoffnung aufgeben zu wollen, als er in der Nähe der Battery, höchstens eine Kabellänge entfernt, ein Handelsschiff mit Schraantrieb entdeckte – ein gut gebautes Schiff, dessen Schornstein Rauch ausstieß, was darauf hindeutete, dass es sich auf die Abreise vorbereitete.
Phileas Fogg rief ein Boot herbei, stieg hinein und befand sich bald an Bord der „Henrietta“ – ein Schiff mit eisernem Rumpf und hölzernem Oberbau. Er ging auf das Deck und bat um den Kapitän, der sogleich erschien. Es war ein Mann von fünfzig Jahren, eine Art Seewolf mit großen Augen, einer kupferfarbenen Haut, roten Haaren, dicker Kehle und einer grollenden Stimme.
„Der Kapitän?“, fragte Herr Fogg.
„Ich bin der Kapitän.“
„Ich bin Phileas Fogg aus London.“
„Und ich bin Andrew Speedy aus Cardiff.“
„Sie werden in See stechen?“
„In einer Stunde.“
„Wohin fahren Sie?“
„Nach Bordeaux.“
„Und Ihr Frachtgut?“
„Keine Fracht. Das Schiff fährt mit Ballast.“
„Haben Sie Passagiere?“
„Keine Passagiere. Nie Passagiere. Das ist zu umständlich.“
„Ist Ihr Schiff schnell?“
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„Zwischen elf und zwölf Knoten. Die ‚Henrietta‘ – gut bekannt.“
„Werden Sie mich sowie drei weitere Personen nach Liverpool bringen?“
„Nach Liverpool? Warum nicht nach China?“
„Ich sagte Liverpool.“
„Nein!“
„Nein?“
„Nein. Ich begebe mich nach Bordeaux und werde nach Bordeaux fahren.“
„Geld spielt keine Rolle?“
„Überhaupt nicht.“
Der Kapitän sprach in einem Tonfall, der keinerlei Antwort zuließ.
„Aber die Besitzer der ‚Henrietta‘…“, begann Phileas Fogg erneut.
„Die Besitzer bin ich selbst“, antwortete der Kapitän. „Das Schiff gehört mir.“
„Ich werde es für Sie beladen lassen.“
„Nein.“
„Ich werde es von Ihnen kaufen.“
„Nein.“
Phileas Fogg zeigte keinerlei Enttäuschung – doch die Situation war ernst. Es war nicht wie in New York oder Hongkong, und auch nicht wie mit dem Kapitän der ‚Tankadere‘. Bisher hatte Geld alle Hindernisse beseitigt. Jetzt half das Geld nicht mehr.
Trotzdem musste ein Weg gefunden werden, um mit einem Boot den Atlantik zu überqueren – es sei denn per Ballon – doch das wäre riskant gewesen und außerdem nicht umsetzbar. Es schien, als hätte Phileas Fogg eine Idee, denn er fragte den Kapitän: „Nun, werden Sie mich nach Bordeaux bringen?“
„Nein – selbst wenn Sie mir zweihundert Dollar zahlen würden.“
„Ich biete Ihnen zweitausend.“
„Pro Person?“
„Pro Person.“
„Und es sind vier Personen?“
„Vier.“
„Werden Sie mich sowie drei weitere Personen nach Liverpool bringen?“
„Nach Liverpool? Warum nicht nach China?“
„Ich sagte Liverpool.“
„Nein!“
„Nein?“
„Nein. Ich begebe mich nach Bordeaux und werde nach Bordeaux fahren.“
„Geld spielt keine Rolle?“
„Überhaupt nicht.“
Der Kapitän sprach in einem Tonfall, der keinerlei Antwort zuließ.
„Aber die Besitzer der ‚Henrietta‘…“, begann Phileas Fogg erneut.
„Die Besitzer bin ich selbst“, antwortete der Kapitän. „Das Schiff gehört mir.“
„Ich werde es für Sie beladen lassen.“
„Nein.“
„Ich werde es von Ihnen kaufen.“
„Nein.“
Phileas Fogg zeigte keinerlei Enttäuschung – doch die Situation war ernst. Es war nicht wie in New York oder Hongkong, und auch nicht wie mit dem Kapitän der ‚Tankadere‘. Bisher hatte Geld alle Hindernisse beseitigt. Jetzt half das Geld nicht mehr.
Trotzdem musste ein Weg gefunden werden, um mit einem Boot den Atlantik zu überqueren – es sei denn per Ballon – doch das wäre riskant gewesen und außerdem nicht umsetzbar. Es schien, als hätte Phileas Fogg eine Idee, denn er fragte den Kapitän: „Nun, werden Sie mich nach Bordeaux bringen?“
„Nein – selbst wenn Sie mir zweihundert Dollar zahlen würden.“
„Ich biete Ihnen zweitausend.“
„Pro Person?“
„Pro Person.“
„Und es sind vier Personen?“
„Vier.“
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Kapitän Speedy begann, sich am Kopf zu kratzen. Es gab achttausend Dollar zu gewinnen – ohne seine Route ändern zu müssen; das machte es durchaus wert, seine Abneigung gegenüber allen Arten von Passagieren zu überwinden. Schließlich waren Passagiere im Wert von zweitausend Dollar keine Passagiere mehr, sondern wertvolle Waren. „Ich fahre um neun Uhr los“, sagte Kapitän Speedy einfach. „Sind Sie und Ihre Begleiter bereit?“
„Wir werden um neun Uhr an Bord sein“, antwortete Herr Fogg ebenso einfach. Es war halb neun. Von der „Henrietta“ aus in eine Kutsche zu steigen, zum St. Nicholas zu eilen und mit Aouda, Passepartout – sogar dem unersetzlichen Fix – zurückzukehren, war in kurzer Zeit erledigt – und Herr Fogg tat dies mit derselben Gelassenheit, die ihn niemals verließ. Sie waren bereits an Bord, als die „Henrietta“ zum Ablegen bereit wurde.
Als Passepartout hörte, wie viel diese letzte Reise kosten würde, stieß er einen langgezogenen „Oh!“ aus, der seine gesamte Stimmlage umfasste. Was Fix betraf, so dachte er bei sich, dass die Bank of England sicherlich nicht gut dabei herauskommen würde. Wenn sie England erreichten, selbst wenn Herr Fogg nicht ein paar Bündel Banknoten ins Meer werfen würde, wären bereits mehr als siebentausend Pfund ausgegeben worden!
„Wir werden um neun Uhr an Bord sein“, antwortete Herr Fogg ebenso einfach. Es war halb neun. Von der „Henrietta“ aus in eine Kutsche zu steigen, zum St. Nicholas zu eilen und mit Aouda, Passepartout – sogar dem unersetzlichen Fix – zurückzukehren, war in kurzer Zeit erledigt – und Herr Fogg tat dies mit derselben Gelassenheit, die ihn niemals verließ. Sie waren bereits an Bord, als die „Henrietta“ zum Ablegen bereit wurde.
Als Passepartout hörte, wie viel diese letzte Reise kosten würde, stieß er einen langgezogenen „Oh!“ aus, der seine gesamte Stimmlage umfasste. Was Fix betraf, so dachte er bei sich, dass die Bank of England sicherlich nicht gut dabei herauskommen würde. Wenn sie England erreichten, selbst wenn Herr Fogg nicht ein paar Bündel Banknoten ins Meer werfen würde, wären bereits mehr als siebentausend Pfund ausgegeben worden!
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KAPITEL XXXIII.
In dem sich Phileas Fogg als würdig der Situation erweist
Eine Stunde später passierte die „Henrietta“ den Leuchtturm, der den Eingang zum Hudson markiert, bog um die Landzunge von Sandy Hook und segelte hinaus aufs Meer. Tagsüber folgte das Schiff der Küste von Long Island, passierte Fire Island und steuerte dann schnell nach Osten.
Um Mitternacht des nächsten Tages stieg ein Mann auf die Brücke, um die Position des Schiffes zu ermitteln. Man könnte meinen, es sei Kapitän Speedy – doch das war keineswegs der Fall. Es war Phileas Fogg. Was Kapitän Speedy betraf, so saß er in seiner Kabine eingesperrt und stieß laute Schreie aus – ein Zeichen für einen zwar verständlichen, aber übermäßigen Zorn.
Was geschehen war, war ganz einfach: Phileas Fogg wollte nach Liverpool fahren, doch der Kapitän weigerte sich, ihn dorthin zu bringen. Daraufhin buchte Phileas Fogg eine Überfahrt nach Bordeaux. Während der dreißig Stunden, die er an Bord verbrachte, handelte er so klug mit seinen Banknoten, dass die Matrosen und Heizer, die nur gelegentlich an Bord waren und nicht im besten Verhältnis zum Kapitän standen, sich alle auf seine Seite schlugen. Deshalb hatte Phileas Fogg nun das Kommando – während der Kapitän in seiner Kabine gefangen war. Kurz gesagt: Die „Henrietta“ steuerte nun in Richtung Liverpool. Es war offensichtlich, dass Herr Fogg ein Seemann gewesen sein musste, wenn man sah, wie er das Schiff lenkte.
Wie das Abenteuer enden wird, wird man gleich erfahren. Aouda war besorgt, obwohl sie nichts sagte. Was Passepartout betrifft, so fand er die Manöver von Herrn Fogg einfach großartig. Der Kapitän hatte „zwischen elf und zwölf Knoten“ gesagt – und die „Henrietta“ bestätigte seine Vorhersage.
Falls also – denn es gab immer noch „Falls“ – das Meer nicht zu unruhig wurde, falls der Wind nicht nach Osten drehte, falls kein Unfall geschah…
In dem sich Phileas Fogg als würdig der Situation erweist
Eine Stunde später passierte die „Henrietta“ den Leuchtturm, der den Eingang zum Hudson markiert, bog um die Landzunge von Sandy Hook und segelte hinaus aufs Meer. Tagsüber folgte das Schiff der Küste von Long Island, passierte Fire Island und steuerte dann schnell nach Osten.
Um Mitternacht des nächsten Tages stieg ein Mann auf die Brücke, um die Position des Schiffes zu ermitteln. Man könnte meinen, es sei Kapitän Speedy – doch das war keineswegs der Fall. Es war Phileas Fogg. Was Kapitän Speedy betraf, so saß er in seiner Kabine eingesperrt und stieß laute Schreie aus – ein Zeichen für einen zwar verständlichen, aber übermäßigen Zorn.
Was geschehen war, war ganz einfach: Phileas Fogg wollte nach Liverpool fahren, doch der Kapitän weigerte sich, ihn dorthin zu bringen. Daraufhin buchte Phileas Fogg eine Überfahrt nach Bordeaux. Während der dreißig Stunden, die er an Bord verbrachte, handelte er so klug mit seinen Banknoten, dass die Matrosen und Heizer, die nur gelegentlich an Bord waren und nicht im besten Verhältnis zum Kapitän standen, sich alle auf seine Seite schlugen. Deshalb hatte Phileas Fogg nun das Kommando – während der Kapitän in seiner Kabine gefangen war. Kurz gesagt: Die „Henrietta“ steuerte nun in Richtung Liverpool. Es war offensichtlich, dass Herr Fogg ein Seemann gewesen sein musste, wenn man sah, wie er das Schiff lenkte.
Wie das Abenteuer enden wird, wird man gleich erfahren. Aouda war besorgt, obwohl sie nichts sagte. Was Passepartout betrifft, so fand er die Manöver von Herrn Fogg einfach großartig. Der Kapitän hatte „zwischen elf und zwölf Knoten“ gesagt – und die „Henrietta“ bestätigte seine Vorhersage.
Falls also – denn es gab immer noch „Falls“ – das Meer nicht zu unruhig wurde, falls der Wind nicht nach Osten drehte, falls kein Unfall geschah…
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Falls dem Boot oder seiner Maschinerie etwas zustößt, könnte die „Henrietta“ die dreitausend Meilen von New York nach Liverpool in neun Tagen zurücklegen – zwischen dem 12. und 21. Dezember. Es stimmt zwar, dass die Probleme an Bord der „Henrietta“ zusammen mit denen der Bank of England Herrn Fogg mehr Schwierigkeiten bereiten könnten, als er sich vorstellen oder wünschen konnte. In den ersten Tagen verlief die Reise ziemlich reibungslos. Das Meer war nicht besonders ungünstig, der Wind wehte aus Nordost, die Segel waren gesetzt – und die „Henrietta“ durchpflügte die Wellen wie ein echter Transatlantik-Dampfer. Passepartout war begeistert. Die letzten Heldentaten seines Herrn, deren Folgen er nicht kannte, bezauberten ihn. Noch nie hatte die Besatzung einen so fröhlichen und geschickten Mann gesehen. Er schloss enge Freundschaften mit den Seeleuten und beeindruckte sie mit seinen akrobatischen Fähigkeiten. Er hielt die Besatzung für Gentlemen und meinte, die Schornsteinfeger arbeiteten wie Helden. Sein redseliges, gutmütiges Wesen infizierte alle. Er hatte die Vergangenheit, ihre Ärgernisse und Verzögerungen vergessen. Er dachte nur noch an das Ziel, das bereits so nahe war – manchmal wurde er vor Ungeduld fast verrückt, als würde er von den Öfen der „Henrietta“ erhitzt. Oft umkreiste er auch Fix und betrachtete ihn mit misstrauischem Blick – doch er sprach nicht mit ihm, denn ihre frühere Vertrautheit existierte nicht mehr. Fix verstand, muss man zugeben, überhaupt nichts von dem, was vor sich ging. Die Eroberung der „Henrietta“, die Bestechung der Besatzung sowie die Art und Weise, wie Fogg das Boot wie ein erfahrener Seemann steuerte, verwirrten ihn. Er wusste nicht, was er denken sollte. Schließlich konnte ein Mann, der damit begann, fünfundfünfzigtausend Pfund zu stehlen, ja auch damit enden, ein Schiff zu stehlen – und Fix neigte dazu anzunehmen, dass die „Henrietta“ unter Fogg’s Kommando gar nicht nach Liverpool fuhr, sondern irgendwohin in die Welt, wo der Räuber, nun zum Piraten geworden, sich unbemerkt in Sicherheit bringen könnte. Diese Vermutung war zumindest plausibel – und der Detektiv begann ernsthaft zu bereuen, sich auf diese Angelegenheit eingelassen zu haben. Was Kapitän Speedy betraf, so fuhr er weiterhin in seiner Kabine herum und knurrte. Passepartout, dessen Aufgabe es war, ihm Essen zu bringen, nahm trotz seiner Tapferkeit größte Vorsichtsmaßnahmen. Herr Fogg schien nicht einmal zu wissen, dass es an Bord einen Kapitän gab. Am 13. passierten sie die Küste Neufundlands – ein gefährliches Gebiet; insbesondere im Winter gibt es dort häufig Nebel.
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Starke Windböen. Schon seit dem Abend zuvor hatte der plötzlich fallende Barometer auf eine bevorstehende Veränderung in der Atmosphäre hingewiesen; in der Nacht schwankte die Temperatur, der Frost wurde stärker und der Wind drehte nach Südosten. Das war ein Unglück. Um nicht von seinem Kurs abzuweichen, rollte Herr Fogg die Segel ein und erhöhte die Dampfkraft – doch aufgrund des Zustands des Meeres, dessen hohe Wellen gegen den Heckbereich schlugen, verringerte sich die Geschwindigkeit des Schiffes. Es neigte sich heftig, was seine Fortbewegung behinderte. Der Wind schwoll allmählich zu einem Sturm an, und es bestand die Befürchtung, dass die „Henrietta“ nicht mehr in der Lage sein könnte, auf den Wellen stabil zu bleiben. Passepartouts Gesicht verdüsterte sich – zwei Tage lang erlebte der arme Kerl ständige Angst. Doch Phileas Fogg war ein mutiger Seemann und wusste, wie man gegen das Meer vorankam; er hielt weiterhin seinen Kurs bei, ohne sogar die Dampfkraft zu verringern. Wenn die „Henrietta“ nicht über die Wellen hinwegkommen konnte, durchquerte sie sie – dabei wurde ihre Decksfläche überschwemmt –, doch sie kam unbeschadet durch. Manchmal ragte der Propeller aus dem Wasser heraus, wenn eine Wassermasse das Heck über die Wellen hob – doch das Schiff blieb immer auf Kurs. Der Wind wurde jedoch nicht so heftig, wie man befürchten mochte; es handelte sich nicht um einen dieser Stürme, die mit einer Geschwindigkeit von neunzig Meilen pro Stunde losbrechen. Er blieb zwar stark, blieb aber leider beharrlich aus Südosten und machte die Segel nutzlos. Am 16. Dezember war der siebzigfünfte Tag seit Phileas Fogg’s Abreise aus London – die „Henrietta“ war bislang noch nicht ernsthaft verzögert worden. Die Hälfte der Reise lag bereits hinter ihnen, und die schlimmsten Abschnitte waren bereits hinter sich gebracht. Im Sommer wäre der Erfolg fast sicher gewesen. Im Winter waren sie den Unbilden des Wetters ausgeliefert. Passepartout sagte nichts; doch im Geheimen hegte er Hoffnung und tröstete sich damit, dass sie im Falle eines Windausfalls immer noch auf den Dampf zählen konnten. An diesem Tag kam der Maschinist an Deck, ging zu Herrn Fogg und begann ernsthaft mit ihm zu sprechen. Ohne zu wissen, warum, fühlte sich Passepartout vielleicht vage beunruhigt. Er hätte gerne mit einem Ohr gehört, was der Maschinist sagte. Schließlich gelang es ihm, ein paar Worte mitzubekommen – und er war sicher, dass er seinen Herrn sagen hörte: „Sind Sie sich sicher bei dem, was Sie mir sagen?“
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„Sicherlich, Sir“, antwortete der Ingenieur. „Sie müssen bedenken, dass wir seit Beginn unserer Reise in allen Öfen starke Feuer unterhalten haben. Zwar hatten wir genug Kohle, um mit Dampf von New York nach Bordeaux zu fahren, doch nicht genug, um mit voller Dampfkraft von New York nach Liverpool zu gelangen.“ „Ich werde darüber nachdenken“, erwiderte Herr Fogg.
Passepartout verstand alles; er war von tödlicher Angst ergriffen. Die Kohle ging zur Neige! „Ah, wenn mein Herr das schaffen kann“, murmelte er, „wird er ein berühmter Mann sein!“ Er konnte nicht umhin, Fix mitzuteilen, was er mitgehört hatte.
„Dann glauben Sie also wirklich, dass wir nach Liverpool fahren?“
„Natürlich.“
„Idiot!“, antwortete der Detektiv, zuckte mit den Schultern und drehte sich um.
Passepartout war versucht, sich heftig über diesen Beleidigungsausdruck aufzuregen – schließlich konnte er seinen Grund einfach nicht verstehen. Doch er dachte daran, dass der unglückliche Fix nachdem er so ungeschickt einer falschen Spur um die Welt gefolgt war, wahrscheinlich sehr enttäuscht und in seinem Selbstwertgefühl gekränkt war, und hielt sich zurück.
Und welchen Weg würde nun Phileas Fogg einschlagen? Es war schwer vorstellbar. Dennoch schien er sich bereits für einen entschieden zu haben, denn an diesem Abend rief er den Ingenieur zu sich und sagte zu ihm: „Halten Sie alle Feuer am Brennen, bis die Kohle aufgebraucht ist.“
Kurz darauf spuckte der Schornstein der „Henrietta“ Ströme von Rauch aus. Das Schiff setzte seine Fahrt mit voller Dampfkraft fort. Doch am 18. verkündete der Ingenieur, wie er es vorausgesagt hatte, dass die Kohle noch an diesem Tag ausgehen würde.
„Lassen Sie die Feuer nicht erlöschen“, antwortete Herr Fogg. „Halten Sie sie bis zum letzten Moment am Brennen. Lassen Sie die Ventile geöffnet.“
Gegen Mittag, nachdem Phileas Fogg ihre Position bestimmt hatte, rief er Passepartout zu sich und befahl ihm, Kapitän Speedy zu holen. Es war, als wäre dem ehrlichen Mann befohlen worden, einen Tiger zu befreien. Er ging auf das Heck und sagte zu sich selbst: „Er wird wie ein Verrückter sein!“
Kurz darauf erschien mit Rufen und Flüchen eine Gestalt auf dem Heckdeck. Es war Kapitän Speedy. Offensichtlich stand er kurz davor, auszurasten. „Wo sind wir?“, waren die ersten Worte, die seine Wut ihm ermöglichte zu sagen.
Passepartout verstand alles; er war von tödlicher Angst ergriffen. Die Kohle ging zur Neige! „Ah, wenn mein Herr das schaffen kann“, murmelte er, „wird er ein berühmter Mann sein!“ Er konnte nicht umhin, Fix mitzuteilen, was er mitgehört hatte.
„Dann glauben Sie also wirklich, dass wir nach Liverpool fahren?“
„Natürlich.“
„Idiot!“, antwortete der Detektiv, zuckte mit den Schultern und drehte sich um.
Passepartout war versucht, sich heftig über diesen Beleidigungsausdruck aufzuregen – schließlich konnte er seinen Grund einfach nicht verstehen. Doch er dachte daran, dass der unglückliche Fix nachdem er so ungeschickt einer falschen Spur um die Welt gefolgt war, wahrscheinlich sehr enttäuscht und in seinem Selbstwertgefühl gekränkt war, und hielt sich zurück.
Und welchen Weg würde nun Phileas Fogg einschlagen? Es war schwer vorstellbar. Dennoch schien er sich bereits für einen entschieden zu haben, denn an diesem Abend rief er den Ingenieur zu sich und sagte zu ihm: „Halten Sie alle Feuer am Brennen, bis die Kohle aufgebraucht ist.“
Kurz darauf spuckte der Schornstein der „Henrietta“ Ströme von Rauch aus. Das Schiff setzte seine Fahrt mit voller Dampfkraft fort. Doch am 18. verkündete der Ingenieur, wie er es vorausgesagt hatte, dass die Kohle noch an diesem Tag ausgehen würde.
„Lassen Sie die Feuer nicht erlöschen“, antwortete Herr Fogg. „Halten Sie sie bis zum letzten Moment am Brennen. Lassen Sie die Ventile geöffnet.“
Gegen Mittag, nachdem Phileas Fogg ihre Position bestimmt hatte, rief er Passepartout zu sich und befahl ihm, Kapitän Speedy zu holen. Es war, als wäre dem ehrlichen Mann befohlen worden, einen Tiger zu befreien. Er ging auf das Heck und sagte zu sich selbst: „Er wird wie ein Verrückter sein!“
Kurz darauf erschien mit Rufen und Flüchen eine Gestalt auf dem Heckdeck. Es war Kapitän Speedy. Offensichtlich stand er kurz davor, auszurasten. „Wo sind wir?“, waren die ersten Worte, die seine Wut ihm ermöglichte zu sagen.
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Auszusprechen. Hätte der arme Mann einen Schlaganfall erlitten, hätte er sich niemals von seinem Wutanfall erholt.
„Wo sind wir?“, wiederholte er mit gerötetem Gesicht.
„Siebenhundertfünfundsiebzig Meilen von Liverpool entfernt“, antwortete Herr Fogg mit unerschütterlicher Ruhe.
„Pirat!“, rief Kapitän Speedy.
„Ich habe Sie rufen lassen, Sir –“
„Schurke!“
„–Sir“, fuhr Herr Fogg fort, „um Sie zu bitten, mir Ihr Schiff zu verkaufen.“
„Nein! Um Himmels willen, nein!“
„Dann werde ich gezwungen sein, es niederzubrennen.“
„Die ‚Henrietta‘ verbrennen?“
„Ja; zumindest den oberen Teil davon. Der Kohlevorrat ist erschöpft.“
„Mein Schiff verbrennen!“, rief Kapitän Speedy, der die Worte kaum aussprechen konnte. „Ein Schiff im Wert von fünfzigtausend Dollar!“
„Hier sind sechzigtausend“, antwortete Phileas Fogg und reichte dem Kapitän einen Bündel Banknoten. Das hatte eine enorme Wirkung auf Andrew Speedy. Ein Amerikaner bleibt bei Anblick von sechzigtausend Dollar kaum ungerührt. Der Kapitän vergaß augenblicklich seinen Zorn, seine Gefangenschaft sowie all seine Grollgefühle gegenüber seinem Passagier. Die „Henrietta“ war zwanzig Jahre alt – das war ein wirklich gutes Angebot. Die Bombe würde schließlich doch nicht explodieren. Herr Fogg hatte das Streichholz weggenommen.
„Und ich behalte trotzdem den eisernen Rumpf“, sagte der Kapitän in sanfterem Ton.
„Den eisernen Rumpf und den Motor. Ist das abgemacht?“
„Abgemacht.“
Andrew Speedy nahm die Banknoten, zählte sie und steckte sie in seine Tasche.
Während dieses Gesprächs war Passepartout bleich wie ein Laken, und Fix schien kurz vor einem Schlaganfall zu stehen. Fast zwanzigtausend Pfund waren ausgegeben worden – und Fogg ließ dem Kapitän den Rumpf sowie den Motor, also fast den gesamten Wert des Schiffes! Es stimmte zwar, dass fünfundfünfzigtausend Pfund aus der Bank gestohlen worden waren.
„Wo sind wir?“, wiederholte er mit gerötetem Gesicht.
„Siebenhundertfünfundsiebzig Meilen von Liverpool entfernt“, antwortete Herr Fogg mit unerschütterlicher Ruhe.
„Pirat!“, rief Kapitän Speedy.
„Ich habe Sie rufen lassen, Sir –“
„Schurke!“
„–Sir“, fuhr Herr Fogg fort, „um Sie zu bitten, mir Ihr Schiff zu verkaufen.“
„Nein! Um Himmels willen, nein!“
„Dann werde ich gezwungen sein, es niederzubrennen.“
„Die ‚Henrietta‘ verbrennen?“
„Ja; zumindest den oberen Teil davon. Der Kohlevorrat ist erschöpft.“
„Mein Schiff verbrennen!“, rief Kapitän Speedy, der die Worte kaum aussprechen konnte. „Ein Schiff im Wert von fünfzigtausend Dollar!“
„Hier sind sechzigtausend“, antwortete Phileas Fogg und reichte dem Kapitän einen Bündel Banknoten. Das hatte eine enorme Wirkung auf Andrew Speedy. Ein Amerikaner bleibt bei Anblick von sechzigtausend Dollar kaum ungerührt. Der Kapitän vergaß augenblicklich seinen Zorn, seine Gefangenschaft sowie all seine Grollgefühle gegenüber seinem Passagier. Die „Henrietta“ war zwanzig Jahre alt – das war ein wirklich gutes Angebot. Die Bombe würde schließlich doch nicht explodieren. Herr Fogg hatte das Streichholz weggenommen.
„Und ich behalte trotzdem den eisernen Rumpf“, sagte der Kapitän in sanfterem Ton.
„Den eisernen Rumpf und den Motor. Ist das abgemacht?“
„Abgemacht.“
Andrew Speedy nahm die Banknoten, zählte sie und steckte sie in seine Tasche.
Während dieses Gesprächs war Passepartout bleich wie ein Laken, und Fix schien kurz vor einem Schlaganfall zu stehen. Fast zwanzigtausend Pfund waren ausgegeben worden – und Fogg ließ dem Kapitän den Rumpf sowie den Motor, also fast den gesamten Wert des Schiffes! Es stimmte zwar, dass fünfundfünfzigtausend Pfund aus der Bank gestohlen worden waren.
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Als Andrew Speedy das Geld eingesteckt hatte, sagte Herr Fogg zu ihm:
„Lassen Sie sich davon nicht überraschen, Sir. Sie müssen wissen, dass ich zwanzigtausend Pfund verlieren werde, es sei denn, ich erreiche London um Viertel vor neun am Abend des 21. Dezembers. Ich habe den Dampfer in New York verpasst, und da Sie sich weigerten, mich nach Liverpool zu bringen –“
„Und das war richtig!“, rief Andrew Speedy. „Denn dadurch habe ich mindestens vierzigtausend Dollar gewonnen!“ Er fügte ruhiger hinzu: „Wissen Sie etwas, Kapitän –“
„Fogg.“
„Kapitän Fogg, Sie haben etwas vom Yankee an sich.“
Nachdem er seinem Passagier, wie er es für einen großen Kompliment hielt, gedankt hatte, wollte er gehen – da sagte Herr Fogg: „Gehört das Schiff jetzt mir?“
„Sicherlich, von der Kiel bis zur Mastspitze – also das ganze Holz.“
„Sehr gut. Lassen Sie die Innensitze, Betten sowie die Rahmen abnehmen und verbrennen.“
Es war notwendig, trockenes Holz zu haben, um den Dampf auf ausreichendem Druck zu halten; an diesem Tag wurden der Heckbereich, die Kabinen, die Betten sowie das Ersatzdeck geopfert. Am nächsten Tag, dem 19. Dezember, wurden die Masten, Rettungsflöße sowie andere Holzteile verbrannt; die Besatzung arbeitete unermüdlich, um die Feuer am Brennen zu halten. Passepartout hackte, schnitt und sägte mit aller Kraft. Es herrschte eine regelrechte Raserei beim Zerstören. Am 20. Dezember verschwanden die Geländer, Einrichtungen, der größte Teil des Decks sowie die Seitenwände – die „Henrietta“ war nun nur noch ein flacher Rumpf. Doch an diesem Tag sahen sie die irische Küste sowie das Fastnet-Licht. Um zehn Uhr abends passierten sie Queenstown. Phileas Fogg hatte nur noch vierundzwanzig Stunden Zeit, um nach London zu gelangen; diese Zeit war notwendig, um mit vollem Dampf nach Liverpool zu kommen. Doch der Dampf drohte bereits völlig auszugehen!
„Sir“, sagte Kapitän Speedy, der nun großes Interesse an Herrn Fogg’s Plan hatte, „ich bedauere Sie wirklich. Alles ist gegen Sie. Wir befinden uns direkt gegenüber Queenstown.“
„Ah“, sagte Herr Fogg, „ist das der Ort, wo wir die Lichter sehen – Queenstown?“
„Ja.“
„Lassen Sie sich davon nicht überraschen, Sir. Sie müssen wissen, dass ich zwanzigtausend Pfund verlieren werde, es sei denn, ich erreiche London um Viertel vor neun am Abend des 21. Dezembers. Ich habe den Dampfer in New York verpasst, und da Sie sich weigerten, mich nach Liverpool zu bringen –“
„Und das war richtig!“, rief Andrew Speedy. „Denn dadurch habe ich mindestens vierzigtausend Dollar gewonnen!“ Er fügte ruhiger hinzu: „Wissen Sie etwas, Kapitän –“
„Fogg.“
„Kapitän Fogg, Sie haben etwas vom Yankee an sich.“
Nachdem er seinem Passagier, wie er es für einen großen Kompliment hielt, gedankt hatte, wollte er gehen – da sagte Herr Fogg: „Gehört das Schiff jetzt mir?“
„Sicherlich, von der Kiel bis zur Mastspitze – also das ganze Holz.“
„Sehr gut. Lassen Sie die Innensitze, Betten sowie die Rahmen abnehmen und verbrennen.“
Es war notwendig, trockenes Holz zu haben, um den Dampf auf ausreichendem Druck zu halten; an diesem Tag wurden der Heckbereich, die Kabinen, die Betten sowie das Ersatzdeck geopfert. Am nächsten Tag, dem 19. Dezember, wurden die Masten, Rettungsflöße sowie andere Holzteile verbrannt; die Besatzung arbeitete unermüdlich, um die Feuer am Brennen zu halten. Passepartout hackte, schnitt und sägte mit aller Kraft. Es herrschte eine regelrechte Raserei beim Zerstören. Am 20. Dezember verschwanden die Geländer, Einrichtungen, der größte Teil des Decks sowie die Seitenwände – die „Henrietta“ war nun nur noch ein flacher Rumpf. Doch an diesem Tag sahen sie die irische Küste sowie das Fastnet-Licht. Um zehn Uhr abends passierten sie Queenstown. Phileas Fogg hatte nur noch vierundzwanzig Stunden Zeit, um nach London zu gelangen; diese Zeit war notwendig, um mit vollem Dampf nach Liverpool zu kommen. Doch der Dampf drohte bereits völlig auszugehen!
„Sir“, sagte Kapitän Speedy, der nun großes Interesse an Herrn Fogg’s Plan hatte, „ich bedauere Sie wirklich. Alles ist gegen Sie. Wir befinden uns direkt gegenüber Queenstown.“
„Ah“, sagte Herr Fogg, „ist das der Ort, wo wir die Lichter sehen – Queenstown?“
„Ja.“
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„Können wir in den Hafen einfahren?“
„Nicht vor drei Stunden. Nur bei Hochwasser.“
„Bleiben Sie“, antwortete Herr Fogg ruhig, ohne in seinem Gesichtsausdruck zu verraten, dass er von einer plötzlichen Eingebung getrieben wurde und erneut versuchen wollte, das Pech zu überwinden.
Queenstown ist der irische Hafen, an dem die transatlantischen Dampfschiffe anlegen, um Post abzuladen. Diese Post wird per Expresszug nach Dublin gebracht – Züge, die stets bereitstehen, um sofort abfahren zu können. Von dort aus wird sie mit den schnellsten Booten nach Liverpool geschickt, wodurch man zwölf Stunden Vorsprung vor den Atlantik-Dampfschiffen hat.
Phileas Fogg hoffte, auf dieselbe Weise zwölf Stunden gewinnen zu können. Anstatt am nächsten Abend mit der „Henrietta“ in Liverpool anzukommen, würde er bereits mittags dort sein und somit Zeit haben, vor Viertel vor neun abends in London anzukommen.
Die „Henrietta“ fuhr um ein Uhr morgens in den Hafen von Queenstown ein – es war gerade Hochwasser. Phileas Fogg wurde von Kapitän Speedy herzlich begrüßt; anschließend verließ er diesen Mann auf dem noch intakten Rumpf des Schiffes – dessen Wert immer noch die Hälfte dessen betrug, was er dafür bezahlt hatte.
Die Gruppe ging sofort an Land. Fix war stark versucht, Herrn Fogg auf der Stelle festzunehmen – doch er tat es nicht. Warum? Welcher Kampf tobte in ihm? Hatte er seine Meinung über „seinen Mann“ geändert? Verstand er, dass er einen schweren Fehler gemacht hatte? Dennoch gab er Herrn Fogg nicht auf. Alle stiegen um halb zwei in den Zug, der gerade zum Abfahren bereitstand. Bei Tagesanbruch waren sie in Dublin – und verloren keine Zeit, sondern stiegen sofort in ein Dampfschiff ein, das sich nicht von den Wellen beeinflussen ließ und durch sie hindurchfuhr.
Schließlich landete Phileas Fogg am 21. Dezember, 20 Minuten vor zwölf, auf dem Kai in Liverpool. Er war nur sechs Stunden von London entfernt.
Doch in diesem Moment kam Fix heran, legte seine Hand auf Herrn Fogg’s Schulter und sagte, nachdem er seinen Haftbefehl zeigte: „Sind Sie wirklich Phileas Fogg?“
„Ja, das bin ich.“
„Ich verhafte Sie im Namen der Königin!“
„Nicht vor drei Stunden. Nur bei Hochwasser.“
„Bleiben Sie“, antwortete Herr Fogg ruhig, ohne in seinem Gesichtsausdruck zu verraten, dass er von einer plötzlichen Eingebung getrieben wurde und erneut versuchen wollte, das Pech zu überwinden.
Queenstown ist der irische Hafen, an dem die transatlantischen Dampfschiffe anlegen, um Post abzuladen. Diese Post wird per Expresszug nach Dublin gebracht – Züge, die stets bereitstehen, um sofort abfahren zu können. Von dort aus wird sie mit den schnellsten Booten nach Liverpool geschickt, wodurch man zwölf Stunden Vorsprung vor den Atlantik-Dampfschiffen hat.
Phileas Fogg hoffte, auf dieselbe Weise zwölf Stunden gewinnen zu können. Anstatt am nächsten Abend mit der „Henrietta“ in Liverpool anzukommen, würde er bereits mittags dort sein und somit Zeit haben, vor Viertel vor neun abends in London anzukommen.
Die „Henrietta“ fuhr um ein Uhr morgens in den Hafen von Queenstown ein – es war gerade Hochwasser. Phileas Fogg wurde von Kapitän Speedy herzlich begrüßt; anschließend verließ er diesen Mann auf dem noch intakten Rumpf des Schiffes – dessen Wert immer noch die Hälfte dessen betrug, was er dafür bezahlt hatte.
Die Gruppe ging sofort an Land. Fix war stark versucht, Herrn Fogg auf der Stelle festzunehmen – doch er tat es nicht. Warum? Welcher Kampf tobte in ihm? Hatte er seine Meinung über „seinen Mann“ geändert? Verstand er, dass er einen schweren Fehler gemacht hatte? Dennoch gab er Herrn Fogg nicht auf. Alle stiegen um halb zwei in den Zug, der gerade zum Abfahren bereitstand. Bei Tagesanbruch waren sie in Dublin – und verloren keine Zeit, sondern stiegen sofort in ein Dampfschiff ein, das sich nicht von den Wellen beeinflussen ließ und durch sie hindurchfuhr.
Schließlich landete Phileas Fogg am 21. Dezember, 20 Minuten vor zwölf, auf dem Kai in Liverpool. Er war nur sechs Stunden von London entfernt.
Doch in diesem Moment kam Fix heran, legte seine Hand auf Herrn Fogg’s Schulter und sagte, nachdem er seinen Haftbefehl zeigte: „Sind Sie wirklich Phileas Fogg?“
„Ja, das bin ich.“
„Ich verhafte Sie im Namen der Königin!“
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KAPITEL XXXIV.
In dem Phileas Fogg endlich London erreicht
Phileas Fogg saß im Gefängnis. Er war in das Zollhaus eingesperrt worden und sollte am nächsten Tag nach London überführt werden. Als Passepartout sah, dass sein Herr verhaftet worden war, wäre er auf Fix losgegangen, wenn ihn nicht einige Polizisten zurückgehalten hätten. Aouda war schockiert über die Plötzlichkeit dieses Geschehens, das sie nicht verstehen konnte. Passepartout erklärte ihr, wie es dazu kommen konnte, dass der ehrliche und mutige Fogg als Räuber verhaftet wurde. Das Herz der jungen Frau revoltierte gegen eine solch abscheuliche Anschuldigung – und als sie erkannte, dass sie nichts tun konnte, um ihren Beschützer zu retten, weinte sie bitterlich.
Was Fix betraf, so hatte er Mr. Fogg verhaftet, weil es seine Pflicht war – egal ob Mr. Fogg schuldig war oder nicht. Da kam Passepartout der Gedanke, dass er selbst der Ursache für dieses neue Unglück sei! Hätte er dem Herrn nicht Fix’ Auftrag verschwiegen? Als Fix seinen wahren Charakter und Zweck offenbarte, warum hatte er Mr. Fogg dann nichts gesagt? Hätte dieser gewarnt worden, hätte er zweifellos Fix von seiner Unschuld überzeugt und ihm klar gemacht, dass er sich irrte. Zumindest hätte Fix dann nicht weiterhin mit den Kosten und unter der Beobachtung seines Herrn gereist, nur um ihn im Moment seines Fußes auf englischem Boden festzunehmen. Passepartout weinte, bis er fast blind wurde, und hatte Lust, sich das Gehirn wegzublasen.
Aouda und er blieben trotz der Kälte unter dem Portikus des Zollhauses. Keiner von ihnen wollte diesen Ort verlassen; beide wollten Mr. Fogg unbedingt wiedersehen. Der Herr war wirklich ruiniert – und das gerade in dem Moment, in dem er sein Ziel erreichen wollte. Diese Verhaftung war tödlich. Nachdem er in Liverpool angekommen war…
In dem Phileas Fogg endlich London erreicht
Phileas Fogg saß im Gefängnis. Er war in das Zollhaus eingesperrt worden und sollte am nächsten Tag nach London überführt werden. Als Passepartout sah, dass sein Herr verhaftet worden war, wäre er auf Fix losgegangen, wenn ihn nicht einige Polizisten zurückgehalten hätten. Aouda war schockiert über die Plötzlichkeit dieses Geschehens, das sie nicht verstehen konnte. Passepartout erklärte ihr, wie es dazu kommen konnte, dass der ehrliche und mutige Fogg als Räuber verhaftet wurde. Das Herz der jungen Frau revoltierte gegen eine solch abscheuliche Anschuldigung – und als sie erkannte, dass sie nichts tun konnte, um ihren Beschützer zu retten, weinte sie bitterlich.
Was Fix betraf, so hatte er Mr. Fogg verhaftet, weil es seine Pflicht war – egal ob Mr. Fogg schuldig war oder nicht. Da kam Passepartout der Gedanke, dass er selbst der Ursache für dieses neue Unglück sei! Hätte er dem Herrn nicht Fix’ Auftrag verschwiegen? Als Fix seinen wahren Charakter und Zweck offenbarte, warum hatte er Mr. Fogg dann nichts gesagt? Hätte dieser gewarnt worden, hätte er zweifellos Fix von seiner Unschuld überzeugt und ihm klar gemacht, dass er sich irrte. Zumindest hätte Fix dann nicht weiterhin mit den Kosten und unter der Beobachtung seines Herrn gereist, nur um ihn im Moment seines Fußes auf englischem Boden festzunehmen. Passepartout weinte, bis er fast blind wurde, und hatte Lust, sich das Gehirn wegzublasen.
Aouda und er blieben trotz der Kälte unter dem Portikus des Zollhauses. Keiner von ihnen wollte diesen Ort verlassen; beide wollten Mr. Fogg unbedingt wiedersehen. Der Herr war wirklich ruiniert – und das gerade in dem Moment, in dem er sein Ziel erreichen wollte. Diese Verhaftung war tödlich. Nachdem er in Liverpool angekommen war…
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Zwanzig Minuten vor zwölf am 21. Dezember hatte er bis Viertel vor neun an diesem Abend Zeit, um den Reform Club zu erreichen – das waren also neun Stunden und ein Viertel. Die Reise von Liverpool nach London dauerte sechs Stunden. Hätte in diesem Moment jemand die Zollbehörde betreten, so hätte er Herrn Fogg auf einer Holzbank sitzen sehen – regungslos, ruhig und ohne sichtbare Wut. Zwar war er nicht resigniert, doch dieser letzte Schlag gelang es nicht, ihn dazu zu bringen, seine Gefühle nach außen zu zeigen. Wurde er von einer jener geheimen Wutgefühle verzehrt, die umso schrecklicher sind, weil sie unterdrückt werden, und die erst im letzten Moment mit unwiderstehlicher Kraft ausbrechen? Niemand konnte es sagen. Er saß da und wartete ruhig – worauf? Hatte er noch Hoffnung? Glaubte er immer noch, jetzt, da die Tür dieses „Gefängnisses“ hinter ihm geschlossen war, dass er Erfolg haben würde?
Wie auch immer, Herr Fogg legte seine Uhr vorsichtig auf den Tisch und beobachtete deren Zeiger. Kein Wort kam über seine Lippen, doch sein Blick war äußerst entschlossen und streng. Die Situation war auf jeden Fall schrecklich – man könnte sie so beschreiben: Wenn Phileas Fogg ehrlich war, war er ruiniert; wenn er ein Betrüger war, war er gefasst.
Kam ihm der Gedanke an eine Flucht? Überprüfte er, ob es einen praktikablen Ausweg aus seinem „Gefängnis“ gab? Dachte er daran, zu fliehen? Möglicherweise – denn einmal ging er langsam im Raum umher. Doch die Tür war verschlossen, und das Fenster war mit Eisenstangen stark gesichert. Er setzte sich wieder hin und holte sein Tagebuch aus der Tasche. Unter der Zeile, in der stand: „21. Dezember, Samstag, Liverpool“, fügte er hinzu: „80. Tag, 11.40 Uhr“, und wartete weiter.
Die Uhr in der Zollbehörde schlug eins. Herr Fogg stellte fest, dass seine Uhr zwei Stunden zu schnell ging.
Zwei Stunden! Angenommen, er nahm in diesem Moment einen Expresszug, könnte er London und den Reform Club bis Viertel vor neun abends erreichen. Seine Stirn legte sich leicht in Falten.
Um dreiunddreißig Minuten nach zwei hörte er draußen ein seltsames Geräusch, dann das hastige Öffnen von Türen. Die Stimme von Passepartout war zu hören, gleich darauf die von Fix. Für einen Moment leuchteten Phileas Foggs Augen auf.
Die Tür schwang auf, und er sah Passepartout, Aouda und Fix, die eilig auf ihn zukamen.
Wie auch immer, Herr Fogg legte seine Uhr vorsichtig auf den Tisch und beobachtete deren Zeiger. Kein Wort kam über seine Lippen, doch sein Blick war äußerst entschlossen und streng. Die Situation war auf jeden Fall schrecklich – man könnte sie so beschreiben: Wenn Phileas Fogg ehrlich war, war er ruiniert; wenn er ein Betrüger war, war er gefasst.
Kam ihm der Gedanke an eine Flucht? Überprüfte er, ob es einen praktikablen Ausweg aus seinem „Gefängnis“ gab? Dachte er daran, zu fliehen? Möglicherweise – denn einmal ging er langsam im Raum umher. Doch die Tür war verschlossen, und das Fenster war mit Eisenstangen stark gesichert. Er setzte sich wieder hin und holte sein Tagebuch aus der Tasche. Unter der Zeile, in der stand: „21. Dezember, Samstag, Liverpool“, fügte er hinzu: „80. Tag, 11.40 Uhr“, und wartete weiter.
Die Uhr in der Zollbehörde schlug eins. Herr Fogg stellte fest, dass seine Uhr zwei Stunden zu schnell ging.
Zwei Stunden! Angenommen, er nahm in diesem Moment einen Expresszug, könnte er London und den Reform Club bis Viertel vor neun abends erreichen. Seine Stirn legte sich leicht in Falten.
Um dreiunddreißig Minuten nach zwei hörte er draußen ein seltsames Geräusch, dann das hastige Öffnen von Türen. Die Stimme von Passepartout war zu hören, gleich darauf die von Fix. Für einen Moment leuchteten Phileas Foggs Augen auf.
Die Tür schwang auf, und er sah Passepartout, Aouda und Fix, die eilig auf ihn zukamen.
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Fix war außer Atem und sein Haar war zerzaust. Er konnte nicht sprechen.
„Sir“, stammelte er, „Sir – verzeihen Sie mir – diese äußerst unglückliche Ähnlichkeit – der Räuber wurde vor drei Tagen festgenommen – Sie sind frei!“
Phileas Fogg war frei! Er ging auf den Detektiv zu, blickte ihm fest ins Gesicht und mit der einzigen schnellen Bewegung, die er je in seinem Leben gemacht hatte – oder jemals machen würde – zog er seine Arme zurück und schlug Fix mit der Präzision einer Maschine nieder.
„Guter Schlag!“, rief Passepartout. „Parbleu! Das könnte man wirklich als gute Anwendung englischer Fäuste bezeichnen!“
Fix, der nun auf dem Boden lag, sagte kein Wort. Er hatte nur das bekommen, was er verdient hatte. Herr Fogg, Aouda und Passepartout verließen ohne Verzug die Zollstelle, stiegen in eine Kutsche und erreichten kurz darauf den Bahnhof.
Phileas Fogg fragte, ob es einen Expresszug gab, der gerade nach London abfahren würde. Es waren vierzig Minuten nach zwei. Der Expresszug war bereits vor dreißig Minuten abgefahren. Phileas Fogg bestellte daher einen Sonderzug.
Es standen mehrere schnelle Lokomotiven zur Verfügung; doch die Eisenbahnbedingungen erlaubten es nicht, dass der Sonderzug vor drei Uhr abfuhr. Zu dieser Stunde brach Phileas Fogg schließlich zusammen mit Aouda und seinem treuen Diener auf nach London – nachdem er den Lokführer mit dem Versprechen einer großzügigen Belohnung dazu motiviert hatte.
Die Reise musste in fünfeinhalb Stunden zurückgelegt werden; das wäre auf einer durchgehend guten Straße einfach gewesen. Doch es gab Zwischenfälle, und als Herr Fogg am Endbahnhof aus dem Zug stieg, zeigten alle Uhren in London zehn Minuten vor neun an.[1]
Nach der Weltreise lag er fünf Minuten im Rückstand. Er hatte das Wettrennen verloren!
[1] Eine etwas bemerkenswerte Besonderheit der Londoner Uhren! – Übersetzer
„Sir“, stammelte er, „Sir – verzeihen Sie mir – diese äußerst unglückliche Ähnlichkeit – der Räuber wurde vor drei Tagen festgenommen – Sie sind frei!“
Phileas Fogg war frei! Er ging auf den Detektiv zu, blickte ihm fest ins Gesicht und mit der einzigen schnellen Bewegung, die er je in seinem Leben gemacht hatte – oder jemals machen würde – zog er seine Arme zurück und schlug Fix mit der Präzision einer Maschine nieder.
„Guter Schlag!“, rief Passepartout. „Parbleu! Das könnte man wirklich als gute Anwendung englischer Fäuste bezeichnen!“
Fix, der nun auf dem Boden lag, sagte kein Wort. Er hatte nur das bekommen, was er verdient hatte. Herr Fogg, Aouda und Passepartout verließen ohne Verzug die Zollstelle, stiegen in eine Kutsche und erreichten kurz darauf den Bahnhof.
Phileas Fogg fragte, ob es einen Expresszug gab, der gerade nach London abfahren würde. Es waren vierzig Minuten nach zwei. Der Expresszug war bereits vor dreißig Minuten abgefahren. Phileas Fogg bestellte daher einen Sonderzug.
Es standen mehrere schnelle Lokomotiven zur Verfügung; doch die Eisenbahnbedingungen erlaubten es nicht, dass der Sonderzug vor drei Uhr abfuhr. Zu dieser Stunde brach Phileas Fogg schließlich zusammen mit Aouda und seinem treuen Diener auf nach London – nachdem er den Lokführer mit dem Versprechen einer großzügigen Belohnung dazu motiviert hatte.
Die Reise musste in fünfeinhalb Stunden zurückgelegt werden; das wäre auf einer durchgehend guten Straße einfach gewesen. Doch es gab Zwischenfälle, und als Herr Fogg am Endbahnhof aus dem Zug stieg, zeigten alle Uhren in London zehn Minuten vor neun an.[1]
Nach der Weltreise lag er fünf Minuten im Rückstand. Er hatte das Wettrennen verloren!
[1] Eine etwas bemerkenswerte Besonderheit der Londoner Uhren! – Übersetzer
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KAPITEL XXXV.
In dem Phileas Fogg seine Befehle an Passepartout nicht zweimal wiederholen muss
Die Bewohner von Saville Row wären am nächsten Tag überrascht gewesen, wenn man ihnen gesagt hätte, dass Phileas Fogg nach Hause zurückgekehrt war. Seine Türen und Fenster waren immer noch geschlossen – es war keine Veränderung zu erkennen. Nachdem er den Bahnhof verlassen hatte, gab Herr Fogg Passepartout Anweisungen, einige Vorräte zu kaufen, und begab sich anschließend ruhig in sein Zuhause. Er trug sein Unglück mit seiner üblichen Gelassenheit. Ruiniert! Durch den Fehler eines Detektivs! Nachdem er die lange Reise unbeschadet hinter sich gebracht hatte, hunderte Hindernisse überwunden und viele Gefahren gemeistert hatte – und trotzdem Zeit fand, auf dem Weg Gutes zu tun – scheiterte er kurz vor dem Ziel an einem plötzlichen Ereignis, das er nicht vorhersehen konnte und gegen das er wehrlos war. Es war schrecklich! Doch von dem großen Betrag, den er bei sich getragen hatte, blieben noch ein paar Pfund übrig. Von seinem Vermögen blieben nur noch die zwanzigtausend Pfund, die bei Barings deponiert waren – und diesen Betrag schuldete er seinen Freunden vom Reform Club. Die Ausgaben für seine Reise waren so groß, dass er selbst im Falle eines Sieges nicht reich geworden wäre. Wahrscheinlich hatte er auch gar nicht versucht, reich zu werden – schließlich war er ein Mann, der eher um des Ruhmes willen Wetten einging als um des Geldes willen. Doch diese Wette ruinierte ihn völlig.
Herr Fogg hatte jedoch bereits eine klare Entscheidung getroffen; er wusste, was ihm noch zu tun blieb. Ein Zimmer im Haus in Saville Row wurde für Aouda bereitgestellt – sie war zutiefst betrübt über das Unglück ihres Beschützers. Aus den Worten, die Herr Fogg fallen ließ, erkannte sie, dass er über irgendeinen ernsten Plan nachdachte.
In dem Phileas Fogg seine Befehle an Passepartout nicht zweimal wiederholen muss
Die Bewohner von Saville Row wären am nächsten Tag überrascht gewesen, wenn man ihnen gesagt hätte, dass Phileas Fogg nach Hause zurückgekehrt war. Seine Türen und Fenster waren immer noch geschlossen – es war keine Veränderung zu erkennen. Nachdem er den Bahnhof verlassen hatte, gab Herr Fogg Passepartout Anweisungen, einige Vorräte zu kaufen, und begab sich anschließend ruhig in sein Zuhause. Er trug sein Unglück mit seiner üblichen Gelassenheit. Ruiniert! Durch den Fehler eines Detektivs! Nachdem er die lange Reise unbeschadet hinter sich gebracht hatte, hunderte Hindernisse überwunden und viele Gefahren gemeistert hatte – und trotzdem Zeit fand, auf dem Weg Gutes zu tun – scheiterte er kurz vor dem Ziel an einem plötzlichen Ereignis, das er nicht vorhersehen konnte und gegen das er wehrlos war. Es war schrecklich! Doch von dem großen Betrag, den er bei sich getragen hatte, blieben noch ein paar Pfund übrig. Von seinem Vermögen blieben nur noch die zwanzigtausend Pfund, die bei Barings deponiert waren – und diesen Betrag schuldete er seinen Freunden vom Reform Club. Die Ausgaben für seine Reise waren so groß, dass er selbst im Falle eines Sieges nicht reich geworden wäre. Wahrscheinlich hatte er auch gar nicht versucht, reich zu werden – schließlich war er ein Mann, der eher um des Ruhmes willen Wetten einging als um des Geldes willen. Doch diese Wette ruinierte ihn völlig.
Herr Fogg hatte jedoch bereits eine klare Entscheidung getroffen; er wusste, was ihm noch zu tun blieb. Ein Zimmer im Haus in Saville Row wurde für Aouda bereitgestellt – sie war zutiefst betrübt über das Unglück ihres Beschützers. Aus den Worten, die Herr Fogg fallen ließ, erkannte sie, dass er über irgendeinen ernsten Plan nachdachte.
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Da er wusste, dass Engländer, die von einer festen Idee beherrscht werden, manchmal zum verzweifelten Mittel des Selbstmords greifen, behielt Passepartout seinen Herrn scharf im Auge – obwohl er dies sorgfältig verbarg. Zunächst ging der ehrenwerte Mann in sein Zimmer und löschte den Gasherd aus, der bereits achtzig Tage lang gebrannt hatte. In dem Briefkasten fand er eine Rechnung von der Gasgesellschaft und hielt es für an der Zeit, diese Kosten, die er tragen musste, zu beenden. Die Nacht verging. Herr Fogg ging ins Bett – schlief er jedoch? Aouda schloss nicht einmal für einen Moment die Augen. Passepartout beobachtete die ganze Nacht über, wie ein treuer Hund, die Tür seines Herrn. Am Morgen rief Herr Fogg ihn zu sich und bat ihn, für Aouda Frühstück sowie für sich selbst eine Tasse Tee und ein Stück Brot zu holen. Er bat Aouda, ihm das Frühstück und Abendessen zu ersparen, da seine Zeit den ganzen Tag damit verbracht werden würde, seine Angelegenheiten in Ordnung zu bringen. Am Abend wolle er um Erlaubnis bitten, kurz mit der jungen Dame sprechen zu dürfen. Passepartout hatte nach Erhalt der Anweisungen nichts anderes zu tun, als ihnen zu gehorchen. Er blickte auf seinen unerschütterlichen Herrn und konnte sich kaum dazu durchringen, ihn zu verlassen. Sein Herz war voller Schmerz, und sein Gewissen wurde von Reue gequält – denn er machte sich selbst härter als je zuvor dafür verantwortlich, für die unumkehrbare Katastrophe verantwortlich zu sein. Ja! Hätte er Herrn Fogg gewarnt und ihm Fix’ Pläne verraten, dann hätte sein Herr dem Detektiv sicherlich keinen Zug nach Liverpool gestattet – und dann… Passepartout konnte es nicht länger aushalten. „Mein Herr! Herr Fogg!“, rief er. „Warum verfluchen Sie mich nicht? Es ist meine Schuld –“ „Ich mache niemandem Vorwürfe“, antwortete Phileas Fogg völlig ruhig. „Geh!“ Passepartout verließ das Zimmer und suchte Aouda auf, um ihr die Botschaft seines Herrn zu überbringen. „Madam“, fügte er hinzu, „ich kann selbst nichts tun – gar nichts! Ich habe keinerlei Einfluss auf meinen Herrn; aber vielleicht Sie –“ „Welchen Einfluss könnte ich schon haben?“, erwiderte Aouda. „Herr Fogg lässt sich von niemandem beeinflussen. Hat er jemals erkannt, wie groß meine Dankbarkeit gegenüber ihm ist? Hat er jemals mein Herz gelesen? Mein Freund, man darf ihn keinen Augenblick allein lassen! Sie sagen, er will heute Abend mit mir sprechen?“
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„Ja, Madame – wahrscheinlich, um für Ihren Schutz und Komfort in England zu sorgen.“
„Wir werden sehen“, antwortete Aouda und wurde plötzlich nachdenklich.
Den ganzen Tag über – es war Sonntag – schien das Haus in Saville Row unbewohnt zu sein. Phileas Fogg verließ zum ersten Mal seit seinem Einzug in dieses Haus nicht sein Zuhause, als die Uhr in Westminster halb zwölf schlug.
Warum sollte er sich im Reform Club zeigen? Seine Freunde erwarteten ihn dort nicht mehr. Da Phileas Fogg am Vorabend – am Samstag, den 21. Dezember, eine Viertelstunde vor neun – nicht im Salon erschienen war, hatte er sein Wettversprechen verloren. Es war sogar nicht mehr notwendig, zu seinen Bankiers zu gehen, um die zwanzigtausend Pfund abzuholen; seine Gegner hatten bereits seinen Scheck in Händen und mussten ihn nur ausfüllen und an die Barings schicken, damit das Geld auf ihr Konto überwiesen wurde.
Herr Fogg hatte daher keinen Grund, das Haus zu verlassen, und blieb daher zu Hause. Er sperrte sich in seinem Zimmer ein und kümmerte sich darum, seine Angelegenheiten in Ordnung zu bringen. Passepartout stieg ständig die Treppe hinauf und hinunter. Die Stunden dehnten sich endlos für ihn. Er lauschte an der Tür seines Herrn und spähte durch das Schlüsselloch – als hätte er dazu jedes Recht, und als fürchte er, dass jeden Moment etwas Schreckliches passieren könnte. Manchmal dachte er an Fix – doch nicht mehr aus Wut. Fix, wie alle anderen auch, hatte sich in Phileas Fogg geirrt und hatte lediglich seine Pflicht erfüllt, indem er ihn verfolgte und festnahm; während er, Passepartout… Dieser Gedanke quälte ihn, und er hörte nie auf, seine eigene Dummheit zu verfluchen.
Da er sich zu elend fühlte, um allein zu bleiben, klopfte er an Aoudas Tür, ging in ihr Zimmer, setzte sich wortlos in eine Ecke und blickte traurig auf die junge Frau. Aouda war immer noch nachdenklich.
Gegen halb acht abends schickte Herr Fogg jemanden, um herauszufinden, ob Aouda ihn empfangen würde. Kurz darauf befand er sich allein mit ihr. Phileas Fogg nahm einen Stuhl und setzte sich neben den Kamin, gegenüber von Aouda. Auf seinem Gesicht war keine Regung zu erkennen. Fogg war genau derselbe wie zuvor – dieselbe Ruhe, dieselbe Gleichgültigkeit. Er saß mehrere Minuten lang schweigend da; dann blickte er Aouda an und sagte: „Madame, werden Sie mir verzeihen, dass ich Sie nach England gebracht habe?“
„Wir werden sehen“, antwortete Aouda und wurde plötzlich nachdenklich.
Den ganzen Tag über – es war Sonntag – schien das Haus in Saville Row unbewohnt zu sein. Phileas Fogg verließ zum ersten Mal seit seinem Einzug in dieses Haus nicht sein Zuhause, als die Uhr in Westminster halb zwölf schlug.
Warum sollte er sich im Reform Club zeigen? Seine Freunde erwarteten ihn dort nicht mehr. Da Phileas Fogg am Vorabend – am Samstag, den 21. Dezember, eine Viertelstunde vor neun – nicht im Salon erschienen war, hatte er sein Wettversprechen verloren. Es war sogar nicht mehr notwendig, zu seinen Bankiers zu gehen, um die zwanzigtausend Pfund abzuholen; seine Gegner hatten bereits seinen Scheck in Händen und mussten ihn nur ausfüllen und an die Barings schicken, damit das Geld auf ihr Konto überwiesen wurde.
Herr Fogg hatte daher keinen Grund, das Haus zu verlassen, und blieb daher zu Hause. Er sperrte sich in seinem Zimmer ein und kümmerte sich darum, seine Angelegenheiten in Ordnung zu bringen. Passepartout stieg ständig die Treppe hinauf und hinunter. Die Stunden dehnten sich endlos für ihn. Er lauschte an der Tür seines Herrn und spähte durch das Schlüsselloch – als hätte er dazu jedes Recht, und als fürchte er, dass jeden Moment etwas Schreckliches passieren könnte. Manchmal dachte er an Fix – doch nicht mehr aus Wut. Fix, wie alle anderen auch, hatte sich in Phileas Fogg geirrt und hatte lediglich seine Pflicht erfüllt, indem er ihn verfolgte und festnahm; während er, Passepartout… Dieser Gedanke quälte ihn, und er hörte nie auf, seine eigene Dummheit zu verfluchen.
Da er sich zu elend fühlte, um allein zu bleiben, klopfte er an Aoudas Tür, ging in ihr Zimmer, setzte sich wortlos in eine Ecke und blickte traurig auf die junge Frau. Aouda war immer noch nachdenklich.
Gegen halb acht abends schickte Herr Fogg jemanden, um herauszufinden, ob Aouda ihn empfangen würde. Kurz darauf befand er sich allein mit ihr. Phileas Fogg nahm einen Stuhl und setzte sich neben den Kamin, gegenüber von Aouda. Auf seinem Gesicht war keine Regung zu erkennen. Fogg war genau derselbe wie zuvor – dieselbe Ruhe, dieselbe Gleichgültigkeit. Er saß mehrere Minuten lang schweigend da; dann blickte er Aouda an und sagte: „Madame, werden Sie mir verzeihen, dass ich Sie nach England gebracht habe?“
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„Ich, Herr Fogg!“, antwortete Aouda und spürte dabei den Puls ihres Herzens.
„Bitte lassen Sie mich ausreden“, erwiderte Herr Fogg. „Als ich beschloss, Sie weit weg aus dem Land zu bringen, das für Sie so unsicher war, war ich reich und dachte daran, einen Teil meines Vermögens zur Verfügung zu stellen – dann wäre Ihr Leben frei und glücklich gewesen. Doch jetzt bin ich ruiniert.“
„Das weiß ich, Herr Fogg“, antwortete Aouda. „Und ich frage Sie wiederum: Werden Sie mir verzeihen, dass ich Ihnen gefolgt bin – und vielleicht sogar Ihre Pläne behindert habe, wodurch ich zu Ihrer Ruin beigetragen habe?“
„Madam, Sie konnten nicht in Indien bleiben – Ihre Sicherheit konnte nur gewährleistet werden, indem man Sie an einen Ort brachte, an dem Ihre Verfolger Sie nicht erreichen konnten.“
„Also, Herr Fogg“, fuhr Aouda fort, „nicht zufrieden damit, mich vor einem schrecklichen Tod zu retten, fühlten Sie sich verpflichtet, auch für mein Wohlergehen in einem fremden Land zu sorgen?“
„Ja, Madam – doch die Umstände waren gegen mich. Dennoch möchte ich das Wenige, was mir noch bleibt, Ihnen zur Verfügung stellen.“
„Aber was wird aus Ihnen, Herr Fogg?“
„Was mich betrifft, Madam“, antwortete der Gentleman kühl, „so brauche ich nichts.“
„Aber wie sehen Sie das Schicksal an, das auf Sie wartet, Sir?“
„Wie ich es immer tue.“
„Zumindest“, sagte Aouda, „sollte ein Mann wie Sie nicht in Not geraten. Ihre Freunde –“
„Ich habe keine Freunde, Madam.“
„Ihre Verwandten –“
„Ich habe keine Verwandten mehr.“
„Dann habe ich Mitleid mit Ihnen, Herr Fogg – denn Einsamkeit ist etwas Trauriges, ohne jemanden, dem man seine Sorgen anvertrauen kann. Man sagt jedoch, dass selbst Elend, wenn es von zwei mitfühlenden Seelen geteilt wird, geduldig ertragen werden kann.“
„So wird gesagt, Madam.“
„Herr Fogg“, sagte Aouda, stand auf und ergriff seine Hand, „wünschen Sie sich sofort eine Verwandte und Freundin? Möchten Sie mich zur Frau nehmen?“
„Bitte lassen Sie mich ausreden“, erwiderte Herr Fogg. „Als ich beschloss, Sie weit weg aus dem Land zu bringen, das für Sie so unsicher war, war ich reich und dachte daran, einen Teil meines Vermögens zur Verfügung zu stellen – dann wäre Ihr Leben frei und glücklich gewesen. Doch jetzt bin ich ruiniert.“
„Das weiß ich, Herr Fogg“, antwortete Aouda. „Und ich frage Sie wiederum: Werden Sie mir verzeihen, dass ich Ihnen gefolgt bin – und vielleicht sogar Ihre Pläne behindert habe, wodurch ich zu Ihrer Ruin beigetragen habe?“
„Madam, Sie konnten nicht in Indien bleiben – Ihre Sicherheit konnte nur gewährleistet werden, indem man Sie an einen Ort brachte, an dem Ihre Verfolger Sie nicht erreichen konnten.“
„Also, Herr Fogg“, fuhr Aouda fort, „nicht zufrieden damit, mich vor einem schrecklichen Tod zu retten, fühlten Sie sich verpflichtet, auch für mein Wohlergehen in einem fremden Land zu sorgen?“
„Ja, Madam – doch die Umstände waren gegen mich. Dennoch möchte ich das Wenige, was mir noch bleibt, Ihnen zur Verfügung stellen.“
„Aber was wird aus Ihnen, Herr Fogg?“
„Was mich betrifft, Madam“, antwortete der Gentleman kühl, „so brauche ich nichts.“
„Aber wie sehen Sie das Schicksal an, das auf Sie wartet, Sir?“
„Wie ich es immer tue.“
„Zumindest“, sagte Aouda, „sollte ein Mann wie Sie nicht in Not geraten. Ihre Freunde –“
„Ich habe keine Freunde, Madam.“
„Ihre Verwandten –“
„Ich habe keine Verwandten mehr.“
„Dann habe ich Mitleid mit Ihnen, Herr Fogg – denn Einsamkeit ist etwas Trauriges, ohne jemanden, dem man seine Sorgen anvertrauen kann. Man sagt jedoch, dass selbst Elend, wenn es von zwei mitfühlenden Seelen geteilt wird, geduldig ertragen werden kann.“
„So wird gesagt, Madam.“
„Herr Fogg“, sagte Aouda, stand auf und ergriff seine Hand, „wünschen Sie sich sofort eine Verwandte und Freundin? Möchten Sie mich zur Frau nehmen?“
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Herr Fogg stand nun ebenfalls auf. In seinen Augen lag ein ungewöhnliches Leuchten, und seine Lippen zitterten leicht. Aouda blickte ihm ins Gesicht. Die Aufrichtigkeit, Rechtschaffenheit, Entschlossenheit und Zärtlichkeit dieses sanften Blicks einer edlen Frau, die alles wagen würde, um denjenigen zu retten, dem sie alles verdankte, überraschte ihn zunächst – doch dann durchdrang er sein Herz. Er schloss für einen Moment die Augen, als wolle er ihrem Blick ausweichen. Als er sie wieder öffnete, sagte er einfach: „Ich liebe dich!“
„Ja, bei allem, was heilig ist – ich liebe dich, und ich gehöre ganz dir!“
„Ah!“, rief Aouda und presste seine Hand an ihr Herz.
Passepartout wurde gerufen und erschien sofort. Herr Fogg hielt immer noch Aoudas Hand in seiner eigenen; Passepartout verstand und sein großes, rundes Gesicht strahlte wie die tropische Sonne im Zenit.
Herr Fogg fragte ihn, ob es nicht schon zu spät sei, um noch am selben Abend den Reverend Samuel Wilson aus der Pfarrei Marylebone zu benachrichtigen.
Passepartout lächelte sein freundlichstes Lächeln und sagte: „Nie zu spät.“
Es war fünf Minuten nach acht.
„Wird es morgen, am Montag, sein?“
„Morgen, am Montag“, sagte Herr Fogg und wandte sich an Aouda.
„Ja; morgen, am Montag“, antwortete sie.
Passepartout eilte so schnell davon, wie seine Beine ihn tragen konnten.
„Ja, bei allem, was heilig ist – ich liebe dich, und ich gehöre ganz dir!“
„Ah!“, rief Aouda und presste seine Hand an ihr Herz.
Passepartout wurde gerufen und erschien sofort. Herr Fogg hielt immer noch Aoudas Hand in seiner eigenen; Passepartout verstand und sein großes, rundes Gesicht strahlte wie die tropische Sonne im Zenit.
Herr Fogg fragte ihn, ob es nicht schon zu spät sei, um noch am selben Abend den Reverend Samuel Wilson aus der Pfarrei Marylebone zu benachrichtigen.
Passepartout lächelte sein freundlichstes Lächeln und sagte: „Nie zu spät.“
Es war fünf Minuten nach acht.
„Wird es morgen, am Montag, sein?“
„Morgen, am Montag“, sagte Herr Fogg und wandte sich an Aouda.
„Ja; morgen, am Montag“, antwortete sie.
Passepartout eilte so schnell davon, wie seine Beine ihn tragen konnten.
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KAPITEL XXXVI.
In dem der Name von Phileas Fogg erneut zu einem hohen Preis angeboten wird
Es ist an der Zeit, zu berichten, welche Veränderung in der öffentlichen Meinung in England eintrat, als bekannt wurde, dass der eigentliche Bankräuber, ein gewisser James Strand, am 17. Dezember in Edinburgh verhaftet worden war. Drei Tage zuvor war Phileas Fogg noch ein Verbrecher, der von der Polizei verzweifelt verfolgt wurde; nun war er ein ehrenhafter Gentleman, der mathematisch genau seinen exzentrischen Weltumrundungsreise folgte.
Die Zeitungen nahmen ihre Diskussionen über das Wettrennen wieder auf; alle, die darauf gewettet hatten – für oder gegen ihn – zeigten plötzlich wieder Interesse, als wäre es Zauberei. Die „Phileas-Fogg-Anleihen“ wurden erneut handelbar, und viele neue Wetten wurden abgeschlossen. Der Name von Phileas Fogg war erneut zu einem hohen Preis anzubieten.
Seine fünf Freunde vom Reform Club verbrachten diese drei Tage in einem Zustand fiebriger Ungewissheit. Würde Phileas Fogg, den sie vergessen hatten, wieder vor ihren Augen erscheinen? Wo war er in diesem Moment? Der 17. Dezember, der Tag der Verhaftung von James Strand, war der siebzigste seit Phileas Fogg’s Abreise – doch es gab keine Nachrichten von ihm. War er tot? Hatte er den Versuch aufgegeben, oder setzte er seine Reise weiter entlang der vereinbarten Route fort? Und würde er am Samstag, den 21. Dezember, um Viertel vor neun abends, vor der Tür des Salons des Reform Clubs erscheinen?
Die Unruhe, in der die Londoner Gesellschaft drei Tage lang lebte, lässt sich nicht beschreiben. Telegramme wurden nach Amerika und Asien gesendet, um Nachrichten über Phileas Fogg zu erhalten. Boten wurden morgens und abends zum Haus in Saville Row geschickt. Keine Nachrichten. Die Polizei wusste nicht, was aus dem Detektiv Fix geworden war – er hatte leider einer falschen Spur gefolgt. Dennoch stiegen die Anzahl sowie der Wert der Wetten weiter an. Phileas Fogg, wie ein…
In dem der Name von Phileas Fogg erneut zu einem hohen Preis angeboten wird
Es ist an der Zeit, zu berichten, welche Veränderung in der öffentlichen Meinung in England eintrat, als bekannt wurde, dass der eigentliche Bankräuber, ein gewisser James Strand, am 17. Dezember in Edinburgh verhaftet worden war. Drei Tage zuvor war Phileas Fogg noch ein Verbrecher, der von der Polizei verzweifelt verfolgt wurde; nun war er ein ehrenhafter Gentleman, der mathematisch genau seinen exzentrischen Weltumrundungsreise folgte.
Die Zeitungen nahmen ihre Diskussionen über das Wettrennen wieder auf; alle, die darauf gewettet hatten – für oder gegen ihn – zeigten plötzlich wieder Interesse, als wäre es Zauberei. Die „Phileas-Fogg-Anleihen“ wurden erneut handelbar, und viele neue Wetten wurden abgeschlossen. Der Name von Phileas Fogg war erneut zu einem hohen Preis anzubieten.
Seine fünf Freunde vom Reform Club verbrachten diese drei Tage in einem Zustand fiebriger Ungewissheit. Würde Phileas Fogg, den sie vergessen hatten, wieder vor ihren Augen erscheinen? Wo war er in diesem Moment? Der 17. Dezember, der Tag der Verhaftung von James Strand, war der siebzigste seit Phileas Fogg’s Abreise – doch es gab keine Nachrichten von ihm. War er tot? Hatte er den Versuch aufgegeben, oder setzte er seine Reise weiter entlang der vereinbarten Route fort? Und würde er am Samstag, den 21. Dezember, um Viertel vor neun abends, vor der Tür des Salons des Reform Clubs erscheinen?
Die Unruhe, in der die Londoner Gesellschaft drei Tage lang lebte, lässt sich nicht beschreiben. Telegramme wurden nach Amerika und Asien gesendet, um Nachrichten über Phileas Fogg zu erhalten. Boten wurden morgens und abends zum Haus in Saville Row geschickt. Keine Nachrichten. Die Polizei wusste nicht, was aus dem Detektiv Fix geworden war – er hatte leider einer falschen Spur gefolgt. Dennoch stiegen die Anzahl sowie der Wert der Wetten weiter an. Phileas Fogg, wie ein…
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Der Rennpferd näherte sich seinem letzten Wendepunkt. Die Kurse des Pferdes lagen nicht mehr hundert Punkte unter dem Nennwert, sondern bei zwanzig, zehn oder fünf Punkten – und der gelähmte alte Lord Albemarle setzte sogar auf ihn. Am Samstagabend versammelte sich eine große Menge auf Pall Mall und den angrenzenden Straßen; es sah aus, als wären dort zahlreiche Makler stationiert. Der Verkehr war behindert, und überall fanden Streitigkeiten, Diskussionen sowie finanzielle Transaktionen statt. Die Polizei hatte große Schwierigkeiten, die Menge zurückzuhalten – und je näher die Zeit rückte, zu der Phileas Fogg eintreffen sollte, desto größer wurde die Aufregung.
Die fünf Gegner von Phileas Fogg trafen sich im großen Saal des Clubs. John Sullivan und Samuel Fallentin, die Bankiers, Andrew Stuart, der Ingenieur, Gauthier Ralph, der Direktor der Bank of England, sowie Thomas Flanagan, der Brauer – alle warteten ungeduldig. Als die Uhr 20 Minuten nach acht anzeigte, stand Andrew Stuart auf und sagte: „Meine Herren, in 20 Minuten ist die von Herrn Fogg und uns vereinbarte Frist abgelaufen.“
„Um wie viel Uhr kam der letzte Zug aus Liverpool an?“, fragte Thomas Flanagan.
„Um 23 Minuten nach sieben“, antwortete Gauthier Ralph. „Der nächste Zug kommt erst 10 Minuten nach zwölf an.“
„Nun, meine Herren“, fuhr Andrew Stuart fort, „wenn Phileas Fogg mit dem Zug um 7:23 gekommen wäre, wäre er bis jetzt hier angekommen. Wir können die Wette daher als gewonnen betrachten.“
„Warten Sie – seien wir nicht voreilig“, entgegnete Samuel Fallentin. „Sie wissen doch, dass Herr Fogg sehr exzentrisch ist. Seine Pünktlichkeit ist allgemein bekannt – er kommt niemals zu früh oder zu spät. Ich wäre nicht überrascht, wenn er in letzter Minute vor uns auftauchen würde.“
„Warum“, sagte Andrew Stuart nervös, „wenn ich ihn sehen würde, würde ich nicht glauben, dass es wirklich er ist.“
„Tatsache ist“, fuhr Thomas Flanagan fort, „dass Herrn Fogg’s Plan absurd dumm war. Unabhängig von seiner Pünktlichkeit konnte er die unvermeidlichen Verzögerungen nicht verhindern – und schon eine Verzögerung von zwei oder drei Tagen wäre für seine Reise fatal.“
Die fünf Gegner von Phileas Fogg trafen sich im großen Saal des Clubs. John Sullivan und Samuel Fallentin, die Bankiers, Andrew Stuart, der Ingenieur, Gauthier Ralph, der Direktor der Bank of England, sowie Thomas Flanagan, der Brauer – alle warteten ungeduldig. Als die Uhr 20 Minuten nach acht anzeigte, stand Andrew Stuart auf und sagte: „Meine Herren, in 20 Minuten ist die von Herrn Fogg und uns vereinbarte Frist abgelaufen.“
„Um wie viel Uhr kam der letzte Zug aus Liverpool an?“, fragte Thomas Flanagan.
„Um 23 Minuten nach sieben“, antwortete Gauthier Ralph. „Der nächste Zug kommt erst 10 Minuten nach zwölf an.“
„Nun, meine Herren“, fuhr Andrew Stuart fort, „wenn Phileas Fogg mit dem Zug um 7:23 gekommen wäre, wäre er bis jetzt hier angekommen. Wir können die Wette daher als gewonnen betrachten.“
„Warten Sie – seien wir nicht voreilig“, entgegnete Samuel Fallentin. „Sie wissen doch, dass Herr Fogg sehr exzentrisch ist. Seine Pünktlichkeit ist allgemein bekannt – er kommt niemals zu früh oder zu spät. Ich wäre nicht überrascht, wenn er in letzter Minute vor uns auftauchen würde.“
„Warum“, sagte Andrew Stuart nervös, „wenn ich ihn sehen würde, würde ich nicht glauben, dass es wirklich er ist.“
„Tatsache ist“, fuhr Thomas Flanagan fort, „dass Herrn Fogg’s Plan absurd dumm war. Unabhängig von seiner Pünktlichkeit konnte er die unvermeidlichen Verzögerungen nicht verhindern – und schon eine Verzögerung von zwei oder drei Tagen wäre für seine Reise fatal.“
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„Beachten Sie auch“, fügte John Sullivan hinzu, „dass wir keine Nachrichten von ihm erhalten haben, obwohl es entlang seines Weges Telegrafenleitungen gibt.“
„Er hat verloren, mein Herr“, sagte Andrew Stuart, „er hat hundertmal verloren! Außerdem wissen Sie ja, dass die ‚China‘ – das einzige Dampfschiff, mit dem er rechtzeitig von New York hierher hätte gelangen können – gestern angekommen ist. Ich habe eine Liste der Passagiere gesehen; der Name Phileas Fogg steht nicht darauf. Selbst wenn wir annehmen, dass das Glück auf seiner Seite war, kann er kaum in Amerika angekommen sein. Ich denke, er wird mindestens zwanzig Tage im Rückstand sein – und Lord Albemarle wird fünftausend Pfund verlieren.“
„Das ist klar“, antwortete Gauthier Ralph; „und wir müssen morgen einfach Mr. Foggchecks bei Barings einreichen.“
In diesem Moment zeigten die Zeiger der Clubuhr 20 Minuten vor neun an.
„Noch fünf Minuten“, sagte Andrew Stuart.
Die fünf Herren sahen sich an. Ihre Unruhe wurde immer größer; doch da sie sie nicht zeigen wollten, stimmten sie bereitwillig Mr. Fallentins Vorschlag zu, ein Spiel zu spielen.
„Ich würde meine viertausend Pfund aus der Wette nicht gegen dreitausendneunhundertneun十九 einsetzen“, sagte Andrew Stuart, als er Platz nahm.
Die Uhr zeigte 18 Minuten vor neun an. Die Spieler nahmen ihre Karten in die Hand, konnten aber ihren Blick nicht vom Uhrzeiger abwenden. So sicher sie sich auch fühlten – die Minuten schienen ihnen noch nie so lang gewesen zu sein!
„Siebzehn Minuten vor neun“, sagte Thomas Flanagan, während er die Karten mischte, die Ralph ihm reichte.
Dann herrschte einen Moment Stille. Der große Saal war völlig ruhig; doch man hörte das Gemurmel der Menge draußen sowie gelegentliche Schreie. Das Pendel zeigte die Sekunden an – jeder Spieler zählte sie gespannt mit mathematischer Genauigkeit mit.
„Sechzehn Minuten vor neun!“, sagte John Sullivan mit einer Stimme, die seine Erregung verriet.
Noch eine Minute – dann wäre die Wette gewonnen. Andrew Stuart und seine Partner unterbrachen das Spiel. Sie legten ihre Karten beiseite und zählten…
„Er hat verloren, mein Herr“, sagte Andrew Stuart, „er hat hundertmal verloren! Außerdem wissen Sie ja, dass die ‚China‘ – das einzige Dampfschiff, mit dem er rechtzeitig von New York hierher hätte gelangen können – gestern angekommen ist. Ich habe eine Liste der Passagiere gesehen; der Name Phileas Fogg steht nicht darauf. Selbst wenn wir annehmen, dass das Glück auf seiner Seite war, kann er kaum in Amerika angekommen sein. Ich denke, er wird mindestens zwanzig Tage im Rückstand sein – und Lord Albemarle wird fünftausend Pfund verlieren.“
„Das ist klar“, antwortete Gauthier Ralph; „und wir müssen morgen einfach Mr. Foggchecks bei Barings einreichen.“
In diesem Moment zeigten die Zeiger der Clubuhr 20 Minuten vor neun an.
„Noch fünf Minuten“, sagte Andrew Stuart.
Die fünf Herren sahen sich an. Ihre Unruhe wurde immer größer; doch da sie sie nicht zeigen wollten, stimmten sie bereitwillig Mr. Fallentins Vorschlag zu, ein Spiel zu spielen.
„Ich würde meine viertausend Pfund aus der Wette nicht gegen dreitausendneunhundertneun十九 einsetzen“, sagte Andrew Stuart, als er Platz nahm.
Die Uhr zeigte 18 Minuten vor neun an. Die Spieler nahmen ihre Karten in die Hand, konnten aber ihren Blick nicht vom Uhrzeiger abwenden. So sicher sie sich auch fühlten – die Minuten schienen ihnen noch nie so lang gewesen zu sein!
„Siebzehn Minuten vor neun“, sagte Thomas Flanagan, während er die Karten mischte, die Ralph ihm reichte.
Dann herrschte einen Moment Stille. Der große Saal war völlig ruhig; doch man hörte das Gemurmel der Menge draußen sowie gelegentliche Schreie. Das Pendel zeigte die Sekunden an – jeder Spieler zählte sie gespannt mit mathematischer Genauigkeit mit.
„Sechzehn Minuten vor neun!“, sagte John Sullivan mit einer Stimme, die seine Erregung verriet.
Noch eine Minute – dann wäre die Wette gewonnen. Andrew Stuart und seine Partner unterbrachen das Spiel. Sie legten ihre Karten beiseite und zählten…
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Sekunden. Bei der vierzigsten Sekunde geschah nichts. Bei der fünfzigsten immer noch nichts. Bei der fünfundfünfzigsten wurde auf der Straße ein lauter Schrei gehört, gefolgt von Applaus, Jubelrufen und einigen heftigen Knurrlauten. Die Spieler standen von ihren Plätzen auf. Bei der fünfundsiebzigsten Sekunde öffnete sich die Tür des Salons; und bevor das Pendel die sechzigste Sekunde angezeigt hatte, erschien Phileas Fogg, begleitet von einer aufgeregten Menge, die sich durch die Türen des Clubs gedrängt hatte. Mit ruhiger Stimme sagte er: „Hier bin ich, meine Herren!“
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KAPITEL XXXVII.
In dem gezeigt wird, dass Phileas Fogg
durch seine Reise um die Welt nichts gewann –
außer Glück.
Ja; Phileas Fogg persönlich.
Der Leser wird sich erinnern, dass um fünf Minuten nach acht abends –
etwa fünfundzwanzig Stunden nach der Ankunft der Reisenden in London –
Passepartout von seinem Herrn geschickt wurde, um die Dienste des
Reverend Samuel Wilson für eine Hochzeitszeremonie zu engagieren, die am nächsten Tag stattfinden sollte.
Passepartout machte sich auf den Weg – voller Begeisterung. Bald erreichte er das Haus des Geistlichen, fand ihn jedoch nicht zu Hause. Passepartout wartete gute zwanzig Minuten; als er schließlich den Reverend verließ, waren es bereits dreißigfünf Minuten nach acht. Doch in welchem Zustand war er! Mit zerzaustem Haar und ohne Hut rannte er die Straße entlang – wie noch nie zuvor jemand gelaufen war; er stieß Passanten beiseite und raste über den Bürgersteig wie ein Wirbelsturm.
In drei Minuten war er wieder in Saville Row und taumelte zurück in Mr. Fogg’s Zimmer.
Er konnte nicht sprechen.
„Was ist los?“, fragte Mr. Fogg.
„Mein Herr!“, keuchte Passepartout – „die Hochzeit – unmöglich –“
„Unmöglich?“
„Unmöglich – denn morgen ist Sonntag!“
In dem gezeigt wird, dass Phileas Fogg
durch seine Reise um die Welt nichts gewann –
außer Glück.
Ja; Phileas Fogg persönlich.
Der Leser wird sich erinnern, dass um fünf Minuten nach acht abends –
etwa fünfundzwanzig Stunden nach der Ankunft der Reisenden in London –
Passepartout von seinem Herrn geschickt wurde, um die Dienste des
Reverend Samuel Wilson für eine Hochzeitszeremonie zu engagieren, die am nächsten Tag stattfinden sollte.
Passepartout machte sich auf den Weg – voller Begeisterung. Bald erreichte er das Haus des Geistlichen, fand ihn jedoch nicht zu Hause. Passepartout wartete gute zwanzig Minuten; als er schließlich den Reverend verließ, waren es bereits dreißigfünf Minuten nach acht. Doch in welchem Zustand war er! Mit zerzaustem Haar und ohne Hut rannte er die Straße entlang – wie noch nie zuvor jemand gelaufen war; er stieß Passanten beiseite und raste über den Bürgersteig wie ein Wirbelsturm.
In drei Minuten war er wieder in Saville Row und taumelte zurück in Mr. Fogg’s Zimmer.
Er konnte nicht sprechen.
„Was ist los?“, fragte Mr. Fogg.
„Mein Herr!“, keuchte Passepartout – „die Hochzeit – unmöglich –“
„Unmöglich?“
„Unmöglich – denn morgen ist Sonntag!“
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„Montag“, antwortete Herr Fogg.
„Nein – heute ist Samstag.“
„Samstag? Unmöglich!“
„Ja, ja, ja!“, rief Passepartout. „Sie haben einen Tag falsch berechnet! Wir sind vierundzwanzig Stunden früher angekommen – doch es bleiben nur noch zehn Minuten!“
Passepartout hatte seinen Herrn am Kragen gepackt und zog ihn mit unwiderstehlicher Kraft mit sich.
Phileas Fogg, so entführt und ohne Zeit zum Nachdenken, verließ sein Haus, sprang in eine Droschke, versprach dem Kutscher hundert Pfund und erreichte nachdem er zwei Hunde überfahren und fünf Kutschen umgeworfen hatte, den Reform Club.
Die Uhr zeigte Viertel vor neun, als er im großen Saal erschien.
Phileas Fogg hatte die Weltreise in achtzig Tagen hinter sich gebracht!
Phileas Fogg hatte sein Wettversprechen von zwanzigtausend Pfund gewonnen!
Wie konnte ein so genauer und sorgfältiger Mann einen solchen Tagfehler machen? Wie kam es, dass er glaubte, am Samstag, dem 21. Dezember, in London angekommen zu sein, obwohl es eigentlich Freitag, der 20. Dezember war – der siebenundsechzigste Tag seit seiner Abreise?
Der Grund für den Fehler ist sehr einfach:
Phileas Fogg hatte, ohne es zu ahnen, einen Tag auf seiner Reise gewonnen – und das allein deshalb, weil er ständig nach Osten gereist war. Hätte er in die entgegengesetzte Richtung, also nach Westen, gereist, hätte er stattdessen einen Tag verloren.
Indem er nach Osten reiste, bewegte er sich in Richtung der Sonne – daher verkürzten sich die Tage für ihn um jeweils vier Minuten pro Grad, den er in diese Richtung zurücklegte. Auf der Erdoberfläche gibt es dreihundertsechszig Grad; diese dreihundertsechszig Grad multipliziert mit vier Minuten ergibt genau vierundzwanzig Stunden – das ist der unbewusst gewonnene Tag. Mit anderen Worten: Während Phileas Fogg, der nach Osten reiste, sah, wie die Sonne achtzig Mal den Meridian überschritt, waren seine Freunde in London…
„Nein – heute ist Samstag.“
„Samstag? Unmöglich!“
„Ja, ja, ja!“, rief Passepartout. „Sie haben einen Tag falsch berechnet! Wir sind vierundzwanzig Stunden früher angekommen – doch es bleiben nur noch zehn Minuten!“
Passepartout hatte seinen Herrn am Kragen gepackt und zog ihn mit unwiderstehlicher Kraft mit sich.
Phileas Fogg, so entführt und ohne Zeit zum Nachdenken, verließ sein Haus, sprang in eine Droschke, versprach dem Kutscher hundert Pfund und erreichte nachdem er zwei Hunde überfahren und fünf Kutschen umgeworfen hatte, den Reform Club.
Die Uhr zeigte Viertel vor neun, als er im großen Saal erschien.
Phileas Fogg hatte die Weltreise in achtzig Tagen hinter sich gebracht!
Phileas Fogg hatte sein Wettversprechen von zwanzigtausend Pfund gewonnen!
Wie konnte ein so genauer und sorgfältiger Mann einen solchen Tagfehler machen? Wie kam es, dass er glaubte, am Samstag, dem 21. Dezember, in London angekommen zu sein, obwohl es eigentlich Freitag, der 20. Dezember war – der siebenundsechzigste Tag seit seiner Abreise?
Der Grund für den Fehler ist sehr einfach:
Phileas Fogg hatte, ohne es zu ahnen, einen Tag auf seiner Reise gewonnen – und das allein deshalb, weil er ständig nach Osten gereist war. Hätte er in die entgegengesetzte Richtung, also nach Westen, gereist, hätte er stattdessen einen Tag verloren.
Indem er nach Osten reiste, bewegte er sich in Richtung der Sonne – daher verkürzten sich die Tage für ihn um jeweils vier Minuten pro Grad, den er in diese Richtung zurücklegte. Auf der Erdoberfläche gibt es dreihundertsechszig Grad; diese dreihundertsechszig Grad multipliziert mit vier Minuten ergibt genau vierundzwanzig Stunden – das ist der unbewusst gewonnene Tag. Mit anderen Worten: Während Phileas Fogg, der nach Osten reiste, sah, wie die Sonne achtzig Mal den Meridian überschritt, waren seine Freunde in London…
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Er sah nur, wie der Meridian siebenundsechzigmal überschritten wurde. Deshalb erwarteten sie ihn am Samstag im Reform Club – und nicht am Sonntag, wie Herr Fogg dachte. Die berühmte Familiuhr von Passepartout, die stets die Zeit in London anzeigte, hätte diese Tatsache verraten, wenn sie nicht nur die Stunden und Minuten, sondern auch die Tage angezeigt hätte! Phileas Fogg hatte also die zwanzigtausend Pfund gewonnen; doch da er auf dem Weg fast neunzehntausend davon ausgegeben hatte, war der finanzielle Gewinn gering. Sein Ziel war jedoch, zu siegen – und nicht Geld zu gewinnen. Er teilte die verbleibenden tausend Pfund zwischen Passepartout und den unglücklichen Fix auf, gegen den er keinen Groll hegte. Von Passepartouts Anteil subtrahierte er jedoch aus Gründen der Genauigkeit die Kosten für das Gas, das in seinem Zimmer neuntausendsiebenhundertzwanzig Stunden lang verbrannt worden war. An jenem Abend sagte Herr Fogg, ruhig und gelassen wie immer, zu Aouda: „Ist unsere Ehe Ihnen immer noch willkommen?“ „Herr Fogg“, antwortete sie, „es ist meine Aufgabe, diese Frage zu stellen. Sie waren ruiniert, aber jetzt sind Sie wieder reich.“ „Verzeihen Sie mir, gnädige Frau; mein Vermögen gehört Ihnen. Hätten Sie uns nicht zur Heirat geraten, wäre mein Diener nicht zum Reverend Samuel Wilson gegangen, ich hätte von meinem Fehler nichts erfahren – und…“ „Lieber Herr Fogg!“, sagte die junge Frau. „Liebe Aouda!“, erwiderte Phileas Fogg. Es versteht sich von selbst, dass die Hochzeit vierundvierzig Stunden später stattfand – und dass Passepartout, strahlend vor Stolz, die Braut zum Altar führte. Hätte er sie nicht gerettet, hätte er dann nicht dieses Recht auf diese Ehre gehabt? Am nächsten Tag, sobald es hell wurde, klopfte Passepartout kräftig an die Tür seines Herrn. Herr Fogg öffnete die Tür und fragte: „Was ist los, Passepartout?“ „Was gibt’s, Sir? Ich habe gerade herausgefunden –“ „Was?“ „Dass wir die Welt in nur siebzigacht Tagen umrunden könnten.“ „Ohne Zweifel“, erwiderte Herr Fogg, „wenn wir Indien nicht durchqueren würden. Aber wenn ich Indien nicht durchquert hätte, hätte ich Aouda nicht retten können; sie wäre dann nicht meine Frau geworden – und…“
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Herr Fogg schloss leise die Tür.
Phileas Fogg hatte sein Wettrennen gewonnen und die Welt in achtzig Tagen umrundet. Dazu hatte er alle möglichen Verkehrsmittel eingesetzt – Dampfschiffe, Eisenbahnen, Kutschen, Yachten, Handelsschiffe, Schlitten, Elefanten. Der exzentrische Herr zeigte die ganze Zeit über all seine bemerkenswerten Eigenschaften wie Gelassenheit und Genauigkeit. Aber was dann? Was hatte er eigentlich durch all diese Mühen gewonnen? Was hatte er von dieser langen und anstrengenden Reise mitgebracht?
Nichts, sagen Sie? Vielleicht; nichts außer einer bezaubernden Frau, die, so seltsam es auch erscheinen mag, ihn zum glücklichsten Mann der Welt machte!
Wirklich, würden Sie nicht schon aus geringerem Grund eine Weltreise antreten?
Phileas Fogg hatte sein Wettrennen gewonnen und die Welt in achtzig Tagen umrundet. Dazu hatte er alle möglichen Verkehrsmittel eingesetzt – Dampfschiffe, Eisenbahnen, Kutschen, Yachten, Handelsschiffe, Schlitten, Elefanten. Der exzentrische Herr zeigte die ganze Zeit über all seine bemerkenswerten Eigenschaften wie Gelassenheit und Genauigkeit. Aber was dann? Was hatte er eigentlich durch all diese Mühen gewonnen? Was hatte er von dieser langen und anstrengenden Reise mitgebracht?
Nichts, sagen Sie? Vielleicht; nichts außer einer bezaubernden Frau, die, so seltsam es auch erscheinen mag, ihn zum glücklichsten Mann der Welt machte!
Wirklich, würden Sie nicht schon aus geringerem Grund eine Weltreise antreten?
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*** ENDE DES PROJECT GUTENBERG-E-BOOKS „UM DIE WELT IN ACHTZIG TAGEN“ ***
Aktualisierte Ausgaben ersetzen die vorherigen – die alten Ausgaben werden umbenannt.
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ANFANG: VOLLSTÄNDIGE LIZENZ
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1.E.6. Sie dürfen dieses Werk in jeglicher binären, komprimierten, markierten, nicht-exklusiven oder exklusiven Form umwandeln und verbreiten – einschließlich jeglicher Textverarbeitungs- oder Hypertextform. Wenn Sie jedoch Zugang zu Kopien eines Project-Gutenberg-Werkes in einem Format außerhalb von „Plain Vanilla ASCII“ oder einem anderen Format bereitstellen, das in der offiziellen Version auf der offiziellen Project-Gutenberg-Website (www.gutenberg.org) verwendet wird, müssen Sie dem Nutzer ohne zusätzliche Kosten oder Ausgaben eine Kopie des Werkes in seinem ursprünglichen „Plain Vanilla ASCII“-Format oder in einem anderen entsprechenden Format zur Verfügung stellen – entweder direkt oder über Möglichkeiten zum Export bzw. zur Erstellung einer Kopie auf Anfrage. Jedes alternative Format muss die vollständigen Bedingungen der Project Gutenberg License enthalten, wie in Absatz 1.E.1 festgelegt.
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1.E.7. Erheben Sie keine Gebühren für den Zugang zu, die Ansicht, die Anzeige, die Aufführung, das Kopieren oder die Verbreitung von Werken der Project Gutenberg, es sei denn, Sie halten Sie sich an Absatz 1.E.8 oder 1.E.9.
1.E.8. Sie dürfen eine angemessene Gebühr für Kopien oder für die Bereitstellung von Zugang zu oder die Verbreitung elektronischer Werke der Project Gutenberg erheben, vorausgesetzt:
• Sie zahlen eine Tantiemengebühr in Höhe von 20 % des Bruttogewinns, den Sie aus der Nutzung der Werke der Project Gutenberg erzielen, wobei dieser Gewinn nach der Methode berechnet wird, die Sie bereits zur Berechnung Ihrer Steuern verwenden. Die Gebühr ist dem Inhaber der Markenrechte der Project Gutenberg geschuldet, hat jedoch zugestimmt, die Tantiemen gemäß diesem Absatz der Project Gutenberg Literary Archive Foundation zu spenden. Die Tantiemenzahlungen müssen innerhalb von 60 Tagen nach jedem Datum geleistet werden, an dem Sie Ihre periodischen Steuererklärungen erstellen (oder gesetzlich dazu verpflichtet sind). Die Tantiemenzahlungen müssen klar als solche gekennzeichnet sein und an die Project Gutenberg Literary Archive Foundation an die in Abschnitt 4 „Informationen zu Spenden an die Project Gutenberg Literary Archive Foundation“ angegebene Adresse gesendet werden.
• Sie leisten eine vollständige Rückerstattung aller vom Nutzer gezahlten Beträge, sofern dieser Ihnen schriftlich (oder per E-Mail) innerhalb von 30 Tagen nach Erhalt mitteilt, dass er den Bedingungen der vollständigen Project Gutenberg™-Lizenz nicht zustimmt. Sie müssen einen solchen Nutzer dazu veranlassen, alle auf physischem Medium vorhandenen Kopien der Werke zurückzugeben oder zu zerstören sowie jegliche weitere Nutzung und jeden Zugang zu anderen Kopien der Werke der Project Gutenberg™ einzustellen.
• Sie leisten gemäß Absatz 1.F.3 eine vollständige Rückerstattung aller für ein Werk oder eine Ersatzkopie gezahlten Beträge, falls innerhalb von 90 Tagen nach Erhalt des Werks ein Mangel am elektronischen Werk festgestellt und Ihnen mitgeteilt wird.
• Sie halten sich an alle anderen Bedingungen dieser Vereinbarung bezüglich der kostenlosen Verbreitung der Werke der Project Gutenberg™.
1.E.9. Wenn Sie eine Gebühr erheben oder ein elektronisches Werk der Project Gutenberg™ oder eine Gruppe von Werken unter anderen Bedingungen als denen, die in dieser Vereinbarung festgelegt sind, verbreiten möchten, müssen Sie eine schriftliche Genehmigung von der Project Gutenberg Literary Archive Foundation, dem Verwalter des Projekts, einholen.
1.E.8. Sie dürfen eine angemessene Gebühr für Kopien oder für die Bereitstellung von Zugang zu oder die Verbreitung elektronischer Werke der Project Gutenberg erheben, vorausgesetzt:
• Sie zahlen eine Tantiemengebühr in Höhe von 20 % des Bruttogewinns, den Sie aus der Nutzung der Werke der Project Gutenberg erzielen, wobei dieser Gewinn nach der Methode berechnet wird, die Sie bereits zur Berechnung Ihrer Steuern verwenden. Die Gebühr ist dem Inhaber der Markenrechte der Project Gutenberg geschuldet, hat jedoch zugestimmt, die Tantiemen gemäß diesem Absatz der Project Gutenberg Literary Archive Foundation zu spenden. Die Tantiemenzahlungen müssen innerhalb von 60 Tagen nach jedem Datum geleistet werden, an dem Sie Ihre periodischen Steuererklärungen erstellen (oder gesetzlich dazu verpflichtet sind). Die Tantiemenzahlungen müssen klar als solche gekennzeichnet sein und an die Project Gutenberg Literary Archive Foundation an die in Abschnitt 4 „Informationen zu Spenden an die Project Gutenberg Literary Archive Foundation“ angegebene Adresse gesendet werden.
• Sie leisten eine vollständige Rückerstattung aller vom Nutzer gezahlten Beträge, sofern dieser Ihnen schriftlich (oder per E-Mail) innerhalb von 30 Tagen nach Erhalt mitteilt, dass er den Bedingungen der vollständigen Project Gutenberg™-Lizenz nicht zustimmt. Sie müssen einen solchen Nutzer dazu veranlassen, alle auf physischem Medium vorhandenen Kopien der Werke zurückzugeben oder zu zerstören sowie jegliche weitere Nutzung und jeden Zugang zu anderen Kopien der Werke der Project Gutenberg™ einzustellen.
• Sie leisten gemäß Absatz 1.F.3 eine vollständige Rückerstattung aller für ein Werk oder eine Ersatzkopie gezahlten Beträge, falls innerhalb von 90 Tagen nach Erhalt des Werks ein Mangel am elektronischen Werk festgestellt und Ihnen mitgeteilt wird.
• Sie halten sich an alle anderen Bedingungen dieser Vereinbarung bezüglich der kostenlosen Verbreitung der Werke der Project Gutenberg™.
1.E.9. Wenn Sie eine Gebühr erheben oder ein elektronisches Werk der Project Gutenberg™ oder eine Gruppe von Werken unter anderen Bedingungen als denen, die in dieser Vereinbarung festgelegt sind, verbreiten möchten, müssen Sie eine schriftliche Genehmigung von der Project Gutenberg Literary Archive Foundation, dem Verwalter des Projekts, einholen.
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Gutenberg™ ist eine Marke. Wenden Sie sich zur Kontaktaufnahme an die Stiftung gemäß Abschnitt 3 unten.
1.F.
1.F.1. Die Freiwilligen und Mitarbeiter von Project Gutenberg investieren erhebliche Anstrengungen, um Werke, die nicht durch das US-amerikanische Urheberrecht geschützt sind, ausfindig zu machen, hinsichtlich ihrer Urheberrechte zu recherchieren, zu transkribieren und zu korrigieren, um so die Sammlung Project Gutenberg™ zu erstellen. Trotz dieser Bemühungen können die elektronischen Werke von Project Gutenberg™ sowie die Medien, auf denen sie gespeichert sein können, „Mängel“ aufweisen – wie beispielsweise unvollständige, ungenaue oder beschädigte Daten, Transkriptionsfehler, Verstöße gegen Urheberrechte oder andere geistiges Eigentum betreffende Vorschriften, defekte oder beschädigte Datenträger oder andere Medien, Computerviren oder Computercodes, die Ihre Ausrüstung beschädigen oder deren Lesbarkeit beeinträchtigen.
1.F.2. EINGESCHRÄNKTER GEWÄHRLEISTUNGSSCHUTZ, AUFSCHLUSS HAFTUNG FÜR SCHÄDEN – Abgesehen vom „Recht auf Ersatz oder Rückerstattung“, wie es in Abschnitt 1.F.3 beschrieben wird, lehnt die Project Gutenberg Literary Archive Foundation, der Inhaber der Marke Project Gutenberg™, sowie alle anderen Parteien, die ein elektronisches Werk von Project Gutenberg™ gemäß diesem Vertrag verbreiten, jede Haftung gegenüber Ihnen für Schäden, Kosten und Ausgaben, einschließlich Rechtskosten, ab. Sie stimmen zu, dass Sie im Falle von Fahrlässigkeit, strenger Haftung, Verletzung der Gewährleistung oder Vertragsbruch keine Ansprüche haben, außer denen, die in Abschnitt 1.F.3 vorgesehen sind. Sie stimmen außerdem zu, dass die Stiftung, der Markeninhaber sowie alle Vertriebspartner gemäß diesem Vertrag nicht für tatsächliche, direkte, indirekte, Folgeschäden, strafende Schäden oder zufällige Schäden haftbar sind – selbst wenn Sie von der Möglichkeit solcher Schäden Kenntnis geben.
1.F.3. EINGESCHRÄNKTES RECHT AUF ERSETZUNG ODER RÜCKERSTATTUNG – Wenn Sie innerhalb von 90 Tagen nach Erhalt dieses elektronischen Werkes einen Mangel feststellen, können Sie eine Rückerstattung des gezahlten Betrags (sofern vorhanden) erhalten, indem Sie eine schriftliche Erklärung an die Person senden, von der Sie das Werk erhalten haben. Wenn Sie das Werk auf einem physischen Medium erhalten haben, müssen Sie dieses zusammen mit Ihrer schriftlichen Erklärung zurücksenden. Die Person oder Organisation, die Ihnen das fehlerhafte Werk bereitgestellt hat, kann stattdessen eine Ersatzkopie liefern. Wenn Sie das Werk elektronisch erhalten haben, kann die Person oder Organisation, die es Ihnen zur Verfügung gestellt hat,
1.F.
1.F.1. Die Freiwilligen und Mitarbeiter von Project Gutenberg investieren erhebliche Anstrengungen, um Werke, die nicht durch das US-amerikanische Urheberrecht geschützt sind, ausfindig zu machen, hinsichtlich ihrer Urheberrechte zu recherchieren, zu transkribieren und zu korrigieren, um so die Sammlung Project Gutenberg™ zu erstellen. Trotz dieser Bemühungen können die elektronischen Werke von Project Gutenberg™ sowie die Medien, auf denen sie gespeichert sein können, „Mängel“ aufweisen – wie beispielsweise unvollständige, ungenaue oder beschädigte Daten, Transkriptionsfehler, Verstöße gegen Urheberrechte oder andere geistiges Eigentum betreffende Vorschriften, defekte oder beschädigte Datenträger oder andere Medien, Computerviren oder Computercodes, die Ihre Ausrüstung beschädigen oder deren Lesbarkeit beeinträchtigen.
1.F.2. EINGESCHRÄNKTER GEWÄHRLEISTUNGSSCHUTZ, AUFSCHLUSS HAFTUNG FÜR SCHÄDEN – Abgesehen vom „Recht auf Ersatz oder Rückerstattung“, wie es in Abschnitt 1.F.3 beschrieben wird, lehnt die Project Gutenberg Literary Archive Foundation, der Inhaber der Marke Project Gutenberg™, sowie alle anderen Parteien, die ein elektronisches Werk von Project Gutenberg™ gemäß diesem Vertrag verbreiten, jede Haftung gegenüber Ihnen für Schäden, Kosten und Ausgaben, einschließlich Rechtskosten, ab. Sie stimmen zu, dass Sie im Falle von Fahrlässigkeit, strenger Haftung, Verletzung der Gewährleistung oder Vertragsbruch keine Ansprüche haben, außer denen, die in Abschnitt 1.F.3 vorgesehen sind. Sie stimmen außerdem zu, dass die Stiftung, der Markeninhaber sowie alle Vertriebspartner gemäß diesem Vertrag nicht für tatsächliche, direkte, indirekte, Folgeschäden, strafende Schäden oder zufällige Schäden haftbar sind – selbst wenn Sie von der Möglichkeit solcher Schäden Kenntnis geben.
1.F.3. EINGESCHRÄNKTES RECHT AUF ERSETZUNG ODER RÜCKERSTATTUNG – Wenn Sie innerhalb von 90 Tagen nach Erhalt dieses elektronischen Werkes einen Mangel feststellen, können Sie eine Rückerstattung des gezahlten Betrags (sofern vorhanden) erhalten, indem Sie eine schriftliche Erklärung an die Person senden, von der Sie das Werk erhalten haben. Wenn Sie das Werk auf einem physischen Medium erhalten haben, müssen Sie dieses zusammen mit Ihrer schriftlichen Erklärung zurücksenden. Die Person oder Organisation, die Ihnen das fehlerhafte Werk bereitgestellt hat, kann stattdessen eine Ersatzkopie liefern. Wenn Sie das Werk elektronisch erhalten haben, kann die Person oder Organisation, die es Ihnen zur Verfügung gestellt hat,
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Sie können sich dafür entscheiden, eine zweite Gelegenheit zu erhalten, die Arbeit elektronisch zu erhalten, anstelle einer Rückerstattung. Falls auch die zweite Kopie mangelhaft ist, können Sie schriftlich eine Rückerstattung verlangen, ohne weitere Möglichkeiten zur Behebung des Problems.
1.F.4. Abgesehen vom eingeschränkten Recht auf Ersatz oder Rückerstattung gemäß Absatz 1.F.3 wird diese Arbeit „wie besehen“ bereitgestellt, ohne weitere Garantien jeglicher Art, weder ausdrücklich noch stillschweigend – einschließlich, aber nicht beschränkt auf Garantien hinsichtlich der Marktgängigkeit oder Eignung für einen bestimmten Zweck.
1.F.5. In einigen Bundesstaaten ist es nicht zulässig, bestimmte stillschweigende Garantien auszuschließen oder bestimmte Arten von Schäden einzuschränken. Falls eine in dieser Vereinbarung enthaltene Ausschlussklausel oder Beschränkung gegen das Recht des für diese Vereinbarung geltenden Bundesstaates verstößt, soll die Vereinbarung so interpretiert werden, dass die maximale Ausschlussklausel oder Beschränkung gilt, die das geltende Landesrecht zulässt. Die Ungültigkeit oder Unanwendbarkeit eines beliebigen Bestimmungsteils dieser Vereinbarung führt nicht dazu, dass die übrigen Bestimmungen ungültig werden.
1.F.6. HAFTUNGSAUSSLUSS – Sie vereinbaren, die Stiftung, den Markeninhaber, alle Agenten oder Mitarbeiter der Stiftung, alle Personen, die elektronische Werke von Project Gutenberg™ gemäß dieser Vereinbarung bereitstellen, sowie alle Freiwilligen, die an der Erstellung, Förderung und Verbreitung elektronischer Werke von Project Gutenberg™ beteiligt sind, vor allen Haftungsansprüchen, Kosten und Ausgaben – einschließlich Anwaltskosten – zu schützen, die direkt oder indirekt aus dem Folgenden entstehen, das Sie selbst verursachen oder zu dessen Entstehung Sie beitragen: (a) die Verbreitung dieser oder irgendeiner anderen Project-Gutenberg-Werk, (b) Änderungen, Modifikationen oder Ergänzungen bzw. Löschungen an irgendeinem Project-Gutenberg-Werk sowie (c) alle von Ihnen verursachten Mängel.
Abschnitt 2. Informationen zur Mission von Project Gutenberg
Project Gutenberg steht für die freie Verbreitung elektronischer Werke in Formaten, die von der breitesten Palette an Computern gelesen werden können – einschließlich veralteter, alter, mittlerweile genutzter sowie neuer Computer. Es existiert dank…
1.F.4. Abgesehen vom eingeschränkten Recht auf Ersatz oder Rückerstattung gemäß Absatz 1.F.3 wird diese Arbeit „wie besehen“ bereitgestellt, ohne weitere Garantien jeglicher Art, weder ausdrücklich noch stillschweigend – einschließlich, aber nicht beschränkt auf Garantien hinsichtlich der Marktgängigkeit oder Eignung für einen bestimmten Zweck.
1.F.5. In einigen Bundesstaaten ist es nicht zulässig, bestimmte stillschweigende Garantien auszuschließen oder bestimmte Arten von Schäden einzuschränken. Falls eine in dieser Vereinbarung enthaltene Ausschlussklausel oder Beschränkung gegen das Recht des für diese Vereinbarung geltenden Bundesstaates verstößt, soll die Vereinbarung so interpretiert werden, dass die maximale Ausschlussklausel oder Beschränkung gilt, die das geltende Landesrecht zulässt. Die Ungültigkeit oder Unanwendbarkeit eines beliebigen Bestimmungsteils dieser Vereinbarung führt nicht dazu, dass die übrigen Bestimmungen ungültig werden.
1.F.6. HAFTUNGSAUSSLUSS – Sie vereinbaren, die Stiftung, den Markeninhaber, alle Agenten oder Mitarbeiter der Stiftung, alle Personen, die elektronische Werke von Project Gutenberg™ gemäß dieser Vereinbarung bereitstellen, sowie alle Freiwilligen, die an der Erstellung, Förderung und Verbreitung elektronischer Werke von Project Gutenberg™ beteiligt sind, vor allen Haftungsansprüchen, Kosten und Ausgaben – einschließlich Anwaltskosten – zu schützen, die direkt oder indirekt aus dem Folgenden entstehen, das Sie selbst verursachen oder zu dessen Entstehung Sie beitragen: (a) die Verbreitung dieser oder irgendeiner anderen Project-Gutenberg-Werk, (b) Änderungen, Modifikationen oder Ergänzungen bzw. Löschungen an irgendeinem Project-Gutenberg-Werk sowie (c) alle von Ihnen verursachten Mängel.
Abschnitt 2. Informationen zur Mission von Project Gutenberg
Project Gutenberg steht für die freie Verbreitung elektronischer Werke in Formaten, die von der breitesten Palette an Computern gelesen werden können – einschließlich veralteter, alter, mittlerweile genutzter sowie neuer Computer. Es existiert dank…
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Die Bemühungen von Hunderten von Freiwilligen sowie Spenden von Menschen aus allen Gesellschaftsschichten sind entscheidend. Freiwillige sowie finanzielle Unterstützung, um diesen Freiwilligen die benötigte Hilfe zu bieten, sind wichtig, um die Ziele von Project Gutenberg zu erreichen und sicherzustellen, dass die Sammlung von Project Gutenberg auch für zukünftige Generationen weiterhin frei zugänglich bleibt. Im Jahr 2001 wurde die Project Gutenberg Literary Archive Foundation gegründet, um Project Gutenberg sowie zukünftigen Generationen eine sichere und dauerhafte Zukunft zu bieten. Weitere Informationen über die Project Gutenberg Literary Archive Foundation sowie darüber, wie Ihre Bemühungen und Spenden helfen können, finden Sie in den Abschnitten 3 und 4 sowie auf der Informationsseite der Stiftung unter www.gutenberg.org.
**Abschnitt 3: Informationen über die Project Gutenberg Literary Archive Foundation**
Die Project Gutenberg Literary Archive Foundation ist eine gemeinnützige Organisation nach dem Typ 501(c)(3), die nach den Gesetzen des Bundesstaates Mississippi organisiert ist und vom Internal Revenue Service als steuerbefreit anerkannt wurde. Die EIN-Nummer, also die bundesweite Steuernummer der Stiftung, lautet 64-6221541. Spenden an die Project Gutenberg Literary Archive Foundation sind bis zum gesetzlich zulässigen Umfang gemäß den US-amerikanischen Bundesgesetzen sowie den Gesetzen Ihres Bundesstaates absetzbar.
Der Geschäftssitz der Stiftung befindet sich in der Adresse 41 Watchung Plaza #516, Montclair NJ 07042, USA, Telefon: +1 (862) 621-9288. E-Mail-Adressen sowie aktuelle Kontaktdaten finden Sie auf der Website der Stiftung unter www.gutenberg.org/contact.
**Abschnitt 4: Informationen zu Spenden für die Project Gutenberg Literary Archive Foundation**
Project Gutenberg™ ist von umfassender öffentlicher Unterstützung und Spenden abhängig – ohne diese kann es seine Mission nicht erfüllen, die Anzahl der im öffentlichen Besitz stehenden sowie lizenzierten Werke zu erhöhen, die in maschinenlesbarer Form frei verteilt werden können und für möglichst viele Geräte zugänglich sind.
**Abschnitt 3: Informationen über die Project Gutenberg Literary Archive Foundation**
Die Project Gutenberg Literary Archive Foundation ist eine gemeinnützige Organisation nach dem Typ 501(c)(3), die nach den Gesetzen des Bundesstaates Mississippi organisiert ist und vom Internal Revenue Service als steuerbefreit anerkannt wurde. Die EIN-Nummer, also die bundesweite Steuernummer der Stiftung, lautet 64-6221541. Spenden an die Project Gutenberg Literary Archive Foundation sind bis zum gesetzlich zulässigen Umfang gemäß den US-amerikanischen Bundesgesetzen sowie den Gesetzen Ihres Bundesstaates absetzbar.
Der Geschäftssitz der Stiftung befindet sich in der Adresse 41 Watchung Plaza #516, Montclair NJ 07042, USA, Telefon: +1 (862) 621-9288. E-Mail-Adressen sowie aktuelle Kontaktdaten finden Sie auf der Website der Stiftung unter www.gutenberg.org/contact.
**Abschnitt 4: Informationen zu Spenden für die Project Gutenberg Literary Archive Foundation**
Project Gutenberg™ ist von umfassender öffentlicher Unterstützung und Spenden abhängig – ohne diese kann es seine Mission nicht erfüllen, die Anzahl der im öffentlichen Besitz stehenden sowie lizenzierten Werke zu erhöhen, die in maschinenlesbarer Form frei verteilt werden können und für möglichst viele Geräte zugänglich sind.
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einschließlich veralteter Ausrüstung. Viele kleine Spenden (von 1 bis 5.000 Dollar) sind besonders wichtig, um den steuerfreien Status bei der IRS beizubehalten.
Die Stiftung ist bestrebt, die Gesetze einzuhalten, die Wohltätigkeitsorganisationen und Spenden in allen 50 Bundesstaaten der Vereinigten Staaten regeln. Die Anforderungen an die Einhaltung dieser Gesetze sind nicht einheitlich, und es erfordert erhebliche Anstrengungen, viel Papierkram sowie zahlreiche Gebühren, um diesen Anforderungen nachzukommen. Wir bitten nicht um Spenden an Orten, von denen wir keine schriftliche Bestätigung der Einhaltung der Vorschriften erhalten haben. Um Spenden zu senden oder den Status der Einhaltung für einen bestimmten Bundesstaat zu überprüfen, besuchen Sie bitte www.gutenberg.org/donate.
Obwohl wir nicht und werden auch keine Spenden aus Bundesstaaten anfordern, in denen wir die entsprechenden Anforderungen noch nicht erfüllt haben, kennen wir keine Verbote gegen die Annahme unverlangter Spenden von Spendern aus solchen Bundesstaaten, die uns mit Spendenangeboten kontaktieren.
Internationale Spenden werden gerne angenommen, doch wir können keine Aussagen zum steuerlichen Umgang mit Spenden machen, die aus dem Ausland stammen. Schon die US-amerikanischen Gesetze überlasten unser kleines Personal.
Bitte prüfen Sie die Webseiten von Project Gutenberg auf aktuelle Methoden und Adressen zur Spendenüberweisung. Spenden können auch auf verschiedene andere Weise übermittelt werden – beispielsweise per Scheck, Online-Zahlungen oder mit Kreditkarte. Um zu spenden, besuchen Sie bitte: www.gutenberg.org/donate.
Abschnitt 5: Allgemeine Informationen zu Project Gutenberg – Elektronische Werke
Professor Michael S. Hart war der Begründer des Konzepts von Project Gutenberg, einer Bibliothek elektronischer Werke, die frei mit jedem geteilt werden können. Über vierzig Jahre lang erstellte und verteilte er Project-Gutenberg-E-Books – unterstützt nur von einem lockeren Netzwerk ehrenamtlicher Helfer.
Project-Gutenberg-E-Books entstehen oft aus mehreren gedruckten Ausgaben, von denen alle als nicht urheberrechtlich geschützt in den USA gelten – es sei denn…
Die Stiftung ist bestrebt, die Gesetze einzuhalten, die Wohltätigkeitsorganisationen und Spenden in allen 50 Bundesstaaten der Vereinigten Staaten regeln. Die Anforderungen an die Einhaltung dieser Gesetze sind nicht einheitlich, und es erfordert erhebliche Anstrengungen, viel Papierkram sowie zahlreiche Gebühren, um diesen Anforderungen nachzukommen. Wir bitten nicht um Spenden an Orten, von denen wir keine schriftliche Bestätigung der Einhaltung der Vorschriften erhalten haben. Um Spenden zu senden oder den Status der Einhaltung für einen bestimmten Bundesstaat zu überprüfen, besuchen Sie bitte www.gutenberg.org/donate.
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Abschnitt 5: Allgemeine Informationen zu Project Gutenberg – Elektronische Werke
Professor Michael S. Hart war der Begründer des Konzepts von Project Gutenberg, einer Bibliothek elektronischer Werke, die frei mit jedem geteilt werden können. Über vierzig Jahre lang erstellte und verteilte er Project-Gutenberg-E-Books – unterstützt nur von einem lockeren Netzwerk ehrenamtlicher Helfer.
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Eine Urheberrechtsangabe ist enthalten. Daher halten wir E-Books nicht unbedingt in Übereinstimmung mit einer bestimmten Papierausgabe.
Die meisten Menschen beginnen auf unserer Website, die über die Hauptsuchfunktion für PG verfügt: www.gutenberg.org.
Diese Website enthält Informationen über das Project Gutenberg, einschließlich Hinweisen darauf, wie man der Project Gutenberg Literary Archive Foundation Spenden zukommen lässt, wie man bei der Erstellung neuer E-Books hilft und wie man sich für unseren E-Mail-Newsletter anmelden kann, um über neue E-Books informiert zu werden.
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