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Das Project-Gutenberg-E-Book „Fünf Wochen in einem Ballon“

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Titel: Fünf Wochen in einem Ballon

Autor: Jules Verne

Erscheinungsdatum: 1. November 2002 [E-Book #3526]
Zuletzt aktualisiert: 11. Juli 2024

Sprache: Englisch

Ursprüngliche Veröffentlichung: New York: Appleton & Co., 1869

Weitere Informationen und Formate: www.gutenberg.org/ebooks/3526

Dank an: Judy Boss und David Widger

*** ANFANG DES PROJECT-GUTENBERG-EBUCHS „FÜNF WOCHEN IN EINEM BALLON“ ***

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FÜNFT WOCHEN IN EINEM
BALLON
Oder,

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Reisen und Entdeckungen in Afrika von drei Engländern.
In Französisch zusammengestellt von Jules Verne,
aus den ursprünglichen Notizen von Dr. Ferguson.
Und ins Englische übersetzt von „William Lackland“.

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INHALT

NOTIZ DES VERLAGS.
DETAILLIERTER INHALT.

FÜNFT WOCHEN IN EINEM BALLON.
KAPITEL ERSTES.
KAPITEL ZWEITES.
KAPITEL DREITES.
KAPITEL VIERTES.
KAPITEL FÜNFTES.
KAPITEL SECHSTES.
KAPITEL SIEBENTES.
KAPITEL ACHTES.
KAPITEL NEUNTES.
KAPITEL ZEHNTES.
KAPITEL ELFTES.
KAPITEL ZWÖLFTES.
KAPITEL DREIZEHNTES.
KAPITEL VIERZEHNTES.
KAPITEL FÜNFZEHNTES.
KAPITEL SECHZEHNTES.
KAPITEL SIEBZEHNTES.
KAPITEL ACHTZEHNTES.
KAPITEL NEUNZEHNTES.
KAPITEL ZWANZIGSTES.
KAPITEL EINUNDZWANZIGSTES.

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KAPITEL ZWEIUNDZWANZIG.
KAPITEL DREIUNDZWANZIG.
KAPITEL VIERUNDZWANZIG.
KAPITEL FÜNFUNDZWANZIG.
KAPITEL SECHSUNDZWANZIG.
KAPITEL SIEBENUNDZWANZIG.
KAPITEL ACHTUNDZWANZIG.
KAPITEL NEUNUNDZWANZIG.
KAPITEL DREISSIG.
KAPITEL EINUNDDREISSIG.
KAPITEL ZWEIUNDREISSIG.
KAPITEL DREIUNDREISSIG.
KAPITEL VIERUNDREISSIG.
KAPITEL FÜNFUNDREISSIG.
KAPITEL SECHSUNDREISSIG.
KAPITEL SIEBENUNDREISSIG.
KAPITEL ACHTUNDREISSIG.
KAPITEL NEUNUNDREISSIG.
KAPITEL VIERZIG.
KAPITEL EINUNDVIERZIG.
KAPITEL ZWEIUNDVIERZIG.
KAPITEL DREIUNDVIERZIG.
KAPITEL VIERUNDVIERZIG.

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HINWEIS DES VERLAGS:

„Fünf Wochen in einem Ballon“ ist in gewissem Maße eine Satire auf moderne Reisebücher über Afrika. Soweit die Geografie, die Einwohner, die Tiere sowie die Besonderheiten der Länder beschrieben werden, die die Reisenden durchqueren, ist alles vollkommen genau. In einigen Punkten bietet das Buch einen Überblick über fast das gesamte Gebiet der afrikanischen Entdeckungen und kann so oft dazu dienen, das Gedächtnis des Lesers aufzufrischen. Die Art der Fortbewegung ist natürlich rein fiktiv, ebenso wie die Ereignisse und Abenteuer. Letztere sind äußerst unterhaltsam – und angesichts der wunderbaren „Reisegeschichten“, mit denen uns afrikanische Entdecker unterhalten haben, können sie kaum als übertrieben angesehen werden. Die Kreativität und Erfindungsgabe des Autors werden sicherlich den Leser erstaunen und bewundern lassen; er wird feststellen, dass M. VERNE genauso gut im Fliegen wie auf den „Zwanzigtausend Meilen unter dem Meer“ zu Hause ist.

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DETAILLIERTER INHALTSVERZEICHNIS.

KAPITEL ERSTES.
Das Ende einer vielbejubelten Rede – Die Vorstellung von Dr. Samuel Ferguson – Excelsior – Vollständiges Porträt des Doktors – Ein überzeugter Fatalist – Ein Abendessen im Travellers’ Club – Mehrere Toasts anlässlich dieser Gelegenheit

KAPITEL ZWEITES.
Der Artikel in der Daily Telegraph – Krieg zwischen den wissenschaftlichen Zeitschriften – Herr Petermann unterstützt seinen Freund Dr. Ferguson – Antwort des Gelehrten Koner – Gewinneingesätze – Verschiedene Vorschläge für den Doktor

KAPITEL DREITES.
Der Freund des Doktors – Der Ursprung ihrer Freundschaft – Dick Kennedy in London – Ein unerwarteter, aber nicht sehr tröstlicher Vorschlag – Ein keineswegs ermutigendes Sprichwort – Einige Namen aus dem afrikanischen Martyrologium – Die Vorteile eines Ballons – Dr. Fergusons Geheimnis

KAPITEL VIERTES.
Afrikanische Erkundungen – Barth, Richardson, Overweg, Werne, Brun-Rollet, Penney, Andrea, Debono, Miani, Guillaume Lejean, Brace, Krapf und Rebmann, Maizan, Roscher, Burton und Speke

KAPITEL FÜNFTES.
Kennedys Träume – Artikel und Pronomen im Plural – Dicks Andeutungen – Eine Wanderung über die Karte Afrikas – Was sich zwischen zwei Kompasspunkten befindet – Expeditionen zu Fuß – Speke und Grant – Krapf, De Decken und De Heuglin

KAPITEL SECHSTES.
Ein Diener – Ihn kann man nicht übertreffen! – Er kann die Satelliten des Jupiters sehen – Dick und Joe arbeiten hart – Zweifel und Glaube – Die Wiegezeremonie – Joe und Wellington – Er erhält eine Halbkrone

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KAPITEL SIEBENTES
Geometrische Details – Berechnung der Kapazität des Ballons – Der doppelte Behälter – Die Abdeckung – Das Fahrzeug – Das geheimnisvolle Gerät – Vorräte und Lager – Zusammenfassung

KAPITEL ACHTES
Joes Bedeutung – Der Kommandant der Resolute – Kennedys Arsenal – Gemeinsame Einrichtungen – Das Abschiedsessen – Abreise am 21. Februar – Die wissenschaftlichen Sitzungen des Arztes – Duveyrier – Livingstone – Details der Luftreise – Kennedy wird zum Schweigen gebracht

KAPITEL NEUNTES
Sie umrunden den Kap – Der Vorderturm – Ein Kurs in Kosmografie von Professor Joe – Über die Methode zur Steuerung von Ballons – Wie man atmosphärische Strömungen findet – Eureka

KAPITEL ZEHNTES
Frühere Experimente – Der Arzt und seine fünf Behälter – Der Gaskylinder – Der Kalorifer – Das Manövrierungssystem – Erfolg ist sicher

KAPITEL ELFTES
Die Ankunft in Zanzibar – Der englische Konsul – Die Feindseligkeit der Einwohner – Die Insel Koumbeni – Die „Regenmacher“ – Aufblähung des Ballons – Abreise am 18. April – Das letzte Lebewohl – Die Victoria

KAPITEL ZWÖLFTES
Durchquerung der Meerenge – Der Mrima – Dicks Bemerkung und Joes Vorschlag – Ein Rezept für Kaffee – Der Uzaramo – Der unglückliche Maizan – Berg Duthumi – Die Karten des Arztes – Eine Nacht unter einem Nopal

KAPITEL DREIZEHNTES
Wetterwechsel – Kennedy hat Fieber – Das Medikament des Arztes – Reisen über Land – Das Becken von Imenge – Berg Rubeho – Sechstausend Fuß Höhe – Eine Rast am Tag

KAPITEL VIERZEHNTES
Der Wald aus Gummibäumen – Die blaue Antilope – Das Signal zur Versammlung – Ein unerwarteter Angriff – Der Kanyemé – Eine Nacht im Freien

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Die Mabunguru – Jihoue-la-Mkoa – Eine Wasserversorgung – Ankunft in Kazeh
KAPITEL FÜNFZEHNTES
Kazeh – Der laute Marktplatz – Das Erscheinen des Ballons – Die Wangaga – Die Söhne des Mondes – Der Spaziergang des Arztes – Die Bevölkerung des Ortes – Der königliche Tembe – Die Ehefrauen des Sultans – Ein königliches Trinkgelage – Joe als Gegenstand der Anbetung – Wie sie im Mond tanzen – Eine Reaktion – Zwei Monde am Himmel – Die Unbeständigkeit göttlicher Ehren
KAPITEL SECHZEHNTES
Anzeichen eines Sturms – Das Land des Mondes – Die Zukunft des afrikanischen Kontinents – Die letzte Maschine überhaupt – Ein Blick auf das Land bei Sonnenuntergang – Flora und Fauna – Der Sturm – Die Feuerroute – Der sternübersäte Himmel
KAPITEL SIEBZEHNTES
Die Berge des Mondes – Ein Ozean der Abenteuer – Sie werfen Anker – Der ziehende Elefant – Ein brennendes Feuer – Der Tod des Monsters – Der Feldofen – Eine Mahlzeit auf dem Gras – Eine Nacht auf dem Boden
KAPITEL ACHTZEHNTES
Der Karagwah – See Ukéréoué – Eine Nacht auf einer Insel – Der Äquator – Überquerung des Sees – Die Wasserfälle – Ein Blick auf das Land – Die Quellen des Nils – Die Insel Benga – Die Signatur von Andrea Debono – Die Flagge mit den Wappen Englands
KAPITEL NEUNZEHNTES
Der Nil – Der zitternde Berg – Erinnerungen an das Land – Die Erzählungen der Araber – Die Nyam-Nyams – Jos kluge Überlegungen – Der Ballon fliegt weiter – Aerostatische Aufstiege – Madame Blanchard
KAPITEL ZWANZIGSTES
Die himmlische Flasche – Die Feigenpalmen – Die Mammutbäume – Der Kriegsb Baum – Das geflügelte Team – Zwei einheimische Stämme im Kampf – Ein Massaker – Eine Intervention von oben
KAPITEL EINUNDZWANZIGSTES

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Seltsame Geräusche – Ein nächtlicher Angriff – Kennedy und Joe im Baum – Zwei Schüsse – „Hilfe! Hilfe!“ – Antwort auf Französisch – Der Morgen – Der Missionar – Der Rettungsplan
KAPITEL ZWEIUNDZWANZIG
Der Lichtstrahl – Der Missionar – Die Rettung durch einen Elektrizitätsstrahl – Ein Lazaristenpriester – Doch kaum Hoffnung – Die Pflege des Arztes – Ein Leben der Selbstaufopferung – Durchquerung eines Vulkans
KAPITEL DREIUNDZWANZIG
Joe in Wut – Der Tod eines guten Mannes – Die Nächte des Wachens am Leichnam – Ödland und Dürre – Die Beerdigung – Die Quarzsteine – Joes Halluzinationen – Ein wertvoller Ballast – Eine Untersuchung der goldhaltigen Berge – Der Beginn von Joes Verzweiflung
KAPITEL VIERUNDZWANZIG
Der Wind legt sich – Die Nähe der Wüste – Der Fehler bei der Wasserversorgung – Die Nächte am Äquator – Dr. Fergusons Sorgen – Die Situation klar dargestellt – Entschlossene Antworten von Kennedy und Joe – Noch eine Nacht
KAPITEL FÜNFUNDZWANZIG
Ein wenig Philosophie – Eine Wolke am Horizont – Mitten im Nebel – Der seltsame Ballon – Eine genaue Sicht auf die Victoria – Die Palmenbäume – Spuren einer Karawane – Das Brunnen mitten in der Wüste
KAPITEL SECHSUNDZWANZIG
Hundertdrei Grad – Die Überlegungen des Arztes – Eine verzweifelte Suche – Der Zylinder geht aus – Hundertzweiundzwanzig Grad – Betrachtung der Wüste – Eine nächtliche Wanderung – Einsamkeit – Schwäche – Joes Aussichten – Er gibt sich noch einen Tag
KAPITEL SIEBENUNDZWANZIG
Schreckliche Hitze – Halluzinationen – Die letzten Tropfen Wasser – Nächte der Verzweiflung – Ein Selbstmordversuch – Der Simoom – Die Oase – Der Löwe und die Löwin
KAPITEL ACHTUNDZWANZIG
Ein Abend der Freude – Joes kulinarische Künste – Eine Abhandlung über rohes Fleisch – Die Erzählung von James Bruce – Campen – Joes

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Träume – Der Barometer fängt an zu fallen – Der Barometer steigt wieder an – Vorbereitungen zum Aufbruch – Der Sturm
KAPITEL NEUNUNDZWANZIG
Anzeichen für Vegetation – Die fantastische Vorstellung eines französischen Autors – Ein prächtiges Land – Das Königreich Adamova – Die Erkundungen von Speke und Burton im Zusammenhang mit denen von Dr. Barth – Die Atlantika-Berge – Der Fluss Benoué – Die Stadt Yola – Der Berg Mendif
KAPITEL DREISSIG
Mosfeia – Der Scheich – Denham, Clapperton und Oudney – Vogel – Die Hauptstadt von Loggoum – Toole – Stillstand über Kernak – Der Gouverneur und sein Hof – Der Angriff – Die Brandvögel
KAPITEL DREIUNDdreißIG
Aufbruch in der Nacht – Alle drei – Kennedys Instinkte – Vorsichtsmaßnahmen – Der Lauf des Flusses Shari – Der Tschadsee – Das Wasser des Sees – Der Hippopotamus – Eine verschossene Kugel
KAPITEL VIERUNDdreißIG
Die Hauptstadt von Bornou – Die Inseln der Biddiomahs – Die Kondore – Die Sorgen des Arztes – Seine Vorsichtsmaßnahmen – Ein Angriff in der Luft – Der Ballon wird zerrissen – Der Sturz – Erhabenes Selbstopfer – Die Nordküste des Sees
KAPITEL FÜNFUNDdreißIG
Annahmen – Wiederherstellung des Gleichgewichts der Victoria – Dr. Fergusons neue Berechnungen – Kennedys Jagd – Eine vollständige Erkundung des Tschadsees – Tangalia – Die Rückkehr – Lari
KAPITEL SECHSUNDdreißIG
Der Hurrikan – Ein erzwungener Aufbruch – Verlust einer Anker – Melancholische Gedanken – Die getroffene Entscheidung – Der Sandsturm – Die begrabene Karawane – Ein widersprüchlicher, doch günstiger Wind – Die Rückkehr nach Süden – Kennedy an seinem Posten
KAPITEL SIEBENUNDdreißIG
Was mit Joe geschah – Die Insel der Biddiomahs – Die Verehrung, die ihm entgegengebracht wurde – Die versunkene Insel – Die Ufer des Sees – Der Baum der Schlangen – Schreckliche Leiden – Mücken und

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Ameisen – Hunger – Die Victoria wird gesehen – Sie verschwindet – Der Sumpf – Ein letzter verzweifelter Schrei
Kapitel sechsunddreißig: Eine Menschenmenge am Horizont – Eine Gruppe von Arabern – Die Verfolgung
Es ist er – Er fällt vom Pferd – Der erwürgte Araber – Ein Ball von Kennedy – Geschickte Manöver – Joe wird schließlich gerettet
Kapitel siebenunddreißig: Die westliche Route – Joe wacht auf – Seine Sturheit – Ende von Jos Erzählung – Kennedys Sorgen – Die Route nach Norden – Eine Nacht in der Nähe von Aghades
Kapitel achtunddreißig: Eine schnelle Überquerung – Vorsichtige Entscheidungen – Karawanen in Sicht – Ununterbrochener Regen – Goa – Der Niger – Golberry, Geoffroy und Gray – Mungo Park – Laing – René Caillié – Clapperton – John und Richard Lander
Kapitel neununddreißig: Das Land am Niger – Eine fantastische Ansicht der Hombori-Berge – Kabra – Timbuktu – Die Karte von Dr. Barth – Eine verfallende Stadt – Wohin das Schicksal will
Kapitel vierzig: Dr. Fergusons Sorgen – Anhaltender Südweg – Eine Wolke aus Heuschrecken – Eine Ansicht von Jenné – Eine Ansicht von Ségo – Windänderung – Jos Bedauern
Kapitel einundvierzig: Die Annäherung an Senegal – Der Ballon sinkt immer tiefer – Sie werfen weiterhin Gegenstände ab – Der Marabut Al-Hadji – Die Herren Pascal, Vincent und Lambert – Ein Rivale Mohammeds – Die schwierigen Berge – Kennedys Waffen – Eines von Jos Manövern – Eine Rast im Wald
Kapitel zweiundvierzig: Ein Kampf der Großzügigkeit – Der letzte Opfergang – Das Ausdehnungsgerät – Jos Geschicklichkeit – Mitternacht – Die Uhr des Arztes – Kennedys Uhr – Letzterer schläft an seinem Posten – Das Feuer – Das Heulen der Eingeborenen – Außer Reichweite

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Die Talabas – Die Verfolgung – Ein zerstörtes Land – Der Wind beginnt nachzulassen – Die Victoria sinkt – Die letzten Vorräte – Die Sprünge des Ballons – Eine Verteidigung mit Schusswaffen – Der Wind wird stärker – Der Fluss Senegal – Die Wasserfälle von Gouina – Die heiße Luft – Die Überquerung des Flusses
Kapitel vierundvierzig.
Schlussfolgerung – Das Zertifikat – Die französischen Siedlungen – Der Posten in Medina – Die Schlacht – Saint Louis – Die englische Fregatte – Die Rückkehr nach London.

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FÜNFT WOCHEN IN EINEM BALLON.

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Kapitel eins.

Das Ende einer begeistert aufgenommenen Rede – Die Vorstellung von Dr. Samuel Ferguson – Excelsior – Ein vollständiges Porträt des Doktors – Ein Überzeugter Fatalist – Ein Abendessen im Travellers’ Club – Mehrere Toasts zu dieser Gelegenheit.

Am 14. Januar 1862 versammelte sich eine große Zuschauerschaft bei der Sitzung der Royal Geographical Society in der Waterloo Place Nr. 3 in London. Der Präsident, Sir Francis M——, hielt eine wichtige Ansprache an seine Kollegen; diese wurde immer wieder von Applaus unterbrochen.
Dieses seltene Beispiel an Rhetorik endete mit den folgenden, vom Patriotismus erfüllten Worten:
„England hat stets an der Spitze der Völker gestanden“ (denn, wie der Leser bemerken wird, marschieren die Völker stets gegeneinander an), „dank des Mutes ihrer Entdecker auf dem Gebiet der geografischen Erkundung.“ (Allgemeines Nicken.) „Dr. Samuel Ferguson, einer ihrer glorreichsten Söhne, wird seinem Ursprung keinen Schande machen.“ („Nein, gewiss nicht!“ aus allen Ecken des Saals.) „Dieser Versuch – falls er erfolgreich ist“ („Er wird erfolgreich sein!“) – „wird die bislang getrennten Vorstellungen der Welt über die Kartographie Afrikas miteinander verbinden“ (heftiger Applaus); „und falls er fehlschlägt, bleibt er zumindest als eine der kühnsten Ideen des menschlichen Genies in Erinnerung!“ (Großer Beifall.)
„Huzza! Huzza!“ rief die riesige Zuschauerschaft, völlig von diesen inspirierenden Worten begeistert.
„Huzza für den mutigen Ferguson!“ rief einer der enthusiastischsten Zuschauer.
Überall ertönte lauter Beifall; der Name Ferguson war in jedem Mund zu hören – und man kann sicher sein, dass er durch die englischen Kehlen keinerlei an Kraft verlor. Tatsächlich bebte der ganze Saal davon.

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Und anwesend waren auch jene furchtlosen Reisenden und Entdecker, deren energisches Temperament sie durch alle Winkel der Welt geführt hatte; viele von ihnen waren im Dienste der Wissenschaft alt und abgenutzt geworden. Alle hatten in gewissem Maße – körperlich oder moralisch – die härtesten Prüfungen durchgemacht. Sie hatten Schiffbrüche, Brände, indische Tomahawks und Kriegshämmer überlebt; das Scheiterhaufenopfer sowie sogar die Mäuler der Kannibalen auf den Südseeinseln. Doch während der Ansprache von Sir Francis M—— schlugen ihre Herzen weiterhin hoch – es handelte sich dabei zweifellos um den größten rhetorischen Erfolg, den die Royal Geographical Society of London bis dahin erzielt hatte.

Doch in England hört sich der Enthusiasmus nicht bei bloßen Worten auf. Er bringt Geld schneller zusammen als die Prägestempel der Königlichen Münze selbst. So wurde dort auf der Stelle eine Spende zur Unterstützung von Dr. Ferguson beschlossen – und diese erreichte sofort eine beträchtliche Summe von zweitausendfünfhundert Pfund. Diese Summe entsprach der Bedeutung des Unternehmens.

Ein Mitglied der Gesellschaft fragte daraufhin den Präsidenten, ob Dr. Ferguson nicht offiziell vorgestellt werden solle. „Der Arzt steht zur Verfügung der Versammlung“, antwortete Sir Francis. „Dann soll er hereinkommen! Bringt ihn herein!“, rief das Publikum. „Wir möchten einen Mann mit solch außergewöhnlichem Mut von Angesicht zu Angesicht sehen!“ „Vielleicht dient dieses unglaubliche Angebot von ihm nur dazu, uns zu verwirren“, knurrte ein wütender alter Admiral. „Was, wenn es gar keinen Dr. Ferguson gibt?“, rief eine andere Stimme mit bösem Unterton. „Dann müssen wir eben einen erfinden!“, antwortete ein scherzhaft gesinntes Mitglied dieser ernsten Gesellschaft. „Bitten Sie Dr. Ferguson, hereinzukommen“, sagte Sir Francis M—— ruhig.

Und tatsächlich kam der Arzt herein und stand da – völlig unbeeindruckt vom tosenden Applaus, der seinem Erscheinen entgegenscholl. Er war ein Mann von etwa vierzig Jahren, mittlerer Größe und Statur. Sein optimistisches Temperament zeigte sich in der dunklen Farbe seiner Wangen. Sein Gesichtsausdruck war kühl und ausdrucksstark; er hatte regelmäßige Züge sowie eine große Nase – eine dieser Nasen, die an die Bugform eines Schiffes erinnern und die Gesichter von Männern kennzeichnen, die dazu bestimmt sind, große Entdeckungen zu machen. Seine Augen, sanft und intelligent, statt kühn, verliehen ihm einen besonderen Charme.

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Seine Physiognomie: Seine Arme waren lang, und seine Füße standen fest auf dem Boden – ein Zeichen dafür, dass er ein hervorragender Gänger war. Eine ruhige Würde umgab den Arzt ganz und gar; niemand hätte gedacht, dass er zum Instrument irgendeiner Täuschung werden könnte, egal wie harmlos diese auch sein mochte. Deshalb setzte sich der Beifall, der ihm zu Beginn entgegengebracht wurde, fort, bis er mit einer freundlichen Geste um Stille bat. Er ging auf den für ihn vorbereiteten Platz zu, blieb dann aufrecht und regungslos stehen, blickte entschlossen nach oben und sprach laut das eine Wort aus – „Excelsior!“ Noch nie hatten die plötzlichen Angriffe von Bright oder Cobden, noch nie Palmerstons dringende Forderungen nach Geldmitteln zur Verkleidung der englischen Küsten mit Eisen solche Aufregung verursacht. Die Rede von Sir Francis M—— wurde völlig in den Schatten gestellt. Der Arzt zeigte sich als gemäßigt, erhaben und selbstbeherrscht zugleich; er sprach das passende Wort für diese Situation aus – „Excelsior!“ Der alte Admiral, der bisher Kritik geübt hatte, war völlig von diesem außergewöhnlichen Mann überzeugt und setzte sich sofort dafür ein, dass Dr. Fergusons Rede in den „Proceedings of the Royal Geographical Society of London“ veröffentlicht wurde. Wer war also dieser Mann – und welche Unternehmung schlug er vor? Fergusons Vater, ein tapferer und würdiger Kapitän der englischen Marine, beteiligte seinen Sohn bereits in jungen Jahren an den Gefahren und Abenteuern seines Berufs. Der kluge Junge, der anscheinend nie Angst gekannt hatte, zeigte früh schon einen scharfen, aktiven Verstand, eine neugierige Intelligenz sowie ein außergewöhnliches Interesse an wissenschaftlichen Studien. Zudem zeigte er außergewöhnliches Geschick darin, sich aus Schwierigkeiten zu befreien; er war niemals verwirrt – nicht einmal beim ersten Mal, wenn er mit dem Löffel umgehen musste – eine Aufgabe, bei der Kinder in der Regel nur wenig Erfolg haben. Schon früh entflammte seine Begeisterung durch die Berichte über kühne Unternehmungen und maritime Abenteuer, und mit Begeisterung verfolgte er die Entdeckungen…

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Er markierte damit den Beginn des 19. Jahrhunderts. Er sann über die Größe von Mungo Parks, den Bruces, den Caillies, den Levaillants – und bis zu einem gewissen Grad, das glaube ich wirklich, auch von Selkirk (Robinson Crusoe), den er keineswegs den anderen unterlegen hielt. Wie viele wertvolle Stunden verbrachte er mit diesem Helden auf seiner Insel Juan Fernandez! Oft kritisierte er die Ansichten des Schiffbrüchigen und diskutierte manchmal seine Pläne und Vorhaben. Er wäre in solchen oder jenen Fällen anders vorgegangen – oder zumindest genauso gut, da war er sich sicher. Doch eines war ihm klar: Er hätte diese angenehme Insel niemals verlassen sollen, auf der er so glücklich war wie ein König ohne Untertanen – nein, selbst dann nicht, wenn es die Verlockung einer Beförderung zum ersten Lord im Admiralitätsamt gegeben hätte!

Man kann leicht vermuten, dass sich diese Neigungen während einer abenteuerlichen Jugend entwickelten, die er in allen Winkeln der Welt verbrachte. Zudem nutzte sein Vater, ein Mann mit umfassender Bildung, jede Gelegenheit, diesen scharfen Verstand durch ernsthafte Studien in Hydrographie, Physik und Mechanik sowie durch Grundkenntnisse in Botanik, Medizin und Astronomie zu stärken.

Nach dem Tod des bewundernswerten Kapitäns hatte Samuel Ferguson, damals bereits zweiundzwanzig Jahre alt, bereits eine Weltreise unternommen. Er trat dem Bengalen-Engineer-Korps bei und zeichnete sich in mehreren Aktionen aus; doch dieses Soldatenleben passte ihm nicht ganz – da er kaum Interesse am Kommandieren hatte, mochte er es auch nicht, Befehle entgegenzunehmen. Deshalb reichte er seinen Rücktritt ein und begab sich, halb als Botaniker, halb als Jäger, in Richtung Norden der indischen Halbinsel, wo er von Kalkutta nach Surat reiste – für ihn lediglich eine Amateurreise.

Von Surat aus reiste er nach Australien und nahm 1845 an der Expedition von Kapitän Sturt teil, die dazu bestimmt war, das neue Kaspische Meer zu erkunden, das sich angeblich im Zentrum von Neuholland befinden sollte.

Samuel Ferguson kehrte um 1850 nach England zurück. Mehr denn je vom „Dämon der Entdeckung“ getrieben, verbrachte er die Zeit bis 1853 damit, Kapitän McClure auf der Expedition zu begleiten, die um den amerikanischen Kontinent von der Beringstraße bis zum Kap Farewell führte.

Trotz aller Arten von Anstrengungen und in allen Klimazonen blieb Fergusons Konstitution erstaunlich gesund. Er fühlte sich wohl selbst inmitten der größten Entbehrungen; kurz gesagt, er war das perfekte Beispiel für einen vollendeten Entdecker, dessen Magen sich entsprechend den Umständen ausdehnt oder zusammenzieht.

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Er will; dessen Gliedmaßen länger oder kürzer werden je nach dem Ruheplatz, den jede Etappe der Reise mit sich bringen kann; der zu jeder Tageszeit einschlafen und zu jeder Nachtstunde aufwachen kann.
Nichts war also nachdem überraschender, als unseren Reisenden in der Zeit von 1855 bis 1857 in Begleitung der Brüder Schlagintweit die gesamte Region westlich des Tibetes besuchen zu sehen und von dieser Expedition einige interessante ethnografische Beobachtungen mitzubringen.
Während dieser verschiedenen Reisen war Ferguson der aktivste und interessanteste Korrespondent der Daily Telegraph, der Zeitung zum Preis von einem Penny, deren Auflage 140.000 Exemplare beträgt – doch das reicht kaum aus für ihre zahlreichen Leser. So wurde der Arzt bei der Öffentlichkeit bekannt, obwohl er kein Mitglied der Königlichen Geographischen Gesellschaften in London, Paris, Berlin, Wien oder St. Petersburg sein konnte, noch des Reisendenclubs oder sogar des Königlichen Polytechnischen Instituts, wo sein Freund, der Statistiker Cockburn, die Führung hatte.
Dieser Gelehrte ging eines Tages so weit, ihm folgendes Problem vorzuschlagen: Angesichts der Anzahl der Meilen, die der Arzt auf seiner Weltumrundung zurückgelegt hat – wie viele Meilen mehr hat dabei sein Kopf als seine Füße zurückgelegt, aufgrund der unterschiedlichen Längen der Radien? Oder: Wenn die Anzahl der Meilen bekannt ist, die jeweils Kopf und Füße des Arztes zurückgelegt haben – wie hoch ist dann die genaue Größe dieses Herrn?
Das geschah in der Absicht, ihn zu loben, doch der Arzt hielt sich von allen gelehrten Vereinigungen fern – schließlich gehörte er zur „militanten Kirche“ und nicht zur „polemischen Kirche“. Er fand es besser, nachzuforschen statt zu diskutieren, zu entdecken statt zu reden.
Es gibt eine Geschichte über einen Engländer, der eines Tages nach Genf kam, um den See zu besichtigen. Er setzte sich in eines jener seltsamen Fahrzeuge, in denen die Passagiere nebeneinander sitzen, wie es in Omnibussen der Fall ist. Zufälligerweise hatte der Engländer einen Sitzplatz, von dem aus er mit dem Rücken zum See saß. Das Fahrzeug vollendete seine Rundfahrt, ohne dass er auch nur einmal daran dachte, sich umzudrehen – er kehrte glücklich über den Genfer See nach London zurück.
Dr. Ferguson hingegen drehte sich während seiner Reisen immer wieder um, um sich umzusehen – und das mit solchem Erfolg, dass er viel sehen konnte. Dabei folgte er einfach den Gesetzen seiner Natur.

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Es gibt Gründe zu der Annahme, dass er bis zu einem gewissen Grad Fatalist war – allerdings eines orthodoxen Typs von Fatalismus –, was ihn dazu veranlasste, auf sich selbst und sogar auf die Vorsehung zu vertrauen. Er behauptete, eher von innerer Notwendigkeit als aus eigenem Willen dazu getrieben worden zu sein, seine Reisen anzutreten, und dass er die Welt wie eine Lokomotive durchquerte, die sich nicht selbst steuert, sondern von den Schienen geleitet wird, auf denen sie fährt.
„Ich folge nicht meinem eigenen Weg“, sagte er oft, „es ist mein Weg, der mir folgt.“
Der Leser wird daher nicht überrascht sein über die Gelassenheit, mit der der Doktor den Beifall entgegennahm, der ihm in der Royal Society zuteilwurde. Er stand über solchen Kleinigkeiten – ohne Stolz und noch weniger Eitelkeit. Er betrachtete den Vorschlag, der ihm von Sir Francis M—— unterbreitet wurde, als das Einfachste der Welt und bemerkte kaum die enorme Wirkung, die dieser Vorschlag hatte.
Als die Sitzung zu Ende ging, wurde der Doktor in die Räume des Travellers’ Clubs in Pall Mall gebracht. Dort war zu seinen Ehren ein prächtiges Festmahl vorbereitet worden. Die Größe der servierten Gerichte entsprach der Bedeutung des Geehrten; der gekochte Stör bei diesem großartigen Mahl war nicht einen Zoll kürzer als Dr. Ferguson selbst.
Es wurden zahlreiche Toasts ausgebracht – mit französischem Wein – auf die berühmten Entdecker, die sich durch ihre Erkundungen afrikanischen Gebiets einen Namen gemacht hatten. Die Gäste tranken auf ihre Gesundheit oder zu ihrem Gedenken – in alphabetischer Reihenfolge, nach alter englischer Sitte.
Unter denen, die auf diese Weise geehrt wurden, waren: Abbadie, Adams, Adamson, Anderson, Arnaud, Baikie, Baldwin, Barth, Batouda, Beke, Beltram, Du Berba, Bimbachi, Bolognesi, Bolwik, Belzoni, Bonnemain, Brisson, Browne, Bruce, Brun-Rollet, Burchell, Burckhardt, Burton, Cailland, Caillie, Campbell, Chapman, Clapperton, Clot-Bey, Colomieu, Courval, Cumming, Cuny, Debono, Decken, Denham, Desavanchers, Dicksen, Dickson, Dochard, Du Chaillu, Duncan, Durand, Duroule, Duveyrier, D’Escayrac, De Lauture, Erhardt, Ferret, Fresnel, Galinier, Galton, Geoffroy, Golberry, Hahn, Halm, Harnier, Hecquart, Heuglin, Hornemann, Houghton, Imbert, Kauffmann, Knoblecher, Krapf, Kummer, Lafargue, Laing, Lafaille, Lambert, Lamiral, Lampriere, John Lander, Richard Lander, Lefebvre, Lejean, Levaillant, Livingstone, MacCarthy, Maggiar, Maizan, Malzac, Moffat, Mollien, Monteiro, Morrison, Mungo Park.

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Neimans, Overweg, Panet, Partarrieau, Pascal, Pearse, Peddie, Penney,
Petherick, Poncet, Prax, Raffenel, Rabh, Rebmann, Richardson, Riley,
Ritchey, Rochet d’Hericourt, Rongawi, Roscher, Ruppel, Saugnier, Speke,
Steidner, Thibaud, Thompson, Thornton, Toole, Tousny, Trotter, Tuckey,
Tyrwhitt, Vaudey, Veyssière, Vincent, Vinco, Vogel, Wahlberg, Warrington,
Washington, Werne, Wild – und zuletzt, aber nicht weniger wichtig, Dr. Ferguson, der mit seinem unglaublichen Versuch die Leistungen all dieser Entdecker miteinander verbinden und damit die Reihe der afrikanischen Entdeckungen vervollständigen wollte.

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Kapitel zwei.

Der Artikel in der Daily Telegraph – Der Krieg zwischen den wissenschaftlichen Zeitschriften – Herr Petermann unterstützt seinen Freund Dr. Ferguson – Die Antwort des Gelehrten Koner – Gewinne, die gemacht wurden – Verschiedene Vorschläge an den Doktor.

Am nächsten Tag, in der Ausgabe vom 15. Januar, veröffentlichte die Daily Telegraph einen Artikel mit folgendem Inhalt:
„Afrika ist endlich dabei, das Geheimnis seiner weiten Einöden preiszugeben; ein moderner Ödipus soll uns den Schlüssel zu diesem Rätsel liefern, das die Gelehrten von sechzig Jahrhunderten nicht entschlüsseln konnten. Früher galt es als verrückte Anstrengung, die Quellen des Nils zu suchen – ein Ding der Unmöglichkeit.
Dr. Barth, indem er den von Denham und Clapperton hinterlassenen Weg bis ins Sudan verfolgte; Dr. Livingstone, indem er seine furchtlosen Erkundungen vom Kap der Guten Hoffnung bis zum Becken des Zambezi unternahm; die Kapitäne Burton und Speke, durch die Entdeckung der großen Binnenseen – sie alle haben drei Wege zur modernen Zivilisation eröffnet. Ihr Schnittpunkt, den noch kein Reisender erreichen konnte, ist das Herz Afrikas – dorthin sollten nun alle Bemühungen gerichtet werden.
Die Arbeit dieser tapferen Pioniere der Wissenschaft wird nun durch das kühne Projekt von Dr. Samuel Ferguson miteinander verbunden. Die hervorragenden Erkundungen dieses Mannes hatten unsere Leser bereits oft die Gelegenheit zu schätzen.
Dieser furchtlose Entdecker plant, ganz Afrika von Ost nach West in einem Ballon zu durchqueren. Soweit wir wissen, soll der Ausgangspunkt dieser erstaunlichen Reise die Insel Zanzibar an der Ostküste sein. Was den Zielort angeht, so bleibt es allein dem Schicksal überlassen, ihn zu bestimmen.“

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Der Vorschlag für dieses wissenschaftliche Unterfangen wurde gestern offiziell in den Räumen der Royal Geographical Society unterbreitet, und es wurde eine Summe von zweitausendfünfhundert Pfund beschlossen, um die Kosten des Unternehmens zu decken. „Wir werden unsere Leser über den Fortschritt dieses Unternehmens auf dem Laufenden halten – eines Unternehmens, das in der Geschichte der Erkundungen seinesgleichen sucht.“ Wie man sich vorstellen kann, fand der obige Artikel bei Wissenschaftlern große Resonanz. Zunächst löste er einen Sturm des Unglaubens aus; Dr. Ferguson galt als reine Fiktion, als eine Art „Barnum-Persönlichkeit“, die nach einer Reise durch die Vereinigten Staaten nun versuchte, auch die Britischen Inseln zu erkunden. In der Feuertaufe des Februarhefts der Bulletins de la Société Géographique in Genf erschien eine humorvolle Antwort, die die Royal Society of London sowie deren „phänomenalen Stör“ sehr geistreich karikierte. Doch Herr Petermann brachte in seinen Mitteilungen, die in Gotha veröffentlicht wurden, die Genfer Zeitschrift zum völligen Schweigen. Herr Petermann kannte Dr. Ferguson persönlich und garantierte für den Mut seines furchtlosen Freundes. Zudem wurden alle Zweifel schnell beseitigt: In London begannen die Vorbereitungen für die Reise; die Fabriken in Lyon erhielten große Bestellungen für den Seidenstoff, der für den Ballonkörper benötigt wurde; schließlich stellte die britische Regierung das Transportschiff Resolute unter Kapitän Bennett zur Verfügung. Sofort nach diesem Bekanntwerden gab es tausende von Ermutigungen sowie Glückwünsche aus allen Richtungen. Die Details des Unternehmens wurden vollständig in den Bulletinen der Geographical Society of Paris veröffentlicht; in den Nouvelles Annales des Voyages, de la Géographie, de l’Histoire, et de l’Archaeologie von M. V. A. Malte-Brun erschien ein bemerkenswerter Artikel; außerdem zeigte ein gründlicher Aufsatz in der Zeitschrift für Allgemeine Erdkunde von Dr. W. Koner triumphierend die Machbarkeit der Reise, ihre Erfolgschancen, die Art der bestehenden Hindernisse sowie die enormen Vorteile der luftgestützten Fortbewegung – kritisiert wurde lediglich der gewählte Ausgangspunkt, der seiner Ansicht nach Massowah sein sollte, ein kleiner Hafen in Abessinien, von wo aus James Bruce im Jahr 1768 seine Erkundungen zur Suche nach den Quellen des Nils aufnahm. Abgesehen davon pries der Artikel in Worten uneingeschränkter Bewunderung den energischen Charakter von Dr. Ferguson.

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Ein Herz, dreimal in Bronze gehüllt – ein Herz, das fähig war, ein solches Unterfangen zu planen und in die Tat umzusetzen.
Die North American Review konnte es nicht ohne Unbehagen ertragen, dass so viel Ruhm von England monopolisiert wurde. Deshalb machte sie sich eher über den Plan des Arztes lustig und riet ihm dringend, seine Erkundungen, solange er schon dabei war, bis nach Amerika fortzusetzen.
Kurz gesagt: Ohne alle Zeitschriften der Welt durchzusehen, gab es keine wissenschaftliche Publikation – vom Journal of Evangelical Missions bis zur Revue Algérienne et Coloniale, von den Annales de la Propagation de la Foi bis zum Church Missionary Intelligencer –, die nichts über diese Angelegenheit in all ihren Aspekten zu sagen hatte.
In London und im ganzen England wurden zahlreiche Wetten abgeschlossen: erstens auf das tatsächliche oder vermeintliche Vorhandensein von Dr. Ferguson; zweitens auf die Durchführung der Reise selbst – einige meinten, sie würde überhaupt nicht stattfinden, während andere glaubten, sie werde tatsächlich unternommen; drittens auf den Erfolg oder Misserfolg des Unternehmens; und viertens auf die Wahrscheinlichkeit einer Rückkehr von Dr. Ferguson. Die Wettbücher waren voller Einträge mit enormen Summen – als stünden die Rennen in Epsom auf dem Spiel.
So hatten sowohl Gläubige als auch Ungläubige, Gelehrte wie Unwissende ihre Blicke auf den Arzt gerichtet – er wurde zum „Löwen des Tages“, ohne zu wissen, dass er eine solche Mähne besaß. Er selbst gab gerne die genauesten Informationen über sein Projekt preis. Er war sehr zugänglich, da er von Natur aus der freundlichste Mensch der Welt war. Mehrere mutige Abenteurer boten an, sowohl die Gefahren als auch den Ruhm dieses Unternehmens mit ihm zu teilen – doch er lehnte sie alle ab, ohne Gründe dafür anzugeben.
Zahlreiche Erfinder von Mechanismen zur Steuerung von Ballons kamen, um ihre Systeme vorzustellen – doch er nahm keines davon an. Als man ihn fragte, ob er selbst etwas dazu entdeckt habe, weigerte er sich stets, eine Erklärung abzugeben, und widmete sich stattdessen noch intensiver als je zuvor den Vorbereitungen für seine Reise.

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KAPITEL DREI.

Der Freund des Arztes – Der Ursprung ihrer Freundschaft –
Dick Kennedy in London – Ein unerwartetes, aber nicht besonders tröstliches Angebot – Ein keineswegs ermutigendes Sprichwort – Einige Namen aus dem afrikanischen Martyrologium – Die Vorteile eines Ballons – Dr. Fergusons Geheimnis.

Dr. Ferguson hatte einen Freund – zwar kein weiteres „Ich“, sondern eher ein Alter Ego, denn Freundschaft kann zwischen zwei genau gleichartigen Wesen nicht bestehen. Doch da Dick Kennedy und Samuel Ferguson unterschiedliche Eigenschaften, Fähigkeiten und Temperamente besaßen, lebten sie dennoch mit demselben Herzen – und das bereitete ihnen keine großen Schwierigkeiten. Im Gegenteil. Dick Kennedy war ein Schotte im wahrsten Sinne des Wortes: offen, entschlossen und sturköpfig. Er lebte in der Stadt Leith, die in der Nähe von Edinburgh liegt – eigentlich nur ein Vorort von Auld Reekie. Manchmal war er Fischer, doch immer und überall war er ein entschlossener Jäger – was für einen Sohn Schottlands, der bereits etwas Klettern in den Hochlandbergen gelernt hatte, nichts Außergewöhnliches war. Er galt als hervorragender Schütze mit dem Gewehr: Er konnte nicht nur eine Kugel auf einer Messerschneide spalten, sondern sie auch in zwei nahezu gleich große Teile teilen, sodass bei der Waageprüfung kaum ein Unterschied festzustellen war.
Kennedys Gesicht erinnerte stark an das von Herbert Glendinning, wie Sir Walter Scott es in „Das Kloster“ beschrieben hat. Seine Größe betrug mehr als sechs Fuß; er war voller Anmut und bewegte sich geschmeidig – doch zugleich schien er über herkulische Kräfte zu verfügen. Sein Gesicht war vom Sonnenlicht gebräunt; seine Augen waren scharf und schwarz; er strahlte eine natürliche Kühnheit und Tapferkeit aus. Kurz gesagt: An ihm war alles Solides, Zuverlässiges – was auf den ersten Blick für den schönen Schotten sprach.
Die Bekanntschaft dieser beiden Freunde entstand in Indien, als sie zum selben Regiment gehörten. Während Dick auf der Jagd nach Tigern und Elefanten war, suchte Samuel nach Pflanzen.

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und Insekten. Jeder konnte sich als Experte in seinem eigenen Bereich bezeichnen – und mehr als ein seltenes botanisches Exemplar, das für die Wissenschaft eine genauso große Errungenschaft darstellte wie die Eroberung eines Paars Elfenbeinzähne, wurde zum Besitz des Arztes. Zudem hatten diese beiden jungen Männer niemals die Gelegenheit, einander das Leben zu retten oder gegenseitige Dienste zu erweisen. Daher entstand eine unveränderliche Freundschaft. Das Schicksal trennte sie manchmal voneinander, doch die Sympathie vereinte sie stets wieder. Seit ihrer Rückkehr nach England wurden sie oft durch die weiten Expeditionen des Arztes getrennt; doch bei seiner Rückkehr vergaß dieser nie, für einige Wochen bei seinem Freund Dick zu verweilen – nicht, um Gastfreundschaft zu erbitten, sondern um seine Zeit dort zu verbringen. Der Schotte sprach über die Vergangenheit; der Arzt bereitete sich eifrig auf die Zukunft vor. Der Eine blickte zurück, der Andere nach vorn – so entstand ein Kontrast zwischen dem unruhigen Geist Ferguson und der vollkommenen Ruhe Kennedys. Nach seiner Reise nach Tibet blieb der Arzt fast zwei Jahre lang ohne Anzeichen neuer Erkundungen; Dick, der annahm, dass der Reiseinstinkt und das Abenteuerbedürfnis seines Freundes endlich verschwunden seien, war völlig begeistert. Irgendwann würde das alles schlecht enden, dachte er bei sich; egal, welche Erfahrungen man mit Menschen hat – man kann nicht immer ungestraft unter Kannibalen und wilden Tieren reisen. Deshalb bat Kennedy den Arzt, sein Leben lang keine weiteren Expeditionen mehr zu unternehmen, da er bereits genug für die Wissenschaft getan habe – und zu viel für die Dankbarkeit der Menschen. Der Arzt begnügte sich damit, darauf nicht zu antworten. Er blieb in seinen eigenen Gedanken versunken, beschäftigte sich mit geheimen Berechnungen, verbrachte die Nächte mit Zahlenreihen und führte Experimente mit den seltsamsten Maschinen durch – Maschinen, die für alle außer ihm unerklärlich waren. Man konnte jedoch leicht erraten, dass in seinem Kopf eine große Idee heranreifte. „Was mag er nur geplant haben?“, fragte sich Kennedy, als sein Freund im Januar abreiste, um nach London zurückzukehren. Eines Morgens erfuhr er es, als er die Daily Telegraph las. „Um Himmels willen!“, rief er aus. „Der Verrückte! Durch Afrika mit einem Ballon! Nichts anderes fehlte noch, um den Höhepunkt zu erreichen! Daran hat er in diesen zwei Jahren gearbeitet!“

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Nun, lieber Leser: Ersetzen Sie all diese Ausrufezeichen durch so viele laute Schläge mit einer kräftigen Faust auf den Tisch – dann haben Sie eine Vorstellung von der körperlichen Anstrengung, der Dick ausgesetzt war, während er sprach. Als seine zuverlässige Haushälterin, die alte Elspeth, andeutete, dass das Ganze vielleicht nur ein Scherz sein könnte, sagte er: „Keineswegs! Kenne ich meinen Mann etwa nicht? Ist das nicht typisch für ihn? Durch die Luft reisen! Jetzt ist er schon eifersüchtig auf die Adler – Nein! Ich versichere Ihnen, er wird es nicht tun! Ich werde einen Weg finden, ihn aufzuhalten! Wenn sie ihn nur in Ruhe ließen, würde er eines Tages zum Mond aufbrechen!“ An jenem Abend nahm Kennedy, halb besorgt, halb verärgert, den Zug nach London, wo er am nächsten Morgen ankam. Drei Viertelstunde später brachte ihn ein Taxi vor das bescheidene Haus des Arztes in Soho Square, Greek Street. Sofort stieg er die Stufen hinauf und kündigte seine Ankunft mit fünf kräftigen Klopfen an der Tür an. Ferguson öffnete persönlich die Tür. „Dick! Bist du das?“, rief er – doch ohne große Überraschung. „Es ist tatsächlich Dick!“, antwortete Kennedy. „Was, mein lieber Junge, bist du in London – und das mitten in der Wintersaison?“ „Ja! Ich bin hier in London!“ „Und weshalb bist du in die Stadt gekommen?“ „Um die größte Dummheit zu verhindern, die je gedacht wurde.“ „Dummheit!“, sagte der Arzt. „Ist das, was in dieser Zeitung steht, die Wahrheit?“, fragte Kennedy und reichte ihm die Ausgabe der Daily Telegraph. „Ah! Das meinst du also? Diese Zeitungen sind wirklich schreckliche Tratschweiber! Aber setz dich doch, lieber Dick.“ „Nein, ich werde mich nicht setzen! Also, hast du wirklich vor, diese Reise anzutreten?“ „Auf jeden Fall! Alle meine Vorbereitungen laufen gut – und ich…“

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„Wo sind deine Fallen? Gib mir die Chance, sie zu nutzen! Ich werde sie zum Fliegen bringen! Ich werde deine Vorbereitungen in Ordnung bringen.“ Mit diesen Worten brach der tapfere Schotte in wahren Zorn aus.

„Komm, beruhige dich, mein lieber Dick!“, fuhr der Arzt fort. „Du bist wütend auf mich, weil ich dir nicht von meinem neuen Projekt erzählt habe.“

„Er nennt das sein neues Projekt!“

„Ich war sehr beschäftigt“, fuhr der Arzt fort, ohne auf die Unterbrechung zu achten. „Ich hatte so viel zu erledigen! Aber seien Sie versichert: Ich hätte nicht ohne Vorankündigung angefangen.“

„Oh, wirklich! Ich fühle mich sehr geehrt.“

„Denn ich habe vor, Sie mitzunehmen.“

Daraufhin sprang der Schotte so hoch, dass selbst ein Wildschaf in seinen Heimatfelsen davon nicht geschämt hätte.

„Ah! Dann wollen Sie also, dass sie uns beide ins Irrenhaus schicken!“

„Ich habe fest auf Sie gezählt, mein lieber Dick – und ich habe Sie aus all den anderen ausgewählt.“

Kennedy stand sprachlos vor Erstaunen da.

„Nachdem Sie zehn Minuten lang zugehört haben“, sagte der Arzt, „werden Sie mir dankbar sein!“

„Sprechen Sie im Ernst?“

„Sehr ernst.“

„Und was, wenn ich ablehne, mit Ihnen zu gehen?“

„Aber das werden Sie nicht tun.“

„Aber nehmen wir an, ich würde ablehnen?“

„Nun, dann würde ich allein gehen.“

„Setzen wir uns doch“, sagte Kennedy. „Und reden wir ohne Aufregung. Sobald Sie aufhören, darüber zu scherzen, können wir das Thema besprechen.“

„Dann besprechen wir es beim Frühstück, wenn Sie nichts dagegen haben, mein lieber Dick.“

Die beiden Freunde setzten sich einander gegenüber an einen kleinen Tisch, vor dem ein Teller mit Toast sowie eine riesige Teekanne standen.

„Mein lieber Samuel“, sagte der Sportler, „Ihr Projekt ist verrückt! Es ist unmöglich! Es hat keinerlei Ähnlichkeit mit etwas Vernünftigem oder Machbarem!“

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„Das müssen wir herausfinden, wenn wir es ausprobiert haben!“
„Aber auszuprobieren ist genau das, was man nicht tun sollte.“
„Warum denn, wenn ich fragen darf?“
„Nun, die Risiken, die Schwierigkeiten der Sache.“
„Was die Schwierigkeiten angeht“, erwiderte Ferguson in ernstem Ton, „so sind sie dazu da, überwunden zu werden; was die Risiken und Gefahren betrifft – wer kann sich einbilden, ihnen entkommen zu können? Alles im Leben birgt Gefahr; es kann sogar gefährlich sein, am eigenen Tisch Platz zu nehmen oder sich den eigenen Hut aufzusetzen. Zudem müssen wir das, was geschehen wird, bereits als geschehen betrachten und in der Zukunft nur das Gegenwärtige sehen – denn die Zukunft ist nichts anderes als das Gegenwärtige, etwas weiter entfernt.“
„Da haben wir’s!“, rief Kennedy mit einem Schulterzucken. „Ein echter Fatalist!“
„Ja! Aber im guten Sinne des Wortes. Dann wollen wir uns keine Sorgen darüber machen, was das Schicksal für uns bereithält, und vergessen wir unser altes englisches Sprichwort: ‚Der Mann, der zum Hängen geboren wurde, wird niemals ertrinken!‘“
Es gab keine Antwort darauf – doch das hinderte Kennedy nicht daran, eine Reihe von Argumenten fortzuführen, die man sich leicht vorstellen kann, aber die zu lang sind, um sie hier wiederzugeben.
„Nun dann“, sagte er nach einer Stunde Diskussion, „falls Sie fest entschlossen sind, diese Reise über den afrikanischen Kontinent zu unternehmen – falls es für Ihr Glück notwendig ist – warum versuchen Sie dann nicht die üblichen Wege?“
„Warum?“, rief der Arzt aufgeregt. „Weil alle Versuche in dieser Richtung bis jetzt völlig gescheitert sind. Weil von Mungo Park, der am Niger ermordet wurde, bis Vogel, der im Land der Wadai verschwand; von Oudney, der in Murmur starb, und Clapperton, der in Sackatou verloren ging, bis zum Franzosen Maizan, der in Stücke gehackt wurde; von Major Laing, der von den Tuareg getötet wurde, bis Roscher aus Hamburg, der Anfang 1860 massakriert wurde – die Namen der Opfer nach den Opfern in die Listen des afrikanischen Martyriums eingetragen wurden! Weil es unmöglich ist, erfolgreich gegen die Naturgewalten anzukämpfen – gegen Hunger, Durst und Fieber – gegen wilde Tiere und noch wildeere Menschen! Weil das, was auf eine Weise nicht möglich ist, auf eine andere Weise versucht werden muss. Kurz gesagt: Was man nicht direkt durchqueren kann, muss man entweder seitlich oder von oben herum gehen!“

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„Wenn es nur darum ginge, darüber hinwegzukommen!“, warf Kennedy ein. „Aber hoch in der Luft zu fliegen – da liegt das Problem, Doktor!“
„Nun denn“, sagte der Arzt, „wovor soll ich mich fürchten? Sie werden zugeben, dass ich alle Vorsichtsmaßnahmen getroffen habe, um sicherzustellen, dass mein Ballon nicht abstürzt. Sollte er mich jedoch im Stich lassen, befinde ich mich unter den normalen Bedingungen, die auch andere Entdecker betrifft. Doch mein Ballon wird mich nicht täuschen – wir müssen also keine solchen Berechnungen anstellen.“
„Ja, aber Sie müssen sie dennoch berücksichtigen.“
„Nein, Dick. Ich habe vor, nicht von dem Ballon getrennt zu werden, bis ich die Westküste Afrikas erreiche. Mit ihm ist alles möglich; ohne ihn gerate ich wieder in die Gefahren und Schwierigkeiten sowie die natürlichen Hindernisse, die solche Expeditionen normalerweise mit sich bringen. Mit ihm muss man weder vor der Hitze noch vor Strömen, Stürmen oder ungesunden Klimazonen, wilden Tieren oder grausamen Menschen Angst haben! Wenn es mir zu heiß wird, kann ich aufsteigen; wenn es zu kalt ist, kann ich nach unten kommen. Gibt es einen Berg, kann ich darüber hinwegfliegen; eine Klippe kann ich überwinden; einen Fluss kann ich durchqueren; einen Sturm kann ich überwinden; einen reißenden Strom kann ich wie ein Vogel überfliegen! Ich kann ohne Müdigkeit voranschreiten, ich kann anhalten, ohne Rast zu benötigen! Ich kann über den entstehenden Städten schweben! Ich kann mit der Geschwindigkeit eines Tornados voranschreiten – manchmal in großer Höhe, manchmal nur hundert Fuß über dem Boden – während sich die Karte Afrikas unter meinem Blick im großen Weltatlas entfaltet.“
Selbst der sture Kennedy begann sich zu rühren – doch das Bild, das sich ihm darbot, bereitete ihm Schwindelgefühle. Er starrte den Arzt mit Staunen und Bewunderung an – doch auch mit Furcht, denn er fühlte sich bereits, als würde er in der Luft schweben.
„Kommen Sie, kommen Sie“, sagte er schließlich. „Lassen Sie uns sehen, Samuel – haben Sie also einen Weg gefunden, einen Ballon zu steuern?“
„Keineswegs. Das ist eine utopische Idee.“
„Dann werden Sie also –“
„Wohin auch immer das Schicksal es will – aber auf jeden Fall von Ost nach West.“
„Warum?“
„Weil ich vorhabe, die Passatwinde zu nutzen – deren Richtung immer gleich ist.“
„Ah! Ja, tatsächlich!“, sagte Kennedy nachdenklich. „Die Passatwinde – ja – wirklich – das hat etwas für sich!“

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„Irgendetwas ist dabei – ja, mein ausgezeichneter Freund – es ist alles dabei. Die englische Regierung hat mir ein Transportmittel zur Verfügung gestellt, und drei oder vier Schiffe sollen vor der Westküste Afrikas patrouillieren, ungefähr zu der Zeit, zu der ich ankomme. Innerhalb von drei Monaten werde ich in Zanzibar sein, wo ich meinen Ballon aufblase – von dort aus werden wir abheben.“
„Wir!“, sagte Dick.
„Haben Sie immer noch irgendeine Einwände? Sprechen Sie, Freund Kennedy.“
„Einwände! Ich habe tausend davon; aber sagen Sie mir erst einmal: Wenn Sie damit rechnen, das Land zu sehen, wenn Sie nach Belieben aufsteigen und landen wollen, können Sie das nicht tun, ohne Gas zu verlieren. Bisher wurden keine anderen Methoden entwickelt – und genau das hat bisher lange Reisen in der Luft verhindert.“
„Mein lieber Dick, ich habe nur ein Wort als Antwort: Ich werde kein einziges Atom Gas verlieren.“
„Und dennoch können Sie nach Belieben landen?“
„Ich werde nach Belieben landen.“
„Und wie werden Sie das tun?“
„Ah, ha! Darin liegt mein Geheimnis, Freund Dick. Haben Sie Vertrauen – lassen Sie mein Gerät Ihr Eigentum werden: ‚Excelsior!‘“
„Dann sei es ‚Excelsior‘“, sagte der Sportler, der kein Wort Latein verstand.
Doch er beschloss, mit allen Mitteln dem Aufbruch seines Freundes entgegenzuwirken, und tat so, als würde er nachgeben, während er weiterhin wachsam blieb. Was den Arzt betrifft, so setzte er seine Vorbereitungen unermüdlich fort.

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VIERTES KAPITEL

Afrikanische Erkundungen – Barth, Richardson, Overweg, Werne, Brun-Rollet, Penney, Andrea, Debono, Miani, Guillaume Lejean, Bruce, Krapf und Rebmann, Maizan, Roscher, Burton und Speke.

Die Luftroute, der sich Dr. Ferguson anschließen wollte, war nicht zufällig gewählt worden; sein Ausgangspunkt wurde sorgfältig untersucht, und es war nicht ohne Grund, dass er beschloss, von der Insel Zanzibar aus aufzubrechen. Diese Insel, die nahe der Ostküste Afrikas liegt, befindet sich im sechsten Grad südlicher Breite – das heißt, vierhundertdreißig geografische Meilen unter dem Äquator. Von dieser Insel aus war gerade die neueste Expedition aufgebrochen, die über die Großen Seen die Quellen des Nils erkunden sollte. Doch es ist gut, anzugeben, welche Erkundungen Dr. Ferguson miteinander verbinden wollte. Die beiden wichtigsten waren die von Dr. Barth im Jahr 1849 sowie die der Leutnants Burton und Speke im Jahr 1858. Dr. Barth stammte aus Hamburg und erhielt die Erlaubnis, zusammen mit seinem Landsmann Overweg an der Expedition des Engländer Richardson teilzunehmen. Dieser hatte eine Mission im Sudan zu erfüllen. Dieses weite Gebiet liegt zwischen dem fünfzehnten und zehnten Grad nördlicher Breite; um dorthin zu gelangen, musste der Entdecker also tausendfünfhundert Meilen ins Innere Afrikas vordringen. Bis dahin war das betreffende Gebiet nur durch die Reisen von Denham, Clapperton und Oudney zwischen 1822 und 1824 bekannt. Richardson, Barth und Overweg, die danach drängten, ihre Untersuchungen weiter voranzutreiben, erreichten wie ihre Vorgänger Tunis und Tripolis und kamen bis nach Mourzouk, die Hauptstadt von Fezzan.

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Dann verließen sie die senkrechte Linie und bogen scharf nach Westen in Richtung Ghât ab – schwer geführt von den Tuareg. Nach tausend Szenen der Plünderung, der Belästigungen sowie Angriffen durch bewaffnete Truppen erreichte ihre Karawane im Oktober die weite Oase Asben. Dr. Barth trennte sich von seinen Begleitern, unternahm eine Exkursion in die Stadt Aghades und schloss sich wieder der Expedition an, die am 12. Dezember ihren Marsch fortsetzte. Schließlich erreichte sie die Provinz Damerghou; dort trennten sich die drei Reisenden, und Barth nahm den Weg nach Kano, wo er nach viel Ausdauer und nach Zahlung eines beträchtlichen Tributs ankam. Trotz starker Fieberanfälle verließ er diesen Ort am 7. März, begleitet von einem einzigen Diener. Das Hauptziel seiner Reise war es, den Tschadsee zu erkunden – von dem er noch dreihundertfünfzig Meilen entfernt war. Deshalb zog er nach Osten und erreichte die Stadt Zouricolo im Gebiet von Bornou, das zum Kern des großen zentralafrikanischen Reiches gehört. Dort erfuhr er vom Tod von Richardson, der unter Erschöpfung und Entbehrungen gestorben war. Anschließend erreichte er Kouka, die Hauptstadt von Bornou, am Ufer des Sees. Schließlich, nach drei Wochen, am 14. April – zwölf Monate nach seinem Aufbruch aus Tripolis – erreichte er die Stadt Ngornou. Wir finden ihn wieder am 29. März 1851 zusammen mit Overweg aufbrechen, um das Königreich Adamaoua südlich des Sees zu besuchen; von dort aus zog er weiter bis zur Stadt Yola, etwas unterhalb von neun Grad nördlicher Breite. Das war die äußerste südliche Grenze, die dieser kühne Reisende erreichte. Im August kehrte er nach Kouka zurück; von dort aus durchquerte er nacheinander die Länder Mandara, Barghimi und Klanem und erreichte seine äußerste östliche Grenze, die Stadt Masena, die bei siebzehn Grad zwanzig Minuten westlicher Länge liegt. Am 25. November 1852, nach dem Tod seines letzten Begleiters Overweg, wandte er sich nach Westen, besuchte Sockoto, überquerte den Niger und erreichte schließlich Timbuktu. Dort musste er acht lange Monate lang unter den Qualen des Scheichs sowie allen möglichen Misshandlungen und Elends leiden. Doch die Anwesenheit eines Christen in der Stadt konnte nicht lange toleriert werden; die Fulani drohten, die Stadt zu belagern. Der Arzt verließ sie daher am 17. März 1854 und floh an die Grenze, wo er dreißigdrei Tage lang in äußerster Not verbrachte.

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Im November gelang es ihm schließlich, nach Kano zurückzukehren, von dort aus weiter nach Kouka – wo er nach viermonatiger Verzögerung Denhams Route fortsetzte. Gegen Ende August 1855 eroberte er erneut Tripolis und erreichte am 6. September London – als einziger Überlebender seiner Gruppe. So verlief die abenteuerliche Reise von Dr. Barth. Dr. Ferguson notierte sorgfältig, dass er bei vier Grad nördlicher Breite und siebzehn Grad westlicher Länge Halt machte. Nun wollen wir sehen, was die Leutnants Burton und Speke in Ostafrika erreichten. Die verschiedenen Expeditionen, die den Nil hinaufgefahren waren, konnten niemals die geheimnisvolle Quelle dieses Flusses erreichen. Laut der Erzählung des deutschen Arztes Ferdinand Werne versuchte eine Expedition im Jahr 1840 unter der Schirmherrschaft von Mehmet Ali, bei Gondokoro zwischen dem vierten und fünften Breitengrad nördlicher Breite anzuhalten. Im Jahr 1855 brach Brun-Rollet, ein Einheimischer aus Savoyen, der zum Konsul Sardiniens im Osten des Sudans ernannt worden war, um Vaudey zu ersetzen, der gerade gestorben war, von Khartum auf. Unter dem Namen des Händlers Yacoub, der mit Harzen und Elfenbein handelte, gelangte er bis nach Belenia jenseits des vierten Breitengrades – musste jedoch wegen schlechter Gesundheit nach Khartum zurückkehren, wo er 1857 starb. Weder Dr. Penney – der Leiter des ägyptischen Sanitätsdienstes, der mit einem kleinen Dampfschiff einen Breitengrad jenseits von Gondokoro erreichte und anschließend erschöpft in Khartum starb – noch Miani, der Venezianer, der die Katarakte unterhalb von Gondokoro umrundete und den zweiten Breitengrad erreichte – noch der maltesische Händler Andrea Debono, der seine Reise den Nil hinauf noch weiter fortsetzte – konnten die scheinbar unüberwindbare Grenze überschreiten. Im Jahr 1859 erreichte M. Guillaume Lejean, dem die französische Regierung eine Mission anvertraut hatte, über das Rote Meer Khartum und begab sich mit einer Gruppe von einundzwanzig angeheuerten Männern sowie zwanzig Soldaten den Nil hinauf – doch er konnte Gondokoro nicht passieren und geriet unter den in Aufruhr befindlichen schwarzen Stämmen in große Lebensgefahr. Auch die von M. d’Escayrac de Lauture geleitete Expedition unternahm einen ebenso erfolglosen Versuch, die berühmten Quellen des Nils zu erreichen. Diese tödliche Grenze brachte jeden Reisenden unweigerlich zum Stillstand. In der Antike erreichten die Gesandten Neros den neunten Breitengrad – doch in

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In achtzehn Jahrhunderten wurden nur fünf bis sechs Grad, also dreihundert bis dreihundertsechzig geografische Meilen, gewonnen. Viele Reisende versuchten, die Quellen des Nils zu erreichen, indem sie ihren Ausgangspunkt an der Ostküste Afrikas nahmen. Zwischen 1768 und 1772 brach der schottische Reisende Bruce von Massowah, einem Hafen in Abessinien, auf, durchquerte den Tigris, besuchte die Ruinen von Axum, suchte nach den Quellen des Nils – obwohl diese dort nicht existierten – und erzielte kein nennenswertes Ergebnis. Im Jahr 1844 gründete der anglikanische Missionar Dr. Krapf eine Station in Monbaz an der Küste von Zanguebar und entdeckte zusammen mit Reverend Dr. Rebmann zwei Gebirgszüge, die sich dreihundert Meilen von der Küste entfernt befanden. Es handelte sich um die Berge Kilimandscharo und Kenya, die kürzlich von den Herren de Heuglin und Thornton teilweise bestiegen wurden. Im Jahr 1845 landete der französische Entdecker Maizan allein in Bagamayo, direkt gegenüber von Sansibar, und gelangte bis nach Deje-la-Mhora, wo der Stammesführer ihn unter den grausamsten Qualen hinrichten ließ. Im August 1859 brach der junge Reisende Roscher aus Hamburg mit einer Karawane arabischer Händler auf, erreichte den Nyassa-See und wurde dort im Schlaf ermordet. Schließlich wurden im Jahr 1857 die Leutnants Burton und Speke, beide Offiziere in der Bengalen-Armee, von der Londoner Geographischen Gesellschaft beauftragt, die großen afrikanischen Seen zu erforschen. Am 17. Juni verließen sie Sansibar und machten sich direkt in Richtung Westen auf den Weg. Nach vier Monaten unvorstellbaren Leidens – während deren ihr Gepäck geplündert und ihre Begleiter geschlagen und getötet wurden – erreichten sie Kazeh, eine Art zentrales Treffpunkt für Händler und Karawanen. Sie befanden sich mitten im Land der „Mondmenschen“ und sammelten dort einige wertvolle Dokumente über die Sitten, Regierung, Religion sowie Fauna und Flora der Region. Anschließend machten sie sich auf den Weg zum ersten der großen Seen, dem Tanganjikasee, der zwischen dem dritten und achten Grad südlicher Breite liegt. Sie erreichten ihn am 14. Februar 1858 und besuchten die verschiedenen Stämme, die an seinen Ufern lebten – von denen die meisten Kannibalen waren. Sie brachen am 26. Mai wieder auf und kehrten am 20. Juni nach Kazeh zurück. Dort lag Burton, völlig erschöpft, mehrere Monate lang krank; in dieser Zeit unternahm Speke einen Vorstoß weiter nach Norden.

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mehr als dreihundert Meilen – bis zum Lake Okeracua, den er am 3. August in Sicht bekam; doch er konnte nur den Eingang des Sees bei einer Breite von zwei Grad dreißig Minuten erkennen. Auf seinem Rückweg erreichte er am 25. August Kazeh und nahm gemeinsam mit Burton erneut den Weg nach Sansibar auf, wo sie im März des folgenden Jahres ankamen. Diese beiden mutigen Entdecker kehrten anschließend nach England zurück; die Geografische Gesellschaft von Paris verlieh ihnen ihre jährliche Preismedaille. Dr. Ferguson merkte sorgfältig an, dass sie weder über den zweiten Grad südlicher Breite noch über den 29. Grad östlicher Länge hinausgegangen seien. Das Problem bestand daher darin, die Erkundungen von Burton und Speke mit denen von Dr. Barth in Verbindung zu bringen – schließlich bedeutete dies, ein Gebiet von mehr als zwölf Grad zu durchqueren.

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KAPITEL FÜNFT.

Kennedys Träume – Artikel und Pronomen im Plural –
Dicks Andeutungen – Eine Wanderung über die Karte Afrikas.
– Was sich zwischen zwei Kompasspunkten befindet –
Expeditionen zu Fuß – Speke und Grant – Krapf, De Decken und De Heuglin.

Dr. Ferguson trieb die Vorbereitungen für seine Abreise energisch voran und überwachte persönlich den Bau seines Ballons, wobei er bestimmte Änderungen vornahm; bezüglich dieser Änderungen bewahrte er jedoch völliges Stillschweigen. Schon seit längerer Zeit widmete er sich dem Studium der arabischen Sprache sowie der verschiedenen Mandingoe-Dialekte, und dank seines Talents als Polyglott machte er rasche Fortschritte. In der Zwischenzeit ließ sein Freund, der Sportler, ihn keine Sekunde aus den Augen – vermutlich aus Angst, der Arzt könnte ohne ein Wort an jemanden zu richten abreisen. Zu diesem Thema brachte er ihm die überzeugendsten Argumente vor, doch diese konnten Samuel Ferguson nicht überzeugen; seine bittenden Bemühungen blieben wirkungslos, und der Arzt schien davon nur wenig beeindruckt zu sein. Schließlich hatte Dick das Gefühl, der Arzt entgleite ihm immer mehr.

Der arme Schotte war wirklich bemitleidenswert. Er konnte den azurblauen Himmel nicht ansehen, ohne von düsterer Angst ergriffen zu werden; im Schlaf spürte er Schwingungen, die ihm schwindelig machten; jede Nacht hatte er Visionen davon, in unermesslichen Höhen geschwungen zu werden.
Wir müssen hinzufügen, dass er während dieser schrecklichen Albträume ein- oder zweimal aus dem Bett fiel. Seine erste Sorge bestand dann darin, Ferguson eine schwere Prellung am Schädel zu zeigen. „Und doch“, fügte er dann mit Begeisterung hinzu, „war das nur in einer Höhe von drei Fuß – keinen Zentimeter mehr – und schon eine solche Beule! Denken Sie nur!“

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Diese Andeutung, so traurig sie auch war, schien das Herz des Arztes nicht zu berühren.
„Wir werden nicht fallen“, lautete seine unveränderliche Antwort.
„Aber nehmen wir doch an, wir würden fallen!“
„Wir werden nicht fallen!“
Das war endgültig – Kennedy hatte nichts mehr zu sagen.
Was Dick besonders verärgerte, war, dass der Arzt offenbar völlig seine Persönlichkeit – Kennedys Persönlichkeit – aus den Augen verlor und ihn als jemanden betrachtete, der unweigerlich sein Luftreisebegleiter werden würde. Nicht einmal der geringste Zweifel wurde geäußert; außerdem missbrauchte Samuel unerträglich oft die erste Person Plural: „‚Wir‘ kommen gut voran; ‚wir‘ werden am—— bereit sein; ‚wir‘ werden am—— aufbrechen“ usw.
Außerdem gab es noch die Singular-Präpositionen: „‚Unser‘ Ballon; ‚unser‘ Auto; ‚unsere‘ Expedition.“ Im Plural genauso: „‚Unsere‘ Vorbereitungen; ‚unsere‘ Entdeckungen; ‚unsere‘ Aufstiege.“
Dick erschauderte bei diesen Worten – obwohl er fest entschlossen war, nicht mitzugehen – wollte er seinen Freund jedoch nicht verärgern. Wir sollten auch erwähnen, dass er, ohne genau zu wissen warum, nach Edinburgh geschickt hatte, um dort bestimmte Kleidungsstücke sowie seine besten Jagdausstattungen und Waffen zu holen.
Eines Tages, nachdem er zugegeben hatte, dass es bei überwältigendem Glück vielleicht eine Chance von tausend zu eins auf Erfolg gäbe, tat er so, als würde er sich vollständig den Wünschen des Arztes fügen – doch um die Reise weiter hinauszuzögern, nutzte er allerlei Ausreden. Er stellte die Nützlichkeit der Expedition in Frage – ihre Angemessenheit usw. Würde die Entdeckung der Quellen des Nils wirklich nützlich sein? Müsste man wirklich für das Wohl der Menschheit arbeiten? Wenn schließlich die afrikanischen Stämme zivilisiert wären – wären sie dann glücklicher? Befanden sich die Zentren der Zivilisation nicht eher dort als in Europa? Vielleicht! Und könnte man nicht noch etwas länger warten? Die Reise durch Afrika würde sicherlich eines Tages stattfinden – und auf weniger gefährliche Weise. In einem Monat oder in sechs Monaten bis zum Jahresende würde sicherlich ein Entdecker kommen – usw.

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Diese Hinweise hatten genau das Gegenteil der gewünschten oder beabsichtigten Wirkung – und der Arzt zitterte vor Ungeduld.
„Bist du also bereit, elender Dick – bist du bereit, falscher Freund – dass diese Ehre einem anderen zuteilwird? Muss ich dann untreu zu meiner Vergangenheit werden, vor Hindernissen zurückweichen, die gar nicht ernst sind, und mit feiger Zögerlichkeit das vergelten, was sowohl die englische Regierung als auch die Royal Society of London für mich getan haben?“
„Aber“, fuhr Kennedy fort, der dieses Konjunktiv sehr oft verwendete.
„Aber“, sagte der Arzt, „bist du dir denn nicht bewusst, dass meine Reise im Wettbewerb mit dem Erfolg der derzeit stattfindenden Expeditionen steht? Weißt du nicht, dass neue Entdecker auf dem Weg ins Zentrum Afrikas sind?“
„Trotzdem –“
„Hör mir zu, Dick, und schau dir diese Karte an.“
Dick warf einen resignierten Blick darauf.
„Nun, folge dem Lauf des Nils.“
„Ich habe ihn bereits gefolgt“, antwortete der Schotte gehorsam.
„Halte in Gondokoro an.“
„Ich bin dort.“
Kennedy dachte bei sich, wie einfach eine solche Reise auf der Karte erschien!
„Nun nimm einen der Markierungen und lege sie auf den Punkt jenseits dessen, wohin selbst die mutigsten Entdecker kaum vorgedrungen sind.“
„Das habe ich getan.“
„Und nun suche entlang der Küste nach der Insel Zanzibar, auf Breitengrad sechs Grad Süd.“
„Ich habe sie gefunden.“
„Nun folge derselben Breitengrade bis nach Kazeh.“
„Das habe ich getan.“
„Folge anschließend wieder dem 33. Längengrad bis zur Mündung des Sees Oukéréoué – an den Punkt, an dem Leutnant Speke anhalten musste.“
„Ich bin dort; noch ein wenig weiter, und ich wäre ins Meer gestürzt.“
„Sehr gut! Weißt du nun, was wir laut den Informationen der Stämme, die an seinen Ufern leben, annehmen dürfen?“
„Ich habe keine Ahnung.“

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„Nun, dieser See, dessen unteres Ende bei zwei Grad und dreißig Minuten liegt, muss auch zwei Grad und eine halbe Breite über dem Äquator erstrecken.“
„Wirklich!“
„Nun, von diesem nördlichen Ende fließt ein Fluss, der notwendigerweise in den Nil münden muss – falls es nicht der Nil selbst ist.“
„Das ist tatsächlich interessant.“
„Dann soll der andere Punkt Ihrer Messinstrumente auf jenem Ende des Sees Oukéréoué liegen.“
„Es ist erledigt, Freund Ferguson.“
„Wie viele Grad können Sie nun zwischen diesen beiden Punkten messen?“
„Kaum zwei.“
„Und wissen Sie, was das bedeutet, Dick?“
„Überhaupt nicht.“
„Nun, das ergibt kaum hundertzwanzig Meilen – mit anderen Worten: fast nichts.“
„Fast nichts, Samuel.“
„Wissen Sie, was im Moment vor sich geht?“
„Nein, bei meiner Ehre, das weiß ich nicht.“
„Nun gut, dann werde ich es Ihnen sagen. Die Geografische Gesellschaft betrachtet die Erkundung dieses Sees, von dem Speke einen Blick erhascht hat, als äußerst wichtig. Unter ihrer Schirmherrschaft hat Leutnant (heute Kapitän) Speke zusammen mit Kapitän Grant aus der Armee in Indien eine zahlreiche und gut ausgestattete Expedition ins Leben gerufen. Ihre Aufgabe besteht darin, den See hinaufzufahren und nach Gondokoro zurückzukehren. Sie haben eine Subvention von mehr als fünftausend Pfund erhalten, und der Gouverneur des Kap der Guten Hoffnung hat ihnen Hottentotten-Soldaten zur Verfügung gestellt. Sie brachen Ende Oktober 1860 von Sansibar auf. In der Zwischenzeit hat John Petherick, der englische Konsul in Khartum, etwa siebenhundert Pfund vom Außenministerium erhalten. Er soll in Khartum ein Dampfschiff ausrüsten, es mit ausreichenden Vorräten versorgen und nach Gondokoro aufbrechen. Dort wird er auf Spekes Karawane warten und deren Vorräte bis zu einem gewissen Grad auffüllen können.“
„Gut geplant“, sagte Kennedy.

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„Man kann also leicht erkennen, dass die Zeit drängt, wenn wir an diesen Erkundungsexpeditionen teilnehmen wollen. Und das ist noch nicht alles – während einige mit festen Schritten auf die Entdeckung der Quellen des Nils zusteuern, dringen andere bis ins Herz Afrikas vor.“
„Zu Fuß?“, fragte Kennedy.
„Ja, zu Fuß“, erwiderte der Arzt, ohne die Andeutung zu bemerken.
„Dr. Krapf schlägt vor, nach Westen vorzudringen, über den Djob, einen Fluss, der südlich des Äquators liegt. Baron de Decken ist bereits von Monbaz aufgebrochen, hat die Berge Kenias sowie den Kilimandscharo erkundet und dringt nun ins Landesinnere vor.“
„Aber die ganze Zeit zu Fuß?“
„Zu Fuß oder auf Maultieren.“
„Genau dasselbe, was mich betrifft“, rief Kennedy aus.
„Schließlich“, fuhr der Arzt fort, „hat Herr de Heuglin, der österreichische Vizekonsul in Khartum, gerade eine sehr wichtige Expedition organisiert. Ihr erstes Ziel ist es, den Reisenden Vogel zu suchen – der im Jahr 1853 nach Sudan geschickt wurde, um Dr. Barths Arbeit zu unterstützen. Im Jahr 1856 verließ er Bornou und beschloss, das unbekannte Land zwischen dem Tschadsee und Darfur zu erkunden. Seitdem hat man nichts mehr von ihm gehört. Briefe, die 1860 in Alexandria eingetroffen sind, besagen, er sei auf Befehl des Königs von Wadai getötet worden; doch andere Briefe, die Dr. Hartmann an den Vater des Reisenden richtete, berichten, dass Vogel laut Aussage eines Felatah aus Bornou lediglich in Wara gefangen gehalten wurde. Somit ist nicht alle Hoffnung verloren. Deshalb wurde ein Komitee unter der Leitung des Regenten von Sachsen-Coburg-Gotha gebildet; mein Freund Petermann ist dessen Sekretär. Eine nationale Spende deckt die Kosten der Expedition – deren Stärke durch den freiwilligen Beitritt mehrerer Gelehrter erhöht wurde. Herr de Heuglin brach im Juni von Massawa auf. Während er nach Vogel sucht, soll er auch das gesamte Gebiet zwischen dem Nil und dem Tschadsee erkunden – das heißt, die Aktivitäten von Kapitän Speke und Dr. Barth miteinander verbinden. Dann wird Afrika von Ost nach West durchquert sein.“[1]
[1] Nach dem Aufbruch von Dr. Ferguson stellte sich heraus, dass Herr de Heuglin aufgrund einiger Meinungsverschiedenheiten einen anderen Weg als dem zugewiesenen für seine Expedition wählte; das Kommando über diese wurde daraufhin an Herrn Muntzinger übertragen.

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„Nun“, sagte der listige Schotte, „da alles so gut voranschreitet – wozu sollen wir dann dorthin gehen?“
Dr. Ferguson antwortete nicht, sondern begnügte sich mit einem bedeutungsvollen Schulterzucken.

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KAPITEL SECHSTES.

Ein Diener – passend zu ihm! – Er kann die Satelliten des Jupiters sehen. Dick und Joe arbeiten hart. Zweifel und Glaube. Die Wiegezeremonie. Joe und Wellington. Er erhält eine Halbkrone.

Dr. Ferguson hatte einen Diener, der sich Joe nannte und sofort bereit war, Befehle auszuführen. Er war ein hervorragender Mensch, der seinem Herrn größtes Vertrauen entgegenbrachte sowie uneingeschränkte Hingabe für dessen Interessen zeigte. Er ahnte sogar die Wünsche und Befehle seines Herrn voraus und führte sie stets klug aus. Kurz gesagt: Er war wie ein „Caleb“ – nur ohne das Knurren – und ein perfektes Vorbild für ständige gute Laune. Hätte man ihn extra für diese Aufgabe geschaffen, könnte es nicht besser gemacht werden. Ferguson überließ ihm alle alltäglichen Angelegenheiten – und das funktionierte hervorragend. Unvergleichlich, dieser aufrichtige Joe! Ein Diener, der Ihr Abendessen bestellt, das Gleiche mag wie Sie, Ihren Koffer packt, ohne Socken oder Wäsche zu vergessen, sich um Ihre Schlüssel und Geheimnisse kümmert – und dennoch keinen Vorteil daraus zieht!

Aber welch großartiger Mann war doch der Doktor in den Augen dieses braven Joe! Mit welchem Respekt und welchem Vertrauen nahm dieser alle Entscheidungen des Doktors entgegen! Wenn Ferguson etwas sagte, wäre es dumm, daran zu zweifeln. Alles, was er dachte, war genau richtig; alles, was er sagte, war vollkommene Weisheit; alles, was er anordnete, war durchführbar; alles, was er unternahm, war praktikabel; alles, was er erreichte, war bewundernswert. Man könnte Joe in Stücke schneiden – sicherlich keine angenehme Prozedur – und doch würde er seine Meinung über seinen Herrn nicht ändern.

Als der Doktor also den Plan fasste, Afrika per Flugzeug zu durchqueren, war für Joe die Sache bereits erledigt; es gab keine Hindernisse mehr. Von dem Moment an, in dem der Doktor beschloss loszuziehen, war er bereits angekommen.

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Ebenso sein treuer Diener – denn der edle Mann wusste, ohne ein Wort darüber zu verlieren, dass er zu der Gruppe gehören würde. Zudem war er genau der Richtige, um durch seine Intelligenz und seine bemerkenswerte Geschicklichkeit den größten Beitrag zu leisten. Hätte es die Möglichkeit gegeben, einen Professor für Gymnastik für die Affen im Zoologischen Garten zu ernennen – die übrigens klug genug sind! – dann hätte Joe sicherlich diese Stelle erhalten. Springen, Klettern, fast Fliegen – das alles war für ihn Sport. Wenn Ferguson der Anführer und Kennedy der Arm war, dann sollte Joe die rechte Hand der Expedition sein. Er hatte bereits seinen Herrn auf mehreren Reisen begleitet und besaß einiges an Wissen, das zu seinem Stand und seiner Denkweise passte. Besonders hervorzuheben war jedoch eine Art sanfte Philosophie sowie ein charmanter Optimismus. In seinen Augen war alles einfach, logisch und natürlich – daher sah er keinen Sinn darin, sich zu beschweren oder zu murren. Unter anderem besaß er eine Kraft sowie eine Sehweite, die völlig erstaunlich waren. Gemeinsam mit Keplers Professor Moestlin hatte er die seltene Fähigkeit, die Monde des Jupiters mit bloßem Auge zu erkennen sowie vierzehn Sterne der Plejaden zu zählen – wobei der entfernteste nur eine Neuntelstärke hatte. Dennoch übertrieb er nicht; im Gegenteil: Aus der Ferne verbeugte er sich vor Ihnen und wusste bei Bedarf tapfer, wie er seine Augen einzusetzen hatte. Angesichts des tiefen Vertrauens, das Joe in den Doktor hatte, ist es kein Wunder, dass ständig Diskussionen zwischen ihm und Kennedy entstanden – allerdings ohne jeglichen Mangel an Respekt gegenüber dem Letzteren. Der Eine zweifelte, der Andere glaubte; der Eine hatte eine vorsichtige Voraussicht, der Andere blinden Glauben. Der Doktor hingegen schwankte zwischen Zweifel und Vertrauen – mit anderen Worten: Er machte sich weder mit dem einen noch mit dem anderen Sorgen. „Nun, Herr Kennedy“, sagte Joe. „Nun, mein Junge?“ „Der Moment ist gekommen. Es scheint, wir werden zum Mond segeln.“ „Sie meinen die Mondberge – die sind ja nicht ganz so weit weg. Aber machen Sie sich keine Sorgen, eine Reise ist genauso gefährlich wie die andere!“ „Gefährlich? Was! Mit einem Mann wie Dr. Ferguson?“

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„Ich möchte Ihnen keine Illusionen rauben, mein guter Joe – aber dieses Vorhaben von ihm ist nichts anderes als das Handeln eines Verrückten. Er wird trotzdem nicht gehen!“
„Er wird nicht gehen, ja? Dann haben Sie seinen Ballon also noch nicht in Mitchells Fabrik im Borough gesehen?“
„Ich werde mich hüten, in seine Nähe zu kommen!“
„Nun, dann verpassen Sie etwas Wunderbares, Sir. Was für ein prächtiges Ding! Was für eine schöne Form! Was für ein tolles Fahrzeug! Wie gemütlich es darin sein wird!“
„Sie meinen also wirklich, mit Ihrem Herrn mitzugehen?“
„Ich?“, antwortete Joe mit tiefer Überzeugung. „Aber natürlich! Ich würde mit ihm überallhin gehen, wohin er auch will! Wer hat schon von so etwas gehört? Soll er doch allein losziehen, nachdem wir gemeinsam die ganze Welt bereist haben! Wer würde ihm helfen, wenn er müde ist? Wer würde ihm beim Klettern über die Felsen helfen? Wer würde sich um ihn kümmern, wenn er krank ist? Nein, Herr Kennedy – Joe wird immer bei seinem Herrn bleiben!“
„Sie sind wirklich ein guter Kerl, Joe!“
„Dann kommen Sie also mit uns!“
„Oh! Natürlich“, sagte Kennedy. „Das heißt, ich werde bis zum letzten Moment mit Ihnen gehen, damit Samuel auch dann nicht zu einem solchen Unsinn greift! Ich werde ihm bis nach Sansibar folgen, um ihn dort, falls möglich, aufzuhalten.“
„Sie werden gar nichts erreichen, Herr Kennedy – mit allem Respekt vor Ihnen. Mein Herr ist kein leichtsinniger Mensch; er überlegt lange, bevor er etwas unternimmt. Und einmal angefangen, könnte selbst der Teufel nicht dazu bringen, dass er davon ablässt.“
„Nun, wir werden sehen.“
„Übertreiben Sie es nicht, Sir – aber das Wichtigste ist, dass Sie bei uns sind. Für einen Jäger wie Sie ist Afrika ein großartiges Land. Auf jeden Fall werden Sie diese Reise nicht bereuen.“
„Nein, das stimmt – ich werde sie nicht bereuen, wenn ich diesen Verrückten dazu bringen kann, auf seinen Plan zu verzichten.“
„Übrigens“, sagte Joe, „wissen Sie, dass heute die Wiegeung stattfindet.“
„Die Wiegeung – welche Wiegeung?“
„Nun, mein Herr, Sie und ich – wir alle werden heute gewogen!“

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„Was! Wie Pferderennreiter?“
„Ja, wie Reiter. Nur – keine Sorge, man wird nicht von Ihnen verlangen, sich schlanker zu machen, falls Sie zu schwer sind. Sie können einfach so hingehen, wie Sie sind.“
„Nun, ich kann Ihnen sagen: Ich werde mich auf keinen Fall wiegen lassen“, sagte Kennedy entschlossen.
„Aber, Sir, es scheint, als wäre das von der Maschine des Arztes erforderlich.“
„Nun, dann muss seine Maschine ohne das auskommen.“
„Hm! Und was ist, wenn die Maschine die Gewichtsangabe nicht anzeigen kann?“
„Um Himmels willen! Das ist genau das, was ich will!“
„Kommen Sie schon, Herr Kennedy! Mein Meister wird uns gleich rufen.“
„Ich werde nicht gehen.“
„Oh! Bitte, ärgern Sie den Arzt doch nicht auf diese Weise!“
„Doch! Das werde ich tun.“
„Nun“, sagte Joe lachend, „Sie sagen das nur, weil er gerade nicht hier ist. Aber wenn er Ihnen ins Gesicht sagt: ‚Dick!‘ (mit allem Respekt vor Ihnen, Sir) ‚Dick, ich möchte genau wissen, wie viel Sie wiegen‘, dann werden Sie sicher hingehen.“
„Nein, ich werde nicht gehen!“
In diesem Moment betrat der Arzt sein Arbeitszimmer, in dem diese Diskussion stattgefunden hatte. Als er eintrat, warf er einen Blick auf Kennedy, der sich keineswegs wohl fühlte.
„Dick“, sagte der Arzt, „kommen Sie mit Joe. Ich möchte wissen, wie viel Sie beide wiegen.“
„Aber–“
„Sie können Ihren Hut aufbehalten. Kommen Sie!“ Und Kennedy ging mit.
Gemeinsam begaben sie sich in die Werkstatt der Herren Mitchell, wo eine dieser sogenannten „römischen“ Waagen bereitstand. Es war nämlich notwendig, dass der Arzt das Gewicht seiner Begleiter kannte, um das Gleichgewicht seines Ballons zu bestimmen. Deshalb ließ er Dick auf die Plattform der Waage steigen. Dieser leistete keinen Widerstand und sagte leise:
„Oh! Nun, das bindet mich doch zu nichts.“
„Einhundertfünfundfünfzig Pfund“, sagte der Arzt und notierte die Zahl in seinen Unterlagen.

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„Bin ich zu schwer?“
„Aber nein, Herr Kennedy!“, sagte Joe. „Und außerdem bin ich leicht – das macht es wieder wett.“
Mit Begeisterung stellte sich Joe daraufhin auf die Waage – doch in seiner Eile brachte er sie fast aus dem Gleichgewicht. Er nahm die Haltung ein, wie sie Wellington bei der Einfahrt in Hyde Park einnimmt, um Achilles nachzuahmen – und sah dabei großartig aus, ohne Schild.
„Einhundertzwanzig Pfund“, schrieb der Arzt.
„Ah! Ha!“, sagte Joe mit zufriedenem Lächeln. Doch warum lächelte er? Das konnte er sich selbst nie erklären.
„Jetzt ist meine Reihe“, sagte Ferguson – und notierte einhundertdreiunddreißig Pfund für sich selbst.
„Wir drei zusammen wiegen nicht viel mehr als vierhundert Pfund“, sagte er.
„Aber, Sir“, sagte Joe, „falls es für Ihre Expedition notwendig ist, könnte ich mich um zwanzig Pfund leichter machen, indem ich weniger esse.“
„Sinnlos, mein Junge!“, antwortete der Arzt. „Du kannst so viel essen, wie du willst – und hier, nimm einen halben Kronen, damit du dir Ballast kaufen kannst.“

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KAPITEL SIEBEN.

Geometrische Details – Berechnung der Kapazität des Ballons – Der doppelte Behälter – Die Abdeckung – Das Fahrzeug – Das geheimnisvolle Gerät – Vorräte und Lagerbestände – Zusammenfassung.

Dr. Ferguson hatte sich bereits seit längerer Zeit mit den Details seiner Expedition beschäftigt. Es ist leicht nachzuvollziehen, dass der Ballon – dieses wunderbare Fahrzeug, das ihn durch die Luft tragen sollte – stets Gegenstand seiner Sorgen war. Um dem Ballon keine zu großen Abmessungen zu geben, entschied er sich zunächst dafür, ihn mit Wasserstoffgas zu füllen, das vierzehnhalb Mal leichter als normale Luft ist. Die Erzeugung dieses Gases ist einfach, und es hat bislang bei aerostatischen Experimenten große Zufriedenheit bereitet. Der Arzt stellte anhand sehr genauer Berechnungen fest, dass er zusammen mit den für seine Reise unverzichtbaren Gegenständen sowie seinem Gerät ein Gewicht von 4.000 Pfund tragen musste. Daher musste er herausfinden, welche Auftriebskraft ein Ballon haben würde, der ein solches Gewicht heben konnte – und somit auch seine Kapazität. Ein Gewicht von viertausend Pfund entspricht einer Luftverdrängung von vierundvierzigtausendachthundertvierundsiebzig Kubikfuß; mit anderen Worten: Vierundvierzigtausendachthundertvierundsiebzig Kubikfuß Luft wiegen etwa viertausend Pfund. Wenn man dem Ballon diese Kubikabmessungen gibt und ihn statt mit normaler Luft mit Wasserstoffgas füllt – wobei Wasserstoff vierzehnhalb Mal leichter ist und daher nur zweihundertsiebenundsechzig Pfund wiegt – entsteht eine Unterschiedsgewicht von dreitausendsiebenhundertzwanzig Pfund. Genau dieser Unterschied zwischen dem Gewicht des im Ballon enthaltenen Gases und dem Gewicht der umgebenden Atmosphäre bildet die Auftriebskraft des Ballons.

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Würden jedoch die vierundvierzigtausendachthundertvierundsiebzig Kubikfuß an Gas, von denen wir sprechen, vollständig in den Ballon eingefüllt werden, wäre er vollständig gefüllt – doch das wäre nicht möglich, denn je höher der Ballon in die dünneren Schichten der Atmosphäre stieg, desto mehr würde sich das darin befindliche Gas ausdehnen und bald den Behälter, der es enthält, zum Platzen bringen. Deshalb werden Ballone in der Regel nur zu zwei Dritteln gefüllt.

Doch der Arzt beschloss, bei der Umsetzung eines nur ihm bekannten Plans seinen Ballon nur zu einem Drittel zu füllen. Da er vierundvierzigtausendachthundertvierundsiebzig Kubikfuß an Gas mitnehmen musste, um seinem Ballon eine fast doppelt so große Kapazität zu verleihen, gab er ihm die längliche, ovale Form, die seither bevorzugt wird. Der horizontale Durchmesser betrug fünfzig Fuß, der vertikale Durchmesser siebzigfünf Fuß. So erhielt er einen Sphäroid, dessen Kapazität in gerundeten Zahlen neunzigtausend Kubikfuß betrug.

Hätte Dr. Ferguson zwei Ballone verwenden können, wären seine Chancen auf Erfolg gestiegen; denn falls einer von ihnen in der Luft platzen würde, könnte er durch das Auswerfen von Ballast mit dem anderen weiter steigen. Doch die Steuerung von zwei Ballonen wäre aufgrund der Notwendigkeit, beide mit gleichem Auftrieb zu halten, unweigerlich sehr schwierig gewesen.

Nach sorgfältiger Überlegung kombinierte Dr. Ferguson durch eine einfallsreiche Lösung die Vorteile zweier Ballone, ohne deren Nachteile in Kauf nehmen zu müssen. Er baute zwei Ballone unterschiedlicher Größe und umschloss den kleineren im größeren. Sein äußerer Ballon, der die oben genannten Abmessungen hatte, enthielt einen kleineren Ballon derselben Form, dessen horizontaler Durchmesser nur vierzigfünf Fuß und der vertikale Durchmesser sechzigacht Fuß betrug. Die Kapazität dieses inneren Ballons lag bei nur sechzigtausendsiebenhundert Kubikfuß; er sollte in der ihn umgebenden Flüssigkeit schweben. Eine Ventilverbindung ermöglichte den Austausch zwischen den beiden Ballonen, sodass der Luftschiffer mit beiden kommunizieren konnte.

Dieses Arrangement hatte den Vorteil, dass, falls Gas abgelassen werden musste, um abzusteigen, zunächst das Gas aus dem äußeren Ballon entweichen würde; und falls dieser vollständig entleert wäre, bliebe der kleinere Ballon weiterhin intakt. Dann könnte die äußere Hülle als nutzloser Ballast abgeworfen werden; der zweite Ballon, der nun frei war, würde nicht denselben Auftrieb gegen die Luftströmungen bieten wie ein halb aufgeblasener Ballon.

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Außerdem würde im Falle eines Unfalls am äußeren Ballon – beispielsweise durch ein Reißen – der andere Ballon unbeschädigt bleiben. Die Ballons waren aus einem starken, aber leichten Lyons-Seidenstoff hergestellt, der mit Guttapercha überzogen war. Diese gummiartige, harzige Substanz ist völlig wasserdicht und widersteht außerdem perfekt Säuren sowie Gasen. Der Seidenstoff wurde an dem oberen Ende des Ovals, wo die größten Belastungen entstanden, doppelt angelegt. Eine solche Hülle konnte das Füllgas über einen längeren Zeitraum aufbewahren. Sie wog eineinhalb Pfund pro neun Quadratfuß. Da die Oberfläche des äußeren Ballons etwa elftausendsechshundert Quadratfuß betrug, wog seine Hülle sechshundertfünfzig Pfund. Die Hülle des zweiten, also inneren Ballons, mit einer Oberfläche von neuntausendzweihundert Quadratfuß, wog nur etwa fünfhundertzehn Pfund – insgesamt also elfhundertsiebzig Pfund für beide Hüllen. Das Netz, das den Wagen stützte, bestand aus sehr starken Hanfseilen. Die beiden Ventile wurden mit der größten Sorgfalt behandelt, genauso wie das Ruder eines Schiffes. Der Wagen hatte eine kreisförmige Form und einen Durchmesser von fünfzehn Fuß; er war aus Weidengeflecht gefertigt, mit einer dünnen Eisenbeschichtung verstärkt und unten durch ein System aus elastischen Federn geschützt, um die Erschütterungen bei Kollisionen abzufedern. Sein Gewicht zusammen mit dem des Netzes überstieg nicht zweihundertfünfzig Pfund. Neben dem oben Genannten ließ der Arzt zwei aus Blech gefertigte Behälter mit einer Dicke von zwei Linien anfertigen. Diese wurden mithilfe von Rohren mit Ventilen miteinander verbunden. An diese wurden außerdem eine Spirale mit einem Durchmesser von zwei Zoll angeschlossen; sie endete in zwei Teilen unterschiedlicher Länge. Der längere Teil war fünfundzwanzig Fuß lang, der kürzere nur fünfzehn Fuß. Die Blechbehälter wurden so im Wagen untergebracht, dass möglichst wenig Platz beansprucht wurde. Die Spirale, die erst zu einem späteren Zeitpunkt justiert werden sollte, wurde getrennt aufbewahrt, zusammen mit einer sehr starken Buntzen- elektrischen Batterie. Dieses Gerät war so klug konstruiert, dass es selbst inklusive fünfundzwanzig Gallonen Wasser in einem weiteren Behälter nicht mehr als siebenhundert Pfund wog. Zu den Instrumenten, die für die Reise benötigt wurden, gehörten zwei Barometer, zwei Thermometer, zwei Kompasse, ein Sextant, zwei Chronometer sowie ein…

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Künstlicher Horizont sowie ein Altazimut, um die Höhe entfernter und unzugänglicher Objekte zu bestimmen.
Das Greenwich-Observatorium stand dem Arzt zur Verfügung. Letzterer hatte jedoch nicht die Absicht, Physikexperimente durchzuführen; er wollte lediglich wissen, in welche Richtung er unterwegs war, sowie die Lage der wichtigsten Flüsse, Berge und Städte ermitteln.
Er stellte sich außerdem drei gründlich getestete Eisennägel sowie eine leichte, aber starke Seilleiter mit einer Länge von fünfzig Fuß zur Verfügung. Gleichzeitig wog er sorgfältig seine Vorräte ab – diese bestanden aus Tee, Kaffee, Keksen, gesalzenem Fleisch sowie Pemmikan, einer Mischung, die viele Nährstoffe in einem kleinen Raum enthält. Neben ausreichenden Vorräten an reinem Brandy stellte er zwei Wassertanks bereit, von denen jeder zwanzig zwei Gallonen fasste.
Der Verbrauch dieser Vorräte würde notwendigerweise allmählich das Gewicht verringern, das getragen werden musste – schließlich ist das Gleichgewicht eines in der Atmosphäre schwebenden Ballons äußerst empfindlich. Schon ein fast unbedeutender Gewichtsverlust reicht aus, um eine deutliche Verschiebung hervorzurufen.
Auch vergaß der Arzt weder ein Dach über dem Fahrzeug noch die Decken und Bettdecken, die als Schlafunterlage dienen sollten, noch einige Schusswaffen samt dem notwendigen Pulver und Munition.
Hier ist eine Übersicht seiner verschiedenen Gegenstände sowie deren Gewicht, wie er es berechnet hatte:
Ferguson: 135 Pfund
Kennedy: 153 Pfund
Joe: 120 Pfund
Gewicht des Außenballons: 650 Pfund
Gewicht des zweiten Ballons: 510 Pfund
Fahrzeug und Netzwerk: 280 Pfund
Anker, Instrumente, Dächer usw.: 190 Pfund
Sowie verschiedene Geräte, Waffen, Decken usw.: …
Fleisch, Pemmikan, Kekse, Tee, Kaffee, Brandy: 386 Pfund
Wasser: 400 Pfund
Apparaturen: 700 Pfund

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Gewicht des Wassersstoffs: 276 „
Ballast: 200 „
——
4.000 Pfund
Das waren die Gegenstände im Gesamtwert von viertausend Pfund, die Dr. Ferguson mitnehmen wollte. Er nahm nur zweihundert Pfund Ballast mit für „unvorhergesehene Notfälle“, wie er sagte – schließlich rechnete er aufgrund der Besonderheiten seines Apparats nicht damit, den Ballast überhaupt benötigen zu müssen.

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KAPITEL ACHT.

Joes Bedeutung – Der Kommandant der Resolute –
Kennedys Waffenlager – Gemeinsame Annehmlichkeiten – Das Abschiedsessen – Abreise am 21. Februar – Die wissenschaftlichen Sitzungen des Arztes – Duveyrier – Livingstone – Details der Luftreise – Kennedy wird zum Schweigen gebracht.

Um den 10. Februar herum waren die Vorbereitungen weitgehend abgeschlossen; die Ballons, fest miteinander verbunden, waren vollständig fertiggestellt. Sie wurden an allen Stellen einer starken pneumatischen Druckbelastung ausgesetzt, und die Tests zeigten hervorragende Ergebnisse bezüglich ihrer Festigkeit sowie der Sorgfalt bei ihrer Konstruktion.
Joe wusste kaum, was er tat – doch er tat es mit großer Freude. Er eilte ununterbrochen hin und her zwischen seinem Zuhause in Greek Street und dem Betrieb von Mitchell, immer beschäftigt, doch stets in bester Stimmung. Er erzählte allen möglichen Leuten Details über die Angelegenheit – obwohl diese ihn gar nicht danach fragten –, so stolz war er vor allem darauf, seinen Herrn begleiten zu dürfen. Ich habe sogar den Verdacht, dass dieser kluge Bursche durch das Zeigen der Ballone, das Erklären der Pläne und Vorstellungen des Arztes, das Zeigen desselben den Leuten durch ein halb geöffnetes Fenster oder das Hinweisen auf ihn, wenn er durch die Straßen ging, ein paar Münzen verdiente – doch wir sollten ihm deswegen keinen Vorwurf machen. Er hatte genauso viel Recht wie jeder andere, von der Bewunderung und Neugierde seiner Zeitgenossen zu profitieren.
Am 16. Februar legte die Resolute in der Nähe von Greenwich Anker. Es handelte sich um ein Schiff mit Schraubenantrieb und einer Tonnage von achthundert Tonnen – ein schnelles Segelschiff, das eigens in die Polargebiete geschickt worden war, um die letzte Expedition von Sir James Ross mit Vorräten zu versorgen. Ihr Kommandant, Kapitän Bennet, galt als sehr freundlicher Mensch. Er zeigte besonderes Interesse an der Expedition des Arztes, da er bereits seit langer Zeit einer seiner Bewunderer gewesen war. Bennet war eher ein Wissenschaftler denn ein Krieger – was…

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Allerdings sollte dies seine Schiff nicht daran hindern, vier Carronaden mitzuführen – Waffen, die zwar sicherlich noch nie jemandem Schaden zugefügt hatten, aber den friedlichsten Zwecken dienten, die es gibt. Der Laderaum der Resolute war so eingerichtet, dass dort Platz für den Ballon vorhanden war. Dieser wurde am 18. Februar mit größter Vorsicht transportiert und anschließend sorgfältig am Boden des Schiffes untergebracht, um Unfälle zu vermeiden. Das Fahrzeug samt seinen Zubehörteilen, die Anker, die Seile, die Vorräte sowie die Wasserbehälter, die bei Ankunft gefüllt werden sollten, wurden allesamt an Bord gebracht und unter Fergusons eigenem Aufsicht untergebracht. Zehn Tonnen Schwefelsäure sowie zehn Tonnen Eisenspäne wurden an Bord gebracht, um in Zukunft Wasserstoffgas herstellen zu können. Die Menge reichte mehr als aus, doch es war gut, auf Unfälle vorbereitet zu sein. Auch das Gerät zur Herstellung des Gases sowie etwa dreißig leere Fässer wurden im Laderaum gelagert. Diese verschiedenen Vorbereitungen waren am Abend des 18. Februar abgeschlossen. Zwei gemütlich eingerichtete Räume standen bereit, um Dr. Ferguson und seinen Freund Kennedy aufzunehmen. Letzterer schwor zwar die ganze Zeit, er würde nicht mitkommen, stieg aber dennoch mit einer ganzen Sammlung von Jagdwaffen an Bord – darunter zwei Doppelläufige Flinten sowie ein Gewehr der Marke Purdey, Moore & Dickson aus Edinburgh, das allen Prüfungen standgehalten hatte. Mit einer solchen Waffe hätte ein Schütze ohne Schwierigkeiten eine Kugel ins Auge eines Chamäleons aus einer Entfernung von zweitausend Schritten schießen können. Neben diesen Waffen hatte er noch zwei Colt-Sechsschüsser für unvorhergesehene Notfälle. Seine Pulverdose, seine Patronentasche, sein Blei sowie seine Kugeln überschritten nicht das vom Arzt festgelegte Gewicht. Die drei Reisenden richteten sich während der Arbeitszeit am 19. Februar an Bord ein. Sie wurden von dem Kapitän und seinen Offizieren mit großer Ehre empfangen. Der Arzt blieb weiterhin zurückhaltend und dachte nur an seine Expedition. Dick schien sehr bewegt zu sein, wollte es aber nicht zeigen; Joe hingegen tanzte fast und machte lächerliche Bemerkungen. Der gute Kerl wurde bald zum Narren und Fröhlichen in der Mannschaftsmesse – dort war bereits ein Platz für ihn reserviert worden. Am 20. wurde von der Royal Geographical Society ein großes Abschiedsessen für Dr. Ferguson und Kennedy veranstaltet. Commander Bennet und seine…

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Offiziere waren bei der Feier anwesend – was durch reichliche Getränke und zahlreiche Toasts zum Ausdruck kam. Es wurden genügend Trinksprüche ausgesprochen, um allen Gästen ein langes Leben zu garantieren. Sir Francis M—— leitete die Feier mit zurückhaltender, doch würdevoller Haltung. Zu seiner eigenen großen Verwirrung erhielt Dick Kennedy einen großen Anteil an den fröhlichen Glückwünschen des Abends. Nachdem sie auf den „unerschrockenen Ferguson, die Ehre Englands“, getrunken hatten, mussten sie auch auf „den nicht weniger mutigen Kennedy, seinen kühnen Begleiter“ trinken. Dick wurde rot im Gesicht – das galt als Bescheidenheit. Daraufhin verdoppelte sich der Beifall, und Dick wurde erneut rot. Während sie den Dessert aßen, erreichte sie eine Nachricht von der Königin. Ihre Majestät überbrachte ihren Gruß an die beiden Reisenden und drückte den Wunsch nach einer sicheren und erfolgreichen Reise aus. Das machte natürlich weitere Trinksprüche auf „Ihre königliche Majestät“ notwendig. Mitternachtlich, nach herzlichen Abschiedsworten und festem Händedruck, trennten sich die Gäste. Die Boote der Resolute warteten bereits am Fuß der Westminster Bridge. Der Kapitän stieg zusammen mit seinen Offizieren und Passagieren ein. Der starke Strom der Themse, unterstützt von den kräftigen Armen der Ruderer, trug sie schnell nach Greenwich. Innerhalb einer Stunde schliefen alle an Bord. Am nächsten Morgen, am 21. Februar, um drei Uhr, begannen die Öfen zu dröhnen; um fünf Uhr wurden die Anker gelichtet, und die Resolute, stark angetrieben von ihrem Propeller, setzte ihre Fahrt in Richtung Mündung der Themse fort. Es versteht sich von selbst, dass das Thema aller Gespräche an Bord die Unternehmung von Dr. Ferguson war. Durch das Sehen und Hören des Arztes gewann jeder bald so viel Vertrauen, dass es nach kurzer Zeit niemanden mehr an Bord gab – außer dem ungläubigen Schotten –, der auch nur den geringsten Zweifel an der vollkommenen Machbarkeit und dem Erfolg der Expedition hatte. Während der langen, stillen Stunden der Reise hielt der Arzt regelmäßig Vorträge über Geowissenschaften im Offiziersraum. Diese jungen Männer zeigten großes Interesse an den Entdeckungen, die in den letzten vierzig Jahren in Afrika gemacht worden waren. Der Arzt berichtete ihnen von den Erkundungen von Barth, Burton, Speke und Grant und beschrieb die Wunder dieses weiten, geheimnisvollen Landes, das nun in allen Richtungen für wissenschaftliche Untersuchungen zugänglich war. Im Norden erkundete der junge Duveyrier die Sahara.

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Die Anführer der Tuareg nach Paris zu bringen. Unter der Anregung der französischen Regierung wurden zwei Expeditionen vorbereitet, die vom Norden und vom Westen kommend sich in Timbuktu treffen sollten. Im Süden rückte der unermüdliche Livingstone weiter in Richtung Äquator vor; seit März 1862 hatte er zusammen mit Mackenzie den Fluss Rovoonia hinaufgefahren. Das 19. Jahrhundert werde sicherlich nicht vergehen, ohne dass Afrika gezwungen sei, die Geheimnisse preiszugeben, die es seit sechstausend Jahren in seinem Schoß verborgen hielt, argumentierte der Arzt.

Doch das Interesse der Zuhörer von Dr. Ferguson erreichte seinen Höhepunkt, als er ihnen detailliert von den Vorbereitungen für seine eigene Reise berichtete. Sie freuten sich daran, seine Berechnungen zu überprüfen; sie diskutierten sie – und der Arzt nahm offen an der Diskussion teil.

Im Allgemeinen waren sie überrascht über die begrenzte Menge an Vorräten, die er mitnahm; eines Tages stellte ihm einer der Offiziere dazu eine Frage.

„Dieser besondere Punkt überrascht Sie, nicht wahr?“, sagte Ferguson.
„Ja, tatsächlich.“
„Aber wie lange glauben Sie, wird meine Reise dauern? Ganze Monate? Wenn dem so ist, irren Sie sich gewaltig. Wäre es eine lange Reise, würden wir verloren gehen – wir würden niemals zurückkehren. Aber Sie müssen wissen: Die Entfernung von Sansibar bis zur Küste des Senegal beträgt nur dreitausendfünfhundert – sagen wir viertausend Meilen. Nun, bei einer Geschwindigkeit von zweihundertvierzig Meilen pro Zwölfstunden – was bei weitem nicht so schnell ist wie unsere Eisenbahnzüge – würde es bei Tag- und Nachtritt nur sieben Tage dauern, Afrika zu durchqueren!“
„Aber dann könnten Sie nichts sehen, keine geografischen Beobachtungen anstellen oder das Land erkunden.“
„Ah!“, antwortete der Arzt, „wenn ich Herr meines Ballons bin – wenn ich nach Belieben aufsteigen und absinken kann, werde ich anhalten, wann immer ich will, besonders dann, wenn zu starke Luftströmungen drohen, mich mit sich fortzureißen.“
„Und solche Strömungen werden Sie antreffen“, sagte Kapitän Bennet. „Es gibt Tornados, die mit einer Geschwindigkeit von mehr als zweihundertvierzig Meilen pro Stunde wehen.“
„Sie sehen also, dass wir bei einer solchen Geschwindigkeit Afrika in zwölf Stunden durchqueren könnten. Man würde in Sansibar aufbrechen und in St. Louis ins Bett gehen!“

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„Aber“, erwiderte der Offizier, „kann ein Ballon der Belastung und Abnutzung bei einer solchen Geschwindigkeit standhalten?“
„Das ist schon einmal passiert“, antwortete Ferguson.
„Und der Ballon hat es überstanden?“
„Vollkommen gut. Es war zur Krönung Napoleons im Jahr 1804. Der Aeronaut Garnerin ließ in Paris gegen elf Uhr abends einen Ballon steigen. Auf ihm stand in goldenen Buchstaben folgende Inschrift: ‚Paris, 25 Frimaire; Jahr XIII; Krönung des Kaisers Napoleon durch Seine Heiligkeit Pius VII.‘ Am nächsten Morgen sahen die Einwohner Roms denselben Ballon über dem Vatikan schweben; von dort aus überquerte er die Campagna und landete schließlich im See von Bracciano. Wie Sie sehen, meine Herren, kann ein Ballon solchen Geschwindigkeiten standhalten.“
„Ein Ballon – das mag sein; aber ein Mensch?“, fragte Kennedy.
„Ja, auch ein Mensch! Denn der Ballon bleibt immer relativ zum umgebenden Luftstrom ruhig. Was sich bewegt, ist die Atmosphäre selbst: Man kann beispielsweise eine Kerze im Ballon anzünden – die Flamme wird dabei nicht einmal zittern. Ein Aeronaut in Garnerins Ballon hätte durch die Geschwindigkeit keinerlei Schaden erlitten. Doch ich habe keinen Grund, solche Geschwindigkeiten zu erreichen; und wenn ich nachts an einem Baum oder an einer günstigen Unebenheit des Bodens anlegen kann, werde ich das sicher tun. Außerdem nehmen wir ja Vorräte für zwei Monate mit – und es gibt nichts, was unseren geschickten Jäger daran hindern könnte, uns reichlich Beute zur Verfügung zu stellen, wenn wir landen.“
„Ah! Herr Kennedy“, sagte ein junger Midshipman mit neidvollen Augen, „welche großartigen Erfolge Sie doch haben werden!“
„Abgesehen davon“, fügte ein anderer hinzu, „haben Sie doch sowohl den Ruhm als auch die Freude am Jagen!“
„Meine Herren“, antwortete der Jäger verlegen stotternd, „ich schätze Ihre Komplimente sehr – aber sie gehören nicht mir.“
„Sie!“, riefen alle. „Beabsichtigen Sie denn nicht mitzugehen?“
„Ich gehe nicht!“
„Werden Sie Dr. Ferguson nicht begleiten?“
„Nicht nur werde ich ihn nicht begleiten – ich bin hier, um im letzten Moment dazwischenzugehen und zu verhindern, dass er geht.“
Alle Blicke richteten sich nun auf den Arzt.

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„Ignoriert ihn einfach!“, sagte der Letztere ruhig. „Das ist eine Sache, über die wir nicht mit ihm streiten können. Tief im Inneren weiß er sehr wohl, dass er gehen muss.“
„Bei St. Andrew!“, sagte Kennedy. „Ich schwöre –“
„Schwöre zu nichts, Freund Dick. Du wurdest bereits gewogen – du und dein Pulver, deine Waffen und deine Kugeln. Lass uns also nichts mehr darüber sagen.“
Tatsächlich schwieg Dick von diesem Tag an bis zur Ankunft in Zanzibar völlig. Er sprach weder darüber noch über irgendetwas anderes. Er blieb absolut still.

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KAPITEL NEUNTE

Sie umrunden den Kap der Guten Hoffnung – Die Vorsteuerkajüte – Ein Kosmografiekurs von Professor Joe – Über die Methode zur Steuerung von Ballonen – Wie man atmosphärische Strömungen findet – Eureka.

Die Resolute fuhr schnell in Richtung Kap der Guten Hoffnung – das Wetter blieb gut, obwohl das Meer etwas unruhiger war. Am 30. März, 27 Tage nach dem Aufbruch aus London, zeichnete sich der Tafelberg am Horizont ab. Kapstadt, das am Fuße eines Hügellands lag, konnte durch die Schiffslinsen erkennbar werden. Bald warf die Resolute Anker im Hafen. Doch der Kapitän blieb nur dort, um seine Kohlevorräte aufzufüllen – das dauerte nur einen Tag. Am nächsten Tag steuerte er weiter nach Süden, um den südlichsten Punkt Afrikas zu umrunden und in den Mosambikkanal einzufahren.

Es war nicht Joes erste Seereise – daher fühlte er sich an Bord schnell wie zu Hause. Alle mochten ihn wegen seiner Offenheit und seines guten Humors. Ein beträchtlicher Teil des Ruhms seines Kapitäns fiel auch auf ihn zurück. Man hörte ihm wie einem Orakel zu – und er machte nicht mehr Fehler als die anderen.

Während der Arzt in der Offiziersmesse seine Vorträge hielt, herrschte Joe auf der Vorsteuerkajüte – er sprach auf seine eigene Art und Weise und erzählte Geschichte nach eigenem Ermessen. Dieser Ansatz wird übrigens auch von den größten Historikern aller Zeiten und Völker verwendet.

Das Thema seiner Reden war natürlich die Luftreise. Joe hatte Schwierigkeiten, die Matrosen davon zu überzeugen – doch einmal akzeptiert, war nichts mehr unmöglich für ihre Vorstellungskraft, die durch Joes Reden angeregt wurde.

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Unser beeindruckender Erzähler überzeugte seine Zuhörer davon, dass nach dieser Reise noch viele weitere, noch wunderbarere Expeditionen unternommen werden würden. Tatsächlich sollte es nur die erste von einer langen Reihe übermenschlicher Expeditionen sein.
„Seht ihr, meine Freunde: Wenn ein Mensch einmal solche Reisen gemacht hat, kann er danach nicht mehr mit irgendwelchen anderen zufrieden sein. Deshalb werden wir auf unserer nächsten Expedition nicht zur Seite abbiegen, sondern immer weiter voranschreiten.“
„Hm! Dann werdet ihr also zum Mond fliegen!“, sagte einer aus der Menge mit einem erstaunten Blick.
„Zum Mond!“, rief Joe aus. „Pah! Das ist viel zu gewöhnlich. Jeder könnte auf diese Weise zum Mond gelangen. Außerdem gibt es dort kein Wasser – man muss viel Wasser mit sich tragen. Man muss außerdem Luft in Flaschen mitnehmen, um atmen zu können.“
„Ach! Aber kann man dort auch einen Tropfen des echten Wassers bekommen?“, fragte ein Seemann, der gerne Schnaps trank.
„Keinen Tropfen!“, antwortete Joe. „Nein! Mein Freund, auf dem Mond gibt es kein Wasser. Aber wir werden zu diesen kleinen Leuchtpunkten da oben fliegen – zu den Sternen – sowie zu den prächtigen Planeten, von denen mein Vater so oft spricht. Zum Beispiel beginnen wir mit Saturn…“
„Der mit dem Ring?“, fragte der Bootsmann.
„Ja! Der Ehering – nur weiß niemand, was aus seiner Frau geworden ist!“
„Was? Wollt ihr wirklich so hoch fliegen?“, sagte einer der Matrosen voller Staunen. „Euer Kapitän muss doch der Teufel selbst sein.“
„Oh! Nein, er ist viel zu gut dafür.“
„Aber nach Saturn – was dann?“, fragte das ungeduldige Publikum weiter.
„Nach Saturn? Nun, wir werden Jupiter besuchen. Das ist auch ein seltsamer Ort – dort dauern die Tage nur neuneinhalb Stunden – was gut für faule Leute ist. Die Jahre dauern, glaubt es oder nicht, zwölf unserer Jahre – das ist gut für Leute, die nur sechs Monate zu leben haben. So können sie etwas länger leben.“
„Zwölf Jahre!“, rief der Junge aus.
„Ja, mein Junge. In diesem Land würdest du noch hinter deiner Mutter herlaufen – und dieser alte Mann da drüben, der etwa fünfzig aussieht, wäre erst…“

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„Ein kleiner Rasierer mit vierhalb Zoll Länge.“
„Verdammt! Das ist wirklich gut!“, riefen alle im Vorderdeck zusammen.
„Ganz ehrlich!“, sagte Joe entschlossen.
„Aber was kann man schon erwarten? Wenn die Leute in dieser Welt bleiben, lernen sie nichts und bleiben genauso unwissend wie Bären. Aber kommen Sie doch nach Jupiter – dann werden Sie es sehen. Dort müssen sie allerdings aufpassen, denn Jupiter hat Satelliten, an denen man nicht einfach vorbeikommt.“
Alle Männer lachten, aber sie glaubten ihm mehr als die Hälfte. Dann sprach er weiter über Neptun, wo Seefahrer eine freundliche Aufnahme finden, sowie über Mars, wo die Soldaten den besten Platz haben – bis es den Leuten fast unerträglich wird. Schließlich malte er ihnen ein idyllisches Bild von den Freuden der Venus.
„Und wenn wir von dieser Expedition zurückkehren“, sagte der unermüdliche Erzähler, „werden sie uns mit dem Südlichen Kreuz auszeichnen – das dort im ‚Knopfloch des Schöpfers‘ leuchtet.“
„Ja, und das hätten Sie sich redlich verdient!“, sagten die Seeleute.
So vergingen die langen Abende im Vorderdeck in fröhlichem Gespräch, während der Arzt weiterhin seine lehrreichen Vorträge hielt.
Eines Tages drehte sich das Gespräch um die Möglichkeiten, Ballons zu steuern, und man fragte den Arzt nach seiner Meinung dazu.
„Ich glaube nicht“, sagte er, „dass wir es schaffen werden, ein System zur Steuerung der Ballons zu finden. Ich kenne alle versuchten und vorgeschlagenen Methoden – keine davon hat funktioniert, keine ist praktikabel. Man kann leicht verstehen, dass ich mich mit diesem Thema beschäftigt habe – schließlich war es für mich sehr interessant – doch ich konnte das Problem mit den heute bekannten Mitteln der Maschinenwissenschaft nicht lösen. Wir müssten eine Antriebskraft von außergewöhnlicher Stärke sowie eine nahezu unmögliche Leichtigkeit der Maschinen finden. Und selbst dann könnten wir den atmosphärischen Strömungen mit erheblicher Kraft nicht widerstehen. Bisher ging es eher darum, das Fahrzeug zu steuern als den Ballon – und das war ein großer Fehler.“
„Dennoch gibt es viele Ähnlichkeiten zwischen einem Ballon und einem Schiff, das nach Belieben gesteuert werden kann.“
„Überhaupt nicht“, entgegnete der Arzt. „Es gibt kaum oder gar keine Ähnlichkeiten zwischen diesen beiden Fällen. Die Luft ist unendlich weniger dicht als Wasser – im Wasser ist das Schiff nur zur Hälfte untergetaucht, während der gesamte Ballon vollständig in der Luft schwimmt.“

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„Die Atmosphäre – und der Ballon bleibt dabei relativ zu dem umgebenden Medium bewegungslos.“
„Glauben Sie also, dass die Aerostatik bereits ihr letztes Wort gesprochen hat?“
„Keineswegs! Aber wir müssen nach einem anderen Ansatz suchen. Wenn es uns nicht gelingt, den Ballon zu steuern, müssen wir zumindest versuchen, ihn in günstigen Luftströmungen zu halten. Je höher wir steigen, desto gleichmäßiger werden diese Strömungen und fließen stärker in einer Richtung. Sie werden nicht mehr durch Berge und Täler gestört, die die Erdoberfläche durchziehen – und das sind, wie Sie wissen, die Hauptursachen für Schwankungen des Windes sowie für Unterschiede in seiner Stärke. Wenn diese Zonen einmal bestimmt sind, muss der Ballon einfach nur in die Strömungen gebracht werden, die am besten zu seinem Ziel passen.“
„Aber dann“, fuhr Kapitän Bennet fort, „muss man ständig aufsteigen oder sinken, um dorthin zu gelangen. Das ist die eigentliche Schwierigkeit, Doktor.“
„Und warum, mein lieber Kapitän?“
„Lassen Sie uns uns verstehen. Es wäre nur eine Schwierigkeit bei langen Reisen – nicht bei kurzen Flügen.“
„Und warum das, wenn ich fragen darf?“
„Weil man nur durch das Herauswerfen von Ballast aufsteigen kann; man kann nur durch das Entlassen von Gas sinken. Durch diese Prozesse gehen der Ballast sowie das Gas schnell zur Neige.“
„Mein lieber Herr, das ist genau die Frage. Das ist die einzige Schwierigkeit, die die Wissenschaft jetzt überwinden muss. Das Problem besteht nicht darin, den Ballon zu steuern, sondern darin, ihn ohne Verbrauch des Gases nach oben und unten zu bringen – schließlich ist das Gas seine Kraft, sein Lebenssaft, seine Seele, wenn ich so sagen darf.“
„Sie haben recht, mein lieber Doktor. Doch dieses Problem ist noch nicht gelöst – dieser Weg wurde noch nicht entdeckt.“
„Verzeihen Sie, aber er wurde bereits entdeckt.“
„Von wem?“
„Von mir!“
„Von Ihnen?“
„Sie können gerne glauben, dass ich sonst nicht dieses Abenteuer mit einem Ballon durch Afrika gewagt hätte. In 24 Stunden wäre mir das Gas ausgegangen!“

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„Aber Sie haben in England nichts darüber gesagt?“
„Nein! Ich wollte nicht vor Publikum überprüft werden. Ich sah keinen Sinn darin. Ich führte meine Vorbereitungsversuche heimlich durch und war zufrieden. Ich hatte also keine Notwendigkeit, noch etwas von ihnen zu lernen.“
„Nun, Doktor – wäre es angebracht, zu fragen, was Ihr Geheimnis ist?“
„Hier ist es, meine Herren – das Einfachste der Welt!“
Die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer richtete sich nun in höchstem Maße auf den Doktor, während dieser ruhig mit seiner Erklärung fortfuhr.

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Kapitel zehn.

Frühere Experimente – Der Doktor’s fünf Behälter – Der Gaskessel – Das Steuerungssystem – Erfolg garantiert.

„Es wurden oft Versuche unternommen, meine Herren“, sagte der Doktor, „auf Wunsch auf- und abzusteigen, ohne dass Ballast oder Gas aus dem Ballon entweicht. Ein französischer Aeronaut, Herr Meunier, versuchte dies, indem er Luft in einem inneren Behälter komprimierte. Ein Belgier, Dr. Van Hecke, erreichte mithilfe von Flügeln und Rudern eine vertikale Antriebskraft, die in den meisten Fällen ausgereicht hätte – doch die praktischen Ergebnisse dieser Experimente waren unbedeutend.

Deshalb beschloss ich, es auf direktere Weise anzugehen. Zu Beginn verzichtete ich daher ganz auf Ballast – außer als Vorsorge für besondere Notfälle, wie zum Beispiel einen Defekt meiner Ausrüstung oder die Notwendigkeit, sehr schnell aufzusteigen, um unvorhergesehene Hindernisse zu umgehen.

Meine Mittel zum Auf- und Absteigen bestehen einfach darin, das Gas im Ballon durch Anwendung unterschiedlicher Temperaturen zu erweitern oder zusammenzuziehen. Hier ist die Methode, um dieses Ziel zu erreichen:

Sie haben gesehen, wie ich mehrere Behälter mit ins Fahrzeug nahm – deren Verwendung Ihnen möglicherweise unklar war. Es sind insgesamt fünf solcher Behälter.

Der erste enthält etwa 25 Gallonen Wasser. Dazu füge ich einige Tropfen Schwefelsäure hinzu, um seine Fähigkeit als Elektrizitätsleiter zu erhöhen. Anschließend zerlege ich das Wasser mithilfe einer leistungsstarken Buntzen-Batterie. Wie Sie wissen, besteht Wasser aus zwei Teilen Wasserstoff und einem Teil Sauerstoffgas.

Das Sauerstoffgas gelangt durch die Wirkung der Batterie am positiven Pol in den zweiten Behälter. Ein dritter Behälter, der über dem zweiten angeordnet ist und dessen Kapazität doppelt so groß ist, nimmt den Wasserstoff auf, der über den negativen Pol hineinströmt.

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Klappventile, von denen eines ein Loch hat, das doppelt so groß ist wie das des anderen, verbinden diese Behälter miteinander sowie mit einem vierten Behälter, der als Mischbehälter bezeichnet wird – denn in ihm vermischen sich tatsächlich die beiden Gase, die durch die Zersetzung des Wassers entstehen. Die Kapazität dieses vierten Behälters beträgt etwa vierundvierzig Kubikfuß.

An der Oberseite dieses Behälters befindet sich ein Platinrohr, ausgestattet mit einem Klappventil.

Sie werden nun leicht verstehen, meine Herren, dass das Gerät, das ich Ihnen beschrieben habe, in Wirklichkeit ein Gaszylinder sowie eine Blasröhre für Sauerstoff und Wasserstoff ist – deren Hitze der eines Schmiedefeuers übertrifft.

Sobald das klar ist, komme ich zum zweiten Teil meines Geräts. Aus dem untersten Teil meines luftdicht verschlossenen Balloons führen zwei Rohre in geringem Abstand voneinander hervor. Das eine beginnt in den oberen Schichten des Wasserstoffs, das andere in den unteren Schichten.

Diese beiden Rohre sind in regelmäßigen Abständen mit festen Verbindungen aus Indusrubber ausgestattet, die es ihnen ermöglichen, im Einklang mit den Schwingungen des Balloons zu bewegen.

Beide Rohre führen bis zum Fahrzeug und enden in einem zylindrischen Eisenbehälter, der als Wärmetank bezeichnet wird. Dieser ist an beiden Enden mit zwei starken Platten desselben Metalls verschlossen.

Das Rohr, das vom unteren Teil des Balloons ausgeht, tritt durch die untere Platte in diesen zylindrischen Behälter ein; es durchdringt diese und nimmt anschließend die Form einer spiralförmigen Helix an. Die Windungen dieser Spirale, die eine über die andere liegen, nehmen fast die gesamte Höhe des Tanks ein. Bevor es wieder daraus hervorkommt, mündet diese Spirale in einen kleinen Kegel mit konkaver Basis, der nach unten hin in Form einer Kugelspitze geformt ist.

Von der Spitze dieses Kegels geht das zweite Rohr hervor – und es führt, wie bereits erwähnt, in die oberen Schichten des Balloons.

Die Kugelspitze des kleinen Kegels besteht aus Platin, damit sie nicht durch die Wirkung des Gaszylinders sowie der Blasröhre schmilzt – schließlich befinden sich diese am Boden des Eisentanks inmitten der spiralförmigen Helix, und die Flammenenden berühren die betreffende Kugelspitze nur leicht.

Sie alle wissen, meine Herren, was ein Kalorifer zur Beheizung von Räumen ist. Sie wissen, wie er funktioniert. Die Luft in den Räumen wird dazu gezwungen, durch ihn hindurchzufließen.

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Rohre – und wird anschließend bei erhöhter Temperatur freigesetzt. Nun, was ich Ihnen gerade beschrieben habe, ist nichts anderes als ein Kalorifer.
„Tatsächlich: Was geschieht eigentlich? Sobald der Zylinder entzündet wird, erwärmt sich das Wasserstoffgas im Spiral- sowie im konkaven Kegelbereich und steigt schnell durch die Rohre in den oberen Teil des Ballons auf. Unterhalb entsteht ein Vakuum, das das Gas in den unteren Bereichen anzieht; dieses wird wiederum erwärmt und ständig erneuert. So entsteht in den Rohren sowie im Spiralbereich ein äußerst schneller Gasstrom, der aus dem Ballon austritt und anschließend wieder dorthin zurückkehrt, wo er erneut erhitzt wird.
„Nun: Die Behälter vergrößern sich um 1/480 ihres Volumens für jeden angelegten Grad Wärme. Wenn ich also die Temperatur um 18 Grad erhöhe, dehnt sich der Wasserstoff im Ballon um 18/480 – also um 1614 Kubikfuß – aus. Dadurch wird 1614 Kubikfuß mehr Luft verdrängt, was die Aufstiegskraft des Ballons um 160 Pfund erhöht. Das entspricht dem Gewicht eines Ballaststücks, das entfernt werden kann. Wenn ich die Temperatur um 180 Grad erhöhe, dehnt sich das Gas um 180/480 aus – also um 16.740 Kubikfuß – und seine Aufstiegskraft erhöht sich um 1.600 Pfund.
„Wie Sie sehen, meine Herren, kann ich so sehr erhebliche Veränderungen des Gleichgewichts herbeiführen. Das Volumen des Ballons wurde so berechnet, dass er bei halber Befüllung genau so viel Luft verdrängt wie das Gewicht der Hülle, die das Wasserstoffgas enthält, sowie des Fahrzeugs mit Passagieren und allen Geräten und Zubehörteilen. Bei diesem Befüllungsgrad befindet sich der Ballon im exakten Gleichgewicht mit der Luft – er steigt weder auf noch sinkt.
„Um einen Aufstieg zu bewirken, gebe ich dem Gas mithilfe meines Zylinders eine Temperatur, die höher ist als die Temperatur der umgebenden Luft. Durch diese zusätzliche Wärme dehnt sich das Gas weiter aus und füllt den Ballon stärker auf. Der Ballon steigt somit proportional dazu auf, wie stark ich den Wasserstoff erhitze.
„Der Abstieg erfolgt natürlich dadurch, dass ich die Temperatur im Zylinder senke und dadurch die Wärme abnimmt. In der Regel ist der Aufstieg schneller als der Abstieg – doch das ist von Vorteil, denn es ist für mich nicht wichtig, schnell abzusteigen. Im Gegenteil: Nur durch einen sehr schnellen Aufstieg kann ich Hindernisse umgehen. Die eigentliche Gefahr lauert unten – nicht oben.
„Außerdem habe ich, wie bereits erwähnt, eine bestimmte Menge an Ballast, der es mir ermöglicht, bei Bedarf noch schneller aufzusteigen. Meine Ventile an der Oberseite“

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Der Ballon ist nichts anderes als ein Sicherheitsventil. Der Ballon behält stets die gleiche Menge an Wasserstoff bei, und die Temperaturschwankungen, die ich in diesem geschlossenen Gas erzeuge, reichen aus, um all diese Auf- und Abbewegungen zu bewirken.

„Nun, meine Herren, als praktischen Hinweis möchte ich noch Folgendes hinzufügen: Die Verbrennung von Wasserstoff und Sauerstoff am Ende des Zylinders erzeugt ausschließlich Wasserdampf. Deshalb habe ich den unteren Teil der zylindrischen Eisenbox mit einem Entlüftungsschlauch sowie einem Ventil ausgestattet, das durch einen Druck von zwei Atmosphären in Gang gesetzt wird. Sobald dieser Druck erreicht ist, entweicht der Dampf von selbst.

Hier sind die genauen Zahlen: 25 Gallonen Wasser, aufgeteilt in ihre Bestandteile, ergeben 200 Pfund Sauerstoff und 25 Pfund Wasserstoff. Bei Normaldruck entspricht das 1.800 Kubikfuß Sauerstoff und 3.780 Kubikfuß Wasserstoff – insgesamt also 5.670 Kubikfuß der Mischung. Somit gibt der Ventil meines Zylinders, wenn er vollständig geöffnet ist, 27 Kubikfuß pro Stunde ab – bei einer Flamme, die mindestens sechsmal stärker ist als die der großen Lampen, die zur Beleuchtung von Straßen verwendet werden. Im Durchschnitt sollte ich also, um mich auf einer sehr moderaten Höhe zu halten, nicht mehr als 9 Kubikfuß pro Stunde verbrennen. Damit reichen meine 25 Gallonen Wasser für 636 Stunden Flugzeit – also etwas mehr als 26 Tage.

Da ich jederzeit absinken kann, um unterwegs meinen Wasservorrat aufzufüllen, könnte meine Reise unbegrenzt lange dauern.

So lautet also, meine Herren, mein Geheimnis. Es ist einfach – und wie die meisten einfachen Dinge auch, wird es sicherlich erfolgreich sein. Die Ausdehnung und Zusammenziehung des Gases im Ballon ist meine Fortbewegungsart – sie erfordert weder umständliche Flügel noch irgendeinen anderen mechanischen Antrieb. Ein Kalorifer zur Erzeugung von Temperaturschwankungen sowie ein Zylinder zur Wärmeerzeugung sind weder unpraktisch noch schwer. Ich glaube daher, dass ich alle Elemente des Erfolgs miteinander verbunden habe.“

Dr. Ferguson beendete hier seine Rede und wurde herzlich applaudiert. Es gab keine Einwände – alles war bereits vorausgesehen und berücksichtigt worden.

„Allerdings“, sagte der Kapitän, „kann die Sache gefährlich werden.“

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„Was macht das schon aus“, antwortete der Arzt, „solange es praktikabel ist?“

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KAPITEL ELFT.

Die Ankunft in Zanzibar – Der englische Konsul – Die Feindseligkeit der Einwohner – Die Insel Koumbeni – Die „Regenmacher“ – Das Aufblasen des Ballons – Abreise am 18. April – Das letzte Abschiedswort – Die Victoria.

Ein stets günstiger Wind beschleunigte die Fahrt der Resolute in Richtung ihres Bestimmungsortes. Die Durchfahrt durch den Mosambikkanal verlief besonders ruhig und angenehm. Das angenehme Verhalten der Reise auf See galt als gutes Omen für den vermutlichen Verlauf der Reise in der Luft. Jeder freute sich auf die Ankunft und bemühte sich, den Vorbereitungen des Arztes den letzten Schliff zu geben. Schließlich tauchte das Schiff in Sichtweite der Stadt Zanzibar auf der gleichnamigen Insel auf, und am 15. April um 11 Uhr vormittags ankerte es im Hafen.

Die Insel Zanzibar gehört dem Imam von Muskat, einem Verbündeten Frankreichs und Englands, und ist zweifellos seine beste Kolonie. Den Hafen besuchen viele Schiffe aus den Nachbarländern. Die Insel ist nur durch einen Kanal von der afrikanischen Küste getrennt, dessen größte Breite lediglich dreißig Meilen beträgt. Es gibt dort einen großen Handel mit Harzen, Elfenbein – und vor allem mit „Ebenholz“, denn Zanzibar ist der große Sklavenmarkt. Dorthin strömt alles Beutegut, das bei den Kämpfen gefangen wird, die die Stammesführer im Binnenland ständig führen. Dieser Handel erstreckt sich entlang der gesamten Ostküste bis zu den Breitengraden des Nils. Herr G. Lejean berichtet sogar, dass er diesen Handel unter französischer Flagge offen beobachtet habe.

Bei der Ankunft der Resolute kam der englische Konsul in Zanzibar an Bord, um dem Arzt seine Dienste anzubieten – dessen Pläne der Europäer…

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Die Zeitungen hatten ihn bereits seit einem Monat darüber informiert. Doch bis zu diesem Moment hatte er sich weiterhin zu den vielen Ungläubigen gezählt.
„Ich hatte Zweifel“, sagte er und streckte Dr. Ferguson die Hand entgegen, „aber jetzt habe ich keine Zweifel mehr.“
Er lud den Arzt, Kennedy sowie natürlich den treuen Joe in seine eigene Wohnung ein. Dank seiner Höflichkeit konnte der Arzt die verschiedenen Briefe erfahren, die er vom Kapitän Speke erhalten hatte. Der Kapitän und seine Begleiter hatten vor dem Erreichen des Landes Ugogo schrecklich unter Hunger und schlechtem Wetter gelitten. Sie konnten nur mit größter Mühe vorankommen und rechneten nicht damit, in absehbarer Zeit wieder in Kontakt treten zu können.
„Das sind Gefahren und Entbehrungen, denen wir ausweichen werden“, sagte der Arzt.
Das Gepäck der drei Reisenden wurde zur Residenz des Konsuls gebracht. Es wurden Vorkehrungen getroffen, um den Ballon am Strand von Sansibar zu landen. Es gab einen geeigneten Ort in der Nähe des Signalmastes, in der Nähe eines riesigen Gebäudes – dieser Ort würde den Ballon vor den Ostwinden schützen. Dieser riesige Turm, der wie ein Fass aussah, neben dem das berühmte Heidelberger Fass wie ein ganz gewöhnliches Fass erschienen wäre, diente als Befestigungsanlage; auf seiner Plattform standen Belootchees, bewaffnet mit Lanzen. Diese Belootchees sind eine Art raue, nutzlose Janitscharen.
Doch als man den Ballon landen wollte, wurde dem Konsul mitgeteilt, dass die Bevölkerung der Insel dagegen mit Gewalt vorgehen würde. Nichts ist so blind wie fanatische Leidenschaft. Die Nachricht von der Ankunft eines Christen, der in die Luft steigen sollte, wurde mit Wut aufgenommen. Die Schwarzen, noch wütender als die Araber, sahen in diesem Vorhaben einen Angriff auf ihre Religion. Sie glaubten, dass etwas Schlimmes mit der Sonne und dem Mond geschehen sollte. Diese beiden Himmelskörper sind für die afrikanischen Stämme Objekte der Verehrung – daher beschlossen sie, sich gegen ein solch gotteslästerliches Vorhaben zu wehren.
Der Konsul, der von ihren Absichten erfahren hatte, beriet sich mit Dr. Ferguson und Kapitän Bennet über die Angelegenheit. Letzterer war nicht bereit, den Drohungen nachzugeben, doch sein Freund riet ihm davon ab, zu gewaltsamen Gegenmaßnahmen zu greifen.
„Wir werden sicherlich als Sieger hervorgehen“, sagte er. „Selbst die Soldaten des Imams werden uns helfen, falls wir Hilfe brauchen. Aber, mein lieber Kapitän – in einem Augenblick kann ein Unfall passieren, und es bedarf nur eines unglücklichen Schlags, um alles zu zerstören.“

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Der Ballon würde dabei unheilbar beschädigt werden – dadurch wäre die Reise völlig gescheitert. Deshalb müssen wir mit größter Vorsicht handeln.
„Aber was sollen wir tun? Wenn wir an der Küste Afrikas landen, werden wir auf dieselben Schwierigkeiten stoßen. Was sollen wir tun?“
„Nichts ist einfacher“, antwortete der Konsul. „Man beobachtet diese kleinen Inseln vor der Küste; man setzt den Ballon auf einer davon auf, umgibt ihn mit einer Gruppe von Seeleuten – dann besteht kein Risiko mehr.“
„Genau das!“, sagte der Arzt. „So können wir in aller Ruhe unsere Vorbereitungen abschließen.“
Der Kapitän willigte in diese Vorschläge ein, und die Resolute machte sich auf den Weg zur Insel Koumbeni. Am Morgen des 16. April wurde der Ballon sicher in der Mitte eines Waldgebiets abgestellt. Zwei Masten mit einer Höhe von jeweils achtzig Fuß wurden in gleichem Abstand zueinander aufgestellt. An ihren Enden befanden sich Blöcke sowie Seilvorrichtungen, mit deren Hilfe der Ballon angehoben werden konnte – der Ballon war zu diesem Zeitpunkt noch völlig entlüftet. Der innere Ballon war am äußeren Ballon befestigt, sodass er ebenfalls angehoben werden konnte. Am unteren Ende jedes Balloons waren Rohre befestigt, durch die das Wasserstoffgas eingeführt werden konnte. Den ganzen Tag des 17. April verbrachte man damit, die Apparate vorzubereiten, die zum Erzeugen des Gases benötigt wurden. Dabei handelte es sich um etwa dreißig Fässer, in denen durch Eisenpartikel sowie Schwefelsäure die Zersetzung des Wassers bewirkt wurde. Das Wasserstoffgas gelangte nach der Reinigung in ein großes zentrales Fass und von dort über die Rohre in jeden Ballon. Auf diese Weise erhielt jeder Ballon eine genau bestimmte Menge an Gas. Dafür waren 1866 Pfund Schwefelsäure, 16.500 Pfund Eisen sowie 9.116 Gallonen Wasser erforderlich. Die Arbeit begann in der folgenden Nacht, gegen drei Uhr morgens, und dauerte fast acht Stunden. Am nächsten Tag schwebte der Ballon, bedeckt mit seinem Netz, anmutig über seinem Gestell – dieses wiederum wurde durch zahlreiche Säcke mit Erde am Boden festgehalten. Die Apparate zur Befüllung des Balloons wurden mit größter Sorgfalt zusammengebaut, und die aus dem Ballon führenden Rohre wurden sicher an den zylindrischen Behälter angeschlossen. Anker, Seile, Instrumente, Verpackungsmaterialien, ein Dach, Vorräte sowie Waffen wurden an ihre vorgesehenen Plätze gebracht.

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im Schiff. Die Wasserversorgung wurde auf Zanzibar beschafft. Die zweihundert Pfund Ballast wurden in fünfzig Säcken verteilt, die am Boden des Schiffes platziert wurden – aber in Reichweite. Diese Vorbereitungen waren gegen fünf Uhr abends abgeschlossen, während Wachen rund um die Insel Wache hielten und die Boote der Resolute den Kanal patrouillierten. Die Schwarzen zeigten weiterhin ihr Unmut durch Grimassen und Verrenkungen. Ihre Zauberer gingen unter den wütenden Menschen umher und schürten das Feuer ihres Fanatismus; einige der aufgebrachten Männer, noch wütender und dreister als die anderen, versuchten, schwimmend zur Insel zu gelangen, doch sie wurden leicht vertrieben. Daraufhin begannen die Zaubersprüche und Beschwörungen; die „Regenmacher“, die vorgaben, die Wolken kontrollieren zu können, riefen Stürme sowie die „Steinschauer“, wie die Schwarzen Hagel nennen, zu ihrer Hilfe herbei. Um sie dazu zu zwingen, pflückten sie Blätter aller verschiedenen Bäume, die in diesem Land wuchsen, und kochten sie über einem langsamen Feuer. Gleichzeitig wurde ein Schaf getötet, indem man ihm eine lange Nadel ins Herz stieß. Doch trotz all ihrer Rituale blieb der Himmel klar und schön – sie profitierten nichts von ihren getöteten Schafen oder ihren hässlichen Grimassen. Daraufhin gaben sich die Schwarzen den wildesten Orgien hin und betranken sich maßlos mit „Tembo“, einer Art starkem Alkohol, der aus dem Kakaobaum gewonnen wird, sowie mit einem äußerst berauschenden Bier namens „Togwa“. Ihre Gesänge, die keinerlei Melodie hatten, aber im perfekten Rhythmus gesungen wurden, dauerten bis tief in die Nacht hinein. Gegen sechs Uhr abends versammelte der Kapitän die Reisenden sowie die Offiziere des Schiffes zu einem Abschiedsessen in seiner Kabine. Kennedy, den jetzt niemand mehr zu fragen wagte, saß da mit starrem Blick auf Dr. Ferguson und murmelte unverständliche Worte. Ansonsten war das Abendessen düster. Die Nähe des letzten Moments erfüllte alle mit ernsten Gedanken. Was hatte das Schicksal für diese mutigen Abenteurer vor? Würden sie jemals wieder bei ihren Freunden sein oder am heimischen Herd sitzen? Sollte ihre Ausrüstung versagen, was würde dann aus ihnen werden – unter diesen grausamen wilden Stämmen, in Regionen, die noch nie erforscht worden waren, und mitten in endlosen Wüsten? Solche Gedanken, die bis dahin nur vage gewesen waren oder nur flüchtig berücksichtigt wurden, kehrten nun in ihre aufgeregten Vorstellungen zurück.

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Mit großer Kraft in diesem Abschiedsmoment. Dr. Ferguson, immer noch kalt und ungerührt, sprach über dies und jenes; doch er versuchte vergeblich, diese ansteckende Düsternis zu überwinden. Er scheiterte völlig. Da man eine Bedrohung für die persönliche Sicherheit des Arztes und seiner Begleiter befürchtete, schliefen alle drei in jener Nacht an Bord der Resolute. Um sechs Uhr morgens verließen sie ihre Kabine und landeten auf der Insel Koumbeni. Der Ballon schwankte sanft im Morgenwind; die Sandsäcke, die ihn am Boden gehalten hatten, wurden nun durch etwa zwanzig kräftige Seeleute ersetzt, und Kapitän Bennet sowie seine Offiziere waren anwesend, um den feierlichen Abschied ihrer Freunde zu bezeugen. In diesem Moment ging Kennedy direkt zum Arzt, ergriff seine Hand und sagte: „Samuel, haben Sie sich wirklich entschlossen zu gehen?“ „Vollkommen entschlossen, mein lieber Dick.“ „Ich habe alles getan, was in meiner Macht stand, um diese Expedition zu verhindern, nicht wahr?“ „Alles!“ „Nun, dann ist mein Gewissen in dieser Hinsicht rein – ich werde mit Ihnen gehen.“ „Ich war mir sicher, dass Sie das tun würden!“, sagte der Arzt, wobei sich in seinen Zügen schnelle Anzeichen von Emotionen zeigten. Schließlich kam der Moment des endgültigen Abschieds. Der Kapitän und seine Offiziere umarmten ihre furchtlosen Freunde voller Gefühl – sogar Joe nicht ausgenommen, der, ein würdiger Kerl, stolz und glücklich wie ein Prinz war. Jeder in der Gruppe bestand darauf, dem Arzt noch einmal die Hand zu schütteln. Um neun Uhr stiegen die drei Reisenden in ihren Wagen. Der Arzt zündete das Brennmaterial in seinem Zylinder an und richtete die Flamme so ein, dass schnell Wärme entstand. Der Ballon, der zuvor in perfektem Gleichgewicht auf dem Boden gelegen hatte, begann nach wenigen Minuten aufzusteigen – die Seeleute mussten daher die Seile lockern, mit denen sie ihn festhielten. Der Wagen stieg schließlich etwa zwanzig Fuß über ihre Köpfe. „Meine Freunde!“, rief der Arzt, stand zwischen seinen beiden Begleitern und nahm seinen Hut ab. „Lassen Sie uns unserem Luftschiff einen Namen geben, der ihm Glück bringen wird! Lassen Sie uns es Victoria nennen!“

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Auf diese Rede folgten laute Jubelrufe: „Hurra für die Königin! Hurra für das alte England!“ In diesem Moment nahm die Aufstiegskraft des Ballons erheblich zu, und Ferguson, Kennedy sowie Joe winkten ihren Freunden zum letzten Mal zu. „Lassen Sie los!“, rief der Arzt – und im selben Moment schoss die Victoria schnell in den Himmel hinauf, während die vier Carronaden an Bord der Resolute einen Abschiedsgruß zu ihren Ehren abfeuerten.

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Kapitel zwölft.

Durchquerung der Meerenge – Der Mrima – Dicks Bemerkung und Jos Vorschlag – Ein Rezept zum Kaffeebrauen – Der Uzaramo – Der unglückliche Maizan – Berg Duthumi – Die Karten des Arztes – Eine Nacht unter einem Nopal.

Die Luft war rein, der Wind mäßig, und der Ballon stieg fast senkrecht auf eine Höhe von fünfzehnhundert Fuß auf – wie anhand einer Abnahme der Barometerkolonne um zwei Zoll zu erkennen war. In dieser Höhe trug ein stärkerer Wind den Ballon in Richtung Südwesten. Welch prächtiges Schauspiel bot sich da den Blicken der Reisenden dar! Die Insel Zanzibar konnte in ihrer gesamten Ausdehnung gesehen werden; sie zeichnete sich durch ihre dunklere Farbe auf der weiten Fläche ab. Die Felder sahen aus wie Muster in verschiedenen Farben, und dichte Gruppen von Grün deuteten auf Wälder und Büsche hin. Die Bewohner der Insel wirkten nicht größer als Insekten. Das Jubeln und Rufen verstummte allmählich in der Ferne; nur das Feuern der Schiffsgeschütze war in der Vertiefung unter dem Ballon zu hören, während dieser weiterflog.

„Wie wunderbar!“, sagte Joe und brach damit zum ersten Mal das Schweigen. Er erhielt keine Antwort. Der Arzt war damit beschäftigt, die Schwankungen des Barometers zu beobachten und die Details seines Aufstiegs festzuhalten. Kennedy schaute zu – er hatte einfach nicht genug Augen, um alles zu sehen. Da die Sonnenstrahlen dem Heizzylinder halfen, nahm die Spannung des Gases zu, und die Victoria erreichte eine Höhe von zweitausendfünfhundert Fuß. Die Resolute sah aus wie eine winzige Muschelschale; die afrikanische Küste war im Westen deutlich zu erkennen – sie wurde durch einen Rand aus Schaum markiert. „Redest du nicht?“, fragte Joe erneut.

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„Wir suchen!“, sagte der Arzt und richtete sein Fernrohr auf das Festland.
„Was mich betrifft, so muss ich sprechen!“
„So viel du willst, Joe – sprich, so viel du möchtest!“
Und Joe fuhr allein fort, mit einer Flut von Ausrufen. Die „Ohs!“ und „Ahs!“ brachen unaufhörlich nacheinander aus seinen Lippen hervor.
Während der Überfahrt über das Meer hielt der Arzt es für am besten, auf seiner aktuellen Höhe zu bleiben. So konnte er einen größeren Abschnitt der Küste erkunden. Der Thermometer sowie das Barometer, die im halb geöffneten Vordach hingen, waren stets in Sichtweite; ein weiteres Barometer, das außen angebracht war, diente während der Nachtwachen.
Nach etwa zwei Stunden näherte sich die Victoria, die mit einer Geschwindigkeit von etwas mehr als acht Meilen pro Stunde vorankam, deutlich der Küste des Festlands. Daraufhin beschloss der Arzt, etwas näher an die Erde herabzusteigen. Er dämpfte daher die Flamme seines Zylinders – schon nach kurzer Zeit hatte sich der Ballon auf eine Höhe von nur dreihundert Fuß über dem Boden abgesenkt.
Es stellte sich heraus, dass sie gerade über dem Gebiet von Mrima flogen – so hieß dieser Teil der Ostküste Afrikas. Dichte Reihen von Mangobäumen schützten seine Küstenlinie; bei Ebbe wurden ihre dicken Wurzeln sichtbar – Wurzeln, die durch die Kräfte des Indischen Ozeans zerfressen worden waren. Die Sandstrände, die früher die Küstenlinie gebildet hatten, erstreckten sich entlang des fernen Horizonts; der Berg Nguru ragte mit seinem spitz zulaufenden Gipfel im Nordwesten empor.
Die Victoria flog in der Nähe eines Dorfes vorbei, das der Arzt auf seiner Karte als Kaole markiert hatte. Die gesamte Bevölkerung dieses Dorfes hatte sich versammelt und schrie wütend und ängstlich – zugleich versuchten sie vergeblich, ihre Pfeile auf dieses „Ungeheuer in der Luft“ abzuschießen, das so majestätisch über all ihrem machtlosen Zorn dahinflog.
Der Wind wehte in südlicher Richtung – doch der Arzt machte sich darüber keine Sorgen, denn dadurch konnte er besser den von Kapitänen Burton und Speke festgelegten Weg folgen.
Kennedy war schließlich genauso redselig wie Joe – die beiden tauschten ständig bewundernde Ausrufe miteinander aus.
„Da draußen sind Kutschen!“, sagte einer von ihnen.

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„Dampflokomotiven – tatsächlich!“, sagte der andere.
„Eisenbahnen! Pah! Unsinn!“, warf Kennedy ein. „Man reist damit, ohne das Land sehen zu können!“
„Ballons! Die sind genau das Richtige für mich!“, fügte Joe hinzu. „Man hat nicht das Gefühl, sich zu bewegen – und die Natur breitet sich einfach vor den Augen aus!“
„Was für ein wunderbarer Anblick! Was für ein Spektakel! Was für eine Freude – wie ein Traum in einer Hängematte!“
„Sollen wir unser Frühstück einnehmen?“, wechselte Joe schließlich das Thema – die frische Luft hatte seinen Appetit stark angeregt.
„Gute Idee, mein Junge!“
„Oh! Es wird nicht lange dauern, das Essen zuzubereiten – Kekse und Fleisch in Sauce?“
„Und so viel Kaffee, wie ihr wollt“, sagte der Arzt. „Ich erlaube euch, etwas Wärme von meinem Behälter zu nehmen. Es gibt genug davon – somit vermeiden wir das Risiko eines Brandes.“
„Das wäre eine schreckliche Katastrophe!“, rief Kennedy aus. „Das ist, als würde eine Pulverkammer über unseren Köpfen hängen.“
„Nicht ganz“, sagte Ferguson. „Aber wenn das Gas Feuer fangen würde, würde es allmählich verbrennen – und wir müssten uns auf den Boden setzen, was unangenehm wäre. Aber keine Sorge – unser Ballon ist hermetisch abgeschlossen.“
„Dann lass uns doch etwas essen“, antwortete Kennedy.
„Nun, meine Herren“, sagte Joe, „während ich das Gleiche tue wie ihr, werde ich euch eine Tasse Kaffee bringen – ich glaube, dazu habt ihr etwas zu sagen.“
„Tatsächlich“, fügte der Arzt hinzu, „hat Joe neben tausend anderen Tugenden auch ein außergewöhnliches Talent dafür, diesen köstlichen Getränk zuzubereiten. Er mischt verschiedene Zutaten miteinander – doch er verrät mir niemals die genauen Inhaltsstoffe.“
„Nun, Meister, da wir ja so hoch in der Luft sind, kann ich Ihnen das Geheimnis verraten. Man mischt einfach gleich viele Mengen an Mocha-Kaffee, Bourbon-Kaffee und Rio-Nunez-Kaffee miteinander.“
Kurz darauf wurden drei Tassen dampfenden Kaffees serviert – dazu gehörte auch ein reichhaltiges Frühstück, das außerdem noch mit weiteren Zutaten verfeinert wurde.

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Scherze und Wortwechsel der Gäste. Jeder kehrte anschließend zu seiner Beobachtungsposition zurück.
Das Land, durch das sie flogen, zeichnete sich durch seine Fruchtbarkeit aus. Enge, gewundene Pfade führten tief unter die üppige Vegetation hinab. Sie flogen über angebaute Felder mit Tabak, Mais und Gerste, die bereits vollreif waren, sowie hier und da über riesige Reisfelder, die voller gerader Stängel und lila Blüten waren. Sie konnten auch Schafe und Ziegen erkennen, die in großen Käfigen untergebracht waren – diese Käfige standen auf Pfählen, um die Tiere vor den Reißzähnen der Löwen zu schützen. Üppige Pflanzen wuchsen in wilder Fülle auf diesem fruchtbaren Boden.
Dorf für Dorf hallte es von Schreien des Entsetzens und der Verwunderung wider, als man die Victoria sah. Dr. Ferguson hielt das Luftschiff vorsichtig außerhalb der Reichweite der barbarischen Pfeile. Die Wilden unten, nun enttäuscht, kamen aus ihren Hütten heraus und verfolgten die Reisenden mit ihren nutzlosen Flüchen, solange diese noch sichtbar waren.
Um Mittag herum berechnete der Arzt anhand seiner Karte, dass sie sich über dem Gebiet von Uzaramo[2] befanden. Der Boden war dicht mit Kakao-, Papaya- und Baumwollbäumen bedeckt; über diesen Bäumen schien der Ballon wie ein Vogel zu schweben. Joe hielt diese prächtige Vegetation für selbstverständlich – schließlich befanden sie sich in Afrika. Kennedy entdeckte einige Hasen und Wachteln, die nur darauf warteten, von seiner Schrotflinte erlegt zu werden – doch es wäre Pulververschwendung gewesen, denn es blieb keine Zeit, die Tiere zu fangen.
[2] „U“ und „Ou“ bedeuten in der Sprache dieser Region „Land“.
Die Luftschiffer flogen mit einer Geschwindigkeit von zwölf Meilen pro Stunde weiter. Bald befanden sie sich bei 38 Grad 20 Minuten Ostlänge über dem Dorf Tounda.
„Dort“, sagte der Arzt, „erkrankten Burton und Speke an heftigen Fiebern und glaubten für einen Moment, ihre Expedition sei ruiniert. Dabei waren sie nur kurz von der Küste entfernt – doch Müdigkeit und Entbehrungen begannen bereits ernsthafte Auswirkungen auf sie zu haben.“
Tatsächlich herrscht in diesem Land eine anhaltende Malaria. Selbst der Arzt konnte den Auswirkungen dieser Krankheit nur entgehen, indem er sich über die Reichweite des Miasmas erhob – dieses Miasma stammte aus dieser feuchten Gegend, aus der die strahlenden Sonnenstrahlen die giftigen Dämpfe hervorbrachten. Von Zeit zu Zeit…

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Sie konnten eine Karawane erkennen, die sich in einem „Kraal“ aufhielt und auf die Kühle des Abends wartete, um ihre Reise fortzusetzen. Diese Kraals sind große Flächen gerodeten Landes, umgeben von Hecken und Dschungeln, wo Händler Schutz suchen – nicht nur vor wilden Tieren, sondern auch vor den raubenden Stämmen des Landes. Sie sahen, wie die Eingeborenen beim Anblick der Victoria in alle Richtungen davonliefen. Kennedy wollte sie genauer betrachten, doch der Arzt lehnte diesen Vorschlag stets ab.
„Die Stämmeführer sind mit Musketen bewaffnet“, sagte er. „Unser Ballon wäre ein zu auffälliges Ziel für ihre Kugeln.“
„Würde ein Kugelloch uns zum Absturz bringen?“, fragte Joe.
„Nicht sofort – aber ein solches Loch würde bald zu einem großen Riss werden, durch den unser Gas entweichen könnte.“
„Dann sollten wir einen respektvollen Abstand zu diesen Schurken halten. Was müssen sie wohl denken, wenn sie sehen, wie wir in der Luft schweben? Ich bin sicher, sie müssen uns anbeten wollen!“
„Lassen Sie sie ruhig anbeten“, antwortete der Arzt. „Aber aus der Ferne. Es kann nicht schaden, so weit wie möglich von ihnen entfernt zu bleiben. Sehen Sie! Die Landschaft verändert sich bereits: Die Dörfer werden weniger und liegen weiter auseinander; die Mangobäume sind verschwunden, denn an dieser Breitengradlage hört ihr Wachstum auf. Der Boden wird hügeliger – das deutet darauf hin, dass Berge in der Nähe liegen.“
„Ja“, sagte Kennedy. „Mir scheint, ich kann auf dieser Seite einige hohe Erhebungen sehen.“
„Im Westen – das sind die nächstgelegenen Gebirgszüge der Ourizara. Zweifellos Mount Duthumi – hinter ihm hoffe ich, Unterschlupf für die Nacht zu finden. Ich werde die Hitze im Zylinder etwas erhöhen, denn wir müssen auf einer Höhe von fünfhundert bis sechshundert Fuß bleiben.“
„Das war eine großartige Idee von Ihnen, Sir“, sagte Joe. „Es ist wirklich einfach, damit umzugehen – man dreht einfach einen Knopf, und schon ist es erledigt.“
„Ah! Hier fühlen wir uns wohler“, sagte der Sportler, während der Ballon aufstieg. „Die Reflexion der Sonne auf dem roten Sand wurde immer unerträglicher.“
„Was für prächtige Bäume!“, rief Joe. „Sie sind völlig natürlich – aber wirklich wunderschön! Ein Dutzend davon würde bereits einen Wald bilden!“
„Das sind Baobab-Bäume“, antwortete Dr. Ferguson. „Sehen Sie da einen Baum mit einem Stamm, dessen Umfang ganze hundert Fuß beträgt. Wahrscheinlich stand er am Fuße dieses Berges.“

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Genau an diesem Baum starb der französische Reisende Maizan im Jahr 1845 – wir befinden uns schließlich über dem Dorf Deje-la-Mhora, wohin er allein vordrang. Er wurde vom Anführer dieser Gegend gefangen genommen, am Fuß eines Baobab-Baums festgebunden, und der grausame Schwarze durchtrennte ihm anschließend alle Gelenke, während das Kriegslied seines Stammes gesungen wurde. Danach machte er eine Wunde im Hals des Gefangenen, hielt inne, um sein Messer zu schärfen, und riss dem armen Unglücklichen schließlich den Kopf ab, noch bevor dieser vom Körper getrennt worden war. Der unglückliche Franzose war erst zweiundzwanzig Jahre alt.

„Und Frankreich hat sich nie für ein so grauenhaftes Verbrechen gerächt?“, fragte Kennedy.

„Frankreich verlangte zwar Genugtuung, und der Sultan von Sansibar tat alles in seiner Macht Stehende, um den Mörder zu fassen – doch vergeblich.“

„Ich schlage vor, wir halten hier nicht an!“, drängte Joe. „Lassen Sie uns weiter nach oben gehen, Meister – auf jeden Fall höher.“

„Umso lieber, Joe – schließlich liegt der Berg Duthumi direkt vor uns. Wenn meine Berechnungen richtig sind, werden wir ihn vor sieben Uhr abends hinter uns gelassen haben.“

„Sollen wir nicht nachts reisen?“, fragte der Schotte.

„Nein, möglichst nicht. Mit Vorsicht und Wachsamkeit könnte man es zwar sicher tun – aber das reicht nicht aus, um ganz Afrika zu durchqueren. Wir wollen es sehen.“

„Bis jetzt haben wir nichts zu beanstanden, Meister. Die am besten bewirtschaftete und fruchtbarste Gegend der Welt – anstatt einer Wüste! Glauben Sie danach noch den Geografen!“

„Warten wir ab, Joe! Wir werden es bald sehen.“

Gegen halb sieben abends befand sich die Victoria direkt gegenüber dem Berg Duthumi. Um daran vorbeizukommen, musste sie eine Höhe von mehr als dreitausend Fuß erreichen. Dazu musste der Arzt die Temperatur seines Gases nur um achtzehn Grad erhöhen. Man könnte sagen, er hielt seinen Ballon in der Hand. Kennedy musste ihm lediglich die Hindernisse anzeigen, die überwunden werden mussten – dann schoss die Victoria durch die Luft und glitt über die Gipfel der Gebirgskette.

Um acht Uhr stieg sie den weniger steilen Hang hinab. Die Anker wurden aus dem Fahrzeug geworfen; einer von ihnen berührte die Äste eines riesigen Nopals und verfing sich dort fest. Joe ließ sich sofort an dem Seil hinuntergleiten und sicherte es. Anschließend wurde die Seilladder zu ihm heruntergelassen, und er kletterte geschickt wieder ins Fahrzeug zurück.

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Der Ballon blieb nun vollkommen ruhig – geschützt vor den Ostwinden. Das Abendessen war fertig, und die Luftschiffer, begeistert von ihrer Reise des Tages, stürzten sich gierig auf die Vorräte. „Welche Entfernung haben wir heute zurückgelegt?“, fragte Kennedy, nachdem er einige Bissen gegessen hatte. Der Arzt bestimmte seine Position anhand von Mondbeobachtungen und konsultierte außerdem die hervorragende Karte, die er zur Orientierung bei sich hatte. Sie gehörte zum Atlas „Der Neuesten Endeckungen in Afrika“, der in Gotha von seinem gelehrten Freund Dr. Petermann veröffentlicht worden war und ihm von diesem Wissenschaftler zugesandt worden war. Dieser Atlas sollte dem Arzt während der gesamten Reise dienen – er enthielt schließlich die Route von Burton und Speke zu den großen Seen, Informationen über den Sudan nach Dr. Barth, über den Unterlauf des Senegal nach Guillaume Lejean sowie über das Delta des Niger nach Dr. Blaikie. Ferguson hatte sich außerdem ein Werk besorgt, das alle bisher bekannten Informationen über den Nil in einer Sammlung zusammenfasste. Es trug den Titel „Die Quellen des Nils – eine allgemeine Übersicht des Einzugsgebiets dieses Flusses sowie seiner Oberläufe, samt Geschichte der Entdeckungen im Nilgebiet“, verfasst von Charles Beke, D.D. Er hatte außerdem die hervorragenden Karten aus den „Bulletins of the Geographical Society of London“ – daher konnte kein einziger Punkt der bereits entdeckten Länder seiner Aufmerksamkeit entgehen. Als er auf seinen Karten nachsah, stellte er fest, dass seine Breitengradroute zwei Grad, also 120 Meilen, westlicher lag. Kennedy bemerkte, dass die Route eher nach Süden zeigte; doch diese Richtung war für den Arzt in Ordnung – er wollte schließlich so viel wie möglich die Spuren seiner Vorgänger erkunden. Es wurde beschlossen, die Nacht in drei Wachen aufzuteilen, damit jeder im Team abwechselnd dafür sorgen konnte, dass es den anderen gut ging. Der Arzt übernahm die Wache, die um neun Uhr begann; Kennedy die Wache, die um Mitternacht begann; und Joe die Wache um drei Uhr morgens. So lagen Kennedy und Joe, gut in ihre Decken eingewickelt, unter dem Vordach und schliefen ruhig, während Dr. Ferguson Wache hielt.

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Kapitel dreizehn.

Wetterwechsel – Kennedy hat Fieber – Das Medikament des Arztes – Reisen über Land – Das Becken von Imenge – Berg Rubeho – Sechstausend Fuß Höhe – Eine Rast am Tag.

Die Nacht war ruhig. Am Samstagmorgen klagte Kennedy jedoch, als er aufwachte, auf Müdigkeit und fieberhafte Schübe. Das Wetter änderte sich. Der Himmel, bedeckt mit Wolken, schien Vorräte für einen neuen Regenfall anzulegen. Das Gebiet um Zungomoro ist eine düstere Gegend, in der es ständig regnet – vielleicht mit Ausnahme einiger Wochen im Januar.

Bald schon überschütteten heftige Regenschauer unsere Reisenden. Unten wurden die Straßen, die von „Nullahs“ durchzogen waren – einer Art plötzlichen Strömen – schnell unpassierbar, da sie außerdem von dornigen Büschen sowie riesigen Lianen oder kriechenden Pflanzen blockiert wurden. Die Schwefelwasserstoffemissionen, von denen Kapitän Burton spricht, konnten deutlich gerochen werden.

„Laut seinen Angaben – und ich glaube, er hat recht – könnte man leicht glauben, dass hinter jedem Busch ein Leichnam versteckt ist“, sagte der Arzt.

„Was für ein hässliches Land!“, seufzte Joe. „Und mir scheint, als würde es Mr. Kennedy nicht besser gehen, nur weil er hier die Nacht verbracht hat.“

„Ehrlich gesagt, habe ich ziemlich hohes Fieber“, sagte der Sportler.

„Das ist nichts Besonderes, mein lieber Dick – schließlich befinden wir uns in einer der ungesündesten Regionen Afrikas. Aber wir werden nicht lange hier bleiben; also lass uns weiterfahren.“

Dank einer geschickten Manöverführung durch Joe wurde die Ankerkette gelöst, und Joe stieg wieder mit der Leiter ins Auto hinauf. Der Arzt öffnete die Ventile des Gasaggregats stark, und die Victoria setzte ihren Flug fort, angetrieben von einem kräftigen Wind.

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Durch den pestilenzialen Nebel waren nur einige verstreute Hütten zu sehen; doch das Erscheinungsbild der Gegend änderte sich bald, denn in Afrika kommt es oft vor, dass einige der ungesündesten Gebiete direkt neben anderen liegen, die völlig gesundheitsfördernd sind.
Kennedy litt offensichtlich unter Krankheitssymptomen – die Fieber ergriff allmählich seine kräftige Konstitution.
„Es ist nicht gut, krank zu werden“, brummte er; daraufhin wickelte er sich in eine Decke und legte sich unter das Vordach.
„Etwas Geduld, Dick – bald wirst du wieder gesund sein“, sagte der Arzt.
„Wieder gesund werden? Um Himmels willen, Samuel, wenn du in deinem Reisekoffer ein Mittel hast, das mich wieder auf die Beine bringen kann, dann bring es sofort her. Ich werde es mit geschlossenen Augen schlucken!“
„Oh, ich kann noch mehr tun, mein Freund Dick – ich kann dir ein Fiebersenkungsmittel geben, das nichts kostet.“
„Und wie willst du das anstellen?“
„Sehr einfach. Ich werde dich einfach über diese Wolken bringen, die uns gerade bedecken, und dich aus dieser pestilenzialen Atmosphäre herausbringen. Ich bitte nur um zehn Minuten, damit sich das Wasserstoffgas ausdehnen kann.“
Kaum waren zehn Minuten vergangen, befanden sich die Reisenden bereits außerhalb des regnerischen Gebiets.
„Warte noch einen Moment, Dick – bald wirst du die Wirkung der reinen Luft und der Sonne spüren.“
„Da gibt es doch eine Lösung!“, sagte Joe. „Das ist wirklich wunderbar!“
„Nein, es ist einfach nur natürlich.“
„Oh! Natürlich – ja, da gibt es keinen Zweifel!“
„Ich bringe Dick in gute Luft, genau wie es die Ärzte jeden Tag in Europa tun – oder ich würde einen Patienten auf Martinique zu den Pitons schicken, einem hohen Berg auf dieser Insel, damit er der Gelbfieber loswird.“
„Ah! Bei Jupiter – dieser Ballon ist wirklich ein Paradies!“, rief Kennedy, der sich bereits viel besser fühlte.
„Er führt jedenfalls dorthin!“, antwortete Joe ganz ernst.
Es war ein seltsames Schauspiel – jene Wolkenmassen, die gerade unter ihnen lagen! Die Dämpfe türmten sich übereinander und vermischten sich zu verwirrenden, strahlend hellen Massen, während sie die Strahlen der Sonne reflektierten.

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Am Sonntag hatte die Victoria eine Höhe von viertausend Fuß erreicht, und das Thermometer zeigte eine gewisse Abnahme der Temperatur an. Das Land darunter war nicht mehr zu sehen. Fünfzig Meilen westlich ragte der Berg Rubeho mit seinem glänzenden Gipfel empor – er markierte die Grenze des Gebiets Ugogo bei 36 Grad 20 Minuten Ostlänge. Der Wind wehte mit einer Geschwindigkeit von zwanzig Meilen pro Stunde, doch die Luftschiffer spürten diese erhöhte Geschwindigkeit überhaupt nicht. Sie bemerkten keinerlei Erschütterungen und hatten kaum ein Gefühl für Bewegung.

Drei Stunden später bestätigte sich die Vorhersage des Arztes voll und ganz. Kennedy spürte keinen einzigen Fieberanfall mehr und aß sogar etwas zum Frühstück – mit großem Appetit.

„Das ist besser als Quinsalsulfat!“, sagte der energische Schotte mit Nachdruck und großer Zufriedenheit.

„Auf jeden Fall“, sagte Joe, „dorthin werde ich mich zurückziehen, wenn ich alt bin!“

Gegen zehn Uhr vormittags klarte die Atmosphäre auf, die Wolken verzogen sich, und das Land darunter konnte wieder gesehen werden. In der Zwischenzeit sank die Victoria schnell nach unten. Dr. Ferguson suchte nach einer Strömung, die ihn weiter nach Nordosten bringen könnte – er fand sie etwa sechshundert Fuß über dem Boden. Das Gelände wurde immer unebener, ja sogar bergiger. Das Gebiet Zungomoro verschwand im Osten zusammen mit den letzten Kakaobäumen jener Breite.

Bald schon nahmen die Gipfel einer Gebirgskette eine noch deutlichere Form an. Hier und da ragten einige Gipfel empor – es wurde notwendig, ständig auf die spitzen Kegel zu achten, die seemingly jederzeit auftauchen konnten.

„Wir sind mitten in den Felsen!“, sagte Kennedy.

„Bleib ruhig, Dick. Wir werden sie nicht berühren“, antwortete der Arzt ruhig.

„Es ist auf jeden Fall eine seltsame Art zu reisen!“, sagte Joe mit seiner üblichen Fröhlichkeit.

Tatsächlich beherrschte der Arzt seinen Ballon mit erstaunlicher Geschicklichkeit.

„Wenn wir gezwungen gewesen wären, zu Fuß über dieses durchnässte Gelände zu gehen“, sagte er, „würden wir immer noch in einem pestilenzialen Sumpf feststecken. Seit unserem Aufbruch von Sansibar wären bereits die Hälfte unserer Lasttiere vor Erschöpfung gestorben. Wir selbst würden wie Geister aussehen, und Verzweiflung würde unser Herz ergreifen. Wir würden ständig mit unseren Führern und Trägern streiten und völlig der unberechenbaren Brutalität dieser Menschen ausgeliefert sein.“

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Tagsüber: eine feuchte, durchdringende, unerträgliche Feuchtigkeit! Nachts: Kälte – oft unerträglich – sowie Stiche einer bestimmten Fliegenart, deren Stiche selbst das dickste Tuch durchdringen und den Betroffenen in den Wahnsinn treiben! Und all das, ohne etwas über wilde Tiere und grausame einheimische Stämme zu sagen!

„Ich schlage vor, wir versuchen es nicht!“, sagte Joe auf seine eigene, humorvolle Weise.

„Ich übertreibe nichts“, fuhr Ferguson fort. „Denn wenn man die Berichte solcher Reisender liest, die den Mut hatten, in diese Regionen vorzudringen, dann füllen sich die Augen mit Tränen.“

Gegen elf Uhr überflogen sie das Becken von Imenge. Die auf den angrenzenden Hügeln lebenden Stämme drohten der Victoria mit ihren Waffen – doch vergeblich. Schließlich flog das Schiff bis zu den letzten Erhebungen des Landes, die Rubeho vorausgehen. Diese bilden die letzte und höchste Gebirgskette der Usagara-Berge.

Die Luftschiffer machten sorgfältige Aufzeichnungen über die topografische Struktur des Landes. Die drei genannten Gebirgsketten, wobei die Duthumi-Kette die erste darstellt, sind durch riesige Längsebenen voneinander getrennt. Die erhöhten Gipfel bestehen aus abgerundeten Kegeln; zwischen ihnen liegt Erde, die mit losen Steinblöcken und Kiesbrocken bedeckt ist. Die steilsten Abhänge dieser Berge liegen gegen die Küste von Sansibar – die westlichen Hänge hingegen sind nur sanft abfallende Flächen. Die Senken im Boden sind mit schwarzer, fruchtbarer Erde bedeckt, auf der eine üppige Vegetation wächst. Verschiedene Wasserläufe fließen nach Osten und münden schließlich in den Kingani-Fluss – umgeben von riesigen Gruppen von Platanen, Tamarindenbäumen, Kürbisbäumen und Palmen.

„Achtung!“, sagte Dr. Ferguson. „Wir nähern uns Rubeho – dessen Name in der Sprache des Landes ‚Pass der Winde‘ bedeutet. Es wäre gut, bei einer bestimmten Höhe die spitz zulaufenden Gipfel zu umfliegen. Wenn meine Karte richtig ist, werden wir eine Höhe von fünftausend Fuß erreichen.“

„Werden wir oft die Möglichkeit haben, in diese sehr hohen Schichten der Atmosphäre vorzudringen?“

„Sehr selten. Die Höhe der afrikanischen Berge erscheint im Vergleich zu denen in Europa und Asien ziemlich moderat. Aber auf jeden Fall wird unsere gute Victoria keinerlei Schwierigkeiten haben, sie zu überwinden.“

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Nach kurzer Zeit dehnte sich das Gas unter dem Einfluss der Wärme aus, und der Ballon begann, sich deutlich nach oben zu bewegen. Zudem stellte die Ausdehnung des Wassersstoffs kein Risiko dar – nur drei Viertel der enormen Kapazität des Ballons waren gefüllt, als der Barometer aufgrund eines Druckabfalls von acht Zoll eine Höhe von sechstausend Fuß anzeigte.

„Müssen wir wirklich so hoch fliegen?“, fragte Joe.

„Die Erdatmosphäre hat eine Höhe von sechstausend Faden“, sagte der Arzt. „Mit einem sehr großen Ballon könnte man weit kommen. Das ist es auch, was die Herren Brioschi und Gay-Lussac taten – doch dabei spritzte das Blut aus ihren Mündern und Ohren. Es fehlte atembare Luft. Vor einigen Jahren wagten sich zwei furchtlose Franzosen, die Herren Barral und Bixio, ebenfalls in diese extrem hohen Regionen – doch ihr Ballon platzte.“

„Und sie fielen?“, fragte Kennedy unvermittelt.

„Natürlich. Doch wie es sich für gebildete Menschen gehört, fallen sie – ohne sich selbst zu verletzen.“

„Nun, meine Herren“, sagte Joe, „ihr könnt gerne noch einmal versuchen, so zu fallen, wie sie es taten. Aber ich, der ich doch nur ein Dummkopf bin, ziehe es vor, in einer mittleren Höhe zu bleiben – weder zu hoch noch zu niedrig. Es ist nicht gut, zu ehrgeizig zu sein.“

In einer Höhe von sechstausend Fuß ist die Dichte der Atmosphäre bereits stark gesunken; Schall wird nur schwer übertragen, und Stimmen sind nicht mehr leicht zu hören. Die Sicht auf Objekte wird verschwommen – man kann nur noch große, kaum erkennbare Massen sehen. Menschen und Tiere auf der Erdoberfläche werden völlig unsichtbar; Straßen und Flüsse sehen aus wie Fäden, und Seen werden zu Teichen.

Der Arzt und seine Freunde befanden sich in einer sehr seltsamen Situation: Eine atmosphärische Strömung mit extrem hoher Geschwindigkeit trug sie weit weg von den trockenen Bergen. Auf deren Gipfeln erstreckten sich riesige Schneeflächen. Ihr verzerrtes Erscheinungsbild zeugte von titanischen Anstrengungen in den Anfängen der Weltgeschichte.

Die Sonne schien im Zenit, und ihre Strahlen trafen senkrecht auf diese einsamen Gipfel. Der Arzt machte genaue Zeichnungen dieser Berge, die vier deutlich abgegrenzte Gebirgskämme bildeten, die fast in einer geraden Linie angeordnet waren – wobei der nördlichste Kamm der längste war.

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Die Victoria stieg bald den Hang gegenüber dem Rubeho hinab, umrundete dabei einen Hügel, der mit Wäldern bedeckt war und an dem Bäume mit sehr dunkelgrünem Laub standen. Danach kamen Kämme und Schluchten – eine Art Wüste, die das Land der Ugogo vorausging. Noch weiter unten lagen gelbe Ebenen, ausgedörrt und durch die intensive Hitze zerfurcht; hier und da waren sie mit salzhaltigen Pflanzen sowie dichten Dornbuschen bedeckt. Ein wenig Unterwuchs, der weiter entfernt zu Wäldern wurde, schmückte den Horizont. Der Arzt näherte sich dem Boden; die Anker wurden ausgebracht, und einer von ihnen verfing sich bald in den Ästen eines riesigen Platanenbaums. Joe kletterte geschickt den Baum hinunter, befestigte den Anker sorgfältig – der Arzt ließ seinen Zylinder weiterhin arbeiten, damit der Ballon genügend Auftrieb hatte und in der Luft blieb. In der Zwischenzeit hatte sich der Wind plötzlich gelegt.
„Nun“, sagte Ferguson, „nimm zwei Gewehre mit, Freund Dick – eines für dich und eines für Joe – und versucht beide, einige gute Stücke Antilopenfleisch mitzubringen; das wird uns ein gutes Abendessen geben.“
„Auf die Jagd!“, rief Kennedy fröhlich. Er kletterte schnell aus dem Fahrzeug und stieg hinab. Joe hatte sich von Ast zu Ast geschwungen und wartete unten auf ihn, während er in der Zwischenzeit seine Glieder dehnte.
„Fliegen Sie nicht ohne uns weg, Doktor!“, rief Joe.
„Keine Sorge, mein Junge! Ich bin fest gebunden. Ich werde die Zeit nutzen, um meine Notizen in Ordnung zu bringen. Viel Erfolg bei der Jagd – aber seid vorsichtig. Außerdem kann ich von meinem Standort aus das Gelände beobachten; sobald ich etwas Verdächtiges bemerke, schieße ich einen Signalschuss ab – dann müsst ihr sofort zurückkehren.“
„Abgemacht!“, sagte Kennedy – und sie machten sich auf den Weg.

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VIERZEHNTES KAPITEL.

Der Wald aus Gummibäumen – Die blaue Antilope – Das Signal zur Versammlung – Ein unerwarteter Angriff – Der Kanyemé – Eine Nacht im Freien – Die Mabunguru – Jihoue-la-Mkoa – Eine Wasserversorgung – Ankunft in Kazeh.

Das Land, trocken und ausgedörrt, bestehend aus lehmigem Boden, der durch die Hitze Risse aufwies, glich tatsächlich einer Wüste: Hier und da waren einige Spuren von Karawanen zu sehen; die Knochen von Menschen und Tieren, die halb abgenagt worden waren, verrotteten gemeinsam im Staub. Nach einer halben Stunde des Gehens drangen Dick und Joe in einen Wald aus Gummibäumen ein; ihre Blicke waren wachsam in alle Richtungen gerichtet, ihre Finger am Abzug. Man konnte nicht vorhersehen, womit sie konfrontiert werden könnten. Obwohl Joe kein Schütze war, beherrschte er die Handhabung von Schusswaffen mit erstaunlicher Geschicklichkeit.

„Ein Spaziergang tut gut, Herr Kennedy – aber das ist wirklich nicht der einfachste Ort der Welt“, sagte er und trat einige Quarzkörner beiseite, mit denen der Boden bedeckt war.

Kennedy gab seinem Begleiter ein Zeichen, still zu sein und anzuhalten. Die Umstände zwangen sie dazu, auf Jagdhunde zu verzichten; egal, wie geschickt Joe auch sein mochte, man konnte nicht erwarten, dass er den Geruchssinn eines Setters oder Windhundes hatte.

Eine Herde von etwa einem Dutzend Antilopen stillte ihren Durst im Bett eines Baches, in dem sich einige Wasserpfützen befanden. Die anmutigen Tiere, die jede Gefahr im Wind wahrnahmen, schienen beunruhigt und unruhig zu sein. Ihre schönen Köpfe waren zwischen den Windböen zu sehen – sie wurden schnell und plötzlich in die Luft gehoben, während die Tiere mit ihren flexiblen Nasenlöchern in Richtung der beiden Jäger schnüffelten.

Kennedy schlich sich hinter einige Büsche, während Joe regungslos blieb. Schließlich gelangte der Erste in die Nähe der Antilopen.

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Schüsse wurden abgefeuert. Die Herde verschwand im Nu – nur ein männliches Antilopenweibchen, das genau hinter der Schultergelenkstelle getroffen wurde, stürzte zu Boden. Kennedy sprang auf seine Beute zu. Es handelte sich um einen Blaubok – ein wunderbares Tier mit blassblauer Färbung, die ins Graue überging; der Bauch sowie die Innenseiten der Beine waren jedoch so weiß wie frischer Schnee.
„Ein großartiger Schuss!“, rief der Jäger. „Es handelt sich um eine sehr seltene Antilopenart. Ich hoffe, ich kann ihre Haut so bearbeiten, dass ich sie aufbewahren kann.“
„Wirklich?“, sagte Joe. „Glauben Sie wirklich, das schaffen zu können, Herr Kennedy?“
„Natürlich! Schauen Sie sich doch nur, welche wunderbare Haut das ist!“
„Aber Dr. Ferguson wird uns niemals erlauben, so viel Gewicht mitzunehmen!“
„Sie haben recht, Joe. Trotzdem ist es schade, ein so edles Tier zurücklassen zu müssen.“
„Das ganze Tier? Oh, das werden wir nicht tun, Sir. Wir nehmen nur die besten, essbaren Teile. Wenn Sie es erlauben, werde ich das Tier genauso gut zubereiten wie der Vorsitzende des ehrenwerten Metzgerverbands der Stadt London.“
„Wie Sie wünschen, mein Junge! Aber wissen Sie: Auf meine Art als Jäger kann ich ein Stück Wild genauso leicht häuten und zubereiten wie es zu töten.“
„Da bin ich mir sicher, Herr Kennedy. Dann können Sie ja mit ein paar Steinen ein Feuer machen. Es gibt jede Menge trockenes Holz – in ein paar Minuten haben wir glühende Kohlen.“
„Oh! Das wird nicht lange dauern“, sagte Kennedy und begann sofort mit der Vorbereitung des Feuers. Nach einer Weile loderte bereits ein helles Feuer.
Joe hatte bereits einige der besten Steaks sowie die feinsten Teile des Fleisches vom Kadaver der Antilope abgeschnitten. Diese wurden schnell zu köstlichen Gerichten verarbeitet.
„Das wird dem Doktor sicher gefallen!“, sagte Kennedy.
„Wissen Sie, woran ich gerade gedacht habe?“, fragte Joe.
„An die Steaks, die Sie gerade braten, natürlich!“, antwortete Dick.
„Überhaupt nicht. Ich dachte daran, welches Problem wir hätten, wenn wir den Ballon nicht wiederfinden würden.“

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„Um Himmels willen, was für eine Idee! Warum sollte der Arzt uns denn im Stich lassen?“
„Nein – aber was, wenn seine Anker losrutschen würden?“
„Unmöglich! Außerdem hätte der Arzt keinerlei Schwierigkeiten, mit seinem Ballon wieder herunterzukommen; er beherrscht ihn mühelos.“
„Aber was, wenn der Wind ihn wegwehen würde, sodass er nicht mehr zu uns zurückkehren kann?“
„Komm schon, Joe! Hör auf mit deinen Vermutungen – sie sind überhaupt nicht angenehm.“
„Ah! Sir, natürlich ist alles, was in dieser Welt geschieht, natürlich – aber dann kann ja alles Mögliche passieren, und wir sollten vorsorgen.“
In diesem Moment ertönte ein Schuss in der Luft.
„Was ist das?“, rief Joe.
„Das ist mein Gewehr – ich kenne diesen Klang!“, sagte Kennedy.
„Ein Signal!“
„Ja – Gefahr für uns!“
„Vielleicht auch für ihn.“
„Lass uns sofort aufbrechen!“
Die Jäger sammelten die Beute ihrer Expedition ein und eilten schnell den Weg zurück, den sie beim Kommen durch das Zerbrechen von Ästen und Büschen markiert hatten. Die Dichte des Unterholzes verhinderte, dass sie den Ballon sehen konnten – obwohl sie sicherlich nicht weit davon entfernt waren. Ein zweiter Schuss ertönte.
„Wir müssen uns beeilen!“, sagte Joe.
„Da! Ein dritter Schuss!“
„Es klingt, als würde er sich gegen etwas verteidigen.“
„Lass uns schnell machen!“
Sie begannen nun, mit voller Geschwindigkeit zu laufen. Als sie die Peripherie des Waldes erreichten, sahen sie auf den ersten Blick den Ballon an seinem Platz sowie den Arzt im Fahrzeug.
„Was ist los?“, schrie Kennedy.
„Mein Gott!“, rief Joe plötzlich aus.

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„Was siehst du?“
„Dort unten! Schau! Eine Menge Schwarzer umringt den Ballon!“
Tatsächlich sahen sie, etwa zwei Meilen von ihrem Standort entfernt, etwa dreißig wilde Eingeborene, die dicht beieinanderstanden, schrien, gestikulierten und allerlei Unsinn machten – am Fuße des Platanenbaums. Einige kletterten sogar in den Baum hinein und versuchten, zu den höchsten Ästen vorzudringen. Die Gefahr schien akut zu sein.
„Mein Herr ist verloren!“, rief Joe.
„Komm! Bleib ruhig, Joe – lass uns erst mal sehen, wie die Situation ist. Wir haben das Leben dieser vier Schurken in unseren Händen. Vorwärts also!“
Sie legten eine Meile in großer Geschwindigkeit zurück, als plötzlich wieder ein Schuss aus dem Boot zu hören war. Offensichtlich hatte der Schuss einen riesigen schwarzen Dämon getroffen, der sich mit einem Ankerseil nach oben ziehen wollte. Ein lebloser Körper fiel von Ast zu Ast und hing etwa zwanzig Fuß über dem Boden – seine Arme und Beine schwangen hin und her.
„Ha!“, sagte Joe und blieb stehen. „Was hält dieser Kerl da fest?“
„Egal!“, sagte Kennedy. „Lass uns laufen! Lass uns fliehen!“
„Ah! Herr Kennedy“, sagte Joe erneut, in lautes Gelächter ausbrechend, „an seinem Schwanz! Es ist ein Affe! Sie sind alle Affen!“
„Nun, sie sind schlimmer als Menschen!“, sagte Kennedy, während er inmitten der brüllenden Menge stürmte.
Es handelte sich tatsächlich um eine Gruppe sehr gefährlicher Paviane der Hundsgesichtssorte. Diese Tiere sind brutal, wild und grauenhaft anzusehen – mit ihren hundegleichen Schnauzen und wildem Ausdruck. Doch einige Schüsse trieben sie auseinander, und die Meute floh, wobei mehrere von ihnen auf dem Boden zurückblieben.
Sofort kletterte Kennedy die Leiter hinauf, und Joe befreite den Anker von den Ästen. Das Boot senkte sich daraufhin zu ihm herab, und er konnte ohne Schwierigkeiten hineinklettern. Ein paar Minuten später stieg die Victoria langsam auf und flog nach Osten, getragen vom mäßigen Wind.
„Das war ja ein richtiger Angriff für dich!“, sagte Joe.
„Wir dachten, du wärst von Eingeborenen umzingelt.“
„Nun, zum Glück waren es nur Affen“, sagte der Arzt.
„Aus der Ferne gibt es keinen großen Unterschied“, bemerkte Kennedy.
„Auch nicht aus der Nähe“, fügte Joe hinzu.

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„Nun, wie auch immer“, fuhr Ferguson fort, „diese Attacke der Affen hätte die ernstesten Folgen haben können. Hätte der Anker ihren wiederholten Bemühungen nachgegeben – wer weiß, wohin der Wind mich dann getragen hätte?“
„Was habe ich Ihnen gesagt, Herr Kennedy?“
„Sie hatten recht, Joe; aber selbst wenn Sie recht hatten, bereiteten Sie zu diesem Zeitpunkt gerade Antilopensteaks zu – allein schon der Anblick weckte in mir einen riesigen Appetit.“
„Ich glaube Ihnen!“, sagte der Arzt. „Das Fleisch der Antilope ist ausgezeichnet.“
„Sie können das jetzt selbst beurteilen, Sir – das Abendessen ist fertig.“
„Bei meinem Wort als Sportsmann: Diese Hirschsteaks haben einen ziemlich starken Wildgeschmack, das kann man wirklich nicht unterschätzen.“
„Gut!“, sagte Joe mit vollem Mund. „Ich könnte mein ganzes Leben lang nur Antilopen essen – und umso besser, wenn man dazu ein Glas Rum trinkt.“
Nachdem er das gesagt hatte, machte sich der gute Kerl daran, dieses duftende Getränk zuzubereiten – alle probierten es mit Zufriedenheit.
„Bis jetzt ist alles gut gelaufen“, sagte er.
„Wirklich sehr gut!“, stimmte Kennedy zu.
„Nun, Herr Kennedy – bedauern Sie es, dass Sie mit uns gekommen sind?“
„Ich würde gerne sehen, wer mich davon abhalten könnte, mitzukommen!“
Es war nun vier Uhr nachmittags. Die Victoria befand sich in einem schnelleren Strömungsbereich. Das Gelände stieg allmählich an – bald zeigte der Barometer eine Höhe von 1500 Fuß über dem Meeresspiegel an. Der Arzt musste daher den Ballon durch eine beträchtliche Gaszufuhr in der Luft halten; der Zylinder arbeitete die ganze Zeit ununterbrochen.
Gegen sieben Uhr flog der Ballon über das Becken von Kanyemé. Der Arzt erkannte sofort diese riesige Lichtung mit einer Ausdehnung von zehn Meilen – die Dörfer lagen dort zwischen Baobab- und Kürbisbäumen. Es handelte sich dabei um den Wohnsitz eines der Sultane des Landes Ugogo – dort ist die Zivilisation wohl am wenigsten rückständig. Die Einheimischen dort sind weniger geneigt, Mitglieder ihrer eigenen Familie zu verkaufen – doch trotzdem leben Menschen und Tiere gemeinsam in runden Hütten ohne Rahmen, die wie Heustapel aussehen.

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Jenseits von Kanyemé wird der Boden trocken und felsig, doch in einem Streckenabschnitt von einer Stunde Reise entfernt, in einer fruchtbaren Senke, hatte die Vegetation bereits wieder all ihren Schwung zurückerlangt – in einiger Entfernung von Mdaburu. Mit Einbruch der Dämmerung legte sich der Wind, und die Atmosphäre schien zu schlafen. Der Arzt suchte vergeblich nach Luftströmungen in verschiedenen Höhen; schließlich, angesichts dieser Ruhe in der Natur, beschloss er, die Nacht auf dem Ballon zu verbringen. Um größere Sicherheit zu gewährleisten, stieg er auf eine Höhe von tausend Fuß – dort blieb der Ballon regungslos. Die Nacht war prächtig: Der Himmel funkelte vor Sternen, und in den oberen Luftschichten herrschte tiefes Schweigen.

Dick und Joe legten sich auf ihre bequemen Liegen und schliefen bald ein; der Arzt übernahm die erste Wache. Um Mitternacht wurde er von Kennedy abgelöst.

„Falls irgendetwas passiert, wecken Sie mich“, sagte Ferguson. „Und vor allem: Verlieren Sie den Barometer nicht aus den Augen. Für uns ist es wie ein Kompass!“

Die Nacht war kalt – es gab einen Unterschied von siebenundzwanzig Grad zwischen der Nachttemperatur und der Tagestemperatur. Mit Einbruch der Nacht begann das nächtliche Konzert der Tiere, die aus ihren Verstecken durch Hunger und Durst vertrieben wurden. Frösche stimmten ihr kehliges Singen an, das durch das Heulen der Schakale verstärkt wurde; der mächtige Bass des afrikanischen Löwen ergänzte die Klänge dieses „lebenden Orchesters“.

Als der Arzt am Morgen seine Wache wieder aufnahm, schaute er auf seinen Kompass und stellte fest, dass sich der Wind während der Nacht geändert hatte. In den letzten zwei Stunden war der Ballon etwa dreißig Meilen in nordwestlicher Richtung geflogen. Nun überflog er Mabunguru – ein felsiges Gebiet, übersät mit fein polierten Syenitblöcken sowie riesigen Felsen und spitzen Gesteinsformationen. Kegelförmige Massen, ähnlich den Felsen von Karnak, übersäten den Boden – hier und da waren auch die Knochen von Büffeln und Elefanten zu sehen. Doch Bäume waren nur spärlich vorhanden, außer im Osten, wo dichte Wälder lagen, in denen einige Dörfer halb verborgen waren.

Gegen sieben Uhr sahen sie einen riesigen, runden Felsen – fast zwei Meilen im Durchmesser –, der wie eine riesige Schildkröte aussah.

„Wir sind auf dem richtigen Weg“, sagte Dr. Ferguson. „Da ist Jihoue-la-Mkoa – wir müssen dort für ein paar Minuten anhalten. Ich werde die Wasservorräte für meinen Zylinder auffüllen. Versuchen wir also, irgendwo anzulegen.“

„Es gibt sehr wenige Bäume“, antwortete der Jäger.

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„Macht nichts, versuchen wir es. Joe, wirf die Anker aus!“
Der Ballon verlor allmählich seine Auftriebskraft und näherte sich dem Boden; die Anker glitten weiter, bis schließlich einer von ihnen in einer Felsspalte hängen blieb und der Ballon regungslos verharrte.
Man sollte nicht annehmen, dass der Arzt während dieser Pausen seinen Zylinder vollständig ausschalten konnte. Das Gleichgewicht des Ballons war auf Meereshöhe berechnet worden; da das Gelände ständig anstieg und eine Höhe von sechshundert bis siebenhundert Fuß erreichte, neigte der Ballon dazu, unter die Erdoberfläche zu sinken. Es war daher notwendig, ihn durch eine gewisse Ausdehnung des Gases zu stützen. Sollte der Arzt jedoch bei völligem Windstillstand den Ballon auf dem Boden ruhen lassen, hätte dieser, nun von einem erheblichen Gewicht befreit, von selbst weitergeflogen – ohne Hilfe des Zylinders.
Auf den Karten waren weite Teiche am westlichen Hang des Jihoue-la-Mkoa eingezeichnet. Joe ging allein dorthin, mit einem Fass, das etwa zehn Gallonen fassen konnte. Er fand den ihm angegebenen Ort ohne Schwierigkeiten, in der Nähe eines verlassenen Dorfes; holte seine Wasservorräte und kehrte in weniger als drei Viertelstunden zurück. Er hatte nichts Besonderes gesehen außer einigen riesigen Elefantenlöchern. Tatsächlich geriet er fast in eines davon – am Grund lag eine halb gefressene Leiche.
Er brachte eine Art Kleegras mit zurück, das die Affen gierig essen. Der Arzt erkannte darin die Frucht des „Mbenbu“-Baums, der in großer Menge im westlichen Teil des Jihoue-la-Mkoa wächst. Ferguson wartete ungeduldig auf Joe – denn selbst eine kurze Pause in dieser unwirtlichen Gegend weckte immer einen gewissen Ängstlichkeitsgefühl.
Das Wasser wurde ohne Probleme an Bord gebracht, da der Ballon fast auf dem Boden ruhte. Danach fiel es Joe leicht, den Anker zu lösen, und er sprang geschickt an seine Stelle neben den Arzt. Dieser entzündete anschließend wieder die Flamme im Zylinder, und der Ballon stieg majestätisch in die Luft.
Zu diesem Zeitpunkt befanden sie sich etwa hundert Meilen von Kazeh entfernt – einer wichtigen Siedlung im Binnenland Afrikas. Dank einer südostlichen Strömung konnten die Reisenden hoffen, noch am selben Tag dort anzukommen.
Sie bewegten sich mit einer Geschwindigkeit von vierzehn Meilen pro Stunde, und die Steuerung des Ballons wurde immer schwieriger – schließlich wagten sie es nicht, zu hoch aufzusteigen, da dies eine extreme Ausdehnung des Gases erfordert hätte. Das Gelände selbst lag in einer durchschnittlichen Höhe von dreitausend Fuß. Deshalb zog es den Arzt vor, nicht zu drängen.

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Die Ausdehnung des Gebiets folgte geschickt den Windungen einer ziemlich steil geneigten Ebene und führte in sehr geringer Entfernung an den Dörfern Thembo und Tura-Wels vorbei. Letzteres gehört zu Unyamwezy – einem wunderbaren Land, in dem die Bäume enorme Ausmaße erreichen; darunter auch der Kaktus, der gigantische Größen annehmen kann.
Gegen zwei Uhr, bei prächtigem Wetter – doch unter einer brennenden Sonne, die jeden Hauch von Luft verschlang – schwebte der Ballon über der Stadt Kazeh, die etwa dreihundertfünfzig Meilen von der Küste entfernt liegt.
„Wir verließen Sansibar um neun Uhr morgens“, sagte der Arzt und blätterte in seinen Notizen. „Nach zweitägiger Reise haben wir, einschließlich der Abweichungen, fast fünfhundert geografische Meilen zurückgelegt. Kapitäne Burton und Speke brauchten vier Monate und einen halben Monat, um dieselbe Strecke zurückzulegen!“

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Kapitel fünfzehn.

Kazeh – der lärmende Marktplatz – das Erscheinen des Ballons – die Wangaga – die Söhne des Mondes – der Spaziergang des Arztes – die Bevölkerung dieses Ortes – der königliche Tembe – die Ehen des Sultans – ein königliches Trinkgelage – Joe als Gegenstand der Anbetung – Wie sie im Mond tanzen – Eine Reaktion – Zwei Monde am Himmel – Die Instabilität göttlicher Ehren.

Kazeh, ein wichtiger Ort in Zentralafrika, ist keine Stadt; tatsächlich gibt es im Binnenland keine Städte. Kazeh besteht lediglich aus sechs großen Ausgrabungsstätten. Darin befinden sich einige Häuser sowie Sklavenhütten, kleine Höfe und Gärten, die sorgfältig mit Zwiebeln, Kartoffeln, Gurken, Kürbissen und Pilzen bepflanzt werden – Pilze von hervorragendem Geschmack, die dort in großer Fülle wachsen.

Unyamwezy ist das Land des Mondes – vor allem die fruchtbare und prächtige Gartengegend Afrikas. In seinem Zentrum liegt das Gebiet Unyanembe – eine wunderbare Region, in der einige Familien aus Oman, deren Abstammung rein arabisch ist, in luxuriöser Untätigkeit leben.

Seit langem kontrollieren sie den Handel zwischen dem Binnenland Afrikas und Arabien: Sie handeln mit Harzen, Elfenbein, feinem Musselin und Sklaven. Ihre Karawanen durchqueren diese äquatorialen Gebiete in alle Richtungen; sie begeben sich sogar an die Küste, um jene Luxusgüter und Vergnügungsgegenstände zu suchen, nach denen die reichen Händler verlangen. Während diese von ihren Ehefrauen und Dienern umgeben in diesem bezaubernden Land das ungestörteste und entspannteste Leben führen – stets ausgestreckt, lachend, rauchend oder schlafend.

Um diese Ausgrabungsstätten herum befinden sich zahlreiche einheimische Wohnhäuser; weite, offene Flächen für Märkte; Felder mit Hanf und Datura; prächtige Bäume sowie Orte mit kühlem Schatten – so ist Kazeh!

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Dort findet auch das allgemeine Treffen der Karawanen statt – jener aus dem Süden mit ihren Sklaven und ihrem Elfenbeintransport sowie jener aus dem Westen, die Baumwolle, Glaswaren und Kleinigkeiten an die Stämme der Großen Seen exportieren. Auf dem Marktplatz herrscht daher ständige Unruhe, ein namenloses Getöse, das aus den Rufen der Mischlingsportier und Träger, dem Schlagen von Trommeln und dem Pfeifen von Hornen, dem Wiehern der Maultiere, dem Quieken der Esel, dem Singen der Frauen, dem Schreien der Kinder sowie dem Schlagen des riesigen Rattans besteht, den der Jemadar oder Anführer der Karawanen schwingt, um den Rhythmus dieser „pastoralen Symphonie“ zu bestimmen. Dort liegen, ohne Rücksicht auf Ordnung – man könnte sogar sagen, in reizvoller Unordnung – die prächtigen Waren: Glasperlen, Elfenbeinzähne, Nashornzähne, Haifischzähne, Honig, Tabak sowie die Baumwolle dieser Regionen. Sie können dort zu den seltsamsten Preisen gekauft werden – für die Käufer hat jedes Produkt nur einen Wert, der proportional zu dem Verlangen ist, es zu besitzen. Plötzlich hörte diese Unruhe, dieses Treiben und dieser Lärm auf, als wäre es durch Magie geschehen. Der Ballon war gerade in Sicht gekommen, hoch am Himmel, wo er einige Momente lang majestätisch schwebte, bevor er langsam herabsank, ohne von seiner Vertikalen abzuweichen. Männer, Frauen, Kinder, Händler und Sklaven, Araber und Schwarze – sie verschwanden plötzlich in den „Tembes“ und Hütten. „Mein lieber Doktor“, sagte Kennedy, „wenn wir weiterhin solche Sensationen verursachen, werden wir Schwierigkeiten haben, Handelsbeziehungen mit den Leuten hierher aufzubauen.“ „Es gibt jedoch einen Handel, den wir ziemlich leicht betreiben könnten“, sagte Joe; „und das wäre, leise dorthin zu gehen und die besten Waren mitzunehmen, ohne uns um die Händler kümmern zu müssen – so würden wir reich werden!“ „Ah!“, sagte der Doktor, „die Eingeborenen sind anfangs etwas ängstlich – aber sie werden bald wieder auftauchen, sei es aus Misstrauen oder aus Neugierde.“ „Glauben Sie das wirklich, Doktor?“ „Nun, das werden wir bald sehen. Aber es wäre unklug, ihnen zu nahe zu kommen – denn der Ballon ist nicht eisern gepanzert und kann daher weder gegen Pfeile noch gegen Kugeln schützen.“

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„Dann erwarten Sie also, mit diesen Schwarzen Verhandlungen zu führen?“
„Wenn wir das sicher tun können, warum sollten wir es dann nicht tun? In Kazeh müssen doch einige arabische Händler sein, die besser informiert sind als die anderen und nicht so barbarisch. Ich erinnere mich, dass Burton und Speke nur Lob für die Gastfreundschaft dieser Leute hatten; also könnten wir zumindest den Versuch wagen.“
In der Zwischenzeit näherte sich der Ballon allmählich dem Boden; einer der Anker wurde in die Krone eines Baumes in der Nähe des Marktplatzes eingebettet. Zu diesem Zeitpunkt waren alle Bewohner heimlich aus ihren Verstecken gekommen und streckten zunächst ihre Köpfe heraus. Mehrere „Waganga“, an ihren kegelförmigen Schmuckstücken erkennbar, traten mutig vor. Es handelte sich dabei um die Zauberer des Ortes. An ihren Gürteln trugen sie kleine Kürbisse, mit Talg überzogen, sowie weitere Gegenstände der Zauberkunst – alle übrigens äußerst schmutzig.
Allmählich versammelte sich die Menge um sie herum; Frauen und Kinder gruppierten sich um sie. Die Trommeln setzten ihr ohrenbetäubendes Dröhnen fort, Hände wurden heftig zusammengeklatscht und anschließend gen Himmel erhoben.
„Das ist ihre Art zu beten“, sagte der Arzt. „Und wenn ich mich nicht irre, werden wir dazu aufgefordert, eine wichtige Rolle zu spielen.“
„Nun, Sir, dann tun Sie es doch!“
„Auch Sie, mein guter Joe – vielleicht werden Sie ja ein Gott!“
„Nun, Meister, das wird mir nicht allzu viel Mühe bereiten. Ich mag ein wenig Schmeichelei!“
In diesem Moment gab einer der Zauberer, ein „Myanga“, ein Zeichen – daraufhin verstummte das ganze Getöse und es herrschte tiefste Stille. Dann sprach er einige Worte zu den Fremden, allerdings in einer unbekannten Sprache.
Dr. Ferguson verstand sie nicht und rief daher vorsichtig einige Sätze auf Arabisch – sofort erhielt er eine Antwort in derselben Sprache. Der Sprecher hielt anschließend eine sehr ausführliche Rede, die außerdem sehr prächtig formuliert war und von seinem Publikum aufmerksam angehört wurde. Aus dieser Rede erfuhr der Arzt schnell, dass der Ballon für nichts Geringeres als den Mond selbst gehalten wurde – und dass die gütige Göttin es für nötig gehalten hatte, mit ihren drei Söhnen in die Stadt zu kommen. Das war eine Ehre, die in diesem von dem Gott des Tages so sehr geliebten Land niemals vergessen werden würde.

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Der Arzt antwortete mit großer Würde, dass der Mond alle tausend Jahre eine Reise durch die Provinzen unternahm, aus dem Bedürfnis heraus, sich seinen Anbetern näher zu zeigen. Er bat sie daher, sich nicht von ihrer Anwesenheit stören zu lassen, sondern diese Gelegenheit zu nutzen, um all ihre Wünsche und Sehnsüchte mitzuteilen.
Der Zauberer wiederum antwortete, dass der Sultan, der „Mwani“, der seit vielen Jahren krank sei, um Gottes Hilfe flehe – und er lud den Sohn des Mondes ein, ihn zu besuchen.
Der Arzt teilte seinen Begleitern die Einladung mit.
„Und Sie wollen diesen schwarzen König aufsuchen?“, fragte Kennedy.
„Unbedingt; diese Leute scheinen gut gesinnt zu sein; das Wetter ist ruhig, es weht kein Lufthauch – wir haben also nichts zu befürchten, was den Ballon betrifft.“
„Aber was werden Sie tun?“
„Seien Sie beruhigt, mein lieber Dick. Mit etwas Medizin werde ich das schon schaffen!“
Anschließend wandte er sich an die Menge und sagte:
„Der Mond, der Mitleid mit dem Herrscher hat, der den Kindern von Unyamwezy so wichtig ist, hat uns beauftragt, ihn wieder gesund zu machen. Lassen Sie ihn sich darauf vorbereiten, uns zu empfangen!“
Das Geschrei, die Lieder sowie alle möglichen Demonstrationen nahmen zu – und das ganze riesige „Ameisennest“ aus schwarzen Köpfen war wieder in Bewegung.
„Nun, meine Freunde“, sagte Dr. Ferguson, „wir müssen alles im Voraus bedenken; wir könnten jederzeit überraschend gezwungen werden, hier wegzugehen – und dann muss alles besonders schnell gehen. Dick sollte daher im Wagen bleiben und den Zylinder warm halten, damit genügend Auftriebskraft für den Ballon vorhanden ist. Die Anker sind fest befestigt – in dieser Hinsicht gibt es nichts zu befürchten. Ich werde hinabsteigen, und Joe wird mit mir kommen – allerdings muss er am Fuß der Leiter bleiben.“
„Was! Sie wollen allein in das Versteck dieses Schwarzen gehen?“
„Wie! Doktor, darf ich denn nicht mit Ihnen kommen?“
„Nein! Ich werde allein gehen; diese guten Leute glauben, dass die Göttin des Mondes zu ihnen gekommen ist – ihre Aberglauben schützen mich. Haben Sie also keine Angst und bleiben Sie jeweils an der Stelle, die ich Ihnen zugewiesen habe.“
„Nun, da Sie es wünschen…“, seufzte Kennedy.

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„Schauen Sie sich genau die Ausdehnung des Gases an.“
„Einverstanden!“
Zu dieser Zeit waren die Schreie der Eingeborenen noch lauter geworden – sie baten verzweifelt um Hilfe der himmlischen Mächte.
„Na ja“, sagte Joe, „sie sind ziemlich grob in ihren Befehlen an ihren guten Mond und seine göttlichen Söhne.“
Der Arzt, ausgestattet mit seiner Reiseapotheke, stieg zu Boden – begleitet von Joe, der eine ernste Miene bewahrte und so ernst und besonnen aussah, wie es die Umstände erforderten. Anschließend setzte er sich auf arabische Weise am Fuße der Leiter hin, mit übereinandergeschlagenen Beinen. Ein Teil der Menge versammelte sich in einem Kreis um ihn, in respektvoller Entfernung.
In der Zwischenzeit wurde der Arzt, begleitet vom Klang wilder Instrumente sowie wilder religiöser Tänze, langsam zum königlichen „Tembe“ geführt – diesem Gebäude, das sich in einiger Entfernung außerhalb der Stadt befand. Es war etwa drei Uhr, und die Sonne schien hell. Was sollte sie an einem so feierlichen Anlass auch anderes tun?
Der Arzt schritt mit großer Würde voran; die Begleiter hielten die Menge zurück. Bald gesellte sich der leibliche Sohn des Sultans zu ihm – ein gut gebauter junger Mann, der nach den Bräuchen des Landes der einzige Erbe des väterlichen Vermögens war, ohne Rücksicht auf die legitimen Kinder des Alten. Er warf sich vor dem Sohn des Mondes nieder, doch dieser half ihm gnädigerweise wieder auf die Beine.
Drei Viertelstunde später erreichte diese begeisterte Prozession durch schattige Pfade, umgeben von der Pracht der tropischen Vegetation, den Palast des Sultans – ein quadratisches Gebäude namens Ititénya, das sich am Hang eines Hügels befand.
Eine Art Veranda, gebildet durch das Strohdach, schmückte die Außenseite des Gebäudes; sie wurde von Holzpfeilern getragen, die zwar kunstvoll verziert waren. Lange Reihen aus dunkelrotem Ton schmückten die Wände – darauf waren Figuren von Menschen und Schlangen dargestellt; letztere wurden natürlich besser nachgeahmt als die ersten. Das Dach dieses Gebäudes ruhte nicht direkt auf den Wänden, sodass die Luft frei zirkulieren konnte. Doch es gab keine Fenster – und die Tür verdiente kaum diesen Namen.

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Dr. Ferguson wurde mit allen Ehren von den Wachen und Favoriten des Sultans empfangen; es handelte sich dabei um Männer edler Abstammung, die sogenannten Wanyamwezi – einen reinen Typ der zentralafrikanischen Bevölkerungsgruppen, stark, kräftig, gut gebaut und in ausgezeichnetem Zustand. Ihr Haar, in zahlreiche kleine Zöpfe geteilt, fiel ihnen über die Schultern; durch schwarze und blaue Einstiche hatten sie sich von den Schläfen bis zum Mund hin die Wangen tätowieren lassen. Ihre Ohren, furchtbar aufgedehnt, trugen an ihnen hängende Holzplatten sowie Platten aus Gummi-Kopal. Sie waren in prächtig bemalte Gewänder gekleidet, und die Soldaten waren mit gezackten Kriegskeulen, Bögen und Pfeilen, die mit dem Saft des Euphorbiums vergiftet waren, Säbeln, einer langen Klinge mit sägeartigen Zähnen sowie einigen kleinen Kampfaxt ausgestattet. Der Arzt betrat den Palast – und obwohl der Sultan krank war, verdoppelte sich das ohnehin schon schreckliche Getöse in dem Moment, als er eintraf. An den Türrahmen hingen, als Talismane, einige Kaninchen Schwänze sowie Zebramähnen. Er wurde von der ganzen Schar der Ehefrauen Seiner Majestät empfangen – zu den harmonischen Klängen des „Upatu“, einer Art Zimbel, die aus dem Boden eines Kupferkessels hergestellt wurde, sowie zum Lärm des „Kilindo“, einem fünf Fuß hohen Trommeln, die aus dem Stamm eines Baumes herausgehauen worden waren und von zwei pechschwarzen Meistern mit ihren massiven, hornigen Fäusten geschlagen wurden. Die meisten Frauen waren recht hübsch; sie lachten und plapperten fröhlich, während sie Tabak sowie „Thang“ in riesigen schwarzen Pfeifen rauchten. Auch unter ihren langen Gewändern, die sie anmutig um ihren Körper trugen, schienen sie gut gebaut zu sein; außerdem trugen sie eine Art „Kilt“, der aus den Fasern von Kürbissen gewebt war und um ihre Taille gebunden war. Sechs von ihnen gehörten keineswegs zu den fröhlichsten Mitgliedern der Gruppe – sie wurden von den anderen getrennt und einem grausamen Schicksal vorbehalten. Bei Tod des Sultans sollten sie lebendig mit ihm begraben werden, um ihn während seiner ewigen Einsamkeit zu beschäftigen und abzulenken. Dr. Ferguson nahm die ganze Szene in einem schnellen Blick in Augenschein und näherte sich dem Holzdiwan, auf dem der Sultan lag. Dort sah er einen Mann von etwa vierzig Jahren, der durch allerlei Orgien völlig zerstört worden war und in einem Zustand war, in dem kaum noch etwas getan werden konnte. Die Krankheit, die ihn seit vielen Jahren plagte, war nichts anderes als dauerhafter Rauschzustand. Der königliche Trunkenbold hatte fast das Bewusstsein verloren – und alle Ammoniak der Welt hätte ihn nicht wieder auf die Beine bringen können.

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Seine Favoriten sowie die Frauen blieben während dieses feierlichen Besuchs auf den Knien. Mit einigen Tropfen eines starken Cordials brachte der Arzt für einen Moment das leblos vor ihm liegende Wesen wieder zum Leben. Der Sultan regte sich – und bei einem Leichnam, der zuvor mehrere Stunden lang keinerlei Lebenszeichen gezeigt hatte, wurde dieses Zeichen mit lauten Rufen und Jubelrufen zu Ehren des Arztes begrüßt.
Der Arzt, der inzwischen genug davon hatte, schob mit einer schnellen Bewegung seine allzu demonstrativen Bewunderer beiseite und verließ den Palast. Er eilte sofort zum Ballon – es war schließlich bereits sechs Uhr abends.
Während seiner Abwesenheit hatte Joe ruhig am Fuße der Leiter gewartet, wo die Menge ihm ihre tiefsten Ehrerbietungen darbrachte. Wie ein wahrer Sohn des Mondes ließ er sie weitermachen. Als Gottheit wirkte er wie ein sehr kluger Mann – keineswegs stolz, sondern sogar freundlich gegenüber den jungen Schwarzen Frauen, die anscheinend nie müde wurden, ihn anzusehen. Zudem unterhielt er sich sogar angeregt mit ihnen.
„Anbetet mich, meine Damen! Anbetet mich!“, sagte er zu ihnen. „Ich bin ein kluger Teufel – wenn ich schon der Sohn einer Göttin bin.“
Sie brachten ihm Opfergaben, wie man sie üblicherweise in den Fetischhütten oder Mzimu hinterlegt. Zu diesen Gaben gehörten Gerste sowie „Pombe“. Joe fühlte sich verpflichtet, diese Art von starkem Bier zu probieren – doch sein Gaumen, obwohl an Gin und Whiskey gewöhnt, konnte die Stärke dieses Getränks nicht ertragen. Er musste ein schreckliches Gesicht machen – was seine dunkelhäutigen Freunde jedoch als gütiges Lächeln interpretierten.
Daraufhin begannen die jungen Mädchen, ihre Stimmen zu vereinen und in einem langsamen Gesang um ihn herum zu tanzen.
„Ah! Ihr tanzt also? Nun, ich werde euch in Sachen Höflichkeit nicht nachstehen – also zeige ich euch einen meiner Landtänze.“
Und so tanzte er – in einem der wildesten Tänze, die je gesehen wurden: Er drehte sich, wand sich und bewegte sich in alle Richtungen; er tanzte mit den Händen, mit dem Körper, mit den Knien, mit den Füßen – vollführte die abenteuerlichsten Verrenkungen und Bewegungen, nahm unglaubliche Posen ein, machte ungläubliche Grimassen – und vermittelte seinen „wilden“ Bewunderern somit eine seltsame Vorstellung vom Tanzstil der Götter des Mondes.

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Dann ahmte die ganze Schar der Schwarzen – natürlich genauso nachahmungsfähig wie Affen – sofort all seine Gesten und Anmutbewegungen, seine Sprünge, Zuckungen und Verrenkungen nach; sie ließen keine einzige Geste aus, vergaßen keine Haltung – und das Ergebnis war ein solches Chaos aus Bewegung, Lärm und Aufregung, dass es völlig unmöglich wäre, es auch nur ansatzweise zu beschreiben. Doch mitten in diesem Treiben sah Joe, wie der Arzt herankam. Letzterer kam mit voller Geschwindigkeit, umgeben von einem schreienden, chaotischen Pulk. Die Anführer und Zauberer schienen äußerst aufgeregt zu sein; sie waren dem Arzt dicht auf den Fersen, drängten sich um ihn und bedrohten ihn. Was für eine Reaktion! Was war geschehen? War der Sultan unglücklicherweise in den Händen seines „himmlischen“ Arztes ums Leben gekommen? Kennedy sah von seinem Beobachtungsposten aus die Gefahr – ohne zu wissen, was sie verursacht hatte – und der Ballon, stark durch die Ausdehnung des Gases angetrieben, spannte sich und zog an den Seilen, die ihn hielten, als wolle er unbedingt davonfliegen. Der Arzt hatte bereits den Fuß der Leiter erreicht. Eine abergläubische Furcht hielt die Menge weiterhin zurück und hinderte sie daran, Gewalt gegen ihn anzuwenden. Er kletterte schnell die Leiter hinauf, und Joe folgte ihm mit seiner üblichen Agilität. „Keine Sekunde zu verlieren!“, sagte der Arzt. „Versuchen Sie nicht, den Anker loszulassen! Wir werden das Seil durchschneiden! Folgen Sie mir!“ „Aber was ist passiert?“, fragte Joe, während er in den Wagen kletterte. „Was ist geschehen?“, fragte Kennedy mit dem Gewehr in der Hand. „Schauen Sie!“, antwortete der Arzt und zeigte auf den Horizont. „Nun?“, rief der Schotte. „Nun – der Mond!“ Tatsächlich ging dort der Mond auf – rot und prächtig, eine Feuerkugel inmitten eines blauen Himmels! Es war tatsächlich der Mond – er und der Ballon – beide am selben Himmel! Entweder gab es also zwei Monde – oder diese Fremden waren Betrüger, hinterhältige Schurken, falsche Götter! Das waren die ganz natürlichen Reaktionen der Menge – und daher auch ihre Gefühle.

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Joe konnte um Himmels willen nicht aufhören zu lachen; die Bewohner von Kazeh, die erkannten, dass ihre Beute ihnen entglitt, stießen lange Schreie aus und richteten dabei ihre Bögen sowie Musketen auf den Ballon. Doch einer der Zauberer gab ein Zeichen – daraufhin wurden alle Waffen gesenkt. Dann begann er, in den Baum zu klettern, mit der Absicht, das Seil zu ergreifen und die Maschine zu Boden zu bringen. Joe lehnte sich hinaus, mit einer Axt in der Hand. „Soll ich es durchschneiden?“, fragte er. „Nein, warte einen Moment“, antwortete der Arzt. „Aber dieser Schwarze?“ „Vielleicht können wir unser Anker retten – und darauf lege ich großen Wert. Es wird immer noch genug Zeit geben, ihn loszuschneiden.“ Der Zauberer erreichte schließlich den richtigen Platz und arbeitete so kräftig, dass es ihm gelang, den Anker zu lösen. In diesem Moment wurde der Anker durch den Aufstieg des Ballons heftig nach oben gerissen, fing den Schurken zwischen seinen Armen ein und trug ihn damit durch die Luft davon. Die Verwunderung der Menge war unbeschreiblich, als sie sahen, wie einer ihrer Waganga so in den Weltraum geschleudert wurde. „Hurra!“, rief Joe, während der Ballon – dank seiner Auftriebskraft – immer schneller in den Himmel stieg. „Er hält sich gut fest“, sagte Kennedy. „Eine kleine Reise wird ihm guttun.“ „Sollen wir diesen Schwarzen einfach fallen lassen?“, fragte Joe. „Oh nein“, antwortete der Arzt. „Wir werden ihn sanft herunterlassen. Ich bin mir sicher, dass seine Kräfte nach einem solchen Abenteuer in den Augen seiner Kameraden enorm zunehmen werden.“ „Ich wäre nicht überrascht, wenn sie aus ihm einen Gott machen würden!“, sagte Joe lachend. Zu dieser Zeit hatte die Victoria bereits eine Höhe von tausend Fuß erreicht. Der Schwarze klammerte sich verzweifelt am Seil fest. Er war völlig still geworden, und seine Augen waren starr auf etwas gerichtet – seine Angst vermischte sich mit Staunen. Ein leichter Westwind trieb den Ballon direkt über die Stadt und weit darüber hinaus. Eine halbe Stunde später sah der Arzt, dass die Gegend menschenleer war, und dämpfte die Flamme seines Zylinders. Dann sank er langsam zur Erde hinab. Bei zwanzig Fuß Höhe…

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Über dem Rasen fasste der entsetzte Zauberer im Nu einen Entschluss: Er ließ sich fallen, landete auf den Füßen und rannte mit hoher Geschwindigkeit in Richtung Kazeh davon; während der Ballon, plötzlich von seinem Gewicht befreit, wieder in seine ursprüngliche Flugbahn geschossen wurde.

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KAPITEL SIEBZEHN.

Symptome eines Sturms – Das Land des Mondes – Die Zukunft des afrikanischen Kontinents – Die letzte Maschine überhaupt. – Ein Blick auf das Land bei Sonnenuntergang – Flora und Fauna – Der Sturm – Die Feuerroute – Der sternübersäte Himmel.

„Seht“, sagte Joe, „was passiert, wenn man ohne ihre Erlaubnis die Söhne des Mondes spielt! Sie hätte uns fast einen üblen Streich gespielt. Aber sagen Sie, Meister – haben Sie damit Ihren Ruf als Arzt geschädigt?“
„Ja, tatsächlich“, fügte der Sportler hinzu. „Was für ein Würdenträger war dieser Sultan von Kazeh eigentlich?“
„Ein alter, halbtoter Narr“, antwortete der Arzt. „Sein Verlust wird nicht allzu sehr gespürt werden. Doch die Moral dieser Geschichte ist: Ehren sind vergänglich – wir sollten uns nicht zu sehr darauf verlassen.“
„Umso schlimmer!“, erwiderte Joe. „Ich mochte es – verehrt zu werden! Spielt doch den Gott, wie ihr wollt! Was könnte man sich mehr wünschen? Übrigens ist auch der Mond aufgegangen – ganz rot, als wäre er wütend.“
Während die drei Freunde weiter über dieses und andere Dinge sprachen und Joe den Leuchtkörper der Nacht aus einer völlig neuen Perspektive betrachtete, bedeckten sich im Norden die Himmel mit dichten Wolken. Die herabsinkenden Wolkenmassen hatten einen äußerst unheimlichen und bedrohlichen Anblick. Eine ziemlich starke Brise, die etwa dreihundert Fuß über dem Boden herrschte, trieb den Ballon in Richtung Nordnordost. Über ihnen war der blaue Himmel klar – doch die Atmosphäre wirkte drückend und düster.
Gegen acht Uhr abends befanden sich die Luftschiffer auf 32 Grad 40 Minuten Länge östlich und 4 Grad 17 Minuten Breite. Die atmosphärischen Strömungen, unter dem Einfluss eines nicht weit entfernten Sturms, trieben sie mit einer Geschwindigkeit von dreißig bis dreißigfünf Meilen pro Stunde voran.

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Eine Stunde verging – die welligen, fruchtbaren Ebenen von Mfuto zogen schnell unter ihnen vorbei. Das Schauspiel war wirklich bewundernswert – und sie taten es auch.

„Wir befinden uns jetzt mitten im Land des Mondes“, sagte Dr. Ferguson. „Denn es hat den Namen behalten, den ihm die Antike gegeben hat – zweifellos deshalb, weil der Mond dort in allen Zeiten verehrt wurde. Es ist wirklich ein wunderbares Land.“

„Es wäre schwierig, noch prächtigere Vegetation zu finden.“

„Wenn wir so etwas auch um London herum finden würden, wäre das zwar nicht natürlich, aber sehr angenehm“, fügte Joe hinzu. „Warum haben solche ‚barbarischen‘ Länder all diese wunderbaren Dinge?“

„Und wer weiß“, sagte der Arzt, „ob dieses Land eines Tages nicht zum Zentrum der Zivilisation werden könnte? Die Völker der Zukunft könnten hierher kommen, wenn Europa durch die Bemühungen, seine Bewohner zu ernähren, erschöpft sein wird.“

„Glauben Sie das wirklich?“, fragte Kennedy.

„Unzweifelhaft, mein lieber Dick. Betrachten Sie doch den Verlauf der Ereignisse: Denken Sie an die Wanderungen der Völker – dann werden Sie sicherlich zu demselben Schluss kommen. Asien war schließlich die erste ‚Erzieherin der Welt’, nicht wahr? Etwa viertausend Jahre lang kümmerte es sich um die Menschen, brachte sie hervor – doch als Steine den Boden bedeckten, auf dem Homers beschriebene goldene Ernten gediehen hatten, verließen die Menschen dieses erschöpfte, unfruchtbare Land. Danach strömten sie in das junge, kräftige Europa, das sie seit zweitausend Jahren ernährte. Doch bereits jetzt beginnt Europas Fruchtbarkeit nachzulassen; seine Produktivkräfte nehmen täglich ab. Die neuen Krankheiten, die jedes Jahr die Pflanzen befallen, die mangelhaften Ernten, die unzureichenden Ressourcen – all das sind Anzeichen dafür, dass die Vitalität rapide nachlässt und eine Erschöpfung bevorsteht. Deshalb sehen wir bereits Millionen von Menschen, die in die üppigen Gebiete Amerikas strömen, als Quelle der Hilfe – zwar keine unerschöpfliche Quelle, aber noch nicht erschöpft. Auch dieses neue Kontinent wird irgendwann alt werden; seine Urwälder werden dem Beil der Industrie weichen, und sein Boden wird durch die ständige Nutzung geschwächt. Wo früher jedes Jahr zwei Ernten eingebracht wurden, wird man kaum noch eine Ernte aus einem Boden erzielen können, der völlig seiner Kraft beraubt ist. Dann wird Afrika da sein, um den neuen Völkern die Schätze anzubieten, die seit Jahrhunderten in ihm angehäuft wurden. Die Klimazonen, die heute für Fremde so tödlich sind, werden durch die Landwirtschaft gereinigt werden.“

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Durch das Abfließen des Bodenwassers werden diese verstreuten Wasserquellen zusammengeführt und bilden so eine Art „Schifffahrtsweg“. Dann wird dieses Land, durch das wir jetzt reisen – fruchtbarer, reicher und voller Vitalität als der Rest – zu einem großartigen Reich, in dem noch erstaunlichere Entdeckungen gemacht werden werden als jene bezüglich Dampf und Elektrizität.

„Ah! Sir“, sagte Joe, „ich würde all das gerne sehen.“
„Du bist heute Morgen zu früh aufgestanden, mein Junge!“
„Außerdem“, fügte Kennedy hinzu, „könnte das eine sehr langweilige Zeit werden, in der die Industrie alles für ihren eigenen Vorteil ausnutzt. Durch die Erfindung von Maschinen werden die Menschen letztendlich von ihnen verschlungen! Ich habe immer gedacht, dass das Ende der Welt dann kommen wird, wenn irgendein riesiger Kessel, der auf drei Milliarden Atmosphärendruck erhitzt wird, explodiert und unsere Erde zerstört.“
„Und ich füge hinzu“, sagte Joe, „dass die Amerikaner sicherlich nicht die Letzten sein werden, die an solchen Maschinen arbeiten!“
„Tatsächlich“, stimmte der Arzt zu, „sind sie hervorragende Hersteller von Kesseln! Aber anstatt uns von solchen Spekulationen mitreißen zu lassen, sollten wir uns damit zufriedengeben, die Schönheiten dieses Mondlandes zu genießen – schließlich dürfen wir es ja sehen.“

Die Sonne sandte ihre letzten Strahlen unter die Wolkenmassen – dadurch wurden selbst die geringsten Unebenheiten des Bodens mit einem goldenen Glanz überzogen. Riesige Bäume, strauchartige Pflanzen sowie Moose auf der ebenen Oberfläche – all das erhielt einen Anteil an diesem strahlenden Licht. Der Boden war leicht wellig; an manchen Stellen erhoben sich kleine kegelförmige Hügel. Am Horizont waren keine Berge zu sehen. Immense Dornenhecken trennten die Lichtungen, auf denen zahlreiche Dörfer lagen. Riesige Euphorbien bildeten natürliche Verteidigungsanlagen – ihre Stämme verflochten sich mit den korallenförmigen Ästen der Sträucher und Unterpflanzen.

Bald schon war der Malagazeri, der Hauptzufluss des Tanganjikasees, zu sehen – er schlängelte sich durch dichte Grüngebiete und bot Zuflucht für viele Wasserläufe, die aus den Regenfällen während der Regenzeit oder aus Teichen entstanden, die im tonigen Boden entstanden waren. Für Beobachter, die von einer Höhe aus zusahen, sah es aus wie eine Kette von Wasserfällen, die sich über die gesamte Westseite des Landes erstreckten.

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Tiere mit riesigen Hörnern weideten auf den üppigen Prärien und waren manchmal halb versteckt im hohen Gras. Blühende Wälder, die nach würzigen Düften dufteten, boten sich dem Blick wie gewaltige Blumensträuße dar. In diesen „Blumensträußen“ kauerten Löwen, Leoparden, Hyänen und Tiger, um sich vor den letzten heißen Strahlen der untergehenden Sonne zu schützen. Von Zeit zu Zeit ließ ein Elefant die hohen Äste des Unterholzes hin und her schwanken – man konnte das Knacken der riesigen Äste hören, wenn seine schweren Elfenbeinstacheln sie zerbrachen.

„Was für ein wunderbares Land!“, rief Dick aus, der seine Begeisterung nicht länger zurückhalten konnte. „Wenn man einfach einen Ball zufällig in diese Wälder schießt, fällt sicherlich Wild, das es wert ist. Sollen wir es einmal versuchen?“

„Nein, mein lieber Dick – die Nacht rückt näher. Es wird eine gefährliche Nacht mit Sturm – und die Stürme in diesem Land sind schrecklich, denn der erhitzte Boden gleicht einer riesigen elektrischen Batterie.“

„Sie haben recht, Sir“, sagte Joe. „Die Hitze ist kaum auszuhalten, und der Wind hat aufgehört. Man spürt, dass etwas kommen wird.“

„Die Atmosphäre ist mit Elektrizität gesättigt“, antwortete der Arzt. „Jedes Lebewesen merkt, dass dieser Zustand der Luft auf einen Kampf der Elemente hindeutet. Ich muss zugeben, dass ich selbst noch nie so viel Elektrizität in mir hatte.“

„Nun dann“, schlug Dick vor, „wäre es nicht ratsam, zu landen?“

„Im Gegenteil, Dick – ich würde lieber weiterfliegen. Allerdings fürchte ich, von diesen Gegenströmungen in der Atmosphäre von meinem Kurs abgebracht zu werden.“

„Haben Sie also eine Idee, den Weg aufzugeben, den wir seit unserem Verlassen der Küste eingeschlagen haben?“

„Wenn es mir gelingt, werde ich mich etwas mehr nach Norden orientieren – um sieben bis acht Grad. Dann werde ich versuchen, in Richtung der vermuteten Breiten der Quellen des Nils aufzusteigen. Vielleicht finden wir Spuren von Kapitän Spekes Expedition oder von Monsieur de Heuglins Karawane. Wenn ich mich nicht irre, befinden wir uns bei 32 Grad 40 Minuten Ostlänge – ich möchte direkt nördlich des Äquators weiterfliegen.“

„Schauen Sie da!“, rief Kennedy plötzlich aus. „Sehen Sie diese Hippopotame, die aus den Teichen kommen – diese massiven, blutfarbenen Körper – sowie diese Krokodile, die laut schnaubend die Luft durchdringen!“

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„Sie ersticken!“, rief Joe aus. „Ah! Was für eine schreckliche Art zu reisen – und wie man mit den Fingern schnippen kann, um all diese Tiere zu vertreiben! Doktor! Herr Kennedy! Sehen Sie doch diese Rudel wilder Tiere, die dicht beieinander herankommen. Es sind mindestens zweihundert – das sind Wölfe.“
„Nein! Joe, es sind keine Wölfe, sondern Wildhunde – eine berüchtigte Rasse, die nicht zögert, selbst den Löwen anzugreifen. Das sind die schlimmsten Gegner, denen ein Reisender begegnen kann, denn sie würden ihn sofort in Stücke reißen.“
„Nun, Joe wird sich sicherlich nicht darum kümmern, ihnen Maulkörbe anzulegen!“, erwiderte der freundliche junge Mann. „Aber wenn das nun ihre Natur ist, dann sollten wir ihnen deswegen nicht allzu hart vorwerfen.“
Allmählich kehrte Stille ein – unter dem Einfluss des nahenden Sturms schien die dichte Luft nicht mehr geeignet zu sein, Schall weiterzuleiten. Die Atmosphäre wirkte gedämpft; wie ein Raum, der mit Teppichen ausgekleidet ist, verlor sie alle akustischen Echos. Die sogenannten „Rovervögel“, die gekrönten Kraniche, die roten und blauen Krähen, die Spottdrosseln sowie die Fliegenschnapper verschwanden zwischen den Blättern der riesigen Bäume – die ganze Natur zeigte Anzeichen einer bevorstehenden Katastrophe.
Um neun Uhr hing die Victoria regungslos über Msene – einer Ansammlung von Dörfern, die in der Dunkelheit kaum zu erkennen waren. Von Zeit zu Zeit zeigte das Spiegelbild eines wandernden Lichtstrahls auf dem trüben Wasser eine Reihe von regelmäßig angeordneten Gräben; durch einen letzten Lichtschein konnte man die ruhigen, düsteren Silhouetten von Palmen, Platanen und riesigen Euphorbien erkennen.
„Ich ersticke!“, sagte der Schotte und atmete mit aller Kraft so viel wie möglich der verdünnten Luft ein. „Wir bewegen uns keinen Zentimeter! Lasst uns landen!“
„Aber der Sturm!“, sagte der Arzt besorgt.
„Wenn Sie Angst haben, vom Wind weggetragen zu werden, scheint mir, dass es keinen anderen Weg gibt.“
„Vielleicht bricht der Sturm heute Nacht nicht aus“, sagte Joe. „Die Wolken sind sehr hoch.“
„Genau das ist es, was mich davon abhält, darüber hinauszugehen – wir müssten noch höher steigen, die Erde aus den Augen verlieren und die ganze Nacht über nicht wissen, ob wir uns vorwärts bewegen oder in welche Richtung wir unterwegs sind.“

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„Entscheiden Sie sich endlich, lieber Doktor – die Zeit drängt!“
„Es ist schade, dass der Wind nachgelassen hat“, sagte Joe erneut; „er hätte uns aus dem Sturm herausgetragen.“
„Das ist in der Tat bedauerlich, meine Freunde“, erwiderte der Doktor. „Die Wolken sind gefährlich für uns; sie enthalten gegensätzliche Strömungen, die uns in ihre Wirbel ziehen könnten, sowie Blitze, die alles in Brand setzen könnten. Selbst wenn wir diesen Gefahren entgehen, könnte die Kraft des Sturms uns zu Boden schleudern, falls wir unseren Anker in den Baumwipfeln festmachen würden.“
„Was sollen wir dann tun?“
„Nun, wir müssen versuchen, den Ballon in eine mittlere Schicht der Atmosphäre zu bringen und ihn dort zwischen den Gefahren des Himmels und denen der Erde schweben lassen. Wir haben genug Wasser für den Zylinder, und unser Ballast von zweihundert Pfund ist unberührt. Im Notfall kann ich ihn verwenden.“
„Wir werden mit Ihnen Wache halten“, sagte der Jäger.
„Nein, meine Freunde – legen Sie die Vorräte in Sicherheit und legen Sie sich hin. Ich werde Sie wecken, falls es notwendig wird.“
„Aber Meister, wäre es nicht besser, wenn Sie selbst etwas Ruhe nehmen würden? Schließlich droht uns im Moment doch keine Gefahr“, beharrte der arme Joe.
„Nein, danke, mein guter Freund – ich ziehe es vor, wach zu bleiben. Wir bewegen uns nicht, und falls sich die Umstände nicht ändern, werden wir morgen genau am selben Ort sein.“
„Gute Nacht dann, Sir!“
„Gute Nacht – vorausgesetzt, Sie können sie finden!“
Kennedy und Joe legten sich unter ihre Decken, und der Doktor blieb allein in der Weite des Weltraums zurück.
Doch die riesige Wolkenkuppel sank sichtbar tiefer, und die Dunkelheit wurde immer größer. Die schwarze Kuppel schloss sich um die Erde, als wolle sie sie in ihren Armen zerdrücken.
Plötzlich durchbrach ein heftiger, schneller Blitz die Dunkelheit – die entstandene Lücke schloss sich noch nicht einmal, da erschütterte ein furchterregender Donnerschlag die himmlischen Tiefen.
„Auf! Auf! Kommt raus!“, schrie Ferguson.

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Die beiden Schlafenden, durch die schreckliche Erschütterung geweckt, waren auf Befehl des Arztes sofort bereit.
„Sollen wir absinken?“, fragte Kennedy.
„Nein! Der Ballon würde das nicht aushalten. Wir müssen aufsteigen, bevor diese Wolken sich in Wasser auflösen und der Wind losbricht!“, sagte der Arzt und regte dabei aktiv die Flamme im Zylinder an sowie richtete sie auf die Spiralen des Schlangensiphons.
Die Stürme in den Tropen entwickeln sich mit einer Geschwindigkeit, die nur durch ihre Heftigkeit übertroffen wird. Ein weiterer Blitz zerriss die Dunkelheit – ihm folgten zahlreiche weitere Blitze in schneller Abfolge. Der Himmel war wie die Haut eines Zebras mit elektrischen Funken übersät, die unter den großen Regentropfen tanzten und flackerten.
„Wir haben zu lange gewartet“, rief der Arzt. „Wir müssen jetzt durch eine Feuergzone hindurch – mit unserem Ballon, der voller brennbarer Gase ist!“
„Dann lassen Sie uns doch absinken!“, drängte Kennedy.
„Das Risiko, getroffen zu werden, wäre etwa gleich groß – und wir würden bald von den Baumästen zerrissen werden!“
„Wir steigen weiter auf, Doktor!“
„Schneller, noch schneller!“
In diesem Teil Afrikas kommt es während der Äquatorstürme nicht selten vor, dass pro Minute dreißig bis dreiunddreißig Blitze zu beobachten sind. Der Himmel steht buchstäblich in Flammen, und das Donnergrollen ist ununterbrochen.
Der Wind brach mit schrecklicher Gewalt in dieser brennenden Atmosphäre hervor; er verdrehte die lodernden Wolken. Man könnte ihn mit dem Atem riesiger Blasebälge vergleichen, die dieses Feuer weiter anfachten.
Dr. Ferguson hielt den Zylinder bei voller Hitze – der Ballon dehnte sich aus und stieg weiter auf. Kennedy kniete dabei und hielt die Vorhänge des Baldachins zusammen. Der Ballon wirbelte so wild herum, dass den Luftschiffern heftige Erschütterungen zugefügt wurden, da ihre Maschine in alle Richtungen schwang und wankte. Im Seidenmaterial des Ballons bildeten sich riesige Löcher, als der Wind es heftig bog – das Material knackte dabei wie ein Pistolenschloss, wenn es unter dem Druck zurückgeschleudert wurde. Eine Art Hagel, begleitet von einem dröhnenden Geräusch, zischte durch die Luft und prallte gegen die Abdeckung der Victoria. Doch diese setzte ihren Aufstieg fort, während die Blitze…

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Er beschrieb die Tangenten zur Konvexität der Oberfläche des Ballons – doch dieser flog weiter, mitten durch das Feuer hindurch.
„Gott, schütze uns!“, sagte Dr. Ferguson feierlich. „Wir sind in Seinen Händen; nur Er kann uns retten – aber seien wir auf alles vorbereitet, sogar auf Feuer. Unser Sturz könnte nicht sehr schnell sein.“
Die Stimme des Arztes war kaum für seine Begleiter zu hören; doch sie konnten sehen, dass sein Gesicht weiterhin ruhig blieb, selbst im Licht der Blitze. Er beobachtete die Phänomene der Phosphoreszenz, die durch die Flammen von St. Elmo entstanden und nun über das Netzwerk des Ballons hin- und hersprangen.
Der Ballon drehte sich und schwang hin und her, stieg aber stetig auf. Noch bevor eine Stunde vergangen war, hatte er bereits den stürmischen Bereich hinter sich gelassen. Unten zeigte sich ein elektrisches Schauspiel – wie eine riesige Krone aus künstlichen Feuerwerkskörpern, die vom Ballon herabhingen.
Dann genossen sie eines der prächtigsten Spektakel, die die Natur dem Menschen bieten kann: Unten der Sturm, oben der sternklare Himmel – ruhig, still, unerschütterlich – mit dem Mond, der seine friedlichen Strahlen auf diese wütenden Wolken warf.
Dr. Ferguson betrachtete den Barometer – er zeigte eine Höhe von zwölftausend Fuß an. Es war zu dieser Zeit elf Uhr nachts.
„Gott sei Dank – alle Gefahr ist vorbei. Alles, was wir jetzt tun müssen, ist, auf dieser Höhe zu bleiben“, sagte der Arzt.
„Es war schrecklich!“, bemerkte Kennedy.
„Oh!“, sagte Joe. „Das gibt der Reise etwas Abwechslung. Ich bedauere es nicht, einen Sturm aus geringer Entfernung vom Himmel aus gesehen zu haben. Es ist ein wunderschöner Anblick!“

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Kapitel siebzehn.

Die Berge des Mondes – Ein Ozean aus Grün – Sie werfen Anker – Der Schleppelefant – Ein brennendes Feuer – Der Tod des Monsters – Der Feldofen – Eine Mahlzeit auf der Wiese – Eine Nacht am Boden.

Gegen vier Uhr morgens, am Montag, tauchte die Sonne wieder am Horizont auf; die Wolken hatten sich verzogen, und eine frische Brise erfrischte den Morgen. Die Erde, erfüllt von duftenden Dämpfen, kam wieder in Sicht unserer Reisenden. Der Ballon, von entgegengesetzten Strömungen herumgewirbelt, hatte sich kaum von seinem Platz bewegt. Der Arzt ließ das Gas zusammenziehen, um in eine nördlichere Richtung zu gelangen. Lange Zeit blieb seine Suche erfolglos; der Wind trug ihn nach Westen, bis er schließlich die berühmten Berge des Mondes in Sicht bekam. Diese gruppierten sich in einem Halbkreis um das Ufer des Tanganjikasees; ihre nur leicht eingetieften Gipfel zeichneten sich gegen den bläulichen Horizont ab – man hätte sie leicht für natürliche Befestigungsanlagen halten können, die es für die Entdecker Zentralafrikas unmöglich machten, daran vorbeizukommen. Unter ihnen befanden sich einige isolierte Kegel, die auf ewige Schneeflächen hindeuteten.

„Endlich sind wir hier“, sagte der Arzt, „in einem unerforschten Land! Kapitän Burton ist sehr weit nach Westen vorgedrungen, doch er konnte diese berühmten Berge nicht erreichen; er leugnete sogar ihre Existenz, obwohl sein Begleiter Speke deren Existenz mit Nachdruck behauptete. Er tat so, als wären sie nur Produkte der Fantasie seines Begleiters – aber für uns, meine Freunde, gibt es keinen Zweifel mehr.“

„Sollen wir sie überqueren?“, fragte Kennedy.

„Nicht, wenn Gott es nicht will. Ich suche nach einem Wind, der mich zurück zum Äquator trägt. Falls nötig, werde ich sogar warten und den Ballon wie ein Schiff behandeln, das Anker wirft, bis günstige Winde auftreten.“

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Doch die Weitsicht des Arztes brachte bald ihre Früchte; denn nachdem verschiedene Höhen ausprobiert worden waren, begann die Victoria schließlich mit mittlerer Geschwindigkeit in Richtung Nordosten zu segeln.
„Wir sind auf dem richtigen Weg“, sagte der Arzt und blickte auf seinen Kompass, „und befinden uns kaum zweihundert Fuß über der Oberfläche – glückliche Umstände für uns, die es uns ermöglichen, diese neuen Gebiete zu erkunden. Als Kapitän Speke aufbrach, um den See Ukéréoué zu entdecken, stieg er in gerader Linie weiter nach Osten, oberhalb von Kazeh.“
„Sollen wir lange so weiterfliegen?“, fragte der Schotte.
„Vielleicht. Unser Ziel ist es, in Richtung der Quellen des Nils vorzudringen; und wir haben noch mehr als sechshundert Meilen vor uns, bis wir die äußerste Grenze erreichen, die von den Entdeckern aus dem Norden erreicht wurde.“
„Und wir werden keinen festen Boden betreten?“, murmelte Joe. „Das reicht schon aus, um einem das Bein einzuklemmen!“
„Oh, ja, wirklich, mein guter Joe“, sagte der Arzt beruhigend. „Wir müssen unsere Vorräte sparen, wissen Sie; und unterwegs musst du uns etwas frisches Fleisch besorgen, Dick.“
„Wann immer Sie wollen, Doktor.“
„Wir müssen auch unseren Wasservorrat auffüllen. Wer weiß – vielleicht werden wir in einige ausgetrocknete Gebiete gebracht? Deshalb können wir nicht vorsichtig genug sein.“
Um Mittag befand sich die Victoria bei 29 Grad 15 Minuten Ostlänge und 3 Grad 15 Minuten Südbreite. Sie passierte das Dorf Uyofu, die nördlichste Grenze von Unyamwezi, gegenüber vom See Ukéréoué, der noch sichtbar war.
Die Stämme, die in der Nähe des Äquators leben, scheinen etwas zivilisierter zu sein und werden von absoluten Monarchen regiert, deren Herrschaft ein unbegrenzter Despotismus ist. Ihre engste Vereinigung bildet die Provinz Karagwah.
Die Luftschiffer beschlossen, an dem ersten günstigen Ort zu landen. Sie stellten fest, dass sie eine längere Pause einlegen und den Ballon sorgfältig überprüfen mussten; daher wurde die Flamme im Zylinder abgeschwächt, und die Anker, die aus dem Fahrzeug geworfen wurden, begannen bald, das Gras einer riesigen Prärie wegzufegen – die von einer bestimmten Höhe aus wie…

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Wie ein rasiertes Rasenfeld – doch in Wirklichkeit erreichte das Gras eine Höhe von sieben bis acht Fuß. Der Ballon glitt über dieses hohe Gras hinweg, ohne es zu beugen, wie ein riesiger Schmetterling: Es war kein Hindernis in Sicht; es handelte sich um ein Meer aus Grün, ohne auch nur einen einzigen Wellenkamm.
„Wir könnten noch lange so weiterfahren“, bemerkte Kennedy. „Ich sehe keinen Baum, den wir erreichen könnten – ich fürchte, unsere Jagd ist vorbei.“
„Warte, Dick – man kann in diesem Gras sowieso nicht jagen, es ist ja höher als dein Kopf. Wir werden bald einen geeigneten Ort finden.“
Tatsächlich war es eine wunderbare Exkursion – eine wahre Fahrt auf diesem grünen, fast durchsichtigen Meer, das sanft im Wind wellte. Das kleine Fahrzeug schien die „Wellen“ des Grüns zu durchschneiden; von Zeit zu Zeit stiegen Schwärme von Vögeln mit prächtigem Gefieder aus dem hohen Gras auf und flogen mit fröhlichen Rufen davon. Die Anker tauchten in dieses „See“ aus Blumen ein und hinterließen Furchen, die sich hinter ihnen wieder schlossen – wie die Wellenspur eines Schiffes.
Plötzlich wurde ein heftiger Stoß gespürt – der Anker hatte sich in einer Spalte eines Felsens verfangen, der im hohen Gras verborgen war.
„Wir bewegen uns schnell!“, rief Joe.
Kaum waren diese Worte ausgesprochen, ertönte ein schriller Schrei in der Luft – und folgende Worte, gemischt mit Ausrufen, kamen über die Lippen unserer Reisenden:
„Was ist das?“
„Ein seltsamer Schrei!“
„Schaut! Wir bewegen uns doch!“
„Der Anker ist verrutscht!“
„Nein – er hält fest!“, sagte Joe, der am Seil zog.
„Dann muss sich der Felsen bewegen!“
Es wurde ein enormes Rascheln im Gras gehört – bald wurde eine längliche, gewundene Form sichtbar, die über dem Gras auftauchte.
„Eine Schlange!“, schrie Joe.
„Eine Schlange!“, wiederholte Kennedy und griff nach seinem Gewehr.

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„Nein“, sagte der Arzt, „das ist ein Elefantenrüssel!“
„Ein Elefant, Samuel?“
Während Kennedy das sagte, zog er sein Gewehr an die Schulter.
„Warte, Dick – warte!“
„Das ist eine Tatsache! Das Tier zieht uns mit!“
„Und in die richtige Richtung, Joe – in die richtige Richtung.“
Der Elefant kam nun voran und erreichte bald eine Lichtung, von der aus sein ganzer Körper sichtbar war. An seiner gigantischen Größe erkannte der Arzt, dass es sich um einen Männchen einer hervorragenden Art handelte. Er hatte zwei weißliche Stoßzähne, wunderschön gebogen und etwa acht Fuß lang; darin hatte sich der Anker fest verfangen. Das Tier versuchte vergeblich mit seinem Rüssel, sich von dem Seil zu befreien, das es mit dem Wagen verband.
„Los – mach weiter, alter Freund!“, rief Joe freudig und tat sein Bestes, dieses eher ungewöhnliche „Fahrzeug“ anzutreiben. „Das ist doch eine neue Art des Reisens! Keine Pferde mehr für mich – lieber ein Elefant!“
„Aber wohin bringt er uns?“, fragte Kennedy, dessen Gewehr in seiner Hand kribbelte.
„Er bringt uns genau dorthin, wohin wir wollen, mein lieber Dick. Nur etwas Geduld!“
„‚Wig-a-more! Wig-a-more!‘, wie die schottischen Landbewohner sagen“, rief Joe in großer Freude. „Los, los!“
Das riesige Tier begann nun, sehr schnell zu laufen. Es schwang seinen Rüssel von einer Seite zur anderen, und seine gewaltigen Sprünge verursachten mehrere heftige Stöße gegen den Wagen. In der Zwischenzeit stand der Arzt bereit, mit der Axt in der Hand, um das Seil durchzuschneiden, falls es nötig werden sollte.
„Aber“, sagte er, „wir werden unseren Anker erst im letzten Moment loslassen.“
Diese Fahrt mit einem Elefanten als Zugtier dauerte etwa anderthalb Stunden; doch das Tier schien keineswegs müde zu sein. Diese riesigen Tiere können große Entfernungen zurücklegen – und man findet sie von Tag zu Tag in enormer Entfernung von dem Ort, an dem man sie zuletzt gesehen hat, genauso wie Wale, deren Masse und Geschwindigkeit sie übertreffen.
„Tatsächlich“, sagte Joe, „ist es ein Wal, den wir harpuniert haben; und wir tun genau das, was Walfänger beim Fischen tun.“

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Doch eine Veränderung der Beschaffenheit des Bodens zwang den Arzt dazu, seine Fortbewegungsart zu ändern. Am Horizont, etwa drei Meilen entfernt, im Norden der Prärie, wurde ein dichter Hain aus Calmadores entdeckt. Es wurde daher notwendig, den Ballon schließlich von seinem Zugtier zu trennen. Kennedy erhielt die Aufgabe, den Elefanten zum Anhalten zu bringen. Er zog sein Gewehr an die Schulter – doch seine Position war nicht günstig für einen erfolgreichen Schuss. Der erste Schuss prallte einfach an dem Schädel des Tieres ab, genauso wie an einer Eisenplatte. Das Tier schien davon überhaupt nicht beeinträchtigt zu werden; doch beim Geräusch des Schusses beschleunigte es noch weiter und rannte nun so schnell wie ein Pferd im vollen Galopp. „Verdammt!“, rief Kennedy aus. „Was für ein massiver Schädel!“, kommentierte Joe. „Wir versuchen es mit kegelförmigen Kugeln hinter der Schultergelenkstelle“, sagte Kennedy und lud sein Gewehr sorgfältig nach. Kurz darauf feuerte er erneut. Das Tier stieß einen schrecklichen Schrei aus – doch es rannte noch schneller als zuvor. „Kommen Sie!“, sagte Joe und zielte mit einem anderen Gewehr. „Ich muss Ihnen helfen – sonst schaffen wir das nie.“ Zwei Kugeln trafen nun die Seite des Tieres. Der Elefant hielt an, hob seinen Rüssel und setzte seinen Lauf in Richtung des Waldes fort – mit voller Geschwindigkeit. Er schüttelte seinen riesigen Kopf, und Blut strömte aus seinen Wunden. „Lassen Sie uns weiter schießen, Herr Kennedy“, sagte Joe. „Und zwar kontinuierlich“, fügte der Arzt hinzu. „Denn wir sind bereits ganz nah am Wald.“ Zehn weitere Schüsse wurden abgefeuert. Der Elefant machte einen schrecklichen Satz – der Wagen sowie der Ballon zerbrachen, als würde alles in Stücke gehen. Der Aufprall ließ den Arzt seinen Beil zu Boden fallen. Die Situation wurde dadurch wirklich sehr bedrohlich: Das Ankerseil, das fest saß, konnte weder gelöst noch mit den Messern unserer Luftschiffer durchtrennt werden. Der Ballon raste weiter auf den Wald zu – als das Tier gerade seinen Kopf hob, traf es eine Kugel ins Auge. Daraufhin blieb es stehen, schwankte, seine Knie gaben nach – und es legte seinen ganzen Bauchraum den Angriffen seiner Feinde im Ballon preis. „Eine Kugel im Herzen!“, sagte Kennedy und feuerte einen letzten Schuss ab.

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Der Elefant stieß einen langen Schrei der Angst und Qual aus, dann hob er sich für einen Moment in die Höhe, wirbelte seinen Rüssel in der Luft herum – und fiel schließlich mit seinem ganzen Gewicht auf einen seiner Stoßzähne, den er dabei abbrach. Er war tot.
„Sein Stoßzahn ist gebrochen!“, rief Kennedy. „Elfenbein – das in England dreißigfünf Guineen pro hundert Pfund wert wäre.“
„So viel?“, sagte Joe und kletterte an dem Ankerseil zu Boden.
„Was nützt es, darüber zu seufzen, Dick? Sind wir etwa Elfenbeinhändler? Sind wir hierhergekommen, um Geld zu verdienen?“, fragte der Arzt.
Joe überprüfte den Anker und stellte fest, dass dieser fest am unversehrten Stoßzahn befestigt war. Der Arzt und Dick sprangen zu Boden, während der Ballon, nun halb leer, über dem Körper des riesigen Tieres schwebte.
„Was für ein prächtiges Tier!“, sagte Kennedy. „Was für eine Menge Fleisch! Ich habe noch nie einen Elefanten dieser Größe in Indien gesehen!“
„Daran gibt es nichts Überraschendes, mein lieber Dick. Die Elefanten Zentralafrikas sind die besten der Welt. Die Andersons und die Cummings haben in der Gegend um Kapstadt so unermüdlich gejagt, dass diese Tiere zum Äquator gewandert sind, wo man sie oft in großen Herden antreffen kann.“
„In der Zwischenzeit hoffe ich“, fügte Joe hinzu, „dass wir wenigstens ein Stück von diesem Kerl essen können. Ich werde dafür sorgen, dass wir zu seinen Kosten eine gute Mahlzeit bekommen. Herr Kennedy wird für eine Stunde oder zwei jagen gehen; der Arzt wird den Ballon überprüfen – und während die beiden damit beschäftigt sind, werde ich kochen.“
„Eine gute Lösung!“, sagte der Arzt. „Mach, was du willst, Joe.“
„Was mich betrifft“, sagte der Jäger, „so werde ich die zwei Stunden Freizeit nutzen, die Joe mir so gnädigerweise gewährt hat.“
„Geh, mein Freund – aber sei vorsichtig! Geh nicht zu weit weg.“
„Keine Sorge, Doktor!“, sagte Dick, warf sich sein Gewehr über die Schulter und verschwand im Wald.
Sofort machte sich Joe an seine Arbeit. Zuerst grub er ein Loch zwei Fuß tief in den Boden; dieses füllte er mit dem trockenen Holz, das überall verstreut lag – Holz, das von den Elefanten dorthin geworfen worden war. Die Spuren der Elefanten waren dort zu sehen, wo sie hindurchgezogen waren.

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Wald. Nachdem dieses Loch gefüllt war, stapelte er darauf einen Haufen Scheite von etwa einem Fuß Höhe und zündete ihn an. Dann kehrte er zum Elefantenkadaver zurück, der nur etwa hundert Fuß vom Waldrand entfernt gelandet war. Anschließend schnitt er geschickt den Rüssel ab – dessen Basis einen Durchmesser von vielleicht zwei Fuß hatte. Von diesem Rüssel wählte er den zartesten Teil aus und nahm außerdem eines der schwammigen Füße des Tieres mit. Tatsächlich handelt es sich dabei um die feinsten Delikatessen – genauso wie der Hörnerv des Bisons, die Pfoten des Bären oder der Kopf des Wildschweins. Als der Haufen aus Scheiten von innen und außen vollständig verbrannt war und das Loch von Asche sowie heißen Kohlen befreit worden war, blieb dort weiterhin eine sehr hohe Temperatur. Die Stücke Elefantenfleisch, die mit aromatischen Blättern umgeben waren, wurden in diesen improvisierten Ofen gelegt und mit heißen Kohlen bedeckt. Danach stapelte Joe noch einen zweiten Haufen Zweige darauf – als auch dieser verbrannt war, war das Fleisch perfekt gegart. Anschließend holte Joe das Essen aus dem Ofen, legte es auf grüne Blätter und arrangierte sein Mahl auf einer wunderschönen Wiese. Schließlich brachte er einige Kekse, Kaffee und Cognac hervor sowie eine Dose mit reinem, frischem Wasser aus einem nahegelegenen Bächlein. Das so zubereitete Mahl bot ein angenehmes Bild – und Joe dachte, ohne zu stolz zu sein, dass es auch angenehm schmecken würde. „Eine Reise ohne Gefahr oder Müdigkeit“, murmelte er vor sich hin, „Essen, wann immer man will – und die ganze Zeit eine Schaukelhängematte! Was könnte ein Mensch mehr verlangen? Und da war noch Kennedy, der nicht mitkommen wollte!“ Dr. Ferguson hingegen war damit beschäftigt, den Ballon gründlich zu untersuchen. Es schien, als hätte der Ballon vom Sturm keinen Schaden erlitten; Seide und Guttapercha hatten hervorragend widerstanden. Nachdem er die genaue Höhe des Bodens sowie die Auftriebskraft des Ballons berechnet hatte, stellte unser Luftschiffer zufrieden fest, dass sich die Menge an Wasserstoff genau wie zuvor hielt. Die Außenschicht des Ballons war weiterhin völlig wasserdicht. Es waren nun erst fünf Tage vergangen, seit unsere Reisenden Zanzibar verlassen hatten; ihr Pemmikan war noch unberührt, ihre Vorräte an Keksen und eingelegtem Fleisch reichten für eine lange Reise aus – und es gab nichts, was nachgefüllt werden musste, außer Wasser.

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Die Rohre sowie die Spiralen schienen in perfektem Zustand zu sein – denn dank ihrer Gummiverbindungen hatten sie allen Schwingungen des Ballons standgehalten. Seine Untersuchung war beendet; der Arzt machte sich daran, seine Notizen zu ordnen. Er zeichnete eine sehr genaue Skizze der umliegenden Landschaft: die weiten Prärien, die bis zum Horizont reichten, den Wald der Calmadores sowie den Ballon, der regungslos über dem Körper des toten Elefanten schwebte.

Nach diesen zwei Stunden kehrte Kennedy mit einer Reihe fetter Rebhühner sowie dem Ochsenfuß eines Orix zurück – einer Art Gemsbok, der zu den agilsten Antilopenarten gehört. Joe übernahm es, diese Vorräte für ein späteres Mahl vorzubereiten.

„Aber das Abendessen ist fertig!“, rief er mit seiner melodischsten Stimme. Die drei Reisenden mussten nur noch auf dem grünen Rasen Platz nehmen. Der Rüssel und die Füße des Elefanten wurden als ausgezeichnet befunden. Wie üblich wurde auf das alte England angestoßen – und köstliche Havannas sorgten zum ersten Mal dafür, dass dieses charmante Land duftete.

Kennedy aß, trank und plauderte wie vier Personen; er war äußerst zufrieden mit seinem neuen Leben. Er schlug dem Arzt ernsthaft vor, sich in diesem Wald niederzulassen, eine Hütte aus Ästen und Blättern zu bauen und dort sofort die Grundlagen für eine „Robinson-Crusoe-Dynastie“ in Afrika zu legen. Der Vorschlag blieb jedoch unverwirklicht – obwohl Joe sofort den Teil des „Man Friday“ für sich auswählte.

Das Land wirkte so ruhig und verlassen, dass der Arzt beschloss, die Nacht am Boden zu verbringen. Joe arrangierte einen Kreis aus Wachfeuern als notwendige Barriere gegen wilde Tiere – denn Hyänen, Pumas und Schakale, angezogen vom Geruch des toten Elefanten, streiften in der Gegend herum. Kennedy musste mehrmals mit seinem Gewehr auf diese unwillkommenen Besucher schießen – doch die Nacht verlief ohne weitere Zwischenfälle.

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KAPITEL ACHTZEHN.

Der Karagwah – Der See Ukéréoué – Eine Nacht auf einer Insel –
der Äquator – Die Überquerung des Sees – Die Kaskaden –
Ein Blick auf das Land – Die Quellen des Nils – Die Insel Benga –
Die Signatur von Andrea Debono – Die Flagge mit den Wappen Englands.

Um fünf Uhr morgens begannen die Vorbereitungen zum Aufbruch.
Joe brach mit dem Beil, das er glücklicherweise wiedergefunden hatte, die Elfenbeinzähne des Elefanten. Der Ballon, wieder frei, flog zusammen mit unseren Reisenden in Richtung Nordwesten mit einer Geschwindigkeit von achtzehn Meilen pro Stunde. Der Arzt hatte in der vorangegangenen Nacht anhand der Höhe der Sterne sorgfältig seine Position bestimmt. Er wusste, dass er sich zwei Grad vierzig Minuten südlich des Äquators befand – also in einer Entfernung von hundertsechzig geografischen Meilen davon. Er flog über viele Dörfer hinweg, ohne auf die Rufe zu achten, die das Erscheinen des Ballons hervorrief; er nahm sich mit schnellen Blicken die Form der Orte ein; er passierte die Hänge des Rubemhe, die fast genauso steil sind wie die Gipfel des Ousagara, und weiter entfernt, in Tenga, stieß er auf die ersten Ausläufer der Karagwah-Kette, die seiner Ansicht nach direkte Ausläufer der Mondberge sind. Somit näherte sich die alte Legende, die diese Berge zur Wiege des Nils machte, der Wahrheit – schließlich grenzen sie tatsächlich an den See Ukéréoué, den vermuteten Reservoir für die Gewässer des großen Flusses. Von Kafuro, dem Hauptgebiet der Händler dieses Landes, beschrieb er ausführlich am Horizont den so sehnlichst erwarteten und lange gesuchten See, den Kapitän Speke am 3. August 1858 kurz erblickte.
Samuel Ferguson war zutiefst bewegt: Er befand sich fast bereits am Zielpunkt seiner Expedition – und hielt ständig sein Fernrohr in der Hand.

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Er behielt jeden Winkel dieser geheimnisvollen Gegend im Auge. Sein Blick wanderte über Details, die so beschrieben werden könnten: „Unter ihm erstreckte sich ein Land, das im Allgemeinen frei von Bewirtschaftung war; nur hier und da schienen einige Schluchten kultiviert zu sein. Die Oberfläche, gesprenkelt mit mittelhohen Gipfeln, wurde flacher, je näher man dem See kam. Gerstenfelder ersetzten die Reisplantagen – dort wuchs auch die Bananenart, aus der der Wein dieses Landes hergestellt wird, sowie das Mwani, die wilde Pflanze, die als Ersatz für Kaffee dient. Eine Ansammlung von etwa fünfzig oder mehr kreisförmigen Hütten, bedeckt mit blühendem Strohdach, bildete die Hauptstadt des Landes Karagwah.“ Er konnte die erstaunten Gesichter einer ziemlich gutaussehenden Bevölkerungsgruppe mit gelbbrauner Hautfarbe leicht erkennen. Frauen von unglaublicher Fülle schlenderten durch die kultivierten Flächen. Der Arzt überraschte seine Begleiter, als er ihnen mitteilte, dass diese Fülle, die in dieser Region hoch geschätzt wird, durch eine obligatorische Ernährung mit geronnener Milch erreicht werde.
Um Mittag befand sich die Victoria auf 1 Grad 45 Minuten südlicher Breite; um ein Uhr trieb der Wind sie direkt auf den See zu. Diesen Gewässer gab Kapitän Speke den Namen Uyanza Victoria, also Victoria-See. An dem nun erwähnten Ort betrug seine Breite etwa neunzig Meilen. Am südlichen Ende fand der Kapitän eine Gruppe von Inseln, die er als Bengalen-Archipel bezeichnete. Er führte seine Vermessungen bis nach Muanza an der Ostküste, wo er vom Sultan empfangen wurde. Er führte eine Triangulation dieses Teils des Sees durch, konnte aber weder ein Boot zur Überquerung des Sees noch eines, um die stark bevölkerte Insel Ukéréoué zu besuchen – diese wird von drei Sultananlagen regiert und scheint bei Ebbe nur ein Vorsprung zu sein.
Zu großem Bedauern des Arztes näherte sich der Ballon dem See eher von Norden her – schließlich hatte er gehofft, seine unteren Umrisslinien bestimmen zu können. Die Ufer schienen dicht mit Dornensträuchern und stacheligen Pflanzen bewachsen zu sein, die wild durcheinander wuchsen; manchmal waren sie buchstäblich durch unzählige Mücken in hellbrauner Farbe vor dem Blick verborgen. Das Land war offensichtlich bewohnbar und tatsächlich bewohnt. Man konnte Herden von Flusspferden sehen, die sich in den Schilfwäldern vergnügten oder in die weißen Gewässer des Sees eintauchten.

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Letzteres zeigte sich von oben gesehen nach Westen hin mit einem so weiten Horizont, dass man ihn für ein Meer hätte halten können. Die Entfernung zwischen den beiden Ufern ist so groß, dass keine Verbindung hergestellt werden kann. Zudem kommen häufig starke Stürme auf, denn die Winde fegen mit großer Wut über dieses erhöhte und ungeschützte Becken.

Der Arzt hatte Schwierigkeiten, seinen Kurs zu bestimmen; er fürchtete, nach Osten getrieben zu werden. Glücklicherweise trug eine Strömung ihn direkt nach Norden. Um sechs Uhr abends landete der Ballon auf einer kleinen Insel im Süden – bei 30 Grad Breite und 32 Grad 52 Minuten Länge, etwa zwanzig Meilen von der Küste entfernt.

Die Reisenden schafften es, sich an einem Baum festzumachen. Da der Wind gegen Abend nachließ, blieben sie ruhig vor Anker. Sie wagten es nicht, an Land zu gehen – schließlich bedeckten hier, genauso wie an den Ufern des Uyanza, Schwärme von Mücken den Boden. Joe kehrte sogar von der Befestigung des Ankers am Baum zurück – übersät mit Bisswunden – doch er behielt die Ruhe, denn er hielt es für völlig normal, dass die Mücken ihn so behandelten.

Der Arzt hingegen, der weniger optimistisch war, ließ so viel Seil wie möglich los, um diesen erbarmungslosen Insekten zu entkommen – die mit bedrohlichem Summen auf ihn zukamen.

Der Arzt ermittelte die Höhe des Sees über dem Meeresspiegel – wie Kapitän Speke es bereits festgestellt hatte – auf etwa 3.750 Fuß.

„Wir sind also auf einer Insel!“, sagte Joe und kratzte sich, als wolle er sich die Nägel ausreißen.

„Wir könnten die Insel in kürzester Zeit umrunden“, fügte Kennedy hinzu. „Abgesehen von diesen verdammten Mücken ist dort kein Lebewesen zu sehen.“

„Die Inseln, mit denen der See übersät ist, sind im Grunde nichts anderes als die Gipfel untergetauchter Hügel“, antwortete der Arzt. „Aber wir haben Glück, dass wir hier einen Zufluchtsort gefunden haben – denn an den Ufern des Sees leben wilde Stämme. Nehmt euch also Schlaf – schließlich hat das Schicksal uns eine ruhige Nacht geschenkt.“

„Werden Sie das auch tun, Doktor?“

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„Nein, ich konnte meine Augen nicht schließen. Meine Gedanken vertrieben den Schlaf. Morgen, meine Freunde – falls der Wind günstig ist – werden wir nach Nordosten aufbrechen und vielleicht die Quellen des Nils entdecken, dieses große Geheimnis, das so lange unergründlich blieb. Da wir den Quellen dieses berühmten Flusses so nahe sind, konnte ich nicht schlafen.“

Kennedy und Joe, die von wissenschaftlichen Spekulationen nicht in diesem Maße gestört wurden, fielen bald in tiefen Schlaf, während der Arzt seinen Posten hielt.

Am Mittwoch, dem 23. April, startete der Ballon um vier Uhr morgens – unter einem grauen Himmel. Die Nacht zog sich nur langsam von der Oberfläche des Sees zurück; dieser war von dichtem Nebel umhüllt. Doch bald verteilte eine starke Brise alle Nebelschwaden. Nachdem der Ballon für einen Moment in entgegengesetzte Richtungen geschwankt hatte, steuerte er schließlich in gerader Linie nach Norden.

Dr. Ferguson klatschte vor Freude in die Hände. „Wir sind auf dem richtigen Weg!“, rief er. „Heute oder nie werden wir den Nil sehen! Seht, meine Freunde – wir überqueren den Äquator! Wir betreten unser eigenes Hemisphäre!“

„Ah!“, sagte Joe. „Glauben Sie, Doktor, dass der Äquator hier vorbeiführt?“

„Genau hier, mein Junge!“

„Nun, mit allem Respekt gegenüber Ihnen, Sir – mir scheint, dies wäre genau der richtige Zeitpunkt, ihn zu befeuchten.“

„Gut!“, lachte der Arzt. „Lassen Sie uns ein Glas Punch trinken. Ihre Auffassungsgabe bezüglich der Kosmografie ist alles andere als langweilig.“

Und so wurde der Übergang der Victoria über den Äquator gebührend gefeiert.

Der Ballon machte rasche Fortschritte. Im Westen konnte man eine niedrige, nur leicht unregelmäßige Küste erkennen; weiter im Hintergrund lagen die erhöhten Ebenen von Uganda und Usoga. Schließlich wurde die Windgeschwindigkeit so groß, dass sie fast dreißig Meilen pro Stunde erreichte.

Die Gewässer des Nyanza waren heftig aufgewühlt und schäumten wie die Wellen eines Meeres. Anhand bestimmter hoher Wellen, die nach dem Verschwinden der normalen Wellen entstanden, konnte der Arzt schließen, dass der See eine große Wassertiefe haben musste. Während dieser schnellen Überquerung wurden nur ein oder zwei einfache Boote gesichtet.

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„Dieser See ist offensichtlich – aufgrund seiner erhöhten Lage – das natürliche Reservoir der Flüsse im östlichen Afrika. Der Himmel gibt ihm durch Regen zurück, was er in Form von Dampf aus den aus ihm fließenden Bächen aufnimmt. Ich bin sicher, dass der Nil hier seinen Ursprung hat.“
„Nun, wir werden sehen!“, sagte Kennedy.
Gegen neun Uhr näherten sie sich der Westküste. Sie schien verlassen zu sein und mit Wäldern bedeckt. Der Wind wurde etwas stärker in Richtung Osten, und man konnte die andere Uferseite des Sees sehen. Diese bog sich in einer solchen Kurve, dass sie schließlich bei 2 Grad 40 Minuten nördlicher Breite endete. Hohe Berge ragten an diesem Ende des Nyanza mit ihren trockenen Gipfeln empor; doch zwischen ihnen führte ein tiefer, gewundener Felsspalt zu einem reißenden, sprudelnden Fluss.
Während Dr. Ferguson damit beschäftigt war, den Ballon zu steuern, hörte er nicht auf, das Land mit aufmerksamen Augen zu beobachten.
„Schaut!“, rief er aus. „Schaut, meine Freunde! Die Angaben der Araber waren richtig! Sie sprachen von einem Fluss, durch den der See Ukéréoué seine Gewässer nach Norden abgab – und dieser Fluss existiert tatsächlich. Wir fliegen gerade darauf zu, und er fließt mit einer Geschwindigkeit, die der unseren ähnelt! Dieser Tropfen Wasser, der nun unter unseren Füßen davonfließt, wird zweifellos weiterfließen, um sich mit dem Mittelmeer zu vermischen! Das ist der Nil!“
„Das ist der Nil!“, wiederholte Kennedy, von der Begeisterung seines Freundes mitgerissen.
„Hurra für den Nil!“, rief Joe fröhlich – immer bereit, etwas zu feiern.
Enorme Felsen behinderten hier und da den Lauf dieses geheimnisvollen Flusses. Das Wasser schäumte, als es in Strudeln und Wasserfällen fiel – was den Arzt in seinen vorherigen Annahmen bestätigte. Von den umliegenden Bergen strömten zahlreiche Bäche herab; man konnte Hunderte von ihnen sehen. Man sah zarte Wasserspritzer, die vom Boden aus in alle Richtungen spritzten, sich überschnitten und miteinander vermischten – alle strömten auf diesen Fluss zu, der nachdem er sie aufgenommen hatte, zu einem richtigen Fluss wurde.
„Das ist tatsächlich der Nil!“, betonte der Arzt mit tiefer Überzeugung. „Der Ursprung seines Namens – genauso wie der Ursprung seiner Gewässer…“

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„Es hat die Vorstellungskraft der Gelehrten angeregt – sie versuchten, seine Herkunft aus dem Griechischen, Koptischen und Sanskritischen herauszufinden. Doch das ist jetzt von geringer Bedeutung, denn wir haben es dazu gebracht, das Geheimnis seiner Quelle preiszugeben!“
„Aber“, sagte der Schotte, „wie wollen Sie sicherstellen, dass es sich bei diesem Fluss um denselben handelt wie um den, den die Reisenden aus dem Norden kennen?“
„Wir werden einen eindeutigen, unwiderlegbaren, überzeugenden und zuverlässigen Beweis haben“, antwortete Ferguson, „wenn der Wind noch eine Stunde lang auf unserer Seite bleibt!“
Die Berge lagen immer weiter auseinander – an ihrer Stelle tauchten zahlreiche Dörfer sowie Felder mit weißem Indianerkorn, Dura und Zuckerrohr auf. Die Stämme, die in dieser Gegend lebten, schienen aufgeregt und feindselig zu sein; sie zeigten mehr Wut als Bewunderung und betrachteten die Luftschiffer offensichtlich nur als störende Fremde – nicht als göttliche Wesen. Es schien, als wollten diese Männer, indem sie den Quellen des Nils nahekamen, ihnen etwas wegnehmen – deshalb musste die Victoria außer Reichweite ihrer Musketen bleiben.
„Hier zu landen wäre äußerst gefährlich!“, sagte der Schotte.
„Nun“, sagte Joe, „dann ist es umso schlimmer für diese Eingeborenen. Sie müssen ohne das Vergnügen unseres Gesprächs auskommen.“
„Trotzdem muss ich hinuntersteigen“, sagte der Arzt, „auch wenn es nur für ein Viertelstündchen ist. Ohne das kann ich die Ergebnisse unserer Expedition nicht überprüfen.“
„Ist das wirklich unvermeidlich, Doktor?“
„Unvermeidlich. Wir werden hinuntersteigen – selbst wenn wir dazu unter Musketenkugeln gehen müssen.“
„Das passt mir gut“, sagte Kennedy und spielte mit seinem Lieblingsgewehr.
„Und ich bin bereit, Meister – sobald Sie es sagen!“, fügte Joe hinzu und bereitete sich auf den Kampf vor.
„Es wäre nicht das erste Mal“, bemerkte der Arzt, „dass die Wissenschaft mit Schwert in der Hand verfolgt wird. Das Gleiche geschah einem französischen Gelehrten in den Bergen Spaniens, als er den Längengrad maß.“
„Seien Sie vorsichtig, Doktor – vertrauen Sie lieber auf Ihre beiden Leibwächter.“
„Sind wir schon da, Meister?“
„Noch nicht. Tatsächlich werde ich erst einmal etwas höher steigen, um mir ein genaues Bild der Landschaft zu machen.“

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Das Wasserstoffgas dehnte sich aus, und innerhalb von weniger als zehn Minuten stieg der Ballon auf eine Höhe von zweitausendfünfhundert Fuß über dem Boden. Von dieser Höhe aus konnte man ein unübersichtliches Netzwerk kleinerer Bäche erkennen, die in den Fluss mündeten; andere kamen vom Westen, zwischen zahlreichen Hügeln, mitten in fruchtbaren Ebenen. „Wir sind nicht neunzig Meilen von Gondokoro entfernt“, sagte der Arzt und maß die Entfernung auf seiner Karte ab, „und weniger als fünf Meilen von dem Punkt entfernt, den die Entdecker aus dem Norden erreicht haben. Lassen Sie uns mit großer Vorsicht absinken.“ Daraufhin wurde der Ballon etwa zweitausend Fuß tiefer gebracht. „Nun, meine Freunde, seid bereit – egal, was passiert.“ „Wir sind bereit!“, riefen Dick und Joe im Chor. „Gut!“ Kurz darauf bewegte sich der Ballon entlang des Flussbettes, kaum hundert Fuß über dem Boden. Der Nil war an dieser Stelle nur fünfzig Faden breit, und die Einheimischen waren in großer Aufregung – sie eilten hin und her in den Dörfern entlang der Flussufer. An dieser Stelle bildet der Fluss eine senkrechte Wasserfallstufe von zehn Fuß Höhe, wodurch er für Boote unpassierbar ist. „Hier also ist der Wasserfall, von dem Debono gesprochen hat!“, rief der Arzt aus. Das Flusstal erstreckte sich, übersät mit zahlreichen Inseln, die Dr. Ferguson mit seinen Augen musterte. Es schien, als suche er nach einem Orientierungspunkt, den er noch nicht gefunden hatte. Zu diesem Zeitpunkt wagten einige Schwarze es, mit einem Boot direkt unter dem Ballon zu fahren; Kennedy grüßte sie mit einem Schuss aus seinem Gewehr, woraufhin sie mit größter Geschwindigkeit wieder ans Ufer zurückkehrten. „Viel Glück auf eurer Reise!“, rief Joe. „Und wenn ich an eurer Stelle wäre, würde ich es nicht wagen, zurückzukommen. Ich hätte große Angst vor einem Monster, das nach Belieben Blitze schleudern kann.“ Doch plötzlich nahm der Arzt sein Fernrohr und richtete es auf eine Insel mitten im Fluss. „Vier Bäume!“, rief er. „Schaut da unten!“ Tatsächlich standen dort vier Bäume am Ende der Insel. „Es ist die Bengaleninsel! Genau dieselbe!“, wiederholte der Arzt triumphierend. „Und was bedeutet das?“, fragte Dick.

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„Dort werden wir landen, wenn Gott es erlaubt.“
„Aber es scheint bewohnt zu sein, Doktor.“
„Joe hat recht; und falls ich mich nicht irre, gibt es dort im Moment etwa zwanzig Eingeborene.“
„Wir werden sie vertreiben – das wird kein großes Problem sein“, antwortete Ferguson.
„So sei es“, fügte der Jäger hinzu.
Die Sonne stand im Zenit, als der Ballon der Insel näherkam. Die Schwarzen, die zur Makado-Stammesgruppe gehörten, heulten lautstark, und einer von ihnen wedelte mit seinem Filzhut in der Luft. Kennedy zielte auf ihn, schoss – und sein Hut zerfetzte in Stücke. Daraufhin flohen die Eingeborenen in Panik ins Flusswasser und schwammen zum gegenüberliegenden Ufer. Sofort regnete es Kugeln von beiden Ufern herab, zusammen mit einer ganzen Wolke von Pfeilen – doch der Ballon blieb unbeschädigt, da er mit seinem Anker fest in einer Felsspalte verankert war. Joe zögerte nicht und glitt sofort zu Boden.
„Die Leiter!“, rief der Doktor. „Kommen Sie mit mir, Kennedy.“
„Was wünschen Sie, Sir?“
„Lassen Sie uns landen. Ich brauche einen Zeugen.“
„Hier bin ich!“
„Passen Sie gut auf, Joe – halten Sie die Augen offen.“
„Keine Sorge, Doktor; ich werde dafür sorgen.“
„Kommen Sie, Dick“, sagte der Doktor, als er den Boden berührte. Damit zog er seinen Begleiter zu einer Gruppe von Felsen, die sich an einer Stelle der Insel erhoben. Dort suchte er eine Weile und durchwühlte anschließend die Büsche – dabei kratzte er sich die Hände blutig. Plötzlich packte er Kennedys Arm und rief: „Schauen Sie! Schauen Sie!“
„Buchstaben!“
Ja – tatsächlich konnten dort, mit perfekter Genauigkeit, einige Buchstaben, die in den Felsen eingraviert waren, erkennbar sein. Es war ganz einfach, sie zu lesen:
„A. D.“

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„A.D.!“, wiederholte Dr. Ferguson. „Andrea Debono – das ist eindeutig die Signatur des Reisenden, der am weitesten den Nil hinaufgefahren ist.“
„Kein Zweifel daran, Freund Samuel“, stimmte Kennedy zu.
„Sind Sie jetzt überzeugt?“
„Es ist der Nil! Wir können jetzt keinen Zweifel mehr haben“, lautete die Antwort.
Der Arzt betrachtete zum letzten Mal diese wertvollen Initialen und notierte sorgfältig ihre genaue Form und Größe.
„Und nun“, sagte er, „jetzt geht es mit dem Ballon los!“
„Schnell dann – ich sehe, dass einige Einheimische dabei sind, den Fluss erneut zu überqueren.“
„Das ist für uns jetzt unwichtig. Lassen wir uns einfach ein paar Stunden vom Wind nach Norden tragen – dann erreichen wir Gondokoro und können einige unserer Landsleute in die Arme schließen.“
Zehn Minuten später stieg der Ballon majestätisch auf, während Dr. Ferguson zur Feier des Erfolgs die englische Flagge triumphierend aus seinem Wagen schwang.

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KAPITEL NEUNZEHN.

Der Nil – Der zitternde Berg – Erinnerungen an das Land – Die Berichte der Araber – Die Nyam-Nyams – Jos kluge Überlegungen – Der Ballon fliegt weiter – Aerostatische Aufstiege – Madame Blanchard.

„In welche Richtung gehen wir?“, fragte Kennedy, als er sah, wie sein Freund den Kompass betrachtete.
„Nord-nordöstlich.“
„Verdammt! Aber das ist doch nicht der Norden?“
„Nein, Dick. Ich fürchte, wir werden Schwierigkeiten haben, nach Gondokoro zu gelangen. Es tut mir leid – aber schließlich sind wir es doch gelungen, die Erkundungen aus dem Osten mit denen aus dem Norden zu verbinden. Wir sollten uns also nicht beschweren.“
Der Ballon entfernte sich nun allmählich vom Nil.
„Ein letzter Blick“, sagte der Arzt, „auf diese unpassierbare Breite – jenseits derer selbst die mutigsten Reisenden nicht vorankommen konnten. Es gibt dort diese widerspenstigen Stämme, von denen Petherick, Arnaud, Miuni sowie der junge Reisende Lejean gesprochen haben; ihnen verdanken wir die besten Aufzeichnungen über den Oberlauf des Nils.“
„Also stimmen unsere Entdeckungen dann mit den wissenschaftlichen Theorien überein?“, fragte Kennedy.
„Absolut. Die Quellen des Weißen Nils, des Bahr-el-Abiad, liegen in einem See, der so groß wie ein Meer ist – dort entspringt der Fluss. Zweifellos geht dadurch etwas an Poesie verloren. Die Menschen neigten dazu, diesem König der Flüsse einen himmlischen Ursprung zuzuschreiben. Die Alten gaben ihm den Namen eines Ozeans und glaubten fast, er fließe direkt vom Sonnen herab – aber wir müssen ab und zu von diesen Flügen herunterkommen und die Realität akzeptieren.“

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Was die Wissenschaft uns lehrt. Es wird vielleicht nicht immer Wissenschaftler geben – aber es werden immer Dichter geben.
„Wir können immer noch Katarakte sehen“, sagte Joe.
„Das sind die Katarakte von Makedo, auf der dritten Breitengradlinie. Nichts könnte genauer sein. Ach, wenn wir doch nur den Lauf des Nils für ein paar Stunden hätten verfolgen können!“
„Und dort unten, unter uns, sehe ich den Gipfel eines Berges“, sagte der Jäger.
„Das ist der Berg Longwek – der Zitternde Berg der Araber. Dieses ganze Land wurde von Debono besucht, der es unter dem Namen Latif-Effendi durchquerte. Die Stämme, die in der Nähe des Nils leben, sind gegeneinander feindlich gesinnt und führen ständig Kriege gegeneinander. Man kann sich also vorstellen, welche Schwierigkeiten er überwinden musste.“
Der Wind trieb den Ballon in Richtung Nordwesten. Um den Berg Longwek zu umgehen, war es notwendig, eine schrägere Strömung zu finden.
„Meine Freunde“, sagte der Arzt, „hier beginnt wirklich unsere Überquerung des afrikanischen Kontinents. Bis jetzt haben wir den Spuren unserer Vorgänger gefolgt. Von nun an müssen wir uns ins Unbekannte wagen. Uns wird doch der Mut nicht fehlen, oder?“
„Nie!“, riefen Dick und Joe fast gleichzeitig.
„Dann los – möge uns der Himmel helfen!“
Um zehn Uhr abends erreichten die Luftschiffer nach dem Überfliegen von Schluchten, Wäldern und verstreuten Dörfern die Flanke des Zitternden Berges. Entlang seiner sanften Hänge glitten sie leise dahin. An jenem unvergesslichen Tag, dem 23. April, hatten sie in fünfzehn Stunden, angetrieben von einem starken Wind, eine Strecke von mehr als dreihundertfünfzehn Meilen zurückgelegt. Doch dieser letzte Teil der Reise hatte sie niedergeschlagen gemacht – im Inneren des Ballons herrschte völlige Stille. War Dr. Ferguson in Gedanken bei seinen Entdeckungen? Dachten seine beiden Begleiter an ihre Reise durch diese unbekannten Gebiete? Zweifellos mischten sich zu diesen Gedanken auch die intensivsten Erinnerungen an Zuhause und entfernte Freunde. Nur Joe zeigte weiterhin dieselbe gleichgültige Einstellung – er fand es ganz natürlich, dass Zuhause nicht dort war, seitdem er es verlassen hatte. Doch er respektierte die stille Stimmung seiner Freunde, des Arztes und von Kennedy.

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Gegen zehn Uhr ankerte der Ballon am Fuße des sogenannten Zitternden Berges – so genannt, weil in der arabischen Tradition behauptet wird, er würde in dem Moment zittern, in dem ein Muslim seinen Fuß darauf setzt. Die Reisenden nahmen anschließend eine reichhaltige Mahlzeit zu sich und verbrachten wie gewohnt die Nacht ruhig, wobei sie die üblichen Wachen hielten. Beim Aufwachen am nächsten Morgen waren alle in besserer Stimmung. Das Wetter war gut, und der Wind wehte aus der richtigen Richtung; daher sorgte ein gutes Frühstück, ergänzt durch Jos fröhliche Streiche, dafür, dass sie in bester Laune waren.

Die Gegend, durch die sie nun zogen, war sehr großflächig. Einerseits grenzte sie an die Mondberge, andererseits an die Berge von Darfur – es handelte sich dabei um ein Gebiet, das etwa so breit wie Europa war.

„Wir durchqueren zweifellos das, was als Königreich Usoga gilt“, sagte der Arzt. „Geografen haben vorgegeben, dass es im Zentrum Afrikas eine riesige Senke, einen gewaltigen zentralen See gebe. Wir werden sehen, ob an dieser Vorstellung etwas Wahres dran ist.“

„Aber wie kamen sie auf diese Idee?“, fragte Kennedy.

„Durch die Erzählungen der Araber. Diese Leute sind hervorragende Erzähler – wahrscheinlich sogar zu gut. Einige Reisende, die bis nach Kazeh oder zu den großen Seen vordrangen, sahen Sklaven, die aus dieser Gegend stammten; sie befragten sie dazu und entwickelten aus ihren unterschiedlichen Berichten ein Durcheinander von Vorstellungen sowie daraus abgeleitete Theorien. Tief im Grunde steckt etwas Wahres darin – und man sieht, dass sie bezüglich der Quellen des Nils recht hatten.“

„Nichts könnte richtigere sein“, sagte Kennedy. „Mit Hilfe dieser Dokumente wurden erste Versuche unternommen, Karten anzufertigen. Deshalb werde ich versuchen, unseren Weg anhand einer dieser Karten nachzuvollziehen und ihn bei Bedarf zu korrigieren.“

„Ist diese ganze Gegend bewohnt?“, fragte Joe.

„Unzweifelhaft – und außerdem auf unangenehme Weise bewohnt.“

„Das dachte ich mir.“

„Alle diese verstreuten Stämme werden unter dem Namen Nyam-Nyams zusammengefasst. Dieses zusammengesetzte Wort ist eigentlich nur eine Art Spitzname – es ahmt den Klang des Kauens nach.“

„Genau! Exzellent!“, sagte Joe und knirschte mit den Zähnen, als würde er essen: „Nyam-Nyam.“

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„Mein guter Joe, wenn du das unmittelbare Ziel dieses Kauens wärst, würdest du es nicht so hervorragend finden.“
„Warum, welcher Grund ist das, Sir?“
„Diese Stämme gelten als Menschenfresser.“
„Ist das wirklich der Fall?“
„Kein Zweifel daran! Es wurde auch behauptet, dass diese Eingeborenen Schwänze hatten, wie gewöhnliche Vierbeiner; doch bald stellte sich heraus, dass diese Anhängsel zu den Häuten von Tieren gehörten, die sie als Kleidung trugen.“
„Schade! Ein Schwanz ist doch eine gute Sache, um Mücken zu vertreiben.“
„Das mag sein, Joe; aber wir müssen diese Geschichte der Fabelwelt zurechnen – genauso wie die Hundeköpfe, die der Reisende Brun-Rollet anderen Stämmen zuschrieb.“
„Hundeköpfe, eh? Sehr praktisch zum Bellen – und sogar zum Menschenfressen!“
„Aber eines, was leider wahr ist, ist die Grausamkeit dieser Stämme, die wirklich sehr gerne menschliches Fleisch essen und es gierig verschlingen.“
„Ich hoffe nur, dass sie kein besonderes Interesse an meinem Fleisch entwickeln!“, sagte Joe in komischer Ernsthaftigkeit.
„Pass auf!“, sagte Kennedy.
„Ja, sicherlich, Sir; wenn ich in einer Hungersnot gegessen werden muss, dann soll es zum Nutzen von Ihnen und meinem Herrn sein; aber der Gedanke, diese schwarzen Kerle zu füttern – bei Gott! Ich würde vor Scham sterben!“
„Nun, dann, Joe“, sagte Kennedy, „das ist verstanden; wir zählen auf dich, falls es nötig wird!“
„Zu Ihren Diensten, meine Herren!“
„Joe spricht so, damit wir gut auf ihn aufpassen und ihn füttern.“
„Vielleicht“, sagte Joe. „Jeder für sich.“
Am Nachmittag wurde der Himmel von einem warmen Nebel bedeckt, der aus dem Boden aufstieg; der braune Dunst ließ es kaum zu, irgendwelche Objekte zu erkennen. Aus Angst vor einer Kollision mit einem unerwarteten Berggipfel gab der Arzt gegen fünf Uhr das Signal zum Anhalten.

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Die Nacht verlief ohne Unfälle – doch in einer solchen Dunkelheit, dass eine doppelte Wachsamkeit erforderlich war. Der Monsun wehte den ganzen nächsten Morgen über mit extremer Kraft. Der Wind drang in die unteren Hohlräume des Ballons ein und erschütterte die Anschlüsse, durch die die Erweiterungsröhren in das Hauptgerät führten. Schließlich mussten diese mit Seilen festgebunden werden – Joe erledigte diese Aufgabe sehr geschickt. Gleichzeitig stellte er fest, dass das Loch im Ballon weiterhin luftdicht verschlossen blieb. „Das ist für uns von doppelter Bedeutung“, sagte der Arzt. „Erstens vermeiden wir so das Entweichen des wertvollen Gases – und zweitens hinterlassen wir keinen brennbaren Rückstand, den wir letztendlich unweigerlich in Brand setzen und dadurch vernichtet werden würden.“ „Das wäre ein unangenehmes Reiseereignis!“, sagte Joe. „Könnten wir zu Boden geworfen werden?“, fragte Kennedy. „Zu Boden geworfen! Nein, nicht ganz. Das Gas würde ruhig verbrennen, und wir würden allmählich absinken. Ein ähnlicher Unfall ist einer französischen Luftschifferin, Madame Blanchard, passiert. Sie zündete ihren Ballon während des Abschusses von Feuerwerk an – doch sie fiel nicht herab. Wahrscheinlich wäre sie auch nicht ums Leben gekommen, wenn ihr Ballon nicht gegen einen Schornstein geprallt wäre und sie zu Boden gestürzt hätte.“ „Hoffen wir, dass uns so etwas nicht passiert“, sagte der Jäger. „Bis jetzt scheint mir unsere Reise nicht besonders gefährlich zu sein – ich sehe nichts, was uns daran hindern könnte, unser Ziel zu erreichen.“ „Ich auch nicht, mein lieber Dick. Unfälle entstehen in der Regel durch die Unvorsichtigkeit der Luftschiffer oder durch fehlerhafte Konstruktionen ihrer Geräte. Doch bei Tausenden von Flügen gab es nicht einmal zwanzig tödliche Unfälle. Meist liegt die Gefahr im Moment des Abhebens oder der Landung – daher sollten wir an diesen Punkten stets äußerste Vorsicht walten lassen.“ „Es ist Zeit für das Frühstück“, sagte Joe. „Wir müssen uns mit konserviertem Fleisch und Kaffee begnügen, bis Herr Kennedy wieder die Gelegenheit hat, uns ein gutes Stück Hirschfleisch zu besorgen.“

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KAPITEL ZWANZIG.

Die himmlische Flasche – Die Feigenpalmen – Die Mammutbäume – Der Kriegsb Baum – Das geflügelte Team – Zwei einheimische Stämme im Kampf – Ein Massaker – Eine Intervention von oben.

Der Wind wurde heftig und unregelmäßig; der Ballon wurde wie in einem Strudel durch die Luft gewirbelt. Mal wurde er nach Norden, mal nach Süden getrieben – er fand keine konstante Strömung.
„Wir bewegen uns sehr schnell, kommen aber kaum voran“, sagte Kennedy und bemerkte die häufigen Schwankungen der Kompassnadel.
„Der Ballon bewegt sich mit einer Geschwindigkeit von mindestens dreißig Meilen pro Stunde. Beugen Sie sich vor und sehen Sie, wie das Land unter uns vorbeizieht!“, sagte der Arzt.
„Sehen Sie! Der Wald scheint direkt auf uns zuzustürzen!“
„Der Wald ist zu einer Lichtung geworden!“, fügte der andere hinzu.
„Und die Lichtung zu einem Dorf!“, fuhr Joe nach einer Weile fort. „Schauen Sie sich die Gesichter dieser verblüfften Schwarzen an!“
„Oh! Es ist ganz natürlich, dass sie verblüfft sind“, sagte der Arzt. „Die französischen Bauern schossen beim ersten Anblick eines Ballons auf ihn, weil sie dachten, es handele sich um ein fliegendes Ungeheuer. Ein sudanesischer Schwarzer kann also durchaus dafür entschuldigt werden, dass er seine Augen weit aufriss!“
„Mein Gott!“, sagte Joe, als die Victoria nur knapp hundert Fuß über dem Boden entlangflog – direkt über einem Dorf. „Mit Ihrer Erlaubnis, Doktor, werde ich ihnen eine leere Flasche zuwerfen. Wenn sie sicher bei ihnen ankommt, werden sie sie verehren; wenn sie zerbricht, werden sie aus den Stücken Talismane herstellen.“
Nachdem er das gesagt hatte, warf er eine Flasche hinaus – diese zerbrach natürlich in tausend Stücke. Die Schwarzen flohen in ihre runden Hütten und stießen schrille Schreie aus.

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Etwas weiter entfernt rief Kennedy aus: „Schauen Sie sich diesen seltsamen Baum an! Der obere Teil ist einer Art zugehörig und der untere Teil einer anderen!“
„Nun“, sagte Joe, „hier ist ein Land, in dem die Bäume übereinander wachsen.“
„Das ist einfach der Stamm eines Feigenbaums“, antwortete der Arzt, „auf dem sich etwas Erde befindet. Eines Tages ließ der Wind einen Palmenkeim darauf fallen – der Keim hat Wurzeln geschlagen und gewachsen, als wäre er auf ebenem Boden.“
„Ein wirklich interessanter neuer Gartenstil“, sagte Joe. „Ich werde diese Idee nach England importieren. Das wäre genau das Richtige für die Parks in London – abgesehen davon wäre es auch eine weitere Möglichkeit, die Anzahl der Obstbäume zu erhöhen. Wir könnten Gärten in der Luft haben – und die kleinen Hausbesitzer würden das sicher mögen!“
In diesem Moment mussten sie den Ballon höher steigen lassen, um über einen Wald von Bäumen hinwegzufliegen, die mehr als dreihundert Fuß hoch waren – eine Art uralter Banyanbaum.
„Was für prächtige Bäume!“, rief Kennedy aus. „Ich habe noch nie etwas So wunderbares gesehen wie das Aussehen dieser uralten Wälder. Schauen Sie, Doktor!“
„Die Höhe dieser Banyanbäume ist tatsächlich bemerkenswert, mein lieber Dick – doch im Neuen Welt wären sie nichts Besonderes.“
„Gibt es denn noch höhere Bäume?“
„Sicherlich; unter den ‚Mammutbäumen‘ Kaliforniens gibt es einen Zedernbaum, der vierhundertachtzig Fuß hoch ist. Er würde die Gebäude des Parlaments sowie sogar die Große Pyramide von Ägypten überragen. Der Stamm an der Erdoberfläche hatte einen Umfang von hundertzweiundzwanzig Fuß – und die konzentrischen Holzschichten zeigten, dass der Baum bereits mehr als viertausend Jahre alt war.“
„Aber dann ist daran doch nichts Wunderbares! Wenn man viertausend Jahre lang lebt, sollte man doch ziemlich groß sein!“, meinte Joe.
Während der Arzt erzählte und Joe antwortete, wich der Wald einem großen Kreis von Hütten, die einen offenen Platz umgaben. In der Mitte dieses Platzes stand ein einziger Baum – und als Joe ihn sah, rief er aus:
„Nun! Wenn dieser Baum in den letzten viertausend Jahren solche Blüten hervorgebracht hat, muss ich ihm auf jeden Fall meinen Respekt aussprechen.“ Er zeigte auf einen riesigen Platanenbaum, dessen ganzer Stamm mit menschlichen Knochen bedeckt war.

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Die Blumen, von denen Joe sprach, waren Köpfe, die frisch von den Körpern abgetrennt worden waren und an Dolchen hingen, die in die Rinde des Baumes gestoßen worden waren.
„Der Kriegsb Baum dieser Kannibalen!“, sagte der Arzt. „Die Indianer nehmen nur die Kopfhaut mit, aber diese Negern nehmen den ganzen Kopf.“
„Nur eine Frage der Mode!“, sagte Joe. Doch bereits verschwanden das Dorf sowie die blutenden Köpfe am Horizont. An einem anderen Ort bot sich ein noch abscheulicheres Schauspiel: halb gefressene Leichen, Skelette, die zu Staub zerfielen, menschliche Gliedmaßen, die überall verstreut lagen und den Schakalen und Hyänen zur Nahrung dienten.
„Ohne Zweifel handelt es sich um die Körper von Verbrechern; nach der Sitte in Abessinien überlassen diese Leute sie den Wildtieren, die sie mit ihren schrecklichen Zähnen und Krallen töten und anschließend in Ruhe verschlingen.“
„Kein bisschen grausamer als das Hängen!“, sagte der Schotte. „Nur schmutziger – das ist alles!“
„In den südlichen Regionen Afrikas begnügen sie sich“, fuhr der Arzt fort, „daran, den Verbrecher zusammen mit seinem Vieh – manchmal auch mit seiner Familie – in seiner eigenen Hütte einzusperren. Dann zünden sie die Hütte an, und alle verbrennen zusammen. Das nenne ich grausam – aber genauso wie mein Freund Kennedy halte ich auch das Henken für ebenso grausam und barbarisch.“
Joe bemerkte mit seiner scharfen Sicht, die er ständig nutzte, einige Schwärme von Raubvögeln, die am Horizont umherflogen.
„Das sind Adler!“, rief Kennedy, nachdem er sie durch das Fernrohr betrachtet hatte. „Prächtige Vögel, deren Flug genauso schnell ist wie unserer.“
„Gott möge uns vor ihren Angriffen bewahren!“, sagte der Arzt. „Sie sind für uns gefährlicher als wilde Tiere oder wilde Stämme.“
„Pah!“, sagte der Jäger. „Wir können sie mit ein paar Schüssen aus dem Gewehr vertreiben.“
„Trotzdem würde ich es vorziehen, lieber Dick, dieses Mal nicht auf deine Fähigkeiten angewiesen zu sein – schließlich könnte unser Ballon ihrem scharfen Schnabel nicht standhalten. Glücklicherweise werden die riesigen Vögel, glaube ich, eher erschrocken als angezogen von unserer Maschine sein.“
„Ja! Aber ich habe Dutzende von Ideen“, sagte Joe. „Wenn wir nur einen Schwarm lebender Adler fangen könnten, könnten wir sie am Ballon befestigen – dann würden sie uns durch die Luft ziehen!“

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„Der Vorschlag wurde ernsthaft gemacht“, antwortete der Arzt, „aber ich glaube, er ist bei Wesen, die von Natur aus so unruhig sind, kaum durchführbar.“
„Oh! Wir würden sie zähmen“, sagte Joe. „Anstatt sie mit Zügeln zu lenken, würden wir es mit Augenbedeckungen tun, die ihre Augen verdecken. Halb blind auf diese Weise würden sie dorthin gehen, wohin wir es wollten; wenn sie völlig geblendet wären, würden sie anhalten.“
„Erlauben Sie mir, Joe – ich ziehe einen günstigen Wind vor Ihr Team aus Adlern. Er kostet weniger Futter und ist zuverlässiger.“
„Nun, Sie können wählen, Meister – aber ich bleibe bei meiner Idee.“
Es war jetzt Mittag. Die Victoria flog bereits seit einiger Zeit mit gemäßigterer Geschwindigkeit; das Land zog einfach unter ihr vorbei – sie flog nicht mehr hoch. Plötzlich hörten unsere Luftfahrer Schreie und Pfeifgeräusche. Wenn sie sich über den Rand des Fahrzeugs beugten, sahen sie auf der offenen Ebene unter sich ein atemberaubendes Schauspiel: Zwei feindliche Stämme kämpften heftig miteinander, und die Luft war voller Pfeilsalven. Die Kämpfer waren so sehr auf ihren mörderischen Kampf konzentriert, dass sie die Ankunft des Ballons nicht bemerkten. Etwa dreihundert Menschen waren in diesem tödlichen Kampf verwickelt – die meisten von ihnen waren blutverschmiert; ihr Anblick war grauenhaft. Als sie endlich den Ballon sahen, herrschte für einen Moment Ruhe – doch dann verstärkten sich ihre Schreie, und einige Pfeile wurden auf die Victoria abgeschossen. Einer davon kam so nahe, dass Joe ihn mit der Hand fangen konnte.
„Lassen Sie uns außer Reichweite steigen“, rief der Arzt. „Es darf keine Unvorsichtigkeit geben! Uns ist jegliches Risiko verboten.“
In der Zwischenzeit setzte sich der Massaker auf beiden Seiten fort – mit Kriegsäxten und Waffen. Sobald einer der Kämpfer fiel, eilte ein feindlicher Krieger herbei, um ihm den Kopf abzuschneiden. Die Frauen mischten sich in den Kampf ein, sammelten diese blutigen Trophäen ein und stapelten sie an den Enden des Schlachtfelds. Oft kämpften sie sogar um diese schrecklichen Beutegegenstände.
„Was für eine schreckliche Szene!“, sagte Kennedy voller Abscheu.
„Das sind hässliche Kerle!“, fügte Joe hinzu. „Aber wenn sie Uniformen hätten, wären sie genauso wie die Kämpfer in allen anderen Ländern!“

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„Ich habe große Lust, mich an diesem Kampf zu beteiligen“, sagte der Jäger und schwang sein Gewehr.
„Nein! Nein!“, wandte der Arzt heftig ein. „Lassen wir uns nicht in Dinge einmischen, die uns nichts angehen. Weißt du überhaupt, was richtig und was falsch ist, dass du dich in die Rolle des Allmächtigen begeben willst? Lass uns lieber schnell von diesem abscheulichen Anblick weggehen. Würden die großen Feldherren der Welt so über den Schauplätzen ihrer Taten schweben, würden sie vielleicht irgendwann Ekel vor Blut und Eroberung empfinden.“
Der Anführer einer der kämpfenden Parteien zeichnete sich durch seine athletische Statur, seine große Größe und seine herkulische Kraft aus. Mit einer Hand stieß er seinen Speer in die dichten Reihen seiner Feinde, mit der anderen säbelte er mit seinem Kriegsbeil große Lücken in ihre Reihen. Plötzlich warf er seinen blutverschmierten Kriegshammer beiseite, stürzte sich auf einen verletzten Krieger, trennte ihm mit einem einzigen Hieb den Arm ab, nahm dieses abgetrennte Glied zum Mund und biss immer wieder darauf.
„Ah!“, rief Kennedy aus. „Dieses schreckliche Ungeheuer! Ich kann mich nicht länger zurückhalten!“ Während er sprach, wurde der riesige Wilde mit einer Kugel aus dem Gewehr mitten ins Gesicht getroffen und stürzte zu Boden.
Durch diesen plötzlichen Unglücksfall ihres Anführers schienen seine Krieger vor Erstaunen sprachlos zu sein; sein unnatürlicher Tod erschreckte sie, während er gleichzeitig den Mut und Eifer ihrer Gegner belebte. Im Nu verließen die Hälfte der Kämpfer das Schlachtfeld.
„Komm, lass uns nach oben schauen, ob wir einen Wind finden, der uns fortträgt. Ich habe genug von diesem Anblick“, sagte der Arzt.
Doch sie konnten nicht schnell genug entkommen, um dem Anblick der siegreichen Stämme zu entgehen – Stämme, die auf die Toten und Verletzten zustürmten, um sich um das noch warme, stinkende Fleisch zu streiten und es gierig zu verschlingen.
„Pfui!“, sagte Joe. „Das ist widerlich.“
Der Ballon stieg immer weiter auf; das Heulen der brutalen Horde verfolgte sie noch einige Minuten lang – doch schließlich wurden sie nach Süden getragen und kamen außer Sicht und Hörweite dieses schrecklichen Kannibalismus-Schauspiels.
Die Landschaft war nun sehr vielfältig – es gab zahlreiche Wasserläufe, die nach Osten flossen. Diese flossen zweifellos in…

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Diese Nebenflüsse des Sees Nu oder des Flusses der Gazellen, über die Herr Guillaume Lejean so interessante Details geliefert hat. Bei Einbruch der Dunkelheit war der Ballon nach einer Tagesreise von hundertfünfzig Meilen auf 27 Grad Ostlänge und 4 Grad 20 Minuten Breitengrad angekommen.

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KAPITEL EINUNDZWANZIG.

Seltsame Geräusche – Ein nächtlicher Angriff – Kennedy und Joe im Baum – Zwei Schüsse – „Hilfe! Hilfe!“ – Antwort auf Französisch – Der Morgen – Der Missionar – Der Rettungsplan.

Die Nacht brach sehr dunkel herein. Der Arzt hatte es nicht geschafft, das Gelände zu erkunden. Er hatte sich an einen sehr hohen Baum gebunden; von dort aus konnte er durch die Dunkelheit nur eine unklare Masse ausmachen. Wie üblich übernahm er die Wache um neun Uhr, und mitten in der Nacht wechselte Dick ihm den Dienst ab.
„Halte gut Ausschau, Dick!“, war der Abschiedsgruß des Arztes. „Gibt es etwas Neues?“
„Nein; aber ich glaube, ich habe unten seltsame Geräusche gehört. Da ich nicht genau weiß, wohin der Wind uns gebracht hat, kann es nicht schaden, besonders vorsichtig zu sein.“
„Wahrscheinlich hast du nur die Schreie wilder Tiere gehört.“
„Nein! Die Geräusche klangen für mich ganz anders. Auf jeden Fall – weck uns sofort, falls etwas passiert.“
„Das werde ich tun, Doktor; ruhen Sie sich aus.“
Nachdem der Arzt noch ein paar Momente aufmerksam zugehört hatte und nichts mehr hörte, legte er sich auf seine Decken und schlief ein. Der Himmel war mit dichten Wolken bedeckt, doch es wehte nicht der geringste Lufthauch; der Ballon, der nur durch einen einzigen Anker an seinem Platz gehalten wurde, zeigte keinerlei Schwankungen.
Kennedy lehnte seinen Ellbogen auf den Rand des Wagens, um den aktiv arbeitenden Zylinder im Auge zu behalten. Er blickte in die stille Dunkelheit hinaus, musterte eifrig den Horizont – wie es oft bei Menschen der Fall ist…

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Diejenigen, die unruhig waren oder von vorgefassten Vorstellungen beherrscht wurden – er glaubte, manchmal schwache Lichterscheinungen in der Ferne wahrzunehmen. Einen Moment lang dachte er sogar, sie seien nur zweihundert Schritte entfernt, ganz deutlich sichtbar – doch es handelte sich dabei um einen kurzen Blitz, der genauso schnell wieder verschwand, wie er gekommen war; er bemerkte nichts weiter. Es handelte sich zweifellos um eine dieser leuchtenden Illusionen, die manchmal in tiefer Dunkelheit das Auge täuschen.

Kennedy überwand allmählich seine Nervosität und versank wieder in seinen Gedanken, als plötzlich ein schriller Pfiff sein Ohr durchdrang. War das das Geräusch eines Tieres oder eines Nachttieres – oder kam es von menschlichen Lippen? Kennedy, der die Schwere der Situation voll und ganz erkannte, wollte gerade seine Gefährten wecken – doch er überlegte, dass die Kreaturen, die er gehört hatte, egal ob Menschen oder Tiere, außerhalb seiner Reichweite sein mussten. Deshalb überprüfte er lediglich, ob seine Waffen in Ordnung waren, und blickte anschließend mit seinem Fernrohr wieder in die Ferne.

Es dauerte nicht lange, bis er glaubte, unter sich vage Formen erkennen zu können, die offenbar auf den Baum zuflogen. Mit Hilfe eines Mondstrahls, der wie ein elektrischer Blitz zwischen zwei Wolkenmassen hindurchschoss, konnte er deutlich eine Gruppe von Menschenfiguren ausmachen, die sich im Schatten bewegten. Die Erinnerung an das Abenteuer mit den hundsgesichtigen Pavianen kehrte in sein Gedächtnis zurück – er legte seine Hand auf die Schulter des Arztes. Der Arzt war sofort wach.

„Schweigen!“, sagte Dick. „Sprechen wir leise.“
„Ist etwas passiert?“
„Ja, wir müssen Joe wecken.“
Sobald Joe geweckt wurde, erzählte Kennedy ihm, was er gesehen hatte.
„Diese verdammten Affen schon wieder!“, sagte Joe.
„Möglich – aber wir müssen wachsam bleiben.“
„Joe und ich“, sagte Kennedy, „werden über die Leiter vom Baum herunterklettern.“
„Und in der Zwischenzeit“, fügte der Arzt hinzu, „werde ich Vorbereitungen treffen, damit wir bei Bedarf sofort nach oben steigen können.“
„Abgemacht!“

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„Dann lasst uns nach unten gehen!“, sagte Joe.
„Verwende deine Waffen nicht – es sei denn in der äußersten Not! Es wäre ein sinnloser Risiko, die Eingeborenen auf unsere Anwesenheit an einem solchen Ort aufmerksam zu machen.“
Dick und Joe zeigten mit Gesten ihre Zustimmung. Dann glitten sie leise zum Baum hinunter und nahmen Position in einer Astgabel, wo sich das Ankerseil verfangen hatte.
Für einige Momente lauschten sie aufmerksam und regungslos zwischen den Blättern. Bald darauf packte Joe Kennedys Hand – er hörte nämlich ein Geräusch, als würde etwas an der Rinde des Baumes reiben.
„Hörst du das nicht?“, flüsterte er.
„Ja – und es kommt immer näher.“
„Was, wenn es eine Schlange ist? Dieses Zischen oder Pfeifen, das du vorhin gehört hast…“
„Nein! Da war etwas Menschliches dabei.“
„Ich hätte lieber die Wilden – ich habe eine Heidenangst vor diesen Schlangen.“
„Das Geräusch wird lauter“, sagte Kennedy nach einigen Momenten.
„Ja! Irgendetwas kommt auf uns zu – es klettert herauf.“
„Du übernimmst diese Seite, ich kümmere mich um die andere.“
„Sehr gut!“
Sie befanden sich dort, isoliert auf einem der größeren Äste, die ausmitten dieser sogenannten Miniaturwälder aus Baobab-Bäumen ragten. Die Dunkelheit, verstärkt durch die Dichte der Blätter, war tief. Doch Joe beugte sich zu Kennedys Ohr und flüsterte: „Die Schwarzen! Sie klettern auf uns zu.“
Die beiden Freunde konnten sogar einige Worte hören, die in möglichst leisem Ton gesprochen wurden.
Joe legte vorsichtig sein Gewehr an die Schulter, während er sprach.
„Warte!“, sagte Kennedy.
Einige der Eingeborenen hatten tatsächlich den Baobab erklommen. Jetzt waren sie von allen Seiten zu sehen – sie krochen wie Reptilien entlang der Äste und kamen langsam, aber sicher näher. Sie waren die ganze Zeit über deutlich zu erkennen.

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nicht nur für das Auge, sondern auch für die Nase – durch den schrecklichen Gestank des verrotteten Fetts, mit dem sie ihre Körper bedecken. Bald schon erschienen zwei Köpfe im Blickfeld von Kennedy und Joe, auf derselben Höhe wie der Ast, an dem sie sich festhielten.
„Achtung!“, sagte Kennedy. „Feuer!“
Der doppelte Knall hallte wie ein Donnerschlag wider und verstummte in Schreien der Wut und des Schmerzes – im Nu war die ganze Horde verschwunden. Doch mitten unter diesen Schreien und Heulern war ein seltsamer, unerwarteter – ja, fast unmöglicher – Schrei zu hören! Eine menschliche Stimme hatte deutlich auf Französisch gerufen:
„Hilfe! Hilfe!“
Kennedy und Joe, sprachlos vor Erstaunen, kehrten sofort zum Wagen zurück.
„Habt ihr das gehört?“, fragte der Arzt sie.
„Ohne Zweifel stammt dieser übernatürliche Schrei, ‚À moi! À moi!‘, von einem Franzosen in den Händen dieser Barbaren!“
„Ein Reisender.“
„Vielleicht ein Missionar.“
„Armer Teufel!“, sagte Kennedy. „Sie ermorden ihn – machen ihn zu einem Märtyrer!“
Dann sprach der Arzt – es war ihm unmöglich, seine Emotionen zu verbergen.
„Daran kann kein Zweifel bestehen“, sagte er. „Irgendein unglücklicher Franzose ist in die Hände dieser Wilden gefallen. Wir dürfen diesen Ort nicht ohne alles zu tun, was in unserer Macht steht, um ihn zu retten, verlassen. Als er den Klang unserer Gewehre hörte, erkannte er eine unerwartete Hilfe, eine göttliche Einmischung. Wir dürfen seine letzte Hoffnung nicht enttäuschen. Sind das Ihre Ansichten?“
„Ja, Doktor – wir sind bereit, Ihnen zu gehorchen.“
„Dann legen wir unser Köpfchen zusammen, um einen Plan auszuarbeiten – und morgen werden wir versuchen, ihn zu retten.“
„Aber wie sollen wir diese abscheulichen Schwarzen vertreiben?“, fragte Kennedy.
„Es ist mir völlig klar: An der Art und Weise, wie sie geflohen sind, erkenne ich, dass sie mit Schusswaffen nichts anzufangen wissen. Wir müssen also ihren Ängsten nutzen – aber“

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„Wir werden auf das Tageslicht warten, bevor wir handeln – dann können wir unsere Rettungspläne je nach den Umständen ausarbeiten.“
„Der arme Gefangene kann nicht weit sein“, sagte Joe. „Denn –“
„Hilfe! Hilfe!“, wiederholte die Stimme – doch diesmal viel schwächer.
„Diese wilden Schurken!“, rief Joe, zitternd vor Wut. „Was, wenn sie ihn heute Nacht umbringen?“
„Hören Sie, Doktor“, fuhr Kennedy fort und ergriff die Hand des Arztes. „Was, wenn sie ihn heute Nacht umbringen?“
„Das ist überhaupt nicht wahrscheinlich, meine Freunde. Diese wilden Stämme töten ihre Gefangenen bei hellem Tageslicht – sie brauchen das Sonnenlicht.“
„Nun, was, wenn ich die Dunkelheit ausnutzen würde, um zu dem armen Kerl hinunterzuschleichen?“, fragte Kennedy.
„Und ich werde mit Ihnen gehen“, sagte Joe warmherzig.
„Wartet, meine Freunde – wartet! Der Vorschlag ehrt eure Herzen und euren Mut; aber ihr würdet uns alle in große Gefahr bringen und dem unglücklichen Mann, den ihr retten wollt, noch größeren Schaden zufügen.“
„Warum denn?“, fragte Kennedy. „Diese Wilden sind verängstigt und zerstreut – sie werden nicht zurückkehren.“
„Dick, ich flehe dich an, höre auf mich. Ich handle im Interesse aller – und falls ihr überrascht werdet, wäre alles verloren.“
„Aber denkt an diesen armen Kerl, der auf Hilfe hofft, dort wartet, betet und laut ruft. Gibt es denn niemanden, der ihm zu Hilfe kommt? Er muss denken, dass seine Sinne ihn getäuscht haben – dass er nichts gehört hat!“
„Wir können ihn in dieser Hinsicht beruhigen“, sagte Dr. Ferguson. Er stand auf, formte mit seinen Händen eine Art Trichter und schrie mit voller Stimme auf Französisch: „Wer auch immer Sie sind – seien Sie getrost! Drei Freunde kümmern sich um Sie.“
Auf diese Worte folgte ein furchterregendes Heulen der Wilden – zweifellos übertönte es die Antwort des Gefangenen.
„Sie ermorden ihn! Sie ermorden ihn!“, rief Kennedy.
„Unser Eingreifen wird nur dazu dienen, den Zeitpunkt seines Todes zu beschleunigen. Wir müssen handeln!“
„Aber wie, Dick? Was wollen Sie in dieser Dunkelheit tun?“

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„Oh, wenn doch nur Tageslicht wäre!“, seufzte Joe.
„Nun, und angenommen, es wäre Tageslicht?“, sagte der Arzt in einem seltsamen Tonfall.
„Gar nicht einfach, Doktor“, erwiderte Kennedy. „Ich würde hinuntergehen und all diese wilden Schurken mit Pulver und Kugeln vertreiben!“
„Und du, Joe – was würdest du tun?“
„Ich, Meister? Nun, ich würde wohl vorsichtiger vorgehen und dem Gefangenen sagen, dass er in eine bestimmte Richtung fliehen soll, die wir uns einigen.“
„Und wie würdest du ihm das mitteilen?“
„Mit diesem Pfeil, den ich neulich gefangen habe. Ich würde einen Zettel daran binden oder einfach laut rufen, was Sie von ihm verlangen – schließlich verstehen diese schwarzen Kerle Ihre Sprache nicht!“
„Eure Pläne sind undurchführbar, meine lieben Freunde. Die größte Schwierigkeit wäre bereits dafür, dass dieser arme Kerl überhaupt entkommen kann – selbst wenn es ihm gelingen sollte, der Wachsamkeit seiner Entführer zu entgehen. Was dich betrifft, mein lieber Dick: Mit entschlossenem Mut und unter Ausnutzung ihrer Panik wegen unserer Waffen könnte dein Plan vielleicht erfolgreich sein – doch falls er fehlschlägt, wärst du verloren, und wir müssten zwei Personen retten statt einer. Nein! Wir müssen alle Chancen auf unsere Seite bringen und anders vorgehen.“
„Aber lassen Sie uns sofort handeln!“, sagte der Jäger.
„Vielleicht können wir das“, sagte der Arzt und legte großen Nachdruck in seine Worte.
„Wie, Doktor – können Sie wirklich diese Dunkelheit erhellen?“
„Wer weiß, Joe?“
„Ah! Wenn Sie das können, dann sind Sie der gelehrteste Mann der Welt!“
Der Arzt schwieg einige Momente; er dachte nach. Seine beiden Begleiter blickten ihn voller Aufregung an – sie waren durch die Seltsamkeit der Situation sehr beunruhigt. Schließlich fuhr Ferguson fort:
„Hier ist mein Plan: Wir haben noch zweihundert Pfund Ballast übrig, denn die Säcke, die wir mitgebracht haben, sind unberührt. Ich nehme an, dass dieser Gefangene, der offensichtlich vor Erschöpfung am Ende ist, genauso viel wie einer von uns wiegt. Dann bleiben immer noch sechzig Pfund Ballast übrig, falls wir plötzlich aufsteigen müssen.“
„Wie wollen Sie den Ballon steuern?“, fragte Kennedy.

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„Das ist die Idee, Dick: Du wirst zugeben, dass, wenn ich zum Gefangenen gelangen und eine Menge Ballast abwerfen kann, die seinem Gewicht entspricht, ich das Gleichgewicht des Ballons keineswegs verändern werde. Doch wenn ich eine schnelle Aufstiegsgeschwindigkeit erreichen möchte, um diesen Wilden zu entkommen, muss ich energischere Mittel einsetzen als den Zylinder. Wenn ich also zu einem bestimmten Zeitpunkt diesen Überschuss an Ballast abwerfe, werde ich mit großer Geschwindigkeit aufsteigen.“
„Das ist doch ganz klar.“
„Ja; aber es gibt einen Nachteil: Um anschließend wieder abzusteigen, müsste ich eine Menge Gas loswerden, die dem überschüssigen Ballast entspricht. Das Gas ist nun einmal kostbar – doch wir dürfen nicht darüber feilschen, wenn das Leben eines Menschen auf dem Spiel steht.“
„Sie haben recht, Sir; wir müssen alles in unserer Macht Stehende tun, um ihn zu retten.“
„Dann lasst uns arbeiten und alle Säcke am Rand des Wagens anordnen, damit sie mit einer Bewegung über Bord geworfen werden können.“
„Aber diese Dunkelheit?“
„Sie verbirgt unsere Vorbereitungen und wird erst verschwinden, wenn sie abgeschlossen sind. Achtet darauf, dass alle Waffen griffbereit sind. Vielleicht müssen wir schießen – daher haben wir einen Schuss im Gewehr, vier für die beiden Musketen, zwölf in den beiden Revolvern; insgesamt also siebzehn Schüsse, die innerhalb von einem Viertelminute abgefeuert werden können. Aber vielleicht müssen wir nicht zu solchen umständlichen Maßnahmen greifen. Bist du bereit?“
„Wir sind bereit“, antwortete Joe.
Die Säcke wurden wie gewünscht platziert, und die Waffen wurden in Ordnung gebracht.
„Sehr gut!“, sagte der Arzt. „Achtet auf alles. Joe wird dafür sorgen, dass der Ballast abgeworfen wird, und Dick wird den Gefangenen mitnehmen – aber nichts darf unternommen werden, bevor ich den Befehl gebe. Joe wird zunächst die Anker lösen und sich anschließend schnell zum Wagen zurückbegeben.“
Joe ließ sich an dem Seil hinuntergleiten und erschien nach kurzer Zeit wieder an seinem Platz; während der Ballon, nun befreit, fast regungslos in der Luft hing.
In der Zwischenzeit stellte der Arzt sicher, dass sich genügend Gas im Mischbehälter befand, um den Zylinder bei Bedarf zu versorgen, ohne vorerst auf die Buntzen-Batterie zurückgreifen zu müssen. Danach holte er die beiden perfekt isolierten Leitdrähte hervor, die zur Zersetzung des Wassers dienten, und suchte…

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Sein Reisesack enthielt zwei Stücke Holzkohle, die zu scharfen Spitzen zugeschnitten worden waren; eine solche Spitze befestigte er am Ende jedes Drahtes. Seine beiden Freunde beobachteten ihn, ohne zu wissen, was er vorhatte – doch sie blieben völlig still. Als der Arzt fertig war, stand er aufrecht im Wagen, nahm die beiden Holzkohlestücke – eines in jede Hand – und brachte ihre Spitzen fast zusammen. Im Nu entstand ein intensives, blendendes Licht; zwischen den beiden spitzen Enden der Holzkohle strahlte ein unerträglich helles Licht aus, und ein gewaltiger Strahl elektrischen Lichts durchbrach buchstäblich die Dunkelheit der Nacht. „Oh!“, riefen die erstaunten Freunde aus. „Kein Wort!“, warnte der Arzt.

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KAPITEL ZWEIUNDZWANZIG

Der Lichtstrahl – Der Missionar – Die Rettung durch einen Elektrizitätsstrahl – Ein Lazaristenpriester – Doch wenig Hoffnung – Die Pflege des Arztes – Ein Leben der Selbstaufopferung – Das Vorbeifliegen an einem Vulkan

Dr. Ferguson richtete seinen mächtigen Elektrizitätsstrahl auf verschiedene Punkte im Raum und ließ ihn auf einer Stelle ruhen, von der Schreie der Angst zu hören waren. Seine Begleiter richteten ihren Blick eifrig auf diesen Ort. Der Baobab, an dem der Ballon fast regungslos hing, stand in der Mitte eines Feldes, wo zwischen Feldern mit Indianerkorn und Zuckerrohr etwa fünfzig niedrige, kegelförmige Hütten zu sehen waren. Um diese Hütten herum sammelte sich eine große Anzahl von Menschen.

Hundert Fuß unter dem Ballon stand ein großer Pfahl, und zu seinen Füßen lag ein Mensch – ein junger Mann von dreißig Jahren oder älter, mit langem schwarzen Haar, halbnackt, abgemagert und blass, blutend und voller Wunden. Sein Kopf war gesenkt, genau wie Christi Kopf, als er am Kreuz hing.

Das Haar, das auf der Oberseite seines Schädels kürzer geschnitten war, zeigte immer noch die Stelle einer halb verwischten Tonsur.

„Ein Missionar! Ein Priester!“, rief Joe.

„Armer, unglücklicher Mann!“, sagte Kennedy.

„Wir müssen ihn retten, Dick!“, antwortete der Arzt. „Wir müssen ihn unbedingt retten!“

Die Menge der Schwarzen, als sie den Ballon über ihren Köpfen sah – wie einen riesigen Kometen mit einem Strahl blendenden Lichts – wurde von einer vorstellbaren Angst ergriffen. Als sie ihre Schreie hörten, hob der Gefangene seinen Kopf. Seine Augen strahlten plötzliche Hoffnung aus. Ohne ganz zu verstehen, was vor sich ging, streckte er seine Hände seinen unerwarteten Rettern entgegen.

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„Er lebt!“ rief Ferguson aus. „Gott sei gelobt! Die Wilden haben einen großen Schrecken bekommen – wir werden ihn retten! Seid ihr bereit, Freunde?“
„Bereit, Doktor – auf Ihr Zeichen.“
„Joe, schalte den Zylinder aus!“
Der Befehl des Arztes wurde ausgeführt. Eine kaum wahrnehmbare Luftströmung trieb den Ballon direkt über den Gefangenen; gleichzeitig sank er durch die Kontraktion des Gases sanft nach unten. Etwa zehn Minuten lang blieb er inmitten der leuchtenden Wellen schweben, denn Ferguson setzte weiterhin seine strahlenden Lichtstrahlen auf die Menge ein – diese zeichneten hier und da schnelle, leuchtende Lichtflecken ab. Die Stämme verschwanden unter dem Einfluss einer unbeschreiblichen Angst allmählich in ihren Hütten – um den Pfahl herrschte völlige Stille. Der Arzt hatte also recht damit, auf das fantastische Erscheinungsbild des Balons zu setzen – er strahlte Licht aus, das genauso hell war wie das der Sonne, mitten in dieser intensiven Dunkelheit.
Der Ballon näherte sich dem Boden – doch einige der Wilden, die mutiger als die anderen waren und vermuteten, dass ihr Opfer ihnen entkommen wollte, kamen mit lauten Schreien zurück. Kennedy griff zu seinem Gewehr – doch der Arzt bat ihn, nicht zu schießen.
Der Priester kniete auf dem Boden; er hatte nicht die Kraft, aufrecht zu stehen. Er war auch nicht an den Pfahl gebunden – seine Schwäche machte diese Vorsichtsmaßnahme überflüssig. In dem Moment, in dem der Ballon dem Boden nahe kam, legte der kräftige Schotte sein Gewehr beiseite, packte den Priester an der Taille und hob ihn in den Ballon. Gleichzeitig warf Joe die zweihundert Pfund schwere Ballastlast über Bord.
Der Arzt hatte erwartet, dass der Ballon schnell aufsteigen würde – doch entgegen seinen Berechnungen blieb der Ballon nach dem Aufstieg von etwa drei bis vier Fuß vollständig regungslos.
„Was hält uns fest?“, fragte er mit entsetztem Tonfall.
Einige der Wilden rannten auf sie zu und stießen grausame Schreie aus.
„Ah, ha!“, sagte Joe. „Einer dieser verdammten Schwarzen hängt am Ballon!“
„Dick! Dick!“, rief der Arzt. „Der Wassertank!“
Kennedy verstand sofort, was sein Freund meinte. Mit verzweifelter Kraft packte er einen der etwa hundert Pfund schweren Wassertanks und warf ihn über Bord. Der Ballon wurde dadurch plötzlich leichter – und stieg auf.

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Ein Sprung von dreihundert Fuß in die Luft – mitten im Geheul des Stammes, dessen Gefangener so in einem blendenden Lichtstrahl entkam.
„Hurra!“, riefen die Kameraden des Arztes.
Plötzlich machte der Ballon einen weiteren Sprung und erreichte eine Höhe von tausend Fuß.
„Was ist das?“, fragte Kennedy, der fast das Gleichgewicht verloren hatte.
„Ach! Nichts – nur dieser schwarze Schurke, der uns verlässt!“, antwortete der Arzt ruhig. Joe blickte nach unten und sah den Wilden, der sich am Ballon festgeklammert hatte – er wirbelte immer wieder herum, mit ausgestreckten Armen in der Luft, bis er schließlich zu Boden stürzte und in Stücke zerbrach. Der Arzt trennte anschließend seine Elektrodrähte voneinander – und alles versank wieder in tiefer Dunkelheit. Es war nun ein Uhr morgens.
Der Franzose, der bewusstlos gewesen war, öffnete schließlich seine Augen.
„Sie sind gerettet!“, waren die ersten Worte des Arztes.
„Gerettet!“, antwortete er mit traurigem Lächeln auf Englisch. „Vor einem grausamen Tod gerettet! Meine Brüder, ich danke euch – doch meine Tage sind gezählt, nein, sogar meine Stunden. Ich habe nicht mehr viel Zeit zu leben.“
Daraufhin fiel der Missionar erneut vor Erschöpfung in Ohnmacht.
„Er stirbt!“, sagte Kennedy.
„Nein“, antwortete der Arzt, während er sich über ihn beugte. „Aber er ist sehr schwach. Legen wir ihn unter das Dach.“
Und so legten sie vorsichtig diesen armen, abgemagerten Körper auf ihre Decken – bedeckt mit Narben und Wunden, die noch bluteten, wo Feuer und Stahl an zwanzig Stellen schmerzhafte Spuren hinterlassen hatten. Der Arzt nahm ein altes Taschentuch, bereitete schnell etwas Watte zu und legte diese nach dem Waschen der Wunden darauf. Diese schnellen Handlungen wurden mit der Geschwindigkeit und Geschicklichkeit eines erfahrenen Chirurgen ausgeführt. Als alles erledigt war, nahm der Arzt ein Tonikum aus seiner Medizinkiste und träufelte ein paar Tropfen auf die Lippen seines Patienten.
Dieser drückte schwach die gütigen Hände des Arztes – und hatte kaum noch die Kraft zu sagen: „Danke! Danke!“
Der Arzt erkannte, dass der Mann in völliger Ruhe gelassen werden musste – also schloss er die Falten des Daches und übernahm wieder die Steuerung des Ballons.

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Letzterer war, nach Berücksichtigung des Gewichts des neuen Passagiers, um hundertacht Pfund leichter geworden und konnte daher ohne Hilfe des Zylinders in der Luft bleiben. Bei ersten Anzeichen des Tagesdrangs wurde er von einer Brise sanft in Richtung West-Nordwest getrieben. Der Arzt ging für einen Moment oder zwei unter das Vordach, um seinen noch schlafenden Patienten zu betrachten.

„Möge der Himmel das Leben unseres neuen Gefährten schonen! Haben Sie irgendwelche Hoffnung?“, fragte der Schotte.

„Ja, Dick – vorsichtig, in dieser reinen, frischen Atmosphäre.“

„Wie sehr muss dieser Mann gelitten haben!“, sagte Joe voll Mitgefühl. „Er hat mutigere Dinge getan als wir, indem er allein zu diesen wilden Stämmen vordrang!“

„Das lässt sich nicht in Frage stellen“, stimmte der Jäger zu.

Den ganzen Tag über ließ der Arzt den Schlaf seines Patienten nicht stören. Es handelte sich dabei um einen langen Zustand der Bewusstlosigkeit, der nur gelegentlich durch leises Stöhnen unterbrochen wurde – was den Arzt weiterhin sehr beunruhigte.

Gegen Abend blieb der Ballon regungslos in der Dunkelheit stehen. In der Nacht, während Kennedy und Joe sich abwechselten, um sich um den Kranken zu kümmern, behielt Ferguson die Sicherheit aller im Auge.

Am Morgen des nächsten Tages hatte sich der Ballon zwar leicht, aber dennoch in Richtung Westen bewegt. Der Morgen brach rein und prächtig an. Der Kranke konnte nun mit kräftigerer Stimme seine Freunde rufen. Sie hoben die Vorhänge des Vordaches hoch, und er atmete freudig die frische Morgenluft ein.

„Wie fühlen Sie sich heute?“, fragte der Arzt.

„Vielleicht besser“, antwortete er. „Aber Sie, meine Freunde – ich habe Sie noch nicht gesehen, außer im Traum! Ich kann mich kaum daran erinnern, was geschehen ist. Wer sind Sie? Damit Ihre Namen in meinen sterbenden Gebeten nicht vergessen werden!“

„Wir sind englische Reisende“, antwortete Ferguson. „Wir versuchen, Afrika mit einem Ballon zu durchqueren – und auf unserem Weg hatten wir das Glück, Sie retten zu können.“

„Die Wissenschaft hat ihre Helden“, sagte der Missionar.

„Aber die Religion ihre Märtyrer!“, erwiderte der Schotte.

„Sind Sie ein Missionar?“, fragte der Arzt.

„Ich bin Priester der Lazaristenmission. Der Himmel hat Sie zu mir geschickt – gepriesen sei der Himmel! Das Opfer meines Lebens wäre umsonst gewesen! Aber Sie kommen…“

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Aus Europa – erzählen Sie mir von Europa, von Frankreich! Ich habe seit fünf Jahren keine Nachrichten mehr erhalten!“
„Fünf Jahre! Allein! Und unter diesen Wilden!“, rief Kennedy erstaunt aus.
„Es sind Seelen, die gerettet werden müssen! Unwissende und barbarische Brüder, die allein die Religion belehren und zivilisieren kann.“
Dr. Ferguson willigte dem Wunsch des Priesters nach und sprach lange und ausführlich mit ihm über Frankreich. Der Mann hörte aufmerksam zu, und seine Augen füllten sich mit Tränen. Er ergriff abwechselnd Kennedys und Joes Hände mit seinen eigenen Händen, die vor Fieber glühten. Der Arzt bereitete ihm etwas Tee zu, den er zufrieden trank. Danach hatte er genug Kraft, sich ein wenig aufzurichten, und lächelte erfreut, als er sah, wie er durch einen so reinen Himmel getragen wurde.
„Ihr seid mutige Reisende!“, sagte er. „Und ihr werdet bei eurem kühnen Unterfangen erfolgreich sein. Ihr werdet wieder eure Verwandten, eure Freunde, euer Land sehen –“
In diesem Moment wurde die Schwäche des jungen Missionars so extrem, dass sie ihn wieder ins Bett legen mussten. Dort blieb er mehrere Stunden lang regungslos liegen, wie tot, unter der Obhut von Dr. Ferguson. Dieser konnte seine Emotionen nicht unterdrücken, denn er spürte, dass das Leben dieses Mannes, das nun in seinen Händen lag, allmählich erlosch. Mussten sie ihn schon so bald verlieren, nachdem sie ihn aus einem qualvollen Tod gerettet hatten? Der Arzt wusch und versorgte die schrecklichen Wunden des jungen Märtyrers erneut und musste fast seinen gesamten Wasservorrat opfern, um seine brennenden Glieder zu kühlen. Er kümmerte sich mit größter Zärtlichkeit und Sorgfalt um ihn, bis der Kranke allmählich wieder zu Bewusstsein kam – wenn auch nicht wieder zu Kräften kam.
Der Arzt konnte aus den leisen Murmeln des Kranken etwas über seine Vergangenheit erfahren.
„Sprechen Sie in Ihrer Muttersprache“, sagte er zum Leidenden. „Ich verstehe sie – dadurch werden Sie weniger ermüden.“
Der Missionar war ein armer junger Mann aus dem Dorf Aradon in der Bretagne, im Gebiet von Morbihan. Seine ersten Instinkte hatten ihn zu einer kirchlichen Laufbahn hingezogen, doch zu diesem Leben des Selbstopfers wollte er auch ein Leben voller Gefahren hinzufügen, indem er in die Mission der Priesterschaft eintrat, deren Gründer Saint Vincent de Paul war. Mit zwanzig Jahren…

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Er verließ sein Land und begab sich an die unwirtlichen Ufer Afrikas. Vom Meeressufer aus überwand er nach und nach alle Hindernisse, trotzte allen Entbehrungen, setzte seinen Weg zu Fuß fort und betete dabei – bis er schließlich ins Herz jener Stämme vordrang, die in den Nebenflüssen des Obern Nils lebten. Zwei Jahre lang wurde sein Glaube abgelehnt, sein Eifer nicht anerkannt, seine Wohltaten missverstanden – und er blieb Gefangener eines der grausamsten Stämme der Nyambarra, dem er allen möglichen Misshandlungen ausgesetzt war. Dennoch setzte er weiterhin sein Wirken zum Unterrichten und Beten fort. Als der Stamm zerstreut wurde und man glaubte, er sei tot – bei einem der häufigen Kämpfe zwischen den Stämmen – kehrte er nicht um, sondern setzte seine evangelische Mission fort. Die ruhigste Zeit für ihn war dann, als man ihn für einen Verrückten hielt. In der Zwischenzeit hatte er sich mit der Sprache des Landes vertraut gemacht und unterrichtete in dieser Sprache. Schließlich durchquerte er noch zwei lange Jahre lang diese barbarischen Gebiete – angetrieben von jener übermenschlichen Kraft, die von Gott kommt. Seit einem Jahr lebte er bei dem Stamm der Nyam-Nyams, genannt Barafri – einem der wildsten und grausamsten Stämme überhaupt. Der Stammesführer starb einige Tage vor dem Eintreffen unserer Reisenden; seinem plötzlichen Tod wurde der Missionar zugeschrieben, und der Stamm beschloss, ihn zu opfern. Seine Leiden hatten bereits vierzig Stunden gedauert – und wie der Arzt annahm, sollte er im Glut der Mittagssonne umkommen. Als er das Geräusch von Schusswaffen hörte, überwältigte ihn seine Natur, und er rief: „Hilfe! Hilfe!“ Dann dachte er, er müsse träumen – doch eine Stimme, die似乎 vom Himmel kam, sprach tröstende Worte zu ihm.
„Ich habe keine Reue“, sagte er, „über das Leben, das mich verlässt; mein Leben gehört Gott!“
„Habt noch Hoffnung!“, sagte der Arzt. „Wir sind in der Nähe und werden euch jetzt retten, genau wie wir euch schon einmal von den Qualen des Scheiterhaufens gerettet haben.“
„Ich verlange nicht so viel vom Himmel“, sagte der Priester resigniert. „Gepriesen sei Gott, dass er mir vor meinem Tod die Freude geschenkt hat, eure freundlichen Hände zu berühren und noch einmal die Sprache meines Landes zu hören!“
Der Missionar wurde wieder schwach – der ganze Tag verging zwischen Hoffnung und Angst. Kennedy war tief bewegt, und Joe bedeckte mehrmals seine Augen, wenn er glaubte, niemand sähe ihn.

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Der Ballon machte nur geringe Fortschritte – der Wind schien nicht willens zu sein, seine „wertvolle Last“ anzutreiben. Gegen Abend entdeckte Joe ein helles Licht im Westen. In höheren Breitengraden könnte es für eine riesige Polarlichterscheinung gehalten worden sein – der Himmel schien ja in Flammen zu stehen. Der Arzt untersuchte das Phänomen sehr aufmerksam.
„Es handelt sich wohl nur um einen Vulkanausbruch“, sagte er.
„Aber der Wind trägt uns direkt darüber hinweg“, antwortete Kennedy.
„Nun gut, dann werden wir ihn in sicherer Höhe überqueren!“, sagte der Arzt.
Drei Stunden später befand sich die Victoria mitten unter den Bergen. Ihre genaue Position lag bei 24 Grad 15 Minuten Ostlänge sowie 4 Grad 42 Minuten Breitengrad Nord. Vor ihr ergoss sich aus einem Vulkankrater Lava in Strömen – Felsmassen wurden in enorme Höhen geschleudert. Es gab auch Strahlen flüssigen Feuers, die in blendenden Kaskaden zurückfielen – ein prächtiges, aber gefährliches Schauspiel. Der Wind trieb den Ballon nämlich unerbittlich in Richtung dieser lodernden Atmosphäre.
Dieses Hindernis, das nicht umgangen werden konnte, musste überwunden werden. Deshalb wurde der Ballon auf maximale Leistung gebracht – er stieg auf eine Höhe von sechstausend Fuß, wodurch zwischen ihm und dem Vulkan ein Abstand von mehr als dreihundert Fathomen entstand.
Von seinem Krankenbett aus konnte der sterbende Missionar diesen lodernden Krater betrachten – aus ihm strömten in diesem Moment tausende von Flammenstrahlen hervor.
„Wie großartig!“, sagte er. „Und wie unermesslich ist die Macht Gottes – selbst in ihren schrecklichsten Erscheinungsformen!“
Diese Flammenströme hüllten die Seiten des Berges in eine Art „Flammenvorhang“. Die untere Hälfte des Ballons leuchtete rot im Nachthimmel; eine extreme Hitze stieg ins Innere des Ballons auf. Dr. Ferguson beeilte sich, aus dieser gefährlichen Situation zu entkommen.
Um zehn Uhr war der Vulkan nur noch als roter Punkt am Horizont zu sehen – der Ballon setzte seinen Weg in einer niedrigeren Schicht der Atmosphäre fort.

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KAPITEL DREIUNDZWANZIG

Joe in Wutausbrüchen – Der Tod eines guten Mannes – Die Nacht des Wachens am Leichnam – Brachland und Dürre – Die Beerdigung – Die Quarzfelsen – Joes Halluzinationen – Ein wertvoller Ballast – Eine Untersuchung der goldhaltigen Berge – Der Beginn von Joes Verzweiflung

Eine prächtige Nacht lag über der Erde, und der Missionar schlief ruhig in völliger Erschöpfung.
„Er wird es nicht überstehen!“, seufzte Joe. „Armer junger Mann – kaum dreißig Jahre alt!“
„Er wird in unseren Armen sterben. Sein Atem, der bereits vorher so schwach war, wird immer schwächer – und ich kann nichts tun, um ihn zu retten“, sagte der Arzt verzweifelt.
„Die verfluchten Schurken!“, rief Joe und knirschte mit den Zähnen – in einem jener Wutausbrüche, die ihn von Zeit zu Zeit überkamen. „Und man denkt, dass dieser gute Mann trotz allem nur Mitgefühl für sie hatte, sie entschuldigte und ihnen verzieh!“
„Der Himmel hat ihm eine wunderschöne Nacht geschenkt, Joe – vielleicht seine letzte auf Erden! Er wird danach kaum noch leiden müssen – sein Sterben wird einfach ein friedliches Einschlafen sein.“
Der Sterbende sprach einige unzusammenhängende Worte aus, und der Arzt eilte sofort zu ihm. Sein Atmen wurde schwerer, und er bat um Luft. Die Vorhänge wurden ganz zurückgezogen, und er atmete voller Freude die milden Brisen jener klaren, schönen Nacht ein. Die Sterne sandten ihm ihre zitternden Strahlen, und der Mond hüllte ihn in das weiße Licht seiner Helligkeit.
„Meine Freunde“, sagte er mit schwacher Stimme, „ich gehe jetzt. Möge Gott euch belohnen und euch in Sicherheit bringen! Möge er meine Dankbarkeit gegenüber euch erfüllen!“

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„Man muss weiterhin hoffen“, antwortete Kennedy. „Das ist nur ein vorübergehender Anfall von Schwäche. Du wirst nicht sterben. Wie könnte jemand an diesem wunderschönen Sommernacht sterben?“
„Der Tod ist nahe“, erwiderte der Missionar. „Ich weiß es! Lassen Sie mich ihm ins Gesicht sehen! Der Tod – der Beginn des Ewigen – ist lediglich das Ende irdischer Sorgen. Setzen Sie mich auf die Knie, meine Brüder, ich flehe euch an!“
Kennedy hob ihn hoch – es war bedrückend zu sehen, wie seine geschwächten Glieder unter seinem Gewicht nachgaben.
„Mein Gott! Mein Gott!“, rief der sterbende Apostel. „Habt Mitleid mit mir!“
Sein Gesicht strahlte. Weit über jener Erde, auf der er keine Freuden gekannt hatte; mitten in jener Nacht, die ihm ihr sanftestes Licht schickte; auf dem Weg zu jenem Himmel, dem er seinen Geist entgegenhob – schien er bereits im neuen Dasein zu leben und zu atmen.
Seine letzte Geste war ein höchstes Segen für seine neuen Freunde, die erst seit einem Tag da waren. Dann sank er zurück in Kennedys Arme – dessen Gesicht von heißen Tränen überschattet war.
„Tot!“, sagte der Arzt, während er sich über ihn beugte. „Tot!“ Und im Einvernehmen knieten die drei Freunde zusammen in stummer Gebet.
„Morgen“, fuhr der Arzt fort, „werden wir ihn im afrikanischen Boden begraben, den er mit seinem Blut beträufelt hat.“
Den Rest der Nacht über wurde die Leiche abwechselnd von den drei Reisenden bewacht – kein Wort durchbrach die feierliche Stille. Jeder von ihnen weinte.
Am nächsten Tag wehte der Wind aus Süden, und der Ballon bewegte sich langsam über eine weite Gebirgshochebene: Dort gab es erloschene Krater; hier öde Schluchten – auf diesen ausgedörrten Gipfeln kein Tropfen Wasser; Haufen von zerbrochenen Felsen; riesige steinerne Massen, überall verstreut – all das zeigte auf völlige Unfruchtbarkeit hin.
Gegen Mittag beschloss der Arzt, um die Leiche begraben zu können, in eine Schlucht hinabzusteigen – mitten zwischen einige primitiv entstandene plutonische Felsen. Die umliegenden Berge würden ihn schützen und es ihm ermöglichen, sein Gefährt auf dem Boden abzustellen – denn es war kein Baum in Sicht, an dem er es festmachen konnte.

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Doch wie er Kennedy bereits erklärt hatte, war es nun für ihn unmöglich, nach unten zu steigen – es sei denn, er ließ eine Menge Gas entweichen, die dem Verlust an Ballast entsprach, als er den Missionar gerettet hatte. Deshalb öffnete er den Ventil des äußeren Balons. Das Wasserstoffgas entwich, und die Victoria sank leise in die Schlucht hinab.

Sobald das Gefährt den Boden berührte, schloss der Arzt das Ventil. Joe sprang heraus, hielt sich mit einer Hand am Rand des Gefährts fest und sammelte mit der anderen Hand so viele Steine, wie sein eigenes Gewicht betrug. Nun konnte er beide Hände verwenden und häufte bald mehr als fünfhundert Pfund Steine ins Gefährt – dadurch konnten sowohl der Arzt als auch Kennedy wieder herauskommen. So wurde die Victoria ins Gleichgewicht gebracht; ihre Auftriebskraft reichte nicht mehr aus, um sie in die Höhe zu bringen.

Außerdem war es nicht notwendig, viele solcher Steine zu sammeln – schließlich waren die Blöcke äußerst schwer. Tatsächlich wurde die Aufmerksamkeit des Arztes durch diese Tatsache auf sich gezogen. Der Boden war nämlich mit Quarz- und Porphyritfelsen bedeckt.

„Das ist eine seltsame Entdeckung!“, dachte der Arzt.

In der Zwischenzeit gingen Kennedy und Joe ein paar Schritte weg, um einen geeigneten Ort für das Grab zu suchen. Die Hitze in dieser Schlucht war extrem – sie glich ja einer Art Ofen. Die Mittagssonne strahlte ihre Strahlen senkrecht hinein.

Zuerst musste die Oberfläche von den Felsbrocken befreit werden, anschließend musste ein ziemlich tiefes Grab gegraben werden, damit wilde Tiere die Leiche nicht ausgraben konnten.

Der Körper des ermordeten Missionars wurde dann feierlich hineingelegt. Erde wurde über seine Überreste geworfen, und darauf wurden Felsmassen abgelegt – in grober Nachahmung eines Grabes.

Der Arzt blieb jedoch regungslos und versunken in seinen Gedanken. Er beachtete nicht einmal die Rufe seiner Begleiter und kehrte auch nicht mit ihnen zurück, um vor der Hitze des Tages Schutz zu suchen.

„Worüber denken Sie nach, Doktor?“, fragte Kennedy.

„Über ein seltsames Phänomen der Natur, ein merkwürdiger Zufall. Wissen Sie jetzt, in welchem Boden jener selbstlose Mann, jener arme Mensch, begraben wurde?“

„Nein! Was meinen Sie damit, Doktor?“

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„Dieser Priester, der den Eid der ewigen Armut abgelegt hatte, ruht nun in einer Goldmine!“
„Eine Goldmine!“, riefen Kennedy und Joe gleichzeitig aus.
„Ja, eine Goldmine“, sagte der Arzt leise. „Diese Blöcke, die Sie wie wertlose Steine zertreten, enthalten Golderz von großer Reinheit.“
„Unmöglich! Unmöglich!“, wiederholte Joe.
„Man müsste nicht lange in diesen Spalten des Schiefergesteins suchen, um Peptide von erheblichem Wert zu finden.“
Joe stürzte sofort wie ein Verrückter zwischen die verstreuten Fragmente – Kennedy folgte ihm bald darauf.
„Bleiben Sie ruhig, Joe“, sagte sein Meister.
„Aber Doktor, Sie sprechen davon ganz gelassen.“
„Was! Ein Philosoph Ihres Kalibers –“
„Ach, Meister, in diesem Fall gilt keine Philosophie!“
„Kommen Sie! Lassen Sie uns kurz nachdenken. Was nützt Ihnen all dieser Reichtum? Wir können ihn doch nicht mitnehmen.“
„Wir können wirklich nichts davon mitnehmen?“
„Es ist einfach zu schwer für unser Fahrzeug! Ich zögerte sogar, Ihnen davon etwas zu sagen, aus Angst, Sie könnten Bedauern empfinden!“
„Was!“, sagte Joe wieder. „Diese Schätze – ein Vermögen für uns! Wirklich für uns – unser eigenes – einfach zurücklassen?“
„Seien Sie vorsichtig, mein Freund! Würden Sie der Gier nach Gold nachgeben? Hat dieser Tote, den Sie gerade dabei geholfen haben zu begraben, Ihnen nicht die Eitelkeit menschlicher Dinge gelehrt?“
„Das stimmt alles“, antwortete Joe, „aber Gold! Herr Kennedy, werden Sie nicht helfen, ein wenig von all diesen Millionen zusammenzusammeln?“
„Was könnten wir damit anfangen, Joe?“, sagte der Jäger und konnte ein Lächeln nicht unterdrücken. „Wir sind nicht hierhergekommen, um Reichtum zu suchen – und wir können ihn auch nicht mit nach Hause nehmen.“
„Die Millionen sind ziemlich schwer, wissen Sie“, fuhr der Arzt fort, „und man kann sie nicht so einfach in die Tasche stecken.“

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„Aber zumindest“, sagte Joe, der zu seinen letzten Verteidigungsversuchen getrieben wurde, „können wir doch etwas von diesem Erz als Ballast nehmen, anstelle von Sand?“
„Sehr gut! Ich stimme zu“, sagte der Arzt. „Aber Sie dürfen nicht zu viele spöttische Gesichter machen, wenn wir schließlich Tausende von Kronen über Bord werfen müssen.“
„Tausende von Kronen!“, rief Joe aus. „Ist es möglich, dass sich dort so viel Gold befindet – und dass all das hier dasselbe ist?“
„Ja, mein Freund – das ist ein Reservoir, in dem die Natur seit Jahrhunderten ihren Reichtum angesammelt hat! Es gibt hier genug, um ganze Nationen zu bereichern! Eine Australien und eine Kalifornien zusammen mitten in der Wildnis!“
„Und all das soll nutzlos bleiben?“
„Vielleicht! Aber auf jeden Fall werde ich Folgendes tun, um Sie zu trösten.“
„Das wird wohl ziemlich schwierig sein!“, sagte Joe mit reumütigem Gesichtsausdruck.
„Hören Sie! Ich werde die genauen Koordinaten dieses Ortes aufzeichnen und sie Ihnen geben. So können Sie, wenn Sie nach England zurückkehren, unseren Landsleuten davon erzählen und ihnen einen Anteil geben, falls Sie glauben, dass so viel Gold sie glücklich machen würde.“
„Ah! Herr, ich gebe auf – ich sehe, dass Sie recht haben und dass es nichts anderes zu tun gibt. Füllen wir unser Fahrzeug mit dem wertvollen Mineral – was am Ende der Reise übrig bleibt, kann dann weggeworfen werden.“
Und Joe machte sich an die Arbeit. Er tat dies mit aller Kraft und sammelte bald mehr als tausend Quarzkristalle, in denen sich Gold befand – als wäre es in einem äußerst harten Kristallkästchen eingeschlossen.
Der Arzt beobachtete ihn lächelnd. Während Joe weiterarbeitete, nahm er die Koordinaten auf und stellte fest, dass das Grab des Missionars bei 22 Grad 23 Minuten Ostlänge und 4 Grad 55 Minuten Breitengrad lag.
Dann warf er einen Blick auf den Erdbuckel, unter dem die Leiche des armen Franzosen ruhte, und kehrte zu seinem Fahrzeug zurück.
Er hätte gerne ein einfaches, primitives Kreuz über dem Grab errichtet, damit es allein mitten in den afrikanischen Wüsten stand – doch in der Umgebung war kein Baum zu sehen.
„Gott wird es erkennen!“, sagte Kennedy.

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Eine andere Art von Angst begann nun, den Arzt zu befallen. Er hätte viel vom Gold, das er vor sich hatte, für etwas Wasser gegeben – schließlich musste er ersetzen, was über Bord geworfen worden war, als der Neger in die Luft gehoben wurde. Doch in diesen trockenen Regionen war es unmöglich, Wasser zu finden; dieser Gedanke bereitete ihm große Unruhe. Er musste seinen Zylinder ständig mit Gas versorgen – und er stellte sogar fest, dass das Gas nicht ausreichte, um den Durst seiner Begleiter zu stillen. Deshalb beschloss er, keine Gelegenheit ungenutzt zu lassen, seine Vorräte aufzufüllen.

Als er zum Wagen zurückkehrte, fand er ihn mit den Quarzkristallen beladen – Kristalle, die Joes Gier dort hineingetürmt hatte. Er stieg ein, ohne etwas zu sagen. Kennedy nahm seinen üblichen Platz ein, und Joe folgte ihm – doch nicht, ohne neidische Blicke auf die Schätze im Tal zu werfen.

Der Arzt entzündete das Licht im Zylinder; die Spirale wurde heiß. Nach einigen Minuten strömte das Wasserstoffgas herein, und der Gasdruck stieg – doch der Ballon rührte sich keinen Zentimeter.

Joe sah besorgt zu, blieb aber still.

„Joe!“, sagte der Arzt.

Joe antwortete nicht.

„Joe! Hörst du mich nicht?“

Joe gab ein Zeichen, dass er hörte – doch er verstand nicht.

„Bitte wirf etwas von diesem Quarz weg!“

„Aber Doktor, Sie haben mir doch erlaubt –“

„Ich habe dir erlaubt, das Ballastgut zu ersetzen – das war’s!“

„Aber –“

„Willst du für immer in dieser Wüste bleiben?“

Joe warf Kennedy einen verzweifelten Blick zu – doch der Jäger tat so, als könnte er nichts dagegen tun.

„Nun, Joe?“

„Dann funktioniert Ihr Zylinder wohl nicht“, sagte der sture Kerl.

„Mein Zylinder? Er ist doch entzündet, wie du siehst. Aber der Ballon wird erst steigen, wenn du etwas Ballast loswirst.“

Joe kratzte sich am Ohr, nahm einen kleinen Quarzkristall in die Hand, wog ihn immer wieder ab und warf ihn hin und her.

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Ein Fragment mit einem Gewicht von etwa drei bis vier Pfund. Schließlich warf er es hinaus. Doch der Ballon rührte sich nicht.
„Hm!“, sagte er. „Wir steigen noch nicht auf.“
„Noch nicht“, sagte der Arzt. „Machen Sie weiter und werfen Sie weiter.“
Kennedy lachte. Joe warf nun etwa zehn Pfund hinaus – doch der Ballon blieb regungslos.
Joe wurde sehr blass.
„Armer Kerl!“, sagte der Arzt. „Mr. Kennedy, Sie und ich wiegen, falls ich mich nicht irre, etwa vierhundert Pfund – also müssen Sie mindestens dieses Gewicht loswerden, schließlich wurde es hier hineingelegt, um unser Gewicht auszugleichen.“
„Vierhundert Pfund wegwerfen?“, sagte Joe kläglich.
„Und noch etwas dazu – sonst können wir nicht aufsteigen. Komm schon, Mut, Joe!“
Der tapfere Mann seufzte tief und begann schließlich, den Ballon zu erleichtern. Doch von Zeit zu Zeit hielt er inne und fragte: „Steigen wir jetzt auf?“
„Nein, noch nicht“, lautete die stets gleiche Antwort.
„Er bewegt sich!“, sagte er schließlich.
„Machen Sie weiter!“, antwortete der Arzt.
„Er steigt wirklich auf – da bin ich mir sicher.“
„Machen Sie weiter“, sagte Kennedy.
Joe nahm noch einen Block und warf ihn verzweifelt aus dem Wagen. Der Ballon stieg etwa hundert Fuß in die Höhe und gelangte mit Hilfe des Zylinders bald über die umliegenden Gipfel.
„Nun, Joe“, fuhr der Arzt fort, „es bleibt Ihnen noch ein beträchtliches Vermögen – und wenn wir nur den Rest davon bis zum Ende unserer Reise bei uns behalten können, dann sind Sie für den Rest Ihres Lebens reich!“
Joe antwortete nicht, sondern streckte sich luxuriös auf seinem Haufen aus Quarz aus.
„Sehen Sie, mein lieber Dick!“, fuhr der Arzt fort. „Sehen Sie nur, welche Macht dieses Metall über den klügsten Jungen der Welt hat! Welche Leidenschaften, welches Verlangen, welche Verbrechen könnte das Wissen um eine solche Mine hervorrufen! Es ist traurig, daran zu denken!“

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Am Abend hatte der Ballon neunzig Meilen nach Westen zurückgelegt und lag in gerader Linie 1400 Meilen von Sansibar entfernt.

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Kapitel vierundzwanzig.

Der Wind legt sich – Die Nähe der Wüste – Der Fehler bei der Wasserversorgung – Die Nächte am Äquator – Dr. Fergusons Sorgen – Die Situation in klaren Worten dargestellt – Entschlossene Antworten von Kennedy und Joe – Noch eine Nacht.

Der Ballon, der an einen einzelnen Baum gebunden war und durch die Trockenheit der Gegend, in der er sich befand, fast völlig ausgetrocknet war, verbrachte die Nacht in völliger Ruhe; die Reisenden konnten thus etwas von der Erholung genießen, die sie so sehr benötigten. Die Ereignisse des Tages hatten traurige Spuren in ihren Gedanken hinterlassen.

Gegen Morgen nahm der Himmel wieder seine strahlende Klarheit sowie seine Hitze an. Der Ballon stieg auf – nach mehreren erfolglosen Versuchen geriet er in eine Strömung, die zwar nicht schnell war, sie aber in Richtung Nordwesten trug.

„Wir machen keinen Fortschritt“, sagte der Arzt. „Falls ich mich nicht irre, haben wir in zehn Tagen fast die Hälfte unserer Reise hinter uns gebracht; doch mit diesem Tempo würde es Monate dauern, die Reise zu beenden. Und das ist umso ärgerlicher, als wir außerdem mit einem Wassermangel konfrontiert sind.“

„Aber wir werden welches finden“, sagte Joe. „Es ist doch nicht vorstellbar, dass wir in dieser riesigen Gegend keinen Fluss, kein Bächlein oder keinen Teich entdecken.“

„Ich hoffe es.“

„Glauben Sie nicht, dass gerade Joes Last aus Steinen uns aufhält?“

Kennedy stellte diese Frage nur, um Joe zu necken – und das tat er umso gerne, weil er für einen Moment die Halluzinationen des armen Jungen geteilt hatte. Doch da er darin nichts Findenswertes entdeckte, kehrte er wieder zur Haltung eines entschlossenen Zuschauers zurück und lenkte das Thema mit einem Lachen ab.

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Joe warf ihm einen traurigen Blick zu; doch der Arzt antwortete nicht. Er dachte, vermutlich nicht ohne geheime Furcht, an die weiten Einöden der Sahara – denn dort können manchmal ganze Wochen vergehen, ohne dass die Karawanen auf eine einzige Quelle stoßen. In Gedanken versunken, betrachtete er jede Unebenheit des Bodens mit größter Aufmerksamkeit.

Diese Ängste sowie die kürzlich eingetretenen Ereignisse hatten ihre Wirkung auf die Stimmung unserer drei Reisenden. Sie sprachen weniger und waren mehr in ihre eigenen Gedanken vertieft.

Joe, so klug er auch war, schien seitdem nicht mehr derselbe zu sein, seit sein Blick in jenen „Ozean aus Gold“ gefallen war. Er blieb völlig still und starrte ununterbrochen auf die steinigen Fragmente, die sich im Wagen stapelten – heute wertlos, doch morgen von unschätzbarem Wert.

Das Aussehen dieses Teils Afrikas war zudem geradezu dazu angetan, Angst zu wecken: Die Wüste dehnte sich allmählich um sie herum aus; es war kein weiteres Dorf zu sehen – nicht einmal eine Ansammlung von Hütten – und auch die Vegetation verschwand allmählich. Nur noch wenige Zwergpflanzen waren zu erkennen, ähnlich denen auf den wilden Heiden Schottlands; dann kam ein Stück grauer Sand und Feuerstein, mit hier und da einem Lentiskbaum und Sträuchern. Inmitten dieser Trostlosigkeit zeichneten sich die groben Umrisse felsiger Erhebungen ab. Diese Anzeichen einer völlig trockenen und kargen Gegend beunruhigten Dr. Ferguson sehr.

Es schien, als hätte noch nie eine Karawane diese Wüstenregion durchquert – sonst hätten sie sichtbare Spuren ihrer Lager oder die bleichen Knochen von Menschen und Tieren hinterlassen. Doch nichts dergleichen war zu sehen, und die Luftschiffer hatten das Gefühl, dass bald eine Unmenge an Sand die gesamte trostlose Gegend bedecken würde.

Doch es gab keinen Weg zurück; sie mussten weitergehen. Tatsächlich wünschte sich der Arzt nichts Besseres – er hätte sogar einen Sturm begrüßt, der ihn aus diesem Land forttragen würde. Doch am Himmel war keine Wolke zu sehen. Am Ende des Tages hatte der Ballon nicht einmal dreißig Meilen zurückgelegt.

Hätte es nur kein Wassermangel gegeben! Doch es blieben insgesamt nur drei Gallonen übrig! Der Arzt behielt eine Gallone für sich, um den unerträglichen Durst zu lindern, den die neunzig Grad Hitze verursachten. Damit blieben nur noch zwei Gallonen für den Zylinder. Folglich konnten sie nicht mehr als vierhundertachtzig Kubikfuß Gas erzeugen – obwohl der Zylinder etwa…

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Neun Kubikfuß pro Stunde. Folglich konnten sie nicht länger als fünfundfünfzig Stunden durchhalten – und das war noch eine mathematische Berechnung!
„Fünfundfünfzig Stunden!“, sagte der Arzt zu seinen Begleitern. „Da ich entschlossen bin, nachts nicht weiterzureisen, aus Angst, einen Fluss oder Teich zu überqueren, haben wir nur drei Tage und eine halbe Reisedauer, in denen wir um jeden Preis Wasser finden müssen. Ich hielt es für meine Pflicht, Sie über die tatsächliche Situation aufzuklären – schließlich habe ich nur einen Gallon zum Trinken übrig gelassen, und wir müssen uns mit der geringstmöglichen Menge begnügen.“
„Dann begnügen Sie uns eben mit der geringsten Menge, Doktor“, antwortete Kennedy. „Aber wir dürfen nicht verzweifeln. Sie sagen, wir haben noch drei Tage?“
„Ja, mein lieber Dick!“
„Nun, indem wir uns über die Situation grämen, helfen wir uns nicht weiter. In drei Tagen wird genug Zeit sein, zu entscheiden, was zu tun ist. Bis dahin sollten wir unsere Wachsamkeit verdoppeln!“
Beim Abendessen wurde das Wasser streng gemessen, und die Menge an Brandy im Punch, den sie tranken, wurde erhöht. Doch sie mussten vorsichtig mit dem Alkohol umgehen – dieser stillte den Durst eher weniger als dass er ihn stillte.
In der Nacht ruhte der Ballon auf einer riesigen Hochebene, auf der sich eine tiefe Senke befand. Die Höhe dieser Hochebene betrug kaum achthundert Fuß über dem Meeresspiegel. Diese Umstände gaben dem Arzt etwas Hoffnung – schließlich erinnerten sie ihn an die Vermutungen von Geografen bezüglich des Vorhandenseins eines großen Gewässers im Zentrum Afrikas. Doch falls ein solches See wirklich existierte, ging es darum, dorthin zu gelangen – doch am unbewegten Himmel war kein Anzeichen für eine Veränderung zu erkennen.
An die ruhige Nacht und ihre sternklare Pracht folgte das unveränderte Tageslicht sowie die brennenden Sonnenstrahlen. Schon bei Tagesanbruch wurde die Temperatur unerträglich heiß. Um fünf Uhr morgens gab der Arzt das Signal zum Aufbruch – doch für eine beträchtliche Zeit blieb der Ballon in der schweren Atmosphäre regungslos.
Der Arzt hätte dieser intensiven Hitze entkommen können, indem er in höhere Regionen aufstieg – doch dazu hätte er eine große Menge an Wasser verbrauchen müssen, was jetzt unmöglich war. Deshalb begnügte er sich damit, den Ballon in einer Höhe von hundert Fuß über dem Boden zu halten. Auf dieser Höhe trieb eine schwache Strömung ihn in Richtung westlicher Horizont.

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Das Frühstück bestand aus etwas getrocknetem Fleisch und Pemmikan. Bis zum Mittag hatte die Victoria nur wenige Meilen zurückgelegt.
„Wir können nicht schneller fahren“, sagte der Arzt. „Wir haben keine Kontrolle mehr – wir müssen gehorchen.“
„Ah! Doktor, das ist doch ein Fall, in dem eine Propellermaschine durchaus nützlich wäre.“
„Unbestreitbar, Dick – vorausgesetzt, es wäre nicht notwendig, Wasser dafür zu verbrauchen. In diesem Fall wäre die Situation genauso wie bisher. Bisher wurde schließlich noch nichts Praktisches in dieser Richtung erfunden. Ballons befinden sich immer noch auf dem gleichen Stand wie Schiffe vor der Erfindung der Dampfmaschine. Es dauerte sechstausend Jahre, bis Propeller und Schrauben erfunden wurden – also haben wir noch genug Zeit.“
„Verfluchte Hitze!“, sagte Joe und wischte sich den Schweiß von der Stirn.
„Wenn wir Wasser hätten, könnte uns diese Hitze sogar nützen – sie dehnt das Wasserstoffgas im Ballon aus und verringert damit die Menge, die für die Antriebsmechanismen benötigt wird. Allerdings müssten wir dann kein Wasser sparen, wenn wir nicht daran mangeln würden. Ah! Dieser verdammte Wilde, der uns den Wassertank kostete!“[3]
[3] Der Wassertank wurde über Bord geworfen, als der Eingeborene sich am Fahrzeug festklammerte.
„Bedauern Sie denn nicht, was Sie getan haben, Doktor?“
„Nein, Dick – schließlich stand es in unserer Macht, diesen unglücklichen Missionar vor einem schrecklichen Tod zu retten. Doch die hundert Pfund Wasser, die wir über Bord geworfen haben, wären uns jetzt sehr nützlich – sie würden uns weitere dreizehn oder vierzehn Tage Vorsprung verschaffen, oder zumindest genug, um diese Wüste zu überqueren.“
„Wir haben mindestens die Hälfte der Strecke hinter uns, oder?“, fragte Joe.
„In Bezug auf die Entfernung ja – aber was die Dauer angeht, nein, falls der Wind nachlässt. Und selbst jetzt neigt er dazu, ganz aufzuhören.“
„Kommen Sie, Sir“, sagte Joe wieder. „Wir dürfen uns nicht beschweren. Bisher ist alles ziemlich gut gelaufen. Was auch immer mit mir passiert – ich darf nicht verzweifeln. Wir werden Wasser finden, das versichere ich Ihnen.“
Doch der Boden wurde von Meile zu Meile niedriger. Die Wellen der goldhaltigen Berge, die sie hinter sich gelassen hatten, verschwanden in der Ebene – wie die letzten Zuckungen einer erschöpften Natur. Spärliches Gras ersetzte die schönen Bäume des Ostens; nur noch einige Streifen halb verbrannter Vegetation kämpften ums Überleben.

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Die Invasion des Sands – sowie die riesigen Felsen, die von den fernen Gipfeln herabgerollt waren und bei ihrem Sturz zerschmettert wurden – hatten sich in scharfkantige Kieselsteine verwandelt. Diese wiederum wurden bald zu grobem Sand und schließlich zu unsichtbarem Staub.
„Hier ist endlich Afrika, so wie du es dir vorgestellt hast, Joe! Habe ich nicht recht gehabt, als ich sagte: ‚Warte noch ein wenig‘, hm?“
„Nun, Meister, das ist alles ganz natürlich – die Hitze und der Staub. Es wäre töricht, in einem solchen Land nach etwas anderem zu suchen. Siehst du“, fügte er lachend hinzu, „ich hatte persönlich kein Vertrauen in Ihre Wälder und Prärien; sie erschienen mir unvernünftig. Welchen Sinn hatte es, so weit zu kommen, nur um Landschaften zu finden, die genauso aussahen wie in England? Zum ersten Mal glaube ich an Afrika – und ich bedauere es nicht, einen Einblick darin zu bekommen.“
Gegen Abend schätzte der Arzt, dass der Ballon an diesem ganzen, heißen Tag nicht einmal zwanzig Meilen zurückgelegt hatte. Sobald die Sonne hinter dem Horizont verschwand – der wie eine gerade Linie am Himmel abgegrenzt war – legte sich eine drückende Düsternis über ihn.
Der nächste Tag war Donnerstag, der 1. Mai – doch die Tage folgten einander in verzweifelnder Monotonie. Jeder Morgen glich dem vorherigen; zur Mittagszeit strahlten dieselben unermüdlichen Strahlen herab, und die Nacht sammelte die verstreute Wärme in ihrem Schatten – Wärme, die der folgende Tag wieder der nächsten Nacht überließ. Der Wind, der nun kaum noch wahrnehmbar war, glich eher einem Keuchen als einem Atemzug. Man konnte fast voraussehen, wann auch dieses Keuchen aufhören würde.
Der Arzt reagierte gegen die Düsternis der Situation und bewahrte die Ruhe sowie die Gelassenheit eines disziplinierten Menschen. Mit seinem Fernrohr betrachtete er jeden Winkel des Horizonts. Er sah, wie die letzten Anhöhen allmählich zu flachem Gelände wurden und wie die letzte Vegetation verschwand – während sich vor ihm die Unendlichkeit der Wüste ausdehnte.
Die Verantwortung, die auf seinen Schultern lastete, war enorm – doch er ließ seine Unruhe nicht erkennen. Diese beiden Männer, Dick und Joe, seine Freunde, hatte er fast allein durch Freundschaft und Pflicht dazu gebracht, mit ihm zu kommen. Hatte er das richtig gemacht? War das nicht so, als würde man versuchen, verbotene Pfade zu betreten? Versuchte er bei dieser Reise nicht, die Grenzen des Unmöglichen zu überschreiten? Hatte der Allmächtige nicht das Wissen über diesen unwirtlichen Kontinent für spätere Zeiten aufbewahrt?
All diese Gedanken, solche, die in Stunden der Entmutigung auftauchen, folgten einander in seinem Kopf und vermehrten sich – und durch etwas Unwiderstehliches…

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Durch eine Assoziation von Ideen ließ sich der Arzt dazu verleiten, die Grenzen der Logik und des Verstands zu überschreiten. Nachdem er in seinem eigenen Kopf festgelegt hatte, was er nicht tun sollte, stellte sich die nächste Frage: Was sollte er dann tun? Wäre es unmöglich, seine Schritte rückgängig zu machen? Gab es nicht Strömungen, die ihn in weniger trockene Gebiete tragen könnten? Obwohl er gut über die Länder Bescheid wusste, durch die er bereits gekommen war, kannte er die kommenden Länder völlig nicht. Daher beschloss er, seiner eigenen Gewissenstimme folgend, offen mit seinen beiden Begleitern zu sprechen. Er erklärte ihnen daraufhin klar und deutlich die ganze Situation: Er zeigte ihnen, was bereits getan worden war und was noch zu tun blieb. Im schlimmsten Fall konnten sie zurückkehren – oder zumindest versuchen, es zu tun. Was dachten sie darüber?

„Ich habe keine andere Meinung als die meines hervorragenden Meisters“, sagte Joe. „Was er ertragen muss, kann ich auch ertragen – vielleicht sogar besser als er. Wohin er geht, dorthin werde ich auch gehen!“

„Und Sie, Kennedy?“

„Ich, Doktor, bin kein Mensch, der verzweifelt. Niemand kannte die Gefahren dieser Unternehmung besser als ich – doch ich wollte sie mir nicht ansehen, seit Sie beschlossen hatten, sie zu bewältigen. Unter den gegenwärtigen Umständen halte ich es für richtig, durchzuhalten – bis zum Ende. Zudem erscheint mir ein Rückzug genauso gefährlich wie der weitere Weg. Also vorwärts! Sie können sich auf uns verlassen!“

„Danke, meine tapferen Freunde!“, antwortete der Arzt voller Aufrichtigkeit. „Ich habe auf eine solche Hingabe gehofft – aber diese ermutigenden Worte brauchte ich. Nochmals vielen Dank, von ganzem Herzen!“

Daraufhin umarmten die drei Freunde sich herzlich an den Händen.

„Jetzt hört mir zu!“, sagte der Arzt. „Laut meinen Beobachtungen sind wir nicht weiter als dreihundert Meilen vom Golf von Guinea entfernt. Die Wüste kann daher nicht endlos sein – schließlich ist die Küste besiedelt, und das Land wurde bereits bis ins Innere hin erforscht. Falls nötig, können wir unseren Kurs in diese Richtung lenken. Es ist kaum möglich, dass wir keinen Oasen oder Brunnen finden, an denen wir unser Wasser auffüllen können. Doch was wir jetzt brauchen, ist der Wind – ohne ihn bleiben wir hier in der Luft, in völliger Windstille.“

„Lassen wir es mit Gelassenheit abwarten“, sagte der Jäger.

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Doch jeder der Männer suchte an diesem langen, anstrengenden Tag vergeblich den Raum um sich herum ab. Es war nichts zu sehen, was eine Grundlage für Hoffnung geboten hätte. Die letzten Unebenheiten des Bodens verschwanden mit dem Untergang der Sonne – deren horizontale Strahlen sich in langen Feuerlinien über die endlose Ebene erstreckten. Es war die Wüste!

Unsere Aeronauten hatten kaum eine Entfernung von fünfzehn Meilen zurückgelegt. Wie am Vortag wurden 135 Kubikfuß Gas verbraucht, um die Zylinder mit Energie zu versorgen. Zwei Pint Wasser aus den verbleibenden acht Pinten mussten aufgrund der großen Durstgefühle opfern werden.

Die Nacht verging ruhig – tatsächlich viel zu ruhig – doch der Arzt schlief nicht!

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KAPITEL FÜNFTZEHN.

Ein wenig Philosophie – Eine Wolke am Horizont – Mitten im Nebel – Der seltsame Ballon – Ein genaues Bild der Victoria – Die Palmenbäume – Spuren einer Karawane – Der Brunnen mitten in der Wüste.

Am nächsten Tag herrschte dieselbe Reinheit des Himmels, dieselbe Stille in der Atmosphäre. Der Ballon stieg auf eine Höhe von fünfhundert Fuß, doch seine Position nach Westen hatte sich kaum merklich verändert.
„Wir sind mitten in der offenen Wüste“, sagte der Arzt. „Schauen Sie sich diese endlose Sandfläche an! Was für ein seltsames Schauspiel! Was für eine eigenartige Anordnung der Natur! Warum sollte es an einem Ort solch extreme Vegetationsfülle geben – und hier solche extreme Trockenheit – und das noch in derselben Breite und unter denselben Sonnenstrahlen?“
„Das ‚Warum‘ interessiert mich wenig“, antwortete Kennedy. „Der Grund interessiert mich weniger als die Tatsache selbst. So ist es nun mal – das ist das Wichtige!“
„Oh, es ist gut, ein wenig zu philosophieren, Dick – es schadet nicht.“
„Dann philosophieren wir eben, wenn Sie wollen; wir haben genug Zeit vor uns; wir bewegen uns kaum; der Wind traut sich nicht zu wehen – er schläft.“
„Das wird nicht ewig anhalten“, warf Joe ein. „Ich glaube, ich sehe einige Wolkenbänke im Osten.“
„Joe hat recht!“, sagte der Arzt, nachdem er hingesehen hatte.
„Gut!“, sagte Kennedy. „Jetzt kommen endlich die Wolken – mit schönem Regen und einem frischen Wind, der ihn uns ins Gesicht weht!“
„Nun, wir werden sehen, Dick – wir werden sehen!“
„Aber heute ist Freitag, Herr – und ich habe Angst vor Freitagen!“
„Nun, ich hoffe, dass Sie an diesem Tag diese Ängste überwinden werden.“

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„Ich hoffe es auch, Meister. Puh!“, fügte er hinzu und wischte sich das Gesicht ab. „Hitze ist etwas Gutes – besonders im Winter – aber im Sommer sollte man nicht zu viel davon haben.“
„Fürchten Sie nicht die Auswirkungen der Sonnenhitze auf unseren Ballon?“, fragte Kennedy den Arzt.
„Nein! Die Gutaperchahülle kann viel höhere Temperaturen aushalten als das hier. Mit meiner Vorrichtung habe ich sie manchmal auf bis zu 158 Grad erhitzt – und die Hülle scheint dabei keinen Schaden genommen zu haben.“
„Ein Wolkenfeld! Ein echtes Wolkenfeld!“, rief Joe in diesem Moment – denn seine scharfe Sicht übertraf sogar die der Brille.
Tatsächlich konnte man nun ein dichtes Wolkenfeld erkennen, das langsam über dem Horizont auftauchte. Es wirkte sehr tief und gewissermaßen aufgebläht. In Wirklichkeit handelte es sich um eine Ansammlung kleinerer Wolken. Diese behielten stets ihre ursprüngliche Form – daraus schloss der Arzt, dass in dieser Wolkenmasse keine Luftströmungen vorhanden waren.
Dieses dichte Wolkenfeld war gegen acht Uhr morgens aufgetaucht; bereits um elf Uhr hatte es die Höhe des Sonnendisks erreicht. Die Sonne verschwand anschließend vollständig hinter diesem trüben Vorhang, während der untere Wolkenstreifen gleichzeitig über dem Horizont auftauchte – und der Himmel wieder in hellem Tageslicht erstrahlte.
„Es ist nur eine isolierte Wolke“, bemerkte der Arzt. „Man sollte sich nicht allzu sehr darauf verlassen.“
„Schau, Dick – ihre Form ist genau wie heute Morgen!“
„Dann wird es wohl weder Regen noch Wind geben – zumindest für uns!“
„Ich fürchte schon; die Wolke bleibt in großer Höhe.“
„Nun, Doktor – was, wenn wir dieser Wolke nachjagen, da sie sich weigert, über uns hereinzubrechen?“
„Ich glaube, das würde uns nicht viel nützen; es wäre eine Verschwendung von Gas – und somit auch von Wasser – mit geringem Nutzen. Aber in unserer Situation dürfen wir nichts unversucht lassen – also steigen wir auf!“
Und damit ließ der Arzt einen starken Flammenstoß aus dem Zylinder ab; die durch diese plötzliche und intensive Erwärmung verursachte Ausdehnung des Wassers…

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Die Hitze trieb den Ballon schnell in die Höhe. Etwa fünfzehnhundert Fuß über dem Boden stieß er auf eine undurchsichtige Wolkenmasse und geriet in einen dichten Nebel, der in dieser Höhe herrschte; doch es wehte nicht die geringste Brise. Dieser Nebel schien sogar völlig trocken zu sein – die Gegenstände, die mit ihm in Berührung kamen, wurden kaum im Geringsten feucht. Der Ballon, vollständig von dem Dampf umhüllt, erhielt vielleicht eine leichte Geschwindigkeitszunahme – das war’s auch schon. Der Arzt erkannte düster, welch geringen Erfolg seine Manöver gebracht hatten, und versank wieder in tiefes Nachdenken, als er hörte, wie Joe in Tonlagen größten Erstaunens ausrief: „Ah! Bei allem Schönen!“ „Was ist los, Joe?“ „Doktor! Herr Kennedy! Hier gibt es etwas Seltsames!“ „Was denn?“ „Wir sind hier oben nicht allein! Da sind Schurken unterwegs! Sie haben unsere Erfindung gestohlen!“ „Ist er verrückt geworden?“, fragte Kennedy. Joe stand regungslos da – ein lebendiges Bild des Erstaunens. „Kann die heiße Sonne wirklich das Gehirn dieses armen Kerls beeinträchtigt haben?“, sagte der Arzt und wandte sich ihm zu. „Können Sie es mir sagen?“ „Schauen Sie!“, sagte Joe und zeigte in eine bestimmte Richtung am Himmel. „Bei St. James!“, rief Kennedy daraufhin, „wer hätte das gedacht? Schauen Sie, Doktor!“ „Ich sehe es“, sagte der Arzt sehr leise. „Ein weiterer Ballon! Und weitere Passagiere, genau wie wir!“ Tatsächlich befand sich etwa zweihundert Schritte von ihnen entfernt ein weiterer Ballon in der Luft – mit seiner Gondel und seinen Besatzungen. Er folgte genau derselben Route wie die Victoria. „Nun“, sagte der Arzt, „uns bleibt nichts anderes übrig, als Signale zu geben; nehmen Sie die Flagge, Kennedy, und zeigen Sie ihnen unsere Farben.“ Es schien, als hätten die Reisenden im anderen Ballon genau denselben Gedanken – denn dieselbe Art von Flagge wiederholte genau dasselbe.

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Grüße mit einer Hand, die genauso bewegt wird.
„Was bedeutet das?“, fragte Kennedy.
„Das sind Affen“, sagte Joe, „sie imitieren uns.“
„Das bedeutet“, sagte der Arzt lachend, „dass du es bist, Dick – du selbst gibst dir dieses Signal; mit anderen Worten: Wir sehen uns in dem zweiten Ballon, der nichts anderes ist als die Victoria.“
„Was das angeht, Herr – mit allem Respekt vor Ihnen –, so werden Sie mich niemals davon überzeugen können“, sagte Joe.
„Klettere auf den Rand des Wagens, Joe; wedele mit deinen Armen – dann wirst du es sehen.“
Joe gehorchte, und all seine Gesten wurden sofort und genau nachgeahmt.
„Es ist nur die Wirkung einer Fata Morgana“, sagte der Arzt, „und nichts weiter – ein einfaches optisches Phänomen aufgrund der ungleichen Brechung des Lichts durch verschiedene Schichten der Atmosphäre, und das ist alles.“
„Es ist wunderbar“, sagte Joe. Er konnte sich nicht dazu durchringen, aufzugeben, und fuhr fort, seine Gesten zu wiederholen.
„Was für ein seltsamer Anblick! Weißt du“, sagte Kennedy, „es ist wirklich eine Freude, unseren prächtigen Ballon auf diese Weise zu sehen. Sie ist wunderschön, nicht wahr? – Und wie anmutig ihre Bewegungen sind, während sie dahinfährt!“
„Sie können die Sache so erklären, wie Sie wollen“, fuhr Joe fort, „auf jeden Fall ist es etwas Seltsames!“
Doch bald begann dieses Bild zu verblassen; die Wolken stiegen höher und ließen den Ballon zurück, der keinen weiteren Versuch unternahm, ihnen zu folgen. Nach etwa einer Stunde verschwanden sie am offenen Himmel.
Der Wind, der bis dahin kaum spürbar gewesen war, schien weiter abzunehmen. Der Arzt stieg in völliger Verzweiflung nach unten. Die drei Reisenden, deren Aufmerksamkeit durch diesen Vorfall für kurze Zeit von ihren Sorgen abgelenkt worden war, versanken erneut in düstere Gedanken, während sie unter der glühenden Hitze litten.
Gegen vier Uhr entdeckte Joe ein Objekt gegen dem weiten Sandhintergrund. Bald konnte er mit Sicherheit sagen, dass sich in nicht allzu großer Entfernung zwei Palmen befanden.
„Palmen!“, rief Ferguson. „Dann muss es ja einen Brunnen geben!“

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Er nahm sein Glas in die Hand und vergewisserte sich, dass er sich in Bezug auf Joes Augen nicht geirrt hatte.
„Endlich!“, sagte er immer wieder, „Wasser! Wasser! Wir sind gerettet – denn auch wenn wir langsam vorankommen, bewegen wir uns doch, und schließlich werden wir ankommen!“
„Gut, Meister! Aber was ist, wenn wir in der Zwischenzeit einen Schluck trinken, denn diese Luft ist erdrückend?“
„Dann trinken wir eben, mein Junge!“
Niemand musste dazu aufgefordert werden. Sofort wurde eine ganze Pinte getrunken, wodurch die verbleibende Menge auf dreiinhalb Pinten sank.
„Ah! Das tut gut!“, sagte Joe. „War es nicht großartig? Barclay und Perkins konnten niemals Bier von dieser Qualität herstellen!“
„Seht den Vorteil davon, nur eine begrenzte Menge zu erhalten!“, dozierte der Arzt.
„Es ist eigentlich nicht so groß“, entgegnete Kennedy. „Und wenn ich nie wieder das Vergnügen haben würde, Wasser zu trinken, würde ich zustimmen – vorausgesetzt, ich werde niemals davon beraubt.“
Um sechs Uhr schwebte der Ballon über den Palmen. Es handelte sich um zwei vertrocknete, kümmerliche Bäume – zwei „Geister“ der Palmen – ohne Blätter, eher tot als lebendig. Ferguson betrachtete sie voller Entsetzen.
Zu ihren Füßen lagen halb zerfallene Steine einer Quelle – doch diese Steine, zermahlen durch die glühende Hitze der Sonne, schienen nun nichts weiter als unsichtbarer Staub zu sein. Es gab kein Anzeichen für Feuchtigkeit. Das Herz des Arztes zog sich zusammen, und er wollte gerade seine Gedanken seinen Begleitern mitteilen, als ihre Ausrufe seine Aufmerksamkeit erregten.
Soweit das Auge nach Osten reichte, erstreckte sich eine lange Reihe von verweißten Knochen; Skelettteile umgaben die Quelle. Offensichtlich hatte eine Karawane diesen Ort erreicht und ihren Weg mit ihren bleich gewordenen Überresten markiert. Die Schwächeren waren nacheinander im Sand gestorben; die Stärkeren, die schließlich diese Quelle erreicht hatten, fanden dort einen schrecklichen Tod.
Unsere Reisenden sahen sich an und wurden blass.
„Lassen wir uns nicht niederlassen!“, sagte Kennedy. „Fliegen wir weg von diesem schrecklichen Anblick! Hier gibt es keinen Tropfen Wasser!“

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„Nein, Dick – es ist genauso gut, die Nacht hier wie anderswo zu verbringen; lass uns in dieser Angelegenheit ein reines Gewissen haben. Wir werden bis auf den Grund des Brunnens graben. Hier gab es ein Quellwasser – vielleicht ist noch etwas davon übrig!“
Die Victoria berührte den Boden; Joe und Kennedy luden eine Menge Sand in das Auto, die ihrem eigenen Gewicht entsprach, und stiegen aus. Dann eilten sie zum Brunnen und gelangten durch eine Treppe in dessen Inneres – doch diese bestand jetzt nur noch aus Staub. Es schien, als wäre der Brunnen seit Jahren ausgetrocknet. Sie gruben in trockenem, pulverartigem Sand – dem tatsächlich trockensten aller Sandsorten – doch es war nicht die geringste Spur von Feuchtigkeit zu finden!
Der Arzt sah, wie sie an die Oberfläche der Wüste kamen – durchnässt vom Schweiß, erschöpft, mit feinem Staub bedeckt, verzweifelt und mutlos.
Da erkannte er, dass ihre Suche erfolglos gewesen war. Er hatte damit gerechnet und schwieg, denn er fühlte, dass er von diesem Moment an genug Mut und Energie für drei Menschen aufbringen musste.
Joe brachte einige Stücke einer Lederschüssel mit nach oben – diese waren im Laufe der Zeit hart und hornartig geworden – und warf sie wütend unter die bleichenden Knochen der Karawane.
Beim Abendessen sprach keiner unserer Reisenden ein Wort; sie aßen sogar ohne Appetit. Doch bis zu diesem Moment hatten sie noch keine wirklichen Qualen des Durstes erlebt und waren außer wegen der Zukunft nicht besonders mutlos.

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Kapitel zweiundzwanzigstes.

Hundertdrei Grad – Die Gedanken des Arztes – Eine verzweifelte Suche – Der Zylinder funktioniert nicht mehr.
Hundertzweiundzwanzig Grad – Betrachtungen über die Wüste – Ein nächtlicher Spaziergang – Einsamkeit – Schwäche – Joes Aussichten – Er gibt sich noch einen Tag Zeit.

Die Strecke, die der Ballon am vorherigen Tag zurückgelegt hatte, betrug nicht mehr als zehn Meilen. Um ihn am Schweben zu halten, wurden 162 Kubikfuß Gas verbraucht.
Am Samstagmorgen gab der Arzt erneut das Signal zum Aufbruch.
„Der Zylinder kann nur noch sechs Stunden lang funktionieren. Wenn wir in dieser Zeit weder ein Brunnen noch eine Quelle finden, dann weiß nur Gott, was aus uns werden wird!“
„Es weht heute Morgen kaum Wind, Herr“, sagte Joe. „Aber vielleicht kommt er später“, fügte er hinzu, als er die kaum verdeckte Niedergeschlagenheit des Arztes bemerkte.
Vergebliche Hoffnung! Die Atmosphäre war völlig ruhig – eine dieser Ruhephasen, in denen Schiffe in den tropischen Meeren gefangen bleiben. Die Hitze wurde unerträglich; das Thermometer im Schatten unter dem Baldachin zeigte hundertdrei Grad an.
Joe und Kennedy lagen eng beieinander und versuchten, wenn schon nicht einzuschlafen, so doch zumindest in einer Art Trägheit ihre Situation zu vergessen. Ihre erzwungene Untätigkeit brachte ihnen keineswegs angenehme Pausen. Am bedauernswertesten ist der Mensch, der sich durch echte Arbeit oder irgendeine praktische Tätigkeit nicht von düsteren Gedanken befreien kann. Doch hier gab es nichts zu kümmern, nichts zu tun – sie mussten sich der Situation fügen, ohne die Möglichkeit zu haben, sie zu verbessern.

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Der Durst wurde immer unerträglicher; Brandy trug keineswegs dazu bei, diesen dringenden Bedarf zu lindern – im Gegenteil: Er verstärkte ihn noch. Deshalb war es durchaus gerechtfertigt, dass die afrikanischen Ureinwohner ihn „Tigermilch“ nannten. Es blieben kaum noch zwei Pfund Wasser übrig – und das war außerdem bereits erhitzt. Jeder in der Gruppe starrte gierig auf diese wenigen kostbaren Tropfen, doch keiner wagte es, sie zum Befeuchten seiner Lippen zu verwenden. Zwei Pfund Wasser mitten in der Wüste!
Da fragte sich Dr. Ferguson, der in Gedanken versunken war, ob er vernünftig gehandelt hatte. Hätte er das Wasser nicht besser behalten sollen, um damit in der Luft überleben zu können? Sicherlich hatte er etwas Abstand gewonnen – aber war er dadurch seinem Ziel näher gekommen? Welchen Unterschied machten sechzig Meilen Rückstand in dieser Gegend, wo es kein Wasser gab? Wenn der Wind aufkam, würde er genauso wehen wie hier – nur weniger stark, falls er aus dem Osten kam. Doch die Hoffnung trieb ihn weiter. Doch diese beiden Gallonen Wasser, die vergeblich verschwendet worden waren, hätten für neun Tage im Gelände ausgereicht. Und welche Veränderungen könnten in neun Tagen eintreten! Vielleicht hätte er das Wasser behalten und durch das Auswerfen von Ballast an Höhe gewinnen können – allerdings nur auf Kosten einiger Gase, wenn er wieder nach unten steigen musste. Doch das Gas in seinem Ballon war sein Blut, sein Leben selbst! Tausende solcher Gedanken schwirrten nacheinander durch seinen Kopf. Mit dem Kopf in den Händen saß er stundenlang da, ohne ihn zu heben.
„Wir müssen einen letzten Versuch wagen“, sagte er schließlich gegen zehn Uhr morgens. „Wir müssen noch einmal versuchen, eine Luftströmung zu finden, die uns von hier wegträgt – und dazu müssen wir unsere letzten Reserven riskieren.“
Während seine Begleiter schliefen, erhöhte der Arzt die Temperatur des Wassers im Ballon. Der riesige Ballon dehnte sich durch die Ausdehnung des Gases aus und stieg senkrecht in die Sonnenstrahlen empor. Der Arzt suchte vergeblich nach einem Hauch von Wind – von einer Höhe von hundert Fuß bis zu fünf Meilen. Sein Ausgangspunkt blieb weiterhin direkt unter ihm – und es schien völlige Ruhe zu herrschen, bis zu den äußersten Grenzen der Atmosphäre.
Schließlich ging die Wasserversorgung zur Neige; der Zylinder funktionierte wegen Mangels an Gas nicht mehr; auch die Buntzen-Batterie hörte auf zu funktionieren.

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Der Ballon sank langsam, zusammengezogen, auf den Sand – genau an der Stelle, die das Auto dort ausgehöhlt hatte. Es war Mittag; Sonnenbeobachtungen ergaben eine Länge von neunzehn Grad dreißig Minuten Ost und eine Breite von sechs Grad fünfzig Minuten Nord – das waren fast fünfhundert Meilen vom Tschadsee entfernt sowie mehr als vierhundert Meilen von der Westküste Afrikas. Als der Ballon den Boden berührte, erwachten Kennedy und Joe aus ihrer Benommenheit. „Wir haben angehalten“, sagte der Schotte. „Wir mussten das tun“, antwortete der Arzt ernst. Seine Begleiter verstanden ihn. Der Bodenlevel an dieser Stelle entsprach dem Meeresspiegel; daher blieb der Ballon in perfektem Gleichgewicht und völlig bewegungslos. Das Gewicht der drei Reisenden wurde durch eine entsprechende Menge Sand ersetzt, und sie stiegen aus dem Fahrzeug aus. Jeder war in seine eigenen Gedanken versunken; viele Stunden lang sprach keiner von ihnen. Joe bereitete das Abendessen zu – es bestand aus Keksen und Pemmikan – doch keiner der beiden aß davon. Ein Schluck kochendes Wasser aus ihrem kleinen Vorrat vervollständigte diese trostlose Mahlzeit. In der Nacht blieb keiner von ihnen wach – doch man konnte auch nicht genau sagen, dass jemand geschlafen hätte. Am nächsten Tag blieb nur noch eine halbe Pinte Wasser übrig; der Arzt legte dieses weg, da alle drei beschlossen hatten, es erst in letzter Not zu verwenden. Doch es dauerte nicht lange, bis Joe rief: „Ich ersticke – und die Hitze wird immer schlimmer! Das überrascht mich nicht“, fügte er hinzu, nachdem er den Thermometer betrachtet hatte; „einhundertvierzig Grad!“ „Der Sand verbrennt mich“, sagte der Jäger, „als wäre er gerade aus einem Ofen gekommen; und am Himmel ist kein einziger Wolkenfetzen zu sehen. Das macht einen verrückt!“ „Lassen wir uns nicht entmutigen“, antwortete der Arzt. „In dieser Breite folgen auf solche extremen Hitze immer Stürme – und diese kommen plötzlich, wie der Blitz. Trotz dieser entmutigenden Helligkeit des Himmels können innerhalb weniger Stunden große Veränderungen in der Atmosphäre eintreten.“ „Aber“, fragte Kennedy, „gibt es irgendein Zeichen dafür?“

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„Nun“, antwortete der Arzt, „ich glaube, es gibt leichte Anzeichen für einen Rückgang des Barometers.“
„Möge der Himmel dir zuhören, Samuel! Denn wir sind hier festgenagelt am Boden, wie Vögel mit gebrochenen Flügeln.“
„Mit diesem Unterschied jedoch, mein lieber Dick: Unsere Flügel sind unverletzt, und ich hoffe, wir werden sie wieder benutzen können.“
„Ah! Wind! Wind!“, rief Joe. „Einfach genug, um uns zu einem Bach oder einer Quelle zu bringen – dann wären wir in Ordnung. Wir haben genug Vorräte, und mit Wasser könnten wir einen Monat lang ohne Leiden auskommen. Doch Durst ist eine grausame Sache!“
Es war nicht nur der Durst, sondern auch das unveränderte Bild der Wüste, das den Geist ermüdete. Es gab keine Veränderung auf der Oberfläche des Bodens, keinen Sandhügel, keinen Kieselstein, der den Blick ablenken konnte. Diese endlose Ebene entmutigte den Betrachter und verursachte jene Krankheit, die als „Wüstenkrankheit“ bezeichnet wird. Die unbewegliche Monotonie des trockenen blauen Himmels sowie die weite gelbe Fläche der Wüstensand erzeugten schließlich ein Gefühl der Angst. In dieser angespannten Atmosphäre schien die Hitze zu vibrieren – genauso wie über einem lodernden Feuer. Der Geist wurde verzweifelt, wenn er an diese endlose Stille dachte, und man sah keinen Grund, warum das alles je enden sollte – schließlich ist Unendlichkeit eine Art Ewigkeit.
So begannen schließlich unsere unglücklichen Reisenden, denen in dieser drückenden Hitze das Wasser fehlte, Symptome geistiger Störungen zu zeigen. Ihre Augen schwollen an, und ihr Blick wurde verwirrt.
Als die Nacht hereinbrach, beschloss der Arzt, gegen diese beunruhigende Tendenz durch schnelles Gehen vorzugehen. Sein Plan war, einige Stunden lang über die sandige Ebene zu gehen – nicht auf der Suche nach etwas Bestimmtem, sondern einfach zur Bewegung.
„Kommt mit!“, sagte er zu seinen Begleitern. „Glaubt mir, das wird euch guttun.“
„Auf keinen Fall!“, sagte Kennedy. „Ich könnte keinen Schritt gehen.“
„Und ich“, sagte Joe, „würde lieber schlafen!“
„Aber Schlaf – oder sogar Ruhe – wäre für euch gefährlich, meine Freunde. Ihr müsst gegen diese Neigung zum Dahinschwinden ankämpfen. Kommt mit mir!“
Doch der Arzt konnte nichts mit ihnen ausrichten, also brach er allein auf, inmitten der sternklaren Nacht. Die ersten Schritte waren schmerzhaft – schließlich waren es die Schritte eines geschwächten Mannes, der überhaupt nicht mehr daran gewöhnt war zu gehen. Doch schnell stellte er fest, dass diese Bewegung vorteilhaft sein würde.

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Er setzte seinen Weg fort und ging mehrere Meilen nach Westen. Sobald er sich in Bewegung gesetzt hatte, fühlte er sich deutlich besser – doch plötzlich überkam ihn Schwindel; es schien, als stünde er am Rande eines Abgrunds; seine Knie gaben nach; die tiefe Einsamkeit versetzte sein Herz in Angst; er fühlte sich wie ein winziger Punkt, das Zentrum einer unendlichen Kreislinie – also: Nichts! Der Ballon war völlig in der zunehmenden Dunkelheit verschwunden. Der Arzt, der kalte, unerschütterliche, leichtsinnige Entdecker, wurde schließlich von einer namenlosen Furcht ergriffen. Er versuchte, den Rückweg zu finden – vergeblich. Er rief laut – doch es antwortete nicht einmal ein Echo; seine Stimme verhallte in der leeren Weite des umliegenden Raums, wie ein Stein, der in einen bodenlosen Abgrund geworfen wird. Dann sank er bewusstlos auf den Sand, allein, in der ewigen Stille der Wüste.

Mittlerweile kam er wieder zu sich – in den Armen seines treuen Gefährten Joe. Dieser, besorgt wegen der langen Abwesenheit seines Herrn, war ihm gefolgt und hatte ihn leicht anhand der deutlichen Fußspuren im Sand ausfindig gemacht. Er fand ihn bewusstlos vor.

„Was ist passiert, Sir?“, war die erste Frage.

„Nichts, Joe, wirklich nichts! Nur eine kleine Schwäche – das ist alles. Es ist jetzt vorbei.“

„Oh! Es wird schon nichts Schlimmes sein, Sir, da bin ich mir sicher. Aber stehen Sie doch auf, wenn Sie können. Lehnen Sie sich auf mich und lassen Sie uns zum Ballon zurückkehren.“

Der Arzt stützte sich auf Joes Arm und kehrte den Weg zurück, den er gekommen war.

„Sie waren zu kühn, Sir – es ist nicht gut, solche Risiken einzugehen. Man hätte Sie ausrauben können“, fügte er lachend hinzu. „Aber, Sir, kommen Sie, wir müssen ernst miteinander reden.“

„Sprechen Sie! Ich höre Ihnen zu.“

„Wir müssen uns endgültig dazu entschließen, etwas zu unternehmen. Unsere gegenwärtige Situation kann nur noch wenige Tage andauern – und wenn wir keinen Wind bekommen, sind wir verloren.“

Der Arzt antwortete nicht.

„Nun, dann muss einer von uns sich zum Wohle aller opfern – und es ist nur natürlich, dass ich das tun muss.“

„Was schlagen Sie vor? Was ist Ihr Plan?“

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„Eine sehr einfache Lösung! Man muss genügend Vorräte mitnehmen und einfach weitergehen, bis ich irgendwo ankomme – was ich früher oder später sowieso tun muss. In der Zwischenzeit, falls der Himmel einen günstigen Wind schickt, muss man nicht warten, sondern kann sofort weitermachen. Was mich betrifft: Wenn ich in ein Dorf komme, werde ich mich mit ein paar arabischen Worten durchschlagen, die Sie mir auf ein Stück Papier schreiben können. Dann werde ich Ihnen Hilfe bringen – oder meinen Kopf verlieren. Was halten Sie von meinem Plan?“
„Das ist völliger Unsinn, Joe – aber es entspricht deinem edlen Herzen. Es ist unmöglich. Du wirst uns nicht verlassen.“
„Aber, Sir, wir müssen etwas tun. Dieser Plan kann Ihnen doch keinen Schaden zufügen. Wie gesagt: Sie müssen nicht warten – und außerdem könnte ich ja Erfolg haben.“
„Nein, Joe, nein! Wir werden uns nicht trennen. Das würde nur Kummer zu den Problemen hinzufügen. Es steht geschrieben, dass die Dinge so bleiben sollen – und es ist sehr wahrscheinlich, dass es bald ganz anders sein wird. Warten wir also mit Resignation ab.“
„Wie Sie wünschen, Herr. Aber beachten Sie eines: Ich gebe Ihnen noch einen Tag – danach warte ich nicht mehr. Heute ist Sonntag; man könnte auch sagen Montag, denn es ist bereits ein Uhr morgens. Wenn wir bis Dienstag nicht aufbrechen, nehme ich das Risiko in Kauf. Ich habe mich bereits entschieden!“
Der Arzt antwortete nicht. Ein paar Minuten später kehrten sie zum Wagen zurück, wo er neben Kennedy Platz nahm. Kennedy lag dort in völliger Stille – eine Stille, die man nicht als Schlaf bezeichnen konnte.

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KAPITEL SIEBENUNDZWANZIG

Unglaubliche Hitze – Halluzinationen – Die letzten Tropfen Wasser
– Nächte der Verzweiflung – Ein Selbstmordversuch – Der Simoom – Die Oase – Der Löwe und die Löwin

Die erste Sorge des Arztes am nächsten Tag bestand darin, den Barometer zu prüfen. Er stellte fest, dass sich der Quecksilberstand kaum verändert hatte.
„Nichts!“, murmelte er. „Gar nichts!“
Er stieg aus dem Wagen und betrachtete das Wetter: Es herrschte weiterhin derselbe Hitze, derselbe wolkenlose Himmel, dieselbe erbarmungslose Dürre.
„Müssen wir uns dann der Verzweiflung ergeben?“, rief er in Qualen.
Joe sagte kein Wort. Er war in seine eigenen Gedanken versunken und plante die Expedition, die er vorgeschlagen hatte.
Kennedy stand auf – er fühlte sich sehr krank und war von nervöser Unruhe geplagt. Er litt schrecklich unter Durst; seine geschwollenen Zunge und Lippen ließen es ihm kaum möglich sein, auch nur ein Wort auszusprechen.
Es blieben noch einige Tropfen Wasser übrig. Jeder von ihnen wusste das, jeder dachte daran und fühlte sich zu ihnen hingezogen – doch keiner der drei wagte es, einen Schritt zu tun.
Diese drei Männer, obwohl sie Freunde und Gefährten waren, blickten sich mit einem instinktiven, wilden Verlangen an – dieses Verlangen zeigte sich am deutlichsten beim widerstandsfähigen Schotten, dessen kräftige Konstitution am schnellsten unter diesen unnatürlichen Bedingungen nachgab.
Den ganzen Tag über war er delirierend, lief hin und her, stieß heisere Schreie aus, biss in seine geballten Fäuste und war bereit, sich die Adern aufzuschneiden und sein eigenes heißes Blut zu trinken.
„Ah!“, rief er. „Land des Durstes! Man kann es durchaus das Land der Verzweiflung nennen!“

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Schließlich brach er völlig erschöpft zusammen, und seine Freunde hörten von ihm kein anderes Geräusch als das Zischen seines Atems zwischen seinen ausgetrockneten, geschwollenen Lippen.
Gegen Abend hatte auch Joe Anfälle von Delirium. Die weite Sandfläche erschien ihm wie ein riesiger Teich, gefüllt mit klarem, reinem Wasser; mehrmals stürzte er sich auf diese „Wasserquelle“, um in großen Zügen zu trinken – doch jedes Mal stand er wieder auf, mit dem Mund voller heißer Staub.
„Verdammt!“, schrie er in seinem Wahnsinn. „Es ist doch nur Salzwasser!“
Während Ferguson und Kennedy regungslos dalagen, überkam ihn ein unwiderstehlicher Drang, die letzten Tropfen Wasser zu trinken, die noch übrig waren. Sein natürlicher Instinkt war zu stark. Er kroch auf Knien zum Auto, starrte auf die Flasche mit dem kostbaren Fluid, griff danach und führte sie an seine Lippen.
In diesem Moment hörte er einen herzzerreißenden Schrei direkt neben sich: „Wasser! Wasser!“
Es war Kennedy, der zu ihm gekrochen war, auf Knien bettelte und verzweifelt weinte.
Joe, selbst in Tränen, gab ihm die Flasche – Kennedy trank die letzten Tropfen in großer Eile aus.
„Danke!“, flüsterte er heiser – doch Joe hörte ihn nicht, denn beide waren bereits bewusstlos auf dem Sand zusammengebrochen.
Was in jener schrecklichen Nacht geschah, wussten sie beide nicht. Doch am Dienstagmorgen, unter den heißen Strahlen der Sonne, spürten die Unglücklichen, wie ihre Glieder allmählich austrockneten. Als Joe versuchte, aufzustehen, stellte er fest, dass es unmöglich war.
Er blickte sich um. Im Auto saß der Arzt, völlig überwältigt, mit verschränkten Armen auf der Brust und starrte mit idiotischer Regung auf einen imaginären Punkt im Raum. Kennedy sah schrecklich aus: Er drehte seinen Kopf von rechts nach links, wie ein wildes Tier in einem Käfig.
Plötzlich fiel sein Blick auf den Kolben seines Gewehrs, der über den Rand des Autos ragte.
„Ah!“, schrie er und stemmte sich mit übermenschlicher Anstrengung hoch.

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Verzweifelt und wahnsinnig griff er nach der Waffe und richtete den Lauf auf seinen Mund.
„Kennedy!“, schrie Joe und warf sich auf seinen Freund.
„Lass los! Nimm deine Hände weg!“, stöhnte der Schotte mit heiserer, schriller Stimme – dann kämpften die beiden verzweifelt um das Gewehr.
„Lass los, sonst bringe ich dich um!“, wiederholte Kennedy. Doch Joe hielt sich nur umso fester an ihm fest. Sie stritten so weiter, ohne dass der Arzt sie sah – bis plötzlich das Gewehr abfeuerte. Bei dem Geräusch des Schusses stand der Arzt wie ein Gespenst auf und blickte sich um.
Doch plötzlich wurde sein Blick lebhafter; er streckte seine Hand in Richtung Horizont aus und schrie mit einer nicht mehr menschlichen Stimme: „Dort! Dort drüben!“
In diesem Schrei lag eine solche Entschlossenheit, dass Kennedy und Joe voneinander abließen und beide dorthin blickten, wohin der Arzt zeigte.
Die Ebene war wie das Meer, das von einem Sturm aufgewühlt wird; Sandwellen türmten sich übereinander, begleitet von blendenden Staubwolken. Ein riesiger Pilz aus Sand wurde sichtbar, der mit großer Geschwindigkeit vom Südosten her auf sie zukam. Die Sonne verschwand hinter einem undurchsichtigen Wolkenvorhang, dessen riesige Barriere bis zum Horizont reichte. Die feinen Sandkörner glitten dabei mit der Leichtigkeit von Flüssigkeitspartikeln dahin – und die aufsteigende Staubwelle wurde mit jeder Sekunde stärker.
Fergusons Augen funkelten vor Hoffnung.
„Der Simoom!“, rief er.
„Der Simoom!“, wiederholte Joe, ohne genau zu wissen, was das bedeutete.
„Umso besser!“, sagte Kennedy mit der Bitterkeit der Verzweiflung. „Umso besser – wir werden sterben!“
„Umso besser!“, erwiderte der Arzt. „Denn wir werden überleben!“ Und damit begann er, schnell den Sand wegzuräumen, der das Auto bedeckte.
Schließlich verstanden seine Begleiter ihn und stellten sich an seine Seite.
„Und jetzt, Joe“, sagte der Arzt, „werf etwa fünfzig Pfund deines Erzes da raus!“

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Joe zögerte nicht länger, obwohl er immer noch einen flüchtigen Anflug von Reue verspürte.
Der Ballon begann sofort aufzusteigen.
„Es war höchste Zeit!“, sagte der Arzt.
Der Simoom kam tatsächlich wie ein Donnerschlag heran – und schon kurz darauf wäre der Ballon zerquetscht, in Atome zerrissen worden. Der schreckliche Wirbelsturm war bereits fast da; der Ballon wurde bereits von Sandregen getroffen, der vom Sturm wie Hagel geschleudert wurde.
„Bringt mehr Ballast heraus!“, rief der Arzt.
„Da!“, antwortete Joe und warf einen riesigen Quarzklotz hinein.
Dadurch stieg die Victoria schnell über die Reichweite des wirbelnden Sturms hinaus. Doch durch die dadurch entstehende starke Luftbewegung wurde sie mit unvorstellbarer Geschwindigkeit weit über dieses sandige Meer hinaufgetragen.
Die drei Reisenden sprachen nicht. Sie blickten nach vorne, hofften – und fühlten sich sogar durch den Wind des Sturms erfrischt.
Gegen drei Uhr hörte der Wirbelsturm auf. Der Sand fiel wieder auf die Wüste und bildete zahlreiche kleine Hügel. Der Himmel nahm wieder seine gewohnte Ruhe an.
Der Ballon, der wieder an Geschwindigkeit verloren hatte, trieb nun in Sichtweite einer Oase – einer Art Insel, bedeckt mit grünen Bäumen, die auf der Oberfläche dieses sandigen Meeres lag.
„Wasser! Dort finden wir Wasser!“, sagte der Arzt.
Sofort öffnete er das obere Ventil und ließ etwas Wasserstoff entweichen. Langsam sank der Ballon, bis er etwa zweihundert Fuß von dem Rand der Oase entfernt auf dem Boden landete.
In vier Stunden hatten die Reisenden eine Strecke von zweihundertvierzig Meilen zurückgelegt!
Der Ballon wurde sofort mit Ballast beladen. Kennedy, gefolgt von Joe, sprang heraus.
„Nehmt eure Waffen mit!“, sagte der Arzt. „Seid vorsichtig!“
Dick nahm sein Gewehr, und Joe nahm eines der Schrotflinten. Dann eilten sie schnell zu den Bäumen und verschwanden im frischen Grün – ein Zeichen dafür, dass es dort reichlich Quellen gab. Während sie weitergingen, hatten sie…

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Man bemerkte keine bestimmten großen Fußabdrücke sowie frische Spuren irgendeines Lebewesens, die hier und da im feuchten Boden zu sehen waren. Plötzlich war ein dumpfes Brüllen zu hören – nicht einmal zwanzig Schritte von ihnen entfernt. „Das ist das Brüllen eines Löwen!“, sagte Joe. „Ausgezeichnet!“, rief der aufgeregte Jäger. „Wir werden gegen ihn kämpfen. Ein Mensch fühlt sich stark, wenn es nur um einen Kampf geht.“ „Aber seien Sie vorsichtig, Herr Kennedy – alle Leben hängen vom Leben eines einzigen Mannes ab.“ Doch Kennedy hörte ihn nicht mehr; er drang weiter vor, mit funkelnden Augen, sein Gewehr gespannt – furchterregend in seiner kühnen Unbesonnenheit. Dort, unter einem Palmenbaum, stand ein riesiger Löwe mit schwarzem Fell, bereit, auf seinen Gegner zuzuspringen. Kaum hatte er den Jäger erspäht, sprang er in die Luft – doch bevor er den Boden erreichen konnte, durchbohrte eine Kugel sein Herz, und er fiel tot zu Boden. „Hurra! Hurra!“, rief Joe in wilder Freude. Kennedy eilte zum Brunnen, glitt die feuchten Stufen hinunter und warf sich neben eine frische Quelle, in die er seine durstigen Lippen tauchte. Joe folgte seinem Beispiel – für einige Minuten war nichts zu hören außer dem Geräusch, das sie beim Trinken machten; sie tranken wie wahnsinnige Tiere, nicht wie Menschen. „Seien Sie vorsichtig, Herr Kennedy“, sagte Joe schließlich. „Lassen Sie uns nicht übertrieben handeln!“ Er atmete schwer. Doch Kennedy trank weiter, ohne ein Wort zu sagen. Er tauchte sogar seine Hände – und anschließend seinen Kopf – in das köstliche Wasser; er genoss seine Kühle in vollen Zügen. „Aber der Arzt?“, fragte Joe. „Unser Freund, Dr. Ferguson?“ Dieses eine Wort brachte Kennedy zur Besinnung. Hastig füllte er eine Flasche, die er bei sich hatte, und rannte die Stufen des Brunnens hinauf. Doch zu seinem Entsetzen sah er einen riesigen Körper, der den Weg blockierte! Joe, der direkt hinter Kennedy war, zuckte zusammen. „Wir sind eingesperrt!“ „Unmöglich! Was bedeutet das?“ Dick hatte keine Zeit, seinen Satz zu beenden – ein schreckliches Brüllen ließ ihn schnell erkennen, welcher Feind ihm gegenüberstand.

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„Noch ein Löwe!“, rief Joe aus.
„Eher eine Löwin“, sagte Kennedy. „Ah! Ein grausames Biest!“, fügte er hinzu. „Ich werde dich gleich zur Räson bringen!“ Und er lud sein Gewehr schnell nach.
Im nächsten Moment schoss er – doch das Tier war bereits verschwunden.
„Vorwärts!“, rief Kennedy.
„Nein!“, wandte der andere ein. „Der Schuss hat sie nicht getötet; ihr Körper wäre die Stufen hinuntergerollt. Sie ist dort oben und bereit, sich auf den Ersten von uns zu stürzen, der auftaucht – dann wäre er verloren!“
„Aber was sollen wir tun? Wir müssen hier raus – der Arzt wartet auf uns.“
„Lassen Sie uns das Tier locken. Nehmen Sie mein Gewehr und geben Sie mir Ihr Gewehr.“
„Was ist Ihr Plan?“
„Das werden Sie schon sehen.“
Joe zog seine Leinenjacke aus, hängte sie an das Ende des Gewehrs und hielt es über die oberste Stufe. Die Löwin stürzte sich wütend darauf. Kennedy war bereit – seine Kugel durchschlug ihre Schulter. Mit einem schrecklichen Schrei des Schmerzes rollte die Löwin die Stufen hinunter und warf Joe dabei um. Der arme Kerl glaubte bereits, die riesigen Pranken des wilden Tieres in seinem Fleisch zu spüren – da ertönte ein weiterer Schuss im engen Gang. Dr. Ferguson erschien oben mit seinem Gewehr in der Hand; es rauchte noch vom Schuss.
Joe sprang auf, kletterte über den Körper der toten Löwin und reichte seinem Herrn die Flasche mit Sprudelwasser. Es dauerte nur einen Augenblick, bis er sie an die Lippen führte und halb ausgetrunken hatte. Die drei Reisenden dankten von ganzem Herzen jener Vorsehung, die sie so wunderbar gerettet hatte.

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KAPITEL ACHTUNDZWANZIG

Ein Abend der Freude – Joes kulinarische Leistungen – Eine Abhandlung über rohes Fleisch – Die Erzählung von James Bruce – Campen im Freien – Joes Träume – Der Barometer fällt – Der Barometer steigt wieder an – Vorbereitungen zum Aufbruch – Der Sturm

Der Abend war wunderschön, und unsere drei Freunde genossen ihn im kühlen Schatten der Mimosen, nach einem reichhaltigen Mahl, bei dem Tee und Punch großzügig ausgeschenkt wurden. Kennedy hatte das kleine Gebiet in alle Richtungen durchsucht. Er hatte jeden Busch durchforstet und sich davon überzeugt, dass die Leute im Ballon die einzigen Lebewesen in diesem „irdischen Paradies“ waren. Also legten sie sich auf ihre Decken und verbrachten eine ruhige Nacht, die ihnen half, an ihre früheren Leiden zu vergessen.

Am nächsten Tag, am 7. Mai, schien die Sonne in voller Pracht – doch ihre Strahlen konnten nicht durch das dichte Blätterdach der Palmen dringen. Da es an Vorräten nicht mangelte, beschloss der Arzt, dort zu bleiben und auf einen günstigen Wind zu warten.

Joe hatte seine mobile Küche in die Oase gebracht und begann, zahlreiche kulinarische Kombinationen auszuprobieren – dabei wurde ständig Wasser in großer Menge verwendet.

„Was für eine seltsame Abfolge von Ärgernissen und Freuden!“, sinnierte Kennedy. „Solche Fülle nach solchen Entbehrungen – solcher Luxus nach solchem Mangel! Ach! Ich wäre fast verrückt geworden!“

„Mein lieber Dick“, antwortete der Arzt, „wäre es nicht um Joe gegangen, würdest du heute nicht hier sitzen und über die Unbeständigkeit menschlicher Angelegenheiten sprechen.“

„Wahrhaft treuer Freund!“, sagte Kennedy und streckte Joe seine Hand entgegen.

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„Es gibt keinen Grund für all das“, antwortete der Letztere; „aber Sie können sich irgendwann rächen, Herr Kennedy – in der Hoffnung allerdings, dass Sie niemals die Gelegenheit haben werden, dasselbe bei mir zu tun!“
„Es ist eine schwache Konstitution, wenn man schon bei so wenig nachgibt“, philosophierte Dr. Ferguson.
„Sie meinen so wenig Wasser, Doktor?“, warf Joe ein; „dieses Element muss doch für das Leben unerlässlich sein.“
„Unbestreitbar – und Menschen, denen Nahrung fehlt, halten länger durch als solche, denen Wasser fehlt.“
„Das glaube ich. Außerdem kann man, wenn es nicht anders geht, alles essen, was man findet – sogar seine Mitmenschen, auch wenn das wohl eine Art Nahrung ist, die schwer verdaulich ist.“
„Die Wilden zögern da nicht lange!“, sagte Kennedy.
„Ja – aber sie sind schließlich Wilde und daran gewöhnt, rohes Fleisch zu essen; das würde ich persönlich als äußerst widerlich empfinden.“
„Es ist tatsächlich widerlich“, sagte der Arzt; „und so sehr, dass niemand den Berichten der ersten Reisenden in Afrika Glauben schenkte, die berichteten, viele Stämme auf diesem Kontinent ernährten sich von rohem Fleisch. Die Leute weigerten sich im Allgemeinen, diesen Angaben Glauben zu schenken. Unter solchen Umständen ereignete sich eine sehr seltsame Abenteuergeschichte mit James Bruce.“
„Erzählen Sie sie uns, Doktor – wir haben genug Zeit, zuzuhören“, sagte Joe und streckte sich genüsslich auf dem kühlen Gras aus.
„Gerne. James Bruce war ein Schotte aus Stirlingshire, der zwischen 1768 und 1772 ganz Abessinien durchquerte, bis zum Tyana-See, auf der Suche nach den Quellen des Nils. Später kehrte er nach England zurück, veröffentlichte aber erst 1790 einen Bericht über seine Reisen. Seine Angaben wurden mit größtem Unglauben aufgenommen – genauso wie unsere eigenen vielleicht aufgenommen werden. Die Sitten und Bräuche der Abessinier schienen den der Engländer so unterschiedlich, dass niemand ihren Beschreibungen Glauben schenkte. Unter anderem behauptete Bruce, die Stämme Ostafrikas ernähren sich von rohem Fleisch – das brachte alle gegen ihn auf. Er konnte so viel behaupten, wie er wollte; niemand würde wohl hingehen und nachsehen! Eines Tages, in einem Salon in Edinburgh, brachte ein schottischer Gentleman das Thema in seiner Gegenwart zur Sprache – schließlich war es zu einem täglichen Gesprächsthema geworden –“

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Was das Essen von rohem Fleisch angeht, so sagte er, dass das weder möglich noch wahr sei. Bruce antwortete nicht, sondern ging hinaus und kehrte ein paar Minuten später mit einem rohen Steak zurück – gewürzt mit Pfeffer und Salz auf afrikanische Art.
„Sir“, sagte er zum Schotten, „indem Sie meine Aussagen in Frage stellen, haben Sie mich schwer beleidigt; indem Sie glaubten, dass das unmöglich sei, haben Sie sich gründlich geirrt. Als Beweis dafür werden Sie jetzt dieses Rindfleisch roh essen – oder Sie müssen mir umgehend Genugtuung bieten!“ Der Schotte hatte große Angst vor dem kräftigen Reisenden und aß das Steak – wenn auch mit vielen spöttischen Gesichtsausdrücken. Daraufhin fügte James Bruce mit größter Gelassenheit hinzu: „Selbst wenn man annimmt, Sir, dass das nicht wahr ist, werden Sie zumindest nicht mehr behaupten, dass es unmöglich ist.“
„Gut gesagt!“, meinte Joe. „Und wenn dem Schotten das Essen im Magen lag, hat er genau das bekommen, was er verdient hat. Wenn wir nach England zurückkehren und sie es wagen, an dem zu zweifeln, was wir über unsere Reisen erzählen –“
„Nun, Joe, was würdest du tun?“
„Nun, ich würde die Zweifler dazu bringen, die Stücke des Ballons zu schlucken – ohne Salz und ohne Pfeffer!“
Alle lachten über Jos seltsame Ideen, und so verging der Tag in angenehmem Gespräch. Mit zurückkehrender Kraft kehrte auch die Hoffnung zurück – und mit der Hoffnung kam der Mut, etwas zu tun und zu wagen. Die Vergangenheit wurde in Anbetracht der Zukunft mit geradezu göttlicher Schnelligkeit ausgelöscht.
Joe wäre gerne für immer in diesem zauberhaften Ort geblieben – es war das Land, das er sich in seinen Träumen vorgestellt hatte. Er fühlte sich hier wie zu Hause. Sein Herr musste ihm die genaue Lage angeben – und mit der ernsthaftesten Miene, die man sich vorstellen kann, schrieb er auf seine Tafeln: 15 Grad 43 Minuten Ostlänge sowie 8 Grad 32 Minuten Breitengrad.
Kennedy hatte nur einen Kummer: Er konnte in diesem „Miniaturwald“ nicht jagen – denn seiner Ansicht nach mangelte es dort an wilden Tieren.
„Aber, mein lieber Dick“, sagte der Arzt, „haben Sie etwa ein kurzes Gedächtnis? Was ist mit dem Löwen und der Löwin?“
„Ach, das!“, rief er verächtlich – als echter Sportsmann, der bereits getötete Tiere verachtete. „Aber tatsächlich würde ihre Anwesenheit hier darauf hindeuten, dass wir uns nicht weit von einem fruchtbareren Land entfernt befinden.“

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„Das beweist nicht viel, Dick – schließlich werden diese Tiere, wenn sie von Hunger oder Durst getrieben werden, große Entfernungen zurücklegen. Ich denke, wir sollten heute Nacht besonders wachsam sein und außerdem Feuer entzünden.“
„Was, bei dieser Hitze?“ sagte Joe. „Nun, wenn es notwendig ist, müssen wir es tun. Aber ich finde es wirklich schade, diesen schönen Hain niederbrennen zu müssen – er war doch eine große Erleichterung für uns!“
„Oh! Vor allem müssen wir unbedingt darauf achten, dass er nicht in Flammen aufgeht“, antwortete der Arzt. „Damit andere, die in derselben Notlage sind wie wir, eines Tages hier in der Wüste Zuflucht finden können.“
„Ich werde wirklich sehr vorsichtig sein, Doktor. Aber glauben Sie, dass dieses Oasenland bekannt ist?“
„Unzweifelhaft. Es ist eine Raststätte für die Karawanen, die das Zentrum Afrikas durchqueren. Ein Besuch solcher Karawanen könnte für Sie alles andere als angenehm sein, Joe.“
„Gibt es hier in der Gegend noch mehr von diesen verdammten Nyam-Nyams?“
„Sicherlich. Das ist der allgemeine Name für alle benachbarten Stämme. Unter denselben Klimabedingungen neigen dieselben Völker dazu, ähnliche Bräuche und Gewohnheiten zu haben.“
„Pah!“, sagte Joe. „Aber letztendlich ist das ganz natürlich. Wenn Wilde die Umgangsformen von Gentlemen hätten, welcher Unterschied bliebe dann noch? Bei Gott, diese Kerle bräuchten gar nicht lange überredet zu werden, um den rohen Steak des Schotten zu essen – und der Schotte selbst auch nicht!“
Mit dieser durchaus vernünftigen Bemerkung begann Joe, Holz für das Feuer vorzubereiten – dabei versuchte er, so wenig Holz wie möglich zu verwenden. Glücklicherweise waren diese Vorsichtsmaßnahmen überflüssig; jeder im Team fiel schließlich in tiefen Schlaf.
Am nächsten Tag zeigte das Wetter immer noch keine Anzeichen einer Veränderung – es blieb weiterhin unverändert schön. Der Ballon blieb regungslos, ohne jegliche Bewegung, die auf einen Hauch Wind hindeuten würde.
Der Arzt wurde wieder unruhig. Wenn ihr Aufenthalt in der Wüste so weiterging, würden ihre Vorräte zur Neige gehen. Nachdem sie fast an Wassermangel gestorben wären, müssten sie schließlich verhungern! Doch er fasste neuen Mut, als er sah, dass der Quecksilberspiegel im Barometer deutlich sank – außerdem bemerkte er deutliche Anzeichen für eine baldige Veränderung in der Atmosphäre. Deshalb beschloss er, alle Vorbereitungen für einen Aufbruch zu treffen.

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Er nutzte die erste Gelegenheit sofort. Sowohl der Fütterungstank als auch der Wassertank waren vollständig gefüllt. Dann musste er das Gleichgewicht des Ballons wiederherstellen – und Joe musste wieder einen beträchtlichen Teil seines wertvollen Quarzes abgeben. Mit wiederhergestellter Gesundheit kehrten seine ehrgeizigen Pläne zurück. Er machte mehrere spöttische Gesichter, bevor er seinem Herrn gehorchte. Doch dieser überzeugte ihn davon, dass er ein so großes Gewicht nicht mit sich durch die Luft tragen könne, und ließ ihm die Wahl zwischen Wasser und Gold. Joe zögerte nicht länger, sondern warf die erforderliche Menge seines wertvollen Erzes auf den Sand. „Die nächsten Menschen, die hier vorbeikommen“, sagte er, „werden ziemlich überrascht sein, hier einen Reichtum zu finden.“ „Und was ist, wenn irgendein gelehrter Reisender auf diese Proben stößt?“, schlug Kennedy vor. „Sei versichert, Dick: Das würde ihn völlig überraschen – und er würde seine Verwunderung in mehreren Bänden beschreiben. So werden wir eines Tages von einem wunderbaren Vorkommen goldhaltigen Quarzes mitten in den afrikanischen Sanden hören!“ „Und Joe wird der Grund dafür sein!“ Diese Vorstellung, einen gelehrten Weisen zu täuschen, amüsierte Joe sehr und brachte ihn zum Lachen. Den Rest des Tages wartete der Arzt vergeblich auf eine Wetteränderung. Die Temperatur stieg – ohne den Schatten der Oase wäre sie unerträglich gewesen. Der Thermometer zeigte im Sonnenlicht 149 Grad an – und der Himmel war von Feuerregen erfüllt. Das war die größte Hitze, die sie bisher erlebt hatten. Joe bereitete für diesen Abend ihr Lager wie in der vorherigen Nacht vor. Während des Wachdiensts des Arztes und Kennedys ereignete sich nichts Neues. Doch gegen drei Uhr morgens, während Joe Wache hielt, fiel die Temperatur plötzlich. Der Himmel bedeckte sich mit Wolken, und die Dunkelheit nahm zu. „Raus!“, rief Joe und weckte seine Gefährten. „Raus! Da kommt der Wind!“

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„Endlich!“, rief der Arzt und blickte zum Himmel. „Aber es ist ein Sturm! Der Ballon – wir müssen uns beeilen!“ Es war höchste Zeit für sie, dorthin zu gelangen. Die Victoria neigte sich unter der Kraft des Hurrikans und zog den Wagen mit sich; dieser streifte dabei über den Sand. Hätte ein Teil des Ballastes versehentlich herausgeworfen werden können, wäre der Ballon weggetragen worden – und jede Hoffnung, ihn wiederzufinden, für immer verloren gewesen. Doch der schnelle Joe setzte seine ganze Geschwindigkeit ein, um den Wagen aufzuhalten, während der Ballon gegen den Sand geschleudert wurde – mit der Gefahr, in Stücke gerissen zu werden. Der Arzt, gefolgt von Kennedy, sprang hinein und zündete seinen Zylinder an; seine Begleiter warfen den überschüssigen Ballast hinaus. Die Reisenden warfen einen letzten Blick auf die Bäume der Oase, die sich unter der Kraft des Hurrikans neigten, und verschwanden bald darauf, getragen vom Wind, zweihundert Fuß über dem Boden in der Dunkelheit.

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KAPITEL NEUNUNDZWANZIG

Anzeichen von Vegetation – Die fantastische Vorstellung eines französischen Autors – Ein prächtiges Land – Das Königreich Adamova – Die Erkundungen von Speke und Burton in Verbindung mit denen von Dr. Barth – Die Atlantika-Berge – Der Fluss Benoué – Die Stadt Yola – Der Bagélé – Berg Mendif.

Von dem Moment ihrer Abreise an bewegten sich die Reisenden mit großer Geschwindigkeit vorwärts. Sie sehnten sich danach, die Wüste hinter sich zu lassen, die ihnen fast zum Verhängnis geworden wäre.

Gegen halb zehn morgens entdeckten sie erste Anzeichen von Vegetation: Grasbüschel, die auf diesem Sandmeer zu sehen waren – und die, genauso wie das Unkraut auf dem Ozean für Christoph Kolumbus, auf die Nähe des Ufers hindeuteten. Grüne Triebe lugten vorsichtig zwischen Kieseln hervor; diese Kieseln sollten später zu den Felsen dieser weiten Ebene werden.

Auf dem Horizont waren Hügel zu erkennen – allerdings nur geringer Höhe. Ihr Profil war durch den dichten Nebel nur unklar zu erkennen. Doch die Monotonie begann allmählich zu verschwinden.

Der Arzt begrüßte freudig das so sichtbar werdende neue Land. Wie ein Matrose, der vom Mast aus Ausschau hält, war er bereit, laut auszurufen: „Land in Sicht!“

Eine Stunde später erstreckte sich der Kontinent weit vor ihren Augen – immer noch wild aussehend, aber weniger flach, weniger kahl – mit einigen Bäumen, die sich gegen den grauen Himmel abhoben.

„Endlich befinden wir uns in einem zivilisierten Land!“, sagte der Jäger.

„Zivilisiert? Nun, das ist eine Art, es zu beschreiben – aber man sieht noch keine Menschen.“

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„Es wird nicht mehr lange dauern, bis wir sie sehen“, sagte Ferguson, „mit unserem derzeitigen Reisegeschwindigkeit.“
„Sind wir immer noch im Land der Schwarzen, Doktor?“
„Ja, und auf dem Weg ins Land der Araber.“
„Was! Echte Araber, Sir, mit ihren Kamelen?“
„Nein, nicht viele Kamel – sie sind in diesen Regionen selten, wenn nicht gar unbekannt. Wir müssen ein paar Grad weiter nach Norden reisen, um sie zu sehen.“
„Wie schade!“
„Und warum, Joe?“
„Weil sie uns nützlich sein könnten, falls der Wind gegenweht.“
„Wie das?“
„Nun, Sir, es ist nur eine Idee, die mir in den Sinn gekommen ist: Wir könnten sie ans Auto binden und sie dazu nutzen, uns mitzuziehen. Was meinen Sie dazu, Doktor?“
„Armer Joe! Jemand anderes hatte diese Idee bereits vor Ihnen. Ein sehr talentierter französischer Autor – M. Méry – hat sie tatsächlich in einem Roman verwendet. In diesem Roman werden seine Reisenden von einer Herde Kamel in einem Ballon mitgeschleppt; dann taucht ein Löwe auf, frisst die Kamel, verschlingt auch das Seil, mit dem der Ballon gezogen wurde, und zieht stattdessen den Ballon hinter sich her – und so weiter. Wie Sie sehen, handelt es sich dabei um reine Fantasie, die nichts mit unserer Art der Fortbewegung zu tun hat.“
Joe war etwas enttäuscht, als er erfuhr, dass seine Idee bereits verwendet worden war. Er bemühte sich, sich vorzustellen, welches Tier den Löwen verschlungen haben könnte – doch er konnte es nicht erraten, und so betrachtete er weiterhin die Landschaft.
Vor ihm erstreckte sich ein See mittlerer Größe, umgeben von Hügeln, die jedoch noch nicht als Berge bezeichnet werden konnten. Es gab gewundene Täler, zahlreich und fruchtbar, mit dichten Büschen verschiedenster Bäume. Der afrikanische Ölbaum ragte über alles hinaus; seine Blätter waren fünfzehn Fuß lang und der Stamm war mit scharfen Dornen übersät. Der Baum des Seidenbaums füllte die Luft mit feinem Flaum seiner Samen, wenn der Wind darüber wehte. Die intensiven Düfte des Pendanus, des „Kenda“ der Araber, erfüllten die Luft bis in die Höhe, in der die Victoria fuhr. Der Papayabaum mit seinen palmenförmigen Blättern…

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Der Sterculienbaum, der die Sudan-Nuss hervorbringt, der Baobab sowie der Bananenbaum vervollständigten die üppige Flora dieser intertropischen Regionen.
„Das Land ist wunderbar!“, sagte der Arzt.
„Hier gibt es einige Tiere“, fügte Joe hinzu. „Die Menschen sind nicht weit entfernt.“
„Oh, was für prächtige Elefanten!“, rief Kennedy aus. „Gibt es keine Möglichkeit, ein wenig zu schießen?“
„Wie könnten wir in einer so starken Strömung anhalten? Nein, Dick – du musst jetzt ein wenig von der Qual des Tantalus erleben. Später wirst du dich dafür entschädigen können.“
Und tatsächlich gab es genug, um den Ehrgeiz eines Sportlers zu wecken. Dicks Herz schlug heftig, als er den Kolben seines Gewehrs umfasste.
Die Fauna der Region war genauso beeindruckend wie ihre Flora. Die Wildrinder genossen das dichte Gras, das oft ihren ganzen Körper verdeckte; graue, schwarze und gelbe Elefanten gigantischer Größe stürmten wie lebende Wirbelstürme durch die Wälder, zerstörten alles auf ihrem Weg. Auf den bewaldeten Hängen flossen Wasserfälle und Quellen nach Norden; dort badeten auch die Flusspferde in ihrem riesigen Körpergewicht, spritzten und schnaubten, während sie im Wasser spielten. Lamantinen mit einer Länge von zwölf Fuß und Körpern wie bei Seehunden lagen entlang der Ufer und drehten ihre mit Milch gefüllten, runden Zitzen der Sonne entgegen.
Es handelte sich dabei um eine ganze Menagerie seltener und seltsamer Tiere in einem wunderbaren „Dschungel“. Zahlreiche Vögel mit Federn in tausend Farben glänzten und flatterten im Sonnenlicht.
Durch diese Pracht der Natur erkannte der Arzt das prächtige Königreich Adamova.
„Wir betreten nun das Gebiet der modernen Entdeckungen. Ich habe die Spuren früherer Reisender wiederentdeckt. Es ist eine glückliche Gelegenheit, meine Freunde – denn so können wir die Erkundungen von Kapitän Burton und Speke mit denen von Dr. Barth verbinden. Wir haben die Engländer hinter uns gelassen und nun den Hamburger eingeholt. Es wird auch nicht mehr lange dauern, bis wir den äußersten Punkt erreichen, den jener kühne Entdecker erreicht hat.“
„Mir scheint, es gibt eine große Entfernung zwischen den beiden erkundeten Routen“, bemerkte Kennedy. „Zumindest, wenn ich nach dem Urteilen…“

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„Die Entfernung, die wir bereits zurückgelegt haben.“
„Es ist einfach zu bestimmen: Man nimmt die Karte und schaut nach, welche Länge der südliche Punkt des Sees Ukéréoué hat – den Speke erreicht hat.“
„Er liegt bei etwa dreißig Grad.“
„Und die Stadt Yola, die wir heute Abend sehen werden und in die Barth vorgedrungen ist – wo liegt sie?“
„Sie befindet sich ungefähr auf zwölf Grad Ostlänge.“
„Dann sind das fünfundzwanzig Grad – oder, wenn man jeweils sechzig Meilen hinzurechnet, insgesamt etwa fünftausendfünfhundert Meilen.“
„Eine schöne kleine Strecke“, sagte Joe, „für Leute, die zu Fuß gehen müssen.“
„Dennoch wird es geschafft werden. Livingstone und Moffat dringen weiter entlang dieser Linie ins Landesinnere vor. Der See Nyassa, den sie entdeckt haben, liegt nicht weit vom See Tanganayika entfernt, den Burton gesehen hat. Bis zum Ende des Jahrhunderts werden diese Regionen zweifellos erforscht sein. Aber“, fügte der Arzt hinzu und betrachtete seinen Kompass, „ich bedaure, dass der Wind uns so weit nach Westen treibt. Ich wollte eigentlich nach Norden gelangen.“
Nach zwölf Stunden Marsch erreichte die Victoria die Grenzen von Nigritia. Die ersten Bewohner dieser Region, die Chouas-Araber, weideten ihre wandernden Herden. Die gewaltigen Gipfel der Atlantika-Berge waren über dem Horizont zu sehen – Berge, die noch kein Europäer bestiegen hatte, deren Höhe auf zehntausend Fuß geschätzt wird! Ihr westlicher Hang bestimmt den Lauf aller Gewässer in dieser Region Afrikas in Richtung Ozean. Für diesen Teil des Kontinents sind es die „Mondberge“.
Schließlich bot sich unseren Reisenden ein echter Fluss dar. Anhand der riesigen Ameisenhügel in seiner Nähe erkannte der Arzt den Benoué – einen der großen Nebenflüsse des Niger, den die Eingeborenen „die Quelle der Gewässer“ nennen.
„Dieser Fluss“, sagte der Arzt zu seinen Begleitern, „wird eines Tages der natürliche Verkehrsweg ins Innere von Nigritia sein. Unter der Führung eines unserer tapferen Kapitäne ist die Dampfschiff Pleiad bereits bis zur Stadt Yola vorgedrungen. Wie Sie sehen, befinden wir uns nicht in einem unbekannten Land.“
Zahlreiche Sklaven arbeiteten auf den Feldern und bauten Sorghum an – eine Art Gerste, die die Grundlage ihrer Ernährung bildet.

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Die dümmsten Ausdrücke des Erstaunens folgten, als die Victoria wie ein Meteor vorbeiraste. An jenem Abend kam der Ballon etwa vierzig Meilen von Yola entfernt zum Stillstand; vor ihm, aber in der Ferne, ragten die beiden spitzen Kegel des Berges Mendif empor. Der Arzt warf seine Anker aus und befestigte sie an der Spitze eines hohen Baumes; doch ein sehr starker Wind peitschte gegen den Ballon mit solcher Kraft, dass er auf die Seite geworfen wurde – dadurch wurde die Lage des Fahrzeugs manchmal äußerst gefährlich. Ferguson schloss die ganze Nacht über keine Augen und war immer wieder versucht, das Ankerseil durchzuschneiden und vor dem Sturm zu fliehen. Schließlich ließ der Sturm nach, und die Schwankungen des Ballons wurden nicht mehr beunruhigend. Am nächsten Tag war der Wind mäßiger, doch er trug unsere Reisenden weg von der Stadt Yola, die kürzlich von den Fouillans wiederaufgebaut worden war – was Fergusons Neugier weckte. Dennoch musste er sich dazu entschließen, weiter nach Norden – sogar etwas nach Osten – zu reisen. Kennedy schlug vor, in dieser wunderbaren Jagdgegend anzuhalten; Joe sagte, dass bereits das Bedürfnis nach frischem Fleisch spürbar wurde. Doch die wilden Bräuche der Einheimischen, deren Haltung sowie einige Schüsse auf die Victoria mahnten den Arzt, seine Reise fortzusetzen. Sie durchquerten eine Gegend, die Schauplatz von Massakern und Brandstiftungen war – dort hören die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den barbarischen Sultananwärtern, die um die Macht kämpften, inmitten grauenhafter Gemetzel niemals auf. Zahlreiche, dicht besiedelte Dörfer mit niedrigen Hütten erstreckten sich zwischen weiten Weideflächen, deren dichtes Gras mit lila Blüten übersät war. Die Hütten, die wie riesige Bienenstöcke aussahen, waren hinter spitzen Palisaden geschützt. Die wilden Hänge und Senken erinnerten den Betrachter oft an die Täler in den schottischen Highlands – wie Kennedy mehrmals bemerkte. Trotz aller Bemühungen steuerte der Arzt direkt nach Nordosten, in Richtung des Berges Mendif, der inmitten der umgebenden Wolken verschwand. Die hohen Gipfel dieser Berge trennen das Tal des Niger vom Becken des Tschadsees. Kurz darauf wurde der Bagélé sichtbar – mit seinen achtzehn Dörfern, die an seinen Hängen hafteten wie eine ganze Schar Kinder an der Brust ihrer Mutter – ein prächtiges Schauspiel für den Betrachter, dessen Blick alles überblicken konnte.

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Das gesamte Bild war auf einen Blick zu sehen – selbst die Schluchten schienen mit Reis- und Erdnussfeldern bedeckt zu sein. Um drei Uhr befand sich die Victoria direkt vor dem Berg Mendif. Es war unmöglich, ihm auszuweichen; das Einzige, was zu tun blieb, war, ihn zu überqueren. Der Arzt erhöhte die Temperatur auf 180 Grad, wodurch der Ballon eine Auftriebskraft von fast 1600 Pfund erhielt und auf eine Höhe von mehr als 8000 Fuß stieg – die höchste Höhe, die während der Reise erreicht wurde. Die Temperatur in dieser Höhe war so niedrig, dass die Luftschiffer auf ihre Decken und dicken Schutzstoffe zurückgreifen mussten. Ferguson eilte damit, wieder nach unten zu gelangen; die Hülle des Ballons zeigte Anzeichen von Rissen – doch in der Zwischenzeit hatte er Zeit, sich davon zu überzeugen, dass der Berg vulkanischen Ursprungs war; seine erloschenen Krater waren nun nur noch tiefe Abgründe. Enorme Mengen an Vogelkot gaben den Hängen des Berges Mendif das Aussehen von kalkhaltigen Felsen – es gab dort genug davon, um alle Länder im Vereinigten Königreich zu düngen. Um fünf Uhr glitt die Victoria, geschützt vor den Südwinden, sanft an den Hängen des Berges entlang und hielt schließlich in einer weiten Lichtung an, die weit entfernt von jeglichen Siedlungen lag. Sobald sie den Boden berührte, wurden alle notwendigen Maßnahmen ergriffen, um sie dort festzuhalten; Kennedy, mit einem Gewehr in der Hand, ging hinaus auf die abschüssige Ebene. Bald kehrte er mit einer halben Dutzend Wildenten sowie einer Art Schnepfe zurück – Joe bereitete diese Gerichte auf seine beste Weise zu. Das Essen wurde mit Genuss verspeist, und die Nacht verlief ruhig und erholsam.

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Kapitel dreißig.

Mosfeia – Der Scheich – Denham, Clapperton und Oudney.
Vogel – Die Hauptstadt von Loggoum – Toole – Stille über Kernak – Der Gouverneur und sein Hof – Der Angriff – Die Brandtauben.

Am nächsten Tag, dem 11. Mai, setzte die Victoria ihre abenteuerliche Reise fort. Ihre Passagiere hatten genauso viel Vertrauen in sie wie ein guter Seemann in sein Schiff. In schrecklichen Hurrikanen, bei tropischer Hitze, bei gefährlichen Abfahrten sowie noch gefährlicheren Landungen gelang es der Victoria stets, sicher anzukommen – zu jeder Zeit und an jedem Ort. Man könnte fast sagen, dass Ferguson das Schiff mit einer Handbewegung steuerte; daher hatte der Arzt, ohne im Voraus zu wissen, wo die Ankunftsort sein würde, keine Bedenken bezüglich des erfolgreichen Verlaufs seiner Reise. In diesem Land von Barbaren und Fanatikern zwang ihn jedoch die Vorsicht dazu, die strengsten Maßnahmen zu ergreifen. Deshalb riet er seinen Begleitern, zu jeder Zeit wachsam zu bleiben und auf alles zu achten.

Der Wind wehte etwas weiter nach Norden, und gegen neun Uhr erblickten sie die größere Stadt Mosfeia, die auf einem Hügel lag, der wiederum zwischen zwei hohen Bergen eingebettet war. Ihre Lage war uneinnehmbar – nur ein schmaler Weg zwischen einem Sumpf und einem dichten Wald diente als Zugang.

Zur Zeit, zu der wir schreiben, betrat ein Scheich, begleitet von einer berittenen Eskorte und in prächtig bunten Gewändern gekleidet, zusammen mit Boten und Trompetern, die ihm den Weg freimachten, feierlich die Stadt. Der Arzt ließ den Ballon tiefer sinken, um diese Prozession von Eingeborenen besser betrachten zu können. Doch je größer der Ballon in ihren Augen wurde, desto mehr zeigten die Eingeborenen Anzeichen großer Angst – schließlich flohen sie.

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In verschiedene Richtungen – so schnell es ihre Beine und die ihrer Pferde zuließen. Der Scheich allein rührte sich keinen Zentimeter. Er nahm einfach sein langes Gewehr, spannte es und wartete stolz in Stille. Der Arzt kam bis auf etwa hundertfünfzig Fuß an ihn heran und grüßte ihn dann mit seiner tiefsten, kraftvollsten Stimme höflich auf Arabisch. Doch als der Scheik diese Worte zu hören schien, die aus dem Himmel zu kommen schienen, stieg er vom Pferd und warf sich in den Staub der Straße. Der Arzt musste ihn dort zurücklassen, da es ihm unmöglich war, ihn von seiner Anbetung abzuhalten.

„Unbestreitbar“, bemerkte Ferguson, „halten diese Leute uns für übernatürliche Wesen. Als die Europäer zum ersten Mal zu ihnen kamen, wurden sie für Angehörige einer höheren Rasse gehalten. Wenn dieser Scheik heute über das Treffen spricht, wird er die Geschehnisse sicherlich mit allen Mitteln der arabischen Vorstellungskraft verschönern. Man kann sich also vorstellen, welche Beschreibungen ihre Legenden eines Tages von uns geben werden.“

„Das ist letztendlich nicht so wünschenswert“, sagte der Schotte. „Aus Sicht der Zivilisation wäre es besser, einfach als gewöhnliche Menschen durchzugehen. Das würde diesen schwarzen Völkern ein besseres Bild von der europäischen Macht vermitteln.“

„Sehr gut, mein lieber Dick – aber was können wir dagegen tun? Man könnte den ganzen Tag damit verbringen, den Eingeborenen dieses Landes den Mechanismus eines Ballons zu erklären – doch sie würden es trotzdem nicht verstehen und weiterhin an übernatürliche Kräfte glauben.“

„Doktor, Sie sprachen von dem ersten Mal, als Europäer diese Regionen besuchten. Wer waren diese Besucher?“, fragte Joe.

„Mein lieber Freund, wir sind jetzt genau auf der Spur von Major Denham. In dieser Stadt Mosfeia wurde er vom Sultan von Mandara empfangen. Er hatte das Land Bornou verlassen und begleitete den Scheich auf einem Feldzug gegen die Fellatahs. Er half bei dem Angriff auf die Stadt – die Stadt widerstand allein mit ihren Pfeilen tapfer den Kugeln der Araber und trieb die Truppen des Scheichs in die Flucht. All das war nur ein Vorwand für Morde, Überfälle und Plünderungen. Der Major wurde völlig ausgeplündert. Hätte er nicht sein Pferd gehabt – an dessen Bauch er sich mit der Geschicklichkeit eines indischen Reiters festklammerte und so von seinen barbarischen Verfolgern weggetragen wurde – hätte er niemals nach Kouka, der Hauptstadt von Bornou, zurückkehren können.“

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„Wer war dieser Major Denham?“
„Ein furchtloser Engländer, der zwischen 1822 und 1824 eine Expedition ins Land Bornou anführte – zusammen mit Kapitän Clapperton und Dr. Oudney. Sie brachen im März von Tripolis auf, erreichten Mourzouk, die Hauptstadt von Fez, und folgten anschließend dem Weg, den später Dr. Barth auf seiner Rückreise nach Europa nehmen sollte. Am 16. Februar 1823 kamen sie schließlich in Kouka, in der Nähe des Tschadsees, an. Denham unternahm mehrere Erkundungsfahrten in Bornou, in Mandara sowie an die östlichen Ufer des Sees. In der Zwischenzeit hatten Kapitän Clapperton und Dr. Oudney am 15. Dezember 1823 das Sudanland durchquert und erreichten Sackatoo. Dr. Oudney starb dort vor Erschöpfung.“
„Dieser Teil Afrikas hat daher einen hohen Preis in Form von Opfern für die Wissenschaft gezahlt“, sagte Kennedy.
„Ja, dieses Land ist für Reisende tödlich. Wir bewegen uns direkt auf das Königreich Baghirmi zu – ein Land, das Vogel im Jahr 1856 durchquerte, um das Land Wadai zu erreichen, wo er verschwand. Dieser junge Mann wurde im Alter von 23 Jahren geschickt, um mit Dr. Barth zusammenzuarbeiten. Sie trafen sich am 1. Dezember 1854, und daraufhin begann er mit seinen Erkundungen in diesem Land. Um das Jahr 1856 herum kündigte er in den letzten erhaltenen Briefen seine Absicht an, das Königreich Wadai zu erkunden – ein Land, in das bis dahin noch kein Europäer vorgedrungen war. Es scheint, dass er bis nach Wara, der Hauptstadt, gelangte. Laut einigen Berichten wurde er dort gefangen genommen, laut anderen hingegen hingerichtet, weil er versucht hatte, einen heiligen Berg in der Umgebung zu besteigen. Doch wir sollten den Tod von Reisenden nicht allzu leicht hinnehmen – denn das würde die Notwendigkeit, nach ihnen zu suchen, beseitigen. So wurde beispielsweise der Tod von Dr. Barth immer wieder gemeldet – zu seinem großen Ärger! Es ist daher sehr möglich, dass Vogel immer noch vom Sultan von Wadai als Gefangener gehalten wird, in der Hoffnung, ein gutes Lösegeld für ihn zu erhalten.“
„Baron de Neimans wollte gerade in das Land Wadai aufbrechen, als er 1855 in Kairo starb. Wir wissen nun, dass De Heuglin mit der aus Leipzig entsandten Expedition Vogels Spuren verfolgt – sodass wir bald genaue Informationen über das Schicksal dieses jungen und interessanten Entdeckers erhalten werden.“[4]
[4] Seit dem Aufbruch des Arztes legen leider die von Herrn Muntzinger, dem neu ernannten Leiter der Expedition, aus El’Obeid geschriebenen Briefe dar…

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Der Tod von Vogel stand außer Frage.
Mosfeia war bereits lange zuvor vom Horizont verschwunden, und das Land Mandara zeigte unseren Luftfahrern seine erstaunliche Fruchtbarkeit – mit seinen Akazienwäldern, den mit roten Blüten bedeckten Akazienbäumen sowie den krautigen Pflanzen auf den Baumwoll- und Indigofeldern. Der Fluss Shari, der weitere achtzig Meilen weiter seine reißenden Wassermassen in den Tschadsee leitete, war deutlich sichtbar.
Der Arzt ließ seine Begleiter den Lauf des Flusses auf den von Dr. Barth gezeichneten Karten nachverfolgen.
„Wie Sie sehen“, sagte er, „wurden die Arbeiten dieses Gelehrten mit großer Präzision durchgeführt. Wir bewegen uns direkt in Richtung der Region Loggoum – und vielleicht auch in Richtung Kernak, deren Hauptstadt. Dort starb der arme Toole im Alter von kaum zweiundzwanzig Jahren. Er war ein junger Engländer, Leutnant im 80. Regiment. Einige Wochen zuvor hatte er sich Major Denham in Afrika angeschlossen – und es dauerte nicht lange, bis er dort sein Leben verlor. Ach! Dieses weite Land könnte durchaus als Grabstätte europäischer Reisender bezeichnet werden.“
Einige Boote mit einer Länge von fünfzig Fuß fuhren den Strom des Shari hinab. Die Victoria, die zu dieser Zeit tausend Fuß über dem Boden schwebte, erregte kaum die Aufmerksamkeit der Eingeborenen. Doch der Wind, der bis dahin mit gewisser Stärke geweht hatte, ließ nach.
„Ist es möglich, dass wir wieder in eine Totenstille geraten?“, seufzte der Arzt.
„Nun, uns mangelt es weder an Wasser noch müssen wir uns vor der Wüste fürchten, Herr“, sagte Joe.
„Nein – aber es gibt hier noch andere Gefahren.“
„Warum?“, fragte Joe erneut. „Dort drüben scheint eine Stadt zu sein.“
„Das ist Kernak. Die letzten Brisen tragen uns dorthin – und wenn wir wollen, können wir eine genaue Karte dieser Stelle anfertigen.“
„Sollen wir nicht näher herangehen?“, fragte Kennedy.
„Gar kein Problem, Dick! Wir sind direkt darüber. Erlauben Sie mir, den Ventildeckel des Zylinders zu öffnen – dann werden wir bald unten sein.“
Eine halbe Stunde später hing der Ballon regungslos etwa zweihundert Fuß über dem Boden.

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„Da wären wir!“, sagte der Arzt. „Wir sind Kernak näher als ein Mensch London nahe wäre, wenn er auf der Kuppel von St. Paul’s säße. So können wir in Ruhe alles betrachten.“
„Was ist dieses Ticken, das wir von allen Seiten hören?“
Joe schaute aufmerksam hin und entdeckte schließlich, dass der Lärm von mehreren Webern verursacht wurde, die Stoffe, die in der Luft gespannt waren, auf großen Baumstämmen bearbeiteten.
Die Hauptstadt von Loggoum konnte nun in ihrer ganzen Ausdehnung gesehen werden – wie eine ausgebreitete Karte. Es handelte sich dabei um eine Stadt mit geraden Reihen von Häusern und ziemlich breiten Straßen. In der Mitte eines großen offenen Platzes befand sich ein Sklavenmarkt, an dem eine große Menge Käufer teilnahm. Die Frauen aus Mandara, die extrem kleine Hände und Füße hatten, waren sehr begehrt und konnten zu hohen Preisen verkauft werden.
Bei Anblick der Victoria trat wieder die gleiche Szene ein: Zuerst gab es Schreie, anschließend allgemeines Entsetzen; Geschäfte wurden aufgegeben, Arbeit liegen gelassen – und alle Geräusche verstummten. Die Aeronauten blieben regungslos und verpassten kein Detail dieser bevölkerten Stadt. Sie sanken sogar bis auf eine Entfernung von sechzig Fuß zum Boden herab.
Daraufhin kam der Gouverneur von Loggoum aus seinem Wohnsitz heraus, zeigte seine grüne Flagge und wurde von seinen Musikern begleitet, die in ihre rauen Büffelhörner bliesen – als wollten sie sich die Wangen oder sonst etwas zerreißen, nur nicht ihre eigenen Lungen. Die Menge versammelte sich sofort um ihn. In der Zwischenzeit versuchte Dr. Ferguson, gehört zu werden – doch vergeblich.
Diese Menschen sahen stolz und intelligent aus: mit ihren hohen Stirnen, fast adlerartigen Nasen und lockigen Haaren. Doch die Anwesenheit der Victoria beunruhigte sie sehr. Reiter waren in alle Richtungen unterwegs – bald wurde klar, dass die Truppen des Gouverneurs sich sammelten, um diesem außergewöhnlichen Feind entgegenzutreten. Joe versuchte verzweifelt, ihnen Taschentücher in allen Farben und Formen zu zeigen – doch all seine Bemühungen waren vergeblich.
Der Scheich, umgeben von seinem Hofstaat, forderte Ruhe und hielt eine Rede, deren Wort er nicht verstehen konnte. Es war Arabisch, gemischt mit Baghirmi. Durch die universelle Sprache der Gesten konnte er jedoch erkennen, dass er eine sehr wichtige Botschaft erhielt.

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Eine höfliche Aufforderung zum Aufbruch. Tatsächlich hätte er sich nichts Besseres wünschen können – doch aufgrund des Fehlens von Wind war das unmöglich geworden. Sein Widerstand machte den Gouverneur daher wütend; dessen Höflinge und Diener begannen lautstark zu schreien, um vom Luftmonster sofortige Gehorsamkeit zu erzwingen.
Es waren seltsch aussehende Kerle diese Höflinge – mit fünf oder sechs Hemden, die um ihren Körper gewickelt waren! Sie hatten riesige Bäuche, von denen einige tatsächlich künstlich zu sein schienen. Der Arzt überraschte seine Begleiter, als er ihnen mitteilte, dass dies die Art und Weise sei, dem Sultan Hof zu machen. Die Rundheit des Bauches deutete auf die Ambitionen seines Besitzers hin. Diese fettleibigen Adligen gestikulierten und schrien aus voller Kehle – einer von ihnen zeichnete sich besonders heraus; vermutlich handelte es sich dabei um einen Premierminister – zumindest, wenn man nach dem Lärm, den er verursachte, urteilen durfte. Die gewöhnlichen Leute aus der Menge schlossen sich dem Lärm des Hofes an, wiederholten ihre Gesten wie Affen und erzeugten so eine gemeinsame Bewegung von zehntausend Armen gleichzeitig.
Zu diesen Einschüchterungsmaßnahmen, die bald als unzureichend angesehen wurden, kamen noch weitere, noch bedrohlichere hinzu. Soldaten, bewaffnet mit Bögen und Pfeilen, stellten sich in Kampfformation auf – doch zu diesem Zeitpunkt dehnte sich der Ballon weiter aus und stieg leise außerhalb ihrer Reichweite empor. Daraufhin griff der Gouverneur zu einem Musketen und zielte damit auf den Ballon – doch Kennedy, der ihn beobachtete, zerstörte die erhobene Waffe in den Händen des Scheichs. Bei diesem unerwarteten Angriff brach Panik aus. Jeder einzelne von ihnen floh mit größter Geschwindigkeit in seine Wohnung und blieb dort – sodass die Straßen der Stadt für den Rest des Tages völlig verlassen blieben.
Die Nacht brach an – doch es wehte nicht einmal ein Hauch Wind. Die Aeronauten mussten sich damit abfinden, in einer Entfernung von nur dreihundert Fuß über dem Boden regungslos zu bleiben. In der tiefen Dunkelheit leuchtete kein Feuer, keine Lampe – ringsum herrschte Totenstille. Doch der Arzt verdoppelte seine Wachsamkeit, denn diese scheinbare Ruhe könnte eine Falle verbergen.
Und er hatte Grund zur Vorsicht. Gegen Mitternacht schien die ganze Stadt in Flammen zu stehen. Hunderte von Flammenstrahlen kreuzten sich und flogen wie Raketen durch die Luft, wodurch ein regelmäßiges Netz aus Feuer entstand.

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„Das ist wirklich seltsam!“, sagte der Arzt, etwas verwirrt darüber, was das bedeuten könnte.
„Um Himmels willen!“, rief Kennedy. „Es sieht so aus, als würde das Feuer nach oben steigen und auf uns zukommen!“
Und tatsächlich – begleitet von Musketenschüssen, Schreien und allen möglichen Geräuschen – stieg die Flammenmenge tatsächlich in Richtung der Victoria auf. Joe bereitete sich darauf vor, Ballast abzuwerfen, und Ferguson brauchte nicht lange, um die Wahrheit zu erkennen: Tausende von Tauben, deren Schwänze mit brennbaren Stoffen versehen waren, wurden freigelassen und auf die Victoria zugeführt. In ihrer Panik flogen sie hoch in die Luft und hinterließen dabei Linien aus Flammen. Kennedy wollte alle seine Waffen gegen diese unzähligen Angreifer einsetzen – doch was konnte er schon gegen eine solche Menge ausrichten? Die Tauben schwirrten bereits um das Schiff herum; sie umringten sogar den Ballon, dessen Seiten durch das Licht der Tauben so aussahen, als wären sie von einem Netz aus Flammen umhüllt.
Der Arzt wagte es nicht länger zu zögern. Er warf einen Quarzkristall hinaus, um sich außerhalb der Reichweite dieser gefährlichen Angreifer zu halten. In den folgenden zwei Stunden sah er, wie die Tauben durch die Dunkelheit der Nacht umherflogen – bis allmählich ihr Licht schwächer wurde und sie einer nach dem anderen verschwanden.
„Jetzt können wir in Ruhe schlafen“, sagte der Arzt.
„Nicht schlecht für Barbaren“, murmelte sein Freund Joe laut.
„Oh, sie verwenden diese Tauben oft, um die Dächer feindlicher Dörfer in Brand zu setzen – aber dieses Mal befand sich das Dorf höher, als sie erreichen konnten.“
„Tatsächlich muss sich ein Ballon vor keinen Feinden fürchten!“
„Ja, das stimmt“, widersprach Ferguson.
„Wer sind dann diese Angreifer, Doktor?“
„Das sind die Nachlässigen im Inneren des Schiffes! Also, meine Freunde – seien wir überall und zu jeder Zeit wachsam.“

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KAPITEL EINUNDDREISSIG

Abreise in der Nacht – Alle drei – Kennedys Instinkte – Vorsichtsmaßnahmen – Der Lauf des Flusses Shari – Der Tschadsee – Das Wasser des Sees – Der Flusspferd – Eine verschossene Kugel

Gegen drei Uhr morgens sah Joe, der zu dieser Zeit Wache hatte, endlich, wie die Stadt unter seinen Füßen immer weiter entfernt wurde. Die Victoria war wieder in Bewegung, und sowohl der Arzt als auch Kennedy wachten auf. Der Arzt schaute auf seinen Kompass und stellte zufrieden fest, dass der Wind sie in Richtung Nordnordost trug.

„Wir haben Glück!“, sagte er. „Alles spielt zu unseren Gunsten – wir werden den Tschadsee noch an diesem Tag entdecken.“

„Ist es ein großer See?“, fragte Kennedy.

„Ja, Dick. In seiner größten Länge und Breite misst er etwa hundertzwanzig Meilen.“

„Das wird unserer Reise etwas Abwechslung geben – schließlich segeln wir über ein so großes Gewässer.“

„Im Grunde haben wir jedoch keinen Grund zur Klage. Unsere Reise war tatsächlich sehr abwechslungsreich – außerdem verlaufen die Dinge unter den besten möglichen Bedingungen.“

„Unbestreitbar. Abgesehen von den Entbehrungen in der Wüste sind wir keiner ernsthaften Gefahr begegnet.“

„Es lässt sich nicht leugnen, dass unser prächtiger Ballon sich hervorragend verhalten hat. Heute ist der 12. Mai – wir sind am 18. April losgefahren. Das macht insgesamt fünfundzwanzig Tage Reisezeit. In zehn Tagen werden wir unser Ziel erreichen.“

„Wo liegt das?“

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„Ich weiß es nicht. Aber was bedeutet das?“
„Du hast wieder recht, Samuel! Überlassen wir es dem Schicksal, uns zu führen und dafür zu sorgen, dass wir weiterhin in guter Gesundheit bleiben. Wir sehen wirklich nicht so aus, als wären wir durch daspestilenzierteste Land der Welt gereist!“
„Wir hatten die Chance, im Leben voranzukommen – und genau das haben wir getan!“
„Hurra für Flugreisen!“, rief Joe. „Hier sind wir nach fünfundzwanzig Tagen – in guter Verfassung, gut ernährt und gut ausgeruht. Tatsächlich haben wir zu viel geruht; meine Beine beginnen bereits einzuschlafen. Ich wäre überhaupt nicht beleidigt, wenn ich sie mit einem Lauf von etwa dreißig Meilen strecken könnte!“
„Das kannst du tun, Joe – in den Straßen Londons. Aber im Grunde sind wir zu dritt unterwegs, wie Denham, Clapperton und Overweg; wie Barth, Richardson und Vogel. Und glücklicherweise sind wir immer noch zu dritt. Am wichtigsten ist jedoch, dass wir uns nicht trennen. Falls einer von uns am Boden bleibt und die Victoria zum Entkommen vor einer plötzlichen Gefahr aufsteigen muss – wer weiß, ob wir uns dann jemals wiedersehen werden? Deshalb sage ich Kennedy noch einmal offen, dass mir nicht gefällt, dass er allein auf die Jagd geht.“
„Aber trotzdem, Samuel – du wirst mir doch erlauben, diesem Wunsch ein wenig nachzugehen. Es schadet nichts, unseren Vorrat an Proviant aufzufüllen. Außerdem hast du mir vor unserer Abreise die Aussicht auf großartige Jagden versprochen. Bisher habe ich im Vergleich zu Anderson und Cummings nur wenig erreicht.“
„Aber, mein lieber Dick – dir fehlt wohl das Gedächtnis, oder deine Bescheidenheit lässt dich deine eigenen Leistungen vergessen. Mir scheint, dass du bereits eine Antilope, einen Elefanten und zwei Löwen auf deinem Gewissen hast – ganz zu schweigen von kleineren Tieren.“
„Aber was bedeutet das schon für einen afrikanischen Jäger, der alle Tiere der Schöpfung direkt unter dem Lauf seines Gewehrs sieht? Schau dir doch diese Herde Giraffen an!“
„Diese Giraffen“, brüllte Joe, „sie sind doch nicht einmal so groß wie meine Faust.“
„Weil wir tausend Fuß über ihnen sind. Doch in ihrer Nähe würdest du feststellen, dass sie dreimal so groß sind wie du!“
„Und was sagst du zu dieser Herde Gazellen sowie diesen Straußen, die mit der Geschwindigkeit des Windes laufen?“, fuhr Kennedy fort.

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„Diese Strauße?“, wandte Joe erneut ein. „Das sind Hühner – und die besten Art von Hühnern!“
„Kommen Sie, Doktor, können wir nicht näher an sie herankommen?“, bat Kennedy.
„Wir können näher an sie herankommen, Dick – aber wir dürfen nicht landen. Und was nützt es Ihnen, diese armen Tiere zu töten, wenn sie Ihnen doch keinen Nutzen bringen? Wenn es darum ginge, einen Löwen, einen Tiger, eine Katze oder eine Hyäne zu vernichten, könnte ich das verstehen – aber einem Antilopen oder einer Gazelle das Leben zu nehmen, nur um Ihren Instinkten als Sportler Genüge zu tun, scheint kaum der Mühe wert zu sein. Aber gut, mein Freund – wir werden in etwa hundert Fuß Höhe über dem Boden bleiben. Falls Sie ein wildes Tier sehen, tun Sie uns den Gefallen und schießen Sie ihm einen Ball ins Herz!“
Die Victoria sank allmählich tiefer – blieb aber weiterhin in sicherer Höhe. In einem barbarischen, doch sehr bevölkerten Land war es schließlich notwendig, stets auf unerwartete Gefahren achten zu müssen.
Die Reisenden folgten nun direkt dem Lauf des Shari-Flusses. Die malerischen Ufer dieses Flusses waren unter dem Blätterdach verschiedenfarbiger Bäume verborgen; Lianen und Kletterpflanzen schlängelten sich überall hin und bildeten die seltsamsten Farbkombinationen. Man sah Krokodile, die in den Strahlen der Sonne lagen oder mit der Geschicklichkeit von Eidechsen unter Wasser tauchten. Sie spielten zwischen den vielen grünen Inseln, die den Flusslauf durchqueren.
So durchquerten unsere Reisenden mitten in dieser üppigen, grünen Landschaft das Gebiet von Maffatay und erreichten gegen neun Uhr morgens das südliche Ufer des Tschadsees.
Endlich lag er vor ihnen – dieses „Kaspische Meer Afrikas“, dessen Existenz lange Zeit nur der Fabel angehörte. Dieses innere Gewässer, in das nur die Expeditionen von Denham und Barth vordringen konnten.
Der Doktor versuchte vergeblich, seine genaue Form auf Papier festzuhalten. Seit 1847 hatte sich das Gewässer bereits stark verändert. Tatsächlich ist eine genaue Darstellung des Tschadsees äußerst schwierig – denn er ist von schlammigen, fast unpassierbaren Sumpfgebieten umgeben. Barth glaubte, dort elend zugrunde gehen zu müssen. Im Laufe der Jahre werden diese Sumpfgebiete, die mit Schilf und Papyrus bis zu fünfzehn Fuß hoch bedeckt sind, immer mehr zum See selbst. Oftmals sind auch die Dörfer an seinen Ufern halb unter Wasser – wie im Jahr 1856 in Ngornou.

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Der Hippopotam und der Alligator tummelten sich und tauchten dort, wo einst die Siedlungen von Bornou lagen. Die Sonne sandte ihre blendenden Strahlen über diese ruhige Wasseroberfläche; nach Norden hin verschmolzen die beiden Horizonte zu einem einzigen. Der Arzt wollte den Charakter des Wassers herausfinden – man glaubte lange Zeit, es handele sich um Salzwasser. Es gab keine Gefahr dabei, nahe am See zu landen; das Auto glitt bald über die Wasseroberfläche, nur fünf Fuß entfernt. Joe tauchte eine Flasche ins Wasser und zog sie halb voll wieder heraus. Das Wasser schmeckte kaum trinkbar und hatte einen bestimmten Geschmack nach Natriumkarbonat. Während der Arzt die Ergebnisse dieses Experiments notierte, wurde in seiner Nähe ein lauter Schuss gehört. Kennedy hatte der Versuchung nicht widerstehen können, auf einen riesigen Hippopotam zu schießen. Dieser, der bis dahin ruhig in der Sonne gelegen hatte, verschwand beim Geräusch der Explosion – doch er schien durch Kennedys Kugel nicht weiter beeinträchtigt zu werden. „Du hättest besser daran getan, ihn mit einer Harpune zu fangen“, sagte Joe. „Aber wie?“ „Mit einem unserer Anker. Das wäre ein Haken gewesen, der genau groß genug für so ein riesiges Tier gewesen wäre!“ „Hm!“, sagte Kennedy. „Joe hat wirklich dieses Mal eine Idee…“ „Ich bitte Sie, diese Idee nicht in die Tat umzusetzen“, warf der Arzt ein. „Das Tier hätte uns sehr schnell dorthin gezogen, wo wir nichts tun könnten, um uns selbst zu retten – und wo wir sowieso nicht sein sollten.“ „Besonders jetzt, da wir bereits herausgefunden haben, um welche Art von Wasser es im Tschadsee handelt. Ist dieser Fisch essbar, Dr. Ferguson?“ „Dieser Fisch, wie Sie ihn nennen, Joe, ist eigentlich ein Säugetier aus der Gattung der Pflanzenfresser. Sein Fleisch soll hervorragend sein und stellt ein wichtiges Handelsgut zwischen den Stämmen dar, die an den Ufern des Sees leben.“ „Dann tut es mir leid, dass Kennedys Schuss keinen größeren Schaden angerichtet hat.“ „Das Tier ist nur im Magenbereich sowie zwischen den Beinen verwundbar. Dicks Kugel hat es nicht einmal verletzt. Doch falls die Umstände günstig sind, werden wir am nördlichen Ende des Sees anhalten – dort wird Kennedy…“

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Er befand sich mitten in einer ganzen Menagerie und konnte so die verlorene Zeit wieder aufholen.
„Nun“, sagte Joe, „ich hoffe dann, dass Herr Kennedy den Hippopotamus ein wenig jagt; ich würde gerne das Fleisch dieses seltsch aussehenden Tieres probieren. Es scheint nicht ganz natürlich zu sein, ins Zentrum Afrikas zu gehen und sich von Schnepfen und Rebhühnern zu ernähren – als wären wir in England.“

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KAPITEL DREIUNDSECHZIG

Die Hauptstadt von Bornu – Die Inseln der Biddiomahs – Die Kondore – Die Sorgen des Arztes – Seine Vorsichtsmaßnahmen – Ein Angriff in der Luft – Der Ballon wird zerrissen – Der Sturz – Erhabenes Selbstopfer – Die Nordküste des Sees

Seit seiner Ankunft am Tschadsee wurde der Ballon von einer Strömung weiter nach Westen getrieben. Einige Wolken milderten die Hitze des Tages; außerdem war über dieser weiten Wasserfläche etwas Luft spürbar. Gegen ein Uhr bewegte sich die Victoria wieder über das Land – über eine Strecke von sieben oder acht Meilen. Der Arzt, der anfangs über diese Richtungsänderung etwas verärgert war, dachte nicht mehr daran, sich zu beschweren, als er die Stadt Kouka sah, die Hauptstadt von Bornu. Er sah sie für einen Moment – umgeben von Mauern aus weißem Lehm – sowie einige grob errichtete Moscheen, die ungeschickt über diesen Haufen von Häusern thronten, die wie Würfel aussehen und die typisch für arabische Städte sind. In den Innenhöfen der Privathäuser sowie auf den öffentlichen Plätzen wuchsen Palmen und Kautschukbäume, deren Kronen eine Breite von mehr als hundert Fuß hatten. Joe wies darauf hin, dass diese riesigen „Schirme“ durchaus der intensiven Sonneneinstrahlung entsprachen, und äußerte dazu einige fromme Gedanken, die es nicht nötig ist, hier zu wiederholen.

Kouka besteht tatsächlich aus zwei verschiedenen Stadtteilen, die durch den „Dendal“ voneinander getrennt sind – eine breite Allee mit einer Breite von dreihundert Yards, die zu dieser Zeit voller Reiter und Fußgänger war. Auf der einen Seite liegt der reiche Stadtteil mit seinen luftigen, hohen Häusern, die in regelmäßiger Anordnung stehen; auf der anderen Seite befindet sich der arme Stadtteil – eine elende Ansammlung niedriger, kegelförmiger Hütten, in denen eine armutsgeplagte Bevölkerung eher dahinvegetiert als wirklich lebt. Schließlich ist Kouka weder eine Handels- noch eine kommerzielle Stadt.

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Kennedy fand, es sah etwas wie Edinburgh aus – wären da nicht die beiden deutlich getrennten Stadtteile gewesen, die sich auf einer Ebene erstreckten. Doch unsere Reisenden hatten kaum Zeit, auch nur einen kurzen Blick darauf zu werfen: Denn aufgrund der launischen Luftströmungen in dieser Gegend wehte plötzlich ein Gegenwind und trug sie etwa vierzig Meilen über die Oberfläche des Tschadsees. Dann bot sich ihnen ein neues Schauspiel: Sie konnten die zahlreichen Inseln des Sees zählen – bewohnt von den Biddiomahs, einer blutrünstigen und gefährlichen Piratenrasse, die bei ihren Nachbarn genauso gefürchtet wird wie die Tuareg in der Sahara. Diese Leute waren bereit, die Victoria mutig mit Steinen und Pfeilen anzugreifen – doch der Ballon flog schnell an ihren Inseln vorbei, schwebte darüber hinweg, von einer zur anderen, wie eine riesige Käferart. In diesem Moment sagte Joe, der den Horizont beobachtete, zu Kennedy: „Da, Sir – da haben Sie ja genau das, wonach Sie immer suchen!“ „Was ist es, Joe?“ „Diesmal wird der Doktor es sicher nicht missbilligen, wenn Sie schießen.“ „Aber was ist es denn?“ „Sehen Sie denn nicht diese Schar großer Vögel, die auf uns zukommen?“ „Vögel?“, rief der Doktor und griff nach seinem Fernrohr. „Ich sehe sie“, antwortete Kennedy. „Es sind mindestens ein Dutzend.“ „Genau vierzehn!“, sagte Joe. „Möge der Himmel geben, dass es Vögel einer Art sind, die für den Doktor so gefährlich genug sind, damit er mir erlaubt, auf sie zu schießen!“ „Ich hätte nichts dagegen – aber ich würde lieber sehen, dass diese Vögel in sicherer Entfernung von uns bleiben.“ „Haben Sie etwa Angst vor diesen Vögeln?“ „Es sind Kondore – und dazu noch die größten Arten. Falls sie uns angreifen…“ „Nun, wenn das passiert, werden wir uns verteidigen. Wir haben schließlich ein ganzes Arsenal zur Verfügung. Ich glaube nicht, dass diese Vögel wirklich so gefährlich sind.“ „Wer weiß?“, war die einzige Antwort des Doktors.

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Zehn Minuten später waren die Kondore bereits in Schussweite und ließen die Luft mit ihren heiseren Rufen erzittern. Sie flogen direkt auf die Victoria zu – mehr verärgert als erschrocken durch deren Anwesenheit.
„Wie sie schreien! Was für ein Lärm!“, sagte Joe.
„Vielleicht mögen sie es nicht, wenn jemand in ihrem Revier jagt oder es wagt, wie sie selbst zu fliegen!“, meinte er weiter.
„Nun, um ehrlich zu sein: Wenn ich sie mir genauer ansehe, sind sie ein hässlicher, gefährlicher Haufen. Ich würde sagen, sie wären äußerst gefährlich, falls sie mit Purdy-Moore-Gewehren ausgestattet wären“, gab Kennedy zu.
„Sie brauchen solche Waffen nicht“, sagte Ferguson, sichtlich ernst.
Die Kondore flogen in großen Kreisen um sie herum; ihr Flug wurde immer näher am Ballon. Sie bewegten sich in schnellen, fantastischen Kurven durch die Luft, stürzten gelegentlich mit der Geschwindigkeit einer Kugel nach unten und änderten anschließend abrupt ihre Flugrichtung.
Der Arzt, sehr beunruhigt, beschloss, höher aufzusteigen, um dieser gefährlichen Nähe zu entkommen. Deshalb ließ er das Wasserstoffgas im Ballon expandieren – der Ballon stieg schnell in die Höhe.
Doch die Kondore folgten ihm, offensichtlich entschlossen, nicht von seiner Seite zu weichen.
„Es scheint, als wollten sie Unheil anrichten!“, sagte der Jäger und spannte sein Gewehr.
Tatsächlich kamen sie immer näher – mehrere von ihnen näherten sich bis auf fünfzig Fuß Entfernung, als würden sie die Waffen herausfordern.
„Um Himmels willen, ich kann es kaum erwarten, sie zur Rechenschaft zu ziehen!“, rief Kennedy aus.
„Nein, Dick – jetzt noch nicht! Reize sie nicht unnötig. Das würde sie nur dazu anregen, uns anzugreifen!“
„Aber ich könnte diese Kerle schnell in die Schranken weisen!“
„Du magst das so sehen, Dick – aber du hast unrecht!“
„Wir haben doch eine Kugel für jeden von ihnen!“
„Und was würdest du tun, falls sie den oberen Teil des Ballons angreifen? Wie würdest du an sie herankommen? Stell dir einfach vor, du stündest vor einer Herde Löwen auf der Ebene oder einer Schar Haie im offenen Ozean! Für Reisende in der Luft ist diese Situation genauso gefährlich.“

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„Sprechen Sie im Ernst, Doktor?“
„Sehr ernst, Dick.“
„Dann warten wir eben!“
„Warten Sie! Seien Sie bereit für einen Angriff – aber schießen Sie ohne meinen Befehl nicht.“
Die Vögel versammelten sich in geringer Entfernung – doch so nahe, dass man ihre kahlen Hälse, völlig ohne Federn, deutlich sehen konnte. Sie streckten diese Hälse aus, während sie laut schrien; ihre hässlichen Kronen, verziert mit einem Kamm sowie tiefvioletten Strukturen, standen vor Wut senkrecht. Sie waren von außergewöhnlicher Größe – ihr Körper war länger als drei Fuß – und die untere Seite ihrer weißen Flügel glänzte im Sonnenlicht. Man hätte sie durchaus als geflügelte Haie bezeichnen können, so sehr ähnelten sie diesen grausamen Tieren aus den Tiefen des Meeres.
„Sie folgen uns!“, sagte der Doktor, als er sah, wie sie ihm folgten. „Und egal, wie hoch wir auch steigen – sie können immer noch höher fliegen!“
„Nun, was sollen wir tun?“, fragte Kennedy.
Der Doktor antwortete nicht.
„Hören Sie, Samuel!“, sagte der Sportler. „Es gibt vierzehn dieser Vögel; wir haben siebzehn Schüsse zur Verfügung, wenn wir alle unsere Waffen abfeuern. Haben wir dann nicht die Möglichkeit, sie zu zerstören oder zu vertreiben? Ich werde einige von ihnen schon zur Strecke bringen!“
„Ich zweifle nicht an Ihren Fähigkeiten, Dick. Ich halte alle für tot, die in Reichweite Ihres Gewehrs geraten – aber ich wiederhole: Wenn sie den oberen Teil des Ballons angreifen, werden Sie sie nicht ins Visier bekommen. Sie würden das Seidenmaterial zerreißen, das uns trägt – und wir sind schließlich dreitausend Fuß in der Luft!“
In diesem Moment stürzte einer der grausamen Vögel direkt auf den Ballon zu – mit ausgestrecktem Schnabel und Krallen, bereit, ihn mit diesen zu zerfetzen.
„Schießen! Sofort schießen!“, rief der Doktor.
Kaum hatte er das gesagt, stürzte das riesige Tier tot zu Boden und drehte sich dabei im Luftstrom hin und her.
Kennedy hatte bereits eines der zweiläufigen Schrotgewehre in die Hand genommen; Joe zielte mit dem anderen.
Von dem Knall erschrocken, zogen sich die Kondore für einen Moment zurück – doch fast sofort griffen sie erneut an, diesmal mit noch größerer Wut. Kennedy tötete einen der Vögel.

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Mit seinem ersten Schuss trennte er dem einen Vogel den Kopf vom Körper – Joe brach dem anderen Vogel außerdem den Flügel.
„Es sind nur noch elf übrig“, sagte er.
Daraufhin änderten die Vögel ihre Taktik und flogen einstimmig über den Ballon hinweg. Kennedy warf einen Blick auf Ferguson. Dieser wurde trotz seiner Gelassenheit blass. Dann folgte ein Moment schrecklicher Stille. Im nächsten Augenblick hörten sie ein lautes Reißen – als würde etwas das Seil zerreißen – und es schien, als würde der Apparat unter den Füßen der drei Luftfahrer versinken.
„Wir sind verloren!“, rief Ferguson und blickte auf den Barometer, dessen Anzeige nun schnell stieg.
„Raus mit dem Ballast!“, schrie er. „Sofort!“
Binnen Sekunden waren die letzten Quarzklumpen verschwunden.
„Wir fallen immer noch! Leert die Wassertanks! Hörst du mich, Joe? Wir stürzen ins Meer!“
Joe gehorchte. Der Arzt beugte sich vor und blickte nach draußen. Das Meer schien wie eine steigende Flut auf ihn zuzukommen. Alle Gegenstände um sie herum wurden während des Betrachtens rapide größer. Der Apparat befand sich nur noch etwa zweihundert Fuß von der Oberfläche des Tschadsees entfernt.
„Die Vorräte! Die Vorräte!“, rief der Arzt.
Die Box mit den Vorräten wurde in den Raum hinausgeschleudert.
Ihr Fall wurde langsamer – doch die unglücklichen Luftfahrer fielen weiterhin ins Meer.
„Werft noch etwas raus! Irgendetwas!“, rief der Arzt.
„Es gibt nichts mehr zu werfen!“, antwortete Kennedy verzweifelt.
„Doch, es gibt noch etwas!“, rief Joe. Mit einer Handbewegung verschwand er wie ein Blitz über den Rand des Apparats.
„Joe! Joe!“, rief der Arzt entsetzt.
Die nun entlastete Victoria nahm wieder ihren Aufstieg auf, stieg tausend Fuß in die Höhe – der Wind trug sie in Richtung Norden des Sees.
„Verloren!“, rief der Sportler in verzweifelter Geste.
„Verloren – aber um uns zu retten!“, antwortete Ferguson.

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Und diese Männer, so furchtlos sie auch waren, spürten, wie große Tränen über ihre Wangen strömten. Sie beugten sich vor in der vergeblichen Hoffnung, einen Hinweis auf ihren heldenhaften Gefährten zu entdecken – doch sie waren bereits weit von ihm entfernt.
„Welchen Kurs sollen wir einschlagen?“, fragte Kennedy.
„Steig so schnell wie möglich aus, Dick – und warte dann.“
Nach einer Strecke von etwa sechzig Meilen hielt die Victoria an einem öden Ufer nördlich des Sees an. Die Anker verfingen sich in einem niedrigen Baum, und der Seefahrer sicherte sie fest. Die Nacht brach an – doch weder Ferguson noch Kennedy konnten auch nur einen Moment schlafen.

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Kapitel dreiunddreißig.

Annahmen – Wiederherstellung des Gleichgewichts der Victoria – Dr. Fergusons neue Berechnungen – Kennedys Suche – Eine vollständige Erkundung des Tschadsees – Tangalia – Die Rückkehr – Lari.

Am nächsten Tag, dem 13. Mai, erkundeten unsere Reisenden zum ersten Mal den Teil der Küste, an dem sie gelandet waren. Es handelte sich dabei um eine Art Insel aus festem Boden mitten in einem riesigen Sumpfgebiet. Um dieses Stück Festland wuchsen Schilfrohre, die genauso hoch waren wie Bäume in Europa, und erstreckten sich bis außer Sichtweite.

Diese undurchdringlichen Sümpfe boten Schutz für die Position des Ballons. Es war nur notwendig, die Ufer des Sees im Auge zu behalten. Die weite Wasserfläche dehnte sich von diesem Ort aus, insbesondere nach Osten, und am Horizont war weder das Festland noch Inseln zu sehen.

Die beiden Freunde wagten es noch nicht, über ihren jüngsten Begleiter zu sprechen. Kennedy teilte seine Annahmen zunächst mit dem Arzt.

„Vielleicht ist Joe doch nicht verloren“, sagte er. „Er war ein geschickter Junge und hatte kaum einen Gleichen als Schwimmer. Er würde keinerlei Schwierigkeiten haben, den Firth of Forth bei Edinburgh zu durchschwimmen. Wir werden ihn wiedersehen – aber wie und wo, das weiß ich nicht. Lassen Sie uns alles tun, um ihm die Chance zu geben, zu uns zurückzukehren.“

„Möge Gott es so geschehen lassen, wie du sagst, Dick!“, antwortete der Arzt voller Emotion. „Wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um unseren verlorenen Freund wiederzufinden. Zunächst sollten wir herausfinden, wo wir sind. Doch vor allem sollten wir der Victoria diese äußere Hülle abnehmen, die ohnehin keinen Nutzen mehr hat. Das wird uns sechshundertfünfzig Pfund ersparen – ein Gewicht, das man nicht unterschätzen darf – und der Zweck lohnt die Mühe!“

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Der Arzt und Kennedy machten sich sofort an die Arbeit, stießen aber auf große Schwierigkeiten. Sie mussten den festen Seidenstoff Stück für Stück abreißen und ihn anschließend in schmale Streifen schneiden, um ihn aus den Maschen des Netzes befreien zu können. Die von den Schnäbeln der Kondore verursachten Risse waren mehrere Fuß lang. Diese Arbeit dauerte mindestens vier Stunden – doch als der innere Ballon endlich vollständig befreit war, schien er keinerlei Schaden erlitten zu haben. Die Victoria war dadurch um ein Fünftel kleiner geworden; dieser Unterschied war deutlich genug, um Kennedys Überraschung hervorzurufen.
„Wird sie groß genug sein?“, fragte er.
„Machen Sie sich darüber keine Sorgen. Ich werde das Gleichgewicht wiederherstellen. Falls unser armer Joe zurückkehrt, werden wir einen Weg finden, mit ihm erneut unsere alte Route anzutreten.“
„Zum Zeitpunkt unseres Sturzes waren wir, wenn ich mich nicht irre, nicht weit von einer Insel entfernt.“
„Ja, ich erinnere mich daran“, sagte der Arzt. „Aber diese Insel, wie alle Inseln am Tschadsee, wird zweifellos von einer Bande von Piraten und Mördern bewohnt. Sie haben sicherlich unser Unglück mitangesehen. Was wird aus Joe, wenn er in ihre Hände fällt – es sei denn, er wird durch ihre Aberglauben geschützt?“
„Oh, er ist genau der Junge, der sicher aus dieser Klemme herauskommt. Ich habe großes Vertrauen in seine Klugheit und Fähigkeiten.“
„Ich hoffe es. Nun, Dick, du kannst in der Umgebung jagen – aber geh auf keinen Fall zu weit weg. Es ist dringend notwendig, unseren Vorrat an Proviant aufzufüllen, denn wir mussten fast alles Alte opfern.“
„Sehr gut, Doktor. Ich werde nicht lange weg sein.“
Daraufhin nahm Kennedy eine Doppelläufige und ging durch das hohe Gras in Richtung eines nahen Gebüchs. Das häufige Geräusch von Schüssen ließ den Arzt bald erkennen, dass der Jäger seine Zeit gut nutzte.
In der Zwischenzeit beschäftigte sich Ferguson damit, das relative Gewicht der noch im Wagen verbliebenen Gegenstände zu berechnen sowie das Gleichgewicht des zweiten Ballons herzustellen. Er stellte fest, dass noch etwa dreißig Pfund Pemmikan, Vorräte an Tee und Kaffee, etwa anderthalb Gallonen Brandy sowie ein leerer Wassertank übrig waren. Das ganze getrocknete Fleisch war verschwunden.

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Der Arzt wusste, dass durch den Verlust von Wasserstoff im ersten Ballon die Auftriebskraft, über die er verfügte, nun auf etwa neunhundert Pfund gesunken war. Deshalb musste er auf diesen Unterschied zurückgreifen, um sein Gleichgewicht wiederherzustellen. Der neue Ballon hatte einen Inhalt von sechzigtausendfünfhundert Kubikfuß und enthielt dreißigtausendvierhundertachtzig Fuß an Gas. Das Ausdehnungsgerät schien in gutem Zustand zu sein, und weder die Batterie noch die Spirale waren beschädigt worden. Die Auftriebskraft des neuen Ballons betrug somit etwa dreitausend Pfund. Wenn man das Gewicht des Geräts, der Passagiere, des Wasservorrats, des Wagens sowie seiner Zubehörteile hinzurechnete – sowie noch fünfzig Gallonen Wasser und hundert Pfund frisches Fleisch –, ergab sich ein Gesamtgewicht von zweitausendachthundertdreißig Pfund. Er konnte daher für unvorhergesehene Notfälle hundertsiebzig Pfund Ballast mitnehmen, sodass der Ballon genau im Gleichgewicht mit der umgebenden Atmosphäre stand. Seine Vorbereitungen waren somit abgeschlossen; er kompensierte Joes Gewicht durch einen Überschuss an Ballast. Er verbrachte den ganzen Tag mit diesen Vorbereitungen, und diese waren fertig, als Kennedy zurückkehrte. Der Jäger hatte Erfolg gehabt und eine ordentliche Menge an Gänsen, Wildenten, Schnepfen und anderen Vögeln mitgebracht. Er machte sich sofort daran, die Tiere zu rupfen und zu räuchern. Jedes Stück wurde an einem kleinen, dünnen Spieß aufgehängt und über ein Feuer aus grünem Holz gehalten. Als die Tiere fertig bearbeitet waren, packte Kennedy, der sich in dieser Arbeit bestens auskannte, sie in den Wagen. Am nächsten Tag sollte der Jäger seine Vorräte vervollständigen. Der Abend überraschte unsere Reisenden mitten in dieser Arbeit. Ihr Abendessen bestand aus Pemmikan, Keksen und Tee; die Müdigkeit ließ ihnen nach dem Essen den Schlaf kommen. Während ihrer Wache spitzten sie ihre Augen und Ohren in die Dunkelheit – manchmal glaubten sie, die Stimme des armen Joe zu hören. Doch leider war die Stimme, die sie so sehr hören wollten, weit entfernt. Bei den ersten Anzeichen des Tageswechsels weckte der Arzt Kennedy. „Ich habe lange und sorgfältig darüber nachgedacht, was getan werden muss“, sagte er, „um unseren Gefährten zu finden.“ „Egal, welcher Plan Sie auch haben mögen, Doktor – er wird mir gefallen. Sprechen Sie!“ „Vor allem ist es wichtig, dass Joe auf irgendeine Weise von uns hört.“

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„Unzweifelhaft. Angenommen, dem tapferen Kerl käme der Gedanke, wir hätten ihn im Stich gelassen?“
„Er! Er kennt uns viel zu gut dafür. Ein solcher Gedanke würde ihm niemals in den Sinn kommen. Aber er muss erfahren, wo wir sind.“
„Wie kann das erreicht werden?“
„Wir steigen in unser Auto und fliegen wieder davon.“
„Aber was, wenn der Wind uns wegträgt?“
„Glücklicherweise wird das nicht passieren. Sieh, Dick! Der Wind trägt uns zurück zum See – und diese Umstände, die gestern lästig gewesen wären, sind jetzt von Vorteil. Unsere Bemühungen beschränken sich also darauf, den ganzen Tag über über dieser weiten Wasserfläche zu bleiben. Joe wird uns sicherlich sehen, und seine Augen werden ständig in diese Richtung schauen. Vielleicht schafft er es sogar, uns mitzuteilen, wo er sich aufhält.“
„Wenn er allein und frei ist, wird er das sicher tun.“
„Und wenn er ein Gefangener ist“, fuhr der Arzt fort, „da es nicht üblich ist, dass die Eingeborenen ihre Gefangenen einsperren, wird er uns sehen und den Zweck unserer Suche verstehen.“
„Aber letztendlich“, warf Kennedy ein, „denn wir müssen alles vorhersehen – falls wir keine Spur finden, falls er keine Hinweise hinterlassen hat, die uns helfen könnten, was sollen wir dann tun?“
„Wir werden versuchen, in den nördlichen Teil des Sees zurückzukehren und dabei möglichst sichtbar bleiben. Dort werden wir warten, die Ufer erkunden sowie das Ufergebiet durchsuchen – denn Joe wird sicherlich versuchen, an Land zu gelangen. Wir werden das Gebiet nicht verlassen, ohne alles getan zu haben, um ihn zu finden.“
„Dann lass uns aufbrechen!“, sagte der Jäger.
Der Arzt nahm anschließend die genauen Koordinaten des Landstreifens, den sie verlassen wollten, und kam zu dem Schluss, dass er sich am Nordufer des Tschadsees befand, zwischen dem Dorf Lari und dem Dorf Ingemini – Orte, die beide vom Major Denham besucht worden waren. In der Zwischenzeit füllte Kennedy seinen Vorrat an frischem Fleisch auf. Obwohl die benachbarten Sümpfe Spuren von Nashörnern, Lamantinen sowie Flusspferden zeigten, hatte er keine Gelegenheit, auch nur ein einziges Exemplar dieser Tiere zu sehen.

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Um sieben Uhr morgens – allerdings nicht ohne große Schwierigkeiten, die für Joe nichts gewesen wären – wurde der Anker des Ballons von seinem Haltepunkt gelöst, das Gas wurde freigesetzt, und die neue Victoria stieg zweihundert Fuß in die Höhe. Zuerst schien sie zu zögern und drehte sich wie eine Kreisel; doch schließlich fing ein kräftiger Windstrom sie auf, und sie glitt über den See und wurde bald mit einer Geschwindigkeit von zwanzig Meilen pro Stunde fortgetragen. Der Arzt hielt weiterhin eine Höhe zwischen zweihundert und fünfhundert Fuß ein. Kennedy feuerte häufig mit seinem Gewehr; und wenn sie über Inseln flogen, näherten sich die Luftschiffer diesen sogar unvorsichtig und untersuchten die Büsche, Sträucher sowie jeden Ort, an dem Schatten oder vorspringende Felsen ihrem Begleiter Unterschlupf bieten könnten. Sie flogen dicht über die langen Pirogen hinweg, die auf dem See unterwegs waren; die wilden Fischer, entsetzt bei Anblick des Ballons, stürzten ins Wasser und kehrten in panischer Angst zu ihren Inseln zurück. „Wir können nichts sehen“, sagte Kennedy nach zwei Stunden Suche. „Warten wir noch etwas länger, Dick – und verlieren wir den Mut nicht. Wir können nicht weit vom Ort unseres Unfalls entfernt sein.“ Um elf Uhr hatte der Ballon bereits neunzig Meilen zurückgelegt. Dann traf er auf einen neuen Windstrom, der fast senkrecht zum vorherigen wehte und sie etwa sechzig Meilen nach Osten trieb. Anschließend schwebte er über einer sehr großen und bevölkerten Insel, die der Arzt für Farram hielt – dort liegt die Hauptstadt der Biddiomahs. Ferguson erwartete jederzeit, dass Joe aus irgendeinem Gebüsch hervorsprang, um sein Leben zu retten und um Hilfe rief. Wäre er frei, könnten sie ihn ohne Probleme retten; wäre er gefangen, könnten sie ihn durch Wiederholung der Manöver retten, die sie bereits angewandt hatten, um den Missionar zu retten – dann würde er bald wieder bei seinen Freunden sein. Doch es war nichts zu sehen, kein Laut zu hören. Die Situation schien hoffnungslos. Gegen halb drei kam die Victoria in Sichtweite von Tangalia, einem Dorf an der Ostküste des Tschadsees – dort erreichte Denham während seiner Erkundungen den äußersten Punkt. Der Arzt wurde unruhig wegen dieser anhaltenden Windrichtung, denn er hatte das Gefühl, zurück nach Osten, in Richtung des Zentrums Afrikas und der endlosen Wüsten dieser Region getrieben zu werden. „Wir müssen unbedingt anhalten – und sogar landen“, sagte er. „Um Joes willen sollten wir besonders zum See zurückkehren; aber zunächst…“

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„Man sollte versuchen, einen Gegenstrom zu finden.“ Mehr als eine Stunde lang suchte er in verschiedenen Höhen – der Ballon kehrte stets zurück zum Festland. Doch schließlich, in einer Höhe von tausend Fuß, wehte ein sehr starker Wind nach Nordwesten. Es war ausgeschlossen, dass Joe auf einem der Inseln des Sees zurückgeblieben sein konnte; denn in diesem Fall hätte er sicherlich einen Weg gefunden, seine Anwesenheit bekannt zu machen. Vielleicht war er zum Festland gespült worden. So überlegte der Arzt bei sich, als er wieder die Nordküste des Tschadsees in Sicht bekam.
Dass Joe ertrunken sein könnte, daran wollte man nicht einmal denken. Ein schrecklicher Gedanke durchzuckte sowohl Kennedy als auch den Arzt: In diesen Gewässern gibt es Kaimane! Doch keiner von beiden hatte den Mut, diesen Gedanken auszusprechen. Schließlich kam ihm dieser Gedanke so stark in den Sinn, dass der Arzt ohne weitere Umschweife sagte: „Krokodile finden sich nur an den Ufern der Inseln oder des Sees – und Joe wird sicherlich geschickt genug sein, ihnen aus dem Weg zu gehen. Außerdem sind sie nicht besonders gefährlich; die Afrikaner baden dort unbeschwert und ohne Furcht vor ihren Angriffen.“ Kennedy antwortete nicht. Er zog es vor, zu schweigen, anstatt über diese schreckliche Möglichkeit zu sprechen.
Gegen fünf Uhr abends entdeckte der Arzt die Stadt Lari. Die Bewohner waren damit beschäftigt, ihre Baumwollfelder vor ihren Hütten zu ernten. Die Hütten bestanden aus geflochtenen Schilfrohren und standen in sauberen, ordentlich gepflegten Anlagen. Diese Ansammlung von etwa fünfzig Behausungen befand sich in einer leichten Senke im Boden, in einem Tal zwischen zwei niedrigen Bergen. Die Windkraft trug den Arzt weiter, als er eigentlich wollte – doch der Wind änderte erneut seine Richtung und brachte ihn genau zurück zu seinem Ausgangspunkt, auf die Art von Insel, auf der er die vorherige Nacht verbracht hatte. Die Ankerleine fing nicht an den Ästen der Bäume Halt, sondern verfing sich in den Schilfmassen sowie im dicken Schlamm der Sümpfe – was erheblichen Widerstand bedeutete.
Der Arzt hatte große Schwierigkeiten, den Ballon unter Kontrolle zu halten. Doch schließlich ließ der Wind mit Einbruch der Dunkelheit nach. Die beiden Freunde hielten gemeinsam Wache – in einem fast verzweifelten Zustand.

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Kapitel dreiunddreißig.

Der Hurrikan – ein erzwungener Aufbruch – Verlust des Ankers.
Melancholische Gedanken – die getroffene Entscheidung – der Sandsturm – die begrabene Karawane – ein widersprüchlicher, doch günstiger Wind – die Rückkehr nach Süden – Kennedy an seinem Posten.

Um drei Uhr morgens tobte der Wind. Er wehte mit solcher Gewalt, dass die Victoria ohne Gefahr nicht in der Nähe des Meeresbodens bleiben konnte. Das Schiff wurde fast vollständig auf die Seite geworfen, und die Schilfhalme rieben so heftig am Seidenstoff, dass es schien, als würden sie ihn zerreißen.

„Wir müssen aufbrechen, Dick“, sagte der Arzt. „Wir können nicht länger in dieser Situation bleiben.“

„Aber Doktor, was ist mit Joe?“

„Ich werde ihn sicherlich nicht im Stich lassen. Nein, auf keinen Fall! Selbst wenn der Hurrikan mich tausend Meilen nach Norden trägt, werde ich zurückkehren! Aber hier gefährden wir die Sicherheit aller.“

„Müssen wir wirklich ohne ihn gehen?“, fragte der Schotte mit einem Ausdruck tiefen Kummers.

„Und glauben Sie etwa“, entgegnete Ferguson, „dass mein Herz nicht genauso blutet wie Ihres? Handele ich nicht nur aus dringender Notwendigkeit?“

„Ich stehe ganz zu Ihren Befehlen“, antwortete der Jäger. „Lassen Sie uns aufbrechen!“

Doch ihr Aufbruch war von außergewöhnlichen Schwierigkeiten begleitet. Der Anker, der sehr tief im Boden steckte, widerstand allen Versuchen, ihn zu befreien. Gleichzeitig verstärkte der Ballon, der in die entgegengesetzte Richtung zog, den Druck noch weiter. Kennedy konnte den Anker nicht befreien. Zudem war die Situation in ihrer jetzigen Lage äußerst gefährlich – die Victoria drohte, abzubrechen, bevor er wieder ins Innere des Schiffes gelangen konnte.

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Der Arzt, der nicht bereit war, ein solches Risiko einzugehen, ließ seinen Freund an seiner Stelle einsteigen und fügte sich in die Alternative, das Ankerseil durchzuschneiden. Die Victoria stieg dreihundert Fuß in die Luft und nahm Kurs direkt nach Norden. Ferguson hatte keine andere Wahl, als vor dem Sturm zu fliehen. Er verschränkte die Arme und versank bald in seinen melancholischen Gedanken. Nach einigen Momenten tiefer Stille wandte er sich an Kennedy, der genauso schweigsam da saß. „Wir haben vielleicht den Zufall herausgefordert“, sagte er. „Es gehört nicht zum Menschen, eine solche Reise anzutreten!“ Bei diesen Worten entfuhr ihm ein Seufzer des Schmerzes. „Es sind erst wenige Tage vergangen“, antwortete der Sportler, „seit wir uns darüber freuten, so vielen Gefahren entkommen zu sein! Wir drei haben uns damals die Hände geschüttelt!“ „Armer Joe! Mit seiner freundlichen und ausgezeichneten Natur, seinem mutigen und aufrichtigen Herzen! Für einen Moment von seinem plötzlichen Reichtum geblendet, opferte er freiwillig seine Schätze! Und jetzt ist er weit von uns entfernt – und der Wind treibt uns mit unwiderstehlicher Geschwindigkeit noch weiter weg!“ „Kommen Sie, Doktor – selbst wenn er Zuflucht bei den Stämmen am See gefunden hat, kann er doch nicht das tun, was die Reisenden vor uns taten: wie Denham, wie Barth? Beide kamen schließlich in ihre Heimat zurück.“ „Ach, mein lieber Dick! Joe kennt keine einzige Sprache; er ist allein und ohne Mittel. Die Reisenden, von denen Sie sprechen, versuchten nicht, ohne viele Geschenke für die Stammesführer vorauszuschicken sowie ohne eine bewaffnete Eskorte, die für solche Expeditionen ausgebildet war, weiterzukommen. Doch auch sie konnten den schlimmsten Leiden nicht entgehen! Was können wir also vom Schicksal unseres Begleiters erwarten? Es ist grauenhaft, daran zu denken – das ist eine der schlimmsten Katastrophen, die ich je erleben musste!“ „Aber wir werden zurückkehren, Doktor!“ „Zurückkehren, Dick? Ja, falls wir den Ballon aufgeben müssen – falls wir gezwungen sind, zu Fuß zum Tschadsee zurückzukehren und Kontakt zum Sultan von Bornu aufzunehmen! Die Araber können sicherlich keine schlechten Erinnerungen an die ersten Europäer haben.“

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„Ich werde Ihnen folgen, Doktor“, antwortete der Jäger betont. „Sie können sich auf mich verlassen! Wir würden lieber auf die Fortsetzung dieser Reise verzichten, als nicht zurückzukehren. Joe hat sich um unseretwillen selbst vergessen – wir werden uns für ihn opfern!“
Diese Entschlossenheit weckte wieder etwas Hoffnung in den Herzen dieser beiden Männer; sie fühlten sich von derselben Inspiration gestärkt. Ferguson setzte sofort alles daran, in eine entgegengesetzte Strömung zu gelangen, die ihn vielleicht wieder zum Tschadsee bringen könnte – doch das war zu diesem Zeitpunkt unmöglich. Selbst das Aussteigen war auf einem völlig baumlosen Gelände bei solch heftigem Sturm undenkbar.
Die Victoria fuhr somit über das Land der Tibbous, durchquerte das Belad el Djerid – eine Dornenwüste, die die Grenze zum Sudan bildet – und drang in die Sandwüste ein, die mit den langen Spuren zahlreicher Karawanen übersät war. Die letzte Vegetationslinie verschwand schnell am trüben südlichen Horizont, nicht weit vom wichtigsten Oasengebiet in diesem Teil Afrikas entfernt – dessen fünfzig Brunnen von prächtigen Bäumen beschattet wurden. Doch es war unmöglich anzuhalten. Ein arabisches Lager mit gestreiften Zelten sowie einige Kamele, deren Köpfe und Hälse wie Schlangen aus dem Sand ragten, verliehen dieser Einsamkeit etwas Leben – doch die Victoria raste vorbei wie ein Sternschnuppe und legte so in drei Stunden eine Strecke von sechzig Meilen zurück, ohne dass Ferguson ihren Kurs beeinflussen oder lenken konnte.
„Wir können nicht anhalten, wir können nicht aussteigen!“, sagte der Doktor. „Kein Baum, keine Unebenheit im Gelände! Sollen wir etwa quer durch die Sahara getrieben werden? Sicherlich ist der Himmel wirklich gegen uns!“
Er sprach diese Worte in einer Art verzweifelter Wut aus, als plötzlich die Wüstensandmassen inmitten eines dichten Staubwolkenfeldes in die Luft geschleudert wurden und dort von entgegengesetzten Strömungen weitergetragen wurden. Inmitten dieses Tornados verschwand eine ganze Karawane – zerstört und durcheinandergeraten – unter einer Lawine aus Sand. Die Kamele, durcheinandergeworfen, stießen dumpfe, erbärmliche Laute aus; Schreie und Klagen der Verzweiflung waren aus dieser staubigen, erdrückenden Wolke zu hören. Von Zeit zu Zeit durchbrach ein farbiges Kleidungsstück mit seinen leuchtenden Farben das Chaos der Szene – und über allem lag das Stöhnen und Schreien, ein schreckliches Begleitmusikstück zu diesem zerstörerischen Schauspiel.
Bald hatte sich der Sand zu kompakten Massen angesammelt; und dort, wo noch vor kurzem eine ebene Fläche bis zum Horizont reichte, erhoben sich nun…

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Eine Reihe von Hügeln – immer noch in Bewegung unter ihnen –: das gewaltige Grab einer ganzen Karawane!
Der Arzt und Kennedy, blass vor Aufregung, saßen wie erstarrt vor diesem schrecklichen Anblick. Sie konnten ihren Ballon nicht mehr steuern – er wirbelte in den widersprüchlichen Strömungen herum und weigerte sich, den Veränderungen des Gasdrucks zu folgen. In diesen Wirbeln der Atmosphäre drehte sich der Ballon mit solcher Geschwindigkeit, dass ihnen schwindelig wurde; gleichzeitig schwankte die Kutsche heftig hin und her. Die Instrumente, die unter dem Dach angebracht waren, klirrten gegeneinander, als würden sie in Stücke gerissen; die Rohre bogten sich hin und her und drohten jederzeit zu brechen; die Wassertanks stießen gegeneinander und erzeugten ein ohrenbetäubendes Geräusch.
Obwohl sie nur zwei Fuß voneinander entfernt waren, konnten die Aeronauten einander nicht hören. Mit fest umklammerten Händen klammerten sie sich verzweifelt an die Seile und versuchten, sich gegen die Wut des Sturms zu stemmen.
Kennedy, dessen Haare wild um sein Gesicht wehten, sah schweigend zu; doch der Arzt hatte inmitten dieser tödlichen Gefahr all seinen Mut wiedergewonnen. Kein Zeichen seiner Emotionen zeigte sich auf seinem Gesicht – selbst dann nicht, als die Victoria nach einem letzten heftigen Wirbel plötzlich mitten in völliger Ruhe zum Stillstand kam. Der Nordwind hatte plötzlich die Oberhand gewonnen und trieb das Schiff mit derselben Geschwindigkeit zurück auf den Weg, den es am Morgen eingeschlagen hatte.
„Wohin gehen wir jetzt?“, rief Kennedy.
„Lassen wir das der Vorsehung überlassen, mein lieber Dick. Ich lag falsch, als ich daran zweifelte. Sie weiß besser als wir – und hier sind wir wieder, auf dem Weg zu Orten, von denen wir dachten, wir würden sie nie wieder sehen!“
Die Oberfläche des Landes, die beim Kommen so flach und eben erschienen war, wirkte nun unruhig und ungleichmäßig – wie die Wellen des Ozeans nach einem Sturm. Eine endlose Reihe von Hügeln durchzog die Wüste; der Wind wehte heftig, und der Ballon flog regelrecht durch die Atmosphäre.
Die Richtung, in die die Aeronauten flogen, unterschied sich etwas von der des Morgens. Gegen neun Uhr befanden sie sich also nicht mehr in der Nähe der Ufer des Tschadsees, sondern sahen weiterhin nur Wüste vor sich.
Kennedy bemerkte diese Tatsache.

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„Es spielt keine große Rolle“, antwortete der Arzt. „Wichtig ist, nach Süden zurückzukehren. Wir werden auf die Städte Bornou, Wouddie oder Kouka stoßen – und ich würde nicht zögern, dort anzuhalten.“
„Wenn Sie zufrieden sind, bin ich es auch“, erwiderte der Schotte. „Aber möge der Himmel verhüten, dass wir gezwungen sind, wie jene unglücklichen Araber durch die Wüste zu ziehen! Was wir gesehen haben, war schrecklich!“
„Das kommt oft vor, Dick. Solche Reisen durch die Wüste sind weitaus gefährlicher als solche über den Ozean. Die Wüste birgt alle Gefahren des Meeres – einschließlich der Gefahr, verschlungen zu werden – dazu kommen noch unerträgliche Anstrengungen und Entbehrungen.“
„Ich glaube, der Wind lässt etwas nach; der Sandstaub ist weniger dicht, die Wellen auf der Oberfläche nehmen ab – und der Himmel wird immer klarer.“
„Umso besser! Wir müssen jetzt mit unseren Ferngläsern sorgfältig Ausschau halten und darauf achten, keinen einzigen Punkt zu übersehen.“
„Darum werde ich mich kümmern, Doktor – kein Baum wird unbemerkt bleiben, ohne dass ich Sie darüber informiere.“
Und tatsächlich nahm Kennedy, wie er es versprochen hatte, mit seinem Fernglas in der Hand Position am vorderen Teil des Wagens ein.

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KAPITEL FÜNFUNDFÜNFZIG.

Was mit Joe geschah – Die Insel der Biddiomahs – Die Verehrung, die ihm entgegengebracht wurde – Die versunkene Insel – Die Ufer des Sees – Der Baum der Schlangen – Spuren von Fußstapfen – Schreckliches Leiden – Mücken und Ameisen – Hunger – Die Victoria – Sie verschwindet – Der Sumpf – Ein letzter verzweifelter Schrei.

Was war aus Joe geworden, während sein Herr vergeblich nach ihm suchte? Als er kopfüber in den See gestürzt war, war seine erste Bewegung, nachdem er wieder an die Oberfläche kam, es, den Kopf zu heben und nach oben zu schauen. Er sah die Victoria bereits weit über dem Wasser – sie stieg weiterhin schnell auf und wurde immer kleiner. Bald geriet sie in einen starken Strudel und verschwand in nördlicher Richtung. Sein Herr – auch seine Freunde – waren gerettet! „Wie glücklich ich doch war“, dachte er, „dass mir die Idee kam, mich ins Wasser zu stürzen! Herr Kennedy hätte sicherlich sofort dasselbe getan; er hätte nicht gezögert, genauso zu handeln wie ich – denn es ist ganz natürlich, dass ein Mensch sich opfert, um zwei andere zu retten. Das ist Mathematik!“ Zufrieden mit dieser Erkenntnis begann Joe, an sich selbst zu denken. Er befand sich mitten in einem riesigen See, umgeben von Stämmen, die ihm unbekannt waren – und vermutlich wild. Umso mehr musste er versuchen, allein aus dieser misslichen Lage herauszukommen. Deshalb machte er sich keine weiteren Sorgen mehr darüber. Bevor die Raubvögel angriffen – die seiner Ansicht nach wie echte Kondore aussahen – hatte er am Horizont eine Insel bemerkt. Entschlossen, sie möglichst zu erreichen, setzte er all sein Wissen und seine Fähigkeiten im Schwimmen ein – nachdem er zunächst den größten Teil seiner Kleidung abgelegt hatte. Die Vorstellung von einem Streckenabschnitt von fünf oder sechs Meilen…

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„Nein“ beunruhigte ihn nicht; daher dachte er, solange er sich auf dem offenen See befand, nur daran, geradeaus und mutig voranzuschwimmen. Nach etwa anderthalb Stunden hatte sich die Entfernung zwischen ihm und der Insel stark verringert. Doch als er das Ufer näher kam, kam ihm ein Gedanke in den Sinn – zunächst flüchtig, dann aber beharrlich. Er wusste, dass die Ufer des Sees von riesigen Alligatoren bevölkert wurden, und kannte nur zu gut die Gier dieser Monster. Egal, wie sehr er dazu neigte, alles in dieser Welt als ganz natürlich anzusehen, war der arme Mann doch ziemlich beunruhigt durch diesen Gedanken. Er fürchtete sehr, dass sein weißes Fleisch besonders verlockend für diese schrecklichen Bestien sein könnte, und schwamm daher mit äußerster Vorsicht vorwärts, wobei seine Augen ständig nach allen Seiten Ausschau hielten. Schließlich befand er sich weniger als hundert Yards von einem mit grünen Bäumen bedeckten Ufer entfernt, als eine Luftströmung mit einem starken moschusartigen Geruch zu ihm drang. „Da!“, sagte er zu sich selbst, „genau das, was ich erwartet habe. Der Krokodil ist nicht weit weg!“ Daraufhin tauchte er schnell ab – doch nicht schnell genug, um nicht mit einem riesigen Körper in Berührung zu kommen; die schuppige Oberfläche dieses Körpers kratzte ihn, als er daran vorbeischwamm. Er glaubte, verloren zu sein, und schwamm mit verzweifelter Kraft weiter. Dann tauchte er wieder an die Oberfläche, holte Atem und tauchte erneut ab. So vergingen einige Minuten voller unbeschreiblicher Qualen – eine Qual, die seine ganze Philosophie nicht überwinden konnte. Die ganze Zeit über glaubte er, hinter sich das Geräusch jener riesigen Kiefer zu hören, die bereit waren, ihn für immer zu verschlingen. In diesem Zustand versuchte er, so leise wie möglich unter Wasser voranzukommen – doch plötzlich fühlte er, wie er am Arm und anschließend an der Taille gepackt wurde. Armer Joe! Er dachte noch einmal an seinen Herrn und begann mit aller Kraft des Verzweifelns zu kämpfen. Dabei spürte er, wie er mitgerissen wurde – doch nicht zum Grund des Sees, wie es bei Krokodilen üblich ist, wenn sie ihre Beute verschlingen wollen, sondern zur Oberfläche. Sobald er wieder Atem holen und sich umsehen konnte, sah er, dass er zwischen zwei Eingeborenen stand, die so schwarz wie Ebenholz waren. Sie hielten ihn fest und stießen seltsame Laute aus.

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„Ha!“, sagte Joe, „Schwarze anstelle von Krokodilen! Nun, ich bevorzuge es so, wie es ist – aber wie können diese Kerle es wagen, an solchen Orten zu baden?“
Joe wusste nicht, dass die Bewohner der Inseln des Tschadsees, wie viele andere schwarze Stämme auch, ungehindert in Gewässer eintauchen, die von Krokodilen und Kaimanen bevölkert sind, ohne sich um sie Sorgen zu machen. Die amphibischen Bewohner dieses Sees genießen den wohlverdienten Ruf, völlig harmlos zu sein.
Aber hatte Joe nicht gerade eines Unheils entkommen, um in ein anderes zu geraten? Das war eine Frage, die er den Umständen überließ – und da er nichts anderes tun konnte, ließ er sich ohne sichtbare Besorgnis zum Ufer führen.
„Offensichtlich“, dachte er, „haben diese Leute das Schiff Victoria gesehen, wie es über die Wasseroberfläche des Sees glitt – wie ein Monster aus der Luft. Sie waren Zeugen meines Sturzes und werden sicherlich Respekt vor einem Mann haben, der vom Himmel gefallen ist! Lassen wir sie ihren Weg gehen.“
In diesem Moment seiner Überlegungen wurde Joe mitten in einer schreienden Menge aus Männern und Frauen aller Altersgruppen und Größen – allerdings nicht aller Hautfarben – an Land gebracht. Kurz gesagt: Er wurde von einem Stamm von Biddiomahs umgeben, die genauso schwarz wie Ebenholz waren. Auch musste er sich nicht über seine spärliche Kleidung schämen, denn er stellte fest, dass er in dem höchsten Stil dieses Landes „nackt“ war.
Doch bevor er Zeit hatte, sich eine genaue Vorstellung von der Situation zu machen, war die Aufregung, die er sofort hervorrief, unübersehbar – und das half ihm, Mut zu fassen, obwohl die Erinnerung an das Abenteuer in Kazeh wieder lebhaft in seinem Gedächtnis auftauchte.
„Ich fürchte, sie werden wieder einen Gott aus mir machen“, dachte er, „wahrscheinlich irgendeinen Mondsohn. Nun, ein Beruf ist wie jeder andere, wenn man keine Wahl hat. Das Wichtigste ist, Zeit zu gewinnen. Falls die Victoria wieder hier vorbeikommt, werde ich meine neue Position nutzen, um meinen Anbetern hier ein Wunder zu zeigen, wenn ich in den Himmel aufbreche!“
Während Jos Gedanken so dahinflossen, drängte sich die Menge um ihn. Sie warfen sich vor ihm nieder, heulten, berührten ihn – und wurden sogar lästig vertraulich. Gleichzeitig hatten sie jedoch die Rücksicht, ihm ein prächtiges Mahl anzubieten, bestehend aus saurer Milch und Reis, der in Honig püriert worden war. Der gute Kerl nutzte jede Gelegenheit und genoss eines der besten Mittagessen seines Lebens – und gab seinen neuen…

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Die Anbeter hatten eine überhöhte Vorstellung davon, wie die Götter zu besonderen Anlässen ihre Nahrung aufbewahren. Als der Abend kam, nahmen die Zauberer der Insel ihn respektvoll bei der Hand und führten ihn zu einem Gebäude, das von Talismanen umgeben war. Doch als er eintrat, warf Joe einen beunruhigten Blick auf die Haufen menschlicher Knochen, die überall in diesem „Heiligtum“ verstreut lagen. Er hatte noch mehr Zeit, darüber nachzudenken, als er schließlich in der Hütte eingeschlossen war. Am Abend und einen Teil der Nacht über hörte er feierliche Gesänge, das Dröhnen einer Art Trommel sowie das Klirren von altem Eisen – alles Dinge, die für afrikanische Ohren sicherlich sehr angenehm klangen. Dann gab es heulende Chöre sowie endlose Tänze von Gruppen von Eingeborenen, die in Windungen und mit Grimassen um die heilige Hütte herumtanzten. Joe konnte den Lärm dieses ohrenbetäubenden „Orchesters“ durch den Schlamm und das Schilf hören, aus dem seine Hütte bestand. Vielleicht hätten ihn unter anderen Umständen diese seltsamen Zeremonien amüsiert – doch bald wurden seine Gedanken von ganz anderen, weniger angenehmen Überlegungen gestört. Selbst wenn man es positiv betrachtete, fand er es dumm und traurig, allein mitten in diesem wilden Land und unter diesen wilden Stämmen zurückgelassen zu werden. Nur wenige Reisende, die in diese Regionen vorgedrungen waren, sahen ihr Heimatland jemals wieder. Außerdem: Konnte er dem Glauben vertrauen, dessen Gegenstand er selbst war? Er hatte gute Gründe, an der Eitelkeit der menschlichen Größe zu glauben – und fragte sich, ob es in diesem Land nicht vorkam, dass die Anbetung sogar dazu führte, das Angebetete zu essen! Doch trotz dieser ziemlich beunruhigenden Aussichten überwältigte nach einigen Stunden des Nachdenkens die Müdigkeit seine düsteren Gedanken – und Joe fiel in einen tiefen Schlaf, der zweifellos bis zum Sonnenaufgang angehalten hätte, wäre nicht ein völlig unerwartetes Gefühl der Feuchtigkeit aufgewacht. Bald verwandelte sich diese Feuchtigkeit in Wasser – und dieses Wasser stieg so schnell an, dass es bald Joes Taille erreichte. „Was kann das sein?“, sagte er. „Eine Flut! Ein Wasserspeiender Berg! Oder eine neue Foltermethode, die diese Schwarzen erfunden haben? Verdammt, ich werde hier nicht warten, bis das Wasser mir bis zum Hals reicht!“ Mit diesen Worten brach er durch die schwache Wand mit einem Stoß seiner kräftigen Schulter – und fand sich plötzlich… wo? Im offenen See! Es gab keine Insel mehr – sie war in der Nacht versunken. An ihrer Stelle lag die weite Wasserfläche des Tschadsees.

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„Ein armsames Land für die Grundbesitzer!“, sagte Joe und griff erneut energisch auf seine Fähigkeiten im Schwimmen zurück. Eines jener Phänomene, die am Tschadsee keineswegs ungewöhnlich sind, hatte unseren tapferen Joe befreit. Mehr als eine Insel, die zuvor den Anschein von Fels zu haben schien, war auf diese Weise untergegangen; die Menschen, die an den Ufern des Festlands lebten, mussten die unglücklichen Überlebenden dieser schrecklichen Katastrophen retten. Joe wusste nichts von dieser Besonderheit der Gegend, war aber dennoch bereit, davon Gebrauch zu machen. Er entdeckte ein Boot, das ohne Insassen dahintrieb, und stieg bald darauf hinein. Es handelte sich dabei um den Stamm eines Baumes, der grob ausgehöhlt worden war; doch darin befanden sich ein paar Ruder, und Joe ließ sein Boot mit Hilfe einer starken Strömung treiben. „Aber schauen wir mal, wo wir sind“, sagte er. „Der Polarstern dort, der allen anderen ehrlich den Weg nach Norden zeigt, wird mir wahrscheinlich auch weiterhin helfen.“ Zufrieden stellte er fest, dass die Strömung ihn in Richtung des nördlichen Ufers des Sees trieb, und ließ sich von ihr mitreißen. Gegen zwei Uhr morgens landete er auf einem Vorsprung, der mit stacheligen Schilfrohren bedeckt war – was selbst für einen Philosophen wie ihn sehr lästig und unbequem war. Doch dort wuchs ein Baum, der ihm eine Schlafstätte zwischen seinen Ästen bot. Joe kletterte hinauf, um besser geschützt zu sein, und wartete dort, ohne viel zu schlafen, auf den Sonnenaufgang. Als der Morgen mit der plötzlichen Geschwindigkeit einsetzte, die für die äquatorialen Regionen typisch ist, warf Joe einen Blick auf den Baum, der ihn in den letzten Stunden geschützt hatte – und sah etwas, das ihm das Blut in den Adern gefrieren ließ. Die Äste des Baumes waren buchstäblich mit Schlangen und Chamäleonen bedeckt! Das Laub war tatsächlich unter ihren Körpern verborgen, sodass man meinen könnte, es handele sich um eine neue Art von Baum, dessen Blätter und Früchte aus Reptilien bestehen. Und all diese schrecklichen Lebewesen wanden und drehten sich in den ersten Strahlen der Morgensonne! Joe verspürte eine starke Angst gemischt mit Abscheu, als er sie ansah, und sprang eilig vom Baum herunter, mitten im Zischen dieser neuen, unerwünschten „Mitbewohner“. „Nun, das ist etwas, was ich niemals für möglich gehalten hätte!“, sagte er. Ihm war nicht bewusst, dass Dr. Vogels letzte Briefe bereits von dieser seltsamen Eigenschaft der Ufer des Tschadsees berichtet hatten – dort gibt es nämlich mehr Reptilien als…

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Es gab dort mehr davon als in irgendeinem anderen Teil der Welt. Doch nach dem, was er gerade gesehen hatte, beschloss Joe, in Zukunft vorsichtiger zu sein. Er orientierte sich am Sonnenstand und machte sich zu Fuß auf den Weg nach Nordosten, wobei er mit größter Sorgfalt alle Arten von Hütten, Behausungen und Verstecken mied – Orte, die als Unterschlupf für Menschen dienen könnten.
Wie oft richtete er seinen Blick gen Himmel! Jedes Mal hoffte er, einen Blick auf die Victoria werfen zu können. Obwohl er während dieses langen, anstrengenden Tages vergeblich suchte, schwand sein Vertrauen in seinen Herrn nicht. Es bedurfte großer Charaktermacht, um in solchen Situationen ruhig zu bleiben. Hunger und Erschöpfung versuchten, ihn zu überwältigen – schließlich wird der Körper durch eine Ernährung aus Wurzeln, Pflanzensäften oder Früchten wie denen des Doum-Palmenbaums kaum gestärkt. Dennoch schaffte es Joe laut seinen eigenen Berechnungen, etwa zwanzig Meilen nach Westen vorzudringen.
Sein Körper wies an Dutzenden Stellen Spuren von Dornen auf – die Schilfpflanzen, Akazien, Mimosen sowie andere Wildsträucher, durch die er sich kämpfen musste, waren damit übersät. Seine zerrissenen, blutenden Füße machten das Gehen sowohl schmerzhaft als auch schwierig. Doch schließlich gelang es ihm, all diesen Leiden entgegenzuwirken. Als wieder Abend wurde, beschloss er, die Nacht am Ufer des Tschad-Sees zu verbringen. Dort musste er die Bisse unzähliger Insekten ertragen – Mücken, Fliegen, Ameisen, die fast einen halben Zoll lang waren – sie bedeckten buchstäblich den Boden. Innerhalb weniger Stunden hatte Joe kein einziges Stück Stoff mehr an seiner Kleidung – die Insekten hatten sie verschlungen! Es war eine schreckliche Nacht – unser erschöpfter Reisender bekam keine Stunde Schlaf. Die ganze Zeit über führten Wildschweine und einheimische Büffel, unterstützt von Ajoub – einer sehr gefährlichen Lamantinenart – ihre grausamen Taten in den Büschen und unter Wasser des Sees, wodurch die Nacht von einem schrecklichen Lärm erfüllt war. Joe wagte es kaum zu atmen. Selbst sein Mut und seine Ruhe hatten große Mühe, einer solch schrecklichen Situation standzuhalten.
Endlich kam wieder Tag – Joe sprang eilig auf. Doch stellen Sie sich seine Abscheu vor, als er sah, welche Art von Kreatur seinen „Lagerplatz“ teilte: eine Kröte! Eine Kröte, fünf Zoll lang – ein monströses, abscheuliches Exemplar von Ungeziefer, das dort mit riesigen, runden Augen auf ihn starrte. Joe fühlte sich bei diesem Anblick schlecht. Nachdem er etwas Kraft durch seine starke Abneigung gewonnen hatte, stürzte er mit voller Geschwindigkeit darauf zu…

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Er stürzte sich ins Meer. Dieses plötzliche Bad linderte etwas die Juckreizgefühle, die seinen ganzen Körper quälten; nachdem er ein paar Blätter gekaut hatte, machte er sich entschlossen auf den Weg – wieder von einem beharrlichen Entschluss getrieben, den er selbst kaum erklären konnte. Es schien, als hätte er nicht mehr die volle Kontrolle über seine Handlungen – doch in ihm spürte er eine Stärke, die größer war als die Verzweiflung.

Doch nun litt er schrecklich unter Hunger. Sein Magen, der nicht so bereitwillig nachgab wie er selbst, rebellierte, und er musste einen Rankenstrang einer Wildpflanze fest um seine Taille binden. Glücklicherweise konnte er jederzeit seinen Durst stillen. Wenn er an die Leiden dachte, die er in der Wüste ertragen hatte, fühlte er sich etwas erleichtert, da er dieser anderen quälenden Not entgangen war.

„Was mag aus der Victoria geworden sein?“, fragte er sich. „Der Wind weht aus Norden – sie sollte daher vom Wind zum See getragen werden. Zweifellos hat der Doktor bereits damit begonnen, ihr Gleichgewicht wiederherzustellen. Gestern hätte ihm dafür genug Zeit gegeben – also könnte es heute sein. Doch ich muss so handeln, als würde ich ihn nie wiedersehen. Schließlich: Wenn ich nur eines der großen Städte am See erreiche, werde ich mich nicht schlechter befinden als die Reisenden, von denen mein Herr immer erzählte. Warum sollte ich mich nicht genauso aus dieser misslichen Lage befreien können wie sie? Einige von ihnen konnten schließlich nach Hause zurückkehren. Na los! Sei mutig, mein Junge!“

Während er so mit sich selbst sprach und schnell weiterging, stieß Joe mitten im Wald auf eine Schar Eingeborener. Doch er hielt rechtzeitig an, sodass sie ihn nicht sahen. Die Schwarzen waren damit beschäftigt, Pfeile mit dem Saft des Euphorbiums zu vergiften – eine Tätigkeit, die bei diesen wilden Stämmen als sehr wichtig galt und mit einer Art zeremonieller Feierlichkeit ausgeführt wurde.

Joe blieb völlig regungslos und hielt sogar den Atem an, um sich in einem Gebüsch zu verstecken. Plötzlich blickte er auf und sah durch eine Lücke im Laub das willkommene Bild des Ballons – die Victoria selbst –, der in einer Höhe von etwa hundert Fuß über ihm auf den See zuflog. Doch er konnte sich nicht hören lassen; er wagte es nicht, und er konnte seine Freunde auch nicht sehen!

Tränen traten ihm in die Augen – nicht aus Kummer, sondern aus Dankbarkeit. Sein Herr suchte nach ihm; er hatte ihn nicht im Stich gelassen! Er musste warten, bis die Schwarzen weg waren, dann konnte er seinen Versteck verlassen und in Richtung der Ufer des Tschadsees laufen!

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Doch zu dieser Zeit verschwand die Victoria am fernen Himmel. Joe war immer noch entschlossen, auf sie zu warten – sie würde zweifellos wieder zurückkehren. Tatsächlich kehrte sie zurück, doch weiter nach Osten. Joe rannte, gestikulierte, schrie – doch alles vergeblich! Ein starker Wind trieb den Ballon mit solcher Geschwindigkeit davon, dass ihm jede Hoffnung genommen wurde.
Zum ersten Mal verließen Energie und Selbstvertrauen das Herz des unglücklichen Mannes. Er erkannte, dass er verloren war. Er glaubte, sein Meister sei jenseits jeder Rückkehrmöglichkeit. Er wagte es nicht mehr zu denken, nicht mehr nachzudenken!
Wie ein Verrückter, mit blutenden Füßen und zerrissenem Körper, ging er den ganzen Tag über sowie einen Teil der folgenden Nacht weiter. Manchmal zog er sich vorwärts, manchmal auf Knien, manchmal mit den Händen. Er sah, dass der Moment nahte, in dem all seine Kräfte versagen würden – dann bliebe ihm nichts anderes übrig, als zu Boden zu sinken und zu sterben.
So kämpfte er sich voran, bis er schließlich in der Nähe eines Sumpfes landete – oder vielmehr an einem Ort, der bald zu einem Sumpf werden würde, denn es war bereits einige Stunden zuvor Nacht geworden. Durch einen plötzlichen Fehler fiel er in einen dichten, klebrigen Morast. Trotz all seiner Bemühungen, trotz seines verzweifelten Kampfes spürte er, wie er allmählich im sumpfigen Schlamm versank – schon nach wenigen Minuten war er bis zur Taille begraben.
„Hier also ist endlich der Tod!“, dachte er in Qualen. „Und welch ein Tod!“
Er begann erneut zu kämpfen, wie ein Verrückter – doch seine Bemühungen dienten nur dazu, ihn noch tiefer in das Grab zu bringen, das der arme, verurteilte Junge für sich selbst aushob. Es gab keinen Baumstamm, keinen Ast, an dem er sich festhalten konnte – keine Schilfstaude, an der er sich halten konnte! Er spürte, dass alles vorbei war. Seine Augen schlossen sich krampfhaft!
„Meister! Meister! – Hilfe!“, waren seine letzten Worte. Doch seine Stimme, verzweifelt, hilflos, bereits halb erstickt vom aufsteigenden Morast, verklang schwach in der Nacht.

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KAPITEL SECHSUNDDREISSIGSTES.

Eine Menschenmenge am Horizont – Eine Gruppe von Arabern – Die Verfolgung – Es ist er – Sturz vom Pferd – Der erwürgte Araber – Ein Ball von Kennedy – Geschickte Manöver – Schließlich gerettet.

Von dem Moment an, als Kennedy seinen Beobachtungsposten vor dem Wagen wieder einnahm, hörte er nicht auf, den Horizont mit größter Aufmerksamkeit zu beobachten. Nach einer Weile wandte er sich an den Arzt und sagte: „Falls ich mich nicht sehr irre, kann ich dort drüben in der Ferne eine Menschenmenge oder Tiere erkennen, die sich bewegen. Im Moment ist es noch unmöglich, sie genau zu erkennen, aber ich sehe, dass sie sich sehr schnell bewegen, denn sie erheben eine große Staubwolke.“ „Könnte es nicht wieder ein Gegenwind sein?“, fragte der Arzt. „Ein weiterer Wirbelsturm, der uns wieder nach Norden treiben könnte?“ Während er sprach, stand er auf, um den Horizont zu untersuchen. „Ich glaube nicht, Samuel; es handelt sich um eine Gruppe von Gazellen oder Wildoxen.“ „Vielleicht, Dick – aber diese Menschenmenge ist mindestens neun oder zehn Meilen von uns entfernt. Selbst mit dem Fernrohr kann ich nichts erkennen!“ „Auf jeden Fall werde ich sie nicht aus den Augen verlieren. Es gibt etwas Bemerkenswertes an ihnen, das meine Neugier weckt. Manchmal sieht es aus wie eine Kavallerieeinheit, die Manöver durchführt. Ah! Ich lag nicht falsch. Es handelt sich tatsächlich um eine Gruppe von Reitern. Schau – da drüben!“ Der Arzt betrachtete die Gruppe sehr aufmerksam und meinte nach einem Moment: „Ich glaube, du hast recht. Es handelt sich um eine Gruppe von Arabern oder Tibbous. Sie reiten in derselben Richtung wie wir – als würden sie fliehen. Aber wir…“

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Wir sind schneller als sie – und wir kommen ihnen schnell näher. In einer halben Stunde werden wir nahe genug sein, um sie sehen zu können und herauszufinden, wer sie sind.“ Kennedy hob erneut sein Glas und betrachtete sie aufmerksam. In der Zwischenzeit wurde die Gruppe der Reiter immer deutlicher sichtbar – einige von ihnen lösten sich vom Haupttrupp ab. „Es handelt sich offensichtlich um eine Art Jagdmanöver“, sagte Kennedy. „Diese Leute scheinen etwas zu verfolgen. Ich möchte gerne wissen, was sie vorhaben.“ „Geduld, Dick! In Kürze werden wir sie einholen, wenn sie weiterhin denselben Weg nehmen. Wir fahren mit einer Geschwindigkeit von zwanzig Meilen pro Stunde – kein Pferd kann damit mithalten.“ Kennedy hob wieder sein Glas. Ein paar Minuten später rief er aus: „Es sind Araber, die mit voller Geschwindigkeit reiten; ich kann sie deutlich erkennen. Es sind etwa fünfzig von ihnen. Ich sehe, wie ihre Gewänder vom Wind aufgebläht werden. Es handelt sich um irgendeine Kavallerieübung. Ihr Anführer ist hundert Schritte vor ihnen – sie jagen ihm mit hoher Geschwindigkeit nach.“ „Wer auch immer sie sein mögen, Dick – sie sind nicht zu fürchten. Falls nötig, können wir noch schneller fahren.“ „Warten Sie, Doktor – warten Sie noch einen Moment!“ „Es ist seltsam“, sagte Kennedy nach einer kurzen Pause. „Aber da geht etwas vor sich, das ich mir nicht genau erklären kann. Angesichts ihrer Anstrengungen sowie der Unregelmäßigkeit ihrer Formation nehme ich an, dass diese Araber jemanden verfolgen – anstatt einfach nur zu folgen.“ „Sind Sie sich da sicher, Dick?“ „Oh! Ja, jetzt ist es klar. Ich habe recht! Es handelt sich um eine Verfolgungsjagd – aber eine Jagd auf einen Menschen! Der Mann vor ihnen ist nicht ihr Anführer, sondern ein Flüchtling.“ „Ein Flüchtling!“, rief der Doktor, immer interessierter werdend. „Ja!“ „Verlieren Sie ihn nicht aus den Augen – und warten wir ab!“ Schnell wurden weitere drei oder vier Meilen auf diese Reiter zurückgelegt – doch diese setzten ihren Weg weiterhin mit unglaublicher Geschwindigkeit fort. „Doktor! Doktor!“, rief Kennedy mit aufgeregter Stimme. „Was ist los, Dick?“

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„Ist es eine Illusion? Kann das möglich sein?“
„Was meinen Sie damit?“
„Warten Sie!“ Und damit wischte der Schotte vorsichtig die Linsen seines Fernrohrs sauber und blickte wieder darauf.
„Nun?“, fragte der Arzt.
„Es ist er, Doktor!“
„Er!“, rief Ferguson voller Emotion.
„Es ist er – niemand sonst!“, und es war unnötig, den Namen auszusprechen.
„Ja! Es ist er! Auf dem Pferd, nur hundert Schritte vor seinen Feinden! Er wird verfolgt!“
„Es ist Joe – Joe selbst!“, rief der Arzt und wurde blass.
„Er kann uns in seiner Flucht nicht sehen!“
„Aber er wird uns schon sehen!“, sagte der Arzt und senkte die Flamme seiner Pfeife.
„Aber wie?“
„In fünf Minuten werden wir uns innerhalb von fünfzig Fuß über dem Boden befinden, und in fünfzehn Minuten direkt über ihm sein!“
„Wir müssen ihm das mit einem Schuss mitteilen!“
„Nein! Er kann nicht umkehren, um diesen Weg zu nehmen. Er ist bereits weitergegangen!“
„Was sollen wir dann tun?“
„Wir müssen warten.“
„Warten? – Und diese Araber!“
„Wir werden sie einholen. Wir werden an ihnen vorbeikommen. Wir sind nicht mehr als zwei Meilen von ihnen entfernt – vorausgesetzt, Joes Pferd hält durch!“
„Großer Gott!“, rief Kennedy plötzlich.
„Was ist los?“
Kennedy hatte einen Schrei der Verzweiflung ausgestoßen, als er sah, wie Joe zu Boden stürzte. Sein Pferd, offensichtlich erschöpft, war gerade umgefallen.
„Er sieht uns!“, rief der Arzt. „Und er gibt uns Zeichen, während er wieder aufsteht!“
„Aber die Araber werden ihn einholen! Was wartet er noch? Ah! Der tapfere Junge! Huzza!“, rief der Sportler, der sich nicht länger zurückhalten konnte.

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Gefühle…
Joe, der sofort wieder auf die Beine gekommen war, nachdem er gefallen war – gerade als einer der schnellsten Reiter auf ihn zustürmte – sprang wie eine Panther und wich seinem Angreifer aus, indem er zur Seite sprang. Anschließend kletterte er hinter den Reiter auf dessen Pferd, packte den Araber am Hals und würgte ihn mit seinen kräftigen Händen und „stählernen“ Fingern. Danach warf er den Mann zu Boden und setzte seine wilde Flucht fort.
Von den Arabern ertönte ein lautes Geheul – doch da sie völlig auf die Verfolgung konzentriert waren, bemerkten sie den Ballon nicht, der nun nur noch fünfhundert Schritte hinter ihnen war – und nur etwa dreißig Fuß über dem Boden schwebte. Sie selbst waren weniger als zwanzig Pferdelängen vom Flüchtling entfernt. Einer von ihnen kam Joe immer näher und wollte ihn mit seiner Lanze durchbohren – doch Kennedy hielt ihn mit einem Ballon auf, den er ihm entgegenwarf; dadurch wurde der Araber zu Boden geworfen.
Joe drehte sich nicht einmal um, als das Geräusch ertönte. Einige der Reiter zügelten ihre Pferde und warfen sich im Staub nieder, als sie den Victoria sahen; die anderen setzten ihre Verfolgung fort.
„Aber was macht Joe da?“, fragte Kennedy. „Er hält nicht an!“
„Er tut sogar mehr als das, Dick! Ich verstehe ihn! Er flieht in derselben Richtung wie der Ballon. Er verlässt sich auf unsere Intelligenz. Ah! Was für ein edler Kerl! Wir werden ihn mitten in die Arme dieser arabischen Schurken bringen! Wir sind nicht mehr als zweihundert Schritte von ihm entfernt!“
„Was sollen wir tun?“, fragte Kennedy.
„Leg dein Gewehr beiseite, Dick.“
Der Schotte gehorchte sofort.
„Glaubst du, du kannst hundertfünfzig Pfund Ballast in deinen Armen halten?“
„Ja, sogar mehr!“
„Nein! Das wird genügen!“
Der Arzt begann, Säcke mit Sand in Kennedys Arme zu stapeln.
„Bleib im hinteren Teil des Wagens und sei bereit, den Ballast mit einem einzigen Ruck hinauszuschmeißen. Aber um Himmels willen: Tu das erst, wenn ich es dir sage!“
„Sei beruhigt.“
„Sonst verpassen wir Joe – und er wäre verloren.“

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„Verlassen Sie sich auf mich!“
In diesem Moment schien die Victoria beinahe die Truppe der Reiter zu befehligen – Reiter, die weiterhin verzweifelt ihre Pferde antrieben, um Joe einzuholen. Der Arzt, der vor dem Wagen stand, hielt die Leiter bereit, bereit, sie jederzeit zu werfen. In der Zwischenzeit hielt Joe weiterhin Abstand zu seinen Verfolgern – etwa fünfzig Fuß. Die Victoria war nun vor der Gruppe.
„Achtung!“, rief der Arzt Kennedy zu.
„Ich bin bereit!“
„Joe, pass auf dich auf!“, schrie der Arzt mit seiner tiefen, klingenden Stimme, während er die Leiter warf. Die untersten Sprossen der Leiter wirbelten den Staub von der Straße auf.
Während der Arzt schrie, drehte Joe seinen Kopf – doch er bremste sein Pferd nicht. Die Leiter fiel in seine Nähe; im selben Moment, in dem er sie ergriff, rief der Arzt wieder Kennedy zu: „Werfen Sie Ballast hinunter!“
„Es ist erledigt!“
Und die Victoria, nun leichter durch den verlorenen Ballast, stieg hundertfünfzig Fuß in die Luft.
Joe klammerte sich mit aller Kraft an die Leiter, während diese stark schwankte. Anschließend machte er den Arabern eine unbeschreibliche Geste und kletterte mit der Geschicklichkeit eines Affen zu seinen Gefährten hinauf. Diese empfingen ihn mit offenen Armen.
Die Araber stießen Schreie des Entsetzens und Zorns aus. Der Flüchtige war ihnen gerade noch entkommen – und die Victoria entfernte sich schnell außerhalb ihrer Reichweite.
„Meister! Kennedy!“, rief Joe. Schließlich überwältigten ihn Erschöpfung und Emotionen – er brach zusammen. Kennedy hingegen rief immer wieder: „Gerettet – gerettet!“
„Tatsächlich gerettet!“, murmelte der Arzt, der wieder seine ruhige Gelassenheit zurückerlangt hatte.
Joe war fast nackt. Seine blutenden Arme sowie sein Körper, bedeckt mit Schnitten und Blutergüssen, zeigten, welche Qualen er durchgemacht hatte. Der Arzt kleidete ihn leise an.

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Er wurde mit Wunden versorgt und bequem unter dem Vordach abgelegt.
Joe kam bald wieder zu Bewusstsein und bat um ein Glas Brandy – was der Arzt nicht für nötig hielt abzulehnen, denn dem treuen Mann musste man entgegenkommen.
Nachdem er den Stoff geschluckt hatte, ergriff Joe die Hände seiner beiden Freunde und verkündete, dass er bereit sei, zu erzählen, was ihm zugestoßen war.
Doch sie ließen ihn zu diesem Zeitpunkt nicht sprechen; er fiel in einen tiefen Schlaf, den er offensichtlich dringend benötigte.
Die Victoria nahm nun eine schräge Richtung nach Westen ein. Getrieben von einem stürmischen Wind näherte sie sich erneut den Grenzen der dornigen Wüste, die die Reisenden über den Kronen der Palmen erkennen konnten – Palmen, die vom Sturm gebeugt und zerbrochen worden waren. Nachdem sie seit der Rettung von Joe bereits zweihundert Meilen zurückgelegt hatten, passierten sie gegen Mitternacht den zehnten Längengrad östlicher Länge.

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KAPITEL SIEBENUNDDREISSIG

Die Westroute – Joe wacht auf – Seine Sturheit – Ende von Jos Erzählung – Tagelei – Kennedys Ängste – Die Route nach Norden – Eine Nacht in der Nähe von Aghades

In der Nacht legte sich der Wind, als würde er nach dem Tumult des Tages zur Ruhe kommen. Die Victoria blieb ruhig auf dem Gipfel des hohen Platanenbaums liegen. Der Arzt und Kennedy wechselten sich dabei ab, Wache zu halten, während Joe die Gelegenheit nutzte, 24 Stunden lang ununterbrochen zu schlafen.

„Das ist die Heilung, die er braucht“, sagte Dr. Ferguson. „Die Natur wird sich um seine Pflege kümmern.“

Mit dem Morgengrauen wehte der Wind wieder stark – und zudem in launischen Böen. Er wechselte plötzlich von Süden nach Norden, doch schließlich wurde die Victoria von ihm in Richtung Westen getragen.

Der Arzt erkannte anhand der Karte das Königreich Damerghou – eine wellige, sehr fruchtbare Gegend. Die Hütten, aus denen die Dörfer bestanden, waren aus langen Schilfrohren gefertigt, die mit Zweigen der Asclepia-Pflanze verflochten waren. In den bewirtschafteten Feldern standen Getreidemühlen auf kleinen Gerüsten oder Plattformen, damit sie außerhalb der Reichweite der Mäuse und riesigen Ameisen dieses Landes blieben.

Bald passierten sie die Stadt Zinder – anhand ihres geräumigen Hinrichtungsortes, in dessen Mitte der „Todest Baum“ stand. Am Fuße dieses Baumes stand der Henker bereit; wer auch immer unter seinem Schatten vorbeiging, wurde sofort gehängt!

Nachdem Kennedy seinen Kompass betrachtet hatte, konnte er nicht umhin zu sagen: „Schauen Sie! Wir bewegen uns wieder nach Norden.“

„Egal – solange es uns nur nach Timbuktu bringt, werden wir uns nicht beschweren. Noch nie wurde eine bessere Reise unter besseren Umständen unternommen!“

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„Auch nicht in besserer Gesundheit“, sagte Joe in diesem Moment und zeigte sein fröhliches Gesicht zwischen den Vorhängen des Vordachs hervor.
„Da ist er! Unser tapferer Freund – unser Retter!“, rief Kennedy herzlich aus. „Wie geht es dir, Joe?“
„Oh! Nun, ganz natürlich, Herr Kennedy – völlig natürlich! Ich habe mich noch nie besser gefühlt! Nichts hilft einem Mann so wie eine kleine Erholungsreise mit Bad im Tschadsee – oder, Doktor?“
„Tapferer Kerl!“, sagte Ferguson und drückte Joes Hand. „Welche schreckliche Angst du uns bereitet hast!“
„Hm! Und Sie, Sir? Glauben Sie wirklich, ich hatte keine Sorgen um Sie, meine Herren? Sie haben mir wirklich einen schönen Schrecken eingejagt!“
„Wir werden niemals einer Meinung werden, Joe, wenn Sie die Dinge auf diese Weise betrachten.“
„Ich sehe, dass sein Sturz ihn überhaupt nicht verändert hat“, fügte Kennedy hinzu.
„Deine Hingabe und Selbstvergessenheit waren großartig, mein tapferer Junge – sie haben uns gerettet, denn die Victoria wäre ins Meer gefallen, und einmal dort hätte sie niemand mehr retten können.“
„Aber wenn meine Hingabe, wie Sie es nennen, Sie gerettet hat, dann hat sie doch auch mich gerettet – schließlich sind wir alle drei jetzt in ausgezeichneter Gesundheit. Somit gibt es in dieser ganzen Angelegenheit nichts, worüber wir streiten müssten.“
„Oh! Mit diesem Jungen werden wir niemals zu einer Einigung kommen“, sagte der Sportler.
„Die beste Lösung“, antwortete Joe, „ist, nichts mehr darüber zu sagen. Was geschehen ist, ist geschehen. Gut oder schlecht – wir können es nicht rückgängig machen.“
„Du sturer Kerl!“, lachte der Arzt. „Aber du kannst uns wenigstens von deinen Abenteuern erzählen.“
„Nur, wenn Sie es für wichtig halten. Aber erst einmal werde ich diesen fetten Gans braten – schließlich hat Herr Kennedy seine Zeit nicht verschwendet.“
„In Ordnung, Joe!“
„Nun, dann wollen wir mal sehen, wie dieses afrikanische Gericht auf einem europäischen Magen ankommt!“
Der Gans wurde bald über der Flamme des Blasrohrs gebraten, und kurz darauf war er bereits servierfertig. Joe nahm sich seinen guten Anteil – wie jemand, der seit Tagen nichts gegessen hatte. Nach dem Tee und dem Punsch…

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Er erzählte seinen Freunden von seinen jüngsten Abenteuern. Er sprach mit etwas Emotion – obwohl er die Dinge auch aus seiner üblichen Perspektive betrachtete. Der Arzt konnte nicht umhin, immer wieder seine Hand zu drücken, als er sah, wie sein treuer Diener mehr auf die Sicherheit seines Herrn achtete als auf seine eigene. Was das Versinken der Insel der Biddiomahs betraf, so erklärte er ihm, wie häufig dieses Phänomen am Tschadsee auftritt. Schließlich kam Joe bei seiner Erzählung zu dem Punkt, an dem er im Sumpf versunken war und einen letzten verzweifelten Schrei ausgestoßen hatte.
„Ich dachte, ich wäre tot“, sagte er. „Und da Sie mir sofort in den Sinn kamen, kämpfte ich verbissen darum, am Leben zu bleiben. Wie genau, das kann ich Ihnen nicht sagen – aber ich hatte mir vorgenommen, nicht unterzugehen, ohne zu wissen, warum. In diesem Moment sah ich – zwei oder drei Fuß von mir entfernt – was glauben Sie? Das Ende eines frisch durchgeschnittenen Seils. Also versuchte ich erneut, daran zu ziehen, und irgendwie schaffte ich es, ans Seil zu gelangen. Als ich zog, gab es nicht nach; also zog ich noch einmal und wurde schließlich auf festem Boden. Am Ende des Seils fand ich eine Ankerkette! Ah, Herr, ich habe jedes Recht, das als Anker der Sicherheit zu bezeichnen – falls Sie nichts dagegen haben. Ich erkannte ihn wieder! Es war der Anker der Victoria! Sie waren dort auf Grund gelaufen! Also folgte ich der Richtung des Seils – das gab mir Ihre Richtung an. Nach einigen weiteren Versuchen schaffte ich es, aus dem Sumpf herauszukommen. Ich hatte meine Kräfte wiedererlangt und ging den Rest der Nacht vom See weg, bis ich den Rand eines sehr großen Waldes erreichte. Dort sah ich einen eingezäunten Bereich, in dem einige Pferde weideten – ohne dass ich irgendeine Gefahr ahnte. Nun, es gibt Zeiten, in denen jeder weiß, wie man reitet, nicht wahr, Doktor? Also zögerte ich nicht lange, sprang auf den Rücken eines dieser unschuldigen Tiere und wir rasten so schnell wie möglich nach Norden. Ich muss Ihnen nicht erzählen, welche Städte ich nicht sah oder welche Dörfer ich absichtlich mied. Nein! Ich überquerte die gepflügten Felder, sprang über Hecken, kletterte über Zäune, trieb mein Pferd an – ich ließ das arme Tier fast von den Beinen gerissen werden! Schließlich erreichte ich das Ende der Ackerflächen. Gut! Da lag die Wüste. ‚Das passt zu mir!‘, sagte ich. ‚Dort kann ich besser sehen – und auch weiter in die Ferne.‘ Die ganze Zeit hoffte ich, den Ballon zu sehen, der dort wartete. Doch da war nichts dergleichen. So landete ich nach etwa drei Stunden wie ein Narr in einem Lager von Arabern! Puh! Was für eine Jagd das war! Sie sehen, Herr Kennedy: Ein Jäger weiß erst, was eine echte Jagd ist, wenn er selbst gejagt wird! Dennoch rate ich ihm, es zu vermeiden, wenn er es vermeiden kann! Mein Pferd war so müde, dass es beinahe zusammengebrochen wäre.“

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Beine – sie kamen mir ganz nahe; ich warf mich zu Boden und sprang anschließend wieder hinter einen Araber! Ich wollte dem Kerl keinen Schaden zufügen, und ich hoffe, er hegt keinen Groll gegen mich wegen des Würgens – aber ich sah dich, und du kennst den Rest. Die Victoria kam direkt hinter mir her, und du fingst mich auf, genau wie ein Zirkusakrobat es tut. Habe ich nicht recht gehabt, als ich auf dich vertraute? Nun, Doktor – sehen Sie, wie einfach das alles war! Nichts Natürlicheres auf der Welt! Ich bin bereit, noch einmal von vorn anzufangen, falls das Ihnen helfen könnte. Und außerdem, Meister – wie ich bereits sagte – lohnt es sich nicht, darüber zu sprechen.“

„Mein edler, tapferer Joe!“, sagte der Doktor voller Rührung. „Ein Herz aus Gold! Wir haben mit unserem Vertrauen in deine Intelligenz und Fähigkeiten nicht falsch gelegen.“

„Pah! Doktor – man muss nur den Dingen ihren Lauf lassen, dann kann man sich immer aus einer schwierigen Situation befreien! Der sicherste Plan ist es, die Dinge so zu nehmen, wie sie kommen.“

Während Joe von seinen Erlebnissen erzählte, flog der Ballon schnell über eine weite Landschaft. Bald zeigte Kennedy am Horizont eine Ansammlung von Gebäuden, die wie eine Stadt aussahen. Der Doktor blickte auf seine Karte und erkannte den Ort als das große Dorf Tagelei im Gebiet Damerghou.

„Hier“, sagte er, „kommen wir auf Dr. Barths Route. An diesem Ort trennte er sich von seinen Begleitern, Richardson und Overweg; der erste sollte den Weg nach Zinder nehmen, der zweite den nach Maradi. Sie erinnern sich sicher daran, dass von diesen drei Reisenden Barth der Einzige war, der jemals nach Europa zurückkehrte.“

„Dann“, sagte Kennedy und markierte auf der Karte die Richtung der Victoria, „fliegen wir genau nach Norden.“

„Genau nach Norden, Dick.“

„Und bereitet dir das keine Unruhe?“
„Warum sollte es?“
„Weil diese Richtung nach Tripolis führt – und über die Große Wüste.“
„Oh, wir werden nicht so weit gehen, mein Freund – zumindest hoffe ich das nicht.“
„Aber wo erwarten Sie, anzuhalten?“
„Komm schon, Dick – hast du denn kein Interesse daran, Timbuktu zu sehen?“
„Timbuktu?“

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„Sicherlich“, sagte Joe, „heutzutage kann sich niemand vorstellen, nach Afrika zu reisen, ohne Timbuktu zu besuchen.“
„Sie werden nur der fünfte oder sechste Europäer sein, der jemals diese geheimnisvolle Stadt zu Gesicht bekommt.“
„Na dann, ab nach Timbuktu!“
„Nun gut, versuchen wir es erst einmal, bis zu den siebzehnten bzw. achtzehnten Breitengraden nördlicher Breite vorzudringen – dort werden wir nach einem günstigen Wind suchen, der uns nach Westen trägt.“
„Gut!“, sagte der Jäger. „Aber wie weit müssen wir noch nach Norden?“
„Mindestens hundertfünfzig Meilen.“
„Dann“, sagte Kennedy, „werde ich mich hinlegen und ein wenig schlafen.“
„Schlafen Sie, Sir – schlafen Sie!“, drängte Joe. „Und Sie, Doktor, tun dasselbe: Sie brauchen unbedingt Ruhe, denn ich habe Sie etwas früher Wache halten lassen.“
Der Sportler streckte sich unter dem Vordach aus; doch Ferguson, der nicht so leicht von Müdigkeit überwältigt wurde, blieb an seinem Posten.
Nach etwa drei Stunden durchquerte die Victoria mit großer Geschwindigkeit ein felsiges Gebiet, in dem hohe, nackte Berge aus Granit zu finden waren. Einige isolierte Gipfel erreichten sogar eine Höhe von viertausend Fuß. Giraffen, Antilopen und Strauße wurden gesehen, wie sie mit erstaunlicher Agilität durch Wälder aus Akazien, Mimosen, Souah-Bäumen und Dattelbäumen liefen. Nach der Kargheit der Wüste nahm die Vegetation nun wieder überhand. Das war das Land der Kailouas – Menschen, die ihr Gesicht wie ihre gefährlichen Nachbarn, die Tuareg, mit einem Baumwollverband bedeckten.
Um zehn Uhr abends, nach einer großartigen Reise von zweihundertfünfzig Meilen, hielt die Victoria über einer wichtigen Stadt an. Das Mondlicht ließ einen Teil der Stadt erkennen – halb in Ruinen liegend. Hier und da ragten Minarette und Moscheegipfel empor und glänzten im silbernen Licht.
Der Doktor führte eine Sternbeobachtung durch und stellte fest, dass er sich auf der Breite von Aghades befand.
Diese Stadt, einst Sitz eines riesigen Handels, war bereits im Verfall begriffen, als Dr. Barth sie besuchte.
Da die Victoria in der Dunkelheit der Nacht nicht gesehen werden konnte, landete sie etwa zwei Meilen oberhalb von Aghades in einem Feld mit Milchgras. Die Nacht war ruhig.

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Der Morgen brach gegen drei Uhr morgens an; ein leichter Wind trieb den Ballon nach Westen – und sogar etwas in Richtung Süden. Dr. Ferguson beeilte sich, von diesem Glück Gebrauch zu machen, und setzte seine Luftreise unter einem langen Schleier aus goldenem Morgenlicht fort.

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Kapitel achtunddreißig.

Schneller Vorankommen – Vorsichtige Entscheidungen – Karawanen in Sicht.
Ununterbrochener Regen – Goa – der Niger – Golberry, Geoffroy und Gray – Mungo Park – Laing – René Caillié – Clapperton – John und Richard Lander.

Der 17. Mai verging ruhig, ohne besondere Vorkommnisse; die Wüste rückte wieder näher an sie heran. Ein mäßiger Wind trieb die Victoria in Richtung Südwesten; sie wich weder nach rechts noch nach links ab, und ihr Schatten zeichnete eine perfekt gerade Linie auf dem Sand. Bevor sie aufbrachen, hatte der Arzt vorsorglich seine Wasservorräte aufgefüllt, da er befürchtete, in diesen von den Aouelim-Minian-Tuareg bewohnten Gebieten nicht landen zu können. Die Hochebene, die sich in einer Höhe von achthundertfünfzig Fuß über dem Meeresspiegel befand, neigte sich nach Süden hinab. Unsere Reisenden überquerten die Route durch Aghades bei Murzouk – eine Route, die oft von Kamelen befahren wurde – und kamen an jenem Abend auf 16 Grad nördlicher Breite und 4 Grad 55 Minuten östlicher Länge an, nachdem sie etwa hundertachtzig Meilen zurückgelegt hatten.

Während des Tages bereitete Joe die letzten Stücke Wild zu, die nur notdürftig zubereitet worden waren. Zum Abendessen servierte er Schnepfenfleisch, das sehr geschätzt wurde. Da der Wind weiterhin günstig blieb, beschloss der Arzt, auch in der Nacht weiterzufahren. Der Mond, der noch fast voll war, beleuchtete die Gegend mit seinem Licht. Die Victoria stieg auf eine Höhe von fünfhundert Fuß auf; während ihrer nächtlichen Reise von etwa sechzig Meilen wäre selbst der sanfte Schlaf eines Säuglings durch ihre Bewegungen nicht gestört worden.

Am Sonntagmorgen änderte sich die Windrichtung erneut – nun wehte der Wind nach Nordwesten. Ein paar Krähen wurden am Himmel gesichtet, und am Horizont sah man eine Schar Geier; glücklicherweise hielten diese jedoch Abstand.

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Der Anblick dieser Vögel veranlasste Joe dazu, seinen Herrn für die Idee zu loben, zwei Ballons zu haben.
„Wo wären wir nur“, sagte er, „mit nur einem Ballon? Der zweite Ballon ist wie ein Rettungsboot für ein Schiff; im Falle eines Unfalls könnten wir immer darauf zurückgreifen, um zu entkommen.“
„Du hast recht, Freund Joe“, sagte der Arzt. „Nur bereitet mir mein Rettungsboot etwas Sorgen. Es ist nicht so gut wie das Hauptschiff.“
„Was meinst du damit, Doktor?“, fragte Kennedy.
„Ich meine, dass das neue Victoria nicht so gut ist wie das alte. Entweder ist das Material, aus dem es gefertigt ist, zu stark abgenutzt, oder die Hitze hat die Guttapercha geschmolzen – ich bemerke jedenfalls einen gewissen Gasverlust. Bisher ist das noch nicht allzu schlimm, aber es ist dennoch bemerkbar. Wir neigen dazu, abzusinken, und um unsere Höhe zu halten, muss ich den Wasserstoff stärker aufblähen.“
„Verdammt!“, rief Kennedy besorgt. „Ich sehe kein Heilmittel dafür.“
„Es gibt keines, Dick. Deshalb müssen wir unser Vorankommen beschleunigen – und sogar nächtliche Pausen vermeiden.“
„Sind wir noch weit von der Küste entfernt?“, fragte Joe.
„Welche Küste, mein Junge? Wie sollen wir wissen, wohin uns das Schicksal führen wird? Alles, was ich sagen kann, ist, dass Timbuktu noch etwa vierhundert Meilen westlich liegt.“
„Und wie lange wird es dauern, bis wir dort ankommen?“
„Falls der Wind uns nicht zu weit vom Kurs abbringt, hoffe ich, diese Stadt bis Dienstagabend zu erreichen.“
„Dann“, sagte Joe und zeigte auf eine lange Reihe von Tieren und Menschen, die sich durch die offene Wüste schlängelten, „werden wir dort früher ankommen als diese Karawane.“
Ferguson und Kennedy beugten sich vor und sahen eine riesige Karawane. Es handelte sich dabei um mindestens hundertfünfzig Kamele – solche, die für zwölf Mutkal Gold, also etwa fünfundzwanzig Dollar, von Timbuktu nach Tafilet reisen, mit einer Last von fünfhundert Pfund auf ihrem Rücken. An jedem Tier hing am Schwanz ein Sack, in den die Exkremente gelangten – die einzige Energiequelle, auf die die Karawanen beim Durchqueren der Wüste angewiesen sind.

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Diese Tuareg-Kamele gehören zur besten Rasse. Sie können drei bis sieben Tage ohne Wasser auskommen und zwei Tage ohne Futter. Ihre Geschwindigkeit übertrifft die des Pferdes, und sie gehorchen klug der Stimme des Khabir, des Führers der Karawane. Im Lande sind sie unter dem Namen Mehari bekannt.

So lauteten die Auskünfte des Arztes, während seine Begleiter weiterhin auf jene Menge von Männern, Frauen und Kindern blickten, die zu Fuß und mit Mühe über eine sandige Einöde vorankamen – eine Einöde, die nur durch spärliche Disteln, vertrocknetes Gras sowie kümmerliche Büsche in Schach gehalten wurde. Der Wind verwischte fast sofort die Spuren ihrer Füße.

Joe fragte, wie es den Arabern gelang, sich durch die Wüste zu orientieren und zu den wenigen Quellen zu gelangen, die weit verstreut in dieser weiten Einöde lagen.

„Die Araber“, antwortete Dr. Ferguson, „sind von Natur aus mit einem wunderbaren Instinkt für die Orientierung ausgestattet. Wo ein Europäer ratlos wäre, zögern sie keinen Moment. Ein winziger Felsbrocken, ein Kieselstein, ein Büschel Gras oder eine andere Farbtönung im Sand genügen, um ihnen eine genaue Orientierung zu geben. Nachts orientieren sie sich am Polarstern. Sie reisen niemals schneller als zwei Meilen pro Stunde und ruhen immer in der Mittagshitze. Man kann sich daraus vorstellen, wie lange es dauert, die Sahara zu durchqueren – eine Wüste mit einer Breite von mehr als neunhundert Meilen.“

Doch die Victoria war bereits aus den erstaunten Blicken der Araber verschwunden; sie mussten ihre Schnelligkeit beneiden. An diesem Abend passierte sie 2 Grad 20 Minuten östliche Länge, und in der Nacht ließ sie noch einen weiteren Grad hinter sich.

Am Montag änderte sich das Wetter völlig. Es begann heftig zu regnen. Nicht nur musste der Ballon der Kraft dieses Regens standhalten, sondern auch dem dadurch entstehenden Gewichtzuwachs, da das gesamte Gerät, der Wagen und alles andere nass wurden. Dieser anhaltende Regen erklärt die Sümpfe und Moore, die die einzige Oberfläche dieses Landes bildeten. Dennoch tauchte wieder Vegetation auf – zusammen mit Mimosen, Baobab-Bäumen und Tamarindenbäumen.

So sah das Land von Sonray aus: mit Dörfern, deren Dächer wie armenische Mützen nach unten gekehrt waren. Es gab nur wenige Berge – lediglich solche Hügel, die ausreichten, um Schluchten und Teiche zu bilden, in denen Pintados und Schnepfen schwammen und tauchten. Hier und da schnitt ein reißender Bach durch das Land.

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Die Straßen gab es nicht – die Eingeborenen mussten den Fluss über lange Ranken überqueren, die von Baum zu Baum führten. Die Wälder wichen Dschungeln, in denen Alligatoren, Nilpferde und Nashörner lebten.
„Es wird nicht mehr lange dauern, bis wir den Niger sehen“, sagte der Arzt. „Das Erscheinungsbild des Landes ändert sich stets in der Nähe großer Flüsse. Diese ‚beweglichen Straßen‘, wie man sie manchmal richtig nennt, haben zunächst Pflanzen mit sich gebracht – genauso wie sie schließlich auch die Zivilisation bringen werden. So hat der Niger auf seinem 2500 Meilen langen Weg die wichtigsten Städte Afrikas entlang seiner Ufer verteilt.“
„Übrigens“, warf Joe ein, „das erinnert mich an das, was ein Bewunderer der Güte des Schicksals gesagt hat – er pries die Weitsicht, mit der das Schicksal die Flüsse in der Regel in der Nähe großer Städte fließen ließ!“
Um Mitternacht passierte die Victoria eine kleine Stadt – nichts weiter als eine Ansammlung elender Hütten. Einst war das hier Goa, eine große Hauptstadt.
„Dort“, sagte der Arzt, „hat Barth den Niger überquert, auf dem Rückweg von Timbuktu. Das ist der Fluss, der in der Antike so berühmt war – ein Rivale des Nils. Der heidnische Aberglaube schrieb ihm einen himmlischen Ursprung zu. Wie der Nil hat auch dieser Fluss in allen Zeiten die Aufmerksamkeit der Geographen auf sich gezogen; und wie der Nil kostete auch seine Erkundung das Leben vieler Menschen – ja, sogar mehr als der andere Fluss.“
Der Niger floss breit zwischen seinen Ufern dahin, und seine Wassermassen strömten mit ziemlicher Kraft nach Süden. Doch unsere Reisenden konnten kaum einen Blick auf seine seltsame Form werfen.
„Ich wollte mit Ihnen über diesen Fluss sprechen“, sagte Dr. Ferguson. „Er ist bereits weit von uns entfernt. Unter den Namen Dhiouleba, Mayo, Egghirreou, Quorra und anderen Bezeichnungen durchquert er ein riesiges Gebiet – und ist in seiner Länge fast mit dem Nil vergleichbar. Diese Namen bedeuten einfach ‚der Fluss‘, je nachdem, welche Dialekte in den Ländern verwendet werden, durch die er fließt.“
„Hat Dr. Barth diesen Weg eingeschlagen?“, fragte Kennedy.
„Nein, Dick. Als er den Tschadsee verließ, durchquerte er die verschiedenen Städte von Bornou und traf den Niger bei Say, vier Grad südlich von Goa. Danach drang er in jene unerforschten Gebiete vor, die der Niger umfasst. Nach acht Monaten voller Anstrengungen erreichte er schließlich sein Ziel.“

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in Timbuktu – all das können wir in etwa drei Tagen schaffen, vorausgesetzt, es weht ein so schneller Wind wie dieser.“
„Sind die Quellen des Niger bereits entdeckt worden?“, fragte Joe.
„Schon vor langer Zeit“, antwortete der Arzt. „Die Erkundung des Niger und seiner Nebenflüsse war Ziel mehrerer Expeditionen; ich werde die wichtigsten davon nennen: Zwischen 1749 und 1758 führte Adamson eine Erkundung des Flusses durch und besuchte Gorea; von 1785 bis 1788 reisten Golberry und Geoffroy durch die Wüsten von Senegambia und gelangten bis ins Land der Mauren, die Saugnier, Brisson, Adam, Riley, Cochelet sowie viele andere unglückliche Männer ermordeten. Dann kam der berühmte Mungo Park, ein Freund von Sir Walter Scott – auch er war Schotte von Geburt. Im Jahr 1795 wurde er von der African Society of London ausgesandt; er erreichte Bambarra, sah den Niger, reiste fünfhundert Meilen mit einem Sklavenhändler, erkundete den Fluss Gambia und kehrte 1797 nach England zurück. Am 30. Januar 1805 brach er erneut auf – zusammen mit seinem Schwager Anderson, dem Designer Scott sowie einer Gruppe von Arbeitern. Er erreichte Gorea, fügte seiner Gruppe dreißigfünf Soldaten hinzu und sah den Niger am 19. August erneut. Doch zu diesem Zeitpunkt waren aufgrund von Erschöpfung, Entbehrungen, Misshandlungen, widrigem Wetter sowie der Ungesundheit des Landes nur noch elf der ursprünglich vierzig Europäer am Leben. Am 16. November erreichten die letzten Briefe von Mungo Park seine Frau; ein Jahr später gab ein Händler aus jenem Land Bescheid, dass der unglückliche Reisende am 23. Dezember bis nach Boussa am Niger gelangt war, doch sein Boot bei den Stromschnellen in jenem Abschnitt des Flusses zerstört wurde und er von den Einheimischen ermordet wurde.“
„Und sein schreckliches Schicksal hinderte die anderen nicht daran, diesen Fluss weiter zu erforschen?“
„Im Gegenteil, Dick. Seitdem gab es zwei Ziele: erstens die Rückgewinnung der Papiere des Vermissten und zweitens die Fortsetzung der Erkundung. Im Jahr 1816 wurde eine Expedition organisiert, an der Major Grey teilnahm. Sie erreichte Senegal, drang in das Gebiet von Fonta-Jallon vor, besuchte die Völker der Foullah und Mandingo und kehrte ohne weitere Ergebnisse nach England zurück. Im Jahr 1822 erkundete Major Laing den gesamten westlichen Teil Afrikas in der Nähe der britischen Besitzungen; er war es, der bis zu den Quellen des Niger vordrang. Laut seinen Unterlagen beträgt die Breite des Brunnens, aus dem dieser riesige Fluss entspringt, nicht einmal zwei Fuß.“

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„Es ist einfach, darüber zu springen“, sagte Joe.
„Wie bitte? Einfach, meinst du, eh?“, erwiderte der Arzt. „Wenn wir der Überlieferung Glauben schenken, wird jeder, der versucht, über diesen Brunnen zu springen, sofort verschlungen; und wer versucht, Wasser daraus zu holen, wird von einer unsichtbaren Hand zurückgestoßen.“
„Ich denke, ein Mensch hat das Recht, kein Wort davon zu glauben!“, beharrte Joe.
„Oh, natürlich! – Fünf Jahre später war es Major Laings Schicksal, sich seinen Weg durch die Wüste Sahara zu bahnen, nach Timbuktu vorzudringen und dort nur wenige Meilen entfernt durch Erwürgen von den Ouelad-shiman ums Leben zu kommen, die ihn zwingen wollten, zum Muslim zu werden.“
„Noch ein Opfer!“, sagte der Sportler.
„Dann wagte es ein mutiger junger Mann mit seinen bescheidenen Mitteln, die erstaunlichste Reise der Neuzeit anzutreten – ich meine den Franzosen René Caillié, der nach mehreren Versuchen im Jahr 1819 und 1824 am 19. April 1827 von Rio Nunez aus aufbrach. Am 3. August erreichte er Timé – völlig erschöpft und krank – und konnte seine Reise erst sechs Monate später, im Januar 1828, fortsetzen. Dann schloss er sich einer Karawane an und erreichte unter dem Schutz seiner orientalischen Kleidung am 10. März den Niger, drang in die Stadt Jenné ein, fuhr den Fluss hinab bis nach Timbuktu, wo er am 30. April ankam. Im Jahr 1760 hatte bereits ein anderer Franzose namens Imbert sowie im Jahr 1810 ein Engländer namens Robert Adams diesen seltsamen Ort gesehen; doch René Caillié sollte der erste Europäer sein, der authentische Informationen darüber mitbringen konnte. Am 4. Mai verließ er diese ‚Königin der Wüste‘; am 9. besichtigte er genau den Ort, an dem Major Laing ermordet worden war; am 19. erreichte er El-Arouan und verließ diese Handelsstadt, um tausend Gefahren auf sich zu nehmen, um die weiten Ödnisse zwischen Sudan und den nördlichen Regionen Afrikas zu durchqueren. Schließlich erreichte er Tanger und segelte am 28. September nach Toulon. In neunzehn Monaten, trotz achtzehnzig Tagen Krankheit, hatte er Afrika von Westen nach Norden durchquert. Ach! Hätte Caillié in England geboren werden können, wäre er als der tapferste Reisende der Neuzeit geehrt worden – wie es bei Mungo Park der Fall war. Doch in Frankreich wurde er nicht nach seinem Wert gewürdigt.“
„Er war ein zäher Kerl!“, sagte Kennedy. „Aber was wurde aus ihm?“

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„Er starb im Alter von neununddreißig Jahren an den Folgen seiner langen Anstrengungen. Sie glaubten, genug getan zu haben, indem sie ihm 1828 den Preis der Geografischen Gesellschaft verliehen; in England wären ihm die höchsten Ehren zuteilgeworden.“

„Während er diese bemerkenswerte Reise unternahm, hatte ein Engländer ein ähnliches Vorhaben entwickelt und versuchte, es mit ebenso viel Mut – wenn auch nicht mit ebenso viel Glück – durchzuführen. Das war Kapitän Clapperton, Denhams Begleiter. Im Jahr 1829 kehrte er über die Westküste des Golfes von Benin nach Afrika zurück; anschließend folgte er den Spuren von Mungo Park und Laing, fand in Boussa die Dokumente bezüglich des Todes des Letzteren und erreichte am 20. August Sackatoo, wo er gefangen genommen und bis zu seinem Tod in den Armen seines treuen Begleiters Richard Lander festgehalten wurde.“

„Und was wurde aus diesem Lander?“, fragte Joe, sichtlich interessiert.

„Er schaffte es, an die Küste zurückzukehren und nach London zu gelangen, wobei er die Papiere des Kapitäns sowie eine detaillierte Beschreibung seiner eigenen Reise mitbrachte. Danach bot er der Regierung seine Dienste an, um die Erkundung des Niger zu vollenden. Er nahm seinen Bruder John mit – das zweite Kind eines armen Paares aus Cornwall – und gemeinsam durchquerten diese Männer zwischen 1829 und 1831 den Fluss von Boussa bis zu seiner Mündung, wobei sie jeden Ort, jede Meile beschrieben.“

„Also entkamen beide Brüder dem gemeinsamen Schicksal?“, fragte Kennedy.

„Ja, zumindest bei dieser Expedition; doch im Jahr 1833 unternahm Richard eine dritte Reise zum Niger und starb durch einen Schuss in der Nähe der Flussmündung. Wie Sie sehen, meine Freunde, hat das Land, durch das wir jetzt reisen, einige edle Beispiele für Selbstopfer gesehen – die leider allzu oft mit dem Tod belohnt wurden.“

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KAPITEL NEUNUNDDREISSIG.

Das Land am Bogen des Niger – Eine fantastische Ansicht der Hombori-Berge – Kabra – Timbuktu – Die Karte von Dr. Barth – Eine verfallende Stadt – Wohin der Himmel es will.

An diesem langweiligen Montag lenkte Dr. Ferguson seine Gedanken ab, indem er seinen Begleitern tausend Details über das Land schilderte, durch das sie zogen. Die völlig flache Oberfläche stellte kein Hindernis für ihren Vormarsch dar. Die einzige Sorge des Arztes galt dem hartnäckigen Nordostwind, der weiterhin heftig wehte und sie von der Breitenlage von Timbuktu wegtrug.

Der Niger fließt nach Norden bis zu dieser Stadt, wendet sich anschließend wie ein riesiger Wasserschwall aus einer Quelle und mündet in breitem Strahl in den Atlantik. Im so entstandenen Bogen weist das Land unterschiedliches Charakteristikum auf: Mal ist es üppig fruchtbar, mal äußerst karg; Maisfelder wechseln sich mit weiten Flächen ab, die mit Büschelhirse bedeckt sind, sowie mit unkultivierten Ebenen. Alle Arten von Wasservögeln – Pelikane, Wildenten, Kingfisher und andere – wurden in zahlreichen Schwärmen um die Ränder von Teichen und Bächen gesichtet.

Von Zeit zu Zeit tauchte ein Lager von Tuareg auf; die Männer schützten sich unter ihren Lederzelten, während ihre Frauen draußen mit den Hausarbeiten beschäftigt waren, ihre Kamele melkten und ihre riesigen Pfeifen rauchten.

Um acht Uhr abends hatte die Victoria bereits mehr als zweihundert Meilen nach Westen vorangekommen, und unsere Luftfahrer wurden Zeugen einer prächtigen Szene. Ein Strahl Mondlicht drang durch eine Lücke in den Wolken und glitt zwischen den langen Reihen fallender Regentropfen hindurch, um in Form eines goldenen Regens auf die Gipfel der Hombori-Berge herabzufallen. Nichts konnte…

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Noch seltsamer als das Aussehen dieser scheinbar basaltischen Gipfel war ihre Erscheinung im Profil gegen den düsteren Himmel – der Betrachter könnte sie für die legendären Ruinen einer riesigen mittelalterlichen Stadt halten, ähnlich wie die Eisberge in den Polarmeeren manchmal in düsteren Nächten solche Formen annehmen.
„Eine bewundernswerte Landschaft für die ‚Geheimnisse von Udolpho‘!“, rief der Doktor aus. „Ann Radcliffe hätte diese Berge nicht in einem schrecklicheren Licht darstellen können.“
„Mein Gott!“, sagte Joe. „Ich möchte nachts nicht allein durch dieses Land der Geister spazieren. Verstehen Sie jetzt, Herr – wenn es nicht so schwierig wäre, würde ich gerne die ganze Landschaft nach Schottland mitnehmen! Sie würde sich gut an den Ufern des Loch Lomond eignen, und Touristen würden dorthin in Scharen strömen.“
„Unser Ballon ist kaum groß genug für ein solches Experiment – aber ich glaube, unsere Richtung ändert sich. Bravo! Die Elfen und Feen dieses Ortes sind wirklich hilfsbereit. Sehen Sie, sie haben uns eine angenehme Brise aus Südosten geschickt, die uns wieder auf den richtigen Weg bringt.“
Tatsächlich nahm die Victoria wieder eine nördlichere Route ein. Am Morgen des 20. flog sie über ein verworrenes Netz aus Kanälen, Bächen und Strömen – kurz gesagt, über das ganze komplizierte System der Nebenflüsse des Niger. Viele dieser Kanäle, bedeckt mit dichtem Grasbewuchs, glichen üppigen Wiesen. Dort erkannte der Doktor den Weg, den der Entdecker Barth eingeschlagen hatte, als er den Fluss hinunter nach Timbuktu reiste. An dieser Stelle war der Niger achthundert Faden breit und floss zwischen Ufern, die reich an Kreuzblütengewächsen und Tamarindenbäumen waren. Herden agiler Gazellen waren zu sehen; ihre gewundenen Hörner mischten sich mit dem hohen Gras. Darin lauerte der Alligator, halb versteckt, mit wachsamen Augen auf seine Beute.
Lange Reihen von Kamelen und Eseln, beladen mit Waren aus Jenné, schlängelten sich unter den edlen Bäumen entlang. Bald darauf wurde an einer Biegung des Flusses ein Amphitheater aus niedrig gebauten Häusern entdeckt; deren Dächer und Terrassen waren mit Heu und Stroh aus den umliegenden Gebieten beladen.
„Da ist Kabra!“, rief der Doktor fröhlich aus. „Das ist der Hafen von Timbuktu – die Stadt liegt nur fünf Meilen von hier entfernt!“
„Dann sind Sie zufrieden, Sir?“, fragte Joe vorsichtig.
„Begeistert, mein Junge!“

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„Sehr gut – dann ist alles zum Besten!“
Tatsächlich erstreckte sich gegen zwei Uhr die geheimnisvolle Stadt Timbuktu, die einst, wie Athen und Rom, ihre Schulen von Gelehrten sowie Professuren für Philosophie hatte, vor den Augen unserer Reisenden.
Ferguson verfolgte die kleinsten Details auf der von Barth selbst gezeichneten Karte und konnte deren perfekte Genauigkeit erkennen.
Die Stadt bildet ein riesiges Dreieck auf einer weiten Ebene aus weißem Sand; ihr spitzer Winkel zeigt nach Norden und durchdringt eine Ecke der Wüste. In der Umgebung gab es fast nichts – kaum einige Gräser sowie einige Zwergmimosen und kümmerliche Büsche.
Was das Aussehen von Timbuktu angeht, so muss sich der Leser einfach eine Ansammlung von Billardkugeln und Fingerhüten vorstellen – so sieht es vom Vogelschaupunkt aus aus! Die Straßen sind ziemlich eng und gesäumt von Häusern, die nur ein Stockwerk hoch sind und aus im Sonnenlicht getrockneten Ziegeln gebaut wurden, sowie von Hütten aus Stroh und Schilf – die ersten quadratisch, die letzten kegelförmig. Auf den Terrassen sah man einige männliche Bewohner, die lässig in farbenfrohen Gewändern lagen und eine Lanze oder Muskete in der Hand hielten; zu dieser Tageszeit waren jedoch keine Frauen zu sehen.
„Man sagt jedoch, sie seien attraktiv“, bemerkte der Arzt. „Man sieht die drei Türme der drei Moscheen – die einzigen, die noch stehen, von vielen, die es einst gab. Die Stadt ist tatsächlich von ihrem einstigen Glanz verfallen! Ganz oben im Dreieck erhebt sich die Moschee von Sankore mit ihren Galerien, die auf Arkaden mit äußerst ansprechendem Design ruhen. Weiter entfernt, in der Nähe des Viertels Sane-Gungu, befindet sich die Moschee von Sidi-Yahia sowie einige zweistöckige Häuser. Doch suchen Sie hier weder Paläste noch Denkmäler: Der Scheich ist lediglich ein Händler, und sein königlicher Palast ist nichts weiter als eine Kontoren.“
„Es scheint mir, als könnte ich halb zerstörte Mauern sehen“, sagte Kennedy.
„Sie wurden 1826 von den Fouillanes zerstört. Damals war die Stadt ein Drittel größer. Timbuktu, ein seit dem elften Jahrhundert von allen Stämmen begehrtes Ziel, gehörte nacheinander den Tuareg, den Sonrayanen, den Marokkanern und den Fouillanes. Dieses große Zentrum der Zivilisation, in dem ein Weiser wie Ahmed-Baba im 16. Jahrhundert eine Bibliothek mit 1600 Manuskripten besaß, ist heute nichts weiter als eine Zwischenstation für den Handel in Zentralafrika.“

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Die Stadt schien tatsächlich völlig dem Verfall preisgegeben zu sein; sie zeigte jene Gleichgültigkeit, die in Städten, die untergehen, offenbar epidemisch ist. Riesige Haufen Müll belasteten die Vororte und bildeten zusammen mit dem Hügel, auf dem der Marktplatz lag, die einzigen Unebenheiten des Geländes. Als die Victoria vorbeizog, gab es einige leichte Anzeichen von Aktivität – Trommeln wurden geschlagen – doch der letzte Gelehrte, der noch dort war, hatte kaum Zeit, dieses neue Phänomen wahrzunehmen, denn unsere Reisenden, getrieben vom Wind der Wüste, setzten ihre Reise entlang des Flusses fort, und bald war Timbuktu nichts weiter als eine flüchtige Erinnerung an ihre Reise.

„Und nun“, sagte der Arzt, „kann der Himmel uns dorthin tragen, wohin er will!“
„Vorausgesetzt nur, wir gehen nach Westen“, fügte Kennedy hinzu.
„Pah!“, sagte Joe. „Ich hätte keine Angst, selbst wenn wir denselben Weg zurück nach Sansibar nehmen müssten oder über den Ozean nach Amerika.“
„Wir müssten erst einmal dazu in der Lage sein, Joe!“
„Und was fehlt, Doktor?“
„Gas, mein Junge; die Auftriebskraft des Ballons wird offensichtlich schwächer, und wir werden all unser Geschick brauchen, damit er uns an die Küste bringt. Ich werde sogar etwas Ballast abwerfen müssen – wir sind zu schwer.“
„Das ist das Ergebnis davon, nichts zu tun, Doktor. Wenn man den ganzen Tag im Hängematte liegt, wird man fett und schwer. Das ist wirklich eine faule Art zu reisen, Meister – wenn wir zurückkommen, wird jeder sehen, dass wir groß und kräftig geworden sind.“
„Genau wie Joe“, sagte Kennedy. „Nur solche Ideen hat er – aber warte mal! Kannst du sagen, was uns noch bevorstehen könnte? Wir sind noch weit vom Ende unserer Reise entfernt. Wo glauben Sie, werden wir die afrikanische Küste erreichen, Doktor?“
„Es fällt mir schwer, Ihnen darauf eine Antwort zu geben, Kennedy. Wir sind den sehr wechselhaften Winden ausgeliefert – aber ich würde mich glücklich schätzen, wenn wir sie zwischen Sierra Leone und Portendick erreichen würden. In dieser Gegend gibt es Gebiete, in denen wir Freunde finden könnten.“
„Und es wäre schön, deren Hände zu drücken – aber bewegen wir uns in die richtige Richtung?“
„Nicht besonders gut, Dick – nicht besonders gut! Schauen Sie sich die Nadel des Kompasses an: Wir bewegen uns nach Süden und folgen dem Niger in seine Richtung.“

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„Eine gute Gelegenheit, sie zu entdecken“, sagte Joe, „falls sie noch nicht bekannt wären. Können wir nicht im Notfall einfach andere finden?“
„Nicht ganz, Joe – aber mach dir keine Sorgen: Ich rechne kaum damit, so weit gehen zu müssen.“
Bei Einbruch der Dunkelheit warf der Arzt die letzten Sandsäcke hinaus. Die Victoria stieg höher, doch die Pumpe, obwohl sie auf Hochtouren arbeitete, konnte sie kaum in der Luft halten. Zu dieser Zeit befand sie sich sechzig Meilen südlich von Timbuktu. Am Morgen erwachten die Luftschiffer an den Ufern des Niger, nicht weit vom Debo-See entfernt.

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KAPITEL VIERZIG

Dr. Fergusons Ängste – Der anhaltende Südwind.
– Eine Wolke aus Heuschrecken. – Ein Blick auf Jenné. – Ein Blick auf Ségo. – Änderung des Windes. – Joes Bedauerns.

Der Fluss war an dieser Stelle durch große Inseln in schmale Arme aufgeteilt, wodurch die Strömung sehr schnell war. Auf einer dieser Inseln standen einige Hirtenhütten, doch es wurde unmöglich, sie genauer zu beobachten, denn die Geschwindigkeit des Ballons nahm ständig zu. Leider neigte sich der Ballon noch weiter nach Süden und überquerte in kurzer Zeit den Debo-See.

Dr. Ferguson versuchte, die Ausdehnung seines Luftschiffs bis zum Äußersten zu erhöhen, um in anderen Höhen nach Luftströmungen zu suchen – vergeblich. Bald gab er diesen Versuch auf, denn dadurch wurde der Gasverbrauch nur noch erhöht, da das Gas gegen das abgenutzte Material des Ballons gedrückt wurde. Er äußerte sich nicht, doch er wurde immer ängstlicher. Der anhaltende Südwind vereitelte seine Pläne – er wusste nicht mehr, wem oder was er vertrauen konnte. Sollte er die englischen oder französischen Gebiete nicht erreichen, was würde dann aus ihm werden mitten unter den barbarischen Stämmen, die die Küsten Guineas bevölkerten? Wie sollte er dort ein Schiff finden, das ihn nach England zurückbringen könnte? Zudem trieb ihn die Windrichtung in Richtung des Königreichs Dahomey – zu den wildsten Völkern – und in die Hände eines Herrschers, der es gewohnt war, bei seinen öffentlichen Festen Tausende von Menschenopfern zu bringen. Dort wäre er verloren!

Andererseits zeigte das Luftschiff deutliche Anzeichen von Verschleiß, und der Arzt spürte, dass es ihm nicht mehr lange erhalten bleiben würde. Doch da das Wetter etwas aufklarte, hoffte er, dass das Ende des Regens eine Veränderung der atmosphärischen Strömungen bewirken würde.

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Es war daher eine unangenehme Erinnerung an die tatsächliche Situation, als Joe laut sagte:
„Da! Der Regen wird stärker als je zuvor herunterprasseln – und dieses Mal wird es wirklich eine Flut sein, wenn man nach diesem Wolkengebilde urteilt, das da aufzieht!“
„Was! Noch eine Wolke?“, fragte Ferguson.
„Ja – und eine ziemlich große dazu“, antwortete Kennedy.
„Ich habe so etwas noch nie gesehen“, fügte Joe hinzu.
„Ich kann wieder frei atmen!“, sagte der Arzt und legte sein Fernrohr beiseite.
„Das ist keine Wolke!“
„Keine Wolke?“, fragte Joe überrascht.
„Nein – es handelt sich um einen Schwarm.“
„Äh?“
„Einen Schwarm Heuschrecken!“
„Heuschrecken?“
„Unzählige Heuschrecken, die wie ein Sturm über dieses Land fegen werden – und wehe dem Land, denn wenn diese Insekten landen, wird alles zerstört werden.“
„Das wäre wirklich ein Anblick wert!“
„Warte noch einen Moment, Joe. In zehn Minuten wird diese Wolke hier sein – dann kannst du mit eigenen Augen sehen, was passiert.“
Der Arzt hatte recht. Die dicke, undurchsichtige Wolke, die mehrere Meilen groß war, näherte sich mit ohrenbetäubendem Lärm und warf ihren riesigen Schatten über die Felder. Sie bestand aus unzähligen Heuschrecken dieser Art. Etwa hundert Schritte vom Ballon entfernt setzten sie sich auf ein Gebiet voller Pflanzen und Grün. Fünfzehn Minuten später nahm der Schwarm seinen Flug wieder auf – unsere Reisenden konnten schon aus der Ferne sehen, dass Bäume und Büsche völlig kahl waren und die Felder so karg aussahen, als wären sie mit einer Sichel abgemäht worden. Man hätte meinen können, plötzlich sei ein Winter über die Erde hereingebrochen und habe die Gegend völlig entvölkert.
„Nun, Joe – was hältst du davon?“
„Nun, Doktor – es ist sehr seltsam, aber völlig natürlich. Was eine einzige Heuschrecke in kleinem Maßstab tut, tun Tausende in großem Maßstab.“

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„Es ist ein schrecklicher Regen“, sagte der Jäger; „schlimmer noch als Hagel selbst mit der Zerstörung, die er anrichtet.“
„Es ist unmöglich, ihn zu verhindern“, antwortete Ferguson. „Manchmal hatten die Einheimischen die Idee, die Wälder – ja sogar die Feldfrüchte – niederzubrennen, um den Vormarsch dieser Insekten aufzuhalten; doch die ersten Reihen, die in die Flammen eintauchten, erstickten sie unter ihrer Masse, und der Rest der Schwärme zog dann unaufhaltsam weiter. Glücklicherweise gibt es in diesen Regionen eine Art Entschädigung für ihre Verwüstungen – denn die Eingeborenen sammeln diese Insekten in großen Mengen und essen sie gierig.“
„Das sind die Garnelen der Luft“, sagte Joe und fügte hinzu, dass es ihm leid sei, nie die Gelegenheit gehabt zu haben, sie zu probieren – nur aus Informationsgründen!
Gegen Abend wurde das Land sumpfiger; die Wälder reduzierten sich auf vereinzelte Baumgruppen; an den Ufern des Flusses waren Tabakplantagen sowie sumpfige Wiesen zu sehen, die voller Futterpflanzen waren. Schließlich kam die Stadt Jenné auf einer großen Insel in Sicht – mit den beiden Türmen seiner aus Lehm gebauten Moschee sowie dem üblen Geruch der Millionen von Schwalbennestern, die sich an ihren Wänden angesammelt hatten. Die Spitzen einiger Baobab-Bäume, Mimosen und Dattelbäume ragten zwischen den Häusern hervor; selbst nachts schien die Aktivität dort sehr groß zu sein. Jenné ist tatsächlich eine ziemlich wichtige Handelsstadt – sie versorgt Timbuktu mit allem Notwendigen. Ihre Boote auf dem Fluss sowie ihre Karawanen entlang der schattigen Wege bringen die verschiedenen Produkte ihrer Industrie dorthin.
„Wenn es nicht darum ginge, dass uns das unsere Reise verlängern würde“, sagte der Arzt, „würde ich gerne an diesem Ort anlanden. Dort müssen mehrere Araber sein, die bereits in England und Frankreich gereist sind – für die unser Fortbewegungsverfahren also nicht völlig neu ist. Doch das wäre unklug.“
„Lassen wir den Besuch auf unsere nächste Reise verschieben“, sagte Joe lachend. „Außerdem, meine Freunde – falls ich mich nicht irre – neigt der Wind etwas mehr nach Osten. Wir dürfen eine solche Gelegenheit nicht verpassen.“
Der Arzt warf einige Gegenstände über Bord, die nicht mehr benötigt wurden – leere Flaschen sowie eine Kiste, in der sich konserviertes Fleisch befunden hatte – und schaffte so es, den Ballon in einem Teil der Atmosphäre zu halten, der seinen Plänen besser entsprach. Um vier Uhr morgens beleuchteten die ersten Sonnenstrahlen Ségo, die Hauptstadt der Bambarra – sie ließ sich sofort anhand der vier Städte erkennen, die sie ausmachten, an ihren sarazenischen Moscheen sowie am ständigen Kommen und Gehen der flachen Boote, die Waren dorthin transportierten.

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Einwohner von einem Viertel ins andere. Doch die Reisenden wurden genauso selten gesehen, wie sie selbst etwas sahen. Sie flogen schnell und direkt nach Nordwesten, und die Besorgnis des Arztes ließ allmählich nach.
„Noch zwei Tage in dieser Richtung – bei diesem Tempo werden wir den Fluss Senegal erreichen.“
„Und wir werden uns dann in einem freundlichen Land befinden?“, fragte der Jäger.
„Nicht ganz; aber falls das Schlimmste eintritt und der Ballon versagt, könnten wir zu den französischen Siedlungen gelangen. Wenn er nur noch ein paar hundert Meilen durchhält, werden wir ohne Müdigkeit, ohne Ängste und ohne Gefahr an der Westküste ankommen.“
„Und dann ist alles vorbei!“, fügte Joe hinzu. „Heigh-ho! Umso schlimmer. Wenn es nicht die Freude gäbe, davon zu erzählen, würde ich niemals wieder den Boden betreten wollen! Glauben Sie, dass jemand unsere Geschichte glauben wird, Doktor?“
„Wer weiß, Joe? Eines ist jedoch unbestreitbar: Tausend Zeugen haben gesehen, wie wir auf der einen Seite des afrikanischen Kontinents aufbrachen, und weitere Tausend werden sehen, wie wir auf der anderen Seite ankommen.“
„In diesem Fall scheint es mir schwierig zu sein, zu behaupten, wir hätten den Kontinent nicht überquert“, fügte Kennedy hinzu.
„Ach, Doktor!“, sagte Joe erneut mit einem tiefen Seufzer. „Ich werde oft an meine Goldvorkommen denken! Es gab doch etwas, das unserer Erzählung Glaubwürdigkeit verliehen hätte! Mit einem Gramm Gold pro Person hätte ich eine ganze Menge Leute finden können, die mir zuhörten – und mich sogar bewunderten!“

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KAPITEL VIERUNDVIERZIG.

Die Annäherung an Senegal – Der Ballon sinkt immer tiefer – Sie werfen weiterhin Gegenstände über Bord – Der Marabout Al-Hadji – Die Herren Pascal, Vincent und Lambert – Ein Rivale Mohammeds – Die schwierigen Berge – Kennedys Waffen – Eine von Jos Manövern – Eine Rast im Wald.

Am 27. Mai um neun Uhr morgens zeigte das Land ein völlig anderes Bild. Die weit ins Land hineinreichenden Hänge verwandelten sich in Hügel, die auf bald folgende Berge hindeuteten. Sie mussten die Gebirgskette überqueren, die das Becken des Niger vom Becken des Senegal trennt und bestimmt, ob das Wasser zum einen in den Golf von Guinea oder zum anderen in die Bucht von Kap Verde fließt. Bis nach Senegal hin gilt dieser Teil Afrikas als gefährlich. Dr. Ferguson kannte dies aus den Berichten seiner Vorgänger. Diese hatten unter tausend Entbehrungen gelitten und tausend Gefahren inmitten dieser barbarischen schwarzen Stämme ausgesetzt sein müssen. Es war dieses tödliche Klima, das die meisten Begleiter von Mungo Park dahinraffte. Deshalb war Ferguson entschlossener denn je, diesen unfruchtbaren Raum nicht zu betreten.

Doch er hatte keinen Moment Ruhe gehabt. Der Victoria sank sehr deutlich ab, sodass er weitere nutzlose Gegenstände über Bord werfen musste – besonders dann, wenn sie einen Berggipfel überwinden mussten. So ging es mehr als hundertzwanzig Meilen lang weiter; sie waren durch das ständige Auf- und Absteigen völlig erschöpft. Der Ballon sank wie ein weiterer Stein des Sisyphos ständig wieder zur Erde hinab. Die Kugelform der Hülle, die nun kaum noch aufgeblasen war, begann bereits zusammenzubrechen. Sie nahm eine längliche Form an, und der Wind schuf große Hohlräume in der seidenartigen Oberfläche.

Kennedy konnte nicht umhin, dies zu beobachten.

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„Gibt es einen Riss oder eine Lücke im Ballon?“, fragte er.
„Nein, aber die Guttapercha hat offensichtlich durch die Hitze nachgelassen oder geschmolzen – und das Wasserstoffgas entweicht durch den Seidenstoff.“
„Wie können wir das verhindern?“
„Das ist unmöglich. Wir müssen ihn erleichtern – das ist die einzige Hilfe. Wir sollten also alles wegwerfen, was wir entbehren können.“
„Aber was soll das sein?“, sagte der Jäger und blickte auf den bereits ziemlich leeren Ballon.
„Nun, wir sollten das Dach wegwerfen – sein Gewicht ist nämlich ziemlich groß.“
Joe, der an dieser Aufgabe interessiert war, kletterte auf den Ring, mit dem die Seile des Ballons zusammengehalten wurden, und konnte von dort aus mühelos die schweren Vorhänge des Daches abnehmen und über Bord werfen.
„Das wird die Herzen eines ganzen Stammes von Schwarzen erfreuen“, sagte er. „Es reicht aus, um tausend von ihnen zu kleiden – schließlich sind sie nicht besonders verschwenderisch mit Stoffen.“
Der Ballon stieg etwas an – doch bald wurde klar, dass er wieder dem Boden entgegenstieg.
„Lass uns landen“, schlug Kennedy vor. „Wir müssen sehen, was mit der Hülle des Ballons gemacht werden kann.“
„Ich sage dir noch einmal, Dick: Wir haben keine Möglichkeit, ihn zu reparieren.“
„Was sollen wir dann tun?“
„Wir müssen alles opfern, was nicht absolut unverzichtbar ist. Ich möchte um jeden Preis vermeiden, in diesen Regionen festzustecken. Die Wälder, über denen wir fliegen, sind keineswegs sicher.“
„Was! Gibt es dort Löwen oder Hyänen?“, fragte Joe mit einem Ausdruck höchsten Spotts.
„Schlimmer noch, mein Junge! In ganz Afrika gibt es Menschen – und einige davon sind außerdem äußerst grausam.“
„Woher weiß man das?“
„Durch die Berichte von Reisenden, die vor uns hier waren. Zudem haben die französischen Siedler, die in der Kolonie Senegal leben, notwendigerweise Kontakt zu den umliegenden Stämmen. Unter der Führung von Colonel Faidherbe wurden Erkundungen tief ins Land hinein unternommen. Offiziere wie Pascal, Vincent und Lambert haben dabei Informationen mitgebracht.“

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Kostbare Dokumente aus ihren Expeditionen. Sie haben diese Länder erkundet – Länder, die an der Mündung des Senegal liegen, Orte, an denen Krieg und Plünderung nichts als Ruinen hinterlassen haben.“
„Was ist dann geschehen?“
„Ich werde es Ihnen erzählen. Im Jahr 1854 weckte ein Marabu aus dem senegalesischen Fouta namens Al-Hadji, der behauptete, von Gott wie Mohammed inspiriert zu sein, alle Stämme zum Krieg gegen die Ungläubigen auf – also gegen die Europäer. Er brachte Zerstörung und Verwüstung über die Gebiete zwischen dem Senegalfluss und seinem Nebenfluss Fatémé. Drei Horden von Fanatikern unter seiner Führung durchkämmten das Land, verschonten weder ein Dorf noch eine Hütte bei ihren Plünderungen und Massakern. Er zog persönlich auf die Stadt Ségo zu, die bereits seit langer Zeit bedroht wurde. Im Jahr 1857 zog er weiter nach Norden und belagerte die von den Franzosen am Flussufer errichteten Befestigungen von Medina. Diese Festung wurde von Paul Holl verteidigt, der mehrere Monate lang, ohne Vorräte oder Munition, durchhielt, bis Colonel Faidherbe ihm zu Hilfe kam. Al-Hadji und seine Banden überquerten anschließend wieder den Senegal und tauchten in der Region Kaarta auf, um ihre Plünderungen und Morde fortzusetzen. Nun, hier unten ist genau das Land, in dem er mit seinen Banditenhorden Zuflucht gefunden hat; und ich versichere Ihnen, dass es nicht gut wäre, in seine Hände zu fallen.“
„Das werden wir nicht“, sagte Joe, „selbst wenn wir unsere Kleidung über Bord werfen müssen, um die Victoria zu retten.“
„Wir sind nicht weit vom Fluss entfernt“, sagte der Arzt, „aber ich fürchte, unser Ballon wird uns nicht darüber tragen können.“
„Lassen Sie uns zumindest die Ufer erreichen“, sagte der Schotte, „das wäre schon ein großer Vorteil.“
„Genau das versuchen wir auch“, erwiderte Ferguson, „nur eines macht mir Sorgen.“
„Was denn?“
„Wir müssen Berge überqueren – und das wird schwierig sein, denn ich kann die Auftriebskraft des Ballons nicht erhöhen, selbst mit der größtmöglichen Hitze, die ich erzeugen kann.“
„Nun, warten wir noch etwas ab“, sagte Kennedy, „dann werden wir sehen!“
„Die arme Victoria!“, seufzte Joe. „Ich hatte mich an sie gewöhnt, wie ein Seemann an sein Schiff – und ich werde sie nicht so leicht aufgeben. Vielleicht ist sie nicht mehr das, was sie einmal war.“

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Zu Beginn – ja, das stimmt; aber wir sollten kein Wort gegen sie sagen. Sie hat uns gute Dienste geleistet, und es würde mir das Herz brechen, sie im Stich zu lassen.“
„Sei unbesorgt, Joe; wenn wir sie zurücklassen, dann wird das gegen unseren Willen geschehen. Sie wird uns weiter dienen, bis sie völlig erschöpft ist. Ich bitte nur um vierundzwanzig Stunden mehr!“
„Ah, sie wird immer schwächer! Sie wird immer dünner“, sagte Joe traurig, während er sie betrachtete. „Armer Ballon!“
„Sofern ich mich nicht irre“, sagte Kennedy, „da drüben am Horizont sind die Berge, von denen Sie sprachen, Doktor.“
„Ja, tatsächlich!“, rief der Doktor, nachdem er sie durch sein Fernrohr betrachtet hatte. „Und sie sehen sehr hoch aus. Wir werden Schwierigkeiten haben, sie zu überqueren.“
„Können wir sie nicht umgehen?“
„Ich fürchte nein, Dick. Schau dir doch an, wie viel Platz sie einnehmen – fast die Hälfte des Horizonts!“
„Es scheint sogar, als würden sie uns einschließen“, fügte Joe hinzu. „Sie nähern sich von rechts und links.“
„Dann müssen wir über sie hinwegkommen.“
Diese Hindernisse, die eine solche Gefahr darstellten, schienen mit extremer Geschwindigkeit näherzukommen – oder genauer gesagt: Der starke Wind trieb den Ballon auf die steilen Gipfel zu. Er musste also weiter aufsteigen – sonst würde er in Stücke gerissen werden.
„Lassen Sie uns den Wasserspeicher leeren“, sagte der Doktor. „Wir behalten nur so viel Wasser, wie für einen Tag benötigt wird.“
„Da geht es schon“, rief Joe.
„Steigt der Ballon überhaupt?“, fragte Kennedy.
„Ein wenig – etwa fünfzig Fuß“, antwortete der Doktor, der seine Augen ständig auf den Barometer gerichtet hielt. „Aber das reicht nicht aus.“
Tatsächlich rückten die hohen Gipfel so schnell auf die Reisenden zu, dass es schien, als würden sie auf sie zustürzen. Der Ballon war noch weit davon entfernt, über ihnen zu schweben. Ihm fehlten noch mehr als fünfhundert Fuß an Höhe.
Auch der Wasservorrat wurde über Bord gegossen; nur noch wenige Pfund Wasser blieben übrig – doch auch das reichte immer noch nicht aus.

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„Wir müssen trotzdem an ihnen vorbeikommen!“, drängte der Arzt.
„Wir sollten die Tanks loswerden – wir haben sie bereits geleert“, sagte Kennedy.
„Los, weg mit ihnen!“
„Da fliegen sie schon!“, keuchte Joe. „Aber es ist schwierig zu erkennen, wie wir hier Stück für Stück nach unten gelangen sollen.“
„Joe, versuche auf keinen Fall, dich selbst zu opfern, wie du es neulich getan hast! Was auch immer passiert – schwöre mir, dass du uns nicht verlassen wirst!“
„Hab keine Angst, mein Herr – wir werden uns nicht trennen.“
Die Victoria hatte etwa hundertzwanzig Fuß Höhe erreicht, doch der Gipfel des Berges ragte immer noch über ihr auf. Es handelte sich um einen fast senkrecht verlaufenden Grat, der in einer geraden Linie endete. Der Gipfel ragte weiterhin mehr als zweihundert Fuß über die Luftschiffer hinaus.
„In zehn Minuten“, sagte der Arzt zu sich selbst, „wird unser Ballon gegen diese Felsen geschleudert werden, es sei denn, wir schaffen es, an ihnen vorbeizukommen!“
„Nun, Doktor?“, fragte Joe.
„Behalten Sie nur unseren Pemmikan – werfen Sie alles Schweres weg.“ Daraufhin wurde der Ballon um etwa fünfzig Pfund leichter, und er stieg deutlich an. Doch das war von geringer Bedeutung, solange sie nicht über die Kämme der Berge hinauskamen. Die Situation war entsetzlich. Die Victoria raste mit großer Geschwindigkeit weiter. Sie spürten, dass sie in tausend Stücke zerschmettert werden würde – der Aufprall wäre furchtbar.
Der Arzt blickte sich im Ballon um. Er war fast leer.
„Falls nötig, Dick – seien Sie bereit, Ihre Waffen wegzuwerfen!“
„Meine Waffen opfern?“, wiederholte der Sportler empört.
„Mein Freund, ich bitte Sie darum – es ist absolut notwendig!“
„Samuel! Doktor!“
„Ihre Waffen sowie der Pulver- und Kugelvorrat könnten uns das Leben kosten.“
„Wir sind schon ganz nah dran!“, rief Joe.
Sechzig Fuß! Der Berg überragte den Ballon immer noch um sechzig Fuß.
Joe nahm die Decken und anderen Überzugsmaterialien und warf sie hinaus. Dann warf er, ohne ein Wort an Kennedy zu richten, mehrere Säcke mit Kugeln und Blei hinaus.

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Der Ballon stieg noch höher hinauf; er überwand den gefährlichen Kamm, und die Sonnenstrahlen trafen seine oberste Spitze. Doch der Wagen befand sich immer noch unterhalb der Höhe einiger zerbrochener Felsmassen – gegen die er unweigerlich zerschellen würde.

„Kennedy! Kennedy! Werfen Sie Ihre Waffen weg, sonst sind wir verloren!“, schrie der Arzt.

„Warten Sie, Sir – warten Sie einen Moment!“, hörten sie Joe rufen. Als sie sich umsahen, sahen sie, wie Joe über den Rand des Ballons verschwand.

„Joe! Joe!“, rief Kennedy.

„Elender Kerl!“, war die gequälte Miene des Arztes.

Die flache Kuppe des Berges hatte an dieser Stelle wohl etwa zwanzig Fuß Breite. Auf der anderen Seite war der Hang weniger steil. Der Wagen berührte gerade die Ebene dieser Kuppe – sie war zufälligerweise völlig eben – und glitt über einen Boden, der aus scharfen Kieseln bestand, die beim Vorbeifahren knirschten.

„Wir haben es geschafft! Wir sind in Sicherheit!“, rief eine freudige Stimme – was Fergusons Herz zum Rasen brachte.

Der mutige Mann war dort, hielt sich am unteren Rand des Wagens fest und kletterte zu Fuß über die Kuppe des Berges, wodurch er dem Ballon sein ganzes Gewicht nahm. Er musste mit aller Kraft festhalten – schließlich konnte der Ballon jederzeit aus seinen Händen entgleiten.

Als er die gegenüberliegende Seite erreichte und die Tiefe vor ihm lag, zog sich Joe mit großer Anstrengung vom Boden hoch, kletterte an dem Seil empor und kehrte zu seinen Freunden zurück.

„Das war’s!“, sagte er gelassen.

„Mein tapferer Joe! Mein Freund!“, sagte der Arzt voller Rührung.

„Oh! Was ich getan habe“, lachte der andere, „war nicht für Sie – sondern um Kennedys Gewehr zu retten. Ich schuldete ihm das nach der Sache mit dem Araber. Ich möchte meine Schulden begleichen – jetzt sind wir quitt“, fügte er hinzu und reichte dem Sportler seine Lieblingswaffe. „Ich würde mich sehr schlecht fühlen, wenn Sie ohne sie dastünden.“

Kennedy schüttelte dem mutigen Mann herzlich die Hand – ohne ein Wort sagen zu können.

Die Victoria hatte nun nur noch abzusteigen. Das war recht einfach – bald befand sie sich bereits in einer Höhe von nur zweihundert Fuß über dem Boden.

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Der Ballon befand sich nun auf dem Boden und war in Gleichgewicht. Die Oberfläche schien stark zerstört zu sein – als wäre sie durch eine Naturkatastrophe beschädigt worden. Es gab zahlreiche Unebenheiten, die es in der Nacht mit einem nicht mehr steuerbaren Ballon sehr schwierig gemacht hätten, ihnen auszuweichen. Der Abend brach schnell herein, und trotz seines Widerwillens musste der Arzt sich dazu entschließen, bis zum Morgen zu warten.

„Wir werden jetzt nach einem geeigneten Ort zum Anhalten suchen“, sagte er.
„Ah!“, antwortete Kennedy. „Sie haben sich also endlich entschieden?“
„Ja, ich habe schon seit längerem einen Plan überlegt, den wir in die Tat umsetzen wollen. Es ist erst sechs Uhr abends – wir haben genug Zeit. Warf deine Anker aus, Joe!“
Joe gehorchte sofort, und die beiden Anker hingen nun unter dem Ballon.
„Ich sehe große Wälder vor uns“, sagte der Arzt. „Wir werden über deren Kronen fliegen und uns an einem Baum festmachen. Ich würde niemals daran denken, die Nacht am Boden zu verbringen.“
„Aber können wir nicht absinken?“, fragte Kennedy.
„Wozu? Ich wiederhole: Es wäre gefährlich für uns, uns voneinander zu trennen. Außerdem brauche ich Ihre Hilfe bei einer schwierigen Aufgabe.“
Die Victoria, die über den Kronen der riesigen Wälder flog, kam bald zum Stillstand. Ihre Anker hatten Halt gefunden, und da der Wind nachließ und der Abend hereinbrach, blieb sie regungslos über einem weiten Grünfeld hängen – einem Feld, das aus den Kronen von Platanenwäldern bestand.

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Kapitel vierundvierzig.

Ein Kampf der Großzügigkeit – Das letzte Opfer – Das Erweiterungsgerät – Joes Geschicklichkeit – Mitternacht – Die Uhr des Arztes – Kennedys Uhr – Der Letztere schläft an seinem Posten ein – Das Feuer – Das Heulen der Eingeborenen – Außer Reichweite.

Fergusonstes Anliegen war es, sich durch Sternbeobachtung zurechtzufinden. Er stellte fest, dass er nur etwa fünfundzwanzig Meilen von Senegal entfernt war.
„Alles, was wir tun können, meine Freunde“, sagte er nachdem er auf seiner Karte gezeigt hatte, „ist, den Fluss zu überqueren. Doch da es weder Brücken noch Boote gibt, müssen wir ihn um jeden Preis mit dem Ballon überqueren – und dazu müssen wir erst noch das Gepäck erleichtern.“
„Aber ich sehe nicht ganz, wie wir das schaffen sollen“, antwortete Kennedy, der sich Sorgen um seine Waffen machte. „Es sei denn, einer von uns entschließt sich, sich für die anderen zu opfern – also zurückzubleiben. Und ich beanspruche diese Ehre für mich.“
„Sie wirklich!“, wandte Joe ein. „Habe ich nicht auch schon einmal –“
„Die Frage ist jetzt nicht, ob wir aus dem Fahrzeug springen sollen, sondern einfach, wie wir zu Fuß an die afrikanische Küste gelangen können. Ich bin ein hervorragender Walker, ein guter Sportler –“
„Ich werde niemals zustimmen!“, beharrte Joe.
„Eure großzügige Rivalität ist nutzlos, meine tapferen Freunde“, sagte Ferguson. „Ich hoffe, wir werden nicht zu solchen Extremen gezwungen. Außerdem sollten wir, falls doch, zusammenbleiben, damit wir gemeinsam durch das Land kommen können.“
„Das ist die richtige Einstellung“, sagte Joe. „Ein wenig Wandern kann uns keinen Schaden zufügen.“

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„Aber bevor wir das versuchen“, fuhr der Arzt fort, „müssen wir ein letztes Mittel anwenden, um den Ballon zu erleichtern.“
„Was wird das sein? Ich möchte es sehen“, sagte Kennedy ungläubig.
„Wir müssen uns der Zylinderräume, der Spirale sowie der Buntzen-Batterie entledigen. Neunhundert Pfund sind eine ziemlich schwere Last, die man durch die Luft tragen muss.“
„Aber dann, Samuel – wie willst du dein Gas erweitern?“
„Ich werde das überhaupt nicht tun. Wir müssen ohne es auskommen.“
„Aber –“
„Hört zu, meine Freunde: Ich habe die verbleibende Auftriebskraft sehr genau berechnet – sie reicht aus, um uns alle samt den wenigen übrigen Gegenständen mitzunehmen. Insgesamt werden wir kaum fünfhundert Pfund wiegen, einschließlich der beiden Anker, die ich behalten möchte.“
„Lieber Doktor, Sie wissen mehr über diese Angelegenheit als wir; Sie sind der einzige, der die Situation beurteilen kann. Sagen Sie uns, was wir tun sollen, und wir werden es tun.“
„Ich stehe zu Ihren Befehlen, Herr“, fügte Joe hinzu.
„Ich wiederhole, meine Freunde: So ernst diese Entscheidung auch erscheinen mag – wir müssen unser Gerät opfern.“
„Dann los!“, sagte Kennedy sofort.
„An die Arbeit!“, sagte Joe.
Es war keine leichte Aufgabe. Das Gerät musste Stück für Stück abgebaut werden. Zuerst nahmen sie den Mischbehälter heraus, dann denjenigen, der zum Zylinder gehörte, und schließlich den Tank, in dem die Zersetzung des Wassers stattfand. Die gemeinsame Kraft aller drei Reisenden war nötig, um diese Behälter vom Boden des Fahrzeugs zu lösen – in dem sie so fest befestigt waren. Doch Kennedy war stark, Joe geschickt und der Arzt einfallsreich – schließlich gelang es ihnen. Die verschiedenen Teile wurden nacheinander hinausgeworfen und verschwanden darunter, wodurch riesige Lücken im Laub der Platanen entstanden.
„Die schwarzen Kerle werden ziemlich überrascht sein“, sagte Joe, „wenn sie solche Dinge im Wald finden – sie werden daraus Idole machen!“
Als Nächstes mussten die Rohre beseitigt werden, die im Ballon befestigt waren und mit der Spirale verbunden waren. Joe schaffte es, die Gummiverbindungen oberhalb des Fahrzeugs durchzuschneiden – doch als er bei den…

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Die Rohre waren schwerer zu lösen – sie wurden an ihrem oberen Ende festgehalten und mit Drähten am eigentlichen Ring der Ventile befestigt. Da zeigte Joe außergewöhnliche Geschicklichkeit. Mit seinen nackten Füßen, um die Oberfläche nicht zu zerkratzen, gelang es ihm mithilfe des Netzes – trotz der Schwankungen des Ballons –, zum oberen Ende zu klettern. Nach tausend Schwierigkeiten schaffte er es, sich mit einer Hand an dieser rutschigen Oberfläche festzuhalten, während er die Außenschrauben löste, die die Rohre an ihrem Platz hielten. Diese konnten anschließend leicht entfernt werden; ihr unteres Ende war durch eine starke Binde luftdicht abgeschlossen. Die Victoria, nun von diesem erheblichen Gewicht befreit, stieg senkrecht in die Luft und zog kräftig an der Ankerleine. Gegen Mitternacht war die Arbeit ohne Unfälle abgeschlossen – doch zum Preis großer Anstrengung. Das Trio aß ein Mittagessen aus Pemmikan und kaltem Punch; der Arzt hatte schließlich kein Feuer mehr, das er Joe zur Verfügung stellen konnte. Zudem waren Joe und Kennedy vor Erschöpfung völlig am Ende. „Legt euch hin, meine Freunde, und ruht euch aus“, sagte der Arzt. „Ich übernehme die erste Wache; um zwei Uhr wecke ich Kennedy; um vier Uhr weckt Kennedy Joe – und um sechs Uhr brechen wir auf. Möge der Himmel uns in seiner Obhut halten für diesen letzten Tag der Reise!“ Ohne darauf zu warten, dazu aufgefordert zu werden, streckten sich die beiden Begleiter des Arztes am Boden des Fahrzeugs aus und fielen sofort in tiefen Schlaf. Die Nacht war ruhig. Ein paar Wolken verdeckten den letzten Viertelmond; dessen schwache Strahlen drangen kaum durch die Dunkelheit. Ferguson lehnte seine Ellbogen auf den Rand des Fahrzeugs und blickte aufmerksam um sich. Er beobachtete genau den dunklen Vorhang aus Blättern, der unter ihm lag und den Boden vor seinem Blick verbarg. Jedes Geräusch weckte seine Misstrauenshaltung – selbst das leiseste Rascheln der Blätter. Er befand sich in jenem Zustand, in dem die Einsamkeit die Ängste noch stärker hervorruft; in solchen Momenten steigen vage Ängste im Geist auf. Am Ende einer solchen Reise, nachdem man so viele Hindernisse überwunden hat – und gerade in dem Moment, in dem das Ziel in Sicht ist – werden die Ängste intensiver, die Emotionen schärfer. Der Ort der Ankunft scheint immer weiter von unserem Blick entfernt zu sein.

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Außerdem hatte die gegenwärtige Situation nichts Tröstliches an sich. Sie befanden sich mitten in einem barbarischen Land und waren von einem Fahrzeug abhängig, das ihnen jederzeit versagen könnte. Der Arzt zählte nicht mehr stillschweigend auf seinen Ballon – die Zeit, in der er ihn mutig steuern konnte, weil er sich seiner Sache sicher war, lag bereits hinter ihm. Unter dem Einfluss dieser Eindrücke glaubte der Arzt von Zeit zu Zeit, dumpfe Geräusche in den weiten Wäldern um sich herum zu hören; er dachte sogar, einen schnellen Feuerschein zwischen den Bäumen zu sehen. Er blickte scharf hin und richtete sein Nachtglas auf die Stelle – doch es war nichts zu erkennen, und es schien wieder völlige Stille einzukehren. Zweifellos hatte er einer reinen Halluzination unterlegen. Er lauschte weiter, hörte aber kein einziges Geräusch. Als seine Wache vorbei war, weckte er Kennedy, wies ihn an, äußerste Wachsamkeit zu bewahren, nahm seinen Platz neben Joe ein und schlief sofort ein. Kennedy, der sich noch die Augen rieb, die er kaum offen halten konnte, zündete ruhig seine Pfeife an. Dann kauerte er sich in eine Ecke und begann kräftig zu rauchen, um wach zu bleiben. Um ihn herum herrschte völlige Stille; eine leichte Brise bewegte die Baumwipfel und ließ den Wagen sanft schwanken – das veranlasste den Jäger, den Schlaf zu spüren, der sich trotz seines Widerstands über ihn legte. Er bemühte sich verzweifelt, dagegen anzukämpfen, und öffnete immer wieder die Augen, um in die Dunkelheit hinauszublicken – doch schließlich gab er der Müdigkeit nach und schlummerte weiter. Wie lange er in diesem Dämmerzustand gewesen war, wusste er nicht – doch plötzlich wurde er durch ein seltsames, unerwartetes Knistern daraus geweckt. Er rieb sich die Augen und sprang auf. Ein intensives Licht blendete ihn fast und erwärmte seine Wangen – der Wald stand in Flammen! „Feuer! Feuer!“, schrie er, ohne ganz zu verstehen, was geschehen war. Seine beiden Begleiter sprangen erschrocken auf. „Was ist los?“, rief der Arzt sofort. „Feuer!“, sagte Joe. „Aber wer könnte…“ In diesem Moment waren laute Schreie unter den Bäumen zu hören – der Wald war nun genauso hell erleuchtet wie am Tag. „Ah! Die Wilden!“, rief Joe erneut. „Sie haben den Wald in Brand gesetzt, um sicherzustellen, dass wir verbrennen.“

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„Die Talabas! Zweifellos Al-Hadjis Marabus“, sagte der Arzt.
Ein Feuerkreis umschloss die Victoria; das Knistern des trockenen Holzes vermischte sich mit dem Zischen und Prasseln der grünen Äste; die kletternden Ranken, das Laub – all das Lebendige dieser Vegetation – wand sich im zerstörerischen Element. Das Auge sah nichts als ein riesiges Meer aus Flammen; die großen Bäume zeichneten sich in schwarzem Kontrast vor diesem gewaltigen Ofen ab, ihre Äste bedeckt mit glühenden Kohlen. Die ganze brennende Masse, die gesamte Flammenwand, spiegelte sich in den Wolken wider – die Reisenden konnten sich vorstellen, in einer hohlen Feuerkugel gefangen zu sein.
„Lassen Sie uns zum Boden fliehen!“, schrie Kennedy. „Das ist unsere einzige Chance auf Sicherheit!“
Doch Ferguson hielt ihn mit eisernem Griff zurück und durchtrennte mit einem gezielten Schlag seines Beils die Ankerleine. In der Zwischenzeit sprangen die Flammen bereits auf den Ballon über und ließen dessen beleuchtete Seiten erzittern; doch die Victoria, befreit von ihren Fesseln, stieg tausend Fuß in die Luft empor.
Schreckliche Schreie hallten durch den Wald, begleitet vom Knall von Schusswaffen. Der Ballon wurde von einer Luftströmung, die mit dem Morgengrauen aufstieg, nach Westen getragen.
Es war jetzt vier Uhr morgens.

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KAPITEL VIERUNDVIERZIG.

Die Talabas – Die Verfolgung – Ein verwüstetes Land – Der Wind lässt nach – Die Victoria sinkt – Die letzten Vorräte – Die Sprünge des Ballons – Eine Verteidigung mit Schusswaffen – Der Wind wird stärker – Der Fluss Senegal – Die Wasserfälle von Gouina – Die heiße Luft – Die Überquerung des Flusses.

„Hätten wir gestern Abend nicht die Vorsichtsmaßnahme ergriffen, den Ballon zu entlasten, wären wir verloren gewesen“, sagte der Arzt nach langer Stille.
„Seht nur, was man erreicht, wenn man zur rechten Zeit handelt!“, antwortete Joe. „Dann kommt man aus Schwierigkeiten heraus – und das ist ganz natürlich.“
„Wir sind noch nicht in Sicherheit“, sagte der Arzt.
„Was befürchten Sie noch?“, fragte Kennedy. „Der Ballon kann ohne Ihre Erlaubnis nicht absinken – und selbst wenn er es täte…“
„Selbst wenn er es täte, Dick? Schauen Sie!“
Sie hatten gerade die Grenzen des Waldes hinter sich gelassen, und die drei Freunde konnten etwa dreißig berittene Männer sehen, die weite Hosen sowie flatternde Mäntel trugen. Sie waren bewaffnet – einige mit Lanzen, andere mit langen Musketen – und folgten auf ihren schnellen Pferden in Richtung des Ballons, der nur mit mäßiger Geschwindigkeit vorankam.
Als sie die Aeronauten sahen, stießen sie wilde Schreie aus und schwangen ihre Waffen. Auf ihren dunklen Gesichtern war Zorn und Drohung zu erkennen – diese Gesichter wirkten durch dünne, struppige Bärte noch grausamer. In der Zwischenzeit ritten sie mühelos über die niedrigen Ebenen und sanften Hänge, die zum Senegal führten.
„Es sind tatsächlich sie!“, sagte der Arzt. „Die grausamen Talabas! Die wilden Marabuten von Al-Hadji! Ich würde lieber mitten im…“

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„Ein Wald, umgeben von wilden Tieren – die dann in die Hände dieser Banditen fallen.“
„Sie sehen nicht gerade freundlich aus!“, stimmte Kennedy zu; „und es sind grobe, kräftige Kerle.“
„Zum Glück können diese Bestien nicht fliegen“, bemerkte Joe; „und das ist schon etwas.“
„Sehen Sie“, sagte Ferguson, „diese zerstörten Dörfer, diese abgebrannten Hütten – das ist ihre Arbeit! Wo einst weite Flächen Ackerland waren, haben sie Verwüstung und Ödnis hinterlassen.“
„Jedenfalls“, warf Kennedy ein, „können sie uns nicht einholen; und wenn es uns gelingt, den Fluss zwischen uns und sie zu bringen, sind wir sicher.“
„Vollkommen richtig, Dick“, antwortete Ferguson; „aber wir dürfen nicht zu Boden fallen!“
Während er das sagte, warf er einen Blick auf den Barometer.
„Auf jeden Fall, Joe“, fügte Kennedy hinzu, „könnte es nicht schaden, nach unseren Waffen zu schauen.“
„Überhaupt kein Problem, Herr Dick! Wir haben Glück, dass wir sie nicht entlang des Weges verstreut haben.“
„Mein Gewehr!“, sagte der Jäger. „Ich hoffe, ich werde niemals davon getrennt werden!“
Und damit lud Kennedy sein Gewehr mit größter Sorgfalt nach – schließlich hatte er noch genug Pulver und Kugeln übrig.
„In welcher Höhe befinden wir uns?“, fragte er den Arzt.
„Etwa siebenhundertfünfzig Fuß; aber wir haben nicht mehr die Möglichkeit, günstige Winde für den Auf- oder Abstieg zu nutzen. Wir sind dem Ballon ausgeliefert!“
„Das ist ärgerlich!“, erwiderte Kennedy. „Der Wind ist schwach; aber wenn wir auf einen Hurrikan wie die gestoßen wären, denen wir vorher begegnet sind, wären diese verdammten Banditen längst außer Sichtweite.“
„Die Schurken folgen uns in ihrem eigenen Tempo“, sagte Joe. „Sie reiten nur im Trab. Eine wirklich angenehme Fahrt!“
„Wenn wir in Schussweite wären“, seufzte der Jäger, „würde ich mir die Freude machen, ein paar von ihnen vom Pferd zu holen.“
„Genau“, sagte der Arzt; „dann hätten sie aber auch Sie in Schussweite – und unser Ballon wäre ein viel zu leichtes Ziel für die Kugeln aus ihren Langgewehren. Und wenn sie ein Loch hineinmachen würden, überlasse ich es Ihnen, sich vorzustellen, in welcher Situation wir dann wären!“

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Die Verfolgung der Talabas dauerte den ganzen Morgen an; um elf Uhr hatten die Luftschiffer kaum fünfzehn Meilen nach Westen zurückgelegt. Der Arzt beobachtete besorgt jeden kleinen Wolkenfetzen am Horizont. Am meisten fürchtete er eine Veränderung in der Atmosphäre. Wenn er zurück zum Niger geworfen würde – was würde dann aus ihm werden? Außerdem stellte er fest, dass der Ballon stark absank. Seit dem Start hatte er bereits mehr als dreihundert Fuß an Höhe verloren, und der Senegal musste etwa ein Dutzend Meilen entfernt sein. Bei seinem derzeitigen Tempo konnte er nur mit weiteren drei Stunden Reisezeit rechnen.
In diesem Moment wurde seine Aufmerksamkeit durch neue Rufe auf sich gezogen. Die Talabas schienen sehr aufgeregt zu sein und trieben ihre Pferde an. Der Arzt schaute auf seinen Barometer und entdeckte sofort die Ursache für diese Symptome.
„Sinken wir?“, fragte Kennedy.
„Ja!“, antwortete der Arzt.
„Das ist schrecklich!“, dachte Joe.
Innerhalb von fünfzehn Minuten befand sich die Victoria nur noch hundertfünfzig Fuß über dem Boden – doch der Wind war viel stärker als zuvor. Die Talabas zügelten ihre Pferde, und bald ertönte ein Schusswechsel in der Luft.
„Zu weit, ihr Idioten!“, schrie Joe. „Ich denke, es wäre besser, diese Kerle auf Abstand zu halten.“ Während er sprach, zielte er auf einen der Reiter, der am weitesten vorne war, und schoss. Der Talaba stürzte zu Boden, und während seine Begleiter kurz innehielten, holte der Ballon auf sie auf.
„Sie sind vorsichtig!“, sagte Kennedy.
„Weil sie glauben, uns sicher fangen zu können“, antwortete der Arzt. „Und sie werden Erfolg haben, wenn wir noch weiter sinken. Wir müssen unbedingt höher in die Luft steigen.“
„Was können wir herauswerfen?“, fragte Joe.
„Alles, was von unserem Vorrat an Pemmikan übrig ist – das bedeutet dreißig Pfund weniger Gewicht, das wir tragen müssen.“
„Es wird herausgeworfen, Sir!“, sagte Joe und befolgte den Befehl.

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Der Ballon, der nun fast den Boden berührte, stieg wieder auf – unter den Schreien der Talabas. Doch bereits eine halbe Stunde später fiel der Ballon erneut schnell nach unten, denn das Gas entwich durch die Poren der Außenhülle. Bald schon streifte der Ballon wieder den Boden, und Al-Hadjis schwarze Reiter eilten darauf zu. Doch wie es in solchen Fällen oft der Fall ist, berührte der Ballon die Oberfläche kaum, da sprang er schon wieder hoch – und landete erst einen Meilen entfernt.

„Wir werden also nicht entkommen!“, sagte Kennedy zwischen den Zähnen.

„Wirf unseren Vorrat an Brandy raus, Joe!“, rief der Arzt. „Unsere Instrumente sowie alles, was Gewicht hat – sogar unser letztes Ankerstück! Denn all das muss raus!“

Joe warf die Barometer und Thermometer hinaus – doch das half kaum etwas. Der Ballon stieg zwar für einen Moment auf, fiel aber anschließend wieder zum Boden hinab.

Die Talabas flogen auf ihn zu – schließlich waren sie nur noch etwa zweihundert Schritte entfernt.

„Wirf die beiden Schrotflinten raus!“, schrie Ferguson.

„Zumindest nicht, ohne sie abzufeuern!“, antwortete der Jäger. Vier Schüsse hintereinander trafen die Reitergruppe. Vier Talabas fielen zu Boden – begleitet von den verzweifelten Schreien und Flüchen ihrer Kameraden.

Die Victoria stieg erneut auf und machte riesige Sprünge – wie ein riesiger Gummiball, der durch die Luft hüpfte und zurückprallte. Es war ein seltsamer Anblick, diese unglücklichen Männer dabei zu beobachten, wie sie versuchten, auf diese Weise zu entkommen – und dabei, ähnlich dem Riesen Antaios, jedes Mal neue Kraft zu gewinnen, sobald sie den Boden berührten. Doch diese Situation musste irgendwann enden. Es war jetzt fast Mittag; die Victoria wurde immer leerer und erschöpfter – und nahm mit jeder Sekunde eine immer länglichere Form an. Ihre Außenhülle wurde schlaff und schwebte locker in der Luft; die Falten des Seids raschelten und schleiften aneinander.

„Der Himmel verlässt uns!“, sagte Kennedy. „Wir müssen fallen!“

Joe antwortete nicht. Er blickte weiterhin intensiv auf seinen Herrn.

„Nein!“, sagte dieser. „Wir haben noch mehr als hundertfünfzig Pfund, die wir loswerden müssen.“

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„Was kann es dann sein?“, fragte Kennedy und dachte, der Arzt müsse verrückt werden.
„Das Auto!“, antwortete er. „Wir können uns am Netz festhalten. Dort können wir in den Maschen hängen bleiben, bis wir den Fluss erreichen. Schnell! Schnell!“
Und diese mutigen Männer zögerten keinen Moment, dieses letzte verzweifelte Fluchtmittel zu nutzen. Sie klammerten sich an das Netz, wie der Arzt es anwies, und Joe hielt sich mit einer Hand fest, während er mit der anderen die Seile durchschnitt, die das Auto hielten; das Auto fiel zu Boden, gerade als der Ballon zum letzten Mal sank.
„Hurra! Hurra!“, rief der tapfere Mann jubelnd, während die Victoria, nun wieder erleichtert, erneut auf eine Höhe von dreihundert Fuß stieg.
Die Talabas trieben ihre Pferde an – diese rannten nun in rasendem Galopp vorwärts – doch der Ballon, getragen von einem viel günstigeren Wind, schoss an ihnen vorbei und wurde schnell in Richtung eines Hügels getragen, der sich im Westen über den Horizont erstreckte. Das war eine günstige Situation für die Aeronauten, denn sie konnten über den Hügel steigen, während Al-Hadjis Truppe nach Norden ausweichen musste, um dieses Hindernis zu überwinden.
Die drei Freunde hielten sich weiterhin am Netz fest. Sie hatten es unter ihren Füßen befestigen können – dort bildete es sozusagen eine Art Schwingtasche. Plötzlich, nachdem sie den Hügel überquert hatten, rief der Arzt: „Der Fluss! Der Fluss! Der Senegal, meine Freunde!“
Etwa zwei Meilen vor ihnen floss tatsächlich der Fluss mit seinem breiten Wasservolumen dahin; die gegenüberliegende Uferseite, die niedrig und fruchtbar war, bot einen sicheren Zufluchtsort sowie einen geeigneten Ort für die Landung.
„Noch ein Viertelstunde“, sagte Ferguson, „und wir sind gerettet!“
Doch so sollte es nicht kommen. Der leere Ballon sank langsam auf ein Gebiet, das fast völlig frei von Vegetation war. Es bestand aus langen Hängen und steinigen Ebenen, ein paar Büschen sowie etwas grobem Gras, das vom Sonnenbrand gezeichnet war. Die Victoria berührte mehrmals den Boden und stieg wieder auf – doch ihre Aufprallhöhe wurde immer geringer. Beim letzten Mal verfing sie sich am oberen Teil des Netzes in den hohen Ästen eines Baobabbaums – des einzigen Baumes, der dort allein inmitten dieser Ödnis stand.
„Es ist vorbei“, sagte Kennedy.
„Und nur hundert Schritte vom Fluss entfernt!“, stöhnte Joe.

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Die drei unglücklichen Luftfahrer stiegen zu Boden, und der Arzt zog seine Begleiter in Richtung Senegal. In diesem Moment ertönte vom Fluss her ein lautes Dröhnen; als Ferguson das Ufer erreichte, erkannte er die Wasserfälle von Gouina. Doch weder ein Boot noch ein Lebewesen war zu sehen. Der Senegal strömt mit einer Breite von zweitausend Fuß in einer Höhe von hundertfünfzig Fuß herab – begleitet von einem donnernden Geräusch. Er floss, so wie sie es sahen, von Ost nach West, und die Reihe von Felsen, die seinen Lauf blockierten, erstreckte sich von Nord nach Süd. Mitten in den Wasserfällen ragten Felsen seltsamer Formen empor – wie riesige, vorzeitliche Tiere, die dort inmitten des Wassers versteinert waren. Die Unmöglichkeit, diesen Abgrund zu überqueren, war offensichtlich – Kennedy konnte einen Ausdruck der Verzweiflung nicht unterdrücken. Doch Dr. Ferguson rief mit energischem, furchtlosem Ton aus: „Es ist noch nicht vorbei!“ „Ich wusste es“, sagte Joe – mit jenem Vertrauen in seinen Meister, das nichts erschüttern konnte. Der Anblick des verdorrten Grases inspirierte den Arzt zu einer kühnen Idee: Es war die letzte Chance zur Flucht. Er führte seine Freunde schnell dorthin zurück, wo sie die Abdeckung des Ballons gelassen hatten. „Wir haben wenigstens eine Stunde Vorsprung vor diesen Banditen“, sagte er. „Lassen wir keine Zeit verlieren, meine Freunde! Sammeln wir so viel dieses verdorrten Grases wie möglich – ich brauche mindestens hundert Pfund davon.“ „Zu welchem Zweck?“, fragte Kennedy überrascht. „Ich habe kein Gas mehr – nun, ich werde den Fluss mit heißer Luft überqueren!“ „Ah, Doktor“, rief Kennedy aus, „Sie sind wirklich ein großartiger Mann!“ Joe und Kennedy machten sich sofort an die Arbeit – bald hatte man einen riesigen Haufen aus verdorrtem Gras neben dem Baobab aufgetürmt. In der Zwischenzeit hatte der Arzt den Eingang des Ballons durch Einschneiden am unteren Ende vergrößert. Anschließend achtete er sorgfältig darauf, den letzten Rest an Wasserstoff durch die Ventile herauszulassen. Danach türmte er eine Menge Gras unter den Ballon und zündete es an. Es dauert nur kurze Zeit, um einen Ballon mit heißer Luft aufzupumpen – eine Temperatur von 180 Grad reicht bereits aus, um das Gewicht der Luft zu verringern.

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Es wurde zur Hälfte durch Verdünnung erreicht – so begann die Victoria schnell, eine rundere Form anzunehmen. Es mangelte nicht an Gras; durch die unermüdlichen Bemühungen des Arztes blieb das Feuer in voller Intensität brennen, und der Ballon füllte sich von Moment zu Moment mehr.
Es war nun Viertel vor vier Uhr.
In diesem Moment tauchte die Gruppe der Talabas etwa zwei Meilen nordwärts wieder auf. Die drei Freunde konnten ihre Rufe sowie das Getrappel ihrer Pferde hören, die in vollem Galopp unterwegs waren.
„In zwanzig Minuten sind sie hier!“, sagte Kennedy.
„Mehr Gras! Mehr Gras, Joe! In zehn Minuten wird der Ballon mit heißer Luft gefüllt sein.“
„Hier ist es, Doktor!“
Die Victoria war nun zu zwei Dritteln aufgeblasen.
„Komm, meine Freunde, greifen wir wieder das Netz, wie zuvor.“
„In Ordnung!“, antworteten sie gemeinsam.
Nach etwa zehn Minuten zeigten einige Ruckbewegungen des Ballons an, dass er wieder abheben wollte. Die Talabas kamen näher – sie waren kaum fünfhundert Schritte entfernt.
„Halten Sie fest!“, rief Ferguson.
„Haben Sie keine Angst, Herr – haben Sie keine Angst!“
Der Arzt schob mit seinem Fuß noch einen Haufen Gras auf das Feuer. Dadurch bewegte sich der Ballon, der nun durch die gestiegene Temperatur vollständig aufgeblasen war, davon und strich dabei die Äste der Baobab-Bäume beiseite.
„Wir fliegen los!“, rief Joe.
Eine Salve von Musketenschüssen antwortete auf seinen Ausruf. Eine Kugel traf sogar seine Schulter; doch Kennedy beugte sich vor und schoss mit einer Hand sein Gewehr ab, wodurch ein weiterer Feind zu Boden gestreckt wurde.
Wütende Schreie begrüßten den Abflug des Ballons, der sofort fast achthundert Fuß in die Höhe stieg. Eine starke Strömung packte ihn und trug ihn mit den bedrohlichsten Schwankungen mit sich – während der tapfere Arzt und seine Freunde den Abgrund der Wasserfälle unter sich sahen.

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Zehn Minuten später, ohne ein Wort zu wechseln, sanken sie allmählich zum anderen Ufer des Flusses hinab. Dort stand eine Gruppe von Männern in französischen Uniformen – erstaunt, sprachlos, verängstigt. Man kann sich ihre Verwunderung vorstellen, als sie sahen, wie der Ballon vom rechten Ufer des Flusses aufstieg. Sie hielten ihn fast für ein Himmelsphänomen; doch ihre Offiziere, ein Marineleutnant und ein Marineoffizier, die in den europäischen Zeitungen von Dr. Fergusons kühner Expedition gelesen hatten, erklärten schnell die wahren Umstände. Der Ballon verlor allmählich an Auftrieb und sank langsam nach unten, während die mutigen Reisenden weiterhin an seinem Netz hingen; es war jedoch ungewiss, ob er das Ufer erreichen würde. Sofort stürzten einige der tapferen Franzosen ins Wasser und fingenen drei Luftschiffer auf, gerade als die Victoria nur noch wenige Meter vom linken Ufer des Senegal entfernt war. „Dr. Ferguson!“, rief der Leutnant. „Der selbst, Sir“, antwortete der Arzt ruhig, „und seine beiden Freunde.“ Die Franzosen brachten unsere Reisenden aus dem Fluss heraus, während der halbleere Ballon von einer schnellen Strömung mitgerissen wurde und schließlich wie eine riesige Blase gemeinsam mit den Wassern des Senegal in die Katarakte von Gouina stürzte. „Der arme Victoria!“, war Jos Abschiedswort. Der Arzt konnte eine Träne nicht zurückhalten; seine beiden Freunde drückten ihm stumm die Hände – in jener tiefen Emotion, die keine Worte erfordert.

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KAPITEL VIERUNDVIERZIG.

Schlussfolgerung – Das Zertifikat – Die französischen Siedlungen – Der Posten in Medina – Die Basilika – Saint Louis – Die englische Fregatte – Die Rückkehr nach London.

Die Expedition an das Ufer des Flusses wurde vom Gouverneur von Senegal entsandt. Sie bestand aus zwei Offizieren, den Herren Dufraisse, Leutnant der Marine, und Rodamel, Marineoffizier, sowie einem Sergeant und sieben Soldaten. Zwei Tage lang erkundeten sie die günstigste Stelle für einen Posten in Gouina, als sie Zeugen der Ankunft von Dr. Ferguson wurden.

Man kann sich die herzlichen Begrüßungen und Glückwünsche vorstellen, die unsere Reisenden erhielten. Die Franzosen – und nur sie – hatten Augenzeugenberichte über die Erfüllung dieses kühnen Plans, weshalb sie natürlich zu Zeugen von Dr. Fergusons Ankunft wurden. Deshalb bat der Arzt sie sofort, offiziell über seine Ankunft an den Katarakten von Gouina auszusagen.

„Sie hätten doch kein Einwand dagegen, ein Zertifikat über diese Tatsache auszustellen, oder?“, fragte er Leutnant Dufraisse.

„Auf Befehl!“, antwortete dieser umgehend.

Die Engländer wurden zu einem provisorischen Posten am Flussufer gebracht, wo ihnen größte Aufmerksamkeit zuteilwurde und alles zur Deckung ihrer Bedürfnisse bereitstand. Dort wurde folgendes Zertifikat in den heute in den Archiven der Royal Geographical Society of London vorhandenen Formulierungen ausgestellt:

„Wir, die unterzeichnenden Personen, erklären hiermit, dass wir am hier genannten Tag die Ankunft von Dr. Ferguson sowie seinen beiden Begleitern, Richard Kennedy und Joseph Wilson, beobachtet haben. Sie hingen an Seilen und Netzen eines Ballons; der genannte Ballon stürzte in einiger Entfernung von uns ins Flusswasser und wurde von der Strömung mitgerissen.“

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verloren in den Wasserfällen von Gouina. Als Beweis hierfür haben wir unsere Hände und Siegel neben die der oben genannten Personen gesetzt, zur Information aller, die davon betroffen sein könnten.

„Erstellt in den Wasserfällen von Gouina am 24. Mai 1862.“

„(Unterschrift),“
„SAMUEL FERGUSON“
„RICHARD KENNEDY,“
„JOSEPH WILSON,“
„DUFRAISSE, Marineleutnant,“
„RODAMEL, Marineoffizier,“
„DUFAYS, Sergeant,“
„FLIPPEAU, Bürgermeister, PELISSIER, LOROIS,“
„RASCAGNET, GUILLON, LEBEL, Soldaten.““

So endete die erstaunliche Reise von Dr. Ferguson und seinen tapferen Gefährten – wie durch unbestreitbare Zeugnisse belegt. Sie fanden sich bei Freunden unter den gastfreundlichsten Stämmen wieder, deren Beziehungen zu den französischen Siedlungen häufig und freundschaftlich sind. Sie kamen am Samstag, dem 24. Mai, im Senegal an, und am 27. desselben Monats erreichten sie den Posten Medina, der etwas weiter nördlich, aber am Fluss lag. Dort empfingen sie die französischen Offiziere mit offenen Armen und boten ihnen alle Möglichkeiten ihrer Gastfreundschaft an. Mit dieser Unterstützung konnten der Arzt und seine Freunde fast sofort an Bord des kleinen Dampfers namens Basilic steigen, der bis zur Mündung des Flusses fuhr. Zwei Wochen später, am 10. Juni, kamen sie in Saint Louis an, wo der Gouverneur ihnen eine prächtige Begrüßung bereitete, und sie erholten sich vollständig von ihrer Aufregung und Müdigkeit.

Außerdem sagte Joe jedem, der zuhören wollte: „Es war letztendlich eine dumme Reise von uns – ich würde niemandem, der nach Abenteuern dürstet, raten, sie anzutreten. Am Ende wird es sehr anstrengend, und wenn es nicht die Abenteuer am Tschadsee und am Senegalfluss gegeben hätte, glaube ich, wären wir vor Langeweile gestorben.“ Eine englische Fregatte stand gerade zum Auslaufen bereit, und die drei Reisenden beschafften sich eine Passage an Bord. Am 25. Juni kamen sie in Portsmouth an.

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Und am nächsten Tag in London. Wir werden weder die Aufnahme schildern, die sie von der Royal Geographical Society erhielten, noch die große Neugierde und Aufmerksamkeit, denen sie ausgesetzt waren. Kennedy brach sofort mit seinem berühmten Gewehr nach Edinburgh auf, denn er eilte, der Sorge seiner treuen alten Haushälterin abzuhelfen. Der Arzt und sein ergebener Joe blieben die gleichen Menschen, die wir kannten – mit Ausnahme einer Veränderung, die auf ihrem eigenen Vorschlag hin stattfand: Sie wurden nicht mehr Herr und Diener, sondern enge Freunde. Die Zeitungen ganz Europas lobten unermüdlich die mutigen Entdecker, und die Daily Telegraph druckte am Tag, an dem sie einen Überblick über die Reise veröffentlichte, dreiundsechzigtausendfünfhundert Exemplare. Dr. Ferguson hielt bei einer öffentlichen Versammlung der Royal Geographical Society einen Vortrag über seine Reise durch die Luft und erhielt für sich und seine Begleiter die Goldmedaille, die für die bemerkenswerteste Erkundungsexpedition des Jahres 1862 vorgesehen war. Das erste Ergebnis von Dr. Fergusons Expedition bestand darin, die von den Herren Barth, Burton, Speke und anderen gemeldeten Fakten sowie geografischen Erhebungen auf möglichst genaue Weise zu bestätigen. Dank der noch jüngeren Expeditionen der Herren Speke und Grant sowie De Heuglin und Muntzinger, die zu den Quellen des Nils aufstiegen und bis ins Zentrum Afrikas vordrangen, werden wir bald in der Lage sein, die Entdeckungen von Dr. Ferguson in jenem weiten Gebiet zwischen dem vierzehnten und dem dreißigsten Längengrad östlicher Länge nacheinander zu überprüfen.

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*** ENDE DES PROJECT GUTENBERG-E-BOOKS „FÜNF WOCHEN IN EINEM BALLON“ ***

Aktualisierte Ausgaben ersetzen die vorherigen – die alten Ausgaben werden umbenannt.

Durch die Erstellung der Werke aus gedruckten Ausgaben, die nicht durch das US-Urheberrecht geschützt sind, gilt: Niemand besitzt in den Vereinigten Staaten ein Urheberrecht an diesen Werken. Daher kann die Stiftung – und auch Sie! – diese Werke in den Vereinigten Staaten ohne Genehmigung und ohne Zahlung von Urheberrechtsabgaben kopieren und verbreiten. Besondere Regeln, die im Abschnitt „Allgemeine Nutzungsbedingungen“ dieser Lizenz festgelegt sind, gelten für das Kopieren und Verbreiten der elektronischen Werke von Project Gutenberg™, um das Konzept sowie die Marke PROJECT GUTENBERG™ zu schützen. Project Gutenberg ist eine eingetragene Marke und darf nicht verwendet werden, wenn man für ein E-Book Gebühren verlangt – es sei denn, man hält sich an die Bedingungen der Markenlizenz, einschließlich der Zahlung von Gebühren für die Nutzung der Marke Project Gutenberg. Wenn man für Kopien dieses E-Books keine Gebühren verlangt, ist es sehr einfach, sich an die Markenlizenz zu halten. Man darf dieses E-Book für nahezu jeden Zweck verwenden – beispielsweise zur Erstellung von abgeleiteten Werken, Berichten, Aufführungen oder Forschungsarbeiten. Project-Gutenberg-E-Books können modifiziert, gedruckt und weitergegeben werden – in den Vereinigten Staaten darf man mit E-Books, die nicht durch das US-Urheberrecht geschützt sind, praktisch ALLES tun. Die Weiterverbreitung unterliegt der Markenlizenz – insbesondere die kommerzielle Weiterverbreitung.

ANFANG: VOLLSTÄNDIGE LIZENZ

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Die vollständige Project-Gutenberg™-Lizenz
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1.A. Indem Sie einen Teil dieses Project-Gutenberg-Elektronikwerks lesen oder nutzen, geben Sie an, dass Sie alle Bedingungen dieser Lizenz sowie der Vereinbarungen bezüglich des geistigen Eigentums (Markenrechte/Urheberrecht) gelesen, verstanden und akzeptiert haben. Wenn Sie nicht bereit sind, sich an alle Bedingungen dieser Vereinbarung zu halten, müssen Sie die Nutzung einstellen und alle Kopien der Project-Gutenberg-Elektronikwerke, die Sie besitzen, zurückgeben oder zerstören. Wenn Sie eine Gebühr für die Erhaltung einer Kopie oder den Zugang zu einem Project-Gutenberg-Elektronikwerk gezahlt haben und nicht bereit sind, sich an die Bedingungen dieser Vereinbarung zu binden, können Sie eine Rückerstattung von der Person oder Organisation erhalten, an die Sie die Gebühr gezahlt haben, wie in Absatz 1.E.8 beschrieben.

1.B. „Project Gutenberg“ ist eine eingetragene Marke. Sie darf nur von Personen verwendet werden, die sich an die Bedingungen dieser Vereinbarung binden. Es gibt einige Dinge, die Sie mit den meisten Project-Gutenberg-Elektronikwerken tun können, auch ohne sich vollständig an die Bedingungen dieser Vereinbarung zu halten. Siehe dazu Absatz 1.C unten. Es gibt viele Dinge, die Sie mit Project-Gutenberg-Elektronikwerken tun können, wenn Sie sich an die Bedingungen dieser Vereinbarung halten und dazu beitragen, einen freien Zugang zu diesen Werken in Zukunft zu gewährleisten. Siehe dazu Absatz 1.E unten.

1.C. Die Project Gutenberg Literary Archive Foundation („die Stiftung“ oder PGLAF) besitzt das Urheberrecht an der Sammlung der Project-Gutenberg-Elektronikwerke. Fast alle Einzelwerke in dieser Sammlung gehören in den Vereinigten Staaten zum öffentlichen Eigentum. Wenn ein einzelnes Werk in den Vereinigten Staaten nicht durch das Urheberrecht geschützt ist und Sie…

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Da wir uns in den Vereinigten Staaten befinden, beanspruchen wir kein Recht darauf, Sie daran zu hindern, das Werk zu kopieren, zu verbreiten, aufzuführen, anzuziehen oder abgeleitete Werke darauf basierend zu erstellen – vorausgesetzt, alle Verweise auf Project Gutenberg werden entfernt. Natürlich hoffen wir, dass Sie die Mission von Project Gutenberg unterstützen, indem Sie die Werke von Project Gutenberg gemäß den Bedingungen dieser Vereinbarung frei teilen und so den Namen Project Gutenberg mit diesen Werken in Verbindung bringen. Die Bedingungen dieser Vereinbarung können Sie leicht einhalten, indem Sie das Werk im selben Format sowie mit der beigefügten vollständigen Project-Gutenberg-Lizenz weitergeben, wenn Sie es kostenlos an andere weitergeben.

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1.E. Sofern Sie nicht alle Verweise auf Project Gutenberg entfernt haben:

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Dieses E-Book ist für die Nutzung durch jeden Menschen überall in den Vereinigten Staaten und in den meisten anderen Teilen der Welt kostenlos und nahezu ohne jegliche Einschränkungen erhältlich. Sie dürfen es kopieren, weitergeben oder erneut verwenden unter den Bedingungen der Project-Gutenberg™-Lizenz, die diesem E-Book beiliegt oder online unter www.gutenberg.org zu finden ist. Wenn Sie sich nicht in den Vereinigten Staaten befinden, müssen Sie vor der Nutzung dieses E-Books die Gesetze des Landes prüfen, in dem Sie sich aufhalten.

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1.E.4. Entfernen Sie die vollständigen Bedingungen der Project Gutenberg License nicht aus diesem Werk oder aus irgendwelchen Dateien, die einen Teil dieses Werkes oder ein anderes mit Project Gutenberg verbundenes Werk enthalten.

1.E.5. Kopieren, anzeigen, aufführen, verteilen oder neu verteilen Sie dieses elektronische Werk oder irgendeinen Teil davon nicht, ohne die in Absatz 1.E.1 angegebene Formulierung in deutlicher Weise anzugeben sowie aktive Links oder direkten Zugang zu den vollständigen Bedingungen der Project Gutenberg License bereitzustellen.

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1.E.8. Sie dürfen eine angemessene Gebühr für Kopien oder für die Bereitstellung des Zugangs zu oder die Verteilung elektronischer Werke der Project Gutenberg erheben, vorausgesetzt:

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• Sie leisten eine vollständige Rückerstattung jeglicher vom Nutzer gezahlten Beträge, sofern dieser Ihnen schriftlich (oder per E-Mail) innerhalb von 30 Tagen nach Erhalt mitteilt, dass er nicht mit den Bedingungen der vollständigen Project Gutenberg™-Lizenz einverstanden ist. Sie müssen einen solchen Nutzer dazu veranlassen, alle auf physischem Medium vorhandenen Kopien der Werke zurückzugeben oder zu zerstören sowie jegliche weitere Nutzung und jeden Zugang zu anderen Kopien der Werke der Project Gutenberg™ einzustellen.

• Sie leisten gemäß Absatz 1.F.3 eine vollständige Rückerstattung jeglicher für ein Werk oder eine Ersatzkopie gezahlten Beträge, falls innerhalb von 90 Tagen nach Erhalt des Werkes ein Mangel am elektronischen Werk festgestellt und Ihnen mitgeteilt wird.

• Sie halten Sie sich an alle anderen Bedingungen dieser Vereinbarung bezüglich der kostenlosen Verteilung von Werken der Project Gutenberg™.

1.E.9. Wenn Sie eine Gebühr erheben oder ein elektronisches Werk der Project Gutenberg™ oder eine Gruppe von Werken unter anderen Bedingungen als denen, die in dieser Vereinbarung festgelegt sind, verbreiten möchten, müssen Sie schriftliche Genehmigung von der Project Gutenberg Literary Archive Foundation, dem Verwalter des Projekts, einholen.

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Gutenberg™ ist eine Marke. Wenden Sie sich zur Kontaktaufnahme an die Stiftung gemäß Abschnitt 3 unten.

1.F.

1.F.1. Die Freiwilligen und Mitarbeiter von Project Gutenberg investieren erhebliche Anstrengungen, um Werke, die nicht durch das US-amerikanische Urheberrecht geschützt sind, zu identifizieren, hinsichtlich ihrer Urheberrechte zu recherchieren, zu transkribieren und zu korrigieren, um so die Sammlung Project Gutenberg™ zu erstellen. Trotz dieser Bemühungen können die elektronischen Werke von Project Gutenberg™ sowie die Medien, auf denen sie gespeichert sein können, „Mängel“ aufweisen – wie beispielsweise unvollständige, ungenaue oder beschädigte Daten, Transkriptionsfehler, Verstöße gegen Urheberrechte oder andere geistiges Eigentum betreffende Vorschriften, fehlerhafte oder beschädigte Datenträger oder andere Medien, Computerviren oder Computercodes, die Ihre Ausrüstung beschädigen oder unlesbar machen.

1.F.2. EINGESCHRÄNKTER GEWÄHRLEISTUNGSSCHUTZ, AUFSCHLUSS HAFTUNG – Abgesehen vom „Recht auf Ersatz oder Rückerstattung“, das in Abschnitt 1.F.3 beschrieben wird, lehnt die Project Gutenberg Literary Archive Foundation, der Inhaber der Marke Project Gutenberg™, sowie jede andere Partei, die ein elektronisches Werk von Project Gutenberg™ gemäß diesem Vertrag verbreitet, jegliche Haftung gegenüber Ihnen für Schäden, Kosten und Ausgaben, einschließlich Anwaltskosten, ab. Sie stimmen zu, dass Sie keine Rechtsmittel im Falle von Fahrlässigkeit, strenger Haftung, Gewährleistungsverletzung oder Vertragsbruch haben, außer denen, die in Abschnitt 1.F.3 vorgesehen sind. Sie stimmen außerdem zu, dass die Stiftung, der Markeninhaber sowie alle Vertriebspartner gemäß diesem Vertrag nicht für tatsächliche, direkte, indirekte, Folgeschäden, strafrechtliche Schäden oder zufällige Schäden haftbar sind – selbst wenn Sie von der Möglichkeit solcher Schäden Kenntnis geben.

1.F.3. EINGESCHRÄNKTES RECHT AUF ERSETZUNG ODER RÜCKERSTATTUNG – Wenn Sie innerhalb von 90 Tagen nach Erhalt dieses elektronischen Werkes einen Mangel feststellen, können Sie eine Rückerstattung des gezahlten Betrags (sofern vorhanden) erhalten, indem Sie eine schriftliche Erklärung an die Person senden, von der Sie das Werk erhalten haben. Wenn Sie das Werk auf einem physischen Medium erhalten haben, müssen Sie dieses zusammen mit Ihrer schriftlichen Erklärung zurücksenden. Die Person oder Organisation, die Ihnen das fehlerhafte Werk bereitgestellt hat, kann stattdessen eine Ersatzkopie liefern. Wenn Sie das Werk elektronisch erhalten haben, kann die Person oder Organisation, die es Ihnen zur Verfügung gestellt hat,

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Sie können sich dafür entscheiden, eine zweite Gelegenheit zu erhalten, die Arbeit elektronisch zu erhalten, anstelle einer Rückerstattung. Falls auch die zweite Kopie mangelhaft ist, können Sie schriftlich eine Rückerstattung verlangen, ohne weitere Möglichkeiten zur Behebung des Problems.

1.F.4. Abgesehen vom eingeschränkten Recht auf Ersatz oder Rückerstattung gemäß Absatz 1.F.3 wird diese Arbeit „wie besehen“ bereitgestellt, ohne weitere Garantien jeglicher Art, weder ausdrücklich noch stillschweigend – einschließlich, aber nicht beschränkt auf Garantien hinsichtlich Markttauglichkeit oder Eignung für einen bestimmten Zweck.

1.F.5. In einigen Bundesstaaten ist es nicht zulässig, bestimmte stillschweigende Garantien auszuschließen oder bestimmte Arten von Schäden einzuschränken. Falls eine in dieser Vereinbarung enthaltene Ausschlussklausel oder Beschränkung gegen das Recht des für diese Vereinbarung geltenden Bundesstaates verstößt, soll die Vereinbarung so interpretiert werden, dass die maximale Ausschlussklausel oder Beschränkung gilt, die das geltende Staatsrecht zulässt. Die Ungültigkeit oder Unanwendbarkeit einer Bestimmung dieser Vereinbarung führt nicht dazu, dass die übrigen Bestimmungen ungültig werden.

1.F.6. HAFTUNGSAUSGLEICH – Sie vereinbaren, die Stiftung, den Markeninhaber, alle Agenten oder Angestellten der Stiftung, alle Personen, die elektronische Werke von Project Gutenberg™ gemäß dieser Vereinbarung bereitstellen, sowie alle Freiwilligen, die an der Erstellung, Förderung und Verbreitung elektronischer Werke von Project Gutenberg™ beteiligt sind, vor allen Haftungen, Kosten und Ausgaben – einschließlich Anwaltskosten – zu schützen, die direkt oder indirekt aus dem Folgenden entstehen, das Sie begehen oder zu dem Sie Anlass geben: (a) die Verbreitung dieser oder irgendeiner anderen Project-Gutenberg-Werk, (b) Änderungen, Modifikationen oder Ergänzungen bzw. Löschungen an irgendeinem Project-Gutenberg-Werk sowie (c) alle von Ihnen verursachten Mängel.

Abschnitt 2. Informationen zur Mission von Project Gutenberg

Project Gutenberg steht für die freie Verbreitung elektronischer Werke in Formaten, die von der breitesten Palette an Computern gelesen werden können – einschließlich veralteter, alter, mittelalterlicher sowie neuer Computer. Es existiert dank…

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Die Bemühungen von Hunderten von Freiwilligen sowie Spenden von Menschen aus allen Gesellschaftsschichten sind entscheidend. Freiwillige sowie finanzielle Unterstützung, um diesen Freiwilligen die benötigte Hilfe zu bieten, sind wichtig, um die Ziele von Project Gutenberg zu erreichen und sicherzustellen, dass die Sammlung von Project Gutenberg auch für zukünftige Generationen weiterhin frei zugänglich bleibt. Im Jahr 2001 wurde die Project Gutenberg Literary Archive Foundation gegründet, um Project Gutenberg sowie zukünftigen Generationen eine sichere und dauerhafte Zukunft zu bieten. Weitere Informationen über die Project Gutenberg Literary Archive Foundation sowie darüber, wie Ihre Bemühungen und Spenden helfen können, finden Sie in den Abschnitten 3 und 4 sowie auf der Informationsseite der Stiftung unter www.gutenberg.org.

**Abschnitt 3: Informationen über die Project Gutenberg Literary Archive Foundation**

Die Project Gutenberg Literary Archive Foundation ist eine gemeinnützige Organisation nach dem Typ 501(c)(3), die nach den Gesetzen des Bundesstaates Mississippi organisiert ist und vom Internal Revenue Service als steuerbefreit anerkannt wurde. Die EIN-Nummer, also die bundesweite Steuernummer der Stiftung, lautet 64-6221541. Spenden an die Project Gutenberg Literary Archive Foundation sind bis zum gesetzlich zulässigen Umfang gemäß den US-amerikanischen Bundesgesetzen sowie den Gesetzen Ihres Bundesstaates absetzbar.

Der Geschäftssitz der Stiftung befindet sich unter der Adresse 41 Watchung Plaza #516, Montclair NJ 07042, USA, Telefon: +1 (862) 621-9288. E-Mail-Adressen sowie aktuelle Kontaktdaten finden Sie auf der Website der Stiftung unter www.gutenberg.org/contact.

**Abschnitt 4: Informationen zu Spenden für die Project Gutenberg Literary Archive Foundation**

Project Gutenberg™ ist von umfassender öffentlicher Unterstützung und Spenden abhängig – ohne diese kann es seine Mission nicht erfüllen, die Anzahl der im öffentlichen Besitz stehenden sowie lizenzierten Werke zu erhöhen, die in maschinenlesbarer Form frei verteilt werden können und somit für die breiteste Palette an Geräten zugänglich sind.

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einschließlich veralteter Ausrüstung. Viele kleine Spenden (von 1 bis 5.000 Dollar) sind besonders wichtig, um den steuerfreien Status bei der IRS zu bewahren.

Die Stiftung ist bestrebt, die Gesetze einzuhalten, die Wohltätigkeitsorganisationen und Spenden in allen 50 Bundesstaaten der Vereinigten Staaten regulieren. Die Anforderungen an die Einhaltung dieser Gesetze sind nicht einheitlich, und es erfordert erhebliche Anstrengungen, viel Papierkram sowie zahlreiche Gebühren, um diesen Anforderungen gerecht zu werden. Wir bitten nicht um Spenden an Orten, von denen wir keine schriftliche Bestätigung der Einhaltung der Vorschriften erhalten haben. Um Spenden zu senden oder den Status der Einhaltung für einen bestimmten Bundesstaat zu überprüfen, besuchen Sie bitte www.gutenberg.org/donate.

Obwohl wir nicht und werden auch nicht um Spenden aus Bundesstaaten bitten, in denen wir die entsprechenden Anforderungen noch nicht erfüllt haben, kennen wir keine Verbote gegen die Annahme unveranlasster Spenden von Spendern aus solchen Bundesstaaten, die uns mit Spendenangeboten kontaktieren.

Internationale Spenden werden gerne angenommen, doch wir können keine Aussagen zum steuerlichen Umgang mit Spenden machen, die aus dem Ausland stammen. Allein die US-Gesetze überlasten unser kleines Personal bereits.

Bitte prüfen Sie die Webseiten von Project Gutenberg nach aktuellen Spendemethoden und Adressen. Spenden können auch auf verschiedene andere Weise erfolgen – beispielsweise per Scheck, Online-Zahlungen oder mit Kreditkarte. Um zu spenden, besuchen Sie bitte: www.gutenberg.org/donate.

Abschnitt 5: Allgemeine Informationen zu Project Gutenberg – Elektronische Werke

Professor Michael S. Hart war der Schöpfer des Konzepts von Project Gutenberg, einer Bibliothek elektronischer Werke, die frei mit jedem geteilt werden können. Über vierzig Jahre lang erstellte und verteilte er Project Gutenberg-E-Books – unterstützt nur von einem lockeren Netzwerk ehrenamtlicher Helfer.

Project Gutenberg-E-Books entstehen oft aus mehreren gedruckten Ausgaben, von denen alle als nicht urheberrechtlich geschützt in den USA gelten – es sei denn,

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Eine Urheberrechtsangabe ist enthalten. Daher halten wir E-Books nicht unbedingt in Übereinstimmung mit einer bestimmten Papierausgabe.

Die meisten Menschen beginnen auf unserer Website, die über die Hauptsuchfunktion für PG verfügt: www.gutenberg.org.

Diese Website enthält Informationen über das Project Gutenberg, einschließlich Anleitungen dazu, wie man der Project Gutenberg Literary Archive Foundation Spenden zukommen lässt, wie man bei der Erstellung neuer E-Books hilft und wie man sich für unseren E-Mail-Newsletter anmeldet, um über neue E-Books informiert zu werden.

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