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Das Project-Gutenberg-E-Book „Baron Trumps wunderbare Untergrundreise“
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Titel: Baron Trumps wunderbare Untergrundreise
Autor: Ingersoll Lockwood
Illustrator: Charles Howard Johnson
Erscheinungsdatum: 30. Juni 2018 [E-Book #57426]
Sprache: Englisch

Weitere Informationen und Formate: www.gutenberg.org/ebooks/57426

Danksagung: Erstellt von Richard Tonsing sowie dem Online Distributed Proofreading Team unter http://www.pgdp.net (Diese Datei wurde anhand von Bildern erstellt, die großzügigerweise vom Internet Archive zur Verfügung gestellt wurden.)

*** ANFANG DES PROJECT-GUTENBERG-E-BOOKS „BARON TRUMP’S WUNDERBARE UNTERGRUNDREISE“ ***

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NUR ECHTES PORTRÄT
VON
WILHELM HEINRICH
SEBASTIAN VON
TROOMP
(AUS DER ÖLMALEREI).

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BARON TRUMPS
ERSTAUNLICHE
UNTERGRUNDREISE

VON

INGERSOLL LOCKWOOD,
Autor von „Reisen und Abenteuer des kleinen Baron Trump und seines wunderbaren Hundes Bulger“, „Wunderbare Taten und Erlebnisse des kleinen Riesen Boab und seines sprechenden Raben Tabib“, „Außergewöhnliche Erfahrungen des kleinen Kapitäns Doppelkopf an den Ufern von Bubbleland“ usw.

ILLUSTRIERT VON

CHARLES HOWARD JOHNSON

BOSTON

LEE AND SHEPARD PUBLISHERS
10 MILK STREET

1893

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Urheberrecht 1892, von Ingersoll Lockwood

Alle Rechte vorbehalten

Wunderbare Untergrundreise

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Biografische Notizen zu Wilhelm Heinrich Sebastian von Troomp, allgemein als „Kleiner Baron Trump“ bekannt

Da es scheint, als würden die Zweifler zu jeder Gelegenheit wie „Jack-in-the-Box“ auftauchen, ist es wohl angebracht, in diesem Fall bereits im Vorfeld entgegenzuwirken, indem man nachweist, dass Baron Trump tatsächlich ein echter Baron war – und nicht nur ein „Baron im Geiste“. Die Familie stammte ursprünglich aus Frankreich und gehörte den Hugenotten an – mit dem Namen De la Trompe. Nach der Aufhebung des Edikts von Nantes im Jahr 1685 suchten sie Zuflucht in Holland, wo der Familienoberhaupt den Namen Van der Troomp annahm – genauso wie viele andere französische Protestanten ihre Namen in niederländische umwandelten. Einige Jahre später wurde Niklas Van der Troomp auf Einladung des Kurfürsten von Brandenburg dessen Untertan und kaufte ein großes Anwesen in der Provinz Pommern. Dabei änderte er erneut seinen Namen – diesmal in Von Troomp.

Der „Kleine Baron“, so genannt wegen seiner geringen Körpergröße, wurde irgendwann gegen Ende des 17. Jahrhunderts geboren. Er war der Letzte seines Geschlechts in der direkten Linie – obwohl seine Cousins heute bekannte Adlige in Pommern sind. Er begann seine Reisen in unglaublich jungem Alter und füllte sein Schloss mit seltsamen Gegenständen, die er aus den entlegensten Ecken der Welt mitbrachte. Dadurch betrachteten die einfachen Bauern ihn halb als Wichtigtuer und halb als Zauberer – wodurch zahlreiche Mythen und fantasievolle Geschichten über diesen unermüdlichen Weltreisenden entstanden. Das genaue Todesdatum lässt sich nicht mit Sicherheit bestimmen; doch eines kann gesagt werden: Unter den Porträts berühmter Persönlichkeiten aus Pommern, die im Rathaus in Stettin hängen, gibt es eines, das einen Mann von kleiner Statur zeigt – mit einem Kopf, der viel zu groß für seinen Körper ist. Er ist in ein seltsames Kostüm gekleidet und hält…

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In seiner linken Hand hält er ein groteskes Bild aus Elfenbein, das äußerst kunstvoll geschnitzt ist. Das breite Gesicht strahlt Intelligenz aus, und die großen grauen Augen sind mit einem gutmütigen, doch neugierigen Blick erfüllt – ein Ausdruck, der unweigerlich Aufmerksamkeit erregt. Die rechte Hand des Mannes ruht auf dem Rücken eines Hundes, der auf einem Tisch sitzt und mit würdevollem Ausdruck geradeaus blickt; das zeigt, dass er wusste, dass er für sein Porträt posierte.
Fragt ein Besucher den Führer, wer dieser Mann sei, erhält er stets die Antwort: „Oh, das ist der kleine Baron!“ Doch wer ist dieser kleine Baron? Warum kann es nicht der berühmte Wilhelm Heinrich Sebastian von Troomp sein, allgemein als „kleiner Baron Trump“ bekannt, und sein wunderbarer Hund Bulger?

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Inhalt

Kapitel I.

Seite

Bulger ist sehr verärgert über die Vertrautheit der Dorfhunde sowie die Arroganz der Haushundkatzen – seine Gesundheit leidet darunter, und er bittet mich, erneut in die Reise aufzubrechen. Ich stimme gerne zu, denn ich hatte bereits in einem alten, staubigen Manuskript, das vom gelehrten Don Fum verfasst wurde, über die Welt innerhalb einer Welt gelesen. Abschiedsgespräche mit dem älteren Baron sowie der anmutigen Baronin, meiner Mutter. Vorbereitungen zum Aufbruch. 1

Kapitel II.

Don Fums geheimnisvolle Anweisungen – Bulger und ich machen uns auf den Weg nach St. Petersburg und von dort weiter nach Archangelsk. Die Geschichte unserer Reise bis nach Ilitch am Ilitch-Fluss. Ivan der Fuhrmann. Wie wir nach Norden zogen, auf der Suche nach den Eingängen zur Welt innerhalb einer Welt. Ivans Drohungen. Bulgers Misstrauen gegenüber diesem Mann und andere Dinge. 7

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KAPITEL III.

Ivan wird immer lästiger – Bulger beobachtet ihn genau – Sein feiger Angriff auf mich – Mein treuer Bulger rettet mich. – Ein Fahrer, den man haben sollte – Wie ich an einen sicheren Ort gebracht wurde – In den Händen der alten Juliana – Der Brunnen der Riesen. 15

KAPITEL IV.

Meine Wunde heilt – Juliana erzählt vom Brunnen der Riesen – Ich beschließe, ihn zu besuchen – Vorbereitungen zum Aufstieg in die Berge – Was mit Juliana und mir geschah – Nachdenken und dann Handeln – Wie ich es schaffte, ohne Julianas Führung weiter aufzusteigen. 20

KAPITEL V.

Immer weiter nach oben – Durch die Steinbrüche der Dämonen – Wie die Kühe uns den Weg wiesen – Und wie wir schließlich am Rand des Brunnens der Riesen ankamen – Die Terrassen werden sicher überwunden – Beginn des Abstiegs in den Brunnen selbst – Alle Schwierigkeiten überwunden – Wir erreichen den Rand von Polyphemus’ Trichter. 28

KAPITEL VI.

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Meine Verzweiflung, als ich den Schlauch des Trichters fand – er war zu klein für meinen Körper. Ein Funke Hoffnung bricht in mir durch. Ausführliche Beschreibung davon, wie es mir gelang, in den Schlauch des Trichters einzudringen. Mein Durchgang durch ihn. Bulgers rechtzeitige Hilfe. Die Marmortraße sowie einige seltsame Dinge bezüglich des Eingangs in die Welt innerhalb einer Welt. 33

Kapitel VII.

Unsere erste Nacht in der Unterwelt – und wie sie vom ersten Licht des Tages abgelöst wurde. Bulgers Warnung und was sie bedeutete. Wir begegnen einem Bewohner der Welt innerhalb einer Welt. Sein Name und sein Beruf. Das geheimnisvolle Zurückkehren der Nacht. Das Land der Betten – und wie unser neuer Freund uns eines beschaffte. 42

Kapitel VIII.

„Guten Morgen – solange es anhält.“ Ehrliche Worte von Meister Kalte Seele. Die Wunderlande von Goggleland. Wir betreten die Stadt der Mikkamenkies. Kurze Beschreibung dieser Stadt. Unser Vordringen zum königlichen Palast. Königin Galaxa und ihr Kristallthron. Meister Kalte Seelen Tränen. 51

Kapitel IX.

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BULGER UND I WERDEN DER KÖNIGIN GALAXA VORGESTELLT,
DER FRAU DES KRISTALLTHRONS. – WIE SIE UNS EMPFING. – IHR GLÜCK ÜBER BULGER, DER ONDER VIELEN ASPEKTE SEINE ERSTAUNLICHE INTELLIGENZ ZU GEWISSEN BRINGT. – WIE DIE KÖNIGIN IHN ZUM LORD BULGER MACHT. – ALLES ÜBER DIE DREI WEISE MÄNNER, IN IHREN SCHUTZ UNS DIE KÖNIGIN GALAXA STELLT. 56

KAPITEL X.

EIN KURZER BERICHT ÜBER MEINE GESPRÄCHE MIT
DR. NEBULOSUS, SIR AMBER O’PAKE UND LORD CORNUCORE, DIE MIR VIELE DINGE ERZÄHLTEN, DIE ICH FRÜHER NIEMALS GEWUSST HATTE; DAFÜR WAR ICH SEHR DANKBAR. 63

KAPITEL XI.

ANGENEHME TAGE ZWISCHEN DEN MIKKAMENKIES – UND ERSTAUNLICHE DINGE, DIE WIR SAHEN. – DER SPÄTERGARTEN UND EINE Beschreibung DERSELBEN. – UNSERE BEGEGNUNG MIT DAMOZEL GLOW STONE UND WAS DARAUS ENTSTAND. 67

KAPITEL XII.

DIE TRAUERVOLLE GESCHICHTE DER TRAUERNDEN PRINZESSIN, DIE EINEN FLECK IN IHREM HERZEN HATTE – UND WAS ALLES PASSIERTE, ALS SIE DIE GESCHICHTE BEENDET HATTE.

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DER LESER MUSST SELBST LESEN, WENN ER ES WISSEN WILL.

KAPITEL XIII.

WIE ICH ANFING, EINEN FALSCHEN HANDLUNG ZU UNTERBRECHEN, DER IM KÖNIGREICH DER MIKKAMENKIES VERÜBT WORDEN WAR, UND WIE BULGER HILF – DIE BEKENNTNIS DER KÖNIGIN GALAXA – ICH BIN SO LANGE ERSTER MINISTER, SOLANG SIE LEBT – WAS IM THRONSAAL GESCHAH – MEINE REDEN AN DIE MENSCHEN VON GOGGLE LAND, NACH DEMEN ICH IHNEN ETWAS ZU SEHEN GAB – WIE ICH IN ZWEI VERSCHIEDENE RICHTUNGEN GEZOGEN WURDE UND WAS DARAUS ENTSTAND. 79

KAPITEL XIV.

BULGER UND ICH WENDEN UNS VON DEM SCHÖNEN REICH DER KÖNIGIN CRYSTALLINA AB – NATURS WUNDERBARER SPRACHROHR – CRYSTALLINAS VERSUCH, UNS ZU ZURÜCKZUBRINGEN – WIE ICH BULGER DAVON ABHALTETE, ZU GEBEUGEN – ETWAS ÜBER UNSERE REISE ENTLANG DER MARMORHAUPTSTRASSE, UND WIE WIR ZUM PRÄCHLICHEN TOR AUS FESTEM SILBER KAMEN. 86

KAPITEL XV.

DIE WACHMÄNNER AM SILBERTOR – WIE SIE WAREN – UNSERE EMPFANGSART VON IHNEN – ICH MACHE EINEN

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Wunderbare Entdeckung – das weltweit erste Telefon. Bulger und ich schaffen es, Freundschaft mit diesen Fremden zu schließen. Kurze Beschreibung der „Soodopsies“, also der „Augenmacher“, sowie der „Formifolks“, also der Ameisenvölker. Wie ein Blinder Ihre Schrift lesen kann.

Kapitel XVI.

Ideen der Formifolks bezüglich unserer oberen Welt – der tanzende Geist. Ihre Bemühungen, ihn in ihre Gewalt zu bringen. Mein feierliches Versprechen, dass er sich anständig verhalten wird. Wir machen uns auf den Weg in die Stadt der Augenmacher. Meine Verwunderung über die Pracht der Zufahrtswege dorthin. Wir erreichen die große Silberbrücke – ich erhasche zum ersten Mal einen Blick auf die Stadt Candelastra. Kurzer Bericht über die Wunder, die sich vor meinen Augen erstreckten. Die Aufregung durch unsere Ankunft. Unser Zimmer aus Silber. 98

Kapitel XVII.

In diesem Kapitel erfahren Sie, liebe Freunde, etwas über eine lebende Weckuhr sowie über „Soodopsy-Bäder“ und Gummi. Unser erstes Frühstück in der Stadt des Silbers. Eine neue Methode, Fische ohne Verletzung ihrer Gefühle zu fangen. Wie die Straßen und Häuser nummeriert wurden – und wo sich die Schilder befanden. Eine sehr originelle Bibliothek, in der die Bücher niemals Ecken bekommen. 104

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—Wie Velvet Soles ihre Lieblingsdichter genoss.—Mir wird der gelehrte Barrel Brow vorgestellt, der mir anschließend seine Ansichten über die obere Welt mitteilt.—Sie unterhielten mich auf erstaunliche Weise – und mögen auch Sie interessieren.

Kapitel XVIII.

Die frühe Geschichte der Soodopsies, wie sie von Barrel Brow erzählt wird.—Wie sie gezwungen wurden, im Untergrund Zuflucht zu suchen, und wie sie auf die Marmortrasse kamen.—Ihre Entdeckung des Erdgases, das ihnen Licht und Wärme liefert, sowie des prächtigen Schatzhauses der Natur.—Wie sie ihre zerrissenen Kleider durch neue ersetzten und begannen, die Stadt aus Silber zu bauen.—Die seltsamen Unglücke, die ihnen widerfuhren, und wie sie trotz all dessen überlegen wurden. 114

Kapitel XIX.

Beginnt mit einigen Informationen über die kleinen Soodopsies, wechselt aber zum anderen Thema: zum Witz.—Das stumme Lied der singenden Finger, das schöne Mädchen der Stadt aus Silber.—Barrel Brow ist so freundlich, mich in einem bestimmten Punkt aufzuklären, und nutzt die Gelegenheit, Bulger ein sehr hohes Kompliment zu machen – was er natürlich verdiente. 123

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KAPITEL XX.

Dies ist ein langes und trauriges Kapitel – es erzählt, wie der Liebliche, Sanfte mit den schmollenden Lippen umkam, und wie die Soodopsies um ihn trauerten sowie wen sie verdächtigten. Bulger liefert einen überzeugenden Beweis für seinen außergewöhnlichen Verstand, der es mir ermöglicht, die Soodopsies davon zu überzeugen, dass mein „tanzender Geist“ den Tod des Schmollmundes nicht verursacht hat. Die wahre Geschichte seines schrecklichen Schicksals – was auf meine Entdeckung folgte – wie die dankbaren Soodopsies ein wunderschönes Boot für mich bauen und wie Bulger und ich uns vom Land der „Glaub-mir-Augen“ verabschiedeten. 129

KAPITEL XXI.

Wie wir auf unserem Weg den dunklen, stillen Fluss hinunter beleuchtet wurden – ein plötzlicher, heftiger Angriff auf unser wunderschönes Muschelboot. Ein Kampf ums Überleben gegen enorme Schwierigkeiten – und wie Bulger die ganze Zeit an meiner Seite blieb. Kalte Luft und Eisbrocken – unser Eintritt in die Höhle, aus der sie kamen. Das Muschelboot erreicht das Ende seiner Reise. Sonnenlicht in der Welt innerhalb einer Welt – sowie alles um das wunderbare Fenster herum, durch das dieses Licht strömte, und das geheimnisvolle Land, das es erleuchtete. 140

KAPITEL XXII.

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Der Eispalast im goldenen Sonnenlicht – und was ich mir vorstellte, dass er enthalten könnte. Wie wir von ein paar prächtig gekleideten Wachen aufgehalten wurden. Die Koltykwerps. Seine eisige Majestät, König Gelidus. Noch mehr über den Eispalast sowie eine Beschreibung des Thronsaals. Unsere Empfang durch den König und seine Tochter Schneeboule. Kurze Erwähnung von Bullibrain, oder Lord Hothead. 150

Kapitel XXIII.

Lord Hothead wieder – und dieses Mal eine ausführlichere Beschreibung von ihm. Seine erstaunlichen Geschichten über die Koltykwerps: Woher sie kamen, wer sie waren und wie es ihnen gelang, in dieser Welt des ewigen Frosts zu leben. Die vielen Fragen, die ich ihm stellte, und seine vollständigen Antworten. 159

Kapitel XXIV.

Einige Dinge über die liebe kleine Prinzessin Schneeboule. Wie sie und ich schnell Freunde wurden – und wie sie uns eines Tages zusammen mit Bulger in ihre Lieblingshöhle führte, um den kleinen Mann mit dem gefrorenen Lächeln zu sehen. Einiges über ihn. Was aus meiner Bewunderung für ihn wurde – alles wird hier ausführlich beschrieben. 164

Kapitel XXV.

Page 19

Eine schlaflose Nacht für Bulger und mich – und was danach geschah. Ein Interview mit König Gelidus. Mein Anliegen und seine Antwort. Was alles geschah, als ich erfuhr, dass der König und seine Berater beschlossen hatten, meinem Anliegen nicht stattzugeben. Seltsame Unruhen unter den Koltykwerps – und wie seine eisige Majestät diese beruhigte – sowie einige andere Dinge. 171

Kapitel XXVI.

Wie die Steinbrucharbeiter von König Gelidus das Kristallgefängnis des kleinen Mannes mit dem gefrorenen Lächeln zerstörten. Meine bittere Enttäuschung – und wie ich damit umging. Die wunderbaren Ereignisse in der folgenden Nacht. Bulger beweist erneut, dass er ein Tier außergewöhnlicher Klugheit ist. 176

Kapitel XXVII.

Aufregung wegen Fuffcoojah. Ich bringe ihn vor den Hof von König Gelidus. Seine sofortige Zuneigung zur Prinzessin Schneebohle. Ich werde der Anwendung schwarzer Magie beschuldigt. Meine Verteidigung – und meine Belohnung. Die Sorge der Koltykwerps, dass Fuffcoojah vor Hunger sterben könnte. Diese Katastrophe wird abgewendet – doch eine weitere stellt sich uns in den Weg: Wie kann man verhindern, dass er vor Kälte stirbt? Ich löse das Problem – doch dadurch ziehe ich ein seltsames Unglück auf mich. 183

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KAPITEL XXVIII.

Wie eine kleine Last zu einer quälenden Last werden kann
1. – Die Geschichte eines Mannes mit einem Affen auf dem Kopf. – Mein schreckliches Leiden. – Über die entsetzliche Panik, die die Koltykwerps ergriff. – Mein Besuch im verlassenen Eispalast und was mit Fuffcoojah geschah. – Das Ende seiner kurzen, aber seltsamen Karriere. – Ein gefrorener Kuss auf einer Hornspitze – oder wie Schneeboule sich einen Ehemann wählte. 190

KAPITEL XXIX.

Etwas über die vielen Portale zum eisigen Reich von König Gelidus und die schwierige Aufgabe, das richtige auszuwählen. – Wie Bulger dieses Problem löste. – Unsere Verabschiedung von den kaltblütigen Koltykwerps. – Schneeboules Trauer über unseren Verlust. 200

KAPITEL XXX.

Alles über die schrecklichste, aber auch prächtigste Reise meines Lebens. – Neunzig Meilen auf dem Rücken einer fliegenden Eismasse – und wie Bulger und ich schließlich an den Ufern eines wunderbaren Flusses landeten. – Wie der Tag in dieser Unterwelt anbrach. 209

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KAPITEL XXXI.

In dem Sie von den prächtigen Höhlen aus Weißmarmor erfahren, die am wunderbaren Fluss liegen – in den Tropen der Unterwelt. Wie wir einen einsamen Wanderer an den Ufern des Flusses fanden. Mein Gespräch mit ihm sowie meine Freude darüber, mich im Land der „Rattlebrains“ oder „Glücklichen Vergessler“ zu befinden. Kurze Beschreibung dieser Leute. 217

KAPITEL XXXII.

Wie wir ins Land der Glücklichen Vergessler gelangten. Einiges mehr über dieses seltsame Volk. Ihre Furcht vor Bulger und mir. Uns wurde nur ein Aufenthalt von einem Tag gewährt. Beschreibung der angenehmen Häuser der Glücklichen Vergessler. Die drehbare Tür, durch die Bulger und ich unfreundlich aus dem Gebiet der „Rattlebrains“ hinausgeschickt wurden. Alles über die außergewöhnlichen Dinge, die danach Bulger und mir widerfuhren. Wieder im Freien der Oberwelt – und anschließend auf dem Heimweg. 224

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Illustrationen.

Seite

Einziges authentisches Porträt von Wilhelm Heinrich Sebastian von Troomp (aus dem Ölgemälde), Titelbild

Abreise vom Schloss Trump 9

Entlang einer Straße in der Unterwelt 23

Vor ihrer Majestät Galaxa, Königin der Mikkamenkies 35

Ein Abendessen, das leicht für 4 Personen bereitgestellt werden kann 47

Prinzessin Crystallina enthüllt ihr Herz 59

Crystallinas Herz auf einem Bildschirm 71

Bulger trennt seinen Meister von Prinzessin Crystallina 83

Die Formifolk versuchen per Telefon den Herzschlag des Barons zu erfassen 95

Barrel Brow liest gleichzeitig vier Bücher 107

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Ein Soodopsy-Mädchen liest ihren Lieblingsdichter 119
Die riesige Schildkröte, die die schmollenden Lippen verschlang 131
Abfahrt aus dem Land der Soodopsies 143
Der Kampf ums Überleben gegen die weißen Krabben 155
Der kleine Mann mit dem erstarrten Lächeln 167
Bulger zeigt dem Baron etwas Wunderbares 179
Der Flug des Barons zum Eispalast 191
Der Tod von Fuffcoojah 197
Die Steinbrucharbeiter von Koltykwerpian schlagen einen Weg durch die Eistürme 203
Die wunderbare Fahrt auf dem Eisblock 207
Die Tropen der Unterwelt 213
Durch die drehende Tür 219
In die Arme des Strudels geraten 225
Hinausgeworfen ins Sonnenlicht 231

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Eine wunderbare Untergrundreise

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KAPITEL I

Bulger ist äußerst verärgert über die Vertrautheit der Dorfhunde sowie die Arroganz der Haushundkatzen – dadurch leidet seine Gesundheit, und er bittet mich, wieder auf Reisen zu gehen. Ich stimme gerne zu, denn ich hatte bereits in einem alten, staubigen Manuskript, das vom gelehrten Don Fum verfasst wurde, von der Welt innerhalb einer Welt gelesen. Vor dem Aufbruch führe ich Gespräche mit dem älteren Baron sowie der anmutigen Baronin, meiner Mutter. Vorbereitungen zum Aufbruch.

Bulger war überhaupt nicht mehr er selbst, liebe Freunde. In seinen Augen lag ein stumpfer Ausdruck, und sein Schwanz wedelte nur lustlos, wenn ich mit ihm sprach. Ich sage „lustlos“, denn ich hatte immer den Eindruck, dass das andere Ende von Bulgers Schwanz mit seinem Herzen verbunden sei. Auch sein Appetit hatte nachgelassen; er schnüffelte kaum noch an dem delikaten Futter, das ich vor ihn hinstellte – obwohl ich versuchte, ihn mit gebratenen Hühnerlebern und gerösteten Hahnenkämmen zu locken, zwei seiner Lieblingsgerichte. Offensichtlich beschäftigte ihn etwas, doch mir kam nie in den Sinn, was es sein könnte – um ehrlich zu sein, war es etwas, von dem ich niemals gedacht hätte, es dort finden zu können. Vielleicht hätte ich früher herausfinden können, worum es ging, wären da nicht gerade zu dieser Zeit so viele Dinge gewesen, die meine Aufmerksamkeit in Anspruch nahmen – zu viele, um jemandem Beachtung zu schenken, nicht einmal meinem lieben, vierbeinigen Pflegebruder. Wie Sie sich vielleicht erinnern, liebe Freunde, ist mein Gehirn sehr aktiv; und sobald ich mich für ein Thema interessiere, könnte sogar das Schloss Trump in Flammen aufgehen.

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Und ich würde weiterbrennen, bis die Beine meines Stuhls verbrannt wären, bevor ich das Geräusch und den Lärm hören oder sogar den Rauch riechen würde. Zufällig hatte der ältere Baron zu der Zeit, als Bulger schlechte Laune hatte, durch die Güte eines alten Schulfreundes ein Manuskript aus dem 15. Jahrhundert in seinen Besitz gebracht – verfasst von einem nicht weniger berühmten Denker und Philosophen als dem gelehrten Spanier Don Constantino Bartolomeo Strepholofidgeguaneriusfum, unter den Gelehrten allgemein als Don Fum bekannt. Dieses Werk trug den Titel „Eine Welt in einer Welt“. Darin entwickelte Don Fum die erstaunliche Theorie, dass es alle Gründe gibt anzunehmen, dass das Innere unserer Welt bewohnt ist; dass diese riesige Erde nicht fest ist, sondern im Gegenteil an vielen Stellen ziemlich hohl ist; dass vor Zeiten schreckliche Unruhen auf ihrer Oberfläche stattgefunden hatten und die Bewohner dazu zwangen, Zuflucht in diesen riesigen unterirdischen Kammern zu suchen – Kammern, die tatsächlich so groß waren, dass sie den Namen „Welt in einer Welt“ verdienten. Dieses Buch mit seinen zerknitterten, zerrissenen und vom Alter gezeichneten Seiten, die den Geruch von Krypten und wurmzerfressenen Truhen verströmten, übte eine besondere Faszination auf mich aus. Den ganzen Tag über – oft bis tief in die Nacht hinein – saß ich da und studierte seine modrigen, schimmelnden Seiten, völlig vergessend dieser oberirdischen Welt. Mit meinen Gedanken drang ich in diese unterirdischen Tiefen ein, mit den Augen und Ohren meiner Vorstellungskraft besuchte ich sie und blickte sowie lauschte den Bewohnern dort. Während ich so beschäftigt war, lag Bulgers Lieblingsplatz auf einem kunstvoll bestickten Lederkissen, das ich auf einer meiner Reisen aus dem Orient mitgebracht hatte und nun am Ende meines Schreibtisches, dem Fenster am nächsten, platziert hatte. Von diesem Ausguck aus hatte Bulger einen vollständigen Überblick über den Park, die Terrasse sowie die Auffahrt zur Einfahrt. Nichts entging seinem wachsamen Blick. Hier saß er Stunde um Stunde und amüsierte sich damit, die Kommen und Gehen aller möglichen Leute zu beobachten – von Straßenhändlern bis hin zu den edelsten Menschen des Landes. Eines Tages wurde meine Aufmerksamkeit dadurch auf sich gezogen, dass Bulger plötzlich von seinem Kissen sprang und ein leises Knurren der Unzufriedenheit von sich gab. Ich schenkte dem wenig Beachtung, doch zu meiner Überraschung geschah es am nächsten Tag etwa zur gleichen Zeit wieder. Meine Neugier war nun vollständig geweckt; ich legte Don Fums modriges Manuskript beiseite und eilte zum Fenster, um den Grund für Bulgers Ärger herauszufinden.

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Siehe da, das Geheimnis war gelüftet! Da standen etwa ein Dutzend Mischlinge, die zu den Pächtern der Baronien gehörten, und blickten zum Fenster hinauf. Mit ihrem Bellen und ihren Possen versuchten sie, Bulger dazu zu verleiten, mit ihnen herauszukommen und herumzutollen. Liebe Freunde – muss ich euch erst sagen, dass eine solche Unverschämtheit für Bulger äußerst unangenehm war? Ihre Frechheit ging einfach über das hinaus, was er ertragen konnte. Ich läutete meine Glocke und wies meinen Diener an, die Tiere wegzujagen. Daraufhin willigte Bulger ein, wieder an seinem Platz am Fenster Platz zu nehmen.

Am nächsten Morgen, gerade als ich mich zum Lesen niederließ, wurde ich fast erschrocken, als Bulger mit flammenden Augen und gebleckten Zähnen wütend in den Raum stürmte. Er packte den Saum meines Morgenrocks und zog kräftig daran – das sollte bedeuten: „Leg dein Buch beiseite, kleiner Meister, und folge mir.“

Das tat ich. Er führte mich die Treppe hinunter, durch den Flur ins Esszimmer. Dort wurde mir der Grund für seine Unzufriedenheit klar: Um seinen silbernen Frühstücksteller herum saßen eine alte Tabby-Katze sowie vier Kätzchen, die ruhig sein Frühstück leckten. Er blickte mir ins Gesicht und stieß einen scharfen, beschwerlichen Schrei aus – als wollte er sagen: „Sieh nur, kleiner Meister! Ist das nicht genug, um selbst den Geduldigen zur Weißglut zu bringen? Kannst du dich wundern, dass ich nicht glücklich bin über all diese unangenehmen Dinge, die mir widerfahren? Ich sage dir, kleiner Meister – das ist zu viel für Menschenfleisch und -blut, um es zu ertragen.“

Ich dachte genauso und tat alles in meiner Macht Stehende, um meinen unglücklichen kleinen Freund zu trösten. Doch stellt euch meine Überraschung vor, als ich in mein Zimmer zurückkehrte und ihm befahl, sich auf sein Kissen zu setzen – er weigerte sich, meinem Befehl zu gehorchen.

Es war etwas Außergewöhnliches – und es brachte mich zum Nachdenken. Er bemerkte das, bellte fröhlich und stürmte anschließend in mein Schlafzimmer. Er war einige Momente weg und kehrte dann zurück, mit einem Paar orientalischer Schuhe im Maul, die er zu meinen Füßen legte. Immer wieder verschwand er und kam jedes Mal mit irgendeinem Kleidungsstück im Maul zurück. In wenigen Momenten hatte er bereits ein komplettes orientalisches Kostüm vor meinen Augen auf den Boden gelegt. Glaubt ihr mir, liebe Freunde? Es war genau das gleiche Kostüm, das ich bei meinen letzten Reisen in fernen Ländern getragen hatte – damals, als er und ich auf der Insel Gogulah, dem Land der Runden Körper, Schiffbruch erlitten hatten. Was bedeutete das alles? Nun, ganz sicher Folgendes:

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„Kleiner Meister, kannst du deinen lieben Bulger denn nicht verstehen? Er ist müde von diesem langweiligen und leblosen Dasein. Er hat genug von der zunehmenden Vertrautheit dieser Mischlinge aus der Nachbarschaft sowie von der Unverschämtheit dieser Küchenkatzen und ihrer Familien. Er bittet dich inständig, diesem Leben der Träumerei und Untätigkeit zu entfliehen – um des Ruhms der Trumps willen – und wieder aufzubrechen.“ Ich beugte mich hinab, schlang meine Arme um meinen lieben Bulger und rief aus: „Ja, jetzt verstehe ich dich, treuer Gefährte! Ich verspreche dir, dass wir, bevor dieser Mond seine Hörner vollendet hat, erneut Castle Trump den Rücken kehren und auf der Suche nach den Eingängen zur Welt von Don Fum aufbrechen werden.“ Als Bulger diese Worte hörte, begann er wild und verrückt zu bellen, sprang hin und her, als wäre plötzlich der Geist des Übels in seinem Herzen gelandet. Mitten in diesen verrückten Spielereien klopfte es leise an meine Zimmertür – ich rief daher: „Ruhe, ruhe, guter Bulger! Jemand klopft. Ruhe!“ Es war der ältere Baron. Mit ernstem Gesichtsausdruck und würdevollem Schritt trat er näher und setzte sich neben mich auf das Podest. „Willkommen, ehrenwerter Vater!“, rief ich, nahm seine Hand und führte sie zu meinen Lippen. „Ich wollte gerade nach dir suchen.“ Er lächelte und sagte dann: „Nun, kleiner Baron – was hältst du von der Welt von Don Fum innerhalb einer Welt?“ „Ich glaube, mein Herr“, antwortete ich, „dass Don Fum recht hat: Eine solche Welt muss existieren. Mit eurer Zustimmung beabsichtige ich, so schnell wie möglich aufzubrechen, um ihre Eingänge zu finden – sobald meine liebe Mutter, die gnädige Baronin, bereit ist, sich von mir zu trennen.“ Der ältere Baron schwieg einen Moment lang, dann fügte er hinzu: „Kleiner Baron – auch wenn deine Mutter und ich es kaum ertragen können, daran zu denken, dass du wieder außerhalb des sicheren Schutzes dieses ehrwürdigen Daches bist, dessen moosbedeckte Ziegel schon so viele Generationen der Trumps geschützt haben – dürfen wir in dieser Angelegenheit doch nicht egoistisch sein. Gott verhüte, dass ein solcher Gedanke unsere Seelen dazu bringt, dich zurückzuhalten! Der Ruhm unserer Familie, dein Ruhm als Entdecker fremder Länder in entlegenen Winkeln der Welt – all das fordert von uns, stark zu bleiben. Deshalb, mein lieber Junge, mach dich bereit und brich erneut auf.“

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Auf der Suche nach neuen Wundern. Die Karte des weisen Don Fum wird dir wie ein sicherer und zuverlässiger Ratgeber zur Seite stehen. Denk daran, kleiner Baron – das Motto der Trumps lautet „Per Ardua ad Astra“: Der Weg zur Ehre ist voller Fallstricke und Gefahren – doch tröstlich ist für mich die Vorstellung, dass, wenn dein scharfer Verstand versagt, Bulgers unfehlbarer Instinkt da sein wird, um dich zu führen.“

Während ich mich bückte, um die Hand des älteren Barons zu küssen, betrat die gnädige Baronin den Raum. Bulger eilte daraufhin dazu, sich auf seine Hinterbeine zu erheben und ihre Hand zum Zeichen des respektvollen Grußes zu lecken. Tränen drängten sich gegen ihre Augenlider, doch sie hielt sie zurück. Dann schlang sie ihre liebevollen Arme um meinen Hals und hauchte viele Küsse auf meine Wangen und meine Stirn.

„Ich weiß, was das alles bedeutet, mein lieber Sohn“, flüsterte sie mit dem traurigsten Lächeln. „Aber man darf niemals sagen, dass Gertrude, Baronin von Trump, dem Sohn im Wege stand, neue Ehren für das Familienwappen zu erringen. Geh nun, kleiner Baron – möge der Himmel dich zu gegebener Zeit sicher in unsere Arme und in unsere Herzen zurückbringen.“

Bei diesen Worten stieß Bulger, der das Gespräch mit gespitzten Ohren und leuchtenden Augen verfolgt hatte, einen langen Jubelruf aus. Anschließend sprang er auf meinen Schoß und bedeckte mein Gesicht mit Küssen. Danach ließ er seine Freude durch eine Reihe ohrenbetäubender Bellen sowie wilde Spielereien erkennen. Es war einer der glücklichsten und stolzesten Tage seines Lebens – denn er fühlte, dass er einen erheblichen Einfluss darauf ausgeübt hatte, meine Entschlossenheit, erneut in die Reise zu ziehen, zu vereiteln.

Nun hallten das Geräusch eiliger Schritte sowie das laute Gemurmel besorgter Stimmen durch die Korridore des Schlosses. Immer wieder hörte ich Rufe – mal leise, mal laut –: „Der kleine Baron bereitet sich darauf vor, wieder das Haus zu verlassen.“ Bulger rannte hin und her, beobachtete alles und nahm alle Vorbereitungen zur Kenntnis. Ich hörte sein fröhliches Bellen, als ein Gegenstand, den ich bei früheren Reisen verwendet hatte, aus seinem Versteck geholt wurde.

Zwanzigmal am Tag kam meine sanfte Mutter in mein Zimmer, um mir guten Rat zu geben oder wichtige Warnungen zu wiederholen. Mir schien es, als hätte ich…

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Ich habe sie noch nie so ruhig, so würdevoll und so liebenswert gesehen.
Sie war sehr stolz auf meinen großen Namen – genauso wie jeder Mann, jede Frau und jedes Kind im Schloss. Hätte ich nicht auf die Weise reagiert, wie ich es tat, wäre ich buchstäblich an Freundlichkeit gestorben und Bulger mit Kuchen getötet worden.

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KAPITEL II

Don Fums geheimnisvolle Anweisungen – Bulger und ich brachen nach Petersburg auf und von dort weiter nach Archangelsk. Die Geschichte unserer Reise bis nach Ilitsch am Ilitschfluss. Ivan der Fuhrmann – wie wir uns nach Norden aufmachten, um die Portale zur Welt innerhalb einer Welt zu finden. Ivans Drohung – Bulgers Misstrauen gegenüber diesem Mann und andere Dinge.

Laut dem Manuskript des weisen Don Fum befanden sich die Portale zur Welt innerhalb einer Welt irgendwo im Norden Russlands – vermutlich, so dachte er, an den westlichen Hängen des Oberen Ural. Doch der große Denker konnte sie nicht genau lokalisieren. „Das Volk wird es dir sagen“, war der geheimnisvolle Satz, der immer wieder auf den vergilbten Seiten dieses wunderbaren Werkes stand. „Das Volk wird es dir sagen.“ Ach, aber welches Volk wäre wohl klug genug, mir das zu sagen? Das war die quälende Frage, die ich mir schlafend und wach stellte – bei Sonnenaufgang, zur Mittagsstunde und bei Sonnenuntergang; beim Krähen des Hahns sowie in den stillen Stunden der Nacht.

„Das Volk wird es dir sagen“, sagte der weise Don Fum.
„Ach, aber welches Volk wird mir sagen, wo ich die Portale zur Welt innerhalb einer Welt finde?“

Bislang hatte ich bei meinen Reisen eine halborientalische Kleidung gewählt – sowohl wegen ihrer malerischen Erscheinung als auch wegen ihrer Leichtigkeit und Wärme. Doch nun, da ich mehrere Monate lang durch ganz Russland reisen wollte, beschloss ich, die russische Nationalkleidung zu tragen – schließlich sprach ich fließend Russisch.

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Mit Kenntnissen in zehn oder mehr lebenden und toten Sprachen wäre ich somit in der Lage, hin- und herzureisen, ohne ständig meinen Pass vorzeigen zu müssen oder von neugierigen Reisebegleitern gestört zu werden – was für mich sehr wichtig ist, denn mein Verstand besaß die außergewöhnliche Fähigkeit, jede mir übertragene Aufgabe automatisch zu erledigen, sofern er nicht plötzlich durch irgendeine lächerliche Störung aus dem Konzept gebracht wurde. Eines Tages war ich beispielsweise gerade dabei, die Perpetuum-Mobile-Technik zu entdecken, als die gnädige Baronin plötzlich die Tür öffnete und mich fragte, ob ich kürzlich die Nägel an meinen großen Zehen geschnitten hätte, da sie bemerkt hatte, dass meine besten Strümpfe Löcher aufwiesen. Es war Mitte Februar, als ich vom Schloss Trump aufbrach; ich reiste Tag und Nacht, um bis zum 1. März in Sankt Petersburg anzukommen, denn ich wusste, dass die Regierungszüge in der ersten Woche dieses Monats von dieser Stadt aus zum Weißmeer aufbrechen würden. Bulger und ich waren beide in bester Gesundheit und Stimmung, und die Anstrengungen der Reise beeinträchtigten uns keineswegs. Kaum war ich in der russischen Hauptstadt angekommen, beantragte ich beim Kaiser die Erlaubnis, einem der Regierungszüge beizutreten – diese wurde mir sehr gnädigerweise gewährt. Unsere Route führte mehrere Tage lang fast direkt nach Norden, bis wir schließlich die Ufer des Ladogasees erreichten. Diesen überquerten wir mit unseren Schlitten auf dem Eis, genauso wie einige Tage später den Onegasee. Von dort aus setzten wir wieder zu Lande unseren Weg fort, bis wir die Bucht von Onega erreichten, die wir ebenfalls auf dem Eis überquerten, um schließlich zur gleichnamigen Station zu gelangen, wo wir einen Tag lang Rast machten, damit unsere Pferde sich ausruhen konnten. Von hier aus reisten wir in gerader Linie über die Schneefelder nach Archangelsk, einem wichtigen Handelsposten am Weißmeer. Da dies das Ziel des Regierungszuges war, verabschiedete ich mich nach einigen angenehmen Tagen im Regierungsgebäude vom Kommandanten des Zuges und brach auf – begleitet nur von meinem treuen Bulger sowie zwei Dienern, die mir vom kaiserlichen Kommissar zugeteilt worden waren.

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Abfahrt von Castle Trump.

Mein Weg führte mich nun den Fluss Dwina hinauf bis nach Solvitchegodsk; von dort setzte ich meine Reise über die zugefrorenen Gewässer des Flusses Witchegda fort, bis wir das Verwaltungsgebäude in Yarensk erreichten. Von hier aus ging es geradestens nach Osten, bis unsere widerstandsfähigen Pferde uns schließlich ins malerische Dorf Ilitch am Fluss Ilitch brachten. Hier mussten wir unsere Schlitten aufgeben – der Schnee war wie durch Zauber verschwunden und gab den Blick auf weite grüne Felder frei, die innerhalb weniger Tage vom Mai-Sonnenschein mit Blumen und süßen Sträuchern bedeckt wurden. In Ilitch musste ich auch die beiden treuen Diener des Staates, die mich von Archangel begleitet hatten, zurücklassen – sie hatten schließlich den westlichsten Punkt erreicht, den sie besuchen sollten. Ich hatte mich sehr an sie gebunden, genauso wie Bulger. Nach ihrem Weggang fühlten wir beide uns, als wären wir zum ersten Mal in einer fremden Gegend unter Fremden. Doch mir gelang es, einen zuverlässigen Fuhrmann zu finden – er hieß Ivan –, der mit mir einen Vertrag abschloss und mich für ein gutes Gehalt weitere hundert Meilen nach Norden bringen sollte.

„Aber keinen Schritt weiter, kleiner Baron!“, sagte der Mann stur. Ich befand mich nun tatsächlich am Fuße der Norduralen, zwischen den felsigen Gipfeln…

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Schneebedeckte Gipfel waren in voller Sicht. Ich warf viele sehnsüchtige Blicke in Richtung der wilden Gebiete, die von ihren steilen Wänden und Wehren umschlossen wurden – Gebiete, die mit schwarzen Kiefern bewachsen waren. Eine leise, geheimnisvolle Stimme flüsterte mir ins Ohr, dass ich eines Tages irgendwo in dieser schrecklichen Wildnis auf die Tore einer „Welt innerhalb einer Welt“ stoßen würde! Trotz allem entwickelte Bulger eine starke Abneigung gegen Ivan – und Ivan gegen ihn. Hätte man keinen Handel abgeschlossen und das Geld nicht gezahlt, hätte ich nach einem anderen Fuhrmann gesucht. Doch das wäre töricht gewesen, denn Ivan hatte zwei hervorragende Pferde – wie ich auf den ersten Blick erkennen konnte. Zudem kümmerte er sich sehr gut um sie: Er rieb sie an jeder Raststelle, bis sie völlig trocken waren, und dachte erst an sein eigenes Abendessen, nachdem die Pferde versorgt worden waren. Sein Tarantas war außerdem brandneu, solide gebaut und mit weichen Decken ausgestattet – insgesamt also so bequem wie nur möglich für einen Wagen, der keine anderen Federn als die beiden langen Holzbalken hatte, die von Achse zu Achse reichten. Zwar waren diese Balken etwas elastisch, doch ich bemerkte, dass Bulger es nicht besonders mochte, in diesem seltsamen Fahrzeug mit seinem holprigen Gang auf den Bergstraßen zu fahren. Oft bat er darum, aussteigen und zu Fuß weitergehen zu dürfen. Schließlich berichtete Ivan, dass alles für die Abreise bereit sei. Obwohl ich gerne so leise wie möglich von Ilitch aufbrach, kamen alle Dorfbewohner, um uns zu verabschieden – Ivans Familie: Vater, Mutter, Schwestern und Brüder, Ehefrau und Kinder, Onkel, Tanten sowie Dutzende von Cousins. Sie jubelten und winkten mit ihren Tüchern, Bulger bellte, und ich lächelte und hob meinen Hut – mit aller Würde eines Trumps. So brachen wir schließlich von Ilitch auf: Ivan saß auf dem Bock, während Bulger und ich hinten saßen, eng beieinander, wie zwei Brüder – zwei Herzen mit einem einzigen Herzschlag, zwei Gehirne, die denselben Gedanken hatten. Egal, ob Gefahren oder plötzliche Angriffe drohten, ob verborgene Gefahren oder offene Angriffe – wir würden zusammenstehen und zusammen fallen! Oft, wenn Ivans Pferde die langen Bergstraßen hinaufkrochen und ich auf dem weich gepolsterten Sitz des Tarantass lag, mit einer Decke als Kissen, wiederholte ich unbewusst die geheimnisvollen Worte von Don Fum…

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„Das Volk wird es dir sagen! Das Volk wird es dir sagen!“
Die Wege waren so steil, dass wir an manchen Tagen nicht mehr als fünf Meilen zurücklegen konnten. An anderen Tagen mussten wir mehrere Stunden Pause einlegen, damit Ivan die Hufe der Pferde festziehen, die Achsen einfetten oder andere notwendige Arbeiten an seinem Wagen erledigen konnte. Es war langsame Arbeit – ja, sehr langsam und mühsam. Doch was spielen die Schwierigkeiten für eine Person aus, die entschlossen ist, eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen? Halten die Störche oder Wildgänse inne, um die tausenden von Meilen zwischen sich und ihren fernen Heimatorten zu zählen, wenn es Zeit ist, nach Süden aufzubrechen? Halten die braunen Ameisen inne, um die Hunderttausende von Sandkörnern zu zählen, die sie durch ihre langen Gänge und gewundenen Pfade tragen müssen, bevor sie tief genug gegraben haben, um dem Frost Mitte des Winters zu entkommen?

Es gab viele Trumps – doch keiner von ihnen hat jemals die Arme erhoben und geschrien: „Ich gebe auf!“ Sollte ich der Erste sein, der das tut? „Nie! Nicht einmal, wenn das bedeutet, den lieben alten Castle Trump nie wiederzusehen!“

Eines Morgens, als wir einen besonders schwierigen Bergweg hinaufzogen, drehte sich Ivan plötzlich um – ohne sogar seinen Hut abzunehmen – und rief:
„Kleiner Baron, heute übernehme ich den letzten Teil der hundert Meilen. Wenn du weiter nach Norden willst, musst du dir einen anderen Fuhrmann suchen – verstehst du?“
„Schweig!“, sagte ich streng, denn der Mann hatte meine wichtigen Gedanken unterbrochen.
Auch Bulger missbilligte die Unverschämtheit des Mannes – er knurrte und zeigte seine Zähne.
„Aber, kleiner Baron, höre auf Vernunft“, fuhr er in einem respektvolleren Ton fort und nahm seinen Hut ab. „Meine Leute erwarten mich zurück. Ich habe meinem Vater versprochen – ich bin ein pflichtbewusster Sohn –“
„Nein, nein, Ivan“, unterbrach ich ihn scharf. „Hüte deine Zunge, damit sie deiner Seele keinen Schaden zufügt. Ich habe mit deinem Vater gesprochen – er versprach mir, dass du bei Bedarf noch einmal hundert Meilen mit mir gehen würdest – aber nur unter der Bedingung, dass ich dir das Doppelte zahle. Das wird geschehen – und außerdem gibt es noch ein schönes Geschenk für deine Geliebte.“

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„Kleiner Baron, du bist ein harter Herr“, wimmerte der Mann. „Wenn es dir in den Sinn käme, würdest du mich befehlen, in den Brunnen der Riesen zu springen – nur um zu sehen, ob er einen Grund hat oder nicht. Heiliger Nikolaus, rette mich!“
„Nein, Ivan“, sagte ich freundlich, „ich kenne kein Wort wie Grausamkeit – auch wenn ich zugebe, dass Gerechtigkeit manchmal hart erscheint. Doch du bist dazu geboren, zu dienen, und ich dazu, Befehle zu erteilen. Das Schicksal hat dich arm und mich reich gemacht. Wir brauchen einander. Erfülle deine Pflicht, dann wirst du feststellen, dass ich gerecht und gütig bin. Gehorchst du mir nicht, wirst du erkennen, dass dieser kurze Arm von Ilitsch bis nach St. Petersburg reichen kann.“
Ivan wurde bei dieser versteckten Drohung blass; doch ich hielt es für notwendig, sie auszusprechen – denn sowohl ich als auch Bulger hatten bei diesem groben Kerl Verrat und Rebellion wahrgenommen. Seine einzige gute Eigenschaft war seine Liebe zu seinen Pferden. Es war schon immer meine Lebensregel, die guten Seiten eines Menschen genau zu betrachten und seine Fehler zu übersehen. Doch trotz freundlicher Worte und guter Behandlung wurde Ivan je länger je unruhiger, sobald wir die hundertste Meilensteine hinter uns gelassen hatten.
Bulger beobachtete ihn mit einem so ruhigen und nachdenklichen Blick, dass der Mann vor ihm zitterte. Stunde um Stunde wurde er unruhiger. Als wir eine Herberge am Wegesrand verließen, bemerkte ich zum ersten Mal seit unserem Aufbruch aus Ilitsch, dass der Mann zu viel Kwass getrunken hatte. Er wurde frech und hob die Hand gegen seine Pferde – Pferde, die er bis dahin stets mit Zärtlichkeiten und liebevollen Namen bedacht hatte.
„Pass auf deinen Kutscher auf, kleiner Baron“, flüsterte der Wirt der Herberge. „Er ist in einer leichtsinnigen Stimmung. Er würde nicht anhalten, selbst wenn der Brunnen der Riesen direkt vor ihm wäre. Heiliger Nikolaus, beschütze ihn!“

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KAPITEL III

Ivan wird immer lästiger – Bulger beobachtet ihn genau. Sein feiger Angriff auf mich – mein treuer Bulger zu meiner Rettung. Ein Fahrer, den man haben sollte. Wie ich an einen sicheren Ort gebracht wurde – in die Hände der alten Juliana. Der Brunnen der Riesen.

Als wir für die Nacht anhielten, konnte ich den Mann nur dazu bringen, seine Pferde abzutrocknen und sie ordentlich zu füttern und zu tränken, indem ich ihm drohte, ihn bei meiner Rückkehr nach Ilitch streng zu bestrafen. Doch ich blieb bei ihm, bis er seine Arbeit gründlich erledigt hatte – schließlich wusste ich, dass man in diesem Land solche Pferde weder aus Liebe noch aus Geld bekommen konnte. Wenn sie wegen nasser Mäntel in der kalten Nachtluft lahmen würden, könnte das eine Woche Verzögerung bedeuten.

Kaum hatte ich mich auf das harte Matratzenlager geworfen, das der Wirt als das beste Bett im Haus bezeichnete, wurde ich durch lautes, unruhiges Gerede im Nebenzimmer geweckt. Ivan trank und stritt mit den Dorfbewohnern. Ich stürmte in den Raum – mit zornigen Blicken in den Augen –, und mein treuer Bulger folgte mir dicht auf den Fersen.

Sobald Ivan uns sah, wich er zurück – halb ernsthaft, halb scherzhaft – und rief: „Hey, schaut euch den Mazuntchick an! Wie schlau er aussieht! Er macht mir Angst! Seht seine Augen – wie sie im Dunkeln leuchten! Schaut euch den kleinen Teufel auf vier Beinen neben ihm an! Rettet mich, Brüder! Rettet mich – er wird mich in den Brunnen der Riesen werfen! Marianka wird mich nie wieder sehen! Nie! Rettet mich, Brüder!“

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„Friede, Kamerad“, rief ich streng. „Wie wagst du es, deinen dummen Witz auf deinen Herrn anzuwenden? Geh sofort ins Bett – sonst lasse ich den Dorfpolizisten dich wegen deiner Trunkenheit auspeitschen.“
Ivan kletterte auf den Rand des Backofens und streckte sich auf einer Schaffelldecke aus. Dann wandte ich mich an den Wirt und verbot ihm unter irgendeinem Vorwand, meinem Diener weiterhin Alkohol zu geben. „Ach, Eure Exzellenz!“, rief der Wirt mit einem angewiderten Gestus. „Die Dummköpfe wissen nie, wann sie genug haben. Es ist egal, was der Wirt ihnen sagt – sie behaupten, wir sollten unseren eigenen Beruf nicht ruinieren. Ach! Sie wissen einfach nicht, wann sie aufhören sollen. Ihre Kehlen sind so tief wie der ‚Riesenbrunnen‘!“
„Der Riesenbrunnen! Der Riesenbrunnen!“, murmelte ich vor mich hin, während ich mich wieder auf den Heuballen warf, der als Matratze für diejenigen diente, die sich das leisten konnten. Es ist seltsam, wie oft diese Worte im Mund jedes Bauern vorkommen – doch damals dachte ich nicht weiter darüber nach. Der Schlaf übermannte mich, und nachdem ich dem älteren Baron sowie meiner gütigen Mutter, der Baronin, meinen üblichen Gutenachtkuss gegeben hatte, versank ich in süßer Vergessenheit.
Es ist gut, dass ich die Fähigkeit hatte, fast nach Belieben einzuschlafen – denn mit meinem unruhigen Gehirn, das ständig vor Überaktivität pochte und gegen die dünnen Knochenwände schlug, als würde ein eingesperrter Erfinder gegen die Tür seiner Zelle hämmern und darum bitten, mit seinen Plänen und Ideen ins Tageslicht gelassen zu werden, wäre ich sonst sicherlich verrückt geworden.
So konnte ich allein durch den Gedanken den süßen Schlaf herbeirufen. Mein „guter Engel“ war so gehorsam, dass ich nur noch das Zeitpunkt festlegen musste, zu dem ich aufwachen wollte – und schon geschah es genau zu diesem Zeitpunkt.
Was Bulger betrifft: Ich habe niemals versucht, Regeln für ihn aufzustellen. Er hatte es zur Gewohnheit gemacht, vierzig Mal einzuschlafen, wenn er glaubte, dass keine Gefahr für mich bestand. Doch selbst dann neige ich dazu zu glauben, dass er, wie eine besorgte Mutter um ihr Kind, niemals beide Augen gleichzeitig schloss.

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Obwohl die Dämmerung ihn völlig nüchtern machte, ging Ivan bei der Vorbereitung des Wagens mit solcher Unbeholfenheit vor, dass ich ihn mehrmals tadeln musste, bevor wir den Hof der Taverne verließen. Er war wie ein bösartiges, aber feiges Tier – das vor einem starken und entschlossenen Blick zurückweicht, aber darauf lauert, zuzuschlagen, sobald man ihm den Rücken zukehrt. Ich wies Bulger nicht nur auf das Verhalten dieses Mannes hin und warnte ihn, sehr wachsam zu sein, sondern nahm auch die Vorsichtsmaßnahme, die Läufe der spanischen Pistolen zu überprüfen, die ich am Gürtel trug. Kaum waren wir auf die Straße gefahren, weckte ein leises Knurren von Bulger mich aus meinen Gedanken. Diesem Knurren folgte ein ängstliches Jaulen von meinem vierbeinigen Gefährten – er hob seine Augen zu mir, und ich blickte eilig von einer Seite der Straße zur anderen. Da sah ich: Der hinterhältige Ivan versuchte absichtlich, den Wagen umzustürzen, um seiner Pflicht, uns weiter auf unserer Reise zu transportieren, zu entkommen. „Elender Kerl!“, rief ich, sprang auf und legte meine Hand auf seine Schulter. „Ich sehe ganz klar, was du im Schilde führst. Doch ich warne dich ernsthaft: Wenn du noch einmal versuchst, deinen Wagen umzustürzen, werde ich dich dort töten, wo du sitzt.“ Als Antwort schlug er mit blitzschneller Geschwindigkeit mit dem geladenen Ende seines Peitschenstiels nach mir. Der Schlag traf mich mitten ins rechte Schläfenbein und warf mich wie ein Stück Blei auf den Boden des Wagens. Für einen Moment raubte mir der schreckliche Schlag das Bewusstsein – doch dann sah ich, dass der feige Schurke sich in seinem Sitz umgedreht hatte und die Peitsche mit dem schweren Griff hoch schwang, um mich mit einem zweiten, noch tödlicheren Schlag zu vernichten. Armer Dummkopf! Er hatte nicht mit seinem Gastgeber gerechnet – denn mit einem wütenden Schrei stürzte sich Bulger wie ein Stein aus einer Katapult auf ihn und bohrte seine Zähne tief in dessen Fleisch. Der Schurke schrie vor Schmerzen und versuchte, diesen unerwarteten Feind abzuschütteln – vergeblich. Zu diesem Zeitpunkt wurde mir vollends bewusst, in welcher schrecklichen Gefahr Bulger und ich uns beide befanden – denn Ivan hatte seine Peitsche fallen lassen und griff nach…

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wegen seines Messers. Doch er griff es nie, denn ein gezielter Schuss aus einer meiner Pistolen traf ihn am Unterarm – ich hatte schließlich nicht die Absicht, dem Mann das Leben zu nehmen. Der Schock und der Schmerz lähmten ihn so sehr, dass er gegen das Armaturenbrett sank, halb bewusstlos, und anschließend vollständig aus der Kutsche fiel, wobei er Bulger mit sich zog. Die Pferde begannen nun, hochzuspringen und durchzugehen. Ich sah nichts mehr. In meinen Ohren war ein Geräusch, als würden wütende Wassermassen tosen, und dann erlosch das Licht des Lebens in meinen Augen ganz. Ich war ohnmächtig geworden.

Es schien mir, als läge ich stundenlang auf dem Rücken am Boden der Kutsche, mit dem Kopf über die Seite hängend – doch natürlich waren es nur Minuten. Ich wurde durch ein Kribbeln in meiner linken Wange geweckt. Als ich allmählich wieder zu mir kam, stellte ich fest, dass dieses Kribbeln von den Kieseln herrührte, die von einem der Vorderräder der Kutsche aufgewirbelt wurden. Die Pferde rasten nämlich mit voller Geschwindigkeit voran. Auf dem Fahrersitz saß mein treuer Bulger, mit den Zügeln im Maul, und hielt sie straff, damit die Pferde weiterlaufen konnten. Als ich mich aufrichtete und meine Hand auf meinen verletzten Kopf legte, wurde mir die ganze Wahrheit klar: In dem Moment, in dem Ivan zu Boden fiel, ließ Bulger seinen Griff um den Hals des Mannes los. Bevor dieser wieder zu sich kommen konnte, sprang Bulger auf den Fahrersitz, nahm die Zügel in den Mund und zog sie straff – dadurch hörten die Pferde auf, hochzuspringen und durchzugehen, und setzten ihren Weg fort. Der wütende Ivan stand da, schwang sein Messer und fluchte gegen mich und Bulger, während er sah, wie seine Pferde und die Kutsche in der Ferne verschwanden. In diesem Moment drang ein wildes Geschrei an meine Ohren – ich sah auch eine halbe Dutzend Bauern, die, als sie diese scheinbar leere Kutsche mit ihren rasenden Pferden immer näher kommen sahen, ihre Arbeit aufgaben und herausstürmten, um sie aufzuhalten.

Stellt Euch ihre Verwunderung vor, liebe Freunde, als ihr Blick auf den ruhigen und geschickten Fahrer fiel, der auf dem Vordersitz saß und mit wiederholten Kopfbewegungen die Pferde dazu antrieb, ihren geliebten Herrn immer weiter weg von Ivans tödlichem Messer zu bringen. Als die Bauern die Pferde an den Köpfen packten und sie zum Stehen brachten, stand ich taumelnd auf und schlang meine Arme um meinen geliebten…

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Bulger. Er war mehr als zufrieden mit dem, was er getan hatte, und leckte meine blauen Schläfen mit vielen kläglichen Stöhnern ab.
„Heiliger Nikolaus, rette uns!“, rief einer der Bauern und machte eifrig das Kreuzzeichen. „Aber selbst wenn ich lange genug leben würde, um den Brunnen der Riesen mit Kieselsteinen zu füllen, würde ich nie wieder etwas Ähnliches zu sehen erwarten.“
„Der Brunnen der Riesen, der Brunnen der Riesen!“, murmelte ich vor mich hin, während ich einem der Bauern zu seinem Schlafplatz folgte – dieser lag etwas abseits der Straße. Ich brauchte dringend Ruhe nach dem schrecklichen Erlebnis, das ich gerade durchgemacht hatte. Der Schlag mit Ivans Peitschengriff hatte mein Gehirn erschüttert, und ich kannte mich gut genug in der Chirurgie aus, um zu wissen, dass die Verletzung sofortige Behandlung erforderte. Glücklicherweise fand ich unter dem Dach des Bauern eine dieser alten Frauen – vielleicht Halbwitches –, die für alles Rezepte haben und für jede Krankheit ein Kraut kennen. Nachdem sie die Wunde vom Peitschengriff untersucht hatte, murmelte sie:
„Es ist nicht so breit wie ein Berg und auch nicht so tief wie der Brunnen der Riesen – aber es ist schon schlimm genug, kleiner Meister.“
„Wieder der Brunnen der Riesen“, dachte ich, als ich mich auf das beste Bett legte, das sie für mich bereiten konnten. „Ich frage mich, wo dieser Brunnen der Riesen wohl ist, wie tief er ist – und wer das Wasser trinkt, das daraus geholt wird?“

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KAPITEL IV

Meine Wunde heilt – Juliana spricht über den Brunnen der Riesen – Ich beschließe, ihn zu besuchen – Vorbereitungen zum Aufstieg in die Berge – Was mit Juliana und mir geschah – Nachdenken und dann Handeln – Wie ich es schaffte, den Aufstieg ohne Juliana als Führerin fortzusetzen.

Es dauerte etwa einen Tag, bis ich wieder sicher laufen konnte. In der Zwischenzeit unternahm ich alle möglichen Anstrengungen, meinen Geist ruhig zu halten. Doch trotz allem ließ jede Erwähnung des Brunnens der Riesen durch einen der Bauern ein seltsames Gefühl in mir aufkommen. Plötzlich lief ich im Zimmer auf und ab und wiederholte immer wieder die Worte: „Brunnen der Riesen! Brunnen der Riesen!“

Bulger war sehr beunruhigt und saß da und beobachtete mich mit einem äußerst verwirrten Blick in seinen liebevollen Augen. Ich glaube, er vermutete, dass der grausame Schlag mit Ivans Peitschengriff meine Denkfähigkeit beeinträchtigt hatte. Manchmal stieß er leise, klagende Laute aus. Sobald ich jedoch Notiz von ihm nahm und wieder mehr wie ich selbst handelte, sprang er fröhlich um mich herum. Da ich die Bauern angewiesen hatte, Ivans Pferde zurück nach Ilitch zu bringen, damit sie dort auf diesen Schurken trafen und ihn ihm auslieferten, hatte ich nun keine Möglichkeit mehr, meine Reise nach Norden fortzusetzen – es sei denn, ich würde, wie viele meiner berühmten Vorgänger, zu Fuß weiterziehen. Sie hatten jedoch längere Beine als ich und waren nicht mit einem so schweren Gehirn belastet – zumindest nicht im Verhältnis zu ihrer Größe. Zudem schlief ihr Gehirn kaum jemals richtig. Ich war zu ungeduldig, um den Weg zu den Toren der Welt in der Welt zu Fuß zurückzulegen. Ich brauchte Pferde – und noch etwas anderes.

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Ein Tarantass – oder zumindest ein Bauernwagen. Ich muss weitermachen. Mein Kopf war inzwischen vollständig geheilt, und die Fieberanfälle waren vorbei.
„Hör zu, kleiner Herr“, flüsterte Yuliana – so hieß die alte Frau, die sich um mich gekümmert hatte. „Du bist nicht das, was du zu sein scheinst. Ich habe noch nie jemanden wie dich gesehen. Wenn du wolltest, glaube ich, könntest du mir sagen, wie hoch der Himmel ist, wie dicht die Berge sind und wie tief der Riesenbrunnen ist.“
Ich lächelte und sagte dann:
„Hast du jemals aus dem Riesenbrunnen getrunken, Yuliana?“
Daraufhin schüttelte sie den Kopf und lachte leise.
„Hör zu, kleiner Herr“, flüsterte sie anschließend, kam näher zu mir und hob einen ihrer langen, knochigen Finger. „Du kannst mich nicht täuschen – du weißt doch, dass der Riesenbrunnen keinen Grund hat.“
„Keinen Grund?“, wiederholte ich atemlos. In meinem Kopf blitzten Don Fums geheimnisvolle Worte auf: „Die Leute werden es dir sagen!“ „Keinen Grund, Yuliana?“
„Nur, wenn deine Augen besser sind als meine, kleiner Herr“, murmelte sie und nickte langsam mit dem Kopf.
„Hör zu, Yuliana“, rief ich ungestüm aus. „Wo befindet sich dieser bodenlose Brunnen? Du musst mich dorthin führen – ich muss ihn sehen. Komm, lass uns sofort aufbrechen. Du wirst gut dafür bezahlt werden.“
„Nein, nein, kleiner Herr, nicht so schnell“, antwortete sie. „Er liegt weit oben in den Bergen. Der Weg ist steil und unwegsam, die Pfade sind eng und gewunden. Ein falscher Schritt könnte den sofortigen Tod bedeuten – es sei denn, es gibt eine starke Hand, die einen rettet. Gib solche verrückten Gedanken auf, dorthin zu gelangen – es sei denn, man reist auf den kräftigen Schultern eines Bergsteigers.“
„Ah, gute Frau“, antwortete ich. „Du hast gerade gesagt, dass ich nicht das bin, was ich zu sein scheine – und du hattest recht. Weiß also: Vor dir steht der weltberühmte Reisende Wilhelm Heinrich Sebastian von Troomp, allgemein als ‚kleiner Baron Trump‘ bekannt. Zwar bin ich von kleiner Statur und schwach gebaut, doch das, was von mir übrig ist, besteht aus Eisen. Hier, Yuliana – das ist Gold für dich. Jetzt führe mich zum Riesenbrunnen.“

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„Vorsichtig, vorsichtig, kleiner Baron“, flüsterte die alte Bäuerin fast, als ihre vertrocknete Hand sich um den Goldstück schloss. „Ich habe dir noch nicht alles erzählt. Ich glaube, in weiten Umkreisen weiß außer mir kein Lebender, wo sich der Brunnen der Riesen befindet. Frag sie – sie werden sagen: ‚Er liegt dort drüben in den Bergen, tief unter dem Himmel.‘ Das ist alles. Mehr können sie dir nicht sagen. Doch ich kenne den Ort – und das Kraut, das deinen verletzten Kopf heilte und dich durch Abkühlung deines Blutes vor einem sicheren Tod rettete, wurde von mir direkt am Rand des Brunnens gepflückt!“ Diese Worte lösten in mir eine Welle der Freude aus – denn nun hatte ich das Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein, dass die Worte des großen Meisters aller Meister, Don Fum, wahr geworden waren.

„Die Leute werden es dir sagen!“

Ja, die Leute hatten es mir bereits gesagt – denn nun gab es keinen Hauch eines Zweifels mehr in meinem Geist daran, dass ich die Tore zur Welt in der Welt gefunden hatte! Yuliana sollte meine Führerin sein. Sie wusste, wie man sich durch die engen Pässe kämpft, wie man den überhängenden Felsen ausweicht, die bei der geringsten Berührung umfallen könnten, wie man die Stufen findet, die die Natur in die Seiten der felsigen Klippen gehauen hat, und wie man sicher durch Spalten und Schluchten vorankommt – deren Eingang für gewöhnliche Augen sogar unsichtbar sein kann. Um jedoch die abergläubischen Bauern auf meiner Seite zu halten, tat ich so, als würde ich in die Berge aufbrechen, um Kuriositäten für meinen Schrank zu suchen, und bat sie, mir Seile und Ausrüstung sowie zwei kräftige Männer zur Hilfe zu stellen – mit der Zusage einer großzügigen Entlohnung für ihre Dienste.

Sie beeilten sich, mir alles zu besorgen, was ich verlangte, und wir brachen bei Tagesanbruch auf den Bergpfad. Yuliana, um nicht wie Teil der Gruppe zu erscheinen, war bereits im Mondlicht vorausgegangen und hatte ihren Leuten gesagt, sie wolle bestimmte Kräuter sammeln, bevor die Sonnenstrahlen sie erreichten und den heilenden Tau auf ihren Blättern austrockneten.

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Entlang einer Straße in der Unterwelt.

Alles verlief gut, bis die Sonne hoch über unseren Köpfen stand – da hörte ich plötzlich einen durchdringenden Schrei einer Frau, die sich als Yuliana herausstellte. Im Nu wurde das Rätsel gelöst: Die alte Hexe kam den Berg hinuntergestürmt; ihre dünnen grauen Haare wehten im Wind. Ihre Hände waren hinter dem Rücken gebunden, und zwei junge Bauern mit Birkenstöcken schlugen auf sie ein, sobald sie die Gelegenheit dazu hatten.

„Geht zurück, Brüder!“, riefen sie meinen beiden Männern zu. „Der kleine Zauberer hat sich mit dieser alten Hexe verbündet. Sie sind auf dem Weg zum Brunnen der Riesen. Sie werden eine Schar schwarzer Geister um unsere Ohren entfesseln – wir werden alle verflucht werden. Schnell! Legt eure Lasten ab und folgt uns!“

Die beiden Männer warteten nicht auf weitere Anweisungen. Sie warfen ihre Lasten zu Boden und verschwanden im Nu. Doch noch einige Momente lang konnte ich die Schreie der armen Yuliana hören, während diese jungen Schurken die alte Frau mit ihren Birkenstöcken schlugen.

Nun, liebe Leser – was haltet ihr davon? War ich wirklich in einer angenehmen Situation? Allein mit Bulger in dieser wilden, düsteren Bergregion, mit den schwarzen Felsen, die wie finster dreinblickende Riesen und Ungeheuer über unseren Köpfen hingen…

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Zwergkiefern für die Haare, Büschel aus weißem Moos für die Augen, riesige, offene Risse für die Münder – und verdrehte, knorrige Wurzeln als schreckliche Finger, bereit, nach meinem armen kleinen Körper zu greifen.
Bin ich zitternd gefallen? Hab ich eilig versucht, diesen feigen Geistern den Berg hinab zu folgen? Hab ich meinen Mut um einen einzigen Grad verringert? Nein. Hätte ich das getan, wäre ich nicht würdig gewesen, den Namen zu tragen, den ich trug. Was ich stattdessen tat, war, mich ganz auf ein Moosbett zu werfen, Bulger an meine Seite zu rufen und meine Augen vor der Außenwelt zu schließen.
Ich habe von großen Männern gehört, die zur Mittagszeit ins Bett gingen, um sich dem Nachdenken hinzugeben – und ich selbst hatte das bereits oft getan, bevor ich von ihnen hörte.
In fünfzehn Minuten, gemessen an der Naturuhr – der Sonne auf der Bergfläche – hatte ich das Problem gelöst. Nun standen mir zwei Schwierigkeiten gegenüber: erstens musste ich jemanden finden, der mir den Weg den Berg hinauf zeigte; falls dieses Tier mein Gepäck nicht tragen konnte, musste ich jemand anderen finden, der es konnte.
Plötzlich fiel mir ein, dass ich einige Kühe am Fuße des Berges weiden gesehen hatte – und dass diese Kühe sehr seltsame Yaks trugen.
„Wozu dienen diese Yaks?“, fragte ich mich. Sie waren nämlich völlig anders gebaut als alle Yaks, die ich je gesehen hatte. Sie bestanden aus einem robusten Holzkragen, von dem unten zwischen den Vorderbeinen des Tieres ein gerader Holzstab herausragte, der mit einer eisernen Spitze versehen war, die nach unten zeigte. Oben wurde der Yag mit einem Lederriemen an die Hörner des Tieres gebunden. Solange das Tier seinen Kopf in natürlicher Position hielt oder ihn sogar senkte, um zu grasen, blieb der Haken vom Boden entfernt. Doch sobald das Tier seinen Kopf in die Luft hob, wurde der Haken sofort in den Boden gestoßen – dadurch konnte das Tier keinen weiteren Schritt machen. Nun, liebe Leser, vielleicht wisst ihr es, vielleicht auch nicht: Wenn ein Tier mit gespaltenen Hufen einen steilen Hang hinaufsteigen will, hebt es im Gegensatz zu Tieren mit festen Hufen seinen Kopf in die Luft anstatt ihn zu senken. Deshalb wurde mir sofort klar, dass der Zweck dieses Yaks darin bestand, die Kühe davon abzuhalten, den Berg hinaufzukommen und sich zu verirren.

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Aber warum sollten sie die Berghänge hinaufklettern wollen? Einfach weil dort eine Art Gras oder Kraut wuchs, das für sie eine Delikatesse war. Und da ich genau wie sie wusste, welche Risiken Tiere eingehen und welche Anstrengungen sie auf sich nehmen, um zu ihren Lieblingsweiden zu gelangen, kam mir sofort der Gedanke: Wenn ich es ihnen ermöglichen könnte, zu dieser begehrten Nahrung zu gelangen, würden sie sicherlich gerne dabei helfen, mich auf meinem Weg zu tragen. Noch bevor ich ausgesprochen hatte, was ich vorhatte, kehrte ich um und fand bald eine Gruppe dieser Rinder. Es dauerte nicht viele Minuten, bis ich ihre Jochbänder von ihren Hörnern löste und die Haken unter ihren Körpern befestigte, damit ihr Aufstieg den Berg hinauf nicht behindert wurde. Sie waren überglücklich, plötzlich von diesem lästigen Hindernis befreit zu sein – schließlich konnten sie bisher die begehrten Weiden nur aus der Ferne betrachten. Nachdem sie mir ein geeignetes Peitschengegenstück angefertigt hatten, machte ich mich erneut auf den Weg den Berg hinauf und trieb meine neuen Freunde gemächlich vor mir her. Als ich an dem Ort ankam, an dem die abergläubischen Bauern die Ausrüstung zu Boden geworfen hatten, lud ich sie auf den Rücken des sanftmütigsten Tieres und war bald wieder auf dem Weg.

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KAPITEL V

Immer weiter nach oben – durch die Steinbrüche der Dämonen. Wie die Rinder den Weg wussten und wie wir schließlich am Rand des Brunnens der Riesen ankamen. Die Terrassen wurden sicher überwunden. Beginn des Abstiegs in den Brunnen selbst. Alle Schwierigkeiten überwunden. Wir erreichten den Rand von Polyphemus’ Trichter.

Im Allgemeinen sind Menschen mit sehr großen Köpfen von Natur aus mit Beinen ausgestattet, die eher wie Rohrstängel aussehen – doch das galt nicht für mich. Ich hatte Beine vom festesten Typ und hatte keinerlei Schwierigkeiten, mit meinen neuen vierbeinigen Freunden Schritt zu halten. Zu meiner Freude überzeugten sie mich bald davon, dass sie bereits einmal dort gewesen waren. Sie hielten keinen Moment lang an irgendeiner Wegkreuzung an, sondern blieben ständig in Bewegung. Oft durchquerten sie Gebiete, in denen kein Pfad zu sehen war – doch sie fanden immer wieder den richtigen Weg. Nur einmal hielten sie an, um ihren Durst an einem Bergbach zu stillen; Bulger und ich folgten ihrem Beispiel.

Es war mir nur allzu klar, dass sie an einen bestimmten Weideplatz dachten und sich damit zufriedengeben wollten – also ließ ich sie ihren Weg gehen. Da es weiterhin nur nach oben ging, fand ich es völlig sicher, ihnen zu folgen.

Schließlich nahm die Bergflanke ein ganz anderes Aussehen an. Die Schluchten wurden enger, und manchmal versperrten überhängende Felsen das Sonnenlicht fast vollständig. Wir betraten eine Gegend von besonderer Wildheit und fantastischer Pracht.

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Ich hatte oft von dem gelesen, was Reisende die „Teufelshöhlen“ in den nördlichen Uralen nannten, doch bis jetzt hatte ich keine Ahnung, was dieser Ausdruck bedeutete. Stellen Sie sich das übliche Bild der Zerstörung und Verwüstung um eine von Menschenhand bearbeitete Steinbruchstätte vor – dann stellen Sie sich vor, dass jeder Splitter ein Block ist und jeder Block wiederum eine riesige Masse. Fügen Sie zu jedem Stein, zu jedem Pfeiler und jedem Giebel viermal seine Größe hinzu, und lassen Sie anschließend einen mächtigen Strom durch diesen Ort strömen, der alles durcheinanderwirbelt und übereinander stapelt – bis aus diesen wilden Wassern fantastische Eingänge zu noch fantastischeren Tempeln entstehen sowie gewaltige Schluchten mit Felsdächern, die so leicht zu erscheinen scheinen, dass bereits ein Atemzug oder ein Schritt sie mit schrecklichem Getöse zum Einsturz bringen könnte. Dann, meine lieben Freunde, können Sie vielleicht eine vage Vorstellung von der wilden und schrecklichen Pracht der Szene bekommen, die sich nun vor mir erstreckte. Würden die Tiere, die Bulger und mich nun sicher den Berg hinaufgeführt hatten, wissen, wo der Eingang zu dieser Wildnis aus zerbrochenem Gestein liegt? Und was noch wichtiger ist: Würden sie, sobald sie sich in ihren verwinkelten Gängen und Korridoren, in ihrem dunklen Labyrinth aus Wänden und Mauern befanden, wissen, wie sie wieder herausfinden? Meine lieben Freunde – der Mensch war schon immer zu misstrauisch gegenüber seinen vierbeinigen Begleitern. Sie hätten uns viel zu erzählen, wären sie nur in der Lage, es mit Worten auszudrücken. Ich habe ihnen oft vertraut, obwohl es für Sie töricht erschienen wäre – und ich hatte nie Grund, es zu bereuen. So folgten Bulger und ich mit mutigem Herzen diesen stummen Führern – obwohl ich zugeben muss, dass meine Beine allmählich unter der enormen Belastung zu leiden begannen. Doch ich beschloss, weiterzumachen, zumindest bis wir die Teufelshöhlen hinter uns gelassen hatten, um anschließend meine kleine Herde anhalten zu lassen und den Rest des Tages sowie der Nacht in wohlverdientem Ruhe zu verbringen. Sobald wir jedoch in der Steinbruchstätte waren, verschwand jedes Gefühl der Müdigkeit – und mein dankbarer Geist, fasziniert von der tiefen Stille, der schrecklichen Pracht sowie den geheimnisvollen Lichtern und Schatten dieses Ortes, verlieh mir neue Kraft. Schließlich durchquerten wir diese Stadt der Stille und Dunkelheit – und traten erneut ins volle Glanzlicht der Nachmittagssonne hinaus.

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Plötzlich setzte sich meine kleine Herde von Rindern, die spielerisch mit den Köpfen schüttelten, in Lauf, Bulger und ich folgten ihnen auf den Fersen. Es war ein verrückter Wettlauf; doch, liebe Freunde, als er zu Ende war, nahm ich meinen Pelzmantel ab und warf ihn hoch in die Luft unter einem wilden Jubelschrei, während Bulger eine Reihe von Japsen und Bellen von sich gab. Denn seht – die Rinder grasten dort vor mir wie verrückt davon, und als ihr Atem mich erreichte, erkannten meine scharfen Nasen den Duft der Kräuter von Yuliana, die sie um meinen verletzten Kopf gebunden hatte.

Ja, wir standen fast am Rand des Riesenbrunnens – doch ich war zu müde, um noch einen Schritt weiterzugehen, so müde sogar, um zu essen, obwohl ich Trockenfrüchte in meinen Taschen hatte und bemerkte, dass die Nester der Wildvögel reich an Eiern waren. Nachdem ich das Seil vom Rücken des guten Tieres gelöst hatte, das es für mich den Berg hinaufgetragen hatte, warf ich mich auf den Boden und schlief bald tief und fest, mit meinem treuen Bulger, der eng an meine Brust geschmiegt lag.

Am Morgen waren die Rinder nirgends zu sehen – doch ich machte mir keine Sorgen um sie, denn ich wusste, dass die alte Yuliana sofort losgeschickt werden würde, sobald sie fehlten. Nach einem kräftigen Frühstück aus einer halben Dutzend gerösteten Eiern der Wildvögel sowie etwas Trockenfrüchten und Winterbeeren gingen Bulger und ich zum Rand des Riesenbrunnens – genauer gesagt, zum Rand der riesigen Felsterrassen, die hinunterführten, wobei jede Terrasse eine Höhe von dreißig bis fünfzig Fuß hatte.

Bevor ich weitererzähle, liebe Freunde, muss ich euch daran erinnern, dass ich ein Experte im Umgang mit Seilen bin – es gibt keinen Knoten, keine Schlinge oder keine Verbindungsmethode, die einem Seemann bekannt ist und die ich nicht beherrsche. Das ist nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, wie viele tausend Meilen ich bereits auf dem Wasser zurückgelegt habe.

Ich möchte auch nicht, dass ihr den Kopf schüttelt und nur halb überzeugt ausschaut, wenn ich weitererzähle, wie wir in den Riesenbrunnen hinabstiegen – schließlich werdet ihr euch sicher fragen, wie es mir gelang, das Seil herunterzulassen, da am anderen Ende niemand mehr da war, um es zu lösen!

Wisst also: Das war das Geringste meiner Probleme. Denn wie jeder Seemann euch sagen wird, muss man das Seil nur in einen sogenannten „Narrenknoten“ binden, an dessen einem Ende man einfach ein Seil befestigt. Sobald man den Grund erreicht hat, reicht ein kräftiger Ruck am Seil aus, um den Narrenknoten zu lösen – und das Seil fällt anschließend hinter einem herab. Meine Methode bestand darin, zunächst Bulger hinunterzulassen…

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Dann ließ ich mich hinter ihm hinab. Auf diese Weise kamen wir von einem Vorsprung zum nächsten, bis wir schließlich am Rande dieses riesigen Brunnens standen – dessen Existenz in Don Fums Manuskript so geheimnisvoll angedeutet worden war. Sein Mund war vermutlich fünfzig Fuß breit; indem ich meine Augen anstrengte, konnte ich erkennen, dass es auf der einen Seite eine Felsplatte gab – etwa siebzigfünf Fuß tief, soweit ich das beurteilen konnte. Das war eine beträchtliche Entfernung – und ich würde jeden Zentimeter meines Seils benötigen. Ich bin sicher, Sie werden nicht lächeln, wenn ich Ihnen sage, dass ich Bulger an meine Brust drückte und ihn liebevoll küsste, bevor ich hinabstieg. Er erwiderte meine Zärtlichkeiten und machte mir mit seinem fröhlichen Bellen klar, dass er vollkommen Vertrauen in seinen kleinen Herrn hatte. Nach kurzer Zeit hatte ich ihn auf dieser schmalen Felsplatte erreicht. Unter uns herrschte Dunkelheit – aber glauben Sie etwa, ich zögerte? Ich wusste, dass sich meine Augen bald an die Dunkelheit gewöhnen würden, und ich wusste auch, dass Bulgers schärfere Augen mir helfen würden, falls meine versagten. Ich bereitete mein Seilzeug nun mit besonderer Sorgfalt vor – schließlich ließ ich meinen kleinen Bruder auf eine Art Entdeckungsreise hinab. Bald war er aus meinem Blickfeld verschwunden. Trotz meiner Ruhe atmete ich schnell ein – mein Herz schlug dabei um einen halben Zoll höher. Doch hören Sie! Sein schnelles, klares Bellen drang deutlich zu mir herauf. Das bedeutete, dass er auf einer sicheren Felsplatte gelandet war. Im nächsten Moment umschlangen meine Beine das Seil, und ich begann leise in die stillen Tiefen hinabzugleiten – während seine fröhliche Stimme in meinen Ohren widerhallte. Immer wieder schickte ich meinen klugen, wachsamen kleinen Bruder voraus – bis schließlich, als ich dort stand und nach oben blickte, vom mächtigen Außenwelt nichts mehr übrig war außer einem hellen Silberpunkt, wie ein kleiner Lichtstrahl, der durch ein Loch in den Vorhängen Ihres Zimmers dringt. Aber warten Sie – haben wir den Grund des Riesenbrunnens erreicht? Denn durch einen Probensprung stellte ich fest, dass die Wände nicht mehr senkrecht waren; sie neigten sich nach innen – und zwar so sanft, dass ich kaum noch ein Seil zum Weiterhin Absteigen benötigte. Nachdem ich eines meiner kleinen Kerzen angezündet hatte, tastete ich mich vorsichtig am Rand entlang. Nach einer halben Stunde befand ich mich wieder am Ausgangspunkt. Die Kurve des Weges blieb stets dieselbe – und mein Probensprung zeigte stets denselben Neigungswinkel zum felsigen Becken. Und dann, zum ersten Mal, standen zwei bestimmte Worte vor meinen Augen – Worte, die jener weise Meister aller Meister, Don Fum, verwendet hatte; bis dahin ein Rätsel für mich – als wären sie mit einem Stift geschrieben worden.

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Feuer auf jene schwarzen Wände – Tausende von Fuß unter der großen Welt des Lichts, die ich erst vor ein paar Stunden verlassen hatte. Das waren Polyphems Trichter! Ja, daran konnte kein Zweifel bestehen: Ich hatte den Grund des Riesenbrunnens erreicht. Ich stand am Rand von Polyphems Trichter!

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KAPITEL VI

Meine Verzweiflung, als ich feststellte, dass der Schlauch des Trichters für meinen Körper zu klein war – Ein Hoffnungsschimmer bricht durch – Detaillierte Beschreibung davon, wie es mir gelang, in den Schlauch des Trichters einzudringen – Mein Durchgang hindurch – Bulgers rechtzeitige Hilfe – Die Marmortraße sowie einige merkwürdige Dinge bezüglich des Eingangs in die Welt innerhalb einer Welt.

Die felsigen Wände von Polyphems Trichter waren offensichtlich genauso glatt wie die eines jeden Blechtrichters, den ich je in der Küche von Castle Trump gesehen hatte. Also schnallte ich meine Ausrüstung fest und nahm Bulger in die Arme; gemeinsam glitten wir den Hang hinab, wobei ich das Seil zum Schutz unter meinen Arm legte.

Es waren fast hundert Fuß bis zum Boden – ich hatte die gesamte Länge des Seils gemessen, bevor ich den Gipfel dieses riesigen Kegels erreichte. Da ich nicht riskieren wollte, kopfüber in den Schlauch zu stürzen, zündete ich eine Kerze an und schaute mich um.

Ach, liebe Freunde – ich kann immer noch dieses Entsetzen spüren; es war wirklich schrecklich. Kein Wunder auch: Ein Blick in den Schlauch zeigte mir, dass er viel zu klein war, um meinen Körper hindurchzulassen. Der quälende Gedanke durchzuckte mich: Ich hatte einen schrecklichen Fehler begangen – ich hatte irgendeinen riesigen Abgrund mit dem Brunnen der Riesen verwechselt, ich hatte Bulgers Leben sowie mein eigenes aus verrückter, unüberlegter Eile weggeworfen – ich würde niemals die wunderbare Welt innerhalb einer Welt erreichen, dort mussten unser Körper und unsere Knochen liegen bleiben.

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Oder, dachte ich, hat vielleicht der weise Meister aller Meister, Don Fum, selbst einen Fehler gemacht, als er behauptete, der Schlauch des Polyphems sei groß genug, um den Körper eines Mannes aufzunehmen? In meinem fast wahnsinnigen Zustand ging ich zum Mund des Schlauchs, ließ meinen Körper hineinsinken, so tief es nur ging. Der Schlauch stieß bei meinen Schultern an – nach sorgfältiger Prüfung musste ich zu dem verzweifelnden Schluss kommen, dass mein treuer Bulger und ich unseren letzten Weg gemeinsam zurückgelegt hatten. Uns blieb nichts anderes übrig, als uns hinzulegen und zu sterben. Hinzulegen und sterben? Niemals! Beim Abstieg in den Brunnen der Riesen hatte ich bemerkt, dass seine Wände anscheinend aus Steinblöcken bestanden. Mit Bulger auf meinem Rücken würde ich langsam von einer Ebene zur nächsten klettern, bis meine Kräfte versagten – anschließend würde ich warten, bis ich glaubte, die alte Yuliana sei zurückgekehrt, um Kräuter zu sammeln; vielleicht könnte ich sie dann hören lassen. In meiner Verzweiflung seufzte ich und umklammerte meine eigenen Arme. Dabei berührte eine meiner Hände etwas Kaltes und Glattes, das sich wie Talg anfühlte. Ich nahm etwas von dieser Substanz zwischen Daumen und Finger, rieb sie nachdenklich eine Weile – dann durchbrach ein Strahl der Hoffnung die schreckliche Dunkelheit, die mich so erbarmungslos umhüllte. Es war Schwefel – daran konnte kein Zweifel bestehen. Er war durch eine Spalte oder Ritze im Schlauch des Polyphems gelangt, und ich hatte ihn beim Herunterrutschen an den Wänden abgewischt. Mit diesem fettigen Material könnte ich die Innenseite des Schlauchs einreiben – und mich selbst damit einstreichen – vielleicht könnte ich so doch noch in die Welt innerhalb der Welt eindringen! Auf jeden Fall beschloss ich, es zu versuchen – auch wenn ich dabei etwas von meiner Haut an den steinigen Wänden zurücklassen müsste. Um meine Gedanken vollständig zu sammeln und schrittweise vorzugehen, wie es für all meine großartigen Unternehmungen typisch war, setzte ich mich hin, legte meinen Arm um den Hals meines lieben Bulger und sprach eine gute halbe Stunde lang mit mir selbst.

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VOR IHR,
EURE KÖNIGLICHKEIT GALAXA,
KÖNIGIN DER MIKKAMENKIES.

Alles war nun bereit für die Aktion. Um euch, liebe Freunde, zu zeigen, wie vorsichtig Bulger war und meinen Gedankengang nicht störte, muss ich berichten, dass zwar ein kleines Tier aus der Rattefamilie aus einer Spalte im Felsen hervorkam, während ich dort saß und nachdachte – wie ich am Licht meiner kleinen Wachskerze erkennen konnte – und dieses Tier zunächst den Schwanz von Bulger beschnüffelte und anschließend spielerisch hineinbiss, doch das kluge Tier rührte sich keinen Deut.

„Der Verstand hat befohlen – nun sollen die Hände gehorchen!“, rief ich, sprang auf und begann, meine äußeren Kleidungsstücke auszuziehen. Danach kletterte ich an der Seite des Trichters hoch und sammelte schwarzes Blei, das ich in der Nähe der Öffnung des Rohres deponierte. Als Nächstes musste ich Bulger durch das Rohr vor mir bringen. Dazu band ich ihn in meine Kleidung ein, wie einen Beutel, und begann, ihn nach unten zu lassen.

Nachdem ich sechzig bis siebzig Fuß Seil herabgelassen hatte, erreichte er den Boden. Durch sein lautes Bellen machte er mir klar, dass alles in Ordnung sei und ich selbst hinabsteigen könne. Als ich seine Stimme hörte, zog ich an dem Seil. Er verstand sofort, was ich meinte, und schon im nächsten Moment…

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Er hatte nicht nur selbst aus der Tasche geklettert, sondern auch meine Kleidung gelockert, damit ich die Schnur wieder ziehen konnte. Mein nächster Schritt bestand darin, einen Weg zu finden, wie ich mich beim Abstieg beschweren konnte – schließlich war ich mir sicher, dass ich niemals durch den Schlauch passen würde, es sei denn, etwas zog an meinen Fersen. Ich schnitt etwa zehn Fuß Seil ab und befestigte eines der Enden an einem großen Felsbrocken, der etwa hundert Pfund wog. Diesen legte ich in der Nähe des Eingangs des Schlauchs bereit. Doch nun kam das Schwierigste von allem: Ich musste meine Schultern an die Brust ziehen und sie dort fest binden – mit dieser Methode hoffte ich, meine Breite um mindestens zwei Zoll zu verringern. Diese beiden Zoll könnten der Schlüssel sein, um durch Polyphemos’ Schlauch zu schlüpfen und den riesigen unterirdischen Gang zu erreichen, der zum „Welt innerhalb einer Welt“ führte. Ich legte mir eine Schlinge um die Brust, direkt unter die Schlüsselbeine, zog meine Schultern so eng wie möglich zusammen und verwandelte die Schlinge in eine feste Knotenstruktur. Anschließend befestigte ich das andere Ende der Schnur am Rand des Schlauchs und begann, mich aufzurollen – genauso wie Hausfrauen es mit großen Würsten tun, um zu verhindern, dass sie platzen. Danach rollte ich mich in schwarzes Blei ein, bis ich vollständig damit bedeckt war. Jetzt blieb nur noch eine Sache zu erledigen, bevor ich in den Schlauch steigen konnte: Ich musste das Gewicht an meine Füße befestigen. Es war keine leichte Aufgabe – schließlich war ich aufgerollt und meine Arme waren an meinen Körper gebunden. Doch mit Hilfe von Schlingenknoten gelang es mir schließlich. Ich setzte mich hin, steckte meine Beine in den Schlauch und atmete tief durch – ich fühlte mich, als wäre ich in einer Zwangsjacke gefangen. Ich beugte mich vor und rief Bulger zu. Er antwortete mit einem freudigen Schrei, der meinem Herzen neue Kraft gab. Nun kam der entscheidende Moment – entweder Erfolg oder Misserfolg. Misserfolg! Oh, was für ein schreckliches Wort! Und doch müssen menschliche Lippen es so oft aussprechen – und dabei den Seufzer ausstoßen, der damit endet. Schnell ließ ich das Gewicht herunter, kroch vom Rand des Schlauchs weg und richtete mich auf, während ich in den Schlauch glitt.

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Hätte ich es wie einen Korken aufhalten können – oder bewegte ich mich weiter? Ja, nach unten, langsam, leise, geräuschlos glitt ich durch den Schlauch in Polyphems Trichter hinein. Was kümmerte es mich, dass das Gewicht dazu führte, dass die Schnur in meine Knöchel schnitt? Ich bewegte mich weiter, kam immer näher an Bulger heran – dessen fröhliches Bellen ich ab und zu hören konnte –, immer näher an die inneren Tore der Welt in der Welt!

Doch wehe mir! Plötzlich blieb ich stehen. Trotz aller Bemühungen, mich wieder in Bewegung zu setzen, indem ich meinen Körper drehte und schüttelte, weigerte er sich, auch nur noch einen Zentimeter tiefer zu sinken – und da steckte ich fest.

„Oh, Bulger, Bulger“, stöhnte ich, „treuer Freund, wenn du doch nur zu mir gelangen könntest – ein einziger Ruck von dir könnte deinen kleinen Herrn retten!“

Auf eine wilde, verzweifelte Weise begann ich nun, mit meinen Händen, die eng an meinen Seiten eingeklemmt waren, nach etwas zu tasten. Nach kurzer Zeit entdeckte ich den Grund für mein plötzliches Stillstand: Ich hatte einen Teil des Schlauchs berührt, an dem ein Gewinde war – ähnlich wie das, das einen Eisennagel umgibt und daraus einen Schraubenkopf macht. Mir kam der Gedanke, dass ich, wenn es mir gelänge, meinen Körper in Drehbewegung zu versetzen, mich mit jedem Dreh weiter nach unten zum Ende des Schlauchs winden könnte.

Ich spürte, wie meine Gelenke und Fingerspitzen durch diese anstrengende Arbeit verletzt wurden – aber was kümmerte mich der stechende Schmerz, der von den Händen zu den Handgelenken und von dort zu den Ellbogen strahlte? Es war, als würde man eine Schraube langsam durch eine lange Mutter drehen – nur dass das Gewinde in diesem Fall auf der Mutter und die Rillen auf der Schraube lagen – und diese „Schraube“ war mein armer, verletzter Körper!

Plötzlich merkte ich durch die Bewegung des Gewichts, dass es am unteren Ende des Schlauchs vorbeigegangen war. Es zog grausam stark an meinen empfindlichen Knöcheln – doch ich konnte mich nicht mehr drehen; meine Kraft war erschöpft. Ich stand kurz davor, das Bewusstsein zu verlieren, als ich hörte, wie Bulger laut aufjaulte. Im nächsten Moment wurde ich so heftig an meinen Knöcheln gezogen, dass ich aufstöhnte – doch dieser Ruck rettete mich! Es war Bulger, der in die Luft gesprungen war, die Leine mit seinen Zähnen gepackt hatte und damit seinen kleinen Herrn aus Polyphems Trichterschlauch herausgezogen hatte!

Wir fielen alle zusammen zu Boden – Bulger, ich und das Gewicht – eine Höhe von insgesamt zehn Fuß. Die Folgen für mich hätten sehr ernst sein können, wenn mein Sturz nicht…

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Zerbrochen durch meinen Schlag auf den Haufen mit meiner Kleidung, der direkt unter dem Eingang lag; und, liebe Freunde, selbst wenn ihr bis in alle Ewigkeit reden würdet, könntet ihr mich nicht davon überzeugen, dass mein vierbeiniger Bruder diese Kleidungsstücke nicht dort hingelegt hatte, um mich zu fangen. Sie lagen auch nicht einfach durcheinander auf einem Haufen, sondern übereinander, wobei das Schwereste unten lag. Nachdem ich mich befreit und eine meiner Wachskerzen entzündet hatte, eilte ich, die Unterwäsche mit ihrer Schicht aus schwarzem Blei wegzuwerfen und meine Kleidung wieder anzuziehen; anschließend bückte ich mich und untersuchte den Boden. Er bestand aus riesigen Marmorkuben in verschiedenen Farben, poliert fast so glatt, als wäre die Arbeit von Menschenhand ausgeführt worden; da wusste ich, dass ich auf der „Marmortraße der Natur“ war, die zu den Städten der Unterwelt führte, von denen Don Fum in seinem Buch gesprochen hatte. Ich erinnerte mich auch daran, dass er von den „mächtigen Mosaiken der Natur“ gesprochen hatte – riesige, fantastische Figuren an den Wänden dieser prächtigen Gänge, zusammengesetzt aus verschiedenfarbigen Blöcken und Fragmenten, die scheinbar absichtlich übereinander gelegt worden waren und nicht durch wilde, stürmische Zufälle vor Tausenden von Jahren, als die Erde noch in ihrer verrückten, launischen Jugend steckte. Nach einigen Stunden Ruhe, während derer ich meine zerrissenen Hände und blauen Finger pflegte, standen Bulger und ich wieder auf und setzten unseren Weg entlang dieser breiten, prächtigen Marmortraße fort. Seltsamerweise erfüllte nicht die pechschwarze Dunkelheit einer gewöhnlichen Höhle diese großartigen Räume, durch die die Marmortraße in majestätischer Pracht führte – ganz im Gegenteil. Die Dunkelheit wurde von einem schwachen Licht durchbrochen, das uns immer wieder entgegenkam, wie ein verirrter Strahl des Zwielichts. Jedenfalls konnte Bulger, wie ich bemerkte, perfekt sehen; also band ich ein Stück Schnur um seinen Hals und schickte ihn voraus, überzeugt, dass ich keinen sichereren Führer haben könnte. Manchmal wurde unser Weg für einen Moment vom Aufflammen einer kleinen Flamme an den Seiten oder von der Decke der Galerie erhellt. Ich war eine Weile ratlos, woher dieses Licht kam; doch schließlich entdeckte ich die Quelle – oder besser gesagt, den Urheber – dieser willkommenen Beleuchtung. Es stammte von einem eidechsenartigen Tier, das durch das plötzliche Entfalten seines Schwanzes in der Lage war, diesen extrem hellen Phosphoreszenzstrahl abzugeben; dabei entstand ein scharfes Knistern, das genau wie das Geräusch eines elektrischen Funken klang. Bulger war von dieser Darbietung begeistert; einmal konnte er seine Gefühle nicht mehr kontrollieren und…

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Er stieß einen scharfen Befehl aus – daraufhin schwangen anscheinend zehntausend dieser kleinen Fackelträger gleichzeitig ihre Schwänze in meine Richtung und füllten den weiten Raum mit einem Lichtblitz von nahezu blitzartiger Intensität. Bulger war vom Ergebnis seines Beifalls so erschrocken, dass er danach gut darauf achtete, still zu bleiben.

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KAPITEL VII

Unsere erste Nacht in der Unterwelt – und wie sie vom ersten Licht des Tages abgelöst wurde. Bulgers Warnung und was sie bedeutete. Wir treffen auf einen Bewohner der Welt in der Welt. Sein Name und sein Beruf. Das geheimnisvolle Zurückkehren der Nacht. Das Land der Betten – und wie unser neuer Freund uns eines beschaffte.

Meine Augenlider wurden schließlich so schwer vom Schlaf, dass ich erkannte, es musste Nacht im äußeren Welt sein. Also hielten wir an, und ich streckte mich aus auf dem Marmorboden – der übrigens angenehm warm unter uns war. Auch die Luft war für meine Lungen außergewöhnlich angenehm, da es völlig keine Spur von dem Geruch der Erde oder Feuchtigkeit gab, wie er in großen unterirdischen Räumen üblich ist.

Ich schlief lange und ausgiebig – doch Bulger war bereits wach, als ich mich aufrichtete und versuchte, mich umzusehen. Er begann an dem Faden zu ziehen, den ich an seinen Kragen gebunden hatte, als wolle er mich irgendwohin führen. Also kam ich seiner Bitte nach und folgte ihm.

Zu meiner Freude führte er mich direkt zu einem Teich mit wunderbar süßem, kühlem Wasser. Hier tranken wir, bis wir satt waren. Nach einem sehr spärlichen Frühstück aus einigen getrockneten Feigen machten wir uns wieder auf den Weg entlang der Marmortraße.

Plötzlich, zu meiner noch größeren Freude, begann das schwache, unbestimmte Licht des Ortes stärker zu werden. Es schien fast, als würde der Tag in der oberen Welt hereinbrechen – so zart waren die verschiedenen Farbtöne, in denen das immer stärker werdende Licht erschien. Doch dann, als wäre es vor seinem eigenen zunehmenden Glanz erschrocken, verblasste es wieder bis zur Dunkelheit. Noch bevor viele Momente vergangen waren…

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Dieses schwache, geheimnisvolle Leuchten kehrte zurück – zunächst in sanftem Gelb, dann wechselnd in Dutzenden verschiedener Farbtöne. Es war, als würde ein launisches Mädchen nicht wissen, welches Kleid es tragen soll, alles beiseitelegen und stattdessen die Kleidung der Lilie anziehen. Bulger und ich wanderten entlang der Marmorkonsole – fast ängstlich, diese tiefe Stille zu stören. Es schien mir, als könnte ich die Lichtstrahlen hören, wie sie auf die bunten Felsen prallten, die diesen gewaltigen Korridor bildeten. Als die Marmorkonsole in einer anmutigen Kurve weiterführte, brach eine blendende Lichtflut über uns herein. Es war Sonnenaufgang in der Welt innerhalb der Welt. Woher kam diese blendende Lichtflut, die nun die Wände sowie die gewölbten Decken zum Leuchten brachte – als wären wir plötzlich in einem der riesigen Lagerhäuser der Natur voller polierter Edelsteine gelandet? Ich schirmte meine Augen mit der Hand ab und blickte mich um, um das Rätsel zu lösen. Es dauerte nicht lange, bis ich alles verstand. Wisst also, liebe Freunde: Die Decken, Kuppeln und gewölbten Dächer dieser unterirdischen Welt waren mit einem Metall verziert, das härter war als jedes Metall, das wir, Kinder der Sonne, kennen. Seine Adern verliefen hierhin und dorthin – wie die Adern riesiger Blätter. Zu bestimmten Zeiten strömten elektrische Ströme aus irgendwelchen riesigen internen Reservoiren dieser „Bauwerke der Natur“ durch diese Metallstrukturen – bis sie vor solch hellem Licht leuchteten, dass die blendende Lichtflut entstand, von der ich bereits gesprochen habe. Der Strom kam niemals plötzlich oder heftig, sondern begann sanft und vorsichtig – als würde er sich langsam seinen Weg bahnen. Deshalb gab es in dieser unterirdischen Welt immer wieder diese wunderschönen Farbtöne kurz vor dem Sonnenaufgang – was diese Welt sehr an den Wechsel unseres prächtigen Sonnenlichts erinnerte. Die Marmorkonsole teilte sich nun – die beiden Teile bogen nach rechts und links ab und umschlossen einen kleinen, aber prächtig verzierten Park. Dieser Park war außerdem mit vier Brunnen ausgestattet; jeder Brunnen sprudelte aus einem Kristallbecken heraus und ergoss sein Wasser in Form eines feinen Sprühnebels – der im blendend weißen Licht wie wirbelnder Schnee glänzte. Als Bulger und ich auf eine der Bänke zugingen, um uns auszuruhen, warnte mich ein leises Knurren von ihm, wachsam zu bleiben. Ich blickte noch einmal hin – auf der Bank saß ein Mensch.

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Völlig von Neugier erfüllt, diesem Bewohner der Unterwelt, dem ersten, den wir trafen, gegenüberzutreten, hielt ich inne – entschlossen, vorher herauszufinden, ob er tatsächlich harmlos war, bevor ich ihn ansprach.
Er war von kleiner Statur und ganz in Schwarz gekleidet, in eine Art weite, fließende Robe, die einer römischen Toga ähnelte. Sein Kopf war kahl; das, was ich davon sehen konnte, war rund, glatt und rosafarben, mit kaum Haaren – oder besser gesagt: Flaum – auf der Kopfhaut, wie bei einem sechswöchigen Säugling. Sein Gesicht wurde von einem schwarzen Fächer verdeckt, den er in seiner rechten Hand hielt; deren Verwendung werden Sie später erfahren. Seine Augen waren vor dem intensiven Licht durch ein Paar farbiger Glasbrillen geschützt. Als er seine Hand zwischen mich und das Licht hob, konnte ich nicht umhin, den Atem anzuhalten – ich konnte hindurchsehen: Die Knochen waren so klar wie Bernstein. Auch sein Kopf war nur etwas weniger undurchsichtig.
Plötzlich blitzten zwei Worte aus Don Fums Manuskript in meinem Kopf auf, und ich rief freudig aus:
„Bulger, wir sind im Land der Durchsichtigen!“
Bei dem Klang meiner Stimme stand der kleine Mann auf, verbeugte sich tief und senkte seinen Fächer auf seine Brust. Sein kindliches Gesicht wirkte lächerlich traurig und ernst.
„Ja, Herr Fremder“, sagte er mit leiser, melodischer Stimme, „ihr befindet euch tatsächlich im Land der Mikkamenkies, im Land der Durchsichtigen, auch bekannt als Brillenland. Doch wenn ich euch mein Herz zeigen würde, würdet ihr erkennen, dass ich zutiefst betrübt bin darüber, der Erste gewesen zu sein, der euch willkommen hieß. Denn wisst, Herr Fremder: Ihr sprecht mit Meister Kalte Seele, dem Gemütsbedrücker, dem traurigsten Mann in ganz Brillenland. Übrigens, gestattet mir, euch ein Paar Brillen anzubieten – für euch selbst sowie für euren vierbeinigen Begleiter. Unser intensives Weißlicht würde euch beide bereits nach wenigen Tagen blenden.“
Ich dankte Meister Kalte Seele sehr herzlich für die Brillen, setzte eines auf meine Nase und band das andere vor Bulgers Augen. Anschließend teilte ich Meister Kalte Seele auf die höflichste Weise mit, wer ich war, und bat ihn, den Grund für seine große Traurigkeit zu erklären. „Nun, ihr müsst wissen, kleiner Baron“, sagte er, nachdem ich mich neben ihn auf die Bank gesetzt hatte, „dass wir, die liebenden Untertanen von Königin Galaxa, deren königliches Herz fast gebrochen ist – verzeiht diese Tränen – in dieser wunderschönen Welt leben …“

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Im Gegensatz zu dem Ort, an dem du lebst – von dem uns unsere Weisen erzählen, dass er, seltsamerweise, direkt an der Außenseite der Erdoberfläche liegt, wo er am meisten der blendenden Schneedecke, eisigen Böen, herabprasselndem Hagel, überflutendem Regen und erstickendem Staub ausgesetzt ist – leben wir, wie ich sage, in diesem riesigen Tempel, den die Natur selbst erbaut hat. Hier ist Krankheit unbekannt, und unsere Herzen schlagen wie Uhren, die vielleicht nur einen Antrieb haben. Leider neigen wir dazu, zu glücklich zu sein; zu viel zu lachen; zu viel Zeit in nutzloser Fröhlichkeit zu verbringen, Zeit mit Geschwätz zu vertreiben, wie gedankenlose Kinder, die sich an Schnickschnack erfreuen. Weiß also, kleiner Baron: Es ist meine Aufgabe, diese Fröhlichkeit einzudämmen, dieses kindliche Vergnügen zu beenden und den Geist unseres Volkes zu dämpfen, damit er nicht zu hoch steigt. Deshalb trage ich Kleidung in dunkler Farbe, habe ein trauriges Gesicht, weine oft und meine Stimme klingt stets traurig. Verzeih mir, kleiner Baron – mein Fächer ist mir heruntergefallen; hast du durch mich hindurchgesehen? Ich möchte nicht, dass du heute mein Herz siehst – irgendwie kann ich es einfach nicht dazu bringen, langsamer zu schlagen; es ist schrecklich unkontrollierbar.

Ich versicherte ihm, dass ich noch nicht durch ihn hindurchgesehen hatte.

Und nun, liebe Freunde, muss ich erklären, dass nach den Gesetzen der Mikkamenkies jeder Mann, jede Frau und jedes Kind in seinen Kleidern eine herzförmige Öffnung auf der Brust direkt über dem Herzen tragen muss – sowie eine entsprechende Öffnung auf der Rückseite. Unter bestimmten Bedingungen, wenn das Gesetz es zulässt, hat jeder das Recht, einen Blick in das Herz seines Nachbarn zu werfen und genau zu sehen, wie es schlägt – ob schnell oder langsam, ob heftig oder ruhig, ob es gelassen und natürlich pulsiert. Doch dieses Privileg wird, wie bereits gesagt, nur unter bestimmten Bedingungen gewährt. Um neugierige Blicke abzuwehren, darf jeder Mikkamenky einen schwarzen Fächer bei sich tragen, mit dem er die oben beschriebene herzförmige Öffnung bedecken kann und so seine Gefühle bis zu einem gewissen Grad verbergen kann. Ich sage „bis zu einem gewissen Grad“, denn ich sollte euch hier gleich sagen, dass Lüge in dem Land des durchsichtigen Volkes unbekannt ist – oder genauer gesagt: unmöglich. Der Grund dafür ist, dass ihre Augen so wunderbar klar, durchsichtig und kristallartig sind, dass schon der geringste Versuch, etwas anderes zu sagen, während sie an etwas anderes denken, ihre Sicht trübt – als wäre eine Milchtropfe in ein Glas mit reinstem Wasser gefallen.

Während ich dieses seltsame kleine Wesen betrachtete, das dort auf der Bank neben mir saß, erinnerte ich mich an ein Gespräch, das ich mit einem gelehrten Russen in Solvitchegodsk geführt hatte. Er sagte über sein Volk: „Wir werden alle mit hellem Haar, strahlenden Augen und blassen Gesichtern geboren, denn wir sind unter dem Schnee aufgewachsen.“

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Und ich dachte bei mir, wie erfreut, wie fasziniert er gewesen wäre, dieses seltsame Wesen zu betrachten – ein Wesen, das nicht unter dem Schnee, sondern tief unter der Erdoberfläche geboren wurde. In diesen riesigen Kammern dieser „Welt in einer Welt“ hatte dieses seltsame Volk, wie Pflanzen, die in einem dunklen, tiefen Keller wuchsen, allmählich alle Farbe verloren; ihre Augen leuchteten wie Kugeln aus reinem Kristall, ihre Knochen waren zu einem bernsteinfarbenen Weiß gebleicht, und ihr Blut floss farblos durch farblose Adern. Während ich dort saß und diesen Gedankenverlauf verfolgte, begann das helle weiße Licht plötzlich zu flackern und zauberte fantastische Muster an die Wände – in ständig wechselnden Farben: mal strahlend gelb, mal blassgrün, mal prächtig violett, mal dunkelrot.
„Ah, kleiner Baron!“, rief Meister Kalte Seele. „Das war wirklich ein außergewöhnlich kurzer Tag. Steh bitte auf.“
Ich beeilte mich, seinem Befehl zu folgen. Daraufhin berührte er einen Mechanismus – der Sitz öffnete sich in der Mitte und enthüllte zwei sehr bequeme Betten.
„In Kürze wird die Nacht hereinbrechen“, fuhr der Mikkamenky fort. „Aber wie du siehst, wurden wir nicht überrascht. Ich sollte es dir erklären…“

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Kleiner Baron, aufgrund der launischen Art und Weise, wie unser Fluss des Lichts sowohl zu fließen als auch aufzuhören vermag, können wir niemals wissen, wie lang ein Tag oder eine Nacht sein wird. Das nennen wir Dämmerung. In deiner Welt geht der Tag wohl mit einem schrecklichen Lärm zu Ende, denn unsere Weisen sagen uns, dass im oberen Weltreich nichts ohne Lärm getan werden kann; dass euer Volk den Lärm wirklich liebt; und dass der Mann, der den größten Lärm macht, als der größte Mann angesehen wird.

„Da niemand in dem Land Goggle wissen kann, wie lange der Tag dauern wird oder wie lange es notwendig sein könnte zu schlafen, erlauben unsere Gesetze es niemandem, einen genauen Zeitpunkt festzulegen, zu dem etwas erledigt werden soll, oder irgendeine Zusage abzugeben, dies oder jenes an einem bestimmten Tag zu tun – denn, möge deine Seele gesegnet sein, dieser Tag mag ja nur zehn Minuten dauern. Deshalb sagen wir: ‚Falls morgen länger als fünf Stunden dauert, komm zu mir zu Beginn der sechsten Stunde‘; und wir wünschen einander niemals einfach nur eine gute Nacht, sondern sagen: ‚Gute Nacht, solange sie andauert.‘

„Außerdem, kleiner Baron, da die Nacht leicht unerwartet über uns hereinbrechen kann, gehören laut Gesetz alle Betten dem Staat; niemand darf ein eigenes Bett besitzen, denn wenn die Nacht ihn überrascht, könnte er sich am anderen Ende der Stadt befinden, und irgendein anderer Untertan von Königin Galaxa könnte vor seiner Tür stehen. Egal, wo die Nacht einen Mikkamenky ereilt, er findet sicherlich ein Bett. Überall gibt es Betten. Durch Berühren einer Feder fallen sie von den Wänden herab, sie lassen sich wie Schubladen herausziehen, sie befinden sich unter Tischen und Sofas, in Parks, auf dem Marktplatz, am Straßenrand; Bänke, Behälter, Kisten, Karren und Fässer können durch Drücken einer Feder im Handumdrehen in Betten verwandelt werden. Es ist das Land der Betten, kleiner Baron. Aber ach! Die Dämmerung neigt sich dem Ende zu. Gute Nacht, solange sie andauert!“ Mit diesen Worten streckte sich Meister Kalte Seele aus und begann zu schnarchen, nachdem er zuerst sorgfältig die beiden Löcher vorne und hinten an seinem Gewand bedeckt hatte, damit ich keine Chance hätte, durch ihn zu spähen, falls ich zuerst aufwachen sollte. Bulger und ich waren sehr froh, unsere Glieder auf einem echten Bett ausstrecken zu können – obwohl ich anhand der Art und Weise, wie mein vierbeiniger Bruder mit seinem Schwanz herumwanderte, erkennen konnte, dass er nicht besonders von der Weichheit des Sofas begeistert war.

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KAPITEL VIII

„Guten Morgen – solange es anhält.“ – Ehrliche Worte
Von Meister Kalte Seele – Die Wunder von Goggleland.
Wir betreten die Stadt der Mikkamenkies – Kurze Beschreibung derselben.
Unser Weg zum königlichen Palast – Königin Galaxa und ihr Kristallthron – Meister Kalte Seelen Tränen.

Ich glaube nicht, dass die Dunkelheit länger als drei Stunden angehalten hat – vielleicht sogar länger. Doch Meister Kalte Seele musste mich sanft schütteln, bevor er mich wecken konnte.
„Nun, kleiner Baron“, sagte er, nachdem er mir mit dem üblichen „solange es anhält“ einen guten Morgen gewünscht hatte, „falls du wirklich bereit bist, werde ich dich zum Hof unserer gnädigen Herrin, Königin Galaxa, führen. Unsere Weisen haben oft mit ihr über die obere Welt sowie die schrecklichen Leiden ihrer Bewohner gesprochen – schließlich sind diese den erbarmungslosen Kälten ausgesetzt und werden anschließend von den glühenden Strahlen dessen verbrannt, was sie ihr Sonne nennen. Zweifellos wird sie sich freuen, dich zu sehen – doch ich muss dich warnen: Du siehst äußerst hässlich aus; für mich wirkst du so dunkel und hart, dass du kaum wie ein Mensch erscheinst, sondern eher wie ein Stück lebender Erde oder Fels. Ich fürchte sehr, dass du unser Volk durch den Vergleich extrem eitel machen wirst. Deinen vierbeinigen Begleiter kennen wir bereits – wir haben oft sein versteinertes Bild in den Felsen der dunklen Kammern unserer Welt gesehen.“
„Meister Kalte Seele“, sagte ich, während wir weitergingen, „wenn du mich besser kennenlernst, wirst du feststellen, dass ich viel ansehnlicher bin. Auch wenn ich dir mein Herz nicht zeigen kann, hoffe ich, dir und deinen Leuten beweisen zu können, dass ich so etwas überhaupt habe.“

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„Zweifellos, zweifellos, kleiner Baron“, rief Meister Kalte Seele aus, „aber seid nicht beleidigt. Es ist für mich nicht angenehmer, Euch diese unangenehmen Dinge zu sagen, als für Euch, sie zu hören – doch ich werde dafür bezahlt und muss meinen Lohn verdienen. Eitelkeit wächst in unserer Welt rasant, und ich platze ihre Blasen, sobald ich sie sehe.“

Zu meinem großen Erstaunen stellte ich nun fest, dass die Welt der Mikkamenkies ihre Seen und Flüsse hatte, genau wie wir – nur natürlich waren sie kleiner und spiegelglatt, da sie niemals vom geringsten Lufthauch berührt wurden. Auf meine Frage, ob dort Lebewesen lebten, teilte mir Meister Kalte Seele mit, dass es dort buchstäblich von den köstlichsten Fischen wimmelte – sowohl solchen mit Schuppen als auch solchen mit Schalen.

„Aber denkt nicht, kleiner Baron“, fügte er hinzu, „dass wir im Land der Glotzaugen keine andere Nahrung haben als die, die wir aus dem Wasser holen; denn in unseren Gärten wachsen viele Arten von zarten Gemüsesorten, die fast wie Schaum, leicht und weiß, innerhalb einer einzigen Nacht sprießen. Doch wir sind kleine Esser, kleiner Baron, und es kommt selten vor, dass wir gezwungen sind, ein großes Meeresgetier zu töten. Wir nehmen einfach seinen großen Klauen, den er uns bereitwillig in die Hand gibt, und schon beginnt er, einen neuen zu wachsen.“

„Aber sagt mir bitte, Meister Kalte Seele“, sagte ich, „woher bekommt man den Seidenstoff, aus dem Eure Kleidung gefertigt ist?“

„In dieser Unterwelt von uns, kleiner Baron“, antwortete Meister Kalte Seele, „gibt es viele weite Höhlen, die vom Fluss des Lichts nicht erreicht werden. In diesen dunklen Kammern fliegen riesige Nachtfalter umher – wie unruhige Geister, die ständig in der Luft schweben. Doch das sind sie natürlich nicht; denn wir finden ihre Eier an den felsigen Wänden dieser Höhlen und sammeln sie sorgfältig ein. Die Würmer, die daraus schlüpfen, spinnen riesige Kokons – so groß, dass man sich nicht in meiner Hand verstecken kann. Wenn man diese Kokons auflöst, erhält man den gesamten Faden, den unsere Webstühle benötigen.“

„Und das wunderschöne Holz“, fuhr ich fort, „das ich überall um mich herum sehe, bearbeitet und zu vielen Gegenständen verarbeitet – woher kommt es?“

„Aus den Steinbrüchen“, antwortete Meister Kalte Seele.

„Steinbrüche?“, wiederholte ich erstaunt.

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„Ja, kleiner Baron“, sagte er, „denn wir haben Holzsteinbrüche – genauso wie ihr sicherlich Steinbrüche habt. Unsere Weisen sagen uns, dass vor Tausenden und Abertausenden von Jahren die gewaltigen Wälder eurer Welt durch die Bewegungen der Erdoberfläche in unsere Welt gedrückt wurden. Die riesigen Baumstämme blieben dabei eng aneinandergepresst und standen genauso aufrecht da, wie sie ursprünglich gewachsen waren. Zumindest finden wir sie so, wenn wir den verhärteten Ton entfernt haben, der sie über all diese Zeiten hinweg eingesperrt hat. Doch seht, kleiner Baron – wir betreten jetzt die Stadt. Dort drüben ist der königliche Palast. Wollt Ihr mit mir dorthin gehen?“
Ach, liebe Freunde – könnte ich euch doch diese wunderschöne Stadt der Unterwelt zeigen, so wie sie sich mir damals zeigte: prächtig ausgebreitet unter den glänzenden Kuppeln und gewölbten Gängen. Von dort herab fiel ein Strahl weißer Licht auf die fein gearbeiteten und polierten Eingänge zu den Wohnräumen dieses glücklichen Volkes – ein Licht, das offensichtlich noch blendender war als unsere Mittagssonne!
Es war ein so seltsam schöner Anblick, dass ich oft innehielt, um ihn zu betrachten. Junge und Alte, alle in denselben elegant fließenden Seidengewändern gekleidet – mal lila, mal königsblau, mal leuchtend rot – eilten hierhin und dorthin. Jeder trug einen schwarzen Fächer bei sich; die Gesichter aller strahlten vor Leben und süßer Zufriedenheit. Hunderte von Brunnen, die aus kristallenen Becken sprudelten, glänzten im blendenden Weißlicht. Zehnmal hundert Flaggen und Standarten hingen schlaff, doch prächtig, an unsichtbaren Drähten. Seltsame Musik drang von den elegant geformten Booten mit Seidentüchern herüber – diese Boote glitten lautlos über die Oberfläche des gewundenen Flusses; die Ruder bewegten das Wasser, sodass die Wellen wie Wege aus flüssigem Silber aussahen.
Als Bulger und ich Meister Kalte Seele durch die Straßen aus poliertem Marmor folgten, dauerte es nicht lange, bis eine Gruppe von Mikkamenkiern uns folgte. Sie flüsterten allerlei abfällige Dinge über uns – gemischt mit mehreren Anfällen unterdrückten Lachens.
Der Hofbeamte tadelte sie streng. „Hört auf mit diesem unpassenden Gelächter“, sagte er. „Macht lieber eure Arbeit. Muss ich wirklich innehalten und euch eine schreckliche Geschichte erzählen, um euer törichtes Frohlocken zu unterbinden? Wisst ihr denn nicht, dass all dieses dumme Gelächter eure Herzen nur noch schneller zum Schlagen bringt?“

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Bei diesen Worten von Meister Kalte Seele zogen sie sich zurück und hörten auf zu kichern – doch nur für einen Moment. Als wir das Portal des Königspalastes erreichten, folgte uns eine noch lauter und lärmenderere Menge.
Meister Kalte Seele blieb plötzlich stehen, zog ein riesiges Taschentuch hervor und begann heftig zu weinen. Das hatte seine Wirkung: Von diesem Moment an konnte ich erkennen, dass die Mikkamenkies meine Ankunft in ihrer Stadt ernster nahmen – obwohl es allein die Anwesenheit von Kalter Seele war, die sie davon abhielt, in lautes Gelächter auszubrechen.
Über den Portalen des Königspalastes gab es große Öffnungen im Felsen, durch die Licht in die königlichen Räume gelangen sollte. Doch diese „Fenster“, wenn man sie so nennen will, waren mit seidenen Vorhängen in zarten Farben versehen, sodass das Licht, das den Thronsaal erhellte, abgemildert wurde. Der Raum selbst war ebenfalls mit Seidentüchern geschmückt, was ihm einen orientalischen Glanz verlieh. Doch in all meinen Reisen unter fremden Völkern in fernen Ländern hatte ich noch nie ein Kunstwerk gesehen, das dem Kristallthron gleichkam, auf dem Galaxa, die Königin der Mikkamenkies, saß.
In der oberen Welt hatte man mit größter Sorgfalt gesucht – doch es war nie gelungen, einen Stein aus Kristall zu finden, dessen Durchmesser mehr als etwa drei Fuß betrug. Hier jedoch ragten am Thron von Königin Galaxa mindestens vier prächtige Säulen empor, die mindestens fünfzehn Fuß hoch und an ihrer Basis drei Fuß dick waren. Ihre unteren Teile waren mit Goldverzierungen versehen, die je nach Lichtverhältnissen in unterschiedlichen Farbtönen funkelten. Die Querstücke sowie die Teile, die den Rücken und die Arme des Throns bildeten, wurden wegen der außergewöhnlich schönen, nadelförmigen Kristalle anderer Metalle ausgewählt. Ein seidener Baldachin von seltenem Schönheitsgrad bedeckte den Thron; von seinen Rändern hingen schwere Bänder und Fransen in reichen Farben herab – ein Zeichen für die Perfektion der menschlichen Handwerkskunst.
Am Fuße des Throns saß die junge Prinzessin Crystallina. Hinter ihr stand ihre Lieblingszofe, Damozel Glow Stone, und kämmte ihre langen, seidenen Haare. Um sie herum standen in Reihen und Gruppen Adlige, Höflinge und Berater – Dutzende von ihnen.

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Als Meister Kalte Seele voranschritt, um der Königin zu huldigen, drängte sich eine Schar von Faulenzern, die uns gefolgt waren, mit lauten Lachanfällen in den Vorraum. Der Hofdepressor war zutiefst empört und wandte sich an die Menge; er begann wieder mit großer Intensität zu weinen – doch ich bemerkte, dass es nur Lärm war: Keine Träne fiel, um die kristallklare Klarheit seiner Augen zu trüben. Dann begann er, eine Art Lied zu singen, das dazu dienen sollte, die wilde Fröhlichkeit der Mikkamenkies zu dämpfen. Ich kann mich nur an einen Vers dieses feierlichen Gesangs des Hofdepressors erinnern. Er lautete wie folgt:
„Weint, Mikkamenkies, weint, o weint!
Für den blinden Mann in der Stadt des Lichts,
Für den stummen Mann in den Gärten des Überflusses,
Für den tauben Mann im Reich der Musik,
Für den nasenlosen Mann im Königreich der Blumen.
Weint, Mikkamenkies, weint, o weint!“
Doch sie lachten nur noch lauter und riefen:
„Nein, Meister Kalte Seele, wir werden nicht um sie weinen; weine du selbst um sie.“ Schließlich hob Königin Galaxa den schlanken goldenen Stab mit dem diamantenen Ende, der in ihrer Hand lag – sofort kehrte Stille ein, und alle Blicke waren auf Bulger und mich gerichtet.

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KAPITEL IX

Bulger und ich werden der Königin Galaxa vorgestellt, der Herrin des Kristallthrons – wie sie uns empfing – ihre Freude über Bulger, der auf vielfältige Weise seine erstaunliche Intelligenz unter Beweis stellt – wie die Königin ihn zum Lord Bulger macht – alles über die drei Weisen, in deren Obhut wir von Königin Galaxa gegeben werden.

Durch die milde Luft, die konstante Temperatur sowie das Fehlen jeglichen Lärms und Staubs scheinen die Mikkamenkies, obwohl sie letztendlich wie alle anderen Menschen sterben, niemals zu altern. Ihre Haut bleibt weich und faltenlos, und ihre Augen sind so klar und hell wie der Kristall des Throns von Königin Galaxa.

Zum Zeitpunkt unserer Ankunft im Land des durchsichtigen Volkes war das Herz von Königin Galaxa bereits fast am Versagen. Noch etwa zwei Wochen, und es würde leise und sanft aufhören zu schlagen; denn, wie ich euch bereits gesagt habe, liebe Freunde, ist das Herz eines Mikkamenkies bei voller Intensität des blendend weißen Lichts, das durch seinen Körper strahlt, vollkommen sichtbar. Es war daher für einen Arzt sehr einfach, sich dieses Lebensorgans anzusehen und fast genau zu bestimmen, wann es versagen würde – mit anderen Worten: wann es zusammenbrach. Galaxa sah aus wie eine echte Königin, als sie halb auf ihrem prächtigen Kristallthron ruhte. Sie trug lange, fließende Seidengewänder in einem wahren königlichen Violett, und die Edelsteine, die ihren Hals und Handgelenke schmückten, hätten die Kronjuwelen jedes Monarchen der oberen Welt in den Schatten gestellt. Ihr Kleidungsstil glich stark dem der alten Griechen, und die goldenen Sandalen, die sie trug, verstärkten diesen Eindruck noch; doch das Einzige, was mich mehr als alles andere in Erstaunen versetzte…

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Ihr Haar – so lang, so fein und seidig! Es war eine gewaltige Menge davon, und es hatte ein so blendend weißes Aussehen – nicht das blaue oder gelbe Weiß, das im Laufe der Zeit entsteht, sondern ein milchweißes, ein Baumwollweißes. Als wir uns näherten – zu Bulgers Überraschung, aber nicht zur meinen – begann ihr Haar zu zittern, zu rascheln und in die Höhe zu steigen, bis es ihren ganzen Thron völlig verdeckte. Natürlich wusste ich, dass sie, da sie auf einem Thron aus Glas saß, nur einen sanften Strom elektrischer Energie benötigte, um ihre wunderbare Haarmasse auf diese Weise aufrichten zu lassen – wie die weißen, filigranen Tentakel irgendeines riesigen Meereswesens, halb Pflanze, halb Tier.

„Steh auf, kleiner Baron“, sagte Königin Galaxa, als ich auf mein rechtes Knie auf der untersten Stufe des Throns sank, „und willkommen in unserem Königreich. Solange du hier verweilen möchtest, werden meine Leute alles tun, um dir all das zu zeigen, was in deinen Augen wunderbar erscheinen mag. Denn obwohl unsere Weisen oft über die obere Welt gesprochen haben, bist du der erste Bewohner dieser Welt, der uns besucht – und dein wunderbarer Begleiter ist ebenfalls herzlich willkommen. Kann er sprechen, kleiner Baron?“

„Nicht ganz, Königin Galaxa“, antwortete ich mit einer tiefen Verbeugung, „doch er kann mich verstehen und ich ihn.“

„Er ist doch völlig harmlos, oder?“, fragte die Königin.

Meine lieben Freunde, ihr könnt euch vorstellen, wie ich mich fühlte, als ich gerade sagen wollte: „Ganz und gar, königliche Dame.“ Zu meiner Überraschung sah ich, wie Bulger voranschritt, an Prinzessin Crystallina schnupperte, sich dann zurückzog und seine Zähne zeigte, während sie ihre Hand ausstreckte, um ihn zu streicheln. Ich beugte mich über ihn, tadelte ihn leise und befahl ihm, vor der Königin niederzuknien. Das tat er auch, indem er ihr drei sehr würdevolle Verbeugungen darbrachte – worüber alle herzlich lachten.

„Ich möchte, dass er näher kommt“, sagte die Königin, „damit ich meine Hand auf ihn legen kann.“ Auf mein Zeichen hin begann Bulger sehr vorsichtig seine Vorderpfoten zu lecken, wischte sie anschließend auf dem Teppich ab, sprang die Stufen des Throns hinauf und setzte seine Vorderfüße auf den Schoß von Königin Galaxa.

Die schöne Herrscherin der Mikkamenkies war von diesem Beispiel an Bulgers guten Manieren begeistert. Um sie noch weiter zu amüsieren, ließ ich Bulger viele seiner seltsamen Tricks und erstaunlichen Fähigkeiten vorführen.

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„Sag seine Gebete“, „tue so, als wärst du tot“, „weine um deine Geliebte“, „zähle bis zehn“, „gehe aufrecht“, „werde lahm und weine, um zu zeigen, wie sehr es wehtut.“ Kaum hatte er die Hälfte des Kreises umrundet und tat so, als wäre er lahm, da begann das Mädchen Glow Stone selbst zu weinen. Sie beugte sich hinab, streichelte Bulger und küsste seinen lahmen Fuß. Zu meiner großen Überraschung erwiderte Bulger diese Zärtlichkeiten umgehend. Später, als ich ihm befahl, das Mädchen auszuwählen, das er am meisten liebte, und ihre Hand zu küssen, eilte er direkt auf Glow Stone zu und drückte nicht nur einen, sondern gleich zwanzig Küsse auf ihre ausgestreckten Hände. Die Prinzessin Crystallina hingegen wich aus Angst und Abscheu vor diesem „hässlichen Ungeheuer“, wie sie ihn nannte, zurück. „Befehle ihm, mir mein Taschentuch zu bringen, kleiner Baron“, rief Galaxa und warf es auf den Boden. Ich tat, wie die Königin befahl – doch Bulger weigerte sich, zu gehorchen. „Wie du siehst, Königin Galaxa“, sagte ich mit einer tiefen Verbeugung, „weigert er sich, das Taschentuch ohne deinen Befehl zu heben.“ Dieser feine Kompliment gefiel der Dame sehr. „Wie kommt es, kleiner Baron“, fragte sie, „dass du von adligem Geschlecht bist und dein Bruder, wie du ihn nennst, nur ein gewöhnlicher Bulger?“ „Es liegt daran, königliche Dame“, antwortete ich bescheiden, „dass es in der Welt, in der ich lebe, oft so ist, dass Ehren denen zuteilwerden, die sie am wenigsten verdienen.“ „Nun gut, kleiner Baron“, rief Galaxa fröhlich, „auch wenn ich im Vergleich zu dir nur eine kleine Herrscherin bin, können doch auch kleine Herrscher Taten großer Gerechtigkeit vollbringen. Befehle deinem vierbeinigen Bruder, vor uns niederzuknien.“

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PRINZESSIN CRYSTALLINA OFFENBART IHR HERZ.

Auf mein Wort hin warf sich Bulger zu Boden auf die Stufen von Galaxas Kristallsessel und legte seinen Kopf zu ihren Füßen. Sie beugte sich vor, berührte ihn leicht mit ihrem goldenen Stab und rief: „Steh auf, Lord Bulger – steh auf! Königin Galaxa, die auf ihrem Kristallsessel sitzt, befiehlt Lord Bulger, aufzustehen!“ Im Nu erhob sich Bulger auf seine Hinterbeine und legte seinen Kopf in den Schoß der Königin. Der ganze Raum erfüllte sich mit lauten Jubelrufen, und jede Dame klatschte sanft in ihre zarten, glasartigen Hände – außer Prinzessin Crystallina, die vorgab zu schlafen.

Königin Galaxa löste nun eine Perlenkette von ihrem Hals und band sie mit eigenen Händen um Lord Bulgers Hals – so wurde mein vierbeiniger Bruder nicht mehr einfach nur Bulger. Anschließend wandte sich die Königin an ihre Staatsberater und befahl ihnen, für Lord Bulger und mich eine königliche Unterkunft zur Verfügung zu stellen. Zudem gab sie strenge Befehle, dass der strengste Strafen sofort gegen jeden Mikkamenky verhängt werden sollte, der es wagen würde, über uns zu lachen oder respektlose Bemerkungen über unsere dunklen Augen, unsere Hautfarbe sowie unser Aussehen zu machen.

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Ein elender Anblick – denn, wie die Königin zu ihrem Volk sagte: „Ihr könntet noch schlimmer aussehen, als ihr es ohnehin schon tut, da ihr gezwungen seid, außerhalb der Welt zu leben statt darin, ausgesetzt den beißenden Winden, der eisigen Kälte und Wolken aus erstickendem Staub.“
Auf Befehl der Königin wurden drei der weisesten Mikkamenkies ausgewählt, um Bulger und mich zu begleiten, sich um unsere Bedürfnisse zu kümmern, uns alles zu erklären – kurz gesagt: Alles in ihrer Macht Stehende zu tun, damit unser Aufenthalt in dem Land der Durchsichtigen so angenehm wie möglich war.
Ihre Namen, soweit ich sie übersetzen kann, waren Doktor Nebulosus, Sir Amber O’Pake und Lord Cornucore. Ich sollte euch, liebe Freunde, die Bedeutung dieser Namen erklären – denn man könnte meinen, Doktor „Etwas-Wolkenhaft“, Sir „Klar-wie-Amber“ sowie Lord „Herz-von-Horn“ deuteten darauf hin, dass sie mehr oder weniger geistig verwirrt wären. Ganz und gar nicht: Ich habe bereits erwähnt, dass es sich um drei der weisesten Männer im Land der Durchsichtigen handelte – und die fehlende Klarheit in ihren Namen bezog sich ausschließlich auf ihre Augen.
Wie ihr wisst, haben die gelehrten Menschen unserer oberen Welt einen anderen Aussehen als gewöhnliche Menschen. Sie haben gebeugte Schultern, buschige Augenbrauen, langes Haar, zusammengepresste Lippen, sind kurzsichtig und haben einen schlurfenden Gang. Nun, die einzige Auswirkung vieler Jahre intensiver Studien auf die Mikkamenkies war, dass ihren wunderschönen, kristallähnlichen Augen mehr oder weniger ihre Klarheit genommen wurde.
Ich glaube, nun versteht ihr, warum diese drei gelehrten Mikkamenkies so genannt wurden.
Jedenfalls waren sie, trotz ihrer seltsamen Namen, drei äußerst charmante Herren. Egal, wie oft ich dieselbe Frage stellte – sie hatten immer eine ebenso höfliche Antwort parat wie die erste. Sie taten alles, was ich von ihnen erwarten konnte. Tatsächlich gab es nur eine Sache, die ich gerne hätte, dass sie taten – nämlich mir zu ermöglichen, durch sie hindurchzusehen.
Doch das vermieden sie mit größter Sorgfalt. Egal, wie lebhaft ihre Beschreibungen auch waren – und egal, wie sehr ich versuchte, einen Blick zu erhaschen – der unvermeidliche schwarze Schleier stand immer im Weg.
Natürlich fühlten nicht nur sie, sondern alle Durchsichtigen Abneigung dagegen, dass ein völliger Fremder durch sie hindurchsah – und das konnte ich ihnen nicht verübeln.

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Ebenso gut könnte man aufhören zu hoffen, jemals die Chance zu bekommen, ein menschliches Herz zu sehen, das um sein Leben kämpft und dabei genau wie eine Schwingung eines Pendels oder die Vibration einer Unruhwelle funktioniert.

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KAPITEL X

Ein kurzer Bericht über meine Gespräche mit Doktor Nebulosus, Sir Amber O’Pake und Lord Cornucore – sie erzählten mir viele Dinge, von denen ich zuvor nichts wusste, wofür ich ihnen sehr dankbar war.

Lord Bulger und ich waren mehr als zufrieden mit unseren neuen Freunden, Doktor Nebulosus, Sir Amber O’Pake und Lord Cornucore. Doch da sie so sehr darauf bedacht waren, uns wohlzubehalten, gingen sie manchmal zu weit und ließen mir kaum einen Moment für mich selbst, in dem ich etwas in mein Notizbuch eintragen konnte. Sie kümmerten sich äußerst sorgfältig darum, dass ich aus Unwissenheit nichts Falsches über sie aufschreiben könnte.

„Denn“, sagte Sir Amber O’Pake, „nun, da du den Weg in unsere Unterwelt gefunden hast, kleiner Baron, bin ich sicher, dass wir jedes Jahr einige Besucher aus deinem Volk haben werden. Ich habe bereits Anweisungen gegeben, sobald das Holz abgebaut werden kann, zusätzliche Betten anzufertigen.“

Doktor Nebulosus gab mir eine sehr interessante Beschreibung der verschiedenen Krankheiten, an denen die Mikkamenkies leiden. „Alle Krankheiten bei unserem Volk“, sagte er, „sind rein geistiger oder emotionaler Natur – also im Bereich des Geistes oder der Gefühle. Es gibt bei uns keine körperlichen Gebrechen. Wein und stark alkoholische Getränke sind in unserer Welt unbekannt, und das Essen, das wir essen, ist leicht und leicht verdaulich. Wir sind niemals der Gefahr ausgesetzt, eine staubige Atmosphäre einzuatmen. Obwohl wir ein aktives und fleißiges Volk sind, schlafen wir viel; denn da unsere Gesetze die Verwendung von Lampen oder Fackeln verbieten – außer für diejenigen, die in den dunklen Kammern arbeiten – ist es für uns nicht möglich, unsere Gesundheit durch das Umwandeln der Nacht in Tag zu ruinieren. Wir gehen früh ins Bett.“

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In dem Moment, in dem der Fluss des Lichts aufhört zu fließen. Die einzige Krankheit, die mir je die geringsten Probleme bereitet hat, ist die Iburyufrosnia.“
„Bitte, wie ist die Natur dieser Krankheit?“, fragte ich.
„Es handelt sich um eine Neigung, zu glücklich zu sein“, antwortete Doktor Nebulosus ernst. „Und ich muss bedauern, dass mehrere unserer Leute, die von dieser Krankheit betroffen waren, ihr Leben verkürzten, indem sie sich weigerten, meine Heilmittel einzunehmen. Sie entwickelt sich in der Regel sehr langsam – angefangen bei einer Neigung zu Kichern, die nach einer Weile von heftigen Lachanfällen abgelöst wird.
Zum Beispiel, kleiner Baron: Als du zu uns kamst, litten viele unserer Leute unter einer heftigen Form der Iburyufrosnia. Obwohl Meister Kalte Seele, der Hofdepressor, große Anstrengungen unternahm, um dies zu bekämpfen, war er völlig machtlos. Die Krankheit breitete sich mit bemerkenswerter Geschwindigkeit in der Stadt aus. Ohne zu wissen, warum, begannen unsere Arbeiter bei ihrer Arbeit, unsere Kinder beim Spielen sowie alle Menschen drinnen und draußen zu lachen und gefährlich glücklich zu sein. Ich untersuchte einige der schlimmsten Fälle und stellte fest, dass bei diesem Tempo das Herz der meisten Betroffenen innerhalb einer Woche versagen würde. Es war schrecklich. Es wurde eilig ein Rat einberufen, und es wurde beschlossen, dich sowie Lord Bulger vor den Augen der Öffentlichkeit zu verstecken. Glücklicherweise hatte meine Kunst den Überblick über diesen Angriff gewonnen.“
„Hast du die Anzahl der einzunehmenden Pillen erhöht?“, fragte ich.
„Nein, kleiner Baron“, sagte Doktor Nebulosus. „Ich vergrößerte ihre Größe und überzog sie mit einem trockenen Pulver, wodurch sie äußerst schwer zu schlucken waren. Auf diese Weise zwang ich diejenigen, die sie einnahmen, dazu, aufzuhören zu lachen. Doch es gab einige Fälle, die so schwerwiegend waren, dass sie auf diese Weise nicht geheilt werden konnten. Für diese ordnete ich an, sie mit breiten Gürteln in der Taille festzubinden und ihren Mund mit Holzwinkeln offenzuhalten. Wie du verstehen kannst, machte das Lachen so schwierig, dass sie es schnell ganz aufgaben.
„Ah, kleiner Baron“, fuhr der weise Arzt seufzend fort, „das war ein trauriger Tag für die Menschheit, als sie lernte, zu lachen. Meiner Meinung nach verdanken wir diese nutzlose Unruhe in unseren Körpern euch Menschen aus der oberen Welt. Da ihr euch den durchdringenden Winden und dem beißenden Frost aussetzten, entwickelten ihr die Angewohnheit, zu zittern, um warm zu bleiben. Im Laufe der Zeit wurde diese Angewohnheit immer stärker, bis ihr weiterhin zittertet, egal ob…“

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Ob es kalt war oder nicht – nur ihr nennt es anders. Meine Kenntnisse des menschlichen Körpers lehren mich, dass dieses Zittern des Fleisches eine sehr weise Maßnahme der Natur ist, um das Blut in Bewegung zu halten und so den menschlichen Körper vor dem Verdursten durch die Kälte zu bewahren. Doch warum sollen wir zittern, wenn wir glücklich sind, kleiner Baron? Jede Freude besteht im Gedanken – und doch beginnen wir genau in dem Moment, in dem wir unseren Körper in möglichst perfekter Ruhe halten sollten, mit diesem lächerlichen Zittern. Zittern wir etwa, wenn wir die Schönheiten des Flusses des Lichts betrachten, wenn wir süße Musik hören oder in das liebevolle Antlitz unserer gnädigen Königin Galaxa blicken? Doch schlimmer noch, kleiner Baron: Dieses sinnlose Zittern und Beben, das wir Lachen nennen, entleert die Lungen von Luft, ohne sie wieder zu füllen. Deshalb sehen wir oft, wie diese Lacher in Ohnmacht fallen, völlig erstickt durch ihre eigene wilde, unvernünftige Handlung. Ich habe immer behauptet, kleiner Baron, dass nur wir unter allen Tieren die Angewohnheit zum Lachen haben – und ich freue mich nun, dass meine Ansicht durch meine Bekanntschaft mit dem weisen und würdevollen Lord Bulger bestätigt wird. Beobachtet ihn: Er weiß genauso gut wie wir, was es bedeutet, erfreut, amüsiert oder glücklich zu sein – doch er hält es für unnötig, auf Zitteranfälle zurückzugreifen. Durch seinen leuchtenden Blick – das wahre Fenster der Seele – kann ich erkennen, wie glücklich er ist. Ich kann seine Freude messen, ich kann seine Zufriedenheit festhalten.“

Ich war begeistert von dieser gelehrten Rede des sanften Doktors Nebulosus und machte Notizen, damit mir die Punkte seiner Argumentation nicht entgingen. Noch mehr freute ich mich darüber, dass er meinen treuen Bulger als von der Natur weise gestaltet und reguliert erwies. Ich fragte meine Freunde, Sir Amber O’Pake und Lord Cornucore, ausführlich, ob Königin Galaxa jemals Schwierigkeiten beim Regieren ihres Volkes hatte.

„Keine einzige“, lautete die Antwort. „In vielen langen Jahren war es nur ein- oder zweimal notwendig, einen Mikkamenky vor den Magistrat zu bringen und sein Herz unter starkem Licht zu untersuchen. Die einzige Strafe, die unsere Gesetze zulassen, ist eine längere oder kürzere Haftzeit in einem der dunklen Räume. Die strengste Strafe, die je von einem unserer Magistrate verhängt wurde, betrug zwölf Stunden. Aber ehrlich gesagt müssen wir zugeben, kleiner Baron, dass Lügen und Täuschungen bei uns unbekannt sind – aus dem einfachen Grund, dass es, da wir durchsichtig sind, unmöglich ist, …

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Ein Mikkamenky kann einen Bruder täuschen, ohne dabei ertappt zu werden. Warum also den Versuch unternehmen? In dem Moment, in dem einer von uns etwas sagt, während er eigentlich etwas anderes denkt, trüben sich seine Augen und verraten ihn – genauso wie ein kristallklarer Blick durch das Wetterglas bei der Annäherung eines Sturms im Himmel trüb wird. Doch das gilt natürlich, kleiner Baron, nur für unsere Gedanken. Unsere Gesetze erlauben es uns, unsere Gefühle mit Hilfe des schwarzen Fächers zu verbergen. Niemand darf in das Herz eines anderen blicken, es sei denn, dessen Besitzer will es. Es ist eine sehr schwere Verfehlung, wenn ein Mikkamenky ohne die Erlaubnis des anderen hineinschaut. Doch wie du leicht verstehen wirst, ist es aufgrund unserer natürlichen Durchsichtigkeit völlig unmöglich, dass eine Ehe unglücklich wird – schließlich haben ein junger Mann und ein Mädchen nach den Gesetzen das Recht, in die Herzen des jeweils anderen zu blicken, und so können sie genau erkennen, wie stark ihre Zuneigung füreinander ist. Das sowie viele andere seltsame und interessante Dinge verrieten mir meine neuen Freunde, Doktor Nebulosus, Sir Amber O’Pake und Lord Cornucore. Ich war der guten Königin Galaxa äußerst dankbar dafür, dass sie sie für mich ausgewählt hatte. Gute Freunde sind besser als Gold – auch wenn wir das manchmal nicht glauben.

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KAPITEL XI

Angenehme Tage vergingen bei den Mikkamenkies – und wir sahen wunderbare Dinge. Der „Spukgarten“ sowie eine Beschreibung desselben. Unsere Begegnung mit der Jungfrau aus dem Leuchtenden Stein – und was daraus wurde.

Von da an fühlten Lord Bulger und ich uns bei den Mikkamenkies völlig zu Hause. Eines der königlichen Boote stand uns zur Verfügung. Wenn wir es satt hatten, herumzulaufen und die Wunder dieser wunderschönen Stadt in der Unterwelt zu betrachten, stiegen wir ins Boot und ließen uns auf dem glatten Fluss hin und her rudern. Hätte ich es nicht mit eigenen Augen gesehen, hätte ich niemals geglaubt, dass man Muscheln dazu bringen kann, so hilfsbereit zu sein, dass sie an die Oberfläche schwimmen und einen ihrer riesigen Klauen als Abendessen für uns anbieten – indem sie ihn höflich in unsere Hand legen, sobald wir danach greifen. An einem der Flussufer bemerkte ich eine lange Reihe von Holzkästen, die sehr nach Lebensmittelläden aussahen. Doch als Bulger und ich uns dieser Reihe von kleinen Häusern näherten, stellten wir fest, dass es sich um Schildpattnestern handelte – und dass zahlreiche Schildkröten dort bequem saßen und ihre Eier legten. Ich kann Ihnen versichern: Das waren die köstlichsten Delikatessen, die ich je probiert habe. Ich glaube, ich habe Ihnen bereits erzählt, dass der Fluss, der durch das Land Goggle fließt, voller leckerer Fische ist – insbesondere Karpfen und Hechte, deren Geschmack besonders delikat ist. Da ich wusste, wie sanftmütige Menschen die Mikkamenkies sind, war ich etwas verwirrt darüber, wie sie überhaupt den Mut aufbringen konnten, einer dieser Fische einen Speer in den Körper zu stoßen – schließlich waren diese Fische genauso zahm und verspielt wie Kätzchen oder Welpen und folgten unserem Boot hin und her, um das Essen aufzunehmen, das wir ihnen hinwarfen.

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Es wurden ihnen hingeworfen, und sie sprangen in die Luft – dort glänzten sie wie poliertes Silber, da das weiße Licht auf ihren Schuppen funkelte. Doch eines Tages wurde das Rätsel gelöst, als ich sah, wie einer der Fischer Dutzende von Fischen in eine Art Gefängnis lockte, das durch ein Drahtnetz vom Fluss abgetrennt war. Kaum hatte er die Tore geschlossen, sah ich zu meinem Erstaunen, wie die Fische nacheinander an die Oberfläche kamen und auf der Seite trieben – tot.
„Das hier“, erklärte der Mann, der das Kommando führte, „ist die Todeskammer. Am Grund dieses dunklen Teichs befinden sich mehrere elektrische Aale von großer Größe und Stärke. Wenn unsere Leute frischen Fisch zum Abendessen wollen, öffnen wir einfach diese Tore und locken eine Schar davon hinein, indem wir ihr Lieblingsfutter ins Wasser werfen. Die ‚Henker‘ warten bereits auf sie – und schon nach kurzer Zeit werden die Fische, während sie ihr Mahl genießen und keinen Schaden ahnen, schmerzlos getötet, wie du gesehen hast.“

Ein Teil der Stadt des durchsichtigen Volkes, der Bulger und mich sehr anzog, waren die königlichen Gärten. Es war ein seltsamer und unheimlicher Ort. Bei meinem ersten Besuch ging ich auf Zehenspitzen und mit angehaltenem Atem über seine Wege und unter seinen Bäumen – als würde ich in eine Art Feenland eindringen. Ich blickte ängstlich von einer Seite zur anderen, denn ich erwartete bei jedem Schritt, dass irgendein Kobold oder Elf mich mit einem dichten Spinnennetz fangen oder mit seinen kalten, seidigen Flügeln meine Wangen berühren würde.

Nun, liebe Freunde: Zunächst muss man wissen, dass mit dem Verschwinden der Sonne und der frischen Luft die Blumen, Sträucher und Ranken dieser unterirdischen Welt allmählich ihre Düfte und Farben verloren. Ihre Blätter, Blütenblätter, Stängel und Ranken wurden immer blasser – wie verliebte Mädchen, deren Geliebte aus dem Krieg nicht zurückkehrten. Monat für Monat verschwanden die dunklen Grüntöne, die rosafarbenen Töne, die goldenen Gelbtöne sowie die tiefen Blautöne – sie sehnten sich nach der verlorenen Sonne und dem sanften Wind, den sie so sehr liebten. Schließlich war die Verwandlung abgeschlossen – alle Pflanzen standen oder hingen nun in völliger Weiße da, wie jene fantastischen Blumenbüschel und Rankengirlanden, die der schneeweiße Schnee im April in den kahlen Sträuchern und Bäumen bildet.

Ich kann euch, liebe Freunde, nicht beschreiben, welches seltsame Gefühl mich überkam, als ich in diesen gespenstischen Garten trat – wo geisterhafte Ranken in fantastischen Formen an den dunklen Gerüsten hingen und wo hohe Lilien, weißer als…

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Unten standen die Eiderenten kerzengerade da, wie Geister, denen das ewige Schweigen bestimmt war – ihnen wurde sogar das Sprechen durch den Duft verwehrt. Dort, wo riesige Büschel schneeweißer Chrysanthemen mit flauschigen, federartigen Formen zu sein schienen, pressten sie ihre weichen Körper gegeneinander, wie Gruppen verbannter Wesen in einer Art stummer Verzweiflung – während sie spürten, wie die Wärme und das Licht der Sonne langsam und allmählich ihre Seelen verließen. Noch weiter unten hingen große Rosen mit schneeweißen Blütenblättern, weißer als Meeresmuscheln, regungslos da; sie öffneten sich mit großer Anstrengung, als würden sie auf ein Zeichen warten, das den Bann, der auf ihnen lastete, brechen und ihnen wieder das Sonnenlicht sowie ihre Farbe und ihren Duft zurückgeben würde. Noch weiter unten wirkten Beete voller Veilchen, bleich wie wattige Wolken, in stummer Trauer über den Verlust des himmlischen Duftes, der einst ihnen auf Erden gehört hatte. Über den Lilienköpfen ragten lange, dünne Stängel von Sonnenblumen empor – fast unsichtbar –, an deren Enden sich Büschel schneeweißer Blüten befanden; diese wirkten wie weiße Gesichter, die durch die stille Luft nach unten blickten und auf das Sonnenlicht warteten, das niemals kam. Noch höher, über all diesen „gespenstischen“ Blumen, wanden sich und schlängelten sich Ranken mit geisterhaften Blüten – gebogen, verdreht, gewickelt in tausend seltsame und fantastische Formen. Das weiße Licht zusammen mit seinen tiefen Schatten ließ diese Formen lebendig erscheinen – fast menschlich –, sodass allein Bewegung und Stimme ausreichten, um diesen Garten wie einen Ort voller trauernder Geister erscheinen zu lassen, die wegen seltsamer Verbrechen auf Erden in diese unterirdischen Räume verbannt worden waren und dazu verurteilt waren, zehntausend Jahre lang zu warten, bis ihnen wieder Sonnenlicht, ihre Farbe und ihr Duft zurückgegeben würden.

Eines Tages, während ich durch die königlichen Gärten spazierte, stieß Bulger plötzlich einen leisen Schrei aus und rannte vorwärts – als hätte er die vertraute Gestalt eines geliebten Freundes gesehen. Als ich zu ihm aufschloss, kauerte er neben der jungen Frau namens Glow Stone. Sie saß auf einer der Gartenbänke und streichelte mit einer ihrer weichen Hände mit filzartiger Haut Bulgers Kopf und Ohren, während die andere Hand ihren schwarzen Fächer fest an ihre Brust drückte. Sie blickte mich mit ihren kristallklaren Augen an und lächelte schwach, als ich näher kam. „Siehst du, kleiner Baron“, flüsterte sie, „Lord Bulger und ich haben einander nicht vergessen.“ Seit unserer Vorstellung am Hof besuchte ich ihn regelmäßig.

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Ich durchforstete meinen Verstand nach einem Grund für Bulgers plötzliche Zuneigung zu dem schönen Mädchen Glow Stone – fand aber keinen. Ich war umso verwirrter, da sie doch nur die Brautjungfer war, während die schöne Prinzessin Crystallina direkt auf den Stufen des Throns saß. Doch ich sagte nichts, außer dass ich sehr erfreut sei, sie zu sehen, und fügte hinzu, dass meine Liebe Bulgers Liebe sicherlich folgen würde.
„Oh, kleiner Baron, wenn ich das doch nur glauben könnte!“, seufzte das schöne Mädchen.
„Du kannst es“, sagte ich, „wirklich, du kannst es.“
„Dann werde ich es tun, kleiner Baron“, antwortete sie, „und bitte, komm und setz dich hier neben mich – nur so lange, bis ich es dir sage. Schau nicht durch mich hindurch. Versprichst du es?“
„Ich verspreche es, schönes Mädchen“, war meine Antwort.
„Und du, Lord Bulger, leg dich zu meinen Füßen“, fuhr sie fort, „und halte deine weisen Augen auf mich gerichtet sowie deine scharfen Ohren offen.“
„Kleiner Baron, wenn sowohl deine Welt als auch unsere Welt von traurigen Herzen erfüllt wären, dann wäre meins das schwerste von allen. Hör zu! Oh, höre der traurigen Geschichte des Mädchens mit dem Fleck im Herzen zu – und wenn du alles weißt, gib mir etwas von deiner Weisheit.“

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CRYSTALLINAS HERZ AUF EINEM BILDSCHEIBEN.

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KAPITEL XII

Die traurige, traurige Geschichte der kummervollen Prinzessin mit einem Fleck in ihrem Herzen – und was alles geschah, nachdem sie ihn beseitigt hatte. Das muss der Leser selbst lesen, wenn er es erfahren will.

„Kleiner Baron und lieber Lord Bulger“, begann das Mädchen mit den kristallklaren Augen, nachdem sie ihre Seele von der Last des Kummers durch drei lange, tiefen Seufzer befreit hatte, „wisset also, dass ich nicht das Mädchen namens Glow Stone bin, sondern niemand anderes als die königliche Prinzessin Crystallina selbst; dass diejenige, deren Haare ich kämme, meine Haare kämmen sollte; dass diejenige, der ich zehn lange Jahre lang gedient habe, mir dienen sollte!“
„Und zu pensar, o Prinzessin“, rief ich fröhlich aus, „dass mein geliebter Bulger der Erste gewesen sein soll, der entdeckte, dass diejenige, die auf den Stufen des Kristallthrons saß, kein Recht auf diesen Thron hatte; dass sein scharfer Verstand der Erste war, der den Fehler erkannte, der dir angetan wurde; sein schärfer Blick der Erste, der bis zum Grund der Wahrheit vordrang. Doch, schöne Prinzessin, ich kann es kaum erwarten zu erfahren, wie du selbst den Fehler entdeckt hast, der dir angetan wurde.“
„Das wirst du bald erfahren, kleiner Baron“, antwortete Crystallina. „Und damit du alles erfährst, was ich weiß, werde ich bei dem Anfang beginnen: Am Tag meiner Geburt herrschte große Freude im Land der Mikkamenkies. Die Menschen versammelten sich vor dem königlichen Palast und lachten und weinten abwechselnd – so glücklich waren sie, dass nach dem Tod von Königin Galaxa eine andere Prinzessin über sie herrschen würde. Denn vor vielen Jahren hatte ein böser König sie sehr unglücklich gemacht, und sie hatten gehofft und gebetet, dass nie wieder jemand wie er über sie herrschen würde. Bald schon…“

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Sie begannen, den anderen zu erzählen, wie er dachte, dass die kleine Prinzessin aussehen würde.
„‚Sie wird die Schönste sein, die je auf dem Kristallsessel saß. Ihre Hände und Füße werden wie Perlen sein, deren Spitzen mit Korallen verziert sind; ihr Haar wird weißer sein als das Schaumkraut am Flussufer; aus ihren wunderschönen Augen wird der Glanz ihrer reinen Seele strahlen – und ihr Herz, oh, ihr Herz wird wie ein kleiner Klumpen gefrorenen Wassers sein, so klar und durchsichtig, wie ein Stück reinsten Kristalls, hell und makellos wie ein Diamant erster Güte. Deshalb soll sie Prinzessin Crystallina oder das Mädchen mit dem Kristallherz genannt werden.‘“
Sofort ertönte der Ruf: „Ja, sie soll Crystallina oder das Mädchen mit dem Kristallherz genannt werden!“ Königin Galaxa hörte den Ruf ihres Volkes und sandte ihnen die Botschaft, dass es nach ihrem Wunsch geschehen solle – dass ich Prinzessin Crystallina werden sollte.
Aber ach, ich hätte doch leben sollen, um davon erzählen zu können! Ein paar Tage später kam die Amme zu meiner königlichen Mutter, rang die Hände und weinte bitterlich. Sie warf sich auf die Knie und flüsterte der Königin zu: „Königliche Herrin, befehlt mir, lieber zu sterben, als Euch zu sagen, was ich weiß.“ Als man ihr befahl zu sprechen, berichtete die Amme Königin Galaxa, dass sie an jenem Tag zum ersten Mal mich ins Licht gehalten habe und festgestellt habe, dass es in meinem Herzen einen Fleck gab.
Die Königin stieß einen Schrei des Entsetzens aus und fiel in Ohnmacht. Als sie wieder zu sich kam, befahl sie, dass man mich zu ihr bringen und ins Licht halten solle, damit sie selbst sehen konnte. Leider stimmte es tatsächlich: In meinem Herzen gab es tatsächlich einen Fleck. Ich war nicht würdig des schönen Namens, den ihr liebevolles Volk mir gegeben hatte. Sie würden sich entsetzt von mir abwenden; sie würden niemals zustimmen, mich zur Königin zu haben, wenn die Wahrheit bekannt würde. Sie würden auch nicht von den Gebeten einer Mutter bewegt werden; sie würden jedem, der es wagen würde, ihnen zu raten, eine Prinzessin mit einem Fleck im Herzen anzunehmen, taub bleiben – obwohl sie doch geglaubt hatten, eine Prinzessin zu bekommen, die diesen Titel wirklich verdiente.
Königin Galaxa wusste, dass sofort etwas unternommen werden musste; es wäre Zeitverschwendung, versuchen zu wollen, mit dem enttäuschten Volk zu reden. Deshalb machte sie sich daran, einen Ausweg aus ihrer Not zu finden. Nun, es geschah so, dass…

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Kleiner Baron, am selben Tag, an dem ich zur Welt kam, wurde einer der Dienerinnen Königin Galaxas ein Kind geboren. Schnell rief sie die Frau zu sich und befahl ihr, ihr Baby in das königliche Schlafzimmer zu bringen und dort zu lassen – mit der Versprechen, dass es als meine Stiefschwester aufgezogen werden sollte. Doch kaum war die Dienerin frohgemut gegangen, wurde der Amme befohlen, die Kinder im Bettchen zu wechseln. Kurz darauf war Glow Stone in meine reich verzierte Decke gewickelt, und ich selbst in ihre einfachen Decken gehüllt.

„Wie es in den folgenden Jahren weiterging, weiß ich nicht. Doch eines Tages – ach, wie gut erinnere ich mich daran! – war mein kleiner Verstand verwirrt, als ich hörte, wie Crystallina rief: ‚Nein, nein, liebe Mama, das ist nicht fair! Mir gefällt das nicht. Jeden Tag, wenn du zu uns kommst, gibst du Glow Stone zehn Küsse und mir nur einen.‘ Dann lächelte Königin Galaxa traurig und schenkte Crystallina irgendein Schmuckstück, um sie wieder zufriedenzustellen.

„So lebten Crystallina und ich von Jahr zu Jahr weiter, bis wir erwachsene junge Frauen waren. Sie saß auf dem Thron und trug prächtige purpurne Kleider, bestickt mit Gold – ich hingegen einfache weiße Kleider. Doch dennoch fielen die meisten Küsse mir zu. Ich wunderte mich darüber, wagte es aber nicht, nach dem Grund zu fragen. Eines Tages, als ich allein mit Königin Galaxa war, saß ich auf meinem Kissen in der Ecke, nähte und dachte an das Segelboot, das wir an diesem Tag auf dem Fluss benutzen wollten. Plötzlich erschrak ich, als ich sah, wie die Königin vor mir auf die Knie fiel, mich in ihre Arme schloss und mein Gesicht sowie meinen Kopf mit Tränen und Küssen bedeckte, während sie weinte und stöhnte:

‚Oh mein Kind, mein verlorenes Kind, meine Freude und mein Glück – wirst du niemals, niemals zu mir zurückkehren? Bist du für immer fort? Muss ich dich aufgeben, oh, muss ich das wirklich?‘

‚Nein, Königliche Dame,‘ stammelte ich, völlig überrascht von ihren Worten und Handlungen. ‚Ihr habt einen Traum. Wacht auf und seht klar: Ich bin nicht Crystallina. Ich bin Glow Stone, euer Stiefkind. Ich werde sofort eure Stiefschwester zu Euch bringen.‘

„Doch sie ließ mich nicht los und bedeckte mich weiterhin mit Küssen, bis ich fast erstickte. So fest hielt sie mich an ihre Brust gedrückt, während ihre langen, dichten Haare wie ein gewebter Umhang um mich herumfielen.“

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„Und dann erzählte sie mir alles – genau das, was ich dir auch erzählt habe, kleiner Baron – und befahl mir, es niemals irgendjemandem im Land der Gläsernen mitzuteilen. Ich gab ihr feierlich mein Versprechen, dass ich das niemals tun würde.“
„Und du hast dein Wort gehalten, wie es sich für eine wahre Prinzessin gehört“, sagte ich fröhlich. „Denn ich gehöre nicht zu deiner Welt, schöne Crystallina.“
„Nun, da ich dir die traurige Geschichte der kummervollen Prinzessin mit dem Fleck in ihrem Herzen erzählt habe, kleiner Baron“, flüsterte Crystallina und blickte mich mit ihren großen, strahlenden Augen an, „gibt es nur noch eine Sache, die ich tun muss: Ich muss dich durch mich hindurchblicken lassen, damit du genau weißt, welchen Rat du geben sollst.“ Mit diesen Worten stand die schöne Prinzessin von ihrem Stuhl auf, stellte sich vor mich – ein Strahl weißes Licht fiel auf ihren Rücken – senkte ihren schwarzen Fächer und bat mich, auf das schwere Herz zu blicken, das sie all diese Jahre bei sich getragen hatte. Sie bat mich, genau zu beschreiben, wie groß der Fleck war, wo er lag und welche Farbe er hatte.
Ich war überglücklich, endlich die Gelegenheit zu haben, durch eines der Mikkamenkies zu blicken. Mein Herz schlug vor Freude, als ich dieses geheimnisvolle kleine Wesen betrachtete – nein, eher ein winziges Lebewesen, das in ihrer Brust lebte, atmete und pochte. Mal schlug es langsam und gleichmäßig, während sie über ihr trauriges Schicksal nachdachte; mal immer schneller, je mehr Hoffnung in ihr aufkeimte, dass ich ihr vielleicht einen weisen Rat geben könnte, der ihrem Kummer ein Ende setzte.
„Nun, weiser kleiner Baron“, flüsterte sie besorgt, „was siehst du? Ist er sehr groß? Wo befindet er sich? Ist er schwarz wie die Nacht – oder hat er eine weniger gefährliche Farbe?“
„Hab Mut, schöne Prinzessin“, sagte ich. „Er ist sehr klein und liegt direkt unterhalb des Bogens auf der linken Seite. Er ist auch nicht schwarz, sondern eher rotbraun – als wäre ein einziger Tropfen Blut aus den Adern deiner fernen Vorfahren all diese tausend Jahre überdauert und dort erstarrt, um anzudeuten, woher dein Volk stammt.“ Bei diesen tröstenden Worten weinte die Prinzessin vor Freude.
„Wäre er schwarz gewesen“, flüsterte sie, „hätte ich mich in diesem Bett aus Veilchen ausgestreckt und nie wieder aufgestanden, bis mein Volk mich in die stille Grabkammer bringen würde – unberührt vom Fluss des Lichts.“
Bei diesem traurigen Ausbruch jaulte Bulger kläglich und leckte den Händen der Prinzessin, während er sie mit seinen dunklen Augen voller Mitgefühl ansah.

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Dieser tröstende Brief erfreute sie sehr – und auch mich rührte seine Aufrichtigkeit.
„Sei tapfer, schöne Prinzessin“, sagte ich ernst. „Ich weiß, dass diese Aufgabe nicht einfach ist, aber ich hoffe auf das Beste. Ich wünschte, wir hätten mehr Zeit – doch wie du weißt, wird das Herz von Königin Galaxa bald versagen. Deshalb müssen wir sowohl schnell als auch weise handeln. Zuerst muss ich jedoch mit der Königin sprechen und ihre Zustimmung erhalten, in dieser Angelegenheit für dich zu handeln.“
„Daran wird sie wohl niemals zustimmen“, seufzte Crystallina. „Aber du bist viel weiser als ich – tu, was dir am besten erscheint.“
„Das Nächste, was getan werden muss, schöne Prinzessin“, fügte ich feierlich hinzu, „ist, dein Herz mutig und furchtlos deinem Volk zu zeigen.“
„Nein, kleiner Baron“, rief sie und stand auf. „Das darf nicht sein! Unser Gesetz verbietet es bereits, dass jemand aus unserem Volk durch eine Person königlichen Blutes blickt. Oh nein, das darf niemals geschehen!“
„Bleib, liebe Prinzessin“, bat ich in sanftem Ton. „So eilig nun auch wieder nicht. Du verstehst noch nicht, was ich meine, wenn ich sage, dein Herz mutig deinem Volk zu zeigen. Hab keine Angst – ich werde das Gesetz des Landes nicht brechen. Dennoch werden sie den kleinen Punkt in deinem Herzen sehen, erkennen, wie klein er ist, und hören, was ich dazu zu sagen habe. Du wirst ihnen sogar nicht sichtbar sein.“
„Oh, kleiner Baron“, flüsterte Crystallina. „Wenn das nur möglich wäre! Ich glaube, sie werden mir vergeben. Du bist so weise – deine Worte bringen meiner armen, schweren Seele so viel Hoffnung, dass ich fast…“
„Nein, schöne Prinzessin“, unterbrach ich sie. „Hoffe nur auf das Beste. Ich bin nicht weise genug, um die Zukunft vorauszusehen. Von dem, was ich über dein Volk weiß, scheinen sie kaum anders zu sein als meines. Vielleicht kann ich sie dazu bringen, ‚Es lebe Prinzessin Crystallina!‘ zu rufen – aber ich kann dir nur versprechen, mein Bestes zu geben. Gehe jetzt ins Schloss – und verzichte vorerst auf einen Tag oder so nicht daran, den goldenen Kamm zu benutzen und in aller Demut die Rolle der Prinzessin zu spielen.“

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KAPITEL XIII

Wie ich daran ging, einen Fehler wiedergutzumachen, der im Königreich der Mikkamenkies begangen worden war – und wie Bulger mir half. Die Beichte von Königin Galaxa.
„Ich bleibe Premierminister, solange sie lebt.“
Was im Thronsaal geschah – meine Rede an die Menschen aus dem Land Goggle; anschließend zeigte ich ihnen etwas, das es wert war, gesehen zu werden. Wie ich in zwei verschiedene Richtungen gezogen wurde – und was daraus wurde.

Das Erste, was ich tat, nachdem die echte Prinzessin Crystallina mich verlassen hatte, war, Doktor Nebulosus aufzusuchen und von ihm die genaue Anzahl der Stunden herauszufinden, bis das Herz der Königin versagen würde. Da er gerade eine Untersuchung durchgeführt hatte, konnte er mir sogar die genaue Minute nennen: Es waren siebzehn Stunden und dreizehn Minuten – eine ziemlich kurze Zeit, muss man zugeben, liebe Freunde, um eine so wichtige Aufgabe wie die meine zu erledigen. Daraufhin begab ich mich direkt zum königlichen Palast und forderte ein privates Treffen mit der Herrin des Kristallthrons.

Mit dem Rat von Sir Amber O’Pake und Lord Cornucore lehnte sie es entschlossen, aber freundlich ab, mich zu empfangen. Als Grund gab sie an, dass die Aufregung, die sicherlich nach einem Treffen mit dem „Mann aus Kohle“ – so nannten die Mikkamenkies mich – entstehen würde, ihr Leben mindestens um dreizehn Minuten verkürzen würde.

Doch ich ließ mich nicht auf so unhöfliche Weise abweisen. Ich setzte mich hin, nahm einen Stift und schrieb die folgenden Worte auf ein Stück glasierten Seids:

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„An Galaxa, Königin der Mikkamenkies, Herrin des Kristalls Thrones.
Ich, Lord Bulger, ein Adliger aus Mikkamenkien, Träger dieses Schreibens – der erste, der entdeckte, dass die wahre Prinzessin nicht auf den Stufen des Kristalls Thrones saß – fordere ein Audienz für meinen Herrn, Baron Sebastian von Troomp, allgemein als ‚Kleiner Baron Trump‘ bekannt. Auf seinen Rat hin frage ich: Was bedeuten dreizehn Minuten deines Lebens, o Königin Galaxa, im Vergleich zu den langen Jahren des Leids und der Enttäuschung, die deinem königlichen Kind bevorstehen?“
Bulger nahm den Brief in den Mund und sprang mit langen, schnellen Sätzen davon. Innerhalb weniger Minuten war er bei der Königin – denn die Wachen wichen entsetzt zurück, als sie sahen, wie er mit funkelnden, zornigen Augen näherkam. Er stellte sich auf seine Hinterbeine und legte den Brief in Galaxas Hände. Kaum hatte sie ihn gelesen, brach sie in Ohnmacht; im Palast herrschte große Unruhe. Ich wurde eilig herbeigerufen, und der Audienzsaal wurde von allen Dienern geräumt – außer von Doktor Nebulosus, Sir Amber O’Pake, Lord Cornucore, Lord Bulger und mir.
„Ruft die Jungfrau Glow Stone herbei“, befahl die Königin. Als sie erschien – zur Überraschung aller außer Bulger und mir – befahl Galaxa ihr, die Stufen des Kristalls Thrones zu betreten. Anschließend umarmte die Königin sie zärtlich und sprach folgende Worte:
„O treue Berater und weise Freunde aus der oberen Welt – das ist die wahre Prinzessin Crystallina. All diese Jahre habe ich sie ungerecht und böseweise von ihrem hohen Stand sowie ihren königlichen Privilegien ferngehalten. Sie wurde mit einem Fleck in ihrem Herzen geboren, und ich fürchtete, es wäre sinnlos, von meinem Volk zu verlangen, sie als meine Nachfolgerin anzuerkennen.“
„Ach, Herrin des Kristalls Thrones“, rief Lord Cornucore aus, „du hast weise gehandelt. Dein Volk hätte sie niemals als Prinzessin Crystallina anerkannt – schließlich haben sie nach den Gesetzen unseres Landes nicht das Recht, selbst zu entscheiden. Sie hätten niemals geglaubt, dass dieser Fleck im Herzen der Prinzessin nur ein winziger Punkt sei, ähnlich einem einzelnen Haarkristall am Arm deines prächtigen Throns. Deshalb rate ich dir, o Königin, deine letzten Stunden nicht durch Streitigkeiten mit deinen liebenden Untertanen zu trüben.“
„Mein Lord Cornucore“, sagte ich mit einer tiefen Verbeugung, „ich wage es, meine Stimme gegen deine zu erheben. Ich bitte Königin Galaxa um Erlaubnis, mit ihr zu verhandeln.“

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„Mit ihrem Volk.“
„Verboten sei das, königliche Dame!“, rief Sir Amber O’Pake wild. Daraufhin stieß Bulger ein tiefes Grollen aus und zeigte seine Zähne.
„Königin Galaxa“, fügte ich ernst hinzu, „ein eingestandenes Unrecht ist bereits zur Hälfte wiedergutgemacht. Diese schöne Prinzessin hat zwar einen Makel in ihrem Herzen – doch das steht im Widerspruch zum Namen, den ihr Volk ihr gegeben hat. Erlaubt mir, Herrscher zu sein, bis euer Herz aufhört zu schlagen. Im Namen des Rittertums aller Trümpfe verspreche ich euch, dass ihr drei Stunden Glück haben werdet, bevor euer königliches Herz aufhört zu schlagen!“
„So sei es, kleiner Baron“, rief Galaxa fröhlich. „Ich ernenne dich zum Premierminister für den Rest meines Lebens.“ Bei diesen Worten begann Bulger fröhlich zu bellen, stellte sich auf die Hinterbeine und leckte der Königin die Hand als Zeichen seiner Dankbarkeit. Die schöne Prinzessin sah mich mit einem Blick an, der zu tief war, um in Worte gefasst zu werden.
„Ich hatte nur noch wenige Stunden Zeit zu handeln. Laut Dr. Nebulosus würde die Aufregung das Leben der Königin um eine ganze Stunde verkürzen.“
Es war meine Gewohnheit, immer ein kleines, aber hervorragendes Vergrößerungsglas bei mir zu tragen – eine doppelt konvexe Linse, mit der man winzige Objekte untersuchen sowie Inschriften lesen konnte, die mit bloßem Auge nicht sichtbar waren. Ich rief eilig einen geschickten Metallarbeiter herbei und wies ihn an, die Linse in einen kurzen Rohr zu setzen und dieses Rohr wiederum in ein weiteres Rohr einzubetten, damit ich es nach Belieben verlängern konnte. Anschließend versammelte ich so viele der wichtigsten Männer des Landes, wie der Thronsaal aufnehmen konnte, und bat Lord Cornucore, ihnen von dem Geständnis der Königin Galaxa zu erzählen – nämlich dass Damozel Glow Stone in Wirklichkeit Prinzessin Crystallina war und Prinzessin Crystallina wiederum Damozel Glow Stone. Sie waren von dieser Information sprachlos. Doch als Lord Cornucore die ganze Geschichte erzählte und ihnen erklärt, warum die Königin sie getäuscht hatte, brachen sie in wilde Klagen aus und wiederholten immer wieder in jämmerlichen Tönen: „Ein Makel in ihrem Herzen! Ein Makel in ihrem Herzen! Oh schreckliches Unglück! Oh elender Tag! Sie kann niemals unsere Prinzessin sein, wenn sie einen Makel in ihrem Herzen hat!“ Zu diesem Zeitpunkt waren meine Vorbereitungen abgeschlossen. Ich hatte Prinzessin Crystallina direkt vor der Tür des Thronsaals platziert, wo sie sich hinter…

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Die dicken Vorhänge – und in ihrer Nähe hatte ich Doktor Nebulosus postiert, der ein großes, rundes Spiegel aus poliertem Silber in der Hand hielt. Mit lauter Stimme rief ich um Ruhe und wandte mich so an die weinenden Untertanen Königin Galaxas: „Oh Mikkamenkies, ihr Menschen vom Land der Gläser, ihr durchsichtigen Wesen – ich halte es für äußerst glücklich, zu dieser Stunde bei euch zu sein und von eurer gnädigen Königin die Erlaubnis zu erhalten, meine Stimme zu erheben, um die unglückliche Prinzessin mit dem Fleck in ihrem Herzen zu verteidigen. Da ich adliger Abstammung bin und Einwohner einer anderen Welt, stand es mir zu, durch das trauernde Herz der Prinzessin zu blicken – und das habe ich getan. Ja, Mikkamenkies, ich habe in ihr Herz geblickt; ich habe den Fleck darin gesehen! Hört zu, ihr Menschen vom Land der Gläser – dann werdet ihr erfahren, wie dieser Fleck dorthin kam. Denn es ist nicht, wie ihr sicherlich denkt, ein kohlschwarzer Fleck in diesem schönen Herzen, das heller ist als die Säulen von Galaxas Thron. Oh nein, Mikkamenkies – es handelt sich um einen winzigen, rötlichen Fleck, einen Tropfen königlichen Blutes aus der oberen Welt, in der ich lebe. Dieser Tropfen hat in all diesen unzähligen Jahrhunderten durch die Adern tausender Könige geflossen, hat weiterhin seinen rosigen Glanz bewahrt und sich weiterhin an das strahlende Sonnenlicht erinnert, das ihn hervorgebracht hat. Und nun, ihr Menschen vom Land der Gläser – damit ihr nicht denkt, ich würde aus irgendwelchen eigenen dunklen Absichten etwas anderes als die reine, ehrliche Wahrheit sagen – seht hier: Ich zeige euch das schöne Herz von Crystallina, so wie es wirklich ist – schlagend und pochend vor Hoffnung und Furcht zugleich. Schaut selbst und urteilt!“ Mit diesen Worten gab ich denen draußen vor dem Palast ein Zeichen, meine Anweisungen auszuführen.

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Bulger befreit seinen Meister von Prinzessin Crystallina.
In einem Augenblick wurden die dicken Vorhänge zugezogen, und der Thronsaal versank in Dunkelheit. Gleichzeitig fing Dr. Nebulosus mit seinem Spiegel die starken, weißen Lichtstrahlen ein und warf sie auf Crystallinas Körper. Ich hingegen nutzte eine Lücke in den Vorhängen, um eilig den Apparat anzubringen, an dem die Linse befestigt war. So konnte ich das reflektierte Bild ihres Herzens einfangen und es deutlich sichtbar an der gegenüberliegenden Wand des Thronsaals darstellen. Als die Mikkamenkies sahen, wie klein dieser Punkt war – und wie genau ich ihn beschrieben hatte – brachen sie vor purer Freude in Tränen aus. Dann riefen sie alle wie aus einem Munde: „Es lebe die schöne Prinzessin Crystallina mit dem Rubinpunkt in ihrem Herzen! Und tausend Segnungen für den kleinen Baron Trump sowie Lord Bulger, die unser Land vor grausamen Streitigkeiten gerettet haben!“ Die Menschen draußen stimmten in diesen Ruf ein – schon nach kurzer Zeit war die ganze Stadt voller Anhänger Königin Galaxas, die sangen, tanzten und von ihrer Liebe zur schönen Prinzessin mit dem Rubinpunkt in ihrem Herzen erzählten. Ich hatte mein Wort gehalten.

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Königin Galaxa hätte mindestens drei Stunden vollkommener Glückseligkeit gehabt, bevor ihr Herz aufhörte zu schlagen. Doch plötzlich begann der Fluss des Lichts zu flackern und sein Strahl aus strahlend weißen Strahlen schwand. Die Nacht brach an. Lautlos, als wäre es Magie, verschwanden die Mikkamenkies aus meinem Blickfeld und suchten sich Schlafplätze. Als die Dunkelheit den großen Thronsaal erfüllte, packte jemand sanft meine Hand – eine leise Stimme flüsterte: „Ich liebe dich! Oh, wer sonst als ich kann ausdrücken, wie sehr ich dich liebe!“ Dann packte eine stärkere Kraft als diese sanfte Hand meinen Mantel und zog mich langsam, aber entschlossen weg – durch die Dunkelheit, hinaus auf die stillen Straßen, immer weiter, bis schließlich diese leise Stimme, erstickt von Schluchzern, aufhörte, zu flehen, und nur noch keuchte: „Leb wohl, oh, leb wohl! Ich wage es nicht, weiterzugehen!“ Und so führte Bulger, in seiner Weisheit, mich weiter und weiter hinaus aus der Stadt der Mikkamenkies, hinaus auf die Marmortraße.

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KAPITEL XIV

Bulger und ich wenden uns vom rechtmäßigen Reich von Königin Crystallina ab – die wunderbare „Sprechröhre“ der Natur – Crystallinas Versuch, uns umzustimmen – wie ich verhinderte, dass Bulger nachgab – einige Ereignisse auf unserer Reise entlang der Marmorpiste sowie wie wir zum prächtigen Tor aus massivem Silber gelangten.

Ich, der trauernde Sebastian, mit einem Herzen, so schwer wie je zuvor eines Sterblichen meines Formats, wurde vom weisen Bulger entlang der breiten, stillen Piste geführt – immer weiter weg von der Stadt der Mikkamenkies. Schließlich verstummte das Plätschern der Brunnen in ihren kristallenen Becken in der Ferne, und die Dunkelheit lag weit hinter mir. Ich spürte, dass mein weiser kleiner Bruder recht hatte, also folgte ich ihm weiter – ohne Seufzer oder ein Wort, um ihn aufzuhalten.

Doch schließlich hielt er an. Als ich mich umsah, stellte ich fest, dass ich neben einer der reich verzierten Bänke stand, wie man sie oft entlang der Marmorpiste findet. Ich war genauso müde von der Reise wie von meinem schweren Herzen. Ich berührte die Quelle – ich wusste, dass sie die Bank in ein Bett verwandeln würde – kletterte darauf und ließ meinen weisen Bulger neben mir schlafen. Bald darauf fiel ich in einen tiefen, erfrischenden Schlaf.

Als ich aufwachte und mich aufrichtete, um zurück zur Hauptstadt von Königin Crystallina zu blicken, sah ich den Fluss des Lichts, der seine Strahlen in die Ferne sandte. Doch nur ein schwacher Reflex erreichte den Ort, an dem wir die Nacht verbracht hatten. Da wusste ich, dass mein treuer Begleiter mich bis an die äußersten Grenzen des Reiches der Mikkamenkies geführt hatte.

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Ich hielt an. Ja, tatsächlich – denn als ich den Blick hob, ragte über dem Bett die schlanke Kristallsäule empor, die das Ende von Goggle Land markierte. Auf ihrer Oberfläche las ich einen Auszug aus einem königlichen Dekret, das den Mikkamenkys verbot, diese Grenze zu überschreiten – unter Androhung des äußersten Unmuts der Königin.

Vor mir lag Dunkelheit und Unsicherheit; hinter mir lag das wunderschöne Königreich des durchsichtigen Volkes, noch sichtbar, erleuchtet wie eine lange Reihe glücklicher Häuser, in denen die Feuer auf den Herdsteinen hell und warm brannten.

Sollte ich umkehren? Zögern? Nein. Ich sah ein Paar sprechender Augen, die mich anstarrten, und hörte ein leises, ungeduldiges Summen, das mich weiterzugehen drängte.

Ich beugte mich hinunter, befestigte ein Stück Seidenseil, das vom Bett stammte, am Halsband von Bulger und bat ihn, den Weg zu weisen.

Es dauerte lange, bis das Licht der Stadt von Königin Crystallina vollständig verschwand. Selbst als es nicht mehr dazu diente, mir die Pracht und Schönheit des riesigen unterirdischen Ganges zu zeigen, konnte ich es noch sehen – wie ein silberner Stern, weit hinter mir.

Doch schließlich verschwand es, und da spürte ich, dass ich mich für immer von der lieben kleinen Prinzessin mit dem Punkt in ihrem Herzen getrennt hatte.

Bulger schien keinerlei Schwierigkeiten zu haben, sich im Zentrum der Marmortraße zu halten – er ließ das Führungsseil keinen Moment locker. Doch es war keineswegs ein Marsch durch völlige Dunkelheit: Die Eidechsen, von denen ich bereits gesprochen habe, wurden durch das Geräusch meiner Schritte aufmerksam, schwangen ihre Schwänze und aktivierten ihre winzigen Taschenlampen, in dem verzweifelten Versuch herauszufinden, woher der Lärm kam und welche Art von Wesen ihr stilles Reich betreten hatte.

Wir hatten wohl etwa zwei Meilen zurückgelegt, als plötzlich eine leise, geheimnisvolle Stimme, so sanft und zart, als käme sie vom klaren, sternübersäten Himmel meiner eigenen wunderschönen Welt, an mein Ohr drang.

„Sebastian! Sebastian!“, flüsterte sie. Bevor ich Zeit hatte, nachzudenken, stieß ich einen Ausruf des Erstaunens aus – und der Klang meiner Stimme schien zehntausend dieser winzigen, lebenden Lichter zu wecken, die in den Spalten und Ritzen des riesigen, gewölbten Ganges hausten. Für einen Moment erfüllte dieses sanfte, rosafarbene Licht den Gang.

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„Sebastian! Sebastian!“, flüsterte wieder die sanfte, hallende Stimme, die von den Felswänden neben mir zu kommen schien. Eilig näherte ich mich dem Ort, von dem die Worte zu kommen schienen, und presste mein Ohr gegen die glatte Oberfläche des Felsens. Wieder sprach dieselbe sanfte Stimme meinen Namen – so klar und so nah an mir, dass ich nach Crystallinas Hand griff; denn es war ihre Stimme – dieselbe tiefe, süße Stimme, die mir im Spukgarten von ihrem Kummer erzählt hatte. Doch dort war niemand. Beim Greifen hatte meine linke Hand jedoch die Oberfläche der Wand abgetastet und dabei eine runde, glatte Öffnung entdeckt – eine Öffnung von etwa der Größe eines Regenwasserrohrs aus der oberen Welt. Sofort kam mir in den Sinn, dass diese Öffnung durch irgendeinen Launen der Natur meilenweit bis in die Stadt der Mikkamenkies durch die festen Felsen reichte und sich direkt im Thronsaal von Prinzessin Crystallina befand. Ja, ich hatte recht: Nach einem Moment ertönte wieder dieselbe tiefe, süße Stimme durch dieses von der Natur geschaffene „Sprechrohr“ und erreichte mein Ohr. Ich wartete, bis sie verstummte, dann hielt ich meinen Mund vor die Öffnung und flüsterte in kräftigen, aber sanften Tönen: „Leb wohl, liebe Prinzessin Crystallina. Bulger und der kleine Baron verabschieden sich lange von dir!“ Anschließend hob ich Bulger in meine Arme und bat ihn, um seinen königlichen Freund zu weinen – einen Freund, den er nie wieder sehen würde. Er stieß einen langen, tiefen, kläglichen Schrei aus – halb Jaulen, halb Heulen – danach lauschte ich auf Crystallinas Stimme. Es dauerte nicht lange, bis sie ertönte: „Leb wohl, lieber Bulger; leb wohl, lieber Sebastian! Crystallina wird euch niemals vergessen – bis ihr armen Herzen aufhören zu schlagen und der Kristallthron euch nicht mehr kennt.“ Armer Bulger! Nun war ich an der Reihe, ihn von diesem Ort wegzubringen – denn Crystallinas Stimme, die so unerwartet in seinen Ohren erklang, weckte all die tiefen Zuneigungsbefindlichkeiten, die er so grausam unterdrückt hatte, um seinen kleinen Herrn zur Besinnung zu bringen und ihn vom Zauber von Crystallinas Anmut und Schönheit zu befreien. Doch vergeblich. All meine Kraft, all meine Bitten waren machtlos, ihn von diesem Ort wegzubringen.

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Offensichtlich hatte Crystallina gehört, wie ich Bulger anflehte, und geglaubt, dass ich nun zögern und unentschlossen sein würde.
„Höre auf das Flehen deines geliebten Bulger, o Geliebter“, bat sie, „und kehre zurück – zu deiner verzweifelten Crystallina, die du für einen kurzen Moment so glücklich gemacht hast! Kehre zurück! Oh, kehre zurück!“ Bulger begann nun sehr jämmerlich zu winseln und zu weinen. Ich spürte, dass sofort etwas getan werden musste – sonst könnten die schlimmsten Folgen eintreten: Dass Bulger, von den süßen Tönen von Crystallinas Stimme verrückt gemacht, sich von mir losreißen und in wilder Flucht zurück in die Stadt der Mikkamenkies eilen könnte, zurück zur schönen jungen Königin des Kristallthrons.
Es wurde notwendig, dass ich auf List und Täuschung zurückgriff, um meinen lieben kleinen Bruder vor seinem eigenen liebevollen Herzen zu retten. Ich zog seinen Kopf an meinen Körper und bedeckte seine Augen mit meinem linken Arm, löste anschließend schnell mein Taschentuch und steckte es in diesen wunderbaren Sprechrohr – dadurch wurde es effektiv verschlossen.
So rettete ich meinen treuen Bulger vor sich selbst, so verschloss ich seine Ohren vor der Musik von Crystallinas Stimme. Doch erst nach einer guten Stunde des Wartens konnte er sich dazu bringen zu glauben, dass sein geliebter Freund nicht mehr sprechen würde.
Nach einigen weiteren Stunden des Marschierens entlang der Marmorpiste fiel mir in weiter Ferne ein Lichtpunkt ins Auge. Ich beschleunigte meinen Schritt, um schnell dorthin zu gelangen. Bald wurde meine Mühe belohnt: Ich betrat einen wunderbaren Raum von kreisförmiger Form mit kuppelförmigem Dach. In der Mitte dieses prächtigen Tempels der Unterwelt sprudelte eine herrliche Quelle – das Wasser strömte mit großer Kraft hervor und brachte eine solche Phosphoreszenz mit sich, dass dieser riesige runde Raum in ein blasses Gelblicht getaucht wurde. Die unzähligen Kristalle an Decke und Wänden funkelten dabei wunderbar.
Hier verbrachten Bulger und ich die Nacht – oder zumindest das, was ich als Nacht bezeichnete. Wir stärkten uns mit Nahrungsmitteln, die ich aus dem Königreich der Mikkamenkies mitgebracht hatte, tranken und badeten in der wunderbaren Quelle, die mit einem Sprudeln und Zischen in die Luft schoss und den Raum mit einem seltsamen, flackernden Licht erfüllte.
Als wir aufwachten, fühlten wir uns sowohl körperlich als auch geistig stark erfrischt. Wir eilten daraufhin zum hohen Eingang, der auf die Marmorpiste führte, und setzten unseren Weg fort. Stunde um Stunde gingen wir weiter – denn irgendetwas sagte mir, dass wir nicht mehr weit entfernt sein konnten.

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Die Grenzen eines anderen Bereichs dieser Welt innerhalb einer Welt – und diese innere Eingebung meinerseits erwies sich als richtig, denn Bulger bellte plötzlich fröhlich und begann herumzuspringen, als wolle er sagen: „Oh kleiner Meister, hättest du nur meinen scharfen Geruchssinn, dann würdest du wissen, dass wir uns den Wohnstätten der Menschen nähern!“ Tatsächlich drang nach kurzer Zeit ein schwaches Licht unter die mächtigen Bögen des breiten Korridors, und mit jeder Sekunde wurde es heller, bis ich schließlich klar um mich herum sehen konnte. Plötzlich entdeckte ich die Quelle dieses zögerlichen, unbeständigen Lichts. Vor mir ragten zwei riesige Kerzenleuchter aus geschnitztem, verziertem und poliertem Silber auf; beide waren mit hundert Lichtquellen gekrönt, eine auf jeder Seite des Marmorpfades – nicht die trüben, sanften Flammen von Öl oder Wachs, sondern weiße Feuerzungen, die durch entweichendes Gas aus dem Chemiekolben entstanden. Es war wunderbar, es war prächtig – ich stand da und blickte zu diesen großen Gruppen von Feuerzungen auf, fasziniert von der prächtigen Beleuchtung, die in stummer Pracht an diesem Tor zu einer Stadt der Unterwelt herrschte. Bulgers warnendes Knurren brachte mich wieder zur Besinnung – doch ich muss dieses Kapitel hier beenden, liebe Freunde, und meine Gedanken sammeln, bevor ich euch erzähle, was ich sah, nachdem ich dieses prächtige Tor, das von diesen beiden riesigen Kerzenleuchtern aus massivem Silber erleuchtet wurde, passiert hatte.

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KAPITEL XV

Die Wachen am Silbernen Tor – wie sie aussahen – unsere Begrüßung durch sie – ich mache eine wunderbare Entdeckung – das weltweit erste Telefon – Bulger und ich schaffen es, Freundschaft mit diesen Fremden zu schließen – eine kurze Beschreibung der Soodopsies, also der „Glaubensaugen“, sowie der Formifolks, also des „Ameisenvolkes“ – wie ein Blinder Ihre Schrift lesen kann.

Oh großer Don Fum, Meister aller Meister – was schulde ich dir nicht dafür, dass du mir die Existenz dieser wunderbaren Welt innerhalb einer Welt offenbart hast! Hätte ich doch ein Metallarbeiter sein können! Dann hätte ich das prächtige Tor nicht unbenutzt passiert, ohne auf seine silbernen Säulen den vollen Namen des glorreichsten Gelehrten einzuritzen, den die Welt je gekannt hat. Bulger hatte mich gewarnt, dass dieses Tor bewacht wird; daher betrat ich es vorsichtig und achtete darauf, in die dunklen Ecken zu spähen, um nicht zum Ziel für Waffen eines unsichtbaren Feindes zu werden.

Kaum hatte ich das Tor hinter mir gelassen, da sprangen drei seltsame kleine Wesen, etwa so groß wie ich, schnell und leise über den Weg. Sie trugen kurze Jacken, Kniehosen sowie Beinlinge, die bis zu ihren Knöcheln reichten, aber weder Hüte noch Schuhe. Ihre Kleidung war reichlich mit schönen silbernen Knöpfen verziert. Ihre Hände, Füße und Köpfe schienen im Verhältnis zu ihren kleinen Körpern und stielartigen Beinen viel zu groß zu sein, was ihnen ein unheimliches Aussehen verlieh – ein Aussehen, das durch den starren, glasigen Blick ihrer großen Augen noch verstärkt wurde.

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Runde Augen. Als ich sie zum ersten Mal sah, hielten sie sich an den Händen, doch nun standen sie da, jeder mit seinen Händen ausgestreckt in Richtung Bulger und mich, wedelten sie seltsam in der Luft herum und bewegten ihre langen Finger, als versuchten sie, einen Zauber über uns zu legen. Ich hatte das Gefühl, eine Schläfrigkeit würde mich überkommen, und rief eilig aus:
„Nein, gute Leute, versucht nicht, einen Zauber über mich zu legen. Ich bin der berühmte Entdecker aus der oberen Welt – Sebastian von Troomp – und komme zu euch mit friedlichen Absichten.“
Doch sie beachteten meine Worte nicht, kamen nur ein paar Zentimeter näher und fuhren mit ausgestreckten Händen fort, in der Luft herumzufuchteln, wobei sie nur innehielten, um sich gegenseitig durch Berührung der Hände oder anderer Körperteile Signale zu geben. Ich war zutiefst verwirrt über ihr Verhalten und machte ein oder zwei Schritte nach vorne – doch sofort zogen sie sich wieder denselben Abstand zurück.
„Alle Menschen sind Brüder“, rief ich laut, „und tragen im Herzen dasselbe Herz. Warum fürchtet ihr euch vor mir? Ihr seid dreimal so zahlreich wie ich und befindet euch in eurem eigenen Zuhause. Ich bitte euch, bleibt standhaft und sprecht mit mir!“
Während ich diese Worte aussprach, zuckten sie immer wieder mit den Köpfen zurück, als würde der Klang meiner Stimme ihnen ins Gesicht schlagen. Es war sehr seltsam. Plötzlich zog einer von ihnen einen Ball aus Seidenfaden aus seiner Tasche, entrollte ihn geschickt und warf eines der Enden in meine Richtung. Er flog direkt auf mich zu, denn am Ende befand sich eine dünne Scheibe aus poliertem Silber – genauso wie am Ende, das der Werfer in der Hand hielt. Seine nächste Bewegung bestand darin, seine Jacke zu öffnen und die Scheibe offensichtlich gegen seinen nackten Körper direkt über seinem Herzen zu drücken. Ich beeilte mich, das Gleiche mit meiner Scheibe zu tun und sie fest zu halten. Danach zog er sich ein oder zwei Schritte zurück, bis der Seidenfaden völlig straff gespannt war. Anschließend blieb er einige Augenblicke regungslos stehen, bevor er die Scheibe an einen seiner Begleiter weitergab. Dieser drückte sie seinerseits gegen sein Herz und gab sie anschließend dem Dritten in der Gruppe weiter. Mit blitzschneller Erkenntnis wurde mir nun klar: Die drei, buntnisartigen Kreaturen vor mir waren nicht nur blind, sondern auch taub und stumm. Der Sinn, auf den sie sich verließen und der bei ihnen außergewöhnlich scharf entwickelt war, war der Tastsinn. Die seltsamen Bewegungen ihrer Hände und Finger, die so sehr an Schlagen und Wedeln erinnerten…

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Die Fühler eines Insekts dienten lediglich dazu, die Vibrationen der Luft aufzufangen und zu messen – Vibrationen, die durch die Bewegungen meines Körpers entstanden. Auch ihre großen, runden Augen besaßen nur ein Sinnesorgan zum Wahrnehmen, doch dieses war so erstaunlich fein, dass es fast wie die Sehkraft funktionierte. Dadurch konnten sie anhand der Vibrationen der Luft genau erkennen, wie nahe sich ein bewegtes Objekt ihnen befand. Ihr Ziel bei dem Werfen des seidenen Fadens sowie des silbernen Disks in meine Richtung bestand darin, meinen Herzschlag zu messen und ihn mit ihrem eigenen zu vergleichen, um herauszufinden, ob ich ein Mensch wie sie war.

Bewertet doch selbst meine Verwunderung, liebe Freunde, als ich sah, wie einer von ihnen auf den silbernen Diskus zeigte und mir durch Gebärdensprache mitteilte, dass sie den Herzschlag des Lebewesens in meiner Begleitung wahrnehmen wollten. Ich beugte mich schnell hinunter, um ihrer Neugierde nachzukommen, und legte den Diskus auf das Herz meines geliebten Bulger. Sofort zeigte sich auf ihren Gesichtern ein äußerst komisches Erstaunen, während sie den Diskus von einem zum anderen weitergaben und ihn gegen verschiedene Stellen ihres Körpers drückten – mal gegen ihre Brüste, mal gegen ihre Wangen, sogar gegen ihre geschlossenen Lider. Natürlich wusste ich, dass ihr Erstaunen auf den schnellen Herzschlag von Bulger zurückzuführen war, und ich genoss ihre kindliche Überraschung sehr. Jede Spur von Angst verschwand nun aus ihren Gesichtern, und ich freute mich über den sanften Ausdruck sowie den guten Humor, der nun in ihren Zügen lag – begleitet von Lächeln. Langsam und auf Zehenspitzen näherten sie sich Bulger und mir und amüsierten sich einige Minuten lang damit, ihre langen, flexiblen Finger über unsere Körper zu bewegen. Es dauerte nicht lange, bis sie feststellten, dass ich in jeder Hinsicht ein Wesen ihrer eigenen Art war – Bulger hingegen nicht. Ihre runden Gesichter zeigten tiefe Falten des Erstaunens, als sie seine für sie fremde Körperform betrachteten. Immer wieder hielten sie inne und tauschten durch blitzschnelle Bewegungen ihrer Finger auf den Händen, Armen und Gesichtern Gedanken darüber aus, welches wunderbare Wesen in die Stadt eingedrungen war.

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Gewiss sterbt ihr vor Ungeduld, liebe Freunde, darauf zu erfahren, was Genaueres über diese seltsamen Menschen zu wissen ist, unter denen ich gelandet war. Nun, dann wisst: Auf ihre Existenz wurde bereits in dem Manuskript des großen Meisters Don Fum angedeutet. Ich sage „angedeutet“, denn man muss bedenken, dass Don Fum diese Welt niemals persönlich besucht hat; seine wunderbare Weisheit ermöglichte es ihm, alles herauszufinden, ohne sie sehen zu müssen – genauso wie die großen Naturforscher unserer Zeit, die, wenn sie einen einzigen Zahn einer riesigen Kreatur finden, die vor Tausenden von Jahren lebte, in der Lage sind, ein vollständiges Bild von dieser Kreatur zu zeichnen.
Nun, diese seltsamen Wesen, in deren Stadt Bulger und ich eingedrungen waren, werden in Don Fums wunderbarem Buch mit zwei verschiedenen Namen bezeichnet. An manchen Stellen spricht er von ihnen als Soodopsies oder „Täuschungs-Augen“, an anderen wiederum als Formifolk oder „Ameisenmenschen“. Beide Namen sind gleichermaßen passend – schließlich sind ihre großen, runden, durchsichtigen Augen tatsächlich „Täuschungs-Augen“, denn, wie ich bereits sagte, besaßen sie keinerlei Sehvermögen. Andererseits berechtigte die Tatsache, dass sie taub, stumm und blind waren und in unterirdischen Behausungen lebten, sie durchaus zum Namen „Ameisenmenschen“. Schon nach kurzer Zeit gelang es den drei Soodopsies, mir die grundlegenden Prinzipien ihrer Drucksprache beizubringen; dadurch konnte ich zu ihrer großen Freude zahlreiche ihrer Fragen beantworten.

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Der Versuch der Formifolk
Der Schlag des Barons’ Herzens – per Telefon.

Aber denkt nicht, liebe Freunde, dass diese sehr weisen und aktiven kleinen Leute, die in so vielen Künsten geschickt sind, keine andere Sprache haben als eine, die aus Drücken unterschiedlicher Stärke besteht, die sie mit ihren Fingerspitzen auf die Körper der anderen ausüben. Sie hatten eine wunderschöne Sprache – so reichhaltig, dass sie die schwierigsten Gedanken ausdrücken und die vielfältigsten Emotionen zum Ausdruck bringen konnten. Kurz gesagt: Eine Sprache, die in jeder Hinsicht unserer Sprache ebenbürtig war – mit einem Unterschied: Sie enthielt absolut kein Wort, das ihnen auch nur die geringste Vorstellung davon geben konnte, was Farbe ist. Das ist nicht verwunderlich, denn sie selbst hatten weder eine noch konnten sie auch nur die geringste Vorstellung davon haben, was ich mit Farbe meine. Als ich versuchte, ihnen klarzumachen, dass unsere Sterne helle Punkte am Himmel sind, fragten sie mich, ob sie mir in den Finger stechen sollten, falls ich auf einen dieser Sterne drückte. Doch ihr wollt sicherlich wissen, wie die Formifolk überhaupt eine andere Sprache als die der Drücke nutzen können. Nun, ich werde es euch erklären. Jeder Soodopsy trug an seinem Gürtel ein kleines Notizbuch – wenn man es so nennen darf – dessen Einbände aus dünnen Silberplatten bestanden, die je nach Geschmack des Besitzers unterschiedlich verziert waren. Die Seiten dieses Buches bestanden ebenfalls aus dünnen Silberblättern, nicht viel dicker als unser Zinnfolienpapier. An seinem Gürtel hing außerdem an einem Seidenfaden ein silberner Stift – oder besser gesagt, ein Stylus. Wenn nun ein Soodopsy jemandem von seinen Leuten etwas mitteilen wollte, etwas, das sich mit Fingerspitzendrücken nicht ausdrücken ließ, drehte er einfach eine Seite des Silberbuchs nach innen, wobei beide Einbände leicht gepolstert waren. Anschließend nahm er seinen Stylus und schrieb auf, was er sagen wollte. Danach riss er die Seite geschickt heraus und übergab sie seinem Begleiter, der sie entgegennahm, umdrehte und mit den äußerst empfindlichen Spitzen seiner Finger über die eingeprägten Zeichen strich, um sie mühelos zu lesen. Natürlich las er dabei von rechts nach links – statt von links nach rechts, wie die Schrift geschrieben war. Somit werdet ihr künftig, wenn ich meine Gespräche mit den Formifolk wiederhole, verstehen, wie diese geführt wurden.

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KAPITEL XVI

Ideen des Formifolk bezüglich unserer oberen Welt – Der tanzende Geist – Ihre Bemühungen, ihn zu fassen – Mein feierliches Versprechen, dass er sich anständig verhalten solle – Wir machen uns auf den Weg in die Stadt der „Glaubensaugen“ – Meine Verwunderung über die Pracht der Zufahrtswege dorthin – Wir erreichen die große Silberbrücke, und ich erhasche zum ersten Mal einen Blick auf die Stadt Candelabra – Kurze Beschreibung der Wunder, die sich vor meinen Augen erstreckten – Die Aufregung durch unsere Ankunft – Unser silbernes Schlafzimmer.

Obwohl seit Tausenden und Abertausenden von Jahren vergangen waren, seitdem das Formifolk durch ständige Exposition gegenüber dem Flackern und Glänzen des brennenden Gases – das ihre Vorfahren entdeckt und zur Beleuchtung ihrer unterirdischen Welt genutzt hatten – allmählich ihr Sehvermögen verloren hatte und infolgedessen der tiefen, schrecklichen Stille, die für immer um sie herrschte, auch ihr Gehör sowie natürlich ihre Sprachfähigkeit, so behielten sie doch, was erstaunlich ist, in ihren Köpfen noch vage, verschwommene Erinnerungen an die obere Welt sowie an die „mächtige Lampe“, wie sie die Sonne nannten – eine Lampe, die zwölf Stunden lang brannte und anschließend erlosch, wodurch die Welt in Dunkelheit versank, bis die Geister der Luft sie wieder erhellen konnten. Und seltsamerweise wurden viele der unwirklichen Dinge der oberen Welt durch die Vorstellungen des Formifolk zu Realitäten, während die Realitäten selbst zu bloßen „Spinnweben des Gehirns“ wurden. So hielten sie beispielsweise die Schatten, die unsere Körper im Sonnenlicht warfen und uns stets folgten, für echte Wesen – unsere „Doppelgänger“, sozusagen – und glaubten…

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von diesen „tanzennden Gespenstern“, wie sie sie nannten, die uns unser ganzes Leben lang folgten und wie Gäste bei unseren Festen saßen – es war völlig unmöglich für die Menschen der oberen Welt, in ihrem Zustand wirklich glücklich zu sein. Ihnen kam sofort der Gedanke, dass ich sicherlich eine solche Doppelgruppe von Verfolgern hatte; deshalb schlossen sie mehrmals plötzlich ihre Hände miteinander, bildeten einen Kreis um mich und zogen sich allmählich zusammen, um das „tanzende Gespenst“ zu fassen. Das taten sie auch, nachdem ich ihnen versichert hatte, dass das, was sie vorhatten, lediglich der Schatten einer Person sei, die im Licht ging. Doch da sie keinerlei Vorstellung von der Natur des Lichts hatten, hatte ich nur Ärger umsonst.

Auch hörten sie nicht auf, immer wieder verzweifelte und lächerliche Versuche zu unternehmen, den kleinen, tanzenden Mann zu fangen – den sie natürlich für jemanden hielten, der leise hinter mir herging; doch er sei, wie sie mir mitteilten, in seinen Bewegungen viel schneller als jedes fließende Wasser oder fallendes Objekt. Schließlich hielten sie eines ihrer stillen, aber sehr aufgeregten Treffen ab; dabei verursachten die tausend blitzschnellen Berührungen und Klopfungen an ihren Körpern beim Zuschauer den Eindruck, als wären es drei taube, stumme Schuljungen, die um eine Tasche mit Murmeln kämpften. Danach teilten sie mir mit, dass sie beschlossen hätten, Bulger und mir den Zutritt zu ihrer Stadt zu gewähren – vorausgesetzt, ich würde ihnen das Wort eines Adligen geben, dass ich meinen beweglichen Doppelgänger davon abhalten würde, ihnen Schaden zuzufügen.

Ich gab ihnen ein sehr feierliches Versprechen, dass er sich anständig benehmen würde. Daraufhin begrüßten sie sowohl Bulger als auch mich wie Brüder, strichen uns über die Haare, klopften uns auf den Kopf und küssten mich auf die Wangen. Zudem gaben sie uns ihre Namen: Langfinger, Quadratschnauze und Struppige Augenbrauen.

Die ganze Zeit über warf ich immer wieder ängstliche Blicke nach vorne – denn ich konnte es kaum erwarten, in die wunderbare Stadt der Ameisenmenschen einzutreten. Ich sage „wunderbar“, liebe Freunde – denn obwohl ich im Laufe meines Lebens in den entlegenen Winkeln der oberen Welt viele erstaunliche Dinge gesehen hatte, war dies hier ein Anblick, der sich allmählich vor meinen Augen entfaltete, mein Herz gefangen nahm und mich außer Atem brachte. Zu meiner großen Überraschung stellte ich bereits zu Beginn fest, dass die Wände und der Boden…

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Der wunderschöne Gang, durch den die Soodopsies Bulger und mich führten, bestand aus reinem Silber. Der erste Teil des Ganges bestand aus polierten Platten, die mit fein gearbeiteten Verzierungen und Schnitzereien geschmückt waren. Auch der zweite Teil des Ganges – genauso wie alle Böden, Straßen und Gänge der Stadt – hatte auf ihren polierten Oberflächen leicht erhobene Zeichen, die ich später erklären werde. Doch da ein Gang in einen anderen mündete, und anschließend vier oder mehr Gänge, die alle in einem riesigen kreisförmigen Raum zusammenliefen, durch den wir nur mit unseren drei stummen Führern vorankamen, um schließlich Räume und Korridore noch größerer Pracht zu betreten – Räume, die von Reihen gleicher prächtiger Kerzenleuchter hell erleuchtet wurden – konnte ich diese Szene nur mit einer Reihe von prächtigen Ballsälen und Bankettsälen vergleichen. Die glücklichen Gäste waren plötzlich durch das tiefe, schreckliche Dröhnen eines Erdbebens vertrieben worden; die Lichter blieben jedoch brennen.
Nun begann sich die Szene zu verändern. Long Thumbs, der uns den Weg zeigte und dessen große Handfläche meine kleine Hand völlig verschluckte, bog plötzlich nach rechts ab und führte mich einen gewölbten Weg entlang. Ich sah, dass wir eine Brücke über einen Fluss überquerten – einen Fluss, der genauso schwarz und träge war wie der Fluss Lethe selbst. Doch welche Brücke! Noch nie hatte mein Auge eine so leichte und luftige Brücke gesehen – eine Brücke, die von Ufer zu Ufer führte. Es handelte sich dabei nicht um einfache, solide Steinkonstruktionen, sondern um das kunstvolle Werk eines Metallarbeiters – ein Meisterwerk, das zwar zart, aber dennoch stark war – und fast zu schön, um tatsächlich verwendet zu werden. Zwei Reihen silberner Lampen von exquisiter Verarbeitung schmückten die elegant gewölbten Seiten der Brücke. Als wir am höchsten Punkt der Brücke standen, hielt Long Thumbs inne und schrieb auf seine Tafel: „Nun, kleiner Baron, wir sind kurz davor, das Wohngebiet unseres Volkes zu betreten. Dein Kopf ist groß – zweifellos befindet sich in deinem Gehirn viel Weisheit. Nutze sie so, dass du die perfekte Glückseligkeit unseres Volkes nicht störst. Denn sicherlich werden viele unserer Leute misstrauisch gegenüber dir sein. Zum ersten Mal seit Tausenden von Jahren wird ein Soodopsy einschlafen und im Traum die Berührung des tanzenden Geistes der oberen Welt spüren.“ Ich versprach Long Thumbs, dass er keinen Grund haben würde, unzufrieden mit mir zu sein. Dann entschuldigte ich mich damit, dass ich müde sei, und ließ meine Augen einige Momente lang auf der prächtigen Szene ruhen, die sich vor mir erstreckte.
Es war die Stadt der Formifolk in all ihrer Pracht – eine Pracht, die leider von den Menschen, die dort lebten, nicht wahrgenommen wurde, denn für sie waren die silbernen Wände der Stadt…

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Und Bögen – ihre endlosen Reihen prächtiger Kerzenleuchter, die ihre unzähligen Flammenstrahlen emporhoben; ihre exquisit geschnitzten Türen und Eingänge; ihre anmutigen Stühle, Sessel, Betten und Sofas sowie Tische, Lampen, Schalen und Krüge – sowie Tausende von Möbelstücken, alles aus reinstem Silber, von den geschickten Händen ihrer Vorfahren hergestellt, als diese noch die Fähigkeit zum Sehen besaßen – konnten nur durch das Gefühl wahrgenommen werden von diesen Nachkommen. Von den hohen Decken der Gänge und Bögen, von den hervorstehenden Verzierungen an den Fassaden, von den Gesimsten und Kanten, von den Seiten der Säulen sowie von den Ecken der Kuppeln und Minarette hingen überall silberne Lampen von außergewöhnlicher Schönheit in Form und Ausführung. Ihre Flammen strahlten ein sanftes, doch unbeständiges Licht ab, das auf die blinden Augen fiel! Doch diese unzähligen Flammen, dank denen ich den Prunk dieser Stadt aus Silberpalästen betrachten konnte, waren für die Soodopsies zwar kein Licht, aber immerhin Leben – sie wärmten diese riesigen unterirdischen Räume und füllten sie mit einem angenehm weichen, seltsam duftenden Luftstrom. Doch zu bedenken, dass Bulger und ich die einzigen Lebewesen waren, die diese fast himmlisch schöne Szenerie sehen konnten, machte mich traurig und versetzte mich in einen Zustand tiefer Versunkenheit – es bedurfte eines zweiten sanften Zupfens an Long Thumbs’ Hand, um mich wieder zur Besinnung zu bringen. Als wir die Brücke überquerten und in die Stadt selbst eintraten, freute ich mich, festzustellen, dass die Straßen und Plätze mit Hunderten von Statuen aus massivem Silber geschmückt waren – Statuen, die Vertreter einer Rasse von großer Schönheit darstellten. Mir wurde klar, wie glücklich die Soodopsies doch waren, dass sie nicht auf diese Darstellungen ihrer Vorfahren blicken konnten und somit keine lebendigen Zeugen ihres eigenen elenden Verfalls von der einstigen körperlichen Anmut ihrer Rasse wurden. Wie menschliche Ameisen strömten nun die Formifolk aus ihren Wohnungen in allen Richtungen der Stadt hervor. Mein scharfes Ohr vernahm das leise Geräusch ihrer nackten Füße auf den silbernen Straßen, während sie uns umringten. Ihre Arme glänzten im Licht, und ihre Gesichter zeigten seltsame Emotionen, als sie von der Ankunft zweier Wesen aus der oberen Welt erfuhren. Männer wie Frauen trugen alle Seidengewänder.

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Kastanienbraun – und ich kam sofort zu dem Schluss, dass sie dieses Material aus denselben Quellen bezogen wie die Mikkamenkies. Denn, liebe Freunde, ihr dürft nicht denken, dass die Formifolk den Namen, den Don Fum ihnen gegeben hatte, nicht verdient hatten. Es handelte sich dabei um echte Menschen-Ameisen, die außer beim Schlafen stets beschäftigt waren.
Es stimmt zwar, dass sie seit ihrem Sehverlust nicht mehr in der Lage gewesen waren, auch nur eine einzige Säule oder einen Bogen zur Silberstadt hinzuzufügen, doch in allen alltäglichen Angelegenheiten waren sie genauso fleißig wie immer: Sie jagten, schnitzten, pflanzten, webten, strickten und erledigten tausend Dinge, die für uns mit unseren beiden gesunden Augen schwer zu bewältigen wären.
Ich machte Long Thumbs klar, dass Bulger und ich nach unserer langen Wanderung sehr müde waren und dringend etwas zu essen sowie zu trinken brauchten, um anschließend sofort ruhen zu können. Ich versprach, dass wir nach ein paar Stunden gutem Schlaf gerne den würdigen Bewohnern der Silberstadt vorgestellt werden würden.
Es war erstaunlich, mit welcher Geschwindigkeit sich meine Bitte von Mensch zu Mensch verbreitete. Long Thumbs teilte sie gleichzeitig zwei Personen mit, diese wiederum vier, diese vier acht und so weiter. Man sieht also, dass es bei diesem Tempo nicht lange dauern würde, bis die Nachricht einem Million Menschen erreicht hätte.
Wie durch Zauber verschwanden die Formifolk von den Straßen und zogen sich in einer Art geordneter Unordnung aus meinem Blickfeld zurück. Bulger und ich waren sehr froh, in ein silbernes Schlafzimmer geführt zu werden, in dem alle Wünsche eines Reisenden zu erfüllen schienen. Das Einzige, was uns störte, war, dass wir es nicht gewohnt waren, das Licht brennen zu lassen, wenn wir ins Bett gingen – das ließ uns anfangs etwas wach bleiben. Doch wir waren zu müde, um dadurch davon abgehalten zu werden, nach kurzer Zeit einzuschlafen. Der Matratzen war nämlich weich und elastisch genug, um jeden zufriedenzustellen. Ich bin sicher, niemand hätte sich beschweren können, dass es im Haus nicht ruhig genug war.

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KAPITEL XVII

In dem Sie, liebe Freunde, etwas über eine lebende Weckuhr sowie einen seltsamen Badenden und Gummi lesen werden – unser erstes Frühstück in der Stadt des Silbers. – Eine neue Methode, Fische zu fangen, ohne ihre Gefühle zu verletzen. – Wie die Straßen und Häuser nummeriert wurden und wo sich die Schilder befanden. – Eine sehr originelle Bibliothek, in der die Bücher niemals Ecken bekommen. – Wie die Samtsohlen ihre Lieblingsdichter schätzten. – Ich werde dem gelehrten Barrel Brow vorgestellt, der mir anschließend seine Ansichten über die obere Welt mitteilt. – Sie unterhielten mich auf erstaunliche Weise – und mögen auch Sie interessieren.

Ich kann Ihnen, liebe Freunde, nicht genau sagen, wie lange Bulger und ich geschlafen haben, aber es muss eine ganze Weile gewesen sein, denn als ich aufwachte, fühlte ich mich völlig erfrischt. Ich sage „aufwachen“, denn ich wurde durch leichte Klopfzeichen auf den Rücken meiner Hand geweckt – sechs Klopfzeichen.

Zuerst dachte ich, ich träume, doch nachdem ich mir die Augen gerieben hatte, sah ich neben meinem Bett einen der Soodopsies stehen. Als er spürte, dass ich mich regte, nahm er sein Tablet und schrieb Folgendes:

„Mein Name ist Tap Hard. Ich bin eine Uhr. Es gibt etwa zwanzig von uns. Wir halten für unser Volk die Zeit fest, indem wir die Schwingungen des Pendels im Zeithaus zählen. Es schwingt ungefähr so schnell wie wir atmen. Es gibt hundert Atemzüge pro Minute und hundert Minuten pro Stunde. Unser Tag ist in sechs Stunden Arbeitszeit und sechs Stunden Schlafzeit unterteilt. Es ist jetzt die Zeit zum Aufstehen.“

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„Ihr werdet gerne aufstehen – einer unserer Leute vom Gesundheitshaus wird alle Müdigkeit aus euren Gliedern reiben.“ Ich berührte Tap Hards Herz, um ihm zu danken, und eilte aus dem Bett. Zum ersten Mal blickte ich mich in dem silbernen Raum um, in dem ich geschlafen hatte. Auf silbernen Regalen lagen silberne Kämme, silberne Scheren und silberne Messer; auf einem silbernen Ständer stand ein silberner Krug in einer silbernen Schale; an silbernen Haken hingen seidene Handtücher, während auf dem silbernen Boden weiche, seidene Teppiche lagen. Überall an Decke und Wänden wiederholten sich die Flammenmuster in den polierten Silberplatten tausendfach.

Ich hatte in meinem Leben schon allerlei orientalische Hilfskräfte zum Baden ausprobiert – doch das stille kleine Soodopsy, das mich wusch, rieb und streichelte, übertraf sie alle in ihrer Geschicklichkeit. Zudem hatte es einen weiteren Vorteil: Ich musste mir keine langen, sinnlosen Geschichten über Abenteuer und Intrigen anhören, sondern konnte ganz in meinen eigenen Gedanken versinken. Auch Bulger erhielt eine Reinigung und Massage – ein Luxus, den er seit unserem Verlassen von Castle Trump nicht mehr erlebt hatte.

Kaum war meine Toilette beendet, erschien Long Thumbs, um nach meinem Befinden zu fragen und die Servierung meines Frühstücks zu überwachen. Mein Frühstück bestand aus einem Stück äußerst zartem gekochtem Fisch, begleitet von Austern mit köstlichem Geschmack sowie Scheiben jener riesigen Pilze, die ich bei den Mikkamenkies gegessen hatte. Alles wurde auf einem schönen silbernen Teller auf einem silbernen Tablett serviert, zusammen mit silbernen Essbestecken.

Als ich daran dachte, auf welche seltsame Weise die Fische im Land der Mikkamenkies gefangen und getötet wurden, war ich neugierig, wie es den Soodopsies gelang. Ich kannte sie gut genug, um zu wissen, dass allein der Anblick von etwas, das in ihren Händen um sein Leben kämpfte, ausreichte, um sie in große Qualen zu stürzen und ihre sanften Herzen mit namenlosem Entsetzen zu füllen.

„Am Ende eines der vielen Gänge, die aus unserer Stadt führen“, erklärte Long Thumbs, „gibt es einen felsigen Raum, den unsere Vorfahren Uphaslok nannten – oder das Todesloch. Denn jedes Lebewesen, das für einige Momente dessen Luft atmet, stirbt unweigerlich. Deshalb verschlossen sie ihn für immer und ließen nur ein kleines Rohr durch die Tür führen. Doch seltsamerweise leiden diejenigen, die diese Luft atmen, keinerlei Schmerzen. Stattdessen fallen sie in einen angenehmen Schlaf – und würden, wenn sie nicht gerettet werden, natürlich niemals wieder aufwachen. Unsere Gesetze verbieten es uns außerdem, dem Unbedeutendsten auch nur Schmerz zuzufügen.“

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Unsere Vorfahren kamen auf die Idee, dass sie mit Hilfe eines langen Rohrs diese vergiftete Luft jederzeit in den Fluss leiten konnten, wenn sie Fisch als Nahrung benötigten. Das taten sie auch – und seltsamerweise schwammen die Fische, sobald sie das Gas im Fluss spürten, sofort zum Eingang des Rohrs und kämpften miteinander um die Chance, die tödlichen Blasen zu fangen, sobald diese aus dem Rohr strömten. Schließlich verursachen diese Blasen eine angenehme Wirkung, während sie allmählich dazu führen, dass die Tiere in ihren letzten Schlaf sinken. Auf diese Weise können wir also von den Fischen im Fluss leben, ohne gegen die Gesetze dieses Landes zu verstoßen.

Ich begann zu verstehen, dass ich bei einem sehr originellen und interessanten Volk gelandet war. Doch Bulger war aus mehreren Gründen nicht ganz zufrieden mit ihnen, wie ich bald feststellte. Erstens konnte er sich nicht an den kalten, glasigen Ausdruck ihrer Augen gewöhnen. Zweitens war er etwas eifersüchtig auf ihren außergewöhnlich feinen Geruchssinn – dieser Sinn war bei ihnen so stark, dass sie stets Anzeichen dafür zeigten, dass sie Bulgers Annäherung bemerkten, noch bevor ich ihn sehen konnte. Sie drehten immer ihr Gesicht in die Richtung, aus der er kam.

Liebe Freunde, ihr erinnert euch sicher daran, dass ich erwähnt habe, dass die Formifolk barfuß liefen und dass ihre Füße genauso wie ihre Hände für ihre Körpergröße viel zu groß erschienen. Ich möchte hinzufügen, dass Bulger und ich, während wir durch die langen Korridore und gewundenen Gänge auf dem Weg in die Stadt des Silbers geführt wurden, die drei Soodopsies oft innehielten und mit den Ballen ihrer Füße nach etwas auf dem Boden suchten. Ich dachte nicht weiter darüber nach, bis Bulger und ich unseren ersten Spaziergang durch ihre wunderbare Stadt unternahmen. Zu meiner großen Freude stellte ich fest, dass die Hausnummern, die Namen der Bewohner, die Namen der Straßen sowie alle Schilder und Wegweiser in leicht erhobenen Buchstaben auf dem Boden und den Gehwegen angegeben waren. Da wurde mir klar: Long Thumbs und seine Begleiter hielten einfach ab und zu an, um mit den Ballen ihrer Füße die Namen der Straßen zu lesen, damit sie wussten, ob sie den richtigen Weg nahmen.

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BÄRBRUST – beschäftigt damit, gleichzeitig vier Bücher zu lesen.
Ach, noch mehr als das, liebe Freunde: Beim ersten Mal, als Bulger und ich durch einen der offenen Plätze der Stadt des Silbers gingen, können Sie sich meine Zufriedenheit vorstellen, als ich entdeckte, dass die silbernen Gehwege buchstäblich mit den Schriften der Soodopsy-Autoren in erhobenen Buchstaben bedeckt waren. In Don Fums wunderbarem Buch hatte er auf meisterhafte Weise mir den Schlüssel zur Sprache der Formifolk gegeben; so konnte ich mit geringem Aufwand noch weitere Entdeckungen machen: Einige Straßen waren den Geschichtsschreibern gewidmet, andere den Erzählern, wieder andere waren mit den gelehrten Werken von Philosophen gefüllt – und wieder andere enthielten Tausende von Zeilen der besten Dichter, die die Nation hervorgebracht hatte.
Ich hatte kaum Schwierigkeiten dabei, herauszufinden, welche Gedichte bei den Soodopsy am beliebtesten waren – denn, wie Sie sich leicht vorstellen können, waren diese durch das Betreten der vielen dankbaren Menschen auf ihren schönen, herzergreifenden Zeilen wie Spiegel aus Silber poliert worden.

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Ich bemerkte, dass die Schriften der Philosophen in dieser Welt – genauso wie in meiner eigenen – nur wenige Leser fanden; denn die geschriebenen Zeichen waren in vielen Fällen verblasst und schwarz geworden, weil niemand mehr darauf trat, um nach Weisheit zu suchen. Später, als ich Velvet Soles kennenlernte, die Tochter von Long Thumbs – ein liebes kleines Wesen, das zwar voller inneres Licht war, aber blind für die Außenwelt – und sie mich einlud, „mitzukommen und zu lesen“, hatte ich große Schwierigkeiten, sie davon zu überzeugen, dass ich ihre sogenannten lächerlichen „Fußkästen“ nicht entfernen konnte, um mit ihr einige ihrer Lieblingsgedichte zu genießen. Es war für mich eine wunderbare Freude, dieses glückliche kleine Mädchen zu begleiten, wenn sie zum Lesen ging – an ihrer Seite zu gehen und die ständig wechselnden Ausdrücke auf ihrem schönen Gesicht zu beobachten, während die Sohlen ihrer kleinen Füße die Worte der Liebe, Hoffnung und Freude berührten. Ihr Herz erweiterte sich, und sie faltete ihre Hände in einer Haltung des glückseligen Genusses – offenbar genauso tief und leidenschaftlich, als würde das gesegnete Sonnenlicht auf ihrer Stirn ruhen, und ihre Augen würden die Pracht eines Sommersonnenuntergangs in sich aufnehmen. Oh Bewohner der oberen Welt, deren Seelen von Licht durchflutet werden, deren Ohren der Musik von Flöten und Violinen sowie der noch süßeren Musik der Stimme der Liebe zugänglich sind – wie viel mehr habt ihr doch als sie! Doch wie selten seid ihr glücklich, wie selten kennt ihr jenes süße Zufriedensein, das, wie in diesem Fall, aus dem Inneren kommt?

„Geht zu der Ameise, betrachtet ihre Wege und werdet weise – sie hat keinen Führer, Aufseher oder Herrscher, doch sie beschafft sich im Sommer Nahrung und sammelt im Herbst Vorräte.“

Bald schienen die Formifolk es ganz normal zu finden, dass Bulger und ich bei ihnen waren. Offenbar schüttelten sie mir genauso freundlich die Hand, als wäre ich einer von ihnen.

Eines Tages führte mich Long Thumbs zum Haus des ältesten und gelehrtesten der Soodopsies – sein Name war Barrel Brow. Er empfing mich sehr herzlich, obwohl ich ihn bei seinen Studien unterbrach. Als ich sein Zimmer betrat, las er gerade vier verschiedene Bücher gleichzeitig: Zwei lagen auf dem Boden, und er las die darauf geschriebenen Zeichen mit den Sohlen seiner Füße; die anderen beiden standen auf einem Gestell vor ihm, und er entzifferte sie mit den Fingerspitzen.

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Doch als er erfuhr, wer ich war, hörte er sofort auf zu arbeiten, nahm seine Tabletten und stellte mir eine Reihe von Fragen bezüglich der oberen Welt – über die er jedoch keine besonders hohe Meinung hatte.
„Ihr Leute“, sagte er, „wenn ich die alten Schriften jener aus unserem Volk richtig verstehe, die noch bestimmte Traditionen über die obere Welt bewahrt haben, dann seid ihr mit mehreren Sinnen ausgestattet, die uns völlig fehlen. Ich freue mich, das sagen zu können – denn wenn ich richtig verstehe, habt ihr zunächst einen Sinn, den ihr Gehör nennt, einen äußerst lästigen Sinn, denn durch ihn werdet ihr ständig durch Schallwellen aus der Ferne gestört und belästigt. Nun, diese können euch keinerlei Nutzen bringen. Ihr hättet genauso gut einen Sinn brauchen können, der euch mitteilt, was auf dem Mond vor sich geht. Meine Schlussfolgerung ist daher, dass das Gehör nur dazu dient, den Verstand abzulenken und zu schwächen.
„Ein weiterer Sinn, den ihr besitzt“, fuhr Barrel Brow fort, „den nennt ihr Sehvermögen – eine Fähigkeit, die noch nutzloser und ablenkender ist als das Gehör, denn sie ermöglicht es euch, Dinge zu erfahren, die es völlig sinnlos ist zu wissen, wie zum Beispiel, was eure Nachbarn gerade tun, wie die Berge auf der anderen Seite eurer Flüsse wirken, wie euer Himmel, wie ihr ihn nennt, wohl wäre, wenn ihr ihn mit den Fingern berühren könntet – was ihr jedoch nicht könnt. Oder auch, wann es regnen wird – ein nutzloses Wissen, wenn ihr, wie ich annehme, Dächer habt, die euch schützen. Doch der lächerlichste Gebrauch dieses Sehvermögens ist die Herstellung dessen, was ihr Bilder nennt – mit deren Hilfe es euch scheinbar größtes Vergnügen bereitet, diesen Sinn, auf den ihr so stolz seid, zu täuschen. Wenn ich diese Bilder richtig verstehe, sind sie genauso glatt wie jenes Paneel dort – doch so geschickt zeichnet ihr die Linien und tragt die Farben auf, egal welche es auch sein mögen, dass ihr tatsächlich erfolgreich seid darin, euch selbst zu täuschen, und stundenlang vor einem dieser Betrügereien steht, obwohl ihr, wenn ihr wolltet, eure Augen, wie ihr es nennt, mit genau dem erfreuen könntet, was der Täuscher nachgeahmt hat. Da das Leben in der oberen Welt viel kürzer ist als in unserer, erscheint es mir sehr seltsam, dass ihr es auf diese dumme Weise verschwenden wollt. Dann gibt es noch etwas, kleiner Baron“, fuhr der gelehrte Barrel Brow fort, „was ich erwähnen möchte. Es ist folgendes: Die Menschen der oberen Welt rühmen sich sehr um das, was sie die Sprachfähigkeit nennen – eine Fähigkeit, die, wenn ich richtig verstehe, darin besteht, ihre Gedanken gegenseitig auszudrücken, indem sie die Luft aus ihren Lungen mit Kraft hinausstoßen – und dass diese Luft…“

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Das Eindringen in die „Lüftungsorgane“ des Gehirns, die ihr Ohren nennt, erzeugt das Gefühl von Ton, wie ihr es bezeichnet. Auf diese Weise kann jemand aus deinem Volk, der am einen Ende der Stadt steht, seinen Wünschen einem anderen, der am anderen Ende steht, mitteilen. Nun, verzeih mir bitte, dass ich so denke, kleiner Baron – aber das scheint mir doch nicht viel besser zu sein als bei den Tieren, die mit ihren riesigen Kiefern die Luft in Bewegung setzen, um ihre Jungen zu rufen oder dem Feind ihre Verachtung zu zeigen. Und wenn ich richtig verstehe, sind deine Leute so stolz auf diese Sprachfähigkeit, dass sie darauf bestehen, sie ständig und zu jeder Gelegenheit einzusetzen. Seltsamerweise finden diese „Sprecher“ immer genug Menschen, die bereit sind, diesen Schwingungen der Luft zuzuhören – obwohl dieser Effekt für das Gehirn äußerst anstrengend ist und die Menschen letztendlich unweigerlich einschlafen. Wenn ich richtig verstehe, lieben die Frauen es sogar noch mehr als die Männer, ihre Fähigkeit zur Erzeugung solcher Luftströme zur Schau zu stellen. Doch da sie mit dieser Fähigkeit nicht zufrieden sind, greifen sie auf ein wirksames Kraut zurück, das sie in kochendes Wasser tauchen und so heiß wie möglich trinken – weil dieses Kraut dazu beiträgt, die Zunge locker zu machen und dem Sprecher zu ermöglichen, mehr Luft auszustoßen, als er sonst könnte.

„Aber all das, kleiner Baron“, fuhr der gelehrte Barrel Brow fort, „könnte übersehen und lediglich als Unterhaltung angesehen werden – wäre da nicht die Tatsache, dass die ‚Lüftungsorgane‘ des Gehirns bei verschiedenen Menschen unterschiedliche Größen haben. Infolgedessen haben die Luftströme, die ihr verwendet, um eure Gedanken miteinander zu teilen, bei verschiedenen Menschen unterschiedliche Wirkungen. Dadurch verbringen die Menschen in der oberen Welt die Hälfte ihrer Zeit damit, die bereits gesendeten Luftströme erneut auszusenden. Selbst dann findet man selten zwei Menschen, die sich genau darüber einigen können, wie viele, welche Art, mit welcher Kraft und mit welcher Bedeutung die Luftströme in die ‚Lüftungsorgane‘ des anderen geblasen wurden. Deshalb wurde es notwendig, jene zu schaffen, die ihr Richter nennt, um diese Streitigkeiten zu entscheiden – Streitigkeiten, die oft ein Leben lang andauern. Beide Parteien geben dabei ihr ganzes Vermögen aus, um Zeugen zu engagieren, die vor diesen Richtern erscheinen und den Klang nachahmen, den die Luft vor Jahren durch die wütenden Ausatmungen der beiden Parteien erzeugt hat. Ich hoffe aufrichtig, kleiner Baron“, schrieb der gelehrte Barrel Brow auf seine silberne Tafel, „dass du, wenn du zu deinem Volk zurückkehrst, ihnen mitteilen wirst, was ich heute für dich geschrieben habe. Denn es ist nie zu spät, einen Fehler zu korrigieren – und je länger ein Fehler besteht, desto größer ist der Verdienst, ihn zu beheben.“

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Ich versprach dem weisen Soodopsy, zu tun, was er verlangte, und dann berührten wir uns am Hinterkopf – das ist auf dem Land der Formifolk die Art und Weise, sich zu verabschieden. Eine Berührung der Stirn bedeutet: „Wie geht’s?“

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KAPITEL XVIII

Die frühe Geschichte der Soodopsies, wie sie von Barrel Brow erzählt wird – Wie sie gezwungen wurden, Zuflucht im Untergrund zu suchen, und wie sie auf die Marmortraße kamen. Ihre Entdeckung des Erdgases, das ihnen Licht und Wärme liefert, sowie des prächtigen Schatzhauses der Natur. Wie sie ihre zerrissenen Kleider durch neue ersetzten und begannen, die Stadt aus Silber zu bauen. Die seltsamen Unglücke, die ihnen widerfuhren, und wie sie trotz all dessen überlegen wurden.

Und zweifellos, liebe Freunde, würdet ihr gerne etwas über die frühe Geschichte der Soodopsies erfahren: Wer sie waren, woher sie kamen und wie es dazu kam, dass sie in diese Welt unter der Erde gelangten. Zumindest war das mein Gefühl, nachdem ich dem gelehrten Barrel Brow vorgestellt worden war. Deshalb wartete ich beim nächsten Mal geduldig, bis er die vier Bücher vor sich zu Ende gelesen hatte, und sagte dann: „Bitte, lieber Meister, erzählen Sie mir etwas über die frühe Geschichte Ihres Volkes und erklären Sie mir, wie es dazu kam, dass sie in diese unterirdische Welt gelangten.“

„Vor sehr langer Zeit“, schrieb der gelehrte Barrel Brow, „lebte mein Volk an den Ufern eines wunderschönen Landes, nördlich davon lag ein weites Meer. In jenen Tagen hatten sie dieselben Sinne wie die anderen Völker der Oberwelt. Es war wirklich ein wunderschönes Land – so schön, dass die Sonne, wie es in den alten Chroniken heißt, vergeblich nach einem noch schöneren suchte. Seine Flüsse waren tief und breit, seine Ebenen fruchtbar und reichhaltig, und seine Berge waren voller…“

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Silber und Gold und Kupfer und Zinn – diese Metalle konnten so leicht abgebaut werden, dass unser Volk berühmt wurde als Metallarbeiter. Sie waren in ihrer Handwerkskunst derart geschickt, dass Völker aus nah und fern zu uns kamen, um Schwerter, Schilde, Speerspitzen, Rüstungen, Tischgeschirr, Armbänder und Brustschmuck zu erwerben – und vor allem Lampen, die prächtig verziert und geschnitzt waren, um in ihren Palästen und Tempeln aufgehängt zu werden. Wir waren also sehr glücklich – bis an einem schrecklichen Tag die große runde Welt sich drehte und wir vom Sonnenlicht abgewandt wurden. Die Sonnenstrahlen trafen nun schräg auf unsere Köpfe und gaben uns keine Wärme mehr.

„Ach, ich könnte jetzt weinen“, rief der gelehrte Barrel Brow aus. „Nach all diesen Jahrhunderten, wenn ich an das grausame Schicksal denke, das mein Volk ereilte. Innerhalb weniger Monate war die ganze Oberfläche unseres schönen Landes mit Eis und Schnee bedeckt. Unsere Tiere starben, und auch viele von uns, bevor sie dickes Tuch weben konnten, um ihre zarten Körper vor der eisigen Kälte zu schützen. Doch das war noch nicht alles: Der große blaue Ozean, der bis dahin seine warmen Wellen und weiße Gischt gegen unsere Küsten warf, atmete nun seinen eisigen Atem auf uns aus. Innerhalb weniger Monate kamen Felder und Berge aus Eis auf uns zu – die stürmischen Wassermassen warfen sie mit ohrenbetäubendem Lärm gegen unsere Küsten. Dort zu bleiben bedeutete den schnellen und schrecklichen Tod. Deshalb wurde befohlen, die Häuser und Herdstätten zu verlassen und nach Süden zu fliehen – und das taten die meisten von ihnen. Doch es kam so, dass mehrere hundert Familien aus den Metallhandwerkersgilden, die die unterirdischen Gänge zu den Minen kannten, genauso wie Förster die unpassierbaren Wälder kennen, mit all dem Gepäck, das sie tragen konnten, in den riesigen unterirdischen Höhlen Zuflucht suchten. Arme, getäuschte Wesen! Sie dachten, dass dieses plötzliche Eintreten des Winters, des blendenden Schnees und der riesigen Eisfelder nur ein Naturphänomen sei – und dass in ein paar Monaten wieder die alte Wärme und das alte Sonnenlicht zurückkehren würden.

„Leider vergingen die Monate, ihre Vorräte an Nahrung gingen fast zur Neige, und die Eingänge zu den Minen wurden durch riesige Eisblöcke blockiert, die durch den Schnee, den die grauen Wolken herabbrachten, zu einer einzigen Masse verschmolzen waren. Es gab nun keinen Ausweg mehr auf diesem Weg. Ihre einzige Hoffnung bestand darin, unterirdisch zu einem Ausgang in die obere Welt vorzudringen.

„So setzten sie sich mit brennenden Fackeln in Bewegung – doch ihre Herzen waren in die Dunkelheit der Verzweiflung versunken. Eines Tages, oder einer Nacht – sie wussten es nicht –“

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Ihre Anführer stießen plötzlich auf eine breite Marmorterrasse, die von den Händen der Natur geschaffen worden war. Sie war von einem sanft fließenden Fluss umgeben, der voller Fische mit Schuppen, Schalen und Haut war. Hier hielten unsere Leute an, um zu essen, zu trinken und sich auszuruhen. Als einer von ihnen einmal Feuer machen wollte, indem er Feuerstein gegen etwas schlug, um ein Essen zuzubereiten, sprang zu seiner Überraschung und Freude eine Flamme vom felsigen Boden empor und brannte weiter – sie spendete Licht und Wärme für sie.

Da sie ihre Werkzeuge – Bohrer, Meißel, Feilen, Gravierwerkzeuge sowie Blasrohre – in ihren Wagen mitgebracht hatten, eilten sie, ein Rohr in diese Öffnung im Felsen einzubauen und mehrere Lichtquellen aufzustellen. Mit Nahrung, Wasser, Wärme und Licht wurden ihre Herzen leichter – besonders, als sie bald entdeckten, dass in vielen der riesigen Höhlen gigantische Pilze in überwältigender Menge wuchsen.

„Der Weiseste unter ihnen“, fuhr der gelehrte Barrel Brow fort, „entschied sofort, dass es weiter entlang dieser wunderschönen Marmorroute sicherlich Vorräte dieses Gases geben musste. So drangen sie Tag für Tag tiefer in diese Welt innerhalb einer Welt ein und hielten von Zeit zu Zeit an, um sogenannte Leuchttürme aufzustellen.“

Nachdem die Entdeckergruppe mehrere Meilen vorgedrungen war und eine Reihe von Gasstrahlen entzündet hatte, waren sie vor Staunen fast sprachlos, als sie sich am Eingang zu einer Reihe riesiger Kammern befanden – einige mit flachem Dach, andere gebogen oder kuppelförmig. Auf den Böden und Wänden lagen und hingen unerschöpfliche Mengen an reinem Silber. Diese prächtigen Höhlen waren in Wirklichkeit Naturspeicher für dieses wunderbare weiße Metall. Unsere Leute eilten, hier und da Gasstrahlen aufzustellen, damit sie diesen wunderbaren Schatz sehen konnten.

Hier beschlossen sie zu bleiben – schließlich gab es hier stets genügend Nahrung und Wasser, hier hatten sie Licht und Wärme, und hier konnten sie ihre Leiden vergessen, indem sie ihrer Arbeit nachgingen und das kostbare Metall großzügig verwendeten, um Wohnräume zu bauen sowie all die Dinge herzustellen, die für das tägliche Leben notwendig sind. Ihre Freude als Metallarbeiter über diesen unerschöpflichen Vorrat an reinem Silber war so groß, dass sie kaum schlafen konnten, bis sie in allen diesen riesigen Höhlen Gasstrahlen installiert hatten. Denn, kleiner Baron, du hast sicherlich bereits…

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Ich vermutete, dass dies der Ort sei, von dem ich dir erzähle – genau hier hielten unsere Vorfahren an, um die Stadt des Silbers zu erbauen.
„Doch eine Sorge quälte sie: Wo sollten sie geeignete Kleidung finden? Die alten Kleider waren bereits in Fetzen zerfallen. Zu ihrer Freude stießen sie auf eine Schicht Mineralwolle, mit der es ihnen gelang, etwas Stoff zu weben. Obwohl dieser Stoff ziemlich steif und rau war, war er doch besser als nichts.
„Eines Tages, während sie eine neue Höhle erkundeten, sah einer meiner weisen Vorfahren eine große Nachtfalterart in seiner Nähe landen. Sanft löste er einige ihrer Eier heraus und brachte sie nach Hause – eher aus Neugier denn aus einem anderen Grund.
„Stell dir vor, wie er sich freute, als er sah, wie eines der aus den Eiern geschlüpften Tierchen begann, einen Seidenkokon zu spinnen – einen Kokon, der halb so groß wie seine Faust war. Als unsere Vorfahren von dieser guten Nachricht hörten, gab es große Feiern und Fröhlichkeit unter ihnen. Es dauerte nicht lange, bis viele silberne Webstühle in Betrieb waren, und die Körper unserer Vorfahren konnten wieder warm und bequem gekleidet werden.
„Lange Zeiträume vergingen – wenn man diese in eure Monate umrechnet, wären das viele, viele Jahre. Unsere Vorfahren hatten alles außer Sonnenlicht. Natürlich wussten diejenigen, die im Untergrund geboren wurden, nichts davon – daher vermissten sie es auch nicht.
„Doch wie zu erwarten war, traten allmählich große Veränderungen bei unseren Vorfahren ein. Zu ihrem unbeschreiblichen Kummer stellten sie fest, dass ihr Sehvermögen allmählich nachließ, während sie damit beschäftigt waren, ihre neuen Heime zu verschönern – indem sie Bögen, Brücken und Terrassen errichteten sowie diese mit prächtigen Kerzenhaltern und Statuen aus Silber ausstatteten. In nicht allzu langer Zeit würden sie völlig blind sein.
„Dieses Ergebnis“, fuhr der gelehrte Barrel Brow fort, „war ganz natürlich – denn das Sehvermögen wurde ursprünglich für das Sonnenlicht geschaffen. Wie du sicherlich weißt, haben alle Fische, die in unseren Flüssen schwimmen, keine Augen – sie brauchen sie schließlich nicht. Es geschah genau wie erwartet: Nach ein paar weiteren Generationen stellten unsere Vorfahren fest, dass ihre Augen die Dinge nicht mehr so sehen konnten wie du. Doch sie konnten sie spüren, solange sie nicht zu weit entfernt waren – genauso wie ich jetzt deine Anwesenheit spüren kann und wissen kann, wo du sitzt, wie groß und breit du bist – sowie ob du dich nach rechts oder links, nach vorne oder hinten bewegst. Doch ich kann erst genau wissen, wie du aussiehst, wenn ich dich berühre. Dann weiß ich alles – ja, sogar viel besser als du.“

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Du kannst es wissen – unser Gefühlsvermögen ist schärfer als dein sogenanntes Sehvermögen. Einer von meinen Leuten kann eine Unebenheit oder Rauheit auf einem Silberspiegel wahrnehmen, der deinen Augen glatter als Glas erscheint. Nun, es ist seltsam zu erzählen – und doch nicht seltsam – dass unsere Vorfahren mit dem Verlust ihres Sehvermögens auch ihr Gehörvermögen verloren. Unsere Ohren, wie du sie nennst, hatten nichts mehr, wofür sie lauschen konnten – denn in dieser Unterwelt herrscht, wie du weißt, ewige Stille. Sie wurden für uns genauso nutzlos wie der Schwanz eines Molchs für einen ausgewachsenen Frosch. Natürlich konnten unsere Kinder mit dem Verlust unseres Gehörs bald nicht mehr sprechen lernen. Nach einer gewissen Zeit verdienten wir wirklich unseren neuen Namen „Formifolk“ – oder Ameisenvolk – denn wir waren nun blind, taub und stumm.

Eine Soodopsy-Maiden liest ihren Lieblingsdichter vor:

„Es ist lange her, sehr, sehr lange, kleiner Baron“, fuhr die gebildete Soodopsy fort, „seit alle Erinnerungen an Sonnenlicht, an Farben, an Geräusche aus unseren Köpfen verschwunden sind. Heute kennen meine Leute nicht einmal mehr die Namen dieser Dinge. Du hättest genauso wenig Chancen, ihnen zu erklären, was Licht oder Geräusche sind, wie wenn du versuchen würdest, einem Wilden zu erklären, dass es unter der Welt nichts gibt, das sie trägt – und dennoch…“

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Es fällt nicht herab. Doch wenn du mehrere Metallstücke nebeneinander legen und einen meiner Leute bitten würdest, dir zu sagen, um welches Metall es sich handelt, würde er das Gewicht jedes Stücks prüfen, seine Struktur sorgfältig untersuchen – vielleicht daran riechen oder seine Zunge darauf legen – und anschließend antworten: „Das ist Gold; das ist Silber; das ist Kupfer; das ist Blei; das ist Zinn; das ist Eisen.“

„Aber du würdest sagen: ‚Sie sind alle unterschiedlich gefärbt; kannst du das nicht erkennen?‘“

„Ich weiß nicht, was du mit Farbe meinst“, würde er antworten. „Aber beachte: Wenn ich sie alle unter dieses seidene Tuch verstecke, kann ich trotzdem durch Berühren mit den Fingerspitzen erkennen, um welches Metall es sich bei jedem handelt. Wenn du das auch kannst, dann bist du ein genauso guter Mann wie ich.“

„Was sagst du nun, kleiner Baron?“, fragte der gelehrte Soodopsy, während sein Gesicht von einem triumphierenden Lächeln umrahmt war. „Glaubst du, du könntest ein genauso guter Mann wie dieser Soodopsy werden?“

„Nein, das glaube ich wirklich nicht, weiser Meister“, schrieb ich auf meine silberne Tafel. „Und ich danke dir für alles, was du mir erzählt und beigebracht hast. Ich bitte um Erlaubnis, o Soodopsy, noch einmal zurückzukommen und mit dir zu sprechen.“

„Das darfst du gerne tun, kleiner Baron“, schrieb der gelehrte Soodopsy auf seine silberne Tafel. Als ich mich zum Gehen wandte, griff er schnell nach mir und berührte mich mit seinem gebogenen Zeigefinger – ein Zeichen dafür, dass ich zurückkehren sollte.

„Verzeih mir, kleiner Baron“, schrieb er. „Aber du verlässt mein Studierzimmer ohne deinen treuen Bulger – habe ich recht?“

Ich war verblüfft, denn tatsächlich hatte er recht. Obwohl er kein Sehvermögen hatte, hatte er mehr gesehen als ich mit meinen beiden gesunden Augen. Bulger lag fest schlafend auf einem mit Seide bedeckten Kissen.

Unser stilles Gespräch hatte ihn so sehr ermüdet, dass er auf den Flügeln eines Traums in das Land Nod davongeschwebt war.

Er senkte den Kopf und sah sehr beschämt aus, als mein Ruf ihn weckte und er feststellte, dass ich tatsächlich unbemerkt bis zur Tür gelangt war.

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KAPITEL XIX

Es beginnt mit einigen Erwähnungen über die kleinen Soodopsies, wechselt aber dann zu einem anderen Thema – nämlich dem „stummen Lied der singenden Finger“ sowie der „schönen Maid der Stadt aus Silber“. Barrel Brow ist so freundlich, mich in einer bestimmten Angelegenheit aufzuklären, und nutzt die Gelegenheit, Bulger ein sehr hohes Kompliment zu machen – welches er natürlich verdient hatte.

Je länger ich bei den Soodopsies blieb, desto mehr wurde ich davon überzeugt, dass sie die glücklichsten, fröhlichsten und zufriedensten Menschen waren, denen ich in all meinen Reisen begegnet war. Wenn es möglich wäre, dass die Glieder einer langen Kette, die über einen Abgrund gespannt ist, für kurze Zeit lebende, denkende Wesen wären, dann würden sie wohl in vollkommener Harmonie zusammenhalten – denn jedes Glied würde erkennen, dass es nicht besser als sein Nachbar ist, und dass das Wohl aller anderen Glieder von ihm abhängt – genauso wie seines von ihrem. So war es auch bei den Formifolk: Da sie kein Sehvermögen hatten, kannten sie nichts wie Neid, und alle Hände waren gleich, wenn man sie zum Gruß ausstreckte.

Manchmal war ich erstaunt darüber, wie sie meine Annäherung wahrnehmen konnten, obwohl ich zehn oder fünfzehn Fuß von ihnen entfernt war. Oft amüsierte ich mich damit, versuchen zu, an einem von ihnen vorbeizuschleichen – doch das war unmöglich; immer wurde eine Hand ausgestreckt, um mich zu grüßen. Allmählich überwand ich ihr Misstrauen gegenüber mir, und sie kamen zu der Überzeugung, dass ich die Wahrheit gesagt hatte, als ich behauptete, kein tanzender Schatten würde mir ständig folgen. Eines der interessantesten Anblicke war es, eine Gruppe von Soodopsy-Kindern beim Spielen zu sehen – sie bauten Häuser aus silbernen Blöcken oder spielten ein Spiel, das dem eines normalen Spiels sehr ähnelte.

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Unsere Dominosteine. Ich bemerkte, dass sie keine Aufzeichnungen führten – solch wunderbare Erinnerungen hatten sie, dass es völlig unnötig war. Zuerst waren die Kinder so erschrocken, als sie mich berührten, dass sie in Panik davonliefen; auf ihren kleinen Gesichtern zeichnete sich die Furcht ab. Ihre Eltern erklärten mir, ich hätte auf sie genau denselben Eindruck gemacht wie jemand, dessen Haut so rau wäre wie die eines Seeigels. Als es mir schließlich gelang, einige von ihnen zu mir zu locken, war ich erstaunt, als ich sah, wie ein kleiner Junge, der zufällig seine kleine Hand gegen meine Uhrtasche gedrückt hatte, entsetzt von mir wegrannte. Er hatte das Ticken der Uhr gespürt und hörte erst auf zu laufen, als er bei seiner Mutter angekommen war. Seine wunderbare Geschichte, dass der kleine Baron ein seltsames Tier in seiner Tasche trug, sorgte bald dafür, dass sich eine Menschenmenge um mich versammelte. Es dauerte eine Weile, bis ich sogar die Eltern davon überzeugen konnte, dass die Uhr nicht lebendig war und dass es nicht das Herz des kleinen Tieres war, dessen Schlag sie spürten. Einmal, als ein kleiner Soodopsy auf meinem Schoß saß und seinen kleinen Arm zärtlich um meinen Hals geschlungen hatte, machte ich zufällig einen Kommentar zu Bulger – zu meiner Verwunderung sprang das Kind aus meinen Armen und rannte mit einem entsetzten Ausdruck im Gesicht davon. Was hatte ich ihm nur angetan? Anscheinend hatte seine kleine Hand zufällig meinen Hals berührt, und er war durch die seltsamen Vibrationen, die meine Stimme verursachte, in Panik geraten. Sofort verbreitete sich die Nachricht, dass der kleine Baron einen weiteren kleinen Baron in seinem Hals trage, und dass jeder ihn spüren könne, wenn ich nur zustimmen würde. Es dauerte lange, bis ich sie davon überzeugen konnte, dass das, was sie spürten, kein weiterer kleiner Baron war, sondern lediglich die Vibrationen, die entstanden, wenn ich auf eine für die Bewohner der oberen Welt typische Weise Luft ausatmete. Dennoch musste ich Bulger viele hundert nutzlose Dinge sagen, damit ihre kleinen Hände die Chance bekamen, etwas So Wunderbares zu spüren. Aus dem Wenigen, was ich Ihnen über die Namen der Formifolk erzählt habe, liebe Freunde, haben Sie sicherlich verstanden, dass ihre Namen von irgendeiner körperlichen Eigenschaft, einem Mangel oder einer Besonderheit stammen. Neben den Namen, die ich bereits erwähnt habe, erinnere ich mich an Spitzkinn, Langer Nasen, Seidenohren, Glatter…

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Palmenhände, Großer Knöchel, Nagenausreißen, Hammerfist, Sanfter Griff, Grübchen im Gesicht oder Grübchen am Kinn, Kräuselhaare – und so weiter. Doch zu meiner Überraschung erfuhr ich eines Tages, als ich nach dem Namen eines jungen Mädchens fragte, dessen lange, zarte Finger meine Aufmerksamkeit erregt hatten, dass ihr Name „Singende Finger“ war – oder vielleicht könnte man es auch „Musikalische Finger“ nennen. Ich hatte bemerkt, dass die Soodopsies ein gewisses Verständnis für Musik hatten, denn die Kinder amüsierten sich oft damit, zu tanzen, und dabei klopften sie mit den Fingerspitzen gegeneinander auf die Wangen oder Stirnen. Doch ich hatte keinerlei Ahnung, was sie mit „Singende Finger“ meinten oder warum das Mädchen so genannt wurde. Deshalb freute ich mich sehr, als die Mutter des Mädchens mich fragte, ob ich gerne eines ihrer Lieder hören möchte, wie sie es nannte. Nachdem ich zustimmte, kam die Mutter auf mich zu, rollte die Ärmel meines Mantels hoch, bis meine Arme bis zu den Ellbogen frei lagen, nahm anschließend meine Arme und legte sie übereinander auf meine Brust. Bulger beobachtete das Ganze mit etwas Unzufriedenheit in den Augen; er ahnte, dass diese stummen Menschen seinem kleinen Herrn vielleicht einen bösen Streich spielen könnten. Doch mein Lächeln beseitigte schnell seinen Verdacht. Die „Singenden Finger“ kam nun näher – als ihr schönes Gesicht mit den blinden Augen sich ganz mir zuwandte, konnte ich meine Tränen kaum zurückhalten. Doch warum sollte man um jemanden trauern, der scheinbar so glücklich war? Ein Lächeln umspielte ihren zarten Mund, wodurch ihre winzigen, silberweißen Zähne wie echte Perlen sichtbar wurden. Ihre Brust hob und senkte sich schnell, und es war ein leises Atmen zu hören. Sie sah aus wie ein strahlendes Kind aus einer anderen Welt – bevor ich es mir überlegen konnte, rief ich aus: „Sprich doch, oh, sprich, schönes Kind!“ Im Nu zog sie sich erschrocken zurück, denn die plötzliche Luftvibration hatte sie erschreckt. Doch ich streckte meine Hand aus und berührte ihre Hand, um ihr zu zeigen, dass sie nichts zu befürchten habe. Dann kam sie wieder näher zu mir. Plötzlich hoben sich ihre schönen Hände mit ihren langen, zarten Fingern in die Luft, und sie begann, ihren Körper zu wiegen sowie ihre Hände in sanften, anmutigen Bewegungen zu schwingen, als würde sie im Rhythmus einer Musik tanzen. Allmählich kam sie mir immer näher – von Zeit zu Zeit berührten ihre seidigen Fingerspitzen meine Hand.

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Hände oder Arme, als wären sie eine Tastatur – und sie schien gerade dabei zu sein, ein sanftes, zartes Stück Musik zu spielen. Ich bemerkte, dass ihre Finger einen angenehmen Duft hatten. Immer schneller prasselten die sanften Berührungen auf mich nieder, in regelmäßigem Rhythmus. Sie beruhigten mich, erregten mich – sie erreichten mein Herz, als wären es die süßen Töne einer Flöte oder die sanften Klänge einer Sängerinstimme. Das Mädchen sang tatsächlich für mich! Es schien mir, als könnte ich verstehen, was sie sagte – oder vielmehr, was sie dachte –, während ihre zarten Fingerspitzen hin und her flogen. Ich hörte ihr leises Atmen immer lauter werden. Plötzlich ließ sie meine Hände und Arme los – und ich spürte ihre sanften Berührungen auf meinen Wangen und meiner Stirn. So sanft, oh, so sanft und beruhigend berührten ihre Finger mich, dass es schließlich war, als würden Rosenblätter über mein Gesicht streichen. Dieses Gefühl war so angenehm – wie die sanfte Berührung des Schlafs auf müden Augen –, dass ich wirklich einschlief. Als ich nach einer Weile meine Augen öffnete, saß dort das lächelnde Formifolk- Volk und wartete darauf, dass ich aufwachte. Vor mir standen die strahlend aussehenden „Singenden Finger“, kindlich und bereit, gelobt zu werden.

Und so seht ihr, liebe Freunde: Es ist gar nicht so schwer, glücklich zu sein – wenn man es nur auf die richtige Weise versucht. Das Formifolk-Volk scheint es auf die richtige Weise gemacht zu haben, wenn man nach den Ergebnissen urteilt – und das sind die einzigen Dinge, nach denen wir urteilen müssen. Manche Männer fischen den ganzen Tag lang, ohne auch nur einen Biss zu bekommen – und manche Menschen versuchen ihr ganzes Leben lang, Glück zu fangen, doch sie erhalten nicht mehr als nur einen kleinen Bissen. Sie verwenden einfach nicht die richtige Art von Köder. Lassen Sie sie doch einmal etwas Gutes tun – etwas Echtes.

Ich hatte noch eine Frage an den weisen Barrel Brow – also stellte ich ihm bei meinem nächsten Besuch diese Frage:
„Ist es möglich, weiser Meister, dass euer Volk überhaupt keinen Führer, keinen Aufseher, keine Herrscher hat?“

Der große Gelehrte des Formifolk-Volkes hörte auf, die vier Bücher zu lesen, die vor ihm lagen – eines unter jeder Hand und eines unter jedem Fuß –, als ich ihm meine silberne Tafel reichte.
„Kleiner Baron“, antwortete er, „wenn es nur einen Dornbusch gäbe, groß genug, damit alle Menschen aus der oberen Welt hineinspringen könnten – und wenn man seine Ohren loswerden könnte – dann würde man bald auch von den Herrschern befreit sein, die einen unterdrücken und ausnutzen. Denn niemand würde mehr den Wunsch haben, Herrscher zu sein, wenn es niemanden mehr gäbe, der ihn ansieht – und wenn er nicht hören könnte, was die Schmeichler sagen.“

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Über ihn. Eitelkeit ist der Boden, aus dem Herrscher hervorkommen – genauso wie Pilze aus dem fruchtbaren Lehm unserer dunklen Höhlen sprießen. Sie tun so, als wäre es die Ausübung der Macht, die sie so sehr lieben. Glaubt ihnen nicht. Es ist die Befriedigung ihrer Eitelkeit – und nichts anderes.

„Wenn es nur in deiner Macht läge, zu jedem, der unbedingt Herrscher werden möchte, zu sagen: ‚Nun gut, Bruder – du wirst ein Herrscher sein. Doch denke daran, schwacher Mensch: Wenn du deine prächtige Uniform angezogen hast und auf deinem prächtig geschmückten Pferd sitzt, wenn du an der Spitze einer Truppe reitest, begleitet von zehntausend bewaffneten Männern, die dir zu Fuß folgen wie Sklaven ihrem Herrn, und wenn das Jubeln der törichten Menge die Luft erfüllt – dann wird kein Auge den Glanz deines Triumphes sehen, kein Ohr den Lärm des tosenden Beifalls hören. Glaub mir, kleiner Baron – niemand würde dann noch Herrscher werden wollen.‘“

„Wo es keine Herrscher gibt, kleiner Baron“, fuhr der gelehrte Barrel Brow fort, „können auch keine Anhänger geben; wo es keine Anhänger gibt, wird es auch keinen Streit geben. Wenn es in unserem Volk notwendig wird, bilden wir den Großen Kreis zur Beratung. Jeder schreibt auf, was er denkt. Dann werden die Meinungen vorgelesen und gezählt – und die Mehrheit entscheidet. Doch wir bilden den Großen Kreis nur in Zeiten dringender Not. Im Allgemeinen reichen die kleineren Kreise aus; tatsächlich ist der Familienkreis in den meisten Fällen völlig ausreichend.“

Zuerst berührte ich Barrel Browns Herz als Zeichen meiner Dankbarkeit für all das, was er mich gelehrt hatte – anschließend seinen Hinterkopf, um ihm gute Nacht zu wünschen. Ihr könnt Euch vorstellen, wie glücklich er und ich waren, liebe Freunde, als der weise Bulger sich auf seine Hinterbeine erhob und mit seiner rechten Pfote ebenfalls dem gelehrten Barrel Brow dankte – und ihm anschließend mit einem leichten Klopfen auf den Hinterkopf gute Nacht wünschte.

„Glücklich ist der Reisende“, schrieb der gelehrte Soodopsy, „der von einem so weisen und wachsamem Begleiter begleitet wird! Zwar bewegt er sich wie ein Kind auf allen Vieren – doch dadurch bringt er sein Herz und seinen Verstand auf derselben Ebene. Das ist der einzige Weg, wenn ein Mensch seinen Mitmenschen Gutes tun will. Das Problem mit deinem Volk in der oberen Welt, kleiner Baron, ist, dass sie zu viel nachdenken. Sie umarmen die Gedanken statt die Hände; sie schicken Boten mit Geschenken, anstatt sich selbst zu opfern. Sie engagieren Menschen, die für sie tanzen, für sie singen, für sie fröhlich sind. Sie werden nicht zufrieden sein, bis sie…“

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Sie haben Leute eingestellt, die ihnen dabei helfen sollen, Reue zu zeigen – zu denen sie sagen können: „Mein Freund ist gestorben; ich habe ihn geliebt. Weint drei ganze Tage um ihn.“

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KAPITEL XX

Dies ist ein langes und trauriges Kapitel – es erzählt, wie der Liebliche, Sanfte mit den schmollenden Lippen verloren ging, und wie die Soodopsies um ihn trauerten sowie wen sie verdächtigten. Bulger liefert einen beeindruckenden Beweis für seinen außergewöhnlichen Verstand, der es mir ermöglicht, die Soodopsies davon zu überzeugen, dass mein „tanzender Geist“ den Tod des Schmollmundes nicht verursacht hat. Die wahre Geschichte seines schrecklichen Schicksals – was danach geschah – meine Entdeckung. Wie die dankbaren Soodopsies ein wunderschönes Boot für mich bauen und wie Bulger und ich uns vom Land der „Glaubensaugen“ verabschieden.

In der Stadt des Silbers war es üblich, vor dem Schlafengehen das sogenannte „Alles berühren“ durchzuführen. Dies begann in einem bestimmten Stadtviertel und breitete sich mit erstaunlicher Geschwindigkeit von Mensch zu Mensch aus. Wie genau dies geschah, habe ich nie verstanden; doch der Zweck dieses geheimnisvollen Signals bestand darin, eine genaue Auflistung aller Formifolk zu erstellen. Würde auch nur einer fehlen, würde das sicherlich bereits dann entdeckt werden, wenn das „Alles berühren“ abgeschlossen war. Es verbreitete sich mit blitzschneller Geschwindigkeit durch die ganze Stadt; falls anschließend kein Rücksignal kam, wussten die Menschen, dass jeder an seinem richtigen Platz war – dass kein Soodopsy sich verirrt oder in irgendeinem unbewohnten Gang krank geworden war.

Ich glaube, ich war gerade eingeschlafen, als Bulger mich sanft am Ärmel zog. Ich rieb mir die Augen, setzte mich im Bett auf und lauschte. Sofort vernahm ich dieses leise, schlurfende Geräusch, das immer zu hören war, wenn mehrere Formifolk über den polierten Silberboden hin und her eilten.

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Ich sprang aus dem Bett und eilte zur Tür – Bulger folgte dicht auf meinen Fersen. Was für ein seltsamer Anblick bot sich mir dar! Ich konnte ihn nur mit dem Aussehen eines großen Ameisenhügels vergleichen, wenn ein frecher Junge plötzlich einen Stein in die Menge der kleinen, geduldigen, langsam arbeitenden Tiere wirft, die ruhig ihre Arbeit verrichten. Im Nu ändert sich alles: Die Reihen werden zerstört, die Arbeiter stoßen gegeneinander, Ordnung wird zu Chaos, Regelmäßigkeit in Verwirrung. Überall eilen die verängstigten Geschöpfe mit wedelnden „Fühlern“ umher und suchen nach der Ursache dieses wahnsinnigen Entsetzens. So war es auch bei den Formifolk – ich sah zu, wie sie mit ausgestreckten Händen und zitternden Fingern von einer Seite zur anderen eilten, sich gegenseitig stießen, während auf ihren entsetzten Gesichtern eine namenlose Furcht zu erkennen war. Plötzlich hielt eine Gruppe inne, legte die Hände zusammen und begann, durch blitzschnelle Berührungen und Impulse miteinander zu kommunizieren; doch andere stürmten daraufhin auf sie zu, trennten sie voneinander – und das Chaos wurde noch größer als zuvor. Doch allmählich bemerkte ich, dass aus den Bewegungen dieser verrückten Menge eine Art Ordnung entstand. Hier und da bildeten sich Gruppen von drei oder vier Personen, die sich die Hände reichten; anschließend lösten sich diese kleineren Kreise auf und bildeten größere. Ich bemerkte außerdem, dass sich dieser immer größer werdende Kreis außerhalb der panikgeplagten Menge bildete – und je größer er wurde, desto mehr umschloss er die Menschen. Wenn ein fliehender Soodopsy gegen diese stabile Linie prallte, verschwand seine Angst sofort, und er nahm seinen Platz in dieser Linie ein. Nach kurzer Zeit war die verrückt drängende, stoßende Menge vollständig verschwunden – die ganze Stadt war nun von diesen langen, stabilen Linien umgeben. Der Große Kreis war gebildet worden. Nach einer halben Stunde war die Beratung beendet. Zu meiner Überraschung zerfiel der Große Kreis in Gruppen zu viert, zu sechst und zu zehnt – anschließend verschwand jede Gruppe langsam und geordnet, Schritt für Schritt, aus der Stadt hinaus in die dunklen oder nur teilweise beleuchteten Räume und Gänge, die sie umgaben. Die Suche nach dem vermissten Soodopsy hatte begonnen.

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Die riesige Schildkröte, die die schmollenden Lippen verschlang.
Es vergingen Stunden, bis die letzte Gruppe wieder auf den Platz zurückkehrte und der große Kreis erneut gebildet wurde. Ach! Die Nachrichten waren wirklich traurig. Es gab keine Kunde vom vermissten Mann. Er war für immer verloren; und mit verschränkten Händen sowie langsamen, schweren Schritten kehrten die trauernden Formifolk zu ihren Häusern zurück, wo die seufzenden Frauen und Kinder auf ihre Rückkehr warteten. Als Bulger und ich wieder ins Bett gingen, schien es mir manchmal, als könnte ich die tiefen, langgezogenen Seufzer hören, die aus den zarten Brüsten der trauernden Soodopsies kamen. Am nächsten Tag bemerkte ich etwas sehr Rührendes: Jeder Mann, jede Frau und jedes Kind in der Stadt des Silbers trauerte um den verlorenen Soodopsy, als wäre er tatsächlich ihr Bruder. Die Liebe war nicht wie bei uns im oberen Weltteil – eine Liebe, die denen zuteilwird, in denen wir unser eigenes Gesicht erkennen und in deren Stimmen wir unsere eigene Stimme wieder hören, süß und klar wie in unserer Kindheit; mit anderen Worten: eine Liebe, die fast unserer selbst glich. Oh, nein! Zwar war es wahr, dass die Berührung einer Mutter für ihr eigenes Kind besonders zärtlich war, doch keine kleine Hand, die sich ihr entgegenstreckte, blieb ohne ihre Zärtlichkeit. Sie war die Mutter von allen; für sie waren alle schön, und da ihre kleinen Kleider alle aus…

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Auf derselben Webstube – es kam ihr niemals in den Sinn, herauszufinden, ob das Kind eines reichen Nachbarn mit ihrem spielte und daher eine liebevollere Berührung verdiente. In dem Teil der Stadt, in dem die Kinder ihre Spielplätze hatten, war der silberne Belag an manchen Stellen mit erhöhten Linien und Buchstaben markiert – etwas in der Art unseres Hoppscotch-Spiels – zum Zweck eines Spiels, das bei den kleinen Soodopsies sehr beliebt war. Seinen Namen ist schwer zu übersetzen; er bedeutete etwa „Kleiner Kobold“. Viele Stunden lang standen Bulger und ich dort und beobachteten diese stillen kleinen Wesen beim Spielen – fasziniert von der erstaunlichen Geschicklichkeit, die sie zeigten, wenn sie vorgaben, der Kleine Kobold nähere sich, wenn sie sich vor ihm versteckten, wenn er sich heimlich näherte, wenn die Gefahr zunahm, wenn der Angriff kam, wenn sie flohen, wenn neue Gefahren auftauchten, wenn sie wild davonliefen oder verfolgt wurden. Stellen Sie sich also meine Überraschung vor, als ich eines Morgens bemerkte, dass Bulger mich dorthin lockte – obwohl der Ort völlig verlassen war, da die Kinder alle in ihren Unterrichtsstunden waren. Doch da es meine Regel war, Bulgers Launen immer nachzugeben, ging ich geduldig mit. Kurz darauf, als wir an den Ort kamen, an dem der Belag wie beschrieben markiert war, blieb er stehen und begann mit besorgtem Winseln das Spiel „Der Kleine Kobold“ zu spielen. Von Zeit zu Zeit drehte er sich um, um zu sehen, welche Wirkung seine Handlungen auf mich hatten. Er machte keine Fehler. Jedes Mal, wenn er in ein bestimmtes Feld trat, legte er seine Pfote auf die erhöhten Buchstaben – genauso, wie er die Kinder oft mit ihren kleinen nackten Füßen tun sah – und ahmte anschließend mit erstaunlicher Genauigkeit ihre Handlungen nach: vom ersten Anzeichen der Gefahr bis hin zur verzweifelten Angst vor der Verfolgung durch den Kobold. Ich war nicht nur überrascht – ich war auch verwirrt über diese Nachahmung seitens Bulgers. In meinen Augen deutete das auf ein schreckliches Unglück für ihn hin; denn ich habe den abergläubischen Glauben, dass große Gefahr für das Leben eines Tieres ihm vorübergehend eine fast menschliche Intelligenz verleiht – es ist die Natur, die sich um ihr eigenes kümmert. Doch plötzlich wurde mir die wahre Bedeutung dieser Situation klar: Es war nicht mein lieber kleiner Bruder, der mir signalisieren wollte, dass eine Gefahr ihn bedrohte – sondern vielmehr, dass eine Gefahr über meinem Kopf schwebte, umso realer, da ich sie weder sah noch ahnte.

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Ich rief ihn zu mir und belohnte ihn mit einer Berührung. Er war überglücklich, zu erkennen, dass ich ihn offensichtlich verstanden hatte. Nun eilte ich, Barrel Brow aufzusuchen. Er war überrascht, meinen Gruß zu spüren. In kürzester Zeit hatte ich ihm alles erzählt. Auch er bemerkte schnell meine Aufregung – zweifellos spürte er das an der veränderten Schriftart meines Briefes.

„Beruhige dich, kleiner Baron“, schrieb er. „Der weise Bulger hat dir die Wahrheit gesagt. Dein Leben ist in Gefahr. Ich hatte beschlossen, dich noch an diesem Tag zu holen, um dich davor zu warnen: Du sollst umgehend das Land der Formifolk verlassen, denn unter unserem Volk hat sich die Vorstellung verbreitet, dass gerade das tanzende Phantom hinter dir der Grund für den Tod des sanften Pouting Lip ist – jenes Wesens, das vor einigen Tagen so geheimnisvoll verschwand. Deshalb rate ich dir, dich sofort fertig zu machen und morgen, bevor die Uhren die Menschen aus ihrem Schlaf wecken, unsere Stadt zu verlassen.“

Ich dankte Barrel Brow und versprach, seinem Rat zu folgen – obwohl ich ihm zugab, dass ich gerne noch ein paar Wochen geblieben wäre, denn es gab so viele Dinge in der wunderbaren Stadt Silber, die ich noch nicht gesehen hatte. Doch ich schuldete den lieben Menschen meiner eigenen Welt, gut auf mein Leben aufzupassen – auch wenn es mir unbedeutend erscheinen mochte.

Andererseits hielt ich es für Wahnsinn, versuchen zu wollen, mit den Soodopsies zu reden. Für sie war das tanzende Phantom hinter mir ein echtes Wesen aus Fleisch und Blut – obwohl sie es nicht fangen konnten – und es war ganz natürlich, dass sie vermuteten, wir hätten Pouting Lip weggebracht.

Ich rief Bulger zu, mir zu folgen, und verließ Barrel Browns Haus. Ich beschloss, noch eine Runde durch die wunderbare Stadt zu machen, anschließend etwas Essen und Kleidung zusammenzupacken und bereit zu sein, aufzubrechen, bevor die Uhren zu läuten begannen.

Ich muss erklären, liebe Freunde: Wie in allen Städten glaubten auch die Bewohner dieser Stadt manchmal, ihnen fehle Platz. Deshalb betrachteten sie andere Räume und stellten dort neue Kerzenleuchter auf, um Kälte und Feuchtigkeit zu vertreiben und die Räume bewohnbar zu machen.

Im letzten Raum, den sie auf diese Weise ihrer schönen Stadt hinzufügten – indem sie eine silberne Tür einbaute und den Boden mit polierten Platten desselben wunderschönen Metalls bedeckten – entdeckten sie einen harten Hügel, der anscheinend aus Felsen bestand.

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In einer Ecke – und sie hatten beschlossen, eines Tages mit ihren Bohrern und Hacken zu kommen, um mit der Arbeit zu beginnen, diesen Hügel wegzuräumen. Ich verspürte den seltsamen Drang, diese neue Kammer zu besuchen, um die Arbeit dieser „augenlosen“ Arbeiter zu inspizieren und zu sehen, wie weit sie bereits mit ihrer Aufgabe gekommen waren, eine kalte, felsige Höhle in eine helle, warme, gesunde Wohnstätte zu verwandeln. Stellen Sie sich meine Überraschung vor, als wir die Eingangstür erreichten und Bulger ein leises Knurren von sich gab. Ich streckte meine Hand aus, um die Tür zu öffnen – denn an diesem Tag arbeiteten die Soodopsies dort nicht, und der Ort war still wie ein Grab. Durch das Gitter blickte ich hinein – und sah etwas, das mir Schauer über den Rücken jagte und mein Haar zu Berge stehen ließ. Was glauben Sie, was es war? Der Hügel in der Ecke bewegte sich hin und her, und aus einer Ecke drang ein lautes, wütendes Zischen. Ich bin kein Feigling – aber das war einfach zu viel für normales oder sogar außergewöhnliches Fleisch, ohne dass man zurückzuckte. Ich taumelte zurück, unterdrückte einen Schrei des Entsetzens – und war kurz davor, in Panik davonzulaufen. Doch dann fiel mir ein, dass die Tür fest verschlossen war – und dass es also keine Gefahr gab, wenn ich mir dieses schreckliche Monster noch einmal ansah. Nun wurde ein riesiger, schlangenartiger Kopf unterhalb einer Kante des Hügels sichtbar – am Ende eines langen, schwankenden Halses. Seine großen, runden Augen, so groß wie die eines Ochsen, starrten mit einem stumpfen, kalten, glasigen Blick von einer Wand zur anderen. Dann, mit einem schrecklichen Zischen, hob sich der ganze Hügel plötzlich auf vier riesige Beine – dick wie Pfosten, mit schrecklichen Krallen an den Enden – und wurde in die Mitte der Kammer geschleppt. Was war dieses schreckliche Monster – und woher kam es? Nun verstand ich alles auf einen Blick: Es handelte sich um eine riesige Schildkröte – mindestens acht Fuß lang und fünf Fuß breit – die einst im oberen Weltreich lebte. Vor Tausenden von Jahren, als die schrecklichen Eisfelder kamen, musste sie, um dem sicheren Tod zu entgehen, in diese unterirdischen Höhlen kriechen. Hier, durch Kälte und Feuchtigkeit erstarrt, schlief sie ein – und hätte weitergeschlafen, hätten die fleißigen Formifolk nicht die brennenden Gasquellen im „Schlafzimmer“ des Monsters entzündet. Allmählich drang die Wärme in die Höhle ein…

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Das Dach der Hülle wurde durch Erde sowie Schichten von zerbrochenem Gestein verdickt – Gestein, das die Zeit auf es geworfen hatte. Dieses Gestein erreichte sein großes Herz und ließ es wieder schlagen – zunächst langsam, sehr langsam, doch immer schneller, bis er wirklich das Gefühl hatte, aus seinem langen Schlaf erwacht zu sein.

Durch ein schreckliches Unglück war Pouting Lip, der sanfte Soodopsy, versehentlich zurückgeblieben, als seine Brüder aufhörten zu arbeiten. Die neuen silbernen Türen der Kammer wurden vor ihm geschlossen. Oh, es war schrecklich, daran zu denken – aber es musste wahr sein: Der arme kleine Soodopsy, von seinen eigenen, augenlosen Leuten in dieser Kammer eingeschlossen, diente dazu, den Hunger dieses schrecklichen Monsters nach seinen langen Zeiten des Fastens zu stillen.

Aber warum, fragt ihr, liebe Freunde, wurde all das nicht entdeckt, als der Große Kreis gebildet wurde und nach ihm gesucht wurde? Einfach weil das Monster, nachdem es den armen Soodopsy verschlungen hatte, in sein Nest zurückkehrte, mit seinen riesigen Flossen Erde und zerbrochenes Gestein um sich herum schaufelte und wieder einschlief – wie es alle satt gegessenen Reptilien tun. So blieb alles, als die Suchenden die neue Kammer betraten, genau so, wie sie es verlassen hatten: der Haufen aus Gestein lag unberührt in der Ecke.

Mit Bulger im Schlepptau drehte ich mich um und rannte mit großer Hast zu Barrel Brow. Dadurch geriet die ganze Stadt in größte Unordnung – schließlich spürten sie natürlich, dass ich an ihnen vorbeiflog. Mit aller Geschwindigkeit, zu der ich fähig war, schrieb ich eine Beschreibung dessen, was ich gesehen hatte. Als Barrel Brow diese Beschreibung den versammelten Soodopsys übermittelte, hoben tausend Hände in die Luft – als Zeichen von Angst und Staunen. Dann stürmten sie auf Bulger und mich zu; wir wurden fast erdrückt von Küssen und Zärtlichkeiten.

Sobald die Aufregung etwas nachließ, wurde sofort ein Großer Kreis gebildet – und ich erhielt die Ehre, darin einen Platz einzunehmen. Als meine Tafel herumgereicht wurde, zeigten tausend Hände Zustimmung. Mein Plan war einfach: Ich wollte eine Verbindung zwischen Uphaslok und der neuen Kammer herstellen und die tödlichen Dämpfe in die Schlafkammer des riesigen Monsters leiten. Auf diese Weise würde sein Tod ein glücklicher sein – lediglich der Beginn eines weiteren langen Schlafs, zumindest soweit er davon etwas mitbekommen würde.

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Das wurde umgehend erledigt – wobei besonders darauf geachtet wurde, dass die Türen des neuen Raumes vollkommen luftdicht waren. Ich war der Erste, der nach der Vernichtung des Monsters in die Höhle eintrat, und zu meiner Freude stellte ich fest, dass meine Schätzungen bezüglich seiner Länge und Breite fast bis auf einen Zentimeter genau waren.
Ich hatte schon immer ein hervorragendes Auge für Abmessungen und Entfernungen.
Als ich sah, wie Bulger sich auf seine Hinterbeine erhob und versuchte, etwas von der Wand zu entfernen, näherte ich mich, um ihm zu helfen.
Ach! Es handelte sich um das Tablet des lieben, sanften Pouting Lip. Er hatte darauf geschrieben – und als das schreckliche Monster auf ihn zukam, hatte er es hochgehoben und an einen silbernen Pin an der Wand gehängt. Als die Soodopsies lasen, was ihr armer Bruder geschrieben hatte, setzten sie sich alle nieder und rangen in stummer, doch schrecklicher Trauer die Hände. Der Text lautete wie folgt:
„Oh, mein Volk! Warum habt ihr mich im Stich gelassen? Die Luft zittert; der ganze Ort ist erfüllt von einem erstickenden Geruch. Muss ich sterben? Ach, ich fürchte es! Doch ich möchte so sehr noch einmal die Berührung meiner Lieben spüren! Der Boden bebt; ein erdrückender Atem wird mir ins Gesicht geblasen; ich bin erschöpft, fast ohnmächtig vor Anstrengung, dem zu entkommen. Ich kann nicht mehr schreiben. Trauert nicht zu lange um mich. Es war meine Schuld. Ich blieb zurück, obwohl ich hätte folgen sollen. Oh, schrecklich! Lebewohl! Ich gehe jetzt. Ein liebevoller Gruß an alle – Lebewohl!“
Nachdem ich einige Tage gewartet hatte, bis der Kummer der Formifolk etwas nachließ, bat ich sie, mir einige ihrer geschicktesten Arbeiter zu schicken, damit sie mir halfen, die prächtige Schale vom toten Monster zu entfernen – dessen Körper den Fischen zum Fraß vorgeworfen worden war. Sie taten das nicht nur, sondern boten auch an, die Schale in ein wunderschönes Boot umzuwandeln, damit ich, wenn ich beschloss, mich von ihnen zu verabschieden, von der Stadt des Silbers wegsegeln konnte, ohne den Marmorpfad nehmen zu müssen. Die Arbeit ging zügig voran. Zunächst begannen die Polierer mit ihrer Arbeit – und schon nach einigen Tagen glänzte die mächtige Panzerung wie eine Damenfrisierkommode. Dann übernahmen die feinfühligen und geschickten Silberschmiede ihre Aufgabe; schon nach wenigen Tagen war die Schale mit einer kunstvoll gefertigten Silbernase ausgestattet, die wie der Hals und Kopf eines Schwans aussah. Zudem wurden hier und da kunstvoll geschnitzte Verzierungen hinzugefügt, sowie ein schönes Paar Silberrudern mit einem ebenfalls schön verzierten Ruder – von denen zwei kleine Seilchen herunterhingen. Ich hatte noch nie etwas so Reichhaltiges und Seltenes gesehen – und ich war sehr stolz darauf.

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Als junger König bestieg er seinen Thron – bevor er erkannte, dass dieser so sehr meinem Schiff aus Muscheln glich.
Endlich kam der Tag, an dem ich den sanften Soodopsies ein langes Lebewohl sagen musste.
Sie säumten das Ufer, während Bulger und ich unsere Plätze im Boot aus Muscheln einnahmen – diesem Boot, das wie etwas Lebendiges auf dem Wasser lag.
Mit großer Würde nahm Bulger seinen Platz am Heck ein, die Ruderseile im Maul, bereit, nach meinen Anweisungen in jede Richtung zu ziehen. Ich setzte die silbernen Ruder in Position, legte mein Gewicht darauf – und schon glitten wir schnell und geräuschlos über die Oberfläche des dunklen, träge fließenden Baches.
Nach kurzer Zeit blieb nur noch ein schwacher Schimmer übrig, der uns an die wunderbare Stadt aus Silber erinnerte – jene Stadt, in der die stummen Formifolk leben, lieben und arbeiten, ohne je daran zu denken, dass Menschen glücklicher sein könnten als sie.
Arme, glückliche Leute – sie haben ein großes Problem gelöst, mit dem wir im oberen Weltteil noch immer kämpfen.

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KAPITEL XXI

Wie wir auf unserem Weg den dunklen, stillen Fluss hinab beleuchtet wurden – ein plötzlicher, heftiger Angriff auf unser wunderschönes Boot aus Schneckenhaus. Ein Kampf ums Überleben gegen unglaubliche Widrigkeiten – und wie Bulger die ganze Zeit an meiner Seite blieb. Kalte Luft und Eisbrocken. Unser Eintritt in die Höhle, aus der sie kamen. Das Boot aus Schneckenhaus erreicht das Ende seiner Reise. Sonnenlicht in der Welt innerhalb einer Welt – sowie alles um das wunderbare Fenster herum, durch das dieses Licht strömte, und das geheimnisvolle Land, das es erleuchtete.

Ich wage zu behaupten, liebe Freunde, dass ihr euch den Kopf zerbricht, um herauszufinden, wie es möglich war, dass ich von der wunderbaren Stadt der Formifolk wegrudern konnte, ohne dass unser Boot ständig an Land geschwemmt wurde. Ach, ihr vergesst, dass der scharfsinnige Bulger am Ruder stand – und dass es nicht das erste Mal war, dass er mich durch Dunkelheit führte, die für meine Augen undurchdringlich war. Doch noch mehr: Ich stellte bald fest, dass das Plätschern meiner silbernen Ruder meine kleinen Freunde, die Feuer-Eidechsen, in einem ständigen Alarmzustand hielt. Obwohl ich das Knistern ihrer Schwänze nicht hören konnte, dienten die winzigen Lichtblitze dazu, das Ufer hervorragend abzuzeichnen. Also ruderte ich mit Entschlossenheit weiter den dunklen, stillen Fluss hinab – denn es gab eine Strömung, wenn auch kaum wahrnehmbar – und Bulger und ich wurden in dem wunderschönen Boot aus Schildpattpanzer mit seiner Bugpartie aus geschnitztem, poliertem Silber mitgetragen.

Während meines Aufenthalts im Land der Soodopsies bemerkte ich eines Tages, als ich den gelehrten Barrel Brow besuchte, unter seinen Kuriositäten eine wunderschön geschnitzte silberne Taschenlampe im pompejanischen Stil. Ich fragte ihn, ob er wisse, was das sei. Er antwortete, dass er es wisse, und fügte hinzu, dass es zweifellos…

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Er wurde von seinem Volk aus der oberen Welt mitgebracht, und er bat mich, es als Andenken anzunehmen. Das tat ich, und als ich die Stadt des Silbers verließ, füllte ich sie mit Fischöl und befestigte eine seidene Dochtspitze daran. Es war gut, dass ich das getan hatte, denn nach einer Weile verschwanden die Feuer-Echsen völlig – Bulger und ich wären in völliger Dunkelheit zurückgeblieben, hätte ich nicht meine wunderschöne Silberlampe hervorgeholt, sie entzündet und sie an den Schnabel des silbernen Schwans gehängt, dessen anmutiger Hals sich über die Reling unseres Bootes bog.

Nachdem ich lange genug mit den Rudern gearbeitet hatte, um Bulger etwas zu essen zu geben und selbst etwas zu essen, setzte ich meine Reise den stillen Fluss hinab fort – nun nicht mehr von undurchdringlicher Dunkelheit umhüllt. Ich hatte noch nicht einmal eine halbe Dutzend Ruderschläge ausgeführt, da riss plötzlich einer meiner Ruder fast aus meiner Hand – durch einen heftigen Ruck von irgendeinem Bewohner dieser dunklen, träge fließenden Gewässer. Ich beschloss, schneller zu rudern, um einem weiteren solchen Ruck zu entkommen – denn die von den Soodopsies für mich gefertigten Silberruder waren äußerst zerbrechlich und nur für sehr sanfte Nutzung bestimmt. Plötzlich erfolgte ein weiterer heftiger Ruck am anderen Ruder; dieses Mal gelang es dem Tier, es festzuhalten – ich wagte es nicht, das Ruder aus seinem Griff zu reißen, aus Angst, es zu zerbrechen. Es handelte sich um einen großen Krebstier aus der Krabbenfamilie; sein milchweißer Panzer verlieh ihm ein gespenstisches Aussehen, während es sich in den schwarzen Wassern wand und entschlossen versuchte, das Ruder festzuhalten. Im nächsten Moment hatte ein ähnliches Tier sich ebenfalls fest am anderen Ruder festgebissen – ich saß da, völlig hilflos. Doch noch schlimmer: Die dunklen Gewässer waren nun voller dieser weißen, gepanzerten Kreaturen – jede von ihnen schien darauf aus zu sein, meinen Vormarsch durch ihr Gebiet sofort zu beenden. Sie unternahmen eine Reihe verzweifelter Versuche, mit ihren riesigen Klauen die Seiten meines Bootes zu packen – doch glücklicherweise machte seine polierte Oberfläche dies für sie unmöglich.

Bis zu diesem Moment hatte Bulger keinen Muskel bewegt oder einen Laut von sich gegeben – doch nun verriet mir ein lautes Knurren, dass etwas Ernstes auf seiner Seite des Bootes passiert war. Tatsächlich war die Situation ernst: Mehrere der größten, wilden Krebstiere hatten das Ruder ergriffen und zerrten daran hin und her, als wollten sie es abreißen. Jeder Versuch dieser Tiere führte natürlich zu einem Ruck an den Ruderkabeln, die zwischen Bulgers Zähnen lagen – doch indem er sich fest hielt, widerstand er ihren heftigen Angriffen so gut er konnte und rettete vorerst das Ruder.

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Plötzlich prallte unsere zerbrechliche Hülle gegen irgendeine Art von Hindernis und kam völlig zum Stillstand. Als ich in die Dunkelheit spähte, sah ich zu meinem Entsetzen, dass der listige Feind den Fluss mit Ketten überquert hatte – Ketten, die aus lebenden Gliedern bestanden, wobei jedes Glied sich an den Klaue seines Nachbarn klammerte. Durch das Verflechten dieser doppelten Reihen kleiner, gehookter Beine wurde diese Kette fast so stark wie Stahl.

Unser Vormarsch wurde nicht nur blockiert, sondern der Tod – ein schrecklicher Tod – schien uns direkt ins Gesicht zu starren. Welche Fluchtmöglichkeit konnten Bulger und ich denn haben, wenn wir ins Wasser sprangen, wo jetzt diese schnell schwimmenden Kreaturen waren, die mit ihren riesigen Klauen nach einem Weg suchten, um an uns heranzukommen? An der tapferen Art und Weise, wie Bulger das wild schwingende Ruder hielt, erkannte ich, dass er entschlossen war, nicht aufzugeben. Doch leider ist Mut nutzlos, wenn zwei gegen tausend kämpfen müssen! Dennoch hatte ich noch nicht den Verstand verloren – glaubt das nicht. Zwar sah es schlecht aus für mich; selbst der Staub auf ihrer Seite könnte dazu führen, dass meine „Waage“ aus dem Gleichgewicht gerät. Ich hatte beide Ruder ins Boot gezogen, indem ich nach ihnen griff und die daran festgeklammerten Klauen wegschlug. Bis zu diesem Moment hatte ich jede dieser grausamen Kreaturen abwehren können, die es geschafft hatten, eine ihrer Klauen über den Rand des Bootes zu bringen. Doch nun spürte ich zu meinem Entsetzen, dass unser kleines Boot langsam, aber sicher mit dem Heck voran zum Ufer gezogen wurde. Um dies zu erreichen, hatten die Krebstiere eine Leine aus ihren miteinander verbundenen Körpern gebildet und sie am Ruder befestigt. Es durfte keine Sekunde verloren gehen!

Sobald wir am Ufer wären, würden diese grausamen Kreaturen in Scharen um uns herum sein – Zehntausende von ihnen würden uns hinunterziehen, uns zu Tode quetschen und uns in Stücke reißen!

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In See zu stechen – von dem Land der Soodopsies weg.
Mir kam eine Idee: Es ist Unsinn, versuchen zu wollen, diesen unzähligen Schwärmen von Krebstieren mit nur einem Paar schwacher Hände entgegenzutreten – selbst wenn man dabei auf Bulgers scharfe und entschlossene Zähne zurückgreifen könnte. Nach einem kurzen Kampf würden wir genauso untergehen wie der tapfere Mann im Abwasserkanal, als die hungrigen Ratten von allen Seiten auf ihn losstürmten – oder wie das wilde Büffeltier, wenn eine Meute gieriger Wölfe einen Kreis um es bildet. Wenn ich mein Leben retten will, muss ich einen Schlag ausführen, der gleichzeitig alle diese kleinen, aber gefährlichen Feinde trifft und sie dadurch lähmt – oder zumindest verwirrt –, bis ich entkommen kann!
Schnell zog ich meine Pistolen hervor, hielt ihre Mündungen dicht über das Wasser und feuerte gleichzeitig. Die Wirkung war schrecklich. Wie der Donnerschlag eines furchtbaren Blitzes ertönte der Knall und hallte durch diese riesigen, stillen Kammern – bis es schien, als wäre die große, gewölbte Felsdecke durch irgendeine schreckliche Naturkatastrophe mit lautem Getöse auf die Oberfläche dieser dunklen, trüben Gewässer gestürzt! Als sich der Rauch verzogen hatte, bot sich meinem Blick ein seltsamer, doch willkommener Anblick. Dutzende…

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Tausende der riesigen Krabben trieben leblos auf der Oberfläche des Flusses – ihre Panzer waren durch die Erschütterungen über die gesamte Länge ihres Körpers aufgeplatzt. Es erwies sich als Meisterstück von mir: Ich atmete tief durch, setzte meine silbernen Ruder ein und brachte mein Boot aus der Nähe dieser betäubten Krebstiere heraus – anschließend ruderte ich um mein Leben! Ach, ja, um das Leben – denn wessen Leben ist nicht kostbar, auch wenn es manchmal dunkel und düster ist? Gibt es nicht immer etwas oder jemanden, wofür es sich zu leben lohnt? Gibt es nicht immer einen Hauch von Hoffnung, dass die Sonne am Morgen heller scheinen wird als heute Morgen? Jedenfalls ruderte ich um mein Leben, während Bulger die Ruderseile hielt und unser zerbrechliches Boot mitten im Fluss hielt. Ob die Luft wirklich kälter war oder ob es nur die natürliche Kälte war, die oft das menschliche Herz betrifft, nachdem es abwechselnd vor Hoffnung und Angst geschlagen hat, konnte ich damals nicht sagen. Doch eines wusste ich: Plötzlich litt ich unter Kälte. Zum ersten Mal seit meinem Eintritt in diese Welt innerhalb einer Welt stachen mir die Fingerkuppen vor Kälte weh. Die sanfte, angenehme Atmosphäre des Juni war verschwunden – ich eilte, meinen mit Pelz verzierten Mantel anzuziehen, den ich in letzter Zeit kaum noch getragen hatte. In diesem Moment stieß eines meiner Ruder gegen eine harte Substanz, die im Wasser trieb. Ich streckte meine Hand aus, um sie zu ertasten – zu meiner großen Überraschung handelte es sich um einen Eisklumpen. Bald darauf trieben weitere Eisklumpen an uns vorbei. Wir befanden uns offensichtlich in einer Gegend, in der es so kalt war, dass Eis entstehen konnte. Das bedauerte ich nicht – denn, um ehrlich zu sein, Bulger und ich spürten bereits die Auswirkungen unseres langen Aufenthalts in den felsigen Kammern dieser Unterwelt. Die Atmosphäre dort war zwar mild und warm, doch ihr fehlte die Elastizität der frischen Luft. Eishöhlen wären eine völlige Abwechslung – die kalte Luft würde sicherlich unser Blut zum Pulsieren bringen, genau wie wenn wir an einem Wintertag in der oberen Welt Schlitten fahren würden, wenn die Sterne über unseren Köpfen funkeln und die Schneekristalle unter unseren Schlitten knirschen. Bald schon begannen riesige Eiszapfen die Felsdecke zu zieren, die den Fluss überspannte. Auch die Säulen und Strahlen aus Eis, die entlang des Ufers zu erkennen waren, schienen…

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Dort stehend wie stumme Wachen, beobachteten sie unser Boot, während es sich seinen Weg durch den immer enger werdenden Kanal bahnte. Auch jetzt erreichte uns ein schwaches Licht von irgendwoher – durch Anstrengen meiner Augen konnte ich erkennen, dass der Fluss eine Biegung machte und in eine riesige Höhle einmündete, deren Decke und Wände aus Eis bestanden, das in fantastische Formen, Nischen und Regale gemeißelt war. Hier und da gab es Formen, die so fantasievoll waren, dass es mir vorkam, als wäre ich in einen riesigen Saal voller Statuen eingetreten, in dem Helden und Krieger, Nymphen und Jungfrauen, Hirten und Vogelfänger in prächtiger Anordnung auf diesen Regalen und in diesen Nischen standen. Ein weiterer Vormarsch per Boot war unmöglich, denn die Eisklötze, die wie eine Eisfläche miteinander verbunden waren, versperrten den Fluss vollständig. Deshalb beschloss ich, an Land zu gehen – mein Boot an den Ufer zu ziehen und meinen Weg zu Fuß fortzusetzen.

Das geheimnisvolle Licht, das bis zu diesem Moment sein blasses Leuchten wie in einer arktischen Nacht auf die Decken und Wände aus Eis dieser stillen Kammern geworfen hatte, wurde nun stärker, sodass Bulger und ich ohne Schwierigkeiten am Ufer entlanggehen konnten. Tatsächlich überquerten wir immer wieder den Fluss, wann immer uns danach war – schließlich floss er nun wie ein breiter Eisstreifen durch Höhlen und Gänge vor uns.

Plötzlich blieb ich stehen und verharrte regungslos wie die fantastischen Eiskonstruktionen um mich herum. Was konnte das bedeuten? Waren meine Augen durch meinen langen Aufenthalt in der „Welt innerhalb der Welt“ geschwächt und spielten mir grausame Streiche? Es kann doch keinen Fehler geben! flüsterte ich mir zu. Dieses Licht dort drüben, das sein prächtiges Leuchten auf diese Spitztürme und -zinnen, diese Türme und Erkertürme aus Eis wirft, ist das Sonnenlicht der oberen Welt! Kann es sein, dass meine wunderbare unterirdische Reise zu Ende ist und ich erneut an der Schwelle zur oberen Welt stehe?

Auch Bulger erkannte dieses Sonnenlicht und begann vor Freude zu bellen; er rannte voraus, um als Erster die sanfte Wärme zu spüren, nach unserer langen Reise durch die dunklen und stillen Gänge der „Welt innerhalb der Welt“.

Doch ich wagte es nicht, meinen Augen zu trauen. Aus Angst, er könnte in eine Falle geraten oder ein schreckliches Unglück erleiden, rief ich ihn zurück. Gemeinsam eilten wir so schnell wie möglich vorwärts. Nun bemerkte ich, dass wir uns dem Ende des riesigen Ganges näherten, durch den wir schon eine Weile gekommen waren – und dass wir vor dem Eingang zu einem…

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Eine gewaltige unterirdische Region, erleuchtet vom echten Sonnenlicht. Sie erstreckt sich so weit das Auge reichen kann – und die Decke, die diese weite Unterwelt überspannt, ist so hoch, dass ich nicht erkennen kann, ob sie aus Eis besteht oder nicht. Alles, was ich sehen kann, ist, dass durch eine der schrägen Seiten ein mächtiger Strahl Sonnenlicht strömt, der sein Glanz unerschöpflich auf die weiten Straßen, die breiten Terrassen, die steilen Brüstungen sowie die schrägen Ufer wirft – Elemente, die diese eisige Welt prägen. Könnte es sein, dass eine Seite dieses gewaltigen Berges, den die Natur hier ausgehöhlt und wie ein spitz zulaufendes Dach über diese weite unterirdische Region gelegt hat, ein riesiges Fenster aus Eis selbst ist, durch das das Sonnenlicht der Außenwelt auf diese prächtige Weise hereinströmt – wie eine stille Lichtkatarakte, wie eine Flut aus Sonnenschein? Nein, das kann nicht sein; denn bei genauerem Hinsehen sah ich, dass dieser Lichtstrom, der durch die Seite des Berges strömte, in Form eines mächtigen Strahls aus Lichtstrahlen kam, die bei Berührung mit den gegenüberliegenden Wänden um hundertfach intensiver leuchteten und in tausend Richtungen zurückprallten, wodurch die ganze Region mit ihrem Glanz erfüllt wurde – bevor dieser Glanz in einem schwachen, perlenartigen Schimmer im weiten Raum verschwand, in dem ich ihn zum ersten Mal bemerkt hatte. Deshalb verstand ich, dass die Natur in die schräge Seite dieses ausgehöhlten Berges eine riesige Linse eingebaut haben muss – eine perfekte Linse aus reinstem Rochenkristall. Diese Linse sammelte das Sonnenlicht der Außenwelt in ihrem „geheimnisvollen“ Inneren und warf es – intensiv strahlend und blendend weiß – in die düstren Tiefen dieser „Welt in einer Welt“. Wenn draußen die Sonne aufging, ging sie auch hier auf – doch sie blieb kalt, obwohl sie schön war. Sie brachte dieser unterirdischen Region, die seit Tausenden von Jahrhunderten in der kristallinen Umarmung gefrorener Seen, Bäche, Flüsse und Wasserfälle gefangen war, weder Wärme noch irgendeine andere Freude außer Licht. Einst sprudelten und flossen diese Gewässer durch die schönen Länder der Oberwelt – doch plötzlich wurden ihre Ströme durch das Ausbrechen mächtiger, zurückgehaltener Kräfte gestoppt und wandten sich nach unten in diese eisigen Tiefen, verurteilt zu ewigem Ruhe und Stille. Ihre Kristalle lagen in einem Schlaf, aus dem sie niemals erwachen würden – in ihren Träumen verspottet von diesem geheimnisvollen Sonnenlicht, das zwar mit dem Lächeln und dem schönen, anziehenden Ausdruck des wahren Lichts kam, aber doch zu schwach war, sie frei zu machen, wie es einst geschah, als der Frühling in der Oberwelt einsetzte. All diese Gedanken – und viele weitere – gingen mir durch den Kopf, während ich nach oben blickte zu dieser gewaltigen Linse, eingebettet in den noch mächtigeren Fels.

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Und so tief beeindruckt war ich von dem Anblick einer solch großen Flut an Sonnenlicht, die durch dieses gigantische „Bullenauge“ strömte – ein „Auge“, das die Natur in die felsige Seite des Berggipfels geformt hatte – und diese unterirdische Welt erhellte. Je länger ich dieses wunderbare Schauspiel betrachtete, desto fester wurden meine Sinne davon gefesselt. Die tiefe Stille, die köstlich reine Luft sowie die ständig wechselnden Farbtöne des Lichts – da die mächtigen Eiskolonnen wie Prismen fungierten – füllten diese riesigen Kammern buchstäblich mit dem prächtigen Glanz des Regenbogens. Dies verlieh dem Zauber, der auf mir lastete, eine übernatürliche Kraft; er hätte mich dort festhalten können, bis meine Glieder zu eisigen Kristallen erstarrten und meine Augen mit einem erstarrten Blick hinausstarrten – wäre der stets wachsame Bulger nicht sanft am Saum meines Mantels gezogen und mich aus meiner fesselnden Versunkenheit gerissen hätten.

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KAPITEL XXII

Der Eispalast im goldenen Sonnenlicht – und was ich mir vorstellte, was sich darin befinden könnte. – Wie wir von ein paar prächtig gekleideten Wachen aufgehalten wurden. – Der Koltykwerps. – Seine eisige Majestät, König Gelidus. – Noch mehr über den Eispalast sowie eine Beschreibung des Thronsaals. – Unsere Empfang durch den König und seine Tochter Schneeboule. – Kurze Erwähnung von Bullibrain, oder Lord Hot Head.

Kaum hatte ich hundert Yards jenseits des Tores vorgedrungen, an dem ich innegehalten hatte, wandte ich zufällig meinen Blick in die andere Richtung – und sah etwas, das einen Schauer der Bewunderung und Freude durch meinen Körper sandte. Dort auf der höchsten Terrasse stand ein Eispalast: seine schlanken Minarette, seine hoch aufragenden Türme, seine abgerundeten Zinnen, seine geräumigen Plattformen sowie seine breiten Treppenfluchten glänzten im Sonnenlicht, als wären sie mit Edelsteinen besetzt. Es war ein Anblick, der selbst das gleichgültigste Herz bewegen konnte – geschweige denn eines, das so voller Leidenschaft und Begeisterung war wie meins. Doch ach, liebe Freunde – selbst wenn es mir gelingen sollte, in euren Köpfen zumindest eine vage Vorstellung von der Schönheit dieses Eispalastes zu wecken, wie er in jenem Moment vom Sonnenlicht beschienen wurde – wie kann ich dann hoffen, euch eine Vorstellung von der übernatürlichen Schönheit dieses Eispalastes sowie seiner prächtigen Umgebung vermitteln, wenn später der Mond am Himmel aufging und sein blasses, geheimnisvolles Licht durch die mächtige Linse in der Bergwand fiel und mit himmlischem Glanz auf diese Eiskulissen strahlte?
Doch der Gedanke, der mich nun bedrückte, war: Kann dieses wunderschöne Heim wirklich ohne Bewohner sein, ohne lebende Seele in seinen prächtigen Sälen?

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Kammern? Oder können ihre Bewohner, von der erbarmungslosen Kälte überwältigt, nicht mit weit geöffneten Augen und eisigem Blick in Stühlen aus Eis sitzen – so starr wie Marmor, mit weiß gefrorenem Haar, das gegen eiskalte Kissen gepresst ist, und Händen, die sich um Kristallgläser voller gefrorenen Weins in Topasfarbe krampfen? Während die Finger des Harfners sich an die genauso starren Saiten klammern und die letzten Töne der Stimme des Sängers in federartigen Kristallen aus gefrorenem Atem zu seinen Füßen liegen? Was auch immer geschehen mag – ich beschloss, den Kristallklopfer zu heben, der an der Außentür dieses Eispalastes hängen könnte, um den Burgherrn zu wecken, falls sein Schlaf nicht der des Todes war. In wenigen Momenten hatte ich den ebenen Raum zwischen mir und der ersten Terrasse überquert; um zur zweiten und anschließend zur dritten Terrasse zu gelangen, auf der der Eispalast stand, musste ich diese erst erklimmen.

Stellen Sie sich meine Überraschung vor, als ich mich plötzlich am Fuße einer prächtigen Treppe wiederfand – eine Treppe, die mit Meisterschaft aus dem Eis gehauen worden war und zur oberen Terrasse führte. Leichtfüßig stieg ich diese Treppe hinauf, mit Bulger dicht auf meinen Fersen. Plötzlich sah ich zwei der seltsamsten Menschen, die ich je in all meinen Reisen gesehen hatte. Sie sahen aus wie zwei große, lebende Schneebälle – von Kopf bis Fuß in Kleidung aus schneeweißer Fleeceware gekleidet, ihre Mützen ebenfalls aus weißem Fell, sodass nur ihr Gesicht sichtbar war. Jeder von ihnen trug in der rechten Hand eine sehr schön geformte Feuersteinaxt, die an einem Griff aus poliertem Knochen befestigt war.

Sie kamen auf mich zu und schwangen ihre Äxte über meinem Kopf – in einer Entfernung, die keineswegs angenehm war. Einer von ihnen rief: „Halt, Herr! Es sei denn, seine eisige Majestät Gelidus, König der Koltykwerps, erwartet Ihren Besuch – sonst werden seine Wachen auf unser Zeichen hin einige tausend Tonnen Eis auf Sie herabrollen, falls Sie es wagen, noch einen Schritt weiterzugehen. Bleiben Sie also stehen und sagen Sie uns, wer Sie sind und ob man Sie erwartet.“

„Meine Herren“, sagte ich, „senken Sie bitte Ihre Äxte. Ich werde Ihnen beweisen, dass seine eisige Majestät nichts von mir zu fürchten hat – denn ich bin niemand anderer als der kleine, aber sehr edle und berühmte Sebastian von Troomp, allgemein bekannt als ‚Kleiner Baron Trump‘.“

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„Ich habe noch nie von dir gehört in meinem ganzen Leben“, sagten beide Wachen wie aus einem Munde.
„Aber ich habe von euch gehört, meine Herren“, fuhr ich fort – denn nun erinnerte ich mich an das, was der weise Don Fum über das eisige Land der Koltykwerps gesagt hatte – „und als Beweis für meine friedlichen Absichten biete ich euch nun, wie ein wahrer Ritter, meine Hand dar und bitte darum, dass ihr mich vor die kalte Majestät führt.“
Kaum hatte der Wache, der neben mir stand, seinen Handschuh abgezogen und meine Hand ergriffen, ließ er sie wieder los und schrie vor Schreck auf.
„Um Himmels willen! Bist du etwa in Flammen? Deine Hand hat mich wie die Flamme einer Lampe verbrannt!“
„Nein, mein Freund“, sagte ich leise; „das ist meine normale Körpertemperatur.“
„Und dein Begleiter?“
„Der hat sogar noch ein wärmeres Herz als ich“, antwortete ich.
„Nun, unser Rat für dich, kleiner Baron“, rief einer der Wachen lachend, „es wird keinen Platz für dich geben außer im Fleischspeicher. Vielleicht kann seine kalte Majestät dich nachdem du eine Woche lang abgekühlt bist, bei sich haben!“
Das war keine besonders erfreuliche Aussicht – schließlich hatte ich keinerlei Verlangen, eine Woche lang im königlichen Eiskeller zu verbringen. Jedenfalls blieb nur, darauf zu bestehen, sofort vor den König der Koltykwerps geführt zu werden und seine Entscheidung hinzunehmen.
Einer der Wachen grüßte mich auf sehr militärische Weise, indem er seinen Kampfaxt präsentierte, drehte sich um und begann, die prächtige Treppe hinaufzusteigen, um meine Ankunft der kalten Majestät mitzuteilen, während der andere mir sagte, er würde mich bis zum Podest des Palastes begleiten.
Ich war von der Schönheit der drei Treppen, die zum Eispalast führten, beeindruckt. Massive Geländer mit seltsam verzierten Balustern, die von hohen Sockeln ausragten und mit wunderschönen Lampen gekrönt waren – einfach alles, bis hin zu den kristallklaren Seiten der Lampen selbst, war aus Eisblöcken gefertigt. Der Aufstieg zur obersten Terrasse war anstrengend – doch ich war nicht enttäuscht, als der Wache feierlich seinen Kampfaxt senkte, um mich zum Anhalten zu bringen.

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Die Sonne in der oberen Welt näherte sich zweifellos dem Horizont, denn plötzlich senkte sich ein tiefer, wunderschöner Dämmerung über die eisigen Gebiete von König Gelidus. Zu meiner Überraschung und Freude drang durch die großen, kristallklaren Eisscheiben, die als Fenster des Palastes dienten, ein sanftes Licht herein – als würden tausend Wachskerzen in den Räumen und Gängen brennen. Es war ein Anblick, der die Augen jedes Sterblichen erfreuen konnte. Doch wenn ich bereits von der Schönheit des Äußeren fasziniert war, wie soll ich euch dann, liebe Freunde, vom seltsamen Glanz des Inneren von Gelidus’ Eispalast erzählen, als ich seine Schwelle überschritt?

Flure führten in weitere Flure, Räume öffneten sich in andere Räume – durch anmutig gewölbte Türen. Wendelsteige führten zu den oberen Räumen. Von hohen Decken hingen oder ruhten auf eleganten Sockeln tausend Alabasterlampen, die Licht und Duft in dieses prächtige Heim seines eisigen Majestäts Gelidus, König der Koltykwerps, warfen. Lange Reihen von Dienern, alle in schneeweißer Pelzkleidung, säumten den breiten Flur. Die Wachen führten Bulger und mich in den Palast und verbeugten sich stumm, als wir vorbeigingen.

Zu meiner noch größeren Verwunderung sah ich, dass die inneren Räume äußerst prächtig eingerichtet waren: Stühle und Sofas lagen überall herum, alles bedeckt mit wunderbaren weißen Pelzen. Auch der Boden war damit ausgelegt. Das sanfte Licht der Alabasterlampen fiel auf diese prächtigen Pelze sowie auf die tausend Juwelen an Wänden und Decken aus Eis. Ich war bereit zuzugeben, dass ich noch nie etwas Halbso Schönes gesehen hatte. Und doch befand ich mich immer noch außerhalb des Thronsaals seines eisigen Majestäts!

Schließlich kamen wir an das Ende eines breiten Flurs, der durch eine Wand vom Rest des Palastes abgetrennt zu sein schien. Diese Wand war mit Reihen großer Diamanten bedeckt – jeder so groß wie ein Gänseei –, die von der Decke bis zum Boden reichten. Sie reflektierten das Licht der Lampen in solchem Maße, dass meine Augen unwillkürlich zufielen.

Stellt Euch meine Überraschung vor, als die beiden Wachen diese „Wand aus Juwelen“ – wie ich sie zunächst hielt – nach rechts und links schoben, bis genug Platz für mich entstand, um hindurchzugehen. Was ich für eine Wand aus Juwelen gehalten hatte, war in Wirklichkeit nur ein Vorhang, bestehend aus runden Eisklumpen, die an Fäden aufgehängt waren und wie ein Regen aus Diamanten vor mir hingen. Sie funkelten im Licht der Lampen auf beiden Seiten.

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Ich stand nun im Thronsaal seines eisigen Majestäts, des Königs der Koltykwerps. Da wurde mir klar, dass das, was ich sonst in seinem Eispalast gesehen hatte, in Wirklichkeit nur ein Vorgeschmack auf seine Pracht war – denn hier brach die Pracht von König Gelidus’ Schloss in voller Stärke über mich herein. Stellen Sie sich einen großen, runden Raum vor, der von den sanften Flammen duftenden Öls erhellt wird – dieses Öl strömte aus hundert Alabasterlampen. Die Wände waren mit breiten Diwans bedeckt, die mit schneeweißen Fellen überzogen waren; der Boden war dick mit denselben prächtigen Teppichen ausgelegt. Auf einer Seite stand, im Glanz der hundert riesigen Lampen, der eisige Thron des Königs der Koltykwerps – dieser Thron war mit schneeweißen Fellen verziert. Auf diesem Thron saß der König, und zu seinen Füßen saß seine schöne Tochter Schneeboule. Um ihn herum standen in Gruppen hundert Koltykwerps – der König, die Prinzessin sowie die Höflinge, alle gekleidet in Felle, die noch weißer waren als der Schnee. Und Sie, liebe Freunde, können sich nun eine Vorstellung davon machen, wie prächtig diese Szene war, als die beiden Wachen die Eisjuwelen am Ende des Ganges im Eispalast beiseiteschoben! Wie alle seine Untertanen blickte auch König Gelidus durch das runde Fenster seines Pelzmantels hinaus – genauso wie ein großes, gutmütiges Kind durch seine Schlittschuhmütze.
**Die Schlacht ums Überleben – gegen die weißen Krabben**

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Die Koltykwerps waren nicht viel größer als ich, aber sehr kräftig gebaut – wodurch sie in ihren dicken Pelzmänteln manchmal tatsächlich den Anschein von lebenden Schneebällen erweckten. Es wäre schwierig für die geschicktesten Hände, Gesichter voller Freundlichkeit und Gutmütigkeit zu zeichnen als die der Koltykwerps. Ihre kleinen, ehrlichen grauen Augen funkelten mit einem freundlichen Glanz, und ihre Lächeln waren so breit, dass sie nur zur Hälfte durch die runden Öffnungen ihrer Pelzmützen sichtbar waren. Ich mochte sie von Anfang an sehr – umso mehr, als ich König Gelidus in fröhlicher Stimme rufen hörte: „Willkommen in unserem eisigen Hof, kleiner Baron – doch nach dem, was unser Volk uns berichtet, besitzt du Hände, die so heiß sind, dass wir dich bitten, ein paar Tage Zeit zu nehmen, um abzukühlen, bevor du irgendeinen Koltykwerp berührst. Wir bitten dich außerdem, vorsichtig zu sein – nicht gegen irgendwelche reich verzierten Paneele zu lehnen, nicht an unseren hochpolierten Geländern herunterzurutschen, nicht an unseren Juwelen zu fassen und auch nicht längere Zeit auf den Vortreppen unseres Palastes zu sitzen. Dasselbe bitten wir auch um deinen vierbeinigen Begleiter – von dem man sagt, er sei noch warmherziger als du.“

Ich verbeugte mich und küsste meine Hand vor seiner eisigen Majestät und versicherte ihm, dass ich alles tun würde, um meine Körpertemperatur so schnell wie möglich zu senken – und in der Zwischenzeit äußerst vorsichtig zu sein, um keinen Kontakt mit den künstlerischen Verzierungen seines Eispalastes aufzunehmen.

Während ich diese Worte aussprach, begann die ganze Gesellschaft zu klatschen. Dabei lief mir ein kalter Schauer über den Rücken – denn es gab ein Geräusch, das dem Knirschen trockener Knochen sehr ähnelte. Doch ich achtete darauf, dass König Gelidus meine Angst nicht bemerkte.

Seine eisige Majestät stellte mich anschließend seiner Tochter Schneeboule vor – einem hübschen kleinen Mädchen von etwa sechzehn Kristwintern, mit Wangen, die rund wie Äpfel waren und genauso tief eingedrückt wie die Furchen eines Zopfes. Ihre Augen funkelten, als sie Bulger und mich ansah. Dann wandte sie sich an ihren eisigen Vater und bat darum, die Spitze meines Daumens berühren zu dürfen. Nachdem das geschehen war, stieß sie einen leisen Schrei aus und begann, auf ihren kleinen Finger zu pusten – als hätte ich ihn verbrannt.

König Gelidus stellte mich außerdem einigen seiner Hoflieblinge vor – alles Männer mit dem kältesten Blut im ganzen Land. Ihre Namen waren Jellikin, Phrostyphiz…

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Icikul und Glacierbhoy – sie waren alle äußerst langsam im Denken, wenn man sie zu einem Thema genau befragte. Es dauerte nicht lange, bis ich das herausfand. Tatsächlich baten sie mich, in meinem Umgang mit ihnen weniger freundlich zu sein und ihnen keine schwierigen Fragen zu stellen, denn sie stellten immer wieder fest, dass tiefes Nachdenken ihre Körpertemperatur erhöhte. Ehrlich gesagt war das für mich sehr ärgerlich – denn ihr wisst ja, liebe Freunde, wie aktiv mein Verstand ist: Er schläft niemals, ist stets in Bewegung, wie der Kompass eines Seemanns, der in alle Richtungen zeigt auf der Suche nach dem Polarstern der Weisheit. Als ich meinem kühlen Majestät, König Gelidus, von meinem Problem erzählte, befahl er höflichst einem seiner vertrauenswürdigen Diener, mich in die dreischichtige Eiskammer eines gewissen Koltykwerp namens Bullibrain zu bringen – was wörtlich „kochender Verstand“ bedeutet. Es handelte sich dabei um einen Mann, der bereits mit einem hitzigen Kopf geboren wurde und daher einen sehr aktiven Verstand hatte. Seit fünfzig Jahren versuchte König Gelidus vergeblich, diesen Mann abzukühlen. Da ich ungeduldig darauf wartete, eine ganze Reihe von Fragen bezüglich der Koltykwerps zu stellen, könnt ihr euch vorstellen, wie glücklich ich war, Bullibrain kennenzulernen – oder „Lord Hot Head“, wie er bei den Koltykwerps genannt wurde. Doch liebe Freunde, entschuldigt mich, wenn ich damit das Ende dieses Kapitels markiere und hier eine kurze Pause einlege.

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KAPITEL XXIII

Lord Hot Head wieder – und diesmal eine ausführlichere Beschreibung von ihm. Seine seltsamen Geschichten über die Koltykwerps: Woher sie kamen, wer sie waren und wie es ihnen gelang, in dieser Welt des ewigen Frosts zu leben. Die vielen Fragen, die ich ihm stellte, sowie seine vollständigen Antworten.

Lord Bullibrain durfte niemals den Eispalast betreten. König Gelidus, gestützt auf die Meinung seiner Favoriten, glaubte weiterhin, dass er ihn schließlich kühlen könnte. Tatsächlich widmete er sich dieser Aufgabe bereits seit vielen Jahren – es war zu einer Art Hobby für ihn geworden. Fast täglich besuchte seine eiskalte Majestät seinen hitzköpfigen Untertanen und prüfte seine Körpertemperatur, indem er einen kleinen Eisball gegen seine Schläfen drückte. In den Augen von König Gelidus stellte ein Mensch mit einer so hohen Körpertemperatur eine ständige Bedrohung für den Frieden und die Ruhe seines Königreichs dar. Was, wenn Lord Hot Head eines Nachts im Schlaf dorthin wanderte und mit dem Rücken an eine der Wände des Eispalastes einschlief? Könnte er nicht genug Eis schmelzen lassen, sodass das ganze prächtige Gebäude zusammenbrach und zu Trümmern wurde? Es war schrecklich, daran zu denken – und er dachte oft daran. Doch Bullibrain hatte vor mir keine Angst, genauso wenig wie Bulger. Tatsächlich freute sich Bulger darüber, von einer warmen Hand gestreichelt zu werden. Er, Bullibrain und ich wurden bald zu besten Freunden. Doch seine eiskalte Majestät war zutiefst beunruhigt, als er von dieser Freundschaft erfuhr. Er geriet in einen regelrechten „Hitzeanfall“ – denn er glaubte, dass die gemeinsame Hitze von drei hitzköpfigen Menschen dem Wohlergehen seines Volkes schaden könnte. Deshalb erließ er ein Dekret, das in eine Eisplatte eingraviert wurde: Bullibrain und ich durften an keinem Tag länger als eine halbe Stunde zusammen verbringen – und wir durften uns niemals berühren.

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In derselben Kammer schlafen, aus derselben Schüssel essen oder auf demselben Diwan sitzen – das waren die Vorschriften. Sie waren lästig, doch ich befolgte sie buchstäblich. Als König Gelidus sah, wie sorgfältig ich darauf achtete, seinen Befehlen strikt zu gehorchen, entwickelte er echte Zuneigung zu mir und schickte mehrere prächtige Felle in das Eishaus, das Bulger und mir zugewiesen worden war. Es wäre natürlich nicht sicher für uns gewesen, im Palast selbst zu wohnen. Doch Seine eisige Majestät versprach, dass uns sobald Bulger und ich richtig gekühlt wären, Räume im Palast zur Verfügung gestellt werden würden – und tatsächlich sollte ich sogar am königlichen Tisch essen dürfen.

Wer sind die Koltykwerps? Woher stammen diese seltsamen Leute? Wie kamen sie überhaupt in diese Welt des ewigen Frosts? Und vor allem: Woher beziehen sie ihre Nahrung und Kleidung? Das waren einige der Fragen, auf deren Beantwortung ich ungeduldig wartete – so sehr, dass meine Körpertemperatur um einen ganzen Grad anstieg. Ich musste daher mit nur einem einzigen Fell zwischen mir und meinem Diwan aus Kristall Eis schlafen.

Für einen Mann, der in einem so kalten Land wie dem der Koltykwerps aufgewachsen war, hatte Bullibrain einen äußerst schnellen und aktiven Verstand. Aufgrund seines schnellen Herzschlags sowie der daraus resultierenden hohen Körpertemperatur konnte er seine Schrift nicht auf Eisplatten wie andere gebildete Koltykwerps tun – es wäre schließlich nicht angenehm für ihn gewesen, zu sehen, wie ein von ihm gerade fertiggestelltes Gedicht buchstäblich in seinen Händen schmilzt, ohne auch nur einen Tintenfleck zurückzulassen. Deshalb musste er mit Genehmigung von König Gelidus seine Schrift auf dünne Alabasterplatten schreiben.

Bevor er anfing, mir von den Vorfahren der Koltykwerps zu erzählen, zeigte er mir eine Karte des Landes in der oberen Welt, das einst von ihnen bewohnt wurde. Er zeichnete mir den Weg nach, den sie eingeschlagen hatten, als sie dieses Land verließen, und beschrieb die wunderschönen Küsten, an denen sie bei ihrer Suche nach einem neuen Zuhause gelandet waren. Auf den ersten Blick erkannte ich, dass Bullibrain unbewusst Grönland beschrieb. Da ich wusste, dass Grönland in vergangenen Zeiten ein Land mit blauem Himmel, warmen Winden, grünen Wiesen und fruchtbaren Tälern war – bevor Gletscher vom Norden herabkamen und dort jegliches Leben zerstörten – lauschte ich atemlos seinen wunderbaren Erzählungen über die schönen Seen, die am Fuße von Weinrebenlagen lagen.

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Berge – all diese sah Bullibrain nun in schönen Visionen, die er von seinen Vorfahren geerbt hatte. Ich wusste auch, dass es der Arktische Ozean gewesen sein musste, den die Schiffe der Koltykwerps durchquert hatten; sie landeten anschließend auf den damals sonnigen Küsten Nordrusslands. Doch auch die Eismassen konnten sich bewegen – sie verfolgten die fliehenden Koltykwerps wie mächtige Monster, stürzten mit schrecklichem Gebrüll und Getöse auf die friedlichen Ufer und verwandelten sie bald in eine Wildnis aus Eisbergen, Gletschern und Eisflächen. Nur eine Handvoll der Koltykwerps überlebte; sie suchten in ihrer verzweifelten Not Zuflucht in den Spalten und Höhlen des Nordurals und konnten von dort aus eines der seltsamsten Schauspiele betrachten, die je menschliche Augen gesehen hatten. Der Vormarsch dieser mächtigen Eismassen war so rasch, dass sie gegen die Berghänge prallten und die Felsen in ihrem Zorn zerrissen. Die Luft verlor ihre Wärme – die Sonne konnte sie nicht wieder zurückgeben. Die Tiere des Waldes und der Felder starben während ihrer Flucht; sie standen dort steif und regungslos da, mit erhobenen Köpfen und angespannten Muskeln. Tausende, ja Zehntausende von ihnen wurden von den heranrasenden Eismassen erfasst – wie Moos und Blätter in einem Bergbach – und in jeder Höhle und Spalte festgepresst. Dadurch entstanden immer größere Öffnungen in diesen unterirdischen Räumen, damit die Eismassen ihre zerstörerische Arbeit besser verrichten konnten!
„Und das sind also, o Bullibrain, eure Fleischquellen“, rief ich aus. „Von hier bezieht ihr eure tägliche Nahrung?“
„Genau so, kleiner Baron“, antwortete der hitzköpfige Koltykwerp. „Nicht nur unsere Nahrung, sondern auch die Felle, die uns in dieser kalten Unterwelt hervorragend als Kleidung dienen. Außerdem gibt es noch das Öl, das in unseren wunderschönen Alabasterlampen brennt – sowie hunderte andere Dinge: Knochen für Griffe und Henkel, Hörner für Nadeln, Knöpfe und Essutensilien, Wolle zum Weben unserer Unterwäsche – sowie prächtige Felle von Bären, Robben und Walrossen. Wenn man diese Felle auf unsere Bänke und Diwane aus Kristalleis legt, verwandeln sie sich in Betten und Sofas, die sogar ein Bewohner eurer Welt beneiden würde.“
„Aber, o Bullibrain“, rief ich aus, „habt ihr diese Vorräte nicht bereits fast erschöpft? Wird euch nicht bald der Tod durch Hunger in diesen tiefen, eisigen Höhlen der Unterwelt drohen – Höhlen, die zwar vom Sonnenlicht erreicht werden, aber nicht davon erwärmt werden?“

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„Nein, kleiner Baron“, antwortete Bullibrain mit einem Lächeln, das fast ebenso warm war wie meins; „lasse dich von diesem Gedanken nicht auch nur für einen Moment beunruhigen, denn wir haben bisher kaum den Deckel dieses ‚Eiskastens‘ der Natur angehoben. Wir sind ohnehin keine großen Esser“, fuhr Lord Hot Head fort. „Zwar ist es wahr, dass wir keine faulen Menschen sind – schließlich benötigen der Palast Seiner eisigen Majestät sowie unsere Wohnstätten ständige Reparaturen, neue Äxte und Beile müssen in den Feuersteinbrüchen geschlagen werden, neue Lampen gefertigt und neue Kleider gewebt werden – doch es ist auch wahr, dass wir das Leben ziemlich entspannt führen. Wir haben keine Feinde, die wir töten müssten, keine Streitigkeiten, die wir beilegen müssten, kein Gold, um um dessen willen zu kämpfen, kein Land, aus dem wir andere Lebewesen vertreiben und abgrenzen müssten. Auch können wir krank werden, wenn wir es nicht wollen – denn in dieser reinen, kalten, klaren Luft würden Krankheiten vergeblich versuchen, ihre giftigen Keime zu verbreiten. Deshalb brauchen wir keine Ärzte – genauso wenig wie Anwälte oder Händler, die uns das verkaufen könnten, was uns bereits gehört. Seine eisige Majestät ist ein hervorragender König. Ich habe noch nie von einem besseren gehört. Ich bezweifle, dass es im oberen Weltreich jemanden wie ihn gibt. Immer ruhigblütig, ohne Gedanken an Eroberung, ohne Träume von Macht, ohne Sehnsucht nach leeren Prunk und Zierde – all das kommt ihm niemals in den Sinn. Seit dem Tag, an dem sein Vater starb und wir die große Krone aus Kristall Eis auf seine kühle Stirn setzten, ist seine Körpertemperatur nie um mehr als einen halben Grad gestiegen – und das auch nur für etwa eine Stunde. Der Grund dafür war ein verrückter Vorschlag eines seiner Berater, der behauptete, er habe ein explosives Gemisch entdeckt, etwas Ähnliches wie Schießpulver in deiner Welt, mit dem er das prächtige Fenster aus Bergkristall in der Kuppel unserer Unterwelt zerstören und das warme Sonnenlicht hereinlassen könnte.“

„Hat Seine eisige Majestät Gelidus diesen kühnen Koltykwerp getötet?“, fragte ich.

„Oh, nein“, antwortete Bullibrain. „Er befahl lediglich, ihn so viele Stunden am Tag zu kühlen, bis all seine verrückten Pläne durch die Kälte zum Stillstand kamen. Denn zweifellos weiß ein Mann mit deinem tiefen Wissen sehr wohl, dass all die Übel, unter denen deine Welt leidet, aus fiebrigen Gehirnen entstehen – aus Geistern, die durch die hohe Temperatur des Blutes unruhig und visionär werden, während deine Sonne die giftigen Dämpfe aus den stehenden Gewässern hebt.“

Je mehr ich Bullibrain zuhörte, desto mehr mochte ich ihn. Tatsächlich zog ich es vor, in seiner engen Zelle mit ihren einfachen Eiswänden, die von einer einzigen Alabasterlampe beleuchtet wurden, mit ihm zu sprechen, anstatt herumzulungern.

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Der prächtige Thronsaal seines eisigen Majestäts, König Gelidus – doch Bulger hatte herausgefunden, dass die Felle des Diwans von Prinzessin Schneeboule viel dicker, weicher und wärmer waren als das einzige Fell, das Lord Hot Head zur Verfügung stand. Deshalb zog er es vor, seine Zeit mit ihr zu verbringen. Doch aus Angst, er könnte Unfug anstellen, wagte ich es nicht, ihn zu lange allein mit der Prinzessin zu lassen.

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KAPITEL XXIV

Einige Dinge über die liebe kleine Prinzessin Schneeboule – wie sie und ich schnell Freundinnen wurden, und wie sie uns eines Tages in ihre Lieblingshöhle führte, um den kleinen Mann mit dem erstarrten Lächeln zu sehen – etwas über ihn. Was aus meiner Bewunderung für ihn wurde, wird hier ausführlich beschrieben.

Zu der Zeit, als Bulger und ich im Land der Koltykwerps ankamen, war Prinzessin Schneeboule etwa fünfzehn Jahre alt. Ich muss sagen, dass es mir nur selten vergönnt war, eine so sanftmütige, liebenswerte kleine Person kennenzulernen. Sie bewegte sich durch den Eispalast wie ein Sonnenstrahl – an ihr war nichts von einem verwöhnten Kind zu erkennen, obwohl sie manchmal etwas frech war. Ihre Stimme war genauso musikalisch wie die eines Nachtigalls, und es dauerte nicht lange, bis wir beste Freundinnen wurden.

Ihr müsst wissen, liebe Freunde, dass nach dem Gesetz der Koltykwerps eine Prinzessin völlig frei ist, sich ihren eigenen Ehemann auszusuchen. Ihre eisige Majestät wollte unbedingt, dass Schneeboule sich so schnell wie möglich einen Ehemann aussuchte. Zudem gewährte das Landesgesetz ihr volle Freiheit, sich einen Ehemann von hohem oder niedrigem Rang auszusuchen – vorausgesetzt, er war jung genug. Die Prinzessin musste ihre Vorliebe dadurch kundtun, dass sie dem jungen Mann, den sie auswählte, einen Kuss auf die Wange gab. Dadurch wurde er sofort adlig und zum Thronerben des Eises – und hatte das Recht, auf den Stufen des Throns zu sitzen, bis er gekrönt wurde.

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Seine eiskalte Majestät freute sich sehr über diese Freundschaft zwischen Schneeboule und mir – schließlich hoffte er, meinen Einfluss nutzen zu können, um sie dazu zu bringen, einem jungen Mann einen Kuss auf die Wange zu geben, bevor ich das kalte Königreich der Koltykwerps verließ. Ich gab ihm das Versprechen eines Edelmannes, dass ich mein Bestes tun würde, seine Wünsche zu erfüllen. Mit Schneeboule als Führerin unternahmen Bulger und ich oft Spaziergänge durch die prächtigen Eishöhlen im Königreich ihres Vaters. Wir wählten dabei Tage aus, an denen das Sonnenlicht aus der Außenwelt am stärksten durch die riesige Linse an der Seite des Berges drang. Dann erhielten diese Höhlen eine Pracht, die meine arme Zunge nicht beschreiben kann. Ihre Kristallgänge glänzten, als wären ihre Wände mit wunderbar geschliffenen und polierten Juwelen verziert – und als wären ihre Decken mit so unvergleichlichen Edelsteinen übersät, dass all das Gold der Oberwelt bei weitem nicht ausreichen würde, um sie zu bezahlen. Überall hatte die Kunstfertigkeit der Koltykwerps anmutige Treppenfluchten, breite Plattformen mit majestätischen Säulen sowie gewundene Gänge geschaffen, die von Reihen von Statuen gesäumt waren – einzeln oder in Gruppen. Von Zeit zu Zeit stieß der Besucher auf eine Terrasse, auf der er, auf einem mit Pelz bezogenen Diwan sitzend, die atemberaubende Schönheit der eisigen Gebiete von König Gelidus betrachten konnte. Über allem strömte durch die riesige Linse in ihrem Granitsockel, eine Meile über unseren Köpfen, ein Strahl glorreichen Sonnenlichts, der diese „Welt in einer Welt“ mit einer solch prächtigen und vollkommenen Helligkeit erleuchtete, dass es schien, als handele es sich um eine Sonne von noch größerer Pracht als jene, die die Oberwelt am Morgen und Abend in so viele wunderschöne Farben tauchte. Kaum verging ein Tag, an dem die Prinzessin der Koltykwerps Bulger oder mich nicht mit irgendeinem Geschenk überraschte. Um ehrlich zu sein, liebe Freunde: Obwohl mein russischer Mantel mit Pelz verziert war, spürte ich nach einer Woche im eisigen Reich von König Gelidus den Bedarf an wärmerer Kleidung. Ich glaube, Schneeboule hat gehört, wie meine Zähne klapperten – denn eines Morgens, als ich den Eispalast betrat, freute ich mich sehr, ein komplettes Pelzmantelset zu erhalten, das genauso aussah wie das, das König Gelidus selbst trug. Auch Bulger wurde von der liebevollen kleinen Prinzessin nicht vergessen: Mit ihren eigenen Händen strickte sie ihm eine Decke aus dem weichsten Wolle, die sie fest um seinen Körper und seinen Hals band – sodass er fortan in der kalten Luft des Reiches der Koltykwerps völlig wohl fühlte.

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Eines Tages sagte mir Prinzessin Schneeboule:
„Oh, komm, kleiner Baron, komm in meine Lieblingshöhle – jetzt, da die Sonnenstrahlen darin hell scheinen; dort wirst du ein Wunder sehen.“
„Ein Wunder, Prinzessin Schneeboule?“
„Ja, kleiner Baron, ein Wunder“, wiederholte sie. „Der kleine Mann mit dem gefrorenen Lächeln.“
„Der kleine Mann mit dem gefrorenen Lächeln?“, echote ich.
„Komm und sieh es dir an, komm schon, kleiner Baron!“, rief Schneeboule und eilte voraus.
Bald erreichten wir die Höhle und stürmten hinein, wobei die Prinzessin uns den Weg wies.
Plötzlich blieb sie vor einem prächtigen Block aus Kristall-Eis stehen – klar wie poliertes Glas – und rief aus:
„Da, schau! Da ist der kleine Mann mit dem gefrorenen Lächeln!“
Auch jetzt, wenn mir dieser Moment in Erinnerung kommt, spüre ich wieder jenes Gefühl aus halber Angst und halber Freude, als meine Augen auf das kleine Wesen fielen, das in diesem wunderbaren Eisblock eingesperrt war – es selbst war ein Teil dieses Blocks, sein Herz, sein Inhalt, sein Geheimnis. Dort, in seiner Mitte, in einer entspannten Haltung, mit weit geöffneten Augen und dem, was man als Lächeln bezeichnen könnte, saß ein kleines Tier der Schimpansenart. Wahrscheinlich hatte es geschlafen, als die eisige Flut über es hereinbrach – es hatte von schönen Bäumen geträumt, die unter lila Früchten bebten, von wolkenlosem Himmel oben und einem Korallenstrand unten. Der Tod kam so schnell zu ihm, dass er zum „Bruder“ dieses Eisblocks wurde, während der glückliche Traum noch in seinen Gedanken war.

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Der kleine Mann
mit dem erstarrten Lächeln.

Es war wunderbar – mehr als wunderbar! Von diesem seltsamen Anblick fasziniert, stand ich dort, ich weiß nicht, wie lange, mit meinen Augen in seinen gerichtet. Schließlich rief Schneeboules Stimme mich zur Besinnung:
„Ha! ha!“, lachte sie; „sieh, kleiner Baron – Bulger versucht, seinen armen toten Bruder zu küssen.“
Tatsächlich presste Bulger seine Nase fest gegen den Eisklotz, in dem Versuch, das seltsame Tier zu erschnüffeln, das in dieser Kristallzelle gefangen war – so nah und doch unerreichbar für seinen scharfen Geruchssinn.
„Nun, kleiner Baron“, rief Schneeboule, „habe ich nicht die Wahrheit gesagt? Habe ich dir nicht den kleinen Mann mit dem erstarrten Lächeln gezeigt?“
„Gewiss, schöne Prinzessin“, antwortete ich; „und ich kann dir gar nicht genug danken dafür, dass du es getan hast.“
Dann, als sie an meinem Ärmel zupfte, bat ich: „Nein, gütige Schneeboule – noch nicht, lass mich noch ein wenig bleiben. Der kleine Mann mit dem erstarrten Lächeln scheint mich anzuflehen, nicht zu gehen. Ich kann mir fast vorstellen, ihn flüstern zu hören: ‚Oh kleiner Baron, brich die Kristallzelle meiner Gefangenschaft auf.‘“

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„Und nimm mich mit dir zurück in die Welt des Sonnenscheins, zurück in das Land der Orangenbäume – dorthin, wo die sanften, warmen Winde mich einst in den Wiegen der schwankenden Äste in den Schlaf wiegten, während der weise und wachsame Patriarch unserer Herde über uns alle wachte.“

Schneeboules große, runde, graue Augen füllten sich bei diesen Worten mit Tränen. „Wenn er doch noch am Leben wäre, kleiner Baron“, flüsterte sie, „und wenn ich ihm etwas von meinem Glück geben könnte, um ihm für all die langen Jahre zu danken, die er in seinem eisigen Gefängnis verbracht hat.“

Nach kurzer Zeit nahm Schneeboule mich bei der Hand und führte mich weg vom großen Eisklotz mit seinem stummen Gefangenen. Mein Herz war sehr schwer, und sowohl Schneeboule als auch Bulger taten ihr Bestes, um mich abzulenken – doch vergeblich.

Nachdem ich die Prinzessin am Eingang des Palastes zurückgelassen hatte, ging ich zu meiner Unterkunft, die im sanften Licht ihrer Alabasterlampen erstrahlte. Dort fand ich eine wunderschöne neue Pelzdecke auf meinem Diwan – ein neues Geschenk von König Gelidus. Doch ich konnte keine Freude daran empfinden. Meine Gedanken waren ganz bei dem kleinen Mann mit dem gefrorenen Lächeln, der in der eisigen Umklammerung dieses Kristallgefängnisses gefangen war. Dieses Gefängnis ließ ihn zwar so frei und ungebunden erscheinen – doch in Wirklichkeit hielt es ihn fest in seinem Griff. Nach einer Weile entließ ich meine Diener und legte mich zum Schlafen hin, mit meinem geliebten Bulger an meiner Brust. Doch ich konnte nicht schlafen. Die ganze Nacht über verfolgten mich diese seltsamen Augen mit ihrem unheimlichen Glanz – sie baten inständig, dass ich zurückkehre, dass ich mein Herz, wie es sich für ein Kind des Sonnenscheins gehört, weich mache, um sein Kristallgefängnis zu zerstören und ihn freizulassen, damit er aus dem eisigen Reich der Koltykwerps in die warme Luft der oberen Welt gebracht werden kann. Woran träumte ich nur? War er nicht bereits tot? Hatte sein Geist nicht schon vor Tausenden von Jahren seinen Körper verlassen? Warum sollte ich mich von solchen verrückten Gedanken quälen lassen? Welchen Nutzen würde das bringen? Keinen, überhaupt keinen. Ich war ein vernünftiges Wesen – ich durfte solchen Unsinn in meinem Kopf keinen Platz geben.

Der kleine Mann mit dem gefrorenen Lächeln war durch ein fast spielerisches Schicksal in einem wunderschönen Grab beigesetzt worden. Ich durfte es nicht stören. Zweifellos war er zu Lebzeiten das Lieblingstier eines adligen Anwesens gewesen – von jemandem aus einem sonnigen Land in das Nordland gebracht. Lass ihn in Frieden ruhen.

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Ich wage es nicht, die Schönheit seines kristallenen Grabes zu zerstören – es ist doch so wunderbar durchsichtig!
Ich bedauerte sogar, dass Schneeboule mich in ihre wunderschöne Höhle geführt hatte, und beschloss, dorthin nie wieder zu gehen.
Was für armselige, schwache Kreaturen wir doch sind: so reich an guten Vorsätzen – doch so ergebnislos. Wir pflanzen ganze Flächen voller schöner Versprechen, doch sobald die zarten Sprossen aus der Erde kommen, wenden wir uns von dieser Pflanzung ab, als gehörte sie nicht zu uns!

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KAPITEL XXV

Eine schlaflose Nacht für Bulger und mich – und was danach geschah. Ein Gespräch mit König Gelidus. Mein Anliegen und seine Antwort. Was alles geschah, als ich erfuhr, dass der König und seine Berater beschlossen hatten, meinem Anliegen nicht stattzugeben. Seltsamer Aufruhr unter den Koltykwerps – und wie seine eisige Majestät ihn beruhigte – sowie einige andere Dinge.

Nicht nur konnte ich nicht schlafen, sondern durch mein Herumwälzen hielt ich auch den armen Bulger wach. Als der Morgen anbrach, sahen wir beide ziemlich abgehärmt aus. Ich fühlte mich, als hätte ich eine Krankheit durchgemacht – und er sicherlich auch. Jedenfalls hatte ich keinen Appetit auf die fettreiche Ernährung der Koltykwerps. Als Bulger sah, dass ich mein Frühstück ablehnte, tat er es ebenso.

Ich hatte Schneeboule versprochen, früh ins Schloss zu kommen – schließlich hatte sie viele Fragen, die sie mir bezüglich der oberen Welt stellen wollte.

„Guten Morgen, kleiner Baron“, rief sie in ihren süßesten Tönen, als ich den Thronsaal betrat. „Hast du letzte Nacht gut geschlafen auf der neuen Pelzdecke, die Papa dir geschickt hat?“ Ich wollte gerade antworten, als Schneeboules Hand meine berührte – denn wir hatten beide unsere Handschuhe ausgezogen, um uns die Hände zu schütteln. Sie stieß einen durchdringenden Schrei aus, zog ihre Hand zurück und blies auf ihre rechte Handfläche, während sie immer wieder rief: „Feuerbrand! Feuerbrand!“

Im Nu kamen König Gelidus und eine Gruppe seiner Berater herbei. Sie zogen ihre Handschuhe aus und legten nacheinander ihre Hände in meine.

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„Glühende Kohlen!“, rief seine eiskalte Majestät.
„Flammenzunge!“, brüllte Phrostyphiz.
„Kochendes Wasser!“, stöhnte Glacierbhoy.
„Glühend heiß!“, zischte Icikul.
„Du musst sofort den Palast verlassen“, bat König Gelidus halb flehend. „Es wäre pure Verrücktheit von mir, einem solchen Feuerkopf die Erlaubnis zu geben, innerhalb der Mauern der königlichen Residenz zu bleiben. Die intensive Hitze deines Körpers würde sicherlich ein Loch in die Mauern brennen, noch bevor die Sonne untergeht.“
Die königlichen Berater zogen erneut ihre Handschuhe aus und legten ihre Hände auf den armen Bulger – da wurde ein zweiter Alarm ausgelöst, noch schlimmer als der erste, und wir wurden eilig in unser Unterkunftsgebäude zurückgebracht.
Sicherlich werdet ihr, liebe Freunde, etwas verwirrt sein, wenn ihr diese Worte lest – doch die Erklärung ist einfach: Wegen Sorgen und Schlafmangel waren Bulger und ich in einem Zustand hoher Fieberhitze. Für die Koltykwerps schienen wir tatsächlich fast in Flammen zu stehen – doch das Fieber ließ nach Einbruch der Nacht nach. Als König Gelidus davon hörte, ließ er uns rufen und tat alles in seiner Macht Stehende, um uns mit Gesang und Tanz zu unterhalten; in beiden Bereichen war Schneeboule sehr geschickt. Da seine eiskalte Majestät in so guter Stimmung zu sein schien – wenn ich so von einer Person sprechen darf, deren Gesicht fast genauso weiß war wie die Alabasterlampen über seinem Kopf – beschloss ich, ihn um Erlaubnis zu bitten, die eisige Zelle des kleinen Mannes mit dem gefrorenen Lächeln zu durchbrechen und herauszufinden, wem er gehört hatte und wo sein Zuhause gewesen war – vielleicht anhand des Kragens, der anscheinend aus Gold- und Silbermünzen bestand und um seinen Hals gebunden war.
Kaum hatte ich meinen Wunsch geäußert, bemerkte ich, dass das weiße Gesicht von König Gelidus seinen Lächelns beraubt wurde und einen entsetzlich eisigen Ausdruck annahm. Es schien, als könnte ich durch die Spitze seines Nasenspitzen sehen – als wäre es ein Eiszapfen. Auch seine Ohren glänzten im Licht der Alabasterlampen wie Kristall-Eisscheiben. Seine Stimme, als er sprach, wehte mir ins Gesicht wie die ersten Flocken eines herannahenden Schneesturms.
Ich bereute schnell meine unbedachte Handlung – doch es war bereits zu spät. Ich beschloss, bei meiner Entscheidung zu bleiben.

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„Kleiner Baron“, sprach der königliche Gelidus in eisigen Tönen, „niemals schlug in einer königlichen Brust ein Herz, das reiner und kälter war als meines – frei von der Wärme des Egoismus, ohne auch nur eine einzige Stelle, in der Zorn oder Ärger sich nisten konnten, oder wo Schwäche oder Torheit ihre Verstecke finden konnten. Seit Tausenden von Jahren bewohnen mein Volk dieses eisige Reich und atmen diese reine, kalte Luft – doch noch nie hat jemand den Wunsch gehegt, mit einem Feuersteinbeil gegen die Wände jener Kristallzelle anzuschlagen. Doch, kleiner Baron, es mag in meinem Herzen eine Stelle geben, an der die kalte, klare Weisheit keinen Platz hat. Deshalb komm morgen zu mir, um meine Antwort zu erhalten. In der Zwischenzeit werde ich mich mit den klügsten Köpfen und kältesten Herzen um mich beraten. Wenn sie keinen Schaden in deinem Wunsch sehen, darfst du die Kristalltüren öffnen, die seit so vielen Jahrhunderten das menschenähnliche Wesen in seiner stummen Zelle einsperrten, und es hinausbringen, um die mystischen Worte zu studieren, die auf seinem Halsband eingraviert sind. Doch unter der strengen Bedingung, dass meine Männer beim Aufbrechen der Kristallzelle ihre Feuersteinkeile so einsetzen, dass der Block in zwei gleich große Teile geteilt wird. So dass, nachdem du gelesen hast, was dort steht, die beiden Teile wieder genau aufeinanderpassen, wie ein perfektes Muster – sodass dem Auge kein Zeichen einer Naht oder eines Spalts sichtbar ist. Versprichst du, kleiner Baron, dass alles genau nach unserem königlichen Willen geschehen wird? Ist das nicht angemessen?“
Ich versprach feierlichst, dass die Kristallzelle des kleinen Mannes mit dem gefrorenen Lächeln genau so geöffnet und geschlossen werden würde, wie es seine eiskalte Majestät angeordnet hatte.
Es fällt mir schwer, euch zu sagen, liebe Freunde, wie glücklich ich in jener Nacht auf meinem eisigen Diwan zur Ruhe ging – und wie ich, während das sanfte Licht meiner Alabasterlampe die Eiswände erhellte, darüber nachdachte, welches seltsame, geheimnisvolle Erlebnis mich bald erwarten würde, wenn die Männer von König Gelidus ihre Feuersteinkeile in diesen prächtigen Eisblock einsetzen und ihn spalten würden.
Selbst Don Fum, der Meister der Meister, hatte niemals davon geträumt, eine Botschaft von den Menschen zu erhalten, die bereits in den Anfängen der Welt lebten. Schon jetzt genoss ich den großartigen Triumph, der mir zuteilwerden würde, wenn ich vor gelehrten Gesellschaften über die geheimnisvollen Inschriften auf dem seltsamen Halsband sprechen könnte, das um den Hals des kleinen Mannes mit dem gefrorenen Lächeln lag.

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Stellt Euch meine Qual vor, liebe Freunde, als ich am nächsten Tag eine Botschaft vom König Gelidus erhielt – seine Ratgeber hatten einstimmig beschlossen, das Kristallgefängnis, das sich in Schneeboules Höhle befand, nicht zu öffnen!
Ich war, als wäre ich von einer plötzlichen, schrecklichen Krankheit heimgesucht worden. Bis zu diesem Moment hatte ich nie erfahren, wie scharf der Schmerz der Enttäuschung sein kann. Zuerst zitterte ich vor Kälte – so stark, dass ich den Koltykwerps glich – und dann brannte ich vor Fieber. Ein wilder Verdacht verbreitete sich im eisigen Reich Gelidus: Ich würde die Wände und das Dach des Palastes in Brand setzen. Mit wilden Rufen und Gesichtern voll namenloser Angst stürmten die Untertanen seines kalten Herrschers die breiten Treppen hinauf zum Eispalast und baten den König, sich zu zeigen.
Mit kühler, frostiger Würde trat Gelidus auf die Plattform hinaus und lauschte den Bitten seines Volkes.
„Wir werden verbrennen“, riefen sie. „Unsere schönen Häuser werden über uns einstürzen. Diese Kristallstufen werden schmelzen, und all diese prächtigen Säulen, Bögen, Statuen und Podeste werden zu Wasser werden und in die unteren Höhlen der Erde fließen. Das große Fenster in unserem Himmel wird mit einem schrecklichen Krachen auf unsere Köpfe fallen und damit diesem prächtigen Reich aus Kristallschönheit für immer ein Ende setzen. Oh Gelidus, beeile dich – bevor es zu spät ist! Lass den kleinen Baron seinen Willen haben, bevor bittere Enttäuschung seinen Körper und seine Glieder in Flammen verwandelt, die diesen prächtigen Palast in einer einzigen Nacht zerstören und seine tausend Alabasterlampen zu Boden werfen – zu einem Haufen Trümmer, bei dem kein Stück mehr zu einem anderen passt, sondern alles nur eine elende Masse wertlosen Materials ist!“
König Gelidus und seine frostigen Ratgeber erkannten, dass es sinnlos sei, mit dem Volk zu reden. Deshalb wandte er sich ihnen zu, winkte kühl mit seiner rechten Hand und sprach mit eisigem Lächeln folgende Worte:
„Geht, Koltykwerps, zurück in eure Häuser und seid glücklich. Glaubt ihr etwa, ich hätte einen verrückten Verstand, dass mein Herz vor Dummheit brodelt – und dass ich dazu fähig wäre, dem kleinsten Koltykwerp, der in meinem prächtigen Königreich mit seinem Eiskugellautsprecher spielt, Schaden zuzufügen? Geht nach Hause! Der kleine Baron kühlt sich bereits ab – schließlich habe ich ihm meine volle Zustimmung gegeben, das Kristallgefängnis des Mannes mit dem gefrorenen Lächeln zu zerstören. Es gibt keinen Grund zur Angst.“

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Meine Kinder – esst also eine reichhaltige Mahlzeit und schlaft heute Nacht gut. Ich verspreche es euch bei meinem königlichen Wort: Bis morgen früh wird der kleine Baron keinerlei Bedrohung mehr für den Frieden und Wohlstand unseres eisigen Königreichs darstellen. Einen kalten Gutenachtkuss an euch alle.

Bereits nach einer halben Stunde waren die in Panik geratenen Koltykwerps wieder in ihren Häusern zurück. Als ein Bote vom König Gelidus kam, um meine Körpertemperatur zu messen, stellte er eine solche Verbesserung fest, dass er sein Herz öffnete und mir ein wunderschönes Geschenk aus seinem Schatzhaus schickte: einen kleinen Eisblock, klarer als jedes Juwel, das ich je gesehen hatte. In der Mitte dieses Eisblocks befand sich eine prächtige rote Rose in voller Blüte – jede Samtlippe war neugierig geöffnet. Nachdem ich in meinem Tagebuch nachgeschaut hatte, stellte ich fest, dass genau sechs Monate und ein Tag vergangen waren, seit ich das Schloss Trump sowie die dort unter Schutz stehenden Liebsten verlassen hatte. So kalt die Hülle dieses dreifach wunderschönen Kindes der oberen Welt auch war – ich drückte es an meine Brust und weinte.

Und so kam es, liebe Freunde, dass König Gelidus und seine eisigen Berater schließlich zustimmten, dass ich die eisige Gefängniszelle aufbrechen durfte, in der sich der Mann mit dem gefrorenen Lächeln befand.

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KAPITEL XXVI

Wie die Steinbrucharbeiter von König Gelidus die Kristallzelle spalteten
Das Kristallgefängnis des kleinen Mannes mit dem gefrorenen Lächeln – meine bittere Enttäuschung und wie ich damit umging – Die wunderbaren Ereignisse in der folgenden Nacht – Bulger beweist erneut, dass er ein Tier außergewöhnlicher Klugheit ist.

Bulger und ich hatten wenig Appetit auf das delikate Frühstück aus geschmorten Herzlappen, das uns die Koltykwerps am nächsten Morgen vorsetzten, denn ich wusste – und er vermutete es halbwegs –, dass etwas Wichtiges geschehen würde: nichts Geringeres als die Spaltung der Kristallzelle, in der der kleine Schimpansen seit so vielen Jahrhunderten gefangen gehalten worden war.
Gemeinsam mit der fröhlichen Prinzessin Schneeboule, die sich darüber freute, dass ihre eisige Majestät, ihr Vater, endlich meinen Wünschen nachgegeben hatte, machten Bulger und ich uns auf den Weg zur wunderschönen Eishöhle. Hinter uns gingen Phrostyphiz und Glacierbhoy mit Anweisungen vom König, die Spaltung des Eisklotschs zu überwachen; hinter ihnen kamen vier der Steinbrucharbeiter von König Gelidus – zwei trugen Feuersteinäxte mit polierten Knochengriffen, und zwei brachten die Feuersteinkanten mit, die bei der Arbeit verwendet werden sollten.
Bald betraten wir Schneeboules Höhle, und mit der Arbeit begann man sogleich.
Es schien mir, als könnte ich fast sehen, wie der kleine Mann mit dem gefrorenen Lächeln mit den Augenlidern zwinkerte, während die Steinbrucharbeiter ihre Kanten an Ort und Stelle setzten und die Bruchlinie markierten. Doch natürlich, liebe Freunde, wisst ihr, welche Vorstellungskraft ich habe – besonders, wenn ich wegen irgendetwas aufgeregt bin.

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Man sollte meine Worte manchmal mit einer Prise Skepsis betrachten – obwohl man im Allgemeinen meine Aussagen mit kindlicher Zuversicht akzeptieren kann. Mit solch erstaunlicher Geschicklichkeit benutzten die Steinbrucharbeiter von Koltykwerp ihre Äxte und Keile, dass der riesige Eisklotz nach kurzer Zeit, zu meiner großen Freude, in zwei perfekte Hälften zerbrach. In einer dieser Hälften lag das kleine, menschenähnliche Wesen auf der Seite – wie eine Figur, die in einem Formwerkzeug geformt wurde. Ich eilte, es herauszuheben, und wickelte es in ein weiches Fell, das ich zu diesem Zweck mitgebracht hatte. Anschließend kehrte ich in meine Kammer zurück, wo ich sofort damit beginnen wollte, die Inschriften zu untersuchen, die sich vielleicht auf seinem seltsamen Halsband befanden.
„Denken Sie daran, kleiner Baron“, sagte Glacierbhoy, „auf ausdrücklichen Befehl seiner eisigen Majestät muss das kleine Wesen mit dem gefrorenen Lächeln morgen früh zur gleichen Stunde in seine Kristallzelle zurückgebracht werden.“ Ich nickte zustimmend. Nachdem ich Prinzessin Schneeboule bis zum Fuß der großen Treppe begleitet hatte, die zum Eispalast führte, kehrte ich in meine eigenen Räume zurück. Nun erlebte ich eine der bittersten Enttäuschungen meines Lebens – doch ich nahm sie mit Würde hin, denn es war eine angemessene Strafe für meine törichte Eitelkeit, versucht zu haben, ältere Aufzeichnungen über die Menschheit zu finden, als es bisher irgendwelche großen Forscher oder Philosophen geschafft hatten – nicht einmal jener Meister aller Meister, Don Strephalofidgeguaneriusfum!
Wisst also, liebe Freunde: Das seltsame Halsband, das aus Gold- und Silbermünzen oder -disken bestand, die geschickt miteinander verbunden waren und den Hals des Tieres umgaben, enthielt kein einziges Wort oder Zeichen irgendeiner Sprache. Die Unterseiten waren völlig leer, während die Oberseiten nur grob geschnitzte Umrisse eines Objekts zeigten, das möglicherweise für die Sonne bestimmt war. Ich wickelte das Tier in das weiche Fell ein, legte es in eine Ecke meines Sofas und begab mich anschließend zum Palast seiner eisigen Majestät. Dort teilte ich König Gelidus offen mit, wie sehr ich enttäuscht war, dass ich keine Worte – nicht einmal ein einziges Wort – einer Sprache finden konnte, die selbst den weisesten Menschen der oberen Welt unbekannt war. Schneeboule war von meiner Traurigkeit so berührt, dass sie, hätte ich nicht geschickt ausgewichen, sicherlich ihre Arme um mich gelegt hätte.

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Er küsste meinen Hals und meine Wange – ein Kuss, der mich zum König der Koltykwerps gemacht hätte; doch ich hatte keinerlei Verlangen, den Rest meines Lebens in den eisigen Reichen seiner frostigen Majestät zu verbringen, auch wenn meine Stirn mit der kalten Krone der Koltykwerps gekrönt worden wäre. Hätte ich ein alter Mann mit langsamen, schwachen Pulsen gewesen, wäre alles ganz anders gewesen; doch mein Herz war zu warm und mein Blut zu heiß, um eine solche Position angenehm für mich selbst oder zufriedenstellend für die Menschen dieser eisigen Unterwelt zu machen. Also hielt ich die kleine Prinzessin, das kann ich Ihnen versichern, gut beschäftigt – erst mit Liedern, dann mit Tanz und schließlich mit Geschichtenerzählen. An jenem Abend ordnete König Gelidus an, zu meinen Ehren ein prächtiges Fest zu veranstalten. Fünfhundert weitere Alabasterlampen wurden entzündet, und die königlichen Sofas wurden mit den wertvollsten Pelzen bedeckt. Nachdem das Tanzen und Singen vorbei war, wurden gefrorene Leckereien aus der königlichen Küche auf Alabasterschalen serviert – Bulger und ich aßen, bis uns die Zähne wehtaten. Es war bereits spät, als wir in unsere eigene Wohnung zurückkehrten. Meine Gedanken waren so sehr mit den wunderschönen Anblicken beschäftigt, die wir im Thronsaal gesehen hatten, dass ich völlig vergessen hatte an den armen kleinen Mann mit dem gefrorenen Lächeln, den ich unter meinem Sofa versteckt hatte. Doch Bulger war nicht so herzlos. Zwanzigmal während des Abends zog er mich heimlich am Ärmel – als wollte er sagen:

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Bulger zeigt dem Baron etwas Wunderbares.

„Komm, kleiner Meister, lass uns schnell zurückkehren; erinnerst du dich nicht daran, dass wir meinen armen, kleinen, erfrorenen Bruder allein in jener eisigen Kammer zurückgelassen haben?“ Ich war sehr müde und schlief fast sofort ein. Dennoch hatte ich eine vage Erinnerung daran, dass Bulger nicht mehr an meiner Brust lag. Ich erinnere mich daran, nach ihm gegriffen zu haben – aber das ist auch schon alles. Es kam mir nie in den Sinn, dass er zu dem armen, kleinen Fremden gegangen sein könnte, den ich so herzlos von seinem letzten Ruheplatz weggeholt hatte. Doch so musste es gewesen sein, denn gegen Mitternacht wurde ich, wie es mir schien, durch ein sanftes Ziehen an meinem Ärmel geweckt.

Es war mein treuer Bulger. Doch da ich halb wach und halb schlafend war, dachte ich einfach, er wolle nur eine Streicheleinheit – wie es seine Gewohnheit war, wenn er an zu Hause dachte. Also streichelte ich ihm mehrmals den Kopf und schlief wieder ein.

Doch das Ziehen begann erneut – diesmal noch heftiger – und dazu kam ein ungeduldiges Winseln, das bedeutete:

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„Komm, komm, kleiner Meister, wach auf! Glaubst du etwa, ich würde deinen Schlaf stören, es gäbe keinen guten Grund dafür?“ Ich brauchte keine dritte Erinnerung – mit einem Sprung stand ich auf, griff nach einem der winzigen Kerzenstummel, die die Koltykwerps als Lichtquellen verwenden, und übertrug die Flammen von der einzigen Lampe an der Wand auf die drei anderen, die hier und da hingen. Die eisigen Wände meines Zimmers waren nun in helles Licht getaucht. Bulger saß auf dem mit Fell bedeckten Diwan, neben dem Ort, an dem der Kleine mit dem gefrorenen Lächeln unter dem Pelz verborgen lag. Sein Schwanz wedelte nervös, und seine großen, glänzenden Augen blickten erst auf mich, dann auf die Decke seines toten Bruders – mit einem Ausdruck, den ich noch nie zuvor in ihnen gesehen hatte. Plötzlich packte er den Pelz, zog ihn beiseite und zeigte mir… Was glaubt ihr, liebe Freunde? Was war es? Ich frage es in einem Ton, halb Flüstern, halb Keuchen – denn auch Jahre später kann ich immer noch jenes wunderbare Gefühl spüren, das ich damals hatte. Es lebte! Dieses affenartige Wesen war nach seinem Tausendjährigschlaf in dieser engen, kristallenen Zelle wieder zum Leben erwacht! Bulger hatte sich neben seinen gefrorenen Bruder gelegt und ihn wieder zum Leben erweckt! Oh, es war wunderbar, diese beiden kleinen Augen zu sehen – so hell wie Perlen –, wie sie zu mir aufblickten und zwinkerten; und dann jene tiefe, stöhnende Stimme zu hören, so menschenähnlich, als würde sie wimmern – „Oh, wie kalt ist es! Wo ist die Sonne? Wo ist der sanfte, warme Wind? Und wo sind die wolkenlosen Himmel, so blau, so wunderschön blau, die einst über meinem Kopf hingen?“ Ich bat Bulger, sich wieder neben seinen Bruder zu legen und sich so eng wie möglich an ihn zu kuscheln, und beeilte mich, beide mit den weichsten Fellen zu bedecken, die ich finden konnte. Kurz darauf ertönte unter der Decke ein leises, zufriedenes „Coojah! Coojah! Coojah!“ – gefolgt von einem seltsamen Geräusch, das wie „Fuff! Fuff! Fuff!“ klang. Also nannte ich den seltsamen Neuzugang im eisigen Reich von König Gelidus – Fuffcoojah! Schlief ich in jener Nacht noch? Keine Sekunde. Dasselbe Glück überkam mich wie damals am Weihnachtsmorgen, als Kris Kringle mir ein wunderbares Spielzeug brachte, angetrieben von einer geheimen Feder – denn ich weigerte mich immer, gewöhnliche Spielzeuge wie normale Kinder zu nehmen. Und oh, wie sehr sehnte ich mich…

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Für den Morgen, wenn es Zeit sein würde, den Kleinen Mann einzupacken – nicht mehr den mit dem erstarrten Lächeln, sondern Fuffcoojah, den lebenden Jungen aus der Ferne, mit seinem neugierigen kleinen Gesicht, das zu einem so lustigen Ausdruck verzogen war – und ihn zum Palast zu tragen. Wie glücklich Schneeboule sein wird! dachte ich, und auch König Gelidus – wie er seine eisige Würde ablegen wird, wenn er den Streichen von Fuffcoojah zuschaut, und wie erfreut alle würdevollen Koltykwerpianer sein werden, einschließlich sogar Phrostyphiz und Glacierbhoy, wenn ich ihnen sage, dass der Kleine Mann mit dem erstarrten Lächeln wieder zum Leben erwacht ist! Welche Menschenmengen aus Koltykwerp, Männer, Frauen und Kinder, werden die langen Treppenstufen hinauf zum Eispalast stürmen, um König Gelidus anzuflehen, ihnen wenigstens einen kurzen Blick auf Fuffcoojah zu gewähren, den kleinen Mann, der von dem berühmten Reisenden, Baron Sebastian von Troomp, aus seiner eisigen Zelle befreit wurde!

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KAPITEL XXVII

Aufregung um Fuffcoojah – Ich bringe ihn vor den König Gelidus – Seine sofortige Zuneigung zur Prinzessin Schneeboule – Ich werde der Anwendung schwarzer Magie beschuldigt – Meine Verteidigung und meine Belohnung – Die Sorge der Koltykwerps, dass Fuffcoojah vor Hunger sterben könnte – Diese Katastrophe wird abgewendet, doch eine andere droht uns: Wie können wir verhindern, dass er vor Kälte stirbt? Ich löse das Problem – doch dadurch ziehe ich ein seltsames Unglück auf mich.

Alles verlief genau so, wie ich es mir vorgestellt hatte! In dem Moment, als bekannt wurde, dass der kleine Mann mit dem erstarrten Lächeln tatsächlich zum Leben erwacht war, herrschte in allen Teilen des eisigen Reiches seines kalten Majestäts große Aufregung. Ich war erstaunt über die Veränderung im Verhalten der Koltykwerps: Sie bewegten sich schneller, sprachen rascher und machten mehr Gesten, als ich je zuvor gesehen hatte. In einigen Fällen – das werdet ihr kaum glauben, liebe Freunde – bemerkte ich sogar ein schwaches Leuchten auf den kalten Wangen einiger von ihnen.

Ich hatte gehofft, Fuffcoojah warm einpacken und vor den Leuten fliehen zu können, bevor diese von seiner Wiedergeburt erfuhren – doch vergeblich. Als ich an der Tür erschien, stand dort eine große Menge Koltykwerps, die vor meinen Räumen drängelten und zerrten. Die meisten von ihnen waren gutmütig und riefen: „Zeigt uns ihn, kleiner Baron – zeigt uns den kleinen Mann mit dem erstarrten Lächeln, den du zum Leben erweckt hast. Lassen wir sein Gesicht sehen!“

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„Nein, nein, Koltykwerps!“, rief ich aus, „das darf nicht sein! Seine eisige Majestät muss als Erste das Gesicht von Fuffcoojah sehen. Platz, Platz für den edlen Gast des königlichen Gelidus! Im Namen seiner eisigen Majestät weicht zurück und lasst mich vorbei!“
Die Koltykwerps zeigten keinerlei Bereitschaft, zu gehorchen. Sie waren in solch einen Zustand der Erregung geraten, dass sie erst, als sie sahen, wie Bulger mit funkelnden Augen und entblößten Zähnen auf sie zukam, zu dem Schluss kamen, dass mein tapferer Begleiter nicht in der Stimmung war, mit ihm zu scherzen. Da ihr wilder Wunsch, einen Blick auf Fuffcoojah zu werfen, vereitelt wurde, begannen die Koltykwerps, mich zu beschimpfen, während ich an ihnen vorbeiging auf dem Weg zum Eispalast.
„Ohho, Meistermagier! Ha, ha, Prinz der Schwarzen Kunst! Boo, boo, kleiner Zauberer! Pass auf, listiger Necromant – sorge dafür, dass du keine deiner Zauberkünste an uns ausprobierst!“ Ich war froh, als der Axtträger meine Not sah und eilig herbeieilte, um mich aus der Menge der wütenden Leute zu befreien.
König Gelidus empfing mich am Eingang seines Eispalastes; dicht hinter ihm folgte Prinzessin Schneeboule, die es kaum erwarten konnte, ihren Turnus zu bekommen, um sich dieses seltsame Lebewesen anzusehen – ich hatte es gerade so weit gelöst, dass sie seine Nase sehen konnte.
Sobald Fuffcoojah das süße Gesicht der prinzessinartigen Koltykwerpianerin erblickte, streckte er seinen kleinen Arm aus, wie ein Kind es bei seiner Mutter tun würde. Diese plötzliche Geste der Zuneigung bereitete Schneeboule große Freude; sie zog schnell eines ihrer Handschuhe aus, streckte ihre Hand aus und strich dem Tier über den Kopf. Doch bei der Berührung dieser für ihn eiskalten kleinen Finger stieß es einen leisen Schrei aus und zog sich wieder unter das warme Fell zurück, in dem es sicher eingewickelt war.
Arme Schneeboule! Sie seufzte, als sie das sah, doch das hinderte sie nicht daran, alle paar Minuten zu kommen und ein Ende des Fells gerade so weit anzuheben, um Fuffcoojah noch einmal anzusehen. Er kuschelte sich zwar jedes Mal, wenn er die Prinzessin sah, enger an mich, streckte aber immer wieder eine seiner schwarzen Pfoten aus dem Fell heraus, damit Schneeboule sie schütteln konnte. Während ich auf dem Diwan in der Nähe des Throns saß, bemerkte ich, dass Phrostyphiz und Glacierbhoy ein flüsterndes Gespräch mit seiner eisigen Majestät führten. Sofort ahnte ich, worum es in ihrem Gespräch ging.

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Ich stand auf und gab ein Zeichen, dass ich den König ansprechen wollte. Als er mit strenger, eisiger Würde nickte, begann ich zu sprechen. Ihr wisst, liebe Freunde, wie wortgewandt ich sein kann, wenn ich in der richtigen Stimmung bin. Nun, da ich fast auf den Stufen von König Gelidus’ Eisthron stand, verteidigte ich mich gegen die Anschuldigung, ein Meister der schwarzen Kunst zu sein. Ich werde euch nicht alles erzählen, was ich sagte – aber das war mein Schlusswort: „Möge es Eurer eisigen Majestät gefallen! Hier neben mir steht der einzige Magier in dieser Angelegenheit. Die einzige Kunst, der einzige Trick oder Zauber, den er anwandte, war jene sanfte Kraft, die wir Liebe nennen. Als er zum ersten Mal seinen vierbeinigen Bruder sah, der in der Kristallzelle der Grotte von Schneeboule eingesperrt war, presste er immer wieder seine Nase gegen die eisige Wand – vergeblich in dem Versuch, seinen Verwandten kennenzulernen. Dann wandte er sich mit einem Klagelaut ab, denn er erkannte, dass sein scharfer Geruchssinn nicht bis zu ihm vordringen konnte. Ich kann euch nicht beschreiben, wie groß seine Freude war, als ich Fuffcoojah regungslos auf meinem Diwan legte – denn damals kannte ich noch nicht den Plan, der in Bulgers Kopf reifte. Später wurde jedoch alles klar. Der liebevolle Hund verlässt die Brust seines Herrn, trägt sein treues, zärtliches Herz dorthin, wo Fuffcoojah liegt, hebt die Haut an, kriecht zu ihm hin und presst seine warme Brust fest gegen das eisbedeckte Herz seines Bruders – so weckt er ihn wieder zum Leben. Danach weckt er mich auf und erzählt mir, was er getan hat. ‚Das, o königlicher Gelidus und edler Koltykwerps, ist die einzige Kunst, die verwendet wurde, um Fuffcoojah wieder zum Leben zu erwecken. Ihn als schwarze Kunst zu bezeichnen, bedeutet, das Sonnenlicht zu verleumden, den Lilien zu spotten und den süßen Atem des Himmels als etwas Abscheuliches und Verhasstes zu bezeichnen!‘ Als ich mit meiner Rede fertig war, sah ich, dass Schneeboule geweint hatte. Mehrere ihrer Tränen hingen an ihren Wangen und glänzten dort wie kleine Diamanten im sanften Licht der Alabasterlampen – denn die kalte Luft im Palast von Gelidus hatte sie in Eis verwandelt. Deshalb, als seine eisige Majestät sagte, meine Worte hätten sein Herz berührt, und mich bat, ein Geschenk von ihm anzufordern, sagte ich: ‚O kalter König dieses wunderschönen eisigen Reiches – lasst diese Tränen, die nun wie kleine Juwelen an Schneeboules Wangen hängen, in eine Alabasterbox gelegt und mir gegeben werden. Ich begehre kein anderes Geschenk!‘“

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„Auch wenn ich dich nicht lieben würde, kleiner Baron“, rief König Gelidus mit einem eisigen Lächeln, „würde ich doch überredet werden; doch Liebe macht es leicht, zu glauben. Geh, Phrostyphiz, und sage einer der Prinzessinnen, sie solle die winzigen Juwelen, die an Schneeboules Wange hängen, in einen Alabasterbecher bringen und sie dem kleinen Baron schenken.“ Kaum war das geschehen, streckte Fuffcoojah seinen Kopf unter dem Fell hervor, blickte mich flehend an, streckte seine Zunge heraus und öffnete sowie schloss seinen Mund mit einem leisen Geräusch. Schnell wurde mir klar, dass diese Zeichen bedeuteten, dass Fuffcoojah hungrig war! Da ich plötzlich daran erinnert wurde, dass die Koltykwerps streng genommen Fleischfresser waren und in ihrem kalten Reich nur Fleisch erhältlich war – Fleisch, das fast wie Marmor aus den großen Kühlschränken der Natur gewonnen wurde – entfuhr mir ein Keuchen, und ich flüsterte: „Oh, er muss sterben! Er muss sterben!“ Meine Worte erreichten die scharfen Ohren von Prinzessin Schneeboule. „Sprich, kleiner Baron“, rief sie, „warum muss der kleine Fuffcoojah sterben? Was meinst du mit solchen Worten?“ Als König Gelidus und Schneeboule gehört hatten, dass ich Angst hatte, er würde eher sterben, als Fleisch zu essen, wurden beide sehr traurig. „Armer kleiner Fuffcoojah!“, seufzte die Prinzessin. „Kann es wirklich sein, dass er schon so bald in seine Kristallzelle in meiner Höhle zurückgebracht werden muss?“ „Sag dem Leiter meiner Fleischbergwerke, er solle zum Thron kommen“, rief König Gelidus plötzlich in einer Stimme eisiger Würde. Dieser wichtige Beamte erschien bald darauf. Der König wandte sich an mich und bat mich, ihm die Situation zu erklären. Das tat ich in wenigen Worten. Zu großer Freude aller Anwesenden sprach dann der Leiter der Fleischbergwerke folgendes: „Kleiner Baron, wenn das das einzige Problem ist, mach dir keine weiteren Sorgen, denn ich werde sofort einen meiner Männer zu dir schicken mit einer Ladung äußerst köstlicher Nüsse.“ „Köstliche Nüsse?“, wiederholte ich erstaunt.

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„Ja, kleiner Baron – ich habe eine beträchtliche Menge davon zur Verfügung. Wisst also, dass kaum ein Tag vergeht, an dem meine Leute nicht auf ein prächtiges Exemplar aus der Familie der Nager stoßen, meist Eichhörnchen, in deren Wangentaschen wir stets ein bis eine halbe Dutzend feine Nüsse finden. Es war schon immer meine Gewohnheit, diese beiseitezulegen; daher muss ich Euch mitteilen, dass, falls Fuffcoojah hundert Jahre alt werden sollte, ich oder mein Nachfolger garantieren können, ihn mit Nahrung zu versorgen.“
Diese Worte nahmen mir eine schreckliche Last von der Seele – denn zumindest vorerst würde Fuffcoojah nicht an Hunger sterben.
Einige Tage lang lief alles gut. Die Koltykwerps waren überzeugt, dass ich in dem kalten Königreich seines eisigen Herrschers keine schwarzen Künste praktizierte, und jeder einzelne von ihnen entwickelte eine große Zuneigung zu diesem seltsamen kleinen Wesen mit dem lustigen Gesicht und noch lustigeren Verhaltensweisen.
Doch es schien, als wären wir gerade aus einem Problem heraus, da gerieten wir schon wieder in ein anderes: Fuffcoojah begann, etwas dagegen zu haben, dass König Gelidus einen bestimmten Mann dazu bestimmt hatte, sich um ihn zu kümmern. Der Mann war für ihn etwa zehn Grad zu kaltblütig – schon bald reichte es aus, dass ein Koltykwerp nur zu Fuff kam – so nannten wir ihn kurz –, um ihn in Schüttelfrost zu versetzen und ihn dazu zu bringen, erbärmliche Klagen des Unmuts auszustoßen. Diese hörten erst auf, wenn ich auftauchte und ihn mit meinen Streicheleinheiten tröstete.
Ich begann nun, nach Wegen zu suchen, wie ich Fuffs Leben angenehmer machen könnte – schließlich schien jeder mich für sein Wohlergehen verantwortlich zu halten. Zehnmal am Tag kamen Boten vom König Gelidus oder von Prinzessin Schneeboule, um zu fragen, wie es ihm ging, ob wir ihn warm genug hielten, ob er genug zu essen hatte und ob er genug Felle auf seinem Bett hatte. Es war auch nicht ungewöhnlich, dass an einem einzigen Tag Dutzende von koltykwerpschen Müttern in meine Räume kamen und Ratschläge gaben, die für einen Monat ausreichten. Deshalb ließ ich in einem kleineren Raum, der in meinen Raum führte, ein Sofa für ihn anfertigen und befahl, an den Wänden dort eine halbe Duzend der größten Lampen aufzuhängen.

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Die Folge davon war, dass die Wände zu schmelzen begannen. Als man davon hörte, breitete sich Entsetzen im eisigen Reich seines kalten Herrschers aus – denn für den Verstand eines Koltykwerp war Hitze, stark genug, um Eis zum Schmelzen zu bringen, etwas Schreckliches. Es war wie die Angst vor einem Erdbeben oder vor Überschwemmungen oder Flammen. Es war etwas, das ihre Herzen mit solchem Entsetzen erfüllte, dass sie in ihren Träumen sahen, wie die festen Wände des Eispalastes zerflossen und krachend zusammenbrachen. Sie konnten es nicht ertragen, und so erließ König Gelidus ein Dekret: Wenn es keinen anderen Weg gab, um Fuffcoojah am Leben zu erhalten, dann musste er sterben.

Als die arme Schneeboule davon hörte, überkam sie tiefe Trauer – denn sie hatte gelernt, das kleine Fuff sehr zu lieben. Der Gedanke, ihn zu verlieren, war für sie unerträglich. „Nie, niemals“, rief sie, „werde ich wieder in meine Höhle treten können, wenn Fuffcoojah wieder in seinen Kristallkerker zurückgeschickt wird – mit seinem gefrorenen Lächeln im Gesicht wie früher.“ Sie suchte ihren königlichen Vater auf, warf sich ihm zu Füßen und sprach folgende Worte:

„Oh Herz aus Eis! Oh kalter Herrscher, lass dein Kind nicht vor Kummer sterben. Es gibt einen einfachen Weg, all unsere Probleme mit dem lieben kleinen Fuffcoojah zu lösen.“

„Sprich, geliebte Schneeboule“, antwortete König Gelidus. „Lass mich hören, was es ist.“

„Nun, kaltes Herz“, sagte die Prinzessin, „der kleine Baron hat genug Wärme in seinem Körper gespeichert – genug für sich selbst und auch für Fuffcoojah. Deshalb, kalter Vater, befiehl, dass man für den Mantel des kleinen Barons eine warme Kapuze anfertigt und dass Fuffcoojah darin platziert wird und vom kleinen Baron überallhin getragen wird. Er wird sich bald an diese leichte Last gewöhnen und sie nicht mehr bemerken.“

„Es soll geschehen, wie du es wünschst“, antwortete der König der Koltykwerps. Er rief seinen vertrauenswürdigen Berater, Glacierbhoy, zu sich und wies ihn an, mich sofort im Thronsaal zu rufen. Als ich diesen schrecklichen Befehl von den eisigen Lippen König Gelidus’ hörte, sank mein Herz in mir zusammen. Doch ich wagte es nicht, zu widersprechen oder zu murren – schließlich war ich es, der den Kristallkerker des kleinen Mannes mit dem gefrorenen Lächeln zerstört hatte; ich war es, der es Bulger ermöglicht hatte, ihn wieder zum Leben zu erwecken. Oh, armer, törichter, schwacher Junge – was sollte jetzt aus mir werden?

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KAPITEL XXVIII

Wie eine kleine Last zu einer quälenden Last werden kann
I. – Die Geschichte eines Mannes mit einem Affen auf dem Kopf –
Mein schreckliches Leiden – Über die entsetzliche Panik, die die Koltykwerps ergriff – Mein Besuch im verlassenen Eispalast und was mit Fuffcoojah geschah – Das Ende seiner kurzen, aber seltsamen Karriere.
– Ein gefrorener Kuss auf einer Hornspitze – oder wie Schneeboule einen Ehemann wählte.

Ach, kleine Prinzessin, wie leicht war es für dich zu sagen, dass ich mich bald an diese leichte Last gewöhnen und sie nicht mehr bemerken würde! Wie bereit sind wir doch, die Lasten, die wir zum eigenen Vorteil auf die Schultern anderer legen, als unbedeutend zu betrachten. Zwar war Fuffcoojah nicht so lang wie ein Pferd und auch nicht so breit wie ein Ochse, und als gemäß dem königlichen Befehl der Umhang fertiggestellt wurde und das kleine Tier darin verstaut wurde – direkt an meinem Rücken, um so viel Wärme wie möglich von meinem Körper zu erhalten – schien es mir, dass Schneeboule recht hatte: Ich würde mich bald an diese Last gewöhnen und sie nicht mehr bemerken. So schien es am zweiten und dritten Tag – doch nicht am vierten. An jenem Tag schien die kleine Last etwas an Gewicht zugenommen zu haben. Obwohl ich schnell vorgab, dass dem nicht so sei, als Prinzessin Schneeboule mich fragte: „Na, kleiner Baron, habe ich dir nicht gesagt, dass du bald vergessen würdest, dass Fuffcoojah auf deinen Schultern schläft?“ fühlte ich doch in meinem Herzen, dass er tatsächlich etwas schwerer geworden war.
Am fünften Tag wurden Bulger und ich zu einem Fest im Eispalast eingeladen. Als ich von meinem Diwan aufstand, um dorthin zu gehen, glaubte ich…

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Seltsamerweise fühlte ich mich sehr bedrückt – genauso wie Bulger. Er versuchte mehrmals, ein Lächeln oder einen fröhlichen Ton von mir zu erzielen, doch vergeblich.

Der Flug des Barons zum Eispalast

Plötzlich wurde mir klar, dass eine Last auf meinem Rücken lastete – nein, keine schwere Last, aber dennoch eine Last. Da flüsterte ich mir zu: „Nun, wenn ich doch zu einer Feier gehe, werde ich diese Last ablegen!“ Dann erwachte ich aus meiner tiefen Versunkenheit und murmelte: „Wie seltsam, dass ich vergessen habe, dass Fuffcoojah in meinem Umhang ist.“ So ging ich zur Feier – mit Fuffcoojah, der zwischen meinen Schultern saß. Die Koltykwerps lachten über den kleinen Baron und sein Kind, wie sie ihn nannten. Sie kamen näher, hoben den Umhang an und spähten in das seltsame Wesen darin hinein. Als Fuffcoojah ihren eisigen Atem spürte, vergrub er seine Nase im Fell, seufzte und wimmerte. Für einen Moment vergaß ich die Last auf meinen Schultern, als Prinzessin Schneeboule kam, neben mir saß, mich für meine Bereitschaft lobte, ihre Wünsche zu erfüllen, und mir herzlich für meine Güte gegenüber ihr dankte. Ich aß die gefrorenen Leckereien aus der königlichen Küche, lachte und scherzte mit den Lords Phrostyphiz und Glacierbhoy – genau wie früher, bevor Gelidus beschlossen hatte, dass Fuffcoojah auf meinen Schultern schlafen sollte.

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Doch als das Fest vorbei war und ich durch das breite Tor des Eispalastes trat und zu der mächtigen Linse emporblickte, die in den Bergfelsen eingelassen war – durch die das Mondlicht der Außenwelt in gedämpftem, doch prächtigem Glanz hereinströmte –, fühlte ich plötzlich, wie meine Beine unter mir nachgaben. Ich taumelte von rechts nach links, klammerte mich an Schatten fest – es schien mir, als würde ich unter einer schrecklichen Last zerdrückt werden. Ich beschleunigte meinen Schritt, rannte los, warf meine Arme in die Luft, als wollte ich die Last abschütteln, die mich erdrückte. So kam ich keuchend und außer Atem in meiner Unterkunft an.

„Wie dumm bin ich nur!“, waren meine ersten Worte, als ich wieder zu Atem gekommen war. „Es ist doch nur kleiner Fuffcoojah auf meinem Rücken, versteckt in meinem Pelzmantel. Ich muss völlig verrückt gewesen sein, zu glauben, dort säße ein riesiges Monster, das mich allmählich niederdrückte, mir das Leben langsam aus dem Leib presste und mich flach auf den Boden drückte – ohne dass ich entkommen konnte aus seinem schrecklichen Griff oder mich befreien konnte von seinen schrecklichen Gliedmaßen, die meinen Hals und meinen Körper umschlungen hielten!“

Die ganze Nacht über blieb dieses Monster an mir haften und trieb mich dazu, schneller zu gehen – immer wieder auf und ab, hin und her. Ich wusste nicht, wohin, auf sinnlose Missionen, die nur damit endeten, dass alles von vorn begann. Ich suchte nach etwas, das nirgends versteckt war, versuchte tausend Türen – doch jede war verschlossen. Ich kehrte nach Hause zurück, nur um erneut loszugehen, immer weiter, auf endlosen Wegen, die in der Ferne verschwanden. Die schreckliche Last auf meinen Schultern wurde immer schwerer – bis es schien, als müsste ich mit ihr in den Staub sinken. Doch nein: Das Monster wusste genau, dass es mich nicht bis zum Tod treiben durfte. Deshalb warf es, wenn ich kurz davor war zusammenzubrechen, einen Teil seiner Last ab, um mir Mut zu machen, weiterzumachen. Als der Morgen anbrach, pochte mein Puls heftig und meine Wangen glühten. Ich spürte, wie das Blut gegen meine Schläfen schlug – es war nur natürlich, dass mein Gesicht vor Fieber rot wurde. Halb benommen ging ich auf die große Treppe zu, die zum Eispalast führte – da wurde ich plötzlich von einem schrecklichen Schrei erschrocken. Ich hielt an und blickte nach oben – da ertönten weitere Schreie.

Die verängstigten Koltykwerps flohen vor mir in alle Richtungen, schreiend dabei: „Flieht, Brüder! Der kleine Baron brennt! Der kleine Baron brennt! Flieht, Brüder, flieht!“

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Nach kurzer Zeit hatte die Todesangst jedes Lebewesen im eisigen Reich von König Gelidus ergriffen. Sie flohen in wilder Eile vor mir und suchten Zuflucht in den entfernten Höhlen und Gängen; ihr wildes Geschrei erfüllte die Luft – niemand war mutig genug, anzuhalten und noch einmal hinzusehen. Mein zorniges Gesichtfüllte sie mit solcher schrecklichen Angst, dass sie nur noch weiterlaufen und schreien konnten:
„Flieht, Brüder, flieht! Der kleine Baron brennt, der kleine Baron brennt!“
Mit Bulger im Schlepptau drehte ich mich um und rannte die Treppe hinauf, um König Gelidus aufzusuchen und ihm die Sache zu erklären. Doch auch er war geflohen – zusammen mit allen Wachen und Dienern, allen Höflingen und Ratgebern. Das Schloss war totenstill. Ich eilte durch seine stillen Gänge und rief:
„Schneeboule! Prinzessin Schneeboule! Du hast doch sicher keine Angst vor mir? Komm zurück – ich werde dir nichts tun, ich brenne nicht! Komm zurück, oh, komm zurück!“
So erreichte ich den Thronsaal – kein Lebewesen war zu sehen; der riesige Raum war totenstill. Ich taumelte zu einem Diwan, stützte meinen schmerzenden Kopf auf ein Kissen und fiel in einen tiefen, erfrischenden Schlaf.
Als ich erwachte, rieb ich mir die Augen und sah mich um. Zuerst dachte ich, ich sei immer noch allein in diesem großen, runden Raum mit seinen Eiswänden – doch nein: Dort auf dem Diwan saß Schneeboule. Sie lächelte und sagte spöttisch:
„Du bist wirklich keine besonders aufmerksame Pflegerin, kleiner Baron – im Schlaf hast du Fuffcoojah so fest gegen das Kissen gedrückt, dass er aus deinem Umhang herauskroch und sich in meine Arme kuschelte.“
„In deine Arme, Schneeboule?“ rief ich atemlos – ich fürchtete das Schlimmste. Ich sprang auf, schob das weiche Fell beiseite, mit dem sie Fuffcoojah umwickelt hatte – da lag er, tot! Das arme kleine Tier – es hatte so sehr darauf gehofft, in die Arme dessen zu gelangen, den es so sehr liebte, und hatte sich immer enger an sie geschmiegt, um mehr Wärme zu finden. Doch stattdessen kam es immer näher an ein Herz heran, das es nicht wärmen konnte. So überkam es die heimtückische Kälte des Todes, die süße, angenehme Schläfrigkeit mit sich bringt – und er starb.

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Und Schneeboules Tränen, die beim Fallen gefroren, prasselten nun wie ein sanfter Regen aus winzigen Edelsteinen auf das kleine tote Tier herab – nicht mehr Fuffcoojah, sondern wieder der Kleine Mann mit dem gefrorenen Lächeln. Bald erholten sich die Koltykwerps von ihrer wahnsinnigen Angst und kehrten erst einzeln, dann in Gruppen zu ihren Häusern zurück. Auch König Gelidus und sein Hof kehrten in den prächtigen Palast zurück, den sie in ihrer panischen Flucht verlassen hatten, als die Nachricht verbreitet wurde, dass der kleine Baron verbrenne. Jeder bedauerte es, zu hören, dass Fuffcoojah zum zweiten Mal gestorben war. Viele gefrorene Tränen fielen von den kalten Wangen der Koltykwerps, während sie auf den Kleinen Mann mit dem gefrorenen Lächeln blickten, der dort auf dem weißen Fell neben Prinzessin Schneeboule lag. An jenem Tag brachten wir ihn zurück in die Eishöhle. Nachdem wir ihn in die von seinem Körper geformte Vertiefung im Kristallblock gelegt hatten, verschlossen die Steinmetze des Königs diese so geschickt, dass kein Auge ausreichte, um den Spalt zu erkennen. In seinen Augen lag derselbe unheimliche Glanz. Als die Koltykwerps das sahen, durchfuhr ihre eisigen Herzen ein kaltes Gefühl der Zufriedenheit – denn nicht nur war der Kleine Mann mit dem gefrorenen Lächeln wieder in seiner Kristallzelle, sondern auch alle Ängste und schrecklichen Vorstellungen, die sein Wiederauferstehen hervorgerufen hatte, waren vorbei und für immer verschwunden. Frieden, Ruhe und süße Zufriedenheit herrschten nun im eisigen Reich seines kalten Majestäts Gelidus, König der Koltykwerps! Nun blieb nur noch eines übrig, damit sein kaltes Herz vor Freude zersprang: dass seine geliebte Tochter Schneeboule sich einen Ehemann aussuchte. Er musste nicht lange warten – eines Tages sah sie beim Betreten des Palastes einen jungen Mann am Fuße der Treppe liegen, vom Schlaf überwältigt. In einer Hand hielt er eine Alabasterlampe, in der anderen einen neuen Docht, den er gerade einsetzen wollte. Der junge Mann war nämlich Lampenputzer im Eispalast von König Gelidus. Als Prinzessin Schneeboule sah, wie er da lag, vom Schlaf überwältigt, beugte sie sich hinunter, küsste ihn auf die Wange und ging weiter, ohne weiter darüber nachzudenken. Der Kuss gefror auf der Wange des Lampenputzers, genau dort, wo Schneeboule ihn gedrückt hatte.

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Der Tod von Fuffcoojah.

Bald darauf kam König Gelidus mit keuchendem Atem in den Flur – sein Bart war weiß vor Frost. Er sah den jungen Mann dort liegen sowie den gefrorenen Kuss auf seiner Wange. Er befahl Glacierbhoy, die zarten Eiskristalle vom Gesicht des jungen Mannes mit einer geschliffenen Hornklinge zu entfernen.

„Was ist los, mein Vater?“, fragte die Prinzessin, als sie sah, wie vorsichtig er mit der Hornklinge umging.

„Ein Kuss, den jemand auf die Wange eines meiner Lampenputzer gedrückt hat – dieser liegt nun auf der Treppe und ist vor Müdigkeit eingeschlafen“, antwortete König Gelidus in hallenden, eisigen Tönen.

„Ach, mein Vater“, rief Prinzessin Schneeboule aus, „jetzt, da du davon sprichst, glaube ich wirklich, dass der Kuss mir gehört. Ich erinnere mich daran, jemanden geküsst zu haben, als ich den Palast betrat – ich war tief in Gedanken. Doch zweifellos gefiel mir der junge Mann, wie er dort lag, schlafend, mit der Lampe in der einen Hand und dem Docht in der anderen.“

Und dieser Lampenputzer putzte fortan keine Lampen mehr im Eispalast seines eisigen Herrschers Gelidus, König der Koltykwerps.

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Ohne Zweifel war er ein sehr guter Ehemann für Schneeboule – und ich bin mir sicher, dass sie eine gute Ehefrau für ihn war. Ich hätte gerne bei der Hochzeitsfeier geblieben, aber das war ausgeschlossen. Ich war bereits zu lange geblieben.

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KAPITEL XXIX

Etwas über die vielen Portale zum eisigen Reich von König Gelidus und die schwierige Aufgabe, das richtige auszuwählen – wie Bulger das Problem löste – unser Abschied von den kaltschnäuzigen Koltykwerps – Schneeboules Trauer über unseren Verlust.

Wie Bullibrain einst bemerkte: Wenn es viele Türen gibt, ist ein weiser Mann derjenige, der weiß, welche die richtige zum Öffnen ist. Das stellte sich auch dann heraus, als ich versuchte, das eisige Reich seiner eiskalten Majestät, Gelidus, König der Koltykwerps, zu verlassen. Es gab Dutzende von Gängen – in jedem davon stieß ich nach etwa einer halben Meile Laufzeit auf ein hohe Eispforte, die kunstvoll verziert war und genau in das Ende des Ganges passte, wie ein Korken in eine Flasche.

Sicherlich fragen Sie sich, warum ich das Koltykwerpische Königreich nicht entlang des Flusses verließ – aus dem einfachen Grund, dass dieser nur bis ins Reich von König Gelidus floss und in einen riesigen Reservoir mündete, der offenbar einen unterirdischen Abfluss hatte, denn seine dicke Eisschicht blieb stets auf derselben Höhe.

Königs Jäger wurden angewiesen, durch die Tür, die ich als diejenige auswählte, durch die ich hindurchgehen wollte, einen Durchgang zu schaffen. Doch Phrostyphiz teilte mir mit, dass nach dem Gesetz des Landes im Laufe eines Jahres nur eine Tür geöffnet werden dürfe. Wenn ich also auf ein Hindernis stieß und zurückkehren musste, bedeutete das eine Verzögerung von zwölf Monaten. Bullibrain, mit all seiner Weisheit, konnte mir nicht helfen – obwohl ich fast glaubte, er hätte es tun können, wenn man ihm erlaubt hätte, die Situation genauer zu untersuchen.

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Geheime Aufzeichnungen des Königreichs, in riesigen Eistafeln eingraviert und in den Tresoren des Palastes aufbewahrt. Tatsache ist, dass König Gelidus so sehr wollte, dass ich bei der Hochzeitsfeier von Prinzessin Schneeboule helfe, dass er mir alle möglichen Hindernisse in den Weg legte – ohne dabei offen zu zeigen, was er vorhatte. Auch Schneeboule selbst gab mir durch den Blick ihrer klaren, grauen Augen zu verstehen, dass sie ebenfalls hoffte, ich würde einen Fehler machen, wenn es darum ging, die Tür zu zeigen, die geöffnet werden sollte. Bulger sah, dass ich in Schwierigkeiten war, konnte aber nicht genau erkennen, um welche Schwierigkeiten es sich handelte. Dennoch behielt er mich im Auge und beobachtete jede meiner Bewegungen, in der Hoffnung, das Rätsel lösen zu können. Eines Tages, als ich in Gedanken versunken über das äußerst schwierige Problem nachdachte, das ich lösen musste, kam mir eine Idee: Ich hatte bemerkt, dass die Arbeiter in den Fleischbergwerken oft Schallstäbe verwendeten – lange, polierte Knochenstücke mit Feuersteinspitzen. Ein Bergarbeiter aus Koltykwerp konnte diesen Stab geschickt drehen, um ein Loch von sechs Fuß Tiefe oder mehr in den festen Eiskern zu bohren, wenn er die Position eines Tierkadavers bestimmen wollte. Mir kam der Gedanke, dass Bulgers scharfer Geruchssinn vielleicht jenen Luftstrom erkennen könnte, der den Geruch von Erde und Felsen enthielt – mit anderen Worten: Er könnte für mich die Tür auswählen, die zu dem Korridor führte, der aus dem eisigen Reich von König Gelidus hinausführte und nicht nur in irgendeinen abgelegenen Raum seines Königreichs. Seine eisige Majestät konnte gegen solche Experimente nichts einwenden, denn das Gesetz verbot lediglich das Schneiden von Öffnungen, die groß genug waren, damit der Mensch hindurchpassen konnte. König Gelidus sowie ein Dutzend seiner Höflinge, die ernst und kalt aussahen und in frostigen Tonfall sprachen, waren anwesend, um das Experiment zu beobachten. Ich glaube, ihre eisigen Lippen klapperten zufrieden, als auf meine Anweisung hin eine Tür nach der anderen geöffnet wurde. Doch Bulger wandte sich nachdem er am Loch gerochen hatte, mit einem verwirrten Blick ab – als würde er nicht ganz verstehen, warum ich ihm befahl, seine warme Nase in solch kalte Orte zu stecken.

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Und so marschierten wir von Korridor zu Korridor, bis die Steinbrucharbeiter Anzeichen von Erschöpfung zeigten und der Prüfstab in ihren Händen immer langsamer wurde.
Phrostyphiz blinzelte mit seinen kalten grauen Augen, als wolle er sagen: „Kleiner Baron, du musst noch ein Jahr bei uns bleiben!“ Doch ich wandte mich einfach an die Steinbrucharbeiter und befahl ihnen, noch eine Eispforte zu durchbohren, bevor wir die Arbeit für den Tag aufgaben. Sie machten sich an die Arbeit, die elfte Tür zu durchbohren – in dem Tempo von Lasttieren, die einen Berg hinaufsteigen. Schließlich bohrte der Prüfstab einen Weg hindurch, und auf mein Zeichen hin zogen sich die Steinbrucharbeiter zurück. Im Nu hatte Bulger seine Nase am Loch und schnupperte dreimal oder viermal schnell und nervös – bevor er einmal tief einatmete und anschließend laut und freudig bellte. Danach begann er, wild am Boden der Pforte zu kratzen.
„Eure eisige Majestät“, sagte ich und neigte meinen Körper in einer tiefen, würdevollen Geste – wie es nur die Geborenen zur Höflichkeit können –, „durch diese Pforte werde ich bei Sonnenaufgang morgen Euerem eisigen Reich entfliehen!“ Als Phrostyphiz und Glacierbhoy diese Worte hörten, funkelten ihre Augen kalt wie Stahl, und sie folgten dem König schweigend zurück zum Eispalast. Schneeboule empfing sie im großen Flur; als sie ihre Gesichter sah, begann sie zu weinen – denn sie liebte mich und auch Bulger, und ihr kleines, kaltes Herz konnte den Gedanken an unser Fortgehen nicht ertragen.

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KOLTYKWERPIANER
QUARRYMEN
EIN PASSAGIERWEG
DURCH DIE EISWAND.

König Gelidus erholte sich jedoch bald wieder und ließ zu Ehren von Bulger ein Fest mit Gesang und Tanz veranstalten. Während der Feierlichkeiten saß Bulger auf dem höchsten Diwan, unter sich die weichste Pelzdecke. Die Koltykwerpianer brachten ihm während des Festes so viele gefrorene Leckereien, dass ich befürchtete, er könnte seinen Magen überlasten und somit nicht in der richtigen Verfassung sein, um frühzeitig unsere Reise anzutreten – worüber ich bereits den König der Koltykwerpianer informiert hatte. Doch sein gesunder Menschenverstand bewahrte ihn davor, eine solch dumme Tat zu begehen. Tatsächlich amüsierte es mich sehr, zu sehen, wie er zwar jede ihm gereichte Leckerei annahm und scheinbar ernsthaft kaute, dabei aber nach einer Gelegenheit suchte, sie heimlich aus dem Mund zu fallen zu lassen und mit seiner Pfote beiseitezuschieben. So verging unsere letzte Nacht am eisigen Hof seines kalten Herrschers. Am nächsten Tag versammelten sich die Koltykwerpianer in großen Gruppen auf den verschiedenen Terrassen, um sich zu verabschieden. Ich drückte einen Kuss auf die Wange von Prinzessin Schneeboule – als diese zu Eiskristallen wurde, legte einer ihrer Männer sie in eine Alabasterbox.

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Prinz Chillychops, der ehemalige Lampenputzer, war zusammen mit den übrigen Adligen von Koltykwerp anwesend. Doch ich täuschte mich selbst, indem ich glaubte, Schneeboule liebe mich mehr als ihn. Dennoch wünschte ich ihm Glück und umklammerte seine kalte Hand mit solcher Wärme, dass er eine ganze Minute lang daran blies. Als wir das hohe Tor erreichten, stellten wir fest, dass die Steinbrecher bereits einen Durchgang hindurchgehauen hatten. In der Nähe sah ich einen Haufen riesiger, kristallklarer Eisklötze. Diese sollten verwendet werden, um den Durchgang wieder zu verschließen, sobald Bulger und ich hindurchgegangen wären. Als ich diesen Haufen von Klötzen sah und an die solide Arbeit der Steinbrecher von Koltykwerp dachte, kam mir der Gedanke: Was nützt es, umzukehren, wenn Bulger nicht weise gewählt hat? Meine eigenen schwachen Hände wären machtlos gegen eine Wand, die aus solchen Klötzen gebaut ist – und egal wie laut ich klopfte, der Klang könnte niemals diesen langen, gewundenen Korridor durchqueren und das Ohr eines Koltykwerpers erreichen. „Nein“, sagte ich zu mir selbst, „wenn Bulger nicht weise gewählt hat, dann ist es vorbei mit der oberen und unteren Welt.“ Dann trat ich mit einer Alabasterlampe in der einen Hand und dem Seil in der anderen Hand, das ich um Bulgers Hals gebunden hatte, durch den schmalen Durchgang, den die Steinbrecher gehauen hatten, und wandte meinen Rücken für immer dem kalten Reich von Gelidus, dem König der Koltykwerper, zu. Einmal hielt ich inne und blickte zurück. Ich konnte nichts sehen, doch ich hörte das scharfe Knacken der Feuersteinsägen, während die Steinbrecher die Tür verschlossen, die mich von so vielen kalten, aber liebenden Herzen trennte. Dann atmete ich tief durch und setzte meinen Weg fort. Das war das letzte Mal, dass ich die Koltykwerper sah – außer in Träumen oder im Nachtsichtmodus.

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Die wunderbare Fahrt auf dem Eisklotz.

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KAPITEL XXX

ALLES ÜBER DIE SCHLIMMSTE, ABER DENNENSTE REISE,
die ich je in meinem Leben unternommen habe – NEUNZIG MEILEN AUF DEM RÜCKEN EINER FLIEGENDEDES EISMASSE,
UND WIE BULGER UND ICH SCHLIESSLICH AN DEN UFERN EINES SEHR WUNDERBAREN FLUSSES LANDETEN –
WIE DER TAG IN DIESER UNTERWELT ANBRACH.

Hätte meine Hand in diesem Moment nicht einen Strick ergriffen, der um den Hals meines weisen und scharfsinnigen Bulger gebunden war, glaube ich wirklich, dass ich stehen geblieben wäre, mich umgedreht hätte, meinen Weg zurückgelegt hätte und die Bewohner dieses kristallinen Reiches gebeten hätte, mich erneut in das kalte Königreich einzulassen, in dem Gelidus seinen eisigen Hof hielt; denn plötzlich überkam mich eine Stimmung der Verzweiflung, als die kalte Luft meine Wangen berührte und ich die tiefe Dunkelheit durch die kleine Flamme meiner Alabasterlampe sichtbar wurde.

So kalt es auch sein mochte – ich hätte gerne Sonnenschein im eisigen Land der Koltykwerps gehabt – doch wie konnte ich jetzt wissen, welche Schicksale auf mich warteten? Glücklicherweise hatte ich den Leiter der Fleischbergwerke gebeten, mir eines seiner Tonnen mit Feuersteinspitze zu überlassen, denn ich fürchtete, bei dem Abstieg über einige eisige Hänge könnte ich stürzen und mir ein Glied verstauchen oder sogar brechen.

Ich war entschlossen, vorsichtig diesen eisigen Gang entlangzugehen – schließlich war er von undurchdringlicher Dunkelheit umhüllt und ganz anders als die breiten, polierten Wege der Marmortraße. Deshalb hängte ich die Lampe um meinen Hals und benutzte den Tonnen als Gehstock – zu diesem Zweck eignete er sich hervorragend. Plötzlich blieb Bulger stehen, gab ein leises Warnsignal von sich und drehte sich um. Im Nu wusste ich, dass vor uns Gefahr lauerte – also ließ ich mich auf Hände und Knie fallen und kroch weiter.

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Vorsichtig machte ich mich auf den Weg, um den gefährlichen Bereich an unserer Route zu untersuchen – einen Bereich, der durch den wachsamen Bulger angezeigt wurde. Es stimmte tatsächlich: Wir standen offensichtlich am Rande eines steilen Vorsprungs. Wie hoch dieser war, konnte ich nicht feststellen; außerdem gelang es mir nicht, mit dem Messstab den Boden unter uns zu erreichen. Was sollte ich tun? Umkehren? Es war noch nicht zu spät – die Steinbrucharbeiter aus Koltykwerp konnten ihre Arbeit in so kurzer Zeit nicht erledigt haben. Sie würden mein Klopfen hören, ihre Eistürme abreißen – und Gelidus sowie Schneeboule würden uns mit kühler, aber aufrichtiger Zufriedenheit in ihren Eispalast zurückbegrüßen. Während ich dort in Gedanken versunken saß, begann ich halb unbewusst, den Messstab zu drehen, bis er zur Hälfte in den Eiboden eingedrungen war. Anschließend legte ich meinen Arm um Bulger und zog ihn an mich – wie ich es immer tat, wenn ich mich auf tiefe Meditation vorbereitete. Kaum hatte ich das getan, gab der Eisboden unter mir ein lautes, klares Knirschen von sich – ein Geräusch, das sich völlig von dem unterschied, das beim Brechen anderer Materialien entstand. Ich spürte, wie die Kristallmasse, auf der Bulger und ich saßen, für einen Moment zu zittern und zu vibrieren begann – anschließend brach sie plötzlich ab und setzte sich in Bewegung! Instinktiv trieb mich das Bewusstsein meiner schrecklichen Gefahr dazu, mich am Messstab festzuhalten – den ich wie einen Bohrer in das Eis gestoßen hatte. Glücklicherweise befand er sich zwischen meinen Beinen; schnell schlang ich meine Beine darum und nahm eine türkische Sitzhaltung ein, während mein linker Arm fest um Bulgers Körper geschlungen war. Ich weiß nicht, wie es geschah – es geschah alles in einem Augenblick – aber ich saß nun fest auf dem Rücken dieses „Kristallmonsters“. Mit einem Knirschen und Krachen brachen die Kristallverbindungen, die es an die Eistürme banden – und das Monstrum stürzte kopfüber den glatten Hang hinab. In meiner Panik hatte ich meine Lampe fallen lassen – nun umhüllte mich die tiefe Dunkelheit dieser Unterwelt. Doch nein – das war nicht der Fall: Während der herabstürzende Eisklotz knarrte und krachte, strahlten die beiden kalten Kristalloberflächen ein seltsames, phosphoreszierendes Licht aus – dadurch wirkte die fliegende Masse wie ein monströses Lebewesen, aus dessen tausend Augen Flammenzungen hervorschossen, während sie verrückt vorwärts raste – immer schneller werdend…

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Es geht nun einen steileren Abschnitt entlang – dabei stößt der Block auf verschiedene Hindernisse, prallt gegen die felsigen Wände des Korridors und lässt dabei einen Regen aus Kristallen in der dunklen Luft aufblitzen! Bald erreicht der flüchtende Block eine sanfte Neigung; mit dem leisen Geräusch berstender Kristalle gleitet er sanft weiter, als wäre er auf polierten Stahlrädern unterwegs. Dann folgt ein plötzlicher Abstieg – der Block springt in die Luft, saust über den rutschigen Weg und hinterlässt eine Spur aus Feuer. Anschließend gelangt er in einen Bereich, in dem überall Eisklumpen und -blöcke liegen. Mit wahnsinniger Wut stürzt er sich auf die kleineren Blöcke, zermahlt sie zu Pulver und schleudert dieses wie einen Regen aus eisiger Schaummasse auf Bulger und mich, die auf seinem Rücken sitzen. Doch einige der Blöcke widerstehen seinem grausamen Angriff – unser mächtiger „Reiter“ wird von einer Seite zur anderen geschleudert, während er seine kristallinen Kanten gegen die herausragenden Felsen drückt und damit Spuren auf diesen schwarzen Felsen hinterlässt. Es scheint bereits eine Stunde vergangen zu sein, seit das Kristallmonster entkommen ist – doch es setzt seinen wilden Flug ununterbrochen fort, stößt gegen Hindernisse, schwankt vorwärts und trägt Bulger und mich immer tiefer in die tiefsten Regionen dieser Welt innerhalb einer Welt. Wird er seinen wahnsinnigen Flug niemals beenden? Gibt es keinen Weg, ihn aufzuhalten? Muss er weiterfliegen, bis sein Körper so dünn geworden ist, dass das nächste Hindernis ihn in tausend Stücke zertrümmert und Bulger sowie mich zum Tod bringt? Während diese Gedanken durch meinen Kopf gehen, macht die fliegende Masse noch einen letzten, wahnsinnigen Sprung – sie landet auf einem fast ebenen Wegabschnitt. Anhand des unterschiedlichen Geräusches, das der gleitende Block verursacht, weiß ich, dass wir die Eishöhlen hinter uns gelassen haben – unser Kristallschlitten gleitet nun sanft über einen Weg aus poliertem Marmor. Doch Meile für Meile gleitet er weiter, sanft, leise, still – und dann wage ich zu hoffen, dass unser Leben gerettet ist. Doch die Anstrengungen waren so groß, die Angst so groß, die Mühe, auf dem Eisblock zu bleiben und meinen Geliebten zu schützen, so enorm…

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Bulger rutschte mir aus den Armen – ich fiel rückwärts und verlor das Bewusstsein. Als die gleitende Masse schließlich zum Stillstand kam, lag ich wohl eine gute halbe Stunde lang dort. Als ich wieder zu mir kam, zeigte Bulgers verzweifelte Freude mir, dass er große Sorgen um mich gehabt hatte. Kaum hatte ich meine Augen geöffnet, begann er, meine Hände und mein Gesicht auf sehr zärtliche Weise zu streicheln. Dieses liebevolle, dankbare Herz fühlte, dass es seinem kleinen Herrn dieses Mal sein Leben zu verdanken hatte – und es wollte, dass ich erkannte, wie dankbar es war. Sobald Bulgers Nerven sich von dem Schock erholt hatten, den mein langes Bewusstlosigkeit verursacht hatte, griff ich nach meinem Sender und berührte seine Feder. Er zeigte an, dass seit unserem Betreten des eisigen Portals von König Gelidus’ Reich bereits eineinhalb Stunden vergangen waren. Wenn man die halbe Stunde einrechnete, in der ich bewusstlos war, bedeutete das, dass unser verrückter Abstieg auf dem Rücken des kristallinen Monsters insgesamt eine volle Stunde gedauert hatte. Unter Berücksichtigung einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von anderthalb Meilen pro Minute waren wir nun etwa neunzig Meilen vom kalten Königreich entfernt – jenem Ort, an dem Gelidus auf seinem eisigen Thron saß, während Prinzessin Schneeboule zu seinen Füßen stand und Chillychops neben ihr. Es kostete mich große Anstrengung, wieder aufzustehen – meine Gelenke waren steif und meine Muskeln verspannt nach dieser schrecklichen Reise. Jeden Moment erwartete ich, gegen spitze Felsen geschleudert zu werden oder zwischen dem fliehenden Eismonster und den riesigen Eiszapfen zerrissen zu werden, die wie die leuchtenden Zähne irgendeines riesigen Wesens aus dieser Unterwelt von der Decke hingen.

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Die Tropen der Unterwelt.

Aber könnte es sein, liebe Freunde, dass Bulger und ich nur einem schnellen und gnädigen Ende entkommen waren, um nun einem zehnmal schrecklicheren Tod gegenüberzustehen – einem Tod, der langsam und allmählich verlaufen würde, bei dem uns sogar das armselige Glück verwehrt blieb, einander anzusehen; denn undurchdringliche Dunkelheit umhüllte uns, und die Stille war so tief, dass meine Ohren vor Sehnsucht nach irgendeinem Geräusch schmerzten, das sie durchbrechen könnte. Doch in dem Klang meiner eigenen Stimme, als ich sie benutzte, lag etwas, das mich erschreckte: Es schien, als wäre die schreckliche Stille darüber verärgert, gestört zu werden, und schleuderte den Klang zurück in meine Zähne.

Wo sind wir? Das war die Frage, die ich mir stellte. Dann versuchte ich, mich an jedes Wort zu erinnern, das ich in den modrigen Seiten von Don Fums Manuskript über die Welt in der Welt gelesen hatte; doch ich konnte mich an nichts erinnern, was mich aufklären könnte, an kein einziges Wort, das mir Hoffnung oder Trost geben könnte. Ich war kurz davor, in völliger Verzweiflung aufzuschreien, als ich zufällig meinen Blick hob und in die Ferne blickte – und sah etwas, das mir wie eine Laternenpuppe vorkam, die über den Boden tanzte.

Es war ein seltsamer und fantastischer Anblick in dieser Region aus pechschwarzer Dunkelheit. Einen Moment lang stand ich da und beobachtete sie mit angehaltenem Atem und weit geöffneten Augen; aber nein, es konnte keine solche Erscheinung sein – denn jetzt war das schwache und unklare Licht…

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Das Leuchten hatte zu einem sanften, aber stetigen Glanz angeschwollen und erstreckte sich in die Ferne wie eine lange Reihe erlöschender Lagerfeuer, die durch einen undurchdringlichen Nebel zu sehen waren. Doch schon nach kurzer Zeit wurde dieser weite Lichtkreis so hell, dass er völlig wie der Sonnenaufgang in einer Landstriche voller Sonnenschein aussah. An manchen Stellen, wo sein sanftes Licht die Dunkelheit dieser unterirdischen Region überwand, konnte ich Wände, Bögen sowie Säulen aus schneeweißem Marmor erkennen. Als mir dann Don Fums geheimnisvolle Bemerkung über den „Sonnenaufgang in der Unterwelt“ einfiel, warf ich meinen Hut in die Luft und rief laut vor Freude – während Bulger mit seinem Bellen die Echos in diesen weiten Höhlen hervorrief. Ich sage euch, liebe Freunde: Nur wenn ihr euch in einer solchen Notlage befindet, könnt ihr wirklich verstehen, wie es sich anfühlt, gerettet zu werden.
Nun seid ihr sicherlich neugierig darauf, welcher Art von Sonnenaufgang in dieser Welt Meilen unter unserer eigenen stattfinden könnte. Nun, wenn ihr genauso viele Meilen zurückgelegt habt wie ich und genauso viele Wunder gesehen habt wie ich, werdet ihr bereit sein zuzugeben, dass Wunder genauso alltäglich sind wie alles andere auch. Wisst also, dass dieses riesige Gebiet der „Welt in der Welt“ von einem breiten, ruhigen Fluss umgeben war, dessen Gewässer von einer großen Anzahl riesiger Tiere bevölkert waren – wie Polypen, Seeigel, Portugiesische Galeeren, Meeranemonen und Ähnliches. Diese durchsichtigen Lebewesen, die die Fähigkeit besaßen, Licht abzugeben, entfalteten nach zwölf Stunden des Ruhezustands allmählich ihre Körper und Tentakel und stiegen zur Oberfläche dieser ruhigen, klaren Gewässer auf. Dabei nahm ihr geheimnisvoller Glanz stetig zu, bis sie die Dunkelheit aus den riesigen Höhlen am Ufer des Flusses vertrieben hatten und diese Unterwelt mit einem sanften Licht erhellten – einem Licht, das etwas heller war als die Strahlen unseres vollen Mondes. Zwölf Stunden lang sorgten diese seltsamen „Laternen“ im Fluss dafür, dass in dieser Unterwelt Tag herrschte. Danach schrumpften sie allmählich zusammen und verschwanden aus dem Blickfeld; ihre erlöschenden Flammen strahlten dabei in allen Farben des schönsten Dämmerlichts – und die Nacht, dunkler als stygische Finsternis, kehrte wieder zurück. Doch nun war es heller Tag. Ich bat Bulger, mir zu folgen, und ging in stummer Bewunderung entlang der Ufer dieses leuchtenden Flusses – der, wie ein Band aus geheimnisvollem Feuer, so weit das Auge reichte, um die weißen Marmormäuler dieser riesigen unterirdischen Kammern herumlief.

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KAPITEL XXXI

In dem Sie von den prächtigen Höhlen aus Weißem Marmor lesen, die an dem wunderbaren Fluss liegen – in den Tropen der Unterwelt. Wie wir auf einen einsamen Wanderer an den Ufern des Flusses stießen. Mein Gespräch mit ihm sowie meine Freude darüber, mich im Land der „Rattlebrains“ oder „Glücklichen Vergesser“ zu befinden. Kurze Beschreibung dieser Leute.

Mit jeder Biegung des gewundenen Weges, der die weißen Ufer dieses wunderbaren Flusses entlangführte, verliehen die Schwärme der lichtausstrahlenden Tiere ihm eine neue Schönheit. Im Laufe des Tages – wenn ich es so ausdrücken darf – hoben sie ihre leuchtenden Körper immer weiter an die Oberfläche, bis der Fluss wie flüssiges Silber glänzte. Da die steilen Felswände am gegenüberliegenden Ufer mit großen Glimmerplatten übersät waren, spiegelten diese riesigen natürlichen Spiegel den leuchtenden Fluss mit erstaunlicher Genauigkeit wider und warfen das sanfte Licht in blendendem Glanz auf die fantastischen Eingänge der Höhlen aus Weißem Marmor auf dieser Seite des Flusses. Es war eine Szene, die man niemals vergessen konnte. Immer wieder hielt ich inne und bewunderte in stiller Verwunderung eine neu entdeckte Schönheit. Zum ersten Mal bemerkte ich, dass jedes Becken aus Weißem Marmor in einer Bucht oder Einmündung ein anderes Leuchten hatte – je nach Art der kleinen, phosphoreszierenden Tiere, die sich dort aufhielten: Die einen strahlten in zartem Rosa, andere in prächtigem Rot, wieder andere in tiefem Violett, weitere in sanftem Blau, noch andere in goldenem Gelb – und so weiter. Der Reiz jeder Farbe wurde durch die schneeweiße Farbe dieser Marmorbäder noch verstärkt. Durch diese Bäder schwammen langgezogene Reihen neugieriger Fische in Farben von poliertem Gold und Silber langsam hindurch; sie drehten ihre prächtigen Körper zur Oberfläche, um das volle Licht, das von den Glimmerspiegeln reflektiert wurde, aufzunehmen.

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Der kalte Hauch aus dem Reich von König Gelidus erfüllte die Luft nicht mehr. Ich befand mich, sozusagen, in den Tropen der Unterwelt; nur eines fehlte noch, damit ich meine Freude an dieser zauberhaften Gegend voll und ganz genießen konnte – nämlich jemand, mit dem ich sie teilen konnte.
Zwar hatte Bulger eine Vorstellung von ihrer Schönheit, denn er zeigte seine Freude darüber, wieder in einem warmen Land zu sein, indem er zum Spaß einige verrückte Streiche ausführte, entlang des leuchtenden Flusses rannte und auf die prächtigen Fische bellte, die mit ihren bunten Flossen langsam das Wasser durchpflügten; doch ich muss zugeben, dass ich mir wünschte, Prinzessin Schneeboule würde mir Gesellschaft leisten. Doch das war ein unbesonnener Wunsch – denn die warme Luft hätte sie in Angstzustände versetzt, und sie hätte lieber im kühlen Fluss den Tod gefunden, als zu versuchen, in einer solch „feurigen“ Atmosphäre zu atmen.
Bis dahin hatte ich bereits mehrere Meilen entlang der weißen Ufer des leuchtenden Flusses zurückgelegt. Da ich mich etwas müde fühlte, wollte ich mich auf den vorspringenden Rand einer natürlichen Felsbank setzen – eine Bank, die fast wie von Menschenhand dort platziert schien, damit Menschen darauf ruhen und das wunderbare Spiel der Farben in diesem weiten Becken betrachten konnten. Zu meiner Überraschung sah ich jedoch, dass bereits ein Mensch dort saß.
Seine Augen waren auf das Wasser gerichtet, und mir schien, als trüge sein sanftes, ruhiges Gesicht einen müden Ausdruck. Offensichtlich war er so tief in Gedanken versunken, dass er meine Annäherung entweder bemerkte oder vorgab, sie nicht zu bemerken. Bulger wollte vorpreschen und seine Aufmerksamkeit mit einer Reihe ohrenbetäubender Bellen auf sich ziehen, doch ich schüttelte den Kopf. Dieser Wanderer am leuchtenden Fluss trug ein eher elegantes, mantelartiges Gewand, das aus irgendeinem Material gefertigt war, das im Licht schimmerte – vermutlich Mineralwolle. Sein Kopf war kahl, genauso wie seine Beine bis zu den Knien; seine Füße waren in weiße Metallsandalen gesteckt, die mit etwas zusammengebunden waren, das wie Lederriemen aussah. Insgesamt hatte er einen freundlichen, wenn auch etwas seltsamen Eindruck auf mich gemacht. Seine Haltung wirkte so, als wäre er entweder tief in Gedanken versunken oder vielleicht auf ein sehnsüchtig erwartetes Signal lauschte. Jedenfalls beschloss ich, da ich es gewohnt war, auf meinen Reisen um die Welt alle möglichen Menschen zu treffen, mutig genug zu sein, die Meditationen dieses Mannes zu unterbrechen und ihm einen guten Morgen zu wünschen.

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Durch die drehbare Tür.

„Wem habe ich die Freude zu begegnen in diesem wunderschönen Teil der Welt innerhalb einer Welt?“
Der Mann blickte mich auf eine verwirrte Weise an und antwortete: „Ich weiß es wirklich nicht – das kann ich gerne sagen.“
„Aber, Herr, Ihr Name!“, beharrte ich.
„Ich habe ihn vor Jahren vergessen“, lautete seine erstaunliche Antwort.
„Aber sicherlich, Herr“, rief ich etwas ungeduldig, „Ihr seid doch nicht der einzige Bewohner dieser wunderschönen Unterwelt – habt Ihr Verwandte, eine Frau, eine Familie?“
„Ja, lieber Fremder“, antwortete er in langsamen, bedächtigen Tönen, „es gibt Menschen weiter den Strand entlang – sie sind gute, liebe Seelen. Obwohl ich ihre Namen vergessen habe, erinnere ich mich vage daran, dass zwei von ihnen meine Söhne sind. Nein – auch ihre Namen sind mir entfallen; ich habe sie vergessen am Tag, an dem auch mein eigener Name aus meinem Gedächtnis verschwand!“ Während er diese Worte aussprach, warf er seinen Kopf plötzlich zurück – ich hörte ein seltsames Klicken darin, als wäre etwas aus der Fassung geraten. In diesem Moment blitzte ein geheimnisvoller Ausdruck durch meinen Geist – jener des Meisters der Meister, Don Fum.

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Verdammte Narren! Ja, genau das war es – und nun war ich mir sicher, dass ich in Gegenwart eines der seltsamen Wesen stand, die in der Welt innerhalb der Welt leben, und denen Don Fum den seltsamen Namen „Verdammte Narren“ oder „Glückliche Vergessliche“ gegeben hatte.
Ich war so begeistert, dass ich mich kaum zurückhalten konnte, nicht sofort auf diese sanftmütige, friedfertige Person zuzustürzen, deren Kopf gerade dieses laute Klicken von sich gegeben hatte, und sie am Arm zu fassen. Doch ich fürchtete, sie mit einer solchen freundlichen Begrüßung zu erschrecken, also begnügte ich mich damit, auszurufen: „Herr, vor Euch steht niemand anderer als der berühmte Reisende, Baron Sebastian von Troomp!“ Doch zu meiner großen Überraschung und noch größeren Enttäuschung wandte er nur für einen Moment seine seltsamen Augen mit ihrem abwesenden Blick mir zu und setzte anschließend seine Betrachtung des wunderschön gefärbten Wassers fort, als hätte ich überhaupt nichts gesagt. Es war die außergewöhnlichste Behandlung, der ich seit meinem Abstieg in die Unterwelt begegnet war – und ich war kurz davor, mich darüber zu ärgern, wie es sich für einen wahren Ritter – und besonders für einen von Troomp – gehört. Da kam Don Fums kurze Beschreibung der „Verdammten Narren“ oder „Glücklichen Vergesslichen“ mir in den Sinn.
Er sagte: „Durch die Anstrengungen ihres starken Willens haben sie seit Äonen versucht, ihre Gehirne von dem nun nutzlosen Wissensschatz zu befreien, den ihre Vorfahren angesammelt hatten. Die natürliche Folge davon ist, dass die Gehirne dieser seltsamen Wesen, die sich selbst als ‚Glückliche Vergessliche‘ bezeichnen, nachdem sie jeglicher Denkarbeit und Anstrengung entbunden wurden, völlig geschrumpft sind – anstatt größer zu werden. Bei vielen dieser ‚Glücklichen Vergesslichen‘ sind ihre Gehirne wie die vertrockneten Kerne von Nüssen vom Vorjahr; sie geben ein lautes Klicken von sich, wenn sie plötzlich ihren Kopf bewegen – was bei ihnen oft der Fall ist – denn sie sind sehr stolz darauf, dem Zuhörer zu beweisen, dass sie den Namen ‚Verdammter Narr‘ verdienen.“
„Und ich muss Euch wohl nicht daran erinnern, o Leser“, schloss Don Fum in seinem berühmten Werk über die „Welt innerhalb der Welt“, „dass der wichtigste unter den ‚Glücklichen Vergesslichen‘ jener ist, dessen Kopf das lauteste und schärfste Klicken von sich gibt – denn er ist es, der am meisten vergessen hat.“
Liebe Freunde, ihr könnt euch nur vage vorstellen, wie glücklich ich darüber war, einige Zeit unter diesen seltsamen Menschen verbringen zu können – Menschen, die Wissen mit absolutem Entsetzen betrachten, als sei es das Einzige, was beseitigt werden muss, bevor Glück in das menschliche Herz eintreten kann.

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Keine Freude kann der des Glücklichen Vergessers gleichkommen, wenn er bei der Berührung der Hand eines Freundes feststellt, dass er seinen eigenen Namen vergessen hat; und kein Tag ist in diesem Land gut verbracht, wenn der Bewohner am Ende nicht ausruft: „Heute ist es mir gelungen, etwas zu vergessen, was ich gestern noch wusste!“ Schließlich stand der Glückliche Vergesser von seinem Sitz auf und ging ruhig weg, ohne mir sogar einen Guten Tag zu wünschen; doch ich war entschlossen, mich nicht so leicht abschütteln zu lassen, also rief ich ihm laut hinterher. Bulger folgte meinem Beispiel und machte Lärm hinter ihm her, woraufhin der Glückliche Vergesser sich umdrehte und sagte: „Verzeihung – ich hatte dich völlig vergessen, das muss ich sagen, genauso wie deinen Namen. Lass mich nachdenken: Bist du ein Radiat?“ (Eines der Tiere im Wasser.) Ich war mehr als nur geneigt, wegen dieser Beleidigung die Beherrschung zu verlieren – schließlich wurde ich, ein Wirbeltier, mit einem einfachen Quallenwesen gleichgesetzt – doch unter allen Umständen hielt ich es für das Beste, mich zu beherrschen. Ich konnte mir nämlich gut vorstellen, dass ich aufgrund der Größe meines Kopfes sowie des völligen Fehlens jeglicher „Klickgeräusche“ darin wohl kein willkommener Gast bei den Glücklichen Vergessern sein würde. Deshalb schluckte ich meine verletzten Gefühle hinunter, machte eine tiefe Verbeugung und bat diesen seltsamen Herrn, mir freundlicherweise zu helfen, zu seinem Volk zu gelangen – bei denen ich einige Tage verweilen wollte.

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KAPITEL XXXII

Wie wir das Land der glücklichen Vergesslichen betraten.
– Einiges über dieses seltsame Volk –
Ihre Furcht vor Bulger und mir – Uns wurde nur ein Aufenthalt von einem Tag gewährt. Beschreibung der angenehmen Häuser der glücklichen Vergesslichen. Die drehbare Tür, durch die Bulger und ich ohne Umschweife außerhalb des Gebiets der Rattlebrains gelangten. Alles über die außergewöhnlichen Dinge, die danach mit Bulger und mir geschahen. Wieder im Freien der oberen Welt – und dann auf dem Heimweg.

Der glückliche Vergessliche ging ruhig den gewundenen Pfad entlang, der anscheinend, und zweifellos tatsächlich, am leuchtenden Fluss entlangführte; er schien sich nicht im Geringsten bewusst zu sein, dass Bulger und ich ihm dicht auf den Fersen waren. Nach etwa einer halben Stunde dieses stillen Gehens blieb er plötzlich stehen und wandte mit seinem gelassenen Gesichtsausdruck in Richtung des Lichts den Blick ab; er schien so tief in Gedanken versunken zu sein, dass ich einige Momente zögerte, ihn anzusprechen. Doch da keine Anzeichen dafür zu erkennen waren, dass er wieder zu Sinnen kommen würde, wagte ich es, ihn nach dem Grund für die Verzögerung zu fragen.
„Ich bin froh sagen zu können“, meinte er, ohne sich einmal umzudrehen, „dass ich vergessen habe, welcher dieser beiden Wege zu den Häusern unseres Volkes führt.“
Nun, das war sicherlich keine erfreuliche Aussicht. Ich weiß nicht, was wir getan hätten, wenn Bulger das Problem nicht für uns gelöst hätte, indem er…

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Die Wahl eines der Wege – und dann weiterstürmen, begleitet von einem ermutigenden Ruf, damit wir folgen.

In den Armen des Stroms gefangen.

Als ich dem Glücklichen Vergesslichen versicherte, dass er sich keine Sorgen um die Weisheit seiner Entscheidung machen müsse, zuckte er vor Entsetzen zusammen bei dieser Nachricht; denn ihr müsst wissen, liebe Freunde, dass der Glückliche Vergessliche die Erkenntnis mehr fürchtet als wir die Unwissenheit. Für ihn ist sie die Mutter aller Unzufriedenheiten, die Quelle allen Unglücks, die Ursache all der schrecklichen Übel, die über die Welt und ihre Bewohner hereingebrochen sind.

„Die Welt“, sagte mir einer der Glücklichen Vergesslichen traurig, „war einst völlig glücklich. Der Mensch hatte keinen Namen für seinen Bruder – doch er liebte ihn dennoch, so wie die Turteltaube ihren Partner liebt, obwohl er keinen Namen hat, um sie zu nennen. Doch leider endete dieses Glück eines Tages, denn eine seltsame Krankheit brach unter den Menschen aus. Sie wurden von einem wilden Verlangen ergriffen, Dingen Namen zu geben – sogar viele Namen für dasselbe Ding sowie verschiedene Arten, dieselbe Aufgabe zu erledigen. Diese seltsame Leidenschaft wuchs bei ihnen so sehr, dass sie ihr Leben damit verbrachten, das Leben auf jede mögliche Weise schwieriger zu machen. Sie bauten verschiedene Wege zum selben Ort, sie fertigten unterschiedliche Kleider an…“

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An verschiedenen Tagen gab es verschiedene Gerichte für verschiedene Feste. Jedes Kind erhielt zwei, drei – manchmal sogar vier – verschiedene Namen; außerdem wurden für verschiedene Füße unterschiedliche Schuhe angefertigt. Eine Familie war nicht mehr mit nur einer Trinkflasche zufrieden. Hörten sie hier auf?

„Nein, sie beschäftigten sich nun damit, zu lernen, wie man verschiedenen Freunden unterschiedliche Gesichtsausdrücke verleiht – indem man eine finstere Miene durch ein Lächeln ersetzt oder fröhliche Lieder singt, wenn das Herz traurig ist. Nach einigen Jahrhunderten konnte ein Bruder das Gesicht seines Bruders nicht mehr lesen, und die Hälfte der Welt fragte sich ständig, was die andere Hälfte dachte. Dadurch entstanden Missverständnisse, Streitigkeiten, Feindseligkeiten und Kriege. Der Mensch war nicht mehr zufrieden damit, zusammen mit seinen Mitmenschen in den weiten Höhlen zu leben, die die gütige Natur für ihn ausgehöhlt hatte; stattdessen durchbrachen sie die Berge mit gewundenen Gängen, neben denen ihre engen Straßen zu bloßen Pfaden wurden.“

Im Land der Glücklichen Vergesslichen kommt die Sorge niemals, den Schlaf zu stören – auch keine ängstlichen Gedanken, die die schreckliche Maske von Morgen tragen müssten!

Glücklich ist der Tag, an dem dieses Kind der Natur ausruffen kann: „Seit dem Morgen habe ich etwas vergessen! Ich habe meinen Geist entlastet – er ist jetzt leichter als zuvor!“

Er war der glücklichste unter den Glücklichen Vergesslichen, der ehrlich sagen konnte: „Ich kenne deinen Namen nicht, weder wann du geboren wurdest, noch wo du wohnst, noch wer deine Verwandten sind. Ich weiß nur, dass du mein Bruder bist – und dass du nicht zulassen wirst, dass ich leide, wenn ich vergesse zu essen, oder vor Durst sterbe, wenn ich vergesse zu trinken. Du wirst mir auch sagen, dass ich meine Augen schließen soll, wenn ich vergesse, dass ich zum Schlafen gegangen bin.“

Unser Eintreffen im Land der Glücklichen Vergesslichen füllte die Herzen dieser neugierigen Menschen mit geheimer Angst. Als sie meinen großen Kopf sahen, begannen sie alle zu zittern – wie Kinder in der Dunkelheit, die vor Gespenstern oder Dämonen Angst hatten. Einstimmig weigerten sie sich, mir auch nur eine halbe Stunde lang bei ihnen zu erlauben zu bleiben. Doch allmählich ließ diese plötzliche Angst nach. Nach einem Rat, den einige der jüngeren Männer abhielten – deren Gehirne noch völlig leer waren – wurde entschieden, dass ich noch einen Tag in ihrem Land bleiben dürfe. Danach sollte jedoch die Schiebetür geöffnet werden, damit Bulger und ich ihr Gebiet verlassen mussten.

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Aus dem, was Don Fum über die Glücklichen Vergesslichen geschrieben hatte, wusste ich nur allzu gut, dass es sinnlos wäre, versuchen zu wollen, dieses Urteil rückgängig zu machen; deshalb schwieg ich, außer um ihnen für diese große Gnade zu danken. Das Tageslicht – wenn man es so nennen kann – begann nun nachzulassen; genauer gesagt zogen die tausenden lichtgebenden Lebewesen, die im Fluss lebten, nun ihre langen Tentakel ein, schlossen ihre blumenartigen Körper und sanken langsam auf den Grund des Baches. Ich war sehr neugierig darauf, zu sehen, ob die Glücklichen Vergesslichen versuchen würden, ihre Höhlen zu erhellen – oder ob sie einfach ins Bett gehen und die langen Stunden der völligen Dunkelheit dort verbringen würden. Zu meiner Überraschung hörte ich nun von allen Seiten das Knistern von Feuersteinen; schon nach kurzer Zeit waren tausend oder mehr große Kerzen aus Mineralwachs mit Asbestfäden entzündet worden, und die großen Räume aus weißem Marmor leuchteten bald im Licht dieser sanften, gleichmäßigen Flammen. Die Glücklichen Vergesslichen waren rein pflanzenfressend und ernährten sich von den verschiedenen pilzartigen Pflanzen, die in diesen Höhlen in großer Menge wuchsen, sowie von einer sehr nahrhaften und köstlich schmeckenden Masse, die aus einer gehärteten Gummimasse pflanzlichen Ursprungs hergestellt wurde und in den Spalten bestimmter Felsen vorkam. Es gab noch eine weitere Nahrungsquelle: die Nester bestimmter Meeresfrüchte, die sie direkt an der Felswand, knapp über der Flussoberfläche, errichteten. Diese lösten sich in kochendem Wasser auf und ergaben einen hervorragenden Brei – sehr ähnlich wie der Brei aus essbaren Vogelnestern. Die Kleidung der Glücklichen Vergesslichen war vollständig aus Mineralwolle gewebt; in diesen Höhlen ergab dies lange, starke Fasern von erstaunlicher Weichheit. Die Rattlebrains waren außerdem recht gute Metallarbeiter – doch sie begnügten sich damit, nur solche Gegenstände herzustellen, die tatsächlich für den täglichen Gebrauch notwendig waren. Ihre Betten waren mit getrocknetem Seegras und Flechten gefüllt, und Bulger und ich verbrachten eine sehr angenehme Nacht. Da mir es verboten war, laut zu sprechen, Fragen zu stellen oder allein draußen herumzulaufen – es sei denn, in Begleitung eines der Auserwählten – bedauerte ich es nicht, als endlich die Drehtür geöffnet wurde. Den Glücklichen Vergesslichen war eingeredet worden, dass Bulger und ich tausendmal gefährlicher seien als schuppige Monster oder schwarzwingsige Vampire; deshalb hielten sie Abstand zu uns – die Kinder versteckten sich hinter ihren Müttern, und die Mütter spähten durch Spalten und Ritzen zu uns hinüber.

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Die Größe meines Kopfes weckte in ihnen eine namenlose Furcht – selbst die halbe Dutzend jüngerer und mutigerer Wesen wichen instinktiv zur Seite, um mich vorbeizulassen. Zum ersten Mal in meinem Leben war ich ein Objekt des Entsetzens für meine Artgenossen – doch ich hegte keinen Groll gegen sie! Als feige Kinder der Natur waren sie für mich genauso furchterregend wie ein mit Fackeln bewaffneter Zerstörungsdämon für uns, falls er in einer unserer schönen Städte in der oberen Welt freigelassen würde.

Die Wachen der „Glücklichen Vergesslichen“ hielten nun vor dem Stillstand, was mir wie ein riesiger Fass aus massivem Marmor vorkam. Der halbe Teil dieses Fasses befand sich innerhalb der weißen Wand der Höhle, in die sie mich geführt hatten. Bei genauerem Hinsehen sah ich jedoch, dass es entlang der Oberfläche des Fasses Reihen von quadratischen Löchern gab – ähnlich wie an der Oberseite eines Kapstens.

Die „Glücklichen Vergesslichen“ verschwanden für einen Moment. Als sie wieder zu mir kamen, trug jeder von ihnen einen Metallstab bei sich. An dessen Ende steckten sie den Stab in eines der Löcher. Auf ein Zeichen des Anführers begann der riesige Halbkreis aus Marmor geräuschlos zu drehen – genau wie ein Kapstan. Wenn der Hebel eines Mannes die Wand erreichte, schob er ihn wieder nach vorne. Plötzlich, zu meiner Überraschung, stellte ich fest, dass das große Marmorfass hohl war – wie eine Wachkabine. Ihr könnt Euch meine Gefühle vorstellen, liebe Freunde, als man mich höflich bat, hineinzutreten.

Weigerte ich mich, zu gehorchen? Nein. Es wäre sinnlos gewesen – schließlich war doch die ganze Sippe der „Rattlebrains“ da, um mich zu packen und hineinzustoßen. Also nahm ich meinen Hut ab, verbeugte mich leicht vor der kleinen Gruppe der „Glücklichen Vergesslichen“ und trat in das hohle Fass. Bulger tat dasselbe – doch nicht mit der gleichen Anmut wie sein Herr. Er warf den unfreundlichen Bewohnern dieser weißen Marmorkammern einen wütenden Blick zu, knurrte und zeigte seine Zähne, um seinen Spott gegenüber diesen Wesen zu zeigen.

Dann begann das große Marmorfass wieder in die andere Richtung zu drehen – und schon bald war es wieder an seinem Platz. Ich hörte mehrere laute Klickgeräusche, als wären zahlreiche riesige Federschlösser eingerastet. Danach herrschte völlige Stille – fast wie in einem Grab. Ich hätte fast gesagt: auch dunkel – aber nein, das konnte ich nicht behaupten, denn ich blickte hinaus in einen niedrigen Raum…

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Ein Tunnel, der an der Nische vorbeiführte, in der Bulger und ich standen – zu meiner großen Überraschung war er nur schwach beleuchtet.

Ich trat hinaus; er war rund wie der Lauf einer Kanone und gerade hoch genug, damit ich aufrecht stehen konnte. Nun entdeckte ich, woher das Licht kam: In den Spalten und Rissen seiner Wände wuchsen riesige Mengen jener zarten, leuchtenden Pilzwurzeln. Ihr Leuchten war so stark, dass ich ohne Schwierigkeiten die Schrift auf meinen Tafeln lesen konnte. Tatsächlich blieb ich dort mehrere Minuten lang stehen und machte Notizen im Licht dieser leuchtenden Wurzeln.

Dann durchzuckte mich ein Gedanke: „In welche Richtung soll ich gehen – nach rechts oder nach links?“ Bulger verstand den Grund für meine Zögerlichkeit und eilte mir zu Hilfe. Nachdem er erst in eine Richtung und dann in die andere gerochen hatte, wählte er die rechte Richtung – und ich folgte ihm, ohne auch nur daran zu denken, seine Weisheit in Frage zu stellen. Seltsamerweise hatte er noch nicht einmal mehr als einen

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Einige hundert Meter weiter bemerkte ich, dass eine starke Luftströmung durch den Tunnel in die Richtung wehte, in die Bulger gegangen war. Mit jeder Sekunde wurde diese Strömung heftiger – sie hob uns fast von den Füßen und trug uns durch diesen von der Natur selbst geschaffenen, engen Gang, der außerdem von Lampen erhellt wurde, die ebenfalls von der Natur geschaffen worden waren. Die Bewegung der Luft in diesem riesigen Rohr erzeugte mächtige Töne, als würden sie von einem gigantischen Organ gespielt, das von riesigen Händen bedient wurde. Es war seltsam – doch ich fühlte keine Angst, während ich dieser unirdischen Musik lauschte, obwohl die Lautstärke schmerzhaft auf meine Ohren wirkte.

Im schwachen Licht der leuchtenden Wurzeln konnte ich Bulger direkt vor mir sehen – und das machte mich zufrieden. Kein Schauer der Angst lief mir über den Rücken, und meine Glieder verloren auch nicht ihre Kraft, dem immer stärker werdenden Druck der Luft Widerstand zu leisten. Doch je stärker die Strömung wurde, desto mehr begann ich aus eigenem Antrieb – und auch, weil Bulger das Vorbild gab – zu laufen. Sobald unser Tempo zunahm, war es für mich unmöglich, wieder langsamer zu werden. Immer weiter rannte ich, meine Füße berührten kaum noch den Boden des Tunnels – während das riesige Rohr, durch das ich getragen wurde, seine tiefen, majestätischen Töne von sich gab.

An diesem Rennen war etwas Seltsames und Geheimnisvolles – doch das Einzige, was mich daran hinderte, es in vollen Zügen zu genießen, war die Sorge, dass eine plötzliche Zunahme der Strömungsgeschwindigkeit mich heftig zu Boden werfen könnte – mit der Folge, dass ich mir einen Arm brechen oder sonst ernsthaft verletzt werden könnte. Plötzlich hörten die tiefen Töne auf – an ihrer Stelle ertönte das schreckliche Geräusch fließenden Wassers. Bevor ich Zeit hatte zu reagieren, traf mich diese Welle wie ein gewaltiger Schlag von einer riesigen Faust in einem Boxhandschuh. Im nächsten Moment wurde ich wie ein Korken von einem Bergbach mitgerissen – hin und her geworfen, gedreht, nach unten gesaugt und wieder nach oben geworfen. Ich wurde immer wieder herumgewirbelt, herumgeschleudert – wie ein Rad, dessen Speichen meine Arme und Beine waren!

Unglaublicherweise verlor ich das Bewusstsein nicht, während diese schreckliche Strömung mich wie einen Holzstock durch den Tunnel schleuderte – wohin, wusste ich nicht. Nur dass die Geschwindigkeit und der Druck ständig zunahmen, bis schließlich der tobende Bach den ganzen Tunnel füllte – und mir Licht, Atem, Leben – einfach alles – nahm – einschließlich meines treuen und liebevollen Bulger!

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Wie lange es dauerte – diese schreckliche Reise in den Armen dieser wilden Wassermassen, die als wäre es um Leben oder Tod gegangen durch diesen engen Kanal strömten – das weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass meine Ohren plötzlich von einem lauten Zischen und Rauschen des Wassers überflutet wurden, als würde es durch den Schlauch einer riesigen Pumpe strömen. Ich wurde hinausgeschleudert in das prächtige Sonnenlicht, hinaus in die weite, freie Luft der oberen Welt, und geschleudert nach oben in den lieben blauen Himmel mit seinen kleinen, flauschigen Wolken. Bulger war etwa zwanzig Fuß vor mir. Dann, in einem anmutig geschwungenen Flug durch die sanfte, angenehme Luft der Erntezeit, wurden wir beide sanft in einen ruhigen kleinen See am Fuße eines Hügels abgesetzt, der von reifem Mais gelb gefärbt war. Nach kurzer Zeit schwammen wir ans Ufer. Bulger wollte anhalten und das Wasser aus seinem dicken Mantel schütteln, aber ich konnte nicht warten. So nass, wie er war, umarmte ich ihn, während er mich mit Zärtlichkeiten überschüttete. Doch kein Wort wurde gesprochen, kein Laut war zu hören. Wir waren beide zu glücklich, um zu sprechen. Wenn ihr jemals in diesem Zustand wart, liebe Freunde, dann wisst ihr, wie es sich anfühlt. Ich kann es euch nicht beschreiben. In diesem Moment kamen einige Männer und Jungen in der Kleidung russischer Bauern über die Felder gelaufen, um herauszufinden, was ich da tat – sicherlich, weil ich meine schweren Außenkleider ausgezogen hatte und sie in der Sonne zum Trocknen ausbreitete. Als ich diese Kinder mit den roten Wangen sah, war ich so überwältigt vor Freude, dass ich für eine Minute keinen Ton herausbringen konnte. Doch mit großer Anstrengung rief ich: „Väter! Brüder! Wo bin ich? Spricht doch, liebe Seelen!“ „Im Nordosten Sibiriens, kleiner Mensch“, antwortete der Älteste der Gruppe, „nicht weit von den Ufern der Ob. Aber woher kommst du? Bei Nikolaus, ich glaube, du wurdest aus dem sprudelnden Brunnen gespuckt! Was machst du hier allein?“ Ich achtete nicht auf die Frage. Ich dachte an etwas anderes, das für mich wichtiger war – nämlich meinen großartigen Erfolg, die wunderbare Untergrundreise, die ich gerade hinter mich gebracht hatte: insgesamt fünfhundert Meilen lang, durchgehend unter den Uralgebirgen hindurch! Nach einem kurzen Aufenthalt im nächstgelegenen Dorf nahm ich den besten Führer, den es gab, und überquerte…

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Über den Pass in den Ural, auf dem kürzesten Weg, kehrte ich nach Russland zurück und eilte, dem ersten Regierungszug nach Sankt Petersburg beizutreten. Nachdem ich einen Boten mit Briefen an meine geliebten Eltern geschickt hatte, um sie über meinen guten Gesundheitszustand und meine Aufenthaltsstätte zu informieren, verbrachte ich mehrere sehr angenehme Wochen in der russischen Hauptstadt und brach anschließend in Etappen auf, um nach Hause zurückzukehren. Der ältere Baron kam bis nach Riga, um mich abzuholen, und brachte mir die besten Nachrichten aus Schloss Trump: Meine liebe Mutter war in bester Gesundheit, und sie sowie alle Männer, Frauen und Kinder im Schloss und in seiner Umgebung warteten ungeduldig darauf, mir eine echte deutsche Begrüßung zu Hause zu bereiten. Und hier, liebe Freunde, verabschieden sich Bulger und ich mit herzlichen Grüßen von euch.

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Von INGERSOLL LOCKWOOD

Die Reisen und Abenteuer des kleinen Baron Trump
und seines wunderbaren Hundes Bulger
Illustriert von GEORGE WHARTON EDWARDS, gebunden, 2,00 $

Die wunderbaren Taten des kleinen Riesen
Boab und sein sprechender Rabe Tabib
Illustriert von CLIFTON JOHNSON, gebunden, 2,00 $

Außergewöhnliche Erlebnisse des kleinen Kapitäns
Doppelkopf an den Ufern von Bubbleland
Illustriert von CLIFTON JOHNSON, gebunden, 2,00 $

Baron Trumps erstaunliche Untergrundreise
Illustriert von CHARLES HOWARD JOHNSON, Preis: 2,00 $

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Der kleine Baron Trump und sein wunderbarer Hund
Bulger

Pressemitteilungen

BOSTON TIMES: „Herr Ingersoll Lockwood ist durchaus originell – und das ist er tatsächlich. Selbst der voreingenommenste Kritiker würde es nicht wagen, ihm dieses wünschenswerte Talent nach einem Blick auf seinen ‚Kleinen Baron Trump‘ abzusprechen. Wie der große Münchhausen hat auch der kleine Baron eine Leidenschaft für Reisen, einen Drang nach Abenteuern sowie eine lebhafte Vorstellungskraft. Er sieht, sagt und tut seltsame Dinge; Unfälle, von denen man außerhalb von Irrenhäusern noch nie gehört hat, geschehen ständig – und Herr Lockwoods Seiten stellen seine Fähigkeiten auf die Probe. Mit einer Notlage fertigzuwerden, ist ihm zu einfach – er geht einfach daran vorbei. Wir sind Herrn Lockwood auch dankbar dafür, dass er es unterlassen hat, seinen Geschichten eine Moral beizumischen, und uns stattdessen ein wunderbares Beispiel für die Kunst des kontinuierlichen Betrügens geliefert hat.“

UTICA HERALD: „Ein Buch, das in Bezug auf seinen Stil leicht als eines der posthumen Kapitel der ‚Tausendundeine Nacht‘ angesehen werden könnte – und wie der kleine Baron bemerkt, über ‚eine fast orientalische Fülle an Fantasie‘ verfügt. Die Illustrationen von Herrn Edwards sind sehr komisch und zugleich genial – doch sie sind kaum so erstaunlich wie die Taten des jungen Barons und seines noch erstaunlicheren Gefährten Bulger. Sicherlich gab es noch nie einen solchen Hund.“

NATIONAL TRIBUNE: „Die Reisen und Abenteuer des Baron Trump und des Bulldogs sind tatsächlich außergewöhnlich – sogar noch mehr als die von ‚Sinbad dem Seefahrer‘. Das Buch ist voller seltsamen Humors, der manchmal zum Lachen bringt. Der Baron ist ein äußerst frühreifer Junge – und Bulger, obwohl er nicht sprechen kann, besitzt die weltliche Weisheit und Schärfe eines Premierministers.“

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WOMAN’S CYCLE: „Der arme Münchhausen erlangte seinen Ruhm gerade noch rechtzeitig. Ein paar Generationen später hätte er überhaupt keine Chance mehr gehabt. Sein erfinderisches Genie wäre dann unter dem eines Reporters einer ‚großen‘ Tageszeitung geblieben. Die Vorstellungskraft ist heutzutage an erstaunliche Ausflüge gewöhnt. In diesem Buch vollbringt sie eine Reihe solcher Ausflüge – und die Illustrationen sind so komisch, dass der kleine Junge vor Freude auf dem Boden herumwälzt, während seine Älteren laut lachen. Es handelt sich tatsächlich um ein ‚lustiges‘ Buch.“

NEW YORK SUN: „Eine sehr fantasievolle und einfallsreiche Geschichte ist jene mit dem Titel ‚Baron Trump junior und sein wunderbarer Hund Bulger‘. Junge wie alte Leser werden den Humor des Autors zu schätzen wissen. Die Illustrationen von George Wharton Edwards ergänzen den Text hervorragend.“

ALTA CALIFORNIAN: „Heidnische Mythologie, ‚Tausendundeine Nacht‘ sowie moderne Märchen kommen durch die wunderbaren Szenen in Erinnerung – doch es gibt keinerlei Anzeichen für Plagiatierung. Erstaunliche Originalität liegt dem Autor viel mehr im Blut als heimliche Nachahmung. Viele der Wunder basieren geschickt auf den wissenschaftlichen Theorien der letzten Jahre, und Satiren auf verbreitete Mängel oder Irrtümer werden in Gestalt gefährlicher Abenteuer dargestellt. Der Autor hat offensichtlich seiner originellen und reichen Vorstellungskraft völlig, aber unschädlich, freien Lauf gelassen.“

PORTLAND TELEGRAM: „Eines der interessantesten Bücher für Jugendliche, die je von einem amerikanischen Verlag veröffentlicht wurden. Sein Humor ist ansteckend, die Unterhaltung ausgelassen – und die Vielfalt sowie das erstaunliche Charakter der Abenteuer der beiden halten den Leser bis zum Ende in Atem. Die Illustrationen von Wharton Edwards verleihen dem Werk zusätzlichen Charme.“

N. Y. TRIBUNE: „Lockwoods kluges Buch, das zwar zweifellos nach Münchhausens Erzählungen gestaltet ist, weist eine fantasievolle Originalität auf, die der erste Baron wohl neidisch gemacht hätte. Es ist fraglich, ob sehr junge Leser all den Spaß erkennen können, den ältere Leser darin finden – doch sicher ist, dass das Buch erst dann beiseitegelegt wird, wenn das letzte, erstaunliche Abenteuer verstanden wurde.“

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Ein Buch voller fantastischer Unmöglichkeiten – ernsthaft dargestellt – es ist das attraktivste, das je in irgendeiner Epoche erschaffen wurde.
ÖFFENTLICHE MEINUNG: „Eine der fröhlichsten und unterhaltsamsten Geschichten des Jahres. Es handelt sich um eine alte Kindergeschichte, voller Wunder, Geheimnisse und Abenteuer. Der Autor, Ingersoll Lockwood, hat es geschafft, ein hervorragendes Buch für Jungen zu schreiben – ein Buch, das zugleich faszinierend und erbaulich ist, sowie gute Literatur darstellt. Die zahlreichen Illustrationen, von George Wharton Edwards gezeichnet, sind hervorragend ausgeführt und tragen maßgeblich zur Steigerung des Interesses sowie zur Schönheit des Werkes bei.“
SACRAMENTO BEE: „Ein sauber geschriebenes, interessantes Kinderbuch – doch seine Abenteuer sind so wunderbar und auf so unterhaltsame Weise erzählt, dass viele Eltern, die das Buch als Weihnachtsgeschenk für ihre Kinder kaufen wollten, dazu verleitet werden, es selbst zum Vergnügen zu lesen.“
ST. PAUL DISPATCH: „Es handelt sich um eine fantasievolle Geschichte mit einem gesunden Tonfall. Zudem ist sie in einer attraktiven Form dargestellt: Das Cover ist eine einzigartige Kombination aus Grau, Schwarz und Braun, während der Druck klar und die Illustrationen sehr ansprechend sind. ‚Bulger‘ war seit der Geburt der kleine Begleiter des Barons Trump; die Beschreibung seiner Zuneigung zu seinem Herrn sowie ihrer Abenteuer bei fremden Völkern und in neuen Ländern ist äußerst unterhaltsam. Das Buch wird sowohl von Jungen als auch von Mädchen herzlich begrüßt – es ist ein geeignetes Buch, das man ihnen in die Hände geben kann.“
BROOKLYN EAGLE: „Eine wunderbar absurde und sarkastische Jungegeschichte ist ‚Der kleine Baron Trump und sein wunderbarer Hund Bulger‘ – mit ebenso absurden und wunderbaren Illustrationen. Sie zeichnet sich durch ihre Fähigkeit zur Absurdität aus, genauso wie ‚Gullivers Reisen‘ oder ‚Alice im Wunderland‘ – wenn auch nicht so sarkastisch wie diese. Die Illustrationen sind keine bloßen absurden Karikaturen, sondern echte Kunstwerke. Bulger ist wirklich ein wunderbarer Hund – doch nicht so wunderbar wie sein außergewöhnlich kluger junger Herr sowie die vielfältigen, absurden Menschen, denen er begegnet.“
CHRISTIAN STANDARD: „Eines dieser seltsamen, whimsischen Romane, die zwar weder eine Botschaft noch eine Moral, keinen Handlungsverlauf oder Zweck haben, dennoch für Kinder auf seltsame Weise faszinierend sind. Dieses kuriose und interessante Buch voller unvergesslicher Geschichten ist hervorragend gestaltet.“

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„Umso attraktiver durch zahlreiche groteske, zum Lachen anregende Illustrationen von George Wharton Edwards.“
HEALTH AND HOME: „Dieses Werk wird sowohl Jungen als auch Ältere erfreuen. Es schildert eine Reihe lächerlicher Abenteuer des kleinen Barons und seines berühmten Hundes – Abenteuer, die nicht nur unterhaltsam sind, sondern in vielen Fällen auch nützliche Moralvorstellungen vermitteln. Das Buch umfasst über 300 Seiten, auf denen der echte Humor überall zum Vorschein kommt; es ist genau das Richtige für Jungen, die ihre ersten Hosen tragen, oder sogar für ältere Kinder.“
MINNEAPOLIS TRIBUNE: „Ein Märchen aus einer Welt der Wunder – für Jung und Alt. Es wäre schwierig, ein Abenteuerbuch zu finden, das die Beschreibungen der Wunder der Reisen sowie die Taten der tapferen Helden durch Herrn Lockwood übertreffen könnte – Helden, deren Mut und Entschlossenheit auf humorvolle Weise dargestellt werden.“

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Kleiner Kapitän Doppelkopf an den Ufern von Bubbleland

Pressemitteilungen

CLEVELAND PLAINDEALER: „Ingersoll Lockwood, der Leser jeden Alters mit seinen seltsamen Extravaganzen wie ‚Kleiner Baron Trump‘ und ‚Kleiner Riese Boab‘ begeisterte und verwirrte, hat in seinem Buch ‚Außergewöhnliche Abenteuer des Kleinen Kapitäns Doppelkopf an den Ufern von Bubbleland‘ wieder einen solchen Witz geschaffen. Der Junge, der selbst Zwillinge war – eine Art jugendlicher Dr. Jekyll und Mr. Hyde – erlebt viele überraschende und komische Abenteuer, die er selbst erzählt – oder genauer gesagt, wenn auch ungrammatisch, ‚sie selbst‘ – mit entzückender Einfachheit.“

BOSTON HOME JOURNAL: „Was seine originellen Ideen angeht, wurde dieses Werk noch nie übertroffen – falls es überhaupt erreicht wurde. Die Idee, eine Figur wie den Kleinen Kapitän Doppelkopf zu erschaffen, war ein großer Geniestreich. Die Abenteuer des Kleinen Kapitäns in Bubbleland sind von außergewöhnlicher Art; sie führen ständig von einer Überraschung zur nächsten, noch überraschenderen. Zudem werden sie mit Lebendigkeit und Natürlichkeit erzählt, sodass das Interesse des Lesers stets auf dem Höhepunkt bleibt. Wenn Herr Lockwood in diesem Werk sein eigenes Rekord halten kann, dann wird er tatsächlich zum größten Erfinder der Welt gehören.“

NORTHWESTERN MAGAZINE: „Ingersoll Lockwood hat sich dieses Mal wirklich selbst übertroffen. Das Problem ist nur: Es gibt 287 Seiten voller Unterhaltung und Spaß für die Jungen – und die Kleineren lassen einen nicht in Ruhe, bis man jede Seite gelesen hat. Ganz zu schweigen davon, dass sie das Buch alle paar Seiten nehmen wollen, um sich die lustigen Bilder anzusehen.“

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Bilder, die Clifton Johnson so gut zum Text passend gestaltet hat. „Kleiner Kapitän Doppelkopf“ ist zwei Kinder in einem – und ihre Abenteuer in Glaucus’ Klebstofftopf, Bubbleland, der Burg der Trägheit und anderswo hielten selbst mich, den armen Alten, auf dem Laufenden. Das Buch ist schön in Graugrün gebunden, mit dunkleren sowie goldenen Akzenten – genau das Richtige für den Weihnachtsbaum Ihres Jungen.

THE HOUSEKEEPER: „‚Kleiner Kapitän Doppelkopf‘ erzählt von den außergewöhnlichen Erlebnissen des seltsamsten und amüsantesten kleinen Kerls, der je aus seiner wunderbaren Kindheit und ihren Geheimnissen in die große, verrückte Welt gelangt ist. Ingersoll Lockwood, der Autor dieses Buches, bemüht sich darum, viel Sinn in hundert kleine Portionen Unsinn zu packen, damit das Mädchen oder der Junge, der die dreihundert Seiten liest, die alles über die unmöglichen Absurditäten des kleinen Kapitäns erzählen, glücklicher und weiser wird.“

BOSTON COURIER: „Wir geben zu, dass dies eines der amüsantesten und einfallsreichsten Bücher dieser Art ist, die in unserer Zeit geschrieben wurden. Es ist spontan und lebhaft, und es gibt ständig neue Überraschungen – solche, wie sie nur die fantasievollste Vorstellungskraft ersinnen könnte. Die zentrale Idee, nämlich dass der Junge eigentlich zwei Personen ist, ist hervorragend – gut genug, um jedes Buch zum Erfolg zu machen – und sie wird hervorragend umgesetzt.“

NEW LONDON TELEGRAPH: „‚Kleiner Kapitän Doppelkopf‘ ist ein Spektakel, das genauso curios ist wie alles, was je in Prosa oder Bildern erfunden und dargestellt wurde. Ingersoll Lockwood zeigte in ‚Kleiner Baron Trump‘, wie möglich es ist, ein angenehmer, doch völlig unproblematischer Münchhausen zu sein. ‚Kleiner Kapitän Doppelkopf‘ ist von Anfang bis Ende voller faszinierender und fesselnder Abenteuer – und der Federstift ergänzt den Bleistift perfekt. Amerikanische Autoren haben noch nie ein solches Werk versucht, und der große Erfolg, den Herr Ingersoll mit seinem vorherigen Werk hatte, wird sicherlich auch diesmal wieder eintreten. Der Geist, die Energie sowie die einfache Art und Weise, wie die Erzählung voranschreitet, machen das Buch so wirksam, dass jeder, der es in die Hand nimmt, Seite für Seite umblättert, bis er widerwillig zur letzten Seite kommt.“

BOSTON GLOBE: „‚Kleiner Kapitän Doppelkopf‘ – warum man es unbedingt lesen muss – wird mit Sicherheit ein riesiger Erfolg werden.“

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Verdient einen Platz als Klassiker für Kinder – zusammen mit jenen Werken, die unsere Kindheit erfreut haben.

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Der kleine Riese Boab und sein sprechender Rabe Tabib

Pressemitteilungen

NEW YORK TRIBUNE: „‚Die wunderbaren Taten und Abenteuer des kleinen Riesen Boab und seines sprechenden Raben Tabib‘ steht allen anderen Büchern dieser Saison für Jugendliche in nichts nach – und ist sogar noch unterhaltsamer als sein amüsanter Vorgänger, der die Abenteuer von Baron Trump und seinem entzückenden Hund Bulger erzählte. In dieser Geschichte über einen mächtigen jungen spanischen Riesen übernimmt der Rabe Tabib die Rolle des Führers, Beschützers und Humoristen, wie sie Bulger in Mr. Ingersoll Lockwoods erstem Buch spielte. Seine etwas zynische Klugheit sowie seine tiefe Zuneigung zu seinem Herrn machen aus dem ‚kleinen Herrn in Schwarz‘ eine sehr sympathische Figur. Dem humorvollen Ton des Buches liegt ein sanfter, freundlicher Geist zugrunde, der die Reize seiner abenteuerlichen Geschichten noch verstärkt.“

CRITIC, NEW YORK: „‚Boab‘ ist die Abkürzung für Boabdil de Clavigero – der Beiname ‚kleiner Riese‘ deutet nur vage auf die erstaunlichen Kräfte und Tapferkeiten dieses bemerkenswerten Jungen hin. In einer ausführlich gestalteten Einleitung, gespickt mit unbestreitbaren Zitaten aus Schriften von Reisenden des 16. Jahrhunderts, versucht unser kluger Autor, alle Zweifel bezüglich der tatsächlichen Existenz seines Helden auszuräumen. Cleverer Mr. Lockwood! Wissen Sie denn nicht, dass die Zeit längst vorbei ist, in der wir Jungen immer fragten: ‚Ist das wahr?‘ Nur wenige werden sich darum kümmern, während sie mit atemloser Begeisterung der Karriere dieses vorzeitig reifen Jungen folgen – um die Grenze zwischen Fakt und Fantasie herauszufinden. Es scheint keine Grenzen für die Vorstellungskraft des Autors zu geben: Boab wird tapfer aus einer Gefahrensituation befreit, nur um anschließend in eine noch gefährlichere geraten zu sein. Für seinen starken Arm und seinen schnellen Verstand gibt es nichts Unmögliches – egal ob es darum geht, eine riesige Burgtür zu tragen oder El Gran Capitan zu überwältigen und ihn mit beiden Händen zu Boden zu drücken.“

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Ob es darum geht, eine Statue zu retten, den furchterregenden Fledermausmann zu besiegen, die Wand aus lebenden Steinen zu überwinden oder den Kardinal durch Nacht und Sturm über die Berge nach Málaga zu bringen – er bleibt immer derselbe mutige, unbesiegbare, gutmütige kleine Kerl, von dem man jedes Jahr ungern Abschied nehmen möchte. Spaß, Neuheit, Satire, Pathos – das sind einige der Elemente, die dieses Buch zu einem äußerst attraktiven Buch für junge Menschen machen.

BROOKLYN STANDARD UNION: „Es ist ziemlich schwierig, eine wirklich neue Märchengeschichte zu erfinden – schließlich wurde bereits alles von den alten, erfahrenen Erzählern bearbeitet. Doch in ‚Little Giant Boab‘ hat Herr Lockwood den Jüngeren eine Geschichte geliefert, die in vieler Hinsicht originell ist, viele neue Situationen sowie einfallsreiche Erfindungen enthält, bis ins Letzte verspielt ist, voller subtilen Humors und fröhlichen Späßen. Es handelt sich um eine wunderbare Geschichte, die genauso erfolgreich sein wird wie ‚Little Baron Trump and his Wonderful Dog Bulger‘, das letzte Saison so großen Erfolg hatte. Die lustigen und wunderbaren Abenteuer von Giant Boab und seinem Raben, zusammen mit der humorvollen Beschreibung seiner Vorfahren, seines Auftritts am Hofe von Königin Isabella, seiner Kraftleistungen, seiner Taten im spanischen Lager sowie all seinen späteren Reisen, werden in vielen Haushalten während der kommenden Feiertage gelesen, angehört und besprochen werden. Auch die Illustrationen passen hervorragend zum Geist der Geschichte und ergänzen sowie verschönern den Text. Giant Boab ist dazu bestimmt, ein ernsthafter Rivale des Barons Münchhausen selbst zu werden.“

BOSTON BEACON: „Ingersoll Lockwood hat eine alte maurische Legende aufgenommen und sie genutzt, um eine erstklassige Märchengeschichte zu schaffen, die die Kinder genauso begeistern wird wie die Erwachsenen mit ‚Don Quijote‘. Little Giant Boab ist eine genauso interessante Figur wie Hop O’ My Thumb aus England – durch seine Abenteuer erhält man außerdem wertvolle Einblicke in die Bräuche und Sitten Spaniens. Das Buch enthält viele Holzschnitte von Clifton Johnson. Herr Lockwood zeigt erstaunliche Vielseitigkeit, unbegrenzte Erfindungskraft, unverwüstlichen Humor sowie einen satirischen Ansatz, der so eng mit der gesamten Erzählung verknüpft ist, dass seine Wirkung ganz von der Fähigkeit des Lesers abhängt, sie zu verstehen. Wie Swifts ‚Gulliver‘-Geschichten werden auch die Abenteuer des kleinen Riesen eine Quelle endloser Unterhaltung für die Jüngeren sein, während die Älteren davon profitieren werden.“

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Auf clevere Weise werden alle möglichen menschlichen Schwächen im Licht des wohlmeinenden Spotts dargestellt. Herr Clifton Johnson hat eine große Anzahl von Illustrationen hinzugefügt, die hervorragend zum Text passen.
ZION’S HERALD: „Das ist ein Märchen, das besonders die Kinder erfreuen wird. Tabib war ein listiger und gerissener Vogel, doch Boab war ein guter und mutiger Junge. Wenn man diese beiden zusammenbringt und ihre Abenteuer zeigt, entsteht bei den Jüngeren sicherlich großes Interesse an ihnen. Zudem gibt es so viele Bilder – und in vielen Fällen sind sie sogar sehr lustig – sodass dies eine weitere Quelle der Freude für den Leser darstellt.“
LEE AND SHEPARD Publishers, Boston

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NOTIZEN DES ÜBERSETZERS
1. Die Anfangsseite mit Werbung wurde an den Anfang des Werbeteils am Ende verschoben.
2. Auf Seite 66 wurde „just us the“ in „just as the“ geändert.
3. „Strepholofidgeguaneriusfum“ wird später als „Strephalofidgeguaneriusfum“ geschrieben. Keine Änderung.
4. Typografische Fehler wurden stillschweigend korrigiert.
5. Anachronistische sowie nicht standardmäßige Schreibweisen blieben unverändert, wie sie gedruckt wurden.

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*** ENDE DES PROJECT GUTENBERG E-BOOKS „BARON TRUMPS MARVELLOUS UNDERGROUND JOURNEY“ ***

Aktualisierte Ausgaben ersetzen die vorherigen – die alten Ausgaben werden umgenannt.

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1.F.

1.F.1. Freiwillige und Mitarbeiter von Project Gutenberg investieren erhebliche Anstrengungen, um Werke, die nicht durch das US-Urheberrecht geschützt sind, ausfindig zu machen, urheberrechtlich zu prüfen, abzuschreiben und zu korrigieren, um so die Sammlung von Project Gutenberg™ zu erstellen. Trotz dieser Bemühungen können die elektronischen Werke von Project Gutenberg™ sowie die Medien, auf denen sie gespeichert sein können, „Mängel“ aufweisen – beispielsweise unvollständige, ungenaue oder beschädigte Daten, Transkriptionsfehler, Verstöße gegen Urheberrechte oder andere geistige Eigentumsrechte, defekte oder beschädigte Datenträger oder andere Medien, Computerviren oder Computercodes, die Ihre Ausrüstung beschädigen oder unlesbar machen.

1.F.2. EINGESCHRÄNKTER GEWÄHRLEISTUNGSSCHUTZ, AUFSCHLUSS HAFTUNG – Abgesehen vom „Recht auf Ersatz oder Rückerstattung“, wie es in Absatz 1.F.3 beschrieben ist, lehnt die Project Gutenberg Literary Archive Foundation, der Inhaber der Marke Project Gutenberg™, sowie jede andere Partei, die ein elektronisches Werk von Project Gutenberg™ gemäß dieser Vereinbarung verbreitet, jegliche Haftung gegenüber Ihnen für Schäden, Kosten und Ausgaben, einschließlich Anwaltskosten, ab. Sie stimmen zu, dass Sie keine Rechtsmittel gegen Fahrlässigkeit, strenge Haftung, Verletzung der Gewährleistung oder Vertragsbruch haben, außer denen, die in Absatz 1.F.3 vorgesehen sind. Sie stimmen außerdem zu, dass die Stiftung, der Markeninhaber sowie alle Vertriebspartner gemäß dieser Vereinbarung nicht für tatsächliche, direkte, indirekte, Folgeschäden, strafende Schäden oder zufällige Schäden haftbar sind.

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AUCH IRRGENDWIE, WENN SIE ÜBER DIE MÖGLICHKEIT SOLCHER SCHÄDEN BENACHRICHTIGEN.

1.F.3. BESCHRÄNKTES RECHT AUF ERSETZUNG ODER RÜCKGABE – Wenn Sie innerhalb von 90 Tagen nach Erhalt dieses elektronischen Werkes einen Mangel feststellen, können Sie den Betrag, den Sie dafür gezahlt haben (sofern vorhanden), zurückbekommen, indem Sie eine schriftliche Erklärung an die Person senden, von der Sie das Werk erhalten haben. Wenn Sie das Werk auf einem physischen Medium erhalten haben, müssen Sie dieses Medium zusammen mit Ihrer schriftlichen Erklärung zurücksenden. Die Person oder Einrichtung, die Ihnen das mangelhafte Werk zur Verfügung gestellt hat, kann sich entscheiden, anstelle einer Rückerstattung ein Ersatzexemplar bereitzustellen. Wenn Sie das Werk elektronisch erhalten haben, kann die Person oder Einrichtung, die es Ihnen zur Verfügung stellt, sich entscheiden, Ihnen eine weitere Gelegenheit zu geben, das Werk elektronisch zu erhalten, anstelle einer Rückerstattung. Falls auch das zweite Exemplar mangelhaft ist, können Sie schriftlich eine Rückerstattung verlangen, ohne weitere Möglichkeiten zur Behebung des Problems.

1.F.4. Abgesehen vom in Absatz 1.F.3 genannten beschränkten Recht auf Ersetzung oder Rückerstattung wird dieses Werk „SO WIE ES IST“ ohne weitere Garantien jeglicher Art, weder ausdrücklich noch stillschweigend, bereitgestellt – einschließlich, aber nicht beschränkt auf Garantien hinsichtlich der Marktgängigkeit oder Eignung für einen bestimmten Zweck.

1.F.5. In einigen Bundesstaaten ist es nicht zulässig, bestimmte stillschweigende Garantien auszuschließen oder bestimmte Arten von Schäden einzuschränken. Falls eine in dieser Vereinbarung enthaltene Ausschlussklausel oder Beschränkung gegen das Recht des auf diese Vereinbarung anwendbaren Bundesstaates verstößt, soll die Vereinbarung so interpretiert werden, dass die maximale Ausschlussklausel oder Beschränkung, die durch das geltende Landesrecht erlaubt ist, gewährt wird. Die Ungültigkeit oder Unvollstreckbarkeit irgendeiner Bestimmung dieser Vereinbarung führt nicht dazu, dass die übrigen Bestimmungen ungültig werden.

1.F.6. HAFTUNGSBESCHRÄNKUNG – Sie erklären sich damit einverstanden, die Foundation, den Markeninhaber, alle Agenten oder Mitarbeiter der Foundation, alle Personen, die elektronische Werke von Project Gutenberg™ gemäß dieser Vereinbarung bereitstellen, sowie alle Freiwilligen, die an der Erstellung, Förderung und Verbreitung elektronischer Werke von Project Gutenberg™ beteiligt sind, vor allen Haftungen, Kosten und Ausgaben – einschließlich Anwaltskosten – zu schützen, die direkt oder indirekt aus dem Folgenden entstehen, das Sie selbst verursachen oder zu dem Sie Anlass geben: (a)

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(a) die Verteilung dieses oder eines beliebigen Werkes von Project Gutenberg, (b) Änderungen, Modifikationen sowie Ergänzungen oder Löschungen an einem Werk von Project Gutenberg und (c) alle Mängel, die Sie verursachen.

Abschnitt 2: Informationen zur Mission von Project Gutenberg

Project Gutenberg steht für die freie Verteilung elektronischer Werke in Formaten, die von der breitesten Palette an Computern gelesen werden können – einschließlich veralteter, alter, mittelalterlicher sowie neuer Computer. Es existiert dank des Engagements von Hunderten von Freiwilligen sowie Spenden von Menschen aus allen Gesellschaftsschichten.

Freiwillige sowie finanzielle Unterstützung, um den Freiwilligen die benötigte Hilfe zu bieten, sind entscheidend, um die Ziele von Project Gutenberg zu erreichen und sicherzustellen, dass die Sammlung von Project Gutenberg auch für zukünftige Generationen weiterhin frei zugänglich bleibt. Im Jahr 2001 wurde die Project Gutenberg Literary Archive Foundation gegründet, um Project Gutenberg sowie zukünftigen Generationen eine sichere und dauerhafte Zukunft zu bieten. Weitere Informationen über die Project Gutenberg Literary Archive Foundation sowie darüber, wie Ihre Bemühungen und Spenden helfen können, finden Sie in den Abschnitten 3 und 4 sowie auf der Informationsseite der Stiftung unter www.gutenberg.org.

Abschnitt 3: Informationen über die Project Gutenberg Literary Archive Foundation

Die Project Gutenberg Literary Archive Foundation ist eine gemeinnützige Bildungseinrichtung nach dem Typ 501(c)(3), die nach den Gesetzen des Bundesstaates Mississippi organisiert ist und vom Internal Revenue Service als steuerbefreit anerkannt wurde. Die EIN, also die bundesweite Steuernummer der Stiftung, lautet 64-6221541. Spenden an die Project Gutenberg Literary Archive Foundation sind in dem Umfang steuerabsetzbar, wie es die US-amerikanischen Bundesgesetze sowie die Gesetze Ihres Bundesstaates zulassen.

Der Geschäftssitz der Stiftung befindet sich bei 41 Watchung Plaza #516, Montclair NJ 07042, USA, Telefon: +1 (862) 621-9288. E-Mail-Kontakt:

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Aktuelle Kontaktdaten finden Sie auf der Website der Stiftung sowie auf der offiziellen Seite unter www.gutenberg.org/contact.

Abschnitt 4: Informationen zu Spenden für das Projekt
Gutenberg Literary Archive Foundation

Das Projekt Gutenberg™ ist von umfassender Unterstützung durch die Öffentlichkeit sowie von Spenden abhängig – ohne diese kann es seine Mission nicht erfüllen, die Anzahl der Werke im öffentlichen Besitz sowie lizenzierten Werke zu erhöhen, die in maschinenlesbarer Form frei verteilt werden können und somit für die breiteste Palette an Geräten, einschließlich veralteter Geräte, zugänglich sind. Viele kleine Spenden (von 1 bis 5.000 Dollar) sind besonders wichtig, um den steuerfreien Status bei der IRS beizubehalten.

Die Stiftung ist bestrebt, den Gesetzen zu entsprechen, die Wohltätigkeitsorganisationen und Spenden in allen 50 Bundesstaaten der Vereinigten Staaten regeln. Die Anforderungen an die Einhaltung dieser Gesetze sind jedoch nicht einheitlich, und es erfordert erhebliche Anstrengungen, viel Papierkram sowie zahlreiche Gebühren, um diesen Anforderungen nachzukommen. Wir bitten nicht um Spenden in Gebieten, aus denen wir keine schriftliche Bestätigung der Einhaltung der Vorschriften erhalten haben. Um Spenden zu senden oder den Status der Einhaltung der Vorschriften für einen bestimmten Bundesstaat zu überprüfen, besuchen Sie bitte www.gutenberg.org/donate.

Obwohl wir nicht und werden auch keine Spenden aus Bundesstaaten annehmen, in denen wir die entsprechenden Anforderungen noch nicht erfüllt haben, kennen wir keine Verbote gegen die Annahme unveranlasster Spenden von Spendern aus solchen Bundesstaaten, die uns mit Spendenangeboten kontaktieren.

Internationale Spenden werden gerne entgegengenommen, doch wir können keine Aussagen zum steuerlichen Umgang mit Spenden machen, die aus dem Ausland stammen. Schon die US-Gesetze überlasten unser kleines Personal.

Bitte prüfen Sie die Webseiten von Project Gutenberg nach aktuellen Spendemethoden und -adressen. Spenden können auch auf verschiedene andere Weise geleistet werden – beispielsweise per Scheck, Online-Zahlung oder Kreditkarte. Um zu spenden, besuchen Sie bitte: www.gutenberg.org/donate.

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Abschnitt 5: Allgemeine Informationen über Project Gutenberg
Elektronische Werke

Professor Michael S. Hart war der Begründer des Konzepts von Project Gutenberg – einer Bibliothek elektronischer Werke, die frei mit jedem geteilt werden können. Über vierzig Jahre lang produzierte und verteilte er Project-Gutenberg-E-Books mit Hilfe eines nur schwach ausgeprägten Netzwerks aus Freiwilligen.

Project-Gutenberg-E-Books entstehen oft aus mehreren gedruckten Ausgaben, wobei alle davon als nicht urheberrechtlich geschützt gelten, sofern keine Urheberrechtsangabe enthalten ist. Daher müssen wir die E-Books nicht unbedingt an eine bestimmte gedruckte Ausgabe anpassen.

Die meisten Menschen beginnen auf unserer Website, die über die Hauptsuchfunktion für Project Gutenberg verfügt: www.gutenberg.org.

Auf dieser Website finden Sie Informationen über Project Gutenberg – darunter auch Anleitungen dazu, wie man der Project Gutenberg Literary Archive Foundation Spenden zukommen lässt, wie man bei der Erstellung neuer E-Books hilft sowie wie man sich für unseren E-Mail-Newsletter anmeldet, um über neue E-Books informiert zu werden.

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